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E_1939_Zeitung_Nr.067

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Ifl Automobil-Revue —

Ifl Automobil-Revue — N° 67 „Jenes brünette Fräulein, das..." « ... mit mir am Nebentische unmissverständliche Blicke wechselte, — mir vom 1 andern Trottoir aus zulächelte — im Tram Nummer fünf vis-ä-vis sass — mit mir im selben Abteil von Basel nach Bern fuhr...» Wer hat es nicht schon gelesen, dieses unsterbliche Inserat, das sein Dasein in allen Zeitungen der Welt fristet? Jenes Inserat «an die ferne Geliebte», das sie nie erreicht, weil sie wahrscheinlich solche Inserate gar nicht zur rechten Zeit liest. Diese Annonce, welche den unglücklich Wartenden wie einen Expander während vier Wochen in die Länge zieht, bis er schliesslich mürb wie Blätterteig, statt Mädchenblicken, künftighin nur noch Briefmarken, Käfer, Schmetterlinge, Kristalle oder Ausschnitte aus den Illustrierten Zeitungen sammelt. Gewiss, diese Art Annoncen ist beliebt, weil sie eine zuverlässige Einnahmequelle aller Annoncenverwaltungen ist, zumal solche Inserate nie unter fünf Zeilen Länge gestartet werden können. Wie liese sich auch ein solch zündender Blick, solch ein strahlendes Lächeln in einen einzigen nüchternen Satz pressen, wie etwa: «Kanarienvogel entflogen, auf Hansi hörend.» Es gibt Tausende von Kanarienvögeln die auf Hansi hören, aber es gibt nur das eine Lächeln • diesen einzigen Tollkirschenblick,. der einem wie Gift ins Blut geht, und den also Gebissenen auf kürzestem Wege zum Inseratenannahmeschalter treibt. Der Arme! Er hätte es billiger haben können — und auch einfacher, hätte er das bezaubernde Geschöpf kurzwegs beim Wickel gefasst. Aber der Held solcher Inserate kann das eben nicht — er gehört zu denen, die über ihre eigenen Füsse stolpern, die aufs Sprungbrett steigen können, sich aber^ eher die Zunge abbeissen, als ins Wasser zu springen — er findet die Sprache eben erst dann wieder, wenn die Angebetete über alle Berge verschwunden ist. Wer hätte diesen sehnsüchtigen Aufschrei eines schüchternen Herzens — auf Druckerschwärze gestampft, die Zeile zu 30 Rappen — noch nicht gelesen und sich dabei den Kopf zerbrochen, wie es möglich ist, dass ein Mensch im leidenschaftlichsten Ueberschwang einer ausbrechenden Liebe auf den ersten Blick, vier Stunden lang seiner nur um wenige- Meter entfernten Geliebten, über alle Stadtviertel hindurch, bis in die Wolken und noch über die Milchstrasse weg folgt, läuft, rennt, um dann knapp vor seinem Ziel das Inserat aufzugeben «Jenes Fräulein, welches ...» Jenes Inserat, das in seiner höchsten Vollendung so lauten müsste: «Jenes' brünette Fräulein, welches dem Herrn im dunkelgrünen Anzug am Samstagabend im Kino, Reihe dreizehn, manchmal verstohlen zulächelte, ihn öfters mit Seitenblicken streifte und nach der Vorstellung noch draussen vor dem Lichtspieltheater auf- und abging, in der Strassenbahn jenem Herrn zuzwinkerte, gleich nach ihm an der nämlichen Haltestelle ausstieg, auf dem Trottoir das Handtäschchen fallen Hess und dem Herrn im dunkelgrünen Anzug in der dunklen Allee über die Füsse stolperte — wird mangels Gelegenheit zum Ansprechen am bewussten Abend um ein Lebenszeichen, bei ehrbaren Absichten, gebeten.» Hans Heini Baseler. Jiäccfiett um das £enkcad «Mein Herrscher», sagte der Vezier eines morgenländischen Herrschers zu seinem Sultan, «seitdem du diese selbstlaufenden Wagen, die so laut hupen und die einen solchen Geruch und Staub um sich verbreiten, in dein Land gerufen hast, ist auch ein fremder Geist über unsere Grenzen gekommen.» «Welchen Geist meinst du?» fragte der Sultan. Der Vezier verbeugte sich: «Genug damit, dass deine Untertaninnen und unsere Frauen den alten geheiligten Schleier nicht mehr tragen wollen...» Der Vezier unterbrach sich, denn der Sultan nickte und sagte: «Gewiss, das weiss ich und ich habe die Aufhebung