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E_1938_Zeitung_Nr.051

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!£_ Automobil-Revue — 51 UWE! vor hiinaert Jakren Vor mir liegt ein altes Adressbuch aus dem Jahre 1836 mit dem volltönenden Titel: «Adressenbuch der Republik Bern für Wissenschaft, Kunst, Handel und Gewerbe, samt Beschreibung der Merkwürdigkeiten, öffentlichen Anstalten und sonstigen nützlichen Einrichtungen.» Ein Band von 400 Seiten, von denen die wohllöbliche Stadt Bern allein 270 beansprucht. Heute habe» wir es weitergebracht; das Adressbuch 1938 zählt rund 1600 Seiten. Allerdings hat sich auch die Bevölkerung etwa um das sechsfache vermehrt. Auch ein Adressbuch kann zum Erbauungsbuch werden, besonders wenn es mit einem Psalm anhebt,'wie das unsere, in dem es nach David 127, 1 heisst: «Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wachet der Wächter umsonst.» Es macht sich, auch schon eine gewisse Sehnsucht nach noch weiter zurückliegenden, Verhältnissen geltend, wenn der Wunsch zum Ausdruck kommt: «dass fernerhin reinste Vaterlandsliebe, Biedersinn und Treue die Männer der Republik Bern, die wackern Abkömmlinge frommer, würdiger Väter beseelen möchten, dass an ihrem festen und gerechten Bündnis die verderblichen Umtriebe falscher Versucher wie an ehernen Mauern zersplittern, und dass niemals die aus grausen Stürmen geretteten sieggewohnten Panner der Altvordern Bern's sich vor ihren Feinden beugen.» Das Kirchenfeld war damals noch eine weite and leere Ebene, die man von der Kirchhofterrasse (Plattform) aus mit «Vergnügen» überblickte. Für die Matte wird ein Wort zur Ehrenrettung eingelegt, denn sie war «durch die übertriebene Schilderung leichtsinniger Reisender mehr berüchtigt als berühmt gewesen». Dieser «leichtsinnige Reisende» wird wohl Casanova gewesen sein, der in seiner unverblümten Weise seine Berner Erlebnisse so schildert, wie sie gewesen sein mögen, und nicht, wie * sie eine wohllöbliche Burgerschaft gern dargestellt wissen wollte. Immerhin soll die Regierung dem «Unfug» im Jahre 1828 abgeholfen haben, und die Matte erfreute sich wieder ihres Rufes als «gewerbsamster und belebtester Teil der Stadt». Die Post stand damals noch an der Kramgasse und wies alle für eine guteingerichtete Post wünschenswerten Bequemlichkeiten auf. Wenn man die edlen Formen des nunmehr verlassenen und vergessenen Gebäudes mit dem heutigen chinesischen Porzellanpalast am Bollwerk vergleicht, so muss man unwillkürlich mit einem Gefühl des Bedauerns erfüllt werden für eine Zeit, die solche Bauformen vor Augen hatte und dennoch als Neues nichs Besseres zu schaffen wusste. Natürlich waren die edelsten Wahrzeichen im Stadtbild, die Türme und Tore, noch recht zahlreich vorhanden. Auch war die «lokale Polizeistunde» von der heutigen nicht sehr verschieden, denn die Tore wurden das ganze Jahr hindurch um 11 Uhr geschlossen. Was wir mit Friedhof oder Gottesacker benennen, wurde als «Todtengarten» bezeichnet, Es ist wahrlich ein schönes Zeichen für das Wirken einer Stadtverwaltung, dass sie die Friedhöfe (wie Monbijou und Rosengarten), die ihren Zweck erfüllt haben, nicht mit Miethäusern oder Villen zudecken Hess, sondern pietätvoll in lachende Gärten umwandelte, um auch so den ewigen Kreislauf des Lebens zu betonen. Denn wo Tote vergessen schlummern, spielt nun fröhlich die lachende Jugend und blühen tausend duftende Blumen. Böse Zungen — sie brauchen nicht einmal alkoholfrei zu sein — behaupten, es gebe zur Zeit in Bern