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Hallesche Immobilienzeitung Ausgabe 71 März 2018

Halles Bauprojekte 2018 - die höchsten Investitionen seit den 1990er Jahren - wir geben einen Überblick. Die immoHAL GmbH auf der SaaleBAU - dort werden die aktuellen Immobilienpreise für 2018 vorgestellt. Ab Mai wird es sportlich in der Ludwig-Wucherer-Straße - denn immoHAL vermittelte ein Ladengeschäft an einen Sportartikel-Händler. Unser Architekturbericht befasst sich mit den vergessenen Bauwerken von Johann Peter Schulze. Zudem gibt es wieder viele aktuelle Immobilienangebote für Halle und den Saalekreis.

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4 HallescheImmobilien I m m o b i l i e n z e i t u n g f ü r H a l l e u n d d e n S a a l e k r e i s 71. Ausgabe: März 2018 eine Serie Halles Gebäude und Architekten In Halle lassen sich an den Gebäuden die Baustil-Epochen wie in einem Bilderbuch ablesen, von der Kirche der Romanik bis in die Moderne. Im Gegensatz zu den beiden anderen Großstädten Sachsen-Anhalts, Magdeburg und Dessau, verfügt Halle über ein großes intaktes historisches Stadtbild. Die Immobilienzeitung stellt in einer Serie Gebäude und Epochen vor. Heute Bauten von Johann Justus Peter Schulze. Die Universitätsklinik und heutige Zoologie ist das einzige Bauwerk Schulzes, dass in seiner ursprünglichen Form überdauerte. Halles vergessener Baumeister – Johann Justus Peter Schulze Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze, sagt der Dichter, also Schiller. Soll heißen: Steht ein Schauspieler nicht mehr auf der Bühne, ist er rasch vergessen. Bei Architekten ist das anders, ihr Name dauert ja in ihren Werken fort. Eng wird es frei- lich mit dem Nachruhm, wenn die meisten Bauwerke beiseite geräumt sind; weil sie zu klein, unmodern oder schlicht im Wege waren. Dieses Schicksal ist den meisten Bauwerken von Johann Justus Peter Schulze widerfahren. Deshalb ist dieser Architekt des Klassizismus in Halle kaum bekannt, obwohl er immerhin Stadtbaumeister war, zwischen 1822 und 1851. Zu einer Zeit, als sich die Saalestadt nach Befreiungskriegen, nach wirtschaftlichem Niedergang, Epidemien und Bevölkerungsverlust nur langsam zur späteren mitteldeutschen Großstadt entwickelte. Musterbeispiel eines modernen preußischen Krankenhauses Nur ein einziges Gebäude von Johann Justus Peter Schulze in Halle Conrad von Einbeck (1360 - 1428) Karl Gotthard Langhans (1732 - 1808) G.F. Heinrich Hitzig (1811 - 1881) Karl Illert (1844 bis 1908) & Paul Thoemer (1851 bis 1918) Karl F. H. Wrede (1845 - 1901) Nickel Hoffmann (1510-1592) Johann Justus Peter Schulze (1785 - 1855) Hermann Weise (1813 - 1883) Otto Carl Lohausen (1831 bis 1921) Hans Grisebach (1848 - 1904) & August Dinklage (1849 - 1920) 1000 1250 1500 1600 1700 1800 1805 1810 1815 1820 1825 1830 1835 1840 1845 | | | | | | | | | | | | | | | Romanik (1000-1250) Gotik (1200-1500) Renaissance (1500-1650) Barock (1650-1750) Rokoko (1725-1780)

