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E_1948_Zeitung_Nr.021

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AUTOMOBII^REVUE

AUTOMOBII^REVUE MITTWOCH, 5. MAI 1948 - Nr. 21 Der «Prix du Cinquantenaire» Der Berner Glauser (Alfa Romeo) in Front.- Patthey (M.G.) Sieger der Klasse 1101 - 1500 ccm Alle Konkurrenten der Klasse 1501-2000 ccm ausgefallen Pünktlich um 8 Uhr morgens erfolgte der Start zum nationalen Rennen, dem « Prix du Cinquantenaire >, der den Reigen der drei Rennveranstaltungen des Sonntags eröffnete. Zwölf Teilnehmer liess das Reglement zu, doch verteilten sie sich nicht gleichmässig auf die Klassen D, E und F. Bei den Grossen ist einzig der Berner P. Glauser auf Alfa Romeo-2,?-Lit©r mit von der Partie, die Klasse E vereinigt vier Konkurrenten, nämlich Ruff, Dattner und Noverraz (alle auf BMW-2-Liter) und Glättli auf Alfa-Romeo-1805-ccm am Ablauf, währenddem sich das übrige Feld aus fünf MG, einem BMW-1,5- Liter und einem Oisitalia zusammensetzt. Strahlender Sonnenschein breitet sich über das Land, und die Piste ist schon dicht von Zuschauern umsäumt, als der Rennleiter M. Cuendet, die Startflagge senkt. Dattner geht sogleich in Führung, gefolgt von Ruff, währenddem Glauser nicht eben gut wegkommt. Am Schluss der ersten Runde heisst die Reihenfolge an der Spitze Ruff, Dattner, Noverraz, Glauser, Patthey, dieweil der Rest schon deutlich zurückliegt. De Terra (BMW 1500) hält kurz an der Boxe; er ist unterwegs vom Bremspedal abgeglitten und hat den Wagen Hardy Fortmanns 'leicht touchiert. In der dritten Runde schiebt sich Glauser an Dattner und Noverraz vorbei auf den zweiten Platz und bleibt dem führenden Ruff immer dicht auf den Fersen. Schon ist das Feld weit auseinande-rgezogen und prompt erlebt man denn auch die ersten Uefoerrundungen. Noverraz verliert etwas Boden auf das Spitzentrio; hinter ihm zieht Patthey rmit seinem MG-Kompressor als erster der Klasse 1100 mit bestechender Regeknässigkeif seine Runden, seinen fünften Rang im Gesamtklassernent sicher haltend. In der. rückwärtigen Etappe ereignet sich wenig, abgesehen davon, dass Glättli in der zehnten Runde durch einen Lagerdefekt zur Aufgabe gezwungen wird. Und jetzt müss Daftner vor Noverraz die Waffen strecken, doch vier Runden später, in der 15., wird der Genfer, nachdem er mit einem Stundenmittel von 90,304 km/h die bisher beste Rundenzeit gebucht, durch einen. Federbruch am Hnken Vorderrad schachmatt gesetzt und verschwindet von der Bildfläche. Kurz darauf kommt aus dem Lautsprecher die Meldung, dass der Leader Ruff, dem Glauser in kurzem Abstand wie ein Schatten folgt, diese Leistung noch unterboten und die 13. Runde mit einem Durchschnitt von 93,385 km/h hinter sich gebracht hat. Mit dem Ausscheiden Noverraz ist Dattner wieder in dritte Position emporgestiegen; doch schon in der nächsten Runde erwartet man ihn vergeblich: Lagerdefekt — aus! Damit ist von der Klasse 1K bis 2 Liter der Spitzenreiter Ruff als einziger Ueberlebender geblieben, aber Glauser lässt sich micht abschütteln. Im hinteren Feld hat inzwischen Seiler seinen Markengenossen Fortmann passiert. Der Ausfall Dattners und Noverraz bringt den zähen Patthey schon in der Mitte des über 34 Runden (100,810 km) führenden Laufs an die dritte Stelle, gefolgt von Grobety (Cisitalia). Aber das Rennen will weitere Opfer haben, und in der 19. Runde ereilt