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E_1949_Zeitung_Nr.002

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Zwei begrüssenswerte

Zwei begrüssenswerte Massnahmen im Kanton Solothurn Zustandskontrolle der Personen- und Lastwagen Lernfahrausweis für Motorräder erst nach Absolvierung der theoretischen Prüfung Mit der Zunahme des Strassenverkehrs und der Häufung von Verkehrsunfällen gewinnt das Problem « Hebung der Verkehrssicherheit» immer mehr an Aktualität. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn sich in der Fach- und Tagespresse, am Radio und in kantonalen Parlamenten Strassen- und Verkehrsfachleute, Juristen und Mediziner zum Worte melden und Vorschläge zur Diskussion stellen. Bei aller Würdigung der bisher laut gewordenen Anregungen und Vorschlägen scheint uns, dass einem Faktor, der nicht unwesentlich zur Verhütung von Verkehrsunfällen beiträgt, bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde: der Ueberprüf ung der seit längerer Zeit im Verkehr stehenden Motorfahrzeuge aufihre Betriebssicherheit und die vorgeschriebene Ausrüstung. Und doch ist es so, dass ungenügende Bremsen, schlechte oder defekte Beleuchtung, ausgeschlagene Teile der Lenkung, Pneus ohne Gleitschutz etc. immer wieder die Ursache von Unfällen bilden. Mit Recht wird gesagt, das Autofahren sei eine Charaktersache. Nicht weniger ist es auch der Unterhalt des Motorfahrzeuges. Es gibt Automobilisten, die mit peinlicher Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ihren Wagen pflegen, wie es auch viele Firmen gibt, deren Wagenparks sich jederzeit in tadellosem Zustand präsentieren. Aber wir kennen auch eine andere Kategorie von Fahrzeugbesitzern. Es sind die Automobilisten, die so lange fahren, als sich die vier Räder drehen und die, mit Drähten, Isolierband, Silberpapier und Nägeln zur Hand, ihre eigenen « Reparateure » spielen! Und die Zahl solcher Strassenbenützer, bei denen das Verantwortungsgefühl gegenüber den Mitmenschen nicht gerade zur Tugend entwickelt ist, liegt weit höher als man gemeinhin annimmt. Es wurde deshalb von allen seriösen automobilistischen Kreisen begrüsst, als vor kurzem der Vorsteher des solothurnischen Polizeidepartementes die Nachprüfung sämtlicher im Kanton Solothurn immatrikulierten Motorfahrzeuge anordnete. Zwei Experten der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle (ausgerüstet mit den nötigen Hilfsmitteln, wie hydraulischem Wagenheber, Tapley-Bremsprüfer etc.) haben vergangenen Oktober vorerst damit begonnen, sämtliche Personen- und Lastwagen, deren letztes Prüfungsdatum um mehr als zwei Jahre zurückliegt, nachzuprüfen. Kommendes Frühjahr werden die Motorräder, Traktoren und Anhänger folgen. Man kann sich leicht vorstellen, welche möglichen und unmöglichen Vehikel die Experten mitunter zu Gesicht bekamen und bekommen. Als « Methusalem » stellte sich, nebenbei erwähnt, ein ehrwürdiger « Berna » des Jahrganges 1918 ein, der zwar Solidere Figur machte als manch einer seiner jüngeren Kollegen. Und das Resultat der bisherigen Nachprüfungen? Besser als viele Worte vermag die nachfolgende Zusammenstellung Aufschluss zu geben; Geprüft total: 690 Pw. u. Lastw. (100 %) Ohne jegl. Beanstandg.: 85 Pw. u. Lastw. ( 12 %) Beanstandungen: Beleuchtung an 437 Wagen 63 % Bereifung an 251 » 36 % Bremsen an 130 » 19 % Lenkung an 272 » 39 % Fahrtrichtungsanzeiger an 122 » 18% Scheibenreiniger an 81 » 12 % Rückspiegel an 20 » 3% Schalldämpfung an 13 » 2% Karosserieschäden an 13 » 2 % Diverse Mängel an 101 > 15 % Angesichts der Tatsache, dass also Von 100 im Verkehr stehenden Wagen lediglich 12 die « Note 1» erhielten, wird jeder verantwortungsbewusste Motorfahrzeugbesitzer gestehen müssen, dass solche periodische Nachprüfungerf eine unbedingte Notwendigkeit darstellen. Es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn auch die andern Kantone dem Beispiel Solothurns folgen würden. Niemand wird wohl behaupten wollen, mit dem Zustand der Fahrzeuge