2018 Gemeinwohlbericht der Gemeinde Kirchanschöring

boandl

Gemeinsam zum Wohl aller


Foto Deckblatt: www.luftbild-traunstein.de

Gemeinde / Region

Tätigkeitsbericht

Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ)

Die Ebenen der Gemeinwohlökonomie

Blick auf den Prozess der Erstellung der GWÖ-Bilanz in der Gemeinde Kirchanschöring

Ablauf des GWÖ-Prozesses

Rückblick auf den Prozess

Danksagung der BeraterInnen der GWÖ-Regionalgruppe Salzburg

Bewertung / Testat

A1 Ethisches Beschaffungswesen

A1.1 Berücksichtigung regionaler, ökologischer und sozialer Aspekte bzw.

höherwertiger Alternativen bei der Beschaffung

A1.2 Aktive Auseinandersetzung mit den Risiken zugekaufter Produkte und

Dienstleistungen und Prozesse zur Sicherstellung

A1.3 Strukturelle Rahmenbedingungen zur fairen Preisbildung

B 1 Ethisches Finanzmanagement

B1.1 Institutionalisierung

B1.2 Ethisch-nachhaltige Qualität des Finanzdienstleisters

B1.3 Gemeinwohlorientierte Veranlagung / Kapitalanlage

B1.4 Gemeinwohlorientierte Gemeinde-Finanzierung

C1 Arbeitsplatzqualität und Gleichstellung

C1.1 MitarbeiterInnenorientierte Organisationskultur und -strukturen

C1.2 Faire Beschäftigungs- und Entgeltpolitik

C1.3 Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung einschließlich Work-Life-Balance /

Flexible Arbeitszeiten

C1.4 Gleichstellung und Diversität

C2 Gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit

C2.1 Senkung der Normalarbeitszeit

C2.2 Erhöhung des Anteils der Teilzeit-Arbeitsmodelle und Einsatz von Zeitarbeit

C2.3 Bewusster Umgang mit (Lebens-) Arbeitszeit

C 3 Ökologisches Verhalten der MitarbeiterInnen, Mandatsträger und koordinierten Ehrenamtlichen

C3.1 Ernährung während der Arbeitszeit

C3.2 Mobilität zum Arbeitsplatz

C3.3 Organisationskultur, Sensibilisierung und gemeindeinterne Prozesse

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Foto Deckblatt: www.luftbild-traunstein.de

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C 4 Gerechte Einkommensverteilung

C4.1 Innerbetriebliche Bruttoeinkommensspreizung

C4.2 Mindesteinkommen

C4.3 Transparenz und Institutionalisierung

C 5 Innerorganisatorische Demokratie und Transparenz

C5.1 Grad der Transparenz

C5.2 Legitimierung der Führungskräfte

C5.3 Mitbestimmung bei Grundsatz- und Rahmenentscheidungen

D 1 Ethische Beziehungen zu den BürgerInnen, EinwohnerInnen, BewohnerInnen,

EigentümerInnen, Firmen etc.

D1.1 Gesamtheit der Maßnahmen für eine ethische Beziehung zu den BürgerInnen

Lebensqualität durch Nähe

Entwicklung einer sozialen Dorfmitte - „Haus der Begegnung“

MORO-Projekt „Zukunftsregion Salzachtal“

Integriertes Klimaschutzkonzept

Neuer Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan

Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring

Ökomodellregion „Waginger See - Rupertiwinkel“

Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) „Waginger See - Rupertiwinkel“

Lokale Aktionsgruppe (LAG) „LEADER Traun - Alz - Salzach“

„Anders Wohnen in Kirchanschöring: Räumliche Ideen für ein nachhaltiges Wachsen -

alternative Wohnkonzepte“

D1.2 Umfang der BürgerInnen-Mitbestimmung / gemeinsame Leistungsentwicklung /

Befragung

D1.3 Leistungs- und Projekttransparenz, faire Preise, Abgaben und Steuern sowie

ethische Auswahl der Ansiedlungen / Projekte

D1.4 Service-Management, Bürgerservice

D 2 Solidarität mit anderen Gemeinden

D2.1 Offenlegung von Informationen und Weitergabe von Technologie

D2.2 Weitergabe von Arbeitskräften, Aufträgen und Finanzmitteln, Kooperationen

D2.3 Kooperatives Standortmarketing

D 3 Ökologische Gestaltung der Dienstleistungen

D3.1 Nachhaltigkeit der Dienstleistungen

D3.2 Kommunikation: aktive Kommunikation ökologischer Aspekte den KundInnen

gegenüber

D 4 Soziale Gestaltung der Dienstleistungen

D4.1 Erleichterter Zugang zu Informationen / Dienstleistungen für benachteiligte

BürgerInnen

D4.2 Förderungswürdige Strukturen werden unterstützt

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D5 Demokratische, aktive Mitwirkung zur Erhöhung des sozialen und ökologischen Standards

D5.1 Kooperation mit anderen Gemeinden und Partnern

D5.2 Aktiver Beitrag zur Erhöhung legislativer Standards

D5.3 Reichweite, inhaltliche Breite und Tiefe

E1 Gestaltung von Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben jetziger und

zukünftiger Generationen

E1.1 Umgesetzte oder beschlossene Maßnahmen zur Umsetzung von Diversität,

Barrierefreiheit und Integration

E1.2 Umgesetzte oder beschlossene Maßnahmen zur Umsetzung von Resilienz,

Subsidiarität und Suffi zienz

E2 Beitrag zum Gemeinwesen

E2.1 Welche Maßnahmen zur Umsetzung von Kooperationen mit anderen

Gemeinden wurden bereits umgesetzt oder beschlossen

E2.2 Wie ausgeprägt ist die Kooperation mit Bürgerinitiativen, non-profi t

Organisationen und Ehrenamtlichen

E2.3 Wie ausgeprägt und fair ist die Kooperation mit Privaten bzw. mit der Privatwirtschaft

E2.4 In welchem Ausmaß hat das Thema Natur und zukünftige Generationen Einfl uss

auf die Beschlüsse der Gemeinde?

E3 Reduktion ökologischer Auswirkungen

E3.1a Beschreibung des Energieverbrauchs gmeiendeeigener Gebäude

E3.1b Beschreibung des Energieverbrauchs / Kennzahl der Gesamtgemeinde

E3.2 Ressourcen, Lebenszyklus der Materialien, Emissionen, Energieverbrauch im

direkten Einfl uss der Bürger / Unternehmen im Gemeindegebiet

E3.3 Management und Strategie - Wie arbeite ich weiter?

Verfolge ich die in den Punkten E3.1 - E3.2 erhobenen Kennzahlen?

E4 Gemeinwohlorientierte Haushalts- und Sozialpolitik

E4.1 Wurden BürgerInnen in die Entscheidungen über Investitionen miteinbezogen?

E4.2 Wurden Gemeingüter vor privatem Zugriff bewahrt und / oder re-kommunalisiert?

Gibt es ein Engagement auf regionaler, staatlicher und internationaler Ebene

zum Schutz der Gemeingüter?

E4.3 Finanzielle Handlungsfreiheit und Refi nanzierbarkeit; Neuverschuldung in

systemischer Sichtweise zu gemeinwohlorientierten Qualitätsverbesserungen

E4.4 Förderung innovativer Projekte und Prozesse

E5 Gesellschaftliche Transparenz und Mitbestimmung

E5.1 Umfang und Art des Nachhaltigkeitsberichtes und Bewertung durch die BürgerInnen

E5.2 Welche Art der Mitbestimmung und Dokumentation wurde gewählt?

E5.3 In welcher Regelmäßigkeit / welchen Zeitabständen werden BürgerInnen zur

Mitbestimmung / -wirkung eingeladen?

Ausblick

Beschreibung des Prozesses der Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz

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Name der Gemeinde:

Adresse:

Region / Land / Staat:

Homepage:

Gemeinde Kirchanschöring

Rathausplatz 2, 83417 Kirchanschöring

Landkreis Traunstein / Bayern / Deutschland

www.kirchanschoering.info

Anzahl EinwohnerInnen:

(Stand: 31.12.2017 - interne Fortschreibung)

Anzahl MitarbeiterInnen (Vollzeitäquivalent):

Höhe des Gemeindehaushalts:

Durchschnittliche Investitionshöhe pro Jahr:

Tochtergesellschaften / verbundene Unternehmen:

Berichtszeitraum: Zeitraum für den der Bericht erstellt wurde:

3.375

22,66 (2016) - 23,62 (2017)

ca. 16 Mio. EUR (Jahresrg. 2016)

ca. 18 Mio EUR (HH-Ansatz 2017)

ca. 2,3 Mio EUR (Ergebnis 2016)

ca. 3,5 Mio EUR (Ansatz 2017)

Wohnbaugesellschaft

Kirchanschöring - KU

01.01.2016 - 31.12.2017

Ansprechpartner:

Erster Bürgermeister Hans-Jörg Birner

Tel.: +49 (0)8685 / 77 939 -10

E-Mail: buergermeister@kirchanschoering.de

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Kirchanschöring ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Sie liegt im

Rupertiwinkel und grenzt mit den Ortsteilen Wolkersdorf und Lampoding an das Ostufer des

Waginger Sees, während der Ort Kirchanschöring selbst einige Kilometer davon entfernt ist.

Die Gemeinde mit ihren 3.375 Einwohnern (Stand: 31.12.2017) und einer Fläche von 25,23

km 2 setzt sich aus 49 Ortsteilen zusammen.

Der Hauptort Kirchanschöring liegt auf 417 m ü. NN. Von der Fläche Kirchanschörings sind 26 % bewaldet,

60 % werden landwirtschaftlich genutzt. Die Siedlungs- und Verkehrsfl äche beträgt 11 %.

Die erste urkundliche Erwähnung im 8. Jahrhundert verdankt Kirchanschöring dem Sturz des

bayerischen Herzogs Tassilo durch Karl den Großen. Aufgrund dieses Vorfalls wollte sich der

Salzburger Bischof Arn in diesen unsicheren Zeiten die bayerischen Besitzungen, die seinen

Vorgängern St. Rupert und St. Virgil übereignet wurden, bestätigen lassen.

Deshalb wurde die Zugehörigkeit Kirchanschörings zu Salzburgs Bischofsstuhl in der Arn‘schen

Notiz (=noticia arnonis) aufgeführt und besiegelt.

Im 16. Jahrhundert wurde Kirchanschöring erstmals auf einer Landkarte abgebildet.

Die im Laufe der Zeit wachsende Macht und Ausdehnung Salzburgs stellte für Kirchanschöring

keine schlechte historische Ausgangslage dar.

1803 endete die Herrschaft der Salzburger Erzbischöfe und 1816 kam der Rupertiwinkel

endgültig zu Bayern (nur die unsrige Seite). Näheres im Heimatbuch auf Seite 84 ff. Dieser

war, als er dem bayerischen Königreich einverleibt wurde, fast deckungsgleich mit dem

ehemaligen Landkreis Laufen.

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform von 1972 wurde die Gemeinde Lampoding,

welche südöstlich des Waginger Sees hin zum Salzachtal gelegen war, mit der Gemeinde

Kirchanschöring verschmolzen. Nachdem der Landkreis Laufen aufgelöst wurde, wird die

Gemeinde Kirchanschöring dem Landkreis Traunstein zugeordnet.

Auskunft über die Namensgebung Kirchanschörings gibt die noch heute umgangsprachlich

benutzte Ortsbezeichnung „Anschering“. Die Heimatforscher verweisen in diesem

Zusammenhang auf einen frühmittelalterlichen Sippenführer namens „Anscheri“ oder

„Anskar“, der mit seiner Sippe am Achenfl üsschen siedelte. Das „Kirch“ im Namen wurde

erst später im Zusammenhang mit der dorfeigenen Kirche hinzugefügt.

Die Landschaft rund um Kirchanschöring ist voralpin geprägt und wurde durch die letzte

Eiszeit geformt (ca. 10.000 v. Chr.). Die, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, sogenannten

Drumlins werden von den Geomorphologen als „fi schrückenartig geformte Höhen“

beschrieben. Diese Höhen waren im Mittelalter bevorzugte Siedlungsgebiete. Der von den

Alpen fl ießende Salzachgletscher hinterließ mehrere Seen, darunter auch den Waginger

und Tachinger See mit einer Fläche von knapp 10 km 2 .

Wiesen und Weiden dominieren, neben Wäldern, vornehmlich die Landschaft, wohingegen

Ackerbau eher selten zu fi nden ist. Die 18 km lange Götzinger Ache ist ein Abfl uss des

Waginger Sees und ist auch prägend für das Ortsbild von Kirchanschöring. In vorchristlicher

Zeit waren die Überlebensmöglichkeiten, die die Seen und Flüsse boten, offenbar förderlich

für die Siedlungsbildung. Verschiedene archäologische Funde bestätigen dies. Unter

anderem sind dies das Ritzinger Steinbeil (ca. 2.000 v. Chr.) und verschiedene Bronzefunde,

insbesondere das Wolkersdorfer Bronzeschwert (ca. 800 v. Chr.).

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Gegenwärtig gibt es im Gemeindegebiet ca. 730 Arbeitsplätze. Kirchanschöring weist in den

Bereichen Handwerk, Handel, Dienstleistungen und freie Berufe eine gute wirtschaftliche

Struktur auf und bietet zahlreiche Arbeitsplätze sowie eine gute Versorgungslage.

In der Kirchanschöringer Kindertageseinrichtung Haus für Kinder St. Elisabeth, mit

Kindergarten und Kinderkrippe, werden ca. 170 Kinder betreut. Die Grund- und Mittelschule

Kirchanschöring besuchen 140 Schüler.

Die Gemeinde Kirchanschöring wurde beim 21. Wettbewerb (2002-2004) „Unser Dorf soll

schöner werden - unser Dorf hat Zukunft“ mit Gold auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene

ausgezeichnet. Die Begründung der Jury lautete (Goldmedaille Bundeswettbewerb):

„Ein innovatives Dorf, das in vernetzten Kreisläufen vorbildlich handelt und somit Leben

und Arbeiten in einem qualitätsvoll gestalteten Wohnumfeld ermöglicht. Besonders

hervorzuheben ist das Engagement und weitsichtige Handeln im sozialen Bereich innerhalb

des Gemeinwesens.“

Mit der Fertigstellung des „Haus der Begegnung“ (vgl. Foto unten) im Frühjahr 2018 verfügt

die Gemeinde über ein passgenaues soziales Haus, das sich den Bedürfnissen seiner älter

werdenden Gesellschaft anpasst. Neun barrierefreie Seniorenwohnungen, eine ambulant

betreute Wohngemeinschaft für zehn Personen, Gemeinschaftsräume, das örtliche

Sozialbüro und eine Arztpraxis sind in einem Gebäude in der Ortsmitte von Kirchanschöring

unter einem Dach vereint.

Das „Haus der Begegnung“ (im Vordergrund) mit dem Ortskern von Kirchanschöring im Hintergrund

(Foto: www.luftbild-traunstein.de)

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Kirchanschöring ist eine ehrgeizige Gemeinde, die den Anspruch der kommunalen

Selbstverwaltung und Selbstgestaltung wirklich ernst nimmt. Eingebettet in Regionalinitiativen,

die durch viel Kirchanschöringer Engagement getragen werden, fi nden sich

immer wieder kreative Ideen und Wege der Umsetzung, die Lebensqualität in unserer

Gemeinde zu fördern und das Gemeinwohl zu stärken.

In den letzten Jahren wurden folgende wichtige Überlegungen zu unserer Gemeindeentwicklung

(und auch Regionalentwicklung) durchgeführt:

Lebensqualität durch Nähe

Entwicklung einer sozialen Dorfmitte („Haus der Begegnung“)

MORO-Projekt „Zukunftsregion Salzachtal“

Integriertes Klimaschutzkonzept

Neuer Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan

Ökomodellregion „Waginger See - Rupertiwinkel“

Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring

Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) „Waginger See - Rupertiwinkel“

Lokale Aktionsgruppe (LAG) „LEADER Traun-Alz-Salzach“

„Anders Wohnen in Kirchanschöring: räumliche Ideen für ein nachhaltiges Wachsen -

alternative Wohnkonzepte“

Eine Gemeinde geht ihren (Gold-)Weg

(Foto: Gemeinde)

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Die Gemeinwohlökonomie beschreibt eine sozialere, ökologischere und demokratischere

Wirtschaft. Aufbauend auf den Werten Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit,

soziale Gerechtigkeit sowie Mitbestimmung und Transparenz durchleuchten die

Menschen in Gemeinden, Betrieben, Einrichtungen und Organisationen ihr TUN und WIRKEN

auf diesen Wertebasen.

Die Gemeinde Kirchanschöring teilt diese Wertehaltung und ist eine der ersten Kommunen

in Deutschland, die auf Basis der Gemeinwohlmatrix für Gemeinden V1.2 ihr Bilanz erstellt

hat. Dies ist eine freiwillige Leistung der Gemeinde. Zusätzlich zum Jahresabschluss und den

Beschlüssen wird dadurch auch die Arbeit auf der Ebene der gelingenden Beziehungen

und Kooperationen transparent dargestellt. Das wirtschaftliche und gemeinwohlorientierte

Handeln der Gemeinden soll wieder mit Werten und Zielen übereinstimmen, die auch in der

Bayerischen Verfassung (Art. 3) bereits verankert sind: „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und

Sozialstaat. Er dient dem Gemeinwohl“.

Diese Vorgabe aus der bayerischen Verfassung kann und soll für unser aller Handeln eine

Richtschnur sein.

Für Gemeinden ist der Gemeinwohlbericht eine umfassende Darstellung ihrer Aktivitäten.

Oft ist die Darstellung der geleisteten Arbeit eine schwierige Aufgabe. Die Gemeinwohlbilanz

(Gemeinwohlbericht und Gemeinwohlmatrix mit den Bewertungen) ist das zentrale

Werkzeug der Gemeinwohlökonomie. Gemeinden sagen immer, dass sie von Natur aus dem

Gemeinwohl verpfl ichtet sind. Dann jedoch den Schritt zu tun, sich auf eine systematische

Darstellung des eigenen Tuns einzulassen, verlangt ein wenig Mut und Selbstvertrauen.

AUF WIRTSCHAFTLICHER EBENE ist die Gemeinwohlökonomie eine lebbare, konkret

umsetzbare Alternative für Unternehmen, Gemeinden und Institutionen verschiedener

Größen und Rechtsformen.

Der Zweck des Wirtschaftens wird anhand gemeinwohlorientierter Werte defi niert.

Geld und Gewinn stellen nicht mehr den Zweck des Wirtschaftens dar, sondern werden

wieder zu notwendigen Mitteln, um die gesetzten Ziele zum Wohle aller zu erreichen.

Wirtschaftlicher Erfolg wird nicht mehr anhand monetärer Faktoren wie Bilanzgewinn oder

Bruttoinlandsprodukt gemessen. In der Gemeinwohlökonomie zählen Werte wie Deckung

der Grundbedürfnisse, Lebensqualität und Gemeinschaft.

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AUF POLITISCHER EBENE will die Bewegung rechtliche Veränderungen bewirken, welche

den Weg zu einem gemeinwohlorientierten Wirtschaften erleichtern und belohnen, denn

heute werden eher jene belohnt, welche wenig Rücksicht auf Natur und menschliche Werte

nehmen. Die Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden werden der Allgemeinheit

überantwortet, wodurch gerade die Gemeinden leiden, da es ihre Budgets und damit alle

belastet.

Ziel des Engagements ist ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten, unterstützt

durch ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaftssystem.

Jeder kann mitmachen, Mitglied werden und sich engagieren.

Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale

Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente.

AUF GESELLSCHAFTLICHER EBENE ist die Gemeinwohlökonomie eine Initiative der Bewusstseinsbildung

für einen Systemwandel. Sie beruht auf dem gemeinsamen, wertschätzenden

Tun möglichst vieler Menschen.

Die Bewegung gibt Hoffnung und Mut, sucht die Vernetzung und Befruchtung mit anderen

Initiativen, welche ähnliche Ziele anstreben.

Christian Felber, GWÖ-Beraterin Isabella Klien, Bürgermeister Hans-Jörg

Birner und Hubert von Goisern kurz vor einer Podiumsdiskussion zur

Gemeinwohlökonomie in Salzburg (Foto: Foto Flausen)

Begonnen hat alles im Jahr

2016 durch einen Vortrag von

Christian Felber, Begründer

der Gemeinwohlökonomie,

in der Salzachhalle in Laufen

und einem Infonachmittag

zum Thema „Unsere erste

Gemeinwohlbilanz“ im

Salitersaal in Kirchanschöring.

Dabei wurde schnell klar, dass

die GWÖ mit ihrem Herzstück

Gemeinwohlbilanz genau das

richtige Instrument ist, um Dinge,

mit denen sich die Gemeinde

Kirchanschöring schon seit

vielen Jahren beschäftigt, auf

kompakte Weise darzustellen.

Dieser nachhaltige Rundumblick auf das „Unternehmen Gemeinde“ ermöglicht zweierlei:

Bereits Praktiziertes wird strukturiert erfasst und im Gemeinwohlbericht verschriftlicht und

wichtige Themen, die bis dato nicht im Fokus waren, kommen zur Sprache und werden als

Ziele für künftiges Handeln formuliert.

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Der Bilanzierungsprozess erstreckte sich von November 2017 bis September 2018.

Begleitet von den GWÖ-BeraterInnen Isabella Klien und Kurt Egger durchlief die Gemeinde

Kirchanschöring als eine der ersten deutschen Pioniergemeinden den Prozess zur Erstellung

der GWÖ-Bilanz.

Zu Beginn des Prozesses nahmen fast alle MitarbeiterInnen der Kirchanschöringer

Gemeindeverwaltung an einer Auftaktveranstaltung teil. Die Hintergründe, Ideen und Ziele

der GWÖ sowie der Prozessablauf wurden den VerwaltungsmitarbeiterInnen an diesem

Nachmittagsworkshop verständlich näher gebracht.

Es folgten zu jeder Berührungsgruppe ein Vorbereitungs- und ein Besprechungsworkshop

mit einem fest zusammengestellten Kernteam (siehe Grafi k Prozessablauf).

Entsprechend jeder Berührungsgruppe nahmen die MitarbeiterInnen aus den jeweiligen

Sachgebieten an den Workshops teil und bearbeiteten bestimmte Themen, zu denen

sie einen fachlichen Bezug hatten, oder die sie interessierten und zu denen sie ihre

Kompetenz einbringen wollten. So entstand ein Gesamtbild, das von einer Vielzahl der

VerwaltungsmitarbeiterInnen mitgestaltet und gezeichnet wurde und folglich zu einer guten

Identifi zierbarkeit mit dem GWÖ-Prozess führte.

In den Besprechungsworkshops wurden die gesammelten Ergebnisse und Daten vorgestellt

und der Erfüllungsgrad gemäß Gemeinwohlmatrix diskutiert.

Berührungsgruppen

Auftaktworkshop

mit allen

Mitarbeiter-

Innen

A


Vorbereitungsworkshops

E

Abschlussworkshops

Audit

Sammeln der Inhalte

Besprechungsworkshops

Bericht schreiben

Prozessablauf

Die Sommermonate 2018 wurden von der Gemeinde genutzt, um die Ergebnisse zu

verschriftlichen, in eine auditfähige Form zu bringen und den Berichtsentwurf zu erstellen.

Dieser wurde in zwei weiteren Workshops mit dem Kernteam und den beteiligten

MitarbeiterInnen besprochen und in der Endfassung fertig gestellt.

Das Audit in der Gemeinde Kirchanschöring fand am 26.10.2018 statt.

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Auftaktveranstaltung im Salitersaal in Kirchanschöring mit den MitarbeiterInnen der Gemeinde Kirchanschöring

und den GWÖ-BeraterInnen Isabella Klien und Kurt Egger (Foto: Kurt Egger)

Der Bilanzierungsprozess war für uns als Gemeindeverwaltung eine besondere

Herausforderung. Neben den vielfältigen Aufgaben im laufenden Verwaltungsbetrieb

wurde der durchaus anspruchsvolle Bilanzierungsprozess durch die MitarbeiterInnen

mitgetragen und erstellt. In engem Austausch mit unseren GWÖ-BeraterInnen Isabella

Klien und Kurt Egger wurden die vielzähligen Aufgaben intensiv besprochen und auch

unterschiedliche Ansichtsweisen offen diskutiert. Einiges wurde bereits bei der Bearbeitung

der Bilanz angepasst, anders aus der Sicht der Praxis an die Überarbeitung der nächsten

Bilanzversion als Anregung weitergegeben.

Das intensive Studium der verschiedenen Belange bei der Bearbeitung der Bilanz hat uns viele

neue Ansatzpunkte für die Verbesserung unserer „Gemeinwohltauglichkeit“ aufgezeigt.

Somit hat der Bilanzierungsprozess einen weitaus größeren Mehrwert für uns als Verwaltung

erbracht, als die reine Erfassung unseres Wirkens in Bezug auf das „Gemeinwohl“.

Ein besonderer Dank gilt unseren GWÖ-BeraterInnen Isabella Klien und Kurt Egger, die

uns mit großem Engagement und viel Verständnis für die besondere Situation einer

Gemeindeverwaltung im Vergleich zur Privatwirtschaft auf unserem Weg zur Bilanzierung

begleitet haben.

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Isabella Klien und Kurt Egger vor dem Kirchanschöringer Rathaus (Foto: Kurt Egger)

Begonnen hat alles im Juli 2017. Da lernten wir die - gleich über die Grenze von

Salzburg nach Bayern liegende - Gemeinde Kirchanschöring kennen. Es war bei einem

Infonachmittag, den Franz Galler von der Regionalgruppe Südostbayern zum Thema

„Unsere erste Gemeinwohlbilanz“ für Gemeinde und Regionen veranstaltete. Gastgeber

war Bürgermeister Hans-Jörg Birner, der sofort die Chancen erkannte, die ein Prozess zur

Bilanzierung und Weiterentwicklung der Gemeinwohlorientierung bietet.

Vom ersten Augenblick an waren wir begeistert davon, wie gemeinwohlorientiert das

Selbstverständnis der Gemeinde ist - ausgehend vom Bürgermeister bis hin zu den

Mitarbeitern in der Verwaltung. Dieser respektvolle, von Werten getragene Geist zeigte

sich auch bei unserer bisherigen Zusammenarbeit zur Bilanzerstellung von November 2017

bis September 2018. Für ein Pionierprojekt mit vielen Herausforderungen auf beiden Seiten

etwas sehr Besonderes.

Wir hatten das Glück, dass im Sommer 2017 die beiden Vorarlberger Gemeinden

Nenzing und Mäder die Vorreiterrolle als erste GWÖ-Gemeinden im deutschsprachigen

Raum übernahmen. So konnten wir auf die Erfahrungen der beiden Pioniergemeinden

zurückgreifen und den Prozess in Kirchanschöring mit enger Absprache mit unseren

Vorarlberger BeraterkollegInnen Ulrike Amann und Gebhard Moser begleiten.

Wir freuen uns sehr, dass Kirchanschöring die erste deutsche extern auditierte GWÖ-

Gemeinde ist, nicht weil es wichtig ist, die Erste zu sein, sondern weil Kirchanschöring seit

vielen Jahren pionierhaft vorangeht. Der vorliegende Bericht bietet eine ausgezeichnete

Möglichkeit, das nachzuvollziehen und etwas über die weiterführenden Ziele zu lesen.

Danke an alle Mitwirkenden für die gemeinsame Pionierarbeit!

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T E S T A T : A U D I T

GEMEINWOHL-BILANZ

für Gemeinden V 1.2

für Gemeinde Kirchanschöring

Auditor*in: Bernhard Oberrauch

Berichtsjahr

2016/17

BERÜHRUNGS-

GRUPPE

WERT

Menschenwürde Solidarität Ökologische Nachhaltigkeit Soziale Gerechtigkeit

A) Lieferant*innen A1: Ethisches Beschaffungswesen

B) Geldgeber*innen B1: Ethisches Finanzmanagement

C) Mitarbeiter*innen,

politische Mandatsträger*innen,

von der Gemeinde

koordinierte ehrenamtliche

Akteur*innen

C1: Arbeitsplatzqualität, und

Gleichstellung

50% / 45 Pkt

C2: Gerechte Verteilung der

Erwerbsarbeit

40% / 20 Pkt

C3: Ökologisches Verhalten

der Mitarbeiter*innen,

Mandatsträger und

koordinierten

Ehrenamtlichen

30% / 9 Pkt

C4: Gerechte

Einkommensverteilung

80% / 48 Pkt

D) Bürger-, Einwohner-, Bewohner*innen

(inkl. Gäste,

Pendler, Asylwerber) /ortsansässige

Firmen, unabhängig agierende

ehrenamtliche Akteure,

Hoheitliche Aufgaben,

privatwirtschaftliche

Produkte/Dienstleistung

Andere Gemeinden und

Behörden

D1: Ethische Beziehung zu

den Bürger*innen, Einwohner*innen,

ortsansässigen

Firmen und unabhängig

agierenden ehrenamtlichen

Akteur*innen

70% / 35 Pkt

D2: Solidarität

mit anderen Gemeinden

50% / 35 Pkt

D3: Ökologische Gestaltung

der Produkte /

Dienstleistungen

70% / 63 Pkt

D4: Soziale Gestaltung der

Produkte / Dienstleistungen

80% / 24 Pkt

E) Gesellschaftl. Umfeld,

Gemeinwesen, Lebensraum,

Nachbar-, andere

Gemeinden, Behörden,

Land, Regionen, Natur,

künftige Generationen

E1: Gestaltung von

Bedingungen für ein

menschenwürdiges Leben –

jetziger und zukünftiger

Generationen

80% / 72 Pkt

E2: Beitrag zum

Gemeinwesen

90% / 36 Pkt

E3: Reduktion ökologischer

Auswirkungen

30% / 21 Pkt

E4: Gemeinwohlorientierte

Haushaltsund

Sozialpolitik

80% / 48 Pkt

Negativ-Kriterien

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Mit diesem Testat wird das Audit des Gemeinwohl-Berichts bestätigt. Das Testat bezieht sich auf die Gemeinwohl-Matrix

für Gemeinden V1.2. Nähere Informationen zu Matrix, Indikatoren und dem Audit-System finden Sie auf www.ecogood.org

Gültig bis 31.10.2020

Demokratische

Mitbestimmung &

Transparenz

40% / 36 Pkt

80% / 24 Pkt

C5: Innerorganisatorische

Demokratie und

Transparenz

50% / 45 Pkt

D5: Demokratische aktive

Mitwirkung zur Erhöhung

der sozialen und

ökologischen Standards

60% / 18 Pkt

E5: Gesellschaftliche

Transparenz und

Mitbestimmung

30% / 9 Pkt

0% / -0 Pkt

BILANZSUMME 588

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Das Beschaffungswesen ist organisatorisch in der Gemeindeverwaltung angesiedelt und

basiert auf zwei Grundsatzbeschlüssen, die im Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) „Leben

und Wirtschaften in Kirchanschöring“ 1 enthalten sind:

Alle Aktionen der Gemeinde Kirchanschöring sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet

(vgl. GEK D1, S.74).

Nachhaltigkeitscheck für kommunale Entscheidungen vgl. GEK D2.2, S.74)

Beim Beschaffungswesen der Gemeinde Kirchanschöring gibt es keinen „Gesamteinkauf“.

Die Beschaffungen werden von den jeweiligen, damit beauftragten MitarbeiterInnen

getätigt. Diese sind für die unterschiedlichen Beschaffungen speziell berechtigt.

Das Budget für Material, Dienstleistungen und Investitionsgüter wird im Haushaltsplan

vorgeschlagen. Dieser wird jährlich im Rahmen der Haushaltssatzung aufgestellt und vom

Gemeinderat beschlossen.

Bei allen Ausschreibungen für Hoch- und Tiefbauarbeiten bzw. Bau- und Baunebengewerbe

werden grundsätzlich folgende zusätzliche Vertragsbedingungen in das Leistungsverzeichnis

aufgenommen:

„Zum Schutz der Umwelt, der Landschaft und der Gewässer hat der Auftraggeber die

durch die Arbeiten hervorgerufenen Beeinträchtigungen auf das unvermeidbare Maß

einzuschränken.

Holzprodukte

Holzprodukte als Bestandteil der Bauleistung müssen nach FSC/PEFCoder gleichwertig

zertifi ziert sein oder die für das jeweilige Herkunftsland geltenden Kriterien des FSC 2 oder PEFC 3

erfüllen. Der Nachweis der Anforderungen ist vom Auftragnehmer bei Anlieferung auf der

Baustelle durch Vorlage eines Zertifi kates von FSC oder PEFC oder eines Gleichwertigkeitsnachweises

oder durch Einzelnachweis zu erbringen.

Der Nachweis der Gleichwertigkeit - d.h. Übereinstimmung des Zertifi kates mit dem für das

jeweilige Herkunftsland geltenden Standards von FSC oder PEFC - bzw. der Nachweis,

dass die im jeweiligen Herkunftsland geltenden Kriterien des FSC oder PEFC einzeln erfüllt

werden, ist durch eine Prüfung vom Johann Heinrich von Thünen-Institut in Hamburg oder

dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn zu erbringen.“

1

https://www.kirchanschoering.info/projekte/leben-und-wirtschaften.html

2

https://de.wikipedia.org/wiki/Forest_Stewardship_Council

3

https://de.wikipedia.org/wiki/Programme_for_the_Endorsement_of_Forest_Certifi cation_Schemes

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Wartungsverträge werden, soweit möglich, an regionale Firmen vergeben. Natürlich auch,

um einen möglichst geringen Anfahrtsweg der Firmen zu generieren. Die Gemeinde hat die

Erfahrung gemacht, dass eine langjährige Zusammenarbeit mit bewährten Lieferanten für

beide Seiten ein Gewinn ist.

Mit Hilfe der Excel-Tabelle (vgl. untenstehende Abbildung) wurde die Bewertung des Ist-

Zustands bezüglich der Berücksichtigung gemeinwohlorientierter Aspekte im Einkauf

vorgenommen. Hier haben sich die MitarbeiterInnen der Gemeinde Kirchanschöring, die

Produkte und/oder Dienstleistungen beschaffen, konkret mit Themen wie Gütesiegeln,

Umweltbewusstsein und Gesundheit, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit sowie

Regionalität auseinandergesetzt und bewertet, inwieweit diese Aspekte bisher für die

Auswahl der Lieferanten relevant waren.

Produkte und Dienstleistungen folgender zehn Kategorien wurden betrachtet:

1. Fuhrpark, Mobilitätsdienstleistungen (auch im Hinblick auf Fahrten zu Veranstaltungen)

2. Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Strom

3. Investitionen, Bautätigkeit, Straßen und Wege, Einrichtung Innenausbau

4. EDV, Telefon, Sicherheitselektronik etc.

5. Haustechnik, Innen- und Außenbeleuchtung, Heizung, Reinigung außen (Straßen etc.)

6. Reinigungs- und sonstige Personaldienstleistungen sowie die eingesetzten Produkte

7. Verwaltung, Büromaterial

8. Standortmarketing / Werbung

9. Lebensmittel, Kantine, Catering bei Veranstaltungen

10. Dienstreisen, Dienstfahrten

Die Bewertung wurde nach diesem Schema vorgenommen:

In welchem Ausmaß werden die angeführten Aspekte (z.B. Gütesiegel, Umweltbewusstsein

etc.) in den angeführten Bereichen (Produkte und Dienstleistungen der oben genannten

zehn Kategorien) beim Einkauf berücksichtigt?

0 = gar keine Berücksichtigung der Aspekte

1 = punktuelle Berücksichtigung der Aspekte

2 = bei einigen wenigen Produkten und Dienstleistungen

3 = bei einem Großteil an wesentlichen Produkten und Dienstleistungen & im Vergleich

sehr geringer Verbrauch bzw. klare Reduktion bei kritischen Stoffen ohne höherwertige

Alternative

4 = bei allen wesentlichen, zugekauften Produkten und Dienstleistungen & innovative

Lösungen zur Vermeidung kritischer Stoffe ohne höherwertige Alternative

16


Für Beispiele oder beispielhafte Fragen lesen Sie bitte die Kommentare in den jeweiligen Zellen

Zellen, die mit einem "X" versehen sind, sind für die Auswertung nicht relevant

Indikator / Qualitätskriterium zugekaufte Produkte und Dienstleistungen für folgende interne Bereiche

Fuhrpark, Mobilitätsdienstleistungen

(auch im Hinblick auf Fahrten zu

Veranstaltungen)

Abfallentsorgung, Wasserversorgung,

Strom

Investitionen, Bautätigkeit, Straßen und

Wege, Einrichtung Innenausbau

EDV, Telefon, Sicherheitselektronik, etc.

Haustechnik, Innen- und Außenbeleuchtung,

Heizung, Reinigung außen

(Straßen etc.)

Reinigungs- und sonstige

Personaldienstleistungen sowie die

eingesetzten Produkte

Verwaltung; Büromaterial

Standortmarketing/ Werbung

Lebensmittel, Kantine, Catering bei

Veranstaltungen

Dienstreisen, Dienstfahrten

Sub-Indikator 1:

Regionale, ökologische und soziale

Aspekte/ höherwertige Alternativen

werden … berücksichtigt

Mittel-wert

In welchem Ausmaß werden die angeführten Aspekte (Zeilen) in den angeführten Bereichen (Spalten) beim Einkauf berücksichtigt?

0 = gar keine Berücksichtigung der Aspekte

1 = punktueller Berücksichtigung der Aspekte

2 = bei einigen wenigen Produkten und Dienstleistungen

3 = bei einem Großteil an wesentlichen P/D + im Vergleich sehr geringer Verbrauch bzw. klare Reduktion bei kritischen Stoffen ohne höherwertige Alternative .

4 = bei allen wesentlichen, zugekauften P/D + innovative Lösungen zur Vermeidung kritischer Stoffe ohne höherwertige Alternative

Hinweis: Die Werte dürfen bis zu eine Dezimalstelle enthalten.

Fragestellung/ Hilfestellung:

Inwiefern haben Sie bei der

Auswahl Ihrer Lieferanten

bisher berücksichtigt, ob

dieser ein branchentypisches

Gütesiegel besitzt?

Gütesiegel

e5; Allianz in den Alpen, Fair-

Trade, Blauer Engel, Ökoprofit

2,60 0,0 2,0 2,0 0,0 3,0 4,0 3,0 4,0 4,0 4,0

etc.

Fragestellung/ Hilfestellung:

Inwiefern haben Sie bei der Auswahl Ihrer Lieferanten bisher berücksichtigt, ob dieser ökologische und/ oder gesundheitliche Aspekte bei seinen Produkten/ Dienstleistungen

beachtet?

