The Red Bulletin März 2020 (DE)

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DEUTSCHLAND

MÄRZ 2020, € 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

SPRICHST DU

DEUTSCHRAP?

Teste dein Wissen

im großen Quiz

DAVE

BAUTISTA

Wie der

Hollywood-Star

lernte, seinen

Gefühlen zu

vertrauen

DIE EIS-EILIGE

Short-Track-Star ANNA SEIDEL

erklärt, wie sie ihre Aufregung

in Kraft verwandelt

Für Abonnenten der

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LET’S

KEEP ON

BUILDING

STEAM

youtu.be/qKyvk5aww3k

LET’S

ON ROL


STEAM. SPLASH.

SPRAY.

CLIFF 4×4

ADVENTURE VAN

SUNLIGHT

BUILDING DREAMS

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Wir sind Erlebnis-Nomaden. Wir lieben das

Abenteuer. Und wir tragen Träume in uns,

die genauso raus müssen in die Welt wie

wir … Deshalb haben wir eine unserer großen

Visionen Wirklichkeit werden lassen: Wir

haben den ultimativen Adventure Van

gebaut – stark, völlig verrückt und absolut

einzigartig.

Der Adventure Van bringt uns nicht nur

überall hin, er ist selbst ein Abenteuer.

Unser CLIFF 4 × 4 hat eine Winch auf dem

Dach, eine Kletterwand am Heck und

einen Kicker an Bord. Die Dusche ist genauso

flexibel wie Sofa, Bett und Boomboxen.

Man kann die Slackline spannen, das

Bike in den Montageständer klemmen und

inder Hängematte chillen.

SPRAY

youtu.be/DXlEwb1F3iA

WIR SIND SCHON

IMMER GUT DAMIT

GEFAHREN,

ZU GEHEN.

Unsere Profi-Athleten vom SUNLIGHT Factory Team

haben den Adventure Van liebend gern den härtesten

Tests unterzogen. Mit ihren Bikes den Ätna befahren

war der große Traum von Guido Tschugg & Oli Dorn.

Wakeboard-Virtuoso Felix Georgii hat 500 Meter Winch-

Seil ausgeworfen und die Freeriderinnen Aline Bock &

Lena Stoffel hatten Powder-Alarm im WhiteOut.

Ihre Abenteuer und unseren Adventure

Van seht Ihr in den Webisodes – SPLASH,

STEAM, SPRAY.

KEEP

LING.

SPLASH

youtu.be/_299645FfOE


E D I T O R I A L

SCHIRM-HERREN

Inspiriert von den Beatles

posierte die Kult-Band

Wanda mit Regenschirmen

für uns. Was die Österreicher

von den legendären

Engländern lernten, liest du

ab Seite 56.

WILLKOMMEN

COOL

RUNNINGS

Von einem Moment auf den anderen kann alles vorbei

sein: In kaum einem Sport gilt dieses Prinzip so erbarmungslos

wie im Short Track. Auf Schlittschuhen

treten die Athleten auf engen Rundkursen im Pulk an,

Millimeter entscheiden über Sieg oder Massencrash.

Ein nervenaufreibender Kampf, den weltweit

nur wenige so geschickt beherrschen wie

Anna Seidel aus Dresden. Vor der WM in Südkorea

(13.–15. März) erklärt uns die 21-jährige

Athletin ab Seite 44, wie sie lernte, ihre Nervosität

zu umarmen, und warum sie bloß niemand

Eisschnellläuferin nennen sollte.

Um den Umgang mit Gefühlen geht es auch

in unserem Interview mit Hollywood-Bad-Boy

Dave Bautista, der ab Seite 36 ungewöhnlich

offen erzählt, wie er ausgerechnet als Türsteher eines

zwielichtigen Nachtclubs lernte, seinen Emotionen

zu vertrauen.

Viel Spaß mit der

neuen Ausgabe von

The Red Bulletin!

Die Redaktion

NEUE KÖPFE FÜR

FANTASY-FANS

Wir haben Nachfolger für

„Game of Thrones“-Autor

George R. R. Martin

gesucht. Unsere

Kandidaten: ab Seite 88

Swag

oder

Smombie?

Welchen Begriff

prägte Rapper

Money Boy? Diese

und weitere Fragen

im großen Rap-

Quiz. Ab Seite 64

500

Kilo wirken auf die

Knie von Balletttänzern.

Forscher

wollen die Belastungen

reduzieren.

Ab Seite 68

ROSIGE

AUSSICHTEN

Short-Track-Athletin

Anna Seidel brachte

ihre Brille zum

Shooting mit. Was sie

sonst noch zum Erfolg

braucht: ab Seite 44

RICHARD WALCH/ RED BULL CONTENT POOL, (COVER), FELIX KRÜGER

6 THE RED BULLETIN


W W W . R A D O N - B I K E S . C O M

„Radon Slide Trail 10.0 – I steh danebn. Könnt

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Danke, jetzt is mer klor: Es is wohr, es is wohr!“

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INHALT

The Red Bulletin

im März 2020

24

COVERSTORY

44 RISIKO ON ICE

Short-Track-Athletin Anna

Seidel erklärt, wie sie ihre

Entscheidungen trifft –

im Rennen und im Leben.

FOTOGRAFIE

24 GLETSCHER VON INNEN

Steig mit Eiskletterer Will

Gadd in Grönland hinab in

den Bauch des ewigen Eises.

HOLLYWOOD

36 DER SENSIBLE RIESE

Dave Bautista ist mit seinen

Gefühlen im Reinen – auch

wenn er dafür fluchen muss.

POP

40 SIE IST SO FREI

Wie Sängerin Balbina heute

von ihrer Außenseiterrolle

auf dem Schulhof profitiert.

SKI

42 ECHT STEILE KARRIERE

Wie Paddy Graham vom

flachen England aus die weltweite

Freeski-Szene eroberte.

5-MINUTEN-COACH

54 SO LIEST DU GEDANKEN

Thorsten Havener durchschaut

Personen schneller als andere.

Hier verrät er, wie das geht.

ROCK

56 WANDA-TAGE

Die Wiener Kult-Band über

Exzess, Entspannung und die

Suche nach dem guten Leben.

10 GALLERY

16 ZAHLEN, BITTE!

18 PLAYLIST

19 FUNDSTÜCK

20 LIFE HACKS

22 CLUB DER TOTEN DENKER

INNOVATOR

52 ÜBER DEN SEE RADELN

Das steckt hinter dem Hydrofoil-Bike

Manta5. Plus: Hotel

mit positiver Energiebilanz.

HIP-HOP

64 DAS GROSSE

DEUTSCHRAP-QUIZ

Von Bonez MC bis Money Boy:

Teste dein Wissen über

deutschsprachigen Hip-Hop.

TANZ

68 LEICHTER DENN JE

Für den Körper ist Ballett

eine Tortur. Mit Sportwissenschaft

will man das ändern.

guide

DEIN PROGRAMM

82 REISEN. Allrad in Albanien statt

Alltag daheim: ein Abenteuer

zwischen Bunkern und Bergen

86 FITNESS. Sauna-Workout mit

Lauf-Legende Christian Schiester

88 LESESTOFF. Wer schreibt

das neue „Game of Thrones“?

90 EVENTS. Wichtige Termine

für die kommenden Wochen

92 EVENTS SPEZIAL. Alles zum

Fun-Rennen Red Bull Homerun

94 GAMING. Warum du dank „Mario

Kart“ unbeschwerter lebst

95 ENTERTAINMENT. Red Bull

TV-Highlights, live & on demand

96 IMPRESSUM

98 PERFEKTER ABGANG

HÄNG DICH REIN Eiskletterer Will Gadd

über dem eiskalten Abgrund.

44

SCHAU VORAUS Short-Track-Ass Anna

Seidel hat Olympia 2022 in Peking im Blick.

56

TREIB’S BUNT Die Band Wanda sucht

Optimismus, wo ihn sonst keiner findet.

CHRISTIAN PONDELLA / RED BULL CONTENT POOL, FELIX KRÜGER, DAVID FISCHER, RICK GUEST

8 THE RED BULLETIN


68

BEGEHRE AUF

Das Royal Ballet London

will Ballett neu erfinden –

und menschlicher machen.

THE RED BULLETIN 9


10

GRAEME MURRAY


HUKA FALLS,

NEUSEELAND

Ziemlich

auf Zack

An dieser Stelle des Flusses Waikato

in Neuseeland schießen jede Sekunde

220.000 Liter Wasser durch eine

15 Meter schmale Felsdüse. Zum

Vergleich: Mit diesem Wasserdruck

könnte man ein olympisches Schwimmbecken

in ungefähr elf Sekunden

füllen. Und ja, es gibt Kajakfahrer, die

Spaß daran finden, einen Weg durch

das Inferno zu finden. Dieser hier

heißt Zack und ist erst 14 Jahre alt.

Instagram: @graememurraynz


LOFOTEN,

NORWEGEN

Völlig

losgelöst

Als Freeskier Sven Kueenle in diesem

astronautenhaften einteiligen Anzug

aufkreuzte, war für Fotograf Pally

Learmond sofort klar, wie das Bild

aussehen müsste: schwerelos, wie

ein Spaziergang im All. Das mit dem

Ausschalten der Schwerkraft bekam

der Deutsche dann mühelos hin,

für den Sternenstaub im Hintergrund

sorgten ein paar vor dem Abflug über

die Skispitzen verteilte Schaufeln

Pulverschnee.

Instagram: @pallylearmond


MARQUESAS,

FRANZÖSISCH-

POLYNESIEN

Hold

the Line

Man nehme: eine 370 Meter lange

Slackline, gespannt in 72 Meter Höhe

über die „baie des requins“ (Haibucht;

übrigens heißt sie nicht nur so) auf

der Insel Ua Pou in der Südsee, und

einen Mann wie den Franzosen Nathan

Paulin, der es sich bei 50 km/h Wind

zutraut, da drüberzugehen. Dann fehlt

nur noch dieser magische Moment

kurz vor Sonnenuntergang, der

all diese Zutaten zu einem wirklich

außergewöhnlichen Bild verschmilzt.

Voilà: Jeremy Bernard hat ihn mit

seiner Kamera erwischt.

Instagram:

@jeremy_bernard_photography

13


LOS ANGELES,

KALIFORNIEN

Überirdisch

Das irritierend anmutige Licht; der

Schatten des Geländers an der Mauer

dahinter, der aussieht wie gemalt; und

dann macht auch noch einer ganz oben

einen Handstand! Obwohl das Foto

des Amerikaners Dan Krauss wirkt,

als wäre es in einem Paralleluniversum

aufgenommen worden, hat sich tatsächlich

alles genau so zugetragen.

Und kurz darauf wurde Parkourkünstler

Joel Fridman-Rojas von einem Sicherheitsorgan

aufgefordert, sofort mit

dem Blödsinn aufzuhören.

Instagram: @DanKrauss

14


Z A H L E N , B I T T E !

SAISONSTART

Brumm, brumm!

Die Formel 1 ist zurück! Zum Saisonauftakt in Australien (15. März):

die stärksten Zahlen aus der Königsklasse des Motorsports.

372,6

km/h ist die höchste je in einem

Rennen erzielte Geschwindigkeit:

gefahren von Juan Pablo

Montoya 2005 in Monza.

68

Rennstrecken wurden seit

Gründung der Serie 1950

in 25 Ländern befahren.

7

Weltmeistertitel errang

Michael Schumacher, der bislang

erfolgreichste F1-Pilot

(307 Rennstarts, 91 Siege).

½

WM-Punkt erzielte die Italienerin

Lella Lombardi beim Spanien-GP

1975. Ausser ihr gelang es keiner

Pilotin, jemals in der WM-

Wertung anzuschreiben.

24.

und Letzter wurde der Inder Narain

Karthikeyan 2011 beim Grossen Preis

von Spanien. Es war der höchste jemals

gewertete Rang, weil bei dem Rennen

sämtliche Teilnehmer ins Ziel kamen.

0,09

Sekunden trennten beim Grand

Prix von Italien 1971 fünf Autos,

die hintereinander ins Ziel

fuhren. Knapper geht’s nicht.

4.093.305

Live-Zuschauer wurden bei den 21 GPs 2018 gezählt.

4

Kilo verlieren die Fahrer

durchschnittlich pro Rennen –

die Temperaturen im Cockpit

erreichen bis zu 50 Grad.

250.000

Dollar war der Diamant an

der Nase von Christian Kliens

Jaguar R5 beim Grossen Preis

von Monaco 2004 wert (ein PR-

Gag). Der Österreicher crashte

in der ersten Runde, der Stein

ist bis heute verschollen.

18

Mechaniker sind bei einem

regulären Boxenstopp beteiligt.

Bis 2009 waren zwei weitere

Mechaniker zum Betanken dabei.

80.000

Einzelteile hat ein F1-Auto.

1,8

Meter lang war die Karriere des

Deutschen Ernst Loof: Bei seinem

einzigen Start 1953 beim

heimatlichen Grand Prix blieb

er wegen eines Benzinpumpenproblems

gleich wieder stehen.

GETTY IMAGES (4), THOMAS BUTLER/RED BULL CONTENT POOL CLAUDIA MEITERT

16 THE RED BULLETIN


P L A Y L I S T

UNDERWORLD

Musik, die

dein Hirn

beflügelt

Karl Hyde ist Musiker, Maler

und Videokünstler. Sein Kreativgeheimnis?

Inspirierende Songs.

Hier empfiehlt er vier davon.

Das walisische Duo Underworld

zählt zu den erfolgreichsten und

innovativsten Künstlern der elektronischen

Musik: Seit ihrem Megahit

„Born Slippy“ 1996 erfinden

sich Karl Hyde (im Bild rechts) und

Rick Smith mit jedem Projekt neu.

Sie haben bereits zehn Alben aufgenommen,

daneben kreieren sie

Soundtracks für Filme, Theaterstücke

und Computerspiele.

Sie komponierten die Musik zur

Eröffnung der Olympischen Spiele

in London (2012) und betreiben

mit Tomato ihre eigene High-Tech-

Kreativagentur. Wovon sie sich

inspirieren lassen, wenn die Ideen

ausgehen? Von Musik, erklärt der

62-jährige Hyde. Genauer: der Musik

seiner Helden. Die folgenden vier

Aufnahmen bringen seine kleinen

grauen Zellen zum Leuchten.

Neues Album: „Drift Series One“ ;

underworldlive.com

Brian Eno

Needles in the Camel’s Eye

(1974)

„Brian ist ein spannender Typ, von

dem ich bei unserer Zusammenarbeit

viel gelernt habe, gerade was

Inspiration betrifft. Wir erfanden

ein Spiel, bei dem wir einander

Städte vorschlugen, die der andere

besuchen musste: ‚Fahr nach

Birmingham.‘ – ‚Warum?‘ – ‚Fahr

einfach.‘ Raus aus der Werkstatt,

rein ins Neuland – dieser Ansatz

führt immer zu einer guten Idee.“

Bob Dylan

Lily, Rosemary & the Jack

of Hearts (1975)

„Dylan ist extrem wandlungsfähig

und riskiert immer alles. Als er

dachte, keiner würde sich mehr

für ihn interessieren, ging er so

lange auf Tour, bis alle ihn wieder

mochten. Ich habe ihn im Sommer

im Hyde Park erlebt und finde es

irre, wenn Leute sagen: ‚Er ist nicht

mehr, was er mal war.‘ Na Gott sei

Dank! Von seinem Ansatz kann

jeder Künstler lernen.“

Iggy Pop

Nightclubbing

(1977)

„Die Art, wie Iggy improvisiert, ist

einzigartig: Er betritt das Studio

und legt los. In seinem Kopf bearbeitet

er spontan Erinnerungen

an Zeitungsartikel, Bücher und Gespräche.

Das setzt er zusammen

und kotzt es ungefiltert einfach

raus. Das kann man in dem Stück

gut hören. Sein Ansatz ist total

inspirierend, besonders wenn man

mit einer Idee nicht weiterkommt.“

Kraftwerk

Europe Endless

(1977)

„Mit Kraftwerk bin ich aufgewachsen

– genau wie mit Neu! und Can.

Diese deutschen 1970er-Jahre­

Bands haben meine Liebe für

re petitive Beats entfacht. Gleichklang

hat etwas Hypnotisches, das

mich in eine produktive Stimmung

versetzt. Das sich ständig wiederholende

Element, das man in

diesem Track hört, findet sich folglich

in allem wieder, was ich tue.“

PEROU FLORIAN OBKIRCHER

18 THE RED BULLETIN


F U N D S T Ü C K

DAN WINTERS CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

„THE WALKING DEAD“

Farben des Grauens

Schminkpalette für das Make-up der Zombies in der TV-Serie „The Walking Dead“, USA, 2011

Wir wissen: Untote, die Menschen bedrohen, gibt es nicht. Aber die Zombies in der 2010 gestarteten

TV-Serie „The Walking Dead“ sehen so realistisch aus, dass es zum Fürchten ist. Lohn der Übung:

zwei Emmys für das beste Make-up, ein Golden Globe für die beste TV-Serie.

Neue Staffel: ab 24. Februar bei Sky

THE RED BULLETIN 19


L I F E H A C K S

SCIENCE-BASTLER

Tricks für

Handy-Pics

Neue Ideen für die Dinge des Alltags, Volume 18:

Mit diesen Fotografie-Hacks holst du aus deiner

Smartphone-Kamera noch mehr raus.

AUSLÖSER

Knipsen mit Kopfhörer

Die Lautstärke-Knöpfe der Ohrenstöpsel als Auslöser

verwenden: nie wieder verwackelte Selfies!

BLITZ-TUNING

Romantisches Licht

Fotos mit Blitz müssen nicht automatisch hässlich

aussehen: So leuchtest du jedes Indoor-Foto sanft aus.

1

Finde heraus, wo auf

deinem Smartphone

das Objektiv, der

Sensor und der Blitz

liegen. Decke Objektiv

und Sensor mit Klebeband

ab. Nur der Blitz

bleibt frei.

SCHWEBE-EFFEKT

Nur Fliegen ist schöner

Wirkt mit Himmel als Hintergrund am besten: Telefon

knapp an eine Stufe legen und Selbstauslöser aktivieren.

2

Das Telefon waagrecht

auf den Tisch legen.

Von einer weißen (!)

Kerze einen Wachstropfen

direkt auf den

Blitz tropfen.

Ein Fuß schwebt über

dem Objektiv, die Ferse

des anderen Fußes

steht fest, ist aber im

Bild abgeschnitten.

3

Die Klebebänder wieder entfernen.

FATA MORGANA IM SPIEGEL

Spukhafte Verdopplung

Die Panorama-Funktion nimmt viele Bilder hintereinander

auf. So kannst du auf einem Foto zweimal erscheinen.

4

Mit Klebeband den

Wachstropfen fixieren.

Das Blitzlicht wird

so besser im Raum

gestreut.

Mit der Pano-Funktion langsam über die Person vor dem Spiegel

schwenken. In der Mitte des Schwenks dreht die sich schnell

zum Spiegel und macht etwas Charakteristisches mit den Händen.

CLEMENS MAKANAKY SASCHA BIERL

20 THE RED BULLETIN


Für Arbeit, Freizeit

oder beides

Thule Crossover 2

Collection

Robuste und funktionale

Reisetaschen, ideal für

die Geschäftsreise oder

den nächsten Urlaub.


D E R C L U B D E R T O T E N D E N K E R

FRIEDRICH SCHILLER

Macht Gaming mich

zu einem besseren Menschen?

Die größten Denker aller Zeiten beantworten

Fragen unserer Gegenwart, übermittelt

durch den Philosophen Christoph Quarch.

Diesmal: Friedrich Schiller verrät, wie wir

spielend menschlicher werden.

Ach, das Spielen – wie habe ich es doch geliebt!

Als junger Mann spielte ich nächtelang

Karten, und so manchen Einfall zu einem

Gedicht habe ich auf einer Spielkarte notiert. Später

dann, als ich bei Caroline und Charlotte – meiner

späteren Frau und ihrer Schwester – ein und aus

ging, da liebten wir es, zu dritt Blinde Kuh zu spielen.

Oh, das hatte einen leicht frivolen Reiz, den ich nicht

leugnen kann und auch nicht leugnen möchte. Doch

zu meiner Zeit, im späten 18. Jahrhundert, spielten

alle. Und die anzüglichen Spiele

schätzten wir am meisten.

Ist also etwas dagegen einzuwenden,

dass erwachsene Menschen spielen?

Gewiss nicht, kann ich nur sagen,

denn – wenn’s erlaubt ist, dass ich

mich an dieser Stelle selbst zitiere –

der Mensch ist nur da ganz Mensch,

wo er spielt. Womit auch die Antwort

auf die mir gestellte Frage

ausgesprochen wäre. Doch ganz so

leicht will ich es mir nicht machen.

Schon als ich im Jahre 1792 diese

Worte schrieb, haben sie nur wenige

verstanden. Deshalb scheint es mir geboten, in groben

Strichen darzulegen, von welcher Art des Spiels ich

denke, dass es unbedingt zu einem guten Menschenleben

nötig ist.

Denn es gibt viele verschiedene Spiele, darunter

auch solche, von denen ich nicht behaupten möchte,

sie zu spielen bedeute, wahrhaft Mensch zu sein. An

welche Spiele ich dabei denke, steht in einem meiner

Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“:

Der Mensch soll nur mit der Schönheit spielen. Davon

kann ich bei einigen der bei euch gängigen Spiele

nichts entdecken. Vor allem dann nicht, wenn es darum

geht, Geld zu gewinnen. Wettspiele zum Beispiel,

oder Glücksspiele am Automaten.

„Schön ist das

Spiel, weil es

für das Alltagsleben

nutzlos ist;

und weil du als

Spieler frei bist,

dich selbst im

Spielen vergisst.“

Vielleicht fragt ihr nun: Was meint der Schiller, wenn

er sagt, nur Schönheit sei ein würdiger Gegenstand des

Spielens? Nun, ich meine nicht etwas, das hübsch anzusehen

wäre. Sondern dasjenige, was den Eindruck

erweckt, ganz in sich zu ruhen. Etwas, was um keines

äußeren Nutzens willen da ist, sondern sich selbst

genügt. Denkt dabei an eine schöne Musik. Sie folgt

keinen äußeren Zwängen und Gesetzen. Sie ist einfach

nur sie selbst. Und ebendeshalb ist sie schön. Und bedenkt:

Wir sagen nicht zufällig, Musik werde gespielt.

Spiele sind also gerade dann sinnvoll, wenn sie für

das Alltagsleben vollkommen nutzlos sind. Bei solchen

Spielen kann man sich selbst vergessen – und sich

genau deshalb frei und wirklich menschlich fühlen.

Bei Glücksspielen ist das anders. Da spielt man nicht

um des Spielens willen, sondern weil man sich das

schnelle Geld erhofft. Ähnlich ist es bei dem, was man

bei euch „Gamification“ nennt. Da wird etwas als Spiel

verpackt, um etwas zu erreichen, was

nichts mit dem Spiel zu tun hat. Dabei

werden Spiele instrumentalisiert, und

das nimmt ihnen die Schönheit.

Manchmal ist das vielleicht gerecht

fertigt, etwa bei Lernspielen für

Kinder, manchmal aber geht es nur

darum, den Spielern still und heimlich

bestimmte Verhaltensweisen anzutrainieren.

Solche Spiele nehmen euch

die Freiheit, statt sie euch zu schenken.

Ich weiß, dass Blinde Kuh heute nicht

mehr so hoch im Kurs steht und jedermann

mit seinem Computer spielt.

Ich will das auch keinem ausreden, aber gebt acht,

dass diese Spiele euch nicht mehr fesseln als beleben;

dass sie euch nicht süchtig machen, sondern euch die

Chance geben, für eine Weile in eine gänzlich zweckfreie,

fantasievolle Zauberwelt einzutauchen.

FRIEDRICH SCHILLER (1759 – 1805)

ist den meisten als Dichter und Dramatiker bekannt. Tatsächlich

aber sind seiner Feder eine Reihe bedeutender Schriften zur

Theorie von Kunst und Schönheit zu verdanken. Mit ihnen wurde

er zum Wegbereiter der Romantik, deren Vordenker sich vor allem

von Schillers in den Briefen „Über die ästhetische Erziehung

des Menschen“ vorgetragenen Gedanken über die Bedeutung

des Spielens inspirieren ließen. Mit seiner These, der Mensch sei

nur da ganz Mensch, wo er spielt, wurde Schiller zudem zu einem

Pionier der Lebenskunst-Philosophie des 20. Jahrhunderts.

CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

22 THE RED BULLETIN


FRIEDRICH SCHILLER (1759–1805)

Dichter, Philosoph, Ur-Gamer: „Der Mensch

ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

THE RED BULLETIN 23


GRÖNLAND

ON THE ROCKS

Der kanadische Eiskletterer WILL GADD hat sich an

einen Ort vorgewagt, an dem vor ihm noch niemand war:

in eine Gletschermühle tief im Bauch Grönlands.

Text ANDREAS WOLLINGER

Fotos CHRISTIAN PONDELLA


Kathedrale aus Eis

Das ist ein Lieblingsbild von Fotograf

Christian Pondella: Es fasst

das Surreale und die Einzigartig keit

der Klettertour im Eisschild Grönlands

auf eindrucksvolle Art zusammen.

25


„Nach einem

halbstündigen Flug

setzte uns der Heli

ab: nur flaches Eis,

so weit das Auge

reichte.“


Wüste in Weiß

Eine Gletschermühle entsteht,

wenn Schmelzwasser von der Oberfläche

in die Tiefe sickert. Ihre

Beschaffenheit erzählt eine Menge

über das Abschmelzen des Eisschilds

im Zuge des Klimawandels.

27


Der Eiskönig Will Gadd, 52, muss nichts mehr beweisen. Als Eiskletterer hat er alles bewältigt,

was denkbar ist – so ist es ihm etwa 2015 als Erstem gelungen, die Niagarafälle zu bezwingen.

Warum ihn Grönland von innen interessierte? Ganz einfach: weil dort noch keiner gewesen war.

Ilulissat, Grönland Das Dorf am Ende der Welt im Westen Grönlands war

der Ausgangspunkt der „Beneath the Ice“-Expedition. Es liegt an der bekannten Diskobucht.


Ab ins Ungewisse

Die „Moulins“, wie Gletschermühlen

im Fachjargon heißen, erwiesen

sich als bedeutend größer

und gefährlicher als ursprünglich

gedacht. Besonders deshalb, weil

ständig Eis abbricht und in die

Tiefe stürzt. Wenn dich so ein

Brocken trifft, dann gute Nacht.

29


Eislaufplatz,

senkrecht

Steil fallen die Wände Richtung

Abgrund ab, bevor nach rund

90 Metern der Boden erreicht ist.

Ganz unten gibt es Wassertümpel,

in denen Will Gadd eigentlich

tauchen gehen wollte. Daraus

wurde aber nichts: zu gefährlich.

31


„Ich feiere jeden

Moment, in dem

ich intensiv leben

kann. Hier zu

klettern fühlt sich

sehr lebendig an.“


In seinem Element

Will Gadd klettert aus dem Abgrund

und lässt es aussehen, als wär’s

ganz einfach. Den Soundtrack dazu

kann man sich als permanentes

Krachen, Knacken und Stöhnen

des Eises vorstellen.

33


Licht ins Dunkel

Will Gadd und Jason Gulley,

Professor an der University

of South Florida, am Grund der

Gletscherhöhle. Die Expedition

brachte wichtige Erkenntnisse

für die Klimaforschung.


Aufwärmen am Eisberg Bevor es in die Tiefe des Eisschildes ging, kletterte sich Will Gadd auf einigen Eisbergen vor der Küste Grönlands

ein. Für Fotograf Christan Pondella ergab das ein paar wirklich großartige Motive.

THE RED BULLETIN 35


Dave Bautista

„Du musst zu

deinen Gefühlen

stehen“

Wann immer sie in Hollywood den Typ „sensibles

Muskelpaket“ brauchen, ist Dave Bautista die erste Wahl.

Hier erklärt der 51-Jährige, wie er auf Tuchfühlung

mit sich selbst bleibt und warum er dafür fluchen muss.

Text RÜDIGER STURM

Ob in „Guardians of the Galaxy“,

„James Bond: Spectre“ oder „Blade

Runner 2049“ – Schauspieler Dave

Bautista ist die Idealbesetzung für

den Kämpfer mit Seele. Das ist kein

Zufall: Der 51-jährige Ex-Wrestler

(1,98 Zentimeter, 132 Kilo) ist unter

schwierigen Umständen aufgewachsen

und sah sich lange gezwungen,

seine wahren Gefühle zu unterdrücken.

Nach Jahrzehnten der

Übung weiß er heute, wie wichtig es

ist, sein Herz auf der Zunge zu tragen.

Wo er einen gesunden Umgang mit

seinen Emotionen lernte? Standesgemäß

als Rausschmeißer in einer

Diskothek in einem zwielichtigen

Viertel.

the red bulletin: In „Der Spion

von nebenan“ spielen Sie einen

CIA-Agenten, der es mit einem

naseweisen Mädchen zu tun bekommt.

Ihre Partnerin war die elfjährige

Chloe Coleman. Konnten

Sie von ihr etwas lernen?

dave bautista: Oh ja. Sie war einer

der professionellsten Menschen,

denen ich je begegnet bin. Ich konnte

mir meistens meinen Text nicht

merken, und sie beherrschte ihren

aus dem Effeff. Deshalb bat ich sie,

auch meine Zeilen zu lernen, damit

sie mir notfalls einsagen kann. Aber

was ich wirklich an ihr liebe, ist, dass

sie bei aller Professionalität ein Kind

geblieben ist. Sie will eines sein und

ihre Kindheit genießen!

Steckt in Ihnen auch etwas

von einem Kind?

Aber klar. Ich versuche, mich wie

ein Erwachsener zu verhalten, aber

gleichzeitig nehme ich das Leben

nicht zu ernst. Ich würde mich zum

Beispiel nie in einen normalen Bürojob

zwängen lassen. Da verlierst du

nur die Tuchfühlung mit deinem Ich.

Was ich an Kindern ganz besonders

mag, ist, dass sie völlig offen und

ehrlich sind. Sie sprechen aus, was

sie fühlen – ohne Filter und ganz

unverstellt.

Tun Sie das auch?

Jetzt schon. Ich bin ein sehr emotio

naler Mensch – das muss ich von

meiner Mutter haben, die ist noch

extremer drauf als ich. Aber es gab

eine Zeit in meinem Leben, in der

mir das peinlich war und ich meine

Gefühle zu kontrollieren versuchte –

das war allerdings vollkommen aussichtslos.

Dann habe ich begriffen:

Solange du niemandem wehtust, ist

es völlig okay, emotional und auch

mal wütend zu sein. Ich weiß, dass

ich meine Gefühle nicht mit Fäusten

auszudrücken brauche, ich kann das

auch mit Worten tun. Und so darf

ich ruhig mein Herz auf der Zunge

tragen.

Der Schlüssel besteht also darin,

seine Gefühle zu akzeptieren?

Exakt. Sorge nur dafür, dass sie den

richtigen Weg nehmen. Und bleibe

offen dabei. Du kannst von etwas

leidenschaftlich überzeugt sein, aber

es gibt immer Leute, die eine andere

Meinung haben. Hör dir die an, vielleicht

findest du raus, dass du doch

falschliegst, oder du gehst einen

Kompromiss ein. Sei leidenschaftlich,

sei ehrlich, aber nicht verbohrt.

Leichter gesagt als getan, aber das

ist das, was ich im Laufe der Zeit für

mich herausgefunden habe.

Wie leidenschaftlich Sie sein

können, hat man im Fall von

James Gunn, dem Regis seur von

„Guardians of the Galaxy“, erlebt.

Das Studio wollte ihn feuern,

weil er vor Jahren mal anzügliche

Tweets verbreitet hatte, aber Sie

traten öffentlich für ihn ein …

Es gab Leute, die ihre Bedenken hatten,

weil ich das so offen getan habe.

Und ich dachte auch, dass mir das

vielleicht schaden kann. Aber der

Punkt ist: Wenn du genau weißt, was

das Richtige ist, und du tust es trotzdem

nicht – zu was für einem Menschen

macht dich das? Ja, es war riskant,

aber es war mir egal. Ich wollte

meinen Freund verteidigen, weil

er das brauchte. Und ich war völlig

davon überzeugt. Keine einzige

Sekunde habe ich daran gezweifelt.

Haben Sie überhaupt je Selbstzweifel?

Das kann ich nicht sagen. Wenn

ich mal einen Schritt aus meiner

Komfortzone mache, dann spüre

FRANCINE ORR/LOS ANGELES TIMES VIA CONTOUR RA RÜDIGER STURM

36 THE RED BULLETIN


„Ich verhalte

mich erwachsen,

nehme das

Leben aber

nicht zu ernst.“

Dave Bautista über den Wert

seines inneren Kindes

THE RED BULLETIN 37


Dave Bautista

Die Kleine und das Biest

CIA-Agent JJ (Dave Bautista) steht im Film „Der

Spion von nebenan“ nach einigen Vorfällen kurz

vor dem Rauswurf. Als letzte Chance soll er das

Haus einer Familie überwachen. Als deren neunjährige

Tochter Sophie (Chloe Coleman) den Spion

entdeckt, verspricht sie dichtzuhalten – unter der

Bedingung, dass JJ sie zur Spionin ausbildet. Ein

ungleiches Duo nimmt die Zusammenarbeit auf …

Kinostart: 12. März

ich Angst. Das ist ganz normal. Aber

mehr Angst habe ich davor, etwas

nicht auszuprobieren.

Sie haben zwei fast erwachsene

Töchter und einen zwölfjährigen

Sohn. Wie haben Sie gelernt,

ein guter Vater zu sein?

Von meinem Vater – indem ich

versuchte, ein anderer Vater zu

sein als er. Ich wollte nicht die gleichen

Fehler wie er machen, denn

er war wirklich furchtbar. Was ich

bei meinen Töchtern gelernt habe,

war, dass ich irgendwann nicht

mehr Verantwortung für ihre Fehler

übernehmen kann. Ich musste einen

Schritt zurück machen – etwas, was

alle Eltern früher oder später lernen

müssen. Für den zwölfjährigen Sohn

von meiner geschiedenen Frau würde

ich hingegen gerne mehr da sein.

Er ist sehr unsicher, hinterfragt sich

ständig. Er ist einfach ein kleiner

Mann, der sich im Leben zurechtzufinden

versucht.

Was wollen Sie ihm weitergeben?

Er hängt ständig mit seinem Smartphone

herum, schaut YouTube oder

spielt Videospiele. Das finde ich

nicht gut. Ich verstehe den Wert

des technischen Fortschritts, aber

Kinder dürfen sich nicht abkapseln.

Sie müssen das Leben und die Natur

kennenlernen. Das habe ich als Kind

auch gemacht. Ich möchte, dass er

sich mehr mit anderen Menschen

beschäftigt, nur so kann er sich

weiterentwickeln.

Hört er auf Sie?

Ja, aber ich muss es ihm ständig

sagen. Deshalb will ich jetzt in seine

Nähe ziehen, damit ich besser

Einfluss nehmen kann. Wenn ich

ihm das sage, dann ist er erst mal

irritiert, aber wenn er dann zehn

Minuten von seinem Telefon weg

ist, ist er glücklich und zufrieden.

Und was haben Sie von Ihren

Kindern gelernt?

Da müsste ich nachdenken. Ich bin

versucht zu sagen, dass ich von

ihnen Geduld gelernt habe. Aber

streng genommen stimmt das nicht.

Ich habe Geduld gelernt, als ich

13 Jahre lang als Rausschmeißer in

Nachtclubs gearbeitet habe. Daher

würde ich sagen: Ich warte noch

auf den Tag, an dem mein Sohn mir

etwas beibringt. Dann werde ich sehr

stolz sein. Aber bis dahin muss ich

mit gutem Beispiel vorangehen.

Beim Dreh zu „Der Spion von

nebenan“ haben Sie das allerdings

nicht getan. Da musste jedes

Teammitglied, hört man, beim

Gebrauch von Schimpfwörtern

in einen Topf einzahlen …

Tja, da habe ich eine Stange Geld

verloren. Wenn viele Kinder am

Set waren, habe ich versucht, mich

zurückzuhalten. Andererseits: Ich

bin, der ich bin. Ich komme von der

Straße, ich war Wrestler. In so einem

Milieu benutzt du nun mal solche

Ausdrücke. Das ist ein Teil von mir.

Ich versuche, es auf eine Art und

Weise zu tun, in der sich niemand

verletzt fühlt – einfach nur, um meine

Gefühle rauszulassen. Denn wie

ich schon sagte: Du musst zu deinen

Gefühlen stehen.

Sie haben ja angedeutet, dass

Ihre Kindheit eher schwierig war.

Oh ja! Es gab Zeiten, da hatte ich

nicht einmal was zu beißen.

„Ich bin

emotional,

meine Mutter

ist aber noch

extremer.“

Würden Sie sie gegen eine glückliche

Kindheit tauschen wollen?

In keiner Sekunde. Ich habe durch

diese Erfahrungen gelernt, bescheiden

und mit wenig zufrieden zu

sein. Ja, ich war von Armut und Gewalt

umgeben, aber ich hatte auch

großartige Zeiten. Und all das hat

mich zu dem gemacht, was ich bin:

ein Kämpfer.

COURTESY OF STXFILMS

38 THE RED BULLETIN


Was nicht passt,

wird auch nicht

passend gemacht.

Wer frei denken will, braucht kontroverse Standpunkte

und diskursfähige Positionen.–Diese finden Sie seit

70 Jahren täglich in der Frankfurter Allgemeinen.

Freiheit hat viele Seiten.

Jetzt mehr erfahren und testen.

freiheitimkopf.de

Frankfurter

Allgemeine

Freiheit beginnt im Kopf.


Balbina

„Freiheit ist

alles für mich“

Balbina hat Straßenrap-Vergangenheit und ist die wohl

eigenwilligste Popmusikerin des Landes. Ein Gespräch

über Mobbing, Machos und den Mut zur Unabhängigkeit.

Text BJÖRN SPRINGORUM

Foto CHRISTOPH KASSETTE

In eine Schublade stecken lässt sich

Balbina Monika Jagielska nicht so

leicht. Angefangen hat die heute

36-Jährige mit hartem Straßenrap

im Rahmen des Berliner Kollektivs

Royal Bunker. 2015, als ihr zweites

Album „Über das Grübeln“ erschien,

ging sie mit Deutschrock-Legende

Herbert Grönemeyer auf Tour. Jetzt,

knapp fünf Jahre später, liefert sie

mit einem verwunschenen Rammstein-Cover

(„Sonne“) den Song zu

einer Kampagne des US-Sportartikelriesen

Nike – als erste deutsche

Künstlerin überhaupt. Seinerzeit,

als ihre Eltern von Polen nach Berlin

zogen und sich bald darauf scheiden

ließen, wusste sie noch nicht, dass

ihre Erfahrungen als Außenseiterin

einmal ihre Stärke sein würden.

the red bulletin: Wann hast du

dich erstmals als Außenseiterin

gefühlt?

balbina: Ich kann mich nicht erinnern,

dass ich mich jemals nicht so

gefühlt habe. In der Schule war ich

immer die Außenseiterin, ich habe

viel gelesen, war still – die anderen

konnten nichts mit mir anfangen.

Da wird man schnell zur Zielscheibe.

Ich wurde extrem beleidigt und

fertiggemacht, jeder Tag war eine

Qual. Ich hoffte einfach nur, dass

der Schultag schnell vorübergeht.

Als Teenager ist man wahrscheinlich

noch nicht in der Lage, solche

Erfahrungen als Chance zu sehen.

Das stimmt. Lange habe ich darin

nur mein eigenes Unvermögen gesehen.

Aber ich habe es überstanden.

Damals habe ich gelernt, mich

auf das zu konzentrieren, was ich

kann. Was mich glücklich macht.

Ich habe früh damit angefangen,

Gedichte und Songs zu schreiben.

Irgendwann merkte ich, dass ich gar

nicht versuchen musste, in einen

bestimmten Rahmen zu passen, sondern

dass ich mir meinen eigenen

Rahmen schaffen musste. Das ist

ein Prozess, der immer noch nicht

abgeschlossen ist.

Helfen dir deine Erfahrungen

heute, mit Kritik und der allgegenwärtigen

Häme in den sozialen

Medien umzugehen?

Ja, ich habe Hass abbekommen,

und das nicht zu knapp. Wenn mich

heute jemand hassen will, denke

ich: nicht mein Problem. Ich habe

mir ein echt dickes Fell angeeignet.

Ohne das wäre ich längst nicht mehr

in der Musikbranche. Heute interessiert

mich überhaupt nicht, was

irgendjemand über mich denkt.

Nach der Schule hast du in der

Berliner Deutschrap-Szene Fuß

gefasst, die männerdominiert ist.

Warst du da auch Außenseiterin?

Interessanterweise nicht. Ich hatte

damals Rückenwind und Unterstützung

von allen Seiten. In der

Rap-Szene spielen viele mit Macho-

Klischees, in Wahrheit sind die

meisten wahnsinnig offen. Klar gibt

es schwierige Typen. Aber ehrlich

gesagt: Ich habe mehr mit solchen

zu tun, seit ich zu einem Major-Label

gewechselt bin.

Du hast die radikale feministische

Rapperin Ebow als Gast auf dein

Album eingeladen und coverst

„Sonne“ von Rammstein. Beides

steht nicht für Mainstream-Pop.

Ist es dir wichtig, mit solchen

Entscheidungen Unabhängigkeit

zu demonstrieren?

Ja, auch die Gründung meines

eigenen Labels „Polkadot“ war ein

Schritt in diese Richtung. Ich war es

leid, meine Entscheidungen erklären

und rechtfertigen zu müssen. Damit

habe ich viel zu viel Energie und Zeit

verschwendet. Freiheit ist alles für

mich. An vielen Orten auf der Welt

haben Menschen nicht die Möglichkeit,

sich so zu verwirklichen wie

ich. Es ist wichtig, sich dieser Freiheit

bewusst zu sein und sie auszuleben.

Heute weiß ich: Man muss

nicht sich verbiegen und anpassen.

Sondern die Umstände.

Balbinas aktuelles Album „punkt.“

ist im Januar erschienen.

40 THE RED BULLETIN


„Ich war es leid,

meine Entscheidungen

erklären

zu müssen.“

Als Musikerin und Label gründerin arbeitet

Balbina in selbst aufgebauten Strukturen.

THE RED BULLETIN 41


Paddy Graham

„Ich dachte

mir: Das ist

krank. Das will

ich auch.“

Paddy Graham über seine ersten

Begegnungen mit Freeskiern

British Airways

Paddy Graham zählt zur Weltelite der Freeskier.

Das Besondere daran: Er ist Engländer. Und hat erst

mit elf Ski fahren gelernt – auf einer künstlichen Piste.

Text HUGH FRANCIS ANDERSON

Fotos GIAN PAUL LOZZA

Vor gut zwei Jahren wollte Paddy

Graham einen Weltrekord aufstellen

– das Ziel war, bei einem Sprung

länger als vier Sekunden in der Luft

zu bleiben. Man hatte ihm für diesen

Zweck im italienischen Livigno in

gut vier Wochen Arbeit eine Riesenschanze

aus 100.000 Kubikmeter

Schnee gebaut. Beim ersten Versuch

rast Graham mit 117 km/h über den

Kicker, springt und landet sicher.

Aber „schon“ nach 3,8 Sekunden.

Beim zweiten Versuch wählt er

eine noch waghalsigere Anfahrtsgeschwindigkeit.

Nach 4,5 Sekunden

schlägt er aus 30 Meter Höhe auf

der Piste auf. Die Folgen: gerissenes

Kreuzband und kaputter Meniskus

im einen Bein, ein gebrochener

Knöchel im anderen.

Nur ein Detail macht die Aktion

noch verrückter, als sie ohnehin

war: Paddy Graham ist nicht mit

Skiern an den Beinen aufgewachsen

– so wie die meisten anderen aus der

Freerider-Weltelite. Er ist Engländer.

Geboren in Sheffield, einer Industriestadt

im Herzen des Landes.

Hier gibt es keine hohen Berge

und selten Schnee. Aber es gab die

größte künstliche Skipiste Europas,

ausgestattet mit Half- und Quarterpipe,

Kicker und Grindrails – sie ist

inzwischen leider abgebrannt. Dort

lernte Paddy Graham mit elf Ski

fahren – bloß weil er jeden anderen

Sport langweilig gefunden hatte.

„Ich sah Menschen mit Skiern springen

und Tricks machen und dachte:

Das ist krank, das will ich auch.“ Und

dann ging alles ganz schnell. „Am

Anfang war’s ein Kampf“, erinnert

sich Graham heute grinsend. „Aber

meine Lernkurve stieg rasch an.“

Natürlich haben die Älpler anfangs

über den fliegenden Briten gelacht

– aber nicht lange. Inzwischen

gilt Graham als mit Abstand bester

Freerider Englands. 2009 ist er nach

Innsbruck übersiedelt und hat dort

mit Freunden die Gruppe „Legs of

Steel“ gegründet, mit der er spektakulären

Film-Content herstellt.

Der jüngste Film wurde in Japan

gedreht. Er heißt „121“, in Anlehnung

an ein neues Skimodell der

Marke Völkl. Dieses wurde mit Input

von Legs of Steel entwickelt. „Er

kann Freeride, Tiefschnee, Backcountry-Sprünge

und Skitouren“,

schwärmt Graham, „ein wahrer

Gamechanger.“ Graham meint den

Ski. Er könnte das auch von sich

selbst sagen.

legsofsteel.film

42 THE RED BULLETIN


ALPHATAURI.COM


DIE EIS-EILIGE

Rasantes Tempo, packende Duelle, spektakuläre Stürze:

Short Track ist die aufregendste Sportart auf Eis.

Top-Athletin ANNA SEIDEL erklärt, wie Nervosität ihr

dabei hilft, riskante Entscheidungen zu treffen –

auf der Bahn und im Leben.

Text DOMINIK SCHÜTTE

Fotos FELIX KRÜGER


Born to skate: Schon

im Alter von 15 Jahren

debütierte Anna Seidel

bei Olympia.

45


„Ich brauche die Nervosität,

um fokussiert und wachsam zu sein.“

Anna Seidel lernte, ihre Aufregung in eine Stärke zu verwandeln.


RICHARD WALCH/RED BULL CONTENT POOL

Wie eingefroren steht sie da.

Die Augen weit aufgerissen,

aus dem Mund kommen

stoßweise Atemwölkchen,

unter ihren Füßen befinden

sich rasiermesserscharfe

Kufen. Genau wie

bei ihren Gegnerinnen nebenan auf der

Eisbahn. Kaum knallt die Startpistole,

katapultieren sich Anna Seidel und ihre

Konkurrentinnen mit schnellen Schritten

über die Startlinie. Nur bis hierhin läuft

jedes Rennen gleich, danach beginnt ein

unvorhersehbares Spektakel – typisch

für Anna Seidels Sportart Short Track

oder, wie manche es nennen: NASCAR-

Rennen auf Eis. Wie die PS-Geschosse der

US-Motorsportart kämpfen die Eisläufer

auf einem Rundkurs um den Platz ganz

vorn, nur eben auf Schlittschuhen statt

mit Rennwagen. Mit bis zu 50 Stundenkilometern

schießen die Kontrahenten

um die Kurven des 111 Meter langen

Rundkurses. Kufe an Kufe, Helm an

Helm. Massencrashs sind eher die Regel

als die Ausnahme. Nur wer sein Risiko

am klügsten abwägt, kann gewinnen.

Weltweit taktieren wenige gerissener

als Anna Seidel, 21, aus Dresden. Noch

mit Zahnspange tritt sie 2014 im Alter

von nur 15 Jahren in Sotschi bei ihren

ersten Olympischen Spielen an. Es folgen

zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften,

ab dem 13. März startet sie nun

bei den Weltmeisterschaften in Seoul,

Südkorea. Natürlich will sie auch dort

Medaillen gewinnen. Weil sie ehrgeizig

ist, aber auch weil sie Short Track in

Deutschland noch bekannter machen

will. Seit Sotschi sind ihr hier große

Schritte gelungen. Dank Annas sportlichen

Erfolgen und wegen ihrer selbstbewussten

Auftritte in der Öffentlichkeit

– zum Beispiel in den sozialen Medien.

the red bulletin: Anna, dein Instagram-Name

ist „Dark redgrape“.

Was hat es denn auf sich mit dir und

dunkelroten Weintrauben?

anna seidel: Ich liebe sie einfach!

Ich hab ja früh mit Instagram begonnen,

dennoch war „Anna Seidel“ bereits vergeben.

Nun bin ich nicht der Typ, der

sich „AnnaSeidel13“ nennt. Deswegen

habe ich „Dark redgrape“ ausprobiert.

War frei, super. Irgendwann wollte ich

zu meinem Namen zurück, aber da hatte

sich Darkredgrape schon durchgesetzt.

Wenn man es nicht besser wüsste,

könnte dein Account auch der einer

Schauspielerin oder eines Models sein.

Es war die Fotografie, die mich anfangs

für Instagram begeisterte. Gleichzeitig

lege ich aber Wert darauf, dass ich mehr

kann als bloß fotografieren. Ich bin

Leistungssportlerin, darum verbringe

ich mittlerweile auch etwas weniger Zeit

auf Insta gram. Die Entwicklung mit der

vielen Werbung und den Influencern ist

nicht so mein Ding. Mein Antrieb ist es,

meine Sportart bekannter zu machen.

Short Track kennen noch nicht alle.

Was macht deinen Sport aus?

Es ist ähnlich wie Eisschnelllauf …

… das hätte ich aber jetzt nicht sagen

dürfen, oder?

Nein, auf keinen Fall, aber ich als Short-

Trackerin darf das. Anders kriegt man

es auch schwer vermittelt. Eisschnelllauf

kennen nun mal die meisten, beim

Kufe an Kufe: Anna Seidel (re.) hält eine Verfolgerin auf Distanz.

Short Track geht es nicht gegen die Uhr,

sondern direkt gegen die Konkurrenten.

Man muss also taktisch richtig viel auf

der Kette haben. Und es geht natürlich

mit höheren Risiken einher.

Hätte ein Eisschnellläufer eine Chance

gegen dich im Short Track?

Haha, null! Die fliegen meistens aus der

Kurve! Der Radius ist bei uns viel enger.

Lustig ist es immer früh in der Saison. Da

haben die kleinen Bahnen oft schon Eis,

die großen noch nicht. Also sieht man

die Eisschnellläufer manchmal bei uns

trainieren, und das sieht schon wackelig

aus. Short Track ist schneller und härter.

Es ist auch hoch spezialisiert.

Ein Sportlerleben lang auf dem linken

Bein um die schärfste Kurve, die man

sich vorstellen kann?

Ja, meine Hüfte ist etwas schief, und

linkes Knie und Bein sind stärker.

Kann man das sehen?

Nein, aber messen. Mit Links springe ich

auch höher.

Nach deinem Olympia-Debüt in Sotschi

2014 hast du die Gefährlichkeit deines

Sports zu spüren bekommen. Nach

einem schwerem Sturz lautete die

Horror-Nachricht: Wirbelbruch. Wenn

einem so früh das Karriereende droht,

wie kommt man damit klar?

Das war eine schwere Zeit, doch sie ging

recht schnell vorbei. Ich hatte das Glück,

dass mich mein Umfeld aufgefangen hat.

THE RED BULLETIN 47


ANNAS TIPPS FÜR

VEGANE POWER

Immer mehr Spitzensportler

verzichten auf tierische Produkte,

so auch Anna Seidel. Hier gibt sie

fünf Ratschläge für Anfänger:

1. Wer noch zweifelt: Ich habe auf Netflix den

Film „What the Health“ geguckt. Der hat mir die

Augen geöffnet, was Fleischproduktion bedeutet

– für die Tiere, für die Umwelt, für den eigenen

Körper. Da fällt einem der Start leichter.

2. Genug Protein aufnehmen: Das ist das

Wichtigste und auch das, worüber Omis (und

Trainer) sich am meisten sorgen. Ich mache das

mit Hülsenfrüchten – Bohnen und Kichererbsen

zum Beispiel. Oder trinke nach hartem Training

mal einen Proteinshake.

3. Nahrungsergänzungsmittel nutzen: Ich

supplementiere Vitamin B ¹²

. Das sollten Veganer

definitiv machen, aber auch Fleischesser profitieren

davon. Denn viele Nahrungsmittel sind

industriell so stark verändert, dass der Körper

das Vitamin kaum noch extrahieren kann.

4. Abwechslung ist der Trick: Wer immer das

Gleiche isst, sitzt oft einem Missverständnis auf

– nämlich dass er das Fleisch vermisst. Das ist

Quatsch, man hat nur noch nicht genug leckere

fleischlose Rezepte entdeckt.

5. Langsam anfangen: Keiner zwingt einen, von

einem Tag auf den anderen radikal den eigenen

Lifestyle über den Haufen zu werfen. Fangt langsam

an, mit kleinen Portionen. Ich zum Beispiel

bin noch weit von einem komplett veganen Leben

entfernt, aber ich nähere mich dem an – so wie

viele Menschen meiner Generation.


Fernziel im Blick: Bei den

Olympischen Spielen in

Peking 2022 will Anna Seidel

noch einmal angreifen.

49


Immer voll entspannt:

Yoga und Meditation

helfen Anna Seidel

beim Abschalten.

Styling

TOMISLAV BLAIC/

NINA KLEIN AGENCY

Make-up & Haare

KRISTINA GRIFFATO/

NINA KLEIN AGENCY

Skinsuit

LYCOTEX


Hast du gleich bemerkt, dass etwas

kaputtgegangen war?

Gar nicht. Es hat wehgetan, klar, aber ich

bin noch allein in die Kabine gehumpelt.

Im Krankenhaus wurde es dann relativ

schnell ernst. Und Metall in den Rücken

geschraubt zu bekommen – das ist echt

nicht schön. Da wird einem dann klar,

wie ernst die Situation ist.

Du musstest wochenlang pausieren.

Wann ging es wieder bergauf?

Es hat sehr geholfen, wieder Kufen unter

den Füßen zu haben. Mit einer Psychologin

lernte ich wieder, einfach zu laufen

und nicht mehr an den Unfall zu denken.

Gehst du seither anders mit dem Risiko

deines Sports um?

Bewusster, klar. Wichtig war eine Erfahrung,

die man in einer solchen Situation

zwangsläufig macht – auch wenn es wie

ein Klischee klingt: What doesn’t kill you,

makes you stronger. Und man lernt seine

Gesundheit noch mehr zu schätzen.

Deine zweiten Olympischen Spiele

wurden zu einer herben Enttäuschung:

Du bist zweimal gestürzt.

Dabei war es im Training so gut gelaufen!

Aber ich konnte nichts davon zeigen, gar

nichts. Das war bitter.

Kann man analysieren, was schiefgelaufen

ist, wenn die Kufe wegrutscht

und Monate Vorbereitung kaputt sind?

Die Frage ist, warum einem die Kufe

wegrutscht. War es Nervosität, muss man

an sich arbeiten. War das Eis schmutzig,

ist es Schicksal. Es war eine Kombination

aus beidem. 2014 war mein Motto: Dabei

sein ist alles. 2018 war das nicht mehr

so. Ich war zu verkrampft.

Vielleicht, weil zehnmal so viele

Kameras auf dich gerichtet waren.

Kameras waren 2014 auch genug da. Die

Erwartungen waren zehnmal so hoch.

Beim Short Track darfst du nicht

zu lange zögern; wenn du eine Lücke

siehst, musst du deine Chance nutzen

und auch mal Risiken eingehen. Klingt

ein bisschen wie das wahre Leben.

Das ist ein sehr schöner Vergleich. Wie

im wahren Leben muss man aber auch

immer darauf achten, dass man nicht

überdreht, zu viel Risiko nimmt und

dann aus der Kurve knallt. Gleichzeitig

darf man nicht zu viel Angst haben – ein

Balanceakt.

„Wie im wahren Leben musst du auf

dem Eis darauf achten, nicht zu viel Risiko

einzugehen – es ist ein Balanceakt.“

Bist du privat so wie auf dem Eis?

Ich will jedenfalls nicht zögerlich sein,

sondern mit meinem Leben etwas anstellen,

meine Chancen nutzen – auch

nach der aktiven Karriere.

Jetzt bist du 21 und schon sechs Jahre

Profi. Hast du dich sehr verändert?

Im Kern bin ich die alte Anna. Ich habe

noch immer diesen Killerinstinkt, aber inzwischen

kann ich etwas entspannter mit

gewissen Situationen umgehen. Ich bin

nicht mehr so nervös wie früher.

Wie hast du diese Nervosität in den

Griff bekommen?

Man trainiert ja immer noch mehr und

noch mehr. Ich bin körperlich also viel

stärker geworden, das hilft auch mental.

Auf deiner Website gibt’s einen Fragebogen,

bei manchen deiner Antworten

wird man stutzig. Bei der Auswahl

„Geduldsprofi vs. Nervenbündel“ hast

du „Nervenbündel“ angekreuzt.

Ich brauche die Nervosität durchaus, um

fokussiert und wachsam zu sein. Ich habe

das auch deswegen angekreuzt, weil

ich privat nicht gerade der geduldigste

Mensch bin. Sagen wir so: Ich bin ein

richtig gutes Nervenbündel.

Super Antwort, wenn man mal im

Stress ist: „Ich bin ein Nervenbündel,

aber ein gutes Nervenbündel.“

Wenn ich nicht aufgeregt bin, bin ich

auch gar nicht richtig da.

Das nächste Kreuz bei „Glas halb voll

vs. halb leer“. Hier hast du „halb leer“

gewählt. Mir wäre fast mein halb volles

Glas umgekippt.

Ich halte mich nicht für die Größte, vielmehr

habe ich mich selbst immer etwas

kleiner gemacht. Wahrscheinlich, um

die Erwartungen runterzuschrauben.

Ein bisschen mehr Optimismus täte mir

aber gut. Da arbeite ich gerade hart dran.

Was ist dein Mental-Werkzeug ?

Bei mir ist’s eine Mischung aus Ablenkung

und Lernen. Mir sind Freunde außerhalb

des Sports wichtig, mit denen man über

ganz andere Dinge spricht. Und dann bin

ich recht tief in diesem Meditations- und

Yoga-Ding drin. Macht Spaß, und ich

lerne viel über mich.

Du bist nun 21 und arbeitest auf deine

dritten Spiele hin. Wann haben Short-

Tracker ihren Leistungshöhepunkt?

Bei Frauen zwischen 20 und 25. Bei

Männern kommt der Peak etwas später.

Warum sind die Karrieren so kurz?

Short Track geht brutal auf die Knochen.

Viele bekommen Probleme mit Knie, Rücken

oder Hüfte. Dann kannst du nicht

mehr im nötigen Umfang trainieren.

Du ernährst dich seit kurzem vegan.

Waren deine Trainer irritiert?

Teils, teils. Ich habe schon Sachen gehört

wie „Du schon wieder mit deinen Ideen!“.

Aber dann habe ich meine Trainingsleistungen

steigern können, seitdem höre

ich eigentlich nichts mehr. War wohl

die beste Antwort. Ich schlafe nun auch

viel besser und bin viel vitaler.

Ist dein Rücken nach der Verletzung

dein Schwachpunkt?

Ja, und er wird es immer bleiben. Mit

Physio und Mobilisierung kann ich vieles

machen, aber der Rücken ist sicher nicht

böse, wenn ich meine aktive Karriere

irgendwann beende.

Werden die Olympischen Spiele

in Peking 2022 deine letzten sein?

Ich möchte jedenfalls noch viele andere

Dinge probieren in meinem Leben, und

für die brauche ich einen geraden Rücken

und auch noch etwas Zeit. Zu 90 Prozent

werde ich aufhören.

Ist diese Entscheidung befreiend

für dich?

Ehrlich gesagt, ja. Ich kann nun diese

zweieinhalb Jahre sehr strategisch angehen,

noch mal alles reingeben. Ich gehe

auch ganz befreit in die Halle und habe

mehr Spaß. Selbst wenn es in Peking mit

einer Medaille nicht klappt, ist es ja nicht

so, als hätte sich das alles nicht gelohnt.

Es war eine richtige tolle Zeit.

THE RED BULLETIN 51


Fliegendes Fahrrad:

Tragflächen (Foils)

aus Carbon sorgen

für Stabilität und

Auftrieb im Wasser.

INNOVATOR

START-UPS,

PIONIERE UND

GENIALE

ERFINDUNGEN

E-Bike

Hält dich

über Wasser

Mit dem Manta5 sind Radfahrer

auch in Flüssen oder Seen in ihrem

Element. Dank Foiling-Technologie

und elektronischer Unterstützung.

Radfahrer sehnen sich

nach freien Wegen. Was

aber, wenn drängelnde

Autos, Ampeln und andere

Radfahrer diesen Wunsch

zunichtemachen? Dann

wechselt man das Milieu. So

dachte Guy Howard-Willis,

passionierter Biker aus Neuseeland,

im Jahr 2011 und

begann an einem Fahrrad

fürs Wasser zu tüfteln.

Neun Jahre später ist das

Hydrofoil-Bike Manta5 er-

Mit dem Manta5 sind Geschwindigkeiten

von knapp 21 km/h möglich.

52 THE RED BULLETIN


IN ALLER

KÜRZE

IDEE FÜR

SCHNEE

Werden die Winter

wärmer, rauchen

auch die Köpfe.

Zwei Alternativen

bei Schneemangel:

hältlich: ein pedalgesteuertes

Fahrzeug auf Tragflächen,

wie man sie aus dem Segelsport

kennt. Der Fahrer sitzt

dabei aufrecht am Lenker, bewegt

mithilfe eines 460-Watt­

Elektromotors die Antriebsschraube

und hebt so ab.

Top-Speed: knapp 21 km/h,

Akkulaufzeit: eine Stunde.

Wer vorher müde wird,

geht auch nicht unter. Anders

als normale Bikes schwimmt

das Manta5. manta5.com

NATURFLOCKEN AUS

DER KUNSTWOLKE

Michael Bacher und

sein Team erzeugen in

einem (aufblasbaren)

Konstrukt wie in einer

Wolke Schneekristalle.

Das Ergebnis: leichter,

weicher Schnee für

urbanen Wintersport.

neuschnee.co.at

STOFF, AUS DEM DIE

WINTERTRÄUME SIND

Das Start-up um CEO

Jens Reindl entwickelt

textile Skipisten und

Loipen, die ohne Strom,

Wasser und Schmiermittel

ideale Gleiteigenschaften

besitzen und

sogar Carven erlauben.

mr-snow.de

Mehr Inspiration für

Zukunftsmacher gibt es

im aktuellen INNOVATOR.

Infos und Abo unter:

redbulletininnovator.com

MANTA5, KLASZKLEEBERGER ARCHITECTS AND DESIGNERS, MR.SNOW, SNØHETTA /PLOMPMOZES

Sieht aus wie ein eben gelandetes UFO, ist aber ein intelligentes

Hotelprojekt – das Haus erzeugt mehr Energie, als es verbraucht.

Energiewunder

Der Kreis des Lebens

Luxus im Namen der Umwelt: Am Polarkreis

Norwegens entsteht das weltweit erste

Hotel mit einer positiven Energiebilanz.

Schon die Lage des

Hotels ist ikonisch:

Das „Svart Resort“

befindet sich genau am

Polarkreis, unterhalb des

Svartisen, des zweitgrößten

Gletschers Norwegens,

am Ufer des idyllischen

Holandsfjords. An einem

solchen Ort ist ökologische

Bau weise fast Pflicht.

Doch der Bauherr, Arctic

Adventure of Norway,

wollte noch ein Schauferl

drauflegen: Das Hotel wird

das erste mit einer positiven

Energiebilanz nach dem

Powerhouse-Standard

sein. Das heißt, dass es

über einen Zeitraum von

sechs Jahren gerechnet

mehr Energie erzeugt als es

verbraucht – inklusive Bau,

Nutzung und Abriss.

Möglich macht dies

einerseits die sorgsame

Auswahl der Materialien

(deren Gewinnung und

Transport wird in die Bilanz

mit eingerechnet), andererseits

eine intelligente Architektur:

große Fenster für

Wärmenutzung auch bei

tiefstehender Wintersonne,

abgesonderte Terrassen für

Schatten und natürliche

Kühlung im Sommer. Zudem

sorgen Solarpaneele

am Dach für Strom und

Thermalquellen für die

Heizung.

Dadurch verbraucht das

kreisförmige, auf Stelzen

in den Fjord gebaute Hotel

85 Prozent weniger Energie

als vergleichbare Projekte.

Die Eröffnung ist für

2021 geplant. Gäste erreichen

ihr Reiseziel übrigens

nur per energieneutralem

Bootsshuttle. (Öko)logisch!

svart.no

THE RED BULLETIN 53


5 - M I N U T E N - C O A C H

01:59

00:00

Kalibriere deine

Mitmenschen

Die größte Freiheit des Menschen ist

die, selbst zu entscheiden, was er von

sich preisgibt. Deshalb spielen wir im

Alltag oft Rollen. Als Ehemann oder als

Tochter geben wir andere Dinge preis

als im Job. So funktioniert unser Zusammenleben.

Wer versteht, wie sich

Menschen in Rollen darstellen, kann

lesen, ob sie gerade spielen – oder echt

sind. Wie? Indem man Muster im Verhalten

erkennt – in der Psychologie

nennt man das „kalibrieren“. Das heißt,

anhand einer Nulllinie Abweichungen

zu erkennen. Beobachte genau: Wie

sieht dein Gegenüber normalerweise

aus, wenn er lobt? Wie schaut er, wenn

er es ernst meinst? Gehen die Augenbrauen

nach oben, rückt er nach vorn?

Und dann vergleichst du: Wie sieht

derjenige aus, wenn er gestresst ist und

nur so tut, als meine er, was er sagt?

Blinzelt er häufiger? Verschränkt er

die Arme? Kalibrieren hilft dir, herauszufinden,

ob jemand es ehrlich meint.

00:18

SO TICKT

DEIN

GEGENÜBER

Gedanken

lesen lernen

Mentalist THORSTEN HAVENER tritt in ausverkauften

Häusern auf, weil er in andere hineinschauen kann – das

glaubt zumindest sein Publikum. Dabei weiß er bloß, wie

Menschen kommunizieren, und findet so heraus, was sie

denken. Wie auch du andere entschlüsselst, verrät er hier.

Simuliere Nähe

zu Fremden

Du triffst jemanden, den du nicht

kennst, trotzdem möchtest du den

Eindruck erwecken, als wüsstest du

alles über ihn. Beim ersten Date zum

Beispiel. Das gelingt, wenn du eine

feine Beobachtungsgabe hast und gut

kombinieren kannst. Zum Beispiel

schätzt du, wie alt dein Gegenüber

ist. Dann ist es leicht, dir auszumalen,

wie die Sorgen oder Wünsche in diesem

Lebensalter aussehen.

Nehmen wir etwa an, dein Date ist

Ende zwanzig. Da liegt es nahe, dass

er oder sie sich fragt, wie es beruflich

langfristig weitergeht. Menschen

Mitte vierzig fragen sich dagegen,

was ge wesen wäre, wenn gewisse Entscheidungen

nach der Matura anders

gefallen wären. Das geht uns allen so,

es sind hohe Wahrscheinlichkeiten

für Menschen in einem bestimmten

Alter. Mit solchen Annahmen kannst

du den Eindruck tiefer Empathie

erwecken.

03:07

Stell bessere

Fragen

Ich liebe Musik. Aber ich frage nicht:

„Was ist deine Lieblingsband?“ Ich

frage: „Welches Lied magst du, obwohl

es dir eigentlich peinlich ist? Bei mir ist

das ‚My Heart Will Go On‘ von Celine

Dion.“ Indem ich eine Schnulze super

finde, öffne ich mich und gebe zugleich

etwas von mir preis.

„Was machst du beruflich?“ – Was

für eine langweilige Frage! Schieß

lieber deine Vermutungen ab: „Du bist

bestimmt jemand, der in seinem Beruf

viel mit Menschen zu tun hat.“ Im

schlimmsten Fall verneint dein Visavis

– findet aber vielleicht, du hast eine

interessante Seite an ihm gesehen. Auf

jeden Fall steigst du gut ins Gespräch

ein! Diese Taktik funktioniert beim

ersten Date genauso wie in langen

Beziehungen: „Was ist los?“ – „Nix.“ –

„Ist irgendwas?“ – „Nein.“ Das sind

geschlossene Fragen, die niemanden

öffnen. Stattdessen solltest du Ich-Aussagen

senden, denen dein Gegenüber

nicht widersprechen kann: „Ich hab

den Eindruck, es gibt etwas, das dich

beschäftigt. Wie kann ich dir helfen?“

Sei der Spiegel

deines

Gegenübers

Je besser die Stimmung, desto wahrscheinlicher

die Zustimmung. In der

Hypnose gibt es dazu den Fachbegriff

„Rapport“: wenn die Kommunikation

nonverbal, allein mit Körpersprache

funktioniert. Verliebt sein ist eine

Ex tremform davon: Wenn der Partner

SAMMY HART NICLAS SEYDACK

01:58

54 THE RED BULLETIN


03:08

nickt, nickt die Partnerin auch. Ich

habe schon gesehen, dass sie einen

Schluck aus dem Glas nimmt und er

sich danach den Mund abwischt. Verliebte

ergänzen und vervollständigen

ihre Bewegungen. Diese Art von Vertrautheit

kann man auch simulieren.

Ein Sofort-Tipp für den Job: Pass

deine Körpersprache deinem Gegenüber

an. Wenn dein Chef mit übereinandergeschlagenen

Beinen dasitzt,

mach es auch. Unterbewusst werdet

ihr euch beide wohler fühlen – weil

ihr euch angleicht.

In seinem neuen Buch

„Sag es keinem weiter“

erklärt Thorsten Havener,

wie Geheimnisse unser

Leben prägen und warum

wir sie brauchen – gerade

in Zeiten von Big Data,

Facebook und Co.

„Stell dir mal vor, wie der

Fußboden in deinem Kinderzimmer

aussah, als du fünf

Jahre alt warst. Haben sich

jetzt gerade deine Augen

bewegt, weil du mit ihnen

nach der Information in

deinem Kopf gesucht hast?“

Thorsten Havener

04:13

Flunkere mit

einem Lächeln

Wir gehen davon aus, dass Menschen

immer die Wahrheit sagen. Wir suchen

in Gesprächen unterbewusst nach

Beweisen für diese Annahme. Trotzdem

glaube ich: Flunkern ist einer der

Schmierstoffe, die unsere Gesellschaft

zusammenhalten. Die Frage „Geht’s dir

gut?“ und die Antwort „Ja“ sind ein

Ritual: Wir zeigen, wir haben uns wahrgenommen.

Dir geht’s überhaupt nicht

gut, aber du hast keine Lust, deine

Lebensgeschichte zu erzählen? Dann

musst du flunkern. Das geht am besten

mit einem Lächeln, das spontan Nähe

herstellt.

Es gibt eine Methode, Kritik zu

äußern, ohne jemandem zu nahe zu

treten – ein sogenanntes „Sandwich“:

„Das ist ein wunderschönes Kleid!

Ich bin mir nicht sicher, ob der Schnitt

zu dir passt. Aber diese Farbe, wow!“

Lob, Kritik, Lob – Kommunikation

ist ein Spiel, im Alltag sind solche kleinen

Tricks erlaubt. Aber wenn es wirklich

ernst ist – wenn es etwa um Liebe

geht, um echte Emotion –, hilft nur

eines: Dann musst du ehrlich sein.

05:00

THE RED BULLETIN 55


DER

WANDA-

ZIRKUS

WANDA waren eine Revolution.

Deutschsprachige Musik klang

nach ihnen anders als vorher. Im

Interview erzählen sie vom Rausch

der frühen Tage, was sie antreibt,

wer sie auffängt und wo sie sich

zu Hause fühlen.

Text STEFAN NIEDERWIESER

Fotos DAVID FISCHER

Österreichs aktuell größte Rockband (von links): Gitarrist

Manuel Christoph Poppe, Keyboarder Christian Hummer,

Sänger Marco Michael Wanda, Bassist Reinhold „Ray“

Weber und Drummer Lukas Hasitschka

56


Frontmann Marco

Michael Wanda:

„Wir wissen, dass

wir keine Virtuosen

sind. Wir müssen

bluten für unsere

Arbeit.“

58 THE RED BULLETIN


„ICH GLAUBE ÜBERHAUPT

NICHT AN DEN ABGRUND ALS

QUELL DER INSPIRATION.“

MARCO MICHAEL WANDA

Hunderttausend sollen es gewesen sein. Aber

so genau weiß das niemand. Als Wanda voriges

Jahr auf der Wiener Donauinsel auftraten,

konnte halb Österreich aus voller Kehle mitsingen,

„Bologna“, „Columbo“ und „Bussi

Baby“. Innerhalb von nur fünf Jahren haben

Wanda die deutschsprachige Musikszene erobert.

Sogar auf Konzerten in Hamburg grölen

die Fans die Hits mit – und das im Wiener

Dialekt. Der Hype hinterließ nicht nur Spuren

im kollektiven Bewusstsein, sondern auch bei

den Musikern. Das Tempo war manches Mal zu

hoch und forderte seinen Tribut. Wanda haben

seither einen Gang zurückgeschaltet. „Können

wir bitte bald nach Hause gehen“, singen sie

auf ihrer jüngsten Single, ein anderes Mal senden

sie ein „S. O. S.“. Aber wie beim legendären

„Help!“ von den Beatles klingen Wandas Rufe

nach Hilfe nicht so, als wären sie kurz davor

auf zugeben – sondern wie ein Appell an die

Willenskraft, weiter alles zu geben.

the red bulletin: Zum Einstieg eine

elementare Frage – wo ist zu Hause?

manuel christoph poppe: Bei den liebsten

Menschen. Das kann an jedem Ort der Welt

sein. Zuhause ist auch die Familie, bis hin zu

den Haustieren. Auf unserer Rock ’n’ Roll-Reise

sind das wir fünf als Freunde, wir fangen uns

gegenseitig auf – in guten wie in schlechten

Zeiten, wie’s so schön heißt.

marco michael wanda: Es ist schwer,

Zuhause einzugrenzen, es ist eine ewige

Problemstellung, eine endlose Reise, ein Anund

Ablegen. Menschen versuchen, in ihrem

eigenen Geist zu Hause zu sein. Gleichzeitig ist

man für andere ein Zuhause, für seine Liebsten.

Und wir als Band sind schließlich auch ein Zuhause

für unser Publikum.

Woher kommt diese Sehnsucht nach einem

Zuhause?

wanda: Ich habe mein Leben lang in Songs

nach Sinn gesucht. Ich traue keiner Politik,

ich traue wenigen Dingen, aber ich traue der

Musik. Die ist deshalb so wahr, weil sie gar nicht

wahr sein will und nicht wahr sein kann. Ich

schreibe einzelne Songs, dabei beschäftigt mich

so vieles, und einiges kann ich ausdrücken, anderes

nicht. Ich lerne mich immer noch kennen

und mein Handwerk besser zu verstehen.

Marco, auf eurem neuen Album singst du

erstmals über Kinder und darüber, dass du

nicht weißt, wo du bist, wo du stehst.

wanda: Ich bin älter geworden. Und wir alle

kennen das Gefühl, dass wir sitzen bleiben,

während die ganze Welt sich weiterdreht.

Die Frage, zu wem oder was wir nach Hause

kommen, haben wir uns alle gestellt. Wir haben

sehr viel erlebt, haben es auch über trieben, nie

gab es Ruhe. 2016 und 2017 waren teilweise

nur noch ein Leerlauf, eine sinnlose Suche

nach Exzess und der nächsten Erkenntnis.

Wie seid ihr da herausgekommen?

wanda: Ich glaube, über die Musik. Und über

Menschen, die uns wirklich nahestehen. Außerdem

haben wir heute deutlich mehr Erfahrung.

Wir sind nicht mehr am Jupiter, sondern

schweben bloß ein paar Zentimeter über dem

Boden.

poppe: Wir haben gelernt, dass Körper und

Geist zur selben Zeit am selben Ort sein müssen.

(Beide lachen.)

Musstet ihr zwischendurch abtauchen,

um Kräfte zu sammeln?

wanda: Wir sind wider Erwarten durchaus

lernfähig. Wir übernehmen uns nicht mehr

und fahren mit guter Geschwindigkeit.

Wie bleibt ihr hungrig, wie lasst ihr euch

auf Neues ein?

wanda: Ich bin grundsätzlich ein sehr fauler

Mensch. Wenn mir niemand sagte, probiere

dieses oder jenes aus, würde ich in meiner

Gewohnheit versinken. Unser Produzent Paul

Gallister ist zum Glück jemand, der unglaublich

geschickt und herzlich fordern kann.

THE RED BULLETIN 59


„HELFEN MUSS MAN SICH

SELBST. ABER FREUNDE

FANGEN DICH AUF.“

MANUEL CHRISTOPH POPPE

Viele Leute brauchen jemanden, der sie

motiviert und antreibt. Seid ihr zueinander

auch so?

wanda: Eher nein, wir lassen einander in

Ruhe. Wir verlangen voneinander nicht viel.

Aber wir wissen, dass wir keine Virtuosen sind.

Wir müssen bluten für unsere Arbeit. Das ist ein

Kampf. Steuern können wir ihn nicht, unsere

Arbeit ist immer einem Faktor X unterworfen,

dem Intuitiven und dem Mentalen. Wenn gar

nichts mehr geht, muss man es aussitzen. Songs

sind wie Geister, die einen besuchen kommen.

Geister lassen sich auch beschwören …

wanda: Das heißt aber noch lange nicht, dass

sie kommen. Man braucht viel Geduld, einen

langen Atem und unbedingt ein gutes Leben.

Ich glaube überhaupt nicht an den Abgrund

als Quell der Inspiration.

Wusstest du in den drei Wochen, in denen

du das neue Album „Ciao!“ großteils geschrieben

hast, dass jetzt der richtige Zeitpunkt

ist?

wanda: Ja. Alle Geister haben mich auf einmal

besucht. Früher habe ich alles dafür versucht,

jedes Hilfsmittel war recht. Aber irgendwann

war das kein gutes Leben mehr.

Haben euch die Beatles besucht, haben sie

euch beeinflusst?

wanda: Der Einfluss, den diese Gruppierung

auf die Musik, auf die gesamte Kultur hat,

der lässt sich vorne und hinten nicht verfehlen.

Und ja: Wir haben etwas gemeinsam. Immerhin

waren wir alle bei den Beatles in der Schule.

Das ist eine Art, Musik zu denken, die uns verwandt

ist. Ich verstehe, in welchem Rahmen

sie arbeiten wollten. Diese Musik ist mir viel

näher und verständlicher als vieles andere.

Aber die neuen Beatles wollen wir nicht sein –

und das können wir auch nicht sein.

Manche Harmonien, Instrumentierungen

und Rhythmen erinnern dennoch stark

an die Beatles. Auch ein Songtitel wie

„Swing Shit Slide Show“.

wanda: Ich verstehe das als eine Art Öffnung.

In einem Magazin habe ich eine Werbeeinschaltung

für diese Freakshow namens

„Swingshift Sideshow“ gesehen, und in diesem

Moment war mir klar, dass ich nicht über mich

schreiben will, sondern so viele Geschichten

wie möglich erzählen möchte. Wie auf einem

„SONGS SIND WIE GEISTER, DIE

EINEN BESUCHEN KOMMEN.“

Festival, bei dem sich Menschen ihren Ängsten

stellen und dafür auch noch Eintritt zahlen.

Im Übrigen halte ich auch dieses Lied für

grandios gescheitert.

poppe: In drei Akten erfolgreich gescheitert.

(Beide lachen.)

Auf dem Cover eures neuen Albums lauft

ihr mit einem Schiff aus, auf dem „Ciao!“

steht. Das soll angeblich eine Einladung

zur Reise sein.

wanda: Das haben wir nie gesagt. (Lacht.)

Überhaupt spürt man eine große Lebens-,

aber auch eine Todessehnsucht. In euren

Videos geht ein Auto in Flammen auf, ein

anderes geht unter, und ein Boot säuft ab.

Die neuen Songs heißen „S. O. S.“, „Ein

schneller Tod“ oder „Nix reparieren“.

Geht es euch gut?

wanda: Wanda will den Optimismus finden,

wo es vermeintlich keinen gibt. Wanda will

den Karneval, wo alles grau ist. Das war immer

die geistige Reise dieser Band, für uns als Menschen

wie als Musiker.

poppe: Ein Lied, das sich nicht an das kollektive

Unbewusste richtet, wäre uninteressant.

wanda: Es ist immer ein Versuch. Vielleicht

lernt man das nie, aber der Versuch ist wichtig.

Nichts kann jemals fertig sein, genauso wie

ein Leben niemals fertig ist. Man stirbt, bevor

irgendwas passiert ist. Wenn man die eigene

Sterblichkeit versteht, aber auch die aller

anderen, kann man niemandem mehr wehtun

wollen. Dann kann man nicht spalten wollen.

Alle Menschen, die spalten, haben überhaupt

keine Ahnung vom Leben.

Denkt ihr, dass eure Fans das genauso sehen?

wanda: Meine Mutter ist Therapeutin. Sie

meinte kürzlich, was wir als Musiker machen,

ist eine Katharsis für den Moment. Man fühlt

sich während eines Konzerts sehr stark, aber

am nächsten Tag ist vermutlich nicht viel

hängen geblieben. Ich muss noch darüber

nachdenken. Sollte das allerdings stimmen,

werde ich den Rest meines Lebens dagegen

ankämpfen.

Heilen und geistige Gesundheit sind derzeit

große gesellschaftliche Themen. Ihr wirkt

aber eher wie Menschen, die nicht oft in

den Rückspiegel schauen.

poppe: Die Rückspiegel sind abmontiert –

habe ich einmal gesagt.

wanda: Und ich hab dir damals den Slogan

gestohlen und ihn aus Verlegenheit in vielen

Interviews verwendet.

poppe: Eigentlich ziemlich kaputt. (Lacht.)

MARCO MICHAEL WANDA

60 THE RED BULLETIN


Hoch die Schirme:

Für unser Shooting

stellten Wanda

ein berühmtes

Album-Cover der

Beatles nach.


wanda: In dieser Zeit war ich vollkommen

kaputt. Aufs Leben zurückblicken würde ich

aber nur mit Stolz. Ich finde viel Schönes

in dem, was wir erlebt haben.

Wie helft ihr euch?

poppe: Helfen muss man sich selbst. Aber man

kann einander gegenseitig auffangen. So wie

in dieser Band, die als Freundschaft begonnen

hat. Wenn einer fliegt, halten vier das Netz.

Menschen helfen sich auch anders: Yoga, Ernährung,

Medikamente, Astrologie. Ihr habt

den Song „Gerda Rogers“ geschrieben …

wanda: Hier summiert sich alles, worüber wir

gerade reden. Die Zweifel an Politik und Wissenschaft

haben ein Vakuum hinterlassen, in dem

sich viele Scheinexperten tummeln, sei es auf

YouTube, wo mir irgendjemand inbrünstig erklärt,

wie ich leben soll, oder Blogger, die meinen,

die Erde sei flach. Das hat mich fasziniert:

62 THE RED BULLETIN


„WANDA WILL DEN

KARNEVAL, WENN ALLES

ANDERE GRAU IST.“

MARCO MICHAEL WANDA

die schlechtere Welt? Gibt es so was überhaupt

noch? Das ist für mich die große Frage.

Stimmt es, dass du kein Smartphone hast?

wanda: So etwas besitze ich nicht.

poppe: Ich habe eines.

wanda: Und wir sind trotzdem Freunde. Und

wir können telefonieren. (Lacht.)

Die Textzeile „Alles schaut so gut aus, so, dass

man es fast glaubt“ soll Instagram meinen.

wanda: Ich bin immer wieder begeistert, was

Menschen in diese Texte hineinlesen. Das ist

sehr schmeichelhaft und eine der Säulen der

Freude. Die Interpretationen übertreffen einen

selbst bei weitem.

poppe: Ich fühle mich dadurch gerade sehr

bereichert.

Brauchst du weniger im Leben? Tun dir

andere leid, wenn sie viele Dinge kaufen?

wanda: Wenn ich hinausgehe, sehe ich keine

gefühllosen Roboter. Die Menschen sind angefüllt

mit Angst, Schmerz, Liebe und Leidenschaft.

In solchen Momenten empfinde ich

Mitleid, das rührt mich. In diesen Momenten

schreibe ich Lieder.

Möchtest als Experte gesehen werden?

wanda: Das steht mir nicht zu.

poppe: Wanda will Menschen aus den

verschiedensten Gegenden, Gesellschaftsschichten

und Denkweisen zusammenführen.

wanda: Und wir erleben das auf unseren

Konzerten, wenn sie sich in den Armen liegen.

Keyboarder Christian

Hummer am Steuerrad.

Wanda haben mittlerweile

einen guten Weg

zwischen Ruhe und

Exzess gefunden.

die Hilflosigkeit, aus der heraus wir uns auf die

Suche nach Wahrheit machen.

Du sprichst von einem unbekannten Zeitalter.

Wie meinst du das?

wanda: Das ist das große Jetzt. Ich kenne den

Ort nicht, auf den wir als Menschen zusteuern.

Es sind so viele Deutungen im Raum, dass

ich keine Ahnung habe, welches Versprechen

sich jetzt einlöst. Wird das die bessere oder

„CIAO!“ ZUSAMMEN

Hier kannst du Wanda live erleben.

Ab Ende Februar gehen die Österreicher mit ihrem

aktuellen Album „Ciao!“ auf Deutschland-Tournee.

Das sind die Daten:

25. 02. 2020 Würzburg, Posthalle

26. 02. 2020 Mannheim, Rosengarten

28. 02. 2020 Berlin, Max-Schmeling-Halle

29. 02. 2020 München, Olympiahalle

02. 03. 2020 Ulm, Ratiopharm Arena

03. 03. 2020 Hannover, Swiss Life Hall

04. 03. 2020 Leipzig, Haus Auensee

07. 03. 2020 Hamburg, Sporthalle

08. 03. 2020 Bremen, Pier 2

09. 03. 2020 Wiesbaden, Schlachthof

12. 03. 2020 Dortmund, Warsteiner Music Hall

13. 03. 2020 Köln, Palladium

08. 05. 2020 Regensburg, Donau-Arena

wandamusik.com

THE RED BULLETIN 63


Sprichst du

Deutschrap?

Von Fanta 4 bis Capital Bra, von

Blumentopf bis Bonez MC – wie tief

geht dein Wissen über deutschsprachigen

HIP-HOP? Das große Quiz.

Text MARC BAUMANN

Die Deutschrap-Szene ist so riesig wie nerdig. So viele

Kontro versen. So viele Sprüche. Und so viele Rapper mit

Masken. Da kann man schon mal den Überblick ver lieren.

Demnächst startet auf dem YouTube-Kanal „Red Bull Rap

Einhundert“ ein neues Quiz-Format, in dem sich prominente

Kandidaten mit ihrem Wissen messen. Hier kannst du dich

vor ab selbst testen: In diesem Quiz punktet nur, wer textsicher

ist, die aktuelle Szene im Auge hat und sich auch

in den abseitigen Kapiteln der Rap-Geschichte auskennt.

Lösungen am Ende der Story.

1

Die Fantastischen Vier

entstanden aus einer

Band mit dem Namen:

a) Die zwielichtigen Zwei

b) Die verrückten Vier

c) Die glorreichen Sieben


2

Wer sampelte schon

die Titelmelodie

von Pippi Langstrumpf

in einem Lied?

a) K.I.Z in dem Song

„Ein Affe und ein Pferd“

b) Fler in dem Song

„Villa in Kunterbunt“

c) Frauenarzt in dem Song

„Titti-Fucka-Land“

3

Welcher dieser

Moderatoren nahm

1980 einen der

ersten deutschen

Rapsongs auf?

ROBERT GRISCHEK, UNIVERSAL MUSIC, GETTY IMAGES (2), APA PICTUREDESK

a) Stefan Raab

als zwölfjähriger

„MC Ra(a)p“ mit

dem Song „Deine

Mudder“, den er auf dem

Pausenhof erfolgreich

verkaufte.

b) Thomas Gottschalk

als Teil eines

Trios namens

G.L.S.-United

mit dem Song „Rapper’s

Deutsch“, in dem sie von ihrer

Liebe zur Rockmusik singen.

c) Günther Jauch

als „Günther und

die furiosen Fünf“

mit dem Song

„Bundes-Rap-Publik“ während

einer Radiosendung auf

Bayern 3.

4

Nur einen dieser drei

Masken rapper haben

wir erfunden. Welchen?

a) Entetainment (rappt

mit einer Entenmaske)

b) SpongeBOZZ (rappt

im SpongeBob-Kostüm)

c) Elephantman (rappt in

einer Benjamin-Blümchen-

Maske)

5

Mit welcher Coverversion erreicht Shirin

David erstmals die Top 10 der deutschen und

österreichischen Singlecharts?

a) „Du liebst mich nicht“ von Sabrina Setlur

b) „Schlüsselkind“ von Cora E.

c) „Doppel-X-Chromosom“ von Nina MC

THE RED BULLETIN 65


Wer ist der erste deutsche Rapper mit einem

eigenen Instagram-Filter?

a) Gzuz. Mit seinem Filter trägst du Handschellen.

b) Cro. Mit seinem Filter kriegst du ein niedliches

Panda-Gesicht.

c) Capital Bra. Mit seinem Filter hängt dir eine goldene

Capital-Bra-Kette um den Hals.

6

8

Aus welchem unter

dem Radar laufenden

Ort kommen RIN, Bausa

und Shindy, was ihn zu

Deutschlands heimlicher

Rap-Hauptstadt macht?

c

b

a

a) Rielasingen-Worblingen

b) Bietigheim-Bissingen

c) Oberhausen-Rheinhausen

9

Wer rappte „Ich habe

einen grünen Pass

mit ’nem goldenen Adler

drauf“?

7

Wo drehte Jan Delay

sein Musikvideo „Ich

möchte nicht, dass ihr

meine Lieder singt“?

a) Auf dem Kölner

Karneval

b) Auf dem Münchner

Oktoberfest

c) Am Ballermann

in Mallorca

a) Advanced Chemistry im

Lied „Fremd im eigenen

Land“, in dem sie von

ihren Erfahrungen mit

Rassismus singen

b) Der damalige Innenminister

Wolfgang Schäuble

in einem PR-Video, das er

noch am Veröffentlichungstag

löschen ließ

c) Der russlanddeutsche Rapper

Pharaoh, der während

des Einbürgerungstermins

unerlaubt ein Musikvideo

drehte – und den Pass

daher nicht bekam.

10

Wo hat Trettmann nicht

mitgespielt?

a) Im Zentralen Pionierund

FDJ-Ensemble

Karl-Marx-Stadt

b) Im Reggae-Soundsystem

Rotzlöffel HiFi

c) Im Knabenchor der Regensburger

Domspatzen

66 THE RED BULLETIN


11

Warum hat Österreich

2018 seine Chart-Regeln

geändert?

PAUL RIPKE, 21 ENT., JENS HERRNDORFF

a) Weil der Regierung

die Songtexte deutschsprachiger

Rapper zu

gewaltverherrlichend

waren, sind seither nur

mehr Lieder mit Jugendfreigabe

zugelassen.

b) Weil 13 der Top-14-Lieder

von RAF Camora und

Bonez MC waren, wurde

die Regel eingeführt, dass

von einem Künstler nicht

mehr als drei Songs in die

Ö3-Charts dürfen.

c) Weil ein Jahr ohne Unterbrechung

Deutsch rapper

an der Spitze standen,

wird die Zahl der Abrufe

auf Streaming-Plattformen

nicht mehr mitgezählt.

12

Mit den „Raportagen“

während der Fußball-

Weltmeisterschaft

wurde die Band

Blumen topf auch ARD-

Zuschauern bekannt.

Welche holprige Zeile

haben Blumentopf

vorm WM-Finale 2014

gerappt?

a) „13. Juli, Maracanã / Rio

de Janeiro, schalalala. /

Das wird ein großer Kick

/ Ich hoffe, euch wird

der vierte Stern aufs Trikot

gedrückt.“

b) „Müller, Klose, Özil, jaaaa

/ Der vierte Stern zum

Greifen nah / Ihr kickt wie

Gerd Müller: voll Vollspann

und einfach wunderbaar.“

c) „Jogi Löw, du Trainergott

mit der Playmobil-Matte

/ Gewinnen deine Jungs

gegen Argentinien,

kriegen wir voll die Latte.“

13

Rapper Bonez MC demonstriert gerne seinen

Reichtum. Was hat er noch nicht gemacht?

a) 10.000 Euro in Scheinen aus dem Autofenster

geworfen.

b) Drei weiße Tiger gekauft.

c) Einen Kontoauszug über 1,5 Millionen Euro

gepostet.

14

Fettes Brot sind

große Fans einer Kinder-

Hörspielreihe, in der

sie einen Gastauftritt

haben. Welche ist es?

a) „Bibi und Tina“ (Folge 79:

„Jungs gegen Mädchen“)

b) „TKKG“ (Folge 79:

„Gabi in Gefahr“)

c) „Die drei ???“ (Folge 79:

„Im Bann des Voodoo“)

15

Welches

Jugendwort

des Jahres

prägte der

österreichische

Rapper Money

Boy entscheidend

mit?

a) Swag

b) Smombie

c) Babo

UND HIER

RATEN

DIE PROFIS!

Fünf Runden, zwei Teams,

ein Gewinner: 2020 startet

Red Bull ein großes Rap-Quiz.

Alle zwei Wochen duelliert

sich das Who’s who der

deutschsprachigen Rap-

Szene in den Red Bull Music

Studios in Berlin. Vom Spiele-

Klassiker bis zur Buzzer-

Runde: In dieser Gameshow

ist Deutschrap-Wissen

gefragt. Wer kennt die

absurdesten Thesen und

lustigsten Fun Facts?

Demnächst auf youtube.com

Lösung: 1. a, 2.a, 3.b, 4. c, 5. a, 6. c, 7. a, 8. b, 9. a, 10. c, 11. b, 12. a, 13. b, 14. c, 15. a

THE RED BULLETIN 67


Hoch-

leistungs-

kunst

Wie die Sportwissenschaft

Ballett neu

erfindet

Text MARK BAILEY

Fotos RICK GUEST


74 Kilogramm leichtfüßige

Power: der

Londoner Meister ­

tänzer Matthew Ball

69


Auf der Bühne: Schönheit und Grazie.

Hinter den Fassaden: Schmerzen, Leistungsdruck,

geschundene Körper, entzündete Muskeln.

Jetzt macht eine neue Tänzergeneration des

Londoner Royal Ballet die alte Tante Ballett

zukunftsfit. Und nutzt dafür die neuesten

Erkenntnisse innovativer Sportwissenschaft.

Wenn Gemma

Pitchley-Gale nicht

gerade mit rosa

Spitzenschuhen

im Londoner Royal

Opera House

Pirouetten dreht,

stemmt sie in der

Kraftkammer gusseiserne

Langhanteln. Die zierliche Tänzerin des

welt berühmten Londoner Royal Ballet schafft im

Kreuzheben 97,5 Kilo, also mehr als das Doppelte

ihres Körpergewichts von 47 Kilogramm.

„Die Leute halten uns für zerbrechlich“, sagt

die Südlondonerin, „aber da liegen sie falsch.“

Beispiele gefällig?

Ihre Kollegin Claire Calvert trainierte mit

Squats und 100-Kilo-Gewichten für ihre Rolle

als Zuckerfee im „Nussknacker“.

Der Waliser William Bracewell schafft beim

Wadenheben mit seinem eigenen Körpergewicht

45 Wiederholungen.

Der Australier Alexander Campbell, ein weiterer

Tänzer aus Pitchley-Gales Ensemble, bewegt

während einer durchschnittlichen Fitness-Einheit

insgesamt dreieinhalb Tonnen – das ist so viel

wie ein vollbeladener Ford Transit.

Und Matthew Ball, ein Liverpooler mit dem

Aussehen eines Boygroup-Stars, legt sich für

seine einbeinigen Kniebeugen das Vierfache

seines Körpergewichts auf. „Muss sein“, sagt der

junge Mann, dessen Adern bei jeder Geste dick

am Bizeps hervortreten. „In der Aufführung

wirken bei jedem hohen Sprung 500 Kilogramm

auf meine Beine.“

Ballett mag eine hochästhetische Kunstform

sein. Zugleich ist es aber eine Mordsschinderei:

Für Klassiker wie „Schwanensee“, „Aschenbrödel“

oder „Romeo und Julia“ proben die

Tänzer sechs Stunden am Tag, dazu kommen

vier Auftritte pro Woche.

Die von blutigen Blasen, blauen Flecken und

Schrammen gemarterten Füße der rund hundert

Tänzer des Royal Ballet tanzen pro Jahr 12.000

Schuhe durch. Und da ist das, was als „richtige“

Verletzungen gilt – Dinge ab Bänderriss oder

Verstauchungen –, noch gar nicht eingerechnet.

Genau 6,8 solcher Blessuren sind es im Schnitt

pro Jahr und Tänzer, genauso viel wie beim

American Football.

Am Morgen schlurft müde eine Kompanie

schlaksiger Figuren mit markanten Wangenknochen

in das luftige Probestudio – die Frauen

in Tutus und Beinstulpen, die Männer in engen

Shorts und weiten Oberteilen.

„Zu dieser Tageszeit tut hier jedem alles weh“,

sagt Pitchley-Gale und lacht. 75 Minuten Aufwärmen,

dann beginnt die harte Arbeit, manchmal

durchgehend von zwölf bis halb sieben.

Von der Probe geht es direkt zum Auftritt, einer

schillernden Feier vollendeter Körperbeherrschung

vor 2250 Zuschauern. „Vor eins bin ich

nie zu Hause“, sagt Campbell, „und um 9.30 Uhr

beginnt schon die nächste Probe.“

Fast unglaublich: Bis vor kurzem wurden die

körperlichen Belastungen, denen Balletttänzer

ausgesetzt sind, nicht wirklich professionell

untersucht. Erst 2013 eröffnete das Royal Ballet

die Mason Healthcare Suite – eine hochmoderne

Einrichtung mit 17 Sport- und Ernährungswissenschaftlern,

mit Physiotherapeuten,

70 THE RED BULLETIN


Beweglichkeitstraining:

Claire Calvert an

einer hochmodernen

Gyrotonic-Maschine

Masseuren und Psychologen. Ihr Ziel: bessere

Erholung, weniger Verletzungen, höhere Leistungsfähigkeit.

„Anfangs hat mich das Arbeitspensum der

Tänzer richtiggehend schockiert“, sagt Klinikleiter

Greg Retter, der zuvor britische Olympia-

Athleten betreute. „Hochleistungssportler stimmen

ihre Form auf Saisonhöhepunkte ab. Doch

Balletttänzer müssen permanent 100 Prozent

geben, bei jeder Probe, mehrmals am Tag, von

September bis Juni. Und manchmal studieren sie

gleichzeitig sechs Choreografien ein.“

Das Ziel dieses brutalen Trainings nennt sich

neuronale Plastizität, auf gut Deutsch also „anpassungsfähiges

Muskelgedächtnis“.

„Niemand kann komplexe Bewegungsmuster

so schnell und so gründlich verinnerlichen wie

Balletttänzer“, sagt Retter. Ebendiese Fähigkeit

macht Ballett so anspruchsvoll – und so ästhetisch.

„Ein Balletttänzer setzt jeden Schritt in

makelloser Perfektion. Die Position jedes Arms,

jedes Fingers ist in jeder Sekunde genau vorgegeben“,

erklärt Calvert.

Das Problem dabei: Unser Körper ist nicht

fürs Balletttanzen geschaffen. „Schon die

Grundstellung, das ‚en dehors‘ (die Ausdrehung

der Beine, bei der Knie und Zehen nach außen

zeigen; Anm.), ist einfach unnatürlich.“

Retters Team begann, Daten zu sammeln, von

der Aufprallenergie bis zu Muskelaktivierungsmustern.

Zum Einsatz kamen dabei die gleichen

Kraftmessplatten, mit denen auch die Astronauten

der Europäischen Weltraumorganisation

trainieren, dazu Sauerstoffmasken sowie Elektromyographie-

und Herzfrequenzgeräte zur Messung

der Muskelaktivität.

Der nüchterne Blick der Sportwissenschaft

förderte Erstaunliches zutage. Denn nicht nur

Laktatüberschuss, Herzüberlastung und Sauerstoffnot

sind Dauerbegleiter der Tänzer.

Bei der Landung von Tanzfiguren müssen

männliche Tänzer Kräften von bis zu 6000 Newton

standhalten – um ein Fünftel mehr als bei

einem Kinnhaken von Schwergewichtsboxer

Anthony Joshua. Bei Tänzerinnen sind es

4000 Newton, mehr als ein knochenbrechendes

Tackle im Rugby.

Dazu kommt der Stress: In einer Aufführung

kann der Laktatwert noch einmal um acht Prozent

ansteigen.

THE RED BULLETIN 71


Doch warum kamen Tänzer – anders als

Sportler, Abenteurer und Soldaten, die

seit Jahrzehnten von der Arbeit mit

Sportwissenschaftlern profitieren – nie

in den Genuss von professionellem Krafttraining,

Ernährungstipps, Erholungsplänen oder technischen

Innovationen?

Und warum nahm man die Schmerzen und

Verletzungen infolge unmenschlicher Belastungen

unwidersprochen in Kauf?

„Ich habe 2005 meinen Abschluss an der

Royal Ballet School gemacht, und in meiner

Zeit dort hat man uns nur ein bisschen Pilates

und Stretching angeboten“, sagt Pitchley-Gale.

Während sie selbst einen Personal Trainer

engagierte, gingen andere mit ihrem Körper

weniger sorgsam um: Der damalige Solist Eric

Underwood gab zu, dass er getrunken, geraucht

und Burger gegessen hatte. Und der ukrainische

Tänzer Sergei Polunin nahm sogar Drogen und

feierte exzessive Partys.

Es war jedenfalls Zeit für einen Paradigmenwechsel.

Aber davor galt es, noch

eine Hürde zu nehmen. Denn Tänzer sind

keine Athleten, sondern Künstler, die

durch den Ausdruck ihres Körpers Emotionen

auslösen möchten. Klassische Werte wie Anmut

und Eleganz haben für sie instinktiv mehr Bedeutung

als knallharte Daten wie Beinkraft oder

Sprunghöhe.

Dazu kommt die Tradition. Ballett entstand

an den Renaissance-Höfen im Italien des

15. Jahrhunderts, und viele der berühmtesten

Stücke stammen aus dem 19. Jahrhundert,

darunter „Dornröschen“ (1890 uraufgeführt),

„Der Nussknacker“ (1892) und „Schwanensee“

(1895). Bis heute dient Tradition den Tänzern

auch als In spiration. Doch sie grenzt auch die

Möglichkeiten ein – und verhindert die Weiterentwicklung.

Vielleicht hat Klinikleiter Greg Retter ja eine

Perspektive gefunden, die beide Welten verbinden

kann. „Kraft, Fitness, psychisches Wohlbefinden

und ausgewogene Ernährung sind kein

Selbstzweck“, sagt er seinen Klienten, „sondern

die Voraussetzung dafür, dass du eine komplexe

Choreografie performen und deine Leidenschaft

auf die Bühne übertragen kannst.“

Die Revolution brach nicht nur im Royal

Ballet aus.

Im Jahr 2012 taten sich mehrere britische

Tanz-Institutionen und Universitäten zum National

Institute of Dance Medicine and Science

(NIDMS) zusammen, um die Forschung in dieser

Disziplin zu fördern.

Die Erkenntnisse waren ohne Übertreibung

bahnbrechend: Eine Studie wies nach, dass ein

Jahr Krafttraining die Verletzungshäufigkeit

von Tänzern um 59 Prozent senkt. Eine andere,

dass schon sechs Wochen Konditionstraining

die tänzerischen Kernkompetenzen Bewegungskontrolle,

räumliches Bewusstsein, Timing und

Rhythmusgefühl deutlich verbessern.

Seit diese Daten auf dem Tisch liegen, kam

es bei vielen aufgeschlossenen und ehrgeizigen

Tänzern allmählich zu einem Umdenken gegenüber

Innovationen. „Ballett ist eine alte, fest

in der Tradition verhaftete, stark formalisierte

Kunstform. Aber das heißt nicht, dass wir nicht

weiterlernen können“, sagt Ball.

Im hauseigenen Fitnessstudio ist die Zeitenwende

schon im Alltag angekommen. Jeden Tag

schwingen hier fliegengewichtige Tänzer Kugelhanteln

und Battle Ropes oder schwitzen beim

Squat-Training mit schweren Gewichten. Das

Krafttraining schützt sie vor Muskelverletzungen,

fördert die Knochengesundheit, verbessert

die Sprungkraft und hilft beim Abfedern der

Aufprallenergie.

Damit die Grazie beim Muskelaufbau nicht

verlorengeht, wenden die Sportwissenschaftler

innovative Techniken an.

Kraftmessplatten messen die Explosivkraft,

Langhantel-Sensoren Geschwindigkeit und Wiederholungen.

„Ich dachte, ich würde im Fitnessstudio dicke

Beine kriegen. Aber wir trainieren intelligent,

damit genau das nicht passiert“, verrät Calvert.

Als ideal erwiesen sich schwere Gewichte und

wenige Wiederholungen, die mit hoher Geschwindigkeit

ausgeführt werden. Denn das

maximiert die Kraft durch effizientere Muskelkontraktion

und stärkere elektrische Impulse

in den Muskelfasern – ohne dass dabei dicke

Muskelpakete entstehen.

Der Effekt? „Ich stecke die Proben jetzt viel

besser weg als früher“, sagt Bracewell, „und

meine Kreuz-, Sprunggelenks- und Knieprobleme

sind fast völlig verschwunden.“

Auch auf der Bühne merkt er einen deutlichen

Unterschied. „Wenn du beim Kreuzheben

Gewichte gehievt hast, die fünfmal so schwer

sind wie deine Tanzpartnerin, werden Hebefiguren

plötzlich zum Kinderspiel.“

AUSDAUER:

Claire Calvert

Als Erste Solistin (der

Rang knapp unter der

Haupttänzerin) spielte

Calvert unter anderem

die Fliederfee in „Dornröschen“.

2013 erlitt sie

eine osteochondrale

Läsion, eine kleine

Knorpelverletzung am

Sprunggelenk. Der

mitbetroffene Muskel

schrumpfte auf die

Hälfte seiner normalen

Größe und hinterließ ein

1,5 Zentimeter großes

Loch im Knorpel. Um

Gelenke und Muskeln

zu stärken, machte sie

Kreuzheben und Kniebeugen

mit schweren

Gewichten. „Ich trainiere,

seit ich elf bin“,

sagt die 31-Jährige,

„aber jetzt weiß ich

erst, wie sehr Fitnesstraining

mir hilft,

eine bessere Tänzerin

zu werden.“

„Unser Körper ist anpassungsfähig“,

sagt Claire Calvert, „aber

niemand ist fürs Ballett geboren.“

72 THE RED BULLETIN


muscle Claire to Calvert half its vereint normal

size geballte and leaving Kraft mit a 1.5cm geradezu

in the übermensch­

cartilage. She

hole

licher started Biegsamkeit.

doing heavy


FITNESS:

Alexander

Campbell

Der Primo ballerino aus

Sydney spielte schon

berühmte Rollen wie

den Prinzen im „Nussknacker“.

„Du wirst

besser, je mehr du

trainierst. Aber umso

schlechter, je müder du

bist“, sagt er. Darum

trainiert er am Rudergerät

und gleicht dabei

sein Pensum an die Ansprüche

bevorstehender

Rollen an. „Ich kam

mit fünf Jahren zum

Ballett, spielte aber

auch Aus tralian Football,

Cricket und Fußball.

Als ich zum ersten

Mal Recovery Boots

und Eisbäder vorschlug,

hielten mich alle für

verrückt. Jetzt verwenden

wir sie die

ganze Zeit.“

Primoballerino

Alexander Campbell

ist Teil der sportwissenschaftlichen

Revolution.


Auch Matthew Ball, der Nachwuchsstar

der neuen Tänzergeneration, findet,

dass Krafttraining das Niveau seiner

Darstellung deutlich verbessert hat:

„Ich liebe hohe Sprünge – und Squats mit

schweren Gewichten sind dafür die perfekte

Vorbereitung.“

Doch wie hilft die technologische Unterstützung

genau, die Bühnen-Performance des

Royal Ballet zu verbessern?

Elektromyographie-Tests helfen den Tänzern,

eher vernachlässigte, fußstabilisierende Muskeln

wie den medialen Gastrocnemius (auf der Rückseite

der Wade) zu stärken. Kraftmess platten

zeigen, wie man schonender landet. Und dank

der Herzfrequenztests kann sich jeder Tänzer

sein Fitnessprogramm perfekt maßschneidern

lassen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Regeneration.

Mit Gyrotonic-Maschinen trainiert

man durch ein Seilsystem die Dehnbarkeit. Für

die Kältetherapie werden die gleichen „Game

Ready“-Beinwickel eingesetzt, die auch die Fußballer

von Manchester City verwenden. Und

aufblasbare RP-X-Erholungsstiefel pressen nach

den Proben und Trainings die Milchsäure aus

den Muskeln.

„Du fühlst dich, als würde wieder frisches

Blut durch deine Beine pumpen“, sagt Pitchley-

Gale. All diese Aktivitäten werden mit „Smartabase“

überwacht, einer Datenanalyse-Plattform,

die auch von dem National-Football-League-

Team der Dallas Cowboys verwendet wird.

weitertanzen“, sagt Calvert. Inzwischen folgen

die Tänzer den ausgeklügelten tanzgerechten

Ernährungsplänen von Royal-Ballet-Diätologin

Jacqueline Birtwisle. Sie hat schon für das

Rugby-Team der Leicester Tigers und den Ruderverband

British Rowing gearbeitet.

Um ihren enormen Energiebedarf zu decken,

essen die Tänzer leicht verdauliche Lebensmittel

wie Porridge, Rührei, Risotto, Hummus, Salat,

griechischen Joghurt, Baked Beans oder Buddha­

Bowls. Dann Omega-3-reiche Fische wie Lachs,

Makrele, Sardelle, Sardine und Hering, um die

Muskelregeneration zu unterstützen. Und gekocht

wird mit Oliven- statt Sonnen blumenöl,

um Entzündungen vorzubeugen.

Balletttänzer haben das

gleiche Verletzungsrisiko wie

American-Football-Spieler.

Doch Balletttanzen ist nicht nur harte

körperliche Arbeit. Auch Psychologie

und Neurowissenschaft können dich

zum besseren Tänzer machen. So hilft

die Arbeitspsychologin Britt Tajet-Foxell den

Künstlern, negative Gedanken mit positiven

Bildern zu überblenden.

Eine Tänzerin verglich ihren verletzten Knöchel

zum Beispiel mit einem gebrochenen Zweig

– und lernte, sich beim Gedanken daran lieber

Bilder von fließendem Wasser und einem blauen

Himmel vorzustellen.

„Nach einem Beinbruch hatte ich Angst vor

den Landungen“, erinnert sich auch Pitchley-Gale,

„jetzt habe ich gelernt, in solchen Situationen

gezielt an frühere Erinnerungen erfolgreicher

Auftritte anzuknüpfen.“

Auch gegen allgemeinen Stress gibt es einen

Trick: Die Tänzer werden angewiesen, die verschiedenen

Bereiche ihres Lebens – wie Ballett,

Familie, Finanzen – in imaginäre Räume aufzuteilen

und diese „aufzuräumen“, einen nach

dem anderen.

Der hektische Probenplan macht auch die

Planung regelmäßiger und ernährungsphysiologisch

einwandfreier Mahlzeiten zur Herausforderung.

„In 15 Minuten Pause kannst du

dir kein Menü reinschieben und danach sofort

Während einer durchschnittlichen

Workout-

Session stemmt

Campbell in Summe

das Gewicht eines

Klein transporters.

THE RED BULLETIN 75


Bracewells RP-X

Recovery Boots

verbessern mittels

Muskelkompression

die Durchblutung

nach dem Training.

PRÄZISION:

William

Bracewell

Der in Swansea geborene

Erste Solist ist

es gewohnt, schwierige

Rollen zu übernehmen.

Aktuell spielt er an

ausge wählten Terminen

die Hauptrolle in der

Royal-Ballet-Produktion

von „Romeo und Julia“.

„Am härtesten war

‚Obsidian Tear‘“ (Ballett

von Choreograf Wayne

McGregor aus dem Jahr

2016, Anm.), sagt

Brace well. „Diese

25 Tanzminuten waren

unfassbar intensiv.“

Sein Ernährungsplan

für eine optimale Performance:

„Zwei Stunden

vor einer Show

Pasta für die Energie.

Und danach Pro teine,

um die Muskeln zu reparieren.“

Bracewell lernte

auch Visualisierungstechniken.

„Ballette

sind sehr verschieden“,

sagt er. „Ich stelle sie

mir als unterschiedliche

Gebäude vor.

Im Buckingham Palace

benimmst du dich ja

auch anders als in einer

Lager halle. So zu

denken hilft mir, mich

zu konzentrieren.“


KRAFT:

Gemma

Pitchley-Gale

Als „First Artist“ ist

die Tänzerin aus

Südlondon ein hochrangiges

Mitglied des

Corps de Ballet, das

auf der Bühne aufwendig

choreografierte

Gruppentänze aufführt.

Neben anmutigen Posen

und Backstage-Selfies

finden sich auf ihrer

Instagram Site auch

Videos vom Gewichtheben

im Fitnessstudio.

„Keine Ballerina will

wie eine Bodybuilderin

aussehen. Doch wenn

man es richtig macht,

wird man stärker, ohne

Muskelpakete zu bekommen.

Ich fordere

meinen Trainer immer

dazu auf, auf die Beinpresse

mehr Scheiben

draufzugeben, und er

kann es kaum fassen,

welche Gewichte ich

heben kann.“

„Die meisten

Leute haben

keine Vorstellung

davon,

wie viel Kraft

in uns steckt.“

77


Oben: Gemma

Pitchley-Gale

trainiert ihre Kraft

am hochmodernen

Pilates-Reformer.

Rechts: Claire Calvert

schafft Kniebeugen

mit mehr als dem

Doppelten ihres

Körpergewichts.

78 THE RED BULLETIN


Gut gegen Lampenfieber:

Erinnerungen an erfolgreiche

Auftritte von früher

Nach der Vorstellung, wenn es zu spät für

schwer verdauliches Essen ist, wird die verbrauchte

Energie durch Erdnussbutter- und

Milchshakes ersetzt.

Und weil die Tänzer so viel Zeit in geschlossenen

Räumen verbringen, wird zusätzlich

Vit amin D verabreicht. Es verbessert nicht nur

das Immunsystem, sondern steigert auch die

iso metrische Kraft der Tänzerinnen und Tänzer,

die man mit „statischen“ Übungen wie dem Planking

verbessert – um sagenhafte 18,7 Prozent.

PHOTOGRAPHIC ASSISTANT: FRANKIE LODGE

Gegen Ende unseres Besuchs führt uns

Retter zu der überwältigenden Bühne

des Royal Opera House. Sie befindet

sich hinter einem drei Tonnen schweren

purpurroten Vorhang. Und erinnert ihn täglich

nachdrücklich daran, worum es in seiner Arbeit

wirklich geht: um tänzerische Exzellenz vor

einem kritischen Publikum.

„An den historischen Errungenschaften des

Royal Ballet ist nicht zu rütteln“, sagt er. „Unsere

Aufgabe besteht also nicht darin, das Ballett

zu verändern, sondern die Tänzer bei ihrer Performance

zu unterstützen. Sportler federn ihre

Landungen in der Hüfte, den Knien und den

Knöcheln ab. Aber im Ballett musst du mit gestreckten

Beinen landen. Das können wir nicht

ändern. Aber wir können die Tänzer stärker

machen, damit sie solche Belastungen besser

aushalten.“

Den objektiv belegbaren guten Ergebnissen

zum Trotz sind nicht alle Tänzer von den neuen

Ideen und wissenschaftlichen Ansätzen angetan.

„Der Konflikt schwelt noch immer, doch er

polarisiert nicht mehr so stark wie früher“, räumt

Retter ein. „Erstens, weil angehende Tänzer der

Royal Ballet School früh lernen, wie wichtig

körperliche Leistungsfähigkeit ist. Und zweitens,

weil auch Startänzer einsehen, dass ihr künstlerischer

Ausdruck durch die neuen Methoden

nicht beeinträchtigt, sondern verbessert wird.“

In dieser Saison meldeten sich 80 Prozent der

Tänzer für freiwillige Tests in der Mason Healthcare

Suite an – so viele wie nie zuvor.

„Und nicht nur das. Sie nahmen die Ergebnisse

ernst und steckten sich Ziele“, berichtet Greg

Retter. „Zum Beispiel wollten sie ihre maximalen

Sprunghöhen verbessern, nachdem sie dazu Feedback

vom künstlerischen Personal und Royal-

Ballet-Direktor Kevin O’Hare erhalten hatten.

FOKUS:

Matthew Ball

Im März 2018 kam ein

Anruf vom Direktor des

Royal Ballet: Der Erste

Tänzer David Hallberg

hatte sich verletzt. Ball

musste für die Hauptrolle

des Albrecht in

„Giselle“ einspringen,

obwohl er sie bis dahin

nur einmal getanzt

hatte. „Wenn du keine

Wahl hast, folgst du

deiner Intuition“, sagt

Ball. Er wurde später

zum Haupttänzer befördert

und ist nun an

aus gewähl ten Terminen

in der Hauptrolle von

„Romeo und Julia“ zu

sehen. „Ich nahm ein

Taxi, zog mich um, ließ

mein Make­ up machen

und war weniger aufgeregt

als sonst.“ Ball

entwickelte Strategien,

um sich auf der Bühne

besser zu konzentrieren.

„Dein Hirn braucht

etwas Vertrautes. Wenn

mein Herz pocht, lege

ich meine Hand darauf

und fokussiere meine

ganze Energie auf diese

Stelle.“

Ich erlebte zum ersten Mal einen regelrechten

Austausch und nicht nur das bloße Aufzeigen

von Schwachstellen, die es zu verbessern gilt.“

Das Fazit: Auch weiterhin wird das Talent

wichtiger sein als die Wissenschaft, wenn es

um die Umsetzung künstlerischer Ästhetik geht.

Doch wenn es die Aufgabe eines Tänzers ist, die

Grenzen seines Körpers auszuloten, um damit

emotionale Reaktionen im Publikum auszulösen,

wenn er damit Athletik zur Kunstform erhebt

– dann kann Wissenschaft dabei helfen.

„Ein Läufer muss einfach nur laufen“, sagt

Calvert. „Aber wir müssen uns präzise bewegen,

gut aussehen, überzeugend lächeln und beim

Zuschauer Gefühle erzeugen – selbst wenn wir

am Ende fast draufgehen. Kniebeugen helfen

mir nicht, wenn ich dreißig Fouettés (Das ist

eine schnelle Drehung, bei der ein Bein zum Knie

an gewinkelt wird; Anm.) machen will. Ich muss

ja die Abfolge genau üben. Aber ich habe Kraft

und Vertrauen dazugewonnen und kann mich

deshalb besser auf die Handlung oder meine

Rolle konzentrieren.“

Und davon haben nicht nur die Tänzer etwas

– sondern letztlich auch das Publikum.

roh.org.uk

THE RED BULLETIN 79


FLÜÜÜGEL GIBT’S

AUCH OHNE ZUCKER.

• NEUER •

GESCHMACK

Z E R O Z U C K E R


guide

Dein Programm

FITNESS

Extrem-Workout: mit

Lauf-Ikone Christian

Schiester in der Sauna

SEITE 86

LESESTOFF

Die besten Bücher

für Fans von

„Game of Thrones“

SEITE 88

GAMING

Studien beweisen:

„Mario Kart“ lässt dich

unbeschwerter leben.

SEITE 94

KARO PERNEGGER

REISEN

Wilder Ritt: Wir erkunden

Albaniens Berge

auf einer Allrad-Tour.

SEITE 82

THE RED BULLETIN 81


Reisen

Albanien (im Hintergrund die Hauptstadt Tirana) erkundet man am besten o≠road. Viele Orte erreicht man anders nicht.

ABENTEUER

ALBANIEN

QUERFELDEIN

Unser Reporter fährt fast nie Auto. Wir schickten ihn

trotzdem für eine Allrad-Tour durch die wilden Berge

Albaniens. Ein steiniger, aber schöner Weg.

Ich hab’s versucht. Zwei Fahrzeuglängen

Abstand zum Vorderwagen

halten, das war die

Anweisung. Doch schon bald befinde

ich mich, weit abgeschlagen

von der Gruppe, auf irgendeinem

Bergpfad. Vor mir nur eine Staubwolke,

die mir die anderen hinterlassen

haben. „Fahrzeug neun,

bitte aufschließen“, tönt es ungeduldig

aus dem Walkie-Talkie.

Jaja, bin gleich da, murmle ich

überfordert.

Albanien ist das touristisch

wohl unbekannteste Land Europas.

Denn es war unter dem lang­

Nach dem Fahren auf die Fähre – nach Korfu, Griechenland

82 THE RED BULLETIN


guide

REISE-TIPPS

OFFROAD-IDYLLE

Albanien ist touristisch relativ unbekannt

— und doch nur einige wenige Flugstunden

von Deutschland entfernt.

Albanien

Tirana

Elbasan

Dreckige Freiheit: O≠road-Fahren ist in Albanien relativ unreglementiert möglich.

Berat

Gjirokastra

Saranda

KARO PERNEGGER FELIX DIEWALD

Sightseeing durch die Windschutzscheibe: unser Autor, ausnahmsweise entspannt

jährigen sozialistischen Diktator

Enver Hoxha bis zum Fall des

Kommunismus komplett von der

Außenwelt abgeschottet. Wir

wollen drei Tage lang abseits der

großen Straßen das Hinterland

durchstreifen, in der Kolonne

von der Hauptstadt Tirana in

drei Tagen bis in den Süden an

die Mittelmeerküste.

Albanien erkundet man am

besten offroad, sagt Erald Dervishi,

der mit Off Limits Albania

Touren durchs ganze Land anbietet:

Viele Orte erreicht man

auf andere Weise nämlich gar

nicht, schon gar nicht mit dem

Bus. „Und dort draußen triffst du

noch auf Menschen, die neugierig

auf dich sind.“ Außerdem ist das

„Es sind Passagen

zu meistern, bei

denen du denkst:

Wer, um Himmels

willen, soll hier

fahren?“

Geländefahren im Vergleich zu

anderen Ländern in Albanien

noch relativ unreglementiert

möglich. Manche der Routen sind

zwar in Online-Karten verzeichnet,

Dervishi empfiehlt aber, sich

nicht auf eigene Faust, sondern

unbedingt in der Gruppe und mit

einem lokalen Guide ins Aben­

DAS RICHTIGE OFFROAD-SET-UP

Einfach so von der Straße abfahren ist keine

gute Idee. Mit diesen fünf Tipps der Škoda-O≠road-

Experten bist du besser für ein Abenteuer auf

unbeständigem Untergrund vorbereitet:

1. INSPEKTION

Vor dem Start das Auto von außen begutachten: Wie

lang und breit ist es? Und einmal von unten: Wo hängen

die Fahrzeugteile besonders tief? So weißt du, ob du

besser links oder rechts über Hindernisse fährst.

2. KENNZEICHEN UNGELÖST

Bevor du die Straße verlässt, verstärke die Befestigung

des Nummernschilds oder schraube es überhaupt

ab – das ist als Erstes futsch.

3. AB IN DEN HOCHSITZ

Stell den Sitz aufrecht und hoch ein. Du brauchst Übersicht,

um den Boden direkt vor dir sehen zu können.

4. LUFT RAUS

Wenn der Untergrund matschig und rutschig wird,

bekommst du mehr Grip, wenn du etwas Luft

aus den Reifen lässt.

5. ALLES IM BLICK

Richte die Rückspiegel auf die Hinterräder ein. So hast

du alle Reifen im Blick und weißt, wo du durchkommst.

GELÄNDEWAGEN-TOUR

Off Limits Albania, Bulevardi Bajram Curri, 1001 Tirana,

Albanien; Tel.: +355/69/204 04 40. Zum Beispiel

die drei tägige Tour von Tirana nach Durrës an die Küste,

weiter in die Berge nach Berat, durch den Osumi- Canyon

nach Gjirokastra in den Süden und zurück. Inkl. Geländewagen,

Übernachtungen und Frühstück ab 270 Euro.

offlimitsalbania.com

THE RED BULLETIN 83


Reisen

guide

teuer zu stürzen. Welcher Weg

passierbar ist, kann sich in den

rauen Bergen Albaniens nämlich

jederzeit ändern. Und die Beschaffenheit

der Strecke ist ein

ganz eigenes Kapitel. Es sind Passagen

zu meistern, bei denen du

denkst: Wer, um Himmels willen,

soll hier fahren? Die Antwort

geben höhergelegte Uralt-Kisten

aus den Siebzigern, die uns immer

wieder entgegenkommen und auf

wundersame Weise auf diesen

sogenannten Straßen unterwegs

sind. Albaner pflegen einen eher

wilden Fahrstil. Das könnte damit

zu tun haben, dass es bis in die

Neunzigerjahre hinein überhaupt

nur wenige tausend Autos im

Land gab – reserviert für die

Partei-Elite. Private Autos hingegen

waren verboten.

Unser Gerät: der Škoda Karoq

Scout, ein Geländewagen, der

auf mich Auto-Null nicht wirklich

wie eine Offroad-Karre wirkt.

Niemals wäre ich auf die Idee

gekommen, mit dem Ding solche

Routen zu befahren. Aber der

„Es macht ‚klunk‘,

wenn ich einen Stein

erwische. Aber

langsam beginnt

der O≠road-Fahrer

in mir zu erwachen.“

Stopp am Stausee Banjë: Wasserkraft dominiert in Albanien.

Albtraum für Putz-Personal: Berat, auch bekannt als die „Stadt der tausend Fenster“

Wagen packt es leicht – dank des

„intelligenten 4×4-Antriebs“, wie

ich später erfahre. Wir erklimmen

steile Felstreppen, schlängeln uns

auf schmalen Geröllwegen durch

die Gebirgslandschaft, die gut

70 Prozent der Landes fläche ausmacht.

Jetzt besser nicht schauen,

wie weit der Hang rechts abfällt.

Immer wieder kommen wir an

kleinen Betonbunkern vorbei,

die verloren in der Landschaft

herum stehen, ein Überbleibsel

aus der Vergangenheit. Der paranoide

Diktator Enver Hoxha isolierte

das Land in den Siebzigern

und Achtzigern international und

ließ mehr als 170.000 Bunker im

Land errichten – um Feinde abzuwehren,

die nie kamen. Mittlerweile

werden sie von Bauern zum

Teil als Ställe oder Getreidelager

genutzt.

Pause, kurz durchatmen. Die

anderen mitgereisten Journalisten

wirken auf mich wie eine Gruppe

abgebrühter Rallye-Fahrer –

die kühne Strecke scheint ihnen

nichts auszumachen. Ich hingegen

besitze eine Jahreskarte

für die Öffis, mehrere E-Scooter-

Apps, habe noch nie ein eigenes

Auto besessen und die Führerscheinprüfung

erst beim zweiten

Antritt geschafft. Gut, dass mein

Co-Pilot ein erfahrener Motor-

Journalist ist. Vom Beifahrersitz

aus lotst er mich durch die Offroad-Passagen

und bringt mir in

einem Live-Crashkurs die Basics

fürs Fahren abseits der Straße

bei. Und obwohl ich versuche,

fachgerecht durchs Gebirge zu

brettern, macht es immer wieder

„klunk“, wenn der Autoboden

gegen einen Stein kracht. Aber

dann, langsam, beginnt der Offroad-Fahrer

in mir zu erwachen.

Ich kann das Gelände immer besser

deuten. Die Funksprüche, wo

ich denn bleibe, werden weniger.

Ich kann mit dem Tempo der anderen

einigermaßen mithalten.

Auch wenn ich immer noch

ängstlich wie ein Fahrschüler

über die Motorhaube schiele.

Irgendwann tut sich hinter

einer Bergkuppe das Ionische

Meer auf und gibt den Blick auf

die griechische Insel Korfu frei.

Als wir von der Offroad-Schotterpiste

auf eine befestigte Gebirgsstraße

wechseln, kommt mir diese

so weich vor wie ein luxuriöser

Samtteppich. Hallo Asphalt, du

großartiges Material! Wir cruisen

das letzte Stück Richtung Fähre.

Ende Gelände.

KARO PERNEGGER FELIX DIEWALD

84 THE RED BULLETIN


JAHRESABO

getredbulletin.com

€ 25,90

BEYOND THE ORDINARY

Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:

LITTLE SHAO/RED BULL CONTENT POOL


Fitness

MENTALES TRAINING

RADTOUR

MIT AUFGUSS

Seine Wüstenläufe machten Christian Schiester

zum Ultrarunning-Star. Wo er dafür trainierte?

In der Sauna. Davon profitierte vor allem sein Geist.

achtete darauf, dass ich niemals

allein in der Sauna war

– man weiß ja nie“, erzählt

der heute 52-Jährige. Die Erhöhung

der körperlichen

Leistungsfähigkeit war bei

der Aktion allerdings nicht

das Ziel.

Christian Schiester,

österreichische Laufikone

So ein Sauna gang nach

dem Workout ist was

Feines. Die Muskeln

entspannen, die Durchblutung

kommt in Schwung, und

der Kopf wird frei. Was aber,

wenn die Sauna selbst zum

Fitnessstudio wird? Wie bei

Christian Schiester: Zu der

Zeit, als sich der Ultrarunner

auf seine Wüstenläufe vorbereitete,

stellte er sich schon

mal ein Laufband oder ein

Fahrradergometer in die

Holzkabine, heizte sie auf

60 Grad Celsius auf und spulte

drei Stunden lang seine

Kilo meter ab. „Ich trank dabei

bis zu 15 Liter Wasser und

Kühler Kopf bei 60 Grad

Topfit war er dank diszipliniertem

Trainingsplan und

regelmäßigen Ultradistanzläufen

sowieso. „Ich trainierte

in der Sauna, um in meinem

Kopf die Bedingungen in der

Wüste zu simulieren“, so

Schiester. Und es klappte.

Als er beim Sahara-Ultramarathon

in Ägypten über eine

Düne lief, zeigte das Thermometer

seiner Armbanduhr

60 Grad. „Da ging’s mir richtig

dreckig“, erinnert er sich.

Doch plötzlich hörte er seine

innere Stimme sagen: „Schiester,

hab dich nicht so! Du

kannst das packen. Schließlich

war es in der Sauna auch

so heiß.“ Prompt war das Motivationsloch

überwunden,

und er kam nach 250 Kilometer

Wüstenrennen als Zweiter

ins Ziel.

Trainieren statt Nichtstun – nicht nur in der Sauna: Mit zwanzig noch

schwerer Raucher und Trinker, stellte Christian Schiester sein Leben um.

Eineinhalb Jahre später lief er den New-York-City-Marathon (1990).

Vom Läufer zum Segler

Seit 2016 hat der Steirer neue

Ziele vor Augen – vom Deck

eines Segelboots aus. Bei seinem

Projekt „Sail & Run“ umsegelt

er die Welt und läuft,

wo immer er an Land geht.

Etwa in Papua-Neuguinea

zum Wings for Life World

Run 2019. Temperatur:

34 Grad. Oder, wie Schiester

sagen würde: angenehm.

Alle Infos zu „Sail & Run“:

christian-schiester.com

„In der Sauna

brenne ich mir

die Temperaturen

ins Hirn. So weiß

ich beim eigentlichen

Rennen,

dass ich’s

packen kann.“

PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL (2),

HARALD TAUDERER/RED BULL CONTENT POOL (2)

CLAUDIA MEITERT

86 THE RED BULLETIN


guide

KNOW-HOW

REINE

KOPFSACHE

Höher, schneller,

weiter? So hilft

dir dein Kopf dabei,

deinen Körper zu

Höchst leistungen

anzuspornen.

LIVE DABEI

AM 3. MAI

Ob fit wie Christian Schiester

oder absoluter Neuling:

Der Wings for Life World Run

vereint Läufer in aller Welt

im Dienst der guten Sache.

SELBSTGESPRÄCHE

Ordne und steuere

deine Gedanken vor und

während der Crunch-Time.

Wer seine innere Stimme

gezielt einsetzt, zum

Beispiel durch positiv

besetzte Schlüsselworte,

ist eher zu Höchstleistungen

imstande.

PROZESSZIELE

Vergiss das große Ganze

für einen Moment.

Konzen triere dich

stattdessen auf einzelne

Schritte, die du bereits

beherrschst. Das stärkt

dein Selbst bewusstsein.

BILDER

Stell dir möglichst

bildhaft vor, wie du jeden

einzelnen Teil deiner

Challenge ab solvierst.

Je authen tischer dir diese

Visuali sierung gelingt,

desto besser bist du im

Ernstfall vorbereitet.

Seit 2014 laufen Menschen weltweit

für all jene, die es nicht können.

100 % des Startgelds aller Teilnehmer

des Wings for Life World Run

fließen direkt in die Rückenmarks -

forschung. Dadurch konnten in den

vergangenen Jahren große Fortschritte

erzielt werden, nachzulesen

unter: wingsforlife.com

Fit für alle Witterungen: Schiester in Ägyptens Weißer Wüste

„Heute segle ich

um die Welt. Wo

immer ich lande,

laufe ich auch.

Dank App sogar

beim World Run.“

Christian Schiester,

Abenteurer und

Botschafter des Wings

for Life World Run

DIE WICHTIGSTEN FACTS ZUM

WINGS FOR LIFE WORLD RUN

SO LÄUFT’S

Start in München (und zwölf anderen

Städten) ist der 3. Mai, 13 Uhr.

30 Minuten später fährt das

Catcher Car los. Das Rennen ist

beendet, wenn es den letzten Läufer

überholt hat.

SO LÄUFST DU

Die Anmeldung für den Live-Event

in München ist so lange möglich, bis

der Lauf ausverkauft ist. Alternativ

kannst du dich organisierten

App Runs anschließen oder am Ort

deiner Wahl mittels der Wings for Life

World Run App teilnehmen.

INFORMATIONEN UND ANMELDUNG

WINGSFORLIFEWORLDRUN.COM

THE RED BULLETIN 87


Lesestoff

FANTASY-BOOM

BLUTIGER

ERBFOLGEKRIEG

Mit seinem Kult-Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“ („Game of Thrones“)

hat US-Autor George R. R. Martin ein völlig neues Kapitel der Fantasy-

Literatur aufgeschlagen. Aber wer setzt dieses als würdiger Thronerbe

fort? Wir sagen: JOE ABERCROMBIE.


Für alle Fans von ‚Game

of Thrones‘!“ Die Cover-

Buttons, mit denen Buchverlage

seit nunmehr über zehn

Jahren versuchen, ihre Fantasy-

Neuerscheinungen im lukrativen

Kielwasser von George R. R. Martins

Kult-Zyklus zu positionieren,

haben sich zur wahren Epidemie

entwickelt. In den meisten Fällen

gilt hier allerdings die alte Weisheit:

Nicht alles, was hinkt, ist

ein Vergleich.

Um diesen literarischen Erbfolgekrieg

ein wenig zu lichten,

muss man sich zunächst vor

Augen führen, was denn „Das

Lied von Eis und Feuer“ (so der

Titel der auf Deutsch zehnteiligen

Buchvorlage zur HBO-Erfolgs serie

„Game of Thrones“) tatsächlich

auf den Fantasy-Thron gehoben

hat. Und dabei zeigt sich, nicht

ohne Ironie: in erster Linie

der äußerst sparsame Einsatz

aller klassischen Versatzstücke

der Fantasy-Literatur. Martin,

der selbst einst sehr elastisch als

„der amerikanische J. R. R. Tolkien“

vermarktet wurde, lässt weder

gleißende Schwertkämpfer noch

androgyne Elfen, grindige Orks

oder knorrige Zwerge und auch

keine Zauberer mit albernen

Hüten aufmarschieren.

Stattdessen bringt er eine

ful minant ziselierte Truppe von

Charakteren in Stellung, die –

sofern sie nicht völlig unerwar-

VINZ SCHWARZBAUER JAKOB HÜBNER

88 THE RED BULLETIN


guide

DER ERSTE

ABSATZ

Logan hechtete zwischen den

Bäumen hindurch; seine nackten

Füße rutschten auf dem nassen

Boden, dem Schlamm und den

glitschigen Kiefernnadeln immer

wieder aus. Pfeifend schoss

der Atem aus seinem Mund, und

das Blut dröhnte in seinem Kopf.

Er stolperte und prallte hart auf

der Seite auf, wobei er sich fast

die eigene Axt in die Brust bohrte.

Dann lag er keuchend da und

spähte angestrengt in den

dämmerigen Wald.

tet eines scharfkantigen Todes

sterben – immer mehr an Tiefenschärfe

gewinnen und diese rund

5000 Seiten starke Sex-and‐Crime-

Orgie locker schultern. Magisches

Material setzt Martin nur ein, um

die Fugen seines martialischen

Intrigantenstadls zu kitten. Und:

Fast alle Figuren agieren jenseits

von Gut und Böse. Die Moral

von der Geschicht’, die gibt es

schlichtweg nicht.

Womit also der Kandidatenkreis

„Für alle Fans von ‚Game of

Thrones‘!“ bereits deutlich an Radius

verliert. Genre-Durch starter

wie Jay Kristoff, Scott Lynch oder

Michael J. Sullivan (siehe Tipps)

liefern zwar erstklassigen Genre-

Lesestoff ab – was die opulente

Niedertracht betrifft, befinden sie

sich aber nicht ganz auf Augenhöhe

mit Mr. Martin.

Und hier kommt Joe Abercrombie

ins Spiel. Der britische

Autor, Jahrgang 1974, hat genau

jenen Mix aus brachialer Action

und intelligenter Personalpolitik

im Programm, der das Zeug dazu

hat, darbende „GoT“-Fans aus

dem kalten Entzug zu reißen.

Sein grandioser „The First Law“-

Zyklus (dt. „Klingen“-Serie) wurde

von Kritikern vom Stand weg in

den Himmel gejauchzt, für das

ganz große nächste Ding reichte

es dann aber trotzdem nicht –

was ein echter Jammer ist.

Im Mittelpunkt der Serie

(„Kriegsklingen“, „Feuerklingen“,

„Königsklingen“), die Abercrombie

mit vier Add-ons („Rache klingen“,

„Heldenklingen“, „Blutklingen“,

„Schattenklingen“) nachfettete,

stehen drei Figuren: ein legendärer

Barbar mit aus geprägtem Hang

zum Blutrausch, ein undurchsichtiger

Magier, der keinen nennenswerten

Unterschied zwischen

Menschen und Marionetten

macht, und ein verkrüppelter

Inquisitor, in dessen Adern unverdünnter

Zynismus zirkuliert.

Um diese drei faszinierenden

Protagonisten gruppiert Abercrombie

– nebenbei diplomierter

Psychologe – mit einem geradezu

beängstigenden Gespür für

Sidekicks weitere kongeniale

Handlungsträger, die es ihm

ermöglichen, seine kriegerische

Abenteuerschwarte in einem von

mehreren Feuern erhitzten, wunderbar

würzigen Sud schmoren

zu lassen.

Aber Achtung: Auch wenn

Aber crombie die Streitaxt mitunter

mit der stilistischen Eleganz

eines Floretts führt, ist das

hier immer noch derbe Ware.

Hart, räudig und sehr brutal.

Mit der lang ersehnten Fortsetzung

„Zauberklingen“, dem

ersten Teil des neuen Zyklus

The Age of Madness“, kehrt

Abercrombie nun ins „The First

Law“-Universum zurück. Und

am Cover wird – Überraschung!

– ein ge wisser George R. R.

Martin zitiert: „Ein Rache-Epos,

das mich von der ersten Seite

an gepackt hat.“ Womit sich der

literarische Kreis ganz fantastisch

schließt.

JOE ABERCROMBIE:

DIE KLINGEN-SAGA

Bislang sind sieben Bände erschienen,

der achte, „Zauber klingen“ (Deutsch

von Kirsten Borchardt; Heyne Verlag),

ist seit 10. Februar 2020 erhältlich.

GENRE-TIPPS

VORSICHT:

SUCHTGEFAHR!

Erlesene Erfolgsserien: aktuelle Fantasy-

Zyklen, die Lust auf mehr machen

JAY KRISTOFF:

„NEVERNIGHT“

In seiner Heimat Australien

hat Kristoff so ziemlich

alle Preise abgeräumt,

die das Genre hergibt.

Sein virtuoser „Nevernight“-

Zyklus rund um die junge

Assassinin Mia Corvere ist

stilistisch brillant, definitiv

nicht jugendfrei und

sehr, sehr böse.

2 Bände; Fischer/Tor

JOHN GWYNNE:

„BLUT UND KNOCHEN“

John Gwynnes neuer Zyklus

schließt nahtlos an seine

preisgekrönte High-Fantasy-

Saga „Die Getreuen und

die Gefallenen“ (vier Bände)

an und ist ein gefundenes

Fressen für alle Freunde

reichlich garnierter

Schlacht platten mit Hang

zur blutigen Rohkost.

1 Band; Blanvalet

MICHAEL J. SULLIVAN:

„THE FIRST EMPIRE“

In der sechsteiligen „Riyria“-

Serie hat Sullivan das

vermutlich charmanteste

Buddy-Duo der Fantasy-

Literatur kreiert. Sein

aktueller „Empire“-Zyklus

ist etwas epischer angelegt,

punktet aber ebenso

mit höchsten Sympathiewerten.

3 Bände; Knaur

SCOTT LYNCH:

„GENTLEMAN BASTARDS“

Mit dem genialen Meisterdieb

Locke Lamora hat

Scott Lynch einen Helden

er schaffen, der sich den

Titel „Schlafräuber“ wahrlich

verdient hat. Spannung,

Humor und Action in

perfekter Balance – praller

kann man Unterhaltungsliteratur

kaum gestalten.

3 Bände; Heyne

ANTHONY RYAN:

„DRACONIS MEMORIA“

Fantasy-Drachensteigen für

Erwachsene: Nach seiner

faszinierend düsteren

„Rabenschatten“-Trilogie

heizt der Schotte dem

Genre mit einem gewagten

Mix aus blutrünstigem

Abenteuer, stampfendem

Steampunk und subtiler

Politparabel ein.

3 Bände; Klett-Cotta

MARK LAWRENCE:

„DAS BUCH DER AHNEN“

Coming of Age auf die harte

Tour: Mark Lawrence hat

schon mehrfach bewiesen,

dass er sich auf der dunklen

Seite der Macht pudelwohl

fühlt – sehr zum Leid -

wesen der kleinen Nona,

die sich hier durch ein

sub versiv choreografiertes

Rache-Epos kämpft.

2 Bände; Fischer/Tor

THE RED BULLETIN 89


Events

Februar

Bester Rutsch im

neuen Jahr

Kämpfe um Tausendstel erwarten die

Zuschauer beim Rennrodel-Weltcup

in der Veltins-Eisarena in Winterberg.

Auf der Hochgeschwindigkeitsbahn

mit ihren 15 Steilkurven im Herzen

der Wintersport-Arena Sauerland

werden die Damen- und Herren-Weltcuprennen

im Einsitzer, Doppelsitzer

und in der Teamstaffel ausgetragen.

Zu den Favoriten zählt einmal mehr

der deutsche Rodler Felix Loch.

Winterberg; veltins-eisarena.de

22

März

Schatten

über Berlin

In der Hip-Hop-Szene gilt

DJ Shadow als Legende. Seine

Kunst: Er greift Versatzstücke

anderer Songs auf, bearbeitet

sie und flechtet sie zu neuen

Gesamtkunstwerken zusammen.

Nun kommt er für sein

einziges Deutschland-Konzert

in die Hauptstadt Berlin und

präsentiert sein neues Doppelalbum

„Our Pathetic Age“.

Berlin, Metropol;

djshadow.com

12 24

Februar

bis 1. März

Über Bretter

brettern

Keine Gänge, keine Bremsen,

Wettbewerb pur: Bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften

im Velodrom

in Berlin rasen die Könner

des Indoor-Radsports über die

Holzbahn. Auch Laien verstehen

schnell, wie die unterschiedlichen

Rennformate funktionieren, und

lassen sich von der mitreißenden

Atmosphäre begeistern.

Berlin, Velodrom;

trackcycling-berlin.com

29

Februar

bis 1. März

QUERTREIBER

Während Freizeit-Biker ihr

Motorrad bei Glatteis stehen

lassen, geben andere Piloten da

erst richtig Gas: Beim Finale der

FIM Ice Speedway of Nations

World Championships rasen die

Athleten mit ihren Maschinen

über die gefrorene Piste. Dank

Spikes an den Rädern können

Fahrer wie Weltmeister Daniil

Ivanov (Bild) beinahe waagrecht

durch die Kurven fliegen.

Berlin, Horst-Dohm-Eisstadion;

eisspeedwayberlin.de

5

März

Plötzlich verzaubert

Tom Hanks spielt im Film „Der wunderbare

Mr. Rogers“ den beliebten Kinderentertainer

Fred Rogers, der in den USA mit der TV-Serie

„Mr. Rogers’ Neighborhood“ berühmt wurde. Als

der Journalist Lloyd Vogel, gespielt von Matthew

Rhys, erfährt, dass er Fred Rogers interviewen

soll, ist er zunächst genervt, weil er sich eigentlich

als knallharten Investigativ-Schreiber sieht.

Doch die Begegnung mit Rogers verändert sein

Leben auf unerwartete Weise für immer.

„Der wunderbare Mr. Rogers“ läuft im Kino.

FIM/GOODSHOOT, SONY PICTURES, BERNHARD KREMPL

90 THE RED BULLETIN


guide

14

bis 16. März

TELEMARKEN

AM OBERJOCH

Ski-Weltcup einmal anders: Beim

FIS Telemark Weltcup am Oberjoch

im Allgäu kann man diese Disziplin

besser kennenlernen, hier in ihrer

rasanten Form. Am Freitag steigt

das Training, Samstag der Classic

Sprint, Sonntag der Parallel Sprint.

Ideal, um selbst einen Skitag zu

genießen und in den Pausen Stars

wie Johanna Holzmann (Bild) in

Aktion zu erleben.

Bad Hindelang; telemark-weltcup.de

Der neue BOOMSTER GO

PLAY HARD.

Der BOOMSTER GO legt den legendären Teufel Sound in deine Hand. Egal ob beim

Wandern, am Bike oder bei der Umrundung des Mars. Wohin wirst du ihn mitnehmen?

teufel.de/boomster-go


Events

21. März

RED BULL HOMERUN: DAS GROSSE RENNEN

Massenstart in den Bergen: Bei diesem Fun-Event fahren rund 500 Teilnehmer um die Wette –

auf Skiern und auf Snowboards. Es gewinnen aber nicht nur die Schnellsten.

Wild gewordene Riesenhasen

auf der Piste, spektakuläre

Verfolgungsjagden zwischen

Ski- und Snowboardfahrern, feiernde

Zuschauer an der Strecke: Am 21. März

erwartet Besucher des Skigebiets

Winklmoosalm-Steinplatte Action

der besonderen Art. Denn an diesem

Samstag steigt der Red Bull Homerun

in Reit im Winkl in den Chiemgauer

Alpen, etwa 90 Minuten mit dem Auto

von München entfernt. Los geht’s um

17 Uhr mit dem großen Massenstart.

Zunächst sprinten die rund 500 Teilnehmer

zu Fuß bis zur Wechselzone,

in der ihre Sportgeräte liegen – Ski,

Snowboard, Mono- oder Telemarkski.

Auf denen stürzen sie sich anschließend

die 6400 Meter lange Piste

hinunter. Übrigens: Es gewinnen nicht

nur die schnellsten Frauen und Männer

auf Skiern und Snowboard, es gibt

auch Auszeichnungen für die besten

Kostüme – und zum Schluss eine große

After-Ski-Party für alle.

Du willst beim spektakulärsten

Massenstart des Jahres dabei sein?

Dann melde dich jetzt an unter:

redbull.com/homerun

Die Teilnehmer

beim Le-Mans-Start:

In eiligem Lauf geht’s

zu den Sportgeräten.

FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL (2), MARCEL LÄMMERHIRT/RED BULL CONTENT POOL,

FLORIAN BREITENBERGER/RED BULL CONTENT POOL

92 THE RED BULLETIN


guide

SCHNELLE FACTS

500 Teilnehmer können beim

Red Bull Homerun an den Start gehen.

6400 Meter ist die Strecke lang,

die Skifahrer und Snowboarder

bewältigen müssen.

717 Meter beträgt der Höhenunterschied

zwischen Start (auf 1851 Metern)

und Ziel (liegt 1134 Meter hoch).

5:50 Minuten sind zu unterbieten.

So lange brauchte der schnellste

Fahrer im Jahr 2019 für die Strecke.

13 Lifte und Seilbahnen umfasst

das Skigebiet Winklmoosalm-Steinplatte.

Im Ticket für den Red Bull

Homerun ist ein Tagespass inbegriffen.

Gute Outfits am Start: Neben den schnellsten Fahrerinnen

und Fahrern gewinnt auch das beste Kostüm.

TIPPS

SCHNELLES

MATERIAL

Siegertypen wissen:

Es kommt nicht nur

auf Leistung an.

BESTE ZEIT

Die SUUNTO 9 BARO RED

ist eine Sport-GPS-Uhr mit

barometrischer Höhenmessung

– optimal zur

Analyse des Skitrainings.

599 Euro; suunto.com

Bene Mayr,

Freeski-Star

SO HÄNGST

DU ALLE AB

„Wer von

außen startet,

ist im Vorteil.“

Bene Mayr,

Sportlicher Leiter

Red Bull Homerun

Lehn dich an die Wand

Je länger du es in der Rennhocke

aushältst, desto schneller

bist du am Ziel. Für die meisten

dauert die Red Bull Homerun-

Abfahrt zwischen fünf und zehn

Minuten, da brennen früher oder

später die Oberschenkel. Lehn

dich deshalb zur Vorbereitung in

den Wochen vor dem Start jeden

Tag einmal zu Hause in der Sitzposition

mit dem Rücken an die

Wand, wobei deine Knie mit

90 Grad angewinkelt sind. Sobald

du fünf Minuten schaffst,

bist du bereit.

Gönn deinen Skiern

eine Extraportion Wachs

Wie schnell du sein kannst, entscheiden

auch deine Ski oder

dein Snowboard. Verpass ihnen

deshalb am Vorabend des Rennens

eine Extraportion Wachs.

Schau vor dem Einkauf unbedingt

auf den Wetterbericht!

Viele Hersteller bieten auf die

Temperatur hin optimierte

Wachs varianten an – den Unterschied

merkst du wirklich. Profi-

Tipp: Zum Abschluss mit Fluorwachs

drübergehen, dann fliegst

du regelrecht über die Piste.

Starte als Außenseiter

Beim Massenstart sind die

Plätze in der Mitte am begehrtesten

– klar, sie liegen auf der

Ideallinie. Stell dich trotzdem

besser nach außen. Da hast du

vergleichsweise freie Bahn und

bist vor den meisten Mittelstürmern

bei deinen Skiern

oder deinem Snowboard.

Park deinen Hintern

Wer das Rennen gewinnt,

hängt auch davon ab, wer die

Flachpassagen am schnellsten

bewältigt. Mein Tipp für die

Skifahrer: Nimm ordentlich

Schwung mit und setz dich

dann mit dem Hintern auf die

Bindung. Das minimiert den

Luftwiderstand und entlastet

die Oberschenkel. Mein Tipp für

Snowboarder: Nimm dir einen

Skifahrer mit, der dich „zieht“.

Kleide dich windschnittig

Auch für das beste Kostüm gibt

es eine Auszeichnung. Damit es

dich beim Rennen nicht bremst,

such dir etwas eng Anliegendes

aus. Aus einem weißen Skianzug

kannst du zum Beispiel

ein Zebrakostüm basteln.

GUTER GRIFF

Der Salomon S/Force Bold

steht für Stabilität auch

bei höherem Tempo, seine

Konstruktion sorgt für

viel Energie auf der Kante.

899,99 Euro; salomon.com

BEWÄHRTES BRETT

Extrem verlässlich

und für jedes Gelände

geeignet: Das Burton

Custom Camber ist dank

seiner Vielseitigkeit immer

eine gute Wahl.

600 Euro; burton.com

THE RED BULLETIN 93


Gaming

guide

„Mario Kart“-Figuren:

Was sagt deren Auswahl

über den Spieler aus?

GAME-ANALYSE

MARIO SMART

Wissenschaftlich bewiesen: Das Rennspiel „Mario Kart“

lässt dich besser Auto fahren – und unbeschwerter leben.

Wenn sich Nintendo-Entwickler

Shigeru Miyamoto

ein Spiel ausdenkt,

wendet er „kyokan“ an. Für die

alten Philosophen hieß „kyokan“

so viel wie „sich in den anderen

einfühlen“. Für den Schöpfer

von „Mario“ und „The Legend

of Zelda“ beschreibt es das Verhältnis

zwischen Programmierer

und Spieler. „Nur was mir Spaß

macht, kann auch anderen Spaß

machen“, erklärt Miyamoto.

Als er 1992 „Super Mario

Kart“ für das Super Nintendo

Entertainment System erfand,

war „kyokan“ bereits Teil der

Game-DNA. Und des Erfolgsgeheimnisses

des damals völlig

neuen Genres Kart-Racing.

27 Jahre und etliche erfolglose

Kopierversuche später (siehe

„Garfield Kart“) zählt „Mario

Kart“ zu den beliebtesten Spielen

überhaupt – auch in der neuesten

Mobilversion „Mario Kart Tour“.

Doch was fasziniert die Gamer

so daran? Hier die Thesen von

Spielpsychologe Jamie Madigan

und seinen Kollegen:

EXPERTEN-

PROFIL

JAMIE

MADIGAN

SPIEL-PSYCHOLOGE

Der Autor von „Getting

Gamers: The Psychology

of Video Games and

Their Impact on the

People Who Play Them“

betreibt auf psychologyofgames.com

auch eine

Podcast-Serie und einen

Blog, in denen er die Beweggründe

von Gamern

und die Hintergründe

von Games beleuchtet.

NIEMAND IST PERFEKT

Was deine „Mario Kart“-Lieblingsfigur

über dich aussagt, analysierte die Psychologie-Professorin

Dr. Karen Chenier

in der US-Wochenzeitung „Willamette

Week“ (erscheint in Portland, Oregon).

Laut ihrer These wählen Gamer Avatare

aus, die ihnen charakterlich ähneln:

zum Beispiel den neurotischen Luigi,

den clownhaften Saurier Yoshi oder den

narzisstischen Bowser. Für Miyamoto ist

Mario ein „Held der einfachen Leute“.

Doch Madigan schränkt ein: „Viele

wählen auch einfach nur jene Figur,

die ihnen am besten gefällt oder deren

Skills ihnen am meisten Spaß machen.“

„Held der einfachen Leute“: Kultfigur

Mario auf einem seiner Karts

WIE IM ECHTEN LEBEN

Haben auch die Power-ups tiefere Bedeutung,

symbolisieren sie womöglich

das Auf und Ab des Lebens? Die roten

Koopa-Panzer könnten für Heimtücke

stehen, die Bananenschale für Pech,

ein Pilz, der schneller macht, für Energie

und ein Unbesiegbarkeit verleihender

Stern für Selbstvertrauen. Nur der

blaue Panzer scheint nicht ganz dazuzupassen

– der ist nämlich nur für

den Führenden gefährlich. „Das Leben

ist manchmal nicht fair“, sagt Kosuke

Yabuki, Game-Designer von „Mario

Kart 8“. „Wir wollten den blauen Panzer

weglassen, aber ohne ihn hätte einfach

etwas gefehlt.“

OPTIMISMUS-BOOST

Ein gutes Game lässt dir in jeder

Situa tion eine Chance – und motiviert

dich so permanent zum Weiterspielen.

Bei „Mario Kart“ nennt man das Belohnungssystem

„Gummiband-Effekt“.

Je nach Rennposition bekommt jeder

Spieler unterschiedliche Power-ups: Für

Nachzügler gibt es Geschwindigkeits-

Boosts und für das Mittelfeld Waffen,

während auf den Führenden nur eine

popelige Bananenschale wartet. „Spiele

wie ‚Mario Kart‘ geben dir das Gefühl,

die Dinge im Griff zu haben“, interpretiert

Madigan.

SICHERER AM STEUER

2016 untersuchten Forscher an den

Universitäten von Schanghai und Hongkong

die Auswirkung von „Mario Kart“

und „RollerCoaster Tycoon“ (bei dem

man Vergnügungsparks bauen muss)

auf die analogen Fähigkeiten der Spieler.

Sie wiesen nach, dass Gamen die

„visuo motorischen Fähigkeiten der Versuchspersonen

verbessert“ – die Auge-

Hand-Koordination funktioniert also

schneller und zielgerichteter. Madigan

ist vor sichtig optimistisch: „Dass dich

‚Mario Kart‘ beim Fahrsimulationstraining

besser macht, ist nun bewiesen.“

SPASS HABEN ENTSPANNT

Forscher der Uni Queensland stellten

Probanden so lange immer schwerere

Mathematikaufgaben, bis sie keiner

mehr lösen konnte. Wer danach zwei

Runden „Mario Kart“ spielte, wies geringere

Stresslevels und mehr Glückshormone

auf. „Alles, was uns Spaß

macht, kann Stress reduzieren“, sagt

Madigan. „Aber Games sind darin besonders

gut: Sie geben uns das Gefühl,

Dinge unter Kontrolle zu haben. Das

bringt uns tiefere Befriedigung als fast

alles andere, was wir im Alltag erleben.“

NINTENDO TOM GUISE

94 THE RED BULLETIN


Entertainment

guide

Ausgewählt

für dich:

das Highlight

des Monats

AARON BLATT/RED BULL CONTENT POOL, JAANUS REE/REDBULL CONTENT POOL, MARK ROE/RED BULL CONTENT POOL, SEBASTIAN MARKO/RED BULL CONTENT POOL

STIL,

SATZ

& SIEG

Erlebe Action im

US-Wintermekka, auf

den Straßen Mexikos

und im kanadischen

Eis kanal direkt in

deinem Wohnzimmer:

Das sind die Highlights

von Red Bull TV.

SO SIEHST DU

RED BULL TV

ÜBERALL

Red Bull TV ist deine globale

digitale Destination für

Entertainment abseits des

Alltäglichen, zu empfangen

rund um die Uhr an jedem Ort

der Welt. Geh auf redbull.tv,

hol dir die App oder connecte

dich via Smart-TV.

Alle Infos: redbull.tv

26

Rundflug über Vail: ein

180 von Zoi Sadowski-

Synnott aus Neuseeland

bis 29. Februar LIVE

BURTON US OPEN

Der Event in den Bergen von Vail im US-Staat

Colorado ist so etwas wie das Wimbledon

für Snowboarder. Der größte Unterschied

zum wichtigsten Tennisturnier der Welt:

Wenn die Ausnahme-Athleten in den Disziplinen

Halfpipe und Slopestyle ihre Künste

zeigen, will keiner hart aufschlagen.

12

bis 15. März LIVE

RALLYE MEXIKO

Flotter im Schotter heißt die Devise für

die weltbesten Rallye-Fahrer im mexikanischen

Hochland. Extra-Highlight:

Die verwinkelten Schotterstraßen

f ühren auf bis zu 2700 Meter Höhe.

22

Februar LIVE

RED BULL

ICE CROSS

Auch in Quebec gilt: Wer vier stramme

Athleten zugleich in einen engen Eiskanal

steckt, erlebt einen Kampf um jeden Zentimeter

– sehr zur Freude der Zuseher.

MOTOGP-

AUFTAKT

8

März

LIVE

Dröhnende Motoren,

spektakuläre Überholmanöver,

frenetische

Fans: Endlich startet

die MotoGP in die neue

Saison. Traditionell

steigt das erste Rennen

in Katar, auf das

Qualifying (7. 3.) folgt

der Grand Prix (8. 3.).

Für Champion Marc

Márquez (Bild) wird es

im Repsol-Honda-Team

familiär wie noch nie

zugehen, ist Bruder

Álex doch jetzt zweiter

Fahrer. Bei ServusTV

erwartet Zuschauer

geballte Motorsportkompetenz:

Neben

Motorradlegende Gustl

Auinger und Ex-Moto-

GP-Pilot Alex Hofmann

ergänzt Moto2-

Weltmeister

Stefan Bradl das

Expertenteam.

REINSCHAUEN:

SERVUSMOTOGP.COM

THE RED BULLETIN 95


IMPRESSUM

THE RED

BULLETIN

WELTWEIT

Aktuell erscheint

The Red Bulletin

in sechs Ländern. Auf

dem Cover unserer

Frankreich-Ausgabe ist

diesen Monat Franck

Gastambide zu sehen,

der vom Hunde trainer zu

einem der angesagtesten

Schauspieler und Filmemacher

des Landes

aufstieg.

Mehr Storys abseits des

Alltäglichen gibt’s auf:

redbulletin.com

Chefredakteur

Alexander Macheck

Stv. Chefredakteure

Andreas Rottenschlager, Nina Treml

Creative Director

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96 THE RED BULLETIN


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ALLE RENNEN LIVE UND IM FREE TV.

AB SONNTAG | 08. MÄRZ

Einfach gut fernsehen.


Perfekter Abgang

Cloud Hopping

Sein Reich sind städtische Straßen und Parks. BMX-Profi Matthias Dandois hat sich auf

Flatland spezialisiert: Tricks auf ebenen Flächen ohne Rampen, Sprünge oder Grind Rails.

Aber der Franzose steckt sich hohe Ziele. Und so zog es den vielfachen Champion auf

den 3226 Meter hohen Gipfel der Aiguille Rouge in den Alpen: Video auf redbull.com

Die nächste

Ausgabe des

RED BULLETIN

erscheint am

10. März

2020.

ANDYPARANT.COM

98 THE RED BULLETIN


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