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WOLL Magazin 2021.1 Frühling I Arnsberg, Sundern, Ense

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Frühling 2021

33

Worte, Orte, Land und Leute.

Ausgabe für

Arnsberg,

Sundern und

Ense

Sauerland

Herrlicher Frühling

im Sauerland

Neheimerin Fiona Hoppe auf der Überholspur

16 Häuser, 65 Einwohner: Sundern-Brenschede

Ense: Mahnmal Kloster Himmelpforten

www.woll-magazin.de | www.imsauerland.de

WOLL - mit Herz und Hand von


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durchstarten.

Mobilmachen ist ganz im Sinne von

Westenergie. Mobil für die Zukunft,

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mobil unterwegs.

Schwingen Sie sich also gerne auch aufs

E-Bike. Wir unterstützen den Ausbau

der nötigen Infra struktur in Ihrer Region

bereits mit zahlreichen Ladesäulen –

und es werden täglich mehr.

Bis 1811 befand

sich anstelle

des Maximilianbrunnens

eine

Brunnenstelle, die

dafür sorgte, dass das

Wasser der Ruhr trotz

des Höhenunterschieds

die Arnsberger Altstadt

versorgte.

Die alte Brunnenanlage ließ Kurfürst Maximilian Friedrich

von Königsegg-Rothenfels entfernen und dafür einen repräsentativen

Brunnen errichten. 1826 wurde der Brunnen an

das Quellwasserversorgungssystem angeschlossen, der Brunnentrog

aus Sandstein entstand 1848 rund um die Brunnensäule,

änderte im Laufe der Jahre mehrmals seine Form. ■

Sauer macht

nicht lustig!

Die ersten Sonnenstrahlen locken uns vor die Tür,

aber wir sind müde, antriebslos und die Hose

kneift? Das muss nicht sein! „Ob wir uns fit und

wohlfühlen oder müde und abgeschlagen

sind, hängt davon

ab, wie übersäuert wir sind“,

weiß Nicole Mommertz-Ehlert.

Wir zeigen Ihnen, wie die

Säure-Basen-Balance wiederhergestellt

und langfristig

gehalten werden kann.

Sodbrennen, Müdigkeit,

Völlegefühl, Gelenkschmerzen

und auch Übergewicht

können dadurch reduziert

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Liebe Leserinnen und Leser,

die Natur erwacht zu neuem Leben, ein Gefühl von Neubeginn macht sich breit.

Der Frühling gilt als Sinnbild des erwachenden Lebens. In dieser Ausgabe wollen

wir uns diesem „Aufbruch“ mit unserem Schwerpunkt-Thema widmen, gehen

buchstäblich „raus“ an die frische Luft und stellen fest: Die Natur ist ein Trainingsparcours,

der alle Sinne fordert und fördert. Neben den Freizeitmöglichkeiten

werfen wir auch einen Blick in die Gärten unseres Sauerlandes. Dabei haben

die Kolleginnen und Kollegen eine große Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten

entdeckt. Kreisgärtnermeister Peter Horst mahnt bei aller Variabilität an: „Die

Pflanze darf im Garten nicht zu kurz kommen.“

Auf unserer Rundreise haben wir zudem bemerkenswerte Persönlichkeiten getroffen:

In Neheim den Dekanatskirchenmusiker Hartwig Diehl, der „in die Königin

der Instrumente verliebt“ ist. Ebenfalls aus Neheim stammt die 20-jährige

Fiona Hoppe, die Motocross-Weltmeisterin werden will.

Paul Senske

Chefredakteur

Wir haben Sundern-Brenschede mit einem bemerkenswerten Gemeinschaftsgefühl

unter die Lupe genommen. In Sundern-Westenfeld waren wir mit den albanischen

Kickern von KF 2. Korriku „am Ball“. Wir stellen Ihnen Ense-Ruhne

mit dem Glockenturm als Mittelpunkt vor und porträtieren den Verein „Freie

Ritterschaft Ense“.

Viel Spaß bei der Lektüre der WOLL-Frühlingsausgabe!

Paul Senske

Kontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-ans@woll-magazin.de

facebook.com/WOLL.Arnsberg.Sundern

WOLL Frühling 2021 - 3


Arnsberg

06 Eine Kindheit im Hotel zum Adler

46 Kleingartenanlage Neheim

51 Familie Otte

54 Im Garten von Manfred Haupthoff

60 Der Dekanatsmusiker Hartwig Diehl

67 Michael Senske

98 Die Motocrosserin Fiona Hoppe

92 Tilia

101 IHK

Schwerpunkt „WOLL

geht raus“ ab Seite 19

Sundern

10 Ortsporträt Brenschede

14 Panorama Sorpesee

58 Die Geschichte des Butterbettchens

110 Ango Reha-Technik

Ense

16 Kloster Himmelpforten

64 Ortsporträt Ruhne

86 Die Freie Ritterschaft Ense

Aus dem Sauerland

31 Kuh-Comic

66 Osterbräuche

50 Lobbe-Entsorgung

94 Auto Technik Schulte

102 Manuka-Honig

95 Modellbauer Josef Sommer

104 Nuttlars Unterwasserwelt im Kino

97 Die Oventroper

71 Werkstatt ST. Martin Brilon

105 Literatur

70 Gedicht: Der Frühling

89 BZB Willerscheid

72 Fotoserie Mühlen

113 Netzfundstücke

78 Musikband One Tape

115 Preminium-Verteilstellen/Impressum

80 Robert geht wandern

4 - WOLL Frühling 2021


Musste gucken:

Wie die Stadt Warstein ihren Wald rettet

Hier ein schönes Beispiel, wie

das Sauerland ein waldreiches

Land bleiben

kann:

Quelle: https://youtu.be/gbb7ZDEPIwY

Das Buschwindröschen

Im dunklen Nadelwald fühlt sich das

Buschwindröschen so gar nicht wohl.

Schließlich braucht diese Anemonen-Art

besonders viel Licht zum

Wachsen. Hat sie davon ausreichend,

überzieht sie den Waldboden schon

im März mit einem wunderschönen,

weißen Blütenteppich. Gegen Nässe

und Kälte kann sie sich gut wehren,

nur der kalte Frühjahrswind macht

ihren zarten Blütenblättern zu schaffen. Durch die Neuanpflanzung von

Laubbäumen werden wir uns künftig wohl häufiger an der „anemone

nemorosa“ (= „waldbewohnende Windblume“) erfreuen können. (c.z.)

Die Rückkehr

der Sonnenvögel

Haben Sie schon die ersten Kraniche

am Himmel entdeckt? Die “Sonnenvögel”

der ägyptischen Mythologie.

Leise sind diese großen Vögel ja

nicht gerade, denn sie verkünden ihre

Rückkehr aus südlichen Gefilden, aus

Frankreich, Spanien und Nordafrika,

durch lautes Trompeten.

Selbst, wenn er weiter oben fliegt,

erkennt man einen Kranich-Schwarm

sofort. Und zwar an der auffälligen

Keilformation, zu der bis zu 1.500

Vögel zählen. Die imposanten Flie ger

können bis zu 2.000 km nonstop zurücklegen.

Das Sauerland überfliegen sie meist

nur, denn sie haben noch einen weiten

Weg vor sich. Ihre Sommerquartiere

liegen in Skandinavien, Polen,

im Baltikum und Weißrussland.

Und seit einigen Jahren auch wieder

in Nord- und Nordost-Deutschland.

(c.z.)

Schmetterlinge mögen keine Rasenmäher

Wo sind eigentlich all die Wiesen geblieben? Richtige Wiesen. Mit Wildblumen,

Wildgräsern und Kräutern. Gelegentlich findet man sie sogar in Städten

… Denken Sie dann bitte nicht sofort: Hier müsste auch mal wieder gemäht

werden. Denn Schmetterlinge, Hummeln und viele andere Insekten brauchen

die Artenvielfalt gesunder Wiesen. Wer sich die Zeit nimmt und einmal

genauer hinschaut, kann dort auch eine einzigartige Pracht entdecken: Wiesenflockenblumen,

Hahnenklee, Wiesenschaumkraut, Lichtnelken, Gänsefingerkraut.

Schmetterlinge sind selten geworden … (c.z.)

WOLL Frühling 2021 2021 - 5- 5


Eine Kindheit im Hotel zum Adler

Christel Zidi

Archiv Heimatbund Neheim & Privat

Das ehemalige „Hotel zum

Adler“ ist ein prachtvolles

Gebäude. Jeder Neheimer

kennt es. Man kommt kaum umhin,

einen Blick darauf zu werfen, genau

dort, wo die Goethe-Straße auf die

Lange Wende trifft, die frühere Bahnhofstraße.

Die Neheimerin Brigitte

Reffelmann lebte als Kind mit ihrer

Familie dort und kann sich noch an so

manches erinnern.

Carl Franz Schrage hatte das Hotel Ende

des 19. Jahrhunderts erbauen lassen. 1909

erwarb Hans Laurenz Olfen mit seiner

Frau Amalie gen. Malchen, das „Hotel

zum Adler“. Das Haus wurde lange Jahre

von der Familie Olfen geführt. Zunächst

von Johann Laurenz, genannt Hans - er

starb 1944. Der „Adler“ wurde dann, aufgeteilt

in Gastwirtschaft und Hotel, als

Erbengemeinschaft Olfen/Bolle weitergeführt.

„Eine Erzählung meiner Großmutter

Amalie war“, so erzählt uns Brigitte

Reffelmann, dass sich die Mitglieder der

„SS“ vor den Kriegswirren vor dem „Adler“

zu ihren Zusammenkünften trafen.

Dies missfiel aber meinem Großvater. Er

ging daher demonstrativ mit seinem Gesangbuch

durch die Reihen zur Kirche.“

Die Neheimerin erinnert sich noch gut

an die Zeit im „Adler“: “Es war immer

6 - WOLL Frühling 2021


Olfen Großeltern mit Kindern um 1917

was los im Haus. Es wohnten auch immer

Polizisten als Untermieter im Haus.

Mit denen haben wir, die Adler-Kinder,

sieben an der Zahl, und die Nachbarschaftskinder

im Hof immer gerne Fußball

gespielt. Auch das Versteck-Spielen

hat sehr viel Spaß gemacht, verständlich

in einem so großen Haus mit den Anbauten

und großem Boden.“

Gerne sieht sie sich die Urkunde der

Grundsteinlegung des Keglerheims vom

14. April 1926 mit dem Kegler-Verband-

Neheim-Hüsten „Gut Holz“ mit den

Unterschriften alter Neheimer an. Hier

wurde ein Grundstein gelegt, für viele

sportliche und gesellige Abende. Die

Gründung vieler Kegelclubs war die Folge.

Zwangsläufig wurde der Vergleich mit

anderen Kegelvereinen in anderen Städten

gesucht. Zu den Stadtmeisterschaften

kamen auch Familien aus Bochum, zu

denen die Neheimer im Laufe der Jahre

Freundschaften entwickelten.

Die Kinder freuten sich auch auf die

Sinti, die regelmäßig „mit dicken Autos“

angefahren

kamen. Und das

vor allem aus

einem Grund:

„Wir Kinder durften dann die Kegel aufstellen.“

Brigitte Reffelmann war damals

12, 13 Jahre alt. „Und wenn sie kegelten,

fielen ihnen oft die Münzen aus den Hosentaschen.“

Die Enkelin sammelte derweil

das verlorene Geld der Männer auf,

dass sie behalten durften und gemeinsam

teilten. „Die Sinti wollten auch meiner

Mutter meine kleine Schwester abkaufen”,

weiß sie noch. Aber darauf willigte

diese - selbstverständlich - nicht ein.

Brigitte Reffelmann hat noch viele

schöne Erinnerungen an das Hotel zum

Adler, in dem sie als Kind mit ihrer

Familie wohnte. Gerne denkt sie noch an

die schönen Geburtstagsfeiern im Hof,

Nikolausfeiern der Kegelvereine und Karneval-Veranstaltungen.

An die Treffen

des Taubenvereins, die jahrelang jeden

Samstag – vom Frühjahr bis zum Herbst

- im Hof stattfanden. Hier wurden die

Geburtstagsfeier der Ww. Amalie Olfen ca. 1952

Brieftauben beringt und dann per LKW

auf die Reise geschickt.

All diese schönen Erinnerungen kann ihr

niemand nehmen. Auch ihr Ehemann

Franz kennt das Haus gut. Schließlich

besuchte er die dort ansässige Handelsschule,

die ihren Sitz in der 1. Etage

des Hauses hatte. In dem Saal, in dem

zuvor so manches Tanzbeingeschwungen

wurde. Er erinnert sich daran, „wie

die Familie im Hof immer die Wäsche

aufgehängt hatte.“ Ob da wohl schon

die ersten Blicke zwischen dem heutigen

Ehepaar hin und her gingen?

Gute 120 Jahre ist es nun her, dass

Fotograf Carl Franz Schrage das Hotel

zum Adler für „Reisende und Sommerfrischler“

erbauen ließ. Für die gab es 30

modern eingerichtete Zimmer. Und noch

so einige Annehmlichkeiten, die zum

WOLL Frühling 2021 - 7


Wie auf dem Foto auf der ersten

Seite zu sehen ist, hatte das Hotel

früher zusätzliche Türme. Diese

wurden während des 2. Weltkrieges

abgenommen, um sie vor

Zerstörung zu schützen. Wo sie

geblieben sind, ist leider nicht

bekannt.

Regel 1:

Sundern - Amecke

gibt es viel zu sehen.

Regel 2:

Und noch mehr zu entdecken.

Jahre

5 Subaru

Garantie*

Ende des 19. Jahrhunderts noch

eher selten waren: Zentralheizung,

Elektrisches Licht, Bäder im Haus,

Hausdiener an jedem Zuge, einen

Sommergarten, Wagen-Remisen

und Stallungen für zwölf Pferde.

Und zur Unterhaltung der Gäste

zusätzlich zwei „Pianinos“. Einen

guten Ruf hatte auch die Küche des

Hauses. Und wer seine Buchung

aufgeben wollte, konnte das sogar

schon telefonisch. Der Telefonanschluss

hatte die Nr. 16. In der

Bahnhofstraße 49 bis 51 waren auch

Fotoateliere untergebracht: „Schrage

und Kugler“, „Halder“ und „Oscar

Herchenbach“.

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anderen Ländern. 3 Android und Android Auto sind Markenzeichen von Google Inc. Abbildungen enthalten Sonderausstattung.

Gute Küche gab es lange in diesem

stattlichen Haus. Zuletzt war dort

ein griechisches Restaurant ansässig,

später ein chinesisches. Heute gibt es

zwar noch Esszimmer-Möbel dort,

die ein MöbelOutlet anbietet, aber

dinieren kann man dort leider nicht

mehr … ■

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8 - WOLL Frühling 2021


„Es ist doch erstaunlich, was ein einziger

Sonnenstrahl mit der Seele des Menschen

machen kann.“ Fjodor Dostojewski

Beobachten Sie doch einmal

Menschen, wenn sie nach

kalten, dunklen Tagen durch

die Stadt gehen und endlich wieder

die Sonne genießen können. Nicht

wenige sind es, die für einen kurzen

Moment ihre Augen schließen und

ihr Gesicht zur Sonne wenden. Wie

Pflanzen, die mit ihren Blütenköpfen

genau das Gleiche tun. Lächeln

Pflanzen eigentlich auch dabei?

NUR FÜR KURZE ZEIT

Sobald die Sonnenstrahlen auf unsere

Haut treffen, beginnt unser Hormonhaushalt

das lebenswichtige Vitamin D

zu produzieren, das genau genommen

ebenfalls ein Hormon ist. Vitamin D

stärkt Knochen und Zähne. Außerdem

sorgt es dafür, dass genügend Serotonin,

eben das Glückhormon, produziert

wird. Serotonin ist ein Neurotransmitter

und reguliert viele Vorgänge

im Körper: die Libido, das Schlaf-,

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ausreichend Serotonin besteht die Gefahr,

dass wir Depressionen bekommen,

Paniken und Zwangsneurosen entwickeln.

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In der dunklen Jahreszeit haben wir

den Vitamin-D-Mangel gelegentlich

(oder des Öfteren) durch Schokolade

ausgeglichen. Tatsächlich hilft die -

kurzzeitig - auch gegen Winterdepressionen.

Langfristig aber machen die

Süßigkeiten sich an Bauch und Hüfte

bemerkbar. Durch ausreichend Bewegung

an der frischen Luft und leckerleichte

Ist die Kost alte Markise werden die nicht Pölsterchen mehr schön?

aber schon bald wieder schwinden.

Also: Ab ins Freie, Glückshormone

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Holz, Landwirtschaft und Schützenbruderschaft prägen

Dorfgemeinschaft in Brenschede

„Mit dem Wald

groß geworden“

Paul Senske

Philipp Nolte & Privat

Bei der Beantwortung der Frage nach „der Seele“

des Dorfes gerät Fritz Schwermann ins Schwärmen

und lobt „den einmaligen Zusammenhalt“. Schwermann

ist 88 Jahre alt und lebt seit 1938 in Sundern-Brenschede:

„Wir sind mit dem Wald groß geworden und waren

als Waldarbeiter oder im Holzfuhrgeschäft tätig. Die harte

gemeinsame Arbeit im Berg hat die Menschen geprägt und

sie zusammengeschweißt.“ Holger Hengesbach und sein Vater

Wolfgang vom „Klostergut“ charakterisieren das Dorf

so: „Jedes Haus hat was mit Landwirtschaft und Holz zu

tun. Die Menschen sind praktisch mit der Säge auf die Welt

gekommen. Und aus fast jedem Haus stammt ein Schützenkönig.“

Brenschede, 16 Häuser, 65 Einwohner, der Ort zwischen

Endorf und Kloster Brunnen im oberen Röhrtal („Endorfer

Gebirge“)

gelegen, bietet

Ruhe und Abgeschiedenheit

bei gleichzeitiger Nähe

zur Stadt (Sundern). So sieht es Wolfgang Hengesbach: „Es ist

die ideale Lebensform.“ Wohlwissend, dass außer dem Schulbus

kein öffentliches Verkehrsmittel im Ort hält. „Heimat und

Nachbarschaft haben hier einen überragenden Stellenwert“,

meint Holger Hengesbach. Fritz Schwermann mit seiner aus

Gelsenkirchen stammenden Frau Christel im vorletzten Haus

auf dem Weg nach Kloster Brunnen wohnend, erzählt, dass es

„in den letzten Jahren im Dorf ruhiger geworden, die Dorfgemeinschaft

weiter intakt“ sei. Seine Frau Christel, deren Mutter

aus Endorf stammte, kann sich „eine Rückkehr in die Großstadt

nicht vorstellen. Wir fühlen uns in Brenschede wohl.“

10 - WOLL Frühling 2021


Wenn ihr Mann von früher erzählt, dann geht sein Herz auf:

„Wir haben eigene Dorffeste gefeiert. Früher endete die Straße

vor unserem Haus. Das war praktisch der Mittelpunkt des

Dorfes. Nach der Arbeit war bei uns jeden Abend was los.“

Schützenbruderschaft St. Antonius ist prägende Klammer

Schwermann ist eines der noch lebenden Gründungsmitglieder

der Schützenbruderschaft St. Antonius Kloster Brunnen. Die

1950 gegründete Bruderschaft, heute rund 200 Mitglieder

stark, hatte sogar eine eigene Fußballmannschaft: die „Röhrbrenner“.

„Röhr steht für Röhrenspring, Brenner für Brenschede“,

so Schwermann. „Die Bruderschaft ist das verbindende

Element zwischen Röhrenspring und Brenschede und gemeinsam

mit Kloster Brunnen eine prägende Klammer für das obere

Röhrtal“, betont Holger Hengesbach, der Geschäftsführer

der Bruderschaft. Stolz sind die Menschen auf Julian Schwermann,

der als Fußball-Profi beim SC Verl in der dritten Liga

spielt. 2014 wechselte der Brenscheder Junge, der immer einen

Ball bei sich trug, nach den Stationen SV Endorf und TuS Sundern

zum BVB, ehe der jetzt 21-Jährige im letzten

Jahr einen Vertrag in Verl unterschrieb.

Franz Anton Thüsing erster Landrat des Kreises Arnsberg

Prägend für Brenschede und das obere Ruhrtal ist auch und

besonders das „Klostergut Brenschede“, das Geschichte atmet:

Hier wohnte Franz Anton Thüsing (1782 - 1835), der 1817

zum ersten Landrat des Kreises Arnsberg ernannt wurde. Das

Klostergut war 1813 von Thüsing als Neubau des Schultenhofs

errichtet worden. Der Neubau wurde wegen der engen Verbindung

zu Kloster Brunnen „Klostergut“ genannt. Der Vater

des Landrates, Dr. Franz Anton Thüsing hatte dem Kloster

Brunnen erhebliche Waldflächen geschenkt. Der alte Schultenhof

wurde 1842 abgerissen. Nach mehreren Besitzerwechseln

erwarb der Plettenberger Sägewerksbesitzer Ludwig Vetter 1901

das Klostergut. Als Gutsverwalter wurde Heinrich Schwermann

eingesetzt. 1946 übernahm Hansdieter Vetter das

Anwesen. Dessen Tochter Angelika Hengesbach

führt seit 2011 die Regie. Die Ehefrau

von Wolfgang und die Mutter von

Holger Hengesbach ist zudem

eine mehrfach

prämierte

„Heimat und Nachbarschaft haben einen überragenden

Stellenwert“ -Holger Hengesbach

WOLL Frühling 2021 - 11


Jung und Alt fühlen sich in Brenschede pudelwohl:

Holger Hengesbach (l.) und Fritz Schwermann.

Hühnerzüchterin. Der eigene Wald des Klosterguts sowie die

Flächen der anderen Waldbauern im Röhrtal wurden 2007

durch Kyrill besonders stark heimgesucht. Die Aufforstungsarbeiten

werden seit 2018 durch weitere Schäden (Borkenkäfer)

enorm beeinträchtigt. Anstelle von Fichten-Monokulturen

wurden 24 Baumarten neu gepflanzt. „Die Landschaft ist stark

im Wandel begriffen“, erläutert Angelika Hengesbach.

Niveau- und stilvolle 700-Jahr-Feier

Regional und überregional sorgte Brenschede 2014 und 2018

für Schlagzeilen. 2014 feierte der Ort sein 700-jähriges Jubiläum

- durch puren Zufall. Anfang Januar 2014 entdeckte Wolfgang

Hengesbach beim Zahnarzt in Sundern und beim Durch-

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Höhepunkt der 700-Jahr-Feier 2014 war

das Possenspiel „Neuzeitlicher Badebetrieb

von Kloster Brunnen“.

blättern der „Sunderaner Heimatblätter“ einen Artikel, dass

der Ort 1314 erstmals erwähnt wurde. „Wir hatten das nicht

auf dem Schirm.“ Das war aber das Signal für eine fundierte

Recherche im Landesarchiv Münster. Hier wurde Hengesbach

fündig und entdeckte eine erste urkundliche Erwähnung von

„Bredeschede“ bei der Auslistung der Einnahmen des Mescheder

Stiftes: Einnahme von 32 Denaren. Die ersten genannten

Güter waren das „Gut op dem Ufer“ und der „Schultenhof“.

„Breschede“ war ursprünglich Teil der Endorfer Bauernschaft,

im Lauf der Zeit entwickelte sich der Name Brenschede. Innerhalb

weniger Monate organisierte die Dorfgemeinschaft unter

maßgeblicher Regie von Wolfgang Hengesbach eine niveauund

stilvolle Jubiläumsfeier. Höhepunkt der Feier am 30.

August 2014 war das zweimal aufgeführte Possenspiel „Neuzeitlicher

Badebetrieb von Kloster Brunnen“.

In seiner Begrüßungsrede sprach Wolfgang Hengesbach auf

humorvolle Weise ein Thema an, das Brenschede beschäftigt

und den Ort treffend beschreibt: „Die Leute hier sind einfach

grundzufrieden, beinahe wunschlos glücklich und ruhen in

sich selbst. Was sie sich wünschen sind ein funktionierendes

Mobilfunknetz und eine schnelle Datenverbindung … Man

kann mich beim Wort nehmen, in 700 weiteren Jahren wird es

hier Mobilfunk und mobiles Internet geben, garantiert“, sagte

Hengesbach und bot eine Wette von 50 Liter Bier an.

Vier Jahre später erhielt der Ort endlich Internet, aber ein Handyempfang

war und ist weiterhin nicht möglich. Diese Tatsache

lockte 2018 Medienvertreten aus ganz Deutschland ins obere

Röhrtal. „Brenschede ist eines der bekanntesten Funklöcher

Deutschlands“ erklärt IT-Spezialist Holger Hengesbach.

„Aber wir kämpfen weiter um die mobile Erreichbarkeit.“ ■

„Brenschede bietet die ideale Lebensform“

-Wolfgang Hengesbach

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WOLL Frühling 2021 - 13


Perspektive

Morgenstimmung am Sorpesee

Martin Richter


Mahnmal Kloster Himmelpforten

Als die Wassermassen

ein halbes

Jahrtausend

Klostergeschichte

mit sich rissen

Matthias Koprek

550 Jahre lang Nonnen des

Zisterzienserordens ein Leben des Gebets,

Woüber

der Lesung und der Arbeit führten, erinnern

heute nur noch ein paar Mauerreste an die Existenz

des Klosters Himmelpforten (Monasterium Porta Coeli).

Es wurde 1246 gegründet und soll zunächst am Berghang

erbaut worden sein, bevor es unmittelbar an das malerische

Ufer der Möhne verlegt wurde. Zur Finanzierung schrieb

Erzbischof Konrad 1249 einen Ablass aus.

Das Kloster verfügte zunächst nur über eine hölzerne Kapelle,

die in den 1270er-Jahren durch einen Steinbau ersetzt wurde,

der 1284 fertiggestellt werden konnte. Die vierflügelige Klosteranlage

gruppierte sich um einen Kreuzgang. Im Laufe der Jahre

wuchs das Eigentum des Klosters durch zahlreiche Schenkungen

und Zuwendungen, unter anderem auch durch die Grafen

von Arnsberg, die zu den Förderern des Klosters zählten. Zeitweise

gehörten 55 eigene Höfe am Hellweg zum Kloster, meist

zwischen Werl und Soest gelegen. Alle bekannten Nonnen des

Zisterzienserklosters entstammten Ministerial- oder Lehnsträgerfamilien.

Kriege störten das beschauliche Klosterleben

Das Klosterleben wurde immer wieder von Kriegen beeinträchtigt.

Im Truchsessischen Krieg (1583 - 1589) zwischen kurkölnischen

und bayerischen Truppen und im Dreißigjährige Krieg

(1618 - 1638) waren die Zerstörungen enorm. 1633 wurde

das Kloster zunächst geplündert und in Brand gesteckt. Alle

Klostergebäude und große Teile der Kirche fielen den Flammen

zum Opfer. Erst 1656 wurden die Notbauten fertiggestellt. Bis

die neue Kirche eingeweiht werden konnte, dauerte es gar bis

1725. Im Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) wiederholte sich das

Schauspiel.

16 - WOLL Frühling 2021


vb-sauerland.de

Die Folgen der Französischen Revolution

besiegelten das Ende der Klostergeschichte.

1804 wurde Kloster Himmelpforten

im Rahmen der Säkularisation

vom Staat übernommen, zunächst

verpachtet und dann verkauft. Die

Klosterkirche stand nach der Aufhebung

des Klosters lange Jahre leer und

wurde 1840 schließlich zur Pfarrkirche

von Niederense.

Flutwelle macht Kloster dem

Erdboden gleich

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai

1943 flog die britische Royal Air Force

einen lange geplanten Angriff auf die

Möhnetalsperre in Günne. Für die

Operation „Chastise“ („Züchtigung“),

wie die Briten den Angriff nannten,

wurde eigens eine Rollbombe entwickelt,

die über das Wasser und somit

auch über die Torpedonetze hüpfen

konnte, die die Sperrmauer schützen

sollten. Weil die Operation viel fliegerisches

Fingerspitzengefühl erforderte,

wurden zahlreiche Flugzeuge eingesetzt.

Tatsächlich gelang es einem der Piloten

eine Rollbombe exakt so abzuwerfen,

dass sie ihr Ziel traf. Die Bombe riss ein

riesiges Loch in die massive Mauer und

löste somit eine verheerende Flutwelle

aus, die sich ihren Weg unaufhaltsam

durch das romantische Möhnetal bahnte.

Die von den Wassermassen mitgerissenen

Baumstämme des Sägewerks

und Trümmerteile der niedergerissenen

Bauwerke verstärkten die zerstörerische

Wirkung. Das Kloster wurde dem Erdboden

gleich gemacht.

Das heute leicht verklärt als Möhnekatastrophe

bezeichnete Ereignis, das

vielmehr ein Anschlag als ein unabwendbares,

schicksalhaftes Unglück

war, kostete über 1.500 Menschen das

Leben. Unter ihnen auch Pastor Josef

Berkenkopf (1880 - 1943), an den ein

Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen

Klosters erinnert.

WOLL Frühling 2021 - 17


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Mahnmal erinnert an die Opfer der Möhnekatastrophe

Bis auf einige Mauerreste und ein paar wenige Kunstschätze ist

nichts geblieben von Himmelpforten. Eine kleine Ummauerung

zeichnet den Grundriss der alten Klosterkirche. Wo einst

der Hochaltar stand, ragt heute ein großes Eisenkreuz empor.

Die Möhneseer Künstler Michael und Christof Winkelmann

haben davor einen Altar aus Grünsandstein errichtet.

Einmal jährlich wird hier mit einer Messe an die Opfer gedacht.

Das Gelände dient heute als begehbares Mahnmal, das

die Erinnerung aufrechterhalten soll.

Die Niederenser bauten ihre Pfarrkirche bis Ostern 1949 in

der Dorfmitte wieder auf. Fragmente und Skulpturen, die das

Wasser nicht mit sich gerissen hat, wurden in St. Bernhard

integriert. So besteht der ebenfalls von den Gebrüdern Winkelmann

gestaltete Altar aus Steinen der Klosterkirche. Die „Mutter

Gottes mit dem Gekreuzigten“ ist eins der wenigen sakralen

Kunstwerke, das erhalten blieb und in der neuen Kirche eine

neue Heimat fand. Weitere Überreste sind im Heimatmuseum

von Niederense zu besichtigen.

