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2022/11 | Unternehmen | Mai 2022 | !

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unternehmen [!] RESSORT 1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 82 | Mai 2022 | 3,00 €

+ 6 SEITEN

ERBACH

+ 8 SEITEN

NACHHALTIG

Er macht den

Handel digital

Ob Smart Trolleys, kluge Regale, Zugangs- oder

Lagerlösungen: Wanzl-Geschäftsführer Klaus

Meier-Kortwig gestaltet die Zukunft des Einkaufs.

WEG MIT DEM PAPIER

Wie Mittelständler ihre

Auftragsbearbeitung und

Buchhaltung effizienter machen.

Seite 6

MEHR INTERESSE AN GOLF

Die Branche hat von Corona

profitiert. Die Folgen für Clubs,

Preise und Gäste.

Seite 18

UMFRAGE

Sechs Führungskräfte verraten

ihre Vorsätze und Lieblingsplätze

im Frühling.

Seite 56


2

RESSORT unternehmen [!]

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Konkurrenz

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unternehmen [!] INHALT/EDITORIAL 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

Krieg, Corona und Lieferprobleme mit samt ihren

Folgen wie rasanten Preissteigerungen: Das alles

drückt auf die Stimmung von Verbrauchern wie

auch von Verantwortlichen in Unternehmen. Vor

diesem Hintergrund darf man sich nicht über das

Mini-Wachstum der deutschen Wirtschaft von

0,2 Prozent im ersten Quartal wundern. Diese

könnte dieses Jahr sogar in eine Rezession rutschen.

Das alles sind keine guten Rahmenbedingungen

dafür, dass sich Unternehmen fit für die

Transformation und die Zukunft machen. Das geht

auch dem Einkaufswagenhersteller Wanzl so. Um

die Digitalisierung kommt heutzutage kaum ein

Unternehmen mehr herum: Ob in der Buchhaltung

(„Weg mit dem Papier“, Seite 6) oder der

mit Hilfe von Sensoren gesteuerten Fabrik („Ziemlich

smarte Sensor-Fertigung“, Seite 33). Welche

Macher-Qualitäten in Unternehmern stecken, zeigen

unsere Porträts über das kleine Firmenreich

der Familie Schlegel aus Unterstadion, der rasant

wachsenden Salvia-Gruppe aus Eislingen an der

Fils und den Brüdern Schütterle aus Eschach mit

ihrem Sägewerk. Ich wünsche Ihnen eine anregende

Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

FINANZIEREN

6 Weg mit dem Papier

Die Buchhaltung haben viele Unternehmer

bei der Digitalisierung nicht

im Blick

TITELTHEMA

10 „Auch Regale werden smart“

Wanzl-Chef Klaus Meier-Kortwig im

Gespräch

SPEZIAL

18 Auf die Plätze, fertig, los!

Das wachsende Interesse am Golfsport

verändert die Branche.

36 Standort im Porträt: Erbach

Eine Stadt erfindet sich neu

46 Nachhaltigkeit

Mehr Tempo beim Recycling nötig

50 Häufig keine Chefsache

Um die Klimakrise zu bekämpfen,

müssen Firmen radikal umdenken

52 Viel Potenzial und Widerstand

Der Ausbau der Windenergie stockt.

Die KfW fordert mehr Kooperation

VERANTWORTEN

24 Neue Ansätze nötig

Viele Unternehmen müssen künftig

mehr zusammenarbeiten

MACHEN

28 Bloß nicht festkleben

Drei Firmen übergeben: Unternehmer

Eugen Schlegel regelt das konfliktfrei

33 Ziemlich smarte Fertigung

Wie IFM seine Prozesse beschleunigt

44 Basis für moderne Bürokultur

Die Salvia-Gruppe revolutioniert die

Steuerung von Gebäuden

54 Holzmacher total lokal Das

Sägewerk Schütterle hat sich auf zwei

Holzarten spezialisiert

LEBEN

42 Ein Zeitzeuge kieloben

David Dornier restauriert das

Arbeitsboot des Flugschiffes Do X

56 Hauptsache raus

Umfrage unter Führungskräften

58 Impressum

18

54

ON/OFF

33 28

06


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Unterirdisch teuer

Innenstadt Nach Jahren hat Ulm wieder eine Tiefgarage am Hauptbahnhof. Doch nach der

Baustelle ist vor der Baustelle. Als nächstes wird der Busbahnhof erneuert.

Infrastruktur Kosten in Höhe

von 65 statt der zunächst kalkulierten

52 Millionen Euro und

sieben Jahre Bauzeit. Das ist die

Bilanz der neuen Tiefgarage am

Ulmer Hauptbahnhof, die seit

Mitte April den Ulmerinnen

und Ulmern sowie Gästen insgesamt

547 Parkplätze bietet. 32

davon sind bereits mit Ladestellen

für Elektro-Fahrzeuge ausgestattet.

Für etwa weitere 170

sind die Vorbereitungen schon

gemacht. So weit könnte hochgerüstet

werden.

Die Eröffnung nach so langer

Bauzeit sei ein „Schlüsselereignis“

für die Stadtentwicklung,

sagte Oberbürgermeister Gunter

Czisch, zumal damit verbunden

der Bau der Straßenbahnlinie

2, der Bau der Sedelhöfe und

der Bau der Passage zu den Sedelhöfen

war. Die ersten Ideen

zum Projekt seien 30 Jahre alt

und dürften unter dem Namen

„Ulm 21 plus“ Älteren noch geläufig

sein. Als im Jahre 2006 die

Neue Mitte fertiggestellt worden

sei, habe man sich gedanklich

an den Bahnhof gemacht, in

dessen Umfeld die letzten Jahre

rund eine dreiviertel Milliarde

Euro investiert worden sei.

Damit ist in der Ulmer Innenstadt

jedoch noch nicht Schluss

mit den Baustellen. Vielmehr

beschloss der Gemeinderat zuletzt

das nächste Projekt: der

Zentrale Omnibusbahnhof

(ZOB) südlich des Hauptbahnhofs.

Bereits im kommenden

Jahr soll mit dem Bau begonnen

werden. Künftig soll der ZOB elf

Bussteige haben, momentan

sind es acht, und zwei Nachziehplätze

für Busse. Hinzu kommt

der Bau von 510 Fahrradabstellplätzen

auf dem südlichen

Bahnhofplatz. Beide Maßnahmen

sollen laut der Stadtverwaltung

4,2 Millionen Euro kosten.

Darüber hinaus werden auch

die im Jahr 2030 in Ulm stattfindende

Landesgartenschau und

die damit verbundenen baulichen

Änderungen am Ehinger

Tor in den kommenden Jahren

für Baustellen rund um die Innenstadt

sorgen. [!] jkl

62 Millionen Euro kostete die neue Tiefgarage am Ulmer Hauptbahnhof.


Foto: Volkmar Könneke

Baustart für Conti-Campus fix

Standortwechsel Trotz Milliardenverlusten,

Sparprogrammen

und Werkschließungen:

Der Automobilzulieferer Continental

hält an seinem geplanten

Forschungscampus in Neu-Ulm

fest. Im Dezember soll der Spatenstich

sein, 50 Millionen Euro

werden investiert. Bislang unterhält

das Unternehmen zwei

Standorte in der Region – im

Science Park II am Ulmer Eselsberg

sowie in einem Haus am

Neu-Ulmer Busbahnhof. Beide

Standorte sollen nach der Fertigstellung

des Campus aufgegeben

werden, erklärte zuletzt

Standortleiter Florian Schwab.

Auf dem Forschungscampus des

Conti kommt nach Neu-Ulm.

Foto: Marcus Prell/Continental

Conti Ablegers ADC stehen die

Themen Fahrassistenz-Systeme

und automatisiertes Fahren (Automotive

Distance Control Systems)

im Mittelpunkt.

Der Neubau entsteht hinter

dem Arzneimittelforschungsinstitut

Nuvisan an der Wegenerstraße.

Auf 15 500 Quadratmeter

auf fünf Stockwerken sollen

die 600 Beschäftigten in eher

kleineren Einheiten statt der

heutigen großen Büros mit langen

Schreibtischen arbeiten,

sagt Schwab. Zudem wird es Labore

geben, in welchen die Sensoren

etwa Störsignalen oder

unterschiedlichen Temperaturen

ausgesetzt werden.

Die meisten Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter sind Softwareentwickler,

Experten für Künstliche

Intelligenz und Ingenieure.

600, wie gehabt, sollen es

zum Start im Jahr 2024 sein.

Platz ist für 700. Diese sollen

nach und nach eingestellt werden,

es werde keine große Einstellungsoffensive

geben. Continental

investiert parallel zu

dem Projekt in Neu-Ulm auch

in Memmingen, wo es seit 2016

einen Konzern-Ableger gibt.

Dort entsteht ein 6000 Quadratmeter

großer Entwicklungscampus

mit 150 Arbeitsplätzen, in

dem auch drei Standorte kombiniert

werden. [!]

nid


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

Chinesischer Investor übernimmt Allgaier

Verkauf Der Autozulieferer Allgaier

soll an die chinesische

Westron Group verkauft werden.

Damit wechselt eines der

bekanntesten deutschen Unternehmen

den Besitzer. Bislang

gehört das Unternehmen dem

dem ehemaligen Arbeitgeberpräsident

Dieter Hundt. Dass

der mittlerweile 83-Jährige nach

einem Käufer für sein Unternehmen

Ausschau hielt, war seit

Monaten bekannt. Der chinesische

Investor soll nun 90 Prozent

der Anteile aufkaufen. Die

1800 Beschäftigten des Uhinger

Unternehmens wurden kürzlich

in einer Betriebsversammlung

bereits über den Verkauf informiert.

Westron will offenbar ordentlich

investieren, nicht nur am

Stammsitz selbst, sondern auch

in Frankreich, Sachsen und Serbien.

„Alle sind guter Dinge“,

berichtet ein Insider aus der Firma.

Dejan Wick, Gewerkschaftssekretär

bei der IG Metall Göppingen-Geislingen

geht davon

aus „dass die geplanten Investitionen

von Westron das Unternehmen

tatsächlich gesunden

lassen. Und zwar so erheblich,

dass es in den nächsten Jahren

deutlich aufwärts gehen wird“.

Westron ist in der Region im

übrigen nicht völlig unbekannt.

Im Jahr 2018 verkauften die Autozulieferer

Bosch und Mahle

nach monatelanger Suche ihr

gemeinsames Turboladergeschäft.

Das Gemeinschaftsunternehmen

BMTS (Bosch Mahle

Turbo Systems) mit seinerzeit

1300 Mitarbeitern an drei Standorten

ging an FountainVest Partners

(FountainVest) mit Sitz in

Hongkong und Westron. [!]

Die 1800 Beschäftigten können aufatmen, für Allgaier ist ein Käufer

gefunden.

Foto: Giacinto Carlucci

Wechsel bei

Leonhard Weiss

Ruhestand Beim Göppinger Familienunternehmen

Leonhard

Weiss (LW) zieht sich mit Dieter

Straub einer der führenden

Köpfe ins Rentnerdasein zurück.

Seit 1998 gehörte er zur Geschäftsführung

des Bauunternehmens.

Von 2018 bis 2021 hatte

er neben der Leitung des Geschäftsbereichs

Ingenieur- und

Schlüsselfertigbau auch den

Dieter

Straub war

24 Jahre

lang LW-Geschäftsführer.

Vorsitz inne.

Bereits Anfang

2021 hatte

Straub die Leitung

des Geschäftsbereichs

Ingenieur- und

Schlüsselfertigbau

an Steffen

Schönfeld abgegeben.

Im September

folgte

die Übergabe

des Vorsitzes an Marcus Herwarth

(Vorsitzender, Geschäftsführer

Gleisinfrastrukturbau)

und Christian Ott (stellv. Vorsitzender,

Geschäftsführer Unternehmenssteuerung).[!]

jkl

Für Höhn geht

es weiter

Sanierung Gute Nachrichten

für die Gläubiger der Höhn

GmbH: sie erhalten eine Insolvenzquote

von über 80 Prozent.

Das entspricht einem Ausschüttungsvolumen

von über 5 Millionen

Euro für die insgesamt

rund 250 Gläubiger. Zudem erhielten

Lieferanten aus einem

besicherten Pool bereits zusätzlich

über 700 000 Euro aus der

Insolvenzmasse. Das Eigenverwaltungsverfahren,

das der Verpackungs-

und Druckspezialist

im September 2018 beantragt

hatte, wurde damit innerhalb

von etwa drei Jahren erfolgreich

abgeschlossen. Der Geschäftsbetrieb

lief damals nach der Antragstellung

vollumfänglich

weiter.

Bereits Ende 2018 wurde der

nicht profitable Geschäftsbereich

des Akzidenzdrucks eingestellt.

Im April 2019 wurde der

Geschäftsbetrieb schließlich erfolgreich

an einen mittelständischen

Investor aus der Region

veräußert. 110 Arbeitsplätze

blieben so erhalten. [!] jkl

Japaner kaufen Bucher

250 neue Jobs

Übernahme Der japanische

Konzern Hirotec übernimmt die

Automotivesparte des im Insolvenzverfahren

befindlichen Eislinger

Automobilzulieferers

Emil Bucher und rund 90 Prozent

der gesamten Belegschaft.

Die kartellrechtliche Genehmigung

steht noch aus. Emil Bucher

produziert Sondermaschinen

für die Automobilindustrie

und Flugzeughersteller. Der japanische

Investor übernimmt

das Kerngeschäft des Unternehmens.

Für den kleinen Luftfahrtbereich,

in dem rund zehn Prozent

der Beschäftigten tätig

sind, laufen noch Verhandlungen

über eine Investorenlösung.

Im Unternehmen sind rund 175

Beschäftigte tätig. Während des

Insolvenzverfahrens wurden

keine Kündigungen ausgesprochen.

[!]

rai

247 Tailor Steel Das niederländische

Unternehmen 247 Tailor

Steel baut in Langenau im Alb-

Donau-Kreis einen neuen

Standort auf. In dem Werk sollen

individuelle Vorprodukte für

Metallbearbeiter hergestellt

werden, die wiederum Verkleidungen

für Brotbackautomaten,

Altkleiderboxen oder Treppengeländer

fertigen. Das Besondere

am Konzept der Niederländer

ist der Grad der Automatisierung

zu Beginn des Prozesses.

Mit 70 Mitarbeitern soll die

Fabrik in Betrieb bereits am 1.

September in Betrieb gehen. Im

Vollbetrieb sollen auf insgesamt

15 000 Quadratmetern Produktionsfläche

einmal 250 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter beschäftigt

sein. Gearbeitet wird

in drei Schichten, fünf Tage die

Woche: Für Deutschland gilt

24/5, nicht 24/7 wie in Holland.

[!]

ref


6

RESSORT FINANZIEREN unternehmen [!]

Weg mit

dem

Papier

ILLUSTRATIONEN:

MAX MESCHKOWSKI

Finanzen Seit der Corona-Pandemie treiben viele Mittelständler

ihre Digitalisierung energisch voran. Das Thema Buchhaltung

behandeln sie jedoch häufig stiefmütterlich. Dabei stecken dort

große Effizienzpotenziale.

ON/OFF

Anstatt Rechnungen

erst aufwändig zu

scannen und später zu

schreddern, raten

Experten gleich zu

digitalen Buchhaltungssystemen.

Wenn Wolfgang Rosskopf

für seinen Betrieb

zukünftig

neues Holz bestellt,

könnte das so aussehen: Der Geschäftsführer

des Stuttgarter Innenausbauspezialisten

Alfred

Kiess loggt sich auf das Einkaufsportal

seines Lieferanten

ein, wo alle seine Stammdaten

hinterlegt sind. Dort stellt er seinen

Auftrag zusammen, klickt

den Bestätigungsbutton und

muss nur noch zwei Dinge tun:

Erstens die Ware bei Lieferung

kontrollieren und den Empfang

bestätigen. Zweitens die Bezahlung

etwa im Onlinebanking seiner

Bank freigeben. Alle standardmäßigen

Schritte davor

und danach laufen automatisch

ab und ohne, dass auch

nur ein Papierbeleg erstellt

wird.

Nahtlose Übermittlung

Die Bestellung wird nahtlos

übergeleitet in das unternehmenseigene

ERP-

System, die Rechnung verbucht

und die Daten an den

Steuerberater und die Finanzverwaltung

übermittelt.

Die Erstellung einer gesonderten

Umsatzsteuervoranmeldung

würde sich dadurch

in einfachen B2B-Fällen

erledigen.

Solch ein voll digitalisiertes

Finanz- und Rechnungswesen

könnte längst Realität sein.

„Entsprechende technologische

Lösungen, die teilweise auf

Künstlicher Intelligenz basieren,

sind bereits vorhanden und

werden am Markt angeboten“,

berichtet Christoph Gruss, Partner

bei der Wirtschaftsprüfung

und Unternehmensberatung

PwC im Team Capital Markets

und Accounting Advisory in

Frankfurt. „Das Problem steckt

häufig in den Köpfen der Unternehmensverantwortlichen.

In den vergangenen Jahren

haben viele Mittelständler zwar

einiges dafür getan, ihr Frontoffice

zu digitalisieren, aber Backoffice-Bereiche

wie etwa die

Finanzbuchhaltung wurden

eher stiefmütterlich behandelt.“

Folge: In Deutschland werden

immer noch Hunderttausende

Rechnungen auf dem Papier er-


unternehmen [!]

FINANZIEREN

RESSORT

7

stellt und per Post verschickt.

Auch Uwe Schramm, Leiter des

Studiengangs Rechnungswesen

Steuern Wirtschaftsrecht an der

DHBW Stuttgart und Präsident

der Steuerberaterkammer Stuttgart,

erlebt in seiner Berufspraxis

häufig noch ein Festhalten

am Papier: „Bei Neugründungen

achten wir darauf, dass die

Buchführung von Anfang an digital

erstellt wird. Aber viele

langjährige Mandanten reichen

uns immer noch Aktenordner

herein. Das ist vielleicht auch

eine Generationenfrage.“ Viele

ältere Unternehmer scheuten

sich offenbar die Kontrolle über

ihre Rechnungen an eine Maschine

abzugeben.

Viele ältere

Unternehmer

scheuen sich,

die Kontrolle

abzugeben.

Uwe Schramm

DHBW Stuttgart

Die meisten Steuerberater

selbst wollen so schnell wie

möglich weg vom Papier. Wenn

es gar nicht anders geht, stellt

Schramm daher einen Mitarbeiter

bereit, die angelieferte Papierbelege

seiner Mandanten zu

scannen, damit er sie mit seinen

Programmen auch verarbeiten

kann. „Wir wollen bei Fragen zu

einzelnen Buchungen sofort das

Dokument am Bildschirm haben

und nicht noch anfangen, in

Ordnern suchen zu müssen“, erläutert

er sein digitales Konzept.

Eine PwC-Studie aus dem

vergangenen Jahr zur Digitalisierung

im Finanz- und Rechnungswesen

kommt zu dem Ergebnis:

Ein Drittel der befragten

Unternehmen in Deutschland

transformiert seine Finanzfunktion

nicht umfassend. Mehr als

die Hälfte wähnen sich in puncto

Technologieeinsatz im Finanz-

und Rechnungswesen

bestenfalls im Mittelfeld, knapp

ein Fünftel agiert „konservativ“

oder „sehr konservativ“.

„Wir stellen in dem Zusammenhang

häufig fest, dass die

Veränderungswilligkeit und -fähigkeit

in den Unternehmen

nicht unbedingt so ausgeprägt

ist, wie es wünschenswert und

notwendig wäre“, merkt

PwC-Experte Gruss an. Dabei

sieht er gerade bei mittelständischen

Firmen in Sachen Digitalisierung

weiteren Handlungsbedarf.

Das Gros von ihnen müsse

auch unter dem Druck der

Nachhaltigkeit einen Technologiesprung

hinbekommen und

gleichzeitig zunehmend knappe

Ressourcen managen.

Wegen der gestörten Lieferketten

liegt der Fokus im Moment

noch auf der Materialseite.

„Aber in ein paar Jahren wird

sich gerade im Mittelstand der

Mangel an Fach- und Nachwuchskräften

bemerkbar machen“,

warnt Gruss. „Fehlende

Mitarbeiter werden die Betriebe

aber nur dann kompensieren

können, wenn sie ihre Effizienz

und damit ihre Produktivität

verbessern. Dafür bietet das Finanz-

und Rechnungswesen viel

Potenzial.“

Für Unternehmensverantwortliche

geht es daher darum,

die Prozesse in der Finanzbuchhaltung

so weit zu digitalisieren,

dass nur noch die Daten zu einzelnen

Geschäftsvorfällen zwischen

Lieferanten, Kunden,

Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

und Finanzverwaltung elektronisch

ausgetauscht werden

müssen. „Dadurch sinkt die Fehleranfälligkeit,

was Kosten spart,

und die Verarbeitungsgeschwindigkeit

beschleunigt sich“, sagt

Gruss. „Entscheidend dabei ist,

sich aus Sicht der Verantwortlichen

zu überlegen: Verändere

ich nur Prozesse oder Strukturen

oder baue ich sie auf einer

höheren Ebene mit komplett

neuen End-to-end-Prozessen

komplett neu auf.“

In beiden Fällen tauchen jedoch

Probleme auf, für die eine

Lösung gefunden werden muss

– zum Beispiel bei der Rechnungslegung

für große Aufträge,

die mitunter Tausende Positionen

umfasst. Die Hilfe von

Beratern und Technologiespezialisten

ist daher meist unentbehrlich.

Viele Steuerberater stellen

ihren Mandanten zum Beispiel

Satelliten-Lösungen ihrer Steu-

Stapelweise Rechnungen sind vielen Experten zufolge nicht mehr

zeitgemäß und anfälliger für Fehler als digitale Lösungen.

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8

FINANZIEREN unternehmen [!]

Digitalisierung per Förderkredit stemmen

Zur Person

Christoph Gruss

arbeitete vor seinem

Wechsel zu PwC in

der Industrie. Der

Fokus des gelernten

Wirtschaftsprüfers

und Steuerberaters

liegt auf der Digitalisierung

von Finanzprozessen.

Manche Unternehmen vertrauen digitalen

Lösungen nur ungern sensible Daten an.


Illustration: Max Meschkowski

Zur Person

Sowohl die KfW als auch

die baden-württembergische

L-Bank bieten zinsgünstige

Förderkredite für

Unternehmen an, die in

Innovationen und ihre Digitalisierung

investieren

wollen. Zu den Digitalisierungsmaßnahmen

gehören

unter anderem Entwicklung

und Implementierung

von IT- und Datensicherheitskonzepten,

Einführung digitaler Vertriebskanäle,

Projekte

rund um Industrie 4.0 und

der Aufbau einer Infrastruktur

für Big-Data-Anwendungen.

Die L-Bank

bietet alternativ unter bestimmten

Voraussetzungen

auch einen nicht rückzahlbaren

Zuschuss, die

Digitalisierungsprämie

Plus, an. Informationen

dazu unter: www.l-bank.

de/produkte/finanzhilfen/

digiplus-zuschuss.html

Uwe Schramm leitet

den Studiengang

Rechnungswesen

Steuern Wirtschaftsrecht

an der Dualen

Hochschule Baden-

Württemberg und ist

Präsident der Steuerberaterkammer

Stuttgart.

ersoftware zur Verfügung, an

die sie im Idealfall ihre eigenen

Systeme direkt andocken können.

„Entscheider sollten zudem

im Blick haben, dass alle Elemente

in ihrer Systemwelt zueinander

passen – ein neuer

Webshop zum Beispiel sollte in

das vorhandene Warenwirtschaftssystem

integrierbar sein,

eine Schnittstelle zum Steuerberater

haben und den barrierefreien

Austausch von Finanzund

Rechnungsdaten zulassen“,

mahnt Steuerexperte Schramm

an.

Eine Hürde sind häufig die

Kosten. Die Implementierung

einer neuen IT-Struktur bedeutet

oftmals eine hohe Sprunginvestition.

Weil die Anlaufkosten

nach unten hin nicht proportional

sinken, müssen auch kleinere

Mittelständler mit fünf- oder

gar sechsstelligen Beträgen

rechnen. „Für viele Betriebe ist

das nicht so ohne weiteres zu

stemmen, weil nach zwei Jahren

Pandemie die Liquidität angespannt

ist“, so Schramm. „Und

eine Finanzierung über die

staatlichen Coronahilfen ist

nicht möglich.“

Der Staat indes bremst auch

an anderer Stelle die Digitalisierung

der Finanzbuchhaltung.

Wo auch heute noch viele Gesundheitsämter

bei der Verfolgung

von Coronainfizierten mit

händisch geführten Listen, Telefon

und Fax arbeiten, legen

auch die Finanzbehörden immer

noch Wert auf Papier. „Ich bin

immer wieder erstaunt darüber,

dass zwar über die Steuerprogramme

Bilanzen nur elektronisch

eingereicht werden dürfen,

die Finanzbeamten bei einer

Betriebsprüfung aber aktenweise

Dokumente ausgedruckt

haben wollen“, erzählt Steuerberater

Schramm. „Dabei wäre

es viel einfacher und zeitsparender,

durch elektronische Längs-

und Queranalysen Unstimmigkeiten

und Risikofelder zu identifizieren.“

Diese Möglichkeit

werde jedoch nicht oder nur

kaum genutzt.

„Es darf nicht immer nur über

Schwierigkeiten diskutiert werden,

sondern es muss auch den

politischen Willen zu Lösungen

in Zusammenhang mit der Digitalisierung

staatlicher Institutionen

geben“, ergänzt Gruss.

