2020/39 - Berufswahl und Zukunft - ET: 23.09.2020

suedwest.presse

SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Darf’s auch ein bisschen

mehr sein?

Der Business-Englischkurs oder der Baggerführerschein –

Zusatzqualifikationen können Job-Chancen verbessern.

FOTO: CHRISTIN KLOSE/DPA-MAG

Zusätzliches Engagement während

der Ausbildung macht immer

einen guten Eindruck.

Es lohnt sich, während der Ausbildung

sogenannte Zusatzqualifikationen

zu erwerben. Dadurch

verbessern sich für Absolventen

einer dualen Ausbildung die Karrierechancen,

erklärt das Bundesinstitut

für Berufsbildung (BIBB).

Bei einer Zusatzqualifikation

kann es sich um verschiedene

Kurse oder Prüfungen handeln.

Auszubildende lernen darin Dinge,

die über ihren regulären Ausbildungsplan

hinausgehen. Es gibt

Angebote, die sich spezifisch auf

einen Beruf beziehen. Daneben

können Auszubildende aber auch

Zusatzqualifikationen wählen, in

denen sie übergreifende Kompetenzen

vermittelt bekommen. Mit

einer Zusatzqualifikation können

Azubis laut BIBB nachweisen,

dass sie ihre beruflichen Kompetenzen

vertieft haben. Das werte

den Abschluss auf und erleichtert

womöglich sogar den Einstieg in

den Arbeitsmarkt. dpa

Info In der Datenbank AusbildungPlus

des BIBB (www.bibb.de) können Interessierte

nach Angeboten suchen.

Wohin geht der Weg? Eltern erste

Ansprechpartner bei Berufswahl

Geht es um den Werdegang ihrer Kinder, wollen viele Eltern mitreden und Ratschläge geben.

Wenn es um die Berufswahl ihrer

Kinder geht, sehen sich viele Eltern

als wichtigste Ansprechpartner.

Fast die Hälfte (46 Prozent)

gab das in einer YouGov-Umfrage

im Auftrag der Stiftung der

Deutschen Wirtschaft für das Förderprogramm

Studienkompass

an. 14 Prozent der befragten Eltern

mit Kindern zwischen 13 und

19 Jahren nannten hingegen Familie

und Freunde als Ansprechpartner

Nummer eins, elf Prozent die

Schule. Jeder Zehnte gab staatliche

Organisationen wie die Bundesagentur

für Arbeit an.

Bei der Berufswahl haben

Jugendliche heute vielfältige

Möglichkeiten. Foto:

© Coloures-pic / Fotolia.com

Einfluss der Eltern sinkt

Nach Einschätzung der Pädagogik-Expertin

Prof. Bärbel Kracke ist

der Einfluss der Eltern gesunken.

Was Jugendliche beruflich anstreben,

werde heute mit den vielfältigen

Möglichkeiten nicht mehr so

stark wie früher durch die Eltern

beeinflusst, so die Lehrstuhlinhaberin

für Pädagogische Psychologie

der Uni Jena. Dennoch, so Bracke,

eröffnen Eltern und andere für

Jugendliche wichtige Verwandte

oder Freunde der Eltern durch ihre

Tätigkeiten häufig einen Orientierungsrahmen,

in dem sich Jugendliche

zunächst einmal umschauen.

Die Digitalisierung verändert

die Arbeitswelt und auch die Berufsprofile

teils massiv: In einem

Report des Weltwirtschafsforums

zur Zukunft von Jobs hieß es schon

2016, dass wohl zwei Drittel (65

Prozent) der Grundschüler wenn

sie erwachsen sind in Jobs arbeiten

werden, die aktuell noch gar nicht

existieren. Eine Vorstellung, wie

diese Berufe konkret aussehen

könnten, haben laut Umfrage nur

die wenigsten Eltern: Lediglich

acht Prozent gaben an, eine Idee

davon zu haben, welche Berufe es

erst künftig neu geben wird. Gut

drei Viertel (76 Prozent) habe keine

Vorstellung davon. dpa


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Damit der Funke überspringt

Im Motivationsschreiben muss der Funke überspringen: Bewerber sollten vermitteln, warum sie sich für eine Ausbildung oder für ein

Unternehmen begeistern.

„Hiermit bewerbe ich mich...“ Dass

Bewerber mit einem solchen Einstieg

im Anschreiben keinen Eindruck

machen, ist den meisten bekannt.

Aber wie geht es besser?