Umweltbewusstsein &

Gesundheit

Keine Allergene, keine

Weichmacher, keine

Halogene, nicht

krebserregend, nicht

genmanipuliert,

energieeffizient,

reparaturfreundlich,

ressourcenschonend, gut

entsorgbar,

wiederverwendbar,

emmisionsarm, gebraucht

gekauft, etc.

3,00 3,0 3,0 2,0 0,0 3,0 4,0 3,0 4,0 4,0 4,0

Fragestellung/ Hilfestellung:

Musterbrief

Inwiefern haben Sie bei der Auswahl Ihrer Lieferanten bisher berücksichtigt, ob die oben genannten Aspekte/ Rechte/ Pflichten von diesen oder ihrer

Wertschöpfungskette geachtet werden? Für beispielhafte Fragen sehen Sie bitte im Handbuch nach. Link zum Musterbrief für die Lieferanten zur Evaluierung der Lieferantenc

heck

vorherigen Aspekte:

Menschenrechte & Soziale

Gerechtigkeit

Diskriminierungsverbot, keine

Zwangs- und Kinderarbeit,

Recht auf Vereinigungen und Mitbestimmung, Lohn- und

Chancengleichheit,

Integrationsförderung,

Arbeitsplatzsicherheit

2,10 0,0 4,0 3,0 0,0 0,0 4,0 2,0 4,0 4,0 0,0

Fragestellung/ Hilfestellung:

Inwiefern haben Sie bei der

Auswahl Ihrer Lieferanten

bisher berücksichtigt, ob diese

Organisation im nahen Umfeld

Ihrer Gemeinde ansässig ist?

Regionalität 3,56 3,0 4,0 3,0 4,0 4,0 4,0 2,0 4,0 4,0

Mittelwert 2,81 1,50 3,25 2,50 1,00 2,50 4,00 2,50 4,00 4,00 2,67

17


Bei der Bewertung des Ist-Zustands konnte festgestellt werden, dass die Berücksichtigung

regionaler, ökologischer und sozialer Aspekte in der Gemeinde Kirchanschöring bereits

einen hohen Stellenwert einnimmt. So gibt es einige Produktkategorien, wie z.B. Lebensmittel

und Reinigungsdienstleistungen, bei denen bereits sehr auf gemeinwohlrelevante Aspekte

im Einkauf geachtet wird.

Bei anderen Produkt- und Dienstleistungskategorien, wie z.B. dem Fuhrpark oder bei EDV

Beschaffungen ist natürlich eine Steigerung notwendig und wichtig. Diese soll für zukünftige

Beschaffungen schrittweise umgesetzt werden.

Kurze Erläuterung zu einigen Produkt- und Dienstleistungsgruppen

Fuhrpark und Mobilitätsdienstleistungen

Im Jahr 2017 wurde vom Gemeinderat beschlossen, ein Elektroauto für den Bauhof beim

örtlichen Autohändler zu bestellen. In Dienst gestellt wurde der Renault Elektrotransporter im

Jahr 2018.

Außer den gesetzlichen Normen wird bei Fuhrpark-Beschaffungen bisher nicht berücksichtigt,

ob der Lieferant über ein Gütesiegel verfügt.

Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Strom

In der Gemeinde Kirchanschöring herrscht in allen Bereichen strikte Abfalltrennung.

Fast alle kommunalen Gebäude sind an Hackschnitzelfernwärme angeschlossen.

Strom wird vom örtlichen Anbieter aus Wasserkraft bezogen.

Investitionen, Bautätigkeit, Straßen und Wege, Einrichtung Innenausbau

Bei den Ausschreibungen zum Bau des „Haus der Begegnung“ am Georg-Rinser-Weg, der

ersten Baumaßnahme des Kommunalunternehmens „Wohnbaugesellschaft Kirchanschöring

- KU, Anstalt des öffentlichen Rechts der Gemeinde Kirchanschöring“ wurden bei der

Materialauswahl teilweise entsprechende Umweltzeichen gefordert (z.B. „natureplus“ 4 ).

Im Zuge der Malerarbeiten waren beispielsweise Wandfarben gefordert, die „natureplus“

zertifi ziert sind.

EDV, Telefon, Sicherheitselektronik etc.

Bei der EDV-Ausstattung fi ndet noch keine systematische Berücksichtigung regionaler,

ökologischer und sozialer Aspekte bei der Beschaffung statt. Eine stärkere Betrachtung

wird für die Zukunft angestrebt. Die Gemeinde arbeitet hier bereits langjährig mit einem

regionalen Dienstleister zusammen.

Haustechnik, Innen- und Außenbeleuchtung, Heizung, Reinigung außen (Straßen etc.)

Die Innenbeleuchtung wurde in allen kommunalen Gebäuden auf LED (Richtlinien

Bundesprogramm) umgestellt. Der Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden zur

Unkrautbekämpfung auf kommunalen Flächen (z.B. Straßen) ist verboten.

4

https://www.natureplus.org/

18


Reinigungs- und sonstige Personaldienstleistungen sowie eingesetzte Produkte

Das Reinigungspersonal putzt ausschließlich mit EM-Putzmitteln 5 (EM=Effektive Mikroorganismen).

So wird eine chemiefreie, giftfreie und hautfreundliche Reinigung sichergestellt.

Durch die Anwendung von EM etabliert sich ein besonders angenehmes Raumklima ohne

künstliche Gerüche. EM-Reiniger sind gewässerschonend, halten den Abfl uss frei und fördern

die Abwasserklärung. Das Schmutzwasser kann zum Blumengießen verwendet werden.

Die Umstellung und Neuausrichtung der Reinigungsmittel im Gebäudemanagement zu EM

war ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und Gemeinwohl. Mittlerweile setzt die Gemeinde

Kirchanschöring seit rund fünf Jahren in sämtlichen kommunalen Gebäuden (z.B. Schule,

Haus für Kinder St. Elisabeth, Rathaus, Feuerwehr-Gerätehäuser, Sporthallen) auf EM-

Produkte. Die Ergebnisse zeigen, dass Sauberkeit und Biologie sich nicht ausschließen,

sondern optimal ergänzen. Neben dem Umweltbewusstsein war aber auch die Fürsorgepfl

icht für die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter, Bürger und Kinder ein entscheidendes

Kriterium für die Umstellung.

Firmen, welche für die Glasreinigung angefordert werden, müssen soziale Mindeststandards

(z.B. Bezahlung Mindestlohn, Höchstarbeitszeit, Mindestruhezeit, bezahlter Mindesturlaub

und Arbeits- und Hygieneschutz etc.) vorweisen.

Verwaltung, Büromaterial

Es wird ausschließlich Papier und Büromaterial beschafft, welches mit dem „Blauen Engel“

zertifi ziert ist. Im Rahmen unserer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft, der Integrierten

Ländlichen Entwicklung (ILE), wurde im Sommer 2017 eine Schulung zum Thema „Nachhaltige

Beschaffung“ für alle VerwaltungsmitarbeiterInnen der ILE –Gemeinden angeboten, die mit

dem Thema Beschaffung betraut sind. Hier wurde insbesondere das Thema „Beschaffung

von Büromaterialen“ behandelt (vgl. A1.3).

Standortmarketing / Werbung

Alle Printmedien der Gemeinde, wie z.B. die fünf Mal jährlich erscheinende Gemeindemitteilung

oder sonstige Informationen der Gemeinde (Flyer, Broschüren etc.) werden auf

Blauem Engel Papier mit 100 % schadstofffreien Druckfarben gedruckt.

Unser Partner dafür ist die OH Druck GmbH aus der Nachbarkommune Laufen.

Lebensmittel, Kantine, Catering bei Veranstaltungen

Die VerwaltungsmitarbeiterInnen können sich während der Arbeitszeit in der Gemeinschaftsküche

am Fair-Trade-Kaffee bedienen. Die Kosten dafür übernimmt die Gemeinde.

Ebenso steht wöchentlich Bio-Obst und Bio-Gemüse, das vom örtlichen Bio-Gemüsebetrieb

geliefert wird, zum Verzehr bereit.

Die Bewirtung von Veranstaltungen übernimmt ein externer Cateringbetrieb. Seitens der

Gemeinde gibt es für den Caterer die Vorgabe bio-regionale Zutaten zu verwenden. Hierfür

wird vom Cateringunternehmen eine Zutatenliste mit genauer Angabe zur Herkunft der

verwendeten Produkte angefordert.

5

https://www.em-chiemgau.de/

19


Die Weihnachtsfeier der Gemeinde fi ndet in der örtlichen Gaststätte statt. Hier lautet die

Vorgabe an den Wirt, mindestens ein Biogericht anzubieten.

Dienstreisen / Dienstfahrten

MitarbeiterInnen werden seitens der Führungskräfte dazu angeregt, bei Dienstreisen

möglichst die Bahn zu nutzen. Dienstfahrten des Bürgermeisters werden mit dem Elektroauto,

Renault ZOE unternommen.

Claus Wagner (rechts) vom Autohaus Wagner übergibt den Renault ZOE an Bürgermeister Hans-Jörg Birner (Foto: Gemeinde)

Bewertung: 23 Punkte

20


Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Im Zuge der Lieferantenbefragung wurde ein Fragebogen an unsere Lieferanten

versendet, bei denen in den Berichtsjahren 2016/2017 Beschaffungen getätigt wurden.

Die Lieferanten wurden bezüglich verschiedener Aspekte ihrer sozialen und ökologischen

Nachhaltigkeit befragt. Um unseren Lieferanten besser zu verdeutlichen, worauf es uns

als Gemeinde Kirchanschöring bei sozialen und ökologischen Herausforderungen im

Sinne des Gemeinwohlgedankens ankommt, wurde der Lieferanten-Musterbrief von den

MitarbeiterInnen, die mit dem Thema Beschaffung betraut sind, ergänzt.

Wie der untenstehende Brief zur Befragung unserer Lieferanten zeigt, wurde eine

beispielhafte Zusammenstellung ökologischer und sozialer Herausforderungen angefügt, die

sich hinsichtlich einer Lebenszyklusbetrachtung ergeben. Außerdem wurde eine Aufl istung

anerkannter Zertifi kate beigefügt. Mit dieser Ergänzung des Anschreibens wollten wir unsere

Lieferanten für den Gemeinwohlgedanken sensibilisieren. Die Gemeinde ist sich hier ihrer

Rolle als Multiplikator deutlich bewusst.

Bild: fotolia, j-mel

- aus Afrika -

21


22


23


24

Fotos: arch. dott. Bernhard Oberrauch


Risikoanalyse Material und Dienstleistungen

Soziale und ökologische Auswirkungen der eingekauften Materialen und Dienstleistungen

Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

Allgemeine Verwaltung;

Förderung der Land- und

Forstwirtschaft;

Interkommunale

Zusammenarbeit ILE;

Hilfen für Asylbewerber

Obstkörbe

Geschenkkörbe

5.537 Bio-zertifi ziert (ABCERT AG) 2 3 3 60 53,33

Complianceregelung,

Allgemeine Verwaltung;

Kanalnetz;

Kindergarten; Schule;

Salitersaal; Jugendtreff;

Straßen; Bauhof

Verschiedene

Gegenstände

11.252

Mitarbeitervertretung,

Sicherheitsbeauftragter,

übertarifl iche Bezahlung,

Beschäftigung von

Flüchtlingen,

ausgezeichneter

Ausbildungsbetrieb

(Rudolf-Egerer-Preis)

keine Aussagen zu

einzelnen Produkten

im allgemeinen

möglich (30.000 Artikel),

Leiharbeiter werden

beschäftigt

konkrete

Produktabfrage

vor Bestellung

1 2 3 20

13,33

Iso 9001:2015 (DEKRA

Certifi cation GmbH)

Öffentlichkeitsarbeit

für Gemeinde und

Interkommunale

Zusammenarbeit ILE

Gemeindemitteilung

Flyer etc.

29.171

Ökostrom (e.öko+)

überprüft vom TÜV

Rheinland

Druckfarben sind

100 % schadstofffrei

großer Energiebedarf

hoher Rohstoffverbrauch

( Papier)

Arbeitsbed.

hinterfragen,

v.a. Gesundheitsschutz

der

Mitarbeiter

2 3 3 60

53,33

Isoprophylalkohol < 5 %

Mitarbeiterschulungen

Bauhof

Anhänger

1.703

keine Zertifi kate

Sparsamkeit beim

Ressourcenverbrauch

Einhaltung sozialer Kriterien

fehlende Kenntnis über

Arbeitsbedingungen

der Zulieferer

keine Zertifi kate der

Zulieferer vorhanden

Anforderung

von Zertifi katen

(auch der

Zulieferer)

1 2 3 10

6,67

25


Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

EDV im Rathaus Software 69.309

Interne Ökoprofi t Rchtlinie

„Green-IT“ durch

Rechnungszentrums-

Dienstleistungen

Arbeitnehmervertretung

des öffentlichen Dienstes

großer Energiebedarf

(Rechenzentrum)

Energieverbrauch

des

Rechenzentrums

hinterfragen

Nutzung von

Abwärme

möglich?

Energiesparmaßnahmen

hinterfragen

und Zertifi kate

anfordern

3 2 2 30

23,33

Arbeitsbedingungen

unklar

relevante

Maßnahmen

ökologische

Schule (Sicherheitsschutz) Sicherheitsschutz 13.332 DIN 77200

zur Reduzierung

und soziale 2 2 3 10 7,78

ökologischer

Auswirkungen im

Büroalltag

Mobilität unklar

Risiken genauer

hinterfragen

Verwaltung (Rathaus)

Schule

Öffentliche Bücherei

Hardware, Software 44.714

Sitz der Hauptlieferanten in

Deutschland

Zusatz Greenline (geringer

Stromverbrauch) bei

Gerätekauf

Gebot der

Verhältnismäßigkeiten

und Nachhaltigkeit

(Gerätetausch nur

wenn notwendig, sonst

Reparatur)

Fernwartung

Produktion der Geräte

Recycling

Elektroschrott

Kurzlebigkeit

Zertifi kate bei

jeder Hardwarebeschaffung

anfordern

Geräte mit langer

Nutzungsdauer

und hoher Qualität

anschaffen

Möglichkeit von

Reparatur von

Neuanschaffung

überprüfen

3 2 3 20

17,78

Fremdenverkehr Werbematerialien 11.165

Zusammenarbeit mit

regionalen Druckereien

und Grafi kern

Messen: regionaler

Spediteur,

Messedienstleister und

Messebauer

70 % der Finanzmittel

werden regional investiert

Notwendigkeiten

großer Mengen an

Printmaterial

keine Kenntnis über

Nachhaltigkeit im

Büroalltag

Mobilität der

MitarbeiterInnen

Nachfragen

bezüglich

Nachhaltigkeit

im Büroalltag

Mobilität

Maßnahmen zur

Reduzierung von

Printprodukten

1 2 3 20

13,33

26


Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

Bürogebäude: Fernwärme

Recyclingkonzept

Rathaus, Schule Büromaterial 1.206

regionaler Händler

umfassende Auskunft zu

sozialen und ökologischen

Kriterien erhalten (z.B.

keine Beschäftigung

von Leiharbeitern, keine

befristeten Verträge)

große Produktpalette

(Händler) mit

zertifi zierten

Qualitätsprodukten

und

noname-Produkten

bei Bestellung

besonders

auf Zertifi kate

der bestellten

Produkte achten

1 3 2 40

26,67

Zertifi kat:

VOL Präqualifi kation

Rathaus, Verwaltung,

Feuerwehr

Jugendtreff

Wertstoffhof

Elektrobedarf 2.742

ISO 9001:2015

Lieferantenaudits

EMAS geprüftes Umweltmanagementsystem

überregionaler

Anbieter

keine Kenntnis des

Unternehmens über

die Arbeitsbedingungen

der

Zulieferer

Verfügbarkeit

der beschafften

Produkte bei

regionalem

Anbieter

überprüfen

1 2 2 20

11,11

Öffentliche Ordnung Hundekottüten 344

lange Produktlebensdauer

durch

ausgewählte Materialien

keine Schwermetalle

ökologisch bedenkliche

PE-Folien sind

Hauptbestandteil des

Produkts

überregionaler

Anbieter

keine Angaben zu

Arbeitsbedingungen

etc.

v.a.

Informationen

über Arbeitsbedingungen

bei weiterer

Bestellung

anfordern

1 2 2 20

11,11

regionale Zulieferer

REACH Verordnung

(Verarbeiter elektronischer

Baugruppen)

Öffentliche Ordnung

Geschwindigkeitsmessanlage

und

die erf. Reparaturen

693

Produkte sind auf lange

Lebensdauer entwickelt

und sind recyclebar

Durchführung von

Lieferantenaudits

Möglichkeit von Homeoffi ce

Beteiligung der

MitarbeiterInnen am

Unternehmenserfolg

keine eigenen

Zertifi kate

(Angabe der Zertifi kate

der Zulieferbetriebe)

kein regionaler

Anbieter

(Sitz in NRW)

mindestens

Anforderung

der Zertifi kate

der

Zulieferbetriebe

1 2 2 20

11,11

keine befristeten Verträge

Mitarbeiter mit

Migrationshintergrund

27


Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

Bauhof Pumpen 573

ISO 9001:2015

RoHS

Konformitätserkläung

Lieferkette bei

Handelswaren

Lieferkette

genau bewerten

1 2 3 20

13,33

hohe Anforderungen an

soziale Herausforderungen

(keine Korruption, keine

Diskriminierung)

nachhaltige

Organisation der

Bauverwaltung Mitgliedsbeitrag 300

hoher Stellenwert von Veranstaltungen Veranstaltungen

2 3 2 30 23,33

Arbeitsschutz und

Gesundheit

Einkauf von

Büromaterialien

z.B. bei Memo

(Catering, Ressourceneinsparung

etc.)

Mobilität

Informationen

über

Organisation der

einholen bei

Buchung der

nächsten

Schulung etc.

Bauverwaltung Planungsleistung 42.887

Strom aus Wasserkraft

Abfallvermeidung

Bezahlung

gleiches Gehalt

bei gleicher Qualifi kation

keine Zertifi kate Zertifi kate

(Mann/Frau)

vorhanden

anfordern

viele Teilzeitarbeitsmodelle

zur Vereinbarkeit von Beruf

und Familie

fl ache Hierarchie

Teamwork

3 3 3 40 40

Abwasser

Wartung und Sanierung

Maßnahmen im Bereich

Abwasser

regionale Zulieferer

unbefristete

Arbeitsverträge

zahlreiche Angaben

121.336

zu ökologischen

keine Kenntnis über Zertifi kate

Kriterien: Ausgleich der

soziale

anfordern

und ökologische

Kriterien der Zulieferer

3 3 2 30 26,67

Betriebsfl ächen

Einfassung mit

Obstbäumen,

Kräuterhängen, Wein,

Gemüseversorgung

(mit Tröpfchenbewässerung)

keine Zertifi kate

vorhanden

28


Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

Bewirtschaftung der

Grundstücke

Arbeitsbedingungen bei Bestellung

Antistaub Holzpellets

unklar

Holzherkunft

Holzpellets 1.184

Garantieschein keine Kenntnis über

nachfragen

2 2 3 20 15,56

deutsche Sägewerke

(Bayern)

Herkunft der Hölzer

aus nachhaltiger

Waldbewirtschaftung

Arbeitsbedingungen

erfragen

Rathaus, Feuerwehr

Umweltschutz

Ferienprogramm für

Kinder und Jugendliche

Verwendung von Glas-

Mehrwegfl aschen Arbeitsbedingungen

unklar

Infos zu

keine gefährlichen

Getränkelieferung 2.221 Arbeitsschutz unklar

Arbeitsbedingungen

Inhaltsstoffe

2 2 3 20 15,56

keine befristeten

Arbeitsverträge

Hackschnitzelheizung

keine Kenntnis über

Lieferkette

einholen

Einhaltung der Grundsätze

des Globalen Paktes in

Bezug

auf Menschenrechte

bei Bestellung

nach

ökologischen

und sozialen

Arbeitsbedingungen v.a. werden nur

die gesetzlichen

Umweltschutz

Anforderungen

Umsetzung Ethik-Kodex eingehalten

Kriterien

Öffentliche Ordnung Hundekotbeutel 864 (international, Regelsystem)

1 2 2 20 11,11

wenig bis keine erkundigen,

Durchführung eingener zusätzlichen, die über das

Lieferantenaudits

gemeinwohlorientierten

Kriterien Maß

gesetzliche

keine Diskriminierung

hinausgehen

Arbeitsschutz

Recyclingfähigkeit der

Produkte

29


Haushaltsvolumen (=HV)

1 = geringes Haushaltsvolumen, 2 = mittleres Haushaltsvolumen, 3 = hohes Haushaltsvolumen

Auswirkung (=AW)

1 = große negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

2 = mittlere negative Auswirkung auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

3 = geringe negative Auswirkungen auf die ökologischen / sozialen Grundsätze

Anbieter (=AB)

1 = Anbieter aus der EU, 2 = Anbieter aus Deutschland, 3 = Regionaler Anbieter

Bewertungskriterien (=BK)

10 = interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zu der Thematik Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen

(Code of Conduct / Ethik-Kodex), kommunale Richtlinie erstellen (Risiko & Maßnahmen)

30 = Internes Audit bei Risiken und wichtigsten Lieferanten. Schulungen (Seminare, Workshops, Zeitbudgets für ExpertInnengespräche) aller MitarbeiterInnen im

Einkaufsprozess

60 = Regelmäßige Evaluierung sozialer / ökologischer Auswirkungen und alternative Sicherstellung durch unabhängiges Audit (z.B. nach soz./ökol. Gütesiegeln

zertifi zierte P/D, Kooperation mit NGOs)

100 = Multi-Stakeholder Initiative (z.B. mit Marktpartnern, NGOs etc.) hinsichtlich sozialer und ökologischer Aspekte

Abstufungen zwischen oben angeführten Werten sind möglich

Haushaltsstelle / Abteilung geliefertes Material /

Dienstleistung

Summe Umsatz

Lieferant HHJ

2016 + 2017

in EUR

Zertifikate der Lieferanten

relevante ökologische

und soziale Risiken

(Material)

Mögliche Maßnahmen

zur

Reduzierung der

Risiken

HV AW AB BK

Gewichteter

Wert

Rathaus, Schule

Feuerwehr

Standesamt

Energieeinsparung

durch Tischheizung

und Lufterhitzer im

Gewächshaus

Schattierungsanlage dient

nachts als Energieschirm

Schädlingsbekämpfung

möglichst mit Nützlingen

Erde mit Anteil an

teilweise Verwendung

Torfsatzstoffen

von Insektiziden

keine

Sortenauswahl

kein genereller Beschaffung von

(insektenfreundlich)

Blumen 7.553 Verzicht auf Torferde Pfl anzensorten, 3 3 3 30 30

Aufzuchttöpfe aus

Recyclingmaterial

Mehrwegsystem für

Kunststofftöpfe

Verpackungsmaterial

(Zeitungen und

Kartonagen)

Zukauf von Jungpfl anzen

von Gärtnereien, die für

Nachhaltigkeit stehen

(z.B. mit EM-Produkten

arbeiten)

fehlende Zertifi kate

der Zulieferer

(Jungpfl anzen)

Einforderung von

Zertifi katen der

Zulieferer

die mit

Insektiziden

behandelt bzw.

mit Torferde

angepfl anzt

wurden

Rathaus

Kindergarten

Feuerwehr

Hans-Straßer-Halle

Alte Schule Kirchstein

umfassende Zertifi kate

bei nächster

und Produktdatenblätter keine Kenntnis über

Beauftragung

Bauabdichtung 8.155 zu den eingesetzten soziale Risiken, z.B.

Infos zu Arbeitsbedingungen

2 2 3 30 23,33

Dichtstoffen erhalten Arbeitsbedingungen,

z.B. GEV-EMICODE EC1plus Leiharbeiter etc.

einholen

376.241 1,81 2,33 2,62 27,14 21,32

30


Alle Lieferanten, die sich auf unsere Anfrage hin zurück gemeldet haben, wurden mit Hilfe

von Tabelle A1.2 Risikoanalyse Material und Dienstleistungen (vgl. Abbildung) bewertet.

Die Bewertungskriterien waren laut Vorgabe folgendermaßen defi niert:

Bewertung: Interne Auseinandersetzung durch aktives Einholen von Informationen zur

Thematik / Integration sozialer und ökologischer Aspekte in das Vertragswesen / Internes

Audit / Regelmäßige Evaluierung sozialer und ökologischer Auswirkungen / Multi-

Stakeholder Initiative

Auswirkungen: große / mittlere / geringe negative Auswirkung auf die ökologischen /

sozialen Grundsätze

Anbieter: Anbieter aus der EU / Anbieter aus Deutschland / Regionaler Anbieter

Haushaltsvolumen: geringes Volumen / mittleres Volumen / hohes Volumen

Außerdem wurden die Zertifi kate der Lieferanten gelistet, die sozialen und ökologischen

Risiken aller Lieferanten erfasst und mögliche Maßnahmen zur Reduzierung dieser Risiken

aufgezeigt.

Analog wurden die Lieferanten von Investitionsgütern (2016 und 2017) bewertet.

Interessant war, dass von einigen - auch kleineren, regionalen - Lieferanten sehr ausführliche

Rückmeldungen mit wichtigen Aspekten geliefert wurden. Hier zeigt sich, dass die Nachhaltigkeitsthematik

bei den Lieferanten mittlerweile eine große Rolle spielt. Die Lieferanten

nutzten die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen und uns mitzuteilen, was sie im

Sinne der Gemeinwohlorientierung bereits leisten.

Diese Lieferanten stellten zwar (noch) die Minderheit der Rückmeldungen dar, für uns war

es dennoch eine wichtige Erkenntnis.

Es kann festgehalten werden, dass, wie bereits unter A1.1 erwähnt in einigen Bereichen

die Auseinandersetzung mit sozialen und ökologischen Risiken der beschafften Produkte,

Dienstleistungen und Investitionsgüter bereits fortgeschritten ist. Das Bewusstsein der

MitarbeiterInnen, die mit dem Beschaffungswesen betraut sind, ist klar vorhanden und wird

tagtäglich umgesetzt. Allerdings sind in der Menge noch relativ wenig Informationen darüber

vorhanden, wie die Lieferanten mit ihren ökologischen und sozialen Herausforderungen

umgehen. Zukünftig könnte eine weitere Auseinandersetzung mit dem Nachhaltigkeitsbewusstsein

der Lieferanten durch Lieferantenaudits erfolgen.

Bewertung: 6 Punkte

31


Natürlich interessiert mich die Zukunft.

Ich will schließlich den

Rest meines Lebens

darin verbringen.

- Mark Twain -

Bild: fotolia, dehweh

Betrachtet man im Beschaffungswesen der Gemeinde Kirchanschöring die Aspekte der

fairen Preisbildung, ist vor allem zu nennen, dass es mit zahlreichen Wartungsverträgen viele,

bereits langfristige, kooperative Beziehungen mit unseren Lieferanten und Dienstleistern gibt.

Diese Beziehungen werden wechselnden, kostenorientierten vorgezogen.

Wartungsverträge werden, soweit möglich, an regionale Firmen vergeben. Die Gemeinde

hat die Erfahrung gemacht, dass eine langjährige Zusammenarbeit mit bewährten

Lieferanten für beide Seiten ein Gewinn ist. Bei Angebotseinholung werden daher bekannte

und bewährte Lieferanten bevorzugt und nicht um jeden Preis augenscheinlich günstigere

Einkaufsquellen gesucht.

Auch bei freihändiger oder beschränkter Vergabe werden nach Möglichkeit weitestgehend

regionale Firmen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben eingeladen.

MitarbeiterInnen im Einkauf und im Bauamt / Bautechnik wurden mit zwei Schulungen in

den Herausforderungen, die sich durch eine ethische Beschaffung ergeben, sensibilisiert

und weiter gebildet:

Im Rahmen der interkommunalen Arbeitsgemeinschaft, der Integrierten Ländlichen

Entwicklung (ILE), fand im Sommer 2017 eine Schulung zum Thema „Nachhaltige Beschaffung“

für alle MitarbeiterInnen im Beschaffungswesen statt.

Ein Schwerpunkt lag hier auf der Beschaffung von Büromaterial. Die Erkenntnisse dieser

Schulung werden auch bereits umgesetzt. Neben der Orientierung an anerkannten

Umweltsiegeln wird z.B. auch explizit die Recyclierbarkeit (keine Klarsichthüllen aus Kunststoff)

oder Wiederverwendbarkeit (Nachfüllmöglichkeit von Permanentmarkern) abgefragt.

Wie untenstehender Screenshot des Programmablaufs zeigt, wurden beispielsweise

verschiedene Umweltzeichen und der online-basierte „Kompass Nachhaltigkeit“ als

nützliches Tool zur unabhängigen Informationseinholung vorgestellt.

32


Einladung zum Workshop „Nachhaltige Beschaffung“ 24.05.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie herzlich zum Workshop „Nachhaltige Beschaffung“ ein. Dieser fi ndet am 22. Juni 2017 von 09

Uhr bis ca. 16 Uhr in der Aula der Grundschule in Kirchanschöring statt.

Programm:

09:00 Uhr Einführung - Warum nachhaltig beschaffen, was macht nachhaltige Produkte aus?

(Julia Lehmann, Jutta Einfeldt, C.A.R.M.E.N. e.V.)

09:45 Uhr Vergaberecht - rechtliche Grundlagen der nachhaltigen Beschaffung

(Angelika Höß, Auftragsberatungszentrum ABZ)

10:15 Uhr Kaffeepause

10:45 Uhr Webinar „Umweltzeichen und Hilfestellungen im Internet - Kompass Nachhaltigkeit“

(Max Mangold, GIZ)

11:30 Uhr Workshop „Nützliche Umweltzeichen für verschiedene Produkte“ und Präsentation der

Ergebnisse per Webinar

(Max Mangold, GIZ)

12.30 Uhr Mittagspause

13:15 Uhr Energieeffi zienz im Büro (Kathrin Memmer, C.A.R.M.E.N. e.V.)

13:45 Uhr Kurzvortrag Workshop Ausschreibung (Angelika Höß, ABZ)

14:30 Uhr Workshop „Erarbeiten einer Ausschreibung anhand eines einfachen Fallbeispiels“

(Fr. Höß, ABZ)

15:15 Uhr kurze Kaffeepause

15:30 Uhr Präsentation der Ergebnisse der beiden Gruppen

16:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Der zweite Workshop im Herbst 2017 richtete sich speziell an die Bauabteilungen der

Kommunen unserer ILE mit MitarbeiterInnen aus Bauamt und Bautechnik.

Die MitarbeiterInnen wurden in der Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden geschult,

es wurden verschiedene ökologische Baustoffe vorgestellt und mit dem webbasierten

Baustoffi nformationssystem ein nützliches Tool für die alltägliche Praxis bei Ausschreibungen

etc. aufgezeigt (vgl. untenstehender Screenshot des Programmablaufs). Die MitarbeiterInnen

wurden sensibilisiert, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Vergaberecht bereits

gegeben sind, um den Aspekt der Nachhaltigkeit als Vergabekriterium aufzunehmen.

Jedoch muss die Vergabe mit allen Rahmenbedingungen sehr gut vorbereitet werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die MitarbeiterInnen der Gemeinde

Kirchanschöring mittlerweile gut geschult sind, was die faire Preisbildung im Beschaffungswesen

anbelangt.

Zukünftig steht für uns nun an, dieses Wissen bei den nächsten Beschaffungen und Vergaben

konsequent umzusetzen.

33


34

Bewertung: 6 Punkte


Als Kommune ist die Gemeinde eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit vor

allem dem Bürger und dem Gemeinwesen verpfl ichtet.

Dieser Grundsatz gilt in gleichem Maße bei der im Jahr 2017 gegründeten „Kommunalen

Wohnbaugesellschaft Kirchanschöring - KU“.

Diese Erwartungshaltung der Kommune soll auch in die Themenwelt der Finanzen

übertragen, und im Rahmen der Erstellung der Gemeinwohlbilanz näher untersucht und

bewertet werden.

Der Kirchanschöringer Gemeinderat hat bereits in einem wegweisenden Beschluss am

8. März 2012 diesen Anspruch fest verankert. Im Folgenden soll dies der Auszug aus dem

Sitzungsbuch dokumentieren:

Auszug aus der Niederschrift über die öffentliche Sitzung des Gemeinderates

Kirchanschöring vom 8. März 2012

Vorsitzender: 1. Bürgermeister Birner Hans-Jörg

Schriftführer: Schuster Peter

TOP 2. Ethische Kriterien bei Geldanlagen durch die Gemeinde Kirchanschöring

Der Vorsitzende ging vorweg auf den Ursprung dieser Idee in den Siebziger Jahren ein.

Folgende zusätzliche Information stand dem Gremium zur Verfügung:

„Die zerstörerischen Auswirkungen eines Geld- und Wirtschaftssystems, das allein auf

Gewinnmaximierung abzielt, sind durch die jüngste Wirtschaftskrise deutlich geworden.

Unkontrollierte Spekulationen auf den Finanzmärkten führten zu wirtschaftlichen

Zusammenbrüchen. Eine der Folgen: die Zahl der Hungernden ist weltweit um 100 Millionen

Menschen auf über einen Milliarde angestiegen. Die Ärmsten sind am stärksten betroffen.

Aber es wächst auch das Bewusstsein: faires, nachhaltiges, ethisches Wirtschaften ist möglich.

Immer mehr Menschen möchten zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaften

beitragen. Die Frage ethischer Geldanlagen fi ndet zunehmendes Interesse.

Die Einfl ussmöglichkeiten der Kommunen im Bereich der Finanzmärkte sind zwar beschränkt,

dennoch ist es eine Aufgabe der Kommune, im Umgang mit den zur Verfügung stehenden

Mitteln aus Steuergeldern und Abgaben der Bürger verantwortungsbewusst umzugehen.

Dieser Verantwortung sollten wir uns als Gemeinde Kirchanschöring auch in Bezug auf die

Anlagestrategien in Zukunft verstärkt stellen.

Selbstverständlich ist es die Aufgabe der Gemeinde, mit den vorhandenen Geldern

sorgsam umzugehen und gewinnbringend zu wirtschaften. Jedoch dürfen der Profi t und

die Anlagerendite nicht der alleinige Gradmesser sein. Gerade wegen der Mechanismen

in der Finanzwirtschaft, Abhängigkeiten und die massiven Probleme der Gesellschaft durch

Fehlfunktionen in diesem Bereich gilt es, die gängigen Kriterien für Geldanlagen zu überdenken

und verantwortungsbewusst mit den Mitteln umzugehen. Besonders sollten öffentliche Gelder

diese problematischen Vorgänge nicht auch noch aktiv unterstützen.

35


Vor diesem Hintergrund sollte die Gemeinde Kirchanschöring freies Kapital nur noch bei

Geldinstituten anlegen, die einen bestimmten ethischen Kriterienkatalog erfüllen. Dabei gibt

es sowohl Positiv- als auch Negativkriterien.“

Bei mittel- und langfristigen Anlageformen seien die Negativkriterien Ausschlusskriterien.

Dass dies auch bei Banken in der Größe unserer Genossenschaftsbanken durchaus möglich sei,

zeige das Beispiel der Co-operativ Bank in England. Diese, mit den Volks- und Raiffeisenbanken

hierzulande vergleichbare Bank, erarbeitete Anfang der neunziger Jahre im Dialog mit ihren

Kunden einen umfangreichen Kriterienkatalog. In einem zweiten Schritt wurden diese Kriterien

mit Hilfe einer Ethikabteilung in allen Geschäftsbereichen umgesetzt. Seitdem veröffentlicht

die Co-operative Bank jährlich einen von einem Wirtschaftsprüfer bestätigten Bericht über die

Einhaltung ihrer ethischen Kriterien und führt darin auch Geschäfte auf, die sie aus ethischen

Gründen ablehnen musste.

Diskussion

Die Anfrage von GRM Josef Schmid, ob die Gemeinde bisher spekulative Anlagen gemacht

hätte, verneinte der Vorsitzende.

Die Nachfrage von GRM Guido Hillebrand, ob sich durch diese Vorgehensweise für die örtlichen

Banken entscheidendes ändere, verneinte der Vorsitzende ebenfalls, da hier vorzugsweise

kurzfristige Anlageformen gewählt würden.

GRM Maria Scharbert wollte wissen, ob die örtlichen Banken den Kriterienkatalog überhaupt

einhalten könnten. Auch dies musste der Vorsitzende verneinen.

Auf Nachfrage von GRM Georg Jäger, wer die Einhaltung der Kriterien prüfen könne, verwies

der Vorsitzende auf darauf spezialisierte Agenturen.

GRM Franz Niedermayer sprach sich für die vorgeschlagene Vorgehensweise aus, hielt aber

einen nach seiner Meinung derart umfangreichen Beschluss für unnötig. Der Vorsitzende

hielt dem zum einen die bisherige Forderung der überörtlichen Rechnungsprüfung nach

optimierter Geldanlage entgegen; andererseits könne diese Vorgehensweise eventuell auch

eine entsprechende Wirkung bei den Verbrauchern auslösen.

Beschluss

Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, bei Geldanlagen zukünftig verstärkt ethische

Kriterien bei der Auswahl der Anlageform zu berücksichtigen. Es ist Aufgabe der Kommunen,

mit den zur Verfügung stehenden Mitteln aus Steuergeldern und Abgaben der Bürger

verantwortungsbewusst umzugehen. Gerade in Zeiten der Finanzkrisen und ungehemmter

Spekulationen ist die Verantwortung der Kommunen im Bereich des nachhaltigen und

zukunftsfähigen Wirtschaftens besonders hoch.

In Zukunft soll bei längerfristigen (>3 Monate) Geldanlagen folgender Kriterienkatalog

angewendet werden:

Negativkriterien

Die Bank und ihre Partner verzichten bei Geldanlagen bzw. bei Kreditvergaben auf folgende

Geschäfte:

Gentechnische Veränderung von Pfl anzen und Saatgut

Spekulationen mit Lebensmitteln

Herstellung und Vertrieb von Militärwaffen, inkl. Atomwaffen, Streubomben und Landminen

Kinderarbeit

36


Eklatante Bestechungs- und Korruptionsfälle

Eklatante Verstöße im Umgang mit Menschenrechten

Staaten, die Menschenrechte eklatant verletzen

Positivkriterien

Die Bank bzw. ihre Partner engagieren sich in folgenden Bereichen:

Umweltprojekte

Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen

Förderung von ökologischen und sozialen Maßnahmen

Regionale Wertschöpfung

Förderung regionaler Vereine und Gruppierungen

Bei kurzfristigen Anlageformen (Girokonto, Tagesgeld) können kleinere Abweichungen in den

Negativkriterien durch eine besondere Ausprägung der Positivkriterien ausgeglichen werden.

Abstimmung: 12 Stimmen dafür - 0 Stimmen dagegen

Seit 2012 wurden dann auch die Rücklagen und freien Mittel der Kommune in entsprechende

Anlagen umgeschichtet.

