Red Bulletin - Innovator

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IDEAS FOR A BETTER FUTURE INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 01/2021

*Die

Zukunft

ist besser

als ihr

Ruf

Inspiriert eine

neue Generation:

Aktivistin und

Fair-Fashion-

Unternehmerin

DariaDaria

GREEN

THE

ISSUE *

01 21

AUSGABE

DEUTSCHLAND

EURO 2,50

Daria

Daria

und weitere

21 Pioniere

erklären,

wie auch

du die Welt

verbessern

kannst


ALPHATAURI.COM


© Jean Nouvel, Gilbert Lézénès, Pierre Soria et Architecture-Studio / Adagp, Paris, 2021


INNOVATOR

EDITORIAL

CONTRIBUTORS

Hilde van Mas

Um eine möglichst weibliche

Crew bat unsere Cover-Heldin

DariaDaria – ein Wunsch, den

wir unter anderem mit Fotografin

Hilde van Mas nur zu gerne erfüllten.

Sie lichtete die Aktivistin

DariaDaria kunstvoll vor eigens

installiertem Rollrasen ab. Das

Interview: AB SEITE 22

Tobias Moorstedt

Als junger Vater oft übermüdet,

als Autor (z. B. „Süddeutsche

Zeitung“) auf Technologie

spezialisiert: Mit diesen Schlüsselqualifikationen

widmete sich

Moorstedt der Zukunft des

Schlafens – im Gespräch mit

Forschern und beim Test aktueller

Gadgets. AB SEITE 68

SEIEN WIR EHRLICH!

Wer Großes bewegen will, braucht großen Mut.

Und was könnte größer sein als die Rettung

unseres Planeten vor dem Klimawandel? Damit

das gelingt, müssen alle mit anpacken: Unternehmen,

Politiker, aber auch jeder Einzelne.

Deshalb haben wir in diesem „Green Issue“

Vordenker wie Formel-1-Weltmeister und Nachhaltigkeits-Unternehmer

Nico Rosberg gefragt,

wie man den Mut zum ersten Schritt findet.

„Die Welt braucht mehr Ehrlichkeit“, meint die

Wiener Aktivistin DariaDaria und erklärt,

warum es nicht um die perfekte Öko-Bilanz

geht, sondern um menschliche Veränderung.

Ach ja: Jede Menge Weltretter-Ideen und grüne

Gadgets gibt’s natürlich auch, ab Seite 21.

Besonderen Mut zeigen auch die Mitglieder der

Copenhagen Suborbitals: Die dänischen Tüftler

wollen mit einer selbst gebauten Rakete ins

All fliegen. Bitte gut anschnallen ab Seite 58.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Die Redaktion

HILDE VAN MAS (COVER)

4 INNOVATOR


Vienna

UP’21

digital

Let’s talk startups.

27.4. – 12.5.

2021

Join Europe’s most

authentic startup

experience!

viennaUP.com


INHALT

BULLEVARD

10

Volle Kraft voraus

Eine Gruppe junger Ingenieure

will den Speed-Rekord

im Segeln brechen.

16

Kabinen für alle

Münchener Techies wollen

den Stadtverkehr mit

Gondeln revolutionieren.

12

14

Smarte Strippe

Ein Trainingsband,

das Fitnessstudio und

Personal Trainer ersetzt.

Gesunder

Boxenstopp

Wie ein Start-up selbst

Kochmuffel zu Chefköchen

macht.

18

19

Master-Studium

in der U-Bahn

Zwei Gründer bieten

radikal neue Lösungen

für die Weiterbildung.

Ruf mich an!

Einsam? Eine App findet

den richtigen Gesprächspartner

für dich.

GUIDE

90

93

94

EVENTS

Auf Wiedersehen

Diese Konferenzen planen

2021 ihr Comeback –

digital und vor Ort.

WETTBEWERB

Kampf der Ideen

Red Bull Basement fördert

junge Vordenker.

FASHION

Innere Wärme

Eine AlphaTauri-Jacke,

die dir per App einheizt.

96

98

KOLUMNE

Nachhaltig

überrascht

Autor Christoph Koch

über erstaunliche Folgen

des Weltrettens.

TECH-HIGHLIGHT

Polar-Labor

Wie Forscher am Südpol

Geheimnisse des Universums

entschlüsseln.

58

REPORTAGE

Weltall, wir

kommen!

Wie Hobby-Astronauten

in Kopenhagen mit einer

selbst gebauten Rakete

durchstarten wollen.

6 INNOVATOR


INNOVATOR

FEATURES

58

RAUMFAHRT

Die Raketenbastler

Wie dänische Amateure ihren

Traum von der Reise ins Weltall

verwirklichen wollen.

68

74

82

GESUNDHEIT

Gute-Nacht-Zukunft

Unser Autor erkundet die

Zukunft des Schlafens – und

das auch am eigenen Leib.

VERKEHR

Visionen auf Rädern

Wie Hersteller das Konzept

Automobil neu denken und

die Lust am Fahren erhalten.

UNTERNEHMERTUM

Gegen jede Regel

Netflix-Star Sophia Amoruso

erklärt, welche Leitsätze du

ignorieren solltest.

GREEN ISSUE

DariaDaria und 21 weitere

Pioniere erklären, wie du die

Welt verbessern kannst.

22

COVERSTORY

Die Mut-Macherin

Aktivistin DariaDaria über

Ehrlichkeit als bestes Tool

für Veränderung.

30

32

40

ALISON TEAL

Die Kraft der Bilder

Wie die US-Amerikanerin

mit unterhaltsamen Videos

Müll im Meer bekämpft.

PRODUKTE

Gut und schön

Innovative Produkte, die

den Alltag erleichtern und

Ressourcen schonen.

START-UPS

Saubere Einfälle

Altkleider als Rohstoff,

digitale Kassenzettel:

10 Ideen, die Zukunft haben.

48

NICO ROSBERG

Vollgas-Revoluzzer

Warum der Formel-1-

Weltmeister E-Mobilität

zum Sieg verhelfen will.

ROBERT ORMEROD

56

CIRCULARITY

Runde Sache

Von recycelten Autos bis zu

innovativen Jobs: So funktioniert

die Kreislaufwirtschaft.

INNOVATOR 7


Glasflasche nur in ausgewählter Gastronomie


INNOVATOR

BULLEVARD

IDEEN

FÜR EINE

BESSERE

ZUKUNFT

JOHANNES LANG

INNOVATOR 9


BULLEVARD

MOBILITÄT

DIE RAKETENSEGLER

VOM GENFERSEE

Der Geschwindigkeitsrekord beim Segeln

liegt derzeit bei 121 km/h. Eine Gruppe

junger Ingenieure aus der Schweiz will nun

einen neuen Rekord aufstellen: 150 km/h!

Ihre Konstruktion dafür könnte sogar die

Transport-Schifffahrt revolutionieren.

Im November 2012

schrieb der Australier

Paul Larsen Geschichte.

Mit der „Vestas Sailrocket 2“,

einer Segelboot-Sonderanfertigung,

gelang es dem Skipper

vor der Küste Namibias

mit 121 km/h (65,45 Knoten)

über das Wasser zu preschen

– und damit einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord

im Segeln aufzustellen. Dieser

hat trotz zahlreicher späterer

Weltrekord-Versuche

bis heute gehalten.

DRACHEN STATT SEGEL

Wenn es nach drei Schweizer

Studenten vom Polytechnikum

Lausanne (EPFL) geht,

dürfte sich das schon bald

ändern: Xavier Lepercq, Mayeul

van den Broek und Benoît

Gau diot, Altersdurchschnitt

25 Jahre, sind fest entschlossen,

das schnellste Segelboot

der Geschichte zu bauen.

Und Larsens Weltrekord innerhalb

der nächsten zwölf

Monate zu pulverisieren.

Das vom EPFL-Team angepeilte

Weltrekord-Tempo:

150 km/h oder 80 Knoten

(worauf übrigens auch der

geheimnisvolle Projektname

„SP80“ hinweist).

Jet mit Wasserkontakt:

Der „SP80“

soll 2022 den Rekord

für Segelboote auf

150 km/h schrauben.

10 INNOVATOR


INNOVATOR

SP80-Team: Mayeul

van den Broek,

Xavier Lepercq,

Benoît Gaudiot

(v. l. n. r.)

GUILLAUME FISCHER SP80 AREK PIATEK JOHANNES LANG

„WIR WOLLEN MIT

UNSEREM BOOT

DIE CODES DES

SEGELNS

AUFBRECHEN.“

Der Schlüssel zu der angestrebten

Pionierleistung?

„Statt mit einem Segel angetrieben

zu werden, soll das

Boot von einem Drachen gezogen

werden“, sagt Mayeul

van den Broek, SP80-Projektmanager.

So ließe sich definitiv

mehr Geschwindigkeit herausholen.

Am Boot selbst –

einem Trimaran mit einem

Hauptrumpf und zwei kleineren

Tragflügeln – wird vor

allem an der Verbesserung

der Stabilität gearbeitet.

„Das Streben nach Stabilität

führt letztlich zum Erfolg“,

ist van den Broek überzeugt.

Die Besonderheit beim SP80

ist ein System, das die sogenannte

Kavitation (Bildung

von Luftblasen im Wasser

während des Segelns, Anm.)

verhindert und damit das

Boot bei hohen Geschwindigkeiten

ruhiger über das Wasser

gleiten lässt.

TESTS AM GENFERSEE

Nach dem offiziellen Start

des Projekts vor rund einem

Jahr hat das Team die vergangenen

Monate damit verbracht,

die Details des Konzepts

zu überprüfen und ein

verkleinertes Modell auf dem

Genfersee zu testen. Dutzende

Male waren die drei – bereits

rekordverdächtig schnell

– mit dem schwimmenden

Labor unterwegs und haben

dabei neue Rümpfe, Anhänger

oder Flügel ausprobiert.

Im Frühling dieses Jahres

wollen sie mit dem Bau des

Bootes in Originalgröße

(9 × 5 m) beginnen. Anfang

2022 soll der Prototyp dann

erstmals ins Wasser kommen

und in den Monaten darauf

einen ersten Rekordversuch

starten.

ZUKUNFT WINDKRAFT

Beim Projekt SP80 geht es

jedoch um mehr als nur um

Temporausch. „Wir wollen

mit diesem Boot die Codes

des Segelns aufbrechen“,

sagt van den Broek. „Und wir

wollen die Grenze dessen

ausloten, wie Wind als einzige

Energiequelle für künftige

Anwendungen zum Einsatz

kommen kann.“ Schnelles

Segeln bietet nämlich großes

Potenzial für den Transport

auf Wasser. Von SP80 soll

in Zukunft die ganze Welt

profitieren.

sp80.ch

INNOVATOR 11


BULLEVARD INNOVATOR

„Ein Trainingsband ist an

sich schon sehr vielseitig: Du

trainierst den ganzen Körper,

ohne ins Fitnessstudio zu müssen,

und kannst bis zu hundert

Übungen absolvieren. Aber

wir wollten einen zusätzlichen

Motivationsfaktor“, sagt Stefan

Weiß, 31, der das Start‐up

2019 mit Hanno Storz, 31, und

Torben Hellmuth, 29, gründete.

„Uns fehlte die Vergleichbarkeit.

Wie viel Gewicht bewegst

du, und wie verbesserst

du dich?“

FITNESS

ANSAGEN

VOM BAND

Dieses Trainingsband kann

die Geräte eines ganzen Gyms

ersetzen – und dank dieser

drei Gründer aus Kassel nun

auch noch den Personal Coach.

Eigentlich ist der Markt

der digitalen Trainingsgeräte

schon hoffnungslos

überfüllt. Umso erstaunlicher,

wenn ein neues Produkt erscheint,

das innovativ und

gleichzeitig selbsterklärend

ist: Straffr ist ein intelligentes

Fitnessband. Es funktioniert

wie ein normales elastisches

Trainingsband. Allerdings

misst das smarte Band dank

eines integrierten Sensors

Kraft und Geschwindigkeit,

mit der gezogen wird, und

es zählt die Wiederholungen.

Und eins und zwei …:

Ein Sensor misst

Kraft, Tempo und

Wiederholungen.

MEHR ALS SQUATS

Die Gründer tüftelten dafür

eine neue Hardware-Lösung

aus. „Ein Trainingsband

möchte man mal eng greifen,

mal lang lassen. Deshalb

musste der Sensor in das

Silikonband integriert sein.“

Gefüttert mit den Messwerten,

hilft eine App, effektiv zu trainieren.

„Sie passt die Übungen

an deine Ziele an – als

würde ein Trainer neben dir

stehen.“ Egal, ob intensives

Training oder nur die Erhaltung

der Fitness gewünscht

ist: Der Trainingsplan ist individuell

und bietet, so Weiß,

„viele Übungen abseits von

Push-ups und Squats“.

straffr.com

HANNO STORZ,

CHIEF

O PERATING

OFFICER

TO RBEN

HELLMUTH,

CHIEF

TECHNICAL

OFFICER

STEFAN WEISS,

CHIEF

EXECUTIVE

OFFICER

Kernkompetenz:

Alle drei Straffr-

Gründer sind

Wirtschaftsingenieure.

STRAFFR MARC DECKERT JOHANNES LANGW

12 INNOVATOR


Eine Hommage an die allerersten Flieger und Entdecker

— und ihre gemeinsame Geschichte mit Longines.

Howard Hughes,

einer der wichtigsten

Aviatik-Pioniere,

flog in Rekordzeit

rund um die Welt.

Für die Navigation

über den Meeren

und Kontinenten

vertraute er auf die

Aviatik-Chronometer

und Chronographen

von Longines.

Im Jahr 1935 war Howard

Hughes zu seiner Zeit der

schnellste Flieger der Welt.

Er stellte einen neuen

Fluggeschwindigkeitsrekord

von 566 km/h auf. Was die

Geschichte von Hughes jedoch

so besonders beeindruckend

macht, ist die Tatsache, daß

das Flugzeug, welches er

flog, von ihm selbst entworfen

worden war. Hughes war

kein gewöhnlicher Pilot, der

Rekorden hinterherjagte — er

war auch Luftfahrtingenieur,

Geschäftsmagnat und erfolgreicher

Filmproduzent in

Hollywood. Doch es waren sein

Kampfgeist und sein Mut im

Angesicht des Unbekannten,

die ihn dazu bewogen, immer

wieder an seine Grenzen zu

gehen. Nur wenige Jahre später

umrundete Hughes die Erde.

Seine Reise dauerte nur 3 Tage,

19 Stunden und 14 Minuten —

und damit hatte er 1938 einen

Weltrekord aufgestellt. Hughes

vertraute stets auf seinen

Longines-Chronometer für die

Astronavigation, um die genaue

Position seines Flugzeugs bei

Nacht, in völliger Dunkelheit

und über den riesigen Ozeanen

zu bestimmen.

Die Art und Weise, wie sie mit

Herausforderungen umgehen,

trennt die Pioniere vom Rest

der Menschheit. Eleganz zeigen,

wenn alle Chancen gegen einen

stehen. Mit Eleganz alles versuchen,

alles geben, vielleicht

scheitern. Elegant kämpfen

— und triumphieren. Das ist es,

woran man sich erinnert. Das

ist es, was bleibt — wenn alles

andere nicht mehr zählt.

Longines hat die Spirit

Collection entwickelt, um

genau dies zu verkörpern.

Sie verbindet Eleganz, Tradition

und Leistung — mit denselben

unverwechselbaren

Merkmalen, die speziell für

die ersten Aviatik-Pioniere

geschaffen wurden: von ihrer

geprüften Ganggenauigkeit bis

zur übergroßen Aufzugskrone,

die mit Handschuhen leicht

bedient werden kann; von den

markanten, kontrastreichen

Ziffern bis zu den Zeigern mit

Leuchtmaßenbeschichtung

für Nachtflüge.

Die Spirit Collection ist

der lebhafte Beweis, daß

der Pioniergeist fortlebt.


BULLEVARD INNOVATOR

Das bekommen

selbst Kochanfänger

gut hin: Tex-Mex-

Salat nach

HelloFresh-Rezept.

ERNÄHRUNG

BEREIT FÜR

DEN BOXEN-

STOPP?

Das Berliner Start-up

HelloFresh macht

jeden Küchenmuffel

zum Chefkoch.

Kochen ist nicht gleich

Kochen. Kochen heißt

auch Lebensmittel einkaufen.

Im Internet Rezepte suchen.

Lebensmittel dosieren.

Zurück ins Geschäft

laufen, weil man die Eier

vergessen hat. Wer oft Überstunden

schiebt, weiß, wie

nervig solche Extrarunden

sind – und wie entspannend

es ist, wenn man sich in der

Küche auf das Wesentliche

konzentrieren kann.

Diesen Gedanken hatten

Dominik Richter, Jessi ca

Nilsson und Thomas Griesel,

als sie 2011 mit der Ankündigung,

„die Art des Essens

zu revolutionieren“, ihr Unternehmen

HelloFresh gründeten.

Der Lösungs ansatz

des Berliner Start-ups: Kochboxen.

Individualisiert und

auf jeden Geschmack abgestimmt

– mit dem Versprechen,

dem Kunden Zeit,

Geld und Stress zu ersparen.

HelloFresh ist heute ein

Lebensmittellieferant, präziser:

ein Zutatenlieferant.

Wer per App (oder online)

die gewünschten Speisen

ordert, kriegt eine Kiste nach

Hause geliefert. Darin befinden

sich, neben genauen

Kochrezepten, die erwähnten

frischen Zutaten, die –

und jetzt kommt’s – für die

jeweiligen Speisen exakt

dosiert sind, wie etwa ein

20-Gramm-Würfel Butter.

„So kann beim Kochen

der Gerichte fast nichts

schiefgehen – auch nicht

DOMINIK

RICHTER UND

THOMAS

GRIESEL ,

GRÜNDER VON

HELLOFRESH

„Gesundes,

selbst gekochtes

Essen ist

möglich – auch

ohne in den

Supermarkt

zu hetzen, um

frische Zutaten

einzukaufen.“

bei Kochanfängern. Außerdem

wird Lebensmittelverschwendung

vermieden“,

sagt HelloFresh-Mitgründer

Dominik Richter, „und viele

Kunden finden einfach wieder

Gefallen daran, sich ihr

Essen selbst zuzubereiten.“

Die in passender Menge

gelieferten Lebensmittel

kommen von ausgewählten

Produzenten – Frische und

Qualität sind auf diese Art

garantiert – und sind in

nahezu vollständig recycelbaren

Materialien verpackt.

NACHHALTIGER ERFOLG

2017 zählte HelloFresh

1,3 Millionen Kunden. Heute

abonnieren schon 5 Millionen

Menschen in 14 Ländern

den Dienst. Im nächsten

Schritt der Essensrevolution

bietet HelloFresh Unternehmen

und Betriebskantinen

Kühlschränke als Essensautomaten

an – gefüllt mit

abwechslungsreicher und

gesunder Kost …

HelloFresh gibt’s im Abo

ab 4,25 Euro pro Portion:

hellofresh.de

HELLO FRESH FLORIAN OBKIRCHER JOHANNES LANG

14 INNOVATOR


3 TAGE, 19 STUNDEN,

14 MINUTEN

So lange benötigte Howard Hughes

für seine Weltumrundung, die ihn

1938 zum schnellsten Mann der

Lüfte machte. Bei der Bestimmung

der Position seines Flugzeugs in der

Nacht und über dem Ozean vertraute

er auf einen Longines-Chronometer,

der speziell für die astronomische

Navigation entwickelt worden war.

Howard Hughes


BULLEVARD

MOBILITÄT

GONDELN

FÜR ALLE

Straßenbahn, next Level: Die Ingenieure

von Ottobahn aus München wollen

dem Stadtverkehr mit ihrem System

neue Luft verschaffen.

MARC

SCHINDLER,

MANAGING

DIRECTOR

OTTOBAHN

Seit 2019 treibt

der Wirtschaftsingenieur

das

Projekt mit

einem Team

aus Softwareentwicklern

und Maschinenbauern

voran.

In unseren Städten wird

es immer enger. Viele

Verkehrsmittel – Autos, Lastwagen,

Fahrräder, Straßenbahnen,

Busse, E-Scooter und

vielleicht bald autonome

Fahrzeuge – konkurrieren

um den Platz auf der Straße.

Wohin soll das noch führen?

„Wir müssen in die dritte

Ebene gehen. Dort gibt es

Raum, der heute noch nicht

genutzt ist“, sagt Marc Schindler,

41, Managing Director des

Start-ups Ottobahn (er selbst

bezeichnet sich als „Can Do

Officer“). Das Unternehmen

aus München hat ein komplett

neues Verkehrskonzept entwickelt,

in dem Gondeln die

Verkehrsteilnehmer abholen

und ohne anzuhalten an ihr

Ziel bringen – eine Mischung

aus Individualverkehr und

öffentlichem Schienennetz,

das die Vorteile beider Mobilitätsformen

kombiniert.

Die Gondeln rollen energieeffizient

auf Schienen in 5 bis

10 Meter Höhe. Am Ziel angekommen,

sinken sie auf

Straßenniveau herab.

Autonome Straßenfahrzeuge

seien, so Schindler,

nicht in der Lage, das Problem

verstopfter Städte zu

lösen. „Außerdem ist unser

Konzept viel einfacher. Das

System Straßenverkehr beinhaltet

ja neben den Autos

„WIR MÜSSEN

IN DIE DRITTE EBENE

GEHEN. DORT GIBT ES

UNGENUTZTEN RAUM.“

In fünf bis zehn Meter Höhe sollen

die Gondeln nach Marc Schindlers

Plänen an Schienen hängen.

OTTOBAHN GMBH MARC DECKERT JOHANNES LANG

16 INNOVATOR


INNOVATOR

auch noch Radfahrer und

Fußgänger.“ Diese Variablen

fallen beim „ottonomen Fahren“

weg. Das bedeutet, dass

die Rechenkraft ganz darauf

verwendet werden kann, die

Gondeln schnell und sicher

zum Ziel zu bringen.

Alle Zeichen auf Grün:

Angetrieben von erneuerbaren

Energien, soll Ottobahn

emissionsfrei unterwegs sein.

PROBLEME VOR ORT

Ottobahn hat bereits einen

Gondelprototyp, der in den

300 m² großen Räumen des

Unternehmens unterwegs ist.

Die Planungen für eine Außen-

Referenzstrecke laufen bereits

auf Hochtouren. Das

Start-up versteht sich hauptsächlich

als Softwareschmiede

mit zusätzlicher Ingenieurskompetenz.

Die größte

Herausforderung liegt für

Schindler aber weder in der

Technologie noch in der Software,

sondern in der Umsetzung

vor Ort: „Es wird nicht

leicht werden, die Menschen

davon zu überzeugen, dass

eine Strecke vor ihrer Haustür

gebaut wird.“

Immerhin: Konzept und

Prototyp von Ottobahn sehen

schon jetzt so attraktiv aus,

dass das Start-up über solche

Hürden hinwegsausen könnte

– in der dritten Ebene.

ottobahn.de

Gemeinsam unterwegs: In eine

Gondel passen vier Passagiere,

überdies soll es spezielle Frachttransport-Einheiten

geben.

Persönliches Shuttle: Fahrgäste

können ihre Ottobahn per App

bestellen, die autonom fahrenden

Gondeln holen sie pünktlich ab.

