11.12.2015 Aufrufe

Die Seele der Blumen - Heilende Pflanzen-Essenzen (Leseprobe)

Symbolkraft und Heilweise der Blumen und Pflanzen zeigen uns Menschen die erstaunliche Fähigkeit auf, Übergänge erfolgreich zu gestalten. Eine umfangreiche Etymologie und Beschreibung ― vom Gänseblümchen bis zur Rose ― verbinden sich in diesem Buch mit tiefen spirituellen Einblicken in die Weisheit der Sufis. Blumen singen ihr immerwährendes Lied. Diese Klänge haben die Kraft, uns zu verwandeln. Über das Warum und Wie handelt das Buch von Firos Holterman ten Hove über die Welt der Blumen und Pflanzen. Indem er das Wachstum von Blumen mit dem Wachstum der Seele vergleicht, gibt er konkrete Vorschläge und eine praktische Anleitung zur Medikation und Meditation. Viele Jahre hat der Autor Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet. Seine eigenen Erfahrungen, mit Problemen in uns und um uns, in die Natur zu gehen und bei Blumen und Pflanzen Lösungsansätze zu finden, findet Niederschlag in diesem Buch. Mit Begeisterung hat der Autor für dieses Buch die Herkunft der Blumen und Pflanzen erforscht. Dabei ist er tief in die Lehren des Sufi-Meisters und Mystikers Hazrat Inayat Khan eingetaucht. Im Forschen hat ihn die Erfahrung begleitet, dass wir jederzeit direkt mit den Pflanzen sprechen können. Es braucht letztendlich keine Mittler. Wir sind als Menschen nicht prinzipiell von den anderen Naturreichen getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen Ganzen aufnehmen. Inayat Khan sagt, dass wir Menschen uns ein Beispiel an den Pflanzen nehmen sollen. Für ihn ist menschliches Wachstum vergleichbar mit dem der Pflanzen. Woher rührt der Name von Pflanzen? Woher kommen sie überhaupt? Wie haben Menschen in unterschiedlichen Kulturen über Pflanzen gedacht und empfunden? Das sind die Fragen, die wir den Pflanzen stellen sollten. Davon handelt dieses Buch. Weitere Infos: www.verlag-heilbronn.de

Symbolkraft und Heilweise der Blumen und Pflanzen zeigen uns Menschen die erstaunliche Fähigkeit auf, Übergänge erfolgreich zu gestalten. Eine umfangreiche Etymologie und Beschreibung ― vom Gänseblümchen bis zur Rose ― verbinden sich in diesem Buch mit tiefen spirituellen Einblicken in die Weisheit der Sufis. Blumen singen ihr immerwährendes Lied. Diese Klänge haben die Kraft, uns zu verwandeln. Über das Warum und Wie handelt das Buch von Firos Holterman ten Hove über die Welt der Blumen und Pflanzen. Indem er das Wachstum von Blumen mit dem Wachstum der Seele vergleicht, gibt er konkrete Vorschläge und eine praktische Anleitung zur Medikation und Meditation. Viele Jahre hat der Autor Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet. Seine eigenen Erfahrungen, mit Problemen in uns und um uns, in die Natur zu gehen und bei Blumen und Pflanzen Lösungsansätze zu finden, findet Niederschlag in diesem Buch. Mit Begeisterung hat der Autor für dieses Buch die Herkunft der Blumen und Pflanzen erforscht. Dabei ist er tief in die Lehren des Sufi-Meisters und Mystikers Hazrat Inayat Khan eingetaucht. Im Forschen hat ihn die Erfahrung begleitet, dass wir jederzeit direkt mit den Pflanzen sprechen können. Es braucht letztendlich keine Mittler. Wir sind als Menschen nicht prinzipiell von den anderen Naturreichen getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen Ganzen aufnehmen. Inayat Khan sagt, dass wir Menschen uns ein Beispiel an den Pflanzen nehmen sollen. Für ihn ist menschliches Wachstum vergleichbar mit dem der Pflanzen. Woher rührt der Name von Pflanzen? Woher kommen sie überhaupt? Wie haben Menschen in unterschiedlichen Kulturen über Pflanzen gedacht und empfunden? Das sind die Fragen, die wir den Pflanzen stellen sollten. Davon handelt dieses Buch. Weitere Infos: www.verlag-heilbronn.de

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Firos Holterman ten Hove

„1949 wurde ich in Amsterdam geboren. Mein Vater, stammend aus einer Familie von tropischen Förstern, wurde

später im Leben Sozial-Pädagoge. Von der Seite meiner Mutter kam die Liebe zur Naturheilkunde und Gärtnern

hinzu.

Ich wuchs auf in den Wäldern rund um Apeldoorn. Als Kind hatte ich ein Erleuchtungserlebnis in der Natur.

Als Jugendlicher hatte ich zwei Leidenschaften: das Klavier und das Gärtnern. Ich entschied mich für das Letztere

und absolvierte eine Ausbildung als Gartenbauingenieur mit Schwerpunkt biologisch-dynamische Landwirtschaft.

Meine Suche nach dem Sinn der menschlichen Existenz führte mich später dazu, Geschichte an der Universität

von Utrecht zu studieren. In meiner Diplomarbeit erforschte ich das Verhältnis zwischen Tiefenpsychologie und

National-Sozialismus.

Mit 25 dann die Begegnung mit dem Sufi-Meister Pir Vilayat Inayat Khan. Unter seiner Anleitung durfte ich

den Klang hinter der Schöpfung hören. Als Aufgabe kam die Studie der Nachlassenschaft von Hazrat Inayat Khan,

dem großen Sufi-Meister Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Recherchen begleiteten mich über alle Stationen

des Lebens hinweg; drei Bücher sind das Ergebnis bisher (Das Heilige Buch der Natur und Die Seele der Steine

erschienen 2014).

In vielen Rollen des Lebens durfte ich meine psychosoziale Kompetenz ausbauen: in der des Liebhabers, des

Vaters, des Gärtners, des Managementtrainers, des CEOs, des Sozial-Pädagogen und des Sufi-Lehrers.

1978 entdeckte ich die Blütenessenzen und einige Jahre später begann ich auch Edelsteinelixiere selbst herzustellen.

Die Herstellung von Essenzen und Elixieren ist eine alchemistische Arbeit, welche man, ohne sich mit den

spirituellen Bereichen des eigenen Wesens zu beschäftigen, nicht erreichen kann. Der geistige Weg hat viel mit

Aufgeben, Ablegen, Abschied zu tun, und solche Prozesse sind nie einfach. Andererseits sind sie ein Geschenk,

weil das was erscheint, wenn man seine eingeschliffenen Prägungen und Vorstellungen verlässt, großartig ist.“


Firos Holterman ten Hove

Die Seele der Blumen

Heilende Blüten-Essenzen

aus der Sicht des Universalen Sufismus


Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Holterman ten Hove :

Die Seele der Blumen

Verlag Heilbronn

Postfach 2162, 71370 Weinstadt

Verkehrsnummer: 14894

www.verlag-heilbronn.de

info@verlag-heilbronn.de

ISBN: 978-3-936246-13-1

Dieses Buch ist auch als eBook erhältlich

Titelbild: „Kapuzinerkresse in meinem Garten“ von Vardan Loretta Frigo-Holterman

© 2015 by Verlag Heilbronn

Alle Rechte vorbehalten

Druck in Deutschland


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 6

Einführung 8

Murshid und die Natur 8

Mit Pflanzen reden 10

Was sind Pflanzen 12

Die Geburt der Pflanze 15

Pflanzenleben 18

Das Denken der Pflanzen 27

Apfel 32

Bambus 38

Banane 40

Dattelpalme 45

Eiche 49

Föhre 56

Gänseblümchen 60

Ginster 67

Granatapfel 71

Gras 77

Jasmin 78

Kaktus 81

Kirsche 88

Lilie 02

Lotus 98

Löwenzahn 102

Mandel 112

Mistel 116

Niem 123

Ölbaum 125

Orchidee 131

Rosen 135

Rose de Resht 142

Rosa Rose 143

Rote Rose 146

Gelbe Rose 148

Cremefarbene Rose 150

Weiße Rose 151

Rosenstrauch 152

Rosenknospe 153

Rose in voller Blüte 156

Rosenherz 157

Verblühte Rose 159

Rosennamen 160

Herstellung Rosenessenzen 161

Safran 163

Scharbockskraut 166

Schilfrohr 170

Seerose 173

Senf 175

Sonnenblume 178

Sonnentau 181

Tulpe 185

Walnuss 192

Weihrauch 196

Weinrebe 201

Weizen 210

Zwiebel 214

Die "United Nature Remedies" 223

Anhang; Zikr der 4 Fruchttypen 225

Literaturhinweise 229

Links 233

- 5 -


Einleitung

Vor ca. 30 Jahren bekam ich eine digitalisierte Version der gesammelten Werke des Sufi-Meisters

Hazrat Inayat Khan (1882-1928) geschenkt. Die enthaltene Suchfunktion machte plötzlich eine systematische

Sammlung seiner Aussagen zu den Blumen und Pflanzen möglich. Das vorliegende Buch

schließt für mich diese Inventarisation ab. Es war eine erstaunliche Reise durch die Gedanken- und Erlebniswelt

des großen Mystikers, der mit Blumen sprach.

Naturmystik war und ist meine Leidenschaft. Als

Kind die Erleuchtungs-Erlebnisse im Wald. Als Jugendlicher

die Entdeckung des heiligen Franziskus.

Als junger Mann die Reise nach Israel mit den blühenden

Citrus-Plantagen, den uralten Olivenbäumen

und den wilden Tulpen auf den Hügeln. Der Duft der

Blumen vermischte sich mit der Faszination der verschiedenen

Religionen vor Ort: Judentum, Drusen,

Christentum, Islam, Bahai.

In Israel wurde mir das erste Mal schmerzhaft bewusst,

wie in der modernen Landwirtschaft mit Pflanzen

umgesprungen wird. Nie werde ich vergessen,

wie in einer chemisch behandelten Orangen-Plantage

jegliches Leben verschwunden ist. Eine so unheilvolle

Behandlung des Heiligen Landes: wie passt das

zusammen?

So sahen meine Interessen und Fragen am Anfang

meines Erwachsenenlebens aus.

Heute mit 65 gibt es verschiedene Antworten. Diese

sind entstanden in der Auseinandersetzung mit

dem Leben, sowohl beruflich als privat.

Als Historiker habe ich für dieses Buch mit Begeisterung

die Herkunft der Pflanzen erforscht. Woher

rührt ihr Name, woher kommen sie überhaupt,

wie haben die Menschen in unterschiedlichen Kulturen

über sie gedacht und empfunden? Für mich erstaunlich

war die Entdeckung, dass eine Reihe von

Kulturpflanzen, wie Olive, Weizen, Wein und Granatapfel

den Menschen schon so lange begleiten! Es

führte mich zurück zu Zeiten, in denen die Menschheit

den Ackerbau entwickelte. Es weist hin auf eine

kulturelle Revolution in Afghanistan, Persien und im

Kaukasus, viele Tausende Jahre vor Christus, welche

in Verbindung mit dem Propheten Zarathustra

gebracht werden kann. Aber nicht nur daher kamen

die Pflanzen, die in diesem Buch unter die Lupe genommen

werden. Sonnenblume und Kaktus kommen

aus Süd-Amerika; die Seerose war im alten Ägypten

eine wichtige Kulturpflanze. Niem und Jasmin kommen

wahrscheinlich aus Indien. Und dann gibt es

Pflanzen, die bisher wenig mit den Menschen zu tun

hatten. Das Scharbockskraut ist in seiner Unscheinbarkeit

ein gutes Beispiel.

Als Gartenbauer mit biologisch-dynamischer Ausbildung

habe ich gelernt, Pflanzen zu beobachten.

In ihrer Phänomenologie zeigen sie ihr Wesen. Dieser

Ansatz ist in der modernen Zeit umstritten. Die

Signaturen-Lehre hat im Mittelalter zu Auswüchsen

und unbegründeten Fantasien über die Anwendung

von Kräutern geführt. Allerdings wird in der modernen

Wissenschaft auch vieles aus dem alten Wissen

bestätigt. Diesen Zusammenhängen auf die Spur zu

kommen war eine Zielsetzung dieses Buches.

Als psychologischer Berater habe ich viele Jahre

Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet.

Meine eigenen Erfahrungen, dass wir mit den Problemen,

die wir in uns und um uns herum wahrnehmen,

in die Natur gehen und bei Blumen und Steinen Lö-

- 6 -


Einleitung

sungsansätze finden können, war dabei ein Leitfaden

und findet seinen Niederschlag in diesem Buch.

Als private Person habe ich wahrscheinlich am

meisten von den Frauen gelernt, mit denen ich zusammen

sein durfte und darf. Sie haben mein Herz

für den Glanz der Natur geöffnet. Die menschliche

Schönheit kann wahrlich zur Krönung der Schöpfung

werden, auch wenn im großen Weltgeschehen streckenweise

wenig davon sichtbar wird.

Als Sufi-Schüler bin ich für dieses Buch tief in die

Lehren von Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan eingetaucht.

Seine kurzen Aussagen über Löwenzahn und

Gänseblümchen lassen einen erst einmal vor einem

Rätsel stehen. Begriffe aus einem mystischen Erleben

machen zunächst stutzig. Ich habe versucht, nicht

an der Oberfläche verschlissener religiöser Begriffe

hängen zu bleiben. Dabei hat mich die Erfahrung

begleitet, dass wir jederzeit direkt mit den Pflanzen

sprechen können. Dazu braucht es letztendlich keine

Mittler, auch keinen Sufimeister. Wir sind als Menschen

nicht prinzipiell von den anderen Naturreichen

getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen

Ganzen aufnehmen. Ein Miteinander von Himmel

und Erde ist möglich.

- 7 -


Einführung

Murshid und die Natur

Man kann das Leben von Hazrat Pir-o-Murshid Inayat Khan, von seinen Schülern „Murshid“ genannt,

auf so viele verschiedene Art und Weise erzählen. Von seinem Bruder Musharaff ist kürzlich „Der

Zauber Indiens“ – Aus dem Leben eines Sufi“ erschienen. Seine Schüler haben ihre Erinnerungen

aufgezeichnet. Er selbst hat eine Autobiografie geschrieben. Sein Sohn Pir Vilayat hat Leben und Lehre des

Meisters in dem monumentalen Buch „The message of our time“ wiedergegeben. Spätere Murids (Schüler-/innen)

haben Biografien hinterlassen: Elisabeth de Jong-Keesing, „Golven, waarom komt de wind“. Sein Enkel

und heutiger Pir (Leiter) des Internationalen Sufi Ordens Zia Inayat Khan veröffentlichte „A pearl in wine“.

In diesem Buch möchte ich nur eine Seite seines Lebens

hervorheben: die tiefe Verbundenheit des Meisters

mit der Natur.

Seine Kindheit in Baroda, Indien war eingebettet

in eine natürliche Umgebung. Er erinnerte sich gerne

an den Birnbaum, worin er herum kletterte, an die

Pfützen, wodurch er stapfte, an die gestapelten Mäuerchen,

auf welchen er balancierte.

In keiner Periode seines Lebens verlor er je den

Kontakt zu den Steinen, Pflanzen, Bäumen, Tieren

und Landschaften. Immer wieder suchte er die Natur

auf, um dort neue Kraft für seine enorm aufzehrenden

Aufgaben zu schöpfen.

Diese Jugend war auch geprägt von einer frühen

spirituellen Suche. Aufwachsend in einer muslimischen

Familie machte er Bekanntschaft mit einer farbenfrohen

Hindukultur, die das tägliche Leben des

Umfeldes durchdrang. Bis er dann als junger Teenager

entschied, dass Beten keinen Sinn macht, wenn

Gott nie antwortet oder Seine Existenz unter Beweis

stellt. In Sufi Message XII, 131, beschreibt er, wie er

das Dach des Hauses, auf dem er seine Gebete verrichtet

hatte, verlässt, zu seinem Großvater läuft und

bekannt gibt: „Ich bete nicht mehr, bis ich Allah gesehen

habe und verstehe, was Er ist. Es macht keinen

Sinn einfach zu glauben und zu handeln wie meine

Vorfahren das taten, wenn ich nicht richtig weiß warum“.

Der Großvater lächelte, war einen Moment still

und zitierte dann einen Vers aus dem Koran: „Wir

werden Unsere Zeichen in der Welt und in euch selbst

zeigen, sodass die Wahrheit euch manifestiert werden

mag.“ Offensichtlich zeigte der Enkel noch Zeichen

von Ungeduld und sagte so etwas wie „na ja“, woraufhin

der Großvater ergänzte: „Die Zeichen von

Gott sind in der Welt wahrnehmbar und die Welt kann

man in sich selbst wahrnehmen.“

Kurz darauf starb sein Großvater und Inayat Khan

ist sein Leben lang dieser Spur gefolgt. Blumen wurden

für ihn Zeichen von Gott und welche Botschaft

sie für ihn bereit hielten, versuchte er in seinem Innern

zu hören.

Seine Karriere als Musiker begann genau in dieser

Zeit. Auf einer Tournee mit seinem Vater in Nepal

wanderte er alleine durch den Himalaya. Dort in

der Einsamkeit der Natur traf er einen Muni, einen

Einsiedler, der sich völlig aus dem gesellschaftlichen

Leben in die Wildnis zurückgezogen hat und kein

Wort sagt. Das erste Mal sang Inayat Khan für ihn,

- 8 -


Murshid und die Natur

das nächste Mal brachte er seine Vina mit. Der heilige

Mann bewegte sich nicht und sagte nichts. Es war als

würde er nichts merken. Aber: „Er offenbarte mir die

Mystik des Klangs und enthüllte vor meinen Augen

das innere Mysterium der Musik.“

Die Augen des Musikers, die das Wesen der Musik

„sehen“, wie sollte man das verstehen? Murshid

beschreibt hier einen Durchbruch in dem Entwicklungsprozess,

welcher in der oben beschriebenen

Begegnung mit seinem Großvater angefangen hatte.

