RCKSTR Mag. #173

online.magazines

DAS LETZTE PRINTMAGAZIN DER WELT

n o 173

dez'19, jan'20

rckstr.ch

CHF 5 EURO 4.50


„ICH WILL NUR NICHT SO SEIN WIE EINER VON

DEN TRÖTEN, DIE ALLE DEN GLEICHEN SCHEISSSOUND

HABEN UND ALLE GLEICH AUSSEHEN.“

JAN BÜLOW IN

AB 23.01.2020

NUR IM KINO!


IMPRESSUM

EDITORIAL

CHEFREDAKTION

Michael Rechsteiner (rec)

REDAKTIONSPRAKTIKUM

Desirée Oberlin (desi)

SCHREIBER*INNEN

DIESER AUSGABE

Andy Meier (ame)

Christian K.L. Fischer (fis)

Jessica Jurassica (jj)

Lea Hofer (lea)

Luisa Bider (bibi)

Nadine Wenzlick (naw)

Rainer Etzweiler (rez)

Sascha Gala Mikic (jugo)

Schimun Krausz (shy)

Valérie Hug (vug)

GRAFIK & LAYOUT

Patrick Campolongo

ILLUSTRATIONEN

Bianca Frey

COVERFOTO

Yoshitaka Kono

KORREKTORAT

VERKAUF

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

PROPAGANDA & EVENTS

Jessica Fall

Thierry Klaus

Zoé Zimmermann

Petra Stankovic

Schön, dich wiederzusehen

«TikTok» ist ja schon längst nicht mehr nur der

zweitbeste Song in Keshas formidablem Liederkatalog.

Die gleichnamige App hat sich in den vergangenen

Monaten zu einem Phänomen entwickelt, das

– so scheint es zumindest auf den ersten Blick – fast

ausschliesslich von drei User-Gruppen mitgetragen

wird: Lipsyncende Kinder, groomende Pädos und

Firmen, die neulich gehört haben, dass TikTok der ganz neue heisse Scheiss wird

und sich deshalb einfach mal angemeldet haben, jetzt aber nicht so genau wissen,

was sie hier genau sollen und wie man das ganze zu Geld machen könnte. (RCKSTR

befindet sich noch in keiner dieser Kategorien, würde sich aber im Best Case Szenario

der dritten anschliessen.) Zuletzt geriet TikTok in die negative Presse, weil

gemutmasst wurde, dass die chinesische App womöglich vertrauliche User-Daten

direkt an die Regierung Chinas weiterleitet. Was natürlich eine absolute Sauerei

ist, weil unsere vertraulichen User-Daten gefälligst weiterhin an amerikanische

Tech-Konzerne abgeführt werden sollen.

So weit, so whaaateveeer. Inzwischen ist die Plattform aber auch zu einer ernstzunehmenden

Trendschmiede in Sachen Musik geworden – for better or for worse.

Definitiv for better, finden wir zumindest, ist dabei der Aufstieg von Ashnikko.

Ihr Song «Stupid» ging zuerst auf TikTok durchs Dach. Und nun hören so langsam

auch all jene hin, die auf ihrem Handy nicht auch das Programm mit dem Notenschlüssel-Logo

haben. Höchste Zeit also, bei der Sängerin und Rapperin mal durchzuklingeln

und der Sache auf den Grund zu gehen. Daneben herzen wir in dieser

Ausgabe auch das Überthema «Familie» und sind dafür unter anderem den Fragen

zu Mutterwerden, Kinderbands und Urlaub mit den Eltern nachgegangen

– damit es an den kommenden Festtagsessen (denen wir ebenso einen Survival

Guide gewidmet haben) auch ordentlich was mit den Mehr-oder-weniger-Liebsten

zu beschwatzen gibt.

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

3

DISTRIBUTION

Pit «Chemtrails» Kägi

♥, Michael

TEAM ROTKREUZ

Martin Schiess

Henna Matter

TEAM WÄDENSWIL

Monika Bestel

Walti Bestel

Katrin Widmer

PROMOGIRLS

Dario, Elise, Giuliano, Laurin, Lucy,

Melanie, Meret, Rahel, Räff, Rika,

Sabrina, Stephanie, Stéphie und Tobi

VERLAG

Youngcom AG

Blegistrasse 1

CH-6343 Rotkreuz

GESCHÄFTSFÜHRER

Joel Meier

ANZEIGEN

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

TEL +41 43 333 09 04

FAX +41 43 333 09 06

rockstar@rockstar.ch

www.rockstar.ch

Mediadaten, Infos und AGBs: www.youngcom.ch

REDAKTIONSADRESSE

RCKSTR Mag.

Sihlhallenstrasse 19

CH-8004 Zürich

TEL +41 43 333 09 05

FAX +41 43 333 09 06

redaktion@rockstar.ch

DRUCK

Die Wattenscheider

Medienvertriebs GmbH

D-44867 Bochum

VERTRIEB

Youngcom AG

Passive Attack GmbH

Modul Kultwerbung

ERSCHEINT 11 x JÄHRLICH

AUFLAGE 50’000 Ex.

LESER 115’000

(MACH 2012-2)

JAHRESABO CHF 69.-

abo@rockstar.ch

ABOVERWALTUNG

Zoé Zimmermann

Teilnahmeberechtigt an Wettbewerben, Preisausschreibungen und Verlosungen sind alle Personen. Teilnahme an allen Verlosungen (auch SMS) per Postkarte an

RCKSTR Mag., Wettbewerb «Betreff», Sihlhallenstrasse 19, 8004 Zürich möglich. Kontakt- oder persönliche Angaben sind nur für den internen Gebrauch bestimmt.

RCKSTR Mag. behält sich vor, die Teilnehmer auch in anderem Zusammenhang per Post, E-Mail oder SMS anzuschreiben. Sachpreise können nicht umgetauscht,

zurückgegeben oder in bar ausbezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es wird keine Korrespondenz geführt. Jegliche Verwendung des Inhaltes nur mit

schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Für unaufgefordert eingesandte Dokumente, Druckfehler und irrtümliche Versprechen/Angebote übernimmt der

Verlag keine Haftung. Member-Angebote so lange Vorrat. RCKSTR Mag. ist eine eingetragene Marke der Youngcom AG © 2017


#173 | DEZ 2019 & JAN 2020

RCKSTR Mag.

INHALT

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

FAMILIE

SEITE

14

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

FAMILIE

SEITE

18

Wer ist hier on board

mit Babys?

NACHWUCHSFÖRDERUNG

Für diese Acts sind

Konzerte ein Kinderspiel

FRÜH ROCKT SICH

4

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

SEITE

26

SEITE

28

Sphärische Beats

aus Bern

FAUX TALES

Ihr Wegweiser

zum Dancefloor

GEORGIA

PLUS

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

FAMILIE

Mama, Papa,

Urlaub und ich

34

Die besten Sofa-Styles

30

Wie weiter, Star Wars?

40

Lindenberg!

Mach dein Ding

42

Death Stranding

44

Es fliesst Blut

bei «BRCKSTR»

50

Und Jessica Jurassica hat

uns auch noch was zu sagen

12

HITMASCHINE TIKTOK UND

IHR ERSTER SUPERSTAR

Ashnikko

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

FAMILIE

SEITE

22

Harter Stoff

im Kino

PLATZSPITZBABY

SEITE

36

SEITE

52

Das X-TRA wird

zum Puppenhaus

MELANIE MARTINEZ

Friedliches Futtern

zur Festtagszeit

FAMILY DINNER

SURVIVAL GUIDE

SEITE

38

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ALLTAG

HIRNGESTÜRM

6

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

Was uns in letzter Zeit so

alles durch den Kopf ging

RCKSTR hat sich seit Bestehen einer

neutralen, faktenorientierten Berichterstattung

verschrieben, aber OH MY

SHIT: ES GIBT BABY-FISCHOTTER

IM ZOO ZÜRICH UND SIE SIND

DAS HERZIGSTE IM UNIVERSUM

ALLER ZEITEN, AAAAAAAH!!!

Herzliche Gratulation an die Eltern

Lulu und Tom. Moment, das Mami

heisst Lulu? Weil das lateinische

Wort für Fischotter «Lutra» ist? OH

MY SHIT, DAS IST SO HERZIG,

AAAAAAAAAAH!!!

(FOTO: ZOO ZÜRICH, SANDRO SCHÖNBÄCHLER)

Und der welke Tannenzweig für das

schlimmste Weihnachtsalbum 2019

geht an: Robbie Williams! Nicht nur

hat er ein Duett mit der unvermeidbaren

Helene Fischer aufgenommen,

sondern auch mit ... Tyson

Fury!? «Ehemaliger Boxweltmeister

im Schwergewicht, der mehr problematische

Dinge von sich gibt als der

rassistische Opa nach dem fünften

Eierlikör» Tyson Fury!? O-okay. Und

dass der Song nicht mal annähernd

der schlechteste auf «The Christmas

Present» ist, darf als das eigentliche

Weihnachtswunder bezeichnet werden.


Wir nehmen 10!

(Du auch? Gibts für

CHF 39.40 pro Stück auf

etsy.com/shop/Gallery94.)

Unsere Kolumnistin Jessica

Jurassica hat sich ja

bekanntlich einst das Tamedia-Logo

tätowieren lassen.

Leider ist das jetzt nicht

mehr aktuell, weil aus Tamedia

wird jetzt die TX Group

und das neue Markenzeichen

schaut aus, als hätte

sich ein Apothekenschild

durch einen Haufen Tetris-Klötze

gevögelt.

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

Kurz bevor wir diese Ausgabe in den Druck schicken

wollten, erreichte uns eine Postkarte, auf der

sich unser Lieblingswolkenrapper DAIF aus Buenos

Aires meldet. Weil wir nur noch auf dieser Seite

Platz haben, sei deshalb gesagt: Seine neue EP

IST seit dem 1. November

draussen. Allerheiligen, imfall! Unbedingt anhören.

Und wir lieben Postkarten, mehr davon, imfall!

7

Haben nicht schlecht gestaunt,

als wir neulich beim Zahnarzt

die neuste Ausgabe von jesus.chprint

gesehen haben: Wann hat

Jesus denn Kylie Jenner abgelöst?

Ist sein Feed auch voll mit Poolside-Pics

und Sponsored Content

für Hydro Lip Masks?


ALLTAG

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Meinl Groove Bell

Bäumchen Beute!

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

8

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alle Perkussionisten, die

mehr als nur ein Kling-Glöckchen

spielen wollen: Die Mike

Johnston Signature Groove

Bell von Meinl kommt im chicen

Vintage Look daher und verpasst

nicht nur Songs wie «Don’t

Fear the Reaper» den Extra-Kick,

äh, Klack.

Was diese

Festtage alles

auf die

Geschenkliste

muss

Heizbare Kuschel-Avocado

Zeige der kalten

Jahreszeit die warme

Schulter mit dieser schnuckeligen

Plüsch-Avocado. Für

den extra Knuddelkomfort lässt

sich das Kissen in der Mikrowelle

aufheizen und bleibt dank seiner

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die mit dir durch

dick und dünn gehen: Im

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UE steckt nicht nur verbesserte

Soundqualität, der 360°

Lautsprecher ist noch robuster

konstruiert und schwimmt bei

Bedarf auf Wasser – did

someone say POOL

PARTY!?

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

*Bescherung!

Wir verlosen die

schmucken Teile:

Zur Teilnahme trage

dich ein in unseren

Newsletter auf

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9

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Zuverlässig wie die Anzeigentafel

am Hauptbahnhof,

nobel wie ein Moscow

Mule in der russischen Botschaft:

Die Pure-Kollektion von Mondaine

nimmt sich dem klassischen «Swiss

Railway Clock»-Design an und

motzt dieses mit einer Edelstahl-Palette

(Gold, Silber,

Kupfer) auf.

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deiner Gegner noch viel

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leichte Verarbeitung der

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#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

10

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Deinen Adventskalender mit der täglichen

Dosis von eingeschmolzener Osterhasenschokolade

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kommenden Tagen lieber zu dieser Nascherei.

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Was diesen

Monat alles

mit ins

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muss

«HOW TO SEND SMOKE SIGNALS ...»

Wenn WhatsApp in einer nicht allzu fernen

Zukunft von Rauchsignalen abgelöst wird, schadet

es nicht, einen Rauchsignal-Account zu haben. Für

diesen braucht es, äh, was eigentlich? Dieses Buch

von Michael Powell verrät dir allerlei Survival-Talente,

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Ganz egal, ob Purple Rain oder Stardust from

Mars vom Himmel fällt: Die Schirme von Kayci

Wheatley halten dich trocken und lassen dich

dabei ganz schön glamourös ausschauen. Unsere

Favoriten aus der Kollektion sind David Bowie

und Prince, daneben gibt es aber auch noch die

Spice Girls, Mr. T oder, hach, die Golden Girls.

; CHF 42.- bei kayciwheatley.com

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

DESKTOP CURLING

Entgegen der einschläfernden Fernsehübertragungen

soll Curling ja ein ziemlich unterhaltsamer

Sport sein, übt man ihn denn auch selber aus. Mit

diesem Set steht man dabei nicht den ganzen Tag

in der arschkalten Eishalle, sondern kann direkt am

Küchentisch loscurlen.

; CHF 12. 80 bei firebox.com

GIN MAYONNAISE

Mayo have your attention: Diese Tube gehört in deinen

Kühlschrank, deinen Bag, deine Nachttischschublade und

ganz tief in dein Herz. Mayonnaise – mit einem Schuss

Gin! Die Wissenschaft hat den Code endlich geknackt

und verpasst unseren Sandwiches fortan +50 in Sachen

Geschmack.

; CHF 7. 60 bei ginmayo-online.com

11


ALLTAG

JESSICA JURASSICA

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

12

MOOD:

BEERDIGUNGEN LIVESTREAMEN

Nach zwei Monaten Buenos Aires zurück in der

Schweiz lief alles sehr gut. Ich freute mich, wieder

zuhause zu sein, bei meinen Mitbewohnern

und Freunden und auf der Nachtarbeit hinter

der Bar. Es ging mir gut. Aber nach zwei Wochen Ankunftseuphorie

holte mich der Herbst ein. Wie ein Stein

lag ich im Bett und ich wusste nicht, ob das jetzt eine

Grippe war, die nicht richtig ausbrechen wollte, oder

vielleicht war es auch PMS oder sogar eine ernsthafte

Depression. Ich war so müde, dass ich am liebsten tot

gewesen wäre, damit ich nie wieder aufstehen müsste.

Also lag ich in meinem zerwühlten Bett, das bei meiner

Ankunft noch so frisch gerochen hatte und jetzt nach

Fäulnis und kalter Asche stank. Ich starrte in die Luft

oder in das Display hinein und fühlte mich tot. Irgendwann

beschloss ich, dass das so nicht weitergeht und

versuchte mich zu erinnern, was mir bei sowas hilft, was

mir guttut. Das ist nicht ganz einfach, wenn man da mittendrin

steckt, weil dann hat man das Gefühl, als wäre

es einem nie gut gegangen und als würde es einem nie

wieder gut gehen.

Ich versuchte mich also aktiv aus dem Loch zu hieven. Ich

versuchte es mit Essen, mit Aufräumen, mit Tee trinken

oder Bier, Musik hören und rausgehen. Ich schrieb Hilferufe

in Chat-Fenster, bat darum, mir zu sagen, dass das

vorbei geht und weinte mich aus. Dann schaute ich den

KOLUMNE

kompletten Livestream einer indonesischen Beerdigung

als Watchparty auf Facebook, die ich per Zufall gefunden

hatte. Ich schaute zu, wie die Menge den mit Blumen geschmückten

Sarg von einem zum anderen Tempel trug,

wie der Imam, dessen Mikrophon ständig rückkoppelte,

gefühlt Doubletime betete, wie sie den Sarg in die Grube

legten und unter Erde begruben, das Ganze am Schluss

nochmals mit Blumen bedeckten, während der Imam immer

noch betete und hunderte Menschen mit ihm. Das

beruhigte mich irgendwie und es ging mir etwas besser.

Aber das einzige was wirklich hilft, bei diesen akuten

Depressionsschüben, die mich manchmal überfahren,

im Herbst oder auch im Frühling, ist menschlicher Kontakt.

Das Ausheulen im Chat, Nachtessen mit Freunden,

Arbeiten an der Bar. Oder kuscheln. Aber den Boy habe

ich in Buenos Aires zurückgelassen und in dieser Situation

einen Ersatz aufzutreiben gestaltet sich als nicht

ganz einfach. Vielleicht sollte ich auch einfach zum

Arzt, denn manchmal ist sowas nicht aus eigener Kraft

zu bewältigen. Und man kennt sie ja, die gutgemeinten

Ratschläge: Mach doch Sport oder Yoga oder Schokolade

macht auch glücklich. Sag das mal jemandem, die

an Depressionen erkrankt ist. Oder besser: sag es nicht,

denn diesen Bullshit will man nicht hören, wenn man ein

ernstzunehmendes Problem hat. Dann will man lieber

ernstgenommen werden. W

Wenn Jessica Jurassica nicht gerade führende Lifestyle-Influencerin auf dem Gebiet

voller Aschenbecher ist, schreibt sie auch für uns. Schono nett von ihr.


Passt zwar nicht ganz unter den Baum, zu weihnachten trotzdem ein Traum!

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ALLTAG

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

14

ANSICHTSACHE

87’851 Neugeborene: 45’013 Knaben, 42’838 Mädchen. Im Jahr 2018 kamen in der Schweiz im

Schnitt 240 Kinder pro Tag auf die Welt. Rund 240 Frauen, die täglich zu Müttern werden. Was heisst

es in der heutigen Zeit, Mutter zu sein? Oder eben keine zu sein? Arianne* und Anna* haben uns von

ihren Leben erzählt und gezeigt, dass es «den einen richtigen Weg» nicht gibt. Das Muttersein ist

eine Frage, die jede Frau für selbst beantworten muss. Zwei Perspektiven.

Von Luisa Bider und Valérie Hug

«Bei mir hat sich einfach nie ein Kinderwunsch manifestiert.

Manchmal hatte ich Angst, dass ich die Entscheidung später

bereuen würde, aber das alleine ist ja noch kein hinreichender

Grund, sich zu vermehren.» Arianne, 39, möchte keine

Kinder. Die gelernte Hotelière ist in einer festen Beziehung

und absolviert gerade in Paris ein Austauschsemester als Teil

ihres Linguistik-Studiums.

Für sie bedeutet ihre Entscheidung, dass sie frei über ihr Leben

entscheiden kann. «Ich habe ein starkes Bedürfnis nach

Unabhängigkeit, und mit einem Kind wäre mein Leben für

Jahre determiniert», sagt sie. Ihr Bedürfnis nach Unabhängigkeit

sei auch der Grund dafür gewesen, dass sie lange Zeit

single geblieben war. «Lange gab es auch keinen potenziellen

Vater, mit dem ich mir ein Kind hätte vorstellen können», sagt

sie. «Als der dann in mein Leben trat und auch keinen ausgeprägten

Kinderwunsch hatte, sah ich keinen Grund, ihn vom

Gegenteil zu überzeugen.»

Eine klare Entscheidung traf Arianne erst vor etwa vier Jahren,

als sie ein Zweitstudium begann. «Eines Tages, ohne bestimmten

Anlass, da ging es mir so durch den Kopf, dass ich

meinen Bachelor erst mit 40 hätte», sagt sie. «Mir wurde bewusst,

dass das etwas spät wäre, um Kinder zu bekommen.»

Und in dem Moment, da spürte sie, dass ihre Entscheidung

gefällt war, und dass sie sich richtig anfühlte.

Anna wollte schon immer Mami werden, das stand für sie fest.

«Warum genau, das habe ich mich selbst nie wirklich gefragt.

Als ich dann Emil* zum ersten Mal in meinen Armen gehalten

habe, hat plötzlich alles Sinn gemacht. Emil hat mir unbewusst

eine Antwort auf diese Frage gegeben.» Dass sie mit

Emil schwanger war, erfuhr Anna im Oktober 2014. Damals

war sie 25 und befand sie sich Mitten in ihrem Bachelorstudium

zur Dramaturgin. Ihren Freund Till* kannte sie seit knapp

acht Monaten. «Für mich war klar, dass ich das Kind behalten

werde. Till und ich haben von Anfang an darüber gesprochen,

was geschehen wird, sollte ich schwanger werden. In dieser

Zeit waren wir auch extrem unvorsichtig, wir waren frisch verliebt.

Doch wir wussten, dass es jederzeit passieren kann, und


«Ich habe keine Depressionen bekommen oder so. Trotzdem

aber hat es mich geschüttelt, mein Körper war nach der Geburt

Gemüse, und ich fühlte mich fremdbestimmt. Ich dachte

immer, dass ich als Mutter in der Lage wäre, mein eigenes

Kind zu beruhigen. Doch die Realität hat mich schlichtweg

ein wenig überfordert. Vielleicht war ich im Vorfeld ein wenig

zu euphorisch.»

Heute ist Anna 30, studiert seit zwei Jahren im Master an der

Zürcher Hochschule der Künste und hat im Mai 2019 ihren

zweiten Sohn Max* auf die Welt gebracht. «Ich finde das Mamisein

einfach grossartig. Du steckst zwar deine ganze Energie

hinein und gibst so viel, aber es kommt auch so enorm viel

Schönes zurück.» Deshalb glaubt sie auch, dass die Gründe,

um sich gegen das Mami-Dasein zu entscheiden, sehr tief gehen.

«Ich persönlich bin der Auffassung, dass dies ein Prozess

ist, mit dem man sich aktiv auseinandersetzt. Leider bin ich

noch nie mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die sich keine

Kinder wünscht. Ich glaube auch nicht, dass das falsch ist,

genauso wenig wie ich glaube, dass an meiner Entscheidung

etwas Verwerfliches ist. Aber mich würde ihre Haltung sehr

interessieren.»

Mehr Toleranz und Akzeptanz

Gegen das Muttersein an sich hat Arianne nichts einzuwenden.

«Es kann auch sehr schön sein und ich habe mich auch

schon gefragt, ob ich vielleicht etwas verpasse – so eine

bedingungslose Liebe erlebt man sonst wohl nicht.» Als leidenschaftliche

Tante pflege sie aber eine enge Beziehung

zu ihren Nichten, was für sie mehr als genug sei.Auf die Frage

hin, ob sie sich aufgrund ihrer Entscheidung auch schon

missverstanden oder falsch behandelt gefühlt hätte, verneint

sie. «Ich bin zum Glück erst selten für meine Entscheidung

kritisiert worden.» Sie wisse aber auch, dass es vielen anders

geht. «Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einer Frau,

die ebenfalls keine Kinder hat. Sie hat sich beklagt, wie oft

sie deswegen Vorwürfe höre und auch, dass ihre Eltern sie

unter Druck gesetzt hätten.»

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

15

es ist passiert», erzählt Anna.

Diese Haltung kommt nicht von ungefähr. Mit 16 Jahren wurde

Anna das erste Mal schwanger, hat sich damals jedoch für

eine Abtreibung entschieden. «Ich habe diesen Moment oft

bereut, doch das liegt jetzt hinter mir. Ich wusste nur, dass

ich so etwas niemals wieder tun möchte, vor allem nicht,

wenn ich 25 bin», sagt sie. «Als der Test positiv wurde, bin

ich erst einmal durchgedreht. Einen halben Tag später war

ich jedoch bereits Mami.» Bei Till habe das ein wenig mehr

Zeit gebraucht. Voll eingefahren ist es jedoch beiden, als sie

während der Schwangerschaft dachten, dass sie Emil verlieren

würden. «Das hat auch Till sehr getroffen. Spätestens ab

diesem Zeitpunkt war für uns klar, wie sehr wir uns auf Emil

freuten und wie wichtig er für uns schon geworden ist.»

Diese Freude, beziehungsweise ihren immer grösser werdenden

Bauch hat Anna auch gerne gezeigt. Allgemein war sie

sehr gerne schwanger und hat diese Zeit auch äusserst positiv

wahrgenommen. Das änderte sich jedoch mit der Geburt.

Während die Entscheidung für Arianne eher von persönlicher

Natur war und sich erst mit der Zeit entwickelte, gibt

es für andere auch übergeordnete Gründe, die sie zu einem

kinderlosen Leben bewegen. Mit dem Buch «Kinderfrei statt

kinderlos: ein Manifest» sorgte etwa die deutsche feministische

Autorin Verena Brunschweiger im vergangenen Jahr

für Diskussionen. Sie führt den Umweltschutz als schwerwiegendstes

Argument gegen das Kinderkriegen auf. In

England wurde gar eine Bewegung namens «Birthstrike» ins

Leben gerufen, um die Dringlichkeit der Klimakrise zu unterstreichen.

Obwohl sich Arianne nicht mit diesen Bewegungen

identifiziert, seien ihr auch schon verwandte Gedanken durch

den Kopf gegangen. «Ich denke mir manchmal schon auch,

dass mich viele Dinge, die auf der Welt schieflaufen, komplett

fertig machen würden beim Gedanken daran, dass ich

da Nachkommen hinterlasse.»

Wenn es um die gesellschaftliche Stellung von Müttern geht,

findet Arianne, dass Frauen nach wie vor stark zurückliegen.

«Neben einer grösseren Auswahl an Betreuungsmöglichkeiten

und der Vereinbarkeit von Karriere und Kind glaube ich,

dass dringend ein Paradigmenwechsel nötig ist», sagt sie.

Auch wenn es um Dinge wie die Haushaltsarbeit geht, schienen

Frauen noch immer viel mehr zu leisten als Männer (vgl.

Grafik). «Immerhin hat man das Gefühl, dass da jetzt ein Wandel

stattfindet und sich jüngere Paare die Betreuung immer

mehr aufteilen.»

Anna und Till sind ein solches Paar. Doch wenn Anna von

ihrem Freund, ihrer Familie und ihrem Arbeitgeber erzählt,

verwendet sie immer das Wort Glück. Wie viel Glück sie doch


ALLTAG

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

hätte, dass Till so gerne Vater ist. Wie glücklich sie ist, dass

ihre Familie hinter ihrer Entscheidung steht. Und wie viel

Glück sie bei ihrer Arbeit im Café gehabt hätte. «Das ist leider

alles noch immer nicht selbstverständlich. Ohne die Unterstützung

aus unserem Umfeld hätten wir vieles nicht geschafft,

der Alltag wäre nicht zu bestreiten gewesen», erzählt

Anna. Nicht alle aber hätten gleich positiv auf ihre Schwangerschaft

mit Emil reagiert. Vor allem hätten sich die Unterschiede

bei ihren Freunden gezeigt. «Die einen haben sich

mit mir und Till gefreut, andere wiederum hatten für unsere

Entscheidung weniger Verständnis. Das hat sich auch gezeigt,

als Emil dann da war. Als ich wieder einmal im Ausgang war,

wurde ich komisch angeschaut, und jemand sagte, ich sei

doch jetzt ein Mami.» Das stimme zwar, doch allein der Fakt,

dass sie jetzt ein Kind hat, definiere sie noch lange nicht als

Person. «Im Studium wurde meine Schwangerschaft dagegen

extrem schön aufgenommen. Es herrschte ein sehr familiäres

Verhältnis und ich war Anna, nicht einfach nur ‹die Schwangere›.»

In dieser Zeit hätte auch Emil ihr viel Kraft gegeben.

Anna wurde selbstbewusster, selbstsicherer und stand mehr

für sich ein.

Als Emil dann auf der Welt war, wurde vieles anders. «Plötzlich

hatte ich einen geregelten Tagesablauf, war nicht mehr so

flexibel und hatte auch weniger Zeit für meine Freunde und

die Beziehung zu Till. Das Ganze hat aber auch seine positive

Seiten: Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen.» Damit meint

Anna etwa die Entscheidung für ihr Masterstudium. Ohne Emil

hätte sie einfach einmal ins Blaue hinaus etwas gewagt und

geschaut, ob es passt. Mit Emil aber wusste sie, dass diese

Entscheidung gründlich überlegt sein musste. Dass sie wieder

ein Studium aufnehmen konnte, ist den beiden Grossmüttern

von Emil und vor allem auch Till zu verdanken. «Für mich war

es extrem wichtig, dass ich am Anfang nicht ein ‹Gluggere›-Dasein

führte und mit Emil alleine war, sondern dass Till

und ich gemeinsam Eltern werden konnten. Wir waren komplett

gleichberechtigt. Deshalb bin ich auch der Überzeugung,

dass eine Elternzeit extrem wichtig für eine Familie ist.» Denn

für Anna heisst über das Muttersein zu sprechen, sich auch

mit dem Vatersein auseinanderzusetzen. «Ich glaube, es würde

zu weniger Trennungen führen, wenn Paare die Gelegenheit

hätten, die erste Zeit gemeinsam bestreiten zu können

und zusammen zu wachsen. Und es wäre extrem wichtig für

das Selbstbewusstsein des Vaters.»

Dass sich in diesem Punkt auf gesellschaftlicher Ebene etwas

ändern muss, ist für Anna klar. Aber auch, dass Mütter

in der Gesellschaft anders wahrgenommen werden sollten.

«Als Mutter kannst du es eigentlich nur falsch machen. Bleibst

du länger zu Hause, bist du nicht emanzipiert. Stehst du für

dich selbst ein und willst wieder eine Karriere aufnehmen,

bist du eine Rabenmutter. Damit hadere ich selbst ja auch. Es

ist ein ständiges Abwägen zwischen der Zeit mit meinen Kindern

und meinen anderen Bedürfnissen», sagt sie. Bei diesem

Punkt sei es auch wichtig, dass sich Mütter gegenseitig unterstützen,

statt einander zu kritisieren. Auch eine gewisse finanzielle

Sicherheit würde vielen Familien extrem helfen. Auf die

Frage, was sie sich am meisten wünsche, antwortete Anna:

«Mehr Toleranz und Akzeptanz. Und dass einem das Gefühl

entgegengebracht wird, dass es okay ist, in der heutigen Zeit

ein Mami zu sein.»

*Name geändert

16


VATER- UND MUTTER-

SCHAFTSURLAUB

Am 18. Oktober 2017 hatte der Bundesrat die Initiative

«Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen

der ganzen Familie» dem Parlament zur Ablehnung empfohlen.

Als Hauptgrund führte er das Mehr an Kosten auf,

welche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft beeinträchtigen

würden. Am selben Tag fasste der Bundesrat

den Entschluss, das Projekt «Sion 2026» – die Schweizerische

Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026

– zu unterstützen, und zwar mit einem Budget von rund

einer Milliarde Franken. Die Frage wurde laut, für wen der

Bundesrat eigentlich Politik mache – für Mütter, Väter, Kinder

und Familien oder für Olympia-Sponsoren und Sportmillionäre.

Wie ging diese Geschichte weiter? Was können

wir in Zukunft erwarten? Und wie schlägt sich die Schweiz

im Ländervergleich?

Bislang war einzig der Mutterschaftsurlaub gesetzlich

geregelt. Ist eine erwerbstätige Frau neun Monate vor

der Geburt bei der AHV versichert und hat während fünf

Monaten ihrer Schwangerschaft gearbeitet, so erhält

sie einen Mutterschaftsurlaub von mindestens 98 Tagen

(14 Wochen) und 80 Prozent des Lohnes in der Form

von Taggeldern. Väter hingegen erlaubte die gesetzliche

Regelung 1-2 Tage, beim Bund angestellte erhielten

deren zehn. Die Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub

– zum Nutzen der ganzen Familie» verlangte

vier Wochen Vaterschaftsurlaub. Unterstützt wurde der

Vorstoss von vier Dachverbänden (Travail.Suisse, Männer.

ch als Dachverband von Mütter- und Väterorganisationen,

Alliance F und Pro Familia Schweiz) sowie über 160 Organisationen.

Vielen Politikerinnen und Politikern waren

die vier Wochen jedoch zu viel. Da aber auch ein Tag zu

wenig ist, kam es zu einem Gegenentwurf von zwei Wochen

Vaterschaftsurlaub. Im Mai 2019 hat der Ständerat

entgegen der Empfehlung des Bundesrates diesen mit 26

zu 16 Stimmen angenommen. Im September 2019 folgte

der Nationalrat mit 129 zu 62 Stimmen. Daraufhin hat das

Komitee seine Initiative zurückgezogen und vom Bundesrat

die Umsetzung des neuen Gesetzes innert neun Monaten

(per 1. Juni 2020) gefordert. Zu den weiteren Gegnerinnen

und Gegnern des Vaterschaftsurlaubs gehören vor

allem SVP-Parteiangehörige, einzelne FDP-Räte sowie die

Wirtschaftsverbände. Indes war sogar die Finanzkommission

des Nationalrates der Auffassung, dass die durch den

zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub zusätzlich entstehenden

Kosten von jährlich ca. 229 Millionen Franken tragbar

seien.

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Grafiken von Luisa Bider mit flourish.studio

Doch mit den gewonnenen zwei Wochen ist das Thema

noch nicht vom Tisch. Die Rede ist von einer gemeinsamen

Elternzeit. Bereits 2016 wurde diesbezüglich schon

ein Vorstoss gemacht. Die vier Dachorganisationen haben

derzeit jedoch noch unterschiedliche Vorstellungen der

genauen Dauer einer solchen. Fest steht jedoch, dass es

fix reservierte Anteile für beide Elternteile gäbe (bei Müttern

mindestens 14 Wochen) und einen Teil, der unter den

Eltern nach eigenem Willen aufgeteilt werden könne. Dies

ist bereits schon in Schweden, Dänemark und Frankreich

der Fall. Hier haben Väter neben der Elternzeit das Recht

auf weitere Freistellungstage. In England beläuft sich der

Vaterschaftsurlaub auf zwei Wochen, in Spanien auf 13

Tage beim ersten, bzw. 15 Tage ab dem zweiten Kind. In

Deutschland und Österreich gibt es dagegen keinen gesetzlichen

Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub. Noch

schlechter geregelt ist es in den USA. Hier existiert nicht

einmal ein gesetzlich geregelter Mutterschaftsurlaub. Das

führt dazu, dass viele Mütter bereits zwei Wochen nach

der Geburt auf den Arbeitsmarkt zurückkehren. In der

Schweiz ist das Müttern frühestens acht Wochen nach der

Geburt erlaubt. (vhu)


MUSIK

MUSIKALISCHE

FRÜHERZIEHUNG 2.0

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Kein Bock auf Schni-Schna-Schnappi

und Bob der Baumeister? Inzwischen

gibt es Kindermusik, die so

gut gemacht ist, dass sie sogar für

Erwachsene klargeht.

von Nadine Wenzlick


Wie könnte man es jemals vergessen, das erste

Konzert? Bei Laurent Aeberli, eine Hälfte des

Zürcher Duos Laurent & Max, war es eine Show

von Green Day in Basel. «Ich muss da ungefähr elf Jahre

alt gewesen sein und war mit Schulfreunden aus dem

Gymnasium da», erzählt er. «Ich weiss noch, dass

die Band zu diesem Triumphmarsch eingelaufen

kam. Danach spielten sie gleich ‹American

Idiot› und die Leute sind reihenweise umgefallen,

weil es eine riesige Welle nach

hinten gab.» Für die meisten kommt das

erste «richtige» Konzerterlebnis im Teenageralter

– doch wenn man mal ehrlich

ist, geht die musikalische Sozialisation

schon viel früher los, und zwar im Kinderalter.

LAURENT & MAX

Kindermusik gab es schon immer. In Deutschland ist Rolf Zuckowski

so etwas wie der Vater aller Kinderlieder, in der Schweiz standen

Schtärneföifi rund 20 Jahre lang für eine Mischung aus Rock, Pop,

Jazz und Salsa-Klängen. Doch mittlerweile gibt es massenweise gutes

neues Zeug. Also nicht traditionelle Kindermusik mit Blockflöte

und nervtötenden Refrains. Auch nicht «Schni-Schna-Schnappi» oder

der Titelsong von «Bob der Baumeister», von denen man Ohrenbluten

kriegt, wenn die lieben Kleinen sie in Dauerschleife hören, sondern

richtig coole Sachen. Echte Musik, nur eben auf Kinderohren

zugeschnitten.

Genau solcher Musik haben sich Laurent & Max verschrieben. Angefangen

hat alles vor neun Jahren.»„Max und ich organisieren in Zürich

jedes Jahr das Lauterfestival», erzählt Aeberli. «Bei der dritten

Ausgabe stellten wir fest, dass alle unsere Kollegen spielen, nur wir

nicht. Also haben wir beschlossen, selbst auch aufzutreten. Es gab

aber nur noch einen Slot nachmittags draussen. Und weil zu der Zeit

vor allem Eltern mit ihren Kindern kommen, haben wir drei Kinderlieder

geschrieben und aufgeführt.» Dafür texteten Laurent

Aeberli (Gesang und Cajon) und Max Kämmerling

(Gesang und Gitarre) kurzerhand bekannte

Hits um: «Let It Be» von den Beatles wurde

zu «S'Znünibrot», «Born To Be Wild» von

Steppenwolf zu «S'Mami häts gseit» und «Sweet Home Alabama» von Lynyrd

Skynyrd zu «D'Zweierreihe» – allesamt versehen mit frechen Mundarttexten.

«Wir wollten, dass die Musik nicht nur den Kindern gefällt, und

wir dachten, wenn wir die Erwachsenen mit den Melodien abholen, die

sie kennen und früher vielleicht mochten, dann haben wir sie auch im

Sack», so Aeberli. «Gleichzeitig werden die Jüngeren an die Hits von früher

herangeführt. Weil es unsere Songs ja damals noch nicht zu kaufen

gab, war unsere Hoffnung, dass die Eltern den Kindern Zuhause dann die

Originale zeigen und so eine Art Dynamik entsteht.»

Greatest Hits, generationenübergreifend

Tatsächlich kam der Auftritt von Laurent und Max so gut an, dass sie beschlossen,

weiterzumachen. Sie spielten auf Sommerfesten, in Schulen,

auf Partys, bei Freunden oder auch richtigen Musiklokalen. 2018 erschien

schliesslich ihr erstes Album «Greatest Hits». Ihrem Konzept, grosse Hits

kindgerecht neu zu interpretieren, sind sie darauf treu geblieben, allerdings

gesellen sich zu alten Klassikern von Queen, ABBA und den Rolling

Stones auch aktuelle Songs von Miley Cyrus, Lady Gaga, Faber und Birdy.

Die Zielgruppe von Laurent und Max ist im Grundschulalter – irgendwo

zwischen der vierten und sechsten Klasse. «Neulich haben wir aber auch

als Support von Faber gespielt und da waren gar keine Kinder im Publikum»,

erzählt Aeberli. Ihre Show kam trotzdem an. «Unser Anspruch

ist eben, nicht nur Dödelmusik zu machen. Wir sagen auch immer, wir

spielen ganz normale Konzerte. Es gab schon Momente, wo uns der Veranstalter

dafür kritisiert hat, dass wir zu wenig Animation gemacht haben,

also Sachen wie Tanzen oder Mitklatschen. Aber wir machen keinen

Zirkus, wir machen Musik.»

Laurent & Max sind damit keineswegs alleine. Unter dem Namen D!E

GÄNG macht Ohrbooten-Sänger Ben Pavlidis zusammen mit seiner Tochter

und ihren Freunden sowie Gästen wie Johnny Strange (Culcha Candela)

und Robert Gwisdek (Käptn Peng) eingängige Reggae-Musik fürs Kinderzimmer.

Für moderne Kinderlieder – von ruhig bis rockig, von albern

bis anspruchsvoll – steht auch die Compilation-Reihe «Unter meinem

Bett». Mittlerweile gibt es fünf Teile, zu den bisher vertretenen Musikern

gehören Ärzte-Drummer Bela B, Dokter Renz von Fettes Brot, Das Bo,

Clueso, Pohlmann, Andreas Dorau, Olli Schulz, Gisbert zu Knyphausen,

Enno Bunger und Deniz Jaspersen von Herrenmagazin. Und dann sind

da noch Deine Freunde aus Hamburg – die Überflieger in Sachen coole

Kindermusik. Seit 2012 schreiben sie Kinderlieder mit feinsten Beats und

einer grossen Portion Wortwitz.

Und am Ende bleiben die Eltern

Auch bei Deine Freunde fing alles ganz zufällig an. Florian Sump, früher

Mitglied der Gruppe Echt, arbeitete damals als Erzieher und wollte einen

Song für die Kinder in seiner Kita aufnehmen. Dafür besuchte er das

Studio des Musikproduzenten Markus Pauli, seines Zeichens Live-DJ von

Fettes Brot. Gemeinsam mit dem späteren Tigerenten-Club-Moderator

Lukas Nimscheck spielten sie das Lied «Schokolade» ein. Mit dem Ergebnis

waren sie so zufrieden, dass sie beschlossen eine Band zu gründen.

«Wir haben schon gedacht, dass das vielleicht ein paar Leute ganz lustig

finden würden, aber es gab nie das Konzept Weltherrschaft – und da sind

wir ja jetzt kurz davor», lacht Lukas Nimscheck.

In der Tat füllen Deine Freunde in Deutschland inzwischen die grössten

Hallen und wurden gerade auch als Juroren für die neue Staffel von «The

Voice Kids» bestätigt. Der Grund für ihren Erfolg: Deine Freunde heben in

ihren Songs nicht den Zeigefinger, sondern verbünden sich mit den Kids.

Es geht nicht darum, die Kinder zu erziehen, sondern ihre Gefühle und

ihren Alltag mit viel Wortwitz abzubilden. Das gilt auch für ihr fünftes

Album «Helikopter», das gerade erschienen ist. Irgendwo zwischen lässigem

Hip-Hop, eingängigem Pop, Elektro-Sounds á la Deichkind, Autotune-Effekten

wie bei Rapper RIN und Falko-Sprechgesang rappen die drei

von nervigen Eltern, die ständig Fotos machen wollen («Cheese»), von

schlechten Aprilscherzen («April, April») und angsteinflössenden Hausmeistern

(«Wenn der Hausmeister kommt»). Wie schaffen sie es, die Kinder

in ihrer Lebenswelt abzuholen? „Das meiste sind echt Erinnerungen.

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MUSIK

DEINE FREUNDE

Viele Eltern- oder Schulhofsprüche sind einfach geblieben“, so Nimscheck.

«Und auch das Gefühl, ein Kind zu sein, ist das gleiche wie vor 30 Jahren.»

Doch nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern finden sich auf «Helikopter»

wieder – zum Beispiel, wenn es um «Elternvertreterwahl in der Kita»

oder das «Kater vs. Vollrausch»-Gefühl frisch gebackener Eltern geht. «Die

Eltern waren schon immer da, es ist inzwischen fast 50/50 auf unseren

Shows», erklärt Nimscheck. «Warum sollten wir die Hälfte unseres Publikums

ausschliessen? Deswegen gibt es auch immer ein paar Elternsongs.»

Im Zweifel, das haben Deine Freunde inzwischen gemerkt, sind die Eltern

vielleicht sogar die treueren Fans. Denn so cool die Musik von Deine Freunde

auch ist – spätestens mit der Pubertät entwachsen die Kinder ihr und

finden neue Vorbilder. «Tatsächlich trifft das die Eltern am härtesten»,

grinst Nimscheck. «Für uns ist es gar nicht so schlimm, denn es kommen

ja neue Fans nach. Wir lesen aber immer wieder von Fan-Mamas, die auf

Facebook übrigbleiben, alleine und abgeschlagen, weil ihre Kinder inzwischen

weitergezogen sind zu RIN. Aber statt darüber traurig zu sein, freuen

wir uns eher, dass wir Teil ihrer Kindheit sein durften.»

Ob man zwangsläufig mehr Kind bleibt, wenn man sich permanent mit

Kindermusik und -themen beschäftigt, wissen Deine Freunde selbst nicht

so genau. «Ich kann aber sagen, dass es unheimlich viel Spass macht und

für mich persönlich viel erfüllender ist, als wenn wir zum 30’000 Mal

über unerfüllte Liebe singen würden“, sagt Sump. «Wir sind ja ständig

auf der Suche nach neuen Themen. Das ist wahnsinnig erfrischend und

künstlerisch auch herausfordernd.» Was sind denn die kindlichsten Züge,

die Deine Freunde sich bewahrt haben? «Flos kindlichster Zug ist auf

jeden Fall seine Krüschheit was Essen betrifft und Pauli wird super wütend,

wenn er Hunger hat. Mein kindlichster Zug ist, dass ich innerhalb

von einer Minute schlagartig müde werde und dann auch sofort ins Bett

muss», verrät Nimscheck. «Eine Sache, die Kinder machen, haben wir

uns aber auch antrainiert: Sachen, die uns stören, sprechen wir sofort

an. Das gilt sowohl beruflich als auch persönlich. Weil es sonst nämlich

zu Missverständnissen kommt. Wir können das nur empfehlen, es stärkt

auf Dauer das Vertrauen.» Ein bisschen Kind bleiben ist also gar nicht

so schlecht.

Noch 4 Acts, für die wir eigentlich schon längst zu alt sind und trotzdem heimlich gerne hören

Schlieremer Chind

In den amerikanischen Ghettos entstand

einst der Gangsta-Rap, das einzige

Ghetto der Schweiz brachte dagegen

den bekanntesten Kinderchor des

Landes hervor. (Wir fürchten deine

wütenden Leserbriefe nicht, Schlieren!)

Seit 1957 trällern die Schlieremer

Chind ihre Vorstadt-Hymnen und sind

damit längst Teil der nationalen DNA

geworden. Ihr musikalisches Hörspiel

«Mir gönd in Zoo» ist dabei so was

wie ihr «Appetite for Destruction» und

sollte in jedem Schweizer Haushalt

sein, selbst wenn dieser über keinen

Plattenspieler verfügt.

Heavysaurus

Wie sagte schon in «Jurassic Park»

der weise Dr. Ian Malcolm: «Headbanging,

uh, finds a way». Oder so ähnlich.

Wer also seinen Nachwuchs auf

den ersten Besuch vom Wacken Open

Air vorbereiten will, nimmt ihn am

besten auf einen Gig von Heavysaurus

mit. Nicht nur sehen die Kostüm-Dinos

aus, als könnten sie die Teletubbies

in einem Happs verdrücken, ihr früherzieherischer

Symphonic Metal gibt

auch musikalisch was her: Fürs Album

«Rock’n’Rarrr» verteilten die Kollegen

vom Metal Hammer immerhin vier von

fünf Sternen.

Devo 2.0

In Sachen schrulliger Coolness können

es noch immer nur wenige Bands mit

Devo aufnehmen, jene stilbildende

New-Wave-Combo, die ab Ende der

Siebziger Jahre Musikgeschichte mit

Hits wie «Whip It» oder «Girl U Want»

machte. Dass ihre Songs aber nicht

nur für hippe 80s Kids funktionieren,

sondern, nun ja, ganz normale Kids,

beweisen Devo 2.0: Die für Walt

Disney Records gecastete Teenieband

nahm unter der Regie von Original-Devo

deren Songs neu und kindgerecht

auf. Das Projekt floppte zwar, putzig

anzuhören ist es aber allemal.

Rockabye Baby!

Pop-Historie als Gute-Nacht-Geschichte:

Die Album-Compilation-Reihe

«Rockabye Baby!» verwandelt bekannte

Rock- und Popsongs in instrumentale

Schlaflieder. Das funktioniert

mitunter überraschend gut – insbesondere

dann, wenn der ausgewählte

Künstler durchaus abwegig erscheint.

So war die erste «Rockabye Baby!»

mit der Musik von Coldplay noch

keine allzu grosse Kunst, schliesslich

nicken wir doch alle bei «Yellow»

weg. Doch gibt es inzwischen auch

Versionen für die Musik von Metallica,

Tool, Iron Maiden und The Doors.


PRESENTED BY

VOLBEAT NIGHTWISH

BRING ME THE HORIZON

DISTURBED

HEAVEN SHALL BURN

KILLSWITCH ENGAGE BABYMETAL

OF MICE & MEN AGNOSTIC FRONT

SKINDRED HOT WATER MUSIC

THY ART IS MURDER AUGUST BURNS RED

JINJER BETONTOD

MOTIONLESS IN WHITE LAGWAGON

BURY TOMORROW BOSTON MANOR

I N T E R L A K E N

11. – 13. JUNI

WWW.GREENFIELD FESTIVAL.CH


MUSIK

As

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TikTok: Wenn die Uhr

auf Durchbruch zeigt

So verdient der plötzliche Durchbruch von Ashnikko

auch ist, so überraschend kam er nicht nur für sie

selbst. Aber wenn der eigene Song zum Meme wird,

dann kann der Erfolg auch über Nacht kommen – TikTok

macht’s möglich. Nicht alle können daraus eine Karriere

schmieden, aber wir wetten darauf, dass Ashnikko

gerade erst angefangen hat, die Welt zu erobern.

von Christian K.L. Fischer


hnikko

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«Oh Baby, ich habe mehr als genug Lieder für ein Album!»,

lacht sie am Ende des Interviews, als wären Sorgen um die

Zukunft das letzte, was ihr durch den Kopf geht. Wir haben

Ashnikko am Flughafen erwischt, direkt nach der Sicherheitskontrolle

und vor dem Boarding des Fluges, der sie wieder

zurück nach London bringen wird, und dieses Lachen müsste

eigentlich die Aufmerksamkeit aller anderen wartenden Passagiere

auf sie lenken – wenn sie diese nicht schon längst hat,

mit ihren blauen Haaren und einer Ausstrahlung, die nicht nur

zufällig dazu geeignet ist, Männern, die sich Frauen überlegen

fühlen, sofort die Eier abzutrennen. Etwas, das sie in ihrem

Video zu dem viralen Hit «Stupid» noch gröber handhabt: Sie

zieht mit einem Hammer von Haus zu Haus und erledigt ihre

Exfreunde (die noch immer dem Glauben nachhängen, dass

Ashnikko sie irgendwie vermissen würde – schwerer Irrtum!)

mit brutalen Hieben, als wäre sie eine Mischung aus Harley

Quinn und Jason Voorhees: «Stupid boy think that I need

him», rappt sie und ja, erklärt sie, sie hatte bei dieser Zeile

einen ganz speziellen Ex vor den Augen, der sie klein halten

wollte und auf diese Art zu verbalem Geschnetzeltem verarbeitet

wird.

Auf die harte Tour

Was jetzt die Incels der Welt wieder aufheulen lassen wird,

die, wie es in der Natur der Sache liegt, natürlich wieder gar

nichts verstanden haben. Denn Ashnikko ist keine Männerhasserin,

sie sieht nur so klar wie wir, dass es einfach zu viele

Idioten gibt. Umso mehr schätzt sie die anderen, wie zum Beispiel

Danny Brown, mit dem sie bis vor kurzem durch die USA

getourt ist. «Das ganze war wunderschön, es war so nice»,

freut sie sich. «Danny war einfach sehr warmherzig und wie

ein Bruder»“ Einer, der sich mehrfach auf dieser Tour auch als

ein solcher erwiesen hat, denn erst nach der letzten Show

gestand er, dass auch er Sorgen hatte, wie sein überwiegend

testosterongesteuertes Publikum auf Ashnikko reagieren würde.

«Die ersten Shows waren in Texas und ein paar Typen haben

immer gestört. Einige haben auch Sachen nach mir geworfen.

Aber das habe ich erwartet.» Danny hat sie derweil

immer verteidigt (wovon es schöne Videos online zu sehen

gibt) und nie an seiner Entscheidung, Ashnikko mitzunehmen,

gerüttelt. Und Ashnikko selbst ist sowieso nicht leicht zu erschüttern.

No money to spend, no fucks to give

Denn geboren wurde sie in der Normi-Welt von Greensboro,

North Carolina, um im Alter von 13 Jahren brutal aus diesem

Kosmos hinaus gerissen zu werden und mit ihrer Familie nach

Osteuropa zu ziehen – erst nach Estland, dann Lettland. Kulturschocks

inklusive. Mit 18 machte sie sich dann allein nach

London. «Ich lebe da jetzt seit fünfeinhalb Jahren. Es ist nicht

nur mein musikalisches Zuhause, ich habe da meine besten

Freunde.» Und dort begann sie auch, die Musik zu verfolgen,

sich durchzukämpfen, ihr Talent am Mic zu entwickeln. Zwei

EPs erschienen und Fans sammelten sich um ihren Sound

zwischen Pop-Bangern und dunklen Trap-Tracks. «Ich bin

sehr obsessiv», sagt sie, «meine Mutter wollte, dass ich zumin-

23


MUSIK

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

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dest zur Uni gehe, aber das wollte ich auf keinen Fall!» Schon

von Anfang an strahlte alles an Ashnikko diese «I Don’t Give A

Fuck»-Attitüde aus, die man nur Punk nennen kann. Was natürlich

auch den grossen Labels nicht entging. Auftritt Warner

Music. Auf eine gewisse Weise hat sie dort in diesem Jahr

ein Zuhause gefunden, das sie nie gesucht hat. Denn

das letzte, woran sie Interesse hat, ist Teil einer alten,

männerdominierten Welt wie dem Musikgeschäft zu

werden. Doch auf der anderes Seite: «Ich war letztlich

allein in London, ohne Geld – und sie unterstützen

mich.»

App zum Erfolg!

Das aber ihre neuste EP «Hi, it’s Me» gerade durch

die Decke geht, hat viel mehr mit der Lipsync-

App TikTok zu tun als mit der Medienmacht

eines Majors. Denn dort geriet der Song «Stupid»

zu einem Hit. «Ich habe einen zwölf Jahren

alten Bruder, darum wusste ich natürlich

was TikTok ist, aber ich hatte es bis dahin nie

genutzt.» Innerhalb von drei Wochen gab es

schon Millionen Posts, die ihren Track genutzt

hatten, und Ashnikko kennt sogar die Person,

die das erste Video zu ihrem Song hochgeladen

hat. «Wir sind in Kontakt», lacht sie nur.

Dass andere das Video aufgriffen, auf ihre

Art interpretierten und verbreiteten, sorgte

dafür, dass nicht nur die Streamingzahlen

in die Höhe schossen, sondern auch ihre

Follower auf allen anderen sozialen Medien.

«Ich bin seit Jahren auf Instagram, aber

meine Beziehung dazu hat sich gerade geändert.

Ich bekam 170’000 neue Follower

allein in den letzten Wochen dazu», und

ihr neuer, eigener TikTok-Account erreicht

bald die halbe Million Fans.

Darunter sind aber auch viele, die

ebenfalls einfach einen Hammer

in den Schädel verdient

hätten.

Haters? Laters!

Denn wie immer kommen

mit einem viralen Hit auch

die Hater aus ihren Löchern

und lassen ihren Hass auf Ashnikko

regnen – es sind die üblichen

Verdächtigen. «Viele Kommentare

sind ekelerregend und hasserfüllt, wie

überall im Netz», und die Angriffe gehen

ihr manchmal durchaus nah – wie sollten

sie auch nicht, wenn sie Nachrichten

bekommt, die wollen, dass sie sich

umbringt, die ihr sagen, dass sie hässlich

und das letzte sei? «Ich habe meine

eigenen Mechanismen, damit umzugehen.» Dass

muss sie auch, denn jetzt will die ganze Welt ein

Stück von Ashnikko haben. Zur Zeit kommt sie nicht

eine Sekunde zur Ruhe, nicht einmal im Wartebereich

eines Flughafens ist sie vor der Presse sicher.

Wir entschuldigen uns! «Ich muss mal ein langes

Nickerchen machen», lacht sie „Aber es ist alles

fein – ich habe lange darauf hin gearbeitet.» Und

das bringt uns wieder zurück zu dem Album, auf

das alle jetzt warten und vor dem Ashnikko als

letztes Angst hat. Sie ist bereit. Mal sehen, ob

die Welt das auch ist.

TikTok: Hier spielt jetzt die Musik von Morgen

Innerhalb von einem Jahr wurde die chinesische App TikTok von einem

Nischen-Spass für Millionen Teenager zum wichtigsten Multiplikator der

Musikindustrie, was spätestens seit «Old Town Road» von Lil Nas X auch die

trägsten Geister verstanden haben dürften. Warum aber ein Song zum tanzbaren,

nachgesungenen Meme und dadurch aus einem scheinbar beliebigen

Track ein weltweiter Hit wird, lässt die meisten im Business noch immer ratlos

zurück. Was natürlich kein gutes Zeichen ist, wenn man bestimmen will, was

in den Charts landet – also beginnen die Konzerne mal wieder, Geld auf die

Influencer mit den meisten Reichweiten zu werfen.

Aber der Reihe nach: TikTok ist eine Mischung aus Vine und Musical.ly (deren

Benutzer TikTok übernommen hat), eine Plattform, auf der man 15 Sekunden

lange Videos zu Musik hochladen kann und die anfangs niemand auf dem

Schirm hatte. Mittlerweile macht das Unternehmen jedoch YouTube Konkurrenz

und ist sogar eine Bedrohung für Mark Zuckerbergs Imperium geworden,

das an Gegenstrategien werkelt.

Einer der wichtigsten Vorteile für den User ist es, dass es bei TikTok recht einfach

ist, in kurzer Zeit viele Follower zu sammeln und «berühmt» zu werden –

schon weil die Videos inzwischen zu weit mehr genutzt werden als einfach nur

zum Lipsyncen und für Comedy. Einige Besonderheiten im Algorithmus sorgen

ausserdem dafür, dass nicht nur Lieder gepusht werden, die sowieso schon

erfolgreich sind, sondern vor allem neue Tracks, was zu Phänomenen wie

«Old Town Road» oder eben «Stupid» führt, die man aus der umfangreichen,

lizenzierten Musikbibliothek herauspicken kann. Das System belohnt es, eine

originelle Auswahl zu treffen. Im Gegensatz zu anderen Apps und Plattformen

kann TikTok dadurch selbst auch ganz bewusst Themen in der Community

pushen, etwas, das offensichtlich auch genutzt wird. Das alles macht die App

zum gegenwärtig wichtigsten Meme-Produzenten der Gegenwart und somit

die Musik in seinen Videos zwangsläufig zum Erfolg.

Dass ByteDance, die Firma hinter TikTok, nun daran arbeitet, einen eigenen

Streaming Service aufzubauen, ist bei zirka 1.5 Milliarden Downloads der App

nur konsequent. Wie immer steht es in den Sternen, ob sich dieser Erfolg fortsetzen

wird, aber mindestens noch 2020 wird kein Weg an TikTok vorbeiführen

– ausser man ist über 18 oder man hat nichts mit der Musikbranche zu tun.

Dann einfach weiter machen wie bisher!


MUSIK

FAUX

TALES

PRÄSENTIERT

EDM FÜR

ALLE

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Elektronische Musik kann so vielseitig sein wie sonst

wenige andere Stilrichtungen. Das kann auch dazu verführen,

einen eigenen Mix aus diversen Genres zu kreieren.

Genau das macht Faux Tales mit seiner Musik.

von Desirée Oberlin

Gern würde man dem Berner Künstler ein Genre-Label zuordnen, aber irgendwie

funktioniert es nicht. Ist es Ambient? Ist es Dubstep? Drum’n’Bass? Oder

Musik für einen noch zu drehenden Film? Man kann den Sound, den Faux Tales

schafft, nirgends klar einordnen - was dafür sorgt, dass man in seinen Tracks

immer wieder Neues entdeckt.

Die Macht der Internets

Faux Tales aka Timo Loosli tüftelt schon eine ganze Weile an seinem Sound

herum. Im Jahr 2014 erhielt er zum ersten Mal weltweit Aufmerksamkeit. Sein

Track «Atlas» wurde kurzer Hand auf dem angesagten YouTube-Kanal «MrSuicideSheep»

gefeatured, erlangte so mehrere Millionen Klicks und machte Timo

Loosli zum ersten Mal ausserhalb der Schweiz bekannt. Nach zwei EPs und

seinem Debütalbum vor vier Jahren lieferte Faux Tales nun im Oktober neue

Tracks zum Schwelgen. «Hiraeth» nennt sich sein neustes Werk und lädt dazu

ein, sich in dieser umtriebigen Welt nach hinten zu lehnen und einfach mal nur

hinzuhören.

Heimweh nach einem Zuhause, das man nie hatte

Der Name «Hiraeth» erklärt einem auch schon die Grundstimmung des Albums:

Das Wort kommt aus dem walisischen und kann streng genommen nicht wirklich

übersetzt werden - es soll aber so viel bedeuten wie die Sehnsucht nach einem

Zuhause, das nie wirklich so existiert hat. Mit Songtiteln wie «Home» oder

«Farewell» widerspiegelt Faux Tales dieses sehnsüchtige Gefühl gleich doppelt.

Wie dagegen das biblische Ungeheuer «Behemoth» sich einen Song auf dem

Langspieler ergattert hat, bleibt das Geheimnis des Künstlers.

Ambient mit analogem Touch

Wer einen umfassenden Einblick in das Schaffen von Faux Tales haben will,

macht am besten einen Abstecher auf sein Instagram-Profil. Neben wunderbaren

Landschaftsbildern, die passende Covers zu seinen Tracks sein könnten,

findet man kurze Videoclips von den Aufnahmen der einzelnen Songs. Nicht

alles wird nur am Computer produziert: Viele Sound-Elemente entstehen bei

Faux Tales organisch und verleihen der Musik einen eigenen Touch – sei es das

Klavier, eine Gitarre, ein Cello oder eine Geige. Die Instrumente, die man raushört,

werden nicht bloss am PC imitiert, sondern in Natura eingespielt und zu

einer eigenen Klangwelt verpackt.

AMBIENT-DUB

FAUX TALES

HIRAETH

Wer behauptet, EDM sei langweilig,

sollte sich wirklich dringend mal mit

Faux Tales neuem Longplayer auseinandersetzen.

Und auch gängige Vorurteile gegenüber Dubstep

lassen sich mit dem neusten Werk des Berners ausgezeichnet

abbauen. Denn durch die beseelten Ambient-Elemente in seiner

Musik lässt dich der Soundtüftler immer wieder in eine eigene,

fantastische Welt abdriften. (desi)

Wwwwv

Für Fans von: Four Tet, M83, Skrillex


SAMSTAG, 7. MÄRZ 2020

LANGSTRASSE ZÜRICH

30+ ACTS 10+ LOCATIONS

TICKETS: STARTICKET.CH

RADARFESTIVAL.CH

#RADAR2020


REVIEWS

DANCE POP

GEORGIA

SEEKING THRILLS

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

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Wenn man in Berlin tanzt, dann bleibt das nicht ohne langfristige Wirkung.

Es kann sogar die Welt auf den Kopf stellen: «Total! Wir waren

in der Renate und im Berghain und dann wieder in der Renate … ich

habe vier Tage nicht geschlafen. Dabei war ich nüchtern! Aber das geht

dort, denn alle sind wirklich da, um zu tanzen.» Dass sich das auf ihre

Musik auswirken würde, hat Georgia nicht überrascht – auch wenn es

auf etwas subtilerer Weise durchscheint. Denn «Seeking Thrills» ist kein

Techno- sondern ein Popalbum, das auf einem massiven Fundament von

Beats aufblüht, die sich eher auf die Wurzeln dieser Szene beziehen,

den funkelnden House der 80er. Und bei einem Musiknerd wie Georgia

geht das sogar noch tiefer: Wer erinnert sich denn an den belgischen

Beitrag mit u.a. Front 242 und der Electric Body Music? Aber klar, wenn

man die Tochter von Neil Barnes von Leftfield ist, wächst man mit einer

Spur mehr Wissen auf. «Popmusik lebt heute auf den Beats, die damals

entstanden sind. Wenn du einen Dua-Lipa-Song hörst, dann geht der

letztlich auf Frankie Knuckles zurück.» Und genau dieses Essenz wollte

sie mitnehmen. «Wie hat Frankie mit nur drei Elementen einen Track

konstruiert? Ich weiss nicht genau warum, aber ich glaube, ich wollte so

Freiraum für meine Stimme entstehen lassen. Auf meinem ersten Album

dachte ich noch nicht, dass ich eine Sängerin bin. Ich hatte kein Vertrauen

in meine Stimme.» Jetzt hingegen hat sie die Stimme zu einem

Feature gemacht. «Die Leute wollen einen interessanten Gesang hören

und eine gute Bassline und einen klaren Beat. Und das wurde in den

Achtzigern perfektioniert von Bands wie Depeche Mode und eben bei

Chicago House. Es ist simpel – aber komplex.» Und vor allem: Man kann

sich dazu bewegen. Man muss sogar. Denn was Georgia letztlich mir

ihrem neuem Album erreichen will, ist doch wirklich ganz einfach: Du

sollst dich empowerd fühlen und gefälligst tanzen als wärst du im Berghain,

du Musiknerd! (fis)

wwwwv

Für Fans von: Robin, Olga Bell, Róisí

LIVE: 28.2., Exil, Zürich

SYNTHIGER INDIE-

DREAM-POP

VIVIN

KAOS

Aus klassischem Indie-Pop

werde Indie-Electro-Pop,

das haben sich wahrscheinlich

Vivin gedacht, als sie ihrer ersten Band Giantree

den Rücken kehrten. Die zwei Damen und der

Herr aus Wien haben ihren Stil nicht wirklich

verändert, sondern eher verschoben. Was vorher

gitarrenlastig war, ist jetzt synthielastig. Mit

ihrem Debütalbum unter neuem Namen hat

das Trio ein Stück Musik geschaffen, das nicht

unbedingt neue Wellen schlägt im Genre, aber

durchaus schön anzuhören ist. Zur elektronischen

Mischung aus Dream-Pop und Indie lässt

es sich auf jeden Fall gut tanzen. (desi)

wwwwv

Für Fans von:

Foxygen, Tame Impala, Neon Indian

POPSOUND-BASAR

COLDPLAY

EVERYDAY LIFE

Garantierte Radio-Hits

wollen

Coldplay auf ihrem

achten Album nicht

anhäufen (Ausnahme: «Orphans»), sie haben

ja auch schon genug davon. Stattdessen schürfen

die Engländer nach neuen Inspirationen,

Genres, Stimmungen. Und davon haben sich

in der vierjährigen Studio-Pause eine Menge

angesammelt: Mal zupft Lo-Fi-Chris solo an der

Jack-Johnson-Gedenkgitarre, dann beschwört

der Gospelchor eine vorweihnachtliche Stimmung

oder rollen orientalische Rhythmen den

Coldplay-typischen Wohlfühlteppich aus. Mit

«Everyday Life» bricht die Band definitiv aus

ihrem musikalischen Alltag aus. (rec)

wwwwv

Für Fans von:

Florence + The Machine, Gotye, elbow

APOKALYPTISCHER

SCI-FI-STONER-PUNK

MONO VOID

REFLECTIONS

Wenn wir eine selbstverschuldete

Apokalypse

vertonen

müssten, hätten wir den perfekten Soundtrack

bereits gefunden. Geliefert wird dieser

nämlich von den Zürchern Mono Void. Starke

Gitarren-Riffs mit harten Drums, eingängigem

Bass und einer rotzigen Stimme, die dir Geschichten

vom Weltuntergang ächzt, so muss

Stoner-Punk-Rock – oder wie sie selbst noch

anfügen Sci-Fi-Rock – klingen. «Reflections» ist

ein Album, das nur so strotzt vor subtiler Gesellschaftskritik

und einer Wucht an Musik, die

einem umhaut. Wo das herkommt, gibt es bestimmt

noch mehr! (desi)

wwwwv

Für Fans von: Liars, Clinic, Kyuss


Special Demotape Clinic Partner

Media Partner

DEMOS WANTED!

Jetzt eure Songs einreichen! Die Demotape Clinic, der Nachwuchswettbewerb

für Schweizer Popmusik des Migros-Kulturprozent, sucht die besten Songs

ambitionierter Künstler*innen. Eine Auswahl der spannendsten Tracks aus den

vier Kategorien Pop, Rock, Urban und Electronic wird am 20. und 21. März

2020 am m4music Festival in Zürich präsentiert. Profis aus der Musikbranche

geben den Musiker*innen ein direktes Feedback. Zu gewinnen gibt es

FONDATION-SUISA-Awards im Gesamtwert von 17’000 Franken, Radio-

Airplay und die Aufmerksamkeit der Schweizer Musikszene!

Anmeldeschluss: 12. Januar 2020 – Details und Anmeldung: m4music.ch

Cobee, Winner Demotape Clinic 2019, Category Urban


STYLING

Couch Couture

High-End-Fashion für den

kommenden Winterschlaf

Vor, während und nach den Feiertagen beginnt für uns tradtionsgemäss jene Zeit, in der wir uns in sehr

warme und sehr hässliche Stoffe hüllen sowie das Sofa einzig für den Weg zum Bett verlassen. Sowohl

das Barometer als auch unsere «Fucks Given»-Skala erreichen dann ihren Null-Punkt und wir tauschen

ausgefeilte Ästhetik gegen kuscheligen Komfort. Hier also unsere absoluten PRIME PIECES fürs stilechte

Überwintern, denn wahrscheinlich wird uns eh nur der Pizzabote darin sehen müssen. Für den maximalen

Effekt am besten alles gleichzeitig tragen. (rec)

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BAUCHTASCHE

«CANDY SHOP: DONUT»

Wenn es etwas gibt, das

Menschen viel häufiger tun

sollten (mal abgesehen von so

Sachen wie «Nett zueinander sein»

und «Abfall trennen»), dann ist es das

Tragen von Bauchtaschen in den eigenen

vier Wänden. Darin lassen sich dann

nämlich überlebenswichtige Snacks

stets griffbereit lagern und der Gang

zur Küche (das sind drei Meter –

mindestens!) wird in drei von

vier Fällen überflüssig

CHF 12.- BEI FYDELITYBAGS.COM

DOLLY PARTON ONESIE

Der Hermelinumhang

eines Trailer Park Kingdoms:

Einst sang Dolly Parton

von einem «Coat of Many Colors»

und dieser Strampler hat shit tons

of colors. Dieser Dress lässt die Welt

wissen: Wozu nach draussen, wenn

mich dort eh nichts spannenderes

erwartet als ein geflügeltes

Possum beim Angriff auf eine

Waffle House Filiale.

CHF 120.- BEI RAGEON.COM

SCHLAFMASKE «FUCK OFF»

Hätte Dornröschen ihre

Lider einst mit diesem schicken

Stöffchen bedeckt, würde

sie noch heute bequem und mietfrei

ihren Schönheitsschlaf schlummern.

Stattdessen wurde sie von diesem

Deppen-Prinzen wachgesabbert und

nicht mal mit einem Frühstück am Bett

überrascht. Dieser strumpfhosiger

Mistkerl, blieben seine Manieren

im Dornenwald hängen oder

was!?

CHF 10.- BEI ZEROFSCLOTHING.COM


HAUSSCHUHE «SLOTH»

Natürlich wäre es

uns noch lieber, wenn

sich echte Faultiere an unsere

frierenden Knöchel klammern

und liebevoll jeden Zehen einzeln

aufwärmen. Aber dann wären wir nicht

viel besser als diese Zahnarzt-Arschlöcher,

die in Afrika Elefanten abknallen.

Deshalb begnügen wir uns mit diesen

flauschigen Finken und wandeln

dabei wie auf Wolken – struppige,

kackbraune, müffelnde

Wolken. Hach.

CHF 23.- BEI BUYHAPPYFEET.COM

T-SHIRT «NOPE»

«Wollen wir uns heute zum Kaffee treffen?»

T-Shirt:

«Könntest du mir einen Gefallen tun und ...»

T-Shirt:

«Gehst du mal kurz zum Kühlschra- ...»

T-Shirt:

«Wir so- ...»

T-Shirt:

«Wa- ...»

T-Shirt:

«I- ...»

T-Shirt:

CHF 10.- BEI AMAZON.COM

TRAININGSANZUG

«I HAVE GIVEN UP»

Es war ein langes Jahr. Ein

kleines bisschen Resignation

hast du dir verdient und manchmal

fühlt es sich in ihrer Umarmung gar

nicht mal so schlecht an. Der Tag, an

dem du dich wieder aufraffen und der

Welt aufs Neue in den Arsch treten musst,

kommt noch früh genug. Als gönne dir

die paar Tage, in denen du in diesem

Dress rumschlurfst und alle wissen

lässt, was sie von dir erwarten

können.

CHF 48.- BEI WETHOUSE.NET

BLOODY

OUT

ZEIT, DIESE TRENDS AN

DEN NAGEL ZU HÄNGEN.

#Overkneeboots

Sie sind elegant, feminim,

sexy – und damit schon

fast ein Permatrend. Lange

durften sie in keinem Schuhschrank

fehlen, so richtig

kombinieren können wir

Overkneeboots trotzdem

nicht. Deswegen: raus damit!

Neues Jahr, neue Stiefel.

Zum Beispiel Combat Boots,

welche die weiblichen Outfits

der Fashion Crowd revolutionieren

werden.

#Fjällräven-

Rucksack

Schluss damit und zwar

jetzt! Es gleicht einem Wunder,

dass man diese Rucksäcke

immer noch so oft

im Strassenbild entdeckt.

Das Wirbelsäulentäschchen

ist nämlich nichts anderes

als ein abgewetztes Relikt

von all diesen bärtigen

2012-Hipsters. Unser inständiger

Wunsch für 2020:

Kauft euch bitte einen neuen

Rucksack.

#Samtteile

Glitzer, Gold und Glamour: Es

weihnachtet wieder und auch

in der Mode hat die besinnliche

Zeit Einzug gehalten. Die

ersten Überlegungen zu Weihnachtsoutfits

stehen wieder

an. Bitte nur dieses Jahr keine

Samtteile. Klar die sind weich

und kuschelig, erinnern aber

auch immer wieder an einen

besseren Sessel im Wohnzimmer

unserer Grosseltern.

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STYLING

Dresscode: North West

Es ist ja kein Geheimnis, dass North West seit Geburt besser gekleidet ist als die meisten unter uns. Da sie sich

nun laut Mama Kim selbst beginnt zu stylen, fanden wir es an der Zeit, einen kleinen Modecheck zu machen

und stellen dabei fest: Vielleicht sollten wir auch öfter mal mehr Teile tragen, die nicht zusammenpassen –

einfach, weil es Spass macht. Und weil wir auch alt genug dazu sind, Maaam! (lea)

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option

option

JogGinghose

von Adidas Originals

CHF 55.- bei zalando.ch

Pantalone

von Riprovare

CHF 210.- bei zalando.ch

Oversized Jeansjacke

von Missguided

CHF 50.- bei zalando.ch

Tye Dye Shirt

von CPT

CHF 15.- bei amazon.com

Pantoletten

von Jingle

CHF 28. 50 bei topshop.de

Clutch

von Mascara

CHF 42.- bei zalando.ch


VORHER

Diese Hilfsmittelchen machen deinen

Foto-Filter arbeitslos: Unsere vier

Beauty-Produkte des Monats.

Für den beherzten Augenaufschlag

Mit dieser Lidschatten-Palette stellst du alles andere

in den, äh, Schatten. Fünf Farboptionen – schimmernd

und matt – umfasst das formschöne «Take

My Heart»-Set von Lunatick Cosmetics Lab, Taschenspiegel

inklusive. Und mit den warmen

Kolorierungen – Bordeaux, Rosé – sorgst du

garantiert dafür, dass bei deinem Anblick alle

Herzen im Umkreis etwas schneller zu schlagen

beginnen.

; CHF 32.- bei dollskill.com

YOU! MAKE ME

BEAUTIFUL!

Für eine ultradufte Dusche

Ruck, zuck lässt sich auch deine Dusche in ein Mini-Hammam umwandeln.

Alles, was du dazu benötigst, ist der De-Stress Shower Steamer

von Miss Patisserie. Einmal ausgebreitet, nimmt das Waschlappen

grosse Tuch den Dampf in deiner Dusche auf und verströmt dadurch

ein wohltuendes Wacholder-Aroma, das alle deine Sinne entspannt.

Ideal für alle, die vor dem Zubettgehen jeweils noch kurz unter die

Brause hüpfen.

; CHF 5. 10 bei prettylittlething.com

Für ganz geschmeidige Griffel

Zwei Regeln gilt es zu befolgen, wenn man auch im Winter

zarte Pfötchen haben will. Erstens: Schneeballschlachten aus

Prinzip nur mit Handschuhen austragen. Zweitens: Das «Lovley

Hands»-Set von Sephora Collection in Griffnähe bewahren. Dieses

besteht aus einer Aloe Vera Handmaske, einem Mandelbalsam

sowie einem putzigen Pinguin-Hot-Pack zum Aufwärmen

der kalten Fingerchen.

; CHF 14. 90 bei manor.ch

NACHHER

GHOST

14.12.19 - HALLENSTADION ZURICH

MEMPHIS MAY FIRE

17.12.19 - DYNAMO ZURICH

DISNEY ON ICE

20.-22.12.19 - ST. JAKOBSHALLE BASEL

SABATON

+ APOCALYPTICA

+ AMARANTHE

17.01.20 - HALLENSTADION ZÜRICH

PERSISTENCE TOUR

20.01.20 - X-TRA ZÜRICH

JUAN DIEGO FLÓREZ

21.01.20 - KKL LUZERN

DIMMU BORGIR

24.01.20 - KOMPLEX 457 ZÜRICH

KEANE

31.01.20 - HALLE 622 ZURICH

STEEL PANTHER

01.02.20 - KOMPLEX 457 ZURICH

THE DARKNESS

04.02.20 - X-TRA ZURICH

BLACKOUT PROBLEMS

08.02.20 - WERK 21 ZURICH

EDITORS

14.02.20 - KOMPLEX 457 ZURICH

Für ein schaumiges Aufwärmen

Für ein Bad, so entspannend wie ein ausgiebiger Winterschlaf,

sorgt der Inhalt dieser putzigen Behälter, die

nebenbei eigentlich auch als Christbaumkugeln jobben

könnten: Einmal in die Wanne gegossen, verbreitet das

«Winter Wonderland» von Mad Beauty einen betörenden

Marshmallow- oder Beeren-Duft und sorgt für ein geschmeidiges

Plansch-Erlebnis.

