möbel kultur 11/19

holzmannverlag

ZKZ 4937

11 I 2019

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Foto: Hermes Einrichtungs Service

Personal-

Offensive

So können Mitarbeiter gewonnen,

gehalten und gefördert werden

Möbel-Größe

aus Estland

Vor Ort bei der Delux Group:

Wie die Macher aus dem hohen

Norden den Markt aufmischen

DIENSTLEISTER-EXTRA

LOGISTIK, WORK-

FLOW, PAYMENT

Gaggenau & Neff: Vertriebsfusion

Übernahmen: Handel in Aufruhr

Hausmesse Süd: Mehr Tempo!

Garant Gruppe: Mit Digital-Strategie

M.O.W. & Co.: Großer Messereport

Hermes: Transparente Prozesskette


TOP-THEMA/BRANCHENFORUM

Der Kampf

um Talente

Gutes Personal zu bekommen, gehört zu den größten Herausforderungen

aller Branchen in den nächsten Jahren. Die Situation

hat sich ganz klar in Richtung Arbeitnehmermarkt entwickelt.

Die „möbel kultur“ nimmt sich des brisanten Themas an –

inhaltlich, aber auch mit einem Event in Hamburg 2020, auf dem

erstmals die besten Mitarbeiterinitiativen prämiert werden.

Süddeutschland ist besonders stark von Fachkräfteengpässen betroffen

So viel Prozent der offenen Stellen entfallen auf Berufe, in denen besonders viele Fachkräfte fehlen (Engpassberufe)

Regionale Unterschiede: Die

personelle Engpassquote ist im

Süden schon lange am höchsten.

Die größte Verschlechterung gab

es im Osten. Unternehmen in den

Metropolregionen fällt es leichter,

Fachkräfte von außerhalb

anzuwerben als Unternehmen in

ländlichen Regionen. Die überregionale

Rekrutierung bietet in

vielen Berufen noch Potenzial.

Engpassberufe: Berufe, in denen weniger als zwei Arbeitslose auf eine offene Stelle kommen, nur etwa jede zweite offene Stelle

wird gemeldet; Stand 2018, Quelle KOFA-Berechnungen auf Basis von Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit.

Jetzt bekommt die Herausforderung

Personal endlich den Stellenwert,

den sie verdient. Lange

Zeit war die Aufgabe Fachkräfte zu

gewinnen, zu halten und weiterzuentwickeln

überdeckt von den

vermeintlich wichtigeren Themen,

die Handel und Industrie bewegten

– wie Preisstellungen, Marketingfragen

oder Produktentwicklung.

Doch seit der Finanzkrise im

Jahr 2009 hat sich die Mitarbeiter-

Frage von Jahr zu Jahr zugespitzt.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland

sank im Oktober 2019 um 0,1

Punkte auf 4,8 Prozent. Vor einem

Jahr lag die Zahl derjenigen, die

ohne Beschäftigung waren, erstmals

seit der Wiedervereinigung unter

der 5-Prozent-Marke.

„Das größte Geschäftsrisiko bleibt

aus Sicht der Betriebe weiterhin der

Fachkräftemangel“, teilt die DIHK

nach einer aktuellen Mitgliederbefragung

mit. Zwar gehen Experten

davon aus, dass eine konjunkturelle

Eintrübung insbesondere im Industriesektor

den Mitarbeitengpass

wieder etwas entschärfen könnte.

Allerdings sind dies nur mittelfristige

Betrachtungen, wie Personalberater

Thaddäus Rohrer weiß: „Der

demografisch bedingte Fachkräftemangel

steht uns noch bevor, wenn

viele der älteren Generation in Rente

gehen und nicht genügend junge

Leute nachkommen.“ Die Verbände

der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen

bringen es noch

schärfer auf den Punkt: „Die Möbelindustrie

hat insgesamt unvermindert

ein Überalterungsproblem.“

Hinzu kommen regionale Unterschiede.

In einer Cluster-Region wie

Ostwestfalen oder Oberfranken

bringt die Masse an Unternehmen

immer auch einen erklecklichen

Fachkräfte-Pool hervor. Den größten

Herausforderungen hingegen stehen

Einzelkämpfer in der Provinz gegenüber.

Wie schafft es Polipol etwa,

gute Mitarbeiter nach Diepenau zu

holen? Schließlich liegt der niedersächsische

Flecken nicht unbedingt

in Reichweite von großen Metropolen

wie Hamburg, Bremen und

Hannover. Es verwundert wenig,

dass auf der Unternehmens-Homepage

der Punkt „Karriere“ mit viel

überzeugendem Content gefüllt ist.

Insbesondere die Abgrenzung von

anonymen Konzernen ist ein echtes

Asset der mittelständisch geprägten

Möbelindustrie: „Als inhabergeführtes

Unternehmen sind wir keinen

externen Einflüssen ausgesetzt. Das

schafft Stabilität, Kontinuität und vor

allem: viel Freiraum. Diesen geben

wir gerne an unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter weiter“, heißt

es dort.

Doch nicht nur regionale, sondern

auch temporale Differenzen

sorgen in der Auslieferung für Probleme.

„Als B2C-Logistiker mit

Schwerpunkt im Onlinehandel

stellen uns der stark volatile Saisonverlauf

und die Mengenspitzen zu

den bekannten Aktionstagen, wie

dem Black Friday, immer wieder vor

Herausforderungen – insbesondere

hinsichtlich der Personalressourcen.

22 möbel kultur 11/2019


Personal-Offensive 2020

Bilder unter Lizenz von Shutterstock.com verwendet

Hier hilft eine enge Abstimmung

zwischen dem Händler, seinen Lieferanten

und dem Logistikpartner“,

sagt Martin Wieland, Bereichsleiter

Marketing und Strategie beim Hermes

Einrichtungs Service.

Im Gegensatz zu Industriebetrieben

können Möbelgeschäfte mit

einer mittelständischen Struktur nur

bedingt bei Jobsuchenden punkten.

Denn der Einzelhandel insgesamt

und speziell der aus der Einrichtungsbranche

leidet unter einem

Imageproblem. Wer möchte noch

am Samstag sein Geld verdienen,

wenn Freunde und Bekannte frei

haben? Die Provisionsregelungen

erfordern zudem eine dauerhaft

große Motivation des Verkaufspersonals.

Wer dabei einen guten Job

macht, findet oft in besser dotierten

Branchen Unterschlupf, insbesondere

auf B2B-Ebene.

Doch ganz so einfach gibt sich

unsere Branche dann doch nicht

geschlagen. Mit zunehmender Kreativität

– und politisch unterstützt

vom HDE und Mittelstandsverbund

ZGV – lanciert sie eine Vielzahl von

Beispielen, die langsam aber sicher

Früchte tragen und ein positives Bild

ergeben, wie die Initiativen auf der

folgenden Doppelseite zeigen.

Eine neue Herangehensweise

an Mitarbeiterkarrieren ist gefragt,

erklärt Thaddäus Rohrer: „Ich kann

nicht erwarten, dass es stets genügend

talentierte Menschen auf dem

Markt gibt, die genau meinen Anforderungen

entsprechen. Wenn sich

diese aber nicht finden lassen, muss

ich mir als Unternehmen Gedanken

machen, wie ich diese selbst ausbilde

oder das Arbeitsumfeld dem

Markt anpasse.“

Wie sich ein solches Umdenken

und eine entsprechende Flexibilität

kultivieren lassen, wird die „möbel

kultur“ als Branchen-Netzwerk zu

einem Dauerthema machen. „Wir

wollen gute Mitarbeiter-Initiativen

redaktionell begleiten und publik

machen. Deshalb möchten wir im

kommenden Jahr ein Forum etablieren

und gute Aktionen auszeichnen,

damit andere davon lernen

können“, sagt Chefredakteur Sascha

Tapken. Dabei sollen drei Stoßrichtungen

verfolgt werden: Ausbildung,

Recruiting und Mitarbeiterbindung

(„Employer Branding“).

Der Unternehmenserfolg scheint

besonders wahrscheinlich, wenn

alle drei Themen miteinander verzahnt

werden, wie auch der TÜV

Rheinland empfiehlt: „Unternehmen

müssen sich als Arbeitgebermarke

präsentieren – sowohl in

der Außen- als auch in der Innendarstellung,

Nehmen Mitarbeiter

ihren Arbeitgeber positiv wahr,

tragen sie dies automatisch nach

außen“, sagt Auditor Guido Plettner.

„Unternehmen sollten verstärkt für

die Belange ihrer Mitarbeiter da

sein – ähnlich wie für ihre Kunden“,

rät Plettner. So sollten regelmäßige

Zufriedenheitsumfragen,

Einzelgespräche und die Miteinbeziehung

in strategische Entscheidungen

zur Unternehmenskultur

gehören. Work-Life-Balance, Vereinbarkeit

von Beruf und Familie

sowie Pendlerlösungen sind laut des

Experten für Mitarbeiter ebenfalls

von großer Bedeutung.

Jede Menge Diskussionsstoff

ergibt sich daraus allemal für das

Event „Personal-Offensive 2020“,

das am 29. April in Hamburg stattfindet.

Bereits am Vorabend haben

die Teilnehmer Gelegenheit zum,

Netzwerken: „Das erste Forum

der Branche gegen den Fachkräftemangel

– Lösungen für heute und

morgen.“

möbel kultur NETZWERK

Das erste Forum der

Branche gegen den

Fachkräftemangel

Lösungen für heute und morgen

29. April 2020 | Hamburg

Die „möbel kultur“ ruft die Personal-Offensive 2020 aus.

Denn gute Mitarbeiter zu finden, weiterzuentwickeln und zu

halten, ist eine der größten Herausforderungen, vor der die

Möbelbranche insgesamt steht. In rund 400 Berufen fehlt

deutschlandweit qualifiziertes Personal. In einigen Regionen

verschärft die Vollbeschäftigung das Thema. Im Handel

kommt ein Imageproblem erschwerend hinzu. Letztendlich

führt die Schwach stelle Personal zu gestörten Betriebsabläufen.

Im Handel leidet die Beratungsqualität, bei der

Auslieferung fehlen die Fahrer. Die Personalstruktur wird

zur Dauerbaustelle. An einem Netzwerk-Tag in Hamburg

wollen wir mit den Teilnehmern diskutieren und Lösungen

finden, die dazu beitragen können, Unternehmen mit den

bestmöglichen Mitarbeitern zukunftssicher aufzustellen. Im

Rahmen der Veranstaltung wird die „möbel kultur“ auch

erstmals drei Awards vergeben. Ausgezeichnet werden die

besten Ausbildungs-, Recruiting und Mitarbeiterbindungsinitiativen.

Ab sofort können sich Unternehmen dafür

bewerben. Den Bewerbungsbogen sowie alle Infos rund um

das Event finden Sie unter www.holzmann-events.de

11/2019 möbel kultur 23


PERSÖNLICHMARCO TÜMMLER

20 möbel kultur 11/2019


Herr Tümmler, die Zusammenlegung der

1 beiden Marken Neff und Gaggenau im Vertrieb

klingt nach einer Effizienzmaßnahme.

Was war genau der Hintergrund der strategischen

Entscheidung?

Marco Tümmler: Das sich wandelnde

Konsumentenverhalten und die gravierenden

Veränderungen in der

Handelslandschaft sorgen für Handlungsbedarf

bei allen Beteiligten.

Unsere Handelspartner stehen bei

allen internen Weiterentwicklungen

im Vordergrund und wir sind davon

überzeugt, dass wir mit der Zusammenführung

der Vertriebsorganisationen

der beiden Einbaugerätemarken

Gaggenau und Neff den Bedarf des

hat uns zu Deutschlands und Europas

Nummer 1 gemacht. Im Handel

finden, wie schon erwähnt, aktuell

gravierende Veränderungen statt. An

diesem konkreten Bedarf entlang

entwickeln wir unsere Vertriebsorganisation

weiter, immer mit dem

Ziel, gemeinsam mit unseren Handelspartnern

das Wachstum unserer

Hausgerätemarken im deutschen

Markt weiter auszubauen.

3

Erfolgt die Händlerbetreuung beider

Marken dabei grundsätzlich „aus

einem Koffer“? Und müssen sich jetzt also

viele Händler auf neue Ansprechpartner

einstellen?

triebsorganisation der BSH. Daher

wirkt sich die Zusammenlegung

nicht auf unsere Präsenz im Ausland

aus.

5

Während Gaggenau im Topsegment

angesiedelt ist, steht Neff eher für eine

konsumigere Klientel. Damit splittet sich oft

auch der Handel in das hochwertige Küchenstudio

und eher mittelpreisige Küchen- und

Möbelhändler. Soll sich an dieser Positionierung

etwas ändern?

Marco Tümmler: Nein, die Positionierungen

der beiden Marken bleiben

von der Neuausrichtung des Vertriebs

unberührt. Beide Marken profitieren

jedoch von den Vertriebszugängen

der Leitungsfunktion durch Michael Bohn –

künftig aus?

Marco Tümmler: Die neuen Strukturen

in unserer deutschen Marketingorganisation

sehen vor, dass die starken

Teams der Globalmarken sowie der

taktischen Marken eng verzahnt mit

markenübergreifenden Kompetenzbereichen

zusammenarbeiten. Von

einer Zusammenlegung ist hier also

nicht die Rede.

7

Geht die BSH insgesamt von der Fokussierung

auf vier Kernmarken weg, um

Bosch und Siemens auf der anderen Seite zu

stärken – gerade mit Blick auf die Kampfansagen

der asiatischen Konkurrenz?

BSH: Marco Tümmler über die Vertriebsfusion von Neff und Gaggenau

Neue Chancen für

maximale Flexibilität

Ab Januar wird das Vertriebsmanagement der Marken Gaggenau und Neff in einer Hand zusammengeführt:

Übergreifend verantwortlich wird dafür Marco Tümmler, bisher Geschäftsführer für

Gaggenau. Sein Vorgänger bei Neff, Stefan Kinkel, übernimmt indes eine leitende Funktion im Vertrieb

der BSH Deutschland. Wie weit dies auch die bestehende Vertriebsorganisation insbesondere

in Deutschland verändert, erläutert der neue Zwei-Marken-Chef im „möbel kultur“-Interview.

hochwertigen Küchenhandels und

die Ansprüche premiumorientierter

Konsumenten noch besser erfüllen.

Beide Marken bilden eine perfekte

Ergänzung, wenn es darum

geht, moderne und premiumorientierte

Konsumentenwünsche zu

erfüllen. Denn die Leidenschaft für

das Kochen und den unverwechselbaren

Genuss war schon immer der

gemeinsame Kern von Gaggenau

und Neff.

2

Wie wird der Vertrieb jetzt im Einzelnen

strukturiert?

Marco Tümmler: Unverändert bleibt

eine optimal auf den Bedarf un ­

serer Partner im Küchenhandel

abgestimmte Vertriebsaufstellung

und -leistung. Wir haben unsere

interne Aufstellung schon immer

nach den Erwartungen und Strukturen

des Handels ausgerichtet – das

Marco Tümmler: Das Gegenteil ist der

Fall: Der Vertrieb kann die Alleinstellungsmerkmale

jeder Marke

im Beratungsgespräch noch besser

herausstellen. Dadurch entstehen

neue Chancen, um mit maximaler

Flexibilität ein Produktportfolio zu ­

sammenzustellen, das mehr Konsumentenwünsche

widerspiegelt

und Innovationen integriert. Unser

Ziel ist eine größtmögliche Konstanz

in der Händlerbetreuung. Die

aktuellen Ansprechpartner werden

ihre Kunden zeitnah kontaktieren

und sie informieren, ob es zum 1.

Januar 2020 eine Veränderung in

der Betreuung geben wird.

4

Inwieweit wirkt sich die Vertriebszusammenlegung

auch auf die Auslandspräsenz

aus?

Marco Tümmler: Wir reden hier ausschließlich

über die deutsche Ver­

der jeweils anderen. Wir erlangen

hierdurch eine einzigartige Position

im deutschen Einbaugerätemarkt.

Die erfolgreich für Kochleidenschaft

etablierte Marke Neff

profitiert von der sehr guten Distribution

der Marke Gaggenau im

hochwertigen Küchenfachhandel.

Dies unterstreicht die immer stärker

werdende Profilierung von Neff als

Premiummarke im Einbausegment.

Gaggenau erhält andererseits nun

deutlich verstärkte Vertriebspräsenz.

Und für den Handel ergeben

sich neue Chancen, mit maximaler

Flexibilität ein Produktportfolio

von zwei hochattraktiven Marken

zusammenzustellen.

6

Werden auch andere, für die beiden

Marken relevante Verantwortungsbereiche

zusammengelegt? Wie sieht es

beispielsweise beim Marketing – unterhalb

Marco Tümmler: Ein klares Nein. Mit

unserem äußerst erfolgreichen Markenportfolio,

bestehend aus unseren

Globalmarken Bosch, Siemens, Neff,

Gaggenau sowie weiteren Local Hero

Marken und Labelmarken, bieten wir

Produkte und Lösungen für unterschiedlichste

Kundenbedürfnisse an.

Auch ein Grund, warum wir Europas

führender Hausgerätehersteller

sind. Es geht uns sogar darum, die

verschiedenen Markenstärken noch

weiter zu profilieren und auszubauen.