INNOVATOR 17


BULLEVARD INNOVATOR

CHRISTIAN

REBERNIK,

THOMAS

FUNKE,

GRÜNDER

Doppelt schlau:

Rebernik bringt

seine Erfahrung

als mehrfacher

Gründer ein,

Funke seine Bildungsexpertise.

BILDUNG

DEIN UNI-

ABSCHLUSS

VIA PHONE

Frontale Vorlesungen im

Hörsaal? Oldschool! Zwei

Berliner Gründer bieten ein

Master-Studium via Handy,

das seine Inhalte in der

freien Wildbahn vermittelt.

Noch einmal etwas Neues

lernen – etwas, was

mich auf die Arbeitswelt von

morgen vorbereitet und vielleicht

sogar den Planeten besser

macht. Diesen Wunsch hegen

viele Menschen. Wie aber

soll das gehen, neben Berufsalltag

und vielleicht noch Kinderbetreuung?

Zum Beispiel

mit Online-Lektionen zu Themen

wie Nachhaltigkeit und

Technologie, die eigens für

Smartphones optimiert und

in Häppchen unterteilt sind

(„ bite-sized learning“), sodass

ich sie auch in der U-Bahn konsumieren

kann. Und mit einer

Methode, nach der die Studierenden

sämtliche In halte lernen,

indem sie Herausforderungen

(„Challenges“) lösen –

mal alleine, mal in der Gruppe.

So bieten es Seriengründer

Christian Rebernik, 43, und

Bildungsexperte Thomas

Funke, 37, auf ihrer Plattform

Tomorrow’s Education an.

Schon im April startet der

mit der Wirtschaftsuniversität

Wien entwickelte zweijährige

berufsbegleitende Master-

Studiengang in SET (Sustai-

Mit tomorrows.education

verlegst du den Hörsaal

jederzeit genau dorthin,

wo du gerade bist.

nability, Entrepreneurship

and Technology). „Die Studierenden

können lernen,

wo sie gerade sind – zu einer

Tageszeit, die ihnen passt.

Und im eigenen Tempo“, sagt

Christian Rebernik. Die Aufgaben

reichen von Solo-Challenges

bis zu komplexen Herausforderungen

wie „Entwickle

ein Geschäftsmodell,

das den CO 2 -Fußabdruck reduziert“.

Dank des radikalen

Praxisbezugs sind die Studierenden

anschließend optimal

auf künftige Jobs vorbereitet.

tomorrows.education

MARC DECKERT JOHANNES LANG

18 INNOVATOR


BULLEVARD INNOVATOR

GETTY IMAGES FLORIAN OBKIRCHER JOHANNES LANG

KOMMUNIKATION

SO BLEIBST

DU IM

GESPRÄCH

Du fühlst dich einsam? Oder

möchtest einfach mit jemandem

über dein ausgefallenes Hobby

plaudern? Die Online-Plattform

Ahoyly findet den richtigen

Partner für dich.

Die Vorstellung, Freunde

und Familie wochenlang

nicht sehen zu können, schien

vor gut einem Jahr noch

absurd. Dann kam Corona.

Und vielen von uns wurde

bewusst, wie wichtig der Austausch

mit anderen Menschen

für unser eigenes Wohlbefinden

ist. Aus diesem Grund

starteten Ania Krol und Fabian

Henze im April 2020 Ahoyly –

eine kostenlose Online-Plattform,

auf der man sich mit

Gleichgesinnten verbinden

kann. Die Anmeldung dauert

kaum zwei Minuten: Du gibst

deine Interessen an (anhand

dieser schlägt der Algorithmus

Gesprächspartner vor)

und einen bevorzugten Kommunikationskanal

(Skype,

Zoom etc.). Wirkt eine Person

interessant, schickst du ihr

eine Anfrage – und los geht’s!

Warum das deutsche Start-up

auch nach der Ausgangssperre

relevant ist, erklärt Krol hier.

innovator: Wie kam euch

die Idee zu Ahoyly?

ania krol: Die Corona-Ausgangssperre

war der Auslöser.

Obwohl wir uns gut kennen,

gingen Fabian und mir irgendwann

die Gesprächsthemen

aus. Wir wollten uns mit neuen

Menschen unterhalten –

und andere Menschen miteinander

vernetzen.

Ist Telefonieren nicht out?

Bei anregenden Unterhaltun-

Neben ihrer Arbeit

am Portal Ahoyly

coacht Ania Krol

andere Start-ups

und Freelancer.

gen bauen wir Stress ab, beim

Texten fehlt es oft an tieferen

Verbindungen. Deshalb ermutigen

wir Nutzer zu Telefon-

oder Videoanrufen.

Wer verwendet Ahoyly?

Männer und Frauen halten

sich in etwa die Waage. Der

Altersdurchschnitt liegt zwischen

20 und 55 Jahren. Der

älteste mir bekannte Nutzer

ist 89 Jahre alt! Das am häufigsten

diskutierte Thema

war bis jetzt das Reisen.

Wie sieht die Zukunft für

Ahoyly nach der Corona-

Krise aus?

Viele von uns haben Interessen,

die niemand im näheren

Umfeld teilt. Was tun, wenn

du dein Portugiesisch auffrischen

willst, aber kein Portugiese

in Sicht ist? Deshalb

ist es unser Ziel, mehr internationale

Dialoge zu fördern.

ahoyly.com

INNOVATOR 19


AUF DEM SPRUNG IN

DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT?

Wie Sie alle

Hürden meistern:

www.wingfinder.com

F R E E A S S E S S M E N T


GRÜN

IST

DIE

ZUKUNFT!

Eine Digital-Aktivistin, die das Prinzip

Fair Fashion auf die Spitze treibt, ein

Formel-1-Weltmeister, der E-Mobilität

zum Sieg verhelfen will, eine App,

mit der du laufen und dabei Bäume

pflanzen kannst – willkommen zu einem

Umwelt-Spezial abseits des Alltäglichen!


G R E E N

I S S U E

DIE

WELT

Sie treibt das Prinzip

Fair Fashion auf die Spitze,

schrieb einen Bestseller

übers Weltretten und

inspiriert als

DariaDaria

auf Instagram Hunderttausende,

besser zum Planeten

und zu sich selbst zu sein.

Hier erklärt Madeleine

Alizadeh, 31, warum

Ehrlichkeit das beste

Werkzeug für Veränderung

ist und wie jeder seinen

ersten Schritt findet.


BRAUCHT

MEHR

EHRLICHKEIT

TEXT: Waltraud Hable FOTOS: Hilde Van Mas

INNOVATOR 23


Es kommt der Zeitpunkt, da kannst du deine innere

Stimme nicht länger ignorieren. 2013 ist

für Madeleine Alizadeh so ein Punkt. Und das

ging so: Ihr privater Blog DariaDaria läuft gut.

Mode firmen zahlen dafür, dass sie deren Produkte

bewirbt. Dann stürzt in Bangladesch die

Textil fabrik Rana Plaza ein. Mehr als tausend

Menschen sterben. Fast zeitgleich sieht Made leine

die Doku „Gift auf unserer Haut“ über Missstände

in der Lederindustrie. Die Wienerin beschließt:

Schluss mit Billigmode und Lifestyle-Blabla. Ab

sofort will sie sich für Themen einsetzen, die ihren

Moral- und Ethikvorstellungen besser entsprechen.

Madeleine Alizadeh – Ex-Politikwissenschaft-Studentin

und Tochter eines iranischen

Menschenrechtsaktivisten – beginnt, über nachhaltige

Mode, Umweltschutz und Flüchtlings hilfe

zu schreiben. „Anfangs dachte ich: Wahrscheinlich

muss ich mir damit einen neuen Job suchen.“

Doch mit Offenheit und Verletzlichkeit wird

Alizadeh zu einer starken Stimme, die sogar vor

dem Europäischen Parlament reden darf. Ihr

2019 erschienenes Buch „Starkes weiches Herz“

– ein Plädoyer, sich mit Mut und Liebe für Themen

wie Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung

einzusetzen – landet in Deutschland auf Platz 3

der „Spiegel“-Bestsellerliste. Ihr Podcast „a mindful

mess“ verbindet Persönlichkeitsentwicklung

mit Meditation. Und sie gründet ihr eigenes Öko-

Modelabel dariadéh. Was man aus diesem kurzen

Lebenslauf lernen kann? Erstens: Große Veränderungen

sind machbar, wenn man sie wirklich

will. Zweitens: Madeleine Alizadeh erreicht viele

Menschen, weil sie vorlebt, dass man auch als

Aktivistin keine Heilige sein muss. Es geht beides:

Engagement und Fehler. Konsumkritisch und

konsumfreudig sein. Wütend und optimistisch.

inno vator: Du bist Vorbild von Beruf.

Trotzdem ist dein ökologischer Fußabdruck

alles andere als vorbildlich, sagst du.

madeleine alizadeh: Er ist genau genommen

eine Katastrophe. (Lacht.)

Warum? Kein Ökostrom, kein Fahrrad statt

dem Auto?

Doch, ich beziehe Ökostrom, und ich

ernähre mich zu 95 Prozent vegan.

Aber man weiß ja: Je höher der

Lebensstandard, desto gravierender

der CO 2

-Fußabdruck – und als

jemand, der in einem der reicheren

Länder lebt und zu den Besserverdienenden

gehört, ist mein CO 2

-

Fußabdruck auch exponenziell größer.

Konkret: Ich lebe in einer großen

Wohnung. Ich besitze ein iPhone.

Ich habe für mein Unternehmen

ein Elektroauto angeschafft, mache

Langstreckenflüge zu Freunden

oder zu meiner Familie in den USA.

Das mag viele irritieren. Aber nur

weil ich aktivistisch tätig bin, heißt

das nicht, dass ich keine Fehler

mache oder in einer Höhle leben

muss. Diese Erwartungshaltung finde

ich auch falsch, denn sie lenkt vom

eigentlichen Diskurs ab.

Was ist der eigentliche Diskurs?

Wir dürfen Nachhaltigkeit nicht nur

auf die KonsumentInnen abwälzen.

Mit dem Verzicht auf Plastikstrohhalme

und mit dem Kauf von Bio-

Baumwolle allein wird sich die Welt

nicht retten lassen. Denn für die

größten Treibhausgas-Emissionen

sind nicht wir, sondern die Industrie

verantwortlich. Laut einer Studie verursachen

100 Unternehmen 71 Prozent

der weltweiten Emissionen.

Was schlägst du vor?

Dass wir die Politik und die großen

Konzerne in die Pflicht nehmen. Denn

ich kann noch so viele Flugreisen aus

meinem Alltag streichen – aber wenn

jenen, die 70 Prozent der Emissionen

verursachen, weiterhin das Geld in

den Hintern geschoben wird und

Gesetze im Interesse entsprechender

Lobbys verabschiedet werden, ändert

sich leider wenig.

„Oft liegt es

tatsächlich

an der jüngeren

Generation,

mit neuen Ideen

daherzukommen

und ein System

aufzubrechen.“

24 INNOVATOR


Blick für andere:

Alizadeh wirbt

auch für ein

herzlicheres Klima

im täglichen

Miteinander.

SO WEIT,

SO GUT

2010

DER START

Alizadeh

gründet ihren

eigenen

Modeblog

dariadaria.com

2013

DER

WECHSEL

Von nun an

konzentriert

sie sich auf

das Thema

Nachhaltigkeit.

2015

DER APPELL

In der Flüchtlingskrise

engagiert

sich Alizadeh

öffentlich

für Geflohene.

2017

DIE

ERGÄNZUNG

Podcast „a

mindful mess“,

Fashion-Label

dariadéh.

2019

DAS BUCH

Ihr Erstling

„Starkes

weiches Herz“

erscheint.

2019

DIE WAHL

Alizadeh

unterstützt

Die Grünen

bei der österreichischen

Nationalratswahl.

25


26 INNOVATOR


DATEN ­

ABFRAGE

Über 310.000

Menschen folgen

Alizadehs Account

DariaDaria auf

Instagram, auf

Facebook sind

es rund 60.000.

36

verschiedene

nachhaltige

Fashion-Produkte

bietet Alizadeh

in ihrem Shop

dariadeh.com

10–15 Prozent

beträgt Alizadehs

Gewinnmarge,

die sie langsam

steigern will.

50 Cent

spendet Alizadeh

bei jeder Bestellung

an karitative

Organisationen.

Platz 3

erreichte ihr Buch

„Starkes weiches

Herz“ in der

Bestsellerliste.

Wer sich engagieren will, kann also nicht

unpolitisch bleiben?

Absolut. Am Ende des Tages kommt es halt auch

darauf an, die richtigen Parteien zu wählen.

Trotzdem, lass uns einen Schritt zurückgehen:

Was kann ich im Kleinen für den Planeten tun?

Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Aktivismus ist immer

auch eine Frage persönlicher Ressourcen

– das muss ich vorausschicken. Eine alleinerziehende

Mutter mit drei Kindern kann man nicht

dafür verurteilen, dass sie ihre Baby-Bodys bei

H & M kauft und nicht beim ökofairen Label. Ich

finde, jeder soll machen, was er im Rahmen seiner

Möglichkeiten machen kann – und will. Aber,

um eine Antwort zu geben: Einen Impact auf

unser Klima haben etwa Lebensmittel und Landwirtschaft.

Ich kann mich etwa fragen: Will ich

wirklich dreimal pro Woche Fleisch essen? Oder

bloß einmal im Monat?

Oder gleich vegetarisch essen?

Vegetarier leben nicht automatisch nachhaltiger

– mancher Schweizer Käse hat eine schlechtere

Ökobilanz als eine Avocado. Es geht um das

Bewusstsein, woher die Nahrung kommt und

wie sie hergestellt wird.

Was kann ich in Sachen Kleidung machen?

Für mich fasst es ein Zitat von Designerin Vivienne

Westwood gut zusammen: „Buy less. Choose

well. Make it last.“ Konsumiere weniger. Hinterfrage:

Wie viel Kleidung brauche ich wirklich?

Welche Farben lassen sich vielfältig kombinieren?

80 Prozent des Inhalts unseres Kleiderschranks

hängen meist ungetragen herum. Und

wenn ich mir etwas zulege, sollte ich die Sachen

möglichst lange tragen können, sie richtig pflegen

und gegebenenfalls reparieren. So kann

auch Fast Fashion etwas „nachhaltiger“ werden.

Auf Social Media beschränken viele ihr

Engagement auf Hashtags. #greenplanet,

#changetheworld. Entmutigt das?

Nein. Natürlich ist dieser Pseudoaktivismus

manchmal irritierend. Bei Black Lives Matter

haben alle schwarze Kacheln auf Instagram

gepostet und kundgetan, sie unterstützen Black

Business. Ein, zwei Wochen später war nichts

mehr davon zu hören. Aber das hat es schon

immer gegeben. Es gibt Leute, die ketten sich

tagelang an Bäume, andere tragen nur einen

Anstecker mit „Rettet die Natur“.

Warum kommen die einen in die Gänge,

die anderen nicht?

Wenn jemand sich nicht engagiert, heißt das

nicht, dass er oder sie zwangsweise faul ist. Vielleicht

stecken Ängste dahinter, Unwissenheit, ein

Mangel an Zeit und Ressourcen. Das muss man

evaluieren. Und es müssen auch nicht alle gleich

stark aktiv werden. Wichtig finde ich letztlich

nur, dass es Menschen gibt – vor allem in Machtpositionen

–, die die Dinge ausbalancieren und

für sozial-ökologische Gerechtigkeit

sorgen.

Du hast 2010 als Modebloggerin

begonnen und bist nach drei Jahren

zum Thema Nachhaltigkeit umgeschwenkt.

Wie viele haben dich

für diesen Schritt belächelt?

Interessanterweise habe ich bis heute

oft noch den Stempel des Modepüppchens

– obwohl ich seit sieben Jahren

als Unternehmerin, Aktivistin und

Autorin tätig bin. Ich schätze, man

denkt: „Ah, die ist auf Instagram, die

sieht so und so aus“ – und schon hat

man ein Bild im Kopf, was jemand

macht oder nicht macht.

Wie hast du anfangs den Mut gefunden,

öffentlich Themen anzusprechen,

für die es immer kompetentere

ExpertInnen geben wird?

Es ist ein Prozess. Man muss sich

natürlich einlesen und sich an die

Fakten halten, um keine gefährlichen

Falschinformationen zu verbreiten.

Einen Doktortitel braucht es aber

nicht, um am Diskurs teilnehmen zu

dürfen. Wer nicht gleich als RednerIn

auf die Bühne treten will, kann ja

auch erst mal im Hintergrund einer

Bewegung helfen. Für mich persönlich

war sicherlich wichtig, ein Selbstverständnis

dafür zu entwickeln, dass

ich mir Raum in der Gesellschaft nehmen

darf. Gerade als Frau wird man

ja eher dazu sozialisiert, sich kleinzuhalten

und nicht zu laut zu sein.

Du schreibst in deinem Buch, dass

es helfen würde, weniger elitär

mit dem Mikrofon umzugehen.

Was meinst du damit?

Wir sprechen gerne jenen Menschen

Expertenstatus zu, die ein gewisses

Alter, Erfahrung, Titel oder Verbindungen

haben. Aber diese Menschen

haben nicht unbedingt das Richtige

zu sagen. Oft liegt es tatsächlich an

der jüngeren Generation, mit neuen

Ideen daherzukommen und ein System

aufzubrechen. Fridays for Future

und die Klimaschutzbewegung sind

ein schönes Beispiel dafür. Oder der

TED-Talk mit einer 17-jährigen Schülerin,

den ich auch im Buch zitiere.

Sie sagt zu Beginn: „Ihr erwartet jetzt

sicher, dass ich einen Jugendnobelpreis

gewonnen habe, weil ich auf

der Bühne stehen darf.“ Aber ihr

Vortrag thematisiert bloß, dass wir

jungen Menschen zuhören sollen,

auch wenn sie vielleicht noch nichts

„vollbracht“ haben.

INNOVATOR 27


Auf Instagram hast du über 300.000 Follower.

Wie wichtig sind die sozialen Medien fürs

Weltretten?

Ich würde da unterscheiden: Reden wir von

einem Individuum oder von einer Bewegung?

Als Einzelperson muss ich nicht unbedingt auf

Instagram oder Twitter sein, obwohl es natürlich

hilft, sein Anliegen bekannter zu machen. Es

gibt Leute, die auch ohne soziale Medien viel bewirkt

haben. Für Organisationen hingegen sind

soziale Medien sicher wichtig – allein schon,

um Veranstaltungen zu posten. Es braucht aber

keinen perfekt betreuten Account – wichtiger

ist eine gute Strategie, damit sich das Wort verbreitet

und die Leute auf die Straße gehen.

Fehler sind erlaubt:

Wer sich für

mehr Nachhaltigkeit

engagiert,

muss deswegen

kein ökologisch

makelloses Leben

führen, findet

Alizadeh.

Weltretten braucht darüber hinaus viel

Optimismus. Wie bewahrt man sich diesen?

Ich glaube, indem man sich einer Sache verschreibt,

aber sich nicht in ihr verliert oder sich

selbst dafür aufgibt. Ich musste mich etwa besser

abgrenzen lernen und mehr auf meine mentale

Gesundheit achten. Das bedeutet, dass ich

bewusst Dinge in meinen Alltag integriere, die

ich liebe und die mich glücklich machen.

„Liebe … oder lass es“ – dein Lebensmotto.

Richtig. Mit dem Hund kuscheln. Freunde

umarmen. Das herrliche Weißbrot essen, auch

wenn das trockene Vollkornbrot wahrscheinlich

ein bisschen gesünder wäre. Liebe ist für mich in

vielen Kleinigkeiten des Lebens zu finden. Diese

Kleinigkeiten ergeben eine Art Schutzmantel,

sie geben mir Kraft. Pragmatisch-rational an

die Dinge heranzugehen hilft aber auch. Luisa

Neubauer, die deutsche Klimaschutzaktivistin,

hat dazu mal gesagt, sie sei „Possibilistin“.

Was ist denn das?

Das heißt, sie ist weder Optimistin noch Pessimistin,

aber sie glaubt an die „possibilities“,

also an Möglichkeiten. Das fand ich sehr schön.

Mit all diesen Möglichkeiten: Ist die Zukunft

vielleicht besser als ihr Ruf?

Ich denke: ja. Wir haben Lösungsansätze für

viele Probleme. Jetzt gilt es nur noch, diese

auch anzuwenden.

Öko-Mode, Klimaschutz, Tierrechte, Flüchtlingshilfe.

Was ist der gemeinsame Nenner

bei all deinen Projekten?

Gerechtigkeit! Ich hatte schon als Kind einen

stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Und

ich schätze, in Summe geht es mir auch um ein

wärmeres Klima in der Gesellschaft. Das beginnt

schon mit kleinen Dingen. Mit Zivilcourage.

Oder dass man der Frau mit dem Kinderwagen

hilft. Jemanden, der verloren aussieht, fragt,

ob sie oder er Hilfe braucht. Sich ehrenamtlich

engagiert.

Du hast mal in einem Vortrag gesagt: Wenn

man übers Weltretten sprechen will, muss

28 INNOVATOR


man auch über die großen Gefühle

sprechen. Du meintest damit aber

nicht etwa Mitgefühl, sondern Wut.

Ich finde es wichtig, der Wut Raum

zu geben, weil sie wie jedes Gefühl

Raum braucht. Gerade Frauen laufen

Gefahr, die zurückgehaltene Aggression

gegen sich selbst zu richten –

weil Wut eine Emotion ist, die ihnen

oft nicht erlaubt wurde. Wut zeigt einem,

wo etwas Ungerechtes passiert.

Was macht dich wütend?

Sehr vieles. Dass unsere Welt alles

und jeden stereotypisieren will.

Massentierhaltung. Die Zerstörung

der Wälder. Oder wenn ich dafür angegangen

werde, dass ich für meine

Wohnung ein gebrauchtes Ikea-Regal

kaufe, weil ich damit angeblich die

Massenmöbel-Produktion unterstütze.

Das macht mich wütend, denn es

ist Kritik an der falschen Stelle. Zuallererst

sollte man die angehen, die

es den Unternehmen leicht machen,

schnell und billig zu produzieren.

Laut Studien erleben Menschen, die

sich ehrenamtlich engagieren, mehr

Gegenwind als Leute, die nichts tun.

Kannst du das bestätigen?

Ja. Als ich noch über Fast Fashion

geschrieben habe, gab’s keine bösen

Kommentare. Aber ich sage mal

so: Wenn man sich von der Idee

verabschiedet, dass alle immer nett

zueinander sein werden, ist das

recht befreiend. Trotzdem nehme ich

manchmal Supervision und Coaching

in Anspruch, um zu lernen, mich noch

besser abgrenzen zu können.

Neben Liebe und Wut ist ein weiteres

Schlüsselthema für dich

Ehrlichkeit. Warum?

Ich glaube, wenn wir alle ehrlicher

wären, hätten wir viele Probleme

nicht: Korruption, Ressourcenverschwendung,

Misstrauen in der

Politik. Würden die Menschen zum

Beispiel zugeben, „Hey, ich hab total

Angst. Diese Sache mit dem Klima ist

so komplex – ich verstehe nicht, was

da passiert“, wäre es leichter, in einen

Dialog zu treten, als wenn sich jemand

im stillen Kämmerchen fürchtet und

sich eine Verschwörungserzählung als

Ventil sucht. Dann wird es schwierig,

zu kommunizieren.