Bewertung: 7 Punkte

Ethik heisst vor allem verantwortlich

denken und handeln

für alles, was lebt.

(© Monika Minder)

Bild: fotolia, 3d_generator

37


Die Gemeinde Kirchanschöring wickelt den laufenden Zahlungsverkehr über die örtliche

Volksbank-Raiffeisenbank Oberbayern-Südost e.G. 6 und die Kreissparkasse Traunstein 7 ab.

Beide sind regional verwurzelt und bieten spezielle Regionalprogramme zur Finanzierung

an. Weitere Aussagen zur ethisch-nachhaltigen Qualität liegen nicht vor

Als Partner der Kreissparkasse steht die DEKA-Bank 8 für Geldanlagen zur Verfügung.

Diese bedient die Nachfrage nach ethisch-nachhaltigen Anlageformen nur äußerst

eingeschränkt.

Aus diesem Grund wurden zwei weitere Partner im Bereich der Geldanlage mit ins Boot

genommen. Beide weisen eine ausgezeichnete Qualität in diesem Bereich auf.

Die Umweltbank engagiert sich im Bereich Umwelt:

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass alle unsere Anlageprodukte eine Umweltgarantie

haben. Dies bedeutet, dass mit den Einlagen der Kunden ausschließlich Kredite an Umweltprojekte

vergeben werden. Die Vergabe der Kredite unterliegt klaren Positiv- und

Ausschlusskriterien. Diese fi nden Sie hier:

https://www.umweltbank.de/umweltbank/index_kriterien.html

Kredite wurden im Jahr 2016 ausschließlich für geprüfte Umweltprojekte aus den Bereichen

Sonnenenergie, ökologisches Bauen, Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Biogas und ökologische

Landwirtschaft vergeben. Die genaue Struktur des Kreditgeschäfts fi nden Sie hier:

https://www.umweltbank.de/umweltbank/index_produktgarantie.html.

Sie fi nden diese und weitere Informationen auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht ab S. 27

(https://www.umweltbank.de/unsere_aktie/nachhaltigkeitsbericht_2016.html).

6

https://www.vrbank-obb-so.de/html

7

https://www.spk-ts.de/de/home.html

8

https://www.deka.de/deka-gruppe

38


Wohingegen die ProCredit sich mehr im Bereich von Klein- und Mikrokrediten im

Südosteuropäischen Raum engagiert. Auf unsere Anfrage erhielten wir folgende Antwort:

... schön, dass auch bei Ihnen in der Kommune die Achtsamkeit hinsichtlich Nachhaltigkeit und

Gemeinwohl eine wichtige Rolle spielt.

Gerade auch für uns, sowohl als relativ kleines Bankhaus in Frankfurt am Main als auch als

Bankengruppe mit Fokussierung auf Mittel- und Osteuropa spielt die soziale Nachhaltigkeit eine

wichtige Rolle. Unser Kerngeschäftsmodell sieht seit Gründung der ProCredit Bankengruppe

insbesondere Bankgeschäfte mit Verantwortung für Entwicklung vor. In diesem Zusammenhang

haben wir unser Leitbild klar defi niert und auf unserer Internetseite unter folgendem Link

veröffentlicht:

https://www.procreditbank.de/de/procredit-bank/wie-wir-arbeiten-leitbild-und-werte.html

Hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit unterziehen wir uns als ProCredit Bank AG regelmäßig

der EMAS Zertifi zierung für Umweltmanagement. Das aktuelle Zeritifi kat füge ich Ihnen gerne

bei. Zudem haben wir ein Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001:2009 eingeführt. Auch

hierzu füge ich Ihnen eine elektronische Kopie bei. Zusätzlich haben die ProCredit Institutionen

in Deutschland eine gemeinsame Umwelterklärung publiziert, die ich Ihnen gerne ebenfalls

beifüge. Im Kern besteht unser Ansatz aus drei wesentlichen Themen:

1. Internes Umweltmanagementsystem

2. Umwelt- und Sozialrisiken der Kreditvergabe

3. Ausrichtung auch auf „Green Finance“

Gerne gebe ich Ihnen in einem Dokument auch noch einmal unsere publizierte Ausschlussliste

für Geschäftsbeziehungen an die Hand.

Auflistung der Finanzdienstleister (Anlage und Kreditgeschäfte)

In % Gesamtvolumen

5 %

6 %

46 %

7 %

18 %

14 %

4 %

Abwicklung über folgende Finanzdienstleister

VR Bank Oberbayen Südost

Kreissparkasse Traunstein

ProCredit

Umweltbank

Debeka 9

Bayern Labo 10

KfW 11

Bewertung: 2 Punkte

9

https://debeka.de/index.html

10

https://bayernlabo.de/

11

https://www.kfw.de/kfw.de.html

39


Neben der Kapitalanlage bei Finanzdienstleistern ist hier auch noch die Bodenpolitik zu

beachten. Die Gemeinde Kirchanschöring hat in den Jahren immer wieder Grund und

Boden erworben, um günstiges Bauland für die BürgerInnen zur Verfügung stellen zu können

oder wichtige ortsprägende Gebäude zu sichern bzw. einer neuen Nutzung zuzuführen.

Diese Strategie wurde zum Beispiel beim Baugebiet Kirchanschöring Ost II angewendet: Das

Land wurde durch die Kommune erworben und das Bauland nach einem Kriterienkatalog,

vor allem an die einheimische Bevölkerung, vergeben. Zusätzlich wurden in diesem

Baugebiet Heizungen mit fossilen Brennstoffen untersagt.

Ebenso wurden Flächen erworben, um positive Impulse für eine ökologische Aufwertung,

Biotopvernetzungen oder für die Sicherung der Biodiversität zu setzen. Eine der Maßnahmen

im Berichtszeitraum war die Wiederöffnung des Grabens in der Nähe von Kothaich und die

Anlage der Heudruschwiese mit Niederholz- und Streuobstpfl anzung bei Kirchstein.

Im Jahr 2017 wurden für den Bau des „Haus der Begegnung“ durch die Kommunale

Wohnbaugesellschaft - KU eine nichtverzinsliche Einlage von 1,2 Mio. € erbracht. In dem

Haus werden Wohnungen für ältere Mitbürger, darunter auch sozial schwache, errichtet.

Ansonsten hält sich die Verwaltung der Gemeinde Kirchanschöring an die Vorgaben des

Gemeinderatsbeschlusses aus dem Jahr 2012.

Auflistung der Kapitalanlagen

In % der Veranlagung

64

10

26

Abwicklung über folgende Finanzdienstleister

ProCredit

Umweltbank

Deka-Invest

Bewertung: 12 Punkte

Foto: fotolia - peterchen

40


Die Kommune ist in einer fi nanziell sehr positiven Lage und benötigt im Grunde keine

Fremdmittel. Dazu trägt auch die umsichtige kommunale Finanzpolitik mit dem Verzicht auf

teure Prestigeobjekte bei.

Diese werden nur in Verbindung mit Förderungen in Anspruch genommen und dadurch nur

über die entsprechende Förderbank ausgegeben (KfW, BayernLabo).

Mit den Eigenmitteln wird sehr verantwortungsbewusst umgegangen. Dadurch stehen diese

auch für gemeindwohlorientierte Projekte in aureichendem Maße zur Verfügung.

Auch der Erwerb von Grundstücken und das Zurverfügungstellen dieser als günstiges

Bauland für Wohnbebauung bzw. Gewerbeansiedlung ist ein gemeinwohlorientiertes Ziel.

Hier sollen folgende Investitionen der letzten Jahre betrachtet werden:

Grunderwerb (für Wohn- und Gewerbeentwicklung)

Bau / Erweiterung Haus für Kinder St. Elisabeth

Rathausumbau

Auflistung Eigen- und Fremdkapital-Anteil

Eigenmittel: 3,8 Mio. €

Fremdmittel: 0,4 Mio. €

90 % - Anteil Gesamtmittel

10 % - Anteil Gesamtmittel

Auflistung Aufteilung der Finanzierungsformen / des Fremdkapitals

In % der Fianzierung

100 %

Abwicklung über folgende Finanzdienstleister

KfW (Förderkredit Kinderkrippe - 400.000 €)

Bewertung: 3 Punkte

41


Allgemeine Kennzahlen

Aufschlüsselung aller Beschäftigten

Stichtag

31.12.2016

Stichtag

31.12.2016

2016

Anzahl am

31.12.2016

in % aller MA

Neueinstellungen

2016

Selbstkündigungen

2016

Pensionierungen

2016

Vollzeitäquivalente

22,66

1,0849

1,5354

0,4542

MitarbeiterInnen gesamt (Personen)

50

100 %

2

5

2

davon Teilzeit (Personen)

40

80,00 %

1

3

2

davon Vollzeit (Personen)

10

20,00 %

1

1

0

Frauen (Personen)

37

74,00 %

2

4

2

Frauen in 1. und 2. Führungsebene

1

2,00 %

0

0

0

Männer (Personen)

13

26,00 %

0

1

0

Männer in 1. und 2. Führungsebene

2

4,00 %

0

0

0

Lehrlinge / Auszubildende

1

2,00 %

1

0

Ehrenamtliche

10

20,00 %

0

1

Deutsche StaatsbürgerInnen

46

92,00 %

1

5

2

Nicht deutsche StaatsbürgerInnen

4

8,00 %

1

0

0

Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen

3

6,00 %

0

1

0

Zeitarbeiter (Personen)

0

0,00 %

0

0

0

Anzahl Personen mit All-Inclusive-Verträgen

0

0,00 %

0

0

0

Krankenstände 1. und 2. Führungsebene in Stunden

435

Krankenstände übrige Ebenen in Stunden

1256

Aufschlüsselung aller Beschäftigten

Stichtag

31.12.2017

Stichtag

31.12.2017

2017

Anzahl am

31.12.2017

in % aller MA

Neueinstellungen

2017

Selbstkündigungen

2017

Pensionierungen

2017

Vollzeitäquivalente

23,62

2,744

1,2305

0,5012

MitarbeiterInnen gesamt (Personen)

51

100 %

5

3

1

davon Teilzeit (Personen)

41

80,00 %

3

2

1

davon Vollzeit (Personen)

10

20,00 %

2

1

0

Frauen (Personen)

35

69,00 %

3

3

1

Frauen in 1. und 2. Führungsebene

0

0,00 %

0

1

0

Männer (Personen)

16

31,00 %

2

0

0

Männer in 1. und 2. Führungsebene

2

4,00 %

0

0

0

Lehrlinge / Auszubildende

1

2,00 %

0

0

Ehrenamtliche

9

18,00 %

0

0

Deutsche StaatsbürgerInnen

47

92,00 %

5

3

1

Nicht deutsche StaatsbürgerInnen

4

8,00 %

0

0

0

Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen

2

4,00 %

0

0

0

Zeitarbeiter (Personen)

0

0,00 %

0

0

0

Anzahl Personen mit All-Inclusive Verträgen

0

0,00 %

0

0

0

Krankenstände 1. und 2. Führungsebene in Stunden

726

Krankenstände übrige Ebenen in Stunden

1900

42


Die Organisationsstruktur in der Gemeinde Kirchanschöring ist durch fl ache Hierarchien mit

kurzen Entscheidungswegen gekennzeichnet. Es gibt nur zwei Hierarchieebenen.

Dies spiegelt sich auch im Organigramm der Gemeinde wieder.

Bürgermeister

Hans-Jörg Birner

ILE „Waginger See -

Rupertiwinkel“

Wohnbaugesellschaft

Kirchanschöring - KU

Alexandra Huber

Ramona Aicher

FB1 - Hauptamt

(Vertreter im Amt

FB2 - Finanzverwaltung,

Bauamt, Standesamt

Peter Schuster

Sabine Strohhammer

SGB 10

SGB 11

Hauptverwaltung

Ordnungswesen

SGB 20

SGB 21

SGB 23

SGB 24

Kämmerei

Kasse

Bauamt

Bauverwaltung

Organigramm der Gemeinde Kirchanschöring

43


Daneben gibt es noch von der Kommune koordinierte, ehrenamtlich Tätige, wie z.B.

den Behindertenbeirat, die Seniorenbeauftragte oder das „G‘wandladen“-Team. Das

eigenverantwortliche und selbstbestimmte Arbeiten der MitarbeiterInnen unter Wahrung der

Rechtsnormen und Satzungen wird durch diese schlanke Organisationsstruktur gefördert. Im

Rahmen der jeweiligen Stellenprofi le und Aufgabenbereiche ist das aktive Mitgestalten der

MitarbeiterInnen und gemeinsames Problemlösen ausdrücklich erwünscht.

Einmal monatlich wird mit allen VerwaltungsmitarbeiterInnen ein Jour fi xe (erster Donnerstag

im Monat von 8:00 bis 8:30 Uhr) abgehalten. Hier berichtet der Bürgermeister über aktuelle

Themen, Projekte und Beschlüsse, z.B. aus den stattgefunden Sitzungen. Alle MitarbeiterInnen

haben die Möglichkeit, Informationen aus ihrem Sachbereich weiterzugeben oder Probleme

anzusprechen.

Zusätzlich zu diesem allgemeinen Jour fi xe sind wöchentlich weitere Jour fi xes fest in den

Kalendern hinterlegt: Bürgermeister-Fachbereichsleiter, Bürgermeister-ILE, Bürgermeister-

Bautechnik, Bürgermeister-Bauamt. Außerdem gibt es ein vierteljährliches Jour fi xe „Soziales“.

Jährlich fi ndet ein externes Coaching der VerwaltungsmitarbeiterInnen zu verschiedensten

Themen, wie Kommunikation, Teambuilding, Mediation etc. statt.

Das kollegiale Miteinander wird durch kurze und direkte Kommunikationswege begünstigt.

Das Besprechen von fachlichen Aus- und Weiterbildungen und persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten

fi ndet daher „auf dem kurzen Dienstweg“ mit den Führungskräften statt.

Zukünftig soll es jährlich Mitarbeitergespräche geben.

Die persönliche Entwicklungsmöglichkeit ist ein zentraler Punkt dieser Gespräche.

Die Karriereplanung ist unter anderem mit Fortbildungen möglich.

Fachliche Aus- und Weiterbildung

Insgesamt in Anspruch genommene Stunden

Gesamtzahl der MA, welche die Angebote genutzt haben

Stunden pro MA

davon weiblich

davon männlich

davon 1. und 2. Führungsebene

davon übrige Ebenen

2016

590

11

53,64

9

2

1

10

2017

1073

33

32,52

26

7

1

32

Wie obenstehende Tabelle zeigt, haben im Jahr 2016 elf MitarbeiterInnen fachliche Ausund

Weiterbildungsangebote genutzt. Im Jahr 2017 waren es 33 MitarbeiterInnen.

Um die Organisationskultur und -struktur der Gemeinde Kirchanschöring schriftlich darzustellen,

ist für das Jahr 2018 die Herausgabe eines Organisationshandbuchs geplant.

Hier werden z.B. auch die Rechte und Pfl ichten der MitarbeiterInnen, die Ausstattung der

Arbeitsplätze, Arbeitsabläufe etc. aufgeführt.

Bereits im Jahr 2009 wurde eine Organisationsuntersuchung durch ein externes Beratungsbüro

und daraus entsprechende Optimierungen durchgeführt.

Bewertung: 16 Punkte

44


Die Entgelteinstufung ist im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst: Bereich der Vereinigung

der kommunalen Arbeitgeberverbände (TVöd-VKA) anhand des Tätigkeitsprofi ls gesetzlich

geregelt. Je nach Tätigkeitsbeschreibung sind die Angestellten zwischen den Entgeltgruppen

1 bis 13 eingruppiert. Die Gemeinde beschäftigt zwei Beamte, darunter ein kommunaler

Wahlbeamter, welcher nach den kommunalrechtlichen Vorgaben vergütet wird. Der

geschäftsleitende Beamte wird ebenfalls nach einer Besoldungsgruppe vergütet.

Es liegen keine prekären Beschäftigungsverhältnisse vor. Es gibt keine Leih- bzw. Zeitarbeit

oder unfreiwillige Teilzeitbeschäftigungen.

2018 wurde für die VerwaltungsmitarbeiterInnen eine Stellenbewertung durch die

Bayerische Akademie für Verwaltungsmanagement durchgeführt, um die bestehenden

Eingruppierungen zu überprüfen. Im Herbst 2018 ist dies auch für die Mitarbeiter des Bauhofs

geplant.

Grundlage für die Personalwirtschaft der Kommunen und Veranschlagung der Personalausgaben

ist der Stellenplan für BeamtInnen und ArbeitnehmerInnen, der ein Bestandteil

des Haushaltsplans ist. Dieser wird jährlich im Rahmen der Haushaltssatzung aufgestellt

und vom Gemeinderat beschlossen.

Bedingt durch die fl ache Hierarchiestruktur sind Aufstiegsmöglichkeiten eher gering.

Stellen, die durch Kündigung oder Pensionierung frei geworden sind, werden so schnell

wie möglich nachbesetzt, wobei vor einer externen Stellenausschreibung interne

Stellenwechselwünsche berücksichtigt werden. Oftmals ist ein interner Wechsel auf

Grund der sehr unterschiedlichen Tätigkeiten und Stellenprofi le jedoch schwierig. Bei der

Nachbesetzung einer Leitungsfunktion wird ebenfalls zuerst innerhalb der Organisation

gesucht.

So wurde für die Nachbesetzung der Geschäftsleiterstelle im Mai 2020 bereits im September

2016 eine Klausur mit dem Gemeinderat durchgeführt und intensive Gespräche mit den

MitarbeiterInnen im Haus geführt.

Freiwillige betriebliche Sozialleistungen, beispielsweise die Bereitstellung kostenloser

Getränke, Fair-Trade-Kaffee oder ein wöchentlicher Obst-/Gemüsekorb stehen allen

MitarbeiterInnen gleichermaßen zur Verfügung.

Bewertung: 11 Punkte

45


80 % (2016 und 2017) der MitarbeiterInnen sind teilzeitbeschäftigt. Vielen MitarbeiterInnen

gelingt durch diese individuell gestaltbaren Teilzeitmodelle eine gute Vereinbarkeit von

Beruf und Familie oder Beruf und Pfl ege. Einem Wunsch nach Teilzeit wird nach Möglichkeit

entsprochen. Die Gemeinde ist hier sehr fl exibel und offen.

In begründeten Fällen ist die Nutzung von Homeoffi ce möglich.

Weitere fl exible Arbeitszeitmodelle, wie z.B. Altersteilzeit, sind in allen Bereichen möglich und

werden auch im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten in Anspruch genommen.

Die Arbeitszeit ist gleitend und wird in unterschiedlichen Arbeitskonto-Modellen dokumentiert

und bearbeitet (z.B. Verwaltung: Monatskonto / Bauhof etc.: Jahreskonto).

Das maximale Zeitguthaben darf die Wochenarbeitszeit (Wochenstunden laut Arbeitsvertrag)

nicht überschreiten (z.B. maximal 30 positive Gleitzeitstunden am Monatsende

(Verwaltung)). Mehrgeleistete Arbeitsstunden werden zum Monatsende gekappt.

Generell wird von den Führungskräften ein großes Augenmerk darauf gelegt, dass die

Gleitzeitkonten der MitarbeiterInnen nicht zu hoch aufgebaut werden, sodass keine Stunden

gekappt werden müssen. Dies liegt jedoch auch in der Eigenverantwortung des

einzelnen Mitarbeiters / der einzelnen Mitarbeiterin.

Zeitausgleich ist durch Gleittage oder verkürzte Arbeitszeit in Abstimmung mit den

KollegenInnen und unter Berücksichtigung der Öffnungszeiten des Rathauses (bei den

VerwaltungsmitarbeiterInnen) jederzeit möglich.

Pausenzeiten sind gesetzlich geregelt und werden automatisch vom Gleitzeitkonto

abgezogen.

Eine fl exible Einteilung der Urlaubstage ist möglich, allerdings müssen diese mit den

KollegenInnen / Vertretungen abgestimmt werden. Dazu dient ein entsprechendes

Urlaubsantragsformular. Außerdem gibt es im Datenmanagementsystem der Gemeinde

einen Urlaubsplaner, der für alle MitarbeiterInnen einsehbar ist und die bereits eingetragenen

Urlaubstage aller MitarbeiterInnen enthält.

Es gibt kein schriftliches Ganzkonzept zur Betrieblichen Gesundheitsförderung.

Es gibt - auch auf Grund der „Kleinheit“ der Gemeinde - keine betriebsinternen Angebote

zur Gesundheitsförderung oder zum Thema Ernährung. Wöchentlich gibt es für die

MitarbeiterInnen einen Bio-Obst- und -Gemüsekorb, der vom örtlichen Bio-Gemüsebetrieb

geliefert wird. Möchten MitarbeiterInnen einen Kurs besuchen, müssen sie selbst aktiv

werden, bekommen aber natürlich auch Unterstützung von den Führungskräften.

Für einen Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung wurden bereits erste Schritte

eingeleitet.

Die Mitarbeiterin des Sozialamts hat sich diesem Thema angenommen.

Wie untenstehende Tabelle zeigt, wurden im Jahr 2016 und 2017 von 12 MitarbeiterInnen

Angebote zur persönlichen Weiterbildung im Bereich Gesundheitsförderung wahrgenommen.

46


Persönliche Weiterbildung

Insgesamt in Anspruch genommene Stunden

Gesamtzahl der MA, welche die Angebote genutzt haben

Stunden pro MA

davon weiblich

davon männlich

davon 1. und 2. Führungsebene

davon übrige Ebenen

2016

48

12

4,00

9

3

3

9

2017

48

12

4,00

9

3

2

10

Jährlich fi ndet ein externes Coaching der VerwaltungsmitarbeiterInnen zu verschiedensten

Themen wie Kommunikation, Teambuilding, Mediation etc. statt. Dieses Coaching spielt

auch für das Thema psychische Gesundheitsvorsorge eine große Rolle.

Für die Gemeinschaftspfl ege wird jährlich ein Betriebsausfl ug veranstaltet. Zum Jahresabschluss

sind zur Weihnachtsfeier alle MitarbeiterInnen, MandatsträgerInnen, ehrenamtlich

tätige Personen und ehemaligen MitarbeiterInnen eingeladen. Es werden auch explizit die

PartnerInnen der oben genannten Personengruppen eingeladen.

Immer donnerstags fi ndet von 8:30 bis 9:00 Uhr (das Rathaus ist donnerstags erst ab 9:00 Uhr

und bis 18:00 Uhr geöffnet) eine „Kaffeerunde“ der VerwaltungsmitarbeiterInnen statt. Hier

setzt man sich bei Kaffee und manchmal Geburtstagskuchen zusammen, diskutiert Alltagsthemen

und spricht in lockerer Atmosphäre teilweise auch über Arbeitsthemen. Dieser

informelle Austausch wird für das gute Betriebsklima als sehr wichtig angesehen.

Krankenstände / Langzeitkrankenstände haben keine Konsequenz auf den Erhalt des

Arbeitsplatzes.

Zur gesundheitlichen Gebäudegestaltung gibt es keine schriftliche Richtlinie. Jedoch werden die

Arbeitsplätze regelmäßig von der Berufsgenossenschaft überprüft. Zusätzlich wurden auf Wunsch

der MitarbeiterInnen teilweise höhenverstellbare Schreibtische beschafft. Alle Büros sind mit

ergonomischen Schreibtischstühlen und DIN-gerechter Arbeitsplatzbeleuchtung ausgestattet.

Das Reinigungspersonal putzt ausschließlich mit EM-Putzmitteln (EM = Effektive

Mikroorganismen). So wird eine chemiefreie, giftfreie und hautfreundliche Reinigung

sichergestellt. Durch die Anwendung von EM etabliert sich ein besonders angenehmes

Raumklima ohne künstliche Gerüche. EM-Reiniger sind gewässerschonend, halten den

Abfl uss frei und fördern die Abwasserklärung. Das Schmutzwasser kann zum Blumengießen

verwendet werden.

Die Umstellung und Neuausrichtung der Reinigungsmittel im Gebäudemanagement zu EM

war ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und Gemeinwohl. Mittlerweile setzt die Gemeinde

Kirchanschöring seit rund fünf Jahren in sämtlichen kommunalen Gebäuden (z.B. Schule,

Haaus für Kinder St. Elisabeth, Rathaus, Feuerwehr-Gerätehäuser, Sporthallen) auf EM-

Produkte. Die Ergebnisse zeigen, dass Sauberkeit und Biologie sich nicht ausschließen, sondern

optimal ergänzen. Neben dem Umweltbewusstsein war aber auch die Fürsorgepfl icht für

47


die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter, Bürger und Kinder ein entscheidendes Kriterium für

die Umstellung.

Alle Arbeitsplätze im Rathaus sind barrierefrei zugänglich. Für die MitarbeiterInnen gibt es eine

gemeinschaftlich nutzbare Küche. Dieser Raum wird auch für die Mittagspausen genutzt.

Ferner gibt es neu seit 2018 die Möglichkeit, den Naturgarten (mit extensiv angelegter Blumenwiese)

und die Sitzgelegenheiten im „Haus der Begegnung“ als Ort für die Mittagspause zu nutzen.

Im Rathaus gibt es kein WLAN-Netzwerk. Die Schreibtischarbeitsplätze sind fast ausschließlich

mit kabelgebundenen Telefonen ausgestattet.

Ein ausreichender Schutz vor elektro-magnetischen Feldern ist somit gewährleistet.

Bewertung: 14 Punkte

Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist die Gleichstellung der Geschlechter

gesetzlich geregelt. Die Zuordnung einer Stelle zu einer bestimmten Entgelt- oder

Besoldungsgruppe erfolgt anhand der Stellenbewertung, d.h. der ausgeführten Tätigkeiten

der MitarbeiterInnen. Teilweise ist auch der Abschluss einer bestimmten Ausbildung für die

Entgeltgruppe erforderlich. Eine geschlechtsspezifi sche Eingruppierung ist somit tarifrechtlich

unterbunden. Männern und Frauen wird für gleiche Leistung auf allen Hierarchieebenen

der gleiche Lohn bezahlt.

In der Gemeinde Kirchanschöring setzt sich die erste und zweite Führungsebene aus einer

Frau und zwei Männern zusammen. Der Frauenanteil der Gemeindebeschäftigten beträgt

74 % in 2016 und 69 % in 2017. Die Mindesteinstellungsquote von Menschen mit körperlicher

oder geistiger Behinderung wird nahezu erfüllt. 8 % der MitarbeiterInnen haben einen

Migrationshintergrund. Die Altersgruppen der MitarbeiterInnen sind gut durchmischt.

Die Gleichstellungsarbeit in der Gemeinde Kirchanschöring lässt sich als wirksam beschreiben,

da v.a. im Bereich der Personalarbeit seitens der Führungskräfte ein großer Wert auf

Gleichstellung gelegt wird. So wurden bei den drei Neueinstellungen in der Verwaltung im

Berichtszeitraum zwei Frauen im gebärfähigen Alter eingestellt, wobei eine Neueinstellung

die erste und zweite Führungsebene betrifft.

Personalentwicklungstechnisch begann eine Frau, ebenfalls im gebährfähigen Alter, einen

umfangreichen Weiterbildungslehrgang, der von der Gemeinde fi nanziert wird.

80 % (2016 und 2017) der MitarbeiterInnen sind teilzeitbeschäftigt. Wobei diese Möglichkeit

zum allergrößten Teil von Frauen genutzt wird. Vielen MitarbeiterInnen gelingt durch diese

Teilzeitmodelle eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Beruf und Pfl ege. Einem

Wunsch nach Teilzeit wird nach Möglichkeit entsprochen. Ebenso sollen die MitarbeiterInnen

an ihre persönliche professionelle Entwicklung denken und deshalb die Aufgaben in der

Familie ausgeglichen aufteilen können.

Bewertung: 7 Punkte

48


Arbeits- und Überstunden

2016 VZÄ 2017 VZÄ Veränd.

1.709

1.687

Gesamtanzahl der Arbeitsstunden pro Jahr

45.510

26,63

48.170

28,55

2.660

Gesamtanzahl der Arbeitsstunden pro Jahr pro MA (VZÄ)

2.008

2.039

31

Gesamtanzahl der Überstunden pro Jahr

-155

-0,09

345

-0,20

500

Gesamtanzahl der Überstunden pro Jahr pro MA (VZÄ)

-7

15

21

Anzahl Arbeitsplätze mit Überstundenpauschale (All inclusive)

0

0

0

Die durchschnittliche Arbeitszeit je Beschäftigten beträgt 2.008 bezahlte Stunden (2016)

bzw. 2.039 bezahlte Stunden (2017). Es gibt keinen All-inclusive Vertrag (vgl. oben stehende

Tabelle).

Die Arbeitszeit ist gleitend und wird in unterschiedlichen Arbeitszeitkonto-Modellen

dokumentiert und bearbeitet (z.B. Verwaltung: Monatskonto / Bauhof: Jahreskonto).

Das maximale Zeitguthaben darf die Wochenarbeitszeit (Wochenstunden laut Arbeitsvertrag)

nicht überschreiten. Mehrgeleistete Arbeitsstunden werden am Monatsende gekappt

(Verwaltung).

Generell wird von den Führungskräften ein großes Augenmerk darauf gelegt, dass die

Gleitzeitkonten der MitarbeiterInnen nicht zu hoch aufgebaut werden, sodass keine Stunden

gekappt werden. Dies liegt jedoch auch in der Eigenverantwortung des einzelnen Mitarbeiters

/ der einzelnen Mitarbeiterin. Zeitausgleich ist durch Gleittage oder verkürzte Arbeitszeit

in Abstimmung mit den KollegenInnen und unter Berücksichtigung der Öffnungszeiten des

Rathauses (bei den VerwaltungsmitarbeiterInnen) jederzeit möglich. Überstunden werden

grundsätzlich durch Zeitausgleich abgeglichen. Es werden keine Überstunden ausbezahlt.

Für die VerwaltungmitarbeiterInnen und Bauhofmitarbeiter gibt es ein elektronisches

Zeiterfassungssystem. Hier werden auch die Arbeitsstunden des Bürgermeisters erfasst.

Die geleisteten Arbeitsstunden der weiteren Mitarbeiter (z.B. Reinigungspersonal) werden

über Stundenzettel erfasst und dokumentiert. Die eigenen Stundenkonten sind für die

MitarbeiterInnen transparent, da sie entweder über das Zeiterfassungssystem eingesehen

werden können oder jederzeit von der Personalsachbearbeiterin erfragt und als

„Stundenzettel“ ausgegeben werden können.

Bei einer Verwaltungsmitarbeiterin haben sich im Jahr 2017 viele Überstunden aufgebaut.

Aus diesem Grund wurde eine weitere Teilzeitstelle eingerichtet, um die Mitarbeiterin zu

entlasten und ihr den Abbau der Überstunden zu ermöglichen.

49


In der Gemeinde Kirchanschöring gibt es keine Personalvertretung. Bis dato wurde auf Grund

des guten Besprechungsklimas mit kurzen Kommunikationswegen (siehe C1.1) seitens der

MitarbeiterInnen kein Wunsch bzw. keine Notwendigkeit geäußert, eine Personalvertretung

einzurichten.

Bewertung: 9 Punkte

Die Gemeinde Kirchanschöring beschäftigt bewusst und aus Überzeugung keine

ZeitarbeiterInnen. Teilzeitmodelle werden von 80 % (2016 und 2017) der MitarbeiterInnen in

Anspruch genommen. Die Gemeinde unterstützt das Modell der Teilzeitbeschäftigung.

MitarbeiterInnen mit Betreuungsverpfl ichtungen gelingt durch diese individuell gestaltbaren

Teilzeitmodelle eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Beruf und Pfl ege.

Einem Wunsch nach Teilzeit wird nach Möglichkeit entsprochen. Die Gemeinde ist bei der

Ausgestaltung der Teilzeit sehr fl exibel und offen.

Bewertung: 11 Punkte

MitarbeiterInnen, die gerne eine Weiterbildung in Selbst- und Zeitmanagement machen

möchten, werden von der Gemeinde unterstützt. Sie müssen jedoch selbst aktiv werden.

Die Entscheidung über eine Notwendigkeit einer Aus-/Weiterbildung in diesem Bereich liegt

in der Eigenverantwortung des einzelnen Mitarbeiters / der einzelnen Mitarbeiterin.

Strategisch fi ndet noch kein bewusster Umgang mit diesem Thema statt. Es werden keine

Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Zukünftig soll es jährlich Mitarbeitergespräche

geben. Dort kann bei Bedarf auch der Punkt (Lebens-)Arbeitszeit thematisiert werden.

Ende 2018 wird ein Seminar zum Thema Zeitmanagement für die VerwaltungsmitarbeiterInnen

angeboten. Wie bereits dargestellt, herrscht gegenüber Teilzeit- und Alterszeitmodellen

Offenheit.

Bewertung: 1 Punkt

50


Es gibt keine Kantine. Die MitarbeiterInnen versorgen sich selbst. Im Rathaus gibt es eine

Gemeinschaftsküche mit Koch- und Aufwärmmöglichkeit. Ein Großteil der MitarbeiterInnen

verbringt die Mittagspause zu Hause. Auf die Koch- und Essgewohnheiten hat die Gemeinde

keinen Einfl uss.

Die VerwaltungsmitarbeiterInnen können sich während der Arbeitszeit in der Gemeinschaftsküche

am Fair-Trade-Kaffee und Getränken, die vom einem örtlichen Getränkeabfüller

bezogen werden, bedienen. Die Kosten dafür übernimmt die Gemeinde.

Ebenso steht wöchentlich Bio-Obst und Bio-Gemüse, das vom örtlichen Bio-Gemüsebetrieb

geliefert wird, zum Verzehr bereit.

Bei Veranstaltungen übernimmt ein externer Cateringbetrieb die Bewirtung. Seitens der

Gemeinde gibt es für den Caterer die Vorgabe, bio-regionale Zutaten zu verwenden.

Hierfür wird vom Cateringunternehmen eine Zutatenliste mit genauer Angabe der Herkunft

der verwendeten Produkte angefordert. Die Gemeinde achtet bei Veranstaltungen auf

Abfallvermeidung (z.B. keine portionsweise verpackte Kaffeesahne, sondern Bio-Kaffeesahne

aus Glasfl aschen oder Bio-Frischmilch einer regionalen Molkerei). Die Weihnachtsfeier

der Gemeinde fi ndet in der örtlichen Gaststätte statt. Hier lautet die Vorgabe an den Wirt,

mindestens ein Biogericht anzubieten.

Als Mitgliedsgemeinde der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel, bekennt sich

die Gemeinde Kirchanschöring klar zu nachhaltigen Ernährungsgewohnheiten.

Es fi ndet eine großes Bewusstseinsbildung durch die Gemeinde statt. MitarbeiterInnen

werden immer wieder zu den Zielen und Aktionen der Ökomodellregion informiert.

So sind auf der Gemeinde-Homepage beispielsweise die Bio-Erzeugerliste aus der

Ökomodellregion, die Aufl istung der Bio-Direktvermarkter und Bio-Verarbeiter in der

Ökomodellregion sowie die Aufl istung der Verkaufsstellen von Ökomodellregion-

Geschenkkörben zu fi nden. Diese Listen und Faltblätter liegen auch im Rathaus öffentlich

aus.

(vgl. https://www.kirchanschoering.info/projekte/oekomodellregion-regionale-bioprodukte.html)

Für Geschenke der Gemeinde bzw. des Bürgermeisters zu Jubiläen werden unsere

Ökomodellregions-Geschenkkörbe verwendet.

Ein Ökomodellregion-Geschenkkorb besteht zu mindestens 50 % aus biologischen Produkten,

die vorwiegend aus der Region stammen. Ergänzt mit regionalen, landwirtschaftlichen

Produkten. Ca. 15 % der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch und sind

zum allergrößten Teil durch Bio-Verbände zertifi ziert.

Bewertung: 5 Punkte

51


Im Sommer wird von einigen MitarbeiterInnen oft das Rad für den Weg zur Arbeit benutzt.

Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, beteiligen sich an der jährlichen

Mitmachaktion der AOK Krankenkasse in Kooperation mit dem ADFC (Allgemeiner

Deutscher Fahrrad-Club): „Mit dem Rad zur Arbeit“ 12 , die jedes Jahr vom 1. Mai bis 31.

August stattfi ndet.

In der Gemeinde Kirchanschöring gibt es keinen prestigeträchtigen Dienstwagen.

Dienstfahrten des Bürgermeisters werden mit dem Elektroauto, einem Renault ZOE,

unternommen. MitarbeiterInnen werden seitens der Führungskräfte angeregt, bei

Dienstreisen, z.B. nach München, möglichst die Bahn als Transportmittel zu verwenden. Bei

Fahrten zu Veranstaltungen in der Region werden immer Fahrgemeinschaften gebildet.

Die auf dem Arbeitsweg zurückgelegten Kilometer der MitarbeiterInnen wurden nicht

gesondert aufgenommen, da hier in unseren Augen kaum eine Weiterentwicklung möglich

ist. Die MitarbeiterInnen aus dem Umkreis kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen

nach Kirchanschöring. Aus diesem Grund ist die Bildung von Fahrgemeinschaften sehr

schwierig. Auch eine Nutzung des ÖPNV ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Bewertung: 1 Punkt

Bild: fotolia, hakinmhan

12

https://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de/bundesweit/index.php

52


Wie bereits unter C3.2 beschrieben, werden MitarbeiterInnen seitens der Führungskräfte

angeregt, bei Dienstreisen zu Zielen mit Bahnanbindung möglichst dieses Transportmittel zu

verwenden.

Die Gemeinde gibt jedes Jahr die Infos über die jährliche Mitmachaktion der AOK Krankenkasse

in Kooperation mit dem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club): „Mit dem Rad

zur Arbeit“ (siehe Kapitel C3.2) an die MitarbeiterInnen weiter und animiert diese,

mitzumachen.

Außerdem fi ndet eine Sensibilisierung auch bei alltäglichen „kleineren“, aber dennoch

wichtigen Dingen bezüglich Energieeinsparung statt.

Beispielsweise werden die MitarbeiterInnen dazu angehalten, nach Dienstschluss alle

Geräte, wie z.B. die beiden Drucker-Multifunktionsgeräte, komplett auszuschalten und

nicht im Standby-Modus laufen zu lassen. Das Licht wird nur eingeschaltet, wenn es

tatsächlich benötigt wird.

Wie bereits unter C3.1. beschrieben, gibt die Gemeinde Informationen zu Veranstaltungen

oder Aktionen aus der Ökomodellregion oder der Integrierten Ländlichen

Entwicklung an die MitarbeiterInnen weiter. Diese Infos sind auch in der fünf mal jährlich

erscheinenden Gemeindemitteilung abgedruckt.

Im Jahr 2017 fanden über die Integrierte Ländliche Entwicklung zwei Schulungen zum

Thema „Nachhaltige Beschaffung“ (Büromaterial etc.) und „Nachhaltiges Bauen“ statt.

Dies wurde bereits unter A1.3 näher beschrieben.

VerwaltungsmitarbeiterInnen, die mit den entsprechenden Themen betraut sind, nehmen

an den Workshops teil und setzten diese mittlerweile auch um. Diese Schulungen hatten

eine sehr positive Wirkung auf die Motivation der MitarbeiterInnen sich aktiv mit diesem

Thema auseinanderzusetzen.

Bewertung: 2 Punkte

Bürgermeister Hans-Jörg Birner (links) und Kurt Egger auf Entdeckungstour durch Kirchanschöring - natürlich per Rad!

(Foto: arch. dott. Bernhard Oberrauch)

53


Die Einkommensspreizung beträgt 1 : 3,6.

Das heißt, in der Gemeinde Kirchanschöring verdient der/die MitarbeiterIn mit der höchsten

Einstufung 3,6 mal so viel wie der/die MitarbeiterIn mit der niedrigsten Einstufung.

Bewertung: 11 Punkte

Das niedrigste, ausbezahlte Grundgehalt beträgt ca. 1.220 € netto. Hier handelt es

sich um eine Helfertätigkeit (Nebenbeschäftigung), die keine Notwendigkeit der

Existenzsicherung darstellt (z.B. Pausenaufsicht an der Schule, Schülerlotsen). Für Stellen, die

als Hauptbeschäftigung ausgeübt werden, liegt das niedrigste, ausbezahlte Grundgehalt

bei ca. 1.420 €netto.

Laut dem GWÖ-Handbuch (S. 63) liegt das Referenzbudget zur Sicherstellung eines

menschenwürdigen Lebensstandards eines Ein-Personen-Haushalts in Deutschland bei

1.330 € (netto).

Mit einem ausbezahlten Grundgehalt von 1.420 € sind wir hier höher. Außerdem liegt

dieses Gehalt über dem derzeitigen Mindestlohn von brutto 8,84 € pro Stunde. Es ist noch

anzufügen, dass die Gemeinde Kirchanschöring in einer ländlichen Region liegt. Deshalb

ist davon auszugehen, dass die Lebenshaltungskosten in der Gemeinde nicht so hoch sind,

wie mit dem Referenzbudget angegeben.

Bewertung: 30 Punkte

Das allgemeine Gehaltsschema ist zwar bekannt, jedoch nicht die konkrete Einstufung und

Gehaltshöhe des jeweiligen Mitarbeiters / der jeweiligen Mitarbeiterin. Die Gehaltsstruktur

und Einstufung richtet sich nach dem Tarifvertrag TVöD-VKA (Tarifvertrag für den öffentlichen

Dienst der Kommunen, Bereich Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände).

Untenstehende Abbildung, der Stellenplan für BeamtInnen und ArbeitnehmerInnen der

Gemeinde Kirchanschöring ist ein Bestandteil des Haushaltsplans. Dieser wird jährlich im

54


Rahmen der Haushaltssatzung aufgestellt und vom Gemeinderat beschlossen. Damit ist

eine volle Transparenz gegeben.

Zukünftig werden die Stellenbeschreibungen im Organisationshandbuch ersichtlich sein.

II. Ergänzende nachrichtliche Angaben

Teilhaushalte (Doppik)/Abschnitte bzw. Unterabschnitte (Kameralistik)

Beamte

Bezeichnung der

Abschnitte und

Unterabschnitte

Abschnitt

bzw

Unterabschnitt

Wahlbeamte

Gehobener Dienst Mittlerer Dienst Erläuterungen

A 13 A 12 A 11 A 10 A 9 A 8 A 7 A 6 A 5

1

2

3

4

5 6

00

Gemeindeorgane

1

02

Hauptverwaltung

1

Arbeitnehmer

Abschnitt

bzw

Unterabschnitt

Bezeichnung der

Abschnitte und

Unterabschnitte

Zahl der Stellen nach Entgeltgruppe TvöD und Sondertarifen bzw. Sonderregelungen

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Erläuterungen

1 2 3

4

02

Hauptverwaltung

1*

1*

4**

1

1*

1*

*teilzeit; davon 2 teilzeit

03

Finanzverwaltung

1*

1

*teilzeit

06

Rathaus

4*

*teilzeit

13

Feuerwehr

1*

*teilzeit

21

Schule

3*

9*

*teilzeit

43

Sozialbüro/Helfernetzwerk/Kleidermarkt

2*

*teilzeit

56

Hans-Straßer-Halle

4*

*teilzeit

60

Bauverwaltung

63

Gemeindestraßen

1*

4

*teilzeit

72

Wertstoffhof

5*

*teilzeit

76

Post

1*

*teilzeit

79

Fremdenverkehr

1*

*teilzeit

88 Alte Schule Kirchstein

1*

*teilzeit

3

26 2

0

5

7 0

1 1

0 0 1 1

47

Bewertung: 5 Punkte

55


Alle Daten der Gemeinde werden im Datenmanagementsystem RegiSafe abgelegt.

Alle MitarbeiterInnen haben Zugang zu diesem System und können alle Daten, außer den

personalbezogenen, einsehen. In manchen Bereichen gibt der gesetzliche Datenschutz

enge Regeln vor, z.B. Steuergeheimnis, Daten des Einwohnermeldeamts. Daher sind diese

Daten nicht allen MitarbeiterInnen zugänglich.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden bei Arbeitsanweisungen keine Details

verschwiegen - sie wissen stets, welchem Zweck die Arbeiten dienen.

Für Neueinstellungen oder Nachbesetzungen wird zuerst das interne Interesse abgefragt,

bevor öffentlich in den Tageszeitungen ausgeschrieben wird.

Bewertung: 14 Punkte

Führungskräfte werden nach Gemeindeordnung und Geschäftsordnung des Gemeinderates

durch den Gemeinderat bestimmt.

Vorab wird durch ein Gremium aus Bürgermeister und Fachbereichsleiter eine Vorauswahl

getroffen. Weitere Mitarbeiter sind in die Entscheidungsfi ndung nicht eingebunden.

Bewertung: 0 Punkte

56


Politische Gremien / MandatarInnen

Am Jahresanfang wird ein Sitzungskalender mit allen Sitzungsterminen erstellt. Die Räte

erhalten im Vorfeld aller Sitzungen umfangreiche Informationen zu allen Tagesordnungspunkten

mit den entsprechenden Beschlussvorschlägen aus der Verwaltung bzw. aus den

vorhandenen Gremien (z.B. Bauausschuss).

Für verschiedene Projekte gibt es eine intensive Bürgerbeteiligung, in der auch die

Gemeinderäte eingebunden sind (z.B. Dialogplanung „Haus der Begegnung“).

Es werden keine Fraktionssitzungen abgehalten. Alle Ratsmitglieder werden mit denselben

Informationen versorgt. Die Mitglieder der Fraktionen sitzen nicht im Block (Sitzordnung).

Im politischen Gremium herrscht grundsätzlich Wille zum Konsens. Über 90 % der Beschlüsse

werden einstimmig gefasst. Alle Entscheidungen werden auf Basis des Gemeindeentwicklungskonzepts

„Leben und Wirtschaften“ mit einem starken sozialen und ökologischen

Schwerpunkt gefasst.

MitarbeiterInnen

Für die Nachbesetzung der Geschäftsleiterstelle im Mai 2020 wurde unter externer Begleitung

bereits im September 2016 eine Klausur mit dem gesamten Gemeinderat und den

Fachbereichsleitern durchgeführt. Diese Klausur wurde im Vorfeld durch die Fachbereichsleiter

und dem Bürgermeister intensiv vorbereitet.

Werden neue Projekte oder Konzepte ausgearbeitet, so sind hier die MitarbeiterInnen eng

eingebunden. Neue Ansätze in der Zusammenarbeit werden in gemeinsamen Klausurtagen

vorgestellt und besprochen. So wurde die Einführung der regelmäßigen Mitarbeitergespräche

intensiv mit den MitarbeiterInnen erläutert. Gemeinsam werden Abläufe in der

Verwaltung besprochen und untersucht, um Verbesserungen für alle Beteiligten zu erreichen.

In den kommunalen Projekten (z.B. „Haus der Begegnung“) sind MitarbeiterInnen in den

entsprechenden Arbeitsgruppen vertreten.

Bewertung: 32 Punkte

Bild: fotolia, magicpitzy

57


Bild: fotolia, fotogestoeber

Gemeindeleitbild und dessen Umsetzung und Verankerung

Gewichtung: Durch die Gewichtung soll zum Ausdruck gebracht werden, wie hoch der

Nutzen für die Berührungsgruppe ist, der von der Umsetzung des jeweiligen Teilaspektes

gestiftet wird (1 = kleiner Nutzen; 10 = großer Nutzen).

In der nachfolgenden Tabelle werden die wichtigsten Teilaspekte aus den unterschiedlichen

Leitbildern dargestellt. Im Nachgang werden die verschiedenen Entwicklungskonzepte

bzw. Leitbilder, die in der Kommune bzw. in der Region erarbeitet wurden, näher erläutert.

Anschließend wird auch auf die Umsetzung der Konzepte eingegangen.

58


lfd.

Nr.

TLB

Teilaspekte aus den Leitbildern

aus

dem

Jahr

erledigt

in %

Wer und welche Abläufe

sind damit in der Gemeinde

befasst?

Ziel und Nutzen für die Berührungsgruppe

Gewichtung

1-10

Wert

GEK (E) - soziales Zusammenleben:

Schaffen eines sozialen Zentrums; Wohnraum

Bürgermeister, Gemeinderat,

für alte BürgerInnen und BürgerInnen mit

1 E Dialogplanung „Haus der 2013 100% Verwaltung, Reg. Obb.,

10 100 %

Begegnung“

Handicap; Pfl egeeinrichtung im Ort;

Landratsamt

Begegnungsraum

GEK (B) - Klimaschutz / Landschaft:

Bürgermeister, Gemeinderat, Klimaschutz durch Verbot fossiler Brennstoffe

Bauleitplanung orientiert sich am

im Baugebiet;

2 B Ziel der Klimaneutralität

2016 100%

Verwaltung (Bauamt),

5 50 %

Landratsamt,

Ausrichtung der Gebäude für Solarnutzung;

Bebauungsplan Wohngebiet

Fachbehörden Bauleitplanung Flächensparen durch einfache Erschließung

„Ost II“

3 B

GEK (B) - Klimaschutz / Landschaft:

Arten- und Strukturvielfalt (Biodiverstität)

ist erhalten

Kommunaler Grünfl ächenpfl egeplan

2014 70%

GEK (B) - Klimaschutz / Landschaft:

4 B

Wiederherstellung eines Biotopverbundes

2017 30%

Biotopvernetzungsprojekt (LEADER)

Bürgermeister, Verwaltung,

Fachplaner

Bürgermeister, Verwaltung,

Fachplaner, ILE, ÖMR

Erarbeiten und Umsetzen eines Pfl egeplans für

kommunale Grünfl ächen.

Vorgabe: den Anteil artenreicher Flächen

möglichst erhöhen und die fachgerechte

Pfl ege sicherstellen

5 35 %

5 15 %

In Zukunft soll bei Neuverpachtung von

ÖMR Kommunalpaket #1

kommunalen landwirtschaftlichen Flächen

Verpachtung von kommunalen,

5 2015 100% Bürgermeister, Verwaltung eine möglichst ökologische und gewässerverträgliche

Bewirtschaftung sichergestellt

8 80 %

landwirtschaftlichen Vorratsfl

ächen

werden

ÖMR Kommunalpaket #2

6

naturnaher Waldbau in kommunalen

Wäldern

2015 30%

„Initiative Zukunftswald“

ÖMR Kommunalpaket #3

7

Ausgleichsfl ächen / Ökokontofl

ächen für extensive Landwirtschaft

2015 80%

nutzbar

machen

Bürgermeister, Verwaltung,

Förster, Fachplaner,

Gemeinderat

Bürgermeister, Verwaltung,

Fachplaner, Gemeinderat

Die Gemeinde wird für ihre kommunalen

Wälder eine Bewirtschaftung und Entwicklung

nach den Vorgaben der „Initiative Zukunftswald“

betreiben

Die Gemeinde wird im Rahmen der notwendigen

kommunalen Planung und Umsetzung

von Ausgleichsmaßnahmen bzw. bei der

Anlage von Ökokonten verstärkt eine

Umsetzung für eine weitere landwirtschaftliche

Nutzung der benötigten Flächen anstreben.

8 24 %

5 40 %

ÖMR Kommunalpaket #4

8 Pfl egemanagement für

siehe lfd. Nr. 3

öffentliche Grünfl ächen

9

ÖMR Kommunalpaket #5

Keine Verwendung

chemisch-synthetischer

Pfl anzenschutzmittel

auf kommunalen Flächen

2015 100%

Bürgermeister, Verwaltung,

Bauhof

Pestizide verschmutzen Gewässer, Böden,

Futter- und Lebensmittel und gefährden

unsere Gesundheit.

Pestizide gefährden unsere Umwelt.

Sie zerstören die Bodenfruchtbarkeit, sind

schädlich für die Wasserorganismen und

haben negative Auswirkunden auf Bienen

und andere Insekten sowie Vögel und

Säugetiere.

0 %

10 100 %

ÖMR Kommunalpaket #6

10 2015 80% Bürgermeister, Verwaltung

Anlage von Streuobstwiesen

Die Gemeinde stellt im Rahmen ihrer

Möglichkeiten Flächen für die Pfl anzung von

Streuobstwiesen zur Verfügung und wird auch

bei einer optionalen Bio-Sammelzertifi zierung

teilnehmen.

8 64 %

11

ÖMR Kommunalpaket #7

Regionale und Bioversorgung

in kommunalen Einrichtungen

auf gemeindeeigenen

Veranstaltungen

2015 50%

Bürgermeister, Verwaltung,

Gemeinderat

Die Gemeinde ist bestrebt, bei den Gemeinschaftsverpfl

egungen in ihren Einrichtungen

den Anteil an regionalen, saisonalen und

Bioerzeugnissen zu steigern.

Bei der Ausrichtung von Gemeindeveranstaltungen

sollen in Rücksprache mit

dem Ausrichter / Gastronom / Caterer

regionale und saisonale Biogerichte

mit angeboten werden.

10 50 %

ÖMR Kommunalpaket #8

12 2015 60%

Umweltfreundliche Beschaffung

Bürgermeister, Verwaltung,

(Gemeinderat)

Die Gemeinde beschließt, das Beschaffungswesen

auf eine umweltfreundliche Beschaffung

gemäß dem Umweltsiegel „Blauer

Engel“ zu überprüfen.

In einem ersten Schritt soll die Papierbeschaffung

in allen Einrichtungen, in denen die

Kommune als Sachaufwandsträger auftritt,

und weitere Verbrauchsmittel in den

kommunalen Verwaltungen umgestellt werden.

Bei der weiteren Umstellung der Verbrauchsprodukte,

die regional nicht erhältlich sind

(Kaffee, Schwarztee), wird der Einkauf nach

Biosiegel und Fairtradesiegel empfohlen.

10 60 %

59


lfd.

Nr.

13

TLB

Teilaspekte aus den Leitbildern

ÖMR Kommunalpaket #9

Ökomodellregion - Geschenkkörbe

aus

dem

Jahr

erledigt

in %

Wer und welche Abläufe

sind damit in der Gemeinde

befasst?

Ziel und Nutzen für die Berührungsgruppe

Gewichtung

1-10

2015 100% Bürgermeister, Verwaltung

Die Gemeinde übergibt zukünftig

zu entsprechenden Anlässen einen

Ökomodellregion-Geschenkkorb. Dieser ist

nach Möglichkeit mit regionalen und / oder

ökologisch erzeugten Lebensmitteln bestückt.

10 100 %

Wert

Um den Flächenverbrauch durch die Ausweisung

von Neubau- bzw. Gewerbegebieten

entgegen zu wirken, ist die Gewichtung der

ÖMR Kommunalpaket #10

Innenentwicklung der Orte zu stärken.

Erstellung Flächenkaster für

Die Gemeinde erstellt ein Kataster für Leerstände

im Bereich Gewerbe und Wohnen,

14 2015 80% Bürgermeister, Verwaltung, ILE

8 64 %

Leerstände (Wohnung,

Gewerbe, Baugrundstücke)

sowie von unbebauten Baugrundstücken,

und stellt die Informationen mit dem

Einverständnis der Eigentümer der

Öffentlichkeit zur Verfügung.

15

Unsere Landschaft droht durch fortschreitende

Bodenversiegelung und Bebauung akute

Gefahr. Als Gemeinde Kirchanschöring wollen

wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen

Bürgermeister, Verwaltung,

Bayerisches Pilotprojekt:

und Alternativen erarbeiten:

2017 40% Gemeinderat, ILE, ALE Obb.,

Anders Wohnen in Kirchanschöring

Ungenutzte Flächen, Häuser und Gebäude

Ministerium

werden erfasst und neue Formen des

10 40 %

Zusammenwohnens sollen entstehen.

Gemeinsam mit den BürgerInnen wollen wir

ein passendes Konzept entwickeln.

Bürgermeister, Verwaltung,

GEK (F) Infrastruktur:

Breitbandanbindung in jedem Haushalt der

16 F

2017 70% Gemeinderat,

10 70 %

Breitbandausbau

Gemeinde (min. > 30 MBit)

externer Partner (Telekom)

17

B

Kirchanschöring wirtschaftet

klimaneutral

weitestgehende Umstellung

der Reinigungsmittel auf EM

(effektive Mikroorganismen)

seit

2012

90%

Die Umstellung und Neuausrichtung der

Reinigungsmittel im Gebäudemanagement zu

EM war ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und

Gemeinwohl.

Mittlerweile setzen wir seit rund fünf Jahren in

sämtlichen kommunalen Gebäuden

(z.B. Schule, Haus für Kinder St. Elisabeth, Rathaus,

Feuerwehr-Gerätehäuser, Sporthallen)

Bürgermeister, Verwaltung,

auf EM-Produkte.

Reinigungsteam

Die Ergebnisse zeigen, dass Sauberkeit und

Biologie sich nicht ausschließen, sondern optimal

ergänzen.

Neben dem Umweltbewusstsein war aber

auch die Fürsorgepfl icht für die Gesundheit

der eigenen MitarbeiterInnen, Bürger und

Kinder ein entscheidendes Kriterium für die

Umstellung.

10 90 %

Entwicklungskonzepte der Kommune und Region

Lebensqualität durch Nähe

Dieses Format der Bürgerbeteiligung wurde nach dem Abschluss der äußerst erfolgreichen

Dorferneuerung in den Folgejahren durchgeführt.

Mit ihm wurde der Blick vom Dorf Kirchanschöring auf die gesamte Gemeinde geweitet.

Wichtiges Element waren dabei die regionalen Wertschöpfungsstrukturen. Bereits zum

damaligen Zeitpunkt wurde auf die Wichtigkeit der regionalen Kreisläufe verwiesen und die

Probleme der Globalisierung und grenzenlosen Wachstumspolitik thematisiert.

Abgeschlossen wurde das Projekt mit einer großen statistischen Befragung der BürgerInnen.

Vieles des damals Erarbeiteten diente als Basis für die weitere Entwicklung.

60


Entwicklung einer sozialen Dorfmitte - „Haus der Begegnung“ (2004 - 2016)

Zur Kultur gehört auch

eine Zuwendung der Starken zu Schwachen,

also nicht nur

durch eine vertikale soziale

Verpflichtung des Staates,

sondern auch die Hilfe

einer hori zontalen Solida rität

der Bürger unter einander.

- Richard von Weizsäcker -

Foto: fotolia, Peter Maszlen

Eine wichtige Erkenntnis der Dorferneuerung

und auch aus den Befragungen und der

Bürgerbeteiligung zu „Lebensqualität durch

Nähe“ war die Erkenntnis, dass es an der

Zeit sei, sich mit der Situation unserer älteren

MitbürgerInnen auseinanderzusetzen.

Wir beschäftigten uns also mit der

demografi schen Entwicklung, als dieser

Begriff in der öffentlichen Diskussion so gut

wie noch keine Rolle spielte.

Über viele Jahre wurde intensiv sowohl mit

den BürgerInnen direkt als auch mit Expertengruppen

und der Pfarrei ein sehr schwieriges

Thema bearbeitet. Neben dem tatsächlich

jetzt in der Umsetzung befi ndlichen „Haus der

Begegnung“ wurden dabei aber auch viele

weitere Elemente der Aufgabenstellung im

Bezug auf die Generationen und vor allem

den älteren MitbürgerInnen erarbeitet.

Vieles davon ist die Grundlage unserer jetzigen

Leitlinien bzw. ist direkt darin eingearbeitet.

Das Sozialbüro mit all seinen unverzichtbar gewordenen Dienstleistungen für unser

BürgerInnen ist ein Element, das sich aus dieser ersten Zeit verfestigt hat und seit vielen

Jahren ein fester Bestandteil unseres kommunalen Serviceangebotes darstellt. Hier ist bereits

ein wichtiger Schwerpunkt der Kirchanschöringer Kommunalpolitik erkennbar und hat sich

immer mehr verfestigt: Im sozialen Bereich wollen wir uns nicht auf unsere Pfl ichtaufgaben

zurückziehen, sondern mit einer Vielzahl von an den Bedarfen angepassten Angeboten

unserer Verantwortung als Gemeinde mit einem nicht unerheblichen freiwilligen Aufwand

gerecht werden.

MORO-Projekt „Zukunftsregion Salzachtal“

Daseinsvorsorge ist eine Schlüsselaufgabe, der die

Kommunen im ländlichen Raum gegenüberstehen.

Um diese Aufgabe zu meistern, haben sich die vier

Kommunen Fridolfi ng, Kirchanschöring, Taching am

See und Tittmoning zur „Zukunftsregion Salzachtal“

zusammengetan. Als eine von 21 bundesweiten

Modellregionen des „Aktionsprogramms regionale

Daseinsvorsorge“, fi nanziert aus Mitteln des

Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, hat sich die Region knapp zwei

Jahre lang mit den regional bedeutendsten Handlungsfeldern beschäftigt und die hierbei

anstehenden Herausforderungen diskutiert.

61


Das Projekt wurde in den Jahren 2011 - 2013 bearbeitet. Die TeilnehmerInnen bearbeiteten

damals sieben Themenfelder, defi nierten die dazugehörigen Zukunftsziele und erarbeiteten

dafür auch schon erste Maßnahmen. Im Folgenden sind die Handlungsfelder mit den Zielen

aufgeführt.

Die Maßnahmen sind im zum Projekt gehörigen Abschlussbericht 13 zu fi nden.

Pflege und soziale Betreuung

Den Erfahrungsaustausch in der Region intensivieren.

Anreize schaffen, um alternative Wohnformen zu etablieren.

Dem Fachkräftemangel in den Pfl egebereichen in der Region entgegenwirken.

Die Menschen in der Region sollen möglichst lange selbständig Zuhause leben können.

Bildung / Ausbildung, Kinderbetreuung und Jugendarbeit

Langfristige Sicherung und Weiterentwicklung des Mittelschulstandorts

Attraktivität der (Freizeit-)Angebote für Jugendliche erhöhen

Dem Fachkräftemangel in der regionalen Wirtschaft des Salzachtals entgegenwirken.

Gemeindeübergreifende Kooperation in der Kinderbetreuung, nach Bedarf

Unterstützung von Kindern in der Entwicklung von sozialer Kompetenz

„Jedes Kind in einen Verein“

Gesundheit / ärztliche Versorgung

Ein Hausarzt bzw. ein Hausarztstandort in jeder Gemeinde

Verbesserung der fachärztlichen Versorgung und Erweiterung des Spektrums der

Fachärzte

Koordination der Wochenend- und Notfalldienste

Langfristiger Erhalt der Salzachklinik

Verbesserung der Erreichbarkeit der Ärzte und der Salzachklinik

Brand- und Katastrophenschutz

Alle Freiwilligen Feuerwehren sollen langfristig erhalten bleiben und die vorgeschriebenen

Hilfsfristen sollen auch in Zukunft sichergestellt werden.

Der Notarztstandort sowie die Rettungswache sollen erhalten bleiben.

Die freiwilligen Wasserwachten und Sanitätsbereitschaften sollen erhalten bleiben.

Siedlung / Wohnen / Leerstand

Die Menschen in der Region sollen möglichst lange selbständig zu Hause leben können.

Alternative Wohnformen in der Region bedarfsgerecht etablieren

13

https://www.kirchanschoering.info/projekte/moro-regionale-daseinsvorsorge.html

62


Nahversorgung

Vorhandene Betriebe müssen gestärkt werden.

Jede Kommune versucht den eigenen Bedarf abzudecken, unter Abwägung der

Notwendigkeiten in der Region.

Erreichbarkeiten erhalten ggf. verbessern

Bewusstseinsbildung: „Das schätzen, was man hat, und dafür sorgen, dass es so bleibt.“

(Dezentrale) kleine Läden sind auch in Zukunft wichtig, insbesondere bei einer alternden

Gesellschaft mit einer geringeren Mobilität.

Mobilität und Öffentlicher Personennahverkehr

Erreichbarkeiten per Fahrrad verbessern

Ergänzende / Alternative Fahrangebote zu ÖPNV etablieren bzw. ausbauen

Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen gewährleisten (Barrierefreiheit)

Flächendeckender öffentlicher Personennahverkehr im gesamten Landkreis unter Einsatz

aller innovativen Ansätze

Integriertes Klimaschutzkonzept

Im Jahr 2012 beschäftigte sich die Gemeinde Kirchanschöring intensiv mit dem Thema

Klimaschutz. Dazu wurde mit externer Unterstützung ein Klimaschutzkonzept entwickelt.

Dabei verständigte man sich darauf, das Szenario „Energiewende 2030“ anzuwenden. Das

Klimaschutzkonzept wird Zug um Zug umgesetzt.

Das Gesamtkonzept 14 kann auf der Homepage der Gemeinde Kirchanschöring abgerufen

werden. Die wichtigsten Zieldefi nitionen lauten:

Thementisch 1 - Bauleitplanverfahren

Energie als Belang im Bauleitverfahren

Quartiersanierungskonzepte

Thementisch 2 - Energetische Sanierung

Infokampagne zur energetischen Sanierung

Energetische Sanierung aller kommunalen Gebäude (nur soweit erforderlich)

Thementisch 3 - Erneuerbare Energien - Strom: Solar und Wind

Tageslichtabhängige Beleuchtung in öffentlichen Gebäuden

Stromspeichermöglichkeiten nutzen

Öffentlichkeitsarbeit zum Verbraucherverhalten

14

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html

63


Thementisch 4 - Wärmeversorgung

Solarthermieförderung aufnehmen

FF-Haus Lampoding: moderne, effi ziente Wärmeversorgung

Holzbedarf reduzieren - Abwrackprämie für alte Holzöfen (Holz), Heiztechnik verbessern,

Förderung

Thementisch 5 - Mobilität

Appell an Politik: Finanzierungsmodelle und Förderung nutzen: Pilotprojekte

ÖPNV neu denken: neue Tarifsysteme, neue Modelle

Thementisch 6 - Unternehmen

PV-Anlagen für Eigenverbrauch nutzen

Marketingaktion zur Gebäudesanierung wiederholen und neu aufziehen

Neuer Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan

Die Gemeinde Kirchanschöring hatte einen Flächennutzungsplan mit integriertem

Landschaftsplan aus dem Jahr 1991 (genehmigt mit Bescheid der Regierung von Oberbayern

vom 15.04.1991), der zahlreiche Änderungsverfahren durchlaufen hat.

Der Gemeinderat hatte daher am 19.11.2009 beschlossen, den Flächennutzungsplan mit

integriertem Landschaftsplan neu aufzustellen. Die Ziele dieser Planung sind auf einen

Zeitraum von 15 Jahren ausgelegt.

Aufgabe des Flächennutzungsplanes ist es, als vorbereitender Bauleitplan die bauliche und

sonstige Nutzung der Grundstücke in der Gemeinde vorzubereiten und zu leiten (§1 Abs. 1

BauGB). Im Flächennutzungsplan ist für das Planungsgebiet die sich aus der beabsichtigen

städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren

Bedürfnissen der Gemeinde in den Grundzügen darzustellen.

Im kommunalen Planungssystem übernimmt der Flächennutzungsplan drei wesentliche

Funktionen:

Er führt sämtliche Planungen für das Gemeindegebiet zusammen und muss diese ggf.

zum Ausgleich bringen, er erfüllt insoweit Koordinierungsfunktion.

Er bestimmt den Standort der einzelnen Nutzungen im Gemeindegebiet und übernimmt

sämtliche Allokationsfunktion.

Er stellt sämtliche fl ächenrelevanten Aussagen in einem Planwerk übersichtlich zusammen

und erhält so Informationsfunktion.

Flächennutzungspläne sind für die einzelnen Grundstückseigentümer nicht unmittelbar

verbindlich, sie binden jedoch an der Aufstellung beteiligte öffentliche Planungsträger, die

den Plänen nicht widersprochen haben und sind auch für die Gemeinde beschlossenes

Verwaltungsprogramm. Der Flächennutzungsplan ist auch bei der Beurteilung von Vorhaben

nach § 35 Abs. 2 und 3 als öffentlicher Belang zu berücksichtigen und entfaltet so mittelbar

gegenüber den betroffenen Eigentümern Rechtswirkung. Sofern Flächen nicht als Bauland

dargestellt sind, schließt dies in der Regel eine bauliche Entwicklung bis auf weiteres aus.

Auch insofern besteht eine Rechtswirkung für Private.

64


Die Landschaftsplanung regelt laut Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 9 und 11 die

Umsetzung der Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes

und der Landschaftspfl ege.

Der Landschaftsplan ist damit auf der Ebene der vorbereitenden Bauleitplanung angesiedelt.

Die Planungshoheit liegt bei der Kommune.

Nach § 11 BNatSchG sind ein Landschaftsplan und Grünordnungspläne von der Gemeinde

aufzustellen, sobald dies aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspfl ege

erforderlich ist.

Für die Gemeinde Kirchanschöring gab es dafür verschiedene Gründe:

Zum einen sind von der Gemeinde maßgebliche Nutzungsänderungen geplant, zum

anderen befi nden sich einige für die Landschaftspfl ege und den Naturschutz wichtige

Flächen und Bereiche (Biotope, Biotopkomplexe) auf dem Gemeindegebiet, die zu

berücksichtigen sind. Außerdem liegt das Gemeindegebiet im Geltungsbereich einer

Bekanntmachung verschiedener Staatsministerien für das Alpen- und Voralpengebiet,

in der festgelegt ist, dass in diesen Bereichen als Bestandteile der Flächennutzungspläne

grundsätzlich Landschaftspläne aufzustellen sind.

Mit dem Landschaftplan erhält die Gemeinde ein Instrument, das die örtlichen Erfordernisse

und Maßnahmen zur Verwirklichung des Naturschutzes und der Landschaftspfl ege darstellt.

Auf die aus der Bestandsaufnahme und der Bewertung entwickelten Maßnahmen und

Vorschläge kann die Gemeinde immer wieder zurückgreifen. Sie bilden den Rahmen

für die verbindliche Bauleitplanung und die aktive Umsetzung in den nachfolgenden

landschaftlichen Planungen.

Die Schwerpunkte des Landschaftplanes lassen sich unter zwei Gesichtspunkten betrachten:

Querschnittsorientierter Beitrag zur Bauleitplanung

Im querschnittsorientierten Beitrag der Landschaftsplanung wird die Verträglichkeit der

Nutzungs- und Standortansprüche aller Fachplanungen im Planungsraum überprüft.

unter dem Gesichtspunkt der Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und

der Nutzungsfähigkeit von Naturgütern.

Aufgabe des Naturschutzes und der Landschaftpfl ege

In Landschaftsplänen und Grünordnungsplänen sind gemäß § 9 Abs. 3. BNatSchG

darzustellen oder festzuhalten

1 . der vorhandene Zustand von Natur und Landschaft und seine Bewertung nach den

Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspfl ege,

2 . der angestrebte Zustand von Natur und Landschaft und die zu seiner Entwicklung

erforderlichen Maßnahmen, insbesondere

a ) die allgemeinen Schutz-, Pfl ege- und Entwicklungsmaßnahmen,

b ) die Maßnahmen zum Schutz, zur Pfl ege und zur Entwicklung bestimmter Flächen und

einzelner Bestandteile der Natur im Sinn des III. Abschnitts (Schutz von Flächen und

einzelnen Bestandteilen der Natur, z.B. Naturdenkmäler, Landschaftsbestandteile),

c ) die Maßnahmen zum Schutz und zur Pfl ege wildwachsender Pfl anzen und

wildlebender Tiere,

d ) die Maßnahmen zur Erholung in der freien Natur,

e ) die Maßnahmen zur Unterhaltung der Gewässer.

65


Der Landschaftsplan wurde zunächst als selbständiger Fachplan entwickelt.

Der Landschaftsplan wird damit in die gemeindliche Abwägung aller öffentlichen und

privaten Belange nach § 1 Abs. 6 BauGB einbezogen.

Gleichzeitig erhält die Gemeinde durch die Integration ein Planwerk aus Flächennutzungsplan

und Landschaftsplan.

Der Landschaftsplan bindet die Gemeinde und die „Träger öffentlicher Belange“ nach

dem Durchlaufen des Verfahrens, in dem die „Träger öffentlicher Belange“ zu Bedenken

und Anregungen aufgefordert werden und die „Bürgerbeteiligung“ durchgeführt wird

(„Behördenverbindlichkeit des Planes“). Durch die Beteiligung des Landschaftsplans am

Aufstellungsverfahren des Flächennutzungsplanes nach BauGB erhalten seine Inhalte den

gleichen rechtlichen Status wie der Flächennutzungsplan.

Aus dem Flächennutzungsplan wird die verbindliche Bauleitplanung mit Bebauungsplänen

entwickelt. Aus dem Landschaftsplan werden die Grünordnungspläne entwickelt.

Die Bebauungspläne mit Grünordnungsplänen sind Rechtssatzung und damit allgemein

verbindlich.

Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring

„Leben und Wirtschaften“ war einer der wichtigsten

Leitbildprozesse der letzten Jahre. Wir wollten für die Gemeinde

Kirchanschöring einen eigenen Weg gehen, der eingebettet

in die regionalen Strategien ist, aber im Rahmen des eigenen

Wirkungskreises auf die spezielle Situation der Gemeinde eingeht

und unabhängig von Partnern in den Regionalinitiativen auch

die „eigene Geschwindigkeit“ vorgibt.

Das Handbuch als Ergebnis einer intensiven Bürgerbeteiligung

und vieler Gremiensitzungen ist auf der Internetseite der

Gemeinde Kirchanschöring zu fi nden 15 .

Die wichtigsten Leitlinien aus diesem langfristig angelegten Konzept sind:

Die Wertschöpfung vor Ort ist gestärkt.

Kirchanschöring als Gemeinde steht für gesunde Lebensmittel in der Erzeugung und

Konsum.

Rückkehr zu gesunden Strukturen (Strukturänderungen in Landwirtschaft und Nahversorgung

/ Handwerk)

Die Bauleitplanung orientiert sich am Ziel der Klimaneutralität (z.B. neues Baugebiet Ost II:

keine fossilen Heizungssysteme erlaubt).

Kirchanschöring wirtschaftet klimaneutral.

Wichtige Funktionen des Bodens sind fortentwickelt.

Erhalt und Wiederherstellung eines Biotopverbund- und Gewässersystems

15

https://www.kirchanschoering.info/images/PDF/Projekte/Leben_und_Wirtschaften/2015-05-08%20KIA%20

Handbuch%20GEK%20-%20Internetversion.o.pdf

66


Die Arten- und Strukturvielfalt (Biodiversität) ist erhalten.

Leben und Arbeiten in einem qualitätsvollen Umfeld

Revitalisierung des Ortskerns

Kirchanschöring geht verantwortungsvoll mit seinen Flächen um.

Alle Aktionen der Gemeinde sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Der Ort Kirchanschöring ist das soziale Zentrum der Gemeinde.

Die Lebensqualität aller Bürger steht an erster Stelle.

Diese Leitlinien und das gesamte Leitbild „Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring“ wurde

vom Gemeinderat im Herbst 2014 einstimmig beschlossen und stellt seither die Richtschnur

unseres kommunalpolitischen Handelns dar.

Ökomodellregion „Waginger See - Rupertiwinkel“

TYRLACHING

TITTMONING

FRIDOLFING

ÖSTERREICH

Im Jahr 2014 formierten sich die sieben Kommunen um den

Waginger See und im Salzachtal (Stadt Tittmoning, Markt

Waging am See und die Gemeinden Fridolfi ng, Kirchanschöring,

Petting, Taching am See und Wonneberg) zu einer staatlich

anerkannten Ökomodellregion.

TACHING

WAGING

KIRCHAN-

SCHÖRING

PETTING

LAUFEN

OBERNDORF

Im Jahr 2016 wurde diese dann erweitert um die Stadt Laufen,

den Markt Teisendorf und die Gemeinde Saaldorf-Surheim.

WONNEBERG

TRAUNSTEIN

TEISENDORF

SURHEIM

SAALDORF

FREILASSING

Die Zusammenfassung der Bewerbung zu einer staatlich

anerkannten Ökomodellregion soll die Zielrichtung dieser

Regionalinitiative verdeutlichen:

Der Waginger See - Rupertiwinkel will den heimischen Biomarkt stärken, will sich ein

regional-typisches Profi l als Ökomodellregion erarbeiten und kann dabei auf ein großes

Potenzial an innovativen Landwirten, ökologischen Produkten und Verarbeitern, vielfältigen

Landschaftsformen und Vorarbeiten im touristischen und kommunalen Bereich zurückgreifen.

In enger Zusammenarbeit mit den ökologischen Verarbeitern sowie dem Lebensmittelhandwerk

in der Region soll der Bio-Anbau ausgeweitet und sollen verstärkt ökologische

Produkte aus der Region verwendet werden. Die Gemeinden übernehmen eine

Vorreiterfunktion beim Absatz von Bioprodukten und, ergänzend, regionalen Produkten in

öffentlichen Einrichtungen und fördern die Bewusstseinsbildung beim Verbraucher. Ziel ist

außerdem eine Ökologisierung im Bereich der Gemeindeverwaltungen und des Tourismus.

Ein Netzwerk aus Landwirten, Verarbeitern, Tourismus, Gastronomie, Verbrauchern und

Umweltverbänden soll neue Projektideen mit entwicklen.

Der Waginger See - Rupertiwinkel sieht in der Ökomodellregion eine große Chance für eine

Stärkung des heimischen Biomarktes, will darüber hinaus aber auch ökologische Leistungen

aller bäuerlichen Betriebe einbeziehen, um die Zielsetzung der Ökomodellregion breit zu

verankern.

Durch eine Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen eröffnen sich neue Möglichkeiten

für Ökobetriebe, für umstellungswillige Landwirte, für Direktvermarkter und für einen

anspruchsvollen Ökotourismus in der Region.

67


Neben Landwirtschaft, verarbeitenden Betrieben, Gastronomie und Tourismus sollen

auch der Gewässerschutz, der Arten- und Klimaschutz und die Gesundheitsbildung junger

Menschen davon profi tieren.

Das Bewerbungskonzept als staatlich anerkannte Ökomodellregion sowie das Konzept

für die Verlängerunsperiode kann auf der Homepage der Regionalinitiativen der Region

Waginger See - Rupertiwinkel heruntergeladen werden 16 .

Die Kommunen waren sich von Anfang an ihrer Verantwortung im Rahmen dieser Ökomodellregion

bewusst und fassten dazu ein entsprechendes Beschlusspaket. Dieses wurde

in den einzelnen Kommunen von den jeweiligen Gemeinderäten gebilligt. Es ist unterteilt in

zehn bindende Beschlüsse und fünf optionale Beschlüsse.

Der Gemeinderat Kirchanschöring billigte das gesamte Paket.

Kommunales Beschlusspaket zur Ökomodellregion

Die Gemeinde Kirchanschöring ist sich ihrer Verantwortung als Teil der Ökomodellregion

Waginger See - Rupertiwinkel bewusst und ist bestrebt, die Umsetzung der bayerischen

BioRegio 2020-Strategie aktiv zu unterstützen. Aus diesem Grund soll in Zukunft bei

Neuverpachtung von kommunalen landwirtschaftlichen Flächen eine möglichst

ökologische und gewässerverträgliche Bewirtschaftung sichergestellt werden.

Die Gemeinde Kirchanschöring wird für ihre kommunalen Wälder eine Bewirtschaftung

und eine Entwicklung nach den Vorgaben der „Initiative Zukunftswald“ betreiben.

Die sind insbesondere:

„Waldumbau 70/30“, „Intakter Waldmantel“, „Beteiligung seltener Baumarten“,

„Waldrand-KULAP“, „kontinuierliche Waldpfl ege“, „Totholz ist Leben“, „Urwälder vor

der Haustüre“ und „Keine Chemie und keine Entwässerung“.

Dies wird auch für den Privatwald nach den Möglichkeiten der Kommune unterstützt.

Die Gemeinde Kirchanschöring wird im Rahmen der notwendigen kommunalen Planung

und Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen bzw. bei der Anlage von Ökokonten verstärkt

eine Umsetzung für eine weitere landwirtschaftliche Nutzung der benötigten Flächen

anstreben.

Die Gemeinde Kirchanschöring entwickelt einen Pfl egeplan für die öffentlichen Grünfl

ächen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine möglichst extensive, artenreiche

Pfl ege der Flächen gelegt. Entwicklungspotenziale bezüglich der Biodiversität sollen

darin aufgezeigt werden. Ein entsprechender LEADER- bzw. ILE-Antrag wird unterstützt

und eine Anrechnung dieser Flächen als Ausgleichsfl ächen wird angestrebt.

Der Gemeinderat Kirchanschöring beschließt, dass

sich die Kommune dafür einsetzt, auf allen öffentlichen Grünfl ächen auf den Einsatz

von chemischen Pfl anzenschutzmitteln zu verzichten. Da ein vollständiger Verzicht

meist erst nach und nach umgesetzt werden kann, wird zu Beginn insbesondere in

der Nähe von Kinderspielplätzen, Schulen und Kindergärten auf den Einsatz von

Pestiziden verzichtet.

16

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html

68


Private Dienstleistungsunternehmen, die den Auftrag zur Pfl ege öffentlicher Flächen

erhalten, ebenfalls zum Verzicht auf chemische Pfl anzenschutzmittel verpfl ichtet

werden.

der Bevölkerung die neuen Maßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit näher gebracht

werden, um Beschwerden wegen angeblich „schlecht gepfl egter“ Flächen zuvorzukommen.

Die Gemeinde Kirchanschöring erstellt / stellt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Flächen für

die Pfl anzung von Streuobstwiesen zur Verfügung und wird auch bei einer optionalen Bio-

Sammelzertifi zierung teilnehmen.

Ein entsprechender LEADER- bzw. ILE-Antrag wird unterstützt.

Die Gemeinde Kirchanschöring ist bestrebt, bei den Gemeinschaftsverpfl egungen in

ihren Einrichtungen den Anteil an regionalen, saisonalen und Bioerzeugnissen zu steigern.

Bei der Ausrichtung von Gemeindeveranstaltungen sollen in Rücksprache mit dem

Ausrichter / Gastronom / Caterer regionale und saisonale Biogerichte mit angeboten

werden.

Der Gemeinderat Kirchanschöring beschließt, das Beschaffungswesen auf eine umweltfreundliche

Beschaffung gemäß dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ zu überprüfen.

In einem ersten Schritt soll die Papierbeschaffung in allen Einrichtungen, in denen die

Kommune als Sachwandsträger auftritt, und weitere Verbrauchsmittel in den kommunalen

Verwaltungen umgestellt werden.

Bei der weiteren Umstellung der Verbrauchsprodukte, die regional nicht erhältlich sind

(Kaffee, Schwarztee), wird der Einkauf nach Biosiegel und Fairtrade Siegel empfohlen.

Die Gemeinde Kirchanschöring erstellt / übergibt zukünftig zu entsprechenden Anlässen

einen Ökomodellregion-Geschenkkorb.

Dieser ist nach Möglichkeit mit regionalen und / oder ökologisch erzeugten Lebensmitteln

bestückt.

Die Gemeinde Kirchanschöring erstellt einen Kataster für Leerstände im Bereich Gewerbe

und Wohnen, sowie von unbebauten Baugrundstücken und stellt die Informationen mit

dem Einverständnis der Eigentümer der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die Gemeinde Kirchanschöring hat grundsätzlich Interesse an der Erarbeitung von

gemeinsamen, gemeindeübergreifenden Ausgleichsfl ächen (z.B. Moorrenaturierungen,

Biotopverbund) zur Nutzung als zukünftiges, gemeinsames Ökokonto. Es soll versucht

werden, diese Idee im Rahmen eines gemeinsamen ILE-Projektes vorzubereiten und evtl.

umzusetzen.

Die Gemeinde Kirchanschöring prüft, ob sie Moorfl ächen besitzt, die sich für eine

Renaturierung eignen könnten. Falls ja, bemüht sich die Gemeinde / Markt / Stadt um

einen evt. erforderliche Abrundung des Areals und eine Umsetzung der Renaturierung in

Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern, z.B. in gemeindeübergreifender Zusammenarbeit

als regionale Ausgleichsmaßnahme.

Die Gemeinde Kirchanschöring bepfl anzt geeignete öffentliche Flächen mit Gemüse

und Beerenobst und gibt dieses zur allgemeinen Nutzung frei. Eine mögliche Integration

in die ILE ist zu prüfen.

69


Die Gemeinde Kirchanschöring wird zukünftig verstärkt Pfl anzungen von Wildfruchthecken,

Blühwiesen und selten gewordenen heimischen Baumarten (Wildapfel, Wildbirne)

vornehmen. Diese Arten sind auch im Rahmen der Bauleitplanung entsprechend zu

berücksichtigen.

Die Gemeinde Kirchanschöring unterstützt eine sich gründende örtliche Initiative für

einen Gemeinschaftsgarten und stellt ggf. eine geeignete gemeindeeigene Fläche

kostengünstig zur Verfügung, sofern die Initiative diese nicht von einem Landwirt pachten

kann.

Das kommunale Beschlusspaket kann auf der Homepage der Regionalinitiativen der Region

Waginger See - Rupertiwinkel heruntergeladen werden 17 .

Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) „Waginger See - Rupertiwinkel“

Gemeindeübergreifende Planungs- und Handlungsansätze,

mit denen die verfügbaren Kräfte gebündelt

werden können, gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Das Amt für ländliche Entwicklung unterstützt deshalb

die Kommunen bei der Erarbeitung innovativer

interkommunaler Enwicklungsstrategien.

Mit dem „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept“

(ILEK) wollte die interkommunale Allianz „Waginger

See - Rupertiwinkel“ geeignete Anpassungsstrategien

erarbeiten und so eine nachhaltige und ganzheitlich

angelegte Zukunftsentwicklung in der Region

aufzeigen.

Angedacht war kein klassisches ILEK, sondern eine

abgestimmte und in sich schlüssige Synthese aus allen

vorhandenen Projekten, Initiativen und Ergebnissen

sowie den verschiedensten Arbeitskreisen.

In nur neun Monaten wurden die neun Handlungsfelder

im ILEK-Prozess erörtert, gemeinsam vertieft und mit konkreten Projekten umgesetzt.

Die politischen Akteure aus den einzelnen Gemeinden, die Mitglieder der Lenkungsgruppe

sowie Fachleute aus den Themenbereichen brachten sich außerordentlich engagiert in

den Prozess mit ein.

Die Allianz „Waginger See - Rupertiwinkel“ hat mit diesem Verfahren Pioniergeist bewiesen

und sich auf etwas Unbekanntes mit offenen Zielen und offenen Ergebnissen eingelassen.

Die komplexen Zusammenhänge und Ziele der Region wurden in vielen Arbeitsgruppensitzungen

unter Einbeziehung von Experten und Bürgern bearbeitet und in neun Themenfelder

unterteilt.

17

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html

70


Die formulierten Ziele werden im Folgenden aufgezählt:

Infrastruktur

Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen stehen auf zukunftssicheren Beinen.

Medizinische Versorgung ist gesichert.

Ein leistungsfähiges, umweltfreundliches Verkehrskonzept sichert die Mobilität in der Region.

Digitale Zukunft

Unternehmen, Privatleute und die Gemeinden wirtschaften nachhaltig und klimaoptimiert.

Abwasserentsorgung ist auf dem aktuellen Stand der Technik.

Zusammenleben

Ein vielfältiges Wohnungsangebot mit unterschiedlichen Modellen ist geschaffen.

Senioren haben eine gesicherte Zukunft in ihrer Heimat und sind ein Aktivposten für die Region.

Bestmögliche Hilfestellung für Menschen in allen Lebenslagen ist gewährleistet.

Die Lebensqualität aller Bürger steht an vorderster Stelle.

Das rege Vereinsleben als Rückgrat des Miteinanders

Die Region ist für die Jugend attraktiv.

Die Region als attraktiver Bildungsstandort - vom Kindergarten über Schulen bis zur

Erwachsenenbildung

Die kulturelle Vielfalt (Rupertikultur) stärkt die regionale Identität.

Tourismus

Waginger Seengebiet - die authentische Genuss- und Erholungsregion im bayerischen

Voralpenland, wo Gäste Freunde werden und sich Familien wohlfühlen, Naturbewusstsein

und Regionalität gelebt wird und wo man aktiv Neues entdecken kann.

Wirtschaft

Es sind gute Rahmenbedingungen für Handel, Gewerbe und Dienstleistung vorhanden.

Regionale Wertschöpfung ist gestärkt.

Die interkommunale Zusammenarbeit unterstützt den Handel, das Gewerbe, die Industrie

und Dienstleister.

Landwirtschaft

Gesunde Strukturen in der Landwirtschaft bleiben erhalten.

Landwirtschaft, Bevölkerung und Kommunen sind Partner.

Alle Landwirte sehen sich gemeinsam als gleichwertige Partner.

Wasser

Die Öffentlichkeit weiß um den Wert des Wassers und verhält sich entsprechend.

Jeder geht mit der Ressource Wasser verantwortungsvoll um.

Das Trinkwasser steht dauerhaft in einer hervorragenden unbehandelten Qualität zur Verfügung.

71


Die natürlichen Gewäser sind das Grundgefl echt einer Biotopvernetzung.

Das Hochwasserschutz ist gewährleistet.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie ist für den Waginger- und Tachinger See sowie die Fließgewässer

erfüllt.

Natur und Umwelt

Wichtige Funktionen des Bodens bleiben erhalten und werden fortentwickelt.

Bewusstsein für Natur und Umwelt, Ort- und Landschaftsbild ist geschärft.

Die Arten- und Strukturvielfalt (Biodiversität) ist erhalten und verbessert.

Landschaftstypische Wald- und Gehölzstrukturen sind gesichert und ausgebaut.

Orts- und Landschaftsbild

Die Gemeinden betreiben eine organische und verantwortungsbewusste Siedlungsentwicklung.

Die Region ist barrierefrei.

Die Orte der Gemeinden sind positive, prägende Elemente des Landschaftsbildes.

Landschaftselemente an Verkehrswegen und auf öffentlichen Flächen sind weiterentwickelt

und geschützt.

Management / Umsetzung

Die Bürgerschaft arbeitet aktiv an der Gestaltung des Lebensumfeldes mit.

Starke Orte und Kommunen arbeiten in einer gemeinsamen Region zusammen.

Das gesamte ILEK kann auf der Homepage der Regionalinitiativen der Region Waginger

See - Rupertiwinkel heruntergeladen werden 18 .

Von den Startprojekten konnte bereits eine Vielzahl verwirklicht bzw. in die Umsetzung

gebracht werden.

Übersicht Startprojekte

Multifunktionales Kernwegenetzkonzept

Planungskonzept Vereinshäuser

Anlegen von Lehrfeldern für regionale Kulturpfl anzen

Anlage von Feld-, Wald- und Gewässerrändern und die

Vernetzung zu Wanderkorridoren

Bestandsanalyse-Workshop Alleinstellungsmerkmale ILE (Tourismus)

„Unser Wasser“ Infokampagne

Ausweitung Variobus

Flächenmanagementkonzept

Aufklärungsarbeit über landwirtschaftliche Produkte und Arbeit -

„Bauernhof als Klassenzimmer“

Baum des Jahres

Planungskonzept Mehrgenerationenwohnen

Gemeinsames Ökokonto

Grünfl ächenpfl egeplan

Abgeschlossen oder in Bearbeitung

In der Warteschleife

Umgesetzt über LEADER

Integration in LEADER-Projekt „Dialog Landwirtschaft-Verbraucher geplant

Umgesetzt über LEADER

Änderung der Förderbedingungen / Mobilitätskonzept als Folgekonzept

Gründung eines Arbeitskreises geplant

Integration in LEADER-Projekt „Dialog Landwirtschaft-Verbraucher geplant

Zurückgestellt (ILE-Klausur)

Zurückgestellt (ILE-Klausur)

Umsetzung über LEADER-Projekt „Grünfl ächenmanagement“ geplant

18

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html

72


Lokale Aktionsgruppe (LAG) „LEADER Traun-Alz-Salzach“

Die Lokale Aktionsgruppe „LEADER Traun-Alz-

Salzach“ ist eine Neugründung und hatte sich

zum ersten Mal um eine Anerkennung als LEADER-

Förderregion bzw. Lokale Aktionsgruppe (LAG)

beworben.

Sie umfasst die 15 Städte und Gemeinden Fridolfi ng,

Kirchanschöring, Palling, Petting, Taching am See,

Tittmoning, Traunreut, Trostberg, Waging am See

und Wonneberg aus dem Landkreis Traunstein

sowie Feichten an der Alz, Garching an der Alz,

Halsbach, Kirchweidach und Tyrlaching aus dem

Landkreis Altötting.

Die Region hat eine Größe von 544 km 2 und 73.797

Einwohner (Stand 31.12.2013, Statistisches Landesamt Bayern) und ist ländlich geprägt.

Die Abgrenzung erfolgte gemeindegrenzenscharf, keine Kommune ist Mitglied einer

anderen LAG oder hat mehr als 75.000 EinwohnerInnen.

Ausgehend von der Bewertung der Ausgangslage und der Entwicklungspotenziale sowie der

Ableitung des Entwicklungsbedarfs wurden im LEADER-Zukunftsforum am 3. November 2014

in Kirchanschöring die Enwicklungs- und Handlungsziele der Lokalen Entwicklungsstrategie

diskutiert und erarbeitet. Im Rahmen des vorbereitenden Steuerkreises, der für die Erarbeitung

der LES eingerichtet wurde, sind diese Ziele dann präzisiert, in eine Rang- und Reihenfolge

gebracht und mit Indikatoren untersetzt worden.

Entwicklungsziel 1

Förderung und Vernetzung von

Kultur, Tourismus und Freizeit

Handlungsziel 1.1

Stärkung der Regionalkultur und des

regionalen Kulturprofi ls

Entwicklungsziel 2

Den demografi schen Wandel

gestalten und Daseinsvorsorge

sichern

Handlungsziel 2.1

Mobilität für alle schaffen und sichern

Entwicklungsziel 3

Leben mit der Natur und Kulturlandschaft

erhalten

Handlungsziel 3.1

Schaffung einer nachhaltigen Agrarund

Konsumkultur

Handlungsziel 1.2

Schaffung eines regional

abgestimmten und nachhaltigen

Wegesystems

Handlungsziel 1.3

Entwicklung zukunftsfähiger Freizeitund

Tourismusangebote

Handlungsziel 2.2

Förderung der Dorfgemeinschaft und

Entwicklung regionaler Strategien für

zukünftige Treffpunkte

Handlungsziel 2.3

Förderung der Innenentwicklung und

neuer Wohnformen sowie Sicherung

der Nahversorgung

Handlungsziel 2.4

Förderung der ganzheitlichen Bildung

Handlungsziel 3.2

Professionalisierung der Regionalvermarktung

und Förderung der

regionalen Wirtschaftskreisläufe

Handlungsziel 3.3

Vermittlung des Wissens über die

Natur sowie Verbesserung von

Ökosystemen

Handlungsziel 3.4

Ausweitung

des regionalen Klimaschutz

73


Zur LAG gehören neben den Kommunen zahlreiche Institutionen, Vereine, Unternehmen

und Privatpersonen.

Die Region verbindet ein gemeinsamer Kulturraum, es gibt gemeinsame Probleme, die

auch nur gemeinsam zu lösen sind. Die bisherigen Kooperationsstrukturen endeten an der

Landkreisgrenze. Über LEADER wollen die Kommunen nun enger zusammenarbeiten und

Kooperationsvorteile nutzen.

Die Lokale Entwicklungsstrategie kann auf der Homepage der Regionalinitiativen der Region

Waginger See - Rupertiwinkel heruntergeladen werden 19 .

„Anders Wohnen in Kirchanschöring: Räumliche Ideen für ein nachhaltiges Wachsen -

alternative Wohnkonzepte“

Unsere Landschaft droht durch fortschreitende Bodenversiegelung und Bebauung akute

Gefahr. Als Gemeinde Kirchanschöring wollen wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen

und Alternativen erarbeiten: Ungenutzte Flächen, Häuser und Gebäude werden erfasst und

neue Formen des Zusammenwohnens sollen entstehen. Gemeinsam mit den BürgerInnen

wollen wir ein passendes Konzept entwickeln.

Unter dem Titel „Anders Wohnen in Kirchanschöring: räumliche Ideen für ein nachhaltiges

Wachsen - alternative Wohnkonzepte“ hat der Gemeinderat folgenden Beschluss gefasst:

Der Gemeinderat stimmt der Durchführung des Modellvorhabens „Anders Wohnen in

der „ILE Waginger See - Rupertiwinkel“ am Beispiel des Orts Kirchanschöring - räumliche

Ideen für ein nachhaltiges innerörtliches Wachsen mit alternativen Wohnkonzepten“

zu und gibt dafür ein Budget von 30.000 Euro für die vorläufi ge Projektlaufzeit von zwei

Jahren frei.

Hintergrund

Derzeit ist der Entwicklungsdruck auf dem Wohnmarkt in der Region recht hoch. Auch die

Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken ist ungebrochen. Bisher wurde diese Nachfrage

durch die Kommunen meist mit der Ausweisung von Neubaugebieten für Einfamilienhäuser

befriedigt. Dabei ist klar, dass die Kulturlandschaft und insbesondere ortsnahe Entwicklungsfl

ächen zu „wertvoll“ sind, um diese weiterhin mit Einfamilienhäusern zu zersiedeln.

Gleichzeitig dürfen die ohnehin mit Leerständen konfrontierten Innenorte nicht weiter

Funktionsverlust erleiden. Hier muss zukünftig auch das Wohnen für Wiederbelebung sorgen.

Zudem verlangt der wenig ausdifferenzierte Wohnungsmarkt nach neuen Wohnformen.

Entscheidend für eine nachhaltige Ortsentwicklung sind innerörtliche Entwicklungsfl ächen.

Diese werden im Rahmen eines Flächenmanagements erfasst. Die Datenbank wurde

exemplarisch für die ILE-Gemeinden an der Gemeinde Kirchanschöring getestet und

somit ein erster Schritt im ILEK Themenbereich H1.1 „Möglichkeiten der Innenentwicklung

nutzen, Flächenverbrauch für neue Wohn- und Gewerbegebiete reduzieren und dabei

19

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html

74


interkommunal denken“ und im Kirchanschöringer Projekt „Leben und Wirtschaften“,

Handlungsfeld C „Ortsstruktur“ getan.

Die ersten Bestandsaufnahmen ergaben allein für die Gemeinde Kirchanschöring 50 Leerstände

bzw. nicht bebaute, erschlossene Baugrundstücke. Diese sind in privater Hand und

nicht einfach aktivierbar. Erste Ideen und Gespräche zeigen aber grundsätzliches Potenzial

auf: in aufgelassenen Höfen, ungenutzten Werkstätten oder in einer kompakten straßenbegleitenden

Entwicklung bislang nicht bebauter Grundstücke ohne neue Erschließungsfl

ächen.

Handlungsempfehlung

1. Für eine nachhaltige Ortsentwicklung werden ortsspezifi sche räumliche

Entwicklungskonzepte benötigt, die alle strategisch wichtigen innerörtlichen

Potenzialfl ächen sowie die Schnittstellen zur Landschaft erfassen, und als

kleinräumige und stufenweise Verdichtung und Stärkung des Ortsgefüges

darstellen. Die klassische Bauleitplanung für Siedlungserweiterungen ist nicht das

geeignete Werkzeug, um zum Einfamilienhaus alternative und gemeinschaftliche

Wohnformen in ortsverträglichen Dichten zu motivieren. Diese Wohnformen

überzeugen vielmehr als passgenaue Lückenfüller im Ort und nicht als neue

Siedlung. Die potenziellen innerörtlichen Aus- und Umbauten samt der notwendigen

Qualitätssicherung in der Bauleitplanung (verpfl ichtende Bauberatung) können als

Signaturen verbindlich verankert werden. Dabei sollte es weniger die Frage sein,

ob ein Mehrfamilienhaus erlaubt ist, sondern wo und wie genau es sich zu fügen

hat. Dies ist in digitalen oder realen Modellen der Ortsmitten fallweise darzustellen

und zu überprüfen. So könnten städtebauliche und gestalterische Qualitäten sowie

nachhaltige Bauweisen mit einem höheren Maß der baulichen Nutzung belohnt

werden.

2. Als Kommune müssen wir Initiativen starten, um Bewegung in die nicht genutzen

innerörtlichen Flächen- und Gebäudereserven zu bekommen. Hier müssen alle

strategisch wichtigen Leerstände und Lücken einzeln betrachtet und ggf. mit viel

Überzeugungsarbeit und Mitteln der Bodenpolitik mobilisiert werden.

3. Um mit den neuen gemeinschaftlichen Wohnformen und den Wohnfolgefunktionen

die Innenorte mit ihren Leerständen und Lücken zu füllen, und dies am besten mit

Investoren-, Betreiber- und Bauherrengruppen aus dem Ort und / oder durch die

Gemeinde selbst, werden auf die jeweilige Potenzialfl äche und ihre räumliche

Situation abgestimmte Projektideen für mögliche Wohnformen samt möglicher

Kubaturen und daraus resultierender Wohnfl ächen benötigt. Dargestellt in ersten

anschaulichen Bildern, als ausgesuchte Referenz oder als Testentwurf, können

diese in einer Projektideenbörse veröffentlicht werden, um die Wohnraumsuchenden

vor Ort und in der Region anzuregen und zusammenzuführen.

Diese Wohnformen haben häufi g auch die Eigenschaft, gemeinschaftliche

Sondernutzungen wie einen Gemeinschaftsraum als Veranstaltungsraum oder

als Bürogemeinschaft an der Schnittstelle zum öffentlichen Raum anzubieten und

darin Teil des öffentlichen Lebens im Ort zu werden.

75


Modellvorhaben

Die Gemeinde Kirchanschöring bietet sich als Modellgemeinde an, diese Form der

städtebaulichen Planung, der Mobilisierung von innerörtlichen Potenzialfl ächen und der Starthilfe

in der Projektentwicklung für eine gemeinschaftliche Wohnform zu testen. Mit der langen

Tradition an Bürgerbeteiligungsprozessen hat Kirchanschöring bei der Einführung neuer Themen

sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese hervorgehenden Umsetzung als zukunftsweisende

Anschauungsprojekte können weitere in der ILE Waginger See-Rupertiwinkel folgen lassen.

Das Modellprojekt bedarf anregender Bürgerbeteiligung, um Vorbehalte abzubauen

und Interesse am „Anderen“ zu wecken - zum einen bei den Eigentümern und Nachbarn

der Potenzialfl ächen, zum anderen bei den potenziellen neuen Bewohnern. Hier müssen

gute realisierte Beispiele gemeinschaftlicher innerörtlichen Wohnformen samt der dahinter

liegenden Investoren -und Betreibermodelle im ländlichen Raum aufgezeigt werden.

Dazu wäre es gut, in einem begleitenden Forschungsprojekt mit Handlungsempfehlungen

an die Gemeinde- und Landespolitik, für die Gemeinden aufzuzeigen, welche juristischen

und fi nanzpolitischen Werkzeuge der Mobilisierung nicht genutzter innerörtlicher Flächenund

Gebäudereserven eingeführt werden könnten. Hier ist an höhere Erschließungsund

Anliegergebühren für die Unternutzung und zugleich Erlass von Erschließungs- und

Anliegergebühren für die Aktivierung von Leerstand zu denken.

Für das Investieren in Kleingruppen als kleine Genossenschaft, wie dies aus Südtirol und

der Schweiz bekannt ist, könnte das dahinterliegende Finanzierungsmodell samt der

steuerlichen Abschreibungsmöglichkeit in den bayerischen ländlichen Raum übertragen

werden, um Banken im ländlichen Raum zu gewinnen, die bereit sind, Baugruppen und

Kleinstgenossenschaften zu fi nanzieren. Außerdem könnte für die BayernLabo ein für

innerörtliches gemeinschaftliches Wohnen besonders zinsverbilligtes Kreditprogramm

(analog der Sächsischen Aufbaubank) entwickelt werden.

Bewertung: 13 Punkte

Fotos: Gemeinde

76


Da die kommunale Gestaltungsmöglichkeit durchaus weitreichend ist, ist damit auch eine

große Verantwortung verbunden. Es ist wichtig, gemeinsame Werte und Leitlinien für die

tägliche Arbeit in den Gremien zu setzen.

Und hier schlägt die Stunde des bürgerlichen Engagements: In unserer Gemeinde wurden

und werden diese Leitlinien immer mit einer hohen Bürgerbeteiligung erarbeitet.

Diese Bürgerbeteiligung kann auf unterschiedliche Weise angestoßen werden. Manchmal

ist es das Engagement der BürgerInnen oder NGOs für ein Thema, die die Gemeinde

um Unterstützung bitten. Beispielhaft ist hier die Zusammenarbeit bei der Etablierung der

„Gentechnikfreien Gemeinde“ mit allen Landwirten.

Bürgerbeteiligung kann aber auch ein elementarer Bestandteil von Förderprogrammen

sein. So wird z.B. bei LEADER die Bürgerbeteiligung zwingend vorgeschrieben.

Aber auch der Gemeinderat bzw. die Kommunalverwaltung kann eine Bürgerbeteiligung

anstoßen. Dies geschieht meist bei komplexeren Themen, die eine hohe Breitenwirkung

verursachen. Ein gelungenes Beispiel ist hier der Bürgerdialog zum „Haus der Begegnung“.

Auch wenn es vielleicht oft so erscheint, dass die BürgerInnen hier nur über allerlei theoretische

Konzepte und vielleicht Projekte beraten, so kann der Bürger / die Bürgerin gerade hier aktiv

mitgestalten, wohin die „Reise“ unserer Gemeinde in den nächsten Jahren gehen soll.

Dabei dürfen wir stolz darauf verweisen, dass die Bürgerbeteiligung bereits zu Bürgermeister

Hans Straßers Zeiten in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts einen hohen

Stellenwert in Kirchanschöring genoss und unsere Weiterentwicklung auf einem sehr hohen

Niveau gestartet werden konnte!

In den letzten Jahren wurden auf kommunaler Ebene in Kirchanschöring viele Konzepte bzw.

Projekte mit intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet. Dabei wurde immer besonderer Wert auf

eine „wirkliche“ Einbindung der Bürger gelegt. D.h. ihre Ideen und Anregungen, aber auch

Bedenken, wurden in Workshops aufgenommen und in die Lösung eingearbeitet.

So gab es für das „Haus der Begegnung“ eine extern moderierte Dialogplanung, bei der

Hochwasserplanung „Rothanschöring“ eine sog. Bürgerplanungsgruppe, die aktiv in die

Planungsarbeit des Ingenieurbüros eingebunden war. Die Bürger waren bei allen Besprechungen

der Kommune mit den Planern anwesend und konnten eigene Ideen einbringen.

Durch diese enge Kooperation konnte aber auch sehr gut die Botschaft transportiert werden,

wenn bestimmte Vorstellungen der Anlieger nicht umsetzbar waren. In den Vorüberlegungen

zur Schulhaussanierung wurde das Pfl ichtenheft, ebenso wie die aktuellen Planungsentwürfe,

gemeinsam mit dem Elternbeirat, dem Lehrerkollegium und durch eine Schülerbefragung erarbeitet.

Bei alldem muss aber allen Beteiligten klar sein, dass die letzte Entscheidung das gewählte

Gremium, der Gemeinderat, trifft.

Durch eine aktive Mitarbeit von Gemeinderatsmitgliedern, dem Bürgermeister und

Mitgliedern der Verwaltung in den Bürgerbeteiligungsverfahren werden aber die

Entscheidungen zum allergrößten Teil am Ende im Einvernehmen aller Beteiligten getroffen.

Bewertung: 8 Punkte

77


Für alle, durch den Gesetzgeber vorgegebenen kostendeckenden Einrichtungen einer

bayerischen Kommune, werden entsprechend dieser Vorgaben die Entgelte bestimmt.

Die überfällige Kalkulation für den Bereich der Entwässerungsanlagen wurde im Jahr 2018

durchgeführt (in diesem Bericht noch nicht berücksichtigt). Jedoch wurde dabei festgestellt,

dass durch die Gebühren und Beiträge der letzten Jahre die BürgerInnen nicht

übervorteilt wurden.

Im Bereich der Straßenausbaubeiträge hat die Gemeinde Kirchanschöring bereits im Jahr

2002 die Satzung abgeschafft und damit eine Gleichstellung aller BürgerInnen sichergestellt.

Dadurch werden die Sanierungen aller Straßen, Innen- sowie Außenbereich, durch den

allgemeinen Gemeindehaushalt fi nanziert.

Im Bereich der Gebühren und Beiträge gibt es ein starkes Element der Förderung unserer

BürgerInnen. Als Beispiel sei die Gebührensituation im Haus für Kinder St. Elisabeth angeführt.

Hier wurde von der Kommune, zur Entlastung der Eltern und zur Sicherung der Betreuungsqualität,

ein jährliches Defi zit von über 100.000 € übernommen. Im Bereich der Kinderkrippe

sind zudem die Elternbeiträge nach einer sozialen Einkommensstaffelung festgesetzt.

Weitere Maßnahmen zur Entlastung der BürgerInnen sind in Punkt D1.4 aufgeführt.

Es gibt nach unserem Kenntnisstand (bestätigt durch Ansiedlungskonzepte und Gewerbeanmeldungen)

keine Betriebe oder Ansiedlungen in der Kommune, die unethische

Geschäftsmodelle betreiben. Die Kommune greift auch aktiv ein, wenn sich entsprechende

Möglichkeiten ergeben, um negative Effekte zu vermeiden. So wurden Räume durch

die Kommune angemietet, um die geplante Nutzung des Eigentümers als Spielhalle zu

verhindern, die nun für den G‘wandladen genutzt werden.

Als weiteres Beispiel kann die Übereinkunft der Kommune mit den Veranstaltern von Festen

auf den Verzicht von Alkopops angeführt werden.

Bei der Auswahl der kommunalen Projekte nimmt das Themenfeld der Nachhaltigkeit und

damit der ethischen Relevanz einen großen Stellenwert ein. Viele der Kirchanschöringer

Projekte, gerade der letzten Jahre, sind Vorzeigeprojekte im Bereich der Nachhaltigkeit

sowie der ethischen und sozialen Ausrichtung.

Bewertung: 9 Punkte

78


Im Bereich des Bürgerservice wird in der Verwaltung der Gemeinde Kirchanschöring auf

den direkten Kontakt der BürgerInnen mit den zuständigen Sachbearbeitern Wert gelegt.

Dadurch ist sichergestellt, dass die BürgerInnen möglichst direkt eine kompetente Auskunft

erhalten.

Die Kontaktaufnahme gestaltet sich auch relativ unkompliziert. Zu den normalen

Öffnungszeiten ist es möglich, bei den jeweiligen Mitarbeitenden der Verwaltung einen

Gesprächstermin zu erhalten. Meist geschieht dies sogar ohne Voranmeldung.

Das Rathaus ist jeden Donnerstag bis 18:00 Uhr geöffnet, so sollte es auch ganztägig

arbeitenden ArbeitnehmerInnen möglich sein, persönlich ins Rathaus zu kommen.

Auch der Bürgermeister pfl egt die Kultur der „offenen Bürotür“. D.h. wenn er nicht durch

aktuelle Termine belegt ist, kann jeder Bürger jederzeit mit ihm die persönlichen Anliegen

besprechen. Sollte dies nicht sofort möglich sein, wird zeitnah ein entsprechender Termin

vereinbart. Diese fi nden oft auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten statt.

Seit einigen Jahren gibt es auch ein fest installiertes Sozialbüro in der Verwaltung.

Dabei handelt es sich um eine komplett freiwillige Leistung der Kommune. Die Mitarbeiterin

kümmert sich dabei um alle Belange der BürgerInnen im sozialen Bereich.

Vieles kann durch sie selbst erledigt werden. Ansonsten ist sie eine wichtige Schnittstelle

der BürgerInnen zu den weiteren Behörden. Die äußerst positive Resonanz der BürgerInnen

zu dieser Einrichtung veranlasste den Gemeinderat dazu, im Anschluss an eine geförderte

Pilotphase, dieses Büro als festen Bestandteil innerhalb der kommunalen Verwaltung zu

installieren.

Die jährlichen Kosten dafür können mit ca. 80.000 € angesetzt werden.

Bewertung: 7 Punkte

79


Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen

Tourismus

Waginger See - Salzachtal

(7 Gemeinden)

Wasserversorgung

Achengruppe

(6 Gemeinden)

Seenbündnis

TG Waginger See - Tachinger See

( 5 Gemeinden)

boden:ständig

Waginger See - Salzachtal

(5 Gemeinden)

Schulverbände

MORO

Zukunftsregion Salzachtal

(4 Gemeinden)

Ökomodellregion

Waginger See - Rupertiwinkel

(10 Gemeinden)

LAG LEADER

Traun-Alz-Salzach

(15 Gemeinden)

Die Gemeinde Kirchanschöring ist durch zahlreiche Regionalinitiativen mit anderen

Gemeinden in der Region Waginger See - Rupertiwinkel eng vernetzt, wie die obenstehende

Abbildung zeigt. Die Gemeinde stellt in diesen Kooperationen eine treibende Kraft dar.

80


Dies zeigt sich dadurch, dass der Bürgermeister als Vorstandssprecher fast aller

Kooperationen zeitlich und inhaltlich sehr engagiert für den Erfolg der Initiativen arbeitet.

Mit interkommunalen Kooperationen werden Ressourcen eingespart und gemeinsam kann

viel erreicht werden.

Die Bürgermeister und die Bürgermeisterin der Region treffen sich auf Grund mehrmals

im Jahr stattfi ndender Vorstandssitzungen der Regionalinitiativen sehr oft persönlich, und

ein direkter Informationsaustausch zu verschiedensten Themen ist so natürlich leicht und

unkompliziert möglich.

Bei der Erarbeitung der zu Grunde liegenden Konzepte unserer Regionalinitiativen wurden

viele Projektideen und Handlungsfelder aus den Leitbildern der Gemeinde Kirchanschöring

übernommen. Diese werden nun innerhalb der Regionalinitiativen, d.h. mit interkommunaler

Ausrichtung, weiter vertieft.

Als Projektbeispiel zur Offenlegung von Informationen ist hier das kommunale Grünfl ächenkonzept

zu nennen. Vor einigen Jahren wurde in der Gemeinde Kirchanschöring für

den Bereich des Ortskerns ein ökologisches Pfl egekonzept für kommunale Grünfl ächen

entwickelt. Innerhalb der Regionalinitiativen wird dieses Pfl egekonzept nun auf interessierte

Gemeinden in der Region übertragen und weiter entwickelt.

Eine interkommunale, grenzüberschreitende Vernetzung ist dadurch gegeben, dass die

Gemeinde Mitglied in der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein ist.

Die EuRegio ist in vielen Bereichen eine wichtige Plattform für die Zusammenarbeit zwischen

bayerischen und Salzburger Gemeinden, Behörden und Einrichtungen.

Der Bürgermeister nimmt sich auch außerhalb der festen, interkommunalen Kooperationen

die Zeit und gibt sein Wissen auf Anfrage gern an Kommunen weiter. So kommen immer

wieder interessierte kommunale Vertreter nach Kirchanschöring, um sich über verschiedenste

Themen (z.B. Ablauf Gemeindeentwicklungsprozess, Führungen im „Haus der

Begegnung“ etc.) zu informieren. Andererseits wird der Bürgermeister oft von Kommunen

angefragt, um dort in Vorträgen von seinen Erfahrungen zu berichten.

Ein weiteres, spannendes Thema bezüglich der Offenlegung von Informationen und der

Weitergabe von Technologie ist das interkommunale Hochwasseraudit, welches 2017 initiiert

wurde und demnächst umgesetzt wird. Hochwasser macht an keiner Gemeindegrenze halt,

und ein gemeinsames Bearbeiten dieses Themas wird für alle fünf beteiligten Kommunen

einen großen Mehrwert generieren. Man kann voneinander lernen und sich gemeinsam auf

zukünftige Hochwasserereignisse vorbereiten.

Bewertung: 18 Punkte

81


Die Weitergabe von Arbeitskräften hat in den letzten Jahren noch keinen großen Stellenwert

eingenommen. Wie bereits in D2.1 beschrieben, nehmen wir jedoch sehr aktiv an

Kooperationen auf unterschiedlichen Ebenen teil. Beispielsweise wurde für das LEADER-Projekt

„Machbarkeitsstudie für ein regionales Energieversorgungsunternehmen Regionalwerk

Chiemgau-Rupertiwinkel (RCR)“ eine eigene Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den

beteiligten Gemeinden, gegründet.

Im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung wurde im November 2017 (ILE-Klausur)

die Zusammenarbeit der Gemeindeverwaltungen als weiteres Handlungsfeld initiiert:

so kamen im Jahr 2017 bereits die Bauamtsleiter und Bautechniker der ILE zusammen.

Es ist durchaus vorstellbar, dass sich aus dieser interkommunalen Zusammenarbeit auf

Verwaltungsebene auch eine Weitergabe von Arbeitskräften entwickeln könnte oder die

Einstellung einer gemeinsamen Arbeitskraft, die für mehrere Kommunen zuständig ist. In

2018 haben zu diesem Thema bereits Treffen der Geschäftsleiter stattgefunden.

Auch die Sozialbüros in der Region sind eng miteinander vernetzt. Mehrmals im Jahr fi nden

Treffen zum gemeinsamen Austausch statt.

Bewertung: 12 Punkte

Als Gemeinde innerhalb einer Tourismusregion spielt das kooperative Standortmarketing vor

allem im Tourismusbereich eine große Rolle. Die Abwicklung fi ndet über den Tourismusverband

Waginger See mit sieben Mitgliedsgemeinden statt.

Es gibt einen gemeinsamen Webauftritt 20 . Viele Aktionen des Tourismusverbands, wie

beispielsweise die Waginger See Genusswochen fi nden überregional Beachtung 21 .

Hinsichtlich des Standortmarketings im Bereich Tourismus fi ndet außerdem eine gute

Zusammenarbeit zwischen der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel und dem

Tourismusverband statt. Zahlreiche Produkte und Aktionen sind gemeinsam entstanden:

z.B. Waginger See Hoibe 22 , Waginger See Kas, Bio-Genuss-Radltouren 23 .

Bewertung: 8 Punkte

20

https://waginger-see.de/tourismus

21

https://www.waginger-see.de/urlaubsplanung/genussregion/genusswochen

22

https://wagingersee-rupertiwinkel.de/lebensmittel-landwirtschaftliche-erzeugnisse/240-waginger-see-hoibedas-bio-zwickelbier-aus-der-region.html

23

https://wagingersee-rupertiwinkel.de/lebensmittel-landwirtschaftliche-erzeugnisse/254-dem-genuss-auf-derspur-zweite-genussradltour-durch-die-oemr.html

82


Kommunale Grünflächen

Vor allem im Bereich der Pfl ege von kommunalen Grünfl ächen ergeben sich für Gemeinden

Möglichkeiten ökologische Aspekte zu berücksichtigen und zu verbessern.

Vor einigen Jahren wurde in der Gemeinde Kirchanschöring für den Bereich des Ortskerns

ein ökologisches Pfl egekonzept für kommunale Grünfl ächen entwickelt. Dies ist, wie bereits

in D1.1 beschrieben, in den kommunalen Beschlüssen zur Ökomodellregion verankert. Durch

das Erstellen von Funktionsprofi len der Flächen konnte für geeignete Bereiche eine gezielte

Extensivierung der Grünfl ächen erreicht werden, um so einen Beitrag zum Schutz der Blüten

besuchenden Insekten und zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten.

Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlinge und Käfer haben eine

entscheidende Funktion im Ökosystem: Sie bestäuben auf ihrer Nahrungssuche die

besuchten Pfl anzen. Rund 80 % der heimischen Blütenpfl anzen sind auf Fremdbestäubung

durch Insekten angewiesen. Von dieser Tätigkeit hängen für uns Menschen lebenswichtige

Bereiche wie die Lebensmittelversorgung oder auch die Erhaltung der Biodiversität ab. die

Lebensbedingungen der bestäubenden Insekten haben sich in den letzten Jahrzehnten auf

Grund des immer knapper werdenden Nahrungs- und Lebensraumangebots, beispielsweise

durch die intensive Landwirtschaft oder „sterile“ Gärten bestehend aus Dauergrün,

jedoch erheblich verschlechtert. Durch die naturnahe Umgestaltung und Umsetzung

entsprechender, naturschutzfachlicher Maßnahmen auf kommunalen Grünfl ächen will die

Gemeinde Kirchanschöring auch eine Vorbildrolle für die Bevölkerung wahrnehmen.

Durch das ökologische Grünfl ächenpfl egekonzept ist für uns als Gemeinde eine

dokumentierte Betrachtung der Naturvielfalt mit Evaluierungsmöglichkeit gegeben.

Außerdem ist hier klar ein effi zienter Mitteleinsatz zu nennen. Die Pfl ege dieser extensiven

Flächen ist langfristig betrachtet weniger arbeits- und kostenintensiv.

Foto: fotolia,S.H. exclusiv

83


Seereinhaltung / Rückhaltemaßnahmen

Im Jahr 2017 wurden über die Teilnehmergemeinschaft Waginger - Tachinger See und der

Initiative boden:ständig 24 auf Kirchanschöringer Gemeindegebiet zwei Rückhaltemaßnahmen

zur Gewässererhaltung des Waginger Sees geschaffen.

Grabenumleitung mit Versickerung bei Kronwitt 25

Durch ein System aus Abfl ussmulden und zwei Rückhalte- bzw. Sickerbecken soll verhindert

werden, dass bei Starkregen große Mengen an belastetem Niederschlagswasser

ungepuffert in den Zufl uss zum Laubenbach gelangen. Zum anderen wird im Zufl uss

mitgeführter partikulärer Phosphor (überwiegend aus Gülleabschwemmungen) durch

Auskämmen und Absetzen (unterstützt durch Gras- und Röhrichtbestände) sowie durch

Versickerung (Festlegung im Boden) zurückgehalten.

Rückhaltung mit Verrieselung bei Lampoding 26

Um die Phosphoreinträge in den Waginger See zu reduzieren, wird das Grabenwasser

über zwei fl ache, breite Abfl ussmulden in eine fl ache, ca. 500 qm große Rückhaltemulde

umgeleitet. Wie bei der Maßnahme in Kronwitt, kann der im Oberfl ächenwasser enthaltene

partikuläre Phosphor durch Auskämmen und Absetzen sowie durch Versickerung aus dem

Zufl uss weitgehend entfernt werden.

Zusätzlich wird der ökologische Zustand des kleinen Zufl usses zum Laubenbach dadurch

verbessert, dass innerhalb des Flurstücks auf einer Lände von insgesamt 40 m die Grabensohle

um bis zu 1,0 m verbreitert wird, damit das begradigte kleine Fließgewässer mehr Raum zur

eigendynamischen Entwicklung erhält.

Strom

Das Energiesparen und die Schonung der Ressourcen stellt für die Kommune ein wichtiges

Handlungsfeld dar (siehe D1.1, Integriertes Klimaschutzkonzept)

Alle kommunalen Gebäude werden soweit als möglich an das Hackschnitzel-Nahwärmenetz

angeschlossen. Dabei wurden alte Ölheizungsanlagen deinstalliert.

Der Anbau des Kindergartens wurde als Passivhausstandard ausgeführt. Mit einer großen

PV-Anlage auf dem Dach wird die Energiebilanz positiv beeinfl usst.

Die kommunalen Dachfl ächen wurden für PV-Anlagen zur Verfügung gestellt. In den

letzten Jahren werden jedoch die Anlagen vermehrt durch die Gemeinde erstellt.

Die benötigte elektrische Energie wird als Ökostrom eingekauft.

In der Hans-Straßer-Halle wurde die Innenbeleuchtung auf LED-Technik umgestellt.

Dadurch wird mehr als 60 % des Strombedarfs eingespart. Dies entspricht nach der

Berechnung des Herstellers rund 425 t CO 2

auf die gesamte Lebenszeit der Beleuchtung

(20 Jahre).

24

https://www.boden-staendig.eu/projekte/wagingertachinger-see

25

https://www.boden-staendig.eu/nachrichten/2.-massnahmenpaket

26

https://www.boden-staendig.eu/nachrichten/rueckhaltung-mit-verrieselung-bei-lampoding

84


Das „Haus der Begegnung“ wurde mit annähernd Passivhausstandard geplant und

liegt damit weit über dem geforderten technischen Standard (Primärenergiebedarf

nach EnEV: 8 kWh/m 2 a). Dazu wird mit dem installierten Mieterstrom die dezentrale

Stromversorgung unterstützt.

Ebenso wurde bei der Ausschreibung verschiedener Gewerke bereits auf die Materialiät

und dessen Auswirkung auf die Umwelt und die Bewohner ein besonderes Augenmerk

gelegt (Ökologische Innenfarben, PVC-freie Linoleumböden)

Bewertung: 23 Punkte

Das Ziel der Kommunikation ökologischer Aspekte ist die Bewusstseinsschaffung und die

Sensibilisierung für Themen wie Natur- und Umweltschutz, Energieeinsparung etc. in der

Bevölkerung. Die ökologischen Eigenschaften der Dienstleistungen der Gemeinde werden

neben der Veröffentlichung in zahlreichen Medien (z.B. Gemeindemitteilungen, Homepage

der Gemeinde, Artikel in der Tagespresse, Homepage der Regionalinitiativen etc.)

vor allem mit Hilfe verschiedener Veranstaltungen transportiert. Wie bereits oben genannt,

wird ein großer Teil dieser Veranstaltungen, wie z.B. Genussradltouren im Rahmen der

Bioerlebnistage, Streuobstwiesenführungen, Wiesenwettbewerb, Vortrag zum Thema

Klimawandel etc. über die Regionalinitiativen Waginger See - Rupertiwinkel organisiert 27 .

Die Ökomodellregion ist auf vielen Märkten und Veranstaltungen in der Region, so natürlich

auch in der Gemeinde Kirchanschöring, mit Infoständen zu wechselnden Themen vertreten.

Außerdem werden immer wieder Fachartikel veröffentlicht, beispielsweise zum Thema

„Gärtnern am besten ohne Torf“ 28 .

Das Bewerbungskonzept der ÖMR 29 , das mit intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde,

basiert auf drei Säulen:

Erzeugung und Vermarktung von Bioprodukten

Kommunen, Bürger und Verbraucher in der Ökomodellregion

Zusammenarbeit mit weiteren Partnern (z.B. konventionelle Landwirtschaft) zu

Ökologisierung der Landwirtschaft

Bewertung: 29 Punkte

27

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/

28

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/information-bewusstseinsbildung/231-gaertnern-am-bestenohne-torf.html

29

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html?download=8:konzept-oekomodellregion

85


*Benachteiligte BürgerInnen-Gruppen: beispielsweise einkommensschwache Haushalte, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen

mit körperlichen Beeinträchtigungen, ältere Menschen, MigrantInnen, queere Menschen. Und auch: NGOs, gemeinnützige Einrichtungen,

zivilgesellschaftliche Projekte und Initiativen. Und auch: nichtkommerzielle Einrichtungen aus den Bereichen Bildung, Gesundheits- und

Sozialwesen

In der Bearbeitung dieses Punktes orientiert sich der Aufbau am GWÖ-Handbuch und teilt

die Barrieren in vier Dimensionen ein.

Sprachliche Barrieren

Durch den persönlichen Kontakt der BürgerInnen mit der Verwaltung können viele sprachliche

Barrieren im direkten Gespräch geklärt werden. Etwas komplizierte Formulierungen, die sich

aus den Vorgaben für die Verwaltung, z.B. bei der Formulierung von Bescheiden ergeben,

werden entsprechend erklärt.

Für AsylbewerberInnen und andere MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund wurde ein

Sprachkurs durch den von der Gemeinde unterstützten „Helferkreis Asyl“ ins Leben gerufen.

Dabei stellt die Gemeinde neben den Räumen auch das Schulungsmaterial zur Verfügung.

Im Haus für Kinder St. Elisabeth übernimmt die Kommune Mehrkosten für eine intensivere

Betreuung von benachteiligten Kindern.

Intellektuelle Barrieren

Auch für den Bereich der intellektuellen Barrieren setzt die Gemeindeverwaltung auf den

direkten Kontakt und das direkte Gespräch mit den BürgerInnen. Mit dem Sozialbüro und

dem Rentenamt gibt es besondere Anlaufstellen für BürgerInnen, die Probleme mit den

Abläufen der Verwaltung bzw. Schwierigkeit bei der Anforderung von Hilfe haben.

Physische Barrieren

In den letzten Jahren wurde besonderes Augenmerk auf die Barrierefreiheit im öffentlichen

Raum gelegt. Alle neu erbauten Gebäude sind grundsätzlich barrierefrei. So wurde beim

Bau des Haus für Kinder St. Elisabeth von Anfang an besonders auf Barrierefreiheit geachtet.

Beim Umbau des Rathauses wurde ein Lift eingebaut und breitere Türen verwendet.

Doch auch bei Bestandsgebäuden wurde dieses Thema aktiv bearbeitet. So wurde im

Schulgebäude ein behindertengerechtes WC nachgerüstet.

Grundsätzlich sollen alle Gebäude barrierefrei zugänglich sein.

Auch im Straßenbau gab es entsprechende Anpassungen. An Kreuzungspunkten wurden

die Gehwege abgesenkt und private Grundstücks- und Gebäudeeigentümer gemeinsam

mit der Architektenkammer auf Optimierungsmöglichkeiten hingewiesen.

86


Visuelle Barrieren

In diesem Bereich besteht noch der größte Handlungsbedarf. Jedoch wurde auch hier schon

begonnen, im öffentlichen Raum entsprechende Verbesserungen zu erreichen. Bei der

Planung des Haus der Begegnung wurde zum Beispiel bei der Erarbeitung des Farbkonzepts

auf eine entsprechende Auswahl geachtet. Ein Gesichtspunkt war dabei, den Kontrast

von Wand, Boden und Türen so zu gestalten, dass die Orientierung für Sehbehinderte

erleichtert wird.

Alle MitarbeiterInnen der Gemeindeverwaltung und die ehrenamtlich Tätigen sind eng

miteinander vernetzt, sodass die richtige Anlaufstelle an die BürgerInnen schnell weitergegeben

werden kann.

Sozialbüro / Sozialamt

Neben den Pfl ichtaufgaben eines Sozialamtes fassen wir die Aufgabe als Gemeindeverwaltung

in diesem Bereich besonders weit. Durch die langjährige Erfahrung und das

Engagement der MitarbeiterInnen wird hier ein Service weit über dem Standard angeboten.

Gerade das Sozialbüro ist ein rein freiwilliges Angebot der Gemeinde. Vor allem durch

die Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, wird hier ein besonderer Service für die

MitbürgerInnen angeboten.

Diese beiden Anlaufstellen ergänzen sich und bieten vielseitige Angebote:

Pfl egekompass

Ein speziell für Kirchanschöring zugeschnittener „Pfl egekompass“ wurde von der

Gemeinde erstellt und ist kostenlos für alle BürgerInnen erhältlich. Für Fragen zur Pfl ege im

häuslichen Bereich stehen Frau Stockhammer (Sozialamt) und die Seniorenbeauftragte,

Frau Allerberger zur Verfügung. Hausbesuche und Krankenhausbesuche erfolgen

überwiegend ehrenamtlich durch die Seniorenbeauftragte.

Notfallmappen

Ausgabe und Beratung zur medizinischen und wirtschaftlichen Notfallmappe. Diese

sollen Hilfe bei einem Notfall (z.B. Klinikeinweisung) bieten, um alle notwendigen Schritte

einleiten zu können und nötige Informationen schnell und sicher für die Helfer, z.B. Ärzte

und Angehörige zur Hand zu haben.

Beratung und Information

Hilfe bei schriftlichen Anträgen, inklusive intensiver Beratung. Bei notwendigen Anträgen,

z.B. im Rentenwesen und im häuslichen Pfl egebereich etc., werden Anträge nicht

nur ausgegeben, sondern auch ausgefüllt. Außerdem fi ndet diesbezüglich auch eine

umfangreiche Information und intensive Beratung statt.

Sozialbüro

Das Sozialbüro steht vormittags und nach Vereinbarung täglich als erste Anlaufstelle

für soziale Belange zur Verfügung und gibt Auskunft über Sozialleistungen und

Unterstützungsangebote. Formulare, welche die Beantragung von Bezügen oder

Befreiungen betreffen, werden nicht nur ausgegeben, sondern BürgerInnen auch bei

87


deren Ausfüllung unterstützt.

Ebenso erfolgt eine Koordination mit bzw. eine Begleitung zu den vernetzten Fachstellen.

Es wird Hilfe bei Bewerbungen und beim Erstellen von Förderanträgen, z.B. bei Stiftungen

angeboten.

Initiierung und Koordination von regelmäßigen Fachberatungen vor Ort

Kreuzbund e.V. (Informationen für Alkoholkranke und deren Angehörige), Kinderschutzbund,

Wohnraumberatung (besser Wohnen in veränderten Lebenssituationen),

Schullaufbahnberatung, Orientierungshilfe bei psychischen Problemen, Hilfe zur Pfl ege

(Bezirk Oberbayern), Beratung Pfl egekasse (AOK).

Ausgabe und Beratung zu Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Schwerbehindertenanträgen

sowie den entsprechenden Parkausweisen.

Sämtliche BürgerInnengruppen

G‘wandladen - der Kleidermarkt für Jedermann

Im Rahmen des Gemeindeprojekts

„Lebensqualität durch Nähe“ wurde der

G‘wandladen am 11. Juni 2005 eröffnet.

Jede/r Bürger/in kann gut erhaltene

Kleidung, Wäsche, Schuhe etc. bei den

Ehrenamtlichen des G‘wandladenteams

ohne Gegenleistung abgeben und

BürgerInnen, auch von außerhalb des

Gemeindebereichs, können gegen einen

Der G‘wandladen - sozial und ehrenamtlich

geringen Betrag Ware erhalten.

Dieses Angebot wird sehr gerne auch von Hilfebedürftigen, die pro Teil nur 1,00 € zu

entrichten haben, angenommen.

Der Reinerlös fl ießt in den gemeindlichen Sozialfonds.

Der G‘wandladen als gemeindliche Einrichtung wird von sechs ehrenamtlich tätigen

Damen betrieben und von der Gemeindeangestellten, Michaela Stockhammer

betreut.

Informationsservice

Regelmäßige Informationen bezüglich der zusätzlichen Angebote der Gemeinde (z.B.

Fahrdienste, Sozialfonds, G‘wandladen etc.) und Unterrichtung über Neuigkeiten im

Rentenrecht, Pfl egestärkungsgesetz, usw. erhalten die BürgerInnen im Gemeindemitteilungsblatt.

Dazu gibt es Auskunft darüber, was in der Gemeinde „los“ ist und welche Projekte

anstehen. BürgerInnen werden darin auch öffentlich geehrt (z.B. Goldene Hochzeit,

hohe Geburtstage etc.).

Selbsthilfegruppen

Es werden verschiedene Selbsthilfegruppen (Angst-Burnout-Depression (2x im Monat),

Angehörigengruppe für Menschen die Demenzkranke betreuen (1x im Monat)) angeboten.

88


Diese sind meist privat organisiert, jedoch stellt die Kommune hier die Räumlichkeiten

kostenlos zur Verfügung.

Café Miteinander

Einmal im Monat wird von der Seniorenbeauftragten das Café Miteinander organisiert.

Rund 80 BürgerInnen treffen sich, tauschen sich aus und nehmen an einem liebevoll

vorbereiteten Programm teil. Ein Team aus ehrenamtlichen HelferInnen unterstützt dabei

die Seniorenbeauftragte. Die Veranstaltung fi ndet in einem barrierefrei zugänglichen

Raum mit einem Behinderten-WC statt.

Beauftragte

Die Gemeinde Kirchanschöring hat für die verschiedenen Gruppierungen gemeindliche

Beauftragte eingeführt. Diese engagieren sich ehrenamtlich und bilden ein äußerst

wertvolles Element im sozialen Gefüge der Kommune. Sie kümmern sich um unterschiedliche

Belange z.B. der Senioren oder Menschen mit Behinderung. Sie sind ein

wichtiges Bindeglied zwischen Gemeindeverwaltung und betroffenen BürgerInnen.

Auch sie selbst verstehen sich als deren „Sprachrohr“.

Behindertenbeirat

Seniorenbeauftragte

Jugendbeauftragte

Familienbeauftragte (wird derzeit vom Sozialbüro ausgebildet)

AsylbewerberInnen

Die Gemeinde unterstützt den „Helferkreis Asyl“. Dabei werden Räume und Materialien

zur Verfügung gestellt. Auch fi nanzielle Unterstützung für die Ehrenamtlichen erfolgt im

Rahmen der Haushaltsansätze.

Eine besondere Leistung übernehmen dabei die Ehrenamtlichen, die Patenschaften

für AsylbewerberInnen übernehmen und diesen dabei helfen, in unserer Gesellschaft

zurechtzukommen. Das beginnt bei banalen Dingen wie der Mülltrennung, Unterstützung

bei Einkäufen bis hin zur Begleitung bei Amtsgängen oder einem ehrenamtlich

organisierten Sprachunterricht.

Die Gemeinde stellt auch die Sportanlage für eine Kricket-Mannschaft zur Verfügung,

die mittlerweile als Abteilung in den örtlichen Sportverein integriert ist.

SeniorInnen / Pfl egebedürftige

Fahrdienste für Senioren und Seniorinnen sowie behinderte Menschen mit Schwerbehindertenausweis

Fahrten zu Ärzten (täglich) und Einkaufsrundfahrten (1x wöchentlich).

Ziel des Fahrdienstes ist u.a. die Angehörigen dieses Personenkreises zu entlasten und die

Möglichkeit zu schaffen, unkompliziert zu den Geschäften im Gemeindebereich und zu

den Ärzten (auch in Nachbargemeinden) zu gelangen.

Bei diesem Angebot entsteht für die BürgerInnen nur ein geringer Unkostenbeitrag, die

restlichen Kosten übernimmt die Gemeinde.

Die Einkaufsrundfahrt wird einmal wöchentlich und nur im Gemeindebereich angeboten,

damit die Wertschöpfung innerhalb der Gemeinde nicht geschwächt wird.

89


Essen auf Rädern

Vermittlung von Essen auf Rädern. Zu Ostern und Weihnachten erhalten hilfebedürftige

KirchanschöringerInnen aufgrund einer Vorschlagsliste der Gemeinde vom Anbieter ein

kostenloses Mittagessen.

Pfl egehilfsmittel

Pfl egehilfsmittel, wie z.B. Duschhocker, Badewanneneinstiegshilfe, Rollstuhl, Rollatoren

etc. können von der Gemeinde über die Seniorenbeauftragte ausgeliehen werden.

Gratis-Müllsäcke

Pfl egebedürftige KirchanschöringerInnen mit erhöhtem Windelaufkommen erhalten von

der Gemeinde kostenlos bis zu drei Müllsäcke pro Monat.

Voraussetzung: ärztliche Bestätigung und Hauptwohnsitz in der Gemeinde

Helfernetzwerk des Vereins „Haus der Begegnung“

BürgerInnen die auf Hilfe von Dritten angewiesen sind, können Hilfe in Anspruch nehmen

(z.B. Hilfe im Haushalt bzw. rund ums Haus, Betreuung, Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung).

Die Tätigkeiten werden nur innerhalb der Gemeinde von Kirchanschöringer

BürgerInnen ausgeführt, die dafür einen Übungsleiterpauschale erhalten.

Sonderveranstaltungen für SeniorInnen

Im jährlichen Wechsel zu einer, von der Pfarrei durchgeführten und der Kommune

bezuschussten, Seniorenweihnachtsfeier organisiert die gemeindliche Seniorenbeauftragte

alle zwei Jahre einen SeniorInnenausfl ug, dessen Kosten von der Kommune

übernommen werden.

Allgemein hilfsbedürftige MitbürgerInnen

Sozialfonds

Der Sozialfonds wurde 1991 durch den ehemaligen Gemeinderat Alfons Meindl und dem

damaligen Bürgermeister Hans Straßer ins Leben gerufen.

Sinn und Zweck dieses Fonds ist eine sehr schnelle und unbürokratische Hilfe für sozial

schwache Bürger mit Hauptwohnsitz im Gemeindebereich, wie z.B. Sozialhilfeempfänger,

Alleinerziehende, Behinderte, Senioren mit geringem Einkommen.

Auch können Familien, die einen Schicksalsschlag erlitten haben, durch eine sofortige

fi nanzielle Hilfe aus dem Sozialfonds unterstützt werden.

Spenden erfolgen durch Vereine, Einzelpersonen und Firmen, auch der Reinerlös des

G‘wandladens fl ießt in diesen Fonds.

Ausgegeben werden die Gelder z.B. für Medikamente, Zuschuss für Beerdigungskosten,

Fahrtkostenzuschüsse, Kauf von Heizmaterial, Winter- und Weihnachtsbeihilfe,

Schulbedarfsbeihilfe.

Nicht bezuschusst werden Mietkosten.

Sämtliche Geldeinnahmen werden zu 100 % an die Hilfebedürftigen weitergegeben.

90


Laufener Tafel

Seit 1. September 2006 besteht einen Kooperation zwischen der Gemeinde Kirchanschöring

und der „Laufener Tafel“. Somit kommen hilfebedürftige KirchanschöringerInnen

in den Genuss, kostenlos einmal in der Woche durch einen geringen Unkostenbeitrag

mit Lebensmitteln versorgt zu werden.

Im Gegenzug erhalten hilfebedürftige Laufener BürgerInnen Bekleidung etc. aus dem

G‘wandladen. Berechtigungsscheine werden in der Gemeindeverwaltung ausgestellt.

Bildung

Hilfebedürftigen GemeindebürgerInnen wird es ermöglicht, an VHS-Kursen, die über

die VHS-Kirchanschöring angeboten werden, kostenlos teilzunehmen. Die Finanzierung

erfolgt über den Sozialfonds

Neuzugezogene

... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...

- Hermann Hesse -

Gemeindewegweiser

Der Gemeindewegweiser dient neuen BürgerInnen zur

Orientierung, welche Angebote es in Kirchanschöring gibt: Vereine,

Selbsthilfegruppen, Helfernetzwerk, Verwaltung Gemeinde,

Sozialbüro, „Haus der Begegnung“, Seniorenangebote (u.a. Café

Miteinander, Seniorennachmittag der Pfarrei) etc.

Somit erhalten die neuen Gemeindebürger einen Überblick,

in welchem Bereich sie sich bei Interesse engagieren können,

welchen Verein sie gerne beitreten würden usw.

Kinder / Jugendliche

Neugeborene

Bei allen Neugeborenen in der Gemeinde Kirchanschöring erfolgt ein Besuch des

Bürgermeisters. Dabei wird ein Geschenk im Wert von ca. 50 € überreicht. Mit dabei ist

auch ein Gutschein des örtlichen Bioladens.

Neben dem Geschenk ist auch das Gespräch des Bürgermeisters und der Eltern oft

wichtig um mehr voneinander zu erfahren.

Ferienprogramm

Schon seit knapp 30 Jahren wird das, von der Gemeindeverwaltung organisierte und mit

Veranstaltungen der Vereine gestaltete Ferienprogramm, für die Kinder in den Sommerferien

durchgeführt. Neben dem Personal werden auch jährlich ca. 2.000 € für die

Durchführung der Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Jugendpfl eger / Jugendtreff

Die Kommune hat den aufgelassenen Bahnhof erworben, saniert und zu einem

Jugendtreff ausgebaut. Dieser wird von einem professionellen Betreuerteam geführt.

Diese offene Jugendarbeit ist eine wichtige Ergänzung zur erstklassigen Jugendarbeit in

den einzelnen Vereinen.

91


Das IM GRÜNEN - Festival

Das Festival mit 2.500 BesucherInnen ist das größte, von Jugendlichen selbst organisierte,

Konzertfestival in Bayern und hat einen erstklassigen Namen weit über die Grenzen

Kirchanschörings hinaus. Gemeinsam mit dem Jugendpfl eger und seinem Team planen

bis zu 80 Jugendliche dieses Ereignis. An diesem Tag werden rund 100.000 € umgesetzt.

Die Gemeinde steht seit mehr als zehn Jahren hinter diesem Jugendevent und stellt die

Infrastruktur und die fi nanzielle Sicherheit zur Verfügung. Bis auf die Personalkosten des

Jugendpfl egerteams hat sich dieses Festival bisher immer selbst getragen.

Auf Grund seinen erstklassigen Konzepts in Bezug auf die Jugendarbeit wurde das

IM GRÜNEN - Festival mit dem „Deutschen Ehrenamtspreis“ ausgezeichnet.

Das IM GRÜNEN Organisationsteam 2018

Bild: Günter Wimmer

Bewertung: 11 Punkte

92


**Förderungswürdige Strukturen: kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), regionale Unternehmen und Unternehmen, die sich besonders

für das Gemeinwohl engagieren

Förderungswürdige Strukturen sind für den ländlichen Raum, und damit auch für die

Gemeinde Kirchanschöring, Strukturen, die die Lebensqualität vor Ort sichern und die

Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im Vergleich zu anderen Regionen gewährleisten.

Diese Strukturen sind oft in der Gemeinschaft verankerte Strukturen, die nur im Notfall von

kommunalen oder staatlichen Stellen ersetzt werden sollten. Jedoch ist es wichtig, die

positiven Rahmenbedingungen für das vielfältige Engagement zu setzen.

Die Förderungen sind alle durch Gemeinderatsbeschlüsse im Rahmen der Jahre initiiert, und

im Detail von der Verwaltung weiterentwickelt und verfeinert worden. Viele der Förderungen

gehen auf Bürgerbeteiligungsprozesse zurück. So lieferte das Projekt „Lebensqualität durch

Nähe“ wichtige Anstöße, die Bedarfe der Bevölkerung zu erkennen.

Vereinsförderung

Wenn Hilfe gebraucht wird, packen sie gemeinsam an,

unsere Vereine, dann wird das Feiern umso schöner!

Große Unterstützung erhalten die über

45 Ortsvereine und Gruppierungen in der

Gemeine Kirchanschöring. Neben der

Förderung von staatlich anerkannten

Übungsleiterstunden (ca. 12.000 € pro Jahr)

wird auch die allgemeine Jugendarbeit

in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt

Traunstein gefördert (8.000 €).

Dazu gibt es auf Antrag immer wieder hohe

Zuschüsse bei Beschaffungen. Das kann

unter anderem ein Bekleidungszuschuss

(Schnalzerwesten, Trachtenjacken für den

Gesangverein), ein Zuschuss für elektronische

Schießstände oder ein Zuschuss für die Pfl ege

der Rasenplätze (bis zu 10.000 € / Jahr) sein.

Dazu tätigt die Gemeinde selbst erhebliche Investitionen bzw. gibt Investitionszuschüsse

für den Erhalt bzw. die Schaffung von Infrastruktur. So wurde im Gemeindeteil Lampoding

eine, in der Region einzigartige, Stocksporthalle mit sieben Bahnen errichtet, die von den

Ortsvereinen auch als Veranstaltungshalle genutzt werden kann.

Diese Zuschüsse werden auf Grund einer langjährigen, etablierten Vorgehensweise erteilt.

Durch das große Vertrauen zwischen Vereinen und Kommune ist sichergestellt, dass Vereine

nur dann außerordentliche Zuschussanträge stellen, wenn es die konkrete Situation erfordert.

Auf der anderen Seite können die Vereine auf eine faire Behandlung im Gemeinderat

zählen. Unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte (Größe und Finanzkraft des Vereins,

Art der Anschaffung, Kosten der Anschaffung, ...) wurde bisher immer eine einvernehmliche

Lösung für einen Fördersumme gefunden.

Bei allen Veranstaltungen der Vereine steht auch, soweit möglich, das Bauhofpersonal

bereit, um die Vereinsmitglieder mit den Geräten des Bauhofs zu unterstützen.

93


Für Feste werden von der Gemeinde z.B. auch Großschirme, Wasserschläuche für die

Trinkwasserversorgung oder eine mobile Bühne gekauft. All das, ebenso die Räumlichkeiten

in den gemeindlichen Liegenschaften, kann kostenlos genutzt werden.

Erhalt dörfl icher Strukturen / Mittelstand / Kleinunternehmen

Ein Meilenstein für Kirchanschöring: Die Gemeinde erhält den Titel „Golddorf“

Schon früh wurde die Notwendigkeit der Sicherung der dörfl ichen Strukturen in der

Gemeinde Kirchanschöring erkannt. Bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts

wurde in Kirchanschöring mit einem Dorferneuerungsverfahren begonnen und mit

breiter Bürgerbeteiligung Maßnahmen erarbeitet und - durch den Staat gefördert - auch

umgesetzt. Der Musikpavillon war das Startprojekt und ist immer noch das Herzstück bei

Festen im Achenpark.

Als Nachfolgeprojekt der Dorferneuerung wurde nach dem Gewinn der Bundesgoldmedaille

das Gemeindeentwicklungskonzept „Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring“ entwickelt.

Dieses Konzept ist die Grundlage für viele Förderprogramme, die sowohl von Privatpersonen

als auch von der Kommune genutzt werden.

So unterstützte die Kommune auch die Ansiedlung des „BioMichi“ als Nachnutzung eines

Edekaladens in der Dorfmitte. Gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung wurde auf

Grund des Gemeindeentwicklungskonzeptes eine Machbarkeitsstudie für einen Bioladen

erstellt und die Informationen dem derzeitigen Betreiber zur Verfügung gestellt.

94


Ein tolles Beispiel: Der Laden des BioMichi hier beim

Besuch des Landwirtschaftsministers Brunner

Auf Basis dieser Informationen konnte der

Jungunternehmer den Schritt zur Übernahme

des Ladens wagen.

Die Gemeinde unterstützte dabei auch die

Finanzierungin Form von „Genussscheinen“.

Die Entwicklung dieses Modells wurde

ebenfalls vom Amt für Ländliche Entwicklung

gefördert.

Zudem werden Institutionen, die dabei

mithelfen, die dörfl ichen Strukturen zu

erhalten, durch Beiträge unterstützt (z.B.

Kreisbildungswerk, Dorfhelferinnen).

Förderung der BürgerInnen

Neben der Bereitstellung von Verwaltungspersonal, das Beratungsleistungen weit über

den gesetzlichen Auftrag als freiwillige Leistung der Gemeinde wahrnimmt, unterstützt die

Kommune die BürgerInnen auch mit direkten Finanzhilfen.

So werden die Fahrdienste (Arztfahrten und Einkaufsfahrten) jährlich mit rund 10.000 € und

der Kindergartenbus, eine einmalige Einrichtung in der Region, ebenfalls mit rund 25.000 €

unterstützt.

Es wird ein zusätzliches, freiwilliges Defi zit von rund 100.000 € für die Betreuung der Kinder im

Haus für Kinder St. Elisabeth übernommen und die Nachhilfe für SchülerInnen der Grundund

Mittelschule, deren Versetzung gefährdet ist, gefördert.

Die Gebühren im Bereich der Betreuung der Kinder unter drei Jahren werden auf Basis einer

Sozialstaffelung erhoben.

Auch die Förderung der Kultur ist der Kommune ein besonderes Anliegen. Daher wird vor

allem der Musikunterricht für Kinder und Jugendliche mit ca. 15.000 € unterstützt.

Bewertung: 13 Punkte

95


Die umfangreichen Kooperationen mit anderen Gemeinden und Partnern spielen bei uns

eine große Rolle und werden in der Tabelle aufgelistet:

D5-1 Gemeindekooperationen zur Erreichung höherer Standards bei Produkten und

Dienstleistungen

Standards im Bereich Soziales, Ökologie und Qualität

Lfd.

Nr.

Bestehende

Gemeindekooperationen

Setzt

sich für

höhere

Standards

ein?

Was wird konkret gemacht?

Wie wird / wurde nach außen kommuniziert?

1

TG Flurerneuerung

ja

Durch die Flurneuordnung wird eine nachhaltige

Entwicklung im Einzugsgebiet von Waginger und

Tachinger See gefördert.

Es werden die nachhaltige Landbewirtschaftung

gesichert und die ökologische Vielfalt und der

hohe Erholungswert der Landschaft erhalten und

verbessert.

2

boden:ständig

ja

Durch die Reduzierung der diffusen Einträge mit der

Schaffung von Puffersystemen in der Landschaft

soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass der

Waginger / Tachinger See den von der Wasserrahmenrichtlinie

geforderten „guten Zustand“

erreicht.

3

Ökomodellregion

Waginger See - Rupertiwinkel

ja

4

LAG LEADER

Traun-Alz-Salzach

ja

10 Mitgliedskommunen.

Ziele: Förderung des Biolandbaus; Nachhaltige

Kooperationen zwischen Erzeugern von heimischen

Bioprodukten, Verarbeitern und Verbrauchern

werden aufgebaut.

15 Mitgliedskommunen: Arbeitsgrundlage für die

Umsetzung von Projekten ist die Lokale Entwicklungsstrategie

(LES)

96


D5-1 Gemeindekooperationen zur Erreichung höherer Standards bei Produkten und

Dienstleistungen

Standards im Bereich Soziales, Ökologie und Qualität

Lfd.

Nr.

Bestehende

Gemeindekooperationen

Setzt

sich für

höhere

Standards

ein?

Was wird konkret gemacht?

Wie wird / wurde nach außen kommuniziert?

Integrierte Ländliche

5 Entwicklung (ILE)

ja

Waginger See - Rupertiwinkel

Sieben Mitgliedskommunen in einer interkommunalen

Arbeitsgemeinschaft.

Ziel: nachhaltige und ganzheitlich angelegte

Zukunftsentwicklung der Region.

Neun Handlungsfelder.

Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts.

6

7

Tourismusverband

„Waginger See - Salzachtal“

Schulverband Salzachtal

Sieben Mitgliedskommunen.

Die Zusammenarbeit wird in den letzten Jahren

immer weiter ausgebaut.

Vor allem die Querverbindung zur Ökomodellregion

wurde intensiviert, um das Thema „Nachhaltiger

Tourismus“ weiter zu stärken.

Drei Mitgliedskommunen

8

Gemeindetag

(KV TS)

ja

9

EuRegio

„Salzburg-Traunstein-BGL“

ja

10 Landschaftspfl egeverband ja

Der Gemeindetag ist der fachkundige Sprecher

gegenüber Staatsregierung, Landtag und Verbänden,

der kompetente Ratgeber für die

bayerischen Städte, Märkte und Gemeinden und

der anerkannte Vertreter gemeindlicher Interessen

auf Landes-, Bundes- und Europaebene.

Die EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land -

Traunstein ist ein freiwilliger Zusammenschluss auf

kommunaler Ebene.