auch Seiler das Schicksal in Gestalt eines Vergaserdefektes. So ergibt sich folgendes Klassement bei 20 Runden 1. Ruff, BMW 2. Glauser, Alfa Romeo 3. Patthey, MG 4. Grobety, Cisitalia 40:18,2 = 88,280 km/h 40:21,2 = 88,171 km/h 42:16,2 = 84,173 km/h 43:25,9 = 81,921 km/h Nur die ersten drei liegen in diesem Moment noch in der gleichen Runde. Wer aber wähnt, es seien der Ausfälle nun genug gewesen, der irrt. Nach der 21. Runde flitzt Glauser als Spitzenmann an der Tribüne vorüber — allein auf weiter Flur Wo bleibt Ruff? Langsam kommt er an die Boxe getrudelt und steigt aus. Ein Getriebeschaden hat ihn aus dem Rennnen geworfen. Bis zum Schluss treten keine Aenderungen mehr ein; Glauser, der ein kluges Rennen liefert, fährt, das Heft unangefochten in den Händen haltend, auf Nummer sicher und beendet, nachdem alle drei BMW auf der Strecke geblieben, das Rennen als verdienter Sieger. Ein ebenso klarer Erfolg lohnt Pattheys ausgezeichnete Leistung; über die ganze Distanz in de-r Klasse bis 1100 ccm glatt dominierend, erringt er mit Rundenvorsprung vor seinen Konkurrenten abermals, wie 1946 schon, den Klassensieg und belegt im Schlussklassement den zweiten Rang, wobei besonders hervorgehoben sei, dass es ihm ais einzigem gelang, in der gleichen Runde wie der absolute Sieger das Ziel zu queren. Der Kampf cier HOOer-Rennwagen eine Beute Zum zweiten Rennen des Vormittags, dem Grossen Preis von Genf für Rennwagen von 1100 ccm, tritt ein internationales Feld von 13 Fqhrern gegen 10.00 Uhr nach Massgabe des Durchschnittes aus den drei besten Trainingsrunden in folgender Startaufstellung an: Trintignant Sommer Bira Simca Simca Simca Stuck Manzon Cisitalia Simca Fischer [°y er . Schell Simca Cisitalia Cisitalia' Bernheim Pesel Cisitalia Cisifa ITa Triverio de Sauge < Robert > Simca Cisitalia Cisitalia Sommers auf Simca Bira und Manzon auf den Ehrenplätzen sichern Gordini einen dreifachen Sieg Kaum hat sich die Startfiagge gesenkt und das Startfeld, in dessen vorderster Reihe drei Simca stehen, in Bewegung gesetzt, so schlängelt sich Stuck aus der zweiten Startreihe heraus in einem ebenso schnellen wie kühnen « Umgehungsmanöver i am äussersten linken Rank der Piste um die Meute herum und setzt sich in der Kurve zum BIT hinab den anderen vor die Nase. Allerdings nicht für lange, denn bei der Rückkehr aus der ersten Runde hat ihn Sommer bereits verdrängt, und von hinten setzt Bira zum Angriff auf Stuck an. Schell, Manzon und Trintignant preschen als nächste vorüber; auf seinem etwas altertümlich anmutenden Simca imt «hausgemachter» Karosserie, einem Wagen, der in diesen scharfen Kampf offensichtlich nichts 'ZU suchen hat, ist Triverio bereits hoffnungslos weit zurück. Eine Runde später muss sich Stuck, wie erwartet, vor Bira beugen und in der fünften gibt ihm auch Trintignant, der bereits drei Ränge gut gemacht hat, das Nachsehen. Dem Felde kurzerhand davonlaufend, liefern sich Sommer und Bira während der nächsten Runden ein spannendes Duell. Bald hat der eine, bald der andere das Kommando inne, bis in der 18. Runde der Franzose das Ringen endgültig für sich entscheidet, denn von jenem Augenblick an stellt der Siamesenprinz weitere Annäherungsversuche ein. Hinter ihnen klärt sich die Lage allmählich: Trintignant richtet sich auf dem dritten Platz häuslich ein, währenddem Schell seinen vierten Rang an -Mänzon abgeben muss und Stuck an sechste Stelle zurückfällt. Schon beginnen auch die Ausfälle: der Schweizer Fischer sieht sich in den ersten Runden, vermutlich wegen Kolbenschaden, genötigt, zum Rückzug zu blasen, und in der 14. Runde ist die Reihe an Stuck. Bald nachher wird Triverio, der gegenüber dem Leader schon fünf Runden eingebüsst hat, mit der schwarzen Fahne angehalten und aus dem Rennen genommen. 'Was allerdings fällig War 1. Sommer, Simca 2. Bira, Simca 3. Trintignant, Simca Offizielle Resultate Grosser Preis der Nationen, 80 Runden 1. Farina Italien 2. de Graffenried Schweiz 3. Sommer Frankreich 4. Chaboud Frankreich 5. Louveau Frankreich 6. Bucci Argentinien Schnellste Runde: Farina in 1:38,8 = 108,036 km/h. Maserati 1498 K Maserati 1498 K Ferrari-!nter 2 Liter Delahaye 4500 De.Iage 3000 Maserati 1498 K Stand bei 20 Runden 237,2 km 1:12:09,3 = 98,623 km/h 36:24,3 = 97,733 km/h 2:23:58,2 = 98,833 km/h 2:25:46,3 = 97,631 km/h 79 Runden 78 Runden 70 Runden 58 Runden FARINA Die nächste Runde bringt insofern einen Coup de scene, als Trintignant, der seinen driften Platz sehr sicher gehalten hat/ beim BIT liegen bleibt, womit Manzon in seine Position nachrückt. So bleibt die beherrschende Stellung der Simca mit drei Wagen an der Spitze unerschütfert. Bei einer Distanz von 70 Runden kommen die Fohrer ohne Tanken aus, Und Boxenhalte sind denn auch entsprechend dünn gesät. Vorne begibt sich nichts Neues, es sei denn, dass das Tandem Sommer/ Bira, das sozusagen ein Rennen für sich fährt, seinen Konkurrenten Runden und Runden abknöpft — schon bei Halbzeit haben sie ihnen deren 1—4 abgenommen, wobei auch Manzon nach verbissenem Widerstand dran glauben muss — und dass Sommer seine Rundenbestzeit auf 1 Minute 46,5 Sek. (100,225 km/h) drückt. Im mittleren Feld hat sich inzwischen Loyer an den Amerikaner Schell herangepirscht, und in der 37. Runde verweist er ihn hinter sich. Gleichzeitig wechselt das Schlusslicht wieder einmal von Bernheim auf de Sauge, der in der nächsten Runde die Boxe aufsucht und dabei 65 Sekunden verliert. ffln Simca I Summer Simca 6 Trintignant Simta 10 Manna Simta 12 Stuck Cisitalia. 14 Sehen Cisitalia 24 loyer Cisitalia 16 Fischer Simca 4 Pesci Cisitalia 23 Bernhcim Cisitalia 20 Robert Cisitalia 18 de Sauge Cisitalia 25 Trivcria Simca .3J Farina (Maserati) Stand bei 50 Runden 1. Sommer, Simca 1,12:09,3 i 2. Prinz Bira, Simca lil2ill,0 > 3. Manzon, Simca, 49 Runden 4. Loyer, Cisitalia, 49 Runden 98,623 IcmAi 98,582 km/h In brüderlicher Eintracht und bravouröser Manier runden im Zeichen einer eklatanten Superiorität Sommer und Bira die Piste, wobei der letztere seinen Abstand auf seinen Teamkollegen bis auf etwa 15 Sekunden anwachsen lässt, um dann wieder aufzudrehen. Aber zu einem Kampf kommt es aus naheliegenden Gründen nicht mehr, denn wozu durch eine gegenseitige Jagd die fast hundertprozentige Siegeschance vielleicht gefährden? Man schreibt die 54. Runde, als der Franzose Loyer, dem der vierte Platz sicher scheint, einen Boxenhalt einschaltet, worauf sein Gisitalia seitwärts .in die Büsche befördert wird. Die letzten 16 Runden zeitigen keine Verschiebungen mehr, wenn man vom Pech des Italieners Pesoi absieht, dem nach einem sehr gleichmässigen Rennen ausgerechnet in der Torschlussrunde sein fünfter Rang infolge eines Differentialbruchs in die Binsen geht. im Grossen Preis der Nationen siegreich Der Schweizer de Graffenried (Maserati) ehrenvoller Zweiter vor Sommer (Ferrari) und Chaboud (Delahaye). — 6 von 17 gestarteten Konkurrenten am Ziel Nach mehr als zweistündiger Mittagspause besammeln sich die Formelrennwagen, 17 an der Zahl, am Start zum Grossen Preis der Nationen, wobei sich auf Grund der Trainingszeiten folgende Aufstellung ergibt: Chiron Tal bot Bira Maserati da Graffenried Maserati Sommer Ferrari Farina Maserati Rosier Trintignant Wimflle Tal bot' Simca Simca Chaboud Giraud-Cabanlous Delahaye Talbot Ramseier Louveau Pozzi Maserati Delage Talbot Bucci Villoresi Fagioli Maserati Maserati Pagani Maserati Maserati rOACccuDicrv Ein infernalischer Lärm lässt die Luft erzittern, wie das Feld, von Rennleiter Cuendet pünktlich auf die Reise geschickt, geschlossen in Fahrt kommt, mit de Graffenried an der Spitze in die Kurve beim Völkerbundspalais einbiegt und unsern Blicken Die Koryphäen des Tages in der Karikatur. Sfart 5 10 15 20 25 SOMMER. Der Verlauf des HOOer-Rennens in graphischer Darstellung. GIAU5ER- entschwindet. Und kaum hat sich die Spannung etwas gelegt, da stiebt es schon die Avenue de France hinan, und in atemraubendem Tempo, bereits stark in die Länge gezogen, über die Zielgerade, am Leaderbord mit Vorsprung Farina vor de Graffenried, Bira auf dem zweiten Maserati Plates, Wimille am Volant des 1,5-Liter Simca, Rosier, Giraud, Sommer, Fagioli, Chiron, Chaboud, Pozzi und Trintignant. Pagani, Louveau, Ramseier und Bucci beschliessen den Reigen. In der nächsten Runde schon setzt sich.Bira unserm Landsmann de Graffenried vor die Nase; VHIoresi und Giraud- Cabantous vertauschen die Plätze, Chaboud stösst zwei Ränge vor, Fagioli fällt deren zwei zurück, und hinten, im Bereich der roten Laterne, sind ebenfalls allerlei Platzgefechte im Gange, die freilich nicht aHzugrosse Wellen werfen. Und damit den Zuschauern auf der Tribüne (den zahlenden wie den Ehrengästen, unter denen sich auch Bundesrat von Steiger befindet) ja eindrücklich und klar werde, was wahre Grand-Prix-Atmosphäre ist, entschliessen sich vom Beginn der dritten Runde Grosser Preis von < 1. Sommer Frankreich 2. Prinz Bira Siam 3. Manzon Frankreich •4. Schell USA 5. «Robert» Frankreich 6. Bernheim Schweiz 7 de Sauge Frankreich Schnellste Runde: Sommer in 1:46,0 = 100,698 km/h. Simca-Gordini 1089 Simca-Gordini 1089 Simca-Gordini 1089 Cisitalia 1089 Cisitalia 1089 Cisitalia 1089 Cisitalia 1089 2:06:01,1 = 98,820 km/h 2,06,15,7 = 98,629 km/h 68 Runden 66 Runden 63 Runden 62 Runden 62 Rundon Solo Glauser P Nationaler «Prix du Cinquantenairo, 34 Runden - 100,810 km Bern Klasse D, 2001—3000ccm Alfa Romeo 2,9 Liter K Klasse F, 1101 — 1 500 ccm 1. Patthey H. Neuchätel M.G. 1250 K 2. Grobety V Villeneuve Cisitalia 1102 3. Fortmann H. Bern M.G. 1250 K 4. Gampert B. Genf M.G. 1250 5. de Terra M. Zürich B.M.W. 1490 6. de Castella H. Genf M.G. 1250 Schnellste Rundes Ruff (Zürich) auf B.M.W, in 1:54,3 = 93,385 km/h. 1:10:25,7 = 85,885 km/h 1:12,17,0 = 33 Runden 32 Runden 31 Runden 30 Runden 29 Runden 83,678 km/h Der Motor des «grossen» Simca der Ecurie Gordini Der Zylinderkopf des neuen, ausgebohrten Motorblocks, Im Hintergrund die beiden Vergaser. Di« Ventile sind nunmehr geneigt. (Zeichnung Gedovius)

