Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.066

E_1934_Zeitung_Nr.066

10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 66 unterbricht zu diesem Zwecke mit Hilfe der Zündkontakte die Tätigkeit der anderen Zylinder bis auf den zu prüfenden. Ein einziger gut funktionierender Zylinder muss einen leergehenden Vierzylindermotor in Bewegung setzen. Bei Zweizylindermotoren ist der schlecht funktionierende Zylinder noch leichter herauszufinden. Die Ursachen des Kampressionsverlustes können etwa folgende sein: Undichter Kolbenring, undichtes Einlassventil, abgenützte Kolbenringe, ausgelaufene Zylinder, verbogene Ventilschäfte, undichte Auslassventile, zu enge Ventilschaftführungen, festklebende Ventilschäfte, verklebte Ventilsitze, erlahmte Ventilfedern, Ventilstössel schlecht eingestellt, Sprung im Zylinder, gebrochener Kolbenring, Kolbenringsehlitze zu eng, Kolbenringe festgeklebt, undicht sitzender Zylinderkppf, Sprung im Kolben, poröser Kolben, locker eingeschraubte Zündkerzen. gebro~ ebenes Ventil, gebrochener Ventilkeil, gebrochene oder schlaffe Ventilfeder, überhitzter Motor, schlecht justiertes Ventil, Sprung im Porzellan der Zündkerze. Frage 9151. Abschnappkuppeluns. Bei meinem Wagen sind anscheinend die Batterie oder der Anlasser etwas knapp bemessen, denn bei kaltem Wetter vermag der Anlasser den Motor nur schwer auf die Tourenzahl zu bringen, die zur Einleitung einer Zündung notwendig ist. Trotz Anwendung eines dünnflüssigen Oels kann übrigens der (allerdings ziemlich grosse) Vierzylindermotor auch von Hand iaum über die Kompressionen hinüber gedreht werden. Man hat mir nun angeraten, eine sogenannte Abschnappkupplung in den Antrieb des Magnetapparates einzuschalten, damit die Zündungen kräftiger würden. Was halten Sie davon? Ist eine solche Abschnappkupplung im vorliegenden Fall 1 neuerer *•» Zukaufen gesuckt M433 unter Chiffre L. 9487 Ch. Konr. Peter & Cie. A.- an Publicitas A.-G., Chur. G., Solothurn. 11539 Sehr schöne oooooooooooodooooooooooooooooooo 5plätzige LIMOUSINE 2,5—5-Tonnen- Lastwagen mit Wirzkipper nur prima Occasion. Gebr. Irminger, Zürich 2. Zukaufen gesuckt neuer 4-Tonnen- Lastwagen Futtermühle, Märwil 64136 (Thurgau). Zukaufen gesuckt 1 älterer *««' OMNIBUS mit 20 bis 25 Sitzplätzen und mit festem Dach zum Transport von Arbeitern. Zukaufen gesucht AUTO 4/5plätz., nicht über 13/14 HP, 6 Zyl. oder 4 Zyl., mit schwebendem Motor, Plymouth, Rockny, Cabriolet od. Limousine, in nur tadellosem Zustand. Preis nicht über Fr. 2500.—. Offerten unter Chiffre 64460 an die Automobil-Revue, Bern. DELAGE Original-Ersatzteile. 9348 H. LANZ, ROHRBACH b. Huttwil. Telephon 22.38. Zukaufen gesucht 1 neuere «4115 Karosserie (Occasion), ev. leieht beschädigt, 4/5plätzig, geschlossen, 4 Türen, zu Citroen C6 passend. Offerten gefl. an Garage Aeschbacher, Burgdorf. Zukaufen gesuckt offener 6-7-Plätzer- Wagen 12—18 PS, nicht älter als 1929, gegen bar. 11379 Moser & Cie., Garage, Langnau i. E. Tel. 210. 6/7 Plätze, 18 PS, für 64454 einen Postautokurs. A. Grenacher, Tel. 12.15. Ittenthal bei Laufenburg. Zukaufen gesuckt Kleinwagen gut im Stand. Angebote unter Chiffre 64463 an die Automobil-Revue, Bern. Lancia - Lambda 7. Serie, Torpedo, Vierplätzer, revidiert und neu gespritzt, zu Fr. 3000.— zu verkaufen. 