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E_1936_Zeitung_Nr.083

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG. 13. OKTOBER 1936 — N° 88 Besitzung der STADT LAUSANNE aller Art, grün, halbweiss, weiss, braun, etc., lieferbar durch utiquerre officielle des vins de la Ville de Lausanne. Verkauf alljährlich per Kufe in öffentlicher Gant DE S T .PREX.VAim Trinkt Weine aas dem Rebgut der Gemeinde La [oteKIoroes Die Flasche Fr. 1.10 franko jede Schweiz. Bahnstation, Glas «begriffen, in Kisten von 30 und 50 Flaschen. Rebland von 11 Hektaren |' Verlangen Sie unsere Speziaipreise für Waadtländer offen und in Literflaschen. Kellerei der Winzer MORGES (Waadt) 23 Am aussersten östlichen Ende der «Bonne { Cöte» liegt das Rebland von Sarraux-dessous An seinen Hängen wächst ein leichter, fri- f scher und prickelnder Wein. Kenner! Verlangen Sie unsere Marke Domaine de Sarraux Für den Verkauf wende man sich an den { Chef der Kulturen des Domaine de Sarrauxdessous, Telephon 98.410 oder an Bolle & Co., Weine, Morges i! Mitbesitzer Telephon 72.774 |> Ein feiner Tropfen Ob Sie guter Weinkenner oder blo Liebhaber sind, wissen Sie wohl, unsere 1934er Weine die vorzüglichsten sind, die wir seit Jahren erhalten haben. Wir verkaufen in Kisten zu 10 und 20 Flaschen eine Auswahl bester 1934er Weine garantiert aus unserer Besitzung. Verkauf franko Domizil, ohne Rücksendung der Verpackung zu billigsten Preisen. AGRICOL A S.A. Bussigny - Morges i» Die Reblaus Die Reblaus wurde in den Jahren 1858—62 mit aus Amerika bezogenen Reben, die wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen den echten Mehltau eingeführt wurden, auf unseren Kontinent verschleppt. Hier hat sich der Schädling an den Wurzeln und in den südlichen Gebieten auch an den Blättern der Reben vermehrt und die befallenen Stöcke vernichtet. Im Jahre 1868 hat Professor Planchon den Schädling erkannt und Phylloxera vastatrix genannt. Von nun an konnte man der verheerenden Invasion entgegentreten. Es war aber unmöglich, das Insekt auszurotten, es breitete sich vielmehr trotz energischen Gegenmassnahmen immer mehr aus und hat heute in allen grösseren Weinbaugebieten Fuss gefasst und den Weinbau erheblich geschädigt. Durch die Reblaus ist man in den befallenen Gebieten gezwungen worden, die alten, einfachen Verjüngungsverfahren im Weinbau aufzugeben und an ihre Stelle neue, kompliziertere Methoden zu setzen. Auch der schweizerische Weinbau ist nicht verschont geblieben. Schon im Jahre 1874 wurden diö ersten Reblausherde bei Genf festgestellt. Im Kanton Zürich fand man im Jahre 1886 in verschiedenen Gemeinden zum erstenmal Rebläuse. In der Folge nahmen die Invasionen in den Kantonen Genf, Waadt. Neuenburg, Bern, Zürich, Thurgau, rreiburg, Tessin, Wallis und Base! eine grössere Ausdehnung an. Der Bund und die Kantone führen den direkten Kampf gegen die Reblaus. Auf gesetzgeberischem Wege ist das Möglichste getan worden, um durch eine Verminderung des Rebtransportes und Einschränkung des Rebenhandels die Gefahr der Infektion herabzumindern. Die .Biologie des Schädlings Ist nicht in allen Weinbaugebieten dieselbe. Die Lebensintensität des Insektes schwankt sehr nach den äusseren Bedingungen. In warmen Ländern, wo in einem Sommer zirka neun Generationen gebildet werden, findet die Reblaus bessere Bedingungen als im nördlicher) Weinbaugebiet, wo sie nur 3—4 Generationen zu erzeugen vermag. Der Schaden der Reblaus Ist daher in den südlichen Ländern viel grösser, die Reben sterben rascher ab als bei uns. ' Die Schädigungen der Reblaus sind auf den Saftentzug zurückzuführen. Die befallenen Rebwürzelchen bilden, dort wo Rebläuse saugen, 2—4 Millimeter dicke, leicht kenntliche, helle Nodositäteh. Diese Anschwellungen sind meist bohnenförrriig. Die Rebläuse befinden sich in den verschiedenen Lebensstadien vor allem in den Einbuchtungen dieser fc4odositäiMV Die felodositätea verfaulen dann mit den Würzelchen, die Rebe ist geschwächt. Nicht selten trifft man aber auch Rebläuse an den dickeren Wurzeln, an denen sie