Seine Laufbahn als Musiker führte ihn zum Hören

einer inneren Wirklichkeit, welche „hinter“ dem äußeren

Klang verborgen war. Was war die Rolle des

Muni? Wie kann ein anderer Mensch einen zu einer

solchen Erfahrung bringen? Murshid beschreibt die

Atmosphäre rundum den Heiligen als verzaubert.

Dieser saß inmitten der wilden Natur, „unberührt von

irdischen Ambitionen und Kontakten, zutiefst glücklich“.

Dieser seelische Zustand übertrug sich auf Inayat

Khan. Der Muni hob den jungen Musiker auf seine

eigene Ebene und zeigte ihm die verborgene Welt

hinter seiner Musik. Eine Offenbarung im wahrsten

Sinne des Wortes. Murshid: „Die Bedeutung von Offenbarung

ist das Verstehen der Sprache der Seele.

Jede Seele spricht fortwährend, wenn man es nur hören

könnte…; sogar die stillen Bäume und die stillen

Berge sprechen zu uns, wenn wir fähig sind, sie zu

hören.“

Eine Reihe von Bedingungen machte diese Enthüllung

der Musik hinter der Musik, Saud-e-Sarmad in

der Sprache der Sufis, bei Inayat Khan möglich.

• Ihm wurde in seiner Kindheit Respekt vor Heiligen

und Weisen aus verschiedenen Religionen

vorgelebt.

• In den Nepalesischen Bergen herrschte eine unberührte

Natur ohne kulturelle Einflüsse.

• Ein realisierter Meister zeigte ihm den Weg.

In meiner eigenen Lehrzeit bei meinem Sufi Meister

war das eigentliche Training die Konzentration. Von

vielen verschiedenen Richtungen wurde immer wieder

das Thema Meditation angegangen. Stundenlang,

wochenlang saßen wir zu Füßen des Meisters und

übten. Jahrelang immer wieder bin ich in die Schweizer

Berge gefahren, wo hoch oben die Zelte des Meditations-Camps

aufgebaut wurden. Sonne, Regen,

Schnee. Überwältigende Natur. Stille, Schweigen,

Fasten. Und dann eines Tages passierte es: Ich hörte

den Klang hinter der Schöpfung. Der Meister gab mir

ein Zeichen, auf zu stehen und zu gehen. Den ganzen

Tag wanderte ich durch die Berge. Saut-e-Sarmad begleitete

mich, oder ich begleitete Saut-e-Sarmad. Innen

und Außen waren zusammengekommen.

Murshid: “Und noch einen Schritt weiter kommt

die Realisierung, welche Offenbarung genannt werden

kann. Wenn die Seele auf diese Ebene eingestellt

wird, öffnen sich die Augen und Ohren des Herzens

und sie hören das Wort, das von allen Seiten kommt.

• Murshid hatte gelernt, sich vollständig zu konzentrieren.

Er war dafür bekannt, 500 Ragas zu

kennen.

- 9 -


Mit Pflanzen reden

Murshid macht uns darauf aufmerksam, dass Pflanzen wahrnehmen und fühlen, was von uns Menschen

kommt: “Wenn wir nur die Pflanzen genau beobachten würden, würden wir sehen, wie sehr sie

unsere Anwesenheit und unsere Liebe fühlen. Sie gedeihen durch unsere Liebe; je mehr Liebe wir geben,

umso mehr Duft, umso mehr Süße. Der Mensch arbeitet auf den Höfen und Gärten in der Auffassung, dass

Pflanzen materielle Dinge sind, darauf ausgerichtet, zu sehen wie Pflanzen durch materielle Mittel verbessert

werden können. Wenn er es nur glauben könnte, so gäbe es eine noch höhere Art, ihnen beim Wachstum zu

helfen, eine spirituelle Art: die Anwendung von Liebe und Sympathie.“

Die meisten Menschen in der westlichen Kultur haben

das Bewusstsein verloren, dass Pflanzen unsere

Zuwendung fühlen können. Der Gedanke, dass wir

mit den anderen Naturreichen in Verbindung treten

können, ist jedoch noch nicht vollkommen verloren

gegangen. Menschen reden mit ihren Haustieren. Unsere

frühere Nachbarin auf dem Reiterhof hatte die

Fähigkeit, im Gespräch mit ihren Pferden unglaubliches

zu erreichen. Nach einer Weile des Sprechens

legte sich das Pferd auf Wunsch der Frau zum Beispiel

hin und streckte seine Beine hoch.

Aber zu glauben, dass wir mit Pflanzen und Steinen

reden können, ist uns modernen Menschen kaum

möglich. Dieser Begriff des Glaubens ist ein verschlissener

Begriff. Vielleicht, weil im Christentum

die Anforderungen des Glaubens überstrapaziert wurden?

Vielleicht, weil Kommunikation mit Pflanzen

eher mit Aberglauben in Verbindung gebracht wird?

In „Das Heilige Buch der Natur“ stellte ich dar, wie

Meister und Propheten aus unterschiedlichen Kulturkreisen

sich in die Wüste oder wilde Natur zurückziehen,

bevor sie ihre Berufung unter den Menschen

antreten. Murshid erwähnt in der Beziehung ausdrücklich

den heiligen Franziskus: “Heilige wie St.

Franziskus haben mit Felsen, Vögeln und Tieren gesprochen,

nicht so wie wir sprechen, sondern mittels

einer Einsicht in die Dinge; und jedes Objekt äusserte

sich, sprach über seine Vergangenheit, Gegenwart

und Zukunft“.

Ein Sufi-Heiliger aus Indien war Prinz Puran. Von

ihm wird berichtet, dass er für lange Zeit in der Wildnis

zurückgezogen lebte. Dann kam er zurück in die

Menschenwelt und verwandelte verkommene Gärten

und Parks in Paradiese voller Wachstum und Blüte.

Wie? Durch seine Anwesenheit, durch seinen Blick,

durch seine Berührung.

In unserer Zeit ist das Beispiel von Findhorn beeindruckend.

Drei Menschen zogen sich in eine verlassene,

rauhe Gegend von Schottland zurück. Dorothee

Mclean, die Teil ihres geistigen Trainings im Sufi Orden

empfangen hatte, zeigte dann, wie man mit der

Seele der Pflanzen, der Welt der Devas, Kontakt aufnehmen

kann. Die Pflanzen reagierten auf diese Beziehung

mit einem unglaublichen Wachstum.

Was im Wesen eines Menschen bringt eine Pflanze

dazu, gesund zu werden und zu gedeihen?

Wenn Murshid von „Glauben“ spricht, sollten wir

nicht vergessen, dass dies immer eine Übersetzung

des englischen Wortes „Faith“ ist. Eine andere mögliche

Übersetzung wäre „Vertrauen“. Wir trauen uns

selbst und unserem Gegenüber etwas zu.

Wenn wir „etwas in einer Pflanze sehen“, bedeutet

das, dass wir das Potential von Schönheit erkennen.

Dieser Blick, oder Fähigkeit, zu sehen was sein

- 10 -


Mit Pflanzen reden

könnte, basiert auf einem Wissen, welches aus Liebe

entsteht.

Liebevolle Beobachtung eröffnet unserem Schauen

die Entwicklungsmöglichkeiten unseres Gegenübers.

Eine solche Einsicht „was eine Blume werden

kann“, was es dazu braucht und was ihr Wachstum

hindert, entspringt aus Liebe zur Blume.

Wenn Murshid Inayat Khan also von einer weiterführenden,

spirituellen Möglichkeit im Umgang mit

Pflanzen im Gartenbau und Ackerbau spricht, meint

er nicht weniger als eine gesteigerte Sympathie für

unsere Nutzpflanzen.

Nur wer gerne Zeit im Garten verbringt, nur wer

nicht darauf aus ist, möglichst schnell fertig zu sein

um seine Zeit für andere Interessen zur Verfügung zu

haben, nur dieser Mensch liebt seine Pflanzen.

Murshid war ein Bewunderer von Luther Burbank,

der famose Pflanzenzüchter, der Anfangs des

20. Jahrhunderts „Wunder“ wirkte. Er züchtete eine

ganze Reihe von neuen Pflanzen und Bäumen mit Fähigkeiten,

die man nicht für möglich gehalten hatte.

Seine Biografie wurde auch auf Deutsch übersetzt

und ist antiquarisch noch erhältlich. Wenn man liest,

wie er einen Kaktus in einem schier endlosen Ausleseverfahren

davon abbringt, Dornen zu tragen, versteht

man etwas von seiner Aussage: „Ich liebe alles!

Ich liebe die Menschheit – ich liebe Blumen – ich

liebe Kinder – ich liebe meinen Hund – ich bin ein

Liebhaber des Menschen Jesus – ich bin ein Liebhaber

von allem was hilft.“ Burbank bezeichnete sich

selbst als Ungläubigen. Damit meinte er, dass er sich

nicht mit dem engstirnig orthodox- religiösen Anti-

Evolutions-Gedankengut abfinden möchte. Er zeigte

ein Leben lang, dass, wenn man sorgfältig beobachtet

und mit viel Geduld begleitet, Pflanzen sich evoluieren

können.

Murshid besuchte ihn in seinem Garten in Kalifornien.

Am meisten beeindruckte ihn die überbordende

Freude von Burbank im Umgang mit seinen Pflanzen.

Murshid zitiert Luther Burbank: „Du solltest die Neigung

einer Pflanze beobachten, was ihre Veranlagung

ist; denn wenn du nicht hinschaust, wird die Pflanze

sich nicht voll entwickeln. Ich behandele sie wie lebende

Wesen. Sie sprechen zu mir, und ich zu ihnen“.

Genau das ist es, was Murshid als Glauben bezeichnet.

Das Vertrauen, das Burbank in seine Pflanzen

hatte war unerschütterlich. Er lebte mit ihnen in einer

Liebesbeziehung. Der liebende Blick und die liebevolle

Zuwendung halfen den Pflanzen, Eigenschaften

zu entwickeln, die man kaum glauben konnte.

Diese Haltung nennt Murshid spirituell: “In meiner

Auslegung bedeutet spirituell lebendig. Ein spiritueller

Mensch, der offen ist für die Schönheit von

Poesie, der für die Schönheit von Melodie, von Harmonie

empfindsam ist, der sich von der Schönheit der

Natur erheben lässt, der wie ein lebendiges Wesen

lebt, nicht wie ein totes, diese Person kann wahrlich

spirituell genannt werden. Und du wirst immer feststellen,

dass es die Neigung von spirituellen Persönlichkeiten

ist, sich für jeden Menschen in ihrem Leben

zu interessieren. Das ist der Beweis dafür, dass

sie leben. Ein Mensch, der in sich selbst gefangen ist,

hat sich verschlossen, er hat vier Wände um sich gebaut.

Das kann sein Grab sein; er ist darin beerdigt.

Der lebendige Mensch sieht von Natur aus alles; und

beim Schauen sympathisiert er mit allem, reagiert auf

alles, wertschätzt alles in allem; und auf diese Art und

Weise weckt er in sich selbst die sublime Vision von

der Immanenz Gottes.“

- 11 -


Was sind Pflanzen?

Vielleicht gehören Sie so wie ich zu den Menschen, die überall und unter allen Umständen als erstes

schauen, welche Pflanzen wachsen? Natürlich spielt das Elternhaus dabei eine Rolle. Auf den ausgedehnten

Spaziergängen mit meinem Großvater zeigte er mir mit seinem Stock die verschiedenen

Blumen und Bäume und nannte mir ihre Namen. Als ich mich für das Abitur vorbereiten musste, hatte ich den

dringenden Impuls, den elterlichen Garten vollkommen um zu gestalten. Mit viel Freude widmete ich meine

Zeit der neuen standortgerechten Anordnung der Pflanzen. Ich legte neue Beete an, Rasenflächen wurden verkleinert.

Im Abitur bin ich dann durchgefallen. Viel später, als ich als Managementtrainer mit meinem Chef für

eine wichtige Besprechung an der Firmen-Zentrale eines unseren Hauptkunden angekommen waren und wir

zehn Minuten zu früh waren, schaute ich mir die Parkanlage an, während er sein Handy benutzte. Als er mich

dann dabei erwischte, dass ich von manchen Pflanzen Samen in meine Tasche steckte, musste er schrecklich

lachen. Er meinte, so was tut man normal nicht. Was würden unsere Kunden von uns denken, wenn sie zufällig

aus dem Fenster schauten?

Mich in der Natur bewegen, die Natur bewundern und

genießen, mich mit der Natur beschäftigen, das ist

meine Leidenschaft. Gehören Sie auch zu dem Menschenschlag,

der erst mal überhaupt nicht einsehen

kann, warum man seine Augen schließen sollte, wenn

man meditiert? Haben sie auch nie verstanden, warum

man unbedingt still sitzen sollte, wenn man betet?

Dann willkommen im Club! Vielleicht können Sie in

dem Fall auch verstehen, welche Erleichterung ich

empfand, als mein Sufi-Lehrer es ausdrücklich befürwortete,

dass ich meine Wazifas (spirituelle Übungen

der Sufis) auf dem Fahrrad im Wald praktizierte. Spiritualität

heißt für mich, die Einheit mit dem Ganzen

zu spüren. Nirgends erlebe ich das intensiver als in

der Natur. Und bei den Sufis entdeckte ich, dass ich

mit dieser Haltung in bester Gesellschaft bin.

Murshid Inayat Khan bezieht sich gerne auf die

Aussage von Jesus „In Ihm leben wir, bewegen wir

uns und haben wir unser Wesen.“ Er erklärt dies folgendermaßen:

„Wir müssen uns bewegen, und wir

bewegen uns, um unser Wesen in Gott zu schaffen.

Ohne Bewegen leben wir nicht; wenn wir unser Wesen

nicht schaffen, bewegen wir uns nicht, leben wir

nicht. Deswegen ist es dem Leben eigen, dass wenn

wir leben, wir uns bewegen und fortschreiten, und

den Seins-Zustand erreichen, wofür wir bestimmt

sind. Wir sehen diese Neigung in jedem Wesen. Ein

Pflänzchen, ein Bäumchen, wenn wir sein Wachstum

unterdrücken, wenn wir einen Zaun drumherum errichten,

wenn wir es mit Glas überdecken, wird es

nicht blühen, wird es keine Blüten treiben; mit der

Zeit wird es sterben. Warum ist dies so? Weil sein Leben

sich nicht ausdrücken kann, wenn es überdeckt

wird; es kann sich nicht zum Ausdruck bringen, wenn

ein Zaun drumherum steht. Es ist ihm nicht genug, am

Leben zu sein, denn Leben will nicht nur leben; um

sich zu verwirklichen, muss das Leben in der Lage

sein, Fortschritt zu machen, und Fortschritt wird nur

gemacht, wenn freie Bewegung möglich ist.“

Murshid nimmt als Beispiel für Wachstum die

Pflanzen. Er sagt, dass wir Menschen uns an den

Pflanzen ein Beispiel nehmen sollten. Er stellt

menschliches Wachstum dar als einen Prozess, vergleichbar

mit dem der Pflanzen.

Ist der Vergleich eine nette Parabel? Ist das Gleichnis

als poetisches oder symbolisches Bild zu verste-

- 12 -


Was sind Pflanzen ?

hen?

An diesem Punkt stoßen wir auf etwas Wesentliches.

Murshid stellt in aller Deutlichkeit klar, dass

wir Menschen eine Weiterentwicklung des Pflanzenreiches

sind. Wir sind so wie die Pflanzen, weil in uns

das Pflanzenreich als Erbe weiterlebt. Wir sind die

Pflanzen, und zwar alle!

Die Schöpfung ist in der Sufilehre ein einziger Entwicklungsprozess.

Das Leben hat sich aus dem Mineralreich

ins Pflanzenreich weiterentwickelt. Nach der

Stufe des Tierreiches ist momentan Gott dabei sich in

den Menschen zu entfalten. Die verschiedenen Naturreiche

sind also jeweils Weiterentwicklungen des

Prinzips „freie Bewegung“.

Die Bewegung, die alle Naturreiche durchzieht,

hat ihren Ursprung im Klang. Murshid bezieht sich

auf die vedantische Lehre von Nada Brahma: Klang

als Schöpfer, Klang als kreativer Geist. Am Anfang

der Schöpfung war und ist ein Vibrieren. Die Sufis

nennen diesen Klangursprung Saut-e-Sarmad. Die

Pythagoreer hatten Kenntnis über die Harmonie der

Sphären. In der Bibel heißt es: Am Anfang war das

Wort.

Der nächste Schritt im Schöpfungsprozess ist das

Sichtbarwerden dieses Klanges: Das Licht entsteht.

Alle Formen und Farben der Blätter und Blüten

sind Ausdruck von Aspekten der Sonne. Murshid:

„Es sind die verschiedenen Abstufungen dieses

Lichts und der Vergleich untereinander, die die unterschiedlichen

Farben entstehen lassen. Farben sind nur

die verschiedenen Schattierungen von Licht… Diese

Farben scheinen die Farben von Blumen, Pflanzen

und Blättern zu sein, aber in der Realität sind sie die

Farben der Sonne.“

Der Klang, das Licht, die Bewegung sind das Leben.

Das Leben ist also ein göttlicher Schöpfungsimpuls.

Dieser Impuls durchwandert in seiner Entwicklung

verschiedene Stadien des Erwachens. Der Sufi

Meister Jelalludin Rumi sagt, dass Gott in den Steinen

schläft, in den Pflanzen träumt, in den Tieren

aufwacht und in den Menschen zur Einheit erwacht.

In jedem Naturreich befreit sich die Bewegung des

Lebens, wird lebendiger.

Die Pflanzen bringen als Erbe aus dem Mineralreich

die Geduld mit. Sie warten geduldig auf Regen.

Sie fragen nie nach einer Entlohnung, wenn ihre Blumen

und Früchte genommen werden. Sie geben einfach

ohne Dankbarkeit zu erwarten.

Der Unterschied zwischen Mineralreich und Pflanzenreich

wird von Inayat Khan so definiert, dass im

Vergleich zu den Steinen die Pflanzen eine viel größere

Biegsamkeit und Flexibilität entwickelt haben.

Eine Pflanze, sagt er, lässt sich beeinflussen und wird

dadurch produktiv und kreativ. Die Öffnung, die entsteht

bei der Entwicklung der Schöpfung aus dem

Mineralreich ins Pflanzenreich, ist eine seelische.

Pflanzen haben, anders als Steine, die Fähigkeit, mit

zu fühlen. Pflanzen sind einfühlsam, mild, freundlich,

so Murshid: “Wenn wir nur die Pflanzen genau beobachten

würden, würden wir sehen, wie sehr sie unsere

Anwesenheit und unsere Liebe fühlen“.

Ich weiß noch, wie in den 70er Jahren das Buch

von Tompkins und Birds „Das geheime Leben der

Pflanzen“ wie eine Bombe einschlug. Pflanzen fühlen,

nehmen wahr, erleben Schmerzen, so die Botschaft

des Buches, das auf wissenschaftlichen Beobachtungen

beruht.

Neueste Untersuchungen belegen, dass Pflanzen

riechen, sehen, hören, tasten können.

- 13 -


Was sind Pflanzen ?

Wie kommt es, dass diese Einsicht so neu für uns

ist? Wahrscheinlich aus mehreren Gründen. Erstens

reagieren Pflanzen nicht, wenn sie leiden. Pflanzen

dulden schlichtweg. Oder sie sterben, wenn das Leiden

zu groß wird. Die meisten Pflanzen wehren sich

nicht. Sie dienen.

Zweitens haben wir Menschen uns weit von der

Pflanzenwelt entfernt. Um Pflanzen verstehen zu können,

muss man bereit und fähig sein, wie eine Pflanze

zu werden. So ist das Prinzip allen Verstehens. Wenn

wir anfangen, mit Pflanzen in Kontakt zu treten, sieht

das zumindest kindlich oder sogar verrückt aus. Wer

redet denn mit Pflanzen. Pflanzen antworten doch

nicht.

Diese Art des in Kontakt-Tretens ist ein Kontakt

von Seele zu Seele. Da stoßen wir an einen weiteren

Hinderungsgrund. Wir haben in der westlichen Welt

wenig kulturelle Bestätigung dafür, dass Pflanzen

eine Seele haben. Abgesehen davon, dass wir westlichen

Menschen nicht einmal mehr wissen, ob wir

selber eine Seele haben, wurde in der christlichen

Religion eine Barriere gegen Naturmystik errichtet.

Die Hexen, die noch ein Wissen von den Kräften der

Natur bewahrt hatten, wurden ausgerottet.

Dabei ist es so einfach, Freund der Pflanzen zu werden.

Pflanzen sind sofort dabei, diese Freundschaft

zu erwidern. Auf der Seelen-Ebene gibt es nämlich

keine Barrieren. Pflanzen sind in ihrem Gefühl vollkommen

offen. Unsere Seele erreicht ihre Seele ohne

Hindernisse. Je tiefer unsere Seele ist, desto tiefer treten

wir in die Pflanzenwelt ein. Warum? Weil es auf

der seelischen Ebene keinen Unterschied zwischen

Menschen und Pflanzen gibt. Die seelische Ebene,

auf der wir Menschen Freunde von allen Wesen werden,

ist genau die Welt, wo die Pflanzen die ganze

Zeit wohnen. Wir sprechen hier von der Ebene der

Engel. Murshid nennt die Engel, die im Pflanzenreich

angesiedelt sind, Devas.

In „Das Heilige Buch der Natur“ habe ich den Engeln

ein Kapitel gewidmet. Engel sind Klangwesen,

die sich sehr unweit der göttlichen Quelle bewegen.

Sie bleiben in der Nähe des göttlichen Ursprungslichtes

und verherrlichen ihren Schöpfer. Engel tanzen

schwerelos und singen Halleluja. Sie bestätigen ohne

Wenn und Aber Pracht und Glanz des Schöpfers in

ihrer eigenen Schönheit. Engel haben keinen Zweifel.

Sie sind im Einklang mit dem Einen und lassen das

hören. Die Notwendigkeit, die Schöpfung zu erforschen,

darüber nach zu denken und damit zu hadern,

entfällt. Diese Ebene des Seins nennen wir Himmel.

Der Mensch hat zu dieser Ebene in sich erst Zugang,

wenn er seinen Stolz abgelegt hat. Wenn wir

uns mit Demut in unserem Herzen vor der Schönheit

und Weisheit des Schöpfers verneigen, sind wir im

Himmel.

Die Pflanzen können uns zeigen, wie wir sind in

unserer Engelgestalt. So können wir verstehen, warum

Murshid im Gayan sagt: „Der Naturfreund ist der

wahre Gottesverehrer.“

Wenn wir uns mit den Pflanzen anfreunden, haben

wir die Sphären der Menschen und der Tiere hinter

uns gelassen. Wir sind so zu sagen den Weg zurück

zum Ursprung gegangen.

Im Gayan lesen wir:

Die Bäume zu den Wolken: „Mit erhobenen Händen

bringen wir euch unsere Huldigung dar.“

Die Wolken: “Unter Tränen gewähren wir euch

euer Begehren.“

Natürlich ist das eine poetische Darstellung der

Bäume. Wenn wir aber dieses Gedicht analysieren,

- 14 -


Was sind Pflanzen ?

sehen wir, dass Bäume in ihrem Wesen Lobpreisen

und dass sie genährt werden, weil sie lobpreisen. Wir

Menschen werden zu Bäumen, wenn wir uns keine

Gedanken mehr über unsere Existenzsicherung machen,

sondern uns in vollem Vertrauen erheben. Die

Antwort kann dann nicht ausbleiben.

Zum Schluss noch einmal in einem Schaubild eine

Darstellung, wie sich die Schöpfung evoluiert bis

zum Menschen und wie sich dann der Mensch involuiert

bis zur Quelle allen Seins:

Wir Menschen kommen aus der Natur und sollten

uns der Natur wieder zuwenden.

Die Geburt der Pflanze

„Es wird ein Tag des Erwachens, der Entfaltung kommen; wir warten in Stille darauf.“ Diese Aussage

von Murshid gilt für alle Lebewesen: Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen, Planet Erde, die Schöpfung.

Wenn wir das Geheimnis der Schöpfung und den Grund unseres Lebens, das wo wir her kommen und

wo wir hingehen, entdecken wollen, sollten wir in die Natur gehen. „Eine Seele die nicht nah an der Natur ist,

ist weit von dem, was man Spiritualität nennt, entfernt. Um spirituell zu sein muss man kommunizieren und

insbesondere muss man mit der Natur kommunizieren; man muss die Natur fühlen. Es gibt so viel zu lernen

aus dem Leben der Pflanzen…“

Damit ist nicht gemeint, dass wir alle Biologen werden

sollten. Es ist hier nicht die Rede von Wissenschaft

im engeren Sinne. Murshid meint, dass, um

sich selbst als Mensch zu verstehen, wir bei den anderen

Naturreichen zurate gehen sollen. Die Sufis

betrachten genau dieses staunende Schauen als bezeichnend

für die Rolle der Menschen in der Schöpfung:

„Gott schlief im Stein, Gott träumte im Baum,

- 15 -


- 15 - 124 -


Ölbaum

Der Olivenbaum (Olea europaea), auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer,

im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea).

Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert.

Etymologie und Vorkommen

Englisch: oil. Französisch: huile. Italienisch: olio. Griechisch: Elaiva. Armenisch: Ewl. Ägyptisch: Tet-t. Ursemitisch:

Seitu. Arabisch: zeitun. Spanisch: aceite.

Die Kultur des Ölbaums war lange vor ihrer ersten

Erwähnung bei Homer in Griechenland und auf den

ägäischen Inseln bekannt, selbstverständlich auch im

Vorderen Orient, in Kleinasien und Nordafrika.

In der Forschung stand lange die Theorie im Raum,

dass die Olive von Menschen in den Mittelmeerraum

gebracht worden sei. Fossile Funde von Blattabdrücken

von Olea europea auf der griechischen Insel

Santorin widerlegen diese These. Die Blätter wurden

von den Ascheablagerungen des Vulkans Thera bei

einem Ausbruch vor 54000 Jahren eingeschlossen.

Es gibt allein im Mittelmeerraum über 1.000 Sorten

von Olivenbäumen. Je nach Klima und Bodenbeschaffenheit

hat sich der Olivenbaum über hunderte

Jahre anders entwickelt, manche Olivenbaumsorten

sind auf einzelne Dörfer beschränkt.

Olivenbaumpflanzungen nehmen auf der Welt 8,6

Millionen Hektar an Fläche ein, auf denen jährlich

17,3 Millionen Tonnen Oliven geerntet werden. Spanien

ist der größte Olivenproduzent. Die vier wichtigsten

Länder (Spanien, Italien, Griechenland und

Syrien) erstellen ca. 80 % der weltweiten Olivenproduktion.

Da die Nachfrage nach Olivenöl auch in nördlichen

Ländern stetig zugenommen hat, wurde der Anbau

von Olivenbäumen erheblich ausgeweitet. In vielen

Regionen der Hauptproduzenten ist der Olivenbaum

- 125 -

Grundlage der ländlichen Wirtschaft.

Botanik

Der Ölbaum ist für mich unbeschreiblich. Das erste

Mal, als ich in Griechenland in einen Olivenhain

kam, blieb mir der Atem weg. Uralte Gebilde, jedes

eine Individualität, viel Zwischenraum, damit jedes

genug Platz hat. Alle gemeinsam in einer gleichzeitig

getragenen und heiteren Atmosphäre. Getragen durch

die Würde des Altertums. Heiter durch das spezielle

Licht, das in einer solchen Anpflanzung herrscht. Wie

viele Generationen von Bauern werden hier jährlich

die Erde gepflügt haben, damit das wenige Wasser

nur den Oliven zu Gute kommt? Die menschliche

Existenz erscheint als Randerscheinung bei diesen

ehrwürdigen Gestalten. Es heißt, die Olive dient den

Menschen mit ihrem Öl und ihrem Holz. Mir scheint

das Umgekehrte genau so richtig: Der Mensch dient

dem Olivenbaum von Vater auf Sohn, von Mutter auf

Tochter. Der älteste Olivenbaum Europas soll etwa

2000 Jahre alt sein und in der Stadt Bar in Montenegro

stehen.

Der Stamm zerfällt im Alter in Teilstücke. Er sieht

einem Felsen ähnlicher als einem pflanzlichen Gebilde.

Aber doch treiben jeden Frühling jung und frisch

grünende Zweige aus ihm.

Die kurz gestielten, elliptischen Blätter sind ober-


Ölbaum

seits dunkelgrün und glänzend. Die silbrig glänzende

gefärbte Blattunterseite besitzt kleine Härchen, die

die Wasserabgabe des Baumes vermindern. Der Olivenbaum

verliert zu keiner Jahreszeit all sein Laub,

sondern mehrere Jahre alte Blätter werden jahreszeitunabhängig

abgeworfen. Die Knospen an Trieben des

Vorjahrs öffnen sich im Mai zu kleinen, weiß-gelblichen,

leicht duftenden Blüten. Ende Juli haben die ellipsenförmigen

Steinfrüchte eine Größe von zwei bis

drei Zentimetern erreicht. Zum Ausreifen der Früchte

bedarf es der Trockenheit des langen Sommers. Der

Baum gibt seine ganzen Lebenskräfte an die Bildung

und Reifung der Früchte ab, denn er wächst während

dieser Zeit nur noch langsam weiter, um während der

Erntezeit, die vom Spätherbst bis Winterende andauert,

Sprießen und Wachstum fast völlig einzustellen.

Der Ölbaum verausgabt sich nicht in Wachstum. Er

gibt seine ganze Konzentration auf die Entwicklung

der Früchte. Darum kann er so uralt werden. Im Garten

Gethsemane stehen wahrscheinlich heute noch einige

der Bäume, welche die Passion einleiteten.

Im Winter werden die Bäume zur besseren Ernte

beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Der Ölbaum

hat mächtige und weitauslaufende Wurzeln, die bis

zu sechs Metern Tiefe hinabreichen. Jede Hauptwurzel

kann einem bestimmten Hauptast zugeordnet werden,

entfernt man diesen Ast, degeneriert im Boden

der gesamte Wurzelabschnitt.

Kulturgeschichte

Die Geschichte des Ölbaums reicht bis in die Antike

zurück. Erste archäologische Funde von Olivenkernen

sind über 9000 Jahre alt, dabei handelt es sich

aber um von Menschen gesammelte Oliven von wilden

Olivenbäumen. Wann die Wildform zur fruchtbaren

Gartenolive kultiviert wurde, ist unbekannt.

Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass

dies um 4000 v. Chr. in Kreta und Syrien geschah.

Ägypten

In Ägypten wurden Oliven an der Mittelmeerküste,

den Oasen Baħrija, Dachla, Karga und Siwa sowie

auf dem Sinai angebaut. Der erste Nachweis stammt

aus der 18. Dynastie. Im Grab des Pharao Tutanchamun

wurden Blätter des Ölbaums gefunden.

Das Alte Testament

Der Bibel zufolge schickte Noah nach der Sintflut

eine Taube los. Sie kehrte mit einem Ölzweig im

Schnabel zurück: die Erde grünte wieder, das Leben

war zurück. Also erhielt Noah, der Stammvater der

Hamiten, Semiten und Indogermanen noch vor der

Landung in Armenien als erstes die Kenntnis vom

Vorhandensein des Wilden Ölbaums, der in seiner

östl. Verbreitung bis zur Krim und in den Kaukasus

reicht.

Nach dem Alten Testament war die Ölfrucht den

Juden im gelobten Land verheißen. Die eingewanderten

Israeliten fanden den Olivenbaum schon vor. Die

Könige David und Salomo förderten seinen Anbau.

Man benutzte das Öl zu Speisen, bei Opfergaben, als

Brennöl und zum Salben des Haars und des ganzen

menschlichen Körpers.

Der Baum wurde auch in seiner bescheidenen

Dienstbarkeit gerühmt:

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen

König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: ‚Sei du

unser König.‘ Der Ölbaum sagte zu ihnen: ‚Soll ich

mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Men-

- 126 -


Ölbaum

schen ehrt und hingehen, um über den anderen Bäumen

zu schwanken?“ (Buch der Richter, 9, 8-9)

Die Griechen

Das aus den Früchten gewonnene Öl war als Speiseöl

wie als Salböl und als Lampenöl ein fast unverzichtbares

Naturprodukt in der griechischen Welt. Dem

Salböl schrieb man große lebenserhaltende Kräfte

zu. Vor allem im Winter ölte man die Körper täglich

damit ein, um den Wärmehaushalt zu regulieren. Zu

Homers Zeiten benutzte man in Griechenland das

Holz des wilden Ölbaums wegen seiner großen Festigkeit

zur Anfertigung von Axtstielen.

Das Ehebett von Odysseus und Penelope war auf

und um einem Ölbaum gebaut. Die Ehe zwischen den

beiden galt als unverwüstlich:

„Innerhalb des Gehegs war ein

weitumschattender Ölbaum,

Stark und blühenden Wuchses; der Stamm glich

Säulen an Dicke.

Rings um diesen erbaut’ ich von

dichtgeordneten Steinen

Unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke,

Und verschloß die Pforte mit

festeinfugenden Flügeln.

Hierauf kappt’ ich die Äste des

weitumschattenden Ölbaums,

Und behaute den Stamm an der Wurzel,

glättet’ ihn ringsum

Künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem

Maße der Richtschnur;

Schnitzt’ ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt’

ihn rings mit dem Bohrer,

Fügete Bohlen daran, und baute das zierliche Bette,

Welches mit Gold und Silber und Elfenbeine

geschmückt war;

Und durchzog es mit Riemen von

purpurfarbener Stierhaut.“

(Odyssee, 23. Gesang, 190–201)

Die Griechen dankten Athene für die Gabe des ersten

Ölbaumes und es galt einst als undenkbarer Frevel,

Ölbäume umzuhauen. Wer Olivenbäumen Schaden

zufügte, wurde streng bestraft, nicht nur von menschlichen

Richtern, sondern auch von den Göttern.

Interessant ist auch, dass der Caduceus, der Stab

der Heiler, von dem Gewand von Bacchus abgeleitet

wurde, der aus geflochtenen Olivenzweigen bestand.

Durch Berührung mit diesem Stab schenkte Bacchus

den Irdischen Beredsamkeit.

Die Römer

Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam der Olivenbaum nach

Italien. Wie schon in Griechenland war ein Kranz aus

Ölzweigen die höchste Auszeichnung des um das Vaterland

hochverdienten Bürgers. Der Ölzweig war das

Symbol des Friedens, und Besiegte, die um Frieden

baten, trugen Ölzweige in den Händen.

Christentum

Da der Olivenbaum ein Götter-Geschenk war, war

auch sein Produkt, das Öl, geheiligt. Fürsten, Könige

und Priester wurden seit der griechischen Klassik bei

der Amtseinführung mit Olivenöl, meist mit Balsam

versetzt, gesalbt. Symbol ihrer göttlichen Würde und

Autorität. Die „letzte Ölung“, das Sterbesakrament

der katholischen Kirche, ist in diesem Zusammenhang

zu sehen.

- 127 -


Ölbaum

Jesus hielt im Olivenhain von Gethsemane kurz

vor seiner Kreuzigung Zwiespräche mit Gott, seinem

Vater. Er sprach davon, dass der Kelch an ihm vorüberziehen

möge. Seine Kräfte ließen nach. Konnte er

die Kreuzigung überhaupt noch erreichen? Deshalb

musste der Olivenbaum daneben stehen. Er hat den

Menschen gestützt.

Islam

Das Olivenöl, das schon in minoischer Zeit die Lampen

Kretas füllte und das in den dunklen Jahreszeiten

Licht brachte, wurde oft als ein geistiges Licht empfunden,

ein Sinnbild der Kraft und Klarheit Gottes.

In diese Tradition stellt sich auch der Koran:

„Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein

Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe

befindet: Die Lampe… Angezündet (wird die Lampe)

von einem gesegneten Ölbaum, der weder östlich

noch westlich ist, dessen Öl beinahe leuchten würde,

auch wenn das Feuer es nicht berührte.“ ( Sure 24:35

„Das Licht“)

Eine herrliche Sure, denn sie sagt mir, dass der Islam

in Wirklichkeit keine unbedingt aggressive Religion

ist, weder östlich noch westlich, sondern aus sich heraus

leuchtend.

Heilwirkung

Den Blättern wird ein beruhigender und schlaffördernder

Effekt zugeschrieben. Sie sollten das Immunsystem

stärken sowie den Cholesterinspiegel senken.

Das Öl ist gesund wegen des hohen Anteils an einfach

ungesättigten Fettsäuren und wirkt sich positiv auf

das Herzkreislaufsystem und den Fettstoffwechsel

aus. Es verringert die Gefahr von Diabetes mellitus

oder Krebs. Extra natives Olivenöl hat entzündungshemmende

Wirkung.

Dr. Edward Bach, der geistige Vater der Blütenessenzen,

fand die Olivenblüte als Mittel bei einem

Zustand, welchen man heute „Burn-out“ nennen würde.

Wir haben es so weit getrieben, oder wir haben

sosehr leiden müssen, dass nichts mehr übrig ist. Das

tägliche Leben wird zu einer Belastung ohne Freude.

Wir sind erschöpft und müde. An dem Punkt angelangt,

hilft Olive, sich zu regenerieren. Die Fähigkeit,

sich auf seine innere Führung zu konzentrieren, statt

auf alles, was von außen auf einen einprasselt, wird

gefördert.

Gurudas beschreibt, wie wir in dem Baum die Fähigkeit

entdecken können, unsere Energie zu konzentrieren

und zielgerichtet ein zu setzen. Olive macht

das auf eine korrekte, herzliche liebevolle Art, ohne

anderen zu schaden. Es gibt ein Gefühl von tiefem

unterbewusstem Frieden.

Murshid

Aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen mit religiösen

Traditionen bringt Murshid Inayat Khan uns

eine ganze Reihe von Beispielen für die Salbung.

Aus der hinduistischen Tradition beschreibt er das

Öl-Opfer an Hanuman, dem Affengott: „Das Bildnis

von Hanuman stellt die primitive Natur im Menschen

dar und im Ausgießen von Öl im Dienst von Hanuman

wird dem Anbeter eine Lektion gegeben. Wie

großartig deine Evolution auch sein mag, Achtung

und Rücksicht für die primitive Natur ist notwendig,

da alles sich in dem erweiterten Programm der Natur

- 128 -


Ölbaum

reguliert… Das Leben wird schwierig ohne Achtung

und Rücksichtnahme für die primitive Natur. Wenn

man sich darüber ärgert, nimmt man daran Teil; wenn

man dagegen rebelliert, gibt man dem Feuer Nahrung.

Man sollte die primitive Natur in sich selber und in

den anderen besänftigen durch Weisheit, Geduld und

Freundlichkeit.

Das gleiche kann man bei indischen Hochzeiten

beobachten, wo Kopf, Schultern, Arme und Hände,

Knie und Füße von Braut und Bräutigam geölt werden.

Murshid erklärt, dass es hier geht um „eine psychologische

Suggestion… damit die Hände und Füße

von beiden vorbereitet sind um dem Partner zu dienen;

dass sie sich gegenseitig nicht zugeknöpft zeigen

und wenn es noch Härte in ihrer Natur geben sollte,

diese aufgeweicht wird, da Harmonie den Segen eines

Hauses ausmacht. Es lehrt uns, dass, um Freunde

zu werden und Freundschaft zu pflegen, Verzeihung

erforderlich ist. Es ist nun mal so, dass unser Partner

nicht so flexibel und fügsam ist, als wie wir es uns

vorgestellt hatten.“

Aus dem von ihm geliebten Russland, wo er einige

Jahre gelebt hat, erzählt Murshid das Beispiel

der Ölung des Tsar am Tag seiner Krönung: „Die

Salbung der Stirn des Königs bedeutet, dass er einen

entspannten Ausdruck haben sollte, nicht stirnrunzelnd

und mit verzogenem Gesicht, sondern mit einer

lächelnden Stirn, wie der persische Ausdruck lautet.

Arm und Reich, alle müssen mit ihren Sorgen und

Schwierigkeiten zum König kommen und sein Blick

muss sie trösten und beruhigen. Die große Lehre,

welche man aus diesem Brauch ziehen kann ist, dass

die große Erziehung im Leben darin besteht, unsere

Gefühle, unsere Gedanken, Worte und Handlungen

weich zu machen, so dass sie uns selbst Entspannung

schenken und damit wir eine entspannte Atmosphäre

kreieren, die allen die mit uns in Kontakt kommen zu

Gute kommt.“

Um besser verstehen zu können, was eine Salbung

eigentlich bedeutet, ist es aufschlussreich im Pflanzenreich

der Rolle des Öls nach zu spüren.

Am Anfang eines Pflanzenlebens steht das Wasser.

Zum Keimen, oder um aus dem Unsichtbaren heraus

auf Erden sichtbar zu werden, verbindet die Pflanze

sich mit Wasser und Erde. Erst gegen Ende ihres Lebens

fängt die Pflanze an, sich mit Öl zu beschäftigen.

In allen Samen findet man Öl. Meistens nur im Keim

(z.B. Weizenkeimöl). Manche Pflanzen tragen Öl

im ganzen Samen. Die Mandel ist ein Beispiel. Und

dann gibt es Pflanzen, die so sehr Öl-orientiert sind,

dass sie darüber hinaus das Fruchtfleisch ölig gestalten.

So die Olive.

So wie Wasser die Inkarnation möglich macht,

macht Öl die Rückkehr zur Seelenwelt möglich. Das

Feuerelement ist nun vorherrschend. Die Pflanze verbindet

sich mit der Wärme. Es braucht die Wärme zur

Fruchtbildung und es verkörpert die Wärme im Öl.

Die Olive ist eine ausgesprochene Wärme-Pflanze.

In der zweiten Jahreshälfte kümmert sie sich nicht

mehr um Wachstum von Ästen und Blätter, sondern

konzentriert sich voll und ganze auf ihre Früchte und

Samen. In der Frucht wird das nächste Leben vorbereitet

und umhüllt. Im Samen liegt das Wesentliche,

die Quintessenz, verborgen.

Murshid nennt uns Menschen oft den Samen von

Gott: „Die ganze Manifestation ist einfach wie ein

Baum, welche von der göttlichen Wurzel stammend

aus dem Boden schießt. Die Natur ist wie sein Stamm

und alle Aspekte der Natur sind wie die Äste, die

Blätter, die Früchte und die Blumen; und von diesem

- 129 -


Ölbaum

Baum wird wiederum der gleiche Samen produziert,

die menschliche Seele, welche die erste Ursache des

Baumes war. Dieser Same ist der Geist Gottes, und

so wie Gott das ganze Universum in sich begreift und

Eins ist, so enthält der Mensch in sich selbst das ganze

Universum als Seine Miniatur.“

So können wir besser nachempfinden, was Murshid

meint, wenn er im Vadan sagt: “Mein Herz, hüte das

Öl, das die Flamme des Lichts erhält.“

Das Öl in uns ist eine Art Substanz, welche entsteht

in einer Phase unseres Lebens, worin unsere Seele erwacht.

Das einzige, was dann noch interessiert, ist,

das innere Licht zu empfangen. Dies hat schon auch

mit dem Alter zu tun, aber vor allem mit der Reife einer

Person. Murshid wurde 45 Jahre alt; ich bin jetzt

65 und gerade mal dabei, etwas besser zu begreifen,

was Hazrat Inayat Khan mit Öl meinte.

Dieses innere Öl muss gehütet werden. Murshid

erzählt zur Erläuterung dieses Konzepts die Parabel

der 10 Jungfrauen, welche Jesus Christus uns hinterlassen

hat: „Das Ziel des Lebens einer Person ist, das

Licht in einem, ihrem eigentlichen Wesen, zu vervollkommnen.

Was auch immer die Qualifikationen

eines Menschen sein mögen, was auch immer seine

Ressourcen, Position und Rang sind, wenn das Licht

in ihm nicht scheint, kann er das Ziel seines Lebens

nicht erfüllen… Die dummen Jungfrauen hatten kein

Öl in ihren Lampen bereitgehalten, die weisen hatten

es aufbewahrt. So kamen die weisen Jungfrauen

ihrem Ziel für den Tag, für welchen es versprochen

wurde, nach, und die Dummen bereuten es… Die

weise Seele sammelte alles Material, um ihr Licht für

den Tag, welches der gelobte Tag war, scheinender zu

machen. Die dumme Seele vergeudete es und stand

ohne da in dem Moment, wo sie es brauchte.

Ya Sabur

„Das Öl auf dem Weg der Liebe ist Geduld.“

(Hazrat Inayat Khan)

Medikation

• Rücksicht auf die menschliche primitive Natur

• Weisheit, Geduld und Freundlichkeit

• Verzeihung für die Unzulänglichkeiten des Partners

• Lächeln der Stirn

• Sorgen und Schwierigkeiten Trost und Beruhigung

entgegenstellen

• Entspannung schenken

• das Öl für das innere Licht hüten

• Erleuchtung empfangen

- 130 -


Firos Holterman ten Hove

„Es gibt ein Heiliges Buch, die geweihte Schrift der Natur,

die einzige Schrift, die den Leser erleuchten kann“ (Hazrat Inayat Khan)

Die Seele der Steine

Heilende Mineral-Elixiere aus der Sicht des Universalen Sufismus

Natur, Mensch und Stein haben große Ähnlichkeiten und erhebliche Unterschiede.

Beide drücken die ganze Vielfalt der Schöpfung aus. Aber während der Stein dies in

einer Art von Tiefschlaf tut, entdeckt sich der Mensch als Ausdruck der Vielfalt nicht nur

im Mineralreich, sondern auch im Pflanzen- und Tierreich. Wir Menschen tragen den

ganzen Kosmos in uns, sagt Hazrat Inayat Khan. Als einzelne Wesen sind wir durch die

Naturreiche mit ihren verschiedenen Bewusstseinsstufen gegangen.

Das Heilige Buch der Natur

Spirituelle Ökologe der Sicht des Universalen Sufismus

Die Natur, das sind wir! Die Rolle des Menschen in der Schöpfung wird sich wandeln.

Noch lange nicht haben wir das Ziel erreicht, wofür wir gedacht sind. Wir werden lernen,

die Natur als Ausdruck von uns und uns selbst als Ausdruck der Natur wert zu schätzen.

Firos Holterman ten Hove erörtert aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie die Sufi-

Meister die Natur erlebt und begriffen haben.


Anfragen für Informationen über die von Hazrat Inayat Khan gegründete Internationale

Sufi-Bewegung und Internationaler Sufi-Orden können an folgende Adressen geschickt werden:

Sufi Orden Deutschland e.V.

www.sufiorden.de

Sufi Orden Schweiz

www.sufismus.ch

Sufi Orden Österreich

www.sufiorden.at

International Sufi Movement

www.sufimovement.org

Tänze der Universellen Friedens

www.friedenstänze.de

Zenith Institute

(Suficamp)

www.zenithinstitute.com

Förderverein Sufi-Saint-School

www.sufi-saint-school-ev.de

Hope Project

www.hope-project.de

Firos Holterman ten Hove

United Nature ● Eisenbolz 7, 97480 Weitnau

www.unitednature.eu

Verlag Heilbronn

Postfach 2162, D-71370 Weinstadt

www.verlag-heilbronn.de ● info@verlag-heilbronn.de


Hazrat Inayat Khan

Wenn die Seele auf Gott gestimmt ist,

wird ihr jedes Tun zu Musik

Vom Glück der Harmonie

Die innere Einheit aller Wesen

Inayat Khan verkündet die innere Einheit

aller Wesen in ihrer Verbundenheit mit

Gott, dem wir nur dienen, den wir nur

wahrhaft anbeten, wenn wir ihn in jedem

Mitgeschöpf erkennen und verehren. Darauf

beruht das Geheimnis der Schönheit

der Welt und der seelischen Harmonie.

Wanderer auf dem inneren Pfad

Der Sufi-Pfad

Viele Menschen fragen heute nach dem

Sinn ihres Lebens und suchen nach einem

inneren Weg, um zur Selbsterkenntnis

zu gelangen, zur Selbstverwirklichung

- und schließlich zu Gott. Der Sufi-Pfad

steuert dieses Ziel direkt an, setzt aber

auch die Führung durch einen geistigen

Lehrer voraus.

Die Schatzkammer des Königs

Sufigeschichten

In der Geschichte der Menschheit wurden

von jeher spirituelle Wahrheiten in

Geschichten verkleidet erzählt. Für den,

der nur das äußere Geschehen aufnimmt,

sind sie eine vergnügliche Unterhaltung

- für denjenigen, der die hintergründige

Bedeutung erkennt, sind sie eine Weisung

für den inneren Pfad.

Gebet - Atem der Seele

Sufigebete

Wie für die Sufis aller Zeiten und Länder

war auch für Hazrat Inayat Khan das

Gebet – die Zwiesprache mit Gott – von

allergrößter Bedeutung. Aus der Tiefe

seines Herzens schrieb er für seine Anhänger,

aber nicht nur für sie, sondern für

alle Menschen, die sich von seinen Worten

angesprochen fühlen, Gebete, die sie

einerseits im täglichen Leben begleiten...


Hazrat Inayat Khan

Weisheit der Sufis

Die Gathas

Weisheit der Sufis

Lehren für seine Schüler von

Hazrat Inayat Khan.

Sie enthalten Anleitungen zu sieben

verschiedenen Themen: Aberglaube,

Bräuche und Volksglaube; Einsicht; Symbolik;

Atem; Kultivierung des Herzens;

Alltagsleben und Metaphysik.

Gayan - Vadan - Nirtan

Die Essenz der Sufibotschaft

Man kann sagen, dass die Aphorismen

in „Gayan - Vadan - Nirtan“ die Essenz

der Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat

Khan darstellen. ‘Gayan’ bedeutet die

‘Musik des Schweigens’, ‘Vadan’ heißt die

‘göttliche Symphonie’, und ‘Nirtan’ ist der

‘Tanz der Seele’.

Die Seele - Woher und Wohin

Die Reise der Seele

Hazrat Inayat Khan beschreibt den Weg

der Seele, die sich als ein Lichtstrahl aus

der Einheit Gottes löst, sich ein Gewand

aus Gedanken und Gefühlen zulegt und

dann einen physischen Körper, um den

Zweck der Schöpfung zu erfüllen, alles

mit göttlichem Bewusstsein zu durchdringen.

Die Schale des Schenken

Sufi-Weisheiten für jeden Tag

„The bowl of Saki“ - „Die Schale des

Schenken“ nannte Hazrat Inayat Khan

seine Sammlung von Aphorismen. „Saki“

ist ein Begriff aus der persischen Dichtung

und bedeutet im wörtlichen Sinn: der,

der Wein einschenkt, der Schenke. Im

übertragenen Sinn ist es derjenige, der

uns in Ekstase versetzt.


Sufismus ist die Hazrat Weisheit Inayat von der Khan Einheit im Geiste

Aus Musik wurde das

Universum erschaffen, ...

Musik und kosmische Harmonie

Aus mystischer Sicht

Sie lieben Musik? Dann haben Sie das

wahrscheinlich schon erlebt: Wer Musik

liebt, kann die erhabensten geistigen Ebenen

des Menschseins erreichen. Durch

Musik wird die Harmonie mit dem Selbst

und dem Unendlichen wieder hergestellt.

Musik nährt die Seele und den Geist.

Musik

Aus mystischer Sicht

„Alle Formen der Natur, z.B. die Blumen,

sind vollkommen in Form und Farbe; die

Planeten, die Sterne und die Erde vermitteln

uns die Vorstellung von Harmonie,

von Musik. Die ganze Natur atmet…

und das Zeichen des Lebens, das diese

lebende Schönheit gibt, ist Musik.“

Universaler Sufismus

Die Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan

Eine inspirierende Reise durch die innere

Weisheit des Universalen Sufismus.

Sufismus bedeutet mehr als bloße Worte

und Ideen - er ist eine Lebensweise, eine

Einstellung dem Leben gegenüber. Seine

Wurzeln reichen tief hinab in den reichen

spirituellen Boden des alten Ägyptens, ...

Musik und Meditation

von Pir Vilayat Inayat Khan

und Aeoliah Christa Muckenheimt

Die Begegnung mit Pir Vilayat Inayat

Khan verwandelt das Leben der

profesionellen Musikerin Aeoliah Christa

Muckenheim. Ein Praxisbeispiel über die

heilende und transformierende Kraft von

Musik und Meditation.

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!