Siegerland-Wittgenstein – Waldmeer & QuellenReich

outdoorwelten

Waldmeer & QuellenReich. 32 Seiten voller Naturplätze & Kulturschätze in Siegen-Wittgenstein

Waldmeer & QuellenReich

Könige der Wälder | Heiße Eisen | Prachtbauten | Holz vor der Hütte

Lebensadern | Kulturerbe | Blickbalkone

Ein Extra der Zeitschrift

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Inhalt

2 Karte

3 Editorial, Impressum

4-9 Impressionen

10-11 Interview mit Landrat

Andreas Müller

12-13 Könige der Wälder

14-15 Heiße Eisen

16-17 Das QuellenReich

18-19 Holz vor der Hütte

20-21 Frisch auf den Tisch

22-23 Prachtbauten

24-25 Lebensadern

26-27 Kulturerbe

28-29 Blickbalkone

30-31 Lohnenswerte Termine & Ziele

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Foto: Michael Sänger

Impressum

Beilage zum Wandermagazin 195 (Juli/August

2017) sowie Verteilung über Touristikverband

Siegerland-Wittgenstein e.V.

Redaktion: Andrea Engel (Chefredakteurin)

Texte: Michael Sänger

Kartografie: Heinz Muggenthaler,

Stadtplatz 19, 94209 Regen

Titelbild: Klaus-Peter Kappest

Verlags- u. Redaktionsanschrift:

W&A Marketing & Verlag GmbH

Rudolf-Diesel-Str. 14, 53859 Niederkassel

Tel. 0228/45 95-10, Fax 0228/45 95-199

post@wandermagazin.de

www.wandermagazin.de

HRB 5560 Amtsgericht Siegburg

Steuernummer 220/5867/0551

UST-IdNr.: DE149882288

Geschäftsführer: Ralph Wuttke

© W&A Marketing & Verlag GmbH

Niederkassel, Mai 2017

Nachdruck auch auszugsweise nur

mit Genehmigung des Verlages und mit

Quellenangabe statthaft. Keine Ansprüche

im Falle höherer Gewalt. Gerichtsstand für

alle Streitigkeiten aus der Verbreitung oder

Erstellung ist für beide Teile Niederkassel.

Prädikat „Wertvoll“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Siegerland und Wittgensteiner Land sind für mich zwei Seiten derselben Medaille. Hier

die Waldlunge in der Wittgensteiner Kammer zwischen Rothaargebirge, Eder- und

Lahntal. Dort die berühmte Eisenschmiede, legendäre Erzregion und Haubergslandschaft

im Siegerland mit der Universitätsstadt Siegen als Zentrum. Hier das Paradies

des Siegerländer Fachwerkbaus, reich an Aussichtstürmen und dem Erbe der Grafen

und Fürsten von Nassau-Siegen zwischen Westerwald, Rothaarkamm und Kölschem

Heck. Dort die Prachtschlösser der Fürstenhäuser in Bad Berleburg und Bad Laasphe,

die Schieferverkleidungen, Schieferdächer der Wohnhäuser, die gedrungenen Kirchenschiffe

und die 2013 ausgewilderten Könige der Wälder, die Wisente.

Dazwischen, hoch oben über den beiden Gebirgskammern in 600 m Höhe, wartet das

QuellenReich auf den Besucher, entzückt mit den Ursprüngen von Eder, Sieg, Lahn und

Ilse. Der sprudelnde Bergkamm verfügt über hunderte weiterer Quellen, ein Frischeparadies,

ein Wasserreservoir für Hundertausende. Drüben Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

als größter Privatwaldbesitzer Nordrhein-Westfalens, hüben einer der

weltbesten Chocolatiers Markus Podzimek aus Siegen.

Längst ist für mich aus dem einstigen Reiseziel Siegen-Wittgenstein ein Reisemotiv

geworden. Natur und Kultur sind eine eindrucksvolle Verbindung eingegangen.

Diese Mittelgebirgslandschaft im Süden Westfalens verdient das Prädikat: wertvoll und

unverwechselbar!

Ihr Michael Sänger

Herausgeber der Zeitschrift Wandermagazin

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Enge Gassen und Siegerländer Fachwerk.

Der Gang durch die historische Fachwerkaltstadt

von Freudenberg gehört zu den

architektonischen Höhepunkten

in Siegen-Wittgenstein.

Foto: Michael Sänger

Fachwerkidylle in schwarz und weiß Freudenbergs „Alter Flecken“

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Der Schlosspark hinter der gewaltigen

Schlossanlage von Bad Berleburg, der Berlebach

erweist sich als Gartenkünstler. Drei Teiche,

überragt vom Westflügel des Schlosses,

verströmen Ruhe und Gelassenheit.

Foto: Michael Sänger

Fürstliche Wanderfreuden jeder Wandertag ist ein geschenkter Tag

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Unterwegs auf der Panoramaroute der

Via Adrina. Ganz in der Nähe der

Aussichtsplattform Heller mit tollem Blick

auf das Edertal. Unweit von hier liegt das

sehenswerte Alexander-Mack-Museum.

Foto: Michael Sänger

Hier bewegt sich was zwei, die etwas ins Rollen bringen ...

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200 Jahre Kreise Siegen & Wittgenstein

Jubiläumsfest & Feierlaune

Andreas Müller, Landrat des Kreises

Siegen-Wittgenstein, im Gespräch mit dem

Wandermagazin

Wandermagazin: 200 Jahre Kreis Siegen-Wittgenstein, welche Stadt, welcher

Flecken und welcher Fluss im Kreis stehen für Sie besonders für das Jubiläum?

Im 13. Stock des Kreishauses in Siegen hat

Andreas Müller seinen Arbeitsplatz. Der

Blick auf Stadt, Land und Fluss ist beeindruckend.

Anlass und Gelegenheit, dem

politischen Chef des Kreises einige Fragen

zu stellen.

Andreas Müller: Ich denke hier an die „Ginsberger Heide“, die zu Hilchenbach-

Grund gehört: eine wunderschöne Waldlichtung auf einem Berg! Dort findet

seit über einem Vierteljahrhundert immer über Pfingsten das große Festival

„KulturPur“ statt. Und 2017 feiern wir dort am 31. Mai auch das Jubiläum

„200 Jahre Kreise Siegen und Wittgenstein“. Bei den Flüssen würde ich keinen

hervorheben, sondern auf das QuellenReich entlang der historischen Eisenstraße

verweisen. Denn das Besondere ist ja gerade, dass wir uns nicht nur über

einen Fluss definieren, sondern über drei: Eder, Lahn und Sieg. Alle drei prägen

unsere Region auf ihre Weise.

Wandermagazin: Die Wiesenbauern des Siegerlands legten den Grundstein

für die Siegener Universität, das Fürstenhaus derer von Sayn-Wittgenstein-

Berleburg und den Grundstein für die europaweit erste Auswilderung der

majestätischen Könige der Wälder welche Überraschungen hat NRWs

südlichster Kreis noch aufzuweisen?

Andreas Müller: Da gibt es einiges: Mit einem Anteil von 71% ist Siegen-Wittgenstein

nicht nur der waldreichste Kreis Deutschlands, sondern vor kurzem

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wurde Siegen zur „grünsten Großstadt“

der Bundesrepublik gekürt:

Rund 86 Prozent der Fläche innerhalb

der Stadtgrenzen von Siegen sind

bepflanzt. Und wenn man sich dann

noch vor Augen führt, dass wir mit

unseren Partnern in Südwestfalen die

Industrieregion Nr. 1 in NRW sind, dann

ist das sicher etwas Besonderes! Darüber

hinaus gilt der Slogan unseres Regionalmarketings:

„Siegen-Wittgenstein echt

vielfältig.“ Wir haben die Großstadt

Siegen mit ihren Angeboten und wir

haben die ländlichen Bereiche also

Stadt und Land, Kultur und Natur, Seele

baumeln lassen und sich in den Trubel

stürzen. Nur bei uns kann man tagsüber

am Rothaarsteig wandern und abends

im Apollo-Theater die Philharmonie Südwestfalen

hören. Diese Vielfalt zeichnet

uns aus, sie ist unsere Stärke und damit

können wir immer wieder überraschen.

Wandermagazin: Das Waldreich im Wittgensteiner

Land und die Stahlkocher,

Eisenbieger und Röhrenwalzer im Siegerland

wie passt das zusammen und wie

profitieren die beiden so grundverschiedenen

Regionen voneinander?

Andreas Müller: Ich glaube, die beiden

Altkreise sind gar nicht so verschieden:

Auch das Siegerland war immer waldreich

und hat mit der Haubergswirtschaft

bis heute eine sehr nachhaltige Form der

Waldnutzung, die in vielen Ortschaften

verwurzelt ist. Auf der anderen Seite ist

Wittgenstein wirtschaftlich und industriell

enorm stark: Auch dort sind starke

Weltmarktführer beheimatet. Natürlich

haben beide Altkreise ihre besonderen

Profile. Doch unterm Strich passen Siegerland

und Wittgenstein doch ziemlich

gut zusammen.

Wandermagazin: Was empfehlen Sie

den Lesern dieses Magazins, wo lohnt

sich Ihrer Meinung nach das Entdecken

zu Fuß besonders, wo hat man die

besten Aussichten, wie kann man sich

den historischen Wurzeln des Kreises

besonders eindrucksvoll nähern?

Andreas Müller: Ohne Zweifel richtig

schön ist es auf dem Rothaarkamm

und am QuellenReich. Wunderschöne

Fernsichten hat man im Siegerland vom

Kindelsberg, der Ginsburg oder vom Gillerbergturm.

Und in Wittgenstein gibt es

in Bad Berleburg den WanderHöhepunkt

„Via Adrina“. Der nennt sich im Untertitel

auch „Weg der Ausblicke“ und das ist

sicher nicht übertrieben. Und wenn es

um Geschichte geht, greift wieder unser

Motto „Echt vielfältig“. Natürlich ist das

Siegerlandmuseum im Oberen Schloss

ein absolutes Highlight. Aber auch in

den unzähligen Heimatstuben kann man

tolle und interessante Facetten unserer

Geschichte erleben. Darüber hinaus

kann man sich unsere Geschichte auch

erwandern z. B. auf dem Keltenweg in

Netphen, auf Bergmannspfaden in Wilnsdorf

oder auch in Siegen-Achenbach.

Dort ist der „Historische Rundweg Von

der La-Tène-Zeit bis zur Moderne“ vom

Deutschen Wanderverband deutschlandweit

als erster „Qualitätsweg mit Kulturerlebnis“

ausgezeichnet worden.

Wandermagazin: Die Renaturierung der

Siegquelle und des Flusslaufs in Siegen,

der Natursteig Sieg in der Vollendung,

Namensgeber für die eine Hälfte des

Kreises welche Bedeutung hat die Sieg

für die Identität, die Kultur, die Natur?

Andreas Müller: Die Sieg ist in der Tat

Namensgeber der Stadt Siegen und des

Siegerlandes. Sie ist deshalb natürlich

identitätsstiftend. Wir leben am Oberlauf

der Sieg. Das Flusstal prägt unsere

Landschaft. Das Wasser der Sieg war

für die Landwirtschaft genauso wichtig

wie für die industrielle Entwicklung.

Gleichzeitig verbindet uns die Sieg mit

unseren Nachbarn. Das Siegerland endet

geographisch nicht an der Kreisgrenze,

sodass der sogenannte Oberkreis des

Kreises Altenkirchen (Westerwald), der

zu Rheinland-Pfalz gehört, wirtschaftlich

eng mit dem Altkreis Siegen verbunden

war und es immer noch ist. Und gerade

im Tourismus arbeiten wir eng mit den

anderen Kreisen entlang der Sieg bis zur

Mündung im Rhein-Sieg-Kreis zusammen.