Du hast in kurzer Zeit viel bewegt.

Warum schaffen das deiner Meinung

nach nicht auch Konzerne?

Ich glaube, bei vielen hapert es daran,

„Ich will zeigen:

Ja, man kann ethisch

und ökologisch verantwortungsbewusst

ein Unternehmen

aufziehen.“

dass sie sich keine Hilfe holen. Sie meinen, sie

hätten das Know-how innerhalb ihres Unternehmens

und müssten alles selbst lösen. Und so

passiert es, dass man den immer gleichen CEOs

zuhört. Meine Frage ist: Wieso holt ihr euch nicht

Nachhaltigskeits-ExpertInnen und beratende

NGOs ins Boot? Neuer Input ist wichtig – denn

darauf beruht ja Innovation. Bei dariadéh, meinem

Mode label, arbeite ich etwa mit einer Agentur

für nachhaltige Textilentwicklung zusammen,

um nach neuen Rohstoffen zu suchen.

Wie tief tauchst du in die Materie ein?

Bist du bei dariadéh in jeden Knopf involviert?

Ja, bis ins kleinste Detail. Es ist irre aufwendig,

ein ökofaires Kleidungsstück herzustellen. Was

mir hilft: Durch meine Blog-Erfahrung habe ich

gelernt, vieles aus dem Blickwinkel der Kundin

zu sehen. Mit diesem Wissen kann ich ganz

andere Produkte entwickeln.

Was heißt „andere“?

Wir arbeiten viel mit Materialien, die wenig

im konventionellen Bereich eingesetzt werden.

Lyocell zum Beispiel, eine aus Zellulose bestehende

Faser. Oder wir verwenden ein Garn,

das schadstofffrei in der Natur zerfallen kann.

Oder: Steinnüsse werden zu Knöpfen geschliffen.

Das erfordert natürlich mehr Testläufe, in denen

geprüft wird, wie das Gewebe aufs Waschen

reagiert, aufs Färben, auf Reibung. Das Streben

nach Perfektionismus muss man da ablegen.

Es wird Reklamationen geben, aber am Ende

bringt mich das weiter.

Wie viel Idealismus braucht es, um ein

nachhaltiges Business aufzuziehen?

Sehr viel – zumal es bis jetzt noch keine steuerlichen

Anreize gibt. Dabei sollte es meiner

Mei nung nach genau umgekehrt sein: Jemand,

der schlecht produziert und unfaire Arbeitsbedingungen

schafft, sollte mehr Steuern zahlen

müssen als jemand, der nachhaltig produziert.

Trotzdem habe ich die Vision, dariadéh zu einem

Konkurrenten für Fast Fashion und vor allem skalierbar

zu machen. Ich will zeigen: Ja, man kann

ethisch und ökologisch verantwortungsbewusst

ein Unternehmen aufziehen.

INNOVATOR 29


G R E E N

I S S U E

Blick nach vorn: Auf

ihren Reisen (hier in

Jordanien) zeigt Teal

die Schönheit der

Natur und warnt vor

deren Zerstörung.

Eins mit dem Ozean:

In ihrer Wahlheimat

Hawaii stürzt sich Teal

oft in die Fluten. Unterwegs

hat sie stets ein

rosa Surfboard dabei.

ALISON’S ADVENTURES/CONNER GUEST

PHOTOGRAPHER, SARAH LEE

30 INNOVATOR


ALISON IM

WUNDERLAND

Die Videos der Amerikanerin

Alison Teal sind so

unterhaltsam, dass sie

die Welt verändern: Die

30 Millionen Likes, die

ihre Filme allein auf TikTok

sammelten, können inzwischen

ordentlich Druck

aufbauen. So half ihre

Arbeit etwa, ein Verbot

von Plastiktüten in Kalifornien

durchzusetzen.

TEXT: Maximilian Reich

E

s war früh klar, dass Alison Teal Abenteurerin

werden würde. Sehr früh.

„Ich bin praktisch in ein Abenteuer

hinein geboren“, sagt die Amerikanerin.

„Meine Eltern waren in den Rocky

Mountains. Ein Schneesturm tobte,

und meine Mutter entschied, mich auf

dem Boden einer Blockhütte zur Welt

zu bringen. Das war wie eine Vorsehung

für mein Leben.“

Alison Teal ist heute Weltreisende

in Sachen Umweltschutz. Ihren Videos

(„Alison’s Adventures“) folgen allein

auf TikTok inzwischen über eine Million

Menschen. „Das Tolle an Social Media

ist, dass mir niemand vorschreibt, was

ich zeigen soll“, sagt sie. „Ich kann schockierende

Bilder posten, die um die

Welt gehen, und helfen, Umweltgesetze

zu ändern.“

Ein Video, in dem sie in Los Angeles

auf ihrem Markenzeichen, einem rosa

Surfbrett aus recycelten Kaffeekapseln,

durch einen zugemüllten Fluss paddelt,

half dabei, ein Gesetz durchzubringen,

das Plastiktüten in Kalifornien verbietet.

Ein anderes sorgte dafür, dass in Hawaii

erst jüngst bestimmte Sonnencremes,

die im Verdacht stehen, das Korallensterben

zu verursachen, aus dem Verkehr

gezogen wurden. Erfolge, die nicht

unbemerkt blieben: Das US-Nachrichtenmagazin

„Time“ be zeichnete sie als

„weiblichen Indiana Jones“. Und 2019

wurde sie eingeladen, in einem TED Talk

über ihr Projekt zu sprechen.

Warum Alison die Rolle als Internet-

Star so liegt, ist schnell erklärt: Die

Be gabung liegt in der Familie. Papa arbeitete

als Fotograf für das US-Magazin

„National Geographic“. Auf Reisen nahm

er die Familie mit und unterrichtete die

Tochter selbst. In einem Alter, in dem

andere Kinder Fahrradfahren üben, war

Alison bereits im Basislager des Mount

Everest, streichelte Alpakas in Peru und

lernte, wie man mit Yak-Kot Feuer macht.

Als Homebase baute sich die Familie

eine Art Baumhaus auf Hawaii. „Unser

Strom kommt von einer Solaranlage, und

unser Truck läuft mit Gemüseöl“, sagt sie

und lacht. Eigentlich lacht Alison ständig.

Es scheint fast ausgeschlossen, dass sie je

schlechte Laune hat. Kunststück, bei der

Umgebung.

Ein Schlüsselerlebnis in Sachen Job

hatte Alison 2013: Da nahm sie bei

„Naked and Afraid“ teil, einer Reality-

Show auf Discovery Channel, in der sie

21 Tage auf einer einsamen Insel der

Malediven verbringen musste. „Ich saß

fast einen Monat am Strand und sah,

wie Plastikmüll aus der ganzen Welt

angespült wurde.“ Nach dem Ende der

Show kehrte sie mit einer Kamera zurück

und drehte ein Video über „Trash Island“

– eine künstliche Insel der Malediven,

die als Mülldeponie genutzt wird. Sie

postete den Film auf Facebook und landete

prompt einen viralen Hit. Eine Aufräumaktion

war die Folge. „Da merkte

ich zum ersten Mal, was man mit Social

Media bewegen kann.“

Sie änderte daraufhin das Konzept

von „Alison’s Adventures“ und legt seither

den Fokus ihrer Filme auf die Naturschönheiten

ihrer Reiseziele. „Wenn wir

uns in die Natur verlieben, wollen wir

sie auch schützen“, sagt sie.

Egal, ob in der kanadischen Wildnis

mit Grizzlybären oder auf einer

Farm in Neuseeland: Witz und Augenzwinkern

müssen immer dabei sein. „Ich

bin schließlich keine Aktivistin, sondern

Enter tainerin. Du musst die Sachen mit

Humor machen, dann wollen die Menschen

sie auch sehen.“

Wie es weitergeht? Abwarten. Aber

so, wie die Dinge bei Alison liegen, wird

es sicher ein Abenteuer.

INNOVATOR 31


G R E E N

I S S U E

TINY HOUSE

RAUM­

KAPSEL

Unser Wohnraum

wird knapper, erste

deutsche Politiker

fordern das Verbot

von Einfamilienhäusern.

Die gute Nachricht:

Fürs Leben auf

kleinstem Raum gibt

es smarte Lösungen

– etwa Tiny Houses.

Das Modell Ecocapsule

misst 6,3 Quadratmeter,

bietet mit

Küche, Bad und Bett

aber alles, was man

braucht. Für ein autarkes

Leben auf kleinem

Fuß ist die Kapsel

mit Solar anlage

und Windrad ausgestattet.

Der größte

Vorteil: Sie lässt

sich frei be wegen.

Ab 79.000 Euro;

ecocapsule.sk

32 INNOVATOR


BESSER

GRÜN

LEBEN

Lastenräder mit Extra-Power,

Designerstühle aus Fischernetzen,

klappbare To-go-Becher:

Diese Produkte erleichtern

unser Leben – und erfreuen

gleichzeitig die Umwelt.

TEXT Wolfgang Westermeier

INNOVATOR 33


G R E E N

I S S U E

THERMOSKANNE

GUTE

FLASCHEN

Eine Flasche gegen

die Plastikflut: Wer

eine Ocean Bottle

kauft, finanziert

das Sammeln von

11,4 Kilo Plastikmüll,

was etwa tausend

Plastikflaschen entspricht.

Ein Block-

chain-Überweisungs-

System garantiert,

dass die Sammler

fair bezahlt werden.

Zusatzeffekt: Man

ist selbst im Alltag

noch weniger auf

Plastikflaschen

angewiesen. Die

doppel wandige

Thermos flasche aus

Edelstahl ist clever

konstruiert: Sie hält

Temperaturen über

Stunden konstant,

im Verschlusssystem

ist ein Trinkbecher

integriert, in die

Spülmaschine darf

sie auch. Und im

Boden steckt ein

NFC-Chip, der auf

Wunsch bei jeder

Nachfüllung automatisch

für die Plastiksammler

spendet.

47,95 Euro;

oceanbottle.com

SMARTPHONE-HÜLLE

NATUR­

SCHUTZ

Smartphones sind

längst das Cockpit

unseres Lebens. Um

ihre Nachhaltigkeit

ist es allerdings eher

so lala bestellt. Gut,

dass es erste Alternativen

wie das Fairphone

gibt. Mit dieser

Schutzhülle des

Labels 15:21 statt einer

aus Kunststoff

ist zumindest einmal

ein Anfang gemacht.

Diese ist nicht nur

schockabsorbierend

und besonders

wider standsfähig,

sondern darüber hinaus

aus nachwachsendem

und somit

ressourcenschonendem

Kork.

39 Euro;

1521store.com

OCEAN BOTTLE, DIZZCONCEPT.COM, 1521STORE.COM, GOMI.DESIGN

34 INNOVATOR


ARBEITSPLATZ

ÖKO-

NISCHE

Wer noch nicht bereit

fürs Tiny House

ist, kann schon mal

mit dem kleinen Büro

anfangen: Dieser mit

einer Schiebetür verschließbare

Arbeitsplatz

besteht komplett

aus natürlichen

Materialien wie Holz,

Kork, Wolle und Linoleum.

Smarte Technik

wie ein Luftbefeuchter

und UV-

Strahlen zur Bakterienabwehr

sorgen

für ein angenehmes

Klima. Gedacht ist

die Nische etwa

als Rückzugsort im

Großraumbüro. Oder

als Homeoffice?

Preis auf Anfrage;

dizzconcept.com

POWERBANK

KRAFT­

PAKET

Perfektes Mitbringsel

aus England:

stylishe Powerbank

aus recyceltem Plastik,

wobei Farbe und

Muster bei jedem

Exemplar einzigartig

sind. Zum Laden

kommen ungenutzte

Batteriezellen zum

Einsatz – zum Beispiel

aus ausrangierten

E‐Scootern.

Die Ladekapazität

wird vorab geprüft

und reicht aus, um

ein Smartphone

fünfmal aufzuladen.

69 Pfund; gomi.design

INNOVATOR 35


G R E E N

I S S U E

LASTEN-E-BIKE

RAD­

LADER

„Und wie soll ich meine

Wasserkiste transportieren?“

Wenn

es um die Existenzberechtigung

von

Autos geht, zählt dieses

Argument schon

lange nicht mehr –

schließlich gibt es

Lasten räder mit

E-Motor. Nun können

diese sogar noch

größere Transporte

übernehmen, was sie

auch für Betriebe

interessant macht:

Bis zu 200 Kilo können

die Loadster-

Modelle des Herstellers

Citkar schleppen,

eine Kabine schützt

den Fahrer vor Wind

und Wetter.

Preis auf Anfrage;

citkar.com

BEWÄSSERUNG

SMART

GIESSEN

tem. Der Haken: Die

meisten Modelle werden

von einer simplen

Zeitschaltuhr gesteuert

und wässern

auch dann noch, was

das Zeug hält, wenn

längst der Donner

grollt. Die Cloudrain

hingegen denkt dagegen

mit – und bezieht

Wind, Temperatur,

Feuchtigkeit und

Sonne in ihren Be-

Wer beim Gießen

seines Gartens nicht

immer den Schlauch

in der Hand halten

möchte, braucht ein

Bewässerungssyswässerungsplan

mit

ein. So spart man bis

zu 80 Prozent Wasser.

Mit Kabeln oder

Batterien muss man

sich nicht rumschlagen:

Der Controller

speist sich aus Solarenergie,

dazu gibt’s

eine App.

242,49 Euro;

cloudrain.de

CITKAR.COM, METTE JOHNSEN/WEHLERS, CLOUDRAIN.COM

36 INNOVATOR


MÖBEL

NETZ­

WERK

„Rum“ heißt dieser

Stuhl – und wer da

zuerst an Schnaps,

wettergegerbte

Gesichter und Seemannslieder

denkt,

der liegt gar nicht so

falsch. Denn für diese

Sitzgelegenheit

hat das Kopenhagener

Label Wehlers

sogenannte „Geisternetze“

recycelt,

also Fischernetze,

die herrenlos durch

die Weltmeere treiben.

Daher auch der

Name Rum, der für

„Re-Used Materials“

steht. Im Ozean verfangen

sich Tiere in

den Netzen, und ihre

Fasern tragen zur Mikroplastik-Belastung

bei. In jedem Stuhl

stecken zwei Kilo

Netze, die Stuhlbeine

bestehen aus recyceltem

Stahl. Und

natürlich ist das Möbel

selbst ebenfalls

recycelbar – damit

die nächste Generation

auf Designklassikern

und nicht auf

Müllbergen sitzt.

285,99 Euro;

wehlers.com

INNOVATOR 37


G R E E N

I S S U E

DESINFEKTION

DUFTE

LÖSUNG

Endlich ein Desinfektionsmittel,

das weder

nach Operationssaal

noch nach

Schwarzbrennerei

riecht. Die Produkte

von Haan kommen

stattdessen mit so

exquisiten Düften

wie „Dew of Dawn“

oder „Sunset Fleur“

daher. Ein kleines

Licht gibt Signale,

wie es um den Füllstand

steht oder

wann die Batterie

aufgeladen werden

möchte. Gut für die

Umwelt ist der Spender

nicht nur, weil

sich das Desinfektionsmittel

einfach

und unter Vermeidung

von Plastik

nachfüllen lässt.

Das Unternehmen

unterstützt mit seinen

Gewinnen Brunnenprojekte

in Afrika

und garantiert mit

jedem verkauften

Gerät 627 Liter sauberes

Trinkwasser.

Preis auf Anfrage;

haanready.com

38 INNOVATOR


HAANREADY.COM, EVERDROP.DE, WEAREHUNU.COM

REINIGUNG

SAUBER,

SAUBER

Der Sauereien, die in

herkömmlichen Reinigungsmitteln

lange

enthalten waren (und

teilweise noch immer

sind), wird man sich

erst bewusst, wenn

man sich durchliest,

was in diesen alternativen

Produkten

alles nicht drinnen

ist. Mikroplastik,

Acry late, Phosphate

und Chlor etwa. Aber

neben den umweltfreundlichen

Inhaltsstoffen

gibt es noch

weitere Argumente

für die nachhaltigen

Saubermacher des

Münchener Startups.

Statt am Ende

einer Lieferkette zu

stehen, die hektoliterweise

Glasreiniger

in Einweg-Plastikflaschen

durch die

Nation fährt, lässt

man sich hier einfach

ein paar Tabs nach

Hause schicken. Die

löst man in 500 Milliliter

Wasser – und

wischt los. Das spart

nicht nur jede Menge

CO 2 , sondern obendrein

noch Geld. Gibt

es auch für Spülund

Waschmaschine.

Putzmittel-Starterset

34,99 Euro;

everdrop.de

TRINKBECHER

KLAPPT

SUPER

Hand aufs Herz: Wer

hat im Alltag schon

immer einen Mehrwegbecher

dabei,

um auch bei spontan

auftretender Heißgetränkelust

die Umwelt

zu schonen? Der

Hunu Cup macht es

einem leichter denn

je: Der faltbare und

giftstofffreie Silikonbecher

ist im eingeklappten

Zustand

nur zwei Zentimeter

hoch, passt also

wirklich in fast

jede Hosentasche.

Trotzdem fasst er

Cappuccino-taugliche

265 Milliliter.

Und nach dem Trinken?

Wandert der

Becher bedenkenlos

wieder zurück in die

Tasche. Denn er ist

so konstruiert, dass

die Trinköffnung

beim Zusammenfalten

verschlossen

wird. Entwickelt als

Crowdfunding-Projekt

in London, ist

der Hunu-Becher nun

in über 70 Ländern

weltweit erhältlich.

20,95 Euro;

wearehunu.com

INNOVATOR 39


G R E E N

I S S U E

10 IDEEN FÜR

EINE BESSERE

WELT

Laufen und dabei Bäume pflanzen,

Kaugummi aus biologischem

Anbau, Altkleider als wertvoller

Rohstoff: zehn inspirierende

Geschäftsmodelle, die auch für

unseren Planeten ein Gewinn sind.

TEXT: MARC BAUMANN, DAVID MAYER

GETTY IMAGES, MINDFUL MISSION

40 INNOVATOR


MINDFUL MISSION

PRIMA

FÜRS KLIMA

Karim Abdel-Baky ist ein bemerkenswert

gut gelaunter

Mensch. Nur eine Frage im

Interview lässt ihn kurz ernst

werden: „Glauben Sie, dass

wir den Klimawandel noch

rechtzeitig stoppen können?“

Nach einer kurzen Nachdenkpause

antwortet Abdel-Baky:

„Ich bin überzeugt, durch

Technologie und Verhaltensänderung

können wir das

gewaltige Problem lösen.“

Der 24-Jährige und sein

23-jähriger Mitgründer Christoph

Rebernig wollen ihren

Teil dazu beitragen – ihr Ziel

sind eine Million Abonnenten

für ihr Start-up „mindful

mission“. Mit 8 Euro im Monat

kann man damit seinen

CO 2 -Fußabdruck ausgleichen.

mindful mission berechnet,

wie viel CO 2 man verbraucht,

und finanziert im Gegenzug

dann Klimaschutzprojekte, die

CO 2 einsparen. „Unser Motto

ist dabei: erst vermeiden,

dann kompensieren.“ Als ein

Kreuzfahrtunternehmen seine

CO 2 -Bilanz mit mindful mission

verbessern wollte, lehnten

Sieht doch gleich

besser aus: Auf der

hübschen mindfulmission-App

kann

der Nutzer seine

Fortschritte sehen.

Männer mit Mission:

Karim Abdel-Baky,

24, (o.) und Christoph

Rebernig, 23,

wollen CO 2 -Fußabdrücke

verkleinern.

Abdel-Baky und Rebernig ab,

weil sie keine Möglichkeit

sahen, bei dem Konzern CO 2 -

Emissionen zu reduzieren.

„Wir haben viel Zeit in

einen Algorithmus investiert,

der jedem Nutzer regelmäßig

Tipps gibt, wie er seinen Fußabdruck

reduzieren kann“,

sagt Abdel-Baky. Kurz vor dem

Abitur nahm seine Klasse den

Klimawandel durch, und er

bemerkte: Niemand wusste,

wie groß sein CO 2 -Fußabdruck

ist. Aber wie soll man

etwas bekämpfen, was man

nicht kennt? Seither beschäftigt

ihn das Thema.

Und wie sparen die beiden

CO 2 ? Abdel-Baky ernährt sich

überwiegend vegan und fährt

schon mal 15 Stunden Zug,

um einen Flug zu sparen. Eine

Fernreise gönnte er sich aber:

nach Kalifornien, zu einer einmonatigen

Start-up-Schulung.

mindfulmission.earth

INNOVATOR 41


Gesunder Kreislauf:

Aus alter Kleidung

recycelt Alina Bassi,

31, ein Material, aus

dem sich Mode

oder Möbel

fertigen lassen.

KLEIDERLY

GIB

STOFF!

Als Alina Bassi Verwandte im

afrikanischen Tansania besuchte,

fielen ihr Marktstände

auf, die gebrauchte Kleidung

aus Europa verkauften. „Werden

die das alles los?“, fragte

sich die in Berlin lebende

Britin. Sie begann zu recherchieren

und war geschockt:

87 Prozent unserer Kleidung

landet auf Müllhalden, ein

voller Lastwagen pro Sekunde,

wo sie wegen des hohen

Plastikanteils bis zu 200 Jahre

lang nicht verrottet, oder sie

wird verbrannt und verursacht

Unmengen CO 2 . Das kam der

Chemieingenieurin so sinnlos

vor, dass sie jahrelang an einer

Recylingmethode tüftelte.

Nun macht sie aus Altkleidern

ein plastikähnliches Material,

das sie als Rohstoff verkauft.

Daraus entsteht neue

Mode, aber auch Kleiderbügel

oder Möbel. Kreislauf statt

Vernichtung. Ihre 2018 gegründete

Firma Kleiderly hat

erst sieben MitarbeiterInnen,

aber die Industrie signalisiert

großes Interesse. Der Name

Kleiderly ist eine Hommage

an Deutschland, ihre neue

Heimat. Dass das sehr niedlich

klingt angesichts des

Problems, das die Firma löst,

erfuhr Bassi erst später. „So

gut war mein Deutsch nicht.“

kleiderly.com

MIT EINER PATENTIERTEN

METHODE VERWANDELN

SICH ALTKLEIDER IN EINEN

ROHSTOFF.

JONAS HOLTHAUS, FORSUPERHEROES.COM

42 INNOVATOR


FOR SUPER HEROES

AB JETZT

IMMER FLÜSSIG

Das kann man als Jung-Unternehmer

auch mal machen:

auf seine Eltern hören. Ursprünglich

wollten Friedrich

Klinger und seine Mitstreiter

eine Ernährungs-App starten.

„Aber wenn selbst die Eltern

nach zwei Wochen aufhören,

sie zu nutzen, ist das bezeichnend“,

erzählt er. Nach dem

Rückschlag fiel ihnen auf,

dass die Lebensmittel in ihren

Kühlschränken oft vergammelten,

weil sie nicht zum

Kochen kamen.

So entstand die Idee für

For Super Heros: Trinkmahlzeiten

für alle, die es eilig

haben, sich trotzdem gesund

ernähren und Ressourcen

schonen wollen. Sie bestehen

aus rein pflanzlichen Zutaten

wie Beeren, Nüssen oder Algen,

die nach saisonaler Ernte

gefriergetrocknet werden.