„Daher bin ich gespannt, ob die

neue Bundesregierung Möglichkeiten

schafft, die Prozesse in

der Interaktion mit den Finanzbehörden

einfacher zu machen.“

[!] Thomas Luther


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

9

Handlungsbedarf für alle Grundbesitzer:

Die Reformierung der Grundsteuer!

Die Grundsteuerreform stellt eine besondere

Aufgabe für alle Grundbesitzer dar. Nach

einer richterlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

gibt es einige wichtige

Änderungen, die jeder Grundbesitzer

kennen und entsprechend handeln muss.

Die Abgabefrist für Feststellungserklärungen

an das Finanzamt ist mit der Zeitspanne

1. Juli bis 31. Oktober sehr kurz bemessen.

Das Bundesverfassungsgericht hat am

10.04.2018 entschieden, dass die Vorschriften

zur Einheitsbewertung mit dem allgemeinen

Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 Absatz 1 GG)

unvereinbar sind. Der Gesetzgeber wurde verpflichtet,

eine Neuregelung zu treffen. Am

26.11.2019 wurde daraufhin das Gesetz zur

Reform des Grundsteuer- und Bewertungsgesetzes

verabschiedet (BGBl 2910 I S 1794).

Die Änderungen des Grundsteuergesetzes

sind erstmals für Grundsteuern des Kalenderjahres

2025 anzuwenden. Eine frühere Festsetzung

der neuen Grundsteuer wurde aufgrund

der bundesweiten Neubewertung von

circa 36 Millionen wirtschaftlichen Einheiten

im Hinblick auf den Zeit- und Personalbedarf

als nicht umsetzbar beurteilt.

Neubewertung

Für die Bewertung gelten unterschiedliche

Regelungen. Sie unterscheiden sich nach Art

des Grundstücks und nach Art der Nutzung.

Daneben wurde im Gesetzesentwurf eine

Länderausstiegsklausel aufgenommen, welche

es den Bundesländern ermöglicht, von

den bundesweiten Bewertungsregelungen

abzuweichen. Welches Modell für die Bewertung

des Grundstücks anzuwenden ist, hängt

davon ab, in welchem Bundesland das Grundstück

liegt. Folgende Bundesländer haben

nach derzeitigem Stand von der Länderausstiegsklausel

Gebrauch gemacht:

· Baden-Württemberg: Bodenwertsteuer

(LGrStG BW v. 13.11.2020 GBl 2020 S.974)

· Bayern: Flächenmodell (BayGrStG v.

10.12.2021 GVBIl 2021 S. 638)

· Hamburg: Wohnlagenmodell (HmbGrStG v.

24.08.2021 HmbGBVl 2021 S. 600)

· Hessen: Flächen-Faktor-Modell (HGrStG v.

15.12.2021 GVBl S. 906)

· Niedersachsen: Flächen-Lage-Modell

(NGrStG v. 07.07.2021 Nds. GVBl 2021 S.

502)

· Saarland: Bundesmodell mit der Abweichung,

dass für Wohngrundstücke und

Nichtwohngrundstücke abweichende Messzahlen

gelten (GrStG-Saar v. 15.09.2021

Amtsbl. 2021 I S. 2372)

· Sachsen: Bundesmodell mit der Abweichung,

dass für Wohngrundstücke und

Nichtwohngrundstücke abweichende Messzahlen

gelten (SächsGrStMG v. 21.12.2021

SächsGVBl 2022 S. 9)

Pflicht für Grundstückseigentümer

Auf den neuen Hauptfeststellungstermin zum

01.01.2022 müssen für alle bebauten und unbebauten

Grundstücke neue Grundsteuerwerte

festgestellt werden.

Die Erklärungen dafür sind bis spätestens

31.10.2022 auf elektronischem Wege beim Finanzamt

einzureichen. Die dafür vorgesehene

Schnittstelle der Finanzverwaltung wird ab

dem 01.07.2022 zur Verfügung stehen.

Zeitplan

Zwischen dem 1. Juli und dem 31. Oktober

2022 müssen die Feststellungerklärungen

elektronisch an die zuständigen Finanzbehörden

übermittelt werden. Zum 1. Januar 2025

tritt die neue Grundsteuerverordnung schließlich

in Kraft.

Ihr Ansprechpartnerin:

Andrea Seitz

Partnerin | Steuerberaterin

Tel.: +49 821 570 58-0

andrea.seitz@sonntag-partner.de

Handlungsempfehlung

Die Datenbeschaffung kann unter Umständen

die größte Hürde für die Eigentümer darstellen.

Es empfiehlt sich daher, zeitnah tätig

zu werden. Die Erklärungen selbst können ab

dem 01.07.2022 bis spätestens 31.10.2022

auf elektronischem Wege beim Finanzamt

eingereicht werden. Zu beachten ist, dass die

Steuererklärungen nur in begründeten Ausnahmefällen

in Papierform eingereicht werden

können. Für die elektronische Übermittlung

ist eine ELSTER-Zertifizierung erforderlich.

Aufgrund des hohen Aufkommens ist

davon auszugehen, dass die Finanzverwaltung

hierfür eine gewisse Bearbeitungszeit

benötigen wird. Daher sollte der ELSTER-Zugang

zeitnah beantragt werden.

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Liefert mit Wanzl dem

Handel Einkaufswagen,

Backmöbel und digitale

Lösungen: Geschäftsführer

Klaus Meier-Kortwig.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11

„Auch die Regale

werden smart“

Wanzl Das Leipheimer Familienunternehmen ist weit mehr als Weltmarktführer für

Einkaufswagen. Es hilft seinen Kunden, die Zukunft zu gestalten: Vom Ladenbau über

Zugangssysteme und effiziente Lösungen für Logistik und Lager. Ein Gespräch mit

Geschäftsführer Klaus Meier-Kortwig über die digitale Ära im Einzelhandel.

Mal ehrlich, wann haben Sie zuletzt einen Einkaufswagen

durch einen Supermarkt geschoben?

Klaus Meier-Kortwig: Das letzte Mal habe ich einen

Einkaufswagen vor circa 3 Wochen in unserem Rewe

bei mir zuhause geschoben. In diesem Rewe gibt es

vielleicht noch 50 Einkaufswagen. Vor einigen Jahren

waren es noch 150.

Woran liegt das?

Das Einkaufsverhalten hat sich stark verändert, nicht

nur durch den stetig zunehmenden Onlinehandel,

sondern generell auch im stationären Bereich. Viele

Menschen kaufen lieber mehrmals pro Woche kleinere

Mengen ein als einmal eine große. Wenn man

sich die Hypermärkte Carrefours in Frankreich vor

30 Jahren anschaut, waren damals mindestens 3000

Einkaufswagen pro Markt im Einsatz.

Samstags wurde für die ganze

Woche eingekauft. Alle kamen

gleichzeitig. Heute ist das anders.

Inwiefern?

Die Leute kaufen weniger auf einmal

und Frische steht im Vordergrund.

Zudem gibt es mehr Single-Haushalte

und insbesondere in den urbanen Metropolregionen

werden die Märkte kleiner. Deshalb

sind vermehrt Körbe und Rollkörbe gefragt.

Auf was achten Sie, wenn Sie Einkaufswagen der

Konkurrenz schieben?

Gerade im Urlaub mache ich das gerne. Beim Einkaufen

geht mein Blick nach links unten auf das Typenschild

des Einkaufswagens. Ich schaue mir an,

wann er gebaut wurde, in welchem Zustand er ist.

Ob Roststellen zu sehen sind, ob der Griff sauber

ist, ob die Rollen ordentlich laufen und drehen. Und

dann mache ich wie bei meinem Mountainbike einen

„Klappertest“. Ich hebe den Wagen an und lasse

ihn fallen oder fahre damit über Kopfsteinpflaster.

Wenn’s scheppert, ist das schlecht.

Warum ist ein guter Einkaufswagen wichtig?

Weil er direkt auf das Einkaufserlebnis einzahlt. Er

Die Branche

verändert sich

und mit ihr die

Nachfrage nach

Einkaufswagen.

ist das erste, was Sie anfassen und begleitet Sie während

des gesamten Einkaufs. Sie kennen es vielleicht

selbst: Lässt sich der Wagen schwer schieben,

sind Sie direkt genervt.

Lieferdienste, kleinteilige Ladenkonzepte wie Urban

Stores: Sind Wanzl-Einkaufswagen in der Supermarkt-Welt

von morgen noch gefragt?

Die Branche verändert sich und mit ihr die Nachfrage

nach Einkaufswagen. Obwohl die Zahlen seit

Jahren rückläufig sind, wird der Einkaufswagen in

großen Super- und Hypermärkten ein wichtiger

Marktbegleiter bleiben. Auch in 15 Jahren noch. Es

wird weniger, aber hochwertigere Wagen geben. Mit

dem wachsenden Onlinehandel wächst zudem der

Bedarf an Kommissionierwagen und Regalen für

Lager – ein Bereich, in dem wir

ebenfalls vertreten sind.

Wie sieht der Einkaufswagen der

Zukunft aus?

Es werden kundenspezifische, optisch

aufgepeppte Modelle gefragt

sein, die als Markenbotschafter

dienen. Es wird zusätzlich den

Standard-Wagen geben, der so ähnlich aussieht wie

heute, und die technologische Variante wie unsere

Smart Trolleys. Im Griff ist ein kleiner Bildschirm

integriert und zwei bis vier Scanner am Korbgehäuse

ermöglichen ringförmiges Einlesen der Barcodes

oder statt der Scanner vier Kameras, die über

KI-gesteuerte Bilderkennung die Ware erkennen.

Wie hoch wird der Anteil dieser Smart Trolleys

sein?

Unseren Schätzungen zur Folge werden die technologischen

Wagen bei ein bis zwei Prozent des

Gesamtmarktes liegen, das heißt weltweit rund

50 000 bis 100 000 Einkaufswagen.

Warum nur so wenig?

Der Anteil könnte auch höher sein. Die Grundlogik

dahinter ist, dass die Ware direkt im Einkaufswagen

erfasst wird. Man spart sich also den gesam-

Zur Person

Klaus Meier-Kortwig

ist ein Kind des

Ruhrgebiets. In Duisburg

geboren und

aufgewachsen, studierte

er Maschinenbau

an der RWTH Aachen,

promovierte in

Betriebswirtschaft in

München. Er arbeitete

für die Unternehmensberatung

McKinsey, den Klimaanlagenbauer

Behr, der seit neun

Jahren zum Mahle-Konzern

gehört,

und mehr als zehn

Jahre für BMW. Seit

2014 arbeitet der

heute 53-Jährige (verheiratet,

zwei Töchter

im Alter von 15 und 12

Jahren) für die Wanzl

GmbH & Co. KGaA,

seit 2015 als Vorsitzender

der Geschäftsführung.

Zu seinen

Hobbys zählen Skifahren

und Mountain-Biken.

Sein Interesse

an Architektur

ist groß. Er hat sein

Haus selbst gebaut

und gestaltet gerade

seinen Garten neu.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

ten Kassenprozess. Ob die Reise in diese Richtung

geht, hängt vor allem davon ab, wie stark sich die

verbaute Technologie über die nächsten Jahre verbilligt.

Aktuell kostet ein solches Modell das vierzigfache

eines gängigen Einkaufswagens, etwa 4000

Euro. Das leisten sich nur wenige Händler. Aber

Technologie wird immer billiger und somit ist

durchaus mehr als ein oder zwei Prozent möglich.

Wie smart sind solche Trolleys?

Sie werden per Smartphone statt mit Münzen entsperrt,

haben ein Tablet und einen Scanner integriert.

Mit Kunden, die eine entsprechende App

nutzen, kommunizieren sie in Echtzeit und machen

passgenaue Angebote, beispielsweise für Weinliebhaber.

Mit dem Scanner können Kunden ihre Produkte

direkt am Wagen eigenständig zu ihrer Warenliste

hinzufügen oder der smarte Trolley erkennt

mithilfe von Kamerasystemen am Wagen und künstlicher

Intelligenz per Bilderkennung, was hineingelegt

wird.

Per Kamera

erkennen

Smart Trolleys,

was in den Wagen

gelegt wird.

Wie läuft der Bezahlvorgang in der schönen, neuen

Welt des Einkaufens ab?

Für die Urban Stores gibt es die Vision, dass eine

Software Kunden am Eingang automatisch ohne separaten

Authentifizierungsprozess erkennt. Die

Kunden können die gewünschten Produkte aus den

Regalen in ihre Tasche oder ihren Korb legen – was

vom dort verbauten Kamerasystem erfasst wird –

und den Laden ohne Bezahlvorgang verlassen. Abgerechnet

wird dann über eine hinterlegte Bezahlmöglichkeit,

beispielsweise eine Paypal-Adresse.

Wann kommen diese Technologien in den Alltag?

Den vorgelagerten Schritt gibt es schon. Hybride

24/7-Stores, also Geschäfte, die rund um die Uhr

geöffnet sind – zu den üblichen Öffnungszeiten mit

Personal und außerhalb ohne. Solche haben wir beispielsweise

für Würth entwickelt. Davon setzt

Wanzl dieses Jahr bereits rund 100 Stück um. Noch

läuft der Zugang zu den Ladenräumen über eine

App des Ladenbetreibers sowie einen QR-Code und

Sie scannen am Ende selbst die Barcodes Ihrer Artikel

ab. In den nächsten Jahren werden wir einige

hundert 24/7-Stores für verschiedene Händler realisieren.

Dafür sind wir gut vorbereitet. Wir haben

die IOT-Technologie, die Sensorik und die smarten

Regale im Sortiment.

Wie viele Regale in deutschen Märkten kommen

denn von Wanzl?

Bei Drahtregalen ist unser Marktanteil definitiv geringer

als bei Einkaufswagen. Das Produkt heißt

Wiretech. Grundsätzlich sind Blechregale günstiger

und machen rund 70 Prozent des Gesamtmarktes

aus. Aber das Interesse an Wiretech wächst. Einer

unserer großen Kunden rüstet derzeit alle Filialen

auf Drahtregale um. Mit dem Rollout sind wir

seit drei Jahren beschäftigt. Auch viele selbstständige

Kaufleute setzen auf Wiretech.

Klaus Meier-Kortwig: Künftig kommunizieren die

Einkaufswagen in Echtzeit mit den Kunden per App.

Was sind die Gründe?

Diese Premium-Supermärkte wollen das Einkaufs-


unternehmen [!] TITELTHEMA 13

erlebnis in den Vordergrund stellen, also investieren

sie auch in hochwertige Regale. Die sehen gut

aus und halten ewig. Zudem ist Draht schmutzresistent

und die Regale sind beliebig aufrüstbar mit

Digitalisierungs- oder Beleuchtungselementen. Genau

solche Regale stellen wir hochautomatisiert in

bester Qualität her.

Ihre Strategie lautet also, von der Digitalisierung

im Handel zu profitieren?

Wir haben frühzeitig erkannt, dass wir durch den

wachsenden Online-Handel neue Kunden aus den

Bereichen E-Commerce oder ebenso Kurier-, Express-

und Paketdienste gewinnen können und uns

auch darauf ausgerichtet. Gleichzeitig haben wir

unser Produktprogramm überarbeitet. Wanzl ist

schon seit einigen Jahren kein reiner Metallverarbeiter

mehr. Wir entwickeln uns in hohem Tempo

zu einem digitalen Gesamtlösungsanbieter – auch

im Bereich der Einkaufswagen. Die Digitalisierung

bildet mit den Stichworten Urban Store und Smart

Trolley das Dach unseres Strategiehauses.

Wie sieht der Rest des Hauses aus?

Darunter kommen im Obergeschoss des Hauses

sechs Produktbereiche, die wir für strategisch relevant

halten und in denen wir wachsen wollen.

Dazu gehören die 24/7-Stores und das Thema Kühlung,

bei dem wir noch ganz am Anfang stehen.

Weitere Themen sind Backwarenpräsentationssysteme,

Zugangslösungen für Märkte im Handel und

im Non-Retail-Sektor, wie beispielsweise Flughäfen

– und Material Handling, also verschiedene

Wagen und Regale für Lager und Logistik. Wir konzentrieren

uns hier auf digitale, stückweise automatisierte

Lösungen für die Kommissionierung

von eingehenden Bestellungen, das sogenannte

Picking.

Das Erdgeschoss des Hauses bildet dann das „Normalgeschäft“?

Richtig, das sind unsere Einkaufswagen und Regale

für den stationären Einzelhandel. Unsere Mitarbeiter,

unsere Kultur und unsere Werte bilden

schließlich das Fundament des Wanzl-Hauses.

Der Markt für Kühlgeräte im Handel ist schon jetzt

umkämpft. Warum wollen Sie dort einsteigen?

Wenn Sie einen Supermarkt neu ausstatten, entfällt

auf die Kühlung der größte Teil der Ausgaben. Dieser

wird weiter steigen. Zudem spielt die Kühlung

eine große Rolle beim Thema Nachhaltigkeit, er-

Wir haben

früh die

Chancen im

E-Commerce für

uns erkannt.

making

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Der Einkauf von Lebensmitteln

verändert sich: „Es

wird eine Verknüpfung von

E-Commerce und Shoppen

auf der Fläche geben“, sagt

Wanzl-Geschäftsführer

Meier-Kortwig.

fordert Ingenieurs-Know-how und kann energetisch

optimiert werden. Hauptgrund ist aber, dass wir

durch unser heutiges Kerngeschäft einen natürlichen

Kundenzugang haben.

Woher nehmen Sie die Software-Kompetenz, die

Sie für ihre Neuausrichtung benötigen?

Gerade erst haben wir die gesamte Software-Kompetenz,

die zuvor in verschiedenen Bereichen angesiedelt

war, in einem eigenen Geschäftsführer-Ressort

gebündelt. Dort arbeiten bereits zehn

Software-Entwickler. Zudem haben wir beschlossen,

mit UnternehmerTUM München einen Innovation-Hub

zu starten. Dafür werden wir mindestens

15 Software-Entwickler einstellen.

Zusätzlich sind wir seit kurzem

Mitglied im Maschinenraum,

einem Inkubator zur Digitalisierung

des deutschen Mittelstands,

in dem viele erfolgreiche Familienunternehmen

vertreten sind.

Einkaufen

wird auf

allen Ebenen

nachhaltiger

werden.

Welche weiteren Entwicklungen

erwarten Sie?

Einkaufen wird auf allen Ebenen nachhaltiger werden

– sowohl die Produktversorgung als auch die

Produkte selber, sprich deren Produktion, Transport

und Lagerung. Für uns leitet sich daraus eine

ressourcenschonende Produktion ab. Die wird verstärkt

dort stattfinden, wo die Kunden sind, damit

Waren nicht um die halbe Welt transportiert werden

müssen.

Wie machen Sie Ihre Produkte nachhaltig?

Unsere Drahtmodelle sind hier ein Paradebeispiel,

denn sie halten sehr lange. Bei unseren Kunststoffmodellen

kommen wir inzwischen auf eine Rezyklat-Quote

von bis zu 90 Prozent.

Welche anderen Trends werden den Lebensmitteleinkauf

verändern?

Da gibt es einige. Durch Corona ist der Onlinehandel

im Lebensmittelsektor ohnehin nochmal stark

gewachsen. E-Commerce Anbieter kooperieren mit

regionalen Lebensmittelerzeugern. Es wird zu einer

Verknüpfung von E-Commerce und Shoppen

auf der Fläche geben.

Wie sieht das konkret aus?

Sie gehen normal einkaufen, suchen sich Ihre frischen

Artikel aus und nehmen am Ausgang noch die vorbestellte

Kiste mit Waschmittel und anderem mit. In drei

bis fünf Jahren wird das gängig sein. Auch bei den Automaten

gibt es interessante Entwicklungen.

Insbesondere lokale Bauern

oder Metzger setzen verstärkt auf

diese Art des Handels. Noch ist nicht

klar, welche Technologie sich durchsetzen

wird. Derzeit arbeiten wir mit

unserem Partner Knapp aus dem Bereich

Logistik an Prototypen.

Wollen Sie künftig etwa auch Verkaufsautomaten

fertigen?

Nein, unser Ansatz ist es, Technologien aus anderen

Branchen wie der Pharmaindustrie oder der

Logistik für den Lebensmittelverkauf nutzbar zu

machen. Darin sind wir gut. Wir sind klein, schnell

und bringen viel Tech-Know-how mit.

Sie investieren viel in Digitalisierung.

Wie soll sich das auszahlen?

Unsere Strategie ist folgende: Wir begeistern durch

Projekte – also etwa im Ladenbau durch ausgefallenes,

kreatives Ladendesign – und zielen auf größere

Rollouts mit unseren Kunden. Genau darin wollen

wir wachsen.


unternehmen [!] TITELTHEMA 15

Was heißt das konkret?

Wir suchen uns die 20 Top-Retailer dieser Welt heraus

und wollen diese mit großen Rollouts für eine

bestimmte Regallogik, Lagerausstattung oder kundenspezifische

Einkaufswagen gewinnen. Der regionale

Fokus liegt dabei auf Nordamerika.

Wie sehr machen Ihnen gestiegene Rohstoffkosten

zu schaffen?

Materialkosten sind ein riesiges Thema. Gemessen

an unseren Planungen im Herbst 2020 für 2021 hatten

wir Mehrkosten für Material in dreistelliger Millionenhöhe

– also fast zwölf Prozent vom Gesamtumsatz.

Zum Beispiel haben sich die Stahlpreise

zum Teil mehr als verdoppelt. Um nicht draufzulegen,

mussten wir die Mehrkosten an unsere Kunden

weitergeben. Dabei sind wir sehr transparent

vorgegangen, haben die Mehrkosten den Kunden

gegenüber offengelegt und plausibel erklärt. Wenn

die Preise wieder sinken, müssen wir das Thema

in gleicher Weise mit unseren Lieferanten besprechen.

Aktuell steigen die Kosten aber weiter.

Waren Sie von gestörten Lieferketten betroffen?

Natürlich. Beispielsweise vom blockierten Suez-Kanal.

Das hat sich auch auf unsere Lieferzeiten niedergeschlagen.

Unsere Kunden bestellen trotzdem.

Wir haben einen sehr hohen Auftragsbestand, trotz

zum Teil verdreifachten Lieferzeiten.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen?

Da gibt es drei, die durch die Corona-Krise verstärkt

wurden und werden. Das sind die massiven

Kostensteigerungen für Material, Energie und Logistik;

der enorme Preisdruck durch Billiganbieter

aus dem asiatischen Raum und der rasante Veränderungsprozess

der gesamten Handels-Branche.

Welche Rolle spielen die Lohnkosten am Standort

Deutschland?

Wir haben eine sehr hohe Personalkostenquote, die

etwa dreimal so hoch ist wie etwa bei BMW. Das

liegt an unserer hohen Eigenfertigungstiefe. Angefangen

bei den Einkaufswagenrollen über die Spritzteile

bis zu den Regalen. Das geht gut, solange Sie

wenig Varianz haben. Je individueller die Produkte

werden, umso mehr Kompetenzen müssen Sie vorhalten,

die nicht durchgängig benötigt werden, aber

Kosten verursachen. Das ist ein Grund dafür, warum

wir unser Beschaffungsstrategie überdenken.

Bedeutet das Personalabbau?

Wir sind einer von wenigen Mittelständlern, die

viele einfache und durch die Anlehnung an den Metalltarifvertrag

auch gut bezahlte Arbeitsplätze haben.

Diese werden wir in Zukunft allerdings reduzieren

müssen. Damit hier kein falscher Eindruck

aufkommt: Ich befürworte vollkommen einen Haustarifvertrag,

der aber eine gewisse Flexibilität möglich

machen muss.

Der Konflikt um diesen Haustarifvertrag sorgte bis

vor kurzem für Unruhe in der Belegschaft:

Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Wir haben mit der Verlängerung des Haustarifvertrages

eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden.

Ein Flächentarifvertrag wäre für ein spezialisiertes

Familienunternehmen wie Wanzl wirtschaftlich

nicht umsetzbar. Aus Arbeitgebersicht hätten

wir uns zwar einen „echten“ Arbeitnehmerbeitrag

gewünscht, aber die über Monate geführte interne

Diskussion war für die Weiterentwicklung von Wanzl

nicht hilfreich. Daher haben wir letztlich gemeinsam

mit der Arbeitnehmerseite den Fokus daraufgelegt,

Ruhe ins Unternehmen einkehren zu lassen.

Was sind die Treiber für den Umbau von Wanzl?

Wir stehen wirtschaftlich gut da, aber unsere Branche

verändert sich in rasantem Tempo. Unsere

Kunden reagieren und verändern ihre Geschäftsmodelle.

Auch wir müssen uns weiterentwickeln.

Schon 2015 haben wir damit begonnen, unsere

Werks strukturen zu optimieren, etwa indem wir

zweimal unser Werk in Tschechien erweitert, unser

Werk in Frankreich geschlossen und die Kunststofffertigung

in Kaufbeuren an einem Ort konsolidiert

haben. Wir haben interne Prozesse unter

die Lupe genommen, ein neues finanzielles Steuerungskonzept

eingeführt und unser SAP-System

modernisiert.

Das

Tempo der

Veränderung

im Handel ist

rasant.

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16

TITELTHEMA unternehmen [!]

Weltweit kommt jeder zweite Einkaufswagen von Wanzl

Das Familienunternehmen

Wanzl ist

schon lange

keine reine

Metallwarenfabrik

mehr.

Die Palette

umfasst

Ladenbaueinrichtungen,

smarte

Regale,

Einkaufswagen,

Backmöbel,

Zutrittskontrollen

und vieles mehr.

