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E_1931_Zeitung_Nr.084

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nächsten Wingert dort,

nächsten Wingert dort, steht eine kleine, alte Kapelle, die heisst man «zum Flieger». Sie kommen vielleicht noch dort vorbei.» «Ja, das wollen wir tun. Und die Geschichte?» «Es ist halt so eine Sage, wissen Sie. Dort drüben sind schon in ganz alten Zeiten immer Weinberge gewesen. Und da war vor ein paar hundert Jahren ein Weingärtner, dem gehörte der Wingert dort, wo jetzt die Kapelle steht. Selbiger war ein rechter Mann, fleissig und fromm, er zog die beste Traube in der ganzen Gegend und ging jeden Tag in seine Reben und besorgte jeden Stock so hübsch wie ein Vater seine Kinder. Es ging ihm auch gut, und er lebte rechtschaffen und in gutem Wohlstand. Es hiess auch, die heilige Mutter Gottes sei ihm besonders wohlgesinnt und habe immer extra ein Auge auf seinen Rebberg. So trieb er es sein Leben lang und wurde allmählich alt, vielleicht so alt wie ich, wenn ich mich auch sonst nicht mit ihm vergleichen darf. Und wie er ganz alt, aber noch bei Kräften war und alles Winzergeschäft noch allein besorgen konnte, da kam einmal ein Jahr, das war so gut, wie zuvor und auch -später nie mehr eines gewesen ist. Im Frühjahr keinen Frost, im Sommer keine Dürre, im Herbst Sonne genug und wenig Regen. Alles gedieh ganz wunderlich, aber am meisten die Reben, und am besten gediehen sie im Rebberg dieses alten Mannes. Er tat auch redlich das Seinige dazu, war früh und spät im Geschirr und sparte keine Mühe und Sorge, bis jeden Tag alles richtig besorgt und in guter Ordnung' war. Dabei sah er mit Erstaunen dem ungewöhnlichen Wachstum zu, wie mit jedem Monat Sonne und Regen und alle Witterung so ganz zur rechten Zeit da war, und wie unter dem gesunden Laub die Beeren langsam gross wurden. Im Herbst ging dann der alte Mann tagtäglich auf seinem Grundstück von Rebe zu Rebe, die hingen voll von grossen, vollkommenen Trauben, und keine einzige Beere fiel vor der Zeit vom Stiel oder wurde faul. Da betete er oft-und dankte der heiligen Jungfrau, betrachtete seine Weinstöcke andächtig, und manchmal sagte er, bei seinen hohen Jahren wäre es das beste, in einem solchen Wunderherbst zu sterben, denn schöner •werde er die Welt doch nie mehr sehen. Das dauerte, bis die Trauben Farbe bekamen und allmählich anfingen reif zu werden. Der Winzer wartete fröhlich und geduldig die volle Reife ab, vorher pflückte er nicht ein Beerlein weg. Aber wie es dann so weit war und jedermann in die erste Lese ging, da stieg er in seinen Weinberg hinauf, beschwerlich und langsam, mit der grossen Butte auf dem Rücken. Und droben nahm er zuerst seine Kappe ab und dankte Gott und der Jungfrau. Dann suchte er sich freudig den vollsten £ebstock und an ihm die schwerste und reifste Traube aus. Die schnitt er bedächtig ab und hob sie ans Licht. Alsdann brach er eine grosse, goldige Beere heraus und kostete sie. Sie schmeckte so süss und feurig, wie ihm in seinem ganzen Leben keine geschmeckt hatte, und als ihn diese Süssigkeit durchdrang, hob eine geheimnisvolle Freudenkraft den Alten in die Lüfte. Er schwebte hinan, war im Luftreich verschwunden und wurde nie mehr gesehen. An derselben Stelle hat man jene Kapelle erbaut, und so heisst sie «zum Flieger».» Wir nahmen dankend Abschied 1 und gingen weiter, der Herbstgeschichte nachdenkend. Nach einer Stunde, im letzten, milden Abendfeuer, erreichten wir die Kapelle, standen umschauend davor und legten vor dem Weitergehen ein paar Blumen auf die Schwelle hin. Ein Filmstar zieht am... An und für sich liegt ja an der Tatsache, dass die Filmschauspielerin