viele Wirtschaften. Es muss schon etwas daran sein, denn über «mangelnde Sitzgelegenheit» sind noch nie Klagen laut geworden. Vor rund neunzig Jahren gab es ein halbes Dutzend Kaffeehäuser und ebensoviel Sommer-Kaffeewirtschaften, darunter die heute noch rühmlichst bekannte Enge und das Schwellenmätteli. Zur Ergänzung kamen noch zehn Wirtshäuser innerhalb und vier ausserhalb der Stadt hinzu. Es bestanden auch noch zwei Israelitenwirtshäuser, beide in der Aarbergergasse (Nr. 38 und 72). Um vom Wirtshaus aufs Zuchthaus zu kommen, muss ich bekennen, dass ich nicht in der Lage bin, beurteilen zu können, ob es den heutigen Insassen besser als den damaligen gehe. Die Gefangenen bekamen ehemals täglich ein Pfund Brot und Suppe oder Haferbrei zum Frühstück, mittags Suppe und Gemüse und abends Suppe oder Kartoffeln mit Milch. Die Presse zeigte das Bild ausgesprochenen Kleinbürgertums. Es erschienen sechs Zeitungen, doch keine täglich, sondern, wenn's hoch ging, dreimal in der Woche, wie der «Schweizerische Beobachter» und «Die Allgemeine Schweizerzeitung». Das «Berner Intelligenzblatt» sowie der «Hermes», ein Blatt für Handel und Gewerbe, kamen zweimal wöchentlich heraus. Man war weniger sensationslüstern und hatte Zeit, die grössern Weltbegebenheiten aus zweiter Hand und mit reichlicher Verspätung zu geniessen; sie waren vermutlich auch so oft noch erbaulicher als die, welche uns heute aus erster Quelle in kürzester Frist zufliessen. Dass Bern auch damals eine eigene französische Kolonie zu Gast hatte, überrascht uns nicht. Wie steht es aber mit den Trägern des alten Regiments, mit den stolzen Geschlechtern, deren Namen so manche Verbindungslinie mit der Schweizergeschichte aufzuweisen haben? Es ist als ob sie das heutige, dickleibige Adressbuch init souveräner Verachtung strafen wollte. Sie sind entweder gar nicht oder nur spärlich vertreten. Die Diesbach, Effinger und Tillier findet man nur noch in den Strassennamen. Die Jenner, Sinner, Stürler, Bondeli, Tschiffeli und Manuel sind selten. Nicht viel besser ergeht es den May, Erlach, Wurstemberg, Bonstetten, Graffenried und Tscharner. Dafür sind die Müller, Maier und Lehmänner «ins Kraut geschossen». Die Träger dieser Namen mögen mir die Redeweise verzeihen. Sie können ja nichts dafür, und es ist lediglich der folgerichtige Gang der Dinge, dass das Lebenskräftige obenaufschwinge. Die Müller haben es von 36 ehrsamen Vertretern im Bande 1836 auf 444 im Bande 1938 gebracht, die Meier, Maier und Mayer aller Schattierungen von 15 auf 397 und die Lehmann von 19 auf 269. Dass sich der Name Kaufmann mehr als verfünfzigfacht hat, liegt im Zug der Zeit. Nicht nur ganze Geschlechter, sondern auch ehrsame Berufe sind in Vergessenheit geraten, denn wer weiss noch etwas von Brunnenträger wer da von Thun nach Interlaken fährt, wählt sich kaum das rechte Seeufer, mit seinem unheimlichen Verkehr. Auch auf der Spiezer, Seite «jenügt die Konkurrenz! Bald fäjirt'man bei-* nahe im Wasser, dann wendet sich die Strasse wieder in kühner Schleife landeinwärts. Sie hebf sich vom Einiger Kirchlein hoch über Spiez hinauf. Hier gibt sie den Blick frei, zur Rechten ins Sim-.