„Der Text löst idealerweise beim

Personalentscheider einen Aha-Effekt

aus und überzeugt ihn, dass es

sich lohnt, den Bewerber zu einem

Vorstellungsgespräch einzuladen“,

fasst Businesstrainer Michael Fridrich

zusammen. Ganz wichtig vorweg:

Schnell geht es nicht. Bewerber

müssen sich für ein Motivationsschreiben

Zeit nehmen. Sie

müssen klar herausstellen, warum

es für das Unternehmen ein Mehrwert

ist, ihn oder sie einzustellen.

Länger als eine DIN A4-Seite lang

sollte das Motivationsschreiben allerdings

nicht sein.

Schritt 1: Recherche Wie fängt

man also an? Schritt eins sollte sein:

„Recherchieren, recherchieren und

nochmals recherchieren“, betont

Ute Gietzen-Wieland, Businessund

Mentalcoach. Bewerber und

Bewerberinnen müssen sich nach

ihren Worten intensiv mit der jeweiligen

Branche und mit dem Unternehmen

befassen und dabei Argumente

sammeln, die dafür sprechen,

dass man die oder der Richtige

für einen bestimmten Posten

ist. „Ein echtes Interesse zeigt sich

darin, wie individuell Bewerber das

Motivationsschreiben aufsetzen“,

so Gietzen-Wieland. Serienbriefe,

bei denen Bewerber lediglich die

Empfänger-Adressen und die Anrede

austauschen, sind fehl am

Platz. Gleiches gilt für Standardfloskeln.

Um beim Empfänger einer

Bewerbung das Interesse zu

wecken, sind die ersten 20 Sekunden

entscheidend.

Das Motivationsschreiben

sollte

auf jeden Fall überzeugen.

Foto: Christin Klose/

dpa-mag

Warum sind Sie die

richtige Kandidatin?

Standard-Empfehlungen für einen

einleitenden Satz gibt es nicht. „Bewerber

müssen sich etwas einfallen

lassen und damit zeigen, dass

sie sich von Mitbewerbern abheben“,

so Gietzen-Wieland. Zudem

sollten Bewerber vier bis fünf

Gründe nennen, warum ausgerechnet

sie der richtige Kandidat für

eine Ausbildung und ein Unternehmen

sind. „Es macht sich gut, dabei

die Entscheider-Perspektive

einzunehmen“, betont Fridrich.

Also, statt in dem Text permanent

das Wort ich zu benutzen, ist es

besser, das Wort Sie zu verwenden.

Etwa: „Sie erweitern Ihr Team um

einen Mitarbeiter, der diese und

jene Fähigkeiten mitbringt“.

Aufbau: Anschreiben in vier Teile

gliedern Ein ideales Motivationsschreiben

gliedert sich aus Sicht

von Fridrich in vier Teile: Teil eins

schildert, warum sich ein Bewerber

gerade bei diesem Unternehmen

bewirbt.

In Teil zwei betreibt der Kandidat

Eigenmarketing und nennt

Gründe, warum es sich lohnt, ihn

oder sie einzustellen. „Ideal ist auch,

Der Text löst

idealerweise

beim Personalentscheider

einen

Aha-Effekt aus

Michael Fridrich

Businesstrainer

Stärken aufzulisten und sie mit Ergebnissen

zu verknüpfen“, so Coach

Michael Fridrich.

In Teil drei sollte der Bewerber

seinen Mehrwert für das Unternehmen

herausstellen. Dann folgt mit

Teil vier der Schluss: „Ich freue

mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.“

Fridrich empfiehlt,

im Motivationsschreiben

möglichst keinen Konjunktiv zu verwenden.

Also zum Beispiel nicht zu

schreiben. „Ich würde mich freuen“.

Die No-Gos im

Motivationsschreiben

Wichtig ist, dass der Text keine

Rechtschreib- und Grammatikfehler

aufweist. Damit das Schreiben

gut lesbar ist, sollten Bewerber es

optisch strukturieren, in kurzen

Sätzen schreiben und Absätze machen.

Der Funke muss überspringen.

Gibt es eine Alternative zu einem

Motivationsschreiben? Zum

Beispiel, indem man nüchtern und

in knappen Stichworten seine

Qualifikationen auflistet? Fridrich

rät davon ab. „Ein Motivationsschreiben

bietet die Möglichkeit,

der Bewerbung einen emotionalen

Akzent zu verleihen“, sagt er.

Wenn Bewerber es sprachlich

schaffen, dass im Motivationsschreiben

der Funke überspringt,

sei eine Einladung zum Vorstellungsgespräch

sehr wahrscheinlich.


dpa


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Erasmus 2020: Austausch ohne Austausch?