Das Familienunternehmen Wanzl fertigt

im Schnitt pro Jahr zwei Millionen Einkaufswagen

in bis zu 200 Varianten. Weltweit beträgt

der Marktanteil rund 50 Prozent . In

Deutschland sind es zwischen 70 und 80

Prozent. Neben dem wichtigsten Einzelprodukt

stellt das Familienunternehmen (Leipheim/Kreis

Günzburg), dessen Wurzeln ins

Jahr 1918 zurückreichen, Leit- und Sicherheitssysteme,

Zutrittsschleusen, Kundenzähler,

Paletten-, Regal- und Softwaresysteme

und vieles mehr her und unterstützt seine

Kunden in Handel und E-Commerce bei

der Digitalisierung.

Wanzl ist in den vergangenen Jahren stark

gewachsen. Lag der Jahresumsatz 2013 noch

bei 550 Millionen Euro, betrug er zuletzt 830

Millionen Euro. Davon entfallen 77 Prozent

auf Europa und Nahost, 5 Prozent auf Asien

und 18 Prozent auf die USA, die der derzeit

am stärksten wachsende Markt sind. Von

den 4600 Mitarbeitern arbeiten rund 2400

in Deutschland. Allein am Stammsitz befinden

sich drei Werke, ein weiteres in Kirchheim/Teck.

Hinzu kommen mit der Mouldtec

GmbH in Kaufbeuren ein Standort zur Fertigung

von Kunststoffteilen sowie zwölf internationale

Produktionsstandorte (unter anderem

in Tschechien, USA, Shanghai).


unternehmen [!] TITELTHEMA 17

Auch für die Standorte Leipheim und Kirchheim

ändert sich einiges.

Im Zuge unseres Programms „Wanzl Next – Zukunft

anpacken“ machen wir Leipheim zum Logistik-

und Kommissionierungszentrum, in dem Waren

aus aller Welt in kundenorientierten Lieferungen

zusammengefasst werden. Die Fertigung wird

in Kirchheim in Bayerisch-Schwaben gebündelt. So

bereiten wir die Strukturen auf das künftige Sourcing

vor, sprich, wir kaufen vermehrt Teile ein. Produktion,

Lohnfertigung und Sourcing stehen dann

auf einer Ebene, sodass ein globaler Fertigungsverbund

entsteht.

Warum tun Sie das?

Auf diese Weise können wir auch

bei preissensitiven Produkten wettbewerbsfähig

bleiben und andere

Produkte dennoch weiterhin in

Deutschland fertigen. So sichern

wir wiederum die Arbeitsplätze.

Für den ein oder anderen bedeutet

das zwar einen Umzug oder längere

Fahrwege, aber wir bemühen uns, die Strukturumstellungen

so mitarbeiterfreundlich wie möglich

umzusetzen.

Wie gehen Sie mit dem Thema Ukraine-Krieg und

dessen Folgen um?

Wir haben ein kleines Vertriebsbüro in der Ukraine

mit vier Mitarbeitenden. Da haben wir alles

gestoppt, bezahlen die Löhne aber weiter. Wir

haben alles getan, um den Mitarbeiterinnen zu

Wir werden

mehr Teile

zukaufen, um weiter

in Deutschland

fertigen zu können.

ermöglichen, das Land zu verlassen. So ist unserer

Geschäftsführerin, Frau Kruglova, die Flucht

nach Deutschland gelungen. Dem männlichen

Kollegen war das leider nicht möglich. Zudem haben

wir Mittel für die Reaktivierung unseres Büros,

aber besonders auch für private Belange unserer

ukrainischen Kolleginnen und Kollegen zurückgestellt.

Was bereitet Ihnen derzeit am meisten Sorge?

Aus gesellschaftlicher Sicht der Russland-Ukraine-Krieg.

Wir hoffen und wünschen uns, dass

bald wieder Frieden einkehrt. Angesichts des

Krieges in Europa stehen wir vor noch nie dagewesenen

und sehr schwerwiegenden

Szenarien, auf die keiner

von uns Einfluss hat oder die

keiner von uns vorhersehen

konnte.

Und aus wirtschaftlicher Sicht?

Da sind es die massiven Kostensteigerungen

in nahezu allen Bereichen

wie Metall, Kunststoff oder Holz aber

auch gestiegene Energie-, Transport- und Verpackungskosten,

die wir nicht mehr kompensieren

können, sondern weitergeben müssen. Mittelfristig

beschäftigt uns der hohe Fixkostenblock in

Deutschland, der durch hochwertige Produkte mit

hohen Margen gerechtfertigt werden muss. Außerdem

wird es eine Herausforderung, mit dem

spannenden Thema Digitalisierung tatsächlich

Gewinn zu erwirtschaften.

Das Interview führte

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen[!].

Fotos:

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SPEZIAL unternehmen [!]

Auf den Plätzen herrscht

mehr Betrieb als vor Corona.

Foto: © sattahipbeach/shutterstock.com

Auf die Plätze,

fertig, los!

Golfsport Die Branche hat von der Corona-Pandemie profitiert. Das stark gewachsene

Interesse hat Folgen für Clubs, Anlagenbetreiber, Preise und den Umgang mit Gästen.

Die Lage könnte kaum

besser sein: Die Golfszene

verzeichnet Rekordzahlen.

„Noch nie

haben so viele Menschen in

Deutschland Golf gespielt wie

2021“, meldet der Deutsche

Golf Verband. „Wir sehen extreme

Zunahmen bei den Golferzahlen

im United Kingdom

und Irland“, resümiert Phil

Anderton, CEO des R&A in St.

Andrews, einer von zwei Regulierungsbehörden

des Golfsports

weltweit. Wahrscheinlich

20 bis 25 Millionen Golfrunden

mehr als 2020, stellt die National

Golf Foundation in den USA

fest. Die endgültigen Zahlen im

weltgrößten Golfmarkt USA

liegen fürs Jahr 2021 noch nicht

vor, aber schon jetzt ist klar:

2021 war ein großartiges Jahr,

was die Anzahl der Golfer und

ihre Aktivität auf dem Platz anbelangt.

„Krisengewinnler“ mag der

eine oder andere Kritiker hier

einwerfen. Tatsächlich bewegte

sich der Golfsport anders als

viele – auf Hallen angewiesene

Sportarten – während der Corona-Krise

gegen den Trend.

Schließlich war Golf spielen in

den meisten Teilen Deutschlands

bis auf wenige Unterbrechungen

erlaubt, die Wahrscheinlichkeit

sich mit dem Corona-Virus

anzustecken ange-

FOTO: © AMENIC181/

SHUTTERSTOCK.COM


unternehmen [!] SPEZIAL 19

sichts der Weitläufigkeit von

Golfplätzen äußerst gering.

Bewegung an der frischen

Luft verbunden mit sportlichem

und spielerischemn Charakter –

dieses Angebot sorgte in den

vergangenen zwei Jahren der

Corona-Pandemie weltweit für

einen Aufschwung im Golflager.

In Deutschland hatte auf diese

Entwicklung nach Jahren der

Stagnation bei den Neugolferzahlen

keiner mehr zu hoffen gewagt.

„Reaktivierte Schläfer“

Gleichzeitig wurde mit dem

Trend zum Homeoffice und der

Flexibilisierung der Arbeitszeiten

ein wesentlicher Kritikpunkt

am Golfsport begraben:

Golf, so meinten Skeptiker lange,

erfordere lange Anfahrtswege

und brauche viel Zeit, die

nach einem Arbeitstag kaum jemand

mitbringe. Inzwischen

zeigt sich: Schnelles Spiel über

neun Löcher in maximal zwei

Stunden ist problemlos umsetzbar,

genauso wie ein kurzer Ausflug

aufs Übungsgelände.

Theoretisch ist Golf obendrein

ein Allwettersport, der

fast ganzjährig machbar ist.

„Wir konnten nicht nur Neugolfer

gewinnen, sondern auch

ganz viele Schläfer reaktivieren,

die kaum noch Golf gespielt haben

und ein Bag im Keller stehen

hatten“, bilanziert Andreas

Dorsch, Geschäftsführer des

Golf Management Verbandes

Deutschland, die Entwicklung.

Das Image der verstaubten

Alt-Herren-Sportart ist man

Der Golfsport erlebt einen Imagewandel: Der Anteil der Frauen wächst – bei den Erwachsenen wie auch

bei den Jugendlichen.

Foto: © bbernard/shutterstock.com

Wir haben

den Eindruck,

dass der Golfsport

jünger geworden

ist.

Achim Battermann

Vizepräsident des DGV

ebenfalls losgeworden. „Insgesamt

haben wir den Eindruck,

dass der Golfsport jünger wird“,

resümiert der DGV-Vizepräsident

Achim Battermann mit

Blick auf die Zuwächse von 6,6

Prozent im Bereich der Jugendlichen

bis 18 Jahren. Der Frauenanteil

liegt ohnehin schon bei

36 Prozent, weshalb Deutschland

im europäischen Vergleich

als einer der Spitzenreiter in Sachen

weiblicher Beteiligung gilt.

All‘ diese Entwicklungen, so der

Hinweis von Andreas Dorsch,

belegten, dass Golf keine Sportart

in geschlossenen Zirkeln von

hochmotorisierten Luxus-Karossen-Fahrern

mehr sei. „Für

Menschen, die neugierig auf

Golf geworden sind, gibt es von

der rein öffentlichen über die semi-öffentlichen

Anlagen bis

zum Mitgliederclub jedes Angebot.“

Mit der gestiegenen Attraktivität

des Outdoor-Sports hat allerdings

auch die Schnäppchen-

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IIdyllisch liegt der New Golf Club im Neu-Ulmer Steinhäule. Die Donau fließt direkt daneben, so kann man in unmittelbarer Stadtnähe entspannte Zeit im

Grünen verbringen – ob zum schnellen Golf unter der Woche oder für länger am Wochenende

Fotos: S. Müller, New Golf Club

Urlaub dahoam

Eine kleine Auszeit im Grünen gefällig? Der

9-Loch- Platz des New Golf Club in Neu-Ulm

bietet Spielspaß für Jung und Alt, drinnen

und draußen. Auch Events für Teams werden

angeboten.

Wer stadtnah und in lockerer Atmosphäre

Golf spielen möchte,

der ist auf der

Driving Range und

dem Platz des

New Golf Club in

Neu-Ulm

genau

richtig. Hier sind

alle willkommen,

denn der Platz bietet beste Bedingungen:

Nicht nur für Anfänger, sondern auch fortgeschrittene

Golfer fühlen sich hier schnell heimisch.

Und mit den flexiblen Tarifmodellen

gehören Argumente wie „zu wenig Geld“ oder

„keine Zeit“ der Vergangenheit an. „Wir bieten

Golf für alle, gerade jungen Menschen soll die

finanzielle Hürde genommen werden, um in

den Sport einzutreten“, meinen die Trainer

Luis Meyer und Mark Philipp Lindner.

Auch Golfanfänger sind herzlich willkommen.

Zudem steht das kompetente

Trainerteam zur Verfügung und bietet

vielfältige Aktivitäten an, wie zum

Beispiel Schnupperkurse, Platzreifekurse,

aber auch Eignungstests und Regelabende.

Der Schwer punkt der Trainertätigkeit liegt neben

der Vermittlung von golfspezifischem

Wissen auf dem Spaß am Spiel.

Ein Teambuilding-Event bleibt

lange in guter Erinnerung

Aus dem Golfspiel lässt sich auch hervorragend

ein Teambuilding-Event machen. Denn

man übt zwar für sich allein – und kann so die

Abstände gut einhalten – trotzdem entsteht

in den kleinen Gruppen von 4 bis 8 Spielern

ein Gemeinschaftsgefühl. Es ist wie eine gemeinsame

Auszeit, ein Kennenlernen fernab

von der Berufswelt, das bringt Mitarbeiter näher

zusammen. Es fördert die Kommunikation

ebenso wie die Kooperation. Beim Spiel

motiviert man sich gegenseitig, man hat Spaß

und Spannung. „Los geht es bei uns am frühen

Morgen mit einer Tasse Starbucks-Kaffee.

Danach gehen wir gemeinsam raus. Die

ersten Tage finden auf der Übungsanlage

statt, um die Basics kennenzulernen“, so Luis

Meyer. „Wir erklären die Regeln und zeigen

worauf es ankommt“, ergänzt Mark Philipp

Lindner. „Wir machen mehrere Einheiten auf

der Range, und dann geht es auf den Platz. So

bekommt man ein Gefühl für den Ball.“ Diese

Events sind Veranstaltungen, die allen Beteiligten

Spaß machen und lange positiv in Erin-


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21

„Ein Teambuilding-Event

schweißt die Mitarbeiter

zusammen.“

nerung bleiben. „Das sieht man auch hier in

Neu-Ulm: Viele die vor Jahren den Kurs gemeinsam

gemacht haben, sieht man heute

noch zusammen spielen.“

Golf-Lounge: die schönsten Golfplätze

der Welt – fast wie PlayStation 6

Der Platz bietet beste Bedingungen für alle

Spielstärken. Auch im Winter oder bei schlechtem

Wetter kann man im neuen Golfgebäude

sein Golfspiel praktizieren und verbessern.

Die Möglichkeit, an einem von sechs Golfsimulatoren

auf den schönsten Plätzen der Welt

zu spielen und dabei die Daten der Schwunganalyse

zu nutzen, verbindet den Spaß mit zusätzlichen

Trainingseffekten. Dabei kann man

am Simulator virtuell auf Reisen gehen, ob bei

strahlender Sonne in Pebble Beach in Kalifornien,

auf dem Valderrama Course in Spanien

oder auf dem altehrwürdigen Old Course in St.

Andrews/Schottland. Der Golfer sucht sich

seinen Lieblingsplatz aus, den Rest macht der

Computer in hochauflösender Qualität, quasi

die „Next Generation“ von PlayStation oder

X-Box.

New Golf Club

Gründungsjahr des Clubs: 2014

Mitglieder: aktuell 1140

Platz: 9 Löcher, Par 36

Greenfee: 9-Loch, 20-40 Euro

Greenfee: 18-Loch, 40-80 Euro

Benutzung der Driving Range: kostenlos

New Golf Lounge

3 TrackMan Simulatoren und

3 FullSwing Simulatoren

Kontakt:

New Golf Club/Lounge

Kammer-Krummen-Straße 100

89233 Neu-Ulm

Tel: 0731 - 70 53 33 15

New Golf Club

E-Mail: info@newgolfclub.de

Website: www.newgolfclub.de

Training New Golf Club & Lounge

Trainer:

Mark Philipp Lindner

Luis Meyer

Preise:

25min 25€, 55min 50€


22

SPEZIAL unternehmen [!]

Ob Schäfte oder Golfschuhe: Lieferengpässe bleiben ein Thema

Wer neues Zubehör benötigt, muss sich unter Umständen auch in diesem Jahr gedulden.

Foto: © optimarc/shutterstock.com

Mehr als eine Million Deutsche haben

nach Angaben des Deutschen Golf Verbandes

während der Pandemie erstmals einen

Golfschläger in die Hand genommen.

Auch das Interesse von weiblichen Golfspielern

sei stark gestiegen – auch bei Jugendlichen.

Das könnte die Nachwuchsprobleme

der vergangenen Jahre eventuell beheben.

Ob Neueinsteiger oder erfahrene Spieler.

Sie alle bekamen Lieferengpässe zu spüren:

Schäfte, die im Container vor Shanghai feststecken;

Griffe, die auf einem Tanker im Pazifischen

Ozean lagern – das Thema Lieferketten

hat die Golfbranche fest im Griff.

Adam Rowen, Director of Global Operations

beim Griffhersteller Golf Pride, sprach zu Beginn

des Jahres von „Herausforderungen, wie

man sie einmal im Leben hat“. Egal ob Golfschuhe,

Schlägerkomponenten oder andere

Golfartikel – Lieferprobleme dürften 2022

noch ein Thema sein, nachdem Produktionsstandorte

wie Vietnam längere Lockdowns

hatten. Diese Probleme trafen auf eine höhere

Nachfrage nach Golfartikeln weltweit.

Zur Person

Andreas Dorsch ist

seit 2006 Geschäftsführer

des Golf Management

Verbandes

Deutschland

(GMVD). Der Diplom-Betriebswirt

aus München ist ein

anerkannter Kenner

der deutschen Golfbranche.

jagd in Sachen Mitgliedschaftsgebühren,

Greenfees und Golfkursen,

die vor Beginn der Corona-Pandemie

in weiten Teilen Deutschlands

üblich war, ein Ende. „Es ist sicher

nicht mehr so, dass man zum Beispiel

im Raum München locker ohne

Mitgliedschaft zwischen 50 Anlagen

hin- und herpendeln kann, wenn

man einfach nur die EC-Karte

zückt“, resümiert Dorsch. Vielmehr

habe die Zunahme an Interessenten

dazu geführt, dass Clubs in den vergangenen

zwei Jahren teilweise nur

noch Mitglieder und deren Gäste auf

die Anlage gelassen hätten, als es zu

einer Begrenzung der Spielkapazitäten

wegen der Corona-Restriktionen

kam. Mit der Normalität im

Spielbetrieb dürfte die Durchlässigkeit

ab dem Frühjahr wieder höher

werden. „Die Preise bei Mitgliedschaften

und Greenfees sind nicht

mehr weiter runtergegangen“, lautet

sein Fazit.

Der Einstieg in den Golfsport ist

deshalb im Jahr 2022 sowohl auf

preisgünstige wie luxuriöse Weise

möglich: Auf der einen Seite offerieren

öffentliche Anlagen wie etwa der

New Golf Club Ulm unter dem Motto

„Golf für Alle“ erste Schnupperkurse

für einen Preis von unter 20

Euro. Auf der anderen Seite kann

man auf First-Class-Anlagen für

Die Preise für

Mitgliedschaften

und Greenfees

sind nicht weiter

gesunken.

Andreas Dorsch

Golf Management Verband

Schnupperjahre aber auch zwischen

1500 und 2000 Euro pro Person ausgeben,

um den Golfsport zu testen.

Dabei stellt sich für immer mehr

Golf-Interessierte ohnehin die Frage:

Golf-Mitgliedschaft – braucht es

das noch? Der Deutsche Golf Verband

geht nach einer Erhebung von

rund 1,5 Millionen interessierten

und nicht organisierten Golfern

hierzulande aus. Spielmöglichkeiten

finden auch diese reichlich: Golf im

Urlaub, ob beim Wochenendausflug

zum Tegernsee oder nach Sylt ist dabei

ebenso ein Thema wie der

Club-Urlaub in Portugal. Gerade

touristische Regionen wie Portugal,

Spanien, weite Teile von Österreich

oder Deutschland verzichten auf

vielen Golfanlagen längst auf Handicap-Nachweise

oder Club-Zertifikate

und setzen stattdessen auf die

Zahlungskraft der Kundschaft.

Unterdessen wird selbst auf den

bekanntesten Golfplätzen der Welt

wie dem Old Course in St. Andrews

oder Pebble Beach in Kalifornien ein

Marshall auf die Runde geschickt,

der nur kontrolliert, ob eine Golfgruppe

zu langsam ist und damit das

Spiel aller anderen stört. Ansonsten

gilt: Spaß haben, den Tag genießen,

Golf spielen für Alle.[!]


Petra Himmel


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 23

Geschäftsführer

geht zu ENBW

Führungswechsel Die Rolls-

Royce Power Systems AG mit

Sitz in Friedrichshafen verliert

zum Ende des Jahres ihren CEO

Andreas Schell. Der 52-Jährige

war fünf Jahre lang für das Unternehmen

tätig und wird neuer

Vorstandschef der ENBW.

Rolls-Royce Power Systems mit

Hauptsitz in Friedrichshafen beschäftigt

rund 9000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Unter

der Marke MTU vertreibt das

Unternehmen unter anderem

Antriebssysteme für Schiffe und

schwere Land- und Schienenfahrzeuge.

Wechsel bei

Movera

Camping-Zubehör Philipp Matheis

fungiert in Zukunft als Geschäftsführer

des Camping-Zubehör-Großhändlers

Movera.

Der 37-jährige Wirtschaftsingenieur

verfügt über langjährige

Erfahrung in der Automobilindustrie

sowie im B2B-Bereich.

Sein Vorgänger Christoph Steinhagen

verließ das Unternehmen

nach neun Jahren aus persönlichen

Gründen. Die Movera

GmbH hat am Standort Bad

Waldsee rund 120 Beschäftigte

und erwirtschaftete zuletzt einen

Umsatz von 73 Millionen

Euro. Muttergesellschaft ist die

Erwin Hymer Group SE.

Blick in ein Labor: Der Pharmakonzern beschäftigt rund 52 000 Mitarbeiter.

Boehringer investiert Milliarden

In den kommenden fünf Jahren will Boehringer Ingelheim

mehr als 25 Milliarden Euro in den Bereich

Forschung und Entwicklung investieren. Ein Großteil

der Gelder soll dabei nach Deutschland an die

Standorte in Ingelheim und Biberach fließen. „Wir investieren

hier mehr, als wir umsetzen“, hob Deutschland-Chefin

Sabine Nikolaus die Bedeutung des Forschungsstandortes

zuletzt hervor. Die F&E-Pipeline

Rückgang

erwartet

Beteiligung in

Südkorea

Foto: Boehringer Ingelheim

von Humanpharma umfasst mehr als 100 klinische

und präklinische Projekte. Ein Schwerpunkt liegt darauf,

Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen

Krankheiten besser zu verstehen. Boehringer Ingelheim

ist ein führendes forschungsgetriebenes biopharmazeutisches

Familien-Unternehmen mit mehr

als 52 000 Beschäftigten weltweit. Der Umsatz lag

zuletzt bei 20,6 Milliarden Euro.

Liebherr setzt

auf Alternative

Windata

baut neu

Investition Der Anbieter für Finanzmanagement-Lösungen

Windata will am Standort in

Wangen im Allgäu etwa 4,5 Millionen

Euro in ein neues Firmen-Gebäude

investieren. Geplant

ist ein Neubau mit rund

500 Quadratmetern Grundfläche,

drei Vollgeschossen und einem

Dachgeschoss. Ein Teil

davon soll vermietet werden.

Die Serverräume sollen mit eigenem

Solarstrom betrieben

werden. Windata GmbH bedient

mehr als 50 000 Kunden und beschäftigt

22 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter.

Zeppelin Der Baumaschinenhersteller

und Dienstleistungskonzern

Zeppelin rechnet für

das laufende Jahr aufgrund des

Kriegs in der Ukraine mit einem

starken Rückgang des Umsatzes.

Trotz aller Unwegbarkeiten sagt

Andreas Brand, Vorsitzender

des Aufsichtsrats: „2021 war das

beste Jahr der Unternehmensgeschichte“.

Die finanzielle und

wirtschaftliche Stabilität trage

nun dazu bei, durch die anstehende

Krise zu kommen. Zeppelin

hat seinen juristischen Sitz

in Friedrichshafen. Im vergangenen

Jahr konnte das Unternehmen,

das mehr als 10 600

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

beschäftigt, den Konzernumsatz

auf insgesamt 3,7 Milliarden

Euro steigern.

ZF Friedrichshafen Der Automobilzulieferer

ZF Friedrichshafen

hat sechs Prozent der Anteile

des südkoreanischen Softwareunternehmens

Stradvision

erworben. Das asiatische Unternehmen

ist im Bereich der Bildverarbeitung

mit KI für autonome

Fahrzeuge und Fahrerassistenzsysteme

tätig. Die Stradvision-Software

ermöglicht es

Fahrzeugen, Objekte bei schwierigen

Wetterbedingungen oder

schlechter Beleuchtung zu identifizieren.

ZF ist ein weltweiter

Technologiekonzern und liefert

Systeme für Fahrzeug-Mobilität

sowie Industrietechnik. Im vergangenen

Jahr hat das Unternehmen

mit 157 500 Beschäftigten

einen Umsatz von 38,3 Milliarden

Euro erwirtschaftet.

Technologie Die Forschung

nach alternativen Antriebstechnologien

wird auch weiterhin

ein Schwerpunkt der Firmengruppe

Liebherr sein. Dazu gehören

beispielsweise wasserstoffgetriebene

Verbrennungsmotoren

oder hydrierte Pflanzenöle

als Treibstoff. Trotz der

teils schwierigen Beschaffung

von Rohmaterialien, Komponenten

und Elektronikbauteilen

konnte das Unternehmen mit

großen Standorten unter anderem

in Ehingen, Biberach, Ochsenhausen

und Kirchdorf an der

Iller, den Umsatz 2021 auf 11,6

Milliarden Euro steigern. Weltweit

arbeiten knapp 50 000

Menschen für den familiengeführten

Mischkonzern mit Sitz

im schweizerischen Bulle. [!]


24

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Eine gute Infrastruktur war und ist ein wichtiges Kriterium für einen Standort.

Foto: © elenabsl/shutterstock.com

Daumen hoch! Das Handy

funktioniert auch

ganz weit hinten in der

Produktionshalle, vor

dem Werkstor hält stündlich der

Bus und der Strom fließt zu

günstigen Preisen aus den

Steckdosen. Ein Traum, oder? Ja,

gute Standorte sind die beste

Zukunftssicherung überhaupt –

für die Unternehmer und für die

Region. Doch nicht immer kann

die Visitenkarte einer Region so

locker gezückt werden.

