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E_1929_Zeitung_Nr.082

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Bern, Dienstag 24. Sept.

Bern, Dienstag 24. Sept. 1929 HL Blatt der „Automobil-Revue" No. 82 Im heutigen „Aatler-Feierabend": Seite Mensch und Strasse 13 Die Grammophonplatte (Feuilleton) 13 Wieviel Schlaf braucht der Mensch? 14 Seite der Frau 15 Die Fliegerin 15 Schöne Ecken des Schweizerlandes 16 Touristischer Sprechsaal 16 Bunte Chronik 17 Humor 18 Kreuzworträtsel 18 Auf dem Balkan Von Frank Smetana. Ein Reisender kommt auf dem Bahnhof einer Balkan-Kleinstadt an. Er geht zum Stationsvorsteher und fragt, wo er ein gutes Hotel, womöglich das beste, fände und ob er sich diesem Hotel auch anvertrauen könne. Man weist ihn nach dem Grand Palast- Botel Podwasc. Die Balkanstadt, in der diese wahre Geschichte spielt, heisst nämlich Podwasc. Der Reisende begibt sich mit einem kleinen Köfferchen auf den Weg. Die Strassenbahn fährt augenblicklich nicht, der Ochse ist krank. Podwascs Strassenbahn besteht nämlich aus einem Ochsengespann. Der Berliner wandert durch die Hauptstrasse und kommt auf den Stadtplatz, wo zwei Kirchen, ein Rathaus und das Grand Palast-Hotel stehen. Der Hotelpalast ist ein einstöckiger Bau; er ist halb aus Holz, halb aus Stein, es sieht aber aus wie Lehm. Auf dem Dache ein ellenlanges, meterhohes Schild: Grand Palast-- 'Hotel Podwasc. Der Reisende betritt das Hotel. In der Portierloge stehen ein Putzkübel, ein umgeworfener Papierkorb und ein zerbrochenes Tintenfass. Und nicht einmal nach Schuhwichse riecht es. In der Ecke liegt eine fette graue Katze, die ihre vier Junge um sich hat. Der angekommene Gast ruft nach dem Portier. Es kommt kein Portier, auch kein Kellner kommt. Endlich erscheint ein Herr in einem Frack. Darunter trägt er ein rotes Hemd. Der Frack ist auch nicht schwarz, eher schillerig. Ausserdem fehlt der eine Schwanz. Dieser Herr ist nicht der Hausdiener, sondern der Besitzer und Leiter des Hotels. Der Gast fragt: «Kann ich ein Zimmer haben mit fliessendem Wasser ? » «Oh, Eier Gnaden, serr scheene Zimmer hier in Palast-Hotel.» « Auch fliessendes Wasser ? » «Eier Gnaden, der Herr Baron werd sich ieberzeigen, wunderscheenste Zimmer in ganzen Podwasc.» «Ist es ein Zimmer mit fliessendem Wasser ? ». Wohl mit nichts, sind die Beziehungen des Menschen so eng verknüpft wie mit denen zur Strasse. Er ist förmlich das Kind der Strasse, auf die hinaus es ihn automatisch und mit Naturgewalt zieht und treibt. Weil es nicht gut ist, dass der Mensch immer daheim sei, und weil diese Einsicht auch dem letzten, ohne Unterschied der Geburt, des Geschlechtes, der Konfession und der politischen Anschauung eigen, ja vererbte Anlage ist, so ist es damit auch überzeugend erklärt, warum wir zu allen Zeiten Menschen auf der Strasse treffen, in Einzelexemplaren, zu zweit, in Kolonnen, in Rudeln, in Rotten, als Massenspaziergänger. Dass die Strasse ein Erziehungs- und Bildungsinstitut ersten Ranges, so gut wie die Schule ist, bedarf nicht langer Beweisführung. Sie bildet nicht nur den äusseren Menschen in der Ausübung der freien Bewegung, sondern zweifellos auch seinen Charakter; sie erzieht ihn zu überlegtem Handeln, zu Rücksicht und Manierlichkeit, zur