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E_1936_Zeitung_Nr.032

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Automobil-Revue •—

Automobil-Revue •— N° 32 £ut Schweizer m JCanada Jakob Stricker: Erlebnisse eines Schweizers in Kanada. Mit 24 Abb. In Leinen Fr. 6.^, Orell '.Füssli Verlag, Zürich und Leipzig. Jakob Stricker: Erlebnisse eines Schweizers in Kanada. Mit 24 Abb. In Leinen Fr. 6 . Orell Füssli Verlag, Zürich und Leipzig. Ein Appenzeller ist nach Kanada ausgewandert und Hat im Osten und Westen dieses ungeheuren Landes neun Jahre lang mit kräftigen Fäusten gearbeitet und mit offenen Augen beobachtet. Deshalb ist sein Buch «Erlebnisse eines Schweizers in Kanada» über den einfachen Tatsachenbericht hinaus gerade heute, in unserer Zeit, sehr wertvoll. Jakob Stricker zeigt uns, wie heute das Leben in Kanada für den Auswanderer aussieht. Wie letzt, in der Krisenzeit, die Arbeitsbedingungen und Lebensumstände drüben sind, wie man dort wohnt, isst, arbeitet und verdient als Buschmann im Urwald, als Gärtner und Erntearbeiter auf den riesigen Farmen, als Kellner, als Sägereiarbeiter und als selbständiger Unternehmer im Holzfach. All das macht das Buch des schlichten Appenzellers zu einem wertvollen Dokument. •Mit Erlaubnis des Verlages geben wir nachstehend ein paar muntere Proben daraus. Am gleichen Tag traf ich zufällig meinen Freund und erzählte ihm meine Erlebnisse. Er selbst hatte die ganze Zeit über keine Arbeit gefunden. Wir bummelten plaudernd in der Stadt herum. In der St. Catherine Street drehten sich zwei Herren nach uns um und sagten: Aha, auch Schweizer. Gleich ging ein gegenseitiges Ausfragen an. Die beiden waren Zürcher und, wie sich bald herausstellte, grosse Aufschneider. Der eine gab sich als Waldbahnbau-Ingenieur aus, der andere als Kinooperateur. Als ich diesen zweiten fragte, warum er denn nach Kanada ausgewandert sei, wenn er doch in Zürich eine so gutbezahlte Stelle gehabt habe, wie er erzähle, antwortete er: « Ach, ich hatte grosses Pech. Mein Vater wollte das grösste Kino Zürichs kaufen, aber es fehlten ihm noch 10 000 Fr. für die Anzahlung von 40 000. Ich bat den Besitzer um drei Tage Geduld und um die Zusicherung, das Kino so lange keinem anderen Interessenten zu verkaufen. Das versprach er. Ich suchte nun meine Verwandten auf und konnte bei ihnen die 10 000 Fr. mit Leichtigkeit auftreiben. Schon am nächsten Tage ging ich mit Vater zusammen zum Besitzer, um den Kauf abzuschliessen. Dieser saubere Herr erklärte aber, es tue ihm leid, das Kino sei schon verkauft. Nun war ich so wütend, dass ich meinem Vater sagte, ich habe jetzt die Nase voll von der Schweiz und wandere nach Kanada aus. Und das tat ich auch. » Als er dieses Märchen fertig erzählt hatte, fragte ich ihn, ob er auch schon etwas von jeher grossen Kuh in New-York gehört habe, und gab folgende Geschichte zum besten: «-Ich habe gehört, in New-York haben sie die grösste Kuh der Welt. Jeden Tag müssen 100 Wagenladungen Heu in ihren Stall gesehäfft werden, und das frisst sie alles. Jetzt hat,diese Kuh zwei Kälber bekommen. Aber diese beiden Kälber sind noch lange nicht so gross wie Ihr zwei! » Wir beide lachten uns krumm, die zwei Zürcher aber verdufteten