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Österreichische Post AG; PZ 18Z041372 P; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

NEWCOMER

SCHOOL

EDITION

WINTER 2018/19

RASSISTEN

AUFGEPASST!

SIE SIND HINTER EUCH HER


BRATAN DES MONATS:

CAPITAL BRA

Der erfolgreichste

Deutsch-Rapper

„Bratan, sag, wer von euch will jetzt Beef?“

Capital Bra ist momentan der erfolgreichste

Rapper Deutschlands. Neben Streaming-

Rekordzahlen knackt der „Bratan“ (Bruder),

der mit bürgerlichem Namen Vladislav

Balovatsky heißt, auch noch den Rekord für

vier Nummer-Eins-Hits in vier Wochen und

vier Songs gleichzeitig in den Top 10. Das

hat vor ihm noch kein deutscher Rapper

geschafft. Er hat sein Label „Team Kuku“

verlassen und ist jetzt bei Ersguterjunge,

dem Label von niemand geringerem als

Bushido, unter Vertrag.

Capital Bra wurde 1994 in Sibirien geboren

und kam als Kind über die Ukraine nach

Berlin. Seine Texte handeln vor allem vom

Knast und von Gewalt. Capi selbst begründet

das mit seiner schwierigen Kindheit und dem

Umfeld, in dem er aufwuchs. Als Jugendlicher

rutschte er ins Drogen-Milieu ab, saß

mehrmals im Gefängnis und war immer

wieder in Schlägereien verwickelt. Die Wut

und Frustration baut er durch seine Musik

ab. Eines ist klar: Capital Bra polarisiert und

hat wohl mindestens genauso viele Hater

wie Fans. Egal, wem es taugt oder

nicht: Der Bratan ist jetzt

da und ihr wisst

Bescheid.

19.–24.12.

Rathausplatz

St. Pölten

Sie spenden,

wir senden!

120 Stunden live dabei

Hitradio Ö3 einschalten!

Sony Music/Phong Le

/ MIT SCHARF / 3


3 STAR DES MONATS:

CAPITAL BRA

8 WAS UNS BEWEGT

Über Katja Krasavice, Faye Montana, RAF Camora,

„Out of Control“ und „Élite“

12 IVANAS WELT

Neo-Mama Ivana möchte in Ruhe ihr junges

Familienglück genießen.

14 SCHÜLERBLOGS

Wer will in die Politik und stimmt es, dass die

Menschlichkeit ausstirbt?

POLITIKA

16 SCHLUSS MIT DER

DISKRIMINIERUNG

Die Zivilgesellschaft hat eine Antwort auf den

Alltagsrassismus in Österreich: #nichtmituns

24 ULLI SIMA IN ZAHLEN

26 „SIE SIND JA

GANZ NORMAL.“

Das ist das größte Kompliment, das Lehrerinnen

mit Kopftuch während des Schulbetriebs hören.

Wir haben zwei von ihnen getroffen.

32 LIEBESERKLÄRUNG

AN DIE NMS

Biber-Redakteurin Melisa Erkurt kann das NMS-

Bashing nicht mehr hören und stimmt stattdessen

eine Liebesode an ihre SchülerInnen an.

34 SCHÜLERBLOGS

„Wenn Träume fliegen lernen“ und

„Zwischen Liebe und Hass“

26

DAS HAT ES

BIS JETZT

NOCH NICHT

GEGEBEN:

Lehrerinnen mit

Kopftuch erzählen

von ihrem Schulalltag

zwischen

komischen und

bewundernden

Blicken.

32

„HÖRT AUF, MEINE NMS SCHLECHT ZUREDEN.“

Melisa kann das Bashing der Mittelschule nicht

mehr hören und stimmt ein Lobeslied an die NMS-

SchülerInnen Wiens an.

IN HALT WINTER

2018/19

58 DANKE

An alle Newcomer-Partner. Ohne euch würde es

dieses Magazin nicht geben.

LIFE & STYLE

60 OSTEUROPA RULEZ!

Aleksandra gibt ihre Heimat Polen noch nicht auf,

schlürft an Omas Kompott und trägt Rubchinskiy-

Pullis im Gopnik-Style.

61 ARTUR IN DER

KÄLTEKAMMER

Sportskanone Artur hat sich einfrieren lassen.

Naja, nicht direkt: Er hat überlebt und berichtet

euch von seiner Erfahrung bei minus 90 Grad.

TECHNIK

62 INTELLIGENTE ZEIT

Adam testet die Huawei WatchGT, lässt sich mit

seinem Lieblingslied aus dem Schlaf wecken

und faltet Bildschirme wie Muskelpakete

Telefonbücher.

KARRIERE

64 „CASH RULES EVERYTHING

AROUND ME“

Andrea redet über Geld, den ersten Schritt und

nimmt ihre Zukunft in die eigene Hand.

65 LEHRLINGSSPECIAL

14 und jetzt? Wir haben die SchülerInnen einer

NMS-Klasse in Wien gefragt, womit sie in Zukunft

ihr Geld verdienen möchten. Außerdem: Ali

Mahlodji will immer alles: Zehn Jobs, die euch

garantiert voranbringen und Gymnasialabbrecher

als Durchstarter.

RAMBAZAMBA

48 LERN‘S IN DEN STREETS!

Im Käfig, auf der Baustelle oder zu Hause bei

Freunden – der beste Sprachkurs ist gratis und

kommt ohne Abschlussprüfung aus.

54 STRENGE SCHWESTER

Sie half ihren Geschwistern beim Vokabeln

Pauken und unterschrieb im Mitteilungsheft.

Dabei war Aadilah gerade mal 13 Jahre alt.

56 SCHÜLERBLOGS

Schluss mit dem falschen Schönheitsbild!

Warum wird Mädchen von klein auf vermittelt, wie

sie sich benehmen sollen?

#NICHTMITUNS

Es war nur eine Frage der Zeit: Junge

Zivilbewegung lässt sich die Alltagsdiskriminierung

nicht mehr gefallen.

16

65

UND JETZT?

Bäckerin, Informationstechnikerin oder

doch Polizistin? Wir stellen dir die zehn

gefragtesten Jobs vor!

Marko Mestrović, Christoph Liebentritt, Susanne Einzenberger. Cover: Marko Mestrović

KULTUR

86 YOUTUBER-GIPFEL

IN BERLIN

Jelena fragt sich, warum Bücher fad sein müssen,

empfiehlt den Film „Female Pleasure“ und

interviewt Youtube-Star LeFloid

89 BYE BYE , SCHÖNE HEIMAT

Fredi kann es nicht fassen. Ihr Opa ist gestorben

und damit auch ihr altes Kinderzimmer.

90 TODOR

fragt sich, wenn er an die Proteste in Frankreich

denkt: „Warum fahren die nicht mit dem Rad zu

den Demos?“

4 / MIT SCHARF /

/ MIT SCHARF / 5


Liebe LeserInnen,

Sogenannte „Brennpunktschulen“ sind spätestens seit den

Berichten über den „Kulturkampf im Klassenzimmer“ in

aller Munde. Doch über etwas zu berichten, ohne es selbst

erlebt zu haben, war nie unsere Art. Chefreporterin Melisa

Erkurt hat es vorgemacht und gezeigt, wie viele tolle

Kinder es in den Neuen Mittelschulen gibt. Indem man

nicht über, sondern mit den Kindern spricht. Lest ab Seite

32 die Liebeserklärung der „Newcomer“-Leiterin an ihre

NMS-Schüler.

Während die Regierung im Kindergarten und in

den Volksschulen Kopftücher verbieten will und der

Rassismus in Österreich steigt, wächst auf der Seite der

Zivilbevölkerung der Widerstand. #NICHTMITUNS sagen

Rapper T-Ser, Politikerin Faika El-Nagashi, Journalistin

Nour Khelifi und Aktivist Rami

Ali. Über die neue Generation

des Widerstands und darüber,

was man als Einzelperson

gegen Rassismus tun kann ab

Seite 16

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Musuemsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR/IN:

Amar Rajković

Delna Antia (karenziert)

CHEFiNNEN VOM DIENST:

Amar Rajković

Aleksandra Tulej

CHEFREPORTERIN:

Melisa Erkurt

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Emira Abidi, Bilal Albeirouti, Soza

Almohammad, Aadilah Amin,

Adam Bezeczky, Petimat Dadajeva,

Alex Dietrich, Emir Dizdarević, Aida

Duric, Susanne Einzenberger, Nada

El-Azar, Maryam Ghanem Andrea

Grman, Samira Hartl, Nour Khelifi,

Sophie Kirchner, Christoph Liebentritt,

Zoe Opratko, Jelena Pantić-Panić,

Aleksandra Tulej, Sarah Wagner,

Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LEKTORAT:

Birgit Hohlbrugger

CORPORATE SOCIAL INNOVATION:

Andrea Grman

BRANDED CONTENT:

Katja Trost

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Simon Kravagna

Wilfried Wiesinger

REDAKTIONSHUNDE:

Tito, Casper

BAWAG-PSK:

KARRIERE MIT LEHRE

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Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

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6 / MIT SCHARF /


DIE SEX-YOUTUBERIN UND DER TEENIE-STAR:

DIE SELTSAME KOMBI

KATJA KRASAVICE

UND FAYE MONTANA

Die Leipziger Erotik-Youtuberin Katja

Krasavice veröffentlicht auf der

Plattform Videos wie „Ich befriedige

mich mit einer Gurke“ oder „Mit diesen

Fans würde ich Sex haben“ – und das

sind noch die harmlosesten. Zudem

hat die 22-jährige Katja schon einige

Songs rausgebracht, die klingenden

Titel sagen auch viel aus: „Sextape“

und „Doggy“. Eines ist klar: Katjas

Inhalte sind alles andere als jugendfrei.

Nun scheint der Youtube-Star

eine neue beste Freundin gefunden

zu haben: Die 15-jährige Youtuberin

Faye Montana, Tochter der deutschen

Schauspielerin Anne-Sophie Briest.

Faye dreht Videos über Schmink-Tipps,

Schul- und Lernroutine oder Ausflüge

nach Disneyland. Ihre Uploads tragen

Titel wie „Ich zeige euch mein Zeugnis“.

Das Leben einer normalen, braven

15-Jährigen eben. Auf Katjas Kanal

findet man jetzt ein Video namens

„Schlucken oder Spucken mit Faye

Montana“ – es handelt sich um eine

harmlose Challenge, in der Katja und

Faye mit verbundenen Augen erraten,

welche Getränke sie gerade probiert

haben. Der Titel ist natürlich absichtlich

zweideutig gewählt. Es folgen

noch mehr Videos von Katja und Faye

zusammen. Der Haken: Katja hat dank

ihren expliziten Inhalten schon einen

Namen als Sex-Youtuberin. Nur: Katja

ist erwachsen, Faye noch nicht einmal

16. Für Katja bedeutet diese Kooperation

mehr Skandale und Provokationen,

und vor allem: mehr Abos und Views.

Fayes Zuseherschaft ist nochmal jünger

als Katjas. Wir wollen hier keine Demoralisierung

der Jugend wittern, aber

hoffen, dass Faye sich bewusst ist, was

diese Videos für ihre Zukunft bedeuten

könnten. Und dass es bei harmlosen

Comedy-Inhalten bleibt. Zumindest, bis

sie volljährig ist.

13 Songs

aus dem neuen Album von

RAF Camora waren in den

Top 15 der Ö3 Charts

Am

07.09.2018

starb Rapper Mac Miller an

einer Überdosis

Rashida Tlaib

und Ilhan Omar:

2

muslimische Frauen sind

erstmals Teil des US-Kongresses

481.959

Unterschriften konnte

das Frauenvolksbegehren

sammeln

Dieses Jahr feiern wir

100

Jahre Frauenwahlrecht in

Österreich

PA / picturedesk.com, Katja Krasavice, Faye

AS UNS BEWEGT

Von Aleksandra Tulej, Samira Hartl und Petimat Dadajeva

Entgeltliche Einschaltung

WAS ARIANA GRANDE VON IHREN EXFREUNDEN GELERNT HAT

Ariana Grande überraschte ihre Fans mit dem Song

ICH HAB DEN BISS

FÜR MORGEN.

ICH BIN EINE MACHERIN.

„Thank U, Next“, der am ersten Tag ganze 8,2 Millionen

Mal gestreamt wurde. Die Sängerin veröffentlichte den

Song auf ihrem YouTube Kanal eine halbe Stunde bevor

ihr Ex-Verlobter Pete Davidson, von dem sie sich vor

Kurzem getrennt hat, bei Saturday-Night auftrat. Der

Song ist eine Art Dankesrede an alle ihre Ex-Freunde.

Nicht gerade das, was man aus der Pop-Welt gewohnt

ist, da es meist nach einer Trennung böses Blut und

Rache-Hits gibt. Aber Ariana schlug einen anderen Weg

ein und bedankt sich für die gemeinsame Zeit. Unter

anderem auch bei ihrem Ex-Freund Mac Miller, der vor

einem Monat verstorben ist. Das Lied wird in den sozialen

Netzwerken als eine Art „Break Up Anthem“ gefeiert.

So wird die Textstelle “one taught me love/one taught

me patience/and one taught me pain”, auf Twitter innerhalb

kürzester Zeit zu einem Meme und bietet Freiraum

für Spekulationen, welcher Ex ihr was beigebracht hat.

Eine Initiative von

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Der tägliche Kontakt mit Menschen

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8 / MIT SCHARF /


AS UNS BEWEGT

„ÉLITE“

DAS HIGHSCHOOL-TEENIE-

DRAMA MIT KOPFTUCH

Drogen, Reichtum, Homosexualität, heimliche

Liebe, Intrigen – das perfekte Rezept

für eine erfolgreiche Teenie-Serie, oder?

Was, wenn man noch strenge muslimische

Eltern, religiöse Konflikte und damit verbundene

Gewissensbisse mit reinnimmt? Die

spanische Netflix-Show „Élite“ verkörpert

all das und feiert momentan internationalen

Erfolg. Wir haben uns die ersten Folgen

angesehen und das Fazit lautet: „Élite“ ist

„Gossip Girl“, „Pretty Little Liars“ und ein

Hauch von „Tote Mädchen lügen nicht“ miteinander

vereint. Was will man mehr? „Élite“

spielt an einer Privatschule in Madrid, wo die

Reichen und Schönen auf drei Mitschüler aus

ärmlichen Verhältnissen treffen. Mehr verraten

wir aber nicht. Macht euch selbst ein Bild

– Neflix hat bereits bestätigt, dass es eine

zweite Staffel geben wird.

„YOUTUBE

WIRD

GELÖSCHT!?“

„Mein Kanal wird gelöscht!“.

YouTube-Stars haben mit

solchen Videos ihre Fans in

Panik versetzt. Anlass dazu

ist Artikel 13 der neuen Urheberrechtslinie

der EU. Darin

heißt es, dass zukünftig Plattformen

wie YouTube haften,

wenn Urheberrechtsverletzungen

auftreten. Deswegen

sollen sogenannte Uploadfilter

zum Einsatz kommen, die

problematische Inhalte sofort

herausfiltern. Sprich: Wenn

ein YouTuber ein neues Video

mit einem Song hochlädt, für

den er keine Rechte hat, wird

es von YouTube gesperrt.

Bei vielen YouTubern hat

diese Änderung jetzt Panik

ausgelöst – unbegründet wie

Experten meinen. Noch steht

nämlich nicht fest, wie genau

der Artikel 13 lauten wird.

Solange die YouTuber wie bisher

ihr Ding machen, ändert

sich nichts – Uploadfilter werden

bereits jetzt eingesetzt.

Vorerst heißt es cool bleiben

und nicht alles glauben,

was manche Influencer in

ihren Videos behauptet. Die

profitieren nämlich durchaus

von der Angst der Fans, so

viele Klicks wie in den letzten

Tagen haben sie selten

bekommen.

DAS

INTERNET

VERGISST

NICHT

„Was passiert mit

meinem Snap, nachdem

ich ihn verschickt

habe? Der verschwindet

doch? Oder mit meinem

Instagram-Foto, das mir

nicht mehr gefällt, und

das ich gelöscht habe?’’

diese Fragen dürften sich

viele von euch stellen.

Die Ausstellung „Out of

Control“ in der Arbeiterkammer

Wien liefert

euch Antworten auf

diese Fragen. Eines vorab:

Das Internet vergisst

nicht. All eure Daten sind

irgendwo in den Tiefen

und Weiten des World

Wide Web gespeichert.

Ja, auch eure Snapchatbilder

aus 2013 könnte

man heute noch abrufen.

Wie genau das funktioniert,

was das Internet

sonst noch so über euch

weiß und vor allem was

ihr gegen Datenmissbrauch

machen könnt,

erfährt ihr bei „Out of

Control“. Ihr könnt dort

sogar herausfinden, in

wie vielen Minuten es

ein Hacker schafft, euer

Passwort zu knacken.

Nichts wie hin!

wien.arbeiterkammer.at

Netflix

#zusammenhalten

Gemeinsam unterwegs sein braucht Respekt und

Rücksichtnahme. Denn wir sitzen alle im selben Zug.

10 / MIT SCHARF /


In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

Foto: Igor Minić

bmf.gv.at

BMF/Fotolia

BALKANKIND, FREMDBESTIMMT

Ich dachte echt, wenn ich erst mal den wichtigsten Punkt auf der Jugo-

Checklist abhake, nämlich den seit der Volljährigkeit eingeforderten

Nachwuchs abliefere, werde ich endlich als mündige Erwachsene respektiert.

Bei Vorsätzen fürs neue Jahr verhält es sich wie mit

pünktlichen Verabredungen mit den Cousins. Sie

werden nicht eingehalten.

Letztes Jahr zu dieser Zeit war ich hochschwanger

und die Motivation, ins neue Jahr mit neuem Baby

und ganz bestimmten Vorstellungen über das Familienleben

durchzustarten, war mindestens genauso

groß wie mein Bauchumfang.

Strikt gesund und bio wollt ich mich ernähren, das

Baby fair und ökologisch einwandfrei einkleiden, es

mehrsprachig erziehen, mit sinnvollem Spielzeug

fördern und YouTube nicht als verzweifelten Nanny-

Ersatz penetrieren. Das alles gelingt mal besser,

und manchmal halt gar nicht.

cucujkic@dasbiber.at

Falsch gedacht.

12 / MIT SCHARF /

AUF KEINEN FALL BABY-BESUCHS-MARATHON

Vor allem aber wollte ich das aufregende Projekt

„Wir sind jetzt zu dritt“ langsam und entspannt angehen.

Mich und uns nicht stressen lassen. Von

niemandem. Erstmal kennenlernen, die Geburt verarbeiten,

richtig ankommen. Wochenlang isoliert

im Pyjama, im Mikrokosmos unseres Wohnzimmers

einchecken, ohne Besuch, ohne Baby-Präsentationstermine.

Soweit der Plan. Nicht umsonst heißt

die Zeit nach der Geburt „Wochenbett“, in der jede

Aktivität, die über den Gang bis zur Küche hinausgeht,

einem Cardio-Workout gleicht.

Dieser Plan hat genau gar nicht gehalten. Bei meiner

romantischen Vorstellung von Familienzusammenführung

hab ich meine Verwandten nicht bedacht.

Bewaffnet mit Blumen, Geschenken und einem unerschöpflichen

Repertoire an „Als unser kleine Dalibor

geboren wurde“-Anekdoten, standen diese in

den Startlöchern für die Baby-Bestaunen-Besuche.

Ich dachte echt, wenn ich erst mal den wichtigsten

Punkt auf der Jugo-Checklist abhake, nämlich den

seit der Volljährigkeit eingeforderten Nachwuchs

abliefere, steige ich auf in der Wertschätzungshierarchie

meiner Familie. Dann werde ich endlich in

den elitären Klub der mündigen Erwachsenen aufgenommen.

Meine Wünsche und Grenzen werden

respektiert. Ahahahahahah. Ich hatte einfach vergessen,

von wo ich komme. Lag wohl an der Still-

Demenz.

HAB ICH SOUVERÄN DURCHGESETZT!

Wenige Wochen nach der Entlassung aus dem

Krankenhaus, mit immer noch halbzerstörtem Unterleib,

fand ich mich also im Baby-Welcome-Party-Wahnsinn

wieder. Enger Raum, viel Lärm, viele

Leute, noch mehr Hände, die das zwei Monate alte

Geschöpf wie einen Joint einmal im Kreis herumreichten.

Die zahlreichen Geldgeschenke fürs Baby - diese

Jugo-Tradition lob ich mir wirklich - quittierte ich als

adäquates Schmerzensgeld.

Nun nähert sich bald der erste Geburtstag. Wir haben

uns vorgenommen, keine große Sache daraus

zu machen. Eine Torte und viel Dreisamkeit. Auf keinen

Fall übertrieben und peinlich. Aber wie das so

ist mit guten Vorsätzen und Grenzen: Sie werden

nicht eingehalten. Frohes neues Jahr! ●

Entgeltliche Einschaltung

Spenden

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Steuern sparen

Spendenabsetzbarkeit –

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in Ihrer Arbeitnehmerveranlagung bzw.

Steuererklärung einzutragen, Ihr Finanzamt

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nicht nur für Spenden an begünstigte

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• Kirchenbeiträge

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Datenschutz garantiert

Damit keine Fremden Zugang zu Ihren

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ein verschlüsseltes Personenkennzeichen

an Ihr Finanzamt. Die rechtliche Grundlage

dafür ist das Österreichische Datenschutzrecht,

das besonders streng ist.

Infos auf einen Blick

Folder „Spendenabsetzbarkeit ab

1.1.2017“ zum Download: bmf.gv.at >

Publikationen

Weitere Details zur Spendenabsetzbarkeit:

bmf.gv.at/spenden


MEINUNG

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MENSCHLICHKEIT

STIRBT

Viele Inländer haben den Eindruck von Migranten, dass sie

aus Spaß nach Wien gezogen sind, obwohl alle ihren eigenen

Grund haben. Manche sind aus dem Krieg hergezogen,

andere weil sie in ihrer Heimat schlecht behandelt worden

sind und die meisten weil man in Wien bessere Lebensmöglichkeiten

hat. Viele meiner Freunde waren in einer schrecklichen

Situation, in der man sie wegen ihrer Herkunft oder

ihrer Muttersprache diskriminiert hat. Ein Freund von meiner

Klasse wurde auf der Mariahilferstraße von einer jungen

Dame beschimpft, weil er auf Bosnisch telefonierte. Als er

anfing zurückzureden, verpasste die Frau ihm eine Ohrfeige.

Ein anderes diskriminierendes Thema in Wien ist auch zum

Beispiel das Kopftuch. Viele Frauen wurden wegen ihres

Kopftuchs miserabel behandelt. Das Kopftuch sollte nicht

den Charakter einer Person ausmachen. Ich selber konnte

beobachten, wie eine Frau mit Kopftuch von einem alten

Mann beschimpft wurde, kurz darauf versuchte der Alte

ihr das Kopftuch herunterzureißen. Das war ungefähr vor

2 Jahren. Solche Sachen passieren oft in Wien. Jetzt will

man sogar ein Kopftuch-Verbot in Österreich einführen.

Nicht nur auf der Straße wird man diskriminiert, auch in

der Schule oder in einem Sportverein gibt es Momente, wo

man sich bedrängt/angegriffen fühlt. Mein Nachbar erzählte

mir von seiner alten Klasse. Er meinte, dass er einer von

den Wenigen mit Migrationshintergrund in der Schule war.

Er wurde fast jeden Tag gemobbt, bis er draufkam, dass sie

ihn wegen seiner Herkunft gemobbt haben. Als er mit dem

Direktor darüber sprach, hörten seine Klassenkameraden auf,

ihn zu nerven.

Vor drei Jahren kam ein neuer Spieler zu dem Verein,

in dem ich derzeit spiele. Er war aus Venezuela. Mir erzählte

er, dass sein Vater in Wien arbeiten muss, deswegen sind

sie hergezogen. In der Schule wurde er gemobbt, weil er die

deutsche Sprache nicht beherrschte. Am Anfang bemerkte

er nicht, dass sie über ihn geredet haben. Mit der Zeit verstand

er die Sprache und somit fing er an sich zu verteidigen.

Heutzutage fehlt den Menschen die Menschlichkeit.

Wir sollten verstehen, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Hasan ist 17 und besucht die HTL10.

ENDLICH WEG

Meine Familie ist nicht perfekt. Keine Familie ist

perfekt und das ist die Wahrheit. Jede Familie hat ihr

eigenes Geheimnis. Vom Betrügen bis hin zu Gewalt

und Alkoholkonsum müssen viele Familien mit solchen

Problemen zurechtkommen. Mit jeder Familie kommt

eine eigene Geschichte von Angst bis hin zu Leid,

aber viele sagen nichts. Man ruft nicht die Polizei an,

man sagt nichts aus Angst und damit die Kinder nicht

glauben müssen, dass ihr Vater oder ihre Mutter ein

schreckliches Monster ist, das sie/ihn schlägt oder

sie/ihn missbraucht! Meine Geschichte beginnt im

Jahr 2004, als ich geboren wurde. Ich kann mich nicht

an meine Geburt erinnern, das ist glaub ich normal,

dass man sich an seine eigene Geburt nicht erinnern

kann. Naja egal, ich bin das zweite Kind meiner

Mutter. Meine Eltern streiten zwar viel, aber sie sagen,

dass sie sich immer noch lieben. Vor drei Jahren

hat meine Mutter jedoch erfahren, dass mein Vater

sie betrogen hat. Leider nicht nur einmal, sondern

mehrmals. Ganze zwei Jahre hat mein Vater dieses

Geheimnis mit sich rumgetragen. Er hat ein Doppelleben

geführt und das obwohl er Frau und Kinder

zuhause hat. Eines Abends hat meine Mutter das

Handy von meinem Vater genommen und die SMS an

seine andere Frau gesehen. Er hätte das niemals tun

sollen. Sie hat ihn ein paar Mal darauf angesprochen,

aber er wollte es nicht zugeben. Meine Mutter hat ihn

aber immer wieder gefragt und irgendwann hat er es

dann zugegeben. Meine Eltern haben dann darüber

mit uns gesprochen und uns erzählt was passiert ist.

Meine Mutter wollte zuerst auch die Scheidung, aber

sie hat es sich wieder anders überlegt. Ich finde, dass

mein Vater einen großen Fehler gemacht hat, aber

meine Mutter genauso. Ich selbst finde, dass das alles

umsonst war. Ich bin froh, wenn ich bald 18 bin, damit

ich endlich ausziehen kann.

Anonym

AKTUELLE

INFO? IMMER

DABEI.

Wien macht digit alles möglich!

Mit der Stadt-Wien-live-App werden gewünschte Infos automatisch sowie personalisiert aufs Handy geliefert

und so ein direkter Zugang zu passenden digitalen Angeboten der Stadt ermöglicht. So ist man beispielsweise

immer über ausgewählte Veranstaltungen und Events in Wien informiert. Und für den Heimweg ohne

Wartezeit können für jede Linie der öffentlichen Verkehrsmittel etwaige Störungsmeldungen in Echtzeit

abonniert werden.

14 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF //

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„RASSISTEN HABEN

JETZT BACK-UP

VON OBEN“

T-Ser, Rap-Künstler

DER

ALBTRAUM

DER

RASSISTEN

EIN RAPPER, EINE POLITIKERIN, EIN AKTIVIST UND EINE

JOURNALISTIN MACHEN GEMEINSAME SACHE. ZIEL: DEM

AUFKOMMENDEN RASSISMUS IN ÖSTERREICH DIE STIRN BIETEN.

DIE GESICHTER HINTER #NICHTMITUNS.