Der Ausbau der Breitband-Versorgung

schleppt sich

seit Jahren dahin, Flächen zur

Erweiterung fehlen, viele Gewerbegebiete

sind mit ÖPNV

nicht zu erreichen. Auch die

Verkehrsanbindung ist mitunter

mau. Zudem sind Fachkräfte

kaum zu finden. Und wenn es

sie gibt, fehlt bezahlbarer Wohnraum.

Dabei ist klar: Unternehmen

brauchen gute Standortfaktoren,

wenn sie erfolgreich wirtschaften

sollen. In Ulm und um

Ulm herum sieht das gar nicht

so schlecht aus: Bei der letzten

Umfrage der IHK Ulm gaben

Unternehmen der Region in Sachen

Standortzufriedenheit die

Note 2,0. Mehr noch. 82 Prozent

der befragten Unternehmen gaben

an, den Wirtschaftsstandort

Neue Ansätze nötig

Standortqualität Vielen Betrieben fehlen Erweiterungsflächen.

Doch das ist nicht ihre einzige Sorge. Künftig wird mehr Kooperation

unter Firmen nötig sein, sagt IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart.

Bis 2035

werden in der

Region Ulm im

Schnitt 20 000

Fachkräfte fehlen.

Simon Pflüger

Leiter Standortpolitik, IHK-Ulm

bei Ansiedlungsüberlegungen

sogar zu empfehlen.

„Das ist ein sehr gutes Zeichen

für die Region“, sagt Simon

Pflüger, Leiter Standortpolitik

bei der IHK Ulm. Allerdings:

Die Umfrage ist schon fünf Jahre

alt, eine neue gerade im Auftrag.

Daher ist man bei der IHK

Ulm ziemlich gespannt, wie die

Beurteilung dieses Jahr ausfallen

wird. Sicher ist, dass dann

auch wieder das Thema Breitband-Versorgung

und eine gewünschte

lückenlose Mobilfunk-Abdeckung

an oberster

Stelle stehen wird. In diesem Bereich

sei, zwar bereits vieles geschehen,

aber noch lange nicht

genug: „Die Anforderungen der

Betriebe bei der Übertragungsgeschwindigkeit

steigen weiter“,

sagt Pflüger

Zudem werde die Suche nach

Gewerbeflächen immer schwieriger.

„Doch fehlt es nicht nur

an Grundstücken, sondern auch

an Fachkräften“, sagt Pflüger.

Ein Problem, dass die Kammer

schon lange umtreibt. Prognostizierte

die IHK Ulm während

der Umfrage 2017, dass bis 2030

jährlich mehr als 14 000 Fachkräfte

fehlen werden, korrigiert

Simon Pflüger nun bereits nach

oben: „Bis 2035 werden im

Schnitt 20 000 Fachkräfte fehlen.“

Dabei handelt es sich zu 90

Prozent um beruflich qualifizierte,

nicht akademische Fachkräfte.

Dieser Mangel wird die

größte Herausforderung für die

Unternehmen bleiben. „Der

Markt ist leer“, sagt Pflüger.

Expansionsanfragen von Unternehmen

bekommt Gernot

Imgart jeden Tag auf den Tisch.

Der leitende Geschäftsführer

der Bezirkskammer Göppingen

der IHK-Region Stuttgart ist


unternehmen [!]

Zur Person

Simon Pflüger arbeitet

seit dem Jahr

2009 für die IHK Ulm

im Bereich Standortpolitik.

Seit 2016 leitet

der Diplom-Geograph

(40) den Bereich.

Zur Person

Gernot Imgart leitet

seit 2019 die

IHK-Bezirkskammer

Göppingen. Der Jurist

arbeitete zuvor

in Hamburg und

Bangkok für Handelskammern.

Zur Person

Tobias Mehlich ist

promovierter Jurist

und Hauptgeschäftsführer

der

Handwerkskammer

Ulm. Bis 2010 war er

Geschäftsführer von

Südwestmetall.

stolz auf die vielen international tätigen

Unternehmen in der Region,

die große Strahlkraft besitzen. Der

Wirtschaftsraum Göppingen mischt

auf starke Art den klassischen Maschinenbau

mit teils unbekannten

Weltmarktführern und innovativen

IT-Größen wie Teamviewer. Doch

hier stoßen Kommunen, IHK und

Unternehmen bei der sinnvollen

Entwicklung von neuen Gewerbeflächen

an Grenzen. „Wir brauchen

größere, zusammenhängende Flächen.

Es macht wenig Sinn, wenn

jede Kommune ihren eigenen Industriepark

ausweist“, sagt Imgart.

Eine Chance, flächensparend

auch in der Infrastruktur zu wachsen,

sieht er in interkommunalen

Gewerbegebieten. Auch in anderen

Bereichen würde er gerne – im Sinne

einer nachhaltig geprägten Standortpolitik

– über den Tellerrand hinausblicken:

„Ein Gewebegebiet heute

sieht ganz anders aus als noch vor

20 Jahren.“ Eine Umfrage zeigte,

dass viele Gewerbegebiete schlecht

bis gar nicht an den Öffentlichen

Nahverkehr angebunden sind: „Viele

Beschäftigte müssen mit ihren Autos

kommen. Die Folge sind vollgeparkte

Gewerbeflächen.“

Das ist für ihn in Zeiten des Klimawandels

ein No-Go. Doch wenn

man zunehmend zentrale Strukturen

schaffe, gebe es durchaus Chancen,

neue Flächen zu entwickeln.

Das kann ein gemeinsames Parkhaus,

E-Ladestationen, Datenzentren,

Entladestationen von Lkw oder

auch Kindergärten sein, die von

mehreren Betrieben genutzt werden.

„In einem Gewerbegebiet von

morgen wird es nicht mehr möglich

sein, dass jeder sein eigenes Süpp-

FOTOS: ©DANIEL2528, OKSANA KUZMINA

& BIGPIXELPHOTO/SHUTTERSTOCK.COM

Ob Radstellplätze, Kitas oder E-Ladestationen: Künftig werden sich Firmen

Infrastruktur vermehrt teilen, sagt IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart.


26

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Erfolgreiches Kennenlernen in zehn Minuten

FOTO: ©OPTIMARC/SHUTTERSTOCK.COM

Fachkräftemangel trübt die Stimmung

von Unternehmen. Ihn bekämpft man am

besten von der Pike auf. Um die Attraktivität

von Ausbildungen zu erhöhen, fand bei der

IHK Ulm nun ein Azubi-Speed Dating statt.

Dabei konnten Unternehmen aus dem

IHK-Bezirk an einem Nachmittag Jugendliche

im 10 Minuten Rhythmus „kennenlernen“.

Die potenziellen Azubis bekamen Infos

aus erster Hand über die Lehrberufe und einen

Eindruck von den Unternehmen. Die 150

Gespräche zwischen 21 Firmen und 35 Jugendlichen

waren erfolgreich. Kurz nach dem

Treffen gingen die ersten Bewerbungen ein

und Praktika wurden vereinbart.

sl

chen kocht“, sagt Imgart. Ein

Dauerbrenner bei der Standortpolitik

ist für ihn auch die wirtschaftsfreundliche

Verwaltung,

die kürzere Genehmigungsverfahren

bei Neuansiedlungen

umsetzen müsse: „Das ist ein

wichtiger Standortfaktor, der

von den Kommunen vor Ort in

die Hand genommen und positiv

beeinflusst werden kann.“

Belastbarer Mobilfunk

Für Tobias Mehlich ist und arbeitet

das Handwerk überall,

nämlich da, wo der Kunde ist.

Doch die Bedarfe sind sehr unterschiedlich:

„Ein Friseursalon

empfindet als 1-A-Lage die Fußgängerzone,

ein Fachbetrieb für

Sanitär-Heizung-Klima findet

sich beispielsweise eher im gut

angebundenen Gewerbegebiet“,

Wer Handwerk

will, muss es

zu bezahlbaren

Preisen siedeln

lassen.

Tobias Mehlich

Handwerkskammer Ulm

sagt der Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer Ulm.

Deshalb sei bei der Standortwahl

eine gute Anbindung an

das Straßennetz und die räumliche

Nähe zu privaten Kunden

bzw. zur Laufkundschaft wichtig.

Auch im Handwerk ist der

Mangel an betrieblichen Erweiterungsflächen

ein Hauptproblem.

Zudem fehlt es auch hier

vielerorts an qualifizierten Fachkräften

– und an belastbarem

Mobilfunk. „Wenn wir Handwerk

wollen – und wir brauchen

es – dann müssen wir es zu bezahlbaren

Preisen siedeln und

sich ausdehnen lassen“, fordert

Mehlich. „Damit eine Region lebenswert

und attraktiv ist und

bleibt, brauchen Menschen und

Wirtschaft eine gute Nahversorgung:

„Fachkräfte wollen vor

Ort arbeiten und wohnen. Diesen

Spagat müssen unsere Städte

und Gemeinden schaffen.“

Freilich spielen für Betriebe

auch die Unterrichtsversorgung

an den Berufsschulen und die

Verfügbarkeit von Weiterbildungsangeboten

in ländlichen

Lagen eine große Rolle. Was die

generelle Erreichbarkeit von

Wirtschaftsförderung und

Stadtverwaltung angehe, so seien

die Betriebe in weiten Teilen

zufrieden, sagt Mehlich: „Deutlich

schwieriger schneidet dagegen

die Bearbeitungsdauer von

Anträgen und Verfahren ab.“

Anders ausgedrückt: Wenn sich

daran nichts ändert, ist unklar,

wie lange die Daumen der Unternehmen

in der Region noch

nach oben zeigen. [!]


Stefan Loeffler

Gemeinsam

ulm.ihk24.de

IHK

Regionale Wirtschaft

Marktdaten- und Standortinformationen


JAHRE

unternehmen [!] RESSORT 27

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28

MACHEN unternehmen [!]

Mit Folien- und Digitaldruck ist

die Firmengruppe Schlegel

groß geworden.

FOTOS: © VIKTORIA GAVRILINA/SHUTTERSTOCK.COM, FIRMENFOTO

Bloß nicht

festkleben

Familienunternehmen Drei

Firmen, drei Übergaben. Was in

vielen Fällen mit Konflikten

und Ärger verbunden ist, gelang

dem dreifachen Firmeninhaber Eugen

Schlegel konfliktfrei– eine reibungslose

Nachfolgeregelung.

Eugen Schlegel hat drei

Firmen gegründet in seinem

beruflichen Leben.

Alle werden inzwischen

von seinen drei Kindern geführt.

„Geschäftlich“ sei alles geregelt,

erzählt der 65-Jährige mit einigem

Stolz am Firmensitz von

Modiscript Schlegel-Werbung in

Unterstadion (Alb-Donau-

Kreis). Dort, wo sich einst die

elterliche Landwirtschaft befand,

hat der gelernte Industriekaufmann

1986 den Grundstein

für sein kleines Imperium gelegt

und aus dem anfänglich winzigen

Fachbetrieb für Beschriftungen,

Werbeanlagen und Leitsysteme

einen Partner von Industriebetrieben

und Konzernen

für die auftragsbezogene Kennzeichnung

entwickelt.

Zum Beispiel auch für die Firmengruppe

Liebherr, nicht ganz

zufällig auch sein vormaliger

Arbeitgeber. Kommt ein Kran

der größten Sorte zur Auslieferung,

müssen nach Schlegels

Worten bis zu 150 Sicherheitsaufkleber

darauf angebracht

werden. Hinzu kommen noch

rutschfeste Matten und kundenspezifische

Beschriftungen.

Was auf Folien gedruckt war,

sei früher noch händisch ausgeschnitten

worden. Schlegel hatte

das Gespür für die Chancen,

die sich damals auftaten: die rasante

Weiterentwicklung der

auf Foliendruck beruhenden

Technologien (etwa der Digitaldruck)

sowie das Verlangen auf

Kundenseite (in spe), sich der

damit verbundenen Aufgaben

zu entledigen. Das Industriegeschäft

ist inzwischen zum wichtigsten

Standbein geworden. Bei

den beiden größten Kunden

sind seine Mitarbeiter sogar vor

Ort dauerpräsent.

„Die Digitalisierung hat uns

geholfen, neue Türen aufzustoßen“,

erläutert Matthias Schlegel

(29), der in der Firma inzwischen

das Steuer übernommen

hat. Damit könne die Herstellung

der zahlreichen, oft länderspezifischen

Aufkleber perfekt

Die

Digitalisierung

hat uns geholfen,

neue Türen

aufzustoßen.

Matthias Schlegel

Firmenchef

in den Workflow des Partners

eingefügt werden. „Unser Wettbewerbsvorteil

gegenüber Billiganbietern“,

sagt der Junior-Chef

und gelernte Werbetechniker,

„ist die direkte

Onlineanbindung“. Zwischen

der Einspeisung des Auftrags

mit automatischer Erstellung

des Angebots und der Übermittlung

der Daten bis zur Auslieferung

vergingen höchstens zehn

Tage. Als weiteres Plus nennt er

die Qualität der Arbeit.

Im Laufe der Zeit gründete

sein Vater noch zwei weitere

Unternehmen. Industriepoint.

com, aus einem übernommenen

Werkzeughandel für Gewerbekunden

im benachbarten Munderkingen

hervorgegangen, wird

inzwischen von Sohn Philipp

(27) geführt. Ergänzt um Mer-


unternehmen [!] MACHEN 29

Drei Firmen, drei Kinder

Schlegel-Werbung

hieß die 1986

von Eugen Schlegel

gegründete Firma

bis 1999. Nach der

Übernahme der Firma

Modiscript

wurde deren Name

vorne drangehängt.

Die Modiscript-Schlegel-Werbung

GmbH

ist die mit Abstand

größte Firma aus

dem Schlegel-Imperium

und erzielte

mit rund 100 Mitarbeitern

zuletzt einen

Jahresumsatz

von neun Millionen

Euro. Standorte

sind in Unterstadion,

Ulm, Ehingen

und in Österreich.

Nötig waren

Kompromisse –

und Bereitschaft

zum Geben und

Nehmen.

Eugen Schlegel

Firmengründer und Gesellschafter

2008 kam das

Folienportal24.de

GmbH dazu mit

Sitz in Biberach/

Riß. Der Großhandel

mit angeschlossener

Trainingsakademie

kam zuletzt

mit zehn Mitarbeitern

auf einen Jahresumsatz

von 3,3

Millionen Euro und

wird jetzt von Carolin

Mohr, geborene

Schlegel, geführt.

Die Industriepoint.com

GmbH

hat zehn Mitarbeiter,

Philipp Schlegel

ist deren Chef. Der

Fachhandel für

Handwerk und Industrie

betreibt in

Munderkingen ein

Ladengeschäft, die

Verwaltung ist in

Unterstadion. Der

Umsatz 2021 belief

sich auf 1,5 Millionen

Euro. thv

Wenn der Vater mit den Kindern: Eugen Schlegel (zweiter von

li.) mit (von li.) Matthias, Carolin und Philipp. Foto: Firmenfoto

chandising-Artikel ist die Firma

mittlerweile auch online unterwegs.

Schwester Carolin Mohr

(32), geborene Schlegel, leitet

das Folienportal24.com, einen

Fachhandel fürs Werbetechnik-Gewerbe,

darunter ebenfalls

Folien, der auch Schulungen anbietet

und in Biberach an der

Riß seinen Sitz hat.

Gefragt nach den Gründen

für die in Eintracht verlaufenen

Betriebsübergänge, kommt Matthias

Schlegel zielstrebig auf seinen

Jungunternehmer-Stammtisch

zu sprechen. Beispiele, die

dort besprochen werden, dienen

ihm als Negativbeispiele. Da ist

etwa der Fall, dass ein Sohn inzwischen

nicht mehr zu den Familientreffen

komme, weil er

sich benachteiligt fühle. Ein anderer

handelt von einem 75-jährigen

Patriarchen, der seiner

Tochter und Nachfolgerin immer

noch keinerlei Entscheidungsbefugnis

einräume.

„Ich habe mir schon mit 60

erste Gedanken darüber gemacht,

wie es weitergehen

könnte“, erklärt hingegen Eugen

Schlegel. Langsam, sachte und

mit Bedacht habe er die Frage

eingebracht in den Familienrat

und mal in Einzelgesprächen

und mal mit allen zusammen behandelt.

„Wir brauchten keine

Mediation“, sagt er nicht ohne

Stolz. Professionelle Unterstützung

gab es aber doch. Ein Steuerberater

habe bei den doch

recht komplexen finanziellen

Fragen beratend zur Seite gestanden.

Keine absolute Gerechtigkeit

Die Möglichkeit, das Firmenkonstrukt

wie bisher „in der Art

einer Holding“ weiterzuführen,

sei im Laufe dieses Prozesses

dann ausgeschlossen worden.

Seine Kinder hätten sich für die

jetzige Lösung ausgesprochen,

die Aufspaltung. „Das ist einfacher

für die Familie“, nennt der

Senior den Hauptgrund für die

Entscheidung.

Einfach im Sinne von Selbstläufer

sei die Übertragung der

Firmen dann doch nicht gewesen:

„Nötig war ein Aushandeln

von Kompromissen, eine Bereitschaft

zum Geben und Nehmen“.

Weil? „Weil es eine absolute

Gerechtigkeit auf Euro und

Cent genau eben doch nicht geben

könne“, antworten Eugen

und Matthias Schlegel unabhängig

voneinander.

Eugen Schlegel ist zwar in allen

drei Firmen als Gesellschafter

noch mit 50 Prozent beteiligt,

sei aber nach eigenen Worten

„aus dem operativen Geschäft

draußen“. „Mein Vater

kann abgeben“, gibt sein Sohn

einen Einblick in dessen Einstellung,

„wir Kinder waren davon

alle überrascht“, fügt er noch

hinzu. Unbelastet von Verwerfungen,

sei er als Ratgeber aber

weiter gefragt und auch im Einsatz.

[!]

Thomas Vogel


30 RESSORT unternehmen [!]

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32

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Schnelles Netz

für Ulm

Internet Die Verlege- und Anschlussarbeiten

der SWU Telenet

für das Highspeed-Glasfasernetz

in den Städten Ulm und

Neu-Ulm schreiten voran. Nach

dem Anschluss des Industriegebiets

Donautal stehen die Arbeiten

laut dem Unternehmen im

Innenstadtbereich „Auf dem

Kreuz“ kurz vor dem Abschluss.

Als nächstes sollen das Kornhausviertel,

die südlichen und

nördlichen Neu-Ulmer Industriegebiete

folgen. Das Ulmer

Dichterviertel soll schließlich

2023 folgen, wenn keine Bauverzögerungen

auftreten.

Bei Evobus läuft

es wieder

Kurzarbeit Seit Anfang April

läuft die Produktion am Daimler-Truck

Standort in Neu-Ulm

wieder im normalen Takt. Die

Kurzarbeit wurde nach langen

Phasen seit Beginn der Corona-Pandemie

nun generell im

Werk aufgehoben. Und das, obwohl

die Situation im Reisebussegment

weiter sehr herausfordernd

sei, wie Till Oberwörder,

Leiter von Daimler Buses, zuletzt

erklärte. Der Nachfragerückgang

aufgrund der Pandemie

sei wohl überwunden. Vor

allem die 1800 der insgesamt

3800 Beschäftigten, die im Bereich

Montage tätig sind, waren

von der Kurzarbeit betroffen.

Wie hier an der Ecke Hirschstraße Wengengasse stehen derzeit

mehrere Ladenflächen in Ulm leer.

Foto: Matthias Kessler

Leerstand in

der Ulmer City

Der Handel in der Ulmer Innenstadt erlebt gerade eine turbulente Phase.

Der Krieg in der Ukraine, die anziehende Inflation und die Folgen der

Corona-Pandemie machen den Händlern zu schaffen. Das zeigt sich

derzeit auch an Leerständen und Geschäftsaufgaben in der City. S.Oliver

hat seine Filiale in der Hirschstraße bereits geschlossen, auch Orsay

in der Fußgängerzone macht dicht, am Münsterplatz trifft es die

Yves-Rocher-Filiale. Bereits ausgeräumt ist die Vinothek im Fischerviertel

und auch der Bettenladen Traumstation schließt nach 26 Jahren

Ende Mai die Türen in der Frauenstraße. City-Managerin Sandra Walter

hofft, dass die Leerstände zügig wieder bezogen werden und, „dass attraktive

Nachmieter gefunden werden“.

Name Scanplus bleibt, auch der

Standort an der Lise-Meitner-Straße

bleibt“, erklärt Sönke

Eschke, der gemeinsam mit

Thies Rixen die Geschäftsführung

übernommen hat. Und

auch die 220 Mitarbeiter wurden

übernommen. Der im Science

Park von der kommunalen

UWS erstellte, auf Scanplus zugeschnittene

Neubau werde jedoch

nicht bezogen. Zum einen,

um Kosten zu sparen. Zum anderen,

da infolge von Corona

Themen wie Homeoffice und

Shared Desk größere Bedeutung

erfahren hätten.

Röhlich

übernimmt

Fliesenleger Die Suche nach einem

Investor für das insolvente

Ulmer Unternehmen Knehr

Fliesenverlegung war erfolgreich:

Die bundesweit tätige Firma

Fliesen Röhlich hat den Betrieb

übernommen. Knehr hatte

28 Mitarbeiter beschäftigt,

vier haben im Laufe des Verfahrens

gekündigt. „Ihnen war die

Situation zu unsicher“, sagt Daniel

Eigenwill, bislang Geschäftsführer

von Knehr und

jetzt Projektleiter für Ulm. Die

anderen Arbeitsplätze bleiben

erhalten. Fliesen Röhlich will

mit der Übernahme in Ulm seine

Präsenz in Süddeutschland

weiter ausbauen. Das Familienunternehmen,

das rund 350 Mitarbeiter

beschäftigt, besteht seit

50 Jahren und hat seinen Hauptsitz

bei Nürnberg.

Uzin erwartet

weniger Gewinn

Bilanz Aufgrund steigender

Preise rechnet der Ulmer Bodenverlege-Spezialist

Uzin Utz

mit einem geringeren Gewinn

im laufenden Geschäftsjahr. Finanzvorstand

Heinz Leibundgut

begründet dies mit rasant steigenden

Preisen vor allem im

Rohstoff-, Logistik- und Energiebereich.

Dennoch rechnet das

Unternehmen für 2022 mit einem

moderaten Wachstum. Der

Krieg in der Ukraine habe die

gesamtwirtschaftlichen Risiken

aber massiv verschärft, hieß es.

Uzin Utz konnte zuletzt sowohl

Umsatz als auch Gewinn deutlich

steigern. Der Umsatz legte

auf 440,1 Millionen Euro zu, der

Gewinn vor Steuern und Zinsen

stieg auf 47,5 Millionen Euro.

Von den rund 1400 Beschäftigten

arbeitet etwas mehr als die

Hälfte in Deutschland.

„Schlecker“

kommt wieder

Drogerie Der seit der Insolvenz

der Drogerie-Kette aus den Innenstädten

verschwundene

Name Schlecker soll wiederbelebt

werden. Das österreichische

Unternehmen Kitzventure

hat sich die Markenrechte gesichert.

Inhaber Patrick Landrock

will ein Filialnetz unter dem Namen

Schlecker+ etablieren. Das

Sortiment soll neben Drogerieartikeln

teils auch Baumarktund

Büroartikel umfassen.

Scanplus

bleibt erhalten

Insolvenz Für den in Schieflage

geratene IT-Dienstleister Scanplus

geht es weiter. Die Qbeyond

AG aus Köln hat das Ulmer Unternehmen

übernommen. „Der

Neuer Name für

Daimler TSS

Stichwort Das 1998 im Science

Park gegründete Unternehmen

Daimler TSS firmiert mittlerweile

– gleichzeitig mit dem Eintritt

Daniel Geisels als Geschäftsführer

– unter Mercedes-Benz

Tech Innovation. Die

Tochtergesellschaft der Mercedes-Benz

Group mit Standorten

in Ulm, Stuttgart, Berlin, Karlsruhe

und Projekt-Hubs in Asien

beschäftigt über 1200 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, deren

Fokus auf Fahrzeug-Digitalisierung,

Car Connectivity und der

Digitalisierung des Vertriebs

liegt. [!]


unternehmen [!] MACHEN 33

Ziemlich smarte

Sensor-Fertigung

Digitale Fabrik Der Elektronikspezialist IFM

macht vor, wie Prozesse schneller und

besser werden. Dabei hilft ein

Team der Hochschule

Ravensburg-Weingarten.

Digitalisierung. Industrie

4.0. „Irgendetwas

kommt, aber

was?“ „Wissen

wir auch nicht.“ Professor

Andreas Pufall erinnert sich

an ein Gespräch mit einem

Unternehmer. Vor sechs Jahren

war das. Damals war der Professor

für Produktionstechnik und

Optimierung ratlos, „und das

kratzt am Selbstverständnis als

Wissenschaftler“. Jetzt weiß er

Rat, Pufall hat sich mit seinem

Team und Studierenden der

Hochschule Ravensburg-Weingarten

(HRW) überlegt, wie

man Unternehmen auf dem Weg

zur Digitalisierung berät und

begleitet. Dazu gehört eine

Menge Theorie, aber auch viel

Praxis, und an der sind Pufall,

der selbst schon in der Industrie

gearbeitet hat, und seine

Studierenden gerne nah dran.

Wie eine Lego-Bauanleitung

Der Sensor-Hersteller IFM hat

Pufall und sein Team schon vor

Jahren rangelassen, in den

Tettnanger Werkshallen haben

die Studierenden zusammen mit

den IFM-Digitalisierungsexperten

um Hauptabteilungsleiter

Produktion Bernd Hausler die

Produktionsprozesse analysiert

und digitalisiert. Mittlerweile

liefert das werkseigene fahrerlose

Transportsystem zuverlässig

Material an die Arbeitsplätze

und fertige Sensoren zur Verpackungslinie.