10829 Offerten unter Chiffre Z 3059 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. •wirklich zu empfehlen? Wie arbeiten diese Abschnappkupplungen? E. S. in W. Antwort' Die Abschnappkupplung bewirkt, dass der Magnet im Moment, in dem die Zündung eintreten soll, eine raschere Umlaufzahl, als der Umlaufzahl des Motors entspricht, annimmt. Anstatt dass sich der rotierende Teil des Zündmagneten während des Anlassens gleichmässig langsam dreht, vollführt er also ruckartige Bewegungen, die geeigneter sind, um. einen kräftigen Zündfunken zu erzeugen. Die beistehende Skizze zeigt die neue Scintilla- Abschnappkupplung in teilweise auseinandergenommenem Zustand. Diese Abschnappkupplung besteht aus drei Hauptteilen- Einem am Magnetapparat befestigten Gehäuse (links) einem angetriebenen und einem treibenden Teil. Der angetriebene Teil ist auf der Magnetwelle konisch aufgekeilt und trägt zwei bewegliche Klinken. Der angetriebene und der treibende Teil sind miteinander durch eine starke Spiralfeder verbunden. Wird der treibende Teil vom Motor aus langsam in Bewegung gesetzt, dann sucht er durch die erwähnte Feder den angetriebenen Teil mitzunehmen. Eine Drehung des sekundären Teils tritt vielleicht auch einen Moment lang auf, wird dann aber dadurch abgestoppt, dass eine der beiden Klinken nach aussen ragt und* in einem Ausschnitt des Gehäuses anstösst. Die Drehung des treibenden Teils geht unterdessen weiter, wodurch die Feder immer Der Vorteil der Ganz-Stahl-Karosserlen. Letzthin trat ich in die Werkstatt eines schweizerischen mehr gespannt wird. Im Moment, in dem die Federspannung ein Maximum erreicht hat und dieKarosseriefabrikanten. Er hatte ein angeblich noch Zündung eintreten soll, löst dann eine Nocke des vor sechs Monaten fabrikneues ausländisches Automobil in Arbeit Die Holzteile waren zum Teil ver- treibenden Teils die Klinke des angetriebenen Teils aus, der angetriebene Teil schnappt aus und ver-faultsetzt dabei auch den beweglichen Teil des Magne- weil nicht einwandfrei dürres Holz verwenten in ruckweise Bewegung. Nach einer halben Umdrehung des angetriebenen Teils wird dieser von neuem gestoppt, weil sich nun die zweite Klinke im Gehäuse verfängt. Die Feder wird von neuem gespannt, es kommt schliesslich zu einem neuen Abschnappen usw. Ist der Motor einmal in Gang und auf höhere Tourenzahlen gekommen, dann ist dieser stossartige Antrieb des Magneten natürlich nicht mehr erforderlich. Um den Antrieb zu schonen, muss er sogar vermieden werden. Es ist deshalb Vorsorge getroffen, dass die Klinken nach Ueberschreiten einer gewissen Motortourenzahl, die zwischen 110 und 155 gewählt werden kann, nicht mehr anstossen. Jede Klinke besteht nämlich, wie aus der Skizze deutlich ersichtlich, aus einem doppelarmigen Hebel. Der ursprünglich nach innen gerichtete längere, schwerere Arm der Klinke wird nun bei steigender Motortourenzahl durch die Zentrifugalkraft nach aussen getrieben und hebt damit ganz automatisch die Berührung des kürzeren Arms mit dem Gehäuse auf. Derartige und ähnliche Abschnappkupplungen stellen tatsächlich bei grossen, schwer durchzudrehenden Motoren eine ganz bedeutende Anlasserleichterung dar. —s. Frage 9152. Schweissen vom Kupfer. Wie schweisst man Kupfer? R. 0. in B. Antwort" Für Kupfersehweissungen verwendet man nur die Azetylen-Sauerstoff-Schweissung. Für dünne Bleche benötigt man bei möglichst senkrechter Führung des Brenners kein Schweisspulver. Die Flamme darf weder Azetylen- noch Sauerstoffüberschuss zeigen. Stärkere Bleche (von 3 mm ab) müssen unter Verwendung eines Schweisspulvers geschweisst werden. Der wirksame Teil desselben ist Phosphor. Als Zusatzmaterial verwendet man Elektrolytkupfer mit einem Zusatz von Phosphor, Magnesium, Vanadium oder Aluminium od-er auch Silber (Kanzlerdraht). Infolge der grossen Wärmeleitfähigkeit des Kupfers muss man oft die der Schweissnaht zunächst gelegenen Partien erhitzen, was mit einem zweiten;' MOSER-Anhänger Zu verkaufen Chrysler- Plymouth Limousine, 4/5-Plätzer, 14 PS, Modell 29, neue Kolben, hydr. Bremsen, Zustand wie neu, ev. wird anderer Wagen in Tausch genommen, wenn auch reparaturbedürftig. 64438 Max Hunziker-Braun, Künnoldingen (Aargau). „Fremo"- 5-Tonnen- Lastwagen Dreiseitenkipper, in tadell. Zustand, sofort zu günst. Bedingungen abzugeben. Anfragen unter Chiffre Z 3063 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. 