Das Pulver 30 Sekunden mit

Wasser aufgießen, umrühren

– fertig sind Smoothie

oder Shake. Bislang sind ihre

Mahlzeiten alle süß, bald

sollen herzhafte Varianten

folgen. „Eines Tages möchten

wir alle Fast-Food-Produkte

gesund herstellen“, so Klinger.

Klingt nach einer Aufgabe

für Superhelden.

forsuperheroes.com

Food-Revoluzzer (v. l.):

die drei Gründer von

For Super Heroes Friedrich

Klinger, 25, Fabio

Schasse de Araujo, 29,

Simon Breidert, 36

EPAP

WEG

MIT

DEM

WISCH

Bei der Wahl zum deutschesten

aller deutschen Worte

hat die „Belegausgabepflicht“

gute Siegchancen. Wie sehr

das nach Amtsstube und

Currywurstflecken auf Kurzarmhemden

klingt! Man kann

die 2020 eingeführte Belegausgabepflicht

aber auch als

Basis für ein Start-up nutzen,

indem man die gedruckten

Kassenzettel im Einzelhandel

durch eine digitale Spielart er­

setzt. Man empfängt die Rechnung

auf der epap-App und

spart so bergeweise Papier.

Die Idee dazu kam Mit-

Gründer Sebastian Berger im

Auslandssemester. Den Ordnungsfan

machten insbesondere

die langen Kassenzettel

bei Ikea wahnsinnig. Das

musste doch schlauer gehen.

Drei andere Studenten dachten

das auch, und so entstand

das gemeinsame Start-up.

epap funktioniert schon

mit 18 der 20 großen Kassenhersteller

in Deutschland.

Die Integration erfolgt über

die Kassensoftware, die Anschaffung

oder Befestigung

eines Zusatzgeräts ist nicht

nötig. Händler, die epap einsetzen,

zahlen eine Gebühr,

für Kunden soll es bald kostenpflichtige

Zusatzangebote

geben – wie ein digitales

Haushaltsbuch. epap.app

Machen Kasse:

die epap-Gründer

Fabian Gruß, 27,

Sebastian Berger,

25, Gerd Trang, 28,

und Jannis Dust, 20

INNOVATOR 43


Athleten mit Vision: Laurent Petit, 33,

(l.) und Till Harnos, 34, kombinieren

Freizeitsport mit Umweltschutz.

ACTIVE GIVING

LAUFEND

PFLANZEN

Hat jemand die Handynummer

von Cristiano Ronaldo?

Dann bitte bei Laurent Petit

melden. „Es wäre mein Traum,

ihn für unseren guten Zweck

zu gewinnen, aber noch traue

ich mich nicht, jemand so

Berühmten zu fragen“, sagt

der 33-jährige Belgier. Beim

Berühmtwerden ist es wie

beim Laufen – kleine Schritte

führen zum Ziel.

Vor vier Jahren zog Petit

nach Berlin. Er trat einer Laufgruppe

bei und beschäftigte

sich mit dem Thema Umweltschutz.

So entstand die Idee,

den Communitygedanken der

Läufe mit Nachhaltigkeit zu

verbinden. „Meine Freunde

nutzten Fitness-Apps, die

kein höheres Ziel hatten, als

fit zu bleiben. Das wollte ich

ändern.“

Petit ging auf Betriebe zu:

„Ich sagte, ich habe 250 Leute,

die laufen wollen, wie

wäre es, wenn ihr für die

zurückgelegten Kilometer

Bäume pflanzt?“ Die Idee

kam an, zwei Mitgründer

stießen dazu. Seit Juni 2020

ist die App fertig, wer mit ihr

läuft, kann laufend Bäume

pflanzen – finanziert durch

Unternehmen, die in der App

Werbung schalten. Auch Radfahren,

Surfen, Yoga oder

Schwimmen zählen. Nach

sechs Monaten hatten 13.000

aktive User mehr als 160.000

Bäume gepflanzt. Das müsste

mal jemand Cristiano Ronaldo

erzählen. activegiving.de

FOREST GUM

KAU DICH

GLÜCKLICH

Manchmal lohnt es sich, in

Vorlesungen aufzupassen

(okay, fast immer). Thomas

Krämer, 40, jedenfalls hörte

gut zu, als sein Professor in

einem Seminar über Forstwirtschaft

über Chicle sprach,

einen Baumsaft, den man in

Zentralamerika schon vor

500 Jahren wie Kaugummis

kaute. Das, sagt Krämer, hat

sich leider geändert: „99 Prozent

der Leute wissen nicht,

dass wir bei heutigen Kaugummis

auf Plastik rumkauen,

hergestellt aus Erdöl. Denn die

Inhaltsstoffe werden maximal

verschleiert.“ Krämer wollte

es besser machen: „Niemand

hinters Licht führen, keine

Müllberge, fair produzieren.“

Knapp eine halbe Milliarde

Euro ist der Kaugummimarkt

in Deutschland groß, 80 Prozent

davon räumt der US-Konzern

Mars mit verschiedenen

Marken ab. Krämers Konkurrenz-Idee:

zurück zur Natur.

Er begann, selbst Kaugummi

zu kochen. Dass man Pfefferminze

sanft dosieren muss,

lernte er auf die harte Tour –

mit tränenden Augen und aufgerissenen

Fenstern. Er reiste

zu Chicle-Produzenten, gewann

deren Vertrauen. 2019

gründete er Forest Gum – zur

Herstellung von Kaugummi

aus nachhaltiger Forstwirt-

44 INNOVATOR


Beauty-Pionierin:

Jennifer Baum-Minkus,

36, will Nachhaltigkeit

in der Kosmetikbranche

vorantreiben.

PATRYCIA LUKAS/AL-PR.DE

Rock ’n’ Chew: Diese beiden

Herren sind nicht die

Gründer von Forest Gum,

verkörpern den disruptiven

Spirit des Start-ups

aber auf den Punkt.

schaft. Heute gibt es Forest

Gum in zwei Geschmacksrichtungen

(Minze und Beeren)

bereits bei großen Ketten wie

Rewe, Rossmann und Müller.

Dass Forrest Gump bestimmt

Forest Gum kauen

würde, war Thomas Krämer

bei der Namensfindung übrigens

gar nicht bewusst. An

den berühmten, fast gleichnamigen

Hollywood-Hit hatte

er überhaupt nicht gedacht.

forestgum.de

GITTI

GOOD

LACK

Manchmal ist die innere Stimme

der beste Karriere-Coach.

Etwa im Fall von Jennifer

Baum-Minkus. Als sie Anfang

2018 mit Freunden in einem

Berliner Lokal saß und die

Frage aufkam, was jeder tun

würde, wenn er keine Angst

hätte, schoss ihr – zur eigenen

Überraschung – „Glitzernagellack“

in den Kopf.

Es auszusprechen traute

sie sich nicht, doch gleich

nach ihrer Heimkehr morgens

um vier recherchierte sie und

konnte kaum fassen, wie viele

Schadstoffe gängige Produkte

beinhalten, die im Verdacht

stehen, Krebs und Unfruchtbarkeit

zu verursachen. Vom

CO 2 -Fußabdruck der Verpackungen

ganz zu schweigen.

Ihren Konzern-Job bei Coca-

Cola hatte sie – ebenfalls aus

dem Bauch heraus – ohnehin

gerade gekündigt, also machte

sie sich an die Arbeit. Eineinhalb

Jahre entwickelte sie mit

einem Labor eine Nagelfarbe,

die zu 55 Prozent auf Wasser

basiert. „Damit er sich genauso

gut auftragen lässt wie konventionelle

Produkte, müssen

die Farbpigmente im Wasser

stabil bleiben können“, erklärt

Baum-Minkus. Das chemische

Kunststück gelang, die

erste Kollektion ihres Labels

Gitti war 2019 binnen zwei

Wochen ausverkauft. Ohne

16 giftige Stoffe kommen

die Nagelfarben bereits aus,

100 Prozent Schadstofffreiheit

ist das Ziel. Über 20 Mitarbeiter

zählt das Team, zum Sortiment

zählen auch Handpflegeprodukte.

Derzeit arbeitet

Baum-Minkus an der ultimativ

nachhaltigen und dennoch

stylischen Verpackung. Ihrer

inneren Stimme gefällt das.

gitticonsciousbeauty.de

INNOVATOR 45


Höhenflug: Als Mit-

Gründerin eines

Space-Start-ups

schaffte es Kristina

Nikolaus, 26, in die

„30 under 30“-Liste

des US-Magazins

Forbes.

OKAPIORBITS.SPACE

ALL STARS

Ein Metallstück mit einem

Durchmesser von einem

Zentimeter wirkt nicht sehr

bedrohlich. Außer es rast

mit 28.000 km/h durch

die Gegend. Rund 900.000

Teilchen Elektroschrott wie

inaktive Satelliten, Raketenoberstufen

oder eben kleinste

Kollisions fragmente umkreisen

die Erde inzwischen.

Sie können Satelliten stören

oder zer stören. So sehen also

Abfallprobleme im All aus –

und erste Start-ups arbeiten

bereits an Lösungen.

Zum Beispiel okapiorbits.

space, hervorgegangen aus

der Technischen Universität

Braunschweig. Gegen Bezahlung

bietet das Forscher-Team

Kollisionswarnungen und

Empfehlungen für Ausweichmanöver

mit einer Sicherheit

von stolzen 99,999 Prozent.

Dafür wertet eine Künstliche

Intelligenz GPS-Daten von

Satelliten aus, Datenkataloge

und Observationsdaten.

„Im Low Earth Orbit zwischen

400 und 900 Kilometer

Höhe um die Erde ist super

viel los“, sagt Mit-Gründerin

Kristina Nikolaus. Kollisionen

sind selten, die kommerzielle

Raumfahrt dürfte das Risiko

aber erhöhen. Für noch mehr

Nachhaltigkeit im Erd-Orbit

könnten eines Tages Roboterarme

den Schrott einsammeln,

aber hier steht die Forschung

noch am Anfang.

okapiorbits.space

EINES TAGES KÖNNTEN IM

WELTALL ROBOTERARME DEN

SCHROTT EINSAMMELN.

46 INNOVATOR


SIRPLUS

ESSEN

RETTEN

RUEDIGER GLATZ, JULIAN GLAAB, MARKTHALLE NEUN/SIRPLUS GMBH

Drei Isländer in

Berlin (v. o.): die

Klang-Gründer

Oddur Snær Magnússon,

40, Mundi

Vondi, 34, und Ívar

Emilsson, 36

KLANG GAMES

NEUE WELT

Ívar Emilsson ist Experte für

Neuanfänge. Aufgewachsen in

Island, studierte er in Schottland,

arbeitete in Shanghai

und landete im Winter 2012

als Spieleentwickler in Berlin.

Sein erster Eindruck? „Grau,

morbid, furchtbar.“ Doch mit

dem Frühling erwachte seine

Liebe zur Stadt und er startete

mit zwei Co-Gründern

die Gaming-Schmiede Klang

Games. Seit 2017 entwickeln

sie „Seed“ – ein Spiel, das,

Überraschung!, von einem

Neuanfang handelt.

Überlebende einer Erdkatastrophe

gründen eine

Weltraum-Kolonie mit diversen

Ökosystemen und

Wetterkapriolen. Die Spieler

entwickeln eine eigene Gesellschaftsform

und müssen Wege

finden, mit den Ressourcen

umzugehen. Ein Versuchslabor,

eine Vision, „eine nischige

Nische“, so Emilsson. Aber

daraus entstehen ja oft die

größten Hits. 2022 soll „Seed“

als Beta-Version starten.

klang-games.com

Verkäufer mit

Botschaft:

Raphael Fellmer,

37, verhindert

Lebensmittelverschwendung.

Eine Weltreise ohne Geld, ein

Konsumstreik mit Frau und

zwei Kindern, ein Buch über

das Leben mit bewusstem

Verzicht: An Ideen mangelt

es Raphael Fellmer, 37, nicht,

um für sein Herzensthema zu

werben – den Kampf gegen die

Verschwendung von Lebensmitteln.

„Mit nur einem Viertel

unserer Nahrungsabfälle

könnten wir alle Hungernden

der Erde versorgen“, sagt er.

Allein in Deutschland

werden pro Jahr 18 Millionen

Tonnen Lebensmittel

verschwendet, das verursacht

vier Prozent der bundesweit

produzierten Treibhausgase.

„Manche Produkte landen nur

im Müll, weil etwa das Design

ihrer Verpackung veraltet ist

oder weil ihr Mindesthaltbarkeitsdatum

abzulaufen

droht“, sagt Fellmer, dabei

sei vieles sogar noch Jahre

später genießbar. Die von ihm

mitgegründete Bewegung

foodsharing.de vermittelt

nun aussortierte, aber noch

genießbare Lebensmittel

kostenlos weiter. Tausende Betriebe

spenden entsprechende

Produkte, über 100.000 Freiwillige

helfen.

Und weil trotzdem noch

Millionen Tonnen übrig

bleiben, gründete Fellmer

Sirplus, einen Supermarkt mit

Filialen in Berlin und einem

bundesweit liefernden Online-

Shop, in dem jeder die vorab

auf Qualität kontrollierten

Lebensmittel günstig kaufen

oder im Abo beziehen kann.

So kann wirklich jeder dabei

helfen, das von der Bundesregierung

ausgerufene Ziel

zu erreichen, bis 2030 die

Lebensmittelverschwendung

um 50 Prozent zu reduzieren.

sirplus.de

47


Klarer Fahrplan:

Seinen Weg als

Nachhaltigkeits-

Entrepreneur

plante Nico Rosberg

noch als

Formel-1-Pilot.

48 INNOVATOR


G R E E N I S S U E

ICH WAR BEI

FRIDAYS

Text Werner Jessner

Fotos Tom Ziora

FOR

FUTURE

Nico Rosberg, 35, ist der letzte Rennfahrer, der Lewis

Hamilton in der Formel-1-WM besiegen konnte. Danach trat

er zurück und vertritt jetzt als Unternehmer und Gründer

„ grüne“ Werte. Interview mit einem geläuterten Egoisten.


Tthe red bulletin inno vator:

Du bezeichnest dich als „Nachhaltigkeitsunternehmer“.

Was

genau verstehst du darunter?

nico rosberg: Das ist ein wertebasierter

Unternehmer. Jemand,

der nicht nur gewinnorientiert

denkt, sondern versucht, mit seinen

Investments positiv auf die

Gesellschaft oder auch auf die

Umwelt zu wirken.

Wie kam es dazu?

Dieses Versprechen habe ich mir

noch während meiner Formel-1-

Karriere gegeben: Nach der egogetriebenen

Phase würde eine

kommen, in der ich etwas fürs

große Ganze tue. Ich spürte, dass

etwas fehlte.

Man wacht eines Tages auf

und denkt plötzlich an die Allgemeinheit

statt nur an den

eigenen Erfolg?

Es ist ein Prozess, der schon während

meiner aktiven Karriere begann. Ich arbeitete

eng mit einem Psychologen zusammen,

und in der gemeinsamen Arbeit

wurde deutlich, wie viel Kraft man daraus

beziehen kann, wenn man Gutes tut und

an andere denkt. Heute weiß ich: Es fühlt

sich unglaublich toll an, etwas gegen den

Klimawandel zu unternehmen, und es

reißt meine gesamte Mannschaft mit.

Kann man sich als Rennfahrer, der

gegen Lewis Hamilton um die WM

kämpft, Altruismus überhaupt leisten?

Als Sportler musst du Egoist sein, um

Erfolg zu haben. Aber selbst da kann

man versuchen, eine gewisse Balance zu

finden. Man braucht die Rückendeckung

des Teams, der Fans. Ganz allein geht

gar nichts.

War auch schlechtes Gewissen dabei,

das dich vom Im-Kreis-Fahren zur

Nachhaltigkeit gebracht hat?

Ganz klar: nein. Ich bin stolz auf meine

Erfolge im Rennsport. Und man darf

nicht vergessen, wie viele Innovationen

in der Mobilität ihren Ursprung im Motorsport

haben. Sparsame, kompakte Turbomotoren,

Hybridantrieb, Leichtbau durch

Carbonfasern – all das hat in der Formel 1

begonnen.

Welche Idee steckt hinter der Rennserie

Extreme E?

In der Extreme E fahren wir mit Elektro-

Buggies Rennen in fünf Weltregionen, die

vom Klimawandel unmittelbar betroffen

sind. Im Amazonas, wo Wälder gerodet

werden, oder im Senegal, wo die Plastikverschmutzung

der Meere ein riesiges

Thema ist. Extreme E verbindet meine

zwei Leidenschaften: Nachhaltigkeit und

Rennsport. Wir sind ein wertebasiertes

Rennteam und somit hoffentlich eine Inspiration

für andere Sportmannschaften.

Sport hat eine unglaubliche Emotionalität,

und die sollte man für das große Ganze

nutzen: Gutes tun, die große Masse

auf den richtigen Weg leiten, Vorbild sein.

Was sind die Kernwerte, die Extreme E

vertritt?

Ein Beispiel: Wir garantieren, dass wir

die Orte, an denen wir unsere Rennen

fahren, in einem besseren Zustand verlassen,

als wir sie vorgefunden haben.

Aufmerksamkeit für den Klimawandel ist

das eine, aber die unmittelbare Aktion

vor Ort, die Unterstützung der Menschen

dort ist mindestens ebenso wichtig.

Ende 2020 waren wir in Spanien beim

Testen. Wir als Team haben das führende

Aufforstungsunternehmen des Landes

Stets im Bild:

Heute ist Nico

Rosberg auch

als Investor

der TV-Show

„Die Höhle der

Löwen“ bekannt.

50 INNOVATOR


„Das Potenzial,

Geld zu verdienen,

ist genauso

wichtig wie

das Potenzial,

Gutes zu tun.“

INNOVATOR 51


kontaktiert und eine Partnerschaft geschlossen.

Ein Deal mit der Rennstrecke

stellt sicher, dass ein Teil mit Bäumen bepflanzt

wird. Die ersten 100 haben wir eigenhändig

gesetzt. Ein kleiner Schritt, zugegeben,

aber er illustriert, wie wir denken.

Auffällig viele deiner Investments drehen

sich um Mobilität. Meinst du, man

sollte sich nur in Bereichen engagieren,

von denen man eine Ahnung hat?

Mobilität ist natürlich mein Zuhause. Hier

ist meine Leidenschaft, mein Netzwerk,

meine Glaubwürdigkeit. Und es wird im

nächsten Jahrzehnt ein riesiges Thema

bleiben: Energiewende, Elektromobilität,

vielleicht auch Wasserstoff. Von meinen

20 Investments sind drei auf dem Weg

zum Unicorn (Investoren-Fachbegriff für

Unternehmen mit einem Wert von über

einer Milliarde Dollar, Anm. d. Red.).

Alle drei haben mit Mobilität zu tun:

Formula E, Lilium (elektrisches Lufttaxi)

und Tier (E-Scooter-Sharing). Aber ich

blicke durchaus über den Tellerrand:

Der Food-Bereich interessiert mich sehr,

auch das aus innerer Überzeugung. Ich

bin Gesundheitsfanatiker.

Gibt es ein Lieblingsprojekt, das

unverhofft zum Erfolg wurde?

Der E-Scooter-Bereich mit Tier war so

eine Geschichte. Der Markt ist wahnsinnig

umkämpft, amerikanische Konzerne

pumpen da Milliarden rein. Anfangs gab

es keine Regulierungen in den Städten,

daher war das Risiko enorm. Vor kurzem

ist der japanische Riesenkonzern Softbank

bei uns eingestiegen, und zwar mit

250 Millionen Dollar. Tier ist weltweit

auf Platz 2 in seiner Branche und Marktführer

in Europa. Es ist schon irre, wie

das abgegangen ist in den letzten Jahren.

Und es zeigt die Kompetenz der Gründer,

in einem so umkämpften Markt so erfolgreich

zu sein.

Mit welcher Geschäftsidee, mit welchen

Qualitäten kann ein neues Projekt

Nico Rosberg als Investor gewinnen?

Die Geschäftsidee muss erstens funktionieren

und zweitens wertebasiert sein.

Das Potenzial, Geld zu verdienen, ist genauso

wichtig wie das Potenzial, Gutes

zu tun. Darüber hinaus muss ich mit den

Gründern auf einer Wellenlänge sein.

Und sie dürfen nicht stur und von sich

selbst eingenommen sein. Jedes junge

Unternehmen wird sein Geschäftsmodell

mindestens einmal umbauen müssen, um

sich an das eigene Wachstum anzupassen.

Dafür braucht es Flexibilität. Dann interessiert

mich, welche Co-Investoren

bereits an Bord sind.

Siehst du dich denn als reinen

Investor?

Nein, ich bin auch selbst Gründer.

Das Greentech-Festival, eine

Messe für grüne Technologien,

stammt von mir, und auch hier

sind wir in kürzester Zeit zu einem

der führenden Festivals in

Europa geworden. Von Google-

CEO Sundar Pichai bis EU-Kommissionspräsidentin

Ursula von

der Leyen sind echte Hochkaräter

bei uns aufgetreten.

Sind Solarparks und alternative

Antriebe inzwischen bereits

bessere Investments als Tabak

und Waffen?

Ja, absolut. Der Hype in der Investment-Branche

sind genau solche

Unternehmen. Und das ist so cool,

denn das wird die Energie wende

dramatisch beschleunigen! In

den nächsten fünf bis zehn Jahren

liegt die größte Rendite genau in

diesen Themenfeldern. Und letzten

Endes spielt hier auch „ Fridays

for Future“ rein.

Wie genau?

Ich kenne das aus meinem persönlichen

Umfeld: Die Kids eines

großen CEO kommen am Freitag

von der Demo nach Hause und

fragen: „Papa, welchen Beitrag

leistest du zur Klimawende? Du

hast doch alle Möglichkeiten! So

kann das nicht weitergehen!“ Und

prompt wird das in der Vorstandssitzung

in der Woche darauf zum

Top-Thema. Man darf die Power

der Kids nicht unterschätzen.

Die Kids würden schön schauen,

wenn plötzlich mit Nico

„Sport hat eine

unglaubliche

Emotionalität,

und die sollte man

für das grosse

Ganze nutzen.“

DATEN -

ABFRAGE

6

Alter, in dem

Nico Rosberg

erstmals in

einem Kart saß.

23

Siege fuhr

Rosberg in

der Formel 1 in

zehn Jahren ein.

910.000

Abonnenten

zählt Rosbergs

YouTube-Kanal.

35.000

Besucher kamen

2019 zur Premiere

seines Greentech-Festivals.

20

Mal investierte

Rosberg bereits

in verschiedene

Start-ups.

52 INNOVATOR


ein guter Indikator, wie weit wir auf dem

Weg bereits sind, wie akzeptiert E‐Mobilität

mittlerweile ist. Jetzt müssen wir

nur noch den allerletzten Petrolhead

überzeugen, nämlich Rallye-Weltmeister

Walter Röhrl. Aber das schaffen wir auch

noch. (Lacht.)

Was kann man Leuten raten, die nicht

sicher sind, ob E-Mobilität für sie das

Passende ist?

Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen

und sich undogmatisch zu informieren.

Nicht jeder muss ein E-Auto

kaufen. In vielen Bereichen ist E-Mobilität

heute der konventionellen bereits

überlegen, aber es hängt immer von den

persönlichen Bedürfnissen ab. Im innerstädtischen

Bereich kann ein E-Auto bereits

heute über fünf Jahre gerechnet die

günstigste Variante sein.