Digitalisiert ist

aber nicht nur der Transport,

auch die Montage. Immer noch

werden die Sensoren von Hand

zusammengebaut, neben den

verschiedenen Sensoren gibt es

auch die Sensormodelle mitunter

in zig verschiedenen Versionen,

die sich oft nur im Detail

unterscheiden. Sensoren von

IFM finden sich in Rolltreppen,

Aufzügen, Skiliften oder Melkmaschinen.

Manchmal ist der

Winkel zur Montage rechts,

manchmal links. „Einige Produkte

bauen wir jeden Tag,

manche nur zwanzigmal im

Jahr“, sagt Hausler.

Wenn der Sensor, der nur

selten bestellt wird, früher

auf den Montagetisch kam,

ging das große Blättern los.

Irgendwo im dicken Papier-Montagekatalog

war

dokumentiert, wie genau

der spezielle Sensor zusammengebaut

wird. Heute genügen

ein paar Klicks auf

dem Monitor, und schon

zeigt das hauseigene Montageprogramm

„ifm-mate“,

mit welchen Teilen der Arbeitsplatz

eingerichtet und

wie der seltene Sensor zusammengebaut

wird – so

ähnlich wie eine Lego-Bauanleitung.

Auf dem Monitor

Sensoren von IFM gibt

es in zig verschiedenen

Versionen: Sie sind im

Einsatz von Skiliften

über Rolltreppen bis

hin zu Melkmaschinen.

Fotos: Peter Buyer


Von links: Prof.

Andreas Pufall,

Helene Roggenkamp,

Leiterin des

Teams Lean, Sonja

Reiter, Projektleiterin

Digitalisierung

und Reiner Hausler,

Hauptabteilungsleiter

Produktion.

Rechts: Eine

Mitarbeiterin

verpackt die

Sensoren. Das

System meldet:

„alles ok“.

Zur Person

Andreas Bildstein

forscht am Fraunhofer

Institut Stuttgart

für Produktionstechnik,

wie produzierende

Unternehmen an

der digitalen Transformation

teilhaben

können.

über dem Arbeitsplatz wird gezeigt,

welches Teil zuerst wie in die Hand

genommen wird und was als nächstes

drankommt. Landet die Hand im

falschen Fach, leuchtet die rote

Warnlampe, auch wenn ein Teil

falsch montiert wird. Fehler sind fast

ausgeschlossen. Auch die Controller

hat das überzeugt, sagt Hausler.

Langes Blättern im Papierkatalog

kostet Zeit und Geld, auf dem Monitor

geht das alles viel schneller.

Nach Studium Projektleiterin

Vieles, was in Tettnang zu sehen ist,

wurde mit Hilfe der Experten und

Studierenden der HRW entwickelt,

auch Sonja Reiter war früher Studentin

an der HRW, heute ist sie bei

IFM Projektleiterin Digitalisierung.

Papier und Zeit wird nicht nur am

Montageplatz gespart. „Früher

brauchten wir pro Auftrag 20 bis 30

Seiten Papier, heute noch eine“, sagt

sie. Papiereinsparung pro Jahr: rund

1 Millionen Blatt.

Das ist die hohe Kunst bei der Digitalisierung:

die passenden Anwendungsfälle

finden. Damit tun sich

viele Unternehmen, anders als IFM,

schwer, sagt Andreas Bildstein, Leiter

der Forschungsgruppe Umsetzungsmethoden

für die Digitale Produktion

am Stuttgarter Fraunhofer-Institut

für Produktionstechnik

und Automatisierung IPA. Ähnlich

Vielen IT-

Abteilungen

fehlt die Manpower,

die Prozesstrategie

weiterzuentwickeln.

Andreas Bildstein

Fraunhofer-Institut Stuttgart

wie die Experten der HRW um Andreas

Pufall haben die Wissenschaftler

am IPA ein „Tool“ entwickelt,

mit dem Unternehmen analysiert

und Anwendungsfälle gefunden

werden können. Sind diese

gefunden, müssen sie in die richtige

Reihenfolge gebracht und abgearbeitet

werden. Ein großes Problem

bleibt aber: Wer soll das umsetzen?

„Wir erleben in den letzten Jahren

einen Fachkräftemangel im

IT-Bereich. Es gibt zwar in vielen

Unternehmen eine IT-Abteilung, die

sich um die Systeme kümmert, der

aber die Manpower fehlt, die Prozessstrategie

weiterzuentwickeln“,

sagt Bildstein. Der Fraunhofer-Experte

sieht „gute Möglichkeiten für

Hochschulen, passende Ausbildungsgänge

anzubieten“. Allerdings

sei der Prozess langwierig, wer heute

an der Hochschule anfängt, ist

erst in ein paar Jahren fertig, „das

Problem der fehlenden Fachkräfte

ist aber schon jetzt fünf Jahre alt“.

Zudem müsse die Hochschulausbildung

angepasst werden, duale Hochschulen

sieht er hier besser aufgestellt,

auch wegen der Nähe zu Unternehmen.

So wie die HRW, die mit

ihrem Masterstudiengang Technikmanagement

und Optimierung

(TMO) schon länger mit Erfolg auf

genau die Lücke, die Bildstein nennt,

setzt. Anwendungsfälle zu finden,


unternehmen [!] MACHEN 35

damit haben die Studierenden

und Experten der HRW kein

Problem. Bei der Lösung darf

auch ältere Technik helfen.

Wenn es an einem Montageplatz

klemmt, muss schnell ein Techniker

ran und für Abhilfe sorgen.

Früher ging das auf Zuruf,

der Mitarbeiter musste den

Techniker suchen und holen.

„Dann haben wir es mit dem

Handy probiert, das klingelt

aber so oft, dass die Techniker

nicht schnell genug dran gingen“,

sagt Hausler.

Auch über den Einsatz von

Smartwatches hat Hauslers

Team nachgedacht. Aber: damit

die synchron mit dem Firmen-System

laufen, hätte IFM

den Smartphone-Herstellern

Zugriff auf das Firmen-System

erlauben müssen, und da sehen

die IT-Sicherheitsexperten rot.

Die Lösung ist viel einfacher.

IFM setzt Pager, auch „Funkmeldeempfänger“

genannt, ein.

Statt wie früher in der Schwarzwaldklinik

„Professor Brinkmann,

bitte in den OP“, heißt es

in Tettnang heute: „Techniker

bitte zu Arbeitsplatz xy, die Löteinrichtung

ist kaputt.“

Das wichtigste bei der Digitalisierung

und deren Umsetzung

sei eine offene Kommunikation

mit den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, betont Hausler.

Zehn Fachleute kümmern

sich bei IFM momentan um die

Digitalisierung der Produktion,

in der rund 4000 Beschäftigte

arbeiten, nicht nur in Tettnang,

sondern auch in den Werken in

Rumänien und Singapur. Besonders

der Standort Tettnang profitiert

davon. Vor ein paar Jahren

war noch die Rede vom

Rückbau der Produktion, mittlerweile

wird investiert, auch in

neue Produktionsanlagen.[!]


Peter Buyer

8100 Beschäftigte

Robert Buck und

Gerd Marhofer

haben den Sensorhersteller

IFM 1969

in Essen gegründet.

Heute hat das Unternehmen

weltweit

8100 Beschäftigte

und erwirtschaftete

2021 einen Umsatz

von 1,3 Milliarden

Euro. In Tettnang

und vier weiteren

Standorten am Bodensee

wird produziert

und entwickelt.

15 Prozent der Beschäftigten

sind in

Forschung und Entwicklung

tätig, das

Unternehmen hält

1140 Patente.

Die Hochschule

Ravensburg-Weingarten

bietet den Masterstudiengang

Technikmanagement

und Optimierung

(TMO) an, der sich

vor allem an Wirtschaftsingenieure

richtet. In den drei

oder vier Semestern

bis zum Master

of Engineering

(M. Eng.) lernen die

Studierenden auch

die Praxis kennen.

Kontakt zu den Digitalisierungsexperten

um Andreas

Pufall von der HRW:

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spezial

36

SPEZIAL unternehmen [!]

Standort

im Porträt

Neue Impulse

im Schatten

der Nachbarn

Entwicklung Die Innenstadt im Umbruch,

mit Klimaschutz-Projekten wegweisend:

Erbach erneuert sich von innen heraus und

will aus dem Schatten der Nachbarn treten.

Erbach

www.swp-unternehmen.de

Herausstechend im Ortsbild

von Erbach sind

das Renaissanceschloss

und die Rokoko-Kirche

St. Martin. In absehbarer

Zeit wird ein neues Rathaus

dazukommen und noch so

manches neue Gebäude in der

Innenstadt mehr. Denn das Unterzentrum

nahe bei Ulm mit

seinen knapp 14 000 Einwohnern

ist mitten im Umbruch. Die

bereits 2015 eingeleitete Stadtsanierung

hat 1,75 Millionen an

Städtebaufördermitteln nach

sich gezogen und nimmt jetzt,

nach längerem Anlauf, immer

mehr an Fahrt auf.

„Wohin ich blicke – Baustellen“,

freut sich Bürgermeister

Achim Gaus, der von seinem

Amtszimmer aus das Geschehen

ganz unmittelbar verfolgen

kann. Mit dem neuen Marktplatz

und der Bebauung an zwei

Seiten des Platzes hat das neue

Zentrum bereits merklich Konturen

angenommen. Den nördlichen

Rand nimmt der jüngere

Teil des Rathaus-Komplexes ein.

Noch. Denn der – mit Mängeln

im Brandschutz behaftet, zu

klein für die Bedürfnisse der

Verwaltung und nicht barrierefrei

– soll nach derzeitiger Überlegung

abgerissen werden, ein

neues Rathaus dahinter neu

hochgezogen werden.

Ein paar Schritte weiter, auf

dem Areal „Alte Metzgerei“,

entsteht bald ein Wohn- und Geschäftshaus.

Direkt gegenüber

dem Rathaus deutet sich Gaus

zufolge ebenfalls die Möglichkeit

einer Neuordnung an. Sanierung

ist in Erbach meist

gleichbedeutend mit Neubau, zu

marode und kaum revitalisierbar

ist in vielen Fällen die überkommene

Bausubstanz. Sie

stammt zumeist aus Tagen als

die Stadt noch ein von Landwirtschaft

und Kleingewerbe geprägtes

Dorf gewesen ist, fasst

der Bürgermeister die Ausgangslage

zusammen.

Die Sporthalle

ist das größte

Hochbauprojekt

Erbachs aller

Zeiten.

Achim Gaus

Bürgermeister

Gaus hat sich mit großer

Hartnäckigkeit stark gemacht

für den Stadtumbau, einigen Unkenrufen

zum Trotz. Die Schaffung

eines Zentrums ist in den

Überlegungen zentral gewesen,

denn bislang hatte das einstige

Straßendorf keines. Das längst

beschlossene „Strategische Konzept“

sieht einen Branchenmix

vor aus Nahversorgung, Gastronomie

und Wohnen. Im Zuge

dessen Lücken im Facheinzelhandel

zu schließen, dafür

reicht selbst sein Optimismus

nicht aus. Ein Buchladen etwa

wäre wünschenswert.

Immerhin gibt es eine rechtsverbindliche

Definition der innenstadtrelevanten

Sortimente,


unternehmen [!] SPEZIAL 37

darunter Textil und Schuhe, die

im Gewerbegebiet tabu sind.

Punkten will die Stadt mit mehr

Aufenthaltsqualität, was sich im

anstehenden Umbau der durch

die Mitte führenden Erlenbachstraße

widerspiegeln soll. „Das

größte Hochbauprojekt Erbachs

aller Zeiten“ aber entsteht laut

Gaus gerade im Bereich des

Schulzentrums: die neue Sporthalle.

An der Stelle der alten

Halle könnte dann ein Neubau

für die Grundschule entstehen.

Neues Gewerbegebiet

Chancen sieht Gaus in der künftigen

Querspange zwischen B311

und B30, nicht nur, was die Entlastung

vom Durchgangsverkehr

betrifft. Die Gemeinde sieht an

der Auffahrt zur B30 die Gelegenheit

zur Ausweisung des großen

Gewerbegebiets „Breitenried“.

Auf 20 Hektar ausgerichtet,

sei es mit dem Nachbarschaftsverband

bereits

abgestimmt und könne in rund

fünf Jahren zur Verfügung stehen.

Gewerbeflächen in der

2002 zur Stadt erhobenen Kommune

seien derzeit sehr rar, die

Nachfrage aber sei vorhanden.

Nach den Vorstellungen des

Bürgermeisters sollten dort

überwiegend größere Betriebe

aus dem produzierenden Gewerbe

angesiedelt werden.

Schon, um die derzeitige lokale

Wirtschaftsstruktur zu verbreitern

und um höhere Gewerbeeinnahmen

zu generieren. Im

Dreieck von Laupheim, Ehingen

und dem Ulmer Donautal liege

Erbach bislang zu sehr in deren

Schatten. Die rund fünf Millionen

Euro Einnahmen aus der

Gewerbesteuer seien für eine

Kommune der Größenordnung

Erbachs unterdurchschnittlich,

räumt Gaus ohne Umschweife

ein. Das solle sich ändern.

Der Altbau des Rathauses soll bleiben. Der jüngere Teil des

Komplexes soll dagegen abgerissen werden. Fotos: Franz Glogger

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38

SPEZIAL unternehmen [!]

Gewerbe im Wandel

Über den Wohngebieten und dem Industriegebiet thront das Erbacher Schloss.

Foto: © Conné van d’Grachten/Stadt Erbach

Erbacher – in den ersten Nachkriegsjahrzehnten

war dies gleichbedeutend mit den

Skiern dieses Namens. Deren gleichnamiger

Hersteller wiederum, hervorgegangen aus einer

Schreinerei, war so gut wie identisch mit

der lokalen Wirtschaft des Ortes. Mit der Firma

ging es in den 1980er Jahren darnieder,

um dann unter „Hammer Sport“ eine Wiederauferstehung

und eine große Metamorphose

zu erleben. Zurück blieb ein Ort, der

sich wirtschaftlich erst wieder aufrappeln

musste. Statt des einen großen Players gibt

es in Erbach heute ein breites Geflecht überwiegend

kleinerer Gewerbebetriebe, die für

800 Gewerbetreibende stehen. Die Zahl sozialversicherungspflichtig

Beschäftigter hat

von 2160 im Jahr 2005 auf heute rund 2750

zugenommen. Die Firmen Erbacher Härtetechnik,

Interglas-Technologies und die

Großwäscherei Ernst zählen zu den größten

Betrieben am Ort. thv

Die Badeanlage Erbach ist seit etwa 25 Jahren

bei Gästen beliebt.

Foto: Franz Glogger

Was den Standortfaktor Bildung

anbelangt, seien wichtige

Voraussetzungen bereits geschaffen.

Das auf den Weg gebrachte

Digitalisierungskonzept

trage längst Früchte. „Was

EDV-Technik und Digitalisierung

anbelangt, sind wir ordentlich

aufgestellt.“ Eben habe die

Gemeinde einen Administrator

eingestellt, der für die Hardund

Software der Schulen zuständig

ist. Der Traum von einem

Gymnasium aber sei derzeit

ausgeträumt.

Einen besonderen Schwerpunkt

legt die Stadt Erbach seit

einigen Jahren auf energiesparende

und klimaschützende

Maßnahmen. Zu den Meilensteinen

zählt 2015 der Bau der

Hochlastfaulung in der Kläranlage

zur Gewinnung von Strom

und Wärme. Bis dato für Anlagen

dieser Größenordnung als

unrentabel geltend, gelang mit

der Expertise des Fraunhofer-Instituts

und der Konzeption

einer passgenauen Anlage

der Beweis des Gegenteils.

Herzstücke sind ein Blockheizkraftwerk

und eine Heizungsanlage.

„Bei der Technik waren wir

vorne mit dabei“, hebt Gaus den

Pioniercharakter der Anlage

hervor, die sich als sehr erfolgreich

entpuppt habe.

Momentan läuft ein weiteres

Projekt in Zusammenhang mit

der Erbacher Kläranlage: das Pilotprojekt

RoKKa, wiederum

unter der Federführung des

Fraunhofer-Instituts. Dabei geht

es um die Rückgewinnung von

Phosphor und Stickstoff aus

dem anfallenden Klärschlamm,

die mit der Produktion von Mikroalgen

gekoppelt wird und der

Einbau des Klimagases CO 2

in

Folgeprodukte.

Anlass zum Feiern könnte in

diesem Jahr das 20. Jubiläum der

Stadterhebung sein. Eigentlich

sei das kein Jubiläum, meint

Gaus: „Wir feiern das einfach im

Rahmen unseres Stadtfests.“ Immerhin

das gilt als gesetzt.[!]


Thomas Vogel


unternehmen [!] SPEZIAL 39

„Es geht voran“

Betriebe Die Wiederbelebung der Erbacher Innenstadt ist aus Sicht des Gewerbevereins

dringend notwendig. Doch nicht für alle Unternehmen gebe es passende Flächen.

Was für ein Jubiläum!

Vor 300 Jahre gründeten

Erbacher

Handwerker eine

offene Zunft, zu der alle handwerklichen

Berufsgruppen Zutritt

hatten. Auf dieses Gründungsjahr

1722 beruft sich der

Handwerker- und Gewerbeverein

(HGV) Erbach bis heute und

reklamiert, damit der älteste

Verein seiner Ausrichtung in

ganz Deutschland zu sein.

Anlass für eine größere Aktion

wäre also gegeben, doch wegen

der Corona-bedingten Unsicherheiten

fährt der Zusammenschluss

von derzeit rund 120

Gewerbetreibenden derzeit lieber

auf Sicht. Gesetzt ist der

Auftritt beim Stadtfest im Sommer,

informiert der Vorsitzende

Thomas Knöpfle. Einige kleinere

Aktionen seien nicht auszuschließen,

jedoch eine Neuauflage

der Leistungsschau in diesem

Jahr.

Knöpfle, Inhaber eines Autohauses,

kommt schnell auf den

Punkt. Sein Verein setze große

Hoffnungen auf die laufende Innenstadtoffensive.

Er und andere

Unternehmen hoffen darauf,

dass erste konkrete Projekte wie

FOTOS: © CONNÉ VAN D’GRACHTEN/STADT ERBACH

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40

SPEZIAL unternehmen [!]

FOTOS: ©CONNE VAN‘D GRACHTEN/STADT ERBACH

eine Initialzündung wirken und

Privatleute mit weiteren Investitionen

nachziehen, um die Innenstadt

zu beleben.

Chancen und Potenziale sieht

er vornehmlich im Gastro-Bereich

und in spezialisiertem

Fachhandel mit „kleinteiligen

Sortimenten“. Knöpfle hofft auf

einen Ruck und einen Gegentrend,

nachdem die Ortsmitte in

jüngerer Zeit „regelrecht ausgeblutet“

sei. Für diese Entwicklung

seien mehrere Faktoren

ausschlaggebend: zu einem die

Konkurrenz in Gestalt des Fachmarktzentrums

am Ortsrand,

ebenso die Problematik fehlender

Nachfolger bei etablierten

Geschäften. Aber auch die Abwanderung

der Kundinnen und

Kunden in den Online-Handel

lässt Knöpfle ebenfalls nicht außer

Acht.

Gleichwohl betrachtet der

HGV-Vorsitzende die derzeitige

Entwicklung mit Optimismus:

„Es passiert derzeit viel, es geht

voran.“ Den anstehenden Umbau

der Erlenbachstraße nennt

er als weiteres Beispiel mit Signalcharakter.

Geeignete Flächen fehlen

Ein Wort ist bei allem Optimismus

ausgespart: „Großflächig.“

Die Chancen auf Ansiedlung

solcher Handelsbetriebe im Innenbereich

stünden nahe Null,

geht Knöpfle konform mit einer

Fachstudie. Zumindest sehr

skeptisch zeigt er sich, ob Industriebetriebe

nach Erbach zu locken

sind: „Uns fehlt es an geeigneten

Flächen.“ Er plädiert

stattdessen, auf Betriebe mit

geringerem Flächenverbrauch

zu setzen und auf

die bessere Ausoder

Umnutzung

bereits vorhandener

Gebiete und

bringt für diesen

Weg ökologische

Gesichtspunkte ins Spiel.

[!] Thomas Vogel

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Wir hinterlassen gerne Eindruck

Wir, die Firma R. le Roux GmbH sind eine

Druckerei von ganzem Herzen. Seit über

60 Jahren mit Erfahrung im hochwertigen

Druck – und immer noch als rein familiärer

Betrieb in dritter Generation.

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Wohnhaus ins Firmengelände integriert, auf

14.000 m 2 stehen drei Gebäude: das Haupthaus,

das Papierlager und ein Fertigwarenlager.

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prägen, heften, bohren, verpacken und arbeiten

wir an rund 25 Maschinen. Die Nähe zu unseren

Kunden und Partnern war immer unsere Stärke.

Gerade deshalb versuchen wir, persönliche

Kundenkontakte zu pflegen. Wir achten beim

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zertifiziertes Papier an, drucken CO 2 neutral

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unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 41

Göppingen setzt

auf Wasserstoff

HyStarter-Region Der Landkreis

Göppingen ist eine von

bundesweit 15 sogenannten Hy-

Starter-Regionen, in denen es

um die vom Bund geförderte Erarbeitung

eines Fahrplans zur

Etablierung einer regionalen

Wasserstoffwirtschaft und zur

Vernetzung der beteiligten Akteure

geht. Es umfasst ein gemeinsam

abgestimmtes Zielsystem

mit Blick auf das Jahr 2030.

Insgesamt hatte es dafür 65 Bewerbungen

gegeben. Nun wurde

die auf zwölf Monate angelegte

Projektphase bei einer

Auftaktveranstaltung gestartet.

Spätestens in fünf Jahren soll

dann der Wasserstoff im Kreis

als Energiequelle konkret genutzt

werden können und zum

Einsatz kommen.

US-Auftrag

für Schuler

Presswerk Die Göppinger

Schuler Group wird die automatisierte

Pressenstraße für ein

neues Presswerk des Automobil-Herstellers

BMW im US-

Staat South Carolina liefern. Der

bayrische Autobauer wird 200

Millionen Dollar in das neue

Werk in Spartanburg investieren.

Derzeit werden laut BMW

dafür 45 Mitarbeiter aus Spartanburg

in den BWM-Werken in

Leipzig und im englischen Swindon

ausgebildet. „Diese Mitarbeiter

werden auch von Partnern

der Schuler-Group eingearbeitet,“

heißt es. Das Werk soll

2024 die Produktion aufnehmen.

Preis für besten Sweet Table

Preis für besten

Sweet Table

Auszeichnung Heike Krohz

vom Torten und Patisserieservice

„Suess-und-salzig“ in Süßen

hat den Deutschen Wedding

Award gewonnen. Suess-und-salzig

erhielt in der Kategorie

Sweet Table die Auszeichnung

Gold. Der Wedding

Award Germany gilt als Oskar

der deutschen Hochzeitsbranche.

Die Jury hatte mehr als 800

Aus für Cartec Tooling: Ein potenzieller Investor sprang in letzter Minute ab.

Cartec Tooling muss schließen

Einreichungen bewertet. Mit

ihrem fünf Meter langen

Sweet-Table-Konzept hatte

Krohz die Jury überzeugt. Nach

schwierigen Jahren sei der Preis

Motivation für die kommenden

Monate. 2022 verspreche einen

wahren Hochzeitsboom.

Teamviewer will

SE werden

Software Das Göppinger Software-Unternehmen

Teamviewer

beabsichtigt die Umwandlung

in eine Europäische Aktiengesellschaft

(SE). Das Leitungssystem

aus Vorstand und Aufsichtsrat

bleibt jedoch bestehen, teilt

Teamviewer mit. In der ordentlichen

Hauptversammlung am

17. Mai sollen die Aktionäre über

die Pläne abstimmen. Aktionäre

würden dann automatisch zu

Aktionären der Teamviewer SE.

Der Unternehmenssitz werde in

Göppingen bleiben. Das Unternehmen

beschäftigt rund 1500

Mitarbeiter und erzielte im vergangenen

Jahr einen Umsatz

von rund 500 Millionen Euro.

Ergebnis geht

zurück

Kreissparkasse Die Kreissparkasse

Göppingen hat für das Jahr

2021 noch kein endgültiges Betriebsergebnis

präsentiert. Zu

viele Schwankungen seien bis

zum Abschluss im Juli noch zu

erwarten, heißt es von Seiten

des Vorstands. Soviel ist allerdings

schon klar: Das operative

Ergebnis sank um 4,6 Millionen

auf 35,2 Millionen Euro.

Foto: Giacinto Carlucci

Der Göppinger Werkzeugbauer Cartec Tooling, der

bis vor zwei Jahren zu Schuler gehörte, muss schließen.

Ein potenzieller Investor sprang in letzter Minute

ab. Rund 140 Mitarbeiter werden in den kommenden

Wochen ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Unternehmen

muss nun komplett abgewickelt werden. Betriebsratsvorsitzender

Siegfried Skale rechnet damit,

dass die Beschäftigten im Mai die Kündigungen bekommen.

Derzeit verhandeln Betriebsrat und IG Metall

den Sozialplan und Interessenausgleich. Die Betriebsstilllegung

ist auf den 31. Juli terminiert, sagt

Schäfer. Eine Transfergesellschaft sei laut Betriebsrat

aus finanziellen Gründen nicht möglich. Ende

September hatte das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung

beantragt gehabt, zum 1. Januar 2022

war dann die reguläre Insolvenz eröffnet worden.

