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BOLD THE MAGAZINE No.06

SEHNSUCHT INNIGES VERLANGEN | HOFFNUNG STIRBT ZULETZT | BELLA ITAL IA | TOCOTRONIC | FASHION SPECIAL | SPANISH AVIDNESS – BARCELONA | INNER DESIRE – PARIS | HUNDERTWASSER

SEHNSUCHT

INNIGES VERLANGEN | HOFFNUNG STIRBT ZULETZT | BELLA ITAL IA | TOCOTRONIC | FASHION SPECIAL | SPANISH AVIDNESS – BARCELONA | INNER DESIRE – PARIS | HUNDERTWASSER

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<strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

SEHNSUCHT<br />

Inniges Verlangen | Hoffnung stirbt zuletzt | BELLA ITALIA | Tocotronic<br />

Fashion Special | Spanish avidness – barcelona | inner desire – paris | Hundertwasser


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inhalt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 11<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Inhalt<br />

Einstieg<br />

Sehnsucht – Inniges Verlangen<br />

12<br />

Schwerpunkt<br />

Hoffnung stirbt zuletzt – Sehnsucht Leben<br />

Nachgefragt – Sehnsucht – Drei Interviews zum Thema<br />

15<br />

21<br />

Mode<br />

inner desire – New Fashion in Paris<br />

Spanish avidness – Fashion shooting in Barcelona<br />

28<br />

40<br />

Kunst & Kultur<br />

sehenswert<br />

Gegen den Strich – Friedensreich Hundertwasser<br />

Empfehlung AusstelluNGEN<br />

BILDER DER REVOLUTION – CHE GUEVARA<br />

57<br />

60<br />

63<br />

Im Gespräch<br />

Simon Christen – Pixar: 25 Years of Animation<br />

67<br />

Hörenswert<br />

Jazz moods and Soul<br />

Track-By-Track – Tocotronic – Wie wir leben wollen<br />

70<br />

72<br />

Reise<br />

BELLA ITALIA<br />

Stadt der Sehnsucht – Venedig<br />

am FuSSe des Vesuv – Neapel und Pompeji<br />

Apulien – vedere e morire<br />

76<br />

82<br />

87<br />

Lifestyle & Trend<br />

Leidenschaft mit Tradition – Quadrifoglio Verde<br />

Begehrenswert – Cool Stuff<br />

music anytime and anywhere<br />

93<br />

101<br />

104<br />

Impressum<br />

106


12 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Einstieg | Sehnsucht<br />

inniges<br />

verlangen<br />

Sehnsucht<br />

Autor: H. G. Teiner<br />

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was<br />

ich leide.“ (Johann Wolfgang von Goethe)<br />

Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach<br />

heißen Flirts, nach dem einen Mr. Right<br />

oder einfach nur nach Abwechslung.<br />

Die individuelle Sehnsucht und unsere<br />

kollektiven Sehnsüchte sind die Grundlage<br />

für die industrielle Bedürfnisbefriedigung<br />

durch kommerzielle Angebote<br />

und nicht zuletzt für wirtschaftliches<br />

Wachstum. Heute lebt eine ganze Industrie<br />

– eine Armada von Agenturen,<br />

Dienstleistern, Analysten und Kreativen<br />

– von der Suche nach den Sehnsüchten<br />

der Zukunft und deren verheißungsvoller<br />

Erfüllung in der Gegenwart. Die bittersüße,<br />

romantisch-verklärte Sehnsucht<br />

eines Johann Wolfgang von Goethe oder<br />

Caspar David Friedrich entwickelt sich<br />

mehr und mehr zum durchbilanzierten<br />

nüchternen Kommerz.<br />

Das Internet zum Beispiel boomt und<br />

platzt buchstäblich aus allen Nähten,<br />

was die Angebote an Partnersuchseiten,<br />

Singlebörsen, Flirt- und Seitensprungangeboten<br />

betrifft: Nie war es so einfach,<br />

seinen Sehnsüchten und Phantasien<br />

nach körperlicher und emotionaler Liebe,<br />

Ausdruck zu verleihen und für schnelle<br />

Erlösung und direkte Erfüllung zu sorgen,<br />

jenseits von Rationalität und Realität.<br />

SEHNSUCHT<br />

EIN ALTES VERLANGEN<br />

Sehnsucht ist ein altes, sehr deutsches<br />

Wort. Im Mittelalter galt Sehnsucht als<br />

Krankheit, im Sinne eines innigen Begehrens,<br />

bezogen auf eine Person, nach der<br />

man sich in oft unglücklicher und unerreichbarer<br />

Liebe schmerzlich verzehrt.<br />

Nach den Gebrüdern Grimm ist Sehnsucht<br />

„ein hoher Grad eines heftigen<br />

und oft schmerzlichen Verlangens nach<br />

etwas, besonders wenn man keine Hoffnung<br />

hat, das Verlangte zu erlangen, oder<br />

wenn die Erlangung ungewiss, noch weit<br />

entfernt ist“.<br />

Caspar David Friedrich, Vorzeigemaler<br />

der deutschen Romantik, einer kulturgeschichtlichen<br />

Epoche, die vom Ende<br />

des 18. bis in die erste Hälfte des 19.<br />

Jahrhunderts reichte, visualisierte die<br />

idyllischen und romantischen Gefühle<br />

seiner Zeit. Er wandte sich damit an das<br />

patriotische Gemüt der Deutschen und<br />

gegen die Napoleonische Fremdherrschaft.<br />

Eine bestimmende Kraft der deutschen<br />

Romantik ist die Sehnsucht nach<br />

Harmonie und Heilung der Welt, nach<br />

der Zusammenführung von Gegensätzen<br />

zu einem harmonischen Ganzen. Diese<br />

Sehnsucht findet ihren Ausdruck in dem<br />

Bestreben nach der Rückkehr zur Natur.<br />

Nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche<br />

Kloster-Ruinen, klassische Mythen,<br />

Legenden und die wiederentdeckten<br />

Märchen aus alter Erzähltradition sind<br />

Motive dieser Zeit.<br />

SEHNSUCHT<br />

EINE ILLUSION<br />

„Sehnsucht heißt ein altes Lied der<br />

Taiga ...“, sang Alexandra 1968 mit hingebungsvoll-vibrierender<br />

Stimme. Ein<br />

pseudofolkloristisches, russisch-romantisches<br />

Leidenslied, welches den damaligen<br />

Gefühlsdusel-Mainstream ansprach.<br />

„... das schon damals meine Mutter sang ...<br />

Sehnsucht sind die vielen heißen Tränen“<br />

geht der Text weiter, ein rückwärtsgewandtes<br />

Sedativum für eine Gesellschaft,<br />

die gerade mit einer neuen und<br />

vorwärtsgerichteten politisch-offensiven<br />

Jugendbewegung konfrontiert wurde.<br />

Die Sehnsucht ist in ihrer tiefen Bedeu-


Einstieg | Sehnsucht<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 13<br />

Foto: (Ausschnitt), Sammlung der Alten Nationalgalerie Berlin<br />

Caspar David Friedrich:<br />

Mann und Frau den Mond betrachtend, Gemälde um 1824<br />

tung auch ein Ausdruck von Idealbildern,<br />

das in der Realität Unerreichbare wird in<br />

dieser Traumwelt zum Wirklichkeitsersatz.<br />

Sie verweist auf die vorgestellte Vollkommenheit<br />

der Schöpfung, den unwiderstehlichen<br />

Reiz des Märchenhaften,<br />

dient als Grundlage für gesellschaftliche<br />

Utopien und ist eine Inspirationsquelle<br />

für die Kunst.<br />

SEHNSUCHT<br />

als VISION<br />

Rollen, Normen und Erfolge. Es geht um<br />

„die Ursehnsucht des Menschen nach<br />

dem ganz Anderen, nach der Wirklichkeit<br />

des Göttlichen in der Welt der<br />

Menschen, den Chancen, das Paradies<br />

wieder zu finden, aus dem wir vertrieben<br />

worden sind“, um den „Aufbruch der 68er<br />

Jahre und sein Scheitern, die religiöse<br />

Sehnsucht der 70er, die sich in allen<br />

möglichen Gruppierungen und religiösen<br />

Bewegungen gezeigt hat“, wie es im<br />

Buch heißt.<br />

jeder Hinsicht klüger, gesünder, freudvoller<br />

und lohnender ist, nicht zu heiraten.<br />

Dies ist jedoch kein Plädoyer gegen die<br />

Ehe, so die Autorin: Es gibt sie wohl,<br />

die erfüllende Beziehung, in der unsere<br />

innere Sehnsucht nach Geborgenheit<br />

sich wundervoll mit dem ebenso großen<br />

Bestreben nach Freiheit verbinden lässt.<br />

Die wirkliche Realisierung der wahren<br />

Sehnsucht benötigt keinen Trauschein,<br />

jedoch Respekt, Aufrichtigkeit, Vertrauen,<br />

Nähe und eine Portion Distanz.<br />

Sehnsucht beflügelt zur gleichen Zeit<br />

neue visionäre Ideen: Beschrieben in<br />

Sepp Kuffers Buch „Eine Sehnsucht<br />

schlägt uns wund: Vom 68er Mythos<br />

zum Evangelium“. Sein Augenmerk gilt<br />

jener Sehnsucht, welche Menschen zu<br />

Aufbrüchen und Umbrüchen treibt, die<br />

sie unzufrieden und ruhelos sein lässt,<br />

weil sie fühlen, dass ihr Leben mehr von<br />

ihnen will als die ihnen zugewiesenen<br />

SEHNSUCHT<br />

UND Beziehung<br />

„Die Sehnsucht nach der romantischen<br />

Liebe“ hört sich im Titel von Felicitas von<br />

Lovenbergs Buch so an: „Verliebe dich oft,<br />

verlobe dich selten, heirate nie“. Lovenberg<br />

zeigt die ungewöhnliche Evolutionsgeschichte<br />

der Zweisamkeit auf und<br />

kommt dabei zu dem Schluss, dass es in<br />

George Kinder gibt in seinen Tipps für<br />

die Lebensplanung einen wertvollen<br />

Hinweis: „Jeder von uns trägt eine heimliche<br />

Sehnsucht in sich – eine Sehnsucht,<br />

die im Laufe der Zeit und des Lebens oft<br />

zu einem heimlichen Bedauern wird …<br />

Nur wenn wir in der Lage sind, an der<br />

Erfüllung unseres Herzenswunsches zu<br />

arbeiten, ist unser Leben wirklich erfüllt<br />

und lebenswert.“


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Schwerpunkt | Sehnsucht | Hoffnung stirbt zuletzt <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 15<br />

Hoffnung<br />

stirbt zuletzt<br />

Sehnsucht Leben<br />

Autorin: N. Saadi<br />

Überfülltes Flüchtlingsboot<br />

im Mittelmeer


16 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Schwerpunkt | Sehnsucht | Hoffnung stirbt zuletzt<br />

„Konflikte um knapper werdendes Land und Ressourcen<br />

sowie daraus folgend eine steigende Zahl von Flüchtlingen<br />

und Vertriebenen stellten eine ernsthafte Bedrohung des<br />

Weltfriedens dar.“ (Quelle: UN-Vertretung der BRD)<br />

Foto: UNHCR, E. Hockstein


Schwerpunkt | Sehnsucht | Hoffnung stirbt zuletzt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 17<br />

Farhad Ibrahim (Name geändert) streckt<br />

seinen Unterarm aus und zeigt eine<br />

Narbe. „Während eines Verhörs im Militärgefängnis<br />

hat ein Soldat meine Hand<br />

gepackt und so lange auf den Tisch<br />

geschlagen, bis ich ohnmächtig wurde“,<br />

sagt er. „Drei meiner Finger kann ich<br />

immer noch nicht richtig beugen, beim<br />

Schreiben tut mir die Hand weh“. Sein<br />

Blick ist eindringlich, aber voller Wärme.<br />

Seine Züge lassen keine Spuren von<br />

Verbitterung erkennen.<br />

Erstaunlich gefasst erzählt der 31-jährige<br />

seine Geschichte: Der Leidensweg des<br />

gelernten Bankkaufmanns beginnt<br />

während seines Militärdienstes bei<br />

der syrischen Armee und soll fünf<br />

lange Jahre dauern. Die kurdische<br />

Herkunft wird dem jungen Mann zum<br />

Verhängnis. Der Kreislauf aus Folter,<br />

Demütigung und Gefängnisaufenthalten<br />

geht in seine erste Runde. Ibrahim<br />

flüchtet schließlich in den Nachbarstaat<br />

Libanon. Dort wird er aufgrund einer<br />

Verwechslung verdächtigt, an der Ermordung<br />

des libanesischen Premiers Hariri<br />

beteiligt gewesen zu sein. Der libanesische<br />

Geheimdienst misshandelt den<br />

damals 25-jährigen und liefert ihn dann<br />

an Syrien aus. Seine Familie zahlt für<br />

seine Freilassung, aber Ibrahim muss sich<br />

weiterhin täglich beim Amt melden, wird<br />

geschlagen und gedemütigt. Schließlich<br />

flüchtet er über die Türkei nach<br />

Zypern, beantragt Asyl und wartet zwei<br />

lange Jahre auf eine Entscheidung der<br />

Behörden. Vergeblich ... Der Gestrandete<br />

flieht nach Norwegen, wird aber gleich<br />

zurück nach Zypern geschickt. Dort landet<br />

er im Gefängnis. Statt Hilfe bekommt<br />

er Tritte und Faustschläge. „Die haben<br />

mich nackt mit ausgestreckten Armen<br />

zwischen zwei Bettpfosten angekettet<br />

und mir in den Magen geboxt“, erinnert<br />

er sich. Ich habe geweint und sie gefragt:<br />

Warum macht ihr das?“ Seine Peiniger<br />

lässt das kalt. Verzweifelt wendet sich<br />

Ibrahim ans norwegische Konsulat, wird<br />

auf dessen Druck nach neun Monaten<br />

Haft endlich freigelassen. Sein Asylantrag<br />

aber wird abgelehnt, die Abschiebung<br />

nach Syrien droht erneut.<br />

Gefängnis<br />

statt Schutz<br />

Am 2. April 2011 fliegt Ibrahim über die<br />

Türkei nach Deutschland. Dort unterstützt<br />

ihn die Hilfsorganisation Pro Asyl<br />

und vermittelt ihm erstmalig einen<br />

Anwalt. Der sonst so Geduldige ist von<br />

der Folter gezeichnet und ausgebrannt.<br />

„Ich fahre jetzt seit fünf Jahren durch die<br />

Welt. Bitte sagen Sie mir gleich, wenn ich<br />

in diesem Land keine Chance habe. Ich<br />

will einfach eine Zukunft haben“, sagt<br />

er dem Richter – und bekommt endlich<br />

Unterstützung. Deutschland gewährt<br />

ihm Asyl. Ibrahim zieht nach München<br />

ins Asylbewerberheim, teilt sich den<br />

Raum mit sechs Zimmergenossen und<br />

besucht einen Deutschkurs. Er lernt<br />

schnell, schließt den Sprachunterricht<br />

mit Bestnote ab und hilft nun ehrenamtlich<br />

Anderen bei Übersetzungen oder<br />

Behördengängen. „Deutschland ist das<br />

erste Land, das mich respektiert“, sagt er.<br />

„Ich will etwas zurückgeben.“ Griechisch<br />

und Deutsch, die Sprachen, die er im


18 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Schwerpunkt | Sehnsucht | Hoffnung stirbt zuletzt<br />