1 " 10 Offerten an Automobilgenossenschaft Falkena u s Leichtmetall sind führend Nutz last 4 Tonnen Eigengewicht 1 Tonne E. MOSER - Anhängerfabrik • BERN Schwarztorstrasse 101 - Telefon 22.381 Brenner geschehen kann, oder die Werkstücke auf Asbestplatten legen und eventuell auch mit Asbestplatten abdecken. Bei starkwandigen Stücken empfiehlt es sich, die Schweiss.naht in erhitztem Zustand, aber nicht bei zu hoher Temperatur, abzuhämmern, dann auf 500 bis 600° zu erhitzen und in kaltem Wasser abzuschrecken: det worden ist. Mit der Lieferung solcher Wagen verdirbt sich allerdings eine Fabrik ihr Renommee ganz, und es liegt sicher im Interesse einer Fabrik selbst, wenn sie in ihrer Leitung solche Männer besitzt, welche grünes und dürres Holz voneinander unterscheiden können. G. W. in T. Anfrage 435. Eintausch eines Occasionswagens mit verdecktem Mangel. Wir haben kürzlich einen Occasionswagen Marke X Jahrgang 1930 gegen einen fabrikneuen Wagen eingetauscht. Der erstere wurde von uns sofort weiterverkauft in der Annahme, dass er keine geheimen Fehler oder Mängel aufweise. Zu unserem grossen Erstaunen erhielten wir nach ein paar Tagen den Wagen vom Käufer zur Verfügung gestellt mit dem Hinweis, dass derselbe täglich ein ansehnliches Quantum Wasser verliert. Daraufhin haben wir den Motor untersuent und herausgefunden, dass er Ventilrisse aufwies. Selbstverständlich machte uns der Käufer dafür haftbar und wir sahen uns veranlasst, einen neuen Zylinderblock in den Wagen einzubauen. Frage: Ist der frühere Besitzer, von dem 'wir den Wagen eingetauscht haben, verantwortlich und haftbar, da er uns diesen Fehler verheimlicht hat. Wie verhält sich die Sache in rechtlicher Beziehung, sofern der erste Besitzer beweisen kann, dass er von diesem Defekt nicht wusste. Unserer Ansicht nach hätte es dem früheren Besitzer, der ebenfalls seit langem im Autohandel tätig ist, auffallen müssein, dass der Wasserstand täglich abnahm, währenddem der Oelstand zunahm. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass in einem ähnlichen Fall, bei dem wir allerdings den Beweis erbringen konnten, dass der Besitzer vom Defekt gewusst hat, das zürcherische Handelsgericht ganz zu unseren Gunsten entschieden hat. A. in Z Antwort: Nach Art 197 O.R. haftet der Verkäufer dem Käufer sowohl für die zugesicherten Eigenschaften als auch dafür, dass die Sache nicht körperliche oder rechtliche Mängel habe, die ihren Wert oder ihre Tauglichkeit zu dem vorausgesetzten Gebrauche aufheben oder erheblich mindern Und zwar haftet der Verkäufer auch dann, wenn er die Mängel nicht gekannt hat. Der frühere Besitzer des Wagens haftet also grundsätzlich selbst dann, wenn er von dem Ventilrisse nichts wusste. Immerhin ist eine Wegbedingung der Gewährspflicht möglich, und der Verkäufer haftet dann nur für den Fall, dass ihm bewiesen werden kann, er habe dem Käufer die Mängel arglistig verschwiegen. Aus Ihren Darlegungen geht nicht hervor, ob einer solche Aufhebung oder Beschränkung der Gewährspflicht vereinbart wurde. Martini 6/7plätzige Limousine, 22 PS, Separation, 6fache Bereifung, ganz einwandfreier, tadelloser Zustand, zu verkaufen. Preis Fr. 2800.—. 