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Die Seele der Blumen - Heilende Pflanzen-Essenzen (Leseprobe)

Symbolkraft und Heilweise der Blumen und Pflanzen zeigen uns Menschen die erstaunliche Fähigkeit auf, Übergänge erfolgreich zu gestalten. Eine umfangreiche Etymologie und Beschreibung ― vom Gänseblümchen bis zur Rose ― verbinden sich in diesem Buch mit tiefen spirituellen Einblicken in die Weisheit der Sufis. Blumen singen ihr immerwährendes Lied. Diese Klänge haben die Kraft, uns zu verwandeln. Über das Warum und Wie handelt das Buch von Firos Holterman ten Hove über die Welt der Blumen und Pflanzen. Indem er das Wachstum von Blumen mit dem Wachstum der Seele vergleicht, gibt er konkrete Vorschläge und eine praktische Anleitung zur Medikation und Meditation. Viele Jahre hat der Autor Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet. Seine eigenen Erfahrungen, mit Problemen in uns und um uns, in die Natur zu gehen und bei Blumen und Pflanzen Lösungsansätze zu finden, findet Niederschlag in diesem Buch. Mit Begeisterung hat der Autor für dieses Buch die Herkunft der Blumen und Pflanzen erforscht. Dabei ist er tief in die Lehren des Sufi-Meisters und Mystikers Hazrat Inayat Khan eingetaucht. Im Forschen hat ihn die Erfahrung begleitet, dass wir jederzeit direkt mit den Pflanzen sprechen können. Es braucht letztendlich keine Mittler. Wir sind als Menschen nicht prinzipiell von den anderen Naturreichen getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen Ganzen aufnehmen. Inayat Khan sagt, dass wir Menschen uns ein Beispiel an den Pflanzen nehmen sollen. Für ihn ist menschliches Wachstum vergleichbar mit dem der Pflanzen. Woher rührt der Name von Pflanzen? Woher kommen sie überhaupt? Wie haben Menschen in unterschiedlichen Kulturen über Pflanzen gedacht und empfunden? Das sind die Fragen, die wir den Pflanzen stellen sollten. Davon handelt dieses Buch. Weitere Infos: www.verlag-heilbronn.de

Symbolkraft und Heilweise der Blumen und Pflanzen zeigen uns Menschen die erstaunliche Fähigkeit auf, Übergänge erfolgreich zu gestalten. Eine umfangreiche Etymologie und Beschreibung ― vom Gänseblümchen bis zur Rose ― verbinden sich in diesem Buch mit tiefen spirituellen Einblicken in die Weisheit der Sufis. Blumen singen ihr immerwährendes Lied. Diese Klänge haben die Kraft, uns zu verwandeln. Über das Warum und Wie handelt das Buch von Firos Holterman ten Hove über die Welt der Blumen und Pflanzen. Indem er das Wachstum von Blumen mit dem Wachstum der Seele vergleicht, gibt er konkrete Vorschläge und eine praktische Anleitung zur Medikation und Meditation. Viele Jahre hat der Autor Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet. Seine eigenen Erfahrungen, mit Problemen in uns und um uns, in die Natur zu gehen und bei Blumen und Pflanzen Lösungsansätze zu finden, findet Niederschlag in diesem Buch. Mit Begeisterung hat der Autor für dieses Buch die Herkunft der Blumen und Pflanzen erforscht. Dabei ist er tief in die Lehren des Sufi-Meisters und Mystikers Hazrat Inayat Khan eingetaucht. Im Forschen hat ihn die Erfahrung begleitet, dass wir jederzeit direkt mit den Pflanzen sprechen können. Es braucht letztendlich keine Mittler. Wir sind als Menschen nicht prinzipiell von den anderen Naturreichen getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen Ganzen aufnehmen. Inayat Khan sagt, dass wir Menschen uns ein Beispiel an den Pflanzen nehmen sollen. Für ihn ist menschliches Wachstum vergleichbar mit dem der Pflanzen. Woher rührt der Name von Pflanzen? Woher kommen sie überhaupt? Wie haben Menschen in unterschiedlichen Kulturen über Pflanzen gedacht und empfunden? Das sind die Fragen, die wir den Pflanzen stellen sollten. Davon handelt dieses Buch. Weitere Infos: www.verlag-heilbronn.de

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Firos Holterman ten Hove<br />

„1949 wurde ich in Amsterdam geboren. Mein Vater, stammend aus einer Familie von tropischen Förstern, wurde<br />

später im Leben Sozial-Pädagoge. Von <strong>der</strong> Seite meiner Mutter kam die Liebe zur Naturheilkunde und Gärtnern<br />

hinzu.<br />

Ich wuchs auf in den Wäl<strong>der</strong>n rund um Apeldoorn. Als Kind hatte ich ein Erleuchtungserlebnis in <strong>der</strong> Natur.<br />

Als Jugendlicher hatte ich zwei Leidenschaften: das Klavier und das Gärtnern. Ich entschied mich für das Letztere<br />

und absolvierte eine Ausbildung als Gartenbauingenieur mit Schwerpunkt biologisch-dynamische Landwirtschaft.<br />

Meine Suche nach dem Sinn <strong>der</strong> menschlichen Existenz führte mich später dazu, Geschichte an <strong>der</strong> Universität<br />

von Utrecht zu studieren. In meiner Diplomarbeit erforschte ich das Verhältnis zwischen Tiefenpsychologie und<br />

National-Sozialismus.<br />

Mit 25 dann die Begegnung mit dem Sufi-Meister Pir Vilayat Inayat Khan. Unter seiner Anleitung durfte ich<br />

den Klang hinter <strong>der</strong> Schöpfung hören. Als Aufgabe kam die Studie <strong>der</strong> Nachlassenschaft von Hazrat Inayat Khan,<br />

dem großen Sufi-Meister Anfang des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts. <strong>Die</strong>se Recherchen begleiteten mich über alle Stationen<br />

des Lebens hinweg; drei Bücher sind das Ergebnis bisher (Das Heilige Buch <strong>der</strong> Natur und <strong>Die</strong> <strong>Seele</strong> <strong>der</strong> Steine<br />

erschienen 2014).<br />

In vielen Rollen des Lebens durfte ich meine psychosoziale Kompetenz ausbauen: in <strong>der</strong> des Liebhabers, des<br />

Vaters, des Gärtners, des Managementtrainers, des CEOs, des Sozial-Pädagogen und des Sufi-Lehrers.<br />

1978 entdeckte ich die Blütenessenzen und einige Jahre später begann ich auch Edelsteinelixiere selbst herzustellen.<br />

<strong>Die</strong> Herstellung von <strong>Essenzen</strong> und Elixieren ist eine alchemistische Arbeit, welche man, ohne sich mit den<br />

spirituellen Bereichen des eigenen Wesens zu beschäftigen, nicht erreichen kann. Der geistige Weg hat viel mit<br />

Aufgeben, Ablegen, Abschied zu tun, und solche Prozesse sind nie einfach. An<strong>der</strong>erseits sind sie ein Geschenk,<br />

weil das was erscheint, wenn man seine eingeschliffenen Prägungen und Vorstellungen verlässt, großartig ist.“


Firos Holterman ten Hove<br />

<strong>Die</strong> <strong>Seele</strong> <strong>der</strong> <strong>Blumen</strong><br />

<strong>Heilende</strong> Blüten-<strong>Essenzen</strong><br />

aus <strong>der</strong> Sicht des Universalen Sufismus


<strong>Die</strong> Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme<br />

Holterman ten Hove :<br />

<strong>Die</strong> <strong>Seele</strong> <strong>der</strong> <strong>Blumen</strong><br />

Verlag Heilbronn<br />

Postfach 2162, 71370 Weinstadt<br />

Verkehrsnummer: 14894<br />

www.verlag-heilbronn.de<br />

info@verlag-heilbronn.de<br />

ISBN: 978-3-936246-13-1<br />

<strong>Die</strong>ses Buch ist auch als eBook erhältlich<br />

Titelbild: „Kapuzinerkresse in meinem Garten“ von Vardan Loretta Frigo-Holterman<br />

© 2015 by Verlag Heilbronn<br />

Alle Rechte vorbehalten<br />

Druck in Deutschland


Inhaltsverzeichnis<br />

Einleitung 6<br />

Einführung 8<br />

Murshid und die Natur 8<br />

Mit <strong>Pflanzen</strong> reden 10<br />

Was sind <strong>Pflanzen</strong> 12<br />

<strong>Die</strong> Geburt <strong>der</strong> Pflanze 15<br />

<strong>Pflanzen</strong>leben 18<br />

Das Denken <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong> 27<br />

Apfel 32<br />

Bambus 38<br />

Banane 40<br />

Dattelpalme 45<br />

Eiche 49<br />

Föhre 56<br />

Gänseblümchen 60<br />

Ginster 67<br />

Granatapfel 71<br />

Gras 77<br />

Jasmin 78<br />

Kaktus 81<br />

Kirsche 88<br />

Lilie 02<br />

Lotus 98<br />

Löwenzahn 102<br />

Mandel 112<br />

Mistel 116<br />

Niem 123<br />

Ölbaum 125<br />

Orchidee 131<br />

Rosen 135<br />

Rose de Resht 142<br />

Rosa Rose 143<br />

Rote Rose 146<br />

Gelbe Rose 148<br />

Cremefarbene Rose 150<br />

Weiße Rose 151<br />

Rosenstrauch 152<br />

Rosenknospe 153<br />

Rose in voller Blüte 156<br />

Rosenherz 157<br />

Verblühte Rose 159<br />

Rosennamen 160<br />

Herstellung Rosenessenzen 161<br />

Safran 163<br />

Scharbockskraut 166<br />

Schilfrohr 170<br />

Seerose 173<br />

Senf 175<br />

Sonnenblume 178<br />

Sonnentau 181<br />

Tulpe 185<br />

Walnuss 192<br />

Weihrauch 196<br />

Weinrebe 201<br />

Weizen 210<br />

Zwiebel 214<br />

<strong>Die</strong> "United Nature Remedies" 223<br />

Anhang; Zikr <strong>der</strong> 4 Fruchttypen 225<br />

Literaturhinweise 229<br />

Links 233<br />

- 5 -


Einleitung<br />

Vor ca. 30 Jahren bekam ich eine digitalisierte Version <strong>der</strong> gesammelten Werke des Sufi-Meisters<br />

Hazrat Inayat Khan (1882-1928) geschenkt. <strong>Die</strong> enthaltene Suchfunktion machte plötzlich eine systematische<br />

Sammlung seiner Aussagen zu den <strong>Blumen</strong> und <strong>Pflanzen</strong> möglich. Das vorliegende Buch<br />

schließt für mich diese Inventarisation ab. Es war eine erstaunliche Reise durch die Gedanken- und Erlebniswelt<br />

des großen Mystikers, <strong>der</strong> mit <strong>Blumen</strong> sprach.<br />

Naturmystik war und ist meine Leidenschaft. Als<br />

Kind die Erleuchtungs-Erlebnisse im Wald. Als Jugendlicher<br />

die Entdeckung des heiligen Franziskus.<br />

Als junger Mann die Reise nach Israel mit den blühenden<br />

Citrus-Plantagen, den uralten Olivenbäumen<br />

und den wilden Tulpen auf den Hügeln. Der Duft <strong>der</strong><br />

<strong>Blumen</strong> vermischte sich mit <strong>der</strong> Faszination <strong>der</strong> verschiedenen<br />