Heute ist das Mahnmal Kloster Himmelpforten ein beliebtes

Ausflugsziel. Gleich nebenan befindet sich der Wanderparkplatz

Himmelpforten, von dem aus man zu einigen Rundwegen

durch den Naturpark Arnsberger Wald und entlang der

Möhne starten kann. ■

18 - WOLL Frühling 2021


Leben im Sauerland

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

Verlags-Spezial

WOLL geht raus

Garten und Outdoor im Sauerland

WOLL – mit Herz und Hand von

Draußen ist ´ne Menge los Seite 20

Hasse chehört…? Seite 23

Unzählige Wassersport-Möglichkeiten Seite 24

Ein Abenteuerspielplatz direkt vor der Haustür Seite 28

Kuhgeflüster im Frühling Seite 31

Den Alltag vergessen Seite 32

Die Natur als Trainingsparcours Seite 34

Pflanze darf im Garten nicht zu kurz kommen Seite 36

Von Ackersegen und Bier in der Laube Seite 40

Wo einem Fische aus der Hand fressen Seite 42

Das Wandern ist des Müllers Lust Seite 45

Deutsche Tradition trifft auf internationalen Flair Seite 46

Unser Garten im Frühling Seite 48

WOLL Frühling 2021 - 19


Keine Zeit fürs Stubenhocken

DRAUSSEN ist ´ne Menge los

Christel Zidi

Tourismus Brilon Olsberg, sabrinity

war früher fast ein Schimpfwort.

Denn welches Kind hielt sich schon

„Stubenhocker“

freiwillig im Haus auf, wenn es draußen so

viel zu entdecken gab? Wenn die Nachbarskinder schon

warteten, um gemeinsam Rollschuh zu fahren oder durch

den Wald zu stöbern. Handys gab es noch nicht, Langeweile

nur bei Hausarrest.

Unsere Eltern und Großeltern wussten von der positiven

Wirkung, die ein Aufenthalt und vor allem Bewegung an der

frischen Luft hat. Die Welt vor unserer Haustüre ist ganz besonders

schön. Und es gibt im Sauerland viele Möglichkeiten,

draußen aktiv zu sein - für jede Generation. Hier sind einige

Vorschläge für Freizeitaktivitäten im Frühling, die man sich

bei jedem Geldbeutel leisten kann:

Radfahren und Biken

Fahrradfahren ist in den letzten Jahren ein großes Thema im

Sauerland geworden. Dazu hat wohl auch die zunehmende

E-Mobilität beigetragen, denn selbst Nicht-Leistungssportler

können mit ihren E-Bikes und Elektrofahrrädern nun auch

größere und längere Steigungen ohne Mühe bewältigen.

Außerdem gibt es ein gut ausgebautes Netz an E-Bike-Verleih-

und Ladestationen und sehr viele und sehr schöne Fahrradwege.

Zum Beispiel den Ruhrtal-Radweg, der von Winterberg

bis nach Duisburg führt. Eine kürzere, landschaftlich

sehr schön gelegene Strecke führt von Marsberg zur Aabachtalsperre.

Wer lieber auf geraden Strecken unterwegs ist, wird

wahrscheinlich eine Fahrt entlang des Möhnesees vorziehen.

Hier kommt man noch ganz gut ohne Hilfsmotor aus. We-

20 - WOLL Frühling 2021


Aussichtsroute“. Ein völlig anderes Landschaftsbild bietet

sich im Raum Ense, am Rande der Soester Börde. Vom Wanderparkplatz

Himmelpforten aus geht es nach Niederense.

Auf diesem Weg können Sie schon einige gute Badeplätze

für den Sommer ausmachen. Gerade dann, wenn die Natur

wieder erwacht, ist es an den Almequellen besonders schön

und der Wanderweg hat nur wenige Barrieren.

Erlebnis- und Lehrpfade

Nicht nur Natur, sondern auch kulturgeschichtliche Entdeckungen

gibt es auf dem Bergbauwanderweg in Ramsbeck.

Barrierefrei ist der Airlebnisweg Amecke am Sorpesee, u. a.

gibt es hier einen Wassererlebnisplatz und einen Aroma- und

Duftgarten. Wer gern besonders achtsam unterwegs ist, sollte

den Landschaftstherapeutischen Weg * in Brilon einschlagen.

Hier werden Stimmungen inszeniert: Vom Feenklang

(schließlich ist in Brilon die Waldfee zuhause) über die ehemalige

Skisprungschanze bis zum Ausruhen in Hängematten

am Waldrand. Wer die Welt unserer Bienen besser verstehen

möchte, sollte einmal eine geführte Wanderung auf einem

Bienen-Lehrpfad mitmachen, den gibt es in Freienohl und

seit Kurzem auch in Berge. Nur vier Kilometer lang, aber

äußerst informativ ist der barrierearme Milchweg Homert,

zwischen Stockum und Seidfeld. Als Höhepunkt kann man

auf einem Bauernhof frische Milch am Automaten zapfen.

Kneippen

niger für Senioren, sondern eher für die jüngere Generation

ist der Bike Park in Meschede. Hier benötigt man keinen

Motor, dafür aber eine Menge Geschicklichkeit.

Wandern

Im Sauerland gibt es viele reizvolle Wanderstrecken. Vom

höchsten Berg Nordrhein-Westfalens, den Langenberg

(843m), kann man den Rothaarsteig entlang zum Kahlen

Asten wandern. Kaum ein Wanderer versäumt es, auf diesem

Weg einen Stopp an der Ruhrquelle einzulegen. Auch die

Bruchhauser Steine oder im Schmallenberger Raum die

Hängebrücke bei Kühhude, der Waldskulpturenweg oder

der Kyrillpfad sind lohnenswerte Ziele. Spannende Ausblicke

erhält man auf der zirka 20 Kilometer langen „Arnsberger

Jetzt im Frühling darf auch wieder gekneippt werden. Der

Kneipp Erlebnispark in Brilon/Olsberg zeigt, wie gut uns die

Kraft des Wassers tun kann. Ob im historischen Olsberger

Kneipp-Park, in der Briloner Kneippanlage, die mit dem

Quellwasser der Möhne gespeist wird, an den renaturierten

Ruhrauen, in der Tretbeckenanlage Elpe oder im Lebensgarten

des Josefsheim Bigge.

Spielplätze

Am Möhnesee gibt es verschiedene Waldspielplätze und einen

großen Abenteuerspielplatz mit Skateplatz im Seepark. Ein

kleines Paradies für kleinere Kinder gibt es „Am Feisberg“, in

der Nähe des Jüppken-Parks in Berge. Der Abenteuerspielplatz

in Bruchhausen bietet ganz viel Spaß, auch für etwas größere

Kinder. Dort gibt es Baumstämme zum Klettern und Balancieren,

ein neues Spielhaus und die beliebte Tellerrutsche.

* ist voraussichtlich ab Ostern wieder begehbar

WOLL Frühling 2021 - 21


Sportliches für Kinder und Jugendliche

An der Sperrmauer in Möhnesee-Günne gibt es eine Freizeitanlage,

in der man Fußball auf Bahnen spielen. Spaß gibt es

sicherlich auch in NRWs erster Fußball-Golf-Anlage. Fußball-Golf?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Denn hier wird kein

gewöhnlicher, kleiner Golfball ins Loch gespielt, sondern ein

ganz normaler Fußball. Im “Vosspfad Helmeringhausen “bei

Olsberg geht es über Stock und Stein und auch in Eversberg

geht es beim Walderlebnisparcours recht sportlich zu, ebenso

wie im Hochseilgarten in Rüthen.

Klettern

Zwar sind die meisten Berge im Sauerland sanft gerundet,

mit Wald und Wiesen bedeckt, aber es finden sich auch ein

paar Stellen, an denen man den offenen Fels hinaufklettern

kann. Das Klettergebiet Hillenberg in Warstein mit fast 50

Meter hohen Wänden ist eines der herausragenden Klettergebiete

in NRW. Nicht ganz so hoch hinaus geht für die

Kletterer im kleinen Steinbruch „Am Bähnchen“ in Bestwig,

hier sind es maximal 35 Meter.

Wildparks

In den Wildparks Warstein und Völlinghausen gibt es großzügig

angelegte Gehege mit vielen Wildtieren. Begeisterung

kommt da nicht nur bei Kindern auf.

Pilgerwege

Um einmal als Pilger unterwegs zu sein, muss man nicht

unbedingt bis nach Spanien reisen. Auch durch Westfalen

führt ein Jakobsweg – und zwar von Paderborn nach Köln.

Ein Stück weit, genauer gesagt 123,6 Kilometer, führt er

sogar durch das Sauerland. Beginnend bei Marsberg-Meerhof

bis nach Isingheim-Obermarpe. Ein weiterer, aber wesentlich

kürzerer Pilgerweg beginnt beim Kloster Bredelar und endet

am Kloster Flechtdorf am Diemelsee.

Höhlen

Ein Erlebnis für Jung und Alt ist der Besuch einer Höhle.

Und davon haben wir hier im Sauerland so einige, die auch

besichtigt werden können. Zum Beispiel die Bilsteinhöhle bei

Warstein, die Veleda-Höhle in Velmede oder der Hohle Stein

bei Kallenhardt. Und wer so gar nicht auf sein Handy verzichten

mag, der kann es ja mit einem Aufenthalt im Freien

verbinden, zum Beispiel beim Geocaching. ■

Mehr zum Wassersport gibt es auf

den nachfolgenden Seiten.

Individuelle Sonnensegel

made im Sauerland

Michel

22

Planen

- WOLL

Heinz

Frühling

Michel

2021

e.K. | Auf der Hube 17 | 59889 Eslohe-Cobbenrode | 02973 818 670 | info@michel-planen.de | www.michel-planen.de

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Hasse chehört…?

Anke Kemper

wat dat schönste am Frühling is,

Lisbeth?“

„Weiste,

„Na is doch klar, dat frische Chrün und

de Primeln und dat janze Gedöns, wat endlich außer Erde

kommt, woll?“

„Dat auch. Abba dat allerschönste is, dat de Mannsleute

endlich widda außem Haus kommen!“

„Haste auch widda recht, Fine. De Leute sajen ja imma,

wie chemütlich diese dunkle Jahreszeit doch is, so mit de

Kerze an und so. Abba dat de den janzen Tach den Kerl vor

de Füße hast, da spricht keiner drübba.“

„Chenau. Einfach nur lästig! Is man cherade mit dem

Essen fertich, da wird schon direkt jefracht, wat et zum

Kaffee chibt. Ich sach dir.“

„Jau. Ich hatte dem Friedel mal vorjeschlajen, er könnte ja

wenichstens wat backen, wenn er schon nich beim Kochen

helfen will.“

„Dat is doch toll!“

„Ne jarnich toll. Anschließend kannste direkt de Küche

renovieren. Dat brauch ich dann auch nich.“

„Stimmt auch widda. Wir ham im Herbst extra nen neuen

Heizofen für den Bastelkeller jekauft, da sacht der Otto

doch zu mir: es zieht vom Kartoffelkeller her. Immer nur

Ausreden.“

„Na, immerhin hat er sich ma innen Keller chetraut. Der

Friedel bewegt sich nur außem Warmen, wenn er de Vögel

füttern muss. Dat war’s.“

„Naja. Is ja jetzt endlich vorbei. Wat habt ihr denn fürn

Projekt jeplant?“

„Wat denn fürn Projekt? Chatten umgraben steht janz

oben auf de Liste. Und wenn der Friedel einmal draußen

is, dann fällt mir auch glatt imma wat Neues ein, da brauch

ich jar nich lange überlejen, woll!“

„Wir könnten dann ja auch ma zusammen Sport machen,

wat meinste, Lisbeth?“

„Soweit kommt’s noch. Dat machen meine Knie nich mit.

Nen kleiner Spaziergang dürfte fürn Anfang reichen.“

„Stimmt auch widda. Der erste Schritt nach Draußen is

der wichtigste. Allet andere kommt dann von janz alleine,

woll?“ ■

WOLL Frühling 2021 - 23


DAS SAUERLAND –

LAND DER UNZÄHLIGEN

WASSERSPORT-MÖGLICHKEITEN

Christel Zidi

N

atürlich weiß jeder Sauerländer, dass wir sehr

schöne Seen im Sauerland haben. Aber erst bei

einer genaueren Recherche wird klar, wie vielfältig

die Möglichkeiten sind, Wassersport zu betreiben.

Dazu gibt es einige kleinere Seen und Teiche, die sehr idyllisch

gelegenen sind und schon von daher zu einem Ausflug

einladen.

Wer beim Wasserski sofort Bilder von

mondänen Badeorten wie Saint Tropez oder Nizza vor Augen

hat, hält diese Sportart wahrscheinlich für zu exklusiv, um

sie zu verwirklichen. Aber dann kennt er die vielen Möglichkeiten

nicht, die das Sauerland zu bieten hat. Bei Winterberg-

Niedersfeld befindet sich ein wunderschön gelegener kleiner

Stausee, der mit seinen 8,5 Hektar Wasserfläche ausreichend

Platz bietet für eine Wakeboard- und Wasserskianlage. Der

Hillestausee hat zudem eine reizvolle Badebucht und ist auch

24 - WOLL Frühling 2021


für Angler ein lohnenswertes

Ziel. Wasserski ist auch für Zuschauer recht

interessant. Und zwar dann, wenn man die geschickten Fahrer

vom Ufer aus bewundern kann und Spaß bei den Versuchen

der eher ungeschickteren unter ihnen hat. In Nuttlar kann

man „abtauchen“ und das auf in Europa wohl einzigartige Art

und Weise. Und zwar dort, wo früher Bergleute ihrer schweren

und gefährlichen Arbeit nachgegangen sind. Das einstige

Bergwerk ist auf zwei von fünf Ebenen über eine Länge von 12

Kilometern komplett geflutet. Wer Interesse am Cave Diving,

also am Höhlentauchen hat, kann sich über die Tauchschule

Sauerland anmelden. Das Schieferbergwerk

Nuttlar kann man auf den oberen Etagen auch trockenen

Fußes besichtigen. Ein besonderes Erlebnis sind auch die

regelmäßig hier stattfindenden Konzerte. Und natürlich bieten

auch alle Sauerländer Seen ausreichend Möglichkeiten zum

Wassersport, besonders die größeren. Aus Platzmangel können

wir nicht alle Möglichkeiten aufführen, die es an und auf den

Seen gibt.

Deshalb nur eine kleine Auswahl: Rund um den Möhnesee

kommen Wasserratten voll auf ihre Kosten. Es gibt dort

eine Yachtschule und einen Bootsverleih. Oder sie fahren mit

Hydrobikes, Kanus, Tret-, Elektro- oder Ruderboot. Vielleicht

WOLL Frühling 2021 - 25


stellen Sie sich mal auf ein SUP-Board? Verschiedene

Segel-, Surf- und Motorbootkurse

sind am Möhnesee möglich. Ein besonderer

Familienspaß ist das Floßbauen. Oder werden

Sie Donut-Kapitän. Auf den runden Schwimminseln

kann man grillen, picknicken oder einfach

nur entspannen. Speziell für Kinder gibt es am See

auch ein Wasser-Abenteuer-Camp.

Auch der Hennesee bietet viele Freizeitmöglichkeiten.

Sie können sich dort ein E-Bike ausleihen und rund um

den See fahren. Oder Sie genießen die schöne Aussicht vom

Kajak aus. Rudern lernen ist am Hennesee auch möglich. Wer

mit muskelkraftangetriebenen Paddel- u. Ruderbooten auf

dem See unterwegs ist, braucht kein Entgelt dafür zu zahlen.

Auch nicht für Segelbote von unter 6 m².

Am Sorpesee können Sie von erfahrenen Skippern das Segeln

lernen oder sich in dieser Sportart weiterbilden. Auch einen

Tretbootverleih gibt es.

Am Diemelsee kommen Angler, Segler, Surfer, Kanute,

Schwimmer oder Taucher auf ihre Kosten. Oder sie lassen es

ganz gemütlich angehen und genießen die schöne Aussicht

vom Personenschiff aus. Wer ein wenig über die Grenze des

Sauerlandes hinausfährt, findet auch an der Aabachtalsperre

bei Marsberg tolle Wassersportmöglichkeiten. Oder im Süden

des Sauerlandes, am Biggesee.

Von der Esmecke zum Bodensee

Neben den großen Seen gibt es im Sauerland auch einige kleinere.

Die sind nicht unbedingt alle zum Wassersport geeignet,

aber einen Ausflug alle Male wert.

Idyllisch

gelegen ist der

Esmecke-Stausee bei Wenholthausen, schön auch die aufgestaute

Ruhr bei Olsberg. Der „See im Berg“ bei Brilon-Messinghausen

ist auch für Taucher interessant. Bei Niedersfeld

ist der Hillestausee, NRWs höchstgelegener Stausee. Die

Stauanlage Schmala befindet sich zwischen Olsberg und

Willingen. Im Arnsberger Wald, südlich von Warstein ist der

Sedansteich, der Hexenteich ist im Arnsberger Eichholz zu

finden, der Biberteich bei Rüthen. Oder fahren Sie am Wochenende

doch mal zum Bodensee. Ist Ihnen zu weit? Nun,

das Schwäbische Meer ist für einen Kurztrip bestimmt zu

weit. Aber es gibt auch im Sauerland einen – wenn auch etwas

kleineren - Bodensee. Den können Sie ganz in der Nähe von

Winterberg finden. ■

Fotoquelle: © Susanne Schmidt (www.cave-woman.de)

26 - WOLL Frühling 2021


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WOLL Frühling 2021 - 27


Bei Familie Menge in Berge kommt

keine Langeweile auf

Ein Abenteuerspielplatz

direkt vor der Haustür

Anke Kemper

S. Droste

W

ir Sauerländer sind uns

da wohl einig: Auf dem

Land zu leben und die

Natur vor der Nase zu haben, ist für

uns ein besonderes Privileg. Schon

die Kleinsten erleben ihre Abenteuer

draußen mit ihren Freunden und

Geschwistern. Das Wetter spielt da

kaum eine Rolle, denn auch eine

simple Pfütze kann bei einem Fahrradparcours

das i-Tüpfelchen sein.

Die Möglichkeiten sind vielseitig und

der Fantasie sind hier keine Grenzen

gesetzt. Bei den drei Jungs von Stefan

und Nadine Menge aus Berge kommt

noch eines hinzu: ganz viel Platz.

Idyllisch ist es hier. Die stillgelegte alte

Mühle mit dem Turbinenteich daneben

könnte wohl ihre eigenen Geschichten

erzählen und hat bereits bei einem

Fotoshooting der holterdipolter Theatergruppe

als Kulisse gedient. Von 1865

bis 1970 wurde hier Mehl gemahlen.

1947 wurde die Mühle vergrößert bzw.

erweitert. Und vor 1865 war es eine

Brettmühle. Auf dem weitläufigen

Grundstück, das ca. 3.500 qm umfasst

und wo auch Frau Menge Senior

lebt, hat Familie Menge im Jahr 2003

das alte Pastorat gekauft und für sich

umgebaut. Was für die Erwachsenen

eine Oase der Entspannung sein kann,

ist für die Kinder ein großer Abenteuerspielplatz.

Jannis, Linus, Mattis in ihrem Baumhaus (v.l.)

Und schon geht es los: Der 6-jährige

Linus präsentiert uns stolz seine Motorsäge.

Der Schutzhelm darf nicht fehlen.

Auch immer im Einsatz sind Laubbläser,

Heckenschere sowie Freischneider

- im Spielzeugformat versteht sich. Am

liebsten mischt er überall mit und hilft,

wo er kann: ob beim Fegen, Unkraut

zupfen oder Gärtnern. Das Löcher buddeln

scheint allen drei Kindern große

Freude zu bereiten.

28 - WOLL Frühling 2021


„Eigentlich hat sich das Spielen draußen seit meiner Kindheit

bis heute nicht viel verändert“, bemerkt Nadine Menge. Die

39-jährige Erzieherin weiß, wie wichtig es ist, dass Kinder

frei herumtoben können, sich ausprobieren und ihre Grenzen

kennenlernen müssen. Dreckig und nass werden oder auch

Kratzer, Schrammen und Beulen abbekommen, gehört einfach

dazu.

„Im Jahr 2006 ging ich für 1,5 Jahre nach London und war

dort in einem Privathaushalt mit sieben Kindern als Nanny

angestellt. Dort kann man sich glücklich schätzen, wenn

man einen Garten hat. Die meisten Spielplätze in London

sind betoniert“, erzählt sie weiter. Hinzu kommt, dass sich

gerade für die Kinder das Dorfleben im Vergleich zum Leben

in der Stadt stark unterscheidet. Zumal hier jeder jeden kennt

und weiß, welcher Familie welches Kind zuzuordnen ist, sollte

sich mal eines allein auf Entdeckungstour durch den Ort

aufmachen. Wenn es doch einmal vorkommt, dass es Jannis,

Linus und Mattis zuhause langweilig wird, dann gehen sie

rüber zu benachbarten Bauernhöfen und helfen im Stall.

Stefan und Nadine Menge mit ihren Jungen am Turbinenteich

Reichlich Spielmaterial findet sich auch im Wald, der nur

wenige Gehminuten entfernt liegt. Stefan und Nadine Menge

Fahrrad fahren, Fangen und Verstecken spielen sowie mit

Kreide malen gehören zu Mattis Lieblingsbeschäftigungen.

Außerdem liebt der 3-Jährige es, in Pfützen zu springen -

besonders mit Sonntagsschuhen. Der Kleinste der Familie

scheint keinerlei Angst zu haben. Stolz balanciert er hinter

seinen großen Brüdern über gestapelte Baumstämme her.

Der älteste, der 8-jährige Jannis, liebt das Klettern in

Bäumen. Hochhinaus geht es in sein Baumhaus, das er zusammen

mit seinem Freund gebaut hat. Hier wird immer

mal repariert und verändert. Die Planungen für ein zweites

Stockwerk stehen schon. Und wenn Jannis seinen Papa mal

nur für sich hat, werden Stöcke gesammelt und sie schnitzen

gemeinsam.

„Manchmal bauen wir einen Parcours auf für die Fahrzeuge

wie Fahrräder und Trampeltrecker oder auch direkt im

Garten etwas für die Kinder zum Balancieren, Durchkrabbeln

oder Slalom laufen. Natürlich auf Zeit. Das lieben sie“,

berichtet Stefan Menge. Der 49-Jährige arbeitet als Werkstatt-Gruppenleiter

im Josefsheim in Bigge.

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WOLL Frühling 2021 - 29


Die Jungs erleben ihre Abenteuer vor der Haustüre

gehen häufig dort mit den Kindern spazieren

und sammeln Stöcke, Tannenzapfen,

Steine und Moos. Mehr braucht

es meistens nicht. Unspektakuläres

Material, das die Kreativität der Kinder

weckt. Der Wald lädt ein zum Fangenund

Verstecken spielen oder um auf

Schatzsuche zu gehen.

Auf ihren Spaziergängen kommen sie

an einem Gehege mit Rehen vorbei, die

sich regelmäßig auf Futter von Familie

Menge freuen dürfen.

Nach einem Tag voller Abenteuer und

Aktivität wird schon mal ein Lagerfeuer

angezündet, wo alle wieder Ruhe finden

und ihre Geschichten und Erlebnisse

austauschen und verarbeiten können.

In Zeiten der Pandemie hat sich Familie

Menge zusammen mit Freunden etwas

ausgedacht und mit einer Schatzsuche

für Abwechslung für die Kinder gesorgt.

Hierbei verstecken sie gegenseitig

einen Schatz und hängen dann die Hinweise

für die Schatzsuche an die Tür der

Freunde.

So mangelt es nicht an Abwechslung,

Spaß und Abenteuer für die junge

Familie und man darf gespannt sein,

an was sich die Kinder am liebsten

erinnern werden, wenn sie erwachsen

sind. ■

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und zu Ostern

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30 - WOLL Frühling 2021


Kuhgeflüster im Frühling

Kuhgeflüster im Herbst

Rüdiger Tillmann

Vom Mittelmaß

von Peter P. Neuhaus

Die Kuh flog niemals auf den Mond,

sah nie Amerika.

Sie ist zufrieden, wo sie wohnt –

wie Tante Erika.

Die Kuh schrieb niemals ein Poem,

obwohl sie’s sicher kann.

Sie fuhr nicht selbst nach Bethlehem,

sie schickte ihren Mann.

Sie schnurrt nicht und sie haart nicht sehr,

taugt nicht als Kind-Ersatz.

Sie fährt nicht mit dem Nahverkehr,

zahlt Standardsteuersatz.

Die Kuh isst nicht beim Sternekoch

und trinkt nur selten Gin.

Am Abend sagt sie:„Sicher doch …“

und legt sich friedlich hin.

Ist keine, die sich groß beschwert,

braucht keine Majestät,

geht ungern nur ins Jazzkonzert,

sah niemals Breaking Bad.

Sie denkt nicht übers Große nach,

das Ganze juckt sie kaum.

Und liegt sie dann im Schlafgemach,

vergisst sie Zeit und Raum.

Die Kuh, sie ist zufrieden schon

mit wenig. Von derWelt

erwartet sie nicht Gotteslohn,

nicht Auto, Haus, nicht Geld.

Sie hofft nicht auf den großen Spaß.

Sie ist und bleibt bloß: Kuh.

Ist glücklich mit dem Mittelmaß,

genau wie ich und Du.

Rüdiger Tillmann Peter P. Neuhaus

KUHGEFLÜSTER

Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland R. Tillmann / P. P. Neuhaus

Die Comic von Rüdiger Tillmann und die Gedichte von Peter P. Neuhaus finden Sie

im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland"

15,90 € / ISBN-978-3-943681-63-5 / Erschienen im WOLL-Verlag

Erhältlich im www.woll-onlineshop.de oder in den Sauerländer Buchhandlungen

Die Comic von Rüdiger Tillmann und die Gedichte von Peter P. Neuhaus finden Sie

im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland"

15,90 € / ISBN-978-3-943681-63-5 / Erschienen im WOLL-Verlag

Erhältlich im www.woll-onlineshop.de oder in den Sauerländer Buchhandlungen

„Das ganze Buch ist gut.“

Thomas Gsella

Auf den sauerländischen Weiden und in den dunklen

Wäldern der berühmten Mittelgebirgs region zwischen

Ural und französischem Zentralmassiv tummeln sich Tiere,

die sich allerlei zu erzählen haben.

Das wird von Rüdiger Tillmann genaustens beobachtet

und in bunten Cartoons festgehalten. Und darüber muss

man Worte verlieren. Also reimt Peter P. Neuhaus, was

die Tierwelt hergibt.

Immer wieder steht im Zentrum dieser Beobachtungen

die Kuh, die Symbolfigur des Lands der tausend Berge, in

dem am Ende der Geschichte manchmal sogar Cowboys

gen Horizont ziehen sollen. Und wenn die grad nicht da

sind, tut’s eben die Kuh.

Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland

UHGEFLÜSTER


Den Alltag vergessen

Klettern in Bestwig „Am Bähnchen“

Sonja Nürnberger Privat

Denkt man ans Klettern in

der Natur, kommen einem

vielleicht das Frankenjura

in der fränkischen Schweiz oder das

Elbsandsteingebirge in der sächsischen

Schweiz in den Sinn – nicht unbedingt

das Sauerland. Aber tatsächlich

gibt es auch bei uns direkt vor der

Haustür die ein oder andere Möglichkeit,

seine Kletterskills zu trainieren.

„Wichtig ist vor allem eine gute Felsqualität.

Im Sauerland haben wir das

rheinische Schiefergebirge, das stark

gefaltet und damit verschiefert und zerklüftet

ist“, erklärt Joachim Fischer. Der

Warsteiner ist hauptamtlicher Mitarbeiter

beim Landesverband des Deutschen

Alpenvereins in Nordrhein-Westfalen

und dort zuständig für Klettern und Naturschutz.

„Zwar gibt es hier viele Steinbrüche,

tatsächlich sind aber nur etwa

ein bis zwei Prozent davon zum Klettern

geeignet.“ Davon fallen weitere raus, da

sie zu niedrig sind: Erst ab acht Metern

Höhe fängt es an, Spaß zu machen. Vor

allem aber werden die Klettermöglichkeiten

durch Verbote eingeschränkt:

„Das zieht sich eigentlich schon seit Jahrzehnten

hin, seit etwa Mitte der 1970er

bis Anfang der 2000er Jahre. Viele der

Naturfelsen, die zum Klettern sehr gut

geeignet sind, wurden als Naturschutzgebiet

ausgewiesen. Das ging flächendeckend

mit einem Kletterverbot einher.“

Tolle Möglichkeiten gingen verloren:

die Bruchhauser Steine, das Hönnetal,

der Biggesee mit den Ahauser Klippen

oder der Steinbruch Hohe Ley mit einer

Wand von fast 100 Metern Höhe, an der

man für die Alpen trainieren konnte.

Erschließung neuer Möglichkeiten

Vor knapp 20 Jahren fing man an, nach

Alternativen zu suchen. Alle Steinbrüche

und Felsen wurden angeschaut, die

32 - WOLL Frühling 2021


außerhalb Gerade bei von den Naturschutzgebieten älteren Kunden nimmt liegen.

