25.02.2014 Aufrufe

3R iro-Special (Vorschau)

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28. Oldenburger<br />

Rohrleitungsforum<br />

06. – 07. Februar 2014<br />

Fachzeitschrift für sichere und<br />

effiziente Rohrleitungssysteme<br />

LESEN SIE IN DIESER AUSGABE:<br />

<strong>iro</strong>-<strong>Special</strong><br />

Pipelinebau<br />

Korrosionsschutz<br />

Abwasserentsorgung | Sanierung<br />

Qualität auf den ersten Blick!<br />

Serie 18 Serie 19 Elektroschweißfittings<br />

Ventil-Anbohrarmaturen<br />

Die PLASSON Produkt-Familien – ausgereifte Programme, die durch ständige Qualitätskontrollen und<br />

innovative Weiterentwicklung auf höchstem technischen Niveau Ihre Anforderungen erfüllen.<br />

Service ist unser Markenzeichen, denn Zufriedenheit ist noch immer die beste Empfehlung.<br />

PLASSON GmbH<br />

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Telefon: (0281) 9 52 72-0 • E-Mail: info@plasson.de • Internet: www.plasson.de • www.serie19.de


join the best<br />

7. – 11. April 2014<br />

Düsseldorf, Germany<br />

Internationale Rohr-Fachmesse<br />

Treffpunkt: Die Tube 2014 in Düsseldorf!<br />

join the best – willkommen auf der Weltleitmesse der Rohrindustrie!<br />

Wer sich umfassend über Innovationen und zukunftsweisende Trends der Branche<br />

informieren will, über Maschinen und Anlagen, über Rohrzubehör und -handel,<br />

der kommt an der weltweit wichtigsten Leistungsschau nicht vorbei: Hier ist der<br />

Treffpunkt der internationalen Fachwelt, der Spezialisten und Weltmarktführer.<br />

Auf der Tube 2014 besonders im Fokus: Kunststoffrohre. Ihnen ist ein<br />

eigener Bereich gewidmet, hat doch die Materialfrage eine zunehmend größere<br />

Bedeutung.<br />

Eine feste Größe in Ihrem Kalender – der Besuch der Tube 2014 in Düsseldorf!<br />

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Pipe and Tube<br />

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Machinery<br />

Bending and<br />

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Technology<br />

Tube<br />

Manufacturing<br />

and Trading<br />

Tube<br />

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Profiles<br />

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Tel. +49 (0)2 11/45 60-01 _ Fax +49 (0)2 11/45 60-6 68<br />

www.messe-duesseldorf.de


Mit Hybridnetzen die Zukunft gestalten<br />

Möglicherweise mag der ein oder andere das Thema Energiewende<br />

schon gar nicht mehr hören. Dennoch wird es<br />

uns die nächsten Dekaden begleiten und unsere Gesellschaft<br />

massiv beeinflussen – die Weichen für unsere Zukunft<br />

werden heute gestellt. Dies ist auch Anlass für das Institut<br />

für Rohrleitungsbau Oldenburg, dem Thema auf dem 28.<br />

Oldenburger Rohrleitungsforum eine Plattform zu bieten. So<br />

lautet das Motto am 6. und 7. Februar 2014 „Rohrleitungen<br />

als Teil von Hybridnetzen – unverzichtbar im Energiemix<br />

der Zukunft“.<br />

Eine der wesentlichen Herausforderungen der Energiewende<br />

ist die Überbrückung der sogenannten „Speicherlücke“,<br />

die durch die fluktuierende Einspeisung erneuerbarer Energien<br />

entsteht und die es zu schließen gilt. Unter dem Begriff<br />

„Hybridnetze“ werden die Chancen und Möglichkeiten<br />

von zum Beispiel Gas- und Fernwärmenetzen sowohl als<br />

Speicher- als auch Transportmedium zur Lösung dieser Problematik<br />

in Oldenburg diskutiert. Aber auch die Abwasserwärmenutzung<br />

wird in diesem Kontext in Oldenburg ausführlich<br />

behandelt. Natürlich kommen darüber hinaus auch<br />

wieder die Klassiker wie „Rohrmaterialien und Zubehör“,<br />

„Grabenloses Bauen“, „Managementsysteme und Regelwerke“,<br />

„Bauen, Betreiben und Sanieren von Rohrleitungssystemen“<br />

und „EDV-Anwendungen für Rohrleitungen“<br />

aufs Tableau.<br />

Rund 3.500 Besucher werden am 6. und 7. Februar in<br />

Oldenburg erwartet. In 31 Vortragsblöcken werden 143<br />

Referenten und Moderatoren die Zuhörer in ihren Bann<br />

ziehen und rund 350 Aussteller werden ihre Produkte und<br />

Dienstleistungen in den Räumlichkeiten der Hochschule<br />

präsentieren.<br />

Erhältlich ist diese äußerst praktische und darüber hinaus<br />

kostenfreie Serviceanwendung für alle Apple- und Android-<br />

Mobilgeräte (Smartphones und Tablets) im AppStore sowie<br />

bei Google Play. Die beiden QR-Codes führen Sie direkt<br />

dorthin.<br />

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der vorliegenden<br />

<strong>3R</strong> und viel Erfolg beim diesjährigen 28. Oldenburger<br />

Rohrleitungsforum. Über Ihren Besuch am <strong>3R</strong>-Stand<br />

(2. OG-V-13) freuen wir uns!<br />

Nico Hülsdau<br />

Vulkan-Verlag GmbH<br />

Apropos Hybridnetze: richtig vernetzt mit der <strong>iro</strong>-App<br />

Um bei diesem großen Angebot nicht den Überblick zu<br />

verlieren, möchte ich Ihnen die <strong>iro</strong>-App ans Herz legen. Alle<br />

Vorträge inklusive einer inhaltlichen Kurzzusammenfassung,<br />

Datum, Uhrzeit und Raumnummer, sämtliche Kontaktdaten<br />

des/der Referenten stehen Ihnen mit der <strong>iro</strong>-App 2014 zur<br />

Verfügung.<br />

Damit finden Sie außerdem alle relevanten Informationen<br />

zu jedem Aussteller und dessen angebotenen Produkten<br />

und Dienstleistungen inklusive Standnummer und Verortung<br />

in den Hallenplänen.<br />

01-02 | 2014 1


INHALT<br />

NACHRICHTEN<br />

07<br />

14<br />

Salzgitter liefert Röhrbogen für Wasserversorgung auf<br />

Nordzypern<br />

D. Bellinghausen, E. Söllner, Dr. F. Zior, K.-H. Flick, Dr. B. Fischer und<br />

F. Schellhorn (v.l.n.r.) bei der 4. Mitgliederversammlung des GS GE<br />

INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

6 EWE-/swb-Kooperation: 70 Millionen Euro jährlich für die Energiewende<br />

6 Rabmer Rohrsanierungsgruppe wird zur SEKISUI SPR<br />

7 Salzgitter liefert Rohrbögen für Wasserversorgung auf Nordzypern<br />

8 Großprojekt für MAX STREICHER S.p.A. in Italien<br />

8 Deutscher Rohstoffeffizienzpreis für Vogelsang<br />

9 Auszeichnung für HUBER TECHNOLOGY<br />

PERSONALIEN<br />

EDITORIAL<br />

1 „Mit Hybridnetzen die<br />

Zukunft gestalten“<br />

Nico Hülsdau<br />

IRO SONDERTEIL<br />

28 350 Aussteller und über<br />

140 Referenten in 31<br />

Vortragsblöcken mit der<br />

<strong>iro</strong>-App immer im Blick<br />

10 Polk ist neuer VNG-Vorstand für „Infrastruktur und Technik“<br />

10 Dr. Ekkehard zur Mühlen verstärkt Geschäftsführung der MC-Bauchemie<br />

11 Geschäftsführungswechsel bei der IDS GmbH<br />

VERBÄNDE<br />

12 29. FDBR-Fachtagung Rohrleitungstechnik erstmals in Mannheim<br />

14 4. Mitgliederversammlung GS Grundstücks entwässerung:<br />

Erste Früchte werden geerntet<br />

16 Gütezeicheninhaber nutzen überbetriebliche Fortbildung des Güteschutz Kanalbau<br />

18 FBS-Hochschuleninitiative: Gastvortrag an der RWTH Aachen<br />

18 CEOCOR-Kongress und Feierlichkeiten zum 50-jährigen<br />

fkks-Jubiläum vom 19. bis 22. Mai 2014 in Weimar<br />

VERANSTALTUNGEN<br />

21 DVGW und VDE veranstalten 2. Münchener Energietage<br />

21 2. GWP-Day: Capacity Development im Wassersektor 2014<br />

22 12. Deutscher Schlauchlinertag findet in Düsseldorf statt<br />

2 01-02 | 2014


80 jahre rohrschutz<br />

Korrosionsschutzsysteme<br />

für den Rohrleitungsbau<br />

GFK-<br />

Beschichtungen<br />

Petrolatum-<br />

Bänder<br />

28<br />

Wer ein präzises und vielseitiges Leitungsortungsgerät sucht,<br />

für den ist das neue UT 830 von SEWERIN genau richtig<br />

22 Lindau thematisiert praktische Kanalisationstechnik<br />

und zukunftsfähige Entwässerungssysteme<br />

23 Vorarbeiter-Weiterbildung in Norddeutschland<br />

24 Gelungene Premiere für die Westfälische Trinkwassertagung<br />

24 Kunststoffrohrtage feiern Premiere in München<br />

26 Der „<strong>iro</strong>-Treffpunkt Gasverteilleitungen“<br />

Bitumen-<br />

Bänder<br />

Einbandund<br />

Zweiband-<br />

Systeme<br />

PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

30 Dezentrales Management kritischer Infrastruktur<br />

30 FlushPlan – Spülplanermittlung<br />

32 PE-Systemlösungen für den erdverlegten<br />

Rohrleitungsbau<br />

32 Flexibler Anschluss an große Betonrohre<br />

33 Stumpfschweißen ohne Abmanteln<br />

33 Zukunft der Gewerkabdichtung gehört der<br />

Glasfaser<br />

34 Innovative Materialien für die Trinkwasserversorgung<br />

34 Halbzeuge aus PE und PP<br />

35 Nie wieder auf Messdaten warten<br />

36 Sicherheit und Präzision bei der Kabel- und<br />

Leitungssuche<br />

36 Erweitertes Sortiment bei standardisierten<br />

Gas-Einzelhauseinführungen<br />

37 Optimale Ortung erdverlegter Gas- und<br />

Wasserleitungen<br />

38 Großwasserzähler: Magnetisch-induktive<br />

Zähler rollen den Markt auf<br />

28.<br />

Oldenburger<br />

Rohrleitungsforum<br />

6. und 7.2.2014<br />

Schrumpftechnik<br />

Unsere Dienstleistungsabteilung<br />

führt<br />

seit über<br />

50 Jahren<br />

Umhüllungsarbeiten an<br />

erdverlegten Stahlrohrleitungen<br />

und Behältern<br />

im Werk oder auf Baustellen<br />

mit allen gängigen<br />

Korrosionsschutz-Systemen<br />

durch.<br />

TÜV<br />

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nach ISO 9001<br />

Korrosionsschutz und Abdichtung seit 1933<br />

Telefon +49 209 9615-0 · E-Mail: info@kebu.de<br />

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01-02 | 2014 3


INHALT<br />

FACHBERICHTE<br />

59<br />

92<br />

Langzeiterfahrungen mit Nachumhüllungssystemen von<br />

Schweißnähten, hier Restdickenmessung<br />

Funktionsprinzip Abwasserwärmenutzung mit dem System<br />

Therm-Liner<br />

RECHT & REGELWERK<br />

40 Rechtliche Konsequenzen von Fehlern des Zulassungsverfahrens<br />

von Dr. Bettina Keienburg, Dr. Michael Neupert<br />

46 Qualifikationsanforderungen für Fachunternehmen des kathodischen<br />

Korrosionsschutzes (KKS)<br />

von Dipl.-Phys. Rainer Deiss<br />

49 DVGW-Regelwerk<br />

50 DIN-Regelwerk<br />

50 DWA-Regelwerk<br />

KORROSIONSSCHUTZ<br />

52 Neues Konzept für Mehrschicht umhüllungen von Stahlrohren<br />

von Dr. Hans-Jürgen Kocks, Dr. Markus Betz, Ralf Nordmann<br />

SERVICES<br />

23 Messen | Tagungen<br />

114 Buchbesprechung<br />

115 Marktübersicht<br />

124 Inserentenverzeichnis<br />

125 Seminare<br />

129 Impressum<br />

59 Langzeiterfahrung mit Nachumhüllungs systemen von Schweißnähten<br />

von Michael Schad<br />

64 Besondere Umhüllungen: Sonderanwendungen aus GfK und PUR<br />

von Dr. Thomas Löffler<br />

PIPELINETECHNIK<br />

66 Statische und versuchstechnische Bewertung von Isolierflanschen<br />

von M.Sc. Chem. Claudia Suckut, Dr. Manfred Veenker<br />

69 Hubschraubergestütztes Lasersystem überprüft Gashochdrucknetz in Belgien<br />

70 Pipeline-Unterquerung in Kanada gelingt mit Direct Pipe ® -Technologie<br />

ROHRLEITUNGSBAU<br />

71 Mit der Seilbahn zum Einsatzort im norwegischen Gebirge<br />

72 156 Bohrmeter unterhalb der Kander in den Schweizer Alpen<br />

4 01-02 | 2014


®<br />

100<br />

Erfahrungen mit dem Beton-<br />

Kunststoff-Verbundrohr Perfect Pipe<br />

ROHRLEITUNGEN-<br />

IM ENERGIEMIX<br />

DER ZUKUNFT<br />

WASSERVERSORGUNG<br />

74 Leckortungsverfahren zur Reduzierung<br />

von Trinkwasserverlusten<br />

BESUCHEN SIE UNS!<br />

28. Oldenburger Rohrleitungsforum<br />

06. – 07.02. 2014 l Stand: 2.OG-H-02<br />

von M.Eng. Michael Schweizer<br />

ABWASSERENTSORGUNG<br />

80 Steinzeugrohre: Neue Regelungen für den Einbau im<br />

inneren Druckbereich von Eisenbahnverkehrslasten<br />

von Dr.-Ing. Ulrich Bohle, Prof. Dr.-Ing. Albert Hoch<br />

84 Abwasserexfiltration: Schadstoffe gelangen ins<br />

Grundwasser<br />

von Prof. Dr.-Ing. Johannes Weinig, Dipl.-Ing. Rainer Joswig<br />

92 Funktionsweise und Erfahrungen mit<br />

modernen Kanal-Wärmetauschersystemen<br />

von Mark Biesalski<br />

96 Wärmeenergieversorgung aus öffentlichem<br />

Abwasser<br />

von Dipl.-Ing. M.Sc. Achim Hamann<br />

100 Erfahrungen mit dem Beton-Kunststoff-<br />

Verbundrohr Perfect Pipe<br />

π DENSOLEN ®<br />

- PE/Butyl-Bandsysteme<br />

π DENSOLID ®<br />

- Polyurethanbeschichtungen<br />

von Mag. Christian Weinberger MBA<br />

104 Schlauchlinerprüfungen – Teil 2:<br />

Bestimmung der mechanischen Kenndaten<br />

von Dr. rer. nat. Jörg Sebastian<br />

108 Erneuerung des Mischwasserkanals im<br />

thüringischen Wildenbörten<br />

110 Automatisierte Instandsetzung von Schächten<br />

in Pulheim<br />

112 Europäischer „Manschetten-Rekord“ am<br />

DN 3800-Hauptsammler in Essener Innenstadt<br />

π DENSO ®<br />

- Petrolatum-Binden & -Massen<br />

Mehr unter:<br />

denso.de<br />

DENSO GmbH | Felderstraße 24 | 51344 Leverkusen | Germany<br />

+49 214 2602-0 | +49 214 2602-217 | sales@denso.de<br />

Mitglied bei:<br />

π DEKOTEC ®<br />

- Schrumpfmanschetten<br />

DENSO – Seit 1922 als Pionier des passiven Korrosionsschutzes für den<br />

Korrosionsschutz von Rohrleitungen und Bauteilen tätig, DENSOLID ® -<br />

Polyurethanbeschichtungen, DENSOLEN ® -Kunststoffbänder, Petrolatumbänder,<br />

Bitumenbänder. Führend seit über 90 Jahren.<br />

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Zertifiziert<br />

DIN EN ISO 9001<br />

DENSO – Erfinder des Passiven Korrosionsschutzes<br />

01-02 | 2014


NACHRICHTEN INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

EWE-/swb-Kooperation: 70 Millionen Euro jährlich für<br />

die Energiewende<br />

Die Energiewende in Deutschland erfordert hohe Investitionen<br />

in die Stromnetze. Um die erforderlichen finanziellen<br />

Mittel möglichst effizient einzusetzen, haben die EWE NETZ<br />

GmbH und die swb Netze GmbH & Co. KG ein gemeinsames<br />

Leistungsverzeichnis für Vertragsfirmen erarbeitet. Auf<br />

dieser Basis werden die Firmen abgerechnet, die mit der<br />

Ausführung von Tiefbauarbeiten beauftragt werden. Das<br />

jährliche Auftragsvolumen beträgt rund 70 Millionen Euro.<br />

Das neue Verzeichnis gilt ab dem 1. April 2014. Die beiden<br />

Netzbetreiber beauftragen traditionell in der Regel Firmen<br />

aus der hiesigen Region.<br />

„Wir hatten bisher in beiden Häusern unterschiedliche<br />

Lösungsansätze in den Positionen der Leistungsverzeichnisse<br />

für die Abrechnung von Bautätigkeiten. Jetzt haben wir eine<br />

gemeinsame Lösung gefunden und ein System entwickelt,<br />

das schnell an neue Marktbedingungen angepasst werden<br />

kann und eine bessere Kostentransparenz ermöglicht. Zudem<br />

können wir effizienter und mit denselben Kriterien bei der<br />

Zulassung der Vertragsfirmen arbeiten“, erklärt der Geschäftsführer<br />

von EWE NETZ, Heiko Fastje. „Durch die vereinheitlichten<br />

und verschlankten gemeinsamen Leistungsverzeichnisse<br />

erwarten wir eine positive Reaktion unserer Tiefbaupartner<br />

bei zukünftigen Ausschreibungen“, unterstrich Rainer Albert,<br />

technischer Leiter bei swb Netze, dieses Vorgehen. Experten<br />

beider Netzbetreiber arbeiten derzeit gemeinsam an der technischen<br />

Umsetzung in den jeweiligen Häusern.<br />

Timo Poppe, Generalbevollmächtigter für Infrastruktur bei der<br />

EWE AG und Vorstand der swb AG, freut sich über die Kooperation:<br />

„Von der Zusammenführung der Leistungsverzeichnisse<br />

profitiert der gesamte Konzern. Die Kernkompetenzen und<br />

damit die Eigenständigkeit beider Partner bleiben erhalten.<br />

Zugleich verbessern wir die Zusammenarbeit und Effizienz im<br />

Netzbetrieb.“ Für EWE sei der Bau und Betrieb von Netzen<br />

ein wichtiges und erfolgreiches Geschäftsfeld, das durch die<br />

Energiewende vor großen Herausforderungen stehe. Dabei<br />

spiele die Zusammenarbeit mit den regionalen Vertragspartnern<br />

eine zentrale Rolle.<br />

Stellvertretend für die etwa 60 Tiefbaufirmen, die zukünftig<br />

auf Basis der neuen Vereinbarung mit EWE und swb arbeiten<br />

werden, kommentieren zwei Vertreter der im Nordwesten<br />

ansässigen Firmen die neue Geschäftsbasis. Christian Hotze,<br />

Geschäftsführer der August Hotze GmbH & Co., Oldenburg,<br />

begrüßt es sehr, „dass EWE NETZ auf die veränderte Struktur<br />

der Baumaßnahmen in den letzten Jahre reagiert und das Leistungsverzeichnis<br />

neu strukturiert“, und blickt erwartungsvoll<br />

auf die Einführung im nächsten Jahr. Auch Dipl.-Ing. Hüseyin<br />

Özkan, Geschäftsführer von Ludwig Freytag in Bremen, sieht<br />

diese Entwicklung positiv: „Die gemeinsamen Leistungsverzeichnisse<br />

erhöhen für uns die Transparenz und erleichtern<br />

uns die Abrechnung wesentlich. Verschlankte Abläufe<br />

bedeuten für uns vereinfachte Abwicklung, das begrüßen<br />

wir außerordentlich.“<br />

Rabmer Rohrsanierungsgruppe wird zur SEKISUI SPR<br />

Die Rabmer Holding ändert ihren Namen<br />

zu SEKISUI SPR Construction. Bestandteil<br />

des umfangreichen Produktportfolios ist<br />

u. a. das Wickelrohrverfahren<br />

Seit zwei Jahren agieren die<br />

SEKISUI SPR Europe GmbH<br />

und die Rabmer Rohrsanierungsgruppe<br />

gemeinsam auf<br />

dem europäischen Rohrsanierungsmarkt.<br />

Gleichzeitig konnten<br />

durch die lokal etablierten<br />

Rabmer Rohrsanierungs-Tochtergesellschaften<br />

in Mittel- und<br />

Osteuropa neue Absatzmärkte<br />

geschaffen werden. Seit dem<br />

1. Dezember 2013 werden<br />

die Rabmer Rohrsanierungsgesellschaften<br />

nach und nach<br />

umbenannt und erhalten<br />

ebenfalls das SPR Logo, um die<br />

gemeinsame Stärke am Markt<br />

zu demonstrieren.<br />

Ende 2011 erwarb die SEKI-<br />

SUI Chemical Co. Ltd. 75 %<br />

Anteile an der Rohrsanierungsgruppe von Rabmer mit Sitz<br />

in Österreich. Mit den durch Rabmer hinzugewonnenen<br />

Kompetenzen in den Bereichen TV-Inspektion, Reinigung,<br />

Schlauchlining und Close-Fit-Technologien sowie Software<br />

und Service zur Planung von Sanierungsprojekten und dem<br />

in Osteuropa etablierten Netzwerk, wurde die Marktposition<br />

der SEKISUI Rohrsanierungsgruppe in Europa weiter<br />

gestärkt. Die Rabmer Rohrsanierungsgruppe ergänzte ihr<br />

Portfolio an grabenlosen Rohrsanierungstechnologien und<br />

führte das Wickelrohrverfahren im mittel- und osteuropäischen<br />

Raum ein. Mit SEKISUI als Mutterkonzern nutzen die<br />

beiden Unternehmensgruppen seither ihre Synergien und<br />

decken so die gesamte Wertschöpfungskette der Rohrsanierung<br />

in Europa ab. So haben die SEKISUI SPR Europe<br />

und die Rabmer Rohrsanierungsgruppe ihr Produktportfolio<br />

erweitern können und bieten europaweit die grabenlosen<br />

Rohrsanierungstechnologien Wickelrohr, Cured-in-Place-<br />

Pipe (CIPP) und Close-Fit an.<br />

Mittlerweile gehört die Rabmer Rohrsanierungsgruppe zu<br />

100 % zur Rohrsanierungssparte der SEKISUI Gruppe.<br />

6 01-02 | 2014


Auftraggeber:<br />

Esders Bernd<br />

0<br />

Haselünne<br />

7.300<br />

7.250<br />

7.200<br />

7.150<br />

7.100<br />

7.050<br />

7.000<br />

16:50<br />

17:00<br />

17:10<br />

17:20<br />

17:30<br />

17:40<br />

17:50<br />

18:00<br />

18:10<br />

18:20<br />

18:30<br />

18:40<br />

18:50<br />

19:00<br />

19:10<br />

19:20<br />

19:30<br />

19:40<br />

19:50<br />

20:00<br />

20:10<br />

20:20<br />

20:30<br />

20:40<br />

20:50<br />

21:00<br />

21:10<br />

21:20<br />

21:30<br />

21:40<br />

21:50<br />

22:00<br />

22:10<br />

22:20<br />

22:30<br />

22:40<br />

22:50<br />

23:00<br />

23:10<br />

23:20<br />

23:30<br />

23:40<br />

23:50<br />

00:00<br />

00:10<br />

00:20<br />

00:30<br />

00:40<br />

00:50<br />

01:00<br />

01:10<br />

Druck<br />

Zeit<br />

Temperatur<br />

Prüfdrücke: Messzeiten: Temperaturen:<br />

Startdruck<br />

7.162 mbar<br />

Druckaufbauzeit [hh:mm:ss] 00:37:03<br />

Starttemperatur<br />

Enddruck<br />

7.154 mbar<br />

Beruhigungszeit [hh:mm:ss] 07:00:00<br />

Endtemperatur<br />

Mittelwert<br />

7.156 mbar<br />

Prüfzeit [hh:mm:ss] 01:00:00<br />

Bewertung:<br />

Zulässiger Druckabfall<br />

Druckdifferenz<br />

50 mbar<br />

8 mbar<br />

Prüfprotokoll DruckTest memo<br />

Seriennummer Messgerät: 221385<br />

Auftragsnummer:<br />

Prüfdatum: 08.10.2012<br />

Prüfung: PROBA G469 B3<br />

Minimal- / Maximalwerte:<br />

Prüfbetrieb:<br />

Rohrbau GmbH<br />

Verlegestr. 17<br />

12345 Gashausen<br />

14,29 ° C<br />

14,22 ° C<br />

16<br />

15,5<br />

15<br />

14,5<br />

14<br />

13,5<br />

13<br />

Leitungsdaten:<br />

Vgeo<br />

0,62 m³<br />

Nennweite:<br />

Länge:<br />

181 mm 24,00 m<br />

Zeitpunkt Minimaldruck: [hh:mm:ss] 9 17:35: Uhr 7.150 mbar<br />

Zeitpunkt Maximaldruck: [hh:mm:ss] 9 16:25: Uhr 7.162 mbar<br />

Bewertung: Leitung innerhalb der zulässigen Druckänderung !<br />

INDUSTRIE & WIRTSCHAFT NACHRICHTEN<br />

Salzgitter liefert Rohrbögen für Wasserversorgung<br />

auf Nordzypern<br />

Speziell im Süden Europas ist in Sommermonaten die Rationierung<br />

von Wasser keine Seltenheit. Auf Nordzypern<br />

soll nun dieser Mangel durch eine Wasserleitung beseitigt<br />

werden, die sowohl Trinkwasser für die Bevölkerung als<br />

auch Wasser für die Landwirtschaft in großen Mengen<br />

zur Verfügung stellt. In diesem Jahr soll die Leitung in<br />

Betrieb gehen und unter einem Betriebsdruck von 7 bar<br />

Wasser vom türkischen Festland zur Insel fördern.<br />

Einmalig an dieser Leitung auf Nordzypern ist einerseits<br />

die Kombination aus Stahl- und PE-Rohren im Rohrstrang<br />

und andererseits die Tatsache, dass die Offshore-Leitung<br />

schwimmend verlegt wird. Die etwa 80 km lange Leitung<br />

wird nicht wie üblich auf den bis zu 1.400 m tiefen<br />

Meeresgrund abgesenkt, sondern in 250 bis 300 m Tiefe<br />

unterhalb der Wasseroberfläche im Meer schweben. Die<br />

im Rohrbiegewerk der Salzgitter Mannesmann Grobblech<br />

GmbH in Mülheim hergestellten induktiven Rohrbögen<br />

der Abmessung 60“ x 20 mm Wanddicke. in Werkstoffgüte<br />

API 5L X52 verbinden 500 m lange PE-Rohrstränge<br />

und dienen als Fix- oder Ankerpunkte. Dies geschieht<br />

mittels Stahlseile, die an den Rohrbögen und am Meeresgrund<br />

bzw. an Ankerbojen befestigt werden. Hierfür<br />

werden 20 mm dicke Ankerbleche und Verstärkungsrippen<br />

gemäß Vorgaben des Kunden auf die fertigen<br />

Bögen aufgeschweißt. Zum Anschluss an die PE-Rohre<br />

werden Flansche mit jeweils 24 Bohrungen für die entsprechenden<br />

Verbindungsbolzen an die Bogenenden<br />

angeschweißt. Die Bögen verhindern mit ihren Ankern<br />

und durch ihr hohes Gewicht von etwa 9 t das Aufsteigen<br />

der Rohrleitung an die Meeresoberfläche. Die PE-Leitung<br />

mit dem zu transportierenden Medium Wasser wäre allein<br />

leichter als das umgebende Salzwasser und würde sonst<br />

an die Meeresoberfläche aufsteigen.<br />

Die Bleche für die Bogen-Vorrohre wurden im Blechwalzwerk<br />

von MGB gewalzt. Die Rohre mit einem Nenndurchmesser<br />

von 60“ produzierte das Großrohrwerk der<br />

EUROPIPE Gruppe am Standort Mülheim an der Ruhr.<br />

Neben Salzgitter Mannesmann International, die diesen<br />

außergewöhnlichen Auftrag aufgrund der guten Marktkontakte<br />

für das TNRC-Projekt (Turkish Republic Northern<br />

Cyprus) akquirieren konnte, war auch das Forschungsinstitut<br />

der Salzgitter AG im Rahmen der Prototypen-Qualifikation<br />

mit Dehnungsmessungen (Dehnungsmessstreifen-Applikationen)<br />

an den Rohrbögen mit eingebunden.<br />

Zu diesem Zweck wurde eine spezielle Apparatur zum<br />

Bauteilbelastungstest im Rohrbiegewerk aufgebaut, die<br />

über Dehnungsaufnehmer mögliche Verformung unter<br />

maximaler Zug-Last von bis zu 80 t dokumentiert und<br />

somit Rückschlüsse auf die Beanspruchung am Bogen<br />

unter Krafteinfluss lieferte.<br />

Über 130 induktiv gebogene Rohre mit einer Abmessung<br />

von 1.514 mm OD x 20 mm Wanddicke, einem Biegeradius<br />

von 8.000 mm und einem Biegewinkel von 30°<br />

wurden im Rohrbiegewerk von Oktober 2013 bis Januar<br />

2014 induktiv gebogen. Je Bogen ist eine Rohrlänge von<br />

rund 7 m notwendig. Im Großrohrwerk der EUROPIPE<br />

GmbH in Mülheim wurden die Rohre in Längen von 15 m<br />

hergestellt, so dass aus jedem Rohr zwei Bögen gefertigt<br />

werden.<br />

Druck / mbar<br />

Temp. / °C<br />

01-02 | 2014 7


NACHRICHTEN INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

Großprojekt für MAX STREICHER S.p.A. in Italien<br />

Im Auftrag der SNAM Rete Gas wird derzeit südlich des<br />

Gardasees die größte Erdgaspipeline Italiens verlegt.<br />

MAX STREICHER S.p.A. führt zwei der insgesamt vier<br />

Baulose mit je 53 und 45 km langen Teilstücken der<br />

DN 1400-Pipeline aus.<br />

170 km beträgt die gesamte Strecke der Pipeline durch<br />

die Regionen Venetien und Lombardei. Von der norditalienischen<br />

Gemeinde Carpenedolo verläuft das erste<br />

Los über eine Strecke<br />

von 53 km bis Casaletto<br />

Rund 100 Querungen fallen auf den beiden<br />

STREICHER-Losen an<br />

Quelle: MAX STREICHER<br />

di Sopra in der Provinz<br />

Cremona. In diesem Jahr<br />

beginnt MAX STREI-<br />

CHER S.p.A. mit dem<br />

Bau des zweiten Loses,<br />

das sich über 42 km von<br />

Carpenedolo bis Vigasio<br />

erstreckt. Außerdem<br />

umfasst das Projekt den<br />

Bau von 15 Schieberstationen<br />

sowie kleineren<br />

Verbindungsleitungen.<br />

Im März 2013 begann<br />

der Bau des ersten Loses, auf dem derzeit bis zu 350<br />

Arbeiter, darunter 200 STREICHER-Mitarbeiter, im Einsatz<br />

sind. Es ist das umfangreichste Pipelineprojekt, das das<br />

Unternehmen bislang durchführte. Für den Umgang mit<br />

den großen Nennweiten holte sich das italienische Team<br />

auch Unterstützung aus Deggendorf. Die Muttergesellschaft<br />

verlegte im Rahmen der Projekte OPAL und NEL<br />

insgesamt bereits mehr als 200 km Leitungen DN 1400.<br />

Insbesondere im Bereich des Automatenschweißens sind<br />

die Erfahrungen von MAX STREICHER GmbH & Co. KG<br />

aA wertvoll für das Team in Italien.<br />

Insgesamt fallen auf beiden Losen rund 100 Querungen<br />

auf 95 km Streckenlänge an. Es werden über 90 Pressbohrungen<br />

sowie zehn Querungen im Microtunneling-<br />

Verfahren durchgeführt. Eine Herausforderung stellen die<br />

feuchten Böden dar, die mit Pumpen, Brunnensystemen<br />

und Drainagen trocken gelegt werden. Etwa 1,5 km Pipeline<br />

verlaufen durch Naturschutzgebiete. Hier kommt für<br />

zwei Querungen das Direct Pipe-Verfahren zum Einsatz.<br />

Bislang wurde diese Technik vorwiegend bis zu einem<br />

Durchmesser von 48“ angewendet. In Norditalien soll sie<br />

sich nun an 56“-Rohren bewähren. Sie gilt als kosteneffizientes,<br />

qualitativ hochwertiges und sicheres Verfahren.<br />

Deutscher Rohstoffeffizienzpreis für Vogelsang<br />

Foto © BMWi<br />

Feierliche Übergabe des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preises 2013 an<br />

den Kabelschutzrohr-Spezialisten Dipl.-Ing. Dr. E. Vogelsang GmbH &<br />

Co. KG: Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für<br />

Geowissenschaften und Vorsitzender der Jury; Dirk Vogelsang, Mitglied der<br />

Geschäftsleitung der Dipl.-Ing. Dr. E. Vogelsang GmbH & Co. KG.; Anne<br />

Ruth Herkes, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und<br />

Technologie (v.l.n.r.)<br />

Für ihr neu entwickeltes EcoRohr erhielt die Dipl.-<br />

Ing. Dr. E. Vogelsang GmbH & Co. KG aus Herten<br />

Ende November 2013 den Deutschen Rohstoffeffizienzpreis<br />

2013 verliehen. Die je nach Rohrtyp<br />

ca. 30 % Rohstoffersparnis überzeugte die Jury<br />

des vom Bundesministerium für Wirtschaft und<br />

Technologie und der Deutschen Rohstoffagentur<br />

vergebenen Preises.<br />

Im Gegensatz zu klassischen Vollwandrohren<br />

besteht das EcoRohr aus drei Schichten: Je eine<br />

kompakte Außen- und Innenschicht umschließen<br />

einen geschäumten Kern. Der spezielle Schaumkern<br />

sorgt dafür, dass eine erhebliche Rohstoffersparnis<br />

von ca. 30 % im Vergleich zu klassischen<br />

Vollwandrohren erzielt wird. So erfüllt das Rohr<br />

die Maßgaben der DIN 16876 und die mechanischen<br />

Anforderungen der DIN 16874. „Dank der<br />

guten mechanischen Eigenschaften ist unser Eco-<br />

Rohr mit verschiedenen Abmessungen und Muffen<br />

bzw. Enden für unsere Kunden voll kompatibel zu<br />

gängigen Kabelschutzrohr-Systemen“, erklärt Dirk<br />

Vogelsang, Sohn des Inhabers und Mitglied der<br />

Geschäftsleitung.<br />

Möglich wurde die Herstellung des EcoRohres durch<br />

die intensive Forschung an dem Extruderprozess für<br />

8 01-02 | 2014


RohRsysteme<br />

aus steinzeug<br />

INDUSTRIE & WIRTSCHAFT NACHRICHTEN<br />

die benötigte Schaumbildung. Das Ziel war, einen definierten<br />

Integralschaum mit geschlossener und möglichst gleichmäßiger<br />

Zellstruktur zu erhalten. Die Kugelform bietet hier ein<br />

optimales Verhältnis zwischen hoher Festigkeit und geringem<br />

Bauteilgewicht. Hierfür entwickelte Vogelsang einen gänzlich<br />

neuen Schaumprozess für Polyolefine (insbesondere PE, HD<br />

und PP). Mit diesem Verfahren können nun auch Polymere<br />

geschäumt werden, die bislang als nicht reproduzierbar zu<br />

schäumen galten.<br />

staRk.<br />

nachhaltig.<br />

zukunftsweisend.<br />

Auszeichnung für<br />

HUBER TECHNOLOGY<br />

Für das Familienunternehmen HUBER steht die Kundenzufriedenheit<br />

an erster Stelle. Gemeinsam mit dem<br />

Tochterunternehmen HUBER USA hat das Unternehmen<br />

im Bereich des kundenorientierten Service einen<br />

bedeutenden Meilenstein erreicht: HUBER TECHNOLOGY<br />

Inc. wurde im September 2013 mit dem „2013 North<br />

American Customer Service Leadership Award - Solid/<br />

Liquid Separation Technology” von Frost & Sullivan<br />

ausgezeichnet.<br />

Frost & Sullivan ist ein namhaftes Marktforschungsunternehmen,<br />

das in über 40 Ländern Branchen, Märkte und<br />

deren Entwicklungen sowie die dort wirkenden Industrieunternehmen<br />

analysiert.<br />

2013 wurde HUBER TECHNOLOGY Service im Bereich der<br />

Fest-Flüssig-Trennung sowohl von kommunalen Einrichtungen<br />

als auch von Industrieunternehmen als herausragendes<br />

Beispiel für besten Kundenservice genannt. Das<br />

Ergebnis dieser Marktanalyse zeigt, dass HUBER TECH-<br />

NOLOGY Service, vor allem aus Sicht der Kunden, auf<br />

Platz 1 des nordamerikanischen Technologiemarktes der<br />

Fest-Flüssig-Trennung rangiert.<br />

Steinzeug-Keramo GmbH<br />

Alfred-Nobel-Straße 17 | 50226 Frechen<br />

Telefon +49 2234 507-0<br />

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E-Mail info@steinzeug-keramo.com<br />

Internet www.steinzeug-keramo.com<br />

Henk-Jan van Ettekoven (li.), Servicemanager HUBER USA, und Paul<br />

Neumaier (re.), Geschäftsbereichsleiter Global Service HUBER SE<br />

01-02 | 2014 9


NACHRICHTEN PERSONALIEN<br />

Polk ist neuer VNG-Vorstand für<br />

„Infrastruktur und Technik“<br />

Die Umstrukturierung des Vorstands<br />

der VNG – Verbundnetz<br />

Gas Aktiengesellschaft (VNG)<br />

wurde zum 1. Januar 2014 abgeschlossen.<br />

Hans-Joachim Polk hat<br />

zum Jahreswechsel 2013/2014<br />

als neues Vorstandsmitglied das<br />

Ressort „Infrastruktur/Technik“<br />

übernommen, das die Geschäftsbereiche<br />

Netz, Speicher und die<br />

Exploration und Produktion (E&P)<br />

erstmalig bündelt. Er folgte damit<br />

auf Uwe Barthel, der bis zum Jahresende<br />

2013 die Geschäftsbereiche<br />

Netz und Speicher verantwortete<br />

und zum Jahreswechsel auf<br />

eigenen Wunsch aus dem Unternehmen<br />

ausschied.<br />

Mit der Berufung von Hans-Joachim<br />

Polk ist die Neuregelung der<br />

Geschäftsverteilung im Vorstand<br />

abgeschlossen. Im Zuge der Weiterentwicklung<br />

der Unterneh-<br />

Hans-Joachim Polk<br />

mensstrategie hatte der Aufsichtsrat<br />

der VNG im September 2013<br />

diese Umstrukturierung beschlossen. Daraus ergaben sich<br />

ein neuer Zuschnitt der vier Vorstandsressorts und personelle<br />

Veränderungen im Vorstand.<br />

Foto: VNG AG/Chris Renton<br />

Neben dem Vorstandsvorsitz von Dr. Karsten Heuchert<br />

verantwortet Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht nach wie<br />

vor das Handelsgeschäft im Ressort „Handel“, das im vergangenen<br />

Jahr um die Gasbeschaffung erweitert wurde.<br />

Die neue Ressortaufteilung wird durch den Geschäftsbereich<br />

„Kaufmännisches/Personal“, den Bodo Rodestock<br />

verantwortet, ergänzt. Rodestock wurde im Oktober 2013<br />

zum Vorstand bestellt. Zudem führte er bis zum Eintritt<br />

Polks interimsweise den Geschäftsbereich „Exploration und<br />

Produktion“. Die drei Geschäftsbereiche Netz, Speicher<br />

sowie Exploration und Produktion sind nun in dem Ressort<br />

„Infrastruktur/Technik“ unter Leitung von Hans-Joachim<br />

Polk zusammengefasst.<br />

Im Jahr 2000 begann der studierte Betriebswirt Bodo Rodestock<br />

seine Tätigkeit bei der VNG. Er leitete den Bereich<br />

Finanzen, der später um das Gebiet Rechnungswesen<br />

erweitert wurde. Bis Oktober 2013 hatte er die Leitung<br />

des Hauptbereichs Kaufmännische Steuerung inne. Prokura<br />

erteilte man ihm bereits im Jahr 2001.<br />

Der studierte Erdöl- und Erdgastechniker Hans-Joachim<br />

Polk war viele Jahre bei der RWE Dea AG in verschiedenen<br />

nationalen sowie internationalen Positionen im Bereich der<br />

Exploration und Produktion tätig. Die Schwerpunkte seiner<br />

Tätigkeit bildeten die Speicherung von Erdgas, Feldesentwicklungsprojekte<br />

sowie die Produktion von Öl und Gas.<br />

Polk arbeitete die letzten zwei Jahre als Managing Director<br />

der RWE Dea Norge AS und als Managing Director der RWE<br />

Dea UK Holdings Limited.<br />

Dr. Ekkehard zur Mühlen<br />

Dr. Ekkehard zur Mühlen verstärkt<br />

Geschäftsführung der MC-Bauchemie<br />

Dr. Ekkehard zur Mühlen ist zum<br />

1. Januar 2014 zum Geschäftsführer<br />

der MC-Bauchemie Müller<br />

GmbH & Co. KG, Bottrop, berufen<br />

worden. Er übernimmt die Verantwortung<br />

für die kaufmännischen<br />

Bereiche und Mergers & Acquisitions.<br />

Zudem betreut er einen<br />

Teil der Länder, in denen die MC-<br />

Gruppe aktiv ist.<br />

Dr. Ekkehard zur Mühlen (46) war<br />

zuletzt als CFO für die Unternehmensgruppe<br />

RENOLIT, einem<br />

weltweit führenden Hersteller<br />

hochwertiger Kunststofffolien und -produkte, tätig und<br />

dort u. a. verantwortlich für die Bereiche Finanz- und<br />

Rechnungswesen, Controlling, Recht, IT sowie Mergers &<br />

Acquisitions. Zuvor war der promovierte Physiker in anderen<br />

Unternehmen in Vertrieb, Produktmanagement sowie<br />

insbesondere in den Bereichen Treasury, Corporate Finance<br />

und lnvestor Relations tätig.<br />

„Wir freuen uns darüber, dass wir Dr. Ekkehard zur Mühlen<br />

als Geschäftsführer für die MC-Bauchemie gewonnen<br />

haben. Er vereint technisches Wissen und Verständnis mit<br />

Finanz-Know-how und langjähriger Erfahrung als CFO. Er<br />

wird uns helfen, die langfristige, erfolgreiche Weiterentwicklung<br />

der MC zu sichern“, sagt Dr. Claus-M. Müller,<br />

geschäftsführender Gesellschafter der MC-Bauchemie.<br />

10 01-02 | 2014


PERSONALIEN NACHRICHTEN<br />

Geschäftsführungswechsel bei der IDS GmbH<br />

Die IDS GmbH, Spezialist für Netzmanagement, Leittechnik,<br />

Automatisierungs-, Fernwirk- und Kommunikationstechnik,<br />

hat zwei neue Geschäftsführer. Seit dem 1. Januar 2014 übernehmen<br />

Jörn Fischer und Harald Herrmann die Aufgaben<br />

von Norbert Wagner, der seine Funktion als Geschäftsführer<br />

der IDS GmbH aufgibt. Gemeinsam mit Friedrich Abriß (CFO)<br />

wird er jedoch weiterhin als hauptamtlicher Geschäftsführer<br />

(CEO) die Geschicke der IDS-Gruppe Holding GmbH steuern.<br />

Jörn Fischer und Harald Herrmann sind Ingenieure mit langjähriger<br />

Erfahrung im Bereich der Energieversorgung und den<br />

hierfür erforderlichen technischen Lösungen. Fischer hat als<br />

CEO die Leitung der Bereiche Vertrieb und Projektabwicklung<br />

übernommen, Herrmann betreut als CTO die Entwicklung<br />

und den Geschäftsbereich Integrationslösungen. Daneben<br />

verantwortet Michael Pein als CFO seit dem 1. April 2013 die<br />

kaufmännische Geschäftsführung und hat seit dem 1. Januar<br />

2014 zusätzlich den neu geschaffenen Geschäftsbereich Produktgeschäft<br />

übernommen.<br />

Seit Anfang 2013 ist Jörn Fischer für die IDS GmbH tätig. Als<br />

Leiter des Geschäftsbereiches Vertrieb konnte er die sehr gute<br />

Marktposition des Unternehmens stärken und um zusätzliche<br />

internationale Absatzmärkte erweitern. Harald Herrmann,<br />

bereits seit zehn Jahren<br />

im Unternehmen, leitete<br />

zuletzt den IDS-Geschäftsbereich<br />

Entwicklung und<br />

das Produktmanagement.<br />

„Jörn Fischer und Harald<br />

Herrmann sind Experten<br />

in der Energiebranche<br />

und verfügen über einen<br />

enormen Erfahrungsschatz<br />

bezüglich der technischen<br />

und organisatorischen<br />

Anforderungen, die die<br />

Energiewende mit sich<br />

bringen. Außerdem kennen<br />

sie das Unternehmen<br />

und seine Historie. Das<br />

macht die beiden zu einer<br />

optimalen Besetzung für<br />

die Geschäftsführung der<br />

IDS GmbH“, erklärt Norbert<br />

Wagner.<br />

v.l.n.r. Jörn Fischer, Harald Herrmann, Michael<br />

Pein<br />

01-02 | 2014 11


NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />

29. FDBR-Fachtagung Rohrleitungstechnik erstmals in<br />

Mannheim<br />

Am 25. und 26. März 2014 findet zum 29. Mal die FDBR-<br />

Fachtagung Rohrleitungstechnik statt. Erstmals trifft sich die<br />

Rohrleitungsbranche in Mannheim (Veranstaltungsort ist<br />

das Congress Center Rosenheim), erstmals gibt es die Möglichkeit<br />

einer Werksbesichtigung und erstmals eröffnet der<br />

neue FDBR-Vorstandsvorsitzende Jörg Klasen die Tagung.<br />

Mit erwarteten rund 350 Besuchern und mehr als 50 Ausstellern<br />

stellt sie auch 2014 unter Beweis, dass sie zu den<br />

führenden Fachtagungen zum Thema industrieller Rohrleitungsbau<br />

zählt. „Unsere Fachtagung zeichnet seit jeher<br />

Vielseitigkeit und Qualität aus“, erklärt Dr. Reinhard Maaß,<br />

Geschäftsführer des FDBR e.V., Düsseldorf. „Dies aber gilt<br />

auch für die gesamte Branche des industriellen Rohrleitungsbaus<br />

in Deutschland. Mit ihrem hochwertigen und<br />

breit gefächerten Liefer- und Leistungsangebot nehmen<br />

die industriellen Rohrleitungsbauer einen Spitzenplatz im<br />

globalen Wettbewerb ein.“<br />

Einmal mehr ist es der Anspruch des FDBR, mit diesem<br />

wichtigen Branchentreff einen wesentlichen Beitrag zur<br />

Technologiekompetenz in Deutschland zu leisten und<br />

zugleich die zentrale Bedeutung widerzuspiegeln, die dem<br />

industriellen Rohrleitungsbau hierzulande zukommt. Die<br />

gelungene Mischung aus Vortragsprogramm und Fachausstellung<br />

bewährt sich immer wieder aufs Neue. Zugleich ist<br />

die FDBR-Fachtagung Jahr für Jahr eine wichtige Plattform<br />

für den intensiven Erfahrungsaustausch über Rohrleitungstechnik<br />

für Kraftwerke sowie chemische und petrochemische<br />

Anlagen.<br />

Impression von der 29. FDBR-Fachtagung Rohrleitungstechnik 2013 in<br />

Neuss<br />

Breites Themenspektrum<br />

An zwei Veranstaltungstagen warten 17 hochkarätige<br />

Vorträge auf die Teilnehmer. Den Beginn macht am 25.<br />

März Dr. Stefan Mair vom BDI in Berlin, der sich mit den<br />

Chancen der deutschen Wirtschaft im Ausland auseinandersetzt.<br />

Danach steht der Themenkomplex Entwicklung,<br />

Planung, Berechnung und Konstruktion unter Moderation<br />

von Dipl.-Ing. Ralph-Harry Klaer und Prof. Dr.-Ing. Rüdiger<br />

Malingriaux im Mittelpunkt. Im ersten Vortrag von Dipl.-<br />

Ing. Frank Weier, Weber Industrieller Rohrleitungsbau &<br />

Anlagenbau GmbH & Co. KG, Pulheim, geht es um den<br />

Einsatz von digitalen Rohrklassen in der Chemie. Nachfolgend<br />

berichten Dipl.-Ing. Volker Baumhoff von der Bilfinger<br />

Piping Technologies GmbH in Essen und Dipl.-Ing. Klaus<br />

Metzger von der Großkraftwerk Mannheim AG, Mannheim,<br />

über Erfahrungen bei der Planung, dem Bau und dem<br />

Betrieb der 725°-C-Teststrecke mit Nickelbasiswerkstoffen.<br />

Nach der Kaffeepause erläutert Dipl.-Ing. Hubert Wagner-<br />

Niephaus, Vallourec Deutschland GmbH, Düsseldorf, Neues<br />

über warmfeste Stähle (T24 und VM 12 für die Petrochemie)<br />

und überlässt das Mikrofon dann Dipl.-Ing. Jürgen Schmidt<br />

von der Envi Con & Plant Engineering GmbH in Nürnberg,<br />

der sich Druckstoßberechnungen von Speisewasserdruckleitungen<br />

mit Fluidstrukturwechselwirkung widmet.<br />

Die Nachmittagssektion gehört wie gewohnt dem Einsatz<br />

von Ausrüstungsteilen und Zubehör unter Leitung von Dipl.-<br />

Ing. Ingo Wurzel und Dipl.-Ing. Manfred Rieke. Entwicklung,<br />

Engineering, Herstellung sowie Anforderungen an<br />

Kompensatoren im Hinblick auf die Druckgeräterichtlinie<br />

(DGRL) beleuchtet Reto Löhrer von der Kompaflex AG im<br />

schweizerischen Steinebrunn. Im Anschluss daran skizziert<br />

Dr. Klaus Mehnert, Holter Regelarmaturen GmbH & Co.<br />

KG, Schloß Holte-Stukenbrock, die Auslegung von Armaturen<br />

unter Berücksichtigung thermodynamischer Gesetze<br />

(2-Phasen) mithilfe eines Produktionsfigurators (Abacus).<br />

„Feuerlöschanlagen – Brandschutzkonzept, Planung, Ausführung“<br />

sind das Thema von Dr. Reinhold Herbst vom bvfa<br />

– Bundesverband Technischer Brandschutz e.V., Würzburg.<br />

Ihm folgt Dr. Heinz-Wilhelm Lange, Lisega SE, Zeven, der<br />

über Rohrhalterungssysteme mit Blick auf EN 13480-3 referiert<br />

und den ersten Veranstaltungstag beschließt.<br />

Der zweite Tagungstag startet mit dem Themenschwerpunkt<br />

Fertigung, Montage und Inbetriebnahme. Moderiert<br />

von Dipl.-Ing. Jürgen Mühlenbein-Severin und Dipl.-Ing.<br />

Stefan Hübner befassen sich Andreas Baldus, Dr. Thomas<br />

Gräb und Dr. Fabian Stahl von der Bilfinger Piping Technologies<br />

GmbH in Dortmund mit dem Thema „Engspaltorbitalschweißen<br />

– Entwicklung, Qualifizierung und Einsatz<br />

unter Montagebedingungen“. Über Erfahrungen in Neubauprojekten,<br />

sprich: Randbedingungen, Stähle, Verfahren<br />

und Fehlerraten, berichtet Dr. Christoph Jüde-Esser, RWE<br />

Technology GmbH, Essen. Im Mittelpunkt des Vortrags von<br />

12 01-02 | 2014


VERBÄNDE NACHRICHTEN<br />

Dipl.-Ing. Rainer Arndt von der Kempchen Dichtungstechnik<br />

GmbH, Oberhausen, steht die Qualifizierung der<br />

Befähigung von Personal zur Montage von Flanschverbindungen<br />

gemäß EN 1591-4. Zum Ende der Vormittagssession<br />

beschäftigt sich Dipl.-Ing. Lutz Bergmann, FINOW<br />

Rohrsysteme GmbH, Eberswalde, mit der Herstellung von<br />

Rohrspoolsystemen aus Ni-Basis-Legierungen – Biegen,<br />

Schweißen, Wärmebehandlung, Prüfen.<br />

Nach dem Mittagessen warten die Vorträge zu Betrieb<br />

und Instandhaltung von Anlagen auf die Teilnehmer. Diese<br />

bilden traditionell den Abschluss der FDBR-Fachtagung.<br />

Begleitet von den Moderatoren Dr. Norbert Tanner und<br />

Dipl.-Ing. Alexander Wrobel, zeigen zunächst Dipl.-Ing.<br />

Britta Daume, Quesy GmbH & Co., Burgwedel, und Dipl.-<br />

Ing. Thomas Walter, TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e.V.,<br />

Hannover, Schäden und Ursachen an Regelarmaturen und<br />

Armaturen auf. Über das Ausblasen von Stopfbuchspackungen<br />

berichten nachfolgend Dipl.-Ing. Rolf Hahn und<br />

Prüf.-Ing. Werner Ottens von der Materialprüfungsanstalt<br />

Universität Stuttgart (MPA), während sich Dipl.-Ing. Stefan<br />

Graßmann von der TÜV Süd Industrie Service GmbH in<br />

Mannheim mit Erfahrungen beim Einsatz von Druckprobenersatzmaßnahmen<br />

(FDBR-Merkblatt 21) aus Sicht<br />

einer benannten Stelle/ZÜS befasst. Den Schlusspunkt<br />

setzt Reinhard Schmid, GDF SUEZ Energie Deutschland<br />

AG, Zolling, mit seinem Vortrag „Betrieb von Kraftwerken<br />

– Ergebnisse, Erfahrungen bei Wartungsintervallen und<br />

Schädigungen bezogen auf Kraftwerksrohrleitungen“.<br />

Armaturen in Aktion<br />

Erstmals in der langen Geschichte der FDBR-Rohrleitungstagung<br />

besteht die Möglichkeit, Armaturen für<br />

den Kraftwerksbereich live und in Aktion zu erleben.<br />

Im Anschluss an das Tagungsprogramm lädt die VAG<br />

Armaturen GmbH zu einer technischen Besichtigung ein.<br />

Diese findet auf dem Mannheimer Betriebsgelände der<br />

weltweit vertretenen VAG-Gruppe statt.<br />

Die Teilnehmer erfahren darüber hinaus viel Wissenswertes<br />

über moderne Armaturentechnik, sehen Anwendungsbeispiele<br />

und Systemlösungen und erhalten einen<br />

Überblick über die 140-jährige Firmengeschichte des<br />

Unternehmens.<br />

Gezielte Nachwuchsförderung<br />

Fachlich hervorragend ausgebildete Mitarbeiter sind auch<br />

für den industriellen Rohrleitungsbau ein wesentlicher<br />

Schlüssel zum Erfolg. Entsprechend hat sich der FDBR<br />

die gezielte Förderung von Nachwuchskräften aus den<br />

technisch-naturwissenschaftlichen Fachbereichen auf die<br />

Fahnen geschrieben.<br />

KONTAKT: FDBR - Fachverband Dampfkessel, Behälter- und Rohrleitungsbau<br />

e.V., Düsseldorf, Linda Kaiser, Tel. +49 211 498 7032, E-Mail: mc@fdbr.de<br />

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01-02 | 2014 13


NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />

4. Mitgliederversammlung GS Grundstücksentwässerung:<br />

Erste Früchte werden geerntet<br />

Am 8. Oktober 2013 trafen sich unter der Leitung ihres Vorstandsvorsitzenden<br />