Religionen vor Ort: Judentum, Drusen,<br />

Christentum, Islam, Bahai.<br />

In Israel wurde mir das erste Mal schmerzhaft bewusst,<br />

wie in <strong>der</strong> mo<strong>der</strong>nen Landwirtschaft mit <strong>Pflanzen</strong><br />

umgesprungen wird. Nie werde ich vergessen,<br />

wie in einer chemisch behandelten Orangen-Plantage<br />

jegliches Leben verschwunden ist. Eine so unheilvolle<br />

Behandlung des Heiligen Landes: wie passt das<br />

zusammen?<br />

So sahen meine Interessen und Fragen am Anfang<br />

meines Erwachsenenlebens aus.<br />

Heute mit 65 gibt es verschiedene Antworten. <strong>Die</strong>se<br />

sind entstanden in <strong>der</strong> Auseinan<strong>der</strong>setzung mit<br />

dem Leben, sowohl beruflich als privat.<br />

Als Historiker habe ich für dieses Buch mit Begeisterung<br />

die Herkunft <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong> erforscht. Woher<br />

rührt ihr Name, woher kommen sie überhaupt,<br />

wie haben die Menschen in unterschiedlichen Kulturen<br />

über sie gedacht und empfunden? Für mich erstaunlich<br />

war die Entdeckung, dass eine Reihe von<br />

Kulturpflanzen, wie Olive, Weizen, Wein und Granatapfel<br />

den Menschen schon so lange begleiten! Es<br />

führte mich zurück zu Zeiten, in denen die Menschheit<br />

den Ackerbau entwickelte. Es weist hin auf eine<br />

kulturelle Revolution in Afghanistan, Persien und im<br />

Kaukasus, viele Tausende Jahre vor Christus, welche<br />

in Verbindung mit dem Propheten Zarathustra<br />

gebracht werden kann. Aber nicht nur daher kamen<br />

die <strong>Pflanzen</strong>, die in diesem Buch unter die Lupe genommen<br />

werden. Sonnenblume und Kaktus kommen<br />

aus Süd-Amerika; die Seerose war im alten Ägypten<br />

eine wichtige Kulturpflanze. Niem und Jasmin kommen<br />

wahrscheinlich aus Indien. Und dann gibt es<br />

<strong>Pflanzen</strong>, die bisher wenig mit den Menschen zu tun<br />

hatten. Das Scharbockskraut ist in seiner Unscheinbarkeit<br />

ein gutes Beispiel.<br />

Als Gartenbauer mit biologisch-dynamischer Ausbildung<br />

habe ich gelernt, <strong>Pflanzen</strong> zu beobachten.<br />

In ihrer Phänomenologie zeigen sie ihr Wesen. <strong>Die</strong>ser<br />

Ansatz ist in <strong>der</strong> mo<strong>der</strong>nen Zeit umstritten. <strong>Die</strong><br />

Signaturen-Lehre hat im Mittelalter zu Auswüchsen<br />

und unbegründeten Fantasien über die Anwendung<br />

von Kräutern geführt. Allerdings wird in <strong>der</strong> mo<strong>der</strong>nen<br />

Wissenschaft auch vieles aus dem alten Wissen<br />

bestätigt. <strong>Die</strong>sen Zusammenhängen auf die Spur zu<br />

kommen war eine Zielsetzung dieses Buches.<br />

Als psychologischer Berater habe ich viele Jahre<br />

Menschen während ihrer Umbruchphasen begleitet.<br />

Meine eigenen Erfahrungen, dass wir mit den Problemen,<br />

die wir in uns und um uns herum wahrnehmen,<br />

in die Natur gehen und bei <strong>Blumen</strong> und Steinen Lö-<br />

- 6 -


Einleitung<br />

sungsansätze finden können, war dabei ein Leitfaden<br />

und findet seinen Nie<strong>der</strong>schlag in diesem Buch.<br />

Als private Person habe ich wahrscheinlich am<br />

meisten von den Frauen gelernt, mit denen ich zusammen<br />

sein durfte und darf. Sie haben mein Herz<br />

für den Glanz <strong>der</strong> Natur geöffnet. <strong>Die</strong> menschliche<br />

Schönheit kann wahrlich zur Krönung <strong>der</strong> Schöpfung<br />

werden, auch wenn im großen Weltgeschehen streckenweise<br />

wenig davon sichtbar wird.<br />

Als Sufi-Schüler bin ich für dieses Buch tief in die<br />

Lehren von Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan eingetaucht.<br />

Seine kurzen Aussagen über Löwenzahn und<br />

Gänseblümchen lassen einen erst einmal vor einem<br />

Rätsel stehen. Begriffe aus einem mystischen Erleben<br />

machen zunächst stutzig. Ich habe versucht, nicht<br />

an <strong>der</strong> Oberfläche verschlissener religiöser Begriffe<br />

hängen zu bleiben. Dabei hat mich die Erfahrung<br />

begleitet, dass wir je<strong>der</strong>zeit direkt mit den <strong>Pflanzen</strong><br />

sprechen können. Dazu braucht es letztendlich keine<br />

Mittler, auch keinen Sufimeister. Wir sind als Menschen<br />

nicht prinzipiell von den an<strong>der</strong>en Naturreichen<br />

getrennt und können erneut Kontakt mit dem großen<br />

Ganzen aufnehmen. Ein Miteinan<strong>der</strong> von Himmel<br />

und Erde ist möglich.<br />

- 7 -


Einführung<br />

Murshid und die Natur<br />

Man kann das Leben von Hazrat Pir-o-Murshid Inayat Khan, von seinen Schülern „Murshid“ genannt,<br />

auf so viele verschiedene Art und Weise erzählen. Von seinem Bru<strong>der</strong> Musharaff ist kürzlich „Der<br />

Zauber Indiens“ – Aus dem Leben eines Sufi“ erschienen. Seine Schüler haben ihre Erinnerungen<br />

aufgezeichnet. Er selbst hat eine Autobiografie geschrieben. Sein Sohn Pir Vilayat hat Leben und Lehre des<br />

Meisters in dem monumentalen Buch „The message of our time“ wie<strong>der</strong>gegeben. Spätere Murids (Schüler-/innen)<br />

haben Biografien hinterlassen: Elisabeth de Jong-Keesing, „Golven, waarom komt de wind“. Sein Enkel<br />

und heutiger Pir (Leiter) des Internationalen Sufi Ordens Zia Inayat Khan veröffentlichte „A pearl in wine“.<br />

In diesem Buch möchte ich nur eine Seite seines Lebens<br />

hervorheben: die tiefe Verbundenheit des Meisters<br />

mit <strong>der</strong> Natur.<br />

Seine Kindheit in Baroda, Indien war eingebettet<br />

in eine natürliche Umgebung. Er erinnerte sich gerne<br />

an den Birnbaum, worin er herum kletterte, an die<br />

Pfützen, wodurch er stapfte, an die gestapelten Mäuerchen,<br />

auf welchen er balancierte.<br />

In keiner Periode seines Lebens verlor er je den<br />

Kontakt zu den Steinen, <strong>Pflanzen</strong>, Bäumen, Tieren<br />

und Landschaften. Immer wie<strong>der</strong> suchte er die Natur<br />

auf, um dort neue Kraft für seine enorm aufzehrenden<br />

Aufgaben zu schöpfen.<br />

<strong>Die</strong>se Jugend war auch geprägt von einer frühen<br />

spirituellen Suche. Aufwachsend in einer muslimischen<br />

Familie machte er Bekanntschaft mit einer farbenfrohen<br />

Hindukultur, die das tägliche Leben des<br />

Umfeldes durchdrang. Bis er dann als junger Teenager<br />

entschied, dass Beten keinen Sinn macht, wenn<br />

Gott nie antwortet o<strong>der</strong> Seine Existenz unter Beweis<br />

stellt. In Sufi Message XII, 131, beschreibt er, wie er<br />

das Dach des Hauses, auf dem er seine Gebete verrichtet<br />

hatte, verlässt, zu seinem Großvater läuft und<br />

bekannt gibt: „Ich bete nicht mehr, bis ich Allah gesehen<br />

habe und verstehe, was Er ist. Es macht keinen<br />

Sinn einfach zu glauben und zu handeln wie meine<br />

Vorfahren das taten, wenn ich nicht richtig weiß warum“.<br />

Der Großvater lächelte, war einen Moment still<br />

und zitierte dann einen Vers aus dem Koran: „Wir<br />

werden Unsere Zeichen in <strong>der</strong> Welt und in euch selbst<br />

zeigen, sodass die Wahrheit euch manifestiert werden<br />

mag.“ Offensichtlich zeigte <strong>der</strong> Enkel noch Zeichen<br />

von Ungeduld und sagte so etwas wie „na ja“, woraufhin<br />

<strong>der</strong> Großvater ergänzte: „<strong>Die</strong> Zeichen von<br />

Gott sind in <strong>der</strong> Welt wahrnehmbar und die Welt kann<br />

man in sich selbst wahrnehmen.“<br />

Kurz darauf starb sein Großvater und Inayat Khan<br />

ist sein Leben lang dieser Spur gefolgt. <strong>Blumen</strong> wurden<br />

für ihn Zeichen von Gott und welche Botschaft<br />

sie für ihn bereit hielten, versuchte er in seinem Innern<br />

zu hören.<br />

Seine Karriere als Musiker begann genau in dieser<br />

Zeit. Auf einer Tournee mit seinem Vater in Nepal<br />

wan<strong>der</strong>te er alleine durch den Himalaya. Dort in<br />

<strong>der</strong> Einsamkeit <strong>der</strong> Natur traf er einen Muni, einen<br />

Einsiedler, <strong>der</strong> sich völlig aus dem gesellschaftlichen<br />

Leben in die Wildnis zurückgezogen hat und kein<br />

Wort sagt. Das erste Mal sang Inayat Khan für ihn,<br />

- 8 -


Murshid und die Natur<br />

das nächste Mal brachte er seine Vina mit. Der heilige<br />

Mann bewegte sich nicht und sagte nichts. Es war als<br />

würde er nichts merken. Aber: „Er offenbarte mir die<br />

Mystik des Klangs und enthüllte vor meinen Augen<br />

das innere Mysterium <strong>der</strong> Musik.“<br />

<strong>Die</strong> Augen des Musikers, die das Wesen <strong>der</strong> Musik<br />

„sehen“, wie sollte man das verstehen? Murshid<br />

beschreibt hier einen Durchbruch in dem Entwicklungsprozess,<br />

welcher in <strong>der</strong> oben beschriebenen<br />

Begegnung mit seinem Großvater angefangen hatte.<br />

Seine Laufbahn als Musiker führte ihn zum Hören<br />

einer inneren Wirklichkeit, welche „hinter“ dem äußeren<br />

Klang verborgen war. Was war die Rolle des<br />

Muni? Wie kann ein an<strong>der</strong>er Mensch einen zu einer<br />

solchen Erfahrung bringen? Murshid beschreibt die<br />

Atmosphäre rundum den Heiligen als verzaubert.<br />

<strong>Die</strong>ser saß inmitten <strong>der</strong> wilden Natur, „unberührt von<br />

irdischen Ambitionen und Kontakten, zutiefst glücklich“.<br />

<strong>Die</strong>ser seelische Zustand übertrug sich auf Inayat<br />

Khan. Der Muni hob den jungen Musiker auf seine<br />

eigene Ebene und zeigte ihm die verborgene Welt<br />

hinter seiner Musik. Eine Offenbarung im wahrsten<br />

Sinne des Wortes. Murshid: „<strong>Die</strong> Bedeutung von Offenbarung<br />

ist das Verstehen <strong>der</strong> Sprache <strong>der</strong> <strong>Seele</strong>.<br />

Jede <strong>Seele</strong> spricht fortwährend, wenn man es nur hören<br />

könnte…; sogar die stillen Bäume und die stillen<br />

Berge sprechen zu uns, wenn wir fähig sind, sie zu<br />

hören.“<br />

Eine Reihe von Bedingungen machte diese Enthüllung<br />

<strong>der</strong> Musik hinter <strong>der</strong> Musik, Saud-e-Sarmad in<br />

<strong>der</strong> Sprache <strong>der</strong> Sufis, bei Inayat Khan möglich.<br />

• Ihm wurde in seiner Kindheit Respekt vor Heiligen<br />

und Weisen aus verschiedenen Religionen<br />

vorgelebt.<br />

• In den Nepalesischen Bergen herrschte eine unberührte<br />

Natur ohne kulturelle Einflüsse.<br />

• Ein realisierter Meister zeigte ihm den Weg.<br />

In meiner eigenen Lehrzeit bei meinem Sufi Meister<br />

war das eigentliche Training die Konzentration. Von<br />

vielen verschiedenen Richtungen wurde immer wie<strong>der</strong><br />

das Thema Meditation angegangen. Stundenlang,<br />

wochenlang saßen wir zu Füßen des Meisters und<br />

übten. Jahrelang immer wie<strong>der</strong> bin ich in die Schweizer<br />

Berge gefahren, wo hoch oben die Zelte des Meditations-Camps<br />

aufgebaut wurden. Sonne, Regen,<br />

Schnee. Überwältigende Natur. Stille, Schweigen,<br />

Fasten. Und dann eines Tages passierte es: Ich hörte<br />

den Klang hinter <strong>der</strong> Schöpfung. Der Meister gab mir<br />

ein Zeichen, auf zu stehen und zu gehen. Den ganzen<br />

Tag wan<strong>der</strong>te ich durch die Berge. Saut-e-Sarmad begleitete<br />

mich, o<strong>der</strong> ich begleitete Saut-e-Sarmad. Innen<br />

und Außen waren zusammengekommen.<br />

Murshid: “Und noch einen Schritt weiter kommt<br />

die Realisierung, welche Offenbarung genannt werden<br />

kann. Wenn die <strong>Seele</strong> auf diese Ebene eingestellt<br />

wird, öffnen sich die Augen und Ohren des Herzens<br />

und sie hören das Wort, das von allen Seiten kommt.<br />

• Murshid hatte gelernt, sich vollständig zu konzentrieren.<br />

Er war dafür bekannt, 500 Ragas zu<br />

kennen.<br />

- 9 -


Mit <strong>Pflanzen</strong> reden<br />

Murshid macht uns darauf aufmerksam, dass <strong>Pflanzen</strong> wahrnehmen und fühlen, was von uns Menschen<br />

kommt: “Wenn wir nur die <strong>Pflanzen</strong> genau beobachten würden, würden wir sehen, wie sehr sie<br />

unsere Anwesenheit und unsere Liebe fühlen. Sie gedeihen durch unsere Liebe; je mehr Liebe wir geben,<br />

umso mehr Duft, umso mehr Süße. Der Mensch arbeitet auf den Höfen und Gärten in <strong>der</strong> Auffassung, dass<br />

<strong>Pflanzen</strong> materielle Dinge sind, darauf ausgerichtet, zu sehen wie <strong>Pflanzen</strong> durch materielle Mittel verbessert<br />

werden können. Wenn er es nur glauben könnte, so gäbe es eine noch höhere Art, ihnen beim Wachstum zu<br />

helfen, eine spirituelle Art: die Anwendung von Liebe und Sympathie.“<br />

<strong>Die</strong> meisten Menschen in <strong>der</strong> westlichen Kultur haben<br />

das Bewusstsein verloren, dass <strong>Pflanzen</strong> unsere<br />

Zuwendung fühlen können. Der Gedanke, dass wir<br />

mit den an<strong>der</strong>en Naturreichen in Verbindung treten<br />

können, ist jedoch noch nicht vollkommen verloren<br />

gegangen. Menschen reden mit ihren Haustieren. Unsere<br />

frühere Nachbarin auf dem Reiterhof hatte die<br />

Fähigkeit, im Gespräch mit ihren Pferden unglaubliches<br />

zu erreichen. Nach einer Weile des Sprechens<br />

legte sich das Pferd auf Wunsch <strong>der</strong> Frau zum Beispiel<br />

hin und streckte seine Beine hoch.<br />

Aber zu glauben, dass wir mit <strong>Pflanzen</strong> und Steinen<br />

reden können, ist uns mo<strong>der</strong>nen Menschen kaum<br />

möglich. <strong>Die</strong>ser Begriff des Glaubens ist ein verschlissener<br />

Begriff. Vielleicht, weil im Christentum<br />

die Anfor<strong>der</strong>ungen des Glaubens überstrapaziert wurden?<br />

Vielleicht, weil Kommunikation mit <strong>Pflanzen</strong><br />

eher mit Aberglauben in Verbindung gebracht wird?<br />

In „Das Heilige Buch <strong>der</strong> Natur“ stellte ich dar, wie<br />

Meister und Propheten aus unterschiedlichen Kulturkreisen<br />

sich in die Wüste o<strong>der</strong> wilde Natur zurückziehen,<br />

bevor sie ihre Berufung unter den Menschen<br />

antreten. Murshid erwähnt in <strong>der</strong> Beziehung ausdrücklich<br />

den heiligen Franziskus: “Heilige wie St.<br />

Franziskus haben mit Felsen, Vögeln und Tieren gesprochen,<br />

nicht so wie wir sprechen, son<strong>der</strong>n mittels<br />

einer Einsicht in die Dinge; und jedes Objekt äusserte<br />

sich, sprach über seine Vergangenheit, Gegenwart<br />

und Zukunft“.<br />

Ein Sufi-Heiliger aus Indien war Prinz Puran. Von<br />

ihm wird berichtet, dass er für lange Zeit in <strong>der</strong> Wildnis<br />

zurückgezogen lebte. Dann kam er zurück in die<br />

Menschenwelt und verwandelte verkommene Gärten<br />

und Parks in Paradiese voller Wachstum und Blüte.<br />

Wie? Durch seine Anwesenheit, durch seinen Blick,<br />

durch seine Berührung.<br />

In unserer Zeit ist das Beispiel von Findhorn beeindruckend.<br />

Drei Menschen zogen sich in eine verlassene,<br />

rauhe Gegend von Schottland zurück. Dorothee<br />

Mclean, die Teil ihres geistigen Trainings im Sufi Orden<br />

empfangen hatte, zeigte dann, wie man mit <strong>der</strong><br />

<strong>Seele</strong> <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong>, <strong>der</strong> Welt <strong>der</strong> Devas, Kontakt aufnehmen<br />

kann. <strong>Die</strong> <strong>Pflanzen</strong> reagierten auf diese Beziehung<br />

mit einem unglaublichen Wachstum.<br />

Was im Wesen eines Menschen bringt eine Pflanze<br />

dazu, gesund zu werden und zu gedeihen?<br />

Wenn Murshid von „Glauben“ spricht, sollten wir<br />

nicht vergessen, dass dies immer eine Übersetzung<br />

des englischen Wortes „Faith“ ist. Eine an<strong>der</strong>e mögliche<br />

Übersetzung wäre „Vertrauen“. Wir trauen uns<br />

selbst und unserem Gegenüber etwas zu.<br />

Wenn wir „etwas in einer Pflanze sehen“, bedeutet<br />

das, dass wir das Potential von Schönheit erkennen.<br />

<strong>Die</strong>ser Blick, o<strong>der</strong> Fähigkeit, zu sehen was sein<br />

- 10 -


Mit <strong>Pflanzen</strong> reden<br />

könnte, basiert auf einem Wissen, welches aus Liebe<br />

entsteht.<br />

Liebevolle Beobachtung eröffnet unserem Schauen<br />

die Entwicklungsmöglichkeiten unseres Gegenübers.<br />

Eine solche Einsicht „was eine Blume werden<br />

kann“, was es dazu braucht und was ihr Wachstum<br />

hin<strong>der</strong>t, entspringt aus Liebe zur Blume.<br />

Wenn Murshid Inayat Khan also von einer weiterführenden,<br />

spirituellen Möglichkeit im Umgang mit<br />

<strong>Pflanzen</strong> im Gartenbau und Ackerbau spricht, meint<br />

er nicht weniger als eine gesteigerte Sympathie für<br />

unsere Nutzpflanzen.<br />

Nur wer gerne Zeit im Garten verbringt, nur wer<br />

nicht darauf aus ist, möglichst schnell fertig zu sein<br />

um seine Zeit für an<strong>der</strong>e Interessen zur Verfügung zu<br />

haben, nur dieser Mensch liebt seine <strong>Pflanzen</strong>.<br />

Murshid war ein Bewun<strong>der</strong>er von Luther Burbank,<br />

<strong>der</strong> famose <strong>Pflanzen</strong>züchter, <strong>der</strong> Anfangs des<br />

20. Jahrhun<strong>der</strong>ts „Wun<strong>der</strong>“ wirkte. Er züchtete eine<br />

ganze Reihe von neuen <strong>Pflanzen</strong> und Bäumen mit Fähigkeiten,<br />

die man nicht für möglich gehalten hatte.<br />

Seine Biografie wurde auch auf Deutsch übersetzt<br />

und ist antiquarisch noch erhältlich. Wenn man liest,<br />

wie er einen Kaktus in einem schier endlosen Ausleseverfahren<br />

davon abbringt, Dornen zu tragen, versteht<br />

man etwas von seiner Aussage: „Ich liebe alles!<br />

Ich liebe die Menschheit – ich liebe <strong>Blumen</strong> – ich<br />

liebe Kin<strong>der</strong> – ich liebe meinen Hund – ich bin ein<br />

Liebhaber des Menschen Jesus – ich bin ein Liebhaber<br />

von allem was hilft.“ Burbank bezeichnete sich<br />

selbst als Ungläubigen. Damit meinte er, dass er sich<br />

nicht mit dem engstirnig orthodox- religiösen Anti-<br />

Evolutions-Gedankengut abfinden möchte. Er zeigte<br />

ein Leben lang, dass, wenn man sorgfältig beobachtet<br />

und mit viel Geduld begleitet, <strong>Pflanzen</strong> sich evoluieren<br />

können.<br />

Murshid besuchte ihn in seinem Garten in Kalifornien.<br />

Am meisten beeindruckte ihn die überbordende<br />

Freude von Burbank im Umgang mit seinen <strong>Pflanzen</strong>.<br />

Murshid zitiert Luther Burbank: „Du solltest die Neigung<br />

einer Pflanze beobachten, was ihre Veranlagung<br />

ist; denn wenn du nicht hinschaust, wird die Pflanze<br />

sich nicht voll entwickeln. Ich behandele sie wie lebende<br />

Wesen. Sie sprechen zu mir, und ich zu ihnen“.<br />

Genau das ist es, was Murshid als Glauben bezeichnet.<br />

Das Vertrauen, das Burbank in seine <strong>Pflanzen</strong><br />

hatte war unerschütterlich. Er lebte mit ihnen in einer<br />

Liebesbeziehung. Der liebende Blick und die liebevolle<br />

Zuwendung halfen den <strong>Pflanzen</strong>, Eigenschaften<br />

zu entwickeln, die man kaum glauben konnte.<br />

<strong>Die</strong>se Haltung nennt Murshid spirituell: “In meiner<br />

Auslegung bedeutet spirituell lebendig. Ein spiritueller<br />

Mensch, <strong>der</strong> offen ist für die Schönheit von<br />

Poesie, <strong>der</strong> für die Schönheit von Melodie, von Harmonie<br />

empfindsam ist, <strong>der</strong> sich von <strong>der</strong> Schönheit <strong>der</strong><br />

Natur erheben lässt, <strong>der</strong> wie ein lebendiges Wesen<br />

lebt, nicht wie ein totes, diese Person kann wahrlich<br />

spirituell genannt werden. Und du wirst immer feststellen,<br />

dass es die Neigung von spirituellen Persönlichkeiten<br />

ist, sich für jeden Menschen in ihrem Leben<br />

zu interessieren. Das ist <strong>der</strong> Beweis dafür, dass<br />

sie leben. Ein Mensch, <strong>der</strong> in sich selbst gefangen ist,<br />

hat sich verschlossen, er hat vier Wände um sich gebaut.<br />

Das kann sein Grab sein; er ist darin beerdigt.<br />

Der lebendige Mensch sieht von Natur aus alles; und<br />

beim Schauen sympathisiert er mit allem, reagiert auf<br />

alles, wertschätzt alles in allem; und auf diese Art und<br />

Weise weckt er in sich selbst die sublime Vision von<br />

<strong>der</strong> Immanenz Gottes.“<br />

- 11 -


Was sind <strong>Pflanzen</strong>?<br />

Vielleicht gehören Sie so wie ich zu den Menschen, die überall und unter allen Umständen als erstes<br />

schauen, welche <strong>Pflanzen</strong> wachsen? Natürlich spielt das Elternhaus dabei eine Rolle. Auf den ausgedehnten<br />

Spaziergängen mit meinem Großvater zeigte er mir mit seinem Stock die verschiedenen<br />

<strong>Blumen</strong> und Bäume und nannte mir ihre Namen. Als ich mich für das Abitur vorbereiten musste, hatte ich den<br />

dringenden Impuls, den elterlichen Garten vollkommen um zu gestalten. Mit viel Freude widmete ich meine<br />

Zeit <strong>der</strong> neuen standortgerechten Anordnung <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong>. Ich legte neue Beete an, Rasenflächen wurden verkleinert.<br />

Im Abitur bin ich dann durchgefallen. Viel später, als ich als Managementtrainer mit meinem Chef für<br />

eine wichtige Besprechung an <strong>der</strong> Firmen-Zentrale eines unseren Hauptkunden angekommen waren und wir<br />

zehn Minuten zu früh waren, schaute ich mir die Parkanlage an, während er sein Handy benutzte. Als er mich<br />

dann dabei erwischte, dass ich von manchen <strong>Pflanzen</strong> Samen in meine Tasche steckte, musste er schrecklich<br />

lachen. Er meinte, so was tut man normal nicht. Was würden unsere Kunden von uns denken, wenn sie zufällig<br />

aus dem Fenster schauten?<br />

Mich in <strong>der</strong> Natur bewegen, die Natur bewun<strong>der</strong>n und<br />

genießen, mich mit <strong>der</strong> Natur beschäftigen, das ist<br />

meine Leidenschaft. Gehören Sie auch zu dem Menschenschlag,<br />

<strong>der</strong> erst mal überhaupt nicht einsehen<br />

kann, warum man seine Augen schließen sollte, wenn<br />

man meditiert? Haben sie auch nie verstanden, warum<br />

man unbedingt still sitzen sollte, wenn man betet?<br />

Dann willkommen im Club! Vielleicht können Sie in<br />

dem Fall auch verstehen, welche Erleichterung ich<br />

empfand, als mein Sufi-Lehrer es ausdrücklich befürwortete,<br />

dass ich meine Wazifas (spirituelle Übungen<br />

<strong>der</strong> Sufis) auf dem Fahrrad im Wald praktizierte. Spiritualität<br />

heißt für mich, die Einheit mit dem Ganzen<br />

zu spüren. Nirgends erlebe ich das intensiver als in<br />

<strong>der</strong> Natur. Und bei den Sufis entdeckte ich, dass ich<br />

mit dieser Haltung in bester Gesellschaft bin.<br />

Murshid Inayat Khan bezieht sich gerne auf die<br />

Aussage von Jesus „In Ihm leben wir, bewegen wir<br />

uns und haben wir unser Wesen.“ Er erklärt dies folgen<strong>der</strong>maßen:<br />

„Wir müssen uns bewegen, und wir<br />

bewegen uns, um unser Wesen in Gott zu schaffen.<br />

Ohne Bewegen leben wir nicht; wenn wir unser Wesen<br />

nicht schaffen, bewegen wir uns nicht, leben wir<br />

nicht. Deswegen ist es dem Leben eigen, dass wenn<br />

wir leben, wir uns bewegen und fortschreiten, und<br />

den Seins-Zustand erreichen, wofür wir bestimmt<br />

sind. Wir sehen diese Neigung in jedem Wesen. Ein<br />

Pflänzchen, ein Bäumchen, wenn wir sein Wachstum<br />

unterdrücken, wenn wir einen Zaun drumherum errichten,<br />

wenn wir es mit Glas überdecken, wird es<br />

nicht blühen, wird es keine Blüten treiben; mit <strong>der</strong><br />

Zeit wird es sterben. Warum ist dies so? Weil sein Leben<br />

sich nicht ausdrücken kann, wenn es überdeckt<br />

wird; es kann sich nicht zum Ausdruck bringen, wenn<br />

ein Zaun drumherum steht. Es ist ihm nicht genug, am<br />

Leben zu sein, denn Leben will nicht nur leben; um<br />

sich zu verwirklichen, muss das Leben in <strong>der</strong> Lage<br />

sein, Fortschritt zu machen, und Fortschritt wird nur<br />

gemacht, wenn freie Bewegung möglich ist.“<br />

Murshid nimmt als Beispiel für Wachstum die<br />

<strong>Pflanzen</strong>. Er sagt, dass wir Menschen uns an den<br />

<strong>Pflanzen</strong> ein Beispiel nehmen sollten. Er stellt<br />

menschliches Wachstum dar als einen Prozess, vergleichbar<br />

mit dem <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong>.<br />

Ist <strong>der</strong> Vergleich eine nette Parabel? Ist das Gleichnis<br />

als poetisches o<strong>der</strong> symbolisches Bild zu verste-<br />

- 12 -


Was sind <strong>Pflanzen</strong> ?<br />

hen?<br />

An diesem Punkt stoßen wir auf etwas Wesentliches.<br />

Murshid stellt in aller Deutlichkeit klar, dass<br />

wir Menschen eine Weiterentwicklung des <strong>Pflanzen</strong>reiches<br />

sind. Wir sind so wie die <strong>Pflanzen</strong>, weil in uns<br />

das <strong>Pflanzen</strong>reich als Erbe weiterlebt. Wir sind die<br />

<strong>Pflanzen</strong>, und zwar alle!<br />

<strong>Die</strong> Schöpfung ist in <strong>der</strong> Sufilehre ein einziger Entwicklungsprozess.<br />

Das Leben hat sich aus dem Mineralreich<br />

ins <strong>Pflanzen</strong>reich weiterentwickelt. Nach <strong>der</strong><br />

Stufe des Tierreiches ist momentan Gott dabei sich in<br />

den Menschen zu entfalten. <strong>Die</strong> verschiedenen Naturreiche<br />

sind also jeweils Weiterentwicklungen des<br />

Prinzips „freie Bewegung“.<br />

<strong>Die</strong> Bewegung, die alle Naturreiche durchzieht,<br />

hat ihren Ursprung im Klang. Murshid bezieht sich<br />

auf die vedantische Lehre von Nada Brahma: Klang<br />

als Schöpfer, Klang als kreativer Geist. Am Anfang<br />

<strong>der</strong> Schöpfung war und ist ein Vibrieren. <strong>Die</strong> Sufis<br />

nennen diesen Klangursprung Saut-e-Sarmad. <strong>Die</strong><br />

Pythagoreer hatten Kenntnis über die Harmonie <strong>der</strong><br />

Sphären. In <strong>der</strong> Bibel heißt es: Am Anfang war das<br />

Wort.<br />

Der nächste Schritt im Schöpfungsprozess ist das<br />

Sichtbarwerden dieses Klanges: Das Licht entsteht.<br />

Alle Formen und Farben <strong>der</strong> Blätter und Blüten<br />

sind Ausdruck von Aspekten <strong>der</strong> Sonne. Murshid:<br />

„Es sind die verschiedenen Abstufungen dieses<br />

Lichts und <strong>der</strong> Vergleich untereinan<strong>der</strong>, die die unterschiedlichen<br />

Farben entstehen lassen. Farben sind nur<br />

die verschiedenen Schattierungen von Licht… <strong>Die</strong>se<br />

Farben scheinen die Farben von <strong>Blumen</strong>, <strong>Pflanzen</strong><br />

und Blättern zu sein, aber in <strong>der</strong> Realität sind sie die<br />

Farben <strong>der</strong> Sonne.“<br />

Der Klang, das Licht, die Bewegung sind das Leben.<br />

Das Leben ist also ein göttlicher Schöpfungsimpuls.<br />

<strong>Die</strong>ser Impuls durchwan<strong>der</strong>t in seiner Entwicklung<br />

verschiedene Stadien des Erwachens. Der Sufi<br />

Meister Jelalludin Rumi sagt, dass Gott in den Steinen<br />

schläft, in den <strong>Pflanzen</strong> träumt, in den Tieren<br />

aufwacht und in den Menschen zur Einheit erwacht.<br />

In jedem Naturreich befreit sich die Bewegung des<br />

Lebens, wird lebendiger.<br />

<strong>Die</strong> <strong>Pflanzen</strong> bringen als Erbe aus dem Mineralreich<br />

die Geduld mit. Sie warten geduldig auf Regen.<br />

Sie fragen nie nach einer Entlohnung, wenn ihre <strong>Blumen</strong><br />

und Früchte genommen werden. Sie geben einfach<br />

ohne Dankbarkeit zu erwarten.<br />

Der Unterschied zwischen Mineralreich und <strong>Pflanzen</strong>reich<br />

wird von Inayat Khan so definiert, dass im<br />

Vergleich zu den Steinen die <strong>Pflanzen</strong> eine viel größere<br />

Biegsamkeit und Flexibilität entwickelt haben.<br />

Eine Pflanze, sagt er, lässt sich beeinflussen und wird<br />

dadurch produktiv und kreativ. <strong>Die</strong> Öffnung, die entsteht<br />

bei <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> Schöpfung aus dem<br />

Mineralreich ins <strong>Pflanzen</strong>reich, ist eine seelische.<br />

<strong>Pflanzen</strong> haben, an<strong>der</strong>s als Steine, die Fähigkeit, mit<br />

zu fühlen. <strong>Pflanzen</strong> sind einfühlsam, mild, freundlich,<br />

so Murshid: “Wenn wir nur die <strong>Pflanzen</strong> genau beobachten<br />

würden, würden wir sehen, wie sehr sie unsere<br />

Anwesenheit und unsere Liebe fühlen“.<br />

Ich weiß noch, wie in den 70er Jahren das Buch<br />

von Tompkins und Birds „Das geheime Leben <strong>der</strong><br />

<strong>Pflanzen</strong>“ wie eine Bombe einschlug. <strong>Pflanzen</strong> fühlen,<br />

nehmen wahr, erleben Schmerzen, so die Botschaft<br />

des Buches, das auf wissenschaftlichen Beobachtungen<br />

beruht.<br />

Neueste Untersuchungen belegen, dass <strong>Pflanzen</strong><br />

riechen, sehen, hören, tasten können.<br />

- 13 -


Was sind <strong>Pflanzen</strong> ?<br />

Wie kommt es, dass diese Einsicht so neu für uns<br />

ist? Wahrscheinlich aus mehreren Gründen. Erstens<br />

reagieren <strong>Pflanzen</strong> nicht, wenn sie leiden. <strong>Pflanzen</strong><br />

dulden schlichtweg. O<strong>der</strong> sie sterben, wenn das Leiden<br />

zu groß wird. <strong>Die</strong> meisten <strong>Pflanzen</strong> wehren sich<br />

nicht. Sie dienen.<br />

Zweitens haben wir Menschen uns weit von <strong>der</strong><br />

<strong>Pflanzen</strong>welt entfernt. Um <strong>Pflanzen</strong> verstehen zu können,<br />

muss man bereit und fähig sein, wie eine Pflanze<br />

zu werden. So ist das Prinzip allen Verstehens. Wenn<br />

wir anfangen, mit <strong>Pflanzen</strong> in Kontakt zu treten, sieht<br />

das zumindest kindlich o<strong>der</strong> sogar verrückt aus. Wer<br />

redet denn mit <strong>Pflanzen</strong>. <strong>Pflanzen</strong> antworten doch<br />

nicht.<br />

<strong>Die</strong>se Art des in Kontakt-Tretens ist ein Kontakt<br />

von <strong>Seele</strong> zu <strong>Seele</strong>. Da stoßen wir an einen weiteren<br />

Hin<strong>der</strong>ungsgrund. Wir haben in <strong>der</strong> westlichen Welt<br />

wenig kulturelle Bestätigung dafür, dass <strong>Pflanzen</strong><br />

eine <strong>Seele</strong> haben. Abgesehen davon, dass wir westlichen<br />

Menschen nicht einmal mehr wissen, ob wir<br />

selber eine <strong>Seele</strong> haben, wurde in <strong>der</strong> christlichen<br />

Religion eine Barriere gegen Naturmystik errichtet.<br />

<strong>Die</strong> Hexen, die noch ein Wissen von den Kräften <strong>der</strong><br />

Natur bewahrt hatten, wurden ausgerottet.<br />

Dabei ist es so einfach, Freund <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong> zu werden.<br />

<strong>Pflanzen</strong> sind sofort dabei, diese Freundschaft<br />

zu erwi<strong>der</strong>n. Auf <strong>der</strong> <strong>Seele</strong>n-Ebene gibt es nämlich<br />

keine Barrieren. <strong>Pflanzen</strong> sind in ihrem Gefühl vollkommen<br />

offen. Unsere <strong>Seele</strong> erreicht ihre <strong>Seele</strong> ohne<br />

Hin<strong>der</strong>nisse. Je tiefer unsere <strong>Seele</strong> ist, desto tiefer treten<br />

wir in die <strong>Pflanzen</strong>welt ein. Warum? Weil es auf<br />

<strong>der</strong> seelischen Ebene keinen Unterschied zwischen<br />

Menschen und <strong>Pflanzen</strong> gibt. <strong>Die</strong> seelische Ebene,<br />

auf <strong>der</strong> wir Menschen Freunde von allen Wesen werden,<br />

ist genau die Welt, wo die <strong>Pflanzen</strong> die ganze<br />

Zeit wohnen. Wir sprechen hier von <strong>der</strong> Ebene <strong>der</strong><br />

Engel. Murshid nennt die Engel, die im <strong>Pflanzen</strong>reich<br />

angesiedelt sind, Devas.<br />

In „Das Heilige Buch <strong>der</strong> Natur“ habe ich den Engeln<br />

ein Kapitel gewidmet. Engel sind Klangwesen,<br />

die sich sehr unweit <strong>der</strong> göttlichen Quelle bewegen.<br />

Sie bleiben in <strong>der</strong> Nähe des göttlichen Ursprungslichtes<br />

und verherrlichen ihren Schöpfer. Engel tanzen<br />

schwerelos und singen Halleluja. Sie bestätigen ohne<br />

Wenn und Aber Pracht und Glanz des Schöpfers in<br />

ihrer eigenen Schönheit. Engel haben keinen Zweifel.<br />

Sie sind im Einklang mit dem Einen und lassen das<br />

hören. <strong>Die</strong> Notwendigkeit, die Schöpfung zu erforschen,<br />

darüber nach zu denken und damit zu ha<strong>der</strong>n,<br />

entfällt. <strong>Die</strong>se Ebene des Seins nennen wir Himmel.<br />

Der Mensch hat zu dieser Ebene in sich erst Zugang,<br />

wenn er seinen Stolz abgelegt hat. Wenn wir<br />

uns mit Demut in unserem Herzen vor <strong>der</strong> Schönheit<br />

und Weisheit des Schöpfers verneigen, sind wir im<br />

Himmel.<br />

<strong>Die</strong> <strong>Pflanzen</strong> können uns zeigen, wie wir sind in<br />

unserer Engelgestalt. So können wir verstehen, warum<br />

Murshid im Gayan sagt: „Der Naturfreund ist <strong>der</strong><br />

wahre Gottesverehrer.“<br />

Wenn wir uns mit den <strong>Pflanzen</strong> anfreunden, haben<br />

wir die Sphären <strong>der</strong> Menschen und <strong>der</strong> Tiere hinter<br />

uns gelassen. Wir sind so zu sagen den Weg zurück<br />

zum Ursprung gegangen.<br />

Im Gayan lesen wir:<br />

„<strong>Die</strong> Bäume zu den Wolken: „Mit erhobenen Händen<br />

bringen wir euch unsere Huldigung dar.“<br />

<strong>Die</strong> Wolken: “Unter Tränen gewähren wir euch<br />

euer Begehren.“<br />

Natürlich ist das eine poetische Darstellung <strong>der</strong><br />

Bäume. Wenn wir aber dieses Gedicht analysieren,<br />

- 14 -


Was sind <strong>Pflanzen</strong> ?<br />

sehen wir, dass Bäume in ihrem Wesen Lobpreisen<br />

und dass sie genährt werden, weil sie lobpreisen. Wir<br />

Menschen werden zu Bäumen, wenn wir uns keine<br />

Gedanken mehr über unsere Existenzsicherung machen,<br />

son<strong>der</strong>n uns in vollem Vertrauen erheben. <strong>Die</strong><br />

Antwort kann dann nicht ausbleiben.<br />

Zum Schluss noch einmal in einem Schaubild eine<br />

Darstellung, wie sich die Schöpfung evoluiert bis<br />

zum Menschen und wie sich dann <strong>der</strong> Mensch involuiert<br />

bis zur Quelle allen Seins:<br />

Wir Menschen kommen aus <strong>der</strong> Natur und sollten<br />

uns <strong>der</strong> Natur wie<strong>der</strong> zuwenden.<br />

<strong>Die</strong> Geburt <strong>der</strong> Pflanze<br />

„Es wird ein Tag des Erwachens, <strong>der</strong> Entfaltung kommen; wir warten in Stille darauf.“ <strong>Die</strong>se Aussage<br />

von Murshid gilt für alle Lebewesen: Steine, <strong>Pflanzen</strong>, Tiere, Menschen, Planet Erde, die Schöpfung.<br />

Wenn wir das Geheimnis <strong>der</strong> Schöpfung und den Grund unseres Lebens, das wo wir her kommen und<br />

wo wir hingehen, entdecken wollen, sollten wir in die Natur gehen. „Eine <strong>Seele</strong> die nicht nah an <strong>der</strong> Natur ist,<br />

ist weit von dem, was man Spiritualität nennt, entfernt. Um spirituell zu sein muss man kommunizieren und<br />

insbeson<strong>der</strong>e muss man mit <strong>der</strong> Natur kommunizieren; man muss die Natur fühlen. Es gibt so viel zu lernen<br />

aus dem Leben <strong>der</strong> <strong>Pflanzen</strong>…“<br />

Damit ist nicht gemeint, dass wir alle Biologen werden<br />

sollten. Es ist hier nicht die Rede von Wissenschaft<br />

im engeren Sinne. Murshid meint, dass, um<br />

sich selbst als Mensch zu verstehen, wir bei den an<strong>der</strong>en<br />

Naturreichen zurate gehen sollen. <strong>Die</strong> Sufis<br />

betrachten genau dieses staunende Schauen als bezeichnend<br />

für die Rolle <strong>der</strong> Menschen in <strong>der</strong> Schöpfung:<br />

„Gott schlief im Stein, Gott träumte im Baum,<br />

- 15 -


- 15 - 124 -


Ölbaum<br />

Der Olivenbaum (Olea europaea), auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer,<br />

im Alter oft knorriger Baum aus <strong>der</strong> Gattung <strong>der</strong> Ölbäume (Olea).<br />

Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert.<br />

Etymologie und Vorkommen<br />

Englisch: oil. Französisch: huile. Italienisch: olio. Griechisch: Elaiva. Armenisch: Ewl. Ägyptisch: Tet-t. Ursemitisch:<br />

Seitu. Arabisch: zeitun. Spanisch: aceite.<br />

<strong>Die</strong> Kultur des Ölbaums war lange vor ihrer ersten<br />

Erwähnung bei Homer in Griechenland und auf den<br />

ägäischen Inseln bekannt, selbstverständlich auch im<br />

Vor<strong>der</strong>en Orient, in Kleinasien und Nordafrika.<br />

In <strong>der</strong> Forschung stand lange die Theorie im Raum,<br />

dass die Olive von Menschen in den Mittelmeerraum<br />

gebracht worden sei. Fossile Funde von Blattabdrücken<br />

von Olea europea auf <strong>der</strong> griechischen Insel<br />

Santorin wi<strong>der</strong>legen diese These. <strong>Die</strong> Blätter wurden<br />

von den Ascheablagerungen des Vulkans Thera bei<br />

einem Ausbruch vor 54000 Jahren eingeschlossen.<br />

Es gibt allein im Mittelmeerraum über 1.000 Sorten<br />

von Olivenbäumen. Je nach Klima und Bodenbeschaffenheit<br />

hat sich <strong>der</strong> Olivenbaum über hun<strong>der</strong>te<br />

Jahre an<strong>der</strong>s entwickelt, manche Olivenbaumsorten<br />

sind auf einzelne Dörfer beschränkt.<br />

Olivenbaumpflanzungen nehmen auf <strong>der</strong> Welt 8,6<br />

Millionen Hektar an Fläche ein, auf denen jährlich<br />

17,3 Millionen Tonnen Oliven geerntet werden. Spanien<br />

ist <strong>der</strong> größte Olivenproduzent. <strong>Die</strong> vier wichtigsten<br />

Län<strong>der</strong> (Spanien, Italien, Griechenland und<br />

Syrien) erstellen ca. 80 % <strong>der</strong> weltweiten Olivenproduktion.<br />

Da die Nachfrage nach Olivenöl auch in nördlichen<br />

Län<strong>der</strong>n stetig zugenommen hat, wurde <strong>der</strong> Anbau<br />

von Olivenbäumen erheblich ausgeweitet. In vielen<br />

Regionen <strong>der</strong> Hauptproduzenten ist <strong>der</strong> Olivenbaum<br />

- 125 -<br />

Grundlage <strong>der</strong> ländlichen Wirtschaft.<br />

Botanik<br />

Der Ölbaum ist für mich unbeschreiblich. Das erste<br />

Mal, als ich in Griechenland in einen Olivenhain<br />

kam, blieb mir <strong>der</strong> Atem weg. Uralte Gebilde, jedes<br />

eine Individualität, viel Zwischenraum, damit jedes<br />

genug Platz hat. Alle gemeinsam in einer gleichzeitig<br />

getragenen und heiteren Atmosphäre. Getragen durch<br />

die Würde des Altertums. Heiter durch das spezielle<br />

Licht, das in einer solchen Anpflanzung herrscht. Wie<br />

viele Generationen von Bauern werden hier jährlich<br />

die Erde gepflügt haben, damit das wenige Wasser<br />

nur den Oliven zu Gute kommt? <strong>Die</strong> menschliche<br />

Existenz erscheint als Ran<strong>der</strong>scheinung bei diesen<br />

ehrwürdigen Gestalten. Es heißt, die Olive dient den<br />

Menschen mit ihrem Öl und ihrem Holz. Mir scheint<br />

das Umgekehrte genau so richtig: Der Mensch dient<br />

dem Olivenbaum von Vater auf Sohn, von Mutter auf<br />

Tochter. Der älteste Olivenbaum Europas soll etwa<br />

2000 Jahre alt sein und in <strong>der</strong> Stadt Bar in Montenegro<br />

stehen.<br />

Der Stamm zerfällt im Alter in Teilstücke. Er sieht<br />

einem Felsen ähnlicher als einem pflanzlichen Gebilde.<br />

Aber doch treiben jeden Frühling jung und frisch<br />

grünende Zweige aus ihm.<br />

<strong>Die</strong> kurz gestielten, elliptischen Blätter sind ober-


Ölbaum<br />

seits dunkelgrün und glänzend. <strong>Die</strong> silbrig glänzende<br />

gefärbte Blattunterseite besitzt kleine Härchen, die<br />

die Wasserabgabe des Baumes vermin<strong>der</strong>n. Der Olivenbaum<br />

verliert zu keiner Jahreszeit all sein Laub,<br />

son<strong>der</strong>n mehrere Jahre alte Blätter werden jahreszeitunabhängig<br />

abgeworfen. <strong>Die</strong> Knospen an Trieben des<br />

Vorjahrs öffnen sich im Mai zu kleinen, weiß-gelblichen,<br />

leicht duftenden Blüten. Ende Juli haben die ellipsenförmigen<br />

Steinfrüchte eine Größe von zwei bis<br />

drei Zentimetern erreicht. Zum Ausreifen <strong>der</strong> Früchte<br />

bedarf es <strong>der</strong> Trockenheit des langen Sommers. Der<br />

Baum gibt seine ganzen Lebenskräfte an die Bildung<br />

und Reifung <strong>der</strong> Früchte ab, denn er wächst während<br />

dieser Zeit nur noch langsam weiter, um während <strong>der</strong><br />

Erntezeit, die vom Spätherbst bis Winterende andauert,<br />

Sprießen und Wachstum fast völlig einzustellen.<br />

Der Ölbaum verausgabt sich nicht in Wachstum. Er<br />

gibt seine ganze Konzentration auf die Entwicklung<br />

<strong>der</strong> Früchte. Darum kann er so uralt werden. Im Garten<br />

Gethsemane stehen wahrscheinlich heute noch einige<br />

<strong>der</strong> Bäume, welche die Passion einleiteten.<br />

Im Winter werden die Bäume zur besseren Ernte<br />

beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Der Ölbaum<br />

hat mächtige und weitauslaufende Wurzeln, die bis<br />

zu sechs Metern Tiefe hinabreichen. Jede Hauptwurzel<br />

kann einem bestimmten Hauptast zugeordnet werden,<br />

entfernt man diesen Ast, degeneriert im Boden<br />

<strong>der</strong> gesamte Wurzelabschnitt.<br />

Kulturgeschichte<br />

<strong>Die</strong> Geschichte des Ölbaums reicht bis in die Antike<br />

zurück. Erste archäologische Funde von Olivenkernen<br />

sind über 9000 Jahre alt, dabei handelt es sich<br />

aber um von Menschen gesammelte Oliven von wilden<br />

Olivenbäumen. Wann die Wildform zur fruchtbaren<br />

Gartenolive kultiviert wurde, ist unbekannt.<br />

Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass<br />

dies um 4000 v. Chr. in Kreta und Syrien geschah.<br />

Ägypten<br />

In Ägypten wurden Oliven an <strong>der</strong> Mittelmeerküste,<br />

den Oasen Baħrija, Dachla, Karga und Siwa sowie<br />

auf dem Sinai angebaut. Der erste Nachweis stammt<br />

aus <strong>der</strong> 18. Dynastie. Im Grab des Pharao Tutanchamun<br />

wurden Blätter des Ölbaums gefunden.<br />

Das Alte Testament<br />

Der Bibel zufolge schickte Noah nach <strong>der</strong> Sintflut<br />

eine Taube los. Sie kehrte mit einem Ölzweig im<br />

Schnabel zurück: die Erde grünte wie<strong>der</strong>, das Leben<br />

war zurück. Also erhielt Noah, <strong>der</strong> Stammvater <strong>der</strong><br />

Hamiten, Semiten und Indogermanen noch vor <strong>der</strong><br />

Landung in Armenien als erstes die Kenntnis vom<br />

Vorhandensein des Wilden Ölbaums, <strong>der</strong> in seiner<br />

östl. Verbreitung bis zur Krim und in den Kaukasus<br />

reicht.<br />

Nach dem Alten Testament war die Ölfrucht den<br />

Juden im gelobten Land verheißen. <strong>Die</strong> eingewan<strong>der</strong>ten<br />

Israeliten fanden den Olivenbaum schon vor. <strong>Die</strong><br />

Könige David und Salomo för<strong>der</strong>ten seinen Anbau.<br />

Man benutzte das Öl zu Speisen, bei Opfergaben, als<br />

Brennöl und zum Salben des Haars und des ganzen<br />

menschlichen Körpers.<br />

Der Baum wurde auch in seiner bescheidenen<br />

<strong>Die</strong>nstbarkeit gerühmt:<br />

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen<br />

König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: ‚Sei du<br />

unser König.‘ Der Ölbaum sagte zu ihnen: ‚Soll ich<br />

mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Men-<br />

- 126 -


Ölbaum<br />

schen ehrt und hingehen, um über den an<strong>der</strong>en Bäumen<br />

zu schwanken?“ (Buch <strong>der</strong> Richter, 9, 8-9)<br />

<strong>Die</strong> Griechen<br />

Das aus den Früchten gewonnene Öl war als Speiseöl<br />

wie als Salböl und als Lampenöl ein fast unverzichtbares<br />

Naturprodukt in <strong>der</strong> griechischen Welt. Dem<br />

Salböl schrieb man große lebenserhaltende Kräfte<br />

zu. Vor allem im Winter ölte man die Körper täglich<br />

damit ein, um den Wärmehaushalt zu regulieren. Zu<br />

Homers Zeiten benutzte man in Griechenland das<br />

Holz des wilden Ölbaums wegen seiner großen Festigkeit<br />

zur Anfertigung von Axtstielen.<br />

Das Ehebett von Odysseus und Penelope war auf<br />

und um einem Ölbaum gebaut. <strong>Die</strong> Ehe zwischen den<br />

beiden galt als unverwüstlich:<br />

„Innerhalb des Gehegs war ein<br />

weitumschatten<strong>der</strong> Ölbaum,<br />

Stark und blühenden Wuchses; <strong>der</strong> Stamm glich<br />

Säulen an Dicke.<br />

Rings um diesen erbaut’ ich von<br />

dichtgeordneten Steinen<br />

Unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke,<br />

Und verschloß die Pforte mit<br />

festeinfugenden Flügeln.<br />

Hierauf kappt’ ich die Äste des<br />

weitumschattenden Ölbaums,<br />

Und behaute den Stamm an <strong>der</strong> Wurzel,<br />

glättet’ ihn ringsum<br />

Künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem<br />

Maße <strong>der</strong> Richtschnur;<br />

Schnitzt’ ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt’<br />

ihn rings mit dem Bohrer,<br />

Fügete Bohlen daran, und baute das zierliche Bette,<br />

Welches mit Gold und Silber und Elfenbeine<br />

geschmückt war;<br />

Und durchzog es mit Riemen von<br />

purpurfarbener Stierhaut.“<br />

(Odyssee, 23. Gesang, 190–201)<br />

<strong>Die</strong> Griechen dankten Athene für die Gabe des ersten<br />

Ölbaumes und es galt einst als undenkbarer Frevel,<br />

Ölbäume umzuhauen. Wer Olivenbäumen Schaden<br />

zufügte, wurde streng bestraft, nicht nur von menschlichen<br />

Richtern, son<strong>der</strong>n auch von den Göttern.<br />

Interessant ist auch, dass <strong>der</strong> Caduceus, <strong>der</strong> Stab<br />

<strong>der</strong> Heiler, von dem Gewand von Bacchus abgeleitet<br />

wurde, <strong>der</strong> aus geflochtenen Olivenzweigen bestand.<br />

Durch Berührung mit diesem Stab schenkte Bacchus<br />

den Irdischen Beredsamkeit.<br />

<strong>Die</strong> Römer<br />

Im 6. Jahrhun<strong>der</strong>t v. Chr. kam <strong>der</strong> Olivenbaum nach<br />

Italien. Wie schon in Griechenland war ein Kranz aus<br />

Ölzweigen die höchste Auszeichnung des um das Vaterland<br />

hochverdienten Bürgers. Der Ölzweig war das<br />

Symbol des Friedens, und Besiegte, die um Frieden<br />

baten, trugen Ölzweige in den Händen.<br />

Christentum<br />

Da <strong>der</strong> Olivenbaum ein Götter-Geschenk war, war<br />

auch sein Produkt, das Öl, geheiligt. Fürsten, Könige<br />

und Priester wurden seit <strong>der</strong> griechischen Klassik bei<br />

<strong>der</strong> Amtseinführung mit Olivenöl, meist mit Balsam<br />

versetzt, gesalbt. Symbol ihrer göttlichen Würde und<br />

Autorität. <strong>Die</strong> „letzte Ölung“, das Sterbesakrament<br />

<strong>der</strong> katholischen Kirche, ist in diesem Zusammenhang<br />

zu sehen.<br />

- 127 -


Ölbaum<br />

Jesus hielt im Olivenhain von Gethsemane kurz<br />

vor seiner Kreuzigung Zwiespräche mit Gott, seinem<br />

Vater. Er sprach davon, dass <strong>der</strong> Kelch an ihm vorüberziehen<br />

möge. Seine Kräfte ließen nach. Konnte er<br />

die Kreuzigung überhaupt noch erreichen? Deshalb<br />

musste <strong>der</strong> Olivenbaum daneben stehen. Er hat den<br />

Menschen gestützt.<br />

Islam<br />

Das Olivenöl, das schon in minoischer Zeit die Lampen<br />

Kretas füllte und das in den dunklen Jahreszeiten<br />

Licht brachte, wurde oft als ein geistiges Licht empfunden,<br />

ein Sinnbild <strong>der</strong> Kraft und Klarheit Gottes.<br />

In diese Tradition stellt sich auch <strong>der</strong> Koran:<br />

„Allah ist das Licht <strong>der</strong> Himmel und <strong>der</strong> Erde. Sein<br />

Licht ist gleich einer Nische, in <strong>der</strong> sich eine Lampe<br />

befindet: <strong>Die</strong> Lampe… Angezündet (wird die Lampe)<br />

von einem gesegneten Ölbaum, <strong>der</strong> we<strong>der</strong> östlich<br />

noch westlich ist, dessen Öl beinahe leuchten würde,<br />

auch wenn das Feuer es nicht berührte.“ ( Sure 24:35<br />

„Das Licht“)<br />

Eine herrliche Sure, denn sie sagt mir, dass <strong>der</strong> Islam<br />

in Wirklichkeit keine unbedingt aggressive Religion<br />

ist, we<strong>der</strong> östlich noch westlich, son<strong>der</strong>n aus sich heraus<br />

leuchtend.<br />

Heilwirkung<br />

Den Blättern wird ein beruhigen<strong>der</strong> und schlafför<strong>der</strong>n<strong>der</strong><br />

Effekt zugeschrieben. Sie sollten das Immunsystem<br />

stärken sowie den Cholesterinspiegel senken.<br />

Das Öl ist gesund wegen des hohen Anteils an einfach<br />

ungesättigten Fettsäuren und wirkt sich positiv auf<br />

das Herzkreislaufsystem und den Fettstoffwechsel<br />

aus. Es verringert die Gefahr von Diabetes mellitus<br />

o<strong>der</strong> Krebs. Extra natives Olivenöl hat entzündungshemmende<br />

Wirkung.<br />

Dr. Edward Bach, <strong>der</strong> geistige Vater <strong>der</strong> Blütenessenzen,<br />

fand die Olivenblüte als Mittel bei einem<br />

Zustand, welchen man heute „Burn-out“ nennen würde.<br />

Wir haben es so weit getrieben, o<strong>der</strong> wir haben<br />

sosehr leiden müssen, dass nichts mehr übrig ist. Das<br />

tägliche Leben wird zu einer Belastung ohne Freude.<br />

Wir sind erschöpft und müde. An dem Punkt angelangt,<br />

hilft Olive, sich zu regenerieren. <strong>Die</strong> Fähigkeit,<br />

sich auf seine innere Führung zu konzentrieren, statt<br />

auf alles, was von außen auf einen einprasselt, wird<br />

geför<strong>der</strong>t.<br />

Gurudas beschreibt, wie wir in dem Baum die Fähigkeit<br />

entdecken können, unsere Energie zu konzentrieren<br />

und zielgerichtet ein zu setzen. Olive macht<br />

das auf eine korrekte, herzliche liebevolle Art, ohne<br />

an<strong>der</strong>en zu schaden. Es gibt ein Gefühl von tiefem<br />

unterbewusstem Frieden.<br />

Murshid<br />

Aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen mit religiösen<br />

Traditionen bringt Murshid Inayat Khan uns<br />

eine ganze Reihe von Beispielen für die Salbung.<br />

Aus <strong>der</strong> hinduistischen Tradition beschreibt er das<br />

Öl-Opfer an Hanuman, dem Affengott: „Das Bildnis<br />

von Hanuman stellt die primitive Natur im Menschen<br />

dar und im Ausgießen von Öl im <strong>Die</strong>nst von Hanuman<br />

wird dem Anbeter eine Lektion gegeben. Wie<br />

großartig deine Evolution auch sein mag, Achtung<br />

und Rücksicht für die primitive Natur ist notwendig,<br />

da alles sich in dem erweiterten Programm <strong>der</strong> Natur<br />

- 128 -


Ölbaum<br />

reguliert… Das Leben wird schwierig ohne Achtung<br />

und Rücksichtnahme für die primitive Natur. Wenn<br />

man sich darüber ärgert, nimmt man daran Teil; wenn<br />

man dagegen rebelliert, gibt man dem Feuer Nahrung.<br />

Man sollte die primitive Natur in sich selber und in<br />

den an<strong>der</strong>en besänftigen durch Weisheit, Geduld und<br />

Freundlichkeit.<br />

Das gleiche kann man bei indischen Hochzeiten<br />

beobachten, wo Kopf, Schultern, Arme und Hände,<br />

Knie und Füße von Braut und Bräutigam geölt werden.<br />

Murshid erklärt, dass es hier geht um „eine psychologische<br />

Suggestion… damit die Hände und Füße<br />

von beiden vorbereitet sind um dem Partner zu dienen;<br />

dass sie sich gegenseitig nicht zugeknöpft zeigen<br />

und wenn es noch Härte in ihrer Natur geben sollte,<br />

diese aufgeweicht wird, da Harmonie den Segen eines<br />

Hauses ausmacht. Es lehrt uns, dass, um Freunde<br />

zu werden und Freundschaft zu pflegen, Verzeihung<br />

erfor<strong>der</strong>lich ist. Es ist nun mal so, dass unser Partner<br />

nicht so flexibel und fügsam ist, als wie wir es uns<br />

vorgestellt hatten.“<br />

Aus dem von ihm geliebten Russland, wo er einige<br />

Jahre gelebt hat, erzählt Murshid das Beispiel<br />

<strong>der</strong> Ölung des Tsar am Tag seiner Krönung: „<strong>Die</strong><br />

Salbung <strong>der</strong> Stirn des Königs bedeutet, dass er einen<br />

entspannten Ausdruck haben sollte, nicht stirnrunzelnd<br />

und mit verzogenem Gesicht, son<strong>der</strong>n mit einer<br />

lächelnden Stirn, wie <strong>der</strong> persische Ausdruck lautet.<br />

Arm und Reich, alle müssen mit ihren Sorgen und<br />

Schwierigkeiten zum König kommen und sein Blick<br />

muss sie trösten und beruhigen. <strong>Die</strong> große Lehre,<br />

welche man aus diesem Brauch ziehen kann ist, dass<br />

die große Erziehung im Leben darin besteht, unsere<br />

Gefühle, unsere Gedanken, Worte und Handlungen<br />

weich zu machen, so dass sie uns selbst Entspannung<br />

schenken und damit wir eine entspannte Atmosphäre<br />

kreieren, die allen die mit uns in Kontakt kommen zu<br />

Gute kommt.“<br />

Um besser verstehen zu können, was eine Salbung<br />

eigentlich bedeutet, ist es aufschlussreich im <strong>Pflanzen</strong>reich<br />

<strong>der</strong> Rolle des Öls nach zu spüren.<br />

Am Anfang eines <strong>Pflanzen</strong>lebens steht das Wasser.<br />

Zum Keimen, o<strong>der</strong> um aus dem Unsichtbaren heraus<br />

auf Erden sichtbar zu werden, verbindet die Pflanze<br />

sich mit Wasser und Erde. Erst gegen Ende ihres Lebens<br />

fängt die Pflanze an, sich mit Öl zu beschäftigen.<br />

In allen Samen findet man Öl. Meistens nur im Keim<br />

(z.B. Weizenkeimöl). Manche <strong>Pflanzen</strong> tragen Öl<br />

im ganzen Samen. <strong>Die</strong> Mandel ist ein Beispiel. Und<br />

dann gibt es <strong>Pflanzen</strong>, die so sehr Öl-orientiert sind,<br />

dass sie darüber hinaus das Fruchtfleisch ölig gestalten.<br />

So die Olive.<br />

So wie Wasser die Inkarnation möglich macht,<br />

macht Öl die Rückkehr zur <strong>Seele</strong>nwelt möglich. Das<br />

Feuerelement ist nun vorherrschend. <strong>Die</strong> Pflanze verbindet<br />

sich mit <strong>der</strong> Wärme. Es braucht die Wärme zur<br />

Fruchtbildung und es verkörpert die Wärme im Öl.<br />

<strong>Die</strong> Olive ist eine ausgesprochene Wärme-Pflanze.<br />

In <strong>der</strong> zweiten Jahreshälfte kümmert sie sich nicht<br />

mehr um Wachstum von Ästen und Blätter, son<strong>der</strong>n<br />

konzentriert sich voll und ganze auf ihre Früchte und<br />

Samen. In <strong>der</strong> Frucht wird das nächste Leben vorbereitet<br />

und umhüllt. Im Samen liegt das Wesentliche,<br />

die Quintessenz, verborgen.<br />

Murshid nennt uns Menschen oft den Samen von<br />

Gott: „<strong>Die</strong> ganze Manifestation ist einfach wie ein<br />

Baum, welche von <strong>der</strong> göttlichen Wurzel stammend<br />

aus dem Boden schießt. <strong>Die</strong> Natur ist wie sein Stamm<br />

und alle Aspekte <strong>der</strong> Natur sind wie die Äste, die<br />

Blätter, die Früchte und die <strong>Blumen</strong>; und von diesem<br />

- 129 -


Ölbaum<br />

Baum wird wie<strong>der</strong>um <strong>der</strong> gleiche Samen produziert,<br />

die menschliche <strong>Seele</strong>, welche die erste Ursache des<br />

Baumes war. <strong>Die</strong>ser Same ist <strong>der</strong> Geist Gottes, und<br />

so wie Gott das ganze Universum in sich begreift und<br />

Eins ist, so enthält <strong>der</strong> Mensch in sich selbst das ganze<br />

Universum als Seine Miniatur.“<br />

So können wir besser nachempfinden, was Murshid<br />

meint, wenn er im Vadan sagt: “Mein Herz, hüte das<br />

Öl, das die Flamme des Lichts erhält.“<br />

Das Öl in uns ist eine Art Substanz, welche entsteht<br />

in einer Phase unseres Lebens, worin unsere <strong>Seele</strong> erwacht.<br />

Das einzige, was dann noch interessiert, ist,<br />

das innere Licht zu empfangen. <strong>Die</strong>s hat schon auch<br />

mit dem Alter zu tun, aber vor allem mit <strong>der</strong> Reife einer<br />

Person. Murshid wurde 45 Jahre alt; ich bin jetzt<br />

65 und gerade mal dabei, etwas besser zu begreifen,<br />

was Hazrat Inayat Khan mit Öl meinte.<br />

<strong>Die</strong>ses innere Öl muss gehütet werden. Murshid<br />

erzählt zur Erläuterung dieses Konzepts die Parabel<br />

<strong>der</strong> 10 Jungfrauen, welche Jesus Christus uns hinterlassen<br />

hat: „Das Ziel des Lebens einer Person ist, das<br />

Licht in einem, ihrem eigentlichen Wesen, zu vervollkommnen.<br />

Was auch immer die Qualifikationen<br />

eines Menschen sein mögen, was auch immer seine<br />

Ressourcen, Position und Rang sind, wenn das Licht<br />

in ihm nicht scheint, kann er das Ziel seines Lebens<br />

nicht erfüllen… <strong>Die</strong> dummen Jungfrauen hatten kein<br />

Öl in ihren Lampen bereitgehalten, die weisen hatten<br />

es aufbewahrt. So kamen die weisen Jungfrauen<br />

ihrem Ziel für den Tag, für welchen es versprochen<br />

wurde, nach, und die Dummen bereuten es… <strong>Die</strong><br />

weise <strong>Seele</strong> sammelte alles Material, um ihr Licht für<br />

den Tag, welches <strong>der</strong> gelobte Tag war, scheinen<strong>der</strong> zu<br />

machen. <strong>Die</strong> dumme <strong>Seele</strong> vergeudete es und stand<br />

ohne da in dem Moment, wo sie es brauchte.<br />

Ya Sabur<br />

„Das Öl auf dem Weg <strong>der</strong> Liebe ist Geduld.“<br />

(Hazrat Inayat Khan)<br />

Medikation<br />

• Rücksicht auf die menschliche primitive Natur<br />

• Weisheit, Geduld und Freundlichkeit<br />

• Verzeihung für die Unzulänglichkeiten des Partners<br />

• Lächeln <strong>der</strong> Stirn<br />

• Sorgen und Schwierigkeiten Trost und Beruhigung<br />

entgegenstellen<br />

• Entspannung schenken<br />

• das Öl für das innere Licht hüten<br />

• Erleuchtung empfangen<br />

- 130 -


Firos Holterman ten Hove<br />

„Es gibt ein Heiliges Buch, die geweihte Schrift <strong>der</strong> Natur,<br />

die einzige Schrift, die den Leser erleuchten kann“ (Hazrat Inayat Khan)<br />

<strong>Die</strong> <strong>Seele</strong> <strong>der</strong> Steine<br />

<strong>Heilende</strong> Mineral-Elixiere aus <strong>der</strong> Sicht des Universalen Sufismus<br />

Natur, Mensch und Stein haben große Ähnlichkeiten und erhebliche Unterschiede.<br />

Beide drücken die ganze Vielfalt <strong>der</strong> Schöpfung aus. Aber während <strong>der</strong> Stein dies in<br />

einer Art von Tiefschlaf tut, entdeckt sich <strong>der</strong> Mensch als Ausdruck <strong>der</strong> Vielfalt nicht nur<br />

im Mineralreich, son<strong>der</strong>n auch im <strong>Pflanzen</strong>- und Tierreich. Wir Menschen tragen den<br />

ganzen Kosmos in uns, sagt Hazrat Inayat Khan. Als einzelne Wesen sind wir durch die<br />

Naturreiche mit ihren verschiedenen Bewusstseinsstufen gegangen.<br />

Das Heilige Buch <strong>der</strong> Natur<br />

Spirituelle Ökologe <strong>der</strong> Sicht des Universalen Sufismus<br />

<strong>Die</strong> Natur, das sind wir! <strong>Die</strong> Rolle des Menschen in <strong>der</strong> Schöpfung wird sich wandeln.<br />

Noch lange nicht haben wir das Ziel erreicht, wofür wir gedacht sind. Wir werden lernen,<br />

die Natur als Ausdruck von uns und uns selbst als Ausdruck <strong>der</strong> Natur wert zu schätzen.<br />

Firos Holterman ten Hove erörtert aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie die Sufi-<br />

Meister die Natur erlebt und begriffen haben.


Anfragen für Informationen über die von Hazrat Inayat Khan gegründete Internationale<br />

Sufi-Bewegung und Internationaler Sufi-Orden können an folgende Adressen geschickt werden:<br />

Sufi Orden Deutschland e.V.<br />

www.sufiorden.de<br />

Sufi Orden Schweiz<br />

www.sufismus.ch<br />

Sufi Orden Österreich<br />

www.sufiorden.at<br />

International Sufi Movement<br />

www.sufimovement.org<br />

Tänze <strong>der</strong> Universellen Friedens<br />

www.friedenstänze.de<br />

Zenith Institute<br />

(Suficamp)<br />

www.zenithinstitute.com<br />

För<strong>der</strong>verein Sufi-Saint-School<br />

www.sufi-saint-school-ev.de<br />

Hope Project<br />

www.hope-project.de<br />

Firos Holterman ten Hove<br />

United Nature ● Eisenbolz 7, 97480 Weitnau<br />

www.unitednature.eu<br />

Verlag Heilbronn<br />

Postfach 2162, D-71370 Weinstadt<br />

www.verlag-heilbronn.de ● info@verlag-heilbronn.de


Hazrat Inayat Khan<br />

Wenn die <strong>Seele</strong> auf Gott gestimmt ist,<br />

wird ihr jedes Tun zu Musik<br />

Vom Glück <strong>der</strong> Harmonie<br />

<strong>Die</strong> innere Einheit aller Wesen<br />

Inayat Khan verkündet die innere Einheit<br />

aller Wesen in ihrer Verbundenheit mit<br />

Gott, dem wir nur dienen, den wir nur<br />

wahrhaft anbeten, wenn wir ihn in jedem<br />

Mitgeschöpf erkennen und verehren. Darauf<br />

beruht das Geheimnis <strong>der</strong> Schönheit<br />

<strong>der</strong> Welt und <strong>der</strong> seelischen Harmonie.<br />

Wan<strong>der</strong>er auf dem inneren Pfad<br />

Der Sufi-Pfad<br />

Viele Menschen fragen heute nach dem<br />

Sinn ihres Lebens und suchen nach einem<br />

inneren Weg, um zur Selbsterkenntnis<br />

zu gelangen, zur Selbstverwirklichung<br />

- und schließlich zu Gott. Der Sufi-Pfad<br />

steuert dieses Ziel direkt an, setzt aber<br />

auch die Führung durch einen geistigen<br />

Lehrer voraus.<br />

<strong>Die</strong> Schatzkammer des Königs<br />

Sufigeschichten<br />

In <strong>der</strong> Geschichte <strong>der</strong> Menschheit wurden<br />

von jeher spirituelle Wahrheiten in<br />

Geschichten verkleidet erzählt. Für den,<br />

<strong>der</strong> nur das äußere Geschehen aufnimmt,<br />

sind sie eine vergnügliche Unterhaltung<br />

- für denjenigen, <strong>der</strong> die hintergründige<br />

Bedeutung erkennt, sind sie eine Weisung<br />

für den inneren Pfad.<br />

Gebet - Atem <strong>der</strong> <strong>Seele</strong><br />

Sufigebete<br />

Wie für die Sufis aller Zeiten und Län<strong>der</strong><br />

war auch für Hazrat Inayat Khan das<br />

Gebet – die Zwiesprache mit Gott – von<br />

allergrößter Bedeutung. Aus <strong>der</strong> Tiefe<br />

seines Herzens schrieb er für seine Anhänger,<br />

aber nicht nur für sie, son<strong>der</strong>n für<br />

alle Menschen, die sich von seinen Worten<br />

angesprochen fühlen, Gebete, die sie<br />

einerseits im täglichen Leben begleiten...


Hazrat Inayat Khan<br />

Weisheit <strong>der</strong> Sufis<br />

<strong>Die</strong> Gathas<br />

Weisheit <strong>der</strong> Sufis<br />

Lehren für seine Schüler von<br />

Hazrat Inayat Khan.<br />

Sie enthalten Anleitungen zu sieben<br />

verschiedenen Themen: Aberglaube,<br />

Bräuche und Volksglaube; Einsicht; Symbolik;<br />

Atem; Kultivierung des Herzens;<br />

Alltagsleben und Metaphysik.<br />

Gayan - Vadan - Nirtan<br />

<strong>Die</strong> Essenz <strong>der</strong> Sufibotschaft<br />

Man kann sagen, dass die Aphorismen<br />

in „Gayan - Vadan - Nirtan“ die Essenz<br />

<strong>der</strong> Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat<br />

Khan darstellen. ‘Gayan’ bedeutet die<br />

‘Musik des Schweigens’, ‘Vadan’ heißt die<br />

‘göttliche Symphonie’, und ‘Nirtan’ ist <strong>der</strong><br />

‘Tanz <strong>der</strong> <strong>Seele</strong>’.<br />

<strong>Die</strong> <strong>Seele</strong> - Woher und Wohin<br />

<strong>Die</strong> Reise <strong>der</strong> <strong>Seele</strong><br />

Hazrat Inayat Khan beschreibt den Weg<br />

<strong>der</strong> <strong>Seele</strong>, die sich als ein Lichtstrahl aus<br />

<strong>der</strong> Einheit Gottes löst, sich ein Gewand<br />

aus Gedanken und Gefühlen zulegt und<br />

dann einen physischen Körper, um den<br />

Zweck <strong>der</strong> Schöpfung zu erfüllen, alles<br />

mit göttlichem Bewusstsein zu durchdringen.<br />

<strong>Die</strong> Schale des Schenken<br />

Sufi-Weisheiten für jeden Tag<br />

„The bowl of Saki“ - „<strong>Die</strong> Schale des<br />

Schenken“ nannte Hazrat Inayat Khan<br />

seine Sammlung von Aphorismen. „Saki“<br />

ist ein Begriff aus <strong>der</strong> persischen Dichtung<br />

und bedeutet im wörtlichen Sinn: <strong>der</strong>,<br />

<strong>der</strong> Wein einschenkt, <strong>der</strong> Schenke. Im<br />

übertragenen Sinn ist es <strong>der</strong>jenige, <strong>der</strong><br />

uns in Ekstase versetzt.


Sufismus ist die Hazrat Weisheit Inayat von <strong>der</strong> Khan Einheit im Geiste<br />

Aus Musik wurde das<br />

Universum erschaffen, ...<br />

Musik und kosmische Harmonie<br />

Aus mystischer Sicht<br />

Sie lieben Musik? Dann haben Sie das<br />

wahrscheinlich schon erlebt: Wer Musik<br />

liebt, kann die erhabensten geistigen Ebenen<br />

des Menschseins erreichen. Durch<br />

Musik wird die Harmonie mit dem Selbst<br />

und dem Unendlichen wie<strong>der</strong> hergestellt.<br />

Musik nährt die <strong>Seele</strong> und den Geist.<br />

Musik<br />

Aus mystischer Sicht<br />

„Alle Formen <strong>der</strong> Natur, z.B. die <strong>Blumen</strong>,<br />

sind vollkommen in Form und Farbe; die<br />

Planeten, die Sterne und die Erde vermitteln<br />

uns die Vorstellung von Harmonie,<br />

von Musik. <strong>Die</strong> ganze Natur atmet…<br />

und das Zeichen des Lebens, das diese<br />

lebende Schönheit gibt, ist Musik.“<br />

Universaler Sufismus<br />

<strong>Die</strong> Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan<br />

Eine inspirierende Reise durch die innere<br />

Weisheit des Universalen Sufismus.<br />

Sufismus bedeutet mehr als bloße Worte<br />

und Ideen - er ist eine Lebensweise, eine<br />

Einstellung dem Leben gegenüber. Seine<br />

Wurzeln reichen tief hinab in den reichen<br />

spirituellen Boden des alten Ägyptens, ...<br />

Musik und Meditation<br />

von Pir Vilayat Inayat Khan<br />

und Aeoliah Christa Muckenheimt<br />

<strong>Die</strong> Begegnung mit Pir Vilayat Inayat<br />

Khan verwandelt das Leben <strong>der</strong><br />

profesionellen Musikerin Aeoliah Christa<br />

Muckenheim. Ein Praxisbeispiel über die<br />

heilende und transformierende Kraft von<br />

Musik und Meditation.

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