> menthal und auf den wuchtenden Niesen, dieses Fujiyama-Mirakulum ohne Vulkan. lieber Hondrich könnte man weiter die Höhe;; nehmen, nach Aeschi oder ins Kandertal, zum und Degenschmied, von Gassenbesetzer, Gelbgiesser und Gipsreiber? Auch für den Schröpfer hat man bessere Formen gefunden. Dass man heute, in der Zeit des Bubikopfes, der Haarflechterin nicht nachweint, scheint verständlich. Sie wäre wahrscheinlich brotlos geworden und der Arbeitslosenversicherung anheimgefallen. Das heute mit Buchdruckereien reich gesegnete Bern besass damals deren fünf, darunter Stämpfli und Haller. Gering, auch verhältnismässig gering, war die Zahl der Fürsprecher. Als besondere Gruppe wurden die «Hebräer» aufgeführt, die ja auch zwei eigene Wirtschaften führten. Man begegnet übrigens bekannten Namen wie den beiden Lory und dem heute noch geschätzten Freudenberger. Die «Pintenwirte» bilden eine eigene, anscheinend anspruchslose Gruppe, denn heute würden sie diese Benamsung vermutlich durch Bierpreiserhöhung oder Boykott bekämpfen. Auch «Schreiber« sind nicht wenig vorhanden, während jetzt niemand mehr auf diese, höchst ehrenhafte Bezeichnung Anspruch erhebt, trotzdem gewiss mehr geschrieben wird als früher. Die spintisierende Zunft der Schuhmacher, wie sie seit Jakob Böhmes Zeiten mit Recht heissen mag, stand in hohem Ansehen, indes ihnen heute Bally und seine Maschinen den schönsten Teil der Arbeit abgenommen haben. Vom Wohlstand des alten Bern erzählen ferner die zahlreichen Weinhändler. Es gab mehr Weinhändler als Kunstmaler. Ob aber beide ihre «Kunst des Schönfärbens» gleich gut verstanden, sei dahingestellt. Zu den vier Briefträgern jener Zeit sind heute noch hundert dazugekommen. Wie aus dem Namensverzeichnis, so sind auch aus dem Berufsverzeichnis im Vergleich zu heute untrüglich die Zeichen unserer raschlebigen Zeit ersichtlich. Denn manches wohlfundierte Haus jener Zeit hat keinen Nachfolger gefunden, und für viele volltönende Namen unserer Tage wird man vergeblich eine «historische Linie» suchen wollen. Fahrt ins Oberland Brienz im Berner Oberland. Lötschberg, Simplon, Italien. Welch lieblichen Namen hat sich die Blümlisalp gewählt! Als wäre sie keine Kaiserin in diesem Reich. Milchblau glänzt ihr Firnschnee herüber, und der Himmel strahlt lichtgeborenen Enzian. Durch" blanke Dörfer und duftüberschwemmte Wiesen geht es nach Faulensee. Die Riesen des Oberlandes sind nahe herangerückt. Am jenseitigen Ufer schäumt das Grün der Wiesen und Wälder in unvergleichlicher Heiterkeit von den südlich geneigten Hängen herab. Manch neuer Rebberg wurde mit guter Zuversicht gepflanzt. Auf der Höhe von Spiez sind querüber die munteren Orte nach Thun zu erblicken: Oberhofen, Hilterfingen, Gunten. Sigriswil springt keck auf die Matten darüber. Glänzen kann es aus jeder Glasscherbe. Es gleicht einem Lausbuben mit Seiner «Spiegelfechterei», wenn er Vorübergehende mit seinen Brenngläsern belästigt. Max Senger. Immer noch haben wir die Wahl zwischen Interlaken und Mülenen-Wimmis. Von Wimmis geht's in die Berge hinein. Da erreicht man durchs Simmental rasch das Saanenland. Weiter geht's über Chäteau-d'Oex bis Montreux hinunter. Kurhaus Bad Weissenburg steht am Anfang der genussreichen Fahrt friedlich in den Tannen des Simmentais. Aber nun schlagen wir doch Richtung Interlaken ein. Die Orte werden spärlicher, rechts wie links. Die Eleganz einer unbeschwerten Seewelt weicht düsterem Ernst. Der Brienzersee ist schon zu ahnen. Kurz vor dem «Bödeli» taucht der Härder auf. und hier ist es endgültig vorbei mit der Augenlust einer Seeweite. Fremdartiges schiebt/ sich schroff in die Szenerie. Wer Schluchten liebt, und wer in einer Bergesklamm leben könnte, findet nun sein gelobtes Land. Der Wald über dem schmalgewordenen See ist von unten nach oben durchschnitten. Wir schauen hinüber, rätseln und raten «Beatenberg». Oben