Karl-Heinz Flick die Mitglieder der „Gütegemeinschaft<br />

Herstellung, baulicher Unterhalt, Sanierung und<br />

Prüfung von Grundstücksentwässerungen e.V. – Güteschutz<br />

Grundstücksentwässerung“ zur 4. Jahreshauptversammlung<br />

im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn.<br />

Auf die 4. Mitgliederversammlung des Güteschutz Grundstücksentwässerung<br />

konnten sich die Teilnehmer im Vorfeld<br />

mit drei Impulsvorträgen einstimmen: „Instandhaltung der<br />

Abwasserleitungen von Bundesimmobilien“ von Dr. Bernhard<br />

Fischer (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung),<br />

„Das Liederbacher Sanierungsmodell“ von Eva Söllner (Bürgermeisterin<br />

der Gemeinde Liederbach/Taunus) und „Untersuchung<br />

von Grundstücksentwässerungsanlagen“ von Dr.<br />

Franz Zior (Beratender Ingenieur).<br />

Alle drei Vorträge haben auf ihre besondere Weise deutlich<br />

gezeigt, wo die Grundstücksentwässerung heute steht und<br />

wie unterschiedlich diese Thematik angegangen wird. Deutlich<br />

wurde dadurch auch, dass die Gütegemeinschaft noch mehr<br />

erklären muss, wofür sie sich in der Grundstücksentwässerung<br />

engagiert und wo sie ihren Beitrag leistet.<br />

Mit den Länderregelungen leben<br />

Karl-Heinz Flick führte in seinem Jahresbericht als Vorstandsvorsitzender<br />

aus, dass die Gütegemeinschaft seit ihrer Gründung<br />

im Mai 2011 nun verstärkt wahrgenommen und gefragt<br />

und das RAL-GZ 968 anerkannt ist. Was nach seiner Ansicht<br />

immer noch ein großes Problemfeld darstellt, ist das Verlangen<br />

vieler nach bundeseinheitlichen Regelungen. „Nach wie<br />

vor“, so Flick, „gibt es in Deutschland rechtlich betrachtet<br />

das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), auf der Ebene der Bundesländer<br />

jedoch sehr unterschiedliche Regelungen, sei es in<br />

Wassergesetzen, Verordnungen oder Satzungen.<br />

Als Technisches Regelwerk ist die DIN 1986 anerkannt und<br />

immer öfter als allgemein anerkannte Regel der Technik verankert.<br />

Als Grundlagen-Dokument des Nachweises zur Qualifikation<br />

von Unternehmen für die Herstellung, den baulichen<br />

Unterhalt, die Sanierung und Prüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen<br />

wurde das DWA-M 190 im Juni 2013<br />

veröffentlicht.“<br />

Mit der Forderung nach bundeseinheitlichen Regelungen verschiebe<br />

man nur die Thematik, so Flick, man müsse die Ländergegebenheiten<br />

akzeptieren und danach handeln. Darüber<br />

hinaus forderte er die „Ganzheitliche Sanierung privater und<br />

öffentlicher Abwasserleitungen mit einheitlichen Vorgaben zur<br />

Inspektion, mit einheitlichen Vorgaben zur Schadensbeschreibung<br />

und -klassifizierung, mit gleicher Qualität der Instandsetzung<br />

sowie mit synchronem Vorgehen bei der Sanierung“.<br />

Diese Forderung war auch als Ergebnis der Podiumsdiskussion<br />

auf dem Oldenburger Rohrleitungsforum 2013 zu vernehmen.<br />

Dabei spiele die Reihenfolge eine wichtige Rolle: auf eine<br />

Inspektion folge die Bewertung des Ist-Zustandes, danach<br />

könnten erst Maßnahmen abgestimmt und veranlasst werden.<br />

Öffentliche Diskussion<br />

Eine ganz andere, aber nicht weniger wichtige Rolle schreibt<br />

Karl-Heinz Flick der öffentlichen Meinung, der öffentlichen<br />

Wahrnehmung und der öffentlichen Darstellung zu. So wies<br />

er daraufhin, dass es auch zukünftig wichtig sei, Meinungen<br />

zu vermitteln, um wahrgenommen zu werden. Dabei sei die<br />

Einbindung der Kommunen von großer Bedeutung, da das<br />

Engagement in der Grundstücksentwässerung bei den Verantwortlichen<br />

der öffentlichen Entwässerung, gleich welche<br />

Organisationsform sie haben, sehr unterschiedlich ausgeprägt<br />

sei. Er berichtete weiter, dass die positiven Beispiele unter den<br />

negativen leiden, auch, weil eine positive Vermittlung des<br />

Grundwasserschutzes in der Öffentlichkeit fehle. Das ganzheitliche<br />

Denken im Netz werde durch die Fokussierung auf<br />

Einzelfälle in den Hintergrund gerückt, dabei könnten öffentliche<br />

und private Abwasseranlagen nur als ein Gesamtsystem<br />

Foto: Güteschutz Grundstücksentwässerung<br />

v.l.n.r.: Dirk Bellinghausen, Bürgermeisterin Eva Söllner, Dr. Franz<br />

Zior, Karl-Heinz Flick, Dr. Bernhard Fischer und Fritz Schellhorn im<br />

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung<br />

Bürgermeisterin Eva Söllner spricht gerne und engagiert über<br />

ihr Liederbacher Sanierungsmodell<br />

14 01-02 | 2014


VERBÄNDE NACHRICHTEN<br />

betrachtet werden und jeweils nur störungsfrei funktionieren,<br />

wenn alle Anlagenteile zusammenwirken, so Flick.<br />

Noch mehr Transparenz und Verpflichtung seien gefragt, um<br />

die geleistete Arbeit auch nach außen zu dokumentieren;<br />

ebenso müssten positive Beispiele, wie sie z. B. in den Impulsvorträgen<br />

vorgestellt wurden, in die Öffentlichkeit getragen<br />

werden, legte Flick abschließend dar.<br />

Inserat mit Fußrohr Glocke/Muffe<br />

Neues, Verändertes, Geplantes<br />

Den Bericht des Güteausschusses übernahm in Vertretung für<br />

den Obmann Karsten Selleng Geschäftsführer Dirk Bellinghausen.<br />

Der Güteausschuss kam in 2013 dreimal zusammen und<br />

hat in diesen Sitzungen über Prüfberichte zur Erstprüfung von<br />

Antragstellern beraten; er konnte weitere zehn Unternehmen<br />

zur Verleihung des Gütezeichens vorbereiten, so Bellinghausen.<br />

„Ein wesentlicher Bestandteil der Gremienarbeit ist aktuell die<br />

Weiterentwicklung der „Checklisten“ für die Grundstücksentwässerung.<br />

Diese dienen den Prüfern als Werkzeuge zur<br />

Erstellung der Prüfberichte bei Firmen- und Baustellenbesuchen“,<br />

berichtete Bellinghausen.<br />

Als nächsten Punkt verwies er auf das laufende RAL-Revisionsverfahren<br />

für die überarbeiteten Güte- und Prüfbestimmungen.<br />

Dazu fasste er die wesentlichen Änderungen für<br />

die verschiedenen Beurteilungsgruppen kurz zusammen und<br />

stellt die neue Beurteilungsgruppe S-ABA vor, die nun die<br />

Sanierung von Abwassersammelgruben, Kleinkläranlagen und<br />

Abscheidern beinhaltet. „Eine weitere Beurteilungsgruppe<br />

für die grabenlose Sanierung S (Sanierungssystem) wird es in<br />

dieser Form wahrscheinlich nicht geben“, so Bellinghausen,<br />

„da die Anforderungen durch RAL-GZ 961 geregelt sind. Für<br />

diesen Bereich wird es in den Güte- und Prüfbestimmungen<br />

bzw. in den Durchführungsbestimmungen des Güteschutz<br />

Grundstücksentwässerung einen Hinweis geben.“<br />

Den Bericht schloss Bellinghausen mit dem nochmaligen Hinweis<br />

auf die Notwendigkeit eines eigenen Ausführungsbereiches<br />

Sanierung auf dem Grundstück. Eine Abgrenzung zum<br />

Güteschutz Kanalbau (RAL-GZ 961) erfolgt über die in den<br />

Abwassersatzungen geregelten Grundstücksgrenzen sowie<br />

über die Nennweitenbeschränkung bis DN 250.<br />

Als Geschäftsführer der Gütegemeinschaft gab Bellinghausen<br />

einen Überblick zu den wichtigsten Aktivitäten und Ereignissen<br />

seit der letzten Mitgliederversammlung im Januar 2013.<br />

Stichpunktartig waren dies:<br />

»»<br />

das DWA-M 190 ist überarbeitet worden und soll satzungsgebenden<br />

Stellen und Planern als Arbeitshilfe<br />

dienen; Gütesicherung RAL-GZ 968 soll als System in<br />

Satzungen oder Verordnungen verankert werden.<br />

»»<br />

Stellungnahme der Gütegemeinschaft zu aktuellem<br />

Entwurf zur Gesetzesverordnung in NRW; (die Rechtsverordnung<br />

wurde am 10. Oktober 2013 im Landtag<br />

verabschiedet.)<br />

»»<br />

Novellierung des Wassergesetzes in Baden-Württemberg;<br />

Gütesicherung RAL-GZ 968 soll darin verankert<br />

werden (voraussichtliches Inkrafttreten: Anfang 2014)<br />

»»<br />

Hinweis auf die Homepage von RAL www.ral.de; das<br />

„Virtuelle RAL-Gütezeichen- Haus“ verweist auch auf<br />

die Gütesicherung RAL-GZ 968 sowie Individualisierung<br />

eines RAL-Videoclip auf die Gütegemeinschaft (www.<br />

gs-ge.de).<br />

Bewährt und wiedergewählt<br />

Die Mitgliederversammlung wählte Karl-Heinz Flick für weitere<br />

zwei Jahre zum 1. Vorsitzenden wieder, Fritz Schellhorn<br />

ebenso für weitere zwei Jahre zum stellvertretenden Vorsitzenden.<br />

Cornelia Hollek sowie Karsten Selleng, Andreas<br />

Braun, H.C. Möser, Norbert Wulf und Michael Voß wurden<br />

als Güteausschuss-Mitglieder wiedergewählt.<br />

Nach Verabschiedung verschiedener notwendiger Formalia<br />

wurden Termin und Ort der nächsten Mitgliederversammlung<br />

mit dem 17. Juni 2014 in Kassel festgelegt.<br />

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15<br />

Einfacher Einbau


NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />

Gütezeicheninhaber nutzen überbetriebliche Fortbildung<br />

des Güteschutz Kanalbau<br />

Die Qualifizierung des<br />

Fachpersonals zählt zu<br />

den grundlegenden<br />

Bausteinen der Gütesicherung<br />

Kanalbau. Leistungen<br />

in den Bereichen<br />

Herstellung, Instandhaltung<br />

und Prüfung von<br />

Kanalbauarbeiten sollen<br />

von ausgebildeten<br />

Fachleuten ausgeführt<br />

werden – in diesem<br />

Unternehmen mit RAL-Gütezeichen arbeiten Anspruch stimmen Auftraggeber<br />

überein. Dem-<br />

in besonderem Maße an ihrer Qualifikation.<br />

2013 nahmen mehr als 8.000 Mitarbeiter von entsprechend vergewissert<br />

sich der öffentliche<br />

Gütezeicheninhabern an den Firmenseminaren der<br />

Gütegemeinschaft Kanalbau teil<br />

Auftraggeber bei der<br />

Vergabe von Aufträgen<br />

gemäß DIN EN 1610 und VOB/A der Fachkunde, Leistungsfähigkeit<br />

und Zuverlässigkeit des Auftragnehmers.<br />

Mit dem RAL-Gütezeichen Kanalbau weisen Auftragnehmer<br />

ihre Fachkunde, technische Leistungsfähigkeit und vertraglichtechnische<br />

Zuverlässigkeit nach. Gleichzeitig bieten sie Auftraggebern<br />

und Ingenieurbüros eine verlässliche Orientierungshilfe<br />

bei der Vergabe von Aufträgen. Doch nicht nur deshalb<br />

lassen Unternehmen mit RAL-Gütezeichen ihre Mitarbeiter<br />

im Rahmen der Firmenseminare der Gütegemeinschaft konsequent<br />

schulen. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, braucht<br />

gut ausgebildete Mitarbeiter, die ihre berufliche Qualifikation<br />

in Fort- und Weiterbildung kontinuierlich weiterentwickeln.<br />

Turnusmäßige Teilnahme<br />

Gütezeichen-Inhaber sichern durch überbetriebliche Fortbildung<br />

die Qualifikation der Mitarbeiter, die damit auf dem<br />

aktuellen Kenntnisstand der allgemein anerkannten Regeln der<br />

Technik sind. Entsprechend den Güte- und Prüfbestimmungen<br />

der jeweiligen Beurteilungsgruppe nehmen die Mitarbeiter<br />

turnusgemäß an Weiterbildungen teil. Über das Bundesgebiet<br />

verteilt finden so genannte „offene“ Seminare statt, die die<br />

Mitarbeiter der Firmen zu bestimmten Terminen an einem<br />

Ort in ihrer Nähe besuchen können. Eine weitere Möglichkeit:<br />

Bei einer Mindestteilnehmerzahl von zehn Mitarbeitern<br />

und nach Absprache mit dem Güteschutz Kanalbau wird ein<br />

Termin vor Ort bei den Unternehmen vereinbart. Bei diesen<br />

„Inhouse-Seminaren“ kann noch gezielter und individueller<br />

auf gewünschte Schwerpunkte eingegangen werden.<br />

Auch 2014 bietet die RAL-Gütegemeinschaft eine Vielzahl von<br />

praxisnahen, preisgünstigen und regional gut erreichbaren<br />

Schulungen an. Die Inhalte gliedern sich nach den unterschiedlichen<br />

Ausführungsbereichen. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt<br />

der Firmen finden Schulungen für „offene Bauweise“ (Beurteilungsgruppen<br />

AK1 bis AK3), „Vortrieb“ (VOD, VO, VMD,<br />

Foto: Güteschutz Kanalbau<br />

VM und VP), „Sanierung“ (S), „Inspektion“ (I), „Reinigung“<br />

(R), „Dichtheitsprüfung“ (D) und „Entwässerungssysteme auf<br />

Grundstücken (AK1, AK2, AK3, K-GE1, K-GE2) statt. Die Seminare<br />

behandeln die Verfahrensweisen der RAL-Gütesicherung<br />

mit den Elementen der Eigen- und Fremdüberwachung bei<br />

der Herstellung und Instandhaltung von Abwasserkanälen.<br />

Die Anforderungen der DIN EN-, DIN- und DWA-Regelwerke<br />

zur fachgerechten Ausführung werden dargestellt.<br />

Schritt in die richtige Richtung<br />

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt: Die Regeln<br />

der Technik und die Sicherheitsvorschriften werden bei Kanalbaumaßnahmen<br />

konsequenter eingehalten, seit in den Ausschreibungen<br />

von Auftraggebern Qualifikationsnachweise<br />

gemäß Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961 gefordert werden.<br />

Diese Bilanz ziehen immer mehr öffentliche Auftraggeber.<br />

Insofern ist der Grundsatz, ausschließlich qualifizierte Bieter<br />

zu beauftragen ein Schritt in die richtige Richtung. Die Qualität<br />

der Ausführung bestimmt den Sanierungs- und Instandhaltungsaufwand<br />

der in den kommenden Jahrzehnten zu<br />

bewältigen ist. Schadensvermeidung, nicht Schadensbehebung<br />

muss Zielstellung sein, um künftigen Aufgaben gewachsen<br />

zu sein. Hinzu kommt: Geld für Sanierungsmaßnahmen soll<br />

verantwortungsvoll ausgegeben und die Betriebs- und Unterhaltskosten<br />

auf Dauer gesenkt werden. Deshalb handeln die<br />

Verantwortlichen. Zusätzlich zu den Investitionskosten werden<br />

die Aufwendungen für den laufenden Betrieb und die Instandhaltung<br />

in die Kostenkalkulation eingerechnet. Demzufolge<br />

ergibt sich die Wirtschaftlichkeit aus der Bewertung von Preis<br />

und Langlebigkeit. Letztere ist entscheidend abhängig von der<br />

Qualität der Bauausführung. Der Schlüssel dazu ist qualifiziertes<br />

Fachpersonal und technisch geeignete Betriebseinrichtungen<br />

und Geräte, Dokumentation der Eigenüberwachung sowie<br />

kontinuierliche Weiterbildung des Personals.<br />

Die Unternehmen bekennen sich zu dem Konzept: Seit Jahren<br />

steigende Anmeldezahlen bei den Seminaren der Gütegemeinschaft<br />

– in 2013 waren es mehr als 8.000 Mitarbeiter, die ihr<br />

Fachwissen im Rahmen der von der Gütegemeinschaft Kanalbau<br />

angebotenen Veranstaltungen aktualisiert und gefestigt<br />

haben – belegen den Stellenwert von Qualifikation. Wer mitmacht,<br />

bringt seine Fachkenntnisse auf den neuesten Stand.<br />

Hinzu kommt: Die Teilnehmer an den Seminaren erhalten<br />

umfangreiche Unterlagen. Neben den wichtigsten Normen<br />

und Regelwerken gehören dazu Verlegeanleitungen sowie<br />

die Güte- und Prüfbestimmungen und Basisinformationen<br />

zum Güteschutz Kanalbau dazu.<br />

Permanente Weiterentwicklung<br />

Die Seminarinhalte sollen praxisnah und verständlich aufbereitet<br />

an die verschiedenen Zielgruppen weitergegeben<br />

werden. Deshalb können die Teilnehmer an den Firmenseminaren<br />

Bewertungen abgeben und verschiedene Kriterien<br />

16 01-02 | 2014


VERBÄNDE NACHRICHTEN<br />

NEUbeurteilen;<br />

so werden die Seminare stetig verbessert. Diese<br />

Kriterien beinhalten Anmerkungen zur Vortragsweise, zu<br />

Art und Umfang der Seminarunterlagen sowie zur Qualität<br />

der Diskussionen. Anregungen nimmt die Geschäftsstelle<br />

direkt für die laufenden Seminare auf. Falls dies nicht mehr<br />

möglich sein sollte, werden die Veränderungen in die neue<br />

Seminarreihe einbezogen. Auf diese Weise unterliegen die<br />

Seminarinhalte einer permanenten Weiterentwicklung, die<br />

sich an den Gesichtspunkten einer modernen und effizienten<br />

Wissensvermittlung orientiert.<br />

Stetige Weiterentwicklung ist der RAL-Gütegemeinschaft<br />

Anliegen und Anspruch zugleich. So wurde auf Wunsch der<br />

Gütezeicheninhaber das Angebot an Firmenseminaren im<br />

Ausführungsbereich AK1, AK2, AK3 um den Baustein „Kanalbau<br />

Kompakt für Bauleiter“ erweitert. Hier werden Aspekte<br />

fachgerechter Bauausführung beim Einbau und Prüfung von<br />

Abwasserleitungen und -kanälen in offener Bauweise vertieft.<br />

Insbesondere werden Anforderungen und Kenntnisse fachgerechter<br />

Ausführung und Leistungserfüllung unter Bezug auf<br />

das Technische Regelwerk vermittelt. Besonderes Augenmerk<br />

gilt dabei dem Bauen unter erschwerten Bedingungen.<br />

Die Gütegemeinschaft bietet von Januar bis März 2014<br />

bundesweit mehr als 100 Seminare zur überbetrieblichen<br />

Fortbildung an.<br />

Dazu zählen<br />

»»<br />

68 Firmenseminare Ausführungsbereich „Allgemeiner<br />

Kanalbau“,<br />

»»<br />

6 Firmenseminare Ausführungsbereich„Kanalbau kompakt<br />

für Bauleiter“<br />

»»<br />

4 Firmenseminare Ausführungsbereich „Rohrvortrieb“<br />

»»<br />

5 Firmenseminare Ausführungsbereich<br />

„Kanalsanierung“<br />

»»<br />

8 Firmenseminare Ausführungsbereich „Inspektion“<br />

»»<br />

6 Firmenseminare Ausführungsbereich „Reinigung“<br />

»»<br />

8 Firmenseminare Ausführungsbereich<br />

„Dichtheitsprüfung“<br />

»»<br />

11 Firmenseminare Ausführungsbereich „Neubau<br />

und Prüfung von Entwässerungssystemen auf<br />

Grundstücken“<br />

Informationen von A-Z auf www.kanalbau.com<br />

Gütezeicheninhabern werden alle Informationen zu den<br />

aktuellen Weiterbildungsmöglichkeiten zugesendet. Interessenten<br />

können sich auf der neuen Website www.kanalbau.com<br />

über das Angebot informieren. Auftragsvergabe,<br />

Bietereignung, Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Mitgliedschaft<br />

und Personalien heißen die Kategorien in der<br />

Menüleiste der neu gestalteten Website.<br />

Linerendmanschette<br />

... zur Anbindung von Linersystemen an Rohre und Bauwerke<br />

Schlauchlinersysteme unterliegen heute hohen Qualitätsanforderungen. Der Schutz und die Anbindung der Linersysteme<br />

wurden bisher vernachlässigt. Die neuentwickelte Quick-Lock Linerendmanschette dichtet nicht nur den Ringraum zwischen<br />

Liner und Altrohr ab, sondern schützt das Linerende auch vor den mechanischen Einflüssen der Hochdruckreinigung.<br />

Vorteil:<br />

• einfacher Versetzvorgang • Langlebige Materialien - V4A-Edelstahl und EPDM<br />

• seit über 15 Jahren bewährtes System • Dicht- und HD-Spülbeständig<br />

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Am Roten Kreuz 2 • D-78187 Geisingen • Tel. +49 (0) 7704 / 806-0 • Fax +49 (0) 7704 / 806-50<br />

01-02 | 2014 17


NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />

FBS-Hochschuleninitiative:<br />

Gastvortrag an der RWTH Aachen<br />

Foto: RWTH Aachen<br />

Gastvortragsveranstaltung an der RWTH Aachen in der Vorlesung Spezialtiefbau im Januar 2014<br />

Als Ergänzung zur Vorlesung „Spezialtiefbau“ von Dr.-Ing.<br />

Joachim Beyert, RWTH Aachen, Lehrstuhl für Baubetrieb<br />

und Projektmanagement, wurde das Thema „Planung, Ausschreibung<br />

und Vergabe von Abwasserleitungen und -kanälen“<br />

aus dem FBS-Vortragspaket für Studierende Studenten<br />

des Masterstudiengangs am 7. Januar 2014 vorgestellt.<br />

Dipl.-Ing. Daniela Fiege, Autorin des Themenblocks „Planung“<br />

aus dem FBS-Vortragspaket, berichtete auch aus der<br />

Praxis ihres Arbeitsalltags bei den Stadtwerken Osnabrück,<br />

Abteilung Entwässerungsnetze und -anlagen. An der von<br />

der FBS organisierten Veranstaltung nahm Prof. Karsten<br />

Müller von der FH Aachen, Fachbereich Bauingenieurwesen,<br />

mit seinen Studenten ebenfalls teil. Ein weiterer Gastvortrage<br />

fand am 29. Januar in Alsfeld statt und weiterer folgt<br />

am 14. Februar in Kassel.<br />

Das FBS-Vortragspaket „Planung, Bau und Betrieb von<br />

Abwasserleitungen und -kanälen“ unterstützt Lehrer und<br />

liefert eine fundierte Wissensbasis. Die Inhalte können<br />

z. B. bei der Vorbereitung auf eine Prüfung unterstützen.<br />

Alle acht Power Points sind jeweils gleich aufgebaut:<br />

Grundlagen, Randbedingungen, geltende Regelwerke und<br />

Beispiele aus der Praxis. Unis, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft<br />

und Hochschulen, Fachbereich Bauingenieurwesen<br />

sowie Fachschulen werden mit organisierten<br />

Gastvorträgen in der Vorlesung und Werksführungen für<br />

Studentengruppen in einem FBS-Mitgliedsunternehmen<br />

unterstützt. Eine CD-ROM mit allen Vorträgen ist kostenfrei<br />

in der FBS-Geschäftsstelle erhältlich.<br />

KONTAKT: FBS - Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V.,<br />

Bonn, Tel.+49 228 95456-54, E-Mail: info@fbsrohre.de<br />

CEOCOR-Kongress und Feierlichkeiten zum 50-jährigen<br />

fkks-Jubiläum vom 19. bis 22. Mai 2014 in Weimar<br />

Die gemeinnützige Wissenschaftsvereinigung CEOCOR<br />

(www.ceocor.eu) richtet ihren jährlichen Internationalen<br />

Kongress mit Technischer Ausstellung in diesem Jahr auf<br />

Einladung des fkks und DVGW am 20. und 21. Mai im Weimarer<br />

Hotel Elephant aus.<br />

Das im Jahr 1956 gegründete CEOCOR ist eine internationale<br />

gemeinnützige Wissenschaftsvereinigung. Die Mehrzahl<br />

europäischer Länder ist Mitglied des CEOCOR. Sie vereinigt<br />

über 100 Fachleute aus Universitäten, Forschungsinstituten,<br />

Versorgungsunternehmen, Fachfirmen und Herstellern im<br />

Bereich des Korrosionsschutzes.<br />

Der internationale Erfahrungsaustauch und die Vermittlung<br />

von neusten Erkenntnissen im Bereich des Korrosionsschutzes<br />

stehen bei dem jährlichen Kongress im Mittelpunkt. Zu den<br />

allgemeinen Aufgaben des CEOCOR zählen weiterhin die<br />

Erarbeitung von wissenschaftlichen und technischen Leitfäden<br />

sowie Publikationen im Bereich des Korrosionsschutzes.<br />

Darüber hinaus ist CEOCOR als fachlich anerkannte Institution<br />

in die Ausarbeitung internationaler Normen eingebunden.<br />

Durch CEOCOR werden die zwei Tätigkeitsgebiete „Innenkorrosion:<br />

Trinkwasser und Abwasser“ und „Außenkorrosion:<br />

Kathodischer Korrosionsschutz Wasser-, Gas- und Erdölrohrleitungssysteme“<br />

abgedeckt. Die Behandlung der verschiedenen<br />

Themen erfolgt innerhalb der Tätigkeitsgebiete in<br />

Arbeitsgruppen.<br />

Folgende Themenbereiche stehen derzeit im Vordergrund:<br />

»»<br />

Erforschung der durch Gleich- und Wechselstreuströme<br />

verursachten Korrosion<br />

»»<br />

Untersuchung und Vorbeugung der Korrosion bei Leitungen,<br />

Wasserbehältern und anderen Infrastruktursystemen<br />

»»<br />

Ausarbeitung von Kontroll- und Fernüberwachungssystemen<br />

von Einrichtungen zum kathodischen<br />

Korrosionsschutz<br />

»»<br />

Erarbeitung von Ausbildungsunterlagen für die Qualifikation<br />

des für Korrosionsschutzanlagen verantwortlichen<br />

Personals<br />

18 01-02 | 2014


»»<br />

Materialien und Untersuchung des Einflusses der<br />

Betriebsbedingungen<br />

»»<br />

Erfassung verschiedener Arten von Korrosionsschäden<br />

»»<br />

Auswahl- und Bewertungskriterien für die Verwendung von<br />

Beschichtungen<br />

»»<br />

Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Wasser<br />

und metallischen oder zementgebundenen Werkstoffen<br />

in Wasseraufbereitungs-, Speicher- und<br />

Wasserversorgungssystemen<br />

»»<br />

Erarbeitung von Auswahlkriterien für Materialien: Eisen-,<br />

Nichteisen-, zementgebundene und organische Werkstoffe<br />

»»<br />

Bewertung von Sanierungstechniken für Rohrleitungsanlagen<br />

»»<br />

Untersuchung der Wasseraufbereitungsverfahren zur Verminderung<br />

des Korrosionsrisikos und der Kesselsteinbildung<br />

»»<br />

Erforschung der Permeation und Migration von Mikroschadstoffen<br />

in Kunststoffrohren.<br />

Für den Abend laden fkks und DVGW die CEOCOR-Teilnehmer<br />

zusammen mit den Teilnehmern der Mitgliederversammlung<br />

des fkks zu einem gemeinsamen Bankett. In diesem würdigen<br />

Rahmen wird die Kuhn-Ehrenmedaille an Dr. rer. nat. Hanns-<br />

Georg Schöneich (Bild) verliehen.<br />

21. Fachmesse<br />

»Energieeffizienz 2014«<br />

und AGFW-FachDialog<br />

6.-8. Mai 2014<br />

Köln<br />

Die Veranstaltung kombiniert:<br />

» Messe<br />

» politisch geprägte Eröffnungsveranstaltung<br />

» AGFW-Fachdialog<br />

» AGFW-Mitgliederversammlung<br />

An drei Veranstaltungstagen können sich die<br />

Besucher über politische Rahmenbedingungen, den<br />

nationalen Markt, Wärmeerzeugung, Speicher,<br />

Sicherheit, Netze, Kundenanlagen und Wärmemessung<br />

informieren.<br />

Rund 160 Aussteller geben den Messebesuchern<br />

einen Überblick über das Leistungsspektrum im<br />

Bereich der Wärme, Kälte, Kraft-Wärme-Kopplung<br />

und dezentraler Energietechnik für industrielle und<br />

öffentliche Wärmeversorgung.<br />

Dr. rer. nat. Hanns-Georg Schöneich bekommt in<br />

Weimar die Kuhn-Ehrenmedaille verliehen<br />

Als Schirmherren der Fachmesse konnten wir die<br />

Ministerpräsidentin der Landes Nordrhein-Westfalen,<br />

Hannelore Kraft, und die RheinEnergie AG gewinnen.<br />

Jahreshauptversammlung 2014 und fkks infotag 2014<br />

Die Jahreshauptversammlung 2014, an dem der fkks sein<br />

50-jähriges Bestehen feiert, findet am 21. Mai 2014 ebenfalls<br />

im Weimarer Hotel Elephant statt. Einladungen gehen<br />

den Teilnehmern rechtzeitig auf dem Postweg zu.<br />

Am 22. Mai 2014 findet ebendort der fkks infotag 2014<br />

statt, der sich mit dem Thema Aus- und Weiterbildung auf<br />

dem Gebiet des Kathodischen Korrosionsschutzes befassen<br />

wird. In kompakter Weise werden die Möglichkeiten,<br />

Anforderungen und Qualifikationen kompetent beleuchtet.<br />

Anmeldungen und Informationen über die Geschäftsstelle<br />

des fkks.<br />

KONTAKT: fkks Fachverband Kathodischer Korrosionsschutz e.V., Esslingen,<br />

Tel. +49 711 919 927-20, E-Mail: geschaeftsstelle@fkks.de<br />

JETZT<br />

AUSSTELLER<br />

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Schirmherren:<br />

Veranstalter:<br />

www.eneff-messe.de<br />

01-02 | 2014 19


KORROSIONSSCHUTZ<br />

NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />

8. Praxistag<br />

Korrosionsschutz<br />

SAVE THE DATE<br />

2. Juli 2014<br />

VELTINS-Arena, Gelsenkirchen<br />

Veranstalter:<br />

20 01-02 | 2014


FBS-Betonbauteile.<br />

DVGW und VDE veranstalten<br />

2. Münchener Energietage<br />

Im Rahmen der Energiewende kommunizieren Gas- und Strominfrastruktur immer<br />

stärker miteinander. So sind innovative gasbasierte Speichertechnologien ein wichtiger<br />

Baustein, um das schwankende Angebot aus erneuerbaren Ressourcen wie<br />

Sonnen- und Windkraft auszugleichen und Strom verbrauchsabhängig produzieren<br />

zu können. Eine Lösung mit großem Potenzial ist die Power-to-Gas-Technologie.<br />

Aus Öko-Strom wird durch Elektrolyse Wasserstoff bzw. anschließend synthetisches<br />

Methan erzeugt und direkt in das vorhandene Gasnetz eingespeist. Power-to-Gas<br />

wird so zu einem Bindeglied zwischen Strom- und Gasnetz.<br />

Vor diesem Hintergrund vertiefen der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches<br />

(DVGW) und der VDE mit dem Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN)<br />

ihre strategische Kooperation. Zum zweiten Mal richten die beiden technischwissenschaftlichen<br />

Vereinigungen gemeinsam die Münchener Energietage aus.<br />

Die Leitveranstaltung der Branche findet am 17. und 18. März 2014 in München<br />

am Olympiapark statt.<br />

Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Strom und Gas diskutieren Herausforderungen<br />

der Energiewende mit dem besonderen Augenmerk auf spartenübergreifende<br />

Konvergenzfelder. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Themen wie<br />

Management der Energiewende, Herausforderungen des Asset Managements im<br />

Kontext des energierechtlichen Ordnungsrahmens, Ergebnisse von Pilotprojekten zu<br />

Speicherkonzepten sowie der Betrieb integrierter Netze unter dem Gesichtspunkt<br />

von Systemsicherheit und Wirtschaftlichkeit. Eröffnet wird die Tagung von DVGW-<br />

Vizepräsident Michael Riechel, Mitglied des Vorstands der Thüga AG und VDE-<br />

Präsident Dr. Joachim Schneider, Mitglied des Vorstands der RWE Deutschland AG.<br />

In der Zusammenarbeit der beiden Sparten Gas und Strom gibt es zahlreiche bislang<br />

ungenutzte Synergien. DVGW und VDE wollen diese Synergiepotenziale erschließen,<br />

um eine noch höhere Effizienz in den Strom- und Gasnetzen zu erzielen, ohne dass<br />

es dabei zu Einbußen bei Qualität und Sicherheit kommt.<br />

KONTAKT: www.muenchener-energietage.de<br />

2. GWP-Day: Capacity Development<br />

im Wassersektor 2014<br />

Unter der Überschrift “One region – one concept: Germany as a partner for a safe<br />

water future” diskutiert German Water Partnership (GWP) am 2. und 3. April 2014<br />

mit Experten Ideen und Maßnahmen, um den internationalen Herausforderungen im<br />

Capacity Development (CD) im Wassersektor zu begegnen und CD als Geschäftsfeld<br />

in Deutschland auszubauen.<br />

Der 2. GWP-Day zu CD im Wassersektor wird in einer Vortragsreihe die Thematik<br />

Wasserwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Prävention und Krisenmanagement<br />

mit Experten aus Politik und Wirtschaft beleuchten. Darüber hinaus wird das im<br />

Rahmen der Capacity Development-Strategie „Qualified in Germany“ erstellte<br />

Modellregionen-Konzept zur Entwicklung einer konsistenten CD-Strategie für eine<br />

Region präsentiert. Beispielhaft werden die Erfahrungen und Ansätze in den ausgesuchten<br />

Modellregionen Vietnam, Ägypten/Jordanien, Südosteuropa und Zentralasien<br />

hierzu vorgestellt und diskutiert.<br />

Hinterlassen Sie nachhaltig<br />

einen guten Eindruck.<br />

Bis zu 75 %<br />

weniger Energieaufwand*<br />

FBS-Betonteile werden energiesparend,<br />

umweltfreundlich und nachhaltig aus<br />

natürlichen Materialien hergestellt und<br />

sind langlebig sowie recycelbar. In ihrer<br />

Energiebilanz überzeugen sie bei der<br />

Herstellung mit einem vergleichsweise<br />

kleinen CO 2<br />

-Fußabdruck und erfüllen<br />

heute schon den „Buying Green“-Standard<br />

der EU-Kommission.<br />

* für die Herstellung eines Betonrohres gegenüber einem<br />

vergleichbaren Kunststoffrohr.<br />

KONTAKT: www.germanwaterpartnership.de<br />

01-02 | 2014 21


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />

12. Deutscher Schlauchlinertag findet in Düsseldorf statt<br />

Der 12. Deutsche Schlauchlinertag wirft den Blick auf politische, rechtliche,<br />

technische und qualitative Aspekte der Schlauchlinertechnologie<br />

Die erstmalige Aufnahme von Themen wie Mängelbehandlung<br />

und Qualitätssicherung zeigt das Selbstbewusstsein<br />

von Herstellern und Anwendern, sich auch kritisch mit<br />

einem Produkt auseinandersetzen zu können, das nach<br />

mehr als vier Jahrzehnten Einsatz und permanenter technischer<br />

Weiterentwicklung die absolute Spitzenstellung unter<br />

den grabenlosen Sanierungsverfahren einnimmt. Wie bei<br />

allen Bauprodukten können spezifische Fehler auftreten, die<br />

Foto: KMG<br />

die Qualität beeinflussen. Wie aber gehen wir damit um?<br />

Welche Probleme können auftreten, wie kommt es dazu,<br />

was ist tolerierbar und wie lassen sich Qualitätsprobleme<br />

vermeiden, lauten einige der Fragestellungen, die am 27.<br />

März 2014 beim 12. Deutschen Schlauchlinertag in Düsseldorf<br />

diskutiert werden sollen.<br />

In Themenblock IV steht die „ganzheitliche Sanierung“<br />

im Blickpunkt, wobei die inhaltlichen Schwerpunkte auf<br />

Ergänzungsmaßnahmen in den Bereichen Anschlusstechnik<br />

und Robotertechnik liegen. Neben dem Hauptprogramm<br />

findet im Forum eine weitere Vortragsreihe statt. In dieser<br />

Reihe geht es um „Verfahren und ihre Einsatzgrenzen“,<br />

um eine „Übersicht über Normen und Regelwerke“ sowie<br />

um Themen wie „Planung und Entwurfsbearbeitung“ und<br />

„kleine Durchmesser“. Eine Neuerung ist das anschließende<br />

Forum der Sponsoren. Hersteller und Anwender werden<br />

detailliert über technische Weiterentwicklungen im eigenen<br />

Hause berichten und Fragen beantworten. Dazu gehören<br />

die Ausweitung des Anwendungsbereiches, die Verschiebung<br />

technischer Grenzen und besondere Dienstleistungen.<br />

In der begleitenden Fachausstellung haben die Teilnehmer<br />

am 12. Deutschen Schlauchlinertag die Möglichkeit, mit<br />

weiteren Unternehmen über ihre Bedürfnisse zu sprechen<br />

und sich zu informieren.<br />

KONTAKT: Technische Akademie Hannover e.V., Hannover,<br />

Dr.-Ing. Dipl.-Math. Igor Borovsky, Tel. +49 511 39433-30,<br />

E-Mail: borovsky@ta-hannover.de, www.ta-hannover.de<br />

Lindau thematisiert praktische Kanalisationstechnik und<br />

zukunftsfähige Entwässerungssysteme<br />

Foto: Roland Waniek (IKT, Gelsenkirchen)<br />

Tagungssaal in Lindau<br />

Das 27. Lindauer Seminar, die Veranstaltung zur Entwässerung,<br />

Inspektion und Sanierung von Kanal- und Rohrsystemen<br />

mit dem Thema „Praktische Kanalisationstechnik<br />

– Zukunftsfähige Entwässerungssysteme“ findet am 13.<br />

und 14. März 2014 statt.<br />

Mit mehr als 500 Teilnehmer und fast 60 ausstellenden<br />

Fachfirmen darf sich die Veranstaltung als branchenspezifisches<br />

Fachseminar bezeichnen, als Insider-Treffpunkt,<br />

bei dem zukünftige Aufgabenstellungen diskutiert und<br />

erörtert werden und sogar über die eigenen auch zukünftigen<br />

Investitionen und Engagements in einem großen<br />

Expertenkreis nachgedacht wird.<br />

Die Teilnehmer erwartet ein Programm mit interessanten,<br />

praxis- und zukunftsbezogenen Vorträgen. Unter der<br />

Seminarleitung von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann und<br />

Univ.-Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert stellen fachkundige<br />

Referenten die aktuellen Themen der Siedlungs- und<br />

Grundstücksentwässerung, zudem die technischen Trends,<br />

Verfahren und Lösungen vor. Spezielle Anforderungen<br />

erfordern besondere Lösungen, so ist der Ansatz. Wie<br />

22 01-02 | 2014


MESSEN UND TAGUNGEN<br />

kann Nachhaltigkeit bei einem reduzierten Budget erzielt<br />

werden? Wie soll eine ganzheitliche Vorgehensweise organisiert<br />

und bürgerfreundlich kommuniziert werden? Wie<br />

sieht die Zukunft der Untersuchungs-, Kontroll- und auch<br />

der Sanierungsmaßnahmen aus? Diese für viele heute<br />

schon entscheidenden Punkte liefern Gesprächsstoff und<br />

werden diskutiert.<br />

Eine begleitende Fachausstellung findet neben dem Vortragsprogramm<br />

statt und bietet die Möglichkeit, sich im<br />

direkten Gespräch bei den Fachleuten über Produktinnovationen<br />

und neue Entwicklungen zu informieren.<br />

Das vollständige Programm finden Sie auf der Internetseite<br />

www.<strong>3R</strong>-Rohre.de unter Veranstaltungen. Dieser QR-Code<br />

führt Sie direkt dorthin.<br />

28. Oldenburger Rohrleitungsforum<br />

06./07.02.2014 info@<strong>iro</strong>-online.de, www.<strong>iro</strong>online.de<br />

GEOTHERM 2014<br />

20./21.02.2014 in Offenburg; geotherm@<br />

messe-offenburg.de, www.<br />

geotherm-offenburg.de<br />

27. Lindauer Seminar<br />

13.-14.03.2014 in Lindau/Bodensee; sonja.<br />

joeckel@jt-elektronik.de<br />

29. FDBR-Fachtagung Rohrleitungstechnik<br />

25.-26.03.2014 in Mannheim; info@fdbr.de<br />

12. Deutscher Schlauchlinertag<br />

27.03.2014 in Düsseldorf; borovsky@<br />

ta-hannover.de, www.<br />

schlauchlinertag.de<br />

Münchner Kunststoffrohrtage<br />

27.-28.03.2014 in München; www.tuevsued.de/muenchnerkunststoffrohrtage<br />

KONTAKT: JT-elektronik GmbH, Lindau, Dipl.-Kffr. Sonja Jöckel,<br />

Tel. +49 8382 967360, E-Mail: sonja.joeckel@jt-elektronik.de,<br />

www.jt-elektronik.de<br />

Tube 2014<br />

07.-11.04.2014 in Düsseldorf; www.tube.de<br />

IFAT 2014<br />

05.-09.05.2013 in München; info@ifat.de,<br />

www.ifat.de<br />

Vorarbeiter-Weiterbildung<br />

in Norddeutschland<br />

Das Arbeitsumfeld des Vorarbeiters im Rohrnetz verlangt<br />

von diesem umfassende und aktuelle technische Kenntnisse.<br />

Die für seine Position wichtigen Fähigkeiten der Mitarbeiterführung<br />

und der Darstellung des Unternehmens als<br />

Ansprechpartner auf der Baustelle bedürfen einer guten<br />

Qualifikation und fachlicher Kompetenz.<br />

Das DVGW-Berufsbildungswerk bietet die auf diese Zielgruppe<br />

zugeschnittene Weiterbildung „1. Vorarbeiter-<br />

Erfahrungsaustausch/ Weiterbildung“ an, die am 25. und<br />

26. Februar erstmalig in Lübeck-Travemünde stattfindet.<br />

Die Schwerpunkte der Veranstaltung wurden auf Anregungen<br />

von Praktikern aus Rohrnetzbau und -betrieb<br />

zusammengestellt. Neuerungen im Regelwerk werden<br />

genauso erläutert wie gängige Praxis vertieft. So werden<br />

neben Hinweisen zur Nachumhüllung von Leitungen oder<br />

zur mehrspartigen Hauseinführung auch Themen der<br />

Arbeitssicherheit oder des Schutzes von Versorgungsanlagen<br />

vorgetragen.<br />

21. Fachmesse „Energieffizienz 2014“<br />

06.-08.05.2014 in Köln; t.limoni@agfw.de,<br />

www.agfw.de<br />

CEOCOR-Jahrestagung<br />

21.-22.05.2014 in Weimar; geschaeftsstelle@<br />

fkks.de<br />

5.anlagen.forum<br />

24.-25.06.2014 in Wien; nicole.hall@tuevsued.de,<br />

www.tuev-sued.de/<br />

akademie<br />

9. Forum Industriearmaturen<br />

26.06.2014 in Essen; b.pflamm@<br />

vulkan-verlag.de, www.forumindustriearmaturen.de<br />

8. Praxistag Korrosionsschutz<br />

02.07.2014 in Gelsenkirchen; b.pflamm@<br />

vulkan-verlag.de, www.<br />

praxistag-korrosionsschutz.de<br />

4. Praxistag Wasserversorgungsnetze<br />

05.11.2014 in Essen; b.pflamm@vulkanverlag.de,<br />

www.praxistagwasserversorgungsnetze.de<br />

KONTAKT: www.dvgw-veranstaltungen.de<br />

01-02 | 2014 23


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />

Gelungene Premiere für die<br />

Westfälische Trinkwassertagung<br />

Zum ersten Mal fand am 18. und 19. September 2013 in Paderborn<br />

die 1. Westfälische Trinkwassertagung 2013 statt. Im<br />

Heinz Nixdorf MuseumsForum erwarteten über 500 Fachbesucher<br />

aus Kommunen, Verbänden, Institutionen und Handwerk<br />

praxisorientierte Fachvorträge und interessante Diskussionen<br />

rund um den gesamten Wasserwerksbereich, sowie ein Sondervortragsforum<br />

verschiedener Fachunternehmen.<br />

Besonders bei den Kommunen ist das Interesse an Informationen<br />

rund ums Wasser groß. Die konnten sich hier über die<br />

Entwicklung der Wasserversorgung in den nächsten Jahrzehnten<br />

informieren.<br />

Über 90 Fachaussteller waren präsent, um Produkte und<br />

Dienstleistungen speziell für den Trinkwasserbereich vorzustellen,<br />

eine gute Gelegenheit für Besucher zu direkten<br />

Gesprächen und Kontakten.<br />

Die Erwartungen seitens der Organisatoren wurden übertroffen.<br />

Die gute Annahme der Veranstaltung zeigt, dass<br />

in Unternehmen und Kommunen das Thema Wasser<br />

aktueller denn je ist. Eine Folgefachtagung ist bereits für<br />

September 2015 geplant.<br />

Veranstaltet wurde die Trinkwassertagung vom IWW<br />

Zentrum Wasser-Mülheim, Wasserwerke Paderborn<br />

GmbH, Firma Mösslein GmbH Wassertechnik, sowie<br />

den Kooperationspartnern DVGW Landesgruppe NRW<br />

und BVH NRW.<br />

Kunststoffrohrtage feiern Premiere in München<br />

Rohrsysteme aus polymeren Werkstoffen haben sich in<br />

den letzten Jahrzehnten in der Gas- und Trinkwasserversorgung,<br />

der Abwasserentsorgung, im Industrierohrleitungsbau<br />

sowie bei der Sanierung und Erneuerung von<br />

schadhaften Rohrleitungen bewährt.<br />

Bei den Kunststoffrohrtagen, die im Jahr 2014 zum ersten<br />

Mal in München stattfinden (27. und 28. März), werden<br />

neben aktuellen Regeln und Normen die Themen<br />

Geothermie und Neue Entwicklungen aufgegriffen und<br />

thematisiert. Zahlreiche Anwenderberichte aus den Bereichen<br />

Gas, Wasser, Abwasser und Großrohre runden das<br />

Programm ab und geben einen interessanten Einblick in<br />

die Praxis.<br />

Die Tagung richtet sich an Planungs-, Bau- und Betriebsingenieure,<br />

Instandhaltungsingenieure, Schweißaufsichten, Techniker,<br />

Praktiker, leitende Mitarbeiter und Geschäftsführer,<br />

die sich bei Gemienden, Städten, Zweckverbänden, Trinkwasser-<br />

und Gasversorgungsunternehmen, Ingenieursbüros,<br />

Consulting- und Industrieunternehmen, Rohrwerkstoff- und<br />

Rohrherstellerfirmen, Tiefbau- und Sanierungsfirmen, die sich<br />

mit Fragen der Planung, Werkstoffauswahl und Bauausführung<br />

von Rohrleitungs- und Sanierungsbaumaßnahmen befassen.<br />

24 01-02 | 2014


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN<br />

PROGRAMM AM 27. MÄRZ 2014<br />

PE pipe market and special applications in<br />

the former Soviet Union countries<br />

Regelwerke<br />

• PE-Verformungsverfahren zur Rehabilitation<br />

von Gas und Wasserrohrleitungen<br />

nach Arbeitsblatt GW 320-2, Regeln und<br />

Stand der Technik nach 20 Jahren grabenloser<br />

Installation<br />

• 5 Jahre Erfahrung bei der Umsetzung der<br />

PAS 1075 – Präzisierungen im Rahmen der<br />

Zertifizierungsdokumente<br />

• Rainwaterboxes – letzter Stand der Werkstoffentwicklung<br />

und Normung<br />

Geothermie<br />

• Innovationen für die oberflächennahe<br />

Erdwärmenutzung<br />

• Praxis und Materialwahl beim Einbau von<br />

Erdwärmesonden<br />

Neue Entwicklungen<br />

• Mehrschichtrohre aus Polyethylen: Regeln<br />

und Stand der Technik und neue Entwicklungen<br />

• Neue Erkenntnisse bei heizwendelgeschweißten<br />

Rohrleitungen – Spannungsüberhöhung<br />

am Heizwendeldraht führt<br />

zur Lebensdauerverkürzung<br />

Anwenderberichte: Gas, Wasser,<br />

Abwasser (Teil 1)<br />

• PE 100 druckklassengerechte Formteile<br />

und die Technologie der Flanschverbindungen<br />

bis DA 2000 mm<br />

• Abzweige und Entlüftungen an PE-Druckrohrleitungen<br />

einfach realisieren<br />

• Keyholetechnik im Bereich der Sanierung<br />

und Neuverlegung von Haus anschlüssen<br />

Münchner<br />

Kunststoffrohrtage<br />

Internationales Forum<br />

für Rohrsysteme aus polymeren<br />

Werkstoffen<br />

27. – 28. März 2014, München<br />

Bei den Kunststoffrohrtagen – die<br />

im Jahr 2014 erstmalig in München<br />

stattfinden – werden neben aktuellen<br />

Regeln und Normen die Themen<br />

Geothermie und Neue Entwicklungen<br />

aufgegriffen und thematisiert.<br />

Anwenderberichte aus den Bereichen<br />

Gas, Wasser, Abwasser und Großrohre<br />

runden das Programm ab.<br />

Medienpartner:<br />

PROGRAMM AM 28. MÄRZ 2014<br />

Anwenderberichte: Gas, Wasser,<br />

Abwasser (Teil 2)<br />

• Praxiserfahrung zur Verlegung einer<br />

Hochdruckkunststoffleitung<br />

• Kunststoffrohrleitungen, Material der<br />

Gegenwart und Zukunft<br />

• Sanierung einer Hauptwasserleitung<br />

DN 800 in München im PE-Reduktionsverfahren<br />

– u.a. Dükerung der Isar<br />

• Aufweit-Ziehverfahren bei einem DN<br />

300 St, der mit einem Filzschlauch inliner<br />

schon saniert wurde<br />

• Das PE-Kanalrohrsystem<br />

• Trinkwasserversorgung für die olympischen<br />

Winterspiele 2014 durch<br />

sandbettlos verlegte PE-Rohre<br />

Anwenderberichte: Großrohre<br />

• Kühlwasserversorgung mit Großrohren in<br />

Kunststoff<br />

• PE 100RC Rohrsysteme<br />

• Smarte und sichere Verbindungstechniken<br />

für PE – Großrohre<br />

Das Internationale Forum für Rohrsysteme aus polymeren Werkstoffen wird veranstaltet<br />

vom TÜD SÜD, <strong>3R</strong> ist Medienpartner.<br />

KONTAKT: TÜV SÜD Akademie, München, Viktoria Wolter, Tel. +49 89 5791-2410,<br />

E-Mail: viktoria.wolter@tuev-sued.de<br />

TÜV SÜD Akademie GmbH<br />

Tagungen und Kongresse<br />

Telefon +49 89 5791-2410<br />

viktoria.wolter@tuev-sued.de<br />

www.tuev-sued.de/<br />

muenchner-kunststoffrohrtage<br />

201701-MUCKT-anz-60x255-p-13-12-13.indd 1 13.12.13 08:55<br />

01-02 | 2014 25


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />

Der „<strong>iro</strong>-Treffpunkt Gasverteilleitungen“<br />

In einem technisch anspruchsvollen Bereich einer Berufstätigkeit<br />

nachzugehen, bedeutet sich stets den verändernden<br />

Gegebenheiten anzupassen, das erworbene Wissen aktuell<br />

zu halten und neues Wissen aufzubauen. Berufliche Weiterbildung<br />

ist neben betriebsinternen Schulungen dafür in<br />

der Regel der gebräuchlichste Weg. Entsprechend existiert<br />

ein enormes Angebot an Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen<br />

auf dem Weiterbildungssektor – und das<br />

zu Recht.<br />

Auch in der Gasversorgungswirtschaft ist das nicht anders.<br />

Der Bau, Betrieb und die Instandhaltung von Gasversorgungsnetzen<br />

setzen hohe Ingenieurkenntnisse voraus und<br />

das in allen Facetten, denn die Aufgabengebiete sind vielseitig.<br />

Fachpersonal ist gefragt bei der Ausführung dieser<br />

verantwortungsvollen Aufgaben. Die Aufgaben der vielen<br />

Gasversorgungsunternehmen und Stadtwerken in Deutschland<br />

sind dabei identisch, die Herangehensweisen, Umsetzungen<br />

und Strategien in der Umsetzung aber variieren.<br />

Weiterbildungsangebote gibt es – auch im Bereich der Gasversorgung<br />

- viele, warum also eine Veranstaltung wie den<br />

„<strong>iro</strong>-Treffpunkt Gasverteilleitungen“? <strong>3R</strong> fragte hierzu Heiko<br />

Fastje, EWE Netz GmbH, Oldenburg, und Jens Freisenhausen,<br />

Westnetz GmbH, Essen, die die fachliche Gesamtleitung<br />

des Treffpunktes Gasverteilleitungen verantworten.<br />

AUS PRINZIP ANDERS<br />

Die Idee für einen „<strong>iro</strong>-Treffpunkt Gasverteilleitungen“<br />

entstand im Jahr 2007. Uns beschäftigte zum damaligen<br />

Zeitpunkt die Frage, warum es eigentlich eine Veranstaltung<br />

wie den seit über zwanzig Jahren erfolgreich laufenden<br />

<strong>iro</strong>-Workshop „Qualitätssicherung bei Gashochdrucknetzen“<br />

nicht auch für den Bereich der Gasverteilnetze gibt.<br />

Schließlich gibt es nicht nur wesentlich mehr Gasverteilleitungen<br />

als Gashochdruckleitungen, sondern auch mehr<br />

Rohrleitungsmaterialien, ein breiteres Einsatzgebiet, Leitungen<br />

fast bis in jedes Haus und schließlich auch mehr<br />

Heiko Fastje<br />

Jens Freisenhausen<br />

Gasverteilungsunternehmen. Gab es hier nicht auch einen<br />

Bedarf nach fachlichem Austausch unter Kollegen?<br />

Aus der Idee wurde ein Konzept, das auf den Erfahrungen<br />

des <strong>iro</strong>-Workshops aufbaut. Ziel war und ist es, die<br />

teilnehmenden Fachleute in eine wirkliche Diskussion<br />

untereinander zu aktuellen technischen Fragestellungen<br />

zu bringen, Erfahrungen auszutauschen und damit gemeinsam<br />

zu lernen. Erfahrungsgemäß gelingt dies nicht durch<br />

umfangreiche Präsentationen mit anschließendem Frageund<br />

Antwortspiel. Stattdessen setzen wir auf eine kurze<br />

Anmoderation des zu diskutierenden Themas und dann<br />

haben die Experten das Wort – und diskutieren untereinander,<br />

begleitet durch die Moderatoren der Themenbereiche.<br />

Der offene und ehrliche Austausch basiert auf zwei Dingen:<br />

Erstens bietet der <strong>iro</strong>-Treffpunkt ein geschütztes Umfeld,<br />

d. h. die Diskussionen bleiben nur im Teilnehmerkreis, es<br />

ist ein unabhängiges Forum, das nur auf die Weiterbildung<br />

der Teilnehmer abzielt. Zweitens ist die Zahl der Teilnehmer<br />

pro diskutiertem Thema auf bis zu 20 begrenzt. Denn nicht<br />

die Größe der Veranstaltung steht im Fokus, sondern der<br />

Austausch der Teilnehmer untereinander.<br />

Der erste <strong>iro</strong>-Treffpunkt startete 2008 mit 32 Teilnehmern,<br />

die in drei Arbeitskreisen zu Themen aus Bau, Betrieb und<br />

Instandhaltung von Gasverteilleitungen miteinander diskutierten.<br />

Die Teilnehmer setzten sich aus Meistern, Technikern<br />

und Ingenieuren aus allen Ebenen der Verteilunternehmen<br />

zusammen. Dieses Konzept fand Anklang, so dass an einer<br />

Fortsetzung und einem Ausbau gearbeitet werden konnte.<br />

Bei der Themenauswahl wurde intensiv auf die Wünsche<br />

der Teilnehmer eingegangen. Schnell war klar, dass der<br />

Themenbereich Biogaseinspeisung in Gasverteilnetze ein<br />

brennendes Thema für alle Beteiligten war. Dieses wurde<br />

in einem zusätzlichen vierten Arbeitskreis in den darauffolgenden<br />

<strong>iro</strong>-Treffpunkt integriert.<br />

Fanden die beiden ersten Veranstaltungen noch am Heimatort<br />

des Instituts für Rohrleitungsbau e. V. in Oldenburg<br />

statt, begab sich der Treffpunkt wie geplant auf die<br />

Reise. Hannover, Essen, Magdeburg und zuletzt<br />

Göttingen in 2013 waren die bisherigen Stationen.<br />

Damit hatten langjährige Teilnehmer gleichermaßen<br />

einmal kürzere oder längere Anfahrtswege.<br />

Inhaltlich spannten die vier Arbeitskreise dabei in<br />

den Themenfeldern Bau, Betrieb und Instandhaltung<br />

von Gasverteilleitungen und -anlagen sowie<br />

Biogaseinspeisung einen Bogen von Rückspeisung<br />

von Biogas in vorgelagerte Netze über neue Ansätze<br />

bei der Odorierung, Flüssigkeiten in Gasleitungen,<br />

Belastung der Bereitschaftsdienste, Erfahrungen mit<br />

PE-Material aus verschiedenen Generationen bis hin<br />

zum Kathodischen Korrosionsschutz, um nur einige<br />

der Themen herauszugreifen.<br />

Die Vermutung, dass es einen Bedarf für den <strong>iro</strong>-<br />

Treffpunkt Gasverteilungen gab, hat sich bestätigt.<br />

26 01-02 | 2014


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN<br />

Die Idee und das Konzept sind angenommen worden und<br />

wir freuen uns über die durchweg sehr positiven Rückmeldungen<br />

der Teilnehmer des <strong>iro</strong>-Treffpunktes. Mit zuletzt<br />

60 Teilnehmern hat sich der Treffpunkt etabliert, bietet<br />

aber auch noch Potenzial für weitere Teilnehmer und Themenfelder.<br />

Wir freuen uns auf viele weitere spannende<br />

Diskussionen bei den nächsten <strong>iro</strong>-Treffpunkten und wir<br />

sind gespannt auf die weitere Entwicklung.<br />

IRO-TREFFPUNKT GASVERTEILLEITUNGEN 2014<br />

Der diesjährige Treffpunkt ist zu Gast bei den Stadtwerken<br />

Schwerin. Die Veranstaltung findet statt am 1. und 2. April<br />

2014. Diskutiert werden folgende Themen:<br />

Arbeitskreis 1: Planung und Bau: Biogas<br />

»»<br />

Thema 1: Rekommunalisierung – Mehr als ein Trend?<br />

»»<br />

Thema 2: Power to Gas – Speicherung von überschüssigem<br />

Strom<br />

»»<br />

Thema 3: Netzentwicklungsplan Gas – Herausforderungen<br />

einer Marktraumumstellung<br />

Moderation: Dipl.-Ing. Matthias Sieverding, Westnetz<br />

GmbH, Recklinghausen, Dr. Osman Kurt, EWE NETZ GmbH,<br />

Oldenburg<br />

Arbeitskreis 2: Bau und Betrieb von<br />

Gasverteilleitungen<br />

»»<br />

Thema 1: G 469 Druckprüfung – Erfahrungen in der<br />

Umsetzung neuer Regelungen<br />

»»<br />

Thema 2: Kunden immer versorgen? Welche Qualität<br />

wollen wir Kunden bieten?<br />

»»<br />

Thema 3: TRGI vs. Rundschreiben G 02/05/ HA<br />

Außerbetriebnahme<br />

»»<br />

Thema 4: Qualitätssicherung der Instandhaltung<br />

(gemeinsam mit AK 3)<br />

Moderation: Dipl.-Ing. Volker Höfs, E-ON Hanse AG,<br />

Greifswald, Dipl.-Ing. Torsten Lotze, E.ON Avacon AG,<br />

Braunschweig<br />

Arbeitskreis 3: Instandhaltung von Gasleitungen<br />

»»<br />

Thema 1: Erforderliche Qualifikation des operativen<br />

Personals<br />

»»<br />

Thema 2: Fehlende Leitungsdokumentation<br />

»»<br />

Thema 3: Qualitätssicherung der Instandhaltung<br />

(gemeinsam mit AK 2)<br />

Moderation: Dipl.-Ing. Gerold Schnier, EWE NETZ GmbH,<br />

Oldenburg, Dipl.-Ing. Thomas Neumann, Westnetz GmbH,<br />

Dortmund<br />

Arbeitskreis 4: Umgang mit Störungen - Vorbereitung,<br />

Entstörung, Nachlese<br />

»»<br />

Thema 1: Bei Hochwasser nicht ins Schwimmen<br />

kommen!<br />

»»<br />

Thema 2: Smarte Odorierung – Wie kann ich den<br />

teilweise widersprüchlichen Anforderungen gerecht<br />

werden?<br />

»»<br />

Thema 3: Erstsicherung in Häusern – Wie schütze ich<br />

meine Mitarbeiter vor Kohlenmonoxid?<br />

Gasverteilleitungen<br />

ggf. Bild vom letzten Treffpunkt<br />

Anerkannte<br />

Fortbildung<br />

gemäß §6 FuwO<br />

01. - 02.04.2014<br />

Schwerin<br />

»»<br />

Thema 4: Qualifikation Personal bei<br />

Entstörmaßnahmen<br />

Moderation: Dipl.-Ing. Christian Stürtz, enercity Netzgesellschaft<br />

mbH, Hannover, Dipl.-Ing. Richard Lunkenheimer,<br />

Westnetz GmbH, Bad Kreuznach<br />

Der <strong>iro</strong>-Treffpunkt Gasverteilleitungen ist eine anerkannte<br />

Fortbildungsveranstaltung gemäß §6 FuWO und richtet sich<br />

an Fachleute aus Gasversorgungsunternehmen.<br />

KONTAKT: Institut für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule<br />

Oldenburg e.V. (<strong>iro</strong>), Dipl.-Ing. (FH) Mathias Heyer,<br />

Tel. +49 441 36103914, E-Mail: heyer@<strong>iro</strong>-online.de<br />

01-02 | 2014 27


PRODUKTE & NEUHEITEN 28. Oldenburger Rohrleitungsforum<br />

350 Aussteller und über 140 Referenten in 31<br />

Vortragsblöcken mit der <strong>iro</strong>-App immer im Blick<br />

Die diskontinuierliche Verfügbarkeit der<br />

erneuerbaren Energien wird – jedenfalls<br />

solange die Speicherproblematik nicht<br />

befriedigend gelöst ist – von Befürwortern<br />

herkömmlicher Energieversorgungskonzepte<br />

als entscheidender Nachteil ins Feld<br />

geführt. Unter dem Begriff „Hybridnetze“<br />

sind Chancen und Möglichkeiten von zum<br />

Beispiel Gas- und Fernwärmenetzen sowohl<br />

als Speicher- als auch Transportmedium zur<br />

Lösung dieser Problematik in der Diskussion.<br />

Sollen die ehrgeizigen politischen Ziele zur<br />

Umsetzung der Energiewende nicht aus den<br />

Augen verloren werden, sind eine Reihe technischer<br />

Herausforderungen zu meistern und<br />

viele offene Fragen zu beantworten. Daneben<br />

werden selbstverständlich die Oldenburger<br />

Klassiker, wie Innovationen bei den Rohrleitungsmaterialien<br />

und Betriebssysteme und<br />

EDV-Anwendungen sowie Aktuelles vom<br />

Rohrleitungsmarkt behandelt.<br />

Nutzen Sie die <strong>iro</strong>-App 2.0<br />

Alle Vorträge inklusive einer Kurzzusammenfassung,<br />

Datum, Uhrzeit<br />

und Raumnummer, der Kontaktdaten<br />

des/der Referenten stehen<br />

Ihnen mit der <strong>iro</strong>-App 2014<br />

zur Verfügung. Damit finden Sie<br />

auf alle Informationen zu jedem<br />

Aussteller und der angebotenen<br />

Produkte und Dienstleistungen.<br />

Erhältlich ist die kostenfreie <strong>iro</strong>-<br />

App für alle Apple- und Android-<br />

Mobilgeräte (Smartphones und<br />

Tablets) im AppStore sowie bei<br />

Google Play. Die beiden QR-<br />

Codes führen Sie direkt dorthin.<br />

KONTAKT: Institut für Rohrleitungsbau Oldenburg (<strong>iro</strong>),<br />

Ina Kleist, E-Mail: kleist@<strong>iro</strong>-online.de<br />

und Bernd Niedringhaus, E-Mail: niedringhaus@<strong>iro</strong>-online.de,<br />

www.oldenburger-rohrleitungsforum.de<br />

Donnerstag 06.02.<br />

09:00-10:30 Eröffnung der Tagung<br />

Einführungsvortrag<br />

Eröffnung der Ausstellung<br />

11:00-12:30 Block 2<br />

power2gas -<br />

Neues Gas in<br />

alten Leitungen<br />

Block 3<br />

Zukunftssichere<br />

Steinzeug-<br />

Systemlösungen<br />

für offene und<br />

geschlossene<br />

Bauweise<br />

Block 4<br />

Rechtliche Anforderungen<br />

an leitungsgebundene<br />

Infrastruktur<br />

verstehen<br />

Block 5<br />

HDD - Horizontal<br />

Directional Drilling<br />

I<br />

Block 6<br />

Lösungen zur<br />

Planung und<br />

Betriebsführung<br />

von Rohrleitungsnetzen<br />

13:30-15:00 Block 7<br />

Projektgebiet<br />

Hybridnetz<br />

Block 8<br />

Kunststoff – der<br />

High Tech-<br />

Werkstoff für<br />

die moderne<br />

Infrastruktur<br />

Block 9<br />

Wasserstoff<br />

im Verteilnetz<br />

und beim<br />

Konsumenten<br />

Block 10<br />

HDD - Horizontal<br />

Directional Drilling<br />

II<br />

Block 11<br />

EDV-gestützte<br />

Betriebsführung<br />

für Wasser- und<br />

Abwassernetze<br />

Block 11a<br />

Das Phänomen<br />

der Versinterung<br />

von<br />

Tunneldrainagen<br />

15:30-17:00 Block 12<br />

Kommunikation<br />

und Datentransfer<br />

über<br />

vorhandene<br />

Infrastruktur<br />

Block 13<br />

Betonrohre<br />

Block 14<br />

Sicherheit von<br />

Gasfernleitungen<br />

Block 15<br />

Diskussion im<br />

Café: Schlauchliner<br />

– der<br />

Weisheit letzter<br />

Schluss?<br />

Block 15a<br />

Wasser:<br />

Hydraulik,<br />

Druckstoß und<br />

Aufbereitung<br />

Block 16<br />

RSV – Sanierung<br />

von Wasserversorgungs-<br />

und<br />

Abwassernetzen<br />

28 01-02 | 2014


Rohrleitungen als Teil von Hybridnetzen -<br />

PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

unverzichtbar im Energiemix der Zukunkt<br />

Freitag 07.02.<br />

9:00-11:30 Block 17<br />

Abwasserwärme<br />

in Oldenburg<br />

Block 18<br />

Stahlrohre<br />

Block 19<br />

Abschlussarbeiten<br />

und Projekte<br />

an der Jade<br />

Hochschule in<br />

Oldenburg<br />

Block 20<br />

Qualitäts reserven<br />

im Passiven<br />

Korrosionsschutz<br />

Block 21<br />

Fernwärme<br />

11:00-12:30 Block 22<br />

Abwasser wärme<br />

als Baustein<br />

zur integrierten<br />

Wärmeversorgung<br />

Block 23<br />

GFK-Rohre<br />

Block 24<br />

Rohrleitungstechnik<br />

im<br />

Rampenlicht<br />

– ein Spot auf<br />

Leckerkennung,<br />

Reparatur und<br />

Frackingverfahren<br />

Block 25<br />

Rohrnetze –<br />

KKS-basierte<br />

Zustandsbewertung<br />

Block 26<br />

Schweißtechnik<br />

13:30-14:30 Block 27<br />

Abwasser- und<br />

Erdwärme<br />

als Teil von<br />

Hybridnetzen<br />

Block 28<br />

Einbau duktiler<br />

Guss-Rohrsysteme<br />

unter<br />

den Aspekten<br />

der Nachhaltigkeit<br />

– ökologisch,<br />

ökonomisch und<br />

technisch<br />

Block 29<br />

Versicherungen<br />

als unverzichtbarer<br />

Teil<br />

des Risikomanagements<br />

Block 30<br />

GSTT Bauweisen<br />

– sicher und<br />

wirtschaftlich –<br />

aktuelle Informationen<br />

pro NoDig<br />

Block 31<br />

Crashkurs passiver<br />

Korrosionsschutz<br />

für (Fach-)<br />

Aufsichten im<br />

Leitungsbau<br />

01-02 | 2014 29


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Dezentrales Management kritischer Infrastruktur<br />

Der Betrieb von Verteilungsnetzen der öffentlichen Versorgung<br />

und der Industrie unterliegen derzeit einem tiefgreifenden<br />

Wandel. Als Teil der kritischen Infrastruktur stehen<br />

zusätzliche Sicherheitsanforderungen zunehmendem Kostendruck<br />

gegenüber.<br />

Auf Basis geeigneter Informationen von zentraler Stelle die<br />

effiziente Steuerung der Leistungserstellung zu gewährleisten,<br />

ist die Aufgabe von SCADA-Systemen. Zur Optimierung<br />

des Systems stehen Betreiber von Versorgungsnetzen<br />

insofern vor<br />

drei wesentlichen<br />

Aufgaben: Netz-<br />

Monitoring, also<br />

das Sammeln und<br />

Aufbereiten von<br />

Betriebsdaten; Einbindung<br />

in die zentrale<br />

Leitstandsoftware<br />

sowie Automatisierung<br />

des<br />

Betriebs auf Basis<br />

der gesammelten<br />

Daten.<br />

Sensoren, Zähler,<br />

Pumpen und Armaturenstellantriebe<br />

sind seit langem<br />

Bestandteile des<br />

Anlagenbetriebs.<br />

Allerdings erforderten<br />

diese bisher aufwendige<br />

Infrastruktur<br />

für die Strom-<br />

Kabellos und ohne Schachtbauwerk: direkte<br />

Integration von 3S-Antrieben durch die<br />

x-active-Integrationsplattform<br />

versorgung und<br />

den Datentransfer<br />

und kommen endsprechend<br />

im Verteilnetz kaum zum Einsatz. Seit einigen<br />

Jahren setzen sich verstärkt dezentrale Lösungen durch, bei<br />

denen die Daten über Funknetze übermittelt werden. Für<br />

die Leitstandintegration bleibt jedoch in den meisten Fällen<br />

ein Stromnetzanschluss erforderlich, z. B. für den Betrieb<br />

einer Steuerung (SPS).<br />

Die 3S x-active-Integrationsplattform ermöglicht die direkte,<br />

kabellos bidirektionale Integration von dezentralen Feldgeräten<br />

in die existierende Leitstandsoftware des SCADA-Systems<br />

des Betreibers. Da gleichzeitig mit einer 3S Telemetric<br />

Unit ausgestattete Feldgeräte – z. B. 3S-Stellantriebe für<br />

erdverlegte Armaturen – vollständig Akku basiert arbeiten,<br />

sind keinerlei Kabel erforderlich (siehe Bild). Gleichzeitig wird<br />

eine dem hohen Schutzgut entsprechende Sicherheitsarchitektur<br />

gewährleistet.<br />

Neben dem SCADA-System kann die 3S x-active Integrationsplattform<br />

Daten von Feldgeräten auch anderen Systemen<br />

wie dem ERP-, GIS oder Work-Force-Management<br />

zur Verfügung stellen. Flächendeckendes Netz-Monitoring<br />

und Netz-Automatisierung wird durch die 3S x-active-Integrationsplattform<br />

möglich.<br />

Die besonderen Merkmale sind dabei ein schlankes und<br />

robustes Datenprotokoll zwischen Feldgerät und dem zentralen<br />

Kommunikations-Server, das die Anbindung auch bei<br />

ungünstigen Netzverhältnissen ermöglicht. Kundenspezifische<br />

Schnittstellen zu vorhandenen IT-Systemen können<br />

realisiert werden. End-to-End-Verschlüsselung, die Nutzung<br />

privater APNs bis hin zu Hardware-Verschlüsselungstechnik<br />

sorgen für maximale Sicherheit bei der Datenübertragung.<br />

Lizenzen für bis zu acht Clients sind verfügbar, was die<br />

Lösung auch für kleine Versorger interessant macht.<br />

KONTAKT: 3S Antriebe GmbH, Berlin, Henrik Friedemann,<br />

E-Mail: h.friedemann@3s-antriebe.de, www.3s-antriebe.de<br />

2.HA-18 (bei AVK Mittelmann)<br />

FlushPlan – Spülplanermittlung<br />

Wasserversorgungsnetze in Deutschland sind nicht selbstreinigend.<br />

Die durch Überdimensionierung und starke Vermaschung<br />

hervorgerufenen geringen Fließgeschwindigkeiten<br />

mit wechselnden Fließrichtungen haben kaum Selbstreinigungskraft.<br />

Endstrangspülung reinigt nur Endstränge. Für<br />

flächendeckende Spülungen müssen Spülpläne systematisch<br />

und automatisch ermittelt werden. Die SIR 3S-Komponente<br />

FlushPlan berechnet und optimiert Spülstrecken.<br />

Ausgangspunkt von FlushPlan sind GIS-Daten oder ein Rohrnetzberechnungsmodell.<br />

Die Daten werden nach SIR 3S<br />

eingelesen und in SIR 3S durch einen 3S Consult-Ingenieur<br />

topologisch und hydraulisch geprüft und wenn nötig vervollständigt.<br />

In den Eingangsdaten müssen u. a. Druckzonenschieber,<br />

Netzschieber und Hydranten objektscharf<br />

enthalten sein.<br />

Zunächst teilt FlushPlan das Wasserversorgungsnetz in<br />

Gebiete ein, die voneinander unabhängig gespült werden<br />

können – die Spülgebiete. Das FlushPlan-Ergebnis ist hier<br />

in der Regel selbsterklärend – auch aus Netzmeistersicht.<br />

Für jedes Spülgebiet ermittelt FlushPlan die Spülstrecken<br />

(Strecke, Austrittshydrant, Schieberstellungen, Spülvolumen<br />

(Trinkwasserverbrauch), die für Spülung mindestens<br />

30 01-02 | 2014


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

erforderliche Hydrantenleistung, Spüldauer in Abhängigkeit<br />

von Ist-Hydrantenleistung, betroffene Hausanschlüsse), die<br />

Reihenfolge, in der die Spülstrecken abgearbeitet werden<br />

sollen, sowie alle beim Spülstreckenwechsel vorzunehmenden<br />

Netzschieberstellungen.<br />

FlushPlan arbeitet strikt nach dem Prinzip des Spülens mit<br />

klarer Wasserfront, d. h. Isolation der Spülstrecke, Vermeidung<br />

von Umlagerungen, höchstmögliche Fließgeschwindigkeit,<br />

geringstmöglicher Trinkwasserverbrauch, bestmögliche<br />

Eingrenzung betroffener Kunden und Spülerfolg direkt<br />

kontrollierbar.<br />

Im Bild ist die Strecke SP1 bereits mit klarer Wasserfront<br />

gespült worden (die Situation ist unten links dargestellt).<br />

Bei jedem Spülstreckenfortgang (hier SP1 > SP2) sind definiert<br />

Netzschieber zu stellen – dabei wird kein Netzschieber<br />

unnötig oft bewegt. Auf diese Weise wird Masche<br />

für Masche und Strang für Strang mit klarer Wasserfront<br />

gespült.<br />

FlushPlan liefert pro Spülstrecke einen DIN-A4-Report<br />

mit Grafik und Tabellen (Daten zur Strecke, zu den Schieberwechseln,<br />

zu den Kunden), eine Access-Datei mit<br />

SIR 3S-Modell, Spülgebieten, Spülstrecken, allen Spülstreckenreports,<br />

weiteren Reportmöglichkeiten sowie pro Spülstrecke<br />

Access-Rückmeldefelder mit Ist-Hydrantenleistung<br />

(kann u. a. zur Kalibrierung der Löschwasserberechnung verwendet<br />

werden), Trübung sowie Eisen-Mangan-Verhältnis<br />

(kann u. a. bei wiederholten Spülungen in die Berechnung<br />

von zeitlich optimalen Spülintervallen eingehen) und mit<br />

SIR 3S FlushPlan – Spülstrecken<br />

Funktionstüchtigkeit und Zustand von Hydranten und Netzschiebern<br />

(für Spülplankorrekturen bei defekten Objekten<br />

und für das Asset Management an sich).<br />

SIR 3S FlushPlan für die Spülplanermittlung ist eine neue,<br />

sich in der Entwicklung befindende Software. 3S Consult<br />

bietet mit SIR 3S und KANEW seit über 25 Jahren Engineering<br />

und Software an für Hydraulik und Instandhaltung.<br />

KONTAKT: 3S Consult, Garbsen b. Hannover, Tel. +49 5131 4980-0,<br />

E-Mail: info@3sconsult.de, www.3sconsult.de<br />

2.OG-H-25<br />

Garantie<br />

Quadro-Secura ®<br />

Nova<br />

Eine für Alle.<br />

Mehrspartenhauseinführung für Gas,<br />

Wasser, Strom oder Telekommunikation<br />

DOYMA GmbH & Co<br />

Industriestr. 43 - 57<br />

D-28876 Oyten<br />

Fon: (0 42 07) 91 66 - 300<br />

Fax: (0 42 07) 91 66 -199<br />

WWW.DOYMA.DE<br />

WEIL SICHER EINFACH<br />

SICHER IST.<br />

Oldenburger Rohrleitungsforum 2014 / Stand EG-V-13<br />

01-02 | 2014 31


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

PE-Systemlösungen für den erdverlegten<br />

Rohrleitungsbau<br />

PE-Kugelhahn mit zwei<br />

Ausblasventilen<br />

Seit nunmehr zwei Jahren wird durch die AVK-<br />

Stübbe Kugelhähne (DN 16 bis DN 150) das<br />

Sortiment von AVK Mittelmann um Armaturen<br />

aus PE 100 ergänzt. Die PE-Kugelhähne<br />

sind erhältlich in Ausführungen<br />

für den Einsatz im Trinkwasser-, Gas- und<br />

Abwasserbereich. Sie weisen einheitlich eine<br />

Wandstärke von SDR 11 auf und bedienen die<br />

Druckstufe PN 16 (bis einschließlich DN 40<br />

für Wasser und Abwasser) und PN 10; für<br />

Gas einheitlich PN 10. Für die Größen DN 50<br />

bis DN 150 ist eine Variante mit zwei Ausblasventilen<br />

(Bild) erhältlich. Außerdem<br />

besteht die Möglichkeit, den Kugelhahn<br />

mit einem Betätigungshebel auszustatten.<br />

Ein passendes Fundament, das<br />

auch für die Kugelhähne für Wasser<br />

und Abwasser (PN 10/16) genutzt werden<br />

kann, garantiert den sicheren Halt<br />

des Kugelhahns. Eine Sicherheitskupplung,<br />

die bei zu hohen Drehmomenten<br />

nachgibt, verhindert die Beschädigung<br />

der Armatur und kann unter Druck ausgetauscht werden.<br />

Dehnungsfugen innerhalb des Kugelhahns gleichen Temperatur-<br />

und Druckschwankungen aus und garantieren<br />

niedrige Drehmomente. Die Ausführungen für Gas sind<br />

nach DVGW WVP 302 und die Ausführungen für Wasser<br />

nach DVGW W 364 zugelassen, siehe auch QR-Code.<br />

Außerdem bietet AVK zur Betätigung passende Einbaugarnituren<br />

an, sowohl in starrer als auch teleskopierbarer Ausführung<br />

und optional mit Anschluss nach GW 336.<br />

Abschließend bietet das AVK-Kunststoff-Programm für den<br />

erdverlegten Rohrleitungsbau die passenden Tragplatten<br />

aus PE, u. a. mit speziellen Aufnahmen für die passenden<br />

AVK-Einbaugarnituren sowie die bekannten Kunststoffstraßenkappen,<br />

in den verschiedenen Ausführungen für jede<br />

Einbausituation. Die Kunststoffstraßenkappen sind erhältlich<br />

in starrer und höhenverstellbarer Ausführung. Letztere eignet<br />

sich durch ihre flexible, patentierte Arretierung durch<br />

einen O-Ring besonders gut für den Einbau in Neigungen.<br />

KONTAKT: AVK Mittelmann Armaturen GmbH, Wülfrath,<br />

E-Mail: info@avkmittelmann.com, www.avkmittelmann.com<br />

2.HA-18<br />

Flexibler Anschluss an große Betonrohre<br />

Rohrverbindung leicht gemacht: Der flexible Sattel FA 150-B<br />

von Flexseal schließt Rohre mit Wandstärken bis 150 mm<br />

schnell und unkompliziert an Beton-Hauptleitungen mit<br />

großen Durchmessern an. Das Anschlusselement eignet<br />

sich für den Anschluss von Steinzeugrohren nach DIN EN<br />

295, DN 150 und DN 200, an Betonrohre nach DIN 4032<br />

ab DN 300 sowie für Stahlbetonrohre nach DIN 4035 ab<br />

DN 300. Über nur vier verschiedene Ausgleichsringe von<br />

Flexseal schließt das Sattelstück zum Beispiel SML, GFK<br />

oder EuroTop-Rohre der Nennweite DN 150 an den Stutzen<br />

FA 150-B an.<br />

Damit produziert Flexseal nach DIN EN 295, Teil 4 für beinahe<br />

jede Rohrkombination laterale und vom WRc genehmigte<br />

Verbindungen. Der hochwertige Materialmix – Kompressionsdichtung<br />

und Muffe bestehen aus Ethylen Propylen Dien<br />

Monomer-(EPDM)-Kautschuk, Grundkörper und Spannhülse<br />

aus Acrylnitril Butadien Styrol-(ABS)-Kunststoff, die Muffenhülse<br />

aus Polypropylen (PP) – garantiert sichere und langlebige<br />

Übergänge zwischen den Rohrarten. Dabei nimmt die<br />

Muffenhülse Scherlasten von mehr als 4 kN auf, ohne dass<br />

das ihre Funktion beeinträchtigt. Das übertrifft die Anforderungen<br />

der Norm (1,5 kN) um ein Vielfaches. Die flexible<br />

EPDM-Muffe lässt sich im Rahmen der Norm abwinkeln.<br />

Eine spezielle Kunststoffhülse sichert die Verbindung gegen<br />

Scherlast und Abwinklung. Die Kompressionsdichtung eignet<br />

sich optimal für Betonrohre.<br />

Sattelstück FA 150<br />

KONTAKT: Flexseal GmbH, www.flexseal.de<br />

1.HA-V-01<br />

32 01-02 | 2014


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Stumpfschweißen ohne Abmanteln<br />

Auf dem IRO steht auf dem egeplast-Stand das neue SLM ®<br />

3.0 im Fokus. Es ermöglicht das Stumpfschweißen ohne abzumanteln<br />

und begründet damit eine neue Generation Schutzmantelrohre.<br />

Einfacher zu verarbeiten, einfacher zu verschweißen<br />

und erhöhte Sicherheit – das sind die drei wesentlichen<br />

Vorteile des neuen Schutzmantelrohres egeplast SLM ® 3.0.<br />

Basis ist ein modifizierter Schutzmantel aus einem speziellen<br />

PEplus, der das werkstoffhomogene und somit DVS-gerechte<br />

Stumpfschweißen erlaubt und noch abriebfester ist als der<br />

bisherige Schutzmantel aus PP. Die optimierte Mantelschicht<br />

macht das Rohrsystem noch flexibler und vereinfacht das<br />

Handling und die Verarbeitung. Die neue, direkt schweißbare<br />

Generation SLM ® 3.0 ist mit grünen Dreifachstreifen auf dem<br />

Schutzmantel gekennzeichnet. egeplast wird in Zukunft alle<br />

Schutzmantelrohrsysteme mit dieser Schutzschicht ausstatten.<br />

KONTAKT: egeplast international GmbH, Greven, Tel. +49 2575 9710-100,<br />

E-Mail: info@egeplast.de, www.egeplast.de<br />

1.OG-V-04<br />

Das neue Schutzmantelrohr SLM ® 3.0 ermöglicht das<br />

Stumpfschweißen ohne abzumanteln<br />

Zukunft der Gewerkabdichtung gehört der Glasfaser<br />

DOYMA hat den Leistungsumfang der Quadro Secura ® -<br />

Hauseinführungen konsequent weiterentwickelt und macht<br />

sie fit für die Anforderung des Breitbandnetzes. Seit Jahren<br />

geht dieser Ausbau in Deutschland nur schleppend voran<br />

(denn etwa 80 % der Ausbaukosten entfallen auf den Tiefbau),<br />

während unterdessen die Bautätigkeit wieder steigt.<br />

Eine Schieflage ist entstanden, DOYMA hat das Problem<br />

früh erkannt und bietet nun zwei neue Gewerkabdichtungen<br />

für Hausanschlüsse an. Das Verlegen von Glasfaserkabeln<br />

ist später zu jeder Zeit problemlos möglich. Wird ein<br />

Gebäude mit einer neuen Hausanschlussleitung für Telekommunikation<br />

mit Kupfer- oder Koaxialleitungen ausgestattet,<br />

bietet es sich gleichzeitig an, Leerrohre für Glasfaserleitungen<br />

mit einzuführen. Somit muss das Grundstück für<br />

den Hausanschluss beim Ausbau des Glasfasernetzes nicht<br />

erneut aufgegraben werden. Und die Tiefbaukosten werden<br />

dadurch deutlich reduziert. In Folge sind hierzu Hauseinführungen<br />

notwendig, die die „doppelte“ Anzahl an Leitungen<br />

in den unterschiedlichsten Abmessungen abdichten können.<br />

Was bis dato mit entsprechenden Sonderabdichtungen<br />

gelöst wurde, wird in Zukunft der Standard sein.<br />

Die neue Gewerkeabdichtung für Telekommunikationsleitungen<br />

kann Leitungsabmessungen von 2x 5-7 mm, 3x<br />

7-13 mm, 1x 14-18 mm und 1x 19-22 mm aufnehmen.<br />

Darüber hinaus kann beim Anschluss einer Wasser- oder<br />

Stromleitung mit der neuen optionalen Gewerkeabdichtung<br />

X-LWL gleichzeitig auch eine oder mehrere Telekommunikationsleitung/en<br />

eingeführt und abgedichtet<br />

werden.<br />

Die neue Gewerkeabdichtung für X-LWL (X = Wasser<br />

oder Strom) kann Leitungsdurchmesser von 2x 5-7 mm,<br />

2x 7 13 mm, 1x 12-16 mm und 1x 23-40 mm aufnehmen.<br />

Diese beiden neuen Gewerkeabdichtungen von DOYMA<br />

sind ideale, zukunftsweisende Komplettlösungen für alle<br />

Ein- und Mehrspartenhauseinführungen (inklusive Fernwärme).<br />

Auch bereits verbaute Hauseinführungen, die<br />

über ein Leer-/Mantelrohrsystem verfügen, können mit<br />

der neuen Gewerkeabdichtung ausgestattet werden.<br />

KONTAKT: DOYMA GmbH & Co, Oyten, Benedikt Schütz,<br />

Tel. +49 4207 9166-270, E-Mail: benedikt.schuetz@doyma.de,<br />

www.doyma.de<br />

EG-V-13<br />

01-02 | 2014 33


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Innovative Materialien für die Trinkwasserversorgung<br />

EWE-Armaturen setzt mit der Kera-Anbohrarmatur auf<br />

nachhaltige und zukunftsweisende Materialien im Armaturenbau.<br />

Die Kera-Anbohrarmatur nutzt einen Werkstoff,<br />

der im Armaturenbau der Sanitärtechnik und bei Anwendungen,<br />

die einen besonderen<br />

Verschleißschutz verlangen, schon<br />

lange erfolgreich verwendet wird.<br />

Bei diesem Keramikwerkstoff<br />

handelt es sich<br />

um eine technische<br />

Keramik aus Al 2<br />

O 3<br />

(Aluminiumoxid),<br />

die für Trinkwasser<br />

geeignet ist und im<br />

Tiefbau erstmalig zum<br />

Einsatz kommt.<br />

Die Betriebs- und Hilfsabsperrung<br />

besteht aus<br />

vier Keramikscheiben,<br />

die durch<br />

ihre glatten und<br />

genauen Oberflächen<br />

bereits<br />

bei bloßem<br />

Aufeinanderliegen<br />

eine Dichtigkeit<br />

aufweisen. Zusätzliche<br />

Abdichtungen<br />

zwischen den Scheiben<br />

sind nicht erforderlich<br />

und können demnach auch<br />

nicht verschleißen. Die keramische<br />

Absperreinheit wird waagerecht zwischen einem<br />

Messing-Ober- und Unterteil fixiert. Als Werkstoff wurde<br />

hier das bleifreie und besonders korrosionsbeständige Silicium-Messing<br />

gewählt.Zur Betätigung werden die beiden<br />

übereinander liegenden mittleren Keramikscheiben durch<br />

eine Edelstahl-Spindel per 90°-Drehung bedient und dabei<br />

sicher in Edelstahlrahmen geführt. Die Dichtigkeit des vom<br />

Medium durchströmten und Druck tragenden Bereichs wird<br />

von den glatten Oberflächen der Keramikscheiben sichergestellt,<br />

so dass auch hier keine Toträume zu finden sind. Der<br />

Durchlass ist ein strömungsgünstiger, glatter Durchgang, der<br />

für die Verwendung der EWE-Hülsentechnik ausgelegt ist.<br />

Der komplette Antrieb befindet sich außerhalb des durchströmenden<br />

Mediums. Da somit nur ein geringer Teil der<br />

Armatur in Kontakt mit dem Medium steht, ist eine Bedienung<br />

auch nach Jahrzehnten der Nichtbetätigung sicher<br />

möglich. Umhüllt wird die Einheit aus Keramikscheiben,<br />

deren Messingabdeckungen, Führungsrahmen und Spindel<br />

mit einem zweiteiligen Composite-Gehäuse. Bei diesem<br />

Material handelt es sich um einen mit Glasfasern verstärkten<br />

thermoplastischen Konstruktionswerkstoff. Ein großer<br />

Vorteil einer solchen Konstruktion ist die Tatsache, dass das<br />

Kunststoffgehäuse nicht durch Wasserdruck belastet wird,<br />

sondern lediglich als Kapsel einen Schutz vor Verschmutzung<br />

von außen und Eindringen von Grundwasser darstellt.<br />

Ein zusätzlicher Korrosionsschutz erübrigt sich durch den<br />

Einsatz der ausgewählten Materialien.<br />

KONTAKT: WILHELM EWE GmbH & Co. KG, Braunschweig,<br />

Tel. +49 531 37005-0, E-Mail: info@ewe-armaturen.de,<br />

www.ewe-armaturen.de<br />

EG-V-02<br />

Halbzeuge aus PE und PP<br />

Als Hersteller von Hohl- und Vollstäben präsentiert Reinert-<br />

Ritz dem Fachpublikum den weltweit größten, extrudierten<br />

Kunststoff-Vollstab mit einem Durchmesser von 1.200 mm.<br />

Aus den breit aufgestellten Sortiment von Kunststoff-Rohrleitungsteilen<br />

für den Druckrohrleitungsbau stellt Reinert-<br />

Ritz eine sichere, kostensparende PE 100-Sonderflanschverbindung<br />

aus, die eine ideale Lösung für den nennweitengerechten<br />

Übergang auf metallische Rohrleitungskomponenten<br />

ohne Innenversatz darstellt. Damit lassen sich jetzt noch<br />

größere Projekte bis d 2.000 mm in Zukunft realisieren.<br />

KONTAKT: Reinert-Ritz GmbH, Nordhorn, Tel. +49 5921 8347-0, E-Mail:<br />

contact@reinert-ritz.com, www.reinert-ritz.com<br />

EG-V-07, F-07<br />

Hohl- und Vollstäbe sind die Spezialität von Reinert-Ritz (Foto:<br />

Reinert-Ritz)<br />

34 01-02 | 2014


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Nie wieder auf Messdaten warten<br />

Messungen an Rohrleitungen oder Installationen<br />

enden nicht mit dem Erhalt<br />

der Messergebnisse, die Daten müssen<br />

noch zur finalen Abnahme ins Büro. Ein<br />

zeitaufwendiger Schritt für die Unternehmen<br />

der Gas- und Wasserindustrie.<br />

Denn viele fahren die Daten ins Büro,<br />

manchmal erst Tage nach der eigentlichen<br />

Messung. Die Esders GmbH aus<br />

Haselünne, Anbieter von Geräten für<br />

Gas-, Wasser- und Druckmesstechnik,<br />

verkürzt diesen Weg. Mittels des Esders<br />

Bluetooth-Moduls EBTM werden Android-Smartphones<br />

mit den Messgeräten<br />

gekoppelt, deren Daten damit direkt<br />

von der Baustelle zur Auswertung ins<br />

Büro versandt werden können.<br />

Die Gründe, warum die Daten oft viel<br />

später als nötig im Büro zur Auswertung<br />

eintreffen, sind vielfältig: Manche<br />

Baustellen liegen abseits, weitere Termine<br />

warten bereits oder Messungen<br />

sollen an mehreren aufeinanderfolgenden<br />

Tagen stattfinden. Das führt<br />

nicht selten dazu, dass sich an einem<br />

bestimmten Tag viele Messergebnisse zeitgleich zur Auswertung<br />

anhäufen und so unnötige Belastungsspitzen<br />

verursachen. In der Folge verzögern sich alle weiteren<br />

Schritte wie folgende Auswertungen, die Abnahme oder<br />

die Rechnungsstellung. Manche Arbeiten am Messort<br />

können zudem erst nach erfolgreicher Auswertung und<br />

Abnahme der Ergebnisse fortgeführt werden. Aufgrund<br />

der zeitaufwendigen Datenübermittlung kann es daher<br />

zu Verzögerungen um mehrere Tage kommen.<br />

Innovative Technik mit einfacher Handhabung<br />

Für die Esders-Geräte gelten diese Probleme nicht<br />

mehr, da sie mit dem neuen Bluetooth-Modul EBTM<br />

verbunden werden können. Die Fahrt vom Messort zur<br />

Auswertung entfällt. Das EBTM sendet alle Messdaten<br />

via Smartphone und der zugehörigen Android-App<br />

direkt ins Büro. Die Auswertung erfolgt fortlaufend,<br />

die erbrachten Leistungen können zeitnah abgerechnet<br />

werden und weitere Arbeiten am Messort können<br />

schneller erfolgen. Außerdem sind die Messergebnisse<br />

dank der sofortigen Übermittlung an einem zusätzlichen<br />

Speicherort aufbewahrt. Dadurch ergeben sich große<br />

Vorteile für den Mitarbeiter aber auch den Auftraggeber.<br />

Den problemlosen Einsatz für alle Anwender garantiert<br />

die simple Handhabung. Das Bluetooth-Modul hat genau<br />

einen Knopf. Dieser schaltet das Gerät ein oder aus. Den<br />

Rest übernimmt die eigens entwickelte Android-App. Mit<br />

ihr startet der Mitarbeiter das Auslesen der Messdaten<br />

vom Messgerät zum Bluetooth-Modul und ebenso die<br />

anschließende Übertragung via Smartphone zum ausgewählten<br />

Empfänger. Dieser kann auf verschiedenen<br />

Wegen erreicht werden, zum Beispiel per E-Mail oder<br />

Dropbox.<br />

Hohes Maß an Kompatibilität und Mobilität<br />

Die Verwendung des EBTM ist mit einer beliebigen<br />

Anzahl von Android-Geräten möglich solange diese eine<br />

Bluetooth-Verbindung ermöglichen. Auch die Zahl der<br />

Esders-Messgeräte ist unbegrenzt. Für jeden Mitarbeiter<br />

reicht somit ein Modul aus, um alle Messungen vor<br />

Ort von allen Geräten an verschiedenste Empfänger zu<br />

übermitteln.<br />

Weil eine mobile Lösung aber nur mobil bleibt, wenn<br />

sie unabhängig von Steckdosen lange und zuverlässig<br />

arbeitet, hält der Akku des Bluetooth-Moduls selbst bei<br />

häufiger Nutzung bis zu einem Monat. Als Zubehör bietet<br />

Esders Ladekabel für den Netzbetrieb oder über das Kfz-<br />

Bordnetz an. Das EBTM ist mit fast allen Esders-Messgeräten<br />

kompatibel. Den Fokus legt das Unternehmen jedoch<br />

auf den Einsatz bei der Prüfung von neu verlegten Gasleitungen<br />

und Hausanschlüssen nach G 469 oder Wasserleitungen<br />

nach W 400 sowie der Prüfung von Gasinstallationen<br />

nach TRGI, von Wasserinstallationen nach ZVSHK<br />

und der Überprüfung von Gasdruckreglern nach G 495.<br />

KONTAKT: Esders GmbH, Haselünne, Tel. +49 59 61 95 65-0,<br />

E-Mail: info@esders.de, www.esders.de<br />

2.OG-M-02<br />

01-02 | 2014 35


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Sicherheit und Präzision bei der Kabel-und Leitungssuche<br />

SebaKMT führt den mit modernstem Algorithmus<br />

ausgestatteten vLoc-5000 ein, der<br />

zudem über eine technisch hochentwickelte<br />

und intuitive Benutzeroberfläche verfügt.<br />

Die Daten sind schnell verfügbar und leicht<br />

verständlich, wodurch der Ortungsprozess<br />

insgesamt einfacher und schneller wird. Der<br />

vLoc-5000 kann die Ortungsdaten in seinem<br />

internen Datenspeicher und GPS-Empfänger<br />

speichern.<br />

Die Genauigkeit der Ortung von unterirdischen<br />

Kabeln und Rohrleitungen stellt<br />

heute eine große Herausforderung an den<br />

Anwender und an die Ortungstechnik. Deshalb<br />

wurde das vLoc-5000-System so konstruiert<br />

und ausgestattet, dass der Anwender<br />

seine gestellten Ortungsaufgaben schnell,<br />

sicher und präzise lösen kann. Das vLoc-5000-System kombiniert<br />

in einem Ortungsgerät die Leistungsmerkmale Signal<br />

Select TM , Signal Direction TM und Distortion Alert TM . Sämtliche<br />

Informationen, einschließlich GPS-Koordinaten, können<br />

intern gespeichert und später mit Hilfe von MyLocator2<br />

ausgelesen werden.<br />

Signal Select TM unterstützt die eindeutige Identifizierung<br />

des Zielleiters mittels eines Plus- oder Minuszeichens und<br />

macht „Phantom“-Signale als Rückströme erkenntlich. Distortion<br />

Alert TM warnt den Bediener sofort, wenn durch<br />

versteckte Leitungen Magnetfeldverzerrungen auftreten.<br />

KONTAKT: Seba Dynatronic ® Mess- und Ortungstechnik GmbH, Baunach,<br />

Tel. +49 9544 68-0, E-Mail: sales@sebakmt.com,<br />

www.sebakmt.com<br />

1.OG-M-17<br />

Erweitertes Sortiment bei standardisierten<br />

Gas-Einzelhauseinführungen<br />

KG-Rohre wurden ursprünglich für die Entsorgung<br />

der Gebäude konzipiert und sorgen dafür,<br />

dass das Abwasser einen sicheren Weg in den<br />

Kanal findet. Als Einführungslösung der Hausanschlüsse<br />

sind sie nicht nur im Hinblick auf eine<br />

gas- und wasserdichte Abdichtung problematisch.<br />

Schon das Einführen der Rohre funktioniert auf<br />

der Baustelle häufig nicht. Welche Rohrbögen hat<br />

der Bauunternehmer verwendet? 6 x 15 Grad, 3<br />

x 30 Grad, 2 x 45 Grad oder aber doch gleich<br />

den 90 Grad-Bogen? Man wird in der Praxis alles<br />

finden, nur keinen Standard. Hat das Einschieben<br />

der Leitungen häufig unter dem Einsatz diverser<br />

Hilfsmittel funktioniert, müssen diese nach den<br />

einschlägigen Regelwerken (DVGW VP 601, DIN<br />

18322) noch gas- und wasserdicht abgedichtet<br />

werden. Auch hier gibt es keine Standardlösungen,<br />

häufig wird auf den Baustellen improvisiert.<br />

Nicht selten findet man Abdichtlösungen, die mit<br />

dem oben formulierten Vorgaben der Regelwerke<br />

nichts zu tun haben. Wer aber trägt die Verantwortung<br />

im Schadensfall, sollte z. B. Schleichgas<br />

durch ein mangelhaft abgedichtetes Rohrsystem<br />

zur Gebäudeinnenseite gelangen?<br />

Um auf der Baustelle zukünftig auf standardisierte<br />

Systemkomponenten zurückgreifen zu können,<br />

wurde von Hauff-Technik das System ADS für nicht<br />

unterkellerte Gebäude auch für größere Dimensionen<br />

entwickelt.<br />

Dieses besteht aus einem Futterrohr mit einer vormontierter<br />

höhenverstellbaren Aufstellvorrichtung und einem flexiblen,<br />

druckstabilem Mantelrohrsystem, das als Meterware<br />

(Ringbund) zur Verfügung steht. Die gas- und wasserdichte<br />

Verbindung zwischen dem Futterrohr und dem robusten<br />

Leerrohrsystem wird über eine stabile Gummimanschette<br />

hergestellt.<br />

Das „Rohbauteil“ zum Einbetonieren kann, abgestimmt<br />

auf die individuell benötigten Längen, direkt im Lager des<br />

Versorgers konfektioniert und auf die Baustelle geliefert<br />

werden. Der stabile Druckschlauch gibt bei der Verlegung<br />

einen Mindestbiegeradius vor, so dass das spätere<br />

Einschieben des PE-Rohrs auch bei Längen bis zu 25 m<br />

problemlos möglich ist. Sobald die baulichen Voraussetzungen<br />

geschaffen sind, kann das Rohbauteil auf das<br />

Fertigfußbodenniveau angepasst werden. Dann wird im<br />

Zuge der Hausanschlusserstellung das PE-Rohr (DN 50) in<br />

das mit einer speziellen Gleitbeschichtung versehene Mantelrohr<br />

eingeschoben und mit der dazugehörigen Gas-HEK<br />

(Fabrikat Schuck) verschweißt. Die notwendigen Abdichtelemente<br />

sind bereits auf der Hauseinführungskombination<br />

vormontiert, so dass eine fachgerechte Abdichtung ohne<br />

Zusatzkomponenten sichergestellt ist. Das Gesamtsystem<br />

ist nach der aktuellen Prüfgrundlage (VP 601) geprüft und<br />

zugelassen.<br />

KONTAKT: Hauff-Technik GmbH & Co. KG; Herbrechtingen, Tel. +49 7324<br />

9600-0, E-Mail: office@hauff-technik.de, www.hauff-technik.de<br />

2.HA-21<br />

36 01-02 | 2014


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Optimale Ortung erdverlegter Gas- und Wasserleitungen<br />

Wer ein präzises, zuverlässiges und vielseitiges Leitungsortungsgerät<br />

sucht, für den ist das neue UT 830 von SEWERIN<br />

genau richtig: Wo immer gearbeitet wird, wie schwierig die<br />

Bedingungen auch sind, die Frequenz von 83 kHz eignet<br />

sich optimal für die aktive Ortung erdverlegter Gas- und<br />

Wasserleitungen. Zusätzlich wird auch die passive Detektion<br />

von Strom- und Leitungen mit kathodischem Korrosionsschutz<br />

mit dem UT 830 ermöglicht. Dabei sorgen exklusive<br />

technische Funktionen für schnelle, exakte und zuverlässige<br />

Ergebnisse. Die hohe Schutzklasse, eine robuste Bauweise<br />

und die einfache Bedienung machen das UT 830 zu einem<br />

perfekten Begleiter für nahezu alle Leitungsortungsaufgaben.<br />

Mit der Schutzklasse IP65, der extrem robusten Konstruktion<br />

und seiner kompakten Bauform ist das UT 830 für alle<br />

Arbeits- und Wetterbedingungen auch in schwierigen Umgebungen<br />

optimal geeignet. Besonders vielseitig verwendbar<br />

wird das UT 830 durch die passive Ortung von Strom- und<br />

KKS-geschützten Leitungen, z. B. im Baugewerbe. Hierfür<br />

stehen die Frequenzen 50 Hz, 100 Hz und 150 Hz zur Verfügung.<br />

Lange Betriebszeiten von 75 Stunden für den Empfänger<br />

und bis zu 150 Stunden für den Sender garantieren<br />

maximale Verfügbarkeit und geringste Stillstandzeiten.<br />

Das UT 830 besticht dank adaptiver Filterung durch eine<br />

außergewöhnliche Reaktionsschnelligkeit. Die extrem schnelle<br />

und zuverlässige Darstellung der Richtungspfeile ermöglicht<br />

die Ortung der Leitungen in einem sehr engen und genauen<br />

Ortungskorridor. Die Leitungslage wird durch diese Richtungspfeile<br />

relativ zur Position des Anwenders angezeigt<br />

und verspricht somit genauste Ergebnisse, unabhängig von<br />

Betriebsart oder Arbeitsstil. Mit der einzigartigen PEAK-Funktion<br />

lassen sich die Ortungsergebnisse sofort verifizieren.<br />

Umgebende Leitungen, die aufgrund der hohen Frequenz<br />

mit besendet werden, werden einfach per Tastendruck ausgeblendet.<br />

Das vermeidet Fehlmessungen und die versehentliche<br />

Ortung parallel laufender Leitungen.<br />

Die vollautomatische Tiefenmessung gewährleistet jederzeit<br />

den genauen Überblick über die Lage der Leitung. Dank<br />

der speziellen internen Anordnung der Antennen wird die<br />

Lokalisation von Hauptleitungen und abgehenden Leitungssträngen<br />

zum Kinderspiel.<br />

Mit der hohen Ortungsfrequenz von 83 kHz ermöglicht das<br />

Gerät die punktgenaue Ortung erdverlegter Gas- und Wasserleitungen<br />

über isolierte Anschlussstellen hinaus – auch<br />

bei langen Leitungen und schwachen Signalen. Das Signal<br />

ermöglicht die Verfolgung der Leitung auch über mehrere<br />

Muffen und Anschlussstellen hinaus, die sonst für eine<br />

niedrigere Frequenz regelmäßig einen hohen Widerstand<br />

darstellen. Dank einfacher und selbsterklärender Bedienung<br />

von nur einer Frequenz kommen auch weniger erfahrene<br />

Anwender ohne lange Einarbeitung schnell und intuitiv mit<br />

dem UT 830 zurecht. Visuelle und akustische Signale geben<br />

Feedback, unterstützen den Arbeitsfortschritt und schaffen<br />

Vertrauen in die Ortungsergebnisse.<br />

KONTAKT: Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh, Tel. +49 5241 934-260,<br />

E-Mail: info@sewerin.com, www.sewerin.com<br />

2. OG-M-05<br />

Für eine sichere Trinkwasserversorgung<br />

Innovative Werkstoffe für die Trinkwasserinstallation<br />

Keramische Absperrtechnik:<br />

• besonders verschleiß-, korrosionsbeständig<br />

und dadurch langlebig<br />

• durch die glatte Oberfl ächenstruktur<br />

wird hohe Dichtigkeit und gute<br />

Gleitfähigkeit erreicht<br />

• besonders hygienisch, keine<br />

Ablagerungen durch die glatte<br />

Besuchen Sie uns auf dem:<br />

Oberfl ächenstruktur<br />

Oldenburger<br />

Rohrleitungsforum<br />

Drehbarer Winkel und Schweißmuffe:<br />

• Zubehör zur Kera-Anbohrarmatur<br />

• aus bleifreiem, entzinkungs - und<br />

seewasserbeständigem Silicium-Messing<br />

• mit Gewindeanschluss mit bewährter<br />

EWE-O-Ring-Technik<br />

• zum direkten Anschluss an die<br />

Kera-Anbohrarmatur<br />

• kein zusätzliches Dichtmittel nötig<br />

• bis 360° drehbar<br />

EWE-ARMATUREN<br />

Telefon: +49 531 37005-0 . www.ewe-armaturen.de<br />

01-02 | 2014 37


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

Großwasserzähler: Magnetisch-induktive Zähler<br />

rollen den Markt auf<br />

Magnetisch-induktive Wasserzähler haben sich zu einer<br />

ernst zu nehmenden Alternative für mechanische Großwasserzähler<br />

entwickelt. Ihr Einsatz birgt eine Reihe von<br />

Vorteilen, jedoch stehen viele Anwender dem Wechsel<br />

auf die neue Technologie skeptisch gegenüber.<br />

Die Gründe für die Skepsis sind vielfältig: Beim Einsatz von<br />

magnetisch-induktiven Durchflussmessgeräten (MID) in<br />

Wassernetzen sind für gewöhnlich zwei wichtige Randbedingungen<br />

zu beachten. Zum einen treten in den Netzen<br />

zum Teil sehr geringe Durchflüsse auf. Oftmals geschieht<br />

das in der Nacht, aber auch wenn ein Rohrnetz während<br />

der Planungsphase zu groß dimensioniert wurde. Geringe<br />

Durchflüsse sind für magnetisch-induktive Durchflussmessgeräte<br />

aufgrund der niedrigen Fließgeschwindigkeit<br />

nicht einfach zu erfassen. Die Performance eines Messgerätes<br />

während der Minimaldurchflüsse kann durch<br />

eine Verjüngung der Nennweite verbessert werden. Die<br />

dadurch erhöhte Geschwindigkeit führt zu einer besseren<br />

Signalstärke und dadurch zu einem besseren Signal-<br />

Rausch-Verhältnis. Zum anderen sind für magnetischinduktive<br />

Durchflussmessgeräte meist ausreichend lange<br />

gerade Ein- und Auslaufstrecken einzuhalten, um die vom<br />

Hersteller angegebene Messgenauigkeit zu erreichen.<br />

Gestörte Strömungsprofile, wie sie etwa nach Rohrbögen<br />

oder Schiebern auftreten, beeinflussen das Messergebnis<br />

und müssen durch das Einhalten von langen Ein- und<br />

Auslaufstrecken homogenisiert werden.<br />

Da diese Voraussetzungen in der Praxis nicht immer<br />

gegeben sind, war die Vorgabe bei der Konstruktion<br />

des magnetisch-induktiven Wasserzählers WATERFLUX,<br />

dass er sowohl große als auch kleine Durchflüsse genau<br />

messen kann, ohne das bestimmte Ein- und Auslaufstrecken<br />

hinsichtlich Form oder Länge eingehalten werden<br />

müssen. Dass diese Vorgabe erfüllt wurde, hat nun eine<br />

unabhängige Untersuchung bestätigt: Die Physikalischtechnische<br />

Bundesanstalt (PTB) Berlin hat das Verhalten<br />

verschiedener Messrohr-Querschnitte bei wechselnden<br />

Strömungsprofilen untersucht.<br />

Empfindlichkeit gegenüber Einbausituation und<br />

Vorstörungen<br />

Gegenübergestellt wurden ein herkömmlicher MID mit<br />

rundem Querschnitt sowie der magnetisch-induktive<br />

Wasserzähler WATERFLUX. Beide Geräte wurden in der<br />

ersten Versuchsreihe mit unterschiedlich langen Ein- und<br />

Auslaufstrecken sowie in einer zweiten Versuchsreihe<br />

nach einem Rohrbogen installiert und untersucht. Das<br />

Ergebnis zeigt, dass der WATERFLUX wesentlich unempfindlicher<br />

im Hinblick auf die Einbausituation ist. Sein<br />

Messrohr enthält eine innere Einschnürung von einer<br />

glatten konischen Form auf ein Rechteckprofil, wodurch<br />

die Fließgeschwindigkeit erhöht, das Strömungsprofil<br />

einheitlich gestaltet und turbulente Schwankungen des<br />

Strömungsprofils reduziert bzw. ganz vermieden werden<br />

(strömungsoptimierender Effekt). Dadurch erfasst das<br />

Gerät selbst kleinste Durchflussgeschwindigkeiten mit<br />

einer hohen Genauigkeit. In den Untersuchungen konnte<br />

für den WATERFLUX auch ohne Ein- und Auslaufstrecken<br />

(0 DN/ 0 DN) ein homogenes Strömungsprofil und eine<br />

Messgenauigkeit von ± 0,3% (± 0,2% bei 3 DN/1 DN)<br />

nachgewiesen werden. Er erfüllt damit alle<br />

gängigen Normen für die Wasserindustrie<br />

z. B. auch bei einer Installation direkt zwischen<br />

Rohrbögen.<br />

WATERFLUX 3070 C IP68<br />

Druckverlust<br />

Ein weiterer Vorteil gegenüber den mechanischen<br />

Zählern ist der geringere Druckverlust.<br />

Generell haben magnetisch-induktive<br />

Messgeräte keine im Messrohr beweglichen<br />

Teile, was Voraussetzung für einen geringen<br />

Druckverlust ist. Die patentierte Form<br />

des Messrohrs wurde beim WATERFLUX<br />

zudem speziell für geringen Druckverlust<br />

konzipiert: Gemäß der OIML-Richtlinie ist<br />

bei der Wassermessung ein Druckverlust<br />

von 630 mbar bei einer Fließgeschwindigkeit<br />

von 8 m/s erlaubt. Der WATERFLUX<br />

unterbietet diesen Wert mit 500 mbar deutlich.<br />

Bei der für Wassernetzwerke üblichen<br />

Fließgeschwindigkeit von ca. 1 m/s liegt<br />

der Druckverlust des WATERFLUX bei < 10<br />

38 01-02 | 2014


PRODUKTE & NEUHEITEN<br />

mbar. Das Messrohr ist komplett mit Rilsan ausgekleidet: Rilsan<br />

Polyamid 11 ist ein pulverförmiger, thermoplastischer Kunststoff,<br />

der auf der Grundlage des pflanzlichen Rizinusöls hergestellt wird.<br />

Er ermöglicht die Herstellung hochwertiger Beschichtungen, die<br />

einen wirksamen und nachhaltigen Schutz gegen bakterielles<br />

Wachstum bieten. Durch die Rilsan-Auskleidung wird das Messrohr<br />

extrem korrosions-, alterungs- und abrasionsbeständig. WATER-<br />

FLUX ist deshalb lebensmitteltauglich nach KTW, DVGW sowie<br />

ACS und somit für Trinkwasser zugelassen.<br />

Stromversorgung<br />

Mechanische Zähler können völlig autark ohne Anschluss an eine<br />

Stromversorgung eingesetzt werden. Magnetisch-induktive Zähler<br />

hingegen benötigen eine Stromquelle zur Versorgung ihrer Spulen.<br />

Hier stellt sich die Frage nach der Lebensdauer der Stromquelle:<br />

der magnetisch-induktive Wasserzähler WATERFLUX 3070 verfügt<br />

durch seine integrierten Batterien über eine völlig autonome<br />

Stromversorgung. Das Messgerät kann mit ein oder zwei Monocell-Lithium<br />

Batterien oder einem externen Batteriepack betrieben<br />

werden. Während eines eventuellen Batteriewechsels entsteht<br />

kein Datenverlust, da der Zählerstand intern gespeichert wird.<br />

Durch den rechteckigen Querschnitt liegen die Magnetspulen im<br />

Vergleich zu kreisförmigen Querschnitten relativ nah beieinander<br />

und benötigen daher weniger Energie, um ein ausreichend starkes<br />

und homogenes Magnetfeld zu generieren.<br />

Anstelle von Sattelspulen wurde ein Magnetkern mit einer kleinen<br />

runden Spule verwendet, bei der die Windungen sehr kurz sind<br />

und damit bei gleicher Magnetkraft einen niedrigeren ohmschen<br />

Widerstand bieten. Durch den daraus resultierenden niedrigen<br />

Stromverbrauch sowie die speziellen, nach Industriestandard<br />

entwickelten Batterien (in Bezug auf Leckströme und Temperatureinwirkung)<br />

kann eine langfristige, unabhängige Energieversorgung<br />

sichergestellt werden. Durch die spezielle geometrische<br />

Anordnung des Magnetkreises wird ebenfalls verhindert, dass<br />

eine Blindleistung bei der Magnetfelderzeugung erzeugt wird.<br />

Die Batterielebensdauer ist abhängig von der Anzahl der integrierten<br />

Batterien sowie der eingestellten Messfrequenz. Bei der<br />

standardmäßig eingestellten Messfrequenz von 1/15 Hz und einer<br />

Temperatur von ca. 25 °C beträgt die Lebensdauer mit einer integrierten<br />

Batterie rund acht Jahre, bei zwei integrierten Batterien<br />

ca. 15 Jahre und mit dem externem Batteriepack ca. 20 Jahre.<br />

Aufgrund des geringen Stromverbrauchs ist die Batterielebensdauer<br />

beim WATERFLUX bis zu fünfmal höher als bei vergleichbaren<br />

Geräten.<br />

Magnetisch-induktive Wasserzähler bieten gegenüber mechanischen<br />

Wasserzählern eine Reihe von Vorteilen hinsichtlich des<br />

mechanischen Aufbaus, den Anforderungen an den Einbauort<br />

und den Installations- sowie den laufenden Kosten. Unter diesen<br />

Voraussetzungen können die Betreiber mit verhältnismäßig geringem<br />

Aufwand mehr Messstellen zur Netzüberwachung einrichten<br />

und langfristig betreiben.<br />

KONTAKT: KROHNE Messtechnik GmbH, Duisburg, Tel. +49 203 301-0,<br />

E-Mail: info@krohne.com, www.krohne.com<br />

EG-H-23<br />

www.funkegruppe.de<br />

Funke Kunststoffe GmbH<br />

01-02 | 2014 39


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK<br />

Rechtliche Konsequenzen von Fehlern<br />

des Zulassungsverfahrens<br />

In den bisherigen Fachberichten in <strong>3R</strong>-1-2/2013 bis <strong>3R</strong>-11-12/2013 wurde das Verfahren zur Zulassung von<br />

Gasversorgungsleitungen und von Rohrfernleitungen bei erstmaliger Errichtung und Betrieb, bei Änderungen und bei<br />

Konversion betrachtet. Geschildert wurden die jeweils erforderlichen Zulassungsverfahren anhand der einschlägigen<br />

gesetzlichen Regelungen und damit anhand generalisierender Betrachtungen. Die gesetzlichen Erfordernisse bedürfen<br />

natürlich in der Praxis einer Prüfung in Würdigung des jeweiligen Vorhabens. Eine derartige Detailbetrachtung konkreter<br />

Vorhabenkonstellationen ist in Veröffentlichungen, die sich zu den allgemeinen Grundsätzen verhalten, nicht möglich. Sie<br />

ist aber in der Praxis zur Fehlervermeidung zwingend erforderlich. Verfahrensfehler können erhebliche Konsequenzen für<br />

die Rechtmäßigkeit einer Zulassung und damit für deren Bestand haben. Dies soll nachfolgend exemplarisch für einzelne<br />

besonders bedeutsame Verfahrensfehler beleuchtet werden.<br />

1. FEHLER DER UMWELTVERTRÄGLICHKEITS-<br />

PRÜFUNG<br />

Fehlern im Zusammenhang mit der Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

– seien es deren fehlerhaftes Unterlassen<br />

oder Fehler bei der Vorprüfung des Erfordernisses einer<br />

Umweltverträglichkeitsprüfung oder der Durchführung<br />

einer Umweltverträglichkeitsprüfung – kommt aufgrund<br />

der europarechtlichen Erfordernisse der UVP zunehmende<br />

Bedeutung zu. Der deutsche Gesetzgeber hat im Umweltrechtsbehelfsgesetz<br />

(UmwRG) einzelne Verfahrensfehler<br />

erfasst. Diese Fehler führen in Klageverfahren anerkannter<br />

Vereinigungen zwingend zur Aufhebung der Zulassungsentscheidung.<br />

Es handelt sich damit um durch anerkannte<br />

Naturschutzvereinigungen rügbare sogenannte absolute<br />

Verfahrensfehler, bei deren Vorliegen eine Zulassung ganz<br />

unabhängig davon, ob sich der Verfahrensfehler auf das<br />

Ergebnis der Zulassung ausgewirkt hat, die Zulassung<br />

also ohne den Verfahrensfehler anders ausgefallen wäre<br />

oder nicht, rechtswidrig und aufzuheben ist. Auch sonstige<br />

Kläger können die im UmwRG aufgeführten Verfahrensfehler<br />

rügen, aber nur dann, wenn die Möglichkeit<br />

besteht, dass die angefochtene Entscheidung ohne den<br />

Verfahrensfehler anders ausgefallen wäre; ob zusätzlich<br />

eine dem Kläger zustehende materielle Rechtsposition<br />

betroffen sein muss, ist aufgrund der jüngsten Entscheidung<br />

des EuGH vom 07.11.2013, C-72/12, offen. 1<br />

1 Das BVerwG hatte dem EuGH mit Beschluss vom 10.01.2012, 7 C 20/11,<br />

abgedr. NVwZ 2012, 448, u. a. die Frage vorgelegt, ob Kläger, die keine<br />

anerkannten Vereinigungen sind und daher nach deutschem Recht eine<br />

Verletzung eigener Rechte geltend machen müssen, Fehler der Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

nur dann rügen können, wenn die konkrete<br />

Möglichkeit besteht, dass die angegriffene Entscheidung ohne den<br />

Fehler anders ausgefallen wäre und dadurch eine dem Kläger zustehende<br />

materielle Rechtsposition betroffen ist. Der EuGH hat dazu mit Urteil vom<br />

07.11.2013, C-72/12, juris, entschieden, dass Fehler, die sich nicht auf das<br />

Entscheidungsergebnis ausgewirkt haben, zu keiner Rechtsverletzung führen<br />

und daher von anderen als anerkannten Vereinigungen nicht gerichtlich<br />

geltend gemacht werden können. Ob aber zusätzlich ein gerügter Verfahrensfehler<br />

sich auf materielle Rechte auswirken muss oder ein Verfahrensfehler<br />

automatisch auch eine materielle Rechtsverletzung beinhaltet, hat<br />

der EuGH offen gelassen.<br />

Unterlassene UVP<br />

Gemäß § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UmwRG liegt ein Verfahrensfehler<br />

vor, wenn eine erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

unterlassen wurde. Erfasst werden darüber Vorhaben, die<br />

aufgrund X-Markierung in Anlage 1 des UVPG zwingend<br />

UVP-pflichtig sind. Ergeht die Zulassung eines solchen Vorhabens<br />

ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, ist die Zulassung<br />

rechtswidrig.<br />

Welche Vorhaben zwingend UVP-pflichtig sind, wurde in den<br />

Veröffentlichungen des Jahres 2013 erläutert. An dieser Stelle<br />

kann zusammenfassend festgehalten werden, dass es sich um<br />

zwingend UVP-pflichtige Vorhaben handelt bei erstmaliger<br />

Errichtung und Betrieb von Vorhaben, die in Anlage 1 des<br />

UVPG mit X markiert sind, bei Änderungen von Vorhaben,<br />

wenn die Änderung dazu führt, dass das Vorhaben damit erstmals<br />

in die X-Schwellenwerte der Anlage 1 des UVPG hineinwächst<br />

und bei Änderungen, die selbst die X-Schwellenwerte<br />

erreichen. In allen diesen Fällen stellt das Unterlassen einer<br />

Umweltverträglichkeitsprüfung einen absoluten Verfahrensfehler<br />

i.S.d. § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UmwRG dar.<br />

Unterlassene Vorprüfung<br />

Gemäß § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 UmwRG liegt ein Verfahrensfehler<br />

auch dann vor, wenn eine erforderliche Vorprüfung<br />

unterlassen wurde. Erfasst werden darüber Vorhaben, die<br />

nicht zwingend UVP-pflichtig, aber vorprüfpflichtig sind. Diese<br />

Vorhaben erfordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung nur<br />

dann, wenn eine vorherige Vorprüfung die UVP-Pflicht ergibt.<br />

Wird ein solches Vorhaben zugelassen, ohne dass zuvor eine<br />

Vorprüfung durchgeführt wurde, welche die Bewertung einer<br />

UVP-Pflicht überhaupt erst ermöglicht, liegt darin – in der<br />

unterlassenen Vorprüfung – ein absoluter Verfahrensfehler.<br />

Welche Vorhaben vorprüfpflichtig sind, wurde in den Veröffentlichungen<br />

des Jahres 2013 erläutert. An dieser Stelle kann<br />

zusammenfassend festgehalten werden, dass es sich um vorprüfpflichtige<br />

Vorhaben handelt bei erstmaliger Errichtung und<br />

Betrieb von Vorhaben, die in Anlage 1 des UVPG mit A oder<br />

S markiert sind, bei Änderungen bisher nicht UVP-geprüfter<br />

Vorhaben, wenn die Änderung dazu führt, dass das Vorha-<br />

40 01-02 | 2014


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT<br />

ben damit erstmals oder erneut in die Schwellenwerte einer<br />

Vorprüfung hineinwächst und bei Änderungen von Vorhaben,<br />

die bereits vor der Änderung UVP-pflichtig waren, wenn nicht<br />

die Änderung selbst die X-Schwellenwerte erreicht und damit<br />

ohnehin zwingend UVP-pflichtig ist. In allen diesen Fällen stellt<br />

das Unterlassen einer Vorprüfung einen absoluten Verfahrensfehler<br />

i.S.d. § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 UmwRG dar.<br />

Fehlerhafte Vorprüfung<br />

Die vorbehandelten beiden Fehler waren bis zum 28.01.2013<br />

die einzigen Verfahrensfehler, die das Umweltrechtsbehelfsgesetz<br />

regelte. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass Fehler<br />

bei der Vorprüfung oder der UVP selbst keine Verfahrensfehler<br />

i.S.d. UmwRG darstellten.<br />

Dies hat der Gesetzgeber für Fehler bei der Vorprüfung<br />

mit dem Gesetz zur Änderung des Umweltrechtsbehelfsgesetzes<br />

vom 21.01.2013 2 geändert und mit Wirkung zum<br />

29.01.2013 in § 4 Abs. 1 S. 2 UmwRG eine neue Regelung<br />

eingefügt. Danach stellt jetzt auch eine zwar durchgeführte<br />

aber nicht dem Maßstab des § 3a S. 4 UVPG genügende<br />

Vorprüfung, d. h. eine Vorprüfung, bei der die Prüfvorgaben<br />

des § 3c UVPG nicht eingehalten werden oder deren<br />

Ergebnis nicht nachvollziehbar ist, einen Verfahrensfehler<br />

dar. Die Prüfvorgaben des § 3c UVPG erfordern eine Bewertung,<br />

ob erhebliche Umweltauswirkungen gemessen an<br />

den Kriterien der Anlage 2 des UVPG zu besorgen sind.<br />

Gerichtlich überprüfbar ist insoweit, ob die Behörde den<br />

Rechtsbegriff der Erheblichkeit zutreffend ausgelegt hat<br />

und das Ergebnis der Vorprüfung nachvollziehbar ist. 3 Die<br />

gerichtliche Prüfung ist gemäß § 3a S. 4 UVPG auf eine<br />

Plausibilitätskontrolle beschränkt. 4 Kommt das Gericht auf<br />

Grundlage der Plausibilitätskontrolle zu dem Ergebnis, dass<br />

ein Fehler vorliegt, stellt dieser nunmehr einen absoluten<br />

Verfahrensfehler dar.<br />

Fehler bei der Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

Eine weitere Änderung des UmwRG wird aufgrund der Entscheidung<br />

des EuGH vom 07.11.2013, C-72/12, erforderlich<br />

werden. Mit Urteil vom 07.11.2013 hat der EuGH entschieden,<br />

dass die Mitgliedstaaten nicht nur das Unterlassen<br />

einer Umweltverträglichkeitsprüfung gerichtlich prüfbar<br />

machen müssen, sondern auch Fehler einer durchgeführten<br />

Umweltverträglichkeitsprüfung gerichtlich gerügt werden<br />

können. Das bedeutet nicht, dass jeder Verfahrensfehler<br />

bei der Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung führen<br />

muss. Dann, wenn die konkrete Möglichkeit besteht, dass<br />

die angefochtene Entscheidung ohne den Verfahrensfehler<br />

nicht anders ausgefallen wäre, muss der Fehler nicht zur<br />

Aufhebung der Entscheidung führen. Die Kausalität eines<br />

Verfahrensfehlers ist aber – so der EuGH ausdrücklich –<br />

nicht von dem Kläger darzutun, sondern gerichtlich unter<br />

Berücksichtigung der Schwere des Verfahrensfehlers zu<br />

prüfen.<br />

2 BGBl I S. 95.<br />

3 BVerwGE 131, 352, 361 Rn. 26.<br />

4 BVerwGE 141, 282, 286 Tz. 24.<br />

Damit ist der Katalog beklagbarer Verfahrensfehler der<br />

Umweltverträglichkeitsprüfung deutlich und ohne feste<br />

Grenzen erweitert worden.<br />

Zeitliche Anwendbarkeit des UmwRG<br />

Gleichzeitig hat der EuGH im Urteil vom 07.11.2013 entschieden,<br />

dass die im UmwRG umgesetzten bzw. noch umzusetzenden<br />

europarechtlichen Vorgaben auf alle Verfahren<br />

Anwendung finden, die nach dem 25.06.2005 durch Genehmigungserteilung<br />

abgeschlossen wurden, unabhängig davon,<br />

wann die Verfahren begonnen wurden.<br />

Die nationale Regelung in § 5 Abs. 1 UmwRG, nach der das<br />

Gesetz nur auf solche Verfahren Anwendung findet, die nach<br />

dem 25.06.2005 eingeleitet wurden oder hätten eingeleitet<br />

werden müssen, ist damit hinfällig. Auch auf Verfahren, die<br />

vor dem 25.06.2005 eingeleitet wurden, sind die erweiterten<br />

Klagerechte aufgrund von Fehlern der Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

– seien es die vollständige Unterlassung einer UVP<br />

oder einer Vorprüfung oder Fehler bei der UVP oder einer<br />

Vorprüfung – anwendbar, sofern die Genehmigung erst nach<br />

dem 25.06.2005 erteilt wurde.<br />

Damit ist festzuhalten:<br />

»»<br />

Fehlern bei der Umweltverträglichkeitsprüfung kommt<br />

erhebliche Relevanz zu, da sie sich als absolute Verfahrensfehler<br />

darstellen können,<br />

»»<br />

das gilt für alle nach dem 25.06.2005 eingeleiteten<br />

und bisher noch nicht bestandskräftig abgeschlossenen<br />

Zulassungsverfahren.<br />

2. FEHLER BEI DER BETEILIGUNG ANERKANNTER<br />

VEREINIGUNGEN<br />

Ein absoluter Verfahrensfehler liegt unabhängig von den Erfordernissen<br />

einer Umweltverträglichkeitsprüfung dann vor, wenn<br />

ein Beteiligungsrecht einer anerkannten Vereinigung aus § 63<br />

Abs. 1 oder 2 BNatSchG verletzt ist, d. h. eine anerkannte<br />

Vereinigung in einem Verfahren, in dem sie auf Grundlage<br />

des § 63 Abs. 1 BNatSchG zu beteiligen ist, nicht beteiligt<br />

wurde. 5 Es besteht ein gerichtlich durchsetzbares Recht anerkannter<br />

Vereinigungen in den in § 63 BNatSchG aufgeführten<br />

Verfahren und damit u. a. in Planfeststellungsverfahren für<br />

Vorhaben, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden<br />

sind (§ 63 Abs. 1 Nr. 3 u. Abs. 2 Nr. 6 BNatSchG)<br />

und auch in Plangenehmigungsverfahren, wenn diese eine<br />

Öffentlichkeitsbeteiligung erfordern (§ 63 Abs. 1 Nr. 4 u.<br />

Abs. 2 Nr. 7 BNatSchG) sowie in Verfahren, die Befreiungen<br />

von naturschutzrechtlichen Ge- oder Verboten erfordern (§ 63<br />

Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 5 BNatSchG). Dieses Beteiligungsrecht<br />

darf nicht umgangen werden, etwa dadurch, dass für ein<br />

richtigerweise planfestzustellendes Vorhaben mit Eingriffen<br />

in Natur und Landschaft ein anderes Zulassungsverfahren<br />

– ggf. ein Plangenehmigungsverfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung<br />

– gewählt wird. Der Rüge der Verletzung eines<br />

Mitwirkungsrechts aus § 63 BNatSchG kommt eine derartige<br />

5 BVerwGE 127, 208, 213 f. zur Umgehung eines Planfeststellungsverfahrens<br />

mit Beteiligungserfordernis durch ein Plangenehmigungsverfahren;<br />

BVerwG, DVBl 2013, 1047 f. zum Beteiligungserfordernis im Vorfeld einer<br />

Abweichungsentscheidung gem. § 34 Abs. 3 BNatSchG.<br />

01-02 | 2014 41


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK<br />

absolute Wirkung zu, dass seine Verletzung in jedem Fall und<br />

ohne Kausalitätsprüfung zur Rechtswidrigkeit der angegriffenen<br />

Entscheidung führt. 6<br />

»»<br />

Die Unterlassung einer naturschutzrechtlich erforderlichen<br />

Beteiligung anerkannter Vereinigungen stellt einen<br />

absoluten Verfahrensfehler dar.<br />

3. FEHLER BEI DER BESTIMMUNG DES UMFANGS<br />

EINES VORHABENS<br />

Ein weiterer in der Rechtsprechung jüngst vermehrt behandelter<br />

Fehler liegt in der unzulässigen Ausdehnung eines<br />

planfestzustellenden Vorhabens. So wurden in den Planfeststellungsbeschluss<br />

des Ausbaus des Hafens Köln-Godorf nach<br />

Auffassung des OVG Münster unzulässig Ausbaumaßnahmen<br />

auch der im Uferbereich gelegenen Straßen und Gleisanlagen<br />

integriert. Das OVG Münster betont in seinem noch nicht<br />

rechtskräftigen Urteil vom 15.03.2011, 20 A 2148/08, dass<br />

sich der Umfang eines planfestzustellenden Vorhabens aus den<br />

jeweiligen fachrechtlichen Regelungen ergebe und nicht beliebig<br />

um weitere, nach anderen Gesetzen zulassungsbedürftige<br />

Vorhaben zu einem Gesamtvorhaben erweitert werden dürfe. 7<br />

Ähnlich hat das BVerwG in seinem Beschluss vom 11.07.2013,<br />

7 A 20/11, zur Weservertiefung darauf hingewiesen, dass es<br />

sich bei Maßnahmen, mit denen verschiedene Ziele verfolgt<br />

werden, die unabhängig voneinander verwirklicht werden<br />

können, ohne dass die Erreichung des Ziels einer Maßnahme<br />

durch Verzicht auf die andere Maßnahmen auch nur teilweise<br />

vereitelt würde, um verschiedene Vorhaben handelt. 8 Es kann<br />

also nicht die Konzentrationswirkung von Planfeststellung und<br />

Plangenehmigung zum Anlass genommen werden, andere,<br />

selbständige Vorhaben in die Planfeststellung bzw. Plangenehmigung<br />

zu integrieren. Dadurch werden sachliche Zuständigkeiten<br />

anderer Behörden unzulässig umgangen.<br />

»»<br />

Eine Planfeststellung oder Plangenehmigung kann trotz<br />

Konzentrationswirkung nicht beliebig auf andere Vorhaben<br />

erstreckt werden.<br />

Über die vorstehend exemplarisch betrachteten Fehler hinaus<br />

sind viele weitere Verfahrensfehler denkbar, die hier nicht<br />

im Einzelnen behandelt werden können. Die vorbehandelten<br />

Fallgruppen sind aber von besonderer Relevanz, da sie<br />

von grundsätzlicher Bedeutung für eine Zulassungsentscheidung<br />

sind. Zwar können Verfahrensfehler gemäß § 45 Abs. 2<br />

VwVfG 9 auch noch während eines Gerichtsverfahrens bis<br />

zum Abschluss der letzten Tatsacheninstanz durch Nachholung<br />

oder Wiederholung eines unterlassenen oder fehlerhaft<br />

durchgeführten Verfahrensschritts geheilt werden. Je aufwändiger<br />

aber der nachzuholende Verfahrensschritt ist – etwa die<br />

Durchführung einer vollständig unterlassenen Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

– desto schwieriger und zeitintensiver ist eine<br />

nachträgliche Heilung. Während der Heilung kann von der<br />

6 Anderes gilt nur dann, wenn andere Klagebefugnisse einer anerkannten<br />

Vereinigung bestehen, die der Vereinigung eine Überprüfung der materiellen<br />

Rechtmäßigkeit der Zulassungsentscheidung ermöglichen; dazu:<br />

BVerwG, NVwZ 2003, 1120 u. BVerwG, DVBl 2002, 990, 991 f.<br />

7 OVG Münster, DVBl 2011, 767 ff.<br />

8 BVerwG, DVBl 2013, 1453 ff.<br />

9 Die Landesgesetze enthalten teilweise abweichende Regelungen<br />

Zulassungsentscheidung regelmäßig kein Gebrauch gemacht<br />

werden, woraus das Erfordernis der Vermeidung von Fehlern<br />

bereits im Zulassungsverfahren erhellt.<br />

4. RECHTSSCHUTZVERFAHREN<br />

Das früher im Nachgang zu einer behördlichen Zulassungsentscheidung<br />

zunächst durchzuführende Widerspruchsverfahren,<br />

in welchem die Rechtmäßigkeit der ergangenen Zulassung<br />

zunächst durch die übergeordnete Behörde überprüft<br />

wurde, bevor gerichtlicher Rechtsschutz nachgesucht werden<br />

konnte, ist in den meisten Bundesländern inzwischen entfallen.<br />

Zudem unterlagen Planfeststellungsbeschlüsse – worum<br />

es sich bei der Zulassung von Gasversorgungsleitungen mit<br />

einem Durchmesser > 300 mm gemäß § 43 S. 1 Nr. 2 EnWG<br />

und bei UVP-pflichtigen Rohrfernleitungen gem. § 20 Abs. 1<br />

UVPG handelt – sowie Plangenehmigungen gemäß §§ 70,<br />

74 Abs. 6 S. 3 VwVfG ohnehin nie dem Widerspruchsverfahren.<br />

Planfeststellungsbeschlüsse und Plangenehmigungen<br />

müssen, wenn sie angegriffen werden sollen, sofort mit der<br />

Klage angegriffen werden.<br />

Klagefrist<br />

Erhoben werden muss eine Klage gemäß § 74 Abs. 1 S. 2<br />

VwGO innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Zulassungsbescheids.<br />

Die Bekanntgabe ist nicht mit der zufälligen<br />

Kenntniserlangung von dem Erlass einer Zulassung<br />

gleichzusetzen und zu verwechseln, sondern erfordert eine<br />

aktive Bekanntgabe, d. h. Übermittlung der Zulassungsentscheidung<br />

an Betroffene durch die Behörde. Für Planfeststellungsbeschlüsse<br />

und Plangenehmigungen regelt § 74 Abs. 4<br />

S. 1 VwVfG eine Verpflichtung der Behörde zur Zustellung<br />

des Beschlusses an den Vorhabenträger und diejenigen,<br />

über deren Einwendungen entschieden worden ist und die<br />

Vereinigungen, über deren Stellungnahmen entschieden<br />

worden ist. Ersetzt werden kann diese Individualzustellung<br />

in Fällen eines planfestgestellten oder plangenehmigten Vorhabens<br />

dann, wenn mehr als 50 Zustellungen erforderlich<br />

wären, gemäß § 74 Abs. 5 VwVfG durch eine öffentliche<br />

Bekanntmachung. Dabei wird öffentlich bekannt gemacht,<br />

dass die Zulassung ergangen ist und dass, wann und wo<br />

die Zulassung nebst Begründung für einen Zeitraum von<br />

zwei Wochen eingesehen werden kann. Mit dem Ende<br />

der zweiwöchigen Auslegungsfrist gilt die Zulassung als<br />

zugestellt und beginnt aufgrund Zustellungsfiktion für alle<br />

Betroffenen und Vereinigungen, gleichgültig, ob sie von<br />

der Auslegung erfahren haben oder nicht und ob sie die<br />

Zulassung eingesehen haben oder nicht, der Lauf der einmonatigen<br />

Klagefrist. Eine öffentliche Bekanntmachung<br />

beinhaltet damit eine erhebliche Verfahrenserleichterung<br />

zugunsten der Behörde mit erheblichen Folgen auch für die<br />

Rechtssicherheit: Fragen, ob eine Zustellung auch wirklich<br />

an alle Betroffenen und Vereinigungen erfolgte und wann<br />

die Zustellung genau erfolgte, stellen sich dann nicht mehr.<br />

Allen Betroffenen und Vereinigungen gegenüber gilt die<br />

Zulassung mit dem Ende der Auslegung als zugestellt; der<br />

Lauf der Klagefrist beginnt für alle Betroffenen und Vereinigungen<br />

am gleichen Tag und endet auch gleichzeitig.<br />

42 01-02 | 2014


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT<br />

Erfolgt keine ordnungsgemäße Zustellung bzw. Bekanntgabe,<br />

beginnt auch der Lauf der Klagefrist nicht. Für diesen<br />

Fall beginnt der Lauf der Klagefrist erst ab tatsächlicher<br />

Kenntniserlangung des Betroffenen bzw. der Vereinigung<br />

von der Zulassung und beträgt die Klagefrist in analoger<br />

Anwendung des § 58 Abs. 2 VwGO mindestens ein Jahr.<br />

Dies bedeutet eine erhebliche Rechtsunsicherheit, weshalb<br />

einer ordnungsgemäßen Bekanntmachung erhebliche Relevanz<br />

für den Investitionsschutz zukommt.<br />

Klagebefugnis<br />

Klagebefugt ist gemäß § 42 Abs. 2 VwGO grundsätzlich<br />

nur, wer geltend machen kann, durch eine angegriffene<br />

Zulassung in eigenen, drittschützenden Rechten verletzt zu<br />

sein. Das erfordert, dass eine Norm, etwa eine Zulassungsvoraussetzung,<br />

als verletzt gerügt wird, die dazu dient, die<br />

Rechte einzelner, auch des Klägers zu schützen. Ein Kläger<br />

kann nicht Belange Dritter geltend machen und auch<br />

nicht die Verletzung solcher Normen rügen, die nicht dazu<br />

bestimmt sind, Individualinteressen einzelner zu schützen.<br />

Etwas anderes gilt für Enteignungsbetroffene. Diese können<br />

auch rein objektive Rechtsverstöße geltend machen. 10<br />

Eine Ausnahme von dem Erfordernis einer Betroffenheit<br />

in eigenen Rechten gilt zudem für anerkannte Vereinigungen.<br />

Diese nehmen typischerweise keine eigenen Rechte<br />

wahr, sondern setzen sich für fremde Belange, nämlich die<br />

von Natur und Landschaft, ein. Dazu sind sie nicht unbeschränkt<br />

aber auf Grundlage des § 64 Abs. 1 BNatSchG<br />

sowie des § 2 Abs. 1 UmwRG gegenüber bestimmten Verwaltungsakten,<br />

d. h. Zulassungsentscheidungen, berechtigt.<br />

Zulässigerweise Klage erheben können anerkannte<br />

Naturschutzvereinigungen etwa gegen Planfeststellungsbeschlüsse<br />

für Vorhaben, die mit Eingriffen in Natur und<br />

Landschaft verbunden sind und gegen alle Zulassungen, die<br />

eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfordern.<br />

Klagebegründung<br />

Mit der Zulässigkeit einer Klage ist noch nichts über deren<br />

Begründetheit und damit den Erfolg der Klage gesagt. Eine<br />

Zulassung ist im gerichtlichen Verfahren gemäß § 113 Abs. 1<br />

S. 1 VwGO in der Regel nur dann aufzuheben, wenn die<br />

Zulassung objektiv rechtswidrig und der Kläger dadurch<br />

in seinen Rechten verletzt ist. Anderes gilt für die unter 1.<br />

und 2. behandelten absoluten Verfahrensfehler der UVP<br />

und der naturschutzrechtlichen Beteiligungserfordernisse<br />

anerkannter Vereinigungen, die deshalb von der betonten<br />

erheblichen Bedeutung sind.<br />

Zur Begründung einer Klage setzt das Gesetz in der Regel<br />

– anders als für die Erhebung einer Klage – keine Fristen.<br />

Anderes gilt für das Klageverfahren gegen Planfeststellungen<br />

und Plangenehmigungen für Vorhaben i.S.d. § 43<br />

S. 1 Nr. 2 EnWG. Die zur Begründung einer Klage gegen<br />

Planfeststellungen und Plangenehmigungen für Vorhaben<br />

i.S.d. § 43 S. 1 Nr. 2 EnWG dienenden Tatsachen und<br />

Beweismittel muss der Kläger gemäß § 43e Abs. 3 S. 1<br />

10 BVerwGE 67, 74, 76.<br />

Themenübersicht 2013 / 2014<br />

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen<br />

- Teil 1: Gasversorgungsleitungen im Sinne des EnWG<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 1-2/2013, S. 36-41<br />

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen -<br />

Teil 2: Rohrfernleitungen i.S.d. Ziffern 19.3 bis 19.8 der Anlage 1 des UVPG<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 3/2013, S. 36-39<br />

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen<br />

- Teil 3: Anforderungen des Bundesberggesetzes (BBergG) und des<br />

Kohlendioxidspeichergesetzes (KSpG)<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 4-5/2013, S. 44-49<br />

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 1: Zulassungserfordernisse<br />

und Zulassungsverfahren<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 7-8/2013, S. 34-42<br />

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 2: Die UVP-Relevanz von<br />

Änderungen<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 9/2013, S. 24-32<br />

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 3: Die Änderung von<br />

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe,<br />

§ 20 Abs. 2 S. 4 UVPG<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 10/2013, S.32-37<br />

Konversion - Wo verläuft die Grenze zwischen Änderung und<br />

vollständig anderem Vorhaben?<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 11-12/2013, S.39-44<br />

Rechtliche Konsequenzen von Fehlern des Zulassungsverfahrens<br />

<strong>3R</strong>, Ausgabe 1-2/2014<br />

EnWG binnen 6 Wochen ab Klageerhebung 11 – nicht binnen<br />

6 Wochen ab Zustellung von Planfeststellungsbeschluss<br />

oder Plangenehmigung – angeben. Verspätet vorgebrachte<br />

Tatsachen und Beweismittel können gemäß § 43e Abs. 3<br />

S. 2 EnWG i.V.m. § 87b Abs. 3 VwGO von dem Gericht<br />

zurückgewiesen werden, wenn die Zulassung den Rechtsstreit<br />

verzögern würde, die Verspätung nicht genügend<br />

entschuldigt wird und der Beteiligte über die Folgen der<br />

Fristversäumung belehrt wurde. Das setzt eine Belehrung<br />

über die 6-Wochen-Frist in der Rechtsbehelfsbelehrung<br />

eines Verwaltungsakts voraus. 12<br />

Eine entsprechende Regelung enthält das UVPG für Planfeststellung<br />

und Plangenehmigung von Rohrfernleitungen<br />

i.S.d. § 20 UVPG nicht. Entsprechende Fristen ergeben<br />

sich aber auf Grundlage des Umweltrechtsbehelfsgesetzes<br />

aufgrund des mit dem Gesetz zur Änderung des Umweltrechtsbehelfsgesetzes<br />

vom 21.01.2013 neu eingefügten<br />

11 Vgl. BVerwG, NVwZ 1994, 371, 372 zu § 5 Abs. 3 VerkPBG u. OVG Hamburg,<br />

Urteil vom 26.04.2013, 5 E 10/11, BeckRS 2013, 51748 zu § 17e<br />

Abs. 5 FStrG.<br />

12 BVerwG, NVwZ-RR 1998, 592, 593; OVG Greifswald, NJOZ 2012, 2033,<br />

2054.<br />

01-02 | 2014 43


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK<br />

§ 4a UmwRG nunmehr auch für Planfeststellungsbeschlüsse<br />

– nicht auch für Plangenehmigungen – i.S.d. § 20 Abs. 1<br />

UVPG. Gemäß § 4a Abs. 1 S. 1 UmwRG hat der gegen<br />

eine Zulassungsentscheidung mit Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

klagende Kläger die zur Begründung seiner Klage<br />

dienenden Tatsachen und Beweismittel innerhalb von 6<br />

Wochen anzugeben. Danach kann das Gericht Tatsachen<br />

und Beweismittel gem. § 4a Abs. 1 S. 2 UmwRG zurückweisen.<br />

Damit gilt für Klagen gegen Planfeststellungsbeschlüsse<br />

i.S.d. § 20 Abs. 1 UVPG, da diese eine Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

voraussetzen, nun die gleiche kurze<br />

Begründungsfrist, wie für Klagen gegen Planfeststellungen<br />

und Plangenehmigungen i.S.d. § 43 S. 1 Nr. 2 EnWG; auf<br />

Antrag kann das Gericht die Frist allerdings gemäß § 4a<br />

Abs. 1 S. 3 UmwRG verlängern. Für Klagen gegen Plangenehmigungen<br />

i.S.d. § 20 Abs. 2 UVPG gilt die kurze<br />

Begründungsfrist gemäß § 4a Abs. 1 S. 1 UmwRG dagegen<br />

nicht, da Plangenehmigungen i.S.d. § 20 Abs. 2 UVPG<br />

voraussetzen, dass das Vorhaben nicht UVP-pflichtig ist.<br />

Die UVP-Pflicht ist aber zwingende Eingangsvoraussetzung<br />

des § 4a Abs. 1 UmwRG.<br />

Die kurze Begründungsfrist aus § 4a Abs. 1 S. 1 UmwRG<br />

ist nicht nur auf die Klagen anerkannter Naturschutzvereinigungen<br />

beschränkt, sondern gilt gemäß § 4a Abs. 4<br />

UmwRG auch für Klagen sonstiger Dritter.<br />

Anwendung findet die kurze Begründungsfrist gemäß<br />

§ 5 Abs. 4 S. 2 UmwRG auf gerichtliche Klageverfahren,<br />

die ab dem 29.01.2013, dem Tag des Inkrafttretens des<br />

Änderungsgesetzes, eingeleitet worden sind oder noch<br />

eingeleitet werden.<br />

Zuständiges Gericht<br />

Zuständig zur Entscheidung über die Klage ist bei Klagen<br />

gegen Planfeststellungsbeschlüsse i.S.d. § 43 S. 1 Nr. 2 EnWG<br />

in erster Instanz das Oberverwaltungsgericht und bei Klagen<br />

über Planfeststellungsbeschlüsse i.S.d. § 20 Abs. 1 UVPG das<br />

Verwaltungsgericht. Die örtliche Gerichtszuständigkeit richtet<br />

sich gemäß § 52 VwGO nach dem Ort, in dessen Bereich eine<br />

Rohrleitung liegt, wenn die Rohrleitung die Grenze mehrerer<br />

örtlicher Gerichtszuständigkeiten kreuzt, das Gericht, in dessen<br />

Bezirk der Verwaltungsakt erlassen wurde. Eine Besonderheit<br />

gilt gemäß § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO für Streitigkeiten, die Planfeststellungen<br />

oder Plangenehmigungen nach dem Energieleitungsausbaugesetz<br />

betreffen, d. h. für Vorhaben im Bereich<br />

der Höchstspannungsnetze, für die ein vordringlicher Bedarf<br />

besteht. Dafür ist in erster Instanz das BVerwG zuständig.<br />

Beginnt das Verfahren beim Oberverwaltungsgericht, kann<br />

die dort ergehende Entscheidung von der unterlegenen Partei,<br />

dann wenn das OVG dies zulässt, beim BVerwG mit der<br />

Revision angegriffen werden. Anderenfalls muss zunächst die<br />

Nichtzulassung der Revision mit der Beschwerde angegriffen<br />

werden. Beginnt das Verfahren beim Verwaltungsgericht, folgt<br />

instanziell das OVG als Berufungsgericht, wenn die Berufung<br />

vom VG zugelassen wird oder eine Beschwerde gegen die<br />

Nichtzulassung der Berufung erfolgreich ist und anschließend<br />

bei Zulassung der Revision durch das Berufungsgericht oder<br />

erfolgreicher Nichtzulassungsbeschwerde das BVerwG als<br />

Revisionsgericht. Verfahren, die in erster Instanz beim BVerwG<br />

anhängig zu machen sind, werden aus Beschleunigungsgründen<br />

nur in einer einzigen gerichtlichen Instanz, nämlich beim<br />

BVerwG, überprüft.<br />

Eilverfahren<br />

Einer Klage kommt regelmäßig aufschiebende Wirkung zu,<br />

d. h. während eines Klageverfahrens kann von der angegriffenen<br />

Zulassung kein Gebrauch gemacht werden. Anderes<br />

regelt § 43e Abs. 1 S. 1 EnWG für Klagen gegen einen Planfeststellungsbeschluss<br />

oder eine Plangenehmigung gegen<br />

Gasversorgungsleitungen mit einem Durchmesser > 300 mm.<br />

Diese können trotz einer Klage auch ohne ausdrückliche<br />

behördliche Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit – auf<br />

eigenes Risiko des Vorhabenträgers – ausgenutzt werden. Will<br />

der Kläger dies verhindern, muss er gemäß § 43e Abs. 1 S. 2<br />

EnWG innerhalb eines Monats nach Zustellung von Planfeststellungsbeschluss<br />

oder Plangenehmigung einen Antrag bei<br />

Gericht auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage<br />

stellen und den Antrag binnen der 1-Monatsfrist auch begründen.<br />

Nach Ablauf der 1-Monatsfrist kann ein Eilantrag gem.<br />

§ 43e Abs. 2 EnWG nur noch gestellt werden, wenn neue<br />

Tatsachen eintreten, die die Anordnung der aufschiebenden<br />

Wirkung rechtfertigen, und diese binnen eines Monats nach<br />

Kenntniserlangung von den neuen Tatsachen zum Gegenstand<br />

eines Eilantrags gemacht werden. Über diese gesetzliche<br />

Regelung der Vollziehbarkeit und der kurzen Fristen werden<br />

Gerichtsverfahren, betreffend Gasversorgungsleitungen i.S.d.<br />

§ 43 S. 1 Nr. 2 EnWG im Vergleich zu sonstigen Gerichtsverfahren,<br />

in denen Klagen aufschiebende Wirkung entfalten<br />

und Eilverfahren an keine Fristen geknüpft sind, beschleunigt.<br />

Für Rohrfernleitungen i.S.d. § 20 UVPG regelt das UVPG keine<br />

entsprechenden Beschleunigungen. Einer Klage gegen einen<br />

Planfeststellungsbeschluss oder eine Plangenehmigung i.S.d.<br />

§ 20 UVPG kommt aufschiebende Wirkung zu. Behörde und<br />

Vorhabenträger sind daher gut beraten, dann, wenn Klagen<br />

Dritter absehbar sind und das Vorhaben eilbedürftig ist, mit<br />

einer Sofortvollzugsanordnung nicht bis zu einem Klageverfahren<br />

abzuwarten, sondern eine Sofortvollzugsanordnung<br />

unmittelbar mit der Zulassungsentscheidung auszusprechen<br />

(Behörde) bzw. dies bei der Behörde zu beantragen (Vorhabenträger).<br />

Jeder, der fristgerecht Klage erhoben hat oder<br />

noch erheben kann, kann dann allerdings zur Aufhebung der<br />

behördlichen Sofortvollzugsanordnung einen Eilantrag auf<br />

Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung stellen, ohne<br />

dass dieser Eilantrag besonderen Fristerfordernissen unterläge.<br />

Ein Eilantrag kann daher vorbehaltlich einer Verwirkung auch<br />

Monate oder gar Jahre nach Einleitung eines Klageverfahrens<br />

gestellt werden.<br />

5. ZUSAMMENFASSUNG<br />

Auch wenn dies aus der Feder von Anwälten merkwürdig<br />

anmuten mag, ist aus Sicht eines Zulassungsbehörden und<br />

Vorhabenträger vertretenden Anwalts ganz klar zu sagen:<br />

Jedes verhinderte Gerichtsverfahren ist ein gutes Verfahren.<br />

Aber bekanntlich lassen sich Gerichtsverfahren nicht immer<br />

oder besser: immer weniger verhindern. Deshalb muss im<br />

44 01-02 | 2014


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT<br />

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Lichte der durch die europarechtliche Rechtsetzung und<br />

Rechtsprechung erheblich potenzierten Fehlerquellen dem<br />

Zulassungsverfahren nochmals erhöhtes Augenmerk gewidmet<br />

werden, um Fehler im Zulassungsverfahren mit Folgen für den<br />

Bestand der Zulassungsentscheidung im Falle eines Gerichtsverfahrens<br />

zu verhindern. Hier von dem „Schenken“ erhöhten<br />

Augenmerks zu sprechen wäre verfehlt, da zusätzliche Prüfungen<br />

und Prüfvorkehrungen im Zulassungsverfahren natürlich<br />

kostenverursachend sind. Es bedarf daher einer Abwägung<br />

des Kostenvolumens gegenüber potentiellen Risiken und der<br />

Bedeutung der begehrten Zulassung, die nur dann werthaltig<br />

ist, wenn sie nicht im Gerichtsverfahren aufgehoben wird.<br />

Anwaltliche Unterstützung bereits im Zulassungsverfahren<br />

– sei es als Verwaltungshelfer oder als Berater – ist jedenfalls<br />

bei komplexen Vorhaben sinnvoll.<br />

Abschließend wollen wir mit diesem letzten Beitrag unserer<br />

Aufsatzreihe dem Vulkan-Verlag bzw. der <strong>3R</strong>-Redaktion für<br />

das uns gewährte Forum danken. Es war ein Wagnis, juristische<br />

Aufsätze in einer technisch geprägten Zeitschrift zu<br />

veröffentlichen. Aber Technik bewegt sich nicht im rechtsfreien<br />

Raum, weshalb gerade in Verfahren potentiell streitiger<br />

Vorhaben eine enge Zusammenarbeit von Technikern und<br />

Juristen unabdingbar ist. Dabei ist zu Beginn oftmals nicht einmal<br />

das Sprachverständnis gleich; während etwa Juristen mit<br />

dem Wort „grundsätzlich“ ausdrücken wollen, dass durchaus<br />

Ausnahmen bestehen, versteht der Techniker „grundsätzlich“<br />

oft apodiktisch als ausnahmslos. Zudem fehlt Juristen oftmals<br />

das Verständnis technischer Erfordernisse und fehlt Technikern<br />

oftmals das Verständnis rechtlicher Notwendigkeiten. Da aber<br />

weder Technikern zuzumuten ist, ein zusätzliches Jurastudium<br />

zu absolvieren, noch Juristen ein technisches Studium<br />

absolvieren müssen, müssen beide Seiten miteinander kommunizieren.<br />

Es ist Aufgabe der Technik, Vorhaben zu planen<br />

und technisch umsetzbar zu konstruieren und Aufgabe der<br />

Juristen, die technische Planung an den maßstabgebenden<br />

juristischen Zulassungsvoraussetzungen zu spiegeln und die<br />

sich daraus ergebenden Verfahrenserfordernisse zu identifizieren.<br />

Wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, mündet es als<br />

Miteinander und nicht als Gegeneinander in eine zielführende<br />

Gemeinschaftsarbeit.<br />

Dr. BETTINA KEIENBURG<br />

Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare, Essen<br />

Tel. +49 201 1756-624<br />

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Dr. MICHAEL NEUPERT<br />

Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare, Essen<br />

Tel. +49 201 1756-624<br />

AUTOREN<br />

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<strong>3R</strong> erscheint in der Vulkan-Verlag GmbH, Huyssenallee 52-56, 45128 Essen<br />

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01-02 | 2014 45


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK<br />

Qualifikationsanforderungen für<br />

Fachunternehmen des kathodischen<br />

Korrosionsschutzes (KKS)<br />

Die Neufassung des DVGW-Arbeitsblatt GW 11, textgleich mit der fkks-Richtlinie Güteüberwachung, bringt eine ganze<br />

Reihe von Änderungen im Vergleich zur bisher gültigen Version. Diese sollen in diesem Fachbericht ausführlich beschrieben<br />

werden.<br />

EINLEITUNG<br />

Der zur Überarbeitung des DVGW-Arbeitsblattes GW 11<br />

(textgleich mit der fkks-Richtlinie Güteüberwachung) [1]<br />

gebildete Projektkreis hat sich grundsätzlich die weitere<br />

Erhöhung der Qualität der KKS-Fachfirmen auf die Fahnen<br />

geschrieben, wobei dies ohne nennenswerte Kostenerhöhung<br />

für die Fachfirmen erfolgen soll.<br />

Zur Erreichung dieses Ziels war es entscheidend, die neue<br />

GW 11 besser auf die europäische Norm zur Qualifizierung<br />

von KKS-Fachpersonal, DIN EN 15257 [2] abzustimmen.<br />

Nachfolgender Fachbericht befasst sich mit den wesentlichen<br />

Inhalten dieses Arbeitsblattes.<br />

ANFORDERUNGEN AN DIE FACHFIRMA<br />

Neben den allgemeinen Anforderungen wie z. B. der Einhaltung<br />

der Vorgaben zur Arbeitssicherheit bzw. zum Umweltschutz<br />

oder das Vorhalten einer Haftpflichtversicherung, die<br />

auch bisher schon eingefordert wurden, wird nun erstmalig<br />

von den Fachfirmen ein firmeninternes Qualitätsmanagementsystem<br />

verlangt. Ein derartiges System soll dabei folgendes<br />

sicherstellen:<br />

»»<br />

Die Regelung der Befugnisse und Verantwortlichkeiten<br />

innerhalb des Unternehmens<br />

»»<br />

Die Schulung und Qualifikation der Mitarbeiter<br />

»»<br />

Die Überprüfung der Qualifikation von Subunternehmen,<br />

mit denen die Fachfirma zusammenarbeitet<br />

»»<br />

Das Vorhandensein des aktuellen technischen und<br />

berufsgenossenschaftlichen Regelwerks sowie von<br />

aktueller Fachliteratur und Rechtsvorschriften und<br />

seine Verfügbarkeit für jeden Mitarbeiter<br />

»»<br />

Den Nachweis der vorschriftsgerechten Entsorgung<br />

von belastetem Material<br />

»»<br />

Die Durchführung einer Prüfmittelüberwachung<br />

ANFORDERUNGEN AN DAS PERSONAL<br />

Hier hat es im Vergleich zur letzten Version der GW 11 die<br />

meisten Veränderungen gegeben, deswegen soll auf diesen<br />

Punkt auch sehr ausführlich eingegangen werden.<br />

Allgemeines<br />

Die Qualifikation von KKS-Personal wurde bisher nirgendwo<br />

definiert, obwohl z. B. DVGW-GW 10 [3] und -GW 12<br />

[4] die Durchführung bestimmter Tätigkeiten einem KKS-<br />

Sachkundigen vorbehalten. In der aktuellen Version der<br />

GW 11 werden nun die Fachkraft, der Sachkundige und<br />

der verantwortliche Fachmann definiert, wobei der normative<br />

Anhang B des Regelwerks ihre jeweiligen Schulungsinhalte<br />

beschreibt.<br />

Fachkraft<br />

Die Fachkraft hat die Aufgabe, Installationen, KKS-Messungen<br />

aller Art und Wartungsarbeiten durchzuführen.<br />

Zur Durchführung dieser Tätigkeiten verfügt sie über<br />

ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Fachgebiet<br />

des KKS. Weiterhin ist sie mit den einschlägigen<br />

Bestimmungen soweit vertraut, dass eine ordnungsgemäße<br />

Abwicklung der übertragenen Aufgaben sichergestellt<br />

ist. Weiterhin weist sie eine elektrotechnische<br />

Grundausbildung und eine Qualifikation gemäß dem<br />

Anforderungsprofil nach DIN EN 15257 Grad 1 im entsprechenden<br />

Anwendungsbereich auf.<br />

Mit der Einführung des Anforderungsprofils der KKS-<br />

Fachkraft wird, basierend auf der Grundqualifikation einer<br />

elektrotechnischen Ausbildung, ein konkreter Weg für die<br />

Qualifizierung zum Sachkundigen aufgezeigt.<br />

Sachkundiger<br />

Die weitere Qualifizierung zum Sachkundigen setzt<br />

Kenntnisse und Erfahrungen einer Fachkraft voraus.<br />

Sachkundige müssen von Versorgungsunternehmen<br />

oder von Fachfirmen schriftlich benannt werden. Das<br />

Aufgabenumfeld des Sachkundigen umfasst dabei das<br />

Tätigkeitsprofil nach DIN EN 15257 Grad 2 im entsprechenden<br />

Anwendungsbereich. Weiterhin hat er die in<br />

[3], [4] und GW 16 [5] beschriebenen Sachkundigen-<br />

Tätigkeiten durchzuführen.<br />

Zur Durchführung dieser Tätigkeiten verfügt er über<br />

eine elektrotechnische Grundausbildung, eine fachliche<br />

Qualifikation gemäß dem Anforderungsprofil<br />

nach DIN EN 15257 Grad 2 für den entsprechenden<br />

Anwendungsbereich sowie auf Grund seiner Ausbildung<br />

und Erfahrung über ausreichende Sachkenntnisse<br />

über die einschlägigen Vorschriften, Richtlinien und<br />

Regeln der Technik sowie technischen Empfehlungen.<br />

46 01-02 | 2014


Verantwortlicher Fachmann<br />

Der verantwortliche Fachmann trägt innerhalb der Fachfirma die<br />

Verantwortung für die KKS-Planungen und die Instandhaltung<br />

der von der Fachfirma betreuten KKS-Systeme, die Übertragung<br />

der Normen bzw. KKS-Mess- und -Prüfverfahren in technische<br />

Anweisungen, die Festlegung routinemäßiger Mängelbeseitigungsmaßnahmen,<br />

die Auswahl der für den jeweiligen Fall geeigneten<br />

KKS-Mess- und -Prüfverfahren, die Organisation, Auswertung,<br />

Beurteilung und Dokumentation von KKS-Mess- und -Prüfverfahren,<br />

die Organisation der Qualifikation und Weiterbildung der fest<br />

angestellten Mitarbeiter und die ordnungsgemäße Kalibrierung der<br />

eingesetzten Messgeräte.<br />

Er verfügt im Minimum entweder über ein abgeschlossenes technisches<br />

oder naturwissenschaftliches Hochschulstudium, drei Jahre<br />

Erfahrung als Sachkundiger und den Nachweis mindestens einer<br />

Teilnahme an einem einschlägigen Lehrgang über den kathodischen<br />

Korrosionsschutz oder über einen Abschluss als Handwerks- bzw.<br />

Industriemeister Elektrotechnik oder als staatlich geprüfter Elektrotechniker<br />

mit mindestens fünf Jahren Erfahrung als Sachkundiger<br />

und den Nachweis von mindestens zwei Teilnahmen an einschlägigen<br />

Lehrgängen über den kathodischen Korrosionsschutz.<br />

SOLARTECHNIK<br />

Solar-Tec<br />

Vorhalten einer Mindestanzahl an Fachpersonal<br />

In der neuen GW 11 wird zum ersten Mal beschrieben, welche<br />

Mindestanzahl an Sachkundigen und Verantwortlichen Fachmännern<br />

in Abhängigkeit von den im Unternehmen fest angestellten<br />

Fachkräften vorhanden sein muss (siehe Tabelle 1).<br />

Dabei gilt, dass ein verantwortlicher Fachmann gleichzeitig Sachkundiger<br />

und Fachkraft ist und ein Sachkundiger gleichzeitig auch<br />

Fachkraft. Insofern hätte z. B. auch die Ein-Mann-Fachfirma, die<br />

aus einem verantwortlichen Fachmann besteht, die Anforderungen<br />

nach Tabelle 1 erfüllt. Durch die Anforderungen aus Tabelle 1 wird<br />

sichergestellt, dass die entsprechende Fachfirma in Abhängigkeit<br />

ihrer Größe über die Personalressourcen verfügt, die erforderlich<br />

sind, um die notwendige fachlich qualifizierte Arbeit auch leisten<br />

zu können.<br />

PRÜFUNG<br />

Im normativen Anhang A der GW 11 werden Hinweise über den Ablauf<br />

der Prüfung der Konformität der in GW 11 formulierten Anforderungen<br />

gegeben.<br />

Die Prüfung soll dabei wie bisher verlaufen. Sie findet vor Ort bei der zu<br />

prüfenden Fachfirma statt, wird von Experten durchgeführt und besteht<br />

aus einem Fachgespräch mit dem/den verantwortlichen Fachmänner/n<br />

PVC / PMMA Messstellen<br />

Messstellen-Typen-Vielfalt für unabhängige Stromversorgung<br />

und zur sicheren Aufnahme der Messtechnik.<br />

Kabelvergussset<br />

Passiver Korrosionsschutz von Kabelanschlüssen für den<br />

kathodischen Korrosionsschutz.<br />

Ausschließlich fest<br />

angestellte Fachkräfte<br />

Sachkundige<br />

Tabelle 1: Mindestanzahl an qualifizierten Mitarbeitern<br />

Verantwortlicher<br />

Fachmann<br />

1 bis 5 1 1<br />

6 bis 10 2 1<br />

11 bis 15 3 1<br />

16 bis 20 4 1<br />

21 bis 25 5 1<br />

26 bis 30 6 1<br />

> 30 > 6 1<br />

Unterflur Messstelle<br />

Wasserdichtes Kunststoffgehäuse mit teleskopierbarer<br />

Klemmplatte.<br />

01-02 | 2014 47<br />

www.kettnergmbh.de


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK<br />

sowie einer Unternehmensprüfung und soll alle fünf Jahre<br />

wiederholt werden. Somit ist sichergestellt, dass einerseits<br />

durch den Prüfungsablauf und andererseits durch den Wiederholungsturnus<br />

im Vergleich zum momentanen Stand keine<br />

zusätzlichen Kosten auf die Fachfirmen zukommen.<br />

Weiterhin sollen die Experten, die die Prüfung durchführen,<br />

das Anforderungsprofil nach DIN EN 15257 Grad erfüllen und<br />

vertiefte Kenntnisse über das einschlägige nationale Regelwerk<br />

zum KKS aufweisen.<br />

FAZIT<br />

In der aktuellen Version der GW 11 wird der Tatsache Rechnung<br />

getragen, dass für die Erbringung fachlich einwandfreier<br />

Leistungen neben einem gut strukturierten, organisierten und<br />

qualifizierten Fachunternehmen und einem entsprechend fachkundigen<br />

verantwortlichen Fachmann auch die Qualifikation<br />

der fest angestellten Mitarbeiter der Fachfirma eine enorme<br />

Bedeutung hat. Hier wurde dann auch die Brücke zur europäischen<br />

Personenzertifizierung nach DIN EN 15257 geschlagen<br />

und somit eine sehr viel bessere Abstimmung zwischen dieser<br />

Norm und GW 11 erzielt als bisher.<br />

Der Wunsch, die Qualität der nach GW 11 geprüften Fachfirmen<br />

weiter zu erhöhen, stellt keinen von der Realität losgelösten<br />

Selbstzweck der Projektkreis-Mitglieder dar, im Gegenteil.<br />

Aktuell muss immer noch viel zu oft beobachtet werden, dass<br />

viele Netzbetreiber die Qualität von nach GW 11 zertifizierten<br />

Fachfirmen als nicht ausreichend bewerten und deshalb<br />

zusätzliche Präqualifikationsverfahren einrichten, die sowohl<br />

beim Netzbetreiber als auch bei der KKS-Fachfirma nicht unerhebliche<br />

zusätzliche Kosten verursachen.<br />

Es ist deshalb das Ziel des DVGW-TK-Außenkorrosion und des<br />

FKKS, dass nach GW 11 geprüfte Fachfirmen für ein hohes<br />

Maß an Qualität stehen und es deshalb für Netzbetreiber nicht<br />

mehr erforderlich ist, zusätzliche Präqualifikationsverfahren<br />

durchzuführen. Speziell in Bezug auf die Qualifizierung des<br />

Fachpersonals der KKS-Fachfirmen verlangt die neue GW 11<br />

deshalb von den Fachfirmen deutlich mehr als bisher, was<br />

natürlich zusätzliche Kosten verursachen wird. Andererseits<br />

werden sich dann in Zukunft die Aufwendungen für zusätzliche<br />

Präqualifikationsverfahren reduzieren, so dass es sich<br />

hierbei im eigentlichen Sinne um eine Investition in die Zukunft<br />

handelt.<br />

Was den Prüfungsablauf sowie die Wiederholungszyklen<br />

betrifft, ist zu vermerken, dass für dieses rein nationale Verfahren<br />

ein akkreditiertes Zertifizierungssystem zur Konformitätsprüfung<br />

nicht erforderlich ist und vom Markt auch nicht<br />

verlangt wird. Die in GW 11 beschriebenen Prüfungsabläufe<br />

und der dort beschriebene Wiederholungszyklus orientieren<br />

sich deshalb an der bisher bekannten Vorgehensweise. Diese<br />

hat sich aus der langjährigen Erfahrung heraus als vollkommen<br />

ausreichend erwiesen, so dass sichergestellt werden kann,<br />

dass es hierdurch zu keinen zusätzlichen Belastungen für die<br />

Fachfirmen kommen wird.<br />

LITERATUR<br />

[1] DVGW-Arbeitsblatt GW 11 „Qualifikationsanforderungen für<br />

Fachunternehmen des kathodischen Korrosionsschutzes (KKS)“<br />

(2013)<br />

[2] DIN EN 15257 „Kathodischer Korrosionsschutz –<br />

Qualifikationsgrade und Zertifizierung von für den kathodischen<br />

Korrosionsschutz geschultem Personal“ (2006-03)<br />

[3] DVGW-Arbeitsblatt GW 10 „Arbeitsblatt für den Kathodischen<br />

Korrosionsschutz (KKS) erdverlegter Lagerbehälter und<br />

Stahlrohrleitungen aus Stahl – Inbetriebnahme und Überwachung“<br />

(2008-05)<br />

[4] DVGW-Arbeitsblatt GW 12 „Planung und Einrichtung des<br />

kathodischen Korrosionsschutzes (KKS) für erdverlegte<br />

Lagerbehälter und Stahlrohrleitungen“ (2010-10)<br />

[5] DVGW-Arbeitsblatt GW 16 „Arbeitsblatt für den Kathodischen<br />

Korrosionsschutz (KKS) erdverlegter Lagerbehälter und<br />

Stahlrohrleitungen aus Stahl – Fernüberwachung“ (2008-05)<br />

Dipl.-Phys. RAINER DEISS<br />

EnBW Regional AG, Stuttgart<br />

Tel. +49 711 289-47414<br />

E-Mail: r.deiss@enbw.com<br />

AUTOR<br />

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48 01-02 | 2014


RECHT & REGELWERK DVGW<br />

Regelwerk<br />

G 434 Entwurf „Leitungen zur Optimierung des Gasbezuges und der<br />

Gasdarbietung; Errichtung, Prüfung und Betrieb“<br />

Einspruchsfrist 31.03.2014<br />

AUFRUF ZUR<br />

STELLUNGNAHME<br />

Das Arbeitsblatt wurde im Jahre 2003 gemeinsam von<br />

DVGW und VdTÜV auf der Grundlage der zwischen dem<br />

VdTÜV und dem DVGW bereits im Jahre 1992 abgestimmten,<br />

für derartige Anlagen gültigen Abgrenzungskriterien<br />

zwischen Gasleitungen und Druckbehältern erarbeitet und<br />

berücksichtigt die Erkenntnisse und Erfahrungen bei Errichtung,<br />

Prüfung und Betrieb von Optimierungsleitungen.<br />

Seitens DVGW und VdTÜV erfolgte nun eine redaktionelle<br />

Überarbeitung sowie im Wesentlichen die Anpassung<br />

der Anforderungen der Gashochdruckleitungsverordnung<br />

vom 18. Mai 2011 und Aktualisierung der Normbezüge.<br />

Das DVGW-Arbeitsblatt G 434 wird textgleich als VdTÜV<br />

Merkblatt 1068 veröffentlicht.<br />

Ausgabe 12/2013, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 29,69 für Nicht-Mitglieder<br />

G 466-1 “Steel gas pipelines with an operating pressure<br />

greater than 5 bar - Maintenance”<br />

ÜBERSETZUNG<br />

Es handelt sich um die englische Übersetzung des Arbeitsblattes G 466-1 „Gasleitungen aus Stahlrohren für einen<br />

Betriebsdruck größer als 5 bar - Instandhaltung“.<br />

Ausgabe 11/2012, EUR 26,82 für DVGW-Mitglieder, EUR 35,76 für Nicht-Mitglieder<br />

W 1000 Entwurf „Anforderungen an die Qualifikation und die Organisation<br />

von Trinkwasserversorgern“<br />

Einspruchsfrist 30.06.2014<br />

AUFRUF ZUR<br />

STELLUNGNAHNE<br />

Diese Überarbeitung des Arbeitsblattes wurde von einem Projektkreis<br />

im Technischen Komitee „Organisation und Management“<br />

mit Beteiligung (u. a. Landesregierung, Landesgesundheitsamt<br />

und TSM Experten) erarbeitet. Der DVGW W 1000<br />

(A) beschreibt die Anforderungen an Trinkwasserversorger im<br />

Bereich der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Bezug auf<br />

seine Aufbau- und Ablauforganisation. Wesentliche Voraussetzungen<br />

für die Einhaltung der gesetzlichen und technischen<br />

Forderungen sowie der kundenseitigen Qualitätsansprüche bei<br />

der Versorgung der Bevölkerung und Industrie mit Trinkwasser<br />

sind entsprechend leistungsfähige Einrichtungen, sach- und<br />

ordnungsgemäßer Betrieb, ausreichend qualifiziertes Personal<br />

sowie gut funktionierende Qualitätssicherungsmaßnahmen.<br />

Der DVGW hat mit seinem Arbeitsblatt W 1000 im Jahre 1999<br />

die Grundlage für das TSM im Bereich der Wasserversorgung<br />

gelegt. Seit Einführung des TSM hat sich die Anzahl der TSM-<br />

Bestätigungen für Wasserversorger positiv entwickelt. Es ist<br />

aber auch deutlich zu erkennen, dass sich in den letzten Jahren<br />

kein nennenswerter Zuwachs ergibt. Aktuell haben ca. 350<br />

Wasserversorger eine TSM-Bestätigung. Diese Anzahl ist bei<br />

rund 1.600 Mitgliedsunternehmen der Wasserversorgung im<br />

DVGW und bei rund 6.200 Versorgern für das Bundesgebiet<br />

nicht zufriedenstellend. Es zeigt sich, dass gerade bei kleineren<br />

und mittleren Versorgern das TSM auf der Grundlage des<br />

DVGW W 1000 (A) von 2005 in seiner jetzigen Ausgestaltung<br />

wenig bis gar nicht angenommen wird. Wesentliche Gründe<br />

liegen in dem zu komplexen System und in den beschriebenen<br />

Anforderungen an die Technische Führungskraft.<br />

Die Anforderungen dieses überarbeiteten Arbeitsblattes sind<br />

so gestaltet, dass sie sowohl bei Trinkwasserversorgern mit<br />

einfachen Organisationsstrukturen und geringem Personalbestand<br />

als auch bei Versorgern mit komplexen Organisationsstrukturen<br />

mit hohem Personalbestand angewendet werden<br />

können. Daraus resultiert je nach Trinkwasserversorger ein<br />

unterschiedlicher organisatorischer Aufwand. Die Umsetzung<br />

der Anforderungen dieses Arbeitsblattes ist somit auf die spezifische<br />

Situationen des Wasserversorgers anzupassen. Dies<br />

betrifft insbesondere die Anforderungen an die Qualifikation<br />

der Technische Führungskraft. Weiterhin wurden die Systematik<br />

und des Qualifikationsniveaus in Bezug auf das Personal<br />

an den Qualifikationsrahmen für den Erwerb von technischer<br />

Handlungskompetenz bei Fach- und Führungskräften (QRT) in<br />

der Strom-, Gas- und Wasserversorgung angepasst. Bei den<br />

Aufgaben- und Tätigkeitsfelder des Wasserversorgers sind<br />

nun die Tätigkeitsfelder ausgewiesen, die auch durch einen<br />

qualifizierten Dienstleister erbracht werden können.<br />

Ausgabe 12/2013, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 29,69 für Nicht-Mitglieder<br />

01-02 | 2014 49


DIN / DWA RECHT & REGELWERK<br />

DIN EN 1594 „Gasinfrastruktur - Rohrleitungen für einen maximal<br />

zulässigen Betriebsdruck über 16 bar - Funktionale Anforderungen“<br />

NEUERSCHEINUNG<br />

CEN TC 234 „Gasinfrastruktur“ hat eine vollständige Reihe<br />

von Funktionsnormen für alle Stufen der Gasinfrastruktur<br />

von der Einspeisung in das Transportsystem bis zur Inneninstallation<br />

unmittelbar vor den Gasverbrauchseinrichtungen in<br />

Haushalt, Gewerbe und Industrie ausgearbeitet. Die Einhaltung<br />

dieser Funktionsnorm gewährleistet die Interoperabilität,<br />

Sicherheit und Anforderung an die Zuverlässigkeit von<br />

Leitungssystemen. Bei der Erstellung dieser Europäischen<br />

Norm (EN) wurde vorausgesetzt, dass der Anwender ein<br />

Grundverständnis der Gasversorgung aufweist. Diese EN gilt<br />

für Leitungen mit einem maximal zulässigen Betriebsdruck<br />

(MOP) im Bereich von über 16 bar, die für den Transport von<br />

aufbereitetem, nicht giftigem und nicht korrosivem Erdgas<br />

sowie für den Transport von nicht-konventionellen Gasen,<br />

wie eingespeistes Biomethan, nach EN ISO 13686 für die<br />

landgestützte Gasinfrastruktur bestimmt sind. Sie enthält<br />

normative und informative Anforderungen an Leitungssysteme<br />

für eine sichere und zuverlässige Gasinfrastruktur.<br />

Sie trifft Festlegungen für Planung, Bau und Betrieb sowie<br />

zugehörige Aspekte der Sicherheit, des Umweltschutzes<br />

und der Gesundheit mit dem Ziel, eine sichere und zuverlässige<br />

Gasversorgung sicherzustellen. Für diese Norm ist<br />

das Gremium NA 032-02-01 AA „Gastransportleitungen“<br />

im DIN zuständig.<br />

Änderungsvermerk: Gegenüber DIN EN 1594:2009-06 wurden<br />

folgende Änderungen vorgenommen: a) Veränderung<br />

im gesamten Dokument von „Gasversorgung“ zu „Gasinfrastruktur“;<br />

b) redaktionelle und inhaltliche Überarbeitung<br />

der Norm; c) Aktualisierung der normativen Verweisungen;<br />

d) Ergänzung der Definition „Stilllegung“ im Abschnitt 3;<br />

e) Ergänzung des Unterabschnitts 7.14 „Netzanschlüsse“; f)<br />

im Abschnitt 10 „Betrieb und Instandhaltung“ wurden im<br />

Wesentlichen die folgenden Unterabschnitte überarbeitetet:<br />

- 10.1.1 „Strategie“, - 10.1.2 „Sicherheit und Umwelt“, -<br />

10.2 „Aufbauorganisation“, - 10.9 „Instandhaltung, Änderungen<br />

und Reparaturen“; g) Ergänzung des informativen<br />

Anhangs J „Wesentliche technische Änderungen zwischen<br />

dieser Europäischen Norm und der vorherigen Ausgabe“.<br />

Ausgabe 12/2013, Deutsche Fassung EN 1594:2013<br />

Merkblatt M 149-2 „Zustandserfassung und -beurteilung<br />

von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden –<br />

Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion“<br />

NEUERSCHEINUNG<br />

Da die europäische Normung fortgeschrieben wurde, hat die<br />

Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und<br />

Abfall e. V. (DWA) das Merkblatt DWA-M 149-2 aus dem<br />

Jahr 2006 ersetzt und insbesondere in den Bereichen Innenauskleidung,<br />

Reparatur und den Steuerung an die geänderten<br />

normativen Vorgaben der DIN EN 13508 angepasst.<br />

Das Merkblatt gilt für die Zustandserfassung von Entwässerungssystemen,<br />

die hauptsächlich als Freispiegelsysteme<br />

betrieben werden. Sinngemäß kann es auch für die Grundstücksentwässerung<br />

angewandt werden, solange diese nicht<br />

Bestandteil der Gebäudeentwässerung ist.<br />

Die Gliederung des Merkblatts entspricht der der Norm, um<br />

eine einheitliche Handhabung und damit zugleich auch ein<br />

hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit zu gewährleisten. In<br />

Deutschland werden die verbindlichen Regelungen der DIN<br />

EN 13508-2:2011 in Verbindung mit den Inhalten dieses<br />

Merkblattes zur Anwendung empfohlen. Die informativen<br />

Teile der Norm sollen derzeit nur in den aufgeführten Ausnahmen<br />

angewandt werden. Die Anwendung steht aber<br />

jedermann frei.<br />

Geschultes Personal sowie effiziente Hilfsmittel sind Voraussetzung<br />

für eine qualifizierte Inspektion. Gerade im Hinblick<br />

auf die Anwendung des Kodiersystems ist die Unterstützung<br />

des Eingabevorganges durch geeignete Software von besonderer<br />

Bedeutung. Die Norm kann daher erst angewandt<br />

werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.<br />

Hierzu räumt die DIN EN 13508 eine Frist bis August<br />

2014 ein. Inspektionsprogramme, die vor Veröffentlichung<br />

der DIN EN 13508-2:2011 begonnen wurden, können noch<br />

mit dem ursprünglichen Kodiersystem beendet werden.<br />

Das Merkblatt richtet sich an alle in der Zustandserfassung<br />

und -beurteilung von Entwässerungssystemen planenden,<br />

betreibenden sowie Aufsicht führenden Institutionen sowie<br />

an Firmen, die hiermit betraut werden.<br />

Ausgabe: 12/2013, EUR 48,80 für DWA-Mitglieder, EUR 61,00 für Nicht-Mitglieder<br />

Besuchen Sie uns auf dem 28. Oldenburger Rohrleitungsforum<br />

2. OG., V13<br />

50 01-02 | 2014


RECHT & REGELWERK DWA<br />

Arbeitsblatt A 117 „Bemessung von Regenrückhalterräumen“<br />

NEUERSCHEINUNG<br />

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser<br />

und Abfall e. V. (DWA) hat das Arbeitsblatt DWA-A 117<br />

„Bemessung von Regenrückhalterräumen“ in überarbeiteter<br />

Fassung neu herausgegeben. Es regelt die Bemessung<br />

und den Nachweis von Regenrückhalteräumen und ist auf<br />

die gesamte Abwasserableitung zwischen Grundstücksentwässerung<br />

und Gewässer anwendbar.<br />

Das Arbeitsblatt unterscheidet zwischen einfachem Verfahren<br />

und Nachweisverfahren, das heute aufgrund der<br />

inzwischen hohen Verfügbarkeit von Niederschlagsdaten<br />

und ausreichend vorhandener Rechnerkapazitäten überwiegend<br />

angewendet wird.<br />

Mit dem Nachweisverfahren werden die realen Gegebenheiten<br />

besser abbildet, durch die Erhebung der erforderlichen Grundlagendaten<br />

und den Modellaufbau entstehen aber höhere<br />

Kosten. Da für den Betreiber das Risiko unkalkulierbarer Schäden<br />

infolge Unterbemessung wie auch kostspieliger Überbemessungen<br />

jedoch reduziert wird, sind diese gerechtfertigt.<br />

Für die Bemessung von Rückhalteräumen ist insbesondere<br />

die Zunahme von lokalen Starkregenereignissen – möglicherweise<br />

eine Folge des Klimawandels – von Bedeutung,<br />

die zu einer Erhöhung der erforderlichen Rückhaltevolumina<br />

führen könnten. Die heute vorliegenden Niederschlagsprojektionen<br />

weisen jedoch eine sehr große regionale<br />

Variabilität auf. Zudem bestehen große Unsicherheiten<br />

bei der prognostizierten Niederschlagsentwicklung. Von<br />

einem Klimawandelzuschlag im Bemessungsgang wird<br />

daher abgeraten. Vielmehr sind bei der Planung – auch<br />

im Hinblick auf die Ziele einer integralen Siedlungsentwässerung<br />

– Möglichkeiten zur späteren Erweiterbarkeit<br />

des Rückhalteraums und zur Verringerung des Niederschlagswasseranfalls<br />

zu berücksichtigen. Eine detaillierte<br />

Darstellung der möglichen Auswirkungen ist auch im<br />

DWA-Themenband „Klimawandel – Herausforderungen<br />

und Lösungsansätze für die deutsche Wasserwirtschaft“<br />

(DWA 2010) enthalten.<br />

Das Arbeitsblatt richtet sich insbesondere an planende<br />

Ingenieure, Aufsichtsbehörden und Kommunen.<br />

Ausgabe: 12/2013, EUR 38,40 für DWA-Mitglieder, EUR 48,00 für Nicht-Mitglieder<br />

Merkblatt M 145-1 „Kanalinformationssysteme –<br />

Teil 1: Grundlagen und systemtechnische Anforderungen“<br />

NEUERSCHEINUNG<br />

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser<br />

und Abfall e. V. (DWA) hat den ersten Teil der Merkblattreihe<br />

DWA-M 145 „Kanalinformationssysteme“ vorgelegt. Er<br />

beschreibt die Grundlagen für den Aufbau und die Anwendung<br />

eines Kanalinformationssystems (KIS). Die Merkblattreihe gilt<br />

für die Erfassung, Dokumentation, Pflege, Darstellung, Analyse,<br />

Verarbeitung und den Austausch von Informationen zu<br />

Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden. Abwasserleitungen<br />

und -kanäle unter Gebäuden werden berücksichtigt,<br />

sofern sie nicht Bestandteil der Gebäudeentwässerung sind. Die<br />

automatisierte Datenverarbeitung von Kanalnetzen ist relevant,<br />

wenn große Datenmengen anfallen, ein schneller Zugriff auf<br />

diese Daten ermöglicht werden und die Datenverwaltung<br />

benutzerfreundlich sein soll.<br />

In der Merkblattreihe wurden die Merkblätter ATV-<br />

DVWK-M 145 „Aufbau und Anwendung von Kanalinformationssystemen“<br />

und ATV-DVWK-M 150 „Datenaustauschformat<br />

für die Zustandserfassung von Entwässerungssystemen”<br />

aktualisiert und zusammengefasst.<br />

Weil der Übergang von KIS zu geografischen Informationssystemen<br />

(GIS) fließend ist, erklärt Teil 1 der Merkblattreihe<br />

wichtige Unterschiede der Verfahren. Außerdem<br />

definiert er Begriffe zu beiden Systemkomponenten<br />

und beschreibt gängige Anwendungsbereiche, Funktionalitäten,<br />

Einsatzgrenzen und systemtechnische Anforderungen<br />

eines KIS.<br />

Ziel der Merkblattreihe ist es, Anwendern, Systemadministratoren<br />

und Entwicklern Hilfestellungen und grundlegende<br />

Informationen zu Kanalinformationssystemen zu geben.<br />

Das Merkblatt richtet sich an Abwasserbeseitigungspflichtige<br />

wie Kommunen oder Betreiber, an Genehmigungsbehörden,<br />

Systemadministratoren und Entwickler.<br />

Ausgabe: 12/2013, EUR 24,80 für DWA-Mitglieder, EUR 31,00 für Nicht-Mitglieder<br />

<strong>iro</strong>-App 2014<br />

01-02 | 2014 51


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Neues Konzept für Mehrschichtumhüllungen<br />

von Stahlrohren<br />

Im Bereich der grabenlosen Verlegung von Rohrleitungen hat sich eine Vielzahl von Umhüllungsvarianten durchgesetzt.<br />

Dazu zählen nicht nur die zusätzlich mit Zementmörtel- oder GfK-ummantelten Rohrausführungen, sondern vor allem<br />

auch Dickschicht-Systeme auf Polyethylen- oder Polypropylenbasis. Diese Dickschichtumhüllungen werden üblicherweise<br />

in mehreren Umhüllungsschritten hergestellt, wobei eine möglichst gute Haftfestigkeit zwischen den Schichten erwartet<br />

wird. Die Dickschichtumhüllung muss dabei konzeptionell neben der Korrosionsschutzwirkung auch einen ausreichenden<br />

mechanischen Schutz bieten. Der vorliegende Fachbeitrag erläutert die Nachteile dieser Konzeption und bietet mit einem<br />

alternativen neuen Beschichtungsaufbau eine interessante Lösung.<br />

1 EINLEITUNG<br />

Grabenlose Verlegeverfahren haben im Laufe der Zeit eine<br />

immer größere Bedeutung gewonnen. Es existiert kaum ein<br />

größeres Projekt, das nicht mit einer Querung von Straßen,<br />

Bahnlinien, Fluss- oder Bachläufen, gegebenenfalls Naturschutzgebieten<br />

behaftet ist. Solche Aufgabenstellungen sind<br />

unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur mit grabenlosen<br />

Bauverfahren zu realisieren. Derartige Sonderbaumaßnahmen<br />

bedürfen einer eigenen Planung und setzen sich dadurch<br />

von den konventionell zu verlegenden Strecken ab, die mit<br />

Standardrohrausführungen bestückt werden.<br />

Für Sonderbaumaßnahmen stehen verschiedene Umhüllungsvarianten<br />

zur Verfügung, wobei die Wahl des Umhüllungssystems<br />

maßgeblich von den Erfahrungen der Planer bzw. den<br />

ausführenden Unternehmen bestimmt wird. Die Anwendung<br />

von Dickschichtumhüllungen insbesondere auf Polypropylenbasis<br />

hat vor allem im Bereich der Spülbohrverfahren breite<br />

Akzeptanz gefunden. Je nach Schichtdicke wird dazu in bis<br />

zu zwei oder gar drei Fertigungsschritten das Polypropylen<br />

(PP) durch Extrusion aufgetragen. Nachteilig kann sich gerade<br />

beim Polypropylen z. B. die unzureichende Beständigkeit<br />

bei niedrigen Temperaturen auswirken. Über entsprechende<br />

Erfahrungen wurde in der Vergangenheit berichtet [1].<br />

Polypropylen versprödet mit fallender Temperatur. Lokale<br />

Spannungsspitzen z. B. durch Punktlagerungen oder Punktlasten<br />

werden im versprödeten Zustand insbesondere bei<br />

Vorschädigungen wie Riefen oder Kerben durch Rissbildung<br />

abgebaut. Schäden zeigen, dass im Falle einer Rissbildung<br />

die gute Haftfestigkeit zwischen den Polypropylenschichten<br />

Bild 1: Unterschiede bei Messung von Haftung und Scherfestigkeit<br />

einen gravierenden Nachteil darstellt, da die gesamte Schicht<br />

von der Rissbildung betroffen ist. Durch die entstehenden<br />

Risse besteht ein direkter Zugang zur Stahloberfläche. Dieses<br />

gilt natürlich auch für Dickschichtumhüllungen, die in einem<br />

Arbeitsgang realisiert werden.<br />

Aber nicht nur bei neuverlegten Leitungen spielt dieses Schadensbild<br />

eine Rolle. Im Falle der Alterung von Umhüllungen<br />

verlagert sich die Versprödungstemperatur im Laufe der Zeit<br />

zu höheren Werten. Die Frage der Rissbildung ist somit je<br />

nach Lastfall und Kunststoffbasis eine Frage der Zeit. Gerade<br />

im Falle grabenlos verlegter Leitungen ist eine kritische<br />

Kombination aus Riefen und Kerben sowie Punktlasten keineswegs<br />

auszuschließen. Die vorliegenden Untersuchungen<br />

zeigen, dass eine durchgehende Schädigung bis auf das<br />

Stahlrohr vermeidbar ist, wenn im Fall mehrfach extrudierter<br />

Deckschichten auf einen Haftverbund zwischen den Deckschichten<br />

verzichtet wird. Gerade bei grabenlos ausgeführten<br />

Verlegeverfahren wird jedoch ohne den Verbund der<br />

Deckschichten ein Abschieben während des Rohreinzugs<br />

befürchtet. Der Verzicht auf Haftfestigkeit einerseits und<br />

die andererseits erforderliche Scherfestigkeit erscheinen auf<br />

dem ersten Blick kontraproduktiv. Im folgenden Absatz sollen<br />

daher die Begrifflichkeiten speziell im Falle der Umhüllungen<br />

und Ummantelungen von Stahlrohren noch einmal genauer<br />

betrachtet werden.<br />

2 HAFTFESTIGKEIT UND SCHERFESTIGKEIT<br />

Ein hoher Schälwiderstand und damit die Haftfestigkeit wird<br />

unabhängig von der Schichtdicke als Qualitätsmerkmal für die<br />

heute üblichen 3-lagigen Polyethylen- oder Polypropylenumhüllungen<br />

bestehend aus Epoxidharzprimer, Kleber und der<br />

Polyethylen- oder Polypropylendeckschicht herangezogen. In<br />

den technischen Lieferbedingungen wie DIN 30670 [2] oder<br />

DIN 30678 [3] wird bei der Messung des Schälwiderstandes<br />

eine Trennung innerhalb der Kleberschicht gefordert. Die<br />

Trennung erfolgt bei einem mehrlagigen Aufbau immer im<br />

schwächsten Glied. Somit sind bei einer Trennung innerhalb<br />

der Kleberschicht die Haftfestigkeit der Umhüllung auf Stahl<br />

und die Haftfestigkeit der einzelnen Komponenten untereinander<br />

größer als die Festigkeit des verwendeten Klebers. Die<br />

Haftfestigkeit der Umhüllung auf dem Stahl wird durch den<br />

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KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

a) b)<br />

Bild 2: Prüfprinzip zur Ermittlung von Haft- und Scherfestigkeit nach AS/NZS 1518 [5]<br />

Verbund von Epoxidharzprimer und Stahl bestimmt und ist mit<br />

einer einlagigen Beschichtung des Epoxidharzes z. B. als FBE<br />

(Fusion bonded Epoxy) vergleichbar. Hohe Schälwiderstände<br />

mit einer Trennung innerhalb der Kleberschicht besagen,<br />

dass die 3-Lagen-Umhüllung richtig produziert wurde und<br />

indizieren eine gute Haftfestigkeit der Umhüllung.<br />

Experimentelle Bestimmungen der Haftfestigkeit haben alle<br />

das gleiche Prinzip: Auf eine definierte Fläche der Beschichtung<br />

wirkt senkrecht eine Kraft. Die Größe der Kraft, die zum<br />

Abtrennen der Beschichtung von der Stahloberfläche erforderlich<br />

ist, gilt als Maß für die Haftfestigkeit. Die Haftfestigkeit<br />

einer einlagigen Epoxidharzbeschichtung wird beispielsweise<br />

durch den Stirnabzugsversuch nach DIN EN ISO 4624<br />

[4] ermittelt. Der Messwert entspricht allerdings nur dann der<br />

Haftfestigkeit, wenn die Trennung zwischen Beschichtung<br />

und Stahl erfolgt (Adhäsionsbruch). Eine Trennung innerhalb<br />

der Beschichtung (Kohäsionsbruch) bedeutet auch<br />

hier, dass die Haftfestigkeit größer ist als die Festigkeit des<br />

Beschichtungsmaterials.<br />

Während im Falle der Haftfestigkeit einer senkrecht zur<br />

Umhüllung wirkenden Kraft ein Widerstand entgegensetzt<br />

wird, ist im Falle der Scherfestigkeit dieser Widerstand in<br />

Längsrichtung wirksam (Bild 1). Kräfte in Längsrichtung<br />

zur Rohrachse sind vor allem bei grabenlosen Verlegeverfahren<br />

während de Rohreinzugs zu erwarten. Haftfestigkeit<br />

und Scherfestigkeit sind dabei physikalisch betrachtet nicht<br />

zwangsläufig einander gleichzusetzen.<br />

Der Unterschied zwischen diesen beiden Größen wird im<br />

Falle der AS/NZS 1518 [5], einer australischen Lieferbedingung<br />

für 2-Lagen-HDPE-Umhüllungen bestehend aus Kleber<br />

und HDPE-Deckschicht, besonders deutlich. Hier werden<br />

beide Größen getrennt bewertet. Die Haftfestigkeit wird<br />

mit einem Schälversuch bestimmt. Dazu wird ein 25 mm<br />

breiter Streifen der Umhüllung eingeschnitten. Am Ende des<br />

Streifens hängt zur Prüfung ein 300 g schweres Gewicht. Zur<br />

Auswertung dient die sich ergebende Schälgeschwindigkeit,<br />

welche 100 mm/min bei Raumtemperatur betragen darf. Das<br />

Prinzip dieser Prüfung ist in Bild 2a) dargestellt.<br />

Zur Bestimmung der Scherfestigkeit verweist die AS/NZS 1518<br />

auf eine amerikanische Prüfvorschrift, die ASTM D 1002 [6].<br />

Zur Prüfung wird mit dem Kleber des 2-Lagen-Systems zwischen<br />

zwei Metallplatten eine definierte Klebefläche erzeugt. In<br />

einem Zugversuch wird dann die benötigte Kraft für den Bruch<br />

der Klebung gemessen (Bild 2b). Für die Scherfestigkeit des<br />

Klebers ist in der AS/NZS 1518 ein Mindestwert von 34 N/cm 2<br />

gefordert. Auf ähnliche Art und Weise wird beispielsweise auch<br />

die Scherfestigkeit von FBE nach DIN EN 1465 [7] bestimmt.<br />

Ein anderes Prüfprinzip zur Ermittlung der Scherfestigkeit<br />

wird im Falle der<br />

Zementmörtelummantelung<br />

von PEoder<br />

PP-umhüllten<br />

(polyolefinumhüllten)<br />

Rohren angewendet.<br />

Im Falle der Sonderausführung<br />

(Typ S)<br />

für grabenlose Verlegeverfahren<br />

wird auch<br />

hier eine entsprechende<br />

Scherfestigkeit der<br />

Ummantelung gefordert.<br />

Die technische<br />

Lieferbedingung, das<br />

DVGW-Arbeitsblatt<br />

GW 340, sieht dazu<br />

auch eine Bauteilprüfung<br />

vor [8]. Hier<br />

wird das System aus<br />

Stahlgrundmaterial,<br />

Umhüllung und<br />

Ummantelung nicht<br />

einer Zugbelastung,<br />

sondern einer Druckbelastung<br />

parallel zur<br />

Rohrachse unterworfen<br />

(Bild 3).<br />

Bild 3: Prüfanordnung zur Ermittlung der<br />

Scherfestigkeit nach DVGW-Arbeitsblatt GW 340<br />

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FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Bild 4: Scherfestigkeit und Haftfestigkeit im Falle einer rauen Oberflächenstruktur<br />

Epoxidharz<br />

Gerade die Kombination von Zementmörtel und Polyolefinschicht<br />

zeigt, dass eine fehlende Haftfestigkeit nicht<br />

zwangsläufig auch eine mangelhafte Scherfestigkeit<br />

bedeuten muss. Naturgemäß gibt es zwischen Zementmörtel<br />

und Polyolefinschichten nur die Möglichkeit einer<br />

mechanischen Verklammerung. Im Falle der FZM-S-<br />

Ausführung nach DVGW-Arbeitsblatt GW 340 wird die<br />

Verklammerung durch eine entsprechende Profilierung<br />

der Polyethylenumhüllung erreicht. Dabei werden über<br />

den Umfang verteilt T-förmig ausgebildete raue Stege<br />

extrudiert, in denen sich die Zementmörtelummantelung<br />

verkrallen kann.<br />

Neben der Extrusion eines rauen T-Profils, das naturgemäß<br />

sowohl Haftfestigkeit als auch Scherfestigkeit<br />

ermöglicht, ist auch die Anwendung eines sogenannten<br />

Rough Coats bekannt. Die sogenannte Rough Coat-<br />

Ausführung der Polyethylenumhüllung wird gezielt zur<br />

Steigerung der Scherfestigkeit einer üblicherweise mit<br />

Stahleinlagen bewehrten Betonummantelung angewendet.<br />

Diese Ausführung der Umhüllung wird vielfach zur<br />

Offshoreverlegung eingesetzt. Nach der Extrusion der<br />

Kleber<br />

Polypropylen<br />

oder Polyamid<br />

Polyethylen<br />

Bild 5: Aufbau der Mehrschichtumhüllung<br />

Bild 6: Unterseite der Polyamidschicht<br />

Polyethylenschicht rieselt dazu ein feines PE-Granulat<br />

auf die noch heiße Umhüllung. Das Granulat schmilzt<br />

auf und es entsteht eine raue Oberflächenstruktur. Durch<br />

diese Profilierung wird ein deutlicher Scherwiderstand auf<br />

mechanischem Wege erreicht (Bild 4). Eine Haftfestigkeit<br />

ist jedoch nicht gegeben. Speziell diesem Effekt wurde<br />

bei der Entwicklung alternativer Mehrschichtsysteme für<br />

grabenlose Verlegeverfahren besondere Aufmerksamkeit<br />

gewidmet.<br />

3 DAS ALTERNATIVE UMHÜLLUNGSKONZEPT<br />

Kerngedanke für die Entwicklung einer neuen Umhüllungskonzeption<br />

ist der Verzicht auf die Haftfestigkeit in<br />

einem mehrschichtigen Aufbau, um eine gegebenenfalls<br />

auftretende, bis zum Grundmaterial reichende Rissbildung<br />

zu vermeiden. Die Rissbildung wird dem entsprechend<br />

im Bereich der Grenzfläche zweier nicht haftender Deckschichten<br />

gestoppt. Dabei sollte jedoch eine entsprechende<br />

Scherfestigkeit sichergestellt sein. Prinzipiell ist dieser<br />

Kerngedanke im Falle der Zementmörtelummantelungen<br />

bereits umgesetzt. Im Falle der vielfach bevorzugt eingesetzten<br />

Dickbeschichtungen<br />

auf Kunststoffbasis<br />

wurde dieser Ansatz bisher<br />

nicht berücksichtigt.<br />

Das hier vorgestellte<br />

neue Umhüllungskonzept<br />

bedient sich anstelle der<br />

Zementmörtelummantelung<br />

einer extrudierten<br />

Polypropylen- oder Polyamiddeckschicht,<br />

die sich<br />

beim Abkühlen in die raue<br />

Oberflächenstruktur einer<br />

durch ein Rough Coat<br />

modifizierten 3-Lagen-<br />

Polyethylenumhüllung<br />

verklammert und so einen<br />

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KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

eigenständigen mechanischen Schutz bildet (Bild 5 und<br />

Bild 6). Während im Falle der Polypropylendeckschicht<br />

durch die Temperaturführung eine Haftfestigkeit zur Polyethylenschicht<br />

unterbunden wird, verhindert im Falle des<br />

Polyamids die Kombination aus unpolarer Polyethylenschicht<br />

und polarer Polyamiddeckschicht den Haftverbund.<br />

In diesem mehrschichtigen Aufbau werden somit wie im<br />

Falle des Zementmörtels die Funktionalität des Korrosionsschutzes<br />

und die des mechanischen Schutzes gezielt<br />

voneinander getrennt.<br />

4 EIGENSCHAFTEN DER NEUEN<br />

UMHÜLLUNGSKONZEPTION<br />

4.1 Scherfestigkeit der Umhüllung<br />

Die Umhüllungskombination aus Polyethylen, Rough Coat<br />

und Polyamid- bzw. Polypropylendeckschicht wurde zur<br />

Ermittlung der Scherfestigkeit in Anlehnung an Arbeitsblatt<br />

GW 340 untersucht [8]. Dazu wird der Schutzmantel<br />

auf der Korrosionsschutzumhüllung durch ein angepasstes<br />

Ringsegment abgeschoben und die erforderliche Kraft<br />

aufgezeichnet (Bild 7).<br />

Zur Prüfung der Mehrschichtsysteme aus Polyethylen und<br />

Polyamid bzw. von Polyethylen und Polypropylen wurden<br />

etwa 5 cm breite Rohrsegmente geschnitten und die<br />

äußere Polyamidschicht beidseitig auf eine Breite von<br />

25 mm bis zur Polyethylenschicht (oben) bzw. bis zum<br />

Epoxidharz (unten) abgedreht (Bild 8 und Bild 9).<br />

Ein auf den Außendurchmesser von Stahl und Polyethylenumhüllung<br />

abgestimmter Stahlring erlaubt mit seinem<br />

Überstand einen Scherbereich von etwa 5 mm (Bild 8). Es<br />

wurde davon ausgegangen, dass nach dem Scheren eines<br />

Bereiches von 5 mm die Messung beendet ist. Probe und<br />

aufgesetzter Ring werden unter der Prüfeinrichtung positioniert<br />

und die erforderliche Kraft zur Scherung aufgezeichnet.<br />

Die Kombination aus Polyethylen und Polyamid<br />

konnte dabei im vorgesehenen Prüfbereich mangels Überstand<br />

des Ringsegmentes nicht komplett abgeschoben<br />

werden. Die ermittelten Scherkräfte bilden somit Mindestwerte,<br />

die in der Praxis auf höherem Niveau liegen. Für<br />

den 25 mm breiten Umhüllungsstreifen<br />

mit einer Prüffläche von<br />

175 cm 2 wurde eine Scherkraft von<br />

immerhin 3,6 t ermittelt. Die laut<br />

DVGW-Arbeitsblatt GW 340 auszuweisende<br />

Scherfestigkeit erreicht<br />

somit mindestens 200 N/cm 2 .<br />

Im Falle der Polyethylen und Polypropylenkombination<br />

konnte im<br />

Gegensatz zur Kombination aus<br />

Polyethylen und Polyamidumhüllung<br />

mit dem gewählten Versuchsaufbau<br />

im vorgesehenen Prüfbereich<br />

von 5 mm die tatsächliche<br />

Scherfestigkeit ermittelt werden.<br />

Durch die Profilierung der PE-<br />

Umhüllung wird im Falle der nicht<br />

Bild 8: Prüfling PE/PP-Kombination<br />

Bild 7: Aufbau zur Prüfung der Scherfestigkeit<br />

haftenden Umhüllung bei gleichen Geometrien eine<br />

Scherkraft von knapp 6 t entsprechend einer nach DVGW-<br />

Arbeitsblatt GW 340 auszuweisenden Scherfestigkeit<br />

von 340 N/cm 2 ermittelt. Die für Zementmörtelummantelungen<br />

vom Typ S nach DVGW-Arbeitsblatt GW 340<br />

geforderte Mindestscherfestigkeit von 50 N/cm 2 wird laut<br />

diesen Messergebnissen von beiden Umhüllungsvarianten<br />

weit übertroffen [8].<br />

Obwohl die Scherfestigkeit des neuen Umhüllungssystems<br />

lediglich auf mechanischem Wege erreicht wird, liegt diese<br />

etwa auf dem gleichen Niveau wie die in der Literatur veröffentlichten<br />

Werte für 3-Lagen-Polyethylenumhüllungen.<br />

Für die 3-Lagen-Polyethylenumhüllung findet man bei<br />

Raumtemperatur Scherfestigkeiten zwischen 300 und<br />

400 N/cm 2 [9].<br />

4.2 Rissbildung im Mehrschichtsystem<br />

Mit Hilfe einer Schlagprüfung bei niedrigen Temperaturen<br />

wurde die Rissbildung im Mehrschichtsystem näher<br />

untersucht. Da die PP-Umhüllung gegenüber dem Polyamid<br />

deutlich kälteempfindlich reagiert, wurde zur Prüfung die<br />

Kombination aus Polyethylen und Polypropylen gewählt. Die<br />

Bild 9: Prüfling PE/PA-Kombination<br />

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FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Bild 10: Fallgewicht<br />

Bild 12: Prüfspitze<br />

Bild 11: Ergebnis der Schlagprüfung<br />

Schlagprüfung erfolgt dabei gegenüber einer Anforderung,<br />

wie sie z. B. in der Lieferbedingung von Polypropylenumhüllungen<br />

formuliert ist, unter deutlich verschärften Bedingungen<br />

(siehe DIN 30678 [3]). Es wird mit einer Schlagkraft<br />

von 200 Nm (gegenüber 10 Nm nach DIN 30678) bei Minustemperaturen<br />

(gegenüber 0 °C nach DIN 30678) geprüft,<br />

um gezielt Risse zu provozieren. Das Fallgewicht ist dabei<br />

keine Halbkugel, wie dies nach DIN 30678 vorgesehen<br />

ist. Die Prüffläche hat eine abgeflachte Form mit einem<br />

Durchmesser von 21 mm (Bild 10).<br />

Mit dieser Schlagprüfung sollte die Frage geklärt werden,<br />

ob bei dem mehrschichtigen Aufbau ein in der äußeren<br />

Schicht entstandener Riss über die Grenzfläche hinweg<br />

in das darunter liegende Polyethylen übertragen werden<br />

kann. Während bei gleichem Versuchsaufbau im Falle<br />

der reinen PP-Umhüllung schon bei -10 °C Risse erzeugt<br />

werden [1], treten diese im Mehrschichtsystem erst bei<br />

-60 °C auf, was möglicherweise auf die Pufferwirkung<br />

der tendenziell weicheren Polyethylenumhüllung zurückzuführen<br />

ist. Wie erwartet, bleibt die Polyethylenumhüllung<br />

in diesem Schichtaufbau unversehrt. In Bild 11<br />

ist nach der Schlagprüfung im Rissbereich lediglich das<br />

schwarze Rough Coat unter der abgelösten Polypropylenumhüllung<br />

zu erkennen. Die Risse enden wie erwartet<br />

in der Grenzfläche von Polyethylen und Polypropylen.<br />

4.3 Prüfung des<br />

Eindruckwiderstandes<br />

Zur Simulation der<br />

Belastungen während<br />

eines Einzugverfahrens<br />

wurde der sogenannte<br />

Gouge-Test nach der<br />

kanadischen Norm, der<br />

CAN CSA Z 245.20-<br />

10 [10], gewählt. Als<br />

Modellvorstellung für<br />

diese Prüfung wurde die<br />

Wirkung eines spitzen<br />

Steins gewählt, über den<br />

das Rohr beim Einzug im<br />

Bohrkanal gezogen wird.<br />

Dem entsprechend wird<br />

eine umhüllte Rohrprobe<br />

unter einer Prüfspitze<br />

(Bild 12) auf einer Länge von 50 mm durchgezogen.<br />

Die Prüfspitze wird dazu mit einem Gewicht von 50 kg<br />

beschwert (Winkel der Prüfspitze 20°, Halbkugel 2,5 mm<br />

Durchmesser). Der Vorschub der umhüllten Rohrprobe<br />

erfolgt mit einer Geschwindigkeit von 200 mm/min. Die<br />

Eindringtiefe des Dorns wird mit Hilfe einer Messuhr<br />

bestimmt. Bild 13 zeigt die Ergebnisse dieser Messungen.<br />

Die Polyamid- und GfK-Deckschichten setzen sich<br />

deutlich von den Polyethylen- und Polypropylenschichten<br />

ab. Der Eindruckwiderstand der Polyamidumhüllung liegt<br />

dabei fast auf dem Niveau einer GfK-Umhüllung. Dieser<br />

Test zeigt eindrucksvoll, dass die Polyamidumhüllung im<br />

Vergleich zum Polypropylen deutlich belastbarer ist und<br />

bestätigt die schon früher beschriebenen Vorteile des<br />

Polyamids [11], [12].<br />

5 PRAXISERFAHRUNGEN<br />

5.1 Die Umhüllungskombination aus PE und PA in<br />

der Pflugverlegung<br />

Im Rahmen eines Sanierungs- und Ausbauprogramms<br />

wurde vom Wasserverband Bayrischer Wald eine Wassertransportleitung<br />

gebaut, um die Städte und Gemeinden<br />

des Versorgungsgebietes südlich der Donau mit Trinkwasser<br />

aus dem Grundwasserpumpwerk in Moos bei<br />

Plattling zu versorgen. Die für den Zeitraum von April bis<br />

August 2011 geplante Leitungsbaumaßnahme umfasst<br />

eine Trassenlänge von 9,5 km. Aufgrund der Bodengegebenheiten<br />

hatten sich die beteiligten Unternehmen<br />

schon in der Planungsphase entschieden, einen großen<br />

Teil der Gesamtstrecke mittels Pflugverfahren zu verlegen.<br />

Für diese Verlegeweise war etwa die Hälfte der geplanten<br />

Leitungstrasse vorgesehen. Diese wurde in 21 Einzelabschnitte<br />

mit einer maximalen Einziehlänge von 760 m<br />

unterteilt. Auf einem Teil der Strecke wurde erstmalig neben<br />

der vorgesehenen Dickschichtpolyethylenumhüllung auf<br />

1.200 m ein Mehrschichtsystem bestehend aus Polyethylen<br />

und Polyamid verwendet. Die Rohre wurden in der<br />

56 01-02 | 2014


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

Leitungstrasse zu Strängen verschweißt und zum Einzug<br />

auf Rollenböcke gelagert. Zur Nachumhüllung wurden die<br />

Verbindungsbereiche gestrahlt und mit Schalungen zur<br />

Aufnahme einer Polyurethanvergussmasse versehen.<br />

Zur Verlegung kam eine 480 PS starke Winde mit einer<br />

Zugkraft von maximal 220 t zum Einsatz (Bild 14). Diese<br />

Winde zieht den Verlegepflug, der das Rohr auf eine Verlegetiefe<br />

bis maximal 2,5 m bringt. Die Pflugspitze räumt<br />

und formt sowohl den Hohlraum als auch die Sohle für den<br />

Rohrstrang. Unter Berücksichtigung eines verfahrensbedingt<br />

vorgesehenen Biegeradius von 190 m kann die gewählte<br />

Rohrausführung mit einer maximalen Zugkraft von 100 t<br />

belastet werden. Diese Zugkräfte wurden jedoch selbst<br />

bei einer Einziehlänge von 760 m nicht erreicht. Die maximale<br />

Zugkraft lag nie über 60 t. Dabei spielten einerseits<br />

die gutmütigen Bodenverhältnisse, andererseits aber auch<br />

die geringe Gleitreibung der Kunststoffumhüllung eine<br />

wesentliche Rolle.<br />

5.2 Die Umhüllungskombination aus PE und PA im<br />

HDD-Verfahren<br />

Im Rahmen einer Umverlegung zur Versorgung eines<br />

Hotelkomplexes im Norden der Stadt Münster wurde<br />

im Auftrag der zuständigen Stadtwerke eine Gasleitung<br />

DN 200 unter einem Waldstück und dem hoteleigenen<br />

Tennisplatz hindurch verlegt. Das Spülbohrverfahren bietet<br />

sich speziell in solchen Fällen an. Im Gegensatz zum<br />

oben beschriebenen Pflugverfahren ist die Verlegung<br />

im HDD-Verfahren bzw. Spülbohrverfahren hinlänglich<br />

bekannt (Bild 15). Während beim Pflügen der Rohrstrang<br />

in der Regel trocken in den anstehenden Boden eingezogen<br />

wird, sorgt beim Spülbohrverfahren eine Bentonitlösung<br />

für den im Idealfall schwimmenden Einzug.<br />

Projektstart war im März/April 2013. Die mit einer Kombination<br />

aus Polyethylen- und Polypropylenumhüllung<br />

versehenen Rohre wurden zu einem Strang verschweißt.<br />

Zum Schutz der Verbindungsbereiche dient eine Nachumhüllung<br />

auf GfK-Basis. Der Rohreinzug fand im September<br />

2013 statt. Die etwa 2,5 m tiefe Horizontalbohrung war<br />

60 m lang. Der Leitungsstrang wurde dann im weiteren<br />

Verlauf unter einer denkmalgeschützte Mauer hindurchgeführt<br />

und anschließend in das bestehende Netz<br />

integriert.<br />

6 SCHLUSSFOLGERUNGEN<br />

Im Bereich der grabenlosen Bauverfahren existieren verschiedene<br />

Konzepte in der Wahl von Umhüllungen und<br />

Ummantelungen. Gerade bei den bisher häufig eingesetzten<br />

Dickschichtumhüllungen sind die Funktion des<br />

Korrosionsschutzes und die des mechanischen Schutzes<br />

untrennbar miteinander verbunden. Ereignisse der jüngeren<br />

Vergangenheit erlauben einen tieferen Einblick in die<br />

bruchmechanischen Eigenschaften von Kunststoffen, die<br />

nicht nur allein auf das neuwertige Produkt beschränkt<br />

bleiben können. Es sind zwangsläufig auch zeitliche<br />

Veränderungen dieser Werkstoffe zu berücksichtigen.<br />

Mechanische Belastungen, die am neuwertigen Material<br />

Bild 13: Ergebnisse verschiedener Umhüllungen im<br />

Gauge-Test (Prüfung nach CAN CSA Z 245.20-10 [10])<br />

Bild 14: Die Umhüllungskombination von Polyethylen und Polyamid<br />

in der Pflugverlegung<br />

Bild 15: Die Umhüllungskombination von Polyethylen und<br />

Polypropylen im Spülbohrverfahren<br />

01-02 | 2014 57


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

keine Probleme bereiten, können im späteren Betrieb zur<br />

Rissbildung führen. Da diese Risse bis zum Stahlgrundmaterial<br />

reichen, ist bei solchen Dickschichtsystemen die<br />

Funktion des passiven Korrosionsschutzes nicht mehr<br />

gegeben.<br />

Bei den zusätzlich mit Zementmörtel ummantelten<br />

polyethylen- oder polypropylenumhüllten Rohren ist die<br />

Funktion des Korrosionsschutzes und des mechanischen<br />

Schutzes seit jeher voneinander getrennt. Im Falle von<br />

Biegungen beispielsweise, wie sie bei der Handhabung<br />

an der Baustelle auftreten können, ist eine Rissbildung<br />

in der Zementmörtelummantelung gar nicht ungewöhnlich.<br />

Die Armierung der Ummantelung mit Fasern und<br />

Gewebebandagen dient dabei zur Rissüberbrückung,<br />

um den Zusammenhalt der Ummantelung für die weitere<br />

Handhabung sicherzustellen. Da Zementmörtel und<br />

Polyethylen keine stoffliche Verbindung eingehen, sind<br />

Risse im Mörtel für die Funktion des Korrosionsschutzes<br />

ohne Bedeutung.<br />

Bei den hier vorgestellten neuen Mehrschichtumhüllungen<br />

wird durch die gezielte Wahl der Umhüllungswerkstoffe<br />

und gegebenenfalls der Fertigungsparameter<br />

diese Konzeption einer Trennung der Funktionen von<br />

Korrosionsschutz und mechanischem Schutz auf reine<br />

Kunststoffumhüllungssysteme übertragen. Die für den<br />

Anwendungsbereich einer grabenlosen Verlegung erforderliche<br />

Scherfestigkeit wird durch das Rough Coat und<br />

das damit verbundene mechanische Verkrallen der Schichten<br />

realisiert.<br />

Erste Anwendungserfahrungen zeigen, dass bei der Verlegung<br />

keine Beeinträchtigungen gegenüber den bisher<br />

verwendeten Dickschichtsystemen erkennbar sind. Vorteile<br />

in der Langzeitbeständigkeit sind im Falle der bei<br />

solchen Verlegeverfahren typischen Kombination aus Riefen<br />

und/oder Kerben sowie Punktlasten bzw. Punktlagerungen<br />

zu erwarten. Sollten im Laufe der Zeit durch eine<br />

alterungsbedingte Versprödung einwirkende Kräfte aus<br />

Punktlasten und Punktlagerungen durch eine Rissbildung<br />

in der äußeren Deckschicht abgebaut werden, bleibt diese<br />

im Einbauzustand durch den anstehenden Bodendruck<br />

formstabil. Die Funktion des Korrosionsschutzes der darunterliegenden<br />

Umhüllungsschicht wird nicht beeinträchtigt.<br />

Hier sind die neuentwickelten Mehrschichtsysteme<br />

den bisher eingesetzten Dickschichtsystemen gegenüber<br />

deutlich überlegen und erweitern so das Produktspektrum<br />

an Sonderlösungen für den Rohrleitungsbau.<br />

7 LITERATUR<br />

[1] H.-J. Kocks, C. Bosch, M. Betz; „Die bruchmechanischen<br />

Eigenschaften der Polyolefine; <strong>3R</strong> international 50 (2011) H. 8-9,<br />

S. 618-625<br />

[2] DIN 30670: Polyethylen-Umhüllungen von Rohren und<br />

Formstücken aus Stahl Anforderungen und Prüfungen, DIN<br />

Deutsches Institut für Normung e. V. (2012).<br />

[3] DIN 30678: Polypropylen-Umhüllungen von Rohren und<br />

Formstücken aus Stahl Anforderungen und Prüfungen, DIN<br />

Deutsches Institut für Normung e. V. (2013).<br />

[4] DIN EN ISO 4624: Beschichtungsstoffe Abreißversuch zur<br />

Beurteilung der Haftfestigkeit, ISO (2003).<br />

[5] AS/NZS 1518: External extruded high-density polyethylene coating<br />

systems for pipes, Standards Australia/Standards New Zealand<br />

(2002).<br />

[6] ASTM D 1002: Standard Test Method for Apparent Shear Strength<br />

of Single-Lap-Joint Adhesively Bonded Metal Specimens by<br />

Tension Loading (Metal-to-Metal), American Society for Testing<br />

and Materials (2010).<br />

[7] DIN EN 1465: Klebstoffe - Bestimmung der Zugscherfestigkeit von<br />

Überlappungsklebungen, DIN Deutsches Institut für Normung<br />

e. V. (2009).<br />

[8] DVGW Arbeitsblatt GW 340: FZM-Ummantelung zum<br />

mechanischen Schutz von Stahlrohren und -formstücken mit<br />

Polyolefinumhüllung, DVGW Deutscher Verein des Gas- und<br />

Wasserfaches e. V. (04-1999).<br />

[9] S. W. Guan, P. Mayes, A. Andrenacci, D. Wong: ADVANCED<br />

TWO LAYER POLYETHYLENE COATING TECHNOLOGY FOR<br />

PIPELINE PROTECTION, Corrosion Control 2007, Sydney, Australia,<br />

November 25, 2007.
CAN CSA Z 245.21-10: Plant-applied<br />

external polyethylene coating for steel pipe, Canadian standards<br />

association (May 2010).<br />

[10] M. Hartmann, H.-J. Kocks, S. Maier; „Umhüllungen aus Polyamid<br />

für grabenlose Bauweisen“; GWF Gas Erdgas (2011), H. 12, S.<br />

846-854<br />

[11] S. Maier, H.-J. Kocks; „Die Polyamidumhüllung, eine Lösung für<br />

die Pflugverlegung von Stahlrohrleitungen“; <strong>3R</strong> international<br />

50 (2011), H. 10, S. 48-50<br />

AUTOREN<br />

Dr. HANS-JÜRGEN KOCKS<br />

Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH,<br />

Siegen<br />

Tel.+49 271 691-170<br />

E-Mail: hans-juergen.kocks@smlp.eu<br />

Dr. MARKUS BETZ<br />

Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH,<br />

Duisburg<br />

Tel.: +49 203 999-3113<br />

E-Mail: m.betz@du.szmf.de<br />

RALF NORDMANN<br />

Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH,<br />

Siegen<br />

Tel.: +49 271 691-246<br />

E-Mail: ralf.nordmann@smlp.eu<br />

58 01-02 | 2014


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

Langzeiterfahrung mit Nachumhüllungssystemen<br />

von Schweißnähten<br />

Die vorrangige Aufgabe des passiven Korrosionsschutzes ist der Schutz von Stahlrohrleitungen vor Korrosion durch eine<br />

Ummantelung oder Umhüllung. In diesem Beitrag werden die aktuellen Anforderungen an Werkstoffe für Nachumhüllungen<br />

für Schweißnähte im Überblick vorgestellt. Der Fokus des Beitrages liegt dabei auf den gemachten Langzeiterfahrungen<br />

mit Nachumhüllungssystemen. Diese werden durch eine E.ON Ruhrgas-Untersuchung aus dem Jahre 2008 sowie den<br />

Erfahrungen aus den Aufgrabungen der ESB-Leitung „Isarschiene“ nach über 27 Jahren Betriebsdauer und einer aktuellen<br />

Untersuchung eines Nachumhüllungssystems nach 20-jähriger Betriebsdauer auf der STEGAL-Pipeline der Wingas/Gascade<br />

Transport GmbH im Jahre 2012 dokumentiert.<br />

EINFÜHRUNG<br />

Nach einer zweijährigen Untersuchung der NACE (Vereinigung<br />

der Korrosionsschutzingenieure in den USA) aus dem<br />

Jahre 2002 verliert die US-Wirtschaft jedes Jahr Bausubstanz<br />

im Wert von mehr als 276 Milliarden Dollar durch Korrosionsschäden.<br />

Diese Zahl soll sich im vergangenen Jahrzehnt<br />

noch deutlich erhöht haben. Weltweit geht man derzeit von<br />

einem Verlust von mehr als 1 Billion Dollar pro Jahr durch<br />

Korrosionsschäden aus. Eine neue weltweite Studie wird im<br />

Jahre 2014 erwartet. Davon betroffen sind auch unterirdisch<br />

verlegte Stahlrohrleitungen. Deshalb muss ein vorrangiges<br />

Ziel sein, diese Leitungen bestmöglich gegen Korrosion und<br />

mechanische Beschädigungen zu schützen. Nach den Schäden<br />

durch den Einfluss Dritter wie Baggerschäden o. ä, stellen<br />

Korrosionsschäden die zweithäufigste Schadensursache dar.<br />

Seit den 1920er Jahren werden Stahlleitungen vor Korrosion<br />

durch eine Ummantelung oder Umhüllung geschützt.<br />

Einem korrosiven Medium soll der Zugang zu der Stahloberfläche<br />

verwehrt werden. Dies<br />

ist die vorrangige Aufgabe des<br />

passiven Korrosionsschutzes. Der<br />

kathodische Schutzstrom als aktiver<br />

Korrosionsschutz soll Korrosion<br />

bei Verletzungen des passiven<br />

Korrosionsschutzes begegnen. Der<br />

passive Korrosionsschutz für die<br />

Nachumhüllung der Schweißnähte<br />

und der aktive Korrosionsschutz<br />

durch den Kathodenschutz bilden<br />

daher die komplementären beiden<br />

Seiten eines umfassenden Schutzes<br />

der Stahlrohrleitung.<br />

Diese Funktionen wurden und werden<br />

gewährleistet durch den Einsatz<br />

von wasserabweisenden und<br />

nahezu diffusionsdichten Werkstoffen,<br />

die gleichzeitig die Anforderungen<br />

an eine ausreichende<br />

mechanische Belastbarkeit sowie<br />

eine sichere und leichte Applizierbarkeit<br />

aufweisen müssen.<br />

Seit den 1960er Jahren werden technische Kunststoffe, vor<br />

allem Polyethylen für den Korrosionsschutz von Rohrleitungen<br />

und Nähten verwendet. Diese Werkstoffe ersetzten in<br />

zunehmendem Maße die bis dahin verwendeten Teer- und<br />

späteren Bitumenumhüllungen.<br />

Neben der stetigen Verbesserung der Werkstoffe waren<br />

die erhöhten Anforderungen für die grabenlose Verlegung<br />

sowie erhöhte Dauerbetriebstemperaturen ein Motor für<br />

die Entwicklung der Werkstoffe.<br />

Bis in die späten 1950er Jahre wurde die Leitung ausschließlich<br />

mit Umhüllungen (passiv) geschützt. Seit Anfang der<br />

1960er Jahre werden die Leitungen zusätzlich durch einen<br />

kathodischen Schutzstrom (aktiv) gesichert.<br />

Man unterscheidet bei den Werksumhüllungen in thermoplastische<br />

(Polyethylen und Polypropylen) und duroplastische<br />

Umhüllungen (Epoxidharze und Polyurethane). In geringem<br />

Umfange werden vereinzelt noch Umhüllungen aus Bitumenbändern<br />

eingesetzt.<br />

Bild 1: Klassifizierung von Nachumhüllungen<br />

01-02 | 2014 59


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Bild 2: Korrosionsschutz-Nachumhüllungen<br />

Bild 3: Belastungen, die auf Rohrumhüllungen wirken<br />

NACHUMHÜLLUNGEN<br />

Der größte Unterschied der Nachumhüllungen (siehe<br />

Bild 1, Bild 2) zu den Werksumhüllungen besteht in<br />

der Forderung, dass diese Materialien auf Baustellen<br />

möglichst einfach und fehlerverzeihend angewendet<br />

werden müssen. Während Werksumhüllungen unter<br />

nahezu idealen Bedingungen im Werk vorgenommen<br />

werden, müssen Nachumhüllungen unter teilweise extrem<br />

schwierigen und wechselnden Bedingungen vor Ort<br />

an der Baustelle aufgebracht werden. Die Nachumhüllungssysteme<br />

müssen nicht denselben Grad an mechanischer<br />

Widerstandsfähigkeit wie die Werksumhüllungen<br />

aufweisen, da die meisten Quellen einer möglichen<br />

Beschädigung beim Transport und Lagerung der Rohre<br />

auf sie nicht zutreffen. Eine Untersuchung der IPLOCA-<br />

Forschungsgruppe für innovative Konzepte im Rohrleitungsbau<br />

ermittelte 2009/2010, dass vom Verlassen des<br />

Rohrwerkes bis zur Verfüllung im Graben, die Rohre bis<br />

zu 39-mal bewegt werden und damit einer entsprechend<br />

hohen Wahrscheinlichkeit von Beschädigungen in<br />

der Werksumhüllung ausgesetzt sind. In erster Linie ist<br />

die Aufgabe der Nachumhüllungssysteme, den Stahl vor<br />

Medien und Korrosionsangriffen von außen zu schützen.<br />

Bei der Verlegung der Rohrleitung und später im Betrieb<br />

der Rohrleitung muss dieses Umhüllungsmaterial aber<br />

auch den mechanischen Angriffen durch Verkehrslasten<br />

und Rohrbewegungen standhalten. Gepaart mit den<br />

teilweise sehr unterschiedlichen klimatischen und sonstigen<br />

Einsatzbedingungen ergibt sich daraus ein sehr<br />

weitgefächertes Eigenschaftsprofil, das die Materialien<br />

zu erfüllen haben (Bild 3).<br />

Folgende Hauptanforderungen haben Nachumhüllungen<br />

zu erfüllen:<br />

»»<br />

leichte und sichere Verarbeitung der Umhüllung auf<br />

Baustellen<br />

»»<br />

mechanische Widerstandsfähigkeit in Bezug auf die<br />

Verbindung des Umhüllungsmaterials zur Rohroberfläche<br />

– Nachweis durch Schälwerte oder Scherfestigkeit<br />

»»<br />

mechanische Widerstandsfähigkeit in Bezug auf Resistenz<br />

gegen Beschädigungen der Umhüllung- Nachweis<br />

durch Eindruckfestigkeit, Schlagbeständigkeit,<br />

Reißbeständigkeit<br />

»»<br />

Alterungsbeständigkeit (Nachweis durch Langzeiterfahrung<br />

an Baustellen)<br />

»»<br />

chemische Beständigkeit (aggressive Böden,<br />

Elektrolyte)<br />

»»<br />

keine Beeinträchtigung des aktiven Korrosionsschutzes<br />

»»<br />

geprüfte Qualität nach den höchsten internationalen<br />

Normen wie EN, DVGW, ISO etc.<br />

Diese aktuellen Trends in der Entwicklung von Nachumhüllungssystemen<br />

bestehen:<br />

»»<br />

das Erreichen höherer Dauerbetriebstemperaturen<br />

»»<br />

der Aufbau eines analog zur Werksumhüllung aufgebauten<br />

Nachumhüllungssystems<br />

»»<br />

starke Diversifizierung der Umhüllungssysteme und der<br />

darin verwendeten Materialien<br />

»»<br />

Verbesserung der mechanischen Eigenschaften bei grabenloser<br />

Verlegung und Einsatz des Paddingverfahrens<br />

»»<br />

ein Nachweis der Qualität der aufgebrachten Nachumhüllung<br />

an der Baustelle muss gesichert sein<br />

»»<br />

das Aufbringen der Nachumhüllung während des<br />

Betriebs der Rohrleitung muss gewährleistet sein<br />

Die Anforderungen an die Verarbeitung und die Qualitätssicherung<br />

bei Umhüllungen regelt das Technische Merkblatt<br />

GW 15 in der aktuellen Ausgabe von 2007.<br />

Die Anwendung dieses Merkblattes stellt sicher, dass die<br />

Schulung und Prüfung des Fachpersonals nach GW 15 nach<br />

einheitlichen Verfahren und Inhalten durchgeführt wird und<br />

das Fachpersonal nach bestandener Prüfung die für eine<br />

qualitätsgerechte Ausführung und Kontrolle der Arbeiten<br />

erforderlichen Fachkenntnisse besitzt.<br />

Coextrudierte Dreischichtenbänder<br />

Seit Einführung coextrudierter, dreischichtiger Verbundbänder<br />

mit selbstverschweißenden Butylkautschukschichten<br />

in den 1980er Jahren, gewährleisten diese<br />

Kunststoffbandsysteme den Langzeit-Korrosionsschutz<br />

(Praxisbeispiele ESB-Leitung, E.ON Ruhrgas und STEGAL-<br />

Pipeline siehe unten).<br />

Dreischichtige Verbundbänder haben ihre hervorragenden<br />

technischen Qualitäten auf zahllosen Baustellen welt-<br />

60 01-02 | 2014


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

weit in den letzten 40 Jahren<br />

bewiesen. Im Falle wechselnder<br />

Witterungsbedingungen oder<br />

bei kalten oder sehr windigen<br />

klimatischen Bedingungen werden<br />

Bandsysteme aufgrund<br />

ihres weitgefächerten Anwendungsbereichs<br />

von -35 °C bis<br />

+60 °C in der Anwendung<br />

bevorzugt.<br />

Die bei Zweischichtenbändern<br />

als Korrosionsschutzband aufgrund<br />

von Kleberermüdung<br />

und nachfolgendem Sauerstoff-<br />

und Feuchtigkeitseintritt<br />

eintretende Spiralkorrosion<br />

tritt bei Verwendung von<br />

Dreischichtenbänder nicht<br />

auf. Unvollständig versiegelte<br />

Bandüberlappungen der Zweischichtenbänder<br />

führen unvermeidlich<br />

zu schweren Spiralkorrosionsschäden<br />

(Bild 4). Die<br />

meisten der wenigen bekannten<br />

negativen Erfahrungen mit<br />

Bändern sind durch den Einsatz<br />

von Zweischichtenbändern als<br />

Korrosionsschutz bedingt, da<br />

diese über keinen Selbstverwachsungseffekt<br />

verfügen. Der Selbstverwachsungseffekt<br />

und ein Schutz der Stahloberfläche ohne Hohlräume<br />

sind auf eine wesentliche Eigenschaft des Butylkautschuks<br />

zurückzuführen. Vom physikalischen Gesichtspunkt ist<br />

Butylkautschuk mehr ein flüssiger als ein fester Stoff. Der<br />

Aufbau dieser dreischichtigen Verbundbänder besteht aus<br />

einer Trägerfolie aus stabilisiertem Polyethylen, die auf<br />

beiden Seiten mit einer Butylkautschukschicht beschichtet<br />

wird. Diese Trägerfolie wird in einem speziellen Coextrusionsverfahren<br />

hergestellt, wodurch eine stofflicheund<br />

feste Einheit aus Träger-und Beschichtungsmaterial<br />

sichergestellt wird. Hierdurch kommt es nicht zu einer<br />

Delamination der verschiedenen Funktionsschichten, wie<br />

diese bei laminierten Bändern zu beobachten sind. Bei<br />

der spiralförmigen Wicklung der dreischichtigen Verbundbänder<br />

um das Rohr verwachsen die Butylklebeschichten<br />

in den Überlappungsbereichen und schaffen<br />

damit eine homogene, schlauchartige Umhüllung ohne<br />

jegliche Trennschicht. Im Überlappungsbereich der Lagen<br />

wandern die Moleküle von einer Butylkautschuklage zu<br />

der anderen. Nach bereits kurzer Zeit, maximal aber nach<br />

fünf Tagen, ist dieser Verwachsungsprozess abgeschlossen.<br />

Deshalb sollte zwingend die Innenlage eines Korrosionsschutzsystems<br />

aus einem selbstverwachsenden,<br />

coextrudierten Dreischichtenband bestehen.<br />

Aufgrund der einzigartigen Produktionstechnologie wird<br />

der bekannte Delaminationseffekt und die Gefahr der<br />

langfristig bestehenden Durchlässigkeit der Trennschicht<br />

Bild 4: Keine Verwachsung im Überlappungsbereich bei der Verwendung von reinen 2-Schicht Bändern<br />

als Innenband – Gefahr der Bildung von Mikrokanälen und Entstehung von Spiralkorrosion<br />

Bild 5: Selbstverwachsungseffekt bei Dreischichtenbändern<br />

zwischen Trägerfolie und Beschichtung durch den Bandaufbau,<br />

wie in Bild 5 gezeigt, vermieden.<br />

Mechanischer Schutz von Nachumhüllungen<br />

Bei schwierigem Einsatz in felsigen Böden oder mangelnden<br />

Möglichkeiten einer kompletten Einsandung des<br />

Rohrbettes, ist ein zusätzlicher Schutz der Nachumhüllung<br />

sinnvoll oder notwendig:<br />

»»<br />

bei faserzementummantelten Rohren können wahlweise<br />

Gießmörtel oder zementbeschichtete Bänder<br />

verwendet werden.<br />

»»<br />

eine weitere Möglichkeit der Verbesserung des mechanischen<br />

Schutzes ist der Einsatz von Rohrschutzmatten<br />

aus Polypropylenvliesen.<br />

»»<br />

Schutz der Werks- und Nachumhüllung mit einer<br />

zusätzlich aufgetragenen GFK-Beschichtung.<br />

LANGZEITERFAHRUNGEN ANHAND VON<br />

PRAXISBEISPIELEN<br />

Kein Korrosionsschutzsystem auf der Welt kann ein längeres<br />

und erfolgreicheres Langzeitverhalten nachweisen<br />

als dreischichtige PE-/Butylkautschuk-Verbundbänder.<br />

ESB-Leitung „Isarschiene“<br />

Im Herbst 2003 erfolgte im Bereich der Erdgas Südbayern<br />

(ESB) im Zuge des Neuaufbaus des BMW-Motorenwerkes<br />

Dingolfing die teilweise Umverlegung einer 27 Jahre alten<br />

Leitung DN 300: Leitung Moosburg-Straubing „Isarschie-<br />

01-02 | 2014 61


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Bild 6: Ausgrabung Isarschiene<br />

Bild 7: Schweißnaht nach 27 Betriebsjahren<br />

ne“ (Bild 6). Dieser Umstand ermöglichte die einzigartige<br />

Gelegenheit, die Werksumhüllung wie die Nachumhüllung<br />

auf Ihren Zustand nach dieser langen Betriebsdauer<br />

zu untersuchen.<br />

Die Schweißnähte der mit einer Polyethylen-Werksumhüllung<br />

versehenen Leitung wurden mit DENSOLEN ® -<br />

Bändern beim Bau der Leitung im Jahre 1976 geschützt<br />

(Bild 7). Zum Zeitpunkt der Konstruktion entsprach das<br />

verwendete System der DVGW-Richtlinie GW 7, die zum<br />

damaligen Zeitpunkt die gültigen Richtlinien für Schweißnahtumhüllungen<br />

aufstellte. Als die Schweißnähte 2003<br />

aufgegraben wurden, konnten keine Schäden gefunden<br />

werden und die Stahloberfläche zeigte sich in einem<br />

absolut neuwertigen Zustand. Dies war ein bemerkenswerter<br />

Beweis für die Langzeitqualität und Wirksamkeit<br />

eines passiven Korrosionsschutzes über eine Betriebsdauer<br />

von über 27 Jahren.<br />

Obwohl zu diesem Zeitpunkt die erhöhten Anforderungen<br />

der EN 12068, die erst im Jahre 1999 eingeführt wurde,<br />

noch nicht galten, erfüllten die gemessenen Werte auch<br />

alle Anforderungen der aktuellen Norm bzw. übertrafen<br />

diese sogar in etlichen Fällen.<br />

Das verwendete System war das DENSOLEN ® -1-Band<br />

System S 40. Ein 1-Band System bedeutet, dass die Innenlage<br />

für den Korrosionsschutz und die Außenlage für den<br />

mechanischen Schutz mit demselben Bandtyp ausgeführt<br />

wird. In zwei Wickelvorgängen mit je 50 % Überlappung<br />

aufgebracht, wird eine Gesamtdicke der Umhüllung von<br />

3,2 mm erreicht.<br />

Langzeituntersuchung E.ON Ruhrgas<br />

Im Jahre 2007 veröffentlichte E.ON Ruhrgas, heute Open<br />

Grid Europe, eine Untersuchung, die einen repräsentativen<br />

Querschnitt der verwendeten Umhüllungsmaterialien<br />

bei knapp 2.000 km ihres gesamten Leitungsnetzes darstellte.<br />

Das gesamte Leitungsnetz der E.ON ist ungefähr<br />

12.000 km lang, in einem sehr guten Erhaltungszustand,<br />

aber beinhaltet auch Leitungsabschnitte, die bis zu 90<br />

Jahre alt sind. Die vorherige Untersuchung dieser Leitungsabschnitte<br />

erfolgte durch intelligente Molchung.<br />

Die verwendeten Nachumhüllungssysteme schlossen<br />

Petrolatum- und Wachssysteme, diverse Bitumenbeschichtungen,<br />

2-Schichten-PE-Bänder und letztlich auch<br />

dreischichtige PE-/Butylkautschuk-Verbundbänder mit ein.<br />

In diesen Untersuchungen bewiesen diese Verbundbänder<br />

hervorragende Korrosionsschutzeigenschaften. Diese<br />

Bänder, die seit 1981 als bevorzugte Nachumhüllungssysteme<br />

im Leitungsbau von E.ON eingesetzt wurden, wiesen<br />

keinerlei elektrische Durchschläge auf oder zeigten<br />

eine Veränderung der hohen mechanischen Festigkeit.<br />

Diese Aussage der E.ON stützt sich auf Erkenntnissen,<br />

die nach 25 Jahren praktischen Erfahrungen des Einsatzes<br />

dieser Systeme bei Gasleitungen gewonnen wurden.<br />

Langzeiterfahrungen STEGAL-Pipeline<br />

Gazprom und Wintershall/Wingas, jetzt Gascade Transport<br />

GmbH, pflegen einen engen technischen Austausch<br />

in diversen Expertengremien für vielfältige Themen des<br />

Leitungsbaus. Ein häufig besprochenes Thema ist die<br />

Auswahl der geeigneten Werks- und Nachumhüllungssysteme<br />

bei Rohrleitungen, die starken thermischen Belastungen<br />

ausgesetzt sind.<br />

Bis heute verwendet WINGAS/Gascade Transport GmbH<br />

als Nachumhüllungssystem mit großem Erfolg dreischichtige<br />

Verbundbänder bei allen bislang gebauten<br />

Transitleitungen.<br />

Im November 2012 wurden zwei Abschnitte der STE-<br />

GAL-Pipeline, die 1991/1992 mit einem Durchmesser<br />

von DN 900 erbaut wurde, aufgegraben und untersucht<br />

(siehe Bild 8, Bild 9). Mit großem Interesse wurde diese<br />

Untersuchung von Spezialisten der Gazprom verfolgt, die<br />

mit einem Leitungsnetz von mehr als 500.000 km eines<br />

der größten Netze weltweit betreibt.<br />

Nach 20 Jahren in Betrieb zeigten sich die Nachumhüllungen<br />

der Schweißnähte, die mit einem dreischichtigen<br />

Verbundbandsystem geschützt wurden, an beiden Aufgrabungen<br />

in einem exzellenten Zustand und die bei<br />

den Untersuchungen ermittelten Werte übertrafen alle<br />

62 01-02 | 2014


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

Bild 8: Ausgrabung STEGAL-Pipeline<br />

Bild 9: Restdickenmessung der Schweißnaht<br />

in der EN 12068 Klasse C 50 geforderten Werte zum Teil<br />

sehr deutlich .<br />

Besonders die Übergangswerte von der Nachumhüllung<br />

zum Werksmantel wurden von den Experten kritisch untersucht.<br />

Dabei zeigten sich keinerlei Ablösungen der Bänder<br />

von der Werksumhüllung noch konnten Falten oder Lufteinschlüsse<br />

in der Umhüllung festgestellt werden.<br />

Die Ingenieure von Wingas/Gascade Transport GmbH<br />

und Gazprom zeigten sich anschließend von der hohen<br />

technischen Leistung und den herausragenden Langzeitresultaten<br />

überzeugt.<br />

SCHLUSSFOLGERUNG<br />

Es zahlt sich immer aus, die für ein Projekt geltenden spezifischen<br />

Anforderungen gründlich zu prüfen und die bestgeeignete<br />

Beschichtung für die Werksumhüllung als auch<br />

die Nachumhüllung zu wählen. Bei der Wahl der Nachumhüllungsmaterialien<br />

sollte auch berücksichtigt werden, dass<br />

die Kosten für ein hochwertiges System maximal 0,03 %<br />

der gesamten Projektkosten betragen, die Nähte aber die<br />

Schwachstellen der Leitung sind und durch die Wahl von minderwertigen<br />

Materialien hohe Folgekosten durch Reparaturen<br />

entstehen können, die in keinem Verhältnis zu den höheren<br />

Kosten eines technisch hochwertigen Systems stehen.<br />

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Deshalb<br />

ist es fahrlässig, bei den Kosten für die Nachumhüllung<br />

an Qualität zu sparen. Für fast alle Anforderungen gibt es<br />

sehr gute, langlebige Lösungen. Ein System, das alle Anforderungen<br />

abdeckt, gibt es leider derzeit noch nicht und<br />

wohl auch nicht in absehbarer Zeit. Jeder Betreiber hat für<br />

seine Belange das dafür bestmögliche System auszuwählen.<br />

Dreischichtige Verbundsysteme bieten aufgrund ihres sehr<br />

variablen Einsatzes die beste Lösung, um auf die vielfältigen<br />

Anforderungen von Einsatzgebieten von – 35 °C bis<br />

+ 60°C einzugehen.<br />

Es zahlt sich langfristig zur Werterhaltung und längeren<br />

Betriebsdauer des Leitungsnetzes aus, hochwertige und<br />

langlebige Materialien für die Umhüllungen der Rohrleitungen<br />

auszuwählen.<br />

Dabei sind Zulassungen der Systeme nach international<br />

gültigen Normen wie EN 12068 und DVGW-Prüfungen mit<br />

begleitender Fremdüberwachung der Produktion höher zu<br />

bewerten als noch nicht verifizierte Garantieversprechungen<br />

einiger Hersteller in Zukunft.<br />

LITERATUR<br />

[1] Quast, M.: Long term experiences with DENSOLEN-Tapes. <strong>3R</strong><br />

international 43 (2004); No.13, p. 69-72<br />

[2] Quast, M: Aspects of corrosion protective tape technology, <strong>3R</strong><br />

international 1/2006, p. 53-57<br />

[3] Heim, T: Entwicklung von Korrosionsschutz-<br />

Nachumhüllungsmaterialien für Stahlrohre, <strong>3R</strong> international 44<br />

(2005) Nr. 11, p. 625-633<br />

[4] Kompetenzcenter E.ON Ruhrgas AG: Korrosionsschutz erdverlegter<br />

Rohrleitungen, 2. Auflage Vulkan Verlag Essen 2008<br />

[5] Ahlers, M; Brecht,M; Schöneich, H.G.: Long term experiences<br />

with corrosion protection performance of field joint coatings, <strong>3R</strong><br />

international 46 (2007) <strong>Special</strong> 2, p. 549-553<br />

[6] Brecht, M.; Kocks, H. J.; Entwicklung des passive<br />

Korrosionsschutzes von Stahlrohrleitungen, gwf Jubiläumsausgabe<br />

2009, p. 15-29<br />

[7] NACE Studie zusammen mit US Federal Highway Administration,<br />

2002. Abrufbar unter www.nace.org.<br />

[8] IPLOCA- The Road to Success-Onshore Pipelines, Geneva, 1st<br />

edition September 2009<br />

MICHAEL SCHAD<br />

DENSO GmbH, Leverkusen<br />

Tel. +49 214 2602-260<br />

E-Mail: schad@denso.de<br />

AUTOR<br />

01-02 | 2014 63


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />

Besondere Umhüllungen:<br />

Sonderanwendungen aus GfK und PUR<br />

Mit der Nutzung von Eisenwerkstoffen durch den Menschen wurden Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden, die durch<br />

Korrosion hervorgerufen werden können, zwingend erforderlich. Der passive Korrosionsschutz umfasst alle Maßnahmen,<br />

die eine gegen korrosive Medien abschirmende Wirkung erzielen. Dies erreicht man u. a. durch einen geeigneten Überzug<br />

oder Beschichtung des Werkstoffes sowie konstruktive Maßnahmen. Für den erdverlegten Rohrleitungsbau existiert in<br />

Abhängigkeit des jeweiligen Anwendungsbereiches eine Vielzahl von Regelwerken. Aufgrund extremer thermischer<br />

und mechanischer Anforderungen können spezielle Umhüllungssysteme aus Polyurethan PUR und Glasfaserverstärktem<br />