dieses Gebotes schweren Herzens gestatten müssen, weil das Abendland uns nicht; als allzu! rückständig schelten" sollte.» Als der Sultan einen tiefen Zug aus seiner Wasserpfeife nahm, fuhr der Vezier fort: «Mit der Entschleierung kam etwas anderes noch. In unserer Hauptstadt werden nicht weniger als fünfzig dieser selbstfahrendcn Wagen heute schon gesehen, an deren Lenkrad Frauen sitzen.» — «Sogar sehr hübsche Frauen» r , Hinter den Kulissen der Autorennen Blick in die „Rennabteilung" und den „Wanderzirkus". Autorennen sind sportliche Schlachten. Und der Sieg in einer Schlacht hängt bekanntlich von einer ganzen Reihe verschiedener Faktoren ab: von der Tapferkeit der kämpfenden Truppen, von der Wirksamkeif ihrer Waffen, von der Geschicklichkeit, mit der sie geführt werden und nicht zuletzt vom einwandfreien Funktionieren der Etappen- und Nachschuborganisation. Bei Autorennen spielt die sogenannte Boxe die Rolle der Etappe. Hier befindet sich das Brennstoff-, Reifen- und Ersafzteillager, hier stehen Reservefahrer zur Ablösung ihrer erschöpften Kameraden bereit, und hier residiert der Mann, der Generalstabschef und Etappenkommandant in einem ist: der : Rennleiter. Der Aussenstehende kann sich kaum einen Begriff machen, welch' hohe Ansprüche an die Umsicht, die Nervenkraft und das Organisationstalent dieses Mannes gestellt werden. In den Monaten Mai bis Ende September findet fast allsonntäglich irgendwo in Europa ein grosses Autorennen statt, und die Entfernung zwischen den einzelnen Startplätzen gehen oft in die Tausende von Kilometern. Man überlege einmal, was es heisst, mit dem ganzen umfangreichen Tross an Wagen, Fahrern, Monteuren usw. stets pünktlich an Ort und Stelle zu sein! Reisen mit der Bahn wäre viel zu umständlich und zeitraubend, auf eigener Achse kann man die empfindlichen Renner auch nicht gut über so lange Landstrassenstrecken rollen lassen — bleibt also nur die Beförderung mittels Lastkraftwagen. Den «Wanderzirkus» nennen die Rennleute scherzend die Kolonne mächtiger Diesellastwagen, mit der sie während des Sommers wie ruhelose Nomaden kreuz und quer durch Europa ziehen, überall ein Kielwasser - von Staunen und Respekt hinter sich lassend. Diese Türe ]st nur mit besonderem Ausweis zu passieren, auch die Werkangehörigen haben ohne ihn keinen Zutritt. flocht der Sultan ein, «auch das weiss ich. Verbiete ich jedoch, dass in unserem Lande Frauen ein Auto steuern, lächelt die ganze Welt über uns.» «Es ist noch schlimmer», sagte der Vezier, «selbst meine Lieblingsfrau sitzt am Lenkrad eines solchen Wagens.» — «Du sagst mir nichts Neues», erwiderte der Sultan, «auch Fatme, meine Lieblingsfrau, bestand vor acht Tagen die Fahrprüfung.» «Was es jedoch für einen Mann bedeutet», rief der Vezier zerknirscht, «dann der Urheber eines Gesetzes zu sein, das unsere Lieblingsfrauen wieder vom Lenkrad verbannt, das weisst du, o Sultan, genau so gut wie ich.» «Ist ein solches Gesetz denn so nötig», hob der Sultan an, «lass unseren Frauen doch das Lenkrad.»' , «Es ist nötig, muss ich bekennen», entgegnete der Vezier, «nicht weniger als dreissig Menschen kämen in den letzten Wochen durch Automobile zu Schaden, die von Frauen gelenkt wurden. Das erfpr4ert eine Tat.» ' Der Sultan erhob sich. Sein Gesicht rötete der Zorn. «Wenn es so ist, dann müssen wir uns zu einem Gesetz entschliessen. Du bist Vezier, du hast Vorschläge zu machen, und wenn du nicht in zwei Einem Pressemann öffnet sich, wenn.er nur beharrlich bleibt, manche sonst verschlossene Tür. Aber vor den eisernen Toren der Rennabteilung von Mercedes-Benz versagt oft sogar seine Kunst. Ausser der Rennmannschaft selbst — ausgewählten Leuten, die für ihre Sache durchs Feuer gehen — haben sogar Werkangehörige keinen Zutritt zu diesen Räumen, in denen die Geheimnisse der Renn-Automobile behütet werden. Als es mir doch gelungen und das streng bewachte Tor durchschritten