Angesichts der bereits erwähnten

Marktveränderungen spielt Marke an

sich eine entscheidende Rolle. Sie ist

ein Orientierungspunkt in der reizüberfluteten

und fast unüberschaubaren

Konsumwelt.

HEIKE LORENZ

www.neff-home.com/de/

www.gaggenau.com/de/

11/2019 möbel kultur 21


VERBÄNDE

Alliance: Einrichtungsfachhandel im Fokus

„Wir sind Mittelstand“

Alliance macht sich stark für den mittelständischen Möbelhandel. Mit einer Vielzahl an bewährten

sowie neuen Flächenkonzepten, Schienen und Eigenmarken unterstützt der Verband seine Ge schafter am POS und online, um die Margen zu sichern und sich vom Wettbewerb

sell-

abzuheben.

„Home“ und „Luxxea“ heißen

die beiden Flächenkonzepte

von Alliance, mit denen sich

die Händler professionell

präsentieren können. Für viel

Wohlfühl-Atmosphäre sorgt

zudem „Lebenswert“.

Der mittelständische tungsfachhandel hat heute

Einrich-

immer mehr Herausforderungen

zu meistern. Die großen

Themen sind die zunehmende

Marktkonzentration sowie die Digitalisierung.

Umso mehr sieht sich

Alliance in der Pflicht, seine Gesellschafter

bestmöglich für die Zukunft

zu rüsten. Dazu zählen auf der einen

Seite, stimmige Wohnbilder am Point

of Sale zu inszenieren.

Mit den

jüngsten Flächenkonzepten

„Home“ und

„Luxxea“ bietet

der Verband

aus Rheinbach

nicht nur eine

Vielzahl an Marketingunterstützungen,

um die

Fläche anspre-

chend zu gestalten. Die Konzepte

ermöglichen es den Händlern auch,

ihre Ware zu neutralisieren, um so

Vergleichbarkeiten zu vermeiden und

bessere Renditen zu erwirtschaften.

Das gleiche gilt beispielsweise im

Hochwertbereich für „Ambienta“,

für die „Prisma“-Küchen, für das

relaunchte „Lebenswert“ im natürlichen

Wohnen oder die etablierte

Eigenmarke „Casada“.

Auf der anderen Seite müssen

die Händler heute auch im Internet

professionell aufgestellt sein. Das

heißt, die Marken und Konzepte auf

der Fläche müssen gleichermaßen

auf den Websites dargestellt werden.

Alliance hat aus diesem Grund

in den letzten Jahren eine umfangreiche

Mediendatenbank aufgebaut.

Diese umfasst Bilder und Videos

genauso wie Onlinejournale oder

Facebook-Posts. Zusätzlich gibt es

einen Webbaukasten, der von den

Händlern eigenständig administriert

werden kann. Doch auch die Werbeund

Marketingmaßnahmen werden

zunehmend digital, weshalb der

Verband mit dem neuen „Alliance-

Regio-Panel“ eine Plattform geschaffen

hat, die es in wenigen Schritten

ermöglicht, Banner-Werbung in

einer ausgesuchten Region sowie

einer bestimmten Zielgruppe

auszuspielen. Diese Banner werden

dabei auf passenden Websites

und in den sozialen Medien

gestreut. Insgesamt handelt es

sich um ein Werkzeug, das im

Bereich des Online-Marketings

eine immer größere Rolle spielen

wird.

Alles in allem ein rundes und

umfassendes Paket, mit dem

Alliance sich klar auf Seiten des

Mittelstands positioniert.

www.alliance.de

26 möbel kultur 11/2019


Hier sollte Ihr persönliches

ALLIANCE-BOOKLET kleben.

Es fehlt? Kein Problem.

Bestell-Hotline: (040) 632018-0

oder per E-Mail: vertrieb@holzmann.de


VERBÄNDE

Verkaufsfläche

digital erweitern

Das bislang schwierige Möbeljahr geht auch an Garant nicht ganz spurlos

vorüber. Der Verband rechnet für 2019 auf einem nach teils zweistelligen Wachstumsraten

sehr hohen Ausgangsniveau mit einem leichten Plus beim ZR-Umsatz.

Während Küchen nach wie vor positiv laufen, stehen Wohnen und insbesondere

Schlafen wie auch im Gesamtmarkt leicht unter Druck. Grund genug, mit zwei

neuen Handelsmarken sowie innovativen Kommunikationstools neue Impulse zu

liefern.“ Die „möbel kultur“ sprach mit den beiden Geschäftsführern Jens Hölper

und Torsten Goldbecker sowie Hendrik Schütte, Geschäftsleitung Marketing, über

neue Möglichkeiten der Handelspartner, ihre Beratungskompetenz auf digitale

Füße zu stellen.

Fotos: Garant, möbel kultur

Der „InspiraTouch“ soll die Handelspartner bei der Beratung digital

unterstützen. Darüber hinaus eignet sich das Tool auch zur Vorabinformation,

wenn gerade alle Berater besetzt sind. Nahtlos kann

das System auch auf dem Tablet verwendet werden. Bereits 2020

soll es nicht nur für Küchen einsetzbar sein.

30 möbel kultur 11/2019


möbel kultur: Alle reden von der digitalen

Transformation, die noch längst nicht

abgeschlossen ist. Wo stehen Ihre Mitglieder

in diesem Prozess? Oder anders

ausgedrückt: Wie gut sind Sie aktuell

digital aufgestellt?

Jens Hölper: Das kann man pauschal

schwer beantworten, weil jeder

Händler individuell unterwegs ist.

Aber das neue POS-System, das wir

während des Partnerforums vorgestellt

haben, trägt dazu bei,dass sich

die Händler in ihren Läden digitaler

präsentieren können. Bei diesem

Tool geht es darum, die klassische

Beratung, die unsere Handelspartner

aus dem Eff-Eff beherrschen, mit

digitalen Medien zu verknüpfen.

Hendrik Schütte: Wir gehen damit den

nächsten großen Schritt in Richtung

Handel, wohl wissend, dass

diese Dinge Zeit brauchen werden.

Wir starten mit „InspiraTouch“ im

Küchenbereich und wollen im weiteren

2020 auch in den anderen

Segmenten folgen. Dahinter verbirgt

sich ein System, dass im Grunde

eine Ergänzung zum heutigen Beratungsprozess

im Handel darstellt,

um den Kunden sehr interaktiv

mehr an Inspiration und Information

zu geben.

möbel kultur: Wie muss ich mir das konkret

vorstellen?

Hendrik Schütte: Wir geben damit

Händlern und Kunden eine Unterstützung

bei der Bedarfsdeckung

und -weckung. Häuser mit kleinerer

Fläche haben nun einmal be -

grenzte Möglichkeiten der Sortimentsdarstellung.

Gerade wenn es

darum geht, neue Technologien

und Funktionalitäten zu zeigen,

die der Kunde vielleicht noch gar

nicht kennt, können ihm diese

digital entweder an einem großen

Touchdisplay oder aber per Tablet

präsentiert werden. Oder ein weiteres

Beispiel: In der Ausstellung sind

vielleicht drei Lüftungsvarianten zu

sehen, aber die vierte und fünfte

oder noch weitere können per Display

per Video oder über umfassendes

Bildmaterial gezeigt werden.

möbel kultur: Damit können Sie die Verkaufsfläche

natürlich enorm erweitern,

zumal jüngere Zielgruppen sicherlich

soweit sind, darauf einzusteigen.

Jens Hölper: Ich glaube nur, dass der

Handel teilweise noch nicht so weit

ist. Naturgemäß hat der Fachhandel

immer etwas Berührungsängste mit

neuen Medien wie diesem – das ist

Mehr Sichtbarkeit für die

Händlermarke bei den crossmedialen

Kampagnen streben

Torsten Goldbecker (o. l.),

Jens Hölper (o. r.), beide

Geschäftsführer der Grarant

Gruppe sowie Hendrik Schütte,

Geschäftsleitung Marketing

und Pressesprecher, an.

nachvollziehbar und wir merken das

auch bei den Pilotprojekten, die wir

im Handel installiert haben. Andererseits

lernen wir aber im Dialog

mit den Pilotpartnern jeden Tag

dazu, um das System nutzerorientiert

zu verbessern. Der eindeutige

Vorteil des Tools ist, dass unsere

Mitglieder das gesamte Beratungsgespräch

viel mehr auf die Kunden

zuschneiden können, weil sie mehr

Dinge berücksichtigen, die bei der

Ideenfindung nützlich sind. Wenn

der Kunde viel kocht, dann suche

ich natürlich professionellere Geräte

aus. Wie sieht der Raum aus? Sind

bauliche Veränderungen geplant?

Soll ein Essplatz in die Küche integriert

werden? Auf all diese Fragen

können die Händler detailliert eingehen.

Alternativ können sie aber

auch über die Stile herausfinden,

wie die Kunden ticken und ihnen

viel konkretere Vorschläge für die

individuelle Küche machen. Das

Repertoire reicht bis dahin, dass

die Händler in diesem System ihre

Referenzen zeigen können, in dem

sie Home Stories über ihre geplanten

Küchen bei den Kunden abbilden.

Auch Videos von Herstellern

können integriert werden. Damit

zeigen die Partner, wenn sie das Tool

beherrschen, gerade bei jüngeren

Zielgruppen deutlich mehr Kompetenz.

Ein weiterer Vorteil ist, dass

die Kunden an den Terminals beispielsweise

an einem Schausonntag

auch selbst eine Checkliste erstellen

können, und dann ihre Telefonnummer

hinterlassen, um ein Beratungsgespräch

zu vereinbaren.

möbel kultur: Wie ist der Zeitplan für das

neue System?

Jens Hölper: Wir wollen jetzt die ersten

Schritte gehen. Wir entwi ckeln

das System seit 1,5 Jahren ge meinsam

mit den Garant-Kollegen in

Österreich, die sich etwas stärker

auf den Möbelbereich konzentrieren,

während wir, wie gesagt, zum

Start zunächst die Küchen in den

Fokus genommen haben.

Hendrik Schütte: Wir sind uns sehr

wohl bewusst, dass wir dafür einen

langen Atem brauchen. Das ist ein

Entwicklungsthema, bei dem wir

unsere führende, digitale Rolle weiter

untermauern wollen. Das müssen

wir gemeinsam mit unseren Partnern

erarbeiten. Da wird es auch mal

zwei Schritte vor und einen zurück

geben, aber bei der Digitalisierung

des Handels kann es ja nur darum

gehen, bedarfsgerechte Lösungen

zu schaffen, die einen Mehrwert für

den Kunden und für den Händler

bringen und nicht einfach die Dinge

zum Selbstzweck voranzutreiben.

Torsten Goldbecker: Uns geht es darum,

Content zu schaffen, sodass die Händler

medienübergreifend mit dem Kunden

kommunizieren können. Das ist

ein Lernprozess für die Händler, die

ihre Erfahrungen machen müssen.

möbel kultur: Damit können Sie sich echte

Wettbewerbsvorteile verschaffen, weil

die Großfläche in diesem Punkt nicht

weiter ist.

11/2019 möbel kultur 31


KÜCHENMESSE OWL

Die Würze

zur Differenzierung

Individualisierung und Differenzierung

geben die Stoßrichtung der Küchentrends

vor – umgesetzt wird dies auch über die

Ausstattung. Die Haubentechnik saugt nicht

nur den Dunst ab, sondern sorgt ebenso für

appetitliche Duftnoten oder reinigt pollensicher.

Das Design wirkt in seinem Minimalismus

besonders stylish oder trumpft im

Gegenteil durch extravagante Farben und

Formen auf. Ähnlich wie bei den Spülen und

Armaturen, die jetzt dem Schwarzlook der

Küchen folgen. Die Messe in Ostwestfalen

bot gerade beim funktionalen Equipment

wieder überraschende Details.

36 möbel kultur 11/2019


Großes Foto: Zur IFA war die

Dunstabzugshaube „Aura 4.0 Ambient“

von Miele ein Highlight. Auf

Gut Böckel traf sie auf ebenbürtige

„Schwestern“. Rechts: Gerade das

große Angebot der Geräte- und Zubehör-Protagonisten

in den Messezentren

in Nachbarschaft zu den

Hausmessen der Küchenmöbler

machten die Tour durch Ostwestfalen

wieder lohnenswert.

Dem dunklen Timbre der

Küchen entsprechend (siehe

Messereport 1. Teil „möbel

kultur“ 9) setzen auch die Geräte,

Spülen und Armaturen zunehmend

auf Schwarz- und Grautöne. Ähnliches

gilt für die vorherrschenden

Metallictöne. Wobei die PVD-Beschichtung

Farbbrillanz und Schutzfunktion

gleichermaßen optimiert.

Ein Ausbruch aus der Farbharmonie

ist selten – dennoch steckt in vielen

Produkten Differenzierungspotenzial.

Und dies nicht nur optisch.

Bei den Geräten steht vor allem

smarter Komfort im Vordergrund,

nachdem Themen wie Dampfgaren

oder Pyrolyse und Muldenlüftung

zum Gemeingut geworden sind.

Kochassistenten und die Steuerung

über Apps machen nicht nur die

Kontrolle über die Technik bequemer,

sondern ermöglichen es auch,

markenspezifische Services einfließen

zu lassen – wie Rezepte, Tutorials

oder auch einen schnelleren

Kundendienst.

Ein ergiebiges Innovationsthema

ist weiterhin der Dunstabzug: Die

Filtertechnik wird anspruchsvoller,

zum Beispiel für Allergiker. Design

und Multimedia gehen weit über

die reine Funktion hinaus oder der

Purismus wird bis zur „Unsichtbarkeit“

perfektioniert. Gerade für

die neuen Muldenlüfter gibt es viele

innovative Ansätze, von Spezialfiltern

bis zur Stauraumoptimierung.

Für die Gestaltung der Küche

entscheidend bleiben die Arbeitsplatten.

Mit ihren beliebten Steindekoren

bzw. Echtausführungen in

Grau- und Brauntönen folgen sie

dem aktuellen Frontenspektrum

oder setzen sich durch Holz, Terrazzo

oder hellen Carrara-Marmor

bewusst ab. Hier können die Einschlüsse

und Maserungen gar nicht

individuell genug sein.

Alles in allem wurde auch bei

dieser Herbstmesse deutlich, wie

gerade die Entourage der Küchenmöbelindustrie

mit ihrer speziellen

Ausstattung die Würze für die notwendige

Marktvielfalt darstellt.

HEIKE LORENZ, SUSANNE KRAFT,

KRISTINA TAPKEN

11/2019 möbel kultur 37


HAUSMESSE SÜD

Hausmesse Süd: Intensive Sortimentsarbeit

Vorsprung

durch Tempo

Die Ware muss zügiger zum Endkunden kommen. Dieser

Aufgabe hatten sich einige Aussteller der Hausmesse Süd

gestellt. Heißt: effizientere Abläufe, um die Lieferzeiten zu

verkürzen, was natürlich nicht nur die stationären Händler,

sondern auch die Onliner freut. Darüber hinaus punkteten

die Teilnehmer wieder mit ihren attraktiven Showrooms.

Gwinner

Marke stärken

Unter dem Motto „Made in Black Forest“ stand die Hausmesse

bei Gwinner. Der Fokus lag auf dem Programm „Misano“ in

den drei unterschiedlichen Ausführungen Balkeneiche Anthrazit,

Fango und Weiß in Kombination mit massiv gebürsteter Wildeiche

sowie dem klassischen Planungsprogramm „Atena“. Ganz anders

als gewohnt überraschte die neue Brand Managerin Tamara

Gwinner-Henssler (rechts) zudem mit „Style“ (unten), ein modernes

Urban-Living-Konzept und Solitärprogramm in Balkeneiche

Natur mit Akzenten in Lack Anthrazit, Metall und Glas. Mit dem

Schnelllieferprogramm (in drei Wochen) soll der stationäre sowie

der Online-Handel bedient werden. www.gwinner.de

60 möbel kultur 11/2019


Nolte

Aufgeräumter Auftritt

Mit einer gehörigen Portion Selbstironie ging Nolte an den Start.

Unter dem Messemotto „Alles in Ordnung!“lagen in der Ausstellung

überall Kleiderhaufen, die nur darauf warteten, in den

zahlreichen Schränken intelligent verstaut zu werden. „Nolte ist

der Spezialist fürs Innenleben“, brachte Wolfgang Herrmann,

Verantwortlich für Marketing (l. mit Mitarbeiterin Sonja Brendel

und Jan Paschen, der Nolte neuerdings bei den Prozessabläufen

unterstützt) die Botschaft auf den Punkt. Neben

diversen cleveren Lösungen für diese Gestaltung macht das

Unternehmen aus Germersheim Druck bei den Lieferzeiten.

Neben dem völlig überarbeiteten System „Horizont“ sind

„Presto“ bei Nolte und „Swift“ bei Express als Schnelllieferprogramme

in nur fünf Tagen konzipiert.

www.nolte-moebel.de

FACTS

❯ Hausmesse Süd

❯ Geschäftsführer: Lars Bornschein

❯ Anzahl der Showrooms 2019: 11

❯ Unternehmen: Rolf Benz/Freistil/

Hülsta Sofa, Nagold; Breckle,

Bietigheim-Bissingen; Erpo, Donzdorf;

Gwinner, Pfalzgrafenweiler;

Himolla, Taufkirchen; Inter Link,

F-Seltz; Nolte/Express, Germersheim;

Paidi, Hafenlohr; Rauch,

Freudenberg; Ruf Betten, Rastatt;

Spectral, Pleidelsheim

www.hausmesse-sued.de

Breckle

Nachhaltig neu ausgerichtet

Schon lange hat sich Breckle ein starkes Standbein

im Discount-Segment erarbeitet, doch

auch im konventionellen Möbelhandel will das

Unternehmen mehr Marktanteile gewinnen. Zu

diesem Zweck wurde die Daueraustellung in

Bietigheim-Bissingen aktualisiert und deutlich

emotionaler aufgebaut. Wolfgang Burr (Vertrieb),

Geschäftsführer Sven Reber und Carolin

Watzl (Vertrieb/Marketing) freuten sich über

positives Feedback. Auch zu den neuen Themen

wie der CO2-neutralen Matratze, die aufmerksamkeitsstark

am POS inszeniert wird und perfekt in dem Zeitgeist zu

mehr Klimaschutz passt. Doch nicht nur das Innenleben der Produkte

stand auf dem Programm. Mit „Cotton made in Africa“ bietet Breckle

auch für die Bezüge eine natürliche Alternative. Und auch für den

Objektbereich zeigt sich das Unternehmen gut gerüstet – vom mittleren

bis gehobenen Segment, für das es eine Lösung mit vier Härtegraden in

nur einer Matratze gibt. Mehr zu Breckle auf S. 64. www.breckle.de

11/2019 möbel kultur 61


WESTFALEN/PEOPLE

1 2

1 Mutig preschte Monika Simon mit Carla

& Marge nach vorne und wurde sofort

als Geheimtipp auf der Messe gehandelt.

Nach Stationen u.a. bei Höffner und

Home24 machte sie sich selbstständig

und vermarktet nun ganzheitliche Lifestylekonzepte.

2 Besuch aus dem Süden:

Anja Zink und Volker Wannenwetsch vom

Einrichtungshaus Wannenwetsch aus

Gingen an der Fils im Informa-Zentrum bei

Daniel Wöstmann (r.).

3 Immer ein sehr erfrischender Branchen-

Austausch: Die Gespräche bei der Polipol-

Gruppe in Diepenau. Inhaber Gerd Hemmerling

(r.) hat als Marktführer sämtliche

Mitbewerber im Blick. Und weiß, welche

Themen bearbeitet werden müssen. Das

Team um Geschäftsführer Marc Greve (l.),

mit Marketingleiterin Jessica Schlechte

(M.), konnte eine außerordentlich gute

Hausmesse verzeichnen, in sämtlichen

Sortimentsbereichen. Derzeit steht zudem

die digitale Planung der Polstermöbelsysteme

im Vordergrund. 4 Nicht nur mit

der „Beach House“- Kollektion ganz weit

vorne, sondern auch mit gediegenem,

englischem Charme in feinem Leder goldrichtig

positioniert: 3C-Geschäftsführer

Jürgen Kleinegesse.

People, Party und Messetalk

Der

direkte

Draht

ist so

wichtig

3 4

Gerade im digitalen Zeitalter

wird das persönliche Gespräch

immer wertvoller. Dass sich die

Onlineanbieter dabei durchaus

viel Zeit dafür nehmen,

über Vermarktungskonzepte

zu reden, war überall zu hören.

Aber auch branchenfremde

Anbieter, z. B. von Lebensmitteldiscountern

wie Aldi oder

Rossmann, steuern zunehmend

die M.O.W. an. Die klassischen

Möbeleinkaufsverbände tun gut

daran, ihre Kontakte zur Industrie

zu pflegen, damit sie auch

weiterhin die erste Geige bei

den Herstellern spielen.

66 möbel kultur 11/2019


5 6

5, 6 und 11 M.O.W.-Geschäftsführer Bernd

Schäfermeier, hier mit dem geschäftsführenden

Gesellschafter der Messe

Ostwestfalen, Andreas Reibchen, freuten

sich über positives Feedback zur Messe,

aber ebenso zur 80er Jahre-Party, auf der

die Aussteller nicht nur ausgelassen im

typischen Turnschuhlook feierten, sondern

auch mit großem Spaß Autoscooter

fuhren. 7 Manfred Molis, Carina Schmidt

und Geschäftsführer Axel Brömstrup von

Maja (v. l.) zeigten sich sehr zufrieden mit

dem lancierten Garderoben-Bereich, der

nach der Premiere auf der „imm cologne“

noch einmal breit ausgestellt wurde.

7

8

8 Personalberater Thaddäus Rohrer (l.) ließ sich von Ralf

Hentschel, Geschäftsführer Collection C, das brandneue

Programm zeigen. Dieser war verblüfft über die strukturierte,

metallische Oberfläche, die in drei Varianten

präsentiert wurde. Gemeinsam mit Geha hatte Collection C

zu einem Get-together in den Showroom nach Hövelhof

eingeladen, um den Messemontag ausklingen zu lassen.

9 Einen runden Auftritt legten Loddenkemper und Femira

in Oelde ein knappes Jahr nach der Übernahme durch

Wiemann hin. Gut aufgestellt im systematischen Preisaufbau

sind sowohl die Schlafzimmer von Loddenkemper

als auch die deutlich moderneren und farbenfroheren

Polster- und Boxspringbetten von Femira, die Femira-Vertriebsleiterin

Dorothee Flay (M.) präsentierte. Durch

mehr Wertigkeit will sich der Bettenspezialist gegen

den Preisverfall stemmen. Neben Schränken zeigte

Loddenkemper-Vertriebsleiter Sebastian Schulte (l.)

auch Wohnmöbel, die breiter auf der „imm“ vorgestellt

werden. Alles unter der Regie von Jürgen Merkelbach (r.).

11

9

10

10 Fröhliches Aufeinandertreffen

in

Hövelhof: Geha-Geschäftsführer

Rolf

Henrichsmeyer (r.) im

Austausch mit Michael

Laukötter, Geschäftsführer

der Möbelmeile.

11/2019 möbel kultur 67


WESTFALEN/WOHNEN

Möbelmeile: 14 Marken und Firmen in neun Showrooms

Wohn-Zukunft live erleben

Fotos: Möbelmeile

Hamptons oder Timmendorfer

Strand? Egal, die „Beach House

Kollektion“ (oben) von Candy

(3C-Gruppe) trifft genau den

Zeitgeist.

Kompetenz im Schranksystem

zeigte Loddenkemper mit

„L-1000“ (unten).

Ein positives Fazit ziehen die 14

Teilnehmer der Möbelmeile

von ihrer diesjährigen Veranstaltung.

Für die Besucher war es

einmal mehr ein Festival der Trendthemen,

mit zum Teil überraschenden

Innovationen. Bestes Beispiel:

Thielemeyer, der nicht nur massive

Schlafzimmer, sondern erstmals

Badezimmer aus Vollholz mit

schicken Details präsentierte. Während

dieser Bereich bei Musterring

schon länger in der Kollektion verankert

ist, feierte die Marke mit dem

Thema Outdoormöbel ihr Debüt

(mehr dazu auf S. 81).

Auf neuen Wegen bewegte sich

auch Sudbrock mit einem noch

stärkeren Fokus auf das Segment

Schlafen. Auf diesem Gebiet von

jeher zuhause, aber seit letztem Jahr

mit Wiemann als neuem Inhaber,

zeigten Loddenkemper und Femira

sauber strukturierte Sortimente

mit zahlreichen Ideen, die sich

gut im Handel vermarkten lassen.

Viel Gespür für Zeitgeist zeigte

ebenso RMW, der nicht nur mit

Asteiche Bourbon und Lack Olivegrau

neue Töne jenseits der Standardeiche

anschlug, sondern auch

einen feinen Veloursstoff von Rohleder

für den Bereich Speisen parat

hielt. Funktionen und Bequemlichkeit

standen im Mittelpunkt der

hochwertigen Stühle, Sessel und

Tische von Mobitec.

Besondere Eyecatcher hatte

auch Schröno mit einer markanten

Bassetti-Kollektion sowie Schröder

mit kernigen Ergänzungen zu

„Kitzalm“, die echtes Alpenflair

ins Wohnen bringen. Demgegenüber

inszenierte die 3C-Gruppe

mit der „Beach House“-Kollektion

Strand-Feeling. Hussen und sanfte

Stoffe in legerer Polsterung stehen

für diesen Lifestyle mit frischer

Meeresbrise. Last but not least stellte

Röhr-Bush getreu dem Motto „Mix it

up!“ Büromöbel vor, die durch einen

Materialmix aus Eiche und Metall

modern und wohnlich zugleich wirken

(mehr dazu auf S. 80). Doch

neben den Möbelprogrammen ging

es einmal mehr ums Netzwerken.

