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Auszug aus GIESSEREI 4-2018

Eisen-, Stahlguss, Impfmittel, Einsatzstoffe

UNTERNEHMEN & MÄRKTE

UNTERNEHMEN & MÄRKTE FOTOS: THILO RÜCKEIS VON LOTHAR HEINKE, BERLIN Natürlich. Die Sache mit den vier Hermännern fehlt nie, wenn über die Bildgießerei Noack geschrieben wird. Schließlich ist das eine echte, wahre und auch stolze Berliner Dynastie. Eine künstlerische Institution. Ein Betrieb, von dem immer dann gesprochen wird, wenn irgendwo auf der Welt Denkmäler enthüllt oder nach der Restaurierung wieder aufgestellt werden. Erst gab der Ur-Kunstgießer Hermann Noack (1867-1941), schon eine künftige Familientradition im Sinn, seinem Sohn seinen eigenen Vornamen (Hermann II. 1895-1958), dann folgte 1931 Hermann III. und 1966 Hermann IV., beide leiten jetzt die Firma. Allesamt Künstler und Gießer, Fachmänner, Handwerker und Geschäftsleute zugleich. Jeder Hermann gab stets, wenn es so weit war, dem nächsten, jüngeren, den Tresorschlüssel in die Hand. Aktuell haben wir es mit Hermann IV. zu tun, einem 51-jährigen Gießereimechanikermeister, der sich nur widerstrebend von Vater Hermann III. für die Gießkunst begeistern ließ, aber längst mit gegenseitiger freundlicher Wertschätzung seine Leute per Handschlag begrüßt, wenn er, der Künstler, Handwerker und Manager, Faible für moderne Kunst: Hermann Noacks Sohn führt das Werk fort, das sein Vater begonnen hat. Von Anfang an haben renommierte Künstler mit ihren Modellen der Bildgießerei Noack einen internationalen Ruf verliehen. „Ich bin ein Berliner“, sagt Hermann Noack sen. Und der hält seiner Stadt die Stange. 112 GIESSEREI 105 04/2018

durch die hohen lichten Hallen des Betriebes geht. Der steht nach dem Umzug aus Friedenau auf einem weitläufigen Gelände nahe der Caprivibrücke in einer ruhigen Ecke der Straße Am Spreebord. Drei Schlote des Charlottenburger Heizkraftwerks überragen die Werkhallen, ein Bronzepferd wartet reglos im Garten, von der stillen Straße führen Steinstufen hinab zu einem Uferweg mit Bänken und Kletterrosen, daneben fließt träge die Spree, ein Touristenführer erklärt auf dem voll besetzten Ausflugsschiff die Gegend. Gegenüber, zum Greifen nah, steht der wuchtige Turm vom Charlottenburger Rathaus, nicht weit glänzt das Schloss. „Und bis zum Ku’damm oder zur Mitte der Stadt braucht man nur 15 Minuten“, sagt Hermann Noack IV. und schließt das Rollgittertor in der langen roten Ziegelmauer auf. „Man muss vielleicht zuerst den Betrieb sehen, um die ganze Gießerei besser zu verstehen“, sagt der Juniorchef und erklärt seine Firma. Von Saal zu Saal wird das Staunen größer. Hermann Noacks Erläuterungen gehen, je weiter wir kommen, im Krachen und Zischen, im Pfeifen und Orgeln beim langwierigen Produktionsprozess unter. Gießen ist keine stille Kunst. Hier und da hält sich der Gast die Ohren zu und denkt an Friedrich Schillers „Glocke“ von 1799, die wohl beste Reportage, die je übers Gießen geschrieben wurde: „Wohl! Nun kann der Guß beginnen, schön gezacket ist der Bruch. Doch bevor wirs lassen rinnen betet einen frommen Spruch! Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr das Haus! Rauschend in des Henkels Bogen schießt’s mit feuerbraunen Wogen.“ Friedrich Schiller, Die Glocke, 1799 Eine Frauenfigur aus der überlebensgroßen Bronzeskulptur „BDM Gruppe“ (2012) von Georg Baselitz vor der Fertigstellung. Wie so viele weltbekannte Kunstwerke entstand auch diese Gussplastik in der Werkstatt Am Spreebord. GIESSEREI 105 04/2018 113

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