sei es in andern Kantonen besser bestellt; möglicherweise würde die statistische Auswertung da und dort ein noch « düstereres » Bild liefern'als die oben wiedergegebene Uebersicht * * • Als zweite Neuerung, womit der Kanton Solothurn vorangeht, ist die Verfügung des kantonalen Polizeidepartementes zu nennen, wonach ein Lernfahrausweis für Motorräder erst abgegeben wird, wenn der Bewerber die theoretische Prüfung abgelegt hat, ein Vorgehen, das die Interkantonale Kommission für das Motorfahrzeugwesen unlängst auf Antrag von Regierungsrat Dr. O. Stampfli allen Kantonen empfohlen hat (und dessen Anwendung inzwischen auch von der Polizeidirektion des Kantons Bern angeordnet worden ist. Red.) Mit dieser Massnahme will man dem unhaltbar gewordenen Zustand ein Ende bereiten, dass unzählige Motorradfahrer, lediglich mit einem Lernfahrausweis versehen, ohne die elementarsten Verkehrsvorschriften zu kennen, unsere Strassen unsicher machen. Auf dem Papier, resp. in Art. 60 der Vollziehungsverordnung zum MFG, liest es sich sehr schön, dass Motorradfahrschüler von einer Person beaufsichtigt werden müssen, die selbst im Besitze des Führerausweises ist. Wie sich aber die Sache in der Praxis verhalt — besonders in ländlichen Gegenden ohne Fahrschulen und in allen Fällen, da am Lernmotorrad der Soziussitz fehlt —, weiss aus Erfahrung jedermann. Ein grosser Prozentsatz der Motor- radfahrer misst eben den theoretischen Kenntnissen nicht die nötige Bedeutung bei, was die Tatsache bezeugt, dass bis anhin eine überaus grosse Zahl von Prüflingen in diesem Prüfungsteil versagte. Dabei wurde einfach der Lernfahrausweis verlängert; man trat ein zweites-, vielleicht gar ein drittesmal zur Prüfung an — oder erschien überhaupt nicht mehr. Mit der im Kanton Solothurn nun praktizierten Neuerung wird sich dieser Zustand rasch bessern: Wer einen Lernfahrausweis wünscht, hat — wie bereits erwähnt — vorerst die theoretische Prüfung zu bestehen, sich also über Das Strafgesetz bestimmt m Art. 41, Ziffer 1: Der Richter kann den Vollzug einer Gefängnisstrafe von nicht mehr als einem Jahr einer Kenntnis der Verkehrsvorschriften, Signaltafeln etc. auszuweisen — ergo bleibt nichts anderes übrig als zu lernen. Besteht der Bewerber die Prüfung nicht, dann hat er sich einer zweiten zu unterziehen und muss sich deshalb länger mit der Erteilung des Lernfahrausweises gedulden. Dass unter diesen Umständen die « graue Theorie » viel rascher und gründlicher angepackt wird, ist leicht einzusehen, und es lässt sich denn auch bereits ein Rückgang der mit der Zensur « ungenügend » bestandenen theoretischen Prüfungen feststellen. Wesentlicher ist jedoch der Zweck, der mit der Vorverlegung der theoretischen Prüfung erreicht wird: die solothurnische Motorfahrzeugkontrolle hat heute die Gewissheit, dass ihre Inhaber von Motorrad-Lernfahrausweisen die gesetzlichen Verkehrsvorschriften kennen und wenigstens in dieser Hinsicht nicht mehr Anlass zu Verkehrsstörungen und Unfällen geben werden. M. Gerber, Experte Haftstrafe aufschieben, wenn Vorleben und Chrakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde durch diese Massnahme von weiteren Verbrechen oder Vergehen abgehalten, wenn der Verurteilte überdies innerhalb der letzten fünf Jahre weder in der Schweiz noch im Auslande wegen eines vorsätzlichen Verbrechens oder Vergehens eine Freiheitsstrafe verbüsst hat, und wenn er den gerichtlich oder durch Vergleich festgestellten Schaden, soweit es ihm zuzumuten war, ersetzt hat. Angetrunkene Lenker von Motorfahrzeugen haben so viel Unheil angerichtet, dass die Oeffentlichkeit bei der strafgerichtlichen Erledigung solcher Fälle ihr Augenmerk darauf richtet, ob und aus welchen Erwägungen der Strafvollzug bedingt aufgeschoben wurde. Ein Automobilist fuhr im September 1947 in stark angetrunkenem Zustande von Zürich nach Wallisellen, nahm in Walliselleh eine Linksbiegung der alten Winterthurerstrasse zu kurz und stiess auf der linken Strassenseite mit