Zeit Mithilfe für ein Pläuschchen. der deutschen Auf Grundkarte, die Frage, wie abverlangt. alles so „Das seinen ist kein Anfängerge-

Lauf der nehmen jeder Fels kann, und jeder wenn Steinbruch man sich selbst biet“, treu weiß bleibt Fischer. und „Da muss man schon

versehen, sich gerne den Kletterern die einiges Können

eingezeichnet eine Arbeit ausüben ist, wurde kann, das Sauerland die man liebt, richtig und trotzdem gut klettern seinen

täglichen, und nach weniger zum Klettern inspirierenden geeig-

Tätigkeiten da hinaufkommen nachge-

will.“

können, wenn man

abgegrast

neten hen muss, Orten und gesucht. wie er „Insgesamt das alles zwölf unter einen Hut bekommt,

solcher antwortet Orte Alexander haben wir Freund: im Sauerland „Arbeit ist nichts anderes Faszination als Klettern

gefunden. der Kampf Bei gegen einigen das wenigen Chaos!“ stehen

wir noch in Verhandlungen mit Naturschutzbehörden

und Grundbesitzern.“ Natur, man kann den Alltag für einige

Beim Klettern ist man draußen in der

Zeit vergessen, trifft alte und neue

Einer dieser Orte ist der alte Steinbruch Freunde. Jede Kletterroute ist eine neue

„Am Bähnchen“ in Bestwig. Etwa 25 Herausforderung an den Kletterer selbst:

Kletterrouten mit unterschiedlichen Komm ich da wirklich hoch? Es ist ein

Schwierigkeitsgraden bietet der Kalksteinbruch

heute. Im hinteren Bereich geschafft hat. „Ein Erfolgserlebnis, das

Erfolgserlebnis, wenn man es schließlich

ist die Plattenwand leicht geneigt. Hier man sich in relativ kurzer Zeit verschaffen

kann und gleich mehrere hinterein-

sind mit 35 Metern Länge die längsten

und einfachsten Routen angelegt. Eine ander. Man fährt gelöst und zufrieden

echte Herausforderung stellt die 25 nach Hause und geht wieder mit einer

Meter hohe „Bahnhofswand“ dar, die ganz anderen Motivation in den Alltag

senkrecht und mit einigen Überhängen hinein.“ ■

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WOLL Frühjahr Frühling 2021 - 33 97


Spielen – bei Wind und Wetter

Die Natur als

Trainingsparcours

Helmut Gaida

Jürgen Eckert

K

inder entwickeln sich heute

unter stark veränderten

Lebensbedingungen. Längst

ist die multimediale Entwicklung

in den Kinderzimmern eingezogen.

Brauchen Kinder das Spiel in der

Natur nicht mehr? Und falls doch,

welche Folgen hat dieser „Entzug“

für unsere Kinder. Wir haben dazu

zwei Warsteiner Experten befragt:

Dr. med. Antonius Sander (Praxis

für Kinder- und Jugendmedizin) und

Dipl.-Psych. Jutta Sniehotta (Kinder-

und Jugendlichenpsychotherapeutin).

Die mittlerweile leicht angegraute

Generation erinnert sich sicher an viele

Kindheitserlebnisse mitten im Arnsberger

Wald, am Möhnesee, an Abenteuer

in der Bergstadt Rüthen. Oder an

siegreiche Fußballspiele auf der Straße

vorm Haus. So manche Fensterscheibe

der Nachbarn zeigte nach einem

gezielten Ballschuss da schon mal ihre

Schwächen, was die Bruchfestigkeit angeht.

Herrliche und abwechslungsreiche

Zeiten.

Wer, beseelt von diesen alten Erinnerungen,

mit dem Auto durch Wohnsiedlungen

fährt, sollte besonders

vorsichtig fahren, denn – wie schon auf

Hinweisschildern zu sehen - könnten ja

plötzlich spielende Kinder auf die Straße

laufen. Grundsätzlich vollkommen

richtig. Nur: Wo sind die Kinder? Fast

schon ist es eine Erleichterung, wenn

man dann in der Nähe doch noch

einen Spielplatz mit tobenden Kindern

erblickt.

Die Lebenswelt von Kindern

Das Spiel in der Natur hat, im Gegensatz

zu früheren Zeiten, eine eher

untergeordnete Rolle. Das biologisch

verankerte Spiel-Bedürfnis hat heute

oft eine andere Ausprägung, findet eher

zuhause statt. „Kinder sind erlebnisorientiert“

erklärt dazu Diplom-Psychologin

Jutta Sniehotta aus Warstein“, „sie

können durch das Spiel draußen ihrer

Fantasie freien Lauf lassen und gleichzeitig

- indem sie Projekte „erfinden“-

ihre Gestaltungskompetenz ausbilden

und verbessern. Das heißt, dass sie

lernen, vorausschauend zu denken und

zu planen sowie Probleme zu erkennen

und zu beseitigen. Sie lernen durch

Versuch und Irrtum. Falls Spielpartner

vorhanden sind, lernen sie gleichzeitig,

Kooperationen herzustellen und als

Team zu fungieren in der Problemlösung.“

Bewegungsmangel - Bedeutung

des Draußen-Spiels

Studien belegen, dass sich Kinder im

vermehrten „Online-Modus“ zu wenig

bewegen. Die Folge ist eine drastische

Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkran-

34 - WOLL Frühling 2021


kungen, Fettleibigkeit und Rückenprobleme

aufgrund des steigenden

Bewegungsmangels. Hier ist eine

Veränderung der Aktivitäten sicherlich

dringend erforderlich. „Das Spiel

im Freien ist die beste und gesündeste

Fördermöglichkeit für Kinder“, bestätigt

auch Mediziner Dr. Antonius

Sander aus Warstein. „Verschiedene

Untergründe beim Gehen und Laufen

fördern das Gleichgewicht. Unterschiedliche

Anforderungen durch Hindernisse

(bitte jedes Mäuerchen und

jeden Baumstamm nutzen) verbessern

die Koordination und Körperkraft.

Verschiedene Stoffe, die angefasst und

geformt werden, verbessern Haptik und

Feinmotorik. Größere Strecken und

schnelle Positions- und Ortswechsel

verbessern Kondition und Muskelkraft.“

Und als wären das nicht schon

erstaunlich viele gute Gründe für das

Spiel draußen, fügt der Mediziner noch

hinzu: „Blicken auf größere Entfernung

schützt vor Kurzsichtigkeit. Und natürlich

die Stärkung der Abwehr durch

frische Luft und die Vitamin-D-Bildung

durch Sonneneinstrahlung in der

Zeit von März bis Ende Oktober nicht

zu vergessen.“

Verantwortung der Eltern

Ein harmonisch ausgeglichenes Freizeitverhalten

ist mehr denn je gefragt.

Verantwortungsbewusste Eltern /

Großeltern fördern liebevoll die Entwicklung

ihrer Kinder, indem sie darauf

achten, wo und womit sich Kinder

beschäftigen. Wie wichtig das Spiel

draußen und soziale Kontakte sind,

betont Jutta Sniehotta: „Was Kinder

benötigen, um Selbstvertrauen in ihren

körperlichen und geistigen Fähigkeiten

zu entwickeln“, erklärt Jutta Sniehotta,

„ist eine vielfältige und direkte Auseinandersetzung

mit ihrer sinnlichen

Umwelt.“ Und Dr. Sander weist abschließend

darauf hin, dass „die Maßnahmen

in der Pandemie zum Schutz

von Leben und Gesundheit wichtig

und richtig sind. Aber sobald irgend

möglich, muss als erstes den Kindern

wieder erlaubt werden, ihre Freunde zu

treffen, Kita und Schule zu besuchen.

Denn soziales Lernen und die Entwicklung

von Persönlichkeit kann nur

so gelingen. Auch dabei geht es um eine

optimale Entwicklung der Kinder und

ihre Zukunft.“

„Ohne das freie Spiel in der Natur,

gehen Kindern wichtige Bereiche von

Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung

verloren“, macht Jutta

Sniehotta auf diese möglichen Defizite

aufmerksam. Defizite, die erst gar nicht

entstehen müssen, denn gerade hier im

Sauerland gibt es herrliche Natur und

die Möglichkeiten zum Spiel im Freien

sind riesig. Spielen kann bei jedem

Wind und Wetter toll sein. ■

Alte Kinderspiele

• Räuber und Gendarmen: eine Mischung

aus Fangen und Verstecken.

• Seilspringen: Zu zweit oder dritt

springen, ohne sich zu verheddern.

• Gummitwist: Draufspringen,

drüberspringen, das Gummiband

mit den Füßen kreuzen.

• Himmel und Hölle: Hüpfkästchenfeld

mit aus (bunter) Kreide aufgezeichneten

Feldern.

Kinder im Bibertal

bei Warstein

WOLL Frühling 2021 - 35


Die wunderbare Vielfalt der Gärten

„Die Pflanze darf im Garten nicht

zu kurz kommen.“ –Peter Horst

W

er das Glück hat, einen Garten sein Eigen zu

nennen, hat viele Möglichkeiten, ihn zu nutzen.

Er kann zum Rückzugsort werden oder ein Ort

der Geselligkeit. Gleichzeitig kann er Nutzgarten sein

oder künstlerischen Zwecken dienen. Und auch Arbeitsplatz.

Zum Beispiel für den Kreisgärtnermeister Peter

Horst, der seinen Beruf lebt und liebt.

Peter Horst ist Gärtner geworden, weil es für ihn „einer der

schönsten Berufe der Welt“ ist. Hinzu kommt bei ihm, dass

sein Betrieb schon seit über 100 Jahren besteht und er ihn in

dritter Generation führt. Horst weiß, dass der Trend für Terrassen

und Flächenbeläge hin zu großformatigen Platten aus

Keramik, Betonwerkstein oder auch Naturstein geht. „Formate

bis zu 100 x 100 cm sind keine Seltenheit. Diese werden

auch gern mit Hartholz kombiniert. In der Gestaltung sind

es klare, lineare Formen und weniger verspielte Formen mit

Rundungen etc.“

Trends in zwei Richtungen

Christel Zidi

Und auch bei Pflanzen und Gemüsesorten zeichnet sich eine

bestimmte Richtung ab, wie er uns verrät: „Hier liegt das

Augenmerk ganz klar bei der biologischen Anzucht. Gern

gepflanzt werden alte, heimische Sorten und Arten, sowohl

bei Obst als auch bei Gemüse.“ Die Rückbesinnung auf diese

Sorten bringt uns den echten, unverfälschten Geschmack

zurück, den Geschmack der Kindheit.

Alte Obstsorten, Pastinaken und Wilde Rauke auf der einen

Seite, auf der anderen Seite exotische Sorten. Denn der Klimawandel

bringt auch mit sich, dass nun in unseren Breitengraden

Gemüse angebaut wird, das zuvor importiert werden

musste oder in Treibhäusern gezüchtet wurde. Zum Beispiel

Chili und Paprika. Das Gleiche gilt für Obstgehölze. Einige

Gärtner bauen Melonen, Feigen und Kaki an. Wer an das

entsprechende Saatgut kommen möchte, braucht allerdings

Foto: AdobeStock_81432272_PB-Photography

36 - WOLL Frühling 2021


nicht in ferne Länder reisen, sondern es gibt Saatgut- und

Pflanzentauschbörsen, auf denen man sowohl exotische als

auch heimische Raritäten finden kann.

Nachhaltigkeit auch im Garten

Nachhaltigkeit ist auch in unseren Gärten angekommen.

Spüren Gartenbaubetriebe dieses umweltbewusste Denken

auch bei den Hobbygärtnern? „Ja“, bestätigt das Peter Horst.

„Dies setzt sich insbesondere bei der jüngeren Kundschaft

durch. Diese Generation legt auch wieder verstärkt Wert auf

einen eigenen Gemüsegarten und Früchte aus der Region,

alles umweltbewusst und möglichst CO2- neutral herangezogen.“

Auch ressourcenschonende Maßnahmen lassen sich

im heimischen Garten leicht einführen: Regenwasser kann in

Behältern gesammelt, Küchenabfälle im Komposter entsorgt

werden. Und bei Gartengeräten ist Sharing sinnvoll.

Im Garten des Kreisgärtnermeisters

Viele Dinge kann man lernen. Aber muss man wirklich einen

„grünen Daumen“ besitzen, um Gärtner zu werden? „Ein

gewisses Grundinteresse an der Natur, der Pflanzen- und

Peter Horst

Wenn nicht jetzt

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WOLL Frühling 2021 - 37


Tierwelt sowie ökologischen Prozessen

sollte schon da sein, den Rest kann

man in der Tat erlernen“, klärt uns der

Kreisgärtnermeister auf.

Gärten – und das ist das Spannende –

können sehr, sehr unterschiedlich sein.

Wie stellt man sich den privaten Garten

eines Gärtnermeisters vor? „Mein Garten

ist vor 15 Jahren neu angelegt worden“,

verrät Peter Horst, „damals schon

im heutigen Trend: lineare Formgebung

in einer Materialkombination von

Holz und Betonwerkstoffen angelehnt

an eine Wasserfläche, eingerahmt mit

Gräsern, diversen Blütenstauden und

ausgefallenen Solitärgehölzen in exponiertem

Einzelstand.“ Peter Horst hat

wohl nicht nur einen grünen Daumen,

sondern auch den richtigen Riecher

für Trends. Weiter beschreibt er seinen

Garten: „Eingerahmt wird der Garten

mit seiner zentralen Rasenfläche durch

diverse Obstbaum- Halbstämme, Beerensträucher

und farbenfrohen Elementen

aus Blühstauden. Da summt und

brummt es den ganzen Sommer und

die Vögel erfreuen sich am kühlen Nass

der Teichrandzone.“

Grausliche Schottergärten

Welche Gärten haben einen Fachmann

wie ihn denn bisher am meisten

beeindruckt? „Es ist nicht ein Garten,

sondern die Vielfalt der unzähligen

Beispiele der Gartengestaltung. Barocke

Gärten faszinieren mich genauso wie

der klassische englische Garten, der

Bauerngarten oder aber auch der minimalistische,

klar definierte moderne

Garten. Eines ist mir allerdings äußerst

wichtig: Die Pflanze darf in keinem

Garten zu kurz kommen! Erst sie bringt

das Leben in den Garten! Ein Grauen

ist mir der momentane Trend in vielen

Großstadt-Vorgärten hin zur Stein- und

Schotterwüste mit zwei Alibi-Zypressen

in der Mitte.“ Das können die meisten

umweltbewussten Menschen wohl

nachvollziehen.

Einige Kommunen untersagen Schottergärten,

also Vorgartenflächen mit

Kiesaufschüttungen auf wasserundurchlässigen

Folien, von vornherein.

38 - WOLL Frühling 2021


Peter Horst hofft, dass dieser Trend

bald vorbei sein wird: „Der Verband

Garten- Landschafts- und Sportplatzbau

startete vor zwei Jahren bereits die

Kampagne ‚ Rettet den Vorgarten‘ um

Gartenbesitzern einige Hilfestellungen

bei der Gestaltung der Vorgärten

an die Hand zu geben. Denn auch

ein sinnvoll mit Pflanzen gestalteter

Vorgarten ist nicht pflegeintensiver als

eine Schotterwüste!“

Smart Gardening

und Entspannung

Apropos Pflege. Gärtner haben heute

viele Möglichkeiten, sich die Arbeit

zu erleichtern bzw. abnehmen zu lassen.

„Smart-Gardening“ ist der Fachbegriff

dafür. Bewässerungsanlagen

und Mähroboter sind heute schon zur

Selbstverständlichkeit geworden und

werden oftmals „smart“ gesteuert,

ebenso wie die Gartenbeleuchtung.

Hier gibt es neuerdings leuchtende

Bodenbeläge aus vergossenen Lichtleitfasern

oder Leuchtdioden. Mit der

gewonnenen Zeit kann man es sich

draußen so richtig gemütlich machen

und entspannen. Relaxen wie es auf

Neudeutsch heißt. Das passende Ambiente

kann sehr unterschiedlich sein.

In den letzten Jahren konnte man

in vielen Gärten, auf Terrassen und

Balkonen Gartenmöbel aus Holzpaletten

entdecken. Mit den passenden

Auflagen bieten diese DIY-Produkte

hohen Komfort. Daneben gibt es

sehr komfortable, teils sogar luxuriöse

Loungemöbel für Garten und

Terrasse. Möbelstücke, die auch einen

Regenguss ohne Probleme überstehen.

Dazu begnügt man sich dann nicht

mit einem einfachen Holzkohle-Grill,

sondern greift zum Hightech-Grill.

Möglichst dazu die passende Outdoor-Küche.

Denn draußen schmeckt

es immer noch am besten. Warum

nicht mit den möglichen Annehmlichkeiten?

Moderne Gartenmöbel gibt es oft aus

Massivholz oder aus Aluminium in

Holzoptik oder pulverbeschichtetem

Aluminium mit Teakholz-Lehnen.

Ein interessanter Trend ist auch die

Kombination von kühlem Aluminium

mit dekorativem Kordel-Geflecht.

Für eine romantische Stimmung

am Abend sorgen Gartentische

mit eingebauten Feuerstellen.

Viele Menschen lieben das Geräusch

rauschenden Wassers und legen

sich ihren eigenen kleinen Teich

im Garten an, bauen einen Brunnen

oder legen einen Bauchlauf an.

Und statt des Swimmingpools gibt

es natürliche Schwimmteiche mit

dekorativen Wasserpflanzen. Wem es

aber nur um eine schnelle Abkühlung

geht, der installiert am besten eine

Gartendusche. Mit der kann man

sich an heißen Sommertagen herrlich

erfrischen.

Und zum Schluss noch eine Gartenform,

bei der es weder auf die Nutzungsform

noch auf die Gestaltung

ankommt: der „Offene Garten“. Hier

kommt es in erster Linie darauf an,

dass man Freude daran hat, seinen

Garten zu zeigen und – gern auch

mal mit manchmal (vorher) Fremden

- schöne Stunden im Garten zu

verbringen. ■

Man muss nicht

erst sterben, um ins

Paradies zu gelangen,

solange man einen

Garten hat

(Persisches Sprichwort)

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WOLL Frühling 2021 - 39


Archiv Heimatbund Neheim-Hüsten

Die Gärten unserer Großeltern:

Von Ackersegen und

Bier in der Laube

Christel Zidi

V

or sechzig, siebzig oder achtzig Jahren sahen die

meisten deutschen Gärten noch völlig anders aus.

Selbstverständlich gab es darin Blumenrabatte

mit duftenden Dahlien, fröhlichen Löwenmäulchen und

prächtigen Gladiolen, überwiegend aber waren es Selbstversorger-Gärten.

Mit dem, was im eigenen Garten wuchs,

konnte in den Kriegsjahren so mancher Hunger gestillt

werden.

Deshalb wurden - egal wie groß der Garten war – stets sättigende

Kartoffeln angebaut. Die Sorte „Ackersegen“ war damals

sehr beliebt und trug ihren Namen zu Recht, denn viele Familien

überstanden die damaligen Winter oft nur dank dem, was

sie zuvor gesät und geerntet hatten. Kohl und Möhren wurden

ebenfalls gern gepflanzt, dazu Kräuter wie Petersilie und Dill.

Jeder Platz wurde genutzt, auch die Hauswände, an denen

Weintrauben rankten; an Spalieren wuchsen Birnen und Äpfel.

Umsäumt wurden die kleinen Äcker mit mehr als drei Meter

hohen Stöcken, um die sich Stangenbohnen wanden. Im hinteren

Teil des Gartens standen die Kaninchenställe, daneben der

Misthaufen, neben dem die Kürbisse besonders gut gediehen.

Wer dazu noch Obstbäume mit leckeren Kirschen oder saftigen

Pflaumen besaß, konnte sich glücklich schätzen. Bei weniger

großen Gärten fand sich aber meist immer noch ein Platz für

Beerensträucher, Johannis- oder Stachelbeeren, oder man konnte

sich schon früh im Jahr an Erdbeeren erfreuen, aus denen

Marmelade gekocht wurde. Die Sorte Senga Sengana war bei

den Sauerländern besonders beliebt. Manch einer hatte auch

eine Gartenlaube, in der sich die Männer nach getaner Arbeit

zum Kartenspiel trafen, das ein oder andere Bierchen gehörte

selbstverständlich dazu.

Kleine, idyllische Paradiese kann man jetzt denken. Das

stimmt auch, aber die Pflege dieser Gärten kostet viel Zeit und

viel Arbeit. Das Wort „Smart Gardening“ war noch nicht er-

40 - WOLL Frühling 2021


funden. An automatische Bewässerungsanlagen war noch lange

nicht zu denken. Selbst Gartenschläuche gab es nicht überall.

Mit der blechernen Gießkanne ging es zum nächsten Brunnen,

um immer wieder Wasser nachzufüllen. Vertikutierer? Ein

Fremdwort. Rechen und Spaten waren wichtig, Hacke, Hippe

und Spaten. Der Rasenmäher war zwar schon erfunden, seine

Zeit aber noch nicht gekommen. Sein Einsatz lohnte sich in

den Hausgärten noch nicht.

Wie anders sieht es heute aus. In einer Zeit, in der man jedes

Gemüse, selbst das exotisch ste, günstig im Supermarkt bekommen

kann – und das zu ungemein günstigen Preisen - sind

Selbstversorger-Gärten eher selten. Wer heute einen Nutzgarten

pflegt, dem geht es darum, mit eigenen Händen etwas

zu schaffen; etwas zu ernten, von dem man weiß, dass es nicht

gen-manipuliert und frei von Schadstoffen ist.

Die meisten Gärten dienen heute der Entspannung, dem

Chillen und Relaxen. Smart-Gardening-Produkte erledigen

den Großteil der Arbeit. Mähroboter halten die Rasenfläche

zentimetergenau auf dem gleichen Niveau. Die Frau des Hauses

– oder der Hausherr – kümmern sich um die edlen Zierrosen

und pflegeleichten Hecken. Eine

entspannende, schöne Welt …

Ob der pflegeleichte Garten

allerdings glücklicher

und zufriedener macht

als der Küchengarten

von früher, das kann

jeder für sich entscheiden.


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Ein japanischer Garten in Warstein

Wo einem Fische aus der Hand fressen

Monika Lörchner

Iris Böning

E

in lachender Buddha.

Sorgfältig zurecht geschnittene

Bäume, die wie riesige

Bonsais aussehen. Kieswege schlängeln

sich zwischen drei Teichen, über

dunkelbraune Holzplanken erreicht

man das Teehaus. Japan? Nein: Allagen-Niederbergheim.

Hier hat sich

Markus Droste ein kleines Paradies

geschaffen.

16 Jahre ist es her, dass Markus Droste

gemeinsam mit einem Kumpel seinen

ersten Teich im Garten hinter dem

Haus baute. Seitdem ist immer mehr

hinzugekommen. Die drei großen

Teiche draußen sowie weitere kleine

Becken drinnen und draußen umfassen

insgesamt 120.000 Liter Wasser. Darin

tummeln sich Japan-Koi.

Aus Japan eingeflogen

„Ich kaufe die Fische ab 10 cm Länge“,

erzählt Markus Droste. Die kommen

dann direkt aus Japan zu ihm. Eine

aufwendige Prozedur: die Koi, erst in

einer mit Wasser und Luft gefüllten

Tüte und dann in einem Karton gepackt,

sind rund anderthalb Tage mit

Flugzeug und anderen Verkehrsmitteln

unterwegs. Kein Wunder, dass eine

Lieferung 600 bis 800 Euro kostet! In

ihrem neuen Zuhause angekommen,

müssen die wertvollen Fische dann

erst einmal vorsichtig an Wasser und

Temperatur gewöhnt werden.

„Ich kaufe immer nur bei einem

Händler“, so Markus Droste. „Dadurch

verhindert man, dass man sich Krankheiten

einkauft.“ Dennoch ist für die

rotweißen, goldenen, schwarzweißroten

oder schwarzweißgoldenen Neuankömmlinge

erst einmal Quarantäne

42 - WOLL Frühling 2021


Schöne Pflanzen für Ihren Garten

Bitte sehen Sie sich unsere Kulturen an. Ein Besuch lohnt sich!

Obstbäume

Rosen

Nadelgehölze

Beerensträucher

kräftige Blütensträucher

Stauden

Markus Droste im Gespräch mit Redakteurin Monika Lörchner

Meschede-Wennemen)

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angesagt. Dafür kommt jeweils ein neuer Fisch mit einem

„alten“ für mindestens eine Woche in ein Extrabecken, wo

ihre Bakterienstämme aufeinandertreffen. Zeigen sich nach

Ablauf der Zeit keine Anzeichen einer Krankheit, dürfen

beide Fische zu den anderen in einen der Teiche.

Dort leben sie am liebsten als Schwarmfische unter ihresgleichen.

Haben die Fische ausreichend Versteckmöglichkeiten,

gibt es auch schon mal Nachwuchs. Koi können bis zu 60

Jahre alt und 70 cm lang werden. Neben Krankheiten ist

hierzulande nur der Fischreiher eine Gefahr; der wird durch

aufgestellte, blinkende Discokügelchen ferngehalten.

Außer Koi hält Markus Droste auch einige Wimpelkarpfen,

die die Algen im Teich unter Kontrolle halten. Koi sind sehr

"Wir machen aus jedem Garten

einen Platz zum Wohlfühlen."

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WOLL Frühling 2021 - 43


obuste Fische und brauchen außer

sauberem Wasser nicht viel. Futter gibt

es nur bis zu einer Außentemperatur

von 5 Grad Celsius; darunter fahren

die Fische nämlich ihr Immunsystem

runter und fressen nichts mehr.

Alles Eigenbau

Handwerker Markus Droste hat alles

selbst gebaut: Das Teehaus im japanischen

Stil, die Wege, die Holzplanken

und nicht zuletzt die Teiche. „Die sind

alle aus Glasfaser“, verrät er uns. Außerdem

hat er nur die besten Filteranlagen

verbaut. „Die sind das A und O.

Wenn man beim Filter spart, hat man

hinterher doppelte Arbeit und Kosten.“

Rund 400 Koi bevölkern die Drosten‘schen

Teiche. Für das WOLL-

Fotoshooting lockt Markus Droste

die Tiere mit etwas Futter an – und

zu unserem Erstaunen fressen die ihm

sogar aus der Hand!

„Koi sind so zutraulich, mit denen

könnte man sogar schwimmen“, erzählt

der 58-Jährige. Er liebt die Atmosphäre

seines Gartens und die Gelassenheit,

die die Fische ausstrahlen. Er kennt jeden

einzelnen von ihnen. Zwar machen

die Koi viel Arbeit, doch das ist es ihm

wert. „Die Stadt mit ihrem Stress, Gestank,

Krach und Verbrechen ist nichts

für mich. Hier habe ich Ruhe.“

Wir schauen uns noch einmal im

Garten um. Die Sitzbank hinten in der

Ecke. Die kleine Brücke zum Teehaus.

Die träge dahingleitenden Koi.

„Ich will hier nie wieder weg“, sagt

Markus Droste.

Wir auch nicht. ■

Nach einer kreativen Winterpause starten

wir jetzt wieder durch und freuen uns,

Sie als Kunden zu begrüßen.

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Da staunt nicht nur der Buiterling:

Das Wandern ist des Müllers Lust

Sabina Butz

Anke Kemper

Ach, was waren das noch für schöne

Zeiten, als man einfach seine

Wanderschuhe anziehen durfte

und in bequemer Kleidung durch das

wunderschöne Sauerland spazieren konnte.

Heute ist dieses Vorgehen wesentlich

komplizierter, kostenintensiver und nur

für Bürger/innen mit Englischkenntnissen

möglich. Wir sprechen von outdoor

activities. Googelt man diesen Begriff,

lautet die Übersetzung: Outdoor Aktivitäten.

Outdoor ist also schon einmal ein

global verständlicher Begriff. Draußentätigkeiten

klingt ja jetzt auch nicht wirklich

spannend, Tätigkeiten außerhalb der

Tür ist in jedem Fall missverständlich.

Also bleiben wir bei outdoor. Aber jetzt

geht es erst richtig los mit den schwierigen

Entscheidungen: Wandern könnte

Hiking, Trekking oder Walking sein. Für

alle drei Bewegungsarten sind unterschiedliche

Bekleidungen und vor allem

anderes Schuhwerk vorgesehen. Wie

sieht das denn aus, wenn ein Walker in

Trekkingklamotten und Trekkingschuhen

daherkommt, vielleicht sogar noch

mit Rucksack, sorry backpack, auf dem

Rücken? Geht doch gar nicht! Für die

Nicht-Englisch-Muttersprachler/innen:

Walking setzt eine befestigte Straße/Weg

voraus. Hiking findet in der freien Natur,

vorzugsweise in den Bergen statt und

beim Trekking ist mindestens eine Übernachtung

in der freien Natur vorgesehen.

Ganz recht, deshalb der Rucksack!

Wer lieber Wassersport betreibt, findet

hier, im beschaulichen Sauerland, am

Hennesee Gelegenheit zum Suppen (bitte

Sappen aussprechen). Gemeint ist Stehpaddeln

= englisch Stand-Up-Paddling

= Abkürzung SUP. Dazu benötigt man

natürlich ein SUP Board, welches gut

und gerne eine höhere dreistellige Summe

kostet, plus entsprechende SUP-Sportswear,

vorzugsweise mit wasserdichter

Handytasche und eingebauter Kamera,

um die sozialen Netzwerke mit den

Followern immer auf dem Laufenden zu

halten.

Übrigens: Grillen, Rasenmähen, Unkrauthacken

oder einfach nur faul in der

Sonne liegen, zählen ebenfalls zu den

Outdoor-Aktivitäten, ohne anglifizierte

Terminologie, aber die kommt bestimmt

noch. Bis dahin dürfen wir uns, wie der

Müller anno dazumal, mit Lust einfach

in der freien Natur vergnügen. ■

WOLL Frühling 2021 - 45


In der Kleingartenanlage Neheim trifft

deutsche Tradition auf internationales Flair

„Urlaub im eigenen Garten“ Daniela Weber Susanne Droste

W

ie ein kleines Paradies für

Hobbygärtner erstreckt sich

die Neheimer Kleingartenanlage

auf dem Wiedenberg. Mit Blick

auf den Neheimer Dom, auf Wald und

Flur trifft wohl ein Spruch auf dieses

gemütliche Kleinod besonders

zu: „Der kürzeste

Weg in den Urlaub

ist der Weg in den

Garten.“

Gekleidet mit

grüner Latzhose,

rotem Shirt und

schwarzen Stiefeln,

in der linken Hand

den beigen Strohhut

zum Gruße ausgestreckt und den rechten

Arm lässig auf der mit Erde bedeckten

Schaufel abgestützt – dieses fidele

„Männchen“ begrüßt alle Hobbygärtner

am Eingang der Kleingartenanlage.

So wie die Figur, die an dem gelben

Vereinsheim angebracht ist,

stellt man sich wohl den

perfekten Gärtner

vor: voller Tatendrang

und ohne

Scheu vor ein bisschen

„Maloche“

und Dreck. „Die

meisten, die hier

eine Parzelle haben,

sind schon passionierte

Hobbygärtner“, betont

Manfred Ewald

der erste Vorsitzende Manfred Ewald,

der sich selbst natürlich auch dazu zählt.

Seit nunmehr 30 Jahren lebt und liebt

der Neheimer das Kleingärtnertum. „Ich

experimentiere gerne. Letztes Jahr habe

ich zum Beispiel die Birnenmelone angepflanzt“,

sagt er stolz. Ob die Früchte

nun nach Birne oder nach Melone geschmeckt

haben, kann der sympathische

Vorsitzende gar nicht so genau sagen.

„Süß, das waren sie wohl.“ Exotische

Früchte, viel Grün: „Urlaub im eigenen

Garten sozusagen.“

Ein bisschen Spießigkeit muss sein

Hauptsächlich werden auf den insgesamt

74 Parzellen aber bekannte Gemüsesor-

46 - WOLL Frühling 2021


ten und Früchte angebaut. „Kartoffeln,

Erdbeeren und Kohl sind sehr beliebt,

aber auch rote Beete und Sauerampfer“,

erklärt Ewald. Trotz ähnlicher Vorlieben

beim Anpflanzen zeigen sich bei

der Gestaltung der Gärten viele eigene

Stile. Die einen akkurat angelegt, die

anderen etwas wilder geplant. Auch bei

den Lauben gibt es eine bunte Vielfalt:

Ob urige Holzhütten oder massive

Häuschen aus Stein – jedes Gebäude

versprüht seinen eigenen Charme.

Und was wäre ein deutscher Schrebergarten

ohne die ein oder anderen

Gartenzwerge? Etwas Spießigkeit muss

sein. „Es gibt natürlich auch gewisse

Regeln hier“ Typisch deutsch eben.

„Die Häuschen dürfen fünf Meter mal

3,5 Meter, sprich 17,5 Quadratmeter,

groß sein. Ein Drittel der Fläche muss

bewirtschaftet werden, ein Drittel muss

Wiese sein und das letzte Drittel steht

für die Laube zur Verfügung“, erklärt

Ewald, der das „Kleingartengesetz“

stets bewacht. „Ich laufe durch die

Anlage und schaue natürlich nach dem

Rechten. Auch die Einhaltung der Ruhezeiten

kontrolliere ich, ein bisschen

wie ein Sheriff. Das muss ja sein“, sagt

er mit einem Augenzwinkern.

Viele Kleingärtner mit

Migrationshintergrund

Was nach waschechter deutscher Manier

klingt, ist aber letztendlich weniger

deutsch als mancher denken mag.

„Über 50 Prozent der Kleingärtner

haben einen Migrationshintergrund.

Unter anderem sind viele Mitglieder

Russlanddeutsche. Die haben übrigens

einen besonders grünen Daumen“,

lacht der passionierte Kleingärtner.

Auch Griechen und Syrer erfreuen sich

an der deutschen Behaglichkeit.

Wer auch Lust auf Vereinsleben, Gartenarbeit

und ein bisschen Multikulti

hat, muss zurzeit Geduld mitbringen:

„Es kommt nicht so oft vor, dass

jemand seinen Kleingarten verkauft.

Wer einmal einen hat, der möchte ihn

natürlich ohne triftigen Grund nicht

aufgeben“, so Ewald abschließend. ■

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Tipps vom Marsberger Gartenexperten Udo Engemann

Unser Garten im

Sonja Funke

Frühling

F

rühling! Die Sonne strahlt schon kräftig und die

Gartenbesitzer juckt es in den Fingern. Doch was

tun? Wo fange ich an? Und wann? Schließlich bin

ich im „Hoch“-Sauerland. In unseren Gefilden kann

dem Hobbygärtner bis zu den Eisheiligen Mitte Mai und

darüber hinaus immer noch der Frost die Pflanzen verderben.

Trotzdem müssen wir nicht mit allem warten, wie

Udo Engemann – er betrieb bis vor einigen Jahren noch eine

Gärtnerei in Marsberg – dem WOLL-Magazin verrät.

Ein Blick in den Garten. Draußen zwitschert es so schön, also

fangen wir bei der Hecke an? „Bloß nicht!“ Die Antwort ist eindeutig,

denn: Vom 1. März bis zum 30. September verbietet dies

das Bundenaturschutzgesetz, Hecken, aber auch Gebüsch und

andere Gehölze zu schneiden. Eben damit die Vögel in Ruhe

dort brüten und weiter zwitschern können. Nun gut, aber dort,

die Rosen, da könnte man doch schon mal dran, oder? „Lieber

erst, wenn der Wetterbericht längere Zeit ohne Frost anzeigt“,

rät Udo Engemann. Alle Triebe, die bei hohen Frühlingstem-

48 - WOLL Frühling 2021


peraturen austreiben, können, sobald es noch mal ordentlich

friert, absterben, weil die Zellen platzen und die Zellflüssigkeit

verdunstet. „Dann vertrocknet das frische Grün, zumal, wenn

sie in der Sonne stehen. Und im schlimmsten Fall sind sie

hinüber.“ Er rät: Im Winter eingepackte Pflanzen nicht zu früh

abzudecken. Dies schützt auch vor Sonneneinstrahlung, nicht

nur vor Frost. „Wenn die Wetterberichte ab Mitte März grünes

Licht geben, dann runternehmen.“

Und was mache ich mit meinen Obstbäumen? Wie oft ist es

in den vergangenen Jahren passiert, dass Apfel und Kirsche die

schönsten Blüten zeigten, dann kam Herr Frost und mit ihm

ging die Hoffnung auf eine reichhaltige Obsternte. Ein Jammer.

Hier weiß auch der Experte wenig Rat. Nur so viel: „In Obstanbaugebieten

wie etwa im Alten Land werden die Bäume vor

dem Frost zum Beispiel mit Wasser eingesprüht.“ Die Blüten

frieren ein und sind auf diese Weise geschützt.

Warten bis zu den Eisheiligen?

Schauen wir mal zum Balkon. Wäre das schön, wenn es dort

schon bunt wäre! Muss ich wirklich warten bis zu den Eisheiligen

Mitte Mai? Viele wagen es schon früher. Kann klappen,

wenn man den Wetterbericht im Auge behält. „Wenn man

drinnen ein helles, warmes Plätzchen dafür hat, kann man

die Balkonblumen schon ab Ende März pflanzen. Das hat

den Vorteil, dass sie gut angewurzelt und im Saft sind, wenn

wir sie rausstellen. Dann blühen sie auch schon ein bisschen“,

erklärt der Experte. Manche pflanzen für den Übergang auch

Frühlingsblumen wie etwa Primeln oder Bellis (große Gänseblümchen)

und tauschen später aus. Was aber kann ich denn

nun wirklich draußen machen? „Anfang des Frühjahrs können

Sie schauen, wo Ihre im

Herbst gesteckten Zwiebeln

bleiben, zum Beispiel

Narzissen, Krokusse, Tulpen.“

Als ob ich noch wüsste,

wo ich sie mal eben schnell

in die Erde gesteckt habe. Oder

ob ich einfach jetzt noch welche

reinstecke? Zu spät, das geht höchstens

mit welchen aus dem Topf, sagt der Experte.

Ich mache mir ´ne Notiz auf dem Oktober-Kalenderblatt: „Blumenzwiebeln

rein!“ Mein letzter Blick wandert zu den hohen

Gräsern vorm Haus. Alles braun, verwelkt, nicht mehr schön.

Darf ich? Hurra, unser Gartenexperte gibt mir grünes Licht:

„Die können Sie ruhig schon mal auf ein gutes Drittel runterschneiden.“

Endlich was zu tun. Und vielleicht säe ich auch

schon mal den ersten Salat ins abgedeckte Hochbeet. „Nee,

lieber in der Kiste säen, pikieren und erst die Pflänzchen ins

Beet setzen“, sagt Udo Engemann und ergänzt. „Früher wurde

im März bereits Kohl gepflanzt, da gab es ja die Mistbeete, die

wärmten von unten.“ Der neue Trend zum Gärtnern, ob er

auch ein Zurück zu Mistbeeten bringt? Bleibt abzuwarten.

Es nützt also alles nix: Der März eignet sich allenfalls zum Vorzüchten

in nicht zu kalten, nicht zu dunklen Räumen. Ein paar

frostharte Stiefmütterchen oder Männertreu im Umtopf können

einem Vorfreude vors Haus bringen. Ab April, also nach

Ostern kann es, so Wettergott will, richtig losgehen mit dem

Säen, Pflanzen und Ernten. Und dann bis Oktober? „Es kann ja

auch im Sommer mal intensiv hageln“, meint der Experte. Och

nö! ■

die grillzeit

beginnt!

und wir haben

einige neue

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„Müll ist extrem interessant!“

Lobbe hat das Glück, in einer sehr vielfältigen, höchst

anspruchsvollen und sich immer wandelnden Branche zu arbeiten

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert

Tobias Wiedemeier, Vertriebsleiter

für den Hochsauerlandkreis

und Marcell Wiese,

Geschäftsführer der Lobbe

Entsorgung in Bestwig

„Wir sprechen nur noch von Wertstoffen. Sie

werden von uns eingesammelt, sortiert und in

Verwertungsanlagen weiterverarbeitet.“,

erklärt Marcell Wiese

Anforderungen bei der Abfallentsorgung

ändern sich ständig. Das macht unsere

„Die

Arbeit super interessant, sehr vielfältig und

extrem anspruchsvoll. Vor gut zwei Jahren wurde beispielswiese

allen gewerblichen Abfallerzeugern auferlegt, möglichst

alle Abfälle getrennt voneinander zu sammeln und

verwerten zu lassen. Die Verwertung muss gesetzeskonform

dokumentiert werden. Hierfür wurden Konzepte erstellt, so

dass allen Kunden eine optimale Lösung angeboten werden

konnte“, sagt Tobias Wiedemeier, Vertriebsleiter bei Lobbe

für den Hochsauerlandkreis.

Heutzutage fällt es schwer, von Müll zu sprechen, weil mittlerweile

fast alles recyclebar ist. Das eine einfacher, das andere

schwerer. „Wir sprechen nur noch von Wertstoffen. Sie werden

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von uns eingesammelt, sortiert und in Verwertungsanlagen

weiterverarbeitet.“, erklärt Marcell Wiese, der mit 21 Jahren

im Unternehmen angefangen hat, fast alle Hierarchieebenen

durchlaufen hat und heute Geschäftsführer der Lobbe Entsorgung

in

N BRILON

Bestwig ist. Seitdem im vergangenen Jahr Lobbe

Stratmann übernommen hat, hat das Entsorgungsunternehmen

noch deutlich mehr Möglichkeiten. „Wir haben jetzt

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50 - WOLL Frühling 2021

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Gewerbekunden. Neben der Entsorgung von Gewerbeabfällen

können wir unseren Kunden jetzt auch die Übernahme von

Sonderabfällen anbieten“, freut sich Tobias Wiedemeier über

die Vielfalt, die sich auch im Team bei Lobbe widerspiegelt.

„Die Branche bietet für jeden etwas, ob junge Menschen, die

einen Ausbildungsplatz suchen oder ausgebildete Fachkräfte,

die eine neue Herausforderung suchen. Wir bilden verschiedene

Berufe aus und freuen uns immer über Zuwachs in unserem

familiengeführten Unternehmen“, versichert Marcell Wiese,

der selbst sehr gerne in einer interessanten Branche mit guter

Zukunftsperspektive arbeitet. ■

Hier geht’s zum Video:

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Gallbergweg 7

59929 Brilon


Raus an die frische Luft

Draußen im Sauerland - zu jeder Jahreszeit ein Highlight

Familie Otte

N

ur ein paar Schritte bis zum nächsten Spielplatz? In wenigen

Minuten mitten im Wald? Ein Stausee gleich in der Nähe? Und der

eigene Garten quasi on top? Ein aktives Kind im Sauerland hat es

wirklich gut. Nicht erst seit den Corona-Einschränkungen ist uns bewusst,

dass das Landleben viele Vorteile bietet, insbesondere beim Rausgehen.

Denn, soviel steht fest: Ein Kind muss an die frische Luft!

Britta Melgert

Marc Niemeyer

Wir treffen Mila Otte und ihre

Familie auf dem Arnsberger Wasserspielplatz

an der Ruhr. Hier ist die

Fünfjährige voll in ihrem Element. Es

ist Februar und es hat in der Nacht

frisch geschneit. Der ideale Tag für

eine rasante Schlittenfahrt den Hang

hinunter. „Am liebsten, mit meiner

Mutter hintendrauf, denn dann fährt

man schneller“, erzählt sie. „Ja, unsere

Große steht auf Geschwindigkeit“,

lacht Mutter Vanessa.

Riechen, Schmecken,

Sehen und Fühlen

Beinahe jeden Tag finden die Ottes

Zeit, etwas an der frischen Luft zu

unternehmen, egal in welcher Jahreszeit.

Was wissenschaftlich bewiesen

ist, wird jedem sofort klar,

der beispielsweise einen Wald betritt

oder einen Park besucht. Der Stresslevel

sinkt, wenn die Sinne bewusst

wahrgenommen werden. Durch das

Riechen, Schmecken, Sehen und Fühlen

der Natur wird das Wohlbefinden

gesteigert. Das geht uns Erwachsenen

nicht anders als dem Nachwuchs.

„Am liebsten besuchen wir Orte, an

denen sich Kinder allen Alters auspowern

können“, erzählt Vanessa Otte.

„Hier im Bereich der Arnsberger Ruhr

kommen auch Milas kleine Schwester

Ella und die beiden leicht älteren

Jungs meines Lebensgefährten Carsten

so richtig auf ihre Kosten. Bei uns ist

WOLL Frühling 2021 - 51


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52 - WOLL Frühling 2021

immer Action angesagt“ Und zack,

fliegt uns ein Schneeball aus Milas

Richtung um die Ohren. Na warte!

Übung macht den Meister

Vanessa Otte verrät: “In den wärmeren

Monaten lieben wir es, von hier

aus hinüber zum Naturerlebnisraum

zu laufen. Unterwegs begeistern sich

die Kinder für die Ruhrnixe und

die Enten auf dem Wasser.“ Mila

erinnert sich noch an den letzten

Sommer: „Dort gibt es so einen hohen

Piraten-Kletterturm, auf den ich

es schon ganz allein schaffe.“

„Ja, ängstlich sind unsere Kids wirklich

nicht“, grinst die junge Mutter.

„Auch die schmalen Mauern bei der

Burgruine haben es ihnen angetan.

Mila steht auf Geschwindigkeit

Ich kann mich noch gut daran erinnern,

dass ich früher genauso gern

darauf herumbalanciert bin. Heute

schaue ich mit Sorge darauf, obwohl

ich ja weiß, dass unsere Kleinen

motorisch gut trainiert sind. Übung

macht die Meister!“

Einfach mal Kind sein

Und so nutzen die Ottes, wie wohl

viele andere Familien auch, die

zahlreichen Outdoor-Angebote

der Umgebung. Oft sind Fahrrad,

Roller oder Laufrad mit dabei. Ob

am Möhne-, Henne- oder Sorpesee,

ob Spielplätze oder Matschtümpel,

ob das Baumhaus im eigenen Garten

oder der Waldspaziergang zu den

Rehen im Herdringer Schlossgarten

– überall gibt es die Chance auf eine


wertvolle Outdoor-Familienzeit, die

nicht einmal viel kostet. „Der Alltag

der Kinder ist heutzutage echt durchgetaktet.

Früh aufstehen, pünktlich

zur Kita, Tagesmutter oder Schule…

da braucht es dann auch regelmäßig

Auszeiten, in denen sie einfach mal

Kind sein dürfen.“

Wer sich in der

Natur bewegt

hat, ist ausgeglichener,

hat in aller

Regel einen gesunden Appetit und

einen tieferen Schlaf. „Wenn wir mal

einen Tag nicht rauskommen, dann

merken wir deutlich, dass wir vom Gemüt

her muffeliger werden, weil

wir nicht ausgelastet sind“, weiß

Vanessa Otte. Das gilt selbstverständlich

für alle Altersgruppen,

nicht nur für die Kinder.

Insofern sollten wir den klugen Spruch

abändern: Der MENSCH muss an die

frische Luft! ■

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WOLL Frühling 2021 - 53


Und allem Anfang wohnt ein Zauber inne….

Es ist Frühjahr…nach Schnee und Eis. Unser Garten erwacht zum Leben.

Manfred Haupthoff

Beschäftigung mit

Erde und Pflanzen

„Die

kann der Seele eine

ähnliche Entlastung und Ruhe geben

wie die Meditation.“ Hermann Hesse

Hinter unserem Haus liegt der Garten.

Irgendwie ein Naturgarten mit wenig

gärtnerischen Eingriffen unsererseits.

Seit mehr als dreißig Jahren erleben

wir hier im Frühjahr, wie der Garten

nach dem Winter, zu neuem Leben erwacht.

Immer haben wir es wie selbstverständlich

hingenommen. Es war

einfach so. Doch dieses Jahr ist anders.

Eis, Schnee, bittere Kälte und

ein tückisches Virus dazu

Um meine Stimmung in diesem besonderen

Frühjahr zu beschreiben.

Gemischte Gefühle. Nicht besonders

euphorisch, aber auch nicht besonders

melancholisch. Irgendwo dazwischen.

Etwas müde hinsichtlich der ständigen,

warnenden Berichterstattung und

dem damit verbundenen radikalen

Rückzug in das absolut Private. Da

bemerke ich an mir, dass ich unseren

Garten mit neuen Augen betrachte.

Ich nehme ihn mehr und mehr wahr.

Mit allen Sinnen. Und das ist spannend.

Viel Raum für das eigene Ich

Es sind etwa 60 Meter vom Haus bis

an die Grundstücksgrenze. Ein gut

ausgebauter Weg führt, am steinernen

Gartenhaus vorbei, bis an den Zaun.

Hin und zurück habe ich schon 120

Meter zurückgelegt. In bester Luft

und in der Gesellschaft von Bäumen,

Büschen und vielen weiteren Pflanzen.

Immer ist da etwas zu sehen, das den

Augen guttut. Viel Grün ist in diesem

Garten. Alles verändert sich in relativ

kurzer Zeit. Nur noch wenige Schneereste.

Der Winter ist also geschafft.

Alles ist nun auf Veränderung angelegt.

Der Garten erfindet sich dabei

immer wieder neu.

Ein höherer Wille lenkt

wohl das Grün

Der Mensch ist in so einem Naturgarten

für den Ablauf eigentlich

überhaupt nicht wichtig. Das ist ja

mal eine tröstliche Vorstellung. Und

kommt auch meinem eigenen Naturell

überaus entgegen. Alles wächst und

vergeht auch ohne mich. Die Natur

befindet sich in einem ständigen

Wandel und die Erkenntnis darüber

ist wohl der Schlüssel zu ihrem Verständnis.

Wachstum und Zerfall. In

ewiger Folge.

Der Mensch partizipiert

besonders vom Geschehen

Dafür partizipiert der Gartenfreund

im Gegenzug umso mehr vom Geschehen.

Erntet die Früchte von Baum und

Strauch, atmet die gute Luft, wandelt

beseelt und froh zwischen all dem

Grün umher. Und freut sich seines

Lebens. Gerade in diesen schwierigen

54 - WOLL Frühling 2021


Blu Bio-Kräuter

Ochsenherz-Tomate

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Nähe Karolinen-Hospital Hüsten

Zeiten ist das Balsam für die Seele

und wichtiger denn je.

Ein neues Gefühl für den

Garten stellt sich ein

Ich habe mir daher ab diesem Jahr

vorgenommen, noch behutsamer in

den Ablauf des Gartenjahres einzugreifen.

Dafür mehr schauen,

wahrnehmen und nur dort, wo es

erforderlich ist, vielleicht kleinere

Korrekturen vorzunehmen. Mich

dabei umso mehr überraschen lassen,

wie der Garten sich ständig verändert.

Ein guter Ort zum Leben

Einfach nur mal im Garten sitzen,

schauen und genießen. Das sollte es

sein. Ein guter Ort zum Leben. Ohne

Radio, Fernsehen, Instagramm, Mobiltelefon,

Facebook, Netflix, WhatsApp

& Co.

Vielleicht ist dies EIN Weg aus der

Krise. Leben aus erster Hand. Ein

Anfang ist gemacht. ■

ab Mai veredelte

Tomaten- und Gurkenpflanzen

Wir pflanzen Ihre Balkonkästen

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Steffi und ihre Idee vom eigenen Garten

Erst wilde Wiese - jetzt das Ümcke-Gärtchen

Gisela Wilms

Sandra Peetz

F

ür Naturschützer war der

Anblick des Grundstücks

eine Augenweide. Am Rande

des Dorfes Müschede wucherte eine

Wiese mit allem, was dazu gehört,

vor allem Unkraut. Einmal im Jahr

wurde sie gemäht, was wiederum

den Nachbarn Freude bereitete, die

den Rasenmäher gerne öfters dort gesehen

hätten. Aber man kann es nicht

jedem recht machen, oder doch?

Steffi Kroll, eine Anwohnerin der

Straße, wollte schon lange gartenmäßig

expandieren. Ihr eigenes Terrain war zu

klein, um sich den Wunsch von einem

Kräutergarten erfüllen zu können.

Tochter Elen hätte gerne mehr Platz

und frisches Futter für ihre Hasen gehabt.

Deshalb liebäugelten Mutter und

Tochter schon lange mit dem Wiesengrundstück.

Eines Tages fragten sie den

Besitzer, ob er es verpachten wolle. Dessen

Antwort erfreute sie: „Wenn ihr das

Grundstück in Ordnung haltet, will ich

kein Geld.“ Damit war der Startschuss

für das Ümcke-Gärtchen gefallen.

Doch, wo anfangen? Das Gras war

hoch, der Boden steinhart. Da war

jeder noch so gute Rasenmäher und

diejenige, die ihn bediente, heillos

überfordert. Das Gleiche galt für Harke

und Spaten. Einfach kein Durchkommen.

Es erwies sich als Segen, in

einem Dorf mit hilfreichen Menschen

zu wohnen. Die Müschederin fragte

Bernhard Henne von Gut Wicheln, der

Einige der fleißigen Gärtnerinnen

(v.l. Hildegard Czubkowski, Anja Stodt, Anja Schreiber-Oberg, Eleni und Steffi Kroll)

wenig später mit Trecker und passenden

Gerätschaften das Feld beackerte.

Hilfe von allen Seiten

Diese Aktivität lockte Schaulustige an.

Nachdem Steffi von ihrem Vorhaben

erzählte, fragten sie spontan: „Dürfen

wir mitmachen?“ Uli, der Nachbar des

angrenzenden Hauses, lugte über den

Zaun: „Ich habe noch einen alten Rasenmäher,

den könnt ihr haben!“ Die

35-Jährige wurde förmlich von Hilfsangeboten

überrollt. Schnell verwarf

sie ihren ursprünglichen Plan und ein

neues Konzept entstand unter ihrer und

Anja Schreiber-Obergs Federführung.

Die anderen zukünftigen Gärtnerinnen

steuerten Ideen bei. Insgesamt hatten

sich sechs junge Frauen zusammengetan,

die im Folgenden gemeinsam

harkten, Löcher aushuben, aus Brettern

Hochbeete zimmerten und Materialien

beschafften. Sie fuhren nach

Plettenberg, um für wenig Geld einen

16-Meter-Zaun zu holen, oder gruben

in Balve eine Buchsbaumhecke aus,

kostenlos, dafür sehr schweißtreibend.

56 - WOLL Frühling 2021


Über WhatsApp standen sie ständig in

Kontakt. Wenn Natalia, Leopoldina,

Anja oder Hildegard irgendwo etwas

Preiswertes entdeckt hatten, ertönte

ein „Piinnng“: „Hier werden Stauden

verschenkt. Soll ich sie mitbringen?“ So

vollzog die ehemals stiefmütterlich behandelte

Wiese eine wunderbare Wandlung.

Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäume

stehen nun neben Stachelbeer-,

Brombeer- und Johannisbeersträuchern.

Auf der Wiese blühen Wildblumen und

in den Hochbeeten wächst Gemüse.

Anlaufpunkt für Anwohner

Warum opfern die jungen Frauen viele

Stunden ihrer Freizeit? „Zunächst

macht es riesigen Spaß, gemeinsam an

der frischen Luft zu arbeiten und die

Früchte dieser Arbeit ernten zu können.

Des Weiteren schwebt uns vor, hier

einen Treffpunkt für die Nachbarschaft

Steffi Kroll, die Initiatorin

des Ümcke-Gärtchens

Hier müssen erst einmal schwere

Maschinen ans Werk (Foto: privat)

entstehen zu lassen“, erklärt Steffi Kroll.

„Im Winter könnte ein Glühweinstand

ein Magnet sein, im Sommer ein Fest.

Wir wollen mit Marmeladen oder Obstsäften

Selbstgemachtes aus unserem

Garten anbieten. Was wir von unserer

Ernte nicht selbst verwerten können,

stellen wir allen Anwohnern zur Verfügung.“

Aus der Idee einer Einzelnen ist somit

ein Gemeinschaftsprojekt geworden,

von dem nicht nur die Bewohner der

kleinen Straße „Auf der Ümcke“ in

Müschede profitieren werden. ■

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Die Geschichte des Butterbettchens

„Um den Kopf das wärmende Tuch, am Arm

den Deckelkorb mit der saftiggelben Fracht.“

Sonja Nürnberger

S. Droste

Elisabeth Agnes Becker, so der richtige Name des „Butterbettchens“,

wurde am 31. März 1858 in Hellefeld geboren.

Dort wuchs sie mit ihren vier Geschwistern in bescheidenen

Verhältnissen auf.

Struwes Tochter und die Enkelin

des ersten Berger Lehrers

Ihr Vater Anton Becker, im Dorf Struwe genannt, war

alteingesessener Hellefelder, er stammte von einem alten

Bauernhof. Ihre Mutter Maria Katharina Becker, geborene

Stahl, war die Tochter eines Lehrers in Berge bei

Meschede. Die Familielinie ihrer Mutter lässt bis ins 17.

Jahrhundert zurückverfolgen und führt zum bekannten

Stertschulten Hof in Cobbenrode. Der Großvater des

Butterbettchens war der erste Lehrer in Berge: Johannes

Florentins Stahl.

F

ast jeden Tag auf beschwerlichem Weg unterwegs.

Bergauf, bergab. Bei Schnee und Regen.

Bei Kälte und Hitze. Bepackt mit Lebensmitteln,

die für die Leute in der Stadt, in Arnsberg, bestimmt

waren. Eine eher ungewöhnliche Tätigkeit, noch dazu

für eine unverheiratete Frau. Denn bis in das 20. Jahrhundert

hinein waren es meist Männer, die als Lebensmittel-Händler

in der Stadt tätig waren. Oft besaßen

sie ein Pferd und einen Wagen, auf dem sie ihre Waren

anboten. Von wandernden Lebensmittelhändlern in

dieser Zeit ist zumindest nichts bekannt, von einer wandernden

Händlerin umso mehr.

Elisabeths Eltern besaßen in Hellefeld eine Bäckerei und

einen kleinen Kramladen. Wie es früher oft üblich war,

arbeitete sie mit 17 Jahren als Dienstmädchen im Haushalt

eines Arnsberger Kaufmanns. Dort lernte sie so

einiges, das ihr später beim Führen des Handels behilflich

war. Als sie 1878 zurück nach Hellefeld kam, hatte ihr

Vater die Bäckerei aufgegeben. Stattdessen hatte er einige

Felder und Vieh angeschafft und am Rande des Dorfes,

im „Erlenbruch“, ein Haus erworben. Um die mageren

Einkünfte etwas aufzustocken, betrieb er einen Wanderhandel

zwischen Hellefeld und Arnsberg.

Nach dem Tod der Eltern übernahm Elisabeth den Kleinhandel.

Von nun an ging sie an drei Tagen die Woche die

umliegenden Dörfer ab und kaufte bei Landwirten und

Kleinbauern Waren wie Eier, Butter und Speck. An den

58 - WOLL Frühling 2021


anderen drei Tagen wanderte sie bis

nach Arnsberg, mit den vollgepackten

Körben direkt zu den Bürgerhäusern.

50 Jahre lang nahm sie den beschwerlichen

Weg von Hellefeld nach Arnsberg

auf sich. 50 Jahre bei Wind und

Wetter und „mit der Regelmäßigkeit

einer wohlaufgezogenen Uhr“, wie

es in dem zeitgenössischen Bericht

des Arnsbergers W. Lindner heißt.

Schlicht gekleidet, beschreibt er sie,

mit Landkleid und einer blauen

Schürze und „um den Kopf das wärmende

Tuch, am Arm den Deckelkorb

mit der saftiggelben Fracht.“

Hans, der

störrische Esel

Elisabeth war eine recht konsequente

Frau. Eine Zeit lang trug ein Esel

ihre Körbe, Hans hieß er, wie aus

ihren Tagebüchern hervorgeht. Er

wird wohl mehr oder

weniger störrisch

gewesen sein, wie

Esel nun mal sind.

Vielleicht kam

sie auch ohne ihn

schneller voran.

Aber als das

Grautier sie

einmal

abschüttelte und sie in einen Graben

fiel, hatte sie genug von ihm. Sie verkaufte

ihn und ging fortan zu Fuß.

Wer weiß wofür das gut da? Hätte sie

ihn behalten, stände das Lastentier

vielleicht mit auf den Denkmälern,

die ihr auf dem Marktplatz in Alt-

Arnsberg und in Sundern Hellefeld

gewidmet sind. Und vielleicht hätte

sie dann nicht den Beinnamen „Das

Butter-Bettchen“, sondern „Das Esel-

Bettchen“ bekommen …

Zwei Denkmäler für eine

Marktfrau

Wenn Elisabeth alle Waren verkauft

hatte, ging sie in die Apotheke

und besorgte Medikamente, die in

ihrem Dorf gebraucht wurden. Erst

dann machte sie sich wieder auf den

Heimweg. Es war eben diese Hilfsbereitschaft

und die Tatsache, dass sie

„mit allen Fasern ihres Herzens“ an

ihrer Heimat hing, wie es in ihrem

Nachruf heißt, dass man sie bis heute

nicht vergessen hat. Posthum wurden

ihr zwei Denkmäler gewidmet,

eine bronzene auf dem Marktplatz in

Alt-Arnsberg und später eine hölzerne

in ihrem Geburtsort Hellefeld. Dazu

eine Internetseite, eine Brücke, ein

Markt und der Butterbettchen-Weg

des SGV.