Rekordumsatz

für Mink

Industriebürsten Nach einem

herausfordernden ersten Pandemie-Jahr

konnte der Göppinger

Industriebürstenhersteller Mink

2021 ein starkes Wachstum erzielen.

Mit 60 Millionen Euro

Umsatz konnte der Marktführer

einen Höchstwert in der Firmengeschichte

vermelden.

Möglich war dies aufgrund einer

vielfältigen Kundenstruktur.

Die Zeichen stünden daher weiter

auf Wachstum, vermeldete

das Unternehmen mit seinen

460 Mitarbeitern und weltweit

20 000 Kunden zuletzt. Gebremst

würde dies nur durch die

derzeit allgegenwärtigen Materialengpässe,

coronabedingte

Quarantäneausfälle und den

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.[!]


42

LEBEN unternehmen [!]

Der Rumpf des Schiffes MS Altenrhein ist noch gut erhalten, was David Dornier und Karsten Timmerherm freut.

Fotos: Sigrid Balke

Ein Zeitzeuge kieloben

Die private Seite David Dornier ist derzeit mit der Restaurierung des Arbeits- und

Zubringerbootes des legendären Flugschiffes Do X beschäftigt. Weitere Pläne hat der

umtriebige Enkel des Flugpioniers Claude Dornier schon in der Schublade.

Regelmäßig verließen

nachts zwei Arbeitsboote

mit Baufertigteilen

die Dornier Werft in

Friedrichshafen Seemoos, sorgfältig

abgedeckt, um den Transport

in die neutrale Schweiz vor

neugierigen Blicken zu schützen.

Eines dieser Arbeitsboote,

das nach mündlicher Überlieferung

für diese Transporte genutzt

wurde, war die MS Altenrhein.

Sie war benannt nach dem

Ort, an dem sie bei der Fertigung

des legendären Flugbootes

Do X zum Einsatz kam.

Damals war die Zeit der Weimarer

Republik. Deutschland

war durch den Versailler Vertrag

der Bau von Flugzeugen

weitgehend untersagt. Mit einer

Niederlassung auf der Schweizer

Seeseite umging Claude

Dornier diese Einschränkung.

Im Juli 1929 startete die Do X zu

ihrem Jungfernflug. Die Arbeitsboote

wurden als Zubringer für

die Passagiere genutzt.

Als Zeitzeuge tauchte die MS

Altenrhein nach fast 100 Jahren

wieder auf und wurde 2020 als

Schenkung dem Dornier Museum

in Friedrichshafen angeboten.

David Dornier, damals Leiter

des Museums und Vorsitzender

der Dornier Stiftung für

Luft- und Raumfahrt, nahm das

Angebot des Schweizer Eigners

trotz der absehbar aufwändigen

Restaurierung an. „Eine perfekte

Ergänzung der Museumspräsentation,

mit dem Potential für

eine touristische Vermarktung.

Als Museumsleiter konnte ich

Es war

eine

Entscheidung

aus dem Bauch

heraus.

David Dornier

Ex-Leiter des Dornier-Museums

das nicht ablehnen“, erklärte

Dornier seine Begeisterung.

Nachdem sie einige Jahre als

Freizeitboot auf dem Rhein unterwegs

gewesen war, lag der

Backdecker zu diesem Zeitpunkt

im elsässischen Mulhouse.

Das elegante Boot war ziemlich

verändert mit eineinhalbstöckigen

Auf- und diversen

Einbauten, aber mit einem

Rumpf im Originalzustand.

Noch bevor das Boot seinen

neuen Platz im Museum fand,

verließ Dornier das Museum

Ende 2020. Die Restaurierung

der MS Altenrhein wurde zur

privaten Angelegenheit und zur

Passion von David Dornier:

„Das ‚Beiboot’ zur Do X ist von

historischer Bedeutung und Teil

der Unternehmensgeschichte.


unternehmen [!] LEBEN 43

Senkrechtstarter und Flugboot

Diese Werte zu erhalten ist die

Motivation, die mich antreibt.“

Gebaut wurde es 1927 bis 1928

zusammen mit dem Schwesterschiff

MS Manzell nach Konstruktionsplänen

von Dornier-Testpilot

Franz Zeno Diemer

in der Bodanwerft in Kressbronn.

Zahlreiche Fotos dokumentieren

das ursprüngliche

Aussehen, außerdem existiert

noch die genaue Baubeschreibung

der MS Altenrhein.

2500 Stunden veranschlagt

Während sich die Spur der MS

Manzell bereits 1933 mit der

Ausmusterung der Do X verlor,

war die MS Altenrhein noch 1955

bei der Bergung eines abgestürzten

Kampfjets auf der

schweizerischen Seite des Sees

zu sehen. Die Dornier Werke Altenrhein

waren bereits 1949 in

den Besitz der Schweiz übergegangen

und in Flug- und Flugzeugwerke

Altenrhein umbenannt

worden. Danach gibt es

keine Fotos oder Dokumente

über den weiteren Verbleib. Erst

1990 wurde das Boot wiederentdeckt,

von einem Liebhaber restauriert,

und anschließend bis

zur Schenkung an David Dornier

privat genutzt.

Der für das Frühjahr 2020 geplante

Transport von Mulhouse

nach Friedrichshafen musste

wegen der Corona-Pandemie

auf den Sommer verschoben

werden. An der Entscheidung,

das Boot in Privatinitiative zu

restaurieren, änderte das nichts.

„Es war eine Entscheidung aus

dem Bauch heraus und mit dem

Gefühl, dies meinem Großvater

schuldig zu sein“, sagte Dornier.

Mit im Boot war die Michelsen-Werft,

die auf die Restaurierung

und den Bau von Holzbooten

spezialisiert ist. Karsten

Timmerherm, Eigentümer der

Michelsen-Werft und, wie David

Dornier, ein Bewunderer

der eleganten Konstruktion

des historischen Backdeckers,

fuhr nach Mulhouse

und sägte als erstes die

Aufbauten ab. „Die waren

zwar hochwertig, aber

nicht original und

der Transport mit

dem Tieflader

wäre damit

Die Do X war ein Verkehrsflugschiff, das 1929 gebaut wurde.

Die

Aufbauten

waren zwar

hochwertig, aber

nicht original.

Karsten Timmerherm

Eigentümer der Michelsen Werft

David Dornier

studiert die

Baupläne.Foto:

Sigrid Balke

Im Jahr 1914 stellte Ferdinand

Graf von Zeppelin dem Maschinenbauingenieur

Claude Dornier

ein eigenes Entwicklungsbüro

zur Verfügung. Während des

Ersten Weltkrieges baute Dornier

Riesenflugboote, Jagd- und

Aufklärungsflugzeuge. Während

des Zweiten Weltkrieges Jagdflugzeuge

und Bomber. 1967

baute Dornier den weltweit ersten

Senkrechtstarter. In den

60er Jahren entwickelte sich

das Unternehmen zur Technologieschmiede,

mit den Sparten

Raumfahrt, Verteidigungstechnik,

Elektronik und Medizintechnik.

FOTO: PICTURE ALLIANCE/ULLSTEIN BILD

nicht möglich gewesen.“ Derzeit

steht die MS Altenrhein

kieloben in der Werfthalle in

Friedrichshafen-Seemoos, dem

Ort, an dem sich 1914 die Keimzelle

des Unternehmens Dornier,

die Abteilung Do, befand.

Rund 2500 Arbeitsstunden veranschlagte

der Bootsbauer und

Werftbesitzer für die Restaurierung.

David Dornier finanziert

die Restaurierung und arbeitete

anfangs selbst mit. Das Einsetzen

von verbindenden Holzstäben

statt einer Gummidichtung

und der Ersatz von morschen

Planken war dann Sache

der Spezialisten.

Der Rumpf aus Lärchenholz

ist inzwischen fertig und der Eichenkiel

mit der bronzenen

Wellenanlage wieder seetauglich.

Als nächstes folgt der möglichst

originalgetreue Innenausbau.

Fotos von der Kajüte gibt

es aus jener Zeit nicht, aber da

die Baubeschreibung erhalten

ist, hat Dornier eine ziemlich

genaue Vorstellung von

der Ausstattung.

Welche Aufgaben

die MS Altenrhein

nach

ihrer Fertigstellung

übernehmen wird, steht

noch nicht fest. Wenn es planmäßig

Spätsommer 2022 wird,

soll das historische Boot seinen

Liegeplatz im Hafen vom Württembergischen

Yacht-Club in

Friedrichshafen bekommen und

während der Wintermonate im

Dornier Museum. „Bis dahin

sollte noch das Thema Motorisierung

geklärt werden. Es hätte

Stil, sie mit einem Nachbau

des Originalmotors zu Wasser

zu lassen. Mein Großvater konnte

über freundschaftliche Beziehungen

zu Karl Maybach damals

günstig einen 65 PS Sechszylinder

Maybach S1 bekommen und

der Nachbau eines solchen Motors

oder ein Original, gehört

auch jetzt wieder an seinen

Platz“, sagt Dornier.

Wenn die Boots-Restaurierung

abgeschlossen ist, hat er

schon neue Pläne. Sein nächstes

Projekt ist die zeitnahe Restaurierung

der Dornier Villa, dem

ehemaligen Wohnhaus seines

Großvaters. Und danach? David

Dorniers Idee vom Bau eines

Flugbootes wie der Do X mit

Elektromotoren erscheint visionär,

aber nicht unmöglich. [!]


Sigrid Balke


44

MACHEN unternehmen [!]

Technische Basis für

moderne Bürokultur

Gebäudeausrüstung Ob das Buntweber-Areal im heimischen

Eislingen oder das „T1“-Hochhaus in Frankfurt: Die Salvia-Gruppe

revolutioniert die Steuerung von Gebäuden – und wächst rasant.

Das Tempo, mit dem das

Eislinger Elektro- und

Gebäudetechnikunternehmen

Salvia wächst,

ist atemberaubend. Vor 13 Jahren

gegründet beschäftigt der

Spezialist für Elektrotechnik in

Bauprojekten jeder Größenordnung

heute rund 1400 Mitarbeiter

an 23 Standorten. Und die

Weichen für eine weitere Expansion

sind bereits gestellt.

Firmenchef Filippo Salvia hat

mit dem Stuttgarter Digitalisierungsspezialisten

BlueRange

eine strategische Partnerschaft

geschlossen. Die beiden Unternehmen

bieten laut Salvia ein

Gesamtkonzept nun an, um Gebäudetechnik

zu vernetzen und

Prozesse zu digitalisieren. Dagegen

würden Mitbewerber europaweit

noch auf Einzelkomponenten

setzen.

Auch Arbeitsplätze

werden über App

gebucht. Fotos: CA IMMO

Arbeitswelt verändert sich.

Das Eislinger Unternehmen profitiert

dabei stark von neuen Arbeitsweisen

und einer veränderten

Bürokultur. Die digitale Ausrüstung

von Bürogebäuden

spielt daher eine immer wichtigere

Rolle. Auch die Gebäude

selbst werden smart. Das bietet

Salvia und BlueRange nach eigenen

Angaben jede Menge Potenzial

für die Zukunft.

Bei der mobilen

Übertragung

von Daten in

Gebäuden gibt es

oft Probleme.

Jonas Kaufmann

Geschäftsführer BlueRange GmbH

Beim Pilotprojekt auf dem

ehemaligen Areal der Buntweberei,

das nun Gastronomie,

Eventlocation, Hotel, Fitnesstudio,

Seminarhaus und Shops beherbergt,

sind digitalisierte Arbeitsplätze

verknüpft worden,

die durch eine eigens entwickelte

App, namens Lucas, gesteuert

werden. Der Produktname

setzt sich aus den italienischen

Wörtern Luce (Licht) und Casa

(Haus) zusammen.

Die technische Lösung, mit

der die einzelnen Komponenten

miteinander kommunizieren,

hat sich BlueRange patentieren

lassen. Mobile Datenübertragung

habe in Gebäuden auch

aufgrund der in Deutschland

mangelhaften Netzabdeckung

ein Übertragungsproblem,

Wlan-Systeme benötigten immer

die Verbindung zu einem

Access Point, erläutert Jonas

Kaufmann, Geschäftsführer

der BlueRange GmbH.

Das auf Bluetooth 4.0

aufbauende sogenannte

Mesh-System von Blue-

Range hat nicht nur den

Vorteil, sparsam zu sein

bei gleichzeitiger hoher

Datenübertragungsmöglichkeit,

sondern auch,

dass jedes Element in der

Kette Sender und Emp-

Das Hochhaus „T1“

entsteht derzeit im

Frankfurter Bankenviertel

und soll 2024 bezugsfertig

sein. Dort werden

moderne Büro-Konzepte

umgesetzt. Das digitale

Gebäudemanagement

kommt von Salvia.


Fotos: CA IMMO


unternehmen [!] MACHEN 45

fänger ist. Anders als bei Wlan

kann die Kette daher kaum gesprengt

werden.

Über die Vernetzung diverser

Geräte wie beispielsweise

Leuchten, Jalousien und der Lüftung

erkennen Räume durch einen

Präsenzmelder die Belegung

und stellen sich optimal

selbst darauf ein. Darüber hinaus

kann auch der CO 2

-Gehalt

im Raum gemessen und die Belüftung

entsprechend angepasst

werden, sagt Kaufmann. Auch

die Buchung von Arbeitsplätzen

erfolgt über die Lucas-App

Dank flexibler

Buchung der

Räume benötigen

Firmen viel weniger

Bürofläche.

Filippo Salvia

Geschäftsführer

„Dank der flexiblen Buchung

der Räume können erhebliche

Raumeinsparungen erzielt werden.

So konnten 60 Prozent der

Bürofläche am Salvia-Standort

Borken eigespart werden“, erklärt

Geschäftsführer Salvia.

Über die App können Mitarbeiter

auch gefunden werden.

„Es handelt sich dabei um kein

Überwachungsinstrument“, betont

Jonas Kaufmann ausdrücklich.

Vielmehr werde damit vermieden,

dass die Flexibilität der

Shared Desks mit all ihren positiven

Begleiterscheinungen

nicht zu Produktivitätsverlusten

durch längere Suchaktionen

führe. Die Themen Datenschutz,

Energieeinsparung und Arbeitsplatzrichtlinien

seien bei Lucas

von zentraler Bedeutung.

Das System habe den entscheidenden

Vorteil, dass es unabhängig

von Datenkabeln ist.

In konventionellen Gebäuden

ist nach seinen Worten das

Rückgrat der Kommunikation

auf Kupfer gebaut. Kupferkabel

verlaufen kilometerweit in jedem

Bürogebäude. Zum Teil

mehrfach in unterschiedlicher

Ausprägung. Kabelkanäle mit

zig verschiedenen Kabeltypen

ziehen sich durch die Gebäude.

Durch das Mesh-System werden

Informationen sozusage „huckepack“

durch das Gebäude weitergereicht,

zu einem Bruchteil

der Kosten, die bei einer Kabellösung

anfallen würden.

Mitbewerber auf dem Markt

würden meist nur einen Teil anbieten,

entweder die App oder

sie verlegten virtuelle Kabel.

Einmalig am Konzept aus Eislingen

und Stuttgart sei die

Durchdringung des Themas,

von der App bis zur Sensorik,

durch die Bündelung der Kompetenzen

von Salvia und Blue-

Range. „Alle Schnittstellen von

der IT über Programmierung bis

zur Gebäudeautomation werden

abgedeckt“, sagt Salvia.

Inzwischen bekunden auch

andere große Immobilienentwickler

Interesse an der Lösung.

Das Bürogebäude „ZigZag“ am

Zollhafen in Mainz setzt die Gebäudeautomation

von Blue Range

ein. In Frankfurt wird derzeit

der 191 Meter hohe, 55-geschossige

Hotel- und Büroturm „T1“,

der dritthöchste und mit 1,4 Milliarden

Euro teuerstes Büroturm

Deutschlands, durch Salvia mit

einer Lichtsteuerung von BlueRange

ausgestattet. In Berlin

folgt in den nächsten Monaten

das Büroprojekt Grasblau. [!]


Axel Raisch

1400 Mitarbeiter an 22 Standorten

Die Salvia-Gruppe

erwirtschaftete 2021

mit 1400 Mitarbeitern

an 22 Standorten einen

Umsatz von 190

Millionen Euro Umsatz.

Der Spezialist für Elektrotechnik

und Gebäudeausrüstung

bildet

den gesamten technischen

Lebenszyklus

der Gebäudetechnik

ab. Dementsprechend

reicht das Leistungsspektrum

von der

Die Firmenzentrale von Salvia in Eislingen an

der Fils.

Foto: Giacinto Carlucci

Energieversorgung

über Elektroinstallationen

bis hin zu Smart

Home.

Die BlueRange

GmbH ist spezialisiert

auf die Digitalisierung

von Gebäuden. Sie ist

Teil des Stuttgarter

IT-Unternehmens

Mway Group, das 2021

mit 79 Mitarbeitern einen

Umsatz von 7 Mlllionen

Umsatz erzielte.


spezial

46

SPEZIAL unternehmen [!]

Nachhaltig

Mehr Tempo

nötig beim

Recycling

Verwertung Viele halten Plastik für das

Problem. Dabei könnte es ein zentraler Teil

der Lösung sein – und Ressourcen schonen.

Doch dafür muss sich einiges ändern.

www.swp-unternehmen.de

FOTO: © THISISME/SHUTTERSTOCK.COM

Wenn es um das Thema

Nachhaltigkeit

geht, dann steht

kaum ein Material

mehr im Fokus als Kunststoff.

„Plastik ist das Problem“, gibt

Thomas Seul die langläufige

Meinung wieder, etwa wenn es

um die Verschmutzung der

Weltmeere geht. Es sei überall

vorhanden, sagt der Hochschullehrer

und Vizepräsident für

Forschung und Transfer der

Hochschule Schmalkalden.

Das Ausmaß des Entsorgungsthemas

und damit fürs Recycling

ist riesig: Zwischen 1950

und 2015 wurden rund 8,3 Milliarden

Tonnen Kunststoff produziert,

6,3 Milliarden Tonnen

davon verbleiben. Plastik verfällt

zwar in immer kleinere Teile,

wird aber nicht abgebaut.

Eine PET-Flasche zum Beispiel

hat eine Halbwertzeit von

450 Jahren.

Mittlerweile hat jedoch auf

breiter Front ein Umdenken begonnen.

Markenartikel-Riesen

wie Henkel und Beiersdorf wollen

den Anteil von Neuplastik

in ihren Produkten verringern,

bis 2025 sollen die Verpackungen

aus 25 bis 30 Prozent recycelten

Kunststoffen bestehen.

Weil auch der politische Druck

wächst, ist Rezyklat nun ein begehrtes

Gut. So überarbeitet die

Europäische Union gerade

ihre Verpackungsrichtlinie.

Diese wird wohl Unternehmen

dazu verpflichten, Rezyklate in

Verpackungen einzusetzen. Bisher

wurden nur 19 Prozent der

in Deutschland pro Jahr verbrauchten

14 Millionen Tonnen

Kunststoffe werkstofflich verarbeitet,

also klassisch recycelt,

indem Altkunststoffe zu neuen

Rohstoffen oder neuen Formteilen

verarbeitet werden.

Neben dem werkstofflichen

Recycling, zum Beispiel durch

Zerkleinerung, wird auch das

energetische Recycling praktiziert,

etwa mit der Rückgewinnung

von Energie durch Verbrennen.

Große Hoffnungen

setzt Wissenschaftler Seul aber

auf das chemische Recycling,

bei dem die Polymere in Monomere

zerteilt werden, die anschließend

wiederverwertet

werden können.

Doch es gibt zwei Haken:

Zum einen die hohen Kosten,

zum anderen kommt das Verfahren

nur für Polyolefine in

Frage. Polyolefine sind teilkristalline

Kunststoffe mit guter

Chemikalienbeständigkeit und

guten elektrischen Isolationseigenschaften.

Sie sind die weltweit

am meisten produzierten

Kunststoffe. „Ich sehe da ein

großes potenzielles Feld, mit

dem man sich auseinandersetzen

sollte“, betont Seul anlässlich

des Online Praxisforums

Kunststofftechnik.

Komplexität als Chance

Fortschritte sind jedenfalls notwendiger

denn je. Der „Green

Deal“ der EU-Kommission sieht

vor, dass bis 2050 keine Netto-Treibhausgase

mehr ausgestoßen

werden – und das bei


unternehmen [!]

SPEZIAL

47

Wirtschaftlichkeit und stabilem

Wirtschaftswachstum ohne das

Thema soziale Gerechtigkeit zu

vernachlässigen. „Wir müssen

uns der Nachhaltigkeit widmen,

sonst kann es düster für uns aussehen“,

mahnt Seul, der darin

aber zugleich eine Chance für

die deutsche Branche sieht. Sie

könne sich durch innovative Lösungen

von anderen Regionen

der Welt absetzen: „Die Komplexität

der Lösung ist unsere

Chance.“ Es gehe darum, sich

so zu befähigen, um im Produktionsprozess

Nachhaltigkeit

umzusetzen und damit

einen Wettbewerbsvorteil zu

erringen.

Dafür sei es es von zentraler

Bedeutung, dass der jungen

Generation die Attraktivität

der Branche verdeutlicht

werde: „Wir müssen die richtigen

Köpfe für unsere Branche

gewinnen. Wie können junge

FOTO: © MARTI BUG CATCHER/SHUTTERSTOCK.COM

Leute in unserer Branche nutzenstiftend

arbeiten.“ Es gebe

Studiengänge, die keine Studienanfänger

zu verzeichnen hätten,

wenn es um Kunststoff geht.

Dem Nachwuchs müsse vermittelt

werden: „Kunststoff ist nicht

das Problem, es ist Teil der Lösung“.

Die Rekrutierung junger

Talente sei entscheidend für die

Zukunftsfähigkeit der Branche:

In zehn Jahren werden, so Seul,

rund 80 Prozent des Umsatzes

mit heute unbekannten oder

nicht vorhandenen Erzeugnissen

erwirtschaftet.

„Wir stehen an einem sensiblen

Punkt“, sagt Ingemar

Bühler, Hauptgeschäftsführer

Plastics Europe Deutschland.

„Die Herausforderung wird in

den nächsten 45 Jahren darin liegen,

die Kreislaufwirtschaft zu

ermöglichen, aber auch die

Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.“

Die Umsetzung der Kreis-

Anzeige

25 Jahre Müllheizkraftwerk Ulm-Donautal

Vor 25 Jahren ging das Müllheizkraftwerk

(MHKW) Ulm-Donautal in Betrieb. Auf der einen

Seite steht die Entsorgung des Abfalls von

mittlerweile 1,2 Millionen Einwohnern – auf der

anderen Seite die Produktion von Strom und

Fernwärme aus dem „Rohstoff Müll“.

Im Jahr 2021 wurden im MHKW rund 169.000

Tonnen Abfälle verbrannt und daraus Strom und

Fernwärme erzeugt. Die Fernwärme fließt in das

Netz der FUG (Fernwärme Ulm GmbH), die auch

die Betriebsführung im MHKW innehat. Der

Strom, soweit nicht in der Anlage benötigt, fließt

ins Stromnetz im Stadtgebiet.

Aktiver Beitrag zur CO2-Reduzierung

Das MHKW ist einer der größten regionalen Energieproduzenten.

Im vergangenen Jahr wurden

45 Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist.

164 Millionen Kilowattstunden Fernwärme

wurden ans Netz der FUG abgegeben.

Rund 50 Prozent der brennbaren Inhaltsstoffe im

Restabfall sind organischen Ursprungs. Diese so

genannten biogenen Anteile sind als erneuerbare

Energien einzustufen. Anders als Kraftwerke

mit fossilen Brennstoffen leisten die Müllverbrennung

und Energieerzeugung aus Restmüll

einen aktiven Beitrag zur CO 2 -Reduzierung.

Lernen Sie das MHKW kennen – bei einer Gruppenführung

oder an dem Tag der offenen Tür am 15. Mai

2022 (Details unter: www.zv-tad.de)

Hohe Umweltstandards eingehalten

Die Messwerte der Emissionen zeigen: Die Anlage

liegt kontinuierlich und seit Jahren unter allen

Grenzwerten – strengen Grenzwerten, die das

Regierungspräsidium Tübingen als Aufsichtsbehörde

festgesetzt hatte. Umweltmessungen in

der Umgebung durch den Zweckverband TAD

auf freiwilliger Basis beweisen: Von der Anlage

gehen kein negativen Auswirkungen aus.

Fakten und Vorteile des MHKW

· Verwertung der Verbrennungsenergie spart

große Mengen an fossilen Brennstoffen, jährlich

ca. 40.000 Tonnen Heizöl – das entspricht über

1.000 Tankwagen.

· Eine Tonne Abfall liefert gleich viel Energie wie

ca. 300 Liter Heizöl.

· Abdeckung des jährlichen Wärmebedarfs von

durchschnittlich 8.000 EFH mit Fernwärme.

· Stromabgabe wie 9.500 EFH pro Jahr

zusammen durchschnittlich verbrauchen.

· Energie aus der Verbrennung/Verwertung von

Abfall gilt zu 50 % als erneuerbare Energie.

· Standortvorteil: angebunden an das Fernwärmenetz

der FUG – Versorgung zahlreicher

Privathaushalte und Industrieunternehmen mit

Fernwärme.