Kunststoff GfK notwendig werden.<br />

Mit der Nutzung von Eisenwerkstoffen durch den Menschen<br />

wurden Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden, die<br />

durch Korrosion hervorgerufen werden können, zwingend<br />

erforderlich.<br />

Bereits erste Beobachtungen aus der Zeit der Antike decken<br />

sich sehr gut mit den heutigen Definitionen der Begriffe<br />

Korrosion (Korrosion, latein. corrodere, und Korrosionsschutz)<br />

[1]:<br />

»»<br />

Korrosion: physikochemische Wechselwirkung zwischen<br />

einem Metall und seiner Umgebung, die zu einer Veränderung<br />

der Eigenschaften des Metalls führt und die<br />

zu erheblichen Beeinträchtigungen der Funktion des<br />

Metalls, der Umgebung oder des technischen Systems,<br />

von dem diese einen Teil bilden, führen kann.<br />

ANMERKUNG: Diese Wechselwirkung ist oft elektrochemischer<br />

Natur.<br />

»»<br />

Korrosionsschutz: Veränderung eines Korrosionssystems<br />

derart, dass Korrosionsschäden verringert werden.<br />

Von großer Bedeutung für den Einsatz erdverlegter Rohrleitungen<br />

aus Stahl ist die Eigenschaft, dass Eisen an feuchter<br />

Luft und in Wasser, das Sauerstoff oder Kohlenstoffdioxid<br />

enthält, leicht unter Bildung von Eisenoxidhydrat (wasserhaltige<br />

Eisenoxide) oxidiert wird und dies letztlich zum Versagen<br />

der Leitung führt.<br />

Nach Schätzungen der Weltkorrosionsorganisation WCO<br />

belaufen sich die Kosten, die durch Korrosion entstehen,<br />

weltweit auf 3,3 Billionen US-Dollar jährlich [2]. In den<br />

meisten Industrieländern liegen die Kosten durch Korrosion<br />

bei etwa 3 % des BIP und erreichen in einigen Fällen bis zu<br />

5 %. Berücksichtigt man weiterhin, dass durch den Einsatz<br />

von vorhandener Technologie zur Korrosionsminderung bis<br />

zu 990 Milliarden US $ jährlich eingespart werden könnten,<br />

ist unstrittig, dass die Umhüllung einer Rohrleitung eine<br />

wesentliche Voraussetzung für den technisch zuverlässigen<br />

und wirtschaftlichen Korrosionsschutz darstellt.<br />

Unter technischen wie auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten<br />

findet vorzugsweise eine Kombination aus aktivem<br />

und passivem Korrosionsschutz Anwendung. Ein hinreichender<br />

Korrosionsschutz wäre zwar allein durch den Einsatz<br />

des kathodischen Korrosionsschutzes denkbar, jedoch aus<br />

Kostensicht nicht realisierbar. Durch die Verwendung einer<br />

Korrosionsschutzumhüllung wird eine sehr niedrige Stromaufnahme<br />

bei optimierter Schutzstromverteilung erreicht.<br />

UNTERSCHEIDUNG IN WERKS- UND<br />

NACHUMHÜLLUNG<br />

Korrosionsschutzumhüllungen werden grundsätzlich in<br />

Werksumhüllungen, die im Rohr- oder Beschichtungswerk<br />

aufgebracht werden, und Baustellenumhüllungen oder<br />

Nachumhüllungen, die auf der Baustelle appliziert werden,<br />

unterteilt. Für diese Unterscheidung ursächlich ist jedoch<br />

nicht allein der Ort der Applikation, sondern damit einhergehend<br />

die unterschiedlichen Verarbeitungsbedingungen,<br />

die wiederum meistens einen unterschiedlichen Aufbau der<br />

jeweiligen Umhüllung zur Folge haben. In der Regel besitzt<br />

die Nachumhüllung eine geringere Widerstandsfähigkeit<br />

gegenüber mechanischen oder thermischen Einflüssen.<br />

Heutzutage werden in Deutschland in Abhängigkeit der<br />

geforderten thermischen und mechanischen Anforderungen<br />

wie der geometrischen Form der Bauteile nahezu ausschließlich<br />

die folgenden Werksumhüllungen eingesetzt:<br />

»»<br />

3 Lagen Polyethylen (hauptsächlich HD-PE) nach<br />

DIN EN ISO 21809-1 und DIN 30670<br />

»»<br />

3 Lagen Polypropylen nach DIN EN ISO 21809-1 und<br />

DIN 30678<br />

»»<br />

Polyurethan nach DIN EN 10290 (Rohre und Formteile)<br />

bzw. DIN 30677-2 (Armaturen)<br />

Den drei genannten Werksumhüllungen gegenüber steht<br />

eine höhere Vielzahl von Nachumhüllungssystemen. Dies<br />

ist u. a. dadurch bedingt, dass Nachumhüllungssysteme<br />

vorhanden sein müssen, mit deren Hilfe Sanierungsmaßnahmen<br />

an allen im Laufe der letzten 100 Jahre eingesetzten<br />

Umhüllungen erfolgreich durchgeführt werden können. Eine<br />

Unterteilung der Nachumhüllungssysteme erfolgt üblicherweise<br />

nach dem Verarbeitungsverfahren in kaltverarbeitbare<br />

und warmverarbeitbare Systeme sowie die mittels Spritzverfahren<br />

aufgebrachten Nachumhüllungen aus Polyurethan<br />

oder Epoxidharzen.<br />

Die Anforderungen an die technischen Materialeigenschaften<br />

werden im Falle der kaltverarbeitbaren und warmverarbeitbaren<br />

Systeme in den Normen DIN 30672 und<br />

DIN EN 12068 beschrieben. Die normativen Anforderungen<br />

64 01-02 | 2014


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />

KORROSIONSSCHUTZ<br />

an PUR für Baustellen- bzw. Nachumhüllungen unterscheiden<br />

sich bis dato nicht von denen an Werksumhüllungen,<br />

d. h. DIN N 10290 (Rohre und Formteile) bzw. DIN 30677-2<br />

(Armaturen).<br />

In der Vergangenheit wurden Nachumhüllungssysteme als<br />

Schwachpunkte des gesamten Korrosionsschutzsystems<br />

angesehen. Diese Ansicht konnte durch das Kompetenzzentrum<br />

für Korrosionsschutz der E.ON Ruhrgas für die<br />

seit nunmehr mehr als 30 Jahren erfolgreich eingesetzten<br />

Kunststoffbandsysteme eindrucksvoll widerlegt werden<br />

[3]. Eine Auswertung der Molchdaten von etwa 2.000 km<br />

gemolchten Leitungen ergab keine Hinweise auf eine im<br />

Vergleich zu den Werksumhüllungen höhere Korrosionsgefährdung<br />

der mittels Kunststoffbandsystemen nachumhüllten<br />

Schweißnahtbereiche.<br />

Die beiden Umhüllungen Polyurethan und glasfaserverstärkter<br />

Kunststoff GfK bestehen aus duroplastischen Werkstoffen,<br />

die im ausgehärteten Zustand ein dreidimensional vernetztes<br />

Molekülgitter bilden, im Gegensatz zu den thermoplastischen<br />

polyolefinischen, den bituminösen oder fetthaltigen Materialien.<br />

Hieraus resultiert eine erhöhte Beständigkeit gegenüber<br />

mechanischen und thermischen Belastungen. Diese Eigenschaften<br />

wie die unterschiedlichen Applikationsverfahren<br />

bestimmen die Hauptanwendungsbereiche dieser Systeme<br />

als Werksumhüllungen gleichermaßen als Nachumhüllungen.<br />

Die Vorteile der GfK-Systeme liegen in der extrem hohen<br />

mechanischen Festigkeit hinsichtlich ihres Schlag-, Eindruckund<br />

Abriebwiderstandes sowie ihrer hervorragenden guten<br />

Chemikalien- und Lichtbeständigkeit. Gegenüber einer<br />

FZM-Umhüllung weisen GfK-Beschichtungen ein geringeres<br />

Gewicht sowie eine geringere Gleitreibung auf. Im Vergleich<br />

zum Polyurethan ist besonders die wesentlich höhere mechanische<br />

Festigkeit hervorzuheben. Als nachteilig gegenüber<br />

PUR-Systemen ist zu nennen, dass sich der Einsatz von GfK-<br />

Systemen im Rohrleitungsbau im Wesentlichen auf gerade<br />

Rohrstücke, Bögen und Schweißnähte beschränkt.<br />

Das zweikomponentige Reaktivharzsystem Polyurethan wird<br />

üblicherweise im Hot-airless-Spritzverfahren auf das zu schützende<br />

Bauteil aufgebracht. Die im Verarbeitungszustand<br />

flüssigen Einzelkomponenten härten erst auf dem Bauteil<br />

zur fertigen Beschichtung aus. Aus diesem Grund eignen sich<br />

Polyurethanbeschichtungen insbesondere für die Umhüllung<br />

komplex geformter Bauteile wie Armaturen und Formteile.<br />

Werden diese Bauteile zudem thermischen Belastungen<br />

größer 30 °C oder 50 °C ausgesetzt, sind Umhüllungen auf<br />

Polyurethanbasis aufgrund ihrer hohen thermischen Beständigkeit<br />

(bis 80 °C) nahezu konkurrenzlos und werden daher<br />

bevorzugt beispielsweise auf Verdichterstationen eingesetzt.<br />

Aufgrund der bedingt durch die Applikationstechnik hohen<br />

Anforderungen an Geräte und Personal ist insbesondere<br />

unter den häufig widrigen Bedingungen auf Baustellen ein<br />

hohes Maß an Zuverlässigkeit und Kompetenz des Beschichters<br />

aber auch intensiver Kontrollen seitens des Auftraggebers<br />

für eine erfolgreiche Applikation unabdingbar.<br />

LITERATUR<br />

[1] DIN EN ISO 8044, Korrosion von Metallen und Legierungen –<br />

Grundbegriffe und Definitionen<br />

[2] Pressinformation vom 21.04.2011 der DECHEMA e.V. zum<br />

Weltkorrosionstag am 26.04.2011<br />

[3] M. Ahlers, M. Brecht, H.G. Schöneich, <strong>3R</strong> International, <strong>Special</strong><br />

Edition 2/2007, 49 53 Long term experience with corrosion<br />

protection performance of field joint coatings<br />

[4] G. Ehrenstein, S. Pongratz, Beständigkeit von Kunststoffen, Carl<br />

Hanser Verlag, München 2007<br />

Dr. THOMAS LÖFFLER<br />

AUTOR<br />

Kebulin-Gesellschaft Kettler GmbH & Co. KG,<br />

Herten-Westerholt<br />

Tel. +49 209 9615-161<br />

E-Mail: t.loeffler@kebu.de<br />

8. Praxistag Korrosionsschutz<br />

Veranstalter:<br />

2. Juli 2014<br />

VELTINS-Arena, Gelsenkirchen<br />

01-02 | 2014 65


FACHBERICHT PIPELINETECHNIK<br />

Statische und versuchstechnische<br />

Bewertung von Isolierflanschen<br />

Flansche sind eine bewährte Verbindungstechnik für Hochdruckleitungen, die einer Erläuterung nicht bedarf. Einen<br />

Sonderfall stellen Isolierflansche dar, die neben den elektrischen Anforderungen hohe mechanische Belastungen für<br />

das Isoliermaterial bedeuten, da die Kräfte aus dem Rohrleitungssystem örtlich von einem Material übertragen werden<br />

müssen, dessen Festigkeitseigenschaften deutlich geringer sind als die des im Übrigen verwendeten Werkstoffes<br />

Stahl. Diese Beanspruchungen werden dann signifikant, wenn neben der Innendruckauslastung auch noch hohe<br />

Zug- und Biegebeanspruchungen im Rohrleitungssystem auftreten können. Dies ist insbesondere bei Anlagen im<br />

Gashochdruckbereich der Fall. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie die Isolierflansche für diese Fälle bemessen werden<br />

und wie die technisch richtige Auslegung im Zuge einer Abnahmeprüfung messtechnisch belegt werden kann.<br />

DER ISOLIERFLANSCH ALS STANDARDBAUTEIL<br />

Die Standardausführung eines Isolierflansches ist als<br />

technische Zeichnung (Bild 1) und mit der dazugehörigen<br />

Stückliste (Bild 2) charakterisiert. Die metallischen<br />

Werkstoffe und ihre Eigenschaften sind in Regelwerken<br />

ausreichend präzise definiert und auch mit den notwendigen<br />

Zertifikaten im Handel verfügbar.<br />

Isolierwerkstoffe sind in DIN EN 60893 spezifiziert und<br />

die Einhaltung der elektrischen Eigenschaften wird von<br />

den Herstellern garantiert. Die Herstellung dieser Werkstoffe<br />

erfolgt allerdings nicht nach den Regelwerken für<br />

Bild 1: Prinzipskizze Isolierset<br />

Bild 2: Stückliste Isolierset<br />

Druckbehälter oder druckführende Rohrleitungen und<br />

schon gar nicht bei Leitungsinhalten umweltgefährdender<br />

Stoffe.<br />

Es muss also abhängig von den zu erwartenden Betriebsverhältnissen<br />

der geeignete Isolierwerkstoff ausgewählt<br />

werden. Dieser Werkstoff muss dann mit zusätzlichen<br />

Prüfungen in Bezug auf die mechanische Festigkeit, die<br />

Gasdichtheit und die Beständigkeit gegen das Leitungsmedium<br />

geprüft werden.<br />

Damit müssen in jedem Einzelfall die Werkstoffkennwerte<br />

des Isolierwerkstoffes geprüft und festgelegt werden.<br />

Weil die Isolierwerkstoffe deutlich<br />

niedrigere Festigkeitswerte<br />

haben als die metallischen<br />

Werkstoffe und es sich dabei<br />

um Duroplaste handelt, müssen<br />

bei der Konstruktion und<br />

Berechnung auch höhere Sicherheitsfaktoren<br />

angesetzt werden.<br />

Ab bestimmten Druckbeanspruchungen<br />

oder äußeren mechanischen<br />

Kräften ist es unerlässlich,<br />

den Isolierwerkstoff ausreichend<br />

zu armieren. Beim Einsatz<br />

metallischer Dichtungen ist<br />

diese metallische Armierung, die<br />

in Bild 1 aufgezeigt ist, schon<br />

wegen des Einsatzes der metallischen<br />

Dichtungen erforderlich.<br />

Neben der Gasdichtigkeit<br />

entsteht hier ein mechanischer<br />

Kraftschluss zwischen Isolierflanschbauteil<br />

und den Flanschblättern,<br />

der dazu führt, dass die<br />

auf den Isolierflansch wirkenden<br />

Innendruckkräfte in die Flanschblätter<br />

abgeleitet werden.<br />

In überwachungsbedürftigen<br />

Anlagen, wo Teile mindestens<br />

mit einem Abnahmeprüfzeug-<br />

66 01-02 | 2014


PIPELINETECHNIK FACHBERICHT<br />

nis (APZ) 3.1 oder auch mit einem APZ 3.2 geliefert werden<br />

müssen, ist natürlich zur Identifikation der Teile eine<br />

zuverlässige und dauerhafte Kennzeichnung (z. B. durch<br />

Brennstempel) mit Angabe von Hersteller, Fabriknummer,<br />

DN und DP erforderlich. Diese Kennzeichnung ist zwingend<br />

erforderlich für die Zuordnung der Qualitätsnachweise<br />

der verwendeten Werkstoffe.<br />

Eine weitere Voraussetzung für die einwandfreie Funktion der<br />

Isoliersets ist die Isolation der Schraubenbolzen. Die Abmessungen<br />

dieser Bolzen müssen der Flanschnorm entsprechen<br />

und sie müssen in erforderlicher Länge eine druckfeste Isolierung<br />

besitzen, so dass durch auftretende Lochleibungsdrücke<br />

keine Kurzschlüsse entstehen. Weiterhin muss eine zuverlässige<br />

elektrische Trennung von Schraubenkopf und Mutter<br />

zur Auflagefläche gewährleistet sein. Dabei ist zu beachten,<br />

dass der Isolierwerkstoff das schwächste Glied für die Bolzenkraft<br />

ist. Es ist daher erforderlich, die auf dem Flanschblatt<br />

verfügbare Auflagefläche maximal für den Durchmesser der<br />

Iso-U-Scheiben zu nutzen. Um die zulässige Flächenpressung<br />

einzuhalten, muss die Auflagekraft der Mutter über Sonderanfertigung<br />

von Stahl-U-Scheiben unbedingt gleichmäßig<br />

auf die verfügbare Fläche verteilt werden.<br />

Mit den heute verfügbaren Materialien ist es problemlos möglich,<br />

Iso-Sets für Leitungsdurchmesser von 44“ und Druckstufen<br />

von 100 bar herzustellen. Betriebsdrücke von bis zu<br />

500 bar können mithilfe von Sonderkonstruktionen aufgenommen<br />

werden. Gegenüber Isolierkupplungen haben die<br />

Flansche den Vorteil, dass sowohl die elektrischen als auch die<br />

mechanischen Eigenschaften jederzeit überprüft werden können.<br />

Isolierflansche eignen sich zwar nur in Sonderanfertigung<br />

für den unterirdischen Einbau, da gehören Isolierbauteile in<br />

aller Regel jedoch auch nicht hin, da dann ein Restleitungsstück<br />

ohne kathodischen Korrosionsschutz im Boden liegt.<br />

BERECHNUNG DER SYSTEME<br />

Mit DIN EN 1591 steht ein umfangreiches Normenwerk zur<br />

Verfügung, das die Berechnung von Flanschverbindungen<br />

gestattet. Sie folgt allerdings dem Trend neuerer Normen,<br />

dass ein sehr umfangreiches Formelwerk aufgezeigt wird,<br />

in das Kenngrößen und Eingangsparameter eingesetzt<br />

werden müssen, die sich nicht unbedingt schlüssig aus<br />

den Vorgaben und Parametern des zu berechnenden Falles<br />

ergeben. Eine händische Umsetzung der Berechnungsverfahren<br />

ist unmöglich und mit der Durchführung der<br />

Berechnung sollten nur diesbezüglich erfahrene Ingenieure<br />

beauftragt werden. Eine Alternative, die sich insbesondere<br />

in Einzelfällen empfiehlt, die durch hohe Belastungen oder<br />

außergewöhnliche Abmessungen charakterisiert sind, ist<br />

die Anwendung einer FEM-Berechnung, in die sämtliche<br />

Bauteile mit ihren Kennwerten eingegeben werden können.<br />

Wegen der – im Gegensatz zum Stahl – relativ weichen<br />

Isolierwerkstoffe müssen diese Berechnungen allerdings<br />

physikalisch und geometrisch nicht linear durchgeführt<br />

werden und die Anwendung des Superpositionsgesetzes<br />

ist ausgeschlossen. Damit muss die Berechnung für jede<br />

Kombination von Druck, Zugkräften und Biegemomenten<br />

gesondert erstellt werden.<br />

INGENIEURBAU FÜR VERFAHRENSTECHNIK<br />

Mitglied im NACE, DVGW, VDI<br />

ISO-Flansche für den KKS<br />

● bis PN 500 für Flansche API 10000<br />

● auch Einzelteile für die Nachrüstung<br />

● Bolzenisolierung 2 mm, Glasflies und Kunstharz<br />

gewickelt<br />

● Spezialkonstruktionen für alle Dichtflächen<br />

● Fachbetrieb nach § 19 l WHG<br />

● Zertifiziert nach Druckgeräterichtlinie 97/23/EG<br />

Ingenieurbau für Itagstraße 20 Telefon: 0 51 41/2 11 25<br />

Verfahrenstechnik 29221 Celle Telefax: 0 51 41/2 88 75<br />

e-mail: info@suckut-vdi.de<br />

www.suckut-vdi.de<br />

Aussteller auf der IRO in Oldenburg 6. bis 7. Februar 2014, Stand 2. OG-V-12<br />

Dieser Aufwand legt es nahe, die Berechnung auf wenige<br />

Parameterkombinationen zu beschränken und die Rechenergebnisse<br />

durch eine messtechnische Überwachung während<br />

der Abnahmeprüfung zu verifizieren.<br />

VERSUCHSTECHNISCHE VERIFIZIERUNG DER<br />

BERECHNUNG<br />

Iso-Sets, die für Gashochdrucksysteme<br />

geliefert werden, werden<br />

grundsätzlich einer APZ<br />

(siehe oben) unterzogen. Der<br />

Prüfdruck beträgt dabei das 1,5-<br />

fache des Design-Pressure (DP)<br />

der Rohrleitung. Im Zuge dieser<br />

Prüfung werden die Dichtheit<br />

des Systems und die elektrische<br />

Isolierung nachgewiesen. Als<br />

Stahlbauteile kommen dabei<br />

Blindflansche (Bild 3) oder Flansche<br />

mit Klöpperböden zum<br />

Einsatz.<br />

Die Verifizierung der Berechnung<br />

des Iso-Sets lässt sich<br />

sehr einfach mithilfe von Deh-<br />

Bild 3: Prüfling mit Blindflanschen<br />

01-02 | 2014 67


FACHBERICHT PIPELINETECHNIK<br />

um mit diesem hohen Aufschlag die Zusatzkräfte zu simulieren.<br />

Für die Prüfung der Flansche und Isolierbolzen stellt<br />

ein solcher Versuch eine realistische Belastung dar. Für das<br />

Isoliermaterial entsteht eine sehr hohe Radialspannung,<br />

die im späteren Betrieb nicht denkbar ist. Deshalb war<br />

es hier sinnvoll, diese Sonderprüfung ebenfalls mit der<br />

Überwachung durch Dehnungsmessstreifen zu begleiten.<br />

Auch hier ergaben sich Spannungswerte, die die o. a.<br />

Größenordnung von 5 N/mm 2 nicht überschritten haben<br />

und auch in diesem Falle wurde der Kraftschluss komplett<br />

über die Dichtung und die Armierung des Isolierwerkstoffes<br />

sichergestellt.<br />

Sämtliche Bauteile wurden vom Auftraggeber abgenommen.<br />

Bild 4: Dehnungsmessstreifen auf Isolierstück<br />

nungsmessstreifen durchführen. Wie in Bild 4 aufgezeigt,<br />

werden diese Dehnungsmessstreifen als Halbbrücken in<br />

Umfangsrichtung des Isolierwerkstoffes aufgebracht und<br />

der Aufbau der Umfangsspannungen in Abhängigkeit von<br />

den aufgebrachten Druckstufen ermittelt. Eine Temperaturkompensation<br />

kann wegen der kurzen Versuchsdauer<br />

unterbleiben.<br />

Die Durchführung der Versuche während mehrerer<br />

Abnahmeprüfungen hat Spannungen in Umfangsrichtung<br />

in der Größenordnung von bis zu 5 N/mm² ergeben.<br />

Das sind vernachlässigbare Werte, die das rechnerische<br />

Ergebnis bestätigen, dass die auf den Isolierwerkstoff<br />

wirkenden Innendruckkräfte über den Kraftschluss zwischen<br />

Flansch/Dichtung/Armierung auf den Stahlflansch<br />

übertragen werden und somit für den Isolierwerkstoff<br />

eine signifikante statische Belastung als Ringtragwerk<br />

nicht existiert.<br />

Der direkt auf den Isolierwerkstoff wirkende Innendruck<br />

in der Größenordnung von 100 bar (10 N/mm 2 ) stellt<br />

ebenfalls kein Problem dar, da die Isolierwerkstoffe nach<br />

DIN EN 60893 Druckfestigkeiten von mehr als 100 N/mm 2<br />

aufweisen und somit hier eine üppige Sicherheit besteht.<br />

In einem Sonderfall hatte der Hersteller Suckut Isolierflansche<br />

der Größe 2“, 16“ und 24“ zu liefern, die einer<br />

Druckstufe 100 bar ausgesetzt waren und bei denen<br />

nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sie hohen<br />

zusätzlichen Zug- und Biegekräften aus der Gesamtanlage<br />

ausgesetzt sein würden. In Abstimmung mit der<br />

Prüforganisation wurde festgelegt, jeden der zu liefernden<br />

Flansche einer Druckprüfung von 240 bar, also dem<br />

Mehrfachen des späteren Betriebsdruckes, auszusetzen,<br />

AUSBLICK<br />

Die aufgezeigten Ergebnisse bestätigen die Erfahrung,<br />

dass Flansche und Isolierflansche eine sichere statische<br />

Verbindung sind, die auch sehr hohen Zusatzlasten standhalten.<br />

Es ist allerdings unbefriedigend, dass über die in<br />

komplexen Anlagen wirklich auftretenden Kräfte wenige<br />

Erfahrungen vorliegen. Die Berechnungen der Anlagenplaner<br />

beachten im Allgemeinen nur wenige Parameter<br />

und die wirkliche Beanspruchung aus der Kombination<br />

beliebiger Lastfälle wird im Allgemeinen nicht erfasst.<br />

Es ist deshalb erstrebenswert, über einen längeren Zeitraum<br />

charakteristische Anlagen bezüglich der an den<br />

Iso-Flanschen auftretenden Kräfte zu überwachen, um<br />

hier eine Größenordnung der wirklichen Lastfälle zu<br />

erkennen. Eine solche Durchführung ist umso leichter,<br />

da mit der messtechnischen Überwachung durch Dehnungsmessstreifen<br />

ein sehr einfaches und sehr robustes<br />

und preisgünstiges Messverfahren zur Verfügung steht.<br />

M.Sc. Chem. CLAUDIA SUCKUT<br />

Suckut VDI, Celle<br />

Tel. +49 5141 211-25<br />

E-Mail: info@suckut-vdi.de<br />

DR. MANFRED VEENKER<br />

AUTOREN<br />

Dr.-Ing. Veenker Ingenieurgesellschaft mbH,<br />

Hannover<br />

Tel. 49 511 284 99-11<br />

E-Mail: manfred.veenker@veenkergmbh.de<br />

68 01-02 | 2014


PIPELINETECHNIK PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />

Hubschraubergestütztes Lasersystem<br />

überprüft Gashochdrucknetz in Belgien<br />

Das hubschraubergestützte Lasersystem CHARM ® („CH4 Airborne Remote Monitoring“) der Open Grid Europe hat sich<br />

bei der Überprüfung des eigenen Gashochdrucknetzes etabliert und seit Jahren bewährt. Auch andere europäische<br />

Netzbetreiber haben die Vorteile dieser innovativen und einzigartigen Technologie erkannt.<br />

Die gute Zusammenarbeit und die Zuverlässigkeit des Systems<br />

führten dazu, dass sich der belgische Netzbetreiber FLUXYS<br />

BELGIUM nun auch langfristig für einen CHARM ® -Einsatz<br />

entschieden hat. Bereits 2008 erfolgte die erste Kontaktaufnahme.<br />

Nach einer intensiven Vorstellung des Systems<br />

folgten in 2009 Testflüge. Diese stellten die Zuverlässigkeit<br />

der Technologie unter Beweis. FLUXYS BELGIUM zeigte sich<br />

beeindruckt von der Präzision, mit der die für die Methanmessung<br />

erforderlichen Laserstrahlen vollautomatisch über<br />

die Pipelinetrasse geführt werden. Auch die künstlich erzeugte<br />

Leckage, die der Kunde zu Testzwecken versteckt hatte,<br />

wurde problemlos aufgespürt, wodurch das System erneut<br />

seine hohe Detektionsempfindlichkeit unter Beweis stellte.<br />

FLUXYS BELGIUM platzierte daraufhin regelmäßig ab 2011<br />

kleinere Aufträge.<br />

Wie in ganz Europa wird auch das gesamte belgische Transportnetz<br />

jährlich im vollen Umfang einer intensiven Überprüfung<br />

unterzogen. Die Leitungen werden kontinuierlich<br />

aus der Luft überwacht, um Beschädigungen durch Dritte<br />

zu verhindern. Wichtige Leitungen werden zum Teil täglich<br />

beflogen. Des Weiteren überprüft FLUXYS BELGIUM das<br />

Leitungsnetz jährlich mit Gasspürgeräten an über 15.000<br />

festgelegten Markierungspunkten. Diese Methode ist sehr<br />

zeitaufwändig und personalintensiv und hat zudem den Nachteil,<br />

dass eine Überprüfung der Leitung nur an den festgelegten<br />

Mess-Stellen und nicht an den dazwischenliegenden<br />

Abschnitten erfolgt. Hier ist die Gasferndetektion aus der<br />

Luft klar im Vorteil. CHARM ® ermöglicht eine effiziente und<br />

wesentlich schnellere Überprüfung der Leitung über ihren<br />

gesamten Verlauf. Die guten Ergebnisse der Befliegung mit<br />

dem hubschraubergestützten Lasersystem aus den Vorjahren<br />

führten bei FLUXYS BELGIUM zu der Entscheidung, von der<br />

bisherigen Vorgehensweise abzurücken und das gesamte<br />

Netz zukünftig aus der Luft zu überprüfen.<br />

Basierend auf dem Auftragsvolumen musste das Vorhaben<br />

europaweit ausgeschrieben werden. Ein entscheidendes Kriterium<br />

an die Bewerber war die Einhaltung der DVGW-Richtlinie<br />

G 501. Um ein vergleichbares Sicherheitsniveau wie bei einer<br />

vor Ort Begehung sicherzustellen, legt die G 501 Randbedingungen<br />

für die Gasferndetektion fest. Im Gegensatz zu<br />

anderen Mitbewerbern kann bis heute lediglich CHARM ®<br />

dieser Richtlinie gerecht werden. Demnach ging der Auftrag<br />

folgerichtig an das Team mit dieser Technologie.<br />

Nach kurzer Datenaufbereitung, Flugplanung und Einholen<br />

von Genehmigungen bei den belgischen Aufsichtsbehörden<br />

konnte bereits wenige Tage nach Auftragseingang mit der<br />

Befliegung des belgischen Gasnetzes begonnen werden.<br />

An jedem Befliegungstag wurden dabei bis zu 100 Methan-<br />

Indikationen festgestellt. Viele dieser Meldungen sind auf<br />

natürliche Fäulnisprozesse, Landwirtschaft oder industrielle<br />

Emissionen zurückzuführen und besitzen daher für den<br />

Leitungsbetrieb keine Bedeutung. Die zunächst zahlreichen<br />

Meldungen durchlaufen daher einen ausführlichen Auswerteprozess,<br />

um sicherzustellen, dass nur relevante Methanfundstellen<br />

an den Leitungsbetreiber weitergegeben werden. Nicht<br />

relevante Meldungen, sogenannte Einwehungen, würden<br />

beim Kunden zusätzlichen Aufwand und unnötige Kosten<br />

verursachen. Deshalb ist die Trennung von wichtigen und<br />

unwichtigen Informationen sowie eine ausführliche Dokumentation<br />

mit Luftaufnahmen, Koordinaten der Fundstellen und<br />

Wetterdaten, ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses. Das<br />

CHARM ® -Team kann dabei auf die jahrelangen Erfahrungen<br />

aus der Befliegung des eigenen Netzes zurückgreifen und<br />

hat den Auswerteprozess kontinuierlich verbessert. Beispielsweise<br />

kann der Methan ausstoß einer Kuh, die sich auf der<br />

Leitungstrasse befindet, klar erkannt und aussortiert werden.<br />

Nachdem die Befliegung Anfang Dezember 2013 erfogreich<br />

beendet war, konnte der CHARM ® -Helikopter in die verdiente<br />

Winterpause gehen. Spätestens Ende März 2014 wird er<br />

jedoch wieder abheben. Im Lauf dieses Jahres wird dann<br />

auch das neue „CHARM ® 2“-System an Bord sein, mit dessen<br />

Hilfe dann die Effizienz und Wirtschaftlichkeit des Helikopter-<br />

Einsatzes weiter gesteigert werden kann.<br />

KONTAKT: Open Grid Europe. Essen, www.open-grid-europe.com<br />

01-02 | 2014 69


PROJEKT KURZ BELEUCHTET PIPELINETECHNIK<br />

Pipeline-Unterquerung in Kanada<br />

gelingt mit Direct Pipe ® -Technologie<br />

Erstmals installierte ein kanadisches Bauunternehmen eine Pipeline mit der Direct Pipe ® -Technologie von Herrenknecht.<br />

Die Unterquerung des Beaver River in der Provinz Alberta mit einer 42-Zoll-Pipeline (1.067 mm) wurde in zwei Wochen<br />

erfolgreich abgeschlossen.<br />

Wes Lingerfelt hatte es eilig: „Wir waren sieben Tage die<br />

Woche an der Maschine, um das Projekt schnell und effizient<br />

abzuschließen.“ Wes Lingerfelt bediente die Direct<br />

Pipe ® -Anlage, die das kanadische Bohrunternehmen Michels<br />

Canada bei Herrenknecht für die Pipeline-Unterquerung<br />

des Beaver River in der Provinz Alberta geordert hatte. Es<br />

galt eine Rohrleitung mit einem Durchmesser von 42 Zoll<br />

(1.067 mm, doppelte FBE-Beschichtung) über eine Länge<br />

von 340 m unter dem Fluss hindurchzuführen. Die Bohung<br />

Bild 1: Premiere in Kanada: In der Provinz Alberta wurde eine<br />

Rohrleitung mit einem Durchmesser von 42 Zoll (1.067 mm,<br />

doppelte FBE-Beschichtung) über eine Länge von 340 m in nur 13<br />

Tagen unter dem Beaver River durchgeführt<br />

Bild 2: Bei der Direct Pipe ® -Technologie wird in nur einem<br />

Arbeitsschritt eine vorgefertigte Rohrleitung grabenlos installiert<br />

und gleichzeitig das dazu erforderliche Bohrloch erstellt. Das sorgt<br />

für eine zügige und sehr wirtschaftliche Verlegung von Pipelines<br />

mit Längen bis über 1.500 m<br />

erfolgt mit einem Eintrittswinkel von 4° und einem Austrittswinkel<br />

von 8° bei einer Überdeckung von rund 5 m<br />

unter dem Flussbett. Nach 13 Bohrtagen zwischen dem<br />

Startschuss am 24. August und dem Durchbruch am 8.<br />

September 2013 war die Zielgrube erreicht. Wes Lingerfelt<br />

ist beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Technik:<br />

„Starke 68 m haben wir an unserem besten Tag geschafft.“<br />

Bei der Unterquerung des Beaver River kam Direct Pipe ®<br />

erstmals in Kanada zum Einsatz, eine Premiere mit Bravour.<br />

Patrick O’Donoghue, Trenchless Crossing Manager bei<br />

Michels Canada: „Direct Pipe findet in Nordamerika bei den<br />

Spezialisten für grabenlosen Vortrieb immer mehr Beachtung.<br />

Wir freuen uns auf weitere hochwertige Projekte.“<br />

Die Unterquerung des Beaver River ist ein Abschnitt des<br />

Ausbaus der „Cold Lake Pipeline“ zwischen La Corey und<br />

Hardisty über eine Gesamtlänge von 240 km. Der Bauherr<br />

Inter Pipeline Limited erweitert mit dem Ausbau seine<br />

Kapazitäten beim Transport des in Cold Lake aus Ölsand<br />

gewonnenen Bitumen.<br />

Die Direct Pipe ® -Technologie von Herrenknecht kombiniert<br />

die Vorteile von Microtunnelling- und Horizontalbohrtechnik<br />

(HDD). In nur einem Arbeitsschritt wird eine vorgefertigte<br />

Rohrleitung grabenlos installiert und gleichzeitig das dazu<br />

erforderliche Bohrloch erstellt. Das sorgt für eine zügige<br />

und sehr wirtschaftliche Verlegung von Pipelines mit Längen<br />

bis über 1.500 m. Bis heute wurden bereits 35 Projekte<br />

mit Direct Pipe in Deutschland, Großbritannien, Italien,<br />

Kanada, den Niederlanden, Thailand und USA erfolgreich<br />

durchgeführt.<br />

Das Verfahren<br />

Von der Startgrube aus erfolgt der Abbau des Bodens mit<br />

einer flüssigkeitsgestützten Microtunnelling-Maschine<br />

(AVN). Die oberirdisch auf Rollenböcken ausgelegte und<br />

an die Maschine angeschweißte Pipeline wird zeitgleich<br />

mit der Bohrung in das erzeugte Bohrloch geschoben. Die<br />

erforderliche Vortriebskraft liefert ein Pipe Thruster.<br />

Er presst die Microtunnelling-Maschine zusammen mit der<br />

Pipeline mit einer Schubkraft von bis zu 750 Tonnen in<br />

Hüben von 5 m voran. Die Kraft wird über die Klemmeinheit<br />

des Pipe Thrusters auf die Pipeline und über diese bis zum<br />

Bohrkopf der Maschine übertragen.<br />

KONTAKT: Herrenknecht AG, Schwanau, www.herrenknecht.com<br />

70 01-02 | 2014


ROHRLEITUNGSBAU PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />

Mit der Seilbahn zum Einsatzort<br />

im norwegischen Gebirge<br />

Von Juni bis Oktober 2012 wurden insgesamt 2.000 m Duktus-Rohre (DN 600) in Wetzlar auf Lkw verladen, um in<br />

die norwegische Region Nordland transportiert zu werden. 20 Ladungen waren dafür notwendig. Zwischen dem<br />

Bestimmungsort im hohen Norden und Wetzlar lagen 2.200 km. Der letzte Abschnitt der Reise war der spektakulärste.<br />

Für den Einsatz an der Quelle des Gebirgsbaches Tverrag mussten die Rohre mit einer Seilbahn vorlieb nehmen, was<br />

letztendlich dank der hervorragenden Planung durch den norwegischen Duktus-Vertriebspartner DAHL Vannkraft ebenso<br />

perfekt klappte wie die logistische Abwicklung, für die in Wetzlar Lutz Cromm und Dirk Hofmann verantwortlich waren.<br />

Die duktilen Gussrohre mit BLS ® -Verbindungen rüsten das<br />

Kleinwasserkraftwerk Tverraga aus, das in der Nähe der<br />

Stadt Mo i Rana unweit des Polarkreises von dem norwegischen<br />

Energieunternehmen Norsk Grønnkraft geplant<br />

wurde und mittlerweile in Betrieb gegangen ist.<br />

Das „hochalpine“ Gelände bot genau die richtigen Voraussetzungen<br />

für die flexible BLS ® -Verbindung, die hier<br />

ihre überlegenen Eigenschaften unter Beweis stellen konnte.<br />

Wegen der schwierigen geologischen Verhältnisse<br />

hatte sich der Betreiber des Kraftwerkes nicht zuletzt<br />

aufgrund der Beratung durch DAHL Vannkraft dazu entschieden,<br />

die Hälfte der Rohre in ZMU-Ausführung zu<br />

ordern.„Wegen der enormen Fallhöhe haben wir den<br />

unteren Bereich der Leitung auf einen Druck von 51 bar<br />

ausgelegt und aus Sicherheitsgründen Duktus-Rohre der<br />

Wanddickenklasse K12 eingesetzt“, erklärt Bjarte Skar von<br />

DAHL Vannkraft, und sein Kollege Gunnar Ulvik weist auf<br />

die Transportbesonderheit hin: „Erst zum zweiten Mal<br />

wurde in Norwegen eine Material-Seilbahn eingesetzt,<br />

was natürlich ein zusätzlicher logistischer und zeitlicher<br />

Aufwand war. Alles hat super geklappt und wir waren<br />

mit der Flexibilität von Duktus und der termingerechten<br />

Auslieferung sehr zufrieden.“<br />

Europas größter Wasserkraftproduzent<br />

Die Nutzung von Wasserkraft hat in Norwegen eine lange<br />

Tradition und war die Grundlage der Industrialisierung des<br />

Landes. Um in der stark zerklüfteten Landschaft Norwegens<br />

eine flächendeckende Energieversorgung mit Elektrizität zu<br />

schaffen, wurden dezentral kleine und große Wasserkraftwerke<br />

errichtet, die ihre nähere Umgebung mit Energie versorgten.<br />

Auch heute ist diese kleingliedrige Struktur erhalten.<br />

Norwegen ist Europas größter und weltweit siebtgrößter Wasserkraftproduzent<br />

und deckt seinen eigenen Strombedarf<br />

nahezu komplett aus Wasserkraft. Der Bau weiterer Anlagen<br />

ist geplant. Norwegens Wasserkraft gewinnt aktuell aber noch<br />

aus einem anderen Grund an Bedeutung: Die weltweite Energiewirtschaft<br />

sucht nach Möglichkeiten, erneuerbaren Strom<br />

zu speichern und diesen bedarfsweise kurzfristig verfügbar<br />

zu haben. Nach einer Studie der Boston Consulting Group<br />

müssen sich aufgrund des Anstiegs der Stromerzeugung aus<br />

Sonne und Wind die Speicherkapazitäten in Europa in den<br />

nächsten 15 Jahren vervierfachen. Norwegens Wasserkraft als<br />

Energiespeicher gerät in dieser Hinsicht in den Fokus.<br />

KONTAKT: Duktus Rohrsysteme Wetzlar GmbH, Wetzlar, Tel.+49 6441<br />

49-01, E-Mail: info@duktus.com, www.duktus.com<br />

Bild 1: Trassenverlauf der Turbinenleitung<br />

für das Wasserkraftwerk Tverraga<br />

Bild 2: Vom Rohrlager im Tal ging es nur<br />

noch mit der Seilbahn weiter<br />

Bild 3: Verlegeschulung vor Ort durch Dahl<br />

Vannkraft<br />

01-02 | 2014 71


PROJEKT KURZ BELEUCHTET ROHRLEITUNGSBAU<br />

156 Bohrmeter unterhalb der Kander<br />

in den Schweizer Alpen<br />

Das Berner Oberland mit seinem mächtigen Felsuntergrund stellt bohrtechnisch für jede Bohranlage eine Herausforderung<br />

dar. Die hier beschriebene Baustelle in den Schweizer Alpen befindet sich direkt an dem Fluss Kander oberhalb der<br />

Blausee Forellenteiche, ca. 10 km von Kandergrund entfernt auf etwa 1.000 Höhenmetern.<br />

Das Kandertal in den Schweizer Alpen ist ein tief eingeschnittenes<br />

schmales Tal, das quer zur West-Ost-Richtung<br />

der Alpenkette verläuft. Charakteristisch ist hier der Wechsel<br />

von harten Kalkschichten und weichen Mergel- und<br />

Tonschichten. Im Laufe der Erdgeschichte wurde zudem<br />

über den Kandergletscher grobstückiges Gesteinsmaterial<br />

hineingeschoben und abgelagert. Die Felsbrocken können<br />

mitunter Hausgröße erreichen. Der Boden und nicht die<br />

Verlegung von zwei PEHD-Rohren DA 63 mm war die<br />

besondere Schwierigkeit dieser Maßnahme. Die Rohre<br />

dienen der späteren Aufnahme von Glasfaserkabeln, die<br />

für die Swisscom verlegt wurden.<br />

Den Auftrag erhielt die Firma Zemp Leitungsbau aus Wiggen.<br />

Das 15-köpfige Team des Unternehmens hat bereits<br />

Erfahrungen mit der grabenlosen Technik und drei Bohrgeräte<br />

sowie zwei Kabelpflüge im Einsatz. Firmenchef<br />

Markus Zemp wollte sich nun selbst ein Bild von der neuen<br />

GRUNDODRILL 18ACS-Bohranlage von Tracto-Technik<br />

verschaffen, die besonders für rasch wechselnde felsige<br />

Formationen geeignet ist.<br />

Schon der Antransport bedeutete eine Herausforderung.<br />

Der Lkw konnte die schmale Straße nicht befahren. Deshalb<br />

musste ein Traktor den Tandemtieflader mit der Bohranlage<br />

weitertransportieren. Zum Schluss ging auch das<br />

nicht mehr und die Bohranlage fuhr nun selbstständig<br />

über mehrere 100 m gesteuert mit der Fernbedienung<br />

zum Einsatzort. Die gleiche Prozedur wiederholte sich<br />

mit der Bentonitmischanlage. Am Flussufer wurde der<br />

GRUNDODRILL 18ACS positioniert und auf das Ziel ausgerichtet.<br />

Insgesamt 156 Bohrmeter waren unter der Kander<br />

zu bewältigen.<br />

Der 1,55 m lange Rockbreaker für die 6½“-Pilotbohrung<br />

gehört zum zentralen Bestandteil der Felsbohrausrüstung.<br />

Er wird über das Außenrohr angetrieben und gesteuert. Der<br />

Neigungswinkel beträgt 1,75°. Die Rollenmeißel an der Spitze<br />

werden mit maximal 2.500 Nm bei bis zu 350 U1/min über<br />

das Innenrohr angetrieben, dessen Steckdrehverbindungen<br />

einfach und zeitsparend fixiert werden. Ortung und Steuerung<br />

können mit dem direkt hinter den Rollenmeißeln montierten<br />

Sender präzise und bereits nach kurzer Bohrdistanz<br />

vorgenommen werden.<br />

Die Bohrtiefe lag durchschnittlich bei 3 m, unter der Flusssohle<br />

aber auch bei 7 bis 8 m. Tiefe und Lage des Rockbreakers<br />

wurden mit dem DCI F 5 ständig kontrolliert und<br />

wenn erforderlich nachjustiert.<br />

Die Bohrung musste mehrfach neu angesetzt werden, weil<br />

der Rollenmeißel beim Auftreffen auf Findlinge ab und an<br />

durch einen ungünstigen Winkel abgelenkt wurde. „Das<br />

Bild 1: Bohranlage GRUNDODRILL 18ACS bei der Erstellung<br />

der Pilotbohrung<br />

Bild 2: Einzug der zwei PE-HD-Rohre DA 63 mm<br />

im Bündel<br />

72 01-02 | 2014


presented by IFAT CHINA | EPTEE | CWS<br />

Bild 3: Messvorgang mit DCI F 5<br />

ist nicht ungewöhnlich und kommt relativ häufig vor“, so<br />

Markus Zemp, der u. a. von der Laufruhe der Bohranlage<br />

und dem geringen Dieselverbrauch überrascht war. Ebenso<br />

hat ihn die Servicefreundlichkeit der Handhydraulik für<br />

den Notbetrieb überzeugt. Auch der geringe Bentonitverbrauch<br />

(von 20-50 l/min) bei gleichzeitig hoher Bohrleistung<br />

reduzierte die Kosten für Beschaffung, Aufbereitung<br />

und Entsorgung der Bohrspülung.<br />

Der Rohreinzug war nach der Pilotbohrung nur noch Formsache.<br />

Dank des großen Pilotbohrdurchmesser musste diese<br />

auch nicht mehr aufgeweitet werden und das Rohr konnte<br />

mit einem normalen Backreamer eingezogen werden.<br />

KONTAKT: TRACTO-TECHNIK GmbH & Co. KG Spezialmaschinen, Lennestadt,<br />

Dipl.-Ing. Daniel Mertens, Tel. +49 1605 359359,<br />

E-Mail: daniel.mertens@tracto-technik.de<br />

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Bild 4: Der ausgelegte Rohrstrang<br />

01-02 | 2014 73


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG<br />

Leckortungsverfahren zur Reduzierung<br />

von Trinkwasserverlusten<br />

Die öffentliche Wasserversorgung dient dem Zweck, dem Nutzer jederzeit qualitativ hochwertiges Trinkwasser mit<br />

dem erforderlichen Druck und in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Daher ist es erforderlich, mit der<br />

nicht unerschöpflichen Ressource Wasser sorgfältig und sparsam umzugehen. Dabei sind die im Infrastrukturnetz<br />

der Wasserverteilung immer wieder auftretenden Leckagen unmittelbar zu erkennen, bevor mehr Wasser verloren<br />

geht und hygienische Beeinträchtigungen entstehen können. Die Minimierung von Undichtheiten mit Reduzierung<br />

der Laufzeiten stellt die elementare Veranlassung zur Instandhaltung dar. Dies gehört zu den Daueraufgaben eines<br />

Wasserversorgungsunternehmens. Wird ein Rohrschaden festgestellt ist der Austritt von Trinkwasser durch die Anwendung<br />

von Leckagen-Ortungssystemen umgehend aufzufinden und zu beheben. Kommt es erst einmal zu Defiziten im<br />

Verteilungsnetz, kann es zu Versorgungsengpässen und einer Verschlechterung der Grundversorgung mit Trinkwasser<br />

führen. Das verloren gegangene Wasser steht dem Verbraucher dann nicht mehr zur Verfügung.<br />

9%<br />

17%<br />

SCHADENSSTATISTISCHE UNTERSUCHUNG EINES<br />

TRINKWASSERROHRNETZES<br />

Als Voraussetzung für einen effektiven Einsatz von<br />

Leckortungstechniken sind Fachkenntnisse und Erfahrungswerte<br />

des Rohrleitungssystems mit den zugehörigen<br />

Zustandsdaten erforderlich. Hierdurch können Aussagen<br />

über den derzeitigen Zustand und die zukünftige Entwicklung<br />

der Netzqualität unter Zuordnung der maßgeblichen<br />

Schadensursachen getroffen werden. Anhand<br />

des beispielhaften Versorgungsgebietes eines kleinen<br />

3% 3% 2%<br />

19%<br />

Schadensarten<br />

2005 - 2012<br />

47%<br />

PE Loch- / Rißschaden<br />

Grauguss Bruch / Querriss<br />

Grauguss Lochkorrosion<br />

Duktilguss Lochkorrosion<br />

Grauguss Beschädigung<br />

PE Rohrverbindung<br />

Guss Druckstoß<br />

Bild 1: Schadensarten Trinkwasserrohrnetz mit Anteilsangaben (%)<br />

Bereiche für<br />

Rohrschadensraten<br />

Rohrschadensraten<br />

Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen<br />

(Schäden je km und Jahr)<br />

Niedrige Schadensrate ≤ 0,1 ≤ 5<br />

Mittlere Schadensrate > 0,1 bis ≤ 0,5 > 5 bis 10<br />

Hohe Schadensrate > 0,5 > 10<br />

Bild 2: Richtwerte für Schadensraten von Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen sowie Anschlussleitungen [1]<br />

Anschlussleitungen<br />

(Schäden je 1000<br />

Anschlüsse und Jahr)<br />

bis mittleren Wasserversorgungsunternehmens wurden<br />

Daten gesammelt und daraus resultierend die Auswertung<br />

vorgenommen.<br />

Im Zeitraum von acht Jahren zwischen 2005 bis 2012 wurden<br />

Rohrnetzfehler der Versorgungs- und Anschlussleitungen<br />

im Untersuchungsgebiet eines Stadtnetzes mit Angaben<br />

der Schadensarten und anteilmäßigen Häufigkeiten aufgezeichnet,<br />

siehe Bild 1.<br />

Die Schadensraten des Rohrnetzes der Trinkwasserversorgung<br />

wurden dabei anhand der realen Wasserverluste<br />

ausgewertet. Dies erfolgte in Abhängigkeit der Rohrleitungsart<br />

in relativiertem Bezug auf die Leitungslänge<br />

bzw. Anzahl der Anschlüsse im Versorgungsgebiet, siehe<br />

Bild 2.<br />

Auf Grundlage der Schadensvorkommnisse wurden<br />

Berechnungen der jeweiligen Schadensraten der Hauptund<br />

Versorgungsleitungen sowie der Anschlussleitungen<br />

durchgeführt und in Bild 3 für Haupt- und Versorgungsleitungen<br />

und in Bild 4 für Anschlussleitungen<br />

dargestellt.<br />

Die Rohrschadensraten der Versorgungsleitungen liegen<br />

auf einem mittleren Niveau. Dabei ist zu beobachten,<br />

dass in den letzten Jahren die Schäden in den Versorgungsleitungen<br />

ohne Anschlussleitungen ausgehend vom<br />

unteren Bereich der mittleren Schadensraten mit Tendenz<br />

in Richtung hohe Schadensraten angestiegen sind.<br />

Die Rohrschadensraten der Anschlussleitungen liegen<br />

auf einem niedrigen Niveau. Mit den Werten aus den<br />

2008 bis 2010 liegen mittlere Schadensraten vor. Bei<br />

der Betrachtung der Ergebnisse ist ein uneinheitliches<br />

Bild zu beobachten, welches im letzten Jahr mit Tendenz<br />

in Richtung niedrige Schadensrate abfällt.<br />

SCHADENSANALYSE EINES VERSORGUNGSGEBIETES<br />

Anhand der Analyse des Rohrnetzes können durch die<br />

aufgetretenen Schadenshäufigkeiten Schwachstellen im<br />

Versorgungsgebiet aufgezeigt werden. Die typischen<br />

74 01-02 | 2014


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT<br />

Rohrschadensraten Versorgungsleitungen<br />

Rohrschadensraten Anschlussleitungen<br />

Schäden je km und Jahr<br />

0,4<br />

0,3<br />

0,3<br />

0,2<br />

0,2<br />

0,1<br />

0,1<br />

0,0<br />

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012<br />

Schadensraten 0,2 0,1 0,2 0,1 0,1 0,2 0,3 0,2<br />

Bild 3: Schadensraten Trinkwasser-Versorgungsleitungen<br />

Schäden je 1.000<br />

Anschlüsse je Jahr<br />

12<br />

10<br />

8<br />

6<br />

4<br />

2<br />

0<br />

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012<br />

Schadensraten 4 3 3 10 8 8 4 1<br />

Bild 4: Schadensraten Trinkwasser-Anschlussleitungen<br />

Schadens-ursachen [2] an den Trinkwasserleitungen wurden<br />

anhand von Bildaufnahmen dokumentiert (Bild 5,<br />

Bild 6, Bild 7).<br />

LECKORTUNGSVERFAHREN ZUR REDUZIERUNG<br />

VON WASSERVERLUSTEN<br />

Grundsätzlich wird die Einspeisung der Trinkwassermenge<br />

einzelner Versorgungszonen ermittelt und festgestellt,<br />

ob gebietsbezogen ein hoher Verbrauch in Bezug<br />

auf die Messung vorliegt. Somit kann der Abschnitt<br />

mit dem höchsten Wasserverbrauch ein Indiz für einen<br />

Wasserverlust sein. Hierdurch können bereits mittlere bis<br />

große Verluste an Trinkwasser, wenn sie über einen längeren<br />

Zeitraum andauern, identifiziert werden. Danach<br />

erfolgt die Einschränkung auf untergliederte Abschnitte<br />

mittels Vorortungstechnik. Abschließend wird im nächsten<br />

Schritt die eigentliche Leckagebestimmung an den<br />

untersuchten Rohrleitungen als Lokalisation vorgenommen.<br />

Die Verfahrensschritte der Wasserverlustüberwachung<br />

mit Leckstellenortung werden dabei in drei Stufen<br />

eingeteilt:<br />

»»<br />

1. Zonenmessung (Erkennung)<br />

»»<br />

2. Vorortung (Eingrenzung)<br />

»»<br />

3. Lokalisation (Lagebestimmung)<br />

Nach DVGW Arbeitsblatt W 392 [3] werden die Leckortungsmethoden<br />

in die Anwendungsbereiche Vorortung und Lokalisation<br />

eingeteilt.<br />

Zur Vorortung von Leckagen werden nachfolgende Verfahren<br />

angewandt, die nachfolgend ausführlicher beschrieben<br />

werden:<br />

»»<br />

Horchdose<br />

»»<br />

Teststab<br />

»»<br />

Geräuschpegel-Messung<br />

»»<br />

Zuflussmessung<br />

»»<br />

Druckmessung<br />

»»<br />

Temperatur-Differenzmessung<br />

»»<br />

Färbetest<br />

»»<br />

Korrelation<br />

Zu den Lokalisationsmethoden gehören:<br />

»»<br />

Korrelation<br />

»»<br />

Bodenmikrofon<br />

»»<br />

Molchmethode<br />

»»<br />

Gasprüfmethode<br />

Unter Vorortungen (Grobortung) sind Methoden zum Aufspüren<br />

und zur Eingrenzung von Schadstellen mit Wasserverlusten<br />

zu verstehen, die nachfolgend näher beschrieben werden:<br />

Bild 5: Lochkorrosion an Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen aus Gusseisen<br />

Bild 6: Rissbildungen an<br />

Anschlussleitungen aus PE<br />

Bild 7: Querbrüche an Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen aus Grauguss<br />