zieht sich das «Dorf des glücklichen Berges» bis fast nach Interlaken. Auf jener .Höhe, wissen wir abendwärts, einen unvergleichlichen Waldpfad, der vor wildem Fels endet. Und der Fels überragt ein schmales Tal, das sich ganz wie aus Moos hinlagert und ans Ende der Welt zu führen scheint: Das Justistal. Gertrud Egger. T>t Cbiltet Von Qottlieb Jakob Kuhn Benz: Hoscho! Eisi, la mi yne, Es macht nüsti grüsli ehalt. Lueg wie d'Sterne heiter sehyne! Ghörst du! D's Huri schreit im Wald. Eisi: Benzi, gang mer ab der Byge; Los! Der Ringgi bellet scho. We mer jetz nit gleitig schwyge, Chönt is d's Müeti drüber cho. Benz: 's Bott, i gah jetz nit da dänne! Mira syg dys Müeti da! Was het es da drüber z'gränne? 's het der Att o yhe g'la. Eisi: Ni-n-is g'wüss! I muess mi schäme; Bist erst nächti by mer g'si. We's o dyner Lüt vernähme, Denk, o Benz, was seite si? Benz: Mira, was si wei, die Narre, Mira, doch! Was g'heit es mi? Es zieht mi a-n-alle Haare, Eisi, bis i by der bi. Eisi: Nei, gang doch vom Fäister abe; I cha di nit yhe la! Chumm du de am Samste z'Abe, De ma's notti sauft agal Benz: Eisi, mach nit Federlese! Gell, du wotsch mi yhe la? 's war mir doch es arigs Wese, Wen-i wieder hei sott ga. Eisi: Du bist gar e fuule Kerli; Du magst säge was de witt! Aber glaub mer's ja-n-i währli, Da Rung chunnst mer notti nit! Benz: Eisi, bis doch nit so g'spässig! Was han-i dir z wider tha? Angri Mahl bist nit so hässig, Mira. I cha wieder ga. Eisi: Nu so de! So chumm de-n-yne! Nume hübschli! Süferli! Aber bis mer grüssli fryne, Süst bist z'letst Mahl by mer gsi. G. J. Kuhn: Volkslieder und Gedichte. Unser Gedicht «Dr Chilter» ist einem im Jahr 1913 erschienenen Neudruck der «Volkslieder und Gedichte» von .Gottlieb Jakob Kuhn entnommen. Dieses Bändchen, das im Verlag von Ernst Kuhn (Biel), einem Nachfahren des Dichters, herausgekommen ist, vereinigt auch einige Gedichte von Johann Rudolf Kuhn und Franz Wäber. Wer kennt sie nicht, die zum Volkslied gewordenen Weisen und Texte «Herz, wohi zieht es di?», «Han an-em Ort es Blüemli gseh», «Der Ustig wott cho»? Gottlieb Jakob Kuhn war, wie Gottfried Strasser, wie Jeremias Gotthelf, wie Emanuel Friedli, einer der Berner Pfarrherren, die zur Feder berufen waren, um dem innersten Empfinden des Volkes Ausdruck zu geben.

51 — Automobil-Revue 11 Spaziergänge im Emmental Es gibt Leute, die das Mittelland zu schätzen wissen und nicht finden, dass «zwischen Bern und Burgdorf überhaupt nichts los sei.» Landschaftliche Sensationen gibt es freilich nicht in und um Burgdorf. Es sei denn, dass man die vier Flühe für eine Sensation hält. In unserer sensationswütigen Zeit ist es angenehm, einen solchen Ort zu finden. Burgdorf bietet sich jedenfalls nicht mit grosser Aufmachung als Touristenort an, und doch ist es viel bereist. Burgdorf und seine Umgebung sind eins. Das ist nicht selbstverständlich. Denken wir an Kurorte und ihre umgebende Natur. Die kleine Emmenstadt fügt sich ausgezeichnet in den Naturraum, in dieses vielgestaltige und doch geschlossene Bild. Das Gemüt erheitert sich an der ungewöhnlichen Harmonie. Vier Himmelsrichtungen hat zwar jeder Ort, aber nicht jeder hat vier verschiedene und doch so geschwisterliche Charaktere. Es gibt Ortschaften, die rings von gleichartigen Flühen umgeben sind, andere erblickt man auf stundenweite Entfernung, weil sie in der endlosen Ebene liegen; wieder andere werden von Klüften erdrückt, der Atem stockt uns. In Burgdorf ist nichts übersteigert, nichts kleinlich, nichts