Gestorben ist Elisabeth Becker, die

schon zu Lebzeiten weitum bekannt

war, am 4. Juni 1932 in Enkhausen.

Durch den ausführlichen Nachruf,

den das Arnsberger „Central-Volksblatt“

über sie veröffentlichte, war

schon am Tag ihres Todes der Grundstein

für eine Legende gelegt. Der der

einfachen Sauerländerin, eines echten

Originals, bescheiden und stark. ■

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BIS

4

JULI

2021

ARNSBERG

WOLL Frühling 2021 - 59


Dekanatskirchenmusiker Hartwig Diehl:

Kirchenmusik präsentiert Reichtum an Meisterwerken

„Verliebt in die Königin der Instrumente“

Paul Senske

Tom Linke

60 - WOLL Frühling 2021


ist Organist, Chorleiter, Komponist und

Konzertmanager. Offiziell trägt Hartwig

Er Diehl den Titel „Dekanatskirchenmusiker“,

als einer von insgesamt 17 im Erzbistum Paderborn.

Seine Stammkirche ist der Neheimer Dom St.

Johannes Baptist mit der majestätischen Struktur

und der grandiosen Orgel. Mit der Orgel, der „Königin

der Instrumente“, verbindet ihn eine „innige

Liebe“. Die Kirchenmusik bezeichnet der 63-jährige

Neheimer als „die Verwalterin von Weltmusik mit

einem großen Reichtum an Meisterwerken“. Seit

seiner Kindheit fasziniert ihn die Musik. „Es vergeht

keine Nacht, in der ich nicht von Musik träume. Ich

werde wach und habe was im Kopf gewälzt.“ Als eines

seiner Meisterwerke gilt die Komposition des Franz-

Stock-Oratoriums „VIDEO PACEM“.

Wenn Hartwig Diehl über Musik spricht, dann öffnet

sich nicht nur sein Herz. Er vermittelt tiefe Einblicke.

Musik ist für ihn nicht nur eine Kunst aus Tönen,

sondern eine zusätzliche Sprache, die „alles transportiert,

jede Gefühlslage und jede Emotion“. Die Musik hat

Diehl, der in Arnsberg-Bruchhausen geboren wurde und

am Hüstener Mühlenberg aufwuchs, seit seiner frühen

Kindheit in ihren Bann gezogen. Seine Großeltern

mütterlicherseits besaßen ein Klavier, das „mich nicht

in Ruhe ließ“. Ab dem 7. Lebensjahr nahm er Klavierunterricht

bei Max Puttkammer von St. Petri Hüsten, als

Jugendlicher führte ihn der Weg vom Klavier zur Orgel.

Der Orgelunterricht bei Josef Feldmann, dem seinerzeitigen

Organisten der Neheimer Kirche St. Michael, prägte

ihn und weckte die „innige Liebe zur Königin der Instrumente“,

wie einst Mozart die Orgel bezeichnet hatte.

Für Diehl verkörpert die Orgel alle realen Stilrichtungen

und ist nicht nur Begleitinstrument für Gottesdienste,

sondern ein wichtiges Konzertinstrument.

Dass Diehl nach dem Abitur Musik an der Musikhochschule

in Köln, nebst Geografie und Englisch an der Uni

studierte und danach ein Kirchenmusikstudium draufsattelte,

war vorgegeben. Von 1984 bis 1991 unterrichtete

er an der Realschule in Werl, war für die Musikschule

HSK tätig und hatte zudem eine halbe Stelle als Kantor

an St. Johannes Baptist in Neheim. Pfarrer Franz

Schnütgen war vom Talent des jungen Kantors voll

überzeugt. 1991 wurde Diehl als Nachfolger von Gustav

Biener zum Regionalkirchenmusiker ernannt. Nach der

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kirchlichen Strukturreform 2010 trägt er den Titel Dekanatskirchenmusiker

im Dekanat Hochsauerland-West (Arnsberg

und Sundern).

Mentor für Kirchenmusiker-Nachwuchs

Als ein wichtiges Anliegen hat er stets die Förderung des

Nachwuchses gesehen. Die Ausbildung von nebenamtlichen

Kirchenmusikern, die danach eine professionelle

Musiklaufbahn eingeschlagen haben, war und ist Diehl ein

Herzensanliegen. Peter Volbracht, der Kantor von St. Petri

Hüsten, der Voßwinkeler Tobias Wittmann (in Stuttgart

tätig), der ebenfalls in Stuttgart wirkende Komponist und

Musikproduzent Sebastian Bartmann, der Leiter des Bonner

Vokalensembles KONTRAPUNKT, Dr. Marc Mönig, oder

die gebürtige Neheimerin Dr. Christiane Strucken-Paland

(jetzt NRW-Schulministerium) waren unter anderen seine

SchülerInnen. „Musik zu vermitteln, ist für mich ein pädagogisches

Bedürfnis“, so Diehl. Als seine besondere Fähigkeit,

so Dirigentenkollegen, gilt das Herunterbrechen von Musik

auf eine allgemein verständliche Sprache von Laien, ihnen die

Zusammenhänge zu erklären.

„Es gibt das Religiöse in der Musik“

(Hartwig Diehl)

Das gilt auch und besonders für seine Tätigkeit als Chorleiter.

Er war Chorleiter des Männergesangvereins MGV

62 - WOLL Frühling 2021


Frohsinn Neheim, leitete 20 Jahre den Kinderchor „Piccolo,

ebenfalls 20 Jahre war er als Chorleiter für „Amicitia“ Garbeck

tätig. Zwei Chöre leitet er derzeit: den seit einem Jahr

gemeinsam wirkenden Chor Kantorei an St. Johannes und

Kirchenchor St. Michael sowie das von ihm, Wolfgang Bargel

und Dr. Heinz Gramann 1989 gegründete Vokalensemble

„Neuer Chor“. Das Repertoire des Neuen Chores umfasst

geistliche und weltliche Chorliteratur. Er ist insbesondere ein

Konzertchor für die übergeordnete Kirchenmusik, wie Diehl

es bezeichnet. „Es gibt das Religiöse in der Musik und das

Bedürfnis es mitzuteilen; das Religiöse ist ein Naturbedürfnis

des Menschen.“ Der Neue Chor genießt weit über die Region

hinausgehende Reputation, u. a. wurden drei CDs mit anspruchsvollen

Werken produziert. Wegen Corona konnte

2020 das vorgesehene Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn

Bartholdy nicht aufgeführt werden. Geplant ist die

Aufführung, gemeinsam mit dem Bonner Chor KONTRA-

PUNKT, jetzt im Herbst dieses Jahres, falls es die Pandemie

zulässt. „Dann feiern wir Wiederauferstehung“, so Diehl, der

auch Mentor und künstlerischer Leiter der anspruchsvollen

und stark frequentierten Abonnementreihe „RESONANZ –

Musik in St. Johannes“ ist.

Neheimers ist das Franz-Stock-Oratorium „VIDEO PA-

CEM“, das zum 50. Todestag von Franz Stock, dem Neheimer

Priester, der als einer der Wegbereiter der deutsch-französischen

Freundschaft gilt, 1998 in Chartres uraufgeführt

wurde. Es gilt als Diehls Meisterwerk mit Heimatbezug und

europäischer (Friedens-)Botschaft. Nach Chartres wurde es

auch in Neheim und Schmallenberg aufgeführt.

„Singen mit der Gemeinde ein beidseitiger

Lernprozess“ (Hartwig Diehl)

Was die Rolle und die Auswahl an Kirchenmusik in den

Gottesdiensten betrifft, so sieht Diehl die Kirchenmusik als

„emotionales Ventil“. Das Singen mit der Gemeinde sei ein

beidseitiger Lernprozess. Die Akzeptanz der neuen Kirchenlieder

mit „ihren tollen und zeitgemäßen Texten“ lasse noch

zu wünschen übrig. „Wir haben die Menschen noch nicht

mitgenommen.“ Ein pädagogisches Bedürfnis sei es, junge

Menschen für ältere Lieder und ältere Menschen für neue

Lieder zu begeistern. Wichtig seien der Mix und die Qualität.

„Es gibt keine alte oder moderne, sondern nur gute und

schlechte Musik.“ ■

„Die Mauern der Kirche durchlässig

machen“ (Hartwig Diehl)

Nach Ansicht von Diehl beinhaltet die Kirchenmusik als

„Verwalterin von Weltmusik“ auch das „Angebot, einen

Zugang zur Kirche zu ermöglichen“. 30 Prozent der Konzertbesucher

sind regelmäßige Kirchgänger, 70 Prozent

haben keinen oder wenig Bezug zur Kirche, so Diehl weiter.

Ein großes Anliegen ist es ihm, „die Mauern der Kirche

durchlässig zu machen für weltliche Musik von außen und

für Kirchenmusik nach draußen“. Als Musterbeispiel und

Symbol dafür sieht Diehl die maßgeblich von ihm initiierte,

jährliche Veranstaltung „Toccata Open Air“ auf dem Marktplatz

vor dem Neheim Dom. Dabei wird die Orgel per Video

auf die große Leinwand nach draußen getragen. Bei diesem

auch gesellschaftlich bedeutenden Event musiziert die Welt

in Neheim, der Markt wird mit der Kirche gemeinsam zum

Klangkörper.

Die Musik hat Diehl in ihrem Bann. Dass „es keine Nacht

gibt, in der ich nicht von Musik träume und Ideen entwickele“,

versteht sich praktisch von selbst. Aus Ideen werden

dann Noten, aus Noten Musik und Eigenkompositionen für

Chöre, Klavier und Orgel. Eine bedeutende Komposition des

















WOLL Frühling 2021 - 63


Ortsporträt Ruhne

Dorfidyll rund um den Glockenturm

Matthias Koprek

Auf dem Kamm des Haarstrangs liegt Ruhe, einer der insgesamt 14

Ortsteile von Ense. Das rund 300 Einwohner zählende Dorf, das Mitte

des 12. Jahrhunderts erstmals als Rune erwähnt wird, zählt heute

rund 300 Einwohner. Frei übersetzt bedeutet der Name so viel wie „Siedlung

an einem Bergeinschnitt“, was die Lage am Haarstrang beschreibt.

Glockenturm bildet den Mittelpunkt des Dorfes

Den Mittelpunkt von Ruhne bildet der stilisierte Glockenturm,

der zugleich das Wahrzeichen des Dorfes ist. Die Glocke

in der Ortsmitte hat eine lange Tradition. Nachdem die

Haarkapelle am Südhang der Haar

im Siebenjährigen Krieg (1756 -

1763) zerstört wurde, kam ihre

Glocke höchstwahrscheinlich

nach Ruhne. 1874 kauften

die Dorfbewohner eine

neue Glocke, die in einem

zehn Meter hohen Holzturm

hing. 1917 wurde

sie eingezogen, um

für Rüstungszwecke

eingeschmolzen zu

werden. 1920 wurde

Ersatz beschafft.

Der heutige Glockenturm

wurde

1964 errichtet

und wirkt mit seinen beiden Bögen aus hellem Stein noch

immer modern und elegant. Die hochwertige Bronzeglocke

hat einen Durchmesser von 42,5 Zentimetern und wiegt 45

Kilogramm. Früher erklang sie immer, wenn ein Bewohner

des Dorfes gestorben ist: drei Glockenschläge bei einem

Mann, zwei Glockenschläge bei einer Frau und ein Glockenschlag

bei einem Kind. Zudem diente sie als Feueralarm.

Heute wird die Glocke maschinell geläutet und ertönt jeweils

um 7:00, 12:00 und 19:00 Uhr zur Erinnerung an das

Angelusgebet. Ein Gedenkstein am Fuße des Glockenturms

erinnert an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Ruhner.

Gefeiert wird in der Kurfürstenhalle

Das erste Dorffest von Ruhne wurde Anfang der 1980er-

Jahre rund um den Turm gefeiert. Heute bildet die Kurfürstenhalle

den Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft. Der

kleine, gemütliche Holzbau steht Vereinen für ihre Treffen

und Privatpersonen für Familienfeste zur Verfügung. Die

Ruhner Dorfgemeinschaft organisierte das ganze Jahr über

verschiedene Veranstaltungen und Ausflüge sowie das alljährliche

Dorffest.

64 - WOLL Frühling 2021


Enge Beziehungen pflegen die Ruhner zu Bremen. Nicht

nur, weil es in dem bäuerlich geprägten Dorf keine Einkaufsmöglichkeiten

gibt. Vor allem die Vereinskultur teilt

man sich. So bilden Bremen, Ruhne, Gerlingen und Parsit

gemeinsam die Schützenbruderschaft St. Lambertus. Der

Verein „Unser Bremen Ruhne“ hat sich der Förderung des

heimischen Brauchtums sowie der Heimat- und Denkmalpflege

in all seinen vielschichtigen Facetten verschrieben.

Umgehungsstraße bedroht das Dorfidyll

Hauptverkehrsader von Ruhne ist die Kurfürstenstraße, die

südlich des langgezogenen Dorfes verläuft und einmal quer

hindurchführt. Als Verbindung zwischen Werl und Bremen

ist sie durchaus stark befahren, auch nachdem die Wohngebiete

unterhalb von Ruhne durch den Kreisverkehr einen

eigenen Anschluss an die Bundesstraße 516 erhielten.

Widerstand regt sich in Ruhne seit einigen Jahren gegen die

geplante Umgehungsstraße, die nördlich des Dorfes verlaufen

und den Ortskern von Bremen entlasten soll. Die gegründete

Bürgerinitiative befürchtet, dass die Ortsumgehung das

Dorf zerschneidet und massive landschaftliche Einschnitte

mit sich bringt.

Mucher Kreuz und Scheinflughafen

Folgt man der Kurfürstenstraße nach Westen und überquert

die Bundesstraße Richtung Waltringen, gelangt man zum

Mucher Kreuz auf der Haar. Es wurde bereits vor langer Zeit

von Pilgern aus Much im Rhein-Sieg-Kreis errichtet, die alljährlich

zu Fuß zur Werler Wallfahrtsbasilika pilgern. Genau

von hier können sie mit den Türmen der Kirche erstmals ihr

Ziel erspähen. Das 2012 erneuerte Holzkreuz trägt die Leidenswerkzeuge

Jesu und ist in eine kleine Anlage mit einem

großen Findling, Pflanzen und einer Bank eingebunden.

Nur einen Steinwurf entfernt befand sich im Zweiten Weltkrieg

der Scheinflughafen Ruhne-Waltringen, der vom sieben

Kilometer entfernten Militärflughafen in Werl ablenken

sollte. Zehn Hallen wurden dafür extra errichtet. Sechs Soldaten

simulierten unter anderem mit Flugzeugattrappen und

Schweißarbeiten einen normalen Flughafenbetrieb. Erfolgreich,

denn am 13. Juni 1941 warfen 15 britische Bomber

über 1.200 Brand- und Sprengbomben auf den Scheinflughafen

ab. Ein Bauernhof in Ruhne brannte nieder, Bewohner

kamen jedoch nicht ums Leben. ■

WOLL Frühling 2021 - 65


Der Schmachtlappen und sein Fastenbier

Verena Sen

Foto: AdobeStock_195834535_Love the wind

Die Kraniche haben ihren Weg bereits wieder

ins Sauerland gefunden und uns unmissverständlich

den Frühling angekündigt. Diese beschwingte

Jahreszeit hat einige Bräuche und Redensarten

im Gepäck wie den Tanz in den Mai, das Fastenbier oder

sogar den Schmachtlappen.

Was ist eigentlich ein „Schmachtlappen“? Das fragte ich ein

Dutzend Sauerländer – und die Antworten kamen prompt:

„Ein langer, dünner Kerl“, „Ein dürrer Hänfling“ oder „Dem

kannst Du das Vaterunser durch die Rippen pfeifen“, auch

„Hungerhaken“ wurde genannt. So viel also zum zeitgenössischen

Sauerländer Verständnis des „Schmachtlappens“:

männlich, schmal, hager. Ursprünglich ist mit diesem Begriff

allerdings gar kein Mensch gemeint, auch wenn der Begriff

zumindest etwas mit Essen zu tun hat, jedenfalls im übertragenen

Sinne.

Fasten mit Leib und Seele

Der Ausdruck Schmachtlappen kommt eigentlich aus der

Fastenzeit. In katholischen Haushalten war es noch vor nur

wenigen Generationen eine Selbstverständlichkeit, während

dieser Zeit auf z. B. Fleisch, Alkohol und Zuckerwerk zu verzichten.

Die Spuren des Schmachtlappens führen uns allerdings

noch viel weiter in die Vergangenheit: In katholischen

wie evangelischen Kirchen wurden bis ins 18. Jahrhundert

hinein bildliche Darstellungen Jesu während der 40 Tage

zwischen Aschermittwoch und Karfreitag verhüllt. Auf diese

Weise sollte man nicht nur körperlich, sondern auch geistlich

fasten. Das Verhüllen geschah mit einem sogenannten Fastentuch

– im Volksmund auch „Schmachtlappen“ oder „Hungertuch“

genannt. Der Original-Schmachtlappen ist also nicht

menschlicher, sondern textiler Natur.

Flüssiges bricht Fasten nicht…

Weitere hundert Jahre früher, also Mitte des 17 Jahrhunderts,

hatten Mönche die findige Idee des Fastenbiers im Gegensatz

zum „Dünnbier“. Letzteres wurde in Klöstern jeden Tag getrunken.

Bier war beliebt, weil es durch den Alkoholgehalt, die

Kohlensäure und den relativ niedrigen PH-Wert meist keimfreier

war als normales Trinkwasser. Wenn man zur Fastenzeit

allerdings den Gürtel enger schnallte, reichte das normale

Dünnbier nicht aus, um den Verzicht auf feste Nahrung auszugleichen.

So wurde das Fastenbier erfunden, das nicht nur

einen höheren Zuckergehalt hatte, sondern dadurch oft mit

um die zehn Prozent Alkohol auch deutlich mehr „Wumms“.

Dieses nahrhafte Bier war auch in der entbehrungsreichen

Fastenzeit erlaubt, denn „Flüssiges bricht Fasten nicht“, sagt

eine alte Redensart.

Die Bäume fahren aus der Haut

Nach der Fastenzeit und Ostern steht dann aber endlich der

Frühling vor der Tür. Im Frühling, das wusste schon Wilhelm

Busch, fahren die Bäume aus der Haut und, das wissen die

Sauerländer, tanzen die Menschen in den Mai. Dieser Brauch

am Abend des 30. April ist übrigens aus der sagenumwobenen

Walpurgisnacht entstanden. Die Nacht, in der die Hexen auf

ihren Besen um Berggipfel brausen und wilde Feste feiern.

Davon gibt es im Sauerland ja genug – also von Bergen und

Festen – aber mit Abstandsregel und begrenzter Zahl der

Haushalte wird es dieses Jahr wohl nichts mit der Hexensause.

Und auch ob wir „normalen“ Menschen für den traditionellen

Maientanz dieses Jahr die Corona-Hürde überspringen

können, bleibt vorerst wohl fraglich. Da sind ausnahmsweise

einmal die Fastenbräuche deutlich leichter einzuhalten… ■

66 - WOLL Frühling 2021


Mit Neugierde,

Glück und Fußballleidenschaft

Michael Senske ist Datenwissenschaftler

beim FC Bayern München

Sonja Nürnberger

Tim Kramer & Privat

Geboren wurde er 1987 in

Dortmund, zog aber bereits

im Alter von drei Jahren

nach Neheim, wo er eine behütete

Kindheit und Jugend verbrachte, bis

er zum Studieren das Sauerland verließ.

Heute arbeitet Michael Senske

beim FC Bayern München – in der

Abteilung Spielanalyse und Innovation.

Der Weg dahin war ein spannender

und keinesfalls ein geplanter.

Die Leidenschaft für den Fußball kommt nicht von ungefähr.

„Mein Papa war sehr aktiv im Fußball – sowohl als

Spieler als auch als Journalist“, erinnert sich Michael Senske.

„Er hat mir als Kind natürlich immer viel erzählt und mich

gefragt, ob ich nicht auch in einem Fußballverein spielen

wollte.“ Das wollte er natürlich. SC Neheim, TuS Vosswinkel

und SC Bachum/Bergheim: „Bis zur C-Jugend hab ich

im Verein gespielt. Aber ich hatte immer den Konflikt, dass

meine Spiele und die der Bundesliga zur selben Zeit stattfanden

und ich doch lieber die Bundesliga-Spiele verfolgt habe“,

erinnert er sich lachend.

Aktiv Fußball zu spielen begann er erst wieder, als er in Bochum

zu studieren anfing – diesmal in einer Hobbymannschaft.

In Bochum studierte er Biochemie. Bachelor, Master,

zwischendrin einige Auslandsaufenthalt in Irland, Wales

und den USA, bis er sich schließlich für die Promotion im

Fach Chemie entschied. „Ich war immer gerne in der Uni

und habe deswegen davon geträumt, Professor zu werden“,

erzählt er. „Die Forschung hat mir von Anfang an viel Spaß

gemacht, im Labor zu sein und unbekannte Dinge zu untersuchen.“

Doch irgendwann kam er an einen Punkt, an dem

der Spaß nachließ und Zweifel aufkamen. „Irgendwie habe

ich gemerkt, dass das ganze Prozedere in der Forschung

vielleicht doch nicht so meins ist, der Publikationsdruck, der

Fokus liegt zu wenig auf dem Forschungsfeld und irgendwo

gehört eben auch einfach viel Glück dazu.“ Hinzu kommt,

dass eine Professorenkarriere sehr lange dauert: „Ich dachte

mir, wenn ich dann Ende 30 bin und merke, ich schaffe

das nicht, was mache ich dann?“ Das führte dazu, dass er

noch einmal in sich ging und ganz frei darüber nachdachte,

was er wirklich gerne machen würde. „Ich merkte, dass ich

in meiner beruflichen Zeit gerne über Fußball nachdenken

würde, dass es schön wäre, das Hobby irgendwie in den Beruf

einfließen lassen zu können.“

WOLL Frühling 2021 - 67


Vom Chemiedoktorand zum Start-up-Gründer

Er begann gemeinsam mit einem Kommilitonen und einem

Juniorprofessor ein Nebenprojekt aufzubauen. Zunächst starteten

sie mit sehr einfachen Fragen. Als das nicht mehr genug

war, überlegten sie sich, an den VfL Bochum, Michael Senskes

Lieblingsverein, heranzutreten. Was hatten sie zu verlieren? Er

hatte gelesen, dass ein dänischer Verein mithilfe von Datenanalyse

sehr überraschend Meister geworden war. Auf dieser

Grundlage schrieben sie dem VfL einen Brief und wurden

prompt eingeladen, um sich und ihre Ideen vorzustellen. „Wir

wollten anhand von Daten die Stärken der Spieler berechnen.

Es gab zu dieser Zeit bereits eine Menge Daten – allerdings

wusste nicht einmal der VfL, wie er dort herankommt.“ Michael

Senske merkte, dass aus der Zusammenarbeit dauerhaft

nichts werden würde und erzählte zufällig bei einem „Kaminabend“

in der Uni jemandem von der Wirtschaftsförderung

Bochum von seinem Projekt. Daraufhin kam die Idee auf, ein

Start-up zu gründen, „obwohl keiner von uns wusste, wie das

geht.“ Für die Bewerbung für den Förderwettbewerb „START-

UP-Hochschul-Ausgründungen“ wurde zunächst recherchiert,

ob die Idee auch für Amateurvereine interessant sein könnte.

Das war sie und so gingen Michael Senske und seine Kollegen

mutig, aber auch etwas nervös zur Vorstellung ihres Projektes

– und gewannen den Wettbewerb und damit mehr als

260.000 Euro für die nächsten 18 Monate. Das Projekt konnte

nun endlich richtig beginnen.

Michael Senske (re.) mit seinem Kollegen Patrick Balzerowski

Und plötzlich beim FC Bayern München

Wie der Zufall es so will, kam dann jedoch trotzdem alles

anders. Bei einem Grillabend kam ein Kontakt zum FC

Bayern München zustande, ausgerechnet zu jemandem aus

dem Bereich Spielanalyse. „Da wir ja gerade erst das Geld

bekommen und mit unserem Projekt begonnen hatten, hatten

wir schon fast abgesagt. Aber der FC Bayern blieb hartnäckig,

wollte nicht nur, dass wir das Projekt für ihn weiterführten,

sondern dass wir dort fest arbeiteten.“ Schnell war klar, dass

das wahrscheinlich eine einmalige Gelegenheit ist – außerdem

gab der Arbeitsplatz eine größere Sicherheit. „Der FC Bayern

München ist einer der besten Vereine der Welt und die

Chance, überhaupt in einem Fußballverein zu arbeiten, war

mit unserem Start-up nicht gesichert. Darum entschieden wir

uns, dass Angebot anzunehmen und gaben die Fördergelder

zurück.“ Am 1. Juli 2018 ging es dann tatsächlich los, in der

Abteilung Spielanalyse und Innovation als Datenwissenschaftler.

„Das war natürlich eine superspannende Anfangszeit in

Michael als Baby mit seinem Vater Paul

68 - WOLL Frühling 2021


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Michael Senske

München, gerade auch als Fußballfan“, erinnert sich Michael

Senske und grinst: „Ich hab zu meinem Kollegen gesagt:

‘Patrick, wir machen hier keine Selfies. Wir gehen da einfach

rein und verhalten uns ganz unauffällig.‘“ Aber etwas Besonderes

ist es natürlich schon: von der Dachterrasse sieht man den

Fußballstars beim Training zu und auf dem Gang wird man

von Uli Hoeneß gegrüßt. Servus!

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„Wir werten in unserer Abteilung Spieldaten der Mannschaften

aus – von den Profis bis zur U17. Unsere Hauptaufgabe ist

es, den Spielern eine Datennote zu geben, also eine objektive

Qualitätskennzahl für die Spielerleistung.“ Mittlerweile gibt

es außerdem eine futuristische Turnhalle, in der allerlei Dinge

gemessen werden, die später ausgewertet werden können.

Heimatliche Verbundenheit

Auch wenn Michael Senske nun für den FC Bayern arbeitet,

das Sauerland und seinen heimischen Fußballverein hat er

nicht vergessen. „Mein Vater sagt mir oft Bescheid, wenn der

SC Neheim spielt, dann gucke ich mir das immer an, wenn es

zeitlich passt.“ Vor allem kommt er aber auch immer wieder

gerne ins Sauerland. „Die heimatliche Verbundenheit ist

einfach immer noch da, nicht nur wegen meinen Eltern. Ich

bin einfach gerne dort, unternehme Wanderungen und genieße

die schöne Landschaft.“ ■

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70 - WOLL Frühling 2021

Werkstätten St. Martin

Tageseinrichtung zur

beruflichen und sozialen

Rehabilitation

Hinterm Gallberg 12

59929 Brilon

Frühlingserwachen

Robert Dröge

Kinder, wie die Zeit vergeht,

das Rad sich täglich schneller dreht,

und ehe du dich recht bedacht:

Der Winter vorbei – der Frühling lacht.

Das frische Grün, die ersten Blütenspitzen,

Vögel zwitschernd in den Bäumen sitzen,

balzend ihre Nester bauen,

ach, es gibt so viel zu schauen.

Schwalben, Störche, sie kehren zurück,

die Sonne lacht, helle Tage voll Glück.

Der Frühling, für viele die schönste Zeit,

wo alles im Wachsen, alles bereit.

Frühling, Lenz – ein jeder erwartet dich,

so auch der Schreiber dieses Gedichts. ■

Martin Richter


„DAS HABE

ICH GEMACHT!“

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert

Thomas Münstermann

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Der Werkstattbeschäftigte druckt

mit Hilfe des sog. Tampondruck ein

Logo auf.

“Das habe ich gemacht” hören wir oft, das macht uns und unsere

Werkstattbeschäftigten stolz, so Engelbert Kraft

Engelbert Kraft

Alle sechs Werkstattstandorte, hier

in Brilon, sind zertifizierte Unternehmen,

welche die ISO-Norm erfüllen.

Die Werkstätten St. Martin des Caritasverbandes Brilon e.V. sind ein hoch angesehener

Partner der Industrie und machen ihre Mitarbeiter stolz und glücklich

hätte ich nicht gedacht. Ihr seid ja

total vielseitig! Aber Tampondruck macht

‚Das

ihr nicht auch noch, oder?‘ Diese Frage eines

verblüfften und überaus positiv überraschten Kunden

durfte Engelbert Kraft mit einem klaren ‚doch‘ beantworten.

„Mit unseren Werkstätten in Brilon, Marsberg

und Winterberg sind wir extrem vielseitig und breit

aufgestellt. Wir haben überall Experten sitzen mit vielen

Händen, die helfen können, wenn es mal besonders

schnell gehen muss“, erklärt der Leiter der sechs Werkstattstandorte,

die als zertifiziertes Unternehmen die

ISO-Norm erfüllen.

Allein an dem Werkstattstandort Hinterm Gallberg in Brilon

gibt es eine eigene Schreinerei, einen großen Metall- und

Montagebereich sowie den Tampondruck und die Pulverbeschichtung.

„Vor allem die Kombination Metall- und Pulverbeschichtung

macht uns sehr leistungsstark. Wir können z.B.

Gehäuse für Ladegeräte nicht nur selbst bauen, sondern sie

auch direkt vor Ort veredeln“, berichtet Thomas Münstermann,

der technische Leiter der Werkstätten, die über den

Caritasverband Brilon e.V. Mitglied der ‚Big Six Brilon‘ sind.

An allen sechs Standorten arbeiten 650 Werkstattbeschäftigte,

die stolz sind auf das, was sie tagtäglich leisten. „‚Das

habe ich gemacht‘ hören wir oft von unseren Mitarbeitern.

Wir montieren viele Alltagsgegenstände wie Fahrradluftpumpen,

Siphons und viele andere Produkte, die unsere Werkstattbeschäftigten

im alltäglichen Leben wiedererkennen.

Natürlich macht sie und auch uns das wahnsinnig stolz“,

gibt Engelbert Kraft zu, der sich freut, dass die Werkstätten

der Caritas im Sauerland ein hoch angesehener Partner der

Industrie sind. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

Caritasverband Brilon e.V.

Scharfenberger Straße 19

59929 Brilon

www.caritas-brilon.de

WOLL Frühling 2021 - 71


Es klappert die Mühle...

Christel Zidi

S. Droste

Alte Kornmühle in Ramsbeck

Die alte Kornmühle ist gut 400 Jahre alt. Sie ist die einzig noch erhaltene Mühle in NRW mit ursprünglich drei

Mahlständen. Renovierungen und Instandsetzungen der mittelalterlichen Technik fanden u. a. in den Jahren 1810

und 1860 statt, wie anhand von Holzproben ermittelt wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Mühlen wurde das

Gebäude nur stillgelegt und nicht entkernt. 2014 wurde sie nach umfangreichen Renovierungen neu eingesegnet.

72 - WOLL Frühling 2021


Sägemühle Remblinghausen

Urkundlich belegt ist, dass schon 1671 an dieser Stelle eine Mühle stand. Wahrscheinlich wurde sie aber deutlich

früher gebaut, worauf auch die Ortsangabe “Auf der Sagemollen“ schließen lässt. Der Kern des heute noch vorhandenen

Gebäudes wurde 1809 errichtet, die Stellmacherwerkstatt 1889, das Turbinenhaus mit Kleesamen-Enthülsungsmaschine

und Schrotmühle 1926. Die Anlage ist eine in Westfalen außergewöhnliche Kombination von Maschinen

des holzverarbeitenden Gewerbes und der Dreschtechnik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Betrieb

wurde 1983 eingestellt

Schleimer Mühle in Niedersfeld

Sie ist die erste Mühle an der Ruhr. Erste Erwähnung fand sie in der „Türkensteuerliste“ von 1565. Angetrieben wird

die Mühle mit Wasserkraft. Hierzu wurde ein Graben von ca. 1,5 km Länge angelegt, der zu 50 % von der Ruhr und

zu 50 % von der Hille gespeist wird.1934 wurde eine Turbine eingebaut, die das Wasserrad ablöste.

Diese Turbine treibt heute noch die 1,5 Tonnen Roggen-Rückschüttmaschine an.

Zusätzlich wird ein Generator zur Stromerzeugung durch Wasserkraft in Betrieb gesetzt.

WOLL Frühling 2021 - 73


“Stütings Mühle” in Belecke

Die Korn- und Sägemühle in Belecke wurde von 1307 bis 1963 wurde genutzt. 1994 wurde die Turbine überholt,

die bis 1963 ihre Energie aus der Wasserkraft der Wester bezogen hatte. Die Mühle erzeugt 130.000 Kilowattstunden

Energie pro Jahr. Im Nachbargebäude, einer ehemaligen Fruchtscheune, ist heute die Ortsbücherei untergebracht.

Niederbergheimer Mühle

Der Kölner Erzbischof veranlasste 1551 den Bau der Mahlmühle. 1590 ging sie in den Besitz des Deutschen Ritterorden

zu Mühlheim. Später erwarb sie die Familie Bockum-Dolff und ließ sie 1787 mit neuester Technik ausstatten. Die angeschlossene

Sägemühle arbeitete bis 1972, der Mahlbetrieb wurde bereits 1960 eingestellt.

Heute befindet sich in der Anlage eine Kunstgalerie. Zur Stromerzeugung wird die Wasserkraft seit 1983 genutzt.

74 - WOLL Frühling 2021


Altenbürener Mühle

Am Ufer der Glenne, die bei Altenbüren entspringt und bei Rüthen in die Möhne fließt, steht die Altenbürener Mühle.

Hier wurde noch bis 1956 Korn gemahlen. Die Mühle wurde in ihrer Vergangenheit oftmals vom Blitz getroffen. Das erste

Mal geschah dies 1660. Damals baute man eine neue Mühle ein Stück abwärts der Glenne, die in 1710 und 1850 von

dem gleichen Schicksal heimgesucht wurde. Um dieser Gefahr auszuweichen, beauftragte der Eigentümer Kaspar Gerbracht

einen Wünschelrutengänger, der feststellte, dass sich dort vier Wasseradern kreuzen, die die vernichtenden Blitze

anzogen. Er ließ an den entsprechenden Stellen Bleibehälter in den Boden versenken und behob damit einen Missstand,

der so viel Leid gebracht hatte.

Wassermühle in Sundern-Linnepe

Mindestens 700 Jahre – aber vermutlich noch viel älter ist die Wassermühle in Linnepe. Hier befand sich in alter Zeit

eine gräfliche Bannmühle. Das bedeutet, dass der Graf das alleinige Recht zum Bau und Betreiben der Mühle hatte.

Die Bauern der Gemeinden ringsum mussten hier ihr Getreide mahlen zu lassen. Sie war noch bis 1932 in Betrieb.

WOLL Frühling 2021 - 75


Die “Spitze Warte” in Rüthen

“Spitze Warte” war ursprünglich die Bezeichnung für einen der drei Warttürme an der östlichen Grenze der mittelalterlichen

Feldmark der Stadt Rüthen. Als 1856, ca. 150 Meter nordöstlich der einstigen Warte, eine Windmühle

gebaut wurde, übernahm der Mühlenturm später diesen Namen.

76 - WOLL Frühling 2021


“Alte Wassermühle” in Meschede-Berge

Am Ortsausgang von Berge nach Wenholthausen liegt die “Alte Wassermühle” am Ufer der Wenne. Sie war noch bis in

die 1980er in Betrieb. 1991 wurde sie restauriert. Mauerwerke, Mahlwerke, das Stauwehr oder der alten Gewölbeofen

können besichtigt werden.

WOLL Frühling 2021 - 77


Irgendwas zwischen Hardrock und Punk

One Tape: eine junge Band aus Brilon,

die in keine Schublade passen will

Fabian ten Haaf, Mathis Kaup,

Ben Müthing, Hannes Muffert (v.l.)

Sonja Nürnberger

Privatarchiv

Leben ist kein Goldfischglas, man muss

sehen, wo man bleibt und gehen, wenn’s

„Das

am schönsten ist.“ In ihren Texten geht

es um zwischenmenschliche Beziehungen, um Gesellschaftskritik

und darum, klar Position zu beziehen gegen

Rechts. Um alles eben, was einen so mit knapp 20 Jahren

und überhaupt zur Zeit beschäftigt und beschäftigen

sollte.

Seit bald acht Jahren gibt es One Tape bereits. One

Tape, das sind Fabian (20) am Schlagzeug, Hannes

(19) am Bass, Ben (20) an der Gitarre und Mathis

(19) an den Vocals. Fast 140 Konzerte haben sie

bereits gespielt – etwas, was nicht jede Band von

sich behaupten kann. Vor allem nicht in diesem

jungen Alter.

„Wir haben zunächst als Coverband angefangen

und das ganze Sauerland abgespielt“,

erzählt Mathis. Nachdem sie einige Erfahrungen

gesammelt hatten, entschieden sie

sich bald, einen Schritt weiterzugehen und ihre eigene Musik

zu machen. 2019 nahmen sie schließlich ihr Debutalbum auf

und belegten den dritten Platz bei einem Nachwuchsbandwettbewerb

auf der Frankfurter Musikmesse. Vergangenen

August folgte Album Nummer zwei. Auf der Bucketlist* der

Band stehen aber noch weitere Ziele: auf großen Festivals

spielen und durchs Land touren etwa. Die Jungs machen die

Musik jedoch nicht, um berühmt zu werden – „auch,

wenn wir dazu nicht Nein sagen würden“ –, sondern

in erster Linie, weil sie „Bock darauf haben,

Mucke zu machen“ – ganz egal, ob für 20 oder

2.000 Menschen.

Inspiration für ihre Musik holt sich die Band

aus ganz verschiedenen Richtungen. „Wir wollen

nicht in eine Schublade gesteckt werden, um

uns nicht selbst einzuschränken. Wir sind One

Tape und wir machen One Tape-Musik“,

stellt Mathis klar. Will man es doch einordnen,

beschrieb ein Freund die Musik

einmal als „irgendetwas zwischen

78 - WOLL Frühling 2021


Hardrock und Punk“, ein Spektrum, das groß genug ist, um

sich kreativ auszutoben. „Aber am besten hört man selbst

rein und macht sich sein eigenes Bild.“

Von der Idee zum Song

Für einen neuen Song sammelt jedes der Bandmitglieder

seine Ideen und bringt sie zur Probe mit. In diesem Jahr sah

das durch die Pandemie ein wenig anders aus, aber die Jungs

sind gut aufeinander abgestimmt.

Besonders gerne erinnert Mathis sich an die Entstehung

eines Songs auf dem aktuellen Album: Anastasia heißt er und

handelt von einem Mädchen, das sie auf einem Konzert von

„Von wegen Lisbeth“ in Berlin kennengelernt hatten. „Vor

allem unser Bassist war sehr angetan und bekam sie nicht

mehr aus dem Kopf.“ Auf dem Heimweg setzten sie sich zusammen

und schrieben diesen Song. „Es war einfach so eine

besondere Stimmung. Eine große Stadt, neue Leute, so viele

Freiheiten und ein tolles Konzert und dann ist da für diesen

einen Abend dieses Mädchen, das am nächsten Tag weiter

nach Stockholm fliegt.“

Zukunft

In Zukunft will die Band weiter neue Songs schreiben und

auf der Bühne stehen. Dafür appelliert Mathis auch an jeden,

der Musik liebt, die Kulturbranche, wo es nur geht, in dieser

Zeit zu unterstützen. „Da sind ja nicht nur die Musiker an

sich, sondern all die, die dahinterstehen und dafür sorgen,

dass wir überhaupt wieder spielen können.“ ■

Kraftstoffverbrauch Volvo XC40 Momentum T2, 95 kW (129 PS),

Hubraum 1.477 cm3, in 1/100 km: innerorts 7,9, außerorts 5,3,

kombiniert 6,3, COrEmissionen kombiniert 142 g/ km. (gern. vorgeschriebenem

Messverfahren}, C02-Effizienzklasse: B.

1 Die Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung als Teil des City Safety Systems

greift zum Schutz von Personen aktiv bis zu einer Fahrgeschwindigkeit

von 80 km/h ein und kann Unfälle vermeiden oder die Unfallfolgen deutlich

abschwächen. ' Ein Privat-Leasing-Angebot der Volvo Car Financial

Services - ein Service der Santander Consumer Leasing GmbH (Leasinggeber),

Santander-Platz 1, 41061 Mönchengladbach - für einen Volvo XC40

Momentum T2, 6-Gang Schalt Getriebe, Benzin, Hubraum 1.477 cm3, 95

kW (129 PS), Anschaffungspreis 33.300,00 Euro, Leasing-Sonderzahlung

0 Euro, monatliche Leasingrate 249,00 Euro, Vertragslaufzeit 36 Monate,

Laufleistung pro Jahr 10.000 km, Gesamtbetrag 24.147,20 Euro. Effektiver

Jahreszins 3,87 %, fester Sollzins p. a. 3,80 o/o. Repräsentatives Beispiel:

Vorstehende Angaben stellen zugleich das 2/3-Beispiel gern. §6a Abs. 4

PAngV dar. Bonität vorausgesetzt. Preise zzgl. Überführungskosten und zzgl.

Zulassungskosten. Gültig bis 31.03.2021. Beispielfoto eines Fahrzeugs der

Baureihe, die Ausstattungsmerkmale des abgebildeten Fahrzeugs sind nicht

Bestandteil des Angebots.

*Frei übersetzt: Das, was man noch erledigen möchte, bevor man stirbt.

WOLL Frühling 2021 - 79


Robert geht wandern:

Von Bigge auf den Olsberg (703 m)

Robert Hinkel

1Ihr parkt an der Schützenhalle in Bigge und geht die Straße „Ruhrufer“ an den Supermärkten

entlang, wo ihr noch Marschverpflegung bekommen könnt. Anschließend geht es in den

schönen Olsberger Kurpark:

2Dort seht ihr gleich, was die Glocke geschlagen

hat, bzw. wo es hinaufgeht:

3An der Tourismusinformation trefft ihr auf den

Friedrich-Wilhelm-Grimme-Weg (X27) und

folgt ihm die nächsten fünfeinhalb Kilometer.

Der Geburtsort des bekannten Dichters ist tatsächlich

Assinghausen. Oberhalb von Olsberg verläuft

der Weg 500 Meter über einen Trampelpfad, der

etwas versteckt rechts im Wald verschwindet:

80 - WOLL Frühling 2021


4Wenn man sich an den Kneippweg (Wanderzeichen

K) Richtung Waldaltar und darüber hinaus hält,

geht man kurz und steil auf den Olsberg und wieder

runter. Meine Wanderung ist aber knapp 5 km länger und

hält sich an den X27, der nun auf einem breiten Weg langsam

ansteigt:

5An einer Wiese hat man Aussicht auf das Gebiet

meiner Winter-Wanderung 2019/20 von Bruchhausen

auf den Langenberg.

6Aber die Aussichten werden noch besser. Hinter

der Wiese verlasst ihr den X27 nach rechts bergauf

und folgt dem Olsberg Gipfelsteig, der zu einem

bemerkenswerten Rastplatz führt. Hier hat man einen

180°-Rundumblick von Winterberg bis zum Arnsberger

Wald nördlich von Bestwig, mit dem Ruhrtal 300 Meter

unter euch:

7Das ist die wohl aussichtsreichste kostenlose

Bank mit Tisch, die das Sauerland zu bieten

hat. Das kann ich nicht beschwören, aber

ich komme viel herum, kenne viele Ecken. So eine

Kombination kenne ich nur vom kahlen Asten, wo

man aber im Turm gekaufte Speisen und Getränke

verzehren sollte. Alle anderen haben nicht so einen

Rundumblick oder ihnen fehlt der Tisch.

WOLL Frühling 2021 - 81


8Auch wer die Abkürzung über den Kneippweg bergauf genommen hat, bekommt eine schöne Aussicht auf dem Olsberg-

Gipfel. Mit einem Mikroskop könnte man auf dem Foto den Teutoburger Wald rechts am Bildrand sehen.

10

Auch unten im Ruhrtal solltet ihr keine wackeligen

Beine haben. Sonst rutscht ihr vom Ruhrhöhenweg

(XR) in den Olsberger Stausee.

9

Ich hoffe, ihr habt noch Kraft in den Beinen.

Jetzt verliert ihr die 350 Höhenmeter über dem

Ruhrtal innerhalb von 3,3 km Kneippweg (K).

Ab dem Staudamm wird das Gelände leicht: Erst geht ihr

500 Meter der Straße „zum Stausee“ entlang, dann über

die Ruhrstraße am Café Hagemeister. Anschließend geht

es noch mal durch den Kurpark an der Ruhr entlang, diesmal

auf der rechten Seite. Dort trefft ihr nochmal auf den

X27, dem ihr auch links über die Brücke der Stadionstraße

folgt und schon seid ihr nach knapp 16 km zurück an der

Schützenhalle.

82 - WOLL Frühling 2021


Diese Strecke wandere ich am

24.4.21 um 10 Uhr. Weitere

Geschichten von mir mit

~5 Minuten Lesezeit gibt es auf

www.sauerland-wandern-undwetter.blogspot.com

Für alle,

die hinaus

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WOLL Frühling 2021 - 83


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Eine bemerkenswerte

Ausbildungsvielfalt

– von Tradition

bis Moderne

Im Berufsbildungswerk Bigge werden über

30 verschiedene Berufe ausgebildet

Inga Bremenkamp

Josefsheim Bigge

„Es

ist etwas ganz Besonderes mit Holz zu arbeiten. Ich verbinde das immer so ein wenig mit dem Gefühl

des ‚nach Hause Kommens‘. Es ist einfach dieser spezielle Geruch und das Material, das sich toll

anfühlt – ich mache das einfach total gerne,“ schwärmt Luise, die im BBW Bigge gerade eine Ausbildung

zur Fachpraktikerin für Holzbearbeitung absolviert.

Der Fachpraktiker für Holzbearbeitung

ist nur eine von mehr als 30 Ausbildungsmöglichkeiten,

die das Berufsbildungswerk

Bigge (kurz: BBW Bigge),

einem Geschäftsfeld des Josefsheim

Bigge, anbietet. „Berufsbildungswerke

bieten Menschen mit Handicap

berufliche Bildungswege an, wobei wir

in Bigge auf Menschen mit Körperbehinderungen,

Lernbehinderungen,

Hörschädigungen, Autismus-Störungen

und ADHS spezialisiert sind“, erklärt

Martin Künemund. „Das Ziel ist immer,

die Teilnehmer bei der Berufsfindung,

in ihrer Ausbildung und auch bei

ihren ersten Schritten auf dem Arbeitsmarkt

zu unterstützen“, führt der Leiter

des Berufsbildungswerks fort.

Zur Auswahl stehen Berufe aus ganz

verschiedenen Richtungen. Auf der Angebotsliste

ist mit dem (Orthopädie-)

Schuhtechniker beispielsweise ein sehr

traditionsreiches Handwerk zu finden,

während die Mediengestalter noch jungen,

modernen Berufsweg folgen. „Wir

bilden kaufmännische, handwerkliche,

technische, agrarwirtschaftliche sowie

Berufe, die dem Dienstleistungsbereich

zuzuordnen sind, aus. Alle Berufe

werden am Ausbildungsende mit einer

Prüfung vor der jeweiligen Kammer

abgeschlossen und sind entsprechend

staatlich anerkannt“, sagt Künemund,

der stolz darauf ist, dass die Teilnehmer

mitten im Sauerland dort lernen, arbeiten

und wohnen, wo andere Urlaub

machen. „Ich wohne hier im Internat

und komme eigentlich aus Hessen. Im

84 - WOLL Frühling 2021


Sauerland ist es echt schön, die Luft ist

super und ich fühle mich sehr wohl“,

verrät Chantal, die derzeit eine Ausbildung

im Holzbereich absolviert.

Wenn es das Maß an Selbstständigkeit

zulässt, haben Auszubildende auch die

Chance, in kleinen Wohngemeinschaften

in Bigge oder Olsberg zu leben. Ein

wichtiger Schritt in die Selbständigkeit

nach erfolgreich absolvierter Ausbildung.

Das Angebot auf dem Campus

in Bigge wird komplementiert durch

das Heinrich-Sommer-Berufskolleg,

was die Wege für alle kurz macht und

den Austausch unter den unterstützenden

Kollegen vereinfacht.

Für Teilnehmer – so werden Auszubildende

des BBW Bigge traditionell

genannt die nicht gleich wissen, welche

Ausbildung für sie die richtige ist,

werden berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen

durchgeführt. Ermöglicht

durch die Arbeitsagenturen haben die

Teilnehmer hier die Möglichkeit, in

maximal elf Monaten verschiedene Berufe

kennenzulernen und auszutesten.

„Unser Ziel liegt darin, am Ende der elf

Monate so viele junge Menschen wie

möglich in eine Ausbildung zu vermitteln.

Dass sie in dieser ersten Testphase

eine große Anzahl an Berufen austesten

können, ist natürlich ein großer Pluspunkt

und hilft sehr bei der anschließenden

Entscheidung, welcher Beruf

mit Blick auf die jeweiligen Fähigkeiten

und Interessen in Frage kommt und

welcher eben nicht“, erklärt Christian

Nolte, einer der Bildungsbegleiter des

BBW Bigge. Gerade diese individuelle

Begleitung zeichnet den Erfolg des

BBW Bigge aus, dies bestätigen immer

wieder hervorragende Bestnoten, die

Auszubildende trotz ihrer Handicaps

immer wieder erreichen. ■

Interessierte Schüler:innen, Eltern,

Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter: innen

oder Rehaberater:innen informieren

Mitarbei ter:innen des Berufsbildungswerkes

gerne persönlich, bspw. per Videochat

über die Vorberufliche oder Vollzeitschulische

Bildungsangebote, Duale

Ausbildungsangebote sowie ergänzende

Angebote zum Lernort Wohnen.

Josefsheim

Bigge

Josefsheim gGmbH

Heinrich-Sommer-Straße 13

59939 Olsberg | Tel.: 02962 800-0

info@josefsheim-bigge.de

Berufsbildungswerk

Bigge

Wege zusammen gehen, Ziele gemeinsam Unterstützung

des BBW Bigge erreichen!

Nach Abstimmung sind zudem

individuelle Beratungstermine für Interessierte

vor Ort möglich.

Kontakt:

info@bbw-bigge.de

Telefon:

02962 800 477

WOLL Frühling 2021 - 85


Freie Ritterschaft von Ense

Matthias Koprek

Freie Ritterschaft von Ense

Mittelalterfreunde mit

Anspruch und Humor

Die Freie Ritterschaft von Ense ist eine Interessensgemeinschaft

von rund 15 Männern und Frauen,

die ihre Leidenschaft für das Mittelalter miteinander

teilen. Gegründet wurde die Gruppe von Michael

Bartloff. Auslöser für seine Leidenschaft war der eher zufällige

Besuch eines Mittelaltermarktes vor vielen Jahren.

„Dort habe ich mir – ganz Kind im Manne – ein Schwert

gekauft“, erzählt der 50-Jährige. „Irgendwann dachte

ich mir: Das Schwert ist viel zu schade, um nur an der

Wand zu hängen. Du musst irgendetwas damit anfangen.“

Daraufhin hat er sich nach Mittelaltergruppen in der

Umgebung umgeschaut und ist einer Gruppe in Lippstadt

beigetreten, um den Schwertkampf zu erlernen.

Teilnahme an Mittelaltermärkten in der Region

Daraus ist 2005 die Freie Ritterschaft von Ense entstanden, die

ihr Marktlager regelmäßig auf Mittelaltermärkten im Umkreis

von rund 100 Kilometern aufschlägt. Das Lager umfasst

mehrere authentische Zelte aus Naturleinen, eine Koch- und

Feuerstelle, einen überdachten Essbereich mit hölzerner Tafel

und natürlich das Waffen- und Rüstungslager. Das Lagerleben

wird so wie vor 800 Jahren praktiziert.

Besonders prachtvoll präsentiert sich des Grafen Zelt, das mit

einem Steckbett, einem Tisch, mehreren Reisetruhen, Fellen

und Lampen ausgestattet ist und die gräflichen Waffen und

Rüstungen beherbergt. In ihm nächtigt Graf Wilhelm Konrad

86 - WOLL Frühling 2021


Das Wappen der Ritterschaft

von Ense, der von Michael

Bartloff verkörpert wird. Die

fiktive Figur ist stark an

Conrad von Ense angelehnt,

den Stammesvater des Rittergeschlechts

von Ense. Das

Geschlecht ist bereits 1250

urkundlich erwähnt und ihre

Angehörigen waren Vasallen der

Grafen von Werl.

Bartloff erkundigte sich seinerzeit bei der

Kirche über die Adelsgeschlechter in der Region

und erhielt vom Niederenser Pastor Josef Dohmann persönlich

die Genehmigung, den Namen Wilhelm Konrad von Ense zu

tragen, weil es heute keine wirklichen Nachfahren mehr gibt.

Mittelalterliche Charaktere mit historischem Bezug

Um dem echten Grafen nicht zu nahe zu treten, nennt er sich

Wilhelm Konrad. Auch wenn alle Vorkommnisse, die im Zusammenhang

mit der Figur geschildert werden, auf realen Ereignissen

beruhen, erfolgt die Darstellung des fiktiven Grafen

letztlich nach eigenem Ermessen. Ähnlich ist es auch bei den

anderen Mitgliedern der Ritterschaft, die alle einen Charakter

verkörpern.

Freiherr Hermann von Ense zum Beispiel ist der fiktive Bruder

von Wilhelm Konrad und nimmt die absolute Gegenrolle zum

raffgierigen Grafen ein, der dem schimmernden Gold weitaus

stärker zugetan ist als den notleidenden Untertanen. Hermann

ist zweifelsohne der bessere Kriegsherr – fachlich und menschlich

–, hat jedoch das Pech nur der Zweitgeborene zu sein. Und

so existiert zwischen den adeligen Brüdern ein permanentes

Schauspiel, das von Hohn und Spott, Intrigen und Kontroversen

geprägt ist. Bartloff findet große Freude an seiner unterhaltsamen

Rolle als eingebildeter und rechthaberischer Snob – wie

man heutzutage sagen würde. Auf Mittelaltermärkten spielt die

Gruppe beispielsweise Hexenprozesse und Diebesverfolgungen

nach. Ein Langfinger schlendert durch die Stände, stiehlt und

ergreift die Flucht. Der eingeweihte Händler brüllt lauthals

los und verfolgt den Dieb mit einem riesigen Kochlöffel. Die

Marktwachen schnappen sich den Räuber und führen ihn dem

Grafen vor. Der Prozess wird vorbereitet, der Dieb muss zu Gericht

sitzen und wird schließlich verurteilt.

Als das wird immer mit einem Augenzwinkern gespielt und

ist deshalb umso unterhaltsamer. Wenn Wilhelm Konrad von

Ense die Steuern von den Händlern eintreibt, die jeden zehnten

Taler abdrücken müssen, wird gern auch mal der Bezug zur

heutigen Mehrwertsteuer hergestellt. „Wir wollen die Menschen

für das Thema begeistern und das funktioniert mit Unterhaltung

weitaus besser als mit trockener Geschichte“, sagt Bartloff.

Aufwendige Gewänder und originalgetreue Requisiten

Das Lager

Im Lager

Dabei nimmt die Freie Ritterschaft von Ense ihr Hobby durchaus

ernst. Wer einen höheren Stand einnehmen will, muss die

Blick ins Grafenzelt

WOLL Frühling 2021 - 87


Grundvoraussetzungen dafür mitbringen, indem er

zum Beispiel Fechten kann und die damalige

Ausdrucksweise beherrscht. All das kann

man aber in der Gruppe lernen. So hat

sich ein Mitglied innerhalb von vier Jahren

vom einfachen Soldaten zum ersten

Ritter entwickelt. Dazu gehört auch,

dass man sich die notwendige Bekleidung

und Ausrüstung beschafft. Das

sind keine profanen Kostüme, sondern

authentische Gewänder, die ihrem historischen

Vorbild sehr nahe kommen.

So ließ sich die Ritterschaft von einem Gewandungsschneider

zum Beispiel Wappenröcke anfertigen,

die an ihr Wappen angelehnt sind. Dieses wiederum ist nicht

das Wappen von Ense, das ein Hoheitszeichen ist und deshalb

nicht verwendet werden darf. Es handelt sich vielmehr um

das Familienwappen der Familie Busche, der Michael Bartloff

angehört: „Meine Großeltern hießen noch Busche. Es ist das

private Ritterwappen meiner Familie, das ich in der Ritterschaft

wieder zum Leben erweckt habe.“

Auf den Märkten bietet die Freie Ritterschaft

Mittelalter zum Anfassen. Die

Besucher dürfen sich Zelte, Rüstungen

und Waffen nicht nur anschauen,

sondern auch ausprobieren. Das

kommt vor allem bei Kindern gut

an, die gern mal in eins der Kettenhemden

schlüpfen. Zumindest

soweit sie das Gewicht von bis zu 45

Kilogramm tragen können. Coronabedingt

konnte die Ritterschaft ihr

Hobby in den letzten Monaten nur sehr

begrenzt ausüben. „Wir stehen in den Startlöchern

und sind wieder auf Märkten präsent, sobald

es möglich ist“, sagt Bartloff hoffnungsvoll. ■

Graf Wilhelm Konrad von Ense

Grußwort des Grafen von Ense

Seyd gegrüßt, wertes Volk und fühlet Euch willkommen.

Von Ense kommen wir daher, doch jeder darf mit uns im

Bunde stehen und uns auf unseren Wegen begleiten. Ein jeder,

gleich welchem Standes, sey uns willkommen. Kein Obulos

wird von Euch verlangt, keine Lehe, keine Zeche. Gemeinsamkeit

ist das was zählt, um alte Tage zu neuem Glanze

führen. All Jene, die zu uns gefunden, das magische Portal

durchschritten haben, seyd gewiss, Ihr habt unsern Dank. Im

Besondren Jene von einst, die uns aufs Neue die Treue boten.

Euch sey gesagt: Mit Euch an unserer Seite, wird selbst die

größte Armee das Felde räumen. Die Zweifler, die sich nicht

wagen und um Gottes Beistand fragen: Schreibt die Formel

ritterschaft.ense@web.de in einen Zauberkasten und nennt

Euer Anliegen. Eine geistreiche Antwort sey Euch gewiss.

Auf bald, Euer Graf Wilhelm Konrad von Ense

WIR SUCHEN

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88 - WOLL Frühling 2021


… DAMIT IHR TRAUMHAUS

KEIN TRAUM BLEIBT!

M

ein Büro ist im Sauerland

-meine Kunden sind überall.

Das inhaberingeführte BauZeichenBüro

Willerscheid, im Jahr 2013 von Isabella

Maria Willerscheid gegründet, ist auch über

die Grenzen ihrer Heimat hinaus zu einem

Begriff geworden.

Ihre Aufträge erhält sie mittlerweile

deutschlandweit, aus Saarland, Berlin,

Schleswig-Holstein oder Bayern. Sie arbeitet

selbst & ständig im Auftrag ihrer Kunden,

dazu gehören neben Architekten und Ingenieuren

sowohl Bauträger, Makler, Zimmerer

und Designbüros als auch Banken und

private Bauherren.

Ob Anbau, Umbau oder Neubau, zum

umfangreichen Spektrum ihrer bereits

erfolgreich umgesetzten Projekte im Hochbau

zählen nicht nur klassische Ein- und

Mehrfamilienhäuser, Garagen und Carports.

Sondern auch Büro- und Geschäftshäuser,

Hotels, Senioren- und Pflegeheime,

Kita´s sowie Fachmärkte, Werkhallen und

landwirtschaftliche Nutzbauten.