ZWECKVERBAND TAD

Thermische Abfallverwertung Donautal

Schillerstraße 30 · 89077 Ulm

www.zv-tad.de


48 SPEZIAL unternehmen [!]

laufwirtschaft ist nach seiner

Einschätzung die größte Transformation

der gesamten Branche.

Stoffe so lange und effizient

wie möglich zu nutzen und sie

dann am Ende ihres Lebenszyklus

wieder zurückgewinnen –

dadurch würden wertvolle Rohstoffe

für neue Produkte gewonnen.

„Die Zukunft kann nur gelingen,

wenn die klimaneutrale

Kreislaufwirtschaft Realität

wird“, betont Bühler. Die technologischen

Bedingungen dafür

seien bereits vorhanden. Um die

angestrebten Ziele zu erreichen,

müssten drei „wichtige Pfade“

beschritten werden: Während

weltweit Abfallsammlung sowie

entsprechende Managementsysteme

ausgebaut werden müssten,

sollten Industrieländer wie

Deutschland die Entwicklung

hochmoderner Anlagen für mechanisches

Recycling vorantreiben.

Für letzteres investierten

die Mitgliedsunternehmen des

Verbands Plastics Europe

Deutschland in das chemische

Recycling einen hohen einstelligen

Milliarden-Euro-Betrag.

Der zweite wichtige Schritt

sei eine Lösung weg von Öl und

Gas hin zu Biorohstoffen, wenn

es um die Herstellung von

Kunststoffen geht. Die dritte wesentliche

Säule sei der Ausbau

erneuerbarer Energien bei

gleichzeitiger Vernetzung aller

beteiligten Branchen und Gewerke.

Um dieses Ziele zu erreichen,

hat der Verband die Initiative

„Wir sind Kunststoff“ mit

dem Verband Deutscher Maschinen-

und Anlagenbau und

weiteren Verbänden in Leben

gerufen. Hinter diesem Bündnis

stehen mehr als 3500 Unternehmen

der Kunststoffindustrie,

dem sechstgrößten deutschen

Industriesegment, die mit

Die Möglichkeit

zum Einsatz

von Rezyklaten

muss verbessert

werden.

Verbandsgeschäftsführer

Ingemar

Bühler.

500 000 Beschäftigten einen

Jahresumsatz von mehr als 100

Milliarden Euro erwirtschaften.

Der Verband, so Bühler, sehe

sich auch als Treiber für die

Kreislaufwirtschaft. Dabei sei

aber von der Politik ein eindeutiges

Bekenntnis zu neuen Technologien

nötig, mehr Offenheit

gegenüber Innovationen sowie

ein rechtliches Umfeld, das Investitionen

sicher und zügig ermöglicht.

Neben recyclinggerechter

Produktgestaltung, dem

Ende des Ökodumpings durch

den Export von Alt-Kunststoffen

und dem EU-weiten Ende

der Deponierung von Altkunststoffen,

müssten die Entsorgungs-

und Verwertungsstrukturen

ausgeweitet und die

Marktbedingungen für den Einsatz

von Recyclaten verbessert

werden. Dafür, so Bühler, brauche

es einen klaren politischen

Fahrplan. [!] Wilfried Urbe

Gäste unterstützen Baumpflanz-Aktion

Maritim Hotel Ulm sorgt für mehr Nachhaltigkeit mit „Pro Tomorrow”

Weniger Energie- und Wasserverbrauch, weniger Speisereste,

effiziente Mülltrennung, reduzierter Einsatz

von Reinigungsmitteln – seit vielen Jahren arbeitet das

Maritim Hotel Ulm genau wie alle anderen Hotels der

deutschen Maritim-Gruppe daran, noch umweltfreundlicher

zu werden. Mit der Aktion „Pro Tomorrow“ ist

nun eine weitere Nachhaltigkeitsinitiative gestartet:

Wer mehrere Tage in einem Maritim Hotel verbringt,

kann täglich entscheiden, ob er eine Zimmerreinigung

wünscht oder nicht – und damit regionale Umwelt- und

Sozialprojekte fördern.

Im Maritim Hotel Ulm hat sich Direktor Helge Timm mit seinem

Team für ein Aufforstungsprojekt mit „Plant-my-tree“

entschieden. Schon seit gut einem dreiviertel Jahr machen

viele der Gäste im Maritim Hotel Ulm mit – und haben dazu

beigetragen, dass bereits 375 Bäume gepflanzt werden

konnten.

„Einfach super“, findet das Helge Timm und freut sich über

die gute Zusammenarbeit mit den erfahrenen Spezialisten.

Bereits seit 2009 führt die „Plant-my-tree“-Initiative Aufforstungsprojekte

zur CO²-Kompensierung in ganz Deutschland

durch, Ziel sei der Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland

– also da, wo unser CO²-Ausstoß auch erfolgt, teilt „Plantmy-tree“

mit. Über Jahrzehnte hinweg entstehe so ein natürlicher

Lebensraum für Insekten und Tiere. Die nachhaltigen

Baumpflanzungen auf den hauptsächlich eigenen Flächen

sowie geplante Projekt-Laufzeiten von mindestens 99 Jahren,

in denen keine Abholzung oder wirtschaftliche Nutzung

erfolgen soll, unterstreichen die langfristigen Klimaschutz-

Ziele, so „Plant-my-tree“.

„Jeder Baum zählt und trägt zum Umwelt- und Klimaschutz

bei“, meint auch Helge Timm und hofft auf viele weitere

Bäume, die mit dem Beitrag der Gäste in Zukunft noch gepflanzt

werden können.

Und wie geht das genau? In jedem Hotelzimmer liegen die

neuen Pro Tomorrow Säckchen und der dazugehörige Infoflyer

bereit. Wer sich gegen die Zimmerreinigung entscheidet,

hängt das Säckchen bis 00:00 Uhr außen an die Hotelzimmertür

– und findet darin am nächsten Tag ein kleines Dankeschön.

Jede nicht erfolgte Zimmerreinigung kommt einer

ausgewählten Initiative vor Ort zugute.

„Die Idee ist bei Maritim nicht ganz neu“, erklärt Helge Timm,

denn in einigen Hotels der Maritim Gruppe gab es zuvor eine

mehrmonatige Testphase. „So haben wir genau geprüft,

wie unsere Gäste auf die Initiative reagieren und wie wir ihr

Engagement bestmöglich für Umwelt und Soziales einsetzen“,

erklärt er und ergänzt: „Der regionale Bezug ist sehr

wichtig. Deshalb entscheidet jedes Maritim Hotel selbst,

welches nachhaltige lokale Projekt unterstützt werden soll.“

Die Maritim Hotelgesellschaft ist als inhabergeführte deutsche

Hotelkette aktuell an 24 Standorten in ganz Deutschland

und in sieben Ländern im Ausland vertreten: Mauritius,

Ägypten, Malta, Spanien, Albanien, Bulgarien und China

(www.maritim.de).

Maritim Hotel Ulm

Basteistraße 40 | 89073 Ulm

Telefon: +49 (0) 731 923-0

E-Mail: info.ulm@maritim.de

Einchecken und gleichzeitig etwas für den Naturschutz tun:

Das können Gäste jetzt im Maritim Hotel Ulm mit „Pro Tomorrow”.


Anzeige 49

Wasser ist Leben – wir leisten einen

Beitrag zu seiner Reinheit

Wasser ist eine der kostbarsten Ressourcen.

Diese zu schützen und wirtschaftlich erneuerbar

zu machen, ist unser Antrieb.

Mit dem Bau und der Inbetriebnahme

unserer

EVA (Emulsions-Verwertungs-Anlage)

haben wir

in eine nachhaltige Abfallwirtschaft

investiert.

In unserer Verdampferanlage

können wir,

mithilfe des vollautomatisch

gesteuerten VACU-

Andreas Knittel – DEST-Verfahrens, industrielle

Öl-Wasser-Gemi-

3. Generation im

Familienunternehmen sche für die anschließende

stoffliche Verwertung

und Entsorgung aufbereiten. Durch das Verdampfen

unter Vakuum und einer ausgeklügelten

Wärmerückgewinnungstechnik arbeitet unsere

Anlage mit einem vergleichsweise geringen

Energieaufwand. Auf dem Dach installierte

PV-Module versorgen die Anlage teilweise mit Eigenstrom.

Durch die so optimierte Deckung des

Energiebedarfs arbeitet unser Aufbereitungssystem

zugleich kosteneffizient und nachhaltig.

Ein wertvoller Beitrag zur Ressourcenschonung

und Rohstoffgewinnung aus Abwässern.

Aufbereitung und Verwertung mit EVA

Mit unserer EVA (Emulsions-Verwertungs-Anlage)

bieten wir eine hochmoderne und innovative

Lösung zur nachhaltigen Aufbereitung von Abwässern

an. In vielen Industrie- und Gewerbebetrieben

fallen Öl-Wasser-Gemische, Bohr- und

Bearbeitungsemulsionen, Waschwässer oder

sonstige Flüssigkeiten an, deren umwelt- und

gesetzeskonforme Entsorgung einen großen

Kostenblock darstellen. Dank unserer langjährigen

Erfahrung bei der Verwertung und Entsorgung

von Sonder¬abfällen können auch Sie mit

unserer Anlage einen wertvollen Beitrag leisten,

um den nächsten Generationen eine saubere

und gesunde Umwelt zu ermöglichen.

Emulsionsverwertungsanlage Firma Knittel

VACUDEST-Verfahren

Das Vakuum-Verdampfer-Verfahren hat sich als

eine sehr wirtschaftliche Methode zur Aufbereitung

vielfältiger Industrieabwässer etabliert. Es

stellt eine hervorragende Alternative für die industrielle

Abwasserentsorgung, im Vergleich zu

anderen Verfahren der Abwasseraufbereitung,

dar. Und mit einem Anlagendurchsatz von über

10.000 m³ im Jahr sind wir langfristig der zuverlässige

Entsorgungs¬partner an Ihrer Seite. Die

Annahme und Lagerung der flüssigen Abfälle erfolgt,

je nach Inputqualität der angelieferten

Emulsionen und Flüssigkeiten, über unser dazugehöriges

Tanklager mit insgesamt 190.000 Litern

Fassungsvermögen. Damit können wir Ihnen

eine jederzeitige Annahmesicherheit für Ihre

flüssigen Abfälle garantieren. Mögliche Inputstoffe

für unsere Anlage sind:

• Öl-Wasser-Gemische

• Ölbelastetes Waschwasser

• Flüssige Ölabscheider-Inhalte

• Bohr-/Schleif-Emulsionen

• Bearbeitungsemulsionen

• Gleit-/Schleif-Wasser

Verwertung und Entsorgung der Abfälle

Mit dem vollautomatisch gesteuerten VACU-

DEST-Verfahren können wir das saubere Wasser

zurückgewinnen – dies ist wirtschaftlich und

nachhaltig zugleich. Aus den öligen Inhaltsstoffen

der Emulsionen wird, über einen mehrstufigen

Prozess, ein wiederverwendbares Konzentrat

erzeugt, das in der Schmierstoffindustrie

und als Brennstoffsubstitut Verwendung findet.

Die wenigen festen Bestandteile der behandelten

Industrieabwässer werden über unser betriebseigenes

Sonderabfall-Zwischenlager

(SAZL) verwertet bzw. entsorgt.

Aktiver Umweltschutz

Der Schutz unserer natürlichen Ressourcen und

die Bewahrung einer intakten Umwelt sind zwei

wichtige Ziele unserer Gesellschaft. Das Thema

Abfall ist dabei allgegenwärtig und verdient unsere

besondere Aufmerksamkeit. Aktiver Umweltschutz

baut auf zwei Säulen auf: Einerseits

die Vermeidung von Abfällen und andererseits

Ihre ökologisch sinnvolle Verwertung.

Als Entsorgungsunternehmen liegt uns diese

Thematik besonders am Herzen, denn wir wissen

welchen Schaden nicht fachgerecht entsorgte

Abfälle in der Natur anrichten können.

Gleichzeitig kennen wir auch das Potenzial, das

in der Rückführung von Abfällen in Wertstoffund

Energiekreisläufe steckt. Die nachhaltige

Verwertung von Abfällen und die fachgerechte

Beratung zur richtigen Entsorgung ist unser Beitrag

zu einer sauberen Umwelt.

Wir achten aus ökologischen Gesichtspunkten

auch darauf, eine moderne, umweltfreundliche

Fahrzeugflotte einzusetzen, unnötige Fahrten zu

vermeiden und unseren Energieeinsatz so gering

wie möglich zu halten.

Verantwortungsbewusst seit über 60 Jahren

und nachhaltig in der 3. Generation

Seit der Gründung als Fuhrunternehmen durch

Josef und Hildegard Knittel im Jahr 1953 steht

die Familie Knittel, heute in dritter Generation,

mit Ihrem Namen für verantwortungsbewusstes

und partnerschaftliches Handeln.

Durch Zuverlässigkeit, Weitblick, Kreativität und

Flexibilität hat sich Knittel zum professionellen

Unternehmen in der Abfallwirtschaft entwickelt.

Das Familienunternehmen erwirtschaftet mit

130 Mitarbeitern einen Umsatz von 20 Mio. Euro.

Mit Andreas Knittel ist vor 3 Jahren nun die 3. Familiengeneration

in die Unternehmensleitung

eingetreten.

KNITTEL GmbH Abfallentsorgung

Adalbert-Stifter-Straße 28

89269 Vöhringen

Telefon 0 73 06 / 96 16-0

Telefax 0 73 06 / 96 16-45

info@knittel-entsorgung.de

www.knittel-entsorgung.de

Fotos: Archiv Knittel


50

SPEZIAL unternehmen [!]

Schon seit den 1990er

Jahren beschäftigen

sich Unternehmen gedanklich

damit, wie sie

ihre Auswirkungen auf die Umwelt

reduzieren können. Doch

passiert ist all die Jahre nur wenig.

Bei vielen Firmen wuchs die

Einsicht in die Notwendigkeit

des Klimaschutzes nur langsam.

Selbst im Jahr 2017 gaben in einer

Studie zur Nachhaltigkeit im

börsennotierten Mittelstand

noch fast 30 Prozent der Unternehmen

in einer repräsentativen

Umfrage an, dass sie Umweltschutz

als unwichtig einstuften.

Dieser Anteil ist im vergangenen

Jahr auf 5 Prozent gesunken.

Hälfte misst den CO 2

-Abdruck

Mittlerweile ist klar: Der Druck

auf Unternehmen, nachhaltiger

zu agieren, wird in den nächsten

Jahren deutlich zunehmen.

Der Umfrage zufolge misst

schon heute die Hälfte (49 Prozent)

der Unternehmen ihren

CO 2

-Fußabdruck und stellt die

Ergebnisse überwiegend in den

Nachhaltigkeits- und Geschäftsberichten

zur Verfügung. 21 Prozent

, schreiben Manuel Hoelzle

und Marita Conzelmann von

der Kapitalmarktplattform

Goingpublic (GBC AG), die die

Studie verfasst haben. Die beiden

kommen zu dem Schluss,

dass der deutsche Mittelstand

mittlerweile das Thema Nachhaltigkeit

im Blick und sowohl

die Teilbereiche ökologische,

ethische und soziale als auch natürlich

die ökonomische Nachhaltigkeit

sehr ernst nimmt.

Allerdings ist Nachhaltigkeit

selbst in den meisten größeren

Unternehmen noch keine Chefsache.

Nach einer Studie der

Unternehmensberatung PWC

haben nur knapp 30 Prozent von

weltweit 1640 untersuchten Unternehmen

einen Nachhaltigkeitsmanager

auf erster oder

zweiter Führungsebene.

Vorreiter sei Frankreich, wo

bereits 57 Prozent der befragten

Firmen einen sogenannten

Chief Sustainability Officer

(CSO) im Topmanagement

habe, gefolgt von den USA (47

Prozent) und Indien (44 Prozent).

Deutschland landete der

Studie zufolge mit 35 Prozent im

Nachhaltigkeit und

Klimaneutralität werden für

Unternehmen zunehmend

zu einem wichtigen

Erfolgsfaktor. Fotos:

© Mopic/shutterstock.com

© Elnur/shutterstock.com

Häufig keine

Chefsache

CO 2

-Fußabdruck Um die Klimakrise zu

bekämpfen, müssen Unternehmen

radikal umdenken. Zwei Studien zeigen, wo

es noch hapert.

Strengere Regeln für Lieferketten

Die EU hat vor wenigen

Wochen den

Entwurf für die

Richtlinie zur unternehmerischen

Nachhaltigkeit vorgelegt.

Sie will großen

Unternehmen

menschenrechtliche

und ökologische

Sorgfaltspflichten

auferlegen

– und geht

weit über das

deutsche Lieferkettengesetz

hinaus.

Über eine Kettenreaktion

werden

die Regeln auch

Mittelständler und

Zulieferer treffen.

oberen Mittelfeld. In China dagegen

hätten nicht einmal 3 Prozent

der untersuchten Unternehmen

einen Nachhaltigkeitsmanager

im Topmanagement.

„Nachhaltigkeit ist für Unternehmen

zunehmend ein wichtiger

Erfolgsfaktor und sollte vermehrt

als Innovationstreiber gesehen

werden“, sagte der Leiter

der PWC-Strategieberatung

Strategy&, Peter Gassmann.

Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle

Unternehmensführung

hätten sich zu wichtigen

Bewertungskriterien für

Unternehmen entwickelt:

Davon „hängt nicht nur der Zugang

zu Finanzierung, sondern

auch die Wahrnehmung des Unternehmens

auf dem Talentmarkt

sowie in der breiteren Öffentlichkeit

ab“.

Unternehmen

sollten

Nachhaltigkeit als

Innovationstreiber

sehen.

Peter Grassmann

Unternehmensberatung PWC

Nachhaltigkeit betreffe alle

Bereiche einer Firma und sei

keine Zusatzaufgabe. Sie sollte

zentral bei einem CSO auf erster

oder zweiter Führungsebene

angesiedelt werden, sagte

Gassmann. 98 Prozent der im

Nachhaltigkeits-Ranking von

Refinitiv/Bloomberg mit

Höchstnoten bewerteten Unternehmen

hätten einen CSO oder

einen „CSO light“.

Branchen, die bereits mehr

Druck von Gesetzgebern, Investoren

und Öffentlichkeit für

mehr Nachhaltigkeit spüren, haben

laut Studie häufiger einen

CSO. „Verbrauchernahe Industrien

mit hohem Energiebedarf

wie zum Beispiel die Konsumgüterindustrie

(50 Prozent) oder

die Chemiebranche (45 Prozent)

und die Öl- und Gasindustrie

(42 Prozent) nehmen eine Vorreiterrolle

bei der CSO-Besetzung

ein.“ Und „größere Firmen

(nach Umsatz und Mitarbeitern)

haben mehr CSOs“. [!]


pau


51

Was sich unter

der Erde abspielt,

fasziniert uns.

Erdwärme.

Energiefreundlich und vielfältig.

Baugrunderkundung.

Hier liegen unsere Wurzeln.

Wassergewinnung.

Privileg und Chance zugleich.

Projektierung.

Engineering mit Weitsicht.

Kampfmittelerkundung.

Ein hochsensibler Bereich.

baugrundsued.de


Viel Potenzial

und Widerstand

Bis zum Jahr 2030 müssen sich

laut KfW die Windkraft-Kapazitäten

an Land verdoppeln, um

die Klimaziele zu erreichen. Foto:

© engel.ac/shutterstock.com

Erneuerbare Energien Der Ausbau der Windenergie erlahmt. Die Förderbank KfW mahnt:

Ohne mehr Kooperationswillen von Bundesländern und Bevölkerung geht es nicht.

Die Stromgewinnung aus

Erneuerbaren Energien

ist die größte Herausforderung,

um das Ziel

der Treibhausgas-Neutralität erreichen

zu können. Das stellt die

staatliche Förderbank KfW in einer

neuen Studie mit Blick auf

das Jahr 2030 und auch vor dem

Hintergrund des Krieges in der

Ukraine fest. „Energiesicherheit

und Klimaneutralität sind zwei

Seiten derselben Medaille“, sagt

KfW-Chef-Volkswirtin Fritzi

Köhler-Geib.

Der russische Angriff auf die

Ukraine habe zu noch mehr Risiken

für die Sicherheit der

Energieversorgung Deutschlands

und zu massiv steigenden

Preisen für fossile Energieträger

geführt. „Eine konsequente Weichenstellung

für mehr Investitionen

in erneuerbare Energien

und Energieeffizienz wird deshalb

noch wichtiger“. Der Studie

zufolge ist ein massiver Ausbau

der erneuerbaren Energien

noch in diesem Jahrzehnt erforderlich.

Die Kapazitäten von

Windenergie an Land müssten

bis 2030 mindestens verdoppelt,

die von Wind und Photovoltaik

auf See nahezu vervierfacht

werden.

Deutschland stehe vor einer

enormen Kraftanstrengung

beim Ausbau der Erneuerbaren

Energien, sagt Köhler-Geib. Deren

Anteil an der Stromerzeugung

muss laut Studien von

Agora Energiewende und Deutscher

Energieagentur von derzeit

41 auf bis zu 69 Prozent steigen.

Zentral sei dabei, die Bereitstellung

von Flächen und die

Sicherung der dafür notwendigen

Akzeptanz der Bevölkerung.

Zudem sei eine deutliche Senkung

des Energieverbrauchs unverzichtbar,

mahnt KfW-Volkswirtin

und Studienautorin Anke

Brüggemann.

Mit Blick auf die Windenergie

verweist sie auf das derzeit

wichtigste Hemmnis für einen

schnelleren Ausbau: Zu wenig

ausgewiesene Flächen für neue

Windräder, wegen pauschaler

Mindestabstände der Anlagen

von Wohngebäuden in einzelnen

Bundesländern, Widerstände

in der Bevölkerung sowie

„großzügige“ Abstandsregeln zu

Deutschland

steht vor

einer enormen

Kraftanstrengung

in Sachen Energie.

Fritzi Köhler-Geib

Chefvolkswirtin der KfW.

Wetterradar- und Navigationsanlagen

im Luftverkehr. Derzeit

stünde faktisch nur 0,5 Prozent

der Landesfläche für Windenergie

zur Verfügung. Laut Bundesregierung

müssten es zwei Prozent

sein. Um das zu erreichen,

so Brüggemann, müssten Bundesländer

und Bevölkerung bereit

zur Kooperation sein.

Auch bei Photovoltaik sei das

große Potenzial von Dachanlagen

bei weitem noch nicht ausgeschöpft

und dies insbesondere

in Städten. Notwendig seien

zusätzliche Anreize für Hausbesitzer,

um Dächer bestehender

und neuer Gebäude für Sonnenergie

zu nutzen. Die Bundesregierung

will dies bei gewerblichen

Neubauten zur Pflicht machen,

bei privaten Neubauten

soll es zur Regel werden.

Eine weitere zentrale Herausforderung

ist der KfW-Studie

zufolge ein beschleunigter Ausbau

der Stromleitungsnetze, des

europäischen Stromhandels und

der Stromspeicher. Nur so könne

eine hohe Stromversorgungssicherheit

auch künftig gewährleistet

werden.[!] Rolf Obertreis


Anzeige 53

Expertenwissen ist wertvolle Energie

Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm liefern ihren Kunden nicht nur Energie, sondern versorgen sie

zudem mit nachhaltigen Lösungen und Produkten.

Ein Energieversorger als Manager für Energieeffizienz?

„Das mag vor einer Generation noch

als Widerspruch in sich gegolten haben“, sagt

Marcus Deutenberg, Leiter Vertrieb Energie bei

den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU). „Dies

ist seit Jahren für uns unternehmerische

Selbstverständlichkeit und ein stark wachsender

Dienstleistungsbereich.“

Die langjährige Erfahrung sowie das Feedback

aus Kundengesprächen mündet in fortlaufende

Innovation bei „grünen“ Angeboten und

Produkten seitens der SWU. „Nachhaltigkeit,

so kann man sagen, ist in Energiefragen systemrelevant.“

Gleichzeitig zeige sich auch,

dass Konzepte Richtung Nachhaltigkeit und

Eigenerzeugung oder Prozesse, die mangels

Wirtschaftlichkeit noch vor ein, zwei Jahren

verworfen wurden, unter den aktuell neuen

Vorzeichen durchaus rentabel sind.

Nachhaltigkeit bei der SWU

Die SWU, die sich im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie

dem Ziel „Klimaneutralität“

verpflichtet hat, stellt sich selbst regelmäßig

der neutralen Prüfung ihrer Nachhaltigkeit,

z.B. beim zertifizierten Umwelt- und Energiemanagement.

Aus dem eigenen Betrieb heraus

verfügt sie über praktische Beispiele, die

für Geschäftskunden als unternehmerische

Blaupause geeignet sind – und die sie mit

ihnen regelmäßig bei Beratungsgesprächen

teilt.

Elektromobilität sieht die SWU nicht nur als

Lieferant von Strom. Sie schafft ganzheitliche

Angebote insbesondere zu Ladelösungen

und Ladeinfrastruktur, bei denen viele Unternehmen

akuten Handlungsbedarf haben. Der

Service reicht von der Konzeption über den

Aufbau bis hin zum Betrieb. „Wir nutzen unsere

Erfahrungen, um ein optimales und angepasstes

Angebot für unsere Kunden zusammenzustellen,“

sagt Deutenberg. „So stellen

wir sicher, dass die gefundenen Lösungen in

jeder Hinsicht nachhaltig wirken.“

Direkten Wissenstransfer auf organisatorischer,

technischer, regulatorischer und steuerlicher

Ebene stellt die SWU beim immer

wichtigeren Thema „Eigenerzeugung“ bereit.