9936 Anfragen unter Chiffre 14483 an die 8 PS, Aerable, grau, Schweizer Karosserie, neuer Wagen, Modell 1934, mit Fabrikgarantie. Sehr vorteilhafter Preis. Offerten unter Chiffre 64421 an die Zukaufen gesucht Occasions- Auto Ist dies nicht der Fall, so haftet Ihnen der frühere Besitzer, sofern Sie ihm gegenüber sofort nach Entdeckung des heimlichen Mangels Mängelrüge erhoben haben. * Anfrage 436. Besteuerung abgeschleppter Fahrzeuge. Am 15. Juni erhielt ich den Auftrag, aus einer Privatgarage ein Motorfahrzeug zu holen. Der Wagen war nicht betriebsbereit und hatte keine Kontrollschilder; deshalb schleppte ich das Motorfahrzeug ab. Kaum bei meiner Werkstätte angelangt, kam die Polizei und zeigte mich an, weil das abgeschleppte Fahrzeug keinen Kontrollschild hatte. Diese stellte sich auf den Standpunkt, dass ich für die Ueberführung eine Tagesnummer (Fr. 12) hätte lösen müssen. Im Bundesgesetz über den Motorfahrzeugverkehr, Art. 59, steht nicht, dass das Motorfahrzeug im Schlepptau mit einem Kontrollschild versehen sein muss. Muss ich eine eventuelle Polizeibusse anerkennen? G. W. in L. Antwort. Art 59 der VO. vom 25. November 1932 zum MFG lautet tatsächlich in seinem ersten Absatz nur dahin, dass ein im Schlepptau geführtes Motorfahrzeug durch einen Führer zu lenken ist, der im Besitze eines Führerausweises steht. Ueber die Kontrollschilder wird nichts gesagt. Nach der Praxis (vgl. z. B. Badertscher, Note 1 zu Artikel 59 VO. zum MFG., Seite 311) gilt das geschleppte Fahrzeug als Anhänger. Gemäss Art. 24 der zit. VO. muss nun aber der Anhänger mit einem Kontrollschild versehen sein. Wir glauben deshalb, dass Sie sich dem Bwssenurteil kaum mit Erfolg widersetzen könnten. Ein neuer Obenschmierapparat. Unter diesem Titel veröffentlichten wir kürzlich die Beschreibung eines neuen Apparates, bei welchem eine von der Motordrehzahl und Motorleistung weitgehend unabhängig« Schmierölmenge in die Zylinder direkt von oben zugeführt wird. Zahlreiche Anfragen veranlassen uns, darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um den ROBUR-Obenschmiera-pparat handelt, der in der Schweiz neu zur Einführung gelangt, im Ausland jedoch schon stark verbreitet ist. Verantwortliche Redaktion: Dr. A. Büchl. Chefredaktion. W. Mathys. — Or. E. Waldmeyer. — M. Bollioer. Telephon der Redaktion: 28.222 (HallwagJ. Ausserhalb der Geschäftszeit: 23.295. TAUSCH! CHRYSLER- PLYMOUTH 16 PS, Modell 1933. wie12 PS, 8 Zyl., durchrevidiert 11234 neu, an kleinen Wagen, neueres Modell (Peugeot Mercedes-Benz-Automobil A.-G., Zürich, Badener- 301 bevorzugt). 11270 Offerten gefl. unt. Chiffre 14487 an die Bei sofortig. Wegnahme sehr günstig abzugeben: DODGE 8 Zyl., 1931, Limousine, kompl. durchrevid. (neue Kolben etc.), Zustand wie neu. Es wird älterer Wagen an Zahlung genomm. Gefl. Anfragen unt. Chiff. Z 3067 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. zu verkaufen, 509, Limousine, 2türig, 4-Plätzer, 6 HP, neues Verdeck und 6 Zyl., 14 PS, Mod. 1929, sehr wenig gefahren und Automobil-Revue, Bern. in tadellos. Zustand, wegen Nichtgebrauch zu Totalrevision, wenig ge- Polsterung, Dezember 1932 Gar Alpin Saurer Fr. 1400.—, ev. wird neueres Motorrad genommen Karl Hafner, Möbel, Tepfahren, Kassa Fr. 450.-. oder Radio. 64401 piche, Vorhänge, Balsthal. H. Müller, Industriestr. Telephon 96. 64439 Typ 3 BLP, mit moderner 26pl, Karosserie und aus-Nrwechselbarer Ladebrücke für 4 Tonnen, wegen Be- 5, Luzern. ooocoooocxjooaxxxooooooooooooooo FIAT triebsumstellung zu günstigen Bedingungen sofort Zu verkaufen abzugeben. — Anfragen unter Chiffre Z 3058 an die 0990 Automobil-Revue, Bureau Zürich. Zu verkaufen Röhr junior Automobll-Revut, Bern. SP s o c i e t e i n d u s t ri e I Ie d Luft-Bremse Carrosserie S.A. - F. Gerber, Adm. 3 Rue Oean-Jaquet G id N F Telephon 28.479 t* ** Ki>i/\ I A+on A

Bern, Dienstag, 14. Augast 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 66 Wh- entnehmen den folgenden Auszug dem im Drei-Masken-Verlag (Berlin) erschienenen Werke « Mit Flugzeug, Faltboot und Filmkamera in den Eisfjorden Grönlands », das über die « SOS-Eisberg >-Film-Expedition in sehr anschaulicher Weise berichtet. Der Verfasser des Buches, der wissenschaftliche Leiter des Unternehmens, geriet bei einer ausgedehnteren Forschungsfahrt in das Gebiet einer grossen Gletscher-Kalbung. Seines Faltbootes beraubt, blieb er in der Eiswüste mehrere Tage lang verschollen, bis ihn der Flieger Udet auffand. Der folgende Abschnitt berichtet über die glückliche Rettung aue der Todesgefahr dee Erhungerns nnd Erfrierens. Die Red. Ich überdachte nun meine Lage. Auf dem Landweg die nächsten Siedlungen zu erreichen, war unmöglich, weil der Weg viel zu lang war und weil die Siedlungen auf Inseln liegen. Sonst kam nur noch eine Fahrt auf Eisschollen in Betracht. Aber abgesehen davon, dass das ein höchst unsicheres Unternehmen war, hätte ich dann die Gletschermessungen nicht ausführen können, und das war ja der Hauptzweck der ganzen Unternehmung. Ich beschloss dazubleiben und fand auch bald den Gedanken, der mir meinen Aufenthalt hier als besonders günstig erscheinen Hess: statt der vorgesehenen zwei Tage konnte ich nun mindestens sieben Tage lang den Gletscher untersuchen, die Messungen mussten also viel genauer werden, als ursprünglich vorauszusehen war. Die Hauptsache war, mit den Kräften hauszuhalten. Nach den Verabredungen mit meiner Frau konnte ich niemanden vor sieben Tagen erwarten. Ich teilte meine Essvorräte für eine Wartezeit von zehn Tagen ein und suchte im übrigen in den nächsten Tagen die Gegend nach Essbarem ab. Bei allen Faltbootfahrten pflegte ich Angelhaken mitzunehmen für den Fall, dass ich durch irgendein Unglück an eine unbewohnte Küste verschlagen würde. Die Fische in Grönland lassen sich sehr leicht angeln, weil sie genau so verfressen sind wie die Hunde. Nach dem ersten Satz Messungen, der vier Stunden dauerte, stieg ich wieder zum Fjord herunter, mit ein paar Stücken Corned Beef, den Angelhaken und der Angelschnur bewaffnet und mit der sicheren Hoffnung, zur Abendmahlzeit einen grossen Fisch im Topf zu haben. Ein kleiner Weidenzweig diente als Angelrute, ein Stück einer vertrockneten Wurzel als Schwimmer. Ich steckte ein Stückchen Corned Beef an den -Haken, stellte ihn auf 1 m Wassertiefe ein und warf ihn in grossem Bogen hinaus in den Fjord. In der ersten halben Stunde zuckte der Schwimmer nicht ein einziges Mal. Ich ging an eine andere Stelle, wartete dort wieder eine halbe Stunde, aber ohne Erfolg. «Vielleicht liegt es an der falschen Tiefe des Köders», dachte ich und stellte den Haken auf 2 m Wassertiefe ein. Dummerweise verhakte sich die Angel in einer Felsspalte unter Wasser, und als ich sie herauszog, war der Köder fort. Mit einem zweiten Stückchen Fleisch reichte es wieder eine Stunde. Früher habe ich die passionierten Angler nicht besonders hochgeschätzt. Aber jetzt kam mir die Eigenschaft bewundernswert F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) Schreib mir doch, bitte, gleich ein paar Zeilen. Wir reisen morgen nach Hause zurück, mit zwei Tagen Aufenthalt in Luzern. Ich möchte so gern in Potsdam schon von Dir Nachricht finden. Ja? Bitte, bitte! Deine treue Freundin Fee. Während Bux diesen Brief las, war ab und zu ein leises Lächeln über seine Züge geglitten: War diese reizende Feodora von Prastelny nicht noch ein richtiges Kind? Und welch seltsames Gemisch aus Ehrlichkeit und Feintuerei! Voll von Widersprüchen: stolz auf ihren Adel, auf die vergangene Macht und Stellung ihres Vaters — und doch lüstern nach der neuen Freiheit! Ein Kind ihrer Zeit! Liebte sie ihn wirklich? Oder war es nur das vermeintlich romantische Zirkulsmilieu und die Originalität dieser Beziehungen zwischen Adelsfräulein und Zirkusclown, die sie fesselte? Und wie leicht und einfach sie sich's dachte, als ,SOS-Eisberg* Von Dr. E. Sorge. Schulreiterin aufzutreten! Nun, man würde ja vielleicht doch einmal ihre Reitkünste zu prüfen Gelegenheit haben! Bux nahm einen seiner bunten Artisten- Briefbogen, die er für geschäftliche Korrespondenzen an Direktoren und Agenten benutzte, und schrieb: Rom, ... Liebe