... der steirer land ... Ausgabe 02/2017

stil2016

02017

9 190001 016276

41. Ausgabe Nr. 02/ 2017 I EUR 4,40

5 JEDER MENSCH HAT SEINE ZEIT 5

„Augen zu

durch“ und Seite 4

A Trunk

muaß sein

lSeite 15

Die Susi,

die Gretl und i

lSeite 47

Unvergesslich

– eingebrannt

lSeite 57


INHALT 5

Sehr geehrte

Leserinnen und Leser

von ...der steirer land...,

während diese Ausgabe unseres

Magazins entstand, hatte ich

das leidliche Vergnügen, einige

Tage im Krankenhaus zu verbringen.

Nichts Tragisches, dafür aber umso lehrreicher

für mich. Zum Arzt gegangen bin ich, weil ich in der Produktionswoche

vom „Steirerland“ ganz sicher kein Fieber

gebrauchen konnte – viel zu viel war zu tun. Nach Hause

bin ich eine Woche später gekommen und siehe da, die

Welt ist nicht untergegangen. Heute lache ich darüber,

wie wichtig man sich selbst und seine Arbeit nimmt, wie

sehr man sich von Zeitplänen und Terminen treiben lässt

und wie wenig doch passiert, wenn man sich ein paar

Tage aus diesem Getriebe herausnimmt.

Das Schönste für mich war jedoch das Frühstück. Vier

Tage wurde mein Körper durchgeputzt. Sprich, ich bekam

Infusionen und zu essen gab es nur Suppe. Dann, am

Morgen des fünften Tages, lagen plötzlich ein Stück altes

Weißbrot und ein Becher Marillenmarmelade auf meinem

Frühstückstablett. Meine Augen weiteten sich, ich spürte,

wie Freude in mir aufstieg, und genoss lange den Anblick

dieses kulinarischen Wunders. Langsam und sehr behutsam

strich ich die Marmelade auf, lachte über das ganze

Gesicht und biss mit Genuss in mein Brot. Es schmeckte

einfach himmlisch … etwas Festes zwischen meinen Zähnen,

der süße Geschmack auf der Zunge und die Wohltat

beim Schlucken lassen sich kaum beschreiben. Ich habe

jeden Bissen genossen. Dieser kleine unscheinbare Moment

brachte mich zum Nachdenken. Die Quintessenz

daraus ist es, die ich mit meinen Lesern teilen möchte,

weil es eine wunderbare Erfahrung war, die da lautet: Der

Verzicht verfolgt nicht den Zweck, Dinge aus dem Leben

zu verbannen oder zu streichen, sondern birgt vielmehr

das Potenzial, dem Vorhandenen/Alltäglichen wieder

weit mehr Wertschätzung entgegenzubringen.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei Ihrer Reise durch

unsere Geschichten, viel Freude mit den Erzählungen und

im Namen meines Teams einen wunderschönen Sommer.

Augen zu und durch 4

Über die DNA des Helfens 6

Die Energie aus dem Wasser 8

Zeit um Kind zu sein 10

Mundart 12

A Trunk muaß sein 15

Woast as noch? 18

Altes Obst 22

Naturpark Südsteiermark 23

Es hot nix g’alt 27

Das Wunder Strom 30

Kräuter Rath 34

Des bleibt unter uns! 37

In Gottes Namen 40

Stmk. Berg- und Naturwacht 43

Die Susi, die Gretl und i 47

Gestern noch… 50

Bildgeschichte 52

Kinderbasteln: Segeln im Wind 53

Alt aber gut: Apfeltommerl 56

Unvergesslich – eingebrannt 57

Geh nicht fort – kauf im Ort 60

Buschenschänker 64

Veranstaltungen 67

Die nächste Ausgabe von

Ihr Karl Oswald

erscheint am 1.September 2017.

3


10 Jahre …der Steirer Land…

„Augen zu und durch“

Viele Dinge geschehen im Lauf von 10 Jahren, einige vergisst man, manch andere bleiben

in Erinnerung. Von Anfang an war es mir ein Anliegen, die Geschichten der einfachen

Menschen aufzuzeichnen und niederzuschreiben. Dass im Lauf dieser Zeit …der Steirer

Land… selbst einige Geschichten erlebte, davon möchte ich euch hier erzählen.

Es war ein sonniger Spätherbsttag, das Heu war

bereits eingebracht und die Ernte ebenso, als wir

daheim unseren Misthaufen räumen mussten. Es

war Zeit, den Mist auf die Wiesen auszubringen,

damit dieser über den kommenden Winter guter

Dünger für unsere Weideflächen würde. Mit der

Mistgabel wurde ein Anhänger nach dem anderen

von Hand beladen, dann auf die Wiese gebracht

und mit dem „Mistkrampfen“ haufenweise abgeleert.

Die Ausbringung, das „Miststrahn“, passierte

Tage darauf. So stand ich in meinen Gummistiefeln

auf unserem Misthaufen, hievte einen

„Poggerl“ nach dem anderen auf den Hänger,

war ordentlich verdreckt und roch natürlich auch

meiner Tätigkeit entsprechend, als unser Nachbar

mit einem Urlaubsgast vorbeispazierte. Weil auch

für uns die Zeit gekommen war, eine Pause einzulegen,

boten wir den beiden Spaziergängern

etwas zu trinken an. Es wurde getratscht und

mein Nachbar stellte mich als denjenigen vor, der

jene Geschichten schreibt, die der Urlaubsgast aus

Deutschland so gern in seinem Zimmer liest. Der

war begeistert und wir unterhielten uns eine Zeitlang

über die alten Erzählungen im Steirerland.

Die Arbeit ging weiter und die beiden Männer

ebenso. Einige Zeit später, unser Misthaufen war

mittlerweile sichtlich geschrumpft, kamen sie zurück

und der Urlaubsgast sagte mir, er wolle die

Zeitung regelmäßig beziehen. „Wos wüllst du?“,

fragte ich ganz erstaunt, denn bis dahin war mir

noch gar nicht der Gedanke gekommen, dass jemand

diese Geschichten kaufen möchte und erst

recht nicht jemand aus Deutschland. „Ich will ein

Abo“, war seine Antwort und da er morgen abreisen

würde, müssten wir das heute noch erledigen.