Laufe seiner Odyssee erlernen musste,<br />

sind jetzt vielleicht seine Brücke zu einer<br />

besseren Zukunft. Ab Januar hat Ibrahim<br />

eine halbe Stelle beim Wohnungsamt<br />

für Immigration. Europas Umgang mit<br />

Flüchtlingen aber hat ihn ernüchtert.<br />

„Nach meiner Erfahrung mit Norwegen<br />

und Zypern dachte ich nur, die sind<br />

alle gleich. Jeder hat mich einfach nur<br />

eingesperrt. Niemand wollte sich meine<br />

Geschichte anhören.“<br />

Die 2003 in Kraft getretene Dublin<br />

II-Verordnung wird vielen Schutzsuchenden<br />

zum Verhängnis. Sie regelt,<br />

welcher Mitgliedstaat für einen im<br />

Geltungsbereich gestellten Asylantrag<br />

zuständig ist. Die Folge ist, dass ein Asylsuchender<br />

innerhalb der Mitgliedstaaten<br />

nur noch ein einziges Asylverfahren<br />

betreiben kann, selbst wenn es, wie in<br />

Ibrahims Fall, gar kein faires Verfahren<br />

gibt. Stellt der Asylsuchende dennoch<br />

in einem anderen Mitgliedstaat seinen<br />

Antrag, wird er an den zuständigen Staat<br />

überstellt. Aufgrund von Dublin II also<br />

schickte Norwegen Ibrahim zurück nach<br />

Zypern.<br />

„Zypern ist Dublin-II-Staat und für die<br />

Behandlung der Asylanträge derer, die<br />

dort ankommen und registriert werden,<br />

im Prinzip zuständig. Reist eine Person<br />

dann in einen anderen Mitgliedstaat,<br />

wird hier geprüft, ob dieser zuständig<br />

ist. Die Frage der Verfolgung und der<br />

Fluchtgründe spielt hierbei keine Rolle“,<br />

erklärt Bernd Mesovic, stellvertretender<br />

Geschäftsführer der Organisation Pro<br />

Asyl, die für schutzsuchende Menschen<br />

eintritt. „Die Idee ist, dass ein Flüchtling<br />

eine, aber auch nur eine einzige Chance<br />

haben soll, seine Fluchtgründe prüfen<br />

zu lassen. Dabei bleibt außer Acht, dass<br />

die Anerkennungschancen sowie die<br />

Aufnahme- und Lebensbedingungen<br />

extrem unterschiedlich sind. Zypern ist<br />

wie Griechenland zu einem der Länder<br />

geworden, in denen aufgrund der europäischen<br />

Zuständigkeitsregelung (Dublin<br />

II) Flüchtlinge stranden, die dort überwiegend<br />

nicht hinwollten. Die Anerkennungsquoten<br />

lagen lange Zeit bei null<br />

Prozent, Haft für Asylsuchende ist in<br />

Zypern verbreitet.“<br />

Asylsuche als<br />

lebensgefährlicher<br />

Hürdenlauf<br />

Nach Schätzung der UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk<br />

der Vereinten Nationen,<br />

sind weltweit mehr als 43 Millionen<br />

Menschen auf der Flucht. 2011 wurden<br />

in der gesamten EU rund 301.000 Asylanträge<br />

gestellt. Staaten wie Pakistan,<br />

Iran und Syrien beherbergen viel mehr<br />

Flüchtlinge als die reichen Staaten des<br />

Westens. „Europa muss seine Verantwortung<br />

für den internationalen Flüchtlingsschutz<br />

wahrnehmen. Es ist eine Minderheit<br />

der Flüchtlinge, die in Richtung der<br />

Industriestaaten flieht. 85 Prozent der<br />

Flüchtlingsbewegungen spielen sich in<br />

der Herkunftsregion ab“, sagt Mesovic.<br />

Für viele endet der Fluchtversuch tödlich:<br />

Jährlich sterben vor den Toren Europas<br />

hunderte Männer, Frauen und Kinder. Sie<br />

erfrieren beim Versuch, Grenzflüsse zu<br />

durchschwimmen, kentern in überfüllten<br />

Booten oder ersticken in Containern.<br />

Die EU hat in den letzten Jahren fast alle<br />

Zugangsmöglichkeiten zu ihrem Territorium<br />

abgeriegelt. In der Regel braucht<br />

man für die Einreise ein Visum, die gibt<br />

es aber nicht für Flüchtlinge. Sie müssen<br />

mit falschen Papieren fliehen oder sich<br />

zwielichtigen Schleppern anvertrauen.<br />

„Ein Visum ist für die große Mehrheit<br />

der Flüchtlinge nicht erhältlich. Das<br />

soll möglichst viele Flüchtlinge daran<br />

zu hindern, das Territorium der EU zu<br />

erreichen“, sagt Mesovic. „Das verbriefte<br />

Menschenrecht, Asyl zu bekommen,<br />

ist ein lebensgefährlicher Hürdenlauf.<br />

Auf eigene Faust ein Zufluchtsland zu<br />

erreichen, schaffen nur wenige.“


Schwerpunkt | Sehnsucht | Hoffnung stirbt zuletzt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 19<br />

Farhad Ibrahim (Name geändert)<br />

in Abschiebehaft<br />

Studium<br />

unter Lebensgefahr<br />

Nicht nur für Flüchtlinge ist Europa oft<br />

alles andere als ein sicherer Hafen. „Viele<br />

Afrikaner denken, Europa sei das Paradies“,<br />

sagt der 21-Jährige Malik aus Angola.<br />

Der Student übersprang aufgrund sehr<br />

guter Noten die letzte Klasse und wollte<br />

nach dem Abitur in den Westen, um<br />

Maschinenbau zu studieren. Eine private<br />

Hochschule in der Ukraine nahm ihn<br />

an – aber statt eines lässigen Studentenlebens<br />

begann ein Horrortrip. „Drei<br />

meiner Freunde wurden umgebracht“,<br />

sagt er, die Angst noch im Blick. „Wenn du<br />

schwarz bist, musst du in der Ukraine<br />

ständig um dein Leben fürchten. Einen<br />

Freund von mir haben sie in der Metro<br />

auf die Schienen geschubst, er konnte<br />

gerade noch hochklettern, bevor die Bahn<br />

kam.“ Auch Malik selbst wurde mehrfach<br />

Opfer von rassistischen Attacken.<br />

„Sie kommen zu dritt, viert, fünft, um auf<br />

dich einzuprügeln. Und wenn du Hilfe bei<br />

der Polizei suchst, leeren sie dir nur die<br />

Taschen, nehmen dein Geld und schicken<br />

dich weg.“ Er blickt unruhig um sich, als<br />

fürchte er einen weiteren Zuhörer. „In der<br />

Uni hat mir der Dozent ins Gesicht gesagt,<br />

meine Leistungen seien unwichtig, gute<br />

Noten gebe es nur gegen Bezahlung.“<br />

Als ein afrikanischer Freund im siebten<br />

Semester, kurz vor dem Abschluss, das<br />

Schulgeld nicht mehr bezahlen kann, will<br />

Malik mit anderen zusammenlegen. „Wir<br />

sind zum Direktor gegangen und haben<br />

ihm gesagt, wir würden das Geld für ihn<br />

bezahlen, aber es ginge nur in monatlichen<br />

Raten.<br />

Der Direktor hat abgelehnt und unser<br />

Kommilitone wurde ohne Abschluss<br />

umgehend nach Hause geschickt, obwohl<br />

seine Familie jahrelang für die Uni gespart<br />

hatte“, erzählt er „Wenn es ein Land auf<br />

der Welt gibt, das ich nie wieder betreten<br />

will, dann ist es die Ukraine. Maliks Asylantrag<br />

in Deutschland wurde abgelehnt.<br />

Nun soll er zurück in die Heimat – ohne<br />

Geld und ohne Zeugnis.


20 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

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Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 21<br />

Nachgefragt<br />

Sehnsucht<br />

Interviews: N. Saadi<br />

Die Sehnsucht treibt: Sie lässt von<br />

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träumen, von Wohlstand, Fortschritt<br />

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unersetzliches Zahnrad im Getriebe der<br />

Menschheit und eine Triebfeder unseres<br />

Seins. <strong>BOLD</strong> sprach mit Bernd Mesovic,<br />

stellvertretender Geschäftsführer von Pro<br />

Asyl, dem Designer Artsi Ifrach und dem<br />

internationalen Parfüm- und Duftmarktexperten<br />

Dr. Bodo Kubartz über ihre<br />

Sehnsüchte, Erkenntnisse, Erfahrungen<br />

und ihre neuesten Projekte.<br />

Bernd Mesovic<br />

„Der Wunsch, die Sehnsucht<br />

nach einem besseren Leben<br />

ist eine der treibenden Kräfte<br />

der Menschheit“<br />

Bernd Mesovic setzt sich seit 32 Jahren<br />

für Flüchtlinge ein. Den Kampf gegen die<br />

Unbeweglichkeit der Bürokraten führt<br />

Mesovic mit Ironie und Humor. Farhad<br />

Ibrahims Geschichte (siehe Artikel „Hoffnung<br />

stirbt zuletzt – Sehnsucht Leben“,<br />

ab Seite 15) verdeutlicht, dass Menschen,<br />

die Anspruch auf Asyl hätten und denen<br />

in ihrem Heimatland Folter und Tod droht,<br />

oft keine Hilfe bekommen.<br />

Wie ließe sich das verhindern?<br />

Die Ursachen sind sehr unterschiedlich:<br />

Unfaire und mangelhafte Asylverfahren<br />

in manchen Ländern mit „ablehnungsgeneigten“<br />

Entscheidern oder politisch<br />

restriktiven Vorgaben, wie zu entscheiden<br />

ist; fast nicht vorhandene Asylsysteme in<br />

einigen Ländern an der Außengrenze, die<br />

keine Asylrechtstradition oder defizitäre<br />

Verwaltungen haben. Man bräuchte ein<br />

faires Asylrecht und angemessene Unterbringung<br />

in allen EU-Staten. Aber davon<br />

sind wir weit entfernt.<br />

Viele Asylbewerber kennen sich mit der<br />

Rechtslage überhaupt nicht aus und<br />

machen so „Fehler“ mit schlimmen Konsequenzen.<br />

Müssten die Asyl-gewährenden<br />

Länder sie nicht zunächst über ihre<br />

Rechte und Möglichkeiten aufklären?<br />

Das ist eine wichtige Frage. Viele Flüchtlinge<br />

sind aus verschiedenen Gründen<br />

nicht in der Lage, ihr Schicksal in der<br />

nötigen Weise vorzutragen. Manche stehen<br />

unter dem frischen Eindruck der Flucht<br />

und der Gefahr, manche sind traumatisiert.<br />

Manche verstehen aufgrund eines<br />

anderen kulturellen Hintergrundes nicht,<br />

warum man ihnen bestimmte Fragen<br />

stellt. Eine qualifizierte Erstberatung wäre<br />

dabei eine große Hilfe. Besonders belastete<br />

Flüchtlinge müssten auch zur Anhörung<br />

begleitet werden. Doch die offizielle Doktrin<br />

in Deutschland ist eher, Asylsuchende<br />

möglichst frühzeitig und „unbeeinflusst“<br />

anzuhören. Eine vernünftige Erstberatung,<br />

anwaltliche Begleitung und vorurteilsfreie<br />

Anhörungen könnten viele Klageverfahren<br />

entbehrlich machen. Doch die staatliche<br />

Seite sieht sich hier kaum in der Pflicht.<br />

Die Organisation Pro Asyl stellt Anwälte,<br />

die die Flüchtlinge vertreten. Wie wichtig<br />

ist ein professioneller Rechtsbeistand?<br />

Aus unserem Rechtshilfefonds können wir<br />

nur eine begrenzte Zahl von Verfahren<br />

unterstützen. Neben Präzedenzfällen sind es<br />

Fälle, in denen die humanitären Härten auf<br />

der Hand liegen oder die Risiken am größten<br />

sind – wie im Schnellverfahren an Flughäfen.<br />

NGOs können nicht der Ausfallbürge für<br />

staatliche Versäumnisse sein. Deshalb bleibt<br />

es bei unserer Forderung, dass es staatliche<br />

Aufgabe sein muss, ein faires Asylverfahren<br />

sicherzustellen, zu dem auch die Gewährleistung<br />

einer rechtlichen Vertretung gehören<br />

müsste.