Text: Aleksandra Tulej, Fotos: Marko Mestrović

All different, all equal. Das ist doch nicht so schwer,

oder? “, fragt Politikerin Faika El-Nagashi, während

sie gemeinsam mit Rap-Künstler T-Ser, Journalistin

Nour Khelifi und Aktivist Rami Ali beim Biber-

Cover-Shooting in der Runde sitzt. Die vier Aktivisten probieren

Teile des Labels „Kids of the Diaspora“ an und werden darin

auf unserer Titelseite abgelichtet. In diesem Fall spricht die

Mode eine politische Sprache. Alle vier haben keinen Bock

mehr, sich vor dem Rassismus in Österreich zu ducken. Und

wie sie das machen? Die neue Generation des Widerstands

versteckt sich nicht mehr. Sie ist da, sie ist laut, sie ist präsent.

Und Widerstand heißt längst nicht mehr, sich bereits dagewesenen

Strukturen oder Parteien anzuschließen. Die Zivilbevölkerung

ergreift Eigeninitiative. Genau wie die Gesichter der

Bewegung #nichtmituns.

„WIR SIND HIER NICHT IN TIMBUKTU“

„Diesen Hashtag #nichtmituns gab es schon länger, wir haben

ihn aber für die Aktion verwendet, um auf Racial Profiling und

rassistische Kontrollen aufmerksam zu machen“, sagt der

österreichische Rap-Künstler T-Ser. Der Salzburger mit nigerianischen

Wurzeln wurde vor einigen Wochen in einem Wiener

Park von Polizisten kontrolliert. Laut Polizei handelte es sich

hierbei um eine reguläre Schwerpunktkontrolle. T-Ser und seine

Label-Kollegen, die ebenfalls bei der Aktion mit dabei waren,

sahen darin einen klaren Fall von Racial Profiling. Sie filmten

den Vorfall und stellten ihn unter dem Hashtag #nichtmituns

ins Netz. Damit lösten sie eine Welle des Widerstands aus:

Immer mehr Menschen schreiben unter diesem Hashtag über

ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung.

Schnell wird klar, dass T-Ser’s Erlebnis kein Einzelfall war.

Laut dem ZARA-Rassismus-Report 2017 wurden vergangenes

Jahr in Österreich 1.162 rassistische Vorfälle dokumentiert.

Im Vergleich dazu zeigt die ZARA-Statistik 2005 insgesamt 406

dokumentierte Vorfälle. Ein Großteil der Fälle im vergangenen

Jahr fand im Internet oder im öffentlichen Raum statt. Das

bedeutet nicht zwingend, dass die Vorfälle mehr werden, sie

werden einfach öfter zur Anzeige gebracht. Rassismus wird

nicht mehr totgeschwiegen. Und dafür war es höchste Zeit.

T-Ser wird, wie er sagt, aufgrund seiner Hautfarbe mit

Rassismus konfrontiert, seitdem er ein Kind ist: „Schon in der

Schule habe ich mir von Lehrern Sachen angehört wie „ob ich

denn aus dem Dschungel komme“, oder dass wir „hier nicht in

Timbuktu sind“, erzählt der junge Salzburger. T-Ser`s Mutter ist

halb Schwedin, halb Österreicherin, sein Vater ist Nigerianer.

„Rassismus hat es hier immer schon gegeben, aber durch die

16 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 17


neue Regierung müssen sich Rassisten nicht mehr verstecken

– sie haben jetzt quasi Back-up von oben.“ sagt T-Ser.

Ob der Rassismus in Österreich durch die neue Regierung

salonfähiger geworden ist? Egal ob es das E-Card-Ali-Video

der FPÖ, das ständige Köcheln rund ums Kopftuch durch die

Regierung oder das Posten problematischer Inhalte durch

FPÖ-Politiker ist: Auch im Alltag und auf der Straße steigt die

Bereitschaft, dem Hass freien Lauf zu lassen, so die Aktivisten.

„Rassistisch veranlagte Menschen fühlen sich durch die

neue Regierung quasi darin legitimiert, ihre verachtenden

Ansichten zu äußern und diesen Rassismus zu leben’’, sagt

die Journalistin Nour Khelifi. Sie selbst hat tunesische Wurzeln

und trägt ein Kopftuch. „Plötzlich sagen Leute, die man schon

lange kennt, Dinge, die sie sich vor ein paar Jahren nie getraut

hätten von sich zu geben“, sagt sie. Angst,

Neid und Missgunst sind laut Khelifi die

ausschlaggebenden Elemente dafür, dass

jemand sich rassistisch verhält. Und davon

bekommt sie als sichtbare Muslima oft

etwas mit. „Ich werde im Zuge meiner

Arbeit oft zuerst auf mein Kopftuch reduziert,

bevor ich als Reporterin wahrgenommen

werde“, sagt sie. Ob schiefe Blicke

in den Öffis, Extrakontrollen am Flughafen

oder Erstaunen über ihr einwandfreies

Deutsch: „Oft stoße ich auf Verwunderung,

wenn die Menschen merken, dass

ich mich gut artikulieren kann, die Sprache

beherrsche und auch sonst eine normale

Bürgerin bin“, erklärt sie. Doch woher

kommt der Rassismus überhaupt und

wieso wird er von vielen Menschen im Jahr 2018 noch gelebt?

„Niemand kommt als Rassist auf die Welt. Menschen

werden zu Rassisten gemacht“, sagt der Wiener Politologe und

Aktivist Rami Ali. Er selbst hat ägyptische Wurzeln und auch

ihm sind laut eigener Aussage Erfahrungen mit Rassismus

nicht fremd. „Menschen werden hineingeboren in ein System,

dessen Institutionen, dessen Sprache von Rassismus geprägt

ist. Für viele erfüllt Rassismus eine ganz simple Funktion:

Aufwertung des Selbst durch Abwertung des „Anderen“. Man

müsse dann laut dem Politologen nur an die geschichtlichen

Darstellungen der oder des „Anderen“ denken, die dann in der

Regel schwarz waren.

„Man muss sich nur ansehen, wie Afrikaner von Europäern


NIEMAND

KOMMT ALS

RASSIST

AUF DIE

WELT


seit jeher dargestellt wurden. Ich denke, dass das bis heute

nicht aktiv aufgearbeitet wurde“, sagt T-Ser dazu.

„DER ÖVP-RASSISMUS IST

UNTERSCHWELLIGER“

Fakt ist, dass rassistisch motivierte Vorfälle in Österreich

immer öfter zur Anzeige gebracht werden. Ob das eine Reaktion

auf das Handeln der momentanen Regierung ist? Rassismus

hat „keinen Platz“ in der FPÖ – behauptet Vizekanzler

und FPÖ-Chef Strache. Dennoch schafft es die Partei immer

wieder in die Schlagzeilen, weil Politiker, Mitarbeiter und

Anhänger mit rassistischen Äußerungen oder Übergriffen auf

sich aufmerksam machen.

„In den letzten Jahren gab es so gut wie regelmäßig

rassistische ‚Einzelfälle‘. Die FPÖ bedient

sich nicht nur rassistischer Grundhaltungen

in der Gesellschaft, nein, sie

trägt maßgeblich zu deren Verbreitung

bei, indem sie Feindbilder postuliert,

Angst schürt und gegen Minderheiten

– allen voran die muslimische – hetzt“,

sagt Aktivist Rami Ali dazu. „Wenn

Gudenus davon spricht, dass es ein

‚Bekenntnis zu einem weißen Europa‘

braucht, dann ist das offener, ungeschminkter

Rassismus. Wenn Sujets, in

denen es um die Kürzung von sozialen

Leistungen, um Betrug im Gesundheitssektor

oder um die Kürzung des Kindergelds

für im Ausland lebende Kinder

meist mit kopftuchtragenden Muslimas

bebildert werden, dann ist das klassischer antimuslimischer

Rassismus und Feindbildetablierung. Die FPÖ bedient damit

ein ganz spezifisches, hoch-emotionalisiertes, von Angst

durchtriebenes Klientel“, findet er.

Die ÖVP hingegen bedient laut Ali ein anderes Klientel,

indem sie zu eben diesen rassistischen Ausfällen des Koalitionspartners

oft schweigt. „Der ÖVP-Rassismus ist unterschwelliger,

schicker, quasi mit Krawatte – angepasst an die

WählerInnenschaft, die vielleicht oft ähnlich wie ein Strache

denkt, der dieser aber doch zu ungezogen und forsch ist“,

fasst der Aktivist zusammen.

Er will aber nicht warten, bis sich von selbst etwas in der

Politik und damit auch in der Zivilgesellschaft ändert. Des-

AN WEN KANN ICH MICH WENDEN, WENN ICH DISKRIMINIERUNG ERFAHRE?

SPRICH DARÜBER: Egal, ob du deine

Erfahrung oder einen Vorfall einer

vertrauten Person, einem Lehrer/einer

Lehrerin, deinem besten Freund oder

deiner Mama erzählst: Wichtig ist es,

nicht zu schweigen.

SCHAU NICHT WEG: Wenn du siehst,

dass eine Person in deinem Umfeld

oder auch nur in deinem Blickfeld

diskriminiert wird, schreite ein. Frage

die Person, wie du helfen kannst. Das

ist insbesondere wichtig, wenn es sich

bei dem Opfer um eine jüngere oder

schwächere Person handelt.

SOCIAL MEDIA: Teile deine Erfahrungen

mit Rassismus und Diskriminierung

auf Social Media – heutzutage

sind soziale Medien und das Internet

eine gute Plattform, um sich auszutauschen.

#nichtmituns

„WIR SIND ANDERS ALS DIE

GENERATION UNSERER ELTERN“

Faika El-Nagashi, Politikerin

18 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 19


„ICH WILL, DASS

RASSISTEN SICH

UNWOHL FÜHLEN“

Rami Ali, Politologe

halb beschloss er, selbst zu handeln.

Gemeinsam mit der Grünen-Politikerin Faika El Nagashi

hat er www.nichtmituns.org. ins Leben gerufen.

„ICH WILL, DASS RASSISTEN SICH

UNWOHL FÜHLEN“

Auf der Website findet man Infos zu Dingen wie „Wie gehe

ich mit Rassismus um?“, „Welche Rechte habe ich bei

Polizeikontrollen?“, etc. „Unsere Kampagne verkörpert im

Grunde alles, was man gegen Rassismus tun kann: Den

Rassismus aufzeigen und skandalisieren, wodurch dessen

Normalisierung entgegengewirkt wird. Ja, ich will, dass sich

RassistInnen unwohl fühlen. Laut sein und trotz aller Barrieren

den Platz in der Gesellschaft einfordern, der einem/r

zusteht. Räume schaffen, in denen man sich mit anderen

Betroffenen über entwürdigende, schmerzhafte Erfahrungen

austauschen kann“, so der Politologe. Es braucht laut ihm

einen Safe Space. Eine der Aufgaben von Nichtmituns ist es

auch, solch einen Safe Space zu bieten.

„Es geht uns darum, in solidarische Zusammenarbeit zu

treten. Nach dem Vorfall mit T-Ser hatten wir eine Podiumsdiskussion

zum Thema Rassismus und waren uns einig,

dass wir diese Veranstaltungen weiterführen wollen, egal

um welche Community es geht: Ob Muslime, Roma oder

die LGBTIQ Community“, sagt Faika El Nagashi. „Wir sind

feministisch, inklusiv und divers. Ich bin selbst eine sichtbare

woman of color, habe ägyptische und ungarische Wurzeln

und bin lesbisch. Wir wollen einfach zeigen, dass wir alle hier

sind, alle unseren Platz haben und man sich uns gegenüber

korrekt verhalten muss. Quasi nach dem Motto: All different,

all equal. Aber wir sind alle da“, sagt sie.

Dieses „Wir sind alle da“, dieses Aufzeigen und auf sich

Aufmerksam-Machen in dieser Causa ist dabei eine relativ

neue Art.

Die Generationen davor gingen anders mit dem Thema

Rassismus um. Kindern aus Migrantenfamilien wurde eher

beigebracht, still zu sein und nicht unangenehm aufzufallen –

selbst wenn sie mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert

wurden.

„Die Generation unserer Eltern hatte einen anderen

Umgang mit dem Rassismusthema, da lautete die Devise

eher: Mach keine Troubles und fall nicht unangenehm auf.

Wir sind da anders“, sagt El Nagashi.

„UNSERE GENERATION MACHT DEN

WIDERSTAND SICHTBARER“

Journalistin Nour Khelifi teilt diese Meinung. „Im Gegensatz

zu der Generation unserer Eltern ist unser Widerstand sichtbarer.

Rassismus wird nicht mehr einfach so hingenommen

und toleriert. Wir lassen uns das nicht mehr gefallen“, so

Khelifi. Konkret bedeutet das: „Wir müssen uns vernetzen,

uns über unsere Erfahrungen austauschen, lernen, für sich

und für andere aufzustehen“, sagt die Journalistin.

Besonders der Punkt Zivilcourage ist der Journalistin

wichtig: Wenn man sieht, dass jemand rassistisch angemacht

wird, sollte man eingreifen. Besonders, wenn sich die

WO DU HILFE FINDEST:

ZARA – Zivilcourage und

Anti-Rassismus-Arbeit

Der Verein bietet eine Beratungsstelle

für Opfer und

Zeugen von Rassismus.

Hier können sich Opfer und

Zeugen kostenlos beraten

lassen. Das Beratungsteam

besteht aus juristisch und

sozial geschulten BeraterInnen.

zara.or.at

Hotline gegen Diskriminierung

und Intoleranz (BMEIA)

Für Betroffene von Diskriminierung

aufgrund der

ethnischen Zugehörigkeit, der

Herkunft oder Religion.

Tel: 050 11 50 – 4242

SOS MITMENSCH

SOS Mitmensch ist eine Pressure

Group, die sich tatkräftig

für die Durchsetzung der

Menschenrechte einsetzt. Das

Ziel ist die Gleichberechtigung

und Chancengleichheit aller

Menschen.

www.sosmitmensch.at

Initiative diskriminierungsfreies

Bildungswesen

Eine gemeinnützige Organisation,

die Diskriminierung

aufgrund von Rassismus,

Sexismus, Islamophobie,

Antisemitismus, Homphobie

und Disablism an österreichischen

Bildungseinrichtungen

dokumentiert.

www.diskriminierungsfrei.at

VIELFÄLTIGE LEHRLINGSAUSBILDUNG: MASCHINENBAUTECHNIK . INSTALLATIONS- UND GEBÄUDETECHNIK . MECHATRONIK

KRAFTFAHRZEUGTECHNIK . ANGEWANDTE ELEKTRONIK . INFORMATIONS- UND TELEKOMMUNIKATIONSTECHNIK

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JETZT BEWERBEN www.wienerstadtwerke.at/lehrlinge

20 / POLITIKA /


„WER NUR ZUSIEHT, MACHT

SICH SELBST ZUM TÄTER“

Nour Khelifi, Journalistin

Person selbst nicht wehren kann oder sich nicht zu wehren

traut. Egal, ob man dem Täter sagt, dass sein Verhalten

unangemessen ist, ob man sich einfach zu der angegriffenen

Person hinstellt, um zu signalisieren, dass man auf ihrer Seite

ist: Wer nur zusieht und nichts unternimmt, macht sich durch

dieses Stillschweigen selbst zum Täter“, fasst sie zusammen.

Infos findet ihr auf www.nichtmituns.org sowie auf Social

Media unter dem Hashtag #nichtmituns.

Danke an das Label Kids of the Diaspora für die Outfits

www.kidsofthediaspora.com

„RASSISTEN –

WE’RE COMING AT YOU!“

Und wie es jetzt weitergeht? Rami Ali erzählt, was die

Zukunftspläne von #nichtmituns sind. „Faika und ich haben

uns vor allem darüber Gedanken gemacht, wie wir es schaffen,

dass #nichtmituns am Leben bleibt und das Ganze nicht

nur jetzt in Verbindung mit diesem Vorfall (Anm.: die Polizeikontrolle

bei T-Ser) ein Hype bleibt. Zugrundeliegend ist eben

der Gedanke, dass Rassismus ein System ist und deshalb auf

mehreren Ebenen organisiert bekämpft werden muss“, so

der Politologe. „Es geht uns zum einen darum, Betroffenen

zu zeigen „Ihr seid nicht allein und müsst nie wieder schweigen!“

und zum anderen darum, den RassistInnen zu zeigen

„We are coming at you“. RassistInnen müssen lernen, dass

sie es hier mit einer Generation selbstbewusster, wortgewandter

und gebildeter Menschen zu tun haben, die in

Österreich aufgewachsen sind und sich nichts mehr gefallen

lassen werden.“ ●

wgkk.at

www.wgkk.at

Die WGKK in den sozialen Medien – wir informieren vielseitig!

Die WGKK ist auf Facebook!

Wir wollen informieren, Service

bieten und spannende Geschichten

aus der Wiener Gebietskrankenkasse

(WGKK) erzählen und freuen uns auf

Ihr „Gefällt mir“!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen

haben, schicken Sie uns gerne eine

Nachricht!

https://www.facebook.com/wgkk.at

22 / POLITIKA /


Wie viele

Kampfhunde

gibt es in Wien?

Wann tritt

spätestens

die Maulkorbpflicht

für

Kampfhunde in

Kraft?

Wie viele

Hunde gibt es

in Wien?

Wie viele

davon sind

Kampfhunde?

Wie viele Euro

beträgt die

Mindeststrafe

für Kampfhunde

ohne

Beißkorb?

Wie viele Euro

beträgt die

Höchststrafe?

Wie viele

„Hunde-

sackerl“-

Automaten gibt

es in Wien?

Wie viele Euro

beträgt die

Strafe für das

„Gackerl ohne

Sackerl“?

Wie oft sind

Sie in Wien

in Hundekot

getreten?

Interview in Zahlen:

In der Politik wird schon genug

geredet. Biber fragt in Worten, die

Wiener Stadträtin für Umwelt und

Wiener Stadtwerke Ulli Sima (SPÖ)

antwortet nur mit einer Zahl.

31.01.2019

56.000

3.300

200

20.000

3.600

50

2

Von: Samira Hartl, Fotos: Soza Almohammad

Nur zehn Spritzer hat die SPÖ-Politikerin mit

Ex-Bürgermeister Häupl getrunken.

Für Kanzler Kurz gibt es leider ein Nicht genügend für

seine Regierungspolitik.

Uli Sima findet die neuen E-Scooter nervig:

7 auf einer Skala von 1 bis 10.

Als Kind hatte die gebürtige Kärntnerin zwei Haustiere:

einen Hund und eine Katze.

Wann kommt

das allgemeine

Essverbot in

der U-Bahn?

Wie viele

„Müllmänner“

gibt es in Wien?

Wie viel

Tonnen CO2

verbrauchen

die Wiener

pro Tag?

Welche

Schulnote

geben Sie

Sebastian

Kurz?

Wie viele

Parteien haben

Sie in Ihrem

Leben gewählt?

Wie alt wollen

Sie werden?

An wie vielen

Demos

haben Sie

teilgenommen?

Wie viele

Haustiere

hatten Sie als

Kind?

Auf einer

Skala von

1 (= gar nicht)

bis 10: Wie

nervig sind die

E-Scooter?

Wie viele

Spritzer haben

Sie mit Ex-

Bürgermeister

Häupl

getrunken?

15.01.2019

800

7

5

2

100

50

2

7

10

24 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 25


„Du bist ja

ganz normal.“

Der Kampf der Regierung gegen das

Kopftuch hat nach dem Kindergarten

die Schule erreicht. Selbst Lehrerinnen

mit Kopftuch stehen zur Diskussion.

Doch wie sieht der Alltag dieser Frauen

aus? Zwei Wiener NMS-Lehrerinnen

über Dauerdruck, Vorbildfunktion und

neugierige Eltern.

Von Amar Rajkovic, Salme Taha Ali Mohamed,

Fotos: Marko Mestrović, Susanne Einzenberger, Christoph Liebentritt

Hurije ist sehr verwundert.

Heute ist Elternsprechtag

und die Schlange vor ihrem

Zimmer wird immer länger.

Dabei hat sie nur wenige Eltern von

Problemschülern in Mathematik eingeladen.

Gekommen sind sie aber alle, um

die 28-jährige Mazedonierin mit albanischen

Wurzeln kennenzulernen. Der

Grund: Hurije trägt Kopftuch. Und das

geht als Sensation durch, zumindest in

dieser Wiener NMS jenseits der Donau.

Die Kinder kommen zum großen Teil aus

christlich-österreichischen Familien, das

politisch aufgeladene Kopftuch scheint

für die Eltern ein wichtigeres Thema

als der Schulfortschritt ihrer Kids zu

sein. Alle wollen sie wissen, wie „sie“

tickt, die Lehrerin mit dem Kopftuch.

Das Stück Stoff, das für viele stellvertretend

für das muslimische Patriarchat

und die Unterdrückung der Frau steht.

„Kann diese Person unseren Kindern die

Werte mitgeben, die wir uns in Österreich

wünschen?“, fragen sich wohl viele

Eltern. Und diese Angst wächst weiter,

seit das Thema Kopftuch und Schule die

Schlagzeilen beherrscht. Beim Kreuzzug

der Regierung gegen den Hijab geht es

angeblich um den Schutz junger Mädchen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis

Kurz und Strache das Kopftuch in der

Volksschule verbieten. Aber auch ein


Ich weiß, ihr seht

keine Ohren, aber

ich habe welche.


Kopftuchverbot für Lehrerinnen ist für

Bildungsminister Heinz Faßmann sinnvoll,

denn er ist für ein „ideologisch neutrales

Auftreten der Repräsentanten des öffentlichen

Dienstes“, so der frühere Wissenschaftler

im ORF.

Zahlen und Fakten zu Pädagoginnen

mit Kopftuch im öffentlichen Schulbereich

gibt es nicht. Es wird keine Statistik

darüber geführt, was eine Lehrerin am

Kopf trägt. In die Öffentlichkeit drängt

es Lehrerinnen mit Kopftuch schon gar

nicht. Die meisten Frauen möchten nicht

auf ihre Kopfbedeckung reduziert werden

und schweigen. Direktoren fürchten

Boulevardjournalisten im Schulhof

und verbieten im Normallfall jeglichen

Kontakt zu Medienvertretern. Anders ist

nicht zu erklären, dass es in Österreich

keinen einzigen Artikel gibt, der den

Alltag von Lehrerinnen mit Kopftuch

Problem oder Bereicherung?

Am Kopftuch scheiden sich die Geister.

26 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 27



Ich versuche meine

Prinzipien an

meine Schüler-

Innen weiterzugeben,

egal woher

sie kommen oder

wie sie aussehen.


Chronologie: Kopftuchverbot in der EU

DEUTSCHLAND:

Bei unseren nördlichen

Nachbarn gibt

es keine einheitliche,

bundesweite Regelung

bezüglich des

Kopftuchtragens in der

Schule. In Bremen ist

es erlaubt, in Berlin

aufgrund des Neutralitätsgesetzes

verboten,

in Bayern wird es von

Fall zu Fall entschieden.

FRANKREICH:

Verbot von allen religiösen

Symbolen an

Schulen am 3.Februar

2004 beschlossen.

BELGIEN:

Kein generelles Kopftuchverbot.

Schulen

dürfen allerdings eines

verhängen.

HOLLAND:

Kein Kopftuchverbot

an öffentlichen Schulen.

Private Schule

dürfen eines verhängen.

DÄNEMARK:

Im Mai 2018 hat das

dänische Parlament

beschlossen, ein Verbot

des Niqab und der

Burka einzuführen.

URTEIL DES EUROPÄISCHEN GERICHTSHOFS AM 14.MAI 2017

Es wird entschieden, dass ein Arbeitgeber Arbeitnehmern verbieten kann, religiöse Symbole,

also auch das Kopftuch, am Arbeitsplatz zu tragen. Voraussetzung dafür ist jedoch,

dass es kein spezifisches Kopftuchverbot gibt (= Diskriminierung), sondern, dass unter

dem Neutralitätsprinzip alle religiösen Symbole vom Arbeitsplatz verbannt werden.

Arnesa unterrichtet Mathe und Biologie an einer NMS. Sie

dient in ihrer Schule als Vorbild für muslimische Mädchen.

intensiv beleuchtet. Einige Frauen, die im

Zuge der Recherche bereit waren, sich

fotografieren zu lassen, machten plötzlich

wieder einen Rückzug. Wovor haben

diese Frauen Angst?

„IN ÖSTERREICH HABE

MAN SICH ANZUPASSEN.“

„Ich kann die Angst der Lehrerinnen

gut nachvollziehen, weil man Angst um

seinen Job hat“, zeigt sich Hurije verständnisvoll,

als wir ihr erklären, dass sie

zur Minderheit in der Minderheit gehört,

die auch ihr Gesicht in der Öffentlichkeit

zeigt. Die quirlige Wahl-St. Pöltnerin ist

eloquent und schlagfertig. Sie findet es

wichtig, dass Lehrerinnen mit Kopftuch

sichtbar werden – und zwar außerhalb

des Schulbetriebs, wo relativ rasch

jeder vergisst, dass sie das Stück Stoff

auf ihrem Kopf tragen. Sie selbst trägt

das Kopftuch erst seit sechs Jahren,

ihre Familie ist „so wie viele andere

muslimische Familien am Balkan“, so

Hurije. Das heißt, keine Frau habe das

Kopftuch zu Hause getragen, was für

eine sehr liberale Auslegung des Islams

spricht. Trotzdem waren die ersten

Wochen in ihrer neuen Schule mit kaum

muslimischen Schülern eine Herausforderung

und mit vielen Ungewissheiten

verbunden. Hurije musste anfangs in

ihrer Schule vor allem als Islam-Lexikon

und Vorurteilsentkräfterin auftreten.

„Najo, is besser, wenn Sie ka Kopftüchl

trogn, wenn man in Österrich lebt, habe

man sich anzupassen“, sagte ihr mal

ein 14-jähriger Knirps ganz unverblümt.

Zuerst war sie etwas baff, sie erkannte

aber auch anhand des Wordings, dass

der Schüler die Worte des Vaters beim

Abendessen nachplapperte. „Bursche,

das sind nicht deine Worte“, dachte sie

sich. Eine andere Schülerin kam in der

Pause auf sie zu und zeigte Verständnis

für ihr Aussehen. Die 15-Jährige fiel

selbst mit ihren grau-blau gefärbten

Haaren auf und stellte fest: „Fr. Lehrerin,

ich weiß ganz genau, wie Sie sich fühlen.

Mich starren auch alle wegen meiner

Haarfarbe an, wie muss das erst für Sie

als Kopftuchträgerin sein?“ Hurije hat

rasch gelernt mit den Blicken fertigzuwerden,

die Vorurteile nahmen in der

neuen Schule mit jedem Tag immer mehr

ab.

Dabei wäre sie um ein Haar im

10. Bezirk gelandet: „Die Schulleiterin

machte mir während der Einführungstour

ganz klar, dass sie keinesfalls möchte,

dass ich mich mit den Kindern auf

Albanisch oder Türkisch unterhalte.

Dabei habe ich das gar nicht vorgehabt“,

so Hurije achselzuckend. Am nächsten

Tag die überraschende Absage, obwohl

die Direktorin im ersten persönlichen

Gespräch noch betonte, wie sehr sie

unter dem Lehrermangel leiden würde.

Die Absage sollte sich als Glücksgriff für

Hurije herausstellen. Sie wurde einer

Schule mit vorwiegend österreichischen

Kindern zugewiesen. Donaustadt statt

Favoriten, Vorstadtidyll statt Migrantenbezirk.

MIT KOPFTUCH IN

MIGRANTENSCHULE

In Gegensatz zu Hurije unterrichtet Arbnesa

viele SchülerInnen mit islamischem

Glauben in einem stark von Migranten

bewohnten Bezirk. Sie ist gerade in ein

Schulbuch vertieft, als wir sie in einem

Wiener Café treffen. „Ich bereite gerade

die nächsten Hausaufgaben für meine

SchülerInnen vor“, verrät sie uns,

während sie ihren Turban zurechtzupft.