Der autofreie Radaktionstag „Siegtal

Pur“, immer am 1. Sonntag im Juli, ist mit

regelmäßig über 100.000 Teilnehmern

ein erfolgreiches Beispiel dafür.

Wandermagazin: Die Herren im Berleburger

Schloss hatten ein großes Herz

für Menschen auf der Flucht ob wegen

Glaubensstreitigkeiten, Anfeindungen

oder Verfolgungen. Welche Bedeutung

hat diese spezielle Geschichte für den

Kreis?

Andreas Müller: Das ist richtig. Graf

Casimir machte Anfang des 18. Jahrhunderts

Wittgenstein zu einem Zufluchtsort

für Religionsflüchtlinge. Er war ein Garant

für die Toleranz in seinem Territorium.

Siegen-Wittgenstein ist bis heute mehr

als andere Regionen in Deutschland vom

Pietismus geprägt. Und so habe ich zum

Beispiel mit großer Freude feststellen

dürfen, dass es bei uns in den Jahren

2015 und 2016 eine überwältigende

Hilfsbereitschaft für die ankommenden

Flüchtlinge gab. Das trägt bis heute,

wenn es um die Aufgabe der Integration

geht. Ob das nun wirklich noch auf

Graf Casimir zurückzuführen ist, weiß

ich nicht. Aber die Siegerländer und

Wittgensteiner sind in ihrem Wesen eher

ruhig, lassen sich auch nicht so schnell

aufwiegeln und sind ihren Prinzipien

treu. Deshalb sind wir auch ehrliche,

authentische und genauso herzliche

Gastgeber.

Wandermagazin: Vielen Dank!

Blick auf Wilnsdorf

Foto: Klaus-Peter Kappest

Auf dem Mäanderweg an der Benfe

Foto: Michael Sänger

Die mittelalterliche Bergbausiedlung

Altenberg zwischen

Hilchenbach-Müsen und Littfeld

Foto: Michael Sänger

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Könige der Wälder

Zottelige Eminenz

Kaja Heising, 29 Jahre, studierte Wildtiermanagerin,

Master in Ethologie und Arterhaltung

und Wissenschaftliche Koordinatorin

in der Wisent-Welt Wittgenstein.

„Warum Wisente so heißen? Es gibt eine

Theorie, dass ihr Lebensraum ursprünglich

nicht auf Wälder beschränkt war,

sondern durch den Menschen auf den

Wald zurück gedrängt wurde.“

Das Wittgensteiner Waldmeer ist

wieder Heimat von Wisenten. 2013

wurde im Wittgensteiner Land eine kleine

Herde der vom Aussterben bedrohten Wisente in die

Freiheit entlassen. Das Wisent-Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung

des größten Landsäugetieres der „Alten Welt“ ist einzigartig in West-

Europa. Um die majestätischen Zotteltiere allerdings verlässlicher zu Gesicht

zu bekommen, wurde 2012 bei Aue-Wingeshausen die Wisent-Welt Wittgenstein

mit aktuell zehn Tieren eingerichtet.

Nein, mit einer Wildtiermanagerin hatte ich nicht gerechnet, als ich das Büro und

die Ausstellungsräume der Wisent-Wildnis im schönen Bad Berleburg betrat, um

mich aus erster Hand zu informieren. Die studierte Ethologin Katja Heising deutet

auf eine Antenne am Boden: „Einige Tiere sind mit einem Sendehalsband ausgestattet.

Im Optimalfall erhalte ich mehrfach täglich per Satellit Infos zum aktuellen

Standort der ausgewilderten Herde. Allerdings schränkt die geologische Formation

und die schlechte Mobilfunkverbindung diese Möglichkeit stark ein, so dass

ich manchmal wochenlang nichts von den Tieren höre.‘“ Die Könige der Wälder

haben einen eindrucksvollen Aktionsradius. Die Herde aus aktuell 18 Tieren nutzt

rund 4.800 Hektar Fläche. Täglich können sie im Schnitt 11 km zurücklegen.

Gewaltige Statur und scheue Natur

Zum Ende der letzten Eiszeit, vor rund 12.000 Jahren, wanderten große Wisentherden

über Osteuropa nach Mittel- und Westeuropa und bereicherten den Speisezettel

der steinzeitlichen Bewohner. In vielen Höhlenmalereien unserer Vorfahren sind

die haarigen Riesen abgebildet. Zu Zigtausenden streiften sie durch die Waldweiden

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der Alten Welt. Vor 100 Jahren war auch

der letzte freilebende Wisent in Europa

erlegt. Bis auf wenige Tiere in Zoos und

Tiergehegen war die europäische

Wisentpopulation eliminiert. Während

in Osteuropa die Paarhufer

mit der gewaltigen Statur, ein

ausgewachsener Bulle kann bis

2 m hoch und 3 m lang werden

und bringt bis zu eine Tonne

Gewicht auf die Waage, schon Anfang

des 20. Jh. wiederangesiedelt

und ausgewildert wurden, startete

die erste Auswilderung in Westeuropa

im April 2013 in den Wäldern

von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Dabei sind die mächtigen

Grasfresser sehr scheue Tiere. Sie

lieben die Ruhe und fühlen sich überall

dort wohl, wo die natürliche Vorratskammer

ihre Lieblingsgerichte vorhält. Dazu

zählen Gräser, gerne auch Süßgräser, Himbeer-

und Brombeerranken, Brennnesseln,

Moose, Flechten, junge Triebe, Knospen,

Blätter, Baumfrüchte, Rinde und Baumpilze.

Welche Auswirkungen die braunen Kolosse

auf das Ökosystem haben werden, das

zu erforschen bzw. erforschen zu lassen,

gehört neben der Verhaltensforschung der

Tiere zu den Aufgaben der wissenschaftlichen

Koordinatorin Kaja Heising. Es ist zu

vermuten, dass die äsende Herde den Wald

lichter macht und durch den Dung für die

Besiedlung von spezialisierten Insekten

und Käfern führt. Das wiederum lockt

vermutlich auch verschwundene Vögel an.

Man darf gespannt sein.

Vom Zauber, sich beobachtet zu fühlen

Die Chancen, dass Wanderer und andere

Waldbesucher auf eine friedlich äsende

Wisentherde treffen, sind sehr gering.

Selbst die Wildtiermanagerin hat Probleme,

trotz der Unterstützung der Verortung

mittels Funksignalen, die scheuen

Tiere zwischen all den Baumstümpfen,

Wurzeltellern umgestürzter Bäume,

hohem Farn und dichtem Baumbesatz zu

erkennen. Sogar im vollen Galopp, und

die braunen Eminenzen können bis zu

60 km/h schnell werden, könne man die

Herde kaum hören und nicht über die Erschütterungen

des weichen Waldbodens

spüren. „Ich finde die Vorstellung reizvoll,

zu wissen, dass irgendwo im Wald diese

majestätischen Tiere meine Witterung

aufgenommen haben, mich beobachten

Tipp zum Wandern:

Von Aue-Wingeshausen aus, nahe der

sehenswerten „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“,

startet der qualitätsgeprüfte

Rundwanderweg Wisent-Pfad mit 12,9 km

Länge. Er lässt sich mit dem 3 km langen

Rundwanderweg durch die 20 ha große

Wisent-Wildnis kombinieren. Einen Besuch

wert ist auch die Wisent-Erlebnisausstellung

in der alten Landratsvilla, einem

Nebengebäude des Rathauses der Stadt

Bad Berleburg. www.wisent-welt.de

und dabei für mich unsichtbar bleiben“,

sagt Katja Heising. Zwischen Mai und

August kommen die 25-30 kg schweren

Kälber auf die Welt und werden sechs

Monate von der Mutter gesäugt. Während

sich Jungbullen nach zwei bis drei

Jahren auf die Walz machen, bleiben die

Kühe immer bei der Herde. Der Altbulle

Egnar, so hat man beobachtet, bleibt

jedoch stets bei der Herde und zieht

sich lediglich in den Wochen, in denen

die Kälber geboren werden, zurück.

Das Artenschutzprojekt sieht vor, dem

Bullen die nachwachsende Konkurrenz

zu ersparen, und so werden Jungbullen

künftig umgesiedelt. Schließlich soll sich

die Stärke der Herde, die nicht über 25

Tiere wachsen soll, der verfügbaren und

weitgehend vom Menschen bewirtschafteten

Fläche anpassen.

Wisent-Welt Wittgenstein

Wer in den Wittgensteiner Wäldern mit

Hund auf Wanderung geht, und an tollen

Wanderwegen mangelt es in der Waldwildnis

nicht, sollte den Hund stets angeleint

haben und ausschließlich auf den Wegen

führen. Für den sehr seltenen Fall, dass sich

die Wisentherde dem Hund nähert, sollte

man ihn indes umgehend ableinen. Allgemeine

Verhaltensregeln für Wanderungen

in der Wisent-Welt gibt es auf der Webseite

www.wisent-welt.de. Wer das Glück haben

sollte, den Wisenten in der freien Natur zu

begegnen, ist herzlichst eingeladen, über

seine Erlebnisse (Bitte mit Angabe von

Standort, Tag und Uhrzeit) per Mail unter

info@wisent-welt.de zu berichten.

links & oben: Eindrucksvolle Illusion am

Zaun, dass die gewaltigen Tiere sich

inmitten ihres wilden Lebensareals frei

bewegen und nicht der Mensch

unten: Einzigartiger Charme: Wisent-Hütte

zwischen Bad Berleburg-Wingeshausen

und Schmallenberg-Jagdhaus

Fotos: Wisent-Welt-Wittgenstein

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Heiße Eisen

Erzengel und Haspelknechte

Friedrich Schmidt, 64 Jahre, Leiter Siegerlandhalle,

Städtischer Verwaltungsdirektor

und Vorsitzender des Heimatvereins

Niederschelden

Siegerland ist Eisenland die mehr als

2.500-jährige Eisengeschichte ist an

vielen Stellen heute noch lebendig.“

Siegerland Eisenland und Heimat der

„Hidden Champions“. Schon vor 2.500 Jahren

verstanden sich die Bewohner des Siegerlandes auf die

Gewinnung von Oberflächenerz, seiner Verhüttung in sogenannten

Rennöfen und der Bearbeitung der Eisenluppen zu Werkzeugen, Waffen

und Schmuckstücken. Der Schmelzofen bei Obersdorf nahe Wilnsdorf liefert

Anschauungsunterricht. Er stammt aus der Zeit um 250 v. Chr. Mehr als 300

historische Verhüttungsplätze, etwa der Engsbachseifen bei Achenbach, sind

verbrieft. Viele sind durch Wanderwege fußläufig zu erreichen.

Um die Mühlen, Hütten und Hammerwerke entlang der Wasseradern von Sieg,

Littfe, Ferndorf, Heller oder Asdorf entstanden kleine Siedlungen. Sie wuchsen

rasch und so stellt das Hüttental von Eiserfeld über Siegen, die heutigen Stadtteile

Weidenau, Geiswind bis nach Eichen und Kreuztal-Krombach ein nahezu

kompaktes, zusammenhängendes Gemeinwesen dar.

Schlote, Gruben, Hammerwerke

Die mittelalterliche Eisenverhüttung im Siegerland reicht ins 9. Jh. zurück. Ab

dem 12. Jh. begann man mit dem untertägigen Erzabbau. Anfänglich waren

Hand- und Fußbälge in Gebrauch, bevor um 1300 die Nutzung der Wasserkraft

für den mechanischen Antrieb der Gebläse genutzt wurde. Von nun an wanderten

die Hütten, Hämmer, Pochen und Wäschen in die Täler. Schon bald wurden

die Erze ausschließlich in der Tiefe abgebaut. Schächte und Fördertürme wurden

errichtet und auf dem Pfannenberg zwischen Neunkirchen und Siegen-

Eiserfeld stand einst Europas tiefste Erzgrube. Zur untersten Sohle des Berg-

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werks fuhren die Bergleute 1.338 Meter

tief in die Erde des Siegerlandes ein. Für

die Verhüttung wurde in den umliegenden

Wäldern Holzkohle als Brennmaterial

produziert. Um 1800 zählte man über

600 gewerbliche Köhler im Siegerland.