„Na servas“, dachte ich mir, stieg von meinem

Haufen herunter, holte Block und Bleistift und ließ

mir seine Adresse geben. Erst am nächsten Montag

konnte ich mich bei der Post erkundigen, was

mich dieses Versenden eigentlich kostet; Tage darauf

schickte ich ihm eine Rechnung. Noch immer

in dem Glauben, dass er mir aus einer Urlaubslaune

heraus einfach nur einen Bären aufgebunden

hatte, wunderte ich mich, dass bereits kurze Zeit

später der Betrag bei mir einging. Er war mein erster

Abonnent, bestellt auf unserem Misthaufen,

und blieb treuer Steirerlandleser bis heute.

Eine andere Geschichte, die ebenfalls mit Mist zu

tun hat, passierte mir im gleichen Jahr am Demmerkogel.

Als ich hinkam, saßen vor dem Haus

zwei Männer und eine Frau; die Männer spielten

Karten und die Frau hatte eine große Blechschüssel

vor sich. Ich stellte mich vor und erklärte, dass

6


ich da bin wegen den alten Geschichten. Der Bauer,

an die 90 Jahre alt, meinte: „Zerscht schnops

ma fertig“. So setzte ich mich zu den dreien, die

Bäuerin, nicht viel jünger als ihr Mann, leerte die

Blechschüssel auf dem Tisch aus und begann damit,

die darin enthaltenen Bohnschoten aufzubrechen.

An der Zählmaschine sah ich, dass die

Schnapserei schon kurz vor der Entscheidung

stand und als einer der beiden gewann, meinte

ich, ob wir jetzt reden können. Der Bauer antwortete:

„Mia spüln auf zwoa gwunnani“ und schon

wurde neu gemischt. Um mir die Zeit zu vertreiben.

half ich der Bäuerin beim „Bohan-heppln“.

Bis die beiden Männer fertig waren, hatten auch

wir die Schüssel fertig.

Mein Gesprächspartner, der Bauer, war altersbedingt

schon ziemlich „terrisch“ und gesehen hat

er auch nicht mehr viel. Seine Geschichten waren

spannend, ich freute mich schon auf das Schreiben

und für den übernächsten Tag machten wir

einen Termin zum gemeinsamen Durchlesen aus.

Zwei Tage später war ich erneut dort, ich las ihm

seine Geschichte laut vor und Tränen der Freude

rannen ihm über das Gesicht.

Es gab viel Lob von ihm und diese schöne Erzählung

musste begossen werden. Zwar weigere

ich mich meistens etwas zu trinken, aber es war

mein letzter Termin für heute und einem 90jährigen

schlägt man nicht so leicht etwas ab. Er verschwand

im Stüberl und kam mit einer Flasche

und zwei uralten Stamperln wieder zurück. Gott

sei Dank ein Jägermeister und kein Selbstgebrannter,

dachte ich mir. Ich schaute auf die Gläser, sie

hatten dicke Wände und mussten sehr alt sein,

da man durch ihre vergilbten Seiten nicht einmal

mehr durchsehen konnte. Als er die Stamperln

hinstellte und mit zittriger Hand einzuschenken

begann, sah ich, dass die Gläser nicht wegen ihres

Alters so grau waren, sondern vom Staub. Mit

jedem Tropfen, der in das Glas kam, löste sich die

Staubschicht von den Rändern und bewegte sich

mit dem Füllstand nach oben.

Und besonders freute es mich, dass da auch noch

eine kleine Mücke mit hochtrieb, die anno dazumal

unter der Staubschicht ihr Leben beendet hatte.

Mit strahlendem Gesicht hielt mir der Bauer

jetzt das Stamperl hin und meinte noch, dass so

etwas Besonderes auch ganz besonders begossen

werden müsse. Ich stand da, mit dem Glas

in der Hand und offenem Mund, und überlegte

kurz, was tun. Dann war meine Entscheidung

gefallen: „Prost“, Augen zu und runter damit. Es

wurde noch einmal nachgeschenkt, ich ordentlich

gedrückt und dann verabschiedet. Noch heute

sehe ich die kleine Mücke in den Fluten des Jägermeisters

schwimmen, noch heute muss ich über

diese Geschichte lachen, bei der ich es einfach

nicht übers Herz brachte, die Einladung meines

Gesprächspartners auszuschlagen.

In der nächsten Steirerlandausgabe erzähle

ich Ihnen einige berührende Momente, die

zeigen, wie wichtig unsere Geschichten

für manche Menschen sind.

7


Echtes

Mädesüß

(Filipendula Ulmaria

L. syn. Spiraea Ulmaria L.)

Du wunderschöne

Königin der Wiese

Fast in Vergessenheit geraten in unseren

Breiten und dabei so betörend duftend

und filigran schön: Das ist das Mädesüß,

das botanisch zur Gattung der Rosengewächse

gehört.

Die Pflanze wächst auf nährstoffreichen Wiesen,

aber noch lieber an Bachufern und feuchten Waldrändern.

Sie wird bis zu zwei Meter hoch, hat

kantige Stängel und einen knotigen verdickten

Wurzelstock. Die feinen cremefarbigen „Spiraeaartigen“

Blütenrispen wiegen sich zart im Wind.

Unverkennbar ist aber ihr charakteristischer Mandelduft.

Süß und bitter zugleich, ein unwiderstehliches

Bittermandelaroma, das jeden Wanderer

zum Stehenbleiben zwingt. Auch Hummeln, Bienen,

verschiedenste Fliegen und Käfer werden

vom Duft magisch angezogen und zählen zu den

die Staude bestäubenden Insekten. Zum Hofstaat

der Wiesenkönigin zählen viele, unter Kräutersammlern

beliebte Pflanzen wie Baldrian, Brennnessel,

Blutweiderich, Beinwell und Weidenröschen.

Die beste Sammelzeit ist rund um die Sommersonnenwende.

Für die Kelten war das Mädesüß neben dem Eisenkraut

und der Mistel eines der heiligsten Kräuter

und wurde zur Sonnenwende geräuchert, um Dämonen

und Geister zu vertreiben. Ebenso wurden

24


Bettina Rath

Kräuterpädagogin

Rezepte

Mädesüß Eiscreme

3 frische Mädesüß-Blütendolden

6 Dotter, 125 g Zucker, 500 ml Milch,

75 ml Schlagobers, 1 EL Wildblüten

Böden und Lager bei Feierlichkeiten mit den Blüten

bestreut, um die Sinne zu erfreuen und das

Herz glücklich zu machen. Dieser Brauch hat zu

Zeiten Elisabeths I. wieder eine Renaissance erlebt.

Noch heute wird mancherorts dieser Brauch

gelebt. Aber es gibt auch noch andere seit Generationen

überlieferte Bräuche. So reibt noch so

mancher Imker seine Bienenstöcke mit der Pflanze

aus, um den Bienen ihr künftiges Haus gemütlich

zu machen. Frauen nutzen den Duft der getrockneten

Blüten, um sie in Säckchen zu füllen

und in die Kleiderschränke zu legen. In England

wird Mädesüß noch heute für die Bierherstellung

verwendet.