war, brachte der erste Augenblick eigentlich eine kleine Enttäuschung. In dem weiten Raum, in den von allen Seiten das Licht hereinflutet, stand nur einer der silberweissen schnittigen Rennwagen, die ich in so manchen Rennen vorüberfliegen und siegen sah) Doch schon die nächste Minute entschädigte vielfach,. In allen möglichen Stadien der Demontage erblickte ich die übrigen Wagen. Unter Wandtafeln, welche die Namen des Fahrers tragen, dem dieser Wagen «gehört» —* Caracciola, Lang, von Brauchitsch usw. stand nur jeweils der Torso des Fahrzeuges. Hier etwa ein fast leerer Rahmen ohne Motor und Achsen, dessen leichte Ovalrohre verrieten, welcher Sorgfalt es bedarf, um durch Materialersparnis das Gewicht der internationalen Rennformel nicht zu überschreiten. Selbst der an sich zierliche Schalthebel und die Metallstege, die den Sitz des Fahrers zu tragen haben/ sind so vielfach durchbohrt, dass sie gerade noch die notwendige Festigkeit und Widerstandsfähigkeit besitzen. Das Auge betrachtet mit Genuss die technischen Einzelheiten der Wagen, die ebensosehr nach ästhetischen wie nach technischen Gesichtspunkten gestaltet zu sein scheinen. Fragen belehren jnich jedoch, dass sich .die Schönheit, «ganz, von .selbst,», beider, ÄinRqssung an höchste technische Zweckmassigkeit: einstellt. Es ist bei den Maschinenelementen ähnlich wie bei der Karosserie der Rennwagen. Auch sie ist nach den modernsten aerodynamischen Erkenntnissen in dem Bestreben geformt, cjfer Luft so wenig Widerstand wie möglich zu bieten." Im Gehorsam gegenüber den physikalischen Gesetzen hat sie nun eine so schnittige Form erhalten, als habe das Streben nach Eleganz bei ihrer Gestaltung im Vordergrund gestanden! Bei den Mensch e n in dieser Rennabteilung sieht man sofort die grosse Liebe zu ihrer Arbeit. Aus ihrer Haltung, aus jeder Handbewegung ist der Stolz auf «ihre Wagen» zu lesen, berechtigter Stolz,, der auch aus Dokumenten und Lorbeerkränzen, von den Wänden dieses grossen Arbeitsraumes herableuchtet. W.. Sievertl Stunden mir einen brauchbaren Gesetzesentwurf bringst, bist du Vezier gewesen.» Mit diesen.Worten drehte der Sultan dem Vezier den Rücken" zu und ging. ' i In tiefen Gedanken verliess der Vezier den Palast. Als er zu Hause angekommen war, sah er seine Lieblingsfrau, die. ihm entgegenrief: «Ich werde sofort ausfahren!» Dabei zeigte sie lächelnd auf ein neues hellgraues Kostüm und fügte hinzu: «Ist es nicht hübsch ? Macht es mich nicht so schlank, als ob ich eben zwanzig Jahre gewesen wäre?» — «Jawohl, zwanzig Jahre!» entgegnete der Vezier als artiger Mann, geleitete seine Huldin zum Schlage des Wagens und sah sie nachdenklich davonfahren. Plötzlich flog ein Lächeln über seine Züge. Spornstreichs eilte er zum Sultanpalast zurück und stand alsbald vor seinem Herrscher. «Ich habe das Gesetz gefunden, o Sultan!» rief er. Am andern Morgen wurde verlautbart, dass künftig im Reiche des Sultans zur Erhöhung der Verkehrssicherheit nur Frauen über dreissig Jahre das Führen eines Kraftwagens gestattet sei. Einen Tag nach der Gesetzverkündung sah man im ganzen Reich nicht ein einziges Auto mehr, das von Frauen gelenkt worden wäre... „Se HÖH e veca, e &en tcovata!" Kleiner Streif zug durch das Gebiet der „historischen" Märchen. Wnssten Sie schon, dass es gar nicht wahr ist ... ... dass Pythagoras den pythagoreischen Lehrsatz gefunden hat? Die bekannte Figur, die nun Beweis dieses Lehrsatzes benützt wird, stammt vielmehr von Euklides von Alexandria, der zweieinhalb Jahrhunderte später lebte und lehrte. ... dass nach dem Sieg der Athener bei Marathon ein Läufer in voller Rüstung 42 km weit bis Athen gelaufen ist, um seinen Landsleuten den Sieg zu verkünden, und dort tot zusammenbrach? Diese Geschichte, der die heutigen Olympischen «Marathonläufe» ihre Entstehung verdanken, wird von keinem einzigen griechischen Historiker berichtet, sondern taucht erst 600 