monoton. Burgdorf hat Höhe und Tiefe, Enge und Weite, Nähe und Ferne. Sie wechseln, sie begegnen sich in einem sanften Rhythmus. Jede Seite bildet den vollendeten Ausgleich zur andern. Es ist eine kultivierte, eine gestufte, sinnreiche Landschaft. Kinder, die hier aufwachsen, hätten die beste Möglichkeit, Leben und Menschen von verschiedener Seite betrachten zu lernen. Ist doch die Landschaft ein Seelenbildner ersten Ranges. In Burgdorf könnte man sich formen und Mass lernen. Der Aufenthalt am Ort selber ist schon genussreich. Burgdorf ist ein Ort, «sonnig und wonnig», wie es von Seldwyla heisst. Es geht dabei tüchtig auf und nieder. Die Schuster haben zu tun. Man mag schauen von welcher Seite man will, immer bietet sich ein gutes Stadtbild. wert ist wie öusserlich. Er bewundert das schone, alte Zunfthaus am Kirchbühl. Er besucht wohl den Rittersaal im Schloss und die Ethnographische Sammlung. Schliesslich macht er einen Rundgang über das Gärten- und aussichtsreiche Gsteig. Wir erhalten den besten Ueberblick vom Bergfried des Schlosses aus. Nach Sonnenaufgang ist Burgdorf ein Idyll. In den Wiesen, von Wäldern umgeben, stehen Sommerhaus und Bartholomäuskapelle. Diese stille Lieblichkeit findet ihren charaktervollen Gegensatz in der schroff anschliessenden Fluhwand. Es folgen drei weitere Felsen. Die Fluhwälder treten in den nahen Gesichtskreis des Beschauers. Den Burgdorfern kommt die Sonne nicht von weither. Plötzlich flammt sie morgens über den Felsen auf. Milder versinkt sie in den abendlichen Hügeln. Nach Norden zieht sich eine sachte Landschaft zum Jura hin, mit Erlen und Weiden am Emmenbord, mit ausgedehnten Dörfern und ebenem Ackerland (und mit berühmter Autostrasse über Kirchberg!). — Wer den Wald liebt, liebt die Abendseite. Hier findet er massige Waldberge — und Täler, Tannen und Buchen und Unterholz, Pilze, Beeren, Fuchslöcher, Vögel, Schnepfen und was Herz und Auge begehrt. Vom Süden hat Burgdorf seine nähere Bezeichnung, Burgdorf im Emmental. Emmentalisch ist sein Charakter. Ohne Ausblick ins grüne, saftreich ansteigende Hügelland und zu den Schneebergen wäre es immer noch ein hübscher Ort mit Flühen, Ebene und Wald, sowie es manche Orte gibt. Das «Sonnige und Wonnige» kommt ihm vom Emmental. Hier wird die Landschaft gross wie nach Norden, doch geformter und heiterer. Es gibt Landkarten, die machen aus den Berner Alpen eine Theaterkulisse für Burgdorf. Das ist falsch, Burgdorf hat zwar eine kultivierte Kleinbühne und ein theaterliebendes Publikum, aber dies ist anderlei. — Man öffne an einem schönen Morgen die Fenster, es mag Sommer oder Winter sind die wuchtigen Herolde der Alpen, Vollender der Weiden- und Vorbergeinsamkeit. Nun aber machen wir eine Fahrt durchs Unteremmental. Auf langer Strecke zwischen Burgdorf und Affoltern hat man das Glück, Jura, Oberaargau, Emmental und Alpen gleichzeitig zu sehen. Diese vielbefahrene Strecke über Sommerhaus-Kaltacker und Lueg beginnt ohne grosse Vorverkündigung. Hat man über dem Sommerhauswald die Höhe gewonnen, so wirkt die Ueberraschung um so grösser. Man spürt auch, diese Landschaft kann sich nicht plötzlich verniedlichen, denn sie hat selber den Schritt des Landmanns, der über Acker geht und im Werk die Erde segnet. Auf der Lueg hält man an und geht zum Heiliglandhubel hinauf. Eine unbeträchtliche Steigung, mit jedem Schritt gewinnen wir grössere Uebersicht. Lustige Bärner Meitschi. Zu den kurzen Ausflügen gehört alles, was man in einem ganzen oder halben Tag von Burgdorf aus