Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.076

E_1933_Zeitung_Nr.076

18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1933 -NT«» 76 iwort. Die grosse Stille des Septembernachmittags hüllte sie ein; gedämpft nur klangen vereinzelte Laute aus der Tiefe herauf: das Tacken eines Motorbootes, menschliche Stimmen, Hundegebell. Sie achteten nicht auf die Stundenschläge, die dünn und blechern zuweilen über ihnen durch die Luft zitterten; sie ruhten, und einer fühlte des andern Nähe. Dann sank die Sonne. Purpurgesäumte Wolken loderten auf dem Goldgrund des •westlichen Himmels; über den unbewegten Spiegel des Sees glitten schimmernde Farbenspiele. Das Gold erkaltete zu gläsernem Grün, die Wolkenbrände erloschen; nur das "Wasser leuchtete noch lange in farbigem Widerschein, und über den Hügeln des fernen Ufers schwammen still und klar die zartrosa glühenden Gipfel der Berge, bis von Osten her hellblaue Nacht alles verschleierte. Sie legte die Hand auf seinen Arm und «agte leise: »Ich glaube, es ist Zeit für uns.» Sie gingen die Fahrstrasse entlang, die in sanfter Neigung abwärts führte. Vom See herüber wehte es kühl — da nahm sie zaghaft seinen Arm. «Ist Ihnen kalt?» fragte er. «Nein. Jetzt nicht mehr.» Offensive in Galizien ruhig fortgesetzt werden konnte, und dass Oesterreich allein in der Lage war, wenigstens für die erste Zeit, den Italienern bei Görz defensiv entgegenzutreten. Eberhard Hatzberg arbeitete ausgezeichnet. Es kam nicht ganz so billig, wie Oberst Nicolai vielleicht angenommen hatte, aber sein Material war äusserst wertvoll und stimmte immer. Im Albergo Michele hatte sich inzwischen Insofern eine Aenderung vollzogen, als Herr Stöckner aus Schwerin abgereist war. Der Baron Winter-Bieberstein hatte es nicht riskiert, bis zum offiziellen Abbruch der Beziehungen in Italien zu bleiben; er war über die Schweiz nach Oesterreich zurückgekehrt und wartete einstweilen in Wien auf weitere Verwendung. Eberhard Hatzberg hatte, sein. Scheiden keineswegs unangenehm empfunden; «Herr Stöckner» war zwar ein recht angenehmer Gesellschafter gewesen, er hatte ausserdem den Dienst ganz vorzüglich beherrscht tm abei 1 er blieb Eberhard doch immer ein wenig Sie erreichten das Dorf, als draussen auf dem Wasser die Lichter des Dampfers sichtbar wurden. Während er stampfend und und rauschend näherkam, hasteten sie zur Landungsbrücke, wo sie zu gleicher Zeit wie das Schiff anlangten. Dann sassen sie unten im Salon, redeten gleichgültige Dinge und hörten, wie das Wasser an der Schiffswand vorüberströmte. Bunte Chronik Der Orden der heiteren Seelen. Viele Leiden der Menschen sind eingebildete Leiden. Die einzig richtige Haltung im Leben ist die der heiteren Ruhe. Die Londoner haben in dieser Erkenntnis einen «Orden der heiteren Seelen» gegründet. «The Most Cheery Order of Merrythoughts» — man könnte übersetzen: «Die höchst vergnügte Gesellschaft der Menschen von heiteren Gedanken» — und die Mitglieder dieses Ordens — es sind ihrer heute schon etwa 34,000 — betrachten es als ihre vornehmste Aufgabe, den Geist der Heiterkeit unter den Menschen zu verbreiten. «Lächle ein wenig, denn wenn du lächelst, lächelt auch ein anderer — und auf einmal gibt's weit und breit nichts als Lächeln !» Das ist das Motto der M.O.M. (Most Cheery unheimlich als der Mann, der für Geld Dienste leistete, die nicht ganz einwandfrei waren, der, um sich zu bereichern, den Strick riskierte. «Geschäftlich» hatte sich den Oesterreicher übrigens tadellos benommen. Er gab Eberhard alle feinen Fäden in die Hand, an denen der Polizeioberst Faraccio zappelte, er lehrte ihn auch, wie man mit die* sem Obersten umgehen musste, um ihn ganz