22 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

Foto: Pro Asyl<br />

Bernd Mesovic von Pro Asyl,<br />

auf einer Kundgebung 2012


Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 23<br />

Viele Flüchtlinge kommen nicht aus<br />

politischen Gründen, sondern um<br />

bitterer Armut und Hoffnungslosigkeit<br />

zu entkommen. Wie sollte man Ihrer<br />

Meinung nach mit ihnen umgehen?<br />

Wo wird Armut und Chancenlosigkeit,<br />

extreme Ausgrenzung beim Zugang zu<br />

wirtschaftlichen und sozialen Menschenrechten<br />

zur Verfolgung? Da, wo der Staat<br />

solche Zustände hinnimmt oder sie gar<br />

fördert? Zu leicht sollte man es sich bei<br />

der Antwort jedenfalls nicht machen. Ein<br />

Blick in die deutsche Geschichte von Flucht<br />

und Auswanderung zeigt etwa: Die deutschen<br />

Flüchtlinge der ersten Hälfte des<br />

19. Jahrhunderts flohen ebenso sehr vor<br />

der Verelendung wie vor der Chancenlosigkeit<br />

feudaler Enge, vor Knechtschaft<br />

und Verfolgung demokratischen Gedankenguts.<br />

Die Diskreditierung derer, die vor<br />

dem Elend fliehen, als „Wirtschaftsflüchtlinge“<br />

ist infam. Der Wunsch nach einem<br />

besseren Leben ist eine der treibenden<br />

Kräfte der Menschheit und ihrer Migrationsgeschichte.<br />

Und die Amerikaner haben sich<br />

sogar die pursuit of happiness – neben dem<br />

Menschenrecht auf Leben und Freiheit – in<br />

die Unabhängigkeitserklärung geschrieben.<br />

Der europäische Kolonialismus hat sich<br />

besten Gewissens die Welt unterworfen –<br />

mit Folgen bis heute. Und wir sollten uns<br />

erlauben, die Habenichtse und die Glückssucher<br />

– unsere Ebenbilder – zum Bleiben<br />

im Elend zu verurteilen? Bevor wir uns also<br />

von der Politik sagen lassen, wir könnten<br />

nicht alle Probleme dieser Welt lösen, was<br />

richtig ist, fragen wir auch, welche „wir“<br />

verursacht haben. Auch unser Lebensstil ist<br />

es, der einige Fluchtursachen schafft.<br />

Artsi Ifrach<br />

„Yela, yela – lass uns etwas<br />

Neues starten!“<br />

Er kam aus Tel Aviv, fand in Paris internationale<br />

Anerkennung und in Marrakesch<br />

die Quelle der Inspiration. Nun<br />

möchte der Designer Artsi Ifrach auch in<br />

Deutschland durchstarten ...<br />

Sie waren als Designer mit Ihrem Label<br />

Art/C in Paris sehr erfolgreich, sind aber<br />

letztes Jahr kurzentschlossen von Paris<br />

nach Marrakesch gezogen. Wie kam es<br />

dazu?<br />

Paris ist toll, aber um wirklich kreativ sein zu<br />

können, muss ich mich fernhalten von den<br />

angesagten Plätzen. Ich präsentiere meine<br />

Kollektionen aber immer noch Paris und<br />

habe dort auch meine Repräsentantin.<br />

Der kulturelle Reichtum und die Spiritualität<br />

Marrakeschs faszinieren mich noch<br />

immer. Die Stadt hat eine ganz eigene<br />

Magie. Selbst die vielen Touristen konnten<br />

ihr nichts anhaben.<br />

Vom Okzident in den Orient, was können<br />

wir im Westen von einer traditionsverbundenen<br />

und religiösen Stadt wie<br />

Marrakesch lernen?<br />

In Europa und vielen anderen Orten auf<br />

der Welt suchen wir immer nur den Fortschritt<br />

und die neusten Technologien. Dabei<br />

vergessen wir, dass es in der Vergangenheit<br />

bereits eine fantastische Kultur gab, auch<br />

in der Mode gab es großartige Kreationen,<br />

die die Persönlichkeit ihrer Träger hervorhoben.<br />

Marrakech schließt die Lücke<br />

zwischen der Vergangenheit und der<br />

Zukunft. Wir erleben hier viele Dinge, die<br />

es bei uns im Westen nicht mehr gibt. Das<br />

traditionelle Handwerk als Teil ihrer Kultur<br />

und Identität zu würdigen – das können die<br />

Europäer von dieser Stadt lernen.<br />

Sie kommen ursprünglich aus Israel,<br />

sind praktizierender Jude und wohnen<br />

in einem Riad in der Medina, der Altstadt<br />

Marrakeschs. Ihre Nachbarn sind<br />

Moslems. Klappt das gut?<br />

Sie lieben mich und ich liebe sie. Ich glaube<br />

nicht, dass sich Moslems, Juden und<br />

Christen groß unterscheiden. In Marrakesch<br />

leben seit Jahrhunderten Anhänger unterschiedlicher<br />

Glaubensrichtungen friedlich<br />

Tür an Tür.<br />

Zu Ihren Kunden gehören Stars wie Beth<br />

Dito oder Kelly Rowland. Wie wichtig ist<br />

Ihnen der Erfolg im Beruf?<br />

Für mich bedeutet Erfolg nicht, dass<br />

berühmte Leute meine Sachen tragen,<br />

sondern dass es Menschen gibt, die meine<br />

Arbeit lieben. Ich möchte das, was ich tue,<br />

nicht aus den falschen Gründen tun. Ich<br />

mache Mode, nicht um reich zu werden,<br />

sondern ich bin reich, weil ich kreativ sein<br />

kann. Die kreative Freiheit ist mir wichtiger,<br />

als viel Geld zu verdienen.<br />

Es gibt einen großen Unterschied zwischen<br />

Reichtum und Vermögen. Reichtum kommt<br />

von innen, Vermögen durch Geld. Kennst du<br />

die Bedeutung der Kippa ? Bis hierher und<br />

nicht weiter (fasst sich auf den Kopf ),


24 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

wenn du das verstanden hast, bleibst du<br />

sehr demütig und entspannt.<br />

Wie würden Sie Ihre Kreationen, Ihren<br />

Modestil beschreiben?<br />

Meine Kleider und Accessoires sollen die<br />

Persönlichkeit des Menschen, der sie trägt,<br />

hervorheben. Zudem ist für mich die<br />

„gelebte Vergangenheit“ des Kleidungsstücks<br />

wichtig. Ich arbeite nur mit Vintage-<br />

Materialien, weil Vintage etwas in sich trägt,<br />

dass es heute nicht mehr gibt. Einen Mantel<br />

habe ich beispielsweise aus alten Teppichen<br />

gefertigt, ein Kleid meiner Kollektion<br />

war mal eine Hochzeitsdecke. Ich kreiere<br />

ausschließlich Unikate.<br />

Sie möchten in diesem Jahr einen Showroom<br />

in Frankfurt eröffnen. Was führt Sie<br />

nach Deutschland?<br />

Mit Deutschland verbindet mich schon seit<br />

Langem eine Liebesbeziehung. Mittlerweile<br />

habe ich nicht nur wundervolle Kunden,<br />

sondern auch sehr gute Freunde hier. Das<br />

Land ist großartig und entwickelt sich<br />

kontinuierlich weiter. Ich finde, die Deutschen<br />

sind sehr weltoffen und interessiert<br />

an neuen Styles. Also denke ich mir: Yela,<br />

yela, wie wir in Marokko sagen – los geht’s,<br />

lass uns etwas Neues starten!<br />

Sie haben keine Homepage und keinen<br />

Auftritt in Facebook und Co. Wie können<br />

Ihre Kunden Sie suchen?<br />

Mir ist es lieber, dass die Leute mich finden<br />

– und das klappt ja auch meistens. Ich<br />

entwerfe ausschließlich Einzelstücke, und<br />

ich denke, eine breit angelegte Marketingkampagne<br />

passt nicht zu meiner Arbeit.<br />

Mein Label soll durch meine Kreationen<br />

bekannt werden, nicht nur durch Werbung.<br />

Alles kommt zu seiner Zeit. Mir ist es wichtig,<br />

im richtigen Rhythmus zu bleiben.<br />

kreative ParfümeurE<br />

gewinnen mehr und mehr<br />

an Bedeutung<br />

Dr. Bodo Kubartz ist Parfüm- und Duftmarktexperte.<br />

In seiner Doktorarbeit an<br />

der University of Oklahoma, Norman,<br />

USA, widmete er sich mit wissenschaftlicher<br />

Akribie der internationalen Parfümindustrie.<br />

Schon in dieser Zeit entwickelte<br />

er ein Faible für den wachsenden<br />

Nischenmarkt der Parfüm- und Kosmetikprodukte.<br />

Seit 2010 arbeitet er in Deutschland<br />

als Berater, Trendanalyst und Autor<br />

in der Beautybranche.<br />

Wie hat sich der Parfümmarkt im Zuge<br />

der Globalisierung gewandelt?<br />

Ich sehe die Entwicklung des Parfümmarktes<br />

als Spiegelbild gesellschaftlicher<br />

Veränderungen. Prozesse wie Individualisierung,<br />

Kommerzialisierung und Globalisierung<br />

sind im übertragenen Sinne auch in<br />

der Parfümbranche sichtbar. In den letzten<br />

100 Jahren hat die Entwicklung von einem<br />

Kunst- und Luxusgegenstand zu einem<br />

Gebrauchs- und Alltagsgegenstand stattgefunden.<br />

Große Projekte der Parfümentwicklung<br />

werden als Risiko und Wagnis<br />

empfunden; und um das Risiko gering zu<br />

halten, sind Düfte massentauglich konstruiert.<br />

Geschichten für Düfte werden strategisch<br />

entworfen, verworfen, geprüft,<br />

geändert. Es hat eine Technisierung mit<br />

Technologien und Lösungen stattgefunden,<br />

die mit anderen Branchen vergleichbar ist.<br />

Die technisierte Datenverarbeitung hat die<br />

Kreation deutlich beschleunigt, aber den<br />

mysteriösen Charme und die Freiheit der<br />

Parfümeure genommen.<br />

Wie überleben kleine Parfüm-Labels auf<br />

dem Markt der großen Marken?<br />

Als Spiegelbild einer differenzierten Gesellschaft<br />

verzeichnen die kleinen Labels, die<br />

selektiv vertrieben werden und ohne große<br />

Marketingbudgets auskommen, einen international<br />

wahrnehmbaren Zuwachs. Dieses<br />

kleinteilige Metier ist unter den Begriffen<br />

Nischen-, Zukunfts- und Artistikmarken oder<br />

artisan bzw. artistic perfume bekannt, und<br />

freizügiger in der Ausgestaltung des Duftes<br />

und der Markenerscheinung. Ich finde<br />

gerade dieses kleinteilige, aber wachsende<br />

Segment sehr spannend, da die Macher<br />

und Entscheidungsträger sichtbar sind und<br />

mit viel Esprit für ihre Arbeit einstehen, was<br />

langfristig zum Erfolg führt. Oft haben es<br />

die kleinen Labels aber zunächst schwer, im<br />

Handel aufgenommen zu werden, denn sie<br />

sind deutlich erklärungs- und beratungsintensiver.<br />

Stimmt hinsichtlich des Erscheinungsbildes<br />

und Inhalts alles, ist positives<br />

Feedback wahrscheinlich.<br />

Wie hat sich die Art der Vermarktung<br />

verändert?<br />

Die verpackten Inhalte sind markenspezifisch<br />

sehr unterschiedlich. Bekanntermaßen<br />

werden Lebensstile, Ideen und


Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 25<br />

Foto: S. Noor<br />

Modedesigner:<br />

Artsi Ifrach


26 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

Internationaler Parfüm- und<br />

Duftmarktexperte: Dr. Bodo Kubartz<br />

Foto: www.kubartz.de


Schwerpunkt | Sehnsucht | Nachgefragt<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 27<br />

Ansichten von Modemarken, Couturiers<br />

oder Celebrities in Parfüms repräsentiert<br />

und vermarktet. Andere Marken formulieren<br />

Düfte als erreichbares Accessoire im<br />

Markenuniversum hochpreisiger Produkte<br />

und sehen darin den legitimen Transport<br />

einer Marke. Die Inhalte rangieren zwischen<br />

trivial und philosophisch – je komplexer der<br />

Sinnzusammenhang, desto beratungs- und<br />

zeitintensiver ist der Verkauf im Geschäft.<br />

Es stehen Einstellungen und Philosophien<br />

der Marken im Vordergrund, die Komplexität<br />

und Besonderheit des Duftes wird oft<br />

vernachlässigt.<br />

Im Vertrieb spielt die zeitliche und örtliche<br />

Verknappung von Gütern eine Rolle, um<br />

Markenwerte zu steigern. Was überall<br />

erhältlich ist, besitzt weniger Wert als<br />

beschränkt erreichbare Produkte.<br />

Wohin geht der Trend?<br />

Interessant sind die Trends, die man unter<br />

„neuer Luxus“ und „grün-ethische Welle“<br />

zusammenfassen könnte. “Neuer Luxus”<br />

beinhaltet solche Markenprodukte, die<br />

einen Geheimtipcharakter haben. Es existiert<br />

starkes prozentuales Wachstum bei<br />

den hochpreisigen Premiumdüften. Kunden<br />

kaufen solche Marken, die duftspezifisch<br />

und ideentechnisch einen hohen Grad<br />

der Alleinstellung und Perfektion kommunizieren,<br />

die selektiv erhältlich sind und<br />

eine verständliche und nachvollziehbare<br />

Geschichte erzählen. Andererseits werden<br />

Markenprodukte interessant, die ökologisch<br />

und ethisch transparent präsentiert werden.<br />

Was sind die Inhaltsstoffe, wo kommen sie<br />

her und was bedeutet das? Ist die Marke<br />

echt und glaubwürdig? So lautet die Frage<br />

dahinter. Viele Endverbraucher interessieren<br />

sich zunehmend für Background und<br />

Footprint der Markenprodukte. Im Zuge der<br />

Sehnsucht nach wahren Inhalten gewinnt<br />

der kreative Parfümeur an Bedeutung.<br />

Innovationspotenzial liegt vor allem auch<br />

in den Bereichen Absatz und Kundenbindung.<br />

Neben traditionellen Absatzorten<br />

wie Einzelhandels- oder Filialistenparfümerien,<br />

in Flughäfen und Flugzeugen<br />

oder Warenhäusern, werden der Onlinehandel,<br />

aber auch alternative Orte wie<br />

Modegeschäfte, Hotels, Spas und Concept<br />

Stores relevanter. Eine andere Möglichkeit<br />

wird aktuell durch die Initiative<br />

eines in Entstehung begriffenen Parfümclubs<br />

beschritten, bei dem registrierte<br />

Mitglieder die Duftentwicklungen von<br />

Parfümeuren direkt zugeschickt bekommen.<br />

Dem wissenden Publikum wird eine<br />

direkte Verbundenheit zum kreativen Kopf<br />

vermittelt.<br />

Welche Duftrichtungen erobern zurzeit<br />

den Markt?<br />

Im Sinne des kulturellen Globalisierungsprozesses<br />

finden Duftthemen aus anderen<br />

Orten und Zeiten Anklang. So wird das<br />

Thema „Oud“ (Aus dem Harz des in Südostasien<br />

wachsenden Adlerholzbaumes wird<br />

das Öl gewonnen, das je nach Duftanteil<br />

im Parfüm zunächst rauchig bis säuerlich,<br />

bald danach aber aromatisch-holzig<br />

riecht.), das lange schon in der Lebenswelt<br />

und den Parfüms aus dem arabischen<br />

Kulturraum eine Rolle spielte, in den letzten<br />

Jahren verstärkt auch durch europäische<br />

Marken aufgegriffen. Mitunter kommunizieren<br />

sogar große Premiummarken wie<br />

Yves Saint Laurent Düfte als Oud-Duft.<br />

Orientalische und Chypre-Düfte sind weitere<br />

Beispiele, die Potenzial für Neu- oder Wiederinterpretationen<br />

bergen. Darüber hinaus<br />

findet eine Neu- oder Wiederinterpretation<br />

und zentrale Kommunikation durch etablierte<br />

Inhaltsstoffe wie Rose, Maiglöckchen<br />

oder Vanille statt.<br />

Was würden Sie sich für die Parfümbranche<br />

wünschen?<br />

Ich wünsche mir mehr Mut und Vertrauen<br />

in die eigene Entscheidung und eine Akzeptanz<br />

von Fehlentscheidungen. Den Mut,<br />

nicht jeden Trend mitzumachen und den<br />

Mut, unübliche Wege zu gehen. Erforderlich<br />

ist ein Rückbesinnen auf Erfahrungen und<br />

Fachexpertise von Entscheidungsträgern.<br />

Es geht um die Verantwortung gegenüber<br />

der Umwelt und um Antworten auf<br />

Fragen der Gerechtigkeit. Was bedeutet die<br />

Herstellung, der Vertrieb und Verbrauch von<br />

Parfüms und Kosmetika für die Umwelt und<br />

die Menschen, die über Wertschöpfungsketten<br />

daran beteiligt sind? Beispielsweise<br />

ist es ein Ansatzpunkt, an den stattlichen<br />

Margen der Industrie auch Andere teilhaben<br />

zu lassen.<br />

Links zum Thema:<br />

www.proasyl.de<br />

www.kubartz.de


28 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | inner desire


Mode | inner desire<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 29<br />

inner<br />

desire<br />

Fashion<br />

Fotografin: M. Bärsch<br />

Strassoberteil & Kleid:<br />

Dawid Tomaszweski<br />

Make-Up & Hair: M. Kalbas | Styling: M. Bärsch | Retusche: A. Zandt | Model: S. Hawel


30 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | inner desire<br />

Pelzkleid: Sammler Berlin<br />

Gürtel: Zara<br />

Strassleggins: Dawid Tomaszweski<br />

Schmuck: Konplott by Miranda Konstantinidou


Mode | inner desire<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 31


32 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


Mode | inner desire<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 33<br />

linke Seite<br />

Kleid: Unrath & Strano<br />

Ohrringe: Mango<br />

rechte Seite<br />

Kleid: Unrath & Strano<br />

Schmuck: Konplott by Miranda Konstantinidou


34 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 35<br />

Kleid: Unrath & Strano<br />

Schmuck: Konplott by Miranda Konstantinidou<br />

Handschuhe: Roeckl


36 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | inner desire<br />

Kleid: Sammler Berlin<br />

Schmuck: Konplott by Miranda Konstantinidou<br />

Pelz: Sammler Berlin


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 37


38 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


Einstieg | Begeisterung<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 39<br />

photographed by Mika Ceron<br />

blackydress.de


40 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | Spanish avidness


Mode | Spanish avidness<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 41<br />