einem Radfahrer zusammen, der getötet wurde. Die Blutprobe ergab 1,35 %o Alkohol, und der Sachverständige erklärte dies als unvereinbar mit der Behauptung des Automobilisten, er habe nur 7—8 Glas Bier getrunken. Das Urteil des Bezirksgerichts BUlach lautete auf zwei Monate Gefängnis, bedingt erlassen, Und 200 Fr. Busse wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs. Das Zürcher Obergericht erkannte auf vier Monate Gefängnis unter Verweigerung des bedingten Vollzugs und 500 Fr. Busse. Eine Nichtigkeitsbeschwerde des Autofahrers beantragte die Rückweisung des Falles zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges. Er berief sich auf seinen sehr guten automobilistischen Leumund, da er seit 1935 trotz fast täglicher Benützung des Wagens nie bestraft worden sei. Der Kassationshof des Bundesgerichts führte zu Art. 41 StGB aus: Aus dem Worte « kann » im ersten Absatz ist zu ersehen, dass der Richter auch beim Vorliegen der in den Absätzen 2—4 genannten Voraussetzungen den bedingten Strafvollzug verweigern darf, freilich nicht allgemein aus bestimmten, in den Absätzen 2—i> nicht genannten Gründen, z. B. ausschliesslich oder vorwiegend zur allgemeinen Abschreckung, wohl aber aus Ueberlegungen, die sich auf die Umstände des betreffenden Falles und die persönlichen Verhältnisse des zu beurteilenden Täters stützen und dem Sinn und Geist des Gesetzes, dem Grundgedanken der Einrichtung des bedingten Straffvollzuges nicht widersprechen, der dahin geht, den Täter schon durch die in der ausgesprochenen Strafe liegende Warnung zu bessern, wenn dafür begründete Aussicht besteht und er diese Behandlung nach seiner Persönlichkeit verdient. Die fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs und die fahrlässige Tötung sind im vorliegenden Falle darauf zurückzuführen, dass der Beschwerdeführer in stark angetrunkenem Zustande, wenn nicht sogar in einem leichten Rausche, ein Motorfahrzeug führte. Dieses Verhalten zeugt von einer solchen Hemmung9- und Skrupellosikeit, dass der Beschwerdeführer den bedingten Strafvollzug nicht verdient. Wohl hat gerade der Alkohol die Hemmungen vermindert. Das wusste der Beschwerdeführer aber, wie ihm auch bekannt war, dass ein Angetrunkener seine Fähigkeiten zur Beherrschung des Fahrzeuges überschätzt, anders ausgedrückt, dass das Führen eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustande die andern Strassenbenützer in hohem Masse gefährdet. Er hätte, wenn er nicht auf die Führung seines Wagens verzichten wollte, weniger oder keinen Alkohol trinken sollen. Durch sein Verhalten hat er auf Leben und Gesundheit anderer so wenig Rücksicht genommen, dass es dem Sinn und Geist des Gesetzes nicht widerspricht, ihn durch eine unbedingt vollziehbare Strafe an seine Pflicht zu erinnern, zumal eine solche Strafe durch Abschreckung auch allgemein das Verantwortungsgefühl der Motorfahrzeugführer stärken kann. Bleibt die Verweigerung des bedingten Strafvollzuges somit im Rahmen des Ermessens, das dem Richter nach Art. 41, Abs. 1, StGB zusteht, so kommt nichts darauf an, ob Vorleben und Charakter des Beschwerdeführers die Erwartung nicht rechtfertigen, dass er sich durch eine bedingt vollziehbare Strafe von weiteren Vergehen und Verbrechen abhalten Hesse. Die Nichtigkeitsbeschwerde des Autofahrers wurde abgewiesen. Wp. Am 4. Januar ist nun In Bern unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Müller-Dettling die Fach» kommission der FRS für Fragen der Verkehrspolitik zusammengetreten, und die FRS hat die Wünsche und Vorschläge, welche diese- Beratungen zeitigten, dem Amt für Verkehr unterbreitet Unter den Bemerkungen und Anregungen, wozu dessen Vorentwurf Anlass gab, seien be 5 - sonders jene erwähnt, die sich auf Art. 15 und 28 beziehen. Art. 15 sieht vor, dass derjenige, der «einen konzessionspflichtlgen Verkehr öder Werkverkehr ausübt, verpflichtet werden kann, den Anforderungen der Militärverwaltung entsprechende Fahrzeuge zu verwenden sowie der