„Es ist ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal

unserer Messe,

dass bei uns der individuelle Austausch

großgeschrieben wird. Im

Gegensatz zu großen Möbelmessen

legen wir einen besonderen Fokus

auf einen angenehmen und persönlichen

Rahmen für Gespräche“,

betont Michael Laukötter, Geschäftsführer

der Möbelmeile.

Und da Geselligkeit entlang der

Möbelmeile ebenso groß geschrieben

wird, ist schon jetzt klar, dass

im nächsten Jahr zum 25-jährigen

Bestehen der Marketinggemeinschaft

am 20 September eine Party

steigen wird. Save the date!

www.moebel-meile.com

78 möbel kultur 11/2019


Dass Sudbrock nicht nur

im Wohnen eine starke

Adresse ist, zeigte das

Unternehmen mit gleich

drei neuen Schlaf zimmer-

Programmen (oben).

Thielemeyer überraschte

mit einem massiven

Badmöbel programm

(rechts).

Mutig stellte RMW mit Asteiche

Bourbon einen dunklen

Holzton vor, der besonders in

der Bibliothek im XXL-Format

zur Geltung kam.

Die Trendfarbe Koralle hatten einige der Möbelmeile-

Teilnehmer in den Fokus gerückt. So auch Femira.

Ein neues Boxspringbett sorgte im Eingangsbereich

für einen besonderen Eyecatcher.

Italienische Haute Couture: Die

Schröno Polstermöbelmanufaktur

hat 2019 durch die Kooperation

mit dem italienischen Bettwäschehersteller

Bassetti ein besonderes

Farbhighlight zu bieten.

11/2019 möbel kultur 79


INTERNATIONAL/DELUX GROUP

Mit seinen Visionen

und Ideen hat

Gründer und CEO

Göran Sjöholm Delux

auf die Erfolgsspur

gebracht.

In den kommenden

Jahren erwarten wir ein

Wachstum von 30 Prozent.

Göran Sjöholm

Die Möbel-Größe

aus dem hohen Norden

Die Delux Group überraschte auf der M.O.W.

mit einem modernen und starken Auftritt.

Frische Ideen für den Schlaf- und Wohnbereich

bescherten dem Unternehmen mit Sitz

in Estland einen starken Auftragseingang. Die

möbel kultur“ machte sich vor Ort in Viljandi

ein Bild von dem Unternehmen und sprach mit

Gründer und CEO Göran Sjöholm, seiner Tochter

und Vice President Jenny Sjöholm, Lars Pierau,

Verkaufsleiter für Deutschland und Österreich,

sowie Innendienstleiter Viljar Laan über

den deutschen Markt, die aktuelle Geschäfts -

entwicklung, die Übernahme von Gomab 2018

und die Besonderheiten der Produkte.

94 möbel kultur 11/2019


Fotos: Kenno Soo; Anneli Hermanson

möbel kultur: Herr Sjöholm, Sie sind mehr

als 30 Jahre in der Möbelbranche – insbesondere

dem Schlafen-Segment – aktiv

und haben ein großes Unternehmen aufgebaut.

Mit welchen ihrer Marken sind Sie

in Deutschland aktiv?

Göran Sjöholm: Unsere Premium-Betten-Marke

ist Sjöholm. Sie wächst

Schritt für Schritt, insbesondere in

Finnland und in der Schweiz. Auch

in Deutschland ist Sjöholm seit kurzem

präsent – noch im kleinen Rahmen,

aber wir hoffen auch dort zu

wachsen. Unser Zugpferd ist Delux.

Unter dem Label fertigen wir konventionelle

Boxspringbetten. Und

die dazu passenden Kastenmöbel

für das Schlafzimmer ebenso wie

für andere Räume bieten wir mit

Gomab an. Unser Ziel ist es, das

Schlafzimmer aus einer Hand anzubieten.

Gomab und Delux machen

unser Hauptgeschäft in Deutschland

aus.

möbel kultur: Wer ist die Zielgruppe Ihrer

einzelnen Marken?

Göran Sjöholm: Für Sjöholm ganz klar

Premium-Einrichter, die höchste

Qualität und einen perfekten Komfort

schätzen. Unsere Delux- und

Gomab-Möbel richten sich insbesondere

an Einrichter ab 30 Jahren

aus jeder Einkommensschicht, die

ebenfalls Wert auf gute Qualität und

Komfort legen.

Lars Pierau: Wir haben für jeden

Menschen in jeder Lebenssituation

Betten im Angebot. Vom Single bis zu

Familien mit unserem 2,40 Meter

breiten Familienbett. Dank integrierter

Lift-Funktion eignen sich

unsere Produkte sogar für Senioren.

möbel kultur: Welche Marken erbringen

für Sie den meisten Umsatz in

Deutschland?

Göran Sjöholm: Unser Top-Label ist

Delux mit 30 Mio. Euro. Mit Gomab

setzen wir zusätzlich rund 10 Mio.

Euro im Jahr um. Die Fertigung

der Möbel ist handwerklich sehr

anspruchsvoll und aufwendig. Von

den deutschen Verbrauchern wird

das entsprechend honoriert.

möbel kultur: Gomab ist auf dem deutschen

Markt mit klassischen Landhausmöbeln

sehr erfolgreich. Auf der M.O.W.

haben Sie auch sehr moderne Möbel der

Marke Askala vorgestellt, die in Deutschland

bislang nicht bekannt war. Welche

Reaktionen gab es?

Göran Sjöholm: Askala gehört zu

Gomab und bietet zerlegte Möbel

Wir haben für jeden Menschen in jeder

Lebenssituation Betten im Angebot.

Lars Pierau

für preisbewusste, junge Menschen

an. Also ganz anders als bei Gomab.

Wir denken, dass Askala und Gomab

auch in Deutschland gut nebeneinander

bestehen können. Die

Reaktion der Fachbesucher auf der

M.O.W. hat uns das bestätigt. Der

Handel will beides. Zukünftig werden

Askala-Produkte deshalb auch

in Deutschland vertrieben.

Lars Pierau: Der Trend geht hin zum

moderneren Landhaus. Deshalb

haben wir für beide Marken frische

neue Kollektionen entwickelt. Mit

dem Landhaus- oder, wie wir ihn

nennen, dem Hampton-Stil, bedienen

wir eine Nische. Natürlich gibt

es auch einige Mitbewerber, aber

wir sind sehr gut in dem, was wir

fertigen und können uns entsprechend

erfolgreich behaupten.

möbel kultur: Sowohl Wohn- als auch

Schlafmöbel haben es auf dem deutschen

Markt nicht leicht. Seit wann sind Sie hier

vertreten und wie sieht Ihre geschäftliche

Entwicklung hierzulande aus? Wie viele

Handelspartner haben Sie und welchen

Umsatz erzielen Sie in Deutschland?

Göran Sjöholm: Ich will nicht sagen,

dass der deutsche Markt einfach

ist, aber wir sind dort erfolgreich.

Lars Pierau, ist

als Verkaufsleiter

für Deutschland

und Österreich

verantwortlich.

2012 waren wir mit Delux erstmals

mit einem eigenen Stand auf der

„imm cologne“ vertreten. Wobei

Delux schon seit rund 15 Jahren

in Deutschland vertrieben wird –

Gomab etwa 25 Jahre. Mittlerweile

haben wir insgesamt 1.000 Verkaufspunkte

in Deutschland.

möbel kultur: Zählt Deutschland zu ihren

Hauptmärkten?

Jenny Sjöholm: Ja, neben Skandinavien.

Beide liegen in etwa gleich auf. In der

Schweiz legt daneben unsere Marke

Sjöholm gerade gut zu. Auch Benelux

wächst sehr stark, ebenso wie Österreich.

Außerdem haben wir noch Verkaufspunkte

in Spanien, Italien und

Marokko. Nach Übersee zieht es uns

nicht. Wir wollen in Europa bleiben.

möbel kultur: Wo werden Ihre Produkte

in Deutschland vertrieben?

Lars Pierau: Der Großteil macht mit

rund 85 Prozent der stationäre Handel

aus. Ein kleiner Teil wird auch

online umgesetzt – entweder über

die Webshops unserer stationären

Partner oder großer Anbieter wie

Otto oder Wayfair. Allerdings muss

dazu gesagt werden, dass unsere

Betten ausprobiert werden müssen.

möbel kultur: Welchen Service bieten Sie

deutschen Handelspartnern?

Lars Pierau: Einen 3D-Konfigurator

in HD-Qualität haben wir schon im

Einsatz. Furnplan und die Möglichkeit,

die Bestellungen elektronisch

zu verarbeiten, ist derzeit in Realisierung.