Selbstdisziplin. Nicht der Mensch im Salon, sondern der Mensch auf der Strasse ist der Kultartypus. Das Strassenbild ist der Menschenspiegel, der sein Bild mit allen seinen Fehlern und Vorzügen im Gesamt- und Spezialfall reflektiert. Ob das Individuum sich seines eigenen Gehwerks bediene, ob es behäbig im Landauer fahre, radle, reite oder im Auto daherrase, ohne die Strasse wäre es verloren, eine arm-» selige Kreatur. Sie ist ihm so unentbehrlich wie die Luft, die es atmet, wie die Hose, die es trägt. Ohne Hose, Luft und Strasse sind die Begriffe Mensch und Kultur schlechterdings unmöglich. Man begibt sich aus den verschiedensten Ursachen auf die Strasse: um frisch© Luft zu « Oh, Herr Grof, gutte Zimmer, sogar echter Teppich in Zimmer, wirklich echter Teppich, ganz nei und —» «Ich meine, ob das Zimmer fliessendes Wasser hat?» « Und aine Aussicht — Herr Grof — aine Aussicht, wunderschain, so was von Aussicht isse noch nicht dagewesen in ganze Welt.» «Herr Wirt, ich frage, ob es fliessendes Wasser gibt ? » « Fliessendes Wasser, Eier Gnaden ? Fliessendes Wosser Wollen der Herr Baron angeln ? » * * * Mensch und Strasse Von P. Wolfensberger. schöpfen, aus Pflicht, aus innerem Drang und äusserem Zwang, aus Liebhaberei, Laune, Verdruss, Aerger, aus Leichtsinn, zum Vergnügen — kurz, man nenne einen einzigen Grund, Krankheit oder eheliches Verbot ausgenommen, der den Menschen bestimmen könnte, nicht auf die Strasse zu gehen; man wird vergeblich nach einem solchen suchen. Er *muss und will es einfach. Schöne Frauen erteilen auf ihr dem andern Geschlecht instruktiven Anschauungsunterricht; der ausgeschriebene Literat steigt hinab auf sie, um neue Anregung zu suchen; der Taschendieb, um seinem schweren Beruf nachzugehen; die Jugend, um fröhliches Spiel und Allotria zu treiben. Die Strasse ist funktionsbereit, immer, für alle. Sie bietet Raum den mit Geschwindigkeitsmessern Versehenen, rastlos Vorwärtsstrebenden, wie dem Beschaulichen, Nichtpressierenden. Sie ist der Gradmesser und Spiegel der Temperamente. Eilt etwa das Phlegma geschäftig daher, bewegt sich der Sanguiniker bedächtigen Schrittes vorwärts, nimmt der Choleriker irgend ein kleines Missgeschick mit dem Lächeln des Philosophen hin, oder der Stoiker, bringt ihn, was nicht in seinem Programm steht, etwa ein Zusammenstoss mit seinem Gläubiger, aus seinem Gleichmut? Nein, sie alle können nicht aus ihrer Haut schlüpfen und verleugnen nirgends weniger als auf der Strasse ihre Eigenheiten. So gut wie die Menschen der Strasse den Charakter aufdrücken, so gut drückt ihn die Strasse ihnen auf. Es ist keine Frage, dass die Theorie, aus dem Sichgeben des Menschen auf der Strasse sichere Rückschlüsse auf seinen Charakter zu ziehen, in nicht allzuferner Zeit die Phrenologie, die Grapholo- Der Photowettbewerb. Der Einsendetermin für den Pfootowettbewerb der «Illustrierten Automobil-Revue» ist am 21. September abgelaufen. Di© Resultatbekanntgabe erfolgt demnächst in der «Automobil-Revue». gie und die Chiromantie aus dem Feld geschlagen haben wird. Sind die Vorrechte der Menschen unter sich durch die demokratischen Verfassungen entgültig abgeschafft, so nicht die unter den Strassen. Es gibt Strassen zweiter, ja selbst dritter und vierter Klasse, wobei Klasse durchaus nicht mit Güte identifiziert zu werden braucht. Glücklicherweise sind erstklassige Strassen nicht bloss für erstklassige Leute reserviert, sondern es herrscht weitgehendste Freizügigkeit. Dem gestraften Familienvater ist es keineswegs verwehrt, mit seiner Sippe den sonntäglichen Ausflug als schweisstriefender Stosschauffeur seines Eheautos auf der erstklassigen Landstrasse zu vollziehen, sowenig dem biederen Landmann im Schatten der Abenddämmerung verboten ist, einen Abstecher in die für ihn interessante Hintere Gasse in der Stadt zu machen. Das unumschränkte Verfügungsrecht aller auf dem öffentlichen Grund macht zwar Zusammenstösse und Stauungen oft unvermeidlich. Die Ausgangskanäle werden durch sich drängende Menschen verstopft, und so entstehen die berühmten Verkehrsstörungen, die der Verkehrspolizei oft so grosse Schwierigkeiten bereiten, von ihr aber durch die Ablaufrohrc angeborener staatsmännischer Intelligenz meistens glänzend beseitigt werden. Ain grosser Teil des militärischen, und amt- liehen Verkehrs spielt sich auf der Strasse ab, während aber beim Militär alles auf die Beine muss, schickt die Regierung meistens nur Delegierte auf die Strasse, die am Käppi erkennbar sind. Mögen in unseren Köpfen noch so verschiedene Richtungen vorhanden sein, auf der Strasse müssen wir den gleichen Weg zurücklegen, um an unser Ziel zu gelangen. Wir empfinden das vielfach als einen Uebelstand, besonders wenn wir unserem Schneider begegnen oder einem unliebsamen Wider- E U I L Die Grammophon-Platte Von Etienn© Gril. .(Berechtigte Uebertragung von H.Lemmerz und Gerhard Schäk©.) Wir hatten zu Ehren von Marc Turney ein Empfangsfest vorbereitet, dem ©r unserer Ansicht nach eine unverwischbare Erinnerung bewahren sollte... Wir übrigens auch. Eine kleine Reis© von drei Monaten hatte ihn nach Brasilien und Argentinien geführt zwecks Forschungen über Kaffern-Stämme in Südamerika; eine Nachforschung voller Ruhe, ein© schöne Reise, ein schöner Urlaub. Nach Verlauf von drei Monaten hört© man nichts mehr von Turney. «Er hat noch Geld», sagte der Chef der Nachrichten-Abteilung des Blattes. «Er wird wohl in den Spelunken von Buenos Aires verlieren, was ihm noch geblieben ist. Sollange er noch 50 Franken in der Tasche hat, telegraphiert er um Hilfsmittel und kündet uns die bevorstehend© Absendung seines Manuskriptes an. So etwas eilt.» 1 Es eilt© aber durchaus nicht. Nach einem halben Jahr stiess der Nachrichtenleiter ein bewunderndes Pfeifen aus. «Turney wird sparsam; er gibt nur tropfenweise aus.» Ein Jahr verging. Wir zweifelten nicht tmehr daran, dass unser Freund ein vorzeitiges Grab am Bauch© irgendeiner Riesenschlange des Oberen Amazonenstroms gefunden hatte, und wir sprachen von dieser Vermutung zu Frau Turney, die begann, sich zu beunruhigen. Dann Hessen wir nichts mehr von Marc Turney verlauten; nach zwei Jahren dachten wir nicht mehr an ihn und seine Stelle wurde anderweitig besetzt. Und drei weit©r© Jahr© verflossen. Arn 15. letzten Monats erhielten wir foldes Kabel: «Ausgezeichnet© Forschungsergebnisse über Kaffern. Sendung bevorstehend. Schickt Geld nach Buenos Aires. Marc Turney.» Man stellte Erkundigungen an, und nach langem Forschen kamen wir zu der Ueberzeugung, dass Marc Turney Mitglied unserer Redaktion gewesen und einstmal auf eine Forschungsreise ausgesandt worden war. Wir erfuhren inzwischen durch südamerikanische Agenturen, dass der grosse Reporter Marc Turney an einer verlassenen Insel Schiffbruch erlitten und dort fünf Jahr© ganz einsam verbracht hatte; es folgt© eine »Beschreibung der Entbehrungen, der Kokosnüss©, der Muschelsammlungen, der mit der Hand gefangenen Fische, des mittels zweier sehr schnell gegeneinander geriebenen Holzstücke angezündeten Feuers. Man erliess uns den Bericht von der Ausschiffung von Menschenfressern. Die Zeitungen können nicht alle Tage mit Robinsons in ihren Redaktionen aufwarten, und wir entschlossen uns daher, trotz des Budgets, Marc Turney Rückkehr würdig zu feiern. Es war ein prächtiges Schauspiel im Grossen Theater, an dem teilzunehmen sämtlich© hohen Persönlichkeiten sich verpflichtet fühlten. Würdevoll in der Präsidentenloge sitzend, antwortete Marc Turney auf die lauten Zurufe des begeisterten Saales mit einem leichten, oft wiederholten und sehr robinsönmässigen Gruss. Plötzlich geschah etwas Dramatisches. Fräulein Pioupiotte war gerade auf die Bühn© getreten, um das berühmte «Oh, wieg© uns! Wiege uns in deinen weissen Armen, Ozean! Grosser OzeanU zu singen. Dieses Lied hatte sie vor zwanzig Jahren über Nacht berühmt gemacht. Und sie schmetterte die Arie hinaus — mit dieser so berühmt gewordenen Stimme. Wenn Fräulein Pioupiotte sang, musste stets ein Bedienter i da sein, um gewisse Zettel zurückzuschikken, di© sich in den Bühnenbehängen verfingen. Fräulein Pioupiotte begann also ihr Lied, als Turney sich aufrichtet© und mit gesträubten Haaren zu uns sagte: «Erwarten Sie mich in einer Minute!», die Tür der Loge öffnet© und verschwand. Einen Moment später befand er sich auf der Bühne, sprang auf Fräulein Pioupiotte zu, umklammerte ihren Hals mit seinen mächtigen Händen (denken Sie an die Kokosnüss©!), riss dann das Notenblatt mitten durch und heulte: «Elende, finde ich dich wieder, Elende! Ha— habe ich dir nicht oft genug geschworen, dein© verfluchte Stimme zu ersticken...» Leute stürzten auf die Bühne, und es gelang ihnen, Marc Turney sein Opfer zu entreissen. Welch entsetzliches Drama hatte sich ereignet? Eingezogenen Erkundigungen zufolge war Marc Turney bis zu jenem Tage Fräulein Pioupiotte niemals begegnet. Wir haben unsern Freund im Gefängnislazarett besucht und ihn befragt. Er empfing uns voll Freude. Aber als wir Turney von den Erklärungen der Diva sprachen, di© versicherte, keine Beziehungen zu ihm gehabt zu haben, verfärbte sich Robinson II wie an jenem denkwürdigen Empfangsabend. Dann, sich mühsam beherrschend, erzählte er uns dies© Geschichte: Er kannte si© sehr gut, dieses Fräulein Pioupiotte. Und ob er sie kannte! Monatelang, jahrelang hatte sie ihm ihr «Oh, wiege uns!» vorgeleiert, ihm allein; er kannte den gewissen B-Ton, der ©in solches Zickzack vollführte, dass er bei jedem Schlag© schrie: «Mann über Bord!» «Die Woge, di© mich auf di© verlassene Insel warf, schickte mir beim zweiten Stoss ein© Kiste. Das war übrigens alles, was dem Schiffbruch entging, dies© Kiste und ich. Ich hätte besser daran getan, sie ins Meer zurückzuwerfen, ohne sie zu öffnen. Aber man hofft, wenn man schiffbrüchig ist, so viele Dinge in einer Kiste zu finden: Lebensmittel, Kleider, Waffen, Munition, Werkzeuge zum Bau eines Hauses oder eines Indianerfahr- PRÜFEN SIE SELBST! Frei von aller Beeinflussung. „Wenn ich Ihnen einige Zeilen ins „Tagebuch" zu schreiben erlaube, geschieht es lediglich aus dem Grunde, weil ich die vollste Ueberzeugung habe, dass Kaffee Hag mir persönlich in der Praxi3 sehr gute Dienste leistet. Weitaus der grösste Prozentsatz meiner Patienten ist herzleidend, infolge Ueberanstrengung. Allen diesen verschreibe ich Kaffee Hag mit bestem Erfolg. Dass zwischen Kaffee Hag und gewöhnlichem Kaffee ein Unterschied besteht, kann ich täglich an ""T erfahren, sofern ich es will (ioh werdemichallerdingsschwer hüten, es zu tun), indem ich immer nach gewöhnlichem Kaffee sofort an Herzklopfen leide. Dass dies nicht auf Suggestion beruht, kann ich jedermann sofort beweisen. Was die Aktion gegen Hag betrifft, so geht meine Meinung dabin, dass hier nicht das Volkswohl, sondern der Geldbeutel ausschlaggebend ist" Dr. E. in G. KAFFEE HAG schont HERZ UND NERVEN

u AUTOMOBIL-REVUE 1929— N r 82 sacher, müssen uns aber damit abfinden, solange der Luftweg nicht zum Gemeingut geworden ist. Immerhin lässt sich der erfahrene Weltmann durch derartige unangenehme Zufälle nicht alterieren, denn auf jeder cinigermassen ordentlichen Strasse finden sich Ausweichgeleise. Der Normalfall ist der, wo der Mensch allein auf der Strasse wandelt; geht er zu zweit, so ist er entweder verlobt, verheiratet, verhaftet oder betrunken. Sammeln sich viele Leute an, so ist entweder ein Pferd umgefallen oder es ist eine öffentliche Volksversammlung. Leute, welche die Strasse messen, heissen Katastergeometer und stehen mit ihr auf gespanntem Fusse. Wehe dir, Balthasar (Kaudel), wenn du in später Abendstunde mit unsicherem Gang zu Hause eintriffst; eine geharnischte Gardinenpredigt harrt deiner. Diesmal hättest du der Eingebung, auf die Strasse zu gehen, widerstehen sollen!... Berlin badet. . . Eine Leserin schickt uns aus dem Ausland folgende amüsante Skizze : «Auf den Sonntag freu''ick mir...» — denn da geht jeder Berliner, der die paar Groschen auftreiben kann, mit seiner Familie hinaus ins Grüne, und (gar bei dieser Hitze, da wird natürlich gebadet! Gelegenheit ist Da wären wir auch wieder beim Baden angelangt. Am allerherrlichsten ist es wirklich, wenn man so richtig mit den Sturmzeuges. Nun, es war ein Grammophon! Ausgezeichnet, übrigens. In dem Grammophon befand sich eine Platte. Eine einzige Grammophonplatte, verstehen Sie wohl, kein Dutzend Platten, sondern eine. Da ich mich nicht mehr mit einer Menge von Dingen zu beschäftigen hatte, die den Gebrauch einer Uhr bedingen, so drehte ich das Grammophon auf... Oh, diese Stimme, meine lieben Freunde, diese Stimme auf der verlassenen Insel, unter den blühenden Kokospalmen... Oh, wiege uns — wiege uns in deinen Armen !» Tagelang, Monde, Jahre, fünf Jahre! Stunde für Stunde! Entsetzlich!» «Aber Turney, es wäre doch so einfach gewesen, das Grammophon nicht aufzudrehen.» «Sie können ebensogut zu einem Chinesen sagen: Sauge nicht mehr an deinem Bambusrohr; oder zu einem Morphinisten: Nimm keine Spritze mehr. Je wütender ich war, desto mehr drehte ich die unzerbrechliche genügend da: Zum Wannsee, Tegelsee, Stölpkensee, Müggelsee und wie alle die kleinen und grossen Verbreiterungen der Havel heissen, strömen die Scharen aus dem «steinernen Meer», um sich in muntere Süsswasserfische zu verwandeln. Na, süss ist das Wasser ja eigentlich nicht, aber doch recht «gehaltvoll» — namentlich am Sonntagabend, z.B. im Wannseebad, wo sich den Tag durch 75,000 Menschen in den Wellen tummelten ! An einem heissen Sonntag kann man sich dort auf dem weiten, herrlichen Sandstrand nicht setzen, ohne mit dem Nachbar in Konflikt zu kommen; man steht eben, wenn man gerade nicht schwimmt. Aehnlich geht es einem in den übrigen «Freibädern» (so heissen sie bloss, weil sie im Freien sind, nicht etwa, weil der Eintritt frei ist; so gut haben wir's wohl nur in Bern). Viele ziehen aber die poetische Stille eines Schilfdickichts oder eines einsamen Sandufers am Waldrand der «Masse Mensch» vor, und so sind bald die ganzen Ufer umsäumt von badenden, abkochenden, grammophonspielenden, photoigraphierenden und photographiertwerdenden Familien. Die meisten sind im Boot gekommen: die einen im rassigen Motorboot, die andern im Ruderkahn, aber am allerhäufigsten sind die Paddler, die zu Hunderten herumgondeln, zum Aergernis der vornehmern Motor-, Segel- und Dampfboote, denen sie dauernd in den Weg kommen und obendrein noch von ihren Wellen profitieren. Dafür werden sie auch von den Besitzern eines «vernünftigen Bootes» mit der den «Proletariern der Schiffahrt» gebührenden Verachtung behandelt — wie kann man auch nur sein Boot auf dem Rücken heimtragen, lächerlich! Nichtsdestoweniger vergnügt sich so ein Faltbootfahrer königlich in seinem anspruchslosen Kahn, und am meisten freut er sich, wenn so ein eingebildeter Ratterkasten mit Motorpanne hilflos mitten auf dem See liegt und wartet, bis man ihn abschleppt, oder wenn abends die stolzen, eleganten Segelschiffe bei völliger Windstille heimgerudert werden müssen — das geht bei ihm schon leichter! Und überhaupt, segeln! Das kann der Paddler auch: er steckt seinen Mast an den Bug und hisst sein Segel, und ist der Wind gut, so kommt er dabei wunderschön vorwärts. Doch der Wind ist launisch auf den Berliner Gewässern: alle Augenblicke springt er um, unverhofft, besonders abends, legt er sich völlig oder er erhebt sich zu ganz gehöriger Stärke, ja zum Sturm und bläst im Nu die Segelboote um, die nicht mehr Zeit hatten, die Segel einzuholen. Dann gibt es auch tüchtige Wellen mit schneeweissen Schaumkronen — was für ein Spass für den Faltböötler und den guten Schwimmer! Maschine auf. Hingeworfen auf den Sand, schwor ich, Fräulein Pioupiotte den Erwürgungstod. Nach einer schlaflosen Nacht entschloss ich mich eines Morgens zur Sühne: Als Pioupiotte zum zweitausendsten Male den Ozean anflehte, sie zu wiegen, schleuderte ich sie mit einem Fusstritt in sein© «weissen Arme». Jetzt wähnte ich, auf immerdar befreit zu ufern ausverkauft ist. Im Freibad Wannsee steht ein grosser Turm, der nur einen Ofen zur Verbrennung der vielen Zentner täglichen Papierabfalls enthält. Durch die Menge der Badenden winden sich 'Männer in abenteuerlichem Aufzug, mit grossen Sombreros und andern absonderlichen Kleidungsstücken behaftet; über die Schulter haben sie sich eine Stange gelegt, an deren Enden je ein ter Dichtern ergeben, von denen ungefähr grosser Kessel hängt. Diese Männer schreien vierzig Prozent angaben, dass ihnen im beständig in singendem Tone: «Saure Guuurken, saure Guuurkenbrüüüh !» Immer sind Schlafe oft gute, wenn nicht die besten Ge-, danken einfielen. Der englische Staatsmann sie von Kauflustigen umringt, wie auch der Melbourne behauptete : « Wer mehr als sechs Obstmann mit seinem Korb: «Pflaumen, Birnen, Trauben... und ausgerechnet Bana- Stunden Schlaf braucht, ist nicht wert, dass er die andern achtzehn Stunden lebt.» Dass nen!». Diese Leute gehören ebenso zum kleine Kinder mehr Schlaf brauchen als alto Strandbadbetrieb wie der Photograph, die und gar steinalte Leutchen, das ist jedem Strandkörbe und die Wasserrutschbahn. bekannt. Aber es gibt auch dabei extreme Draussen aber, bei den abgrenzenden Bojen, Fälle; so weiss man von sechzig- und siebzigjährigen Leuten, dass sie vierzehn bis sieb- kreuzen die. sieben Sanitätsboote, um Ertrinkende zu retten. .Trotzdem fordert jeder heisse Sonntag in Berlin acht bis zehn Was tischt Ihr mir auf, Ihr Un-Menschenleben, denn allzuviele sind noch sein glücklichen, kaum dass ich gelandet bin, noch ehe ich mit der Veröffentlichung meiner Arbeiten über die Kaffern begonnen habe! Wen, zum Teufel: Fräulein Pioupiotte! Sie verstehen, dass die Gelegenheit zu günstig war, sie zum zweiten Mal in die «milchweissen Arme» zurückzuschicken. Ich hoffe, sie wird diesmal nicht mehr daraus zurückkehren.» «Sie wird sich mit einem steifen Hals aus der Geschichte ziehen», sagte ich ihm. Da senkte Marc Turney leise den Kopf und verschied. wellen kämpfen, bald siegreich auf dem Kamme thronen, bald im Tale versinken kann! Das stärkt und erfrischt! Wonnig ist es natürlich auch, sich auf einem Gummipolster (ein alter Autoschlauch tut den Dienst auch!) von den Wogen schaukeln und von derBeantwortung ist indes sehr schwierig. Es Sonne braten zu lassen; dabei kann nian so gibt z. B. geistige Arbeiter, die brauchen schön die prächtige Aussicht über den mitzehn und elf Stunden Schlaf, um erfrischt zu weissen Segeln geschmückten See mit denwerden, während andere nicht mehr als sechs Schilfufern und der dunkelgrünen Kiefernwaldumrandung geniessen oder in den blauen Himmel hinaufstaunen, wo ab und zu eine Möve silbern aufblitzt oder ein Raubvogel kreist, der es auf die Taucher und Blässhühner abgesehen hat, die beschaulich fischen oder ihre Jungen vor das Schilf spazieren führen. Doch der Berliner hat nicht allzuviel Sinn für's Poetische; auch kann er ohne seine Zeitung kaum einen Tag auskommen. Das weiss das «Berliner Tageblatt» und hält sich darum ein eigenes Motorboot, das von Badeplatz zu Badeplatz fährt und den braungebrannten Wilden die neuesten Nachrichten der Weit für zehn Pfennige überbringt. Ebenso blüht natürlich in diesen Hundstagen ein schwungvoller Handel zur See mit Eiswaffeln, Eiskrehm (so wird es dort geschrieben) und Schokoladeneis; mit lautem Jubel wird überall das flinke Boot mit dem grossen Eiskasten begrüsst, und in kurzem ist es, wie Paul Simmel sagt: Das Volk starrt in Waffeln! Ueberhaupt, gefuttert wird dauernd: in der Gartenwirtschaft, wo es heisst: «Hier können Familien Kaffee kochen» mit mitgebrachten Stullen und in den vornehmen Restaurants bei Kaffee und Kuchen, der nach fünf Uhr in sämtlichen Wirtschaften an den See- des Schwimmens unkundig urfd begeben sich unvorsichtig ins Wasser. Die Jugend aber lernt jetzt schon in den ersten Schuljahren sich frei im Wasser zu tummeln. In welcher Grossstadt wäre auch dazu so herrlich Gelegenheit wie in Berlin mit seinem prächtigen Seenkranz? Tr. G. «Vater, man sagt doch, wir seien auf der Welt, um den anderen zu helfen?» «Jawohl, mein Junge, das sind wir auch.» «Aber wozu sind dann die anderen da?» Wie viel Schlaf braucht der Mensch ? Das ist eine nicht unwichtige Frage. Die oder höchstens sieben Stunden schlafen dürfen, um nicht durch zuviel Schlaf faul und bequem, also wieder müde zu werden. Tatsächlich, es ist möglich, durch zuviel Schlafen müde zu werden! Das kann jeder feststellen und versuchen, er braucht nur einmal eine Zeitlang täglich zwei Stunden länger zu ruhen als sonst, er wird bald merken, dass er von Tag zu Tag weniger gern aufsteht und sich immer « unausgeschlafener » fühlt. Heinrich Heine blieb z. B. oft viele Tage im Bett, schlief halbe Tage und ganze Nächte hindurch, arbeitete im Bett und schuf dabei seine besten Werke. Zola schrieb ebenfalls, nach gründlichem Schlaf, im Bett. Walter Scott schlief wenigstens zehn Stunden. Georg III, König von England, hat den Satz geprägt: « Ein Narr braucht acht Stunden, ein Philosoph neun Stunden Schlaf.» Dagegen hat der General Wellington einmal gesagt: «Der Mensch soll sich niederlegen, wenn ihn die Müdigkeit befällt, und sobald er sich das erstemal umdreht, muss er aufstehen, denn dann hat er genug geschlafen.» Goethe hat einmal ganz ernsthaft versucht, ohne Schlaf auszukommen, und es ist ihm auch gelungen, einige Wochen lang nur mit täglich zwei bis drei Stunden Schlaf auszureichen. Aber es ging nicht auf die Dauer, Goethe wurde bald krank, seine Nerven versagten den Dienst. Es ist nicht möglich, eine bestimmte Schlafenszeit für jedermann festzusetzen; so brauehcn oft geistige Arbeiter mehr Schlaf als Handarbeiter, weil sie auch im Schlafe denken und überlegen. Die Wahrheit dieser alten Erfahrung hat eine kürzliche Rundfrage un- zehn und gar neunzehn Stunden am Tage schlafen müssen. Friedrich der Grosse hat einmal einem Kammerdiener gesagt, der ihn morgens fragte, wann er zu schlafen gedäclite: «Ich habe keine Zeit müde zu sein !» Die beste Regel für einen gesunden Schlaf ist die : ruhig ausschlafen und nicht wecken, aber täglich zu einer bestimmten Zeit zu Bette gehen (dann ist es auch gleichgültig, wann sich jemand niederlegt) und sofort aus dem Bette springen, wenn man munter wird. Dann gewöhnt sich der Körper an ein bestimmtes Schlafquantum, und man wird jeden Tag ohne Wecken fast um die gleiche Stunde munter. Natürlich sind die Stunden vor Mitternacht die besten, « sie zählen doppelt», sagt ein altes Sprichwort. J. F. ^••«•»•••••«•••••••••••••»•••••••••••••••••••••••••••••••»•«•B»M«»a»BB«T.i Versuchen heute noch mit ZWEI Warmwasseranschlüssen befriedigen alle Ansprüche. Prompte Lieferang. das herrlich schäumende, anregende, weinmundige Jedermanns . Getrtnk. Alkoholfrei, gesundheitlich wertvoll. Fabrikanten i W. u. Q. 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