Im Auftrag ihrer Kunden erstellt sie auf

Wunsch vollständige Bauvorlagen, digitalisiert

Bestandspläne, erstellt 3D-Visualisierungen

der geplanten Gebäude oder sie

entwirft selbst individuelle Grundrisse. Auch

die nötigen Unterlagen der „Eingriffsbewertungen

für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“

gemäß Bundes-Naturschutzgesetz

sowie Teilungserklärungen in Form eines

„Antrags auf Abgeschlossenheitsbescheinigung“

hat sie in ihr Angebot aufgenommen.

Die Bestandsaufnahme von Gebäuden anhand

von Aufmaßen vor Ort gehört ebenso

zu ihren Leistungen. Sollten also keine

Unterlagen mehr vorliegen oder ein Aufmaß

zwingend erforderlich sein, dann sind sie

hier genau richtig.

Der ständige Kontakt mit ihren Kunden

macht ihr riesigen Spaß und die enge Zusammenarbeit

mit Fachplanern, Bauleitern,

Handwerkern sowie Behörden ist ihr sehr

wichtig. Dazu sagt sie: „Ein guter Entwurf

und dessen Umsetzung entsteht über Kommunikation.“

„Ich habe in meiner mehr als 27-jährigen

Berufserfahrung an unterschiedlichen

Projekten mitgewirkt und bringe sehr viel

Erfahrung aus der Planung im Bauwesen

mit, sowohl im Massiv- als auch im Holzbau.

Dennoch besuche ich regelmäßig Fortbildungen,

um mich immer weiterzubilden.

Dazu zählt auch das barrierefreie Bauen, was

für mich ebenfalls unerlässlich ist.“

„Ich arbeite nicht… ich tue das, was ich

liebe.“ verrät sie uns.

„Es ist meine Passion, die Menschen auf

dem Weg in ihr neues Zuhause zu begleiten,

sie dabei zu unterstützen und zu inspirieren,

ihre Wünsche und Bedürfnisse erfolgreich

umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit

meinen Bauherren ist immer unglaublich

spannend. Jedes neue Projekt ist so individuell,

wie der Mensch, der da hinter steht.

Manche Tage sind schon mal anstrengend,

aber nicht stressig. Wenn ich im flow bin,

schaue ich nicht auf die Uhr, da kann es

Anzeige

auch schon mal etwas später werden. Ich

bin ständig kreativ und skizziere meine

eigenen Ideen auf. Das Wort Urlaub macht

mich nervös.“ sie lacht: „Ich gönne mir zwar

immer wieder eine kleine Auszeit, aber ich

kann nicht Nichts tun, dass ist gegen meine

Natur. Ich visualisiere oder baue immer

irgendetwas, entweder mit den Händen

oder in meinem Kopf. Gedanken schaffen

Realität.“

Aktuelle Bauvorhaben in 2020/21:

• Neubau Mehrfamilienhaus mit 8

Wohneinheiten und Tiefgarage in Olpe

• Neubau Einfamilienwohnhaus in Eslohe,

Erflinghausen, Reiste, Niederberndorf

und Hirschberg

• Neubau Einfamilienwohnhaus mit

Einliegerwohnung, Garagen und

Pool in Stadtbergen (Bayern)

• An- und Umbauten in Hallenberg,

Züschen, Sundern, Kückelheim,

Meschede, Neuenrade und

Battenberg (Eder)

• Neubau „Tiny-House“ in Möhnesee

• Bestandsaufnahme und Aufmaß

Produktionshalle mit Verwaltung in

Eslohe und Fachwerkhaus in Arpe ■

WOLL Frühling 2021 - 89


Von Raubwürgern

und Neuntötern

Besondere Singvögel im Sauerland

Sonja Nürnberger

Werner Schubert

W

er etwa in meinem Alter ist, erinnert sich vielleicht noch an ein Bild aus der Kinderfernsehserie

„Als die Tiere den Wald verließen“: Ein grimmig dreinblickender Vogel sitzt in

einem Busch, auf dessen Dornen kleine Mäuse aufgespießt sind. Kein besonders schöner

Anblick. Aber entspricht das wirklich der Realität und gibt es einen

solchen Vogel auch bei uns? Die Antwort lautet: ja!

Etwa 70 Singvogelarten gibt es bei

uns im Sauerland. Von Buchfink

und Rotkehlchen hat wohl jeder

schon einmal gehört und würde

beide wohl auch auf Anhieb erkennen. Die

„Geschwister Fürchterlich“, die beiden Vogelarten mit den

wenig sympathischen Namen Raubwürger und Neuntöter kennt

aber vielleicht noch nicht jeder. Letzterer war eben der, bei dessen

Anblick man als Kind auf dem Fernsehbildschirm doch etwas

schlucken musste.

Beide sehen sie aus wie der typische Comicbandit mit ihrem

schwarzen Streifen, der sich durch die dunklen Augen zieht. Die

Männchen des Neuntöters haben einen rostroten Rücken und

einen grauen Kopf, während die Weibchen und Jungvögel eher

bräunlich sind. Der Raubwürger ist etwas größer als der Neuntöter

und sowohl Weibchen als auch Männchen sind eher grau-weiß gefärbt

und haben einen dicken schwarzen Hakenschnabel.

Natürliche Lebensräume erhalten

Neben Großinsekten ernähren sich Neuntöter und Raubwürger auch

von kleinen Säugetieren wie eben Mäusen. Sie brüten bevorzugt in

dornigen Büschen und Hecken. Dort legen sie sich auch ein Vorratslager

für magere Zeiten an. Spießplätze nennt man die Orte, an denen sie

ihre Beute auf den Dornen aufspießen. Sie liegen versteckt im Dornengestrüpp,

sodass sie nicht von anderen Vögeln geplündert werden.

Männchen und Weibchen der Neuntöter

unterscheiden sich deutlich in ihrer Färbung.

90 - WOLL Frühling 2021


Doch eventuelle Räuber sind nicht das größte Problem vom

Neuntöter und Raubwürger. Die Lebensräume für die beiden

Arten werden immer kleiner. Durch die deutliche Intensivierung

der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten ist die Population

des Neuntöters deutlich zurückgegangen und auch der

Raubwürger ist inzwischen vom Aussterben bedroht. Während

man ihn in Ostdeutschland noch häufiger findet, ist er in Westdeutschland

fast ausgestorben – außer im Sauerland. Er mag die

Landschaft bei uns, aber auch hier nimmt die intensiv genutzte

Agrarlandschaft immer mehr Raum ein. Es sind natürliche Weideflächen,

die gefördert werden müssen, damit der Lebensraum

für die gefährdeten Vogelarten erhalten bleibt.

Augen und Ohren auf

Wer mit offenen Augen und Ohren durch das Sauerland läuft,

entdeckt vielleicht den ein oder anderen Vogel und schaut einmal

genauer hin. Zilpzalp, Feldschwirl oder Eichelhäher – gerade bei

einem Spaziergang im Frühling fliegen sie einem über den Weg

und sorgen für den richtigen Soundtrack, der den Frühling erst

richtig zum Frühling macht. ■

Mit dem schwarzen Streifen, der sich durch die Augen zieht,

sieht der Raubwürger aus wie ein Bandit.

Werner Schubert, Leiter und Geschäftsführer der

Biologischen Station Hochsauerlandkreis, der mir

für diesen Artikel bereitwillig Auskunft gegeben

hat, empfiehlt besonders einige der wunderschönen

Wanderwege um Marsberg und Brilon. Einen Eindruck

verschaffen, kann man sich beispielsweise auf

YouTube bei „Naturschätze Südwestfalens“.

Natürliche Weideflächen sorgen für den Erhalt des Lebensraums

von Raubwürger und Neuntöter.

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WOLL Frühling 2021 - 91


Advertorial

Aus Kälte Wärme machen?

Mustersiedlung für ökologische Wärmeversorgung im Soester Norden

Es klingt paradox oder zumindest verwirrend: „Kalte Nahwärme“

lässt sich klimaschonend und effektiv für die Wärmeerzeugung nutzen.

Mit der Realisierung des bundesweit größten „Kalte-Nahwärme-Netzes“

für ein Neubaugebiet werden in Soest Maßstäbe gesetzt.

Stephan Werthschulte, Geschäftsführer der Tilia GmbH, erläutert,

wie das funktioniert und was an dem Projekt zukunftsweisend ist.

WOLL: Herr Werthschulte, in der Theorie soll es angeblich

möglich sein, aus anderen Metallen Gold zu machen. So ähnlich

hört es sich an, wenn aus Kälte Wärme entstehen soll …

Stephan Werthschulte: Ein wenig Verwirrung stiftet der Name

„Kalte Nahwärme“ schon. Gold können wir mit „Kalter Nahwärme“

leider noch nicht herstellen, aber zumindest können wir

es Menschen damit umweltschonend warm machen. Natürlich

gelten auch für die Energieversorgung physikalische Gesetze, die

den technischen Rahmen vorgeben.

WOLL: Warum wird in Soest eine Mustersiedlung

geplant, bei der vor allem eine sogenannte

ökologische Wärmeversorgung

im Mittelpunkt steht?

Stephan Werthschulte: Soest hat sich

zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral

zu werden. Ein solches Ziel zu erreichen,

inkludiert notwendigerweise auch die

„Wärmewende“, da über die Hälfte der CO 2

-

Emissionen dem Heizungsbereich zuzuordnen

sind. Diese Wärmewende bedeutet den weitgehenden

Verzicht auf fossile Energieträger, oder, noch besser,

deren Substitution. Auch die Sektorkopplung gehört dazu, die

Verzahnung von Strom, Wärme und Mobilität. Diese Bereiche

wurden bislang weitgehend unabhängig voneinander betrachtet.

Die Erfahrungen zeigen, dass Klimaschutzprojekte im Gebäudebestand

oft kompliziert und kostspieliger sind, da sie die bestehende

Infrastruktur verändern. In Soest wird auf der grünen

Wiese ein Neubauquartier geschaffen, das ideale Vorausetzungen

mit sich bringt, frisch und anders zu denken.

WOLL: Und was hat die Firma Tilia damit zu tun?

Stephan Werthschulte: Tilia hat sich seit Gründung im Jahr

2009 zum Ziel gesetzt, ökonomische und ökologische Werte zu

schaffen. Nicht das eine oder das andere. Dies tun wir rund um

die Themen Energie, Wasser und Abwasser, Mobilität, Smart

City sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Wir sind überzeugt

davon, dass diese Themen sehr vernetzt sind, und ich denke, darin

liegt die Stärke der Tilia: Projekte mit dem Blick über den

„Tellerrand“ anzugehen. Die Stadtwerke Soest, die das „Kalte

Nahwärme-Netz“ entwickeln, bauen und betreiben, haben die

Tilia als Projektpartner an Bord geholt. Man schätzt unsere

„Neutralität“ in der Lösungsfindung, unsere interdisziplinären

Kompetenzen, eine gute Prise Innovation und den Willen, etwas

umzusetzen. Unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den

Stadtwerken Soest leben wir schon seit ein paar Jahren.

WOLL: Wie funktioniert das bundesweit größte „Kalte-Nahwärme-Netz“?

Stephan Werthschulte: Herkömmliche Wärmenetze werden

mit einer Vorlauftemperatur von circa 70–100 Grad Celsius gefahren.

Das ist notwendig, da älterer Gebäudebestand ohne Fußbodenheizung

und KfW Effizienzstandard höhere Temperaturen

benötigt. Ein Neubaugebiet, das diesen Standard vorgibt und in

dem alle Gebäude eine Fußbodenheizung haben, die mit einer

Vorlauftemperatur von circa 30° C operieren, kann anders

versorgt werden.

Das „Kalte Nahwärme-Netz“ in Soest

kommt ohne Heizzentrale aus. Es bezieht

die sehr konstante Temperatur von circa 10

Grad Celsius aus horizontal verlegten Erdkollektoren,

die oberflächennah in circa

1,5–3m verbaut werden. In den Häusern

wird diese Wärme über Wärmepumpen,

die ihren Strom am besten aus Photovoltaikanlagen

beziehen, auf die für die Fußbodenheizung

erforderlichen 30° C und danach auf die

für das Trinkwarmwasser notwendigen 65° C gebracht.

Im Sommer kann das System auch grundsätzlich zur Kühlung

der Gebäude genutzt werden, indem das „kalte“ Heizwasser die

Raumwärme aufnimmt und über das Erdreich rückgekühlt wird.

WOLL: Welche Vorteile hat das System? Für die Hausbesitzer?

Für die Umwelt? Für die Stadt?

Stephan Werthschulte: Der Hausbesitzer hat den Vorteil einer

sehr ökologischen und ökonomischen Versorgung, welche die

Bauvorschriften nachhaltig erfüllt. Die Heiz- und Kühlfunktion

erhöht den Wohnkomfort. Der Wildwuchs von Luft-Wasser-

Wärmepumpen an Nachbars Grenze und Schallemissionen werden

verhindert. Ich sehe auch ästhetische Vorteile, indem nicht

mannigfaltige, unterschiedliche Techniklösungen in Gärten oder

auf Dächern verbaut werden. Wenn ein Kunde dazu noch grünen

Strom, zum Beispiel über eine von den Stadtwerken errichtete

Photovoltaikanlage, für seinen Haushaltsstrom oder seine E-

Mobilität einsetzt, wäre er nahezu CO 2

-neutral. Zudem bieten

die Stadtwerke einen 24/7 Service an. Weitere zukunftsweisende

110 92 - - WOLL Frühling Frühjahr 2021


Bausteine, die der Kunde bekommen

kann, sind Highspeed Internet

und E-Mobilität.

Die Umwelt freut sich, weil kein

Gasnetz für fossilen Gaseinsatz

verbaut wurde und das Kalte-

Nahwärme-Netz ohne Komforteinbußen

substanziell CO 2

einspart.

Für Soest und seine Bürger ist

dieses Projekt ein starkes Signal in

Richtung Klimaneutralität. Daher

ist es konsequent, bei einem

„Neubauquartier“ auch „neue

Wege“ zu gehen.

Prinzip „Kalte Nahwärme“ Netz

WOLL: Gibt es auch Nachteile

oder Einschränkungen?

Stephan Werthschulte: Jede Medaille hat zwei Seiten. Meiner

Meinung nach ist der größte Nachteil im Soester Konzept, dass

nicht jeder Häuslebauer sein eigenes Technikkonzept umsetzen

kann. Und wir hatten die Möglichkeit von Erdsonden mit tieferen

Bohrungen von bis zu 100 m geprüft. Diese sind wegen

der geologischen Situation und der wasserführenden Schichten

nicht möglich.

WOLL: Welche Rolle übernimmt die Firma Tilia?

Stephan Werthschulte: Ich denke, am besten kann man unsere

Rolle beschreiben mit: Wir sind der Kümmerer. Wir unterstützen

die Stadtwerke Soest bei der Planung und Umsetzung des

Projektes. Gemeinsam haben wir die Fragestellungen beantwortet:

Was ist das beste Konzept, wie können wir es technisch umsetzen?

Wird es ökonomisch machbar sein? Welche CO 2

-Minderung

können wir erreichen? Es macht Spaß und motiviert

enorm, wenn man die Zukunft mitgestalten kann.

WOLL: Welche neuen Energie-Konzepte oder -Ideen erwarten

uns in Zukunft?

Stephan Werthschulte: Oscar Wilde hat mal gesagt: „Das Unerwartete

zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist.“

Das Unerwartete trifft uns in vielen Bereichen des Lebens. Für

die Energieversorgung gilt dies auch. Wir schalten Kohlekraftwerke

ab, setzen Ziele der Klimaneutralität und Investmentfonds

investieren in Nachhaltigkeit. Natürlich kann man einige Entwicklungen

kontrovers diskutieren. Auf jeden Fall bleibt es spannend,

schauen wir nur auf die vielen disruptiven Innovationen

der letzten 25 Jahre.

Ich denke, die Zukunft wird bunt sein, wir werden nicht eine

einzige Lösung für unsere Energieversorgung haben, sondern sie

wird sich an regionalen Unterschieden

ausrichten, zum Beispiel

die Nutzung industrieller

Abwärme. Momentan reden alle

über Wasserstoff. Das Potential,

das sich da bietet, teile ich, aber

man muss im Blick behalten,

für welche Anwender und wann

Wasserstoff ausreichend wirtschaftlich

zur Verfügung stehen

wird. Grundsätzlich wird es aber

eine Mischung aus Vermeiden

und Ersatz durch Erneuerbare

Energien sein.

Für Deutschland wünsche ich

mir mehr „Umsetzungskraft“.

Potentiale erkennen und umsetzen

ist ein Unterschied. Solange

wir Dieselbusse in Innenstädten einsetzen, benötigen wir für

Städte nicht ultrakomplexe Konzepte, sondern viele Projekte, die

sofort positive Wirkung entfalten.

WOLL: Welche anderen Projekte/Maßnahmen im Sauerland

realisiert Tilia?

Stephan Werthschulte: Wir unterstützen Industrieunternehmen,

Stadtwerke und Kommunen bei Energie-, Wasser- und

Nachhaltigkeitsthemen. Dazu gehören die Entwicklung von

Smart City-Konzepten, Photovoltaik-Nutzung, Umstellung

öffentlicher Beleuchtung auf LED, das Identifizieren von Effizienzpotentialen

und die Entwicklung realistischer Pfade in die

Klimaneutralität.

WOLL: Wird jetzt alles grün? Was ist da gerade los?

Stephan Werthschulte: Normalerweise verändert sich ein

„Mindset“, also das Fenster, durch das wir die Welt sehen, langsam.

Corona hat den Menschen erfahren lassen, wie anfällig

unsere Art des Lebens und des Wirtschaftens sind.Diese Ängste

und Unsicherheiten beschleunigen die Nachhaltigkeitsdebatte

und verändern unsere Denkweise. (hh)

Tilia bietet Unternehmen und Kommunen Lösungen rund um

die Themen Energie, Wasser und Abwasser, Mobilität, Smart

City sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. 150 Mitarbeiter an

Standorten in Deutschland und Frankreich begleiten bereits

mehr als 500 Projekte.

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WOLL Frühjahr Frühling 2021 - 111 93


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das die Langlebigkeit eines Automatikoder

DSG-Getriebes erhöht wird, findet

sich dort ebenfalls. „Neu ist die 3D-

Achsmessanlage“, berichtet Dirk Schulte,

„Damit kann schnell und präzise die

Achsgeometrie des Fahrzeuges überprüft

werden.“ Wichtig zu wissen für

alle, die ein tiefes Schlagloch übersehen

haben und ihr Auto vermessen lassen

müssen. Die vorbildlich ausgerüstete

Werkstatt wissen nicht zuletzt auch seine

Mitarbeiter zu schätzen. Im 14-köpfigen

Team gibt es einen Meister, drei

Gesellen und sechs Auszubildende. „Der

Nachwuchs ist mir besonders wichtig“,

erklärt der KFZ-Meister den hohen

Azubi-Anteil, „So begegnen wir dem

Fachkräftemangel in der Zukunft.“ Der

seit 2012 als KFZ-Meister selbständige

Dirk Schulte steht auch dem Thema

Elektromobilität sehr offen gegenüber,

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94 - WOLL Frühling 2021


Josef Sommer aus Brilon und sein himmlisches Hobby

Über den Wolken...

E

in Hobby wird mit viel Bedacht gewählt und begleitet einen oft ein

Leben lang. Es geht nicht darum, die Zeit „totzuschlagen“, sondern in

eine andere Welt abzutauchen und eigene Ideen und Träume verwirklichen

zu können.

Petra Kleine

sabrinity

Der knallgelbe Motorflieger, eine

Wilga 35, schraubt sich hoch in den

blauen Himmel und setzt dort mehrere

Fallschirmspringer ab. Deren regenbogenbunte

Schirme öffnen sich und

die Springer steuern mit Armen und

Beinen, bis sie schließlich punktgenau

auf der markierten Fläche am Boden

landen. „Perfekte Landung, so soll’s

sein!“ freut sich Josef Sommer. Der

71-jährige Briloner ist Modellbauer

aus Leidenschaft. Was wir hier gerade

erlebt haben, war wie bei den Großen,

nur eben „en miniature“.

Bereits drei Mal war Josef Sommer

Deutscher Meister mit seinem Fallschirmspringer-Modell.

Seine Werkstatt

könnte voller Pokale stehen, aber er ist

zu bescheiden, sie alle dort auszustellen.

Ich sehe mir seinen Fallschirmspringer

genauer an und bin begeistert von den

vielen liebevoll gefertigten Details, wie

dem handgenähten Schirm. Die absolute

Krönung sind die maßgefertigten

Ledersprungstiefel, die in mühevoller

Handarbeit entstanden. „Schließlich

bin ich gelernter Orthopädieschuhmachermeister“

erklärt Josef Sommer

und lacht. „Daher war mir dieses

Tüpfelchen auf dem „i“ ein besonderes

Anliegen!“

Wie der Vater, so der Sohn…

Von seinem Vater hat er übrigens nicht

nur Beruf und Geschäft übernommen

(das ehemalige Orthopädiehaus Sommer

in Brilon), sondern auch die Liebe zum

Modellsport, das die ganze Familie

teilte. „Als ich ein kleiner Junge war, war

die Technik noch nicht so weit entwickelt.

Aber im Rahmen des Möglichen

haben wir unser Hobby betrieben,“ erinnert

er sich. „Da meinem Vater das

WOLL Frühling 2021 - 95


Bauen mehr lag als das nervenaufreibende Fliegen (da kann

es schon mal schnell zum Absturz kommen), durfte ich schon

früh die selbstgebauten Modelle fliegen.“

Ferngesteuerte Segelflieger, Motorflugzeuge, Fallschirmspringer

und auch diverse Hubschrauber sind in Josef Sommers gut

bestückter Werkstatt zu finden. Viele davon sind selbst gebaut,

denn das ist Modellbauer-Ehre! Alle benötigten Werkzeuge

liegen übersichtlich griffbereit und, wie ich finde, sehr ordentlich

parat. „Na ja, so ordentlich nun auch nicht“, meint Josef

Sommer und zeigt augenzwinkernd auf das Schild an seiner

Wand: „Geniale Menschen sind selten ordentlich. Ordentliche

selten genial.“

Allein in der Werkstatt,

zusammen auf dem Flugplatz

An den Werkstattmaschinen befinden sich schon wieder neue

Modellbauteile, die gerade in Arbeit sind. Wirklich fertig

ist man als Modellbauer ohnehin nie, dafür kann man aber

herrlich abschalten beim Bauen. Natürlich gibt es aber auch

Zeit für Geselligkeit und fachlichen Austausch mit Gleichgesinnten,

sofern Corona das erlaubt. Josef Sommer gehört zu

den Gründungsmitgliedern des Modellflug-Clubs Brilon, der

kommendes Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern kann.

„Technik faszinierte mich schon immer“, so Sommer, der

auch gerne Ski fährt, wandert oder mit dem Mountainbike

unterwegs ist. „Früher war die größte Angst, dass es

aufgrund der nicht ausgereiften Technik zu Abstürzen

kommt. Heute liegt das Problem eher „zwischen den

Ohren“, denn man muss 100%ig konzentriert sein beim

Fliegen“, verrät er mir. „Ich habe mich auch erst langsam

an Loopings und Rollen mit meinen Kunstfliegern herangetastet,

aber nach und nach wird man mutiger,“ ergänzt

er verschmitzt und am Strahlen seiner Augen erkennt man

die Liebe zu seinem Hobby und seine Begeisterung fürs

Fliegen. ■

96 - WOLL Frühling 2021


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DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGS

SIND DIE OVENTROPER

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert &

Oventrop GmbH

& Co. KG

Oventrop ist ein weltweit erfolgreiches

Unternehmen – auch und vor allem

dank einer ganz besonderen Mentalität

Sauerländer hat ein sehr gutes Gespür

dafür, ob jemand eine Rolle spielt oder ob

„Ein

er das, was er tut, authentisch und mit Herz

tut. Uns Oventropern sind Menschlichkeit, Persönlichkeit

und der Respekt und das Verständnis füreinander extrem

wichtig“, sagt Bernhard Schaub, der seit 40 Jahren im

Unternehmen und heute Mitglied der Geschäftsleitung ist.

Das Familienunternehmen Oventrop gibt es seit 170 Jahren

und wird heute in der 5. und 6. Generation durch die Inhaberfamilien

Fähnrich und Rump geführt. Seit der Gründung

1851 wird das Unternehmen aus Olsberg mit Herz und Leidenschaft

geführt. „Meine Güte, was haben wir alles erlebt“,

fängt Bernhard Schaub an zu erzählen. „Wir haben uns vom

Komponentenhersteller zu einem Systemanbieter entwickelt,

wir haben schon einige Krisen wie die Ölkrise der 1970er

überstanden und sind heute in der ganzen Welt zu Hause,

auch wenn unsere Wurzeln im Sauerland liegen“, führt der

Vertriebs- und Marketingleiter fort.

„Die Erfindung des Heizölfilters nach dem Krieg war unser

Durchbruch und machte uns in ganz Europa bekannt. Seitdem

ist viel passiert und wir entwickeln uns immer weiter.

Wir sind ein modernes Unternehmen, das sich marktgerecht

verändert und sich den Themen der aktuellen Zeit stellt“, versichert

Bernhard Schaub.

„Heute gibt es kaum noch jemanden, der kein Oventrop

Produkt im Hause hat. Die meisten unserer Produkte sind im

Heizungskeller“, ergänzt Michael Scheller, Oventrops Leiter

des Marketing- und Produktmanagements. „Wir sind für das

gute Raumklima sowie das warme und saubere Wasser aus

Ihrem Hahn verantwortlich. Das, was vermutlich schon jeder

in der Hand hatte, ist der Thermostatkopf an der Heizung

– der kommt in der Tat sehr häufig von uns“, sagt Michael

Scheller, der seit zwei Jahren Oventroper ist. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

Oventrop GmbH & Co. KG

Paul-Oventrop-Straße 1 | 59939 Olsberg

+49 2962 82 0 | mail@oventrop.com

WOLL Frühling 2021 - 97


Fiona Hoppe gibt nicht nur auf der Motocross-Strecke Gas

Wenn das Startgatter fällt …

Sauerländer LEUTE –

Der MENSCH dahinter

Paul Senske

Tom Linke

das Startgatter fällt, dann hat man

alles vergessen und will einfach nur Gas

„Sobald

geben.“ Fiona Hoppe aus Neheim-Moosfelde

ist leidenschaftliche Motocrosserin mit dem ambitionierten

Ziel, in mittelbarer Zukunft Weltmeisterin

in dieser atemberaubenden Sportart mit dem duellen

Motorrad gegen Motorrad und den spektakulären

Sprüngen zu werden. Die 20-Jährige, angehende Studentin

weiß, was sie will und arbeitet mit knallhartem,

körperlichem Training, viel Disziplin und Verzicht

sowie klarer Tagesstruktur auf dieses Ziel hin.

Rumhängen, auf Neudeutsch „Chillen“, ist nicht ihr

Ding: „Ich brauche Struktur in meinem Leben.“ Ein

schwerer Rennunfall vor zwei Jahren warf sie nicht

aus der Bahn. Fiona kämpfte sich in die Überholspur

zurück und schöpfte neue Kraft und Energie - nicht

nur für ihre sportliche Karriere.

98 - WOLL Frühling 2021


Bei dem Unfall auf der Motocross-Strecke „Am Hafnerhäule“

des MSC Schnaitheim (bei Heidenheim) zog sich

die Neheimerin eine schwere Verletzung am rechten Fuß zu.

„Ich bin bei einem Sprung zu weit gekommen und gegen den

nächsten Hügel geprallt“, erinnert sie sich. „Der gesamte Fuß

sollte versteift wer- den.“ Ihre Karriere hing am

seidenen Faden.

„Dank der tollen ärztlichen

Versorgung“

in der BG Unfallklinik

Murnau, harter

Arbeit und einem nicht

leichten Reifepro-

zess („Lohnt sich überhaupt

der ganze

Aufwand?“) gelang ihr

das Comeback,

zunächst bei

Trainingsfahrten

Mitte 2019 auf

ihrer Heimstrecke

des MSC Voßwinkel.

„Bei der ersten

Fahrt habe ich vor Freude

unter dem Helm geweint.“ Dass sie nach der

Verletzung gar ihr erstes Rennen beim Ladies

Cup in Northeim gewann, machte ihr Glück

und das ihrer Eltern Sandra und Udo, die bei

jedem Rennen dabei sind, perfekt, auch wenn

Fiona auch heute noch zweimal in der Woche

ihren Fuß behandeln lassen muss. „Die

Verletzung hat mir gezeigt, was mir der

Sport auf meiner 250 ccm

Viertakt Husqvarna

bedeutet. Sobald

man auf dem

Motorrad sitzt, das

Feeling wieder hat,

sind alle Bedenken verschwunden,

man genießt

nur noch. Ich habe neue

Kraft geschöpft und Energie

getankt. Die Zeit war

eine Schule fürs Leben.

Das Crossen hat mich viel

selbstbewusster gemacht.“

14 Stunden knallhartes

Training in der Woche

Für ihre sportlichen Ziele arbeitet Fiona hart. Gute 14 Stunden

Training sind in der Woche angesetzt, bevor es im Frühjahr

wieder auf die Strecken gehen soll. Im elterlichen Haus

in Moosfelde hat Fiona, die den Status einer Profisportlerin

hat, sich ein Sportzimmer eingerichtet. Zudem trainiert sie

bei ihrem Personal Trainer Bernd Schiermeister aus Welver,

der auch ihr Mentalcoach ist und die Trainingspläne erstellt.

Ihr Tag ist streng getaktet. Von 6.30 bis

8.30 Uhr arbeitet sie im Moosfelder

Kindergarten St. Elisabeth,

den ihre Mutter Sandra leitet.

Danach findet die

erste Trainingseinheit

statt,

nach dem

Mittagessen die zweite. „Ich brauche

die klare Struktur und will nicht

rumhängen.“ Fiona weiß, dass aufgrund

ihrer sportlichen Karriere der Kontakt

zu ihren Freundinnen leidet. Der Verzicht

fällt ihr nicht leicht. Inzwischen ist sie mit

Davide befreundet, der aus der Nähe von

Hamburg kommt und ebenfalls Motocross

fährt.

Auch was ihr Studium und ihre berufliche

Zukunft betrifft, hat Fiona klare Vorstellungen

und rechtzeitig Gas gegeben. Nach dem

Realschulabschluss in Neheim („Ich war

auch Schulsprecherin“), baute sie im letzten

Jahr am Berufskolleg in Olsberg ihr Abitur

mit den Leistungsfächern Sport und Biologie

sowie gleichzeitiger, erfolgreicher

Ausbildung zur Freizeit-Sportleiter(in).

Im Sommer will sie mit ihrem Studium

Sportwissenschaft und angewandte Trainingswissenschaft

entweder an der Ruhr-

Uni Bochum oder der privaten Hochschule

DHGS in Unna beginnen. „Mit meiner Arbeit in der Kita

will ich mein Studium finanzieren. Später würde ich gerne

als Sportpsychologin arbeiten.“

WOLL Frühling 2021 - 99


„Das finale Ziel ist und bleibt

der WM-Titel“ (Fiona Hoppe)

Pulverbeschichtung

Ihre Karriereschritte sind fixiert. Im letzten Jahr

fanden die Rennen statt, natürlich unter strengen

Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen.

In diesem Jahr sind elf Rennen der deutschen

internationalen Rennserie der Frauen und sechs

WM-Rennen geplant. Fiona will 2021 weltweit

unter die Top-Ten, in den folgenden Jahren

soll es in die Top Five und aufs Podium gehen.

„Das finale Ziel ist und bleibt der WM-Titel“,

betont Fiona. Dabei hofft sie in nächster Zeit

Mitglied eines WM-Teams zu werden, das sich u. a.

in organisatorischer und infrastruktureller Hinsicht

um sie kümmert. Bisher gehört sie zum kleinen Twenty

Suspension-Team. Zu den Rennen fährt sie im Wohnmobil

mit ihren Eltern, denen sie „unendlich dankbar“

ist. „Meine Eltern stehen voll dahinter.“ Gleichzeitig freut

sich Fiona, dass sie mit dem Unternehmen BRISTA, einen

Betrieb aus dem Industriegebiet Ense-Höingen als treuen

Sponsoring-Partner an ihrer Seite hat, der sie auch in diesen

nicht einfachen Zeiten begleitet. ■

„Fiona wollte schon mit drei Jahren aufs

Motorrad“ (Mutter Sandra Hoppe)

Parallel schmiedet sie ihre sportliche Karriere, die ihr

praktisch in die Wiege gelegt wurde. Vater Udo war 25

Jahre ein erfolgreicher Motocrosser beim MSC Voßwinkel.

„Fiona wollte schon mit drei Jahren aufs Motorrad“,

erzählt Mutter Sandra. Zunächst ging es aber mit dem

Laufrad in den Garten, danach unternahm Fiona auf

einem schnuckeligen Kinder-Motorrad erste Fahrversuche.

Mit acht Jahren fuhr sie ihr ersten Rennen auf einer

Kawasaki mit 65 ccm und ließ die Jungs hinter sich. „Erst

lachten, dann staunten und schließlich schwiegen sie“,

erzählt Fiona, deren Karriere Schritt für Schritt Fahrt

aufnahm. Wichtig war vor allem, so Vater Udo, dass

ihre Tochter „die Fahrtechnik beherrscht, mit Kopf und

Respekt fährt“. Die Vorgaben ihres Lehrmeisters hat Fiona

stets vor Augen, wenn sie Gas gibt. Sie treibt einen Sport,

der es in sich hat. Motorrad gegen Motorrad, spektakuläre

Sprünge, das jeweils in 25 Minuten plus zwei Runden.

TRADITION KOMPETENZ QUALITÄT

Franz Brinkmann GmbH · Oesterweg 16 · 59469 Ense-Höingen

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100 - WOLL Frühling 2021


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Freie Ausbildungsplätze gibts hier!

Ausbildungschancen 2021/22

Jetzt freie Stellen entdecken,

kennenlernen – und starten

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Die Partner des Ausbildungskonsens

Hellweg-

Sauerland haben eine gute

Botschaft zu vermelden: „Die Betriebe

hier bilden weiterhin aus und

suchen Nachwuchsfachkräfte! Bei

ihrer Suche möchte das Netzwerk

beide Seiten unterstützen – die Azubis

bei ihrer Ausbildungsplatzsuche

und die Ausbildungsbetriebe beim

Azubi-Recruiting.

Eine „günstige Gelegenheit“ gibt es

in Form einer vierwöchige Matchingplattform.

Hier gibt es freie Stellen

zu entdecken, Termine können direkt

gebucht werden. Das Kennenlernen

kann dann telefonisch, per Videochat

oder in Einzelgesprächen vor Ort stattfinden.

Der Weg für den hoffentlich

erfolgreichen Start in das Berufsleben.

Darüber hinaus können Beratungstermine

bei den Experten des Netzwerks

vereinbart werden.

Die Plattform ist bis zum 16.04.2021

freigeschaltet. Auch darüber hinaus

bestehen unterstützende Beratungsangebote

für Eltern und Jugendliche.

Welch vielfältige Perspektiven und

Chancen es in der Region gibt, kann

auf dem zentralem Webportal Karriere-hier

oder bei den Frage- und-Antwort-Videos

(Q&A-Videos) von Azubi

für Schüler-/innen gezeigt werden.

Start Podcast “Orientierbar”

Die Region Hellweg-Sauerland als

auch die Ausbildungsbetriebe hier

vor Ort bieten vielfältige und zukunftsorientierte

Chancen für einen

erfolgreichen Karrierestart vor der

eigenen Haustür. Grund genug, diese

Themen mal aufzugreifen und hörbar

zu machen. Der neue Podcast bietet

Schüler/-innen im Rahmen der Berufsorientierung

und dem Übergang nach

der Schule sowie deren Begleitern (Eltern,

Lehrkräfte) spannende Themen,

authentische Gesprächspartner und

weiterbringende Informationen live

aus der Praxis rund um Ausbildung,

Karriereeinstieg, Bewerbung uvm.

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Ausbildungsstellen

nach Beruf oder Ort

finden.

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und bestätigen.

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und starten!

Das Partnernetzwerk: IHK Arnsberg, Agentur für Arbeit Meschede - Soest, Unternehmensverband

Westfalen Mitte, Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe, Landwirtschaftskammer NRW, Handwerkskammer

Südwestfalen, Hochsauerlandkreis, Kommunale Koordinierungsstellen KAoA, WirtschaftsFörderungsGesellschaft

Hochsauerlandkreis, Kommunen für Arbeit im HSK, DGB Region Südwestfalen

und Dortmund-Hellweg, Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland,

Kreis Soest, Wirtschaftsförderung Kreis Soest, Jobcenter AHA Kreis Soest

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CHANCEN 2021

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Bewerbungschancen WOLL Frühling 2021 2021 ist eine - 101 Aktion

des Ausbildungskonsens Hellweg-Sauerland.


102 - WOLL Frühling 2021


Manuka Honig gibt einen

Energy-Boost in den Frühling

Marco Van der Kooi

Sandra Peetz

W

ie schön ist es doch, die Spezialitäten der

Welt zu kombinieren mit regionalen und

saisonalen Lebensmitteln aus dem Sauerland.

„Gutes Essen sollte für uns alle doch ein Hochgenuss sein.

Deinem Körper einen guten und gesunden Kraftstoff geben,

um den Umwelteinflüsse entgegenzuwirken.

Mit Manuka Honig aus Neuseeland kannst du deine Abwehrkräfte

stärken, der spezielle Wirkstoff Methylglyoxal

(auch MGO genannt) ist der perfekte „Energy-Booster“ für

den Frühling. Morgens einen Löffel Manuka hält den Arzt

auf Abstand. Mit Manuka Honig lässt sich auch hervorragend

kochen.

Beim Erwärmen oder Erhitzen bleibt der MGO-Gehalt im

Honig stabil und kann so seine gesunde Kraft auch in einem

Gericht entfalten.

Der Manuka hat einen puren Geschmack, leicht erdig, etwas

Schärfe und eine eingebundene Süße. Eine perfekte Kombination

aus Gewürzen aus der Ferne, Birnen und Zwiebeln

aus der Region, dazu frisch säuerlicher Ziegenkäse.

Die Birnen werden in Portwein mit Nelken, Manuka-Honig,

Zimt und Tonkabohnen eingekocht. Aus dem Sud wird mit

Bindemittel ein Gelee gemacht. Die roten Zwiebeln werden

karamellisiert mit Manuka, abgelöscht mit Port- und Rotwein

und langsam reduziert bis eine Art Marmelade entsteht.

Der Ziegenkäse bleibt pur und wird kurz vor dem Servieren

mit etwas warmem Manuka übergossen. Ein weiteres Gelee

wird aus dem Manuka Honig gemacht und in kleine Würfel

zu dem Ziegenkäse gelegt. Ein Genuss für deinen Gaumen.

Honig aus Neuseeland, Obst und Gemüse aus der Region.

Auf einem Teller vereint. ■

WOLL Frühling 2021 - 103


Nuttlars

Unterwasserwelt –

im Kino

Dieser tolle Manuka Honig in klasse Qualität eignet

sich bestens als Brotaufstrich und

zur täglichen Einnahme!

Unser Honig wurde in abgeschiedenen und

naturbelassenen Gegenden Neuseelands,

vom Nektar der einheimischen

Manuka Bäume gewonnen.

Besuchen Sie unseren Shop unter:

www.manuka4life.com

Wir dürfen uns wieder auf einen neuen Film freuen

– gedreht u. a. im alten Schieferbergwerk in

Nuttlar. Die Lokalität wurde von der PANDORA

Film ausgewählt, weil genau hier im kristallklaren

Sauerländer Wasser die spektakulären Unterwasseraufnahmen

für den Kinofilm „Memory of

Water“ („Der Geschmack von Wasser“) möglich

waren.

Der Science-Fiction-Film basiert auf dem erfolgreichen

Roman der Finnin Emmi Itäranta.

Inhalt: Emmi Itärantas Buch, welches nun unter

anderem in Nuttlar verfilmt wird, handelt von den

zwei befreundeten Teenagern Noria und Sanja.

Sie leben in einem Land, in dem akute Trinkwasserknappheit

herrscht. Noria hat allerdings ein

Geheimnis: Sie kennt eine geheime Wasserquelle,

die bald zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung

wird. In den Hauptrollen sind Saga Sarkola

und Mimosa Willamo zu sehen. Die spannende

Geschichte wird schon bald in den Kinos zu sehen

sein. ■

Foto: https://www.schieferbau-nuttlar.de/bergwerktauchen/

104 - WOLL Frühling 2021


Literaturland Sauerland

Ein Einblick in unsere literarische Landschaft

Schauplatz vieler Bücher ist das Sauerland. Kein Wunder, schließlich ist man

hier von Wald und Wiesen umgeben, beschauliche Dörfer und hügelige Landschaften

in allen Grüntönen erstrecken sich, soweit das Auge reicht. Doch das

Sauerland hat weitaus mehr zu bieten als nur eine Vorlage für literarische Landschaftsbilder.

Hier sind einige Autoren beheimatet und auch ein paar Verlage

gibt es. Besonders erfreulich ist zudem die erstaunliche Anzahl unabhängiger

Buchhandlungen, die uns mit guter Literatur versorgen, genauso wie Bibliotheken

und Archive aus dem Sauerland, die Ihnen allesamt auf diesen Sonderseiten

präsentiert werden. Mit Stolz blicken wir auf die im Sauerland aufgewachsenen

und teilweise immer noch hier lebenden Autoren, die unserer Region mit ihren

literarischen Werken alle Ehre machen. Und ja, das zeigt sich auch in ihren

Büchern, die nicht selten im Land der tausend Berge spielen.

WOLL Frühling Frühjahr 2021 - - 105

137


Literaturland Sauerland

Bücherland

Iserlohn

Thalia

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filialen/showDetails

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Buchladen am neuen Markt

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Menden

Buchhandlung Daub

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Mayersche Buchhandlung

www.thalia.de/shop/home/

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Iserlohn-Letmathe

Die kleine Buchhandlung

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Altena

Buchhandlung Katerlöh

Lüdenscheid

Thalia

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filialen/showDetails

Halver

Buchhandlung Kö-Shop Berges

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Plettenberg

Buchhandlung Plettendorff

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Kierspe

Buchhandlung Timpe

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Meinerzhagen

Buchhandlung Schmitz

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Drolshagen

Buchhandlung am Markt

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106 - WOLL Frühling 2021

140 - WOLL Frühjahr 2021

Attendorn

Halver

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Drolshagen

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Menden

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Plettenberg

Olpe

Attendorn

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Dreimann Buchhandlung

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Bücherstube Hachmann

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Buchhandlung Isabell Hoffmann

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Frey Buch und Papier

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Neheim

Sundern

Eslohe

Finnentrop

Arnsberg

Lennestadt

Finnentrop

Warstein

Meschede

Eslohe

Lennestadt

Schmallenberg

Schmallenberg

Brilon

Tintenfass

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Olsberg

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Hallenberg

WortReich - Lesen und mehr

www.wortreich-meschede.de

Buchhandlung Josef Hamm

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Buchhandlung am Rathaus

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M


Arnsberg

WortReich - Lesen und mehr

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Buchhandlung Sonja Vieth e.K.

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Warstein

Buchhandlung Dust

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Brilon

Buchhandlung Podszun

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Buchhandlung Prange

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prange/Kontakt

arsberg

Marsberg

Buchhandlung Podszun

www.buecher-podszun.buchhandlung.de

Olsberg

Käpt´n Book

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Meschede

Bücherstube

WortReich – Lesen und mehr

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Sundern

Bücher-Eck

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Medebach

Bücher Beuse, Medebach

www.buecher-beuse.de

Hallenberg

Bücherwurm Pauly

www.buecherwurm-hallenberg.buchhandlung.de/shop

Max Otte:

Meine Geschichte

Max Otte ist als Unternehmer, Publizist und politischer

Aktivist bekannt. Nun macht er sich in

diesem Buch auch auf die Suche nach sich selbst.

Was hat ihn geprägt und befähigt, Dinge zu sehen,

die andere nicht sehen?

Hier spricht er über seine Kindheit, seine Eltern,

die Großeltern und die Menschen, die ihn beeinflusst

haben, über seine mennonitischen Vorfahren

mütterlicherseits, Flucht und Vertreibung

in Vaters Familie, seine Lehrer und die Zeiten, in

denen er aufgewachsen ist. Wie all das einen

Menschen prägt, erzählt er in diesem sehr persönlichen

Buch.

Ende 2018 schied Otte auf eigenen Antrag als

Professor und Beamter auf Lebenszeit aus dem

Staatsdienst aus, um sich auf seine Analysen und

unternehmerischen Aktivitäten zu konzentrieren.

Unternehmen, an denen Otte beteiligt ist, managen

mehr als eine Milliarde Euro.

Der Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN:

A1J3AM) gehört seit 2016 zu den erfolgreichsten

deutschen Aktienfonds.

Der Philanthrop ist Stifter des Oswald-Spengler-

Preises, der 2018 erstmalig an den französischen

Schriftsteller Michel Houellebecq ging und Veranstalter

des Neuen Hambacher Festes.

ISBN: 978-3-95972-403-6 WOLL | Erscheinungsdatum: Frühling 2021 - 107 23.03.2021

www.verlorenes-deutschland.de


Heimweh nach uns

Ein Roman mit eigenem Soundtrack

Über 60 Einzellesungen und literarische Reihen,

Buchpräsentationen, Diskussionen, Ausstellungen

und Gespräche in ganz Westfalen und Lippe u. a.

mit

Marica Bodrožić, Mathijs Deen, Friedrich

Christian Delius, Zora del Buono, Melisa Erkurt,

Frank Goosen, Erwin Grosche, Sandra Gugić,

Navid Kermani, Carmen Korn, Ulla Lachauer,

André Niedostadek, Jana Revedin, Hubert Seipel

und Norbert Scheuer

Weitere Infos unter

www.literaturlandwestfalen.de/festival

Organisiert von

Wie weit würdest du gehen,

wenn dein Herz nicht mehr

weiß, wo es zu Hause ist? –

Seit über 20 Jahren ist Lena

mit ihrem Mann zusammen,

gemeinsam haben sie zwei

wundervolle Kinder, aber das

Leben rauscht an ihr vorbei

und sie sehnt sich nach Entschleunigung.

Ein Yogakurs

soll Abhilfe schaffen. Die

anfängliche Skepsis verfliegt

schnell, als Lena auf ihren Yogalehrer

trifft. Er löst etwas in

ihr aus, was sie lange vermisst

hat. Sie gibt ihren Gefühlen

nach und riskiert damit, alles

zu verlieren.

Die Voßwinkelerin Helen

Schreiber veröffentlichte im

Februar ihren Debütroman

„Heimweh nach uns“ – ein

Liebesroman, denn die Liebe

schreibt doch einfach die

schönsten Geschichten. Die

nebenberuflich als Hochzeitssängerin

tätige Sauerländerin

weiß, wovon sie schreibt –

und wovon sie singt: Während

der Arbeit am Roman

begann sie, gefühlvolle

Balladen für die wichtigsten

Szenen zu schreiben und

vertonte diese anschließend

mit Unterstützung des ebenfalls

in Voßwinkel lebenden

Komponisten D. Goette. So

entstand ein Soundtrack aus

vier Songs, der bereits auf den

bekannten Streamingdiensten

verfügbar ist.

Wenn die derzeitige Situation

es zulässt, wird man sicherlich

bald ganz besondere

Lesungen mit musikalischen

Einlagen der Autorin erleben

können. ■

Gefördert von

Heimweh nach uns – Taschenbuch – FeuerWerke Verlag –

11,90 Euro – ISBN 978-3 9453-6290-7 – auch als E-Book

erhältlich.

Einen ausführlichen Artikel zur Autorin und Entstehung

des Romans gibt es unter: www.vosswinkel-arnsberg.de

(sn)

108 @literaturlandwestfalen

- WOLL Frühling 2021


Riesenhirsche, Auerochsen und wollhaarige Mammuts

Im Sauerland-Museum eröffnet die Sonderausstellung „Eiszeit – Leben im Extrem“

Jeanine Hunold

Klaus-Peter Kappest

Eine Jahresdurchschnittstemperatur von minus 5 Grad in

Mitteleuropa, das ist heute unvorstellbar. Doch das ist die

Temperatur im Arnsberger Sauerland-Museum – die Sonderausstellung

„Eiszeit – Leben im Extrem“ führt zurück

in diese bitterkalte Zeit, die etwa 20.000 Jahre zurückliegt.

Die Ausstellung, deren Beginn eigentlich für Mitte

November angesetzt war, öffnet voraussichtlich ab dem 7.

März ihre Pforten (aktuelle Coronalage beachten).

43.000 Jahre altes Mammut

Das Landschaftsbild der Eiszeit war von Gletschern und großen

Säugetieren geprägt. So werden auch in der Ausstellung

Riesenhirsche, Wollhaarmammuts und -nashörner, Auerochsen

und Steppenbisons in Originalgröße präsentiert.

Die beeindruckenden Exponate

versprechen in jedem Fall in den

Nacken gereckte Hälse und große

Augen: Ein Höhepunkt ist das

43.000 Jahre alte „Ahlener Mammut“,

es misst stolze 5,50 Meter

Länge und 3,25 Meter Breite.

Sein Skelett wurde im Sauerland-

Museum in mühevoller Kleinstarbeit

nahezu vollständig aufgebaut.

Entdeckt wurde das große

Museumsleiter Dr. Oliver Schmidt neben den

ausgestellten Exponaten

Tier 1910 bei Grabungen in einer Tongrube in Ahlen im

Kreis Warendorf, wo es im sumpfigen Gelände steckengeblieben

und verendet war. Eine Rarität – bedenkt man, dass

meist nur vereinzelte Knochen und Zähne von Mammuts

gefunden werden. Zur Verfügung gestellt wird das Skelett,

das von einem etwa 40 Jahre alten Bullen stammt, vom Geomuseum

der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Nachgebaute Jagdhütte aus Knochen

Interessant ist neben den ausgestorbenen Arten aus der Eiszeit

die Lebensweise der Menschen, die auf der Suche nach

Nahrung auch Tiere jagten und in Höhlen, Zelten oder

einfachen Hütten nach Schutz vor der Kälte suchten. Um

dies den Besuchern des Sauerland-Museums zugänglich

zu machen, wurde eine Jagdhütte aus Mammutknochen

nachgebaut. Auch täuschend echt modellierte Neandertalfiguren

veranschaulichen, wie die Menschen in der Eiszeit

überlebt haben.

Vorab stellt das Museumsteam in

kurzen Videoclips ihre Lieblingsobjekte

aus der Ausstellung vor.

Beeindruckt hat Monika Jansen

vor allem der anpassungsfähige

Eisfuchs mit seinem weißen,

dichten Fell – „ein Überlebenskünstler“,

wie sie sagt, den man

heute noch als Polarfuchs kennt.

Karin Fischer aus dem Marketing

schwärmt von den kleinen Berglemmingen,

die man zwischen den Riesen

der Eiszeit erst einmal suchen muss.

Weitere Informationen unter:

www.sauerland-museum.de.

32 - WOLL Frühjahr 2021

WOLL Frühling 2021 - 109


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Gemeinsam

Hindernisse

überwinden

Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden

Ango Reha-Technik blickt zurück auf 25 Jahre Erfahrung

Die Firma Ango Reha-Technik

verfolgt nun schon

seit 25 Jahren das Ziel,

Mitmenschen ein barrierefreies

Leben in den eigenen vier Wänden

zu ermöglichen. Mit diesem

Anspruch übernahm Inhaber und

Geschäftsführer Michael Heymer

am 01.01.2000 das Unternehmen,

welches am 25.08.1995 gegründet

wurde. Durch kontinuierliches

Wachstum am Markt ist es nun zu

einem der führenden Unternehmen

im Bereich barrierefreie Erschließung

des privaten und öffentlichen

Raumes in Nordrhein-Westfalen

herangewachsen.

Nach mehreren Erweiterungen steht

das heutige Familienunternehmen nun

gut sichtbar von der Straße seit 2016

in Sundern-Stemel. Mit mittlerweile

über 20 Mitarbeitern ist das Familienunternehmen

ein regionaler Ansprechpartner

für die Menschen hier vor Ort

geworden. Im August letzten Jahres

feierte das Unternehmen sein 25-jähriges

Jubiläum mit einer internen Feier,

um den Mitarbeitern „ein Stück ihrer

geleisteten Arbeit zurückgeben zu

110 - WOLL Frühling 2021


können“, so Oliver Heymer, der mit

seinem Vater zusammen die Geschäfte

leitet. Nun blickt das Unternehmen

zurück auf jede Menge Know-how:

über die Produkte, über die Branche

und vor allem kennen sie die Bedürfnisse

ihrer Kunden ganz genau.

Viele Kunden empfinden es häufig

noch als Schwäche, wenn sie einen

Treppenlift benötigen. „Manche

möchten, dass wir mit einem neutralen

Auto vorfahren, damit die Nachbarn

nichts mitkriegen“, so Oliver Heymer.

„Dabei ist es eigentlich genau das

Gegenteil: Durch einen Treppenlift im

privaten Bereich ermöglichen wir den

Leuten, neue Lebensqualität zurückzugewinnen.

Viele können dadurch verhindern,

in ein Pflegeheim oder eine

barrierefreie Wohnung umziehen zu

müssen.“ Da jede Treppe anders gebaut

ist, kommt Ango Reha-Technik zuerst

bei seinen Kunden zuhause vorbei und

schaut, welcher Treppenlift am besten

geeignet ist. Individuelle Lösungen

sind hier Alltag und ermöglichen so,

für jedes Problem die richtige Lösung

zu finden. Was manche nicht wissen:

Die Anschaffung eines Treppenliftes

Das Techniker-Team ist zuständig für Montage, Wartung und Reparatur der Treppenlifte.

wird oft mit bis zu 4.000 € von der

Pflegekasse bezuschusst. „Viele Kunden

ärgern sich im Nachhinein, dass

sie sich nicht eher damit beschäftigt

haben“, meint Daniel Wünnenberg,

Mitarbeiter im Vertrieb bei Ango

Reha-Technik.

Aber nicht nur die Treppenlifte gehören

zur Produktpalette des Unternehmens.

So sind beispielsweise auch

Senkrecht- oder Hublifte Teil der individuellen

Lösungen von Ango Reha-

Technik. Die Mitarbeiter machen sich

vor Ort ein Bild von der Wohnsituation

und geben dann die Empfehlung

für das beste Produkt ab. Seit 2013 ist

das Unternehmen zudem berechtigt,

an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen

und somit viele Aufträge

für Kommunen, Rathäuser und Architekten

umsetzen zu dürfen. Hier sind

insbesondere Senkrecht- oder Hublifte

beliebte Produkte, um einen barrierefreien

Zugang zu ermöglichen.

Treppenliftausstellung in

Sundern-Stemel

Mit einer eigenen Treppenliftausstellung

schafft das Familienunternehmen

einen besonderen Vorteil für ihre Kunden:

auf der ersten Etage des Firmensitzes

in Sundern-Stemel finden sich

alle Produkte wieder und können nach

Kennt die Bedürfnisse der Kunden ganz genau: das Ango Reha-Technik Team.

WOLL Frühling 2021 - 111


Belieben unverbindlich ausgetestet werden.

„Meistens kommen die Kunden

vorbei, nachdem bereits einer unserer

Mitarbeiter vor Ort gewesen ist. So

können sie sich von den verschiedenen

Möglichkeiten und Modellen ein Bild

machen und testen, wie es sich anfühlt,

auf einem Treppenlift zu sitzen“, erklärt

Michael Heymer. Danach seien die

Hemmschwellen meistens geringer und

die Kunden könnten sich den Einbau

in ihr eigenes Zuhause besser vorstellen.

Kontinuierliches Wachstum

auch in diesem Jahr

Auch Ango Reha-Technik ist in diesem

Jahr kreativ geworden, nachdem die

Corona-Krise einsetzte. Zusammen

mit dem Unternehmen Alugießerei

Heuel aus Sundern-Tiefenhagen haben

sie einen Desinfektionsmittelspender

entwickelt, der vor allem im Bereich

Gastronomie und Einzelhandel einsetzbar

ist. Darüber hinaus planen sie

schon jetzt die Zukunft des Familienbetriebes:

„In der Zukunft möchten wir

natürlich stets weiterwachsen und am

Markt noch stärker wahrgenommen

werden. Wir planen eine Betriebserweiterung

mit einer weiteren Halle

hier vor Ort und freuen uns immer

über neue Mitarbeiter, die uns bei

unseren Zielen unterstützen möchten“,

so Geschäftsführer Michael Heymer.

Da es für ihren Beruf keine spezifische

Ausbildung gibt, hat man eigene

Weiterbildungen entwickelt, um neue

Mitarbeiter schnell an Bord zu holen.

Aber auch durch externe Schulungen

wird gewährleistet, dass das Unternehmen

sich stets weiterentwickelt. Dazu

dient auch ein Zusammenschluss auf

überregionaler Ebene: Mit der Liftunion

besteht eine Zusammenarbeit von verschiedenen

Liftspezialisten in Deutschland

und der Schweiz, um Lösungen

für ein barrierefreies Leben gemeinsam

zu gewährleisten. Vor allem durch die

Unabhängigkeit von den Herstellern

haben die Unternehmen somit die

Möglichkeit, das beste Produkt für jede

Lösung anbieten zu können. So schafft

es Ango Reha-Technik nicht nur durch

seine langjährige Erfahrung, ein Stück

Lebensqualität zu den Menschen nach

Hause zu bringen – um mit ihnen gemeinsam

Hindernisse überwinden zu

können. ■

Stemeler Str. 99

59846 Sundern

T. 02933 921 88 00

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112 - WOLL Frühling 2021


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STÜCKE

Fundstück 1:

Baulokal.de

Unser BAULOKAL gibt es weiter in

altbewährter Form als Magazin. Wenn

Sie es aber gerade nicht zur Hand haben,

können Sie unsere Beiträge jetzt auch

online nachlesen:

http://www.BauLokal.de

Die vielfältigen Themen werden Sie als

Bauherrn – oder als zukünftigen Bauherrn

– sicherlich brennend interessieren.

Unter anderen geht es darin um freie

Baugrundstücke im Sauerland.

Nützliche Tipps gibt es auch für Hausbesitzer,

die planen ihr Dach zu sanieren

oder ihrem Haus ein neues aufsetzen

wollen. Ein Blick ins Baulokal lohnt sich

immer!

Fundstück 2:

Woll-Magazin Newsletter

https://woll-magazin.de/newsletter/

Möchten Sie auch zum engeren Kreis der

Woll-Leser gehören? Dann melden Sie

sich am besten zu unserem Newsletter an.

Die Anmeldung ist ganz einfach und vor

allem lohnt sie sich. Denn dann erhalten

Sie umgehend jeden Freitag die besten

Tipps fürs Wochenende: Ausflugstipps,

unsere Top-Story, ein besonderes Dorf

wird vorgestellt u.a. Außerdem gibt es

– exklusiv für Newsletter-Abonnenten –

satte Rabatte im lokalen Einzelhandel.

Fundstück 3:

Der ökologische Rucksack

Dieser Rucksack ist weder aus Baumwolle

noch aus Leinen. Denn dieser Rucksack

drückt das Gewicht aller natürlichen

Rohstoffe aus, die für unseren Konsum

anfallen. Wenn Sie wissen möchten, wie

schwer Ihrer ist, hier finden Sie es heraus:

https://www.ressourcen-rechner.de/ ■

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Anzeigenverkauf: Antonius Henke

antonius@axo.media

Preis Jahresabo: Für 4 Ausgaben 18,90 EUR

inkl. MwSt. und Versandkosten

Lizenzgeber: WOLL-Verlag, Kückelheim 11,

57392 Schmallenberg

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Manuskripte, Fotos und Daten übernehmen wir keine

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oder (und) von Artikeln, die mit Quellenangaben

gekennzeichnet sind, z.B. V.i.S.d.P. etc. Die mit Namen oder

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die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält

sich das Recht zur Kürzung oder Änderung von Artikeln vor.

Urheberrecht: Nachdruck und/oder Verbreitung im Internet,

auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung des Verlages

gestattet.

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erscheint Mitte Juni 2021

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