beleidigt und wir waren-•froh; diese- Grosshansen los zu sein. Es stellte sich später heraus, dass beide durch das Emigrationsbureau in Zürich ausgewandert waren, und damit ist gesagt, dass ihnen Bund, Kanton und Heimatgemeinde zu je einem Drittel dje Reise bezahlt haben., Es sind mir noch viele solche Märchen erzählt worden, und es ist leider eine Tatsache, dass immer jene die grössten Prahlhanse waren, die vom Konsulat unterstützt werden mussten. Geld erhielten sie zwar nicht, sondern Gutscheine für Essen und Schlafen, die dann von den Logisgebern beim Konsulat in Bargeld umgewechselt werden konnten. Mancher ist nach Kanada ausgewandert im Glauben, man müsse hier nicht, viel arbeiten, man brauche nur auf ein Pferd zu sitzen, den ganzen Tag auf der Farm herumzureiten und den Cowboy zu spielen. Es ist aber so,. dass man hier und in ganz Amerika viel mehr arbeiten muss als in Europa, wenn man es auf einen grünen Zweig bringen will. . Der Sägereibesitzer beschäftigte im Sommer und Herbst drei Mann mit eigenen Lastautos,, die Bahnschwellen zur Station zu .führen.hatten. Da zwischen allen Bewohnern.des,kleinen Ortes gute Kameradschaft herrschte, Hessen uns diese Chauffeure jeweils gern (mitfahren, ja sie hielten sogar von sich aus, bei Fussgän-, gern an und luden sie ein, aufzusitzen. Einer von ihnen hiess Pitt, ein übermütiger Kerl, von dem ich später noch etwas anderes erzählen werde. Er traf mich eines Tages im Wald, hielt an und Hess mich hinten auf die .Bahnschwellen sitzen. Nach kurzer Zeit stoppte er plötzlich, sprang aus der Kabine und rief: «Jack,: sieh dort, auf jenem Baum sitzt ein junger Bär! » =' Wirklich sah ich kurz vor uns ein Bärchen von der Grosse eines mittleren Hundes etwa drei Meter hoch in einem Baum. Den wollte sich Pitt herunterholen. Er bat darum seinen Gehilfen, ganz langsam weiterzufahren' und kletterte zu mir auf die Schwellen. Dort ergriff er die Pickeroo, ehr Werkzeug zum Verladen der Bahnschwellen. Als wir "nahe an dem Baum vorbeifuhren, sprang Pitt hoch, konnte das Bärchen an den Hinterbeinen erfassen und riss es herunter. In vollem Schwung schlug er es dann über die scharfe Kante der Schwellen. Ein Schrei, und der drollige Kleine streckte sich, der Schlag hatte ihm das Genick gebrochen. Plötzlich hörten wir ein lautes Knacken und Brummen. Da mussten die alten Bären in der Nähe gewesen sein und unsere Tat beobachtet haben. In hellen Sätzen kamen sie auf uns.zu. Es ist kaum zu glauben, wie flink diese plumpen Tiere die grössten Baumstämme überspringen können. Der Chauffeur gab Gas und fuhr so rasch wie möglich davon, während Pick und ich uns mit den Pickeroos bewaffneten, um die Bären abzuwehren, falls sie auf unseren Wagen springen wollten. Sie waren uns schon bedenklich nahe gekommen. Auf die Dauer hielten sie aber das Rennen nicht aus und blieben zurück, während wir. mit unserer Beute wohlbehalten am. Bahnhof "ankamen. Auch bei unserer Rückkehr auf dem gleichen Wege Hess sich keiner von ihnen mehr erblicken. Frühling am Qenfersee Abends fünf Uhr brachte mich der Mechaniker zur Polizei und verlangte «ine Fahrbewilligung für mich. Ohne langes Fragen erhielt ich den Führerschein; er kostete jährlich nur 1 Dollar. Am gleichen Abend