Dass das waldreiche Mittelgebirge nicht

gänzlich entwaldet wurde, verhinderte

1562 eine vom Nassauer Landesherrn in

Siegen gesetzlich verordnete Vergemeinschaftung

der siegerländischen Wälder.

Die nachhaltige Eichen-Birken-Niederwaldbewirtschaftung

durch die erste

Haubergsverordnung sicherte u.a. die

stete Versorgung mit Holz zum Ausbau

der Stollen und zur Herstellung von

Holzkohle. 1857 waren 20 Hochöfen und

sechs Puddelwerke, in denen aus den in

den Hochöfen hergestellten Roheisen

sogenanntes Schmiedeeisen (Puddeleisen)

hergestellt wurden, verbrieft. Sechs

Hammerwerke und fünf Gießereien wurden

für den gleichen Zeitpunkt gezählt.

In den Tälern rauchten die Schlote, das

Dröhnen der wassergetriebenen Hämmer

erfüllte die Luft. Im gleichen Jahr

fuhren täglich zigtausende Bergleute in

die 19 Bergwerke der Region ein.

Eisengeschichte zu Fuß

In Siegen-Achenbach bietet sich der 12 km

lange historische Rundweg Achenbach an,

der zu Rennöfen der La-Tène-Zeit führt.

Auf Bergmannspfaden (15,6 km) ist man

im Eisenland von Wilnsdorf unterwegs.

Ein Besuch im dortigen Museum ist sehr

zu empfehlen. Beide Touren gehören

zum zwölf Wege umfassenden Wegenetz

„WanderHöhepunkte links und rechts des

Rothaarsteigs“. Dazu gibt es einen eigenen

Pocketguide.

www.siegerland-wittgenstein.com

Von Wieland und Kaiser Wilhelm

1555 verzichtete der regierende Graf

vom Siegener Oberen Schloss auf die

eigene Betätigung im Eisengewerbe.

Jegliche Neuansiedlung von Glas-, Gieß-,

Hammer- oder Stahlhütten wurde

verboten. 1861 begann der Einzug der

Steinkohle als Energieträger, das Ende

des Köhlergewerbes war eingeläutet.

Die heute noch aktive Köhlerei in Netphen-Walpersdorf

kann man samt dem

wanderbaren Köhlerpfad hautnah erleben.

Dass Wieland der Schmied, er wird

in nordischen Heldenepen als Schöpfer

eines besonderen Stahls gepriesen, in

Wilnsdorf mit Hammer, Eisenluppe, Esse

und Amboss das berühmte Schwert

Mimung schuf, ist pures Gerücht. Unbestritten

ist hingegen, dass der Stahlberg

in Hilchenbach-Müsen, am Fuße des

Kindelsbergs, die wohl berühmteste

Siegerländer Grube war. Erstmals 1313

ist der Betrieb des Bergwerks urkundlich

vermerkt. Nachdem ab 1815 das

Siegerland zu Preußen gehörte, erhielt

die Grube Besuch aus dem preußischen

Königshaus. Kronprinz Friedrich Wilhelm,

König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser

Wilhelm I. befuhren den Stahlberg. 1931

wurde der Grubenbetrieb eingestellt.

Von Erzengeln und Haspelknechten

Die Erzengel im Bergbau waren meist

Mädchen und junge Frauen. Ihre Aufgabe

bestand im Aussortieren der in

riesigen Röstöfen „gewaschenen“ Erze.

Haspelknechte hingegen arbeiteten über

oder unter Tage und förderten mit der

Haspel Material mit Muskelkraft nach

oben oder unten. Es gab ganz fantasievolle

Namen für die Gruben Blumengarten,

Bügeleisen, Feuer und Flamme,

Hinterstes Hühnchen, Luftgrube oder

Vereinigtes Pützhorn. Im 19. Jh. bildeten

sich Grubenverbünde wie die Grube Steimel

im Neunkirchen. In der Frauenberger

Einigkeit waren zuletzt drei einzelne

Bergwerke zusammengeschlossen und

in der Grube Pfannenberger Einigkeit, die

erst 1962 den Betrieb einstellte, waren

acht Gruben und Stollengänge auf dem

Pfannenberg vereint. Trotz des Niedergangs

des Siegerländer Bergbaus, die

letzte Grube schloss 1965, haben sich

aus der langen Bergbau- und Verhüttungshistorie

Unternehmen entwickelt,

die heute auf ihren Gebieten zu den

Weltmarktführern, den „Hidden Champions“

gehören. Ihre Wurzeln liegen im

19. oder 20. Jh., rühren an den Fertigkeiten

und Kenntnissen der Boomzeit und

ihre Weltmarktführerschaft haben sie sich

durch extreme Spezialisierung erworben.

Dazu gehören u. a. der Weltmarktführer

für Aluminiumfeinband- und -folienwalzwerke

und die Achenbach Buschhütten

GmbH & Co. KG in Kreuztal. Weltweit

führend ist z. B. die Firma Dango & Dienenthal

Maschinenbau GmbH in Siegen,

sie stellt Komponenten für Schmiedebetriebe,

Reduktionsöfen und Abschlacktechnologien

her. Die SMS Siemag AG

im kleinen Hilchenbach-Dahlbruch ist

Weltmarktführer für metallurgische

Maschinen und Anlagen und TMT Tapping

Measuring aus Siegen hat sich auf

Abstichtechnologien für Hochöfen und

Schmelzöfen spezialisiert. Mindestens ein

Dutzend weiterer Weltmarktführer hat

seinen Sitz im schönen Siegerland das

Besondere daran: Es handelt sich nahezu

ausnahmslos um Familienbetriebe.

Absteigen, bitte! Das Schaubergwerk

Wodanstolln in Salchendorf,

Gemeinde Neunkirchen

Foto: Heimatverein Salchendorf

Spuren des Bergbaus in der Landschaft

des südlichen Siegerlandes

Foto: Klaus-Peter Kappest

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Das QuellenReich auf dem Rothaarkamm

Der sprudelnde Berg

Doris Herrmann, 53 Jahre, Gärtnerin und

Landschaftsarchitektin

„Die Kunst des Landschaftserlebnisses ist

es, mit geringsten Anregungen zu motivieren,

in die Landschaft hineinzuspüren,

damit die Werte, die Geschichte und die

Qualität in der Landschaft von einem

bestimmten Punkt aus gespürt, gefunden

und gedacht werden können.“

„Quellen bedeuten für mich Ursprung,

Anfang, Reinheit, Lebensraum, Inspiration,

Frische das ist Leben.“ Ich bin mit Doris Herrmann

verabredet. Der gelernten Gärtnerin und studierten Landschaftsarchitektin

aus dem Siegerland hat es das QuellenReich oberhalb von

Hilchenbach, Netphen bzw. Erndtebrück und Bad Laasphe angetan.

Vier Quellen, zwischen Ginsberger Heide und Haincher Höhe, 600 m hoch

auf dem Kamm des Rothaargebirges gelegen, beweisen nachdrücklich:

Hier wandert man über ein Wasserschloss. Hier schlängelt sich der Rothaarsteig

über den schmalen Rothaarkamm, der die Gebirgskammern von

Siegerland und Wittgensteiner Land trennt.

Mythen, Nymphen und Elfen

Eder, Sieg, Lahn und Ilse erblicken hier das Licht der Welt. Schon die Kelten, die

nachfolgenden Germanen und Römer hatten ihre Freude an den vier Schönen.

Als Langona erwähnte der römische Geschichtsschreiber Tacitus die Lahn.

„Sikkere“ taufen die Kelten die Sieg und „Adrina“, so kann man die Hinweise

deuten, nannten die Germanen die Eder. Der kleinen Ilse, die als einzige der vier

Flussgrazien aus einem Felsen sprudelt, werden heilende Kräfte nachgesagt. Es

wird berichtet, dass nächtens bei Mondschein schon mal Mondscheinwasser

abgezapft wird. Die Schar der spirituell inspirierten Quellenfreunde ist groß. Es

gibt Quellmythen und Sagen von Quellnymphen. Im schmalen Wiesental der

Ilse gibt es den zwei Kilometer langen Märchenwanderweg „kleiner Rothaar“,

der junge und große Wandergäste für das Reich des Kobolds namens Kleiner

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Wandern pur

In der Nähe erwarten der 11,1 km lange Mythen- und Sagenweg in Bad Laasphe,

der bereits erwähnte Ilsetalpfad (16,6 km) mit Start und Ziel in Feudingen, der

Mäanderweg (25,4 km) mit Start und Ziel in Erndtebrück, der 7,2 km kurze

Kalorienpfad in Hilchenbach und der Netphener Keltenpfad (14,9 km) den Wandergast.

Alle Tourenvorschläge sind im Pocketguide „Rundtouren

Siegerland-Wittgenstein“ enthalten.

www.siegerland-wittgenstein.com

pfad für Kinder und Familien hingegen

ist sie überzeugt. Die Siegquelle ist

auch Anfang oder Ende des Natursteigs

Sieg, dessen Schlussstück bald eröffnet

werden soll.

Quellteich und ein Quellmoor

Zum nächsten Fluss in diesem einzigartigen

Wasserspeicher sind es nur knapp

fünf Kilometer auf dem Rothaarsteig,

dem allerersten Prädikatsweitwanderweg

Deutschlands. Anders als Ilse, Lahn

und Sieg entspringt die Eder aus einem

bruchwaldartigen Quellmoor. Aus vielen

tröpfelnden Stellen des Bruchwaldes

fügt sich schon bald ein Bach, der sich

Richtung Wittgensteiner Land später zu

einer schlingenschlagenden Flussschönheit

mit herrlichen Wiesenauen entwickelt.

Die Lahn genehmigt sich indes

einen kleinen, idyllisch unter Linden und

Bergahorn gelegenen Teich. Hier beginnt

auch der 288 km lange Lahnwanderweg

seine Reise bis zur Mündung in den

Rhein bei Lahnstein. Die Lahn strömt

Rothaar begeistert. Auch der

16,5 km lange Ilsetalpfad (gehört

zu den Rothaarsteig-Spuren)

führt die großen Wanderfreunde

zur idyllisch gelegenen Quelle. Doris

Herrmann wurde vor einigen Jahren

beauftragt, dem in die Jahre gekommenen

Quellort der Sieg ein neues,

natürlicheres Gesicht zu verleihen. Auf

die Frage, woher sie denn die Inspiration

für die heutige Quellführung mit der

halbrunden, ausgehöhlten Holzrinne

und dem Steinquader mit der Wasserentnahmemulde

hatte, antwortet sie ohne

nachzudenken „solche Einfälle kommen

mir beim Wandern durch die Natur!“ Die

in Mode gekommene Mystifizierung mit

nachtaktiven Quellelfen und Nymphen,

einem unterirdischen Kosmos aus

Zwergen- oder Königreich gehört für sie

ins Reich der Sagen und Märchen. Real

sei hingegen die besondere Reinheit des

Quellwassers und die Einzigartigkeit des

Lebensraumes direkt am Quellhorizont.