Spanish<br />

avidness<br />

Fashion<br />

Fotograf: D. Schaper<br />

des neuen seat leon<br />

Die spanische leidenschaft<br />

kombinierte <strong>BOLD</strong> mit der<br />

aktuellen Modestrecke in Barcelona<br />

T-Shirt: Guess<br />

College-Lederjacke: Freeman T. Porter<br />

Make-Up & Hair: A. Schaper | Styling: F. Frauenstein | Assistent: T. Langenfeld | Models: A. Reiher, C. Deerberg<br />

SEAT Bilder: R. Klatt


42 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | Spanish avidness<br />

(Model links)<br />

Kleid: Guess<br />

Kette: Stylist‘s Own<br />

(Model rechts)<br />

T-Shirt: Guess<br />

Jeans: Freeman T. Porter


Mode | Spanish avidness<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 43


44 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | Spanish avidness<br />

die perfekte Einheit aus<br />

spanischer Leidenschaft und<br />

deutscher Ingenieurskunst:<br />

Der neue seat leon


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 45<br />

Bluse, Rock, Trenchcoat: Guess<br />

Tasche: Guess


46 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

(Model links)<br />

Bikini-Top: Guess<br />

Sweat-Shorts: Guess<br />

Lederjacke: EMU<br />

Sonnenbrille: IC-Berlin<br />

Kette: Stylist‘s Own<br />

(Model rechts)<br />

T-Shirt: Guess<br />

Jeans-Short: Freeman T. Porter


Mode | Spanish avidness<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 47<br />

Schlanke Proportionen<br />

und präzise Linienführung:<br />

Dieser Leon fühlt sich<br />

auf jeder StraSSe zuhause


48 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | Spanish avidness


Mode | Spanish avidness<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 49<br />

(Model links)<br />

T-Shirt: Guess<br />

Anzug: Kuyichi<br />

Shoes.: Stylist‘s Own<br />

(Model rechts)<br />

Kleid: Marlene Birger<br />

Schuhe: Guess<br />

Kette: Sabrina Dehoff


50 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Mode | Spanish avidness<br />

innovative Materialien, Leichtbauweise:<br />

der neue Leon wiegt bis zu<br />

90 Kilogramm<br />

weniger als sein Vorgänger


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 51<br />

Jeanskleid: Kuyichi<br />

Bikini-Top: Guess<br />

Kette, Ohrringe: Marlene Birger


52 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

(Model links)<br />

Bluse, Lederrock, Schuhe: Guess<br />

(Model rechts)<br />

T-Shirt: Guess<br />

Jeans, College-Lederjacke: Freeman T. Porter<br />

Sonnenbrille: IC-Berlin


Mode | Spanish avidness<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 53<br />

Der Wabengrill in Trapezform<br />

und die Leichtmetallräder von 16 bis 18 Zoll<br />

vermitteln auf den ersten Blick<br />

das südländische Temperament<br />

des neuen leon


54 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 55<br />

(Model links)<br />

Strasstop, Hose: Guess<br />

Schuhe, Ohrringe: Stylist‘s Own<br />

(Model rechts)<br />

Hemd, Weste, Anzug: Barutti<br />

Schuhe: Stylist‘s Own


56 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

INTERNATIONAL FASHION TRADE SHOW<br />

Fall / Winter<br />

2013/14<br />

JANUARY 15–17, 2013<br />

STATION-BERLIN Luckenwalder Str. 4-6, 10963 Berlin<br />

www.premiumexhibitions.com


Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 57<br />

sehenswert<br />

Gegen<br />

den Strich<br />

Autor: H. G. Teiner<br />

lern des 20. Jahrhunderts. Als Vorreiter<br />

der modernen Kunst war Hundertwasser<br />

international anerkannt, vertrat Österreich<br />

auf der Kunstbiennale in Venedig<br />

und nahm 1964 an der Documenta in<br />

Kassel teil. Die Kunsthalle Bremen legt<br />

in ihrer aktuellen Sonderausstellung<br />

zum Werk Friedensreich Hundertwassers<br />

Die Kunsthalle Bremen zeigt in ihrer neuen<br />

Ausstellung „Gegen den Strich. Werke<br />

1949 bis 1970“ zentrale, aber selten ausgestellte<br />

Arbeiten aus dem Frühwerk von<br />

Friedrich Stowasser (1928 - 2000), besser<br />

bekannt als Friedensreich Hundertwasser.<br />

Der gebürtige Österreicher zählt zu den<br />

populärsten und umstrittensten Künstden<br />

Fokus auf die frühen Arbeiten, die<br />

zwischen 1949 und 1970 entstanden sind.<br />

Gezeigt werden 100 ausgewählte Werke:<br />

Gemälde, Arbeiten auf Papier, Plakate<br />

und Schriften wie das Verschimmelungsmanifest<br />

gegen den Rationalismus in der<br />

Architektur von 1958, in dem sich der<br />

Künstler gegen das Diktat der geraden<br />

Linie ausspricht.<br />

Fotos: Kunsthalle Bremen, Hundertwasser Archiv Wien<br />

Friedensreich Hundertwasser,<br />

1959, im Atelier 213<br />

Sein zentrales Werk organischer Linien,<br />

mit dem Hundertwasser im Jahre 1959<br />

das Genre der europäischen Aktionskunst<br />

erschuf, macht die Ausstellung erneut<br />

erlebbar: Die Linie von Hamburg, die der<br />

damalige Gastdozent an der Hochschule<br />

für bildende Künste mit Bazon Brock und<br />

Studenten im Atelier 213 als unendlich<br />

wirkende Aufwärtsspirale entstehen ließ,<br />

erfährt als Linie des Lebens in der Großen<br />

Galerie der Kunsthalle Bremen eine neue<br />

Interpretation.<br />

Gegen den Strich<br />

Bis: 17. Februar 2013<br />

Kunsthalle Bremen<br />

Am Wall 207, 28195 Bremen<br />

www.kunsthalle-bremen.de


58 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

Friedensreich Hundertwasser:<br />

144 Lineare Struktur mit grauem Zentrum, 1952


Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 59<br />

Friedensreich Hundertwasser:<br />

132 / IX Radfahrer im Regen (aus Rotaprint-Portfolio für den Art Club Wien, Blatt 9 von 9, 1951)


60 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2012<br />

Foto: S. Leiter, Greenberg Gallery<br />

Foto: ProLitteris, Zürich<br />

Die Avantgarde der ersten Hälfte des<br />

20. Jahrhunderts war in Russland wirklich<br />

weiblich, kaum sonst konnten sich so<br />

viele Künstlerinnen neben ihren männlichen<br />

Kollegen an Kunstexperimenten im<br />

Lichte des aktuellen Zeitgeistes verwirklichen.<br />

Das Wilhelm Hack Museum in<br />

Ludwigshafen am Rhein zeigt rund 100<br />

Arbeiten, die zwischen 1907 und 1934<br />

entstanden sind. Für die Ausstellung<br />

„Schwestern der Revolution“ konnte die<br />

Moskauer Tretjakow-Galerie als Leihgeberin<br />

gewonnen werden, um diese<br />

Epoche der russischen Kunst umfassend<br />

zu präsentieren. Die Arbeiten bewegen<br />

sich zwischen Malerei, angewandter<br />

Kunst für Kino, Theater und Tanz, textiler<br />

Gestaltung und illustrativer Anwendung<br />

und geben einen Einblick in die große<br />

gestalterische Vielfalt, welche sich unter<br />

dem Oberbegriff der „Russischen Avantgarde“<br />

verbirgt.<br />

Wien würdigt den 89-jährigen Fotografen<br />

und Maler Saul Leiter in einer<br />

großen Retrospektive, die in Kooperation<br />

mit dem Haus der Photographie /<br />

Deichtorhallen Hamburg entstand. Die<br />

Ausstellung vereint in einem großen<br />

Spannungsbogen frühe Schwarz-Weißund<br />

Farbaufnahmen, Modefotografien,<br />

übermalte Aktfotos, seine Malerei<br />

sowie eine Auswahl seiner Skizzenbücher.<br />

Ein Kapitel der Ausstellung<br />

widmet sich außerdem den neuen Fotoarbeiten<br />

von Saul Leiter, die er immer<br />

noch auf den Straßen des New Yorker<br />

East Village aufnimmt. Er findet seine<br />

Motive wie Schaufenster, Passanten,<br />

Autos, Schilder und immer wieder Regenschirme<br />

in der unmittelbaren Umgebung<br />

seiner New Yorker Wohnung, die er<br />

seit fast 60 Jahren bewohnt − die Farbsprache<br />

eines halb realen, halb abstrahierten<br />

urbanen Raums.<br />

Das Kunsthaus Zürich zeigt eine Ausstellung<br />

mit rund 90 Gemälden und Arbeiten<br />

auf Papier von Marc Chagall (1887 - 1985).<br />

Chagall gehört zu den berühmtesten<br />

und beliebtesten Künstlern des 20. Jahrhunderts.<br />

Seine Bilder vom russischen<br />

Dorfleben, seine schwebenden Figuren,<br />

fliegenden Kühe und Hähne sind weltbekannt.<br />

Jetzt korrigiert das Kunsthaus<br />

Zürich manches Klischee, das Chagalls<br />

späten Ruhm begründete und würdigt<br />

seinen Beitrag zur Avantgarde. Die<br />

Ausstellung konzentriert sich auf die<br />

für die Karriere des Künstlers entscheidenden<br />

Jahre 1911 bis 1922. Bedeutende<br />

Stationen sind sein Aufenthalt in Paris vor<br />

dem Ersten Weltkrieg, seine Reise nach<br />

Berlin und eine Ausstellung dort im Jahr<br />

1914 in der Galerie „Der Sturm“ sowie die<br />

Zeit, die er in seinem von der Revolution<br />

destabilisierten Heimatland Russland<br />

verbrachte.<br />

Schwestern der Revolution<br />

Bis: 17. Februar 2013<br />

Saul Leiter – Retrospektive<br />

31. Januar 2013 bis 26. Mai 2013<br />

Marc Chagall – Meister der Moderne<br />

8. Februar 2013 bis 12. Mai 2013<br />

Wilhelm Hack Museum<br />

Berliner Straße 23, 67059 Ludwigshafen<br />

www.wilhelmhack.museum<br />

Kunsthaus Wien<br />

Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien<br />

www.kunsthauswien.com<br />

Kunsthaus Zürich<br />

Heimplatz 1, 8001 Zürich<br />

www.kunsthaus.ch


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 61


62 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

BURMESTER 111<br />

MUSICCENTER<br />

LIVE ON STAGE<br />

Berlin Saturn Electro-Handelsgesellschaft mbH, Tauentzienstr. <br />

Lübeck HiFi Galerie Lübeck, Wahmstr. <br />

Westerstede Detlef Coldewey GmbH, Burgstraße <br />

Bielefeld JUPIT Audiovision, Artur-Ladebeck-Str. <br />

Düsseldorf Hifi Referenz Hans Weiß GmbH, Steinstraße <br />

Münster HiFi Fraune, Wolbeckerstr. <br />

Hamm<br />

Auditorium GmbH Feidikstr. <br />

Frankfurt Hifi Profis, Helberger Haus, Große Friedberger Str. -<br />

Wiesbaden Musik im Raum, Taunusstraße <br />

Stuttgart Studio , Sophienstraße <br />

Karlsruhe LÖB High-Fidelity, Zirkel <br />

München life like Oberföhringer Straße b<br />

Erlangen-Baiersdorf HiFi Forum, Breslauer Straße <br />

Regensburg Klang Galerie, Haidplatz<br />

A- Vöcklabruck<br />

TON ART Hifi-Studio, Freileiten <br />

Burmester Audiosysteme GmbH ∙ Wilhelm-Kabus Strasse 47 ∙ 10829 Berlin ∙ www.burmester.de


Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 63<br />

BILDER DER<br />

REVOLUTION<br />

CHE GUEVARA<br />

Autor: M. Mai<br />

Der 1952 durch einen Militärputsch an<br />

die Macht gekommene Staatspräsident<br />

Fulgencio Batista führte ein korruptes<br />

und diktatorisches Regime in Kuba.<br />

Hier beginnt die Geschichte der kubanischen<br />

revolutionären Bewegung: Am<br />

26. Juli 1953 organisierte Fidel Castro<br />

mit seinen Getreuen den Angriff auf die<br />

Moncada-Kaserne, ein Putsch, der vom<br />

Batista-Regime brutal niedergeschlagen<br />

wurde. Seither wird der Tag als Beginn<br />

der Kubanischen Revolution angesehen.<br />

Die Protagonisten des Putsches wurden<br />

festgenommen – Gefängnisstrafen für<br />

Fidel und Raul Castro, Hinrichtungen<br />

etlicher Mitstreiter. 1955 entlässt Batista,<br />

aufgrund des internationalen Drucks,<br />

Fidel Castro aus dem Gefängnis, der ins<br />

Exil nach Mexiko geht. Dort schließt sich<br />

Che Guevara, ein aus Argentinien stammender<br />

Arzt, seiner revolutionären Bewegung<br />

an. 1956 kehren die neuen Kampfgenossen<br />

mit 82 Gefolgsleuten zurück nach<br />

Kuba, sie landen südlich von Havanna in<br />

der Provinz Granma in der Gegend der<br />

Sierra Maestra. Die Fotografien der Skrein<br />

Photo Collection umfassen den Zeitraum<br />

vom Ende des Batista-Regimes bis<br />

zur Kuba-Krise. Lokale und internationale<br />

Fotografen und Journalisten waren als<br />

Sympathisanten in die politischen Ereignisse<br />

persönlich involviert und verbreiteten<br />

in besonders intensiver Weise die<br />

revolutionäre Ideologie in der gesamten<br />

Welt. So wurden aus den charismatischen<br />

Revolutionsführern die Ikonen einer<br />

unzufriedenen Jugend, am Vorabend der<br />

1968er-Bewegung.<br />

Fotos: Skrein Photo Collection, VBK Wien<br />

Alberto Korda – Che Guevara, 1960<br />

Bilder der Revolution<br />

Bis: 3. Februar 2013<br />

Museum der Moderne<br />

Philharmoniker Gasse 9, 5020 Salzburg<br />

www.museumdermoderne.at


64 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

Bild links: Carlos Morales – Siegreiche Revolution, 8. Januar 1959; Bild rechts unten: Venancio Diaz – Volksparade<br />

anlässlich „La Coubre“, 1960; Bild rechts oben: Alberto Korda – Miliciana, 1963


Kunst & Kultur | Sehenswert | Ausstellungen<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 65<br />

Osvaldo Salas – Camilo Cienfuegos beim Einzug<br />

in Havanna, 8. Januar 1959


66 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Kunst & Kultur | im Gespräch


Kunst & Kultur | im Gespräch<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 67<br />