zuständigen Behörde zu statistischen Zwecken Angaben über die ausgeführten Transporte zu liefern ». Nach der Ansicht der Kommission darf diese Bestimmung nur bis zum Erlass eines Spezialgesetzes oder bis zu deren Einbau in die Militärorganisation in der ATO ihren Platz fin- Der Bundesbesehluss vom 30. September 1938 den. Denn es ist abnormal, dass eine derartige über den Transport von Personen und SachenVorschrift in diesem — ganz andere Ziele vermit Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen . folgenden — Gesetz aufgenommen wird. Deshalb (ATO) war ursprünglich auf fünf Jahre beschränkt Man hat aber seine Gültigkeitsdauer das klar umschreibt, in welchem Umfang der schlägt die Kommission ein Sondergesetz vor, bis 31« Dezember 1Ö59 verlängert, weil die ausserordentlichen Verhältnisse Während des Krie- verwenden, welche den Bestimmungen der Mili- Motorfahrzeughalter verpflichtet ist, Vehikel zu ges nicht erlaubten, die notwendigen Erfahrungen tärorganisation entsprechen. Er muss auch wissen, wie weit die Ansprüche der Armee gehen, für die Eingliederung dieses Erlasses in die ordentliche Bundesgesetzgebung zu sammeln. Mit um einen Rückgang des Fahrzeugbestandes als dem Abbau der Kriegswirtschaft und der seither eingetretenen Entwicklung der gewerbs- verhüten. Folge allzuhoch gesteckter Anforderungen zu mässigen Strassentransporte ist nun die Möglichkeit zur Festlegung der Grundsätze geschaffen, kehr lautet: «Die Kommission prüft Massnah- Art. 28 des Vorentwurfes des Amtes für Ver- auf welchen die Ordnung dieser Materie durch men zur Förderung der Zusammenarbeit und ein ordentliches Gesetz basieren soll. Das eidg. des geordneten Wettbewerbes im Eisenbahnverkehr und dem motorisierten Strassen verkehr, Amt für Verkehr hat denn auch den interessierten Kreisen einen Vorentwurf hiefür unterbreitet unter Wahrung der Interessen der Volkswirtschaft und der Landesverteidigung und kann (vgl. « A. R. » Nr. 52/1948), um vor der Ausarbeitung des endgültigen Entwurfs deren Stellungnahme kennenzulernen. ten. • Damit taucht also der berühmte Art. 23 ter dem Bundesrat geeignete Vorschläge unterbrei- im Rahmen dieses Vorentwurfes auf! Offenbar haben — der vorliegende Fall ist ja durchaus AUTOMOBIL REVUE MITTWOCH, 12. JANUAR 1949 - Nr. 2 Der bedingte Strafvollzug (Aus dem Bundesgericht) FRS und Vorentwurf zur Autotransportordnung Ein Versuch der Bahnkreise, einen Koordinationsartikel einzuschmuggeln nicht der einzige seiner Art — gewisse offizielle Kreise die saftige Niederlage, die sie am 10. Februar 1946 erlitten, bereits vergessen. Weshalb sie bei dieser Gelegenheit dara,n erinnert sein mögen, mit dem Beifügen zugleich, dass der motorisierte Strassenverkehr, der sich durch einen massiven Volksentscheid gedeckt weiss, jedem Versuch dieser Art entgegentreten wird. Die FRS schlägt denn auch einen abgeänderten, sehr objektiven Text vor, der betagt, dass die Kommission die Bedingungen für eine rationelle Zusammenarbeit der im gewerbsmässigen Strassenverkehr eingesetzten Verkehrsmittel in der Schweiz prüft und dem Bundesrat die geeigneten Massnahmen vorschlagen kann. Im übrigen heisst es nun, die Ausarbeitung des endgültigen Entwurfs durch das Amt für Verkehr abwarten. Für die Modernisierung der Simplonstrasse und des Autoverlades in Brig In den «Walliser Nachrichten » veröffentlicht der Präsident der « ProSempione », alt Grossrat Anton Escher (Brig), einen längeren Artikel, worin er, die verkehrspolitische Bedeutung des Simplons unterstreichend, einer Modernisierung der Strasse und ihrer Unterhaltsmethoden, ebenso wie der Erstellung neuer Rampen für das Verladen von Automobilen auf dem Bahnhof Brig das Wort redet « An Weihnachten » — schreibt er — « waren es volle acht Monate seit der Oeffnung des Simplonpasses für den durchgehenden Verkehr in dem zur Neige gehenden Jahr. Diese für einen Walliser Alpenpass ungewöhnlich lange Oeffnungsdauer stellt die günstige Lage des Simplons einmal mehr ins Rampenlicht