Die Heilwirkung der Mädesüß-Pflanze ist durch

die großen Mengen an Salicylsäureverbindungen

und Gerbstoffen gefragt, vor allem bei Infektionskrankheiten

des Winters. Sie ist schmerzlindernd,

entzündungshemmend, fiebersenkend und

schweißtreibend. In der Naturkosmetik verwendet

man sie für zusammenziehende Lotions und Gesichtswasser.

Aber wie bei fast allen Kräutern verwende

ich das Mädesüß am liebsten in der Küche

und frisch. Es süßt (dezent verwendet) Speisen,

gibt allen Arten von Getränken eine erfrischende

Note und aromatisiert Marmeladen, Gelees und

Bowlen. Verwendet werden sollen die oberen Triebe

der Blätter und Blüten; ein zu starkes Kochen

ist zu vermeiden. Ein sinnlich duftendes Erlebnis

beim Ausprobieren ist garantiert. Viel Spaß!

Die Dotter mit der Hälfte des Zuckers schaumig

rühren. Milch mit dem restlichen Zucker aufkochen.

Die Hitze reduzieren. Die Dotter kräftig

in die Milch einrühren und unter stetem Rühren

vorsichtig erwärmen, bis die Mischung dick

wird. Die Wildblüten in die Creme legen und 20

Minuten ziehen lassen, danach passieren und

erkalten lassen. In einer Eismaschine solange

rühren, bis sie andickt, danach das geschlagene

Obers unterrühren und weitere 15 Minuten

rühren. Mit Blüten garniert servieren.

Mädesüß Likör

10 komplette Blütenstände vom Mädesüß

1 l Cognac oder Weinbrand

¼ l Wasser, 250 g Zucker

Blüten in ein großes Glas geben und mit Weinbrand

oder Cognac übergießen. Mindestens

3 Wochen ziehen lassen (eventuell an einem

sonnigen Platz). Danach abseihen. Zucker und

Wasser aufkochen und 15 Minuten köcheln

lassen, über den Mädesüß-Ansatz gießen und

gut vermischen. In Flaschen füllen, eventuell

ausgelaugte Mädesüß-Blüten als

Dekoration beifügen.

Kosmetik: Mädesüß Lotion

1 Handvoll Mädesüß-Blüten mit ¼ l kochendem

Wasser übergießen, abkühlen lassen, filtern

und mit 1 TL Hamamelis-Extrakt verrühren,

in Flaschen füllen. Eine hervorragend zusammenziehende

(adstringierende) und pflegende

Gesichtslotion.

25


Dem Selbstverständlichen wird meist sehr

wenig Wertschätzung entgegengebracht.

Was stets da ist, wird als gegeben hingenommen

und kaum jemand verschwendet

einen Gedanken daran.

Dabei waren einige dieser Selbstverständlichkeiten

noch vor wenigen Jahrzehnten kleine Wunder, die

den Alltag der Menschen schlagartig veränderten,

wie mir Gerhard Kremsner zu erzählen weiß.

Unsere Mühle in Mantrach existierte bereits im

17. Jahrhundert und war ursprünglich eine zweigängige

Mautmühle. Das heißt, zwei Wasserräder

trieben zwei Mühlen an und wer hier sein Getreide

vermahlen ließ, musste eine Maut, damals

immer in Form von Naturalien, entrichten. Eine

Mühle befand sich ständig im Wandel, es wurde

erweitert, umgebaut und optimiert. Später wurden

diese beiden kleineren Wasserräder durch

ein großes mit 7 Meter Durchmesser ersetzt. Die

Kraftübertragung in der Mühle erfolgte mittels

Transmission. Auf dieser Welle, die durch die ganze

Mühle verlief, waren Riemenscheiben fixiert,

mit deren Hilfe die einzelnen Gerätschaften angetrieben

wurden. Doch nicht nur die Mühlen wurden

auf diese Weise mit Wasserkraft angetrieben,

sondern auch landwirtschaftliche Geräte. Bei uns

wurde beispielsweise ein Seil über den ganzen Hof

gespannt, um damit die Heuschneidemaschine zu

betreiben. Dieses große Wasserrad war bei uns bis

in die späten 1940er Jahre in Betrieb. Bereits viele

Jahre zuvor wurde mittels Transmission ein Gleichstromgenerator

betrieben, der unsere Mühle und

auch das Wohnhaus mit Strom versorgte. Generell

waren es die unzähligen kleinen Mühlen, die die

ersten Schritte zur Elektrifizierung der Region einläuteten.

Bei uns begann dies in den 30er Jahren.

Gleichstrom war vorhanden und die ersten Bauern

fragten an, ob dieser nicht geliefert werden könnte.

So entstanden die ersten kleinen lokalen Netze.

Von hier aus wurden einige Häuser in Maierhof und

Mantrach und ebenso ein Steinbruch mit Gleichstrom

versorgt. Nahm dieser seinen Steinbrecher in

Betrieb, begann in den übrigen Häusern das Licht

zu flackern und manchmal erlosch es ganz. Zu jedem

Haus wurde ein eigener Anschluss gelegt, in

den Häusern gingen die beiden Drähte ungeschützt

vom Schalter zur Glühbirne und überspannten so

die ganze Stube. In den späten 40er Jahren wurden

die Wehranlagen, bis dahin aus Holz, durch

Betonbauten ersetzt. In jener Zeit trat auch das

8


Verstaatlichungsgesetz für die E-Wirtschaft in

Kraft und viele kleinregionale Stromnetze wurden

abgelöst. Auch das Mühlrad wurde abgelöst und

durch eine Francis-Turbine ersetzt. Damals, 1956,

als meine Eltern den Betrieb übernahmen, reichte

die erzeugte Energie bereits aus, um das Haus mit

Licht und Heizung zu versorgen und die Kürbiskerntrocknungsanlage

sowie ein Sägewerk zu betreiben.

Die Mühle wurde immer noch mechanisch

über die Transmission angetrieben. Bis ins Jahr

1984 waren unsere Schleusen noch immer manuell

zu bedienen, was hieß, dass jemand von uns

bei Wind und Wetter hinausmusste, um die Wasserzufuhr

zu regulieren. Was das bei Hochwasser

bedeutete, kann man sich lebhaft vorstellen. Auch

der Rechen musste händisch gereinigt werden; vor

allem im Herbst mussten wir uns Nacht für Nacht

stundenweise abwechseln, um den Rechen mit der

Hand von Blättern und Unrat zu befreien.

1984 bauten wir unser Kraftwerk um; damals wurde

eine größere Turbine in Betrieb genommen. Heute

können wir den kompletten Energiebedarf unserer

Ölmühle damit abdecken und schaffen es noch

zusätzlich, mit unserer Einspeisung ins öffentliche

Netz rund 250 Haushalte mit Strom zu versorgen.

In der Gegenwart spielt neben dem ökonomischen

auch der ökologische Aspekt eine sehr große Rolle

in unserem Betrieb. Die Erhaltung der Vielfalt ist

uns ein Anliegen und so errichteten wir mit großem

Aufwand eine Fischaufstiegshilfe, dank der

nun auch „schwimmschwache“ Fische zurück zum

Oberlauf der Sulm gelangen. Über Jahrhunderte

hinweg änderte sich das Mühlenwesen baulich und

mechanisch; mit der Stromerzeugung wurde die

Technik revolutioniert. Eines hat sich bei uns aber

bis heute nicht verändert – die Energie kommt vom

Wasser.

Gerhard Kremsner

Mantrach 23, 8452 Großklein/Steiermark

www.oelmuehle-kremsner.com

Erlebnis

Erdgeschichte

Suche nach den versteinerten

Zeugen unserer Vergangenheit

Fossiliensuche im Steinbruch Retznei

der Firma Lafarge Zementwerke GmbH.

Gemeinsam mit „... der Steirer Land ...“

Samstag, 24. Juni 2017

Interessierte Erwachsene und Kinder sind herzlich

eingeladen zu einer spannenden Suche nach

versteinerten Zeugen längst vergangener Zeiten.

Kinder sollten in Begleitung eines Erwachsenen sein,

die Hin- und Rückfahrt ist selbst zu organisieren.

Dauer der Veranstaltung:

vormittags 9-12 Uhr, nachmittags 13-16 Uhr

Schriftliche Anmeldung erbeten:

UMJ, Geologie & Paläontologie

E-Mail: ingomar.fritz@museum-joanneum.at

Tel.: 0664 8017 9731

Kosten: Der Unkostenbeitrag für die wissenschaftliche

Begleitung und das Werkzeug beträgt

für Erwachsene € 5,00 und für Kinder € 3,50.

9


27


Von Generation zu Generation.

iklas und Lena haben für unsere heutige

Aufgabe bereits vier Holzstücke, einige

Rundholzstäbe, ein paar alte Geschirrtücher

und eine leere Plastikflasche bereitgestellt.

Etwas Leim, Klebeband, eine dünne Eisenstange

und einen Bohrer brauchen wir ebenfalls, um unsere

„Segelschiffe“ auf Kurs zu bringen. Zu allererst

bauen wir die Schiffe. Dafür verwenden Lena

und Niklas vier ca. 15 cm lange Aststücke. Zwei

Löcher werden für die Masten gebohrt. Das erste

für den Großmast kommt in die Mitte und jenes

für den kleineren Mast 1,5 cm davor.

Zwei weitere Löcher (nicht durchbohren) kommen

auf die Seite, das erste zwischen die beiden Mastlöcher,

das andere 3 cm weiter hinten – dort wird

das Schiff später am Drehkreuz befestigt.

Jetzt zerschneidet Lena die Tücher zu rechtwinkeligen

Dreiecken. Diese kommen mit der Spitze

nach oben um den Mast und auf der Unterseite

rollen wir eine Querverstrebung ein, damit das

Segel auch ordentlich stabil ist. Ihr könnt das Segel

am Holz annähen oder ihr macht es wie wir

und benutzt eine Klammermaschine zum Fixieren.

Sind die Segel aufgespannt, könnt ihr die

Masten mit Bastelkleber im Holzrumpf fixieren.

Eine Querstrebe über beide Segel, mit Reißnägeln

befestigt, gibt zusätzliche Festigkeit bei starkem

Wind.

28


Das erste ist fertig und Niklas und Lena machen

sich daran, die restlichen drei Segelschiffe zu bauen.

Jetzt kümmern wir uns um unser Drehkreuz.

Dafür nehmen wir eine leere Plastikflasche und

bohren mit einem heißen Nagel (bitte lasst euch

dabei von einem Erwachsenen helfen) ein Loch

in die Mitte des Bodens. Hier kommt später die

Eisenstange hinein. Wieder erwärmen wir den

Nagel mit einer Kerze und machen jetzt jeweils

zwei gegenüberliegende Löcher im Abstand von

3 cm hinein. Die Flasche wird im rechten Winkel

gedreht und noch einmal kommen je zwei gegenüberliegende

Öffnungen hinein. Durch diese

stecken unsere beiden Bastler jetzt kreuzförmig

jeweils zwei gleich lange Rundhölzer hinein und

fixieren diese vier Stöcke mit einem Klebeband.

Das Drehkreuz ist fertig, jetzt müssen wir nur

noch unsere Schiffe auf den Enden befestigen.

Da wir die Hölzer seitlich nicht ganz durchbohrt

haben, können wir sie leicht mit einer kleinen

Schraube oder einem Nagel fixieren.

Fertig! Jetzt kommt unser Schiffs-Wind-Rad noch

auf die in der Erde steckende Eisenstange. Sobald

ein laues Lüftchen weht, segeln wir davon.

Niklas, Lena und „…der Steirer Land…“

wünschen euch einen wunderschönen

Sommer und tolle Ferien.

29


Unsere Sprache - unsere Seele

Zullnerglockn jmd., der gerne umherflaniert Umsa Humd is wia sei Herrl, a richtige

Zullnaglockn.

Oaß eitrige Entzündung, Furunkel Herr Dokta, i ham a Oaß umtat Laxn.

einschiaßn wenn etw. schnell hineinkommt Ban Brot einschiaßn is da Hexnschuß

eingschossn.

Fleachpulva Flohpulver Geh a Fleachpulva kafn, i kau schon

neama schlofn va lauta Beissn.

Fossungsbiachl Schuldnerbuch des Greislers Sog zan Ladlschupfer, er sull die Sochn

ins Fossungsbiachl schreibn.

lettln etwas riecht nach Lehm Va dir brauch i koan Karpfen mehr,

wal dei lettln mia z ‚ vül.

Mognstrudl Fausthieb in die Magengrube Mit an Mognstrudl hot si da Knecht ba sein Bauern

fia den „guatn“ Lohn bedankt.

Rinkn Rinde Ba deim Brot ist a die Rinkn dicka wia olls andare.

Saubloda Harnblase des Schweines Die Saubloda brauch i zan Tabakbeitl mochn.

Schaua Hagel Hoffentlich kummt heia koa Schaua mehr.

Stipfl Holzpfahl Richt ani Stipfl her, mia miassma den

Holdazaun wieder richtn.

zeckfoast wohlgenährt Seitdem du nix mehr oarbeitest, bist a

schea zeckfoast gwoardn.

timman laut Klopfen Her auf zan timman, i moch eh schon auf.

Roastoa Grenzstein Da Nochbar hot schon wieder den Roastoa

vasetzt.

oft dann Oft geh ‚ mas holt schea langsam wieder aun.

michaln schwindeln Da Opa tuat ban Koartnspüln imma michaln,

damit er gwinnt.

Liachtschippl Nachtfalter Moch in da Nocht es Fensta zua, sumst

kemman die Liachtschippln wieda eini.

Weitere 1.400 Mundartausdrücke und über 400 Beispielsätze

finden Sie in unserem Buch„Rotzbua & Hobagoaß“

10


Dr. Hans Kloepfer,

der Dichter der Weststeiermark

In der Liste der erfolgreichsten

österreichischen Autorinnen und

Autoren finden wir Dr. Hans Kloepfer.

Obwohl für seine Werke, wie „Sulmtal

und Kainachboden“ und „Joahrlauf“,

nie geworben wird, sind sie seit acht

Jahrzehnten ein fixer Bestandteil des

Buchhandels und erfreuen sich einer

beständigen Leserschaft.

Wer war Dr. Kloepfer? Seinen Lebenslauf verfasste

er einmal selbst für die Aufnahme in einen

Verein: „Geboren in Eibiswald am 18. August

1867 als Sohn des aus dem Königreich Württemberg

eingewanderten Wundarztes Johannes

Kloepfer und der Schulmeisterstochter Ludovika

Fuchs aus St. Peter im Sulmtal. […] Besuch des

k. u. k. Staatsgymnasiums in Graz, Studium der

Medizin, Promotion im Jahr 1891. Militärdienst

in Graz 1888/89. Ab 1894 Werksarzt der ÖAMG

[Österreichische Alpine-Montan-Gesellschaft] in

Köflach sowie niedergelassener praktischer Arzt

daselbst. Verheiratet seit 1902, zwei Söhne, eine

Tochter.“ Seiner berufsbezogenen Darstellung

fügte Kloepfer bescheiden hinzu: „Zahlreiche Publikationen

lokalhistorischer Natur und Gedichte

in deutscher Schriftsprache wie auch in steirischer

Mundart.“ Was seine überragende Persönlichkeit

als Arzt und viel mehr noch als steirischer Dichter

ausmacht, bleibt in diesen knappen Sätzen verborgen.

Der Landarzt im Dienst der weststeirischen

Schwerindustrie, der Köflacher Bürgerschaft und

eines bis zur Kärntner Grenze reichenden Bauernvolkes

begann im Alter von etwa 40 Jahren

mit seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Dichter.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg verfasste er

heimatkundliche Texte sowie seine ersten Verse

in der Bauernsprache seiner Umgebung. Um die

Wirkung eines in Kainachtaler Mundart abgefassten

Gedichtes beurteilen zu können, sandte er es

an Peter Rosegger, der es im Juni 1914 in seiner

Literaturzeitschrift „Heimgarten“

veröffentlichte. Das

lebhafte Echo unter den steirischen

Germanisten ermutigte

den Köflacher Arzt zu weiterem Schaffen. In den

folgenden Jahren entstanden seine erfolgreichsten

Gedichte: „Da Russ“, „Ohne Beruf“, „Bol

i ‚ n Stodl deckt hon, rost i aus“ und „Dahoam“.

Nachdem ihn seine Mundartdichtung berühmt

gemacht hatte, überraschte er bald darauf seine

Leser mit hochdeutschen Meistergedichten wie

„Spätherbst“ und „Glockenmärlein“. Der Wert

seiner Dichtkunst liegt in ihrer Unmittelbarkeit.

Kloepfer brauchte nichts zu erfinden, er berichtete

meistens von Ereignissen, die sich tatsächlich

zugetragen hatten. Seine „Krankenwanderungen“,

wie er seine Visiten nannte, boten ihm Zeit,

Erlebtes zu überdenken und im Geiste in Reimform

zu bringen. Müde heimgekommen, hielt er

es im Telegrammstil fest und schrieb es später in

einem Schulheft nieder. In den Jahren 1936 und

1937 erschien sein Gesamtwerk in fünf Bänden.

Damit hatte das literarische Schaffen des Dichterarztes

seinen Abschluss gefunden. Nach der

Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr

1938 verfasste er noch einige Texte und Gedichte

im Sinne der neuen Machthaber, doch „war das

alles“, wie er selbst einmal sagte, „nichts mehr“.

Dr. Kloepfer gelangte als Arzt und Dichter zu hohen

Ehren. Unter anderem war er Ehrenbürger von

Eibiswald, Köflach und Graz. Am 27. Juni 1944

verstarb er in Köflach. Anlässlich der 150. Wiederkehr

seines Geburtstages am 18. August 2017

ehrt die Marktgemeinde Eibiswald sein Werk mit

einem Festabend und zahlreichen hochkarätigen

Veranstaltungen. Herbert Blatnik, Eibiswald

11


Aus Feuer,

Erde und Stahl.

Kachelherd und Kachelofen

Für ein einwandfreies Raumklima

ist die richtige Heizung eine

entscheidende Voraussetzung.

Wir sind ein bodenständiger Familienbetrieb

mit sehr gut geschulten Mitarbeitern und sorgen,

dank unserer Produkte, für optimales

Wohnklima in Ihrem Zuhause. Der Kachelherd

zeicnet sich durch vielfältige Funktionen wie Kochen,

Backen, Warmwasserbereitung aus. Diese

Herde finden vorwiegend in Wohnküchen Verwendung,

da man eine schnelle Wärmeabgabe

über die Herdplatte sowie eine Speicherwärme

der Kachelflächen erzielt.

Die Wärmestrahlen des Kachelofens erwärmen

vor allem die im Raum befindlichen Körper und

Wände und erzeugen dadurch die gesunde, unvergleichliche

Kachelofenwärme. Das ist die Grundvoraussetzung

eines idealen Raumklimas.

Durch unsere 40jährige Erfahrung im Herdeund

Metallbau sind wir in der Lage, auf unsere

Kunden einzugehen und deren Wünsche in relativ

kurzer Zeit zu realisieren.

Fleischhacker

Schlosserei & Herdebau KG

Gersdorf 78, 8471 Spielfeld

T. +43 (0) 3453 - 2572

M. +43 (0) 676 - 509 51 04

www.herdebau-fleischhacker.at

12


Woast as noch?

1

Schuster

bleib bei deinem

Leisten.

Über hunderte, ja sogar tausende von Jahren erfuhren die Werkzeuge des täglichen

Gebrauchs zwar eine ständige Weiterentwicklung, aber kaum eine entscheidende

Veränderung. Erst im letzten Jahrhundert wurden viele unserer Hilfsmittel durch

technische Errungenschaften abgelöst und beginnen seitdem langsam in Vergessenheit

zu geraten. Erinnern Sie sich noch an den Verwendungszweck

nachstehender Werkzeuge?

2 3 4

Die Exponate wurden uns von www.erinnerungshof-hermann.at zur Verfügung gestellt.

1) Scheagn & Nägel

Die Sohle dieses Bergschuhs zeigt sehr gut, wie

mit Scheagn und Nägeln gearbeitet wurde, um

dem Schuh Trittfestigkeit in steilen Lagen zu

verleihen. Die Scheagn wurden exakt dem Rand

entlang eingeschlagen, während die Nägel in die

Sohle kamen. So war auch bei Eis und Schnee ein

gefahrloses Auftreten gewährleistet.

2) Leisten

Der Leisten ist ein Formstück aus Holz, welches

der Form eines Fußes nachempfunden ist und zum

Bau eines Schuhs verwendet wird. Er sorgt für die

Passform und bestimmt, welche Form der Schuhoberteil

(Schaft) erhält. Über den Leisten wird das

Leder gespannt und auf der Unterseite mit der

Sohle verbunden.

16


6

5

3) Schusterbein

Das Schusterbein oder Schustereisen war ein unverzichtbarer

Helfer, wenn es um die Endfertigung

eines Schuhs oder um dessen Reparatur ging. Der

Schuh wurde über das Schusterbein gesteckt und

mit dieser stabilen Unterlage konnten z.B. Schuhnägel

neu eingeschlagen werden.

4) Schusterpresse

Waren Leder, Brandsohle, Sohle und Absatz ordentlich

miteinander verbunden, kam der Schuh in

die Schuster- oder Sohlenpresse, damit der Kleber

unter festem Druck langsam aushärten konnte.

5) Raspel

Mit der Raspel wurde das Leder aufgeraut, bevor

es verklebt wurde, um eine bessere Verbindung und

ein gutes Einwirken des Klebers zu sichern.

6) Geldkatze

Wer mit Leder umgehen konnte, schaffte sich mit

Gürteln und Trägern so manchen Zusatzverdienst.

Eine Besonderheit aus der Werkstatt etlicher Schuhmacher

war die Geldkatze. Diese trug man wie einen

Gürtel am Körper; im Inneren der Katze konnten

Geld und Wertsachen verstaut werden.

17


Josef Pugl – Baumwärter

Altes Obst

Der Obstgarten bzw. die Streuobstwiese

waren jahrhundertelang wichtige Komponenten

der Versorgung auf den Bauernhöfen.

Josef Pugl beschäftigte sich sein Leben

lang mit der Kultivierung von Obst und

erzählt uns hier, wie die Sommerarbeiten

im Obstgarten anno dazumal aussahen.

Angst und bange wurde uns, wenn im April die

Temperaturen so weit absanken, dass der Frost den

Blüten und Knospen Schaden zufügen konnte. Das

„Rauchen“, wie es heute in manchen Weingärten

praktiziert wird, kannten wir damals auch. Ich erinnere

mich noch daran, wie mein Mentor im Obstbau,

der alte Innerhofer von Weißheim, unter seinen

Nussbäumen kleine Feuer entzündete, damit er diese

vor dem Erfrieren schützen konnte. Der Sommer

war eine Zeit, in der wir für die Obstbäume nicht viel

tun konnten, außer der Natur ihren Lauf zu lassen.

Der Frühjahrsfrost war überstanden, die Eisheiligen

sind ebenfalls gut vorübergegangen und alles, was

wir jetzt tun konnten, war dafür zu beten, dass der

Hagel unsere Ernte verschonen würde. Es war ganz

selbstverständlich, dass wir, wenn eine Gewitterfront

aufzog, Weihwasser mit einem Palmbuschen in

alle Himmelsrichtungen versprengten und dann ein

Stück Palmholz im Tischherd verbrannten, damit der

Herrgott uns vor dem Unwetter bewahren sollte. Oft

hat es geholfen, aber leider nicht immer.

Im Sommer düngten wir immer wieder unsere jungen

Bäume nach. Dafür trugen wir mit Körben den

Stallmist in den Obstgarten und breiteten ihn um die

Stämme herum aus, so dass der nächste Regen den

Dünger tief in die Erde hineinbrachte. Der Sommer

wurde bei allen mit der Heuernte und dem Hauen

von Erdäpfeln, Kürbissen und Mais verbracht, denn

kaum jemand lebte vom Obstbau allein, sondern

alle hatten gemischte Landwirtschaften. Das Gras

in unserer Obstanlage war durch den Schatten der

Bäume besonders zart und fein. Damit hatten unsere

Hasen und Schweindln die größte Freude. Für

mich als jungen Burschen hieß das, jeden zweiten

Tag mit Sense und Rechen auszurücken, um das Sauoder

Hasengras zu mähen. Tat ich dies im flacheren

Teil, so brachte ich das Gras mit dem „Ziehachgoan“

nach Hause; erfolgte die Mahd im steileren Gelände,

so trug ich es mit dem „Streubogen“ heim.

Blieb zwischen allen unseren Arbeiten noch Zeit, so

brachten wir im Sommer den Keller auf Vordermann.

Most und Wein mussten in den Fässern abgezogen

werden, damit der Bodensatz im alten und der wertvolle

Trunk im neuen Fass waren. Das passierte nicht

mit Pumpen, sondern einfach mit einem Schlauch,

an dem so lange gesaugt wurde, bis es zu rinnen

begann. Alter Most wurde dafür verwendet, wieder

ein Fass mit Essig anzusetzen, und bei Bedarf reparierte

der Vater (er war Fassbinder) das eine oder

andere Holzfass. Sah die Ernte vielversprechend aus,

konnte es auch sein, dass er neue Leergebinde für

unseren Keller herstellte. Hin und wieder Feldbeten

sowie der eine oder andere Wettersegen in der Kirche

gaben uns die Gewissheit, dass wir alles Nötige

getan hatten, um im Herbst die Früchte unserer Arbeit

einbringen zu können.

Welche Arbeiten für den Obstbau seinerzeit

im Herbst wichtig waren, erzählt uns

unser Baumwärter Josef Pugl in der

nächsten Steirerland-Ausgabe.

18


MITTENDRIN IM

Naturpark SÜDSTEIRMARK

Projekt Biotop Streuobstwiese:

Biodiversitätserhalt = Kulturlandschaftsschutz

Am Samstag, dem 25. März 2017, wurden gleichzeitig

mit dem Saisonstart des Naturparkladens

am Grottenhof durch den Naturpark Südsteiermark

Jungbäume alter regionaler Obstsorten

verteilt. Das von der Naturschutzabteilung des

Landes Steiermark unterstützte Projekt „Biotop

Streuobstwiese“ konnte damit seinen nächsten

Schwerpunkt setzen. Aus ursprünglich 1.000 geplanten

Jungbäumen wurden durch die Bestellbegeisterung

der Naturparkbürger 2.400 verteilte

Jungbäume alter regionaler Obstsorten (Baumschulen

Oikos und Grinschgl).

Gemeinsam mit der Berg- und Naturwacht, den

Steirischen BaumwärterInnen und dank der Unterstützung

der NaturparkbürgerInnen konnte der

Naturpark ein starkes Zeichen setzen, um dem

für die Südsteiermark so wichtigen Kulturlandschaftselement

der Streuobstwiese wieder mehr

Bedeutung zu verleihen. Der Natur- und Kulturlandschaftsschutz

stellt für den Naturpark Südsteiermark

die Basis seiner Arbeit dar. Nur gemeinsam

mit den NaturparkbürgerInnen ist es möglich,

das touristisch so attraktive Landschaftsbild der

Region mit seiner ökologischen Artenvielfalt zu

erhalten!

Sie haben eine Streuobstwiese? Der Naturpark

braucht Sie! Schützen durch Nützen!

Der Naturpark Südsteiermark versucht die Wertschöpfung

der Streuobstwiesen für die heimischen

Bauern wieder zu steigern und arbeitet damit aktiv

am Kulturlandschaftsschutz. In diesem Sinn suchen

wir für ein geplantes Streuobstveredelungsprojekt

BesitzerInnen von Streuobstwiesenflächen,

die ihre Äpfel für einen ihrer Arbeit angemessenen

Preis verkaufen würden. Voraussetzung: Die

Streuobstwiese liegt in einer der 15 Naturparkgemeinden.

Bitte melden bei Naturpark Südsteiermark:

0664/88524705 oder m.rode@naturparksuedsteiermark.at.

19


NATURPARK SÜDSTEIERMARK

Die Lehre von den Erscheinungen –

die Phänologie

Die Tage werden immer länger und die Natur zeigt

sich in ihrer vollen Pracht. Vögel wie der Neuntöter

sind nach ihrer langen Wanderung wieder bei

uns eingetroffen, die Kuckuckslichtnelken blühen

schon, wohingegen das gefleckte Knabenkraut

gerade erst damit angefangen hat. Die Zeichen

deuten darauf hin, dass wir uns am Ende des Vollfrühlings-

und am Anfang des Frühsommers befinden.

Frühsommer ist ein geläufiger Begriff, aber

was ist der Vollfrühling? Er ist Teil der phänologischen

Jahreszeiten und ist damit unabhängig vom

Tradition und Brauchtum:

Markt der Artenvielfalt

Das Naturpark- Highlight im Mai war der Markt

der Artenvielfalt am 19.5.2017. Auch dieses Jahr

fand das traditionelle Familienfest auf dem historischen

Gut Grottenhof statt und war den ganzen

Tag ein Riesenspektakel für Groß und Klein.

Unsere Besucher (über 750 Kinder am Vormittag

und zahlreiche Familien am Nachmittag) erhielten

dieses Jahr reichhaltige und spannende Einblicke

in die Vielfalt des gelebten Brauchtums und in das

lebendige Handwerk.

Ganz bewusst hat der Naturpark gemeinsam mit

den Naturpark-Schulen und Naturpark-Kindergärten

diesen Schwerpunkt für dieses Jahr ausgewählt.

Altes Handwerk wird meist nur noch

von wenigen, oft älteren Personen betrieben. Das

Wissen darüber wurde immer mündlich weitergegeben.

Die Aussteller am Markt der Artenvielfalt

trugen das Ihre dazu bei, dass unsere Gäste wieder

selbst zumindest die Grundlagen verschiedenster

Handwerkskenntnisse erlernten, um so einen Teil

des kulturellen Erbes zu bewahren und weiterzutragen.

Der Bogen der Aktivitäten spannte sich

vom Strohkörbe nähen, Schafwollfilzen, Schau-

Schnitzen, Schau-Drechseln, Keramik töpfern,

Sensen mähen, alte Hausmittel herstellen, Pressen

von Lavendelöl, bis hin zu unserem Bauerngarten

mit dem Thema „Das aufregende Leben einer Tomatenpflanze“!

Neben allen diesen informativen

und interessanten Hinweisen kam natürlich auch

der Spaß nicht zu kurz. Smovey-Ringe und eine

große Spielwiese sorgten für die notwendige Abwechslung

und unsere Kinder wurden zusätzlich

noch mit regionalen Snacks verwöhnt! Nach der

feierlichen Begrüßung durch Naturpark-Obmann

Bgm. Reinhold Höflechner folgte die Präsentation

des Kinderregionsführers Naturpark Südsteiermark.

Dieses Projekt wird mit Unterstützung durch

Mittel der europäischen Union, des Bundes und der

Steiermärkischen Landesregierung verwirklicht.

20


DIE JAHRESZEIT SCHAFFT AN.

Es hot

nix g’alt

„Die Menschen mochen sich ihr Leben heit sölber kompliziert, früher

woa olles ärmer und einfacher, aber mit viel mehr Arbeit verbunden und

trotzdem haben die Menschen weit net sovül zu Spinnen aungfangen

wie sies heit tuan“, beginnt Frau Anna Kerschbacher, geboren 1930, ihre

kleine Geschichte.

21


Ich bin in Bergla

bei St. Martin auf

die Welt gekommen

und habe die ersten

33 Jahre meines Lebens

dort verbracht.

Vater und Mutter waren

Bauern; ganz selbstverständlich

haben meine

Geschwister und ich dort gelernt

und gearbeitet. Das ganze

Jahr über gab es immer genug zu tun. Oft

haben wir uns wirklich geschunden, aber grantig

ist keiner von uns gewesen, weil es auch immer

lustig gewesen ist. Unsere Arbeitsabläufe bestimmten

die Heiligen: So hieß es zum Beispiel

immer, dass acht Tage vor und nach dem „Jiagl-

Tog“ (Hl. Georg, 23. April) die beste Zeit dafür ist,

den Woaz zu setzen. Und die Kürbiskerne wurden

in der Florianiwoche (Anfang Mai) angekeimt und

gesetzt.

Gut erinnere ich mich noch daran, wie es beim

Woazsetzen auf dem Acker umging. Der Mist war

ja schon im Frühjahr ausgebreitet worden und jetzt

baute der Vater mit unserem alten Ochsengespann

den Acker um. Mit dem jüngeren Ochsengespann

fuhr meine Schwester; sie marschierte hinter der

Egge her, um die Ackererde ordentlich aufzulockern.

Meine Aufgabe war es, unsere Kuh zu führen,

die den Woazsetzer zog und so eine Reihe

nach der anderen bepflanzte. Der Natur wurde ihr

Lauf gelassen, immer ist alles aufgegangen und

reif geworden. Die

Jahreszeiten gaben

uns unsere Aufgaben

vor; selbst im

Winter hatten wir

genug zu tun. Die

Wasserrüben waren im

Feld vergraben und mussten

geholt werden, die Woazstrohhiefeln

wurden heimgebracht

und eingeschnitten und war

es einmal ruhiger, so gab es genug im Haus

zu erledigen. Nach getaner Arbeit war gut Ruhen.

Der Sonntag und die Feiertage waren den Eltern

immer heilig. Da standen Gemütlichkeit und geselliges

Beisammensein im Vordergrund. Damals

gab es ja noch ein paar Bauernfeiertage mehr als

heute und weil wir viele Bekannte hatten, war an

diesen Tagen bei uns am Hof immer viel Betrieb.

Der Haustrunk wurde ausgeschenkt, Geschichten

erzählt, so mancher Handel abgeschlossen und natürlich

gesungen und gelacht.

Obwohl die 30er Jahre als die schlechten galten,

hat es bei uns an nichts gemangelt. Schwieriger

wurde es, als der Krieg kam. Zwar brauchte der

Vater nicht einrücken, aber alles, was wir produzierten,

musste abgeliefert werden. Damals war

eine Sau ja noch richtig groß, nicht solche Wuggala

wie heute. Der Ortsbauernführer bestimmte,

wann geschlachtet wurde und was damit zu geschehen

hatte. Zum Glück schaute dieser nie so

ganz genau, was im Stall war – so konnten wir

22


war eine sehr gute Köchin und Gärtnerin. Unser

Hausgarten wucherte von Gemüse und mit einfachsten

Mitteln konnte sie wunderbare Mahlzeiten

zubereiten. Es wurde auch viel Salat gegessen,

im Frühjahr warteten wir schon darauf, dass der

„Röhrlsalat“ (Löwenzahn) endlich aufging. Frisch

ausgestochen und klein geschnitten war er, mit

Erdäpfeln vermischt, eine wunderbare Kost – und

obendrein gesund. Bereits damals arbeitete eine

Nachbarin von uns für einen Doktor, für diesen

musste sie in den umliegenden Weingärten Unmengen

von Röhrl stechen. Der meinte nämlich

immer: „Wenn die Leut wüssten, wie gesund der

Röhrlsalat ist, würden sie keinen Doktor mehr

brauchen“. Auch ich lernte das Kochen von der

Mutter und habe heute noch eine Freude an den

einfachen Speisen von damals. Wenn ich mir hin

und wieder Kochrezepte von heute anschaue,

wundere ich mich über alles, was da verkocht

wird. Oft kenne ich die Zutaten nicht einmal und

für manche Gerichte müsste ich auf meine alten

Tage noch einen Sprachkurs machen, damit ich sie

verstehe.

doch hin und wieder in einer Nacht- und Nebelaktion

ein Schwein für uns aufarbeiten. Das alles

passierte im Keller, die große Sau wurde aus dem

Stall getrieben und noch in der gleichen Nacht

musste alles eingebraten, eingekocht und verarbeitet

werden. Gut im Gedächtnis ist mir geblieben,

wie der Vater am nächsten Tag das kleinere

der beiden Tiere zur Schlachtung anmeldete und

der Ortsbauernführer meinte: „Du host a schon

scheanari ghob.“ Auch Schafe gab es bei uns am

Hof, sie waren eine gute Alternative auf unserem

Speiseplan und ihre Wolle half uns ebenfalls

sehr. Wurden die Tiere geschoren, wuschen wir

die Wolle und ließen sie kartatschen. Unter dem

Kartatschen („Kardieren“) versteht man das Aufrauen

der Wolle. Die kardierte Schafwolle wurde

dann von der Mutter und einigen anderen Frauen

am häuslichen Spinnrad zu Garn versponnen.

So schufen wir selbst eine gute Grundlage dafür,

dass einfache und warme Kleidungsstücke im

Winter gestrickt werden konnten. Meine Mutter

Meinen späteren Mann Alois kannte ich schon

von klein auf, waren doch unsere Höfe nicht allzu

weit voneinander entfernt. Näher gekommen sind

wir uns, als der Krieg vorüber war, aber es hat

noch einige Jahre gedauert, bis wir geheiratet haben.

Wir hatten es nicht weit zueinander und eilig

hatten wir es ebenfalls nicht. Meine Eltern waren

froh, dass ich zum Arbeiten daheimblieb, und bei

Alois waren auch noch zwei Schwestern am Hof,

die zuerst unter die Haube gebracht werden mussten,

damit wir überhaupt einen Platz hatten.

So vergingen die Jahre, unsere erste Tochter war

bereits auf der Welt, als ich mit 33 Jahren meinen

Alois, er war drei Jahre älter als ich, geheiratet

habe. Es war eine schöne Hochzeit, die wir

im kleinen Rahmen hatten. Gemeinsam wurden

uns 53 wunderbare Ehejahre und vier Kinder geschenkt,

bis Alois im 89. Lebensjahr seine Augen

für immer schloss. Heute bin ich selber 87 Jahre alt

und wundere mich oft darüber, wie ich überhaupt

so alt geworden bin. Dann denke ich mir, dass die

Kost von damals und die viele Arbeit wohl dafür

verantwortlich sind, denn dadurch hatten wir keine

Zeit, uns krank zu jammern, und wenngleich

wenig da war – gefehlt hat es an nichts und lustig

ist es auch immer gewesen.

23


26

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine