05/14 Made in Europe

dasbibermitscharf

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

www.dasbiber.at

mit scharf

MAI

2014

kost soviel

du willst

Magazin für neue Österreicherinnen

+ SLAVA

+ GASTARBAJTERI

+ SMART DRUGS

MADE IN

EUROPE

BIBER MACHT

EUROPA FESCH


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0800/20 21 22

oder www.bfi-wien.at


3min mit DELNA ANTIA

3‘

„DU KANNST AUCH IM

BADEMANTEL KOMMEN.“

Biber lädt dich am 22. Mai zu einer einzigartigen Fashion-Show „made in Europe

ein. Warum Europa für uns mehr als gekrümmte Gurken bedeutet, erklärt

biber-Vizechefi n und Style-Expertin Delna Antia.

Marko Mestrović

biber: Delna, was haben die EU-Wahlen mit einem

Fashion-Event zu tun?

DELNA ANTIA: Wir möchten zeigen wie cool,

fesch und kreativ Europa ist. Die Debatten über

die Glühbirne und gekrümmten Gurken durch das

„böse“ Brüssel sind ja auch wichtig. Aber bei aller

Kritik wird vergessen, wie schön Europa tagtäglich

ist. Wir zeigen das am Beispiel der Fashion-Welt.

Und was macht ihr genau?

Wir bringen Designer aus ganz Europa nach Wien,

die am 22. Mai ihre Kollektion präsentieren. Als Zuckerl

wird es eine „Europa-Kollektion“ geben. Junge

Designer von Helsinki bis Belgrad kommen her, zeigen

Frauen- und Männermode.

Und, wenn „Mann“ kein Modekenner ist?

Völlig egal. Du musst nicht vorher die „Vogue“ gelesen

haben, um bei uns eine tolle Show genießen zu

können. Es ist gewollt keine Veranstaltung für die übliche

Fashion-Clique. Wir wollen Laufstegluft einem

breiten Publikum zugänglich machen. Dafür sorgt

auch die Location in der ehemaligen Ankerbrotfabrik

im 10. Bezirk - dem neuen Szene-Hotspot im Arbeiterbezirk

Favoriten.

Gibt es einen Dresscode?

Nein, du kannst auch gerne im Bademantel erscheinen.

Was bedeutet Europa für dich?

Als ich das erste Mal in den Staaten war, merkte ich:

Ich bin Europäerin. Hier schätzt man die Liebe zum

Detail– es geht nicht nur um XXLarge.

Wirst du am 25. Mai wählen?

Klar. Ich bin als Deutsche erstmals in Österreich

wahlberechtigt. Das ist ja auch das Tolle an Europa.

WANN:

22. Mai, 19 Uhr

WO:

Ehemalige

Anker-Expedithalle,

Puchsbaumgasse 1c,

1100 Wien

Eintritt ist gratis, aber

nur über Gästeliste.

Bitte anmelden unter:

fashioneurope@dasbiber.at

Begleitpersonen sind

herzlich willkommen.

Alles über die Show auf

Seite 16

Alles über die Designer

und ihre Kollektionen auf

Seite 62


4

INHALT

APRIL 2014

3_3 Minuten mit Style-Expertin und Biber-

Vize-Chefica Delna Antia

Prüfungsstress und Leistungsdruck

machen

vielen Studenten das

Leben schwer. Immer

mehr greifen zu sogenannten

„Smart Drugs“, um

ihr Gehirn zu dopen. Ein

biber-Redakteur wagt den

Selbsttest.

32

8_Faces of the month:

Die Muskelmänner vom Esterhazy-Park.

10_Ivanas Welt & Nikolinas Haar

Die Ungustl sind los.

POLITIKA

14_Get dressed for Europe: Alles über die

biber-Fashionshow am 22. Mai.

18_Wer ist Ihr EU-Typ?

Wir stellen euch die Spitzenkandidaten von

ÖVP, SPÖ, Grüne, NEOS, Europa anders

und den Rekos vor.

Viele Wiener

düsen auf ihren

drahtigen Eseln

durch die City.

Wir stellen euch

sechs Fahrradtypen

mit ihren

Geschossen vor.

36

22_Inschallah Graz

Haben die Muslimbrüder eine

Niederlassung in Graz? Wir haben uns auf

die Suche gemacht.

26_Interview in Zahlen

mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

RAMBAZAMBA

32_Kluge Drogen: Studenten greifen zu

illegalem Gehirn-Doping. Ein TU-Student

machte den gewagten Selbsttest. Er hat es

bereut.

36_Abgefahren: Die Biker sind los! Wir

stellen euch sechs klassische Radtypen

vor. Vom Racer bis zur Holländerin.

Hinter jeder

„Slava“ steckt eine

starke Mama.

Biber-Redakteurin

Alex musste

einspringen und

sieht jetzt, wie

viel Arbeit hinter

einem orthodoxen

Fest steckt.

42


5

42_Slava: Alex hat ein Problem: Slava-

Essen für 30 Personen steht an und selbst

Youtube-Videos helfen ihr nicht weiter.

Österreich feiert 50 Jahre Gastarbeiter-Anwerbeabkommen

mit der Türkei. Viele Gastarbeiter erinnern sich aber an

unbezahlte Überstunden und menschenunwürdige Bedingungen.

Ungehorsam wurde mit Abschiebung und Kündigung

bestraft.

50

Wir ziehen Europa

an. Diese Jungdesigner

sind alle

made in Europe

und stellen ihre

Kollektionen bei

der großen biber-

Fashionshow am

22. Mai vor.

62

46_Wohnbaustadtrat Michael Ludwig

über ein ghettofreies Wien, studentisches

Wohnen und günstige Mieten.

KARRIERE

50_Sei still und arbeite! Die harten

Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter.

56_BizNews: Jobcoaching zu gewinnen.

TECHNIK

58_Technik und Mobil: Adam Bezeczky

über Gameboys, Staubsauger und Internet-

Wolken.

LIFE & STYLE

61_Wiener Modemacher

62_Europas Feschmacher

Acht Jungdesigner aus ganz Europa

mischen die Modeszene auf.

68_Fejkbook: Heulsuse Christiano

Ronaldo

70_Die Leiden des jungen Todor:

Jeder Vierte schaut gerne Pornos!

Marko Mestrović, Jovana Mladenović, bereitgestellt

Cover: Julie Brass


6 EDITORIAL

Liebste Leser

und Innen,

Am 25. Mai wählt Österreich das EU-Parlament.

Wir haben deswegen mit sechs der

Spitzenkandidaten Interviews geführt, die ihr

auf www.dasbiber.at in voller Länge nachlesen

könnt. Ab S. 18 findet ihr eine Zusammenfassung

der Politgespräche. Vor allem das

Interview mit REKOS-Spitzenkandidat Ewald

Stadler schlug hohe Wellen. Selbst ZIB2-Moderator

Armin Wolf twitterte Stadlers radikale

Ansichten zur Missionierung der in Österreich

lebenden Moslems. Übrigens: An der Bekehrung

unserer zwei muslimischen Journalisten

ist er gescheitert.

Vor 50 Jahren hat Österreich ein Anwerbeabkommen

mit der Türkei geschlossen. Ehemalige

Gastarbeiter haben uns ihre traurigen

Geschichten über die ersten Jahre im Land

erzählt: Unbezahlte Überstunden, menschenunwürdige

Arbeiterquartiere und Erpressung.

Auch im Angebot : Studenten, die sich in der

Prüfungszeit mit „Smart Drugs“ dopen (S 32),

Sozialminister Hundstorfer in Zahlen (S 26),

die serbisch-orthodoxe Feier „Slava“, flotte

Biker auf Wiens Straßen (S 36) und die Muskelmänner

vom Esterhazy-Park.

Ab Mai könnt ihr uns in allen Wiener Bädern

finden. Viel Spaß beim Lesen und immer brav

einschmieren.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Museumsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

STV. CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia

ONLINE:

Amar Rajković

AKADEMIELEITUNG:

Marina Delcheva

KOLUMNIST/INNEN:

Ivana Martinović, Todor Ovtcharov

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Sarah Al-Hashimi, Melisa Aljović, Muhamed

Beganović, Adam Bezeczky, Milena Borovska, Ayper

Cetin, Amélie Chapalain, Amra Ducić, Ali Cem

Deniz, Nana Egger, Susanne Einzenberger, Menerva

Hammad, Tina Herzl, Markus Hollo, Mahir Jamal,

Lyudmila Gyurova, Sophie Kirchner, Maria Matthies,

Marko Mestrović, Ivana Martinović, Marie-Noel

Ntwa,Anastasia Osipova, Todor Ovtcharov, Jelena

Pantic, Michele Pauty, Marian Smetana, Vanessa

Spanbauer, Daniel Spreitzer, Alexandra Stanić,

Teoman Tiftik, Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LAYOUT: Dieter Auracher, Viktoria Platzer

LEKTORAT: Christina Gaal

ANZEIGEN: Teoman Tiftik, Adam Bezeczky

BUSINESS DEVELOPMENT: Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger, Simon Kravagna

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1, E-1.4, 1070

Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

INTERNET: www.dasbiber.at

Bussis,

die Redaktion

AUFLAGE: 65.000 Stück

11. I N T ER N ATIONALES

FESTIVAL FÜR KURZ-

FILM, ANIMATION

& MUSIKVIDEO

23. -- 29. MAI 2014

viennashorts.com


MIT SCHARF

7

DenkWER

soll etwas verändern,

wenn nicht

DU?

denk.uniqa.at


8 FACES OF THE MONTH


FACES OF THE MONTH

FACES OF THE MONTH

DREHT

EUCH MAL

UM, JUNGS!

Wenn du von Gott und Schweiß

geformte Männerkörper bewundern

magst, gehe zum Esterhazy-Park!

Die „Calisthenics“ posen dort mit

ihren Edelstahl-Bodies und versetzen

die Jungmütter vom Kinderspielplatz

in frühlingshafte Wallungen.

Von Adnan Muminović und

Susanne Einzenberger (Foto)

Neun Uhr morgens im Esterhazy Park. Junge

Mütter sehen ihren Kindern beim Rutschen und

Schaukeln zu. Aus den Boxen dröhnen fette Hip-

Hop-Beats. Ich bin verwundert. Von den Mamis

kommt die Musik nicht. Mein Blick wandert weiter

und ich fühl mich kurz wie am „Venice muscle

beach“. Tätowierte, muskelbepackte Jungs in Jogginghosen

feuern sich gegenseitig an. Der Name

der Adonis-Versammlung: Calisthenics.

90KG, 4% FETTANTEIL

Dave aus New York erklärt mir die Philosophie:

„Die meisten von uns sind aus der Breakdance-

Szene. Und wenn man fünf bis sechsmal die Woche

gemeinsam trainiert, dann sieht man auch

fit aus.“ Fit ist untertrieben. Der Fitnesstrainer

Günther fügt hinzu:„Ohne Eiweiß wirds nix mit

dem breiten Kreuz, deswegen hauen wir beim Essen

ordentlich rein.“ Günther wiegt 90kg und hat

einen Körperfettanteil von nur vier Prozent. Vier

Prozent! Nach einem Blick auf mein Bäuchlein,

schaue ich den Profis lieber zu, bevor ich mich an

die Stangen traue. Aber die „human flag“ sieht geil

aus. Dafür muss man sich im 90 Grad Winkel an

einer Stange festhalten und durchstrecken. Wie

ich die schaffe ohne mir dabei in die Hose zu machen,

will ich wissen? Unter zwei Jahren Training

geht da nix – antworten die Jungs.

Calisthenics sind Amis, Franzosen, Ungarn, Ösis.

Mitmachen darf jeder, solange Chef Dave ihn

sympathisch findet – und die Anwärter keine

Fastfood-Junkies sind.

„Dann will ich mitmachen“, schreie ich euphorisch

heraus. Dave schmunzelt und tastet meine

Oberarme ab. „In zwei Jahren kannst du wiederkommen“.

Verdammt, zwei Jahre klingen hart, aber bis zur

Pension sollte ich den „human flag“ beherrschen

–und dann lieben mich die Damen im Pensionistenheim.

9


10 MIT SCHARF

Foto: Igor Min

WARUM SO GOSCHERT?

Sie erwischen dich wie aus heiterem Himmel. Die Goscherten

dieser Welt lauern an jeder Ecke. Jedes Mal nehme ich

mir vor auf Arschlochmodus zu schalten, bevor sie mich kalt

erwischen. Bis jetzt erfolglos, da zuerst die Schockstarre folgt,

bevor ich es schaffe die verbale Abreibung, die Spiegelung

ihres Verhaltens zu verteilen. Ja, scheint wohl meiner Natur

nicht zu entsprechen die Fresse aufzureißen und jede Möglichkeit

zu nutzen mein Gegenüber niederzumachen. Ungute

Konfrontationen mit Menschen wühlen mich auf, machen

mich unglücklich, weil ich nach dem Motto lebe “Sage nichts,

was du selbst nicht gesagt bekommen willst. Tue anderen

nichts, was dir nicht angetan werden soll.” Die Sprücheklopfer

hingegen scheinens echt nötig zu haben. Sie warten nur darauf

irgendwem einen dämlichen “coolen” Spruch reinzudrücken.

Jedes Mal zerbreche ich mir nach so einer Situation den

Kopf und frage mich, warum sie zum Teufel nicht freundlich

sein können und was wohl die Ursache für ihren gewissen Frustrationspegel

ist, dass sie ihre Sammlung an weit verbreiteten

Standardsprüchen auskramen und es an anderen Menschen

auslassen.

BEHÖRDEN-BELEIDIGUNG

Wer kennt das nicht? Den Behördengang, wo du um Auskunft

bittest und dir plötzlich der Sachbearbeiter völlig unvorbereitet

an den Kopf knallt “Kennans ned lesen?” Der Einkauf im Supermarkt,

wo du an der Fleischtheke stehst, die Person vor dir

übersiehst und sie dich anfaucht “Wo samma do? Am Bazar

oder wos? Kannst di net anstellen?”

Die extra Harten scheinen dann noch Sprüche wie andere

Leute Briefmarken zu sammeln, um auf die Zwangsbeglückung

ihrer Umwelt vorbereitet zu sein.

Letztens im Drogeriemarkt rempelte eine Mutter mit Kinderwagen

eine junge Frau an. Ein “Entschuldigung” hat nicht

gereicht. “Was heißt hier Tschuldigung, du Schlampe. Sagt sie

auch noch Tschuldigung. Geh, Augenarzt, oida?”

In mir kamen Aggressionen hoch. Auf der Zungenspitze lag ein

“Halt deine Scheißfresse!” Das hätte sie verstanden. Ein gutes

Zureden, wie “Warum reagieren Sie so aggressiv? Sie hat sich

doch entschuldigt!” nützt doch bei solch gewollten verbalen

Attacken nichts. Als ob man mit einer Wand redet, die nur darauf

wartet, dass du als nächstes Opfer gegen sie rennst. Was

hätte ich kassiert? Vielleicht ein “Hast du Problem, oida?“

Fühlen sie sich danach tatsächlich besser? Wie kann einem

ein negatives Gefühl gefallen oder zum Egopush verhelfen?

Wie muss einer ticken, der süchtig nach dieser Konfrontation

zu sein scheint oder sein Minderwertigkeitsgefühl zu mindern

versucht, indem er andere niedermacht? Ich verstehe es nicht

und bin froh darüber.

martinovic@dasbiber.at

IVANAS

WELT

In Ivanas WELT

berichtet biber-

Redakteurin

Ivana Martinović

über ihr daily life.

NIKOLINAS HAAR-WUNSCH

Von Nikolina Novkovic

Ein Mal postet Madonna ihre Achselhaare auf Instagram und die ganze

Welt empört sich über etwas übrig gebliebenes Winterfell. Es ist Zeit, den

Busch aus dem Schwitzkasten zu nehmen und ihn im Freibad zu präsentieren.

Ob Beine, Achseln oder Augenbrauen - es wird rasiert und gezupft. Seit

den frühen 90ern sind behaarte Körperstellen bei Frauen OUT. Eine unpassende

Hose vergessen die Leute schnell. Aber lasst euch mal im Sommer

mit einem Busch unter den Armen im Freibad blicken. Der „behaarte

Tarzan“-Ruf bleibt ewig, das kann ich euch versprechen.

Die meisten jungen Mädels unterwerfen sich dem gesellschaftlichen

Diktat und enthaaren ihre Körper. Es gibt aber noch starke Frauen, die

dagegen ankämpfen. So einen Fall hatten wir an unserem Gymnasium. Die

freundliche Biologie-Professorin war eine überaus hübsche Dame - blonde,

kurze Locken und rote Lippen. Sie glich einer in die Jahre gekommenen

Marilyn Monroe. Jedenfalls bis auf ihren dunklen Busch unter den Armen.

Aber eines muss ich unserer lieber Frau Professor lassen: Sie trug ihre

Behaarung mit Würde! Niemand sonst fuhr sich im Sommer öfter durch die

Haare, um ihre Pracht zu präsentieren. Rein biologisch betrachtet dienen

Achselhaare zur besseren Verteilung von Pheromonen, die uns bekanntlich

sexuell anziehend machen. Das war vielleicht auch der Plan unserer

geschiedenen Professorin.

HAARIGE VENUS

Seien wir uns ehrlich Mädels, rasieren nervt! Hatten es Frauen vor unserer

Zeit nicht viel einfacher? Einfach abduschen, abtrocknen und die Dauerwelle

zurechtzupfen. Pinzetten und Rasierer waren im Badezimmerschrank

fehl am Platz. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehöre leider zu

den Chaotinnen, die gerne mal etwas in Sachen Hygieneartikel zu besorgen

vergisst. Neulich musste ich gute drei Wochen ohne Wattepads auskommen,

weil ich schlicht und einfach jedes Mal im Supermarkt darauf vergessen

habe. Mit Klopapier abschminken ist die eine Sache, aber das 20ste

Mal mit einem Einwegrasierer über die Haut „gleiten“ eine andere.

Blöder Gruppenzwang - Nikolina geht ihrem Achselbusch an die Gurgel.

Und weshalb der ganze Ärger? Weil unsere blöde Gesellschaft vorschreibt,

dass wir Frauen immer glatte Achseln und Beine haben müssen. Den Nutzen

daraus zieht die Gillette-Company und macht aus unserer Eitelkeit das

große Geld. Stolze 15 Euro kostet ein halbwegs brauchbarer Rasierer für

Frauen. Ja genau, dieser „I’m your Venus, I’m your fire…“-Rasierer. Und

wir kaufen den Schrott auch noch. Aber für das erste „Haar-Monster“ im

Freibad bin ich dann doch zu feig. Blöder Gruppenzwang!

novkovic@dasbiber.at

Marko Mestrović


www.integrationsfussball.at

11

Foto: Michael Plackner

Ein Gewinn für

die Integration!

Völkerball. Bei der Casinos Austria Integrationsfußball

WM

treten in Österreich lebende Menschen aus aller Damen und

Herren Länder in einen freundschaftlichen Wettstreit. Am Ende

steht nicht nur ein Weltmeister, sondern vor allem die Erkenntnis,

, dass Fußball die Menschen verbindet. Deshalb ist Casinos

Austria stolzer Partner dieser Völker verbindenden WM.

Start der Turnierserie am Sonntag, 8. Juni 2014, am Wiener

Sportcenter Donaucity. Der Eintritt ist frei.

Gut für Österreich.


12 MIT SCHARF

REAKTIONEN AUF BIBER

Deine Meinung ist wichtiger als unsere!

Schreib uns eine E-Mail an: redaktion@dasbiber.at

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

Magazin für neue Österreicher

„Liebes“ biber-Team,

bei eurer letzten Ausgabe, wo Erdogan und die Türkei im

Mittelpunkt stehen, ist mir eins aufgefallen. Ich habe sofort

gesehen was für ein Bild ihr, also die biber-Redaktion, schaffen

wollt. Die Gülen-Anhänger als die Elite dastehen lassen

und die Erdogan-Anhänger als arme Bauern, die nichts wissen.

Ist es nicht fad geworden dieses falsche Klischee aufrecht zu erhalten? Zuerst

waren die Kemalisten die Elite, und jetzt sind es die Gülen-Anhänger?

Ich meine, bei jedem Gülen-Befürworter fügt ihr unter seinem Bild hinzu

„Akademiker“. Komisch, dass fast alle Gülen-Anhänger, welche ihr

befragt habt, Akademiker sind. Bei den Erdogan-Anhängern steht (wieso

sollte es auch anders sein) genau das Gegenteil, wie Bäcker, Arbeitsloser

oder sonst was. Aber kein einziger Akademiker dabei. Kann sein, dass die

Gülen-Anhänger, die IHR befragt habt tatsächlich Akademiker sind, jedoch

sieht man gleich, dass ihr bewusst als Gülen-Befürworter Akademiker aufgesucht

habt, und um Erdogan-Anhänger zu finden, seid ihr einfach zum

Brunnenmarkt gegangen.

Ich bin zwar kein fleischgewordener Anhänger Erdogans, er hat auch seine

Fehler, aber nur zur Info, wenn du die Türkei regieren willst, musst du stark

sein, sonst bist du schnell weg vom Fenster. Die Türken sind nicht wie die

Europäer. Ein Faymann oder eine Merkel hätten so ihre Schwierigkeiten die

Türkei zu regieren.

Als damals das kemalistische Militär gemeinsam mit der Kemalisten-Partei

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05. – 10. Mai 2014

WOCHE FÜR BERUF UND

WEITERBILDUNG OTTAKRING

08.05. Brunnenpassage, 17 – 20 Uhr

„Weiterkommen

im Beruf“ – waff

Infoveranstaltung:

Beratung zu Beruf,

Wiedereinstieg und

Weiterbildung

08.05. Yppenplatz, 15 – 19 Uhr

09.05. Yppenplatz, 15 – 19 Uhr

10.05. Yppenplatz, 09 – 13 Uhr

Infoshoppen am Brunnenmarkt

10.05. Brunnenpassage, 10.30 – 13 Uhr

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#ERDOGAN

DIE SPALTUNG DER AUSTRO-TÜRKEN

APRIL

2014

kost soviel

du willst

den islamisch konservativen Premier Erbakan weggeputscht

haben und Jahrzehnte lang der muslimischen Bevölkerung

in Anatolien und dem schwarzen Meer das Leben schwer

gemacht haben, hat es die Medien in Europa wenig interessiert.

Jetzt, wo einer von uns an der Macht ist, habt ihr nichts

besseres zu tun, als diesen als Tyrannen dastehen zu lassen.

Das gilt nicht nur für euch, das gilt für die Massenmedien

in Europa.

Nun, anscheinend sind doch nicht alle Erdogan-Sympathisanten

Bauern, oder wie man gerne in Österreich sagt

„Schafe“. Nein, „Schafe“ sind Leute, die dem Mainstream

verfallen sind, Schafe sind Leute, die jeden Blödsinn der

Massenmedien schlucken, Schafe sind Leute, die auf solche billigen und

amateurhaften Tricks reinfallen. Manche Menschen können auch zwischen

den Zeilen lesen. Das was ihr da macht nennt man Brainwashing.

Sabri

Hallo liebe Redaktion!

Ich bin keine Anhängerin Erdogans oder Gülens. Ich bin selber eine Türkin,

ich würde ohne nachzudenken meine Arme für mein Land und meine

Religion ins Feuer legen.

Es ist schrecklich, wie die Leute unseren Präsidenten groß darstellen, weil

er sich für den Islam einsetzt. Er ist kein bisschen religiös. Wisst ihr warum?

Von einem religiösen Menschen kriegt man nie zu hören wo und mit

wem er in der Moschee beten war. Aber ich höre jeden Freitag in den Nachrichten

wo und mit wem er gebetet hat. Wenn die Menschen das hören,

sagen sie gleich „Gott soll dich schützen, du großer Mensch“. Die Religion

ist sein Schutzschild. Indem er die Religion mit in die Politik einbezieht,

kriegt er seine Anhänger, weil wir eben ein Land sind, in dem die Religion

an erster Stelle steht. Ich liebe meine Religion und ich würde sie NIE, wirklich

nie in die Politik miteinbeziehen. Es gehört sich einfach nicht. Religion

muss am saubersten Ort, nämlich im Herzen praktiziert werden und Politik

im Gehirn.

Immer wenn ich Erdogan-Anhänger frag „Was macht er, dass er für dich so

viel bedeutet?“, krieg ich wirklich immer diese Antwort darauf „Er hat Straßen

gebaut. Welcher Präsident schaffte es je ins Meer einen Tunnel zu bauen?“

Danke, er hat etwas Tolles gemacht. Hätte er es nicht gemacht, würde

es ein anderer Präsident machen. Wisst ihr was in der Türkei viel wichtiger

ist zu ändern, als der Bau der Straßen? Die Bildung der Menschen. 80 Mio.

Menschen und 40 Mio. davon leben noch ungebildet wie Stroh, haben keine

Arbeit, kein Wissen. Sie leben und warten auf den Tod. Je ungebildeter,

desto länger gibt es Erdogan...

Kommen wir zum Herrn Gülen. Ich war schockiert, als ich in eurer Ausgabe

gesehen habe, dass ihn so viele Menschen unterstützen. Er hat auf

der ganzen Welt Gebäude, Schulen, Schülerheime gebaut. Wie schafft ein

einfacher Imam diese ganzen Gebäude zu bauen? Mit unseren Spenden!

Wir glauben, dass das Geld zu den armen Menschen kommt, dass diese

Menschen ein warmes Haus und warmes Essen bekommen. Aber nein!!!

Mit dem Geld baut Gülen... Gibt es eine andere Möglichkeit? Wie kann es

sein, dass ein türkischer Imam Gebäude in Wien hat? Man muss nur logisch

nachdenken, dann kommt man auf die wahre Antwort.

Unsere Menschen sind wirklich wie Schafe. Einer sagt Allahu Ekber, der

Rest rennt ihm nach.... Egal ob vorgespielt oder nicht. Diese Leute wissen

wie man Muslimen, Türken an die Adern kommt...

Ganz Liebe Grüße

Aslihan Akgül


13

Foto von Niko Havranek

„I MOG DI EUROPÄISCHE SUN“

POLITIKA


MIT SCHARF

GET

DRESSED

FOR

Europa ist schöner als viele denken. Drei Tage vor

den Wahlen zum EU-Parlament macht biber Europa

fesch und lädt zur Fashion-Show „made in Europe“.

Wir lassen Jung-Designer aus Serbien bis Finnland

einfliegen und präsentieren eine exklusive Europakollektion.

Du bist eingeladen.

EUROPE


15

„Hast du einen Opa, schick ihn nach

Europa!“, lästert es sich im Zuge der EU-

Wahlen gern. Brüssel stellt man sich sakkograu,

männlich und über 50 vor. Wir

möchten weder lästern, noch haben wir

etwas gegen Opas. Aber wir wollen Europa

einen anderen Look verpassen und

zeigen, wie jung, cool und sexy es doch ist.

Drum schicken wir niemanden weg, sondern

holen her: Acht junge Modedesigner

aus ganz Europa fliegt biber drei Tage vor

den Wahlen ein, damit sie ihre Modedesigns

präsentieren – und ihre Ideen. Als

Highlight wird eine exklusive „Europa-

Kollektion“ vorgeführt. Danach lädt biber,

eh kloar, zur Party und macht Wählen damit

wiedermal besonders scharf.

Für das Casting der Designer waren wir

auf bulgarischen Modeplattformen unterwegs,

standen mit Berliner Fashion-

Netzwerken und türkischen Youngstars in

Kontakt. Die Auswahl der Finalisten war

hart aber fair. Sie kommen aus Helsikini,

Paris, Ljubljana, Bratislava und Wien –

ihre Wurzeln reichen nach Rumänien, Polen,

Spanien, die USA und in die Schweiz.

(Alle DesignerInnen auf Seite 62) Für den

Show-Flyer haben wir die Original-EU-

Fahne der europäischen Kommission organisiert

und testhalber die ganze Redaktion

darin eingewickelt.

„Get dressed for Europe!“ Dazu laden wir

dich ein. Wohin? In keinen geringeren

Wiener Gemeindebezirk als das berühmt

berüchtigte Favoriten – dem jüngsten

Szene-Hotspot der Stadt. Richtig gelesen,

im Arbeiterbezirk, wo sich einst weder

Hipster, noch Modefuzzis hintrauten,

bauen wir den Laufsteg für Europa auf:

Urban, authentisch, cool – in der Expedithalle

der ehemaligen Ankerbrotfabrik.

Wir machen Mode nicht für Wiens Fashionclique,

sondern für alle: Der Eintritt

ist frei und jeder, der Catwalk-Luft

schnuppern und im Namen Europas abfeiern

will, ist herzlich eingeladen. (Aber

anmelden nicht vergessen, Seite 16!)


16 POLITIKA

BIBER ZIEHT

EUROPA AN UND

MACHT FESCH

PARTY.

Fashion-Show & After-Party:

22. Mai, 19:00

Ehemalige Anker-Expedithalle,

Puchsbaumgasse 1c, 1100 Wien

Eintritt ist gratis, aber nur über Gästeliste

möglich. Deine Begleitpersonen sind

herzlich willkommen. Also melde dich an

unter: fashioneurope@dasbiber.at

Danke auch an unser super Shooting-Team: Fotos: Julie Brass /

Styling: Max Märzinger / MakeUp-Hair: Ina Ella Maurer /

Models: Mahir & Ema von Stellamodels

Richard Kühnel, Leiter der Vertretung

der Europäischen Kommission

in Österreich: „Ganz nach dem

Motto der EU ,In Vielfalt geeint‘

drückt sich auch in der Mode kulturelle

und kreative Diversität aus.

Das Magazin ,Biber‘ ist ein bemerkenswertes

Beispiel für die ethnische

und kulturelle Vielfalt in Österreich.

Diese Aspekte sind es, die mich überzeugten

das Projekt zu unterstützen.

Kleidung geht auf ganz grundlegende

Bedürfnisse des Menschen

ein, nämlich Wärme, Geborgenheit,

Sicherheit, Selbstverwirklichung und

Ästhetik! Und das sind – auf die Gesellschaft

übertragen – auch die Bedürfnisse

und Ziele unseres Projekts

der ,Europäischen Integration!‘“


POLITIKA

17

UNSERE FESCHEN PARTNER

Biber bedankt sich für die scharfe Unterstützung

bei den Kooperationspartnern!

Beim BMEIA – dem Bundesministerium für Europa, Integration und

Äußeres. „Äußeres“ wohl gemerkt, es geht ja um Mode. Sowie bei der

Stadt Wien, dem Bezirk Favoriten und bei der Vertretung der Europäischen

Kommission in Österreich, die uns für das Shooting sogar die

original EU-Flagge zur Verfügung gestellt hat. Wir bedanken uns bei

Loftcity für die Kooperation zur hippsten Location in ganz Wien: der

ehemaligen Anker-Expedithalle. Bei Coca Cola und Ottakringer, die mit

Bar, Lounge und Team anrücken, um unsere Gäste zu erfrischen. Sowie

Kent Bar, die mit Cocktails den Abend versüßen. Nebenbei versorgt

Anker unsere Models Backstage – ja, auch Models haben Hunger. Und

Charlyfresh grillt europäische Wraps und kreiert die ersten EU-Milkshakes.

Stellamodels sorgt für den nötigen Hüftschwung am Catwalk

und Limowien dafür, dass die VIPs per Express von der Innenstadt nach

Favoriten chauffiert werden. Nicht zuletzt: Hairless sorgt nicht für glatte

Modelbeine, sondern weichen Teppich im Backstage-Bereich.

In Kooperation mit:

EUROPAWAHL 2014

Eine Information des Bundesministeriums für Inneres

Wahltag ist der 25. Mai 2014

Wählen können Sie

im Wahllokal in der Gemeinde Ihres Hauptwohnsitzes;

mit Wahlkarte im Inland: Mit Ihrer Wahlkarte wählen Sie im Inland je nach Wunsch in einem

beliebigen Wahllokal in Österreich, vor einer „fliegenden Wahlbehörde“ (sie kommt zu Ihnen,

wenn Sie bettlägerig, geh- oder transportunfähig sind) oder – portofrei – mittels Briefwahl;

mit Wahlkarte im Ausland: Mit der Wahlkarte können Sie Ihre Stimme

per Briefwahl – portofrei – abgeben.

Neu bei der Briefwahl: Abgabe der Wahlkarte bei jeder

Bezirkswahlbehörde und in jedem Wahllokal am Wahltag möglich.

Hotline zur Europawahl 2014.

Bei Fragen zur Europawahl 2014 wenden Sie sich an die Hotline des

Bundesministeriums für Inneres: 0800-202220

(Montag bis Freitag 7.30 – 17.00 Uhr)

www.europawahl.bmi.gv.at

BM.I

BUNDESMINISTERIUM FÜR INNERES

bezahlte Anzeige


18 POLITIKA

WER IST

DEIN

TYP?

Am 25. Mai wählt auch Österreich

das EU-Parlament. Biber hat sechs

der neun Spitzenkandidaten getroffen.

Die Hass-Rede Stadlers

hat für Aufsehen gesorgt, selbst

ZIB-2-Moderator Armin Wolf twitterte

zum Interiew. Die Interviews

findest du auf www.dasbiber.at.

Hier findest du die wichtigsten

Passagen. Warum FPÖ-Kandidat

Harald Vilimsky fehlt? Er wollte

biber nicht sehen. Wir wiederum

wollten BZÖ und diese komische

Anti-EU-Partei nicht dabei haben.

Gilt als Favorit

Hat Bono verägert*

Für einen Dialog mit Russland

DER OK-MANN

Der ÖVP-Spitzenkandidat und amtierende Vizepräsident des

EU-Parlaments Othmar Karas will über die Partei-Grenzen hinaus

Wähler mobilisieren. Vielleicht wirbt er deshalb ohne ÖVP-Logo

auf seinem Plakat, dafür mit einem großen, manchmal missverständlichem

„OK“.

Über Protest-Wähler: Die, die gegen nur protestieren oder es zum

Sündenbock machen, haben in Europa keinen Einfluss.

Über Bettler aus dem Ausland: Natürlich belastet das und führt

eventuell zu sozialen Spannungen. Unsere Gemeinschaft muss

lernen, damit umzugehen. Aber ich will einem Bettler die

Reisefreiheit nicht einschränken, nur weil er Bettler ist.

Über das „OK“ auf den Wahlplakaten: OK sind meine Initialen. Ich

finde, dass das Friedensprojekt Europas ein gutes OK ist und,

dass unsere Arbeit im europäischen Parlament OK ist. Mein

Plakat drückt aus, dass ich über Parteigrenzen hinweg arbeite

und mich nicht nur auf eine Partei reduziere.

(*Anm.: Auf einem von Othmar Karas EU-Wahlplakaten steht das U2-Zitat „Europe is

a thought that needs to become a feeling“. Das hat ihm gleich zu Wahlkampfbeginn

Ärger mit U2-Frontman Bono eingebracht, der sich nicht für Wahlwerbung

instrumentalisieren lassen will.)

Marko Mestrović, Susanne Einzenberger, Christoph Liebentritt


POLITIKA

19

Wünscht sich die Vereinigten

Staaten von Europa

Wechselte vom ORF zur SPÖ

Fährt gerne Rad in Kopenhagen

Gab ein Interview zu viel

Lieblingskeks: Die Florentiner

DIE SLOWENIN

Angelika Mlinar ist ein EU-Groupie. Am liebsten würde Sie die

nationalen Grenzen auflösen und gemeinsame Außenpolitik

schmieden. Die slowenisch-stämmige ehemalige Kekse-Bäckerin

sieht ihre Volksgruppe in Kärnten benachteiligt und grüßte uns

am Anfang des Interviews auf Slowenisch.

Über EU-Bashing:

Vor 20 Jahren gab es große Kampagnen, die uns erzählten, warum

die EU eine gute Sache sei. Das gibt es nicht mehr, sondern

stattdessen einen Rechtsschwenk. Dabei gibt die FPÖ den Ton

an und die großen Parteien singen mit. Das kann es nicht sein!

Wie sollen wir in die Zukunft gehen, wenn wir die ganze Zeit

Angst schüren? Die Politik hat den Optimismus vergessen und

das geht gar nicht.

Über Kärntner Slowenen:

Slowenen ist es unmöglich in ihrer Heimat Kärnten Fuß zu fassen.

Ich war am Gericht, habe mein Gerichtsjahr absolviert und

mich für eine Richterausbildung beworben. Und was wurde aus

meiner Ausbildung? Nichts. Kein Interesse.