verkehrspolitischer Diskussion. Die lange Oeffnungszeit ist aber nicht allein der Schneearmut des letzten und des jetzigen Winters zuzuschreiben, sie ist nicht in letzter Linie das Resultat produktiver Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Instanzen und den privaten Organisationen und Interessenten. Nur so war eine derart frühe Oeffnung im Monat April möglich, und nur so vermochten die beiden letzten Schneefälle Ende Oktober und im Dezember die Strasse nicht vorzeitig zu schliessen. Wie wertvoll sich Strasse und Eisenbahntunnel ergänzen, hat der italienische Generalstreik kürzlich eindrucksvoll erwiesen. Dank dem Autoverkehr über den noch offenen Pass blieb die Verbindung mit dem südlichen Nachbar aufrechterhalten. Und wenn es nach dieser langen niederschlagsarmen Periode doch noch zu einem tüchtigen Schneefall im Simplongebiet kommen sollte und nur noch Schlitten und Ski als Verkehrsmittel für den « Berg « in Betracht fallen, dann tritt wieder der Simplontunnel in die Bresche und übernimmt den Automobiltransport zwischen Brig und Domodossola. Indessen bedarf er technischer Erneuerung, wie dies bereits an andern Orten erfolgt ist Die Verladerampen müssen in Kopframpen umgeändert werden, die heutigen «Seitenrampen» beim Verlad und Ausladen sind zu umständlich und zeitraubend. Die Zähl der Rampen muss vermehrt werden. Wenn dies auf der Südseite des Bahnhofes Brig nicht möglich ist, so steht auf der Nordseite am Rhonedamm genügend Areal zur Verfügung. Die Zoll- und Kontrollformalitäten müssen auf ein Mindestmass beschränkt werden wie es auch gilt, die Frage eines Autoquais in Iselle oder bei Varzo endlich abzuklären. Einem eventuellen Bau eines Autobasistunnels im Zusammenhang mit dem Ausbau der Simplonstrasse können die Schweizerischen Bundesbahnen kaum besser vorbeugen als dadurch, dass sie selber die Modernisierung der Autospedition in Brig und zusammen mit den italienischen Staatsbahnen in Domodossola an die Hand nehmen. Mit Freude stellen wir an der Schwelle eines neuen Jahres fest, dass das kantonale Baudepartement dem Simplonpass nun wieder volles Verständnis entgegenbringt Der Vorsteher des kantonalen Baudeparteroentes hat sich gerade In letzter Zeit mehrmals tüchtig für den Ausbau der Simplonstrasse eingesetzt und ist in dieser Angelegenheit bei den eidg. Behörden vorstellig geworden. Ist die «Pro Sempione» auch weit davon entfernt, Phantasieprojekte zu billigen und vom Staate ungebührliche Ausgaben zu fordern, so verlangt sie doch, dass wenigstens die gesetzlich verankerten und im ordentlichen Kredit disponiblen Gelder wirklich für den Ausbau dieser Alpenstrasse verwendet werden. Der Unterhalt der Strasse ruft nach einer Modernisierung. Es muss eine mit einem Jeep ausgerüstete Mannschaft vorhanden sein, die rasch deplaciert werden kann und ständig unterwegs ist Der heutige Unterhaltsbetrieb mit einem braven Ross und einem alten Karrwagen ist veraltet, teuer und erfüllt den Zweck nicht. Neben dem Unterhalt gilt es den Ausbau mit allen Mitteln zu fördern. Wenn das verarmte Oesterreich mit einer einwandfreien Grossglocknerstrasse mit Scheitelpunkt über 3000 m um den fremden Automobilisten wirbt und das schwer heimgesuchte Italien bis an die Schweizer Grenze tadellose moderne Autostrassen besitzt und ausbaut, dann müssen wir uns schon fragen, ob und wie unsere Kredite oft verwendet werden und ob man bei unseren Budgets der Frage nach produktiven Ausgaben wirklich das notwendige Interesse schenkt STRASSENVERKEHR Administrative Massnahmen gegenüber Verkehrssündern hn Kanton Bern Die Polizeidirektion des Kantons Bern teilt mit: Im Jahre 1948 wurde 104 Bewerbern der Führerausweis für Motorfahrzeuge verweigert, teils wegen schlechten Leumundes, teils wegen körperlichen und geistigen Mängeln. In 235 Fällen musste Motorfahrzeugführern der Führerausweis wegen schwerer Vergehen gegen die Verkehrsvorschriften entzöge» werden. Ausserdem wurden 892 Motorfahrzeugführer, Radfahrer und Fuhrleute verwarnt und 498 Radfahrer hatten eine Prüfung abzulegen. Die Dauer des Entzugs des Führerausweites wurde in 165 Fällen auf eine befristete Zeitdauer bis zu einem Jahr festgesetzt und in 70 Fallen unbefristet oder dauernd ausgesprochen. Den weitaus häufigsten Grund zum Erlass des Fahrverbotes, nämlich in 195 Fällen, bildete Trunksucht und Fahren in angetrunkenem Zustande»