sich in grösserer Menge vorfinden; sie führen dann etwa zu schorfigen Missbildungen. Durch diese Einwirkungen wird das Wurzelwerk der Rebe geschwächt, allmählich vermindert sich der oberirdische Trieb und die Rebe stirbt schliesslich ab. Die für unsere Verhältnisse massgebenden Versuche hat Prof. O. Schneider-Orelli in zürcherischen Reblausgebieten durchgeführt. Er hat dabei festgestellt, dass das Absterben der Reben_ länger auf sich warten lässt, als man früher angenommen hat. Noch im 7. Jahr nach der Infektion der Europäerrebe konnten keine Wachstumsstörungen festgestellt werden. Nichher gingen Wachstum und Ertrag zurück. Der Kampf gegen die Reblaus Ist In der deutschen Schweiz Immer noch das Ausrottungsverfahren. Wenn In einer Gemeinde nur einzelne Rebberge verseucht sind, ,so wird man die gesunden immer zuerst bearbeiten. Die Werkgeschirre und die Schuhe sind nach dem Betreten der kranken Rebberge zu desinfizieren. Dass keine Rebstickel aus den kranken Bergen in die gesunden hinübergenommen werden, ist wohl selbstverständlich. Wenn alle Vorsichtsmassregeln beobachtet werden, so können auch in Reblausgemeinden noch Reblagen längere Zeit gesund erhalten werden. Die Behandlung der Herde ist verschieden. In Gebieten, wo die Invasionen gering sind, und die noch vorhandenen unveredelten Rebberge einen bedeutenden Wert repräsentieren, wird man dieselben sofort durch Hineinpumpen von Schwefelkohlenstoff desinfizieren, wobei die Reben mit den Trauben vernichtet werden. Dort, wo die Reblausverseuchung einen grösseren Umfang hat und der Wert der noch vorhandenen Rebberge ein geringerer ist, wird man mit der Rodung bis nach der Weinlese zuwarten. Die Rodung der verseuchten und desinfizierten Reben erfolgt mit einer Sicherheitszone, die verschieden gross gehalten wird. In der Ostschweiz wird das Roden durch die staatlichen Organe durchgeführt, in der Westschweiz ist das Sache der Rebbesitzer. In neuerer Zeit verbietet man die sofortige Bepflanzung der gerodeten Rebberge nicht mehr, vorausgesetzt, dass dazu, was ja eigentlich selbstverständlich ist, veredelte Reben verwendet werden. Die Rebbesitzer werden für den erlittenen Schaden entschädigt. Da die europäischen Reben durch Rebläuse vernichtet werden, sah man sich gezwungen, Roben anzupflanzen, die auch beim Vorhandensein des Insektes gesund bleiben. Zuerst pflanzte man in Frankreich die widerstandsfähigen amerikanischen Reben an. Weil deren Weinqualität gor nicht befriedigte, ging man dazu über, unser» Reben mit den guten Weinen auf. diese amerikanischen Reben zu veredeln. Der Neubepflanzung der Rebberge mit veredelten Reben kommt im Kampf gegen die Reblaus die grösste Bedeutung zu. Sie gestattet uns, an Stelle der vernichteten Rebberge neue, widerstandsfähige zu setzen und durch die vorbeugende Rekonstruktion den Reb« tausschäden auszuweichen«

N° 83 — DIENSTAG, 13 OKTOBER 1936 AUTOMOBIL-REVUE 19 Genie und Wein Die Weinverkaufspropaganda, welche In dereine unfruchtbare Stimmung solle man nicht etwa Hauptsache dem Weinhanael obliegt, ist heutzutage keine Kleininkeit mehr, obschon sich das Re- ein paar Glas Wein wirken nicht selten auf die durch geistige Getränke zu meistern suchen, aber klamewesen gewaltig entwickelt hat. Allen Behauptungen der Abstinenten über angebliche Degenegen Dingen. Es liegen im Wein produktiv ma- Klarheit der Einsicht und EntSchliessung in schwieririerung des Weintrinkers kann sie die Lebensführung und Aussprüche wahrhaft grosser und be- kommt dabei alles auf Zustände und Zeit und chende Kräfte sehr bedeutender Art; aber es rühmter Männer entgegenhalten. Eine kleine Schrift, Stunde an, und was dem einen nützt, schadet dem welche vor einiger Zeit von Hofrat Prof. A. Böckel andern. Ein Reimspruch Goethes lautet: (Mainz) erschien, erzählt uns folgendes: «Weihrauch ohne Feuer man nicht riechen kann. Homer sagt in seiner «llias>, «dem ermüdeten Wein macht munter geistreichen Mann.» Mann ist der Wein Stärkung». Der griechische Lord Byron, der grösste englische Dichter des Lyriker Alkaios erklärt: