Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

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FinTech-Lösung

Endlich wieder attraktive Zinsen in der Schweiz

Mit der FinTech-Lösung von Deposit Solutions sollen Kunden über ihre Hausbank Zugang zu den besten Einlagenangeboten mit

attraktiven Zinsen im Markt erhalten, ohne dafür die Bank wechseln zu müssen. Das 2011 in Hamburg gegründete Unternehmen

expandiert nun auch in die Schweiz. Auch Schweizer Banken können von der Lösung des FinTechs profitieren.

Autor und Interview: Marc Landis

Die Deposit Solutions Open Banking Innovation

Nach Uber, Airbnb, Netflix und Spotify

findet auch im Finanzsektor eine

grundlegende Veränderung statt. Die

Transformation ergibt sich durch

neues Kundenverhalten, neue Kundenerwartungen,

technologischen Fortschritt und einen veränderten

regulatorischen Rahmen. Drei Punkte

stechen dabei hervor :

1. Kunden, die sich an moderne Lebenswirklichkeiten

in anderen Bereichen gewöhnt

haben, erwarten eine ähnliche Nutzerfreundlichkeit

auch bei Finanzdienstleistungen,

wie etwa eine grosse Auswahl

anbieterunabhängiger Angebote von

marktführenden Produkten.

2. Die Verbreitung neuer Technologien

schafft Raum für neue Konzepte und

Lösungen, die zuvor nicht möglich waren,

und ermöglicht Akzeptanz in der Breite.

3. Regulatorische Initiativen unterstützen die

Öffnung des Finanzsektors als explizites

politisches Ziel. Richtlinien, wie beispielsweise

PSD2 in der Europäischen Union,

sollen Transparenz und Wettbewerb schaffen

beziehungsweise fördern und somit den

Kundennutzen steigern.

Die Deposit-Solutions-Open-Banking-Innovation: « Win-Win-Win » Situation für Produktbanken, Kundenbanken und

Privatanleger

Privatanleger

suchen attraktive

Zinsprodukte

Kundenbanken

haben die

Kundenbeziehung

Im Zuge dieser Entwicklungen sah Deposit

Solutions die Chance für die digitale Transformation

des Einlagengeschäfts mit Tages-, Termin-

und Festgeldern. Seit vielen Jahren können

Bankkunden in verschiedenen anderen Bereichen

im Rahmen von offenen Plattformen Produkte

von Drittanbietern über die bestehende

Bankbeziehung erhalten, zum Beispiel Anlagefonds.

Im Bereich des Einlagengeschäfts gab

es hingegen keine vergleichbare Lösung, die es

Produktbanken

stellen die

Zinsprodukte

Kundenbanken ermöglichte, ihren Kunden über

gegenwärtige Bankverbindungen Einlagenprodukte

mit Festgeldzinsen von Drittbanken anzubieten.

Stattdessen mussten Kunden, die andere

Einlagenprodukte wünschten, neue Konten bei

anderen Anbietern eröffnen. Durch die somit

steigende Anzahl der Kontobeziehungen entstand

dem Kunden ein erheblich höherer zeitlicher

Aufwand. Für Kundenbanken wiederum besteht

die Gefahr, die Kundenbeziehung ganz oder

in Teilen zu verlieren.

Vor sieben Jahren lancierte Deposit Solutions

eine Open-Banking-Lösung, um den 50-Billionen-

Euro-Markt für das globale Einlagengeschäft

offener und effizienter zu gestalten. Das Unternehmen

etablierte seine B2B-Plattform für Einlagen

als Standard unter europäischen Banken.

Mittlerweile ist Deposit Solutions zu einem

über 250-köpfigen Team herangewachsen und

nun auch mit einem eigenen Team in der Schweiz

präsent, wo es hiesige Banken für den Einsatz

seiner Plattform gewinnt. Die erste Partnerbank

in der Schweiz ist die Hypothekarbank Lenzburg,

eine börsenkotierte Schweizer Universalbank

und Vorreiterin im Digital Banking.

Dabei hat die Open-Banking-Plattform für den

Einlagenmarkt den Proof of Concept mit der proprietären

B2C-Vermarktung über seine eigenen

Onlineportale bereits erbracht. Dies konnte das

Unternehmen vor kurzem unter Beweis stellen,

als es mit seinen B2C-Marken die 10-Milliarden-

Euro-Marke an vermittelten Einlagen knackte.

Hinzu kommt, dass bereits zahlreiche Kooperationen

mit namhaften Banken im In- und Ausland

geschlossen wurden. Mit derselben Ambition

startet das Unternehmen in der Schweiz, um den

mehr als 1 Billion Schweizer Franken umfassenden

schweizerischen Einlagenmarkt zu erobern

und weitere Partnerbanken an seine Plattform

anzuschliessen.

Thomas von Hohenhau

Chief Client Officer und Managing Director

Schweiz, Deposit Solutions

Warum hat sich Deposit Solutions

gerade den Einlagenmarkt als

Geschäftsfeld ausgesucht ?

Thomas von Hohenhau : Spareinlagen

sind eines der weltweit wichtigsten

Finanzprodukte. In Europa halten Anleger

umgerechnet über 10 Billionen

Franken in Spareinlagen, und das

weltweite Gesamtvolumen beläuft sich

auf mehr als 50 Billionen Franken.

Trotz dieses immensen Umfangs hat

es in diesem Markt in den letzten

Jahrzehnten keine bedeutende Innovation

mehr gegeben. Kunden und

Banken verlangen aber digitale Angebote,

die Anlegern auf effiziente

Weise Zugang zu attraktiven Zinsen

verschaffen und Banken neue Märkte

und Kunden erschliessen. Unsere

Open-Banking-Technologie ermöglicht

ein solches digitales Angebot im Einlagenmarkt.

Mit unserer Plattform setzen

wir einen Industriestandard für

Spareinlagen und schaffen eine neue

Infrastruktur für den Einlagenmarkt,

wovon Banken ebenso wie Anleger

profitieren.

Warum ist die Schweiz ein interessanter

Markt für Deposit Solutions?

Der Schweizer Einlagenmarkt ist mit

mehr als 1 Billion Franken von enormer

Grösse. Zudem hat die Schweiz gemäss

aktuellen Erhebungen der OECD

die höchste Haushaltssparquote in

ganz Europa. 2016 war die Sparquote

der Schweiz mit 18,79 Prozent beinahe

doppelt so hoch wie im europäischen

Land mit dem zweithöchsten Wert –

Deutschland ( 9,69 Prozent ).

Ein weiterer attraktiver Aspekt des

Schweizer Marktes ist, dass er sich

nicht nur durch grosse Volumina in

Schweizer Franken auszeichnet, sondern

auch durch bedeutende Einlagen

in Euro und US-Dollar. In Bezug auf

das aktuelle Niedrigzinsumfeld bieten

wir sowohl Anlegern als auch Partnerbanken

einen Weg aus der Tristesse.

Für Anleger haben wir ein Portfolio an

Banken aufgebaut, die Schweizer Privatanlegern

attraktive Zinsen für Festgeldanlagen

zahlen. Für Banken, die

über unsere Plattform Einlagenprodukte

von Drittbanken anbieten, entsteht

ein neues Instrument zur Steuerung

der selbst gehaltenen Liquidität. Überschüssige

flüssige Mittel von Privatanlegern,

die Banken aktuell in grossen

Mengen zu negativen Zinssätzen bei

der Nationalbank anlegen müssen, können

dank unserer Lösung in die Bilanzen

von Drittbanken gesteuert werden.

Welche anderen Vorteile erhalten

Schweizer Banken bei einer Zusammenarbeit

mit Deposit Solutions ?

Schweizer Banken haben signifikante

Vorteile im Hinblick auf die Kundenbeziehung.

Eine Bank, die ihren Kunden

unsere Lösung anbietet, wird zwangsläufig

zu einem der besten Anbieter in

einer der wichtigsten Produktkategorien.

Das liefert ein starkes Argument

für die Kundenakquise. Ausserdem

wird gleichzeitig die Beziehung zwischen

der Bank und ihren bestehenden

Kunden gestärkt, was dazu führt,

dass zufriedene Kunden einen grösseren

Teil ihrer flüssigen Mittel zu ihrer

Hausbank verlagern. Des Weiteren

können Einlagenprodukte mit unserer

« In Bezug auf das

aktuelle Niedrigzinsumfeld

bieten

wir sowohl Anlegern

als auch Partnerbanken

einen Weg

aus der Tristesse. »

Lösung bequem ausgewählt und verwaltet

werden, was das Kundenerlebnis

erheblich verbessert. Abgesehen

von dieser qualitativen Komponente

gewinnen unsere Partnerbanken auch

auf monetärer Ebene. Durch unsere

Lösung entsteht für sie eine zusätzliche

Ertragsquelle auf einem Asset, mit

dem sie zuvor kaum Erträge erwirtschaften

konnten oder in einem Niedrigzinsumfeld

sogar teilweise Verluste

in Kauf nehmen mussten.

Wie können Privatbanken und

externe Vermögensverwalter ( EVVs )

von Ihrer Lösung profitieren ?

Für ihre Kunden wollen Privatbanken

sowie EVVs für alle Anlageklassen Beratung

bieten. Jedoch halten ihre Kunden

typischerweise ein Drittel ihres

Vermögens in Cash, für das es vor unserer

Lösung keine attraktiven alternativen

Anlagemöglichkeiten gab. Damit

war ein Drittel des Vermögens nicht

variabel investierbar. Dieser Zustand

wird durch unsere Lösung aufgehoben,

und Privatbanken sowie EVVs können

sich wieder selbstbewusst als ganzheitliche

Berater positionieren. Ausserdem

können sie Performance auf den

Cash-Beständen erzielen und so die

Gesamtperformance des Kundenportfolios

verbessern. Zudem ermöglicht

unsere Plattform einen Portfolioansatz,

da der Berater die Cash-Bestände

seiner Kunden auf beliebig viele Einlagenprodukte

von Drittbanken verteilen

kann. Dies erlaubt, den gesamten

Cash-Bestand eines Kunden zu diversifizieren

und trotz des hohen Volumens

vollständig abzusichern.

Wie sicher sind die Einlagen von

Schweizer Anlegern, wenn sie sich

auf ihrer Plattform für Produkte

ausländischer Banken entscheiden ?

Sämtliche unserer angebotenen Festgeldprodukte

sind durch gesetzliche

Vorschriften umfassend geschützt.

Einlagen bei Schweizer Banken sind

durch das nationale Einlagensicherungssystem

esisuisse bis zu einem

Gegenwert von 100 000 Franken pro

Bank und Kunde abgesichert. Schweizer

Privatanleger, die in attraktive Festgeldprodukte

im europäischen Ausland

investieren, sind dabei wie

Europäer ebenfalls abgesichert. Die

europäische Einlagesicherung schreibt

eine Absicherung der Spareinlagen von

mindestens 100 000 Euro pro Bank und

Kunde gesetzlich vor.

Welche nächsten Schritte planen

Sie mit Deposit Solutions in der

Schweiz?

Zum einen widmen wir uns in den

nächsten Monaten dem Ausbau unserer

B2C-Plattform Savedo.ch. Zum anderen

werden wir weitere Schweizer

Banken in unser Netzwerk aufnehmen.

Ein nächster wichtiger Meilenstein für

uns ist die Zusammenarbeit mit EVVs.

Sowohl sie als auch ihre Kunden profitieren

von der Partnerschaft mit Deposit

Solutions. Nebst alldem haben

wir intern noch weitere grosse Projekte

für die Schweiz in Planung, von denen

man in den kommenden Monaten

sicher hören wird.

Über Deposit Solutions

Das 2011 gegründete FinTech-Unternehmen

Deposit Solutions hat es sich zur

Aufgabe gemacht, den globalen Einlagenmarkt

zu transformieren. Bereits heute

verbindet die Open-Banking-Plattform

Banken aus 16 europäischen Ländern,

darunter namhafte Institute wie die Deutsche

Bank, Close Brothers oder Töchter

von Credit Agricole, Société Générale,

und Fidelity. Mit den bisherigen Partnerschaften

erreicht Deposit Solutions heute

bereits 30 Millionen Privatanleger, die

Einlagen von über 1 Billion Euro bei ihren

Kundenbanken halten. Deposit Solutions

schloss im August 2018 seine aktuelle

Finanzierungsrunde ab. Hauptinvestor ist

seither das internationale Private-Equity-Unternehmen

Vitruvian Partners. Zusätzlich

beteiligen sich die schwedische

Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft

Kinnevik sowie bestehende Gesellschafter,

darunter auch Deposit Solutions’

erster institutioneller Investor e.ventures.

Insgesamt wurden in dieser Runde 100

Millionen US-Dollar investiert. Mit dieser

Finanzierungsrunde erreicht Deposit Solutions

eine Bewertung von 500 Millionen

US-Dollar. ( Quelle : Deposit Solutions )

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