unternimmt. Affoltern' ist das gewöhnliche Endziel der Kaltackerreise. Von hier führen viele Emmenfalerwege nach Burgdorf zurück, aber man erreicht auch Langnau, Signau und Konolfingen in kürzester Zeit. Photo Tuggener (Zingg) Zwischen Langnau und Konolfingen liegt die Moosegg, erreichbar von Lauperswil, Rüderswil und Emmenmatt. Das vielbesuchte Kurhaus steht auf 972 m Höhe im Weideland. — Blumenfreunde zieht es ins Waldhaus ob Lützelflüh zu den berühmten Kulturen. Dies ist nun ja Gotthelfs Land. Wie zu seiner Zeit liebt, pflegt und betreut die Emmentaler Bäuerin ihren Flor. Uebrigens liebt auch der Burgdorfer Blumen. In den Gassen blüht es, wenn auch nicht von Gärten, so doch tausendfach vom Fenstersims. Die skifreudige Burgdorfer Jugend fährt gerne ins Signau zum Chuderhüsi. Aber auch die Gumm über Biglen, oder Truberland und Napfgebiet haben grosse Anziehungskraft. All dies zählt zum Sonntagsausflug der Burgdorfer. Es gibt daneben ausgedehnte Tagestouren in die Vorberge, ins Eriz und an den Thunersee; es gibt Rundtouren über die Falkenfluh nach Schlegweg- oder Schnittweyerbad, Heimenschwand, Steffisburg. Was aber stets am meisten lockt, das ist «ein weisses Spitzchen», wenn nicht eine drohende Zacke über Wald- und Weideland. So ist Burgdorf Ausgangspunkt nach Unter- und Oberemmental, nach dem Jura und Oberaargau, nach Thun und den Schneebergen. Gertrud Egger. Das Städtchen wird vom Zähringerschloss und der edlen gotischen Kirche flankiert. Ober- und Unterstadt sind gefällig durch Brücke, Treppe und grosszügige Kehrstrasse verbunden. Mit angeborener Kunstliebe schützt der Burgdorfer die Zeugen altbernischer Baukunst. Letzter Zeit wurden zwei besonders repräsentative Stadthäuser durch Fresken geschmückt. Der Einheimische liebt diese Schilderungen, der Fremde ergötzt sich daran. Wenn Burgdorf schon seinen grossen Brand erleben musste, so kann es von Glück sagen, dass das lang vor 1900 geschah. Wie hätte man im «Jugendstil» wohl aufgebaut? Nun aber fügt sich das neuere Burgdorf ruhig ins Gesamtbild. Wir haben da ein richtiges Landstädtchen. Der Bauer handelt wie in Langnau, und die Jungfer geht gerne z'Märit. Biedermeier-Truhe ans dem Emmental. Burgdorfs Sehenswürdigkeiten sind nichts für Bildungs- und Baedeker-Philister. Cook-Reisende kommen nicht hierher. Wer Burgdorf aufsucht, liebt es und sieht es deshalb mit richtigen Augen. Er bemerkt, dass die Stadtkirche im Innern so sehenssern, in leichtem Dunst oder offener Klarheit erheben sich die Berge, nah und doch ferngerückt, niemals theaterhaftI So ist die Umgebung vornehm und lieblich zugleich. Es braucht nur das nächste Ausflugsziel, die R o f h ö h e, und man übersieht die reichen Möglichkeiten für Wanderung und Fahrt im Emmental. Man schaut zunächst noch einmal über das Hügelstädtchen. Die Gassen schwingen sich von Westen nach Osten, die rückwärtige Horizontlinie wiederholt den Schwung. Sie wird südöstlich in das reichere Grün der Fluhhäupter hinübergeführt. In unendlichem Kleinmosaik liegen Wiesen und Aecker über dem Emmenlauf. Bald entschwindet das Einzelne dem Blick, die Hügel folgen sich in beschwingter Flucht. Keine Wunde ist in diese Landschaft geschlagen, kein Industrieort verhässlicht das sommerliche Bild oder das ruhige Schneegelände. Streng schliesst der Hohgant diese Welt ab. Hier ist Quellgebiet der Emme, Ausgang des Emmentals. Hohgant, Schrattenfluh, Schibegütsch Kommende Ereignisse | Bucl! 2S./2S. Juni: XXII. Schweiz. Hochschulmefsterschaften: Leichtathletik, Schwimmen, Schiessen, Fechten. 