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2009 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

2009 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

2009 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

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Nikolaus-

Cusanus-Haus

Freies Altenheim e.V.

Lebensgemeinschaft im Alter

Hauszeitung

Johanni 2009


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INHALT: Seite

Aktuelles in Kürze aus dem NCH ..............................................................

Ein mongolisches Sommerfest ....................................................................

Ostervorbereitungen im Wohnzimmer Ebene 2 .................................

Neue Bewohner ....................................................................................................

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung .......................................

Totengedenken .....................................................................................................

Schwäbische Venus ...........................................................................................

Mitarbeiter ...............................................................................................................

Dritter Ausflug Wohnzimmer Ebene 2 ...................................................

Es ist wahrhaftig wahr ......................................................................................

Veranstaltungen ...................................................................................................

Farbtupfer im Alltag .........................................................................................

pgh productions present: Merlin ................................................................

Balladen-Rätsel ...................................................................................................

Auflösung des Lieder-Quiz ..........................................................................

Eier nun vom Biolandhof Henzler ............................................................

Neue Bücher in unserer Bibliothek ..........................................................

Unsere Jubilare ....................................................................................................

Herausgeber: NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS,

Freies Altenheim e.V., Lebensgemeinschaft im Alter,

Törlesäckerstraße 9, 70599 Stuttgart-Birkach

Telefon 0711 / 45 83 - 0

Auflage Nr. 56: 800

Hauszeitung

Redaktion: Stefanie Heckle, Annedore Hennig, Andrea Nickel,

Ursula Schütt, Heinz Bollinger, Sören Hirning,

Eckehard Rauch, Frieder Stehle

Für die Beiträge unserer Bewohnerinnen und Bewohner

danken wir herzlich.

Spendenkonto: Nr. 100 555 004 Volksbank Esslingen (BLZ 61190110)

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Johanni 2009

In reinem Wollen walten die Götter,

Sie säen die Saaten und wirken ihr Wachsen.

In reinem Wollen ernten sie Früchte,

Und niemand darbet, der sie genießt.

Rudolf Steiner

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Sehr verehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

Hauszeitung

kaum ein Thema bewegt die Menschen mehr als die weitgehend immer noch ungeklärten

Fragen im Zusammenhang mit Patientenverfügungen. Nur folgerichtig, dass

auch der Deutsche Bundestag sich intensiv (seit fünf Jahren!) mit einer gesetzlichen

Regelung beschäftigt. Quer über alle Parteigrenzen hinweg wurden in dieser Zeit

Experten gehört, Argumente ausgetauscht und bewegt. Schließlich war am 28. Mai

2009 eine Entscheidung vorgesehen. Zwischen drei interfraktionellen Anträgen sollten

sich die Abgeordneten entscheiden. Vorschlag eins sah eine sehr strikte Lösung

vor, nach der eine schriftliche Patientenverfügung nur bei tödlich verlaufenden

Krankheiten unmittelbar gelten sollte. Festlegungen für andere Erkrankungen oder

Unfälle wären nur gültig, wenn sich die Betroffenen vor der Verfügung ärztlich beraten

lassen. Der zweite Vorschlag sollte Festlegungen der Behandlungswünsche unabhängig

von der Art und dem Verlauf der Krankheit in Schriftform vorsehen. Der

dritte, noch weitergehende Antrag zielte darauf ab, dass zudem auch mündliche Vorgaben

berücksichtigt werden müssen.

Schätzungen zufolge gibt es derzeit in Deutschland etwa neun Millionen Patientenverfügungen.

Meist regeln sie Behandlungswünsche nach einem Unfall oder bei

einer tödlichen Krankheit und für den Fall, dass man sich nicht mehr äußern kann.

Allerdings sind in der Praxis Mediziner oft unsicher, ob die Wünsche gelten sollen

oder nicht.

Wenige Tage vor der bereits freigegebenen Abstimmung im Bundestag wurde die

vorgesehene Entscheidung nun kurzfristig abgesetzt. Die Abgeordneten konnten

sich nicht darüber einigen, welcher Entwurf zuerst zur Abstimmung gestellt wird,

weil die Chancen für eine Mehrheit im ersten Abstimmungsgang als am niedrigsten,

im letzten als am besten gelten (!).

Inzwischen gibt es unter den Abgeordneten teilweise erhebliche Zweifel, ob man ein

Gesetz zur Patientenverfügung noch in dieser Legislaturperiode verabschieden sollte.

Derzeit herrsche im Bundestag und in der Bevölkerung zu dem Thema „mehr

Unsicherheit als Sicherheit“. Einige Abgeordnete haben bereits einen Antrag eingebracht,

alles so zu lassen, wie es ist, nämlich ohne gesetzliche Vorschriften für die

Patientenverfügung. Diese würden wie bisher zwar gelten – in Zweifelsfällen gäbe

es aber Ermessensspielräume für die Ärzte.

Sicherlich verdient es kaum ein Thema mehr, dass vor Entscheidungen sämtliche

Argumente sorgfältigst abgewogen und beraten werden. Andererseits scheint der


Johanni 2009

Prozess in Gefahr zu sein, sich endlos hinzuziehen. Auch das sollten unsere Abgeordneten

im Interesse der Menschen bedenken.

Wir grüßen Sie herzlich und wünschen Ihnen allen eine schöne Sommerzeit und ein

wenig Freude bei der Lektüre der neuesten Ausgabe unserer Hauszeitung.

Heinz Bollinger Ursula Schütt

Aktuelles in Kürze

aus dem Nikolaus-Cusanus-Haus

Mit diesem Arrangement erinnerten wir am Palmsonntag an die an diesem Tag

neunzehn Jahre zurückliegende Grundsteinlegung. Bekanntlich befindet sich der

Grundstein unter der Achatscheibe vor dem Aufzug Mitte.

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Hauszeitung

Weiter entspannt hat sich unsere Belegungssituation. Trotz einer relativ hohen Anzahl

von Todesfällen in den ersten fünf Monaten des Jahres sind wir gut ausgelastet.

Eine etwas lebhaftere und konstantere Nachfrage nach Pflegeheimplätzen wäre aber

trotzdem zu begrüßen.

Bereits des Öfteren haben wir an dieser Stelle über Art und Umfang der Instandhaltungsmaßnahmen

berichtet. Im Mai haben wir nun unserem Café ganz besondere

Aufmerksamkeit gewidmet. Der Bodenbelag wurde komplett erneuert, und die

Stühle erhielten eine neue Polsterung. Bei der Wiedereröffnung am 28. Mai 2009

erstrahlte es als beliebter Treffpunkt für allerlei „Schmankerln“ und Ort der Begegnung

und des gegenseitigen Austausches in neuem Glanz.

Längst stellt das jährlich im September stattfindende Hoffest bei unseren Nachbarn,

den Familien Schwaiger und Lederer vom Birkacher Hofladen, eine liebgewordene

Tradition dar. So freuen wir uns heute schon auf die nächste Begegnung am 9. September

und hoffen gemeinsam auf schönes Spätsommerwetter.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt plant mit einer Reform des Pflegeversicherungsgesetzes

einen „Paradigmenwechsel“, der für die pflegebedürftigen Menschen

mehr Würde bedeuten soll. Die Vorlage eines Expertengutachtens nahm sie jetzt

zum Anlass, anzuregen, dass es künftig statt der heute drei Pflegestufen fünf Bedarfsgrade

geben solle. Dafür würden Menschen mit Pflegebedarf grundsätzlich anders

begutachtet werden als heute üblich: Nicht mehr die Minutenzahl der erforderlichen

Hilfe solle ausschlaggebend sein; stattdessen solle mit einem Punktesystem

erfasst werden, was der „Patient“ noch selbst kann und wobei er Hilfe braucht. Noch

vor der Wahl solle sich das Kabinett und der Gesundheitsausschuss des Bundestags

mit den Vorschlägen befassen, die Umsetzung müsse in der nächsten Legislaturperiode

angegangen werden. Die durch eine entsprechende Reform vermutlich anfallenden

Mehrkosten würden pro Jahr zwischen 1,3 und 3,7 Milliarden Euro betragen.

Mit der erneut geforderten Zusammenlegung von privaten und gesetzlichen

Pflegekassen zur Bürgerversicherung will die Ministerin das hierfür benötigte Geld

aufbringen. – Der weiteren Entwicklung sehen sicher alle pflegebedürftigen Menschen

und die MitarbeiterInnen in stationären und ambulanten Betreuungsformen

mit großem Interesse entgegen.

Heinz Bollinger


Johanni 2009

Ein mongolisches Sommerfest

Sehr geehrte, liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

zu unserem diesjährigen Sommerfest laden wir Sie, Ihre Angehörigen und Bekannten

am

Samstag, den 04. Juli 2009 ab 16.00 Uhr

sehr herzlich ein.

Wir beginnen im Festsaal mit einem kleinen Konzert, präsentiert von vier mongolischen

Obertonsängern mit ihren typischen Instrumenten. Sie werden uns mit ihren

Klängen in die zentralasiatische Steppenlandschaft entführen.

Unser Küchenteam wird Sie dann wie gewohnt mit Gegrilltem, Salaten und anderen

Köstlichkeiten sowie allerlei Getränken verwöhnen. Dazu werden uns mongolische

Freunde Spezialitäten und Leckereien aus ihrer Heimat zum Kosten anbieten.

Wenn uns das Wetter Sonne beschert, werden wir im Außenbereich neben einer

Jurte Platz nehmen, eine kleine Schafherde wird unserem Treiben zusehen.

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen und auf ein fröhliches und schönes

Fest.

Mit herzlichen Grüßen

NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS

- HEIMLEITUNG -

Heinz Bollinger Ursula Schütt

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Hauszeitung

Ostervorbereitungen im Wohnzimmer Ebene 2

Im März 2009 begannen wir mit den Figuren. Es wurden auf braunem Packpapier

Hasenfiguren aufgemalt, ausgeschnitten und geformt. Es war eine schwere handwerkliche

Arbeit für alle Bewohnerinnen, die dabei waren.

Am 1. April hatten wir unseren Ausflug nach Hohenheim, und deshalb kochten wir

dann unsere Eier einen Tag später ab. Danach malten alle, die dabei waren, ihre Eier

mit Wasserfarben oder Filzstiften an. Es wurde konzentriert und mit viel Geduld

gearbeitet.

Eine Woche später mischten wir unseren Mürbteig zusammen. Dabei wurden die

Zutaten genau abgewogen, die Eier getrennt und alles zusammengeknetet. Am

nächsten Tag wurde ausgewellt und ausgestochen, mit Eigelb bestrichen und lecker

bestreut. Die Zusammenarbeit machte allen wieder viel Freude. Jeder machte mit

und gab sein Bestes, auch so manche Tricks und Kniffe wurden verraten.

Am 9. April nahmen dann zum Schluss alle ihre Hasenfiguren mit bemaltem Ei mit

- und natürlich ihre selbstgebackenen Hasen, die dann mit den anderen Bewohnern

zusammen in den Speiseräumen gegessen wurden.

Es macht mir viel Freude, mit den Bewohnern altbekannte Arbeiten oder Bewegungen

mitzumachen und dabei so manche Erinnerung herauszulocken.

Ute Discher vom Wohnzimmer


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Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Hauszeitung

das Referat, das Rechtsanwalt Dr. G. Klöpping am 20. Mai hier im Hause hielt, ist

Anlass, auch an dieser Stelle noch einmal alle Bewohner und ihre Angehörigen auf

die Wichtigkeit dieses Themas hinzuweisen.

„Ein Unfall oder eine Krankheit können dazu führen, dass Sie plötzlich in Ihrer

Handlungsfähigkeit ganz oder teilweise eingeschränkt sind. Entgegen einer weit

verbreiteten Meinung sind dann Ehepartner und Verwandte nicht automatisch berechtigt,

Ihre Angelegenheiten stellvertretend für Sie zu regeln … Sie können jedoch

heute schon – in gesunden Tagen – vorsorglich bestimmen, wer Sie später in Ihrem

Sinne vertreten soll“, schreibt das Sozialamt der Stadt Stuttgart.

Für bestimmte Verfügungen, z. B. Immobilien betreffend, ist notarielle Beurkundung

vorgeschrieben. In der Regel sollte die Vollmacht durch eine Patientenverfügung

ergänzt werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, beides in einem vom

Notar beurkundeten Dokument zusammenzufassen (Musterverträge sind im Sekretariat

erhältlich).

Auch wenn Sie bereits Vollmacht und Patientenverfügung erteilt haben, sollten Sie

sich von Zeit zu Zeit überzeugen, dass die darin festgehaltenen Details noch Ihrem

heutigen Willen und Kenntnisstand entsprechen.

Heimbeirat


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Die Raupe und der Schmetterling

Freund, der Unterschied der Erdendinge

scheint groß – und ist oft so geringe.

Alter und Gestalt und Raum und Zeit

sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.

Träg und matt auf abgezehrten Sträuchern –

sah ein Schmetterling die Raupe schleichen –

und erhob sich fröhlich, argwohnfrei –

dass er Raupe selbst gewesen sei.

Trauernd schlich die Alternde zu Grabe –

ach, dass ich umsonst gelebet habe,

sterbe kinderlos und so gering –

und da fliegt der schöne Schmetterling.

Ängstlich spann sie sich in ihre Hülle, schlief …

und als der Erde Lebensfülle

sie erweckte, wähnte sie sich neu!

Wusste nicht, was sie gewesen sei.

Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden.

Was wir waren, was wir einst noch werden –

niemand weiß es. – Glücklich sind wir blind.

Lass uns eins nur wissen: dass wir sind.

Johann Gottfried Herder

Hauszeitung


Johanni 2009

Schwäbische Venus

Auf höchst eindrucksvolle Weise bestätigte sich Mitte Mai der Werbeslogan unserer

Landesregierung: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ – Und alle unter uns, die

in ihrer Jugend David Friedrich Weinlands Roman „Rulaman“ verschlungen haben,

haben es vermutlich schon immer geahnt oder sogar im tiefsten Inneren ihres

Herzens gewusst: Unsere Vorfahren in und vor den Höhlen der Schwäbischen Alb

waren keineswegs nur primitive Jäger und Sammler, noch weniger tumbe Toren,

nein, sie waren vielmehr die ersten wahren Künstler in der Geschichte der Entwicklung

der Menschheit!

Schon seit Jahrzehnten kennen wir den berühmten Löwenmenschen aus Elfenbein –

das bisher älteste bekannte religiöse Bildnis der Welt. In den letzten Jahren kamen

aus demselben Material dann neben einem geschnitzten Pferdekopf, der Nachbildung

eines Wasservogels und dem berühmten Mammut aus der Vogelherdhöhle im

Lonetal die bislang älteste bekannte Flöte, gefertigt aus einem Schwanenknochen

aus der Geißenklösterle-Höhle, ans Licht der Neuzeit.

Und nun der bislang spektakulärste Fund: Tübinger

Archäologen stellen im Mai die nur

sechs Zentimeter große, möglicherweise bis

vierzigtausend Jahre alte und aus einem Mammut-Stoßzahn

geschnitzte Frauenfigur vor, die

als „Venus vom Hohlen Fels“ bei Schelklingen

die Fachwelt sofort in helle Aufregung versetzt.

War man doch bisher davon ausgegangen, dass

erste Menschenfiguren erst vor fünfundzwanzigtausend

Jahren geschnitzt wurden!

Alle genannten Exponate und viele mehr werden

innerhalb der Landesausstellung „Eiszeit –

Kunst und Kultur“ vom 18. September 2009 bis

10. Januar 2010 im Kunstgebäude am Schlossplatz

hier in Stuttgart zu sehen sein. Freuen wir

uns schon heute darauf, bei genügend großem

Interesse werden wir für Bewohnerinnen und

Bewohner gerne einen gemeinsamen Besuch

organisieren.

Heinz Bollinger

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Hauszeitung

Mitarbeiter, die im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS neu angefangen

haben:

Treyz, Daniela Pflegebereich E 4

Cistakov, Sergej Zivi Haustechnik

Gaukler, Fabian Zivi Haustechnik

Wir wünschen allen neuen Mitarbeitern einen

guten Start und viel Freude bei der Arbeit.

Ganz herzlich gratulieren wir unserem Mitarbeiter Sören

Hirning zu seiner Hochzeit und wünschen ihm alles Gute!

Mitarbeiter, die das Haus verlassen haben:

Molitor, Christine Pflegebereich E 2

Scheck, Gabriele Pflegebereich E 2

Hitzler, Alexander Zivi Pflegebereich E 2

Thüringer, Stefani Pflegebereich E 3

Kreil, Franziska Azubi Pflegebereich E 4

Rupp, Tobias Zivi Haustechnik

Wir danken unseren ausgeschiedenen Mitarbeitern und wünschen

ihnen alles Gute.


Johanni 2009

Ihr 15-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-

HAUS feiern in diesen Tagen:

Im August 2009

Zeibig, Brunhilde Pflegebereich E 3

Im September 2009

Majcenovic, Stana Küche

Cakardic, Slobodan Haustechnik

Ihr 10-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-

CUSANUS-HAUS feiern in diesen Tagen:

Im Juli 2009

Kudjera, Jasminka Pflegebereich E 4

Im August 2009

Hirning, Sören Verwaltung

Im September 2009

Schertler, Günter Küche

Ihr 5-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS

feiert in diesen Tagen:

Im August 2009

Meyer zu Uptrup, Edelgard Freiwillige Hilfe

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Hauszeitung

Unser dritter Ausflug vom Wohnzimmer der Ebene 2

Am 1. April 2009 ging es um 9.15 Uhr vom Nikolaus-Cusanus-Haus los, über die

Birkheckenstraße nach Hohenheim zum Hohenheimer Schloss. Es war ein kühler,

aber trockener Tag. Alle Bewohner, die mitgingen, waren aufgeregt und warm angezogen.

Als wir am Schloss ankamen, wurden viele Erinnerungen und Erlebnisse wachgerufen.

Auch wurde von vielen gesagt: „Ich dachte, hier komme ich nicht mehr

her!“ Oder: „Dass ich das nochmal sehen darf!“ – Es war auch für uns Begleitende

eine Freude. Und als dann auch noch die Rollstuhlfahrerinnen die drei Stufen vom

Schloss hinuntergetragen wurden, war das Erlebnis perfekt.

Durch den Park ging es dann zum Neuen Denkmal der Franziska. Frau Michel las

uns allen die Inschriften vor, ebenso ihren Lebenslauf. Beim Enten Füttern zeigten

sich diese nicht sehr angetan und blieben lieber im See.

Mit dem Bus fuhren Alexander und Friedericke unsere eisernen Läuferinnen Frau

Michel, Frau Bodenhöfer, Frau Huhn und die zwei Rollidamen Frau Brand und Frau

Dolmetsch zum Nikolaus-Cusanus-Haus. Die anderen liefen mit mir zurück. Dies

war nur möglich, weil Angehörige der Bewohnerinnen mit dabei waren. Nur dank

der Mithilfe und Mitarbeit von Angehörigen und Mitarbeitern ist so ein Ausflug

überhaupt möglich.

Es war für alle ein schöner Vormittag, mit vielen Erlebnissen und einem zufriedenen

Lächeln auf den Lippen. – Der nächste Ausflug kommt bestimmt.

Ute Discher vom Wohnzimmer


Johanni 2009

ES IST WAHRHAFTIG WAHR

»Es ist eine furchtbare Geschichte!« sagte ein Huhn, und zwar drüben am anderen

Ende des Dorfes, wo die Geschichte nicht passiert war.

»Da ist eine furchtbare Geschichte im Hühnerstall passiert! Ich traue mich nicht,

heute Nacht allein zu schlafen! Es ist gut, dass wir zu vielen auf der Stange beisammensitzen!«

– Und dann erzählte es, dass sich den anderen Hühnern die Federn

sträubten und dem Hahn der Kamm herunterklappte.

Das ist wahrhaftig wahr!

Aber wir wollen mit dem Anfang anfangen, und der war am anderen Ende des

Dorfes in einem Hühnerstall. Die Sonne ging unter, und die Hühner flogen auf;

eines von ihnen – es hatte weißes Gefieder und kurze Beine, legte seine vorgeschriebenen

Eier und war als Huhn in jeder Weise respektabel – putzte sich, als es

auf die Stange kam, mit dem Schnabel, und da fiel eine kleine Feder von ihm ab.

»Die wär’ weg!« sagte die Henne, »je mehr ich mich putze, desto schöner werde ich

wohl werden!« Und das war bloß im Scherz gesprochen, denn sie war der muntere

Geist unter den Hühnern, im Übrigen, wie gesagt, sehr respektabel; und dann schlief

sie ein.

Dunkel war es rundum, ein Huhn saß neben dem anderen, und die Henne, die ihr zunächst

saß, schlief nicht; sie hörte – und hörte doch nicht, wie man es in dieser Welt

ja tun muss, um in Ruhe und Frieden leben zu können; aber ihrer anderen Nachbarin

musste sie es doch sagen: »Hast du gehört, was da erzählt wurde? Ich nenne keine

Namen, aber da ist eine Henne, die sich putzt, um gut auszusehen! Wäre ich Hahn,

ich würde sie verachten!«

Und den Hühnern gerade gegenüber saß die Eule mit Eulenmann und Eulenkindern;

in der Familie hatte man scharfe Ohren, sie hörten jedes Wort, welches die Nachbarhenne

sagte, und sie kullerten mit den Augen, und Mutter Eule fächelte mit den Flügeln:

»Hört gar nicht hin! Aber ihr habt vermutlich gehört, was da gesprochen

wurde? Ich hörte es mit meinen eigenen Ohren, und man muss viel mit anhören,

bevor sie abfallen! Da ist eine unter den Hennen, die hat in solchem Maße vergessen,

was sich für eine Henne schickt, dass sie dasitzt und sich alle Federn auszupft

und den Hahn zugucken lässt!«

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»Prenez garde aux enfants!« sagte Vater Eule, »das ist nichts für die Kinder!«

Hauszeitung

»Ich will es doch der Nachbarin Eule gegenüber erzählen! Sie ist im Umgang eine

so achtbare Eule!« Und dann flog Mutter los.

»Huhu! Uhuh!« heulten die beiden, und zwar mitten in den Taubenschlag des Nachbarn

gegenüber zu den Tauben hinein. »Habt ihr das gehört? Habt ihr das gehört?

Uhuh! Da ist eine Henne, die hat sich wegen des Hahns alle Federn ausgerupft! Die

wird erfrieren, wenn sie nicht schon erfroren ist, uhuh!«

»Wo? Wo?« gurrten die Tauben.

»Auf dem Hofe des Nachbarn gegenüber! Ich habe es sozusagen selber gesehen! Es

ist eigentlich unschicklich, solch eine Geschichte zu erzählen! Aber es ist wahrhaftig

wahr!«

»Glaube, glaube jedes einzige Wort, liebe Taube!« sagten die Tauben untereinander

und gurrten in ihren Hühnerhof hinunter: »Da ist eine Henne, ja, manche sagen, da

wären zwei, die sich alle Federn ausgerupft haben, weil sie nicht aussehen wollten

wie die anderen, und sie wollten dadurch die Aufmerksamkeit des Hahns erregen.

Das ist ein gewagtes Spiel, man kann sich erkälten und am Fieber sterben, und sie

sind beide gestorben!«

»Wacht auf! wacht auf!« krähte der Hahn und flog auf den Bretterzaun, der Schlaf

saß ihm noch in den Augen, aber er krähte trotzdem: »Da sind drei Hennen aus

unglücklicher Liebe zu einem Hahn gestorben! Die hatten sich alle Federn ausgerupft!

Das ist eine böse Geschichte, ich will sie nicht bei mir behalten, gebt sie

weiter!«

»Gebt sie weiter!« pfiffen die Fledermäuse, und die Hühner gackerten, und die

Hähne krähten: »Gebt sie weiter! Gebt sie weiter!« Und nun flog die Geschichte von

einem Hühnerstall zum anderen und zuletzt zu dem Orte zurück, von dem sie eigentlich

ausgegangen war.

»Da sind fünf Hühner«, hieß es, »die sich sämtlich die Federn ausgerupft haben, um

zu zeigen, welche von ihnen aus Liebeskummer, des Hahnes wegen, am magersten

geworden war, und dann haben sie sich gegenseitig blutig gehackt und sind tot

heruntergefallen, zur Schmach und Schande ihrer Familie und zum großen Nachteil

für den Besitzer!«


Johanni 2009

Und die Henne, die die lose sitzende kleine Feder verloren hatte, erkannte ihre

eigene Geschichte natürlich nicht wieder, und da sie eine respektable Henne war, so

sagte sie: »Ich verachte diese Hühner! Aber von der Sorte gibt es mehr! Dergleichen

darf man nicht verschweigen, und ich möchte das Meine dazu tun, dass diese

Geschichte in die Zeitung kommt, dann geht sie durchs ganze Land; das haben diese

Hühner verdient, und ihre Angehörigen ebenfalls!«

Und es kam in die Zeitung, und es wurde gedruckt, und das ist wahrhaftig wahr: Aus

einer kleinen Feder können leicht fünf Hühner werden!

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Hans Christian Andersen


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Veransta l t u n g e n

J o h a n n i b is Mi c h a el i 2 0 0 9

Samstag 04.07.2009 16.00 Uhr Ein mongolisches Sommerfest

Hauszeitung

Dienstag 07.07.2009 16.30 Uhr Kino

„Vom blauen Himmel“

Dokumentarfilm über das erste große

Schamanentreffen in der Mongolei

Ein Film von Tobias Wulff

Mittwoch 08.07.2009 17.00 Uhr Vortrag

Schamanismus

Eine traditionelle Religion im

Spannungsfeld der Moderne

Vortrag

Professor Bernhard Wulff, Freiburg

Sonntag 12.07.2009 17.00 Uhr Chorkonzert

„Liebesliederwalzer“

von Johannes Brahms

Eberhardskantorei Tübingen

Leitung: Juliane Mechler

Mittwoch 15.07.2009 15.00 Uhr Filmvorführung

„Nöte der Nomaden im Steppenland“

Ein Dokumentarfilm von Kai Ehlers

17.00 Uhr Vortrag

Hat das nomadische Leben

in der Jurte eine Zukunft?

Kai Ehlers, Hamburg

Buchautor und Begründer der Initiative

„Kultur der Jurte“


Johanni 2009

Samstag 18.07.2009 10.00 Uhr Monatsfeier der Silberwaldschule

Darstellungen aus dem Unterricht

der Waldorfschule Silberwald

Dienstag 21.07.2009 16.30 Uhr Sommerliche Flötenmusik

mit der Flötengruppe der Karl Schubert-

Werkstätten

Leitung Manfred Schmidt

- Im Innenhof -

Sonntag 26.07.2009 10.00 Uhr Ausstellungseröffnung

„Welt der Farben nah und fern“

Aquarelle, Zeichnungen und Acrylbilder

von Dr. Antje Lindel, Waldenbuch

Die Ausstellung ist bis 18.10.2009

täglich von 09.00 bis 12.00 und

von 14.00 bis 17.00 Uhr zu sehen.

- Sommerpause -

Samstag 19.09.2009 19.00 Uhr Heitere Klassik

arcata Kammerorchester Stuttgart

Solist: Jonathan Müller, Trompete

Leitung: Patrick Strub

mit Werken von Johann Baptist Neruda,

Felix Mendelssohn-Bartholdy

und Giuseppe Verdi

Eine Veranstaltung in der

Kulturreihe Birkach des BKV

Mittwoch 30.09.2009 16.30 Uhr

Michaelifeier

– Änderungen vorbehalten –

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Farbtupfer im Alltag

„Eins, zwei, drei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit.”

Hauszeitung

So schnell vergeht die Zeit, und dennoch hatte man den Eindruck, dieser Winter

würde nie enden. Endlich ist er vorbei, und wir versanken wochenlang in einem

Blütenmeer. Gerade an einzelnen Blüten merkt man jedoch, wie schnell die Zeit vergeht.

Und an Geburtstagen. Wenn wir selber Geburtstag haben, merken wir, dass

„schon wieder” ein Jahr herum ist. Ähnlich geht es uns mit anderen Geburtstagen

bzw. Jubiläen. In der letzten Hauszeitung habe ich Ihnen schon einige genannt – es

gibt noch mehr! Da ist zunächst der Magdeburger Dom, der seit 800 Jahren steht.

Der Eiffelturm wurde vor 120 Jahren fertiggestellt, Tel Aviv vor 100 Jahren gegründet,

der 1. Mai wird seit 90 Jahren als Tag der Arbeit gefeiert. Gottlieb Daimler würde

dieses Jahr 175 Jahre alt, Bernhard Grzimek und Lennart Graf Bernadotte 100,

Audrey Hepburn 80. Auch die „Barbies” gibt es seit 80 Jahren, und vor 40 Jahren

stand der erste Mensch auf dem Mond. Und immer wieder hört man von Jahrzehnten,

die sich runden.

Bevor die Blütenpracht kommen konnte, mussten wir im März noch lange warten:

es wollte nicht warm werden, und es gab viel Regen. Zum ersten Mal in den acht

Jahren, die ich im Nikolaus-Cusanus-Haus wohne, fuhr ich bei Regenwetter durch

die Stadt. Aber Sie wissen ja: es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur unangemessene

Kleidung ...

Am 11. März zeigten uns Schüler und Schülerinnen der 11. und 5. Klassen der Waldorfschule

Uhlandshöhe „Das Märchen vom Quellenwunder” von Rudolf Steiner.

Das ist jedes Jahr wieder schön. Besondere Erwähnung ist auch das Dankeschön

wert, das sie vom „Geschenkegeist” des Hauses bekamen: lauter silberglänzende

Tröpfchen waren an einem Stab aufgereiht, die bestimmt mit etwas Gutem gefüllt

waren!

Die „Musikalische Biografie” von Edvard Grieg am 14. März fand 32 Tage vor

seinem 166. Geburtstag statt. Er starb 1907. Alexander Schories spielte auf dem

Klavier aus seinem Werk, und Bernd Schulz erzählte aus seinem Leben. So zum

Beispiel, dass E. Grieg im Alter von 15 Jahren zum Studium nach Leipzig kam und

dadurch einen starken Einfluss der deutschen Klassik und Romantik erlebte. Er

suchte aber einen eigenen Weg, um äußere Eindrücke umzusetzen und Seelisches

und Landschaften zu beschreiben. Dadurch übte er einen gewissen Einfluss auf die


Johanni 2009

Impressionisten aus. Eigentlich wollte er immer gern eine Oper schreiben, liebte jedoch

die italienischen Komponisten gar nicht. Erst als Henrik Ibsen auf ihn zukam,

gelang es ihm endlich, mit „Peer Gynt” seinem Vorbild Richard Wagner nachzueifern.

– Das war ein lehrreicher Vortrag, der großen Anklang fand.

Es ist immer wieder schön, wenn Mitbewohner ihren Wissensschatz mit uns teilen.

So las Frau Drüsedau – mit Unterstützung von Herrn von Stietencron – am 16. und

17. März über Johann Sebastian Bachs „Pilgerfahrt nach Lübeck”. Das ist eine Novelle

von Hans Franck, die Frau Schneider und Frau Rubens mit Musik von Bach

umrahmten. Die Zuhörer im vollbesetzten Seminarraum lauschten aufmerksam

diesem interessanten Vortrag.

In den Bewohnerversammlungen am 18. und 25. März widmeten wir uns einer ganz

anderen Kunst: der Architektur unseres Hauses. Herr Harmening und Herr Gundolf

Bockemühl schilderten uns die Geschichte der Entstehung mit ihren Hürden und

Überlegungen, die bei der Planung und Gestaltung des Hauses und seiner Einbettung

in die Landschaft entstanden bzw. nötig wurden, und zum Beispiel die griechischen

Elemente, die im Haus vorhanden sind, etwa der an ein Amphitheater erinnernde

Saal und die Kapitelle der Stützsäulen im Innenhof. Es ist kaum zu glauben, dass

dieses große Haus innerhalb zweier Jahre fertiggestellt war! Es ist gut, wenn man

immer wieder innehält, um Gewohntes neu zu betrachten. Nicht nur wegen der sich

nicht verändernden Formen, sondern auch wegen der Bepflanzung „außen und

innen” lohnt es sich, stehen zu bleiben und zu schauen.

Die Klasse 12 b der Waldorfschule Uhlandshöhe hatte in ihrem Theaterprojekt

„Die 12 Geschworenen” von Reginald Rose in der Bühnenfassung von H. Budjuhn

einstudiert. Sie sammelten damit Spenden für ihr Projekt „Pegasus” in Kroatien, mit

dem sie einen Reittherapieplatz für Behinderte bauen wollen.

Die zwölf Geschworenen sollen ein Urteil fällen über einen jungen Mann, der angeblich

seinen Vater getötet hat. Nach langem Ringen, wo auch immer die Erlebnisse

des Einzelnen hereinspielen, können nach und nach alle dem einzigen folgen,

der an der Schuld des Angeklagten gezweifelt hatte, und es wird deutlich, dass man

nicht leichtfertig und von Vorurteilen geleitet über einen Menschen urteilen darf. –

Durch ihr fantastisches Spiel machten die Schüler die inneren Kämpfe deutlich, die

jeder einzelne durchlebte. Toll!

Zu dem Konzert am 28. März bekam ich wieder einmal Unterstützung von Herrn

Veil. Der Abend begann mit dem Streichquartett Nr.4 C-Dur, KV 157, von Wolf-

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Hauszeitung

gang Amadeus Mozart, das Gabriele Turck und Insa Pritsche, Violine, Dirk Hegemann,

Viola, und Fionn Bockemühl, Violoncello, spielten.

Für das Streichsextett d-moll, op. 70, „Souvenir de Florence” von P. I. Tschaikowsky

bekamen sie Verstärkung von Irina Bockemühl, Viola, und Wolfgang Düthorn,

Violoncello. Ein Streichsextett durften wir meines Wissens in unserem Saal noch

nicht erleben, deshalb waren die Erwartungen sehr hoch gesteckt. Es bot einen völlig

neuen Eindruck. Schon mit den ersten Takten wurden ein heftiges Tempo und viel

Temperament von den sechs Streichern angeschlagen, das sich über fast alle vier

Sätze fortsetzte, ohne dabei jedoch die Vorgaben des Komponisten zu vernachlässigen.

In meiner Umgebung fiel der Satz: hier merkt man, dass Tschaikowsky ein

Russe war! Und es fiel auf, dass russische Balalaikaklänge oder schwermütige

Volksmelodien dem Komponisten die Feder geführt haben müssen. Viel Beifall

dankte dem jungen Ensemble, das sich vorwiegend aus Mitgliedern des Radiosinfonieorchesters

Stuttgart zusammengefunden hat, für diese Interpretation eines nicht

alltäglichen Werkes.

Von Luise Rinser gibt es den Roman „Mirjam”, in dem Maria Magdalena von ihrem

Zusammentreffen mit „Jeshua” in Palästina erzählt. Nun führte uns das Theaterensemble

„Orplid” am 1. April eine Bühnenfassung mit Schauspiel, Menschenschattenspiel

und Musik vor. Das war sehr gut und bewegend! Das Spiel der Darsteller

vor der Leinwand war ebenso ausdrucksstark und in seiner Schlichtheit beeindruckend

wie jener dahinter, von denen man aber nur den Schatten sah. Auch

dem Beleuchter gebührt ein ganz großes Lob, denn das unterschiedliche Licht hatte

eine ungeheure Wirkung. Dieses ergreifende Passionsspiel führte uns zur Passionszeit

hin.

Die Natur hingegen war geradezu erfüllt von Lebenskraft und Lebensfreude! Das

Grün umhüllte uns fast über Nacht, die blühenden Bäume verschenkten verschwenderisch

ihre Farben und ihren Duft, und durch die eher kühle Witterung standen sie

lange in voller Blüte. Manche Blumen und Büsche, die sonst nacheinander blühen,

blühten sogar gleichzeitig. So standen zum Beispiel Anemonen neben Osterglocken

und Christrosen! Auch blühten noch einige Forsythien, als der Ginster sich schon

gelb verfärbte! Und dann war auch schon das Weiß, Lila und Violett des Flieders zu

sehen! Und nicht nur das Auge schwelgte in Farben, auch die Nase nahm an jedem

Fleckchen einen anderen Duft wahr. Es war eine Pracht! Und trotz – oder wegen? –

des wechselhaften Wetters war der Frühling länger als die Jahre zuvor. In der Stadt

war der ganze Schlossplatz umgeben von den weißen Kronen der Kastanien. Als die


Johanni 2009

ersten verblühten, wurden andere Bäume so weiß, dass man fast kein Grün mehr

sah: die Robinien! Und die duften!

Wie jedes Jahr sangen und spielten auch dieses Jahr Chor und Orchester der Filderklinik

zu Palmsonntag für uns. Sie begannen mit der Missa brevis in F-Dur von

Josef Haydn, bei der sie vom Kinderchor Grauschopf unterstützt wurden. Die Leitung

hatte – wie immer – Frau Monica Bissegger. Ihr gelingt es immer wieder in

bewundernswerter Weise, in der Zeit zwischen Weihnachten und Palmsonntag alle

Beteiligten in Klang und Harmonie von zart-verhalten bis zu jubelnder Fülle zu führen.

Ein Kinderchor hat einen ganz besonders klaren Klang, aber auch die „Harmonie-Messe”,

die anschließend dargeboten wurde, war ein Genuss! Wir freuen uns

immer sehr, wenn sich „die Filderklinik” ankündigt, und bedankten uns mit anhaltendem

Applaus.

Die Karwoche und das Osterfest werden in der Kapelle gefeiert: an den Tagen von

Palmsonntag bis Karsamstag (nicht Ostersamstag!) werden die entsprechenden Abschnitte

aus den Evangelien gelesen und aus Emil Bocks Buch „Die drei Jahre”. Am

Ostersonntag singt erst früh morgens der Hauschor Werke zur Auferstehung, dann

sind Gottesdienste in der Kapelle.

Ich finde es sehr schön, wenn am Ostermorgen Musik im Innenhof ertönt! Das ist

ein großes Geschenk der Sänger und – zum größten Teil – Sängerinnen an uns! Und

an einem Sonntagmorgen hat es etwas Erhebendes, wenn Lieder erklingen!

Es kommt auch vor, dass man an „ganz normalen” Tagen plötzlich Musik im Haus

hören kann. Das bedeutet, dass dieser normale Tag für einen Menschen ein besonderer

Tag ist: ein Geburtstag wird gefeiert. Meistens ist es die Flötengruppe, die dem

Geburtstagskind ein Ständchen bringt. Und das ist durchaus der Erwähnung wert,

denn für den Beschenkten ist es eine Riesenfreude – und auch die Nicht-Beteiligten

freuen sich!

Wenn ein Bewohner Geburtstag hat, der von der Pflege betreut wird, kommen die

Pflegenden nach ihrer mittäglichen Übergabe – da sind nämlich Früh- und Spätschicht

zusammen – und singen für ihn ein schönes Geburtstagslied. Das ist für uns

auch eine große Freude.

In der Pracht, die Augen, Nase und Ohren und damit auch die Herzen erfüllte,

wirkten die leeren Wände plötzlich erschreckend. Wir wissen aber auch, dass dies

eine neue Ausstellung ankündigt. Bevor diese jedoch am 26. April eröffnet wurde,

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26

Hauszeitung

gab es am Vorabend noch ein Klavierkonzert mit Yoshie Ide. Sie kommt aus Japan

und spielte (mir) unbekannte Stücke von W. A. Mozart, F. Schubert, C. Débussy

und C. Franck. Es war ein sehr langer Abend, aber es gelang mir nicht, mich vor

dem Ende loszureißen. Ganz versunken und wie eins mit dem Instrument saß Frau

Ide in ihrem schillernden Kleid und spielte – mehr oder weniger gefühlvoll – alles

auswendig. – Auch ihr wurde mit warmem Applaus und einem Präsent gedankt.

Ich hatte mir für den Abend vorher noch eine Extra-Veranstaltung vorgenommen: an

der Waldorfschule Uhlandshöhe wurde – im alten Festsaal – „Biedermann und die

Brandstifter” von Max Frisch aufgeführt. Das war die Jahresarbeit eines Schülers

der zwölften Klasse, der die Regie führte. Meiner Meinung nach hat er das sehr gut

gemacht, und die Schüler, mit denen er es einstudierte, spielten hervorragend! Die

Klasse meines Bruders hatte dieses Theaterstück ebendort vor 40 Jahren gespielt,

und so war das für mich eine schöne Erinnerung.

Im wahrsten Sinn über Nacht füllten sich die Wände auf der Galerie von Ebene 2

und auf Ebene 1. So wurden wir von Wolken nicht nur am Himmel, sondern auch

unter dem Glasdach begrüßt. Am Sonntag, 26. April, fand um 10.00 Uhr die Vernissage

zur Fotoausstellung von Gustavo Glaeser und Victor Calomeni unter dem

Titel „Innehalten” statt. Leider fanden nur wenige Besucher den Weg in den Festsaal,

umso mehr Menschen waren gekommen, um die Künstler zu ehren. Der Hauschor

begann. Er sang ein Gedicht von C. F. Mayer, wunderschön – und natürlich

zum Thema Wolken –, vertont von Paul Baumann. Frau Tiziana Colombo spielte

einiges auf dem Klavier, und Herr Frank Buchner trug Gedichte von C. Morgenstern

vor. Das war eine sehr lange Einleitung zum Vortrag von Herrn A. Bockemühl, der

„gestand, dass er schuld an der Ausstellung“ sei.

Er erklärte uns den Titel: es bedarf des Innehaltens, wenn man ein Foto macht, sonst

verwackelt es. Die Wolken zwingt man durch eine „Momentaufnahme“ (!) geradezu

zum Innehalten. Eigentlich verändern sie sich viel zu schnell. Und auch der Betrachter

der Wolkenbilder muss innehalten, denn das Bild der Wolke spiegelt sich in

der Seele, und man kann nicht bei jedem Schritt eine neue seelische Bewegung

hervorrufen.

Die Bilder von Victor Calomeni fordern ein ganz anderes Innehalten: sie sind „gestellt”

– das heißt, die Gegenstände werden drapiert, Blende, Belichtungszeit, Abstand

müssen eingestellt werden, wenn das Bild gut werden soll. Und auch diese

Fotografien haben ihren Reiz!


Johanni 2009

Die lange Veranstaltung wurde abgerundet durch ein Gedicht von Frau Reintsch-

Tetzner, das so richtig gut tat: zu all dem Schwebenden, Sanften, Zarten, das Bilder,

Klänge und auch Gedichte von den Wolken spiegeln, gehört auch das Krachen, das

Donnern und das Blitzen und Schütten. Frau Reintsch-Tetzner nennt ihr Gedicht

„Ich möchte eine Wolke sein”, und das konnte ich so gut nachempfinden! – Nach

dem vielen „Wolkenhaften” konnte man die folgenden musikalischen und poetischen

Werke fast nicht mehr würdigen. Dennoch freuen wir uns jeden Tag, dass wir

so schöne Bilder hier haben.

Ende April begann eine ungewohnte Geschäftigkeit im Festsaal und um den Festsaal

herum, und ungewöhnliche Dinge standen da: das Musical des Paracelsus-Gymnasiums

Hohenheim kündigte sich an. Aber darüber möchte Frau Stübler schreiben.

Assia Cunego spielte am Sonntag, den 10. Mai amerikanische Komponisten auf

ihren Harfen. Das war ein Genuss! Sie begann mit einem irischen Lied auf der keltischen

Harfe, das von einem amerikanischen Komponisten war. Bei dem Komponisten

M. Arnold stellte sie den Bezug zu Amerika kurzerhand dadurch her, dass er

doch sicher einmal in Gedanken in Amerika war! Überhaupt waren ihre Überleitungen

humorvoll und gutgelaunt vorgetragen. Schon die waren amüsant. Amüsant

war aber auch die Musik. Frau Cunego spielte Ragtime von S. Joplin, der so

schwungvoll ist, dass man am liebsten hüpfen möchte. McDonald ist eins der typischsten

Merkmale von Amerika, da hat die Komponistin doch Glück, wenn sie so

heißt. Oder vielleicht doch nicht? Und Coca Cola geht viel besser zu spielen, wenn

man eine Sonnenbrille aufhat! – Da das Konzert mit „Kontraste” überschrieben war,

gab es auch meditative Musik – von P. Glass. Und dann gehört zu Amerika auf jeden

Fall Latein-Amerika und seine Musik, und die ist wieder lebhaft! – Verabschiedet

wurden wir mit einem Schlaflied, das aber eher zum Tanzen als zum Schlafen

einlud.

Alles in allem war das ein herrlicher Abend! Wir verließen den Saal überaus beschwingt

und freuen uns auf das nächste Konzert von Assia Cunego!

Und wieder hatte sich die Natur verändert. Man konnte schon im März den Eindruck

haben, wir hätten April – so wechselhaft war das Wetter. Im April erwartet man

nichts anderes. Aber im Mai könnte es vorbei sein, nicht? War es aber nicht. Es gab

schöne warme Tage, aber auch viele Gewitter. Auch als die Eisheiligen vorüber

waren, blieb es kühl. Zwischen zwei Güssen fuhr ich durch den Garten – und staunte

über das üppige Grün. Und in jeder Ecke duftet es anders! Da sind die kleinen

Hecken, die den Garten umsäumen, die duften so süß! Leider sind kaum Bienen

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Hauszeitung

dran zu sehen. – Der weiße Waldmeister am Hang unter der roten Kastanie ist gut

versteckt, aber die Nase findet ihn! Und so ist es ums ganze Haus herum.

Auch auf der Bühne steht immer ein herrlicher Blumenstrauß, wenn eine Veranstaltung

stattfindet. So war es auch am 16. Mai, als die Damen vom Boccherini-

Streichquintett ihr Konzert gaben.

Sie begannen mit dem Quintett in D-Dur, op. 39, von Luigi Boccherini. Das war wie

ein feines Gespinst von Tönen, und manchmal erinnerte es mich an Sternenstaub,

der verweht. Das Quintett von George Onslow Nr.29, op. 73, war ebenfalls sehr zart,

mit wenig kräftigen Stellen – fast ein bisschen zu ebenmäßig. Nach der Pause spielten

sie das Quintett in f-moll von Alexander P. Borodin, das Schwung und Temperament

in den Abend brachte. Und wieder klangen russische Volksklänge an. Das

begeisterte Publikum bedankte sich herzlich.

Am gleichen Abend war ich noch zu einer Uraufführung in die Waldorfschule Gutenhalde

eingeladen: die 8. Klasse spielte „Meine Tante aus Amerika” von meiner

Freundin Christiane Schütze. Da wurde gesungen, und ein „Fernsehreporter” hielt

das „hochverehrte Publikum” auf dem Laufenden, es wurde gejohlt, und jeder

Schüler war in irgendeiner Weise beteiligt. Das Publikum hatte viel zu lachen, und

es ging recht turbulent zu.

Diese Waldorfschule liegt sehr schön im Grünen, und die Gebäude umgeben einen

schönen Innenraum. Nach der Aufführung musste ich noch kurz auf mein Auto

warten, da hatte ich Gelegenheit, den Sternenhimmel anzusehen. Das kann ich

selten, und das war herrlich!

Viele Veranstaltungen haben eine erhebende Wirkung. Dass das ganz konkret sein

kann, erfuhr ich am nächsten Tag: so leicht war ich schon lange nicht mehr auf die

Füße gekommen!

Deshalb ist es wunderbar, dass wir so oft die Gelegenheit zu einem erhebenden

Erlebnis haben, das dann in den Alltag ausstrahlt.

Simone von Dufais


Johanni 2009

pgh productions present:

Musical von Martin Leutgeb

Musik: Andreas Puhl, Amby Schillo

M E R L I N

Zauber Liebe Kampf Tod

Vergesst das muntere „Weiße Rössl“, das uns im Mai 2008 die spritzigen, verliebten

Weisen von R. Benatzky zum Mitträllern ins Haus brachte.

Mit dem Musical „Merlin“ tauchen wir – geleitet von Eberhard Riese – tief ins

dunkle Mittelalter ein, ins Reich der Zauberer und Feen. Schwertergeklirr und Liebesseufzen!

Der zum König gewählte Junge Artus bittet seinen Beschützer Merlin

um eine Vision, einen Blick in die Zukunft. Am Ende eines schaurig schönen Spiels

um Begierde und Verrat beklagen der unsterbliche Merlin und sein Freund, der Tod,

vier Leichen auf dem düsteren Schauplatz.

Eine kleine, feine Szene mit zwei Kindern unserer Zeit versöhnt zum Schluss mit

dem harten Geschehen, lässt das Spiel zur Parabel werden.

Eine traurige Geschichte. Martin Leutgeb, der ihr als Musical zum Leben verhalf,

hat es verstanden, sie aufzulockern – mit komischen kleinen Szenen, tanzenden

Rittern und schnoddrigen Redewendungen aus dem 20. Jahrhundert, wie „na klar“

oder „Man sieht sich!“

Seit Ende 2008 wurde im Paracelsus-Gymnasium besprochen, gesungen und gesprochen,

gefiedelt und geblasen, Kulissen gemalt, vernagelt und zusammengefügt,

Hindernisse aus dem Weg geräumt ... Fünf Tage Aufbau und Proben im Nikolaus-

Cusanus-Haus sind nur die Spitze eines Eisbergs (der beim Feuereifer aller Beteiligten

rasch zusammenschmelzen würde).

Planung und Üben müssen sich nun bewähren. Zwei Tage Chaos im Festsaal. Bübis

sind allgegenwärtige Helfer. Die Kulisse mit schönen, gemalten Wolken und einer

beweglichen Ritterburg, gestaltet von Stephan Bronsert, wird aufgerichtet, Licht und

Ton installiert.

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Hauszeitung

Noch hängen die Schauspieler herum, lernen ihren Text. Feen huschen vorbei …,

und, oh Wunder, am dritten Tag ist der Saal „besenrein“.

Ein erster technischer Gesamtdurchlauf dauert lange. Das Orchester tritt auf. Die

Gesangsproben können beginnen. Kostüme und Schminken werden inspiziert.

Eberhard Riese ist überall; ruhig und gelassen führt er seine Theater-AG über viele

Stolpersteine, drei Hauptproben und eine Generalprobe zu einer glanzvollen Premiere.

Im Festsaal, der ausverkauft ist, beinahe überquillt, muss sich der Chor auf die

schmale Seitentreppe zur Galerie zwängen. Durch Eltern und Lehrer verstärkt, ist er

auf 60 Sänger angewachsen. Hanna Montes dirigiert die großen Chöre mit Schwung.

Andreas Medler sorgt mit seinem Orchester/Band für den guten Zusammenklang mit

dem Chor und den Solisten auf der Bühne.

Die Musik von Andreas Puhl und Amby Schillo schmeichelt den Ohren, ohne flach

zu sein.

Am Ende angelangt, spendet das Publikum jubelnd reichen Beifall. Blumen werden

von Tränen befeuchtet. Stellvertretend für alle Ungenannten greife ich das Dreieck

Artus, Lancelot, Guinevere auf, deren Geschichte das Musical erzählt.

Nadine Hollmann war im Mai 2008 die „Rössl-Wirtin“. Ihre geschulte Stimme ist

weicher geworden. Sie verkörpert die Guinevere überzeugend, sicher. Nach Guinevere

verzehren sich zwei Männer in Liebe, König Artus und Lancelot, einer der

Ritter der Tafelrunde.

Adrian Frech ist König Artus. Seinen schönen Bariton kannten wir schon. Er sang

den Leopold im „Weißen Rössl“. Mit viel Gefühl singt er Schuberts „Leise flehen

meine Lieder“ und und …

Kilian Recknagel als Lancelot: Auch er hat eine gute Stimme, die er für den Ausdruck

seiner Gefühle einsetzen kann.

Den Tod, der von Menschenleid nicht unberührt bleibt, spielt, unheimlich weiß geschminkt,

Silas Breiding.

Merlin, der Zauberer und Beschützer des jungen Artus, ist doppelt besetzt, schreitet

würdevoll, mit angegrauten Haaren aus der Dose.


Johanni 2009

Larissa lässt übermütig ihren Charme spielen – Sir Kai ist pfiffig, lustig und witzig.

Nicht zu vergessen der Sänger und Dudelsack-Pfeifer. Er bringt wehmütige, irische

Weisen ins tragische Spiel: „Hüte Dich, schönes Vögelein!“

Über 150 Menschen tragen zum Gelingen des Musicals bei, geführt vom „Lehrer-

Quartett Montes/Medler/Bronsert/Riese“.

Eberhard Riese hat, wie seit 17 Jahren, die Gesamtleitung. Und wieder hat er mit

sicherem Gespür für Begabung die Richtigen aus dem Pool der Theater-AG gefischt.

Er kümmert sich um alles. Autorität fordert er nicht. Vertrauen und Achtung

erstellen die Ebene, auf der sich der Lehrer und Zauberkünstler und seine Schüler

begegnen. Nie verärgert, lässt er auch Kritik zu.

Einen Tag nach der „Premiere“ hörte ich im (zu Unrecht verteufelten) Fernsehen

folgenden Satz von „Rabelais“ aus dem 16. Jahrhundert: „Kinder sind keine Gefäße,

die wir auffüllen müssen. Sie sind kleine Feuer, die mit unserer Hilfe auflodern!“

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Elsbet Stübler


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Hauszeitung

Angeregt durch die phantasievollen Rätsel der letzten Ausgaben hat dieses Mal Herr

Buchner ein Quiz aus bekannten Balladen zusammengestellt. Wir wünschen Ihnen

viel Spaß und Erfolg beim Rätseln!

Die drei Gewinner erwartet natürlich wieder eine besondere Überraschung! Die

Antworten sind bis zum 10. August 2009 am Empfang abzugeben.

Red.

UM DIE ECKE GEDACHT: BALLADEN-RÄTSEL

1. Altertümlicher Löschversuch hoch zu Ross. Das Ergebnis ist allerdings

nicht sehr überzeugend.

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2. Einem Knaben war es vergunnt, wen zu küssen auf den Mund?

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3. Lehrstück darüber, wie Mann eine junge Prinzessin einem Unterwasser-

Damen-Ensemble zuführt.

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4. Royale Gotteslästerung, die ein kalligraphisches Rätsel zur Folge hat

und das Ableben des Herrschers nach sich zieht.

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5. Herzerweichendes Rührstück über einen standhaften Steuermann, dessen

Crashkurs allen Passagieren das Leben rettet.

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6. Hier ist ein Ritter aus Versehen zur falschen Zeit am falschen Ort: trotz

seiner früher begangenen Gräueltat wird er vom Gastgeber in Gottes

Namen aber nicht zur Rechenschaft gezogen.

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Johanni 2009

7. Ein sehr bekannter Interpret der Sangeskunst wird auf der Anreise zu

einem nationalen Festival Opfer eines Gewaltverbrechens. Die Aufklärung

findet sich am Ende über dem Theater.

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8. Generationenübergreifender Tod durch höhere Gewalt: - und morgen

wäre eigentlich frei gewesen …

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9. Tierischer Schaukampf wird von einem übermütigen Fräulein zur Mutprobe

umfunktioniert. Mit diesem Ausgang hat sie wohl nicht gerechnet.

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10. Gerade noch mal gut gegangen: Schauriger Ausflug auf schwankendem

Untergrund.

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11. Adel verpflichtet! Kinderfreundlicher Herr mit Weitblick im Brandenburgischen.

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12. Große Stadt an großem Fluss: Leider hat eine neugierige Dame dem

Treiben ein jähes Ende bereitet.

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13. Dem Vergesslichen steht schnell das Wasser bis zum Hals.

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14. Ballade über Wohnsitzlose in Norditalien.

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Hauszeitung

15. Ganz schön im Schwange, die landsmannschaftlichen Streiche im

Reiche zu Kaisers Zeiten.

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16. Erlebnisbericht aus grausigen Tiefen. Wird aber das Schicksal zweimal

herausgefordert, so lässt sich damit kein Pokal gewinnen und keine Königstochter.

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17. Kleine Palastrevolte im kleinsten Staat der Welt; natürlich spielt Geld

eine Rolle.

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18. Dank unseres Zentralgestirns kommt die Wahrheit ans Licht.

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19. Verhängnisvolles Zusammentreffen dreier Damen am 28. Dezem-

ber 1879

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20. Nächtlicher Geschwindmarsch zwischen Bangen und Hoffen. Drei Personen

sind beteiligt, und am Ende geht’s wieder mal nicht gut aus.

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Johanni 2009

Auflösung des Lieder-Quiz in der Osterzeitung

Die richtige Lösung haben eingereicht: Linde Bassler und Helga Fieseler.

Herzlichen Glückwunsch! Die Gewinnerinnen erhalten einen Gutschein für eine

Kulturveranstaltung ihrer Wahl im Nikolaus-Cusanus-Haus.

Red.

1. Ein konsequenter Vegetarier berichtet, an welchen deutschen Flüssen er

seine Nahrungssuche betreibt

Bald gras’ ich am Neckar, bald gras’ ich am Rhein ...

2. Das Lied über den Partner-Look

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider ...

3. Liebesdrama im Hochadel

Es waren zwei Königskinder ...

4. Traum der Menschheit: Fliegen

Wenn ich ein Vöglein wär’ ...

5. Beschreibung einer außergewöhnlichen Gastwirtschaft; alles „bio-mild“

Bei einem Wirte wundermild, da war ich jüngst zu Gaste ...

6. Über die Metamorphosen einer Obstsorte

Der Apfel ist nicht gleich am Baum; da war erst lauter Blüte ...

7. Die Erinnerung an einen nahen Verwandten, der gut zu Fuß war, und die

Vermutung, diese Eigenschaft geerbt zu haben

Mein Vater war ein Wandersmann ...

8. Erinnerung an die Überquerung eines gefährlichen Gewässers in Bayern

Als wir jüngst in Regensburg waren ...

9. Eine Möglichkeit, Energie zu sparen

Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß ...

10. Außerhalb der Stadt lässt sich’s gut träumen. Der Ort ist genau beschrieben.

Am Brunnen vor dem Tore ...

11. Schilderung einer grimmigen Schlacht in Deutschlands „Waldesduster“

Als die Römer frech geworden ...

12. Ein im Transportwesen Beschäftigter über seine Kundschaft

Hab mein Wagen vollgeladen ...

13. Eine Frage hauptsächlich an Astronomen, Meteorologen, Statistiker, Philosophen

und Kinder

Weißt du, wie viel Sternlein stehen ...

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14. Ein Gebäude, das Krach macht

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach ...

15. Warnung vor einem sehr beliebten Genussmittel

C-A-F-F-E-E , trink nicht so viel Kaffee …

16. Ehelicher Streit über einen defekten Haushaltsgegenstand

Wenn der Pott aber nu en Loch hat ...

17. Einladung zur feuchtfröhlichen Abschiedsfeier mit Wein

Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein ...

Hauszeitung

18. Überfall auf zwei furchtsame Geschöpfe, auf einer Wiese ruhend, der

aber noch einmal glimpflich verlaufen ist

Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal saßen einst zwei Hasen ...

19. Grundfrage bei der Abschätzung der Wollqualität

Wer hat die schönsten Schäfchen? ...

20. Das Leben als Reise dargestellt. Diese Reise kann rastlos sein, ohne Verweilen.

Und weit und breit kein modernes Verkehrsmittel in Sicht.

Hoch auf dem gelben Wagen ...

21. Ein Junggeselle, der sich nach Zweisamkeit sehnt und harte Proben bestehen

muss, bis er endlich mit seinem „Täubchen“ zusammengeführt

wird

Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich ...

22. Ein Handwerksbursche auf Wanderschaft. Er gehört einer mehr sitzenden

Zunft an. Ein übler Zeitgenosse nötigt ihn in seine Unterkunft und

zwingt ihn, dort für die ganze Kommune zu arbeiten.

Es wollt ein Schneider wandern am Montag in der Früh ...

23. Zeitansagen und Hinweise über den Umgang mit Licht und Heizung

sind nun wirklich nichts Neues

Hört, Ihr Herrn, und lasst Euch sagen ...

24. Also ... das verstehe ich auch nicht! Da wird eine junge Dame – sie

soll sehr hübsch gewesen sein – beschuldigt, einen schweren Unfall

verursacht zu haben, nur weil sie gesungen hat!

Man wird doch wohl noch singen dürfen in Gottes freier Natur?!?!

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ...

25. Hier ist zweierlei wichtig:

1. Verhaltensregel zur Wasseraufnahme

2. Was kann man tun, wenn laute Nachrichtenübermittlung verboten ist.

Wenn alle Brünnlein fließen ...


Johanni 2009

Eier nun vom Biolandhof Henzler

Nachdem an gleicher Stelle vor etwa

zwei Jahren ein Artikel über unseren

Eierlieferanten erschienen ist, entstand

im Nikolaus-Cusanus-Haus eine Diskussion,

ob nicht doch besser Bio-Eier

zum Verzehr kommen sollten. Das Ergebnis

ist erfreulich: Mit dem Bioland-

Hof Henzler in Denkendorf konnten

wir unseren regionalen Bezug halten

und dennoch auf streng kontrollierte,

biologisch gelegte Eier umstellen.

Kuh-Weide

Etwas außerhalb von Denkendorf gelegen,

bildet der Hof von Christa und

Hansjörg Henzler einen schönen Hoforganismus.

Es gibt eine Milchviehhaltung

mit etwa 14 Kühen sowie einem

Zuchtbullen und Jungvieh. Der Bulle

„darf noch“ – im Gegensatz zur heute

üblichen künstlichen Besamung. Auch

werden den Kühen die Hörner belassen

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– auch keine Selbstverständlichkeit

mehr. Im Sommerhalbjahr befindet

sich die Kuhherde tagsüber auf der

Weide, was es im Stuttgarter Raum

kaum mehr gibt.

Die Schweine suhlen sich in ihrem

Auslauf, es gibt ein Gänsegehege und

einige Pferde als Hobby der Bäuerin.

Ein Hund, Katzen und Laufenten machen

den Hof endgültig zu einem

Schauplatz einheimischer Nutz- und

Haustiere. Deswegen kommen auch

viele Schulklassen regelmäßig zu Besuch,

um einen Erlebnis-Tag mit den

Tieren zu verbringen.

Mast-Schweine

Ach ja, die Eier! Auf dem Hof gibt es

etwa 1.000 Hühner, die täglich etwa

800 Eier legen. Etwa 60 Eier davon

werden täglich im Nikolaus-Cusanus-


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Haus verbraucht. Die Junghennen

kommen etwa 20 Wochen alt aus einem

Bioland-Aufzuchtbetrieb auf den

Hof und legen dann mit Legen auch

gleich los. Das Futter, auch das Eiweiß

ergänzende Zusatzfutter, ist kontrolliert

biologisch und rein pflanzlich. Die

Hühner haben einen überdachten Auslauf.

Derzeit ist jedoch ein Hühnerhabicht

unterwegs, sodass die Hühner im

Stall bleiben müssen.

Hühner-Auslauf

Christa Henzler, wie ihr Mann Agrar-

Ingenieurin und im Bioland-Landesverband

engagiert, erzählt mir auch

von den Problemen des bäuerlichen

Alltags. Während es z. B. 2003 einige

Monate überhaupt nicht regnete und

das Land wie eine Wüste dalag, sind

nun 20 Hektar (!) Grünfutter, welches

gemäht wurde, durch den starken Regenfall

Anfang Mai nahezu unbrauchbar

geworden.

Hauszeitung

Ich sorge mich dennoch nicht, da Frau

Henzler mir mit verschmitztem Lächeln

im nächsten Satz erzählt, zu

welch gutem Preis die Hokkaido-Kürbisse,

die die Familie in großem Stil

anbaut, gegen Ende des Winters verkauft

wurden.

Zum Abschluss meines Besuches lädt

Frau Henzler die Bewohner des Nikolaus-Cusanus-Hauses

ein, doch einmal

einen Nachmittag bei ihr in Denkendorf

unter schattigen Bäumen mit all

den Tieren und Kaffee und Kuchen zu

verbringen.

Der Gockel

Sören Hirning


Johanni 2009

Neue Bücher in unserer Bibliothek (eine Auswahl)

Romane / Literatur

Siegfried Lenz Stadtgespräch

Hanns-Josef Ortheil Die große Liebe

Ulla Lachauer Paradiesstraße

Rudolf Hagelstange Venus im Mars

Friedrich Dürrenmatt Das Versprechen

Irina Korschunow Das Spiegelbild

Edgar Allan Poe Sämtliche Werke

Herman Melville Der Schreiber Bartleby

H. G. Wells Die Tür in der Mauer

Peter Handke Die Theaterstücke

Roswitha Quadflieg Requiem für Jakob

Truman Capote Die Grasharfe

Horst Stern Mann aus Apulien

Eric-Emmanuel Schmitt Oskar und die Dame in Rosa

Jakob Wassermann Der Fall Maurizius

Martha Grimes Fremde Federn

Ingeborg Bachmann Liebe: Dunkler Erdteil

Biografien

Martin Beheim-Schwarzbach Die Insel Matupi. Geschichte einer Kindheit

Wolfgang Hässner Anna Achmatowa

Nicholas Boyle Goethe (2 Bde.)

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Johannes Urzidil Goethe in Böhmen

Michael Degen Mein heiliges Land

Douglas Botting Alexander von Humboldt

Anthroposophie

Hauszeitung

Walther Streffer Klangsphären. Autonomie im Gesang der Vögel

Hans-Werner Schroeder Die Episteln der Menschenweihehandlung

Friedrich Oberkogler Lohengrin

Elisabeth Göbel Auf der Suche nach Mitteleuropa

Andreas Neider Die Evolution von Gedächtnis und Erinnerung

Ernst-Michael Kranich Urpflanze und Pflanzenreich

Gerhard Wehr Der innere Weg

Verschiedenes

Margret Stuffmann Odilon Redon

Golo Mann / Alfred Heuss (Hg.) Propyläen-Weltgeschichte (10 Bde.)

Liana Castelfranchi Italien und Flandern. Geburt der Renaissance

Harald Eggebrecht Sergiu Celibidache

Anne Prache Romanik der Ile-de-France

Hans Küng u. a. Christentum und Weltreligionen

Max J. Friedländer Von van Eyck bis Bruegel

W. Scott-Elliot Atlantis

Loose / Voigt DuMont: Tessin

Sybil Gräfin Schönfeldt «Gestern aß ich bei Goethe»

Joachim-Ernst Berendt Nada Brahma – Die Welt ist Klang


Oft führ man gern

aus seiner Haut.

Doch wie man forschend

um sich schaut,

erblickt man ringsum

lauter Häute,

in die zu fahren

auch nicht freute.

Eugen Roth


Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel

Von bessern künftigen Tagen,

Nach einem glücklichen goldenen Ziel

Sieht man sie rennen und jagen.

Die Welt wird alt und wird wieder jung,

Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,

Sie umflattert den fröhlichen Knaben,

Den Jüngling locket ihr Zauberschein,

Sie wird mit dem Greis nicht begraben,

Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,

Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,

Erzeugt im Gehirne des Toren,

Im Herzen kündet es laut sich an:

Zu was Besserm sind wir geboren!

Und was die innere Stimme spricht,

Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Friedrich Schiller

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