in der Hand zu behalten. Geld, Geld und immer wieder Geld. Es blieb Eberhard schleierhaft, wofür der Oberst immer wieder einen Tausendlireschein dringend haben musste, bis er erfuhr, dass dieser würdige Beamte hasardierte. Ausserdem war er, wenn er einmal gerade im Glück sass und deshalb bockbeinig werden wollte, durch einen Hinweis auf sehr unvorsichtig aufgestellte Quittungen leicht klein zu bekom»- men. Ob Signora Felicia von diesen Be* Ziehungen zwischen ihrem Geliebten und ihrem Mieter wusste, war nicht klar. Indem: Albergo trafen sich der Oberst und Eberhard: eigentlich nur zufällig: und ganz gelegentlisk, was Hatzberg keineswegs unangenehme fo&K* Denn der Oberst mit seinem von -allen Order of Merrythoughts), dieser OptiinSstenliga, die den verzagten und mutlosen Leuten, den Schwarzsehern und Hoffnungslosen, den Snobs jeglicher Färbung mit gutem Willen und vor allem mit Heiterkeit entgegentreten will. Diese Ordensleute wollen die Pessimisten der ganzen Umgebung zu einer Aenderung ihrer Weltanschauung bewegen. Sie wollen ihnen rosafarbene Brillen aufsetzen* Aber sie wollen auch die Verzweifelten aufrichten, den Hilflosen helfen und den Traurigen das Leben erhellen. Der Blick sei vorwärts und empor gerichtet — es ist noch nicht aller Tage Abend — und es ist klüger, zuversichtlich zu sein als verzagt. Lächle — und die Welt lächelt mit dir, weine — und du weinst allein. Das Lächeln ist der Sonnenschein unserer sonnenlosen Tage. Lebenslängliches Mitglied dieses Ordens kann jeder werden, der dem Schatzmeister fünf englische Schilling überweist. Von diesem Betrag gelangen vier Schilling an den Freiluftfonds, eine Londoner Stiftung, deren Zweck es ist, arme Kinder für einige Zeit aus der Stadt, aus den Elendswohnungen, auf das freie, grüne Land hinauszuführen. Das Schönste an diesem Orden ist wohl seine Tendenz. Denn, weiss Gott, die Welt braucht in diesen Tagen sehr viel Heiterkeit. Leidenschaften zerwühlten und zerfurchten Raubvogelgesicht war ihm unheimlich. Und ausserdem war es gut, wenn die Beziehungen möglichst unter der Oberfläche blieben. Sehr merkwürdig gestaltete sich nach der Abreise Stöckners das Verhältnis Eberhards zur Dame Mercedes Farere. Solange Stöckner noch im Albergo Michele wohnte, legte Mercedes offenbar grossen Wert darauf, von Eberhard lediglich als Dame und Hausgenossin betrachtet zu werden, keinesfalls als Kollegin. Obwohl Mercedes und Eberhard oft zusammen sprachen, auch allein, war mit keinem Wort von dem «Beruf» der beiden die Rede. Nicht einmal andeutungsweise. Mercedes Hess sich von dem Brasilianer, der den Sommer in seiner alten italienischen Heimat verbringen wollte, ein wenig den Hof machen, plauderte angeregt und sichtlich nicht ungern mit ihm über alles mögliche, aber von den wichtigen Ereignissen, die sich in diesen Tagen vollzogen, war zwischen ihnen nicht mit einem Wort die Rede. Man konnte den «Beruf» wahrhaftig nicht diskreter ausüben,.-als es die Dame Mercedes-tat. -Eberhard war - das durchaus angenehm, Strohmänner musizieren. Eine der ulkigsten Ueberraschungero wird aus dem feuchtfröhlichen New York bekannt Der Bierrummel ist für die New Yorker Musiker ein gutes Geschäft. Zu Wochenende finden bei 6000 kleinen Kapellen viele Musiker Beschäftigung. Manchmal werden die arbeitslosen Musiker sogar zu wenig und so griff man zu einem bewährten Mittel. Wenn zum Beispiel eine Kapelle auf drei oder vier Partien zugleich musizieren sollte und die Musiker für diese kleinen Kapellen nicht ausreichten, so stellte man einfach einige Nichtmusiker an, gab ihnen Instrumente und Hess sie während des ganzen Konzerts markieren. Statt siebzehn Mann musizierten also beispielsweise nur vierzehn. Diesen Schwindel machten saeh auch einige Manager zu eigen. Er glückte. Nur in einem einzigen Fall gab es ein Malheur. Der Mann, der die Kapellen managte und zu jedem Orchester einige Strohmänner mixte, hatte sich bei der Zusammensetzung geirrt. Als die sieben Mann hoch im Restaurant zu musizieren beginnen sollten, stellte es sich heraus, dass sechs von den sieben Musikern Strohmänner waren und nur der Kapellmeister allein ein wirklicher Musiker war. Die Gäste rasten. Einige Boxer beförderten die Strohmänner auf die Strasse. denn er interessierte sich für Mercedes persönlich viel mehr, als für ihre Tätigkeit. Er interessierte sich für sie sogar so sehr, dass er anfangs ziemlich heftige Gewissensbisse empfand. Oberst Nicolai hatte ihn sehr ernsthaft vor den Frauen gewarnt, und auch sein eigenes Empfinden, seine Erfahrungen warnten ihn davor, sich auf Abenteuer einzulassen, deren Tragweite niemand ermessen konnte. Aber die Gewissensbisse wurden immer weniger heftig, je öfter sich Eberhard dem Bann der Augen dieser schönen Frau aussetzte, und eines Tages war es so weit, dass Hatzberg einen bösen Stich im Herzen empfand, als er Mercedes in einem bescheidenen Mietswagen die Piazza Pergolese verlassen sah: zu einer ihrer «Zweckfahrten wie der Baron Winter-Bieberstein sich äusserte, von denen sie nie ohne glänzendes Resultat nach Hause zurückkehrte. Baron Winter hatte Eberhard ganz nebenbei einmal verraten, dass Mercedes gewisse Beziehungen zu dem belgischen Militärattache unterhielt, der der schönen Frau offenbar völlig hörig war. (Fortsetzung folgt. 1 ) Sie werden im Winter keine Heizungs- Sorgen mehr haben .... wenn Sie eine Oelfeuerung besitzen. Der modernste Oelbrenner, hergestellt durch eine der ältesten Spezialfabriken. vollautomatische H eizung; keinen Kohlenstaub, Asche, Schlacken, Russ und Rauch mehr. LACO-OELFEUERUNGEN Aktiengesellschaft FIB Terreaux, 9 NEU CHAT EL Telephon 13.63 vasen tierfiguren pflanzentöpfe meister keramik dübendorf Ueberall stet« fabrikfrisch dank der besonderen luftdichten Pergamyn - Stanniolpackung. Vereinigte Tabakfabriken A.-G., Solothurn. Intime HYGIENE für Damen u. Herren Diskreter Versand durch: Postfach 18258, Höngg-Zürich Die Zufahrtsstrassen «us der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. 8. Wasserauen Bahnhofbuffet I». Butterküohe. • Leb. Bachforellen. Gute u. billige Mittag» essen. — Garage. — Autopark. Tel. 8.55. E. Manser-Dörlg, Inh. A.C.S. Hotel Hecht erstes Haus am Platz«. Rendezvous der Automobilisten. Neu renoviert. Feine Butterküche. Grlllspeziaü täten. Grosse neue Garage. f. Casanova-Wild. Automobilisten sind gute Kunden! TROGEN ^thaiis zum Schäfte Altrenom. Landgasthot. Schon seit 1674, mit bestem Rufe, Erstklassige Weine, Vorzugl. Butterküche. Stets lebende Forellen. Zeitgemässe Preise. Garage. Tel. 12. L. Schäfer-Stadalmann. Gewinnen Sie dieselben durch den Autler-Feierabend m /BiH;-GC):JN(TE:N J.'AP^ TEt7ÖS GABÄGE'-PARKPiÄTZ Kraftbrühe Bachforellen blaa zerlassene Butter-Kartoffeln Poulet r6lt garniert Salat Els-Crime. Garten-Restauram. A.C.S.n. T.CJS. JOH. ELSER - DORIG, Hotel xw Krone Betttur. Gut bürgerliches Haus. Selbstgeführte Küche, Qualitätsweine. - Bachforellen. Automobilisten bestens empfohlen. Grosse Autogaraee. - Mit Locher-Bier Gutgeiübrtes bürgerliches Haut. Eigene Metzgerei. Anerkannt gute Küche and Keller. Schone Fremden, zinuner. Bescheidene Preise. Autoremise. Telephon 15. H. Brudarer, Besitzer. Appenzell Speicher Tea-Room Walzenhausen-Lachen Conditorei PENS O N FRIED HEIM an der obern Strasse nach Helden. Bestbekannt für Moderne Blume — Ideale Auto-Haltestelle Küche u. Keller. Mäss. Passanten- und