Jahre später in römischen Geschichtsbüchern in verschiedenen Fassungen auf. ... dass Xanthippe ein böses Weib gewesen ist? Ihre Bosheit ist lediglich erfunden worden, um dem Gleichmut ihres Gatten.Sokrates einen besseren Hintergrund zu geben. ... dass Nero während des von ihm befohlenen Brandes von Rom lautendspielend von seinem Palast aus zugeschaut hat? Für seine Schuld gibt es überhaupt keinen Beweis; dagegen ist er nachweislich während der ganzen Nacht in der Stadt herumgelaufen, um persönlich soviel wie möglich zur Unterdrückung des Brandes und zur Linderung der dadurch verursachten Not zu unternehmen. ... dass Karls des Grossen Tochter Emma ihren Hauslehrer Eginhard geheiratet hat? Karls Töchter blieben nämlich, wie Eginhard in seiner Biographie des Kaisers selbst berichtet, sämtlich unverheiratet. ... dass der Graf von Gleichen mit Erlaubnis des Papstes- zwei Frauen heiraten durfte?- Diese Geschichte .hat. aller Wahrscheinlichkeit nach der Landgraf Philipp von Hessen frei erfunden, um eine Entschuldigung für seine eigene Bigamie zu finden. ... dass die Matrosen des Columbus kurz vor der Entdeckung Amerikas gemeutert haben? Der Tag der angeblichen Meuterei ist im Schiffstagebuch des Columbus (das von einer Meuterei überhaupt nichts erwähnt), als besonders günstig und angenehm verzeichnet. ... dass der Mönch Berthold Schwarz das Schiesspulver- erfunden hat? In einer aus dem 8, Jahrhundert stammenden Handschrift des Griechen Marcus Graecus wird die Herstellung des Pulvers ganz genau und unmissverständüch beschrieben. - "• .-.-. dass Karl K. in der Bartholomäusnacht aus einem Fenster-des Louvre auf die Hugenotten geschossen hat? Die Zeugen, die dies* behaupteten, Brantome und d'Aubigne, waren in jener Nacht überhaupt nicht in Paris, der betreffende Teil des Louvre aber, aus dem der König geschossen haben soll,-.wurde-erst 30 Jahre später von Heinrich IV. .erbaut. . ' ... , - ^ ./. dass Nixion de l'Enclos an ihrem 80. Geburtstag mit einem Abbe ein" Schäferstündchen gehabt hat? Voltaire berichtet in seinen «Melanges historiques»: «Ich habe sie in ihren letzten Lebensjahren gesehen. Sie war,so trocken wie eine Mumie.» ... dass Friedrich der Grosse sich bei einem Streit um den Besitz einer Windmühle dem Spruch des Kammergerichts, unterworfen hat? Der König liess den Müller lediglich fragen, ob er seine Mühle nicht gegen drei andre schöne Windmühlen und eine hohe Geldsumme abtreten möchte, der Windmüller war querköpfig und sagte nein — und damit war die Sache erledigt. Mit verbundenen Augen Es dauert etwa vier Monate, um einen intelligenten Schäferhund als Blindenhund abzurichten, aber man benötigt vier Jahre, um einen Mann zum perfekten Blindenhunddresseur zu ^erziehen.- In der berühmtesten amerikanischen Zuchtanstalt in Morristown werden < nicht nur dier Hunde/sondern vor ällern auch die Lehrer « abgerichtet». Die erste Periode ihrer Lernzeit besteht darin, einen vollen Monat mit verbundenen Augen zuzubringen, ihr ganzes Tagwerk so'zu vollbringen, als ob sie selber blind wären. Erst'diese Einfühlung in die Welt des blinden 'Miens.ch'en befähigt sie, die Arbeit der zu. : dressierenden Huncte -richtig zu leiten. Was ein .Blindenhund zu leisten hat, ist bekannt und wird dem Sehenden leider nur allzuoft Vor Augen geführt. Es werden nur einjährige weibliche.Tiere in Morristown abgerichtet, urtd.man rechnet 900 Dollars'an Kosten für. [ede, Blmdönhunddressur. Arri: Ende der Ausbildungszeit des Hundes legt :sein Lehrer sich, wiederum das Tuch vor die Augen und lässt sich.nun von dem Hund kreuz und quer führen,, während ein anderer Lehrer beobachtet, ob der Hund einwandfrei seine Pflicht tut. Erst.'nach dieser < Generalprobe > wird dem Hund eyv wirklich blinder Schützling anvertraut. : r,' • '.' cpr. BIERLI HANS- ERLEBNISSE MIT OEM"WELTMilSTEK" Es nützt kein Baden. Schwimmen, Spulen; der Hin« braucht Bier um abzukühlen.