Nr. 21 - MITTWOCH, 5. MAI 19*8 AUTOMOBIkREVUE farf« fteeraü 36 de Graffenried Maserati 4 Chiron Talbot E Sommer Ferrari 2 tira ' Maserati 10 Wimille Simca 22 Trintignant Simca 24 Aosier Talbot 34 fiiraud-Cabantous Talbot 8 Chaboud 5/ort 5 10 15 20 25 50 35 4-5 50 55 60 65 70 75 80 Oelahaye 2G Pozzi Talbot 28 louveau Delage 46 Bamseier Maserati 42 Villoresi Maserati 18 Socci Maserati 12 Pagani Maserati 14 fagioli Maserati 16 an zahlreiche Konkurrenten, an den Boxen in regelmässigen Abständen für mehr oder minder lange Zeit ihre Aufwartung zu machen. Chiron hat das Schicksal als Ersten erwischt: An seinem Talbot stimmt mit dem Oeldruck etwas nicht, und der Wagen wird abgeschoben. Die Geschwindigkeit, die Farina vorlegt, ist so horrend, dass schon in der 5. Runde sechs Fahrer überrundet sind. An den Boxen herrscht eine Betriebsamkeit, ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, wie wir es kaum je bei einem internationalen Rennen erlebt haben. Man müsste ein Tausendfüssler, bzw. -händer sein, woHte man alles fein säuberlich notieren, was sich dort drüben abspielt. Zu Zeiten gibt sich daselbst die gesamte Scuderia Milan, deren Mechaniker nichts zu lachen haben, ein Stelldichein, und mitunter ist die Situation die, dass — bei Pagani beispielsweise — während einer Runde gefahren und während drei bis vier Runden gebaut wird. Kurz, es ist ein Jammer, aber nicht weiter verwunderlich, wenn man weiss, dass keiner der drei Wagen beim Training zugegen war. Um die zehnte Runde, nachdem Giraud-Cabantous und Wimille einer Attacke Villoresis weichen mussten, notiert man als zweiten Ausfall denjenigen des Genfers Ramseief (4-Zylinder-8-Ventiler- Maserati) infolge defekter Zylinderkopfdichtung. Ueber das, was sich an den Boxen tut, kann sich der Berichterstatter hinfort ruhigen Gewissens ausschweigen, denn es ist das oben angeschlagene, ewig gleiche Thema, freilich con variazioni, das das Rennen beherrscht. Auf izwe'i bis drei rote Maseratis, die hier fast in Permanenz versamme'lt sind, trifft es jeweilen ungefähr einen blauen Franzosen, entweder einen Talbot, einen Simca oder — gegen Ende des Ringens — den einzigen Delage. Inzwischen wurde Bira von de Graffenried auf den dritten Platz abgedrängt; Villoresi zeigt dem Publikum in der Startkurve, was ©ine tete-ä-queue ist, und Pagani, Trintignant, Fagioli und schliesslioh auch Bira sind bereits von der Kampfstätte abgetreten. Auch Wimille, der von der 16. bis zur 21. Runde an dritter Stelle Hegt, verliert schliesslich mit dem Ersatz gebrochener Kipphebel volle sieben Runden. Stand bei 20 Runden: 1. Farina, Maserati 33:37,8 = 105,798 km/h 2. de Graffenried, Maserati 34:37,2 = 102,772 km/h 3. Wimille, Simca 20 Runden \\6 Graphik des Grossen Preises der Nationen. Nichts illustriert besser das Tempo des Spitzenreiters und das Debakel der Kompressormaschinen als der Umstand, dass in der 25. Runde Farina und de Graffenried dem ganzen Feld eine und mehr Runden abgenommen haben. In der 31. Runde ist die Reihe an Gigi Villoresi, der beim BIT anhält und die Weiterfahrt einstellt. Zwei Runden zuvor knöpfte Farina unserm sich tadellos haltenden Landsmann die erste Runde ab, womit freilich kein Definitivum geschaffen ist, denn am Ende der 35. Runde tankt Farina Treibstoff, was im Handumdrehen geschieht. Da aber offenbar mit den Kerzen etwas nicht stimmt, dehnt sich in der Folge sein Aufenthalt an der Boxe über Gebühr lange aus, und während Farina und seine Betreuer parlamentieren, macht de Graffenried seinen Rückstand wett und übernimmt in der 36. Runde unter dem tosenden Applaus der Zuschauer das Kommando. Schliesslich macht sich Farina auf die Verfalgungsjagd. Drei Runden später lässt sich auch de Graffenried — und zwar in der fabelhaften Zeit von 21 Sekunden — den Tank auffüllen u.nd haut wieder ab, ohne der Führung verlustig gegangen zu sein. In regelmässiger Fahrt, teilweise von den Ausfällen profitierend, wird Sommer auf Ferrari auf den dritten Rang emporgehoben, zumal da auch der zweite Talbot der Ecurie France mit Giraud-Cabantous sein Tempo verlangsamt und sangund klanglos wegen eines Bremsdefektes ausscheidet. Rosier auf dem neuen 4,5-Liter-Wagen der Werke von Suresnes erreicht eine Runde darauf dasselbe Schicksal. Stand bei 40 Runden (Halbzeit): 1. de Graffenried, Maserati 2. Farina, Maserati 3. Sommer, Ferrari 1:11:11,6 = 99,953 km/h hl 1:54,2 = 98,966 km/h Es währt nicht mehr lange, bis Farina zum Generalangriff auf de Graffenried übergeht, dem er dank der Kraftreserve seines Maseratis mit Zweistufenkompressor Runde um Runde ein paar Sekunden abzwackt. Der Freiburger gibt sich zwar nicht so ohne weiteres geschlagen und wehrt sich seiner Haut, so gut er kann. Schliesslich aber weiss er um die ihm nur in begrenztem Masse zur Verfügung stehenden PS und verzichtet darauf, sich in ein Manöver einzulassen, das ihn um den sicher in Aussicht stehenden zweiten Platz bringen könnte. In der 51. Runde zieht also Farina wieder an < Toulon » vorüber. Damit ist der Grosse Preis praktisch entschieden, wenigstens soweit die ersten Ränge in Frage stehen. Im übrigen aber will er weiter seine Opfer haben. Nach einem zweiten Halt scheidet Wimille mit Kipphebelbruch endgültig aus, und mit Pozzi verschwindet auch der letzte Talbot von der Bildfläche. Die weiteren Runden bringen keine Ueberraschung mehr. Kurz vor 5 Uhr cjuert Farina als umjubelter Sieger die Ziellinie, gefolgt von de Graffenried, der sich einer neuen Ueberrundung nur knapp entziehen konnte und dem für seine prächtige Leistung eine Spe>zialovation entgegenbrandet. Nicht genug des Lobes gibt es für Sommer und den von ihm gefahrenen kompressorlosen Zweiliter-Ferrari-Inter, dessen Sportversion gleichentags die italienischen 1000 Meilen gewann, und auch Chaboud auf dem 4,5-Liter-Delahaye stach durch seine Zuverlässigkeit und Regelmässigkeit von allen jenen ab, die schon lange nicht mehr mit dabei waren. Mit zehn Runden Rückstand kam Louveau auf einem 3-Liter-Delage als Fünfter ein, während der Argentinier Bucci auf längst verlorenem Posten die Ehre der Scuderia Milan wenigstens teilweise rettete, indem er trotz ungezählten Halten — ein kleines Leck im Tank zwang ihn stets aufs neue, Treibstoff nachzufüllen — wieder und wieder auf Strecke ging, hartnäckig darauf bedacht, sein erstes Rennen in Europa fertig zu fahren. Er entpuppte sich hiebe'i als ein Konkurrent, der es verdiente, seine Fähigkeiten auf einem besser vorbereiteten Wagen unter Beweis stellen zu können. Amerikanischer Forschergeist, gepaart mit Schweizer Qualitätsarbeit, geben dem Schweizer FIRESTONE-Reifen sein besonderes Gepräge. Was Wunder, dass er sich stets grösserer Beliebtheit erfreut. Fahren auch Sie FABRIK FÜR FIRESTONE-PROÖUKTE P RATTE LN AG. Sitzung der Nationalen Sportkommission Durchführung eines nationalen Autoslaloms in Luzern am 18. Juli Unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Dr. Carl Napp (Basel) tagte am letzten Samstag in Genf die Nationole Sportkommission. Sie homologierte die Resultate des Bergrennens Siders—Montana vom 21. Dezember des vergangenen Jahres und anerkannte ferner mit 131,315 km/h den am 28. Februar 1948 vom Freiburger Benoit Musy auf dem Abschnitt Saxon—Charrat der Walliser Talstrasse Brig—Martigny an Bord einer Frazer-Manhattan- Limousine von 3720 ccm Zylinderinhalt aufgestellten neuen schweizerischen Tourenwagenrekord über die Meile mit fliegendem Start. Sie rollte sodann die schon früher ventilierte Frage einer Neuregelung der Fohrerklassifizierung, bzw. des Amateurbegriffs im Nationalen Sportreglement des ACS neu auf und beauftragte thren Sekretär, bis kommenden Herbst einen diesbezüglichen Vorschlag auszuarbeiten, der als Diskussionsbasis dienen kann und sich grundsätzlich an das diesjährige bernische Meisterschaftsreglement anlehnen soll, das eine Einteilung der Amateure und Experten in zwei Grup>pen (A = Fortgeschrittene, die an den Sportveranstaltungen bereits mit gewissen Leistungen aufgewartet haben, und B = Anfänger) vorsieht. Bei dieser Gelegenheit nahm die NSK von einem am Tag zuvorSm «Sport» erschienenen Artikel Kenntnis, der — offensichtlich in völliger Verkennung der heutigen Lage verfasst — krause Dinge zum Thema Amateurismus im schweizerischen AutomobilspoTt enthält, kraus schon deshalb, weil es in unserm Autosport einen Amateurismus, wie man ihn in andern sportlichen Disziplinen kennt, überhaupt nicht gibt. Der gleiche Artikel will in diesem Zusammenhang den Eindruck erwecken, als sei der Schweizerische Automobil-Rennsportclub (SAR) in erster Linie zur Verfechtung von gewerkschaftlichen Postulaten gegründet worden. Eine solche Behauptung lässt sich durch nichts besser widerlegen als durch die Feststellung des Präsidenten der NSK, wonach die Beziehungen zwischen ACS und SAR bisher die denkbar besten waren und die im besagten Artikel ausgesprochenen Vermutungen jeglicher Begründung entbehren. Von den übrigen Traktanden, welche die NSK behandelte, seien stichwortartig folgende erwähnt: — Mit dem Studium des Problems der finanziellen Unterstützung der Sportveranstaltungen wurde eine dreiköpfige Spezialkommission, bestehend aus den HH. Dr. Napp (Basel), Baumgartner (Lausanne) und Siegwart (Lmzern) beauftragt. — Auf Grund der Erfahrungen, die in Zörich-Oerli- " kon und Genf mit Kleinwagenrennen auf Radrennbahnen gemacht worden sind, haben die Organisatoren solcher Veranstaltungen, die ebenfalls der Sporthoheit des ACS unterstehen, in Zukunft die übliche BewiHigungsgebühr zu entrichten. — Kein Fahrer darf inskünftig ein Pseudonym annehmen, das einem Gescnlechtsnamen ähnlich ist oder zu Verwechslung mit einem solchen Anlass geben könnte. — Eine von der Sektion Luzern des ACS nachgesuchte Bewilligung für die Durchführung eines nationalen Autoslaloms, der am 18. Juli aus Anlass einet- internationalen Schönheitskonkurrenz für Automobile in Luzern stattfinden soll, wurde erteilt. Der Slalom zählt nicht für die Schweiz. AutomobUmeisterschaft 1948. — Die Verhandlungen mit der Sektion Zug über die eventuelle Organisation des Zugerbergrennens werden weitergeführt. — Der im November letzten Jahres gefasste Beschluss, wonach MHitärkonkurrenten sich an den sportlichen Veranstaltungen nur mit mindestens vierplätzigen (d. h. m