; CHF 6. 30 bei asos.com

GAVIN JAMES

15.02.20 - VOLKSHAUS ZURICH

WWW.GOODNEWS.CH


REISEN

DIE SCH RILLEN

VIER A UF ACHSE:

DIE

SPÄTEREN

JAHRE

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Sobald die Kinder erwachsen

und ausser Haus sind, bilden

die Highlights der Familienzusammenkünfte

nicht nur die

Festtage, sondern bei manchen

auch gemeinsame

Ferien. Wir haben recherchiert,

weswegen

man (sich) dies unbedingt

(an)tun sollte.

von Sascha Gala Mikic

Wenn man in beliebig welcher westeuropäischen Sprache die

Stichwörter «Erwachsene mit Eltern Ferien» googelt, werden auf

der ersten Seite haufenweise Artikel, Blog-Einträge, Tipps und

Listicles herausgespuckt. Somit wird die Annahme unterstützt,

dass es durchaus gang und gäbe ist, heutzutage als Erwachsener

mit seinen Eltern in den Urlaub zu fahren. Doch dies war

nicht immer der Fall.

Clash der Generationen

Zu Zeiten als unsere Eltern noch jung und knackig waren,

schien es eher ungewohnt, mit der alten Garde zu verreisen.

Natürlich trifft dies nicht auf alle Familien zu, zumal es beispielsweise

in Osteuropa seit eh und je durchaus normal

ist, ab und an mit seinen Eltern in die Ferien zu fahren.

Dennoch herrschte generell das Sentiment, eine zu heute

vergleichsweise distanzierte Beziehung zu ihnen pflegen

sei normal. Zu diesem Entschluss kommt man relativ leicht,

wenn man den Wandel des Eltern-Kind-Verhältnisses aus

popkultureller Perspektive betrachtet: Während man in

Filmen wie «Footloose» gegen die absurden Verbote eines

Vaters kämpft oder Heavy Metal Bands à la Danzig mit

Liedern wie «Mother» zum Aufstand gegen Konservatismus

aufrufen, prägt im Gegensatz dazu die gegenwärtige

Gesellschaft Begriffe wie «Helikoptereltern».

Offensichtlich, wie auch gemäss zahlreicher Soziologen

und Psychologen, ist die Kluft zwischen den Generationen

mittlerweile geschrumpft. Verdanken kann man dies unter


anderem zunehmender Bildung. Beispielsweise dass in Konfliktsituationen

an Kindern ausgeübte Gewalt zu psychischen Schäden führen kann,

bedeutet, dass heutzutage die Anwendung dessen nicht nur gemieden,

sondern verpönt wird. Über die Jahrzehnte hinweg führen ebensolche

Aneignungen von neuen Grundsätzen dazu, dass Familienkonstellationen

tendenziell emotionaler werden. Diese Eigenheit bleibt auch im Erwachsenenalter

erhalten, sodass es nicht verblüffend ist, wenn das Streben

nach gemeinsamen Erlebnissen (wie eben mit den Eltern in die

Ferien fahren zu wollen) zur Normalität wird.

Keine Parasiten

Oftmals herrscht in den Köpfen die Annahme, dass man

lediglich aus ausnutzerischen Gründen mit den Eltern

mitgeht: Erstens hat man die Möglichkeit, mit ihnen irgendwohin

zu fliegen, wo man noch niemals zuvor

war und zweitens geht man dabei ein bisschen

davon aus, dass diese einem aus Verbundenheitsgefühlen

bestimmt finanziell entgegen

kommen werden. Bei einer (absolut

professionell durchgeführten und total

wissenschaftlichen!) Umfrage, die wir unter

Freunden durchgeführt haben, kam jedoch das Gegenteil heraus. Selten

geschieht es, dass die Eltern zum Anteil ihrer Kinder etwas beisteuern,

die jungen Erwachsenen bezahlen für ihr Stück des Kuchens mehrheitlich

alles aus der eigenen Tasche. Dies ist insofern interessant, als dass

Reisebüros melden, dass Familien mit jungen Erwachsenen tendenziell

weit entfernte Destinationen besuchen – und wie wir alle wissen, ist so

ein Unterfangen alles andere als günstig.

«Der eigentliche Grund für das Mitreisen besteht darin, die Zeit als Familie

in vollen Zügen zu geniessen», bemerkt Anna*, eine Teilnehmerin

der Umfrage. Auch die anderen Beteiligten schliessen sich ihrer Meinung

an. «Daheim gemeinsam Znacht essen ist ebenfalls schön, aber repetitiv.

Man lernt seine Eltern auf eine neue Art und Weise kennen, wenn

man mehr als sechshundert Kilometer von zu Hause entfernt mit ihnen

auf Entdeckungstour gehen kann.» Somit bildet die Qualität des gemeinsamen

Zeitvertriebs den entscheidenden Faktor, damit der Urlaub

schlussendlich positiv aufgefasst wird.

Adventure Time!

Was dieser Positivität definitiv entspricht, ist der Fakt, dass sich die

Beziehung zu den Eltern als Erwachsener verändert. Einerseits ist man

weiterhin deren Sprössling, doch gleichzeitig wird man als selbstständiger

Mensch wahrgenommen. Dies kann zu einem freundschaftlichen

Umgang miteinander führen, der den Boden für Spässe bildet, welche

man mit jungen Kindern noch nicht erleben kann. Zum Beispiel ist Tim*

in Bali mit seinem Vater nichtsahnend in einen Stripclub gelandet und

dort verblieben, weil es angeblich die besten Cocktails auf der Welt im

Angebot gab (sure, buddy). Lea* ist in New York zusammen mit ihrer

Mama Leonardo DiCaprio «über den Weg gelaufen» - bzw. ihre Mama hat

sie dazu überedet, ihn eine Weile zu stalken. Leider haben die beiden auf

ihrer Route eine Öffnung im Boden übersehen, sodass Lea* reinstürzte

und von Bauarbeitern aus dem Loch rausgefischt werden musste, wie sie

nachher zugibt. Geschehnisse wie diese würde man mit den Eltern in der

eigenen Nachbarschaft nicht erleben. Geschehnisse wie diese wird man

vermissen wollen, wenn man sie noch nicht erlebt hat.

*Name geändert

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DO’S

BUCHE EINE TOUR

Challenge: Eine Woche lang NUR anregende

Gespräche führen. Ergebnis: Wahrscheinlicher

ist, dass nach einigen Tagen des Zusammenseins

die Qualität der Konversationen auf das

Niveau des Grunzens und Nickens sinken wird.

Buche eine Tour, damit deine Eltern und du

die sprachlichen Triebwerke einölt und auch

mal zur Abwechslung mit neuen Menschen

quatschen könnt.

GETRENNTE ZIMMER

Manchmal kommt man auf die (Schnaps-)Idee,

Geld zu sparen, in dem man ein einziges Hotelzimmer

mit allem, was atmet und dieselbe

DNA trägt, stopft. Obwohl dies nicht zwingend

ein böses Ende nehmen muss, erweist sich

Privatsphäre in Form der eigenen vier Wände

als überlebenswichtig, um den mitgebrachten

Haussegen im Lot zu halten.

DON’TS

DIGITAL DETOX

Ja, die Karadashians werden auch ohne deine

Likes zurecht kommen und deine Social Media

Credibility wird sogar noch geerdigter werden,

wenn du nicht jede verflixte Sekunde irgendetwas

posten muss. Aber, noch viel wichtiger: Deine

Eltern würden gerne die Ferien mit deinem

Gesicht und nicht mit deinem Scheitel geniessen.

TAKE A CHILL PILL

Den Ablauf eines jeden einzelnen Tages im

Voraus planen? Gegenvorschlag: Räume Zeit ein,

in der jedes einzelne Familienmitglied etwas für

sich selbst unternimmt. Vielleicht entdeckt auf

diese Weise dein Bruder ein leckeres Restaurant,

welches man später gemeinsam besuchen

könnte. Oder deine Mama stolpert in den sich

windenden Gassen eines Küstenstädtchens dem

besten Leder-Flip-Flop-Händler der südlichen

Hemisphäre über den Weg.


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KULINARIK

Einige von uns tun ihr Bestes, dem erweiterten

Familienkreis das ganze Jahr über

möglichst aus dem Weg zu gehen. Denn wer

will sich schon Tante Esthers problematischen

Facebook-Postings IRL aussetzen?

Doch spätestens an den Feiertagen fallen

auch die wendigsten Social Ninjas aus ihren

Bäumen und mitten an den gedeckten Tisch.

Plötzlich befindet sich nur noch eine Schüssel

Kartoffelbrei zwischen dir und all diesen

Minions-Meme-Lustigfindern und Impfskeptikern

und Wangenkneifern – die längsten

Stunden des Jahres haben begonnen.

Wie also navigierst du dich und deine, ähem,

Liebsten möglichst unbeschadet durchs anstehende

Sippen-Mampfen, so dass am Ende

niemandem eine in Wut gezückte Chinoise-Gabel

aus dem Augapfel ragt? Mit fachkundiger

Unterstützung und viel eigener

schmerzhafter Erfahrung [heavy sigh] haben

wir für dich folgende sieben Tipps zusammengestellt

– übrigens auch anwendbar für

Hochzeiten, Beerdigungen, Patenkindergeburtstage

und Jubiläen sämtlicher Art. (rec)

Ein Fest

Wie du das

Familienessen

überstehst, ohne

mit dem Stuhl ein

Loch in die Wand

zu schlagen

Jingle Pals

So wie die Heiligen

Drei Könige nicht alleine

zur Party aufgetaucht sind, hilft

es auch heute noch, Verbündete im

Schlepptau zu haben. Halte dich an deine

Lieblingsverwandten; sprecht euch vorab

gegebenenfalls ab, wie ihr auf eventuelle

Konflikte und Zwischenfälle reagieren könnt.

Und falls ihr ohnehin jedes Jahr vom Erbsen-Auflauf

übrig habt: Einen aussenstehenden

Gast am Tisch zu haben, bringt eine

frische Dynamik in den alljährlichen

Tafeltrott – ob das nun dein eigener

BFF oder Omas Bestie aus

dem Altersheim ist.

Vier von fünf Familien

werden sich spätestens beim

Dessert über folgende Angelegenheiten

hoffnungslos in den Haaren liegen:

«Also diese Greta ...», «Ich glaube, Trump wird

wiedergewählt.», «Es schmeckt einfach nicht wie

richtiges Fleisch!», «L, G, B, T! Wie viele Buchstaben

wollen die denn noch?». Und spätestens wenn sich

Tante Esther (was ist nur los mit dir, Esther?!) nach dem

dritten Glas Limoncello fragt, was denn eigentlich so

falsch am Wort «Neger» ist, wird es höchste Zeit für einen

dramatischen Themenwechsel – am besten auf ein Gespräch,

in dem sich alle für einmal im Alter zwischen 8

und 80 Jahren einig sein können. Unsere Vorschläge

Rockin’ Around the Christmas Talk

für dieses Jahr: «Sieht diese Eule aus der Migros-Werbung

nicht schampar herzig aus?»

oder «Sieht dieser Weihnachtself aus

der Manor-Werbung nicht schampar

scheisse aus?».

Let it Flow

Wäre es nicht

winterwundervoll, wenn

sich die ganze Rasselbande

den ganzen Tag lang in den Armen

liegt wie am Ende von «It’s a Wonderful

Life»? Und wahrscheinlich hat es sich damals

auch tatsächlich so angefühlt, als du noch in

Windeln deine Geschenke aufreissen durftest

während irgendwo ein Tamagotchi fiepte. Aber:

Gib diese idealisierten Vorstellungen besser an

der Garderobe mit deiner Daunenjacke ab und

lass dich ohne erhöhte Erwartungen auf das

Bevorstehende ein – Harmonie lässt sich

nicht herbeizwingen und selbst im

schlimmsten Fall ist immerhin eine

Gratismahlzeit dabei herausgesprungen.


tagsguide

Nostalgie ist eine

ultimative Geheimwaffe fürs

besinnliches Zusammensein und

nichts bringt ein mürrisches Grosselternteil

so schnell zurück in eine harmonische

Runde wie die Frage «Wie war das eigentlich

bei euch früher?». Womöglich springt dabei ja

sogar eine faszinierende Geschichtsstunde heraus,

für die man sonst ein Dok-Team vom SRF losschicken

müsste. Denn allen Querelen zum Trotz: Solche

Zusammenkünfte sind immer auch eine seltene

Chance, sich mit der eigenen Familiengeschichte

zu beschäftigen und Einblicke in die Lebenswelt

der alten und jungen Generation zu

erhalten. Pro-Tipp für den Gastgeber:

Fotoalben in Griffnähe aufbewahren!

Last Christmas (and the ones before)

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Einfach mal

austreten, um tief

durchzuatmen, die Augen bis in

den Hinterkopf zu verdrehen oder eine

Message an deine seelische Notrufnummer

zu schicken: Am besten geht das, wenn du

dich regelmässig kurz auf die Toilette entschuldigst.

Spätestens ab dem vierten Mal in einer

Stunde könnten deine Verwandten aber Theorien

entwickeln, dass du a) ein Kokain-Problem hast oder

b) du dir eine Blasenentzündung eingefangen hast,

weil du dich ganz offenbar durch die ganze Stadt

vögelst. Am besten kündigst du also gleich von

Beginn weg an, dass du momentan unter

einer temporären Pollakisurie aufgrund

der lunaren Rhythmik hast und

hoffst, dass niemand danach

googlet.

Baby It’s Gold Outside

Es ist eine Frage, mit der

sich die Wissenschaft schon

seit Jahrzehnten herumschlägt: Soll

man bereits angetrunken bei der Familienfeier

auftauchen? Die unbefriedigende

Antwort lautet: Jein. Denn spätestens wenn

sich der Rest der Brut deinem Pegel entgegengetrunken

hat, droht erhöhtes Konfliktpotential.

Ein striktes Schönsaufen könnte also genau die

gegenteilige Wirkung erzielen, weshalb wir

lediglich eine Dose Prosecco vorab, einen mit

Rotwein gefüllten Flachmann für Notfälle

sowie zwei mit Klebeband direkt am

Abdomen befestigten Haschzigaretten

empfehlen.

Als Mose die Israeliten

40 Jahre lang durch die

Wüste und ins verheissene Land

führte, musste er ihnen vorab versprechen,

dass es am Ende der Reise garantiert

für alle Eiscreme gibt. (Die genaue Bibelstelle

haben wir dazu jetzt nicht konsultiert, aber in

etwa stimmt das so.) Und so lassen sich auch die

Strapazen eines mehrtägigen Familiengelages

leichter ertragen, wenn du weisst, dass am Ende

bei dir zuhause eine Belohnung wartet – sei es,

Driving Home from Christmas

Hicks! The Herald Angels Drink

«Gremlins» auf der Couch mit einer grossen

Schüssel Spaghetti zu glotzen oder

Weihnachten mit all deinen sonstigen

Lieblingsmenschen nochmals

ordentlich nachzufeiern.


(HEIM)KINO

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

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Wir Kinder vom

PLATZSPITZ ZÜRICH

Wenn von der eigenen Mutter nur noch eine Drogensüchtige übrigbleibt: Der Spielfilm

«Platzspitzbaby» lehnt sich an ein wahres Schicksal an und arbeitet ein schmerzhaftes

Stück Schweizer Geschichte auf. Absolutes Pflichtkino – nicht nur für Schulklassen. (rec)


Flaniert man heute über den Zürcher Platzspitz, dann knipsen dort

Touristen ihre Fotos, blättern Studenten auf der Parkbank in Büchern

und nehmen Angestellte ihren Mittagslunch ein. Und ja, manchmal

stecken sich Teenies beim Rondell verstohlen ein Minigrip mit Gras zu.

Wir haben es genau gesehen! Die idyllische Parkanlage ist wieder zum

beliebten Publikumstreff geworden, so wie das einst nach ihrem Ausbau

im Jahr 1883 für die erste Schweizer Landesausstellung beabsichtigt gewesen

war. Und wer es nicht am eigenen Leib oder durch die Medien

erfahren hat, kann womöglich kaum glauben, dass dieser Ort einst ein

Synonym für menschliches Elend war – in der Schweiz, Europa, auf der

ganzen Welt.

Von 1986 bis 1992 bündelte sich neben dem Hauptbahnhof Zürich eine

offene Drogenszene, auf der sich bisweilen bis zu 3‘000 Menschen täglich

aufhielten – ein geschlossener Mikrokosmos aus Heroinsüchtigen,

organisierten Dealer-Banden, später auch medizinischem Personal,

welches gegen das Elend anzukämpfen versuchte. Geschätzt zwei

Drittel der Abhängigen kamen von ausserhalb der Stadt, teilweise

gar vom Ausland, um sich in Zürichs «Needle Park» zu berauschen

– mitunter auch, um dort den Tod zu finden. Nicht

nur in der Schweiz sorgte die Situation für Entsetzen und

hitzige Debatten; die internationale Presse konnte kaum

fassen, was da im doch sonst so auf Paradeplatz-Hochglanz

polierten Zürich vor sich ging.

Lange haderte die Stadtregierung mit passenden Massnahmen,

dann ging alles ganz plötzlich: Am 5. Februar

1992 räumte die Polizei in einer überraschenden

Nachtaktion die gesamte Anlage. Die überstürzte Intervention

löste das Problem nicht, sondern schob es lediglich

einige Meter die Limmat hoch: Bald schon bildete

sich eine noch weitaus gewalttätigere Drogenszene

beim Lettenareal. Erst als deren Aushebung mit sozialen

Massnahmen wie der legalen Methadon-Abgabe

in sogenannten Fixerstüblis flankiert und Süchtige

zurück in ihre Heimatgemeinden abgeschoben

wurden, konnte die Zwinglistadt aufatmen. Zumindest

hatte man das Problem aus dem öffentlichen

Blick entfernt. Die geballte Misere löste sich

auf in Einzelschicksale, die hinter Wohnungstüren

in der ganzen Schweiz verschwanden.

Mamis Drogenkurier

So wie jenes von Michelle Halbheer. Auch ihre

Mutter verkehrte regelmässig am Platzspitz,

später am Letten. Nach der Scheidung von ihrem Mann wurde ihr das

Sorgerecht für die damals zehnjährige Tochter zugesprochen. Der Vater

verzweifelte, die Behörden blieben tatenlos. Zwar verschwand die offene

Drogenszene aus Zürich, die Heroin- und Kokainsucht aber nicht von Michelles

Mutter, die sie fortan teilweise lebensbedrohlich vernachlässigte

und direkt in ihre Abhängigkeit miteinbezog: An der Langstrasse musste

das Kind regelmässig Spritzen, Drogen und Medikamente besorgen.

Michelle glaubte sich im Wettstreit gegen die Substanzen um die Liebe

ihrer Mutter – ein Kampf, den sie unmöglich für sich entscheiden konnte.

Nach drei Jahren wurde die Teenagerin von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt,

Michelle verbrachte einige Zeit bei einer Pflegefamilie und baute

sich schliesslich eine sichere, suchtfreie Existenz auf.

Das Erlebte verarbeitete sie in einem Buch: 2013 erschien «Platzspitzbaby»

und wurde zum Bestseller. In ihrer Biografie macht Michelle Halbheer

aber auch klar: Sie ist mit dem Leben davongekommen – viele andere,

die eine ähnliche Geschichte erzählen könnten, sind es nicht. Gemäss Die

Alternative, einem Verein für Suchttherapie, leben in der Schweiz etwa

4‘000 Kinder von drogenabhängigen Eltern und sind dabei oft hilflose

Zuschauer beim schrittweisen Ruin ihrer Schutzbefohlenen. Denn eine

amtliche Intervention gestaltet sich oft als schwierig und viele Betroffene

enden selber straffällig oder drogenabhängig. Allerhöchste Zeit also, das

Thema in die breite Öffentlichkeit zu stossen und einen längst überfälligen

Diskurs zu lancieren.