GEPA PICTURES/RED BULL CONTENT POOL, TEAM NICO ROSBERG

Oben: Rosberg nach seinem

Formel-1-Sieg 2014 in Österreich.

Unten: Mit diesem

voll elektrischen SUV startet

Rosbergs Team aktuell

in der Rennserie Extreme E.

Rosberg, ein ehemaliger

Formel‐1‐ Weltmeister, bei

„Fridays for Future“ mitmarschieren

würde.

Hab ich doch schon gemacht! Das

war in Berlin, im Zuge meines

Greentech-Festivals. Ich gebe zu,

da war ich erst mal raus aus meiner

Komfortzone. Als dann ein

neunjähriger Junge neben mir auf

der Bühne stand, war es faszinierend,

zu spüren, mit welcher Leidenschaft

er bei der Sache war.

Das war Enthusiasmus wie in der

Formel 1! Ich versuche, mit meiner

Bekanntheit und meinem

Netzwerk einen Beitrag zu leisten,

dass diese Leidenschaft im

breiten Publikum rüberkommt.

Wie reagieren die Petrolheads

auf einen grünen Abtrünnigen?

Mein Vater (Keke Rosberg, F1-

Weltmeister 1982, Anm.) ist der

ultimative Petrolhead. Als ich

mich an der Formel E beteiligt

habe, hat er mir auf den Kopf

zugesagt, ich sei bescheuert. Inzwischen

stellt er sich für jedes

Rennen den Wecker, so ist er

reingekippt. Leute wie er sind

Was soll mit all den schönen alten

Porsches und Ferraris passieren, die

in den Garagen stehen?

Ich hoffe sehr, dass es nach wie vor einen

Platz dafür geben wird, Klassiker zu genießen.

Das ist unsere Historie, da kommen

wir her. Vielleicht gibt es einmal

einen synthetischen Kraftstoff, der Benzin

ersetzen kann. Ich finde, man muss

altes Kulturgut erhalten. Wir sollten immer

bessere Lösungen suchen, statt mit

Verboten zu agieren.

Besitzt du ein altes Auto?

Ja, einen Mercedes 300 SL Gullwing.

Daheim in Monaco bin ich im Alltag allerdings

meist mit Mobee (Sharing-Dienst,

Anm.) unterwegs, wo man kleine, elektrisch

betriebene Renault Twizy mieten

kann, die man auf Motorrad-Parkplätzen

abstellen darf.

Was kann die Mobilitätsbranche

vom Motorsport lernen?

Perfektion. Keine halben Lösungen.

Und die Investment-Welt?

Geschwindigkeit in den Entscheidungen.

Gerade auch in der Politik wird zu

viel geredet und zu wenig entschieden.

Im Sport läuft es so: Diskussion – Entscheidung.

Diskussion – Entscheidung.

Das ist eine Stärke, die ich aus dem

Sport ins Business mitbringe: Ich entscheide.

Diese lähmende Betulichkeit

gerade in großen Konzernen kann ich

gar nicht leiden.

INNOVATOR 53


Neue Perspektiven:

Auch mit

der Rennserie

Extreme E

engagiert sich

Rosberg für

Umweltschutz.

„Was die Investment-Welt

vom Motorsport lernen kann?

Geschwindigkeit

in den Entscheidungen.“

54 INNOVATOR


Warum bloß fällt mir jetzt dein ehemaliger

Teamchef Toto Wolff ein?

Toto ist ein tolles Beispiel für einen Manager,

der Entscheidungen trifft. Ein echter

Leader. Und er setzt sehr stark auf

das Empowerment seiner Mitarbeiter.

Er agiert nicht wie ein Diktator, sondern

gibt seinen Leuten Vertrauen und Verantwortung.

Jeder fühlt sich stark und mutig

– davon profitiert die gesamte Firma.

Empathie und Anerkennung vom Chef

sind ganz starke Triebfedern. Etwas, was

ich in meiner Firma ebenfalls vorzuleben

versuche.

Wie konkret?

Kleines Beispiel: Wir haben komplettes

Homeoffice eingeführt, und das wird

auch nach der Corona-Pandemie so bleiben.

Das erlaubt zum Beispiel meinen

deutschen Mitarbeitern, bei ihren Familien

leben zu können und nicht nach Monaco

oder Frankreich pendeln zu müssen.

Sie fühlen sich wohl, und das ist in der

Produktivität messbar.

Wie werden wir 2040 unterwegs sein?

Wir werden – jedenfalls in der westlichen

Welt – überwiegend komplett emissionsfrei

unterwegs sein, und zwar tatsächlich,

nicht nur rechnerisch mithilfe von Kompensationsmaßnahmen.

Darüber hinaus

wird es Mobilitätsketten geben. Wir werden

eine einzige Mobilitäts-App haben,

ein Von-A-nach-B-Abo, so wie Netflix.

Dieses Mobilitäts-Netflix wird mir die

Transportkette bereitstellen. Von Berlin

nach Hamburg? E-Scooter bis zum Zug,

in Hamburg steht die autonome Drohne

bereit für den Weg zum Zielort, der etwas

außerhalb der Stadt liegt. Am Abend fahre

ich mit Car-Sharing zum Grillabend mit

meinen Kumpels.

Was löst diese Vorstellung bei dir aus?

Ich freue mich drauf. Es wird uns allen

einen großen Mehrwert geben.

Diese Mobilitätskette führt – anders als

heute – konsequent von Tür zu Tür.

Exakt. Und genau hier muss man wach

sein als Autoland Deutschland: Die Power

des Geschäftsmodells liegt dann in der

App, in der Software. Die Hardware­

Hersteller verlieren genau wie einst die

Handy-Industrie viel an Power. Deutsche

Autohersteller müssen saumäßig aufpassen,

dass es ihnen nicht so geht wie

seinerzeit Nokia. Ich möchte ihnen raten,

dieses Software-Thema nicht von den

Amerikanern oder Chinesen besetzen zu

lassen, sondern dringend eigene

Kompetenz aufzubauen.

Werden wir 2040 so viel unterwegs

sein wie in Zeiten vor

Covid-19?

Bis dahin wird es eine weitere Innovation

geben, auf die ich mich

sehr freue: Wir werden virtuelle

Konferenzen mit Hologrammen

haben. Die fehlende menschliche

Nähe bei Conference Calls werden

wir damit virtuell hinkriegen.

Aber wenn Reisen eines Tages

komplett emissionsfrei sein werden,

spricht auch nichts dagegen,

wieder unterwegs zu sein wie

früher. Es macht ja auch Spaß!

Wie wird man auf die heutige

Gegenwart zurückblicken?

Vielleicht so, wie wir heute auf

die Formel 1 der 1960er-Jahre

zurückschauen. Oder auf eine

Zeit, in der man ohne Sicherheitsgurte

unterwegs war. Wir

werden froh sein, dass die Wende

gekommen ist, und sagen, dass es

viel sinnvoller ist als damals.

Deine Töchter sind heute drei

und fünf Jahre alt. Werden

sie noch einen Führerschein

machen?

Ich vermute: die eine schon, die

andere nicht. Aber das liegt eher

an ihren unterschiedlichen Charakteren.

Die eine ist eher draufgängerisch

und mutig, die andere

eher vorsichtig und zurückhaltend.

Gut, vielleicht sind 50 Prozent

ja auch ein Indikator für die Geschwindigkeit

des Wandels.

Was wäre das Äquivalent zum

Weltmeister-Titel in deiner

Karriere als Nachhaltigkeitsunternehmer?

Die Größe des Impacts all meiner

Projekte. Wie viele Menschen ich

damit bewegt und inspiriert habe.

Wie viel ich dazu beigetragen

habe, etwas zum Besseren zu verändern.

Die Latte liegt mit einem

Formel-1-Titel natürlich hoch,

aber die gute Nachricht ist, dass

meine Karriere als Unternehmer

deutlich länger dauern wird als

die als Rennfahrer.

INNOVATOR 55


JETZT GEHT’S

RICHTIG RUND ... 700.000

Recycelte Autos, ewig haltbare Materialien,

innovative Jobs – die Kreislaufwirtschaft

hat ein großes Ziel: die Rettung unseres

Planeten. Diese Zahlen zeigen, wie diese

Vision Wirklichkeit werden kann.

Wie können wir Produkte entwickeln,

die keine Ressourcen

mehr verbrauchen? Wie dafür sorgen,

dass Materialien nie weggewor

fen, sondern immer wiederverwertet

werden? Und wie können

wir der Natur dabei helfen, sich von

jenen Schäden zu erholen, die wir

ihr durch hohen CO 2 -Verbrauch zugefügt

haben? Indem sie auf diese

Fragen Antworten finden, wollen

die Pioniere der Kreislaufwirtschaft

einen Weg aus der Klima krise finden.

Ein ehrgeiziges Ziel, aber

ein machbares. Wenn alle mit anpacken.

Die Zahlen nebenan zeigen,

welches Potenzial in den Ansätzen

steckt, welche Fortschritte

es heute schon gibt, was jeder tun

kann und warum die Kreislaufwirtschaft

nicht nur für den Planeten

eine gute Nachricht ist.

NEUE ARBEITSPLÄTZE

könnten in der Europäischen

Union auf dem Weg zur

Kreislaufwirtschaft bis 2030

geschaffen werden – etwa

in digitalen Feldern wie Internet

der Dinge, Big Data

oder Künstlicher Intelligenz.

70

MINUTEN

braucht es, um die besonders

langlebigen Jeans des Labels

Hiut Denim in Handarbeit zu

fertigen (statt der industrieüblichen

11 Minuten). Nutzen

sie sich ab, bietet der junge

Waliser Betrieb Reparaturen

und schont so Ressourcen

wie Wasser und Baumwolle.

Text David Mayer

24.000

LITER

Getränke kann ein Lkw transportieren,

wenn diese in

PET-Flaschen oder Alu-Dosen

abgefüllt sind, deren Material

wiederverwertet werden

kann. Weniger als die Hälfte

(11.000 l) ist mit Glasflaschen

möglich. Somit sind bei Variante

eins weniger Fahrten

nötig – was CO 2 einspart und

damit im Sinne des Effizienzgedankens

der Kreislaufwirtschaft

ist.

PROZENT

CO 2 -EMISSIONEN

kann die Kreislaufwirtschaft bis zum Jahr 2030 einsparen.

JOHANNES LANG

56 INNOVATOR


3000

EURO

mehr Haushaltseinkommen

pro Jahr könnte EU-Bürgern

2030 dank Kreislaufwirtschaft

zur Verfügung stehen – etwa

weil Produkte durch effizientere

Fertigung günstiger werden

und Menschen weniger

unproduktive Zeit in Staus

verbringen.

700

METER

unter der Erde deponiert das

Start-up Climeworks in Island

CO 2 , das es zuvor mit eigenen

Filtern aus der Luft geholt hat.

Weltweit stehen schon 14 solcher

Anlagen, und weitere

Gründer verfolgen ähnliche

Konzepte. Ganz nach der Idee

der Kreislaufwirtschaft: Lasst

uns die Natur mit Innovationen

aktiv heilen.

TONNEN

GOLD

befinden sich verbaut in ausgedienten Smartphones

in Deutschlands Schubladen. Wer die

Geräte verkauft oder recyceln lässt, hilft,

ihre Wertstoffe weiter sinnvoll einzusetzen.

PROZENT

DES ALUMINIUMS,

das je produziert wurde, sind immer noch in

Gebrauch, da es – ganz im Sinne der Kreislauf wirtschaft

– lange hält und fast endlos recycelt

werden kann. Übrigens: Die Recyclingrate für Alu-

Getränke dosen in Deutschland beträgt 99 Prozent.

25.000.000

TONNEN

Kunststofffasern werden

jährlich aus PET-Flaschen gewonnen,

aus denen die Textilindustrie

in der Folge Kleidung

herstellen kann. Aktuell

arbeiten Forscher daran,

die Qualität der recycelten

Fasern zu erhöhen.

30

PROZENT

eines in Europa gebauten

Renault bestehen aus

Recycling material. In einem

neuen Werk will der Autohersteller

künftig pro Jahr

10.000 alte E-Autos

zur Wiederverwertung

demontieren.

5TAGE

wächst das Pilzgeflecht heran,

aus dem das Start-up-Unternehmen

Ecovative styroporähnliche

Verpackungen

fertigt. Nach Gebrauch

können sie einfach kompostiert

werden und hinterlassen

so keinen Müll.

QUELLEN

Bund Getränkeverpackungen

der Zukunft, Ecovative, Renault,

Hiut Denim, Ellen MacArthur

Foundation, EU-Kommission,

Textil+Mode, Climeworks, NABU,

Sphera, HDE, European Aluminium,

Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung

STÜCK

PLASTIKTÜTEN

haben die Menschen in Deutschland 2019 im

Schnitt verbraucht. Das macht Mut: 2015 waren

es noch 68. Kreislaufwirtschaft will Materialien

wie herkömmliches Plastik vermeiden, weil ihre

Herstellung viel Energie verschlingt und sie

als Abfall Umweltprobleme verursachen.

INNOVATOR 57


Erde an Rakete

Noch keinen Föhn

– der kommt erst

etwas später zum

Einsatz – bedient

hier Suborbitals-

Mitarbeiter Peter

Scott. Dafür aber

eine Antenne,

die die Kommunikation

mit

der Rakete

ermöglicht.

58 INNOVATOR


MIT DEM

HAARFÖHN

INS ALL

TEXT: Reiner Kapeller

FOTOS: Robert Ormerod

Das Amateur-Raumfahrtprogramm

Copenhagen Suborbitals will bis 2030

eine bemannte Rakete ins All schicken –

ohne Geld und Hightech-Materialien, aber

mit unkonventionellen Ideen und einem Motto,

das kein Nein akzeptiert: Gib dich nicht mit

Ausreden zufrieden, sondern finde einen Weg.

INNOVATOR 59


KOPENHAGEN,

ZENTRALE

SCHWEDEN

OSTSEE

DÄNEMARK

E

BORNHOLM,

DÄNEMARK

SPACEPORT

NEXØ

ABSCHUSS-

BASIS

würde Wochen dauern. Die Männer

vor der Rakete sind Maschinisten

und Ingenieure des Amateur-Raumfahrtprogramms

Copenhagen Suborbitals.

In den vergangenen Wochen

haben sie die Nexø-II-Rakete für

einen Testlauf vorbereitet. Jetzt droht

er zu scheitern. Einer der Ingenieure

streicht sich nachdenklich über seinen

Dreitagebart: „Ich habe mal ein Kabel

in meinem Auto repariert. Das sah

genauso aus. Vielleicht funktioniert

es damit.“ Eine Stunde später kommt

er vom Schrottplatz zurück. In der

Hand hält er ein Bremskabel eines

Fiat-Ducato-Lieferwagens. Das Kabel

passt, die Ventile funktionieren. Die

Tests können wie geplant starten.

EIN SONNTAGVORMITTAG IM SOMMER 2018

AUF DER HALBINSEL REFSHALEØEN. Aus einer

Lagerhalle im Hafen der dänischen Hauptstadt

Kopenhagen tönt aufgeregtes Streitgespräch. Im

Inneren der Halle stehen groß gewachsene Männer

in ölverschmierten Blaumännern vor einer weißen,

knapp sieben Meter hohen Rakete mit oranger

Spitze. Auf der Rakete steht in großen schwarzen

Buchstaben „Nexø II“.

Eigentlich sollte die Rakete bereits die interne Freigabe

für die kommende Woche haben, doch jetzt hat

ein Spezialkabel den Geist aufgegeben. Die Wartezeit

für das neue Kabel beträgt eine Woche. Zu spät

für die bereits von der Stadt erteilte Raketentest-

Genehmigung. Das Fixieren eines neuen Termins

Für Mads Wilson erzählt diese Anekdote,

wie bei Copenhagen Suborbitals

gearbeitet wird: „Wir akzeptieren

keine Ausreden. Wir suchen einen

Weg, wie etwas doch funktionieren

kann. Das ist Teil unserer DNA.“

Mads ist Sprecher und Vorstandsmitglied

des 2008 gegründeten Vereins

Copenhagen Suborbitals. Sechs

unbemannte Raketen haben die gut

hundert Vereinsmitglieder bereits

gestartet. Meist funktionierte alles

nach Plan, etwa bei den Raketenstarts

der HEAT-1X (2011), Sapphire

(2013) oder Nexø II (2018). Manchmal

gab es Teilerfolge. Die Nexø I

(2016) lieferte Messdaten für ein

neues Raketenleitsystem, erreichte

aber nie die erhoffte Geschwindigkeit.

3, 2, 1 – Liftoff!

Die 9,38 Meter

hohe und

1630 Kilogramm

schwere HEAT-1X-

Rakete startete

am 3. Juni 2011

von der mobilen

Plattform Sputnik

in der Ostsee.

THOMAS PEDERSEN

60


1 FALLSCHIRM

Der gut 150 m 2

große Fallschirm

der Raumkapsel

Tycho Deep

Space hängt nun

im Suborbital-

Museum.

2 TRIEBWERK

Beim TM65-

Antrieb wurde

erstmals die

Treibstoff-Kombi

Ethanol und

Flüssigsauerstoff

eingesetzt.

3 RAUMKAPSEL

Die Tycho Deep

Space („Beautiful

Betty“) bietet

Platz für einen

Astronauten.

1

2

3

INNOVATOR 61


Einmal gab es eine Niederlage: 2014

ging der Antrieb der HEAT-2X-Rakete

bei einem Teststart in Flammen auf.

Mads Wilson: „Wir mussten zusehen,

wie zwei Jahre Arbeit verbrannten.

Aber fünf Minuten nach dem Feuer

sahen wir schon wieder nach vorn:

Okay, bauen wir halt noch eine.“

Mit den Erfahrungen von sechs Raketenstarts

gehen die Suborbitals jetzt

ihr größtes Projekt an. Mit der Spica-

Rakete möchten sie bis 2030 einen

Astronauten in einer Rakete auf

100 Kilometer Höhe bringen. Dort

markiert die Kármán-Linie den Beginn

des Weltraums. Auf die Erde

zurück soll es in einer Kapsel gehen,

die auf den letzten Kilometern vor

„DER STEUERCOMPUTER

DER RAKETE BERECHNETE

FRÜHER DIE KOSTEN

FÜR EXTRA MAYO.“

der Landung von einem Fallschirm

gebremst wird. Gelingt das Projekt,

wäre Dänemark nach Russland, den

USA und China die vierte Nation,

die einen Astronauten in einer selbst

gebauten Rakete ins Weltall schießt.

Die Teammitglieder von Copenhagen

Suborbitals kommen aus den unterschiedlichsten

Bereichen. Manche

haben einen professionellen Weltraum-Hintergrund.

Es gibt einen

Ex-NASA- und einen Ex-ESA-Angestellten.

Ein paar Mitarbeiter haben

Satelliten-Komponenten für Dänemarks

Technische Universität gebaut.

90 Prozent der Suborbitals besitzen

jedoch keine Weltraumerfahrung.

Unter ihnen finden sich Techniker,

Ingenieure, Programmierer und

PR-Leute. Auch ein Kindergartenpädagoge

und ein Physiotherapeut

gehören zum Team. Sie alle haben

ein Faible dafür, Dinge zu sammeln,

auseinander zunehmen und neu

zusammenzubauen. Oft sitzen sie

am Abend nach der Arbeit oder am

Wochenende in zwei insgesamt

tausend Quadratmeter großen und

bis oben hin mit Technikschrott und

Ersatz teilen vollgepackten Hallen.

„Alle arbeiten unbezahlt. Wir veranstalten

an zwei bis drei Tagen pro

Woche Open Workshops und halten

die Gruppen klein. Das macht uns

effi zient“, erklärt Mads.

In den Workshops werden Geräte

repariert, umfunktioniert oder für

den Gebrauch in einer Rakete optimiert,

zum Beispiel ein alter Haarföhn.

Im Inneren der Nexø-II-Rakete

sorgt die warme Luft aus dem Gerät

dafür, dass Schläuche bei Minusgraden

nicht einfrieren. Auch der

Steuercomputer der Rakete wurde

ursprünglich anders eingesetzt.

Einst berechnete er als Teil eines

Burger-King-Kassenterminals die

Kosten für extra Mayo. Verwendung

findet auch eine auf dem Schrottplatz

gefundene Radarkuppel. Sie

verstärkt das Signal des Wi-Fi-Funknetzwerks

auf dem Mission- Control-

Schiff. Damit die Suborbitals bei

einem Start niemanden gefährden,

heben ihre Raketen von einer Plattform

in der Ostsee ab. Den Countdown

starten sie aus sicherer Entfernung

vom Schiff. Manchmal

dienen alte Autos als Ersatzteillager.

Das Bremskabel aus dem Fiat-Ducato-

Kasten wagen ist ein Beispiel dafür.

Die Gaskartuschen, die in Airbags

verbaut werden, ebenso. Damit können

die Suborbitals bei der Landevorbereitung

den Fallschirm aus der

Rakete schießen. Es gibt zwei Gründe,

Sicherheitscheck

Jop Nijenhuis

fixiert die Spitze

der HEAT-2X-

Rakete, in der sich

der zusammengefaltete

Fallschirm

befindet.

62 INNOVATOR


„DIE SUBORBITALS

MÖCHTEN VER-

STEHEN, WIE DINGE

FUNKTIONIEREN.

DAFÜR MÜSSEN SIE

SIE ZUERST MAL

ZERLEGEN.“

warum sie Geräte auseinanderbauen

oder in Elektroschrott nach Ersatzteilen

suchen. Der erste hat mit der

Begeisterung für das Basteln zu tun;

die Suborbitals möchten verstehen,

wie Dinge funktionieren – dafür müssen

sie sie auseinandernehmen. Der

zweite Grund hat mit Geld zu tun.

Das Jahresbudget der NASA beträgt

22,6 Milliarden Dollar. Das der Weltraum-Dänen

100.000 Dollar. Copenhagen

Suborbitals bezahlt damit

Mieten für die Hallen, Material und

anfallende Reparaturen. Zur Verfügung

gestellt wird das Geld von einer

Crowdfunding-Community aus über

600 Personen. Jeder von ihnen überweist

monatlich 10 oder 20 Dollar

auf das Kopenhagener Vereinskonto.

Allein aus Budgetgründen gibt es für

die All-Amateure also Grenzen. Beim

Bau einer Rakete lassen sich diese

aber umgehen: „Es ist mir ein Rätsel,

wie die Falcon-9-Raketen von SpaceX

(Unternehmen von Elon Musk, Anm.)

mit Boostern selbständig landen

und somit wiederverwendet werden

können. Zum Glück machen wir das

nicht. Unsere Rakete muss zwei Dinge

können: in den Weltraum kommen

und ins Meer stürzen.“

Seine Überzeugung bringt Mads so

auf den Punkt: „Wir können bis 2030

mit der Spica-Rakete (benannt nach

einem Stern, Anm.) einen Menschen

ins Weltall bringen, weil Rocket Science

gar nicht immer Rocket Science

ist.“ Das Selbstvertrauen für solche

INNOVATOR 63


64 INNOVATOR


Grenzgänger

Der Niederländer

Jop Nijenhuis zog

der Suborbitals

wegen sogar nach

Kopen hagen. Hier

hält er einen Teil

der Verkleidung

der Nexø-I-Rakete.

Workshop

Viele Materialund

Maschinentests

finden

vor Ort statt. Im

blauen Container

im Hintergrund

ist das offizielle

Büro zu sehen.

1

2

Fallschirmtest

Viele Ideen werden

zuerst im

kleinen Maßstab

umgesetzt. Verlaufen

die Tests

wie erwartet, wird

ein großer Fallschirm

genäht.

Raketenbauer

Thomas Madsen

gehört zum Konstruktionsteam.

Der Ingenieur

entwirft und

designt Bauteile

mit dem 3D-

Programm.

SolidWorks.

1

VERKLEIDUNG

Um Gewicht zu

sparen, wurde

die Außenhülle

der HEAT-2X-

Rakete fast

komplett aus

Aluminium

gefertigt. Über

das Loch haben

die Inge nieure

Zugang zum

Raketenantrieb.

2

FLOSSEN

Anhand der

Z ahlen auf den

Raketen flossen

kann das Team

bei einem Start

mittels Video

feststellen, wie

schnell sich die

Rakete dreht.

INNOVATOR 65


„MIT DEM

FORTSCHRITT

DER TECHNIK IST

DER RAUMFLUG

SOGAR EINFACHER

GEWORDEN.“

Ansagen finden die Hobbybastler

in der Geschichte der Raumfahrt.

Fast alles, was in Kopenhagen

zusammengeschweißt wird, baut

auf der Arbeit der NASA und der

UdSSR der 1950er- und 1960er-

Jahre auf. Konzepte und Theorien

der „Space Race“-Periode sind

seit Jahrzehnten bekannt und

ausführlich beschrieben.

Mit dem Fortschreiten der Technik

ist die Raumfahrt sogar ein facher

geworden. Früher musste eine Raketenhülle

mit maximal 0,1 Millimeter

Toleranz gebaut werden. Das

heißt, das Metall musste an jedem

Punkt der Hülle praktisch gleich

dick sein. War es an einer Stelle

dicker oder dünner, verließ die

Rakete nach dem Start die vorberechnete

Flugbahn. Heute liegt die

Toleranz bei 1 Millimeter. Den zusätzlichen

Spielraum verdanken

die Suborbitals einem Computer-Leitsystem,

das selbständig Korrekturen

vornimmt. Herz dieses

Systems ist ein Arduino-Computer,

den es um 100 Euro im Elektrofachgeschäft

zu kaufen gibt. Wissens-

und Technologiefortschritte

haben den Bau einer Rakete erleichtert

und demokratisiert. Trotzdem

bleibt er eine Wissenschaft.

Wie sehr Details entscheiden,

erfuhren die Suborbitals 2016

beim Liftoff der Nexø-I-Rakete.

Die Rakete entfaltete nie ihre

volle Leistung und schlug nach

kurzem Flug im Wasser auf. Der

Grund: Das Mischverhältnis des

Treibstoffs war nicht perfekt. Suborbital-Raketen

fliegen mit einer

66 INNOVATOR


INFO

So kannst du Copenhagen

Suborbitals

unterstützen.

CROWDFUNDING

Damit die Spica-

Rakete 2030 abheben

kann, ist finanzielle

Unter stützung von

Weltraum-Fans

weltweit erforderlich.

So geht’s:

MACH 2

Bereits mit 10 Dollar

monatlich können die

Suborbitals Bauteile

erstehen. „Mach 2“-

Förderer erhalten

Zugang zu allen

öffentlichen Tests.

MACH 3

Für 20 Dollar pro

Monat steht dein

Name zusätzlich

auf jeder Rakete,

die gestartet wird.

Alle Infos: copenhagen

suborbitals.com

Rocket Man

Mads Wilson vertritt

Copen hagen

Suborbitals

nach außen.

Er ist Sprecher,

TED- Keynote-

Speaker und

Vorstandsmitglied

des Vereins.

Mischung aus 75-prozentigem

Alkohol und Flüssigsauerstoff.

Alkohol ist einfach. Man gibt ihn

in ein Gefäß und weiß, wie viel

drinnen ist. Flüssigsauerstoff ist

heikel. Bei –183 °C ist er flüssig.

Wird er wärmer, beginnt er sofort

zu verdampfen. Das kann gefährlich

werden. In gasförmigem Zustand

braucht Flüssig sauerstoff

860-mal mehr Platz. Damit das

Gas entweichen kann, muss bei

der Befüllung einer Rakete der

Tank ständig belüftet werden.

Weil das Betanken einer Rakete so

komplex ist, wird es erst kurz vor

dem Start gemacht. Man befüllt

den Tank, kühlt den Flüssigsauerstoff,

so gut es geht, schließt das

Ventil und drückt den Startknopf.

Es brauchte drei Versuche, bis die

Ingenieure genau sagen konnten,

wie viel Flüssigsauerstoff gerade

im Tank war.

Zuerst wollten sie die exakte

Menge Flüssigsauerstoff mit einer

Gewichtsmessung berechnen.

„Wir haben unsere Rakete mit

und ohne Treibstoff gewogen.“

An Land hat das funktioniert. Die

Suborbitals starteten ihre Raketen

aber von einer schwimmenden

Plattform. Es klappte nicht.

Dann haben sie in der Mitte des

Tanks einen Stab eingebaut. Alle

fünf Zentimeter wurde darauf

ein Sensor angebracht, der die

Temperatur misst. Damit lässt

sich die aktuelle Menge an Flüssigsauerstoff

berechnen. Die Daten

waren aber nicht genau genug.

Mit ihrem dritten Versuch kopierten

die Suborbitals einen Füllstandssensor

der NASA. Aber

anstatt ihn um 8000 Dollar zu

kaufen, packte das den Ehrgeiz

der Bastler. Also nahmen sie den

alten Flüssigsauerstofftank eines

Spitals unter die Lupe. „Wir zerlegten

ihn und bauten ein kleineres

Gerät, das in den Tank passte.“

Dass jede Sackgasse einen Ausweg

hat, hilft nicht nur den

Weltraum-Dänen. Von ihrem

Mindset profitieren Menschen

weltweit. Mehr als 300 YouTube-

Videos über die Grundsätze von

Physik und Maschinenbau haben

die Suborbitals online gestellt.

„WAS WIR

HIER TUN, IST

GRÖSSER ALS

JEDER EINZELNE

VON UNS.“

Sie halten Universitätskurse im

Raketenbau. Ein Start-up holte

sich jüngst Design- und Test-

Know-how. Und EUROC, Europas

ein ziger Raketen-Wettbewerb,

nahm Suborbitals-Mitglied Jacob

Skov Larsen in die Jury.

„Wir wollen mit unserer Arbeit

Menschen weltweit inspirieren“,

sagt Mads, „und sie ermuntern,

Dinge zu tun, die unmöglich

erscheinen. Wir wollen sagen:

Mach es! Und du wirst staunen,

was mit Leidenschaft alles möglich

wird.“

Seit 2008 verfolgen die Hobbyingenieure

und Weltraum-Fans

aus Kopenhagen unbeirrbar ihren

Traum vom suborbitalen Flug.

Einmal langsamer, einmal schneller,

aber immer mit derselben

unbeirrbaren Überzeugung. Tatsächlich

haben sie einen großen

Teil des Weges bereits zurückgelegt.

Jetzt beginnt der letzte

und schwierigste Teil. Dass sie

es schaffen können, steht für

die Suborbitals außer Frage. Alle

glauben hier fest daran. Für sie

ist es nicht eine Frage der Einstellung.

Für sie ist es maximal

eine Frage der Zeit.

INNOVATOR 67


SCHLAFEN

SMARTES LICHT, TIEFSCHLAF- CHALLENGES,

SCHLAFPHASEN-ANALYSE: HIGHTECH-

GADGETS SOLLEN UNSERE NACHTRUHE

OPTIMIEREN. UNSER AUTOR HAT

AM EIGENEN LEIB ÜBERPRÜFT, OB SIE

IHR VERSPRECHEN HALTEN, UND FRAGT

FORSCHER, WIE WIR UNS ÜBERMORGEN

GUTE NACHT SAGEN WERDEN.

FÜR

68 INNOVATOR


Text:

Tobias Moorstedt

FORTGESCHRITTENE

ALAMY

INNOVATOR 69


Schlaf war lange ein Geheimnis. Fast so, als würde der

menschliche Geist die Kränkung, dass er ein Drittel

seines Lebens quasi ausgeschaltet ist, damit zurückzahlen,

das Phänomen hartnäckig zu ignorieren. Erst

seit Erfindung des EEG (Elektroenzephalogramm)

und bildgebender Verfahren wie etwa MRT (Magnet-

Das Ding auf meinem Nachttisch

sieht aus wie eine Requisite aus

einem Science-Fiction-Film: ein

weißes Oval, unter dessen glänzender

Oberfläche kryptische

Symbole orange schimmern. Eine

Lampe? Ein Lautsprecher? Ein

Wecker? Irgendwie alles. Und

mehr. Fünfzehn Minuten nachdem

ich das Smart-Sleep-Gerät

auf meinen Nachttisch gestellt

und eingeschaltet habe, bin ich auch

schon eingeschlafen. Weg. Wow. Allerdings

war ich halt echt hundemüde.

Schlaf gut! Gute Nacht! Träum schön!

Gibt es freundlichere, friedlichere Aufforderungen

in der deutschen Sprache?

Aber wenn ich abends gegen 22 Uhr

meiner Frau einen Gute-Nacht-Kuss gebe,

haben diese Sätze oft einen fast ängstlichen

Unterton: Schlaf gut. Mach’s gut.

Hoffentlich wird’s nicht so schlimm.

Denn: Unser Baby und die dreijährige

Tochter leben nach dem Rock-’n’-Roll-

Motto „Schlafen kann ich, wenn ich tot

bin“. Schlafentzug gilt nach der Genfer

Konvention als Folter. Gerade weil ich

weiß, wie zerschmettert man sich nach

einer kurzen Nacht mit vielen Unterbrechungen

fühlt, will ich die wenigen

Stunden Schlaf, die uns bleiben, maximal

effizient zur Erholung nutzen – und

teste deshalb ein paar Wochen lang neue

aktuelle Schlaf-Apps und -Gadgets. Meine

Erwartungen sind hoch. „Fühlen Sie

sich ausgeruhter und fitter“, wirbt Philips

für seine Schlaf-Technologien. Wäre das

nicht schön?

In unserem Gästezimmer richten wir ein

temporäres Schlaflabor ein. Im ersten

Schritt muss ich erst einmal eine Menge

Apps auf dem Smartphone installieren,

Nutzerkonten einrichten und AGBs

ab nicken. Das Basis-Set-up: eine Sensor-

Matte von Withings, die ich unter die

Matratze lege, um meine Schlafdauer

und -qualität zu messen. Die anfangs

bereits erwähnte intelligente Lautsprecher

lampe von Philips, die mittels

Lichtstimmung und Geräuschen das

E inschlafen und Aufwachen managen

soll. Dazu noch eine Suunto-Smart-

watch, die meine Schrittzahl und Körperdaten wie Puls

und Blutdruck misst. Natürlich werden all diese Geräte

mit WLAN, Apple Health und meiner Lauf-App Strava

verbunden. Macht doch mit meinen Daten, was ihr

wollt, ich muss ins Bett.

80 Prozent der erwerbstätigen Menschen in Deutschland

schlafen schlecht – seit 2010 ist der Anteil der 35-

bis 65-Jährigen, die von Schlafstörungen betroffen sind,

um 66 Prozent gestiegen. Die WHO rät, dass Erwachsene

regelmäßig sieben Stunden pro Nacht ruhen sollen –

und bezeichnet den verbreiteten Schlafmangel als „globale

Gesundheitskrise“. Wer zu wenig schläft, hat eine

geringere Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit –

und eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit für folgende

Schicksalsschläge: Herzinfarkt, Autounfall, Diabetes,

Scheidung, Depression, Krebs und Demenz. Diese

Fakten sind bekannt, aber weil das Problem – „Wann

soll ich schlafen? Ich hab so viel zu tun!“ – so enorm erscheint

wie der Plastikmüllkontinent im Pazifik oder der

Klimawandel, machen wir weiter wie bisher, schlagen

morgens die Augen auf, spüren die bleierne Müdigkeit

in Knochen und Geist und denken für einen Moment,

dass das mit dem Sterben vielleicht doch nicht ganz so

schlimm ist. Kein Wunder, dass Schlafforscher wie

Matthew Walker, Neuropsychiater an der kalifornischen

Universität Berkeley und Autor des Bestsellers „Why We

Sleep“, versuchen, die Menschen aus ihrer Sorglosigkeit

aufzurütteln. „Wer zu wenig schläft, betreibt eine Art

Selbst-Euthanasie“, schreibt er und fügt trocken hinzu:

„Männer, die weniger als sechs Stunden schlafen, haben

kleinere Hoden und das Testosteronlevel eines zehn

Jahre älteren Mannes.“ Vielleicht denkt der Professor ja,

er könne die Wahnsinnigen auf die Art aufwecken?

Auch ich gehe regelmäßig viel zu spät ins Bett. Weil die

To-do-Liste nie leer ist – oder eher: weil ich die seltene

Ruhe und Leere in den späten Stunden des Tages genieße.

Nun aber gehe ich brav um 22.30 Uhr in unser

„Schlaflabor“, die Bedingungen sind laut Health Mate-

App optimal: 18 Grad Celsius, geringe Luftfeuchtigkeit.

Und auch mein Smartphone habe ich in den Schrank

verbannt, weil das blaue Licht des LED-Bildschirms die

Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin unterdrückt.

Ich starte die Lautsprecher-Lampe, die mich in 30 Minuten

in den Schlaf begleiten soll. Man kann zwischen

Regen-Geräuschen, Blätterrascheln und Ozeanwellen

wählen. Das Licht, das das Science-Fiction-Oval aussendet,

ist samtig warm und wird langsam schwächer wie

ein natürlicher Sonnenuntergang (Menüpunkt „ Tropical

Island“). Den Moment, in dem meine künstliche Sonne

ins Meer eintaucht, erlebe ich schon nicht mehr. Die

Nacht jedoch ist unruhig, ich wache dreimal auf. Um

6.15 Uhr ist das Baby wach. Die Health Mate-App zeigt,

dass ich nur zwei kurze Tiefschlafphasen hatte, und

spuckt einen Score von 62 von 100 aus. Dunkelorange.

Ich denke: Herzinfarkt. Demenz. Kleine Hoden. Hilfe!

70 INNOVATOR


1

2

3

4

BOSE, MYDODOW, SUUNOTO, MUSE, WITHINGS, PHILIPPS

5

6

SCHLUMMER- TECH

Zumal Gadgets schon unsere

(Sport-)Aktivitäten tracken

und verbessern, ist nun auch

der Schlaf dran. Eine Auswahl

aktueller Technik, teilweise

getestet von unserem Autor:

(1) Traumflüsterer: Relax-Töne

und Noise-Masking-Funktion

der Kopfhörer helfen beim

Ein- und Durchschlafen. Bose

Sleepbuds II, 269,95 Euro;

bose.com

(2) Atemcoach: Wirft blaues

Licht an die Decke, an dessen

Bewegung der Nutzer seinen

Atem anpasst und sich so

in den optimalen Einschlafzustand

begibt. 49,90 Euro;

mydodow.com

(3) Aufzeichner: Die High-

End-Smartwatch misst neben

verschiedenen Sport arten

auch Schlafdauer und Schlafqualität.

Suunto 9, 499 Euro;

suunto.com

(4) Kopfsache: Trackt Gehirnwellen,

ermöglicht es, Stress

zu steuern – für effektiveres

Meditieren und Schlafen.

Muse 2, 269 Euro;

choosemuse.com

(5) Unterlage: Sensoren unter

der Matratze werten Atmung,

Herzfrequenz und Bewegung

aus – und das Ganze mündet

in Schlaftipps. Withings

Sleep Analyzer, 129,95 Euro;

withings.com

(6) Erleuchtung: pulsierendes

Licht zum Einschlafen, simulierter

Sonnenaufgang zum

Aufwachen. Philips Sleep &

Wake-up Light, 269,99 Euro;

philips.de

INNOVATOR 71


Der Schlaf,

hier meisterhaft

von Bernini

(1598–1680) in

Stein gemeißelt,

galt lange als

Zei chen der Faulheit.

Zu Unrecht.

J

resonanztomografie) können Forscher in den Kopf hineinschauen

– und zwischen verschiedenen Schlafphasen

wie dem REM-Schlaf (Rapid Eye Movement), in dem

man träumt, oder dem Delta-Schlaf, der besonders tief

und wichtig ist, unterscheiden. Schlaf, erklärt Matthew

Walker, ist der „bislang beste Versuch von Mutter Natur,

den Tod abzuwehren“. Im Schlaf ruhen Körper und

Geist nicht nur, sondern werden aktiv reorganisiert –

als würde man eine Software über das System jagen, die

Viren killt, den Körper-Cache leert und Junk-Files löscht.

eden Tag bekomme ich Push-Nachrichten von

meinen digitalen Schlaf-Coaches, die sich nicht

nur für mein Nachtleben interessieren. „An einem

gesunden Tag macht man 10.000 Schritte“, mahnt

die App. Wenn der Bewegungsradius zwischen

Home, Home-Kita und Home-Office auf 50 bis

100 Quadratmeter schrumpft, ist das gar nicht

so einfach: Die Updates machen mir jedoch gute

Laune. Bis ich sehe, dass meine Frau, mit der ich mich

im Schlaflabor abwechsle, einen Score von 92 hat –

fünf Stunden Tiefschlaf! Keine Unterbrechung. Sofort

sinkt meine Bereitschaft, nach der Arbeit den Müll rauszubringen.

Mach du das doch, du hast ja so gut geschlafen!

Kurz denke ich darüber nach, ob ich eine Privatsphären-Richtlinie

verletze, wenn ich derart über ihren

Schlaf informiert werde. Aber: Mein Ehrgeiz ist geweckt.

Ich schlafe mich noch in den grünen Bereich!

Schlaf muss man nicht lernen. Eigentlich. Schlaf ist ganz

natürlich. Eigentlich. Aber natürlich ist nichts, was der

Mensch macht, wirklich natürlich. Die innere Uhr, die

Tiere und Pflanzen leitet, wird durch unseren freien Willen

und die Einflüsse der Kultur permanent umgestellt

und verdreht. Durch die Bändigung des Feuers, die Erfindung

von Öllampen und später künstlichem Licht wurde

die Schlafphase immer weiter nach hinten verschoben.

Während die Bauern im 19. Jahrhundert im Rhythmus

von Tag und Nacht lebten, konnte man ab der Industrialisierung

in den erleuchteten Fabrikhallen zu jeder Stunde

ICH BRAUCHE NUR VIER

BIS SECHS STUNDEN

SCHLAF. „ DAS IST

HUMBUG“, SO EXPERTEN.

arbeiten. Kein Wunder, dass Schlaf bald

mit Faulheit und Unproduktivität asso ziiert

wurde. Donald Trump rühmt sich

gern, dass er nur vier bis sechs Stunden

Schlaf bräuchte – Schlafmangel war lange

Statussymbol für Leistungsfähigkeit.

Die Forschung hat all das als Humbug

enttarnt. „Lange dachte man, dass Schlaf

dem Gedächtnis nur deshalb hilft, weil

man keine neuen Informationen aufnimmt“,

sagt Professor Jan Born, Neurowissenschaftler

an der Universität Tübingen

und der renommierteste Schlafforscher

im deutschsprachigen Raum.

Heute weiß man, dass im Schlaf neu aufgenommene

Daten auf neuronaler Ebene

bearbeitet und ins Langzeitgedächtnis

verschoben werden. „Und das ist nicht

nur Copy & Paste“, sagt Born. „Es wird

der Kern der Erinnerung gespeichert –

während Details vergessen werden. Wir

beginnen erst, das genau zu verstehen.“

ALAMY

72 INNOVATOR


Und diese Funktion des Schlafs kann

man nutzen. Wenn er eine wichtige Rede

halten muss, liest Born sich das Skript

vor dem Einschlafen laut vor.

Nach zwei Wochen des Schlaf-Experiments

fühle ich mich nicht un bedingt

ausgeschlafen, aber gut, weil ich meine

Müdigkeit nicht hinnehme, sondern

versuche, durch minimalinvasives Biohacking

mein Leben (und meine Lebenserwartung)

zu verbessern. Auf den ersten

Blick sind Hightech und guter Schlaf

zwar ein Widerspruch. „The future of

sleep is a return to the past“ – die

Zukunft des Schlafens liegt in einer Rückkehr

in die Vergangenheit, schreibt auch

Matthew Walker. Der Mensch müsse

wieder lernen, wie ein Tier zu schlafen –

einfach regelmäßig und ausreichend die

Augen schließen, im Einklang mit der

inneren Uhr. Schlaf-Papst Walker sagt:

„Eine Möglichkeit, eine gesunde neue

Gewohnheit dauerhaft zu leben, ist die

Auseinandersetzung mit den eigenen

Daten.“ Selbst wenn man so die Schlafmenge

nur um 15 Minuten pro Tag

erhöhe, mache dies einen signi fikanten

Unterschied über die gesamte Lebensspanne

aus und würde Billionen von

Dollar in der Weltwirtschaft ein sparen,

schreibt er in „Why We Sleep“.

D

ie Zukunft des Schlafs kann man

schon heute im Weltraum bewundern.

Die Astronauten der International

Space Station (ISS) litten

lange unter Schlaflosigkeit, weil sie

alle 90 Minuten um die Erde rasen

und so in 24 Stunden 16 Son nenauf-

und -untergänge erleben. Die

NASA installierte deshalb spezielle Lampen

in der Raumstation, die die sich verändernde

Lichtstimmung eines Erdentages

simulieren. Diese Technologie kostete

die NASA bestimmt Unsummen – aber

weil es bald erschwingliche Geräte geben

wird, die den Schlaf und den zirkadianen

Rhythmus einer Person aufzeichnen, kann

man diese mit Smart-Home-Lösungen

verbinden. Schlafforscher träumen von

einem Haus, in dem alle Bildschirme und

Leuchtmittel über den Biorhythmus des

Bewohners informiert sind – und, je näher

die Schlafenszeit rückt, das blaue

Licht durch rotes, warmes Licht ersetzen.

Das Smart Home kommuniziert direkt

mit unserem vegetativen Nervensystem.

Wir alle werden Terranauten in unserer

maßgeschneiderten Raum-Station sein.

Die größten Fortschritte für den Schlaf

werden allerdings nicht im Weltraum

und Hightech-Laboren erreicht, sondern

IN DER NACHT SICKERN

NEUE DATEN INS

LANGZEITGEDÄCHTNIS.

auf der Schulbank. „Wir unterrichten Kinder und Jugendliche

in Sexualität und Ernährung“, sagt Jan Born,

Schlaf hingegen tauche in den Lehr büchern kaum auf.

Zwar könne jeder Einzelne auf sein Verhalten achten,

aber am Ende seien Veränderungen auf der gesellschaftlichen

Ebene nötig. Es sei ja absurd, wenn man den Kindern

in der Schule erklärt, dass es Menschen gibt, die

eher Frühaufsteher (Lerchen) oder eher Nachtmenschen

(Eulen) sind – und der Schulgong trotzdem für

alle um 8 Uhr läutet. Warum also nicht: Unterricht zwischen

10 und 16 Uhr? Gleitzeit in der Schule? Individualisierte

Stundenpläne? Eine ähnliche Flexibilität müsste

genauso auf dem Arbeitsmarkt ent stehen. Vielleicht

ist die aktuelle Homeoffice-Erfahrung ein guter Impuls.

In einer Kernzeit zwischen 12 und 15 Uhr finden die

meisten (Video-)Konferenzen statt – ansonsten organisieren

sich alle die Arbeit nach ihren Bedürfnissen.

Vor ein paar Jahren hätte ich mit einem Sleep Score von

69 noch im Büro angeben können: Guckt, was für ein

harter Workaholic ich bin! Durch den Achtsamkeitstrend

ändert sich das. Der US-Gesundheitskonzern Aetna

etwa zahlt Mitarbeitern eine Prämie, wenn sie mehr

als 20 Nächte am Stück mehr als 7 Stunden schlafen –

maximal 500 Dollar. Auch Matthew Walker denkt über

ein „sleep credit system“ nach, in dem Unter nehmen vernünftiges

Schlafmanagement durch Boni oder zusätzliche

Urlaubstage belohnen könnten. Dazu müsste man

seinen Sleep Score allerdings mit dem Arbeitgeber teilen

oder mit der Krankenkasse – datenschutztechnisch

eine gruselige Vorstellung. Aus medi zinischer Sicht aber

interessant, um Schlafstörungen mit therapeutischen

Apps und Schulungen zu bekämpfen. Meine Schlaf-App

bietet bereits die Funktion an, meine Daten mit meinem

Arzt zu teilen. Wir leben in der Gegenwart der Zukunft.

In der vierten Woche erreiche ich einen Score im grünen

Bereich. 92. Obwohl ich nur 7 Stunden und 3 Minuten

in Morpheus’ Armen war. Weil ich regelmäßig ins Bett

gehe, weniger Alkohol trinke und das Smartphone in

der letzten wachen Stunde nicht mehr anfasse. „Was

könnten wir noch machen?“, frage ich Professor Born.

„Eine aktuelle Innovation“, erklärt er, „sind Sensoren-

Bänder, die man sich um den Kopf legt und die die langsamen

EEG-Wellen des Tiefschlafs messen. Damit kann

man dann, präzise auf diese langsamen Wellen getaktet,

das Gehirn stimulieren, um gezielt den Schlaf zu vertiefen.“

So könne man bald Menschen mit Schlafstörungen

besser helfen als mit Medikamenten. Eine Zukunft, in

der wir alle verkabelt und mit Metallbändern um den

Kopf im Bett liegen, sieht Born trotzdem nicht. „Die Daten

sind alle gut und schön“, sagt er, „aber wer zu viel

Kontrolle ausüben will, bleibt wach. Wir müssen lernen,

uns fallen zu lassen.“ Das wäre wirklich ein Traum.

INNOVATOR 73


WIE WIR MORGEN FAHREN

WERDEN: REVOLUTIONÄRE

KONZEPTE UND NACHHALTIGE

LÖSUNGEN, ALTERNATIVE

ANTRIEBE UND SPANNENDE

NORMALITÄT. SELTEN WAR

DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT

SO AUFREGEND WIE JETZT.

EINSTEIGEN ,

BITTE!

HERSTELLER

74 INNOVATOR


Wasserstoff extrem:

Der von einer Brennstoffzelle

angetriebene Hyperion XP-1

ist 355 km/h schnell

und hat 1600 km Reichweite.

INNOVATOR 75


MORGEN

MERCEDES

VISION AVTR

Der Name deutet

darauf hin, dass diese

fahrbare Studie im

kommenden „Avatar“-Film

auftauchen könnte.

Statt mit Lenkrad und

Pedalen steuert man über

eine zentrale Kommandoeinheit.

Funktionen

aus dem ehemaligen

Armaturenbrett werden

als Icons auf die

Hand fläche projiziert.

TREND

SCHNELLER

LADEN

Vorbei die Zeiten, als man

E-Auto-Fahrer an den Ladestationen

Zeit totschlagen sah.

Dank 800-Volt-Technologie

wird man künftig eher in Minuten

statt Stunden rechnen.

HERSTELLER

76 INNOVATOR


HEUTE

FORD

MUSTANG

MACH-E

Heck- oder Allradantrieb,

198 bis

258 PS, Reichweite

je nach Modell

von 400 bis 610 km:

Fords erster

E-Schuss sitzt.

Batterietechnisch?

Da ist die 198-PS-

Version schon nach

10 Minuten Ladezeit

für die nächsten

100 Kilometer

bereit. Über diese

Daten hinaus glänzt

das Auto mit dem

Pferd als Logo mit

so smarten Details

wie einem zweiten

Kofferraum vorn und

einem mit 39 cm

Bildschirm diagonale

rekordverdächtig

großen Touchscreen.

Als Schlüssel wird

das Smartphone des

Besitzers verwendet:

Über Bluetooth

erkennt der Mustang

seinen Reiter und

entriegelt die Türen.

Gestartet wird

per Knopf.

HEUTE

BMW

IX3

Die Alltagstauglichkeit

eines E-Autos

steht und fällt mit

Ladegeschwindigkeit

und Reichweite.

Der Akku des neuen

iX3 hat eine um

20 Prozent gesteigerte

Energiedichte

gegenüber den bislang

verwendeten

Modellen, man kann

ihn also kleiner und

leichter bauen.

Die Reichweite

beträgt trotzdem

alltagstaugliche

460 km. Die Hochvolt-Batterie

ist

in 34 Minuten zu

80 Prozent voll, in

schlanken 10 Minuten

sind 100 km

Reichweite nachgeladen.

Leistung:

286 PS, die Höchstgeschwindigkeit

ist auf 180 km/h

beschränkt.

INNOVATOR 77


MORGEN

HYPERION

XP-1

Das kalifornische Start-up

verpackt Wasserstoff-

Technologie in ein Hypersportler-Kleid.

1031 kg,

schnell lad- und entladbare

Superkondensatoren

statt einer Batterie, Carbon,

Titan. 2022 soll die

Produktion beginnen.

TREND

BRENNSTOFFZELLE

An Bord wird Wasserstoff in

elek trische Energie umgewandelt,

der Rest funktioniert

wie bei heutigen E-Autos –

allerdings ohne große und

schwere Batterie, was die Fahrleistungen

auf ein neues Level

hebt. Und aus dem Auspuff

kommt statt CO 2 Wasserdampf.

HERSTELLER

78 INNOVATOR


GESTERN

MERCEDES

GLC F-CELL

Und schon wieder

vorbei: Nach 3000

gebauten Exemplaren

lief jüngst die

Produktion des einzigen

europäischen

Serien-Pkw mit

Brennstoffzelle

aus. War bloß die

Reichweite mit

rund 300 km zu

knapp ausgelegt?

Das Netz an

Wasser stoff-

Tankstellen zu

gering, um einen

globalen Hit zu

landen? Oder haben

die Akkus einen

so großen Schritt

nach vorn gemacht,

dass konventionelle

E-Autos der komplizierten

Brennstoffzelle

den Garaus

gemacht haben?

Vermutlich war es

eine Kombination

aller drei Faktoren.

HEUTE

HYUNDAI

NEXO

Im Unterboden und

unter der Rückbank

sind drei Tanks mit

einer Wandstärke

von 4,5 cm verbaut,

in die der Wasserstoff

mit 700 Bar (!)

strömt. Das dauert

nicht länger, als

würde man Erdgas

tanken. Sind die

Tanks voll, kommt

der 163 PS starke

Hyundai 666 km

weit – das ist

deutlich mehr als

die meisten konventionellen

E-SUV

dieser Klasse. Da

die Brennstoffzelle

extrem saubere

Luft braucht, werden

Mikro partikel

durch einen Hochleistungsfilter

aufgefangen. Die

Außenluft ist

danach also reiner

als zuvor!

INNOVATOR 79


HEUTE

VW

ID.4

Sieht man den

kleineren ID.3 als

E-Golf, ist der ID.4

das Pendant zum

SUV Tiguan. Mit

204 PS und einer

Reichweite von

522 km lässt sich

im Alltag problemlos

auskommen.

Der Fahrer entscheidet,

ob das

Auto frei rollen soll,

wenn er vom Gas

geht, oder doch

lieber abbremsen

und Energie zurückgewinnen.

Kluges

Detail bei den

Assistenz systemen:

Sie greifen auch

auf Navi-Daten zurück,

reduzieren so

vor Ortsgebieten,

Kreisverkehren

oder Kreuzungen

selbständig vorab

die Geschwindigkeit

und sparen

Strom.

HEUTE

ŜKODA

ENYAQ IV

Die Tschechen

waren schon immer

die Meister von

schlauen Details.

Man denke nur an

den integrierten

Regenschirm in

der Fahrertür. Wie

legt man das in die

digitale Welt um?

Zwei Beispiele:

Die Innenraumtemperatur

lässt

sich fernbedient

übers Smartphone

steuern. Heiß, kalt?

Wohltemperiert!

Oder: Ein Tür-Alarm

erkennt, wenn Sie

aussteigen wollen,

während ein Radfahrer

daherkommt,

und warnt. Das

erste E-SUV von

Škoda ist ein enger

Verwandter des

VW ID.4, maximal

204 PS stark

und kommt bis

zu 510 km weit.

80 INNOVATOR


MORGEN

RENAULT

EZ- GO

Die Studie kommt ohne

konventionelles Cockpit aus

und bietet sechs Personen

Platz, die bequem über

eine Front-Tür einsteigen –

dank Rampe barrierefrei.

Der E-Antrieb steckt in

der Bodenplatte. Einsatzbereich:

selbstfahrendes

Shuttle in Ballungszentren.

TREND

AUTOMATISIERTES

FAHREN

Selbstfahrende Autos sind

ein alter Traum der Techniker.

Schritt für Schritt hat man in

den letzten Jahren Erfahrungen

mit Steuer- und Kontrollsystemen

gewonnen. Auf dem

fünfstufigen Fahrplan zum

voll autonomen Fahren kommen

dieser Tage die ersten Modelle

mit Stufe 3. Hier lenken,

bremsen und beschleunigen

Autos erstmals für einen

definierten Zeitraum ganz

selbständig. Der Fahrer muss

nur eingreifen, wenn das

System ein Problem erkennt.

HERSTELLER

INNOVATOR 81


I N N O V A T O R

W I S S E N

9 REGELN,

DIE DU

IGNORIEREN

SOLLTEST …

… UND DREI REGELN, AUF DIE ES WIRKLICH ANKOMMT:

START-UP-MYTHEN IM REALITY-CHECK VON

NETFLIX-STAR SOPHIA AMORUSO.

SOPHIA AMORUSO, 36

Gründerin, Coach,

Unternehmensberaterin

Aufgezeichnet von

Arek Piatek

„Als Start-up musst du deinen Job kündigen“,

„Du musst getrieben sein“,

„Hör nur auf den Bauch, nicht auf den Kopf“. –

„Alles Unsinn“, sagt Sophia Amoruso,

Gründerin des Mode labels „Vintage Gal“,

deren außergewöhnliche Erfolgsstory sogar als

Netflix-Serie verfilmt wurde. Hier verrät uns

die US-Top-Entre preneurin die größten

Start-up-Irrtümer – und welche Regeln

wirklich wichtig sind.

GETTY IMAGES

82 INNOVATOR


MYTHOS

Du musst für deine

Idee brennen – und

sie stur umsetzen.

Unsinn. Für deine Idee solltest du

nicht brennen. Damit behinderst

du dich selbst und hörst automatisch

auf keine gut gemeinten

Vorschläge mehr – von Experten,

die sich auskennen. Und die dir

sehr wohl sagen könnten, dass

deine Idee die eine oder andere

Kursänderung braucht, um in der

realen Welt wirklich zu funktionieren.

Also: Zuzuhören und deine

Idee zu hinterfragen ist smarter,

als stur mit dem Kopf durch

die Wand zu gehen. Deshalb: Sei

leidenschaftlich und brenne für

das, was du tust, aber brenne niemals

für eine fixe Idee!

MYTHOS

Nur neue Ideen

führen zum Erfolg.

Auch das ist Unsinn! Ich bin

das beste Beispiel dafür. Als ich

anfing, Klamotten auf eBay zu

verkaufen, war die Konkurrenz

nicht nur längst da, sie war auch

riesengroß. Der Trick bei der

Sache ist nur: Du musst dich von

den anderen abheben, dich markant

unterscheiden. Das geht auf

viele Arten: mit dem Produkt, das

du verkaufst, wie du es verkaufst

– oder mit dem Image, das du

verkörperst. Als ich mein damals

neues Modelabel „Nasty Gal“ (böses

Mädchen, Anm.) nannte, war

das sicher kein Fehler – weil der

Name provoziert. Und Aufmerksamkeit

erregt. Und das ist die

halbe Miete im Business: Kunden

auf dich aufmerksam zu machen.

MYTHOS

Jage Investoren

und erzähle

von deiner Idee.

Nein. Ein Investor – selbst wenn

er dir Gehör schenkt – wird sich

von einer bloßen Idee kaum beeindrucken

lassen. Das ist nun

mal so. Würdest du an seiner

Stelle wahrscheinlich auch nicht.

Was einen Investor hingegen beeindruckt?

Deine Erfolge! Also:

Zu einem Investor zu gehen zahlt

sich aus – doch nur, wenn du als

Business(wo)man etwas Handfestes

vorzuweisen hast. Dann

hört er zu und wird auch was

von deiner Idee erfahren wollen.

„HALTE DEINE

IDEE NICHT

GEHEIM.

POSAUNE SIE

RUHIG IN DIE

WELT HINAUS.

DAS FEEDBACK

ANDERER

IST IMMENS

WICHTIG.“

MYTHOS

Erzähle niemandem

von deiner Idee

– sonst stiehlt

man sie dir.

Das ist eine wirklich unbegründete

Angst. Es mag jetzt ernüchternd

sein, aber erstens: Deine

in deinen Augen so tolle Idee ist

vermutlich nicht so toll, wie du

glaubst. Allein aus dem Grund

wäre es wichtig, mit anderen

darüber zu reden – um schon im

Vorfeld gewarnt zu werden oder

deine Idee neu zu definieren.

Und zweitens, selbst wenn es so

wäre: Niemand klaut so schnell

deine Idee, patentiert sie – und

wird zum Millionär. Ich selbst

habe immer – und mache es heute

noch – Ratschläge und Tipps

von anderen eingeholt. Immer.

Das ist wertvoll und bringt dich

viel weiter, als allein an deinem

eigenen Projekt zu brüten. Denn

du siehst nicht, was andere Leute

sehen – und du weißt nicht, was

andere wissen. Also: Posaune

dein Vorhaben ruhig in die Welt

hinaus und warte, was zurückkommt.

Das Feedback von anderen

– auch von Fremden – ist

immens wichtig.

INNOVATOR 83


MYTHOS

Bauchgefühl ist

im Business

wichtiger als Logik.

Nein! Denn: Beides ist gleich

wichtig. Der Punkt ist nur:

Bauchgefühl ist immens wichtig

am Beginn deiner Karriere. Quasi

vor deinem richtigen Start. Es ist

ein guter Ratgeber für das, was

du wirklich machen willst – und

wofür dein Herz schlägt. Doch

später, wenn Ausgaben, Einnahmen

und Verluste ins Spiel

kommen, zählen nur mehr Zahlen

und Hard Facts – und der

blanke Hausverstand. Wenn dann

deine Logik sagt: Finger weg von

diesem Business-Model – dann

halt dich daran und lass es. Egal,

was dein Bauchgefühl sagt.

MYTHOS

Wenn du ein Unternehmen

gründen

willst, kündige

deinen Job.

Nein! Das ist nicht smart. Das

sollten nur Leute, die entweder

Kohle ohne Ende haben – oder

erst zwanzig sind und noch

nichts zu verlieren haben. Allen

anderen rate ich: zweigleisig

fahren. Ich weiß aus Erfahrung:

Viele erfolgreiche Gründer

begannen ihre zweite Karriere

mit einem „Side Hustle“, also

einem Neben geschäft zu ihrer

Arbeit. Das hat jede Menge Vorteile

und hält das Risiko, auf

die Schnauze zu fallen, gering.

Konkret: Man kann sich langsam

und ohne Druck an ein Business

herantasten. Mein Tipp daher:

Kündige nicht deinen Job, aber

reserviere regelmäßig Zeit für

deinen Side Hustle. Sei bereit,

privat Überstunden zu machen,

aber gehe Dinge langsam an.

Recherchiere, probiere aus,

arbeite … ganz ohne Druck.

Denn wer unter Druck ist,

macht Fehler. Und überhaupt:

Man muss ja nicht gleich über

Nacht die Welt erobern, oder?

MYTHOS

Ungeduld ist

ein guter Antrieb

für Gründer

Wenn mit Ungeduld ein hoher

Adrenalinpegel gemeint ist, dann

yes! Ich selbst war in meiner Karriere

ungeduldig und getrieben.

Das ist positiv und pusht dich.

Aber nur solange du selber damit

klarkommst. Deshalb Vorsicht:

Wenn du deine Ungeduld auf

deine Partner überträgst, kann

das rasch in die Hose gehen.

Denn nicht jeder arbeitet auf die

gleiche Art … und manche Menschen

könnten durch deine Ungeduld

rasch gehemmt werden.

„WAS ALS

BOSS WIRK­

LICH ZÄHLT,

IST, DIE STÄR­

KEN DEINER

LEUTE ZU

FÖRDERN.“

BUSINESS-GIRL-POWER

Sophia Amoruso ist eine Entrepreneurin aus San Diego, USA.

In ihrem Buch „#Girlboss“ schildert sie ihre außergewöhnliche

Erfolgsstory, wie sie ihren Vintage-Mode-Versand („Nasty

Gal“) zu einem Millionen-Unternehmen machte. „#Girlboss“

wurde inzwischen auch als Serie verfilmt – und ist unter

diesem Titel auf Netflix zu sehen. 2020 war Sophia Keynote

Speaker am Global Workshop von Red Bull Basement.

sophiaamoruso.com

84 INNOVATOR


BUCHTIPPS

Pflichtlektüre für angehende Gründer

„Das 4-Stunden-

Startup“

Wie setze ich meine Idee professionell

um? Smarte Tipps für Berufstätige,

die „nebenher“ gründen wollen.

„Werde, was du kannst“

Das Buch ermutigt, vor allem die

eigenen Fähigkeiten zu nutzen,

um Ideen unternehmerisch erfolgreich

umzusetzen – mit 21 wahren

Success- Storys als Inspiration.

„GRIT“

Nicht IQ und Talent, sondern Leidenschaft

und Ausdauer entscheiden

über Erfolg, sagt Psychologin Angela

Duckworth. Und belegt dies mit Beispielen

aus der realen (Business-)Welt.

MYTHOS

Die Basis von

gutem Teamwork

ist: Einigkeit.

Nein. Wenn im Team ständig

Einigkeit herrscht, dann stimmt

was nicht! Einigkeit ist Stillstand.

Ein guter Output basiert immer

auf Meinungsvielfalt, heftigen

Diskussionen, gern auch Streitereien

in der Gruppe. Letzten

Endes fördert das die Qualität

dessen, was du tust. Und das ist

verdammt wichtig: dass am Ende

ein gesunder Kompromiss herausschaut.

Ich sage immer:

Wirklich gute Qualität ist ohne

Konflikte nicht möglich.

MYTHOS

Als Boss hast du

immer das letzte

Wort im Team.

Wenn du deine Leute unterdrücken,

schlechte Stimmung

in der Gruppe machen oder die

Stärken der Teammitglieder

beschneiden willst, dann ja. Im

Ernst: Es ist in der heutigen Zeit

nicht mehr smart, ein Team wie

ein Diktator anzuführen. Was

wirklich zählt, ist, die Stärken

deiner Leute maximal zu fördern,

sie einzubinden, wo es nur geht

– und auch entscheiden zu lassen,

wenn du der Meinung bist,

sie wissen es besser. Denn sie

wissen es manchmal besser. Sich

dies einzugestehen ist als Boss

eine Stärke. Und bringt allen nur

Vorteile.

„SCHEITERN

IST WICHTIG,

DENN MAN

LERNT NUR

AUS DEM

SCHEITERN.

AUS ERFOLGEN

LERNST DU

GAR NICHTS.“

INNOVATOR 85


WAS ZÄHLT:

3 REGELN

ZUM ERFOLG

1. Scheitern ist

normal. Nur musst

du jedes Mal

besser scheitern.

100 Prozent Zustimmung! Die

Menschen denken oft, dass Scheitern

etwas ist, was nur ihnen zustößt.

Dabei ist es wichtig, sich

aufs Scheitern einzulassen und

dafür bereit zu sein. Es ist für

viele eine neue Art, die Welt zu

sehen, aber es ist wirklich so,

und das ist kein Klischee: Nichts

bringt dich weiter als Niederlagen

und die Learnings daraus! Denn

aus Erfolgen lernst du gar nichts.

2. Netzwerke, wo

du nur kannst!

Ja, ja, ja! Und nochmals ja. Und

noch etwas: Netzwerken bedeutet

überall netzwerken. Nicht nur

bei Start-up-Events, Festivals und

dergleichen. Sondern im Fitnesscenter,

beim Einkaufen oder auf

der Straße … überall. Ich hatte

an den ungewöhnlichsten Orten

die wichtigsten Begegnungen

meiner Karriere. Ein Gespräch,

ein Tipp, ein Handshake, eine

Telefonnummer … Du weißt

nie, wo du eine Bekanntschaft

machst, die sich später als

Sprungbrett herausstellen wird.

3. Prüfe deine

Business-Idee

im Vorfeld

gründlich!

Stimmt 100-prozentig! Das

ist die Regel Nummer eins.

Nichts ist wichtiger als eine

profunde Vorab-Recherche

deines angedachten Business-

Models. Stöbere also zunächst

gründlich im Netz. Ist deine

Idee völlig neu oder gibt es

schon Leute, die das machen?

Wenn ja, wie machen sie es?

Tauche ein in ihre Welt. Stelle

dir vor, du bist ihr Kunde. Was

gefällt dir an ihrem Angebot?

Was gefällt dir nicht? Was fehlt

deiner Meinung nach? Wenn

du die Chance hättest, das

Unternehmen zu führen, was

würdest du anders machen?

Solche Gedanken sind wichtiger,

als du glaubst. Denn sie

schärfen mit der Zeit deinen

Blick auf das, was wichtig ist:

dein eigenes Business-Model.

SERIENTIPPS

Von genialen Geistern und Business-Rebellen –

hier sind 3 Netflix-Serien mit hohem Inspirationsfaktor

„Inside Bill’s Brain –

Decoding Bill Gates“

Ein Einblick in die Psyche des

Microsoft-Gründers. Von Davis Guggenheim

(„An Inconvenient Truth“).

„The Mind, Explained“

Wie tickt unsere Psyche? Wie können

wir mithilfe unseres Verstandes besser

leben – und besser performen?

Diese Doku liefert Antworten.

„Girlboss“

Angelehnt an die Sophia-Amoruso-

Erfolgsstory. Die Serie begleitet eine

junge Rebellin bei der Gründung ihres

Online-Geschäfts. Extrem kurzweilig!

NETFLIX

86 INNOVATOR


WIR LAUFEN FÜR ALLE,

DIE ES NICHT KÖNNEN.