Die 24-Jährige unterrichtet seit drei

Jahren an einer Wiener NMS Deutsch,

Biologie und Turnen. Arbnesa machte

sich anfangs viele Sorgen, wie sie mit

ihrem Kopftuch aufgenommen wird.

In der ersten Stunde stand sie vor der

Klasse und es war ganz ruhig, wie sonst

nur bei Schularbeiten. Sie sah förmlich

die Fragezeichen über den Köpfen der

SchülerInnen. „Sind Sie nicht die Islamlehrerin?“,

aber vor allem: „Wer ist diese

junge Lehrerin?“, oder „Zeigen Sie uns

Hurije musste

anfangs in ihrer

Schule vor allem

als Islam-Lexikon

und Vorurteilsentkräfterin

auftreten.

Ihre Haare?“, waren die Fragen, die ihr

gestellt wurden. Ein muslimischer Vater,

dessen Tochter kein Kopftuch trägt,

kam bald auf sie zu, schüttelte ihr die

Hand und freute sich darüber, dass auch

muslimische Lehrerinnen in der Schule

arbeiten. Die ihr damals nicht bewusste

Vorbildfunktion wurde durch Gespräche

mit anderen Mädchen unterstrichen. Sie

fragten Arbnesa, wie sie es geschafft

habe, mit Kopftuch zu unterrichten. Sie

lauschten mit weit aufgerissenen Augen

ihren Erzählungen und waren stolz, von

ihr unterrichtet zu werden. Arbnesa teilt

diesen Stolz und betont, für alle Kinder

ein Vorbild sein zu wollen, nicht nur für

die muslimischen: „Ich versuche, meine

Prinzipien an meine SchülerInnen weiterzugeben,

egal woher sie kommen oder

wie sie aussehen.“ Das Thema Islam also

nur eine Randnotiz im Unterricht?

„Ich wollte den Kindern zeigen, dass

man als Muslima genauso fähig wie der

Rest der Bevölkerung ist. Und ich wollte

zeigen, dass Frauen mit Kopftuch nicht

fremdbestimmt und passiv sind, sondern

erfolgreich Karriere machen können“, so

Arbnesa. „Ist Ihnen unter dem Kopftuch

nicht heiß?“, oder „Welche Haarfarbe

haben Sie eigentlich?“ überdeckten die

politischen Fragen, die im Schulalltag

unbedeutsam zu sein scheinen. Hurije

schlägt da in die gleiche Kerbe, wobei sie

das Kopftuch auch mal als Witzequelle

gebrauchte. „Ich schrieb etwas auf die

Tafel und merkte, dass hinter meinem

Rücken getuschelt wurde. Daraufhin

drehte ich mich um und sagte: „Ich

weiß, ihr seht keine Ohren, aber ich habe

welche“, erinnert sie sich. Der angesprochene

Schüler war kurz perplex, bevor

Gelächter im Klassenraum ausbrach.

„Ich habe versucht, sehr offen mit dem

Thema umzugehen. Durch die Flucht

nach vorne konnte ich relativ schnell

das Vertrauen der Schüler gewinnen“,

berichtet Hurije über ihr Erfolgsgeheimnis.

Arbnesa konnte Mädchen mit Kopftuch

beispielsweise gute Tipps geben,

wie sie ihr Kopftuch befestigen, ohne

die für Turnen gefährlichen Nadeln zu

verwenden. Einmal dachten alle, ein Kind

würde keine kurze Hose tragen wollen

aus religiösen Gründen. Nach einem vertraulichen

Gespräch mit Arbnesa stellte

sich heraus, dass das Kind ein Problem

mit seinem Körper hatte und die Weigerung

am Turnunterricht teilzunehmen

28 / POLITIKA / / POLITIKA / 29


Hurije strahlt, wenn sie von ihren

KollegInnen als normal empfunden wird.


Wenn der Worst-Case eintritt,

müsste ich schweren Herzens mein

Österreich verlassen.


nichts mit radikaler Auslegung des Islam

zu tun hatte. Diese Geschichten aus dem

Schulbetrieb könnten der Beweis dafür

sein, dass das Kopftuch bei Lehrkräften

eine Integrationsfunktion erfüllen

könnte und nicht – wie von Gegnern aus

verschiedenen Lagern behauptet – das

Gegenteil bewirkt.

„NA SUPER, DAS BRAUCH

MA A NO“

Dem Horrorszenario für jede Lehrerin

mit Kopftuch, nämlich ein verbindliches

Verbot, sehen beide Frauen mit großer

Sorge entgegen. Während Arbnesa seit

Jahren darüber nachdenkt, was sie in

diesem Fall machen würde, weiß Hurije

ganz genau: „Wenn der Worst-Case

eintritt, müsste ich schweren Herzens

mein Österreich verlassen.“ Ob das nicht

zu radikal sei? „Nö, das Kopftuch gehört

zu mir und wenn ich hier nicht in Ruhe

leben kann, dann muss ich eben wegziehen“,

sagt sie. Arbnesa tut sich jedenfalls

mit dieser Entscheidung schwer, hat

eine endgültige Entscheidung für den Fall

der Fälle aber nicht getroffen.

Zurück zum Elternsprechtag jenseits

der Donau. „Hurije, bitte mach schneller,

die Schlange vor der Tür wird immer

länger“, so die gestresste Direktorin,

die selbst über den Andrang überrascht

ist. Nach zwei Jahren an der Schule

ist die gebürtige Mazedonierin, die mit

zwölf Jahren nach Wien übersiedelte,

bestens integriert. Kollegen outeten sich

an ihrem vorerst letzten Arbeitstag: „Als

du damals bei uns angefangen hast,

haben wir uns gedacht, na super, des

brauch ma a no“, so ein Kollege. Eine

andere Kollegin kam an der Küche des

Lehrerzimmers vorbei, wo Hurije mit

anderen Lehrerinnen herumflachste und

stellte verwundert fest: „Ich wollte dir

das immer schon sagen, du bist ja ganz

normal.“ Hurije hält kurz inne, ihre Mundwinkel

formen langsam aber sicher ein

breites Grinsen. Dann stellt sie zufrieden

fest: „Das ist das beste Argument, das

eine Hijabi bekommen kann.“ ●

Bezahlte Anzeige

DAS SAGEN DIE PARTEIEN

Für NEOS sind bei der Debatte zwei Punkte wichtig: Erstens

soll die Schule ein Ort des Freiraums sein, an dem die freie

Entfaltung der Kinder und Chancengerechtigkeit im Mittelpunkt

stehen. Das bedeutet zu einem gewissen Grad auch,

dass Kinder die Freiheit haben, sich in Schulen in religionsfreien

Räumen zu bewegen. Zweitens ist die Trennung

von Staat und Religion eine der größten Errungenschaften

der Demokratie, weshalb religiöse Symbole im öffentlichen

Dienst grundsätzlich kritisch zu betrachten sind.

Die SPÖ achtet das Bekenntnis zu einem religiösen Glauben

wie zu einer nichtreligiösen Weltanschauung als innerste

persönliche Entscheidung jeder und jedes Einzelnen.

So wie die SPÖ das Recht jeder und jedes Einzelnen auf

freie Ausübung eines religiösen Bekenntnisses verteidigt,

besteht sie auch auf dem Respekt vor anderen religiösen

und natürlich auch nichtreligiösen Weltanschauungen. Wer

Respekt für sich beansprucht, muss auch andere respektieren

und deren Freiheiten – und Grenzen dieser Freiheiten

– achten.

SCHULE?

LEHRE?

Ich geh mal ins BIZ

Im BerufsInfoZentrum bist du richtig,

wenn es um deine Berufswahl geht.

Ob du mit der Schulklasse, mit Freundinnen und Freunden oder

allein kommst – die Berater/innen der BerufsInfoZentren (BIZ)

des AMS Wien informieren und beraten dich gerne rund um deine

Ausbildungs- und Berufswahl. Weitere Infos unter www.ams.at/biz

Für die Grünen stellt die Selbstbestimmung jedes Menschen,

egal woher er oder sie kommt und welchen kulturellen

bzw. religiösen Hintergrund man hat, die oberste

Prämisse ihrer politischen Arbeit dar. Es ist ihrer Ansicht

nach nicht Aufgabe der Regierung (hauptsächlich weiße

Männer) Frauen* vorzuschreiben, was sie zu tun und zu

lassen haben.

Ein moderner säkularer Staat lebt auch von Werthaltungen,

die er alleine nicht hervorbringen kann. Kirchen und Religionsgemeinschaften

leisten dabei einen wichtigen Beitrag

für die Gesellschaft. Das Tragen des Kopftuches durch

Lehrerinnen an öffentlichen Schulen soll Teil einer breiten

gesellschaftlichen Debatte sein. Generell bekennt sich

die ÖVP als christlich-humanistische Partei zum Kreuz im

öffentlichen Raum und zu christlichen Feiertagen.

STUDIUM?

UNIQUE/Grayling

30 / POLITIKA /

www.ams.at/biz

/ MIT SCHARF / 31


Die Klasse auf diesem Foto

ist nicht diejenige, die im

Text behandelt wird. Danke

für die Kooperation, 4d,

WMS Loquaiplatz. Ihr seid

mindestens genauso toll!

ÜBER SOZIAL STARKE KINDER

Viele glauben, in Wiener „Brennpunktschulen“ gehe es zu wie in der Bronx. Die Wahrheit ist

aber: Ich habe nirgends so herzliche, liebevolle Kinder kennengelernt wie an diesen Schulen.

Von Melisa Erkurt

Marko Mestrović

Neulich stand ich nach einem schlechten Morgen

in einer Klasse. Ich versuchte alles, damit die Kids

meine Laune nicht bemerken. Sie waren so lieb

in der Stunde, arbeiteten fleißig mit, fragten, was

ich am Wochenende vorhabe und brachten mich mit Erzählungen

von ihrem letzten Wochenende zum Lachen. Am Ende

der Stunde sagte ein Schüler aus der ersten Reihe ganz leise

zu mir: „Heute waren Sie traurig. Geht’s Ihnen schon besser?“

Ich war gerührt, was waren das bloß für empathische Kinder.

Aber das dachte ich mir nicht zum ersten Mal. Immer, wenn

mich die aktuelle Debatte rund um die Bildungspolitik frustriert,

ich den Glauben daran verliere, dass wir dieses Zwei-Klassen-

Schulsystem jemals überwinden werden, gibt mir die Arbeit

mit Kindern und Jugendlichen Hoffnung. Denn an

all diesen sozioökonomisch schwächeren Schulen,

auch Brennpunktschulen genannt, habe ich

Kinder und Jugendliche mit den größten Herzen

und tollsten Charakteren kennengelernt. Kinder,

die mir in der Pause ihre Jause angeboten haben.

Kinder, die mir Baklava mitgebracht haben („Die

hat meine Mama für Sie gemacht, nachdem ich

ihr von Ihnen erzählt habe“). Kinder, die sich nicht

wegen Äußerlichkeiten über den anderen lustig

gemacht haben. Oftmals waren Kinder dabei, bei

denen ich wusste, so traurig es klingt, dass sie

in einer anderen Schule beispielsweise wegen ihrer Kleidung

gemobbt werden würden. Oder Mario, der zwei Köpfe kleiner

als alle anderen war, er wurde von keinem seiner Schulkollegen

aufgrund seiner Größe gehänselt, im Gegenteil, er wurde von

seinen Mitschülern im Park „beschützt“. „Normal, er ist unser

Bruder.“ Kinder, die noch Ärmeren ihr Jausengeld schenken.

Kinder, die vor Freude weinen, weil sie sich so für ihre Freundin

freuen, deren Mutter nach drei Jahren in Syrien endlich nach

Österreich nachkommen darf. Kinder, die sich bei schlechten

Noten trösten, die einander beim Elternabend nicht auslachen,

weil der Papa nicht so gut Deutsch spricht, sondern füreinander

dolmetschen. Kinder, die sich vor den anderen nicht schämen

zuzugeben, dass sie gerade kein Geld fürs Kino haben,

weil sie wissen, keiner wird sie deshalb schief anschauen.

Melisa Erkurt tourt

mit dem biber-Projekt

„Newcomer“

seit drei Jahren

durch Wiener

Schulklassen und

berichtet regelmäßig

über ihre

Erfahrungen aus

den Schulen.

„HEISST DAS, DASS WIR DUMM

UND ASOZIAL SIND?“

Ich weiß von vielen Lehrer*innen, dass sie aufgrund dieser

Herzlichkeit der Kinder und deren Eltern viel lieber an solchen

Schulen unterrichten, als an Schulen, an denen die Kinder auf

sie herabsehen, weil sie „nur“ Lehrer sind und die eigenen

Eltern etwas viel Besseres. Sie werden von den Eltern nicht in

Frage gestellt, sie sprechen ihnen nicht ihre Kompetenzen ab

und drohen bei einem „Nicht Genügend“ nicht mit Anwälten.

Schulen, an denen den Kindern verboten wird, sich zu umarmen,

so wie im Theresianum in Eisenstadt. Das ist natürlich ein

Einzelfall und es gibt überall großartige Kinder und Jugendliche,

aber diese Herzlichkeit, diese Dankbarkeit, das Mitgefühl

und die Akzeptanz - das alles habe ich an diesen

Schulen viel stärker als sonst wo erlebt. Und als

mich Milan aus der 4b fragt, ob seine Schule denn

eine dieser Brennpunktschulen sei, von denen

alle immer reden und ob sozial schwach bedeutet,

dass er und die anderen dumm sind, wird

mir plötzlich ganz anders. Auch als die 13-jährige

Kübra ihm erklärt, dass sozial schwach bedeute,

dass sie nicht sozial sind, bin ich schockiert. Mir

war nicht klar, was solche Begriffe bei den Kindern

auslösen. Seitdem kläre ich diese riesengroßen

Missverständnisse in jeder Klasse ganz schnell auf.

Weil wenn diese Kinder und Jugendlichen etwas nicht sind,

dann dumm und asozial. Tatsächlich sind sie so großartig, dass

ich nach der gemeinsamen biber Newcomer-Woche mit ihnen

nicht glauben mag, dass ich sie nicht mehr wiedersehe. Einmal

sind sogar Tränen geflossen – bei den Schüler*innen und mir

nachdem unsere gemeinsame Woche um war. Mit einigen bin

ich dann durch Social-Media und telefonisch in Kontakt geblieben.

Und weil ich das Schulprojekt schon seit über drei Jahren

leite, bekomme ich mit, was aus vielen dieser Schülerinnen

geworden ist – manche erfüllen sich ihren Traum, von dem

sie mir damals erzählt haben und machen eine Lehre, andere

besuchen eine weiterführende Schule, aber egal, was aus ihnen

beruflich wird, eines sind sie jetzt schon: Wundervolle Persönlichkeiten,

die großen Eindruck bei mir hinterlassen haben. ●

32 / POLITIKA / / POLITIKA / 33


MEINUNG

DU

WILLST MEHR STORIES

„MIT SCHARF“?

WIE ICH JEMANDEN

GEMOBBT HABE

Es begann alles in der Volksschule, in der vierten Klasse.

Es gab ein Mädchen (M), durch das ich und Mädchen (A)

zu streiten begannen. Wir hatten damals einen heftigen

Streit und haben uns nie richtig versöhnt - aber wir versuchten,

normal miteinander auszukommen, weil wir ja in

die selbe Klasse gingen. Aber dieses Jahr habe ich auch

von vielen Klassenkameraden gehört, dass sie Sachen

über mich erzählt hat, was wieder zu Streit geführt hat.

Eines Tages war ich mit einem Mädchen (L) nach der

Schule verabredet. Komischerweise war sie auch mit dem

Mädchen (A) verabredet. Da ich mit Mädchen (A) nicht den

besten Kontakt hatte, dachte ich, sie hat das mit Absicht

gemacht, aber es war nicht so, wie sich später herausstellte.

Wir begannen dann auf der Straße zu streiten, wir

haben beide geweint, uns angeschrien und dann hat mich

das Mädchen (L) einfach stehen gelassen und ist mit dem

Mädchen (A) gegangen. Ich ging weinend nach Hause,

was mich dazu brachte, sie auf Instagram zu beschimpfen.

Ich habe aber keine geheimen Sachen erzählt, um sie nicht

bloßzustellen.

In dem Moment war mir nicht bewusst, dass ich

Cybermobbing begangen habe. Ich wollte einfach meine

Wut rauslassen und mir war egal, ob sie traurig ist oder

nicht. Am nächsten Tag ging ich in die Schule und in der

Klasse sprachen mich manche darauf an. In der Pause

wurden ich und das Mädchen (A) zu unserem Klassenvorstand

geschickt. Als erstes wurde mir erklärt, dass

das, was ich gemacht habe, Cybermobbing war. Danach

wurden ein paar Sachen besprochen, wie zum Beispiel,

dass ich eine Anzeige bekommen könnte und andere Konsequenzen.

Und ja – jetzt sind 2 Jahre vergangen und ich habe

daraus gelernt. Es gab in den letzten Jahren schon Streitereien,

aber die waren dann gleich geklärt. Natürlich hatten

ich und das Mädchen auch gute Tage, wir haben uns sogar

Geheimnisse erzählt und auch zusammen gelacht. Wir sind

keine Feinde, aber auch keine besten Freunde, sondern

normale Freunde/Klassenkameraden. Jemanden zu mobben

ist halt nicht gut, es hat Konsequenzen und nach einer

Zeit bereut man es vielleicht. Wenn ihr mal Freunde werdet

und ihr euch streitet könnte das wieder hochkommen.

Fatima ist 13 Jahre alt und besucht die WMS Louqaiplatz

HEUTE SCHATZ,

MORGEN SCHLAMPE

Leider ist es so, dass man heutzutage Sex überall bekommt,

aber die wahre Liebe fast nirgends mehr findet. Ich habe

vieles erlebt und herausgefunden, warum es mehr Sex als

Liebe gibt: weil es mehr Schlampen und Arschlöcher als

Engel gibt. In der NMS Feuerbachstraße hatte ich einen

Freund, der jeden Tag eine neue Freundin hatte und die

Frauen nur als Sexobjekte sah. Als er sich von ihnen getrennt

hat, hat er schlecht über sie geredet. Ich sehe heutzutage

öfters, wie sich Volksschulkinder küssen. Als ich noch so alt

wie sie war, haben wir zu Mädchen „wääähh“ gesagt oder sie

beleidigt. Wir müssen eigentlich ein Vorbild für sie sein und

ihnen zeigen, was Liebe ist, dass man für einen da ist - egal

ob in schweren oder schlechten Zeiten. Das Problem ist, dass

die jungen Menschen dem Trend hinterherlaufen und sich

voll krass verändern. Immer wenn ich zum Donauzentrum

oder zur Mariahilferstraße gehe, sehe ich diese Fuckgirls

und Fuckboys, die gerade auf der Jagd sind, und wenn sie

ihre Beute erlegt haben, tun sie so, als ob nichts passiert ist.

Während sie noch mit der Person zusammen sind, schreiben

sie ihr Schatz auf WhatsApp, sobald sie das bekommen, was

sie wollen, ist sie plötzlich die Schlampe.

Die Liebe wird nur vorgespielt, um jemanden schnell ins

Bett zu kriegen und wenn man sein Geschäft erledigt hat,

redet man noch stolz mit seinen Freundinnen und Freunden

darüber wie es war. Den Wert eines Menschen erkennt man

nur, wenn er oder sie tot ist. Auf Social Media bekomme ich

immer Nachrichten von Mädchen, ob ich an einer Beziehung

interessiert bin. Solche Nachrichten von Fuckgirls lehne ich

einfach ab, weil ich weiß, dass solche Menschen sicher 5

oder mehrere Beziehungen hatten. Ich wäre gerne die erste

oder zumindest die zweite Liebe für ein Mädchen. Versteht

mich nicht falsch, dasselbe gilt für Mädchen, ich verstehe

es, wenn sie nicht mit einem Typ zusammen sein wollen, der

schon viele Mädchen hatte. Es gibt keine Romantik mehr, alle

sind nur noch am Handy auf der Suche nach der oder dem

Nächsten. Gibt es für unsere Generation überhaupt noch

die wahre Liebe? Manchmal denke ich, ich werde für immer

Single bleiben. Mir kommt es nicht aufs Aussehen an, der

Charakter muss stimmen. Und das ist das Schwierige. Aber

ich gebe nicht auf, für jeden gibt es die Richtige.

Nurullah ist 16 und besucht die HTL10.

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deine Seele verkaufen, noch wollen

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34 / MIT SCHARF /


BEZAHLTE ANZEIGE

DIGITALISIERUNGS­

INITIATIVE

IM SCHULWESEN

Bereits in diesem Schuljahr steht die verbindliche

Übung „Digitale Grundbildung“ im Lehrplan der AHS-

Unterstufe und der Neuen Mittelschule. Was wird da

genau unterrichtet? Wie geht es mit der Digitaliserungsinitiative

im Schulwesen weiter?

Fünf Antworten auf

fünf Fragen!

Im Zuge der digitalen

Grundbildung werden

digitale, informatische

und medienbezogene

Kompetenzen vermittelt.

pixabay

Was ist das Ziel der

Digitalisierungsinitiative

an Schulen?

Die Schule hat den Auftrag, Kinder und

Jugendliche in einer digital geprägten

Gesellschaft darauf vorzubereiten,

selbstbestimmt zu handeln und verantwortungsbewusst

ihren eigenen

Lebensweg zu gestalten – beruflich

wie auch privat. In fast allen Berufen

braucht man inzwischen digitale und

medienbezogene Fähigkeiten, weshalb

es geboten ist, diese im Unterricht

verstärkt zu vermitteln. Dabei geht es

nicht nur darum, das Bedienen von

digitalen Anwendungen zu lernen,

sondern auch um den kritischen und

verantwortungsvollen Umgang mit

diesen Technologien.

Wen betrifft das neue

Unterrichtsfach „Digitale

Grundbildung“?

Die neue verbindliche Übung „Digitale

Grundbildung“ wurde in der Unterstufe

der AHS und der Neuen Mittelschule

in einem Ausmaß von 2 bis 4 Wochenstunden

in diesem Schuljahr eingeführt.

Die Schulen entscheiden selbst,

ob die „Digitale Grundbildung“ als

eigenes Fach, integriert in den Fachunterricht

oder als Mischform angeboten

wird.

Was wird im Unterrichtsfach

„Digitale Grundbildung“

unterrichtet?

Im Zuge der digitalen Grundbildung

werden digitale, informatische und

medienbezogene Kompetenzen

vermittelt. Zu diesen Kompetenzen

gehören etwa die Reflexion der Auswirkungen

von Medienwandel und

Digitalisierung, ein versierter Umgang

mit Betriebssystemen und Standard-

Computeranwendungen, ein sicherer

und verantwortungsvoller Umgang

mit digitaler Kommunikation sowie

Grundzüge von Programmieren und

der Umgang mit Algorithmen. Aus

Mobile Endgeräte und Tools werden künftig an Schulen zum Einsatz kommen.

unserer Sicht sind das alles Fähigkeiten,

die notwendig sind, um in unserer

digitalisierten Welt beruflich und privat

reüssieren zu können.

Wie geht es weiter im Rahmen

der Digitalisierungsinitiative

an Schulen?

Derzeit wird ein Masterplan unter Einbeziehung

zahlreicher Expertinnen und

Experten ausgearbeitet. Er gliedert sich

in drei große Handlungsfelder: 1. „Software“

– Im Zuge einer grundlegenden

Überarbeitung bestehender Lehrpläne

werden neue Lehr- und Lerninhalte aus

dem Bereich der Digitalisierung systematisch

in die Lehrpläne eingearbeitet

und im Unterricht in allen Gegenständen

umgesetzt. 2. „Hardware“ – Es

soll flächendeckend die Infrastruktur

geschaffen werden, die es braucht,

damit mobile Endgeräte, digitale

Instrumente und Tools an Schulen zum

Einsatz kommen können. 3. „Lehrende“

– Natürlich wollen wir auch Lehrerinnen

und Lehrer im Rahmen von Aus- und

Fortbildungen darauf vorbereiten, die

Möglichkeiten der digitalen Vermittlung

von Inhalten in den Unterricht zeitgemäß

aufzunehmen.

Es reicht aus unserer Sicht nicht aus,

jedem Kind einfach nur ein Tablet in

die Hand zu drücken. Das Potenzial

der Digitalisierung für die Verbesserung

des Unterrichts kann nur dann

voll ausgeschöpft werden, wenn

neue Software wie auch Hardware

behutsam in ein pädagogisches Konzept

eigebettet werden.

Wie geht es mit der

Digitalisierungsstrategie

weiter?

Zu Beginn des nächsten Jahres wird

der „Masterplan Digitalisierung“

vorgestellt und schrittweise bis zum

Jahr 2023 im gesamten Bildungswesen

umgesetzt. Es führt kein Weg

daran vorbei, das Bildungswesen

an die künftigen gesellschaftlichen

Herausforderungen junger Menschen

anzupassen. Mit dem Masterplan

Digitalisierung soll der Unterricht

noch zeitgemäßer und moderner

gestaltet werden.


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#TABU

#knowyourstatus

#equality

#perioddrama

illUStration: Sarah DUller


2 · VORWORt www.faszination-leben.at

Mut für

die Zukunft

Ali Mahlodji, Gründer von WHATCHADO,

appelliert an die Individualkraft der Mitglieder

unserer Gesellschaft, Tabus unserer Zeit

zu brechen und unseren Nachfolgern eine

lebenswerte Umgebung zu hinterlassen.

Anzeige #Weltaidstag · 3

Know Your Story –

Know Your Status!

Der Verein LIFE+ setzt mit Paris Jackson und Philipp

Hochmair zum Welt-AIDS-Tag am 1.12. ein Zeichen im

Kampf gegen HIV und AIDS. Die Know Your Status-

Kampagne soll Aufmerksamkeit schaffen und auf

die Gefahren hinweisen.

AM 1.12. IST

WELT-AIDS-TAG!

Tabu, 6. Ausgabe, Dezember 2018

Mut, ein manchmal ausgelutschtes

Wort und gleichzeitig die

wichtigste Zutat unserer Gesellschaft,

um mit den Herausforderungen

der Zukunft umzugehen.

Wir leben heute in einer unglaublich

tollen Welt, die sich unsere Großeltern nie

zu träumen gewagt hätten und trotzdem

schaffen wir es nicht, Tabus zu brechen,

die unsere Gemeinschaft auch 2018 noch

schwächen:

Das Bild der Frau in der Gesellschaft

hinkt immer noch dem Wert der Gleichberechtigung

hinterher, die Schere zwischen

arm und reich klafft immer weiter auf und

wir stehen davor, unseren Kindern eine

Erde zu hinterlassen, die nicht bewohnbar

ist. Von der Akzeptanz anderer Kulturen

scheint es, sind wir weit entfernt. Doch

muss es so sein? Haben wir keine Chance,

die Zukunft zum Positiven zu drehen?

Doch, und wie! Wenn wir eine Sache ver-

stehen: Wir alle sind ein Puzzleteil aus

einem globalen Bild mit 7 Milliarden

Menschen und erst wenn wir selbst

beginnen, an einer neuen Zukunft zu

bauen, erst dann können wir für andere

ein Vorbild sein, die Zukunft selbst

in die Hand zu nehmen.

Wir brauchen Menschen, die sich

ihrer Selbstverantwortung bewusst

sind und Schritte setzen, um die letzten

Tabus unserer Gesellschaft zu brechen,

damit Neues entstehen kann.

Dafür braucht es Gemeinschaften,

die an sich glauben, dafür braucht es

Mut ... dafür braucht es jeden Einzelnen

und jede Einzelne.■

ali Mahlodji

Gründer whatchado &

EU Jugendbotschafter

Bleiben Sie in Kontakt: facebook.com/MediaplanetAUSTRIA @MediaplanetAUT

Projekt Manager: Sarah duller, Ma · Business Developer: Claudia auer, Ma · Editorial Manager: Buket akkaya. · Layout: daniel Pufe · Managing Director: Sophia Rüscher, MBa

Medieninhaber: Mediaplanet GmbH · Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · atu 64759844 · Fn 322799f FG Wien

Impressum: http://studio.mp/at/impressum-at · Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 1 236 3438 40 E-Mail: redaktion.at@mediaplanet.com

FotoS: © whatChaDo.Com; iStoCkPhoto / antoniogUillem

FotoS: © verein liFe+; rankin

Der Verein LIFE+ ist vor allem für

eines bekannt: den LIFE BALL.

Doch der Verein leistet viel mehr.

Seit 1993 setzt er sich für Aufklärung

und Enttabuisierung von HIV- und

AIDS-Erkrankten ein. War AIDS in den 1990

Jahren noch DAS Schreckgespenst, hat sich

die Immunschwächeerkrankung mittlerweile

durch Fortschritte in der Forschung

von einer tödlichen zu einer chronischen

Erkrankung gewandelt. Die Lebensqualität

HIV-positiver Menschen hat sich dadurch

radikal verbessert, die Lebenserwartung in

westlichen Ländern ist enorm gestiegen.

Mach den test

Und trotzdem: Die weltweiten HIV-Übertragungsraten

sind nach wie vor besorgniserregend.

Allein in Österreich leben Schätzungen

zufolge 8.000 Menschen mit dem Virus.

Täglich werden ein bis zwei Neudiagnosen

gestellt. Die Dunkelziffer derjenigen, die

nichts von ihrer Ansteckung wissen, ist damit

bedenklich hoch (Quelle: UNAIDS). Der

Verein LIFE+ will daher mit seiner Know-

Your-Status-Kampagne aufklären, Transparenz

schaffen sowie mit Tabus und Stigmata

in Verbindung mit HIV/AIDS brechen. Einen

HIV-Test zu machen und den eigenen Immunstatus

zu kennen, ist der erste Schritt

zur Eindämmung von HIV/AIDS – dies ist die

Kernbotschaft der Kampagne.

Zeig deinen Körper

Nach Kate Winslet, Uma Thurman und Tatjana

Patitz, die für den ersten Teil der drei-

MA_Anzeige_Tabu_HIV_cmyk_207x40mm.pdf 1 14.11.18 09:44

stufigen Kampagne Pate

standen (90 Prozent

der Menschen mit HIV

sollen bis 2020 ihren Status

kennen), haben für

den zweiten Teil (90 zent der Menschen mit HIV, die ihren Sta-

Protus

kennen, sollen sich bis 2020 in antiretroviraler

Behandlung befinden) bereits

Aiden Brady und Eva Herzigova vollen Körpereinsatz

vor der Linse des Starfotografen

RANKIN gezeigt. Nun wurden zwei neue

Testimonials, fotografiert von Andreas H.

Bitesnich, präsentiert: Paris Jackson, die

sich als Botschafterin der Elizabeth Taylor

AIDS Foundation dem Kampf gegen HIV/

AIDS verschrieben hat und Gast des diesjährigen

Life Ball war, sowie der österreichische

Schauspieler Philipp Hochmair, der

als Jedermann-Einspringer bei den Salzburger

Festspielen für Furore sorgte. Ihre Körper

sind mit der Geschichte ihres Lebens

beschrieben, denn nur wer seine

Geschichte kennt, kann

auch seinen Status nen, indem er sich re-

kengelmäßig

testen lässt.

Der dritte und letzte Abschnitt

der Kampagne

wird sich im nächsten

vergiss nicht:

wissen ist übertragbar –

also sprich offen über hiv, aiDS

und Safer Sex und teile dein

wissen mit anderen. Denn den

kampf gegen aiDS gewinnt

niemand alleine!

Jahr mit U = U (undetectable

= untransmittable) beschäftigen:

Die Chance HIV zu tragen ist vernachlässigbar klein, wenn die

über-

Viruslast aufgrund einer dauerhaften Behandlung

unter die Nachweisgrenze fällt. ■

WEIßT DU, WAS ES ÜBER

HIV ZU WISSEN GIBT?

Am 01.12. ist Welt-AIDS-Tag. Zeit, um dein

Wissen über HIV/AIDS aufzufrischen und

offen darüber zu reden! Der 8-minütige Film

„HIV-kompakt“ auf www.hivheute.at/film

liefert dir die wichtigsten Basisfakten über

HIV/AIDS, erklärt, wie du eine Ansteckung

verhindern kannst und wie wir die Verbreitung

von HIV gemeinsam bekämpfen

können. Ohne Tabus werden

die gängigsten und hartnäckigsten

Mythen rund um HIV/AIDS aufgeklärt,

Risiken beim Namen genannt und

unnötige Ängste aus der Welt geschafft.

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Foto: © Dominik PiChler

Feminismus –

die Angst vor dem F-Wort!

Michael Buchinger

Youtuber und Autor

Gleichberechtigung

der Geschlechter

Für die einen ist Feminismus eine Bewegung, für welche sie sich stark

machen – für andere wiederum ein regelrechtes Schimpfwort. Die Debatte

um das F-Wort: ein cooler Trend oder ein nachhaltiger Wandel?

Im Jahr 2016 habe ich ein Video

gemacht, in dem ich meinen

ZuschauerInnen erkläre,

warum ich Feminist bin. Ich habe

es einfach gehalten und erläutert,

was Feminist-Sein für

mich bedeutet: Ein Mensch zu

sein, der an die Gleichberechtigung

der Geschlechter glaubt.

Besonders bei meinem Coming-Out

wurde ich von Frauen

in meinem näheren Umfeld

unterstützt: Von meiner Mama

und meiner älteren Schwester

bis hin zu Freundinnen an

der Schule, die mich vor kritischen

Mitschülern verteidigten.

Mein Leben wurde maßgeblich

von starken Frauen

geprägt und es schien mir daher

verrückt, mich nicht als Feminist

zu bezeichnen.

Doch kurz nach Veröffentlichung

des Videos wartete eine

böse Überraschung auf mich:

Der Hass der anti-feministischen

Trolle im Netz. Zu diesem

Zeitpunkt war ich bereits seit

sieben Jahren aktiver Social-

Media-Nutzer, aber mir waren

noch nie so intensiver Hass und

so bunte Schimpfwörter begegnet,

wie nach meinem Bekenntnis

zum Feminismus.

Die negativen Rückmeldungen

haben mich zwar anfangs

schockiert, aber auch wachgerüttelt

und noch mehr in meiner

Überzeugung bekräftigt.

Wir alle, die wir an die Gleichberechtigung

der Geschlechter

glauben, sollten aktiv werden

und so laut wie möglich über

die Wichtigkeit dieses Themas

sprechen. Wir dürfen die Trolle

nicht gewinnen lassen. ■

Wir erheben unsere

Stimmen

Wir schreiben das Jahr

2018. Seit 100 Jahren

dürfen Frauen*

in Österreich wählen und gerade

mal ein paar Jährchen länger

studieren. Seit 100 Jahren!! Also

eigentlich seit gestern, wenn

wir die gesamte Menschheitsgeschichte

zum Vergleich heranziehen.

Gut 20 Jahre ist es her, dass

in Österreich das erste Frauenvolksbegehren

stattfand.

„Den Frauen ihre Rechte und

nicht weniger. Den Männern

ihre Rechte und nicht mehr.“

So lautet der Slogan von damals

und daran hat sich genaugenommen

nicht viel geändert.

Frauen bekommen

heute nach wie vor weniger als

sie verdienen und das ist nicht

gerecht. Vor zwei Jahren haben

wir deswegen die Initiative

Frauen*Volksbegehren

2.0 ins Leben gerufen und damit

Rassismus und Sexismus

den Kampf angesagt. Für echte

Gleichwertigkeit. Für echte

Selbstbestimmung. Für echte

Chancengleichheit. Für uns alle.

Überall auf der Welt stehen

Frauen* auf, um sich zu wehren.

Die #metoo-Bewegung eint uns

ebenso, wie die internationale

LGBTIQ-Bewegung und die Pro-

lena Jäger

Projekleiterin Frauenvolksbegehren,

Aktivistin

Choice-Bewegung. Immer wieder

hören und spüren wir, dass

wir uns in einer Zeit des Umbruchs

befinden. Technischer

Fortschritt und gesellschaftlicher

Backlash scheinen Hand in

Hand zu gehen. Um so wichtiger

ist es nun, dass wir zusammenhalten,

über Landesgrenzen

und Differenzen hinweg. Wir

müssen Seite an Seite kämpfen.

Miteinander und Füreinander.

Frauen* und andere marginalisierte

Gruppen müssen mitbestimmen

können, auf allen

Ebenen der Gesellschaft und der

Politik. Es ist Zeit für echte Veränderung.

Heute für morgen.

Für ein gutes Leben für alle. Dafür

steht mein Feminismus. ■

Foto: © Carl DewalD

Foto: © interFoto

Gerhard Wagner

Obmann HeForShe Vienna

Feminist* sagt

Mann* nicht

Vor kurzem veröffentlichte

Hanna Herbst ihr

Buch „Feministin sagt

man nicht“, in dem sie sich mit

unterschiedlichen feministischen

Themen beschäftigt und

schlussendlich zu dem Ergebnis

kommt: „Feministin sagt

man doch!“. Damit bricht sie in

aller Klarheit ein gesellschaftliches

Tabu. Denn nach wie vor

wird Feminismus skeptisch beäugt.

Ich kenne viele Menschen,

die zwar die Gleichstellung der

Geschlechter befürworten und

sich teilweise auch aktiv dafür

einsetzen, sich aber dennoch

nicht als Feminist*in bezeichnen

möchten. Besonders stark

äußert sich diese Ablehnung

dem Feminismus gegenüber

innerhalb der Gruppe der Männer*.

Gleichstellung, ja bitte. Feminismus,

lieber nicht. Dabei

geht das eine nicht ohne das andere.

Wer sich für die Gleichstellung

und Gleichwertigkeit der

Geschlechter ausspricht und

echte Chancengleichheit für alle

einfordert, ist faktisch auch

Feminist*in.

t-Shirts machen uns

nicht zu Feminist*innen

Bei all der gesellschaftlichen

Tabuisierung zeigt sich in letzter

Zeit paradoxerweise auch

ein fast schon inflationärer Gebrauch

der Begriffe Feminist*in

oder Feminismus. T-Shirts mit

dem Aufdruck „This is what a feminist

looks like“ sind beliebt

wie nie zuvor und Feminismus

wird als trendiger Lifestyle gefeiert

– auch unter den Männern*.

So schön die breite Resonanz

auch ist, ein jeder Trend

birgt auch die Gefahr zur reinen

Instrumentalisierung zu verkommen

und dadurch an Inhalt

zu verlieren. Daher ist beim

derzeitigen Hype auch Vorsicht

geboten, denn T-Shirts machen

uns nicht zu Feminist*innen.

Feminismus ist mehr als ein

schickes Label, Feminismus ist

eine ehrliche Haltung.

Feminismus steht für gelebte

Gleichstellung, Gleichwertigkeit

und Chancengleichheit.

Feminismus steht für Menschlichkeit,

und Menschlichkeit

darf kein Tabu sein. Feminismus

darf kein Tabu sein. Ganz

im Gegenteil, es braucht mehr

Menschlichkeit, es braucht

mehr Feminist*innen. Oder wie

es die Autorin Chimamanda

Ngozi Adichie ausdrückt: We

should all be feminists. ■

Fat Feminist Homo

Ich werde die Bezeichnungen

Frauen* und Männer* jeweils mit

einem Sternchen versehen. Dies soll

Trans-Queere und nicht binär lebende

Personen sichtbar machen und

mit einschließen. Mir ist bewusst,

dass ich als weiße Person mit österreichischem

Pass aus einer priviligierten

Position heraus schreibe.

Ich bin eine fette, homosexuelle

Frau. Das ist meine Selbstbezeichnung,

mein Weg, empowernd

und sichtbar mit meiner

Lebensrealität umzugehen. Sobald

ich mich außerhalb meiner

Wohnung oder anderen safe

spaces bewege, spüre ich Diskriminierung.

Sie ist in Blicken, in

Worten, in der Attitüde, wie mit

mir umgegangen wird. Was bis

eben noch meine Normalität

war, ist jetzt lebende Kritik an

den Normen der Mehrheitsgesellschaft.

Ich bin, wie alle Frauen*, jeden

Tag der sexistischen und lookistischen

Wertung von heterosexuellen

Cismännern ausgesetzt.

Das Patriarchat sorgt für eine

klar eingegrenzte heteronormative

Vorgabe, was Geschlecht bedeutet,

wieviele es gibt, und wer

aufgrund seines Geschlechtes

wieviel Wert hat. In dieses Weltbild

passt keine Frau, die mit einer

Frau verheiratet und selbstbewusst

fett ist. Eher kommen

Ideen, wie Frauen* zu leben und

auszusehen haben; dass sich ihr

Look immer (oder überhaupt)

an den Blick der Männer* richtet,

dass Begehren heterosexuell

zu sein hat, Frauen* schlank,

schweigend und schön eher

nur dabei stehen sollen, als fett,

selbstbewusst und laut wichtige

Positionen zu besetzen.

In solchen Strukturen dient

eine Diskussion um das Körpergewicht

von Frauen* ebenfalls

dazu, Macht auszuüben und

ina Holub

Stylist, Make-up Artist,

Plus Size Model

zu erhalten. Oft werden Körperlichkeiten,

die bei Frauen*

noch negativ konnotiert waren,

bei Männern* positiv bewertet.

Männer sind stattlich, nicht

fett, sind selbstbewusst laut,

nicht hysterisch, die ersten drei

Hemdknöpfe sind offen, weil er

leger ist und nicht, weil er nur

mit Reizen überzeugen kann, da

die Inhalte fehlen.

Wenn ein Mann* einkaufen

geht, sich um Kinder kümmert

oder den Haushalt macht, verändert

das nichts an der Norm. Wer

fragt schon einen männlichen*

Politiker, wie er Kind und und

Job unter einen Hut bekommt?

Männer*, die hier aufschreien,

haben zu Recht Angst, ihre

Macht und damit Privilegien,

auf die alles gestützt ist, abzugeben.

Das würde auf lange Sicht

Gleichberechtigung bedeuten

und das ist nicht der Plan.

Feminismus heißt für mich

auch Solidarität unter Frauen*.

Alteingesessene erzpatriarchale

Strukturen könn(t)en aufgebrochen,

Frauen* empowert und

heteronormativ geprägte Wertesysteme

hinterfragt, Privilegien

neu verteilt werden. Nur so würde

Gleichberechtigung funktionieren.


Foto: zvg


6 · #BOdyaCCePtanCe

Body Acceptance

Carina Møller-Mikkelsen

Curvy Model und ehemalige

Bodybuilderin

Anzeige #PERIODDRAMA · 7

Breaking the bloody taboo

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... bedeutet für mich, auf seinen

Körper zu hören und zu lernen, mit ihm

zusammen zu arbeiten und nicht gegen

ihn. Zu verstehen, wer und wie man ist,

und nicht dem falschen, vermeintlichen

Ideal hinterherzueifern.

„Wir alle möchten gut

funktionieren, da spielt

natürlich eine ausgewogene

und gesunde Ernährung

eine große Rolle!“

Dein Schluck Lebenslust

Genieße die Erfrischung aus der

Essenz von Grünem Kaffee, verfeinert

mit besonderen Zutaten unserer österreichischen

Natur und erlebe etwas

unvergleichbar anderes. Bärnstein ist

als natürlicher Muntermacher bei all

jenen beliebt, die das einzigartigste

Geschmackserlebnis suchen. So

entsteht ein Zwischenspiel von

Abenteuerlust und vertrauter Heimat.

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Ich habe lange nicht verstanden, wer ich

bin und wie mein Körper tickt. In dem Alter

von 16–18 Jahren war ich ziemlich unglücklich

mit meinem Körper. Ich schaute

ständig in den Spiegel und fühlte mich nicht

gut genug. Auf Zeitschriften waren dünne

Models abgedruckt, meine Freundinnen waren

sehr schlank und ich dachte, dies wäre

das Nonplusultra: Nur so (dünn) könnte ich

mich wohlfühlen und Klamotten tragen, die

toll an mir aussehen.

die ersten Schritte

Ich entschloss mich also endlich dazu, mich

in einem Fitnessstudio anzumelden. Ich probierte

die Kurse aus, die dort angeboten wurden,

zum Beispiel Zumba. Das war die reinste

Vollkatastrophe mit mir. Während die anderen

alle fleißig im Takt waren, bin ich kaum

hinterhergekommen. So landete ich letztendlich

im Freihantelbereich und fand dort große

Freude an dem Ganzen. Ich merkte, wie mein

Körper sich nach kurzer Zeit veränderte, und

passte irgendwann auch meine Ernährung

entsprechend an. So startete mein Weg zur

Bodybuilderin und späterhin Wettkampfathletin

in der Figurklasse der Frauen.

der Perfektionismus

Ende 2017, Anfang 2018 realisierte ich endlich,

dass ich mich verrannt hatte. War ich wirk-

lich glücklich in und mit meinem Körper, wie

Mach' mit er jetzt war? Nein! Leider nicht. Ich ging 5–7

und gewinne deinen Mal die Woche zum Training, kochte mein

kleinen Vorrat an diesem Essen vor und wog jedes einzelne Gramm,

erfrischenden und tollen das ich aß, ab. Ich war in einen Teufels-

Getränk unter: kreis geraten. An einigen Tagen wollte ich

www.faszination-leben.at

carinamoellermikkelsen

aus diesem Teufelskreis ausbrechen und endlich

das essen, worauf ich längere Zeit schon

Lust gehabt hatte. Schokolade, Eis, Nudelauflauf,

uvm. Dies stopfte ich dann an einem Tag

hemmungslos in mich herein – soviel, dass ich

Bauchweh bekam oder mich sogar übergeben

musste. Dies ging eine längere Zeit so, bis ich

realisierte, dass ich auch das so nicht mehr

wollte. Ich musste etwas verändern und das

tat ich also Ende 2017, Anfang 2018.

die akzeptanz

Mein Körper fing an, sich zu verändern. Ich

nahm hier und da wieder etwas zu, mein Körper

wurde immer weiblicher und bekam seine

Kurven (zurück). Nicht nur körperlich veränderte

sich einiges, sondern ebenso mental.

Ich fing an, meinen Körper zu verstehen und

zu akzeptieren. Wir arbeiteten ab jetzt Hand

in Hand. Nach einiger Zeit kam dann auch

meine Menstruation wieder, die für anderthalb

Jahre ausgesetzt hatte aufgrund dessen,

was ich meinem Körper in diesem Zeitraum

angetan habe.

du kannst dein ganz eigenes

Schönheitsideal sein!

Durch diese Erfahrungen, die ich gemacht

habe, weiß ich meinen Körper, so wie er ist,

zu schätzen! Mein Körper ist wirklich toll so,

wie er von der Natur vorgesehen ist, und das

durfte ich jetzt endlich verstehen lernen! Ich

möchte jedem anderen da draußen dies nur

mit an die Hand geben: Versuche nicht, einem

Schönheitsideal hinterherzueifern, was

du so gar nicht erfüllen kannst. Du kannst

dein ganz eigenes Schönheitsideal sein! ■

ONLINE WEITERLESEN: WWW.FASZINATION-LEBEN.AT

Foto: Carina moeller-mikkelSen

FOTO: © ERDBEERWOCHE

Stelle dir Folgendes vor: Du

liest diesen Artikel entspannt in

einem Zugabteil. Dein Sitznachbar

schielt mit einem Auge zu dir

und wird ob der Headline neugierig.

Würdest du mit dieser Person

– einem wildfremden Menschen –

eine Diskussion über das Tabuthema

Menstruation anfangen?

Wenn ja: Glückwunsch! Dann

zählst du zu den wenigen Menschen,

die mit diesem Thema

überhaupt kein Problem haben. Für viele ist

Menstruation aber leider noch immer ein

unangenehmes Thema und negativ behaftet.

Das ergab auch eine Umfrage der erdbeerwoche

unter 1.100 Jugendlichen, laut

der über 60 Prozent der Mädchen eine negative

Einstellung zu ihrer Regel haben und

70 Prozent der Jungen das Thema Menstruation

unwichtig und peinlich finden. Nur

22 Prozent meinen, dass in ihrer Familie offen

mit dem Thema umgegangen wird.

Mythos Menstruation

Aber warum ist das so? Bis

heute halten sich viele My-

then rund um die weibliche

Regelblutung, weshalb sich

viele Mädchen während ihrer

Tage „unrein“ fühlen. Dabei

ist die Menstruation die natürlichste

Sache der Welt und

der Grund dafür, dass wir schen überhaupt existieren.

Men-

Deshalb wird es Zeit, darüber

zu reden und das Tabu zu

brechen! Wir von der erdbeerwoche

tun das schon seit vielen

Jahren und klären Frauen auch

über nachhaltige Alternativen zu konventionellen

Tampons und Binden auf. So wissen

viele Frauen zum Beispiel nicht, dass

jährlich rund 45 Milliarden Hygieneprodukte

weggeworfen werden und dass viele

herkömmliche Tampons aufgrund von

Kunststoffbestandteilen bis zu 500 Jahre

benötigen, um zu verrotten.

DIE ZUKUNFT

DER PERIODEN-PRODUKTE

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Gründerinnen erdbeerwoche

Glücklicherweise gibt es Alternativen, wie

die Menstruationskappe, die wiederverwendbar

ist und Frauen so Geld und Müll

erspart. Auch darüber wird es Zeit, zu reden.

Vielleicht bei der nächsten Zugfahrt?

Let’s break the bloody taboo! ■


8 · #enJOyyOuRSelF

„Zwischen den ganzen

Eindrücken, die Tag für

Tag auf uns einwirken,

vergessen wir achtsam

mit uns und insbesondere

mit unserer Sexualität

umzugehen.“

Selbstbefriedigung?

Wer macht denn sowas?!

Es ist das Natürlichste der Welt, sich mit seinem Körper und seinen Vorlieben auseinanderzusetzen.

Egal, ob Mann oder Frau, Selbstbefriedigung hilft in vielen Hinsichten, ausgeglichener zu sein.

Alles was mit Sexualität zu tun hat,

gilt immer noch als Tabuthema in

unserer Gesellschaft. Man spricht

einfach nicht darüber, denn vielen

Menschen treibt es die Röte ins Gesicht.

Dabei ist Sexualität etwas Natürliches

und letztendlich machen es fast alle Menschen.

Fernab von Pornos und Artikeln in

Magazinen, die uns erzählen wollen, wie

wir den besten Sex unseres Lebens bekommen

oder mit welchen Verrenkungen wir

uns am besten zum Höhepunkt bringen

können, sollten wir doch wieder anfangen

uns mehr mit UNS zu beschäftigen.

Warum es dir guttut!

Erster und wichtigster Punkt – durch

Selbstbefriedigung kommt ihr euch und

eurem Körper näher und ihr setzt euch mit

ihm auseinander. Ihr könnt dadurch lernen,

euch zu lieben und anzunehmen. Außerdem

merkt ihr mit der Zeit, was euch

guttut und was ihr gerne mögt, ihr könnt

euch ausprobieren, merkt welches Tempo

ihr mögt und wie ihr gern berührt werden

möchtet.

Es gibt aber auch noch die gesundheitlichen

Aspekte, die für die Selbstbefriedigung

sprechen. Zum Beispiel kann es Stress

bekämpfen, dafür sorgen die Glückshormone

namens „Endorphine“, die bei einem Orgasmus

freigesetzt werden. Die versorgen

euch mit einem Glücksgefühl und ihr fühlt

euch gleich viel entspannter. Zum anderen

könnt ihr Schmerzen und Verspannungen

lindern. Ich empfehle es immer, Selbstbefriedigung

anzuwenden, wenn man an

Krämpfen während der Periode leidet.

Roxana Kleuter

Erzieherin und Bloggerin

doitcurvy.de

Stress dich nicht!

Ich bekomme oft Nachrichten, in denen

mir Frauen schreiben, die nicht wissen, wie

sie es sich am besten selbst machen können.

Meine erste Antwort darauf: „Macht

ein Date mit euch selbst aus!“ Gönnt euch

vorher vielleicht ein entspannendes Bad,

cremt euch danach von Kopf bis Fuß ein

und tastet euch schon mal langsam an euren

Körper ran.

Nicht jeder Frau fällt es leicht, sich mit

ihren Körper auseinanderzusetzen und es

braucht manchmal viel Zeit, sich selbst positiv

wahrnehmen zu können. Stresst euch

nicht! Wenn man sich rantraut, gibt es auch

ganz wunderbare Sextoys, die man einsetzen

kann, um sich noch mehr auszuprobieren,

und die manchmal sogar helfen, zum

Höhepunkt zu gelangen. Traut euch! ■

Foto: © roBert gierhan

BIBER

SUCHT

DICH!

Du möchtest lernen, wie man richtig recherchiert

und gute Geschichten schreibt?

Du hast es satt, wie über Migrant*innen

geschrieben wird und möchtest wissen, wie

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Workshops mit externen Medienschaffenden,

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relevante Themen und Ausflüge in die großen

Redaktionen Wiens stehen genauso auf

dem Programm wie das Erarbeiten eigener

Geschichten, Mobile Reporting und Beratungsstunden

für den weiteren Berufsweg.

Das Ziel der Akademie ist es, die kommende

Mediengeneration zu rekrutieren und

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brutto laut Kollektivvertrag monatlich dotiert.

Bist du interessiert und zwischen 18 und

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Schick uns deinen Lebenslauf und

schreib uns in einem Motivationsschreiben,

warum du das Stipendium bekommen

solltest, welche drei Geschichten du gerne

schreiben würdest und sende uns eine Textprobe.

Die interessantesten Bewerber*innen

werden zu einem Gespräch eingeladen. Die

österreichische Staatsbürgerschaft ist keine

Voraussetzung. Für uns zählen deine Motivation

und deine Ideen, nicht deine Nationalität.

Alle Bewerbungsunterlagen an:

rajkovic@dasbiber.at

AKADEMIE

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„SCHEISS AUF

DEN SPRACHKURS,

LERN’S IN DEN

STREETS“

Fremdsprachen lernen

im Fußballkäfig, auf der

Baustelle oder beim Chillen mit

Freunden? Willkommen in der

„Sprachschule der Straße“.

Von Šemsa Salioski, Fotos: Soza Al Mohammad

Im Park kannst du Fußball spielen,

aber auch eine neue Sprache lernen

Wallah brate, ich schwöre!“ dröhnt es aus dem

Fußballkäfig neben meinem Wohnblock in

Wien Brigittenau. Der Sprachenmix ist hier

ur normalno, oder? Naja, für mich schon. Ich

komme in meine Wohnung und werde von meinem älteren

Bruder grinsend mit den Worten „Ho much wu?“ begrüßt.

„Wo hast du das schon wieder her?“, will ich wissen. „Na aus

dem Fitnesscenter. Von den Tschetschenen.“, antwortet er.

Wie ich später erfahre, bedeutet es „Wie geht’s dir?“ – in der

Form allerdings nur, wenn man einen Mann anspricht. Kein

Wunder, wenn er es von seinen Brudis aus dem Fitnesscenter

kennt. Das ist nicht das erste Mal, dass mein Bruder mich

mit einer Begrüßung in einer mir nicht bekannten Sprache

überrascht: Er besitzt davon ein breites Repertoire. Gelernt

hat er das alles nicht in einem Fremdsprachenkurs oder im

Ausland, sondern hier, in der Brigittenau, auf der Straße.