Schmerzhafte Zeitreise

Dabei helfen soll nun auch der Spielfilm von Pierre Monnard («Wilder»),

der sich an Michelles Biografie anlehnt. Eindrucksvoll schleudert der Regisseur

in der Eröffnungssequenz den Platzspitz zurück in die 90er Jahre,

während sich die junge Protagonistin (Luna Mwezi) auf der Suche nach

ihrer Mutter den Weg durch die Junkie-Scharen bahnt und versucht, mit

dicken Walkman-Kopfhörern und dem Song «Sloop John B.» den allgegenwärtigen

Horror zu übertönen. Noch immer scheint es kaum vorstellbar,

dass sich einst tatsächlich solche Szenen mitten in Zürich abgespielt

haben. Jeden Tag, sieben Jahre lang.

Was folgt, ist die tragische Geschichte einer Tochter, die scheinbar bedingungslos

zu ihrer Mutter hält und dabei selber in den Strudel ihres Untergangs

gerät. Denn jeder Hoffnungsschimmer, der durch das nächste

tränenreiche Versprechen ausgelöst wird, verschwindet gnadenlos und

immer wieder aufs Neue, weil Heroin neben sich nichts anderes duldet –

keine Familie, keine Zukunft, nichts. Und auch wenn es nicht immer leicht

zu ertragen ist : «Platzspitzbaby» ist ein wichtiges Stück Schweizer Kino

und Geschichte, das angesehen werden muss. Denn wir haben viel zu

lange weggeschaut.

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

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ÜBRIGENS:

Auf der Website platzspitzbaby.ch

gibt es unter

der Kategorie «Schulmaterial»

einige spannende Kurzdokus, in

denen unter anderem die Geschichte

vom Platzspitz beleuchtet wird

und Zeitzeugen wie Ex-Stapi Josef

Estermann zu Wort kommen.

Auch spannend für alle, die

danach keine Ufzgi dazu

schreiben müssen.

SCHWEIZER SUCHTDRAMA

PLATZSPITZBABY

VON PIERRE MONNARD

MIT LUNA MWEZI, SARAH SPALE,

ANOUK PETRI U.A.

Mia (Luna Mwezi) versucht,

an ihrer neuen Schule Anschluss

zu finden, während

sie gleichzeitig Mami für ihre

drogensüchtige Mutter spielen

muss: Die Verfilmung der

gleichnamigen Autobiografie

trifft einen harten, aber

richtigen Ton und bildet den

tragischen Alltag zwischen

Sehnsucht und Absturz authentisch

ab. Dabei überragen

besonders die beiden

Hauptdarstellerinnen, die

ihre schwierigen Rollen mit

Bravour meistern und auch

in Erinnerung bleiben, längst

nachdem der Abspann über

die Leinwand geflimmert ist.

wwwww

Ab 16.1. im Kino


(HEIM)KINO

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

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Das wars mit «Star Wars». Zumindest geht nun auch die dritte Filmtrilogie der Weltraum-Saga ihrem

Ende entgegen. Grund genug für eine firmeninterne Krisensitzung bei RCKSTR: Superfans Zoé Zimmermann

und Jessica Fall sowie der Ziemlich-Fan Michael Rechsteiner und So-mittelmässig-Fan Rainer Etzweiler

sitzen zusammen und gruppentherapieren das anstehende Finale – und alles, was danach noch

so kommen könnte.

Michael: Also «The Last Jedi» haben wir damals ja alle gemeinsam im

Kino geschaut. Wenn ich mich richtig erinnere, sass Zoé aber die erste

Hälfte über betrunken im Gang, weil jemand auf ihrem Platz sass. Hat dir

der Film trotzdem gefallen?

Zoé: Die erste Hälfte im Gang betrunken und danach habe ich geschlafen.

Weil betrunken. Hat bestimmt Spass gemacht. Ich muss mir ALLE

Filme nochmals reinziehen vor dem 18.12., hab ja jetzt dann auch Zeit

dafür. Alleine. In meinem Wohnzimmer. Mit meinem Büsi-Kissen.

Jessy: First of all: Ich war damals nicht mit dabei, weil es glaube ich an

einem Sonntag war und ich einen Kater hatte. Ging den Film dann alleine

an Weihnachten schauen und kann mich auch nicht ganz daran erinnern,

ob ich ihn gut fand. Ich glaube schon. Muss ihn nochmals schauen. Haha.

Michael: Wir trinken alle viel zu viel. Anyway. Wie stehen die Erwartungen

denn so allgemein fürs grosse Finale? Hat sich der Hype inzwischen

abgekühlt oder sind wir alle wieder am ersten Tag im Qui-Gon-Jinn-Dress

in der Warteschlange? «Solo» lief ja zumindest nicht gerade so prall.

Zoé: Ich fand «Solo» obergigageil. Aber nicht so oberhammergeil wie

«Rogue One». «Rogue One» war ein Träumchen. Und abgekühlt? Ich bestimmt

nicht. Freu mich wie ein kleines Kind. Vor allem darauf, dass ich

zuerst nochmals alle Filme – ausser wahrscheinlich «Episode 1», ficken Jar

Jar Binks – gucken und mich richtig hochhypen kann. Da Jessy und ich zusammen

schauen gehen, achte ich auch darauf, dass wir keinen Alkohol

davor oder währenddessen trinken. Wir wissen ja, wie das rauskommt.

Rainer: Irre ich mich oder geht's hier mehrheitlich darum, wer wann betrunken

war? Soll ich was zum Film sagen oder einfach erzählen, wann

ich mich das letzte Mal zugeschüttet habe?

Michael: Sprich vom Herzen, Rainer. Was hältst du zum Beispiel davon,

dass Regisseur J.J. Abrams fürs Finale scheinbar wieder Imperator Palpatine

ausgemottet hat?

Zoé: Huere geil! Ich freu mich darauf. Seine Lache ist die beste Bösewichtlache

ever.

Rainer: Also ich bin ja jetzt nicht der weltgrösste Fan, aber ich fänd's

schon gut, wenn die Skywalker-Solo-Geschichte mal zum Abschluss

kommt. Es gibt drölf Zillionen Planenten in dem Universum, die bestimmt

genug Storys hergeben und man sieht ja derzeit bei «The Mandalorian»,

was dabei herauskommt, wenn die Autoren etwas mehr von der Leine

gelassen werden. Insofern finde ich, dass es keinen Palpatine braucht.

Michael: Was uns auch schon zum Leben nach «The Rise of Skywalker»

bringt: Was wünscht ihr euch einerseits vom Abschluss der neuen Trilogie

- und was soll danach kommen? Eine brandneue Filmreihe mit Rey

& Co.? Ein Spin-off zu R2D2 ? Mehr Serien à la «The Mandalorian»? Baby-Yoda-Plüschis?

Zoé: Wie immer habe ich keine grossen Ansprüche: Egal was kommt,

ich werde es eh schauen und zu 95% toll finden. Lasse mich halt einfach

gerne in diese Welt entführen, egal wer darin vorkommt. So ein paar nostalgische

Easter-Eggs sind aber immer wünschenswert und lassen mich

vor Freude ein bisschen weinen.

Rainer: Neue Planeten, neue Charaktere. Am besten so weit weg, dass

sie das Empire und The First Order noch nicht mal kennen.

Michael: Und mehr Werner Herzog wie in «The Mandalorian» wäre auch

nicht schlecht.

«Star Wars – Rise of Skywalker» läuft ab dem 18. Dezember im Kino


IST DAS ETWA...

ERIC ROBERTS!?

In seiner Karriere hat Eric Roberts in über 500 Film- sowie TV-Produktionen mitgewirkt und jeden Monat kommen

etwa drei weitere hinzu. Bislang hat es kein Medium geschafft, sein komplettes Werk zu würdigen – bis jetzt.

Teil 9 von 530: «A Karate Christmas Miracle»

Nein, das sind keine willkürlich

zusammengetrommelten

Worte im Filmtitel: Der kleine

Jesse muss sich bis Weihnachten

selber Karate beibringen

und Schwarzgurt-Status erreichen,

um seinen vor einem Jahr

scheinbar bei einer Schiesserei

umgekommenen Vater zurückzubringen.

Shit, funktioniert das

Jenseits tatsächlich so? Könnte

uns Grossmama etwa noch immer

Wangenküsschen unter dem

Weihnachtsbaum aufdrücken,

hätten wir nur die Kickbox-Regionalmeisterschaften

2017 gewonnen?

Wahrscheinlich war selbst

Eric diese Rolle nicht ganz geheuer,

weshalb er offensichtlich

alle seine Szenen im Halbdunkeln

und womöglich selber auf seinem

Handy abfilmte. (rec)

UNSERE WERTUNG:

10 DEC 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

STRAY FROM THE PATH

13 DEC 2019 | ZÜRICH, SAMSUNG HALL

MARCO MENGONI

13 DEC 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

TIAVO

15 DEC 2019 | ZÜRICH, HALLENSTADION

BONEZ MC & RAF CAMORA

15 DEC 2019 | ZÜRICH, EXIL

CITY OF THE SUN

18 DEC 2019 | ZÜRICH, KOMPLEX 457

ESKIMO CALLBOY

02 JAN 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

THE DREADNOUGHTS

16 JAN 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

ANTI-FLAG

21 JAN 2020 | SOLOTHURN, KOFMEHL

WHILE SHE SLEEPS

22 JAN 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

JEANETTE BIEDERMANN

25 JAN 2020 | SOLOTHURN, KOFMEHL

KÄPTN PENG

27 JAN 2020 | ZÜRICH, HALLE 622

MELANIE MARTINEZ

29 JAN 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

THE MENZINGERS

RON BURGUNDY

CUP

DIESMAL:

Adrian Plachesi, Telebasel

TOP 5

1. Dani von Wattenwyl (Telebasel) 7

2. Tina Biedermann (TeleZüri) 7

3. Vanessa Meier Linero (Tele Top) 7

4. Nora Züst (SHF) 7

5. Maria Rodriguez (TeleZüri) 7

Das Power Ranking

der besten News Anchors

im Schweizer Regional-TV

Mit seinen modisch knapp

zu engen Anzügen und farblich

wagemutigen Pochetten

brandet sich Adrian Plachesi

offensichtlich als eine Art Junior

Edition von unserem aktuellen

Boardleader Dani von

Wattenwyl. Der Salz-und-Pfeffer-Haarpracht

von Newsdaddy

DvW setzt Yung Plach die

wahrscheinlich eindrücklichste

Föhnwelle seit Johnny Bravo

entgegen, welche in ihrer Keckheit

aber womöglich etwas

ablenkt von mittelschweren

Katastrophen wie dem entgleisten

Waldenburgerli. Noch fehlt es dem hinter den

Kulissen auch als Redaktionsleiter agierenden Moderator

zwar an der nötigen Gravitas, mit seiner jugendlichen

Frische und dem «Hey Girl»-Charme könnte er

aber einen ziemlich ordentlich brummenden TikTok-Account

unterhalten – Telebasel sollte sich dringend eine

#LäckerliChallenge ausdenken und damit Chinas Teenager

für Allschwiler Belange sensibilisieren oder so. Für

einen Gump in die mittlerweile hart umkämpften Top 5

reicht es damit aber fürs Erste leider nicht. (rec)

31 JAN 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

MILLENCOLIN

03 FEB 2020 | ZÜRICH, DYNAMO

DAVE HAUSE

05 FEB 2020 | ZÜRICH, KOMPLEX KLUB

MERT

07 FEB 2020 | ZÜRICH, SAMSUNG HALL

SCHOOLBOY Q

07 FEB 2020 | ZÜRICH, VOLKSHAUS

SSIO

07 FEB 2020 | PRATTELN, Z7

THY ART IS MURDER

12 FEB 2020 | ZÜRICH, HALLENSTADION

SLIPKNOT

12 FEB 2020 | ZÜRICH, KAUFLEUTEN

CITY AND COLOUR

13 FEB 2020 | ZÜRICH, HALLENSTADION

JONAS BROTHERS

14 FEB 2020 | ZÜRICH, PLAZA

POUYA

15 FEB 2020 | BERN, FESTHALLE

DROPKICK MURPHYS

15 FEB 2020 | KOMPLEX KLUB, ZÜRICH

THE MAINE

MORE SHOWS & TICKETS:

MAINLANDMUSIC.COM


(HEIM)KINO

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

42

UDO

UNMASKED

Ohne Hut, selten mit Brille: Die filmische Biografie von Udo Lindenberg konzentriert sich auf den Beginn

seiner Karriere – und eine Zeit, als Rockmusik die deutsche Sprache lernte. (rec)

Spätestens seit dem Kassen- und Oscar-Erfolg von «Bohemian Rhapsody»

ist in der Filmindustrie wieder ein Fieber ausgebrochen – und das

einzige Rezept dagegen ist more cowbell mehr Musik-Biopics! Gefühlt

jeder, der schon mal vor mehr als 10’000 Leuten ans Mikrofon getreten

ist, kriegt demnächst das eigene Leben verfilmt; in Planung sind unter

anderem Grossproduktionen zu Boy George, David Bowie, Céline Dion

und, äh, Michael Jackson – was kann da schon schief gehen. Nichtsdestotrotz:

Eine sichere Bank sind solche Streifen nicht, erst recht bei den

glühendsten Fans jener Acts. «Bohemian Rhapsody» mag eine opulent

inszenierte «Greatest Hits»-Show geworden sein, gleichzeitig biegt sich

der Film die Geschichte von Queen und das Leben von Freddie Mercury

im Speziellen etwas gar sehr zurecht für die maximale Ego-Schmeichelei

der verbleibenden Bandmitglieder (und Co-Produzenten) Brian May und

Roger Taylor.

Natürlich soll eine Musikbiografie kein trüber Faktenhagel sein; künstlerische

Freiheiten und erzählerische Kniffe sind ein probates Mittel, um die

aussergewöhnlichen Karrieren ihrer Subjekte unterhaltsam abzubilden

- «Rocketman» gelang es beispielsweise auf fantastische Weise, Elton

Johns Universum einzufangen. Auch, weil der Film einen ungeschönten

Blick in die Abgründe warf, aus denen seine Höhenflüge überhaupt erst

erfolgen konnten. Die Frage, was einen Künstler zu seinem Werk bewegt

hat – und wie dieses Werk wiederum die Welt bewegte – sollte stets im

Mittelpunkt stehen.

Ein Leben wie das von Udo Lindenberg liefert dabei gewiss Potential

für eine Menge spannender Antworten. Mag ihn speziell ein jüngeres

Publikum insbesondere als jenen Schlapphut-und-Sonnenbrillen-Onkel

kennen, der ab und zu ein paar nur schwer verständliche Schnoddrigkeiten

über den Zustand der Welt abgibt, konzentriert sich «Lindenberg!

Mach dein Ding» auf jene Zeit, als ein junger Mann aus der deutschen

Vorstadt-Pampa noch ganz am Anfang einer Karriere stand, in deren

Verlauf ganz Grosses entstehen würde. So wurde aus dem gefragten

Jazz-Schlagzeuger ein gewitzter Sänger, der dem Rock das Deutsch

beibrachte zu einer Zeit, als lediglich die «Schlageraffen» in dieser Sprache

trällern durften. Und mag sich Hasselhoff noch so mit dem Mauerfall

schmücken: Es war die Musik von Lindenberg, die Ost- und Westdeutschland

noch längst vor der Wiedervereinigung zusammenschweisste. «Lindenberg!

Mach dein Ding» erzählt damit nicht

nur den Aufbruch eines Session-Musikers zur

Pop-Ikone, sondern den eines ganzen Landes in

turbulenten, hoffnungsvollen Zeiten.

HUT AB!

LINDENBERG!

MACH DEIN DING

VON HERMINE HUNTGEBURTH

MIT JAN BÜLOW, DETLEV BUCK, RUBY O. FEE

Hamburger Kiez, libysche Wüste, ein geteiltes

Berlin – und da hat er noch nicht mal sein

erstes Solo-Konzert gespielt: Das Leben von

Udo Lindenberg bietet Stoff und Kulissen für

mindestens zwei weitere Filme. Es sind diese

aufregenden Stationen und ein ausgezeichneter

Hauptdarsteller (Jan Bülow), welche die

manchmal etwas gar klischierte «Sex, Drogen,

Rock und Roll»-Inszenierung von der, no shit,

«Bibi Blocksberg»-Regisseurin wett machen.

Selbst Non-Fans kommen da womöglich auf

den Geschmack, das Genie Lindenbergs beim

zweiten Hinhören doch noch zu entdecken.

wwwvv

Ab 23.1. im Kino


HIMMELFAHRTSKOMMANDO

CHARLIE’S ANGELS

VON ELIZABETH BANKS

MIT KRISTEN STEWART, NAOMI SCOTT, ELLA BALINSKA U.A.

Die Serienvorlage aus den 70er Jahren war kein Meisterstück, aber für viele

ein Guilty Pleasure im Nebel einer Haarspray-Wolke. Die erste Filmversion geriet

dank starker Besetzung und trotz ADHS-Inszenierung zum Kassenschlager,

diesmal aber wollen die drei neuen Engel nicht so richtig abheben: Während

«Atomic Blonde» und «John Wick» neue Standards fürs Actionkino setzen, dümpeln

Stewart & Co. als weltreisende Geheimagenten durch schwach choreographierte

Kampfszenen und reissen laue Witzchen – da hilft auch der mit «Girl

Power!» beschriftete Holzhammer nichts. (rec)

wwvvv Ab 2.1. im Kino

ALTERSSÜNDEN

THE GOOD LIAR

VON BILL CONDON

MIT IAN MCKELLEN, HELEN MIRREN, JIM CARTER U.A.

Helen Mirren könnte in «Fischer Bettwaren: The Movie» mitspielen und wir würden

dafür vehement einen Oscar fordern. Und so retten sie und Ian McKellen

(und eine sehr solide Musikscore von Carter Burwell) diese schon sehr schampar

gaga konstruierte Romanverfilmung über einen alternden Trickbetrüger

(McKellen), der eine scheinbar wohlwollende Witwe (Mirren) um ihr Vermögen

bringen will. Am Ende wissen wir zumindest: Online-Dating (und Kriegsverbrechen)

lohnen sich am Ende meist eben doch nicht. (rec)

wwvvv Ab jetzt im Kino

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

43

HEIL FROH

JOJO RABBIT

VON TAIKA WAITITI

MIT ROMAN GRIFFIN DAVIS, SCARLETT JOHANSSON, TAIKA WAITITI U.A.

Wie lustig darf Hitler? An dieser Frage haben sich schon einige Filmemacher

versucht – mit zwiespältigem Erfolg (Charlie Chaplins «Der grosse

Diktator»? Yay! «Er ist wieder da»? Ehhh ...). Regisseur Taika Waititi

(«Thor: Ragnarok») wagt sich nun an ein besonders absurdes Szenario

und schlüpft dabei gleich selbst in die Rolle des «Führers» – beziehungsweise

der kumpelhaften Version eines imaginären Freunds, welcher der

Fantasie des 10-jährigen Johannes (Roman Griffin Davis) entspringt. Dieser

wird – nach einem Unfall im Hitlerjugend-Sommercamp – in deren

Büro versetzt, wo er der Leitung (u.a. Sam Rockwell, Rebel Wilson) aushelfen

soll, die langsam dahinserbelnde Kampfmoral der Deutschen mit

Propaganda-Botengängen aufrecht zu erhalten. Doch dann entdeckt der

«Jojo» genannte Knirps, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) die Jüdin

Elsa (Thomasin McKenzie) in ihrer Wohnung versteckt hält und gerät

in einen Gewissenskonflikt, bei dem ihm auch sein Fantasy-Adolf nicht

wirklich eine grosse Hilfe ist. In seiner Darstellung von Hitler verzichtet

Waititi auf die üblichen Manierismen und kommt eher wie eine Art Elliot

das Schmunzelmonster in Naziuniform daher. Doch allen Albernheiten

zum Trotz wartet «Jojo Rabbit» mit einigen schockierenden Reality

Checks auf. So werden die Schrecken des Kriegs und Dritten Reichs

nicht verharmlost, sondern umso brutaler vor Augen geführt, wenn

sie zwischen dem Wes-Anderson-Feel-Good-Soundtrack und Neverending-Sieg-Heil-Gags

durchbrechen. Waititi ist damit eine mutige, merkund

denkwürdige Tragikomödie gelungen, deren finale Botschaft einem

das Herz aufgehen lässt. (rec)

wwwwv Ab 23.1. im Kino


GAMES

GESTRANDET IM ÖDLAND

DEATH STRANDING

AB JETZT FÜR PS4, IM FRÜHJAHR AUF PC

Ist es Kojimas Schuld? Oder die derer, die den doch so genialen Videospiel-Entwickler

einfach haben machen lassen? Oder hat niemand Schuld,

weil das Spiel genau das ist, was es sein soll? Wenn man zurückblickt,

muss man gestehen, dass Hideo Kojima uns nichts anderes als ein Hideo-Kojima-Game

versprochen hat. Und bekommen haben wir: ein Hideo-Kojima-Game.

Die Frage ist nur: Wollten wir das überhaupt?

Von Christian K.L. Fischer

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

44

Videospiele sind Dienstleistungen. Sie können sehr viel mehr sein, doch

wenn der Dienstleistungsaspekt nicht knallt, dann ist alles andere ziemlich

egal. Denn ein Spiel, das man nicht spielt, ist wie das Geräusch vom

Baum, der alleine im Wald fällt und deshalb von niemandem gehört wird:

Wen schert es? Also muss das Gameplay funktionieren, man braucht einen

befriedigenden Gameplay-Loop, ein gutes Narrativ, einen Adrenalin-Kick,

wann immer man den Controller in die Hand nimmt – es braucht

dieses Fundament, damit überhaupt ein Mehrwert eine Rolle spielen

kann. Darum ist auch beim gehyptesten Spiel seit «Red Dead Redemption

2» die erste Frage: Macht es Spass? Und die Antwort ist noch weitaus

mehr als bei «RD2» ein langgezogenes naa-jaa.

Das es an Ambitionen bei beiden Games nicht mangelt, weiss jeder.

Doch auch hier hat Hideo Kojima mal wieder alle Massstäbe gesprengt.

Die Trailer und Ankündigungen liessen auf ein epochales Werk schliessen,

ohne dass jemand uns das sagen musste. Allein das Casting! In der

Hauptrolle Norman Reedus, der Bösewicht ist Mads Mikkelsen, dazu

Gastauftritte von Guillermo del Toro und Nicolas Winding Refn. Und jeder

Trailer sah faszinierender und rätselhafter aus als der vorangehende …

Bis dieses Jahr dann wirklich Gameplay-Szenen gezeigt wurden und erst

Verwirrung und dann Skepsis einsetzte: Der Protagonist schleppt sich,

bepackt mit Kisten, durch ein Ödland. Kämpft sich durch Flüsse. Setzt ein

paar Gegner ausser Kraft. Pinkelt und lässt Pflanzen wachsen. Kümmert

sich um ein Baby, das er mit sich herumträgt. Und begegnet schlammig-schwarzen

Meereswesen, die aus dem Himmel plumpsen. Doch vor

allem läuft er und klettert er und läuft weiter und hantiert mit Leitern,

um Klippen und Höhenunterschiede und Bäche zu bewältigen. «WTF?»,

waren noch die neutralsten Reaktionen.

Ist das Spiel oder kann das weg?

Und nun, wo wir das Spiel endlich in der Hand haben,

müssen wir eingestehen, dass wir weder angelogen,

noch dass uns zu viel versprochen wurde. Nein, eine

Dienstleistung am Gamer ist «Death Stranding»


wirklich nicht – denn hier ist man selber der Dienstleister. Man arbeitet

als Lieferbursche und letztlich ist das schon alles. All die Berühmtheiten,

all die Kuriositäten, all der Wahnsinn – alles da, wie erwartet. Doch man

selbst hat nicht viel davon. Man ist zu sehr damit beschäftigt, Zeugs von

A nach B zu transportieren und dabei möglichst wenig kaputt zu machen

und vor allem, sich nicht auf die Schnauze zu packen. Man läuft und

wandert und klettert und hofft, dass die Flüsse einen nicht davon reissen

und die Pakete mit sich nehmen. Oder ein Zeitregen sie schneller altern

lässt. Oh, es gibt auch Fahrzeuge, deren Batterien schneller leer sind als

die eines Handys von 2009. Und die an jedem kleinen Stein hängen und

in jedem Fluss stecken bleiben. Nichts daran macht Spass. Es ist Arbeit.

Für die man im besten Fall eine „S“-Bewertung von seinen Auftraggebern

bekommt.

Und die Komponente, die das Spiel für viele retten könnte, ist letztlich

auch nur eine Übertragung der ehedem schon lästigen Realität in das

Game: Unterwegs kann man verschiedene Strukturen errichten, um sich

selbst – und bei Onlineanbindung – anderen Spielern das Leben in der

Ödnis einfacher zu machen. Das wird dann mit Likes belohnt. Wie bei

allen sozialen Medien. So geil. Wahrscheinlich wäre es eine Metakritik,

ein Bild von so einer Konstruktion und den dazugehörigen Likes auf Insta

zu posten, um Herzen zu sammeln – oder es wäre der finale Feedbackloop,

das letzte Paradox und das Universum würde endlich in sich zusammenstürzen.

Kleinigkeiten, wie dass die Menüführung einen auch nur

dazu einlädt, Frust anzusammeln, geben dem Spiel den Rest und tragen

nur wegen ihrer Nervigkeit ungewollt gegen die Langeweile bei.

FedEx für die Seele

Und die Story? Die würde man gerne als gute YouTube-Zusammenfassung

sehen, so 45 Minuten lang. Über ein 50-plus-Stunden-Spiel in dicken

Häppchen und in Kojima-typisch langen Cutszenen präsentiert (die

einem überraschend nach langen Tagen in der Ödnis einfach über die

Rübe geprügelt werden) hingegen eher nicht. Subtilität war ja Kojimas

Stärke noch nie – eher die Fähigkeit, seine Fans komplett zu verwirren.

Während einem die «Soulsborne»-Spiele das Gefühl vermitteln, an einer

epischen Mythologie nur kratzen zu können, schafft es Kojima, dass man

sich einfach nur dumm vorkommt, weil man die mäandernden Fäden

seiner Handlung nie recht folgen kann. Nur so viel: Man ist der beste

Postbote der Welt und damit beauftragt, ein Netz aufzubauen, das die

untergegangene und in unterirdische Städte aufgespaltene USA nach einem

übernatürlichen, verheerenden Ereignis, das «unsere» Realität mit

der Totenwelt überlappen liess, wieder zu vereinen. Äh. Ja. Wir sind also

nicht nur Lieferjunge, nein, wir sind auch das einzige Fussvolk in einem

Kontinent umspannenden Infrastrukturprojekt.

Und doch – oder gerade deswegen: Wer sich wirklich genau darauf einlassen

kann und will, und wieder und wieder loszieht, um seine Botengänge

zu erledigen, der kann regelrecht Frieden in «Death Stranding»

finden. Seine innere Mitte. Einen Zustand des Zen, ganz ähnlich wie bei

«Shenmue», wo ebenfalls Spielspass eine der weniger wichtigen Prioritäten

darstellt. Keine Frage, dieses Spiel ist genau das, was Hideo Kojima

machen wollte. Und wie seine Regie-Freunde Del Torro und vor allem

Nicolas Winding Refn ist nicht jeder Film und nicht jedes Spiel auch für

jeden. Nein, nicht alle Games sind Dienstleistungen. Müssen sie auch

nicht sein. Vor allem nicht Kojimas. Die Belohnung, «Death Stranding»

zu spielen, liegt auf einer anderen Ebene als der üblichen: Man darf sich

voll und ganz allein und verlassen fühlen. Mit allem, was an emotionalem

Ballast mit so einer Situation einhergeht. Tja. Jeder hat eben sein Päckchen

zu tragen.

wwwvv

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

45


GAMES

LICHTSCHWERT-ACTION-ADVENTURE

STAR WARS JEDI: FALLEN ORDER

AB JETZT FÜR PS4, XBOX ONE UND PC

Das Jahr 2019 ist ein «Star Wars»-Jahr. Mal wieder. Bei

Disney+ startete jüngst «The Mandalorian» und im Dezember

erwartet uns Episode IX im Kino des Vertrauens.

Passend dazu liegt auch ein neues Spiel im Regal.

von Andy Meier

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

46

In jüngster Vergangenheit suchen lichtschwertschwingende Videospieler oft

vergebens nach gepflegter Einzelspieler-Unterhaltung. Der Story-Modus wurde

auf Kosten grosser Multiplayer-Schlachten schlicht gekappt oder auf ein Minimum

reduziert. Entsprechend euphorisch hatte die Community die Ankündigung

von «Star Wars Jedi: Fallen Order» aufgenommen, sollte das Spiel doch die

lange vernachlässigte Lücke füllen. Und diese Euphorie war wohl platziert, denn

das Action-Game wartet mit einem «Star Wars»-Gaming-Erlebnis auf, über das

BB-8 sagen würde «Be-Bo-Beeeep», was frei übersetzt heisst «Geiler Scheiss,

Alter».

Jedi-Soulslike im Uncharted-Kostüm

Schnell wird klar, welche Franchises sich Entwickler Respawn zum Vorbild genommen

hat. Vereinfacht heruntergebrochen bietet das Game eine Mischung

aus der «Uncharted»- und der «Dark Souls»-Reihe, ohne

dabei aber die gnadenlose Härte eines zweiteren zu repräsentieren

und leider ist auch die Präsentation noch

ein ganzes Stück von Naughty Dogs Adventure-Serie weit

weg. Hübsch anzusehen sind die Zwischensequenzen

nichtsdestotrotz allemal. Das wichtigste aber: Es macht

verdammt Spass, sich durch die Übermacht an Stormtroopers

und den weiteren imperialen Feinden zu metzeln. Die

Lichtschwert-Kämpfe steuern sich exakt und die Kämpfe

gehen trotz Anspruch flott von der Hand. Zwischendurch

wartet ein extra starker Obermotz auf Haue und es werden

nicht allzu komplizierte Rätsel gelöst.

Welche Macht darfs denn sein?

Auf dem Weg durch die Story gibt es immer wieder Erfahrungspunkte

abzusahnen. Jene stecken wir in weitere

Angriffsmanöver, längeres Durchhaltevermögen oder – der

interessanteste Punkt – zusätzliche Macht-Finessen. Damit

schubsen wir die gegnerischen Streitkräfte über Level-Kanten oder verlangsamen

die Zeit. All das zehrt am separaten Energiebalken und ist damit nicht

endlos einsetzbar. Ohne diese zusätzlichen Fähigkeiten sähen wir aber auch alt

aus im Kampf gegen das Imperium. Das Spiel ist auch auf dem zweitleichtesten

Schwierigkeitsgrad kein Selbstläufer. Wer es härter mag, reguliert weiter nach

oben. Der leichteste Modus ist allerdings nicht empfehlenswert, da so tatsächlich

der Reiz des Spiels zusammen mit jeglichen Herausforderungen verloren

geht. Den benötigen wir dank äusserst fair gesetzten Rücksetzpunkten und aktivierbaren

Abkürzungen aber auch nicht.

cSolides Säbelrasseln

Das Spiel reisst grafisch keine Bäume aus, untermalt die durchaus hübschen

unterschiedlichen Planten aber stets mit glanzvoller «Star Wars»-Musik. Dazu

kommen die tadellose Spielbarkeit und eine konstante Motivation, den eigenen

Charakter doch noch etwas besser zu machen. Die Zuckersäckli-Weisheit

«Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht» trifft hier den Nagel auf den

Kopf. Da die Spieldesigner ausschliesslich von den Genre-Besten abgeschaut

haben, erwartet uns Spieler hier ein durchwegs unterhaltsames und richtig gut

gemachtes «Star Wars»-Spiel.

wwwwv


Festtagsöffnungszeiten

Di, 24. Dez. 9 – 17 Uhr

Weihnachten: ganzer Tag

25. – 26. Dez. geschlossen

27. – 30. Dez. normal geöffnet

Di, 31. Dez. 9 – 17 Uhr

Neujahr: ganzer Tag

1. – 2. Jan. geschlossen

Buch: The Art of Diablo

Game/Film-

Kochbücher

Blu-rays: Ghibli-Filme

PS4: Medievil

PS4: Ni No Kuni 2

Nintendo Switch Lite

-Turquoise-

(auch in gelb oder grau)

X1: The Outer Worlds

Nintendo Switch:

Pokémon Schwert

Pokémon Schild

Spiel: Kampf gegen

das Bünzlitum

und die Erweiterung

«Persönliche Spielkarten»

Lego: Creator

Harley-Davidson Fat Boy

Lego: Star Wars Millennium Falcon

Spiel: Flügelschlag

Sonntagsverkauf!

Sonntag, 15. Dezember

11 – 16 Uhr

Schinhuetweg 3

5035 Unterentfelden

mit Päckliservice, feine Guetzli

und div. Aktionen


GAMES

FANTASY-ZEITFRESSER-RPG

BALDURS GATE 1 & 2

ROLLENSPIEL-ROUNDHOUSE-KICK MIT VERSPÄTUNG

AB JETZT FÜR PS4, NINTENDO SWITCH UND XBOX ONE

Mehr als 20 Jahre nach ihrem ursprünglichen Release werden

die heissgeliebtesten RPG-Klassiker «Baldur’s Gate»

und «Baldur’s Gate II: Shadow of Amn» für die Konsole umgesetzt.

Eigentlich eine gute Nachricht, doch taugen genredefinierende

Games zwei Dekaden später überhaupt noch was?

von Rainer Etzweiler

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

48

Es ist noch nicht allzu lange her, da waren «Dungeons & Dragons»-Spieler

die Epitome der Nerdkultur. Blasse, sozial inkompatible Verlierer auf

deren Kosten man sich amüsiert und die in Coming-of-Age-Filmen von

den Football-Spielern vermöbelt werden. Zwei TV-Shows haben dieses

Bild jüngst zurück in den Zeitgeist geholt. Während «The Big Theory»

(ew!) weiterhin die Klischees bediente, wählte «Stranger Things» einen

anderen, emotionaleren Ansatz. Schlussendlich haben aber beide Formate

dazu beigetragen, dass der Brand im Jahr 2019 grösser ist denn je.

Ein perfekter Zeitpunkt also, um die neuen Fans mit den dazugehörigen

Game-Franchises abzuholen.

Der Zeit voraus

«Baldurs Gate» erschien 1998, der Nachfolger zwei Jahre später und beide

Titel schafften es, die komplexen «Dungeons & Dragons»-Regeln in

ein verständliches PC-Spiel zu packen. Dabei etablierte das Fantasy-RPG

(zusammen mit «Fallout») etliche Elemente, die heute genreübergreifend

zum guten Gaming-Ton gehören. Etwa die Möglichkeit, seine eigenen

Entscheidungen zu treffen und damit den weiteren Spielverlauf zu beeinflussen

oder ein Level-Up-System, das dem Spieler sämtliche Freiheiten

bei der Charakterentwicklung lässt.

Weihnachtsferien an der Schwertküste

Das Abenteuer beginnt in der Kerzenburg, einem abgelegenen Gemäuer,

wo ein Attentat auf unser - bis anhin in langweiligen Frieden lebenden

- Alter Ego in die Hose geht, was natürlich nur der Auftakt einer klassischen,

aber eben auch verdammt packenden High Fantasy-Story ist. Mit

bis zu fünf Mitstreiter (und einem Space-Hamster) geht’s dann auf in die

verwunschenen Wälder und Höhlen, wo allerlei Ork-Gesocks auf unsere

Helden wartet. Die Kämpfe können auf Knopfdruck pausiert werden, was

Zeit lässt für strategisches Vorgehen und den richtigen Einsatz der verschiedenen

Charaktere. Der grobschlächtige Barbar etwa macht sich gut

an der Front, die Diebin agiert besser aus dem Hinterhalt. Wer «Pillars

of Eternity» oder ein anderes aktuelles RPG gespielt hat, kennt sich aus.

Dass heute noch so viele Spiele auf die Gameplay-Komponenten von

«Baldurs Gate» zurückgreifen, beantwortet die Frage aus dem Lead

stückweise. Natürlich ist die Grafik trotz der höheren Auflösung absolut

antik und das Handling öfters mal etwas sperrig. Wer sich damit aber

arrangieren kann, wird mit mehreren hundert Stunden Fantasy-RPG-Kost

belohnt, die heute noch genau so fasziniert wie 1998.

wwwwv


THE FESTIVAL FOR

MOVIE, GAME, COSPLAY

& COMIC FANS.

21.–23.5.2020

FANTASYBASEL.CH

©

C. Scheurer


COMIC

Die Lage ist angespannter

als Giraffen-Strapse ...

Wahre

Geschichten

aus unserem

Büroalltag

Episode 8:

Cute Lazzarus

Was bisher geschah: Die Belagerung der RCKSTR-Redaktion

durch das Panadero-Kartell eskaliert, nachdem sich ein

als Essenslieferant getarnter Sicario Zugang verschafft -

ist damit die Bürountermiete der Yakuza beendet?

(Alle bisherigen Episoden findest du auf issuu.com/rckstr)

Nightwish? Ich bevorzuge DEATH WISH!

URGS!!

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

50

Er stand drei

Monate vor seiner

Pensionierung!

O-okay, sicher lässt sich

hier was aushandeln.

Bitte nicht schiessen! Nimm dir alle

Nightwish-Promo-CDs, die du willst!

NNNNNEINNNN!!!

Der sinistre Praktikant

kommt aus seiner Deckung.

Ich bestimmt nicht! Schliesslich habe dich

dich hereingelassen, damit du diese Pfeifen

überhaupt erst ausblasen kannst.

Ganz recht! Schon die ganze Zeit konspiriere

ich euren Untergang, RCKSTR! Jeden

Morgen bin ich als Schläfer-Agent extra

früh aufgestanden, um euch den ...

¡Ándale! Wer ist der nächste!?

Kaum ist das Hühnchen gerupft,

geht es ans Dessert.


... Was uns zu dir bringt, Prakti-cunt!

BANG-A-RANG!

Bei all dem Mist, den wir ständig im Heft

schreiben, traue ich mich längst nicht mehr

ohne kugelsichere Weste aus dem Haus.

to be

continued ...


AUSGEHEN

27.1. Halle 622 (Zürich)

MELANIE MARTINEZ

GIG

Auf ihrer aktuellen Welttournee hat Melanie Martinez nicht nur

ihr neues Album im Gepäck, sondern gleich den dazugehörenden

Spielfilm. Ein Alternative-Pop-Feuerwerk, dem höchstens

Menschen mit Pastellfarben-Allergie entsagen sollten. (rec)

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

52


Als hätte sie die «Muppet Babies»-Version eines Wes Anderson Films gedreht: «K-12», der 90-minütige

Film zum gleichnamigen zweiten Album von Melanie Martinez, ist eine zuckerwattenbunte

Schmucktruhe aus fantasievoll und behutsam komponierten Bildern. Die opulenten Sets und

Kostüme erinnern an die berauschende Version von Sofia Coppolas «Marie Antoinette», die stets leicht

entrückt scheinenden Charaktere würden sich auch gut im nächsten Werk von Tim Burton machen.

Keine schlechten Vorbilder also, die Melanie für ihr bislang ambitioniertestes Projekt zitiert hat. Drehbuch

und Regie hat die 24-Jährige selber übernommen, war an vorderster Front bei der Ausstattung,

dem Casting und selbst beim Scouting für die Hauptlocation – das prächtige Schloss Esterházy im

ungarischen Fertőd.

Und dann sind da natürlich ihre Songs, die sich wie ein rosa Faden durch die Handlung ziehen:

Widerwillig macht sich Protagonistin Cry Baby (gespielt von Melanie Martinez, of course) auf zum

ersten Schultag an einem schrulligen Internat und muss sich dort durch allerhand Drama und Ungerechtigkeiten

navigieren. Es geht – wie so oft in der Musik der gebürtigen New Yorkerin – um den

Stolz aufs Anderssein; wenn andere dich in Schubladen einteilen wollen, dann zerschlage die ganze

verdammte Kommode. Es ist eine aufbauende Message, die durch das barocke Pop-Musical manchmal

etwas gar plakativ, aber stets mit sehr viel Charme und Witz durch den Bildschirm leuchtet. «K-12»

feierte Premiere in einigen ausgewählten US-Kinos sowie auf YouTube – wo er bereits nach sieben

Stunden über eine Million Views verzeichnen konnte. Inzwischen lässt sich der Streifen unter anderem

auf iTunes downloaden.

Und der pastellige Fiebertraum soll noch kein Ende haben: Mindestens zwei weitere Langspielfilme

hat Melanie Martinez geplant, die gemeinsam mit YouTube Music im November ihre neue

Show «Arts & Crafts» für die Videoplattform lanciert hat und dabei Einblick in ihren kreativen

Prozess gewährt. Dabei begann sie die Reise zu ihrem audiovisuellen Gesamtkunstwerk

einst auf dem Friedhof der musikalischen Kreativität: einer Castingshow. Dort wo die immer

gleichen Lieder anderer brav nachgeträllert werden und Fernsehproduzenten «echten

Emotionen» hinterherhecheln. In der dritten Staffel von «The Voice» trat Melanie vor

sieben Jahren zum ersten Mal ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit, fiel schon

dort schnell aus dem Rahmen – und in der Top-6-Runde schliesslich auch aus dem

Wettbewerb.

Doch liessen sich da bereits schon genügend Fans von den enigmatischen

Auftritten der Sängerin verzaubern und so folgten diese Melanie auf ihrem

Pfad, den sie sich seither stets immer knapp neben dem Mainstream geebnet

hat: 2014 erschien ihre erste Single «Dollhouse», das begleitende Musikvideo

wurde durch ein Crowdfunding ermöglicht, die Dreharbeiten übernahmen

Melanie und einige ihrer Freunde – inzwischen verzeichnet die Indie-Produktion

auf YouTube über 244 Millionen Klicks. Ein Jahr später folgte

das Debütalbum «Cry Baby», welches Platz 1 der Top Alternative Billboard

Charts erreichte und unter anderem so ungewöhnlichen offiziellen

Merchandise wie die «Cry Baby Perfume Milk» nach sich zog

– ein süssliches Parfüm, verpackt in einer Schoppenflasche.

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

53

Sucht man nach den Duftnoten in Melanie Martinez’ Musik, so landet

man dabei schnell bei ihren Jugendheldinnen wie Björk oder Coco-

Rosie, gepaart mit dem eingängigen und reflektierten Pop-Bombast

einer Lorde, Sia oder Charli XCX. «Wie ein Kuchen», beschreibt Melanie

dagegen vorzugsweise ihr Œuvre – und zwar einer, der für manche

Geschmäcker womöglich etwas gar zu süss und überkandidelt

daherkommen mag. Doch wer einen Zuckerschock nicht fürchtet, hat

demnächst auch in der Schweiz die Gelegenheit, vollends ins Schlaraffenland

von «K-12» einzutauchen: Im Januar wird die Halle 622

in Zürich zum Tollhaus, äh, Dollhouse, wenn Melanie Martinez

Film, Musik und Tanzchoreographien zu einem umfassenden

Bühnenspektakel spinnt. Denn wie sagte schon (nicht) Marie

Antoinette: Let them hear cake! w


AUSGEHEN

27.12. Nordstern (Basel)

ANN CLUE

BPM

GIG

21.12. KiFF (Aarau)

HAUBI SONGS

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

54

Irgendwann ist auch mal wieder

gut mit Stille Nacht und

Ann Clue ist genau die richtige

für den Job, dir das Lametta

aus der Frisur zu pusten by the

way of bass: Als eines der herausragenden

Talente von Boris

Brejchas Label Fcking Serious

besticht die Deutsche mit heavy

und doch auch immer wieder

melodiösen Techno-Sets, eben

ganz so, wie man es von ihren

Tracks wie «Dreamcatcher» oder

«Roadtrip» kennt. Unterstützt

wird Ann Clue an diesem Abend

von den Lokalhelden Dan B. und

Herr Vogel. (rec)

Wer in seinem musikalischen Repertoire keine

Plastik-Melodica für 20 Stutz führt, der

kann uns eigentlich gestohlen bleiben. Sorry,

aber es ist einfach an der Zeit, gewisse Linien

in den Sand zu ziehen. Nick Furrer aka Haubi

Songs pustet sich damit glücklicherweise

schon seit längerer Zeit in unser Herz und

hat auf seinem dritten Album «Highlife» mal

wieder jene quietschy und cleveren Trash-

Pop-Songs am Start, die uns für den Rest vom

Tag ein schräges Grinsen ins Gesicht zaubern

– live erst recht und deshalb auch im Vorweihnachtsstress

ein Pflichttermin. (rec)

14.12. Palace (St. Gallen)

ART

LEGENDS OF

ENTERTAINMENT

Im Gegensatz zu den Weisen aus dem Morgenland,

schaffen es die Heiligen drei Königinnen

der feministischen Popliteratur rechtzeitig zur

Weihnachtszeit in unseren Stall, äh, ins Palace:

Stefanie Sargnagel mischt mit ihren Texten

längst nicht mehr nur ihre Wiener Heimat auf,

Christiane Rösinger kennt man auch als Teil

der famosen Bands Britta sowie Lassie Singers

und Denice Bourbon setzt als Mitbegründerin

des Comedy Clubs PCCC* neue Standards im

Stand-up-Game. Alle drei geben sich nun an

einem Abend die Ehre, es wird garantiert

goldig (und vielleicht auch weihrauchig oder

myrrhig). (rec)


7.3. Diverse Locations (Zürich)

RADAR FESTIVAL

GIG

Ist zwar noch etwas hin bis zum Radar Festival, doch da für die ersten beiden Ausgaben

die Tickets schneller weggingen als ein verdammtes E-Trotti auf dem Bürgersteig, machen

wir schon mal früh genug darauf aufmerksam und verhindern damit hoffentlich enttäuschte

Seufzer vor dem «AUSVERKAUFT»-Schild. Ist das Billett dann einmal in der Tasche (oder auf

dem Handy, ist ja dann immerhin schon 2020 und damit voll THE FUTURE), gibt es damit

Zutritt für über 30 Konzerte an mehr als zehn Locations entlang der Zürcher Langstrasse. Erneut

hat das Organisationskomitee ein herausragendes Händchen und feingetuntes Öhrchen

bewiesen, was die Programmauswahl angeht. Die Künstlerinnen und Künstler des stilistisch

wieder enorm vielseitigen Line-ups eint insbesondere, dass sie allesamt kurz vor dem Durchbruch

stehen – sollte dein musikalischer, öh, Radar also mal wieder ein paar neue aufblitzende

Punkte vertragen: Hier wirst du garantiert mit ein paar neuen Lieblingsacts versorgt.

Neben einheimischen Nochgeheimtipps wie DAENS oder Sensu, finden unter anderem auch

Neue-Darke-Welle-Sängerin Mia Morgan aus Deutschland oder die englische Rockhoffnung

Valeras ihren Weg nach 8004. Überaus gespannt sind wir zudem auf Máni Orrason (Bild) aus

Island: Der so entzückende wie entspannte Alternative-Pop des 21-Jährigen hat uns dank

Songs wie «Numb» bereits den vergangenen Sommer versüsst und wird uns nun genauso

verträumt ins neue Jahr tragen. (rec)

PRÄSENTIERT LIVE

FREYA RIDINGS UK

DI 28 JAN 2020 / KAUFLEUTEN, ZÜRICH

POP ROCK

STEREOPHONICS UK

DO 06 FEB 2020 / VOLKSHAUS, ZÜRICH

DAMIAN LYNN CH

MI 12 FEB 2020 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

WURST AT

DO 13 FEB 2020 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

ORISHAS CU

SA 15 FEB 2020 / HALLE 622, ZÜRICH

BOY & BEAR AU

DI 18 FEB 2020 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

BROKEN BACK FR

DO 27 FEB 2020 / DYNAMO, ZÜRICH

SAM FENDER UK

SO 01 MÄR 2020 / HALLE 622, ZÜRICH

STARSET US

DI 03 MÄR 2020 / DYNAMO, ZÜRICH

AGNES OBEL DK

DO 05 MÄR 2020 / SAMSUNG HALL, ZÜRICH

MADS LANGER DK

FR 20 MÄR 2020 / MASCOTTE, ZÜRICH

TONES AND I AU

FR 20 MÄR 2020 / KOMPLEX 457, ZÜRICH

HATARI IS

MO 23 MÄR 2020 / DYNAMO, ZÜRICH

PIANO POP

POP ROCK

ELECTRO POP

LATIN HIP HOP

FOLK POP

ELECTRO FOLK

SINGER SONGWRITER

CINEMATIC ROCK

CHAMBER POP

POP ROCK

INDIE POP

INDUSTRIAL ELECTRO

ZIGGY ALBERTS AU

DI 14 APR 2020 / X-TRA, ZÜRICH

JAMES BLAKE UK

MI 15 APR 2020 / X-TRA, ZÜRICH

JONATHAN BREE NZ

DI 05 MAY 2020 / MASCOTTE, ZÜRICH

SURF FOLK

ELECTRO POP

BAROQUE POP

MAHMOOD IT

SA 16 MAY 2020 / KOMPLEX 457, ZÜRICH

INFOS UND TICKETS: JUSTBECAUSE.CH & STARTICKET.CH

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ITALO POP


AUSGEHEN

25.15. Dachstock (Bern)

MIDILUXMAS

BPM

22.11. - 15.3.

Museum Rietberg (Zürich)

ART

FIKTION KONGO

Spätestens seit dem weltweiten Kinoerfolg

von Marvels «Black Panther» ist das

Thema Afrofuturismus auch im Mainstream

angekommen. Von diesem lässt

sich auch an zahlreichen Kunstgegenständen

der aktuellen Sonderausstellung

«Fiktion Kongo» im Museum Rietberg

einiges erahnen: Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft des Landes

verschmelzen zu faszinierenden Kreationen

und zeigen dabei, dass die künstlerische

Szene der Demokratischen

Republik Kongo die momentan wohl

aufregendste ihres Kontinents ist. (rec)

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

56

Wenn man die Augen etwas zusammenkneift, schaut der Berner Dachstock

durchaus wie eine Krippe aus. Wo also besser an Weihnachten aufschlagen

als hier? Erst recht, wenn die traditionelle Midiluxmas Party das Holz

zum Knarze bringt und mit DJs wie Valentino Mora, Racker und Dr. Rubinstein

(Bild) aufwartet. Letztere leuchtet seit einigen Jahren wie ein Morgenstern

im Berliner Nachthimmel mit Engagements wie dem Berghain

und sorgt mit ekstatischen Acid-Sets für rundum selige Raverherzen auf

dem Dancefloor. (rec)

31.1. Halle 622 (Zürich)

GIG

KEANE

Wie heisst es bekanntlich im Handbuch für korrektes Lüften: «Wenn Gott eine Tür schliesst,

öffnet er ein Fenster.» So bisschen nach dem Motto dürfte sich zuletzt auch Tim Rice-Oxley

gefühlt haben. Der Bassist, Keyboarder und Songwriter von Keane nutzte die Trennung

von seiner Ehefrau, um sie in Songs für die wiedervereinigte Band zu verarbeiten. 2013

beschloss ein «Best of»-Album das erste Kapitel der Gruppe, die zu Beginn ihrer Karriere

insbesondere als «Diese Band, die wie Coldplay klingt, nur ohne Gitarren» bekannt wurde

und dank schmachtenden Late-to-the-Britpop-Party-Hymnen wie «Somewhere Only We

Know» weltweite Erfolge feiern konnte. Es folgten drei weitere Alben – alle kletterten sie

auf Platz 1 der englischen Charts. Dass sich Keane im Verlauf ihrer musikalischen Entwick-


KIFF

31.1. - 8.2. Diverse Locations (Baden)

ONE OF A MILLION

FESTIVAL

GIG

Baden legt mal wieder vor, was den Start

ins Festivaljahr angeht. Während einer

Woche bespielen hervorragend kuratierte

Acts auf verschiedenen Bühnen, beispielsweise

der Herzschmelz-Heartland-Folkie

Ryley Walker, Prösche-Kunstschul-Rapperin

Haiyti oder das Ethno-Electro-Folk-Konsortium

Yallah Bye. Und auch Ilgen-Nur

(Bild) schafft es ins inoffizielle Indie Capital

of Aargau. Die deutsche Songwriterin

hat mit ihrem Debütalbum «Power Nap»

den Slacker Rock aus dem Schönheitsschlaf

geholt und damit international für

Begeisterung gesorgt. (rec)

lung zunehmend auch an groovendem Synthie-Pop orientierten, schien die Fans nicht zu

stören, vielmehr begrüsste es Publikum und Kritik. Doch dann war vor neun Jahren vorerst

Schluss. Sänger Tom Chaplin versuchte sich an einer Solo-Karriere, ebenfalls ging das Projekt

Mt. Desolation aus den Überresten von Keane hervor – beides mit eher ... überschaubarem

Erfolg. Mit «Cause and Effect» finden die Jungs nun wieder zusammen und zu alter

Stärke. Tims Herzblut hat zu einigen reifen Texten zu existentiellen Themen geführt, doch

sind Songs wie «The Way I Feel» weit von selbstmitleidigem Liebesgejammer entfernt,

sondern knüpfen an den Mut-mach-Pop ihrer besten Kompositionen an. (rec)

05.12

LO & LEDUC CH

AARAU

05.12

THE

INTERSPHERE DE

GRAN NOIR CH

06.12

HAZE DE

HANS NÖTIG CH

12.12

ANY GIVEN DAY DE

13.12 FIASKO

PRONTO CH

18.12

NORTHLANE AUS

21.12

HAUBI SONGS CH

27.12

RICKY HARSH CH

31.12

DER GROSSE

KIFF SILVESTER

10.01

BELL BARONETS CH

10.01

MANU DELAGO

ENSEMBLE AUT

17.01

CHLYKLASS CH

24.01

HELLVETICA CH

25.01

YONAS USA

JUSTIN STONE USA

01.02

BOBAN

MARKOVIC

ORKESTAR SEB

07.02

KUMMERBUBEN CH

14.02

MASTA ACE &

MARCO POLO USA

TICKETS: WWW.STARTICKET.CH

MORE INFOS & SHOWS: WWW.KIFF.CH


Brass Against

ONLY SWISS SHOW

05.04.20

TÜR

DOCKS.CH

SHOW

19.00 20.00


PRÄSENTIERT LIVE

FREYA RIDINGSUK

DI 28 JAN 2020

KAUFLEUTEN, ZÜRICH

UK’S NEW VIBRATO GODDESS OF EMPOWERING BALLADS

CHAMBER POP

POP ROCK

STEREOPHONICSUK

DO 06 FEB 2020

VOLKSHAUS, ZÜRICH

“HAVE A NICE DAY“ WITH KELLY JONES‘ UNIQUE VOICE

SINGER SONGWRITER

SAM FENDERUK

S0 01 MÄR 2020

HALLE 622, ZÜRICH

SEARING GUITAR-ANTHEMS BY BRITS WINNER 2019

AGNES OBELDK

DO 05 MÄR 2020

SAMSUNG HALL, ZÜRICH

CAPTIVATING AND ENIGMATIC PIANO COMPOSITIONS

CHAMBER POP

FR 06 MÄR 2020

METROPOLE, LAUSANNE

TONES AND

FR 20 MÄR 2020

KOMPLEX 457, ZÜRICH

BOP-BUSKING „DANCE MONKEY“ WITH A STRIKING VOICE

IAU

INDIE POP

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CUNNINGHAM UK

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next

04.12. martina linn

06.12. patent ochsner

07.12. patent ochsner

08.12. martin kohlstedt

plattentaufe

klassik meets pop

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12.12. lo & leduc

13.12. kunz

18.12. impala ray

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14.12.

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20.12.

REETO VON

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Alltag Sonntag

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Mit Tonfall Kreis 8 Tausend

04.01.

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11.01.

KANTIBAND-

FESTIVAL

18.01.

FRANK RICHTER

Stand-Up Promedy vom Feinsten

25.01.

01.02.

ADAM'S

WEDDING

08.02.

KLEIDER-

TAUSCH

14.02.

RHYTHM AND

BLUES NIGHT

Amacher meets Gerber

22.02.

LATIN NIGHT

29.02.

THE FAMOUS

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23 Marz, 2020

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Farewell Special:

♥♥♥

ZOÉ ZIMMERMANN ♥♥♥

______________________

Es soll ja Menschen geben, die behaupten, RCKSTR habe sein Hirn schon längst verloren. Herz und Seele dagegen war für die letzten

knapp zehn Jahre Zoé, die in unserem kleinen Imperium so ziemlich alles hebelte – ob als Sales Managerin oder Head of Promo,

Events & Fun. Jetzt möchte sie schauen, was es in der Welt sonst noch so zu entdecken gibt und tanzt ein paar Häuser weiter. Um uns

für all ihre Heldentaten zu bedanken, müssten wir ein Extraheft im Umfang eines Telefonbuchs drucken. Darum sagen wir an dieser

Stelle einfach: ♥, Zoé. Du wirst immer die Original-Star-Wars-Trilogie in unserer Saga bleiben.

#173 | DEZ ’19 & JAN ’20

66

wwwwwwwwww

...und was wir sonst

noch gerne so ins

Heft gepackt hätten,

aber aus was

für Gründen auch

immer nicht mehr

geschafft haben:

wwwwwwwwww

Hach, wir werden ganz nostalgisch:

Früher hielten wir unser

Weihnachtsessen jeweils an der

«Karaoke From Hell»-Party im

Mascotte ab. Dieses Jahr kehrt

der – für einmal ist das Wort

durchaus angebracht – legendäre

Abend am 18. Dezember

zurück ins Gemäuer am Bellevue.

Hingehen: Pflicht!

Daniel Craig löst einen Detektivfall!

Klingt auf den ersten

Blick nach einem Warm-up für

den nächsten James-Bond-

Film, ist aber ein entzückender

Old-School-Krimi à la Agatha

Christie: «Knives Out» von

Regisseur Rian Johnson («Star

Wars: The Last Jedi») läuft ab

dem 2. Januar im Kino.

So. Fertig. Für mehr RCKSTR besuche uns auf:

@rckstr_magazine bei Instagram

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Die nächste Augabe erscheint am 4. 7. FEBRUAR OKTOBER ♥

Sind wir uns einig, dass die Serie

zu «Watchmen» ein echtes,

ehm, Must-Watch ist? Das liegt

auch am absolut bangenden

Soundtrack von Trent Reznor

und Atticus Ross. Die komplette

Score wird momentan in drei

Teilen veröffentlicht – der letzte

davon am 16. Dezember.

Den Soundtrack von

RCKSTR #173 hören:

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AB 18. DEZEMBER IM KINO

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