Im Gespräch<br />

Simon Christen<br />

Pixar: 25 Years<br />

of Animation<br />

Autor: F. Reip<br />

lich für das New Yorker Museum of<br />

Modern Art konzipiert und seitdem auf<br />

ihrer Welttournee entsprechend erweitert<br />

wurde, haben die Kuratoren mehr als<br />

500 Exponate zusammengetragen, deren<br />

Anordnung chronologisch der Filmografie<br />

des Studios folgt. Am Eingang<br />

wird der Besucher darauf hingewiesen,<br />

dass bei Pixar beinahe ebenso viele<br />

Mitarbeiter im klassischen Kunsthandwerk<br />

tätig sind wie im digitalen Bereich<br />

– und die Ausstellung tritt mit sichtlichem<br />

Stolz den Beweis an.<br />

So sieht man geklebte Collagen, großformatige<br />

Colorscripts, in denen über<br />

Farbigkeit die atmosphärische Dynamik<br />

längerer Szenen oder gar eines ganzen<br />

Filmes abgebildet ist, kleinteilige,<br />

zauberhaft warme Pastelle, Gemälde aus<br />

Gouache, Skizzen aus Tinte und Filzer,<br />

aus Kohle und Haarspray, Urethanharz-<br />

Maquetten von Figuren aus allen Filmen<br />

– es ist eine wahre Pracht! Zahlreiche<br />

multimediale Elemente, darunter eine<br />

audiovisuelle Installation in einem Kinoraum<br />

und ein Zoetrop, eine Art Daumenkino<br />

in 3D, dessen Patent aus der Mitte<br />

des 19. Jahrhunderts stammt, unterstützen<br />

die Schau, an deren Ende man<br />

Der wortlose Zauber einer Liebe zwischen<br />

Robotern, die rührende Angst alternder<br />

Spielzeugpuppen vor dem Erwachsenwerden<br />

„ihrer“ Kinder, der kühne Glaube<br />

einer Ratte an eine Karriere als Chefkoch<br />

in Paris – wohl kein anderes Filmstudio<br />

hat so bewegende Geschichten im<br />

Trickfilm inszeniert und diese in derart<br />

faszinierenden, immer wieder überraschenden<br />

Bildern erzählt wie Pixar.<br />

Dass das in Emeryville in der Nähe von<br />

San Francisco angesiedelte Studio dies<br />

mittlerweile bereits ein stolzes Vierteljahrhundert<br />

lang tut, angefangen bei<br />

Kurz- und Werbefilmen Ende der 1980er<br />

über „Toy Story“, den ersten komplett<br />

computeranimierten Film bis zum<br />

jüngsten, bereits 13. abendfüllenden<br />

Spielfilm „Merida – Legende der Highlands“,<br />

mag man kaum glauben. Doch<br />

nicht umsonst trägt die Ausstellung,<br />

um die es hier geht, den Titel „Pixar:<br />

25 Years of Animation“. Sie ist derzeit<br />

noch deutschlandweit erstmalig in der<br />

Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen, ehe<br />

sie ab Ende Januar im Museum für Kunst<br />

und Gewerbe in Hamburg gezeigt wird.<br />

Ausgehend von der Ausstellung „Pixar:<br />

20 Years Of Animation“, die ursprüngsich<br />

auch einige der berühmten, preisgekrönten<br />

Kurzfilme von Pixar ansehen<br />

kann (eine zweite Compilation ist seit<br />

kurzem auf DVD und Blu-Ray erhältlich).<br />

Simon Christen begleitet mich auf einem<br />

Rundgang durch die Ausstellung. Der<br />

gebürtige Schweizer, der u. a. an Figuren<br />

aus „Oben“ „Toy Story 3“ und dem im<br />

Sommer in den deutschen Kinos startenden<br />

Film „Monsters University“ gearbeitet<br />

hat, ist seit 2008 als Animator<br />

bei Pixar beschäftigt und zu einer gut<br />

besuchten Präsentation nach Bonn<br />

gekommen ...<br />

Was genau macht ein Animator?<br />

Ich bekomme die Figuren aus dem Modelling,<br />

diese manipuliere ich dann. Ich bin<br />

wie ein Marionettenkünstler, bin für die<br />

Bewegung zuständig, nicht fürs Zeichnen.<br />

Ich habe ein paar Klassen Zeichenunterricht<br />

genommen, aber das ist nicht mein<br />

größtes Talent. (lacht)<br />

Ein paar Leute sind spezialisiert auf<br />

einzelne Figuren, aber in den meisten<br />

Fällen bekommt man drei bis fünf Szenen


68 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Kunst & Kultur | im Gespräch<br />

Storyboard: Spielzeugsoldaten<br />

Toy Story, 1995<br />

Fotos: Disney/Pixar


Kunst & Kultur | im Gespräch<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 69<br />

von etwa zwanzig Sekunden Länge, die<br />

man dann komplett animiert. Am Ende<br />

der Produktion hat man so vielleicht ein<br />

bis anderthalb Minuten zum Film beigetragen.<br />

Kann man die Figuren dann überhaupt<br />

persönlich prägen?<br />

Ich glaube schon! Man animiert natürlich<br />

für den Regisseur, hat aber doch sehr<br />

großen Einfluss. Manchmal hat der Regisseur<br />

sehr genaue Vorstellungen, denen<br />

folgt man dann natürlich. In anderen<br />

Szenen aber ist die Aufgabenstellung vielleicht<br />

ganz lose und man darf und soll<br />

selbst eigene Ideen einbringen.<br />

ist im Grunde wie bei einem Schweizer<br />

Uhrwerk: Alles muss genau aufeinander<br />

abgestimmt sein, und wenn nur eine<br />

Kleinigkeit nicht stimmt, geht auch alles<br />

andere schief. Genauso ist es bei der<br />

Animation.<br />

Geht es bei Ihrer Arbeit vor allem um<br />

Realismus?<br />

Eher um Glaubwürdigkeit. Wenn man<br />

sich nur auf Realismus konzentriert, geht<br />

vieles verloren. Man schafft eher eine<br />

Kopie eines normalen Filmes. Das ist dann<br />

ein bisschen langweilig.<br />

Was bedeutet für Sie Sehnsucht?<br />

Also trägt ein Film eine ganze Menge<br />

verschiedener Handschriften?<br />

Ganz genau. Es ist der Job des Regisseurs,<br />

dafür zu sorgen, dass die Szenen nahtlos<br />

ineinander übergehen. Wir Animatoren<br />

sehen schon ein bisschen, wer was gemacht<br />

hat, aber Leute, die nicht so darauf trainiert<br />

sind, bemerken das wohl eher nicht.<br />

Wenn wir unseren Job gut machen, sieht<br />

man davon nichts.<br />

Arbeiten Sie aus dem Gefühl heraus?<br />

Jeder animiert ein bisschen anders, viele<br />

zeichnen Thumbnails, manche holen sich<br />

auf YouTube Inspiration. Ich probiere es<br />

häufig einfach selbst aus und gucke mich<br />

dabei im Spiegel an, gerade wenn es um<br />

Mimik und Lippensynchronisierung geht.<br />

Wir Animatoren haben allesamt Spiegel<br />

auf unseren Tischen im Büro. Das Ganze<br />

Ich vermisse meine Heimat in Bern, reise<br />

aber auch sehr gern. Das habe ich auch bei<br />

„Oben“ gespürt, in dem es ja auch darum<br />

geht, dass man noch einmal irgendwo<br />

anders hin geht, etwas ganz Neues sieht.<br />

Die Pixar-Filme an sich bieten eine<br />

Fluchtmöglichkeit, eine ganz eigene Welt.<br />

Ich finde das immer wieder faszinierend<br />

– im Grunde sind es ja nur Pixel, und<br />

doch entsteht eine echte Bindung. Der<br />

Blick in die künstlerische Tiefe der Pixar-<br />

Filme, den diese unbedingt empfehlenswerte<br />

Ausstellung ermöglicht, kann diese<br />

Bindung nur noch verstärken.<br />

Links zum Thema:<br />

www.pixar.com<br />

www.bundeskunsthalle.de


70 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Kunst & Kultur | Hörenswert | CD<br />

Hörenswert<br />

Jazz moods<br />

and Soul<br />

Autor: F. Reip<br />

Blank & Jones<br />

RELAX – Jazzed<br />

(Soundcolours / Soulfood)<br />

Remix – mal in eine andere Richtung<br />

gedacht: Statt klassischen Songs einen<br />

elektronischen Rahmen zu geben,<br />

hauchen die Brüder Roman (Klavier,<br />

Arrangements) und Julian Wasserfuhr<br />

(Trompete) den Loungewolken von<br />

Blank & Jones als Jazzinterpretationen<br />

neues Leben ein. Letztere waren dabei<br />

zudem aktiv an der Erschaffung des<br />

neuen Konzepts beteiligt, das schließlich<br />

im Studio der Wasserfuhrs im nordrhein-westfälischen<br />

Hückeswagen realisiert<br />

wurde. Als künstlerisches Bindeglied<br />

fungierte obendrein Jazzgitarrist Bruno<br />

Möller, regelmäßiger Studiomusiker für<br />

Blank & Jones, aber auch schon mit den<br />

Wasserfuhr-Brüdern auf einer Bühne.<br />

Entstanden ist so ein in seiner sanften,<br />

warmen, wehmütig-verregneten Stimmung<br />

schlüssiges Easy Jazz-Album von<br />

unaufdringlicher Grandesse.


Kunst & Kultur | Hörenswert | CD<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 71<br />

Joe Cocker<br />

Fire It Up<br />

(Sony)<br />

Monika Roscher Big Band<br />

Failure In Wonderland<br />

(Enja)<br />

V. A.<br />

Christmas Rules<br />

(Universal)<br />

Manche Dinge ändern sich scheinbar nie,<br />

und manchmal ist das auch genau richtig<br />

so. Zu diesen wind- und wetterfesten<br />

Dingen gehört in jedem Fall die Stimme<br />

von Joe Cocker, der auch auf seinem<br />

mittlerweile 23. (!) Studioalbum so klingt<br />

wie eh und je. Gut zwei Jahre nach der<br />

letzten Platte „Hard Knocks“ bietet das<br />

in den kalifornischen Emblem Studios<br />

aufgenommene „Fire It Up“ elf klassische<br />

Soul-Poprock-Tracks (aus der Feder von<br />

u.a. Country-Star Keith Urban und Soul-<br />

Prinzessin Joss Stone), die gar nichts<br />

anderes wollen, als Cockers raspelrauem<br />

Gesang die Bühne zu bereiten. Leider ist<br />

die Produktion von Matt Serletic (u. a.<br />

Matchbox Twenty, Santana) einen Tick<br />

zu glatt ausgefallen und köchelt „Fire It<br />

Up“ eher vor sich hin, als feurige Funken<br />

zu versprühen. Cockers Stimme bringt’s<br />

natürlich trotzdem.<br />

Bei der Monika Roscher Big Band beginnt<br />

die Irritation bereits beim Namen: Wer<br />

von „Failure In Wonderland“ klassische<br />

Big Band-Kompositionen erwartet, kann<br />

lange suchen. Der ursprünglich angedachte<br />

Bandname „Die Kapelle der Verklärung“<br />

hätte da durchaus besser gepasst.<br />

Die zehn Songs des Debüt-albums der<br />

19-köpfigen Formation um Gitarristin und<br />

Sängerin Roscher geistern durch Stimmungen<br />

und Arrangements und begeistern<br />

mit zahlreichen Kapriolen: Jazzendes<br />

Piano, besessene E-Gitarre, Verfremdungseffekte<br />

auf den Vocals, bedrohliche<br />

Bläserparaden, bockige Rhythmen<br />

sind ein einziges Fest wilder Assoziationen.<br />

Monika Roscher selbst bringt<br />

es auf den Punkt: „Perfektion gilt es<br />

zu vermeiden. Es sind die Brüche und<br />

Risse, die mich immer wieder überraschen<br />

und berühren.“<br />

Sampler mit Weihnachtsliedern gibt<br />

es natürlich wie Nadeln am Tannenbaum,<br />

die meisten Stücke kann man<br />

ohnehin spätestens am zweiten Advent<br />

nicht mehr ertragen. Die Compilation<br />

„Christmas Rules“ bildet da eine erfreuliche<br />

Ausnahme, schon die Liste der<br />

beteiligten Künstler ist exquisit: Mit The<br />

Shins, The Civil Wars, Calexico, The Head<br />

And The Heart oder Holly Golightly sind<br />

Indie-Acts vom Feinsten vertreten, dazu<br />

gesellen sich mit Rufus Wainwright (im<br />

Duett „Baby, It’s Cold Outside“ gemeinsam<br />

mit Sharon Van Etten) und Andrew Bird<br />

(„Auld Lang Syne“) zwei der derzeit interessantesten<br />

Singer/Songwriter. Juwel ist<br />

aber der Auftritt von Alt-Beatle Paul<br />

McCartney, der gemeinsam mit Jazz-<br />

Chanteuse Diana Krall „The Christmas<br />

Song (Chestnuts Roasting On An Open<br />

Fire)“ gibt. Wunderbar weihnachtlich.


72 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Kunst & Kultur | Hörenswert | CD | Track-By-Track<br />

Track-By-Track<br />

Tocotronic<br />

Wie wir leben wollen<br />

Autor: F. Reip<br />

Im Keller<br />

Abschaffen<br />

Tocotronic ist seit eh und je eine der<br />

faszinierendsten, tollsten Bands überhaupt.<br />

Mit der letzten Platte erkannten<br />

das mehr Menschen als je zuvor, mit dem<br />

dunkel-fantastischen „Schall und Wahn“<br />

stand die Band erstmalig auf Platz 1 der<br />

LP-Charts.<br />

Drei Jahre später ist Tocotronic zurück.<br />

Das neue Album hört auf den Namen<br />

„Wie wir leben wollen“ und kann eine<br />

stolze Tracklist vorweisen. Im noblen<br />

Herrenzimmer des Münzsalons, mitten<br />

im Berliner Scheunenviertel gelegen,<br />

sprechen Sänger Dirk von Lowtzow,<br />

Bassist Jan Müller und Gitarrist Rick<br />

McPhail gelöst und mit viel herzlichem<br />

Lachen über die 17 neuen Songs ...<br />

Jan Müller: Es war uns wichtig, dass es mit<br />

einem lockeren, leichten Stück losgeht.<br />

Als es eingespielt war, waren wir uns ganz<br />

schnell sicher, dass das der Opener werden<br />

soll.<br />

Dirk von Lowtzow: Es war auch das erste<br />

Stück, das wir eingeprobt haben.<br />

Rick McPhail: Es hat auch gut gepasst,<br />

dass alles im Keller anfängt, man dann<br />

die Treppe hoch geht, so ein bisschen vom<br />

dunklen Anfang ins Helle.<br />

Auf dem Pfad der Dämmerung<br />

Dirk von Lowtzow: Unsere erste Single.<br />

Das Stück hat so eine fiebrige, traumhafte<br />

Atmosphäre. Es ist unser „Herz der Finsternis“.<br />

Jan Müller: Man könnte sagen, zwischen<br />

„Herz der Finsternis“ und „Toy Story 3“. (alle<br />

lachen)<br />

Dirk von Lowtzow: Die Idee war, dass es<br />

klingen sollte wie die Beach Boys mit zu viel<br />

Bubble-Tee.<br />

Dirk von Lowtzow: Im Jahr 2010 hatten wir<br />

zwischen Rock im Park und Rock am Ring<br />

einen Tag frei. Auf dem Weg waren wir in<br />

Ludwigshafen in der dortigen Ernst-Bloch-<br />

Gesellschaft eingeladen und haben dort<br />

gespielt.<br />

Jan Müller: Von der Bühne aus konnte man<br />

im Boden, unter einer Glasplatte, das alte<br />

Arbeitszimmer von Ernst Bloch sehen.<br />

Dirk von Lowtzow: Wie so ein Pharaonengrab!<br />

(lacht) Ich hatte vorher noch niemals<br />

etwas von Ernst Bloch gelesen ...<br />

Jan Müller: Ich finde, „Geist der Utopie“ ist<br />

wirklich eindrucksvolle Literatur. Man kann<br />

gut daraus klauen, was ich mit meiner<br />

anderen Band Bierbeben auch schon<br />

gemacht habe. (lacht)<br />

Dirk von Lowtzow: Ich besorgte mir dann<br />

ein Buch, die sehr launigen „Gespräche<br />

zwischen Adorno und Ernst Bloch“. In<br />

einem Gespräch erwähnt Adorno die<br />

Abschaffung des Todes als Grundvoraussetzung<br />

gegen das reaktionäre Denken,<br />

für eine Utopie, Revolution oder wie ...


Kunst & Kultur | Hörenswert | CD | Track-By-Track<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 73<br />

Fotos: Universal Music, M. Petersohn<br />

Pünktlich zum 20jährigen Band Jubiläum geht Tocotronic<br />

im März und April auf große Tour in Deutschland, Österreich<br />

und der Schweiz.


74 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Kunst & Kultur | Hörenswert | CD | Track-By-Track<br />

man es auch nennen mag. Dieser Text hat<br />

mich zu den Lyrics inspiriert, und ich kann<br />

jedem nur empfehlen, mal selbst in das<br />

Buch zu schauen.<br />

Ich will für Dich nüchtern bleiben<br />

Jan Müller: Wir haben in jedem Fall sehr<br />

nüchtern sehr lang daran herumarrangiert<br />

und es immer weiter verkürzt. Jetzt hat es<br />

etwas sehr Frisches – was ja auch super<br />

zum Titel passt.<br />

Dirk von Lowtzow: Die Idee war eigentlich,<br />

über Sucht von der Nüchternheit aus zu<br />

berichten. Es ist natürlich auch ein Liebeslied:<br />

Der Verzicht auf etwas, wonach man<br />

süchtig ist, für jemanden, den oder die man<br />

liebt, ist ein ganz großes Opfer.<br />

Chloroform<br />

Rick McPhail: Vielleicht durfte ich hier mal<br />

Steelguitar spielen, weil das Stück nicht so<br />

ganz eins-zu-eins Neill Young ist. Es ist im<br />

Grunde ein Kinderlied.<br />

Dirk von Lowtzow: Ein anti-autoritäres, wie<br />

aus dem Grips-Theater. Das hatte auf mich<br />

ja einen sehr schädigenden Einfluss! (lacht)<br />

Jan Müller: Chloroform kommt ja gar nicht<br />

im Text vor, aber wir fanden, dass der Titel<br />

gut zu unserem Bandnamen passt mit all<br />

den O’s.<br />

Jan Müller: Wir hatten erst ganz epische<br />

Musik dazu, haben aber irgendwann<br />

gemerkt, dass das nicht funktioniert. Jetzt<br />

ist es so Muppet-Show-Musik, was den Text<br />

ganz toll konterkariert.<br />

Dirk von Lowtzow: So ein bisschen wie die<br />

frühen Vaudeville-artigen David Bowie-<br />

Stücke. Das Gitarrensolo ist sehr Queenmäßig.<br />

Vulgäre Verse<br />

Dirk von Lowtzow: Das ist eher eine Art<br />

Chanson – im Progrock-Gewand. (lacht)<br />

Warte auf mich, auf dem Grund des<br />

Swimmingpools<br />

Dirk von Lowtzow: Auch ein Liebeslied. Die<br />

Vision ist, dass auf dem Grund des Swimmingpools<br />

der versunkene Kontinent<br />

Atlantis zu finden ist.<br />

Jan Müller: Wir dürfen auch Rungholt nicht<br />

vergessen!<br />

Dirk von Lowtzow: Noch so eine angeblich<br />

versunkene Stadt, in der Ostsee.<br />

Rick McPhail: Wir dachten immer, das Lied<br />

sei kurz, weil es sich so kurzweilig spielte. Es<br />

war eigentlich als erste Single gedacht – bis<br />

wir merkten, dass es sechs Minuten dauert.<br />

(lacht)<br />

Rick McPhail: Einer der ersten Synthesizer<br />

aus den Fünfzigern findet sich in dem<br />

Stück.<br />

Dirk von Lowtzow: Und ein Kanoon ist<br />

auch zu hören, eine arabische Zither. Es ist<br />

einfach eines der opulentesten Stücke und<br />

soll eine große Oper sein.<br />

Die Verbesserung der Erde<br />

Jan Müller: Das einzige Stück ohne echtes<br />

Schlagzeug. Sehr schwierig zu spielen.<br />

Dirk von Lowtzow: Von den Melodielinien<br />

vielleicht am ehesten verwandt mit britischen<br />

Psychedelic-Sachen. Nachdem die<br />

letzten drei Alben sehr in die Richtung Rock<br />

und Körperlichkeit gingen, spielt „Wie wir<br />

leben wollen“ nun eher unsere Pop-Seite<br />

aus.<br />

Exil<br />

Dirk von Lowtzow: Ich war eines Tages im<br />

Supermarkt einkaufen und sah ein großes<br />

Plakat: „The Rolling Stones – Jetzt im<br />

Handel: Das neue Album ‚Exile On Main<br />

Street’“, und ich dachte, ich bin in eine<br />

Zeitschleife geraten! (lacht) Als kleine Anekdote<br />

am Rand – und es gibt einen sehr<br />

schönen feministischen Film von Helge<br />

Sander, „Mitten im Malestream“. Diese zwei<br />

doch sehr entgegengesetzten Pole wollte<br />

ich zusammenmontieren.<br />

Neutrum<br />

Dirk von Lowtzow: Ich habe das Lied in<br />

Tel Aviv, auf Urlaubsreise, geschrieben.<br />

Jan Müller: Nach dem Stück folgt eine Pause<br />

– wie ein Doppelalbum auf einer CD. Es ist<br />

ja schon auch ein bisschen penetrant, so<br />

mit 17 Stücken zu kommen. (alle lachen)<br />

Jan Müller: Wir haben an Overdubs raufgeklatscht,<br />

was ging. Es ist unser überkandideltstes<br />

und hysterischstes Stück. (alle<br />

lachen)


Kunst & Kultur | Hörenswert | CD | Track-By-Track<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 75<br />

Jan Müller: Wir haben auch versucht, so<br />

eine Rockabilly-Note hineinzubringen ...<br />

Rick McPhail: Das versuchen wir jedes Mal!<br />

(alle lachen)<br />

Neue Zonen<br />

Jan Müller drückt auf ein quietschbuntes,<br />

noch namenloses Plüschtier, das während<br />

des Interviews auf dem Tisch sitzt und<br />

sich fürderhin im Merchandise der Band<br />

wiederfinden wird.<br />

Dirk von Lowtzow: Besser kann man das<br />

Stück eigentlich nicht beschreiben. (alle<br />

lachen)<br />

Jan Müller: Die Bläser finde ich herzergreifend.<br />

Wie wir leben wollen<br />

Die Revolte ist in mir<br />

Dirk von Lowtzow: Ein Stück über Neid und<br />

über den Versuch, es nicht als seelischen<br />

Vorgang zu verstehen, sondern als körperliche<br />

Krankheit.<br />

Rick McPhail: Ein ganz toller Film: „Envy“ mit<br />

Ben Stiller und Jack Black!<br />

von Miles Davis’ „The Maids Of Candiz“ auf<br />

der Platte „Miles Ahead“. Das ist legitim,<br />

denn Robert White hat das auch schon mal<br />

gemacht. (alle lachen)<br />

Eine Theorie<br />

Dirk von Lowtzow: Ein leichtes Intermezzo<br />

nach dem sehr schweren „Warm und grau“.<br />

Dirk von Lowtzow: Hier verdichtet sich alles.<br />

Die Fremdheit im eigenen Körper – und<br />

dass das nicht schlimm ist – ist das zentrale<br />

Motiv.<br />

Unter dem Sand<br />

Dirk von Lowtzow: Der Epilog, nur mit<br />

Gesang und Theremin. Was im Keller<br />

beginnt, endet unter dem Sand.<br />

Warm und grau<br />

Dirk von Lowtzow: Das sollte ein Jazz-Stück<br />

sein. Die Melodielinie, die ich singe, ist ...<br />

sehr ähnlich (alle lachen) ... der Melodie<br />

Höllenfahrt am Nachmittag<br />

Dirk von Lowtzow: Das punkigste Stück auf<br />

dem Album. Das sind nun einmal unsere<br />

Wurzeln!<br />

Link zur Band:<br />

www.tocotronic.de


76 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

BELLA ITALIA<br />

Stadt der Sehnsucht<br />

Venedig<br />

AUTOR: H. G. Teiner<br />

Der knapp vier Kilometer lange und bis zu 70 Meter breite Canal Grande<br />

ist die Hauptverkehrsader Venedigs und trennt die Sestieri von Cannaregio, San Marco und Castello (de citra)<br />

von San Polo, Dorsoduro und Santa Croce (de ultra).


Reise | Bella Italia<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 77<br />

Venedig heute, das lässt an Schönheit<br />

und Bezauberung denken, an pittoreske,<br />

leicht verfallende, aber noch immer<br />

wunderschöne Palazzi, die an lauschigen<br />

Wasserwegen liegen. Die leichtfüßige<br />

Stimmung des Dolce Vita der Venezianer<br />

aus vergangenen Zeiten versetzt immer<br />

noch in romantisch-verklärende Stimmung.<br />

Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig“,<br />

entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts,<br />

passt genau an diesen Ort –<br />

an einen Ort der wahrhaftigen Vergänglichkeit.<br />

Ein alternder, geadelter Schriftsteller<br />

und anerkanntes Mitglied der<br />

Gesellschaft zwischen bewundernder<br />

Distanz und willenloser Hingabe in der<br />

geheimnisvollen Stimmung eines zeitgemäß<br />

tabubehafteten, dramatischen<br />

Liebesabenteuers. Ein Drama aus vollkommener<br />

Schönheit und unaufhaltsamem<br />

Niedergang.<br />

WASSER<br />

STATT STRASSEN<br />

Die Lagunen-Stadt besteht aus ca. 50<br />

Inseln und 175 Kanälen. Der Markusdom<br />

(Basilica San Marco), der Dogenpalast<br />

(Palazzo Ducale), die Rialtobrücke (Ponte<br />

di Rialto) oder die Kirche Santa Maria<br />

della Salute sind erste Anlaufpunkte und<br />

eindrucksvolle Monumente vergangener<br />

Zeiten. Man sollte unbedingt genügend<br />

Zeit einplanen, um auch die abgelegenen<br />

Plätze, Kanäle und Gassen dieser geheimnisvollen,<br />

morbiden Stadt zu erkunden.<br />

Wer länger bleiben möchte, hat die Wahl<br />

zwischen mietbaren Zimmern, Palästen,<br />

Hotels und Pensionen in verschiedenen<br />

Kategorien. Preiswerter als in der Altstadt<br />

ist eine Unterkunft auf der nahe gelegenen<br />

Insel Lido. Eine andere Alternative<br />

ist eine Unterkunft auf dem Festland, in<br />

Mestre. Mit der Bahn lässt sich die Altstadt<br />

von dort aus bequem erreichen.<br />

Die Rialto-Brücke führt seit 1507 unverändert<br />

über den Canal Grande, das beeindruckende<br />

Bauwerk aus der Zeit der<br />

Renaissance könnte so Einiges aus seiner<br />

bewegten Geschichte erzählen und ächzt<br />

unerschrocken unter den Millionen von<br />

Touristentritten. In den letzten 100 Jahren<br />

sank Venedig um über 20 Zentimeter ab,<br />

dazu sorgt die Klimaerwärmung für ein<br />

beängstigendes Ansteigen des Meeresspiegels.<br />

Das winterliche Hochwasser, das<br />

Acqua Alta, bedroht ebenso regelmäßig<br />

die Stadt. Bauliche Großmaßnahmen<br />

sollen die Schönheit Venedigs vor Hochwasser<br />

und größeren Fluten bewahren,<br />

dazu sind derzeit bewegliche Fluttore<br />

zum Schutz vor massiven Überschwemmungen<br />

in Planung. Den Adriawellen<br />

soll so die zerstörende Wirkung auf die<br />

Lagune genommen werden. Das Projekt<br />

heißt MOSE (Moduolo Sperimentale<br />

Elettromeccanico). Ähnliche Flutwehre<br />

sind in London und Rotterdam bereits<br />

seit Längerem erfolgreich im Einsatz, in<br />

Venedig ist die Technik aus ökologischer<br />

Sicht allerdings umstritten, die Finanzierung<br />

unklar und eine Fertigstellung<br />

ungewiss.<br />

URSPRÜNGLICHES<br />

Venedig<br />

Fotos: J. M. Brain<br />

Chiesa di San Giorgio Maggiore<br />

Das authentische und traditionelle<br />

Venedig lässt sich am besten auf dem<br />

Marktplatz erleben, welcher immer noch<br />

von den Einheimischen zur Eigenversorgung<br />

genutzt wird. Ein Besuch des<br />

Rialto-Marktes, in der unmittelbaren<br />

Nähe der gleichnamigen Brücke, sollte<br />

in jedem Fall für Genießer und für alle ..


78 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 79<br />

Abseits der Touristenpfade, in den Seitenstraßen und<br />

Gassen, kann man das ursprüngliche Venedig entdecken.


80 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

Der Markusplatz (Piazza San Marco) ist der bedeutendste<br />

und bekannteste Platz der Lagunenstadt Venedig.


Reise | Bella Italia<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 81<br />

Das Motto des Carnevale di Venezia<br />

lautet für 2013: „Vivi i colori“<br />

der italienischen Küche Zugewandten<br />

auf dem Reiseplan stehen. Bereits seit<br />

dem neunten Jahrhundert werden auf<br />

dem traditionellen und berühmten Markt<br />

Fisch, Obst und Gemüse gehandelt.<br />

Immer noch werden dort fangfrischer<br />

Fisch aus der Umgebung und eine große<br />

Auswahl aller erdenklichen Meeresfrüchte<br />

angeboten. Obst und Gemüse<br />

werden nebenan auf der im Norden<br />

Venedigs liegenden Insel Sant Erasmo<br />

angebaut. Mazzorbo, Torcello, die Vignole<br />

vecchie, das sind weitere Namen einiger<br />

ursprünglicher Inseln der Nordlagune<br />

von Venedig, die weit weniger bekannt,<br />

jedoch unweit des überfüllten Markusplatzes<br />

zu finden und per Boot zu erreichen<br />

sind. Hier offenbart Venedig seine<br />

wahre und einfache Schönheit.<br />

CARNEVALE DI<br />

VENEZIA<br />

Der vor zwei Jahrzehnten wieder eingeführte<br />

Karneval hat sich als italienisches<br />

und auch europäisches Großereignis<br />

etabliert, ein Event, das man einmal erlebt<br />

haben muss. Der Begriff Carnevale di<br />

Venezia wurde erstmals in einem mittelalterlichen<br />

Schriftstück des Dogen Vitale<br />

Falier im 11. Jahrhundert verwendet. Im<br />

18. Jahrhundert, zur Zeit des legendären<br />

Frauenverführers Casanova, erreichte<br />

der Karneval seine größte Bedeutung in<br />

Verbindung mit sinnlicher Verführung<br />

und Auswüchsen von Sittenlosigkeit. In<br />

der Gegenwart wird der Karneval offiziell<br />

zehn Tage vor Aschermittwoch mit<br />

dem Volo dell‘angelo, dem sogenannten<br />

Engelsflug eröffnet: Fantasievoll Kostümierte<br />

bewegen sich in geheimnisvoller<br />

Weise auf dem Markusplatz und<br />

durchziehen in märchenhafter Weise die<br />

Gassen der Stadt. Der größte Besucheransturm<br />

ist am Wochenende vor Aschermittwoch<br />

zu erwarten. Für einheimische<br />

und alle angereisten Beobachter ist die<br />

Kostümparade am Sonntag ein sehenswerter<br />

Höhepunkt. Probieren Sie in<br />

jedem Fall auch die Fritole und Galani,<br />

das ist traditionelles Karnevalsgebäck,<br />

vergleichbar mit den frittierten Berlinern<br />

oder Krapfen hierzulande. Jedes Jahr steht<br />

der Karneval unter einem bestimmten<br />

Motto, das sich als Leitmotiv durch die<br />

Veranstaltungen auf den Straßen und in<br />

den Palazzi zieht. Das Thema für das diesjährige<br />

Spektakel ist „Vivi i colori“ (Lebe<br />

die Farben). 2013 findet dieses venezianische<br />

Highlight vom 26. Januar bis zum<br />

12. Februar statt.<br />

Link zum Thema:<br />

www.turismovenezia.it


82 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

am FuSSe<br />

des Vesuv<br />

Neapel<br />

AUTOR: J. M. brain<br />

„ ... Odysseus aber konnte der Gesang<br />

der Sirenen nichts anhaben, und er<br />

steuerte sein Schiff sicher durch die<br />

Klippen. Für ihr Versagen mussten die<br />

Sirenen sterben, ihre leblosen Körper<br />

wurden vom Meer davon gespült, und<br />

eine von ihnen kam in der Bucht von<br />

Neapel ans Land. Die Bewohner fanden<br />

sie, hatten Mitleid mit dem schönen<br />

Wesen und errichteten ihr ein Grab. Über<br />

so viel Mitgefühl war die Sonne verwundert<br />

und sehr glücklich, darum schenkte<br />

sie dieser Gegend das ewige Licht.“<br />

So geht die Sage, die die Neapolitaner<br />

stolz erzählen: Mit Stolz auf ihre Stadt,<br />

ihre Traditionen und ihre 250 Sonnentage<br />

im Jahr. Neapel, die drittgrößte<br />

Stadt Italiens, zählt 956.739 Einwohner<br />

und ist weniger touristisch überlaufen<br />

als ihre größeren Schwestern Rom und<br />

Mailand und damit empfehlenswertes<br />

Ziel für alle, die etwas Ursprünglichkeit<br />

auf ihrer Italienreise suchen. Die Gassen<br />

sind schmal und hoch, zwischen den<br />

Häusern fliegen die lebhaften Gespräche<br />

der Einwohner hin und her, es riecht nach<br />

Kaffee, Sonne, dem Salz des Meeres und<br />

nach Waschmittel, das der Wind aus der<br />

vor jedem Fenster flatternden Wäsche<br />

davon trägt.<br />

Palazzo Caracciolo<br />

Napoli<br />

Als Unterkunft vor Ort empfehlen wir<br />

das Hotel Palazzo Caracciolo Napoli. Der<br />

ehemalige Residenzsitz neapolitanischen<br />

Adels ist heute ein Ort mit viel Herzlichkeit<br />

und Gastfreundschaft, der nichts ..<br />

Fotos: J. M. Brain<br />

Der Vesuv (1281 m) befindet sich, seit dem<br />

letzten Ausbruch 1944, in einer Ruhephase.


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 83<br />

Engadin – St. Moritz:<br />

Blick Neapel von – Via Silvaplana Spaccanapoli, auf den dampfenden Silvaplanersee,<br />

im frischen Hintergrund Fisch gibt der es Berg hier Piz an da jeder la Margna Ecke (3.159 m)


84 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

Bei einem Ausbruch des Vesuvs wurde Pompeji im Jahre 79 n. Chr.<br />

verschüttet, konserviert und im Laufe der Zeit vergessen.


Reise | Bella Italia<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 85<br />

von seiner Eleganz verloren hat. Der Palazzo<br />

Caracciolo liegt im Herzen Neapels<br />

im, aus dem 13. Jahrhundert stammenden,<br />

historischen Viertel. Das historische<br />

Gebäude diente nicht nur der Adelsfamilie<br />

Caracciolo als Residenz, sondern auch<br />

dem napoleonischen General und König<br />

von Neapel Joachim Murat.<br />

Die Vergessene Stadt<br />

Pompeji<br />

Nur 20 Kilometer von Neapel entfernt,<br />

inmitten fruchtbarer Lavafelder voller<br />

Blumen, Orangenbäume und Zitronenhänge,<br />

am Fuße des Vesuvs, liegt schlafend<br />

und doch in seltsamer Gegenwärtigkeit<br />

– Pompeji.<br />

Von der damals blühenden Handelsstadt,<br />

vor Ausbruch des Vulkans direkt am Meer<br />

gelegen, geht eine faszinierende Magie<br />

aus. Im Jahre 79 n. Chr. wurde die Stadt<br />

bei einem gewaltigen Ausbruch des<br />

Vesuvs in ihrem Alltag begraben und<br />

vergessen. Eine eindrucksvolle Beschreibung<br />

der letzten Stunden findet sich in<br />

den Briefen von Plinius dem Jüngeren,<br />

einem Zeitzeugen dieser Naturkatastrophe,<br />

an den Geschichtsschreiber Tacitus,<br />

die einen Eindruck über das Leben in<br />

dieser Zeit entstehen lassen. Ende des<br />

16. Jahrhunderts fanden Bauern zufällig<br />

Überreste der Stadt. Im 18. Jahrhundert<br />

ließen die Bourbonenkönige erste archäologische<br />

Grabungen vornehmen.<br />

Bis heute sind etwa 50 der 66 Hektar<br />

Stadtfläche wieder freigelegt und 1997<br />

von der UNESCO zum Weltkulturerbe<br />

ernannt worden. Was in Pompeji dem<br />

Licht der Sonne wiedergegeben wurde,<br />

ist nicht nur aus kunsthistorischer Sicht<br />

nahezu unglaublich. Prächtige Patrizierhäuser<br />

mit vollständig erhaltenen<br />

filigranen Mosaiken und Malereien,<br />

einladenden Gärten, Badeanstalten, in<br />

denen die feinen Reliefs an den Wänden<br />

noch heute dem Besucher unterhaltsame<br />

Zerstreuung bieten, Schänken und<br />

Bäckereien, von denen scheinbar noch<br />

der Geruch des Mahls ausgeht, und<br />

sogar die Bildertafeln in den Bordellen<br />

geben dem Besucher keinen Augenblick<br />

zu begreifen, dass diese Stadt beinahe<br />

2000 Jahre unter einer 7 Meter hohen<br />

Schicht aus Asche und Bimsstein begraben<br />

lag. Obwohl man inmitten von Ruinen<br />

steht, geht ein eigenartiges Leben<br />

von diesen Mauern aus, das mit keinem<br />

Lehrbuch, keinem Reisebericht wiederzugeben<br />

ist. Spätestens, wenn man die<br />

Körper der Menschen sieht, die innerhalb<br />

von Sekunden gänzlich von Lava<br />

umschlossen wurden, in dieser tödlichen<br />

Hülle verwesten und von Archäologen<br />

wieder ausgegossen wurden, ist man<br />

vom besonderen Bann Pompejis gefangen<br />

genommen. Aus Gips und Knochen<br />

sieht man sie, voller Grauen, die Hände<br />

vor den Augen oder schützend über dem<br />

Kopf zusammengeschlagen, als wären sie<br />

eben noch am Leben gewesen.<br />

Links zum Thema:<br />

www.accorhotels.com<br />

www.inaples.it


86 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

<strong>THE</strong> LEELOO jean powered by ISKO REFORM fabric technology


Reise | Bella Italia <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 87<br />

Apulien<br />

vedere e morire<br />

AUTOR: H. G. Teiner<br />

Wenige hundert Meter hinter der Küste Apuliens, inmitten von riesigen Olivenhainen,<br />

liegt das Borgo Egnazia, ein 5-Sterne-Luxusresort und architektonisches Juwel.


88 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

Die Region Apulien (Puglia) befindet sich<br />

im südöstlichen Teil Italiens an der sogenannten<br />

Ferse des Stiefels und besitzt<br />

eine Fläche von 19.000 km² sowie ca. 4<br />

Millionen Einwohner. Die Region ist in 6<br />

Provinzen unterteilt: Bari, die Hauptstadt<br />

sowie Foggia, Lecce, Tarent (Taranto),<br />

Brindisi und Barletta Andria Trani. Der<br />

Osten Apuliens gehört zur italienischen<br />

Adriaküste.<br />

Geografisch gesehen kann man diese<br />

Region als Küstenlandschaft betrachten,<br />

die überwiegend von den fruchtbaren<br />

Böden profitiert und Landwirtschaft<br />

betreibt. So werden größtenteils<br />

Getreide, Mandeln, Oliven und Wein<br />

angebaut. Man konzentriert sich hier auf<br />

die Produktion erstklassiger Weine und<br />

feinsten Olivenöls. Als Rebsorten werden<br />

in Apulien überwiegend der Sangiovese<br />

und Negroamaro angebaut.<br />

Steuerfreies<br />

Weltkulturerbe<br />

Südöstlich von Bari befindet sich die<br />

Ortschaft Alberobello. Rund um diese<br />

Ortschaft errichteten Hirten und Bauern<br />

kleine Häuser mit hohen runden Dächern,<br />

die Trulli genannt werden. Da diese<br />

Rundhäuser nicht als Häuser anerkannt<br />

wurden und somit keine Steuer<br />

zu entrichten war, setzten sie sich bei<br />

der armen Landbevölkerung der Region<br />

schnell durch – und die Not wurde<br />

zur runden Tugend. Seit 1996 gehört<br />

die Ortschaft zum Weltkulturerbe der<br />

Unesco und ist als historisches Monument<br />

geschützt.


Reise | Bella Italia<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 89<br />

Trullo (italienisch), Mehrzahl Trulli, ist eine Bezeichnung<br />

für die vor allem in Apulien vorkommenden Rundhäuser.<br />

Die Kraggewölbebauten aus Trockenmauerwerk werden<br />

ohne Mörtel errichtet.


90 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Reise | Bella Italia<br />

Mit seiner Mischung aus traditioneller Ästhetik und<br />

modernstem Luxus fügt sich das Borgo Egnazia perfekt<br />

in die umgebende Landschaft ein.


Reise | Bella Italia<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 91<br />

<strong>BOLD</strong> Empfehlung:<br />

Borgo Egnazia<br />

Das luxuriöse Resort Borgo Egnazia liegt<br />

im Herzen Apuliens an der kristallblauen<br />

Adria. In der 85 Hektar großen Anlage<br />

spiegelt sich die gesamte Geschichte der<br />

Region. Ergänzt wird dieser besondere<br />

Charme von der üppigen Pflanzenwelt<br />

mit Bougainville, Jasmin, Kaktusfeigen,<br />

Zitronenhainen und jahrhundertealten<br />

Olivenbäumen. Das 5-Sterne-Resort ist<br />

in drei Bereiche unterteilt: Das Hotel im<br />

zentralen Gebäude mit 63 eleganten<br />

Zimmern und Suiten. Das „Borgo Village“,<br />

einem historischen Dorf nachempfunden,<br />

bietet 93 Wohneinheiten mit komfortablen<br />

Town Houses und Zimmern mit<br />

arabischen Gärten, privaten Veranden und<br />

Terrassen. Das „Borgo Village“ mit seiner<br />

reizvollen Kombination von Luxus und<br />

ländlicher Dorfatmosphäre ist ideal für<br />

einen Familien-Urlaub. Der dritte Bereich:<br />

28 luxuriöse Villen mit Privatpool und<br />

Garten, garantiert absolute Privatsphäre.<br />

Im eleganten Spa mit hervorragender<br />

Ausstattung bieten innovative Behandlungsmethoden<br />

eine komplette Regeneration<br />

für Körper und Geist. Für Sport<br />

und Freizeit stehen drei Tennisplätze,<br />

drei Swimmingpools, ein Hallenbad und<br />

der hoteleigene 18-Loch-Golfplatz zur<br />

Verfügung.<br />

Link zum Thema:<br />

www.borgoegnazia.com


92 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong>


Lifestyle & Trend | Leidenschaft mit Tradition | Alfa Romeo <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 93<br />

Leidenschaft mit<br />

Tradition<br />

Quadrifoglio Verde<br />

Autor: J. M. Brain<br />

2. Teil der dreiteiligen Alfa Romeo-Reihe:<br />

Die Geschichte der Targa Florio und das vierblättrige Kleeblatt,<br />

Quadrifoglio Verde


94 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Lifestyle & Trend | Leidenschaft mit Tradition | Alfa Romeo<br />

Ugo Sivocci verzierte 1923 seinen Alfa Romeo RL<br />

mit einem vierblättrigen Kleeblatt und erreichte<br />

die Ziellinie als deutlichen Sieger.<br />

Fotos: Alfa Romeo / Fiat Group Automobiles Germany AG


Lifestyle & Trend | Leidenschaft mit Tradition | Alfa Romeo<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 95<br />

Das Kleeblatt fand in die Symbolik vieler<br />

Kulturen Eingang und gilt international<br />

als Glücksbringer. 1923 half das vierblättrige<br />

Kleeblatt – im Italienischen „quadrifoglio<br />

verde“ genannt – dem Italiener<br />

Ugo Sivocci, die Targa Florio zu gewinnen,<br />

eines der härtesten und wichtigsten<br />

Autorennen seiner Zeit.<br />

Ugo Sivocci, der ewige Zweite aller<br />

Rennstrecken, verzierte seinen Alfa<br />

Romeo RL mit einem vierblättrigen<br />

Kleeblatt, das ihn gut durch die Targa<br />

Florio bringen sollte. Und der Glücksbringer<br />

wirkte: Nach einem spannenden<br />

Rennen überquerte Sivocci die Ziellinie<br />

als deutlicher Sieger und konnte die<br />

Targa Florio 1923 für sich entscheiden.<br />

Es war der erste Sieg für Alfa Romeo<br />

bei dem berühmten Straßenrennen<br />

auf Sizilien. Seit diesem Jahr tragen alle<br />

Rennwagen von Alfa Romeo das Kleeblatt<br />

als Teil ihrer „Kriegsbemalung“.<br />

Zudem steht „Quadrifoglio Verde“ bzw.<br />

das Kürzel „QV“ im Fahrzeugangebot<br />

der Mailänder Marke traditionell für<br />

jeweils die Modellversionen, die auf ganz<br />

besondere Weise Sportlichkeit, Design<br />

und Fahrspaß verkörpern.<br />

Historisches zur<br />

Targa Florio<br />

Anfang des 20. Jahrhunderts setzte<br />

das Automobil zu seinem weltweiten<br />

Siegeszug an. Um die Vorzüge der neuen<br />

Technik einer breiten Bevölkerung vor<br />

Augen zu führen, wurden immer mehr<br />

Wettbewerbe durchgeführt. Da es noch<br />

keine festen Rennstrecken gab, dienten<br />

öffentliche Straßen als Piste. Auf weitgehend<br />

unbefestigten Wegen, ohne jegliche<br />

Streckensicherung und mit häufig genug<br />

vollkommen ahnungslosen Anwohnern,<br />

blieben schwere Unfälle nicht aus.<br />

Der sizilianische Geschäftsmann und<br />

Hobby-Rennfahrer Vincenzo Florio<br />

brachte als einer der Ersten eine neue<br />

Variante ins Spiel – einen Rundkurs mit<br />

Start und Ziel am gleichen Ort. Florio<br />

veranstaltete 1906 ein Rennen in seiner<br />

Heimat Sizilien, als Werbung für den<br />

Wein- und Gewürzhandel seiner Familie.<br />

Der Sieger des „Coppa Florio“ erhielt einen<br />

Ehrenpreis in Form einer Bronzeplakette<br />

(italienisch: targa).<br />

Am 6. Mai 1906 nahmen sechs Automobile<br />

die Strecke in Angriff – knapp<br />

450 km insgesamt bei drei Runden von je<br />

148 km Länge. Sieger Alessandro Cagno<br />

Alfa Romeo RL, Targa Florio (1923)