23. Juni: Sommernachtfest d. T. C. S. t Automobüsektion beider Basel (Zool. Garten). 28. Juni-3. Juli: Basler Tennismeisterschaften (Margarethenpaxk). 27. Juni er. 4. Juli: Serenade im ICreuzgang des Munsters (Studentenschaft Basel). BeülMMnai 29. Juni und 2./3. Juli: Jubflaumsschiessen der «Societa Carabinieri di BeHinzona». Bern: 28. Juni ev. 3. Juli: Grosaer Kinderumzug (Bern in Blumen). La Chamc-de-Fond»: 2S./26. Juni: Kantonal-neuenburgisches Musikfeet. Colombier: 2S./26. Juni: Schwell. Müitärwettk&mpfe (Fechten;. Gstaadr 26. Juni-3. Juli: Oberland. Schützenfest. Lausanne: 2S./26. Juni: Flugwettbewerb, nationaler (Lausanne- Blecherette). Inumzn: 26. Juni: Golfwettspiel: Richard Winch Cup. 28. Juni: Schweiz. Meisterschaft im 23 km-Gehen. 27. Juni: Lieder- und Arienabend des Tenor« Tito Schipa (Kursaal). Martern 28. Juni: Historisches Murtenschiessen. Rorscbach: 26. Juni und 3. JuE: Grosser Umzug anlässlich des 60jährigen Jubiläums des Gemeinnützigen und Verkehrsvereins. Festspiele. St. Gallen: 26. Juni: Nat. Bergprüfungsfahrt Bheineck-Walzenhausen-Lachen, organisiert vom A. C. S., Sektion St Gallen-App. Sl. Merlrzi 2S./26. Juni: XTV. Bündnerisches Kantonal-Gesangfest. Thort: 2S./26. Juni: Concoura hippique. Interessante Erfindungen für den Strandbadkomfort. Der Strandlift von Fürigen am Vierwaldstättersee, der letztes Jahr eingerichtet wurde, stellt eine sehr interessante technische Neuerung dar. Wie der Skilift, dem er nachgebildet ist, wird er Schule machen. Vom Strand zur 35 m höher gelegenen Sport- und Spielwiese befördert er auf 19 an einem starken rollenden Seil angehängten Ständern stündlich 1140 Personen. Der Badegast schwebt auf seinem Ständer in geringer Höhe in elastisch angenehm schwingender Fahrt über dem Boden dahin. Fürigen hat vor zwölf Jahren auch die heute so beliebten flachen Badeboote zum ersten Mal lanciert. Schweizer Wehrgeist in der Kauet. Im Luzerner Kunstmuseum ist bis zum 1. August die Ausstellung «Schweizer Wehrgeist in der Kunst» zu sehen, die von den Miniaturen der Minnesingerhandschriften, den Chronikillustrationen des 15. und 16. Jahrhunderts und den Zeichnungen und Scheibenrissen der Renaissancekünstler bis zur jüngsten Gegenwart reicht. Neben den alten Darstellungen der Holbein, Nikiaus Manuel, Urs Graf, Tobias Stimmer usw. und neben den grossen Gestaltungen, die das Thema in der Neuzeit durch Hodler erfahren hat, erwecken besonderes Interesse eine Reihe prächtiger Porträts schweizerischer Söldnerführer in fremden Diensten, die zum Teil von bedeutenden Malern, wie von Anton Graff, Hyacinthe Rigaud u. a. m., stammen. Kulturhistorisch bietet die Ausstellung mit ihren Belagerungs- und Schlachtenbildern, ihren Darstellungen von Paraden und Empfängen, von Uniformen und Waffen aus sechs Jahrhunderten jedem Besucher reiche Anregung. kdoie Wasserkuren. In den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand in Aerztekreisen das Thema vom Wert oder Unwert der Wasserkuren häufig zur Diskussion. Bei einem solchen Streit der Fachgelehrten meinte der durch seinen Witz bekannte Berliner Arzt Doktor Heim: «Ich halte nicht viel von ihr. Schon die erste Wasserkur, die Sintflut, hat nichts genützt und mehr Menschen umgebracht als geheilt.» Dem Prinzen Conde wurde einmal von einem untalentierten, aber eingebildeten jungen Schriftsteller eine Grabschrift auf Moliere zur Begutachtung vorgelegt. «Ich danke Ihnen», antwortete der Prinz, «aber lieber wäre es mir, Moliere würde mir die Ihre vorlegen.»