Viele Hochschulen versuchen trotz Corona mit virtuellen Campus-Touren oder Spieleabenden den Kontakt der

Austausch-Studierenden untereinander zu fördern.

Andere Kulturen kennenlernen,

Sprachkenntnisse verbessern:

Auslandssemester mit dem Erasmus-Programm

der Europäischen

Union sind beliebt, in manchen

Studiengängen sogar verpflichtend.

Doch 2020 findet der Lehrbetrieb

in vielen europäischen

Ländern aufgrund von Covid-19

nur eingeschränkt statt. Worauf

sollten sich Studierende im

nächsten Semester einstellen?

Die wichtigsten Fragen und Antworten

im Überblick:

Findet das Erasmus-Programm

zur Zeit überhaupt statt?

Ja. Zwar haben einige Hochschulen

in Europa aufgrund der Lage

vor Ort ihre Teilnahme am Programm

vorübergehend ausgesetzt,

doch die große Mehrheit

der geplanten Auslandsaufenthalte

kann stattfinden, bestätigt Stephan

Geifes, Direktor der Nationalen

Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit

im Deutschen

Akademischen Austauschdienst

(DAAD). Sowohl der DAAD wie

auch die meisten Hochschulen

verweisen hier auf die Reiseempfehlungen

des Auswärtigen Amtes.

Allerdings wird es im kommenden

Semester zunächst nicht

überall Präsenzveranstaltungen

geben. Vielerorts finden Vorlesungen,

Seminare und Sprachkurse

online statt.

Daheim und doch im Ausland

studieren? Viele Unis bieten

derzeit nur digitale Vorlesungen

an. Foto: Christin Klose/dpa-mag

Sollte ich meinen Auslandsaufenthalt

lieber verschieben?

Ob ein Verschieben sinnvoll ist,

sollten Studierende unbedingt

mit ihrer deutschen Hochschule

sowie mit ihrer Gast-Hochschule

im Ausland klären. Auch der

DAAD rät davon ab, Auslandsaufenthalte

übermäßig zu verschieben,

da sich sonst in den kommenden

Semestern ein Kapazitätsproblem

bei den Hochschulen

ergeben könnte. Wem die Ausreise

im Moment zu riskant ist, der

kann das Online-Angebot der

Gast-Hochschule auch von

Deutschland aus nutzen. Als Direktor

der Nationalen Agentur für

EU-Hochschulzusammenarbeit

im DAAD empfiehlt Stephan Geifes

Studierenden aber dennoch,

im Rahmen der Empfehlungen

des Auswärtigen Amtes und unter

Einhaltung der Regeln des

Gastlandes an ihren europäischen

Studienort zu ziehen. Auch, wenn

dort vorerst keine Präsenzveranstaltungen

stattfinden. Ein Kompromiss

ist die „Blended Mobility“,

wobei man seine Kurse online

in Deutschland beginnt und

erst später ins Ausland reist.

Wenn alles online stattfindet,

lohnt es sich dann überhaupt,

ins Ausland zu gehen?

Fraglos wird das Austauscherlebnis

im kommenden Studiensemester

anders werden als bisher.

Zur interkulturellen Erfahrung eines

akademischen Austauschs gehören

auch das Studium in der

Fremdsprache, sowie das Erleben

unterschiedlicher akademischer

Systeme. Dies wird online ebenfalls

möglich sein. Doch selbst

mit Online-Kursen wird man ein

Land vor Ort intensiver kennen

lernen, als zu Hause am Computer.

Stephan Geifes rechnet damit,

dass eine solche Erfahrung sich

für Studierende später sogar zu

einem Vorteil entwickelt: „Nach

Corona wird nichts mehr sein wie

vorher. Wir erleben gerade einen

großen Schub im Bereich des digitalen

Arbeitens auf Distanz. Gemeinsam

online mit Studierenden

aus verschiedenen Ländern zusammen

gelernt und gearbeitet zu

haben, könnte sich später als eine

wertvolle Kompetenz auf dem

sich ebenfalls digitalisierenden

Arbeitsmarkt herausstellen“, betont

er.

dpa


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Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Glasbläser, Drechsler oder Bogenmacherin:

Besonders im

Handwerk gibt es in manchen Berufen

nur noch sehr wenige Auszubildende.

Sterben diese Berufe

nicht ohnehin bald aus? Und sollte

man von einer Ausbildung absehen?