Nr. 2 - MITTWOCH, 12. JANUAR AUTOMOBIL REVUE S PO RTNACn RICHTEN Ein neues Zeitnahmegerät In zweijähriger Arbeit hat DipL-Ing. R. Katscher im Verein mit der Allgäuer Spezialfabrik Hermann Wetzer in Pfronten, gewissermassen als Ersatz für das seit über 20 Jahren bei der Molassen, als sie in der betreffenden Sekunde nachoder vorgingen. Ein elektrisches Zählwerk, das bei jeder Durchfahrtsmarkierung um eine Ziffer weiter- und Rekordversuchen wurden früher durch sogenannte « Fadenauslöser » bewirkt, d. h. am Start und am Ziel der Fahrstrecke wurde ein Faden senkrecht über die Bahn gespannt und ein aus dem Auslöser herausragender Hebel auf diesen Faden aufgelegt Bei der Durchfahrt eines Fahrzeugs wurde der Faden zerrissen, und der Hebel fiel herab; dadurch wurde im Fadenauslöser ein elektrischer Kontakt geschlossen, der im -Löbnergerät die Zeitmarkierung verursachte. Infolge ungleicher Reibungswiderstände und anderer Einflüsse war nun bei verschiedenen Fadenauslösern die Zeit vom Zerreissen des Fadens bis zum Kontaktschluss verschieden lang. Die bei Versuchen gemessenen Zeitunterschiede betrugen bis zu 0,03 Sekunden. Zudem war es nicht gleichgültig, ob der Faden in der Nähe des Auslösers oder am andern Ende durchgerissen wurde. Abgesehen davon erforderte das Neuspannen des Fadens immer eine gewisse Zeit, wahrend der der Fa.denauslöser nicht betriebsbereit war. Alle diese Nachteile werden durch die im deutschen Rennsport nun ebenfalls zur Anwendung kommende « Lichtschranke » beseitigt. Sie besteht aus einem «elektrischen Auge» und einem Scheinwerfer, die zu beiden Seiten der Fahrbahn genau in Höhe der Start- und Ziellinie montiert werden. Der Scheinwerfer wirft einen starken Lichtstrahl quer über die Bahn in das auf der andern Seite stehende elektrische Auge.^ Wird der Lichtstrahl durch ein durchfahrendes Fahrzeug unterbrochen, so ändert sich der Stromfluss in der Photozelle des elektrischen Auges. Diese Stromänderung bewirkt über einen Verstärker und ein Relais im Zeitdrucker die Durchfahrtsmarkierung. Da diese Einrichtung praktisch trägheitslos ist, sind die damit gemessenen Zeiten tatsächlich auf die Hundertstelssekunde genau. A. B. Doi von Inf. KatJtnner konstruierte neue Zaltnahmegeröt, dessen Arbeltsweise im vor* liegenden Artikel beschrieben wird. torsportzeitnahme im Gebrauch stehende und durch die Kriegsereignisse in Verlust geratene Löbnergerät, einen sogenannten « Zeitdrucker • fertiggestellt, der ab 1949 bei allen deutschen Rennen zur Verwendung gelangt. Dieser Apparat unterscheidet sich von dem bisher zur Anwendung gekommenen Chronographen (Zeitschreiber) vor allem dadurch, dass er die Durchfahrtszeit jedes Fahrzeugs nicht in Form von Linienzügen schreibt, sondern sie als Zahlen In Stunden, Minuten, Sekunden und Hundertstelsekunden druckt Dem « Uhrableser » des Zeitnahmegeräts, dessen Aufgabe bisher darin bestand, aus dem vom Chronographen geschriebenen Zeitdiagramm die Durchfahrtszeiten zu ermitteln, bleibt bei Verwendung des neuen Geräts nichts weiter zu tun übrig, als die sedruckten Zeiten dem Apparat zu entnehmen. Der neue Zeitdrucker besteht aus zwei Aggregaten: dem eigentlichen Druckwerk und dem Antriebswerk. Bei letzterem handelt es sich um ein federgetriebenes Uhrwerk, das mit grösster Gleichmässigkeit abläuft Der Aufzug der Uhrwerksfeder erfolgt automatisch durch einen Elektromotor. Der gleichmässige Lauf des Uhrwerks wird durch eine schwingende Stahlfeder bewirkt, die in ein Zahnrad eingreift und bei jeder Schwingung einen Zahn freigibt Die Umdrehungszahl des Zahnrades steht also in einem festen Verhältnis zur Schwingungszahl der Stahlfeder, die praktisch unveränderlich ist. Von diesem Zahnrad aus wird eine Zwischenwelle angetrieben, wobei die Uebersetzung so gewählt ist, dass diese Zwischenwelle in einer Sekunde genau eine Umdrehung macht Die Zwischenwelle treibt ein Typenrad im Druckwerk an, das die Zahlen von 00—99 trägt Es ist dies das Hundertstelsekundenrad, das also in einer Sekunde einmal umläuft, and von dem aus das Sekundenrad bei jeder Umdrehung elektrisch um eine Ziffer weitergeschaltet wird. Wenn das Sekundenrad in einer Minute einen Umlauf beendet hat, geht das Minutenrad um eine Ziffer weiter. Dasselbe trifft für das Stundenrad nach jedem Umlauf des Minutenrades zu. Die Typenräder können dabei von Hand oder automatisch auf 0 oder jede beliebige Tageszeit eingestellt werden. Unter dem Typenrädersatz laufen zwei normale Farbbänder, zwischen denen zwei Papierstreifen durchgezogen werden. Soll nun eine Durchfahrtszeit gedruckt werden, so schlägt ein Hammer von unten her die Papierstreifen über die Farbbänder gegen die Typenräder. Nach jedem Zeitdruck werden die Papierstreifen, genau wie bei der Schreibmaschine, um eine Zeile weiterbewegt. Sie können aber auch aus dem Zeitdrucker herausgezogen und durch ein am Gerät angebrachtes Messer abgeschnitten werden. Diese Abschnitte ersetzen dann — zumal da die Zeitmarkierungen laufend numeriert sind — den bisher von Hand geschriebenen « Zeitenzettel ». Wie bei jeder Stimmgabel ist auch die Schwingungszahl der Stahlfeder de« Antriebswerkes nicht absolut konstant. Sie ändert sich in engen Grenzen unter dem Ernfluss van Luftdruck und Temperatur. Deshalb ist es notwendig, den Gang des Zeitdruckers ständig zu korrigieren. Diesem Zweck dient ein genau gehender Kontaktchronometer, der jede Sekunde eine Korrektureinrichtung elektrisch betätigt. Durch eine besondere Konstruktion ist es möglich, die Typenräder stets soviel vor- oder nacheilen zu läuft, stellt ein weiteres für die Zeitnahme Susserst wichtiges Zusatzgerät dar: Es soll die Uebereinstimmung zwischen den Markierungen des Zeitdruckers und der Hundenzählung sicherstellen. Die Durchfahrtsmarkierungen bei Bergrennen ENGLAND Die beiden Engländer Parnell und Ashmore werden im nächsten Jahr für die Scuderia Ambrosiana starten, wie an einer Versammlung dieser Renngemeinschaft unlängst zu erfahren war. Die genannten Briten dürften die Rennen auf Maserati - Anderthalbliterrennwagen des Typs 4 CTL bestreiten. Von den ERA-E-Type-Rennwagen deren einer mit Hampshire am Steuer im Herbst 1947 in Lausanne startete, ist einer kürzlich von Taso Mathieson übernommen worden. Ein zweiter ist Eigentum von P. D. C. Walker und Peter Whitehead, und ein dritter befindet sich immer noch im Besitz von Leslie Johnson. FRANKREICH Um die französische Automobilmeislerschaft Die Ermittlung des französischen Automobümeisters pro 1948 erfolgte — wie in früheren Jahren — auf Grund des Punktsystems, wobei dem Sieger in einem von der Sportkommission des ACF bezeichneten Meisterschaftsrennen 12 Punkte, dem zweiten 5 P., dem dritten 4 P., dem vierten 3 P., dem fünften 2 P. und den übrigen Klassierten % P. zugedacht wurden. Dem Fahrer mit der schnellsten Runde wurden darüber hinaus 2 P. zugebilligt. Sofern ein Franzose eine der « grandes öpreuves • ausserhalb Frankreichs gewann, trug ihm dies weitere 2 P. ein. Indessen wurde als Meisterschaftsanwärter lediglich betrachtet, wer sich bei der Sportkommission des ACF bis zum 1. März anmeldete. Es gingen zwanzig Anmeldungen ein, unter denen sich auch verschiedene von zweitrangigen Piloten befanden. DER NEUE SCHNEEREIFEN 1943/49 mit dem ungewöhnlichen Traktionsvermögen triumphiert über Schnee und Schlamm Lieferbar in allen gangbaren Grossen «fc yesimm. ***~nS,***Z m m GRIFFIG WIE KEIN ZWEITER FABRIK FÜR FIRESTONE-PRODUKTE AG., PRATTELN Nunmehr machen sich — vor allem in der Fachpresse — Bestrebungen geltend, am Meisterschaftsreglement Aenderungen grundsätzlicher Art vorzunehmen. Der Wunsch wird laut, man möge den « grandes gpreüves » grössere Bedeutung beimessen als den internationalen Rennen auf Frankreichs Boden, indem man Sieg und Platz in einem der « classic events » punktmässig höher bewerte als dies bei einer französischen Veranstaltung der Fall sei. Konkrete Vorschläge für eine Bewertung, wie man sie sich inskünftig vorstellt, werden allerdings nicht gemacht Anderseits scheint man sich des Gefühls nicht mehr erwehren zu können, dass das Punktsystem unbefriedigend ist. Nur so kann man sich erklären, wenn man — freilich wiederum ohne einen wegweisenden Vorschlag zur Diskussion zu stellen — der Ansicht Ausdruck verleiht, man sollte in Zukunft über die allgemeine, auf Grund eines Schlussklassements erfolgende Punktzuteilung hinaus auch dem Zwischenstand, z. B. nach dem ersten Viertel, nach Halbzeit und nach drei Vierteln der Distanz, durch entsprechende Zubilligung von Punkten Rechnung tragen. Was — wenn man es vielleicht auch nicht wahrhaben will — letzten Endes auf eine vermehrte Berücksichtigung der Leistung hinausläuft Denn allerdings bedeutet es eine schwere Ungerechtigkeit, wenn dem Sieger einer Konkurrenz 12 P., dem an zweiter Stelle, möglicherweise in einem Abstand von wenigen Sekundenbruchteilen, durchs Ziel gehenden Fahrer aber nur 5 P. gutgeschrieben werden... ITALIEN Am Rundrennen von Pescara das vor dem Krieg als Wettbewerb um die Coppa Acerbo zum Austrag gelangte und dessen beide erste Nachkriegsauflagen den Sportwagen reserviert blieben, werden nächsten Sommer wiederum Rennwagen der Formel I startberechtigt sein. Frisieren der Tourenwagen nicht gestattet An der Römer Sitzung der italienischen Sportkommission, über deren Verlauf wir in Nr. 54'1948 der « AR » das Wesentliche zusammenfassten, bildete auch die internationale Tourenwagenformel, an deren Ausarbeitung Italien seinerzeit massgebend beteiligt war, Gegenstand eingehender Beratungen. Dabei machten sich zwei Tendenzen bemerkbar. Die Mehrheit setzte sich im Interesse und zum Schutz der zahlreichen Fahrer, die um des Sportes und nicht um der technischen Akrobatik willen an den einzelnen Veranstaltungen teilnehmen, für eine strenge Anwendung des bestehenden Reglements ein, während eine Minderheit für eine elastischere Handhabung einzelner Bestimmungen eintrat, die in ihrem Endeffe 1 * darauf hinauslaufen würde, gewisse Abänderungen und Verbesserungen an Sprienfahrzeugen, mit andern Worten das Frisieren derselben zu gestatten und damit praktisch zur Wiederinkraftsetzung des ursprünglichen Reglements der Kategorie • Sport nazionale > zurückzukehren. Eine Kontaktnahme mit den italienischen Automobilfabrikanten ergab, dass die Industrie am strikten Festhalten an den internationalen Vorschriften für Tourenwagen alles Interesse hat, und so sprach sich letzten Endes auch die italienische Sportkommission, im Sinne einer Beibehaltung dieser Bestimmungen aus, die auf folgenden Grundsätzen beruhen: Der serienmässig hergestellte Tourenwagen — hat mit dem von einer anerkannten Automobilfabrik in normalem Verfahren hergestellten Modell genau übereinzustimmen; — muss in den Katalogen der Herstellerfirma beschrieben sein; — muss zu den handelsüblichen Bedingungen in den Handel gebracht werden; — muss in bezug auf Ausrüstung, Zubehör und Material dem von der nationalen Sportkommission gemäss dem Gutachten der technischen Kommission anerkannten Modell entsprechen. Die Richtlinien schreiben sodann vor, dass mindestens 100 Fahrgestelle und 50 Karosserien serienmässig hergestellt und bereits im Handel sein müssen. Die einzigen als zulässig bezeichneten Abweichungen vom Serienmodell betreffen die Regulierung der Vergasung mit im Handel erhältlichen Bestandteilen; die Aenderung des Uebersetzungsverhältnisses, sofern sie sich mit Bestandteilen der Herstellerfirma erreichen lässt; die Montage eines zusätzlichen Scheinwerfers; die Wahl der Reifen; die Stoßstangen; 5 Vol.-J5 Marge in der Kompression. Endlich