Fee! Nur diese wenigen Zeilen, um Deinen Wunsch, in Potsdam Nachricht vorzufinden, zu erfüllen. Mir ist heute gar nicht zum Briefschreiben zumute, weil ich gestern etwas unendlich Trauriges erlebt habe: Die Mutter der kleinen Cilly Berndt (Berno und Berna, Radfahrakt auf dem Hochseil) ist abgestürzt und bald darauf gestorben. In zwei Stunden werden wir sie begraben. Für Deinen Brief nimm vielen Dank. Ich vor, einen ganzen Tag am Wasser zu sitzen ohne mit der Wimper zu zucken und ohne etwas zu fangen. Ich wurde sehr unruhig, denn hier schien mit den Fischen etwas nicht zu stimmen. Am Corned Beef konnte es nicht liegen, das war tadellos. Ausserdem haben wir früher oft erlebt, dass die Fische Angelhaken sogar ohne Fleisch fressen. Auch ein drittes Stückchen Corned Beef ging verloren, und da wurde der Gedanke dringender: Soll ich nicht lieber das Fleisch für mich aufheben, wer weiss, ob ich es nicht noch einmal gebrauche. Ich stieg die 180 m wieder hinauf und baute mir einen schönen Lagerplatz aus trockenem weichem Heidekraut und Moos. Als ich mich in meinen Schlafsack legte, war ich zwar um eine Hoffnung ärmer geworden, aber ich konnte doch Gott danken, dass er mich kurz vor der grossen Gletscherkalbung ans Land geführt hatte, so dass ich jetzt hier völlig gesund und ohne Gefahr lebte. Die nächsten sechs Tage verliefen sehr gleichmässig. Morgens kochte ich mir auf meinem Petroleumkocher abwechselnd heisse Milch oder Erbsensuppe, und zwar immer gleich für zwei Mahlzeiten, um Brennstoff zu sparen. Die Hälfte bewahrte ich in der Thermosflasche für die nächste Mahlzeit auf. Mit diesem Verfahren verbrauchte ich für die ganze Zeit nur 1 Dose kondensierte Milch, 1 Erbswurst und X Liter Petroleum. Der andere halbe Liter, der in einer Glasflasche aufgehoben wurde, sollte später dazu dienen, ein Feuer- und Rauchsignal zu geben. Vormittags blieb ich meist im Schlafsack liegen, schrieb Tagebuch und rechnete einige Messungen vorläufig aus. Nachmittags zwischen 13 und 17 Uhr peilte ich 30 Gletschertürme von den beiden Endpunkten meiner Vermessungslinie an. Diese Tageszeit musste möglichst genau eingehalten werden, weil die Beleuchtung und die Schatten auf dem Gletscher je nach dem Sonnenstand sehr stark wechselten. Es ist sonst fast unmöglich, unter den Millionen von Eistürmen mit Sicherheit dieselben immer wiederzufinden. Abends freute ich mich jedesmal darauf, dass das warme Essen schon fertig war, ohne dass ich erst Feuer machen und Petroleum verbrauchen musste. Zu der Erbssuppe oder der heissen Milch konnte ich morgens und abends je eine Schnitte Pumpernickel mit Butter und Corned Beef essen, doch war das halbe Pfund Fleisch nach vier Tagen zu Ende. Dafür führte ich später als dritte Mahlzeit noch eine Tasse Kaffee ein, um meine Aufmerksamkeit anzuregen. Noch ein zweites Mal versuchte ich, Fische zu angeln, wieder etwa drei Stunden lang ohne Erfolg. Dann gab ich es auf. Spätere Beobachtungen zeigten uns, dass hier unten im Fjord wohl keine Fische vorkommen, denn die Seehunde, die unsere Eskimos später hier schössen, hatten stets nur Krabben im Magen, während die Seehunde an der Aussenküste sich auch von Fischen nähren. Das einzig Essbare, was mir die Natur sonst noch liefern konnte, waren die Pflanzen. Auf einmal merkte ich, wie wichtig die Botanik werden kann. Es kamen durchaus nicht alle Pflanzen vom Meeresspiegel bis zu meinem Lagerplatz in 180 m Höhe vor. Ich probierte alle Pflanzen durch, Weidenblätter, Birkenblätter, die Spitzen junger Grashalme, verschiedene Polarblumen, Moos, Flechten. Etwas tiefer an einem Bach zwischen Steinen fand ich sogar Sauerampfer und ganz in der Nähe davon eine Art Preisseibeeren. Das war eine Freude! Nun war es gewiss, dass ich noch lange aushalten konnte. Eine wunderbare Ablenkung ist es, sich ins Moos zu legen und Beeren zu suchen, ungefähr so, wie man als Kind Ostereier gesucht hat. Sogar einige süsse Blaubeeren gab es dort, aber die Schneeammern und Schneehühner hatten wohl leider denselben Geschmack gehabt wie wir Menschen, hatten die guten Beeren fast restlos abgefressen und die Preisseibeeren für mich übrig gelassen. Auf weiteren Spaziergängen in die Umgebung erschloss ich mir neue «Weidegebiete» und näherte mich dadurch der Lebensweise der Renntiere und Moschusochsen. Auf allen Wegen trug ich in der Hosentasche Streichhölzer und eine kleine Blechbüchse voll Petroleum, um jederzeit, wenn ich etwa ein Flugzeug hörte, ein Rauchsignal geben zu können. Es war durchaus nicht sicher, dass ich gefunden wurde, denn die Felswände sind so ungeheuer ausgedehnt und so vielfach durch Schluchten, Stufen,. Bachtäler, Rippen und Wülste gegliedert, dass es völlig unmöglich ist, einen Menschen da drin zu finden. Unsicher war, ob zuerst ein Flugzeug oder ein Motorboot kam. Tagelang überlegte ich, ob ich besser auf meinem oberen Lagerplatz bleiben oder zum Meer hinabsteigen sollte. Von oben war der Landeplatz nicht zu sehen, weil die Felsen sich vorwölbten, darum habe mich darüber sehr gefreut. Meine Adresse bleibt vorläufig Zirkus Kreno, Rom. Damit Du überhaupt Nachricht von mir erhältst, schreibe ich Dir dieses eine Mal unter Chiffre, postlagernd. Aber ich tue es nicht ein zweites Mal, denn es ist würdelos für mich — ebenso wie es für Dich (um mit Deinem Vater, und zwar sehr richtig zu spreche») unmöglich ist, postlagernde Chiffrebriefe abzuholen. Gib mir, bitte, Deine richtige, oder wenn Du's absolut nicht willst, irgendeine andere vernünftige Adresse, wohin ich Dir unter Deinem Namen schreiben kann. (.Dieser Spiessbürger!' denkst du jetzt wieder — nicht wahr?) Ich meine aber, ein modernes junges Mädchen darf doch heutzutage ruhig und offen mit Freunden korrespondieren? Oder gehöre ich zu einer anderen Garnitur, mit der man nicht korrespondieren darf? Also gib mir eine richtige Adresse, wenn Du von mir hören willst! Ich werde mich freuen, Dir dann ausführlich von mir und den Meinen (Brahma, Anton, Teddy usw.) berichten zu dürfen. Mit vielen sehr innigen Grüssen Dein Freund Willibald Buchsbaum. Das Begräbnis von Frau Berndt fand unter grosser Beteiligung der Bevölkerung statt. Selbstverständlich nahmen auch Direktor Kreno und seine Gattin, alle Artisten und der grösste Teil des übrigen Zirkuspersonals daran teil. Der Sarg war von Kränzen ganz zugedeckt, und noch ein grosser Wagen voll Blumenspenden wurde nachgefahren. konnte die Besatzung eines Motorbootes mich von unten also auch nicht sehen. Ich entschied mich zuletzt dafür, immer auf dem oberen Lagerplatz zu bleiben, weil dies, die einzige Stelle war, wo ein Flieger mir eine Meldung oder Proviant abwerfen konnte. Aber um mich gewissermassen zu vervielfachen, baute ich in der ganzen Umgegend an allen Hängen bis herunter zum Meer Steinmänner, im ganzen 20 Stück, und an der Landungsstelle einen besonders grosseu, dem ich noch meine dunkelblaue Skiweste umhängte, so dass er sich vor den hellgelben Felsen scharf abhob und tatsächlich wie ein Mensch aussah. In diesem Steinmann legte ich eine Mitteilung in einer Konservenbüchse nieder mit genauen Angaben über den Weg zum oberen Lagerplatz. Diese Steinmänner wachten für mich, wenn ich schlief. Aber es war mir unsicher, ob sie auch gross genug waren, um von einem Flugzeug aus bemerkt zu werden. Darum war meine Hauptangst, vielleicht gerade in dem Augenblick zu schlafen, wenn ein Flugzeug vorüberkam. Ich habe daher fast nie geschlafen und wurde in diesem Bestreben durch etwas unterstützt, das wir sonst in Grönland oft verflucht haben, nämlich die Mücken. Hier waren sie mir als Wecker geradezu unentbehrlich. Es war