01-02 | 2014 75


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG<br />

AKUSTISCHE<br />

VERFAHREN<br />

Horchdose und Teststab<br />

(Bild 8)<br />

Mit der mechanischen<br />

Horchdose und dem elektrischen<br />

Teststabmikrofon<br />

können alle zugänglichen<br />

Rohrleitungsteile auf Fließgeräusche<br />

zur akustischen<br />

Wasserlecksuche überprüft<br />

werden. Durch die<br />

Abhorchtechnik erfolgt<br />

dabei eine Leckerkennung<br />

zur Vorortung bei<br />

den zugänglichen Rohrleitungen<br />

mitsamt Armaturen.<br />

Die Wasserleitungen<br />

werden direkt mit<br />

einem akustischen Teststab<br />

auf Leckgeräusche<br />

abgehört. An Leckagen<br />

strömt Wasser mit hoher<br />

Geschwindigkeit aus der<br />

Schadstelle aus und versetzt<br />

das Rohrmaterial in<br />

Bild 8: Anwendung elektrischer Teststab Schwingungen. Der Körperschall<br />

wird von der<br />

Leitung übertragen und<br />

ist an den Kontaktstellen hörbar. Das Gerät zeigt anhand<br />

eines Displayausschlages zusätzlich optisch die Intensität der<br />

Geräuschentwicklung an. Metallische Wasserleitungsrohre<br />

übertragen dabei die Körperschallwellen wesentlich besser<br />

als nichtmetallische Werkstoffe.<br />

Geräuschpegel-Messung<br />

Zur Vermeidung von Wasserverlusten stehen desweiteren<br />

elektroakustische Verfahren als Vorortungsmethode<br />

zur Verfügung, die Geräusche im Rohrnetz erfassen und<br />

analysieren. Dazu werden Datenlogger zur akustischen<br />

Zonenüberwachung für die Messung der Geräuschpegel<br />

in Unterflurhydranten, an Schiebern und Rohrleitungsteilen<br />

für die Eingrenzung von Wasserverlusten zur Auswertung<br />

der Geräuschintensität stationär (Permanentstrategie) sowie<br />

auch temporär (Teilzonenstrategie) angebracht. Während<br />

der Nacht werden in regelmäßigen Zeitabständen sowohl<br />

Geräusch- sowie auch Frequenzpegel dokumentiert. Die<br />

Logger zeichnen im verbrauchsschwächsten Zeitraum den<br />

jeweiligen Geräuschpegel im Messbereich auf und werden<br />

danach am Tag ausgewertet. Damit wird kein Anwohner in<br />

seiner Nachtruhe gestört und das Personal muss auch nicht<br />

in der Nacht auf die Straße. Während die obere Intensität<br />

der Geräusche schwankt, ergibt sich bei Leckagen ein spezifisches<br />

Geräuschminimum mit einem kritischen Geräuschpegel<br />

in Abhängigkeit der konstant bestehenden Emissionsquellen.<br />

Logger die sich näher an der Leckstelle befinden,<br />

nehmen dabei einen höheren kritischen Geräuschpegel auf<br />

als Geräte die sich weiter weg befinden. Beim Vergleich der<br />

Aufzeichnungen kann über den Geräuschpegel festgestellt<br />

werden, welcher Logger sich am dichtesten am Wasseraustritt<br />

befindet.<br />

Korrelation<br />

Das Korrelations-Messverfahren kann sowohl als Vorortungs-<br />

sowie auch als Lokalisationsmethode verwendet<br />

werden und gehört in der Regel zu den üblichen und<br />

zuverlässigen Systemanwendungen. Verbesserungen im<br />

Vergleich zu den vorgenannten Methoden werden durch<br />

Korrelationsmessungen erreicht und unter Beachtung der<br />

fachgerechten Vorgehensweise durch den Aufbau von<br />

Messstrecken als Vorortungsverfahren einsetzbar. Die Korrelationsformel<br />

des Messverfahrens ermittelt den Laufzeitunterschied<br />

zwischen zwei Signalen im Bereich von<br />

erdverlegten Rohrleitungen. Hierzu müssen der Rohrwerkstoff,<br />

die Rohrdimension und die exakte Haltungslänge der<br />

Wasserleitung mitsamt dem Trassenverlauf bekannt sein<br />

bzw. fachgerecht ermittelt werden. Mit der korrelierenden<br />

Messmethode als objektivstes Leckortungsverfahren<br />

kann eine sehr präzise Detektion durchgeführt werden.<br />

Das im Leitungssystem unter Druck ausströmende Trinkwasser<br />

erzeugt Austrittsgeräusche, dessen Schallwellen<br />

sich in den Rohren mit gleicher Geschwindigkeit entsprechend<br />

der Entfernungen ausbreiten. Es werden dabei zwei<br />

Körperschallsensor-Mikrofone bzw. Hydrofone mit Funksender<br />

auf dem Rohr in den Schachthydranten aufgesetzt<br />

und deren Messergebnisse ausgewertet. Die Schallsignale<br />

werden von zwei Aufnahmemikrofonen erfasst und mittels<br />

Funkübertragung zum Korrelator geleitet. Die Grundausstattung<br />

der mobilen Systemkomponente besteht aus<br />

Funksendern mit magnetischen Mikrofonen und Verstärkern<br />

zur Datenübertragung per GPS, Frequenzanalysefilter und<br />

PC-Bedieneinheit (Touchscreen), einschl. Störgeräuschunterdrückung.<br />

Aus der Messung der Zeitdauer, die der Schall<br />

benötigt, wird die Laufzeitdifferenz mittels Algorithmen in<br />

Verbindung mit Signalprozessoren berechnet. Der Rechner<br />

vergleicht (korreliert) die Geräusche nach Art und der Frequenz<br />

und die Zeitverschiebung wird zur Deckung gebracht.<br />

Es werden dabei die Unterschiede der beiden Laufzeiten<br />

differenziert und am Korrelogramm des Oszillographen<br />

eine Übereinstimmung mit der größten Ähnlichkeit mittels<br />

Anzeige eines Ausschlages (Peak) am PC-Monitor dargestellt<br />

(Bild 9). Bei Kenntnis der Schallgeschwindigkeit und<br />

der Rohrleitungsdaten bei der Signalaufbereitung wird die<br />

Leckstelle aufgrund der Ausströmungsgeräusche des unter<br />

Druck stehenden Mediums berechnet. Die Schallausbreitung<br />

wird mit hochempfindlichen Sensoren gesondert erfasst.<br />

Störgeräusche werden im gewissen Umfang durch Filter<br />

ausgeblendet. Hierdurch kann durch die Entfernung der<br />

Schallquellen beider Messpunkte die Position der Leckage<br />

detailliert bestimmt und in die Örtlichkeit übertragen werden.<br />

Als Voraussetzungen müssen zumindest an beiden<br />

Seiten Geräusche feststellbar und die Länge sowie die Lage<br />

der Rohrtrasse bekannt sein. Es ist bei unbekannter Lage<br />

76 01-02 | 2014


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT<br />

zudem festzustellen, ob die Leckstelle sich innerhalb oder<br />

außerhalb der betrachteten Messstecke befindet. Wird die<br />

wahre Leitungslänge in das System falsch eingegeben, kann<br />

es zu einer unrichtigen Geländeabsteckung kommen und<br />

zur Fehlaufgrabung führen. Bei metallischen Leitungen aus<br />

Gusseisen werden genaue Ergebnisse erzielt, da sich der<br />

entstehende Schall wesentlich besser als bei Kunststoffleitungen<br />

ausbreitet. Wichtiges Kriterium ist, das die Eingabeparameter<br />

der Bedienung (Rohrwerkstoff, Dimension DN)<br />

in Bezug auf die Schallgeschwindigkeit übereinstimmen.<br />

Örtliche Sonderbedingungen der Rohrleitungen (wie z. B.<br />

Schallbrücken: Luftinhalt, Rohrunterbrechungen) müssen<br />

ebenfalls bedacht werden und können zu Einmaßdifferenzen<br />

führen. Ungenauigkeiten bei der Korrelation entstehen<br />

meist durch lokale Besonderheiten. Diese beeinflussenden<br />

Faktoren können jedoch heutzutage effektiv durch Korrekturmöglichkeiten<br />

der innovativen Handgeräte bis gegen<br />

Null reduziert werden. Im Standardfall sind jedoch gute<br />

Erfolge unabhängig von der Jahreszeit, den Umweltfaktoren<br />

sowie Boden- und Oberflächenbeschaffenheiten zu<br />

erzielen. Das Verfahrenssystem zählt zu den konventionellen<br />

Leckortungsmethoden.<br />

NICHT-AKUSTISCHE SONSTIGE VERFAHREN ZUR<br />

VORORTUNG VON LECKAGEN<br />

Zuflussmessung<br />

Voraussetzung ist die Einkreisung des Wasserverlustes auf<br />

einen Gebietsbereich, da sonst der Zeitaufwand sehr hoch<br />

ausfällt und die Versorgung eingeschränkt wird. Danach<br />

kann während der verbrauchsschwachen Nachtzeit mittels<br />

Überbrückung des Rohrstranges eine „Nullverbrauchsmessung“<br />

und gleichzeitig eine Kennwertermittlung netzspezifischer<br />

Daten durchgeführt werden. Zwischen zwei Hydranten<br />

werden über eine oberirdisch verlegte Schlauchleitung<br />

durch einen Wassermesswagen bzw. handlichen Messkoffer<br />

die Durchflusswerte ermittelt und der verdächtige Wasserleitungsabschnitt<br />

mit der Differenzmenge verglichen<br />

werden. Das System dient zur Quantifizierung von Wasserverlusten<br />

und stellt ein objektives Messverfahren mit<br />

schnellen Ergebnissen dar. Wird bei der Vergleichsmessung<br />

eine Abweichung zum gemessenen Durchfluss festgestellt,<br />

kann dies auf eine Leckage hindeuten. Das Verfahren dient<br />

dabei lediglich als Vorortung.<br />

Druckmessung<br />

Heutzutage werden Drucklogger als Aufzeichnungsgeräte<br />

für die Datenaufnahme der Druckverhältnisse eingesetzt.<br />

Bild 9: Bildschirmanzeige Korrelator (Quelle FAST)<br />

Diese überwachen den Betriebsdruck in der Wasserversorgung.<br />

Druckabfälle können Hinweise auf Undichtheiten<br />

zulassen. Hierbei wird das Druckgefälle bei großen Verlustanteilen<br />

gemessen, wobei jedoch kleinere Austrittsstellen<br />

nicht zugeordnet werden können. In Unterflurhydranten<br />

werden Drucklogger für kurzzeitige Messungen in verdächtigen<br />

Bereichen und als dauerhafte Installation zur<br />

Drucküberwachung in bestimmten Versorgungszonen flächendeckend<br />

eingesetzt. Werden Druckabfälle im Netz<br />

ermittelt, kann dies durch Leckstellen in der unmittelbaren<br />

Umgebung der Erfassung hervorgerufen werden.<br />

Temperatur-Differenzmessung<br />

Undichte Wasserrohrleitungen haben andere Wärmeausstrahlungen<br />

als dichte Netzverbindungen. Dabei wird die Methode<br />

aufgegriffen, bei Eintritt von Frost oder Schnee das Versorgungsnetz<br />

zu begutachten und nach aufgetauten Stellen zu<br />

suchen. Eine höhere Wärmeabstrahlung kann auf unterirdische<br />

Leckagen von Wasser hinweisen. Heutzutage werden<br />

mittels Infrarot-Thermografie die anstehenden Temperaturen<br />

an der Oberfläche genau erfasst und mittels Wärmebildkamera<br />

auf dem Bildschirm dargestellt. Die Visualisierung stellt<br />

die gemessenen Temperaturunterschiede farblich abgestuft<br />

dar, auch wenn nur geringe Differenzen der einzelnen Temperaturen<br />

vorherrschen. Bei wärmeführenden Rohrleitungen<br />

kann das Zentrum der Wasseraustrittstelle von Undichtheiten<br />

infolge der Anzeige von „Hotspots“ geortet werden. Da es<br />

sich bei Trinkwasserleitungen jedoch um Kaltwasser handelt,<br />

ist es unter Umständen erforderlich Warmwasser einzufüllen,<br />

Betrieb und Instandhaltung von Rohrnetzen<br />

Auslegen / Berechnen / Analysieren / Optimieren<br />

Fahrweisen / Regelungen / Zusammenhänge / Dynamik / Druckstoß<br />

Asset-Strategien / Spülplanung / Zielnetzplanung / Energieeffizienz<br />

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01-02 | 2014 77


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG<br />

Bild 10: Elektroakustisches Bodenmikrofon<br />

Bild 11: Verfahren Gasprüfmethode<br />

um die Leckstelle eindeutig auszumachen. Leckagen an im<br />

Erdreich verlegten Rohren sind aufgrund der Leitungsüberdeckung<br />

nur schwer an der richtigen Stelle zu ermitteln. Lediglich<br />

eine Veränderung der Temperatur der Austrittstelle an der<br />

Oberfläche kann auf Undichtheiten hinweisen. Die Methode<br />

wird wie das Rauchgasverfahren nur in besonderen Anwendungsfällen<br />

bei Trinkwasserleitungen angewandt.<br />

LOKALISATIONSMETHODEN<br />

Methoden zur genauen Lokalisation von Wasserleckstellen<br />

am Rohrnetz der öffentlichen Wasserversorgung werden<br />

als Fein- oder Präzisionsortung bezeichnet. Hierzu gibt es<br />

verschiedene Verfahren, um die Leckage für die Beseitigung<br />

in offener Bauweise örtlich möglichst zielgenau aufzufinden.<br />

der Erdoberfläche erfolgt in kleinen<br />

Abständen bis hin zur punktgenauen<br />

Lokalisation der Wasseraustrittstelle<br />

für die Aufgrabung der Behebung.<br />

Hierbei wird die Geräuschentwicklung<br />

durch das Erdreich übertragen<br />

und in Form von Bodenvibrationen<br />

erfasst. Im Nahbereich der Schadstelle<br />

entsteht durch den austretenden<br />

Wasserstrahl Bodenschall, der an<br />

der Erdoberfläche vernommen werden<br />

kann. Dazu wird die Oberfläche<br />

verschiedenster Beschaffenheit mit<br />

einem windgeschützten Kontaktmikrofon<br />

geräuscharmer Elektronik<br />

auf Geräuschpegel hin abhört. Die<br />

Geräuschentwicklung der Wasseraustritte<br />

werden demnach zur Ortung<br />

des Rohrbruches über den Boden<br />

genutzt. Es sollen dabei möglichst<br />

wenige Umweltgeräusche vorhanden<br />

sein. Ansonsten ist die Lokalisierung<br />

nachts durchzuführen. Der<br />

Erfolg der akustischen Lecksuche ist<br />

von material- und rohrleitungsspezifischen<br />

Zusammenhängen abhängig.<br />

Auch sind der Betriebsdruck und die<br />

Belagsdecke von großer Wichtigkeit.<br />

Das hochempfindliche Bodenmikrofon<br />

muss genau über dem Rohrstrang<br />

aufgesetzt werden. Dies ist bei Kunststoffrohrleitungen<br />

besonders wichtig,<br />

da sonst die Leckgeräusche unter Umständen nicht wahrgenommen<br />

werden können. Auf dem Gerätedisplay wird<br />

der Minimalgeräuschpegel der Messung angegeben, um<br />

eine Verfälschung der Ergebnisse durch Störgeräusch zu<br />

kompensieren. Anhand von steigenden Messwerten mit<br />

Geräusch-Intensität kann der Anwender feststellen, ob er<br />

der Leckage nahe kommt und das Zentrum lokalisieren. Die<br />

Abhorchmethode wird erfolgreich bei mittleren bis großen<br />

Rohrdefekten angewandt, bei denen das Wasser unter Druck<br />

herausspritzt. Dabei kann mit dem Horchgerät die zielgenaue<br />

Lage der Leckstelle anhand des maximalen Geräuschpegels<br />

definiert werden. Kleine Wasserverluste, z. B. bei Anschlussleitungen<br />

oder geringe Lochkorrosionen können mit dem<br />

Verfahren nicht mehr genau lokalisiert werden.<br />

Bodenmikrofon (Bild 10)<br />

Elektroakustische Bodenmikrofone mit Verstärkung, auch<br />

akustische Geophone genannt, werden zur punktgenauen<br />

Lokalisierung einer Leckage meist als handgeführte Geräte<br />

zum indirekten Abhorchvorgang auf befestigten Oberflächen<br />

eingesetzt. Diese Methode ist zur Einkreisung der Schadstelle<br />

und zur Überprüfung der Messergebnisse anderer Verfahren<br />

optimal geeignet, da durch direkte Überprüfung der Rohrleitung<br />

und der Armaturen mit einem Teststab keine zufriedenstellenden<br />

Ergebnisse erzielt werden. Das Abhorchen<br />

Molchmethode<br />

Die Molchtechnik wird als Inspektionsgerät in Rohrleitungen<br />

verwendet. Hierbei kommen Spezial-Druckmolche (Suchmolche)<br />

bzw. Mikrofon-Molche zum Einsatz. Bei der Mikrofon-<br />

Molchtechnik läuft ein taillierter Leitungsmolch auf Rollen<br />

in einer dem jeweiligen Durchmesser angepassten Größe<br />

im Förderverfahren mittels Wasser- oder Luftdruck durch<br />

den Leitungsabschnitt. Die Leckerkennung beruht dabei auf<br />

einer akustischen Messmethode. Die unter Druck stehende<br />

Rohrleitung verursacht an der Leckstelle ein charakteristisches<br />

78 01-02 | 2014


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT<br />

Ausströmungsgeräusch. Das erzeugte Geräusch wird bei der<br />

Ortung der Leckage mittels Ultraschallmessgerät aufgesucht.<br />

Dieses akustische Ereignis wird einer Streckenpositionierung<br />

des Rohres zugeordnet und die Lage durch Zeit- und Wegmessung<br />

lokalisiert. Mittels Ultraschallsonden kann heutzutage<br />

durch eine gesonderte Kalibrierung noch zusätzlich<br />

der Korrosionszustand und die Wandstärke der Rohrleitung<br />

gemessen werden. Beim rein mechanischen Druckverfahren<br />

wird die veränderliche Lage des Suchmolches, der den ganzen<br />

Leitungsquerschnitt ausfüllt, durch das Differenzdruck-<br />

Messverfahren an der undichten Stelle im Prüfabschnitt der<br />

Wasserleitung ermittelt. In der Regel muss die untersuchte<br />

Trinkwasserleitung während des Suchvorganges kurzfristig<br />

außer Betrieb genommen werden. Der moderne Suchmolch<br />

ist mit einem elektromagnetischen Sender ausgestattet, um<br />

die Lage an der Oberfläche zu orten.<br />

Gasprüfmethode (Bild 11)<br />

Zur Kleinstlecksuche bei Anschlussleitungen von Kunststoffleitungen<br />

und Tropfverlusten ohne Geräuschentwicklung<br />

wird häufig auch als wirtschaftliche Alternative zu den<br />

übrigen Methoden das Wasserstoff-Verfahren unter Verwendung<br />

von ungiftigem Tracer- bzw. Formiergas (Bild 12)<br />

angewandt. Das Problem besteht darin, dass bei kleinen<br />

Leckagen kein Geräusch durch ausströmendes Wasser festgestellt<br />

wird und daher keine akustische Erfassung erfolgen<br />

kann. Elektroakustische Messverfahren und Korrelation führen<br />

hier zu keinem Erfolg. Vorab muss die zu überprüfende<br />

Wasserleitung außer Betrieb genommen und vollständig<br />

entleert werden. Danach wird ein Gasgemisch aus 5 Volumenprozent<br />

Wasserstoff und Stickstoff mit 95 Volumenprozent<br />

beaufschlagt und in den betroffenen Rohrabschnitt<br />

induziert. Das durch das Leck entweichende Gas steigt an<br />

die Oberfläche und kann mittels eines Testdetektors mit<br />

Gassensoren an der Austrittsstelle lokalisiert werden. Gibt<br />

man das Gas zu schnell in die Wasserleitung, bildet sich<br />

ein großer Ausbreitungstrichter um die Leckstelle und eine<br />

genaue Lokalisation wird erschwert. Die Verfahrensanwendung<br />

eignet sich hervorragend für längere Leitungen und<br />

kleine Leckagen. Mit dieser Verfahrensanwendung können<br />

selbst kleinste Leckagen zielgenau aufgespürt werden. Das<br />

verwendete Wasserstoffgemisch diffundiert durch nahezu<br />

alle Oberflächenmaterialien aufgrund der molekularen<br />

Eigenschaften. Die zu prüfende Wasserleitung muss<br />

vollständig mit dem Gas befüllt werden. Dabei wird der<br />

Prüfdruck langsam in Abstimmung auf den Nenndruck der<br />

Rohrleitung erhöht. Die Dauer der Messung ist abhängig<br />

von der jeweiligen Größe des Lecks, der Bodenart und<br />

Oberflächenversiegelung. Das Zentrum der Leckage wird<br />

mittels einer Spürsonde an der Stelle mit der höchsten<br />

Gaskonzentration geortet.<br />

ZUSAMMENFASSUNG<br />

Um jederzeit hochwertiges Trinkwasser in ausreichender<br />

Menge und genügendem Druck zur Verfügung stellen zu<br />

können, sind Maßnahmen zur Reduzierung von Wasserverlusten<br />

erforderlich. Dabei gehört die fachgerechte Wartung<br />

Bild 12: Formiergas Kleinstlecksuche<br />

und Instandsetzung des Leitungsnetzes zu den ständig<br />

durchzuführenden Daueraufgaben eines Wasserversorgungsunternehmens.<br />

In Abhängigkeit der vorliegenden<br />

Wasserverlustmengen sind Inspektionen der Infrastruktur<br />

in entsprechenden Zeiträumen vorzunehmen.<br />

Darüber hinaus sind zur effektiven Ortung von Leckagen<br />

Kenntnisse über den Zustand der Trinkwasserrohrleitungen<br />

mit Schadensursachen erforderlich. Zu den Verfahrensschritten<br />

der Wasserverlustüberwachung gehören die gebietsbezogene<br />

Zonenmessung zur Erkennung von Leckagen,<br />

eine Vorortung zur Eingrenzung und die Lokalisation zur<br />

detaillierten Lagebestimmung.<br />

Die Leckagen sind umgehend aufzufinden, damit die Laufzeiten<br />

der Wasserverluste auf ein Minimum reduziert werden<br />

können. Hierzu kommen verschiedene Leckortungsmethoden<br />

entsprechend dem erforderlichen Anwendungsfall<br />

zum Einsatz.<br />

LITERATUR<br />

[1] DVGW-Regelwerk Arbeitsblatt W 400-3: Technische Regeln<br />

Wasserverteilungsanlagen (TRWV) Teil 3 Betrieb und<br />

Instandhaltung, September 2006.<br />

[2] DVGW-Regelwerk Technische Regel Arbeitsblatt W 402 (A): Netz-<br />

und Schadensstatistik - Erfassung und Auswertung von Daten zur<br />

Instandhaltung von Wasserrohrnetzen, September 2010.<br />

[3] DVGW-Regelwerk Technische Mitteilung Arbeitsblatt W 392:<br />

Rohrnetzinspektion und Wasserverluste - Maßnahmen, Verfahren<br />

und Bewertungen, Mai 2003.<br />

M.Eng. MICHAEL SCHWEIZER<br />

Tel. +49 7942 944866<br />

E-Mail: mika.schweizer@t-online.de<br />

AUTOR<br />

01-02 | 2014 79


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Steinzeugrohre: Neue Regelungen für<br />

den Einbau im inneren Druckbereich<br />

von Eisenbahnverkehrslasten<br />

Abwasserrohre müssen für alle Beanspruchungen im Untergrund ausreichend dimensioniert werden. Der Nachweis der<br />

Standsicherheit wird in der Regel durch eine statische Berechnung geführt. Für Rohre, die in offener Bauweise eingebaut<br />

werden, muss in Deutschland das Arbeitsblatt ATV-DVWK-A 127 „Statische Berechnung von Abwasserkanälen und -leitungen“<br />

angewendet werden. Bei Rohren, die im Rohrvortriebsverfahren eingebaut werden, gilt entsprechend das Arbeitsblatt ATV-A 161<br />

„Statische Berechnung von Vortriebsrohren“. Beide Regelwerke werden derzeit überarbeitet, wobei der Weißdruck des<br />

Arbeitsblatts DWA A 161 für Anfang 2014 zur Veröffentlichung ansteht. Sollten die Rohre im Einflussbereich von Verkehrslasten<br />

eingebaut werden, müssen sie in der Regel auch für dynamische Einwirkungen dimensioniert werden. Für Beanspruchungen<br />

aus nicht ruhenden Belastungen wird ein Dauerschwing- oder auch Ermüdungsnachweis geführt.<br />

ROHRE IM GLEISBEREICH<br />

Besondere Vorgaben gelten für Rohre, die im Einflussbereich<br />

von Eisenbahnverkehrslasten eingebaut werden.<br />

Vor allem im sogenannten inneren Druckbereich, der<br />

durch einen Lastausbreitungswinkel von 2:1 unterhalb<br />

der Gleise abgegrenzt ist (vgl. Bild 1), gelten aufgrund<br />

der direkten Auswirkung auf die Sicherheit der Gleise<br />

besondere Auflagen. Rohre, die in diesem Bereich eingebaut<br />

werden, bedürfen entweder einer eisenbahnspezifischen<br />

bauaufsichtlichen Zulassung oder einer Zulassung<br />

durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) und müssen für die<br />

Einwirkungen aus dem Schienenverkehr nachgewiesen<br />

werden.<br />

Bild 1: Innerer Druckbereich; Quelle: DWA-A 161<br />

Die technischen Regelwerke, die beim Nachweis unter<br />

Gleisen beachtet werden müssen, sind in der Eisenbahnspezifischen<br />

Liste Technischer Baubestimmungen (ELTB)<br />

erfasst. Dort ist beispielweise aufgeführt, dass Rohre nach<br />

der DIN EN 1610 (offene Bauweise) und nach DWA-Arbeitsblatt<br />

A 125 (geschlossene Bauweise) eingebaut werden<br />

müssen. Zudem sind dort Richtlinien der DB AG aufgelistet,<br />

die beim Einbau von Rohren im Gleisbereich berücksichtigt<br />

werden müssen. Diese Liste wird vom Eisenbahnbundesamt<br />

herausgegeben; ihre letzte Überarbeitung erfolgte im<br />

Oktober 2013 (Quelle: http://www.eba.bund.de).<br />

Eine wesentliche Änderung für die Dimensionierung<br />

von Rohren unter Gleisen ergibt sich aus einer der letzten<br />

Aktualisierungen der<br />

ELTB. Die Einwirkungen<br />

mussten bis dahin nach<br />

dem DIN-Fachbericht 101<br />

„Einwirkungen auf Brücken“<br />

angesetzt werden.<br />

Der auf den ersten Blick<br />

schwierig nachvollziehbare<br />

Bezug zwischen Rohren<br />

und Brücken ergibt<br />

sich aus der Definition,<br />

dass Rohre bis zu einem<br />

Durchmesser von 2 m als<br />

„Durchlässe“ betrachtet<br />

werden, und die Einwirkungen<br />

auf Durchlässe<br />

denen von Brücken gleichgesetzt<br />

werden.<br />

Mit der Aktualisierung<br />

der ELTB wurde die europäische<br />

Normung berücksichtigt<br />

und anstelle des<br />

DIN-Fachberichts der Eurocode<br />

1 eingeführt. Auch<br />

80 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

diese Norm hat wieder einen Bezug zu Brücken und heißt<br />

DIN EN 1991-2 „Einwirkungen auf Tragwerke - Teil 2:<br />

Verkehrslasten auf Brücken“. Ein wesentlicher Unterschied<br />

zwischen dem alten und dem neuen Regelwerk besteht<br />

darin, dass die Rohre bislang für zwei Millionen Lastwechsel<br />

(2 x 10 6 LW) dimensioniert werden mussten, wogegen<br />

nach dem Eurocode heute 100 Millionen Lastwechsel (1 x<br />

10 8 LW) berücksichtigt werden müssen. Die dynamische<br />

Belastung auf das Rohr entsteht bei der Überfahrt eines<br />

Zuges, wobei jede Achse einen Lastwechsel erzeugt.<br />

Durch die Einführung des Eurocodes muss demnach ein<br />

um das 50-fache erhöhtes Verkehrsaufkommen bei der<br />

Dimensionierung der Rohre berücksichtigt werden.<br />

ERMÜDUNGSNACHWEIS<br />

Der Unterschied zwischen der größten und der kleinsten<br />

Spannung im Rohr, der während eines Lastwechsels<br />

auftritt, wird als Schwingbreite definiert. Die zulässige<br />

Schwingbreite eines Rohres ist ein wesentlicher Wert für<br />

den Nachweis gegenüber Ermüdung. Sie ist werkstoffabhängig<br />

und nimmt in der Regel mit der Anzahl der<br />

Lastwechsel ab.<br />

Stahl ist ein klassisches Beispiel für einen Werkstoff, der<br />

ein ausgeprägtes Ermüdungsverhalten aufweist. Aufgrund<br />

einer Vielzahl von Untersuchungen ist das Ermüdungsverhalten<br />

von Stahl heute weitgehend bekannt,<br />

und die erforderlichen Werte für die zulässige Schwingbreite<br />

für Rohre aus Stahl oder Stahlbeton können aus so<br />

genannten „Wöhlerkurven“ entnommen werden.<br />

Bei den meisten anderen Werkstoffen ist jedoch das<br />

Ermüdungsverhalten nicht so umfangreich erforscht und<br />

demzufolge liegen keine entsprechenden Wöhlerkurven<br />

vor. Am Beispiel von Steinzeug wurde erstmals in<br />

der EN 295-1:1992 eine Schwingbreite von 3,6 N/mm 2<br />

als Rechenwert für 2 x 10 6 Lastwechsel festgelegt. Mit<br />

diesem Wert wurden Ermüdungsnachweise stets erfüllt.<br />

Zudem wurden im Rahmen der Zulassung des Werkstoffs<br />

durch das Eisenbahnbundesamt zahlreiche Materialprüfungen<br />

durchgeführt, in denen nachgewiesen wurde,<br />

dass der tatsächliche Wert der Schwingbreite deutlich<br />

höher liegt. Diese etwas umständliche Vorgehensweise ist<br />

der Tatsache geschuldet, dass eine genaue Bestimmung<br />

der Schwingbreite aus Versuchen eine deutlich höhere<br />

Anzahl an Materialprüfungen erfordert und deshalb<br />

wesentlich aufwändiger ist.<br />

ERMITTLUNG DER SCHWINGBREITE VON<br />

STEINZEUGROHREN<br />

Mit der Umstellung der Nachweise auf den Eurocode<br />

wurde jedoch seitens des Eisenbahnbundesamts festgelegt,<br />

dass für jeden Rohrwerkstoff im Einflussbereich<br />

von Eisenbahnverkehrslasten die Schwingbreite mit 10 8<br />

Lastwechseln ermittelt werden muss. Ausgenommen<br />

hiervon sind nur Stahl und Stahlbeton, da hier entsprechende<br />

Werte bereits vorliegen. Vor diesem Hintergrund<br />

hat die Steinzeug-Keramo GmbH die TÜV Rheinland LGA<br />

Bautechnik GmbH aus Nürnberg mit der Ermittlung der<br />

a)<br />

b)<br />

Bild 2: Prüfaufbau mit a) Prüfmaschine, b) Prüfkörper<br />

Schwingbreite von Steinzeugrohren für 10 8 Lastwechsel<br />

beauftragt.<br />

Im Rahmen eines Gutachtens wurden die bisher durchgeführten<br />

Materialprüfungen ausgewertet und statistisch<br />

analysiert. Zudem wurde die F+E Ing. GmbH aus Fürth mit<br />

der Durchführung weiterer Materialprüfungen beauftragt.<br />

Diese Prüfungen wurden gemäß der DIN EN 295-3 an<br />

Abschnitten aus der Wand von Rohren der Nennweiten<br />

DN 300, DN 800 und DN 1200 durchgeführt (vgl. Bild 2).<br />

Ein Rohrstück jeder Nennweite wurde zunächst in einem<br />

01-02 | 2014 81


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Bild 3: Statistische Auswertung des Treppenstufenverfahrens<br />

Vorversuch bis zum Bruch belastet. Die geringste Bruchspannung<br />

wurde als 100 %-Referenz für die weiteren<br />

Untersuchungen festgelegt. Die dynamischen Prüfungen<br />

wurden im sogenannten „Treppenstufenverfahren“<br />

durchgeführt. Hierzu wurde der erste Prüfkörper mit<br />

einer Maximalspannung von 80 % der Bruchspannung<br />

dynamisch belastet. Im weiteren Verlauf erhöhte sich die<br />

Spannung jeweils um 5 %, sofern die Probe während der<br />

vorangegangenen Prüfung nicht gebrochen war. Nach<br />

einem Bruch des Prüfkörpers senkte man die Spannung<br />

für die nächste Prüfung wieder um 5 %.<br />

Die Anzahl an Schwingungen wurde für jede Prüfung so<br />

gewählt, dass nach Abschluss der Versuchsreihe und in<br />

Verbindung mit den bereits durchgeführten Prüfungen<br />

eine statistische Auswertung der Schwingbreite für 10 8<br />

Lastwechsel möglich war. Die maximale Schwingungsanzahl<br />

wurde bei den Prüfungen auf 10 7 begrenzt, da eine<br />

Zehnerpotenz extrapoliert werden durfte. Da die Prüfungen<br />

entsprechend der Maximalfrequenz eines Zuges mit<br />

höchstens 12 Hertz durchgeführt werden durften, betrug<br />

die höchste Prüfdauer immerhin noch 10,5 Tage.<br />

An jedem Prüfkörper, der die dynamische Beanspruchung<br />

ohne sichtbare Beschädigung überstanden hatte, wurde im<br />

Anschluss die Kraft bis zum Bruch gesteigert und die Bruchspannung<br />

ermittelt. Die Auswertung der Ergebnisse zeigt,<br />

dass die Bruchspannung jeweils höher als der zu Beginn<br />

der Serie festgelegte 100 %-Wert war. Im Umkehrschluss<br />

bedeutet dies, dass die Biegezugfestigkeit von Steinzeug<br />

keiner erkennbaren Ermüdung unterliegt. Dieses Ergebnis<br />

ist jedoch auch vor dem Hintergrund<br />

zu erwarten, dass<br />

Steinzeug zu den spröden<br />

Werkstoffen zählt.<br />

In der statistischen Auswertung<br />

konnte ebenfalls<br />

bestätigt werden, dass<br />

Steinzeugrohre keiner<br />

Ermüdung unterliegen.<br />

Die Regressionsgerade der<br />

Schwingbreite zeigt bei<br />

zunehmender Lastwechselzahl<br />

sogar einen leichten<br />

Anstieg, der jedoch<br />

mit einer Streuung der Prüfergebnisse<br />

erklärt werden<br />

kann (vgl. Bild 3).<br />

Nach Abschluss der Prüfungen<br />

und Auswertung<br />

der Ergebnisse wurde im<br />

Rahmen des Gutachtens<br />

durch die TÜV Rheinland<br />

LGA Bautechnik GmbH<br />

für Steinzeugrohre eine<br />

Schwingbreite von 12,8 N/<br />

mm 2 bestätigt. Dieser Wert<br />

entspricht einem 5 %-Fraktil<br />

mit 75 %-iger Aussagewahrscheinlichkeit<br />

und gilt für alle Nennweiten von<br />

DN 150 bis DN 1400.<br />

EBA-ZULASSUNG<br />

Da die beschriebenen Prüfungen zur Ermittlung der<br />

Schwingbreite bereits in enger Abstimmung mit dem<br />

Eisenbahnbundesamt durchgeführt wurden, sind mit<br />

deren erfolgreichem Abschluss nun wieder alle Voraussetzungen<br />

für die weitere Zulassung des Einbaus von<br />

Steinzeugrohren im Druckbereich von Eisenbahnverkehrslasten<br />

erfüllt.<br />

Der Nachweis der Zulassung erfolgt für Steinzeugrohre<br />

zukünftig jedoch nicht mehr durch eine Zulassungsurkunde<br />

des EBA. Eine solche Zulassung, die am Rohr durch ein<br />

U-EBA-Zeichen zu erkennen ist, gilt seit der Einführung<br />

der europäischen Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO)<br />

nur noch für Bauprodukte ohne europäische Norm. Steinzeugrohre<br />

sind jedoch in der DIN EN 295 geregelt und<br />

dementsprechend bauaufsichtlich zugelassen. Die zusätzlichen<br />

bahnspezifischen Anforderungen an so geregelte<br />

Produkte sind in den Eisenbahnspezifischen Bauregellisten<br />

(EBRL) des EBA festgeschrieben. Dort wird ergänzend<br />

zur DIN EN 295 für den Einbau von Steinzeugrohren im<br />

inneren Druckbereich von Eisenbahnverkehrslasten wie für<br />

alle Rohrmaterialien der Nachweis der Dauerschwellfestigkeit<br />

von 10 8 Lastwechseln gefordert. Dieser Nachweis<br />

wurde, wie oben beschrieben, nun erbracht und ist als<br />

Herstellererklärung bei der Steinzeug-Keramo GmbH zu<br />

beziehen. Zusammen mit der CE-Kennzeichnung, durch<br />

82 01-02 | 2014


die die Übereinstimmung der Rohre mit der DIN EN 295<br />

erklärt wird, ist somit keine zusätzliche bauaufsichtliche<br />

Zulassung für den Einbau von Steinzeugrohren im<br />

inneren Druckbereich von Eisenbahnverkehrslasten und<br />

dementsprechend kein U-EBA-Zeichen mehr erforderlich.<br />

Ebenfalls gilt zukünftig nicht mehr die Einschränkung auf<br />

Vortriebsrohre, sodass nun Steinzeugrohre in offener und<br />

geschlossener Bauweise im Druckbereich von Eisenbahnverkehrslasten<br />

eingebaut werden dürfen.<br />

FAZIT<br />

Durch die Umsetzung der europäischen Normung und<br />

insbesondere durch die Einführung des Eurocodes bei der<br />

statischen Bemessung ergeben sich für Abwasserrohre<br />

unter Bahngleisen zum Teil erhebliche Änderungen. Um<br />

der gestiegenen Anforderung an die Nutzungsdauer und<br />

-häufigkeit von Bahngleisen gerecht zu werden, muss die<br />

Dauerschwingfestigkeit von darunter eingebauten Rohren<br />

zukünftig für 10 8 Lastwechsel nachgewiesen werden.<br />

Durch diese Veränderung des Ermüdungsnachweises<br />

ergeben sich ggfs. Änderungen in der Konstruktion und<br />

in der Dimensionierung von Rohren unter Bahngleisen.<br />

Bei der Überarbeitung der Regelwerke DWA-A 161 (Entwurf)<br />

und ATV-DVWK-A 127 für die statische Berechnung<br />

von offen und geschlossen eingebauten Rohren sind<br />

diese Änderungen bereits berücksichtigt, sodass in der<br />

jeweiligen Neufassung die Rechenwerte für 10 8 Lastwechsel<br />

hinterlegt sind. Es obliegt den Rohrherstellern, diese<br />

Nachweise für ihre Produkte zu erbringen.<br />

Steinzeug-Keramo hat mit den beschriebenen Prüfergebnissen<br />

sowie dem Gutachten der TÜV Rheinland LGA<br />

Bautechnik GmbH alle Voraussetzungen erfüllt.<br />

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01-02 | 2014 83


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Abwasserexfiltration: Schadstoffe<br />

gelangen ins Grundwasser 1<br />

Aus undichten Abwasserleitungen exfiltriert Abwasser. Der umgebende Boden und Untergrund kolmatiert nicht.<br />

Abwasserinhaltsstoffe perkolieren in den Untergrund, organische Bestandteile werden teilweise degrediert. Teilweise<br />

werden Stoffe im Korngefüge des Untergrundes sorbiert. Bei hydraulischen Stößen (Regenereignissen) können diese<br />

perkolieren und so in das Grundwasser gelangen. Vom Menschen verwendete, schwer oder nicht abbaubare Stoffe,<br />

wie Arzneimittel, Hormone oder Koffein werden im Grundwasser nachgewiesen. Undichte Abwasserleitungen sind<br />

Eintragspfad für diese Stoffe. Mit einer Prüfung und gegebenenfalls Sanierung undichter Abwasserleitungen können<br />

diffuse Kontaminationen des Bodens und Grundwassers vermieden werden.<br />

1. EINLEITUNG UND PROBLEM 1<br />

Nach einer DWA-Umfrage (DWA a.a.O., 2009) aus dem Jahr<br />

2001 sind 68 % der Grundstücksentwässerungsanlagen in<br />

den letzten 50 Jahren errichtet worden, davon 32 % in den<br />

letzten 25 Jahren, etwa ein Viertel der Anlagen wurde vor<br />

50 bis 100 Jahren gebaut. Über die Entwicklung der letzten<br />

100 Jahre ist das Abwassernetz in sehr unterschiedlichen<br />

Zeiten hinsichtlich der verfügbaren Materialien und der baulichen<br />

Sorgfalt entstanden. Dies gilt besonders für die privaten<br />

Abwasserleitungen, die lange keiner Kontrolle unterlagen. Ein<br />

großer Teil dieser privaten, aber auch öffentlichen Kanäle, sind<br />

aufgrund mangelnder Wartung schadhaft (Scheffler a.a.O.,<br />

2010). Durch solcherlei Mängel der Abwasserleitungen ist<br />

insbesondere eine Boden- und Grundwasserkontamination<br />

zu befürchten.<br />

Insgesamt können schadhafte Abwasserleitungen zu den folgenden<br />

Problemen führen:<br />

»»<br />

Fremdwasser tritt in die Kanalisation ein mit hydrologisch<br />

unerwünschten Wirkungen und den zusätzlichen<br />

Belastungen für das gesamte Entwässerungssystem bis<br />

zur kommunalen Abwasserbehandlungsanlage;<br />

»»<br />

Schmutzwasser tritt aus schadhaften Kanälen aus (Exfiltration),<br />

breitet sich im Untergrund aus und kann so in<br />

das Grundwasser gelangen;<br />

»»<br />

Undichte und schadhafte Abwasserleitungen beeinträchtigen<br />

die Standfestigkeit der baulichen Anlage<br />

und können günstige Milieubedingungen für Ratten<br />

oder andere Tiere bieten, die im Siedlungsgebiet unerwünscht<br />

sind.<br />

Die öffentliche Kanalisation hat eine Gesamtlänge von<br />

450.000 km, wobei auf die Mischwasserkanäle 50 %, auf<br />

Schmutz- und Regenwasserkanäle jeweils etwa 25 % entfallen.<br />

Der Anteil der Grundstücksentwässerungsleitungen ist<br />

mit insgesamt 900.000 km mehr als doppelt so hoch als die<br />

gesamte öffentliche Kanalisation. Damit besteht eben gerade<br />

auch auf den privaten Grundstücken eine besondere Relevanz<br />

hinsichtlich der Kanaldichtheit.<br />

In Trinkwasserschutzgebieten müssen Abwasserleitungen dicht<br />

sein. Das wird auch von allen Kritikern einer Kanalzustandser-<br />

1 Erstveröffentlichung in KA 2014, 61 (1), S.22-29<br />

fassung eingeräumt. Die Kritiker wenden ein, Undichtigkeit in<br />

Abwasserleitungen führe zu keinen nachhaltigen Veränderungen<br />

in Untergrund und Grundwasser. Sie argumentieren,<br />

Undichtigkeiten im Kanal würden durch die Abwasserinhaltsstoffe<br />

abgedichtet, diese Abwasserinhaltsstoffe würden den<br />

Porenraum des Untergrundes verfüllen und so die Fließ- und<br />

Sickerwege verblocken.<br />

Biologisch abbaubare Stoffe werden im Boden und Untergrund<br />

degradiert. Deshalb sei, so die Kritiker der Kanalzustandserfassung,<br />

eine systematische Zustandserfassung von Abwasserleitungen<br />

nicht erforderlich. Den Kritikern der Zustandserfassung<br />

von Abwasserleitungen ist grundsätzlich zu entgegnen:<br />

»»<br />

eine bauliche, technische Anlage benötigt immer regelmäßige<br />

Wartung, um die zugesicherten Eigenschaften<br />

erfüllen zu können;<br />

»»<br />

die Fremdwasserzuflüsse zu den kommunalen Kläranlagen<br />

sind erheblich. Das ist unstreitig. Es tritt also Fremdwasser<br />

infolge Undichtigkeiten in die Kanalisation ein;<br />

»»<br />

organische Abwasserinhaltsstoffe werden im Boden und<br />

Untergrund nur abgebaut, sofern sie überhaupt leicht<br />

abbaubar sind;<br />

»»<br />

durch vom Menschen hergestellte Stoffe, die für eine<br />

lange Resistenz gegen biologische Degradation konstruiert<br />

sind, wie z. B. Arzneimittel, werden über die<br />

gewöhnlichen Fließ- und Sickerzeiten bis in das Grundwasser<br />

nicht abgebaut und erscheinen im Grundwasser.<br />

Laut anerkannten Regeln der Technik sind Abwasserkanäle und<br />

Leitungen entweder mit Luft oder mit Wasser auf Dichtheit<br />

zu prüfen. Die Dichtheitsprüfung von Freispiegelleitungen<br />

ist gemäß DIN EN 1610 [2] bzw. Arbeitsblatt DWA-A 139 [5]<br />

durchzuführen. Abweichend hiervon gilt für Prüfung von<br />

Abwasserkanälen und Leitungen in Wassergewinnungsgebieten<br />

das Arbeitsblatt DWA-A 142 [1]. In der Praxis erfolgt<br />

die Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen in den meisten<br />

Fällen nach DWA-A 139. Bei dieser Innendruckprüfung mit<br />

Wasser wird ein konstanter Überdruck von maximal 50 kPa<br />

(5 m Wassersäule) und minimal 10 kPa (1 m Wassersäule)<br />

erzeugt. Um eine solche Druckprüfung mit Wasser als Prüfmedium<br />

zu bestehen; darf die innerhalb von 30 Minuten<br />

gemessene exfiltrierende Wassermenge nicht mehr als 0,10<br />

bis 0,30 l/ m² je Werkstoff betragen.<br />

84 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

Diese Dichtheitsprüfung nach den technischen Regeln zeigt<br />

bereits jetzt; dass der größte Teil der Kanäle undicht ist. Eine<br />

Wasservollfüllung der zu prüfenden Haltung unter Prüfbedingungen<br />

zeigt, dass der größte Teil des Wassers aus den<br />

Rohrleitungen mit Leckagen in den Boden austritt. Diese<br />

Leitungen führen mit den üblichen geringen Betriebswasserständen<br />

in aller Regel das Wasser unauffällig ab [23].<br />

Genauso wie die Druckprüfung mit Luft scheinen die derzeitig<br />

vorherrschenden Prüfungen nicht den regelmäßigen<br />

Betriebszuständen zu entsprechen. Um einen genauen Aufschluss<br />

über die Exfiltration und so die Verunreinigung von<br />

Wasser und Boden zu erlangen, müssen Drücke und Grenzwerte<br />

angepasst werden. Als weiteres Argument gegen die<br />

Dichtheitsprüfung mittels Druckprüfung wird die mögliche<br />

Zerstörung des Korngefüges des Rohrbettungsmaterials<br />

genannt. So werde die Kolmationsschicht durch die Druckprüfung<br />

erst zerstört. Als Kolmationsschicht bezeichnet man<br />

die Selbstabdichtung, hervorgerufen durch die Verringerung<br />

des Porenvolumens durch eingetragene Abwasserpartikel,<br />

durch Biomassewachstum und die Sekundärmineralisierung.<br />

Es wird argumentiert, bei kleinen Kanalundichtigkeiten werde<br />

sich eben um die Schadstelle ein Korngefüge bilden, das über<br />

die Zeit einen so kleinen K f<br />

-Wert ausbilde, dass praktisch kein<br />

Abwasser durchsickern kann.<br />

Es liegt auf der Hand, dass die Exfiltration bzw. die Menge<br />

des exfiltrierten Abwassers eine Funktion des Rohrleitungsschadens<br />

und der Abflussganglinie ist. Deshalb werden nach<br />

der DIN 1986 ja auch die Schadensbilder klassifiziert. Nach<br />

der Auffassung der Kritiker einer Kanalzustandserfassung<br />

liefern die Dichtheitsprüfungen nach den anerkannten Regeln<br />

der Technik keine zuverlässige Aussage zur Dichtheit bzw.<br />

zur Exfiltration von Abwasser aus Kanalleckagen. Insofern<br />

haben sie Recht, es gibt (noch) keinen unmittelbaren Zusammenhang<br />

zwischen Schadensbild, Abflussganglinie und exfiltriertem<br />

Abwasser.<br />

Ein wichtiger Faktor; der die Exfiltration von Abwasser<br />

bestimmt, ist die Schadensart. Dohmann et al. [10] haben<br />

das Gefährdungspotential einzelner Schadensbilder für die<br />

Umwelt von der Häufigkeit seines Auftretens, den hydraulischen<br />

Bedingungen im Kanal und von der Versickerungsfähigkeit<br />

des Bodens beschrieben.<br />

Dohmann kommt zu dem Ergebnis; dass die Exfiltration<br />

stark mit der Schadensart, Schadenslage, Abflussverhältnissen<br />

und dem Wasserspiegel im Rohr zusammenhängt. So<br />

setzen sich z. B. in Längsrissen die im häuslichen Abwasser<br />

enthaltenen Feststoffe ab. Bei einem Rohrschaden mit einer<br />

größeren Querschnittsfläche (Muffenversatz, Scherben usw.)<br />

wird durch die innere und äußere Kolmation die Abwasserexfiltration<br />

reduziert. Die Lage des Rohrschadens im Scheitelbereich<br />

spielt für die Exfiltration bei niedrigen Fließtiefen<br />

keine Rolle. Dohmann hat für diesen Betriebszustand Recht.<br />

Aber auch bei diesem Schadensbild kann Fremdwasser in die<br />

Kanalisation eindringen und bei Vollfüllung kann Abwasser<br />

exfiltrieren. Zudem ist es unerwünscht, dass es durch Rauhigkeiten<br />

im Kanal dort zu Ablagerungen kommt.<br />

Der Gefahr der unkontrollierten Abwasserversickerung wird<br />

die Reinigungsleistung des Bodens gegenüber gestellt. Unter<br />

der Abwasserversickerung ist das Einsickern und Durchsickern<br />

durch den Porenraum eines Lockergesteinkörpers zu<br />

verstehen. Nach der zunächst vertikalen Sickerpassage des<br />

Abwassers im ungesättigten Sickerraum wird die Grundwasseroberfläche<br />

erreicht. Nach Dohmann et al. [18] sind das in<br />

Deutschland 15-25 % des kommunalen Abwassers, die in<br />

den Untergrund versickern können.<br />

In der eigenen Literaturrecherche wurde kein Nachweis für<br />

eine Kolmation des Bodens gefunden. Nicht immer ist bei<br />

einer Bilanzierung von Lysimetern oder ähnlichen Versuchsaufbauten<br />

die gesamte Wassermenge wieder gefunden worden.<br />

Wir haben aber keine Hinweise für den Verbleib der<br />

Restwassermenge, z. B. fehlen Angaben zur Feldkapazität<br />

und Sorptionsfähigkeit des Bodens oder zur Evapotranspiration.<br />

Für eine aussagekräftige Bilanzierung muss der Bilanzrahmen<br />

in Raum und Zeit angemessen gewählt werden.<br />

2. ZIEL DER UNTERSUCHUNG UND<br />

VERSUCHSANORDNUNG<br />

Ziel der Untersuchung war es, die Versickerungsfähigkeit<br />

verschiedener Böden über die Zeit zu beobachten. Die Feldkapazität<br />

und die Sorptionsfähigkeit des Bodens bezüglich<br />

der Abwasserinhaltsstoffe wurde beobachtet. Weiter sollte<br />

untersucht werden, ob schwer oder nicht abbaubare Stoffe<br />

in tiefere Bodenschichten verschleppt werden und unter<br />

welchen Bedingungen das geschieht. Weiter sollte verifiziert<br />

werden, inwieweit biologisch gut abbaubare Stoffe im<br />

Boden und Untergrund tatsächlich eliminiert bzw. biologisch<br />

abgebaut werden.<br />

Für die Untersuchungen wurden Lysimeter im Kleinst-, Laborund<br />

im halbtechnischen Maßstab mit rohem Abwasser aus<br />

dem Vorklärbecken einer kommunalen Kläranlage und mit<br />

destilliertem Wasser beschickt.<br />

Das Kleinst-Lysimeter besteht aus einem Plexiglasrohr mit<br />

einer Querschnittsfläche von rund 38 cm 2 , in der das Filtermaterial<br />

bis zu 20 cm eingebracht wurde.<br />

Das Lysimeter im Labormaßstab besteht aus drei Versuchssäulen<br />

aus KG-Rohren (DN 160) mit einer Sickerstrecke von<br />

150 cm. Die Querschnittsfläche ergab sich somit mit rund<br />

177 cm².<br />

Die halbtechnische Versuchsanordnung besteht aus<br />

einem Kunststoffbehälter mit den Abmessungen<br />

117 cm x 93,5 cm x 97 cm und damit einem Reaktorvolumen<br />

von ca. 1,1 m 3 . Das Bodenmaterial wurde bis zu einer Höhe<br />

von 76 cm eingebaut, entsprechend einem Bettvolumen<br />

von 0,83 m 3 .<br />

Die Charakterisierung der eingebauten Böden erfolgt über<br />

die Körnungslinie, den Durchlässigkeitsbeiwert nach Hazen<br />

und der DIN-gemäßen K f<br />

-Wert-Bestimmung. Die verwendeten<br />

Böden sind demnach als sandige Kiese bis schluffige<br />

Sande zu charakterisieren. Die organischen Bestandteile des<br />

Bodens lagen zwischen 0,9 % und 5,4 %. Diese Bandbreite<br />

an organischem Material passt zu den vorhandenen Böden<br />

und Untergrund in NRW/Deutschland, was als pars pro toto<br />

in einer Rammkernsondierung bestätigt wurde.<br />

Das Abwasser wurde der Vorklärung einer kommunalen<br />

Kläranlage entnommen.<br />

01-02 | 2014 85


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Bild 1: Filtergeschwindigkeit in cm/h der Lysimeter, schluffiger Sand, getrennt<br />

nach Sickerstrecke 50 cm, 100 cm und 150 cm; über die Zeit, mit Abwasser<br />

Bild 2: Nitrat in mg/l, im Abwasser, über die Sickerstrecke von<br />

150 cm, verschiedene Versuche mit schluffigem Sand<br />

Die verschiedenen Parameter wurden mit den üblichen<br />

Standard-Methoden bestimmt.<br />

3. VERSUCHSERGEBNISSE<br />

Die Lysimeter wurden als Filter bzw. als Bioreaktoren betrachtet.<br />

In den Versuchen wurden jeweils die Sickergeschwindigkeiten<br />

der verschiedenen Böden gemessen. Mit diesen lassen<br />

sich Überlegungen zu den entsprechenden theoretischen<br />

hydraulischen Verweilzeiten bzw. zu den Raumbelastungen<br />

anstellen.<br />

3.1. Versickerungsgeschwindigkeiten<br />

Die Versickerungsraten wurden im wassergesättigten Boden<br />

gemessen. In Bild 1 ist eine Messung der typischen Filtergeschwindigkeiten<br />

nach 50 cm, 100 cm und 150 cm dargestellt.<br />

Die Filtergeschwindigkeit nimmt in den tieferen Zonen des<br />

Lysimeters zu. Die Filtergeschwindigkeit nimmt über die Zeit<br />

ab. Das Ergebnis war zu erwarten.<br />

Im Porenraum akkumulieren Feststoffe. Liegen Milieubedingungen<br />

vor, die einen biologischen Abbau ermöglichen (Biofilter)<br />

sind die Filtervorgänge komplexer. Durch die Anwesenheit<br />

von Gas bei Vorliegen von ausreichend Sauerstoff und/oder<br />

im aeroben Milieu durch die Bildung von CO 2<br />

bzw. bei anoxischen<br />

Verhältnissen durch die Bildung von CH 4<br />

– befinden<br />

sich Gasblasen im Porenraum. Die Gase müssen aus dem<br />

Porenraum entweichen, um die Sickerfähigkeit zu erhalten<br />

bzw. zu erhöhen.<br />

Eine Kolmation des Bodens war nicht festzustellen. Die Sickergeschwindigkeit<br />

variierte, es kam jedoch nicht zu einer Verblockung<br />

des Bodenfilters.<br />

Die jeweils höhere Filtergeschwindigkeit in den unteren Sickerabschnitten<br />

bestätigt die Vorstellung von einem Bodenfilter.<br />

Über die Sickerstrecke nahm die Konzentration an Feststoffen<br />

und organischen Bestandteilen ab. Demnach war die Filtergeschwindigkeit<br />

– bei geringeren Feststoffkonzentrationen<br />

entsprechend höher.<br />

Diese Ergebnisse korrelieren mit den Filtergeschwindigkeiten<br />

der anderen Versuchsanordnungen und verschiedenen Böden.<br />

3.2. Biologischer Abbau<br />

In Bodenkörpern spielen sich komplexe Vorgänge ab. Mit den<br />

begleitenden Messungen sollte überprüft werden, ob der<br />

gewählte Versuchsaufbau eine angemessene Näherung an<br />

natürlichen Verhältnissen ist. Es sei hier vorweggenommen,<br />

dem war so.<br />

Der Sauerstoffgehalt im Abwasser betrug 0,68 mg/l. In den<br />

ersten 50 cm Sickerstrecke nahm der Sauerstoffgehalt auf<br />

6,39 mg/l bzw. 7,45 mg/l zu. Die im Abwasser gemessenen<br />

Sauerstoffgehalte entsprechen den Erwartungen. Durch die<br />

biologische Belastung und die aktivierten Bakterien, die die<br />

Bild 3: Nitrit in mg/l, im Lysimeter nach einer Sickerstrecke 50 cm, 100 cm<br />

und 150 cm über die Zeit, schluffiger Sand, Abwasser<br />

Bild 4: Ammonium in mg/l über die Sickerstrecke von 75 cm,<br />

halbtechnischer Versuch, über die Zeit, sandiger Kies, mit Abwasser<br />

86 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

Bild 5: CSB in mg/l die Sickerstrecke von 150 cm, über die Zeit,<br />

schluffiger Sand, mit Abwasser<br />

Bild 6: Magnesiumgehalt in mg/l, nach Sickerstrecke 50 cm, 100 cm<br />

und 150 cm, über die Zeit, schluffiger Sand, mit Abwasser<br />

Abwasserinhaltsstoffe verstoffwechseln, wird der vorhandene<br />

gelöste Sauerstoff stetig verbraucht. Offenbar ist die Sauerstoffkonzentration<br />

im Lysimeter kein limitierender Faktor<br />

für den biologischen Abbau. Im Ablauf der Sickerstrecke ist<br />

ausreichend Sauerstoff vorhanden, wie die Messungen zeigen.<br />

Das deutet darauf hin, dass das Sauerstoffdepot in den Poren<br />

des Bodens nicht bzw. nicht vollständig genutzt wird.<br />

Ein wichtiger Hinweis für die zurückhaltende aerobe biologische<br />

Aktivität ist die notwendige Aufenthaltszeit, hier gemessen als<br />

theoretische hydraulische Verweilzeit bei den nicht optimalen<br />

Milieubedingungen. Die Verweilzeit beträgt bei Fließgeschwindigkeiten<br />

zwischen 1 cm/h und 2 cm/h bei einem Fließabschnitt<br />

von 50 cm entsprechend ein bis zwei Tage.<br />

Ammonium, Nitrat, Nitrit<br />

Die Ammonium-Konzentration im Rohabwasser ist niedrig<br />

(2 mg/l), die Nitrat-Konzentration hoch (10-12 mg/l). Das ist<br />

untypisch für kommunales Abwasser und weist auf eine Nitrifikation<br />

des Rohwassers hin. Auf dem Sickerweg steigt die<br />

Ammonium-Konzentration an und fällt am Ende des Sickerweges<br />

wieder ab.<br />

Die Nitratkonzentration nimmt über den Sickerweg zunächst<br />

ab und steigt dann wieder an (Bild 2). Die dazu gleichzeitig<br />

vorgenommene Messung der Nitrit-Konzentration bestätigt,<br />

dass der Vorgang von Nitrifikation und Denitrifikation nicht<br />

immer ungestört abläuft. In Bild 3 sind die Nitrit-Konzentrationen<br />

dargestellt. Die Bilder 2 und 3 können so interpretiert werden,<br />

dass Nitrat denitrifiziert, Stickstoff elementar vorliegt und<br />

zunächst im Porenraum verbleibt. Der Denitrifikationsprozess<br />

läuft nicht vollständig ab, wie die Nitrit-Messungen belegen.<br />

Für die halbtechnischen Versuche wurde frisches Rohwasser<br />

verwendet mit dem für kommunalem Abwasser typischen<br />

Ammonium-Konzentrationen (58 mg/l) und praktisch Null<br />

Nitrat-Konzentration. In Bild 4 ist die Veränderung der Ammonium-Konzentration<br />

im halbtechnischen Sandfilter mit sandigem<br />

Kies dargestellt. In verschiedenen Messungen wurde die<br />

Ammonium-Konzentration nach Zugabe von verschiedenen<br />

Abwassermengen gemessen. Mit der Erhöhung der Abwassermenge<br />

und somit der Ammoniumfracht verringert sich die<br />

Nitrifikationsleistung, gemessen an erhöhten Ammonium-Konzentrationen<br />

im Ablauf des Lysimeter. Das war zu erwarten.<br />

CSB<br />

In Bild 5 ist der CSB-Gehalt im Lysimeter mit schluffigem<br />

Sand dargestellt. Der CSB beträgt während der Versuchszeit<br />

356 mg/l im Abwasser und verringert sich nach den ersten<br />

50 cm auf 77 mg/l bis 169 mg/l. Nach weiteren 50 cm<br />

Sickerweg nimmt der CSB ab auf 119 mg/l bis 158 mg/l und<br />

nach insgesamt 150 cm Sickerstrecke erhöht sich die CSB-<br />

Konzentration wieder leicht auf 144 mg/l bis 154 mg/l. Man<br />

erkennt die größte Veränderung des CSB auf den ersten 50 cm<br />

Sickerstrecke. Hier ist jedoch nicht klar, welcher Anteil der<br />

Elimination auf mechanische Filterwirkung zurückzuführen ist<br />

und was tatsächlich biologisch abgebaut wurde. Gemessen<br />

an der (hohen) Sauerstoffkonzentration und der (geringen)<br />

hydraulischen Verweilzeit liegt eher eine mechanische Filtrationswirkung<br />

vor.<br />

3.3. Koliforme Keime<br />

Die Untersuchungen der Keimreduktion zeigen, dass durch<br />

die Lysimeter über die Sickerstrecke eine Reduktion von koliformen<br />

Keimen stattfindet. Es wurde nachgewiesen, dass<br />

Escheria Coli Keime durch die Lysimeter je 50 cm um eine<br />

Zehnerpotenz reduziert werden. Das war auch zu erwarten.<br />

Damit bleiben nach 150 cm Sickerweg koliforme Keime in der<br />

Größenordnung zwischen 10 4 K/l bis 10 5 K/l.<br />

Dieses Ergebnis wurde in vielen Versuchsanordnungen bestätigt.<br />

Interessant ist hierbei, dass immerhin noch 10 4 K/l bis<br />

10 5 K/l nach der Sickerstrecke vorlagen. Eine Kontamination<br />

des Grundwassers ist so zu befürchten.<br />

3.4. Perkolation<br />

Die Perkolation von verschiedenen Abwasserinhaltsstoffen<br />

wurde bei allen Versuchsanordnungen nachgewiesen. Einmal<br />

tritt die Perkolation insbesondere von biologisch kaum oder<br />

nicht abbaubaren Stoffen auf, eventuell zeitlich verzögert.<br />

Zum anderen wurde bei simulierten Starkregenereignissen<br />

die Perkolation dieser Stoffe beobachtet.<br />

Perkolation nach gleichmäßiger hydraulischer<br />

Belastung<br />

In Bild 6 ist der Magnesiumgehalt über den Versuchszeitraum<br />

der einzelnen Lysimeter mit schluffigem Sand (50 cm,<br />

01-02 | 2014 87


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Bild 7: Leitfähigkeit in µs/cm über die Sickerstrecke von 150 cm an<br />

verschiedenen Versuchstagen, schluffiger Sand, Abwasser<br />

Bild 8: Filtergeschwindigkeit mit destilliertem Wasser cm/h, über die<br />

Sicherstrecke von 150 cm, sandiger Kies, vier aufeinanderfolgende<br />

Spülungen<br />

100 cm, 150 cm) dargestellt. Der Magnesiumgehalt im<br />

Abwasser beträgt während des gesamten Versuchszeitraumes<br />

24,1 mg/l. Nach Durchsickern des Abwassers nach<br />

50 cm Sickerweg erhöht sich der Magnesiumgehalt im<br />

Ablauf mit der Zeit stetig von anfangs 11,6 mg/l bis auf<br />

45,1 mg/l am Ende der Versuchsreihe. Ein ähnliches Bild<br />

zeigt auch sich auch nach 100 cm und 150 cm Sickerweg.<br />

Der Magnesiumgehalt steigt von 11,2 mg/l bis auf 41,7 mg/l<br />

bzw. von 14,5 mg/l bis auf 46,9 mg/l.<br />

Aus Bild 6 kann grafisch ermittelt werden, dass Magnesium<br />

über die Zeit im Filter nicht zurückgehalten wird. In der<br />

Summe (Bilanzierung) erscheint die gesamte zugeführte<br />

Magnesiumfracht im Ablauf. Beachtenswert ist die Tatsache,<br />

dass auch bei veränderten Sickergeschwindigkeiten<br />

die Magnesiumfracht wieder nach der Bodenpassage zu<br />

finden ist.<br />

Das qualitativ gleiche Bild wie bei der Perkolation von Magnesium<br />

ergibt sich auch bei Calcium im schluffigen Sand.<br />

Insgesamt ist eine Konzentrationssteigerung des Calciumgehaltes<br />

über die Versuche zu erkennen, zu Beginn verringert<br />

sich der Calciumgehalt, bis er am Ende der Versuche einen<br />

deutlichen Anstieg erfährt. Bei der Bilanzierung des Calciumsgehalts<br />

ergibt sich kein so deutliches Bild wie bei der<br />

Magnesiumfracht. In den Versuchen wurden etwa 90 %<br />

des Calciums wieder gefunden.<br />

Die verbleibenden, nicht nachgewiesenen 10 % Calciumfracht<br />

können sich im Porenraum angereichert haben und zu<br />

Sekundärmineralisierung führen. Diese Sekundärmineralien<br />

können bei Starkregenereignissen aufgelöst und ausgewaschen<br />

werden. Begünstigt wird dieser Vorgang bei einer<br />

Verschiebung des pH-Wertes des Niederschlags in den<br />

sauren Bereich.<br />

In Bild 7 ist die Leitfähigkeit in dem Versuchszeitraum<br />

über die Sickerstrecke von 150 cm im schluffigen Sand<br />

aufgetragen. Die Leitfähigkeit, als Summenparameter der<br />

Ionenkonzentration und damit der gelösten Salze, bestätigt<br />

die Beobachtung von Magnesium und Calcium. In den<br />

ersten Versuchen wird eine geringere Leitfähigkeit als im<br />

Rohabwasser gemessen. Am Ende der Versuchsreihe nimmt<br />

die Leitfähigkeit über die Sickerstrecke von 150 cm zu und<br />

übersteigt die Ausgangskonzentration des Abwassers.<br />

Auch in den halbtechnischen Versuchen nimmt die Leitfähigkeit<br />

im Ablauf über die Zeit zu, gemessen an der Leitfähigkeit<br />

des Abwassers. Das bestätigt, dass eine Sorption<br />

von anorganischen (persistenten) Abwasserinhaltsstoffen,<br />

wenn überhaupt, temporär ist.<br />

Perkolation nach hydraulischen Peaks<br />

(Starkregenereignis)<br />

Um das Rückhaltevermögen des in den Lysimetern eingebauten<br />

Bodenmaterials zu untersuchen, wurden diese<br />

mit demineralisiertem Wasser gespült und so Starkregenereignisse<br />

simuliert. Die Lysimeter werden als Reaktoren<br />

bzw. als Filter, teilweise biologische Filter, betrachtet. Eine<br />

Beaufschlagung mit Spülwasser ist ein übliches Verfahren,<br />

um das Filterbett zu expandieren, den Porenraum aufzubrechen<br />

und frei zu spülen. Bei den hier angestellten<br />

Versuchen wird jedoch immer nur das Filter im Gleichstrom<br />

(!) gespült, lediglich mit Wasser (nicht mit Luft), und es<br />

werden keine Filterspülgeschwindigkeiten eingestellt (keine<br />

Druckspülung). Bei den hier beschriebenen Spülvorgängen<br />

wurde nur jeweils ein Bettvolumen destilliertes Wasser<br />

mittels Schwerkraft durch das Filter geschickt und so eben<br />

ein Starkregenereignis simuliert.<br />

In Bild 8 ist die Filtergeschwindigkeit der Lysimeter mit sandigem<br />

Kies bei verschiedenen Spülvorgängen mit demineralisiertem<br />

Wasser dargestellt. Während der ersten Spülung<br />

nach 50 cm Sickerstrecke beträgt die Filtergeschwindigkeit<br />

95,12 cm/h, nach 100 cm und 150 cm Sickerweg steigt<br />

diese jedoch stetig auf 260 cm/h bzw. 300 cm/h an. Die<br />

weiteren Spülungen zeigen ein ähnliches Bild, die maximale<br />

Sickergeschwindigkeit liegt bei 325 cm/h.<br />

Diese Messwerte zeigen, dass im ersten Segment des<br />

Lysimeters der Porenraum mit Feststoffen besetzt ist, der<br />

jedoch durch die Spülung freigespült wird.<br />

In Bild 9 ist die Veränderung der Leitfähigkeit im Lysimeter<br />

mit sandigem Kies dargestellt. Die Leitfähigkeit im<br />

demineralisierten Wasser beträgt 20,26 µS/cm. Die größte<br />

88 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

Veränderung der Leitfähigkeit findet durch die erste Spülung<br />

statt, sie steigt nach 50 cm Sickerweg auf 681 µS/cm,<br />

nach 100 cm Sickerweg auf 880 µS/cm und nach 150 cm<br />

(Ablauf des Lysimeters) auf 986 µS/cm. Die Zunahme der<br />

Leitfähigkeit ist auch nach weiteren Spülungen deutlich.<br />

Übertragen auf reale Bodenverhältnisse zeigt dieses Ergebnis,<br />

dass im Boden sorbierte oder im Korngefüge akkumulierte<br />

Salze – nicht abbaubare Stoffe durch Regenereignisse<br />

aus dem Boden herausgespült werden.<br />

Bei den Messungen von Calcium und Magnesium bestätigte<br />

sich, dass sorbierte Bestandteile im sandigen Kies<br />

auch durch ein simuliertes Starkregenereignis ausgespült<br />

werden.<br />

In Bild 10 ist die Änderung des Chemischen Sauerstoffbedarfs<br />

(CSB) nach mehrfachem Spülen über die Sickerstrecke<br />

(sandiger Kies) von 150 cm angegeben. Der CSB<br />

im demineralisierten Wasser beträgt 2 mg/l. Nach 150 cm<br />

Sickerweg wird nach der 1. Spülung eine CSB Konzentration<br />

von 41 mg/l, nach der 2. Spülung von 30 mg/l, nach<br />

der 3. Spülung von 21 mg/l und nach der 4. Spülung von<br />

12 mg/l.<br />

In der Summe wurden mehr als 100 mg/l CSB<br />

(als Konzentration!) ausgewaschen. Pro Spülung<br />

wurde ein Bettvolumen Wasser eingetragen. Demnach<br />

ist praktisch die gesamte eingetragene CSB-<br />

Fracht (!) wieder ausgespült worden.<br />

Der CSB-Konzentration reduziert sich über die Versuchszeit<br />

um ca. 75 %. Damit können auch CSB-bürtige Stoffe in das<br />

Grundwasser eingeschwemmt werden.<br />

Während des Durchsickerns der 150 cm langen Sickerstrecke<br />

in dem schluffigen Sand mit Abwasser verringerte sich die<br />

Konzentration an E. coli Keimen je 50 cm Sickerweg um eine<br />

Zehnerpotenz.<br />

Der pH-Wert lag stetig zwischen pH 7 und pH 8. Es lagen<br />

keine oder kaum pH-Wert-Schwankungen vor, sodass eine<br />

Fällung von Schwermetallen nicht zu vermuten war und auch<br />

bei Stichproben-Messungen nicht beobachtet wurde. Fällungsprozesse<br />

können jedoch bei häuslichem Abwasser infolge<br />

von pH-Wert-Verschiebungen nicht ausgeschlossen werden,<br />

so dass hier mit weiteren Stoffen in Boden und Untergrund<br />

zu rechnen ist.<br />

Bei den simulierten (Stark-)Regenereignisse verringerte sich der<br />

Filterwiderstand, die Versickerungsgeschwindigkeiten stiegen<br />

deutlich an. Mögliche Kolmationstendenzen werden durch<br />

hydraulische Stöße konterkariert. Die hydraulischen Stöße<br />

können hier als Gleichstrom-Filterspülung interpretiert werden.<br />

4. DISKUSSION<br />

Die im Abwasser enthaltenen Inhaltsstoffe werden<br />

durch Filtration des Bodens zurückgehalten, die<br />

ebenfalls im Abwasser gelösten Stoffe werden<br />

teilweise durch Sorption an die Bodenpartikel<br />

gebunden. Des Weiteren kommt es zu biologischen<br />

und chemischen Umbauprozessen, die auch<br />

von der Aufenthaltszeit im Boden abhängig sind.<br />

Durch diesen mikrobiellen Umbau der organischen<br />

Stoffe und andere Einflüsse werden andere Stoffe<br />

immobilisiert. Aber auch eine Remobilisierung<br />

und ein Weitertransport dieser gebundenen Stoffe<br />

sind möglich. Viele dieser Umbau- und Bindungsprozesse<br />

in der gesättigten und ungesättigten<br />

Bodenzone laufen neben- und nacheinander ab.<br />

Ein weiterer Hinweis für das Rückhaltevermögen<br />

des Bodens ist die Leitfähigkeitsmessung. Hier<br />

zeigt sich in den ersten Versuchen eine deutliche<br />

Abnahme, die auf einen Rückhalt der im Wasser<br />

gelösten Ionen schließen lässt. Die organischen<br />

Kohlenstoffverbindungen werden mikrobiell abgebaut<br />

und Biomasse entsteht.<br />

Die Elimination der Abwasserinhaltsstoffe wurde<br />

u. a. durch den Gehalt an Ammonium, Nitrit, Nitrat<br />

und dem Summenparameter CSB untersucht. Die<br />

gemessenen Werte von Ammonium und Nitrat<br />

und Nitrit bestätigen Nitrifikation und Denitrifikation,<br />

jedoch laufen die Prozesse teilweise nicht<br />

vollständig ab. Das ist für Bodenkörper-Reaktoren<br />

nicht ungewöhnlich.<br />

Bild 9: Leitfähigkeit in µS/cm über die Sickerstrecke von 150 cm, sandiger Kies, mit<br />

destilliertem Wasser, vier aufeinanderfolgende Spülungen<br />

Bild 10: CSB im Lysimeter in mg/l über die Sickerstrecke von 150 cm, sandiger Kies,<br />

mit destilliertem Wasser, vier aufeinanderfolgenden Spülungen<br />

01-02 | 2014 89


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Die mit demineralisiertem Wasser durchgeführten Spülvorgänge<br />

entsprechen nicht den Bedingungen eines tatsächlichen<br />

Regenereignisses. Tatsächlich können im Niederschlagswasser<br />

weitere Stoffe gelöst vorliegen. Der pH-Wert<br />

kann in den sauren Bereich verschoben sein. So können<br />

Rücklösevorgänge im Boden auftreten, die die Perkolation<br />

in den Untergrund beschleunigen.<br />

Eine Kontamination des Grundwassers durch Abwasserversickerung<br />

ist so möglich. Die Ergebnisse zeigen, dass<br />

auch bei Filtergeschwindigkeit von 1 cm/h (entsprechend<br />

k f<br />

- Werten von 10 -5 bis 10 -7 m/s) biologisch abbaubare Stoffe<br />

in das Grundwasser gelangen können. Die tatsächliche<br />

Verweilzeit reicht für eine vollständige Degradation nicht<br />

aus. Biologisch schwer oder nicht abbaubare Stoffe werden<br />

durch Sorption zunächst temporär zurückgehalten, bevor<br />

sie in tiefere Bodenschichten gespült werden.<br />

In den Versuchen wurde nachgewiesen, dass durch simulierte<br />

Regenereignisse eine Mobilisierung der sorbierten<br />

Stoffe und Partikel erfolgt. Im Boden sorbiertes Ammonium<br />

wird teilweise zu Nitrat nitrifiziert. Das Nitrat kann unverändert<br />

im Grundwasser erscheinen, wenn keine verfügbare<br />

Kohlenstoffquelle für die Denitrifikation vorliegt. Hier wäre<br />

wünschenswert – Ironie der Verfahrenstechnik dass noch<br />

ausreichend BSB 5<br />

-bürtige Stoffe im Untergrund vorliegen.<br />

5. AUSBLICK<br />

Undichte Abwasserleitungen transportieren sauberes<br />

Grundwasser hydrologisch unerwünscht – zur Kläranlage.<br />

Gleichzeitig kann das Abwasser mit seinen Inhaltsstoffen<br />

in den Boden und Untergrund austreten und<br />

dort bis in das Grundwasser gelangen. Neben organisch<br />

abbaubaren Stoffen und coliformen Keimen sind das auch<br />

schwer oder nicht abbaubare Stoffe wie Hormone oder<br />

Arzneimittelreststoffe.<br />

Dieser Grundwasserkontamination aus diffusen Quellen<br />

kann nur wirksam verhindert werden, wenn die Abwasserleitungen<br />

regelmäßig auf ihre Dichtheit überprüft werden<br />

und gegebenenfalls die Leitungen saniert werden.<br />

Die Kontamination der aquatischen Umwelt aus Kläranlagenabläufen<br />

kann kein Argument sein, auf die Kanalzustandserfassung<br />

zu verzichten. Die Kläranlagen müssen<br />

zur Elimination schädlicher Stoffe nachgerüstet werden.<br />

Das ist ein anderes Thema.<br />

Die Gewässerreinhaltung ist eine Umweltmaßnahme im<br />

Nahbereich. Sie nutzt den Bewohnern unmittelbar bis hin<br />

zur Trinkwassergewinnung. Eine Wettbewerbsverzerrung<br />

an den Bundesländergrenzen durch höhere Umweltstandards<br />

in einem Land ist hier nicht zu befürchten. Wasser<br />

kann durch nichts substituiert werden!<br />

LITERATUR<br />

[1] ATV-DVWK-A 142, Abwasserkanäle und -leitungen in<br />

Wassergewinnungsgebieten, Hennef: ATV-DVWK , 2002.<br />

[2] DIN EN 1610, Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen<br />

und -kanälen, Beuth, 1997.<br />

[3] DIN 18123, Baugrund, Untersuchung von Bodenproben -<br />

Bestimmung der Korngrößenverteilung, Berlin: Beuth, 2011.<br />

[4] DIN 18128, Bestimmung des Glühverlustes, Berlin: Beuth,<br />

Dezember 2002.<br />

[5] DWA-A 139, Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und<br />

-kanälen, DWA, 2009.<br />

[6] Land Nordrhein- Westfalen, Landeswassergesetz NRW, 1995.<br />

[7] Bundesrepublik Deutschland, Gesetz zur Ordnung des<br />

Wasserhaushalts - WHG, 2009.<br />

[8] J. S. H. W. R. Boller, Betrieb und Wartung von Kleinkläranlagen,<br />

München: F. Hirthammer, 2002.<br />

[9] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft DWA, Zustand der<br />

Kanalisation, 2009.<br />

[10] M. Dohmann, Wassergefährdung durch undichte Kanäle,<br />

Heidelberg: Springer, 1999.<br />

[11] J. Hua, Transport- und Umsatzprozesse bei der<br />

Abwasserversickerung aus undichten Kanälen, Karlsruhe:<br />

Universitätsverlag Karlsruhe, 2007.<br />

[12] L. Hütter, Wasser und Wasseruntersuchung, 6. Auflage, Frankfurt:<br />

Salle + Sauerländer, 1994.<br />

[13] H. Jordan, Hydrogeologie Grundlagen und Methoden, Stuttgart:<br />

Enke, 1995.<br />

[14] W. Kölle, Wasseranalysen richtig beurteilen, Hannover: Wiley-<br />

VCH, 2001.<br />

[15] L. Kratz, Die Glaselektrode und ihre Anwendungen, Frankfurt:<br />

Steinkopff, 1950.<br />

[16] P. D.-I. M. Namuth, Vorlesungsskript Wasser- und Bodenanalytik,<br />

Minden, 2006.<br />

[17] V. Neitzel, Abwasser, Technik und Kontrolle, Essen: Wiley-VCH,<br />

1998.<br />

[18] H. H. Rump, Laborhandbuch für die Untersuchung von Wasser,<br />

Abwasser und Boden, Frankfurt: Wiley-VCH, 1998.<br />

[19] M. Scheffler, Schäden an Grundstücksentwässerungsanlagen,<br />

Stuttgart: Fraunhofer IRB, 2010.<br />

[20] H.-H. Schmidt, Grundlagen der Geotechnik, 3. Auflage, Stuttgart:<br />

Teubner, 2006.<br />

[21] P. Schuler, Oxi-Fibel; Einführung in die Gelöstsauerstoff-<br />

Meßtechnik, Weilheim: WTW, 1987.<br />

[22] Sontheimer, Wasserchemie für Ingenieure, 1980.<br />

[23] R. Thoma, Auswirkungen undichter Grundleitungen mit<br />

häuslichem Abwasser auf Boden und Grundwasser, Hamburg:<br />

Verein zur Förderung der Bodenkunde in Hamburg, 2011.<br />

Struck, Jonas: Eintragspfad, Veränderung und Verbleib von Stoffen<br />

aus exfiltriertem Abwasser im Untergrund. Arbeit zur Erlangung des<br />

Grades Master of Engineering. Eingereicht am 23. 10.2012 an der<br />

FH Bielefeld.<br />

Weinig, J. u. R. Joswig: Siedlungswasserwirtschaftliche Fingerübungen<br />

für die Umsetzung der Kanaldichtheit nach § 61a des Landeswassergesetzes<br />

NRW. 05.Januar 2012<br />

Weinig, J. u. R. Joswig: Fremdwasser – woher und wohin? Symposium<br />

an der Fachhochschule Bielefeld. KA Abwasser Abfall. 53.<br />

Jhrg. 2006. Nr. 6.<br />

Weinig, J.: Fremdwasser aus Wasserwirtschaftlicher Sicht. In: Tagungsband<br />

Symposium Fremdwasser – woher und wohin. Steinbeis-Transferzentrum<br />

Wasser- und Infrastruktur. Minden. 26. Oktober 2005.<br />

Joswig, R.: Fremdwasser Praktische Probleme vor Ort. In: Tagungsband<br />

Symposium Fremdwasser – woher und wohin. Steinbeis-Transferzentrum<br />

Wasser- und Infrastruktur. Minden. 26. Oktober 2005.<br />

90 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

Namuth, Matthias: Pilotprojekt „Retensionsbodenfilter Hartum“. Forschungsprojekt<br />

Min UNLV in NRW. AZ IV-9-042 240 0010. Okt. 2006.<br />

Gülzow, H-G, Hellwig, R. u. H. Paetsch: Versuchsfeld „versickerungsfähige<br />

Containerstandflächen“. In: Symposium Forschungsschwerpunkt<br />

„Integrales Bauen“. FH Bielefeld. Campus Minden. H8. ISBN 978-3-<br />

923216-74-1. 08.Febr. 2011.<br />

Dohmann, M., u.a.: Untersuchung zur quantitativen und qualitativen<br />

Belastung von Boden, Grund- und Oberflächenwasser durch undichte<br />

Kanäle. In: Wassergefährdung durch undichte Kanäle. Erfassung und<br />

Bewertung Springer-Verlag. Heidelberg 1999<br />

Vogel, Markus: Kanalinstandhaltung, Von der Zustandserfassung zur<br />

nachhaltigen Sanierung von Entwässerungssystemen. Expert verlag. 2.<br />

Aufl. Renningen. 2007.<br />

Hua, Jianmin: Transport- und Umsatzprozesse bei der Abwasserversickerung<br />

aus undichten Kanälen. Karlsruher Berichte zur Ingenieurbiologie.<br />

Heft 43. Universitätsverlag Karlsruhe. 2007<br />

Scheffler, Michael: Grundstücksentwässerungsanlagen, Zustandsorientierte<br />

Instandhaltung und Bewertung in der Immobilienwirtschaft.<br />

Fraunhofer IRB Verlag. Stuttgart. 2007.<br />

Heberer, Thomas: Identifizierung und Quantifizierung von Pestizidrückständen<br />

und Umweltkontaminanten in Grund- und Oberflächenwässern<br />

mittels Kapillargaschromatographie – Massenspektrometrie. Wissenschaft<br />

und Technik Verlag Berlin. 1995.<br />

Peters, Johann: Zum Stand der Dichtheit von Abwasserkanälen – Notwendigkeit,<br />

Verfahren, Umsetzung. BA-Arbeit. FH Bielefeld. Sept. 2011.<br />

Thoma, Robert: Auswirkungen undichter Grundleitungen mit häuslichem<br />

Abwasser auf den Boden und Grundwasser. Hamburger Bodenkundliche<br />

Arbeiten, Band 64, Hamburg 2011.<br />

Togler, R.: Exfiltration bestehender Grundstücksentwässerungsanlagen-<br />

Auswirkungen, Einflussgrößen, Mengenermittlung, neuartige Prüfmethoden,<br />

praxisgerechte Empfehlungen. Diss. RWTH Aachen. Shaker<br />

Verlag. Aachen.2006.<br />

Landesamt für Landwirtschaft und Geologie, Sachsen: Gefährliche Stoffe<br />

in Kläranlagen, Heft 5/2010<br />

Landesanstalt für Umwelt-Schutz Baden- Württemberg: Siedlungswasserwirtschaft.<br />

Bodenfilter zur Regenwasserbehandlung im Misch- und<br />

Trennsystem, Karlsruhe 2002.<br />

Verbundprojekt: „Bewachsene Bodenfilter“ Stand der Technik und Innovationen<br />

für die Praxis bei bewachsenen Bodenfiltern, Celle 2000<br />

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz<br />

des Landes Nordrhein-Westfalen Entwicklung und Stand<br />

der Abwasserbeseitigung in Nordrhein-Westfalen 15. Auflage. 2010<br />

Korrespondenz Abwasser, Abfall, 2005 (52) Nr 4, S. 388-398<br />

AUTOREN<br />

Prof. Dr.-Ing. JOHANNES WEINIG<br />

FH Bielefeld, Campus Minden<br />

Tel. +49 571 8385-195<br />

E-Mail: johannes.weinig@fh-bielefeld.de<br />

Dipl.-Ing. RAINER JOSWIG<br />

Beratender Ingenieur, Technischer Beigeordneter<br />

a.D., Lemgo<br />

Tel. +49 5261 9214860<br />

E-Mail: post@rainer-joswig.de<br />

Projekt1_Layout 1 17.12.13 16:59 Seite 1<br />

01-02 | 2014 91


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Funktionsweise und Erfahrungen mit<br />

modernen Kanal-Wärmetauschersystemen<br />

Europaweit wurden bisher über 60 Projekte mit Kanalwärmetauschersystemen realisiert. Die Energiequelle Abwasser<br />

zum Heizen und Kühlen von Gebäuden wird als regenerative Energiequelle immer mehr anerkannt und bekommt,<br />

wenn auch noch zögerlich, politischen Rückenwind. Die Technik ist nicht neu. Schon Mitte der 1980er Jahre wurden<br />

erste Anlagen mit Wärmetauschersystemen im Abwasserstrom realisiert. Die hohen Investitionskosten im Verhältnis<br />

zum damaligen Preisniveau fossiler Energieträger machten solche Anlagen unwirtschaftlich. Laut einer Studie der<br />

Universität in Stuttgart reicht das in Deutschland erzeugte und nicht nutzbare Abwärmepotenzial aus Kraftwerken,<br />

Industrie und Haushalten fast aus, um den Bedarf an Energie für die Raumheizung und Warmwasserbereitung zu<br />

decken. Die Abwärme muss nur verteilt werden, warum nicht über das vorhandene Netz „Kanal“. Für das Kanalnetz<br />

hat die Uhrig Kanaltechnik GmbH betriebssichere Wärmetauschersysteme entwickelt, die sich in den letzten Jahren<br />

als wirtschaftlichste Technik zur Nutzung der Energiequelle Abwasser durchgesetzt haben.<br />

WÄRMETAUSCHERTECHNIKEN<br />

Interne und externe Wärmetauschersysteme<br />

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der internen<br />

und externen Abwasserwämenutzung im Kanal.<br />

Bei der internen Nutzung werden die Wärmetauschersysteme<br />

betriebssicher in der Kanalsohle montiert und vom<br />

Abwasser überströmt. Die Querschnittsreduzierung durch<br />

eingebaute Wärmetauschersysteme muss in der Betrachtung<br />

der Kanalhydraulik geprüft werden. Interne Kanalwärmetauschersysteme<br />

gelten als nahezu wartungsfrei.<br />

Für externe Systeme wird über ein zusätzliches Schachtbauwerk<br />

ein Teil des Abwasserstroms an die Oberfläche<br />

gepumpt. Mit Rohrbündeln oder Plattenwärmetauschern<br />

wird die Energie entzogen und das Abwasser danach<br />

wieder dem Kanal zurückgeführt. Oft verfügen solche<br />

Bild 1: Funktionsprinzip Abwasserwärmenutzung mit dem System Therm-Liner<br />

Anlagen über eine Reinigungseinrichtung, die den Einfluss<br />

durch Biofilm reduziert und die Leistung erhöht. Bei der<br />

Planung und der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung muss der<br />

zusätzliche oberirdische Platzbedarf für die externe Wärmetauscheinheit<br />

berücksichtigt werden. Externe Systeme<br />

haben einen zusätzlichen Energiebedarf für die Abwasserpumpe<br />

und die Reinigungsmechanik, dazu kommen<br />

jährliche Wartungs- und Unterhaltungskosten.<br />

Als Werkstoffe für solche Systeme hat sich ein V4A Edelstahl<br />

in den Materialgüten 1.4404 oder 1.4571 bewährt.<br />

Diese Edelstahlqualität hat sich seit Jahrzehnten als korrosionsbeständiger<br />

Werkstoff in der Abwassertechnik<br />

bewährt.<br />

Funktionsprinzip Kanalwärmetauscher<br />

In die Bestands- oder auch Neubaukanäle werden über<br />

die vorhandene Schachtinfrastruktur Edelstahlwärmetauscher<br />

in den Kanal eingebracht und betriebssicher<br />

im Kanal montiert (Bild 1). Durchströmt werden diese<br />

Kanalwärmetauscher von einer Kühlflüssigkeit (Wasser).<br />

Dem Abwasserstrom wird ein Teil seiner Energie entzogen<br />

und mittels einer Wärmepumpe auf eine nutzbare<br />

Energie hochgeschraubt. Im Sommer kann mit der gleichen<br />

Technik das Gebäude klimatisiert werden. Durch<br />

das hohe Temperaturniveau im Abwasser, im Winter<br />

durchschnittlich 10°, lassen sich Arbeitszahlen der Wärmepumpe<br />

von 4,0 und höher erzielen und sichern so<br />

einen ökologischen wie auch ökonomischen Nutzen der<br />

Energiequelle Abwasser.<br />

Sielhautbildung als wichtige Einflussgröße in der<br />

Bemessung<br />

Laut einer Studie aus dem Jahr 2004 der EAWAG (Eidgenössische<br />

Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung<br />

und Gewässerschutz, Schweiz) reduziert die<br />

Sielhaut in Abwassersystemen die Wärmeübertragung<br />

bis zu 40 %. Nach heutigem Stand der Technik wird die<br />

Reduzierung bei der Bemessung der benötigten Wär-<br />

92 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

metauscherfläche benötigt. Dadurch werden zusätzliche<br />

Unterhaltungskosten durch Reinigungsarbeiten<br />

vermieden.<br />

Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Gestaltung<br />

von sielhautreduzierender Oberflächengestaltung oder<br />

Beschichtungen. Das Vorbild ist letztlich immer die Natur,<br />

die Struktur eines Blattes oder die Haut von Fischen.<br />

Grundsätzlich positiv erweisen sich strukturierte Oberflächen<br />

(Bild 2 und Bild 3) die die Turbolenz auf der<br />

Wärmetauscherfläche erhöhen und damit eine selbstreinigende<br />

Wirkung erzielen.<br />

Auch Systeme zur Kanalnetzbewirtschaftung können helfen,<br />

den Kanalwärmetauscher biofilm- und ablagerungsfrei<br />

zu halten. Spülaggregate (Bild 4) können nachträglich<br />

in Rohrsysteme installiert werden. Der Abwasserstrom<br />

wird eingestaut und in Intervallstufen als Schwallspülung<br />

freigegeben. Der Aufbau von Sielhaut und Ablagerungen<br />

wird damit auf einigen 100 m Kanalverlauf vermieden.<br />

Bei Investitionskosten in Kanalwärmetauscher von über<br />

100.000 Euro kann so eine Variante geprüft werden. Die<br />

Investitionskosten für das Spülaggregat amortisieren sich<br />

dann über die Verkleinerung der Wärmetauscherfläche.<br />

Kanalwärmetauscherformen<br />

Die Firma Uhrig Kanaltechnik hat drei verschiedene Wärmetauscherformen<br />

für den Kanal entwickelt (Bild 5,<br />

Bild 6, Bild 7). Jede dieser Formen lässt sich individuell<br />

an den jeweiligen Kanalquerschnitt anpassen. Mit<br />

bewährten Kupplungssystemen werden die Kanalwärmetauscher<br />

modular aneinandergereiht. Ab DN 400 und<br />

einem Trockenwetterabfluss von mehr als 10 l/s können<br />

in Abhängigkeit von Rohrdurchmesser und Gefälle Wärmetauscher<br />

nachträglich in Kanäle eingebaut werden.<br />

SIEDLUNGSWASSERWIRTSCHAFTLICHE FORDE-<br />

RUNGEN AN KANALWÄRMETAUSCHER<br />

Im DWA-Merkblatt M 114 sind die Anforderungen an<br />

Systeme zur Abwasserwärmenutzung geregelt. Hauptziel<br />

muss es sein, dass die Wärmetauschertechnik die<br />

Betriebssicherheit und den Abwassertransport nicht<br />

beeinträchtigt.<br />

Bild 2 und 3: Forschung Oberflächengestaltung IRO 2013<br />

Bild 4: Spülaggregat-System Uhrig<br />

Folgende Anforderungen müssen erfüllt werden:<br />

»»<br />

Hydraulische Funktionsfähigkeit<br />

»»<br />

Betriebssicherheit<br />

»»<br />

Keine zusätzlichen Stoffablagerungen<br />

»»<br />

Zugänglichkeit<br />

»»<br />

HD-Spülbeständigkeit<br />

»»<br />

Sanierbarkeit<br />

»»<br />

Keine Beschädigungen durch Einbauverfahren<br />

Ablagerungs- und verzopfungsfreie Installation<br />

Vor- und Rücklaufleitungen des Wärmetauschers, aber<br />

auch der Anfang und das Ende der Wärmetauschstrecke<br />

müssen unter hydraulischen Gesichtspunkten an das<br />

Rohrsystem angebunden werden. Über Verblendungen<br />

Bild 5: Therm-Liner Form A Bild 6: Therm-Liner Form B Bild 7: Therm-Liner Form C<br />

01-02 | 2014 93


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

VORAUSSETZUNGEN UND ZIELGRUPPEN FÜR<br />

EINE NUTZUNG DER ENERGIEQUELLE ABWASSER<br />

Um erfolgreich Projekte zur Abwasserwärmenutzung<br />

umzusetzen, müssen einige Ausgangsvoraussetzungen<br />

vorhanden sein. Grundsätzlich eignen sich Immobilien<br />

ab einem Energiebedarf größer 50 KW, egal ob Neubau<br />

oder im Rahmen einer energetischen Sanierung.<br />

Der für den Einbau von Wärmetauschersystemen vorgesehene<br />

Kanal sollte sich in einem mindestens grundsanierten<br />

Zustand befinden, um spätere Ein- und Ausbaukosten<br />

von Wärmetauscherelementen zu vermeiden.<br />

Zielgruppen Energienutzer sind<br />

»»<br />

Siedlungen mit zentraler Wärmeversorgung<br />

»»<br />

Mehrfamilienhäuser<br />

»»<br />

Kommunale Gebäude<br />

»»<br />

Verwaltungsgebäude<br />

»»<br />

Industrie<br />

»»<br />

Kläranlagen<br />

Bild 8: Einlauframpe Wärmetauscher<br />

meist aus Edelstahl und Ein-/Auslauframpen (Bild 8) werden<br />

Ablagerungen und Verzopfungen verhindert.<br />

Länge Abwasser-Wärmetauscher<br />

171 m<br />

Fläche Abwasser-Wärmetauscher 115 m²<br />

Abwasser WT - Entzugsleistungen Spezifisch Gesamt<br />

Heizfall 2,5 kW/m 2 409,9 kW<br />

Kühlfall 2,7 kW/m 2 442,0 kW<br />

Dimensionierung derWärmepumpe COP Leistung<br />

Heizfall ca. 4,5 ca. 527 kW<br />

Kühlfall ca. 5,5 ca. 372 kW<br />

Heizleistung<br />

Tabelle 1: Auslegung Abwasserwärmepumpe<br />

ca. 527 kW<br />

Diese Voraussetzungen muss der Kanal mitbringen<br />

»»<br />

Heizleistung ab 50 KW<br />

»»<br />

Temperaturniveau Heizsystem 35-60°<br />

»»<br />

Kanal ab DN 400<br />

»»<br />

Trockenwetterabfluss ab 10 l/s<br />

»»<br />

Abwassertemperatur ab 8° C<br />

WIRTSCHAFTLICHKEIT<br />

Anlagen zur Abwasserwärmerückgewinnung können<br />

heute wirtschaftlich auch ohne Subvention und Förderung<br />

betrieben werden. Die Amortisationszeiten sind<br />

stark abhängig vom jeweiligen Projekt und den Rahmenbedingungen,<br />

liegen in der Regel aber nicht über<br />

zehn Jahren.<br />

Kurze Amortisationszeiten und Wettbewerbsfähigkeit<br />

gegenüber anderen Energiequellen werden dann erreicht,<br />

wenn neben dem Heizbedarf auch die Gebäude im Sommer<br />

klimatisiert werden müssen.<br />

Die Investitionskosten in eine Kanalwärmetauscheranlage<br />

System Uhrig liegen je nach Ausgangsvoraussetzungen<br />

zwischen 400 und 1.000 €/KW Wärmetauscherleistung.<br />

In diesen Kosten sind der Einbau und die Verrohrung bis<br />

Oberkante Schacht enthalten.<br />

Projekt Europaviertel Frankfurt 2014<br />

In Frankfurt entsteht derzeit ein Vorzeigeprojekt für den<br />

Energieträger Abwasser (siehe Tabelle 1).<br />

Ein Hochhaus mit über 32.000 m 2 Wohn- und Gewerbefläche<br />

soll zukünftig über den Kanal klimatisiert werden.<br />

Konventionelles<br />

System<br />

Geothermisches<br />

System<br />

Luft-Wasser<br />

Wärmepumpe<br />

Abwasser<br />

Wärmepumpe<br />

Gesamtkosten in 20 Jahren 6.956.524,30 € 6.672.296,26 € 6.380.345,00 € 5.543.719,96 €<br />

Investionskosten 172.650 € 1.040.300 € 342.650 € 624.300 €<br />

Amortiationszeitraum bei linearer<br />

Abschreibung<br />

- 9,03 Jahre 3,56 Jahre 3,91 Jahre<br />

Kapitalgebundene Kosten 16.656 € 91.766 € 36.553 € 59.102 €<br />

Bedarfs/-Verbrauchsgebundene Kosten 326.138 € 230.077 € 278.432 € 210.738 €<br />

Betriebsgebundene Kosten 2.032 € 11.771 € 4.032 € 7.347 €<br />

Sonstige Kosten 0 € 0 € 0 € 0 €<br />

Einzahlungen 0 € 0 € 0 € 0 €<br />

Gesamtkosten pro Jahr 347.826 € 333.615 € 319.615 € 277.186 €<br />

Tabelle 2: Wirtschaftlichkeit nach VDI 2067<br />

94 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass nur die<br />

Energiequelle Abwasser wirtschaftlich und technisch<br />

umsetzbar war. Auch die Zusammenarbeit mit<br />

der Frankfurter Stadtentwässerung ist ein Vorbild<br />

für andere Kommunen. Der Nutzungsvertrag für<br />

den Kanalabschnitt ist bereits von allen Parteien<br />

unterzeichnet.<br />

Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung<br />

nach VDI 2067 (siehe Tabelle 2) war die Abwasserwärmepumpe<br />

mit Jahreskosten in Höhe von ca.<br />

277.000,00 € wesentlich günstiger als die vorhandene<br />

Fernwärme oder Geothermie. Die Amortisationszeit<br />

liegt unter vier Jahren.<br />

Buchtipps zum Thema<br />

GWF-PRAXISWISSEN,<br />

BAND 3 ENERGIE AUS ABWASSER (2011)<br />

Neue Ansätze gesetzliche Regelungen<br />

und Fördermöglichkeiten interessante<br />

Praxisbeispiele zu Biogasgewinnung,<br />

Trocken legung von Klärschlamm und<br />

Wärmegewinnung aus Abwässern<br />

ZUSAMMENFASSUNG<br />

Energie aus Abwasser ist eine heimische Energiequelle.<br />

Wir haben sie mit unseren Haushaltsprozessen<br />

aufgeheizt. Die CO 2<br />

-Ziele der Bundesregierung<br />

sind ambitioniert. Im Vergleich zum regenerativen<br />

subventionierten Strommarkt wirkt der Wärmemarkt<br />

in Deutschland vernachlässigt. Die Wärmerückgewinnung<br />

aus Abwasser braucht keine Subventionen,<br />

aber einen politischen Willen und eine<br />

vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Akteuren.<br />

Hrsg.: Christine Ziegler, 1. Auflage 2011,<br />

204 Seiten, Broschur, 69,90 Euro,<br />

ISBN: 978-3-8356-3265-3<br />

Band 3, Energie aus<br />

Abwasser, mit DVD<br />

LITERATUR<br />

[1] Studie Nahwärmenetz Kanal, IER, Universität Stuttgart.<br />

[2] DWA Merkblatt M 114<br />

[3] Studie Biofilm EAWAG, (Eidgenössische Anstalt<br />

für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und<br />

Gewässerschutz, Schweiz).<br />

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NACHHALTIGIE IMMOBILIENWIRTSCHAFT<br />

AM BEISPIEL DER ABWASSERWÄRME-<br />

NUTZUNG (2012)<br />

Technische Grundlagen, Sachstand in<br />

Deutschland und wirtschaftliche Vergleiche<br />

unter Berücksichtigung der Anforderungen<br />

des EEWärmeG und der EnEV<br />

AUTOR<br />

Autor: Achim Hamann, 1. Auflage 2012,<br />

254 Seiten, gebunden mit CD-ROM (eBook),<br />

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Nachhaltige<br />

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am Beispiel der<br />

Abwasserwärmenutzung<br />

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01-02 | 2014 95


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

Wärmeenergieversorgung aus<br />

öffentlichem Abwasser<br />

Die Reduzierung von CO 2<br />

-Emissionen, insbesondere aus dem Raumwärmebereich, ist für alle Beteiligte eine große<br />

Herausforderung. Daher sind die zur Verfügung stehenden Potenziale zu berücksichtigen, auch das Wärmepotenzial aus<br />

der Nutzung des öffentlichen Abwassers.<br />

%<br />

100<br />

95<br />

90<br />

85<br />

80<br />

75<br />

Unter Einsatz der Wärmepumpentechnik stehen in<br />

Deutschland rund 30 TWh/a Wärmeenergie zum Heizen<br />

von Gebäuden auf Grundlage der Wärmequelle „Öffentliches<br />

Abwasser“ zur Verfügung. Bezogen auf die Haushalte<br />

können mit diesem theoretischen Wärmepotenzial<br />

etwa 5 % des Wohnungsmarktes bzw. etwa 2 Mio.<br />

Wohnungen versorgt werden. Kommt dieses Potenzial<br />

zur Anwendung können bundesweit jährlich etwa 1,7<br />

bis 3,6 Mio. Tonnen CO 2<br />

-Emissionen verhindert werden.<br />

Dies entspricht in etwa einer CO 2<br />

-Reduktion, bezogen auf<br />

die privaten Haushalte, von 2 % bis 3 %. Die Bandbreite<br />

hängt dabei vom anteiligen Ersatz der Energieträger<br />

70<br />

0 1 Jahr<br />

1<br />

100<br />

90<br />

80<br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

%<br />

ca. 2 - 3% CO2-Reduktion möglich<br />

CO 2 -Emissionen in % infolge Heizen in privaten<br />

Haushalten, mit und ohne Abwasserwärmenutzung<br />

private Haushalte<br />

mit Abwasserwärme<br />

Bild 1: Reduzierung CO 2<br />

-Emissionen in privaten Haushalten bei<br />

Nutzung des Abwasserwärmepotenzials<br />

100<br />

Bild 2: Vergleich CO 2<br />

-Emissionen: Heizöl, Erdgas,<br />

Abwasserwärmenutzung<br />

76<br />

(Strommix Deutschland 2012)<br />

Heizöl Erdgas Abwasserwärme<br />

54<br />

Heizöl oder Erdgas ab, da für beide fossilen Energieträger<br />

unterschiedliche CO 2<br />

-Emissionsfaktoren zu berücksichtigen<br />

sind. In Bild 1 ist das CO 2<br />

-Einsparpotenzial von 2%<br />

bis 3% verdeutlicht [1, S. 21].<br />

Bei einer projektspezifischen Betrachtung wird mit Hilfe<br />

der Abwasserwärmenutzung eine CO 2<br />

-Reduzierung auf<br />

54 % beim Ersatz von Heizöl und auf 71 % beim Ersatz<br />

von Erdgas erreicht [1, S. 20].<br />

Die Einsparungen bei den projektspezifischen CO 2<br />

-Emissionen<br />

sind in Bild 2 aufgeführt, wobei der CO 2<br />

-Emissionsfaktor<br />

zum Strommix im Jahr 2012 berücksichtigt ist [1, S. 20].<br />

Beim CO 2<br />

-Emissionsfaktor zum Strommix ist anzumerken,<br />

dass dieser nach bisherigen Schätzungen zu den Jahren<br />

2011 und 2012 nach dem Tiefststand im Jahr 2010 wieder<br />

angestiegen ist. Dies wird auf den erhöhten Einsatz von<br />

fossilen Brennstoffen, trotz des Ausbaus der Erneuerbaren<br />

Energien zurückgeführt [2, S. 7].<br />

Generell ist jedoch für die Zukunft ein rückläufiger CO 2<br />

-<br />

Emissionsfaktor beim Strommix zu erwarten, so dass sich<br />

die dargestellten 54 % in Bild 2 weiter im Vergleich zu<br />

Heizöl und Erdgas verringern sollten.<br />

PROJEKTBEISPIEL IN BAD KREUZNACH<br />

Bei einem untersuchten Beispiel zur Optimierung der<br />

energetischen Situation für eine Kläranlage mit 20.000<br />

Einwohnerwerten konnte festgestellt werden, dass die<br />

zur Verfügung stehende Abwassermenge bei einer Temperaturspreizung<br />

von 2°K und bei einer zu gewinnenden<br />

Wärmeenergie von 2 kWh je m 3 /h Abwasser rund<br />

1,6 Mio. kWh/a als Wärmepotenzial durch den Wärmetauscher<br />

geliefert werden könnte. Unter Berücksichtigung<br />

der Jahresarbeitszahl einer Abwasserwärmepumpe stehen<br />

dann entsprechend größere Wärmemengen zur Beheizung<br />

der umliegenden Bebauung zur Verfügung. Alternativ<br />

kann damit auch die Beheizung der Betriebsgebäude und<br />

des Faulbehälters auf der Kläranlage selbst unterstützt<br />

werden [3, S. 100].<br />

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für ein sogenanntes<br />

Dorfcenter mit Bankfiliale, Arztpraxis, Büros, Bäckerei,<br />

Wohnungen und Dorfladen wurde der Einsatz der<br />

Abwasserwärmenutzung untersucht und mit den Verantwortlichen<br />

auf Seite der Abwasserwerke abgestimmt. Die<br />

politischen Gremien hatten in der Folge ihre Zustimmung<br />

unter der Voraussetzung von entsprechenden vertraglichen<br />

Regelungen signalisiert. In Bild 3 ist das Dorfcenter mit<br />

96 01-02 | 2014


ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />

dem geplanten Wärmetauscherabschnitt im öffentlichen<br />

Kanal schematisch dargestellt.<br />

Die erforderliche Wärmetauscherlänge in der vorhandenen<br />

Kanalhaltung (DN 600) lag bei rund 60 m. Der zur Verfügung<br />

stehende minimale Trockenwetterdurchfluss reicht<br />

grundsätzlich am Standort des Dorfcenters aus um die<br />

notwendige Wärmeenergie zur Beheizung der Gebäude<br />

sicher zu stellen. Das Dorfcenter sollte insgesamt mit Hilfe<br />

einer mittig in einem Technikraum platzierten Heiztechnik<br />

versorgt werden. Die Wärmeenergie sollte dabei über<br />

einen Speicher gepuffert werden.<br />

Unabhängig von der einzuholenden Zustimmung der<br />

politischen Gremien zur Abwasserwärmenutzung hatte<br />

der Bauherr inzwischen das Projekt unter dem am Bau<br />

üblichen Zeitdruck vorangetrieben, so dass hinsichtlich<br />

der fristgerechten Inbetriebnahme der Heizung schnellsten<br />

vertragliche Regelungen zur Abwasserwärmenutzung<br />

aufzubereiten waren. Die zu beachtenden vertraglichen<br />

Regelungen orientierten sich an den wesentlichen Zusammenhängen,<br />

die nachfolgend als Praxishilfen zusammengestellt<br />

werden.<br />

VIER VERTRAGSVARIANTEN<br />

Dabei können grundsätzlich vier vertragliche Gestaltungsrahmenbedingungen<br />

unterschieden werden. Diese vier Varianten<br />

sind abhängig von den mitwirkenden Akteuren und werden<br />

zunächst mit Hilfe von Bild 4 veranschaulicht [1, S. 25].<br />

Stellt der Kanalbetreiber lediglich den Zugang zum Kanal<br />

zur Verfügung, kommen die Varianten a, c und die Variante<br />

d in Frage. Soll ein Wärme-Contracting umgesetzt<br />

werden (Variante a, b und c), wird die Wärmeenergie<br />

durch einen Contractor dem Gebäudeeigentümer zur<br />

Verfügung gestellt. Der Contractor erstellt, finanziert,<br />

betreibt und unterhält dabei die Abwasserwärmeanlage.<br />

Vertraglich werden die Grundlagen, die Modalitäten<br />

der Energielieferung, die Verantwortlichkeitsgrenzen,<br />

die Vertragslaufzeit sowie die Vergütung zwischen den<br />

beteiligten Parteien geregelt.<br />

Variante a und c kommen in Betracht, wenn ein separater<br />

Wärme- und Energieversorger als Contractor auftritt. Der<br />

Kanalbetreiber ermöglicht lediglich mittels Kanalbenutzungsvertrag<br />

den Zugang zum Abwasser und somit zur<br />

Wärmequelle.<br />

Bei Variante b ist der Kanalbetreiber gleichzeitig der<br />

Contractor. Hier wird das Contracting-Verhältnis direkt<br />

zwischen dem Eigentümer und dem Kanalbetreiber<br />

geschlossen. Der Kanalbetreiber erstellt, betreibt und<br />

unterhält die Abwasserwärmeanlage.<br />

Bei Variante d gewährt dagegen der Kanalbetreiber über<br />

einen Kanalnutzungsvertrag lediglich die Nutzung der<br />

Kanalisation. Die Abwasserwärmenutzungsanlage erstellt,<br />

betreibt und unterhält der Immobilieneigentümer bzw.<br />

Energienutzer selbst. Bei dieser Vertragskonstellation<br />

sind beispielsweise der Einbau des Wärmetauschers, der<br />

Zugang zum Kanal, die Unterhaltung des Wärmetauschers,<br />

die Folgekosten und die Risiken- sowie Haftungsfragen<br />

zu regeln.<br />

Bild 3: Geplante Abwasserwärmenutzung bei einem Dorfcenter<br />

(Quelle: RS-Plan AG, Bad Kreuznach)<br />

a)<br />

b)<br />

c)<br />

d)<br />

Kanalbetreiber<br />

Kanalnutzungsvertrag<br />

Kanalbetreiber = Contractor<br />

Kanalbetreiber<br />

Kanalbetreiber<br />

Kanalnutzungsvertrag<br />

Contractor<br />

Contractingvertrag<br />

Contractor<br />

Kanalnutzungsvertrag<br />

Bild 4: Vertragsmodelle zur Abwasserwärmenutzung<br />

Contracting-<br />

Nehmer/Eigentümer<br />

Contracting-<br />

Nehmer/Eigentümer<br />

Contractingvertrag<br />

Mietvertrag<br />

Bei den vertraglichen Regelungen zwischen dem Kanalbetreiber<br />

und dem Contractor bzw. dem privaten Bauherren<br />

oder Immobilieneigentümer sollte folgendes beachtet<br />

werden [1, S. 27-28]:<br />

»»<br />

Mindestabwassermenge<br />

»»<br />

zulässige Abkühlung des Abwassers in °Kelvin<br />

»»<br />

Wärmetauscher darf Kanalfunktion nicht beeinträchtigen<br />

»»<br />

Zuständigkeiten für Einbau, Kontrolle und Wartung sind<br />

festzulegen<br />

»»<br />

Sicherheits- und Schutzmaßnahmen<br />

»»<br />

Besitzverhältnisse (Kanal und Wärmetauscher)<br />

»»<br />

Schadens- und Haftungsregelungen<br />

Energienutzer<br />

Mietvertrag<br />

Energienutzer<br />

Eigentümer/<br />

Energienutzer<br />

Contractingvertrag<br />

Eigentümer/<br />

Energienutzer<br />

01-02 | 2014 97


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />

»»<br />

Rückbau des Wärmetauschers durch Contractor/<br />

Immobilieneigentümer<br />

»»<br />

Definition des zur Verfügung gestellten Kanalabschnitts<br />

»»<br />

Zugang zum Kanal für Contractor/Immobilieneigentümer<br />

»»<br />

Aufwandsübernahme durch Contractor/Immobilieneigentümer<br />

für Betrieb und Unterhaltung<br />

»»<br />

Entschädigungsansprüche an Kanalbetreiber, wenn Kanal<br />

außer Betrieb geht oder Funktionsweise geändert wird<br />

»»<br />

Regelungen zur Übertragung der Vereinbarung an Dritte<br />

bei Eigentums- und Nutzerwechsel<br />

»»<br />

Haftungsausschluss des Kanalbetreibers für Abwasserzusammensetzung<br />

und Kanalreinigung<br />

»»<br />

Überwachung der Einbauarbeiten durch Kanalbetreiber<br />

»»<br />

Materialfestlegungen für Kanaleinbauteile<br />

»»<br />

Nachträglicher Einbau von Kanalhausanschlüssen muss<br />

möglich sein<br />

»»<br />

Laufzeit der Vereinbarung<br />

Das Wärme-Contracting findet bisher im öffentlichen und<br />

privaten Bereich bereits Anwendung und ist daher auf die<br />

Abwasserwärmenutzung übertragbar. Folgende Anwendungsbereiche<br />

im Immobiliensektor können für das Abwasserwärme-Contracting<br />

aufgezählt werden: [1, S. 28]<br />

öffentliche Immobilien:<br />

- Schulen, Kindergärten<br />

- Rathäuser, Verwaltungen<br />

- Schwimmbäder<br />

- Krankenhäuser<br />

- Kirchen, Pfarrhäuser, Verwaltungen<br />

private Immobilien:<br />

- produzierende Betriebe<br />

- Banken, Dienstleister, Büros<br />

- Ausstellungshallen<br />

- Technologieparks<br />

- Einkaufzentren, Fachmarktzentren<br />

- Logistikhallen<br />

Mit den oben genannten, zu regelnden Vertragsinhalten kann<br />

ein gegenseitiger Ausgleich von Risiken geschaffen werden.<br />

Dieser Ausgleich wird in Bild 5 verdeutlicht. Demnach übergeben<br />

der Nutzer sowie der Anbieter verschiedene Risiken an<br />

den anderen Vertragspartner. Dabei wird dem Anbieter des<br />

Wärme-Contractings ein Gewinn und dem Wärmeenergienutzer<br />

eine kalkulierbare Energiekostengrundlage geboten<br />

[1, S. 26].<br />

Im Falle des geplanten und inzwischen sich im Bau befindlichen<br />

Dorfcenters kamen die notwendigen Projektschritte zu den<br />

vertraglichen Regelungen etwas zu spät, so dass letztlich die<br />

termingerechte Umsetzung nicht gewährleistet werden konnte.<br />

Als Ersatz kam eine Luftwärmepumpentechnik zum Einsatz.<br />

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass die Abwasserwärmenutzung<br />

an vielen Immobilienstandorten nutzbar und wirtschaftlich<br />

darstellbar ist sowie vom Abwasserbeseitigungsträger<br />

unterstützt wird. Jedoch sind bereits zu Beginn der<br />

Projektentwicklung und der frühen Planungsphase neben<br />

den technischen Randbedingungen auch die vertraglichen<br />

Anbieter:<br />

- Kostenrisiko<br />

- Planungsrisiko<br />

- Finanzierungsrisiko<br />

- Betriebsrisiko<br />

Regelungen zu organisieren und zum Abschluss zu bringen,<br />

damit die Abwasserwärme bei konkreten und unter Zeitdruck<br />

stehenden Projekten auch tatsächlich zum Einsatz kommt.<br />

Im Falle des aufgeführten Dorfcenters wurde nach Bild 4 die<br />

Variante d favorisiert und konzeptionell bearbeitet.<br />

Bei der zukunftsfähigen Stadtentwicklung müssen alle Beteiligten<br />

rechtzeitig zusammenwirken. Beispielsweise sollten die<br />

Architekten, Ingenieure für Gebäudetechnik, Ingenieure für<br />

Siedlungswasserwirtschaft, Hersteller für Wärmetauscher,<br />

Abwasserbeseitigungsträger und die kommunale Politik rechtzeitig<br />

die Nutzung von Abwasserwärme prüfen und solche<br />

innovativen Lösungen gemeinsam vorantreiben. Dann können<br />

zukünftig viele Projekte zum Einbau von Wärmetauschern im<br />

Kanalnetz führen und die Ressource Abwasserwärme erfolgreich<br />

genutzt werden.<br />

LITERATUR<br />

[1] Achim Hamann, Nachhaltige Immobilienwirtschaft am Beispiel<br />

der Abwasserwärmenutzung - Technische Grundlagen,<br />

Sachstand in Deutschland und wirtschaftliche Vergleiche unter<br />

Berücksichtigung der Anforderungen des EEWärmeG‘s und der<br />

EnEV, Oldenbourg Industrieverlag München, 2012<br />

[2] Umweltbundesamt, Entwicklungen der spezifischen Kohlendioxid-<br />

Emissionen des deutschen Strommix in den Jahren 1990 bis 2012,<br />

07/2013<br />

[3] Achim Hamann, Abwasserreinigung: Umweltrechtliche und<br />

verfahrenstechnische Betrachtungen - Praxishilfen zur Anwendung<br />

wasserrechtlicher Vorschriften und zur verfahrenstechnischen<br />

Optimierung einer Kaskadendenitrifikation, Oldenbourg<br />

Industrieverlag München, 2011<br />

Nutzer:<br />

Bild 5: Risikoausgleich beim Wärme-Contracting<br />

Dipl.-Ing. M.Sc. ACHIM HAMANN<br />

RS-Plan AG, Bad Kreuznach<br />

Tel. +49 671 483386-39<br />

- Re-Finanzierungsrisiko<br />

- Primärenergieträger-<br />

Preisrisiko<br />

E-Mail: achim.hamann@rs-plan.com<br />

AUTOR<br />

98 01-02 | 2014


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99<br />

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✘<br />

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FACHBERICHT ABWASSERTECHNIK<br />

Erfahrungen mit dem Beton-<br />

Kunststoff-Verbundrohr Perfect Pipe<br />

Seit 2013 liefert Beton Müller mit Hauptsitz in Achern, Baden-Württemberg, Beton-Kunststoff-Verbundrohre für<br />

Abwasser-Rohrleitungsbauten. Dieser Fachbericht beschreibt Erfahrungen aus den Phasen der Produktentwicklung, der<br />

bautechnischen Zulassung und des Einbaus dieses neuen Rohres mit der Bezeichnung Perfect Pipe.<br />

KONZEPTÜBERLEGUNG<br />

Die dieser Produktentwicklung vorangestellte Zielsetzung<br />

basierte auf drei Grundüberlegungen: Erstens sollte für<br />

den weltweit aber insbesondere in Europa hoch kompetitiven<br />

Rohrleitungsmarkt ein Abwasserrohr geschaffen<br />

werden, das technische Grenzen bestehender Rohrsysteme<br />

überwindet und dabei auch Vorteile in einer kritischen<br />

Kosten-Nutzen-Betrachtung bietet. Unter dem Schlagwort<br />

der „Verbindung des Besten aus zwei Welten“ sollte die<br />

Korrosionsbeständigkeit von Kunststoffen genutzt und<br />

mit der Langzeitstabilität biegesteifer Werkstoffe verbunden<br />

werden. Als Schwächen oder technische Grenzen<br />

bestehender Rohre wurden dabei zum Beispiel die<br />

eingeschränkte Säurebeständigkeit von Betonrohren, die<br />

kritischen Einbau-Eigenschaften von keramischen Rohren,<br />

die ökologisch problematische Nutzung vielschichtig<br />

aufgebauter Rohre oder die statisch eingeschränkten<br />

Eigenschaften und die Problematik der mangelnden<br />

Sanierbarkeit biegeweicher Rohre im Allgemeinen erkannt<br />

und in der Festlegung der geforderten Eigenschaften des<br />

Neuproduktes beachtet.<br />

Bild 1: Ergebnis einer mehrjährigen<br />

fachbereichs-, unternehmens- und<br />

länderübergreifenden Entwicklung<br />

- Das Beton-Kunststoff-Verbundrohr<br />

Perfect Pipe<br />

Bild 2: Bestimmung der Rohr-Geometrie mittels<br />

FE-Berechnungen<br />

Die zweite Grundüberlegung zielte auf die Optimierung<br />

des Materialverbrauchs der auf fossilen Rohstoffen basierenden<br />

Kunststoff-Auskleidung des Verbundrohres. Bereits<br />

in der frühen Konzeptphase wurde ersichtlich, dass als<br />

Auskleidung kein bestehendes Kunststoffrohr verwendet<br />

werden würde, da dies in jeder Kosten-Nutzen-Betrachtung<br />

im Vergleich mit marktgängigen Systemen zu einer<br />

Fehlentwicklung führen müsste. Vielmehr sollte aus einem<br />

geeigneten Werkstoff eine folienartige Innenauskleidung<br />

für ein biegesteifes Rohr gefunden werden, die mit dem<br />

umgebenden, statisch eindeutig definierten Tragwerk eine<br />

feste Verbindung eingehen müsste. Bei der Auswahl des<br />

Tragwerks oder Außenrohres sollten ebenso Optimierungsaspekte<br />

in der Werkstoff-Auswahl berücksichtigt werden.<br />

Die Wirtschaftlichkeit im nichtbegehbaren Nennweiten-<br />

Segment stellte bereits in der frühen Entwicklungsphase<br />

einen Hygienefaktor in wesentlichen Richtungsentscheidungen<br />

dar. In einem Vollwand-Kunststoffrohr DN 500 mit<br />

einer Wandstärke von 28 mm werden per Laufmeter rund<br />

46,5 Liter Kunststoff eingesetzt. Ziel der Entwicklung von<br />

Produkt und entsprechender Produktionstechnik sollte es<br />

sein, den Polymer-Material-Einsatz im<br />

Nennweitenbereich 1 von DN 250 bis<br />

DN 600 zumindest um den Faktor 10<br />

zu reduzieren.<br />

Eine weitere wesentliche, dritte Überlegung<br />

befasste sich mit der Problematik,<br />

wie ein durchgängiger Korrosionsschutz<br />

bei gleichzeitiger Anwenderfreundlichkeit<br />

des Produktes zu realisieren sei.<br />

Dabei sollten ergonomische Aspekte<br />

beginnend bei der Fertigung der Rohre<br />

ebenso berücksichtigt werden, wie bei<br />

Einbau und Wartung. Wenn etwa die<br />

Anwendung von Harzen im Bereich der<br />

Sanierung bereits immer häufiger als<br />

potenziell gesundheitsbeeinträchtigend<br />

für die damit befassten Arbeiter erkannt<br />

wird, dann sollten derartige Verfahren<br />

auch in der Fertigung von Massenprodukten<br />

wie Abwasserrohren tunlichst<br />

vermieden werden. Ähnliches gilt für<br />

die Einbausituation von Rohrleitungen.<br />

Wenn ein Einbau mit richtlinienkonformer<br />

Herstellung von Bettung, Verfüllung<br />

100 01-02 | 2014


ABWASSERTECHNIK FACHBERICHT<br />

der Leitungszone oder Herstellung einer<br />

Kunststoff-Schweißung für einen Arbeiter<br />

in der Baustellenpraxis nahe unmöglich<br />

ist – Stichworte Zwickelverfüllung<br />

oder Schweißung in normgemäß nicht<br />

begehbaren Nennweiten – dann ist mit<br />

einer mängelfreien Herstellung von<br />

durchgängigen korrosionsgeschützten<br />

Leitungen nicht zu rechnen. Weitere<br />

praktische Anforderungen wie die<br />

sofortige oder nachträgliche Einbindung<br />

von Seitenzuläufen oder wie die<br />

einfache Anbindung an Schachtbauten<br />

sowie die Inspektionsfreundlichkeit und<br />

unbedenkliche Recyclierbarkeit nach<br />

Ende der Nutzungsdauer entsprechend<br />

den Technischen Regeln der Mitteilung<br />

der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall<br />

(LAGA - Verwertungsklasse Z1.1 oder max. Z1.2) rundeten<br />

das Anforderungsspektrum an dieses Neuprodukt ab.<br />

Hinter all diesen Überlegungen zu einem neuen, dauerhaften<br />

Abwasserrohr stand für Schlüsselbauer von Beginn<br />

an die Frage, welche Auswirkungen Festlegungen auf Produktebene<br />

auf eine Fertigungstechnologie zur Herstellung<br />

ebendieser Produkte haben würden. Es wurde rasch klar,<br />

dass neben der eigenen Kernkompetenz im Bereich der<br />

Anlagenentwicklung für die Herstellung von Betonfertigteilen<br />

weitere Expertisen in der Neuproduktentwicklung<br />

benötigt werden würden. Nachdem die Grundsatzfrage<br />

nach einem statisch belastbaren und über die geforderte<br />

Nutzungsdauer nahezu unveränderlichen Außenrohr<br />

unter Beachtung bekannter Alternativen früh zugunsten<br />

von Beton beantwortet war, wurden unter Einbindung namhafter<br />

Entwicklungspartner mit Hilfe von FE-Berechnungen<br />

mehrere Rohrgeometrien geprüft und die für den Einsatz<br />

im offenen Graben am besten geeigneten Rohrquerschnitte<br />

definiert. Wenngleich zu Beginn alle Geometrien als<br />

Betonrohr berechnet wurden, machte die beabsichtigte<br />

Anwendung bei kritischen Einbaubedingungen – Stichwort<br />

Dammlage – sowie als Schwerlastrohr auch im Infrastrukturbau<br />

(Straßen-, Bahn- und Rollfeldbau) eine Auslegung<br />

als Stahlbetonrohr freilich unverzichtbar.<br />

Einen weiteren Einfluss auf die Bestimmung des statisch<br />

tragenden Betonrohrs und seine Herstellung sollte die Frage<br />

nach der idealen Innenauskleidung haben. Gemeinsam mit<br />

einem weiteren Entwicklungspartner, der AGRU Kunststofftechnik<br />

GmbH, einem weltweit führenden Anbieter<br />

von Betonschutzplatten, wurde an einer Folie geforscht,<br />

die bei geringstmöglicher Wandstärke eine feste Verbindung<br />

mit den Außenrohr eingehen sollte. Unter Abwägung<br />

anwenderseitig gewünschter Eigenschaften und herstellungs-<br />

bzw. verarbeitungsspezifischer Anforderungen fiel die<br />

Materialwahl auf den Werkstoff Polyethylen. Als Ergebnis<br />

einer rund 18-monatigen Entwicklungsphase konnte die<br />

verbrauchsoptimierte Ausführung einer Linerbahn aus HDPE<br />

mit rückseitigen Ankern zur Einbettung in Beton eine Wandstärke<br />

von lediglich 1,65 mm aufweisen. Um allerdings eine<br />

Bild 3: Entwicklungs-Etappenziel Korrosionsschutz:<br />

Dünnwandiger Liner für optimierten Rohstoff-Einsatz<br />

und sichere Verankerung im Beton<br />

Bild 4: Prüfung der<br />

Hochdruckspülbeständigkeit am IKT<br />

Gelsenkirchen<br />

vollständige Einbindung der rückseitigen Verankerung im<br />

Beton zu gewährleisten, wurde die Verwendung von leichtoder<br />

selbstverdichtendem Beton in zahlreichen Versuchen<br />

als zweckmäßig erkannt.<br />

AUF HERZ UND NIEREN GEPRÜFT - UND<br />

BESTANDEN<br />

Nach einer sehr intensiven Versuchsphase mit Fertigung<br />

erster Prototypen im Zeitraum 2010 - 2011, wurde 2012<br />

die Fertigung von Musterrohren und Prüflingen aus der<br />

Labor-Situation bei Schlüsselbauer in ein Betonfertigteilwerk<br />

in Baden-Württemberg, Deutschland übersiedelt. Im<br />

Betonwerk der Müller GmbH & Co. KG in der Nähe von<br />

Freiburg wurde die weltweit erste Anlage zur Serienfertigung<br />

des neuen Beton-Kunststoff-Verbundrohres installiert.<br />

Mit den hier gefertigten Rohren wurden erste Zulassungen<br />

beantragt und zwischenzeitlich sowohl von der PÜZ BAU<br />

GmbH als auch vom Deutschen Institut für Bautechnik DIBt<br />

erteilt. Darüber hinaus wurde dem Betonwer