JJO 67 — Automobil-Revue ran Von uns&inAlpenpflanzen Es war ein ausgezeichneter Gedanke, auf der Schynigen Platte ob Interlaken einen Alpengarten erstehen zu lassen. Zu der begnadeten Fülle und Grossartigkeit dieses Aussichtsberges noch dieses Menschenwerk, das uns in die kleinen Geheimnisse der Natur einführen will. Aurikel — Flühblume — Primula auricala, eme immer gerngesehene Blume; bevrrzugt feuchte Felsspalten. Menschenwerk ist fast zu viel gesagt, denn es Ist ein Stück abwechslungsreiche Weide, in die der Mensch auf Etiquetten Erklärungen hineinsteckt. Gleich am Eingang ein steiler Grashang, ßlaugrashalde nennt's der Botaniker wegen dem reichen Vorkommen dieses Grases, und wir werden belehrt, dass in ihr eine reiche Zahl schöner Blüher vorkommt. Unser vielbegehrtes Edelweiss findet sich darin, der Wundklee, dos Sonnenröschen und die kleine Orchidee mit dem Vanilleduft, im Volke t Bränderli > genannt. Kaum ein paar Schritte weiter, ohne sichtlichen Grund, ist ein anderes Gras, die Horstsegge, tonangebend und noch etwas weiter die rostrote Segge. Hier blüht kurz nach der Schneeschmelze die weisse, aussen lila angehauchte Alpenanemone (Haarmanndli) — Anemone alpina. Alpenanemone. Viele haben diese Pflanze nie recht blühend gesehen, da sie schon zu einer Zeit blüht, in der man gewöhnlich noch nicht in die Berge steigt. Aber kennen tun die Pflanze alle, da später ihre Samenstände, die beliebten Haarmanndli, nicht übersehen werden können. Ueberall in den Bergen, wo wir gerade stehn oder gehn, sind wir in einer bestimmten Pflanzengesellschaft drin, die immer wieder die gleichen Arten enthält. Wir achten's kaum, so sind wfr's gewöhnt. Oft wechseln diese Pflanzengesellschaften auf kurze Strecken, kaum dass man den Grund dafür kennt. Kleine Unterschiede des Bodens, der Feuchtigkeit, der Lage und Besonnung mögen das bewirken. Wir staunen, wie die Pflanzen darauf Rücksicht nehmen, wo wir Menschen kaum Unten hiede herauszufinden imstande sind. Trollblume — Trollius europaeus, ist auf feuchten Stellen oft massenhaft zu finden. Da wird der Hang noch etwas steiler, Fels tritt "hervor, trittartige Stufen entstehen, wenig Erde findet da noch Halt. Das sind die Plätze, wo unsere bewimperte Alpenrose sich wohlfühlt. Dort sind die Felsstuferi grösser und günstiger, Erde, Humus bleibt in dicken Kissen darauf liegen. Heidelbeeren, Bärentrauben, Weiden und Heidekraut siedeln sich da in polstriger Weise an und hier fühlt sich die rostrote Alpenrose so recht wohl. Rings um Sennhütten, wo das Vieh lagert und düngt, da schiesst's üppig ins Kraut. Neben riesigen Nesselstauden stehen Büsche von blauem Eisenhut, vom unscheinbaren « Guten Heinerich >. Hier leuchtet hellgelbgrün das Kraut der stachligsten aller Disteln, Dazwischen Flächen von Alpenampfer, im Volksmunde « Blocken > genannt und dort eine ganze Wiese vom Taumantel. Wenn wir diese morgens durchschreiten, sind unsere Schuhe gründlich gewaschen. Diese Pflanzengesellschaft nennt man allgemein Lägerflur. Dort in jener Geländemulde ist's auch üppig. Im Spätsommer leuchtet's aus ihr in allen Farben. Ein Stück Hochstaudenflur hat sich da angesiedelt: Hier bleibt der Schnee lange liegen, der Boden wird tief mit Schmelzwasser gesättigt. Das absterbende reichliche Kraut verfault an Ort und ergibt einen fetten Humus, der uns die ungewohnte Ueppigkeit in dieser Höhenlage erklären lässt. Wiederum dicht daneben weite Flächen ganz niederen Grases, Borstgraswiese genannt. Dieser magere Rasen ist meist als Folge der Beweidung anzusprechen. Jedes Blümlein wird da vom Vieh weggefressen, Samenbildung, also natürliche Vermehrung der Pflanzen, wird unterbunden und zuletzt haben wir diese ausgedehnten, mageren Weideflächen. Enziane, Mehlprimel, Katzenpfötchen, die behaarte Glockenblume finden sich darin. Unter den Alpenpflanzen werden viele als Heilkräuter geschätzt. Denken wir an den Frauenmantel, ans Silbermänteli, den eben genannten Arnika, an Bärentrauben, Wacholder und was der beliebten Kräutlein mehr sind. Alle diese sind im Alpengarten auf einer hübschen kleinen Anlage zusammengestellt. Auch die besten Futterkräuter für das liebe Vieh lernen wir kennen. Z. B. Muttern, dann Adelgras, eine Wegerichart, die ihrer grasartigen Blätter wegen so genannt wird, und das Milchkraut. Arnika — Arnica montana, eine geschätzte Arzneipflanze. Sogar das Geröll, die Geröllhänge haben ihre Bewohner, die sich in den so unfreundlichen Steinen wohlfinden. In wunderbarer Weise vermögen da oft ganz zarte Pflänzchen sich wohlzufühlen. Ja, es sind oft fast die eindrücklichsten Kinder unserer Bergflora, die zwischen den scheinbar toten Steinblöcken freudig und lebenslustig blühen. Edelweiss — Leontopodium alpinum. Milchlattich — Mulgedium Plumieri, eine auffallende Grossunserer Alpenflora. Wie diese zarten Pflanzen da ihr gutes Auskommen finden, das muss man im gedruckten Führer des Alpengartens nachlesen. Jede Bergfahrt, zur Sommer- oder Winterzeit, wird reicher und schöner, wenn wir etwas um die Geheimnisse des stillen Waltens dieser Naturgesetze wissen. Trotz der zeitweisen Rauhheit des Bergklimas herrscht auch da oben allenthalben wohlgeordnete Gesetzmässigkeit. Das fast übersehene, kaum, meterhohe Tanngrotzli oben am Grat in 2000 Meter Höhe, angeklebt an den steilen Hang, nötigt uns mit seinen vielleicht 100 Altersjahren plötzlich mehr Respekt ab wie seine üppigen, gleichaltrigen Brüder, die im Tal unten den schattigen Wald bilden. Der Respekt vor all' diesen Dingen steigt. Wir rupfen weniger gedankenlos olles ob, was uns gerade pflückenswert erscheint. Ganz von selber werden wir zum Schützer all" unserer Bergpflanzen, und bald sind wir so weit, dass wir gedankenlose Mitmenschen auf frevles Tun aufmerksam machen. Links: Wollgras — Eriophorum Scheuchzeri. Die silbernen Fruehtbesfände leuchten oft zu Tausenden an feuchten Orten. Recht«: Gelber Enzian — Gentiana lutea. Die charaktervolle Pflanze liefert mit ihren Wurzeln den Magentröster Enzian. Fahren Sie nur mit der neuen Hallwag-Autokarte Sie vermeidet das Urnfalzen beim. Gebrauch im Wagen Das ist aber nur einer der sechs Vorteile, die sie auszeichnen: 1. Das schönste Autokartenrelief 2. Genaueste Masseinteilung 3. Detaillierte Beschriftung 4. Unvergleichliche Übersichtlichkeit 5. Bis April 1939 nachgetragen 6. Neue Falzung 1:300000 In allen Buchhandlungen erhältlich. Auf zähem Papier Fr. 3.50, Leinen Fr. 5.— VERLAG HALLWAG BERN, Abteilung Autotouristik