Wo einzelne Unternehmen vor „Einmal-im-Leben“-Herausforderungen

stehen, liefern die

Stadtwerke aus dem Tagesgeschäft heraus

kombinierte Nachhaltigkeits-Lösungen z.B.

aus Photovoltaik und Elektromobilität.

SWU bietet Dienstleistung CO 2 -Fußabdruckberechnung an. Foto: J.M. Image Factory/Shutterstock.com

Auf der Basis eines umfassenden Datenpools

ist es der SWU heute möglich, den CO 2 -Fußabdruck

für jeden Kunden zu berechnen. Daraus

ist inzwischen ein eigenes Service-Produkt

entstanden, das intensiv nachgefragt

wird.

Mit dem zügigen Ausbau des Glasfasernetzes

am eigenen Standort hat sich die SWU-Tochter

SWU TeleNet ein zusätzliches Geschäftsfeld

geschaffen. Aus unternehmerischer

Sicht besonders wertvoll sind der positive

Einfluss auf die Standort- und Arbeitgeber-Attraktivität

sowie die erweiterten Grundlagen

für die digitale Transformation. Gleichzeitig

stärkt diese Strategie – in Verbindung

mit einem lokal basierten Cloud-Angebot –

die Infrastruktur für „Green IT“.

Energieeffizienz ist enstscheidend

„Energieeffizienz ist definitiv eine unternehmerische

Entscheidung, deren Nachhaltigkeit sich

weit über Umweltfragen hinaus erstreckt“, betont

Marcus Deutenberg. „Jede gesparte Kilowattstunde

muss nicht bezahlt werden. Die eingesparten

Mittel können wiederum in Innovation,

Fortschritt oder Mitarbeiterbindung investiert

werden. Ihr Effekt geht also weit über die

Ersparnis hinaus – in Zeiten mit stark steigenden

Energiekosten wirken sie exponentiell.“

Gleichzeitig erhöht sich auf diese Weise die Krisenresilienz

des jeweiligen Unternehmens, weil

nicht benötigte kWh auch nicht fehlen können.

„Nicht zuletzt unterstützt eine effiziente Energienutzung

die Wirtschaft am Standort“, erklärt

Deutenberg. Weshalb sich die SWU aktiv

an entsprechenden Initiativen beteiligt, wie

z.B. an Energie-Effizienznetzwerken der IHK in

der Region. „Alle Energiethemen, die Unternehmen

heute vor sich haben, sind interdisziplinär.

Eine Entscheidung greift in die andere,

nur ganzheitliche Strategien, wie sie die SWU

selbst verfolgt, führen zum Erfolg.“

Marcus Deutenberg

Abteilungsleiter

Vertrieb

SWU Energie GmbH

Karlstraße 1-3,

89073 Ulm

Telefon 0731 166-2670

Telefax 0731 166-2659

marcus.deutenberg@swu.de

www.swu.de


54

Kurze Wege vom Wald zum Sägewerk und vom Sägewerk zum Kunden sind wichtig fürs Klima, betonen Michael und Martin Schütterle.

Ein Brand im Sägewerk –

eine furchtbare Vorstellung.

Gierig frisst sich

das Feuer durch Rohstoffe

und Maschinen und zerstört

dabei Existenzen. Durch einen

elektrischen Defekt passierte

genau das im Jahr 2005 im Sägewerk

der Gebrüder Schütterle

aus Eschach bei Ravensburg.

Eine Katastrophe. Aber auch

eine Chance.

Nach dem Brand entschlossen

Michael und Martin Schütterle,

sich zu spezialisieren: auf

den Schnitt und die Weiterverarbeitung

von Lärche und Douglasie.

Ein Schritt, den viele

Konkurrenten, Kollegen und

Kunden zu der Zeit nicht nachvollziehen

konnten. „Damals

hatten die Leute Lärche im Außenbereich

gar nicht auf dem

Schirm,“ sagt Michael Schütterle.

„Lärchen wachsen nicht so

gerade wie Fichten und sind daher

schwieriger in der Verarbeitung.

Wir sind eine Nische von

links nach rechts.“

Heute verkauft der Betrieb jedes

Jahr 135 000 Quadratmeter

Terrassen-Ware, außerdem Bauhölzer,

Rombusleisten für Fassaden

und Rohware für Paletten.

Was nach dem Schnitt übrig

bleibt, wird zu Sägemehl, Hackschnitzen

oder Pellets verarbeitet.

„Wir produzieren quasi keinen

Abfall“, sagt Michael Schütterle.

Die Holzmacher:

Lärche total lokal

Sägewerk 338 Jahre alt ist das Familienunternehmen der Brüder

Schütterle aus Eschach. Ihre Spezialisierung auf zwei Holzarten

wurde erst belächelt. Nun ist dieser Schritt ihr Schlüssel zum Erfolg.

Nachdem ein Brand 2005 den Betrieb in Eschach bei Ravensburg zerstört hat, spezialisierten sich die

Brüder Michael (links) und Martin Schütterle und sind nun Mitglied in der Initiative „Holz von hier“.

FOTO: JULIA RIZZOLO


unternehmen [!] MACHEN 55

FOTO: © ERIC CARRIERE, ROMAN ZAIETS & VOLODYMYR_SHTUN/SHUTTERSTOCK.COM

12 000 Quadratmeter ist das

Gelände des Sägewerks groß.

Die Anlage, die 15 000 Kubikmeter

Rundholz im Jahr verarbeitet,

ist für einen Laien beeindruckend.

Ein einzelner Mensch

kontrolliert alles von einer kleinen

Kabine aus. Baumstämme

werden über Förderbänder

transportiert als wären es Zahnstocher.

Laut ist es. Überall rieselt

Sägemehl. Es riecht so herrlich,

als stünde man direkt im

Wald.

Seit dem 17. Jahrhundert

Neben der Spezialisierung kann

die „Holz Schütterle oHG“ noch

eine weitere Besonderheit aufweisen:

die lange Historie. Bereits

Ende des 17. Jahrhunderts

wurde auf dem heutigen Gelände

eine Säge- und Kunstmühle

der Familie erwähnt. Damals

noch als Lehensbetrieb des nahen

Kloster Weißenau. „Meines

Wissens nach sind wir der

zweitälteste Gewerbebetrieb in

Familienhand in Ravensburg“,

erzählt Martin Schütterle. Der

Vater sei noch Müllermeister

gewesen. Seit 1970 konzentriert

sich alles aufs Sägewerk.

Größtes Absatzgebiet ist der

Raum Baden-Württemberg/

Bayern. Acht Prozent werden

exportiert. Der überregionale

Absatz liegt bei 15 Prozent. Aus

den heimischen Hölzern werden

so zumeist wieder heimische

Produkte. Das Sägewerk ist

Mitglied der gemeinnützigen

Initiative „Holz von hier“ und

verpflichtet sich unter anderem

zu kurzen Transportwegen, gegen

Tropenholz und zu nachhaltiger

Forstwirtschaft.

Für Michael Schütterle eine

Selbstverständlichkeit: „Wir haben

so tolle Holzarten in

Deutschland. Warum sollten wir

uns da über Tausende von Kilometern

Sibirische Lärche herkommen

lassen?“, sagt er. „Regionalität

ist den Leuten heute

zum Glück immer wichtiger.“

Und sein Bruder Martin ergänzt:

„Die lokale Vermarktung ist aus

ökologischer Hinsicht eine große

Chance. Kurze Wege vom

Wald zum Sägewerk und vom

Sägewerk zum Kunden sind

wichtig fürs Klima. Wir möchten

die Leute ein wenig sensibi-

90 Milliarden Bäume

In deutschen Wäldern wachsen nur wenige Lärchen. Gar nicht

einfach für das Sägewerk, an das Material zu kommen.

In Deutschland

gibt es rund 2000

Sägebetriebe mit

insgesamt 19 000

Beschäftigten. Der

Umsatz der deutschen

Sägeindustrie

liegt bei rund 5

Milliarden Euro im

Jahr. In Baden-

Württemberg nehmen

die Baumarten

Fichte, Buche,

Tanne, Kiefer und

Eiche über drei

Viertel der Wälder

ein. Die Waldfläche

liegt bei 1 371 886

Hektar (Bundeswaldinventur

2012),

das sind knapp 38

Prozent des Bundeslandes.

Im Wirtschaftsjahr

2020

lag der Holzeinschlag

in Deutschland

bei 80,4 Millionen

Kubikmetern

und damit 17,9 Prozent

über dem Vorjahreswert.

Insgesamt

wachsen in

Deutschland laut

Schätzungen rund

90 Milliarden Bäume.

FOTO: © SISIKA/SHUTTERSTOCK.COM

lisieren: Wir haben wertiges,

nachhaltiges Holz hier vor der

Haustür, dafür muss man keinen

brasilianischen Regenwald abholzen.“

Die Stämme, die in seinem

Werk verarbeitet werden, haben

höchstens 200 Kilometer Weg

hinter sich. Die Herausforderung

bei der Spezialisierung auf

Lärche und Douglasie besteht

darin, genügend Baumstämme

zu bekommen. Fichte, Buche

und Tanne machen den Großteil

der geschlagenen Holzarten

aus. „Lärche ist nur rund fünf

Prozent vom Gesamtvolumen“,

sagt Martin Schütterle. „Wir benötigen

also viel mehr Ansprechpartner

für die Mengen,

die wir verarbeiten und einen

riesigen Lieferantenkreis, wenn

man das regional machen will.“

Die lokale

Vermarktung

ist ökologisch

gesehen eine

große Chance.

Martin Schütterle

Inhaber

Auf die aktuelle Situation des

derzeitigen Holzmarktes und

der Holzpreise angesprochen,

erklärt Martin Schütterle: „Die

Preissteigerung ist eine notwendige

Korrektur, auf die wir die

vergangenen 20 Jahre gewartet

haben.“ Im Umkreis von Ravensburg

seien in den letzten

Jahren fünf Sägewerke „verschwunden“.

Vielen habe das

Geld für notwendige Investitionen

und Modernisierungen gefehlt.

Der Automatisierungsgrad

in der Branche sei enorm hoch.

Hinzu komme der Fachkräftemangel

und der energieintensive

Betrieb. „Wir haben Stromkosten

wie ein kleines Dorf“,

sagt Michael Schütterle. Ein Teil

wird durch eine Photovoltaik-Anlage

erzeugt. Durch den

notgedrungenen Wiederaufbau

nach dem Brand im Jahr 2005

und dem richtigen Riecher für

die Zukunft ist das Sägewerk der

Schütterles heute nach eigenen

Angaben gut aufgestellt. [!]


Julia Rizzolo


56

LEBEN unternehmen [!]

Hauptsache raus

Umfrage Mit Vollgas auf der Vespa oder doch lieber gechillt im Garten liegend. Sechs

Führungskräfte verraten unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler, wie sie den Frühling begrüßen.

1) Was ist für Sie Sinnbild und Inbegriff

des Frühlings?

2) Was haben Sie sich für den Frühling

persönlich vorgenommen?

3) Und was im Unternehmen?

4) Was ist ihre Lieblingsbeschäftigung

im Frühling?

5) Was ist ihr liebster Platz im Freien/in

der Natur?

FOTO: © STOCKPHOTO-GRAF/SHUTTERSTOCK.COM

Rechtsanwältin Silke Zimmermann

von der Kanzlei Rechtsanwälte

Doppstadt + Partner

mbH, liebt ausgedehnte

Spaziergänge mit ihrem Hund.

1Das Schneeglöckchen. Das

bedeutet für mich das Erwachen

der Natur aus dem Winterschlaf

und ich freue mich auf die

ersten warmen Sonnenstrahlen.

2Nach dem gefühlt langen

Winter einfach nur die Sonne

genießen…und natürlich der

obligatorische Frühjahrsputz.

3Strukturen und Abläufe zu

überdenken und zu überarbeiten.

Zudem sind einige Fortbildungen

zu aktuellen Themen

im Familienrecht geplant.

4Ausgedehnte Spaziergänge

mit dem Hund in der Natur.

Am liebsten im Wald und auf

der Heide.

5Ein toller Aussichtspunkt

auf der Wachholderheide.

FOTO: © FOREST BADGER/SHUTTERSTOCK.COM

1Da der Frühling meine Lieblingsjahreszeit

ist, versuche

ich schon im März die ersten

Frühblüher zu erspähen, die sich

durch den Schnee kämpfen.

2Den Frühling 2020 und 2021

habe ich wegen der Corona-Krise

nicht sehr intensiv

wahrgenommen. Das soll mir

nicht mehr passieren! Zwar sind

die Nachrichten aus der Ukraine

schrecklich – aber wenn man

nicht ab und zu in der Natur die

Batterien auftankt – dann kann

man sich auch nicht diesem

Krieg entgegenstellen.

Dr. Christoph Hantel, Leiter

der Volkshochschule Ulm, holt

sich Kraft in der aufblühenden

Natur.

3Wir haben viele Projekte.

Doch bevor wir uns verstolpern,

schalten wir lieber einen

Gang zurück.

4Meine Lieblingsbeschäftigung

ist es, mit meiner Frau

spazieren zu gehen. Außerdem

unternehme ich sehr gerne etwas

mit meinen drei Kindern.

5Von unserer Wohnung am

Safranberg aus gibt es drei

Wege, die irgendwann alle an

wunderbar blühenden Schrebergärten

vorbeiführen. Ich genieße

es, an den fleißigen und

meist gutgelaunten Freizeitgärtnern

vorbeizuspazieren.


unternehmen [!] LEBEN 57

Bei Daniel Pitterle, Geschäftsführer

der Schwabenroller

GmbH, sorgt die Natur für den

perfekten Ausgleich für Körper

und Geist.

1Wenn man mit der Familie

und Freunden sich auch wieder

draußen treffen kann.

2Im Frühling möchte ich in

meiner Freizeit wieder viel

Zeit mit meiner Familie und mit

Freunden verbringen. Neben

dem arbeitsreichen Alltag ist

das „draußen sein“ der perfekte

Ausgleich für Körper und

Geist.

3Der Frühling ist für uns im

Unternehmen immer die

Vollgas-Zeit. Es macht einfach

immer wieder Spaß das positive

Frühlingsgefühl bei den Kunden

zu erleben und den Vespa-Livestyle

für den bevorstehenden

Sommer zu vermarkten.

4Egal ob beim Biken, im Garten,

beim Vespa fahren oder

einfach nur auf einer Wiese mit

Lagerfeuer. Durch meine Familie

bekomme ich die nötige

Energie, um auch am nächsten

Tag wieder hundertprozentig

für unsere Kunden da zu sein.

5Einen direkten Lieblingsplatz

gibt es nicht. Grundsätzlich

genieße ich aber die

Zeit draußen am meisten.

1Neues entsteht: Neue Energie,

neue Ideen, neue Kräfte.

Aufbruchstimmung.

2Viel draußen zu sein in der

Natur.

3Da fällt mir spontan ein: „Aller

Anfang ist leicht“. Wir

machen uns Gedanken, wie wir

den Nachhaltigkeitsgedanken in

unsere Firma und für unsere

Kunden integrieren können,

dazu habe ich kürzlich ein inspirierendes

Seminar besucht. Es

kommt nicht darauf an, alles

perfekt zu machen, sondern stetig

etwas zu verbessern.

Hildegard Kuch-Kuthe,

Geschäftsführerin der Kuch &

Kuthe Unternehmensberatung,

liebt es am Bienenhaus ihres

Mannes zu sitzen.

4Radtouren, Wandern, Ausflüge

machen.

5Das ist das Bienenhaus meines

Mannes. Er ist seit ein

paar Jahren Hobby-Imker, und

es ist wunderbar, in der Sonne

zu sitzen und den Bienen zuzusehen.

Genießt ihren Terrassenblick

über das Filstal bis Stuttgart:

Stefanie Kremer, Geschäftsführerin

„Das gesunde Büro“

aus Göppingen“.

FOTO: © IRIN-K/SHUTTERSTOCK.COM

FOTO: © FOREST BADGER/SHUTTERSTOCK.COM

1Frühling heißt für mich, wieder

diesen ganz bestimmten

Geruch in der Nase zu haben,

das erste Mal ohne Strümpfe aus

dem Haus zu gehen und endlich

wieder Sonne tanken zu können.

Dies habe ich in den dunklen

Monaten so sehr vermisst.

2Mein Mann und ich nehmen

uns jedes Jahr vor, öfter einmal

am Wochenende einfach

nur für zwei Tage ins Allgäu

zum Wandern zu fahren. Vielleicht

schaffen wir es ja dieses

Jahr.

3Wir sind ständig dabei, uns

weiterzuentwickeln – in den

nächsten Wochen gestalten wir

unsere Ausstellung um und nehmen

unsere neuen Virtual Reality-Brillen

in Betrieb, mit denen

sich unsere Kunden virtuell in

ihren neu geplanten Räumen bewegen

und so einen noch besseren

Eindruck davon bekommen

können.

4Einfach – wo auch immer –

draußen zu sein und Sonne

zu tanken.

5Meine Terrasse mit Blick auf

die Schwäbische Alb und

über das Filstal bis nach Stuttgart.

1Für mich bedeutet Frühling,

dass das Leben gefühlt leichter

und energiereicher wird. Die

steigenden Temperaturen und

das längere Tageslicht motivieren

enorm.

2Ich möchte die längere Helligkeit

für mehr Sport und

mehr Unternehmungen nutzen.

Radio 7-Geschäftsführer

Karsten Wallert freut sich auf

die länger werdenden Tage.

3Dieser Frühling ist etwas Besonderes.

Corona ist noch

nicht vorbei, aber trotzdem versuchen

wir ab dem Frühling

wieder mehr Aktionen und Veranstaltungen

gemeinsam mit

unseren Hörern im Freien zu erleben.

4Gemeinsam mit Familie und

Freunden laue Abende im

Freien zu verbringen.

5In einem schönen Straßencafé

oder auf einer Wiese an

der Donau.


58

NAMEN & NACHRICHTEN

unternehmen [!]

Wechsel bei

Junioren

Geldinstitut Die Wirtschaftsjunioren

Ulm/Neu-Ulm haben

einen neuen Vorstand. Dem

Gremium gehören nun neben

dem neu gewählten Vorsitzenden

Thomas Ressmann Stellvertreter

Christian

Gerstlauer,

Schatzmeister

Andreas Kull,

Patrick Berger

sowie Patrick

Settele und Ina

Thomas

Ressmann ist

neuer

Vorsitzender.

Mauer an. Nach

zwölf Jahren

Engagement hat

sich Mike Fiedler

als Kassenwart

zurückgezogen. Andreas

Hummel hat sich nach vier Jahren

aus dem Vorstand verabschiedet.

Der Verband zählt in

der Region derzeit 90 Mitglieder

sowie 107 Fördermitglieder.

Unzufriedener

im Job

13 Millionen Euro investierte Beurer in den Neubau am Firmenstammsitz im Ulmer Stadtteil Söflingen.

Foto: Stefanie Müller

Beurer bezieht neuen Verwaltungsbau

Nach dreijähriger Bauzeit wurde jetzt im Ulmer

Stadtteil Söflingen das neue, 2800 Quadratmeter

große Verwaltungsgebäude des Gesundheitsspezialisten

Beurer eröffnet. Mit den wachsenden Bereichen

Gesundheitsapps und E-Commerce ging bei

Beurer eine deutliche Erweiterung der Belegschaft

Umfrage Arbeitgeber sind derzeit

stärker denn je gefordert,

auf die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten

zu reagieren, um die

Attraktivität des Arbeitsplatzes

zu wahren. Denn mittlerweile

sind nur noch 53 Prozent der Befragten

mit ihrer Arbeit zufrieden.

Vor Corona lag der Wert

noch bei 65 Prozent wie aus einer

Umfrage im Auftrag von Robert

Half, einem Anbieter von

Talentlösungen, hervorgeht. Die

Ursachen für den Rückgang seien

vielfältig. „Viele Arbeitnehmende

haben in der Pandemie

ihre Prioritäten überdacht“, sagt

Marlene Pöhlmann, Managing

Director bei Robert Half. „Gerade

Krisenzeiten bieten Unternehmen

eine Chance, ihre Wertschätzung

für ihre Mitarbeitenden

unter Beweis zu stellen.“

Das könne etwa mit Homeoffice-Möglichkeiten,

einer angemessenen

Vergütung, Zusatzleistungen

oder flexiblen Arbeitszeiten

geschehen.

Volksbank treibt

Fusion voran

Geldinstitut Die Volksbank

Ulm-Biberach will mit der Raiffeisenbank

Biberach verschmelzen.

Den Plänen müssen im

Sommer noch die Vertreter beider

Häuser zustimmen, bevor

die Fusion im Herbst auf Augenhöhe

umgesetzt werden soll, wie

Ralph Blankenberg, Sprecher

des Vorstandes der Volksbank

einher, was den Neubau notwendig machte. 2018

wurde der Spatenstich gesetzt, drei Jahre wurde gebaut,

die Investitionssumme beläuft sich auf 13 Millionen

Euro. Künftig sollen die Produkte komplett klimaneutral

hergestellt werden, kündigte Geschäftsführer

Marco Bühler an.

Ulm-Biberach, zuletzt erklärte.

Auch wenn beide Geldhäuser

sich in der Größe deutlich unterscheiden:

Die Volksbank

Ulm-Biberach ist im Vergleich

zur Raiffeisenbank Biberach,

was die Bilanzsumme und Anzahl

der Mitglieder angeht, etwa

vier Mal so groß. Durch den Zusammenschluss

wollen die Häuser

jedes Jahr etwa 2,5 Millionen

Euro einsparen. Am Personal

solle jedoch nicht gespart werden.[!]

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Nächste Ausgabe: 16.07.2022

Anzeigenschluss: 17.06.2022

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unternehmen [!] RESSORT 59

NACHHALTIG, SMART UND FLEXIBEL:

Textildruckerei Mayer begreift Textilien als Werkstoff der Zukunft

„Wenn Sie diesen Regler antippen, wird es warm“, erklärt Michael Steidle, Geschäftsführer der Textildruckerei Mayer,

und bittet zum Test an der Innenverkleidung einer Autotür, die in seiner blitzsauberen Produktionshalle in Meßstetten-

Unterdigisheim an der Wand hängt. Steidle zeigt auf ein Symbol, das auf ein fühlbar textiles, aber steifes Grundmaterial

aufgetragen ist. „Das Fenster öffnen oder schließen können Sie hier“ – Steidle deutet auf einen weiteren aufgedruckten

Regler – „und wenn Sie Licht brauchen, drücken Sie diesen Knopf.“ Klar, auch der ist, wen wundert‘s, ein Druck.

Faszination Textil

„Ich bin von Hause aus Elektroniker-Meister“ erklärt Michael Steidle, „und habe Textilien

seit jeher hauptsächlich als – faszinierenden – Werkstoff wahrgenommen. Faserverbundstoffe,

sogenannte hybride Textilien, können mehrere Funktionen miteinander vereinen,

beispielsweise eben heizen, schalten und leuchten. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass

Textilien in Zukunft Metalle oder Plastik teilweise ersetzen können werden – und uns so

helfen werden, Ressourcen zu sparen.“

Textilien für die Zukunft

Das smarte, leichtgewichtige Innenleben der Mayer’schen Autotür besteht aus einem

textilen Trägermaterial, eine Strick- oder Wirkware, die auf der Rückseite mit einer 3D-

Heizpaste aus Kohlenstoffnanoröhren bedruckt wird. Auf der Vorderseite bleibt Platz für

eine aufgedruckte Sensorik, wie eben zum Öffnen der Fenster, und für Designelemente.

Dann wird das textile Material versteift.

Das Ergebnis punktet mit wenig Gewicht, simpler Herstellung und relativ geringem Ressourceneinsatz.

Außerdem ist ein Textil flexibel und leicht zu verarbeiten und, als aufgedruckte

Flächenheizung, im Vergleich zu einer Fadenheizung deutlich energieeffizienter.

Nachhaltige Unternehmensentwicklung

Michael Steidle leitet die Textildruckerei seit 2002, gemeinsam mit seiner Frau Claudia.

Auf der Überzeugung „bestehende Mittel und Erfahrungen zu nutzen, um sich vom Wettbewerb

abzusetzen“, hat das Führungsduo über die letzten rund 15 Jahre den Bereich

der technischen Textilien aufgebaut. Die Produktfamilie CERAPUR, eine keramische 3D-

Hartbeschichtung, war der erste Meilenstein auf dem Weg. Darauf folgte unter anderem

ESD Fibre X, eine Beschichtung, die elektrische Entladungen verhindert sowie die hybriden

Textilien, die mit aufgedruckter Sensorik und Aktorik arbeiten. Aktuell tüftelt das

Unternehmen insbesondere an Lösungen im Bereich Stich- und Schnittschutz, kurz PSA

(persönliche Schutzausrüstung).

Dem Textildruck, dessen Name das Unternehmen trägt, haben die Steidles keineswegs

den Rücken gekehrt, im Gegenteil. Sie bieten weiterhin das gesamte Leistungsportfolio

einer klassischen Textildruckerei, von Rotations-, über Sieb- und Digitaldruck bis hin zum

Rouleauxdruck. Diese große Bandbreite sucht in Deutschland ihresgleichen – und ist mittlerweile

ein eigenes Alleinstellungsmerkmal geworden.

Textildruckerei Heinrich Mayer GmbH

Brunnenwiesen 7 · 72469 Meßstetten-Unterdigisheim · Tel. 0 74 36 / 9 2800

info@textildruckerei-mayer.de · https://www.textildruckerei-mayer.de


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