stellte ich einen Chauffeur und einen Gehilfen an. Tagsüber, wenn ich im Walde beschäftigt war, hatte der Chauffeur den Lastwägen zu führen; nach dem Abendessen machte ich jeweils noch ein bis zwei Fahrten* Weil ich an den steilen Hängen sehr viel Mühe hatte, die Telephonstangen aufzustapeln, musste ich danach trachten, sie so schnell wie möglich abzuführen. • * • Nach einigen schönen Tagen in Basel fuhr ich ins Appenzellerland und verweilte" hier einige Zeit im filternhaus. Pflichtgemäss ging ich auf die Polizei, um mich anzumelden — zum erstenmal seit neun Jahren. Die erste Frage, die der Mann an miph richtete, war: Und was haben Sie zu versteuern? Das ist der liebevolle Empfang von Auslandschweizern. Wenn ich jeweils in der Zeitung lese, es müsse dafür gesorgt werden, dass, die Heimat mit den Auslandschweizern in engere Fühlung komme, .dann gerate ich jedesmal in Wut. Die ganzen neun Jahre lang hat sich kfein Teufel um mich gekümmert, und ich war auch nie auf Unterstützung vom Konsulat angewiesen. Erst nach meiner Rückkehr zeigte das Heimatland Interesse-an mir, vor allem die Steuerverwaltüngen des Heimat- und Wohnorts. Findet aber ein zurückgekehrter Auslandschweizer keine Arbeit, dann muss er selbst sehen, wo und wie er einen Unterhalt findet; da haben die Behörden kein Interesse mehr an ihm. Wie viele Schweizer sind in Uebersee arbeitslos und bekommen nicht die kleiaste Unterstüt- Am 1. März 1930 konnte ich mein Camp wieder eröffnen und ging daran, die letzten Poles aus jenem Wald herauszuschaffen. Die Bäume standen alle an einem sehr steilen Hang, wo man stellenweise mit den Pferden nicht zukommen konnte. Der Abtransport war darum sehr schwierig. Ich wollte mich dieses Jähr besonders anstrengen und recht viel Geld verdienen, denn es war mein Wunsch, Weihnachten in d£r Schweiz mit meinen Angehörigen zu feiern. Auch mein Schatz sehnte sich sehr nach meiner Rückkehr. Um mehr verdienen zu können und unabhängig zu sein, beschloss ich nun, wie beabsichtigt, ein Lastauto anzuschaffen. Ich fuhr nach Vancouvef und kaufte dort einen 5-Tonnen-Lastwagen, Marke Fageol-Ruck, mit An- Linie diesen Landsleuten zu helfen, statt imzung] Man hätte die Pflicht, in allererster hänger. Im Kaufpreis war die Fahrtaxe für mer und immer wieder den Ausländern, die ein Jahr inbegriffen. Da ich noch nie einen sich doch nachher über uns dumme Schweizer Lastwagen mit Anhänger gefahren hatte, anerbot sich die Firma, mich genau anzulernen. diesen Jahren im Ausland nie etwas geschenkt nur lustig machen. Ich selbst habe in allen Morgens 8 Uhr setzte ich mich in ihrem grossen bekommen. In Amerika heisst es: Vogel friss Verkaufslokal ans Steuer, ein Mechaniker, sass oder stirb!' ' neben mir und unterrichtete mich. Nach einer Stunde verliessen wir den Saal und fuhren ganz langsam durch die Stadt. Auf freier Strasse musste ich dann schneller fahren, anhalten, rückwärts fahren, wenden und so weiter, bis ich mit dem Wagen vertraut war. JCieine Jiitte'dunqeH Aus dem lecien&iidec&uch Der Name Tessin Erst seit dem Jahre 1798 trägt die Südschweiz den Namen des Hauptflusses Tessin. Vorher hiessen die Talschaften südlich des Gotthard die acht ennetbirgischen oder die italienischen Vogteien. Die erste Vereinigung, die vom Helvetischen Grossen Rat auf Antrag Konrad Eschers beschlossen wurde, blieb aber zunächst auf dem Papier. Die von Peter Ochs im gleichen Jahr entworfene Verfassung sah die zwei Kantone Lugano und Bellinzona vor. Die zweite helvetische Verfassung vom Jahre 1802 schloss die beiden Teile wieder zusammen zum Kanton Tessin. Durch die Mediationsakte Napoleons wurde 1803 der Name endgültig eingeführt, svz. Die Namen der Apostel in Leonardos Cenaeolo Die grosse Darstellung des Abendmahls von Leonardo da Vinci im Refektorium von Santa Maria delle Grazie in Mailand würde keine , sichern Anhaltspunkte für die Identifizierung ' aller Apostel geben, wenn nicht die wertvollste, besterhaltene Kopie beschriftet wäre. Diese in der Kunstgeschichte berühmte Wiedergäbe füllt ein Spitzbogenfeld an der Westseite der Kirche S. Ambrogio im kleinen Tessiner Dörfchen Ponte Capriasca bei Lugano. Sie ist kurz nach der Mitte des 16. Jahrhundert« entstanden, svz. Ein Bilderbuch im Kirchenfenster. Wem es vergönnt ist, einige Frühlings- Ferientage am Thunersee zu verbringen, der sollte nicht verfehlen, eines der vollkommensten Werke aus der Frühzeit der schweizerischen Glasmalerei, die das Leben und Leiden Christi darstellenden 24 Scheiben in der Kirche von Hilterfingen zu sehen. Man nimmt an, dass die wohl von Meister Hans Noll aus Bern stammenden Glasbilder, deren grossartige Linienführung einen hervorragenden Künstler verrät, zur Zeit des Kircheneubaues um 1470 von der Familie von Scharnachtal gestiftet worden sind. svz. Courtelary Pensionat und Haushaltungsschule „Le Presbytere" Qura) lehrt perfekt Französisch, Italienisch, Englisch, Haushalt usw. Sport, Musik. Jahreskursbeginn: Ende April. Vorzügliche Ski-Gelegenheiten. Beste Referenzen. Prospekte. Gebirgslage 700 m Höhe. Herrn. Frau Pfarrer Voomard. Privat- Detektiv büro «ARGUS» gegr. 1890, Zürich, Goethestrasse 12, Telepb. 44.195, besorgt überall. Auskünfte, Beobachtungen, Nachforschungen etc. 6 GUMMI Fr. 2.50 Beste Qualität. Sicherster Schutz: Diskreter Versand. Postfach 93, Wädenswil Das Goldiitzcfcen ist eine praktische Erfindung, die. auch den Automobilisten interessieren wird: Ein Klappstuhl mit Lattensitz, der mit einem einfachen Griff auf- und wieder zusammengeklappt werden kann. Wer spazieren fährt und an einem schönen Aussichtspunkt Siesta halten oder Picknicken will, hat im «Goldsitzchen» eine willkommene kleine Gartenbank, die sich auch als Notsitz im Auto, als Tischchen oder als Schemel im Haushalt verwenden lässt und den Vorteil bietet, dass es zusammengelegt nur einen bescheidenen Raum einnimmt Kleines Schweizer. Jahrbuch. Ein Handbuch der Schweiz im Taschenformat ist das « Kleine Schweizer Jahrbuch », das die Firma Chocolat Suchard S. A. in Serrieres-Neuchätel kürzlich herausgegeben hat Es enthält nicht nur einen kurzen Abriss der Schweizergeschichte, Angaben über die eidgenössischen Räte, über Masse, Gewichte, Bahn- und Posttaxen und über die ausländischen Vertretungen der. Schweiz, sondern rekapituliert in kurzen Worten das statistische Wissen über alle Schweizer Kantone, begleitet.von einer kurzen Charakteristik der Landschaft und des Volkes. Ein höchst nützliches Heftchen im Taschenformat, das eine erstaunliche Vielfalt von Wissenswertem vereinigt. 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in. Blatt Automobil-Revue Nr. 32 BERN, 17. April 1936 Kleines Modebrevier für die Dame am Volant -nn. Zugegeben, je älter der Führerschein ist, den die Handtasche der Dame birgt, um so weniger lüstet es sie, die Umwelt durch einen besonders pikant ausgedachten Autodress von ihren diesbezüglichen Fähigkeiten in Kenntnis zu setzen. Wie gerne lässt sie bei kleinen Vergnügungsfahrten den ledernen Mantel zu Hause parkieren; schliesslich und endlich ist man kein «Autosäugling» mehr, und es tut einem gar nicht mehr so schrecklich wohl, seine Mitmenschen mit einer kleinen Extravaganz zu bluffen. Das will selbstverständlich nicht heissen, die oftmals sehr klug ausgedachten Neuheiten für die Dame am Volant verdienten es allesamt, links liegen gelassen zu werden. Im Gegenteil. Es gibt darunter Verschiedenes, was seinen sehr nützlichen Zweck erfüllt und sportlich wirkt, ohne irgendwie eine Maskerade vorzustellen. Für Touren im grössern Stil und in offenem Wagen wird man kaum darum herumkommen, eine lederne, leinene oder seidene Helmkappe mitzuführen. Eine Weile mag es hübsch sein, den Wind in den Locken herum» tollen zu lassen, auf die Dauer jedoch kann es einem denn doch zu bunt werden. Die lang geschnittene Rückenfront solcher Kappen hat zudem den Vorteil, empfindliche Nackenpartien vor Zugluft zu schützen. Eine der jüngsten Erfindungen auf diesem Gebiet ist das Helmvisier aus durchscheinendem Mikamaterial. Ueber den Kopf gestülpt, bändigt es das Haar und erspart die nicht immer ästhetisch wirkende Autobrille. Auf Ueberlandreisen ist auch Lederkleidung durchaus am Platz. Es gibt jetzt herrliche, weiche Nappa-Jacken und -Mäntel in freundlich hellen Farbnüancen; sind sie staubbeschrnutzt, dann genügt es, sie einer einfachen Wasserbehandlung zu unterziehen, um ihr Aussehen wieder erfreulich zu wandeln. Auf Grund unliebsamer Erfahrungen vielleicht hat die Dame bestimmt schon lange heraus, dass es sich besser steuern lässt mit dem auf halbhohem oder niederm Absatz stehenden Schuh als mit den koketten Modellen mit Louis XV-Absatz. Der Fuss steht sicher, und die Gefahr des seitlichen Abrutschens ist geringer. Recht praktisch sind Schoner, die das hässliche Durchscheuern der Kappen und Absätze beim Steuern abfangen. Es handelt sich hierbei um Lederkappen in der Farbe und im Material des Schuhwerks; sie werden ganz einfach hinten in den Schuhrand eingehackt. Gute Erfahrungen hat man auch mit dem Krummfingerhandschuh gemacht. Er klemmt nicht wie der Handschuh mit den geraden Fingern und verursacht darum keine Blutstauungen. • - ;Es ist momentan Trumpf,seinen Wagen so.sachlich wie möglich auszustatten. Ueber Mascotten und Blumenflor wird von der jungen Geheration Im geschlossenen Wagen hat man sich natürlich keineswegs an Modevorschriften zu halten. gekichert;, für sie sind solche Dinge Eines aber ist sicher: wer das Volant manövriert, den kleidet sportlicher Stil besser als das noch so entzückend zusammengestellte Phantasiegenre. Mangel an Ideen für sportliche Anzüge kann man der derzeitigen Mode wahrhaftig nicht zum Vorwurf machen, angesichts des Massenaufmarsches von adretten Tailleurs, englisch-klassisch geschnittenen Mänteln und Deux-pieces, die mitunter Kostüme simulieren. Wenn uns als passendes Geschenk für Kusine Dorothe oder den Neffen Fritz gar nichts einfallen will und mit dem Nähkorb für Tante Alwine uns ein anderer zuvorgekommen ist, entschliessen wir uns resigniert zum Briefpapier. Wenn es sich dabei auch um kein originelles Geschenk handelt, so stellen; wir die Empfänger doch nicht vor die peinliche Alternative, entweder für den neuen unbrauchbaren Gegenstand ein passendes Versteck zu finden oder ihn bei Gelegenheit mit schlechtem Gewissen weiter zu verschenken. — Zudem will selbst Briefpapier mit Liebe und sozusagen Psychologie gewählt sein — denn der Neffe Fritz kann sich bei seiner Angebeteten ebensogut durch unangebrachtes Briefpapier seine Chancen verderben als durch eine schlecht sitzende KrawatteI Wenn er ihr auf himbeerfarbenem Papier seine Liebe beteuert, wird sie daraus nicht nur auf seinen schlechten Geschmack schliessen, sondern bei ihm ausserdem einen femininen Einschlag wittern, der ihr gar nicht imponiert und um sich einigermassen zu rehabilitieren, wird er erst einige kühne Skisprünge oder einen Boxkampf mit Erfolg bestehen müssen! Die Schlüsse, die die Empfängerin aus dem rosaroten Briefpapier zu ziehen glauben darf, sind also schwerwiegender als bei der Krawatte, denn, so wird diese Eva folgern, zu geschmackvollen Krawatten kann man einen Mann eventuell erziehen, Feminität hingegen wird als Charakterfehler eingewertet. Auch nicht auf mauvefarbenem Briefbogen soll der junge Mann seinen zarten Gefühlen Ausdruck verleihen, sondern er wähle lieber das neutrale Weiss ;oder — wenn es farbig sein muss — das Plauderei über Briefpapier unquffällige Grau, wobei ihm die Art des Päpieres immer noch einen weiten Spielraum lässt, seihen guten Geschmack in Sachen Briefpapier zu bezeugen. Auf elegantes Büttenpapier hingeseufzte Liebeserklärungen haben die grössten Chancen, gnädig aufgenommen zu werden; dieses vornehme Papier schafft eine Atmosphäre, der s i e nicht gut widerstehen kann. — Zu parfümiertem Papier soll e r sich beileibe nicht hinreissen lassen, auch wenn er selbst für das leicht nach Mille fleurs duftende Briefchen aus zarter Hemd eine dankbare Nase hat, sein Brief darf höchstens einen feinen Zigarettenduft ausströmen oder nach herbem Tabak riechen! Anderseits Würde ich dem jungen Mann unbedingt raten, seinem reichen Orikel Benjamin auf ganz bescheidenem Briefpapier seine prekäre Lage gegen Monatsende zu schildern. Das ist gar nicht so unwesentlich als man denkt,, bei. delikaten Angelegenheiten, ist es überaus wichtig, auch in den kleinsten Dingen für die richtige Stimmung zu sorgen. Selbst die herzerschütterndste Beschreibung der Lage wird die erstrebte Wirkung verfehlen, wenn sie auf feudalem Briefpapier vorgebracht ist, denn des Onkels Stirn wird sich in düstere Falten legen und seine Gedanken werden ungefähr die sein: solange der Bengel so teures Schreibpapier vermag, wird das nicht so schlimm sein. Ich selbst hatte einmal einen unverhofften Erfolg, als ich meine Nöte auf einem Fetzen Packpapier schilderte, natürlich, wenn man nicht einmal mehr Briefpapier kaufen kann, dann muss es