immoHAL 0345 - 52 04 90 • www.immoHAL.de Die gusseisernen Löwen am Universitätsplatz zierten einst den Brunnen am Markt. ist erhalten: Die Universitätsklinik am Domplatz, die heutige Zoologie der Universität, wurde von 1839 bis 1840 gebaut. Die Klinik war der erste Krankenhausneubau der Uni und galt als Musterbeispiel eines modernen preußischen Krankenhauses. In dem Gebäude waren sowohl Verwaltungs- als auch Behandlungsräume sowie Hörsäle und im Obergeschoss Krankenzimmer untergebracht - für bis zu 14 Personen übrigens. Seine Pläne für die Universitätsklinik musste Schulze mehrfach verändern, bis der schlichte, zweckmäßige Bau ohne Schmuckelemente übrig blieb. (1821 bis 1823), heute Sitz der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Aus Schulzes Bauwerk entwickelte sich freilich nach wesentlichen Umbauten 1868 und 1888 der heutige gründerzeitliche Logenpalast. Schulzes Spuren am Markt Stadtbaumeister Schulze hinterließ auch am Markt Spuren. Er gestaltete 1823 das Brunnenbecken mit den gusseisernen Löwen von Johann Gottfried Schadow, die heute am Löwengebäude der Universität stehen. Ebenso entwarf er 1825/28 die steinerne Umbauung des Roten Turms, eine Manschette aus zierlichen neugotischen Formen - keine klassizistischen. Die Umbauung wurde jedoch 1945 im Krieg beschädigt und später weggerissen. Vieles nicht mehr sichtbar: Schützenhaus, Stadttheater, Hospital und Hauptpost So erging es auch anderen Bauwerken Schulzes: dem Schüt- Ihr Immobilien-Makler in Halle Johann Justus Peter Schulze (1785 bis 1855) In Altenweddingen bei Magdeburg wurde Johann Peter Justus Schulze 1785 als Sohn eines Mühlenbesitzers geboren. Bis zu seinem 14. Lebensjahr war er vom Dorfkantor unterrichtet worden, dann besuchte er eine Kunstschule in Magdeburg. Der gerade 17-Jährige studierte in Magdeburg Baukunst sowie Mathematik und legte bereits 1803, nach nur eineinhalb Jahren, sein Examen als Feldmesser ab. Es folgten Anstellungen als „Baukondukteur“ bei der Königlichen Kammer in Magdeburg, bis er 1805 nach Halle versetzt wurde, wo er den Bau der drei Mühlen in Trotha, Giebichenstein und Böllberg leitete. Später stand er Bauprojekten vor allem im Harz vor. 1814 schloss er sich der Unabhängigkeitsbewegung an, fand Anstellung als Atelierleutnant und Festungsbauingenieur, ehe er 1817 nach Halle zurückkehrte, wo er unter anderem die Schleusen von Böllberg und Planena baute. 1822 wurde Schulze Stadtbaumeister Halles und 1824 auch hallescher Bürger. Weitere Funktionen kamen hinzu: Als Landesbauinspektor war er neben Halle auch für den Saalekreis, die Universität und die Franckeschen Stiftungen zuständig. Erst 1851 ging er in den Ruhestand. Vier Jahre später starb er. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtgottesacker. Quellen: Angela Dolgner: Johann Justus Peter Schulze - Protagonist des Klassizismus in Halle. In: Jahrbuch für hallische Stadtgeschichte, Halle 2005. 5 zenhaus der Stadtschützengesellschaft im Schießgraben am Leipziger Turm (1823) und dem Stadttheater, das wegen seiner Schlichtheit als „Kunstscheune“ verspottet wurde. Schulzes Hospital in Glaucha gestaltete Ende der 1920er Jahre Wilhelm Jost um. Und auch die bis 1837 nach seinen Plänen gebaute Alte Post in der Großen Steinstraße (1838 bis 1840) wurde durch den Bau der heutigen Hauptpost ersetzt. Das Logenhaus – Schulzes erster großer Auftrag So wie die Klinik waren die meisten Bauten von Johann Justus Peter Schulze eher schlicht. Was seinem Klassizismus-Stil entsprach, aber eben auch an der Geldknappheit seiner öffentlichen Auftraggeber in der Stadt lag. In Halle schuf Schulze mit die ersten klassizistischen Bauten. Dazu gehörte sein erster großer Auftrag in Halle, das Logenhaus auf dem Jägerberg Auch das Logengebäude geht auf Schulz zurück – wurde aber durch An- und Umbauten über die Jahre hinweg verändert. Foto: Markus Scholz für die Leopoldina. Albert (1851 - 1944) & Ernst Giese (1853 - 1944) Knoch (1854 - 1930) & Kallmayer (1853 - 1929) Richard Riemerschmid (1868 - 1957) Kallmeyer(1875 - 1945 & Facilides (1882 - 1963) Wilhelm Jost (1874 - 1944) Bruno Föhre (1883 bis 1937) Hermann Frede (1883 - 1965) Martin Knauthe (1889 - 1942) Wilhelm Ulrich (1890 - 1971) 1850 1855 1860 1865 1870 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1950 2000 | | | | | | | | | | | | | Klassizismus (1770-1850) Historismus (1830-1900) Jugendstil (1890–1910) Moderne (seit 1900)