einfach nicht möglich, selbst wenn ich mir den Schlafsack über den Kopf gezogen und noch ein Handtuch daraufgelegt hatte, länger als zehn Minuten ruhig zu liegen. Dann hatte doch schon eine Mücke einen Weg zu meinen Ohren gefunden und summte mir einen Flugzeugmotor vor. So blieb ich immer wach. Mehrere Tage lang übte ich das Feueranmachen. Bei der grossen Geschwindigkeit des Flugzeuges kam es natürlich auf die wenigen Sekunden an, die Udet dicht vor mir war, damit er mich bemerken konnte, und in diesen Sekunden musste die Rauchsäule gross und breit zum Himmel steigen. Ich sammelte grosse Haufen von trockenem und feuchtem Moos, Heidekraut, Weidenzweige und Flechten und übte dann «Fliegeralarm». Ich rief mir zu: «Udet kommt», sprang aus meinem Schlafsack auf, goss Petroleum über den vorbereiteten Pflanzenhaufen und zündete ihn an. Sobald die Flammen gross waren, schüttete ich nasses Moos mit viel Erde darüber, so dass die Gegend wie mit einem Kartoffelfeuer verqualmt wurde. Dies wurde nach der Uhr geübt, bis ich die gemessenen Zeiten nicht mehr wesentlich herunterdrükken konnte. So vergingen sechs Tage mit 'Messungen und Vorbereitungen. Am Ende der sechs Tage vollzog sich in meinem Gemütszustand ein vollständiger Umschwung. Bis dahin war meine Lage vollkommen klar: Hilfe konnte ich nicht erwarten, befand mich aber anderseits noch bei Kräften und in Sicherheit. Nun nahte die Entscheidung, ob ich überhaupt gefunden werden würde oder nicht. Die Aussicht auf Rettung steigerte sich ungeheuer, zugleich damit näherte sich aber auch der Zeitpunkt, wo die Aussicht auf Rettung überhaupt entschwinden konnte. Diese auseinanderstrebenden Gefühle quälten mich. Wurde ich nicht gefunden, dann blieb als letzte Möglichkeit nur noch die Fahrt auf dem Fjord. Ich überlegte, wie ich mir für den schlimmsten Fall ein Fahrzeug bauen konnte, um damit vom Land zu der nächsten Eisscholle hinüberzufahren, um mich dann mit der Scholle durch die Strömung hinaustreiben zu lassen. Die Gummimatratze Hess sich aufpumpen. Den Kleppermantel konnte ich voll Weidengestrüpp stopfen und mit Isolierband und Leukoplast abdichten. Aus dem Theodolitgestell und Weidenzweigen Hess sich ein Rahmen bauen, der die Gummimatratze versteifen konnte. Durch vier Luftkissen konnte die Schwimmfähigkeit gesteigert werden. Alles das zusammen gab schon etwas Auftrieb. Vielleicht hatte ich auch Glück, dass eine Eisscholle dicht am Lande entlangtrieb. Am 29. Juli versuchte ich noch einmal zu angeln. Dummerweise hatte ich etwas Kopfschmerzen, so dass die Gletschermessungen, die ich sonst jeden Tag gemacht hatte, ausfallen mussten. Den ganzen Tag schaute ich mit dem Fernglas übers Meer. Die Wasser- Zürich Talank Nachdem am Grabe der Pfarrer und Direktor Kreno gesprochen hatten, trat Bux vor, um der Entschlafenen im Namen der Artisten ein letztes Lebewohl zuzurufen. Er schilderte mit kurzen, aber eindringlichen Worten, was die Zirkuswelt mit dieser Frau verloren hatte, — als Künstlerin und als Kollegin. Er sprach von .ihrer seltenen Energie, ihrem unermüdlichen Fleiss, ihrem persönlichen Mut, ihrer Kameradschaft und Hilfsbereitschaft und von ihrer — trotz des äusserlich herben Wesens — so tiefen menschlichen Güte. Und er schloss: «Solange wir atmen, wird uns diese grosse Artistin als leuchtendes Beispiel von Pflichttreue vor der Seele stehen, — von Pflichttreue bis in den Tod, der im wahrsten Sinne des Wortes ein Heldentod gewesen ist!» Und da er das wenige, was er gesagt, nicht gesagt hatte, um sich nur einer Pflicht zu entledigen, sondern weil es in die Herzen aller dringen sollte, — in die der italienischen Bürgersleute und seiner Kollegen aller Nationen und Farben, so wiederholte er es — damit alle es verstünden — auf Italienisch und endlich auf Englisch. Fortsetzung folgt.