Pensionspreise. Telephon 36 O. Kürsteiner. Prospekte. Tel. 141. Farn. J. Oertll-Bernegger. Urnäsch Gasthof z.Sonne Gasthaus LÖWEN T. O. S. direkt an der Strasse nach Rossfall. Bestbekannt für direkt an der Strasse St. Gallen-Heiden. Altrenommiertes Haus. Butterküche. Ia. Weine. Wunderbare Küche u. Keller. Eigene Bäckerei-Konditorei. Bescheidene Preise. Grosser und kleiner Saal. Garage. Schöner Fernsicht. Bescheidene Preise. Telephon Nr. 20. Parkplatz. Tel. Nr. 5. K. Zuberbühler. Familie Fäasler. TEUFEN '"HotelHecht T.C.S. T.C.S. Appenzell-A.-Kh. 930 m u. M. Ein gutes Getränk ist Sonntags-Menua rr.4. SO Werben Sie um die 70,000 sohweizer. Automobilisten duroh die Automobil-Revue

N»7« - M33 HDaOB tDCElCP Rückkehr zum guten Geschmack. Die Fremden, die nach Frankreich kommen, sind manchmal erstaunt, mitten in Paris, der Stadt des Masshaltens und des ruhigen Geschmacks, gewisse Exzentritäten zu sehen, die zum Glück nicht allzu häufig sind und für welche die Haute Couture nicht verantwortlich ist. Einige nehmen das Wort «originell» (das häufig nur das Synonym von «abgeschmackt» ist!) zum Vorwand, um die Uebertreibunggen auf der Filmleinwand in das wirkliche Leben zu übertragen. Daher kömmt es, dass wir auf der Strasse, bei den Rennen, im Bois und bei künstlerischen Veranstaltungen junge Frauen sehen konnten, die wie Filmstatistinnen wirkten. Neben solchen Maskeraden stach die echte Mode, die eine Frau damenhaft schmückt, doppelt vorteilhaft ab. Nun, der Karneval dauert nicht ewig, und niemand lässt sich auf die Dauer zum Narren halten! Die Rückkehr zum einfachen, unaufdringlichen Geschmack, der aber trotzdem ganz von weiblicher Anmut imprägniert ist, wird jeden Tag deutlicher. Man muss gestehen, dass dieser Geschmack in den Sphären der Haute Couture immer heimisch war, denn dort flösst man den Frauen nach Brummeis Wort den Wunsch ein, «nicht aufzufallen», vielmehr von einer Elite geschätzt zu werden, die sich zu kleiden versteht. So kann man in Paris feststellen, dass in gewissen Kreisen, für die der Ausdruck «aristokratisch» kein abgetaner Begriff ist, die «Verkleidung» nicht Wurzel fassen konnte. Die Mode bewahrt hier ihre reine Inspiration, wie es stets die Tradition der Pariser Schneiderkunst gewesen ist. Des Morgens im Bois kann man die sogenannten «Sportkleider» sehen, die nur für Spaziergänge und "isisen bestimmt sind und die eine Weiblichkeit bewahren, deren Reiz die Bewegung unterstreicht, indem sie die gesunde sportliche Anmut des Körpers zur Geltung bringt. So natürlich es auch ist, für die wahren Sportzweige, wie Yachting, Golf, Jagd, Reiten, ein© bequeme Kleidung zusammenzustellen, so lächerlich erscheint es, sich unter dem Vorwand der Hygiene bei einem einfachen Spaziergang als Mann zu verkleiden. Es ist sicher, dass die Herbst und Wintermode sich gleichermassen von karnevalistischen Exzentrizitäten wie von jenem forciert männlichen, Stil fernhalten werden, den Kinostars lancieren wollten und der im Grunde nur dazu dienen sollte, die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, selbst um den Preis der Lächerlichkeit. Die Frauen werden sich weiter schmücken. Prächtige Gewebe, Samt, Brokat werden dazu ver- ^~'endet werden und die Eleganz wird wie- .er ihren angestammten Platz einnehmen, den sie niemals hätte verlassen dürfen. Modische Splitter OPAXEJ Wir werden auch— dem Himmel sei Dank dafür — diese agressive Art des Schminkens, die alle Frauen in fahle Vampire oder Puppen verwandelte, weniger oft beobachten. Auch die Frisuren, die gleichsam aus Draht waren und die immer wieder die versteinerte Haartracht der Büsten Messalinas und Caracallas reproduzierten, werden wir seltener sehen. Man trifft Frauen, deren Haare, ob blond, ob braun, leicht und frei flattern und in lebendiger Art sich um ein lebendiges Antlitz kräuseln. Das ist der unnachahmliche Stil von Paris, der Stadt, in der die Lächerlichkeit tötet und die Ironie laut wird,.sobald sich nur ein Zipfelchen des schlechten Geschmackes blicken lässt und wo die Mode, die selbst weiblichen Geschlechts ist, das ewige Leben der Frauen bedeutet und bleibt Der moderne Hat. «Die Kappe ist tot! Es lebe die Kappe!» Jedes Jahr wieder wird die Herrscherin in der Hutmode so begrüsst. So auch klingt es über dem Reigen, den in diesem Herbst die Hüte auf den Köpfen der Frauen zu tanzen scheinea «Wer zählt die Völker, nennt die Namen», die hier Anregung und Nachahmungstrieb mit ihren krausen, komischen, bizarren Kopfbedeckungen so entflammten, dass die französischen Hutmodeschöpferinnen ihren ungezügelten Eifer in der Erfindung vielfältigster Formen so hemmungslos entfalteten. Es muss ein grosses Geriss um die Weltkarte stattgefunden haben, und jede der einzelnen Damen hat irgendein anderes buntes Staatenbildohen des Globus erwischt. Nach dem richtet sie sich nun. Unter den Kleidschöpfern gibt es auch Männer, merkwürdigerweise haben sie das «Behüten», das ihnen wohl mehr zukäme, ganz den Frauen überlassen. Da schaukeln sich nun auf den modischen Lockenköpfen der Damen die steifen Mandarinenkappen, die vielteiligen Pagodenhüte, europäisch aufgelockert in Filz und Samt. Gar nach einer Puderquaste aussehend, wenn sie garniert sind mit dem langhaarigen Affenpelz. Romantische Polenschwärmerei wird begreiflich, wenn jetzt die polnischen hohen Pelzmützen von Frauen in der zu erwartenden glaskalten Winterpracht spazieren getragen werden. Aegyptischer Beeindruckung müssen die strengen, herben Kappen entstammen, die linienrein das Gesicht einfassen. Aus Schottlands Gauen stürmt Robin Hood herbei und stülpt den Frauen seinen kühn geschwungenen Jägerhut mit den wippenden Federn aufs Haupt. Die Schiffer aus der Bretagne und aus Holland mögen wohl Pate gestanden haben bei den Kappen, die so seetüchtig aussehen, noch dazu zu Ehren Marinettis, des ideenreichen Italieners, der ! AUTOMOBIL-REVUE 19 neue Herrenhüte lancieren will, mit Cellophan belegt. Neptuns zackige Krone wird gleichfalls in einen modischen Hut umgedichtet Lord Byrons Griechenbegeisterung wird verständlich, wenn man die phrygischen und thessalisch spitzen Griechenmützen sieht, die Marianne schon immer als französisches Symbol getragen hat. Nicht zu vergessen die Florentiner Pagen, die den ganzen operettenmässigen Aufmarsch anführen. Wohin fliegen die Vögel, wenn es Winter wird? Wir haben gelernt, nach warmen, südlichen Gefilden. Aber das scheint in diesem Jahr nicht mehr ganz richtig zu sein. Denn das kleidsame Gefieder des Strausses —er wollte wohl einmal nördliche Zonen aufsuchen — ringelt sich von den Hüten herab und gibt ihnen das malerische Aussehen, ohne dass sich die Federn zu solch riesigen Bündeln türmen wie auf den Hüten der Makartzeit. Reiher und Marabu müssen von ihrem flaumigen Federschmuck hergeben, um die Kappen zu zieren. Der Hahn des Glockenturms, die Gans des Kapitols geben ihre Federkiele, die sich zwar nicht kreischend und krähend, aber doch laut und sichtbar genug auf den Hüten geri Himmel recken. Der spanische Torero muss ohne Kopfbedeckung in die Arena steigen, weil den Frauen seine Kappe selbst zu gut gefällt. Was aber werden die ehrwürdigen englischen Richter und die Priester sagen, wenn sie sehen, wie aus ihren steifen, feierlichen Amtsbaretts windige weiche Samtkappen werden, die Frauen zu schmücken? Und selbst vor dem Militär wird nicht halt gemacht. Verlockend ist es, eine Ulanenkappe aufs rechte Auge zu drücken, auch wenn man Frau ist, und das Studentenkäppi kann nicht gar so unkleidsam sein, wenn der Das neue Tenniskleid. (A. P. Photo.) «Prinz von Heidelberg» so gut gefiel. Selbst der Hahnenkamm, Symbol stolzer Männlichkeit, muss sich jetzt bequemen, in filzernem oder samtenem Schopf den Frauen zu dienen. Der Puck des «Sommernachtstraums* führt seine lustige Bande in das «Wintermärchen» hinüber. Das scheint etwas toll. etwas übertrieben, gar zu sehr einer Lehrstunde für Geographie und Völkerkunde, verbunden mit ihren Auswirkungen für Oper, Operette,. Schauspiel, ähnlich. Aber es zeigt, wie unendlich beschwingt schöpferische Frauenphantasie Anregungen aufgreift, um die Frauen — sagem wir es laut — zu neuem Kaufen zu veranlassen. Im Vorschreiten der Saison wird sich alles massigen. Das sehr Kleine zum Mittelgrossen, die Ethnologie zu vernürnftig^zeitgemässer Kopfbedeckung. Rotlackierte Fingernägel. Die mondäne Dame, die mit unendlich viel Geschick und mit einer wahren Leidenschaft ihr Gesicht schminkt und zu strahlender Schönheit und Jugendlichkeit bringen will, hat eingesehen, dass der Sommer mit seinem hellen Licht vor allem «Natürlichkeit» von der Frauenerscheinung verlangt. Nun steht ihre Schminkkassette ganz im Zeichen der Naturfarbtöne. Sie darf nur ein wenig korrigieren und muss sich streng an die ihr von der Natur mitgegebene Hautfarbe halten. Jedes Zuviel wäre unvorteilhaft. Erst am Abend, wenn das Licht elektrischer Birnen oder flackernder Kerzen sommerlich gedeckte Tische und die Freilufttanzstätten erhellt, dann darf sie sich durch die Kunst des making up verändern, sich nach Herzenslust «herrichten». Aber das zarte Rosa und das lichte Mandarin, diese hellen Farben des Puders und des Rouge, kann man nicht ver- Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O.R.Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T.C. S. Er wollte nicht so lange die Zeitung lesen, aber .. . wer ein Chalet sieht, denkt an Chalet-Käse: er ist so fein, nahrhaft und vorteilhaft! Chalet- KSse zum Znüni, zum Dessert und abends, als Zwischenmahlzeit, vor allem auch als Tourenproviant: einfach herrlich I •Chalet Tilsiter : zum Abendessen. Chalet Kräuter-Käse: zur Abwechslung. Chaiet Emmentaler: als Zwischenmahlzeit und für T&uren. Chalet Bahnt: zum Dessert. ALPINA KÄSE A. G„ BURGDORF Vom Simplon oder Gotthard besuchen Sie das ideal, direkt am Lago Maggiore gelegene A.C.S. Grand Hotel Brissago T.C.S. in gr. Park, mit ei;. Strand, Tennis, Pauschal- n. Weekendarrangements. Bellinzona HOTEL INTERNATIONAL Zimmer mit fliess. Wasser und Privatbad. — Italienische Küche. Restaurationsterrasse. — Bescheidene Preise. — Garage im Hause. Telephon 40. Dir. R. Ponzio. Lugano-Udo, Strandhotel Seegarten TCS Ideales Familienhotel in ruhiger, staubfreier Südlage, direkt am See. 100 Betten, alle Zimmer mit Loggia oder Balkon. Privatbäder. Eig. Strand-, Sonnen- und Freiluftbad, nebst gr. Garten. Gepflegte Küche. — Pension von Fr. 10.50 an. Erstkl. Gesellschaftsräume. 20 Boxen. Tel. 14.72. Bes. u. Leiten Familie Huber-Sohm. Golf, Garage. Zimmer v. Fr. 3.50, Pens. Fr. 12.- an. Günstige Prospekte in allen Verkehrs- u. Reisebüros. Telephon 21.14. Automobilisten sind gute Kunden! Gewinnen Sie dieselben durch den Autler-Feierabend Lugano-Castagnola HoteiBoidt T.C.S. Das gute Familienhotel in bester Lage. Grosser Garten. Bekannt gute Küche unter eigener Leitung. Zimmer mit fliessendem Wasser. Pension von Fr. 9.- an. Eigene Garagen. Telephon 794. sind zu einem Begriff geworden, seit Rideaux die erstklassigen Vorhänge so billig verkauft Rennweg 59 Zürich Tel. 38.584