Von dem 1.500 m kurzen Walderlebniszwar

zunächst ostwärts, mündet aber

letztlich im Vater Rhein. Da nimmt die

Sieg den direkten Weg. Die Eder hingegen

fließt später, nach der Vereinigung

mit der Fulda, als Weser mit der Werra

vereint zur Nordsee. Je nach Laufrichtung

kurz vor oder nach der Ederquelle

berührt der Rothaarsteig das beschauliche

Höhendörfchen Benfe. Hier startet

der Mäanderweg Richtung Erndtebrück,

auch einer der zwölf „WanderHöhepunkte

links und rechts des Rothaarsteigs“.

Mehrere Bergpässe überwinden den grünen

und wasserreichen Sperrriegel des

Rothaarkamms. Über den Lützeler Pass

zwischen Hilchenbach im Siegerland

und Erndtebrück im Wittgensteiner Land

windet sich die Rothaar-Bahn in Kehren

und durch Tunnels nach oben.

Noch mehr Quellen

Doris Herrmann ist sich sicher, dass es

im QuellenReich noch hunderte weiterer

Quellen gibt. Die teils namenlosen Rinnsale

treten kaum bemerkt aus dem Quellhorizont

aus und vereinen sich nach einigen

Höhenmetern mit anderen Bächlein.

Mit Benfe, Netphe, Ferndorf oder Ilm gibt

es noch vier weitere, größere Bäche und

gekennzeichnete Quellen. Wenn es nach

der gelernten Gärtnerin ginge, würden

kleine Holzstelen mit dezent gehaltenen

Plaketten überall dort stehen, wo sich im

näheren Umkreis weitere Quellen befinden.

„Es sprudelt nur so aus dem Berg“, es

seien Quellen der Frische, der Lebendigkeit

und Reinheit. Für Doris Herrmann ist

klar, dass man Quellen von unten nach

oben ansteuern muss. Der Mensch sei

nun mal so gestrickt, dass er den Ort des

Ursprungs sehen möchte. Daher sei es

ein besonderes Erlebnis, wenn man dem

sich zunehmend verjüngenden Bachlauf

Schritt für Schritt nach oben bis zum ultimativen

Ursprung folgt. „Unser Berg ist

voll von diesem reinen Wasser“. Übrigens,

unweit der Ederquelle, am Forsthaus

Hohenroth mit gemütlicher Gastronomie

am Wochenende, befindet sich ein

Rotwildgehege. Ganz in der Nähe liegt

auch der abenteuerliche Kyrillpfad, der

spielerisch, aber eindrucksvoll aufzeigt,

welche Kräfte ein Sturm entfacht und

wie sich die Natur nach dem brachialen

Windbruchereignis wieder erholt.

Spaß und frisches Siegwasser an der

naturnah gestalteten Siegquelle

im QuellenReich

Foto oben: Klaus-Peter Kappest,

Foto unten: Michael Sänger

17


Holz vor der Hütte

Das Königreich der Bäume

Georg Jung, 56 Jahre, Agraringenieur.

Geschäftsführer der Bezirksgruppe

Siegen-Wittgenstein im Waldbauernverband

NRW e.V.

„Die Waldbauern im

Kreis Siegen-Wittgenstein

freuen sich über

jeden Waldbesucher.

Wanderer, die sich

an das Wegegebot

halten, die Früchte

des Waldes in Maßen

sammeln und mit

unserer Flora und

Fauna achtsam umgehen,

sind uns ganz

besonders willkommen!“

Mythos Wald im Kreis Siegen-Wittgenstein

gibt es tausendfach Anregung und Anschauungsunterricht.

2.903 m 2 Wald stehen statistisch betrachtet jedem Einwohner

des Kreises Siegen-Wittgenstein zur Verfügung. Auf 71% der gesamten Kreisfläche

wächst Wald: Die letzte Waldinventur 2016 ergab unglaubliche 80.000

Hektar. Ein Paradies für Waldschwärmer auf Schusters Rappen.

Mehr als 8 Millionen Tonnen wertvollen Humus produzieren Wälder pro Jahr.

Rund 2 Mio. Kubikmeter Wasser verdunstet das gewaltige Nadel- und Blätterdach

im Jahr. Dank der Verdunstungskälte bieten die Wälder von Siegerland

und Wittgensteiner Land ein um bis zu 10 Grad kühleres Klima. Beste Voraussetzungen

für Wanderungen an heißen Sommertagen.

Variantenreicher Waldbesitz

Die tiefste Stelle des Kreises liegt an der Sieg bei Niederschelden mit 215 m.

Dafür geht es andernorts im Siegerland bis auf 677 m hinauf. Im Wittgensteiner

Land, in alten Reiseführern als „Wittgensteiner Gebirgskammer“ bezeichnet,

geht es schon mal knapp an die 800 Metermarke. Je nachdem, ob man das

Siegerland oder das Wittgensteiner Land betrachtet, gibt es gravierende Unterschiede

beim Waldbesitz und hieraus abgeleitet, auch zur Struktur der Wälder.

Insgesamt befindet sich 85% der Waldfläche in Privatbesitz. 8% der Fläche ist

im kommunalen und 7% im Besitz von Körperschaften des öffentlichen Rechts

wie Bund, Land oder Kirche. Auffällig und kulturhistorisch einzigartig ist der

hohe Anteil von Haubergswäldern im Siegerland. Hierbei sind die Waldflächen

18


„vergemeinschafteter“ Wald und damit

im Besitz der Bewohner siegerländischer

Orte. Im Wittgensteiner Land hingegen

verteilt sich der Waldbesitz auf die fürstliche

Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg

im Schloss Bad Berleburg und eine

Vielzahl von Kleinwaldbesitzern. Mit über

13.000 Hektar Wald führt das Fürstenhaus

sogar die Liste der nordrhein-westfälischen

Privatwaldbesitzer an. Aber

auch die Rentkammer Wittgenstein in

Bad Laasphe, der einstigen Südgrafschaft

Wittgenstein, bewirtschaftet mehrere

tausend Hektar Wald.

Waldwelt im Wildwald

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW unterhält

mit dem Waldinformationszentrum

Forsthaus Hohenroth in der Nähe der Ederquelle

ein wundervolles Erlebniszentrum.

Themenwege (darunter der Kyrillpfad), ein

Rotwildgehege und eine Dauerausstellung

informieren ausführlich über das Waldmeer

im Süden Westfalens.

www.waldland-hohenroth.de

Nährstoff- und Wasserpumpe Wald

Rund 1,96 Mio. Kubikmeter Totholz

liefern die Grundlage für die Vitalisierung

der Wälder, bieten Lebensgrundlagen für

eine schier unermessliche Heerschar von

Insekten und Kleinstlebewesen. Durch

ihre filigrane Zersetzungsarbeit führen

sie dem Waldboden wichtige Nährstoffe

zu, reichern den humusreichen Boden

mit Sauerstoff an, fördern die Kohlendioxydbindung

und verhelfen dem

Untergrund zu erstaunlichen Wasserspeicherfähigkeiten.

Die gesamte Biomasse

der Wälder speichert gewaltige Grundwassermengen

wie ein Schwamm und

gibt sie später in dosiert über Quellen

und die Verdunstung über Nadeln und

Laubblätter wieder ab. Man muss sich die

Gesamtheit der Wälder in Siegen-Wittgenstein

als gewaltiges Kraftwerk, als gigantische

Klimaanlage, als Sauerstoffproduzenten,

Nährstoff- und Wasserpumpe

vorstellen. 57% der Waldfläche sind mit

Nadelbäumen bestückt. Die restlichen

43% stellen die Laubbäume, darunter

mit großem Vorsprung vor Ulme, Ahorn,

Esche oder Birke die Buche (13,1%) und

Eiche (10,9%). Eine ausgewachsene

Rotbuche kann ein Blattvolumen von

1.600 m 2 erreichen, dazu dienen bis zu

8 Mio. Einzelblätter. Die verarbeiten in

einer Stunde 2,4 kg Kohlendioxyd und

960 g Wasser zu 1,6 kg Glucose und

1,7 kgSauerstoff. Man stelle sich vor, dass

ein Hektar Buchenwald jährlich rund 22

Tonnen reinsten Sauerstoffs produzieren

kann. Der Treibstoff dieser Kraftmaschine

der Natur ist das Sonnenlicht.

Der Wald und die Menschen

Die Bewohner in Siegen-Wittgenstein

haben schon immer eine tiefe Beziehung

zu ihrem Wald. Nicht nur, dass jedem

Bewohner statistisch im Vergleich zu

Deutschland insgesamt die doppelte

Fläche an Wald zur Verfügung steht, der

Wald, also der Rohstoff Holz hat Siegerländer

und Wittgensteiner geprägt. Der

Wald als Arbeitsplatz, als Viehweide, als

Brennstoffreservoir, als Nahrungsspender,

als Kühlkammer, Schutz vor Gefahren,

Erwerbsquelle, Ort von Märchen und

Sagen und Baustoffproduzent mit der

besonderen Fähigkeit der regenerativen

Erneuerung. Unübersehbar sind die

vielen gestapelten Festmeter Brennholz

in den Wäldern oder hinter den Häusern.

So mancher Dorfbackes wird heute

noch mit selbstgebundenen Reisigbündeln,

den Schanzen, aufgeheizt und die

schwarz getünchte Ständerung Siegerländer

Fachwerkhäuser, an den Wetterseiten

gerne auch mit Schiefer wetterfest

verkleidet. Holz prägte und prägt die

Menschen und ihre Kultur. Für Georg

Jung, Geschäftsführer des Waldbauernverbandes

Siegen-Wittgenstein, ist klar:

„Die seit Jahrhunderten praktizierte

genossenschaftliche Haubergsbewirtschaftung

hat bei den Siegerländern eine

besonders innige Beziehung zum Wald

bewirkt“. Die gemeinschaftliche Waldnutzung

lebt bis heute fort und Waldanteile

werden von Generation zu Generation

vererbt.

Viel Holz vor der Hütte

Sage und schreibe 22 Mio. Kubikmeter

Holz wachsen in Siegen-Wittgenstein.

Das ergibt, als Scheitholz mit einer Länge

von 1 m, auf 2 m Höhe gestapelt, eine

Strecke von 15.400 km. Damit könnte

man die Distanz von Siegen nach Melbourne

in Australien mit einem weltrekordverdächtigen

Holzstapel verbinden.

Der deutschlandweit waldreichste Kreis

ist eine grüne Lunge. Voller würziger

und sauerstoffreicher Luft. Rund 14% der

Waldfläche unterliegen als FFH-Gebiete,

das sind europäische Schutzgebiete

nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie,

besonderen Bewirtschaftungsbeschränkungen.

Ziel ist es, vornehmlich den Buchenwaldcharakter

zu erhalten. Weitere

6% der Fläche sind als Vogelschutzgebiet

ausgewiesen. Ein fantastisches Wegenetzwerk

an Wanderwegen, darunter

Weitwanderwege wie der Rothaarsteig,

zertifizierte Tagestouren wie die Rothaarsteigspuren,

Thementouren und zahlreiche

örtliche Rundwanderwege helfen bei

der Entdeckung des Waldmeeres.

Ranger des Landesbetriebes Wald und Holz

NRW organisieren Wald-Erlebnis-

Wanderungen auf dem Rothaarsteig

Fotos: Klaus-Peter Kappest

19


Frisch auf den Tisch

So schmeckt Heimat

Christian Klein-Wagner, 45 Jahre,

Inhaber und Koch vom Gasthaus Klein

in Netphen-Deuz

„Aus alten Einkaufslisten und Haushaltsbüchern

habe ich das Wissen, was man

früher gekocht

und gegessen hat.

Dann schaue ich in

die Landschaft.

Was blüht, was

wächst, knüpfe

Kontakte zu Landwirten,

Metzgereien,

Mühlen oder

Brennereien. Altes

modern interpretiert,

das ist hohe

Kochkunst!“

„Selbst essen macht dick!“ Christian

Klein-Wagner, Chefkoch im wunderschönen

Fachwerkhaus des Siegerländer Traditionsgasthauses

Klein, prustet vor Lachen. Ich hatte ihn

gefragt, was denn passiert, wenn eines seiner fantasievollen Frischegerichte

nicht den gewünschten Absatz finden würde. Der Mann sprüht vor

Freude, streicht sich über die weiße Kochschürze mit einem gestickten, roten

Westfalenpferd auf dem rechten Ärmel. „Wissen Sie, ich stamme von hier, mir

macht es Spaß, gewachsene Tradition, überliefertes Wissen und Kochkunst

mit regionalem Selbstbewusstsein zu kombinieren.“

Den gebürtigen Wittgensteiner live zu erleben, in der Küche im 1768 auf den

Grundmauern des Vorgängergasthauses wieder aufgebauten Fachwerkhauses

im kleinen Deuz, ist ein Erlebnis. Unterstützt von Ehefrau Corinna, ebenfalls

ein Kind des Wittgensteiner Landes, und bis zu acht Servicekräften haben die

Beiden in den letzten 18 Jahren einen kleinen, aber feinen kulinarischen

Genusstempel geschaffen.

Die Welt da draußen die Heimat hier

Für Christian Klein-Wagner war schon im zarten Alter von 15 Jahren klar: „Ich

werde Koch.“ Sicher hat ihn die 300-jährige Landwirtschaftstradition seiner Familie

in Bernshausen geprägt. Andererseits weckten die kinderlose Großtante und

ihr Mann die Lust an der Gastgeberrolle. Erstaunlich genug, im Gasthaus Klein,

vor den Toren der großen Kreisstadt Siegen, wird seit nunmehr 14 Generationen

der Gast verwöhnt. „Weil ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hinwollte“, so

erklärt mir der Wahlsiegerländer, „führten Corinna und ich unsere für Köche und

20


Restaurant- bzw. Hotelfachkräfte übliche

Gesellentour übers Land nahezu

ausnahmslos zu familiengeführten,

in ihrer Region fest verwurzelten

Betrieben.“ Zum Koch ausgebildet

wurde der Vater einer Tochter im

renommierten Landhotel Doerr

in Feudingen, einem Ortsteil von

Bad Laasphe im Wittgensteiner

Land. Früh reifte im Ehepaar

Klein-Wagner der Wunsch, die

Wertschätzung für die Besonderheiten

der Region Siegen-Wittgenstein,

die faszinierende

Geschichte des Gasthauses Klein

in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus

mit dem Geschmackserlebnis

der Region zu kombinieren.

So ist es ein beeindruckendes Erlebnis,

seinen kulinarischen Reisen von der Welt

da draußen in die Heimat hier zu folgen.

Bis heute ist die einstige Umspannstation

für die Zugtiere von Fuhrwerken,

die über den Rothaarkamm oder über

die Haincher Höhe Richtung Dillenburg

zogen, ein Treffpunkt für die Dorfbewohner

geblieben. Die urgemütliche

Schankstube ist ein Ort der Behaglichkeit.

Aus der geschäftigen Groß- und

Universitätsstadt Siegen kommen viele

Gäste, und begeben sich bei hausgepresstem

Quitten- oder Apfelsaft, saisonalen

Produkten und Zutaten regionaler

Produzenten, zubereitet mit modernen

Gar- und Kochverfahren und orientiert an

alten Rezepten auf die Suche nach den

Wurzeln des regionalen Geschmacks.

Rubens und Landluft

Der südöstliche Zipfel Südwestfalens

hat, wie viele andere Regionen in

Deutschland auch, seine kulinarische

Entwicklung aus den klimatischen und

wirtschaftlichen Umständen genommen.

Die Kartoffel war elementares Nahrungsmittel,

das Gemüse, die Kräuter und

Salate stammten aus heimischen Gärten,

das Bier und das saubere Wasser von hier.

Angeregt durch den Kreis wurde vor Jahren

eine Kooperation zur Förderung der

Zusammenarbeit zwischen Gastronomen

und den Landwirten der Region aus der

Taufe gehoben. „Zwischen Rubens und

Landluft“ heißt die Initiative, die regionale

Produkte für saisonale Gerichte auf

die Speisenkarten bringt. Wildkräuter wie

Giersch oder Spitzwegerich, Brennesseln

oder Löwenzahn finden heute genauso

Regional genießen

Eine ausführliche Liste aller Teilnehmer der

Regionalen Genussinitiative „Zwischen

Rubens und Landluft“ kann man bei der

Homepage des TVSW abrufen. Das gilt

auch für die umfangreiche Liste der Direktvermarkter

im Siegerland und Wittgensteiner

Land und für die Backestermine und

die Termine der im Wittgensteiner Land so

berühmten Kartoffelbratfeste.

www.siegerland-wittgenstein.com

selbstverständlich Einzug in die regionale

Küche wie Fleisch vom Siegerländer Rotvieh,

Senf aus bäuerlicher Herstellung,

frischer Ziegen-, Kuh- oder Schafskäse,

fangfrische Forellen, erntefrisches Gemüse,

Salat, echtes Siegerländer Schwarzoder

Schanzenbrot, hochprozentige

Edelbrände und natürlich heimische

Biere. In Krombach hat mit der gleichnamigen

Brauerei ein Global Player seinen

Sitz. Daneben gibt es regionale Brauereien

wie die Brauerei Bosch in Siegen.

Mehr und mehr Hofläden, u.a. von Biobauernhöfen

wie dem Birkenhof in Wilnsdorf,

dem Hof Maustal in Netphen oder

dem Hof Heckhausen in Freudenberg,

bieten erntefrische Produkte aus eigener

Herstellung zum Direktkauf. Durch einen

der weltbesten Chocolatiers, Markus

Podzimek, erhielt eine der berühmtesten

Persönlichkeiten des Siegerlandes, Peter

Paul Rubens, posthum ein kulinarisches

Denkmal die Rubenskugel. In seinem

Café dasnaschwerk in Siegen bietet der

Schokoladenzauberer köstliche Pralinen,

Torten und andere süße Verführungen im

gemütlichen Ambiente.

Exzellente Küche auf der Geschmacksreise

zu den Wurzeln der Heimat mit

einer Prise Tradition und modernen

Interpretationen gibt es u. a. auch im

Landhotel Doerr in Feudingen, im Relais

& Châteaux Hotel Jagdhof Glashütte im

gleichnamigen Ortsteil von Bad Laasphe,

im Hotel-Restaurant „Alte Schule“ in Bad

Berleburg oder in der Pfeffermühle in

Siegen.

Appetitanreger:

Einblicke in die

Küchenkunst von

Christian Klein-Wagner

Fotos: Achim Meurer

21


Prachtbauten

Traditionell beeindruckend

Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-

Berleburg, 48 Jahre

„Wald ist Erholung, Inspiration und

Einnahmequelle. Auf

rund 4.000 Hektar

Waldfläche wird

wissenschaftliche

Forschung betrieben.

Dabei gehen Wissenschaftler

der Frage

nach, wie sich der

Wald durch verschiedene

Bewirtschaftungsformen

in den

kommenden Jahren

verändert .“

Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-

Berleburg, Oberhaupt des Fürstenhauses zu

Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Hausherr der Dreiflügelanlage

von Schloss Berleburg, erklärt mir geduldig, wie man den

Kopfschmuck eines Zehnenders von einem Vierzehnender unterscheidet und

die Enden von Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse bis zur Krone zählt. Der

holzvertäfelte Raum mit den Trophäen in der Wittgenstein-Berleburgischen

Rentkammer ist ein Anbau aus dem 17. Jh. an den ältesten Teil (13. Jh.), den

rechten Flügel der Schlossanlage mit den drei Türmen.

Vermutet man hier in der beschaulichen Residenzstadt im Wittgensteiner Land,

den Stammsitz einer jahrhundertealten Familie des europäischen Hochadels?

Schlösser, Kirchen, Glaubensfragen

Die Wittgensteiner haben auch in Bad Laasphe eine gewaltige Schlossanlage

gebaut. Auf einem 470 m hohen Berg über dem Lahntal thront Schloss Wittgenstein,

eine Dreiflügelanlage, deren Grundmauern in das 13. Jh. zurückreichen.

Bad Laasphe, jahrhundertelang Residenzstadt derer von Sayn-Wittgenstein-

Hohenstein, atmet noch heute den Charme eines kleinstädtischen Zentrums

aus. Eindrucksvoll sind auch die evangelischen Kirchen des Wittgensteiner

Landes. Sie wirken wuchtig und sind dennoch schlicht gehalten. Die spätromanische

Hallenkirche in Raumland, hier war die Urpfarrei der Region angesiedelt,

ist ein besonders gelungenes Beispiel. Das Innere der Hallenkirche besteht aus

drei gleich hohen, mit kuppelförmigen Gratgewölben abgeschlossenen Schiffen.

Sehenswert ist auch die Bad Laaspher Kirche. An die zweijochige Saalkirche

22


des frühen 13. Jh. wurde in der zweiten

Hälfte des 13. Jh. ein dreijochiges Schiff

mit polygonalem Chor angebaut. Typisch

für viele Kirchen des Wittgensteiner Landes

ist der Knickhelm des Kirchturms. Die

halbkugelförmige Haube als Abschluss

der Laaspher Kirche ist das Tüpfelchen

auf dem „I“. Mitte des 16. Jh. hielt der

evangelische Glaube Einzug. 1555 erhielt

das Land eine neue Kirchenordnung,

die das christliche Leben auf die Heilige

Schrift und die Augsburgische Konfession,

die reichsrechtliche Absicherung

der Reformation, verpflichtete. In der

ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als

die Wittgensteiner Grafschaften wegen

ihrer religiösen Toleranz weit über

ihre Grenzen hinaus bekannt wurden,

siedelten sich in Schwarzenau Glaubensflüchtlinge

aus Süddeutschland, der

Schweiz und Frankreich an. Das dortige

Alexander-Mack-Museum ist dem Leben

des Pietisten Alexander Mack gewidmet,

der im Jahr 1708 mit einer spektakulären

Taufe in der Eder eine freikirchliche

Bewegung ins Leben rief, die heute als

„Kirche der Brüder“ zu den ältesten Kirchen

mit freikirchlicher Tradition zählt. Im

Wittgensteiner Land durften sich unter

dem Laaspher Grafen Henrich Albrecht

zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1658

bis 1723) viele religiös und politisch

verfolgte Menschen ansiedeln.

Vom Schiefer zum Holz

Raumländer-Schiefer und der Holzreichtum

der Wittgensteiner Wälder haben die

regionale Architektur maßgeblich beeinflusst.

So besteht die gesamte Dacheindeckung

des Berleburger Schlosses aus

Schiefer. Die ewige Baustelle der knapp 5

Hektar großen Schlossanlage, so Gustav

Prinz Sayn-Wittgenstein-Berleburg,

verschlinge jährlich mehr als 250.000

Euro. „Diese Kosten, den Lebensunterhalt

der rund zehnköpfigen Familie, der gut

60 Angestellten sowie von aktuell acht

Hunden, finanzieren wir ausschließlich

mit unseren Wäldern.“

Holz prägt auch die Architektur des Siegerlandes.

Die jahrhundertealte Siegerländer

Fachwerkhaus-Tradition lässt sich

an den Jahreszahlen, Sinnsprüchen bzw.

Hausinschriften über Eingangstüren und

auf den Geschossbalken ablesen. Diese

Inschriften informieren z. B. über das Alter

der Bauten, die Namen der Hausherren

und Zimmermeister. Viele Inschriften

zitieren Psalmen aus der Bibel oder dem

Kirchengesangsbuch. Meist waren die

Motive der Bauherren religiöser Natur.

Einige informieren über Zerstörung und

Erneuerung. Manchmal klingt sogar die

künftige Zweckbestimmung des Gebäudes

an wie in Dillnhütten und Krombach.

Ein Bauherr in Grissenbach textete über

seine Feinde, dass er sie liebe „wie das

Regenwasser, so von den Dächern

fleusst“. Der älteste erhaltene Hausspruch

stammt von 1608 und schmückt das

Oberholzklauer Pfarrhaus. Zu den ältesten

erhaltenen Sprüchen gehört auch

die Inschrift über dem Fachwerkhaus

in Siegen-Trupbach in der Birlenbacher

Straße vom 17. 5. 1611: „Der Herr schafe

das Weib, das in Dein Haus komt. Wie

Rael und Lea. Dadurch ist das Haus Gotes.

Ist erbawet Worte“. Den ultimativen

Fachwerkhöhepunkt des Siegerlandes

kann man dann in der Altstadt von Freudenberg

bestaunen. Der „Alte Flecken“,

Freudenbergs historisches Zentrum,

wurde nach einem zweiten verheeren-

Prachtbauten im Siegerland

Über zwei Schlösser verfügt Siegen: Das

Obere Schloss geht auf eine mittelalterliche

Höhenburg zurück und stammt aus dem

13. Jh. Das Untere Schloss, ursprünglich

ein Franziskanerkloster, wurde im 17. Jh.

zur Residenz der protestantischen Linie des

Hauses Nassau-Siegen. Dazwischen erhebt

sich der 53 m hohe Turm der Nikolaikirche

mit dem hexagonalen Kirchenschiff und

dem berühmten Krönchen auf der Turmspitze.

Herausragend ist auch die Wasserburg

Hainchen im gleichnamigen Ortsteil

von Netphen aus dem Jahre 1290.

den Stadtbrand 1666 im einheitlichen Stil

wiederaufgebaut.

Übrigens erließ die nassau-oranische

Landesregierung in Siegen 1790 eine

Bauverordnung, die den übermäßigen

Holzverbrauch mit dem Hinweis auf „das

konstruktiv notwendige Maß ...“ einschränkte.

Daher erkennt das geschulte

Auge auf Anhieb, ob man vor einem

Fachwerkhaus alter Prägung mit

Schmuck- und Ziergebälk oder einem

Gebäude mit minimalistischer Holzkonstruktion,

gebaut nach 1790, steht. Drum

merke, nicht jeder Prachtbau beeindruckt

durch Höhe oder Größe.

oben links: Schloss Berleburg

Foto: Achim Meurer

Mitte: Das Obere Schloss in Siegen

Foto: Klaus-Peter Kappest

rechts: Szene aus der historischen

Altstadt von Freudenberg

Foto: Michael Sänger

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Lebensadern

Blaue Bänder grüne Ränder

Dr. Heinz Meyer, 61 Jahre, Amtsleiter

„Natur und Landschaft“ im Kreis Siegen-

Wittgenstein

„Wasser ist Lebenselixier dieses wird

mir immer bewusst, wenn ich in der Stille

der Wälder das Gurgeln eines Baches

vernehme.“

Die Täler im Wasserparadies von

Siegen-Wittgenstein. Seit fast 40

Jahren bewandere ich das Siegerland und

das Wittgensteiner Land. Egal, wie ich es auch anstelle,

an der Faszination der Lebensadern dieser Mittelgebirgsregion im

Süden Westfalens komme ich einfach nicht vorbei. Wer zum Beispiel, immer

flussaufwärts, den Oberläufen von Lahn, Eder, Sieg, Ferndorf, Benfe oder Ilse

folgt, landet auf dem hochwaldgeschützten Rothaarkamm über den mit dem

Rothaarsteig ein bestens bekannter Prädikatsweitwanderweg seine Bahnen

zieht. Hier liegen ihre Quellen. Von dort strömt, tröpfelt und rieselt es hundertfach

aus namenlosen kleinen Quellen.

Wer dann in umgekehrter Richtung auf Wanderwegen den Bachläufen talwärts

folgt, kommt nicht umhin, ein ums andere Mal die grünen Ränder dieser blauen

Bänder zu bestaunen. Hier wachsen Karpatenbirken-Bruchwälder, Schluchtwälder

und Erlen-Auwälder. Niedermoore stehen im Wechsel mit Grünland aus

Bergmähwiesen, Nass- und Moorwiesen, Pfeifengraswiesen, Borstgrasrasen und

Magerweiden.

Elberndorfer Tal und Oberes Zinser Bachtal

Traumhafte Ruhe liegt über den naturnah erhaltenen Bachtälern des Zinser und

Elbendorfer Baches. Übergangsmoore, lichter Baumstand und immer wieder

Feucht- und Nasswiesen. Groppe und Bachneunauge leben in den Bächen und

im Totholz haben es sich seltene Insekten gemütlich gemacht. Mit der nötigen

Zeit im Gepäck lässt sich der Eisvogel beim Fischen beobachten und Besuche

des Schwarzstorches sind keine Seltenheit. In den Morgen- und Abendstunden

24


erklingt ein vielstimmiges Vogelkonzert.

Weiter geht`s, rund um Bad Laasphe,

in die Buchenwälder und ungezählten

Wiesentäler die vom Rothaarkamm

oder dem mächtigen Buckel

der Struth, einem nordöstlich

verlaufenden Ausläufer des Rothaarkamms

zwischen Feudingen

und Bernshausen, herabfließen.

Die Borstgrasrasen „Am

Finkenstein“ bei Sassenhausen

sind bedeutend. Hier wächst der

seltene Feldenzian, das Große

Mausohr, der Raufußkauz oder

der Rotmilan sind heimisch. Wundervoll

ist auch, wie sich die Eder

zwischen Röspe, Aue, Raumland,

vorbei an Arfeld und Schwarzenau,

bis Beddelhausen schlängelt. Auf

40 km Länge sind die Uferpassagen der

Eder noch absolut naturnah, die Ufer

sind zum Teil mit Auenwald bewachsen

und größtenteils von Wiesen gesäumt.

Auf den vielen kleinen Flussinseln brüten

Wasservögel und es gibt noch kleine,

naturbelassene Stromschnellen. Eisvogel,

Schwarzstorch oder Braunkehlchen

nisten in dem FFH-Gebiet. Im Bereich des

Zuflusses der Röspe und bei „Haus Steinchen“

unterhalb von Hof Kilbe kann man

sogar Schluchtwälder bestaunen. Weiter

Artenreiche Vogelwelt

östlich, bei Neuwiese, befindet sich eine

der Flutmulden der Eder, ein Altarm, der

bei Hochwasser durchströmt wird und

temporär stehendes Wasser führt. Südlich

davon erstreckt sich ein steiler Hang

mit artenreichem Borstgrasrasen und

sehenswerten Arnika-Beständen.

Flutender Hahnenfuss & Trollblume

Nein, natürlich vergesse ich die Wiesentäler

des Siegerlandes nicht. Kürzlich

wurden im Oberlauf der Sieg Renaturierungsmaßnahmen

durchgeführt

und die Flußquerung von Siegen mit

der Offenlegung und Renaturierung im

Bereich der Innenstadt hat überregional

Aufmerksamkeit erregt. Mir hat es das

Weißbachtal zwischen Wilgersdorf und

Rudersdorf angetan. Die kleine Weiß entspringt

oben an der Kalteiche, wo auch

der Rothaarsteig aus dem Westerwald

herüberzieht. In dem Schutzgebiet verzahnen

sich die wandernden Mäander,

Sand- und Kiesbänke mit Steilufern und

teils brachgefallenen Nass- und Feuchtwiesen.

Es gibt Röhrichte, Moorpassagen

sowie Borstgrasrasen. Hier wachsen das

Gefleckte Knabenkraut, das Breitblättrige

Knabenkraut, die Grünliche Waldhyazinthe,

Arnika und das Wald-Läusekraut.

Bekassine, Neuntöter, Raubwürger,

In den Wäldern und Wiesen bei Burbach und Neunkirchen gibt es eine besonders artenreiche

Vogelwelt. Schwarzstorch, Uhu, Raufußkauz, Mittel-, Grau- und Schwarzspecht,

Baum- und Wiesenpieper und Neuntöter kommen hier vor. In dem Vogelschutzgebiet

liegt das letzte Brutvorkommen des Haselhuhns in NRW, einem Bewohner der Hauberge.

Die Buchenwälder sind überregional bedeutsam für Rotmilan, Raufußkauz, Grau- oder

Schwarzspecht.

Wiesenpieper, Eisvogel, Kammmolch

oder der bemerkenswerte Schwarzblaue

Ameisenbläuling, eine besondere Tagfalterart,

finden hier einen geschützten

Lebensraum. Weiter südlich, von Burbach

aus über die Höhe hinweg, liegen der

Hickengrund und das Wetterbachtal bei

Holzhausen. Die Struktur dieses kleinen

Paradieses ist das Produkt der alten

bäuerlichen Landwirtschaft. Sparsame

Düngung, späte Mahd, sporadische

Beweidung und Brachen sind die Grundlage

eines einzigartigen Artenreichtums.

Botaniker haben 250 Wiesenpflanzen

erfasst. In den Hochstauden blüht

während der Sommermonate der Blaue

Eisenhut und der Sumpf-Storchschnabel.

Im Frühling leuchten die gelben

Blüten der Trollblumen in den Feuchtwiesen.

Das Braunkehlchen findet in der

artenreichen Krautschicht Deckung für

seine am Boden angelegten Nester. Der

Wiesenpieper, der Eisvogel mit seinen

Niströhren, die er in die Steilufer gräbt,

oder der Wachtelkönig bewohnen das

Naturrefugium.

Dass sich der Dunkle Ameisenbläuling,

eine seltene Schmetterlingsart, hier hält,

ist bemerkenswert. Als Raupe lebt sie von

den Wiesenknopfblüten, lässt sich dann

auf den Boden fallen, und benötigt eine

bestimmte Ameisenart um huckepack in

ihr Nest zu gelangen. Bestens versorgt

fällt die Bläulingsraupe schlussendlich

über ihre Versorger her, verpuppt sich

und verlässt im folgenden Jahr das Ameisennest.

Faszinierend oder?

Furt über die junge Ilse

Foto: Klaus-Peter Kappest

Unterwegs in der mittelalterlichen Bergbausiedlung

Altenberg, Foto: Michael Sänger

Wo ein Bach, da eine Brücke

Foto: Achim Meurer

Wasserspiel

Foto: Klaus-Peter Kappest

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Kulturerbe

Lose ziehen, Lohe schälen

Klaus Münker, 60 Jahre, Dipl. Forstwirt,

Forstdirekter im Landesbetrieb Wald und

Holz NRW

„So ein Hauberg aus Eichen und Birken

dient heute vor allem der Brennholznutzung.

Von den 30.000 Hektar klassischer

Haubergsfläche Anfang des 20. Jh.

werden heute noch rund 3.000 Hektar

als vergemeinschafteter Niederwald

genutzt.“

Der Wald der Vielen die Siegerländer

Haubergswirtschaft. Was für ein merkwürdiger

Wald! Scheinbar verstreut stehende, schmächtige

Birken, über eine gut und gerne 20.000 m 2 große Fläche verteilt,

recken die weißen Stämme und filigranen Äste zum Himmel. Dazwischen

ist schütteres Buschwerk zu erkennen, das sich bei näherem Hinschauen als

Stockausschlag entpuppt. Ein Siegerländer Hauberg.

Geht es nach dem Kreistag des Kreises Siegen-Wittgenstein und den Bürgermeistern

der kreisangehörigen Kommunen, so sollte der Siegerländer Hauberg

in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden.

Derzeit arbeitet eine Expertengruppe, die sich aus Kultur-, Geschichts- und

Forstwissenschaftlern und Marketingexperten zusammensetzt, intensiv daran,

den Siegerländer Hauberg für eine Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste

vorzuschlagen.

Not macht erfinderisch

Immer wieder war das Siegerland in der langen Geschichte der Erzgewinnung

und -verhüttung kahl und wüst. Um das Erzgestein zu schmiedbarem Eisen zu

schmelzen, muss es mehrere Stunden auf über 1.000 Grad erhitzt werden. Derlei

Gluthitze war mit dem Verbrennen von Holz nicht zu erreichen. Da entdeckte der

Mensch die Herstellung von Kohle aus Holz. Für ein Kilogramm Eisen benötigt

man die zehnfache Menge an Holzkohle und um 10 kg Holzkohle herzustellen,

waren 50 kg Holz vonnöten. Angesichts der Vielzahl aus dem Boden schießender

Hütten und Hochöfen liegt es auf der Hand, dass Holz knapp wurde. 1562 erließ

26


der in Siegen regierende Graf Johann VI.

von Siegen-Nassau die erste Siegerländer

Haubergsordnung. Erstmals wurde

damit gesetzlich geregelt, dass fortan nur

so viel Holz geschlagen werden durfte,

wie nachwuchs. Gleichzeitig lieferte die

Niederwaldbewirtschaftung Voraussetzungen

der Nahrungsmittelproduktion,

der Gewinnung von Gerbsäure, der

Herstellung von Brenn- und Bauholz, der

Gewinnung von Dämmmaterial und der

Nutzung von Flächen für die Waldweide

von Schweinen, Schafen und Rindern.

180 Haubergsgenossenschaften gibt es

im Siegerland heute noch. Die ideellen

Anteile liegen in den Händen von mehr

als 16.000 Anteilseignern. Es ist ein Wald

der Vielen.

Waldstaudenroggen und Buchweizen

Die Anzahl der Anteile richtete sich oft

nach der Anzahl der Hofstellen in einem

Dorf. Heute regelt ein spezielles Gesetz,

das Gemeinschaftswaldgesetz, den

Umgang mit Anteilen am sogenannten

Gesamthandsvermögen. Sie können wie

Grundstücke verkauft und vererbt werden.

Die Bewirtschaftung eines Haubergs

orientierte sich an der „Umtriebszeit“

der Zeit vom Stockausschlag bis zum

Ernte- oder Schlagtermin. Das waren in

der Regel 20 bis 25 Jahre. Entsprechend

der individuellen Anteile bekam der

Haubergsgenosse dann per Losentscheid

seinen Teil an dem jährlichen Schlag

zugewiesen. Die Einzelanteile wurden im

Gelände markiert. Nach dem Aushauen

der Sträucher und Äste sammelte und

bündelte man das fingerdicke Holz und

band es zu Reisigbündeln (Schanzen)

für die Gemeinschaftsbackhäuser. Dann

wurde der Jahresschlag geräumt, wobei

man zunächst die schälfähigen Eichen

stehen ließ. Das Stangenholz gelangte

entweder direkt in die Bergwerke oder zu

den Kohlenmeilern. Im Mai wurden die

Eichenstämme schließlich geschält und

die getrocknete Baumrinde (Lohe) an die

Gerbereien verkauft. Der Haubergsboden

wurde abgeplackt, der Soden verbrannt

und die Asche in die Erde eingebracht.

Dann säte man Buchweizen ein, der im

September geerntet werden konnte. Im

Anschluss warf man Staudenroggen aus

und erntete diesen im kommenden Jahr.

Wenn der Stockausschlag hoch genug

gewachsen war, begann man mit der

Waldhute. Erst Schweine und Schafe dann,

nach sechs bis sieben Jahren, auch Rinder.

Historischer Hauberg Fellinghausen

Der historische Hauberg in Kreuztal-Fellinghausen

wird noch wie anno dazumal

bewirtschaftet. Auf 24 ha Waldfläche betreiben

die Haubergsgenossen traditionelle

Niederwaldswirtschaft. Das Schöne daran

ist, dass der interessierte Gast das Gelände

besichtigen kann und zu den Führungsterminen

(Tel. 0271/333-1021) eindrücklich

über die einzigartige historische Landnutzung

informiert wird.

www.fhhf.de

Mit dem Dung des Viehs wurde der Waldboden

auf natürliche Weise gedüngt.

Schellenbauer, Schanzenbrotbäcker

und Wiesenbauer

Meist ließ man noch Laubengänge aus

Altholz stehen, damit die Haubergsgenossen

auch Bauholz für Scheunen,

Stallungen und ihre Wohnhäuser hatten.

Die verstreut stehenden Eichen und

Birken fungierten als Samenbäume für

die natürliche Verjüngung des Haubergswaldes.

Bis zum Siegeszug der Ruhrkohle

Mitte des 19. Jh. dauerte die Blütezeit der

Siegerland Hauberge. Es gab Schellenbauer

für die Herstellung von Glocken für

das Vieh, aus den zum Trocknen aufgerichteten

Kornrittern wurde der Roggen

gedroschen, zu Sauerteig verarbeitet und

im Dorfgemeinschaftshaus zu deftigem

Schanzenbrot gebacken. Noch heute

gibt es zahlreiche Dorfbackes, die zu

bestimmten Terminen in Betrieb genommen

werden. Und noch eine kuriose

Entwicklung geht auf den Siegerländer

Hauberg zurück, die Entstehung der

Wiesenbauerprofession. Die wachsende

Bevölkerung führte zu einer Zunahme

der Viehbestände, der Platz in den Haubergen

wurde knapp und so erfanden

die Siegerländer eine besondere Bewirtschaftungsform

zur Berieselung und

Düngung von Wiesen. 1843 wurde eine

Sonntagsschule für den Wiesenbauernachwuchs

initiiert, 1853 folgte in Siegen

die Gründung einer Wiesenbauschule,

aus der nach vierjährigem Studium

Wiesenbaumeister hervorgingen und die

Wurzeln der heutigen Universität Siegen

gehen darstellen.

Im Siegerland noch live zu erleben:

Das Köhlerhandwerk

Niederwald

Rubens-Galerie im Siegerlandmuseum im

Oberen Schloss in Siegen

„Siebenmeilerstiefel“, Fotos: Achim Meurer

27


Blickbalkone

Die Lust am Überblick

Rolf Golze, 43 Jahre, Zentralheizungsbauer,

stellvertretender Vorsitzender des

Altenberg & Stahlbergvereins in Hilchenbach-Müsen

„Die Anzahl der Türme und Aussichtspunkte

in Siegen-Wittgenstein ist groß.

Die Entstehungszeit vieler dieser Türme

liegt noch in der Kaiserzeit. Der Altenbergturm

ist vermutlich der jüngste

Aussichtsturm der Region.“

Hier ein Turm, dort ein Türmchen, eine

Plattform, ein Ausguck. Auf der Passhöhe

zwischen Kindelsberg und Ziegenberg, am Beginn der

legendären „Kölschen Heck“, die einst die Grenze zwischen dem

protestantischen Fürstentum Nassau-Siegen und dem katholischen Kurköln

markierte, steht der acht Meter hohe Altenbergturm. Von der Plattform

streicht der Blick zunächst über die mittelalterliche Bergbausiedlung Altenberg.

Nach Westen hin ist der massige Turm der Ginsburg über Hilchenbach

auszumachen. Östlich streicht der Blick über den Waldpelz der Wasserscheide,

die das Siegerland vom Südsauerland trennt.

Für Rolf Golze vom Verein Altenberg & Stahlberg e.V. mit Sitz im beschaulichen

Müsen ist klar, die Bedeutung des Turmes lag und liegt in dem Überblick über

die montanarchäologisch bedeutsame, spätmittelalterliche Bergbausiedlung

Altenberg aus dem 12. und 13. Jh. Der Turm aus leichter Eisenkonstruktion in

Cortenstahl strahlt in gewollt rostiger Optik.

Dreh Dich um ...

Man erkennt zahlreiche Pingen in denen im offenen Tagebau silberhaltige Bleiund

Kupfererze abgebaut wurden. Grundmauerreste belegen, dass hier einst

eine mittelalterliche Bergbausiedlung stand, die von einer Kleinburg bewacht

wurde. Der Altenbergturm steht, so erklärt der Ehrenamtler im sehenswerten

Stahlbergmuseum in Müsen, ziemlich genau auf den Grundmauern des

Bergfrieds und hat vermutlich auch dessen einstige Höhe. In Müsen stand

auch das wohl berühmteste Bergwerk des Siegerlandes, die Grube Stahlberg.

28


Bis 1931 wurde im Untertagebau Erz

bergmännisch gefördert. Berühmt ist

auch der Turm auf dem 618 m hohen

Kindelsberg in der Nähe. Wer die

123 Stufen auf die Aussichtsplattform

besteigt wird durch einen

umwerfenden Panoramablick bis

Siegen, das Oberbergische Land,

den Westerwald, das Sauerland

und den Rothaarkamm belohnt.

Wer wissen möchte, wie der

1906 errichtete schlanke Turm

mit der „Laterne“ mal ausgesehen

hat, sollte einen Blick auf das

Emblem der Krombacher Brauerei

werfen. Von dem beliebten

Wanderziel mit Berggasthaus kann

man Maß nehmen auf drei weitere

Blickbalkone die zum Stadtgebiet der

Metropole an der namensgebenden

Sieg im Süden gehören. Der Gilbergturm

auf dem 426 m hohen Gilberg wurde

bereits 1888 erbaut. Obwohl die Aussicht

vom 5,65 m hohen Stahlturm durch

den Wald eingeschränkt ist, kann man

den 482 m hohen Eisenhardt mit dem

134 m hohen Fernmeldeturm und den

Aussichtsturm auf dem Burgberg über

Siegen-Eisern ausmachen. Wer sich nun

wieder umdreht wird einen weiteren

Aussichtsturm ausfindig machen: Der

aus der Konstruktion des Förderturms

der ehemaligen Grube Pfannenberger

Einigkeit zusammengebaute 19,69 m

hohe Pfannenbergturm auf dem mit 499

Metern höchsten Berg der Stadt Siegen.

Halte Ausschau

Siegen bietet weitere ganz aufregende

Aussichtsbalkone. Vom Garten des Oberen

Schlosses, genauer vom Großen oder

Kleinen Krebs im Schlossgarten hinunter

in das Weißtal und nach Norden. Von

der Hasengartenbastion hat man einen

schönen Blick auf die südlichen Stadtteile.

Vermutlich ist dem Fan für Landmarken

dabei bereits der Rabenhainturm im

Osten aufgefallen. 1896 wurde das 11 m

hohe Stahlgerüst auf der 465 m hohen

Kuppe des Rabenhains errichtet. Dort wo

der Rothaarsteig das Siegerland betritt

und sich über die Haincher Höhe zum

Rothaarkamm mit dem QuellenReich

aufmacht, liegt oberhalb von Wilgersdorf

die wunderschöne Aussichtsplattform

der Tiefenrother Höhe. Das ist der beste

Sonnenuntergangsplatz im Siegerland.

Von dem 550 m hoch gelegenen Balkon

mit zwei geschwungenen Sinnenliegen

reicht der Blick weit Richtung Westen.

Weiter nordwärts, kurz nach dem der

Rothaarsteig die Quellenmeile verlassen

hat und die Rothaarbahn vor Lützel

quert, reckt sich das Stahlgerüst des

Gillerturmes in die Höhe. Der denkmalgeschützte,

14 m hohe Aussichtsturm

steht auf dem 653 m hohen Giller und

gilt für mich als schönster Sonnenaufgangspunkt

in Siegen-Wittgenstein.

Wahnsinn, wenn die Sonne im Osten die

ersten orange-gelben Lichtstrahlen über

den Rothaarkamm und die Gebirgskammer

des Wittgensteiner Landes wirft.

Wer Ausschau hält entdeckt die westlich

gelegenen, wuchtigen Bergfried der

Ruine Ginsburg, der sich über der Steilstufe

zwischen Hilchenbach-Vormwald

und dem Bergpass von Lützel erhebt und

besichtigt werden kann. Hinein ins Wittgensteiner

Land, wo die Berge höher und

die Täler mäanderreicher werden. Immer

wieder gibt es Blickschneisen, oben an

der Kühhude zum Beispiel wo der 23 km

lange WaldSkulpturen von Schmallenberg

her mit elf künstlerischen Installationen

erst den Rothaarsteig quert und

dann Wittgensteiner Land betritt. Oder

entlang der Via Adrina, dieser 20,2 km

langen wundervollen Rundwanderung

rund um die Schleifen der Eder. Zweimal

wird das Ausschau halten durch hölzerne

Plattformen erleichtert. Einmal oben

bei Schwarzenau, ganz in der Nähe des

Alexander-Mack-Museums über dem

Weiler Heller zum Beispiel. Vom Waldrand

aus reicht der traumhafte Blick Richtung

Süden. Ein gigantischer Buckelteppich

breitet sich vor dem Wanderer aus.

Rechts der Eder, wo das Wiesengelände

leicht zum Arfelder Hammer, einer

formvollendeten Vollschleife der Eder,

abfällt, steht eine weitere hölzerne

Aussichtsplattform. Augen zu und in die

Landschaft hineinhorchen und dabei tief

einatmen. So riecht dieses Land, so hört

sich pralle Natur an.

Lust auf Aussicht

Blick von der Ginsburg

Mit der 20,2 km langen Via Adrina (Start

in Arfeld im Wittgensteiner Land), dem

14,2 km langen Kindelsbergpfad (Startpunkt

Kreuztal-Kredenbach), dem 37,4 km

langen Künstlerweg „Ansichten Aussichten“

rund um Neunkirchen (empfohlen

sind zwei Etappen) und dem legendären

Rothaarsteig von der Tiefenrother Höhe

durch das QuellenReich, zum Gillerturm

und weiter bis Kühhude bieten sich aussichtsreiche

Pfade an.

www.siegerland-wittgenstein.com

Nase im Wind

Früher Basaltsteinbruch,

heute Naturschutzgebiet: Mahlscheid

Fotos: Klaus-Peter Kappest

Sonnenuntergang am Rothaarsteig

Foto Michael Sänger

Kindelsbergturm, Foto: Klaus-Peter Kappest

29


Kultur & Natur

Lohnenswerte Termine & Ziele

Wiederkehrende Veranstaltungen:

Internationale Musikfestwoche auf

Schloss Berleburg: Herausragende

Künstlerinnen und Künstler aus aller

Welt.

Wann? Sommer für Sommer in der ersten

Juliwoche Wo? Bad Berleburg

KulturPur: Internationales Musik- und

Theaterfestival

Wann? Jährlich an Pfingsten Wo? Ginsberger

Heide bei Hilchenbach-Lützel

Stünzelfest: Größte Kreistierschau der

Region

Wann? Jährlich am zweiten Samstag im

Juni Wo? Bad Berleburg-Stünzel

Bad Laasphe tafelt! Die längste Schlemmer-Tafel

Wittgensteins mit Köstlichkeiten

aus der Lachsstadt selbst und der

Region

Wann? Jährlich an einem Freitagabend

im Juni Wo? Bad Laasphe, Königsstraße

in der Altstadt

Siegtal pur: Autofreier Rad-Aktionstag

Wann? Jährlich am ersten Sonntag im

Juli Wo? Im Siegtal auf rund 130 km von

der Siegquelle bei Netphen bis nach

Siegburg

Südwestfälische Freilichtbühne:

Wann? Den Sommer über zeigt das

Open-Air-Theater mit überdachten Sitzplätzen

heitere Bühnenstücke für Jung

und Alt. Wo? Freundenberg

Berleburger WeihnachtsZeitreise:

Weihnachtliche Bräuche vom rustikalen

Mittelalter bis in die glitzernde Gegenwart.

Ein Wintermärchen mit märchenhafte

Kulisse.

Wo? Bad Berleburg, Altstadt rund um

das Schloss Wann? Jährlich am dritten

Adventswochenende

Wittgensteiner Holzmarkt: Schaufenster

für innovative Produkte sowie Herstellungs-

und Verarbeitungsmethoden rund

um den Rohstoff Holz

Wann? Im 3-Jahres-Turnus, erneut 2019

Wo? Bad Berleburg, Kernstadt

Siegener Sommerfestival: Beginnt 2017

mit dem Siegener Stadtfest (16.-18. Juni)

und endet mit der „Nacht der 1000

Lichter“ (14. & 15. Juli). Die Lichtermeile

erstreckt sich durchgehend vom poetisch

illuminierten Schlosspark bis hinunter

zum stimmungsvollen Tanz-Event auf

dem Scheinerplatz.

Wann? Jährlich einen Monat lang im

Sommer

Wo? Siegen, Innen- & Altstadt

Wandertipps & Themenschwerpunkte:

Weitwanderwege:

Rothaarsteig (154 km, Brilon Dillenburg)

Wandern auf zertifiziertem Qualitätsniveau!

Als Top Trail of Germany ist der

Rothaarsteig einer der meistgewanderten

und beliebtesten Fernwanderwege

Deutschlands!

Lahnwanderweg (288 km, Lahnquelle

Mündung in den Rhein bei Lahnstein)

Der zertifizierte Qualitätsweg führt von

Bad Laasphe-Feudingen immer an der

Lahn entlang. Die ersten beiden Etappen

verlaufen dabei durch das Wittgensteiner

Bergland.

30


Themenwege:

WaldSkulpturenWeg (23 km,

Schmallenberg Bad Berleburg)

Für Kunst und Naturfreunde

gleichermaßen eignet sich der

WaldSkulpturenWeg. Auf halbem

Weg kreuzt er den Rothaarsteig und

überrascht mit vielfältigen Kunstwerken

am Wegesrand.

Rothaarsteig-Spuren

Wildromantische Pfade, schroffe Felsformationen,

panoramareiche Gipfelerlebnisse,

murmelnde Bäche, bunte Wiesen

und majestätisch wirkende Wälder. Die

als Rothaarsteig-Spuren gekennzeichneten

Wege sind zertifizierte Qualitäts-Rundwanderwege,

die jeweils an

den Rothaarsteig anknüpfen. Drei davon

befinden sich in Siegen-Wittgenstein:

Trödelsteinpfad bei Burbach (10,2 km,

Start WP Buchhellertal in Burbach-Wahlbach

bzw. Bhf Wahlbach);

Themenschwerpunkt: Natur

Ilsetalpfad bei Bad Laasphe-Feudingen

(16,6 km, Start Wanderportal Feudingen);

Themenschwerpunkt: Natur

Wisentpfad bei Bad Berleburg-Wingeshausen

eine Begegnung mit dem

König der Wälder, dem Wisent! (13,5 km,

Start Parkplatz Wisent-Wildnis);

Themenschwerpunkte: Wisent-Welt

und hist. Bergbau

WanderHöhepunkte links und rechts

des Rothaarsteigs

Thematische Rundwanderwege in

Siegen-Wittgenstein, die als Halb- oder

Ganztagestouren im Vorbeigehen Wissenswertes

über die Region vermitteln.

Wittgensteiner Schieferpfad (12,8 km,

Start Parkplatz an der Eder, Nähe

Schieferschaubergwerk Raumland);

Themenschwerpunkt: Schiefer

Via Adrina rund um die Ederschleifen

(20,2 km, Start Eingangsportal an der

Ederbrücke in Arfeld); Themenschwerpunkte:

Lebensader Eder und Glaubensflüchtlinge

im Wittgensteiner Land

Mythen- und Sagenweg zwischen

Teufelskanzel und Bad Laasphe (11,1 km,

Start Haus des Gastes Bad Laasphe);

Themenschwerpunkt: Natur

Mäanderweg von der Benfe zu den

Lahnhöhen (25,4 km, Start Eingangsportal

Fuchsrain in Erndtebrück);

Themenschwerpunkte: Lebensader

Benfe, Flora

Kalorienpfad Hilchenbach um die

Breitenbachtalsperre (7,2 km, Start

Parkplatz Breitenbachtalsperre); Themenschwerpunkte:

Natur und Wasser

Kindelsbergpfad zwischen Kindelsberg

und Jungbrunnen (14,2 km, Start

Kredenbach Bernhard-Weiß-Klinik); Themenschwerpunkte:

Bergbau, Blickbalkone

Netphener Keltenweg über die Höhen

des Siegerlandes (14,9 km, Start WP Leimbachtal);

Themenschwerpunkt: Kelten

Fachwerkweg Freudenberg auf der

Spur des „Wilden Mannes“ (11,9 km, Start

P4 „Hinterm Schloss“); Themenschwerpunkt:

Siegerländer Fachwerk

Historischer Rundweg Achenbach von

der La-Tène-Zeit bis zur Moderne (12 km,

Start Wandertafel Ortseingang Achenbach);

Themenschwerpunkt: Historische

Eisenschmelzen

Auf Bergmannspfaden im Eisenland

Wilnsdorf (15,6 km, Start Parkplatz an der

B 54 Wilnsdorf); Themenschwerpunkt:

Historischer Bergbau

Ansichten Aussichten Künstlerweg

rund um Neunkirchen (37,4 km, Start

Bhf Struthütten); Themenschwerpunkte:

Geologie und historischer Bergbau

Literatur in der Natur Romantischer

Hickengrund (23,6 km, Start Parkplatz

Naturweiher/Großer Stein in Holzhausen);

Themenschwerpunkte: Geologie,

Lebensadern, Natur

Führungen:

Unterwegs mit Rangern

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW

schickt seine Ranger mit Ihnen auf Tour!

Für Gruppen rechtzeitig Termin buchen

und kompetent begleitet durch den Wald

streifen!

Wanderführer und AktivGuides

Die Wanderführer und Aktivguides der

Region Siegerland-Wittgenstein begleiten

Sie, zeigen Ihnen die Highlights

unserer Wanderwege und organisieren

für Sie die perfekte Tour!

Pocketguide:

Zu den WanderHöhepunkten links und

rechts des Rothaarsteig mit den drei

Rothaar-Spuren und einer weiteren,

kindgerechten Rundtour rund um das

Forsthaus Hohenroth gibt es einen handlichen

Pocketguide. Diesen und individuelle

Beratung bzw Auskünfte erhalten

Sie unter:

Touristikverband

Siegerland-Wittgenstein e. V.

Koblenzer Str. 73

57072 Siegen

Telefon + 49 (0) 271 333-1020

Telefax + 49 (0) 271 333-1029

tvsw@siegen-wittgenstein.de

www.siegerland-wittgenstein.com

Die renaturierte Sieg in Siegens Innenstadt

Altenbergturm er markiert den Standort

des Bergfrieds aus dem Mittelalter

Blick vom „Großen Krebs“ am Oberen

Schloss von Siegen

Fotos: Michael Sänger

31


Eine Perle der Natur.

Mit Felsquellwasser gebraut.

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Touristikverband

Siegerland-Wittgenstein e. V.

Koblenzer Str. 73

57072 Siegen

Telefon + 49 (0) 271 333-1020

Telefax + 49 (0) 271 333-1029

tvsw@siegen-wittgenstein.de

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