schon schlimm stehen! Sissy. (Photo Rumbucher) gründlich passe. Auf Decken und Kissen hingegen will niemand verzichten, und es wird beiden zur Ehre angerechnet, wenn-sie bei Nichtgebrauch bereit sind, sich klein und bescheiden in eine fläche Tasche zu kuscheln. Auto-Luftkissen sind jetzt auch mit solidem Lederbezug zu kaufen. Die schweren, wollenen Decken in Rockform mit Tasche räumen nun den hübsch gestreiften Seidendecken das: Feld. Wie in der Mode, liebt man auch sonst die farblichen Gegensätze; eine zur Nuance des Wagens kontrastierende "Decke erscheint jetzt als höchster Schick. Als Reisezubehör fürs Auto ist der handliche, dreiseitig reissverschlossene Schweinslederkoffer begehrenswert. Seine elegante Linie, seine Leichtigkeit wirken bestechend, und da er weich und nachgiebig ist, kann man ihn überall hineinund dazwischenstopfen. Im hellen Gehölz sind die Reiser verjüngt schon von grünendem Spross. Hoch in der Luft zieht ein weisser vom Märzwind gezügelter Tross aufblinkender Wolken, von Schauern unsäglicher Sehnsucht urnblaut. Schieiernd vor uralten Mauern erschliessen sich Knospen und Kraut. Amselgesang, der die Toten verlockt im begrabenen Schrein. Herzen, die längst verlohten, schmeicheln sich durstig ein in das Glitzern der blühenden Lanzen von heimlich sich spitzendem Gras, wann Abendsterne tanzen auf der Wellen gekräuseltem Glas. Traumumfangene Gelände schliessen wie Blüten sich zu. Die Nacht küsst meine Hände und träufelt mir Tau auf den Schuh; bereitet mich mit Zeichen, die voller Fernweh sind, auf dem Weg, der zwischen den Eichen in das Gewaltige rinnt. Damenhüte - und andere Kleinigkeiten Damen-Hüte. Nachdem die Mode durch zwei Saisons hindurch ;fast stabil geblieben ist und. wenig Abwechslung geboten hat, ist es in diesem Jahr anders geworden. Der kleine flache Cannot ier behauptet wieder das Feld, zum Entzücken jener vielen Damen, die nach wie vor die klassische Mode lieben. Als ganz besondere Neuheit bringt die elegante Mode Hüte aus Maline, die aus 40 Lagen Tüll gesteppt sind und als Ersatz für den feinen Trotteur zum Complet, Jackenkleid und Strassenkleid getragen werden. Im. grossen und ganzen haben die Hüte aus Stroh einen weicheren Charakter als bisher. Sie präsentieren sich durch sehr schick aufgesteckte Tül}* und Schleiergarnituren, sehr oft in mehreren dezenten bunten Farben übereinander, die reizende Effekte erzielen. Die vorherrschenden Farben sind dunkelblau, schwarz und fliegerblau, etwas goldbraun und bleu in Verbindung mit marine. Bei dunklen Hüten sind meist mehrfarbige Bandgarnituren vorherrschend, damit der Charakter des Hutes eine freudige Nöte bekommt. Modische Kleinigkeiten. Das modische Allerlei, wie man es zu nennen pflegt, wird in der kommenden Frühlings- und Sommer-Saison wiederum eine wichtige Rolle spielen. Schon lange vor Frühlingserwachen haben sie sich angemeldet, die duftigen und farbenfrohen Neuheiten zur Ausschmückung der sommerlichen Garderobe. In Kragen, Jabots, Westen, finden wir entzückende Neuheiten in verschiedenen modi-, sehen Formen. Pique in weiss und farbig nimmt wiederum, einen bedeutenden Platz ein. Strenge Formen, am Hals anliegend (Stehkragen mit farbiger Krawatte* Jabpts ,in vielen