Dita Parlo, deren pausbäckiges Gesicht man aus verschiedenen Filmen in Erinnerung hat, ihre Wohnung wechselt, höchst wenig. Es genügt im allgemeinen, dass man im Film ihrer Göttlichkeit unbeschränkte Bewunderung zuteil werden lässt und andächtig alle ihre Gedanken, die sie geruht, zu haben, mit Erschütterung in sich aufnimmt, aber dass man selbst ihrem voraussichtlich nicht sehr welterschütternden Privatleben Interesse zollt, das sei den inbrünstigen Lesern der Filmzeitschriften gnädigst überlassen. Wenn wir hier eines Filmstars willen ein paar Worte verlieren, so geschieht es aus anderen Gründen. In der «B. Z. am Mittag» vom 7. Oktober liest man im Inseratenteil folgende wörtlich abgedruckte Annonce eines Berliner Kunstauktionshauses: Versteigerung! Wegen vollständiger Aufgabe der herrlichen 7-ZIMMER-WOHNUNG der berühmten Filmschauspielerin Dita Parlo Besichtigung; Heute Mittwoch; Versteigerung: Donnerstag. 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Die Strassen sind von dem trüben Puls eines gehemmten, verzehrten Lebens erfüllt. Die Masse der Arbeitslosen wächst, schwillt. Ihr seelischer Zustand ist tausendmal schlimmer als aller Hunger, aller Frost. Die stillen Stuben der ehemaligen blonden Vorkriegssentimentalitäten umfassen die Qual hingeweinter Trostlosigkeiten. Furchtbar schwer ist es, sich eine Hoffnung zurecht zu denken, die über die Tatsachen des Augenblicks hinweghilft. Aber das Geschäft der Vergnügungslokale blüht. Das unendliche Heer der Kinobesucher schwillt. Mit der Not steigt die Sucht nach dem Vergessen, dem Belügen. In den dunstigen Räumen hocken sie, abends, eng zusammengepresst, eine durstige Masse, schlürfen das Lächeln der Filmgöttinnen, atmen den Wohllaut eines jenseitigen Lebens, gleiten im Geist als selbstbewusste, überlegene Wesen über die Teppiche, auf denen sich das Leben der Helden vollzieht. Auf der geheimen Sucht der Masse nach Illusionen bauen sich die Filmstars ihr Leben auf. Das Geld fliesst ihnen als williger Strom zu. Dita Parlo zieht um. Dita Parlo hat sieben kostbare Gemächer zu verkaufen. Sie ist noch jung — ach — so jung. Bald wieder einmal wird sie im Film zu sehen sein. Sie wird das Leben spielen, aber ein fremdes, salonhaftes, von keinem Hauch der Wirklichkeit umwittertes Schlager-Leben. Die Filmstars, die Götter einer irrealen Welt, thronen sieghaft über den Massen. Ihr Lächeln ist die dunstige Sonne im Nebel unserer Tage. Heil ihnen! bo. Bunte Chronik und erkannt habe. Trotz seinem lahmen Bein lief er aufgeregt durch das ganze Lager und war untröstlich, als er den Besitzer dieser wohlbekannten Stimme nicht finden konnte.,) Jake hat sich während der Expedition sehr ausgezeichnet und u. a. beim Erlegen von 18 Jaguaren mitgeholfen. 1500 junge Männer wollen eine Witwe begleiten. In einer grossen Bukarester Zeitung erschien ein Inserat, worin eine gutsituierte Witwe einen jungen Reisebegleiter zu einer Fahrt nach Italien sucht. Die Dame macht sich erbötig, die Kosten dieser Fahrt zu bezahlen. Auf diese Anzeige kamen an die Administration der Zeitung 1458 Briefe. Nun teilte das Blatt mit, dass die Redaktion selbst die Anzeige eingeschaltet habe und nunmehr die Namen und Antworten sowie die Bilder der Bewerber, unter denen sich junge Leute aus bester Gesellschaft befinden, in dem Blatte veröffentlicht werde. Nun spielten sich in der Redaktion des Blattes tumultuöse. Szenen ab, da die jungen Leute stürmisch die Rückgabe ihrer Briefe forderten. Der Chefredakteur des Blattes erklärte aber, er wolle mit diesem Beispiel die moralische Verkommenheit der heutigen Jugend anprangern. Zur Veröffentlichung dürfte es allerdings in Wirklichkeit nicht kommen. Der Blumenfonds Alma Hedins. Schwedische Blätter machen darauf aufmerksam, dass in diesen Tagen zehn Jahre verflossen sind, seitdem Fräulein Alma Hedin, die Schwester und Sekretärin des gros-i sen Forschers Sven Hedin, den « Blumenfonds » ins Leben gerufen hat. Fräulein Hedin regte damals an, von den bei Begräbnissen üblichen Kränzen und anderen oft recht kostspieligen Blumenarrangements abzusehen und das sonst für diese Dinge aufgewandte Geld einem Fonds zu überweisen, aus dem ein Haus für Unbemittelte, die in ihren alten Tagen keine bleibende Stätte besitzen, errichtet werden sollte: Dieser Vorschlag fand Anklang. Der «Blumenfonds > sammelte in kurzer Zeit ein beträchtliches Kapital an, besonders, nachdem seiner in den Testamenten noch Lebender gedacht wurde, die ihr Andenken ausdrücklich durch eine Zuwendung an diese wohltätige Stiftung geehrt wissen wollten. Gegenwärtig besitzt der Blumenfonds zwei Häuser in Stockholm, die schöne Ein- und Zweizimmerwohnungen mit Baderäumen, Sonnendächern und ande- Die Stimme seines Herrn. Ueber eine Entfernung von mehr als 6000 Kilometern hat ein Amerikaner zu seinem Hunde gesprochen, und dieser hat die Stimme seines Herrn wohl erkannt. Ein Mitglied der amerikanischen Expedition, die das noch wenig bekannte Matto-Grosso-Gebiet in Brasilien durchforscht, David Newell, ist vorübergehend nach New-York zurückgekehrt und sprach von dort mit seinem Lieblings- ren Annehmlichkeiten enthalten. Sechs an- Häuser sind im Bau. Sie werden im hunde « Old Jake >, der ebenfalls ein Mit-derglied der Expedition ist und sich gegenwärtig im brasilianischen Urwald befindet. Der die gegen eine ganz geringe Jahresmiete ein ganzen 800 alte Leute beherbergen können, Jagdhund wurde vor den Empfangsapparat Anrecht auf diese Behausung bis an ihr gebracht, und nun blies Newell am Mikrophon in New-York zunächst auf seinem Jagdtert jetzt ihre ursprünglichen Vorschläge da- Lebensende haben. Fräulein Hedin erweihorn, dessen Ton dem Hunde sehr vertraut hin, dass auch die bei anderen Gelegenheiten üblichen Blumengaben, soweit es mög- ist. « Wie geht's, alter Jake ? » fragte dann sein Herr. « Was sagst du zu diesen Tönen, lich ist, umgewandelt werden in eine Geldspende für ihr menschenfreundliches Unter- mein guter Kerl ? » Einige Minuten später meldete der Rundfunksender in Brasilien, nehmen. dass Jake die Stimme seines Herrn gehört Höhere Handel/füfüle Zürich- Neu-SeidpnhafUrnninttr-fiprhnrnc | 7$m i Dieser elegante Mantel /WMmL^mra /L/%i3$öp«|n a " s Noppenvelours, ganz gefüttert, mit sehr effekt- ( /^Ti Aw -vollem grossem Pelzkragen, ^"^Ci \ fyfS^' I ' st e ' n Beispiel aus meiner f* $Hr I reichen Auswahl flotter \Vr I Sportmäntel JUH. BRÄNDLI M _3 Jm\T~l zum ZÜRICH Leonhardseck IMBL ^/| H-ffl&N» Ecke Seilergraben-Zähringerstrasse M 0 B ELH AUS SCHIFFLANDEPLATZ 22-b. 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WO Si. _ 1031 AUTOMOBIL-REVUE ÜDCEEP Die Frauen können sich wirklich nicht über mangelnde Abwechslung im Modereich beklagen. Frau Mode verwandelt sie und lässt sie als andere erscheinen. Es ist ganz überraschend, wie sehr die Kleider, die Hüte eine Frau verändern können und wie viel Abwechslung damit in den Alltag kommt. Was wir dieses Jahr zu wenig an Sonne hatten, die uns sonst Farben, Leben, schöne Lichteffekte spendet, das gibt uns die Mode in reichem Mass. Satte Farben, reizvolle, neue Linien am Hut, aparte Pelzgarnierungen, persische, farbenfrohe Stickereien und wirklich reizvolle neue Nachmittags- und Abendkleider. Hier beim Kleid wird ein interessantes Turnier ausgekämpft: auf der einen Seite die schlichte, schlanke Modelinie, erfinderisch in feiner Detailbelebung, ohne jemals den grossen, aufs Langgestreckte gehenden Zug zu vergessen. Und auf der andern Seite melden sich Anklänge und Entlehnungen aus der Zeit der Kaiserin Eugenie, aus den Jahren 1860 bis hinein in die achziger Jahre. Puffärmel, schürzenartig nach hinten geraffte Kleider mit zum Teil ansteigenden Volants, mit enormen Schleifen im Kreuz, mit Bouilloneeffekten, Gittergarnituren — alles Erinnerungen an vergangene Tage, so gut wie die von der Taille weit fallenden Kleider, die weiten Jacken- und Mantelärmel. Aber, sagen wir, das Gerüst, auf dem sich die Geschichte aufbaut, ist ein anderes. Es steckt eine sportgewohnte, vom Korsett nicht mehr verbildete Frau darin, eine Frau, die zwar gelöste, graziöse Bewegungen durch rhythmische Gymnastik erworben hat, aber keine zimperliche Dame aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und hier beginnt die Dissonanz, wie wir sie etwa bei Möbeln in Stilimitationen empfinden, wo ebenfalls etwas Unwahres mitschwingt. Es gibt immer Menschen, die selber in ihrer Zeit einen Anachronismus darstellen, denen solche Erscheinungen wirklich wesenhafter Ausdruck ist. Aber die übrige Mode wie sie Patou, auch Lelong oder die grosse Madeleine Vionnel verkörpern, stellen den Zeitstil von 1931 doch vielleicht reiner dar, in Parallele zur eleganten Sachlichkeit und Schönheit von Automobil und Flugzeug, zu wohltuender Eleganz neuer Bauten und in ihrer Art eigentümlich reizvollen Stahlmöbeln, die mit farbigen, vielleicht handgewobenen Stoffen belebt, wirklich verführerisch wirken. Der lange Rock, gegen den die neu aufgekommene Hygiene so sehr vor Jahren gekämpft hat, er wird auch jetzt nicht wiederkehren. Die Pariser Couture schlägt ihn nicht einmal mehr vor. Knöchellang ist die Parole für elegante Cocktail und Abendkleider. Schleppen erscheinen so vereinzelt wie bisher der Muff und erstere bleiben vereinzelt. Ein Muff, der jetzt wiederkehrt, ist gar nicht so übel, namentlich da SIEBTTBE Die neue Linie EQ/O&IU er meist die Handtasche ersetzt. Zur kleinen Persianerkrawatte getragen, als Begleiter von Tailleurs, sieht er reizend aus. Und zum Fohlenjäckchen ebenfalls. Wie hübsch wussten früher die Frauen auf dem Eis zu balancieren, den Muff über der Hand; warum sollen sie sich dieses kokette Spiel entgehen lassen? Heute stehen im Mittelpunkt des Interesses die Hüte. Sie sind in sehr vielen Varianten einzelner Typen auf dem Plan! Der Amazone wird viel abgewandelt, der Kutscherhut ist weich und graziös geworden, der aufgebogene, gescheckte Chasseur wird bis zum äussersten Extrem variiert. Und dazu kommen noch andere Formen, Varianten von Schottenmützen, von Dreispitzern oder Marquis. Sie haben alle eine Tendenz: niedrige Köpfe, oft sind es nur noch flache Dächer, oft viereckige Schachteldeckel — und doch sind sie so mit ihren Rändern im Einklang, so schick in der Linie und so neu, dass sie die Frauen alle erobert haben. Zur Beruhigung jener, denen das Aufgebogene, das Degagierte nicht steht, oder die wenigstens glauben, es stehe ihnen nicht, für sie haben Patou und andere ganz besonders reizvolle Cioches gemacht, mit sich leicht hebendem, nach rechts sinkendem Mouvement. Hinten ist der Rand leicht umgebogen, schmal, so dass er im Nacken ohne Hemmung aufsitzt. Alle Hüte sind im Hinblick auf die neuen, hohen Kragen gearbeitet und das Spiel ihrer Kurven und Linien ist ebenso originell wie die neuen, faltigen Stehkragen, die sich weich hinschmiegen. Die Hüte sind mit allerlei Künsten feiner Handnäherei durchbrochen, da und dort mit einer Falte und meistens mit einer Federphantasie oder etwas Seidenband garniert. Die Federn geben dem Hut ein letztes Cachet durch das farbliche Element vor allem, wie durch die Form von Rollen, flachen Flügelstücken, stehenden Flügeln oder sich leise kräuselnden Halmen und Flaum. Die Straussfeder wird beispielsweise flach um den Kopf gelegt und nach innen durchgezogen, oder sie wird dem Kopf eingearbeitet und legt sich nach einer Seite entlang dem Rand. Hundert Varianten sind aus dem Thema Federgarnitur herauszuholen. Und auch mit dem Band lässtosich manches machen. Grosse Bandschleifen sitzen seitlich oder hinten an toqueartigen oder auch hinten etwas gehobenen Formen. Die Garnitur unter dem Rand nach innnen, sei sie seitlich oder hinten, ist nicht selten und kleidet viele Frauen ausgezeichnet. Weiche Haarfilze, feutre soleil, tanpes und neue seidenweiche Melusines stehen im Vordergrund, Satin ist schon vorbei. Samthüte spielen keine Rolle. Der schöne Filz, oft von unerhörter Feinheit, steht an erster Stelle. E. Seh. BEIM FAHREN werden Ihre Kleider voll Staub« Oel- and Fettflecken, lassen Sie dieselben wieder bei der Die hässliche Frau Es gibt keine hässlichen Frauen. Man sagt es und erfindet, je nach Bedarf, das Märchen von den schönen «... erinnen» in allen Städten der Erde bis zu den entferntesten Winkeln der Geographie. Aber wenn man in diesen Städten dann die schönen Frauen einmal sehen will, macht man die überraschende Erfahrung, dass Schönheit immer und überall nur vereinzelt vorkommt, eine Ausnahme ist. Auf der ganzen Welt sind die hässlichen Frauen in der Ueberzahl; ungeachtet dessen lassen sie sich von einer verschwindenden Minderheit schöner Frauen tyrannisieren. Wenn eine Greta Garbo ihr halblanges Haar hinter die Ohren streift und trotzdem entzückend bleibt, streifen Tausende von Frauen seufzend ihr halblanges Haar ebenfalls hinter die Ohren, selbst auf die Gefahr hin, dann wie weiland Margarete Maultasch von Tirol auszusehen. Oder eine vollendete Frau, deren Schönheit nicht einmal das auf den Hinterkopf gerutschte Hütchen etwas anhaben kann, zwingt die neue Hutmode Millionen von Frauen auf, deren solcherart zur Schau gestellte Profile dem Aestheten Angstträume bereiten. Das kommt davon, weil sich die hässlichen Frauen selbst glauben machen wollen, schöne Frauen zu sein. In dem Augenblick, da eine hässliche Frau sich vor ihrem Spiegel eingesteht, dass sie nicht schön ist, hat sie aufgehört, hässlich zu sein. Nur die Hässlichkeit, die Schönheit vortäuschen will, ist wahrhaft hässlich. Es verhält sich mit ihr ähnlich wie mit dem modernen falschen Schmuck. Vor zehn Jahren noch war er unmöglich. Warum? Weil er so tat, als wolle er kostbare Steine vorstellen. Heute gibt er ehrlich zu, Glas zu sein, und wurde dadurch schön und begehrt. Die hässliche Frau glaubt oft, nur die schöne Frau werde geliebt. Deswegen bemüht sie sich, schön zu scheinen, und verdirbt damit alles. Der hässlichen Frau, die den Mut aufbringt, die ihr zugeflüsterte Phrase von der «schönen Frau» nicht als Kompliment aufzufassen, ist der Erfolg sicher. Denn wenn sie anstatt an ein erträumtes Phantom an sich selbst glaubt, wird sie auch den andern zu diesem Glauben bekehren können. Die bezaubernsten Frauen sind jene, die einmal hässlich waren, dies erkannten, und von da ab nicht länger hässlich sind, weil kehl Mensch ihre Hässlichkeit mehr bemerkt. Man sagt" ihnen Schönheit nach, wie zum Beispiel der Marquise de Maintenon oder der Fürstin Metternich. Eine wenn auch nur eingebildet schöne Frau verlässt sich meist zu sehr auf leichte Siege, sie vergisst, den jeder Frau gegebenen persönlichen Charme zu jener Vollendung zu entwickeln, die es mit der Schönheit aufnimmt. Neue Moden sollten, entgegen dem herrschenden Brauch, von hässlichen Frauen vorgeführt werden. Wenn sie der Hut oder die Robe neuer Linie kleidet, dann werden Millionen anderer Frauen damit wahrscheinlich ebenso gut aussehen und die schönen Frauen werden noch schöner sein. Im übrigen sind Schönheit oder Hässlichieeit von allen relativen Dingen der relativsten zwei. Das tröstliche Märchen vom hässlichen Entlein, das ein schöner Schwan wurde, ist auf einem Trugschluss aufgebaut. Denn das Entlein ist gar nicht hässlich, ebenso wie der Schwan gar nicht schöner ist. Oder, auf die Philosophie von der hässlichen Frau angewandt: sie soll sich nicht bemühen, wie eine andere Frau auszusehen, sondern immer nur wie sie selbst. Dann hat sie Stil und ist nicht mehr hässlich. Es gibt nämlich wirklich keine hässlichen Frauen. Dreihundertmal Braut — und nicht verheiratet Miss Lucy Clayton in London hat einen eigenartigen Rekord aufgestellt. Dreihundertmal stand sie in vollem Brautstaat vor einer sie andächtig bewundernden Schar eleganter Herren und kritischer Damen — und wartete vergeblich auf den Bräutigam. Dreihundertmal durchschritt sie unter den Klängen des Hochzeitsmarsches das Kopf an Kopf gedrängte Defilee der Gäste und lächelte jedesmal entzückender. Es gibt wohl kaum ein junges Mädchen in London, das eine Hochzeitsrobe graziöser und sicherer zu tragen wüsste, auch keine, die eine solche Vielfalt an Brautkleidern anziehen durfte. Bei jeder der dreihundert Gelegenheiten, da sie als Braut vor der sie scharf musternden Menge erschien, trug sie ein anderes Werk modernster Schneiderkunst, einen neuen Traum aus Spitzen und Seide, aus Satin- und Crepe de Chine. Die Blumen, die in ihren Händen verwelkten, könnten einen Laden füllen. Vielleicht hat sie sich jedesmal eine Blüte aus dem duftenden Myrtenkranz, ein Blatt aus dem Strauss der herrlichen weissen Rosen in einem kleinen Almanach aufbewahrt. Sie sagt es nicht, ist scheu und bescheiden, obwohl ihrer aussergewöhnlichen Schönheit bewusst. Miss Clayton, eine Mannequinberühmtheit in London, sieht nicht unglücklich drein, wohl aber ein wenig müde. Sie liebt Musik und zieht die Orgel einer frivolen Jazz vor. Den Hochzeitsmarsch pfeift sie aus dem Gedächtnis und so wundervoll dabei, dass sie ein findiger Varietedirektor als lebendes Instrument engagieren wollte. Sie hat abgelehnt. Lucy zieht ihren Beruf vor. Er ist anstrengend, zermürbend — aber ein sich jeden Tag wiederholender Wachtraum. Die prachtvollsten Schöpfungen der Modeateliers schmiegen sich reizvoll um ihre klassisch schönen Schultern, sie wird bewundert und vielleicht im stillen auch angebetet. Sicher sogar. Sie errötet verschämt, als ich sie frage, wieviel hundert Liebesbriefe sie schon bekommen hätte. «Dreihundertmal Braut» lässt doch schliesslich etwas voraussetzen. Oder nein? — Miss Lucy lacht aus vollem Herzen, als ich sie einen Augenblick abseits der Schar der Neugierigen spreche. Sie legt das Brautkleid ab — zum dreihundertstenmal — und wird damit ein anderer Mensch. hem.Wasc/iansfift undKltideifirbenL Herbsf- Ausflug In Ordnung bringen. Tel. 35.297, Service-Auto, Direkte Postsendungen werden prompt erledigt. PRIVATKOCHSCHULE VON ELISABETH FÜLSCHER PLATTEHSTRA8SE 86 ZÜRICH? TELEFON 24.46! Dreizehnjährige Lehrtätigkeit and spät«* Leitung In der PRtVATKOOHSOHULE WTDMER Baar ins CH KURS 29 SEPTEMI 10 Zugerland uns} wohin Deine Reise geht und wir schicken Dir Angenehme Kuraufenthalte und Ausflugsziele (HöUgrotten)-Zug-Zugerberg-Aegerltal-Menzingen-Walchwil-Risch-Buonai Gutgefjlhrte Hotels, Pensionen und Kinderheime. Auskünfte und Prospekte durch das kaut. Verkehrsbureau Zug. Eigene Metzgerei, Forellen, prima Weine. Telephon 6. ?. BfitlMQARTNER. 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