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E_1934_Zeitung_Nr.076

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 76 Haben die Kolbenringe in ihren Nuten Spiel in der Bewegurigsrichtung der Kolben, so pumpen Sie ständig Oel in den Verbrennungsraum hinauf. Der Motor wird dann zum ausgesprochenen Oelfresser. braucht das Kolbenspiel an hohem Oelverbrauch beteiligt zu sein. Um die Ringnutabnützung zu vermindern, wurden in den letzten Jahren Versuche mit Leichtmetallkolben gemacht, die besondere Ringträger aus härterem Material aufweisen. Auch eine Verbreiterung der Ringe (in der Richtung des Kolbendurchmessers gemessen) wurde ausprobiert, hat sich aber nicht in ausgeprägter Form eingeführt, da ausgesprochen breite Ringe wieder mehr Spannkraft haben und deshalb sich selbst und den Zylinder mehr abnützen. Dagegen versteht man es heute weit besser als früher, Ringe herzustellen, die auch schon bei massiger Spannung dicht anliegen und trotz Hitzeeinwirkung nicht unrund werden. Nach den Untersuchungen der letzten Jahre sind aber wahrscheinlich die unliebsamsten und stärksten Abnützungserscheinungen chemischen Wirkungen zuzuschreiben. Man hat festgestellt, dass sich im Beisein des bei der Verbrennung entstehenden WICHTIGE TECHNISCHE NEUERUNGEN DIE DAS AR- BEITEN WE- SENTLICH ERLEICH- T E R durch eine Reinigung des Kühlsystems abzuhelfen,, nur empfehlenswert. -at- EIN EINZIGER DRUCK GENÜGT urn sämtliche Reiter zu annullieren. Dies ist nur eine der zahlreichen Vervollkommnungen der neuen Bureau-Schreibmaschine HERMES Hergestellt durch E. Paillard, Yverdon, auf Grund von mehr als 120 Jahren Erfahrung Wasserdampfes durch die Verbrennungsprodukte vorwiegend an noch kalten Zylinderwänden Säureniederschläge bilden, welche die Metalloberfläche angreifen, sei es direkt, oder indirekt dadurch, dass Rost entsteht, der dann beim nächsten Durchgang des Kolbens abgerieben wird. Der abgeriebene Rost bedeutet natürlich abgeriebenes Zyliridermaterial. Solchen kombinierten Korrosions- und Abrasionswirkungen sind besonders die Motoren von Wagen ausgesetzt, die nur intermittierend benützt werden und dabei immer wieder Gelegenheit haben, sich abzukühlen, also beispielsweise die Taxis, die Wagen von Aerzten usw. Es Hess sich auch praktisch einwandfrei feststellen, dass die Motoren solcher Wagen viel öfter instandstellungsbedürftig sind. Ist ein Motor dagegen einmal warm, so bleibt die Säurekondensation aus, ganz abgesehen davon, dass die Zylinder durch den sich ständig, erneuernden Oelfilm geschützt sind. Die Abnützung ist deshalb noch sehr gering, selbst dann, wenn der Motor dauernd unter starker Belastung arbeiten muss. Gestützt auf diese neuen Erkenntnisse wird jetzt vielfach von Autoritäten eine allen bisherigen Grundsätzen direkt ins Gesicht schlagende Behandlung der Motoren beim ersten Anlassen empfohlen. Ein Motor soll danach bei der ersten Inbetriebsetzung nicht mehr langsam warmlaufen gelassen, sondern sofort auf mindestens 1200—1500 Touren getrieben werden, damit einmal selbst das noch dickflüssige Oel in genügender Menge an die Zylinderwände geschleudert und zum zweiten der Zeitraum des kalten Motorzustandes möglichst abgekürzt wird. Um die rasche Erwärmung des Motors weiter zu fördern, soll dabei das Kühlsystem ausser Funktion gesetzt sein. Während des Betriebes wird ausserdem die Einhaltung einer möglichst hohen durchschnittlichen Motortemperatur empfohlen. Die nächsten Jahren werden zeigen, wie viel sich mit dieser neuen Methode ausrichten lässt. In mehrfacher Beziehung hat es aber der Fahrer oder Wagenbesitzer auch sonst in der Hand, die Abnützung einzudämmen. Die schlechten Schmierungsverhältnisse lassen sich vor allem beim ersten Anlassen zweifellos durch Anwendung eines Obenschmieröls oder Graphitzusatzes zum Kurbelgehäuseöl verbessern. Der Vergaser kann mit einem wirksamen Luftreiniger versehen werden, die Oelzirkulation mit einem wirksamen Oelfilter, damit nicht auch noch der schmirgelnde Strassenstaub die Abnützung erhöht. Das Kurbelgehäuseöl ist in nicht zu grossen Zeitabständen auszuwechseln. Und last but not least kommt sehr viel darauf an, wie der Fahrer beim Anlassen des Motors die Gemischanreicherungsvorrichtung des Vergasers bedient. Wird bei jedem Anlassen das Gemisch so stark angereichert, dass die Zylinder förmlich unter Benzin überschwemmt werden und ihren schützenden Oelfilm gänzlich verlieren, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Motor schon nach 10,000 Fahrkilometern revisionsbedürftig wird, während ein anderer Motor der gleichen Type mit den gleichen Kolben vielleicht 50,000 km anstandslos durchhält. m. Frage 9189. Abschliessbare Benzintankdeckel. Kann mir jemand mitteilen, wo abschliessbare Benzintankdeckel bezogen werden können? A. S. in B. Frage 9190. Kohleplättchen im Oel. Ich habe vor kurzer Zeit in meinem 8-Zylinder-Wagen neue Kolben einbauen lassen. Seither wurde der Wagen über 1500 km sorgfältig eingefahren, und zwar mit einem wesentlich dünnern Oel, als für den Normalgebrauch vorgeschrieben ist. Bei der Kontrolle des Oelsiebes finde ich nun wiederum, wie vor der Reparatur, Kohlenrückstände in der Form von dünnen Plättchen. Solche Kohlenplättchen entstehen aber meiner Ansicht nach nur entweder an der Oberfläche des Kolbens, oder an einer Seitenfläche, wenn eine Abnützung vorhanden ist. Wiederum können derartige Kohlenplättchen meiner Ansicht nach nur in das Kurbelgehäuse gelangen, nachdem sie an den Kolben vorbeigerutscht sind. Ich kann aber nicht glauben, dass in irgend einem Zylinder heute schon wieder so viel Spiel besteht, dass Kohlenrückstände an den Kolbenringen vorbeigelangen konnten, besonders, wo die Kompression gut zu sein scheint. Der Mechaniker, der die Montage der neuen Kolben besorgt hat, bestreitet jede Möglichkeit einer Kohlenabsonderung durch den Zylinder, kann aber für das Vorhandensein der «Plättchen > keine mich befriedigende Erklärung geben. E. M. in V. Antwort: Es wäre interessant, zu wissen, ob Leichtmetallkolben oder Graugusskolben im Motor eingebaut sind. Auf jeden Fall ist die Kompression erhöht worden, und dementsprechend wird der Kolbenboden heisser, um so mehr, wenn Graugusskolben vorhanden sind. Das Oel, das von den beweglichen Teilen des Motors in den Kolben gespritzt wird und mit dem erhitzten Kolbenboden in Berührung kommt, verbrennt, oder besser, verkohlt und fällt als dünne Schuppen in das Kurbelgehäuse. Verringerung der Kompression oder Verdickung des Kolbenbodens und aller obern Kolbenquerschnitte wird dem Uebel abhelfen. Wenn gegenwärtig Graugusskolben eingebaut sind, so werden Leichtmetallkolben die Bildung von Kohlenplättchen ausschliessen, da sie niedrigere Betriebstemperaturen aufweisen. R. Frage 9191. Reifendruck und Brennstoffverbrauch. Haben die Variationen im Reifenluftdruck auf den Brennstoff einen praktisch merklichen Einfluss? G. S. in TJ. Antwort- Gewiss. Besonders, wer sich einmal als Radfahrer betätigte oder noch betätigt, wird wissen, dass ein stark und ein schwach aufgepumpter Reifen ganz verschieden leicht laufen. Nach neuen amerikanischen Untersuchungen wird die Strecke, die mit der gleichen Brennstoffmenge durchfahren werden kann, jeweils um 6% gekürzt, wenn der vorgeschriebene Reifenluftdruck im eine halbe Atmosphäre sinkt. -at- Vorteilhafte Wagen für Reisezwecke Minerva, geschi.,4-pi.,6Cyi.,iops, Minerva, Ford, Pontiac, Cab Tech Coupe, 2-P!.,6Cyl.,10PS, mit grossem Gepäckraum ., 2/4.-PI., 4Cyl., 17 PS, mit neuen Confort-Pneus Coach, 5-PI.,.6Cyl M 16PS, mit Türe an der Rückseite Familienwagen «P» «->«h II. Antwort 917S. Lohnt sich die Instandstellung? Zuschrift weitergeleitet. Red. Antwort 9182. Verifikation an Autokarosserien. Zuschrift weitergeleitet. Red. Fr. 3500. Fr. 4000. Fr. 2500. Fr. 1800. WÜlyS-Knight, Mod.70, geschloss., 4/5-Pi.,6Cyl.,14,85 ' PS, mit Heizung, _ -A- Ä in prima Zustand Fr. 1800.— HlipmOblle, geschl., 4/5-PI., SCyl., 16 PS Fr. louU.— Percy Wiedmer, Garage Moderne, Basel Aeschengraben13 Telephon 24.800 Frage 9192. Verrussung? Nach einem Jahr Gebrauch und 15.000 Fahrkilometern wurde mein Motor, Modell 1933, entrusst und Ventile eingeschliffen, ohne dass es nach Angabe des Garagisten dringend nötig gewesen wäre. Nun wird vom ehemaligen Verkäufer bei 30.000 km neuerdings eine Entrussung und Ventilschleifung als dringend nötig verlangt. Der Motor zieht tadellos wie immer, einzig der Kühler wird rasch heiss, und der Motor blieb an der Grimsel und an starker Steigung hie und da wegen Ueberhitzung stehen. Woran ist eine starke Verrussung zu erkennen? Kann nicht ev. ein Rostansatz oder Kesselsteinansatz durch Verstopfen- des Kühlers allein an der" U&berhitzung schuld sein? P. C. in N. Antwort- Die < Schnelligkeit > der Verruesung eines Motors hängt stark von der Vergasereinstellung ab. Liefert der Vergaser ein brennstoffreiches Gemisch, so wird die Entrussung viel eher erforderlich als bei brennstoffarmer Vergasereinstellung, da die Verbrennung dann nur unvollständig vor sich geht und unverbrannten Kohlenstoff, eben den Russ, zurücldässt. Eine beträchtliche Rolle spielt auch die Qualität des angewandten Oels sowie die Güte der Abdichtung der Kolben und Kolbenringe. Faktoren von geringerem Einfluss sind ausserdem die Fahrweise des Fahrers, die Art und Weise, wie der Fahrer die Luftdrossel bedient und die Durchschnittstemperatur des Motors. Eine genaue Angabe, nach welcher Kilometerzahl entrusst werden muss, kann also nicht gemacht werden, umso weniger, als verschiedene Motoren auch verschieden viel Russ vertragen. Hoch komprimierende Motoren reagieren im allgemeinen empfindlicher auf Verrussung als solche mit niedriger Kompression und müssen deshalb häufiger entrusst werden. Massgebend ist vor allem die Klopf-Tendenz. Stärkere Verrussung setzt aber auch meist die Leistungsfähigkeit des Motors merklich herab. Die manchmal zu beobachtende Tendenz zum Warmlaufen des Motors rührt mehr indirekt von der Verrussung her, indem der Fahrer den Leistungsabfall durch vermehrtes Gasgeben, d. h. also allgemein stärkeres Inanspruchnehmen des Motors auszugleichen sucht. Nach 15.000 Fahrkilometern lässt sich gewöhnlich bei einem modernen Motor die Entrussung schon rechtfertigen. Allerdings werden nicht selten auch 20 000—25.000 km durchgefahren. Dass Ihr Motor gelegentlich stehen bleibt, wenn er sehr warm geworden ist, braucht nicht unbedingt mit der Verrussung zusammenzuhängen. Sehr oft handelt es sich hierbei um Brennstoffzufuhr-Störungen, die durch Gasblasenbildung in den Brennstoffleitungen verursacht werden. 'Sie geben leider nicht an, ob jeweils das Kühlwasser bis zum Sieden kommt, oder ob eich der Kühler .nur heiss anfühlt. Im zweiten Fall könnte die Erhitzung nicht anormal genannt werden; denn die Kühlwassertemperatur darf ruhig gelegentlich 90 Grad G übersteigen. Im Interesse eines wirtschaftlichen Betriebes wäre es sogar sehr erwünscht, wenn sie nie unter 70 bi^ 80' Grad fiele. Kommt jedoch das Kühlwasser oft ins Kochen, so wäre ein Versuch, dem Uebelstand Tel. 53.223, Priv. i 4 Zylinder, 4türig und 1 zweipl. Coupö. Uethbergstr. 31, Garage, Zürich 3. 64334 Alle Modelle repariert, revidiert die Spezlal-Werkstätte Fabrikation von Auto-Kühlern nach dem JV Pat. 98.005 Bienenwabensystem, grösste Kühlwirkung, Reparaturen aller Systeme. Auto-Spenglerei Anfertigung von Kotflügeln, Motorhauben.Benzin -Reservoiren. E.BENETTI,Albisrieden-Zch. Letzigrabenstrasse 115. Telephon 36.228 zu verkaufen 'siT??ü.w.V 1 *iiyÄ.:^J>-^,:ä-'s 475plätzige Ford- LIMOUSINE Wagen 6 Zyl., 13 PS, wie neu, erste Marke, zu sehr reduz. Preise, event. Tausch an kl. Wagsn. 11413 Offerten unter Chiffre 14529 an die Automobil-Revue, Bern. 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Bern, Dienstag, 18.September 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.76 Fil de la Vierge Septembertage — Altweiber-Sommer .... Die schimmernden "Spinnenfäden wehen durch die weichbewegte Luft, hängen sich an Bäume und Sträucher, an die letzten stillen Blumen des Jahres und streichen dir wie ein Geisterhauch lind übers Gesicht. Das sind die Silberfäden, die der September aus dem letzten Glanz des Sommers spinnt, die Marienfäden — oder wie man in Frankreich so schön sagt: Fil de la Vierge —, die den letzten Zauber des hochsommerlichen Lichtes noch einmal beschwören. Die septemberliche Sonne bricht sich in diesen zarten Spinnenweben, und schon ist aller harte, heisse Glanz der Julitage aus ihr gewichen. Von einem Morgen zum andern hat jetzt der Tag mehr Mühe, sich aus der feuchten Kühle der Nacht zu lösen. Die nebligen Schleier trüben den Blick, treiben als frühe Fahnen des hinter den früchteschweren Hügeln wartenden Herbstes durchs Land und nässen das letzte reife Gras, in dem am Morgen wieder frisch gefallene Aepfel liegen. Auf den Bäumen lasten schwer die Früchte, und die arbeitsreichen Tage des Bauern beginnen, da er mit weiter Gebärde ernten kann, was ihm das Jahr für seine Sorge, seine Mühe, seine Liebe beschert. In den Weinbergen wird es noch kurze Zeit dauern, bis die grossen Beeren in die Tansen kollern und der helle Schrei der Erntenden über das reife Land hin verklingt. Das sind die Tage, da man soviel wie "möglich hinaus übers Land gehen sollte, an taunassen Wiesen vorbei, über denen der Duft des herben grünen Grases schwelt, an frischgepflügten Aeckern vorüber, vorbei an schwerbeladenen Obstbäumen, durch die Dörfer, in denen die Bauern die hohe Zeit ihres Jahres mit stillbeglückten Mienen erleben. In dieser Zeit des Schwankens zwischen Sommer und Herbst, zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Dunkel, in diesem stillen Ringen der Kräfte der Natur haben die Tage ein müdes, fast trauriges, zärtliches Leuchten, das wie ein Hauch über den nächsten Hügel liegt. Die Ernte des Bauern scheint wie eine heilige Handlung, in der sich die göttliche Kraft sinnfällig in den duftenden Früchten des Jahres offenbart. Der See ist von flüssigem Silberglanz Überflossen, kaum stört eine Welle die atemlose Ruhe dieser Zeit. Auch in den Städten spürt man die Tage Ueberganges. Man wagt sich nur noch mit halbem Mut in die Abendkühle hinaus und sitzt nun schon mit warmen Decken auf der Loggia, um sich von keinen ersten kühlen Herbstschauern erwischen zu lassen. Die Tage dunkeln lautlos in die Nacht und sinken schneller als noch vor einem Monat hinter dem goldflammend glühenden Horizont in die Tiefe. Auf den Feldern raucht der erste Nebeldunst, der noch zu schwach ist, um das Licht der aufglühenden Sterne su verschleiern. Die Milchstrasse lastet als breites, funkelndes Band über dem herbstlichen Land, und alle Sterne sind von einem niegesehenen wachen Glänze. Doch wenn der Regen früh in den Tag einfällt, dann bricht die Nacht unvermutet jäh herein, und die strahlenden Lichter der Stadt glänzen schon winterlich kalt und scharf. Gerne rettet man sich in ein Cafe oder in einen Kino, um leise zu frösteln: Herbst, Ausklang, Ende... Aber — wozu die Klage —, da noch die Sonne mit altem Glänze auf dem Lande ruht! Ein herbstliches, früh gefallenes Blatt liegt vor dem Fenster. Ich weiss.... Der Lärm ist zu einer der ausdauerndsten Plagen unserer gehetzten Zeit geworden, und es scheint fast, als gehöre das ewige Gerassel, Gekreische, Gepfeife, Gehupe, Geklopfe, Geklingel und Gequitsche als misstönende Begleitmelodie untrennbar zu dem rasenden Tempo unserer Tage. Doch Lärm und Maschine sind durchaus keine Begriffe, die miteinander organisch verwachsen sind, und gerade die Qualität und der Vollendungsgrad einer Maschine erweist sich an der Ruhigkeit und Stille, mit der sie arbeitet. Der Lärmaufwand der ersten Automobile steht im Vergleich zu heute im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit. Deshalb ist der Lärm nicht eine blosse tote Funktion, gegen die es kein Heilmittel gibt. Mit gutem Willen kann er in erstaunlich grossem Masse gelenkt und gedämpft werden. Deshalb snielt das Verhalten und die Einstellung des Menschen zu dieser Seuche des zwanzigsten Jahrhunderts auch eine höchst bedeutsame Rolle. Der rechte Wilde kann hier, wenn er sich in richtiger Weise auswirkt, wahre Wunder schaffen. Doch leider gehört es zu den merkwürdigen Vorstellungen eines grossen Teils der Menschen, dass der Beweis, wirklich modern zu sein, nur durch die üppigste Lärmentfaltung möglich sei. Mit Unbekümmertheit wird auf den Nerven der Mitmenschen herumgetrampelt, und je misstöniger und quitschender das grässliche Gelärme zum.. Himmel steigt, um so imponierender kommt man sich vor. Und haben alle die andern Blätter des Baumes nicht schon einen merkwürdig gelblichen kranken Ton in ihrem Grün, das noch vor wenigen Tagen so frisch ins Zimmer rauschte? Wohlan, noch kommen die köstlichsten Tage, bis uns die Herbststürme schütteln. ...• bo. Weniger Lärm, bitte! Neue Variationen über ein altes Thema. Immer wieder erreichen uns Zuschriften von lärmgequälten Lesern, die uns bitten, wieder einmal den Bannstrahl gegen die ewig Unbelehrbaren zu schleudern, denen es nur inmitten von Lärm-Orgien wohl zu sein scheint. Vor allem zwei Fälle sind es, die wiederholt Anlass zu berechtigten Reklamationen gaben, und die zu beherzigen es wirklich endlich an der Zeit wäre. So sind jene Automobilisten, die spät abends oder sogar erst in den früheren Morgenstunden nach Hause kommen und ihren Wagen mit rücksichtslosestem Lärm in die Garage stellen, auch in unserer nervösen Zeit noch nicht ausgestorben. Mit Wucht wird jeweils das knarrende Tor aufgerissen, dann der pustende und knatternde Wagen so umständlich wie möglich hineinpraktiziert und aufs Neue die Garage mit schmetternder Kraft geschlossen, dass alle in der Nähe ruhenden Nachbarn wild aus dem Schlafe auffahren und wissen: Er ist daheim... Es brauchte gerade in diesem Falle auch nur ein ganz kleines Mass an Aufmerksamkeit und an • gutem Willen, um das Ganze mit der grössten Ruhe zu vollziehen. Die gleiche sorgfältigere Prozedur hätte nur einen Erfolg : Der Automobilist machte sich bei seinen Nachbarn beliebter! Sonst aber muss er sich nicht wundern, wenn sich seine Mitmenschen erlauben, über ihn im geheimen zu einem Urteil zu kommen, das ihn wohl kaum sehr erbauen würde. Nicht viel weniger wird an einem andern Ort gesündigt, wo der Verstoss rein menschlich noch viel weniger entschuldbar ist, und sogar auf ein bedenkliches Mass an seelischer Harthörigkeit schliessen lässt. Wir meinen damit jene grosse Kategorie von Automobilisten und Motorradfahrern, für die die Nähe eines Spitals zum Anlass wird, ihre erstaunliche Grobheit und Taktlosigkeit unter überzeugenden Beweis zu stellen. Das sind jene traurigen Helden, die mit donnerndem Getöse an diesen stillen Orten der Ruhe, des Leidens, ja auch des Todes, vorüberstürmen, und sich in keiner Art und Weise davon beeindrucken lassen, wenn sich der wilde Lärm ihrer Maschinen an den Fassaden dieser Gebäude bricht. Die Ausrede, den Ort der Spitäler nicht zu kennen, hat in den meisten Fällen überhaupt keine Berechtigung, denn die Krankenhäuser sind fast überall durch Zeichen und Aufschriften kenntlich gemacht, und sehr oft weiss man von vorneherein, wo sich diese Gebäulichkeiten befinden. Der Gedanke ist nicht gerade fromm : aber es würde vielleicht allein nützen, wenn man diesen Radaulbrüdern selber einen LeidensauMnthait im Spital wünschte, der ihnen bestimmt zum Bewusstsefoi brächte, wie schön die Stille und wie tief und nachhaltig die Wirkung der Ruhe gerade auf den kranken Menschen ist. Darum sollte man auch in solchen Augenblicken nie vergessen, dass ausser der eigenen Person noch andere Menschen existieren, die man mit der eigenen blassen Gedankenlosigkeit schwer treffen kann. Zu den modernen Verkehrsanforderungen gehört nicht nur die strikte Innehaltung der Verkehrsregeln und eine sich aus den primitivsten menschlichen Forderungen ergebende Disziplin, sondern ebensosehr die allseitige, vom Herzen kommende Rücksichtnahme auf den Mitmenschen. Und gerade hinsichtlich der Lärmentwicklunar wird immer noch besonders viel gesündigt; manchmal ist es auch blosse Gedankenlosigkeit, hinter der keinerlei schlechte Absicht steckt. Man möchte hoffen, dass diese paar mahnenden Zeilen — die nicht die ersten sind — wieder etwas dazu beitragen, dass auf den Strassen auch immer mehr der « gute Ton » zur schönen Selbstverständlichkeit wird. Die es angeht, mögen sich die Mahnung ins Stammbuch kleben ! bo. Monza-Blitzlichter Die Zeiten sind vorbei, wo nur der Freund des Automobilsportes aufhorchte, wenn das Wort «Monza» an sein Ohr schlug. Heute wirkt es wie ein elektrischer Schlag für alle, die für die Entwicklung unserer Zeit Verständnis haben. Monza! Das bedeutet: Tempo, Geschwindigkeit, Kampf, Motorengebrüll. . Wir erleben das alles selbst, als Einzelner unter Hunderttausenden. Der Zuschauer des Rennens muss gewiss selber schon Gewaltiges leisten. Eigentlich muss man von ihm verlangen, dass er, genau wie der Fahrer, trainiert. Sie sind erstaunt? Wahrhaftig, so ist es! Während vier und einer halben Stunde jagen sich ein Dutzend der modernsten Rennmaschinen auf der 4 Kilometer langen Bahn. Und was für eine Jagd! Alle unsere Sinne sind aufs höchste angespannt und haben nicht Zeit, sich um all das zu kümmern, das sich rund um das Rennen abspielt. Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Monza raubt der Millionenstadt Mailand die Nachtruhe. Durch den Corso Vittorio-Emmanuele saust der letzte Strassenbahnwagen. Der Führer scheint auf den Grand Prix z