9. MAI 2021 – 13 UHR

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INNOVATOR

GUIDE

Konferenzen, Messen,

Festivals: Diese

Innovations-Events

planen ein Comeback //

Red Bull Basement:

Studenten, die die Welt

verändern //

Fashion: Diese Jacke

wärmt per App //

Kolumne: Überraschende

Folgen von

Nachhaltigkeit //

Tech -Highlight: Das Labor

am Ende der Welt //

INNOVATOR 89


DO IT

BOCK AUF INNOVATION?

Dann bist du hier richtig, Wir präsentieren eine Auswahl

der spannendsten Events 2021 in Deutschland. Die finden statt –

je nach Lage – in echt und/oder digital.

Talk um das Phänomen TikTok:

Moderatorin Jennifer Sarah

Boone im Gespräch mit TikTok-

Star Onkel Banjou (r.) und Agentur-Gründer

Adil Sbai.

7und 8. September

dmexco

Wie kann ich Menschen über digitale Kanäle so begeistern,

dass sie für meine Sache brennen? Um diese Frage

dreht sich diese internationale Marketing-Konferenz

zwei Tage lang. Von Machine Learning über Audio-Content

bis zu TikTok-Influencern: Renommierte Speaker –

zuletzt etwa Facebooks Werbe-Chef David Fischer, SAP-

Marketing-Leiterin Alicia Tillman und Alexander Birken,

der CEO der Otto Group – erzählen, auf welche Strategien

und Technologien sie aktuell setzen und was jeder,

der digital Menschen erreichen will, davon lernen kann.

2021 soll die dmexco nun in hybrider Form ablaufen –

vor Ort in den Kölner Messehallen und gleichzeitig als

Online-Event für Zuschauer auf der ganzen Welt.

Koelnmesse; dmexco.com

KOELNMESSE GMBH/MAX HAMPEL, ALEX FETTICH

90 INNOVATOR


SAVE THE DATE

2September

Growth Marketing

Summit

Ob als Familienbetrieb oder Großkonzern:

Wer in der digitalen Welt

wachsen will, muss seine Kunden

möglichst genau kennen. Auf dieser

Konferenz erklären Experten,

wie etwa Daten dabei helfen können,

jedem Nutzer maßgeschneiderte

Angebote zu machen und das

Geschäft auf diese Art auszubauen.

Unter den Rednern in diesem Jahr:

Verhaltensökonom und Bestseller-

Autor Dan Ariely sowie Spotify-

Wachstums-Chef Simon Dahla.

Alte Oper, Frankfurt am Main;

growthmarketingsummit.com

Gefragter Speaker:

Ruppert Bodmeier,

CEO der Plattform

Disrooptive

16

bis 17. September

Impact Festival

Wenn wir den Planeten schützen wollen,

müssen wir miteinander kooperieren: Aus

dieser Überzeugung heraus will das Impact

Festival potenzielle Weltverbesserer miteinander

vernetzen – etwa junge Start-ups

mit innovativen Konzepten mit Investoren,

die ihren Ideen die nötige Durchschlagskraft

verleihen können; oder mit Konzernen,

die nach Konzepten für ihre eigene nachhaltige

Zukunft suchen.

Frankfurt/Offenbach; impact-festival.earth

6

Mai

German Start-up

Awards

Hinter jedem Start-up stecken Helden, die ihr

ganzes Herzblut in eine Idee stecken: Dieses

Event will herausragenden Gründern eine Bühne

bieten und ihren Einsatz würdigen. Nach der

Nominierungsphase im vergangenen Jahr entscheidet

eine Jury über die Gewinner 2021.

Zu den Juroren zählen etwa Ina Remmers, Mit-

Gründerin von nebenan.de, und Ecosia-Gründer

Christian Kroll.

Tipi am Kanzleramt, Berlin; germanstartupawards.de

bis 28. Mai

FitTech Summit

Vorbei die Zeiten, in denen es Fitness

nur im Fitnessstudio gab: Die in diesem

Jahr rein digitale Konferenz Fit-

Tech Summit ergründet, wie das Thema

unseren Alltag bewegt – sei es

durch neue Smartwatches und andere

Wearables oder durch innovatives

Training vor dem Bildschirm. Und natürlich

spielen auch die Studios eine

Rolle. Etwa wenn es darum geht, wie

ihre Betreiber Technologien nutzen

können, um Kunden zu begeistern.

25München; fittechsummit.com

INNOVATOR 91


DO IT SAVE THE DATE

3

bis 7. September

IFA

Von Gaming über Heimkino bis zur

smarten Wohnzimmer-Beleuchtung:

Auf der Internationalen

Funkausstellung in Berlin präsentieren

Hersteller aus der ganzen

Welt ihre Innovationen. Eine einzigartige

Gelegenheit, mit eigenen

Augen zu sehen (und oft auch auszuprobieren),

wie die Zukunft in

unseren eigenen vier Wänden bald

aussehen könnte. Berliner

Messe gelände; ifa-berlin.com

Nachhaltiger Wandel:

Sustainability-Expertin

Nicole de Paula vernetzt

Frauen, die sich für Um-

30

weltfragen einsetzen.

Juni bis 2. Juli

Pirate Summit

Star-Investor Frank Thelen ist Fan, unter

Europas Start-ups ist die Konferenz

längst kein Geheimtipp mehr: Auf dem

Pirate Summit treffen Jung-Gründer

auf Möglichmacher wie eben Investoren

und Manager. Wichtigste Bedingung

für eine Einladung: Du willst nicht

nur reden, sondern bedeutende Probleme

unserer Zeit wirklich anpacken.

Köln; piratesummit.com

21

bis

22. Juni

Global Female Leaders

Lange wurde nur darüber gesprochen, nun kommt die Entwicklung

endlich ins Rollen: Immer mehr Frauen übernehmen Führungsrollen

in Start-ups und Konzernen – und bereichern diese mit neuen

Sichtweisen und Ansätzen. Wie genau diese aussehen und wie sich

Frauen weiterhin gegenseitig unterstützen können, darum geht es

auf der Konferenz „Global Female Leaders“ in Berlin. Zwei Tage

lang berichten internationale Expertinnen und Top-Führungskräfte

über ihre Erfolgsstorys und wichtige Lektionen – darunter Taiwans

Digital-Ministerin Audrey Tang, Google-Designerin Sara Ortloff

oder Tech-Unternehmerin und Bestseller-Autorin Aya Jaff (zuletzt

zu Gast in unserem Podcast „INNOVATOR Sessions“).

Hotel Adlon Kempinski Berlin; globalfemaleleaders.com

MESSE BERLIN GMBH, DAN TAYLOR/PIRATE SUMMMIT

92 INNOVATOR


DO IT RED BULL BASEMENT

Die Red Bull Basement-

Hosts Daniel Cronin und

Caroline de Moraes „überreichen“

dem Team Lava

die Siegertrophäe.

Lava Aqua X

SUPER SMART

WÄSCHE WASCHEN

Red Bull Basement

DER TURBO FÜR

GUTE EINFÄLLE

Die Sieger des Red Bull Basement

Global Workshop 2020 Joanna Power

und Paramveer Bhachu erfanden

eine Waschmaschine, die Wäsche

mit recyceltem Duschwasser und

noch dazu stromsparend reinigt.

PHILIPP CARL RIEDL/RED BULL CONTENT POOL, MARK ROE/RED BULL CONTENT POOL GÜNTHER KRALICEK

Du bist Student und hast eine

Idee, die die Welt zu einem

besseren Ort macht? Dann

bist du hier goldrichtig.

Neue Ideen gesucht! Seit 2018

gibt die Plattform Bull Basement

Studenten weltweit

die Chance, Lösungen zu

Problemen zu präsentieren.

3800 Teilnehmer waren es bei der

Challenge im Vorjahr. Durch Public

Voting und einer Jury wurden

die vielversprechendsten 38 Ideengeber

ausgewählt und zum Red

Bull Global Workshop – der im

Dezember ausnahmsweise virtuell

über die Bühne ging – eingeladen.

Joanna Power und Paramveer

Bhachu, zwei junge Pioniere aus

London, machten schließlich das

Rennen. Sie haben eine Waschmaschine

entwickelt, die Wäsche

mit recyceltem Duschwasser säubert,

und dabei weniger Wasser

verbraucht und das in nur einem

Drittel der gewöhnlichen Zeit (siehe

Infokasten rechts). Den Erfolg

beim Red Bull Basement Global

Workshop nützt das Duo nun als

Startrampe, um die Erfindung so

rasch wie möglich auf den Markt

zu bringen.

Hier kannst du einreichen

Nach dem Wettbewerb ist vor

dem Wettbewerb: 2021 geht Red

Bull Basement in die nächste

Runde. Wenn also auch du eine

Idee hast, die unbedingt verwirklich

werden sollte, dann bereite

sie bis Herbst diesen Jahres vor.

Die genauen Termine und Infos

findest du unter

redbullbasement.com

Nachhaltig

Das Wasser wird am Boden der

Dusche gesammelt, gefiltert und

für den nächsten Waschgang der

„Lava Aqua X“ wiederverwendet.

Praktisch

Die transportable Waschmaschine

hat Platz in jeder Studentenbude.

2,5 kg Wäsche können damit pro

Waschgang gewaschen werden.

Effizient

Die kugelförmige Waschtrommel

arbeitet deutlich effizienter als

herkömmliche Zylindertrommeln.

Das spart Zeit und Strom.

INNOVATOR 93


DO IT

Smart Fashion

Die Heatable

Capsule Collection

verbindet Hightech

mit urban-sportlichem

Design.

DIESE MODE

HEIZT UNS EIN

Hier kommt die Smart-Fashion-

Lösung gegen Kälte: Die Jacken

und Westen der Heatable Capsule

Collection von AlphaTauri wärmen

auf Knopfdruck oder per App. Und

wenn der Akku des Smartphones

leer ist, laden sie ihn auf.

Manchmal ermöglichen

innovative Technologien,

dass wir bekannte

Dinge auf völlig neue

Art und mit völlig

neuen Funktionen einsetzen.

Oder aber die innovativen

Technologien verbessern die

ursprünglichen Funktionen

dramatisch.

Ein gutes Beispiel dafür ist

Smart Fashion: In der Mode

können Kleider mit Einsatz

von Hightech mittlerweile

ihre Farbe im Einklang mit

den Gefühlen ihrer TrägerInnen

wechseln. Gürtel geben

Erschütterungen in Computerspielen

mit Vibrationen

an die Gamer weiter. Und

Bikinis warnen, wenn wir

uns zu lange in der Sonne

aufhalten.

Die Spezialisten des Modelabels

AlphaTauri, der Deutschen

Telekom und des Zulieferers

Schöller Textil haben

indes gemeinsam an der

Verbesserung einer sehr ursprünglichen,

ziemlich entscheidenden

Funktion unserer

Kleidung gearbeitet: der

Aufgabe, uns zu wärmen. Zu

diesem Zweck verknüpften

sie Hightech-Textilien mit digitaler

Steuerung und smarter

Technik. Das Ergebnis: die in

diesem Winter vorgestellte

Heatable Capsule Collection,

deren Jacken und Westen uns

auf Knopfdruck oder per App-

Befehl aktiv einheizen.

So können die TrägerInnen

über eine eigens entwickelte

App auf ihrem Smartphone

die gewünschte Wärmestufe

einstellen, ein Sensor im

Inneren des Kleidungsstücks

misst die Temperatur und

wärmt bei Bedarf mittels

heizbarer Elemente in den

Taschen und am unteren Rücken

nach (die genaue Funktionsweise:

siehe rechte Seite).

Zusatzfeature: Wenn die

Jacke gerade nicht einheizt,

kann der integrierte Akku

das Smartphone aufladen.

Diese Kollektion ist erst

der Anfang: Weitere gemeinsame

Innovationen werden

folgen. Genaueres darf noch

nicht verraten werden. Nur so

viel: Konnektivität und Künstliche

Intelligenz werden dabei

Schlüsselrollen einnehmen.

Jacken und Westen gibt es für

Damen und Herren in den Farben

Kreide und Navy. 699,90 Euro

(Jacke), 399,90 Euro (Weste);

alphatauri.com

94 INNOVATOR


FASHION

HOT STUFF

Tolle Textilien, smarte

Bedienung und effiziente

Technik machen diese Jacke

zur Wärmequelle. Und so

funktioniert sie im Detail.

Der Akku

Untergebracht in einer kleinen

Extratasche am unteren Rücken,

liefert diese Batterie die für die Heizung

benötigte Energie. Dank ihres

Federgewichts von 175 Gramm ist

sie am Körper kaum spürbar. Wird

die Power des Akkus gerade nicht

gebraucht, kann er zum Beispiel

ein Smartphone aufladen.

Die Steuerung

Neben der eigens entwickelten App

fürs Smartphone lässt sich die Wärme

auch auf Knopfdruck über ein

Bedienelement am Innenfutter regulieren.

Hier können die TrägerInnen

zwischen je zwei Wärmestufen wählen

– sowohl für die Taschen als auch

für die Zonen am unteren Rücken.

Das Material

Die sogenannte E-Soft-Shell Heiztechnologie

ist für die Verteilung der

Wärme entwickelt worden. Entscheidend

ist ein neuartiger beheizbarer

Futterstoff, der ein Netzwerk leitfähiger

Garne enthält. Weitere Stoffe

wie etwa Corkshell bieten zusätzliche

Wärmeisolation.

ALPHA TAURI

INNOVATOR 95


KOLUMNE

NACHHALTIG

ÜBERRASCHT

Bestseller-Autor Christoph Koch schreibt

über spannende bis verblüffende Zusammenhänge,

die wir beim Weltverbessern

mitdenken dürfen.

Christoph

Koch

46, ist Autor für Titel

wie „Die Zeit“, „brand

eins“ oder „Geo“. Mit

seinem Buch „Ich bin

dann mal offline“ über

digitalen Verzicht

landete er einen

„Spiegel“-Bestseller.

P

läne sind nutzlos, aber Planung

ist unersetzlich.“ Dieser

Satz wird meist US-Präsident

Dwight D. Eisenhower zugeschrieben.

Vermutlich ist er

schon viel älter. Er stimmt

aber nach wie vor. Wer Pläne

macht, wer Szenarien entwirft, wer also

in Möglichkeiten denkt, der ist gezwungen,

sich mit der Zukunft und ihren verschiedenen

Varianten auseinanderzusetzen.

Manche Entwicklungen erscheinen

fast sicher, andere wirken unwahrscheinlicher.

Doch selbst beim Nachdenken

über die unwahrscheinlichen lässt sich

etwas lernen – schon allein, weil Zusammenhänge

sichtbar werden, von denen

man vorher vielleicht nicht wusste. Denn

jede Veränderung hat weitere Konsequenzen,

zieht andere Umwälzungen

nach sich. Hier habe ich ein paar der

überraschenderen Folgen großer möglicher

Veränderungen rund um das Thema

Nachhaltigkeit zusammengestellt.

1. Mehr E-Autos, weniger Raucher

Mit der Umstellung unserer Autos auf

Elektromotor sinkt der weltweite Benzinbedarf,

logisch. Aber vermutlich dürfte

auch der Zigarettenkonsum zurückgehen,

wenn alle Menschen in E-Autos unterwegs

sind. Denn derzeit werden in

den USA rund die Hälfte aller Zigaretten

an Tankstellen verkauft, in Deutschland

machen die Tankstellen 62 Prozent ihres

Shop-Umsatzes mit Tabakwaren. Studien

zeigen, dass das Angebot durchaus die

Nachfrage bestimmen kann – und Menschen

weniger Zigaretten kaufen, wenn

sie weniger oft die Gelegenheit bekommen.

Und mit dem E-Auto entfällt auch

der Tankstellenstopp und somit der Blick

aufs Zigarettenregal: Denn E-Autos tanken

dort, wo sie parken – also vor allem

zu Hause oder in der Bürogarage.

2. Weniger Bares, weniger Emission

Noch sind die Deutschen strikt dagegen

(84 Prozent, um genau zu sein), aber

falls das Bargeld irgendwann doch abgeschafft

wird, hätte das auch positiven

Einfluss auf die Umwelt: Erstens, weil das

Metall des Hartgelds wiederverwendet

werden könnte – ein Münzquetscher vom

Modell „Decoiner“ schafft pro Stunde bis

zu fünf Tonnen, die anschließend eingeschmolzen

werden. Und zweitens würden

die Emissionen durch Geldtransporter

entfallen – sie stoßen besonders viele

Abgase aus, weil Kleingeld so schwer ist.

3. Weniger Fleisch, ein Kontinent

mehr Platz

Wenn niemand mehr Fleisch äße, wäre

das bekanntermaßen gut fürs Klima:

Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie in

den USA beispielsweise verursacht durch

ihren Fleischkonsum mehr Treibhausgase

als durch ihre beiden Autos. Gleichzeitig

würde die Welt aber auch eine

Nutzfläche in der Größe des afrikanischen

Kontinents dazugewinnen. So viel

Raum wird derzeit nämlich für den Anbau

von Futtermitteln benötigt, die nur

der Fleischerzeugung dienen.

4. Weniger Tempo auf der Autobahn,

kaum weniger Lärm

Würde Deutschland – das als einzige

westliche Industrienation kein generelles

Tempolimit auf der Autobahn hat – die

Geschwindigkeit auf 120 km/h begrenzen,

gäbe es den meisten Studien nach

weniger Verkehrstote und Verletzte.

Auch rund drei Millionen Tonnen CO ²

würden vermieden. Viel leiser würde es

überraschenderweise jedoch nicht: Das

Umweltbundesamt geht an Werktagen

bei einem Tempolimit auf der Autobahn

von einem halben Dezibel weniger Verkehrslärm

aus. Zum Vergleich: Der sogenannte

Flüsterasphalt reduziert die

Lautstärke um etwa drei Dezibel.

URBAN ZUNTEL

96 INNOVATOR


READ IT

IMPRESSUM

EISENHOWERS DILEMMA:

„ PLÄNE SIND NUTZLOS,

ABER PLANUNG IST

UNERSETZLICH.“

5. Weniger Subventionen, mehr

Umweltschutz

Gäbe es keinerlei Subventionen für Individualverkehr

mehr, verschwände zwar

die E-Auto-Prämie, die Umwelt könnte

aber trotzdem profitieren: Der Internationale

Währungsfonds (IWF) hat berechnet,

dass sich der weltweite Schaden

durch Kraftstoffsubventionen auf jährlich

5300 Milliarden Dollar summiert. Das

sind sechs Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes

und fast so viel wie die

weltweiten Gesundheitsausgaben. Würde

der Staat Kraftstoffe nicht fördern,

gewännen umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel

Attraktivität – wie Fahrrad

statt Moped oder U-Bahn statt Auto.

Treibstoffpreise werden gern mit der

Begründung subventioniert, Menschen

mit geringem Einkommen würden entlastet.

Dabei profitieren in Wirklichkeit

oft die Reichen: In einem typischen

Schwellenland gehen 40 Prozent solcher

Entlastungen an das reichste Fünftel der

Haushalte. Beim ärmsten Fünftel kommen

nur sieben Prozent an.

6. Weniger Menschen, mehr Elefanten,

weniger Stubenfliegen

Wenn es die Menschheit nicht mehr

gäbe, würde sich die Elefantenpopulation

binnen hundert Jahren verzwanzigfachen,

da natürlich auch Wilderer und

Elfenbeinhandel wegfielen. Auch die

Zahl an Vögeln nähme wieder stark zu:

Allein in den USA sterben nach Schätzungen

80 Millionen Vögel jährlich durch

Autos und eine weitere Milliarde durch

Pestizide und Stromleitungen. Ratten,

Stubenfliegen oder Kopfläuse – also Tiere,

die sich stark an den Menschen angepasst

haben – hätten es jedoch schwerer

und würden ohne uns nahezu aussterben.

Mehr überraschende Erkenntnisse und

spannende Szenarien finden sich in dem

Buch „Was wäre, wenn …? 33 Szenarien,

die unsere Welt neu denken“ von Christoph

Koch, erschienen im Tropen Verlag

(176 Seiten, 15 Euro). Mehr Infos unter:

christoph-koch.net

Gesamtleitung The Red Bulletin

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Chefredaktion The Red Bulletin

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Chefredakteur Innovator Arek Piatek

Textchefs Jakob Hübner, Andreas Wollinger

Redaktion Florian Obkircher, Wolfgang Wieser

Creative Director Kasimir Reimann (Ltg.), Erik Turek

Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina

de Carvalho-Hutter, Cornelia Gleichweit,

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Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.),

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Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.),

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marco.nicoli@goldbach.com

Abo- und Leserservice

abo@ch.redbulletin.com

INNOVATOR 97


DESIGN - HIGHLIGHT

Misst kosmische

Strahlung und spürt

ihre Herkunft auf:

das IceCube-

Observatorium

am Südpol

Neutrino-Suche

auf dem Südpol

Schon mal was von „Neutrinos“ gehört?

Es sind Elementarteilchen, kleinste Einheiten

unserer Materie, die täglich als

kosmische Strahlung auf die Erde prallen.

Wo sie herkommen, ist unbekannt.

Um diese Frage zu beantworten, wurde

2010 in der Antarktis der größte Neutrino­

Detektor der Welt fertig gestellt:

das IceCube Neutrino Observatory. Und

dort gelang den Forschern 2017 eine

Sensation: Sie orteten sie ein Milliarden

Lichtjahre entferntes Schwarzes Loch

als ein Ursprung der Neutrino-Strahlung

– und erlangten dadurch fundamentale

Erkenntnisse zur Entstehung kosmischer

Strahlen sowie einen wichtigen

Schritt im Verständnis des Universums

energetischer Prozesse. Gerade wurde

der IceCube up-gegradet und mit mehr

Detektoren ausgestattet – um künftig

die Geheimnisse des Alls noch intensiver

zu ergründen.

icecube.wisc.edu

DIESE STATION

ENTSCHLÜSSELT

DIE GEHEIMNISSE

DES UNIVERSUMS

SVEN LIDSTROM/ICECUBE/NATIONAL SCIENCE FOUNDATION

98 INNOVATOR


3 TIPPS

VON JEDEM GAST

FÜR DEINEN ALLTAG

Pioniere unserer Zeit sprechen über

die innovativen Rezepte hinter ihrem Erfolg.

Jeden Montag – überall, wo es Podcasts gibt.

Jetzt reinhören und am besten gleich abonnieren:

Die Welt von INNOVATOR by The Red Bulletin täglich erleben:

innovatorbytheredbulletin innovatorbytheredbulletin redbulletininnovator

redbulletininnovator.com


EINE NEUE DEFINITION VON MEHR.

Unser Crossover SUV begeistert mit mehr Flexibilität, mehr

Effizienz, mehr Technologie. Dafür sorgen unter anderem

die innovative Ford MegaBox, der Hybrid-Antrieb und die

wegweisenden Assistenzsysteme. Im Ergebnis bedeutet das

für uns das Goldene Lenkrad 2020 und für Sie viel Fahrspaß.

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach § 2 Nrn. 5, 6, 6 a Pkw-EnVKV in der jeweils geltenden Fassung):

5,3–5,1 (innerorts), 4,0–3,8 (außerorts), 4,5–4,3 (kombiniert); CO2-Emissionen: 102–97 g/km (kombiniert).

* Ausgezeichnet von Bild am Sonntag, Ausgabe 45/20 und Auto Bild, Ausgabe 45/20, mit dem Goldenen Lenkrad 2020 in der Fahrzeugkategorie kleine SUVs.

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