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Streifzug durch das alte Billed

Ausstellung über die Geschichte der Gemeinde Billed bis zum Exodus der Billeder Deutschen 1990

Ausstellung über die Geschichte der Gemeinde Billed bis zum Exodus der Billeder Deutschen 1990

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Streifzug durch das alte Billed

Ausstellung der HOG Billed und

des Forums der Billeder Deutschen

im Heimathaus

Biled, Nr. 421, Rumänien

Öffnungszeiten 13:00-15:00 Uhr

Kontakt: 0040 727 667 887

Konzept, Bildauswahl,

Texte und Gestaltung

Hans Rothgerber

Übersetzung,

geschichtliche Daten

Hans Martini

Lektorat, Übersetzung

Elisabeth Martini

Organisation, Technik

Adam Csonti

Roswitha Csonti

Werner Gilde

Peter Krier

Restauration Objekte

Silke Csonti

Heidi Müller

Norbert Müller

Josef Freer

Marliese Knöbl

Barbara Wagner

Spenden Ausstellung

Josef Breitenbach

Elisabetha Buscha

Adam Csonti

Ingrid Csonti

Josef Freer

Irene Henz

Josef Herbst

Josef Hubert

Brunhilde Klein

Marliese Knöbl

Matilde Mann

Anna Mann

Johann Martini

Barbara Mutter

Josef Pfeiffer

Nikolaus Rennon

Barbara Schwarzmann

Elisabeth Thöresz

Werner Tobias

Hans Weber

Theresa Weber

Wilhelm Weber

Helmuth Weinschrott


Kaiser, Feldherren, Kolonisten und das Banat

Das Banat bildet den südöstlichen Teil der Pannonischen Tiefebene

und ist im Westen von der Theiß, im Süden von der Donau, im Osten von

den Ausläufern der Karpaten und im Norden vom Maroschfluss begrenzt. Das Banat,

zwischen 1552 und 1716 unter osmanischer Herrschaft, war verödet und weitgehend

entvölkert.

5

„Nirgends findet sich eine Ader trinkbaren Wassers, nirgends ein grünender

Baum... Schilf, Unkraut und Gestrüpp sind undurchdringlich dicht ...

keine Spur von Menschen, außer einigen Rohrhütten von Hirten, ...“ beschreibt

Herzog Karl von Lothringen das Land damals.

Es gab keine Landwirtschaft, lediglich eine Wanderweidewirtschaft, betrieben von

der einheimischen rumänischen und serbischen Bevölkerung.

4

2

3

1

Abbildungen

1 Sumpflandschaft im Banat, Malerei von Stefan Jäger

2 Herrschaftsgebiete der Habsburger

3 Das Banat

4 Wappen Maria Theresias. 1765 trug Maria Theresia folgende Titel:

Maria Theresia, von Gottes Gnaden römische Kaiserin, Wittib, Königinn zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien,

Slavonien, Gallizien, Lodomerien, etc. etc., Erzherzoginn zu Österreich, Herzoginn zu Burgund, zu Steyer, zu Kärnten

und zu Crain, Großfürstin zu Siebenbürgen, Marggräfin zu Mähren, Herzoginn zu Braband, zu Limburg, zu Luxemburg

und zu Geldern, zu Württemberg, zu Ober- und Nieder-Schlesien, zu Mailand, zu Mantua, zu Parma, zu Piacenza

und Guastalla, Fürstinn zu Schwaben, gefürstete Gräfinn zu Habsburg, zu Flandern, zu Tirol, zu Hennegau,

zu Kyburg, zu Görz und Gradisca, Markgräfinn des Heiligen Römischen Reiches zu Burgau, zu Ober- und Nieder

Lausitz, Gräfinn zu Namur, Frau auf der Windischen Mark und zu Mecheln etc., verwittibte Herzoginn zu Lothringen

und Baar, Großherzoginn zu Toskana, etc.

5 Die Ansiedler fahren mit „Ulmer Schachteln“ auf der Donau in ihre neue Heimat

6 Rastende Auswanderer, Gemälde von Franz Ferch

Ein kaiserliches Kolonisationspatent lockte mit verschiedenen Begünstigungen.

Auswanderer mussten sich jedoch vorher aus der Leibeigenschaft freikaufen und Abzugsgeld an ihre Grundherren

entrichten, die ihre Untertanen nur ungern ziehen ließen.

Prinz Eugen

von Savoyen (1663 - 1736) war

einer der bedeutendsten Feldherren

des Habsburgerreiches.

Ab 1697 Oberbefehlshaber in den

Türkenkriegen sicherte er die

österreichische Vorherrschaft in

Südosteuropa.

Das Banat sollte nach dem Willen

Prinz Eugens nicht nur „die

Vormauer der Christenheit“ am

südöstlichen Rand Mitteleuropas

sein, sondern ein politisch

stabiles und wirtschaftlich entwickeltes

Land werden.

Von Ulm und Regensburg ging es auf den bis zu 200 Personen fassenden „Ulmer Schachteln“ genannten Lastkähnen

zunächst bis Wien, wo die Kolonisten registriert wurden. Die anschließende Fahrt ins Banat dauerte ungefähr

drei Wochen. Dort wanderten sie zu Fuß an ihren Bestimmungsort.

6

Maria

Theresia von Österreich

(1717-1780), Fürstin

aus dem Hause Habsburg, regierende

Erzherzogin von Österreich

und Königin u.a. von

Ungarn und Böhmen, zählte zu

den prägenden Monarchen des

aufgeklärten Absolutismus.

Während ihrer 40-jährigen

Herr schaft erreichte die Besiedlung

des Banats ihren Höhepunkt.


Ein Dorf wird aus dem Boden gestampft - Herkunftsorte der Ansiedler

1

2 3

4

Dorf- und Flurplan gezeichnet von dem Militäringenieur Hauptmann Anton

von Triebswetter aufgrund der 1769 erfolgten Bodenvermessung.

Folgende Erklärung ist beigefügt:

5

„Plan des Teutschen Dorfes Billiet in dem

Themesvarer District, welches bestehet in

252 teutschen Colonisten-Familien, worunter

32 gantze Bauern a 37 Joch, dann 220

halbe a 21 Joch sich befinden.

Die Felder sind überhaupt in 3 Fluren wie

der Plan zeiget, eingetheillet, wovon jede

Portion 128 Klaft. lang und 100 Klaft. breith

und 8 Joch in sich enthaltet, folgsam ein

solches Rectangel die Portion ein es gantzen

oder zweyer halben Bauern in einer

Flur ist . . .

Beynebst sind nach Ab schlag der nöthigen

Communications-Weege 1500 Joch Uberländ-Grunde,

die man denen Bau ern successive,

wie sie zu Kräften kommen oder

sich vermehren, zutheilen kann ...

Die Land-Strasse ist durchgehende 20,

die Communications-Weege aber 3 Klafter

breith. Die Dorf-Gässen sind 18 Klafter

breith. Maastab von 900 Wiener Klafter.

Eingetheilet und gezeichnet durch Ant. v.

Triebswetter Hauptmann von Graf Adam

Batthyan a Inf. R.“

6

Billiet wurde unter der Kaiserin Maria Theresia zusammen mit anderen 33

Dörfern besiedelt und sollte als ei ne der ersten Neugründungen dieser Siedlungsperiode

eine Musterrolle übernehmen. Es entstand in der Nähe eines verödeten

Ortes auf der „Prädium Billiet“ genannten Fläche.

Ab ca. 1835 war der Name Billet, ab 1867 Billéd, ab 1920 Biled, die deutsche Schreibweise

ist Billed.

Ein Ort Billyed wurde erstmals 1404 urkundlich als Besitz der Familie Hagymas de

Beregszo erwähnt.

Es wurden 254 gleich große Hausplätze von je einem Katastraljoch (0,575 ha) für

252 Wohnhäuser, eine Kirche und eine Schule vermessen.

Das Dorf hat einen Schachbrett-Grund riss, jede Seite eines Quadrates ist 250 m lang

und mit sechs Kolonistenhäusern bebaut, die Gassen sind 35 m breit. Der erste Billieter

Bürgermeister hieß Caspar Hann.

Abbildungen

1 Wanderung - aus dem Tryptichon von Stefan Jäger „Die Einwanderung der Deutschen ins Banat“

2 Rast

3 Ankunft

4 Herkunftsorte der 252 Erstansiedlerfamilien in Billed (von Wilhelm Weber)

5 Dorfplan von Billiet erstellt 1769-1772 im Rahmen der Josephinischen Landesaufnahme des Temeschwarer

Banats

6 Siegel der Gemeindeverwaltung mit der Umschrift SIGL TOC 1772 Billiet Dorf


Den Ersten der Tod - Aufstieg oder Untergang

Geburten / Todesfälle 1766-1775

1766

J 23

U 97

1767

1768

J 67

J 63

U 83

U 165

1769

U 40

J 99

1770

J 137

U 256

1771

J 74

U 197

1772

U 71

J 117

1773

J 55

U 48

1 2

1774

U 30

J 86

1775

U 37

J 106

Geburten J

Todesfälle U

Quelle: Familienbuch Billed von Hans Wikete

Am 1. November 1774 wurde das erste Grundbuch angelegt. Es beinhaltet ein „kurzes

Historicum“ des Dorfes, den „Summarischen Umkreis des Terrains“, die „Besitzblätter“ und die Überkommungsart

der Besitzer.

Das finanzielle System, auf dem die Ansiedlung im Banat aufgebaut war, war ein Vorschusssystem, der Staat

gewährte den Ansiedlern alle zum Wirtschaften nötigen Beihilfen, die nach einer allgemeinen Frist von 3

Jahren zurückgezahlt werden mussten. Dabei waren für die Bauern die ersten 10 Jahre steuerfrei.

Umsonst erhielten die Kolonisten den Hausplatz, Acker und Wiese.

Die Kolonisten brachten landwirtschaftliche und handwerkliche Erfahrungen mit, die Herkunftsländer der

bäuerlichen deutschen Siedler wiesen zur Zeit ihrer Auswanderung eine hochentwickelte Bodenkultur auf.

Das von den Siedlern im Banat übernommene Ackerland war jedoch ein erst seit kurzem entwässertes Sumpfland,

das seit Jahrhunderten verwahrlost, verwildert und mit Gestrüpp überwuchert war.

838 Tote in 5 Jahren Grab der Deutschen

Der Kolonistenspruch: „Den Ersten der Tod...“ trifft

voll zu. Hunger und Krankheiten forderten ihre Opfer,

es starben mehr Menschen als geboren wurden.

• Für das Jahr 1766 werden 705 Einwohner für Billed

angegeben, ein Jahr nach der Gründung hatte man

schon 97 Tote begraben.

• In den beiden Hungerjahren 1770 und 1771 starben in

Billiet allein 453 Personen.

• Von den 252 Häusern standen 200 leer und mussten

erst wieder mit neuen Kolonisten besetzt werden.

• Bis 1771 sind 838 Personen verstorben.

• Im Monat September 1770 mussten 54 Tote, im

Oktober 52 Tote und im November 45 Tote beerdigt

werden.

• Je 6 Todesfälle gab es am 21. September und am 2.

Oktober 1770.

Waren die sanitären Verhältnisse in dieser Zeit

im ganzen Banat trostlos, so herrschten in dieser

Hinsicht in Billiet derartige Zustände, dass

die Bezeichnung „Grab der Deutschen“ mehr als

gerechtfertigt erscheint. Das Sanitätswesen im

Banat unterstand einem „Cameral, Provincial

und Contagions Medikus“, der seinen Sitz in

Temeswar hatte. Ihm war für jeden Distrikt ein

Distrikts-Chirurgus unterstellt, welcher wieder

eine Anzahl von Feldscherern unter sich hatte,

die anlässlich der Ansiedlung der Ortschaften

eingestellt wurden.

In Billiet nahm der erste Feldscher Josef Anton

Gerben am 6. Juni 1766 seine Dienste auf. Diese

Feldscherer waren von Militärärzten während

des Krieges in Spitälern ausgebildete Heilgehilfen,

oft Friseure, deren Wissen sich meist

auf Zahnziehen, Aderlasse, Schröpfen, Verbinden

und sonstige Ersthilfe erstreckte. Manchmal

verstanden sie auch die Wundbehandlung

und wurden daher auch Wundarzt genannt.

in zwey Dörffem ein Chirurcus in jedem deren

aber ein Pfarrer und ein Schulmeister angestellet

werden ... wurde am 1. August 1766 der

Medicus Johann Joachim Groß als Arzt nach

Billiet beordert. Zu diesem Zeitpunkt lagen dort

schon so viele Menschen krank in ihren Betten,

dass es höchste Zeit war, diesen einen Arzt zur

Verfügung zu stellen.

Als die Anzahl der kranken Kolonisten in Billiet

von Tag zu Tag größer wurde, holte sich Doktor

Groß mit der Zustimmung des Verwalters Knoll

den Csakowaer Distriktsarzt Leber nach Billiet

und errichtete mit ihm gemeinsam in der Schule

in der Altgasse ein provisorisches Spital. Ende

1766 gab es bereits 400 Kranke im Dorf, so dass

das Spital zu klein war und in jeder Gasse einige

Kolonistenhäuser für die Kranken eingerichtet

werden mussten. Dies war mit ein Grund, warum

die Kranken sich weigerten, sich beim Feldscherer

Gerbel krank zu melden, um nicht in so

ein „Sterbehaus“ eingeliefert zu werden.

3

Abbildungen

1 Geschmiedete

Kreuze auf

dem Sauerländer

Friedhof

2 Siedlerhaus,

Aquarell von

Stefan Jäger

3 Innenseite des

Grundbuches

Ganze Familien wurden ausgelöscht. Die leerstehenden

Häuser wurden jedoch stetig von Neusiedlern

belegt.

Auf Grund der von der Kaiserin am 22. Juni

1766 getroffenen Verfügung ... damit jedesmal

(Quelle: „Billed-Chronik 1765-1978“ von Franz

Klein)


Arbeit als Lebensinhalt

Die erste Furche, Aquarell von Stefan Jäger

Weizenbrot

ist das Hauptnahrungsmittel der Banater Schwaben. Der Weizenbau

nimmt mehr als 40% des Ackerlandes ein und die Weizenernte (Schnitt)

bildet den Höhepunkt des Landwirtschaftsjahres. Nachdem die Halme

geschnitten und in Garben gebunden sind, werden sie zu sogenannten

Kreuzhaufen zusammengetragen. Das Garbenbinden ist zumeist der Frau

überlassen, man nennt sie „Kleckerin“.

Abbildungen

1 Die erste Furche, Aquarell von Stefan Jäger

2 Heimkehr vom Felde, Malerei von Stefan Jäger

3 Flurbild mit dem schwäbischen Pferdewagen, Malerei von Stefan Jäger

4 Im Schnitt, Ölgemälde von Stefan Jäger

5 Beladen des Erntewagens, Malerei von Stefan Jäger

6 Stefan Jäger (1877-1962) hat wie kein anderer Künstler die Banater Heidelandschaft

und seine schwäbischen Landsleute in ihrer Lebens- und Arbeitswelt

für die Nachwelt festgehalten.

7 Die Mutter von Stefan Jäger, geborene Magdalena Schuller (1856-1927),

stammt aus Billed, Hausnummer 317 (seit 1927 Nr. 667) in der Neugasse.

1 2 3

4

5

Schnitt (Weizenernte)

Im Dämmerschein vor Sonnenaufgang schon rasselten

die ersten Wagen fort, in allen Höfen herrschte Leben

und Bewegung, man molk die Kühe im Dunkeln und

trieb sie mit den Kälbern und Füllen und Schweinen

auf die Gasse hinaus, denn auf die Halter warten konnte

man nicht, die mochten sich das Vieh für die Weide

zusammenlesen.

An allen Straßenkreuzungen warteten Schnittergruppen

auf die Wagen der Bauern, und manch ein junges

Blut, das in Taglohn ging, hockte da verschlafen auf einem

Eckstein und tunkte mit dem Kopfe, bis es angerufen

und aufgeladen wurde.

Auch bei den Häusern der Handwerker, die zu selbständigen

Schnittern geworden waren, fuhren Wagen vor,

niemand brauchte zu Fuß zu gehen, es wäre zu schade

gewesen um die Zeit. Kein Rad, das noch lief, kein Gaul,

der noch aufrecht ging, blieb ungenützt im Dorfe, und

die Halter brachten während der Erntezeit nur Füllen

auf die Weide.

Leer war das weite Dorf, wenn die Glocke den Tag einläutete,

und sie rief später auch vergeblich zur Messe,

nur Greisinnen kamen zur Kirche. Wer nicht mehr

schaffen konnte, betete für eine gute Erntezeit.

Adam Müller-Guttenbrunn (1852–1923):

„Meister Jakob und seine Kinder“

6 7


Der Bauer in seinem Element

1

2

Anbaupflanzen vor dem 2. Weltkrieg:

40% Weizen

33% Mais

18% Futterpflanzen

6% Industriepflanzen

3% Gemüse und Wein

Gerste, Hafer und Roggen wurden nur in geringen Mengen, dagegen

wurden Kartoffeln vermehrt angebaut. Gemüse und Melonen

gab es im eigenen Hausgarten für den eigenen Bedarf. Die Obstbäume

standen ebenfalls im Garten, Kleegarten oder Weingarten.

3 4 5

6

Die letzte Saisonarbeit war die Maisernte

(Kukuruzbrechen). Zu dieser Arbeit kamen Aushilfskräfte aus

anderen Ortschaften.

Der Mais wurde zum Trocknen im sogenannten „Hambar“ gelagert

und diente ausschließlich als Viehfutter.

Die zarten, weißen Kukuruzlieschen füllten die Strohsäcke in

den Betten und das Maislaub schmeckte den Kühen und Schafen.

Der übriggebliebene Stengel eignete sich zuletzt hervorragend

zum Brotbacken und Heizen.

7

Abbildungen

1 Beim Pflügen mit 4 Pferden

2 Im Schnitt, Foto von Hans Retzlaff

3 Schweine und Rinder auf der Tenne

4 Landwirtschaftlicher Maschinenpark auf der Tenne

5 Maisernte mit dem langen Pferdewagen

6 Lagerung der Maisernte auf dem für die Region typischen „Hambar“

7 Hintergrundfoto „Pflüg mir den Boden“ von Helmut Schneider. Durch

den Schwarzerdeboden und den relativ niedrigen Grundwasserspiegel

sind die Felder auf der Banater Heide besonders fruchtbar.


Im „Schnitt“ Brot für ein ganzes Jahr

1

6

Abbildungen

1 Aufbruch in die 2. Halbzeit: Eine Schnittermannschaft, deren Weizenfeld sich nicht

weit vom Dorf befindet, war in den heißen Mittagsstunden zum Essen und Erfrischen

zu Hause. Die erste Halbzeit hatte schon im Morgengrauen begonnen.

2 Typische Schnittermannschaft in der Zwischenkriegszeit

3 Einfahren der Ernte mit dem langen Pferdewagen durch den Hof auf die Tenne der

Bauernwirtschaft von Jakob Muttar

4 Aufschobern der Garben auf der Tenne

5 Dreschmaschine der Familie Schwarz 1934

6 Hintergrundfoto: eine Schnittermannschaft vor der Mittagspause. Die beiden liegenden

Frauen haben aus dem Dorf das Mittagessen gebracht. Schnitterarbeit ist auch

„Teamwork“, häufig haben sich die Angehörigen von 2 Bauernwirtschaften mit ihren

Zugtieren und Gerätschaften zusammengetan.

169 Mähbinder zählt man in Billed 1944, die ersten Garbenbinder

wurden in den 1920er Jahren eingeführt.

Vier bis sechs Pferde wurden vor die Mähmaschine gespannt, um eine Fläche von acht

Joch (4,6 ha), eine Tagesleistung, abzumachen. Der kleine Knecht führte die Pferde, die

Magd oder der Tennmann trieb sie an und der Bauer achtete auf die Mähmaschine. Die

übrigen Helfer stellten die gebundenen Garben auf Kreuzstöße reihenweise und geradlinig

auf. Ein Kreuzstoß hatte in Billed 14 Garben. Die Getreideernte war eine zeitbegrenzte

und harte Arbeit.

2 3 4

5

14 Dreschmaschinen

sind 1944 im Ort. Die Dampflokomobile kam selbständig als

„Selbstwanderer“ mit dem Dreschkasten und Elevator in den Hof

und dann auf die Tenne gefahren. Die sogenannte „Dreschpartie“

bestand gewöhnlich aus 16-18 Mann, die nicht immer Ortsansässige

waren. Dann gab es noch den Maschinisten und den Heizer.

Das Ausdreschen der Getreidegarben dauerte je nach Größe der

angebauten Fläche 1-2 Tage.


Mit dem Vieh Tür an Tür

1

2

3

4

Zug- und Arbeitstiere waren seit der Ansiedlung die Pferde. Der größte Stolz des schwäbischen

Bauern waren seine 4-5 gepflegten Pferde.

In einer Dorfmonographie aus dem Jahr 1860 ist folgender Großviehbestand vermerkt:

• 944 Stück Pferde (1945 waren es 1039)

• 1.512 Stück Hornvieh

• 1.197 Schafe

• 1.598 Schweine

5

6

Die Bauern begannen sich allmählich von dem einseitigen Getreidebau abzuwenden, um sich

verstärkt mit der Schweinemast zu beschäftigen. Die auf den Märkten in Wien, Prag, Brünn

u.a. erzielten Preise für Mastschweine aus dem Banat waren so attraktiv, dass selbst Handwerker

und Kleinhäusler sich nebenbei mit der Schweinemast beschäftigten.

Ein mittlerer Bauernbetrieb verbraucht im Durchschnitt das Fleisch von 3 Schweinen. Ende

November bis Ende Dezember wurden Schweine geschlachtet. Kleinere Familien wie Handwerker,

Kleinhäusler, Lehrer usw. kamen auch mit weniger aus.

Viehbestand auf einem mittleren Bauernhof

4-5 Pferde

2-3 Rinder

5-20 Schweine

6-10 Schafe

20-30 Gänse

80-100 Hühner und anderes Geflügel

Seit 1927 gibt es eine Viehzuchtgenossenschaft genannt Hutungsgesellschaft. Gezüchtet wurden

die Pferderassen Nonius, Gitran und Oldenburger, die Rinderrassen Simenthaler und

Pinzgauer sowie Schweine der Rassen Yorkshire und Bergshire.

Die Grundnahrungsmittel waren: Brot, Fleisch, Mehlspeisen, Gemüse, Schmalz und Milchprodukte.

Aber auch Geflügel wie Hühner, Enten und Gänse waren auf dem Speiseplan.

Die Schweineschlacht ist bis heute beliebt, denn in einer Zeit

ohne Kühlschrank kannte man zahlreiche Fleischprodukte und Konservierungsverfahren, die

es ermöglichten, ein ganzes Jahr hindurch die wichtigen tierischen Proteine abwechlungsreich

zur Verfügung zu haben.

Abbildungen

1 Johann Muttar und Wilhelm Thöress auf ihren Arbeits- und Reitpferden in der Zwischenkriegszeit

2 Mit dem langen Pferdewagen in der Kreuzgasse auf dem Nachhauseweg von Frühjahrsfeldarbeiten.

Hinten werden 2 weitere Arbeitspferde mitgeführt.

3 Die Familien Weber und Dumelle bei der Schweineschlacht 1935.

4 Schlachtgesellschaft bei der Familie Schmidt

5 Hühnerhof, Malerei von Stefan Jäger

6 Kühe auf dem Heimweg durch das Dorf im Sommer 2009. Die Kuhhaltung auf der

Weide hinter der ehemaligen Sauerländer Brücke gibt es bis heute.


Vom Bauer zum Landwirt, auf Augenhöhe mit dem Fortschritt

3

4

1

2

Die Bauern schickten ihre Erbsöhne auf sogenannte „Ackerbauschulen“, wo sie

als Landwirt ausgebildet wurden. Billeder auf dem Foto: Hans Hehn, Peter Rieder,

Hans Slawik und unten, 3. v. rechts, Nikolaus Schmidt.

Nikolaus Schmidt hätte den Hof, auf dem sich heute

das Heimathaus befindet, übernehmen sollen. Durch den Krieg und seine Folgen

wurde er Landwirt in Brasilien.

Landwirtschaftsmaschinen, die 1944 eingesetzt wurden:

200 Sämaschinen, 169 Mähmaschinen, 14 Dreschmaschinen,

43 Grasmäher und

56 Traktoren.

Nachdem am Ende des 19. Jh. in Billed gleich zwei

Großmühlen entstanden, verschwanden allmählich

die 5 Rossmühlen sowie eine Wassermühle.

Der Mühlengroßbetrieb der Gebrüder Steiner mit

Schroterei wurde nicht nur als Lohnmühle betrieben,

rund 50% ihrer Erzeugnisse gingen in den Export. In

den dreißiger Jahren wurde noch eine Essigfabrik angeschlossen.

Die Ballmann-Mühle, 1890 erbaut, wurde nach 1918

mit neuen Walzstühlen und für den Antrieb mit einem

Deutz-Dieselmotor ausgestattet, sodass sie zu den modernsten

Mühlen des Banats zählte.

5 6 7

8

9

Abbildungen

1 Absolventen der Ackerbauschule Voiteg 1939-1940

2 Rossmühle am Dorfrand, Aquarell von Stefan Jäger

3 Die Ballmann-Mühle, genannt nach ihrem letzten Besitzer Jakob Ballmann

4 Mühlengroßbetrieb der Gebrüder Steiner

5 Josef Hubert (305) 1924 mit seinem Motor-Ackerpflug Hannomag, mit dem man die Erde tiefpflügen

konnte, um Weingärten anzulegen oder um bessere Ernten zu erzielen.

6 Nikolaus Seibert mit einem der ersten Traktoren im Dorf, einem „Oil Pull“ mit Mähbinder im Jahr 1928

7

8

Mit Motor-Technik vertraute Bäuerinnen. Magdalena Seibert aus der Kirchengasse auf NSU-Rad und

Susanna Weber, geb. Glasz, aus der Hauptgasse, auf ihrem Leichtkraftrad „Wanderer SP1“.

9 Franz Slavik beim Ackern Anfang der 40er Jahre. Mit 108 Joch (62 ha) Ackerfeld hatte er den größten

Grundbesitz im Ort.


Spinnräder seit der Ansiedlung

Der Hofkammerrat von Kempelen berichtet aus dem Banat in seiner Relation von 1768: „Der Verwalter

Knoll läßt sich sehr angelegen seyn, in seinen Colonien die Hanf- und Flachsspinnerey so viel

möglich einzuführen, weswegen er auch hier zu Billied schon

211 Spinnräder ausgetheilet hat.“

Nach der Spinnarbeit kam das Material zu den Webern. Es gab in den Jahren 1920-1930 noch zwei

Webstühle in Billed. Vom groben Material wurden Säcke gemacht, die in jedem Haushalt gebraucht

wurden. Das Tuch aus dem feineren Material ist nach der Bleiche vielseitig verwendet worden. Der

Seiler machte Zugstricke, Halftern, Tabakschnüre u. a. m. daraus.

1924 wurde die Billeder Hanffabrik, die erste Hanffabrik im Banat,

als eine Aktiengesellschaft der Billeder Bauern und der Schwäbischen Handels- und Gewerbebank

gegründet.

Viele Dorfbewohner fanden hier Arbeit, auch Arbeiter aus anderen Ortschaften kamen hierher, wo

sie in fabrikseigenen Wohnungen untergebracht wurden. Ab 1937 wird hier auch elek trischer

Strom erzeugt.

1 2 3

4

Abbildungen

1 Hanfspinnerei 1938 von Nachbarinnen

2 Drei Generationen beim „Spenne und Klengle em offene Gang“ 1930, v.l.n.r. Peter und

Barbara Keller, Maria, Jakob und Josef Breitenbach (491).

3 Biled: Hanfindustrie, Auslegen von Hanfbündeln, Männer, Aufnahme des berühmten

Bildjournalisten Willy Pragher am 15. Mai 1944. (Landesarchiv B-W, Abt. Staatsarchiv

Freiburg, W 134 Nr. 037823a)

4 Hilfskräfte beim „Rauswaschen“, jede sechste „Berte“ gehörte dem Rauswascher. Die

Leute standen bis zu 7 Stunden im kalten Wasser. Die Hanfröste nahm einen Teil des

schlammreichen Jergrabens am Südostende des Dorfes ein.

5 Nach der Trocknung auf der Wiese begann das Hanfbrechen. Es gab ein Gerät mit

einer Zunge zum Vorbrechen, die „Quetsch“, und eines mit zwei Zungen zum Sauberbrechen.

Danach war der Hanf fertig zum Hecheln und zur Weiterverarbeitung.

6 Geschnittener Hanf im „Gebrannten Land“ 1983. Der Hanf wird am Boden liegend getrocknet,

zu „Berten“ zusammengebunden und zum Rösten gebracht.

7 Teil der Belegschaft in den 1970er Jahren, in 2 Schichten waren über hundert Arbeiter

beschäftigt.

8 Die Billeder Hanffabrik aus der Vogelperspektive 1993. Sie wurde 2013 abgerissen.

6

5

7

8


Billeder Tabak

1 2 3 4

Billed war eine der von der staatlichen Monopolgesellschaft

ausgesuchten Ortschaften, in

denen der Tabakanbau genehmigt wurde.

Billeder Tabak“ war ein Begriff, schon König

Ferdinand I. hatte ihn bei seinem Besuch 1923

„gekostet“. Die Tradition wurde auch in der Kollektivwirtschaft

im Kommunismus fortgesetzt.

Mitte März wurde mit den Mistbeeten begonnen,

danach kam das Anpflanzen. In jeder Tabaksplantage

wurde extra ein Brunnen gebohrt.

Beim „Tuwackinreihe“ wurden die Tabakblätter

nach dem Nähnadel- und Fadenprinzip eingereiht.

So eine Schnur hatte eine Länge von

ungefähr 3 -4 Metern. Die vollen Schnüre wurden

im Hinterhof an ein entsprechendes Holzgerüst

zum Trocknen aufgehängt und nachher

bis zum Büscheln im Schuppen aufbewahrt.

Die klebrige Arbeit war mit Geselligkeit verbunden

und wurde oft auch zu Hause mit Familienunterstützung

durchgeführt.

7

Abbildungen

1 Tabakbau in der Kollektivwirtschaft der Nachkriegszeit, Mitte März wurde mit den

Mistbeeten (Kutsch machen) begonnen.

2 Tabak-Anpflanzen auf den Feldern der Kollektivwirtschaft

3 Ein Tabakbauer-Team beim Einreihen der Tabakblätter in den Trockenschuppen der

Kollektivwirtschaft der 1960er Jahre

4 Tabakbau bei der Landwirschaftlichen Versuchsstation von Ing. Angheluta. Im sogenannten

„Kleinen Flur“ wurden unter anderen auch Tabaksorten gezüchtet. 8-10 Billeder

fanden in dem Staatsbetrieb Beschäftigung.

5 Einreihen der Tabakblätter zu Hause

6 „Tuwakbischle“ in der LPG der 1960er Jahre. Im Spätherbst begann das Zusammenlegen.

Jedes einzelne Blatt von jeder Sorte musste sorgfältig sortiert, aufeinandergelegt

(25-30 Blätter) und an den Rippen mit Bast zusammengebunden werden.

7 Hintergrundfoto: Tabakbauern beim Ernten auf den Feldern der Kollektivwirtschaft. Johann

Keller aus den USA, 2ter von links, besucht seine Billeder Landsleute 1965 bei der

Arbeit.

5

6


Handwerk mit goldenem Boden

In der schwäbischen Siedlung hat die wirtschaftliche Entwicklung zu einer weitgehend selbständigen

Gemeinschaft geführt. So sind mit dem Bau der Häuser und deren Einrichtung die ortsansässigen

Handwerker beschäftigt. Von den Gebrauchsgegenständen im Haushalt bis zu den landwirtschaftlichen

Geräten und Werkzeugen wird alles im Dorf hergestellt. Und das beinhaltet fast sämtliche Berufe.

Im Jahr 1910 nehmen 62 Handwerkerfamilien 7 Prozent der Bevölkerung

ein. Die Gewerbetreibenden sind in Zünften und später in Gewerbekorporationen organisiert,

deren Statuten für Berufsanfänger Wanderjahre vorschreiben.

Adam Müller-Guttenbrunn schreibt:

„Nur wenige Handwerker, die als Gesellen in die Welt ziehen, halten es in der Fremde aus. Es treibt sie

alle wieder zurück. Und wenn sie sich auch noch so fest vorgenommen hätten, nur zu Besuch in die Heimat

zu kommen - sie bleiben; und wenn sie bei ihrer Heimkunft auch noch so fein und herrisch aussehen,

sie verbauern wieder. So mächtig ist der Bauernstand und so geachtet, daß jeder Handwerker es für eine

Ehre ansieht, ihm zu gleichen.“

1

2

Abbildungen

1 In der Zwischenkriegszeit werden zahlreiche Bauernhöfe umgebaut.

2 Betriebslizenz der Bauunternehmung Johann Plennert 1929

3 Baumeister Johann Plennert mit einer Helfermannschft beim Rohbau einer Villa

4 Wirtschaftsgebäude der Familie Billinger (548) mit Aufzug. Auf 3 Ebenen können Maschinenpark, Viehställe, Getreide

und Viehfutter untergebracht werden.

5 Der erste 6-scharige Pflug, gefertigt in Billed von Schmiedemeister Adam Wagner. Im Bild Adam Wagner mit-

Sohn, Geselle und Lehrbub im Sommer 1942.

6 Josef Scholz mit Familie und Lehrling Hans Hehn in seiner Wagnerei 1930 (543). Im Bild Bestandteile eines typischen

Billeder Pferdewagens, den es in den Ausführungen lang und kurz gab und der rot gestrichen war. Ein

Bauer hatte 2-3 davon.

7 Werbepostkarte der Reparaturwerkstätte von Johann Schwarz in den 1920er Jahren. Die Familien Schwarz besitzen

zuletzt 6 Dreschmaschinen und waren telefonisch erreichbar.

8 Vor dem Warenhaus der Familie Tenner als Billed zu Ungarn gehörte.

9 Neugässer Kleinhäusler-Gaststätte von Jakob Hahn (Nr. 691) in den 1920er Jahren

10 Mathias Muhl, auch Muhlspengler genannt, im Rentenalter 1965 bei der Fertigung einer Regenrinne im Hof

seines Anwesens (128). Der damaligen kommunistischen Planwirtschaft ist es mit ihrer Warenproduktion nicht

gelungen, die kleinen, selbständigen und daher politisch unerwünschten Handwerker brotlos zu machen. Handwerk

hat goldenen Boden!

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Ansichtskarten

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Abbildungen

1 Das „Hotel zum Trompeter“ noch vor 1914, hier war auch das Kasino untergebracht. Es wurde 1833 von den

Grundherren errichtet, die es nach 1848 an die Gemeinde verkauften. Das große Ein kehrgasthaus hieß im

Volksmund „Groß-Wertshaus“. Nach 1945 wurde es Kulturheim.

2 Die Kirchengasse in der Zeit der Donaumonarchie

3 Post und Telegrafenamt in den 1920er Jahren

4 Innenaufnahme der katholischen Kirche vor über 100 Jahren

5 Das Gemeindehaus 1907, als Billed und das Banat zu Ungarn gehörten

6 Die Hauptgasse (später Bahngasse) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1912

7 Am Bahnhof vor 100 Jahren.


Am Rande der Vaterländer

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Der Siedler - Gemälde des Banater Malers Franz Ferch (1900-1981) aus dem

Jahr 1939 zur Geschichte der Deutschen im Banat.

Mit seinen Arbeitspranken und einem unbändigen Willen hat der Siedler das unwirtliche Land urbar

gemacht und pflanzt sich sozusagen seine neue Heimat.

Donauschwaben nennt man deutsche Siedler im unteren Donauraum.

Das Banat war Kronkolonie, die Kolonisten waren nur dem Kaiser untertan, von Anfang an

bekamen sie eine Selbstverwaltung mit einem Gemeinderichter.

Die innen- und außenpolitischen Interessen der Habsburgermonarchie hatten jedoch erhebliche

Auswirkungen auf die weitere Geschichte und das Schicksal der Siedler. So wurde das Banat 1778

an das Königreich Ungarn abgetreten und die Komitatsverwaltung eingeführt. 1800 bekam das

Dorf als Grundherrn das Agramer Bistum, das von nun an sowohl das Steuerrecht

als auch die Gerichtsbarkeit ausüben durfte. Für die Verwaltung der Güter des Bistums im

Banat wurde in Billed das „Kastell“ (Foto links) gebaut, zu dem auch der Gerichts- und Gefängnisbau

und mehrere Wirtschaftsgebäude gehörten.

In der Schlacht von Temeswar 1849 wurde das ungarische Revolu tions heer besiegt. Die Ideen von

Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit bewegten aber auch die Banater Schwaben zum Handeln. Am

2. Oktober 1849 versammelten sich in Billed 128 Vertreter von 27 Banater Gemeinden und verfassten

eine Bittschrift an den Kaiser. Sie wollten mit den übrigen Nationen gleichberechtigt

sein, durch ein unmittelbares Oberhaupt nach dem Vorbild der Sachsengrafen. Die Petition

blieb ohne Folgen.

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Im November 1849 wurde das Kronland „Serbische Wojwodschaft und Temescher Banat“ gegründet,

das direkt Wien unterstellt war. Amts-, Geschäfts- und Schulsprache wurden wieder deutsch.

Aber nur für kurze Zeit. 1867 wurde das Banat erneut dem Königreich Ungarn zugeteilt.

Die darauf folgende Magyarisierung (nationalistische Ungarns) hatte

verheerende Folgen für die Identität der nationalen Minderheiten.

Abbildungen

1 Das „Herrschaftliche Kastell“, Sitz der Verwalter des Agramer Bistums in Billed

2 Die „Billeder Herrschaft“ 1910 im Hof vor dem Kastelleingang mit „Paradekutscher“ Adam Zimmermann (1869-

1925).

3 Familie Thöresz 1910: v.l.n.r. Katharina 1894-1952, Josef, Josef jun. (1898-1963), Katharina (geb. Reiter; 1875-

1941), Margaretha (1896-1976) in Billeder Tracht. In jener Zeit wurde in der Schule nur in ungarischer Sprache

unterrichtet, obwohl die überwiegende Mehrheit der Kinder Deutsche waren. Der Staat wollte aus ihnen Ungarn

machen.

4 Nationalitäten in Österreich-Ungarn 1911, ein politisches Pulverfass, das den 1. Weltkrieg auslöste. Nach einer

kurzen Besetzung durch die Serben, die bei ihrem Abzug ausgiebig plünderten, wurde das Banat durch den Friedensvertrag

von Trianon geteilt, Billed kam mit dem größeren östlichen Teil zum Königreich Rumänien.

5 Als die Billeder am 5. Juni 1924 das Kriegerdenkmal für die 124 Gefallenen des 1. Weltkrieges feierlich enthüllten,

waren sie schon seit rund 5 Jahren rumänische Staatsbürger.


Deutsches Erwachen in Großrumänien

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Es ist nicht beneidenswert, nationa le Minderheit zu sein, Probleme

können nicht ausbleiben. Ist die Minorität numerisch groß, weckt sie im Staatsvolk Bedrohungsängste

- eine kleine wird hingegen früher oder später total assimiliert.

Herrscht in der Minderheit Wohlstand, löst das Neid aus, eine arme fällt der Staatskasse zur Last. Hatte

eine Minderheit in der Vergangenheit ein schlechtes Verhältnis zum Staatsvolk, ist das Gift für Gegenwart

und Zukunft.

Der Wähler - Gemälde des Banater Malers Franz Ferch (1900-1981) aus dem

Jahr 1934 zur Geschichte der Deutschen im Banat.

Nach dem Wegfall der nationalen Unterdrückung durch den ungarischen Staat mahnt der Dichter

Karl von Möller: „Organisiert euch! Tut es, ehe es zu spät ist! Verkennt nicht die Lage! Laßt euch

nicht zu unseliger nationaler Trägheit bereden! Schüttet den Bann von euch ab! Stellt euer deutsches

Gefühl allen sonstigen Interessen voraus!“

Das 1918 entstandene „Groß-Rumänien“ besaß deutsche Volksgruppen (rund eine halbe Million) in

allen Landesteilen, die sich zu mehreren Parteien zusammenschlossen. 1935 entstand die „Deutsche

Volkspartei Rumäniens“ (DVR). 1937 wurden in Billed der letzte Parteitag der DVR abgehalten, es

kamen 8.000 Personen. Ab 1939 übernahm Berlin die Kontrolle über eine einzige, gleichgeschaltete

Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien.

Abbildungen

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1 Erntedankzug, Malerei von Stefan Jäger

2 1937 wurde in Billed der letzte Parteitag der „Deutschen Volkspartei Rumäniens“ abgehalten, es kamen 8.000

Personen. In Billed fand schon 1907 die Gründungsversammlung der früheren „Deutschen Volkspartei der ungarländischen

Krone“ statt und man konnte sich auf die Gastfreundschaft und das Organisationsgeschick der

Dorfbewohner verlassen.

3 Die Banatia-Schule, nach jahrzehntelanger Magya risierung der deutschsprachigen Bevölkerung im Banat 1926

in Temeswar eröffnet, wurde zur größten deutschen Bildungs- und Erziehungsstätte im Südosten Europas.

4 Volksschulklassen der Billeder Jahrgänge 1920-1921 mit Lehrer Henz, die durch Körpersprache Selbstbewusstsein

signalisieren. Sie werden nun in ihrer Muttersprache unterrichtet.

5 Die gleichgeschaltete „Deutsche Jugend“ Billed im Tanzsaal des „Groß-Wertshaus“ 1939

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Unternehmen von gestern

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Abbildungen

1 Jakob Buding mit seiner Frau, den Kindern und Enkelkindern 1896. Die Vorfahren der Budings, einer der erfolgreichsten

Banater Unternehmerfamilien, kamen aus Rieding bei Saarburg/Lothrin gen 1782 im 3. Schwabenzug

(1782-1787).

2 Werbeplakat vor über 100 Jahren auf Ungarisch, der damaligen Amtssprache, mit der Botschaft: Die Rebenveredlungsschule

Buding liefert Setzlinge an die Völker entlang der unteren Donau.

Adolf Buding hatte mit seinen Brüdern 500 Joch Feld bei Billed zu einem ansehnlichen Gut entwickelt: mit Ackerbau,

Weinbau, Rebschule bzw. Rebenveredlungsschule, Weinkellerei, Obst- und Rosenveredelung, Imkerei.

Viele Bewohner, in der Hochsaison Hunderte, der umliegenden Dörfer fanden auf dem Gut Arbeit, der Betrieb in

Billed lieferte jährlich bis zu 500.000 Stück auf gegen Reblaus widerstandsfähige nordamerikanische Wildlinge

veredelte europäische Reben von über 150 Wein- und Tafeltraubensorten ins In- und Ausland.

3 Die Ziegelei wurde 1905 von Ignaz Tenner gegründet und 1936 von Anton Sehi von Grund auf modernisiert und

erwies sich in der Folge, dank der regen Bautätigkeit, die im Banat herrschte, als recht ertragreich. Viele Männer

und Frauen fanden hier Arbeit, in der Sommersaison waren hier auch auswärtige Arbeitskräfte beschäftigt.

4 Wirtschaftsgebäude der Kollektivgenossenschaft, Kolchos genannt, gebaut in den 1960er Jahren. Viele der aus

der Kriegsgefangenschaft und aus den sowjetischen Arbeitslagern heimgekehrte Frauen und Männer sowie die

inzwischen herangewachsenen Jugendlichen fanden hier einen Arbeitsplatz.

5 1924 wurde die Billeder Hanffabrik, die erste im Banat, vom Schwäbischen Landwirtschaftsverein als eine Aktiengesellschaft

der Billeder Bauern und der Schwäbischen Handels- und Gewerbebank gegründet.

6 Das Sägewerk wurde am sogenannten Bahnspitz im Jahre 1922 von Johann Klein & Comp (Gergen) errichtet.

Es wurde 1929-30 mit eigenem Bahngleisanschluss und modernen Maschinen der Sägeindustrie ausgestattet.

1931 wurde es von den Brüdern Roman aufgekauft und beschäftigte 40 Arbeiter. Foto: Die Brüder Roman (2.

Reihe Mitte) mit den Arbeitern des Sägewerks 1936.

7 Vor dem Warenhaus der Familie Tenner. Postkarte von 1915 aus der Zeit der Donaumonarchie.


Vom Ökohaus zum Barockgiebel

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Die Siedlerhäuser waren alle gleich. Baumaterialien waren Lehm, Rohr und Holz aus der Umgebung.

Heute würde man die Bauweise als „ökologisch“ bezeichnen. Die Siedlerhäuser bekamen

zunächst ein zusätzliches Fenster, einen Hauseingang von der Gasse sowie einen vorge-

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mauerten Rundgiebel, der später spitz wurde, mit barocken Verzierungen.

Die meisten Bauernhäuser hatten klare Proportionen: Im Giebelfeld stand die Jahreszahl der Fertigstellung

und der Name der Bauherren. Der Wohlstand zwischen den beiden Weltkriegen verlockte

jedoch zum Neubau. Die Fassade, wie kein zweites architektonisches Element am ganzen

Haus, widerspiegelt nun viel prägnanter die Gesinnung und gesellschaftliche Stellung seines Erbauers

und auch seines Bauherrn. Neue Häuser wurden oft quer und häufig als Villen gebaut. Es

ergab sich ein Nebeneinander von verschiedenen Häusertypen.

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Abbildungen

1 Zeichnungen von Kolonistenhäusern im Wiener Hofkammerarchiv, wie sie in der theresianischen Zeit im Banat

errichtet wurden.

2 Das älteste Haus, „Die Burg“ in der Altgasse (538), aufgenommen im September 1964. Hier wohnte der erste

Dorfschulze, Caspar Hann aus Altrich, Kreis Wittlich.

3 Kolonistenhaus in einer Malerei von Franz Ferch

4 Haus der Familie Lenhardt (438)

5 Aufnahme von Billed aus dem Jahr 1993. Da in der kommunistischen Zeit im alten Dorfkern kaum gebaut wurde,

entspricht die Aufnahme in etwa dem Stand aus dem Jahr 1940. Ursprünglich gab es je 6 Siedlerhäuser auf 2

gegenüberliegenden Seiten der Quadrate.

6 Das banatschwäbische Dorf in Aquarellen von Stefan Jäger

7 Die Eheleute Peter und Maria Thöress (312) vor ihrem Haus mit ihren Söhnen in den 1930er Jahren

8 Großer Fototermin bei der Familie Slavik in der Altgasse (459) vor ihrer 1934 neu gebauten Villa

9 Bauernhäuser in der Hauptgasse in den 1970er Jahren

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Kleider machen Leute

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Die Gebräuche, betreffend Glauben und Volkstum, wurden von den Kolonisten aus der Urheimat

von Rhein, Mosel, Saar, Sauer usw. mit in ihre neue Heimat gebracht und stets gehegt und gepflegt.

Die Siedler trugen die Kleidung ihrer Zeit und die ihres jeweiligen Heimatlandes. Es entwickelte

sich ein einheitlicher Kleidertyp, der den Donauschwaben inmitten der Ethnien ein unverwechselbares

Erkennungsmerkmal verlieh, während verschiedene Details für Regionen und Orte charakteristisch

waren, wie z. B. auch für die Billeder Dorftracht.

Aufwendig sind die Mädchen- und Frauen trachten. Es sind weiße, fein plissierte Oberröcke, darunter

3 gestärkte Leinenunterröcke mit Spitzen, darüber eine schwarze Schürze mit Spitzen, oben

eine weiße Bluse und ein schwarzes Leibchen. Den Blickfang bildet das „Anhaltstuch“ oder Schultertuch

aus Seide. Typisch für die Haartracht der Billeder Frauen war ein fest geflochtener Zopf,

der vom Hinterhaupt gefaltet über den Kopf bis zur Stirnhaargrenze gelegt mit einem Zierkamm

befestigt wird.

In einem monografischen Dokument von 1860 heißt es: „...eine enge Stiefelhose und ein Janker

mit Schnüren verziert, von blauen oder schwarzen Tuch, hohe Stiefel und ein runder schwarzer

Hut von Filz. Im Sommer an Werkettagen werden blos Hemd und Gattien getragen und im Winter

bei sehr strenger Kälte wird ein Schafbunda umgehängt. Dies ist die Tracht der Männer.

Die Weiber und Mädchen entfalten in ihrer Kleidung einen gewissen Luxus an Sonn- und Feiertagen

und bei feierlichen Gelegenheiten. Die an Werktagen getragenen Kopftücher, Spenzer und

Röcke aus Zeug werden mit seidenen vertauscht. Der Unterschied in der Kleidung zwischen den

verheiratheten und ledigen weiblichen Geschlechts besteht blos darin, daß die letzteren kein Kopftuch

tragen und zu ihrer Kleidung grellere Farben wählen.“

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Abbildungen

1 Kindtaufe, Malerei von Stefan Jäger

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2 Helene Szlavik (243) mit 17 in Billeder Festtagstracht, handkolorierte Fotografie im Jahr 1928

3 Die Familie Gängler in Sonntagstracht im Jahr 1907

4 Die Bauernfamilie Muttar 1903: Anna Muttar (geb. Glasz, 1875-1907. ), Jakob Muttar (1900-1991), Susanna Muttar

(1896-1983) und Jakob Muttar (1869-1939)

5 Die Bauernfamilie Muttar 1927: Elisabeth Muttar (geb. Krogloth 1894-1974), Elisabetha (1927-1982), Adam Muttar

(1924-1948) und Jakob Muttar (1900-1991)

6 Hochzeitsgesellschaft Anfang der 1920er Jahre. Die verheirateten Frauen, links, tragen Kopftücher und Tracht,

ihre Kinder schon modische Kleider. Die unverheirateten Mädchen, rechts, werden in einigen Jahren auch zur

modischen Kleiderordnung übergehen.

7 Der Kirchenchor, „Singmädchen“ genannt, 1930 mit Lehrer Henz. In den 1930er Jahren kleiden die Jugendlichen

sich modisch. Im Alter werden sie die dunklen Trachten ihrer Groß eltern tragen.

8 Unverheiratete Mädchen, auch „große Mädchen“genannt, 1936 in modischer Kleidung: v.l. Barbara Reichel, Maria

Plennert, Barbara Neumann, Maria Schortje, Elisabeth Bojar und Maria Klein.

9 Foto von Johann Keller aus den USA anlässlich seines Billedbesuches 1963 mit seinen Verwandten und ehemaligen

Nachbarn. Die Frauen tragen die dunklen Kleider der Trauer.


Fotos

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Abbildungen

1 Das bäuerliche Ehepaar Friedrich (1876-1962) und Anna (geb. Uitz 1883-1962) Gilde

2 Mathias Hirsch, geboren 1883, mit seinen Eltern Mathias und Margarethe Hirsch und seiner Schwester Susanne.

Mathias Hirsch war mit Kapellmeister Schilzonys Kapellen 1893 und 1899-1901 als Musiker auf Amerika-

Tournee. Er wurde Berufsmusiker und blieb für immer in den USA.

3 Die Eheleute Johann und Katharina Lahni (459) in Billeder Dorftracht vor über 100 Jahren

4 Billeder Intellektuelle in den 1930er Jahren auf dem Tennisplatz vor dem Bahnhof

5 Slavik Maria, geb. 1899 im Jahr 1917.


Die Kirchweih vom Rhein

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Ein monografisches Dokument aus dem Jahr 1860 vermerkt: „Unter den Vergnügungen stand das

Fest der Kirchweihe, eine Erinnerung an den Tag, wo die Kirche eingeweiht wurde, nemlich der

Sonntag nach dem Tage des Hl. Michael oben an ...

Den Tag vor der Kirchweihe am Samstage wurde ein Umzug mit Musik gehalten, wo ein jeder Bursche

von einem Mädchen ein Band und ein Strauß auf den Hut geheftet wurde, welcher dann der

erwählte Tänzer derselben war.

Den anderen Tag wurde vor der Kirche ein hoher Maibaum aufgestellt, an dessen Spitze ein Hut

und ein Tuch befestiget waren. Diese beiden Gegenstände wurden nach der nachmittägigen Vesper

verlizitirt, wo eine große Summe von Nummern gezogen wurden.

Auch der Vorstrauß wurde zu dieser Zeit verlizitirt, wo oft sehr hohe Beträge gebothen wurden,

und der höchstbiethende der Glückliche war, die drei Tage des Kirchweihfestes der Vortänzer zu

sein. Alle diese Licitationen hatten keinen anderen Zweck und Bedeutung, als soviel als möglich

Geld zur Bestreitung der Kosten aufzutreiben. Es wurde im Hofe eines Hauses ein großes Zelt aufgestellt,

wo getanzt wurde.

Durch volle drei Tage, und in alten Zeiten noch mehr, wurden Umzüge

mit Musik gehalten, gejubelt, getanzt, gegessen und getrunken. ...“

Abbildungen

1 Das älteste bekannte Kirchweihbild aus dem Jahr 1903

2 Gruppenbild mit den „Alten Musikanten“ bei der Vortänzerin Anfang der 30er Jahren. Es war üblich, dass jeweils

3 Paare beim Festessen zusammen speisten, bevor es wieder zum Festgeschehen ging.

3 Zweites Kirchweihfest in der Nachkriegszeit 1957 im „Steffi-Kino“ in modischer Kleidung. Erst in den 70er Jahren

wurden wieder Trachten getragen.

4 Kirchweihumzug 1977

5 Gruppenbild der Kirchweihgesellschaft in den 1980er Jahren

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6 Kirchweihumzug in der Hauptgasse in den 1980er Jahren

7 Kirchweih in den 1980er Jahren: Festgottesdienst, Umzug, Einmarsch im Kulturheim.


Schwabenball im Winter

Nach der totalitären, stalinistischen Herrschaft in Rumänien in den 40er und 50er Jahren folgte

eine politisch und kulturell relativ liberale Entspannungsperiode, die als Tauwetter bezeichnet wird.

Politisch war nun die Folklore der mitwohnenden Nationalitäten erwünscht. So

kamen auch in Billed 1970-1972 Trachtenbälle in Anlehnung an die Schwabenbälle der 1930er

Jahre zustande.

In den späteren 1970er Jahren setzte sich jedoch die nationalkommunistische, neostalinistische

Diktatur Nicolae Ceaușescus durch.

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Abbildungen

1 Trachtenumzug bei Neuschnee 1970 mit insgesamt 53 Trachtenpaaren in der Hauptgasse am Gemeindehaus.

2 Trachtenumzug 1971 mit 48 Trachtenpaaren durch die Billeder Hauptgasse. Nikolaus und Katharina Thöress mit

Kirchweihstrauß an der Spitze.

3 Schwabenball 1972 der erwachsenen Männer und Frauen mit insgesamt 30 Trachtenpaaren im Hof des Kulturheimes.

Im Bild die Rückenansicht der dunklen Billeder Frauentracht aus der Zeit vor etwa 100 Jahren, Schurak

genannt, inmitten von bunten Kirchweihtrachten.

4 Gruppenbild der Frauen beim Schwabenball 1971 mit 48 Trachtenpaaren

5 Gruppenbild der Männer beim Schwabenball 1971 im Hof des Kulturheimes

6 Schwabenball der Bauern 1935 im „Groß-Wertshaus“. Veranstaltugen und Feste wurden bis Ende der 30er Jahre

nach sozialer Schichtung in unterschiedlichen Gasthäusern abgehalten.


Saure Wochen, frohe Feste

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„Es ging ein Aufatmen durch die dreitausendköpfige Gemeinde vor dem Schnitt. Alle Frühsommerarbeit

war getan, die Kartoffeln und der Kukuruz waren gehäufelt, die Weingärten aufgebunden,

die Brache gepflügt. Man schnaufte aus und konnte Kräfte sammeln für die größte Arbeit des

Jahres, die freudigste und schwerste zugleich. Aber die Jugend bedurfte dessen nicht, sie wollte

den Sonntag vor Peter und Paul freihaben für ein Tänzchen im

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Großen Wirtshaus...“

aus Adam Müller-Guttenbrunn: Meister Jakob und seine Kinder.

Abbildungen

1 Sonntagsausgang, Malerei von Stefan Jäger

2 Eröffnung der Gaststätte von Emmerich Vastag „Zum grünen Kranz“ ca. 1935. Im Vordergrund Kapellmeister

Peter Gutekunst mit seiner Knabenkapelle. In der Gaststätte trafen sich die kleinen Leute, die Bauern feierten

meistens im „Groß Wertshaus“.

3 Franz Slavik (mit Weinflasche) mit Ehegattin Maria (mit Kuchen teller) und Sohn Franz (unter den Kindern in der

Mitte) besuchen mit ihrem CITROEN B2 seine Eltern, rechts im Bild, in der Viertgasse (113). Mit dabei sind Verwandte

und Nachbarn. Auf dem Schild vor den Kindern steht „Prosit auf Amerika“. Das Foto ist ein Gruß an nahestehende

Landsleute, die damals in großer Anzahl eine Amerikareise auf sich genommen hatten, um sich mit

dem dort verdienten Geld in der Heimat eine nachhaltige Existenz aufzubauen.

4 Faschingsgesellschaft der Neugässer und Altgässer 1936. Die Veranstaltung nannte man „Letscht Fasching“. Es

wurde sonntags, montags und dienstags von mittags bis zum frühen Morgen getanzt.

5 Zusammenkunft befreundeter Billeder vor dem Kastell der Familie Petö 1928 anlässlich eines Schwabenballs im

„Groß-Wertshaus“.

6 Auf dem Weg zur kirchlichen Trauung bei der Hochzeitsfeier von Franz Slavik und Maria Lahni im Sommer 1930

im Hof der Braut (459). Braut und Bräutigam werden von nahen Verwandten zum Altar geführt.

7 „Eckenball“ (Nachbarschaftsball) im Winter 1933 in der „Vertgass“ (Viertgasse) beim Tischlermeister Andreas

Klein (165). Den Vorstrauß ersteigerten Anna und Jakob Hubert, sie sind zu Besuch aus den USA.

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Freizeit und Geselligkeit in der Gemeinschaft

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18 Vereine

in der Zwischenkriegszeit

• Leichenbestattungsverein

• Bauernverein

• Leseverein

• Sängerbund

• Männergesangsverein

• Deutsch-Katholischer Ju gendverein und

Mädchenkranz

• Freiwillige Feuerwehr

• Gewerbeverein

• Gewerbekorperation

• Kriegerverein

• Bürgerklub

• Katholisch-Deutscher Frauenverein

• Banater-Deutscher Frauenverein

• Gesellenverein

• Jägerverein

• Sportverein

• Reiterverein

• Deutscher Jugendbund Rumäniens

Abbildungen

1 „Kartenpartie“, Aquarell von Stefan Jäger. Eine der ältesten

Geselligkeiten seit der Ansiedlung kann die sonntägliche,

nachbarschaftliche Kartenpar tie gewesen sein. Es gibt sie

noch heute im Forum (Heimathaus) der Billeder Deutschen.

2 Aufnahme ca. 1935. 107 Frauen des „Katholisch Deutschen

Frauenvereines“. Noch nie zuvor und auch nicht nachher

wurde im Dorf ein Bild mit so vielen Frauen gemacht. Vorne

Mitte: Kaplan J. Wild und Lehrerin Frau Szimits Elisabeth,

die Tochter des Banater Dichters Johann Szimits, den man

„Lerche der Banater Heide“ genannt hat.

3 Schleifenweihe für die Vereinsfahne des Billeder Sängerbundes

vor dem Haus von Johann Braun 1902, das älteste

bekannte Foto aus dem Vereinsleben.

4 Der Männergesangsverein mit der Vereinsfahne 1904

5 Gruppenbild nach dem Gesellenball 1937 der Handels- und

Gewerbegehilfen mit den „Kleinen Musikanten“ im Hof der

Familie Klein (234).

6 Nachbarschaftstreff der Kinder und Alten auf der Sauerländer

Hutweide vor dem Haus Nr. 8 in den 1930er Jahren.

7 Die Zuschauer beim „Fetzeballe“-Spiel im Jahr 1934 zwischen

„Altgass“ und „Zwetgass“.

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Mit Blaskapelle vor allerhöchster Stelle. Billeder Ländler in Amerika

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Lambert Steiner, 1837 in Billed geboren, Musiker, Komponist und Kapellmeister,

gründete zahlreiche Blaskapellen, vor allem Knabenkapellen, in mehreren banatschwäbischen

Gemeinden. Tourneen und Konzerte: 1873 Deutschland, Russland und USA, 1876 Schweden, 1877 spielte

er in Bad Ems vor dem deutschen Kaiser Wilhelm I, 1879 Ständchen für Kaiser Franz Josef I, 1880-

1890 Sommergastspiele in London, 1903 Konzertreise nach Südafrika u.a.

Als erster Kapellmeister der Welt konzertierte er mit seinen Knabenkapellen auf drei Kontinenten, was

ihm einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde einbrachte.

Michael Nussbaum 1866 in Billed geboren, war als Kapellmeister von

Knabenkapellen 3 Mal auf Amerikatournee. Durch Agenturen wurden sie in Husarenuniformen als Magyaren

vermarktet. Vor allem Handwerker- und Kleinhäuslerfamilien aus der Neugasse lassen ihre Kinder

ein Musikinstrument lernen, damit die sich später ein Zubrot verdienen können.

Nikolaus Schilzonyi, 1872 in Billed geboren, muss sehr begabt gewesen

sein. Über ihn schreibt die San Francisco Call am 17. Oktober 1897, dass er schon im Alter von 10 Jahren

in Billed eine Kapelle dirigierte, mit 13 Jahren eine Militärkapelle leitete und von Kaiser Franz Josef gelobt

worden sei.

Steiners Vater war Schuster und Messner in Billed, Schilzonyi und Nussbaum waren Kinder von Kleinhäuslern

(Kleinhäusler sind Landarbeiter ohne Ackerboden, die sich diesen daher von Bauern pachten).

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Abbildungen

1 Lambert Steiner mit einer Knabenkapelle auf Tournee in Schweden

2 Michael Nussbaum, Bildmitte, 1866 in Billed geboren, als Kapellmeister einer Knabenkapelle in Husarenuniform

1893-1896 auf Amerikatournee. Hinten in der Mitte Nikolaus Schilzonyi, der später mit einer eigenen Knabenkapelle

auf Tournee gehen wird.

3 Kapellmeister Nikolaus Schilzonyi mit einer Knabenkapelle im Banat

4 Tournee-Termine der Knabenkapelle unter Lambert Steiner in den USA im „New York Dramatic Mirror“ vom 14

November 1891.

5 Lambert Steiner mit einer Knabenkapelle auf Südafrika-Tournee 1903. Die Australientournee wurde abgebrochen,

da die Eltern ihre Kinder zurück wollten.

6 Lambert Steiner in der Bildmitte im Alter von 71 Jahren mit einer Knabenkapelle in London 1906.

7 Repertoire der Knabenkapelle unter Lambert Steiner in London 1906.

8 Michael Nussbaum (1866-1911) und seine Notenschrift. Er starb an einer Lungenentzündung, die er sich auf der

Schiffsreise zugezogen hatte.

9 Zweimal Billeder Ländler in den USA. Die Library of Congress, eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt,

führt in ihrer Medienbibliothek unter dem Plattenlabel „Victor Records“ eine Tonaufzeichnung von Mathias Steiner

und seiner Kapelle mit dem Titel „Billedler Ländler“. Mathias Steiner wurde 1878 in Billed geboren und übersiedelte

1903 nach Pittsburg in den USA. 1924, als die Platte aufgenommen wurde, ist er Kapellmeister der

„Schwäbischen Kapelle von Chicago“.

Ein weiterer „Billeder Ländler“ der „Banater Husarenkapelle“, auch bei Victors aufgezeichnet, kommt mit völlig

anderer Melodie.

10 Plakat der „Hungarian Boys Military Band“ unter Kapellmeister Nikolaus Schilzonyi auf großer Amerikatournee

1899-1901. Die 9-11 Jährigen konzertierten u. a. im Empire Theater in Cleveland, in den Operhäusern in New

York und Claverville, in der Grand Oper von Syracuse und auf der Heimreise im Opernhaus in Amsterdam.


Musikanten und Entertainer in der Zwischen- und Nachkriegszeit

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Abbildungen

1 Die „Alten Musikanten“ nannte man die erwachsenen ehemaligen Mitglieder der legendären Knabenkapelle, die

1893 als Kinder auf einer mehrjährigen Konzertreise in den Amerika waren. Auf dem Bild aus dem Jahr 1926 die

„Alten Musikanten“ mit Rekruten des Jahrganges 1906.

2 Kapellmeister Gutekunst gründete 1929 die erste Knabenkapelle nach dem 1. Weltkrieg, aus der später 2 Kapellen

hervorgingen. Sie trugen jetzt keine Husarenuniformen mehr. Hans Reichel spielte mit seiner Kapelle im

Gasthaus Duckarm und die Kapelle Schortje in der Neugasse, im Gasthaus Vastag. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges

lösten sich beide Kapellen auf.

3 Die Blaskapelle unter Kapellmeister Josef Schortje mit Rekruten 1935. Es gab 2 Blaskapellen im Dorf, daher

konnten 2 verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden.

4 Michael Braun mit einer Tanzmusik-Kapelle im Sehi-Wirtshaus 1949

5 Hans Mumper (rechts) mit Tanzmusik-Kapelle. v.l.n.r. Hans Weber, Josef Thöress, Peter Kilzer und Hans Mumper.

In den 60er Jahren wird die Tanzunterhaltung zunehmend von der sogenannten „Streich“ mit modischen

Schlagern gestaltet. Die Blaskapelle spielte vorrangig die Marsch- und Straßenmusik bei Umzügen, blieb aber

weiterhin uneingeschränkt beliebt.

6 „Spritzpause“ der Blaskapelle anlässlich einer Hochzeitsfeier Anfang der 80er Jahre. Auf dem Tisch der Hochzeitswein

und Sodawasser, Schnaps in der kleineren Flasche. Die Person mit der weißen Schürze im Hintergrund

war als „Leibkellner“ der Blaskapelle abgestellt. Hochzeitsgäste und Musikanten trugen einen Rosmarinzweig

mit Schleife auf dem linken Kragenaufschlag.

7 Die „Heide-Schwaben“ 1982 anlässlich der Minikirchweih in Perjamonsch unter der Leitung von Kapellmeister

Jakob Rieder. Sie genießen nicht nur in Billed, sondern, wie es ihr Name schon ankündigt, auf der ganzen Heide

einen guten Ruf.

8 Tanzunterhaltung mit „Luceafărul“ im Billeder Kulturheim in den 70er Jahren. Die Popmusik-Band aus Billed erreichte

beim Landeswettbewerb in ihrer Sparte einen sensationellen 1. Platz. 1980 gelang den Stammspielern

die Flucht in die BRD.


Wo man singt, dort singe mit ...

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13

Abbildungen

1 Billeder Männergesangsverein und gemischter Chor 1936.

Nach dem Beitritt zum Sängerbund, Dachverband aller deutschen

Chöre im Banat, nannte sich der Chor „Billeder Sängerbund“.

2 Der Kirchenchor, „Singmädchen“ genannt, 1930 mit Lehrer

Henz.

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3 Der Kirchenchor in den 1980er Jahren vor dem Hauptaltar in

der Billeder Kirche.

4 Kapellmeister Michael Braun mit seiner Billeder Jugendblaskapelle

1950. Sie hatten den 1. Platz beim Regionalwettbewerb

der Jugendblaskapellen erreicht und sollten zur Landesfinale

nach Bukarest.

Es kam jedoch anders: Viele Billeder wurden erneut für 5 Jahre

deportiert, diesmal in die Baragansteppe, darunter auch

die Familie Michael Braun.

5 Kapellmeister Michael Braun mit seiner Schülerkapelle 1977.

Während früher mehrheitlich Handwerker und Kleinhäusler

ihren Kindern Musikunterricht ermöglichten, wurde in der

Nachkriegszeit fast in jedem Haus ein Musikinstrument geübt.

Insbesonders war das Akkordeonspielen modisch, sozusagen

als Hausmusik.

6 Die Hochzeitsfeier ging bis in den frühen Morgen. Wenn es besonders

schön war, wurde, statt nach Hause zu gehen, noch

einer drauf gesetzt (1965). Die Musikanten waren gleichzeitig

Entertainer.

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7 Hans Mumper (links mit Akkordeon) und Kapelle bei einer

Hochzeitsfeier in den 60er Jahren im Gasthaus Nothum.

Die Musikanten der Tanzmusikkapellen in den 60er und 70er

Jahren spielten oft ohne Noten, sozusagen „nach dem Ohr“.

Einige von ihnen hatten ein absolutes Gehör.

8 Hans Lind mit Akkordeon, Nikolaus Büchler, Hans Engrich

und Joschka Vastag auf der Bühne im Billeder Kulturheim in

den 60er Jahren. Sie spielen zum Tanz, gesungen wurde damals

ohne Mikrofon und Verstärkeranlage.

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9 Der Chor der Banater Schwaben Karlsruhe 1998 anlässlich

seines 15-jährigen Bestehens mit 74 aktiven Mitgliedern unter

der Leitung von Hannelore Slavik

10 Irmgard Holzinger-Fröhr & Melitta Giel (links) mit dem Chor

der Banater Schwaben Karlsruhe beim Festgottesdienst anlässlich

des Billeder Heimattreffens 2011.

11 CD „Glocken der Heimat“ mit 7 beliebten Kirchenliedern, aufgenommen

am Pfingstmontag 1999 in Karlsruhe-Neureut.

Chorleitung: Hannelore Slavik; Orgel, Klaviersolo: Doris Slavik;

Solisten: Irmgard Holzinger-Fröhr, Susanne Ballmann,

Elisabeth Rieder, Maria Muhl, Johann Sieber-Brach; Organisation:

Peter Krier.

8

12 Die CD 2 der Blasmusikkapelle. Nach der CD 1 „Heimatklänge“

eine neue Einspielung mit ausgesuchten Musikstücken

aus dem Repertoire der alten Billeder Blechblaskapellen.

Die CD 2 der Blasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen hatte

ihre Premiere beim Heimattag 2011.

Die CD2 wurde auch im SWR4, in der Sendereihe „Musik aus

dem Land“, vorgestellt.

13 Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Ried im Innkreis für Johann

Mathis. Johann Mathis, 1938 in Billed geboren, fand in

Ried im Innkreis eine neue Heimat.

1964 gelang ihm mit der Komposition „Abschied von der Mutter“

- sein erster großer Erfolg. Das Lied war jahrelang in den

„Wunschkonzerten“ des ORF und wird im Osten Österreichs

auf allen Hochzeiten als „Volkslied“ gespielt.

Die Kastelruther Spatzen gewinnen 1990 den „Grand Prix der

Volksmusik“ und ein Lied von Johann Mathis ist drauf: „Die

Frau von einem Musikant“. Es wurden über eine Million CD

verkauft.

Bisher sind von Johann Mathis rund 1.300 Titel auf LP/MC/CD

erschienen. Auch dasBilled-Lied“ wurde von Johann Mathis

komponiert.


Feuer und Tod

1 2

1927 wird die freiwillige Feuerwehr gegründet, ein Jahr später zählte

der Verein 40 Feuerwehrmänner. 1930 bildete sich ein Feuerwehrorchester.

Die Kollektivwirtschaft finanzierte zunächst eine fahrbare Motorspritze und stellte 1958 auch die Bauabteilung

unter Peter Plennert zum Errichten einer neuen Feuerwehrremise. Durch staatliche Zuwendungen

kam 1957 ein Feuerlöschwagen in die Gemeinde und im Juli 1971 wurde der Billeder Feuerwehr ein Großraumlöschauto

der Marke ZIS zugeteilt. 1975 bekam die Mannschaft Schutzkleidung und neue Schutzhelme.

Zubehör verschaffte man sich auch mit dem Geld, das durch Veranstaltungen, Kulturprogramme, Laientheater,

musikalische Darbietungen, Tombola und auch durch freiwillige Spenden einkam. Seit 1975 besteht der Verein zur

Unterstützung der Feuerwehr mit 55 Mitgliedern, die monatlich einen Beitrag in die Vereinskasse entrichten.

Abbildungen

1 Feuerwehrkommandant Peter Divo mit einer Spritzenmannschaft 1934

2 Die Feuerwehrremise mit den beiden Löschfahrzeugen 1993

3 Um auch theoretische Kenntnisse zu vermitteln, gründete und redigierte Peter Divo in den Jahren 1935-1937

eine Feuerwehrzeitung, das erste und einzige deutsche Fachblatt für Feuerwehrwesen in Rumänien.

4 Die Urkunde für den 1. Platz der Billeder im Wettstreit der Freiwilligen Feuerwehren auf Landesebene

5 Pokalpodest im Feuerwehrheim 1993 mit zahlreichen bei Wettkämpfen gewonnenen Auszeichnungen

6 Defilieren der Billeder Feuerwehr mit ihrer Blaskapelle 1959 in der Bahngasse vor der Tribüne der Ehrengäste

am Kulturheim

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Abb. oben: Wagen und Totengräber des Bestattungsvereins 1985. 1887

gegründet, hatte er die Aufgabe, alle Verstorbenen würdig zu bestatten. Er entstand aus der Erkenntnis,

dass Mittellose durch Beerdigungskosten schnell in eine finanzielle Notlage kommen konnten und ist heute

noch aktiv.

Abb. unten: Begräbnis Katharina Steuer (1902-1965). Die Trauerfeier fand im Hof der Verstorbenen statt.


Vom „Fetzeballe“ zum „Pipatschpokal“

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Fetzeballe wurde ein dem amerikanischen Baseball ähnliches Mannschaftspiel genannt, von Amerikareisenden

mitgebracht, das zwischen Gassen in den 1930er Jahren ausgetragen wurde.

1929 wurde der Billeder Tennisclub gegründet. Der Tennisplatz

befand sich im Park, gegenüber dem Bahnhofsgebäude, seine Mitglieder waren bürgerliche Intellektuelle,

sie wurden im Dorf „Herrische“ genannt.

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Handball wird in Billed seit 1938 mit kurzen Unterbrechungen gespielt. Am erfolgreichsten

waren die Mannschaften der 70er und 80er Jahre, die in der Kreismeisterschaft stets einen

Platz unter den ersten sechs Teams belegten. Die Mannschaften qualifizierten sich auch immer

für die Endrunde des von der Neuen Banater Zeitung gestifteten Pipatsch-Pokal. Mittlerweile wird

dieses bedeutende, Tradition gewordene, regionale Handballturnier häufig in Billed ausgetragen.

Abbildungen

1 Fetzeballe im Jahr 1934 zwischen „Altgass un Zwetgass“.

2 Tennisplatz am Bahnhofsgelände, auf dem sich die „Herrischen“ ihre Freizeit vertrieben.

3 Mitglieder des Billeder Tennisclubs 1930

4 Die erste Fußballmannschaft von Billed 1928. In der Mitte des Bildes befindet sich der im ganzen Banat bekannte

Billeder Schiedsrichter Alexander Schrottmann. Links von ihm Johann Ballman und rechts von ihm Nikolaus Mann,

die beiden Mitbegründer des Billeder Fußballvereins.

5 Die zweite und dritte Generation der Billeder Fußballgeschichte

6 Billeder Handballmannschaft der 70er und 80er Jahre

7 Billeder Handballmannschaft der 70er und 80er Jahre

8 1962, Aufnahme anlässlich einer Fussball-Begegnung der Billeder „Aktiven“ gegen „Oldboys“

9 Handballmannschaft der Lyzealschülerinnen 1969 mit Direktor Jivan


Deutsch - ungarisch - rumänisch

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Braun-Schule 1949

Alte Schule 1798/1847

Neue Schule 1967

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Kindergarten 1892

Die von Maria Theresia erlassene allgemeine Schulpflicht wurde in Billed mit der Dorfgründung

eingeführt. Bis zum Bau der Schule im Jahre 1798 fand der Unterricht in einem Kolonistenhaus

in der Altgasse statt (heute Nr. 473). Die „Alte Schule“ wurde 1847 fertiggestellt. 1892 lernten hier

851 Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion.

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Da durch den Anstieg rumänischer Zusiedler nach dem 2. Weltkrieg die „Alte Schule“ nicht mehr

ausreichte, kam die deutsche Schule in ein Privathaus, bekannt als „Braun-Schule“. 1967 kommt

ein weiteres durch freiwillige Leistungen der Billeder errichtetes einstöckiges Gebäude, die „Neue

Schule“, hinzu.

Ungarisch wurde 1831 als Amts- und Geschäftssprache im Banat verordnet. 1879 und 1883 verabschiedete

das ungarische Parlament Schulgesetze, die den verpflichtenden Gebrauch der ungarischen

Unterrichtssprache verlangten. In Billed wurde nach der Umwandlung der konfessionellen

in eine Gemeindeschule schon ab 1870 in ungarischer Sprache unterrichtet.

Beim Anschluss des Banates an Rumänien ist den Deutschen Kultur- und Schulautonomie versprochen

worden. Tatsächlich wurde aber in mehreren Fächern in rumänischer Sprache unterrichtet.

Erst 1941, mit der Übernahme der Schulen durch die Volksgruppe, wurde in deutscher Sprache

unterrichtet.

Mit der Schulreform 1949 wurden alle Schulen verstaatlicht und

den nationalen Minderheiten des Landes der Unterricht in ihrer Muttersprache gesetzlich gesichert.

Rumänien war das einzige Land in Osteuropa, in dem in der Nachkriegszeit in deutscher

Sprache unterrichtet wurde.

Zwischen 1963 und 1972 gab es ein theoretisches Lyzeum mit den Klassen 9-12 in rumänischer

Sprache. Durch den Exodus der Billeder Deutschen gab es 2004 nur noch eine einzige Klasse, in

der die Schüler der Klassen 1-4 simultan unterrichtet wurden.

Abbildungen

1 Die „Alte Schule“, 1798 gebaut und 1847 erweitert. Höchststand war 1892 mit 851 Kindern.

2 Kindergarten und Schulgebäude

3 Der Kindergarten mit 3-6-Jährigen mit Leiterin Barbara Rieder in den 1920er Jahren. Er wurde 1892 errichtet,

war verpflichtend und wurde „Spielschule“ genannt.

4 Jahrgang 1910 in der 4. Klasse mit Lehrer Johann Rieder im Jahr 1921.

5 Jahrgang 1927 in der 2. Klasse mit Lehrer Franz Höckl im Jahr 1936

6 Am ersten Schultag 1963 werden von Maria Roman und Margarethe Weber die schulpflichtigen Kinder der Lehrerin

der 1. Klasse Magdalene Bojar übergeben und zur Schule geleitet.

7 Letzter Schultag der 4. Klasse im Juni 1960 mit Lehrerin Anna Divo

8 Jahrgang 1955 in der 7. Klasse im Schuljahr 1968-1969 mit Klassenlehrerin Elvira Slavik

9 Abschlussfoto der 8. Klasse der deutschen Abteilung der Allgemeinschule des Jhg. 1954

10 Der Lehrerkader der Allgemeinschule und des Lyzeums in den 1960er Jahren.

11 Lehrer und Professoren der Billeder Schule in den 1970er Jahren

12 Die 1967 durch freiwillige Leistungen der Billeder gebaute „Neue Schule“ aufgenommen 1993


In den Krieg fürs Mutterland

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Zwischen dem Deutschen Reich und dem ihm verbündeten Rumänien kommt es im Mai 1943 zu einem

zwischenstaatlichen Abkommen betreffend der Einreihung rumänischer Staatsbürger volksdeutscher

Zugehörigkeit in das deutsche Heer, in Billed waren es 196 Mann.

Auch bereits in der rumänischen Armee dienende Volksdeutsche konnten übertreten. Insgesamt

waren 396 Billeder beim Deutschen Heer.

Im August 1944 wechselt Rumänien die Fronten auf die Seite der Alliierten. Die schwere Entscheidung

- flüchten oder bleiben - musste innerhalb weniger Stunden

getroffen werden. 142 Personen flüchteten, die große Mehrheit ist geblieben. Sie hatten keine

Ahnung, was ihnen bevorstand.

Nach 3 Wochen erbitterter Kämpfe wurde Billed am 12. Oktober 1944 von der Roten Armee besetzt.

Insgesamt sind bei den Kämpfen um Billed 23 deutsche Soldaten gefallen. Vier sind auf dem

Neugässer Friedhof beerdigt.

Auf den Fluren blieb ein Teil der vielen gefallenen Sowjetsoldaten. Rund 100 wurden in zwei Massengräbern

auf dem Sauer länder Friedhof bestattet und später in eine zentrale Gedenkstätte in

Perjamosch umgebettet.

237 Billeder, Angehörige der rumänischen und deutschen Streitkräfte, sind nach dem 2. Weltkrieg

nicht mehr zurückgekehrt. 104 sind gefallen und 133 sind nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft

im Westen geblieben, da sie in Rumänien verfolgt wurden.

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Abbildungen

1 Billeder Gemusterte beim Abschied am frühen Morgen des 10. Juli 1943.

2 Abschied auf dem Hatzfelder Bahnhof. Hier wurden die zwischen 17 und 35 Jahre alten Gemusterten der Waffen-

SS übergeben und nach Wien zur Grundausbildung transportiert.

3 Gruppenbild mit 46 Billedern nach ihrer Grundausbildung. Sie hatten keinen Einfluss auf die Einweisung in die

Waffen-SS oder Wehrmacht. Den weiteren Verlauf des Krieges erlebten sie zum Teil im Einsatz an der Ostfront,

zum Teil in den Partisanen- und Abwehrkämpfen auf dem Balkan in der Division „Prinz Eugen“.

4 Kranzniederlegung des Jahrgangs 1927 für die ersten Gefallenen.

5 Requiem für Geisz Peter, einer der ersten Gefallenen aus Billed

6 Die schwere Entscheidung - flüchten oder bleiben - musste im Herbst 1944 innerhalb weniger Stunden getroffen

werden. Die große Mehrheit der Billeder ist geblieben.

7 Grabstein 2 gefallener Soldaten auf dem Neugässer Friedhof

8 Der Sowjetstern auf dem Obelisk der großen Grabanlage der sowjetischen Gefallenen in Perjamosch wurde

durch ein Kreuz ersetzt.

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Zwangsarbeit in der Sowjetunion

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Von 1945-1949 wurden rund 75.000 Rumäniendeutsche, Frauen zwischen 17-30 Jahren und Männer

zwischen 16-45, in die Sowjetunion zu Zwangsarbeiten als Reparation für die Zerstörungen des

2. Weltkriegs, verschleppt. Während der „Aushebung“ wurde das Dorf vom Militär umzingelt.

Aus Billed mußten 556 Deportierte bis zu 5 Jahren Zwangsarbeit, überwiegend

in Bergwerken und der Schwerindustrie in der Ukraine, aber auch im Kaukasus, leisten.

Insgesamt kommen 76 Billeder in der Deportation zu Tode. Todesursachen waren insbesondere

Krankheiten und Hunger.

Russlandlied von Ottmar Strasser

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Tief in Russland, in Stalino,

steht ein Lager streng bewacht.

Darinnen wohnen deutsche Menschen,

die man aus dem Banat gebracht.

Die Gedanken aber eilen

nach der Heimat immerdar,

wo sie ihre Lieben haben,

wo es schön und herrlich war.

Es vergehen Tag und Nächte,

Monate und manches Jahr,

und im fernen, fremden Lande

Färbte sich grau mein Haar.

Und die Herzen dieser Menschen

schlagen traurig, ernst und schwer.

Möchten wieder in die Heimat,

sehnen sich nach ihr so sehr.

Wenn sie dann von ihnen sprechen

und von jenem großen Glück,

ihre Herzen beinah brechen,

sehnen sich nach ihr zurück.

Sollt‘ ich hier in Russland sterben,

sollt‘ ich hier begraben sein,

grüß mir noch einmal die Heimat

und die Lieben all daheim.

Für sie gibt es nur noch Arbeit,

oft im kalten, eis‘gen Wind.

Müssen so viel Leid ertragen,

weil sie eben Deutsche sind.

Und die Lieben in der Heimat

sind nun lange schon allein.

Kinder haben keinen Vater

und jetzt auch kein Mütterlein.

Alle haben doch die Hoffnung,

dass es einmal anders wird,

denn nach jedem schweren Winter,

es auch wieder Frühling wird.

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Kennen nur noch Müh‘ und Plagen,

niemals eine Herzensfreud.

Tragen Not und Sorgen schweigend,

und ihr bitt‘res, schweres Leid.

Wenn die Kinder weinend fragen:

„Wo sind unsre Eltern hin?“,

wird man ihnen traurig sagen:

„Mussten all nach Russland zieh‘n.“

Auch für uns kommt mal die Stunde,

wo man uns entlassen wird.

Dann geht’s heim zu euch, ihr Lieben.

Oh, wär‘ das ein großes Glück.

Abbildungen

1 Abtransport der Deportierten in Mercydorf, Malerei von Juliana Rausch

2 Der ewige Begleiter, Malerei von Anton Ferenschütz

3 Dolomitsteinbruch, Malerei von Franz Binder

4 Kohlengrube bei Kriwojrog, Malerei von Franz Binder

5 Lager Ilionowka, Malerei von Franz Binder

6 Lager 1802, Malerei von Anton Ferenschütz

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7 Billeder Deportierte 1946 in Stalino. Oben v.l.n.r.: Nikolaus Weiß, Josef Ballmann, Willi Schortje, Hans Dugonitsch,

Karl Packi, Peter Schmidt. Mitte: Mathias Kasper, Valentin Slawik, Elisabeth Schwendner, Heinrich Slawik,

Anton Hell. Unten: Anton Vollmer, Jakob Krier, Georg Römer.

8 Banater entlassene Deportierte in Frankfurt (Oder) 1946. Die durch Krankheiten und Unterernährung arbeitsunfähigen

Zwangs arbeiter wurden von den Sowjets bis 1948 in die Ostzone (spätere DDR) als Staatenlose abgeschoben,

da Rumänien ihnen die Einreise in ihre Heimat verwehrte.

9 Banater Deportierte in Frankfurt (Oder) nachdem sie sich erholt hatten und neu eingekleidet wurden. Später haben

die Sowjets die Heimkehrer selbst „aufgepeppelt“.

10 Stalino 1946: Julius Hager, Josef Ballmann, Hans Gehl und Karl Packi am Grab ihres Kameraden Hans Alexius.

11 Billederinnen im Zwangsarbeitslager Nr. 1050 in Enakiewo am 10. Mai 1946. Hinten v. l.: Barbara Haberehren,

Maria Backhaus, Susanne Weber; vorn: Anna und Margarethe Divo. „Bald geht‘s nach Hause“, sagten ihnen die

Sowjets jahrelang. Sie glaubten schon nicht mehr daran, als sie Ende 1949 entlassen wurden.

12 Der Banater Maler Franz Ferch (1900-1981) hat die Heimkehrermutter und ihr herangewachsenes Kind in seinem

Bild „Kennst mich nicht?“ thematisiert.


Als Sündenbock im Vaterland

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Nach dem 23. August 1944 wurden die Deutschen Rumäniens als angebliche Kollaborateure

Deutschlands für das Desaster verantwortlich gemacht, in welches das Land als Folge seines Bündnisses

mit Hitler-Deutschland und der Teilnahme am antisowjetischen Krieg geraten war.

Es stimmt zwar, dass die „Deutsche Volksgruppe“ mit der Politik des Dritten Reiches gleichgeschaltet

wurde und die waffenfähigen Deutschen mit Zustimmung der rumänischen Regierung in

das deutsche Heer rekrutiert wurden, aber die Volksgruppenführung hat auf die rumänische Politik

keinen Einfluss ausgeübt.

Das Dekretgesetz vom 23. März 1945 sah die gänzliche und

entschädigungslose Enteignung

der gesamten deutschen Bauernschaft und Feldbesitzer vor. Der enteignete Boden ging mit dem

gesamten Wirtschaftsinventar, Vieh und Häuser in das Eigentum des Staates über, der den Boden

an begüterungsberechtigte Landwirte verteilte.

Dort, wo die Zahl der einheimischen Rumänen und Roma nicht ausreichte, um den gesamten deutschen

Besitz zu übernehmen, brachte man von auswärts so genannte Kolonisten.

Nach der Heimkehr der Russlandverschleppten und eines Großteils der Kriegsgefangenen im Frühjahr

1951, veranlasste die inzwischen kommunistisch-stalinistische Regierung Rumäniens eine neuerliche

Deportation von „unzuverlässigen Elementen“, dieses Mal in die Baragan-

Steppe Rumäniens. Aus Ortschaften der Grenzzone wurden 12.791 Familien mit 40.320 Personen:

Rumänen, Deutsche, Serben, Ungarn, Bulgaren und andere deportiert. Sie mussten 18 Dörfer erbauen

und jahrelang unter zwangsaufenthaltsmäßigen Bedingungen leben. Die meisten Deutschen

wurden aus Billed mit 529 Personen deportiert.

Abbildungen

1 Beeignungsurkunde aus dem Kreis Sibiu, als Enteigneter ist „hitlerist“ eingetragen.

2 Skizze von Sebastian Leicht.

Die Kolonisten hatten die Befugnis, als ausführende Gewalt den Besitz der Deutschen unter sich aufzuteilen.

Die Billeder nannten die Enteignungskommission nach der am eigenen Leib erfahrenen Enteignungsprozedur

„Knüppelkommission“.

Auf der Sitzung des Politbüros des ZK der Rumänischen Arbeiterpartei vom 15. November 1948 erklärt Innenminister

V. Luca unter anderen: „Es war ein Fehler, Kolonisten dorthin zu schicken, die nichts anderes als Banditen

sind und die wir von dort wieder wegbringen müssen ...“

3 Einzug der Kolonisten, Malerei von Stefan Jäger

4 Deportationsgebiet

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5 Sie wurden einfach in die Steppe entladen. Die Familie Thöresz auf der ihr zugewiesenen Fläche.

6 Nachbarschaftliche Hilfe beim Hausbau. Sie mussten 18 Dörfer erbauen und jahrelang unter zwangsaufenthaltsmäßigen

Bedingungen leben.

7 Die Geschwister Maria und Katharina Gilde, nach 5 Jahren aus der Russlanddeportation entlassen, mit ihrer Mutter,

rechts sitzend, und ihren pflegebedürftigen Großeltern, nun für weitere 5 Jahre in der Baragan-Deportation.

Sie bekommen heute, wie auch die anderen überlebenden Deportierten, eine angemessene Entschädigung vom

rumänischen Staat.

8 Insgesamt sind bis 1956, als die Deportierten wieder nach Hause durften, 76 Personen aus Billed in der Baragansteppe

verstorben. 7 Jahre später, nachdem es genehmigt wurde, brachte Nikolaus Seibert, im Bild rechts

mit Tochter und Schwiegersohn, die sterblichen Überreste seiner Ehefrau und die seiner Mutter zur Beerdigung

in ihre Heimat.


Hinter dem Eisernen Vorhang

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Abbildungen

1 Der Eiserne Vorhang teilt Europa in West und Ost (abgeschottete, kommunistisch regierte Länder)

2 Abschied der Familie Heinrich vor der Auswanderung in die BRD 1961

3 Michael und Maria Klein (699) waren eine der ersten Familien, die nach dem Krieg nun aus dem Westen die alte

Heimat besuchten. Foto mit der großen Verwandtschaft aus dem Jahr 1960.

4 Feld, Arbeitsgeräte, Vieh und Häuser hatte man ihnen genommen, und, was noch schmerzlicher war, 556 Billeder,

darunter ihre Geschwister oder Eltern, waren Zwangsarbeiter in der Sowjetunion auf unbestimmte Zeit.

Die Kirchweih ist ihnen jedoch geblieben. 23 Kirchweihpaare der herangewachsenen Jungend veranstalteten im

Oktober 1948 nach langer Zeit wieder ein Kirchweihfest.

5 Abschiedsfoto 1963 aus dem Eisenbahnwaggon von Johann Keller aus den USA nach seinem Billedbesuch am

frühen Morgen auf dem Bahnhof.

6 Kinder der Viertgasse 1965, aufgenommen von Katharina Muhl, die nach der Russlanddeportation im Westen geblieben

ist. Besucher aus dem Westen durften damals einmal in 2 Jahren für eine begrenzte Zeit einreisen. Es waren

vor allem diese Besucher, die, ohne es zu beabsichtigen, für ihre Landsleute Beweis waren, dass es in dem kommunistischen

Rumänien für sie keine Zukunft gab.

7 Kinder in der Altgasse vor dem atemberaubenden Ford Taunus, mit dem Johann Keller, der 1944 Billed als

Flüchtling verlassen hatte, aus dem Westen nun auf Besuch ist. Der eiserne Vorhang ist, wenn auch nur in einer

Richtung, durchlässig geworden. Das auch nur, weil der kommunistische Staat dadurch leichter an Devisen

kommen konnte. Denn die lokalen Parteifunktionäre hatten zunehmend Schwierigkeiten den westlichen Wohlstand

kleinzureden.

8 Schulausflug Billeder Schüler zum Donau-Engpass 1959. Der rund 250 km lange Weg war für die Jugendlichen

vom flachen Land in der damaligen Zeit sicherlich ein sensationelles Abenteuer.

Der Eiserne Vorhang war eine unüberwindbare tatsächliche Grenze zwischen den Staaten des Westens

und den kommunistischen Diktaturen unter der Dominanz der UdSSR während des Kalten

Krieges.

Die Deutschen hatten 1948 ihre staatsbürgerlichen Rechte zurückbekommen und es gab Schulunterricht

in ihrer Muttersprache, aber, wie auch die Bevölkerung im Land, waren sie hinter dem

Eisernen Vorhang „eingesperrt“. 1966 zählte man in Billed 4752 Einwohner, darunter 2442 Deutsche

(1940 waren es 3652).

Hunderte Familien sind jedoch durch Krieg und Kriegsfolgen von ihren Angehörigen durch den

Eisernen Vorhang getrennt. Die Einen hatten die Heimat, aber keine Freiheit, die Anderen die

Freiheit, aber noch keine Heimat.

Die rumänische Regierung vertrat eine überaus restriktive Ausreisepolitik. Wer sich zur Ausreise

bewarb, setzte seine bürgerlichen und wirtschaftlichen Rechte aufs Spiel, war stigmatisiert, wurde

von der Obrigkeit schikaniert und bekam den Reisepass meistens nur durch Schmiergeldzahlung.


„Millionär“ als Kollektivbauer

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1948 erhielten die Deutschen wieder ihre staatsbürgerlichen Rechte. Auch hatten sie wieder Schulen

in ihrer Muttersprache, es erschienen wieder deutschsprachige Bücher und man konnte ganz

offen deutsch reden.

Als die inzwischen kommunistische Regierung 1950, nach sowjetischem Vorbild, die Kollektivierung

der Landwirtschaft anstrebte, hatten die ehemaligen deutschen Feldbesitzer damit kein Problem,

denn sie besaßen ja kein Feld mehr.

In der Sitzung des Politbüros des ZK der RAP vom 21. Januar 1954 stellt D. Colin fest: „... die große

Mehrheit der Kolonisten hat nichts für den Erhalt der Wohnhäuser getan.“ Gh. Gheorghiu-Dej,

Parteichef, ordnet an: „Die freien Häuser erhalten die Kolonisten, die zusammengefallenen und

die zu reparierenden gebt den Deutschen, sie sollen sich diese instandsetzen.“ Und er fügt hinzu:

„Die arbeitenden Bauern deutscher Nationalität ... erhalten ihre Wohnhäuser zurück“ ... „Ihr werdet

sehen, wie gut die dann arbeiten“, sagt E. Bodnaras.

Er behielt recht. Schon bald schwelgte die Parteipresse über die „Straße der Millionärswirtschaften

im Banat“. Es waren die Kollektivwirtschaften in den großen banat-schwäbischen Heidegemeinden,

darunter auch Billed, die sogar in den Schulbüchern landesweit als beispielhaft Erwähnung

fanden. Sogar die Partei- und Regierungschefs besuchten wiederholt die Gemeinde.

Abbildungen

1 Luftaufnahme auf den Feldern der Kollektivwirtschaft in den 1960er Jahren. Die Felder gehörten bis 1945 den

Billeder Bauern, nach ihrer Enteignung wurden sie an die rumänischen Zusiedler verteilt, die sie wiederum nach

1951 in die Kollektivwirtschaft einbringen mussten.

2 Billeder Bauern der Kollektivwirschaft beim Anpflanzen von Tabakpflanzen

3 Die Arbeit in der Kollektivwirschaft war für die meisten ehemaligen Bauern die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt

zu bestreiten.

4 In den 1970er Jahren wurden die landwirtschaften Arbeiten zunehmend mechanisiert.

5 Generalversammlung der Kollektivbauern im Kulturheim. In der ersten Reihe im Bild der kommunistische Führungskader,

der jahrzehntelang im Dorf das Sagen hatte.

6 Die Kollektivwirschaft war auch für viele aus der Deportation Heimgekehrte die einzige Erwerbsmöglichkeit.

7 Knochenharte Jobs als Transportarbeiter in der Kollektivwirtschaft in den 1950/60er Jahren. Die jungen Generationen

werden sich neu orientieren und als Fabrikarbeiter in Temeswar ihren Lebensunterhalt bestreiten.

8 Besuch der Parteiführung aus Bukarest mit dem späteren Diktator Ceaușescu an der Spitze in der Billeder Kollektivwirtschaft.

9 Die kommunistischen Führer waren bis in die 1980er Jahre mit sowjetischen Limousinen unterwegs.

10 Der Festwagen der Billeder Kollektivwirtschaft bereit zur Fahrt nach Temeswar zur Feier des Nationalfeiertages

11 Billeder Kollektivbauern auf dem Weg nach Temeswar zur Feier des Nationalfeiertages. Um die Leute zur Teilnahme

an der Jubeldemo zu bewegen, wurde Druck ausgeübt sowie auch mit einer Flasche Bier und einer Portion

„Mititei“ entlohnt.


Aus dem Goldenen Zeitalter: Wahnsinn, Angst und Armut

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Der Widerspruch zwischen Realität und ihrer sprachlichen Darstellung in der Öffentlichkeit der

Sozialistischen Republik Rumänien erreicht unter Nicolae Ceaușescu einen absoluten Höhepunkt.

Während durch die katastrophale Wirtschaftspolitik in den 1980er Jahren die Versorgung der Bevölkerung

praktisch zum Erliegen kommt, wird offiziell täglich das goldene Zeitalter Rumäniens

verkündet.

Dass dem niemand widerspricht, geschweige denn etwas dagegen unternimmt, ist ein Werk der am

besten funktionierenden Organisation im Land, der gefürchteten und übermächtigen Securitate.

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Abbildungen

1 Die Schriftsteller des Landes preisen Ceaușescu, Parteichef und Staatspräsident der Sozialistischen Republik Rumänien,

Oberbefehlshaber der Armee, Vorsitzender des Obersten Rates für wirtschaftliche und gesellschaftliche

Entwicklung und Chef des Nationalrats der Werktätigen als „Titan unter den Titanen“, als „Revolutionär, der selbst

der Sonne trotzt“ und vergleichen sein Wirken mit dem von Julius Cäsar, Alexander dem Großen oder Napoleon.

2 Die Maler malen ihn und seine gefürchtete Gemahlin Elena göttergleich und umgeben von Engeln.

3 Huldigung im Stadion; der Personenkult um den Conducator ist weit bizarrer als der Götzendienst, der Hitler,

Stalin oder Mao je entgegengebracht wurde, er hat einen Herrschaftsstil entwickelt, der sich mehr am Hofzeremoniell

ägyptischer Gottkönige orientiert.

4 Das „Haus des Volkes“ (Casa Poporului) ist eines der flächenmäßig größten Gebäude der Welt und wurde von

1983 bis 1989 nach den Vorstellungen Ceaușescus errichtet. Um Platz für das Bauwerk zu schaffen wurden rund

40.000 Wohnungen, ein Dutzend Kirchen und drei Synagogen abgerissen sowie Teile der Altstadt zwangsgeräumt.

Rund 20.000 Arbeiter, vor allem Soldaten, errichteten im Dreischichtbetrieb den Palast.

5 1983, kein Durchkommen mehr für PKWs auf der 31m breiten Billeder Altgasse. Das Land ist heruntergekommen

und zählt zu den ärmsten in Europa.

6 Verlassener Kultivator auf den Feldern der Kollektivwirtschaft 1984. In den 1980er Jahren gibt es die fleißigen

Bauern aus der Gründungszeit nicht mehr. Wie in den ersten Nachkriegsjahren sind in Rumänien nun wieder die

Grundnahrungsmittel rationiert.

7 Auf der Sauerländer Hutweide 1984. Wenn nichts mehr geht - kein Strom, kein Wasser, kein Sprit - ist auf den

kurzen, schwäbischen Pferdewagen, den sich einige Billeder aufbewahrt haben, noch immer Verlass.

8 Müllkippe an der Sauerländer Brücke 1985, früher war hier ein großer Teich mit vielen Fischen. Wer am Dorfrand

wohnt, kann leichter Feder- und Mastvieh halten. Denn Parteifunktionäre hatten Wege gefunden, auch die letzten

Reserven der Selbstversorger anzuzapfen. Jedes Haus mit Garten musste Eier und Schweine abliefern. Und

zusätzlich Felder der Kollektivwirtschaft, der inzwischen die schlecht entlohnten Bauern davongelaufen sind, zur

Bearbeitung übernehmen.

8


Freikauf plus Kopfgeld, um ausreisen zu dürfen

4 5

1

2

Handschlagabkommen 1978 zwischen dem damaligen Bundeskanzler

Helmut Schmidt und Nicolae Ceaușescu. Vereinbart wurde eine Zahl von jährlich 11.000

Ausreisenden und Kopfgeldzahlungen von anfangs 4.000 DM. Zuletzt, 1989, waren es 8.950 DM.

226.654 Rumäniendeutsche, darunter rund 1500 Billeder, sind in dieser Zeitspanne über den Ladentisch

gegangen. Die Höhe der Zahlungen wird auf über eine Milliarde DM geschätzt.

Zusätzliches Kopf geld von rund 8.000 DM pro Person, das bei Strohmännern der

Securitate zu entrichten war, bestimmte die Reihenfolge, um auf die begehrte Liste der jährlichen

11.000, von der BRD gekauften Ausreisegenehmigungen, zu gelangen. Denn weg wollten über

200.000 Personen.

Wer die unerschwinglichen und verbotenen De visen, meistens ausgeliehen von Verwandten aus

der BRD, die sich ihrerseits verschuldeten, besaß, konnte nicht so einfach bezahlen. Es gab jährlich

nur 1 bis 2 unbestimmte, kurzfristige Zeitfenster, in denen die Strohmänner abkassierten. Die

Nachfrage war daher immer größer als das Angebot, sodass in der Regel zusätzlich geschmiert

wurde, um schmieren zu dürfen. War es dann soweit, wurde der Betrag in einem mit Namen versehenen

Umschlag dem „Gärtner“, der nicht einmal nachzählte, ohne Beleg übergeben.

6

7

3

Abbildungen

1 Begegnung vor dem Mittagessen 1963. Die Krautköpfe aus der Gärtnerei der Kollektivwirtschaft werden zur

Verladerampe am Bahnhof transportiert. Die Aufnahme von Johann Keller in der prallen Mittagssonne ist das

älteste, uns bekannte Farbbild aus dem Dorfleben der 60er Jahre. Hier hatten sich zufällig Landsleute getroffen,

die, typisch für die Banater Schwaben, tagelang über ihr Schicksal hätten erzählen können. Der eine war im 2.

Weltkrieg beim deutschen Militär und danach Kriegsgefangener, der andere Zwangsarbeiter in der Sowjetunion,

und, Johann Keller selbst, 1944 vor der roten Armee geflüchtet, lebt nun in den USA.

2 Hochzeitszug in den 1980er Jahren. Diktator Ceaușescu wollte einen „neuen Menschen“ schaffen. Die Menschen

indes wollten so bleiben, wie sie sind. Für viele war Lebensziel, das Land irgendwie zu verlassen.

3 Omas beim nachbarschaftlichen Sonntagstreff auf der Gasse in den 1980er Jahren. Sie hatten Schlimmes in ihrem

Leben durchgemacht, aber es ist einiges wieder gut geworden. Für die Zukunt ihrer Enkel sind auch sie bereit, ihre

Heimat zu verlassen.

4 Handschlagabkommen über das Zahlen von Kopfgeld zwischen dem Bundeskanzler Helmut Schmidt und Nicolae

Ceaușescu 1978.

5 Über die Reihenfolge bei der Ausreise in die BRD, Fotomontage von Hans Rothgerber.

Die Doppelbelichtung besteht aus der Überlagerung einer aufgewühlten Dorfgasse bei Regen mit dem damals

in Läden und Kneipen angebrachten Logo der einzigen staatlichen Lotterie mit dem Slogan: „Hier wird das Los

im Umschlag verkauft“. Es ist eine Anspielung auf das 2te zusätzliche Kopfgeld, das die Ausreisewilligen zu entrichten

hatten.

6 Billeder im Durchgangslager für Aussiedler in Nürnberg, sie hatten den gefährlichen Weg eines illegalen Grenzübertrittes

gewählt.

7 Helene Graf (209), ist die älteste Teilnehmerin beim Heimattreffen 1987 in Karlsruhe. Zwei Jahre zuvor hatte sie

Billed als 95-Jährige verlassen.

8 Was die Ausreisenden mitnehmen dürfen, ist vorgeschrieben und muss in eine vorgeschriebene Kiste passen,

die sie von den zuständigen Behörden für einen saftigen Preis erwerben mussten.

8


Die Kirche ist im Dorf geblieben

5

6

1

2

3

4

7

Die Kolonisten mussten katholisch sein, die Habsburger bauten die Kirchen. Als Pfarrer Nikolaus

Marx 1777 in die dem Erzengel Michael geweihte Kirche einzog, stand über dem Eingang:

„Schweige, leide, hoffe, meide, nicht verzagen“. Die Kirche wurde 1833 erweitert.

Bischof Lonovics berichtet in seinem Visitationsbericht aus dem Jahre

1837 über das Billeder Kirchenvolk folgendes: „Das Pfarrvolk ist rein deutsch, und mit Ausnahme akatholischer

Beamter und Diener und einiger Juden, sind alle katholischer Religion ... Die Katholiken beachten

die Gebote Gottes und der Kirche, im Besuch der Predigten sind sie etwas lässig ... Sie beachten

die Feste, die Kinder schicken sie gerne zur Schule. Sie beachten die jährliche Osterpflicht genau ... Das

Kirchweihfest wird mit beispielhafter Devotation gefeiert.“

2

Hundert Jahre später stellt die Priorin der Liobaschwestern, Dr. Hildegardis Wulff, kein so gutes

Zeugnis aus und bemängelt den geringen Kirchenbesuch und Glaubenseifer. Erst in der Kriegsnot,

als die Todesnachrichten von der Front und aus Russland kamen, suchten die Menschen wieder

vermehrt Trost im Glauben und in der Kirche.

40 Jahre nach der letzten Sanierung im Jahr 1967 war der Zustand der Kirche erneut desolat.

Durch die Initiative von Peter Krier und Spenden von über 400 Billeder Familien aus der ganzen

Welt konnte 2007 dem Verfall noch einmal zuvorgekommen werden.

Peter Krier: „Die Solidität ihrer Bausubstanz kann uns garantieren, dass unsere

Kirche noch nach Jahrhunderten stehen wird, wenn kleinere Schäden immer behoben werden.

Noch immer überragt sie das ganze Dorf. Strahlend ist sie von weither sichtbar. Sie kündet von denen,

die einst kamen, um das Dorf zu gründen, von denen, die sie einst erbaut haben; sie erinnert

an eine stolze Dorfgemeinschaft, in deren Mittelpunkt sie stand, an fleißige, tüchtige und gottesfürchtige

Menschen.“

Abbildungen

1 Außen- und Innenaufnahme der Billeder Kirche 2009

2 Festgottesdienst zur 250-Jahrfeier seit der Gründung der Gemeinde 2015

3 Sanierung der Billeder Kirche 2007 durch die Initiative von Peter Krier

4 Sanierung der Billeder Kirche 1927 unter der Leitung von Baumeister Johann Plennert

5 Bischof Augustin Pacha (1970-1954), bekannt als „Schwabenbischof“, nach dem festlichen Empfang mit Pfarrer

Unterreiner im Jahr 1931 beim feierlichen Umzug in die Kirche.

6 Erstkommunion der Mädchen der Jahrgänge 1955-1957 mit Pfarrer Ladislau Dittrich

7 Aufnahme anlässlich der Firmung 1974 mit Bischof Konrad Kernweiß, Dechantpfarrer Dittrich, Pfarrer Adam

Zenz und dem Billeder Kirchenrat.


Bevölkerungsentwicklung, Statistik

Hochzeiten - Geburten - Sterbefälle 1765 - 2000

Exodus der Billeder Deutschen 1940-2000

237

Billeder, Soldaten im 2. Weltkrieg,

sind nicht mehr zurückgekehrt.

104 sind gefallen, 133 nach ihrer

Kriegsgefangenschaft im Westen geblieben.

583

Personen verlassen

nach der Revolu tion

1990 den Ort.

Personen

142

Personen sind 1944 in den Westen

geflüchtet, 7 sind dabei

ums Leben gekommen.

1727

Personen, der größte Teil der Auswanderer,

ist „legal, durch Bezahlen von Kopfgeld“

mit einer Kiste in den Wes ten ausgesiedelt.

3155 Personen haben Billed

und Rumänien zwischen

1940 - 2000 verlassen

17,3% 25%

106

Russlanddeportierte sind nicht

mehr zurückgekehrt, 76 sind

ge storben, 30 im Westen geblieben.

95

Personen sind über die

Grenze geflüchtet.(3%)

54,7%

3%

76

Billeder sind in der Baragansteppe

gestorben.

Mehrheitlich

rumänische

Bevölkerung

Krieg (545=17,3%) Familienzusammenführung (1727=54,7%) | Flucht (95=3%)

nach 1990 (788=25%)

Deutsche Bevölkerung

„Was nützt Fleiß, wenn keine Erben sind?“

• 1880 gab es 275 Geburten bei 180 Todesfällen

• 1900 gab es 145 Geburten und 83 Todesfälle

• 1920 gab es 107 Geburten und 69 Todesfälle

• 1933 gab es nur mehr 64 Geburten und 49 Todesfälle

Von 1933 an näherten sich diese Zahlen immer mehr, so dass im Jahre

1936 nur noch 41 Geburten, aber schon 48 Todesfälle zu verzeichnen

waren.

Die Generation der Jahre 1767 bis 1800 hatte im Durchschnitt 4,14 Kinder

je Familie, die Generation 1867 bis 1900 5,5 Kinder je Familie.

1901 bis 1933 hatten die Familien im Durchschnitt nur noch zwei Kinder.

In der darauffolgenden Generation waren es nur noch 1,8 Kinder je Familie.

1943 beginnt der Exodus der Billeder Deutschen.

2011 hatte Billed 3.294 Einwohner, die HOG Billed im Jahr 2015 rund

3.515 Einträge. Macht insgesamt 6809 Billeder.

(Abbildung links) Im Hof der Familie Frick 1926 in Arbeits- und Alltagstracht: v.l. landwirtschaftlicher

Arbeiter (Knecht), daneben die Nachbarfamilie Roth, im Kinderwagen Maria

Slavik, Hans Frick sen., Margarethe Frick, Anna Slavik (geb. Frick, ihr Mann, der Bauer,

ist zur Zeit der Aufnahme abwesend), Hans Frick jun.

Ab 1900 kam es zum Ein- und Zweikindersystem.

Die Billeder Deutschen leben heute

mehrheitlich in Deutschland. In folgenden

Städten sind sie am häufigsten anzutreffen:

Karlsruhe 425

Frankenthal 144

Nürnberg 140

links: Wärmebild der Billeder in DE

Tabelle der Billeder weltweit, 2015

Land Orte Personen

Deutschland 399 3115

USA 62 197

Rumänien 17 106 (67 Bi.)

Österreich 21 91

Frankreich 8 28

Australien 4 10

Kanada 6 10

Brasilien 3 9

Grossbritanien 1 4

Spanien 1 4

Italien 1 3

Schweiz 1 3

Gesamt 523 3581


Literatur über die Geschichte der Gemeinde Billed

Die Billeder Zeitung, vom Sonntag, dem 22. Jänner 1933, das Original befindet sich in

der Bibliothek der Akademie in Bukarest. Die Zeitung erschien 1933-1935.

25.

Ausgabe

26.

Ausgabe

27.

Ausgabe

Billeder Heimatblatt 2012

Billeder Heimatblatt 2013

Billeder Heimatblatt 2014

www.heimathaus-billed.de

Billeder Heimatblatt

2012

Herausgegeben von der HOG Billed

Billeder Heimatblatt

2013

Herausgegeben von der HOG Billed

Billeder Heimatblatt

2014

Herausgegeben von der HOG Billed


Die HOG Billed

(Heimatortsgemeinschaft)

heimathaus-billed.de

Foto: Der Kalvarienberg, das Wahrzeichen der Gemeinde

Beim Billeder Heimattreffen 1975 in Karlsruhe wurde die Heimatgemeinschaft

(HOG) gegründet und 1979 als eigenständiger Verein im Vereinsregister

Schweinfurt eingetragen.

Die wichtigsten Ziele der HOG

• Erfassung aller Billeder

• Die Geschichte Billeds zu erforschen und zu dokumentieren

• Kultur, Tradition und Brauchtum zu erhalten und dokumentieren

• Den bedürftigen Billedern zu helfen

Billeder Kulturdenkmäler zu erhalten

• Allen Billedern Zusammengehörigkeit und Gemeinschaftsgeist zu ver-

mitteln

Die HOG veröffentlicht jährlich ein Heimatblatt und veranstaltet jedes

zweite Jahr ein Heimattreffen. Es finden jährlich ein bis zwei Busausflüge

statt.

Zu Allerheiligen treffen sich jährlich Billeder und Landsleute aus anderen

Banater Ortschaften am Billeder Gedenkstein in Karlsruhe und gedenken

ihrer Verstorbenen. Die HOG Billed wird auch durch ihren Ehrenvorsitzenden

Peter Krier vertreten.

Die wichtigsten Leistungen

• Mitwirkung bei der Kirchenrenovierung 1974-1976

• Mitwirkung bei der Herausgabe des Heimatbuches

• Das Denkmal der Gemeinde in Karlsruhe, 1987

• Jährliches Heimatblatt, seit 1988

• Instandhaltung der Friedhöfe

• Die Sozialstation in Billed in Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk der

Banater Schwaben, 1994

• Videodokumentation über die Geschichte der Gemeinde, 1994

• Renovierung des Kalvarienberges, 1996

• Herausgabe eines Tonträgers mit Liedern des Kirchenchores, 1999

• Ortssippenbuch in Zusammenarbeit mit Hans Wikete, 2000

• Neugestaltung des Kriegsopfer denkmals in Billed, 2006

• Kirchenrenovierung 2008-2009

• Herausgabe von 2 Tonträgern mit Liedern der Blaskapelle: 2008, 2011

• Heimathaus mit Gästezimmern, 2010

• Ausstellung über die Geschichte der Gemeinde im Heimathaus, 2015

• Die Internetseiten billed.de und heimathaus-billed.de, 1998 und 2011

In der Heimatgemeinschaft sind der Kir chenchor, die Trachtengruppe und

die Blaskapelle Billed-Alexanderhausen ak tiv.

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