Zuerst einmal handle es

sich nicht um aussterbende, sondern

um seltene Berufe, stellt Monika

Hackel vom Bundesinstitut

für Berufsbildung (BIBB) klar.

Viel häufiger kommt es vor, dass

Berufe, die technisch überholt

sind, in neuen Berufen aufgehen.

Die Tätigkeiten von Schriftsetzer

und Flexografen zum Beispiel im

Ausbildungsberuf Mediengestalter

Digital und Print aufgegangen.

Traditionswissen

in neuen Berufen

Das BIBB beobachtet die duale

Berufsausbildung in Deutschland

und aktualisiert oder überarbeitet

gemeinsam mit den Sozialpartnern

gegebenenfalls Ausbildungsinhalte.

Dass ein Ausbildungsberuf

komplett aufgelöst

wird, komme nur sehr selten vor,

so Hackel. Während die meisten

bereits vom Berufsfeld Mediengestaltung

gehört haben, gibt es

viele seltene Berufe, deren Namen

man oft nicht einmal kennt.

„Seltene Handwerke begegnen

uns im Alltag eher wenig, sind

Nische statt Masse

Immer noch gibt es seltene Ausbildungsberufe, die trotzdem eine

optimale Basis für die berufliche Zukunft bieten können.

Bürsten- und Pinselmacher erlernen ein traditionelles Handwerk. Auf eher seltene Ausbildungsberufe stoßen

Interessierte nur, wenn sie sich vorher ausgiebig informieren.

Foto: Daniel Karmann/dpa-mag

aber aus unserem Leben nicht

wegzudenken, zum Beispiel Bürsten-

und Pinselmacher oder die

Musikinstrumentenbauer“, erklärt

Volker Born, Berufsbildungsexperte

beim Zentralverein

des deutschen Handwerks (ZDH).

Eigeninitiative und Recherche

sind also wichtig, um auch von

unbekannteren Berufen zu erfahren.

Auch das eigene Umfeld kann

entscheidend sein, wie das Beispiel

des Ziseleurs Franco Adamo

zeigt. Nachdem er keinen Ausbildungsplatz

als technischer Zeichner

gefunden hatte, ermutigte

sein Vater ihn, es als Ziseleur zu

versuchen. Ähnlich wie Steinmetze

arbeiten Ziseleure mit Meißel

oder Feile: Sie gießen Bronze und

bearbeiten Oberflächen, um Embleme

und Skulpturen herzustellen.

Leidenschaft für Kunst und

Architektur im Orgelbau

Für Judith Macherey dagegen war

ein freiwilliges kulturelles Jahr

(FKJ) in der Denkmalpflege entscheidend.

So kam sie zu Klais,

einer Werkstatt für Orgelbau. Ihr

Faible für Kunst und Architektur

konnte die Abiturientin dann bei

der Arbeit an der Orgel umsetzen.

Nach dem FKJ hat sie eine

Ausbildung zur Orgelbauerin begonnen

und arbeitet derzeit an ihrer

Abschlussprüfung. Franco

Adamo, der inzwischen seit 40

Jahren als Ziseleur arbeitet, hat

keine Angst, dass sein Beruf vom

technologischen Fortschritt bedroht

wird. „Kein 3D-Drucker

kann so ein gegossenes Relief herstellen

und einer Figur eigenes

Leben einhauchen.“ Außerdem

seien moderne Maschinen wie die

CNC-Fräse eine gute Ergänzung

des Handwerks. Oft braucht es

besonderen Wagemut, sich für einen

seltenen Beruf zu entscheiden.

Häufig ist ein Ortswechsel

nötig, um einen Ausbildungsbetrieb

oder eine Berufsschule zu

finden. Und da es in der Regel nur

noch wenige Betriebe in diesen

Spezialgebieten gibt, muss man

nach dem Abschluss womöglich

den Weg in die Selbstständigkeit

wagen.

Experten international gefragt

Wer mit Leidenschaft dabei ist,

kann die eigene Nischenposition

aber auch als Alleinstellungsmerkmal

hochhalten und sogar

international gefragt sein. „Eine

Orgel bleibt dort stehen, wo sie

ist, da muss man schon selbst zu

ihr kommen, um sie zu reparieren“,

sagt Macherey. Besser etwas

Seltenes als gar nichts gelernt

Selbst, wenn sich herausstellt,

dass man den Ausbildungsberuf

nicht das ganze Leben lang ausüben

kann, sei es gut, eine abgeschlossene

Ausbildung zu haben,

betont Monika Hackel. „Mit einer

abgeschlossenen Ausbildung ist

das Risiko von dauerhafter Arbeitslosigkeit

im Durchschnitt

viermal geringer als ohne Abschluss.“

Schließlich sammelt

man in der Ausbildung Berufserfahrung

und erwirbt auch viele

berufsübergreifend wichtige

Kompetenzen. Darauf können

Weiterqualifizierungen oder Zusatzqualifikationen

aufbauen. dpa


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Onlineangeboten nicht

blind vertrauen

Bei Webseiten zur Berufs- und Studienwahl

sollte man grundsätzlich checken, wer hinter

dem Angebot steckt.

Was soll ich studieren? Oder

ist ein Ausbildungsberuf der

bessere Weg? Wer zu diesen

Fragen Rat im Internet sucht,

stößt auf zahlreiche Tests

und Entscheidungshilfen.

Grundsätzlich sei jedes Angebot

hilfreich, dass dazu anregt,

über die eigene berufliche

Zukunft nachzudenken,

heißt es auf dem Portal „abi.

de“ der Bundesagentur für

Arbeit. Berufsberaterin Petra

Nönninger rät aber darauf

zu achten, ob ein Angebot

auch neutral ist. Bei

staatlichen Einrichtungen

und Institutionen

sei man auf der sicheren

Seite. Andernfalls können

auch unternehmerische

Interessen dahinterstehen.

Auf „abi.

de“ gibt es eine Übersicht

seriöser Informationsangebote

zur Studienund

Berufswahl. Prinzipiell

eignen sich Onlineangebote

für einen ersten Überblick, so

die Berufsberaterin weiter.

Um die Ergebnisse und Vorschläge

solcher Interessenstests

(zum Beispiel Check-U

der

Arbeitsagentur)

besser einordnen

zu können, sollten

Jugendliche

anschließend

ein Gespräch

bei der Berufsberatung

vereinbaren.

pm

Als Nicht-Abiturient ins Medizinstudium

Wer bereits eine Ausbildung und Berufserfahrung im Gesundheitsbereich hat, kann sich auch ohne

Abitur auf einen Studienplatz in Medizin bewerben.

Der Traum vom Medizinstudium

muss nicht am fehlenden

Abitur scheitern. Darauf

weist das Centrum für Hochschulentwicklung

(CHE) hin.

Aktuell gibt es Auswertungen

des CHE zufolge rund 1000

Medizinstudierende, die kein

Abitur haben.

Und: Die Chancen für

Nicht-Abiturienten haben

sich verbessert. Interessierte

können sich auch mit einer

fachnahen Ausbildung und

ausreichend Berufserfahrung

oder einer entsprechenden

Fortbildung im Gesundheitsbereich

für einen Studienplatz

qualifizieren.

Eignungsquote für Bewerber

mit Berufserfahrung

Es gelten laut CHE die gleichen

Kriterien wie für andere

Kandidaten. Es zählt aber

nicht die Abiturnote, sondern

die Durchschnittsnote des

Berufsabschlusszeugnisses

Für die Zulassung zum Medizinstudium gibt es seit Anfang des Jahres die zusätzliche Eignungsquote

für Bewerber mit Berufserfahrung.

Foto: Christin Klose/dpa-mag

oder das Ergebnis einer an

der Universität vorher abgelegten

Zugangsprüfung. Die

Note spielt aber ohnehin nur

bei 30 Prozent der zu vergebenden

Studienplätze eine

Rolle. 60 Prozent der Plätze

geben die Hochschulen nach

eigenen Kriterien an Studierende.

Seit Anfang des Jahres

gibt es die sogenannte Zusätzliche

Eignungsquote

(ZEQ), über die nun zehn

Prozent der Studienplätze

vergeben werden. Bewerber

und Bewerberinnen mit beruflicher

Erfahrung im Gesundheitswesen

können hier

punkten. Die ZEQ löst bis

2022 die bisher geltende Wartezeitenquote

ab, die nur

noch übergangsweise bei der

Zulassung zum Studium berücksichtigt

wird. dpa

Info

Das CHE hat Antworten auf alle

wichtigen Fragen zu Zulassung

und Bewerbung in einem PDF zusammengestellt.

Interessierte

können sich auch auf der Webseite

studieren-ohne-abitur.de

informieren.

FOTO:© KURHAN/SHUTTERSTOCK.COM

Berufswahl

& Zukunft


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Berufswahl & Zukunft

Aus der Reihe „Next Step“

Uni oder Lehre: Was bringt mehr?