96 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Lifestyle & Trend | Leidenschaft mit Tradition | Alfa Romeo<br />

Fotos: Alfa Romeo / Targa Florio Archiv<br />

Targa Florio, 1962


Lifestyle & Trend | Leidenschaft mit Tradition | Alfa Romeo<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 97<br />

Jubelnde Menschenmenge<br />

bei der Targa Florio um 1921<br />

Augusto Tarabusi mit Alfa Romeo<br />

auf der Targa Florio, 1922<br />

Vincenzo Florio


98 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Der Neue mit dem Kleeblatt: Der Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde<br />

erledigt den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in nur 6,8 Sekunden und<br />

gleitet bei Bedarf mit Tempo 242 über die Autobahn (nur 7,6 Liter Kraftstoff<br />

pro 100 Kilometer) und macht auch abseits der Piste eine gute Figur.<br />

Foto: J. M. Brain


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 99<br />

bewältigte das Ganze in 9 Stunden und<br />

32 Minuten. Der Grundstein war gelegt,<br />

und innerhalb weniger Jahre entwickelte<br />

sich die kurz Targa Florio genannte Veranstaltung<br />

zum wichtigsten Langstreckenrennen<br />

Europas. Neben der Mille Miglia<br />

auf dem Festland war die sizilianische<br />

Targa Florio das wichtigste Langstreckenrennen<br />

Italiens. Von 1955 bis 1973<br />

gehörte sie – mit Unterbrechungen –<br />

sogar zur offiziellen Marken-Weltmeisterschaft.<br />

Dadurch wurde das Rennwochenende<br />

im Mai zum jährlichen Pflichttermin<br />

– nicht nur für die einheimischen Marken<br />

wie Alfa Romeo, Ferrari, Fiat, Lancia oder<br />

Maserati sowie den im Elsass beheimateten<br />

Hersteller Bugatti. Nun traten auch<br />

Mercedes und Porsche an. Speziell nach<br />

dem Ende der Mille Miglia im Jahre 1957<br />

wurde die Targa Florio zum Prestigeduell<br />

zwischen Italien und Deutschland.<br />

Entsprechend hoch war der Aufwand,<br />

den die Werkteams betrieben. Wochenlang<br />

vor dem eigentlichen Rennen<br />

wurde trainiert, und entlang der Rennstrecke<br />

kam der private Verkehr weitgehend<br />

– mit Duldung der einheimischen<br />

Bevölkerung – zum Erliegen. Am Renntag<br />

säumten mehr als 200.000 Menschen die<br />

Piste, und in die Siegerlisten trugen sich<br />

die Stars der Zeit ein: Stirling Moss (1955),<br />

Graham Hill (1960), Wolfgang Graf Berghe<br />

von Trips (1961), Rolf Stommelen (1967),<br />

Vic Elford (1968) und gleich drei Mal der<br />

unangefochtene Liebling der Sizilianer,<br />

Lokalheld Nino Vaccarella (1965, ’71 und<br />

’75). Mit insgesamt zehn Siegen war Alfa<br />

Romeo eine der erfolgreichsten Marken<br />

in der Historie der Targa Florio. Doch<br />

spätestens für die über 300 km/h<br />

schnellen und über 500 PS starken Prototypen<br />

der 1970er Jahre sind die Bergstraßen<br />

der Madonie viel zu gefährlich.<br />

Zum Vergleich: Cagno, der Sieger von<br />

1906, fuhr mit einem Durchschnitt von<br />

knapp 53 km/h. 1972 stellte der Österreicher<br />

Dr. Helmut Marko im Alfa Romeo<br />

Tipo 33/TT/3 den letzten offiziellen<br />

Rundenrekord auf und fuhr im Schnitt<br />

bereits 128 km/h .<br />

Die Fédération Internationale du Sport<br />

Automobile (FISA) musste also reagieren<br />

und zählte ab 1974 die Targa Florio<br />

nicht mehr zur Weltmeisterschaft. 1977<br />

ist nach weiteren tödlichen Unfällen<br />

endgültig Schluss. Heute führt die für<br />

Oldtimer und Elektrofahrzeuge als<br />

Gleichmäßigkeitsfahrt veranstaltete Eco<br />

Targa Florio das Erbe fort. Außerdem<br />

existiert unter dem Namen „Targa Florio“<br />

eine Bestzeit-Rallye für moderne Autos.<br />

2012 Teil der Intercontinental Rally<br />

Challenge (IRC), hat sie allerdings mit<br />

dem ursprünglichen Format nichts mehr<br />

gemein.<br />

Fortsetzung: Der 3. und letzte Teil der<br />

großen Alfa Romeo Reihe: „Tradition<br />

mit Leidenschaft“ folgt in der <strong>BOLD</strong><br />

<strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Ausgabe 08 2013.<br />

Links zum Thema:<br />

www.alfaromeo.de<br />

www.targa-florio.it


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OPENING HOURS<br />

MONDAY – F RIDAY 11 A.M. – 8 P.M.<br />

SATURDAY 11 A.M. – 6 P.M.


Lifestyle & Trend | Begehrenswert | Cool Stuff<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 101<br />

Begehrenswert<br />

Cool Stuff<br />

Autor: K. Specht<br />

Flexibel<br />

Die Nikon 1 V1 erweitert Ihre Vorstellung<br />

von anspruchsvoller Fotografie.<br />

Kaum größer als ein Notizbuch, offenbart<br />

sie eine Fülle von Möglichkeiten,<br />

die auch bestehende Fotoausrüstungen<br />

ideal ergänzen und sogar<br />

erweitern. Der bisher schnellste Autofokus<br />

– ein Hybrid-AF-CMOS-Sensor:<br />

ermöglicht eine schnellere und präzisere<br />

Fokussierung als je zuvor – und<br />

der hochauflösende Sucher sind nur<br />

zwei von vielen guten Gründen, sich<br />

jetzt das besonders günstige Kit mit<br />

10 mm bis 30 mm Objektiv genauer<br />

anzusehen. Die kompakte Nikon 1 V1<br />

wurde von Grund auf neu entwickelt<br />

und definiert auf innovative Weise, was<br />

Fotografie sein kann: Ausgestattet mit<br />

einem hochempfindlichen CMOS-Sensor<br />

mit Hybrid-AF-Funktion, intelligenten<br />

Aufnahmemodi, exzellenten Leistungseigenschaften<br />

bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

und einem hochauflösenden<br />

elektronischen Sucher, bietet die<br />

Kamera optimale Voraussetzungen für<br />

die Aufnahme herausragender Fotos und<br />

Filmsequenzen.<br />

Das kompakte System – flaches, stilvolles<br />

Gehäuse und kompakte Wechselobjektive<br />

– bietet alles, was das kreative Herz<br />

wünscht (www.nikon.de).


102 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Lifestyle & Trend | Begehrenswert | Cool Stuff<br />

Sinnlich<br />

Individuell<br />

Nach Müsli, Parfüm und Schokolade<br />

war es an der Zeit, ein ähnliches<br />

Projekt mit Tee zu wagen. Das haben<br />

sich wohl auch die Macher von 5Cups<br />

gedacht. Die Berliner bieten online<br />

individuelle Teesorten an, die man<br />

aus über 50 Zutaten selbst zusammenstellen<br />

kann: Bei 5Cups and some<br />

sugar kann sich jeder spielend leicht<br />

seine eigenen Teekreationen je nach<br />

Tag, Anlass und Laune zusammen<br />

stellen, dem Tee einen eigenen<br />

Namen geben und aus drei hübschen<br />

Verpackungen auswählen und nach<br />

Hause liefern lassen. Sich selbst oder<br />

andere mit einem ganz besonderen<br />

selbst kreierten Tee beschenken:<br />

www.5cups.de<br />

Für den Frühjahrslook 2013 „Printemps<br />

précieux de Chanel“ kreierte Peter<br />

Philips, Creative Director Makeup von<br />

Chanel, eine Frühlingssinfonie aus<br />

frischen Nuancen voller Kontraste.<br />

Die Lidschattenpalette „Les 4 Ombres<br />

Raffinement“ betont mit feinen Beigeund<br />

Brauntönen die Augenlider für<br />

einen natürlichen Effekt entweder<br />

intensiv oder transparent. Die frischen<br />

Nuancen der „Rouge Allure“-Lippenstifte<br />

reichen von sanftem Perlrosa<br />

über funkelndes Violett bis hin zu<br />

einem intensiven Shocking-Pink.<br />

Mehr Informationen zum Frühling mit<br />

Chanel: www.chanel.de<br />

Exzentrisch<br />

Jeremy Scott polarisiert: Als Künstler<br />

gibt es für ihn keine Stil-, Musteroder<br />

Materialgrenzen, und Konventionen<br />

schon gar nicht. Das macht den<br />

amerikanischen Designer zu einem<br />

Exoten, der für außergewöhnliche Mode<br />

sorgt. Für Longchamp kreierte er jetzt<br />

eine außergewöhnliche Tasche, von der<br />

es weltweit nur 2.500 Exemplare gibt<br />

(www.longchamp.com).


Lifestyle & Trend | Begehrenswert | Cool Stuff<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 103<br />

Belesen<br />

Betörend<br />

Molton Brown präsentiert 2013 den<br />

achten Duft aus der einzigartigen<br />

Navigations Through Scent Kollektion.<br />

Die neue Duftkomposition markiert<br />

eine weitere Station auf Molton<br />

Browns olfaktorischer Reise durch die<br />

Welt der Düfte, entlang der historischen<br />

Gewürzstraßen. Mahina – wie<br />

die nördlichste Gemeinde Tahitis –<br />

steht mit einer frischen Kopfnote aus<br />

Ylang-Ylang und Orangenblüte für<br />

das unverwechselbare Lebensgefühl<br />

und die zahllosen Sonnenstunden<br />

dieser traumhaften Insel im Südpazifik<br />

(www.moltonbrown.eu).<br />

Seit der Gründung des Hauses 1854<br />

steht Louis Vuitton als Synonym für die<br />

Kunst des Reisens. Doch neben den<br />

charakteristischen Koffern, Gepäckstücken<br />

und Taschen, die über die<br />

Zeit hinweg schon viele Reisende<br />

begleitet haben, dokumentiert das<br />

Haus sein Wissen um Savoir Faire und<br />

Handwerkskunst auch immer wieder<br />

in einer Reihe von Publikationen.<br />

Der Band Louis Vuitton zeichnet die<br />

Geschichte des Hauses Vuitton von<br />

seiner Gründung bis zu heutigen Tage<br />

nach und gibt umfassenden Einblicke<br />

in die Entwicklung und Erfindungen<br />

der Marke (www.louisvuitton.com).<br />

Exklusiv<br />

Die neue Rolex Sky-Dweller Gold ist<br />

Ausdruck erlesenster Uhrmacherkunst<br />

und vereint praktische Funktionalität<br />

und bedienfreundlichen Tragekomfort<br />

mit der zeitlosen Eleganz und<br />

der klassischen Linienführung der Marke.<br />

Als Innovationskonzentrat kommen bei<br />

der Sky-Dweller insgesamt 14 Rolex-<br />

Patente zum Einsatz, darunter fünf neue<br />

(www.rolex.com).


104 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> Lifestyle & Trend | music – anytime and anywhere<br />

music<br />

anytime and<br />

anywhere<br />

BOSE<br />

AUTOR: K. SPECHT<br />

Bose stellt einen neuen SoundLink® Bluetooth®<br />

Mobile Speaker vor, der immer<br />

und überall einen klaren und kraftvollen<br />

Spitzenklang, ganz ohne Kabel bietet.<br />

Hörgenuss der<br />

neuesten Generation<br />

Mit der Markteinführung 2011 definierte<br />

der SoundLink® Wireless Mobile Speaker<br />

der ersten Generation die Produktkategorie<br />

der Bluetooth-Lautsprecher völlig<br />

neu. Der SoundLink® Speaker wurde für<br />

den Einsatz mit den meisten Bluetoothfähigen<br />

Geräten, wie zum Beispiel das<br />

iPhone, iPad, Android-Smartphones oder<br />

andere Tablet-PCs, entwickelt. Der nun<br />

vorgestellte neue SoundLink® Bluetooth®<br />

Mobile Speaker II wurde mit einem<br />

neuen Akustikpaket ausgestattet: Ein<br />

Schallwandler (Neodym-Transducers) und<br />

ein weiterentwickelter Digital Signal<br />

Processing Algorithmus sorgen im perfekten<br />

Zusammenspiel mit den beiden<br />

patentierten, gegenüberliegend angeordneten<br />

Passivstrahlern für noch tiefere<br />

Bässe sowie mehr Brillanz und Klarheit<br />

bei mittleren und hohen Frequenzen. Der<br />

SoundLink® Bluetooth® Mobile Speaker II<br />

verfügt über eine neue integrierte, faltbare<br />

Schutzabdeckung aus Leder oder<br />

Nylon, die in drei verschiedenen Farben<br />

je Ausführung erhältlich ist und als<br />

Standfläche für den Lautsprecher dient.<br />

Um den Lautsprecher zu verbinden,<br />

wird einfach die Abdeckung aufgeklappt<br />

und eine Bluetooth-Verbindung<br />

zu einem Smartphone, Tablet-PC oder<br />

einem anderen Bluetooth-fähigen Gerät<br />

hergestellt. Die sechs zuletzt verwendeten<br />

Bluetooth-Geräte werden gespeichert,<br />

ein erneutes Koppeln ist nicht<br />

notwendig. Während die Musik übertragen<br />

wird, können gleichzeitig Text-,<br />

E-Mail- oder Internet-Funktionen des<br />

verbundenen Bluetooth-fähigen Geräts<br />

genutzt werden. Sobald die Abdeckung<br />

geschlossen wird, schaltet sich das<br />

System automatisch aus.<br />

Link zum Thema:<br />

www.bose.de/soundlink


Lifestyle & Trend | music – anytime and anywhere<br />

<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 105


106 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

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Titelbild<br />

M. Höhne<br />

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Autoren / Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />

H. G. Teiner, J. M. Brain, M. Breuer, M. Mai,<br />

F. Reip, O. Franke, T. Kessler, K. Specht,<br />

N. Saadi, G. Faranna<br />

Gerichtsstand / Erfüllungsort<br />

Berlin<br />

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D 4.80 EUR, AT 5.50 EUR, CH 8.50 CHF<br />

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Texte, Illustrationen und Bilder wird keine<br />

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ISSN 2192-9378


<strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong> | 107


108 | <strong>BOLD</strong> <strong>THE</strong> <strong>MAGAZINE</strong><br />

Kraftstoffverbrauch (l/100 km) nach RL 80/1268/EWG: kombiniert 6,1–3,9.<br />

CO 2<br />

-Emission (g/km): kombiniert 140–90.<br />

500BYGUCCI.DE

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