Über Antisemitismus:

Was ich nicht mag ist unser unaufgeräumtes Verhältnis zum

zweiten Weltkrieg und dieser extreme Rechtsdrall. Dabei bin ich

nicht alleine. Der große Philosoph George Steiner hat sein ganzes

Leben lang abgelehnt in Österreich Vorträge zu halten. Der

Grund: Der präsente Antisemitismus, noch stärker ausgeprägt als

in Deutschland.

Will die EU sozialer gestalten

DER VORSICHTIGE

3000 Euro netto. So hoch schätzte SPÖ-Spitzenkandidat Eugen

Freund das Einkommen eines Arbeiters in einem Interview. Das

war deutlich zu hoch geschätzt. Das Unverständnis darüber groß,

die mediale Kritik übertrieben. Die Folge: Der frühere Journalist

und damit Ex-Kollegen von uns wagt sich lieber nicht mehr aus

der Deckung und ist als Politiker sehr vorsichtig geworden.

Über seinen Wechsel vom ORF zur SPÖ:

„Ich war 40 Jahre in einem Beruf tätig und habe praktisch

über Nacht in einen anderen gewechselt. Ich hatte keine Zeit

für Vorbereitungen. Ein einziges Interview kann einen riesigen

Unterschied ausmachen. Alle anderen Interviews waren in

Ordnung, aber alle haben sich auf dieses gestürzt.“

Über die Wirkung der medialen Kritik:

„Wenn man wegen eines Fehlers in der Luft zerrissen wird, ist

man danach sehr vorsichtig.“

Was er als Journalist anders gemacht hat?

„Ich glaube, ich war zu meinen Gesprächspartnern immer fair.“


20 POLITIKA

Kampiert vor Bundeskanzleramt und

stapelt Geldberge vor Parlament

Wurde bei Love-Parade

mit Steinen beworfen

Geht gerne in Berlin fort

Gegen Türkei-Beitritt

Will SPÖ links überholen

DIE STILLE

Sie ist bisher kaum aufgefallen. Das mag auch daran liegen,

dass Ulrike Lunacek nicht vor dem Bundeskanzleramt kampiert

oder lange Jahre die ZiB moderiert hat. Sie muss nur aufpassen,

dass ihre Kernthemen im ganzen Wahlkampf-Hick-Hack nicht

untergehen.

Über Energieabhängigkeit von Russland:

Ich finde, dass die EU schon früher mit Wirtschaftssanktionen

auf Putins Politik hätte reagieren sollen. Sonne und Wind kann

Putin nicht ausschalten.

Über Homo-Ehe:

Grundsätzlich ja. Ich rede auch darüber, dass ich selbst lesbisch

bin. Religiöse Fundamentalisten, egal von welcher Religion,

haben sich dieses Thema als ihr ideologisches Kampffeld ausgewählt.

Über Konkurrenz mit NEOS:

Ich finde es innenpolitisch durchaus sinnvoll, dass es die NEOS

gibt. Die meisten NEOS kommen von der ÖVP, hier sehe ich also

eine größere politische Auseinandersetzung.

Macht Hypo zum EU-Thema

DER PR-REBELL

So spielt man sich ins Rampenlicht: Man stürmt aus einer

ORF-Sendung, kampiert auf dem Ballhausplatz und geht ins

Landtmann auf die Toilette. Martin Ehrenhauser ist Spitzenkandidat

von „Europa Anders“, ein Zusammenschluss von KPÖ, den

Piraten und der Wandel, setzt auf Aktionismus.

Über Hypo-Haftungsboykott: Die Bankenrettung ist nicht

systemrelevant, Menschen sind systemrelevant.

Über Standortkonkurrenz und unterschiedliche EU-Lohnniveaus:

Wir sind in einer Situation, wo transnationale Unternehmen

Regierungen erpressen. Die gehen hin und sagen: Wenn ihr

uns keine Steuererleichterung gebt, dann gehen wir. So etwas

kann man zum Beispiel entgegenwirken, indem man Lohn- und

Steuerpolitik harmonisiert.

Über Populismus im Wahlkampf: Natürlich leugnen wir nicht,

dass die Aktion Teil des Wahlkampfs ist. Das war klassischer

Aktionismus, um der Materialschlacht, der man im Wahlkampf

ausgesetzt ist, eine kreative Idee entgegen zu setzen.

Marko Mestrović, Susanne Einzenberger, Christoph Liebentritt


POLITIKA

21

Will alle Moslems missionieren

Hat sechs Kinder

Trinkt gerne römischen Wein.

DER FUNDAMENTALIST

Du bereitest dich auf ein Politiker-Interview vor und

bekommst eine Gratis-Bibelstunde. So geschehen beim

Rekos-Spitzenkandidat Ewald Stadler. Der erzählte uns von

mittelalterlichen Zwei-Schwerter-Theorien, Missionierung

in Afrika und Bekehrung am Sterbebett. An der Bekehrung

unserer zwei muslimischen Redakteure ist er gescheitert.

Über Trennung zw. Kirche und Staat: Es gibt seit Augustinus

eine klare Vorstellung davon, wie Staat und Kirche

zusammenzuwirken haben. Früher hat man das die zwei

Schwertertheorie genannt – das weltliche Schwert und das

geistliche Schwert. Die Vorstellung der Trennung von Staat

und Kirche ist eine Vorstellung des Laizismus und des

Säkularismus der französischen Revolution.

Über Missionierung: Wieso schicken wir sonst Missionare

nach Afrika? Bei uns tun wir so, als ob der Islam die

gleichwertige Wahrheit wie die katholische Kirche vertrete.

Das ist nicht der Fall.

Über die EU als gottlose Institution: Ich bedauere ja, dass im

Parlament in keinem der allgemein zugänglichen Räume

ein einziges Kruzifix hängt. Auch im EU-Parlament. Dort

finden Sie zwar gleich zu Beginn, wenn Sie hineingehen,

eine Freimaurersteinsetzung, aber kein einziges Kreuz oder

Kruzifix.

EUROPA.

GEMEINSAM.

Foto: istockphoto.com/AndreasWeber

BAUEN.

EUROPA WÄHLEN!

25. Mai 2014.

www.iv-net.at


22 POLITIKA

INSCHALLAH GRAZ

„MUSLIMBRÜDER HABEN GRAZ IM VISIER.“ DIE MELDUNG DER BRITISCHEN

„DAILY MAIL“ SORGTE IN ÖSTERREICH FÜR IRRITATION UND ANGST. TATSÄCH-

LICH LEBEN IN GRAZ SEIT JAHREN ANHÄNGER DER MUSLIMBRÜDER UND BE-

KLEIDEN WICHTIGE FUNKTIONEN IN DER ISLAMISCHEN COMMUNITY.

Von Etienne Moreau

Wagih Felbermayer, Martin Siepmann / Westend61 / picturedesk.com


Graz legt Wert auf sein Image als moderne,

friedliche Kulturstadt. Das südliche Flair, der

Schlossberg, die idyllische Lage an der Mur, eine

seit der Gotik bestehende Altstadt, Schloss Eggenberg

– all das lockt jahraus, jahrein Besucher aus

aller Welt an. Auf stolze 950.000 Nächtigungen

brachte man es im Jahr 2012. Da schlug der Bericht

der britischen „Daily Mail“ Mitte April wie

eine Bombe ein: Die ägyptischen Muslimbrüder

– so wusste das britische Boulevardblatt zu berichten

– würden ihr internationales Büro von

London nach Graz verlegen.

Islamisten, ägyptische Zustände, gewaltsame

Ausschreitungen – in die Nähe solcher Schlagzeilen

will Graz lieber nicht gerückt werden. Von

einem „Schlag ins Gesicht des guten Zusammenlebens

in Graz “ sprach die Volkspartei. Vizebürgermeisterin

Martina Schröck erklärte die

Muslimbrüder umgehend für „nicht willkommen“.

Mittlerweile dementierten die Muslimbrüder

die Meldung, es ist wieder Ruhe eingekehrt.

Freilich: Anhänger der Muslimbrüder leben

schon seit vielen Jahren in Graz, und sie sind

auch – entgegen den offiziellen Darstellungen –

längst Ansprechpartner von Politik und kirchlichen

Vertretern.

POLITIKA

25. MAI

EU-WAHL

23

Kamel Mahmoud hegt Sympathien zur Muslimbruderschaft. Pikant:

Er war bis 2011 Vorsitzender der Religionsgemeinschaft in Wien.

MUSLIMBRÜDER AUF DER UNIVERSITÄT

Der gebürtige Ägypter Kamel Mahmoud, 59,

macht aus seiner Nähe zum Gedankengut der

Muslimbrüder kein Geheimnis: „Ich hatte immer

Sympathien für die Muslimbrüder“, unterstreicht

er. Der Maschinenbauingenieur war von 1999 bis

2011 Vorsitzender der Religionsgemeinde Graz.

In dieser Funktion initiierte er – unterstützt vom

Land Steiermark und der Stadt Graz – gemeinsam

mit dem Völkerrechtler Wolfgang Benedek

eine Vortragsreihe an der Uni Graz, die mittlerweile

in dem Buch „Der Islam in Österreich und

in Europa“ vorliegt. Zu den 22 Vortragenden

zählte auch der frühere Europasprecher der

www.neos.eu

Medieninhaber: NEOS - Das Neue Österreich und Liberales Forum, 1070 Wien, Neustiftgasse 73-75/7


24

POLITIKA

Muslimbrüder, Kamal Helbawy, und der

ehemalige Klubobmann der Muslimbrüder

im ägyptischen Parlament Mohamed

al-Katatni, der später Vorsitzender der

Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der

Muslimbrüder wurde.

Mahmouds Solidarität mit den

Muslimbrüdern reicht bis in die 70er Jahre

zurück, als er in Ägypten studierte. „In

meinem Studentenheim lebten Personen

von allen politischen Lagern“, erinnert

er sich. „Die Muslimbrüder folgten dem

‚Weg der Mitte’. Deshalb sympathisierte

ich mit ihnen.“ Mahmoud betont aber,

nie Mitglied ihrer Organisation gewesen

zu sein.

MUSLIMBRÜDER IN EUROPA –

EIN PHANTOM?

Viele Anhänger der Muslimbrüder in

Europa wollen nicht als Muslimbrüder

bezeichnet werden und bestreiten die

Existenz einer europäischen Organisation

der Muslimbrüder. Kritiker sehen in der

Gruppierung deshalb einen Geheimbund.

Die Muslimbrüder halten hingegen fest:

Man müsse unterscheiden zwischen Organisationen

der Muslimbrüder – wie in

Ägypten und Jordanien – und einer breiten

weltweiten Anhängerschaft, die keiner

Organisation eingegliedert sei.

Nicht alle Muslime sehen die Muslimbrüder

so positiv. Einer ihrer Kritiker

lebt in Graz und war pikanterweise

Mahmouds Vorgänger als Vorsitzender

der Grazer Religionsgemeinde. Es ist der

ägyptische Arzt Mohammed Ezzat Gowayed,

der in den 70er Jahren die Islamische

Glaubensgemeinschaft in Österreich

mitbegründete. „Die Muslimbrüder sind

heute anders als in ihrer Anfangszeit“,

meint er. „Ihr Gründer Hassan al-Banna

hatte noch gute Ideen. Doch seit 1948 haben

sie viele Morde begangen.“ Zu Recht

würden sie daher auch nun in Ägypten

als Terrororganisation eingestuft. Gowayeds

und Mahmouds konträre Ansichten

spiegeln die derzeitige Spaltung der ägyptischen

Community wider.

FREITAGSPREDIGT AUF DEUTSCH

Seit den letzten Wahlen der Islamischen

Glaubensgemeinschaft in Österreich hat

auch Kamel Mahmoud nicht mehr den

Vorsitz in der Grazer Religionsgemeinde

inne. Er ist aber nach wie vor in der islamischen

Szene aktiv, etwa in der von

ihm mitbegründeten Al-Nur-Moschee.

Sie sei eine religiös-soziale Einrichtung,

Sieht so ein bedrohliches Terror-Nest aus? Die Al-Nur-Mosche in Graz.

sagt er. Die Moschee bietet Jugendlager,

Vortragsabende, Koran-, Islam- und

Arabischkurse an, und organisiert Demonstrationen,

aus Solidarität mit den

Palästinensern oder den Protestierenden

in Ägypten und Syrien. Die Mehrheit der

rund 300 Moscheebesucher sind Araber.

Es kommen aber auch Angehörige anderer

Nationalitäten hierher, weswegen

der zweite Teil der Freitagspredigt auf

Deutsch gehalten wird.

Über Politik sei in letzter Zeit nicht

gepredigt worden, erzählt Mahmoud.

„Unser Imam kommt von der Al-Azhar-

Universität in Kairo. Als er vor einem Jahr

am Grazer Flughafen ankam, habe ich ihn

gleich beim Empfang gebeten, sich nicht

über Politik zu äußern, um Spaltungen

unter den Muslimen zu vermeiden. Die

aktiven Mitglieder unserer Moschee lehnen

zwar alle den Militärputsch und den

Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed

Mursi (ein Muslimbruder, Anm.)

ab, aber manche Moscheebesucher haben

eine andere Meinung und wir wollen niemanden

ausschließen.“

Das Gerücht von einer Umsiedlung der

europäischen Zentrale der Muslimbrüder

von London nach Graz hält Mahmoud

übrigens für Propaganda, die auf staatsnahe

ägyptische Medien zurückgehe. Ein

ganz weißer Fleck scheint Graz auf der

Landkarte der Muslimbrüder in Europa

aber auch nicht zu sein. Inschallah Graz.

Die Muslimbrüder gelten als älteste

und größte politisch-islamische Bewegung

des Nahen Ostens. Seit die

Gruppierung 1928 von dem Lehrer

Hassan al-Banna in Ägypten gegründet

wurde, hat sie sich in andere

arabische Länder ausgebreitet, wo

sie zu einer wichtigen politischen

Bewegung geworden ist. Überall

kümmern sich die Muslimbrüder

auch um die religiöse Bildung und

die sozialen Belange der Muslime.

Bei der ägyptischen Präsidentschaftswahl

im Jahr 2012 siegte der

Vorsitzende der Partei der Muslimbrüder,

Mohammed Mursi. Nachdem

ihn das ägyptische Militär im Juli

2013 gestürzt hat, wurden auch die

Muslimbrüder in Ägypten verboten.

Viele von ihnen wurden mittlerweile

zum Tode verurteilt, was im Westen

auf harsche Kritik stieß.


O V

Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit

und unabhängigen Journalismus bilden ein Umfeld, das jedes

professionelle Unternehmen braucht. Diese Transparenz und

faire Kommunikation gehören auch bei der OMV zur unternehmerischen Haltung.

Die Meinungs- und Informationsfreiheit darf dabei keine Barrieren kennen. Darum

unterstützt die OMV seit vielen Jahren die regierungsunabhängige Organisation

„Reporter ohne Grenzen“.


26

POLITIKA

HERR

MINISTER:

WIE HOCH IST

IHRE MIETE?

Wie viele Euro

muss jemand

besitzen, damit

er für Sie als

„reich“ gilt?

Das wievielfache

der Mitarbeiter

sollte ein

Manager

maximal

verdienen?

Unter welchem

Netto-

Einkommen

pro Monat ist

jemand für Sie

arm?

INTERVIEW IN ZAHLEN:

IN DER POLITIK WIRD SCHON

GENUG GEREDET. BIBER FRAGT

IN WORTEN. SOZIALMINISTER

RUDOLF HUNDSTORFER (SPÖ)

ANTWORTET MIT EINER ZAHL.

Von Simon Kravagna und Marko Mestrović (Fotos)

1.000.000

7

1.000

Manager sollten höchstens das Siebenfache ihrer Mitarbeiter verdienen.

Jeder Arbeitnehmer sollte jährlich sechs Wochen Urlaub haben.

Wie viel

Wochen Urlaub

sollte jeder

Arbeitnehmer

im Jahr haben?

Wie viele Monate

sollte jeder Vater

mindestens in

Karenz gehen?

Wie viel Prozent

der Hausarbeit

übernehmen Sie

daheim?

Mit wie vielen

Freiheitlichen

sind Sie per Du?

Wie viele Dates

hatten Sie mit

Ihrer Frau, bevor

Sie sich geküsst

haben?

6

1

5

0

3


POLITIKA

27

Wie viele Euro

hat das teuerste

Geschenk

für Ihre Frau

gekostet?

Wie oft haben

Sie in Ihrem

Leben einen

Heiratsantrag

gemacht?*

Wie viele Euro

spenden Sie

privat im Jahr?

Wie viele Tage

in Ihrem Leben

waren Sie

arbeitslos?

Wie oft haben

Sie bei einer

1. Mai-Feier

gefehlt?

2.500

3

3.000

0

0

* Der Minister ist zum dritten

Mal verheiratet

Drei Hochzeitsanträge hat der Sozialminister Hundstorfer gemacht.

Mindestens einen Monat sollen Väter in Karenz gehen.

Wie viel Euro

Miete zahlen Sie

im Monat?

Wie viele

Jahre sind die

Pensionen noch

gesichert?

Wie viele Male

waren Sie bereits

beim Plachutta

essen?

Wie oft wollen

Sie dort in

nächster Zeit

wieder essen

gehen?

Wie viele Jahre

wird die SPÖ in

Wien noch den

Bürgermeister

stellen?

1.400

60

100

0

25


28 MIT SCHARF

MEINUNGSMACHE

EINLADUNG

PO & CONTRA

Diesen Monat gab es eine regelrechte Po-Affäre in der

biber-Redaktion. Ein halbnackter Frauenhintern sollte auf

die Einladung zur biber-Fashionparty anlässlich der EU-Wahl

abgedruckt werden. Grund genug für unsere Redakteurinnen

Delna Antia und Marina Delcheva einen Grundsatzstreit über

nackte Hintern zu entfachen. Am Ende hat der Chefredakteur

entschieden: kein Po für die EU.

EUROPA

NICHT „AWESOME“

PO

Leute, es ist nur ein Po! Er ist

weder splitternackt noch steckt er

im Spitzen-String und ist obszön

in Szene gesetzt. Seine Message in

blauer Bikini-Hose lautet: „Schau her,

ich bin knackig und sexy!“ Das ist die

Botschaft: Wir zeigen eine andere Seite – ein freches Europa

„mit scharf“ eben. Was ist so schlimm an Werbung mit

Sex-Appeal? Das muss mir gerade das Land der Dirndlträgerinnen

mal erklären. Zumal diese ganze „Po-Debatte“

im richtigen Kontext zu sehen ist. Hier geht es um ein

Fashionevent und kein Vorstandstreffen. Da müsste ich bei

jedem zweiten Frauen-Magazincover eine Empörungsmail

schreiben. Warum muss ich mich als

Frau an sexy Abbildern stören, bitteschön?

Die Jungs mit den starken

Rücken auf Seite 9 sind doch auch

ein Hingucker, aber ihr Gesicht sieht

man auch nicht. Die neue Biederkeit

unserer Gesellschaft geht mir am Po

vorbei.

Delna Antia ist stv. Chefredakteurin

von biber.

antia@dasbiber.at

Das Bild des Anstoßes

KONTRA

Ein nackter Frauen-Po hat nichts

auf einer EU-Wahlveranstaltung

verloren. Und auch nicht auf dessen

Einladung – egal ob es um Fashion

geht oder nicht. Natürlich kann und

muss man EU-Themen interessant und

lebendig für die Wähler gestalten, man muss aber nicht

mit nackten Hintern um Aufmerksamkeit betteln. Da

können wir uns sonst gleich alle in Bade-Mode à la Strache

ablichten lassen. Nur den Hintern einer Frau zu zeigen

und ihr Gesicht zu verbergen ist irgendwie demütigend und

reduziert sie auf ihre Fähigkeit, Männer scharf zu machen.

Was mich auch stört: Es wird nie mit fetten Frauenhintern

Werbung gemacht. Veröffentlich werden immer nur Fotos

von strammen, winzigen, gefotoshopten Mädchen-Popos. Die

Hintern-Realität ist aber voller Dellen, Cellulite und weit weg

von Size Zero. Aber das hat nun wirklich nichts mit einer

EU-Wahl zu tun.

Marina Delcheva, Redakteurin und Akademieleiterin.

delcheva@dasbiber.at

Wenn an Stammtisch-Runde das

Wort „USA“ fällt, kommen zwei

Sorten von Kommentaren. Die einen

vergöttern die Staaten, loben die

Freundlichkeit der Bewohner und

zeigen begeistert Fotos von Venice

Beach. Die anderen können die

Weltmacht nicht leiden, prangern

das Gesundheitssystem an und

zeigen auf die übergewichtigen

Kinder. Dann kommt das Attribut

„oberflächlich“, dass pauschal dem

Amerikaner zugesprochen wird.

So gar nicht oberflächlich ist die

Rassismus-Debatte, die in den Staaten

hohe Wellen schlägt.

„Du kannst mit Schwarzen schlafen,

du kannst tun, was immer du willst.

Das Wenige, was ich von dir verlange,

ist, dass du das nicht öffentlich

präsentierst“, polterte der Präsident

der LA Clippers Donald Sterling

am Telefon. Auslöser soll ein Foto

seiner Freundin mit Basketball-

Legende Magic Johnson gewesen

sein. Pikant: Die meisten Spieler

der „Clippers“ so wie der Coach Doc

Rivers sind schwarz.

Die USA-Skeptiker fühlen sich an

dieser Stelle bestätigt. Struktureller

Rassismus, moderne Sklaverei,

Riesenkluft zw. Arm und Reich. Bemerkenswert

ist aber die öffentliche

Reaktion:

Superstar Lebron James sieht für

Sterling „keinen Platz in der NBA“,

genauso wie der neue Kommissionär

Adam Silver, der Sterling lebenslang

von der Liga verbannte. Sogar

Barack Obama mischte sich ein.

Während eines Staatsbesuchs in

Malaysia, sagte er: „Wenn ignorante

Amar Rajkovic ist stv. Chefredakteur von biber.

rajkovic@dasbiber.at

Menschen ihre Ignoranz zur Schau

stellen wollen, musst du nichts machen

außer sie reden zu lassen.“

Wie sähe die Reaktion in Europa

aus? Wir Europäer, die Hüter des

Humanismus, die Aufklärer.

BIER, BANANEN UND BAJONETTEN

Am Stammtisch ist das N-Wort hoch

im Kurs, knapp hinter „A Bier“ und

„Zwa Bier“. Wir tollen Europäer,

die die militante „Jobbik“-Partei in

Ungarn höchstens als „Problem“ bezeichnen,

aber keine Konsequenzen

folgen lassen. Wir Humanisten und

Fußballkenner, die sich vor der Islamisierung

fürchten und bei jedem

Match rassistische Beleidigungen

und Bananenwürfe als fußballtypisch

abstempeln. (Fragen Sie bei

Dani Alves nach)

Wir können die Amis kritisieren, als

oberflächliche „Awesome“-Sager

abtun, aber auch von ihnen lernen:

Dort werden rassistische Vorfälle

öffentlich thematisiert und aufs

Schärfste verurteilt. Bei uns sind es

aufopfernde NGO’s und „Sprachpolizisten“,

die den kleinen Mann

angeblich den Mund verbieten

wollen. Wenn ihr glaubt, dass wir in

einer toleranten Gesellschaft leben:

Wendet euch an den Kamerunstämmigen

Journalisten Simon Inou

– der hat genug Hassbriefe beisammen,

um ein Buch zu publizieren.

Leseprobe: „Alaba ist und bleibt ein

ausländer. pass hin oder her. das

papier ändert seine hautfarbe und

herkunft nicht. „

Mein Europa, gar nicht so „awesome“.

Marko Mestrovic, Julie Brass, Tina Herzl


MIT SCHARF

29

EU-OSTERWEITERUNG

AUS DEM OSTEN VIEL GUTES

Vor zehn Jahren sind zehn Staaten der EU beigetreten. Weder wurden

wir von „Sozialtouristen“ noch von Billig-Arbeitern überschwemmt.

Und die EU-Finanz-Krise spielt sich auch nicht in Osteuropa ab.

Komisch, wenn man kurz beim AMS reinschaut, dann hört

man kaum ein Wort Tschechisch, Ungarisch oder Polnisch.

Dabei hätten sie uns doch überrennen sollen, um sich hier

endlich die Arbeitslose abzuholen oder uns sonst irgendwie auf

der Tasche zu liegen.

Tatsache ist, es sind Menschen aus Tschechien, der Slowakei,

Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern nach Österreich

gekommen, um hier zu arbeiten. Das ist nun mal die Folge von

offenen Grenzen in einem gemeinsamen Europa. Viele Slowakinnen

arbeiten als Pflegekräfte, viele Ungarn in der Gastronomie

oder als qualifizierte Spezialisten. Diese Jobs haben sie

aber niemandem weggenommen. Es gibt nämlich zahlreiche

Jobs, die heute nur schwer besetzt werden können, weil hier

niemand die Arbeit machen möchte oder weil es nicht genug

Facharbeiter gibt. Übrigens: Die Abwanderung von qualifizierten

Arbeitskräften ist in einigen osteuropäischen Ländern

ein größeres Problem als die Zuwanderung nach Österreich.

Dort fehlen immer mehr gut ausgebildete Mediziner, Ingenieure

und Informatiker.

Auch die Finanzkrise hat jene Länder Osteuropas, die vor 10

Jahren der EU beigetreten sind, weniger schwer getroffen als

den Süden. Polen, Tschechien und die baltischen Staaten

stehen heute wesentlich besser da als Griechenland, Spanien

oder Portugal. Sie benötigen auch keine Hilfspakete und

Milliardentranchen. Die Osteuropäer haben Österreich weder

überschwemmt, noch arm gemacht. Hoffentlich gehen sie

nicht wieder. Dann hätte Österreich wirklich ein Problem.

Simon Kravagna ist Herausgeber und Chefredakteur von biber.

kravagna@dasbiber.at.

EIN BESSERES EUROPA

SICHERT FRIEDEN

UND DIE ZUKUNFT

DER JUNGEN.

Dafür arbeite ich.

Über Parteigrenzen hinweg.

Othmar Karas

Vizepräsident des Europäischen Parlaments

25|05|Europawahl


31

Foto von Matthias Heschl

ALLE ANDEREN SIND MIT DEM RAD HIN.

RAMBAZAMBA


32 RAMBAZAMBA

KLUGE

DROGEN?


RAMBAZAMBA

33

PRÜFUNGSANGST, DRUCK, GROSSE KONKURRENZ – STUDENTEN HA-

BEN ES SCHWER. DESWEGEN GREIFEN VIELE ZU „SMART DRUGS“ WIE

RITALIN ODER MODAFINIL. DIE LEISTUNGSFÖRDERNDEN SUBSTANZEN

SIND VERBOTEN UND TROTZDEM WEIT VERBREITET. EIN TU-STUDENT

MACHTE DEN SELBSTTEST. ER HAT ES BEREUT UND KANN NUR WARNEN.

FOTOS VON MARKO MESTROVIĆ

Ich bin Student auf der TU. Wir Nerds sind ja

nicht leicht abzuschrecken, aber die Vorlesung,

in der ich gerade sitze, schießt den Vogel ab.

Unter „Algebra und Diskrete Mathematik“ wird

sie im Vorlesungsverzeichnis geführt. Zu allem

Überfluss erfahre ich gerade, dass der Dozent die

Worte „Prüfung“ und „in 14 Tagen“ in den Mund

genommen hat.

Die Alarmglocken schrillen! Ist ja auch mein

letzter Antritt und ich sehe mich schon als gescheiterter

Mathematiker in einer runtergekommenen

Burger-Bude enden. Nö, das ist keine

schöne Vorstellung.

DOPING FÜRS HIRN?

Ich gebe nicht auf. Die Zeit kann ich nicht steuern,

aber mein Hirn. Mit „Smart Drugs“, dem

neusten Schrei unter österreichischen Lernjunkies.

Doping fürs Hirn! Ritalin oder Modafinil

sind in ihre ursprünglichen Verwendung Hilfsmittel

für hyperaktive Menschen.

Der Wirkstoff beruhigt und schärft die Konzentration,

so heißt es in Insider-Kreisen. Kein

Wunder, dass ein paar amerikanische Studenten

damit experimentierten und ihren Lernerfolg damit

angeblich steigerten. Ich frage mich: Geht das

wirklich so einfach?

Nur damit das allen klar ist: Kaufst du die Pillen

ohne Rezept, handelst du illegal. Verkaufst du

sie an Dritte weiter, kannst du gleich mit Kokain

oder Heroin dealen - es sind illegale Drogen und

der Missbrauch derer ist mit hohen Haftstrafen

verbunden.

Die rechtliche Lage ist klar. Meine Lernmisere

auch. Ich beschließe: Zweck heiligt die Mittel.

Und ich möchte nicht in einer angeranzten Frittenbude

enden. Deswegen hau ich mir das Zeug

rein und führe dazu ein Tagebuch.

DER DEAL

Zunächst muss ich an die Pillen ran. Meine Unikollegen

scheinen sich auszukennen. Entweder

haben sie davon gehört, wollen es selbst probieren

oder tun es bereits. Ich erfahre, dass der

Preis bei 10-15 Euro pro Tablette liegt. Ich erfahre

auch, dass der Umschlagsplatz Nummer 1 das

Juridicum in Wien ist, die TU Wien liegt knapp

dahinter. Osteuropäische Dealer, so munkelt

man, haben diese Marktnische für sich entdeckt

und sind von Kokain und Crack zu Ritalin oder

Modafinil übergegangen. Die Deals gehen auf

Uni-Toiletten oder Bibliotheken über die Bühne.

Besonders Studenten von lernintensiven Studiengängen

wie Medizin oder Jus sind potenzielle

Smart-Drugs-Junkies.

KUNDENSERVICE

Mir ist das zu heiß. Ich möchte ja nicht als Drogendealer

auf meiner Uni erwischt werden. Deswegen

wähle ich den Weg übers Internet. Innerhalb

von 30 Minuten werde ich fündig. Die

Details geben ich jetzt nicht preis. Ich will ja vor

den Dingern warnen, nicht diese promoten. Aber

nur soviel. Wer will, der kann sich das Zeugs für

1,20 Euro pro Tablette aus dem Ausland nach

Hause schicken lassen. Selbst das ist übrigens

illegal und der österreichische Zoll steht schnell

einmal vor deiner Haustür. Wie auch immer: Ich

bestelle 30 Tabletten und bekomme als Neukunde

zehn weitere gratis dazu. Des is a Kundenservice!

BESONDERS

STUDENTEN VON

LERNINTENSIVEN

STUDIENGÄNGEN WIE

MEDIZIN ODER JUS

SIND POTENZIELLE

SMART-DRUGS-

JUNKIES.


34 MIT SCHARF

„Ich fühle mich schwindelig und habe Nierenschmerzen.“ Die Nebenwirkungen der Smart Drugs sind gefährlich.

TAG 1:

Nichts passiert

TAG 2:

Meine Gene sind stur

TAG 3:

„Wos host’n für a Problem?“

Zehn Tage später, also vier Tage

vor der Prüfung, bekomme ich

Post aus Südkorea. Ich teste sofort

eine halbe Tablette. Dann warte

ich wie ein kleines Kind auf die

Wirkung, aber nichts passiert.

Kein Lernwunder, kein Gehirnwachstumsschub

- die diskrete

Mathematik verhält sich weiterhin

sehr distanziert in meinem Kopf.

Der Einser für die kommende

Prüfung rückt in weiter Ferne.

Einzige Veränderung: Ich kann

nicht einschlafen und bleibe bis

zwei Uhr früh wach.

Am nächsten Morgen nehme ich

die volle Dosis von 200mg und

gehe in die Bibliothek. Ich öffne

meinen Laptop, höre Musik und

warte auf den Konzentrationskick.

Bis zum Abend passiert nichts,

außer dass ich übereifrig meine

Lieder auf dem Laptop sortiere. Ich

bin zu 100 Prozent überzeugt, dass

dieser Hokuspokus nicht wirkt.

Vor dem Einschlafen – danke Baldriantropfen

– male ich mir noch

im Kopf aus, bei welcher Fastfood-

Kette ich als Fritten-Mann am

liebsten einsteigen würde.

DER VIER-TAGE Selbstversuch

Nächster Tag, gleiche Dosis: 200mg Modafinil, ein Glas Wasser und ab

auf die Uni. Ich fühle mich schwindelig und habe Nierenschmerzen.

Auf dem Weg zur Universität merke ich, dass ich nicht gleichzeitig mehrere

Dinge erledigen kann. SMS schreiben im Gehen wird zur Herausforderung.

Ich muss ständig hochkonzentriert entweder aufs Handy

oder auf die Straße schauen. Ist das die Wirkung von Modafinil, von der

alle reden? In der Vorlesung sitze ich in der ersten Reihe. Ich starre den

Dozenten an und höre konzentriert zu was er zu sagen hat.

Vorlesung vorbei, ab in die Bibliothek. Bücher aufschlagen und lesen.

Ich spüre endlich die positive Wirkung dieser Tablette, ich will jeden

Buchstaben lesen, analysieren und am liebsten aufessen. Ich lerne

bis 22 Uhr nachts durch, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ich

esse und trinke nichts. Das erste Mal in meinem Leben verlasse ich als

Letzter die Uni-Bibliothek. Hochkonzentriert und hellwach fahre ich

mit der U-Bahn heim und starre den Mann gegenüber an, der mich

dann auch fragt: „Heast! Wos host‘n für a Problem?“.

Gute Frage, was ist mein Problem? Zuhause angekommen, rufe ich

einen Freund an, der bereits mit „Smart Drugs“ experimentiert hat.

„Nach mehreren Monaten kommt es zu einer starken Abhängigkeit“,

verriet er mir. „Meine Lernerfolge, meine Noten, mein ganzes Leben

hatte ich diesen Pillen zu verdanken“. Er zog die Reißleine und setzte

die Ritalin-Kur ab. Doch so leicht kommt man nicht „runter“. Für die

Lernerfolge zahlte er einen hohen Preis. Er musste mehrere Monate aussetzen.

„Fuck“, denke ich mir, „Ich will eine Prüfung schaffen, aber kein

Junkie werden!“


TAG 4:

Prüfung

Der Tag der Entscheidung ist gekommen. Ich werde keine Pille

nehmen. Und das, obwohl ich müde und unkonzentriert

bin. Eine Prüfung auf Drogen schreiben, das ist mir nicht geheuer,

spätestens nach den Horror-Berichten des Studienkollegen.

Die Prüfung hat angefangen. Auf den Prüfungsbogen

starrend denke ich mir nur „Verf***** Scheiße!“ Ich sammle

meine letzten Kräfte und schreibe drauf los. Doch meine

Gedanken schweifen ab. Hätte ich doch eine Pille einwerfen

sollen?

Ich erinnere mich noch, dass ich unter Einwirkung der

Pillen kaum Durst oder Hunger spürte, dass ich mich wie ein

Zombie benahm und in der Öffentlichkeit entweder Gefahr

lief, überfahren oder zusammengeschlagen zu werden. Ich

wurde innerhalb kürzester Zeit zum Junkie, der sich nur noch

auf eine Sache konzentrieren konnte.

Wieso soll ich meine Gesundheit so krass auf ‘s Spiel setzen

um später ein tollen Mercedes zu fahren? Ich will ja keinen

Mercedes mit Behinderteneinrichtung kaufen!

Außerdem würde ich mir ein Leben lang vorwerfen, dass

ich ein Loser bin, der ohne diese Wunderpillen das Ganze

nicht geschafft hätte.

„Bitte legen sie jetzt ihre Stifte weg und geben sie ihre Prüfung

ab!“, höre ich anschließend vom Dozenten.

MIT SCHARF

35

Mist, vielleicht wird es doch die Frittenbude.

Mädel, weißt du, was du dir überhaupt einwirfst?

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36 RAMBAZAMBA

ABGEFAHREN

Radfahrer sind auf der Überholspur. Ein eigener Beauftragter und Begegnungszonen

lassen die Anzahl der Drahtesel-Ritter täglich steigen. Auf der Technischen Universität in

Wien gibt es sogar die Vorlesung „Radfahren in Wien“. Und laut einer UNO-Studie können

Radfahrer Leben retten! Wer sich heute noch als Velo-Gegner bezeichnet, hat eindeutig

keine Luft mehr im Reifen. Damit ihr für die anstehende Saison gewappnet seid, haben

wir für euch die Radwege unsicher gemacht und sechs Exemplare vor die Linse geholt.

FOTOS VON MARKO MESTROVIĆ

DIE HOLLÄNDERIN

Dass man den Radweg auch als Laufsteg

nutzen kann, beweisen uns die Holländerinnen.

Sie verzichten auf Sportkleidung,

Schweiß und schnelles Tempo.

Komfort und Grazie stehen im Mittelpunkt,

das beweist das schicke Einkaufskörbchen

auf dem Radlenker.

NAME: Julia L. (21)

BERUF: Kindergartenpädagogin

RADWERT: 300 Euro

LIEBLINGSSTRECKE: In Richtung Lobau

an den Kleingärten vorbei

KM PRO TAG: 10

Fährt Rad an 100/365 Tagen im Jahr


RAMBAZAMBA

37

DER RACER

Der Racer ist eine gequälte

Seele. Die Ausrüstung ist top

und das Rennrad kostet so viel

wie ein Kleinwagen. Wenn

da nicht die Stadt wäre. Den

Autos hinterher fahren geht

nicht und die Fahrradwege

sind immer voll. Deswegen

fährt er lieber über den

Brenner oder die Serpentinen

runter an der Steilküste

Mallorcas.

NAME: Marvin Mangalino (33)

BERUF: Hoteldirektor

RADWERT: 5.500 Euro

LIEBLINGSSTRECKE:

Der Tulbingerkogel

KM PRO TAG: 60 in der

Hauptsaison

Fährt Rad an

230/365 Tagen im Jahr.


38 RAMBAZAMBA

DER FALTER

Der Falter liebt es praktisch.

Meistens im feinen Zwirn

unterwegs Richtung nächstes

Meeting, hat er keine Zeit

für Parkplatzsuche. Also Rad

zusammenfalten und ab ins

Büro. Bei Schlechtwetter hat

der Falter kein Problem. Er ist ja

praktisch quadratisch und kann

in den Öffis genauso gut überleben

wie am Fahrradweg.

NAME: Sarah Visagaperumal (20)

BERUF: Studentin

RADWERT: Unschätzbar

LIEBLINGSSTRECKE: Ottakringer

Straße bis zur Hauptuni

KM PRO TAG: ca. 8 km

Fährt Rad an

200/365 Tagen im Jahr

DER MINIMALIST

Er wird euch garantiert keinen

Platz auf dem Radweg wegschnappen.

Der Einradfahrer

darf da nicht drauf und Straße

ist genauso tabu. Wenn der Zirkus

nicht in der Stadt ist, fühlt

er sich ausgeschlossen.

Doch Einradfahrer brauchen

nicht viel, dann muss eben der

Gehsteig herhalten.

NAME: Markus Zambiasi (37)

BERUF: Notarzt

RADWERT: 350 Euro

LIEBLINGSSTRECKE:

Klosterneuburg –

Scheiblingstein - Wien

KM PRO TAG: 10

Fährt Rad an

160/365 Tagen im Jahr


RAMBAZAMBA

DER STYLER

Der Rahmen ist rostig, die

Schaltung funktioniert

nicht. Die Straßenbahngleise

verschlucken die

dünnen Reifen. Ja und?

Mein Rad ist retro und von

„Puch“. Komfort zählt für

den Retro-Styler nicht zu

den wichtigsten Kriterien.

Hauptsache auffallen ist

seine Devise.

NAME: Andi Schaber (27)

BERUF: Koch

RADWERT: 700 Euro

LIEBLINGSSTRECKE: Die

Donau entlang Richtung

Passau

KM PRO TAG: 25

Fährt Rad an

200/365 Tagen im Jahr

39

FÜR EIN

LEBEN VOR

DEM SCHNITZEL.

GEGEN DIE MACHT DER AGRARKONZERNE.

FÜR UNSERE BIOLANDWIRTSCHAFT.

25. MAI: DEIN EUROPA KANN MEHR!


40

RAMBAZAMBA

DER TRANSPORTER

In den Morgenstunden trifft

man sie regelmäßig. Die Baby-

Transporter sind im Stress. Kind

abliefern und weiter in die Arbeit.

Schnell sind sie nicht unterwegs

und blockieren gerne einmal die

Fahrspur. Aber nicht aufregen:

Baby on Board.

NAME: Flo (32) und Uli (4)

BERUF: AHS Lehrer

RADWERT: 800 Euro

LIEBLINGSSTRECKE: Die Donauinsel

KM PRO TAG: 20

Fährt Rad an

365/365 Tagen im Jahr.


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42 RAMBAZAMBA

ACH DU HEILIGE SLAVA!

KOPF HOCH, ALEX.

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KARTOFFEL ZU SCHÄLEN.


RAMBAZAMBA

43

„SLAVA“ IST DAS WICHTIGSTE FEST SERBISCH-ORTHODOXER FAMILIEN. EINMAL IM JAHR FEIERN

SIE IHREN HAUSHEILIGEN. FÜR JEDE MUTTER HEISST DAS: PUTZEN, KOCHEN, BACKEN BIS ZUM

MORGENGRAUEN. BIBER-REDAKTEURIN ALEXANDRA STANIC BEKAM EINEN SCHRECK, WAS EINMAL

ALLES AUF SIE ZUKOMMT. Von Alexandra Stanic und Marko Mestrovic (Fotos)

A

uf Deutsch heißt „Slava“ Feier. Für

meine Mutter bedeutet dieser Tag

hingegen Stress, viel Schweiß und

wenig Schlaf. Es ist jedes Jahr dasselbe.

Sie nimmt sich in der Woche vorher Urlaub

und fängt mit den Vorbereitungen

an. Die ersten Tage wird geputzt. Nichts

bleibt verschont. Jede einzelne Steckdose

wird entstaubt, der Boden so stark gebohnert,

dass ich darauf ausrutsche und das

gute Porzellan blitzeblank poliert. Schon

Wochen zuvor hat Mama neue Kuchenrezepte

auf Google gesucht. Dieses Mal war

sie sparsam – sie belässt es bei „nur“ sechs

verschiedenen Desserts.

Auch das typische Essen jeder Slava hat

meine Mutter vorbereitet: Suppe, Sarma,

Fleisch und Kuchen. Je näher der Tag X

kommt, desto angespannter ist sie. Unser

Hund wird in den Garten verbannt, damit

kein einziges Haar im Haus zu finden ist.

Am Tag der Slava ist Mama ab sechs Uhr

morgens auf den Beinen. Das selbstgebackene

Brot duftet im Ofen, der Tisch ist

gedeckt und die Sitzordnung der 20 Gäste

geklärt. Mich verbannt sie, wie jedes Jahr,

an den Kindertisch - zusammen mit meiner

33-jährigen Schwester und meinen

zwei sechsjährigen Cousinen.

Kurz bevor die ersten Besucher eintrudeln,

will ich meine Mutter wegen der

Kindertisch-Aktion ärgern: „Ach Mama,

zieh nicht so ein Gesicht. Sooo viel Arbeit

war das doch gar nicht“. Totenstille. Meine

Mutter legt die Teller, die sie nun zum

dritten Mal poliert, zur Seite und starrt

mich an. „Nicht viel Arbeit?“, fragt sie mit

verdächtig ruhiger Stimme. „Na wenn das

so ist, wirst du unsere Slava nächstes Jahr

organisieren.“ Mein Vater verdreht die

Augen und schüttelt den Kopf. „Halb so

schlimm“, erwidere ich naiv.

Unter dem Tisch zücke ich mein Handy,

google „Slava“. Schnell merke ich, mir

fehlt es nicht nur an Mamas Kochkünsten,

sondern auch am Wissen zu unserem Feiertag.

So ist das serbische Familienpatronfest

im neunten Jahrhundert entstanden.

Die Slava ist demnach eine Erinnerung

an jene Stammesvorfahren, die als erste

den christlichen Glauben angenommen

haben. Jede Familie hat einen eigenen

Schutzpatron und die Slava wird von Vater

zu Sohn weitergegeben. Von den Ehefrauen,

die das Ganze auf die Beine stellen,

ist nirgends eine Rede.

HABEN SERBISCHE PFARRER

EINE WEBSITE?

Ich weiß jetzt also, dass das selbst gebackene

Brot meiner Mutter nicht irgendein

Brot ist. Es ist heilig. Und es ist eins von

vier wichtigen Teilen der Slava. Die anderen

drei sind eine Kerze, Wein und gekochter

Weizen. Außerdem gehören zum

Slava-Repertoire eine Ikone des Hausheiligen

(meistens ein Gemälde oder ein

Holzschnitt), ein Öllicht und ein Weihrauchgefäß.

Zusätzlich sollte ein serbischorthodoxer

Pfarrer ein paar Tage vor

der Slava das Haus einweihen. Das erste

große Fragezeichen in meinem Kopf: Wie

komme ich an einen serbischen Pfarrer?

Haben die eine eigene Website?

TIPPS DER PROFIS

Nach der Internet-Recherche weiß ich,

wie ich meine Sarma am besten rolle.

Aber wirklich Durchblick, wie ich eine

anständige Slava auf die Beine stelle, habe

ich noch immer nicht. Also entscheide ich

mich für den direkten Weg. Nein, ich frage

nicht meine Mutter um Rat, dafür bin

ich zu stolz. Ich bitte die wahren Profis

und Slava-Genossinnen um Hilfe – die

serbischen Hausfrauen. Als erstes statte

ich der Mutter meiner besten Freundin

einen Besuch ab. Die Serbin feiert jedes

Jahr am 21. November. „Wenn du glaubst,

du wirst Zeit haben selbst zu essen, dann

irrst du dich gewaltig“, startet Dijana das

Gespräch. „Ich komme erst abends beim

Wegräumen zum Essen“.

Jedes Jahr empfängt die 41-Jährige zu

ihrer Slava 25-30 Personen. Darunter sind

Freunde, Verwandte, Nachbarn und die

Taufpaten ihrer Kinder. Manchmal kommen

auch entfernte Bekannte dazu, denn

wenn sie kurz vor der Feier jemanden

beim Einkaufen trifft, lädt sie auch diese

Zur Vorbereitung einer "Slava" braucht es

händisches Geschick…

FÜR EINE UNVERGESSLICHE

SLAVA BRAUCHST DU:

➢ 20–30 Gäste

➢ Ein Kilo Fleisch pro Person bzw. ein Spanferkel

➢ das Slava-Kit: heiliges Brot, Wein, eine Kerze

und Weizen

➢ Sechs verschiedene Kuchensorten, die sonst

keiner hat

➢ Einen guten Kartoffelschäler

➢ Drei Tage Urlaub, davor und danach

…und Kraft zum Teig kneten.


RAMBAZAMBA

mit den Worten „Dodji, slavim.“ („Komm,

ich feiere.“) ein. „So ist der Brauch“, erklärt

sie. Für die Gäste braucht sie ein

etwa 25 Kilogramm schweres Spanferkel,

also etwa ein Kilo pro Person. „Außerdem

dauert nicht nur das Vorbereiten Tage,

sondern auch das Aufräumen danach“,

erzählt Dijana weiter. Der Besuch ernüchtert

mich. Ich suche weiter, hoffe auf eine

Frau, die mir den Kloß im Hals nimmt.

SPANFERKEL SIND MÄNNERSACHE

Falsch gedacht. Auch meine Tante bestätigt

meine Befürchtung. Sie muss nämlich

nicht nur jedes Jahr am 2. August ein viergängiges

Menü für circa 20 Leute auftischen,

sondern dafür auch nach Bosnien

fahren. Ihr Mann besteht auf ein Fest in

seinem Heimatdorf im Osten von Bosnien.

„Die Gäste kommen in drei Schichten“,

beschreibt sie den zeitlichen Ablauf.

„Die erste Tour kommt um 12 Uhr, die

nächste um 15 Uhr und die letzte gegen 18

Uhr.“ Von der Hilfe meines Onkels kann

sie nur träumen. Lediglich ein Spanferkel

organisiert er. Das ist schließlich Männersache.

„Während er Fußball schaut, schäle

ich zehn Kilo Kartoffeln“.

Zu viel für meine Nerven. Nach diesem

Gespräch werfe ich das Handtuch,

krieche auf Knien zu meiner Mutter zurück

und bitte um Vergebung. „Nächstes

Jahr sorgst du für die Kuchenauswahl und

suchst im Internet nach neuen Rezepten.“

Die Selbstgefälligkeit in der Stimme meiner

Mutter ist nicht zu überhören. Mein

Vater ist erleichtert, endlich herrscht wieder

Frieden zwischen Mama und mir.

Weil er nur Töchter hat, muss ich ihm

dennoch etwas versprechen: Eines Tages

übernehme ich unsere Slava.

Alex hat es aufgegeben (ganz oben), zum Glück

hat ihre Mutter wieder übernommen und ein

Festessen zubereitet. (Mitte und unten)


15.– 16. Mai 2014

8.30 – 14.00 Uhr

Die Messe für ArbeitnehmerInnen

in Elternkarenz.

AK Wien Bildungszentrum

Theresianumgasse 16 – 18, 1040 Wien

wien.arbeiterkammer.at/berufundfamilie


46 WIEN

Wiens Wohnbaustadtrat

Michael Ludwig (SPÖ) über

gute und schlechte Adressen

in Wien, Gemeindewohnungen

für Studenten und

die Staatsbürgerschaft für

Migrantenkinder.

Von Nikolina Novković und

Christoph Schlessmann

„WIEN HAT KEINE

SCHLECHTEN

BEZIRKE“

Die Wiener SPÖ fürchtet einen "Anschlag

auf den sozialen Wohnbau"

durch die EU. Demnach gibt es innerhalb

der EU Tendenzen, geförderten Wohnraum

nur noch für sehr schwache Einkommensgruppen

zugänglich machen zu

wollen - mit sozialer Segregation als Folge,

warnt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

biber: Warum fürchten Sie sich vor der

EU?

MICHAEL LUDWIG: Ich fürchte mich

nicht vor der EU, ich bin ein glühender

Befürworter! Für Österreich hat die EU

große Vorteile gebracht. Aber es ist wichtig

zu wissen, wer in der EU die zukünftige

bestimmende Kraft ist. Ob es konservative

und neo-liberale Gruppierungen sind

oder sozialdemokratisch-linke Parteien.

Gerade beim Wohnen sieht man, dass es

große Unterschiede gibt zwischen den

Vorstellungen der Parteien. Ich möchte

gemeinsam mit unserem Bürgermeister

verhindern, dass neo-liberale Politik für

alle Mitgliedsstaaten gilt.

Was ist der konkrete Anlass für diese Befürchtung?

2011 hat es in der EU-Kommission einen

Beschluss gegeben, dass der geförderte

Wohnbau in Zukunft nur für

sozial schwache Bevölkerungsgruppen

vorgesehen sein soll. In den Niederlanden

wurden Einkommensgrenzen drastisch

nach unten gesenkt. Ein großer Teil der

Bevölkerung wurde vom Zugang zu geförderten

Wohnbauten ausgeschlossen.

Es betraf hunderttausende Menschen.

Private Hauseigentümer waren plötzlich

Gewinner. Für die war Weihnachten und

Ostern gleichzeitig.

Geht es der SPÖ nicht in erster Linie darum,

dass es zu keinen „Ghettoisierungen“

kommt?

Richtig. Durch eine solche Maßnahme

Bist du unter 30 und suchst eine Wohnung? Dann bewirb dich für

eine Gemeindewohnung, empfiehlt Stadtrat Michael Ludwig.


WIEN

47

wäre die soziale Durchmischung gefährdet. Ein Beispiel: Geförderte

Wohnungen in Paris sind sehr schlecht ausgestattet. Gute

50% der Bewohner sind arbeitslos. In Wien haben wir den geförderten

Wohnbau über die ganze Stadt verteilt. Bei uns gibt es

keine Ghettos, weder für Arme noch für Reiche. Ich bin stolz,

dass man in Wien anhand der Wohnadresse den sozialen Status

nicht erkennt. Wien hat keine „guten" und „schlechten" Bezirke.

Die Preise steigen aber kräftig: Wie können etwa Studenten günstig

wohnen?

Die Studentenwohnheime werden von uns gefördert. Das gibt

es auch nur in Wien. Insofern sind hier die Preise relativ moderat.

Wenn Studenten länger als 2 Jahre in Wien wohnen, können

sie eine Gemeindewohnung beantragen und die Jungwiener-

Aktion nützen. Die Hälfte der Wohnungen, die wir im Jahr bei

Wiener Wohnen vergeben, vergeben wir an junge Wiener unter

30 Jahren.

Im kommenden Jahr werden erstmals rund 2000 „SMART-

Wohnungen“ von der Stadt Wien vergeben. Wer soll diese bekommen

und was ist daran so toll?

Das besondere daran ist, dass nicht nur die Mieten günstiger

sind, sondern auch der Eigenmittelbeitrag, den man im Voraus

bezahlen muss. Der Eigenmittelbeitrag pro m² darf in SMART-

Wohnungen 60 Euro nicht überschreiten. Zum Vergleich: Bei

einer geförderten Wohnung sind es im Normalfall zwischen 400

und 500 Euro pro m². Generell werden jene bevorzugt, die eine

Wohnung dringend brauchen und einen Vormerkschein haben.

Ich wurde als Kind serbisch-bosnischer Eltern in Österreich geboren

und bekam erst mit 18 Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft.

Das war mir immer unverständlich. Jetzt endlich

will auch die SPÖ Wien, dass Kinder von Zuwanderern automatisch

Österreicher werden. Ist das richtig?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Menschen, die

sich zu einem Land bekennen, möglichst bald die Gelegenheit

einräumen soll, die Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Am letzten Landesparteitag der Wiener SPÖ wurde ein Antrag

angenommen, wonach die Kinder von Eltern, die zumindest

fünf Jahre in Österreich gelebt haben, Staatsbürger werden sollen.

Finden Sie das gut?

Es ist ein interessanter Gedankenanstoß, den man jetzt im Detail

diskutieren sollte. Man muss sich genau überlegen, welche Personengruppen

es betrifft und welche Auswirkungen es für das

Kind hat. Es gibt viele offene Fragen. Hat das Kind automatisch

Anspruch auf beide Staatsbürgerschaften? Oder nur auf die österreichische?

Was bedeutet das für die Eltern? Ist ein solcher

Automatismus wirklich zum Vorteil für das Kind? Schließlich

ergeben sich mit der Staatsbürgerschaft sowohl Rechte als auch

Pflichten. Und: Es sollten solche Regelungen immer auch für

Zuwanderer in Österreich, wie auch für Österreicher in anderen

Staaten gelten. Es muss alles geklärt sein, bevor so eine Regelung

vom Parlament beschlossen werden könnte.

Wer ist er

Name: Michael Ludwig

Funktion: Wohnbaustadtrat von Wien

Partei: SPÖ

Wurzeln: Floridsdorf


48 KARRIERE

Ganz schön erfolgreich

Sawsan Chebli ist stellvertretende

Sprecherin

des Auswertigen Amtes

in Deutschland. Die

35-jährige Muslimin hat

palästinensische Eltern, die

in den 70ern als Flüchtlinge

nach Deutschland

gekommen sind. Sie ist die

zweitjüngste von 13 Geschwistern

und studierte in

Berlin Politikwissenschaft.

KARRIERE

&Kohle

Hochlesen statt

hochschlafen. Von

Marina Delcheva

Meinung:

Die neuen Diener

Das Zuckergate rund um Plachutta – ein Kellner hat seine mitgebrachten

Erdbeeren mit Restaurant-Zucker gewürzt und wurde gefeuert

– hat mich wieder an ein paar Schikanen aus meinen Studentenjobs

erinnert. Vor allem in der Gastronomie muss man sich von

cholerischen Chefs und übermütigen Kunden Sprüche gefallen lassen,

die man im Namen der Psychohygiene besser vergisst. Ich habe

zwei Sommer lang in einem Salzburger Fünf-Sterne-Hotel an der

Rezeption gearbeitet. Weil meine offenen Haare „wie ein Vogelnest

aussehen“, musste ich sie immer zusammenbinden, wenn der Chef

da war. Als wären die pompöse rote Halsmasche und die Blazer-

Pflicht bei 37 Grad nicht Schikane genug. In einem Wiener Bräu,

in dem ich neben der Uni gekellnert habe, fragte mich ein Gast,

ob ich „auch sexuelle Dienste anbiete“, weil ich so osteuropäisch

aussehe. Und natürlich sind alle Osteuropäerinnen Prostituierte!

Hinzu kommen Grabschattacken von besoffenen Gästen, Gebrüll

von Chefs wegen eines Kaffees oder einer trockenen Semmel auf

Haus und dergleichen. Keine andere Branche als die Gastronomie

schafft es, dir das Gefühl zu vermitteln, ein Mensch zweiter Klasse zu

sein. Geldsorgen, Streit mit der Ehefrau, Minderwertigkeitskomplexe

– das alles wird oft an Menschen ausgelassen, die dafür bezahlt

werden, zu bedienen. Die neuen Diener quasi. Mich hat das

alles motiviert, so schnell wie möglich mein Studium abzuschließen

und aufzuhören, Kunden und Chefs zu „dienen“. Ich bewundere

den Mut des slowakischen Kellners, gegen seinen Chef vorzugehen

und seine Rechte einzufordern. Und was mich betrifft, boykottiere

ich jedes Restaurant, Lokal und jeden Betrieb, die seine Arbeiter

unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten lassen und sie

schikanieren. Die Kauf-Kraft liegt nämlich bei mir, der Kundin.

delcheva@dasbiber.at

ZAHL DES MONATS

33.948

nicht-österreichische EU-

Bürger haben sich für die

EU-Wahl am 25. Mai registriert

und dürfen demnach hier wählen.

Das sind nur 8,5 Prozent

der 396.400 EU-Bürger, die in

Österreich leben.

3 Fragen an Julia Labenz, von der

Personalleasing-Firma Trenkwalder

Wer findet in Österreich derzeit am leichtesten

einen Job?

Es werden fachliche Spezialisten in allen

Branchen – vom Mechatroniker bis zum

Kranführer – gesucht.

Damit kann

man Geld verdienen?

Die Firma „Pralinamo“ verdient ihr

Geld mit persönlichen Pralinen.

Sie schreiben auf Kundenwunsch

Botschaften auf Schoko-Pralinen und

verschicken diese. Danksagungen,

Liebeserklärungen, Schlussmachen…

alles ist möglich. Einfach

auf der Homepage die gewünschte

Message und die Person, die diese

bekommt, eingeben. Ein „Danke“ auf

den handgefertigten Pralinen kostet

9,90 Euro. (www.pralinamo.com)

Wie wichtig sind Fremdsprachen und Auslandserfahrung

tatsächlich am Arbeitsmarkt?

Natürlich kommt es darauf an in welcher Branche man tätig ist,

aber zumindest Englisch ist in den meisten Berufen Grundvoraussetzung

– jede weitere Sprache natürlich von Vorteil.

Wer ist derzeit trotz Studienabschluss am schwierigsten zu vermitteln?

Eindeutig GeisteswissenschaftlerInnen – jedoch auch AbsolventInnen

in den Bereichen Psychologie und Sozialarbeit haben es

zurzeit nicht gerade leicht in der Arbeitswelt. Um einiges rosiger

sehen die Berufschancen in den Studienfächern Pharmazie, Veterinärmedizin

und Bauingenieurwesen aus.

Fotos: Mannibal Hanschke / EPA / picturedesk.com, Petra Spiola, pralinamo, Marko Mestrović


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50

RAMBAZAMBA

SEI STILL UND ARBEITE!

2014 feiert Österreich 50 Jahre Gastarbeiter-Anwerbeabkommen mit der Türkei. Während

die Wirtschaft auf gute Beziehungen und Erfolge für den Standort Österreich hinweist,

erinnern sich viele Gastarbeiter an unbezahlte Überstunden, menschenunwürdige Quartiere

und Beleidigungen. Streiks und Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen wurden

mit Kündigung und Abschiebung bestraft. Von Marina Delcheva, Fotos bereitgestellt von Ali Özbas/JUKUS


RAMBAZAMBA

51

Immer wieder haben sich heimische Betriebe an die Wirtschaftskammer gewandt und diese um Hilfe bei ungehorsamen

Gastarbeitern gebeten. Oft wollten die Firmen damit die Arbeiter an einem Jobwechsel hindern.


52 RAMBAZAMBA

Es ist sechs Uhr morgens, irgendwann

in den frühen 80ern. Dragica

S. ist gerade eben aufgestanden und

macht sich für die Arbeit fertig. Sie ist

Tellerwäscherin und Reinigungskraft in

einem Hotel in den Salzburger Alpen. Ihr

Mann ist noch nicht aus der Nachtschicht

zurück. Beide wohnen in einem winzigen

Kellerzimmer ohne Bad und Küche im

Hotel, in dem Dragica arbeitet. Die Frau

weint zu dieser Zeit sehr oft. Sie hat vor

wenigen Monaten ein Kind bekommen

und es nach nur vier Wochen zu den Verwandten

nach Jugoslawien geschickt. Sie

hätte ihren Job verloren, wenn sie zu Hause

beim Kind geblieben wäre. Mit der Arbeit

wäre auch das Visum weg. Es ist ihr

vierzehnter Arbeitstag in Folge. „Die Arbeitgeber

haben das mit den freien Tagen

damals nicht so ernst genommen“, erzählt

sie heute.

Dragica S. und ihr Mann gehören zu

den geschätzten 200.000 Gastarbeitern,

die in den 60ern bis 80ern nach Österreich

gekommen sind, um hier zu arbeiten.

Offiziell sollen von 1964 bis 1971 40.000

türkische und jugoslawische Arbeiter

über den Amtsweg gekommen sein. Noch

mehr fanden aber über Bekannte oder

als Touristen eine Arbeit in Österreich.

„Es war nie das Problem, dass zu viele da

waren, man musste sie eher suchen“, sagt

August Gächter vom Zentrum für Soziale

Innovation (ZSI). Heuer feiert Österreich

das 50-jährige Jubiläum zum Anwerbeabkommen

mit der Türkei (siehe Info auf

der nächsten Seite).

Österreichs Wirtschaft litt vor allem

in den 60ern unter starkem Arbeitskräftemangel

und brauchte dringend billige

Arbeitskräfte aus dem Ausland. Die

Baubranche hatte schon 1961 begonnen

Arbeiter im Ausland anzuwerben.

Heimische Betriebe waren in einem regelrechten

Konkurrenzkampf um Arbeitskräfte.

Hinzu kam, dass Österreich

eigentlich kein attraktiver Ort für Gastarbeiter

war. Die meisten wollten nach

Deutschland oder Belgien weiter,

wo die Löhne viel höher

waren, und sahen Österreich

nur als Zwischenstopp. Das

war ein großes Problem für

heimische Betriebe, die immer

wieder neue Leute anlernen

mussten. Um ausländische Angestellte im

Unternehmen zu halten, haben manche

Betriebsleiter versucht, bei der Fremdenpolizei

zu intervenieren oder ihre Pässe

einbehalten.

MINDESTLOHN UND ÜBERSTUNDEN

„Sie haben dir den Vertrag auf Deutsch

hingehalten und du hast sofort unterschreiben

müssen. Viele haben nicht einmal

gewusst, was da steht“, erzählt Akif G.

(Anm.: Name von der Redaktion geändert).

Er kam 1979 als 18-Jähriger aus Ankara

nach Wien. Damals hat sein Onkel

schon als Gastarbeiter hier gearbeitet. Er

hat im Baugewerbe, in einer Fischfabrik

und später in einem Industriebetrieb gearbeitet.

„Wir wussten zum Beispiel nicht,

dass wir am Wochenende mehr verdienen

dürfen. Das hat uns keiner gesagt“, sagt er.

Die meisten Gastarbeiter haben nur den

gesetzlichen Mindestlohn erhalten und

wurden kaum über ihre Rechte aufgeklärt.

„Manche von uns haben 3.000 bis 4.000

Schilling im Monat verdient. Sie haben

uns oft nur ein Viertel von dem bezahlt,

was die Österreicher bekommen haben“,

erzählt er. Doch auch jene, die wussten,

was ihnen zusteht, haben sich nicht getraut

aufzubegehren. Das Visum war an

die Beschäftigung gekoppelt, die Arbeitsverträge

waren meist auf ein Jahr befristet.

Wer keinen Job hatte, musste das Land

verlassen. „Ganz ehrlich, ich habe das als

Sklavenarbeit empfunden“, sagt Akif G.

heute.

Für Frauen seien die Arbeitsbedingungen

besonders schlimm gewesen, erzählt

Ali Özbaş. Er ist Veranstalter der Ausstellung

„Lebensgeschichten der ersten

GastarbeiterInnen aus der Türkei: Eine


GANZ EHRLICH,

ICH HABE DAS ALS

SKLAVENARBEIT

EMPFUNDEN


SAGT AKIF G. HEUTE.

Ausstellung zu über 50 Jahren

türkische Arbeitsmigration

nach Österreich“, die im Herbst

landesweit startet. Auch wenn

ein Großteil der Gastarbeiter

Männer waren, so kamen doch

auch Frauen, die vorwiegend

in der Textilindustrie und manchmal im

Gastgewerbe gearbeitet haben. Im Vergleich

zum Baugewerbe oder zur Schwerindustrie

waren die Gehälter in diesen

Branchen aber sehr niedrig. Vor allem

am Land gab es kaum Kinderbetreuungsplätze

und viele Frauen hatten kein Recht

auf Karenz, wenn sie nicht lange genug

im Land waren. „Ich bin irgendwie alleine

aufgewachsen“, erzählt Nesim G., die

als Sechsjährige mit ihren Eltern aus der

Türkei nach Österreich gekommen ist.

Viele Kinder wurden nach der Geburt zu

den Großeltern in die Heimat geschickt

oder sogar in staatliche Obhut gegeben

(biber hat berichtet).

WOHNEN „WIE IM SCHWEINESTALL“

Am Anfang hat Akif G. in einer Fabrik

gearbeitet und sich mit sieben weiteren

Kollegen ein Zimmer geteilt. Es war gerade

einmal groß genug für die vier Stockbetten,

auf denen die Männer geschlafen

haben. „Wir haben wie im Schweinestall

gelebt!“ Bis weit in die 1970er mussten

die Firmen theoretisch für die Unterkunft

und die Beschäftigungsbewilligung ihrer

ausländischen Arbeiter aufkommen. In

der Praxis wurde aber vielen ein Teil des

Lohns für Logis und für die Gebühren

rund um die Erteilung der Beschäftigung

abgezogen. „Waschmaschine oder Bad

im Zimmer waren Luxus. Jede Woche

war eine lange Schlange vor dem Amalienbad“,

so Akif. In eine eigene Wohnung

umziehen war theoretisch möglich,

aber nicht gern gesehen. „Wer aus den

schäbigen Arbeiterquartieren ausziehen

wollte, dem wurde mit dem Rauswurf gedroht“,

erzählt Gächter vom ZSI.

„Am Anfang waren die Arbeiter mit


RAMBAZAMBA

53

In der Arbeit läuft’s

wieder rund!

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Kfz-Mechaniker Ekrem Halilhodžić, 52 Jahre

Schon als kleiner Junge habe ich gerne an Motoren herumgeschraubt –

in Wien wurde ich dann endlich Mechaniker. Bis mir plötzlich diese

Kurbelwelle aufs Handgelenk fiel und ziemlich alles kaputt machte.

Da hatte ich Angst, den Job zu verlieren. Dank der Hilfe von fit2work

bei den Ansuchen konnte ich in einer ausgezeichneten Klinik auf

medizinische Reha gehen. Sie halfen mir auch in der Firma: Nach

Absprache mit dem Chef erledige ich jetzt vermehrt Organisatorisches,

bis ich wieder voll im Betrieb mitarbeiten kann.

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54 RAMBAZAMBA

dem zufrieden, was sie bekommen

haben. Niemand hat

gefragt, was ihm zusteht“, sagt

Özbas, der im Rahmen der Ausstellung

zahlreiche Interviews

mit ehemaligen Gastarbeitern

geführt hat. „Aber sobald die

Leute ihren Lebensmittelpunkt hierher

verlagert hatten und ihre Kinder hier in

die Schule gegangen sind, haben sie begonnen,

mehr Rechte einzufordern.“ Und

das wurde noch weniger gern gesehen

und folgenschwer bestraft.

VON KAMMERS GNADEN

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit hat die

Historikerin Vida Bakondy untersucht,

wie Gastarbeiter gegen miserable Wohnund

Arbeitsbedingungen demonstriert

haben und wie heimische Betriebe auf

deren Ungehorsam reagiert haben. Das

Resultat: Aufbegehren wurde in manchen

Fällen mit Abschiebung bestraft. Die Beschäftigungsbewilligungen

wurden nicht

verlängert und ein Wechsel in eine andere

Firma wurde bewusst erschwert. „Manche

Firmen haben bei der Wirtschaftskammer

interveniert und wollten verhindern,

dass die Arbeiter in einer anderen Firma

einen Job bekommen“, sagt Bakondy. So

bittet etwa eine Metallerzeugungsfirma

1963 die Wirtschaftskammer im Fall eines

angeworbenen türkischen Arbeiters um

Intervention (siehe Brief). Die Kammer

solle beim damaligen Arbeitsamt intervenieren,

sodass der Arbeiter in keiner

anderen Firma eine Arbeit findet und entweder

beim Metallerzeuger bleibt, oder

das Land verlassen muss. In den Archiven

der WKO finden sich auch weiter Briefe

von Firmen mit der Bitte um Intervention.

Der niederösterreichische „Stadtbaumeister

Rudolf Jäger“ beschwert sich 1963

etwa, dass acht türkische Bauarbeiter gekündigt

haben und bittet die WKO, „auch

von Ihrer Seite aus zu versuchen, diese

türkischen Bauhelfer aufzugreifen und

damit zur Rückkehr zu zwingen.“


ES GIBT KEINE ZAHLEN

ÜBER DIE ANTRÄGE

SEITENS DER WKO ODER

DES ÖGB UND WIE

DIESE AUSGEGANGEN

SIND. MEIN EINDRUCK

WAR ABER, ES HING

DAVON AB, WIE GUT

DER BETRIEB IN DER

SOZIALPARTNERSCHAFT

VERANKERT WAR


Damals hatten Wirtschaftskammer

(WKO) und Gewerkschaftsbund

(ÖGB) tatsächlich

ein Mitspracherecht bei der

Erteilung von Arbeitsbewilligungen

und Visa. In welchen

Fällen aber interveniert wurde,

hing oft von der Firma selbst ab. „Es gibt

keine Zahlen über die Anträge seitens der

WKO oder des ÖGB und wie diese ausgegangen

sind. Mein Eindruck war aber,

es hing davon ab, wie gut der Betrieb in

der Sozialpartnerschaft verankert war“,

erzählt August Gächter, der im Rahmen

seiner Forschungsarbeit die Arbeitsbedingungen

von Gastarbeitern untersucht

hat. Hatte ein Betrieb ein hohes Standing

in der Kammer oder einen Betriebsrat

beim ÖGB, sei den Forderungen nach

Intervention eher nachgegangen worden

– unabhängig davon, ob es darum ging

einen Arbeiter zu behalten oder abzuwerben,

so Gächter.

Bakondy schildert in der Zeitschrift

der Initiative Minderheit, „Stimme“, den

Wunsch nach Abschiebung von neun

türkischen Arbeitern, die sich nach Auslaufen

ihres Arbeitsvertrags geweigert

hatten bei derselben Baufirma zu verlängern.

Diesen Vorfall kommentierte das

Arbeitsamt Niederösterreich 1962 so: „…

Da auch weiterhin Interesse an ihrer berufsrichtigen

Beschäftigung bestand, sieht

das Landesamt NÖ. in dem disziplinlosen

und den Arbeitsmarkt störenden Verhalten

dieser Fremdarbeiter eine Gefährdung

der öffentlichen Interessen.“ Die Gastarbeiter

sollten kein Recht bekommen über

die Art ihrer Beschäftigung und ihren Arbeitgeber

selbst zu entscheiden.

„Das Anwerbeabkommen mit der

Türkei wurde vor 50 Jahren abgeschlossen,

die damals für dieses Thema zuständigen

Personen sind schon lange nicht

mehr in der WKO tätig. Ich kann sie daher

nicht mehr fragen, wie mit Interventionen

umgegangen wurde. Ich bitte Sie

dahingehend um Verständnis“, sagt Margit

Kreuzhuber von der WKO. Tatsächlich

sind in den Archiven keine Aufzeichnungen

darüber, wie die Kammer damals

auf Briefe und Ansuchen geantwortet hat.

KEINE MACHT DEN ARBEITERN

Autonomie und Ungehorsam wurden

vom Arbeitgeber bestraft, den Kammern

und das Arbeitsamt den Rücken gestärkt

haben. Gächter schildert im Rahmen seiner

Forschung beispielsweise zwei Streikfälle

von jugoslawischen Gastarbeitern

1965 und 1966 in zwei unterschiedlichen

Betrieben, die mit Schubhaft und Abschiebung

niedergeschlagen wurden. Im

ersten Fall haben zehn Arbeiter demonstriert,

weil sie statt der versprochenen 18

Schilling pro Stunde nur 15 bekommen

hatten. Im zweiten Fall hatten Arbeiter

ihre Stimmen erhoben, weil ein Kollege

gekündigt worden war, nachdem er sich

über die Arbeitsbedingungen beschwert

hatte. Die Arbeitgeber hatten Angst, dass

auch andere ausländische Arbeiter auf die

Barrikaden steigen und haben jede Form

des Widerstands drakonisch bestraft.

„Streik oder Aufregen waren purer

Luxus!“, erzählt Akif G. Und so haben

viele einfach nur geschwiegen und gearbeitet.

Sie haben alles gespart, was sie

beiseite legen konnten und ihren Familien

geschickt oder für ihre Kinder hier

auf die Seite gelegt. „Irgendwann wurde

es langsam besser. Zuerst ein besserer Job,

dann eine schönere Wohnung…“ Heute

lebt Akif in einer geräumigen, schönen

Wohnung in Wien. Seine Kinder sind

erwachsen und haben studiert. „Ich habe

meinem Sohn gesagt, ich will dich nicht

im Blaumann sehen!“ Nur sein Rücken ist

von der jahrelangen harten Arbeit kaputt.

Auch Dragica hat Schmerzen, wenn sie

sich bücken muss und ihre Enkelkinder

auf den Arm nimmt. Und erinnern wollen

sie sich nicht so gern, an die ersten Jahre

in Österreich, als jeder noch gedacht hat,

sie gehen bald.


RAMBAZAMBA

55

GASTARBEITER IN ÖSTERREICH

1961 wurde das sogenannte Raab-Olah-Abkommen

geschlossen, benannt nach den Präsidenten der

Wirtschaftskammer und des Gewerkschaftsbunds

Julius Raab und Franz Olah. Dieses sollte

ausländischen Arbeitskräften den Zugang zum

heimischen Arbeitsmarkt erleichtern und war

quasi der Grundstein für die über 30-jährige

Gastarbeitergeschichte Österreichs. Das erste

Abkommen zum Abwerben von ausländischen

Arbeitern wurde 1962 mit Spanien geschlossen.

Da das Lohnniveau in Österreich relativ gering war,

kamen aber kaum spanische Arbeiter ins Land.

1964 schloss Österreich ein Abwerbeabkommen

mit der Türkei. Eine entsprechende Anwerbestelle

war schon 1961 in Istanbul eröffnet worden. Diese

vermittelte türkische Arbeiter an österreichische

Betriebe, die um ausländische Arbeiter angesucht

hatten. Auch mit dem ehemaligen Jugoslawien gab

es ein Abkommen . Offiziell sollen von 1964 bis 1971

40.000 türkische und jugoslawische Arbeiter über

den Amtsweg gekommen sein. Vermutlich waren es

weit mehr, weil viele Arbeiter über Verwandte und

Bekannte eine Stelle in Österreich bekommen haben.

Schätzungsweise kamen bis Mitte der 80er-Jahre

200.000 bis 220.000 Menschen als Gastarbeiter

nach Österreich.

Als Anfang der 60er-Jahre die erste Gastarbeiter nach Österreich gekommen sind,

hat niemand gedacht, dass einige von ihnen dauerhaft bleiben würden.

am 25. Mai

Sozial

statt egal.

Wem Millionen Jugendliche

ohne Job nicht egal sind,

wählt am 25. Mai die SPÖ.

Eugen Freund

meineuropa.at


56 MIT SCHARF

KARRIERE NEWS

DEUTSCHKURS-REFORM AM AMS

Seit einem Jahr gibt es am AMS Wien ein neues System

für Deutschkurse. Die Vorbildung der Kursteilnehmer

ist mittlerweile genauso wichtig wie ihr Sprachniveau.

Durch die Veränderungen brechen statt einem Drittel,

nur mehr 15 Prozent der Teilnehmer vorzeitig ab. Jeder

Kursbesucher muss jetzt einen einheitlichen Test absolvieren.

Danach werden die Teilnehmer je nach Vorbildung

und Sprachkönnen in Kleingruppen von zehn bis

zwölf Personen eingeteilt. Der Diversity-Beauftragte

vom AMS Wien, Dr. Ali Ordubadi, spricht von einer

positiven Entwicklung: „Zusätzlich gibt es eine begleitende

Unterstützung, die vorzeitigen Abbrüchen entgegenwirkt.“

Die Veränderungen kommen gut an. Aktuell

sind 18.000 Menschen für Deutschkurse beim AMS angemeldet.

Bis Juni sind alle Kurse ausgebucht.

BFI BIETET KURSE IN

TÜRKISCH UND BKS

Das BFI Wien bietet im Zuge der Berufsreifeprüfung

Sprachlehrgänge auf Maturaniveau in Bosnisch,

Kroatisch, Serbisch und Türkisch an. Jeder, der die

Matura dort nachholt, kann zum Beispiel zusätzlich

seine eigene Muttersprache in Wort und Schrift

kostenlos perfektionieren. „Wir wollen in

diesem Projekt Migrantinnen und Migranten

Mut machen und durch den Abbau von

Hürden den Zugang zur Berufsreifeprüfung

erleichtern“, erklärt Ursula Sorschag vom

BFI Wien.

TIPPS

Weiterbildung

Fotos: VHS Wien / Lechner, Michael Gruber / EXPA / picturedesk.com, Felicitas Matern


MIT SCHARF

57

GEWINN-

SPIEL mit

scharf:

NEOS SUCHEN 200 POLITIKER

Für die Wien-Wahl 2015 suchen die NEOS Politikerinnen

und Politiker, die bei den Gemeinderatswahlen

für Listenplätze kandidieren möchten. Besonders

gefragt: Frauen und Menschen mit einer zweiten

Muttersprache, „die nicht wieder nur die Integrationsschiene

bedienen, sondern auch in Themen wie Bildung

oder Wirtschaft aktiv sind. Wir wollen einen ganz

normalen Querschnitt der Bevölkerung“, sagt Beate

Meinl-Reisinger, stellvertretende Klubobfrau der NEOS.

Inserat BIBER 207x135mm abf Sujet Polizeiaufnahme V20140428 druck.pdf 1 28.04.2014 11:14:54

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ich mich im Job von meiner besten Seite zeigen? Wie

nutze ich meinen Migrationshintergrund zu meinem

Vorteil? biber verlost 3 mal 3 Jobcoachings bei der

erfolgreichen Coachin Christina Aumayr.

Coaching ist keine Therapie sondern eine lösungsorientierte

Beratung. Der Klient ist dabei der Experte für seine

Probleme und Lösungen, der Coach ist der Experte für

den Weg dorthin. Systemisches Coaching ist zielorientiert

und eröffnet den Weg zu alternativen Sichtweisen

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58 TECHNIK

INTERNET

AUS DER WOLKE

Der Suchmaschinengigant

Google hat den Drohnen-Hersteller

Titan Aerospace gekauft. Titan

wird Teil des Google Projekts „Loon“,

dessen Ziel die Internetversorgung

von abgelegenen Gebieten ist. Dazu

fliegen Wetterballone und Drohnen

in großer Höhe und werden

damit zu Schaltpunkten für

den Datenverkehr.

TECHNIK

&Mobil

Alt+F4 und der

Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

Ein Staubsauger für die Natur

James Dyson, Erfinder des Staubsaugers ohne

Beutel, plant Flüsse und Gewässer zu säubern.

In einem „Time Magazine“-Artikel beschreibt

er, wie sein „M.V Recyclone“ getauftes Schiffskonzept

den Plastikmüll aus dem Wasser sammelt.

Technisch beruht das Arbeitsprinzip auf

denselben Ideen wie in seinen Staubsaugern.

Meinung:

World of Wienerland

Österreichische Orks, Zwerge und Elben? Richtig gelesen! In

der online-only Serie „Wienerland“ streiten Menschen und

„Apériri“ – Fantasywesen „made in Austria“ – um die Vorherrschaft.

Schauplatz für den Kampf ist „Motherstown“, eine

düstere Handelsstadt. Die Produzenten Jan Woletz und Christof

G. Dertschei verwenden für ihre Serie Elemente des Fantasy-

Genres gemischt mit Spaghetti-Western und erschaffen damit

eine gänzlich neueWelt. Der Andrang bei der Teaser-Premiere

im U4 war jedenfalls riesig. Die erste Staffel der Serie steht

kurz vor der Veröffentlichung und besteht aus 6 Episoden. Alle

Infos zur Serie findet man auf www.wienerland.com und auf

www.facebook.com/WienerlandTheSeries.

bezeczky@dasbiber.at

ZAHL DES MONATS

25 Jahre

Gameboy

Nintendos portable Konsole kam

vor 25 Jahren das erste Mal auf den

Markt und eroberte die Spielerherzen

im Sturm. Der Gameboy

gehört mit 118 Millionen verkauften

Exemplaren zu den erfolgreichsten

Konsolen überhaupt.

3 Fragen an Lev Ratner. Als PR & CSR Manager gestaltet er

die interne Kommunikation von T-Mobile und ist für Nachhaltigkeitsprojekte

wie dem T-Mobile Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds

zuständig.

Welches Handy verwenden Sie?

Ein Apple iPhone5, das stets online mit der Cloud verbunden

ist. So habe ich immer alles wichige dabei: Notizblock, Kalender

und Mailzugang.

Groarrrr!

Welche App haben Sie zuletzt auf Ihr Handy geladen und warum?

Erst vor ein paar Tagen das kostenlose

„TV SideView“. Damit lässt sich ein Fernseher

komplett über das iPhone steuern.

Welches Gadget haben Sie gekauft aber nie

verwendet?

Eine iPhone-Hülle mit ausklappbarer Tastatur.

Das sah auf den ersten Blick recht interessant

aus. Das Tippen über den Bildschirm

hat sich jedoch aus pragmatischen Gründen

durchgesetzt.

Fotos: T-Mobile / Marlena König, bereitgestellt


MIT SCHARF

59

AKADEMIE MIT SCHARF:

WIR BRINGEN DIE NEUEN

ÖSTERREICHER IN DIE MEDIEN

WILLST DU JOURNALIST/JOURNALISTIN WERDEN?

WILLST DU MITBESTIMMEN, WIE MEDIEN BERICHTEN?

WILLST DU VERBESSERN, WIE IN ÖSTERREICH ÜBER MIGRANTEN

GESCHRIEBEN WIRD?

Dann bewirb dich für ein Stipendium an der „mit scharf“-

Akademie. Auch für den Lehrgang 2013/14 vergibt biber

wieder 20 Stipendien an talentierte Jungjournalisten mit

Migrationsbackground.

Alle Stipendiaten erhalten bei biber eine zweimonatige

journalistische Grundausbildung. Danach vermittelt biber ein

Praktikum bei einem österreichischen Leitmedium oder einer

renommierten Presse- oder Kommunikationsabteilung. Das

Ziel der „mit scharf“-Akademie ist es, die journalistische Elite

des neuen Österreichs zu rekrutieren und auszubilden. Das

Stipendium ist mit 600 Euro monatlich dotiert.

Bist du interessiert und zwischen 18 und 28 Jahre alt? Schick

uns deinen Lebenslauf und sag uns, warum du das Stipendium

bekommen sollst und welche Storys du gerne schreiben

würdest. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine

Voraussetzung. Für uns zählen deine Motivation und deine

Ideen, nicht deine Nationalität.

Bewerbung an: redaktion@dasbiber.at

Erfolgreiche Absolventen: Ali Cem Deniz, Ayper Cetin, Muhamed Beganović

Das Projekt der „mit scharf“-Akademie wird finanziell gefördert von

Bundesministerium für Inneres, Novomatic, OMV, der Industriellenvereinigung

sowie der Bawag/PSK. Wir danken unseren Sponsoren.


60 LIFEESTYLE

„Waxing Expertin

4 FRAGEN AN

Serpil Demirci Waxing-

Expertin. Die Kosmetikerin

und medizinische Assistenz

macht Haarentfernung

mit Warmwachs.

Machen Waxing nur Frauen

oder auch Männer?

Natürlich kommen mehr Frauen zu mir, aber seit

ein paar Jahren – vor allem im Sommer – auch

Männer. Vor allem Österreicher.

Welche Stellen sind gefragt?

Männer machen meist den Rücken und die Brust.

Frauen wollen „Brazilian Waxing“, also die komplette

Intimzone. Die Armhaarentfernung ist auch

immer mehr gefragt.

LIFE &

AntiaStyle

Shoppen senkt den

Blutdruck.

Von Delna

MEINUNG

„Alles dreht sich um die Dicken!“

„Gott, Delna, bist du schlank! Wie willst du jemals ein

Kind bekommen?“, sagt sie und deutet auf meine Hüften.

Ich verabschiede mich höflich, gehe nach Hause

und weine. Natürlich hat es die Nachbarin nicht böse

gemeint. Die Kollegin, die fragt, ob meine Shorts aus

der Kinderabteilung sind, meint es auch nicht böse.

Genauso wenig wie die Bekannte: „Delna, du Storch,

hast du abgenommen?“ Ein Klassiker. Warum muss

man sich als dünner Mensch eigentlich alles gefallen

lassen? „Donnerwetter, hast du zugenommen? Dein

Hintern ist aber pompös geworden!“, würde ich nie erwidern.

Jede Speckrolle wird in unserer Gesellschaft mit

Samthandschuhen behandelt, aber auf zarten Knochen

wird herumgetrampelt wie ein Elefant. Nicht jede

Größe 34 knabbert nur an Salat oder kotzt sich die

Seele aus dem Leib. Im Gegenteil, eine dünne Minderheit

isst von früh bis spät, um Gewicht zu halten.

Schon mal darüber nachgedacht? Auch Dünne haben

Gefühle und wollen nicht „zu“ dünn sein. Es ist ärztlich

bewiesen, dass Zunehmen schwieriger als Abnehmen

ist. Aber in Frauenzeitungen reiht sich nur eine

Diät an die andere. Die Sorgen der Dünnen scheren

keinen: Ob es die Angst vor der nächsten Magendarmgrippe

ist oder Figurdepressionen, weil einem ständig

dieser Satz auflauert: „Du musst was essen! Männer

wollen schließlich Frauen mit was dran.“ Gut, dass ich

inzwischen eine dicke Haut habe. Also bitte, halt’s die

fette Pappen!

antia@dasbiber.at

Was kann ich tun, damit es nicht so weh tut?

Nichts. Schönheit muss leiden. Die Behandlung

ist nicht völlig schmerzlos, zumindest nicht beim

ersten Mal. Mit der Zeit werden aber die Haare

feiner und weniger, die Behandlung schmerzfreier.

Der Körper gewöhnt sich daran.

In Wien machen jetzt überall „Waxing“ Studios auf.

Was sagst du dazu?

Ich finde es super! Früher gab es „Brazilian Waxing“

ja gar nicht in Österreich. Bei uns Türkinnen und

Perserinnen hat die Haarentfernung dagegen

lange Tradition. Unsere Mütter und Großmütter

haben schon Intim-Waxing gemacht, ich bin damit

aufgewachsen.

Waxing bei Hausarzt Dr. Friedrich Brauner im

12. Bezirk, Kosten für Brasilian Waxing 20€ /

Brust- & Rückenhaarentfernung: 20-30€

Must Have!!!!

Fashion-Tipp

BRÜSTE

RAUS!

Beugt anatomischen

Unklarheiten vor: Das

kecke Busen-Shirt

vom Wiener Label

„Sandersen“. 100%

Baumwolle, 35 € /

Gibt’s bequem im

Online-Shop:

www.sandersen.at

Schuh-Tipp!

HANF-LÄUFER

Ob Frauen- oder Männerfüße,

diesen Sommer stecken sie

lockerluftig in „Espandrilles“.

Den spanischen Schuhklassiker

mit der Sohle

aus geknüpften Pflanzenfasern

gibt es in

schönen Variationen

bei ALDO.

Ayurveda-Tipp

BUTTER& BIKINI

Bikinifigur braucht Butterzufuhr.

Richtig gelesen. Topfen,

Schlagobers und Butter gehören

im Sommer nicht vom Speiseplan

verbannt. Sie „schmieren“

den Körper von innen, polstern

die Haut glatt und machen die

Verdauung geschmeidig. Ganz

im Gegensatz zu Salat, der nur

rumliegt, bläht und für den Körper

schwer verdaulich ist. Also

nehmt’s euch nicht die Butter

vom Brot! Is’ gsund und guat.

Fotos: ALDO, Sanderson


BECAUSE I’M HAPPY

Die Wiener Modemacher treiben es bunt.

Fotos: bereit gestellt

Die Wirtschaftskammer Wien lud dazu

ein, dem „Kleid“ einen Sommerlook zu

verpassen. Unter dem Motto „trendy,

happy, candy“ haben sechs Designer

ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.

Herausgekommen sind Kleider so verlockend

wie Omas Bonbondose. Ob

pastellige oder kitschige Farbtöne von

Rosa bis Pink, Zitrone bis Limone oder

Eisblau bis Lavendel, die Botschaft ist

klar: Diesen Sommer macht „frau“

jeder Eistüte Konkurrenz. Das Ganze

wurde in einem Shooting und bei einer

Modenschau mit der Innungsmeisterin

Maria Smodics-Neumann festgehalten.

Biber war dabei.

Die Modelle von:

Hanna Trachten

Manufaktur /

Linda Zlok /

Hoerl Wagner OG

Fotos: VHS: Susanne Einzenberger

Fotos: ALDO, Sanderson

TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER –

EIN SPRACHKURS FÜR JEDERMANN

Egal, ob Lehrer mit türkischen Schülern

oder Türkei-Urlauber: die Teilnehmer in den

Sprachkursen an der Volkshochschule Hernals

sehen viele Gründe Türkisch zu lernen.

Denn sie wissen - Sprachen eröffnen Türen

und vor allem Türkisch ist in Österreich zu

einem festen Bestandteil im beruflichen und

privaten Alltag vieler geworden.

EIN TRIP DURCH NOCH SO KLEINE

TÜRKISCHE DÖRFER und das im

Alleingang - davon träumt der Kursteilnehmer

Klaus. Neben den beruflichen Vorteilen

sind auch persönliche Beziehungen

ausschlaggebend. Viele haben Freunde in

der Türkei oder angeheiratete türkische

Verwandte. Das Zusammenleben weckt

schnell das Interesse an Sprache und Kultur.

Die Türkischkurse an der VHS Wien werden

auf unterschiedlichen Levels und mit

verschiedenen Schwerpunkten angeboten.

So kann man sich auf die Konversationen

im Urlaubsalltag konzentrieren, die Sprache

von Beginn an in aufbauenden Niveaus

erlernen oder seine Erstsprachenkenntnisse

festigen. Je nach Bedarf und Zeit können

Interessierte wählen. Die Nachfrage

ist groß und die Leiterin Maresch ist sich

sicher: „Die Bedeutung der türkischen

Sprache wird immer größer und dementsprechend

auch die Angebote.“

BEZAHLTE ANZEIGE

In den Sprachkursen ist wichtig, dass die

Teilnehmer individuell gefördert werden

und ausgiebig zu Wort kommen. Die Schüler

von Frau Maresch können schon lange

ihr Essen in türkischer Sprache bestellen

und sie verrät stolz: „Heute wird eine Teilnehmerin

ein Referat über die Architektur

Istanbuls halten – natürlich komplett auf

Türkisch.“


62 MIT SCHARF

SUPER 8

EUROPAS FESCHMACHER

SIE SIND DIE SUPER 8: DIESE JUNG-DESIGNER SIND „ALL MADE IN EUROPE“ UND HABEN DAS BIBER-CASTING GESCHAFFT.

AUS BELGRAD BIS HELSINKI LASSEN WIR SIE EINFLIEGEN, DAMIT SIE IHRE MODE-KOLLEKTIONEN BEI DER GROSSEN

BIBER-FASHIONSHOW AM 22. MAI PRÄSENTIEREN. ALS ZUCKERL GIBT ES EINE EXKLUSIVE „EUROPA-KOLLEKTION.“

VON ARTUR ZOLKIEWICZ

PAULINA PLIZGA

Woher kommst du?

Ich bin Polin, lebe aber seit Jahren in Paris.

Fünf Worte über dein Modelabel:

patchwork, recycled, arty, trashy, fun

Was bedeutet für dich Europa?

Freiheit!

Womit assoziierst du Wien?

Gustav Klimt und alte Frauen in Socken.

Ich liebe Wiens Gärten und Museen.

www.paulinaplizga.com

VASJA LASIČ

Woher kommst du?

Ich bin aus Ljubljana, Slowenien.

Fünf Worte über dein Modelabel:

einfach, ruhig, unter Kontrolle, respektvoll, vereinigend.

Was bedeutet für dich Europa?

Es ist die letzte politische Instanz, die im Stande

wäre, den Humanismus zu retten.

Womit assoziierst du Wien?

Mein Ur-Großvater sprach immer von Ordnung

und Schönheit, als man ihn nach Wien fragte. Die

einzige Sache, die mich im Moment an Wien stört,

ist, dass ich kein Deutsch kann: Ich liebe es den

Menschen zuzuhören.

facebook.com/fsemogocnjy.jhezus

- PETER STIGTER, Stephan Doleschal, Claire Morgan, Jovana Mladenović, bereitgestellt


MIT SCHARF

63

PATRICIA VINCENT

Woher kommst du?

Ich komme aus Rumänien, lebe aber in Wien.

Fünf Worte über dein Modelabel:

zeitlos, narrativ, elegant, subtil, wiedererkennbar

Was bedeutet für dich Europa?

Meine Realität. Ich konnte bereits 26 Länder Europas

bereisen und habe viele wundervolle Plätze,

Menschen und Traditionen entdeckt.

Womit assoziierst du Wien?

Reines Trinkwasser, tolle Kunstgalerien, aufgeschlossene

Menschen und guter öffentlicher Verkehr

einerseits. Andererseits: Regenwetter, relativ hohe

Lebenserhaltungskosten, zu viele konservative

Menschen und Schrebergartendenken.

www.patriciavincent.com

MICHAL DARILA

Woher kommst du?

Aus Bratislava.

Fünf Worte über deinen Stil als Designer:

Ohne Sorgen, Vagabund, Sex, Straße, „pure awesomeness“!

Was bedeutet für dich Europa?

Manche Länder sind einfach viel zu weit vom Meer

entfernt. Alles andere passt.

Womit assoziierst du Wien?

Wien ist immer schon unser großer Nachbar gewesen.

Sehr nah, aber wie zwei verschiedene Welten.

Wenn ich Wien bzw. Österreich höre, denke ich an

Wiener Schnitzel, Alpen, Mozartkugeln und Red

Bull. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

www.buffetclothing.com


64 MIT SCHARF

CELENE VENOSA &

MICHAEL ELLINGER

Woher seid ihr?

CELENE: Ich wurde zwar in Spanien geboren, aber

im Grunde bin ich Austro-Amerikanerin und lebe

in Wien.

MICHAEL: Ich bin Österreicher.

Die beiden Designer arbeiten seit einem halben

Jahr gemeinsam an ihrer KOINOBORI Modekollektion.

Fünf Worte über Euer Modelabel:

Metamorphose, interkulturell, Umweltbewusstsein,

spielerisch, bunt.

Was bedeutet für Euch Europa?

So wie Europa sich aus verschiedenen Kulturen

zusammensetzt, wandeln wir recycelte Materialien

zu einem neuen harmonischen Ganzen um.

Connecting Europe and the world!

Was assoziierst du mit Wien/ Österreich?

Drahdiwaberl der Kulturen.

www.kokemoos.eu/mode

PAULA KASURINEN

Woher?

Ich komme aus Helsinki, Finnland.

Fünf Worte über Deinen Mode-Label:

Merkwürdig, neugierig, skandinavisch, farbenreich,

Handwerk.

Was bedeutet für Dich Europa?

Europa bedeutet für mich Freiheit. Freiheit zu Reisen,

Meinungsfreiheit und die Freiheit zu tun, was

ich tue: Mich durch mein Design zu entfalten.

Was assoziierst du mit Wien/Österreich?

Das war Liebe auf den ersten Blick! Mein Hals

hat mir vom vielen Herumschauen wehgetan – es

gibt so viele große und schöne Gebäude, die ich

mir ansehen musste. Auch mein Bauch blieb nicht

schmerzlos von all den guten Kaffeehäusern und

Restaurants. Mir gefallen die guten Fahrradwege

und die lebendige Kunstszene.

www.poolakataryna.fi


MIT SCHARF

65

GET DRESSED

FOR EUROPE

DU WILLST MEHR VON UNSEREN

DESIGNERN SEHEN?

DANN KOMM ZU UNSERER FASHION

SHOW UND AFTER PARTY:

Fashion-Show & After-Party:

22. Mai, 19:00

Ehemalige Anker-Expedithalle,

Puchsbaumgasse 1c, 1100 Wien

Melde dich einfach an! Der Eintritt ist frei, jedoch

nur über Gästeliste möglich. Begleitpersonen sind

herzlich willkommen.

fashioneurope@dasbiber.at

Mehr auch auf Seite 14

FORUM [EPU KMU]

Das Wiener Netzwerk für KMU, EPU und GründerInnen

Operngasse 17-21 | 5. Stock, 1040 Wien

• Mehr Raum für die Wirtschaft

• Mehr Qualifizierung für den Erfolg

• Mehr Know-how für das Wachstum

EPU-Programm unter

wko.at/wien/epu

KMU-Programm unter

wko.at/wien/kmu


66 MIT SCHARF

ROMANA ZÖCHLING &

MONICA FERRARI KRIEGER

Woher seid Ihr?

ROMANA: Ich bin Österreicherin.

MONICA: Ich komme aus der italienischen Schweiz.

Letztes Jahr haben sie gemeinsam den „Schneiderhof

“ im 5. Bezirk gegründet und im Zuge dessen

auch ihr Label FERRARI ZÖCHLING released.

Fünf Worte über Euren Stil als Designerinnen:

Dynamisch, urban, markant, resolut, persönlich

Was bedeutet für Euch Europa?

Wir haben verschiedene Muttersprachen und sind

in verschiedenen Ländern aufgewachsen, Europa ist

Alltag für uns!

Was assoziiert Ihr mit Wien?

Wien ist eine aufregende, sympathische Stadt, die

manchmal gar nicht weiß, dass sie cool ist. Sie ist

sich ihrem Potenzial gar nicht bewusst.

www.schneiderhof.at

ALEKSANDRA LALIC

Woher bist Du?

Aus Belgrad, Serbien. LalicA ist der Name des

Labels. Er entstand als Kombination aus meinem

Namen und des ersten Buchstabens meines Vornamens.

Lalic bedeutet im Serbischen Tulpe.

Fünf Worte über Mode-Label:

50’punkromanceladylike

Was bedeutet für Dich Europa?

Mein Zuhause und die Quelle von beidem: Inspiration

und Frustration. Ich glaube an das vibrierende

Zusammenspiel zwischen Stilen, Geschichten und

Ideen, es wirft den Blick auf die Vergangenheit

und baut die Zukunft auf. Europa hat das Potential

zu einer wirklich kosmopolitischen Gesellschaft

zu werden. Zugleich ist es aber oft zu konservativ,

arrogant und geschlossen. Das ist frustrierend.

Was assoziierst Du mit Wien/ Österreich?

Sachertorte und gut verbrachte Zeit. Wien war

immer gut zu mir und ich habe viele Freunde dort.

Es ist wirklich nicht weit von Belgrad entfernt und

ich bin oft zu Besuch in Wien. Die Stadt ist ruhig

und zugleich lebendig. Kein Wunder, dass sie zu

einer der Städte mit der besten Lebensqualität

gewählt wurde!

www.aleksandralalic.blogspot.co.at


MIT SCHARF

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68 MIT SCHARF

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Cristiano „Vieh“ Ronaldo

Pinnwand

Info Fotos Videos Gefällt mir

Informationen

Cristiano „Vieh“ Ronaldo

Habt ihr die neue Nike-Werbung mit meinem Schatzi

@ Irina Shayk schon gesehen ?

30. März 2014 um 22:42 Uhr

David Luiz, Kobe Bryant, Nike, Rooney, Zlatan und allen Menschen im

gesamten Internet gefällt die Werbung.

Werbeanzeige erstellen

Jahresgehalt: 21 Millionen

Hobbys: Nur Fußball

und mein Sohn

In einer Beziehung mit:

Irina Shayk

Wohnort: Madrid

Freunde

514.000 Alle anzeigen

Sir Alex

Ferguson

Irina

Shayk

Fotos

Arda

Turan

Rainer

Pariasek

Mesut

Özil

Adanali

Ronaldo

2 von 13 Alben Alle anzeigen

Meine Bälle

vor 12 Tagen

aktualisiert

Meine Bälle

vor 85 Tagen

aktualisiert

Cristiano „Vieh“ Ronaldo

hat eine neue Spotify – Playlist erstellt

22. August 2013

1. Cry my a River- Justin Timberlake

2. Waka Waka – Shakira

3. Wein doch nicht – Gustav Gans

4. Champions League Hymne – Illegal Youtube Download

5. Tombul Tombul Memeler – Ibrahim Tatlises

6. Xavier Naidoo – Dieser Weg

7. Papa loves Mambo – Perry Como

Messi: Ich werde Piqué erzählen, dass du gerne seiner Freundin

lauschst =)))

05. Mai 2014 um 21:25 Uhr ∙

125 gefällt das

Cristiano „Vieh“ Ronaldo: Gusch. Sonst erzähle ich Samsung

das du eigentlich ein Iphone hast.

05. Mai 2014 um 14:22 Uhr ∙

5.455 gefällt das

Adanali Ronaldo Cristiano „Vieh“ Ronaldo

Cristiano!!! Ich bin so ein Fan von dir. Ich schaue sogar wie

du aus. Hier in Adana nennen mich alle nur Adanali Ronaldo!

28. April 2014

Arda Turan, Ilkay Gündogan, Mesut Özil und 23 gefällt das .

Arda Turan: Jetzt habe ich Lust auf

Adana Kebab bekommen!

28. April 2014 um 22:05 Uhr

252 gefällt das

Rainer Pariasek: Geh so schaut jeder Türk

in Wien aus.

28. April 2014 um 22:07 Uhr

3 gefällt das

Cristiano „Vieh“ Ronaldo: @ Arda: Wenn

ihre die CL holt, lade ich dich auf 10 Kilo

Adana Köfte am Taksimplatz ein ;)

28. April 2014 um 22:08 Uhr

7.286 gefällt das

Recep Tayyip Erdogan: Hopp Hopp. Keine

Köfte am Taksim. Taksim gehört nur mir.

28. April 2014 um 22:10 Uhr

1 gefällt das

Mesut Özil

Nike – Just do it

Biber: Das beste

Gratismagazin Österreichs

UHU – Noch besserer

Halt für die Haare

Hier das „Fakebook“-

Profil des Monats –

voll fake versteht sich.

Schreibt Teoman Tiftik,

wessen Pinnwand

ihr in der nächsten

Ausgabe lesen wollt:

tiftik@dasbiber.at

Bohohhoh Cristiano Bruda....

was habt ihr gemacht? Alle

Deutschen Mannschaften

rausgekickt.. Schalke,

Dortmund, Bayern. Alle

heulen sich bei mir aus.

Lospech. Was soll ich machen,

Bruda. Dieses Jahr ist CL-Pokal

fix in Madrid!

Hoffentlich nicht für Atletico.

Muss raus. Buenas Noches!

Miss u

Miss u 2 :-*

Tony Marshall / PA / picturedesk.com, Balawa Pics / Action Press / picturedesk.com,Doug Peters / PA / picturedesk.com, ALBERTO ESTEVEZ / EPA / picturedesk.com, Revierfoto / Action Press / picturedesk.com, Milenko Badzic / First Look

/ picturedesk.com, GABRIEL BOUYS / AFP / picturedesk.com, Balawa Pics / Action Press / picturedesk.com, Seskim / picturedesk.com, EPA/ SEDAT SUNA / picturedesk.com, Nike.com, UHU


Heute geht es um den Biber,

nicht Justin, den echten hab ich lieber!

Mit seinen Zähnen beißt er Holz,

dem Biber spend’ ich voller Stolz.

„Mutter Erde“ braucht dich.

Mehr auf muttererde.at

„Mutter Erde“ dankt:


70 MIT SCHARF

Von Todor Ovtcharov

Freundschaft, Betrug, Liebe, alles ist auf

dem schimmernden Bildschirm zu finden.

Wenn was nicht im Internet ist, dann

existiert es einfach nicht.

„LIKE“ FÜR PORNOS

Die intimsten Erlebnisse der Menschen

wurden digitalisiert. Unser Privatleben

wird immer öffentlicher. Das gilt insbesondere

für die Liebe und für den Sex.

Man sagt, dass 25% der gesuchten Begriffe

in den Internet Suchmaschinen Seiten mit

pornographischen Inhalten sind. Das sind

um die 68 Millionen Suchen täglich. Und

ich habe eigentlich viel mehr erwartet.

Man sucht immer mehr nach privaten

Sexgeschichten. Die leichtere Zugänglichkeit

zum Heimvideo wird mit Internet

verbunden. Der Amateurporno ersetzt

das Professionelle. Die Menschen teilen

ihre sexuellen Erfahrungen mit der gleichen

Leichtigkeit, mit der sie „Selfies“ und

was sie gefrühstückt haben auf Facebook

rin sein. Eins ist sicher – dieses Video hat

aus ihr einen wahren Star gemacht. Fast

jeden Tag wird in verschiedenen Fernsehsendungen

„Mitko, Mitko“ diskutiert. Die

Punkband „Hipodil“ widmete ihr sogar

einen Song, wo „Jeder ist ein Star im Internet“

gesungen wird.

Laut eines Artikels, den ich gelesen

habe, sind die Bulgaren weltweit an

sechster Stelle, was das Teilen von Amateurpornos

angeht. Ich weiß nicht an

welcher Stelle die Österreicher sind. Die

deutschsprachigen Länder haben viel zur

Pornoverbreitung beigetragen. Als ich in

der Pubertät war, war der deutsche Porno

extrem populär in Bulgarien und Sprüche

wie „Ja, ja das ist fantastisch“ sind so was

wie Stadtfolklore in Bulgarien geworden.

Das Internet gibt uns die Möglichkeit

frei zu sein. Uns wichtig und originell zu

fühlen. Das Gefühl im Mittelpunkt des

Universums zu stehen. Echte Stars zu sein.

Jeder ist ein (Porno)Star im Internet.

JEDER VIERTE SCHAUT

GERADE PORNOS!

Im neuen Film „Her“ von Spike Jonze

wird über einen Mann aus der nahen

Zukunft erzählt, der sich in sein intelligentes

Computerbetriebssystem verliebt,

weil nur sie ihn tatsächlich verstehen

kann. Es kommt mir vor, dass fast jeder

von uns an seiner Stelle sein könnte. Jeder

liebt sein Telefon, sein Tablet oder

seinen Computer. Man sucht es aus mit

dem gleichen Eifer, mit dem man einen

Sexualpartner auswählt. Habt ihr nicht

bemerkt, wie viele moderne Menschen

auf der Straße gehen, ohne dass sie einen

einzigen Moment ihre Augen vom Display

ihrer Apparate lösen können? Ihre

Augen schauen manchmal so glücklich

aus, wie Neuverliebte und manchmal so

traurig, wie die von Menschen, die an

Liebeskummer leiden. Die Menschen

sprechen zu ihren Telefonen, ärgern sich

über sie, sie schlagen sich sogar mit ihnen!

Die Freiheit steht für sie im Internet.

Das Netz erlaubt ihnen die fernsten Ecken

unseres Planeten besuchen zu können.

Das Netz ist ihre fantastische Realität.

hochladen. Dem steht das Bedürfnis zu

sehen, wie es „die anderen machen“. Stellt

euch vor, dass 25% der Menschen, die

jetzt gerade im Internet sind, sich Amateurpornos

anschauen. Die Profi-Darsteller

sind nicht mehr aktuell, die Menschen

wollen sehen, wie „echte“ Menschen Sex

haben. Also nichts mehr ewige Klassiker

wie „Hier kommt der Klempner“ oder

„Die freche Klassenlehrerin“. Die Sujets

der Amateurpornos sind viel einfallsreicher,

als die Drehbuchschreiber der

Pornoindustrie.

SCHULMÄDCHEN LIEBEN MITKO

In Bulgarien läuft ein Amateurpornofilmchen

„Mitko, Mitko“ , bei dem ein junges

Mädchen ihren Partner bittet sich zu beeilen,

da sie spät für eine Mathekontrollarbeit

ist. Während sie Sex haben wiederholt

sie immer wieder seinen Namen

„Mitko, Mitko“ und teilt ihre Probleme in

der Schule mit. Es wird nicht klar, ob sie

pünktlich für ihre Kontrollarbeit ist. Sie

mag vielleicht auch eine sehr gute Schüle-


4

wiener

Integrationswoche

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