Wer Karriere machen will, muss nicht zwangsweise den Weg über die Universität nehmen.

Auch eine Ausbildung bietet ausgezeichnete Perspektiven.

Seit Jahren drängen Schüler an

die Hochschulen, immer weniger

junge Leute entscheiden sich für

einen Ausbildungsberuf. Es

herrscht die Ansicht: Wer studiert,

macht Karriere und verdient

viel. Das gilt jedoch nur,

wenn das Einkommen über das

ganze Arbeitsleben hinweg betrachtet

wird; Akademiker überholen

im Schnitt erst mit 31 Jahren

die ehemaligen Lehrlinge, in

manchen Branchen dauert es sogar

noch länger bis Akademiker

hinsichtlich des Gehalts die Nase

vorne haben. Das ist das Ergebnis

einer aktuellen Studie der

Vergütungsfachleute von Gehalt.

de.

Bachelor-Absolventen und Meister

verdienen gleich

Zudem zweifelt laut dem Bundesinstitut

für Berufsbildung ein

Drittel der Studierenden daran,

dass sie ihr derzeitiges Studium

erfolgreich abschließen werden.

Deshalb rät Expertin Petra Timm

allen Abiturienten dazu, sich so

Ausbildung oder Lehre?

Manchmal ist diese Entscheidung

nicht einfach.

© PureSolution/Shutterstock.

com

früh wie möglich mit dem Thema

Zukunftsplanung auseinander

zu setzen. „Es gibt heute viele

Möglichkeiten durchzustarten

– auch mit einer Berufsausbildung“,

weiß die Arbeitsmarktexpertin

Petra Timm. Auch hinterher

stehen den ehemaligen Auszubildenden

vielfältige berufliche

Wege offen, außerdem

locken attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten,

mit denen

Fachkräfte die Gehaltsleiter auch

schnell raufklettern. Der Meister

des Handwerks etwa verdient im

Schnitt während seiner Lebensarbeitszeit

mindestens ebenso

viel wie ein Bachelor-Absolvent

nach seinem Studium. Mehr verdienen

im Lauf des Arbeitslebens

nur Akademiker mit Masterabschluss

Gut zu wissen: Mit einem

dualen Studiengang gibt es sogar

die Chance, im Beruf zu sein und

gleichzeitig einen akademischen

Abschluss zu erreichen. Nirgendwo

sonst sind Theorie und Praxis

so eng miteinander verzahnt

wie bei diesen Studiengängen.

Davon profitieren Unternehmen

ebenso wie Studierende.

Ein duales Studium verzahnt

Theorie und Praxis

Um grundsätzlich herauszufinden,

welche Branche infrage

kommt und welcher Beruf der

passende für sie ist, sollten Schüler

zuerst ihre Stärken und Schwächen

sowie Interessen gründlich

analysieren. Dabei helfen Berufsberater

der Arbeitsagenturen,

aber auch Eltern und Freunde

können gute Hinweise geben und

bei der Entscheidung helfen. pm

31 Jahre

in diesem Alter beginnen Akademiker

ehemalige Lehrlinge hinsichtlich

ihres Lebenseinkommens zu überholen.

Neues Ticket

für Azubis

Seit September gibt es mit dem

Azubiticket ein Flatrate-Angebot,

das rund um die Uhr im gesamten

DING-Verbundgebiet gilt.

DING-Geschäftsführer Thomas

Mügge erklärt: „Mit dem

Azubiticket lösen wir das

Zwei-Wege-Problem der Auszubildenden:

Arbeitsplatz hier, Berufsschule

da. Die Frage, welcher

Fahrschein für Azubis der einfachste

und günstigste ist, war

bisher oft nur schwer zu beantworten.

Aber jetzt ist die Antwort

einfach: Nur ein Fahrschein genügt

für die Fahrt zum Ausbildungsbetrieb,

zur Schule – oder

in der Freizeit.“ „Mit dem Azubi-Ticket

sind Auszubildende

künftig deutlich mobiler und lassen

sich auch für eine Ausbildung

außerhalb ihrer Wohnorte begeistern“,

sagt Max-Martin W. Deinhard,

Hauptgeschäftsführer der

IHK Ulm. Auch Dr. Tobias Mehlich,

Hauptgeschäftsführer der

Handwerkskammer Ulm, bekräftigt:

„Das Azubiticket ist ein weiterer

Schritt in Richtung Gleichwertigkeit

der beruflichen und

akademischen Bildung.“ pm

Info: Mehr unter www.ding.eu.

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