Beim Fußballspielen oder beim Chillen im Park hat er sich

als Jugendlicher Redewendungen und Ausdrücke aus den

verschiedensten Winkeln der Erde angeeignet. Da können

kleine Fehler, wie seine Schwester mit der männlichen

Form anreden, schon passieren. Politische

Korrektheit ist hier sowieso nicht an erster

Stelle: Sein „bester arkadaş“ (türk. „bester

Freund) aus der Teenie-Zeit nannte ihn

damals zum Spaß den „hellen Türken“, weil

er die türkische Sprache für einen Mazedonier

mit albanischen Wurzeln überraschend

fehlerfrei beherrscht hat. Das liegt mittlerweile

einige Jahre zurück, meinen Bruder

findet man heute eher auf der Uni als im

Fremdsprachen,

die man durch

Freunde lernt,

können einen in

der Arbeitswelt

weiterbringen.

Käfig. Aber was bleibt, das bleibt: Oft höre ich ihn heute

noch mit seinen ganzen „bratkos“ ständig auf „bosanski“

telefonieren. Sprachenvielfalt steht bei uns an der Tagesordnung.

Und damit sind wir nicht alleine.

Laut einer Studie der Statistik Austria liegt die Anzahl der

Wiener Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 43,9%.

Dazu zählen Zuwanderer der 1., sowie der 2. Generation.

Ganz oben auf der Rangliste, der in Österreich am meisten

gesprochenen Sprachen, befinden sich Bosnisch-Kroatisch-

Serbisch, Türkisch, Ungarisch, Slowenisch, Polnisch, Rumänisch

und Arabisch. Insgesamt werden hierzulande um die

250 Sprachen gesprochen.

DER TSCHECHISCHE

FUSSBALLPLATZ IN ÖSTERREICH

Dass Fremdsprachen, die man durch Freunde lernt, einen in

der Arbeitswelt weiterbringen, sieht man auch am 21-jährigen

Kroaten Daniel.

„Ich habe in der Nähe der tschechischen Grenze Fußball

gespielt, genauer gesagt in Mistelbach und Poysdorf“,

erzählt er. Aufgrund der Lage gab es viele

Tschechen in den Mannschaften, die nur

wenig Deutsch verstanden haben. Deswegen

hat Daniel anfangs mit ihnen eine

Mischung aus Kroatisch und Deutsch geredet.

Nach einer Weile haben sie ihm immer

mehr tschechische Ausdrücke beigebracht.

„Ich habe Tag für Tag mindestens

ein neues Wort oder einen neuen Satz

gehört. So wie bei jeder neuen Sprache

48 / RAMBAZAMBA /

/ RAMBAZAMBA / 49


Willkommen in Wien,

dem Babylon der Neuzeit.

habe ich natürlich zuerst das Schimpfen gelernt. Darauf

folgten die klassischen Smalltalk-Basics wie „co to děláš?“

(tschech.“Was machst du?“) oder „odkud jsi?“ (tschech.

„Woher kommst du?“) und die Antworten darauf. Zusätzlich

habe ich dann noch in Poysdorf gearbeitet. In der Werkstatt

hatten wir viele Mitarbeiter aus Tschechien, die ich ständig

nach neuen Ausdrücken gefragt und um Übersetzungen

gebeten habe.“ Seine Tschechisch-Kentnisse waren auch

in seinem Arbeitsalltag von Vorteil. „Die Geschäftsführer

meiner Firma haben irgendwann gemerkt, dass ich fließend

Tschechisch spreche und mich die ganzen Aufträge von

tschechischen Kunden erledigen lassen“, erklärt er.

AUSLANDSSEMESTER IN

SCHOTTLAND ZUM SPANISCH-

LERNEN

Dass ein Auslandsjahr in Schottland auch andere Lerneffekte

haben kann, sieht man am Beispiel der 23-jährigen

Athira. Sie spricht Malayalam (eine indische Sprache), sowie

Deutsch und Englisch. Athira hat ein Uni-Auslandsjahr in

Glasgow verbracht, jedoch blieb es in der Kommunikation

bei weitem nicht nur bei Englisch. „Dort habe ich Leute aus

Spanien, Ecuador, Kolumbien und Argentinien

kennengelernt. Einer meiner Kollegen

war aus Valencia. Durch ihn habe ich

die Sprache täglich zu hören bekommen.

Zum Beispiel, wenn er mit seinen Eltern

und Freunden von zu Hause telefoniert

hat. Später habe ich mich mit Leuten aus

Ecuador angefreundet und war ständig

mit ihnen unterwegs. Unsere Clique ist

freitags immer in einen Reggeaton-Club

gegangen. Durch die spanische Musik habe

ich tanzend und singend noch mehr Begriffe dazulernen

können. Die Gruppe hat außerdem ausschließlich Spanisch

miteinander geredet. Es hat mir jedoch nichts ausgemacht,

da ich Italienisch kann und sie nach einer Weile verstanden

habe“, erzählt sie. „Ich habe Spanisch wirklich nur durch

meine Freunde aus dem Auslandsjahr gelernt“, fasst Athira

zusammen.

FARSI DURCH DIE PERSER-CLIQUE

„Farsi verstehen habe ich hauptsächlich durch meinen persischen

Freundeskreis gelernt. Einige Wörter sind türkischen

Begriffen sehr ähnlich, was es natürlich oft leichter gemacht

hat, den Kontext eines Gesprächs herauszuhören“, sagt die

23-jährige Wienerin Fatma, deren Muttersprache Türkisch

ist. „In der persischen Clique wurden in der Runde viele

Geschichten oft unbewusst auf Farsi erzählt und anschließend

für mich auf Deutsch übersetzt. Meistens wurden auch

deutschsprachige Sätze mit einbezogen. Auf diese Art habe

ich gelernt, ihre Unterhaltungen zu verstehen und gleichzeitig

immer mehr Wörter aufgeschnappt“, erklärt Fatma, die

neben Deutsch und Türkisch noch Englisch und Französisch

spricht – und Farsi sowie algerisches Arabisch versteht.

Besonders interessant waren für sie persische Redewendungen,

die sie zwar nicht aus dem Deutschen, dafür aber

So wie bei jeder

neuen Sprache

habe ich natürlich

zuerst das

Schimpfen

gelernt.

aus dem Türkischen kannte. „Ich kann auch ein paar Witze

reißen, wirklich gut ist mein Farsi aber auch nicht“, meint sie.

Das algerische Arabisch hat sie in der Unterstufe bei einer

Freundin mit algerischen Wurzeln kennengelernt. „Ich war

oft bei ihr und habe mir ständig die Gespräche zwischen den

Familienmitgliedern mit angehört. Unbewusst ist viel davon

hängen geblieben. In diesem Jahr war ich dann selbst in

Algerien. Da Französisch in dieser Sprache eine große Rolle

spielt, habe ich keinen Dolmetscher benötigt, wenn ich mich

mit den Einheimischen dort unterhalten wollte“, erzählt Fatma

über ihre Sprachfähigkeiten.

POLSKI MIT DEN ÄGYPTISCH-

POLNISCHEN BRUDIS

Ähnlich war es bei Patrick, einem Österreicher aus Wien.

„Mein Kumpel und sein Bruder haben ägyptisch-polnische

Wurzeln, bei ihnen Zuhause wurde aber meistens Polnisch

gesprochen. In meiner Jugend bin ich ständig mit den beiden

unterwegs gewesen. Ich bin quasi mit ihnen aufgewachsen.

Durch die Unterhaltungen zwischen den Brüdern und

den anderen Familienmitgliedern war ich pausenlos von der

Sprache umgeben. So habe mir nach und nach die unterschiedlichsten

Wörter gemerkt“, erinnert

sich der 27-Jährige.

Nach ungefähr zwei Jahren hat Patrick

Polnisch dann selbst beherrscht. Er ist

sogar alleine nach Polen gefahren, um den

Praxistest zu machen: „Ich mag das Land

und die Leute. Am liebsten bin ich in Krakau.

In Polen habe ich realisiert, dass ich

mich mit anderen problemlos über jedes

Thema unterhalten kann. Die ersten Worte,

die ich auf Polnisch sagen konnte, waren

natürlich Sätze wie „jak się masz“ (poln. „Wie geht’s?“) oder

„co robisz?“ (poln. „Was machst du?“). Ich habe auch ein

Lieblingswort, nämlich „wolnośc“ (poln. Freiheit).“

„BAUŠTELAC-JUGO“ ÜBER DEN

DÄCHERN DER HAUPTSTADT

Dass die „Sprachschule der Straße“ keine Erfindung von

Millennials ist, zeigt sich beim heute 64-jährigen gebürtigen

Polen Jan. „Als ich in Österreich angekommen bin, konnte

ich kaum Deutsch. Meine Kollegen auf der Baustelle kamen

alle aus dem ehemaligen Jugoslawien. Untereinander haben

sie ausschließlich auf „Jugo“ geredet. Als Gestik und Mimik

nicht mehr ausreichend waren, haben sie versucht, Jan ihre

Sprache beizubringen. Es war nicht allzu schwer, da es sich

bei den beiden immerhin um slawische Sprachen handelte.

„Wir haben anfangs eine Mischung aus Polnisch und „Jugo“

gesprochen und uns sehr bald immer mehr verständigen

können. Zu den ersten Begriffen, die ich gelernt habe,

zählten natürlich die Namen der Werkzeuge wie „čekić“

(kro. “Hammer“) oder „bušilica“(kro. „Bohrmaschine“) , die

wir für die Arbeit gebraucht haben. Nach ungefähr einem

Jahr konnte ich ihre Sprache dann selbst sprechen“, sagt

Jan. „Im Alltag habe ich mein „Jugo“ in erster Linie für die

Arbeit gebraucht. Ich habe die Fremdsprache aber auch

50 / RAMBAZAMBA /

/ RAMBAZAMBA / 51


JOBS MIT ZUKUNFT

In welcher Sprache die beiden Jungs sich wohl miteinander unterhalten? Deutsch, Polnisch oder doch Swahiili?

sonst gerne verwendet, wenn ich gemerkt

habe, dass mein Gegenüber sie ebenfalls

beherrscht. Mein Lieblingssatz ist „idemo

kući“. Den bringe ich immer, wenn ich

meiner Frau bei Bekannten heimlich signalisieren

will, dass ich mich langweile und

endlich nach Hause gehen möchte“, grinst

er.

SUCHT EUCH EURE EIGENE

„SPRACHSCHULE DER STRASSE“

Vor allem in Multikulti-Städten wie Wien hat jeder die Möglichkeit,

seine Sprachkenntnisse mitten im Alltag zu erweitern.

Eure eigene „Sprachschule der Straße“ kann daher

überall sein. Eure ganz persönlichen „Sprachlehrer“ müssen

auch nicht immer zwingend die besten Freunde oder die

Arbeitskollegen sein. In der Schule hat mit Sicherheit jeder

schon einmal seine Klassenkameraden nach neuen Schimpfwörtern

aus dem Heimatland gefragt. Wenn man älter wird,

Meine Kollegen

von der Baustelle

kamen

fast alle aus

Jugoslawien.

könnte man schließlich eine Ebene weiter

gehen und nach den Basics fragen. So

bringt man den Sprachschneeball perfekt

ins Rollen. Eine zusätzliche Sprache öffnet

die Türen für eine völlig neue Kultur. Durch

das Verstehen von Musik, Filmen, oder

Serien in der Originalsprache bekommt

man Einblicke, die kaum mit bloßen Übersetzungen

vergleichbar sind. Die einzige

Voraussetzung: Man muss auch Interesse daran haben. Der

Rest ergibt sich durch das Zuhören von selbst, auch wenn

man die neu erlernte Sprache dann nicht unbedingt fließend

beherrscht. Die meisten Einwandererkinder, die ich kenne,

haben sogar ihre eigene Muttersprache ausschließlich durch

das Zuhören gelernt und beherrschen sie schriftlich eher

selten. Dennoch reichen die Grundkenntnisse für Unterhaltungen

und bilden immer das Fundament für den Rest.

Merkt euch das, meine Bratkos und Habibis. ●

„Jeder fängt mal klein an.

Aber hier werd’ ich groß!“

JOBS MIT

LEHRLINGE

GESUCHT!

ÖSTERREICH DRIN.

SPAR als 100% österreichisches Unternehmen ist nicht nur einer der größten heimischen Arbeitgeber, sondern

auch größter privater österreichischer Lehrlingsausbildner. Jedes Jahr beginnen rund 900 junge Menschen ihre

Karriere bei SPAR in 21 spannenden Lehrberufen und nützen die vielfältigen Ausbildungsangebote, die ihnen

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ist, ist bei SPAR genau richtig. Prämien während und Aufstiegschancen nach der Lehre gibt‘s genug.

52 / RAMBAZAMBA /

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DIE STRENGE

SCHWESTER

Wenn deine Eltern kaum Deutsch sprechen, musst du

eben auf Elternsprechtage der Geschwister gehen,

im Mitteilungsheft unterschreiben und auch auf den

Tisch hauen. Aus dem Alltag unserer Redakteurin

Aadilah Amin.

Habt ihr etwas zum Unterschreiben?“,

fragte ich

meine beiden Schwestern.

„Nein.“, sagte Naziah und

verschränkte ihre Arme. Sabira antwortete

mir erst gar nicht, weil sie schon

wieder am Träumen

war. Sie sprang auf

und wuselte durch die

ganze Wohnung. Währenddessen

hatte sich

mein älterer Bruder,

Musti, in seinem Zimmer

eingeschlossen.

Aus der Küche roch es

nach Koriander, Chili,

Kardamon oder Zimt,

die meine Mutter in

einem afghanischen

Essen verschmelzen

ließ. Mein Vater

schaute sich wie

jeden Tag nach seiner

harten Arbeit auf der

Baustelle die Nachrichten an. Er machte

das bevorzugt sehr laut, was mich dazu

veranlasste, ihn zu bitten, den Fernseher

leiser zu stellen.

„WUSSTE NICHT, WIE

MAN EINEN STIFT HÄLT“

Ganz normaler Alltag in meiner Familie.

Meine Geschwister besuchten die Volksschule

in Simmering. Meine Eltern, beide

aufgewachsen in einem kleinen Dorf in

Afghanistan, gingen nie zur Schule. Mein

Vater, der als Soldat in seinem Heimatland

arbeitete, brachte sich das Lesen

und Schreiben selbst bei. Meine Mutter

war bis zu ihrem 35. Lebensjahr eine

Analphabetin. „Ich wusste am Anfang

nicht, wie man einen Stift richtig hält“,

erinnert sie sich. Aus diesem Grund

wussten meine Eltern gar nicht, was ein

Mitteilungsheft ist. Geschweige denn,

dass sie in das Heft auch ihre Signatur

setzen mussten. Aus diesem Grund war

mein Heft versehen mit vielen „Fehlzeichen“,

darauf machte mich meine

Lehrerin recht bald aufmerksam.

Aufgrund dieser Ausgangslage war

es nicht weiter verwunderlich, dass ich

als Zweitälteste, aber beste Schülerin,


Es war nicht

weiter verwunderlich,

dass ich

als Zweitälteste,

aber beste

Schülerin, die

Erziehung meiner

Geschwister

in die Hand

nehmen musste.


die Erziehung meiner Geschwister in die

Hand nehmen musste. Dazu gehörte

auch der Gang zum Elternsprechtag, an

den sich die wenigsten Schüler positiv

erinnern. Nur war ich dieses Mal auf

der anderen Seite. Nicht die Schülerin,

die was ausgefasst hat, sondern die

besorgte Schwester, die die Kritik an

ihren Geschwistern einstecken musste.

Oft kam ich Naziah auf die Schliche, die

vor meiner Mutter

beteuerte, dass sie

brav ist und überhaupt

nicht zum Elternsprechtag

kommen

müsse. Ich wurde

misstrauisch, weil ich

wusste, dass sie Probleme

in Mathe hatte.

Naziah hasste mich

dafür. Aber ich musste

streng zu ihr sein. Als

Erziehungsberechtigte.

Manchmal habe ich

aber ein Auge zugedrückt.

„Bitte sag nicht

Mama, dass ich einen

Fünfer bekomme oder

gefährdet bin. Sie wird traurig sein“,

flehte mich Naziah an. Ich spielte oft

mit. Wenn meine Mutter mich fragte:

„Gut oder nicht?“,

log ich sie an und

sagte: „Du weißt wie

gut sie in Mathe ist,

unser Zahlengenie.“

Meine Verantwortung

ging so weit, dass ich

sogar in die Rolle des

Vormunds für meinen

älteren Bruder schlüpfte.

Ihr könnt euch

sicher vorstellen, wie

die Lehrer geschaut

haben, als sie eine drei

Jahre jüngere Schwester

als Elternersatz sahen. Mein Bruder

war 16, ich gerade 13. Irritationen waren

vorprogrammiert.

EINE STUNDE

FUSSMARSCH ZUR

SCHULE

Zu dieser Zeit musste ich nicht nur

die strenge Schwester spielen und zu

Elternsprechtagen gehen. Auch das

Unterschreiben im Namen meiner Eltern


Natürlich wusste

niemand

außer mir, dass

mein Bruder

selbst seine Mitteilungshefte

unterschrieb.


gehörte nun zu meinen Kompetenzen.

Die Unterschrift meines Vaters zu

fälschen – das hatte ich von meinem

großen Bruder gelernt. Natürlich wusste

niemand außer mir im Haus, dass mein

Bruder selbst seine Mitteilungshefte

unterschrieb. Er war abgebrüht und viel

zu reif für sein Alter. Das kann auch

daher kommen, dass er in Afghanistan

über eine Stunde zur Schule marschieren

musste. Ich sah mir seine Bewegungen

genau an, wie er die Unterschrift meines

Vaters nachzog, und hatte kurze Zeit

später den Dreh raus. Zur Freude meiner

Geschwister, die von nun an immer zu

mir mit ihren schlechten Noten kamen.

Sie schleimten sich sogar bei mir ein,

damit ich nichts weitererzählte. „Wow,

du kannst das so gut, dabei ist die

Unterschrift des Vaters auf Persisch so

schwer“, schwärmten meine Geschwister.

Auch wenn ich wusste, dass es ein

Teil ihres Plans ist, machten mich ihre

Worte stolz und motivierten mich für

weitere Elterntaten.

Heute, rund zehn Jahre später, hat

mein Bruder, Musti, die HTL abgeschlossen.

Die Schwestern Naziah, Sabira und

ich haben das Gymnasium erfolgreich

absolviert. Ich muss zähneknirschend

zugeben, dass die beiden Mädels sogar

schneller mit ihrem

Studium vorankommen

als ich es tue.

Naziah wird nächstes

Jahr ihren Bachelor

machen, Sabira

paukt Tag und Nacht

für ihr Studium der

Rechtswissenschaften.

Zuallerletzt sollte

unser Jüngster, Mahdi,

nicht unerwähnt bleiben.

Er ist heute neun

Jahre alt und geht

in die vierte Klasse

Volksschule. Heute kümmert sich meine

Schwester Sabira um seine schulischen

Angelegenheiten.

Meine Geschwister sind der wichtigste

Grund, wieso ich lebe. Früher

war ich ihre Stütze, heute sind sie mein

Anker im Leben. Sie sind alles, was ich in

meinem Herzen festhalten möchte. ●

54 / RAMBAZAMBA /

/ RAMBAZAMBA / 55


MEINUNG

FALSCHES

SCHÖNHEITSBILD

Mädchenmagazine haben eine große Verantwortung und

sind sich dieser nicht bewusst. „Beauty-Tipps und Tricks die

dir helfen schöner zu werden“, „Abnehmen leicht gemacht“

oder „So kommst du bei jedem Jungen an“ – wer sich

Mädchenmagazine durchliest, könnte meinen, das einzig

wichtige im Leben jeder jungen Frau sollten ihr Gewicht und

ein Freund sein. Geht es nach diesen Zeitschriften, interessieren

sich Frauen und Mädchen nur für Mode, Beauty und

Männer. Mit solchen Inhalten wird Meinungsbildung betrieben.

Immer geht es nur ums Aussehen. Diese ganzen Tipps

und Tricks führen zu einer Art Zwang, die sich unkontrolliert

im Unterbewusstsein junger Frauen einnistet. So, als ob

man etwas an sich ändern müsste, um „gut genug“ zu sein.

Stichwort Make Up. Klar, jede Frau kann sich schminken, so

viel und so oft sie will, aber diese Magazine implizieren, dass

wir uns ohne Schminke gar nicht außer Haus trauen dürfen.

Wieso sollte es „normal“ sein, dass sich jemand schon mit

elf Make Up ins Gesicht klatschen muss, um schön zu sein?

Auch ein ganz großes Thema ist das Gewicht und ganz

allgemein der Körper junger Frauen. Die Zielgruppe vieler

Mädchenmagazine beginnt ab elf Jahren. Sollte sich eine Elfjährige

wirklich Gedanken über ihre Figur machen müssen?

Ich denke nicht. Sollte sie sich damit beschäftigen müssen,

ob sie genug Make Up trägt, um von der Gesellschaft als

„schön“ empfunden zu werden? Ich denke nicht. „Wien -

200.000 ÖsterreicherInnen waren laut Gesundheitsministerium

zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung

erkrankt. Betroffen sind vor allem sehr junge Menschen, 90

bis 97 Prozent sind Mädchen bzw. junge Frauen“- berichtete

„Der Standard“.

Was mir in all dem nicht klar ist: Wieso macht man das?

Wieso vermittelt man Mädchen von Kleinauf ein völlig falsches

Schönheitsideal, reduziert sie auf ihre Äußerlichkeiten

und gibt ihnen das Gefühl, sie wären nur dann etwas Besonderes,

wenn das ein Junge so empfindet? Junge Frauen in

eine Rolle zu drängen, in der sie sich nicht wohlfühlen, das

ist nicht in Ordnung. Liebe Mädchenmagazine, es wäre viel

wichtiger, unser Selbstbewusstsein zu stärken, in dem ihr

uns bekräftigt, dass wir ok sind so wie wir sind. Dass wir uns

in der Schule anstrengen sollten, an unsere Zukunft denken

sollten und uns nicht über unser Aussehen definieren sollten.

Rinesa Maloku ist 15 Jahre alt und besucht die F3 Wintzingerodestrasse

56 / MIT SCHARF /

SEI (K)EIN MANN

Sexismus ist schon seit langem ein großes Thema, doch

ich merke langsam, dass es besser wird. Die Gesellschaft

scheint es langsam zu akzeptieren, dass beide Geschlechter

gleich viel wert sind, jedoch gibt es immer noch Menschen,

die denken, Frauen seien weniger wert als Männer.

Wir sind mittlerweile im Jahr 2018, doch es ist traurig zu

sehen, dass es noch Länder gibt, wo Frauen als Objekte

angesehen werden. Ich finde es auch unglaublich, dass

manche Mädchen nicht in die Schule gehen dürfen.

Wieso sind sie in manchen islamischen Ländern gezwungen

ein Kopftuch aufzusetzen? Wieso heißt es „Frauen

gehören in die Küche“? Wieso durften die Frauen erst so

spät mitwählen?

Bei Männern ist es nicht weniger schlimm, sie

werden als Lebewesen ohne Emotionen dargestellt. „Der

Mann ist stark“, „Der Mann darf nicht weinen“, „Er darf

keine Gefühle zeigen“ - aber wieso? Wieso muss die Frau

zuhause mit ihren Kindern rumsitzen, während der Mann

arbeiten muss? Wieso all das, wenn man ganz einfach

akzeptieren könnte, dass Mann und Frau gleich viel wert

sind? Warum kann man nicht einsehen, dass man beide

Geschlechter gleich viel braucht, zum einen für die Fortpflanzung

und zum anderen für die Wirtschaft? Um das

zu ändern, könnte man viel machen. Es fängt schon als

kleines Kind zuhause an, es liegt ganz an deiner Familie,

wie du aufwächst.

Es liegt daran, wie deine Eltern darüber denken.

Wenn sie meinen, du müsstest kochen können als Frau,

dann wirst du immer so ein Bild im Kopf haben. Wenn sie

meinen, du wärst ein Mädchen, wenn du als Mann weinst,

dann wirst du immer auf diese Art und Weise denken. Bei

mir zuhause gehen meine Schwestern streng mit diesem

Thema um. Sie erzählen meinem Bruder, dass auch er selber

was machen müsse, dass seine Frau später mal nicht

die Putzfrau für ihn spielen müsse und so weiter. Dennoch

halten die ständigen Beschwerden meiner Schwestern

meinen Bruder nicht davon ab weiterhin den Faulen

zu spielen. Mein Vater bereitet auch manchmal Frühstück

für uns vor, dann streiten sich meine Eltern darüber, wer

es besser macht und fragen uns nach unserer Meinung.

Ich finde es sehr amüsant anzusehen.

Berivan ist 13 Jahre alt, besucht die WMS Loquaiplatz

OUT OF CONTROL

Was die digitale Welt über dich weiß!

AUSSTELLUNG

IN DER AK WIEN

EINTRITT FREI!

Führungen für Privatpersonen

Jeden Donnerstag (an Werktagen) pünktlich um 15:30 - 17:00 und 17:30 - 19:00

Keine Anmeldung erforderlich

Treffpunkt: AK Wien-Foyer, 1040, Prinz-Eugen-Straße 20-22

Der Besuch der Ausstellung ist nur mit Führung möglich.

Spezialführungen für Schulklassen

Mo - Fr vormittags

Anmeldung erforderlich unter:

outofcontrol.ak.at


DIE PARTNER DE R „NEWCOMER“

„In Zeiten des Internets und

der Sozialen Netzwerke ist es

wichtig, sich mit Journalismus

und der Qualität von Nachrichten

auseinanderzusetzen. BIBER macht

Schülerinnen und Schüler zu

Redakteuren. Das unterstütze ich

sehr gerne.“

Heinz Faßmann

Bildungsminister

„Verlässlicher Qualitätsjournalismus,

wie ihn der ORF

täglich liefert, wird in einer

zunehmend fragmentierten

Welt immer wichtiger. Uns

ist es daher ein Anliegen,

auch Jugendliche für den

Journalismus zu begeistern.“

Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor

„Jugendlichen Ziele und

Perspektiven für die Zukunft

zu geben, ist eine Aufgabe die

wir sehr ernst nehmen. Es hat

großen Spaß gemacht das Projekt

‚Newcomer‘ zu unterstützen.“

Mario Aigner

Lehrlingsbeauftragter BAWAG PSK

„Der Stadtschulrat unterstützt

das Projekt ,Newcomer‘, weil es

SchülerInnen die Gelegenheit

bietet, mehr über Medien zu

erfahren und das außerhalb des

klassischen Unterrichts.“

Heinrich Himmer

Wiener Stadtschulrats-Präsident

„Wien steht für Vielfalt. SPAR

steht für Vielfalt. biber steht für

Vielfalt. Es ist schön, Partner für ein

Jugendprojekt zu sein, das diese

Vielfalt auch abbildet.“

Alois Huber,

SPAR-Geschäftsführer

Monat für Monat touren biber-RedakteurInnen im Rahmen

des Projekts „Newcomer“ durch Wiener Schulen und geben

im Jahr 2018 rund 250 Jugendlichen eine Projektwoche

lang die Chance, ihre Medienkompetenz und Persönlichkeit

zu stärken und neue (Job-)Perspektiven zu sehen. Der

biber-Newcomer wird von Menschen gestaltet, die selbst

aus zugewanderten Familien kommen und daher wissen, mit

welchen Schwierigkeiten die Jugendlichen auf dem Weg ins

Arbeitsleben konfrontiert sind. Wenn wir es geschafft haben,

können sie es auch!

Um Österreichs größte Schülerredaktion aufzubauen,

„Die Biber-Redakteure

engagieren sich im Newcomer-

Projekt, um Jugendlichen

aus oft sozial benachteiligten

Familien neue Perspektiven und

Selbstbewusstsein zu geben.

Das ist eine Idee, die die ÖBB

gerne unterstützen.“

Andreas Matthä

Vorstandsvorsitzender

ÖBB-Holding AG

Marko Mestrović, Martin Lusser, SSR / Johannes Zinner, Mario Aigner, SPAR/Johannes Brunnbauer, Georg Hochmuth

Petra Spiola, Markus PRANTL, HBF/ Franz HARTL, Andreas Jakwerth, AK/Sebastian Philipp, Thomas Ramstorfer

braucht es mehr als nur guten Willen. Es braucht enorm viel

Zeit, Geld und Know-how sowie verlässliche Partner, die das

Projekt begleiten. Wir danken unseren vielen Leserinnen

und Lesern, die unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt

haben, um das Projekt zu finanzieren.

Wir danken zudem folgenden Institutionen und Firmen

für die Unterstützung des „Newcomer“-Projekts: Bundesministerium

für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMB-

WF), Wiener Stadtschulrat, ORF, SPAR, Arbeiterkammer,

ÖBB, BAWAG PSK, Dr. Roland, Industriellenvereinigung sowie

LUKOIL.

„Das Projekt Newcomer vermittelt

die demokratiepolitische

Bedeutung des Journalismus

und fördert durch Text- und

Videoworkshops die Kreativität

der Jugendlichen. LUKOIL ist mit

Freude Partner des Newcomers. “

Robert Gulla

Geschäftsführer LUKOIL-Holding

„Als Partner des Projekts

,Newcomer‘ möchten wir

Jugendliche vor allem ermutigen

ihre Kreativität zu nutzen,

sich gesellschaftlich und

bildungspolitisch einzubringen.“

Christoph Neumayer

Generalsekretär der

Industriellenvereinigung

„Guter Journalismus schafft

Verständnis: Indem er Einblicke

in das Leben anderer vermittelt,

berührt, verbindet, Probleme

und Lösungen aufzeigt und eine

Basis für die Demokratie und das

Zusammenleben bildet. Es ist

super, wenn sich junge Menschen

dafür begeistern.“

Renate Anderl

AK Präsidentin

„Die Maturaschule Roland hat

sehr gerne den ,Newcomer‘

unterstützt, weil es eine

Abwechslung zum Schulalltag

darstellt und den SchülerInnen

einen exklusiven Einblick hinter

die Kulissen eines dynamischen

Mediums erlaubt.“

Matthias Roland

Schulleitung Dr. Roland

58 / NEWCOMER /

/ NEWCOMER / 59


Life

& Style

GOPNIK-

WARE

AUS DEM

OSTBLOCK

Pullis mit riesigen Logos,

Goldketten und Bauchtaschen

waren bis vor

ein paar Jahren unseren

Onkeln aus osteuropäischen

Dörfern vorbehalten. Bis der

Style der post-sowjetischen

Jugend von Designern wie

Gosha Rubchinskiy aus den

russischen Hochhäusern in

die Läden der westlichen

Welt gebracht wurde. Der

russische Modemacher hat

schon mit so ziemlich allen

namhafen High-End-Marken

zusammengearbeitet. Da

kann ein Rubchinskiy-Pulli

im Gopnik-Style schonmal

300 € kosten. Unsere Onkel

würden uns auslachen.

Und dem Kapitalismus die

Schuld geben. Und dann

am Schwarzmarkt Fakes

der Rubchinskiy-Klamotten

anbieten. Irgendwann fällt

alles in sich zusammen.

Schöner Schein.

Von Aleksandra Tulej

NOCH IST POLEN

NICHT VERLOREN

Ich war nie besonders nationalistisch

veranlagt – und je mehr in Polen der

Nationalismus und das rechte Lager

aufsteigen, desto mehr entferne ich

mich davon. Immer mehr Polen sind

heutzutage verdammte Rassisten,

Nationalisten und katholisch radikal.

Da, ich hab’s gesagt. Und trotzdem

liebe ich dieses Land. Ich liebe es,

weil die Wälder immer noch aussehen

wie aus der slawischen Mythologie.

Ich liebe es, weil immer mehr Menschen

sich gegen das rechte Regime

wehren. Die slawischen Selbstversorger-Gene

treiben sie dazu, zu

handeln, anstatt nur zu jammern.

Fast 100 Jahre alte Bauern am Land

tragen noch ihre eigene Heiz-Kohle

und rupfen ihre Gänse. Demos und

Proteste gegen die Regierung häufen

sich. Es gibt wenig Unmögliches. Die

inoffizielle gängige Währung zwischen

Nachbarn am Land ist immer noch

Vodka. In den Großstädten protestieren

Frauen auf der Straße gegen

das Abtreibungsverbot. Und setzen

sich durch. Das Staatsfernsehen

strahlt Propaganda aus, im Internet

häufen sich Portale mit echten Infos.

In der Kirche werden die Menschen

indoktriniert, den kirchen- und regierungskritischen

Film „Klerus“ nicht

anzuschauen. Der Film spielt in den

Kinos Rekordzahlen ein. Wie es so

schön in der polnischen Hymne heißt:

Noch ist Polen nicht verloren.

tulej @dasbiber.at

3 FRAGEN AN:

Model

Valentina

Belleza

Du wirst bald Mutter - bekommst du auf Instagram

und Co ungefragte Ratschläge und Kommentare

zu deiner Schwangerschaft?

Na klar! Manchmal reicht es einfach einen (entkoffeinierten)

Kaffee in die Kamera zu halten – zack,

hat man schon die ersten zehn Nachrichten von

besorgten Mamas, die dir erklären, wie schädlich

Koffein für das Ungeborene ist. Ich versuche

meistens, dem mit Humor entgegenzutreten,

wenn es mir aber zu doof wird ignoriere ich es

und ghoste alle Dinkel-Muttis!

Wie schaut ein typischer Tag bei dir aus?

Zurzeit ist alles sehr entspannt, ich versuche noch

Bilder hinzukriegen, jedoch gestaltet sich das eher

schwieriger von Tag zu Tag! Ich habe gerade das

Kochen für mich entdeckt und dies ist gerade mein

Highlight des Tages - ich freue mich aber auch

schon wieder darauf, arbeiten zu können!

Zu deinem Style: Was war dein erstes Tattoo? Wo

kaufst du meistens deine coolen Outfits?

Mein erstes ist auf meinem kleinen Finger - ein

kleines Herz, mit 15 Jahren habe ich es machen

lassen - ohne Erlaubnis meiner Eltern natürlich.

Styletechnisch gehe ich alles mal quer durch, von

Monki, COS, Uniqlo, Adidas bis hin zu tollen Vintage

Läden in Paris! Mehr von Valentina findet ihr

auf ihrem Insta: valentinabelleza

DIY AUS OSTEUROPA:

KOMPOT

Während ihr eure bio, faitrade Ingwer-Limetten-

Limonade um 7 € aus Mason Jars schlürft, sind

euch die osteuropäischen Omas schon seit ein

paar Jahrunderten einen Schritt voraus: Kompott,

ein Getränk slawischen Ursprungs , das aus

gegartem Obst, Zucker und Sirup besteht, ist der

Vorgänger aller Bobo-Limos. Schmeckt kalt im

Sommer und warm im Winter . (Wir in Osteuropa

haben noch Winter.) Wer keine slawische Babushka

hat: Kompott zu machen ist wirklich nicht

schwer: Ihr braucht nur Obst, Zucker und Sirup.

Selbstgemachter Kompott ist bio, vegan, local,

seasonal und alles, was sonst noch 2018 in ist.

m2m.tv/Gosha Rubchinskiy, Marko Mestrović, instagram.com/valentinabelleza, Unsplash

MEINUNG

MEINE LIEBE

ZU DÖNER

Meine Liebe zu Döner begann vor acht

Jahren. Mit fünf ging ich zum ersten Mal

zu einem Dönerstand und holte mir einen

saftigen Döner mit Salat und Soße. Er

schmeckte so heftig. Ich sagte meiner

Mutter, dass sie mir noch einen holen

soll, aber sie wollte mir keinen Döner

kaufen. Die ganze Nacht dachte ich an

den Döner. Nach circa vier Jahren war

ich immer noch dönersüchtig. Ich hab

damals sicher jede Woche einen Döner

gegessen. Tu ich eigentlich immer noch,

aber ja. Ich möchte an dieser Stelle allen

Eltern etwas mitteilen: Verbietet euren

Kindern nicht den Döner! Denn ohne

Döner existiert keine LIEBE! Und an alle

Veganer: Bevor ihr da etwas dahinredet

probiert mal Döner, dann können wir

mal weiterreden! Man kann Kindern den

Döner nicht verbieten. Ihr müsst auch

nicht immer bei dem coolsten oder beim

luxuriösesten Dönerstand essen - auch

bei kleinen Dönerständen kann der Döner

heftig schmecken. Aber Qualität hat

ihren Preis: Nehmt ruhig den Döner, der

50 Cent mehr kostet – billig heißt nicht

immer gut. Und esst euren Döner immer

bei einem Türken! Vertraut mir einfach!

Ich habe eigentlich vor, mal Bautechnik

zu lernen – wenn das nicht klappt, ist

mein Plan B Dönerbudenbesitzer zu

werden. Ich schwöre euch, Ali’s Döner

wird der beste Döner Wiens.

Und noch ein kleiner Tipp von Ali, ein

echter Döner besteht aus:

Hühner/Kalb Fleisch, Salat, Soße, scharf

Ali ist 13 Jahre alt und besucht die 4.D in der

WMS Loquaiplatz.

Marko Mestrović

Mann

&

Body

Fun Fact

In einer Studie, welche

von der Universität

Western Illinois durchgeführt

wurde, haben Frauen

die Attraktivität der Muskelgruppen

bei Männern

eingestuft. Bauchmuskeln

waren am ersten Platz,

gefolgt von Bizeps, Brust,

schrägen Bauchmuskeln

und Trizeps.

Ergänzung

Nahrungsergänzungsmittel

sind in. Immer öfter sieht

man Menschen, die Pillen

schlucken und Pulver verzehren,

weil sie gesünder

werden wollen. Generell

ist nichts Falsches daran.

Ich würde aber empfehlen,

sich zuerst darauf zu

fokussieren, dass man

seine Ernährungsweise

verbessert und nicht

versucht, dies durch Nahrungsergänzungsmitteln

zu ersetzen. Schließlich

sind das Ergänzungs- und

nicht Ersetzungsmittel! Bei

Nahrungsergänzungsmitteln

ist es auch wichtig,

dass man sie aus guten

Quellen kauft, da Qualität

dabei einen wichtigen

Faktor darstellt.

Zahl des Monats

Bis zu 800

Kalorien kann man in

Folge einer Kältetherapie-Einheit

verbrennen.

Freeze your a**

of, wortwörtlich!

Quinoa statt Qebab.

Von Artur Zolkiewicz

Tiefgefroren

Ich bin ständig auf der Suche

nach neuen Wegen, wie ich

meinen Erholungsprozess

optimieren kann. Sauna steht

schon seit langem auf meiner

Ruhetag-Speisekarte. Da ich

aber generell kalte Temperaturen

bevorzuge, habe ich

mich endlich entschieden,

eine Kältekammer auszuprobieren.

3 – 5 Minuten

bei minus 80/90 Grad klingt

erschreckend, oder? Das ist

es aber nicht. Es wirkt sehr

erfrischend und aufmunternd.

Ich war bis jetzt zwei Mal und

beide Male habe ich folgende

Wirkung beobachten können:

Energie und Fokus, als

hätte ich einen vierfachen

Espresso getrunken, bessere

Verdauung und viel bessere

Schlafqualität. Es scheint

auch, als würde ich mich

viel schneller von meinen

Trainingseinheiten erholen

können. Außerdem sollte

durch die niedrigen Temperaturen

auch die körpereigene

Testosteron-Ausschüttung

stimuliert werden.

zolkiewicz@dasbiber.at

60 / LIFESTYLE /

/ LIFESTYLE / 61


Technik

& Mobil

WILLST DU MEHR

SCHARFE STORYS?

Alles auf Reset.

Von Adam Bezeczky

SMART UND

SPORTLICH

GSCHEITER

WECKER

Aus den Federn zu

kommen macht keinen

Spaß. Mit TalkClok für

iOS geht‘s ein bisschen

leichter: Die gratis App

aus Österreich ist ein

smarter Wecker, der

uns über RSS-Feeds mit

den aktuellen Nachrichten

oder auch mit

der Lieblingsplaylist

aus dem Tiefschlaf

holt. Die Menüführung

ist logisch und unkompliziert

- so macht das

Aufstehen fast ein

bisschen Spaß!

Self-

Servicewüste

Überweisungen tätigen, an

der Supermarktkassa scannen

oder selbst tanken – die

Unternehmen, die eigentlich

von ihren Service-Dienstleistungen

leben, haben ihre

Aufgaben an uns ausgelagert.

Unter dem Schlagwort

„Self-Service“ sind wir für

kurze Zeit unsere eigenen

Bankangestellten und Tankwarte.

Die Unternehmen

freut‘s, schließlich sparen

sie Personal, Geschäftsstellen

und Steuern ein.

Schade, dass wir mündige

Konsumenten dafür nicht

eine Gutschrift verlangen –

immerhin arbeiten wir gratis

für diese Unternehmen.

Wenn dann auch noch etwalige

Tarifwechselgebühren

anfallen, wenn wir uns selbst

administrieren, ist wirklich

Schluss. Digitalisierung ja,

Verarsche nein.

bezeczky@dasbiber.at

Der chinesische Handyhersteller

Huawei bringt mit der Huawei Watch

GT bereits die dritte Smartwatch auf

den Markt. Doch der Fokus bei der

Watch GT liegt eindeutig auf Batterie-

Laufzeit und Fitness-Tracking. An Bord

ist diesmal das hauseigene LightOS

als Betriebssystem. Großes Plus ist

die Ausdauer: Die Uhr hält locker eine

Woche mit einer Akkuladung lang durch.

Wer also eine alltagstaugliche Sportuhr

sucht, die die notwendigsten Smart-

Features wie Benachrichtigungen etc.

ebenfalls kann, ist hier richtig.

KANNSTE

KNICKEN

Samsung und Royole haben fast

gleichzeitig ein Mobilgerät mit faltbarem

Bildschirm vorgestellt. Das Gerät

von Royole gibt es bereits zu kaufen

– für 1300 US Dollar, Samsung folgt

2019. Die Einführung von faltbaren

Anzeigen könnte die erlahmte Handybranche

wieder aufleben lassen – 2019

wird also ein spannendes Jahr für

Gadgets.

Marko Mestrović, TalkClok, Huawei, Samsung

Dein Talent.

Deine Lehre.

Deine Zukunft.

#FutureMakers

Verändere die Welt –

gemeinsam mit uns.

Starte deine Zukunft

in einem Weltkonzern.

Willst du exklusive Storys lesen und wissen, was in der Community so abgeht?

Dann ist "scharfe Post von Biber" genau das richtige für dich: Wir schicken dir

einmal die Woche guten Journalismus mit scharf und Insider-Informationen aus

der Biber-Redaktion zu. Anmeldung unter www.dasbiber.at/scharfepost

62 / MIT TECHNIK SCHARF / /

siemens.at/ausbildung


#karrieremitscharf

3 FRAGEN AN:

Karriere

& Kohle

Wie Frauen

ihre Finanzen

selbst in die

Hand nehmen

können

Nicht nur für Frauen

äußerst empfehlenswert.

Gewinne eines

von drei Exemplaren

des Spiegel-Bestsellers

von Natascha

Wegelin und mach

dir dein eigenes Bild

von der Finanzwelt.

Schreib einfach ein

Mail an grman@

dasbiber.at und mit

etwas Glück wirst du

zum Geld-Profi.

Studieren statt

saunieren.

Von Andrea Grman

Andrea und das

liebe Geld

Mit zwei Jahren bekam ich mein erstes

Sparschwein. Im Alter von fünf Jahren

bezog ich meine ersten regelmäßigen

Einkünfte (danke Zahnfee). Mit acht Jahren

bekam ich zum ersten Mal Taschengeld

(und gab es gleich für Süßigkeiten

aus).

So richtig warm wurden Geld und ich

aber nie. Zum Ausgeben war unsere

Beziehung standhaft genug, eh klar.

Aber mehr dann auch nicht. Sparen

war mir nie sympathisch – meine Ausgaben

wurden meist an die Einnahmen

angepasst. Und ständig dieses mulmige

Bauchgefühl, wenn es um Finanzen ging.

Ewig lange machte ich einen großen

Bogen um Finanzen, weil es mir niemand

richtig erklärte („über Geld spricht man

nicht“) und ich mir dumm vorkam, wenn

ich nachfragte. Und überhaupt ist alles

viel zu riskant, sagen die Medien.

Irgendwann war mir das dann alles zu

blöd. Das konnte doch kein Zustand

sein. Schließlich ging es hier um meine

Zukunft. Ich habe Fragen gestellt,

Podcasts gehört, in Büchern gestöbert,

Blogs gelesen, Apps ausprobiert und

mich schlau gemacht. Und ich habe

etwas Wichtiges gelernt: Das einzig

Riskante an Geld ist, dich nicht damit

zu beschäftigen. Also stell Fragen,

hör Podcasts, stöbere in Büchern, lies

Blogs, probiere Apps aus und mach dich

schlau. Und das Wichtigste: Sprich darüber.

Denn über Geld spricht man.

Elke Pichler

Co-Founderin der

Spendenplattform

impactory

Was war deine größte Herausforderung, als

du dich selbstständig gemacht hast?

Die größte Herausforderung war es, mich

auf die Unternehmensgründung einzulassen.

Ich wusste, dass ich mich für ein ganz

anderes Leben entscheide und nicht genau,

wie dieses Leben aussehen wird. Als die

Entscheidung getroffen war, kamen natürlich

jede Menge neuer Herausforderungen, die

meine Tage sehr spannend und lehrreich

machen.

Was war das Wertvollste, das du bisher

gelernt hast?

Es beginnt alles mit einem ersten, kleinen

Schritt. Und alles, was zu groß, zu mächtig

oder unmöglich erscheint, ist nur noch halb

so schlimm, wenn man es in viele kleine

Schritte aufteilt. Zusammen mit anderen

machen diese Schritte nicht nur mehr Spaß,

sie gehen sich auch leichter.

Was bedeutet sozialer Impact für dich?

Für mich bedeutet das, sich im Rahmen der

eigenen Möglichkeiten für einander und eine

bessere Welt zu engagieren. Dieses Engagement

kann vielfältig sein. Es kann genauso

wertvoll und wichtig sein, andere zu motivieren

Gutes zu tun wie seine eigene Zeit oder

Geld zu spenden.

Die Stimme der

Jugendlichen

Du hast es satt, dass alle

wichtigen Entscheidungen über

die Köpfe von Jugendlichen

hinweg entschieden werden?

Dann haben wir genau das

Richtige für dich: Melde dich

bei hello@yep-austria.org und

gestalte deine Zukunft selbst.

Marko Mestrović, bereitgestellt, Victoria Zwiauer Photography

Giorgio Fochesato / Westend61 / picturedesk.com

4 gewinnt – 4 Facts zur Lehre,

die euch vom Hocker hauen

Zukunft = Kein Plan?

Ali Mahlodji weiß, wo‘s lang geht

Vom Dönerbudenbesitzer

bis zur Schönheitschirurgin:

Was Jugendliche werden wollen

64 / KARRIERE MIT SCHARF / / / LEHRLINGSSPECIAL / 65


ICH WERDE

BÜROKAUFMANN.

ICH WERDE

ELEKTRIKER.

ICH WERDE

SCHÖNHEITSCHIRURGIN.

ICH WERDE

EINZELHANDELSKAUFFRAU.

ICH WERDE

IT-TECHNIKER.

ICH WERDE

ANWÄLTIN.

Soza Almohammad

66 / LEHRLINGSSPECIAL / / LEHRLINGSSPECIAL / 67


Ich werde

Anwalt. Oder

Elektriker

Generation AMS?

Fehlanzeige. Von Elektriker

über Kinderarzt bis hin zum

Dönerladenbesitzer - wir

haben mit SchülerInnen

einer vierten Klasse in einer

Wiener Mittelschule über

ihre Zukunftspläne geredet.

Nach der Vierten mache ich ein Jahr HTL

und danach beginne ich eine Ausbildung

zum bautechnischen Zeichner“,

sagt der 14-jährige Amer. Er hat in den

Sommerferien seinem Vater geholfen,

ein Haus in Serbien zu bauen – das hat ihm Spaß

gemacht, deshalb kann er sich vorstellen, einmal etwas

in diese Richtung beruflich zu machen. Sein Klassenkollege

Ali möchte auch eine Lehre im Bauwesen absolvieren.

„Oder ich mache meine eigene Dönerbude auf,

Ali’s Döner“, sagt er zufrieden. Seine berufspraktischen

Tage wollte Ali bei einem Dönermann absolvieren.

„Mein Vater hat mir dann aber doch geraten, dass ich

es lieber bei einem Bauunternehmen machen soll“, sagt

der 13-Jährige. Egal ob Dönerbude oder Bauwesen:

Amer und Ali scheinen genau zu wissen, wie sie zu ihrer

Lehrstelle kommen. Wo sie sich anmelden sollen, wann

und wie. Dabei wird in den Medien über die „Generation

AMS“ und die fehlende Zukunftsperspektive von

Mitschüler/innen geredet – wir haben direkt bei SchülerInnen

der vierten Klasse einer Neuen Mittelschule

in Wien nachgefragt, was sie nach diesem Schuljahr

machen wollen. Das Ergebnis war geradezu überraschend:

Die Dreizehn- bis Vierzehnjährigen haben

oft schon einen ziemlich durchdachten Plan für ihre

Zukunft. Kreative Ideen inklusive. Sie wissen, was sie

wollen und bleiben dabei realistisch. „Ich wollte zuerst

eine Lehre als Konditor machen, weil mein Onkel eine

Konditorei hat und so gute Torten macht. Aber dann

habe ich erfahren, dass es den Lehrberuf Bürokaufmann

gibt – der hat mir gefallen, weil man dort nicht so

viel wie beim Konditor machen muss. Es ist körperlich

auch nicht so anstrengend“, sagt der 13-jährige Teo.

„Ich war mit meiner Klasse beim AMS, wo wir uns ein

Video zum Thema Bürokaufmann-Lehre angesehen

haben. Das fand ich cool und jetzt bin ich mir sicher,

dass ich das machen will“, fügt er hinzu. Fast alle SchülerInnen

aus der Klasse haben Migrationshintergrund,

einige sind erst seit einigen Jahren oder gar Monaten

in Österreich. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen

könnten, einmal im Journalismus zu arbeiten, antworten

sie „Dafür kann ich nicht gut genug Deutsch.“ Aber

dafür spricht so gut wie jedes Kind noch eine andere

Sprache, die 13-jährige Ellinor beherrscht sogar vier

Sprachen fließend. Deutsch inklusive.

„ICH WERDE ANWALT. ODER

ELEKTRIKER.“

Ob Uni eine Option für die jungen Erwachsenen ist?

„Ich wäre gerne einmal Anwalt. Oder Elektriker. Aber

lieber Anwalt. Da macht man was für Menschen“,

sagt Amers Sitznachbar Paul. Dass er dafür zuerst

eine Matura an einer weiterführenden Schule braucht,

ist ihm bewusst. Auch seine Klassenkollegin Berivan

möchte einmal Jus studieren: „Ich will Anwältin werden

und Menschen verteidigen“, sagt die eloquente und

selbstbewusste 14-Jährige. Ein langes Studium stört sie

nicht, ihre beiden älteren Schwestern studieren auch,

eine davon Jus. In Berivans Reihe sitzt Ivana, die Medizin

studieren möchte. Und das mit einem konkreten

Ziel: Sie will einmal Schönheitschirurgin werden. „Ich

liebe die Serie „Keeping Up with the Kardashians“. Sie

hat mich auf die Idee gebracht, dass man damit Geld

verdienen kann, Menschen zu verschönern“, sagt sie.

Sahra ist sich noch nicht sicher, ob sie in die Medizin

gehen möchte. „Ich will entweder Kinderärztin oder

Kindergärtnerin werden. Eines von beiden“, erzählt sie.

Dass sie ihre Kindergärtnerinnenausbildung in einer

BAKIP machen muss, weiß sie.

„NA ZWEITAUSEND EURO!“

Ihre Klassenkameradin Melisa will unbedingt einmal in

einer Parfümerie arbeiten. Dafür wird sie eine Lehre als

Einzelhandelskauffrau machen. „Am liebsten würde ich

bei Marionnaud arbeiten“, erzählt sie. Melisas Cousine

arbeitet in einer bekannten österreichischen Parfümerie

und wird Melisa erklären, was sie alles braucht und wo

sie sich um eine Stelle bewerben soll, wenn sie diesen

Beruf ausüben möchte. Nuradin und Mustafa wollen

Elektrotechniker werden. Auf die Frage, ob sie wissen,

wie viel sie später einmal in ihrem Beruf verdienen

werden, kommt von Nuradin wie aus der Pistole

geschossen „Na zweitausend Euro.“ Die Jungs haben

sich schon genau erkundigt. Ihr Mitschüler Tobias hat

seine berufspraktischen Tage bei einem IT-Techniker

absolviert. Er liebt es, Computer zu reparieren und sieht

seine Zukunft im Bereich der IT. Elli und Lea wollen die

dreijährige Fachausbildung an der Modeschule Wien

machen. Angemeldet sind sie schon. Die Ausbildung

an der Modeschule ist gleichgestellt mit einschlägigen

Lehrabschlüssen.

Auch die restlichen Klassenkollegen von Ali, Tobi, Mert,

Melisa und Co. haben schon Vorstellungen, was sie

nach der vierten Klasse machen wollen. Die meisten

zumindest. Einige schwanken noch zwischen zwei

Berufen oder Ausbildungen oder gehen nach der NMS

ein Jahr aufs Poly und überlegen dann, was sie später

machen werden. „Es ist aber schon ein bisschen blöd,

dass wir uns so früh entscheiden müssen, was wir in

Zukunft machen wollen“, heißt es seitens der Jugendlichen.

Die, die noch keinen Plan haben, sind sich

Intelligentes Bauen

braucht neugierige

Einsteiger.

Bauen ist ein People Business. Der Einsatz und das Können

aller Projektbeteiligten entscheiden hier über den Erfolg. Seit

fast 150 Jahren steht die PORR für Kompetenz, Engagement,

Teamstärke und Vielfalt – und ist laufend auf der Suche nach

neugierigen Einsteigern. lehre.porr.at

jedenfalls bewusst, dass sie nur noch wenige Monate

Zeit haben, um sich zu entscheiden. Aber eines ist

sicher: An Motivation und Eifer fehlt es hier nicht.

„AMS IST NICHTS FÜR MICH“

Aber: Egal, ob die jungen Erwachsenen nach der Mittelschule

weiter in eine Schule gehen, eine Ausbildung

machen oder arbeiten gehen, in einem Punkt ist sich

die ganze Klasse einig: „AMS ist nichts für mich.“ Sie

alle wollen eine Beschäftigung im Leben haben. „Man

glaubt am Anfang, dass es chillig ist, wenn man AMS-

Geld bekommt, weil man immer lange schlafen kann.

Aber nach einer Zeit wird es langweilig, glaube ich“,

sagt Amer. „Außerdem muss man beim AMS immer so

lange warten, das ist nichts für mich“, fügt Paul hinzu.

Die Jungs sagen alle, dass sie so ein Leben nicht wollen.

„Ich glaube, wenn man nichts zu tun hat, wird man

einsam und traurig“, sagt Amer, „und begeht irgendwann

Selbstmord“, schließt Nuradin ab. Für sie alle ist

klar: Sie müssen etwas für ihre Zukunft tun und haben

auch Bock darauf. Egal, ob nun Elektriker, Anwalt,

Kindergärtnerin oder Dönermann: Diese Jugendlichen

haben nicht nur einen Plan, sondern auch Motivation.

Von der Zukunftsperspektive „Von der NMS zum AMS“

sind die Jugendlichen weit entfernt. ●

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MIT DER LEHRE

ZUR KARRIERE

#karrieregoals

Wir hören immer wieder, dass ohne

Matura und Studium heutzutage nichts

mehr geht. Doch ein Bachelor ist längst

keine Garantie für den Chefsessel. Hast

du schon mal darüber nachgedacht, dass

dir eine Lehre extrem viele Chancen

bieten kann? Wir zeigen dir ein paar

hidden Facts. Lass dich überzeugen!

1 Cash, Cash, Cash: Du verdienst vom ersten

Tag an dein eigenes Geld und bist damit um

einiges früher unabhängig von Mama und Papa

als Schüler/innen und Studierende. Die drei

bestbezahlten Lehrberufe sind laut dem Gehaltskompass

des AMS (www.gehaltskompass.at)

übrigens Pflasterer/Pflasterin, Brunnen- und

Grundbauer/in sowie Fertigteilhausbauer/in mit

einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von

2.220 bis 2.600 Euro.

2 Dich packt die #Wanderlust? Kein Problem,

auch in der Lehre kannst du auf Erasmus

gehen: ob für zwei Wochen oder bis zu zwölf

Monate bleibt dir überlassen. Das Ganze wird

mit Zuschüssen für Reise-, Versicherungs- und

Aufenthaltskosten gefördert. Frankreich, Spanien

oder doch der hohe Norden – wo zieht es dich

hin?

3 Chef mit Anfang zwanzig? Oder doch noch

studieren? Nach der Lehre stehen dir alle Wege

offen – ganz ohne Matura. Wusstest du, dass ein

Meistertitel dich für jegliche Bachelorstudiengänge

qualifiziert? Und wenn du eine mindestens

zweijährige Berufsausbildung sowie eine dreijährige

Berufspraxis vorweisen kannst, bist du

außerdem dazu berechtigt, einen zu deiner Lehre

passenden Bachelorstudiengang zu studieren.

4„Ich hab‘ doch schon Matura, da brauch

ich keine Lehre mehr!“ Falsch. Immer mehr

Maturant/innen entscheiden sich nach der Schule

noch für eine praktische Ausbildung. Sei es,

weil das handwerkliche Arbeiten ihnen einfach

mehr liegt als stures Auswendiglernen oder sie

auf eigenen Beinen stehen wollen. Ziemlich cool:

Maturant/innen können die Lehre in kürzerer Zeit

absolvieren und in einigen Lehrberufen sind für

sie höhere Gehälter vorgesehen.

„Ich wollte unabhängig sein“

Wie man mit Lehre richtig erfolgreich wird, verrät uns

Beatrix Eigner vom Megakonzern Henkel, wo sie im

Personalmanagement tätig ist. Die 29-Jährige denkt heute

noch gerne an ihre Zeit als Lehrling zurück und betont, wie

wichtig die ständige Weiterbildung für eine erfolgreiche

Karriere als Führungskraft ist.

BIBER: Sie haben

das Gymnasium

abgebrochen

und eine Lehre

als Industriekauffrau

bei Henkel

angefangen. Wie

kam es zu dieser

Entscheidung?

BEATRIX EIGNER:

Mir war schon

als Jugendliche

wichtig, meine

eigenen Entscheidungen

zu treffen

und unabhängig

bzw. aktiv tätig zu

sein. In der Schule

zu sitzen, erschien mir einfach nicht

das Richtige und deswegen habe

ich mich auf die Suche nach einer

Lehrstelle gemacht. Dass ich bei

Henkel begonnen habe, lag in erster

Linie daran, dass eine damals gute

Freundin auch hier die Ausbildung

gemacht hat und mir das Unternehmen

empfohlen hat.

An welchen Moment während Ihrer

Lehre erinnern Sie sich besonders

gerne?

Da gibt es einige – vom ersten Tag

bis zu den betrieblichen Lehrlingsausflügen,

der ersten Weihnachtsfeier,

dem ersten Berufsschulzeugnis

oder dem Lehrabschluss. Aber auch

viele „kleine“ Momente und Menschen

aus dem Alltag zaubern mir

heute noch ein Lächeln ins Gesicht.

Sie haben nach der Lehre trotzdem

die Matura und auch den Bachelor

gemacht – warum?

Ich war schon als Kind sehr wissenshungrig

und nach der Lehre hat mir

der Erfolg des Lernens recht bald

gefehlt. In meinem Beruf ist mir auch

schnell bewusst geworden, dass

70 / LEHRLINGSSPECIAL /

Weiterbildung ein

wichtiges Kriterium

ist, wenn man

nicht „stehen“

bleiben und auf

der Karriereleiter

immer weiter nach

oben möchte.

Die Matura und

der Bachelor sind

bestimmt auch

nicht meine letzten

Ausbildungen.

Es herrscht dieses

Vorurteil, dass

man mit einer

Lehre Führungspositionen

schwerer

erreicht. Wie sehen Sie das?

Persönlich kann ich dieses Vorurteil

nicht bestätigen. Ich denke, es hat

weniger mit dem „wie“ eines Starts

einer Karriere zu tun, sondern mehr

mit der Bereitschaft in Form von Lernen,

Weiterentwicklung und (Selbst-)

Reflexion, in sich zu investieren.

Jeder, der dazu nicht bereit ist, wird

es schwer haben, eine Führungsposition

zu erreichen oder diese zu

halten.

Ein Studienabschluss ist längst keine

Eintrittskarte in die Arbeitswelt mehr.

Wo hat man mehr Chancen – in der

Lehre oder im Studium?

Ich denke das ist schwierig zu

sagen, jede Zielgruppe hat Vor- und

Nachteile in der Arbeitswelt. Sicher

wichtig für beide ist, theoretisches

und praktisches Wissen zu vereinen

sowie möglichst unterschiedliche

Erfahrungen zu sammeln. Meiner

Meinung nach braucht es auch realistische

Erwartungen und klare Ziele,

um den persönlichen Karriereweg

finden zu können.

Soza Almohammad

Soza Almohammad

kurz & knapp

Ein angehender Mechatroniker

bei Siemens erzählt

An meiner Ausbildung zum

Mechatroniker bei Siemens hat

mich positiv überrascht, dass ...

… ich meine Lehre mit Matura

abschließen kann. Berufsbegleitend

die Schule zu besuchen, ist wirklich

super von Siemens organisiert.

Beispielsweise findet der Unterricht

teilweise am Siemens-Standort statt.

Und das sogar während der Arbeitszeit.

Wenn ich morgens aufstehe,

freue ich mich besonders auf ...

… meine Kollegen. Bei uns herrscht

eine lockere Stimmung und wir

lachen oft zusammen. Außerdem

gefällt mir mein Aufgabenbereich

sehr gut, denn hier lerne ich, die

Theorie mit der Praxis zu verbinden.

Mein Tipp für zukünftige Bewerber/innen

ist,...

… keine Angst zu haben, weil man

denkt, man kennt sich nicht aus.

Wenn man das Interesse für das

Berufsfeld hat, wird einem hier alles

von Null auf beigebracht, es werden

keine großen Vorkenntnisse erwartet.

Eine Lehre bei Ströck!

Systemgastronomiefachmann/-frau

Egal ob im Service, im Verkauf oder

in der Küche: Du bekommst bei uns

die Möglichkeit, ein Profi in diesen

drei Bereichen zu werden. Der

kompetente Service im Kaffeehaus,

die professionelle Beratung unserer

Kundinnen und Kunden über unsere

Produkte sowie die Zubereitung

von kleinen Speisen zählen zu den

Hauptaufgaben einer Lehre als

Systemgastronom/in. Als Fachmann/-

frau im Bereich Kundenservice steht

die Zufriedenheit unserer Kundinnen

und Kunden für dich an erster Stelle.

Lebensmitteltechniker/-in

In deiner Lehrzeit erfährst du

alles über die Herstellung und

Verarbeitung von Lebensmitteln. Die

Qualität des Produkts vom Rohrstoff

bis hin zum verpackten Produkt

überwachen, dass ist die Aufgabe

des Lebensmitteltechnikers. Dazu

gehört auch das Bedienen von

Produktionsanlagen oder die Überwachung

der Hygienevorschriften. Der

perfekte Lehrberuf für alle, die

technisch interessiert, handwerklich

geschickt und ein hohes Qualitätsbewusstsein

haben

Robin (20) ist im dritten Lehrjahr bei Siemens

Einzelhandelskaufmann/-frau

Als Einzelhandelskaufmann/-frau mit

dem Schwerpunkt Lebensmittel bist

du in unseren Filialen für die tägliche

Betreuung unserer Kundinnen und

Kunden zuständig. Dabei erfüllst du

die Wünsche unserer Kundinnen und

Kunden und zauberst diesen ein Lächeln

ins Gesicht. Im Zuge deiner Ausbildung

lernst du alles rund um die Themen

Kundenservice, Warenbeschaffung,

Lebensmittelkunde, Warenpräsentation,

Zubereitung von Heißgetränken

und vieles mehr. Mit deinem erlernten

Wissen steht der optimalen Betreuung

unserer Kundinnen und Kunden nichts

mehr im Weg!

Mehr Infos unter:

stroeck.at/karriere/lehre


#karrieregoals

2

Und, was willst du später mal

machen? Keine Ahnung? Sehr

gut! Wir stellen dir hier zehn Top-

Jobs der Zukunft vor, für die du

dich gleich bewerben kannst.

Von Aida Duric und Katja Trost

1

Mechatroniker/in mit

Schwerpunkt Automatisierungstechnik

SIEMENS

Top

10

Jobs der

Zukunft

Team-Up / Westend61 / picturedesk.com

Adobe Stock, Siemens / Philipp Lipiarski

Applikationsentwickler/in –

Coding

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Unsere Welt wird immer vernetzter und digitaler

und Coding wird dadurch immer beliebter. Als

Coder/in planst und entwickelst du Softwareanwendungen

für Smartphones, Tablets, Webshops

und vieles mehr. Du hilfst dabei, Probleme

kreativ zu lösen und Apps zu entwickeln. Dein

Werkzeugkasten ist dein Computer. Android, IOS

sowie Windows sind deine Tools. Programmiersprachen

wie Java, PHP, Swift, Python und HTML

gehören zu deiner Daily Routine, die du in deinen

vier Lehrjahren fließend sprechen lernst.

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Wenn dein Computer dein zweites Zuhause ist,

du bekannt dafür bist, schnelle Lösungen zu

finden und du ein gutes technisches Verständnis

hast, dann ist die Lehre „Applikationsentwicklung

– Coding“ genau das Richtige für dich. Während

deiner Ausbildung lernst du, wie du Apps entwickelst

und Ideen damit zum Leben erweckst. Das

ist aber noch nicht alles: Neben dem Programmieren

von Applikationen lernst du auch wichtige

Maßnahmen zur Datensicherheit sowie weitere

Serviceleistungen wie Wartung und Erweiterung.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Das Einstiegsgehalt liegt am Anfang bei ca.

€ 535,- und geht bis zu € 1.720,- im letzten

Lehrjahr. Darüber hinaus kannst du dich nach

deiner Ausbildung ohne Probleme selbstständig

machen und bist eine beliebte Fachkraft für

Unternehmen.

Alle Infos zur Bewerbung unter:

www.bic.at/berufsinformation

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Während der Lehre bei Siemens stehen dir neben

Modellen von Produktionsstraßen, an denen du

Sensorik, Vernetzung und Datenübertragung lernen

und vertiefen kannst, auch 3D-Drucker und

intelligente Industrieroboter zur Verfügung. Dir

wird nicht nur eine fachliche Ausbildung geboten,

sondern auch viele andere Benefits. Beispielsweise

bietet Siemens eine Lehrabschlussreise, eine

Wintersportwoche, Erste-Hilfe-Kurse, kostenlose

Gesundheitschecks, das Programm „Lehrlinge

in Bewegung“ und ein verbilligtes Mittagessen.

Aber aufgepasst, denn das war noch nicht alles.

Zudem erhalten Lehrlinge freie Fenstertage sowie

die Möglichkeit an einer Auslandsreise mit Erasmus+

teilzunehmen. Klingt nicht schlecht, oder?

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Für diesen Beruf solltest du über ein ausgeprägtes

handwerkliches Geschick verfügen und

dich für Mathematik und Physik interessieren. Da

du dich täglich neuen Herausforderungen stellen

musst, ist es wichtig, auf Zack zu sein. Neben

deinem handwerklichen Geschick ist es auch

wichtig, dass du gerne im Team arbeitest, damit

Gruppenarbeiten im technischen Bereich erfolgreich

umgesetzt werden können.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Gehaltstechnisch wirst du bei Siemens nicht

enttäuscht! Im ersten Lehrjahr kannst du mit ca.

€ 700,- rechnen und im 4. Lehrjahr gibt’s dann

schon rund € 1.550,-! Darüber hinaus bekommst

du bei ausgezeichnetem oder gutem Erfolg bei

der Lehrabschlussprüfung (LAP) eine Prämie.

Alle Infos zur Bewerbung unter:

www.siemens.at/ausbildung

72 / LEHRLINGSSPECIAL / / LEHRLINGSSPECIAL / 73


#karrieregoals

3 4

Versicherungskauf mann/-kauffrau

Maurer/in

PORR

DAS LEVEL-UP

FÜR DEINE ZUKUNFT:

DIE NEUE IT-LEHRE!

WIENER STÄDTISCHE

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Als Maurer/in errichtest du Bauwerke wie z. B.

Wohn- und Bürogebäude und hilfst bei Instandsetzungen

und Renovierungen von alten Gebäuden.

Neben dem Einrichten von Baustellen gehört

das Einfordern von Maschinen und Baumaterial

sowie das Legen der Versorgungsleitungen für

Kanal, Wasser, Gas und Strom zu deinem täglichen

Arbeitsalltag. Dabei stehen die Chancen

auf eine langfristige Zusammenarbeit mit PORR

sehr gut.

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Die Themen Sicherheit und Vorsorge gewinnen an

Bedeutung. Versicherungen brauchen alle – daran wird

sich auch in Zukunft nichts ändern. Die Versicherungsbranche

ist somit eine nachhaltig wachsende Branche

und die Wiener Städtische ständig auf der Suche nach

neuen Mitarbeiter/innen. Für die Wiener Städtische

spricht, dass sie zu den größten Lehrlingsausbildern

der Branche zählt und sich aktiv in der Nachwuchsförderung

engagiert. Je nach Schulbildung dauert die

Lehre bis zu drei Jahre, in denen die angehenden Versicherungsprofis

lernen, Kund/innen zu beraten und

ihnen die perfekte Lösung rund um Sicherheit, Familie

und Finanzen anzubieten. Dabei wird jeder Lehrling

während der gesamten Lehre von einem Mentor/einer

Mentorin unterstützt.

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Aufgrund des regelmäßigen Kundenkontakts sind die

Freude am persönlichen Kontakt, Top-Kommunikationsfähigkeiten

und ein hohes Maß an Sozialkompetenz

unerlässlich. Versicherungsberater/innen sind zudem

engagiert, zielorientiert sowie verantwortungsbewusst

und Teamplayer.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Lehrlinge in der Wiener Städtischen erhalten eine

überkollektivvertragliche Lehrlingsentschädigung und

Erfolgsprämien für besonders gute Leistungen. Darüber

hinaus profitieren Lehrlinge von Ermäßigungen

über den Betriebsrat und spezielle Konditionen bei

Versicherungsprodukten.

Bewerbungen per Mail an:

lehrling@wienerstaedtische.at

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du weißt, der Beruf als Maurer/in ist genau

das Richtige für dich, wenn du handwerklich

geschickt bist und gerne mit anderen zusammenarbeitest.

Wenn du ein/e Draufgänger/in

bist, weil du gerne anpackst, körperlich fit bist

und Wind und Wetter für dich keine Rolle spielen,

dann ist die Karriere als Maurer/in der passende

Berufsweg für dich.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Während der Lehre bekommst du ab dem ersten

Tag gut gezahlt. Im ersten Lehrjahr kannst du

schon mit rund € 962,76,- rechnen und im

vierten Lehrjahr mit ca. € 2.166,21,-! Klingt nicht

schlecht, oder? Aber das war noch nicht alles:

Neben internen Zusatzausbildungen, um dich als

unverzichtbare/n Mitarbeiter/in zu qualifizieren,

lockt PORR mit leistungsbezogenen Prämien und

regelmäßigen Teamaktivitäten.

Bewerbung unter: lehre.porr.at

Ludwig Schedl, PORR

JETZT INFORMIEREN:

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FÜR DEINEN BERUF MIT ZUKUNFT!

74 / LEHRLINGSSPECIAL /


#karrieregoals

5

Banker/in

BAWAG P.S.K.

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Auch die Finanzbranche wird immer digitaler – Überweisungen in

Sekundenschnelle per Handyapp, oder online einen Schnellkredit

eröffnen – viele dieser Dienste werden heutzutage von Banken

bereits angeboten! Während der dreijährigen Ausbildung bei der

BAWAG P.S.K. wirst du hervorragend auf alle wichtigen Themen in

einer Bank vorbereitet – damit einer modernen und zukunftsorientierten

Karriere nichts mehr im Wege steht!

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du interessierst dich für die Finanzbranche, scheust keinen

Umgang mit Menschen und hast die Schulpflicht hinter dir gelassen?

Auch dein Zeugnis kann sich sehen lassen? Dann hast du die

perfekten Voraussetzungen für eine Lehre bei der BAWAG P.S.K.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

€ 830,- im ersten Jahr, € 1.156,- im dritten Jahr. Einsatzfreude

zahlt sich durch bares Geld für besondere Leistungen im Job

und in der Berufsschule in Form einer Leistungsprämie aus. Nach

erfolgreich abgeschlossener Lehre besteht eine sehr hohe Chance

auf Übernahme in der BAWAG P.S.K. Dazu gibt es einen Doppelabschluss

als Bank- und Bürokaufmann/frau.

Weitere Informationen gibt es hier:

https://www.bawagpsk.com/lehrlinge

Soza Almohammad

Michèle Pauty

6

Elektrotechniker/in

WIENER STADTWERKE

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Mit diesem Beruf bei den Wiener Stadtwerken sorgst du für gute Schwingungen!

Die Elektrotechnik-Lehre ist vielseitig und abwechslungsreich: Du

bringst Licht ins Dunkle, setzt die Wiener Straßen- und U-Bahnen in Bewegung

und regelst komplexe elektronische Systeme per Tastendruck. Je nach

Einsatzgebiet gehören Kabel- und Freileitungssysteme, Transformatoren,

Elektromotoren bis hin zu Heizungs- und Lüftungskomponenten in Gebäuden

und Außenanlagen zu deinem Daily Business. Außerdem sind deine Übernahmechancen

sehr gut - bei vielen der Lehrlinge der Wiener Stadtwerke ist der

Übergang von der Ausbildung zu einem fixen Job fließend.

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du warst schon immer ein Technikfreak, Genauigkeit ist dein zweiter Vorname?

Strom und Elektrizität findest du spannend? Auf dein handwerkliches

Geschick bist du stolz? Sowohl in den eigenen Ausbildungszentren der Wiener

Stadtwerke als auch in der Berufsschule lernst du, Theorie und Praxis zu

verknüpfen. Im Laufe des 2., spätestens des 3. Lehrjahres wendest du dein

neues Wissen und Können in den verschiedenen Fachabteilungen an.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Das Einstiegsgehalt startet bei etwa € 570,– und geht bis zu € 1.550,– im

letzten Lehrjahr. Daneben bieten dir die Wiener Stadtwerke Schmankerln

von Exkursionen mit anderen Lehrlingen über Sportmöglichkeiten bis hin

zu Prämien und Berufswettbewerben.

Alle Infos zur Bewerbung unter: www.wienerstadtwerke.at/lehrlinge


#karrieregoals

7

Polizist/in

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Als Polizist/in sorgst du für Schutz und Hilfe – du

bietest Menschen in Gefahrensituationen rund um

die Uhr Unterstützung. Wenn das mal nicht zukunftsrelevant

ist! Egal, ob du im Streifendienst dabei bist

oder auf einen Notruf reagierst, als Polizist/in ist kein

Arbeitstag wie der andere. In deiner 24-monatigen

Grundausbildung bekommst du eine 17-monatige

umfangreiche und vielseitige theoretische Fachausbildung

sowie eine 7-monatige praktische Einführung in

den Dienstbetrieb.

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du bist die/der Richtige für diesen Job, wenn du

immer zur Stelle bist, wenn in deinem Freundeskreis

jemand Hilfe braucht. Außerdem bewahrst du immer

einen kühlen Kopf in brenzligen Situationen und hast

dich dazu entschlossen, deine Kräfte für Recht und

Ordnung einzusetzen. Neben dem Mindestalter von

18 Jahren brauchst du viel Fingerspitzengefühl, einen

Führerschein der Klasse B und solltest topfit sein.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Das Einstiegsgehalt liegt in den ersten 24 Monaten

schon bei rund € 1.633,-. Nach Abschluss der Grundausbildung

und Übernahme ins öffentlich-rechtliche

Dienstverhältnis als Exekutivbeamter/in kommen noch

exekutivspezifische Zulagen und Nebengebühren

hinzu. Außerdem kann man sich auf verschiedene

Fachgebiete spezialisieren und nach mehrjähriger

Berufserfahrung auch ins mittlere Führungsmanagement

aufsteigen. Alle Infos zur Bewerbung unter:

www.polizei.gv.at/wien/beruf

8

Bäcker/in

STRÖCK

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Ströck ist ein Traditions- und Familienunternehmen und

das spürt man! Eine fundierte und hochwertige Ausbildung

eines jeden Lehrlings liegt der Familie Ströck am

Herzen und dieses Modell hat definitiv Zukunft: Viele der

ehemaligen Ströck-Lehrlinge finden sich heute in tragenden

Führungsrollen z. B. als Schichtleiter/innen wieder.

Als Lehrling bei Ströck wirst du nicht nur Meister/

in der Brotherstellung, sondern du lernst den gesamten

Betrieb praxisnah kennen. Als absolutes Highlight hast

du einmal im Jahr die Möglichkeit, eine Woche lang

selbstständig eine Filiale zu führen. Ziemlich cool, oder?

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du bist ein Macher-Typ und hast eine große Leidenschaft

für Lebensmittel? Super, denn als Bäcker/in

gehört es zu deinem Arbeitsalltag Zutaten zu verarbeiten,

um am Ende des Tages den Duft von deinem

selbstgebackenen Brot oder Gebäck zu riechen. Es ist

kein Geheimnis, dass der Arbeitsalltag von Bäcker/innen

bereits früh morgens startet – es ist also von Vorteil,

ein/e Frühaufsteher/in zu sein.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Zusätzlich zur regulären Lehrlingsentschädigung wirst

du für gute schulische Leistung sowie bei erfolgreicher

Absolvierung der Lehrabschlussprüfung mit z.B. € 250,-

für einen Notendurchschnitt von 1,0 im Jahreszeugnis

belohnt. Darüber hinaus zahlt sich außerordentliches

Engagement aus: Jede/r Ströck-Mitarbeiter/in hat die

Möglichkeit, gute Ideen und Verbesserungen einzureichen

und dafür Prämien zu kassieren. Mehr Infos gibt’s

unter: www.stroeck.at/karriere/lehre

Christoph Liebentritt, Lukas Lorenz

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DO YOU SPEAK

DEUTSCH?

Wenn

LIMU-Academy:

Deutschkurse für die Kleinsten

• AHS-Matura

• Berufsreifeprüfung

• Hauptschulabschluss

• Studienberechtigungsprüfung

• Sprachkurse, Latinum

• Fernunterricht (Beginn jederzeit)

Beginn: Frühjahr & Herbst

die eigene Muttersprache

Rumänisch, Sudanesisch oder

Bulgarisch ist, und dein Kind aber

hier in Österreich, in einer neuen

Sprachumgebung aufwächst, kann

das mit der mehrsprachigen Erziehung

manchmal kompliziert werden.

Soll ich nur Deutsch mit ihm

sprechen, damit es Erfolg in der

Schule hat? Verlernt es seine Muttersprache

dabei nicht komplett?

Bring ich ihm überhaupt richtig

Deutsch bei? „Wichtig ist, dass Kinder

die deutsche Sprache in einem

natürlichen Umfeld erwerben. Es

bringt nichts, wenn sich die Eltern

sprachlich verbiegen. Meist ist

das kontraproduktiv,“ so Zwetelina

Ortega, Expertin für Mehrsprachigkeit

und Gründerin von Linguamulti.

Hier setzt das pädagogische

Konzept der „LIMU-Academy“ der

selbst mehrsprachigen Linguistin

an: In Deutschkursen für 2-10

Jährige können sich Kinder spielerisch

durch kreative Tätigkeiten

wie Malen, Basteln oder Singen,

aber auch Lesen und Schreiben der

NEU!

deutschen Sprache nähern. Ganz

ohne Zwang und Sitzbank-Atmosphäre.

Dabei bleibt die Muttersprache

nicht auf der Strecke: „Uns ist

es besonders wichtig dem Kind zu

zeigen, dass sein sprachlicher und

kultureller Hintergrund wertgeschätzt

wird und für das Deutschlernen

hilfreich ist.“

Mehr Info: www.limu.academy

biber-Tipp für die Weihnachtsferien:

Deutsch Intensivkurs für 2–6-Jährige

Wann: 02.01 - 06.01.2019,

täglich, 10h-13h

Wieviel: 249Eur/Kind,

Geschwister-Rabatt: 175Eur/Kind

Anmeldung:

academy@linguamulti.at

HÖCHSTE

ERFOLGSZAHL

ÖSTERREICHS

78 / LEHRLINGSSPECIAL /

Tel.: 01/523 14 88, Neubaugasse 43, 1070 Wien, www.roland.at


#karrieregoals

9

10

Einzelhandelskaufmann/kauffrau

SPAR

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

SPAR ist nicht nur einer der wichtigsten heimischen

Arbeitgeber, sondern auch der größte private österreichische

Lehrlingsausbildner. Du hast die Qual der Wahl

zwischen 20 Lehrberufen – aber eines haben sie alle

gemein: Sie bieten dir die Chance, von Anfang an Verantwortung

zu übernehmen und dein eigenes Geld zu

verdienen. Darüber hinaus holst du dir bei Spar durch

abwechslungsreiche Trainings, Seminare, Zusatzausbildungen

und Sonderprojekte den entscheidenden Wissensvorsprung.

Ergänzt wird dieser durch die exklusive

Berufsschulausbildung in der SPAR-Akademie in Wien

bzw. die Akademie-Klassen in den anderen Bundesländern

– Karrierechancen garantiert! Sicher ist dir auch

die Übernahme ins Unternehmen nach abgeschlossener

Ausbildung. Du hast Lust auf Lehre mit Matura? Bei

Spar sowieso kein Problem!

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Freundliche, kommunikative und vor allem motivierte

Jugendliche sind genau die richtige Zielgruppe, um ihre

Lehre bei SPAR zu absolvieren. Natürlich darf auch die

Liebe zu Lebensmitteln nicht fehlen.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Die Lehrlingsentschädigung (Stand 2018) beträgt für

das erste Lehrjahr € 650,-, für das zweite Lehrjahr €

870,- und für das dritte Lehrjahr € 1.210,-. Aber das

ist noch nicht alles: Bei SPAR gibt es zahlreiche Extras

wie Zusatzprämien über € 4.500,-, den gratis B-Führerschein

und spannende Zusatzausbildungen (gilt für

Eigenfilialen der SPAR AG).

Weitere Infos findest du unter: www.spar.at/lehre

Die in den Texten beschriebenen Gehälter sind Bruttogehälter

Informationstechniker/in

WARUM EIN JOB DER ZUKUNFT?

Weil IT inzwischen in jedem Unternehmen und auch

bei uns zuhause eingezogen ist. Oder könntest du dir

ein Leben ohne Smartphone, Internet und Computer

vorstellen? Als IT-Techniker/in kannst du dich während

deiner Lehre spezialisieren. So kannst du unter anderem

einen Schwerpunkt im Bereich Applikationsentwicklung,

System- oder Betriebstechnik wählen. Du glaubst, nur

Männer können in der IT Branche arbeiten? Falsch!

Wusstest du, dass die ersten Programmierer weiblich

waren? Deshalb setzen auch heute noch Unternehmen

auf Girlpower!

WANN BIST DU DIE/DER RICHTIGE?

Du solltest dich für eine IT-Lehre bewerben, wenn folgende

Punkte auf dich zutreffen: → Du musstest schon

öfters deiner aufgebrachten Mutter erklären, dass man

das Internet nicht löschen kann? → Du hast erfolgreich

deinen Vater eingeschult, wie man „dieses WhatsApp“

benutzt? Kurz gesagt: Wenn du im alltäglichen Leben

deiner Familie und deinen Freunden in technischen

Belangen hilfst und eine Leidenschaft für Technik hegst,

dann bringst du die passenden Eigenschaften mit.

WAS SPRINGT KONKRET DABEI HERAUS?

Während deiner Lehre bekommst du ab dem ersten

Tag gutes Geld gezahlt. Im ersten Lehrjahr gibt’s rund

€ 535,- . Aber freu dich, denn im 4. Lehrjahr gibt’s

schon ganze € 1.250,-. Wenn du glaubst, das ist schon

ein gutes Gehalt, dann halt dich fest: Nach mehreren

Jahren kannst du bis zu stolzen € 5.021,- verdienen!

Neben diesem super Gehalt bieten einige Firmen auch

gratis Getränke, gratis Obst und Gutscheine für Mittagessen

an. Zudem sind IT Techniker/innen weltweit

heiß begehrt! Mehr zu den einzelnen Lehrberufen gibt’s

unter: www.it-lehre.wien/

Spar / Wild, Bruce Mars von Pexels

80 / LEHRLINGSSPECIAL /



„Glaubt mir

kein Wort!“

Du hast keine Ahnung, was du in den nächsten 10 Jahren

mal machen willst? Keine Panik, Ali Mahlodji ging

es früher genauso. Uns hat er erzählt, wie er trotz

Schulabbruch richtig Karriere gemacht hat.

von Aida Duric

Ali Mahlodji

Marko Mestrović

BIBER: Du bist nicht nur Co-Founder von whatchado und

Buchautor, sondern auch europäischer Jugendbotschafter.

Was sagst du Schülerinnen und Schülern?

ALI MAHLODJI: Das Erste, was ich bei Vorträgen sage,

ist: „Glaubt mir kein Wort!“. Ich kann ihnen nur Dinge aus

meiner Vergangenheit bis zum heutigen Tag erzählen,

aber ich habe keine Ahnung, wie die Welt in zwanzig Jahren

aussieht. Und jeder, der vorgibt, das zu wissen, ist ein

Schwindler. Dann erzähle ich ihnen von mir selbst, dass

ich Schulabbrecher bin und in meinem Leben wahrscheinlich

mehr falsch gemacht habe als richtig. Wichtig ist, Kindern

die Angst vor Fehlern zu nehmen und ihnen bewusst

zu machen, dass sie die Zukunft dieser Welt sind.

Passiert es auch mal, dass die Jugendlichen nicht so reagieren

wie gewünscht?

Ja, das kommt natürlich vor. Dann erzähle ich ganz offen

von meiner persönlichen Geschichte, meiner Zeit in

Traiskirchen, der Scheidung meiner Eltern und dem damit

verbundenen Stottern. Ich erzähle ihnen auch, dass ich

die Schule abgebrochen habe, weil ich damals viel Angst

hatte. Dabei merken die Kinder, dass es jemanden gibt,

der das Gleiche durchgemacht hat wie sie und dass dieser

Jemand es trotz all der Hindernisse geschafft hat. Das

Wichtigste ist, den Kindern zu zeigen, dass sie nicht allein

sind.

Viele junge Menschen wissen gar nicht recht, wo ihre

Fähigkeiten liegen. Welche Tipps hast du für Teenager, um

herauszufinden, welcher Beruf am besten zu ihnen passt?

Es gibt aktuell auf der ganzen Welt 100.000 verschiedene

Jobtitel. Wenn du jetzt nicht weißt, was

du in den nächsten zehn Jahren machen

willst, mach dir deswegen kein schlechtes

Gewissen. Selbst ich weiß nicht, was ich

in den nächsten zehn Jahren machen will

(lacht). Wichtig ist nur, die Zeit zu nutzen

und verschiedene Sachen auszuprobieren,

um zu sehen, was du gerne machst

und vor allem auch, was du nicht gerne

machst.

Ich wollte

immer alles

werden und

das will ich

heute noch!


TIPP:

Auf Alis Instagram-TV (@

ali.mahlodji) findest du

jeden Freitag eine neue

Folge der Videoreihe „AskAli“,

wo alle wichtigen

Fragen auf einen Schlag

beantwortet werden.

Schaffst du es, mal abzuschalten oder

beschäftigen dich die Geschichten deiner

Schüler/innen auch in deiner Freizeit?

Wenn du weißt, dass es normal ist, dass

die Welt so ist, dann brauchst du nicht

abschalten. Ich bin mir bewusst, was ich

beeinflussen kann und was nicht und wo

meine Grenzen sind. Ich weiß, ich kann

die Schüler/innen stärken und ihnen

auch gewisse Dinge für ihren weiteren

Weg mitgeben, aber mir ist klar, dass ich

nicht die Welt retten kann.

Worauf freust du dich in deiner Arbeit

am meisten?

Das Beste für mich ist immer, wenn mir Leute schreiben,

dass ich Ihnen dabei helfen konnte, etwas in ihrem Leben

zu verändern. Auch wenn mir Jugendliche auf Instagram

schreiben und mich um Tipps fragen, wie sie ihr Ziel

erreichen können. Was mir am meisten an meiner Arbeit

gefällt, ist, dass ich den Leuten dabei helfen kann, ihren

eigenen Weg zu gehen.

Auch unsere Newcomer konnten bei der biber-Zeugnisverleihung

im Juni schon einige Tipps und Tricks abstauben

82 / LEHRLINGSSPECIAL / / LEHRLINGSSPECIAL / 83


Sarah Knotzer (19), macht seit 2 Jahren eine

Lehre als Bankkauffrau bei der BAWAG P.S.K.

Entgeltliche Einschaltung des Innenministeriums

Die Sprachreise in Worthing -

ziemlich leiwand!

Kunden, Konten und Karriere

Sarah Knotzer (19) über ihre Ausbildung zur Bankerin

Warum hast du dich für eine Lehre bei der BAWAG P.S.K. entschieden?

Meine Cousine war damals bei der BAWAG P.S.K., sie hat nur

Positives erzählt und mir die Lehre empfohlen. Ich wollte schon

immer bei einer Bank arbeiten – ich komme aus einer kleinen

„Bänkerfamilie“ (lacht).

Wie sieht dein Ausbildungsalltag aus?

Jeden Tag passiert etwas Neues. Ich habe viel Kundenkontakt,

das ist ein großer Teil der Ausbildung. Man sitzt nicht nur alleine

vor einem Computer, was die Lehre sehr abwechslungsreich

macht.Ich bin auch bei Terminen dabei und lerne momentan

Sarah mit ihrer Lehrlingsausbildnerin im Gespräch

beispielsweise viel über Wertpapiere. Wenn mal etwas komplizierter

ist, kann ich immer zu meiner Lehrlingsausbildnerin

kommen, sie hilft mir dann.

Was war dein persönliches Highlight bei der BAWAG P.S.K. bis

jetzt?

Was super war, war die Sprachreise nach Worthing in England

dieses Jahr. Ein Teil der Kosten wurde von der BAWAG P.S.K.

übernommen und wir haben sogar Sonderurlaub bekommen.

Das war eine sehr spannende Woche, weil wir neben Sprachkurs

und Netzwerken mit anderen Unternehmen auch Freizeit

hatten und uns mit den anderen Lehrlingen die Stadt anschauen

konnten.

Was muss man unbedingt mitbringen, wenn man eine Lehre

bei der BAWAG P.S.K. machen möchte?

Wichtig ist, dass man freundlich ist und offen auf andere zugehen

kann. Ich bin zum Beispiel sehr selbstbewusst – das hilft,

weil man täglich mit unterschiedlichen Menschen zusammenarbeitet.

Viele denken, dass man ein ausgeprägtes mathematisches

Verständnis braucht, was ein Klischee ist. Natürlich ist

es wichtig, gut rechnen zu können, aber viel wichtiger ist das

Zwischenmenschliche, damit man die Kunden bei ihren Wünschen

gut beraten und unterstützen kann.

Wie schauen deine Pläne für die Zukunft aus?

Nächstes Jahr mache ich die Lehrabschlussprüfung und

nebenbei mache ich auch die Lehre mit Matura - da werde

ich von der BAWAG P.S.K. auch super unterstützt. Und dann

möchte ich natürlich weiter als Bankberaterin bei der BAWAG

P.S.K. arbeiten.

Soza Almohammad, Sarah Knotzer

Rodler David Gleirscher

Einsatzfahrt.

Nicht nur im Eiskanal.

Der Rodler David Gleirscher bringt nicht nur im Eiskanal Spitzenleistungen, sondern auch im

Polizeidienst. Dank hervorragender Ausbildung, exzellentem Teamgeist und gerechter Entlohnung.

Interessiert an einem abwechslungsreichen Job mit Kollegen wie ihm? Bewirb dich. Jetzt.

www.polizeikarriere.com

84 / LEHRLINGSSPECIAL /


#WeiblicheLust

#EliteYouTube

KulturaNews

Von klein auf wird Frauen eingetrichtert,

sich für ihr Begehren zu schämen - und

zwar über alle Kulturen und Religionen

hinweg. Fünf Frauen haben es sich zur

Lebensaufgabe gemacht, diesen Teufelskreis

zu durchbrechen und für eine

selbstbestimmte weibliche Sexualität

und ein gleichberechtigtes, respektvolles

Miteinander unter den Geschlechtern

zu kämpfen. Dieser Kampf ist mit

hohem Risiko verbunden: Sie werden

öffentlich niedergemacht, verfolgt und

bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld

verstoßen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar

mit dem Tod bedroht. Der Dokumentarfilm begleitet diese fünf Frauen

aller Weltreligionen und

zeigt die Mechanismen,

die die Lust der Frau in

Schach halten wollen. Er

zeigt aber mit Hilfe der

Protagonistinnen auch,

wie man mit Mut, Kraft

und Lebensfreude jede

Struktur verändern kann.

#FEMALE PLEASURE von

Barbara Miller, zu sehen

in den Kinos.

Ziemlich sicher habt ihr schon gemerkt, dass ihr beim

Schauen von YouTube Videos gefragt werdet, ob ihr

nicht auf YouTube Premium umsteigen wollt. Die Vorteile:

keine Werbung, Zugang zu YouTube Music und zu

den YouTube Originals und die Videos können am Handy

im Hintergrund laufen. Kostenpunkt: 11,99 Euro im

Monat. biber war auf der Pressekonferenz in Berlin, wo

die deutschen Eigenproduktionen vorgestellt wurden.

Eigene Serien haben nun die Jungs von Bullshit TV, Phil

Laude von Y-TITTY und LeFloid.

LeFloid vs. The World

Vergiss verstaubte

Museen.

Von Jelena Pantić-Panić

Wer soll das

bitte lesen?

Ich weiß ja ehrlich gesagt nicht genau, was ihr

jetzt in der Schule lest, aber ich fürchte, dass sich

seit meiner Schulzeit nicht allzu viel verändert hat.

Warum müssen sämtliche Bücher aus vergangenen

Jahrhunderten sein und in einer Sprache verfasst,

mit der kein junger Mensch 2018 etwas anfangen

kann? Und dann heißt es wieder: Die Jugendlichen

wollen nix lesen. Ja, wer soll denn das bitte lesen?

Wen interessiert das? Natürlich, Faust & Co. sollte

man gelesen haben. Aber es kann doch nicht jedes

einzelne Buch, das im Unterricht durchgenommen

wird, saufad sein. Es gibt genügend großartige

zeitgenössische Literatur, mit der Jugendliche

etwas anfangen können. Herzlichen Dank an alle

Lehrer*innen, die das erkannt haben und sich so

viel Mühe geben, Schüler*innen die Freude am

Lesen näherzubringen. Und wenn wir schon beim

Überarbeiten der Leselisten sind: Fühlt euch bitte

nicht gehemmt, auch ein paar weibliche Autorinnen

hinzuzufügen. Ist ja nicht so, als hätten seit Erfindung

des Buchdrucks 1440 nur Männer publiziert.

pantic@dasbiber.at

#Entfremdung

Mittlerweile wissen schon alle, dass Gletscher schmelzen. Doch auch

wir verwandeln uns zunehmend in eine vergletscherte Gesellschaft.

Konventionen ersetzen Gefühle und soziale Kälte sorgt für Gänsehaut.

Obwohl man mehr in Kontakt stehen könnte, als je zuvor, kommt es

zu einer Entfremdung. Bedeutet das, dass wir keine Beziehungen

haben? Nein,

Entfremdung

ist eine besondere

Form der

Beziehung. Keine

Nicht-Beziehung,

sondern „eine

Beziehung der

Beziehungslosigkeit“.

Dieses

Thema behandelt

die neue

Ausstellung in

der Kunsthalle

Wien “Antarktika

- Eine

Ausstellung über

Entfremdung”. Bis zum 17. Februar 2019 versammelt die Ausstellung

Werke jüngerer Künstler*innen der Gegenwartskunst, die ihre Positionen

zu Ich-Bezogenheit, Selbstentfremdung und Identität beitragen.

Die Diagnose ist eine kühle: Inzwischen hat die Entfremdung alle

Lebensbereiche erfasst. Der Mensch leidet unter einer Erstarrung der

Gefühle. Das resultiert in einem unterkühlten Verhältnis des Menschen

zu seiner Umwelt und letztlich zu sich selbst. “Antarktika - Eine

Ausstellung über Entfremdung” bis 7.2.2019 in der Kunsthalle Wien

im Museumsquartier.

LeFloid vs. The World, Robert Maschke, Filmladen Filmverleih, Antarktika Kunsthalle Wien - Buck Ellison

Florian Diedrich, besser bekannt als LeFloid,

ist einer der wenigen populären YouTuber,

der sich auch mit News und Politik beschäftigt

und sich auf seinem Channel somit auch

den ernsteren Themen des Lebens widmet.

Vielleicht könnt ihr euch an sein Interview mit

der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel

erinnern. Für seine eigene YouTube Premium

Produktion “LeFloid vs. The World” legt er

noch einen drauf und reist durch die Welt, um

Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer

Generation zu finden. In den acht Folgen,

die jeweils eine knappe halbe Stunde dauern,

nimmt uns LeFloid mit auf seine Entdeckungsreise

über Musik, Glauben, Sport, Selbstwahrnehmung,

Arbeit, Geld, Autos und Liebe und

trifft dabei auf Menschen aus aller Welt. Die

größte Herausforderung war für den 30-jährigen

Vater von zwei Kindern monatelang von

seiner Familie getrennt zu sein.

So richtig überzeugt hat uns von den deutschen

Eigenproduktionen nur LeFloid vs. The

World - das dafür aber richtig. Aber es gibt ja

noch mehr als 70 andere YouTube Originals,

more to come. Wenn ihr schnuppern wollt: Die

erste Folge von Le Floid vs. The World gibt es

gratis zu sehen und einen Monat lang kann

man YouTube Premium kostenlos testen.

Take a seat!

#U27

#musikbegeistert

#spontan

Restkarten € 12,–

konzerthaus.at/u27

86 / KULTURA MIT SCHARF / /


10 DINGE,

die ihr noch nicht

über das Wiener

Konzerthaus

wusstet

MEINUNG

BYE BYE, SCHÖNE HEIMAT

DIE KÖNIGSKLASSE DER ENTWURZELUNG:

SEIN LETZTES KINDERZIMMER ZU VERLIEREN.

Von Frederika Ferkova

Wusstet ihr zum Beispiel, dass…

Das Wiener Konzerthaus hat

gerade zehn Kurzvideos produziert,

die ziemlich spannende

Einblicke in Dinge geben, die ihr

sehr wahrscheinlich noch nicht

über das Haus wusstet. Fünf der

Filme werden von Rapperin und

Poetry-Slammerin Yasmo und

fünf von Schauspieler und Kabarettist

Josef Hader präsentiert.

Einige Filme stehen schon online,

bis zum 21.12. kommt jeden Freitag

ein weiterer dazu. Ihr findet

sie entweder unter konzerthaus.

at/mediathek oder auf den Social-Media-Kanälen

des Wiener

Konzerthauses.

konzerthaus.at/mediathek

facebook.com/konzerthaus

instagram.com/wienerkonzerthaus

1… das Wiener Konzerthaus schon

im Jahr 1913 als offenes Haus, das

Musik für alle Menschen zugänglich

machen möchte, eröffnet wurde?

2… sich der Große Saal des

Hauses oft in den schönsten Kinosaal

Wiens verwandelt? Stummfilme

mit Live-Musik-Begleitung sind

aber nur ein Teil des vielfältigen

Programms: Es gibt auch große

Orchesterkonzerte, Jazz, Pop und

Weltmusik ebenso wie Lesungen,

Festivals usw.

3… das Haus vier Konzertsäle für

4.000 Personen und insgesamt

640 Räume hat? Alle Konzertsäle

sind an ein Tonstudio und einen

Regieraum angebunden. Es gibt

Künstlerzimmer, Orchestergarderoben,

Proberäume, ein Arztzimmer,

Werkstätten, das Konzerthaus-

Archiv, Restaurants, Bars, Foyers,

15 Stiegen, 6 Lifte, 2 Lastenlifte

und natürlich viele, viele Büros.

4… in der Geschichte des Wiener

Konzerthauses in den Konzertsälen

bereits Radrennen, Frisiermeisterschaften,

Tischtenniswettkämpfe

oder Stemmerweltmeisterschaften

stattgefunden haben? Das Bühnengeschehen

kann bis heute

sehr außergewöhnlich sein – das

Merkwürdigste in jüngerer Zeit war

wahrscheinlich ein im Eis gefrorenes

Klavier.

5… im ganzen Haus ca. 375.000 m

Kabel verlegt sind? Das ist ungefähr

die Distanz von Wien nach Innsbruck!

Die Technik war schon bei

der Eröffnung äußerst raffiniert. Das

Haus gehört nämlich zu den innovativsten

Großbauten der Donaumonarchie.

6… es Angebote für wirklich alle

Altersgruppen – von 1 bis 99 – gibt?

Jedes Jahr gibt es mehr als 500

musikvermittelnde Veranstaltungen,

z. B. Workshops für Jugendliche,

Kinderkonzerte, Backstage-Führungen,

Mitmach-Konzerte, Konzerteinführungen

...

7… 230 Menschen aus 25 Nationen

am Wiener Konzerthaus

arbeiten?

8… die größte Konzertorgel Kontinentaleuropas

im Großen Saal

steht? Sie hat 9.000 Pfeifen, von

denen die längste 9m und die kürzeste

3cm lang ist.

9… die Luster im Großen Saal

die Höhe von zwei Erwachsenen

haben? Sie sind nur über das

Dach des Hauses erreichbar und

beleuchten den Saal mit jeweils 150

Glühbirnen.

10… es für unter 27-Jährige

Restkarten für 12€ an der Abendkassa

gibt?

Dieser Artikel ist eine entgeltliche Schaltung in Form einer Kulturkooperation mit dem Konzerthaus. Die redaktionelle Verantwortung liegt allein bei biber.

Marko Mestrović

Jeder definiert den Heimatbegriff für

sich, aber doch sind es oft dieselben

kleinen Details, die eine erste Heimat zur

Heimat machen. Heimat ist der Garten oder

der Spielplatz, in dem du mit acht im Sommer

herumgetollt bist. Heimat ist der Geruch deiner

Bettwäsche, die dich vor einem Gewitter beschützt

hat. Heimat ist die Familie, die wegen eines religiösen

Festes zusammenkommt. Heimat ist eine Ansammlung

an Erinnerungen, die unsere Identität stiften.

Menschen, die in der Kindheit oder Jugend nach

Wien gezogen sind, haben damit ein Stück Heimat

verloren. Das gilt für Kärntner genauso wie für Türken,

Polen und Deutsche. Aber eben nur ein Stück:

Die Sommerferien in Omas Haus waren ja nicht

schlagartig weg - man war nur seltener da. Die Winterzeit

an der frischen Landluft und die Nachbarskinder,

die einen jedes Mal so aufgenommen haben, als

würde man die ganze Zeit hier wohnen, auch nicht.

Wenn sich deine Eltern scheiden lassen oder

oft umziehen – oder gar beides – passieren viele

emotional zehrende Dinge. Das Schlimmste ist der

Verlust von Orten, die dich mit ihrer bloßen Existenz

an Gerüche und Situationen erinnern. Migranten passiert

das häufig, weil die erste Wohnung in der neuen

Heimat fast nie die letzte bleibt und man ja bereits

eine verlassen hat. Viele Ehen halten dem Stress,

den ein neuer Ort mit sich bringt, nicht stand. Ich bin

insgesamt dreimal in meiner Jugend und Kindheit

umgezogen – und habe damit alle meine Kinderzimmer

verloren. Wenn ich heute Weihnachten bei

meiner Mama oder Papa feiere, dann schlaf ich auf

der Couch oder in einem mir unbekannten Zimmer.

Das Einzige, was mir blieb, war mein Kinderzimmer

in Opas Haus. Es war sogar mein letztes Zimmer

in meinem Heimatland. Wenn ich Verwandte und

Freunde besuchen war, konnte ich zwar

immer irgendwo einen Schlafplatz finden

– aber ich war ein Gast, mehr nicht. In

Opas Haus war ich kein Gast. Es war mein

Zuhause, auch wenn ich es nicht täglich mit

Erinnerungen gefüllt habe. Zum Migrant-Sein gehört

das Gefühl der Entwurzelung dazu, man gewöhnt

sich dran. Jedes “Woher bist du?”, wenn uns jemand

in Österreich oder noch besser im Ursprungsland

reden hört. Jedes Mal umziehen, weil die Mietwohnung

zu klein der zu teuer geworden ist. Jedes Mal,

wenn Österreicher oder Landskollegen über ihre

Bräuche, Filme und Lieder aus der Kindheit reden,

die du einfach nicht kennst. Was uns oft als einziger

Ankerpunkt bleibt, ist der Ort, wo wir als Kinder die

Sommerferien verbracht haben.

MAMA UND IHRE KIPFERL

Er ist vor Kurzem gestorben und das Haus wird verkauft

werden. Ich trauere hauptsächlich - aber nicht

nur - um ihn. Ich trauere, weil ich ab jetzt in meinem

Geburtsland immer ein Gast sein werde. Aber wenn

ich dort ab jetzt auch nur ein Gast bin, wo ist dann

meine Heimat? Die Wände meiner neuen Wohnung

sind nicht mehrere Jahre durchgehend von meinen

wachsenden Händen angetappt worden. Ich habe

keine Abmessungsmarken an meinem Türstock und

wenn es draußen schneit, erinnert mich meine Küche

nicht automatisch an Mama und ihre Vanillekipferl.

Ich bin jetzt erwachsen und es wird keinen Ort

geben, der mich an meine ersten Lebensjahre erinnern

und mir somit auch nur einen kurzen Moment

das kindliche Gefühl geben wird. Wenn ich Weihnachten

- egal wo und mit wem - feiere, dann bin ich

in einer fremden Wohnung und ein Gast. Und das tut

weh, der Verlust der Heimat. Es war schön mit dir. ●

88 / KULTURA /

/ MIT SCHARF / 89


„Die Leiden des jungen Todors“

Von Todor Ovtcharov

Proteste

Ich schaue im Internet Bilder von einem

Protest in Frankreich an. Die Menschen

protestieren gegen die hohen Benzinpreise.

Eine Frau meint, dass Poltiker

die ganze Zeit auf Staatskosten herumfliegen, die

Umwelt verschmutzen und nichts dafür zahlen. Sie

meint, dass die hohen Benzinpreise in ihrem Land

ungerecht seien. „Warum fahren Poltiker nicht mit

dem Rad?“, fragt sie. Danach tankt sie ihr Auto voll

und fährt weg. Das Drücken aufs Gaspedal drückt

ihre Unzufriedenheit mit ihrer Lage aus. Auch wenn

das starke Drücken aufs Gaspedal zweimal so viele

schädliche Gase in die Luft wirft.

In Bulgarien wird auch gegen die hohen Benzinpreise

protestiert. Einige Bürger der Donaustadt

Russe protestieren aber auch für eine bessere

Luftqualität. Sie haben mit ihren Autos den Grenzübergang

nach Rumänien blockiert. Das kommt mir

komisch vor. Hunderte von LKWs stecken an der

Grenze fest und verschmutzen die Luft von Russe

weiter.

Ich rede darüber mit einem Freund, dessen

Familie aus politischen Gründen aus dem Iran nach

Österreich geflüchtet ist. „Die Menschen in Europa

sind glücklich“, meint er, „man kann protestieren so

viel man will. Der Protest ist in Europa sowas wie

ein sozialer Auspuff.“ Im Iran werden oft Proteste

von der Regierung organisiert. Die anderen werden

so schnell es geht niedergewälzt. Die gebildete Elite

des Landes sei gegen das Regime, das Presse- und

Gedankenfreiheit unterdrückt, doch die Massen

unterstützen die Machthaber. „Also Sinn machen

die Proteste leider nicht besonders“, sagt er.

Laut dem gleichen Freund ist es in Österreich

genauso. Man kann protestieren so viel man will,

das bringe am Ende auch gar nichts. Die Regierung

habe was vor und wird es durchziehen, egal wie

viel man dagegen protestiert. „Dafür glaubt ihr, ihr

seid frei“, sagt mein Freund und lächelt mich an.

Ich erzähle das anderen Freunden, die jeden Donnerstag

gegen die Regierung und das Kürzen des

Sozialsystems protestieren. Sie sind natürlich nicht

einverstanden. Sie sind sehr eifrige Protestierende.

Im Gegensatz zu denen in Frankreich und in Russe

gehen sie zu den Protesten nicht mit ihren Autos,

sondern zu Fuß. Sie fühlen sich lebendig, nützlich

und wichtig.

Was ist jetzt das Gemeinsame an diesen

Geschichten? Der Iran wird wieder wirtschaftlich

sanktioniert. Das Regime wird dagegen protestieren.

Das Benzin wird teurer und die Menschen in

Frankreich und in Bulgarien werden weiter protestieren.

Meine Freunde werden auch weiter gegen

die österreichische Regierung protestieren. Gibt

es doch einen Sinn, frage ich meinen persischen

Freund. Er antwortet mit einem Zitat von Omar

Khayyam:

Von allen, die auf Erden ich gekannt,

Ich nur zwei Arten Menschen glücklich fand:

Den, der der Welt Geheimnis tief erforscht,

Und den, der nicht ein Wort davon verstand. ●

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