Variationen),, wirken sehr vornehm auf Pullovern und Kleidern.. Weitere ;Materialien sind Cloque, bedruckte und bestickte, Organdis, Georgette, Crepe. Satin, Tüll mit Lack, sowie Baumwollstoff mit Schottendessin. Der Posamentenstil setzt sich in der Lingerie mit Erfolg durch. Kordeln zum Binden, Schleifen aus Seidentressen, als Verschluss oder Ziermotiv erscheinen an weissen und cremefarbenen Georgette- Kragen. In verschiedenen Breiten werden Soutaches als Umrandung verwendet. Man sieht Kragen aus Kordeln in allen Modetönen und in reizenden Motiven, auch mit kleinen Fransen _ oder. Quasten als Applikationen* sowie Soutache-Kra'gen mit passendem Gürtel als Garnitur; Es wird auch viel Handarbeit. verwendet. Als besonders reizender Aufputz seien echte Spitzenkragen und breite Spitzen-Jabots in gelblichem Farbton erwähnt. Frühliugs-Serenade Ki Man Kerst. Sehr beliebt sind Blumen, sowohl in einem wie beiden Knopflöchern der Jacke, auf der Corsage des Nachmittags- und Abendkleides, wie au,ch an dessen Decollete als Ranke, die auch, als Achselbandoder als Dekor des.Gürtels dient. ... , Die grosse S c h a 1 m o d e wird weiter anhalten. Neben den bisher meist getragenen Dreiecktüchern werden viele Langschals, sowie der von Paris lancierte Viereckschal getragen. Die Materialien sind Georgette, Mattcrepe, Marocain, sowie weiche Seiden-Mousseline. Als bevorzugte Dessins seien Punkte, grosse Kugeln, Blumen sowie Cachemir erwähnt. Die Farben sind teilweise zart oder auch in lebhaften Kombinationen zu sehen. Femer bringt Paris wiederum originelle Dreieck- und Vierecktücher aus ganz leichtem Wollgewebe, welche besonders in zarten Pastellfarben gut wirken. Für Strassenkleider bevorzugt die Mode kürzere Röcke, bei Abendkleidern sorgen Schlitze dafür, dass das Bern sichtbar wird: der Strumpf tritt also wieder stärker in Erscheinung als bisher. Die Farben wechseln in gelblicher, bräunlicher und rötlicher Tönung und umfassen alle Hautfarben in ihrer ganzen Wandlungsfähigkeit. Bevorzugt wird reine Naturseide, denn je dünner der Strumpf ist, um so intensiver kann seine Farbe sein. Er verdeckt nicht mehr das Bein, sondern liegt auf ihm wie : ein feiner Puder. Die Posamentenmode setzt sich in diesem Frühjahr in verstärktem Masse fort, jedoch noch mehr tritt die Spitze als besonders favorisiertes Ausschmückungs-Material in den Vordergrund. Schon die einfachen Nachmittagskleider sind mit aparten Kragen garniert* die für Selbstanfertigung auch am Meter am Lager sind. Das Material dieser Kragen besteht hauptsächlich aus zarten Chantilly-, Gui' pure- und Spachtelspitzen sowie aus Satinstöffen mit Ajour-Applikationen. Jabots bleiben nach wie vor modern. Bei Hochsommertoiletten greift man gern zu Lei.nen- Effekt-Stoffen für Garnituren «sowie auch für Rüschen oder Pliss&. Als neuestes Erzeugnis auf dem Markte s ist die Patentspitze zu nennen, ein Wunder' der Technik, das sich aussergewöhnlich gut den Vielseitigkeiten der Mode anpasst. Diese Patentspitze ist erst gestickt, dann gefärbt, dann bedruckt und zuletzt geätzt. Sie ist das Resultat einer absolut neuen Herstellungsweise und dürfte in der kommenden Mode viel von sich reden machen. (Aus dem Modebericht der Grands Magasin» Jelmoli S.A. Zürich.),