Die EuRegio ist in vielen Lebensbereichen einen

wichtige Plattform und Motor für die Zusammenarbeit

zwischen bayerischen und Salzburger

Gemeinden, Behörden und Einrichtungen.

Der Landschaftspfl egeverband ist ein freiwilliger,

gleichberechtigter Zusammenschluss von Landwirten,

Naturschützern und Kommunalpolitik.

Wo immer es möglich ist, beauftragen wir ortsansässige

Landwirte mit den Lanschaftspfl egearbeiten.

97


Neben diesen Kooperationen mit anderen kommunalen Partnern gibt es aber auch

immer wieder eine Zusammenarbeit mit NGOs (= Non-governmental organization, Nichtregierungsorganisation,

wie zum Beispiel der „Zivil Courage“ 30 im Kampf gegen die grüne

Gentechnik oder anderen Gruppen (z.B. Attac) im Bereich der Freihandelsabkommen.

Zunehmend wird auch die regionale Zusammenarbeit durch Kooperationsprojekte im

Rahmen der LAG LEADER Traun-Alz-Salzach intensiviert.

Die meisten Projekte sind mit staatlichen Fördermitteln ausgestattet. Diese haben eine

gewisse Bindungsfrist, innerhalb dieser müssen die höheren Standards eingehalten werden.

Dabei können vom Fördergeber immer wieder Stichproben vorgenommen werden.

Für die höheren Standards im kommunalen Handeln sind wir selbst verantwortlich und

werden dadurch von uns selbst überwacht, bzw. in den Evaluierungen überprüft

(Ökomodellregion, LEADER, ILE)

Bewertung: 8 Punkte

Bild: fotolia, kuritafsheen

Dadurch, dass die Gemeinde Kirchanschöring eine relativ kleine Gemeinde ist, ist der

politische Einfl uss auf diesem Weg gering.

Aus diesem Grund ist der Weg über Netzwerke und gemeinsame Interessenvertretungen für

uns sehr wichtig.

So war z.B. die Initiative für den Waginger See als gemeinsame Aktion der „Seenbürgermeister“

erfolgreich, da wir als Gruppe mehr Gehör bei den Ministerien, aber auch in der

öffentlichen Wahrnehmung erhielten.

Ein weiterer, wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Standards ist es, als Kommune mutig

voranzugehen und Dinge von sich aus anzugehen, die über die Pfl icht hinausgehen. Mit

dieser Vorgehensweise kann man andere Partner sanft unter Druck setzen, da durch das

eigene Beispiel die Machbarkeit erwiesen ist.

Bewertung: 5 Punkte

30

https://www.zivilcourage.ro/php/pixpanel_ts.php

98


Die Gemeinde Kirchanschöring ist eine der treibenden Kräfte für die Erhöhung der

Reichweite und der Defi nition von neu zu bearbeitenden Themenfeldern in der Region.

Viele der Projektideen und Vorgaben für die Regionalinitiativen haben ihren Ursprung in

Kirchanschöringer Leitbildern. Auch nach Etablierung der Regionalinitiativen bleibt die

Gemeinde Kirchanschöring ein wichtiger Motor und bringt sich aktiv in die Entwicklung mit

ein.

Der Bürgermeister ist Vorsitzender der ILE und einer der beiden Sprecher der Ökomodellregion

sowie stellvertretender Vorsitzender der LAG LEADER Traun-Alz-Salzach.

Bei den bereits länger existierenden Initiativen wurden Evaluierungen durchgeführt

und daraus auch Anpassungen im Bereich der zu bearbeitenden Themen und Projekte

durchgeführt. Die Evaluierungen wurden extern begleitet.

So wurde für die Ökomodellregion eine Evaluierung (Evaluierung ÖMR 31 ) mit allen

Mitwirkenden unter Beteiligung des Fördergebers durchgeführt, um sich für den weiteren

Förderabschnitt an die sich ändernden Gegebenheiten anzupassen.

Für die Evaluierung der ILE trafen sich die Vorstandsmitglieder und erarbeiteten im

Rahmen einer Klausur 32 den Fahrplan für die nächsten Jahre. Auch hierbei war das Amt für

Ländliche Entwicklung als Fördergeber und externer Moderator mit dabei.

Im Rahmen einer LEADER-Mitgliederversammlung wurde eine Befragung durchgeführt, um

die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen und Projekte sowie der Information der Bürger-

Innen abzufragen. Auch dieses Ergebnis wurde mit dem Fördergeber abgestimmt.

Aufgrund der äußerst breiten und sehr komplexen Leitbilder und Strategien sowie der

hohen Intensität in der Umsetzung wurde ein hoher Erfüllungsgrad angesetzt. Die Region

unterhält drei hauptamtliche Kräfte, um die Konzepte und Leitbilder umzusetzen.

Bewertung: 7 Punkte

31

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/download.html?download=12:konzept-verlaengerungsperiodeoekomodellregion-pdf

32

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/management/279-vorstandsklausur-der-integrierten-laendlichenentwicklung.html

99


Die Beschlüsse des Gemeinderates und deren Umsetzung dienen der Entwicklung der

Menschen / der Gemeinschaft / der Region / der Erde. Sie generieren positiven Nutzen und

entsprechen den beschriebenen Teilaspekten Diversität, Barrierefreiheit und Integration.

Begriffsklärung Diversität

Diversität (lateinisch diversitas = „Vielfalt“) steht für

Biodiversität, Vielfalt von Arten und Ökosystemen

Diversität (Chemie), Maß für die strukturelle Vielfalt von Molekülen oder Synthesen

Diversität (Soziologie), Konzept zur Unterscheidung von Persönlichkeitsmerkmalen

Diversität (Technik), eine Strategie zur Erhöhung der Ausfallsicherheit

Soziodiversität, siehe kulturelle Vielfalt

Begriffsklärung Integration (wikipedia)

Der Begriff Integration ist vom Lateinischen integratio (Erneuerung) abgeleitet und

bedeutet in der Soziologie die Ausbildung

einer Wertgemeinsamkeit mit einem Einbezug von Gruppierungen, die zunächst

oder neuerdings andere Werthaltungen vertreten, oder

einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit einem Einbezug von Menschen, die

aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen (exkludiert) und

teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren.

100


Exklusion

Separation

Integration

Inklusion

Veranschaulichung unterschiedlicher Konzepte

Integration hebt den Zustand der Exklusion und der Separation auf. Integration

beschreibt einen dynamischen, lange andauernden und sehr differenzierten Prozess des

Zusammenfügens und Zusammenwachsens. Gegenbegriff hierzu ist Desintegration.

101


Für die Beurteilung dieses Kriteriums wurden die wichtigsten Projekte und Maßnahmen aus

den verschiedenen Leitbildern in folgender Tabelle dargestellt.

Ind.E - Gestaltung von Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben jetziger und

zukünftiger Generationen

E1.1. Die Beschlüsse des Gemeinderats und deren Umsetzung dienen der Entwicklung

der Menschen, der Gemeinschaft, der Regio, der Erde, generieren positiven Nutzen und

entsprechen den beschiebenen Teilaspekten Diversität, Barrierefreiheit und Integration

Zielerreichung: Durch die Gewichtung soll zum Ausdruck gebracht werden, wie hoch der Nutzen für die

Berührungsgruppe ist, der von der Umsetzung des jeweiligen Teilaspektes gestiftet wird.

1 = überhaupt nicht - 10 = in vollkommener Weise

Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

GEK (A8) - Gesunde Lebensmittel:

Selbstverpfl ichtungserklärung der Landwirte zum Verzicht auf Anbau

1 2014 8 92 %

Gentechnikfreie Gemeinde

und Verwendung gentechnikfreier Pfl anzen und Futtermittel

GEK (A9) - Gesunde Lebensmittel:

Gesundes Frühstück durch den Gartenbauverein in der Schule

Gesunde Ernährung in

2 2014 Mittagstisch im Haus für Kinder St. Elisabeth nach bio-regionalen 10 100 %

Kinderbetreuungseinrichtungen

Vorgaben

etablieren

GEK (A12) - Gesunde Lebensmittel:

VHS-Kochkurs für regionale und saisonale Küche

3 Handling mit Lebensmitteln

2014 10 100 %

Kochkurs im Rahmen der Ökomodellregion

verbessern

GEK (A13) - Gesunde Lebensmittel:

Maßnahmen zur Ökomodellregion

4 extensive Flächenbewirtschaftung 2014 Bewirtschaftung kommunaler Pachtfl ächen nach Vorgabe (siehe 10 100 %

fördern

ÖMR-Kommunalpaket #1)

GEK (B2) - Klimaschutz / Landschaft:

Klimaschutz durch Verbot von fossilen Brennstoffen im Baugebiet

Bauleitplanung orientiert sich am

5 2016 Ausrichtung der Gebäude für Solarnutzung

7 88 %

Ziel der Klimaneutralität

Flächensparen durch einfache Erschließung

Bebauungsplan Wohngebiet „Ost II“

GEK (B6) - Klimaschutz / Landschaft:

Die Gemeinde nimmt bei der Errichtung von Gebäuden eine

6 Kirchanschöring wirtschaftet klimaneutral

2016 10 100 %

Vorbildfunktion wahr

GEK (B9) - Klimaschutz / Landschaft:

Umrüstung der Beleuchtung in der Hans-Straßer-Halle auf LED-

7 Stromverbrauch der Infrastruktur 2017 10 100 %

Beleuchtung

senken

102


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

GEK (B10) - Klimaschutz / Landschaft:

Installation einer 55kWp PV-Anlage mit 40kWh Energiespeicher im

8 Energieproduktion aus erneuerbaren

Energien

2017 10 100 %

„Haus der Begegnung“

steigern

GEK (B25) - Klimaschutz / Landschaft:

Anlage von Sedimentationsbecken (im Rahmen der „TG Waginger

9 Wasserqualität des Waginger Sees 2017 3 72 %

See - Rupertiwinkel“ und „boden.ständig“)

verbessern

GEK (B44) - Klimaschutz / Landschaft:

10 Biotopvernetzung strukturarmer 2017 Konzepterstellung: Wiederherstellung eines Biotopverbundes

10 100 %

Feldfl uren fördern

GEK (BB46 ff) - Klimaschutz / Landschaft:

11

Arten- und Strukturvielfalt (Biodiversität)

2014 Kommunaler Grünpfl egeplan

10 100 %

ist

erhalten

GEK (C11) - Ortsstruktur:

Moderate Ausweisung neuer Baufl ächen

12 Kirchanschöring betreibt eine 2016 Mobilisierung von Baulücken

8 92 %

organische Siedlungsentwicklung

Bauleitplanung „Ost II“

GEK (C19) - Ortsstruktur:

Pfl anzung von Obstwiesen (siehe ÖMR-Kommunalpaket #6)

13 Gut entwickelte innere Grünstreifen 2014ff Gestaltung von Grünfl ächen im Rahmen der Bauleitplanung

5 80 %

und Ortsränder

GEK (D3) - Management:

14 2014 ILE und LEADER wurden initiiert

10

Regionale Verbünde aufbauen

100 %

GEK (D3) - Management:

Regionale Etikettierung (z.B. ÖMR: „Waginger See Kas“)

15 Marketing trägt zur Wertschöpfung 2014 Information zur Herstellern und Abgabestellen von bio-regionalen 7 88 %

bei

Lebensmitteln

Marketingmaßnahmen im Rahmen des Chiemgautourismus

GEK (D11) - Management:

16 2014 landkreisweite Beschilderung

8 92 %

Fahrradtourismus stärken

Radwanderkarten

GEK (D12) - Management:

17 Kulturlandschaft als Grundkapital 2016 Im Rahmen der ÖMR wurde ein Naturtourismuskonzept entwickelt 9 96 %

für den Tourismus

Schaffen eines sozialen Zentrums

18

GEK (E1) - soziales Zusammenleben:

Wohnraum für alte BürgerInnen und BürgerInnen mit Handikap

2013

Dialogplanung „Haus der Begegnung“

Pfl egeeinrichtung im Ort

10 100 %

Begegnungsraum

GEK (F7) - Infrastruktur:

Mit der Schaffung von Praxisräumen für einen Allgemeinarzt im „Haus

19 Medizinische Grundversorgung ist 2017 der Begegnung“ konnte ein attraktiver Standort geschaffen werden. 10 100 %

gesichert

Die Nachfolge für den Hausarzt ist bereits gesichert.

GEK (F8) - Infrastruktur:

20 2017 Breitbandanbindung in jeden Haushalt der Gemeinde (mind. >30MBit) 10

Breitbandausbau

100 %

ÖMR Kommunalpaktet #1:

In Zukunft soll bei Neuverpachtung von kommunalen landwirtschaftlichen

Flächen eine möglichst ökologische und gewässerverträgliche 10 100 %

21 Verpachtung von kommunalen, 2015

landwirtschaftlichen Vorratsfl ächen

Bewirtschaftung sichergestellt werden

103


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

ÖMR Kommunalpakt #2

Die Gemeinde wird für ihre kommunalen Wälder einen Bewirtschaftung

und eine Entwicklung nach den Vorgaben der „Initiative 8 92 %

Naturnaher Waldbau in kommunalen

Wäldern

22 2015

Zukunftswald“ betreiben.

„Initiative Zukunftswald“

ÖMR Kommunalpaket #3

Die Gemeinde wird im Rahmen der notwendigen kommunalen

Ausgleichsfl ächen

Planung und Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen bzw. bei der

23 2015 10 100 %

Ökokontofl ächen für extensive Landwirtschaft

nutzbar machen

landwirtschaftliche Nutzung der benötigten Flächen

Anlage von Ökokonten verstärkt eine Umsetzung für eine weitere

anstreben.

ÖMR Kommunalpaket #4

24 Pfl egemanagement für öffentliche

siehe GEK B46

Grünfl ächen

Pestizide verschmutzen Gewässer, Böden, Futter- und Lebensmittel

ÖMR Kommunalpaket #5

und gefährden unsere Gesundheit. Pestizide gefährden unsere

Keine Verwendung chemischsynthetischer

Pfl anzenschutzmittel

25 2015 Umwelt. Sie zerstören die Bodenfruchtbarkeit, sind schädlich für die 10 100 %

Wasserorganismen und haben negative Auswirkungen auf Bienen

auf kommunalen Flächen

und andere Insekten sowie Vögel und Säugetiere.

Die Gemeinde stellt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Flächen für die

ÖMR Kommunalpaket #6

26 2015 Pfl anzung von Streuobstwiesen zur Verfügung und wird auch an einer 8 92 %

Anlage von Streuobstwiesen

optionalen Bio-Sammelzertifi zierung teilnehmen.

ÖMR Kommunalpaket #7

Regionale und Bioversorgung in

kommunalen Einrichtungen und

auf gemeindeeigenen Veranstaltungen

Die Gemeinde ist bestrebt, bei den Gemeinschaftsverpfl egungen

in ihren Einrichtungen den Anteil an regionalen, saisonalen und

27 2015

Bioerzeugnissen zu steigern.

Bei der Ausrichtung von Gemeindeveranstaltungen sollen in Rücksprache

8 92 %

mit dem Ausrichter / Gastronom / Caterer regionale und

saisonale Biogerichte mit angeboten werden.

28

Der Gemeinderat beschließt, das Beschaffungswesen auf eine

umweltfreundliche Beschaffung dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ zu

überprüfen.

In einem ersten Schritt soll die Papierbeschaffung in allen Einrichtungen,

ÖMR Kommunalpaket #8

2015 in denen die Kommune als Sachaufwandsträger auftritt, und weitere

Umweltfreundliche Beschaffung

Verbrauchsmittel in den kommunalen Verwaltungen umgestellt

6 84 %

werden. Bei der weiteren Umstellung der Verbrauchsprodukte, die

regional nicht erhältlich sind (Kaffee, Schwarztee), wird der Einkauf

nach Biosiegel und Fairtradesiegel empfohlen.

Die Gemeinde übergibt zukünftig zu entsprechenden Anlässen einen

ÖMR Kommunalpaket #9

29 2015 Ökomodellregion-Geschenkkorb. Dieser ist nach Möglichkeit mit 5

Ökomodellregion-Geschenkkörbe

regionalen und / oder ökologisch erzeugten Lebensmitteln bestückt.

80 %

Um den Flächenverbrauch durch die Ausweisung von Neubau- bzw.

30

Gewerbegebieten entgegen zu wirken, ist die Gewichtung der

ÖMR Kommunalpaket #10

Innenentwicklung der Orte zu stärken.

Erstellung Flächenkataster für Leerstände

(Wohnung, Gewerbe,

2015 Die Gemeinde erstellt ein Kataster für Leerstände im Bereich

Gewerbe und Wohnen, sowie von unbauten Baugrundstücken, und

Baugrundstücke)

stellt die Informationen mit dem Einverständnis der Eigentümer der

5 80 %

Öffentlichkeit zur Verfügung.

104


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

Unserer Landschaft droht durch fortschreitende Bodenversiegelung

und Bebauung akute Gefahr.

31

Als Gemeinde Kirchanschöring wollen wir uns mit diesem Thema

Bayerisches Pilotprojekt:

2017 auseinandersetzen und Alternativen erarbeiten:

Anders Wohnen in Kirchanschöring

Ungenutzte Flächen, Häuser und Gebäude werden erfasst und neue

10 100 %

Formen des Zusammenwohnens sollen entstehen. Gemeinsam mit

den Bürgern wollen wir ein passendes Konzept entwickeln.

ILE (A3.2) Infrastruktur:

32 2015 Arztfahrten und Einkaufsfahrten

10

Innerörtliche Fahrdienste

100 %

ILE (A3.3) Infrastruktur:

Reduzierung von Kindergartenfahrten: Gemeindlich geförderter Kindergartenbus

(Organisation durch

33 2015

10

Verkehr vermeiden

Gemeindeverwaltung)

100 %

ILE (A3.6) Infrastruktur:

Multifunktionales Kernwegesystem:

34 Schaffung eines regional abgestimmten

2017 7 88 %

Konzept erarbeitet - Umsetzung ab 2018

Wegesystems

ILE (A5.2) Infrastruktur:

35 Regionalwerk

2017 LEADER-Antrag für eine Machbarkeitsstudie gestellt

5

Chiemgau-Rupertiwinkel

80 %

ILE (B2.1) Zusammenleben:

Intensive Information der Betroffenen durch Gemeindemitteilung,

36

Selbständiges Leben zuhause

Verwaltung und Seniorenbeauftragte

2016

ermöglichen

Pfl egehilfsmittel können bei der Gemeinde ausgeliehen werden

Wohnraumberatung

10 100 %

ILE (B3.1) Zusammenleben:

Pfl egekurse für Angehörige (organisiert und durchgeführt durch die

37 Unterstützung und Entlastung der 2016

10

Seniorenbeauftragte)

pfl egenden Angehörigen

100 %

ILE (B3.1) Zusammenleben:

Sozialbüro

38 Anlaufstellen für Hilfesuchende 2016

10

gemeindliche Beauftragte

schaffen

100 %

ILE (B4.2) Zusammenleben:

39 Soziale Treffpunkte

2016 Begegnungsraum im „Haus der Begegnung“

10

Veranstaltungsräume

100 %

ILE (B5) Zusammenleben:

Vorstellung der Vereine in Schulen

40 Das rege Vereinsleben als Rückgrat

des

2016

10

Gemeinsame Jugendarbeit von Vereinen und offener Jugendarbeit

Miteinanders

100 %

ILE (B6) Zusammenleben:

41 Die Region ist für die Jugendlichen 2016 Organisation eines regelmäßigen Jugendtreffs

10

attraktiv

100 %

ILE (B7.1) Zusammenleben:

42 Mittelschulstandorte langfristig 2016 Kontinuierliche berufspraktische Begleitung an Mittelschulen

5

sichern

80 %

ILE (B7.5) Zusammenleben:

Die Gemeinde übernimmt die Kosten für die sozialpädagogische

43 Sozialpädagogische Begleitung 2016

8

Begleitung der Grundschüler

der Grundschüler

92 %

105


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

ILE (B7.5) Tourismus:

Erarbeiten eines Naturerlebniskonzeptes (abgeschlossenes LEADERprojekt)

44 Spezielle Natur- und Ökotourismusangebote

2016 6 84 %

entwickeln

ILE (B2.3) Wirtschaft:

45 2016 Übersichtsfl yer über Direktvermarkter im ILE-Gebiet (mit ÖMR)

8 92 %

Regionale Wertschöpfung

ILE (B2.4) Wirtschaft:

Seit vielen Jahren wird gemeinsam mit Vereinen und der Schule das

46 2016 10 100 %

Bewusstseinsbildung

Projekt „Auch Brot muss wachsen“ für die 3. und 4. Klassen durchgeführt.

47

ILE (B2.4) Wirtschaft:

Bio-Lieferanten mit Verarbeitern

vernetzen

2016

Etablierung des Bio-Gastronetzwerkes durch die ÖMR

10

100 %

ILE (B1.5) Landwirtschaft:

Bio-Geschenkkörbe der Gemeinde

48 BioRegio-Lebensmittel in öffentlichen

2016 7 88 %

BioRegio-Verpfl egung im Kindergarten

Einrichtungen

ILE (B1.5) Landwirtschaft:

ÖMR-Informationsveranstaltungen und Felderbegehungen zum Thema

49 2016 4 76 %

Regionale Kreislaufwirtschaft stärken

„regionales Eiweiß“ und „Erhöhung Grundfutteranteil“

ILE (E2.3) Landwirtschaft:

„Waginger See - Kas“ über mobile Käserei; Bäcker backen besondere

50 Landwirtschaft, Bevölkerung und 2016 7 88 %

Brote / Semmeln aus „Laufener Landweizen“

Kommunen sind Partner

ILE (E2.5) Landwirtschaft:

51

Kooperationen (Zusammenarbeit)

ÖMR: gemeinsame Lagerhalle mit Brauerei Stein

2016

zwischen Erzeuger, Verarbeiter und

Kooperationsprojekte Bio-Bier, Barnhouse, byodo

10 100 %

Vermarkter intensivieren

ILE (F1.2) Wasser:

52 2016 Infokampagne „Unser Wasser“

8 92 %

Bewusstseinsbildung stärken

ILE (F4.6) Wasser:

Anreicherung von Vernetzungsstrukturen (Anlage von Feld-, Wald-

Uferbereiche und naturnahe

53 2016 und Gewässerrändern und die Vernetzung zu Wanderkorridoren): 7 88 %

Gewässerstrukturen erhalten und

Konzept wurde erarbeitet. Start der Umsetzung für 2019 geplant

verbessern

ILE (G2.1) Natur und Umwelt:

54

Bewusstsein für Natur und Umwelt,

Orts- und Landschaftsbild ist

2016 Anlage eines Schulwaldes

6 84 %

geschärft

55

Anreicherung von Vernetzungsstrukturen (Anlage von Feld-, Wald-

ILE (G3.2) Natur und Umwelt:

2016 und Gewässerrändern und die Vernetzung zu Wanderkorridoren):

Lebensräume vernetzen

7 88 %

Konzept wurde erarbeitet. Start der Umsetzung für 2019 geplant.

ILE (H1.1) Orts- und Landschaftsbild:

56

Die Gemeinden betreiben eine

organische und verantwortungsbewusste

2016 Projekt „Anders Wohnen in Kirchanschöring

10 100 %

Siedlungsentwicklung

ILE (H1.2) Orts- und Landschaftsbild:

Ausgleichsfl ächen werden als „produktionsintegrierte Flächen“

57 Intelligenten naturschutzrechtlichen

Flächenausgleich fördern

Ausgleichsmaßnahmen

2016 angelegt. Auch landwirtschaftliche Restfl ächen werden für 5 80 %

genutzt.

106


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen

zur Umsetzung von Diversität, Barrierefreiheit und Integration

wurden bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

Alle Neubauten werden barrierefrei ausgeführt. Anpassungen in

ILE (H1.2) Orts- und Landschaftsbild:

Bestandsgebäuden werden Zug um Zug durchgeführt.

58 Wir bauen barrierefrei bei allen 2016 10 100 %

Der Straßenraum wird ebenfalls nach entsprechenden Vorgaben

öffentlichen Gebäuden und Plätzen

ausgeführt

ILE (I1.1) Management:

59

Durchführung von Zukunftswerkstätten (Klimaschutzkonzept)

Die Bürgerschaft arbeitet aktiv

2016 Dialogplanungen (Hochwasserschutz) und weitere Elemente aktiver

an der Gestaltung des Lebensumfeldes

mit

Bürgerbeteiligung werden angewendet

10

100 %

Gesamtwert für die Matrix 93 %

Bewertung: 41 Punkte

Ob groß, ob klein, jeder ist herzlich eingeladen, sich in die Projekte der Gemeinde einzubringen.

Viele Köpfe bringen viele Ideen und es kann Großes dabei entstehen.

107


a) Begriffsklärung Resilienz (abgeleitet von der GWÖ)

Systeme so zu gestalten, dass sie bei Störungen auch halbwegs stabil bleiben.

In Ökosystemen tragen Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität zur Resilienz bei. In technischen

und wirtschaftlichen Systemen sind Vielfalt, Transparenz und Grad der Beteiligung

aller Betroffenen stabilisierende Faktoren.

Die Maßnahmen aus Punkt E1.1 haben allesamt eine sehr positive Auswirkung auf die

Resilienz der Kommune und der Region. Im Grunde wurden diese Projekte nicht nur

angestoßen, um aktuellen Problemen zu begegnen, im Gegenteil, alle Projekte setzen eben

auf zukunftsorientierten Entwicklungskonzepten auf. Damit ist die Ausrichtung auf Stabilität

und Krisensicherheit impliziert.

In der Entwicklung aller Strategien und Konzepte ist eine der wichtigsten Fragen wohin wir

uns entwickeln wollen. Dabei gilt es vor allem auch mögliche Störelemente zu defi nieren

und bereits im Leitbild Gegenstrategien einzubauen. Eine fundierte Erarbeitung von

Zukunftsstrategien setzt sich schon in einem sehr frühen Stadium mit möglichen Krisen

auseinander und versucht diese durch eine Anpassung in den Strategien entgegenzuwirken.

Dabei hilft uns die Kompetenz vor Ort. BürgerInnen haben ein hohes Maß an Wissen,

das es zu aktivieren gilt. Ebenso kennen die BürgerInnen sehr genau die Risiken.

Dadurch hilft eine professionelle Bürgerbeteiligung auch diese Risiken frühzeitig zu erkennen.

b) Begriffsklärung Subsidiarität (wikipedia)

Das Subsidiaritätsprinzip legt eine genau defi nierte Rangfolge staatlich-gesellschaftlicher

Maßnahmen fest und bestimmt die prinzipielle Nachrangigkeit der nächsten Ebene: Die

jeweils größere gesellschaftliche oder staatliche Einheit soll nur dann, wenn die kleinere

Einheit dazu nicht in der Lage ist, aktiv werden und regulierend, kontrollierend oder helfend

eingreifen. Hilfe zur Selbsthilfe soll aber immer das oberste Handlungsprinzip der jeweils

übergeordneten Instanz sein.

Aufgaben, Handlungen und Problemlösungen sollten so weit wie möglich vom Einzelnen,

von der kleinsten Gruppe oder der untersten Ebene einer Organisationsform unternommen

werden. Nur wenn dies nicht möglich, mit erheblichen Hürden und Problemen verbunden

oder der Mehrwert einer Zusammenarbeit offensichtlich ist und diese eine allgemeine

Zustimmung erfährt, sollen sukzessive größere Gruppen, öffentliche Kollektive oder höhere

Ebenen einer Organisationsform subsidiär, das heißt unterstützend, eingreifen.

c) Begriffsklärung Suffizienz (abgeleitet von der GWÖ)

Mit dem physisch Vorhandenem auskommen (pro Haushalt, pro Nationalstaat, pro Planet)

Die Themen Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung sind fundamentale Bestandteile aller

Projekte.

Im Grunde müssen alle Projekte einen Nachhaltigkeitsansatz bedienen, ansonsten würden

diese Projekte in der Gemeinde Kirchanschöring nicht durchgeführt werden.

108


Ein herausragendes Beispiel für die Suffi zienz ist der Themenblock Wohnen und Flächenverbrauch.

Hier wird intensiv um Lösungsansätze für einen besonnenen und nachhaltigen

Umgang mit Grund und Boden gerungen. Bei der Umsetzung der Baumaßnahmen wurden

für die Planung des nächsten Projektes der Wohnbaugesellschaft (Blue living) strenge

Vorgaben in Bezug auf Nachhaltigkeit, Recyclierbarkeit und Lebenszyklusbetrachtung der

Anlage festgesetzt.

Dieses Themenfeld lässt sich aber auch beispielhaft für die Subsidiarität anwenden.

Wir wollen uns nicht einer größeren Einheit im Wohnungsbau bedienen (z.B. der

landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft), sondern wir wollen als Gemeinde selbst das Heft

des Handelns in der Hand haben.

Ebenso sind die gestarteten Regionalinitiativen mitunter vor dem Hintergrund der Subsidiarität

ins Leben gerufen worden. Wir wollen vor Ort Dinge gestalten können, die wir als

einzelne Gemeinde nicht bewerkstelligen können und wollen diese Themen nicht dem

Landkreis, Bezirk oder Freistaat überlassen. Vor Ort wollen und können wir am besten

beurteilen und entscheiden, was zu tun ist.

Bewertung: 27 Punkte

Neue Konzepte, ausgerichtet an alter ländlicher Baukultur, helfen Siedlungsflächen zu sparen.

109


Mit dem Blick auf das gesellschaftliche Umfeld, Nachbargemeinden, Region, Natur,

zukünftige Generationen:

Kooperationen mit den Kommunen aus der Region sind bereits längere Tradition. Wurden

weiter zurückliegende Kooperationen immer für bestimmte konkrete regionale Aufgaben

geschlossen, so wurde in den letzten Jahren sehr viel Energie auf die Entwicklung strategischer

Kooperationen gelegt. Nicht konkrete Einzelprojekte stehen nun im Mittelpunkt,

sondern gemeinsame Strategien und Leitbilder generieren die Umsetzungsprojekte.

Ind.E - Gestaltung von Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben jetziger und

zukünftiger Generationen

Zielerreichung: Durch die Gewichtung soll zum Ausdruck gebracht werden, wie hoch der Nutzen für die

Berührungsgruppe ist, der von der Umsetzung des jeweiligen Teilaspektes gestiftet wird.

1 = überhaupt nicht - 10 = in vollkommener Weise

Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen zur

Umsetzung von Kooperationen mit anderen Gemeinden wurden

bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

Der Zweckverband hat die Aufgabe in seinem räumlichen Wirkungskreis

eine einwandfreie und ausreichende Trinkwasserversorgung, einschließlich

1

der Ortsnetze, zu errichten, zu betreiben und zu unterhalten.

Zweckverband zur Wasserversorgung

Achengruppe

Der Zweckverband erfüllt seine Aufgaben ohne Gewinnabsicht.

1953 10 100 %

Er dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken i.S.d.

Steuerrechts.

2 Gemeindetag (KV TS) 1954

Der Gemeindetag ist der fachkundige Sprecher gegenüber Staatsregierung,

Landtag und Verbänden, der kompetente Ratgeber für

die bayerischen Städte, Märkte und Gemeinden und der anerkannte 10 100 %

Vertreter gemeindlicher Interessen auf Landes-, Bundes und

Europaebene.

3

Um die touristischen Angebote zu bündeln, schlossen sich die Kommunen

der Region zu einem Tourismusverband zusammen. Die Zusammenarbeit

Tourismusverbund

1970 wird in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut. Vor allem die Querverbindung

zur Ökomodellregion wurde intensiviert, um das Thema

Waginger See - Salzachtal

7 88 %

„Nachhaltiger Tourismus“ weiter zu stärken.

110


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen zur

Umsetzung von Kooperationen mit anderen Gemeinden wurden

bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

4

Planungsverband Südostoberbayern

(Region 18)

1973

Leitlinie der Regionalplanung ist eine nachhaltige Raumentwicklung.

Sie führt die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit

seinen ökologischen Funktionen zu einer dauerhaften, ausgewogenen

sowie umweltgerechten Ordnung gleichwertiger und gesunder Lebensund

Arbeitsbedingungen, ohne die charakteristischen Eigenarten

der Region zu verlieren. Er dient als langfristig und fachübergreifend

abgestimmtes Gesamtkonzept für die Region 18 Südostoberbayern.

3 72 %

Die Belastung der Gewässer, vor allem des Waginger Sees, wurde durch

die Ringkanalisation erheblich reduziert. Durch diese gemeinsame

5 Ringkanalisation Waginger See 1995 Anstrengung der Anliegergemeinden konnte die Badewasserqualität der 10 100 %

beiden Seen erheblich verbessert werden. Trotz alledem stehen immer

noch große Aufgaben bei der Seenreinhaltung an.

6 EuRegio „Salzburg-Traunstein-BGL“ 1995

Die EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein ist ein freiwilliger

Zusammenschluss auf kommunaler Ebene von derzeit 101 Gemeinden, 2

Landkreisen, 2 Interessensvertretungen und einer Privatperson.

Die EuRegio ist in vielen Lebensbereichen wie etwa Tourismus,

Verkehr, Kultur, Bildung, Wirtschaft, Jugend, Raumordnung, Natur- und

Umweltentwicklung, Land- und Forstwirtschaft oder Sport eine wichtige

Plattform und Motor für die Zusammenarbeit zwischen bayerischen und

Salzburger Gemeinden, Behörden und Einrichtungen. Diese Zusammenarbeit

wird auch mit EU-Mitteln aus dem „Fördertopf“ INTERREG V A

unterstützt.

3 72 %

Es wird gemeinsam mit der vhs Waging ein Programm erarbeitet um

7 vhs Waging - Kirchanschöring 2000 gemeinsame Ressourcen zu nutzen und das Programm vielfältiger 10 0 %

gestalten zu können. Es erfolgt zudem eine gemeinsame Abrechnung.

8 TG Flurneuordnung 2012

Zur nachhaltigen Entwicklung der Kulturlandschaft im Einzugsgebiet

von Waginger und Tachinger See wird in der Flurneuordnung

Waginger - Tachinger See durch Bodenordnung und Maßnahmen im

Bereich Wege, Gewässer, Landespfl ege, Freizeit und Erholung die dem

Bodenschutz und dem Gewässerschutz dienende Bewirtschaftung

erleichter und gefördert. So wird die nachhaltige Landbewirtschaftung

gesichert und die ökologische Vielfalt sowie der hohe Erholungswert

der Landschaft wird erhalten und verbessert.

6 84 %

9

Planungsverband Südostoberbayern

(Region 18)

2012

Durch die Reduzierung der diffusen Einträge mit der Schaffung

von Puffersystemen in der Landschaft und der Entwicklung der

Maßnahmentypen zum effektiven Phosphorrückhalt (z.B. Schaffung

optimierter Absetzbereiche unter Einbeziehung von Feuchtfl ächen)

soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass der Waginger / Tachinger

See den von der Wasserrahmenrichtlinie geforderten „guten Zustand“

erreicht.

3 72 %

10 Landschaftspfl egeverband TS 2002

Der Landschaftspfl egeverband ist ein freiwilliger, gleichberechtigter

Zusammenschluss von Landwirten, Naturschützern und Kommunalpolitik.

Und Freiwilligkeit ist bei vielen Projekten erfolgversprechender

als hoheitliches Vorgehen.

Wo immer möglich, beauftragen wir ortsansässige Landwirte mit den

Landschaftspfl egearbeiten. Viele Landwirte, die mit uns zusammenarbeiten,

konnten sich dadurch für ihren Betrieb ein zusätzliches

Standbein schaffen, womit sie Einkommensschwankungen bei den

Preisen landwirtschaftlicher Produkte besser abfedern können. Wegen

Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspfl ege sind wir vom

Finanzamt Traunstein als gemeinnützig anerkannt.

8 92 %

111


Lfd.

Nr.

Teilaspekte aus den Leitbildern

bzw. ergänzende Projekte

aus

dem

Jahr

Mit dem Blick auf gesellschaftliches Umfeld, Nachbargemeinden,

Region, Natur, zukünftige Generationen: Welche Maßnahmen zur

Umsetzung von Kooperationen mit anderen Gemeinden wurden

bereits umgesetzt oder beschlossen (Begriffsklärung siehe

Berichtsvorlage)

Ziele

werden

erreicht

1-10

Wert

für

Matrix

11 Schulverband Salzachtal 2008

Aufgrund der demografi schen Entwicklung und des Übertrittverhaltens

der Schüler waren die Standorte der Hauptschulen in der Region

massiv gefährdet. Um das Schulangebot vor Ort halten zu können,

schlossen sich die Stadt Tittmoning und die Gemeinden Fridolfi ng und

Kirchanschöring zum Schulverband Salzachtal zusammen.

Mittlerweile ist diese gemeinsame Schule eine Mittelschule mit der

Möglichkeit den mittleren Bildungsweg zu erlangen.

8 92 %

12

Ökomodellregion

„Waginger See - Rupertiwinkel“

2014

Zehn Mitgliedskommunen.

Ziele: Förderung des Biolandbaus; Nachhaltige Kooperationen

zwischen Erzeugern von heimischen Bioprodukten, Verarbeitern und

Verbrauchern werden aufgebaut. Die konventionell wirtschaftende

Landwirtschaft wird aktiv miteinbezogen und auch in vielen anderen

Bereichen wird auf eine ökologischere Wirtschaftsweise hingearbeitet.

8 92 %

13 ILE Waginger See - Rupertiwinkel 2015

Sieben Mitgliedskommunen in einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft.

Ziel: Nachhaltige und ganzheitlich angelegte Zukunftsentwicklung

der Region.

Neun Handlungsfelder. Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts.

8 92 %

14 LEADER „Traun-Alz-Salzach“ 2015

Fünfzehn Mitgliedskommunen: Sie sind jetzt LEADER-Region für die

aktuelle Phase 2014 bis 2020. Es wurde die Lokale Aktionsgruppe

LEADER Traun-Alz-Salzach als eingetragener Verein gegründet.

Arbeitsgrundlage für die Umsetzung von Projekten ist die Lokale

Entwicklungsstrategie (LES), die unter großer Beteiligung der Bürger

erarbeitet wurde. In der LES sind die Schwächen und Stärken,

Chancen und Potenziale der Region herausgearbeitet, ein „Fahrplan“

für die Umsetzung des Konzeptes aufgestellt und Projektvorschläge für

die kommenden sieben Jahre entwickelt worden.

8 92 %

Anzahl Projekte 14

Gesamtwert für die Matrix 93 %

Bewertung: 8 Punkte

Bild: fotolia, Fotoschlick

112


Schaffung von Nachbarschaftsnetzwerken um die Solidarität zu fördern

Die Zusammenarbeit mit den BürgerInnen und damit auch mit Bürgerinitiativen, NGOs und

Ehrenamtlichen ist eines der Elemente, warum unsere Kommune z.B. auch in den Vorlesungskalender

des Studiengangs „Heimat heute - Heimat morgen“ der Kreisbildungswerke

aufgenommen wurde. Kommunen und Gruppierungen aus ganz Bayern besuchen

unsere Gemeinde, um sich über das Miteinander und die Zukunftsstrategie der Gemeinde

Kirchanschöring zu informieren.

Soziales

Ein wichtiger Punkt im Dorfleben:

Eine gut funktionierende Jugendarbeit (Foto: Günter Wimmer)

Im Bereich Soziales gibt es eine

besonders intensive Zusammenarbeit

zwischen der Verwaltung

und bürgerschaftlichem Engagement.

Zudem wird auch die

Arbeit der Pfarrgemeinden mit

abgestimmt.

Neben den ehrenamtlichen Beiräten

gibt es vor allem aktive

Unterstützung aus der Verwaltung

durch das Sozialbüro und das

Sozialamt. Diese unterstützen in

ihrer Arbeitszeit die Ehrenamtlichen

und übernehmen auch Koordinationsaufgaben.

Die Gemeinde ist auch „geborenes Mitglied“ im Verein „Haus der Begegnung e.V.“,

deren 1. Vorsitzender derzeit auch der Bürgermeister ist. Über diesen Verein wird auch das

Helfernetzwerk abgewickelt. Die gesamte Koordination wird jedoch vom kommunalen

Sozialbüro geleistet.

Neben der professionellen Unterstützung werden kommunale Räume kostenfrei zur

Verfügung gestellt und auch fi nanzielle Unterstützung wird geleistet.

Auch das Ferienprogramm für Kinder, dessen Inhalt aus Aktionen der Vereine und

Gruppierungen besteht, wird von der Verwaltung organisiert und abgerechnet.

Die Gemeinde konnte den Bahnhof in Kirchanschöring erwerben und baute diesen zu

einem attraktiven Jugendtreff um.

Vereine

Die Vereine bilden das Rückgrat des bürgerlichen Engagements in unserer Gemeinde.

Hier kann jeder einen Platz in der Gesellschaft fi nden und sich nach seinen Fähigkeiten

einbringen. Die Vereine werden fi nanziell von der Kommune großzügig unterstützt, und die

kommunalen Räume stehen ihnen für Veranstaltungen oder Proben offen.

113


NGOs

Die Gemeinde Kirchanschöring unterstützt verschiedene NGOs aktiv. So wurde man als eine

der ersten Kommunen in Südostbayern „genfreie Gemeinde“ in Zusammenarbeit mit den

Landwirten und dem Bündnis „Zivilcourage“. Im Gebäude der „Alten Schule“ in Kirchstein

besteht für die regionale „Attac-Gruppe“ die Möglichkeit ihre Treffen abzuhalten.

Aktiv mischte man sich auch in das Thema der Freihandelsabkommen TTIP und CETA ein und

verabschiedete eine entsprechende Resolution für den Erhalt der kommunalen Selbstverwaltung.

Dazu gab es im Vorfeld einen engen Austausch zwischen NGOs und der Verwaltung.

Diese Partner führen sich in der Gemeinde sehr gut unterstützt und wissen, dass die Kommune

für ihre Anliegen ein offenes Ohr hat. Aus diesem Grund kommen immer wieder Anregungen

von diesen Partnern an den Bürgermeister und die Kommune. Man befi ndet sich dauerhaft

in einem engen Austausch.

Bewertung: 9 Punkte

Die Gemeinde Kirchanschöring vermeidet grundsätzlich die Einbindung der Privatwirtschaft

in hoheitliche Aufgaben, im Gegenteil, man ist bemüht, Aufgaben der Daseinsvorsorge

wieder zurück in die öffentliche Hand zu bekommen. Dazu wurde von der Gemeinde

Kirchanschöring z.B. das Projekt des „Regionalwerks Chiemgau Rupertiwinkel“ angestoßen.

Um anstehende Wohnbauprojekte verwirklichen zu können wurde die „Wohnbaugesellschaft

Kirchanschöring KU“ gegründet, um die Investitionen ohne private Teilhaber durchführen

zu können. Aufgabenstellungen der Allgemeinheit sollen auch in er Entscheidungshoheit

der Allgemeinheit verbleiben und mögliche positive Betriebsergebnisse der

Allgemeinheit und nicht wenigen, gut betuchten BürgerInnen zugutekommen. Daher wurde

auch mit Bedacht eine „Anstalt des Öffentlichen Rechts“ als Gesellschaftsform gewählt, um

die Hürde einer privaten Einfl ussnahme auch für die Zukunft so hoch als möglich zu legen.

Ähnlich verhält es sich mit profi tablen Projekten z.B. im Bereich der Energiewirtschaft. Auch

hier ist der Standpunkt der Gemeinde Kirchanschöring, dass die Kommune diese alleine

durchführen soll, um den fi nanziellen Erfolg für alle BürgerInnen zu generieren und z.B. die

Erträge im Sozialbereich der freiwilligen Aufgaben zu verwenden.

Aus diesem Grund bewerten wir unseren Ansatz für den Umgang mit Privaten als das am

meisten gemeinwohlorientierte Herangehen und ziehen dies dem Partizipieren von einigen

wenigen Bürgern vor.

Das ist der Grund warum es, ausgenommen der Lieferantenbeziehungen, bewusst keine

weiteren Kooperationen mit der Privatwirtschaft gibt. Daneben gibt es jedoch sehr wertvolle

Kooperationen mit Privatpersonen bzw. Privatinitiativen. So wird z.B. das Mähen der

Glatthafersalbeiwiese am Bahnhof mit einem örtlichen Schmetterlingsexperten abgestimmt,

der sein Wissen hier der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Auf derselben Wiese wird durch

eine Privatperson eine kleine Hummelzucht betrieben.

Bewertung: 9 Punkte

114


Das Thema Natur und zukünftige Generationen ist das Kernstück aller Leitbilder und Projekte

der Kommune und der Region. Die Gemeinde Kirchanschöring war eine der treibenden

Kräfte für die Bewerbung als Ökomodellregion.

Ebenso gibt es hierzu einen Punkt im Gemeindeentwicklungskonzept „Alle Aktionen der

Gemeinde Kirchanschöring sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet“.

Die Gemeinde Kirchanschöring ist seit Jahren bekannt als Vorreiter und setzt immer wieder

neue Maßstäbe durch ihr Handeln.

Bereits im Jahr 1989 wurde bei Neubau der Turnhalle auf eine immer noch sehr zukunftsweisende

Bauweise zurückgegriffen. In der Süddeutschen Zeitung wurde unsere Hans-

Straßer-Halle als „größte Schilfhütte Bayerns“ vorgestellt.

Über die Jahre wurde diese Denk- und Handlungsweise immer mehr in den kommunalen

Leitbildern verankert. Beginnend im Leitbild der Dorferneuerung, über das Projekt

„Lebensqualität durch Nähe“, dem Integrierten Klimaschutzkonzept bis zum Gemeindeentwicklungskonzept

„Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring“.

Aus diesen Leitbildern und Strategien wurden in den letzten Jahrzehnten dann die

entsprechenden Entscheidungen in den Projekten getroffen.

Das große Engagement ist in der vorangegangenen Beschreibung der kommunalen und

regionalen Projekte erläutert.

Bewertung: 9 Punkte

Die „größte Schilfhütte Bayerns“ - unsere Hans-Straßer-Halle (Fotos: arch. dott. Bernhard Oberrauch)

115


Mit dem Blick auf das gesellschaftliche Umfeld, Nachbargemeinden, Region, Natur,

zukünftige Generationen:

Aspekt

Strom / Energieverbrauch in KWh/a (Stand 2011)

Gesamt

300.000

davon

Klärwerk / Pumpwerke

Straßenbeleuchtung

Schule

136.000

65.000

28.000

CO 2

Ausstoß aufgrund von Heizung / Wärme /Sonstiges

150 t

Wasserverbrauch in m 3 / Jahr (Stand 2013)

1.650

Im Rahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes wurden alle relevanten Daten der

Kommunalgebäude erfasst. Die Beschäftigung mit diesen Daten war in den vergangenen

Jahren nicht besonders ausgeprägt. Hier besteht durchaus ein Verbesserungspotenzial.

Dennoch stellt das Energiesparen und die Schonung der Ressourcen für die Kommune ein

wichtiges Handlungsfeld dar.

Dies ist auch aus den verschiedenen Leitbildern ersichtlich und wurde auch schon in

mehreren Maßnahmen umgesetzt (siehe nächste Seite).

116


Alle kommunalen Gebäude wurden soweit als möglich an das Hackschnitzel-

Nahwärmenetz angeschlossen. Dabei wurden alte Ölheizungsanlagen deinstalliert.

Der Anbau des Kindergartens wurde als Passivhausstandard ausgeführt. Mit einer großen

PV-Anlage auf dem Dach wird die Energiebilanz positiv beeinfl usst.

Die kommunalen Dachfl ächen werden für PV-Anlagen zur Verfügung gestellt. In den

letzten Jahren werden jedoch die Anlagen vermehrt durch die Gemeinde erstellt.

Die benötigte elektrische Energie wird als Ökostrom eingekauft.

In der Hans-Straßer-Halle wurde die Innenbeleuchtung auf LED-Technik umgestellt.

Dadurch wird mehr als 60 % des Strombedarfs eingespart. Dies entspricht nach der

Berechnung des Herstellers rund 425 to Co 2

auf die gesamte Lebenszeit der Beleuchtung

(20 Jahre).

Das „Haus der Begegnung“ wurde mit annähernd Passivhausstandard geplant und

liegt damit weit über dem geforderten technischen Standard (Primärenergiebedarf

nach EnEV: 8 kWh/m 2 a). Dazu wird mit dem installierten Mieterstrom die dezentrale

Stromversorgung unterstützt.

Ebenso wurde bei der Ausschreibung verschiedener Gewerke bereits auf die Materialität

und dessen Auswirkung auf die Umwelt und die BewohnerInnen ein besonderes

Augenmerk gelegt (ökologische Innenfarben, PVC-freie Linoleumböden).

Es sind weitere Kampagnen geplant:

Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

Energetische Komplettsanierung der Schule

Blue living - Wohngebäude: CO 2

-optimiertes Wohngebäude

In der Bewertungsmatrix ist für den Punkt E3.1 nur die Möglichkeit gegeben einen Wert

einzutragen. Es wurde dabei der Mittelwert von E3.1a und E3.1b gebildet. Daraus ergeben

sich 45 % bzw. 11 Punkte. Dieser wurde aufgeteilt mit 7 Punkten für E3.1a und 4 Punkten für

E3.1b.

Bewertung: 7 Punkte

117


Aspekt

Strom / Energieverbrauch in KWh (Stand 2011 - incl. Gewerbe)

Wärme (MWh/a) (Stand 2011 - incl. Gewerbe)

Gesamt

9.100.000

43.800

Pro Kopf

2.700

13

CO 2

Ausstoß aufgrund von Heizung / Wärme

(ohne Verkehr) (t/a) (Stand 2011 - incl. Gewerbe)

Wasserverbrauch in l/Tag (Stand 2017 - incl. Gewerbe)

10.230 3,0

383.500 114

Restmüll der gesamten Gemeinde in t

Sondermüll in t

nicht bekannt

0,149

Müll ist ein Aufgabengebiet des Landkreises. Dadurch hat die Gemeinde Kirchanschöring

keine Möglichkeit direkt und steuernd einzugreifen.

Es ist zwar ein Wertstoffhof in der Gemeinde vorhanden und das Personal wird von der

Kommune zur Verfügung gestellt, organisatorisch ist jedoch auch hier der Landkreis

bestimmend. Aus diesem Grund ist die angegebene Müllmenge nur ein Mittelwert über

mehrere Landkreise, die sich in der Müllentsorgung zusammengeschlossen haben und kein

für die Gemeinde Kirchanschöring spezifi scher Wert.

Für die Entsorgung im Bereich Grüngut hat die Gemeinde Kirchanschöring mit dem Landkreis

eine Sondervereinbarung getroffen und organisiert diese in Eigenverantwortung.

Im Gegensatz zum Landkreis, bei dem die frei abzugebende Grüngutmenge begrenzt

ist, besteht für Kirchanschöringer BürgerInnen die Möglichkeit ihr Grüngut ohne Mengenbeschränkung

kostenfrei anzuliefern. Das Grüngut wird dann in einer privaten Biogasanlage

zudem noch energetisch verwertet.

Für die Gemeinde Kirchanschöring ist das Thema Energie schon immer ein wichtiges

Handlungsfeld. So wurde im Jahr 2011/12 mit intensiver Bürgerbeteiligung ein Integriertes

Klimaschutzkonzept erarbeitet. Dieses dient seither als Grundlage für viele Maßnahmen

der Kommune in diesem Bereich (z.B. eigene Belange in der Bauleitplanung, energetische

Sanierung kommunaler Gebäude, kommunales Förderprogramm für private Energiesparmaßnahmen).

118


Daneben haben auch viele andere Projekte aus dem Sozialbereich sehr positive

Auswirkungen auf dieses Thema (z.B.):

„G‘wandladen“ - Kleidermarkt: Gebrauchte Kleidung wird nicht weggeworfen, sondern

wiederverwendet;

Einkaufsrundfahrten - Einkaufen vor Ort ohne lange Fahrten.

In der Bewertungsmatrix ist für den Punkt E3.1 nur die Möglichkeit gegeben einen Wert

einzutragen. Es wurde dabei der Mittelwert von E3.1a und E3.1b gebildet. Daraus ergeben

sich 45 % bzw. 11 Punkte. Dieser wurde aufgeteilt mit 7 Punkten für E3.1a und 4 Punkten für

E3.1b.

Bewertung: 6 Punkte

Wertstoffe werden in der Gemeinde Kirchanschöring im Wertstoffhof Kirchanschöring

gesammelt. Der Rasenschnitt von kommunalen und privaten Flächen wird in einer Biogasanlage

eines Landwirts verwertet.

Die Gemeinde unterstützt die BürgerInnen mit einem Förderprogramm für Energiesparmaßnahmen.

Dieses wurde 2018 grundlegend überarbeitet. Die überarbeitete Version geht

aber noch nicht in diese Bewertung ein.

In den letzten Jahren wurde vor allem das „Heizungspumpentauschprogramm inkl. der

Förderung des hydraulischen Abgleichs der Heizungsanlage“ genutzt.

Gemeinsam mit engagierten BürgerInnen werden immer wieder neue Ansätze gefunden

und gesucht.

So wird z.B. auf Initiative und mit Unterstützung der Kommune jährlich eine Müllsammelaktion

im ganzen Gemeindegebiet durchgeführt. Für die vielen teilnehmenden Jugendlichen ist

es eine wichtige Erfahrung, dass alles an Müll, der achtlos in der Landschaft entsorgt wird,

mühsam eingesammelt werden muss.

Bewertung: 5 Punkte

119


Die Kennzahlen wurden in den letzten Jahren seit der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes

nur unzureichend weitergeführt.

Jedoch werden - wie in den Punkten E3.1 - E3.2 beschrieben - viele Maßnahmen aktiv

bearbeitet.

Gerade die Beratung der BürgerInnen wird durch das neue kommunale Förderprogramm

massiv ausgeweitet werden. Hier ist auch eine jährliche Evaluierung über die Wirksamkeit

und die Akzeptanz des Förderprogramms vorgesehen.

Bei kommunalen Wohngebäuden wird eine Zertifi zierung nach ActivePlus-Standard

durchgeführt.

Die Schulungen der VerwaltungsmitarbeiterInnen im Bereich nachhaltige Beschaffung

und Bauen wird im täglichen Verwaltungsablauf seinen Niederschlag fi nden.

Bewertung: 5 Punkte

Schulung im Bereich

„Nachhaltige Beschaffung und Bauen“

Klimaschutzkonferenz

120


Bei allen Investitionen werden Gemeinwohlaspekte berücksichtigt.

Vom Hochwasserschutz, über den Neubau des Haus für Kinder St. Elisabeth, dem Kauf

des Bahnhofs und der Umwandlung in einen Jugendtreff, der Errichtung einer Stocksportund

Veranstaltungshalle in Lampoding bis zur Errichtung der „neuen sozialen Dorfmitte“,

dem „Haus der Begegnung“ wurden Einrichtungen geschaffen, die der Allgemeinheit zur

Verfügung stehen.

Hochwasserschutz

Beim Hochwasserschutz der Götzinger Ache in der Dorfmitte wurde in langwierigen Prozessen

mit den Anliegern und Grundeigentümern einen einvernehmliche Lösung gesucht

und gefunden. Darüber hinaus wurde der Hochwasserausbau dazu genutzt, die Attraktivität

der Dorfmitte, vor allem des Achenparks als Naherholungszone mitten im Dorfkern zu

gestalten. Dazu waren besonders viele Gespräche mit allen Beteiligten und Nutzern des

Areals notwendig. Die intensive Bürgerbeteiligung erklärt den hohen Stellenwert des Ausbaus

in der Bevölkerung.

Bei den Planungen zum Hochwasserschutz waren die BürgerInnen mit VertreterInnen direkt

im Planungsgremium aktiv mit dabei. Dabei hatten sie direkt Einfl uss in die gewählten

Varianten der Projektstudie.

Ebenso wurden die Planungen für den Hochwasserausbau am Rodingbach eng mit den

Grundstückseigentümern abgesprochen. Dabei konnte sogar eine naturnahe Ausbauvariante

erreicht werden.

Neubau Haus für Kinder St. Elisabeth und Schulhaussanierung

Das „Haus für Kinder St. Elisabeth“

aus der Vogelperspektive - im Hintergrund die Schule

Foto: www.luftbild-traunstein.de

Beim Neubau Haus für Kinder St.

Elisabeth waren vor allem die

Kindergartenmitarbeiterinnen in die

Planung mit eingebunden. Dadurch ist

die Akzeptanz der Einrichtung besonders

hoch. Wie bei allen Bauprojekten war

auch der „Behindertenbeirat“ in der

Planung mit dabei.

Bei der Planung der Sanierung des

Schulgebäudes sind das Lehrerkollegium

und der Elternbeirat in Workshops bei der

Entscheidungsfi ndung mit dabei. Über

den Elternbeirat wurde auch die Meinung

der Kinder in die Workshops eingebracht.

121


Jugendtreff

Ebenso wurden beim Umbau des alten Bahnhofgebäudes in einen Jugendtreff die

Jugendlichen und der Jugendpfl eger sowie die Jugendbeauftragten gehört.

Stocksporthalle

Die Lampodinger Stocksporthalle, „Lodronhalle“, war von Anfang an ein Projekt der

Lampodinger Ortsvereine. Von diesen kam die Idee, aus deren Mitte wurde die Planung

erstellt und es wurden tausende Stunden an ehrenamtlichen Helferstunden beim Bau der

Halle geleistet. Somit war die Einbindung der BürgerInnen hier vorbildlich.

Nur durch den unglaublichen Einsatz von Vielen machbar: Die Lodronhalle in Kirchstein

„Haus der Begegnung“

Die Entwickung des Konzeptes für das „Haus der Begegnung“ war ein über 15 Jahre

dauernder Prozess mit einer intensiven Einbindung der BürgerInnen. Es wurde eigens für die

Verwirklichung der Idee der Verein „Haus der Begegnung e.V.“ gegründet.

Im Jahr 2013 wurde zudem eine extern begleitete Dialogplanung mit den BürgerInnen

durchgeführt, um alle Belange zu berücksichtigen.

So wurden die BürgerInnen in die Entscheidung über eine Vielzahl von Investitionen der

letzten Jahre eingebunden. Dieses Verfahren wird aber hauptsächlich bei der Umsetzung

von Projektideen im Bereich der freiwilligen Aufgabe der Kommune eingesetzt.

Bewertung: 11 Punkte

122


Begriffsklärung Gemeingut

Ein Gemeingut oder Kollektivgut ist ein Gut, das für alle potenziellen Nachfrager frei

zugänglich ist. Gemeingüter können vom Staat oder von privaten Anbietern bereitgestellt

werden.

Öffentliche Güter und Allmendegüter sind Gemeingüter mit der Eigenschaft der Nicht-

Ausschließbarkeit.

Bodenpolitik

Durch eine traditionell weitsichtige Bodenpolitik ist es der Gemeinde Kirchanschöring

möglich, Flächen für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen:

Sportanlage an der Laufener Straße

Eine 60.000 m 2 große Fläche steht der Allgemeinheit für den Sport zur Verfügung. Dabei

ist vor allem zu erwähnen, dass der allergrößte Teil der Investitionen auf dem Gelände

ebenfalls durch die Kommune in enger Abstimmung mit den NutzerInnen errichtet

worden ist.

Freizeitgelände Kirchstein / Lampoding

Hier steht den BürgerInnen eine Fläche von knapp 30.000 m 2 zur Verfügung. Darauf

wurde die oben erwähnte Lodronhalle errichtet. Ebenso fi ndet man dort ebenfalls einen

Fußballplatz.

Wohnbauland

In den letzten Jahrzehnten war es immer wieder möglich, genügend Bauland

für Einheimische zur Verfügung zu stellen. Aktuell sind noch rund 21.000 m 2 im

Flächennutzungsplan für Wohnbauland vorgesehen. Jedoch versucht die Gemeinde,

durch das Projekt „Anders Wohnen in Kirchanschöring“, den Flächenverbrauch zu

reduzieren, Innenentwicklungskonzepte voranzubringen und Baugruppen zu etablieren.

Schulwald

Durch den Erwerb eines größeren Waldstückes in Ortsnähe konnte gemeinsam mit

der Schule und dem zuständigen Förster das Konzept eines Schulwaldes auf den Weg

gebracht werden. Dieser soll in Zukunft über einen barrierefreien Wanderweg auch für

alle BürgerInnen erlebbar gemacht werden.

Viele der kommunalen Flächen im Außenbereich sind Wegränder oder Bachränder.

Diese sollen über ein Vernetzungsprogramm dem Schutz der Artenvielfalt zur Verfügung

gestellt werden.

Im Ortskern wurde ein attraktives Grundstück an der Ache für Öffentlichkeit gesichert.

Jetzt kann dort das Schaubienenhaus gemeinsam mit dem Imkerverein errichtet werden.

123


Re-Kommunalisierung

Mit dem Projekt „Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel“ soll im Bereich der Energie die

öffentliche Hand wieder mehr Einfl uss gewinnen (siehe oben). Dabei spielen staatliche

Einfl üsse, wie z.B. „Energiegesetze“ oder das Wettbewerbsrecht, jedoch eine große Rolle.

Im Bereich der Wasser- und Abwasserentsorgung wird aktiv auf die Landes-, Bundes- und

Europapolitiker eingewirkt, die Privatisierung nicht über das Freihandelsabkommen oder

ähnliches zu ermöglichen.

Über die Regionalinitiativen, besonders die Ökomodellregion „Waginger See - Rupertiwinkel“,

werden aktiv regionale Netzwerke im Bereich der Ernährung, Landwirtschaft und Ernährungsbildung

unterstützt. Besonders hervorzuheben sind Kooperationen zwischen Landwirten und

Verarbeitern, z.B. Bio-Bier 33 oder zwischen Landwirten, Verarbeitern und Gastronomie, z.B.

das Biowirtenetzwerk 34 .

Bewertung: 12 Punkte

Fotos: Daniel Schneider

Mit dem Schulwald,

momentan schon genutzt als Projekt der Schulkinder,

haben wir in Zukunft noch ganz viel vor.

33

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/lebensmittel-landwirtschaftliche-erzeugnisse/240-waginger-seehoibe-das-bio-zwickelbier-aus-der-region.html

34

https://www.wagingersee-rupertiwinkel.de/lebensmittel-landwirtschaftliche-erzeugnisse/290-regionalebioprodukte-auf-die-teller.html

124


Die Gemeinde Kirchanschöring hat eine sehr solide fi nanzielle Basis. Sie ist eine der

wenigen Kommunen in der Region, die seit vielen Jahrzehnten keine Zuweisungen aus

dem kommunalen Finanzausgleich erhält, da die eigene Leistungsfähigkeit entsprechend

hoch ist.

Dadurch sind die Handlungsspielräume im Bereich der freiwilligen Aufgaben sehr groß.

Die Grundlage für die Vergabe dieser Mittel sind die Leitbilder und Gemeinderatsbeschlüsse,

die eine lange Tradition von sozialen und ökologischen Projekten aufweist. Es wird bewusst

auf prestigeträchtige Investitionen verzichtet.

Mit der Gründung der „Kommunalen Wohnbaugesellschaft - KU“ werden verstärkt Kreditmittel

für den kommunalen Wohnungsbau in Anspruch genommen. Dabei handelt es sich

vor allem um Mittel aus dem Kommunalen Wohnbauförderprogramm (KommWfP). Diese

weisen besonders günstige Konditionen für Kommunen auf. So konnte man die Förderkredite

für das „Haus der Begegnung“ mit einem Zinssatz von 0,95 % und einer festen Zinsbindung

über die Laufzeit von 30 Jahren nutzen.

Neben dem KommWfP wird auch die dritte Säule der staatlichen Wohnbauförderung, das

Programm der „Einkommensorientierten Förderung - EOF“ genutzt, um sozial schwachen

BürgerInnen staatlich geförderten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.

Der Gesamtumfang dieser Kredite belief sich zum Jahresende 2017 auf rund 1,6 Mio. €.

Der Kapitaldienst für Kreditaufnahmen der Wohnbaugesellschaft wird komplett durch die

Mieteinnahmen gedeckt, sodass der allgemeine Haushalt dadurch nicht belastet und die

Handlungsfähigkeit der Kommune in keiner Weise eingeschränkt wird.

Neben diesen Kreditaufnahmen gibt es noch ein Restdarlehen mit einer Laufzeit bis zum

Mai 2023 über 412.000 €, das ebenfalls als Förderkredit mit 0,9 % Zins für die Errichtung der

Kinderkrippe in Anspruch genommen wurde.

Die Wasserversorgung ist in der Region in einen Zweckverband ausgegliedert (Wasserversorgung

Achengruppe). Daher wird dieses Thema hier nicht näher betrachtet.

Im Bereich Hochwasser war keine Kreditaufnahme notwendig.

Im Bereich Abwasser gibt es noch einen Förderkredit (ohne Verzinsung) mit einer Restlaufzeit

bis Ende des Jahres 2021 und einem aktuellen Volumen von rund 8.000 €.

Den Krediten gegenüber verfügt die Kommune über Rücklagen in Höhe von 4,2 Mio. € zum

Jahresende 2017.

Mit der freien Finanzspanne werden durchwegs gemeinwohlorientierte Projekte durchgeführt.

Der hohe Grad der Bürgerbeteiligung wurde bereits oben erläutert.

Bewertung: 14 Punkte

125


Die Gemeinde Kirchanschöring ist über die Region hinaus für den innovativen Ansatz im

kommunalpolitischen Handeln bekannt.

So war es die Gemeinde Kirchanschöring, die das MORO-Daseinsprojekt angestoßen

hat, um auf die Herausforderungen des demografi schen Wandels zu reagieren. Dieses

MORO-Projekt befasst sich mit der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum und damit intensiv

mit Themen der sozialen Gerechtigkeit, wie z.B. Erreichbarkeit von Gesundheitseinrichtungen

und Einkaufsmöglichkeiten sowie dem „Alt werden“ im gewohnten sozialen Umfeld.

Doch bereits im Vorfeld wurden Themen in diesem Kontext bearbeitet. So beschäftigte man

sich im Rahmen des Projektes „Haus der Begegnung“ bereits seit 2002 intensiv mit dem

Thema „Wohnen im Alter“.

Die Projekte werden von der Gemeinde auch in die Region getragten, da vieles nur

gemeinsam im Verbund lösbar ist. Daraus haben sich mitunter auch die aktuellen Regionalinitiativen

entwickelt, die bereits weiter oben ausführlich beschrieben wurden.

Allen Initiativen und Organisationen, die die Gemeinde in unserem gemeinwohlorientiertem

Wirken unterstützen, ist klar, dass Projekte auch einmal scheitern dürfen. Dieses Verständnis

ist wichtig für die Kreativität aller Beteiligten. So wurde vor einigen Jahren mit großem

Engagement versucht, eine „Zeitbörse“ in Kirchanschöring zu etablieren. Jedoch wurde

diese Idee zu der damaligen Zeit nicht angenommen. Den AkteurInnen war aber bewusst,

dass dieses „Scheitern“ erlaubt ist, und sie waren daher als MitstreiterInnen für die Gemeinschaft

nicht verloren, sondern haben sich in anderen Projekten eingebracht.

Die Kultur, das „Scheitern“ einer Idee, nicht als Niederlage, sondern als Chance zu verstehen

ist uns sehr wichtig. Damit werden Hürden für neue Ideen abgebaut und die Bereitschaft

diese einzubringen enorm gesteigert. Denn es gibt ja keine „Verlierer“, wenn eine

Idee - aus welchen Gründen auch immer - nicht umgesetzt werden kann.

In der Verwaltung, im Gemeinderat und beim Bürgermeister herrscht eine sehr aufgeschlossene

Einstellung gegenüber neuen Ansätzen. Neben den BürgerInnen sind es oft

sogar Bürgermeister und Gemeinderat, die den Anstoß zu neuen Projekten geben.

Bewertung: 12 Punkte

Bild: fotolia, kichigin19

126


In der Gemeinde Kirchanschöring wurde bisher noch kein Nachhaltigkeitsbericht erstellt.

Mit diesem GWÖ-Bericht wird dies erstmals geschehen.

Jedoch wurde bei der Erstellung der verschiedenen Konzepte und Leitbilder immer wieder

die aktuelle Situation bewertet.

Bewertung: 1 Punkt

Thema Art der Mitbestimmung Wer hat wie entschieden?

Integriertes Klimaschutzkonzept

Dialogplanung „Haus der

Begegnung“

In den öffentlichen Workshops

wurde das Konzept entwickelt

(ca. 70 BürgerInnen)

Intensive Bürgerbeteiligung durch

extern moderierte Workshops

und Expertenanhörung (ca. 50

BürgerInnen)

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Gemeindeentwicklungskonzept

„Leben und Wirtschaften“

Intensive Bürgerbeteiligung durch

Versammlungen (z.B. Bauernkonferenz),

Workshops, Expertengruppen

und öffentliche

Themenabende (ca. 150

BürgerInnen)

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

127


Thema Art der Mitbestimmung Wer hat wie entschieden?

Geothermieprojekt

Bürgerbeteiligung durch Infoabende

und „Themenstammtische“

(ca. 75 BürgerInnen)

Projekt wird derzeit nicht weiterverfolgt.

Entwicklungskonzept (ILEK)

Entwicklungskonzept LEADER

Entwicklungskonzept

Ökomodellregion

Interkommunaler

Generationenvertrag (MORO)

Intensive Bürgerbeteiligung durch

extern moderierte Workshops

und Expertenanhörung (ca. 150

BürgerInnen)

Intensive Bürgerbeteiligung durch

extern moderierte Workshops

und Expertenanhörung (ca. 300

BürgerInnen)

Intensive Bürgerbeteiligung durch

extern moderierte Workshops

und Expertenanhörung (ca. 250

BürgerInnen)

Erarbeitung des Konzepts auf

Verwaltungsebene in Abstimmung

mit einzelnen BürgerInnen

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Verschiedene

Bebauungsplanverfahren

Öffentlichkeitsbeteiligung

Rahmen des Verfahrens

im

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

„Anders Wohnen in Kirchanschöring

Intensive Bürgerbeteiligung durch

extern moderierte Workshops

und Expertenanhörung (ca. 35

BürgerInnen)

Konzeptvorschlag durch die Arbeitsgruppe.

Das Konzept wurde vom Gemeinderat

verabschiedet.

Eine Dokumentation der Bürgerbeteiligung erfolgt durch die Entwicklungskonzepte selbst,

durch die Dokumentation der extern moderierten Beteiligungsprozesse (z.B. Dialogplanung)

oder durch entsprechende Protokolle der Gemeinderatsbeschlüsse (z.B. Abwägungsergebnisse

der Bauleitplanverfahren).

Bewertung: 3 Punkte

128


Bei der Erarbeitung neuer Konzepte und Projekte werden grundsätzlich interessierte

BürgerInnen mit eingebunden. Die Art und der Umfang der Beteiligung hängen von der

Komplexität des Themas und der Bereitschaft der BürgerInnen zur Beteiligung ab.

In allen bisherigen Beteiligungsprozessen hat man sehr positive Erfahrungen mit dem lokalen

„Expertenwissen“ der BürgerInnen vor Ort gemacht.

Unabhängig von den laufenden Projekten werden jährlich Bürgerversammlungen

durchgeführt.

Auf regionaler Ebene werden MandatsträgerInnen und interessierte BürgerInnen in einer

jährlichen Infoveranstaltung über den aktuellen Stand der laufenden Regionalinitiativen

unterrichtet.

Bewertung: 6 Punkte

Bild: fotolia, dayves

129


Kurzfristige Ziele

Schon während der Berichterstellung beschäftigten wir uns alle noch intensiver mit der

Aufgabenstellung „Gemeinwohl“ und damit wurden alle MitarbeiterInnen noch mehr

sensibilisiert.

Zielsetzung für jeden einzelnen Mitarbeitenden ist es kurzfristig, dass in seinem Aufgabengebiet

und durch sein Handeln unsere Kommune als noch mehr „gemeinwohlorientiert“

wahrgenommen wird.

Ein wichtiges Element in 2018 ist die Erarbeitung von einem Fragenkatalog für Investoren

bzw. Betriebsansiedlungen auf Gemeinwohltauglichkeit. Das Ergebnis dieses Fragenkatalogs

wird dann in die Entscheidung der Gremien einfl ießen.

Aktuell läuft das Projekt „Anders Wohnen in Kirchanschöring“ und befi ndet sich nach der

Konzeptphase (Beschreibung siehe Abschnitt D) in der Umsetzungsphase. Daneben entsteht

z.B. ein öffentliches Bienenhaus und das nächste Wohnbauprojekt der Kommunalen Wohnbaugesellschaft

wird als Vorzeigegebäude in Bezug auf Nachhaltigkeit umgesetzt. Zudem

läuft das neue kommunale Förderprogramm für Beratungen und fi nanzielle Unterstützung

im Bereich „Nachhaltiges Bauen“ an.

Im Moment befi ndet man sichin einer intensiven Umsetzungsphase von Projekten aus den

verschiedenen Strategien der Region bzw. der Kommune.

Langfristige Ziele

Langfristig gilt es den Gemeinwohlbericht kritisch durchzuarbeiten und vorhandene Defi zite

zu benennen und Lösungen zu suchen. Die erneute Bilanzerstellung in einigen Jahren bietet

dazu den nötigen Anreiz.

Die Gemeinde will sich aber auch langfristig als Motor der Gemeinwohlökonomie betätigen

und versuchen, die Idee in Kommunen, aber auch in der Gesellschaft zu etablieren.

Dazu wollen wir auf Gemeindeebene einen nächsten Schritt gehen und weitere Beteiligte

gewinnen.

Wünschenswert wäre es, die Gemeinwohlbetrachtung über die Verwaltungsebene zu

heben und einen „kommunalen Gemeinwohl-Index“ in der Gemeinde Kirchanschöring zu

entwickeln und als weitere Richtschnur für unser Handeln vor Ort an der Hand zu haben.

130


Dieser Bericht wurde von November 2017 bis September 2018 erarbeitet.

Nach einer allgemeinen Information zum Thema GWÖ mit allen MitarbeiterInnen der

Verwaltung wurden je nach Fragestellung die entsprechenden Mitarbeitenden aktiv in die

Bearbeitung mit einbezogen.

Neben Bürgermeister Hans-Jörg Birner, Geschäftsleiter Peter Schuster und der Kämmerin

Sabine Strohhammer, waren Ramona Aicher, Anja Straßer, Michaela Stockhammer,

Michaela Palliardi, Nicole Meinelt und Alexandra Huber bei der Erstellung aktiv beteiligt.

Die verschiedenen Themenblöcke wurden in Arbeitsgruppen gemeinsam mit den GWÖ-

BeraterInnen Isabella Klien und Kurt Egger erarbeitet.

Nach der Erstellung des Berichtsentwurfes wurde dieser in gemeinsamen Workshops

überarbeitet und optimiert.

Externe Beteiligte waren bei der Berichterstellung nicht direkt betroffen. Die mitbewertete

Wohnbaugesellschaft wird von Mitarbeitern der Verwaltung geführt und das entsprechende

Aufsichtsgremium wird aus Mitgliedern des Gemeinderats bestellt.

Im Gesamten wurden von den VerwaltungsmitarbeiterInnen rund 500 Stunden für die

Erstellung dieser ersten Gemeinwohlbilanz geleistet. Dieser Aufwand kann bei der Erstellung

einer Folgebilanz jedoch erheblich reduziert werden. Anschließend wurde der Gemeinwohlberichtsentwurf

von arch. dott. Bernhard Oberrauch, GWÖ-Auditor, bewertet. Dazu war

Herr Oberrauch auch zwei Tage vor Ort und konnte sich eingehend über unsere Arbeitsweise

und Projekte informieren. Dies geschah in Gesprächen mit einzelnen MitarbeiterInnen

und dem Bürgermeister. Zudem wurde der Ort zu Fuß und mit dem Fahrrad erkundet und

die unterschiedlichsten Informationen aus dem Bericht vor Ort besichtigt und erläutert.

Von Herrn Oberrauch wurde die Bewertung erläutert und Fragen dazu beantwortet. Von

Herrn Oberrauch wird neben einem Auditbericht auch ein Good-Practice-Bericht erstellt.

Zur Information der MitarbeiterInnen wurde eine Auftaktveranstaltung organisiert und die

Öffentlichkeit über die Erstellung des Berichts durch die Gemeindemitteilung informiert.

Den Mitarbeitenden wird der Bericht in einer eigenen Zusammenkunft und dem Gemeinderat

im Rahmen einer Gemeindeentwicklungsausschusssitzung vorgestellt.

Die große Vorstellung des Berichts in der Öffentlichkeit ist für den 20. November 2018 im

Salitersaal geplant.

Bild: fotolia, juanjo

131


Bild: fotolia, stockpicks

Verantwortlich im Sinne des

Pressegesetzes:

1. Bürgermeister Hans-Jörg Birner

Satz und Layout: Petra Obermeier

Korrektur: Juliane Reising

Gemeinde Kirchanschöring,

Rathausplatz 2

Druck: OH Druck GmbH, Laufen

Gedruckt auf Papier mit dem Gütesiegel „Blauer Engel“

mit natürlich umweltgerchten, schadstoffl osen Farben (J+S Impact Natural PC)

auf Basis nachwachsender Rohstoffe (entspricht den Vorgaben der ISO 12647-2)

132

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