Zudem sind wir sehr stolz,

das DGM-Zeichen zu führen und

wir haben den breitesten Typenplan

im Boxspring Bereich. Unsere Reklamationsquote

liegt bei gerade mal

einem Prozent – bei einer Zuverlässigkeit

von Lieferzeiten ab zehn

Arbeitstagen ist das sensationell.

möbel kultur: Das Thema Nachhaltigkeit

steht besonders bei deutschen Verbrauchern

hoch im Kurs. Inwiefern können Sie

diese Ansprüche bedienen?

Göran Sjöholm: Die Gesundheit unserer

Kunden ist uns sehr wichtig. Deshalb

werden wir bereits Ende dieses

Jahres die neuesten Anforderungen

an Formaldehyd erfüllen. Das bedeutet,

dass selbst in den Kopfteilen

unserer Betten nur Massivholz und

keine Spanplatten eingesetzt werden.

Das Holz, das wir verarbeiten,

stammt zudem aus FSC-zertifizierter

Forstwirtschaft. Da die Qualität der

Möbel schon bei der Auswahl des

Holzes beginnt, verwenden wir nur

Holz aus dem äußersten Norden

Finnlands. Durch die dort vorherrschende

Kälte ist es besonders stark.

Nicht zuletzt setzen wir auch nur

Farben auf Wasserbasis ein. Die hohe

Qualität unserer Materialien machen

wir für die Verbraucher auch sichtbar.

Wir ziehen keinen Stoff unter

das Bettgestell oder das Lattenrost.

Damit kann jeder sehen, dass wir

wirklich nur wertiges Massivholz

einsetzen.

Jenny Sjöholm: Für die gute Qualität

unserer Produkte haben wir auch

das „goldene M“ als Gütesiegel

erhalten. Und wen das noch nicht

überzeugt: Auf unsere Gestelle und

Federn geben wir 25 Jahre Garantie.

Um am POS auf die Vorteile unserer

Möbel hinzuweisen, haben wir nun

damit begonnen, ein kleines Booklet

zu entwickeln, das an jedes Bett

geheftet wird. Außerdem machen

wir dort unser Gütesiegel und das

Garantieversprechen sichtbar. Im

11/2019 möbel kultur 95


INTERNATIONAL

Vzor hat sich den polnischen

Design-Ikonen der 1950er Jahre

verschrieben. Die Entwürfe waren

ihrer Zeit damals weit voraus.

Warsaw Home: Möbelmesse mit 700 Ausstellern

Warschauer Wirtschafts-Power

Ein Blick auf die Warschauer Skyline genügt, um

zu begreifen, dass die polnische Wirtschaft nach

wie vor äußerst dynamisch ist. Insbesondere in

der Hauptstadtregion gibt es zahlreiche Bauprojekte

und eine zahlungskräftige Klientel für

Möbel. Für 700 Aussteller – sowohl polnische als

auch internationale – waren das Gründe genug

für eine Teilnahme an der Warsaw Home.

Während auf der Meble

Polska in Posen traditionell

die volumenstarken

polnischen Hersteller zu Hause

sind, hat sich das Team von Kasia

Ptak daran gemacht, die heimischen

Design-Labels und internationalen

Möbelmarken auf der Warsaw Home

in der polnischen Hauptstadt zu

versammeln. Die Messe fand Anfang

Oktober bereits zum vierten Mal

statt und hat sich mit nunmehr 700

Ausstellern in den fünf Segmenten

Design, Möbel, Küche, Giving

& Living sowie Innenausbau gut

entwickelt. Damit steht die Warsaw

Home symptomatisch für die

dynamische Entwicklung der polnischen

Wirtschaft, wie auch der

Star-Designer Tom Dixon feststellte:

„Es gibt hier einen ausgeprägten

Unternehmergeist, den es so aktuell

nicht in vielen Ländern der Erde

gibt.“ Das Wirtschaftswachstum

beträgt in diesem Jahr 4,2 Prozent,

für 2020 werden immer noch starke

3,6 Prozent erwartet. Im Bausektor

beträgt das diesjährige Wachstum

sogar stolze 6,5 Prozent. Und die

Arbeitslosenrate liegt bei niedrigen

3,5 Prozent. Ein weiteres Indiz für

die Konsum-Power unserer Nachbarn:

Der Durchschnittslohn ist

von 4.052 Zloty (umgerechnet 926

Euro) im Jahr 2016 auf 4.585 Zloty

(2018, 1.075 Euro gestiegen). Das

sind gute Rahmenbedingungen für

Möbelverkäufe.

Die Initiatorin der Warsaw

Home, Kasia Ptak, ist eine dieser

osteuropäischen Power-Frauen. Ihre

Eltern, Antoni und Agnieszka Ptak,

haben mit der Ptak Fashion City in

der Nähe von Lodz ein Vermögen

gemacht. In dem 1993 gebauten

Einkaufsareal für Groß- und Einzelhändler

verkaufen 2.500 polnische

Bekleidungsproduzenten und

Importeure ihre Waren. Seit vier

Jahren trägt nun auch das etwa 20

km vor den Toren Warschaus gelegene

Messegelände der Warsaw Expo

den Namen der Familie Ptak. Mittlerweile

beherbergt es 30 eigene

und 15 externe Messen jährlich. Mit

steigender Tendenz. Und bis auf das

Nadelöhr der Autobahnanbindung,

das zu langen Staus bei der Anfahrt

zur Messe führt, entspricht die Infrastruktur

höchstem internationalen

Niveau. Zumal das Messegelände

noch um zwei Hallen erweitert werden

soll, womit die Ptak Warsaw

Expo in die internationalen Top Ten

nach Ausstellungsfläche aufsteigen

würde. Die Designliebhaberin Kasia

Ptak hat es sich schon während der

Bauphase des Areals in den Kopf

gesetzt, eine Möbelmesse in Warschau

zu etablieren und überließ

dabei nichts dem Zufall: Das junge

Messe-Team lebt eine moderne

und frische Corporate Identity. Für

das Rahmenprogramm kommen

Designgrößen wie Richard Hutten,

Christophe Pillet, Stefan Diez

oder Karim Rashid auf die Messe.

Und parallel zur Messe findet die

Warsaw Design Week mit zahlreichen

Design-Events im Zentrum

der 1,8-Millionen-Einwohner-Metropole

statt. Dementsprechend

sagt Kasia Ptak rückblickend: „Die

Stärke und Größe der polnischen

Möbelindustrie haben mich dazu

inspiriert, die Warsaw Home zum

Leben zu erwecken. Schon die erste

Ausgabe hat bewiesen, dass ein solches

Event in Europa an dieser Stelle

gefehlt hat. Mein Ziel ist es, mit der

Warsaw Home in einem Maßstab zu

wachsen, der sich an Messen wie in

Mailand oder Paris orientiert. Heute

100 möbel kultur 11/2019


Schnittstellen-Managerin zwischen Ost und West: Halina Kasprzyk sieht

für deutsche Möbelhersteller gute Absatzchancen in Polen.

Parallel zur Warsaw Home finden in Warschaus Zentrum viele Events

und Ausstellungen im Rahmen der Warsaw Design Week statt.

Pawel Borowko, Geschäftsführer von Interform, sieht die Warsaw Home

auf dem richtigen Weg.

Die Messe- und Unternehmergene hat Kasia Ptak (o. M.) von

ihren Eltern, Antoni und Agnieszka Ptak, geerbt. Ihr Vater hat

in den 1990er Jahren ein Ausstellungsareal für die Textilindustrie

etabliert. Als ihre Eltern im Jahr dann das nächste

Großprojekt, das Messegelände im Südwesten Warschaus, in

Angriff nahmen stand für sie fest: Warschau soll eine Möbelmesse

von internationaler Bedeutung bekommen. Rechts:

Eine italienische Familienunternehmerin und Power-Frau,

die sich auf der Warsaw Home gut aufgehoben fühlt: Monica

Pedrali ließ es sich nicht nehmen, selbst vor Ort zu sein.

ist die Messe eine erfolgreiche Business-Plattform,

um internationale

Geschäftsbeziehungen zu knüpfen

und gleichzeitig ein Treffpunkt für

Liebhaber des schönen Designs.“

Das wollten sich in diesem

Jahr laut Angaben des Veranstalters

74.489 Besucher nicht entgehen

lassen. Die klare Mehrheit von 64

Prozent waren dabei Business-Gäste,

weshalb die Warsaw Home im kommenden

Jahr ihr B2B-Profil weiter

schärft. Während es in diesem Jahr

zwei B2B-Tage und zwei Endverbrauchertage

gegeben hat, werden

es vom 30. September bis 3. Oktober

2020 drei B2B-Tage und ein

offener Besuchertag sein. Insbesondere

auf Architekten hat es die

Messegesellschaft abgesehen, denn

in Polen überlässt man die Kaufentscheidungen,

was Möbel anbelangt,

gern den Profis – zumindest

ab einem gewissen Preis-Level. Alles

in allem belegte die Warsaw Home

120.000 qm brutto in fünf Hallen

– das entspricht 70 Prozent der zur

Verfügung stehenden Messe-Fläche.

Zu Beginn der Veranstaltung im Jahr

2016 waren es noch 400 Aussteller

auf gerade mal 24.000 qm Fläche.

Zudem denkt das Messemanage-


11 I 2019

DIENSTLEISTER

Virtuelle

Erlebnisse

Junge Zielgruppen

erwarten mehr

Foto: Messe Euroshop

Service

goes digital

Hermes setzt auf Tablets

in der Auslieferung

/// Planet: Steigende Umsätze durch Free Tax Shopping /// KPS: Neue Technologien

hautnah erleben /// Visa: Fokus auf kleinere Händler /// Kohlhepp: Geht kreative Wege in

der Mitarbeiterakquise /// Proxess: Was der Staat für Möglichkeiten bietet /// Trend

Report 2020: Wissen, was angesagt ist /// Sauter+Held: Effiziente Kundenakquise ///


DIENSTLEISTER

Alles in Echtzeit

Der persönliche Kontakt zu Kunden ist absolut wertvoll und auch in Zukunft,

schwer zu ersetzen. Dennoch fehlt es im Möbelhandel bislang an moderner

Retail Technology, die neue Erlebnisdimen sionen öffnet. Kassenloser Einkauf

oder mobile Apps, über die sich die Besucher in den Läden Informationen

holen bzw. Produkte reser vieren lassen können, sind nur einige der möglichen

Tools, mit denen eine neue digitale Ebene mit den Kunden aufgebaut

werden kann. Die Erwartungen diesbezüglich gerade junger Zielgruppen

sind hoch. Während der Euroshop in Düsseldorf, die vom

16. bis 20. Februar 2020 über die Bühne gehen wird, werden

die neuesten virtuellen Werkzeuge im Handel gezeigt. Seit

der letzten Veranstaltung vor drei Jahren hat sich viel

getan. Auf 127.000 qm stellen erneut rund 2.300 Firmen

ihre Trends aus.

Top-Themen

in diesem Special:

Hermes: Service goes digital

Planet: Mehr Umsatz durch

Free Tax Shopping

KPS: Die digitale

Transformation ist greifbar

Visa: „Wir verkaufen

mehr mit Karte“

Sauter + Held: Effiziente

Kundenakquise

ZUM TITEL

Die Euroshop, die im kommenden Februar in

Düsseldorf über die Bühne geht, wirft ihre

Schatten voraus: ein Muss für alle, die Erlebnis-

Inszenierungen suchen.

Doch nicht nur im Handel schreitet die Digitalisierung

weiter voran. In der gesamten Wertschöpfungskette

werden die Prozesse im High Tech-

Modus immer mehr optimiert. „Service goes digi-

tal“ lautet deshalb die Devise von Hermes und vielen

anderen Unternehmen, die bei der Auslieferung für mehr

Tempo und Transparenz in Echtzeit sorgen wollen. Während

im Möbelhandel vielerorts Tablets in der Beratung

noch längst nicht Standard sind, gibt die Logistik- Branche

Gas und stattet ihre Mitarbeiter entsprechend aus.

So geht konsequente Vernetzung!

RITA BREER

11/2019 möbel kultur 105


DIENSTLEISTER

Hermes Einrichtungs Service: Transparente Prozesse

Service goes digital!

Die zunehmende Digitalisierung ist vielfach eine Herausforderung, bietet aber,

richtig genutzt, zahllose Möglichkeiten, Prozesse effizienter, nachhaltiger und

kundenorientierter zu gestalten. Der Hermes Einrichtungs Service (HES) geht

mit dem Roll-Out von Tablets im Kundendiensteinsatz nun einen konsequenten

weiteren Schritt zur papierlosen Abwicklung und zur transparenten Echtzeitkommunikation

entlang der Prozesskette.

Neben der Auslieferung von

Möbeln und Großgeräten in

Verbindung mit optionalen

Anschluss- und Montageleistungen,

bietet HES seinen Handels- und

Industriepartnern der Möbelbranche

hochwertige Reparaturleistungen

von Polster- und Holzmöbeln an.

An jedem der rund 50 deutschen

Depots sind erfahrene Polsterer und

Tischler im Einsatz, um Gewährleistungsmängel,

und sonstige

Gebrauchs- und Transportschäden

zu bewerten und durch Reparatur

und Ersatzteilaustausch zu beheben.

Dies erfolgt soweit möglich

in der Kundenwohnung oder in

der depoteigenen Werkstatt. Somit

werden zeit- und kostenintensive

Retourentransporte vermieden und

schnelle kundenorientierte Lösungen

ermöglicht.

Oben: Über das 8-Zoll-Display des Tablets

sind Detailzeichnungen gut abbildbar.

Titelbild: Gut geschulte Mitarbeiter sorgen

für fachmännische Möbelmontage

und -reparatur.

106 möbel kultur 11/2019


Vielfältige Kompetenzen direkt

beim Kunden: Durch eine Reparatur

vor Ort können viele Retouren vermieden

und die Kundenzufriedenheit

sichergestellt werden.

Bereits seit 2015 setzen die Hermes

Zwei-Mann-Teams auf ihren

Ausliefertouren Handheld-Geräte

des Herstellers Zebra vom Typ „TC

75“ ein. Das handliche Gerät erfüllt

mit seiner robusten Bauweise und

modernsten Features alle Anforderungen

rund um die papierlose

Lieferabwicklung und die schnelle

Erfassung und Übertragung von

Daten. Bei der Auswahl eines passenden

Gerätes für den Reparaturund

Montageeinsatz war jedoch ein

größeres Display gefragt, um detaillierte

Zeichnungen und Anleitungen

darstellen zu können. Die Wahl fiel

auf das Modell „ET55“ von Zebra

mit einem 8-Zoll-Display, schützender

Außenhülle und leistungsfähiger

Scan-Einheit.

Dass die neuen Mobilgeräte und

die softwaregestützten Prozesse in

der Praxis gut angenommen werden,

bestätigt Ulrich Koch, beim

HES verantwortlich für den Bereich

Kundendienst: „Zwar sind vor allem

langjährig tätige Mitarbeiter anfangs

noch skeptisch, doch sind 99 Prozent

bereits nach kurzer Zeit mit den

Abläufen vertraut und wollen auf die

Vorteile der digitalen Abwicklung

nicht mehr verzichten.“

Die auf den Handhelds und Tablets

eingesetzte Software ist auf die Liefer-

und Serviceprozesse beim HES

maßgeschneidert und ermöglicht

eine optimale Unterstützung des

Personals in allen Arbeitsschritten:

- Navigation im Straßenverkehr

- Wiedergabe aller relevanten

Auftragsdaten und individueller

Durchführungshinweise

- Darstellung von Montageanleitungen

und Zeichnungen

- Zugriff auf Detailinformationen

zu den Artikeln über eingebundene

Versender-Webseiten

- Fotodokumentation von Schäden,

Reparaturergebnissen und

Serviceerledigungen

- Erfassung digitaler

Unterschriften

Sämtliche erfassten Daten und

Statusbuchungen werden in Echtzeit

übertragen und ermöglichen volle

Transparenz über den Auftragsfortschritt.

Eine automatische Übertragung

in Folgesysteme erleichtert die

Auftragsprüfung und Abrechnung.

FACTS

HES BIETET VIELFÄLTIGE SERVICES

RUND UM MÖBEL, HAUSHALTS- UND

SPORTGERÄTE

BEI LIEFERUNG

❯❯

Aufbau von Möbeln

❯❯

Montage von Cross-Trainern,

Laufbändern etc.

❯❯

Anschluss und Einbau von

Haushaltsgroßgeräten

❯❯

Entsorgung von Verpackungen,

Altgeräten und Altmöbeln

IM KUNDENDIENSTEINSATZ

❯❯

Erstellung von Reklamations- und

Schadensgutachten

❯❯

Möbelreparatur durch

Ersatzteilaustausch

❯❯

Durchführung von Polstererarbeiten

❯❯

Holzoberflächenreparatur

www.hermesworld.com

Fotos: Hermes

11/2019 möbel kultur 107


Als Marke für Möbelunternehmer spielt Interliving alle Vorteile gegenüber dem

Wettbewerb aus: Interliving Partner wissen, dass ausgezeichnete Kompetenz,

Beratung und Service die Basis für eine erfolgreiche Zukunft sind. Sie profitieren

dabei zu 100 % von der gemeinsamen Vermarktung.

Werden Sie ein Teil von Interliving!

www.interliving.de

www.einrichtungspartnerring.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine