SPORTaktiv Februar 2020

Sportaktiv.Magazin

FEB./MÄRZ 2020

ÖSTERREICHS GRÖSSTES AKTIVSPORT-MAGAZIN

78 SEITEN RUN-SPECIAL

BIKEN AUF DER PISTE

STAU AM TIEFSCHNEEHANG

ÜBER

LÄUFER

€ 4,- € 4,–

€ 4,- € 4,-

FIT

RUN

BIKE OUTDOOR

PRO

FOTO: SCOTT SPORTS, ÖSTERREICHISCHE POST AG, MZ 03Z034992M, RETOUREN AN POSTFACH 100, 1350 WIEN

TOP TIMES MEDIEN GMBH, GADOLLAPLATZ 1, 8010 GRAZ


KLAUS MOLIDOR

SPORTaktiv-Chefredakteur

klaus.molidor@styria.com

EDITORIAL

BEWEGUNG

IM KOPF

Heraus mit der Torte, den Kerzen und die Stimme geölt für ein Ständchen.

2020 feiert SPORTaktiv seinen 20er. Was der emeritierte Chefredakteur

Gerhard Polzer und unser Verkaufsurgestein Bertram Taferner

im Jahr 2000 als „Top Times“ auf die Welt gebracht haben, ist heute ein

junger Erwachsener. Voll im Saft sozusagen, eben sportlich aktiv.

Voll im Saft ist auch unser erstes Magazin im Jubiläumsjahr. Wir stellen

euch die Gewinner unserer Leseraktion vor, die mit uns auf den Großvenediger

gehen, ihr skifahrerisches Können verbessern und ihr mentales

Potenzial besser auszuschöpfen lernen. Wir bringen euch zum Start in die

Laufsaison wieder unser Special mit allen Facetten. Vom Faszientraining

bis zur Schuhentwicklung, von der Zeitnehmung bis zu völlig ausgeflippten

Rennen, von der Schönheit am Trail bis zum laufenden Müllsammeln,

garniert mit spannenden, inspirierenden Persönlichkeiten.

Wir probieren wieder völlig Neues aus, bauen mit dem Sport Brücken,

zeigen, dass Kirche und Carving einander nicht ausschließen. Wir bewegen

uns aber nicht nur körperlich, sondern auch geistig – mit unserer

„Impulse für 2020“-Story auf Seite 40. Nur wer sich bewegt, wird gesund

und problemlos durch das Leben kommen. Einzementierte Glaubenssätze?

Weg damit. Das beste Beispiel dafür, dass man auch in der Einstellung

elastisch bleiben muss, ist unsere Prolog-Geschichte über Maximilian

Schwarzhuber. Der sich vom Leben nicht unterkriegen ließ, auch ohne

Unterschenkel, und der jetzt Läufer ist. Oder die faszinierende Trailrunnerin

Sigrid Huber, die Grenzen sprengt. Den zentralen Satz dazu hat

der wohl bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts, der Brite John

Maynard Keynes, gesagt. „Die Schwierigkeit liegt nicht so sehr darin, neue

Ideen zu entwickeln, als den alten zu entsagen.“

Foto: Thomas Polzer

In diesem Sinne:

Bleibt fit,

Euer Klaus

VERTRIEB ÖSTERREICH . DEELUXE SPORTARTIKEL HANDELS GMBH

EUROPASTRASSE 8 / I . A-6322 KIRCHBICHL . TEL 00 43 5332 930 81

E-MAIL: INFO@DEELUXE.COM

CEPSPORTS.COM


INHALT

TOP-STORY

FIT

12 NICHT DIE BEINE BEWEGEN UNS . . .

. . . sondern das Denken, weiß Maximilian Schwarzhuber

18 EIN HOCH AUFS IN DIE KNIE GEHEN

Die Kniebeuge ist die optimale Übung gegen den Sitz-Alltag

22 DER GRÜNE FADEN IN DIE ZUKUNFT

Der Klimawandel beherrschte auch die ISPO. Wir waren dabei

30 GAME CHANGER: FAKE ODER FAKTEN?

Analyse der Netflix-Doku über vegane Ernährung

RUN-SPECIAL

40 20 IMPULSE FÜR 2020 & DEIN LAUFJAHR

Gedanken, Anregungen, Tipps von unserem Expertenteam

44 ALLER ANFANG IST LEICHT

Michael Buchleitner gibt Tipps für Laufeinsteiger

50 SO LÄUFT ES FASZIAL

Die besten Übungen für einen energiesparenden Laufstil

60 VON DER RENNSTRECKE INS REGAL

Der Einfluss von Athleten auf die Laufschuhentwicklung

68 I BELIEVE I CAN FLY

Peter Herzog: vom Hobbyläufer zum Olympia-Starter

86 FLUCHT INS GELÄNDE

Ein Jahr Selbstversuch: auf den Spuren des Trail-Booms

110 DIE SUCHE NACH DEM, WAS FEHLT

Warum es immer mehr Läufer zu den Ultras zieht

BIKE

118 DIE LIEBE IST EIN KOMPROMISS

Ausritte auf der eierlegenden Wollmilchsau vulgo Gravel-Bike

124 TÜRKIS-GRÜN IN SCHIEFLAGE

Was passiert, wenn sich Mountainbike und Skibob paaren

130 DAS RAD DREHT SICH WEITER

Grüne Mobilität trifft Fernost-Produktion

OUTDOOR

158 WENN ES ENG WIRD IM HANG

Was man auf stark frequentierten Skitouren beachten soll

162 GLEICHZEITIG JUNG UND ALT

Herbert Ranggetiner über Sport als Brückenbauer

168 DER DOMPFARRER ALS SKILEHRER

Bei Toni Faber trifft Stephansdom auf Skipiste

PRO

124

182 WIR GEGEN DIE STARS

Diesmal hat sich Markus Geisler beim Curling aufs Eis gewagt

192 DER MANN OHNE NERVEN

Start der Olympiaserie: Kanu-Ass Felix Oschmautz im Porträt

198 „WAS PASSIERT DA GERADE, MÄNNER?“

Michael Liendl über den Höhenflug des WAC in Europa

12

Fotos: Thomas Polzer, Dominik Pfau, www.dominikpfau.de

4


SPORTNAHRUNG MIT SYSTEM

KRAFTVOLLES FRÜHSTÜCK

FÜR ALLTAG UND SPORT

www.peeroton.com


DU BIST RAUS!

UNSERE LESERAKTION STARTET! DIESE LESER BEGLEITEN

UNS AUF DEN GROSSVENEDIGER, VERBESSERN IHRE SKI-

TECHNIK BZW. TRAINIEREN MIT EINEM MENTALCOACH.

ALEXANDRA

SUCHANEK

Die 40-jährige Steirerin aus Mitterberg-St.

Martin im Ennstal hat sich gemeinsam mit

ihrem Mann Christian für die Besteigung

des Großvenedigers beworben. „Wir sind

beide geschieden und haben fünf Kinder.

Da ist die Zeit knapp und das Geld fliegt

nicht bei der Tür herein“, erzählt Alexandra

Suchanek. „Also haben wir uns ein gemeinsames

Hobby gesucht und die Berge

für uns entdeckt.“ Zudem hatte Alexandra

immer Probleme mit der Luft. „Aber mittlerweile

komm ich überall rauf“, strahlt die

Krankenschwester. Für 2020 hatten sich

die beiden sowieso einen 3000er vorgenommen.

MARKO

WEBER

Bewegung in der Natur und Marko Weber – das gehört zusammen.

Laufen, Mountainbiken, Bergsteigen, Skifahren, Langlaufen sind

die Hobbys des 45-jährigen Burgenländers. Er hat auch schon

Ultraläufe absolviert. 2020 will er beim 24-Stunden-Lauf in Bad Blumau

(St) als Einzelläufer teilnehmen. „Auch wenn man körperlich

bestens vorbereitet ist, spielt die Psyche die größte Rolle für das

Gelingen des Projekts. Ich würde sagen 80 Prozent.“ Daher freut

sich Marko schon sehr auf das Mentaltraining mit Wolfgang Seidl.

SOPHIA VASIK

Als völlige Anfängerin auf Skiern beschreibt

sich die 22-jährige Wienerin. „Jeden Winterurlaub

habe ich bisher mit klassischem

Langlauf verbracht, denn meine Eltern

sind absolute Alpinski-Gegner.“ Seit sie

volljährig ist, nimmt sie sich jedes Jahr vor,

es endlich zu lernen. „Aber ich finde immer

Ausreden: keine Ausrüstung, ich möchte

es nicht alleine machen, ich bin beruflich

verhindert, und, und, und.“ Das neue Jahrzehnt

und unsere Aktion haben ihr jetzt aber

den Schubser gegeben es anzugehen.

Fotos: privat

6 SPORTaktiv


DIE SPORTAKTIV

LESERCAMPS

EINE TEILNAHME AN EINEM SPORTAKTIV-CAMP ZAHLT SICH AUS:

EUCH ERWARTEN SPORTLICHE TAGE UNTER PROFIANLEITUNG IN

TOLLEN HOTELS ZU FAIREN PREISEN UND JEDE MENGE SPASS

UND LEBENSFREUDE. ZUM BEISPIEL BEIM SCHWIMM-CAMP IN DER

KÄRNTEN-THERME IM MAI BZW. IM JUNI (BILD) – GENAUSO WIE

BEI DEN WEITEREN AKTUELLEN ANGEBOTEN. MELDET EUCH AN!

Foto: Kärnten Therme

ANZEIGE / Foto: Fotolia

MIT DEM WIFI

ZUM TRAUMJOB

Das WIFI Süd macht fit für sportliche

Jobs. Hier eine Auswahl der Angebote:

LEHRGÄNGE:

FREERIDE-CAMP

12.–15. MÄRZ 2020

am Kärntner Nassfeld

Mehr Info: www.sportaktiv.com

HELISKIING-CAMP

19.–22. MÄRZ 2020

in Livigno in Italien.

Mehr Info: www.sportaktiv.com

VITAL-CAMP

26.–29. MÄRZ 2020

in der Parktherme Bad Radkersburg

Mehr Info: www.sportaktiv.com

ALPE-ADRIA-

SKITOUREN-CAMP

20.–23. FEBRUAR 2020

27. FEB.–1. MÄRZ 2020

1.–4. MÄRZ 2020

5.–8. MÄRZ 2020

im Karawankenhof in Warmbad-Villach.

Mehr Infos: www.sportaktiv.com

AUSGEBUCHT

ALLE INFOS UNTER

WWW.SPORTAKTIV.COM

SCHWIMM-CAMP

21.–24. MAI 2020

4.–7. JUNI 2020

in der Kärnten Therme im Karawankenhof

Mehr Info: auf S. 28/29

TRAILRUNNUNG-CAMP

29.–31. MAI 2020

in Saalfelden Leogang im Krallerhof

Mehr Info: auf S. 98/99

E-MTB-WOMEN-CAMPS

25.–28. MAI 2020

im Narzissen Vital Resort im Ausseerland

Mehr Info: auf S. 134/135

18.–21. JUNI 2020

im Schwarzen Adler in St. Anton am Arlberg

Mehr Info: auf S. 122/123

RENNRAD-CAMP

7. BIS 10. MAI 2020

in Valamar/Porec

Mehr Info: auf S. 144/145

LADIES-MTB-CAMP

29. MAI BIS 1. JUNI 2020

am Weissensee

Mehr Info: auf S. 149

Diplomlehrgang Fitnesstrainer

26.02. bis 27.06.2020, Mi, Do 17.00–21.00,

Sa 9.00–17.00, 222 Std. € 3.250,-- WIFI Süd

Grundlehrgang Mentales Training

07.03. bis 17.05.2020, Mi, 17.00–21.00, Sa, So

9.00–17.00., 100 Std. € 1.800,– WIFI Süd

Diplomlehrgang Wirbelsäulen- und

Beckenbodentrainer

06.03. bis 06.06.2020, Fr 16.00–20.00, Sa,

So 09.00–17.00, 74 Std. € 1.200,– WIFI Süd

Diplomlehrgang Pilatestrainer

06.03. bis 13.06.2020, Fr 16.00–20.00, Sa,

So 09.00-17.00, 86 Std. € 1.400,-- WIFI Süd

NEU: Diplomierter Lauftrainer

15.09. bis 30.10.2020

Fr 16.00–20.00, Sa, So 9.00–17.00

56 Std. € 880,-- WIFI Süd

INFORMATIONSABEND

DIPLOMAUSBILDUNGEN

GESUNDHEIT UND SPORT

28.05.2020, 18–20 UHR WIFI SÜD

Informationen unter

T. 0316/602-333

Anmeldungen unter

T. 0316/602-12 34

www.stmk.wifi.at/gesundheit

WIFI Steiermark


DURCH DIE

NACHT BIS ZUM

GLETSCHER

Am 4. Juli geht der STUBAI

ULTRATRAIL in die vierte

Auflage. Der Trailrun unter

dem Motto „city2glacier“

startet in der Olympiastadt

Innsbruck, der „große“ K67

zu mitternächtlicher Stunde

und dann wird in den Tag

hinein zum Ziel auf den

3150 m hohen Stubaier

Gletscher gelaufen.

Die Strecke beinhaltet 2020

wieder einige neue, extraschöne

Abschnitte.

Berüchtigt ist der extrem

steile Finalanstieg zur „Jochdohle“

ins ewige Eis. Vier

Strecken werden geboten,

vom kurzen STUBAI K8

bis zum STUBAI ULTRAT-

RAIL K67 mit 67 km/5356

hm. Dazwischen liegen

der STUBAI K20

(19 km/2138 hm) und der

K32 (32 km/3100 hm). Da

ist also für jeden was dabei ...

www.stubai-ultratrail.com

Foto: Stubai Ultratrail/Andi Frank

8 SPORTaktiv


SPORTaktiv

9


3. BIS 5. APRIL

ORF-RADIO-STEIERMARK-LAUF

Rund 1500 Hobbyläufer starten in

Bad Waltersdorf am Freitag beim

„Warm-up“ in der Therme, ehe am

Samstag der Halbmarathon,

Hobby- und Einsteigerlauf warten.

www.badwaltersdorf.com/orflauf

TOP

EVENTS

FEBRUAR | MÄRZ | APRIL

6. BIS 7. MÄRZ

SCHLAG DAS ASS

Armin Assinger fungiert als

Ideengeber des längsten Skirennens

der Welt am Kärntner

Nassfeld. Und ist auf 25,6

Kilometern auch wieder der

große Gejagte.

www.schlagdasass.at

8. MÄRZ

SKI-TRILOGIE MITTERSILL

Zum 11. Mal steigt das Event,

das eine Kombination aus

Langlauf, Tourenski und

Skiabfahrt ist. Von Breitmoss

geht es über den Resterkogel

und über die Toni-Alm wieder

ins Tal.

www.sc-mittersill.at

14. MÄRZ

ÖTSCHER ATTACK

Da ist für jeden was dabei.

Entweder über 3 Anstiege oder

einen, dazu ein Rennen ganz

ohne Zeitnehmung für den

guten Zweck und ein Free Solo

mit Laufschuhen, Spikes und

Stöcken statt der Tourenski.

www.oettack.at

5. BIS 10. APRIL

LAUFCAMP POREC

Meer, milde Temperaturen und Top-

Stimmung locken: Beim Hikimus

Lauf- & Radcamp können Hobbyläufer

und Radsportler 6 Tage/5 Nächte

im Hotel Valamar in Porec verbringen

und unter Expertenanleitung in die

warme Jahreszeit starten.

Ab € 325,– p.P.

www.hikimus.at/porec

Fotos: Veranstalter, ORF Steiermark-Lauf/Lederer, Ganghoferlauf/Stephan Elser

10 SPORTaktiv


29. FEB. BIS 1. MÄRZ

INT. GANGHOFERLAUF

Der größte österreichische

Volkslanglauf feiert sein

50. Jubiläum. Bis zu 1700

Athleten laufen klassisch

(25 bzw. 50 km) oder in

der Skating-Technik

(20 bzw. 42 km).

www.ganghoferlauf.at

29. MÄRZ|

SORGER HALBMARATHON|

Drei Runden auf der

AIMS-vermessenen Strecke gilt

es beim Laufauftakt in Graz

zu absolvieren. Neben dem

Halbmarathon gibt es auch ein

7- bzw. 14-km-Rennen, eine

3er-Staffel, sowie einen Nordic-

Walking-Bewerb über 7 km.

www.graz-halbmarathon.at

4. APRIL|

VENICE NIGHT TRAIL|

Venedig bei Nacht laufend erleben.

Beim CMP Venice Night

Trail mit Start um 21 Uhr geht es

16 Kilometer lang und über 51

Brücken rund um die Lagunenstadt

und natürlich auch über den

berühmten Markusplatz.

www.venicenighttrail.it/en

18. APRIL|

GAMSLEITEN KRITERIUM|

Die größte Schatzsuche der Alpen

ist legendär. Mehr als 1000

Teilnehmer, die ein Ticket ergattert

haben, graben am Fuße der

steilen „Gamsleiten 2“-Piste nach

30 Schatzkisten. Hauptpreis: ein

BMW X1 XDrive. Tickets unter:

www.obertauern-tickets.com

29. MÄRZ

SALOMON LINDKOGEL-TRAIL

Das Trailrunning-Opening des Jahres

steigt in Bad Vöslau. Gelaufen wird

auf drei Strecken: Fun-Trail (10,2

km), Advanced-Trail (21,7 km) und

Super-Trail (34,4 km). Los geht es

beim Thermalbad Vöslau um 9 Uhr.

www.lindkogeltrail.at

SPORTaktiv

11


„NICHT DIE BEINE

BEWEGEN UNS,

SONDERN DAS

DENKEN“

136

Tage brauchte Maximilian

Schwarzhuber,

um nach der

Amputation beider Unterschenkel seinen

ersten 10-km-Lauf zu bestreiten.

Am 14. Februar 2017 war der Eingriff,

einen Monat später bekam er seine Prothesen.

Mit diesen musste er das Gehen

erst erlernen, 22 Jahre lang war er davor

meist auf Krücken oder den Rollstuhl

angewiesen. Im Juni 2017 absolvierte er

den „Lauf10!“ in seinem Heimatort

Wolnzach in Bayern in 68 Minuten. In

dem ländlichen 12.000-Einwohner-Ort,

50 Kilometer nördlich von München,

haben wir ihn Ende Jänner getroffen.

Was bedeutet dir heute Sport?

Zum einen ist es Ausgleich, weil ich viel

mit dem Auto unterwegs bin. Zweitens

ist speziell das Laufen, wie ich es seit nun

2,5 Jahren betreiben kann, schon etwas

ganz Besonderes. Ich hab ja immer die

Hoffnung gehabt, dass sich was bessert,

und gedacht, vielleicht täte ich das schon

irgendwie hinkriegen trotz meiner kaputten

Füß’. Es ist schwierig zu beschreiben:

Wenn man etwas so lang zurückhalten

muss, diese Erfahrung hab ja bloß ich ...

Aber es ist schon enorm cool. Das Dritte:

Speziell im Ausdauersport sehe ich stark

die Parallelen zur Persönlichkeitsentwicklung:

Dass man sich Kräfte einteilen

muss oder man, wenn es hart wird – und

es wird immer hart –, durchhalten muss.

Du hattest das Guillain- Barré-Syndrom.

Wie hat sich die Krankheit ausgewirkt?

Mit zwei Jahren bin ich nach einem Mittagsschlaf

aufgewacht und konnte die

Beine nicht mehr bewegen. Bis dahin war

ich völlig gesund. Man hat das Guillain-Barré-Syndrom

diagnostiziert, ganz

genau weiß man es nicht. Geäußert hat es

sich darin, dass ich unterhalb der Knie

nichts gespürt habe. Ich hab wieder gehen

können, aber schlecht. Im Grundschulalter

hab ich Orthesen gehabt,

Schienen wie Forrest Gump im Film.

Es gab immer massive Probleme mit

Druckstellen und Wunden, weil ich ja

nichts gespürt habe. Mit neun hab ich

mir zum Beispiel die Ferse an einem Nagel

aufgerissen, das ist nie mehr richtig

verheilt. Es gab unzählige Krankenhausaufenthalte,

gebessert hat sich aber immer

nur kurzfristig etwas. Meine Entzündungswerte

waren unfassbar hoch. Irgendwann

hab ich gewusst, ich muss etwas

tun, und mir ist die Idee von der

Amputation durch den Kopf gegangen.

Es war deine Idee, nicht die der Ärzte?

Nein, mir hat kein Arzt dazu geraten.

Der echte Auslöser war eine Wildwasserbootsfahrt

mit Freunden, die ich organisiert

hatte. Durch das Wasser hat sich ein

Fuß so krass entzündet, dass ich ewig

nicht mehr aus dem Bett gekommen bin.

Sport hat also schon vor der Operation

eine Rolle in deinem Leben gespielt?

Sport ja, aber sehr eingeschränkt. Beim

Ins-Wasser-Gehen hab ich zum Beispiel

mega aufpassen müssen, dass ich mich

nicht verletze. Von dem her war es immer

schon ein Traum von mir, dass mir das al-

Fotos: Dominik Pfau, Maximilian Schwarzhuber

12 SPORTaktiv


MAXIMILIAN SCHWARZHUBER IST 27,

HOBBYLÄUFER UND TRIATHLET. SEIT ER

ZWEI WAR, WAR ER AUF KRÜCKEN ODER

DEN ROLLSTUHL ANGEWIESEN, EHE ER

SICH 24-JÄHRIG ZUR AMPUTATION BEI-

DER UNTERSCHENKEL ENTSCHLOSS.

HEUTE GENIESST ER DIE FREIHEIT BEIM

SPORT UND MOTIVIERT ANDERE DAZU, AN

SCHEINBAR UNMÖGLICHES ZU GLAUBEN.

VON CHRISTOF DOMENIG

SPORTaktiv

13


les irgendwann nichts ausmacht. An Laufen

war nicht zu denken. Was ich machen

konnte, war Rad fahren. Ich bin zum

Beispiel am Donauradweg von Regensburg

nach Wien gefahren, das waren über

400 Kilometer. Ich mag so Projekte, wo

andere sagen, „das ist gestört“, und wo

ich auch nicht weiß, ob ich es packe, aber

einfach versuche. Deshalb gefällt mir der

Ausdauersport so gut, weil man sich da

krasse Herausforderungen suchen kann,

wo man zuerst nicht weiß, wie es geht.

Vor der Operation hast du auch nicht

gewusst, wie es dir danach geht?

Ich hab mich schon gut informiert gehabt,

zum Beispiel auch mit einem Prothesenbauer

lang gesprochen. Und ich

habe die ganze Verantwortung übernommen.

Worst Case wäre gewesen, dass ich

im Rollstuhl sitze, aber das wäre auch in

Ordnung gewesen. Was ich nicht mehr

akzeptieren hab können, war das noch

längere Warten und Suchen.

Mit 15, 16 Jahren litt Schwarzhuber an

Depressionen, ehe er sich dafür entschied,

an sich zu arbeiten. Zuerst, weil er

wie jeder Gleichaltrige „Mädels abschleppen“

wollte, „aber es ist mir bald bewusst

geworden, dass es nicht um Mädels, sondern

um mich selber geht.“ Mit 17, 18

hat er – überwiegend autodidaktisch –

sehr stark an seiner Persönlichkeit gearbeitet,

um „mit mentaler Stärke die körperlichen

Defizite zu kompensieren“.

Schwarzhuber glaubt, dass in jedem

Menschen enorm viel steckt. Bayerisch

gesprochen: „Jeder hat so viel Potenzial,

aber am Ende kommt nicht so viel

umma.“ Ziel sei es, emotionale Störfaktoren

möglichst gering zu halten. Humor

spiele dabei eine wichtige Rolle, „wir nehmen

uns alle so ernst. Ich sag: Das Leben

ist ein Spiel. Wie ein Fußballspiel: Da

geht es auch um viel, aber am Ende geben

wir uns die Hand und alles ist gut.“

Schwarzhubers Humor hat etwas von seinem

bayerischen Landsmann Karl Valentin,

etwa mit dem Satz: „Am Ende sind

wir alle tot. Also was soll passieren?“

Ich hab gelesen, dass die Idee vom

10-km-Lauf vier Monate nach der Operation

zuerst als Scherz gemeint war?

Als ich aufgewacht bin nach der OP, war

das zunächst einmal die totale Befreiung.

Noch voll geflasht von der Narkose, hab

ich gesagt, im Juni mach ich den Lauf

mit. Drei Tage danach hab ich mit dem

Training angefangen, Ausdauertraining

mit einer Handmaschine. Zunächst, um

fit genug zu sein, damit ich mit den Prothesen

umgehen kann.

Nach sechs Wochen hab ich die Prothesen

gekriegt und zum Glück gleich damit

gehen können. Ich bin vor Freude

gleich eineinhalb Stunden damit herumgegangen

und hab danach gleich einmal

zwei Tage Pause machen müssen. Auf der

Reha hab ich mit dem Lauftraining angefangen.

Zwei Kilometer und ich war völlig

hinüber. Aber es war einfach voll cool,

in die Laufschuhe steigen und losrennen,

wie ich es mir immer gewünscht habe.

Im Juni dann der Lauf. Wie war der?

Es war schon auch hart. Zwei Cousins

sind mit mir mitgerannt, 13 und 14 Jahre

alt, und ich hab gesagt: Wenn ihr schneller

laufen wollt’s, lauft’s einfach. Aber sie

sind bei mir geblieben. Irgendwann ging

es einen brutalen Berg rauf, da war nicht

für mich, sondern für einen der Cousins

MAXIMILIAN

SCHWARZHUBER

ist 27 und lebt in Wolnzach/

Bayern. Hobbyläufer und

Triathlet. Erlernter Beruf:

Informatiker, seit rund einem

Jahr als Redner selbstständig.

www.maximilian

schwarzhuber.com

Schluss. Im Ziel war dann nach 68 Minuten

volle Euphorie und ich hab gewusst,

ich will weiter, auch einmal einen

Marathon laufen.

Lustig war auch mein erster Triathlon:

Zu dem hab ich mich angemeldet, da

hab ich noch nicht kraulen können und

kein Rennrad gehabt. Und nach der Anmeldung

ist mir eingefallen, dass ich

nicht weiß, ob ich mit den Prothesen

überhaupt teilnehmen darf. Ich hab den

Veranstalter kontaktiert und der hat gesagt:

Das machen wir schon. Der Veranstalter

vom Triathlon Ingolstadt, Gerhard

Budy, ist vielfacher Hawaii-Teilnehmer

und heute mein Trainer. Beim Bewerb

über die olympische Distanz hab ich alle

Höhen und Tiefen durchlebt, es hat mich

in den Wechselzonen zweimal vor allen

Leuten hingehaut, weil ich mit den Prothesen

hängengeblieben bin, aber am

Ende auf der 10-Kilometer-Laufstrecke

ist es mir unglaublich gut gegangen.

2018 und 2019 hat Schwarzhuber neben

dem Triathlon Ingolstadt mehrere

Halbmarathons, einen weiteren Triathlon

und seine ersten Marathons absolviert: in

München und Berlin. Jenen in Berlin obwohl

ihn eine Druckstelle am Beinstumpf

im Vorfeld sowie beim Lauf selbst arg zu

schaffen machte.

Mit Trainer Gerhard Budy hat er die

Ironman-WM auf Hawaii 2021 als Ziel

ausgegeben. Als Handicapsportler muss

er dafür eine Triathlon-Mitteldistanz, also

die halbe Ironman-Distanz erfolgreich

absolvieren und sein Trainer sagt: „Das

kriegen wir hin.“

Seit gut einem Jahr selbstständig, trainiert

Schwarzhuber überwiegend abends.

Im heurigen Sommer will er mit drei

14 SPORTaktiv


München-Venedig in 24 Stunden oder

Ironman Hawaii klingen schon extrem.

Wie definierst du deine Ziele?

Die Frage ist für mich: Was ist extrem? Ja,

für mich ist es wahrscheinlich extrem –

andere machen 40 Ironmen hintereinander.

Ich sehe Ziele schon so, dass sie tief

drin in einem was auslösen sollen. Keine

Ahnung ob es hinhaut, aber die Herausforderung

ist megaspannend. Dazu gehört

auch, zu akzeptieren, dass man etwas

auch nicht schaffen kann. Wenn man etwas

Extremes macht, macht man auch extreme

Erfahrungen und auch das ist sehr

viel wert. Ich würd auch gern den Chiemsee

durchschwimmen, rund 10 Kilometer.

Keine Ahnung, ob das hinhaut, aber ich

hab Megalust drauf.

In Vorträgen und Seminaren erzählt Maximilian

Schwarzhuber von seinen Erfahrungen

und will anderen zu mehr emotionaler

Freiheit verhelfen. Etwa, sich Ängsten

und Blockaden im Kopf bewusst zu

werden. Und er will aufzeigen, wie man

diese Hemmungen abbauen kann: „Es

sind nicht die Beine, die uns bewegen,

sondern unser Denken“, sagt er. Oder als

gelernter Informatiker mit einem Schuss

Humor auch: „Ergebnis=Umstände+Antworten2“.

Übersetzt: Nicht die Umstände

im Leben sind entscheidend, unsere Antworten

darauf sind viel entscheidender.

Freunden am Rennrad in 24 Stunden

von München nach Venedig radeln:

Rund 500 Kilometer, 23 km/h Schnitt

sind dafür nötig. Der genaue Plan steht

schon: die Route, Startzeit sieben Uhr

abends, jeweils 5,5 Stunden Fahren und

eine halbe Stunde Pause.

KÖRPERLICHES

TRAINING

WIRKT AUCH

NICHT VON

HEUTE AUF

MORGEN.

Kannst du unseren Lesern ein konkretes

Tool mitgeben?

Eine von den für mich selbst stärksten

Übungen heißt ‚radikale Dankbarkeitsübung‘.

Dabei schaut man sich gezielt

nach Sachen um, für die man dankbar

sein kann. Alles, was man tagsüber sieht.

Wenn man das zur Routine macht, sich

jeden Tag drei Minuten am Abend hinsetzt

und fünf Sachen aufschreibt, die einem

tagsüber aufgefallen sind, dann ist

das eine Superübung. Es braucht dafür

freilich etwas Geduld: Körperliches Training

wirkt auch nicht von heute auf morgen.

Aber über die Wochen und Monate

sieht man die Fortschritte.

Es geht dabei gar nicht so sehr um positives

Denken, sondern um den Fokus. Jeder

sieht so viele Sachen, für die er dankbar

sein kann, man muss sie nur sehen lernen.

Als Informatiker hab ich mich eine Zeit

lang intensiv mit der Automarke Tesla beschäftigt,

dem Antriebskonzept. Auf einmal

hab ich lauter Teslas auf der Straße gesehen.

Genau so funktioniert das mit den

schönen Sachen.

SPORTaktiv

15


Der Österreichische Betriebssportverband

(ÖBSV)

wird von Sportministerium,

Wirtschafts- und Arbeiterkammer

gefördert. Mehr

Infos und Inspiration zum

Thema Bewegung am

Arbeitsplatz unter:

www.firmensport.at

BEWEGUNG

MEETS BÜRO

SEIT NUNMEHR 50 JAHREN

KÜMMERT SICH DER

ÖSTERREICHISCHE

BETRIEBSSPORTVERBAND

DARUM BEWEGUNG UND ARBEIT

SIMPEL UND KOSTENGÜNSTIG

MITEINANDER ZU VERBINDEN.

D

er Rücken zwickt, der Kopf ist schwer.

Die Leiden vieler BüroathletInnen

machen es anspruchsvoll, sich während

der Arbeit fit zu halten. Aber auch aus

kniffligen Situationen gibt es Auswege.

Der Österreichische Betriebssportverband

kümmert sich seit 50 Jahren

um das Thema „Bewegung im Setting

Arbeitswelt.“

Die vergangenen Arbeitsjahre helfen

dem Verbandsteam einzuschätzen, was

für Unternehmen und österreichische

Betriebe spannend ist. Das Fazit: Viele

verschiedene Angebote und Services,

die man kombinieren, aber auch einzeln

anwenden kann. „Mein Verbandsteam

schneidert Angebote auf die Firma und

deren MitarbeiterInnen passend zu. Nur

zielgruppengerechte Bewegungsangebote

bringen den Erfolg, vom ‚Gießkannenprinzip‘

halte ich wenig“ sagt Florian

Ram, der Generalsekretär des ÖBSV.

Erfahrungsgemäß sind es nicht unbedingt

Unternehmensleitungen, die die

Beratung des Verbands suchen, sondern

oft sportliche KollegInnen. Aus diesem

Grund ist die Erstberatung kostenlos,

nach einer Stunde wird ein Bewegungskonzept

erstellt, das die Firma per Mail

zugeschickt bekommt. Die Vielfalt ist

riesig. „Fußball, Tischtennis, Trailrun,

Volleyball, Armlifting, Schach, Tauchen

und, und, und“, sagt Ram. „Ziel ist es

unterschiedliche Menschen mit unseren

Angeboten anzusprechen und zu bewegen.

Zwanglosigkeit und Spaß stehen

im Vordergrund.“ Mehr Infos unter:

www.firmensport.at

ANZEIGE/Fotos: ÖBSV

16 SPORTaktiv


FIT

Training – Gesundheit – Ernährung

Fotos: Loverun, Feldenkrais Verband Österreich, KK

AUF WOLKE SIEBEN

Was verleiht wirklich Flügel? Macht

mental topfit? Eben ... Weshalb wir

den Hyundai Loverun in Wien am

25. April allen empfehlen, die ihr

Glück gefunden haben. Was sich

liebt, meldet sich an unter:

www.loverun.at

BEWEGLICH WERDEN

Der „Feldenkrais Verband Österreich“

feiert heuer 30-jähriges

Bestehen. In der Aktionswoche 16.

bis 22. April laden deshalb Feldenkrais-Lehrende

in ganz Österreich

zu Tagen der offenen Tür. Info:

www.feldenkrais.at

ABNEHMEN

ABNEHMEN

ES GIBT HOFFNUNG

HOFFNUNGSLOSE

DR. SHIRD SCHINDLER

DR. IRIS ZACHENHOFER

ABNEHMEN

FÜR

HOFFNUNGSLOSE

FÄLLE

HARDCORE-TIPPS

AUS DER SUCHTMEDIZIN

Wer abnehmen will, aber immer wieder

scheitert, der sollte hier reinlesen: Dr.

Shird Schindler und Dr. Iris Zachenhofer

geben in „Abnehmen für hoffungslose

Fälle“ „Hardcore-Tipps“ aus der

Sicht der Suchtmedizin.

www.edition-a.at

SPORTaktiv

17


DIE KNIEBEUGE („AIR SQUAT“)

Ausgangsposition: Fußstellung hüftbreit, die Zehen zeigen leicht nach außen.

Das Gewicht ruht gut verteilt auf den Fußballen, der Fußaußenkante

und der Ferse – zur Kontrolle am besten barfuß oder in Socken üben. Die

Brustwirbelsäule gut überstrecken, das Brustbein heben, man steht sozusagen

übertrieben aufrecht. Gesäß anspannen und vor dem Absenken noch

einmal kurz „zusammenkneifen“, sodass der große Gesäßmuskel voll angespannt

ist. Auch die Hüfte gut strecken, eher sogar leicht überstrecken.

Ausführung: Das Gesäß langsam und kontrolliert absenken, nach hinten unten

wie zum Hinsetzen auf einen Sessel. Die Spannung in der Brustwirbelsäule

bleibt aufrecht, die Arme werden zugleich nach vorne geführt, der

Blick ist stets geradeaus nach vorne gerichtet. So tief wie möglich in die

Hocke gehen, um die gewünschte mobilisierende Wirkung zu erzielen. Die

Oberschenkelrückseite muss zumindest nach hinten abfallen, das Gesäß

also unters Knie abgesenkt werden. Fersen bleiben am Boden.

18 SPORTaktiv


EIN HOCH

DIE KNIEBEUGE IST DIE

PERFEKTE UNIVERSAL-

ÜBUNG, UM FIT DURCH

EINEN SITZENDEN

ALLTAG ZU KOMMEN:

DAVON IST DER SPORT-

WISSENSCHAFTER

GERHARD SCHIEMER

ÜBERZEUGT. KLEINER

HAKEN: EIN PAAR

WIEDERHOLUNGEN

ZWISCHENDURCH SIND

EHER WENIG. SCHIEMER

WIRBT FÜR 10.000

KNIEBEUGEN – IM

MONAT. KLINGT VIEL,

IST ABER ZU SCHAFFEN.

VON CHRISTOF DOMENIG

FOTOS: THOMAS POLZER

MAG. GERHARD

SCHIEMER

aus Bad Vöslau (NÖ) ist Sportwissenschafter,

Lauf- und Trailrunningtrainer

sowie Mitglied der

Trailrunning-Nationalmannschaft.

www.gerhardschiemer.at

AUFS IN

DIE KNIE

GEHEN

ie Kniebeuge: „Hat die

nicht schon einen

Bart?“ Ja, hat sie, zumindest

die Grundidee

zu „10.000 Kniebeugen

im Monat“. Die stammt

vom garantiert hippsten Bart in Österreichs

Ausdauersportszene, dem Trailrunner

Florian Grasel. Der als „Trailbeard“

auf Social Media bekannte Ultraläufer

war 2018 Neunter beim weltweit

wichtigsten Trailrunning-Event, dem

Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB).

„Flo absolviert neben seinem Lauftraining

seit Langem die 10.000 Kniebeugen

pro Monat in der UTMB­

Vorbereitung“, weiß Grasels Trainer

Gerhard Schiemer. Der Sportwissenschafter,

den unsere Stammleser vor allem

als Trailrunning-Experten kennen,

fand die Idee ziemlich genial für jedermann,

insbesondere für alle Menschen

in sitzenden Berufen. Weil regelmäßiger

Ausdauersport allein zu wenig ist: „Speziell

der Bewegungsapparat wird durchs

stundenlange Sitzen in seiner Funktion

mit der Zeit immer stärker eingeschränkt.“

Warum gerade die Kniebeuge (man

kann übrigens auch „Air Squat“ sagen,

was gleich moderner klingt)? Das hat etliche

gute Gründe: Man braucht null

Equipment. Die Kniebeuge kräftigt und

mobilisiert, kann dynamisch oder statisch

(also in unterschiedlichen Geschwindigkeiten)

ausgeführt werden.

Korrekt absolviert, bewegt das In-die-

Knie-Gehen die drei größten Gelenke

im Körper im vollen Bewegungsumfang,

wie ihn die Natur vorgesehen hat: das

Hüftgelenk, die Knie und die Sprunggelenke.

Das fördert den Austausch von

Gewebsflüssigkeiten, schmiert und versorgt

damit die Knorpel ideal. Die

Übung hält geschmeidig, bei entsprechendem

Fleiß auch langfristig jugendlich

beweglich (wer kleinen Kindern zuschaut,

weiß, wie Flexibilität ursprünglich

ausschaut). Der Körper ist nämlich

listig: Was nicht ausreichend bewegt

SPORTaktiv

19


wird, hält er für unnötig und schränkt es

mit der Zeit immer mehr ein, man „erstarrt“

sozusagen. Umgekehrt lässt sich verlorene

Beweglichkeit durch Fleiß wieder

zurückgewinnen. Durch all das wirkt die

Kniebeuge auch verletzungs- und überlastungsvorbeugend

und macht bessere Sportler

aus uns: Vielen Hobbyläufern und anderen

Freizeitsportlern mangelt es eklatant an

Hüft- und Sprungelenksbeweglichkeit.

Und es geht noch weiter mit den Benefits:

Der Oberkörper lässt sich einfach miteinbeziehen.

Der untere Rücken genauso wie der

bei beruflich am Computer Arbeitenden so

oft verspannte obere Rücken, der Nackenund

Schulterbereich. Und allein das korrekte,

„übertrieben aufrechte“ Hinstellen für

die Ausgangsposition wirkt in Summe dem

„Verbuckeln“ des ständig in Bildschirme

und aufs Smartphone-Display starrenden

Homo Digitalis schon etwas entgegen.

Und wie geht sich das aus?

Womit noch die Erklärung fürs 10.000er-

Ziel fehlt: 15, 20 oder auch 30 sorgfältig

ausgeführte Kniebeugen sind im Alltag jederzeit

einbaubar und in einer bis maximal

zwei Minuten erledigt. Um wirklich zu profitieren,

ist allerdings eine gewisse Regelmäßigkeit

und Gewohnheit gefragt. Angelehnt

an die oft empfohlenen 10.000 Schritte pro

Tag, rät Gerhard Schiemer zu 10.000 Kniebeugen

– pro Monat. Das sind ungefähr

330 am Tag, bei 16 Wachstunden also rund

20 pro Stunde. Schiemer rät jedoch, zum

Beispiel 4 x 20 jeweils morgens und abends

mit kurzen Pausen durchzuführen, womit

schon 160 erledigt sind. Den Rest dann

über die Bürostunden verteilen.

So betrachtet nimmt das Projekt endgültig

schaffbare Formen an. Ausdrücklich

empfehlen wir auch das kostenlose

Bücherl, das Gerhard

Schiemer über die Kniebeuge

geschrieben hat (Gratis-

Download unter:

www.iruntrails.at/die-kniebeuge/):

Dort findet ihr neben

allen Infos vor allem

weitere Varianten. Und jetzt: aufstehen,

hinstellen, Pobacken zusammenkneifen

und runter mit dem Hintern ...

SPRUNGGELENKE

MOBILISIEREN

VARIANTEN DER FUSSPOSITION

Es ist möglich, dass die Übung nicht auf

Anhieb gelingt (z.B.: die Fersen heben

sich vom Boden; oder man hat die Tendenz,

nach hinten zu kippen). Das ist

aber kein Malheur: Oft steckt bloß ein

simples Koordinationsproblem dahinter.

Gerhard Schiemer empfiehlt dann,

sich zunächst mit vorgestreckten Armen

sanft anzuhalten, zum Beispiel an einer

Tischkante. Nach wenigen Tagen gelingt

die Kniebeuge oft schon freihändig und

im vollen Umfang.

Öfters ist jedoch auch die Mobilität im

Sprunggelenk eingeschränkt, was auch

ein Grund sein kann, warum die Übung

nicht korrekt klappen will: Die Lösung ist

dann, die Sprunggelenke regelmäßig zu

mobilisieren wie im Bild zu sehen.

Eine breitere oder auch schmalere Stellung der Füße setzt weitere gezielte

Reize im Bereich der Hüft- und Sprunggelenksbeweglichkeit. Darauf achten

sollte man jedoch, dass die tiefe Endposition auch ohne große Innenrotation

möglich sein sollte, sprich: Die Knie sollen beim Absenken nicht nach innen

klappen. Ansonsten zunächst eine weniger extreme Fußposition wählen.

20 SPORTaktiv


ELLBOGEN

ZURÜCK ZIEHEN

Die Ellbogen beim Hochgehen zurückziehen

(links): Damit wird zusätzlich

der obere Rücken, der

Schulter- und der Nackenbereich

miteinbezogen – „und die Kniebeuge

zur Königin der Übungen“,

sagt Schiemer. Um diagonalen

Verspannungen der Rumpfmuskulatur

entgegenzuwirken, sollte

man die Übung auch regelmäßig

wechselseitig – ein Arm vorne,

einer hinten und beim Senken

wechseln – durchführen (rechts).

VON GESCHLOSSENER

VORHALTE- ZUR

ÜBERKOPFPOSITION

In der tiefen Position die Arme mit verschränkten Fingern

vorhalten und sie beim Hochgehen über den Kopf

führen: Das mobilisiert

den Schultergürtel und

den Brustbereich besonders

gut. Als weitere

Varianten kann man

die Arme einmal links,

einmal mittig und einmal

rechts nach oben führen.

Fotos: Thomas Polzer

SPORTaktiv

21


DER GRÜNE

FADEN IN DIE

2850 AUSSTELLER, 80.000

BESUCHER AUS 120 LÄN-

DERN UND EIN THEMA,

DAS SICH ALS „GRÜNER

FADEN“ DURCH DIE WELT-

GRÖSSTE SPORTMESSE

ISPO ZOG. WIR HABEN

UNS ENDE JÄNNER IN

MÜNCHEN INS GETÜM-

MEL GEWORFEN.

VON CHRISTOPH HEIGL, CHRISTOF

DOMENIG UND CLAUDIA RIEDL

ZUKUNFT

ls Zeichen für das beherrschende Thema Nachhaltigkeit

und Klimawandel, das über der ISPO

schwebte, haben die Veranstalter kommentarlos

eine Schaufensterpuppe in Outdoorausrüstung

in einen Eisblock gesteckt, der vor den Eingangstoren in

der Münchner Jännersonne munter hinschmolz. Jeden Tag

kam ein wenig mehr vom „Menschen“ zum Vorschein.

Das Eis geht zurück ...

Drinnen in den 18 Hallen der Messe München war

zum Glück noch nichts von Untergangsstimmung zu spüren,

dafür umso mehr von Aufbruch und Umbruch. Die

Erkenntnis, dass ein wenig „grüne“ Gewissensberuhigung

nicht reicht, ist auch bei der Sportbranche angekommen.

Fotos: ISPO, Hersteller, Heigl, Domenig, Riedl

22 SPORTaktiv


Das Interesse an

der weltgrößten

Messe der Sportbranche

war groß

wie immer, die

Stimmung dreht

sich Richtung

neuer Werte.

NORDICA

Der Heckeinsteiger

ist wieder da.

Die italienische

Traditionsmarke

Nordica zeigte die

neue Komfortserie

„HF“, was für „Hands Free“ steht. Der

Zweischnaller lässt sich tatsächlich (fast) ohne

Hände öffnen und schließen. Zum Teil reicht der

Skistock, mühsames Bücken entfällt. Und dabei

sollen die Schuhe neben dem Komfort auch

ein ungeahntes Maß an sportlichem Fahren

ermöglichen. Das Topmodell HF Elite Heat GW

hat einen voll beheizbaren Innenschuh, der sich

via Handyapp oder Uhr in zehn Stufen steuern

und beheizen lässt.

Das Wort Neo-Ökologie war öfters zu hören, jene viel

weiter gefasste Form von Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen,

die das renommierte „Zukunftsinstitut“ zum

Megatrend der kommenden 15 Jahre erklärte. Auch das

Wort Kreislaufwirtschaft war in vieler Munde. Sympatex

etwa zeigte vor, dass es heute schon möglich ist, eine Outdoor-Funktionsjacke

nach den Prinzipien des ressourcenund

abfallvermeidenden „zirkulären Systems“ herzustellen,

das die herkömmliche, ressourcenraubende und Abfall erzeugende

„Linearwirtschaft“ ablösen soll.

Das Nachhaltigkeitsthema zog sich auch durch die wieder

vergebenen Preise für innovative neue Produkte, die

ISPO Awards. Das schwedische Label Klättermusen hatte

mit dem „Farbaute Jacket“ eine „daunenartige“ Jacke, dabei

aus 100 Prozent Bio-Baumwolle eingereicht. Der

Clou: Die Jacke lässt sich innerhalb von drei Monaten voll

kompostieren. Dafür wurden gleich zwei Preise gewonnen:

einen „Gold Award“ und den „Sustainability Award“.

Den „Product of the Year“-Award im Bereich Laufschuhe

gewann das französische Label Veja für den Condor-

Schuh, der zu über 50 Prozent aus natürlichen Stoffen

hergestellt ist – wie Zuckerrohr, Bananenöl und Reisabfall.

Ebenfalls ein „Product of the Year“, nämlich im Bereich

Outdoor-Hartware, wurde der Prolan-Rückenprotektor

von Alpina Sports, der zu 100 Prozent aus nachhaltig produzierter

Schafwolle besteht und dabei strenge Schutzkriterien

erfüllt. Fast bei jedem der prämierten Produkte

spielte zumindest ein „grünes“ Argument eine Rolle.

SPORTaktiv

23


Bestens besucht war durchgehend auch die Sustainability

Hub: jenes Areal, in dem die Besucher

sich über das Thema Nachhaltigkeit der Sportbranche

gebündelt informieren konnten, mit Ständen,

Vorträgen und Podiumsdiskussionen.

Aber egal, an welchem Stand man stehen blieb,

das grüne Thema war allgegenwärtig. Der Trend zu

nachwachsenden Roh- und Werkstoffen und recycelten

Materialien war ebenso unübersehbar wie der

Versuch, besonders haltbare Produkte zu schaffen,

die lange verwendet werden können. Oder Bekleidungsteile,

die so designt sind, dass sie im Sport und

im Alltag getragen werden können und so Ressourcen

schonen.

Weitere Trends, die teils schon in den letzten Jahren

spürbar waren, wie Digitalisierung oder Sport als

Gesundheitsmotor, gingen daneben fast unter. Eine

Auswahl von Neuheiten, die uns beim Messebummel

besonders aufgefallen sind, zeigen wir euch auf

diesen Seiten – ganz subjektiv ausgewählt ...

KÄSTLE

Ein Lichtblick im

wahrsten Sinn

des Wortes:

Die Vorarlberger von Kästle erhöhen durch

die Verwendung von hellen Neonfarben am

Ski die Sichtbarkeit der Skitourengeher in

der Nacht und bauen das Hollowtech 3.0 in

der Skischaufel („das leuchtende Ei“) mit

phosphoreszierendem Effekt. Einmal mit

Taschenlampe/Stirnlampe bestrahlt, leuchtet

das „Kästle-Ei“ bei der Abfahrt in der Nacht

für rund 15 Minuten – dafür gab’s einen ISPO

Award.

ÜBER OSTERN

ZUM SKILEHRER

Traumberuf Skilehrer. Wer gerne in

frischer Bergluft und mit gut gelaunten

Menschen arbeitet, kann sich

von 3. bis 14. April am Kitzsteinhorn

zum Skilehrer ausbilden lassen.

Selbst wenn nicht immer alles eitel

Wonne ist, der Beruf des Skilehrers

hat Suchtfaktor. Die Herausforderungen,

die den Skilehrer erwarten, sind

vielseitig und abwechslungsreich. Neben

dem skifahrerischen Können sind vor

allem gut entwickelte persönliche und

kommunikative Fähigkeiten wichtig.

Viele Skischulen in ganz Österreich

suchen jedes Jahr junge motivierte

Mitarbeiter, vor allem in den Ferienwochen

– damit ist es ein idealer Job für

Schüler und Studenten. Die Ausbildung

zum Skilehrer-Anwärter oder Snowboardlehrer-Anwärter

kann ab dem 16.

Lebensjahr absolviert werden. Neben

der Vermittlung der praktischen und

theoretischen Inhalte steht vor allem viel

Spaß beim Skifahren bzw. Snowboarden

mit Freunden im Mittelpunkt der

Ausbildung.

Anmeldung und Infos

www.snowsports.at

Foto: Branislav Rohal

24 SPORTaktiv


JULBO

Brillenexperte Julbo präsentierte neben neuen Skihelmen und

-brillen (per Quickshift auch für Mountainbiker) zwei Neuheiten

schon für den Sommer: das mit Reactiv-Technik selbsttönende

Brillenmodell Rush und die vielversprechende Hightech-

Datenbrille EVAD-1, die für viele Sportarten relevante Daten

(z. B. Puls, Höhenmeter, Zeit) via App in Echtzeit ins Sichtfeld

projiziert. Trotz aufwendiger Technik wiegt die Datenbrille nur 35

Gramm, der Akku soll zwölf Stunden halten.

DALBELLO

Selbstbewusst stellte der italienische

Schuhspezialist Dalbello zur Präsentation

seiner ersten reinen Tourenschuh-Serie

namens Quantum eine Waage auf: Nur

956 Gramm zeigte die Anzeige beim

Topmodell Asolo Factory, das ohne

Schnallen auskommt, dafür ein

Quick-Lacing-System und einen

innovativen Carbonaufbau hat.

DYNAFIT

Die „Blacklight Pro“-Tourenski aus Carbon

sind 900 g bei 80 mm-Mittelbreite leicht

und kompromisslos auf Speed getrimmt.

Für die höchstmögliche Performance hat

sie Dynafit außerdem mit dem „Pin Skin“-

System ausgestattet: Über das neuartige

Fixierungssystem lassen sich die Skifelle

präzise wie nie positionieren und sitzen

bombenfest „wie eine zweite Haut“. Das

Paket Blacklight Pro und Pin Skin bekam

von der ISPO-Jury einen Gold Award.

www.kia.com

Jetzt sollte ihn jeder kennen!

Der neue Kia XCeed.

Bei Leasing, Eintausch

und Versicherung ab

€ 20.090,- 1)

Aufregende Zeiten in Sicht.

Mit seinem mutigen Design, dem sportlichen Crossover-Coupé-Styling und dem robusten und gleichzeitig

unverwechselbaren chrom-gefassten Kühlergrill verdreht der neue XCeed garantiert jedem den Kopf. Designt

für alle, die nicht nur ganz neue Wege gehen, sondern bei jeder Fahrt puren Nervenkitzel erleben wollen.

Aber davon haben Sie sicher schon gehört, oder?

CO 2 -Emission: 162-134 g/km, Gesamtverbrauch: 5,1-7,2 l/100km

Symbolfotos. Satz- und Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. 1) Listenpreis Kia XCeed Titan € 22.490,00 abzgl. Preisvorteil bestehend aus € 1.000,00 Leasingbonus bei Finanzierung über Kia

Finance, € 1.000,00 Eintauschbonus für Ihren Gebrauchten und € 400,00 Versicherungsbonus bei Abschluss eines Kia Versicherung Vorteilssets. Der Kia Versicherungsbonus ist nur gültig bei Kauf eines Neu- oder

Vorführwagens und bei Abschluss eines Vorteilssets bestehend aus Haftpflicht, Vollkasko mit Insassenunfall- und/oder Verkehrs-Rechtsschutzversicherung. Die Bindefrist bzw. Mindestlaufzeit des Vertrages

beträgt 36 Monate inkl. Kündigung verzicht. Gültig bei Kaufvertrags- bzw. Antragsdatum bis 31.03.2020. Die Abwicklung der Finanzierung erfolgt über die Santander Consumer Bank GmbH. Stand 01|2020. Erfüllung

banküblicher Bonitätskriterien vorausgesetzt. *) 7 Jahre/150.000km Werksgarantie.


PROTEGEAR

A*Live heißt das „Smart Safety Tool“ von ProteGear.

Zwei Bayern haben dieses neuartige kleine Gerät für

Outdoorsportler erfunden, das vor allem in Gegenden

ohne Netzabdeckung ein deutliches Sicherheitsplus

verspricht. Als Satelliten-Hotspot sorgt es dafür, dass

das Smartphone überall auf der Welt einsatzfähig

ist. Es hat auch eine Crash-Erkennung und alarmiert,

wenn nötig, eigenständig die Einsatzkräfte. Die exakte

Position, auf zehn Meter genau, wird mit übermittelt.

Das Protegear A*Live bekam den Award als „Product

of the Year“ im Bereich Outdoor.

GREGORY

RED BULL SPECT EYEWEAR

Spect Eyewear stellte in Kooperation mit Red

Bull bei den neuen Sportbrillen das spektakuläre

Floating-Lens-System (kurz: Flow) für viele

Ausdauersportarten vor. Das Besondere: Die

Scheibe und der untere Teil des Rahmens

sind nicht miteinander verbunden. Damit

„schwebt“ das Brillenglas und federt bei Stößen

mit. Zusätzlich sind die beiden Nasenteile

außergewöhnlich flexibel anpassbar.

Test im SPORTaktiv?

Demnächst!

Die Rucksackexperten von Gregory

räumten für den neuen Targhee

Fasttrack 35 einen Gold Winner

Award ab. Der Rucksack ist speziell

für Skitourengeher, die viele

Mixed-Passagen auf ihren Touren

haben. Das Besondere ist, dass

man die Ski für das Tragen mit nur

einer Handbewegung und mittels

Fasttrack-Schlaufe am Targhee

fixieren kann, ohne den Rucksack

abzunehmen.

BLACKROLL

VEJA CONDOR

Auch ein „Product of the Year“ – im

Bereich Laufen. Der Condor ist der erste

echte Laufschuh des auf Freizeitschuhe

spezialisierten französischen Herstellers

und reduziert den Einsatz von fossilen

Rohstoffen drastisch. Stattdessen werden

Naturkautschuk, Reisabfälle, Bananenöl,

Zuckerrohr, Rizinusöl und Naturlatex

verwendet. Der „Post-Petrolium-

Laufschuh“ besteht laut Veja zu 53

Prozent aus natürlichen Rohstoffen und

Recyclingmaterial.

Mit der Faszienrolle Twin

konnte auch Blackroll einen

Gold Award einheimsen. Das

Besondere ist die Aussparung in

der Mitte, über die sich auch parallel

verlaufende Muskellinien effektiver

behandeln lassen und gezielter auf

Muskulatur und Gewebe eingewirkt

wird. Darf’s noch intensiver sein?

Dann kombiniere den Twin mit dem

Vibrationskern Booster, der die Muskeln

in eine oszillierende Bewegung versetzt

für einen noch größeren Effekt.

26 SPORTaktiv


KOPFSACHE

HOCHMUT

UND FALL

PERSKINDOL

AKTIV

PETER

GURMANN

Sport- und Gesundheitspsychologe

sowie

Beratungs lehrer in

Klagenfurt. Kontakt:

peter.gurmann@aon.at

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt der

Volksmund. Ein hochmütiger Mensch

lässt es gerne heraushängen, wie gut er ist.

In der Extremausprägung sieht er sich selbst als

Mittelpunkt der Welt. Mit dieser Überheblichkeit

kompensiert er sein oft mangelndes Selbstbewusstsein.

Arroganz hilft, das unsichere Ego

künstlich aufzublähen. Das Ego ist der Entwurf

von uns selbst, den wir im Inneren tragen. Nicht

immer stimmen diese Vorstellungen mit der Realität

überein. Die Menschen halten mich nicht

für so großartig, wie ich mich selbst – Eigenwahrnehmung

und Fremdwahrnehmung weichen

stark voneinander ab. Weitere persönliche

Frustrationen sind damit vorprogrammiert. Was

würde helfen? Mit ehrlichen Menschen zu reden

und auch ein negatives Feedback in Demut und

Dankbarkeit anzunehmen.

Dazu eine kleine Geschichte: Kurz vor Weihnachten

war ich mit Familie und Freunden in

Osttirol Ski fahren. Die Sicht war miserabel, es

schneite stark und der Abfahrtshang glich einer

Buckelpiste. Unbeholfen quälten sich meine

Begleiter nach unten. Für mich als Skilehrer stellen

diese Verhältnisse normalerweise keine allzu

große Herausforderung dar. Lautstark das Lied

„Was braucht denn a Skilehrer noch?“ trällernd,

fegte ich an allen vorbei. Urplötzlich schleuderte

es mich nach vorne: Aufgrund eines Fahrfehlers

hatten sich beide Bindungen geöffnet. Nach

einem Doppelsalto landete ich unsanft auf dem

Rücken. „Bist verletzt?“, fragten sie mich unisono.

Nachdem ich mich für fit erklärte, wurde ich

zum Gespött der ganzen Runde, welche sich in

der Zwischenzeit um mich versammelt hatte.

Der Dichter Angelus Silesius brachte es auf

den Punkt: „Mensch, ist was Gut’s in dir, so

maße dich’s nicht an; sobald du dir’s schreibst zu,

so ist der Fall getan.“

DAS PFLANZLICHE

EINREIBEMITTEL

· Zieht sofort ein

· Hinterlässt keinen Fettfilm

· Zur Lockerung und Erfrischung

· Für den Einsatz beim Sport

www.perskindol.at

Exklusiv in Ihrer Apotheke.


Die Kärnten Therme und SPORTaktiv laden ein ins:

SCHWIMMCAMP IN DER

KÄRNTEN THERME

Termin 1: 21.–24. Mai 2020

Termin 2: 4.–7. Juni 2020

PROGRAMM

Donnerstag

• 14.00 Begrüßung & Kennenlernen

• 15.30 1. Wassereinheit (90 min.) mit Übung Beinschlag,

Wasserlage, Körperschwerpunkt,

Atmung & Körperrotation

Freitag

• 09.30 2. Wassereinheit mit Übung Armzug &

Videoaufzeichnung

• 11.30 90 Minuten Theorie: WiderstandsMINIMIERUNG

& AntriebsOPTIMIERUNG

• 14.30 3. Wassereinheit (90 min.) mit Übung

Armzug-Feinform & Videoaufzeichnung

• 16.30 90 Minuten Theorie: Videoanalyse +

Fehlerquellen & -Auswirkungen

Samstag

• 9.30 4. Wassereinheit (90 min.) mit Übung Rhythmus,

Wechselatmung & Symmetrie

• 11.30 90 Minuten Theorie: Videoanalyse + Fehlerquellen

& -Auswirkungen

• 14.30 90 Minuten Theorie: spezifisches Krafttraining

im Schwimmsport

• 16.30 5. Wasser-/Landeinheit (90 min.): TheraBand,

Paddels & Co.

Sonntag

• 9.30 Resümee & Ausblick

• 11.30 6. Wassereinheit mit Beispiel-Training

(Technik-Variationen, Intervalle Kraft-/

Schnelligkeit, Ausdauer)

ZIELGRUPPE

Einsteiger und Hobbyschwimmer

Voraussetzung: 50-m-Brustschwimmen ohne

Schwimmhilfe, eine solide Grundfitness und ein

guter allgemeiner Gesundheitszustand

TEILNEHMER

max. 25 Personen pro Termin;

Badebekleidung, Indoor-Sportbekleidung (kurz) und

Indoor-Sportschuhe sind mitzubringen

28 SPORTaktiv

GOODIES

Beco-Schwimmbrille, Pullbuoy und

Handpaddels, Peeroton-Nahrungsergänzungspaket,

Ultrasun-Sonnenschutz

DIE UNTERKUNFT

Das Thermenhotel Karawankenhof ist das

4*-Hotel der Kärnten-Therme in Warmbad

Villach

www.karawankenhof.com


1. SCHWIMMCAMP

www.sportaktiv.com

DAS ANGEBOT:|

4 TAGE/3 NÄCHTE IM 4*HOTEL,|

VERPFLEGUNG, BETREUTES|

|TRAINING UND|

|UNEINGESCHRÄNKTER|

|NUTZUNG DER THERME|

|AB € 420,–|

LEISTUNGEN

• 3 Übernachtungen inkl.

Verwöhn-Halbpension mit

zweimal kleinem warmen Mittagsbuffet

im 4*Thermenhotel

Karawankenhof

• Trainingseinheiten mit professionellen

Schwimmtrainern,

Videoanalyse, Trainingseinheit Kraft & Stabilisation

• Uneingeschränkte Nutzung aller Angebote der Kärnten-Therme

im FUN-Bereich, im FIT-Bereich mit Programmen und Geräten, im

SPA-Bereich mit Saunen, Dampfbädern, Hamam, Beautyabteilung

• Preis pro Person (zzgl. Ortstaxe): im DZ: € 420,– / im EZ: € 516,–

Fotos: ThermenResort und Region Villach, Stefan Leitner

Die Kärnten-Therme und das Thermenhotel

Karawankenhof sind 2020 die Gastgeber

des neuen SPORTaktiv Schwimm-Camps.

Das Schwimmcamp richtet sich an Einsteiger in

den Schwimmsport, welche in vier Tagen – methodisch

aufbauend in Theorie & Praxis - die Basis

des Kraul-Schwimmens vermittelt bekommen!

Via Videoaufzeichnung & -analyse werden Fehler

aufgezeigt & korrigiert. Ebenso steht schwimmspezifisches

Mobilisations-, Stabilisations- & Kräftigungstraining

an Land auf dem Programm! Für die

Wassereinheiten steht das Sportbecken der Kärnten-Therme

zur Verfügung, per Videoaufzeichnung

und -analyse lassen sich Fehler aufdecken und

darauf aufbauend wird dann an der Verbesserung

gearbeitet. Die professionellen Schwimmtrainer

der Kärnten-Therme stehen den Teilnehmern dabei

jederzeit zur Seite.

Die Kärnten-Therme in Warmbad-Villach sowie

das Thermenhotel Karawankenhof sind auf die

sportliche Zielgruppe perfekt ausgerichtet. Davon

können sich unsere Leser seit Jahren bei den beliebten

„Alpe Adria-Skitouren-Camps“ überzeugen.

Das moderne 4-Sterne-Hotel überzeugt mit

seinen Top-Inklusivleistungen, dem kulinarischen

Angebot und ist auf die Bedürfnisse von Sportlern

ausgerichtet. Vom Zimmer gelangt man im

Bademantel ganz einfach in die Therme und kann

diese uneingeschränkt mit ihren FUN-, FIT- und

SPA-Bereichen nutzen.

Du fühlst dich angesprochen? Dann melde dich

gleich an und sichere dir einen Platz in diesem

neuen Camp-Highlight!

ANMELDUNG UND INFOS

Thermenhotel Karawankenhof

Kadischenallee 27

9504 Warmbad-Villach

Kennwort: SPORTaktiv-Schwimmcamp

Mail: reservierung@warmbad.at

T. +43 42 42/30 01 10

SPORTaktiv

29


GAME CHANGERS

FAKE ODER FAKTEN?

WER HÄTTE DAS GEDACHT? DAS THEMA ERNÄHRUNG

IST IM STREAMING-ZEITALTER ANGEKOMMEN.

NETFLIX HAT MIT „THE GAME CHANGERS“ VEGANE

ERNÄHRUNG ZUR POPKULTUR GEADELT UND ERREICHT

DABEI VOR ALLEM EINE JUNGE ZIELGRUPPE. DIE HAT

JETZT VIELE FRAGEN. WIE ZUM BEISPIEL: STIMMT

DAS ÜBERHAUPT ALLES?

VON CHRISTOPH HEIGL

30 SPORTaktiv


Foto: Patrick Baboumian/Netflix

Er war selbst Skifans kein Begriff.

Und dann schwingt der Schweizer

Urs Kryenbühl nach der

Weltcupabfahrt von Bormio sensationell

als Zweiter ab, stellt sich

vor die TV-Mikros und erklärt, seit er

„The Game Changers“ gesehen habe, verzichte

er komplett auf tierische Produkte

und lebe vegan. „Im Skisport kommt es

oft auf Nuancen an. Ich habe gedacht, ich

probiere das einmal. Es war der richtige

Schritt“, strahlte der junge Mann. Statt

Käse und seinem Lieblingsessen Cordon

bleu gebe es nun Gemüse aus dem Wok,

Kartoffeln und Reis, statt Kuhmilch eben

Mandelmilch.

Das war neue Nahrung für den Hype

um die US-Doku „The Game Changers“

(siehe Infobox). Revolutionäre Aufklärung

im Streamingdienst Netflix oder veganer

Propagandafilm? Die Geister scheiden

sich. Viele Blogs und Experten widmen

sich dem Thema, das dank hoher Zugriffe

auf die Doku und die verkaufsbasierte

Website viel Gesprächsstoff für junge Zielgruppen

in Schulklassen, Sportvereinen

und für alle Gesundheitsinteressierten liefert.

Das Thema emotionalisiert, aber es

hagelt Kritik. Die Doku, die spektakulär

gemacht und geschnitten ist (Produzent

ist niemand geringerer als Titanic-Regisseur

James Cameron), sei zu plakativ und

wissenschaftlich nicht genau genug in der

Feststellung, dass vegane Ernährung jener

aus tierischen Produkten überlegen sei.

Grund genug für SPORTaktiv, unsere Experten

an den Tisch zu holen.

„Mich hat die Doku dazu motiviert,

mich noch genauer mit dem veganen

L ifestyle und einer pflanzenbasierten Ernährung

zu beschäftigen“, erzählt Sportund

Ernährungsmediziner Robert Fritz

von der Sportordination in Wien. „Ich

habe mit vielen Menschen über die Doku

gesprochen und sie hat sehr viele dazu gebracht,

einen Versuch zu starten. Bei manchen

hat es funktioniert, andere haben es

nicht umsetzen können.“ Schon davor

hatte Fritz aber Erfahrungen. „Ich betreue

seit Jahren Hobby- und Hochleistungssportler,

die vegan leben, und ich kann sagen,

dass diese Lebensweise absolut mit einer

hohen sportlichen Leistungsfähigkeit

kombiniert werden kann. Die Doku ist

aber viel zu reißerisch aufgebaut und versucht,

das Thema nur schwarz-weiß zu

färben.“ So kommen etwa Formel-1-Weltmeister

Lewis Hamilton, Arnold Schwarzenegger,

Jackie Chan (auch Co-Produzent)

und viele höchst erfolgreiche Sport-

THE GAME CHANGERS

US-Dokumentarfilm (2018) über die Vorteile veganer Ernährung anhand vieler Beispiele aus dem

Profisport; Produzent: James Cameron (u. a. Terminator, Titanic, Aliens, Avatar). Seit September

2019 weltweit via Streaming auf Netflix abrufbar, in 190 Ländern zu sehen, in Österreich auf Anhieb

in den Top-5 der Netflix-Dokus.

Story: Die Doku wird vom ehemaligen englischen Kampfsportler und Elitesoldaten-Trainer James

Wilks (41) erzählt, der der Frage nachgeht, ob eine ausreichende Proteinzufuhr, Leistungssteigerung

und optimale Gesundheit nicht auch mit ausschließlich veganer Ernährung gewährleistet werden

kann. Im Film trifft er auf Promis, Top-Sportler und Experten, die ihn in seiner Meinung bestärken.

Mitwirkende: u. a. Arnold Schwarzenegger, Lewis Hamilton, Novak Djokovic, Patrick Baboumian.

Kernaussage der Doku: Fleischlose, vegane Ernährung macht Menschen gesünder, sportlich

leistungsfähiger und verringert das Krebsrisiko.

Kritik: Die Doku argumentiert nicht wissenschaftlich genug, mit Vereinfachungen, Verkürzungen,

Effekthascherei, Halbwahrheiten, verdrehten Fakten und skurrilen Schlussfolgerungen.

www.gamechangersmovie.com

SPORTaktiv

31


ler wie Strongman-Weltrekordler Patrik Baboumian

vor, bei denen die vegane Ernährung als Hauptkriterium

für ihre Erfolge dargestellt wird. Dinge wie Talent,

Training, Taktik, Glück oder Teamspirit werden

kaum ins Kalkül gezogen. Beispielsweise werden einige

Footballspieler der Tennessee Titans beim veganen,

privaten Essen gezeigt und das neugewonnene Essverhalten

der verhältnismäßig kleinen Gruppe dann als

Erklärung geliefert, warum das (rund 50-köpfige) Titans-Team

dann „erstmals seit ewig“ wieder die Playoffs

geschafft hat. „Nicht: Vegan ist richtig und

Mischkost ist falsch“, sagt Fritz. „Und umgekehrt

stimmt das auch keineswegs. Wissenschaftlich lässt

sich aber zusammenfassen, dass eine ausgewogene

Mischkost und eine überlegte

pflanzenbasierte Ernährung

ES BESCHÄFTIGEN

SICH MENSCHEN

MIT ERNÄHRUNG,

DIE DAS VORHER

NICHT GETAN

HABEN. DAS IST

SEHR POSITIV.

gleich auf sind und keines

wirklich Vorteile für die Leistungsfähigkeit

bedeutet.“ Das

bringt auch Jane Bergthaler,

Diätologin mit Spezialgebiet

Sporternährung, prägnant auf

den Punkt: „Eine wie im Film

aufgezeigte Leistungssteigerung

über Ernährung ist grundsätzlich

denkbar. Aber dazu müsste

sich jemand vorher ausschließlich

von Wurstsemmeln, Limos

und Fast Food ernähren und

dann auf gesunde, nährstoffreiche

Kost umsteigen. So wie im Film ist das viel zu

einseitig.“ Was wiederum Fritz bestätigt: „Die unglaublichen

Erfolge der Sportler in der Doku beruhen

entweder auf einer Steigerung der Aufnahme von

Kohlehydratenn oder darauf, dass sie einem Placeboeffekt

unterliegen. Beim Wettkampf mit dem Gedanken

anzutreten, dass ich allen überlegen bin, weil ich

mich anders ernähre, kann schon die nötigen letzten

Sekunden für den Erfolg bedeuten.“ Den Sinn, Menschen

wachzurütteln, erfülle die Doku, meint Fritz:

„Viele Probleme sind im Sport und im Alltag auf die

falsche Ernährung zurückzuführen. ,Train the Gut‘

(Anm.: „Trainiere den Darm“) ist ein Begriff, der

noch vor wenigen Jahren im Sport unbekannt war.

Ich bin immer wieder verwundert, auf welch hohem

Niveau Training und Material bei einigen Sportlern

sind, sie sich jedoch noch kaum mit ihrer Ernährung

auseinandergesetzt haben. Da gibt es viel Potenzial im

Sport.“

Die Machart von „Game Changers“ ist allerdings

ein anderes Kapitel. „Wissenschaftlich betrachtet ist

sie eigentlich schrecklich“, urteilt Fritz rigoros. Für

Bergthaler ist „die Quellenangabe nicht auf hohem

Niveau, generell ein Problem in vielen Medien“. Studien,

die keine sind, werden als Quellen angegeben,

Nebensätze von Experten zu Weisheiten aufgebauscht.

Der Promifaktor und schnelle Schnitte mit

Dutzenden Grafiken, Prozentzahlen, Steigerungsraten

und Begriffe wie TMAO, heterozyklische Amine und

N-Glycolylneuraminsäure verwirren und täuschen

Wissenschaftlichkeit vor. Und Angstmache: Ein um

400 bis 500 Prozent erhöhtes Risiko für Krebs, beispielsweise

Prostatakrebs, hätten Fleischesser, sagt die

Doku. Völliger Blödsinn, sagen unabhängige Experten.

Im Film will ein Experiment beweisen, dass

schon ein einziger Hamburger den Blutfluss um 27

Prozent mindern könne und 70 Prozent mehr Entzündungsanfälligkeit

auftritt. Ein Burrito-Experiment

mit drei Sportlern an zwei Tagen (einmal Fleisch, einmal

vegan) zeigte zwei Stunden später eine völlig unterschiedliche

Färbung des Blutplasmas. Das Plasma

nach einem veganen Burrito war wunderbar klar. Fast

schon klamaukhaft, aber wenigstens mit etwas Augenzwinkern,

erscheint das Erektions-Experiment:

Bei drei jungen Sportlern wurden Häufigkeit und Intensität

von nächtlichen Erektionen gemessen. In der

Nacht mit veganem Burrito als Abendessen erhöhte

sich die Dauer der Erektionen bei den drei Athleten

um 300 bis 500 Prozent. Aufgeregtes Kichern der

Männer in der Doku, seitdem Stammtischgespräch

bei virilen Männerrunden. Studien dazu? Fehlanzeige.

Und dennoch!

Und dennoch überwiegt bei unseren Experten, übrigens

beide exzellente Sportler, der positive Aspekt der

Doku. „Es beschäftigen sich Menschen mit Ernährung,

die das vorher nicht getan haben. Es ist nicht

schwierig, aber man sollte einige Basics wissen und

verstehen“, meint Fritz. Dazu brauche es aber mehr

als diese Doku. „Die Menschen sollten sich nicht so

leicht von Blogs oder Webseiten im Internet beein-

JANE BERGTHALER,

BSC MSC

ist Diätologin mit

Spezialgebiet Sporternährung

www.diaetologisch.at

DR. ROBERT

FRITZ

ist Sport- und

Ernährungsmediziner

www.sportordination.at

Fotos Dr. Robert Fritz, Jane Bergthaler

32 SPORTaktiv


AN SICH EINE GUTE SACHE.

ABER GAME CHANGERS

IST RADIKAL. DA SOLLTE

MAN DIE KRITIKPUNKTE

GUT AUFBEREITEN.

flussen lassen. Seriöse Literatur ist nicht immer

leicht zu finden. Und bitte nicht von Experten beraten

lassen, die im ersten Gespräch bereits ein

Produkt verkaufen wollen, ohne das ihr angeblich

nicht leben könnt.“ Eine Info zur Doku, die wohl

zweckdienlich ist: Produzent Cameron und seine

Frau Suzy, beides Veganer, besitzen millionenschwere

Unternehmen, die sich auf pflanzliche

Fleischalternativen und vegane Proteinprodukte

spezialisieren. Bergthaler: „Ich denke, das müssen

die Seher wissen, sonst werden sie geblendet. Gute,

durchdachte pflanzenbasierte Ernährung an sich ist

eine gute Sache. Game Changers ist radikal, da

sollte man gut analysieren und die Kritikpunkte

aufbereiten.“

Fritz hat in den vergangenen 15 Jahren viele

Trends kommen und gehen gesehen: Paleo, High

Fat, Low Carb, No Carb, Ketogen, jetzt vegan.

„Alle Trends haben für mich etwas Positives gemeinsam:

Sie bringen die Menschen dazu, sich Gedanken

über die Ernährung zu machen. Keiner

dieser Trends hat sich aber langfristig durchgesetzt.“

Das findet auch Bergthaler. „Ich habe generell

ein Problem damit, wenn Ernährung zum

Hype, zur Religion aufgebauscht wird. Die Doku

ist gut, wenn Menschen ihre Ess- und Trinkentscheidungen

überdenken, mit Freude zum Kochlöffel

greifen und fragen: Wie mache ich einen Linseneintopf?

Was ist ein Kicher erbsencurry?“ Sie bezeichnet

sich selbst als experimentierfreudig, probiert

alles aus und liebt heimische Superfoods wie

Leinsamen, Haferflocken und Heidelbeeren. „Ich

esse extrem wenig Fleisch, vielleicht drei Mal im

Jahr. Da kann ich dann aber mit Gusto ein Beef

Tatare oder ein Medium-Rare-Steak essen.“

Auch Fritz ist kein Veganer. „Ich meide Zucker,

esse viel Obst und Gemüse, gerne auch Fleisch. Ich

habe aber zumindest zwei, drei Tage pro Woche, an

denen ich mich vegetarisch ernähre – manchmal

auch mehr. Eine pflanzenbasierte Ernährung halte

ich für sinnvoll, weniger Fleisch essen sowieso.

Eine vegane Lebensweise wäre für mich nicht geeignet.

Ich verurteile es aber keineswegs und unterstütze

einige Sportler dabei, das erfolgreich umzusetzen.“

Vitamine

Bleib‘

gesund!

www.burgerstein.at

Time 4 SPRING

• Das „hohe C“ unterstützt die

Funktion des Immun- und

Nervensystems

• Einzigartige time-release

Formel: Wirkstoff-Freisetzung

über mehrere Stunden

• Trägt dazu bei, die Zellen vor

oxidativem Stress zu schützen

• Gezielte, ausgewogene Aminosäuremischung

mit Taurin,

Spurenelementen und

Vitaminen

• Mit Vitamin B6, B12, Zink,

Mangan, Pantothensäure

• Unterstützt rasch für mehr

Energie und Konzentration

im Leistungssport & vor

Wettkämpfen

• Pulver zum Auflösen im

Portionsbeutel „to-go“ mit

angenehmen Grapefruit-Aroma

In Ihrer Apotheke.

IN_Sporta_VitCAv_105x270


NEU

SHAKE DICH SLIM!

Sichtbarer

Erfolg in

14 Tagen

EFFEKTIVES

ABNEHMEN

AUS IHRER APOTHEKE

• Abnehmen ohne Hungergefühl

• Kein Jo-Jo Effekt, wie bei einer

klassischen Diät

• Einfache Anwendung nur mit

Wasser oder Milch

34 SPORTaktiv

www.slimshake.at

Jetzt

Testen mit

GRATIS

SHAKER

Fragen Sie in Ihrer

Apotheke


PEEROTON

SLIM SHAKE

Wertvolles

Sojaprotein und

Joghurt liefern

die benötigten

Proteine, während

Kohlen hydrate aus Honig die

Energie beisteuern.

Trotz reduzierter Kalorienzufuhr

versorgt dich der

Shake außerdem mit allen

Vitaminen und Mineralstoffen

und beugt Mängeln vor.

Und: Der Peeroton Slim

Shake schmeckt lecker,

nach Vanille oder Schoko.

ANZEIGE / Fotos: iStock, Peeroton

LESERAKTION

MIT SPORTAKTIV

UND PEEROTON ZUM

WUNSCHGEWICHT

NACH JAHRESWECH-

SEL UND IM FRÜHLING

STEHEN OFT EIN PAAR

KILO WENIGER AUF

DEM WUNSCHZETTEL.

FALLS DAS AUF DICH

ZUTRIFFT, DANN BEWIRB

DICH: SPORTAKTIV UND

PEEROTON HELFEN

ZWEI LESER/-INNEN

DABEI, OHNE HUNGER

ABZUNEHMEN.

Bei „Radikaldiäten“ gibt es ein paar

Grundsatzprobleme: Der Körper wird

nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt

und nach dem Ende stellt sich mit hoher

Wahrscheinlichkeit der „Jo-Jo-Effekt“ ein.

Hier setzt der PEEROTON Slim Shake an:

Hochwertige Inhaltsstoffe wie wertvolles

Soja-Protein und Joghurt tragen dazu bei,

den Stoffwechsel zu aktivieren, ohne Muskelmasse

anzugreifen. Damit der Körper bei

reduzierter Kalorienzufuhr Fett verbrennt

und nicht Muskelmasse abbaut, braucht

er nämlich zusätzliche Proteine. Durch

die Zufuhr aller wichtigen Vitamine und

Mineralstoffe wird sichergestellt, dass trotz

Diät keine Mangelerscheinungen auftreten.

Neben einer gesunden Ernährung

und ausreichend Bewegung stellt der

PEEROTON Slim Shake eine effektive

Unterstützung im Rahmen einer Diät dar.

Eine Portion ersetzt eine komplette Mahlzeit

und das bei nur 200 Kilokalorien –

während eine „kalorienbewusste“ Mahlzeit

sonst um die 600 Kilokalorien hat.

Jetzt Vorteilsaktion im

Peeroton Online-Shop:

www.peeroton.com/shop

LESERAKTION: SPORTaktiv und

PEEROTON helfen zwei unserer Leser/

-innen dabei, in zwei Monaten (von 10.

März bis 9. Mai) ohne Hunger abzunehmen.

Erste Resultate stellen sich nach 14

Tagen ein, was motiviert, durchzuhalten

und das Wunschgewicht zu erreichen.

Interessiert? Dann schreib uns bis 29.

Februar 2020 eine kurze E-Mail an office.

sportaktiv@styria.com. Was daraus hervorgehen

sollte: dein aktuelles Gewicht, dein

Wunschgewicht und dein sportliches Ziel

2020. Übrigens: Auch SPORTaktiv-Geschäftsführer

Alfred Brunner wird bei der

Aktion mitmachen, um für eine im Sommer

geplante Rennradtour über die großen

französischen Alpenpässe topfit zu werden.

Aus allen Bewerbungen suchen

SPORTaktiv und PEEROTON zwei

Leser/-innen aus und begleiten diese online

auf www.sport aktiv.com sowie mit einem

Nachbericht in der Juni/Juli-Ausgabe

(der Rechtsweg ist ausgeschlossen).

SPORTaktiv

35


AUS

PRO

BIERT

FIT

ENTDECKT UND GECHECKT:

UNTERWÄSCHE, AUF DIE AUCH

DIE ÖSV-STARS VERTRAUEN,

EIN TRAININGSGERÄT FÜRS

GEHIRN UND KETTLEBELLS

IN NEUER FORM.

WELTCUP-GEFÜHL AUF DER HAUT

Skiunterwäsche war für mich lange kein Thema. Ich

hab’s von den 1990ern weg bis ins neue Jahrtausend mit

der Nachhaltigkeit gehalten und den tarngrünen Feinripp

vom Präsenzdienst weiterverwendet, bis es gar nicht

mehr gegangen ist. Irgendwann waren Leiberl und Hose

einfach nicht mehr im Kasten . . . Seitdem schätze ich

die moderne Skiunterwäsche, die eng sitzt, warm hält

und sich im Skischuh nicht verwurschtelt. Das neueste

Modell kann sogar noch mehr! Die gestrickte Wäsche

der italienischen Marke UYN

(sprich: Win) verleiht mir das

Gefühl, ein Weltcup-Fahrer zu

sein. Mit der bin ich schon am

Lift schnell. Immerhin verwenden

die ÖSV-Stars Unterwäsche

derselben Marke. Der

Strick fühlt sich angenehm auf

der Haut an, sitzt eng, ohne

eine Knackwurst aus mir zu

machen und wärmt perfekt.

Und ob ich damit wirklich besser

Ski fahre? Die einen sagen

so, die anderen sagen so. . .

VON KLAUS MOLIDOR, CHRISTOF DOMENIG UND

THOMAS POLZER

Fotos: Thomas Polzer, Diana Zabini

36 SPORTaktiv


FITNESS-MULTITOOL

LICHT AUS!

Es hat was von den schmerzlich vermissten

Stefan-Raab-Spieleshows, wenn zwei (halbwegs)

erwachsene Mannsbilder in Liegestütz-Position

versuchen, vor ihnen aufleuchtende Lichter

schneller auszubuzzern als der Kontrahent. Dahinter steckt

BLAZEPOD, ein höchst interessantes neues Sportgerät aus

den USA. Ziel ist es, die vier oder mehr Pods, die in nicht

vorhersehbarer Reihenfolge und in unterschiedlichen Farben

aufleuchten, möglichst schnell zu berühren und damit

das Licht zu löschen. Oder auch nicht – kommt auf die Farbe

an. Wie gut oder schlecht man eine Aufgabe gelöst hat, verrät

am Ende die App, die Reaktionszeiten auf Tausendstelsekunde

genau registriert.

Blazepod ist also ein Gerät, mit dem man Reflexe sowie

richtiges Reagieren auf Impulse (rotes Licht hingreifen,

grünes Licht ignorieren ...) gezielt trainieren kann. Blitzschnelles

„Verarbeiten“ von Informationen ist ja in vielen

Sportarten ein entscheidender Faktor. Für uns Hobbysportler

geht es freilich auch immer darum, uns zum Training motivieren

zu lassen. Das schafft Blazepod mit unzähligen Trainingsmöglichkeiten.

Man kann mit den „Pods“ eine reine

„Hirntrainings“-Challenge aufbauen genauso wie ein

Sprint- oder Krafttraining bereichern. Man schaue die

Videos auf www.blazepod.com und lasse sich inspirieren.

Ein Standard-Kit mit 4 Pods kostet 279,– Dollar, der Europavertrieb

ist gerade erst im Aufbau.

Kettlebells kennt man und sie haben sich als Trainingsgerät

bewährt. Ich selbst bin seit Jahren im Functional-Fitness-

Training ein großer Fan davon.

Ganz neu im Sporthandel ist die Y-BELL-KETTLEBELL – eine

vom Hersteller gepriesene Weiterentwicklung durch Fitnessexperten.

Sie verspricht, aufgrund der Änderungen

des Griffs bzw. wegen dreier statt eines Griffs pro Y-Bell,

dass sie vier bekannte Fitnessprodukte in sich vereint:

Kettlebell, Kurzhantel, Medizinball mit Griffen und Push-up-

Bar. Ich war schon gespannt und hab sie gleich zum Test

vom Grazer GIGASPORT nach Hause mitgenommen. Die

Auswahl fiel auf zwei Stück in der Größe M mit je 8 kg

(UVP: € 79,99).

Das Größenspektrum reicht von XS (4,3 kg, € 59,99) bis XL

(12 kg, € 89,99). Die Y-Bell wirkt sehr hochwertig – laut Hersteller

besteht sie aus rostfreiem Material für eine lange

Nutzungsdauer.

Zusätzliche Stabilität verleiht der Multifunktionshantel eine

Neoprenhülle, welche das Trainingsgerät besonders

rutschfest macht – ein klarer Vorteil gegenüber der klassischen.

Vor allem werden die Handgelenke

bei Verwendung als Hantel

z. B. über Kopf geschont. Auch bei

den Bizeps-Curls bleiben die Handgelenke

automatisch gerade. Fazit:

Die ausgeklügelte Bauweise macht

das multifunktionale Trainingsgerät

zu einem praktischen Allrounder,

der eine Vielzahl von Möglichkeiten

und auch ganz neue Übungen mit

sich bringt. Und mehr Spaß.

SPORTaktiv

37


ECHT STARK

Der BCAA Energy Drink von

STRONG LIFE aus frischem

österreichischen Quellwasser

ist in zwei fruchtigen

Geschmacksrichtungen

erhältlich. Er ist frei von

Zucker, kalorienarm und

angereichert mit 4000

mg BCAA, den für den

Muskelaufbau wichtigen

verzweigtkettigen

Aminosäuren.

www.stronglife.at

EISEN PLUS

BURGERSTEIN Eisen plus ist

ein „Blutbildungs-Kraftstoff“ für

Sportler. Es trägt zur normalen

Funktion des Energiestoffwechsels

bei, zur Verringerung von Müdigkeit

und Ermüdung und unterstützt

den Sauerstofftransport im Körper.

Und Vitamin C, ein anerkannter

Förderer der Eisenresorption, macht

die Eisenaufnahme besser

verfügbar. Erhältlich in

Apotheken.

www.burgerstein.at

FIT

NEWS

STRICKSCHUH FÜR

SPORT UND FREIZEIT

Die neuen UYN-Free-Flow-Lifestyle-Schuhe

(drei Modelle gibt’s, im Bild der Free Flow

Master) bestehen innen aus Merinowolle

und außen aus perforiertem Strickgewebe.

Eine hochwertige EVA-Sohle sorgt für

Grip und ermöglicht auch

dynamische Aktivitäten.

www.uynsports.com

38 SPORTaktiv

NEUE GENERATION

VON PROTEIN-RIEGELN

Eine neue Generation von Protein-Riegeln verkörpert

„PEEROTON Wini Crispy Protein“. Durch die neue Formel wird

die Verdauung bereits im Mund unterstützt. Hochwertiges

Whey-Protein sorgt für kraftvolle Energie und der Riegel

schmeckt lecker. Erhältlich in Cookies & Cream und Caramel.

www.peeroton.com

GREEN STYLE

Seit der Gründung vor über

25 Jahren investiert BUFF ® ,

der spanische Spezialist für

atmungsaktive und stylishe

Outdoor-Accessoires,

in die Entwicklung

umweltschonender

Materialien. Nachhaltigkeit ist

ein wichtiges Kriterium, auch

bei der Merino-Serie (Bild).

www.buff.com

Fotos: Hersteller


RUN

SPECIAL

Foto: ICEBUG Running

EINES FÜR ALLE: UNSER RUN-SPECIAL BIETET AUF 78

SEITEN ALLES VON EINSTEIGERTIPPS BIS MATERIAL-

ENTWICKLUNG, VON FASZIENTRAINING BIS ZU VERRÜCK-

TEN BEWERBEN UND SPANNENDEN PERSÖNLICHKEITEN.

SPORTaktiv

39


202020

IMPULSE FÜR

UND DEIN LAUFJAHR

SPORTAKTIV WIRD HEUER 20! EIN GRUND MEHR, UNSER LAUF-SPECIAL 2020

MIT 20 IMPULSEN ZU STARTEN: KURZEN GEDANKEN, ANREGUNGEN UND

TIPPS VON UNSEREM SPORTAKTIV- EXPERTENTEAM, VON LAUFPROFIS, VON

ERFOLGREICHEN UND EINFACH NUR BEGEISTERTEN LÄUFERN, DIE EUCH

MOTIVIEREN UND EIN STÜCK BESSER ÜBERS LAUFJAHR BRINGEN SOLLEN.

GESAMMELT VON CHRISTOF DOMENIG, KLAUS MOLIDOR UND CHRISTOPH HEIGL

Foto: Florian Grasel, Gepa Pictures

40 SPORTaktiv


1 ES IST NUR LAUFEN

4 KRAFT DER INTERVALLE

Es IST und bleibt NUR Laufen – behaltet das

immer im Hinterkopf. Laufen ist tief in unseren

Genen verwurzelt und der geilste Sport überhaupt.

Er gibt uns das Gefühl der Freiheit, hilft uns

abzuschalten, uns zu erden. So mancher neigt aber

dazu, sich im Überehrgeiz zu verlieren, stresst sich

beispielsweise mit einem zu intensiven Trainingsplan

oder aber mit zu hoch gesteckten Zielen. Vergesst

deshalb nicht, es bleibt einfach nur Laufen

und soll nicht über unser ganzes Leben entscheiden.

Es muss nicht immer schneller, höher, weiter

sein! Drum geht raus, bleibt stehen, haltet inne,

saugt die Luft auf, blickt euch um zur Schönheit

der Natur – und haltet alles in Balance.

Florian Grasel, Ultraläufer, #lifeworktrailbalance

Wer wie die meisten Freizeitläufer zwei- bis dreimal

pro Woche trainiert, kann die kürzeren Lauftrainings

durch ein Intervalltraining ersetzen. Das

bringt euch wirklich weiter. Ein Trainingsbeispiel:

10 bis 15 Minuten einlaufen und dann in abwechselnden

Tempoabschnitten laufen. Die Tempoabschnitte

sollten 30 bis 60 Sekunden dauern, die

dazwischen liegenden Trababschnitte (geringes

Lauftempo oder schnelles Gehen) je nach gewählter

Geschwindigkeit der Tempoabschnitte 30 bis

90 Sekunden dauern. 30 bis 40 Minuten reichen

dafür. Danach noch locker auslaufen.

Kurt Steinbauer, Sportwissenschafter und Lauftrainer

2 BLICK NACH VORN

Mit der richtigen Blickführung im Laufen schlagt

ihr zwei Fliegen mit einer Klappe. Sucht euch auf

langen Geraden immer wieder einen Punkt in der

Ferne, zum Beispiel eine Tafel am Straßenrand,

auf die ihr den Blick fixiert. Zum einen gehört die

aufrechte Kopfhaltung und gerade Blickführung

zu einem ökonomischen Laufstil. Zum anderen

filetiert ihr durch diese Taktik lange Strecken in

kleine Stücke. Für mich war das auf Langdistanzen

immer eine wichtige Motivationshilfe.

Markus Strini, Lauf-, Triathlon- und

Fascial-Fitness-Trainer

5 SCHAUT AUF EUCH

Achtet besonders auf die Regeneration des

Bewegungsapparates. Die Regenerationszeit von

Sehnen- und Bindegewebe ist meist länger als

die des energieliefernden Herz-Kreislauf-Wechselsystems.

Beschränke die Laufbelastung auf die

unbedingt notwendige Anzahl von Trainingseinheiten

in der Woche und wechsle für regenerative

Trainingseinheiten aufs Rad. Das schont Sehnen

und Gelenke – bei aktiver Beanspruchung des

Herz-Kreislauf-Systems. Somit erholen sich die

Beine bis zur nächsten Trainingseinheit besser als

beim regenerativen Auslaufen.

nochmals Kurt Steinbauer

3 JEDES TRAINING ANDERS

6 GEFÜHL STATT UMFANG

Florian Grasel,

Österreichs

erfolgreichster

Ultra-Trailrunner:

„Haltet

Balance“.

Abwechslung finde ich besonders wichtig, um die

Motivation hoch zu halten. Damit meine ich zum

Beispiel, dass jede Trainingseinheit etwas Spezielles

sein sollte und man sich auf Unterschiede freuen

kann. Zum Beispiel an einem Tag ein Lauf auf

dem Laufband, an einem anderen ein Intervalltraining

auf der Laufbahn, ein Lauftreff, Krafttraining

oder aber auch Unterschiede in der Tageszeit.

Eva Wutti, Marathonprofi

Qualität zählt mehr als Quantität. Erfolg ist die

Folge deines Trainingsprozesses und nicht nur

deines Laufumfangs. Konzentriere dich auf deine

Trainingsinhalte und dein Körpergefühl. Wie es

dir geht, wie erholt oder ermüdet du bist, wie du

dich fühlst. Dann wirst du im Rahmen deiner

Möglichkeiten (Talent und Trainingszeit) dein

persönliches Optimum herausholen.

Herwig Reupichler, Sportwissenschafter,

Lauf- und Triathlontrainer

SPORTaktiv

41


7 ENERGIESCHUB

9

LAUFEN

MIT STIL

12

WEITEN STATT

ZEITEN

Es kommt nicht sehr oft vor,

aber manchmal gehe ich um 4

Uhr früh schon laufen, rauf auf

einen Berg und warte oben, bis

die Sonne aufgeht. Von solchen

Momenten zehre ich unglaublich

lange, die geben mir einen Energieschub

der Extraklasse. Früher

hatte ich immer nur den Kopf

unten und war extrem fokussiert

auf Wettbewerbe. Ein Fotograf

hat mir am Berg aber einmal die

Augen geöffnet zu erkennen, in

welchem Paradies wir leben.

Markus Kröll, Bergläufer und

Extremsportler aus dem Zillertal

Beim Golf würde sich niemand

nur einen Schläger kaufen, auf

den Platz gehen und drauflosschlagen.

Beim Laufen schon.

Dabei ist ein guter Laufstil wichtig,

damit ihr keine Schmerzen

und Wehwehchen bekommt.

Lasst es euch zeigen, damit ihr

eine Idee von der richtigen Bewegung

bekommt. Das ist keine

Raketenwissenschaft und lässt

sich gut in den Griff bekommen.

Damit lernt ihr auch keine falschen

Bewegungsmuster ein.

noch einmal Athletiktrainer Bernd

Marl aus Graz

Der Marathon ist keine Demarkationslinie,

bleib nicht bei ihr

hängen! Entdeckt die Welt der

Ultras. BestWEITEN werden

die neuen Ziele und die sind mit

weniger Druck zu erreichen als

BestZEITEN. Zumal hier Spritsparen

und Schonung stimmberechtigt

sind. Übertreibt es aber

nicht! Nur vernünftiges Steigern

des Pensums kann der penetranten

inneren Empfehlung: „Du

kannst ja nicht mehr. Du schadest

dir! Gib auf!“ erfolgreich

Widerstand leisten.

Josef Kladensky, Ultraläufer

noch mit 71

Eva Wutti beim Vienna City Marathon 2019.

10 HIGH-FLOW

Zum Laufen motiviert mich

immer nur das Bewusstsein, dass

ich mich danach sehr viel besser

fühle, oder die Hoffnung eine

„High-Flow“-Einheit zu erleben,

wo man sich so unheimlich

leicht, locker und dynamisch

fühlt. Diese Einheiten sind – bei

mir zumindest – leider sehr selten.

Aber ohne die anderen gäbe

es sie gar nicht.

Nadja Hennig, Triathletin, gerade

mit dem Rennrad auf dem Weg

nach Hawaii

13

DOPPELTER

SCHRITT

Der Winter liefert viele Argumente,

die Füße still und warm

zu halten. Je mehr Tage zwischen

den Läufen verstreichen, desto

größer ist jedoch der Formverlust.

Daher gilt gerade im Winter

für leistungsorientierte Läufer

ebenso wie auch für Gesundheitssportler:

Jeder Laufschritt

zählt doppelt.

Mahdi Sareban, Facharzt für

Kardiologie und Sportmedizin in

Salzburg und selbst Spitzenläufer

8 HÜFTE ÖFFNEN

Trainiert die Beweglichkeit der

Hüfte und vor allem die Gesäßmuskulatur,

die fürs Laufen so

wichtig ist. Mit Kniebeugen und

der „Brücke“ erreicht man die

Muskulatur schon sehr gut.

Bernd Marl ist Athletiktrainer und

macht Laufanalysen

11 KEINE ANGST

Der größte Fehler, den ihr beim

Laufen machen könnt, ist der,

vor lauter Faulheit gar nicht

zum Laufen zu kommen. Also

motiviert euch, der Rest kommt

von selber.

Michael Buchleitner, Marathonläufer,

3-facher Olympiateilnehmer

14 WIE FLIEGEN

Ich laufe immer noch, weil es

mich befreit und mir Freude

macht. Und dieses Gefühl, wenn

du richtig schnell läufst, das ist

wie Fliegen. Das ist mega.

Peter Herzog, Laufprofi,

Olympiastarter

42 SPORTaktiv


202020

IMPULSE FÜR

15 ALLTAG ADE

16

17

Es gibt für mich kein besseres

Mittel gegen Stress, Ärger und

Probleme als eine Laufrunde.

Egal wann, egal bei welchem

Wetter. Bei der Rückkehr ist

vielleicht der Sorgenberg nicht

ganz weg, aber maximal noch ein

kleiner Hügel.

Klaus Molidor, SPORTaktiv,

leidenschaftlicher Läufer

MIT LEICHTEM

GEPÄCK

So wichtig die Zielsetzungen im

Sport auch sein mögen, 2021 ist

auch noch ein Jahr. Weniger ist

oft mehr (außer bei den Kniebeugen,

siehe den Artikel weiter

vorne). Wer sich zu Jahresbeginn

schon zu viel Gepäck auflädt,

wird am Jahresende bestimmt

nicht glücklicher sein. Wenn

auch das Angebot schier unendlich

ist, wähle mit Bedacht.

Gerhard Schiemer, Ultraläufer,

Sportwissenschafter, Lauftrainer

GESCHEIT

FEIERN

Erfolge gehören gescheit feiert.

Wenn du auf ein Ziel hingearbeitet

hast, und es geschafft hast,

darfst du auch einmal richtig die

Sau rauslassen. Das baut Selbstvertrauen

auf und motiviert.

Maximilian Schwarzhuber,

Hobbyläufer und Vorbild

(siehe Seite 12)

18

19

2O

KEIN

VERGLEICH

Nicht empfehlen kann ich dieses

ewige Vergleichen mit anderen.

Gerade in Zeiten von Strava

geht es immer ums Vergleichen.

In Wahrheit machst du irgendjemanden

damit runter: Bin ich

selbst besser, machst du den anderen

runter, ist er besser, machst

du dich selber runter. Nehmt’s

die Sachen mit Humor. Lasst’s

das Vergleichen sein und fühlt

euch gut so, wie ihr seid.

noch einmal Maximilian

Schwarzhuber

MEIN IDEALER

LAUF

In den ersten zehn Minuten

hat mir noch kein Lauf Spaß

gemacht (aber die Vorfreunde

motiviert). In den zweiten zehn

Minuten kommt das System

langsam in Schwung. Ab 20 Minuten

läuft es meist schon recht

rund. Und auch wenn meine

Beine aus der Sicht echter Läufer

nur in Slow Motion dahinzockeln,

ist es für mich nach einer

Stunde ein müheloses Schweben,

das gefühlt nie mehr endet.

Christof Domenig, SPORTaktiv,

Spaß-an-der-Freude-Läufer

DAS MINIMUM

Laufen ist das Minimum. Für

keine andere Sportart braucht

es so wenig. So wenig Material,

so wenig Bekleidung, so wenig

Vorlaufzeit. Nur halt ein bisserl

Motivation.

Christoph Heigl, SPORTaktiv,

Verlegenheitsläufer

EVENT TIPPS 2020

# Gigasportlauf Brunn/Wien

7. März (11,4km, 6km)

# Sorger Halbmarathon Graz

29. März (7km, 14km, 21.1km)

# Laufcamp Porec/Kroatien

5. - 10. April

# Wings for Life App Run Graz

3. Mai

# Garmin LadiesRun Graz

9. Mai (5km)

# Woche Businessmarathon

14. Mai (5,25 - 21.1km)

# Garmin LadiesRun Linz

6. Juni (5km)

# Parktherme Wüstenlauf

27. Juni (7km, 14km, 21.1km)

# Leibnitz Halbmarathon

18. Juli (5 - 21.1km)

# ORF Holzstraßenlauf St. Peter

1. August (5km,10km)

# Garmin LadiesRun Wien

29. August (5km)

# Kleine Zeitung Graz Marathon

10. Oktober (5km - 42.2km)

# 2-B Rucksacklauf Schöckl

26. Oktober

SPORTaktiv

43

www.hikimus.at


LAUFEN IST DAS SCHÖNSTE DER WELT,

SCHWÄRMEN GUTE LÄUFER. ABER WIE

FINDEN ANFÄNGER DIESES GEFÜHL?

WIE GELINGT DER EINSTIEG? WAS SIND

DIE HÄUFIGSTEN FEHLER? LAUFEXPERTE

MICHAEL BUCHLEITNER GIBT

SPORT AKTIV-LESERN DIE BESTEN

TIPPS FÜR DEN SAISONSTART.

VON CHRISTOPH HEIGL

ALLER

ANFANG

IST LEICHT

Michael Buchleitner sagt es mit

dem Brustton der Überzeugung:

„Laufen ist der einfachste

Sport der Welt. Das kann jeder,

selbst kleine Kinder rennen den

ganzen Tag. Nur leider hören Erwachsene irgendwann

einmal damit auf.“ Keine Sorge, der

ehemalige österreichische Spitzenläufer hält hier

kein Plädoyer für den Leistungssport, sondern

spricht jetzt zum Saisonstart als Laufcoach ganz

bewusst die Gruppe der kompletten Anfänger

an. Unsportliche, Übergewichtige, Raucher,

Menschen, die vom Arzt die unmissverständliche

Ansage bekommen haben: Tu was!

Ärztlicher Check

Wer ziemlich bei null startet, sollte seine neue Laufambition

ohnehin tunlichst mit seinem Hausarzt oder Internisten

besprechen. „Vor allem für die Gruppe der Ü40 ist das

Pflicht, wenn man nix riskieren will“, sagt Buchleitner.

Und dann? Kann es eigentlich schon losgehen. „Jeder kann

laufen“, ist der Niederösterreicher überzeugt, „man muss es

nur wollen.“ Viele können sich allein motivieren, stöpseln

sich zur Anfeuerung ihre Lieblingstracks ins Ohr und laufen

los. Buchleitner betreut bei seinen Lauftreffs auch ganze

Gruppen. Gemeinsam fällt die Motivation bei geplanten

Terminen natürlich leichter.

Fotos: iStock, KK

44 SPORTaktiv


MICHAEL

BUCHLEITNER

Der gebürtige Mödlinger war

1992, 2000 und 2004 bei Olympia

(Marathon). Seit 2004 veranstaltet

er den Wachaumarathon und

betreibt in Wien einen Laufshop.

www.runinc.at

Technik

„Davor haben viele Angst, höre ich. In der Praxis

ist das aber selten ein Problem, die Lauftechnik

ist nicht so entscheidend. Das Falscheste ist immer

noch, gar nicht zu laufen und sich seiner

Faulheit zu ergeben. Einfach losrennen, der Rest

ergibt sich von selbst.“ Und dabei erzählt Buchleitner

eine Anekdote von der ISPO in München,

wo die allerneuesten Top-Laufschuhe mit

Hightech, eingebauten Chips und Trackingfunktionen

vorgestellt wurden. „Ich denke mir da oft,

ich bin im falschen Film. Unser Ziel muss es ja

sein, die Leute abzuholen und erst einmal zum

Laufen zu bringen, dort liegt doch das Problem.“

Richtiges Tempo

Nicht zu schnell! Der häufigste Anfängerfehler, so Buchleitner, ist das zu hohe

Tempo beim Laufen. „Der Körper braucht Zeit, sich an die Bewegung zu gewöhnen.

Vielleicht ist Laufen auch gar nicht die erste Wahl. Nicht selten

empfehlen wir Untrainierten, vor allem jenen mit zu viel Gewicht auf den

Rippen, zuerst ein paar Einheiten am Rad zu machen oder beim Nordic Walking

und erst danach mit dem Laufen zu beginnen.“ Übrigens: keine falsche

Scheu! Es ist keine Schande, die ersten Einheiten nur zu gehen. „Ich gehe da

selbst oft mit“, erzählt der Laufexperte mit Marathonbestzeit von 2:12 Stunden.

„Wir gehen eine Minute, wir laufen eine Minute, wir gehen eine Minute.

Und wenn man dann bald zwei Minuten laufen kann, ist das schon ein super

Erfolgserlebnis. Und darum geht es uns doch.“

Laufschuhe

Buchleitner betont im selben

Atemzug, dass hochqualitative

Schuhe dennoch das einzig essenzielle

Ausrüstungsfeature

auch für Anfänger sein sollten.

„Ich bin ehrlich: Das beste Shirt,

die teuerste Hose und die Hightech-Socken

bringen relativ wenig.

Aber gute Laufschuhe solltest

du dir im Shop schon besorgen,

wenn du mit dem Laufen

beginnst. Bitte keine ausgelatschten

Sneakers.“

SPORTaktiv

45


DIE HÄUFIGSTEN

ANFÄNGERFEHLER

1. Faulheit. Gar nix zu tun, ist der

allerschlimmste Fehler.

2. Zu hohes Tempo. Faustregel: Man sollte

noch plaudern können.

3. Einmal ist keinmal! Regelmäßigkeiten

einführen, rund vier Stunden pro Woche.

4. Falsche Schuhe. Im Jogger und Schlabberpulli

kann man laufen, aber nicht in

schlechten Schuhen.

5. Uuups. Das Vergessen von Gymnastik

bzw. Kräftigungsübungen (Rumpf).

Timing

Wie lange sollten Einheiten zu Beginn sein?

„Bei Einsteigerkursen versuchen wir, Einheiten

von 40 bis 45 Minuten zu schaffen. Aber noch

einmal: Das können ruhig auch 20 Minuten

Gehen und 20 Minuten Laufen sein, kein Problem.

Nur: Einmal ist keinmal! Wer mit uns am

Dienstag läuft, sollte schon am Donnerstag

oder Freitag und am Sonntag noch Einheiten

dranhängen. Rund vier Stunden Training pro

Woche braucht es, um einen Effekt zu erzielen.“

Buchleitners klassische Trainingsempfehlungen

etwa bauen auf einem 12-Wochen-Plan auf,

nach dem Anfänger 60 Minuten durchlaufen

können ohne stehen zu bleiben. „Das ist unser

Ziel. Wer will, kann darauf dann die nächsten

Ziele aufbauen, etwa den 4-km-Businesslauf

mit den Arbeitskollegen zu schaffen oder 10 km

zügig zu rennen.“

6. Zu wenig Regeneration und Pause.

Jeder Körper braucht Erholung, auch der

von Untrainierten.

Motivation

Das Um und Auf. Buchleitner unterscheidet

da auch gar nicht zwischen Menschen,

die einen Laufbewerb ins Auge gefasst haben

oder nur laufen, um abzunehmen,

sich besser zu fühlen oder dem Stress des

Alltags davonzulaufen. „Lust und Spaß

muss man empfinden.“ Das ist zu Beginn

vielleicht noch einfacher. Aber selbst wenn

die Anfangseuphorie verfliegen sollte,

musst du dranbleiben. Das Ziel vor Augen

ist deine Motivation. „Gib dir für dein

Laufziel Zeit, vor allem, wenn du länger

nicht gelaufen bist“, empfiehlt der 50-Jährige.

„Ein Halbmarathon braucht ein halbes

Jahr Vorlauf, ein Marathon, wenn

überhaupt sinnvoll, zumindest ein Jahr.“

Dazwischen und rundherum liegen viele

kleine, lohnenswerte Zwischenziele.

46 SPORTaktiv


Kontrolle

Viele Anfänger und Hobbyläufer haben heute

eine Pulsuhr, für Buchleitner kein unbedingtes

Muss. „Das macht nur Sinn, wenn man eine

komplette Leistungsdiagnostik hinter sich hat.

Der Puls ist zu individuell, als dass er als einziger

Richtwert gelten kann, und er verändert

sich. Die Herzfrequenz zu beobachten, sehe

ich maximal als Selbstkontrolle, sie ist im Training

kein Steuerungselement.“ In Anfängergruppen

gilt nach wie vor die alte Faustregel

vom Plaudertempo, bei dem man sich noch

unterhalten kann und nicht in Atemnot gerät.

Alleine ist das schwierig. Aber noch einmal:

Wenn man nicht mehr kann, einfach weitergehen.

Auch das gilt als Training.

WÖRTHERSEE

HALBMARATHON

21. bis 23. August 2020

Sommergenuss und einzigartige Urlaubsstimmung

im Süden Österreichs erwartet tausende Laufbegeisterte

bei der 19. Auflage von Kärnten Läuft.

Bei 10 Bewerben von 400 m bis 21 km ist für jeden die

richtige Distanz mit dabei.

Stärkung und Regeneration

Worauf viele vergessen (siehe häufigste Fehler),

ist, genügend Zeit für Gymnastik und Kräftigungsübungen

einzuplanen. Vor allem die

Rumpfmuskulatur sollte trainiert werden. Ausreichend

Ruhetage einzulegen, erscheint für

Anfänger vielleicht hoch gegriffen, aber Buchleitner

empfiehlt das ausdrücklich. „Auch der

Körper von Untrainierten braucht Pausen. 24

bis 48 Stunden sollten zwischen den Einheiten

schon liegen.“ Auch Regenerationsmaßnahmen

sollten am Plan stehen. „Das können

auch nach dem Laufen die 15 Minuten in der

Badewanne sein.“

Anmeldung unter

www.kaerntenlaeuft.at

Wörthersee

Meine Kleine.

Meine Kleine.

SPORTaktiv 47

WO DER SPORT DIE NR. 1 IST

M


INFOS UND BUCHUNGEN:

Explorer Hotels

Entwicklungs GmbH

An der Breitach 7

D-87538 Fischen

GF: K. Leveringhaus

T. +43 55 58/20 333 445

www.explorer-hotels.com/camps

TRAILRUNNING RUND UM

DIE EXPLORER HOTELS

EINE LAGE MITTEN IN DEN

ALPEN, FRÜHSTÜCK, SPORT

SPA UND WLAN INKLUSIVE –

AB € 39,80 PRO NACHT: DIE

EXPLORER HOTELS SIND IDEAL

FÜR SPORTLER. HIGHLIGHT: DIE

TRAILRUNNINGCAMPS 2020.

Mitten in den Alpen gelegen sind

die Explorer Hotels nicht nur

die passende, sondern auch preiswerte

Location für unvergessliche Tage auf

den Trails. Die lockere Atmosphäre und

das moderne Design versprechen Urlaubsfeeling

für Entdecker. Übernachtet

wird im trendigen Design-Zimmer mit

jeder Menge Stauraum und gemütlicher

Sitznische mit Bergblick. Wer mag,

brutzelt sich am Frühstücksbuffet sein

Rührei selbst und informiert sich an den

interaktiven Touchwalls über die besten

Outdooraktivitäten. Für Entspannung

nach einem aktiven Tag am Berg sorgt

das Sport-Spa mit Sauna, Dampfbad

sowie Fitnessbereich. Unkompliziert,

trendig und sportlich übernachten: Das

kann man schon ab € 39,80 pro Person.

Mit ihrer Toplage in den Alpen haben

die mittlerweile neun Explorer Hotels

für Trailrunner viel zu bieten. Passend

dazu gibt es die Trailrunningcamps.

Du läufst in Begleitung eines erfahrenen

Profis und verbesserst deine Technik.

Bei allen vier Camps ist für jede Könnerstufe

das Richtige dabei.

Den Auftakt bildet im April das

Camp mit Johannes Klein in Oberstdorf,

im Mai folgt das Camp für erfahrenere

Läufer mit Philipp Reiter rund

um das Explorer Hotel Berchtesgaden.

Im Juli lautet das Motto: „Girls only“

beim Trailrunningcamp mit Florian

Reiter im Explorer Hotel Hinterstoder.

Der Abschluss findet im September

mit Johannes Klein im Explorer Hotel

Neuschwanstein statt.

PACKAGE-TIPP

Explorer-

Trailrunningcamps 2020

• 2 Übernachtungen im trendigen

Design-Zimmer (Fr.–So.)

• 2 x vitales Frühstücksbuffet

• 2 x Abendessen

• Sport-Spa mit Sauna,

Dampfbad, Infrarotkabine,

Fitnessraum und Ruhebereich

• 2,5 Tage geführte Läufe,

Techniktraining und

Theorieeinheiten mit Profis

ab € 329,– p. P.

Mehr Infos unter

www.explorer-hotels.com/camps

Fotos: Explorer Hotels

48 SPORTaktiv


DAS GEHEIMNIS VON

„FASCIAL RUNNING“,

TEIL II: NACH DER

VORBEREITUNG DER

BINDEGEWEBSSTRUK-

TUREN AUF DEN

ENERGIESPARENDEN

FASZIENLAUFSTIL IN

UNSERER LETZTEN

AUSGABE GEHT ES

MIT DEM EXPERTEN

MARKUS STRINI

DIESMAL AUF DIE

LAUFSTRECKE.

VON CHRISTOF DOMENIG

FOTOS: THOMAS POLZER

SO LÄUFT ES

ur Erinnerung: Ein „faszialer“

Laufstil funktioniert

nur, wenn das Bindegewebsgeflecht,

also die Faszien,

entsprechend trainiert sind: Das haben

wir euch in der letzten Ausgabe

mit dem Faszientrainings-Experten

Markus Strini gezeigt und gleich

passende Übungsbeispiele geliefert.

„Nach jeder Laufeinheit dehnen

oder mit der Faszienrolle arbeiten“,

empfiehlt Strini. Wer die Story nicht

gesehen oder nicht mehr im Kopf

hat: Im E-Paper ist sie nachzulesen

auf magazin.sportaktiv.com (Ausgabe

Nr. 6 2019/20, ab Seite 46). Ein

Kernsatz daraus: Ein gut trainiertes

Fasziengewebe – im Mittelpunkt

steht die Achillessehne – lässt sich

im Laufen vorspannen wie eine Feder,

die gespannt wird, oder ein Bogen,

der einen Pfeil abfeuert. Die

gespeicherte Energie wird dann

beim Abdruck freigesetzt und in

Vortrieb umgewandelt.

Die körperlichen Voraussetzungen

sind aber nur die eine Seite. Diesmal

wollen wir euch mit Markus Strini

zeigen, wie man das fasziale Laufen

tatsächlich auf die Straße bringt. Die

Bildfolge oben zeigt den annähernd

idealen Laufstil dafür, biomechanisch

zerlegt in vier Phasen, wie sie

die Sportwissenschaft verwendet. In

der rechten Spalte die Erklärung

dazu und wie die Faszienstrukturen

in jeder Phase mitwirken.

Wer übers fasziale Laufen spricht,

muss aber auch über Laufschuhe

sprechen. Unsere gedämpften Laufschuhe

sind wesentlich mitverantwortlich

für den bremsenden Fer-

50 SPORTaktiv


DER IDEALE LAUFSTIL

Das Technikleitbild des Laufens lässt sich in vier Phasen

zerlegen. Worauf es ankommt, was die Bindegewebsstrukturen

im Körper jeweils leisten und warum der Laufstil

wichtig für das energiesparende fasziale Laufen ist:

1. VORDERE SCHWUNGPHASE

Das Stützbein (hier: das linke) befindet sich unter dem

Körperschwerpunkt. Hüfte, Knie und Sprunggelenk des

Schwungbeins (das rechte) sind gebeugt, was die Vorspannung

in der stärksten und größten Sehne, der Achillessehne,

ermöglicht. Die Vorspannung setzt sich über

Wade, Oberschenkelrückseite und Gesäßmuskulatur bis

hinauf in den Rücken fort. Wie der Bogen, der gespannt

wird, bereit den Pfeil abzufeuern.

„FASZIAL“

senlaufstil: Barfuß läuft jeder automatisch

vorfußlastiger. Andererseits verkraftet das

dauerhafte Vorfußlaufen heute kaum ein

menschlicher Körper, schon gar nicht der

von mäßig trainierten Hobbysportlern.

Der Hype um „Natural Running“- Schuhe

vor einigen Jahren ist nicht umsonst wieder

abgeflaut. Experte Strini empfiehlt zum

Laufschuh: „Er sollte nicht zu viel Sprengung

haben: 4 bis 8 mm Höhenunterschied

zwischen Vorfuß und Ferse sind ideal.“

Der Wert ist bei jedem Laufschuh angegeben.

„Zweitens sollte der Schuh nicht

zu viel Torsionsteifigkeit haben“ – Strinis

2. VORDERE STÜTZPHASE

Die Phase beginnt mit dem Bodenkontakt des Fußes. Das

Aufsetzen soll unter dem Körperschwerpunkt, direkt unter

der Hüftachse, und möglichst mit dem ganzen Fuß erfolgen

(man spricht – anatomisch nicht korrekt – vom „Mittelfuß“,

im Bild: der rechte). Wer wie viele Freizeitläufer

mit der Ferse aufsetzt, muss den Körper energieraubend

gegen die Erdanziehungskraft über den eigenen Schwerpunkt

hieven. Reines Vorfußlaufen wäre besser: Markus

Strini würde aber niemandem raten, auf einen echten Vorfuß-Laufstil

umzustellen: „Da sind die Probleme vorprogrammiert“.

3. HINTERE STÜTZPHASE

Diese Phase reicht vom Verlassen der ausbalancierten

Mittellinie bis zum Verlassen des Bodens. Hüfte, Knie,

Sprunggelenk (im Bild wieder: des rechten Beins) gehen

in eine starke Streckung über und profitieren von der zuvor

erwähnten faszialen Vorspannung, die Vorspannungsenergie

wird in Vortrieb umgewandelt. Der Pfeil wird

sozusagen abgefeuert. Die Hüftstreckung setzt Beweglichkeit

voraus und gelingt nur, wenn Muskeln und Faszien

entsprechend trainiert sind.

4. HINTERE SCHWUNGPHASE

In der Rückholphase wird das Knie stark gebeugt, der Fuß

kommt somit nach oben. Durch die ausgeprägte Beugung

des Knies kann in der ersten Phase wieder ein ausgerpägter

Kniehub gelingen. Generell gilt: Schleicht sich in einer

der Phasen ein Fehler ein, wirkt sich dieser immer auch

auf das Bewegungsbild der Folgephasen aus.

SPORTaktiv

51


MARKUS STRINI

aus MARKUS Lebring (St), STRINI 45, Ex-Triathlonprofi, ist Fitness-,

Triathlon- aus Lebring und (St), Schwimmtrainer 45, Ex-Triathlonprofi, und betreibt ist Fitness-, den

Outdoor-Fitnessclub Triathlon- und Schwimmtrainer „Club your und way“. betreibt Vordenker

und Outdoor-Fitnessclub Pionier im Faszientraining. „Club your way“. Vordenker

und Pionier im Faszientraining.

Beatrix Baumgartner, Markus Strini: „Faszientraining

Beatrix Baumgartner, Outdoor“, Trias-Verlag Markus Strini: 2018. „Faszientraining

www.clubyourway.at

Outdoor“, Trias-Verlag 2018.

www.clubyourway.at

1. DIFFERENZIERUNG

Um zu spüren, welchen Unterschied ein guter Laufstil überhaupt ausmacht,

ist die „Differenzierung“ eine gute Methode. Heißt: bewusst falsch zu laufen

und nach einigen Sekunden in einen korrekten Stil überzuwechseln. Das

funktioniert zum Beispiel mit den Armen in Innenrotation (linkes Bild) genauso

wie mit der Kopfhaltung, indem man in die Luft schaut oder den Kopf nach vor

beugt, und dann langsam aufrichtet. Bei allen Übungen gilt als Empfehlung:

Bei möglichst jedem Lauftraining unterschiedliche Lauf-ABC und/oder Differenzierungsübungen

einbauen – egal, ob vor, während oder nach dem Laufen.

2. SPRUNGLAUF

BERGAUF

Dafür sucht man sich ein deutlich

geneigtes Bergaufstück (ca. 10

Prozent Steigung sollten es schon

sein). Vorfuß-Aufsatz, Abdruck,

Kniehub und Hüftstreckung werden

beim Bergauf-Sprunglauf

ganz automatisch in Richtung des

idealen Laufstils entwickelt. Nach

rund 20 Metern in einen kurzen

Sprint übergehen. Ebenfalls effektiv

und wertvoll für den Laufstil:

hügelabwärts sprinten.

Tipp dazu: Schuhe im Shop in die

Hand nehmen und versuchen, sie um

die Mittelachse zu verdrehen. So bekommt

man ein Gefühl für relativ

steife und relativ bewegliche Schuhe.

Drittens: Zu gestützten Schuhen nur

greifen, wenn sie nach einer professionellen

Laufanalyse empfohlen wurden.

Zurück zum Laufstil: „Einfach seinen

Laufstil ‚künstlich‘ zu verändern,

funktioniert nicht“, sagt Markus Strini.

Wer versucht, einfach den Fußaufsatz,

Hüftstreckung oder Kniehub bewusst

zu ändern, verfällt unweigerlich

in alte Muster zurück, sobald man

nicht mehr daran denkt. So einfach

lässt sich unser Gehirn nämlich nicht

umprogrammieren.

Was stattdessen funktioniert, ist eine

Verbesserung mittels Lauf-ABC-

Übungen. Dieses altbekannte Übungsrepertoire

(wie Skipping, Kniehebelauf

etc.) gilt auch hier. Ein paar weniger

bekannte Varianten, die besonders das

fasziale Laufen unterstützen, zeigen

wir euch auf dieser Seite.

Schließlich und endlich gilt auch:

Möglichst viel Abwechslung ist im

Laufen gefragt. „Beobachtet euch

selbst: Sobald die Schritte schwer und

laut werden, ist es an der Zeit, eine

Variation einzubringen“, sagt Strini.

Das kann eine der gezeigten Übungen

sein, aber auch die Schrittlänge betreffen.

Besonders gut wirken auch

Gehpausen bei längeren Läufen: Die

Faszienstrukturen ermüden nämlich,

können sich aber sehr rasch (30 Sekunden

bis 1 Minute Pause reichen

dafür) erholen und sind dann wieder

belastbarer.

52 SPORTaktiv


3. ÜBERSTEIGEN BERGAUF

Bei Ermüdung knicken viele Freizeitläufer als Erstes

in der Hüfte ein. Mit dem Übersteigen auf einem ansteigenden

Straßenstück kräftigt man die Hüftstabilisatoren.

Anders als im Flachen zwingt das Bergauf-Übersteigen

in die korrekte Endstreckung, eine

schlampige Ausführung wird verhindert.

MASTERS-WM WIEDER IM STUBAITAL

Im Rahmen des Schickeralmlaufes geht es am 4. und

5. September um Berglauf-Gold der Mastersklassen.

TIROL. Am 5. September messen sich die besten Bergläufer

der Welt beim Schlickeralmlauf des SV Telfes im Stubaital.

Eröffnung, Kinderläufe, Benefiz- und Wiesenrun finden

schon am 4. September statt. Nach zwei Berglauf-Weltmeisterschaften

(1990, 1996), einer EM (2009) sowie einer

Masters-WM im Jahr 2014 ist der Zuschlag für die 20.

Masters-WM wieder nach Telfes gegangen. Distanzen: 7,5

km (786 hm) und 11,5 km (1100 hm). Teilnahmeberechtigt

bei der WM sind LäuferInnen ab dem 35. Lebensjahr.

www.schlickeralmlauf.com

Foto: TVB Stubai/Schlickeralmlauf

4. STIEGENLAUF

Treppen ins Lauftraining einzubauen macht Spaß und ist für

die Lauftechnik höchst effektiv. Auch dabei gibt es Varianten:

Nimmt man drei Stufen auf einmal, ist der Effekt ähnlich

wie beim Sprunglauf bergauf. Wer jede Stufe mitnimmt,

fokussiert den Fußaufsatz, den Kniehub und verbessert sich

koordinativ.

ZIEL IST EIN „REKORD AN HERZLICHKEIT“

Der 14. Halbmarathon Hall-Wattens in Tirol steht

traditionell unter dem Motto „Hart, aber herzlich.“

6. JUNI. Es geht nicht nur um sportliche Höchstleistungen:

„Wir möchten einen Rekord an Herzlichkeit aufstellen“,

geben die Veranstalter des Halbmarathons Hall-Wattens

als Motto aus. Ob Halbmarathon, Volks- oder Staffellauf,

Kinder- oder Zwergerllauf: Die Laufbegeisterten erwarten

tolle Impressionen. Die abwechslungsreiche Strecke führt

von der historischen Haller Altstadt nach Absam, den Inn

entlang nach Wattens und zurück – durch idyllische Dörfer,

über Feldwege und Steige und auch ein paar Höhenmeter.

www.halbmarathon-hall-wattens.at

Foto: Halbmarathon Hall-Wattens/Gerhard Flatscher

SPORTaktiv

53


Buchstaben für ein Halleluja. RFID – dahinter

versteckt sich die Technologie von Zeitnehmungen,

wie wir sie von Lauf-, Rad- und Triathlonwettkämpfen

her kennen. „Radio Frequency Identification“,

löst Helmut Wöllik, anerkannter Zeitnehmungsexperte

und Sporttelematiker an der FH

Kärnten in Klagenfurt auf. Auf Deutsch: Identifizierung

mithilfe elektromagnetischer Wellen. Wöllik

und sein Team haben Software geschrieben für viele

Zeitnehmer und auch selbst eine eigene Zeitnehmung

aufgebaut.

Antennenschirme, Router, Switches, Netzteile,

RJ45-Adapter. Das ist die Welt von Helmut Wöllik,

Sporttelematiker an der FH Kärnten in Klagenfurt

und ausgewiesener Experte für Zeitnehmung. Mit

seinem Team hat er für viele Anbieter die Auswertesysteme

entwickelt und irgendwann auch selbst

eine Zeitnehmung aufgebaut mit Chips, Antennen

und eben jenen oben erwähnten Dingen. Mit zumindest

4 und maximal 15 Leuten kürt er bei Triathlons,

Radrennen, Marathons und Co. Sieger und

Platzierte. „Denn ohne Zeitnehmung wäre eine Reihung

im Sinne der Wettkampfbedingungen nicht

möglich“, sagt Wöllik.

Stromkabel und WLAN-Verbindungen braucht er,

dazu Sensoren, die die Chips der Läufer erkennen

und die Zeit nehmen. Waren früher die Champion-

Chips, die man auf die Laufschuhe geschnürt hat,

das Maß aller Dinge, so werden Einmal-Chips mittlerweile

längst auch auf der Startnummer getragen.

Fotos: Thomas Polzer

54 SPORTaktiv


Helmut Wöllik in seinem

Reich und mit Chips, Relais,

Switches und Netzteilen.

Entweder ganz dünn und kaum merklich aufgeklebt

oder ein wenig dicker in Schaumstoff verpackt. „Damit

Schweiß und Regen die Funktion nicht beeinträchtigen

können.“

Apropos Chips. Da unterscheidet man zwischen

passiven und aktiven. „Passive haben keine Batterie

und bekommen die Energie, wenn man an der Zeitnehmungsstation

durch das Magnetfeld läuft“, erklärt

Wöllik. Der Vorteil: Sie werden direkt auf die

Startnummer geklebt, sind somit einfach in der Abwicklung

weil man sie nicht extra austeilen und nach

dem Rennen wieder einsammeln muss. Vor allem

aber sind sie günstig. Weniger als 50 Cent kostet so

ein Chip. „Wenn man sie zu Tausenden bestellt wie

etwa für einen großen Marathon mit 10-, 20-,

30.000 Teilnehmern kosten sie vielleicht kaum 10

Cent pro Stück.“ Der Nachteil: Sie brauchen etwas

länger um aktiviert zu werden, der Streifen, in dem

die Zeit gemessen wird, ist also oft ein, zwei Meter

breit. Das kennt man von den Zeitnehmungsmatten.

„Hundertprozentig präzise sind sie also nicht.“

Aktive Chips wiederum sind extrem präzise. „Weil

sie eine Batterie haben, die sich kurz vor der Station

blitzschnell aktiviert, kann man die Zeit innerhalb

weniger Zentimeter bei der Ziellinie zuordnen.“ Dafür

sind die Chips dicker und werden entweder auf

den Schuhen oder um die Fesseln geschnallt getragen.

Und sie sind wesentlich teurer.

Die Entwicklung wird auf beiden Sektoren übrigens

noch vorangetrieben. Bei den passiven Chips

geht es darum, sie nicht nur präziser und noch günstiger

zu machen, sondern auch robuster gegenüber

Umwelteinflüssen. Bei Massenveranstaltungen wie

großen Marathons führt an ihnen kein Weg vorbei.

„Weil man schlichtweg nicht genügend Helfer bekommt

um 30- oder 40.000 Chips auszugeben und

wieder einzusammeln“, sagt Wöllik.

Bei den aktiven Chips gibt es mehrere Varianten.

„Durch die fortschreitende Miniaturisierung werden

auch diese Chips immer kleiner werden. Man könnte

sie also auch in Sportuhren integrieren und Vitalparameter

mitmessen. Das Problem dabei ist, dass

nicht alle Uhrenhersteller dieselbe Software verwenden.“

Chance auf Durchsetzung also sehr gering.

„Immer wieder fragen mich Veranstalter und Zeitnehmer

auch, ob es nicht möglich wäre, die Teilnehmer

auf der ganzen Strecke live zu tracken.“ Das ist

prinzipiell auf verschiedene Arten möglich. Mithilfe

des Global Positioning Services GPS zum Beispiel,

wie wir es von Navigationsgeräten im Auto oder von

den modernen Sportuhren kennen. „Aber das

braucht noch mehr Energie als ein herkömmlicher

DER ZEIT

AUF DER SPUR

WIE FUNKTIONIERT EIGENTLICH DIE ZEITNEHMUNG BEI EINEM

LAUF-BEWERB? WAS LÄUFT DA IM HINTERGRUND, WENN WIR LAUFEN?

DIESER FRAGE SIND WIR NACHGEGANGEN. IN THEORIE UND PRAXIS.

VON KLAUS MOLIDOR

SPORTaktiv

55


aktiver Chip“, sagt Wöllik. „Auch Mobilfunknetze

wären möglich. Nur sind die bei einer

großen Zahl an Teilnehmern und Zuschauern

dann auch potenziell zu schnell ausgelastet.“

Eine korrekte Messung ist damit dann nicht

zu garantieren.

Wöllik und sein Team der FH forschen aber

an einer neuen Möglichkeit: 5G. „Ich denke,

dass wir da im Moment die Einzigen sind.“

Die neue Technologie, die gerade erst flächendeckend

verbreitet wird, braucht weniger

Energie. „Und hat eine extrem hohe Prozessrate,

kann damit also in sehr kurzer Zeit eine

Unmenge an Daten übertragen. Es wird nicht

mehr heuer passieren, aber dass es kommen

wird, ist sicher, weil die 5G-Technik genau auf

das ausgelegt ist und man eine Unmenge an

Dingen auslesen kann, wenn man will“, sagt

Wöllik. Am Ende ist es eine Preisfrage. Veranstalter,

die nur eine Ergebnisliste haben wollen,

werden nicht das ganze Schnickschnack

kaufen. „Aber wenn etwa große Veranstalter

wie Ironman oder Challenge darum konkurrieren,

wer das bessere Service hat, dann wird

vielleicht der eine sagen: Bei mir gibt es dies

oder jenes noch dazu.“ Man kann den Teilnehmer

dann auf jeder Stelle der Strecke verfolgen.

„Und der Veranstalter hat eine Vielzahl

von Möglichkeiten, wie er die Zuschauer unterhalten

kann, weil er den Rennverlauf von

einer Stelle aus immer live verfolgen kann“,

blickt Wöllik in die Zukunft. Das hat auch

Vorteile für die Organisation. Dadurch kann

man Streckenquerungen besser ermöglichen,

wenn man sieht, dass etwa nach einer Gruppe

von Läufern ein größeres Loch kommt und

vielleicht minutenlang kein Teilnehmer um

die Ecke biegen wird. „Bei Triathlons kann

man auf der Radstrecke auch das verbotene

Windschattenfahren besser kontrollieren.“

Was nicht passieren wird, ist das Auslagern

der Zeitnehmung auf Handys oder Sportuhren.

„Das ist ein netter Versuch, wird aber

scheitern, weil man nicht davon ausgehen

kann, dass jeder das korrekt handhabt. Beim

Handy hat nicht jeder die gleiche Software.

Bei den Uhren ist das Problem, dass nicht jeder

die hat, die der Veranstalter verwendet.

Eine zweite Uhr wird sich keiner für ein Rennen

kaufen.“

Aktive Chips, passive Chips, 5G-Technik,

Datenautobahn. Rund um die Laufevents tut

sich also sehr viel. Nur laufen müsst ihr noch

selbst.

AUS DEM

LEBEN EINES

ZEITNEHMERS

Die Afrikaner haben die Zeit, die Europäer haben

die Uhr“, lautet ein alter Spruch. Auch

wenn das natürlich im übertragenen Sinne gemeint

ist – Jürgen Smrz ist einer, der die Uhr hat.

Der Laufveranstalter hat irgendwann mit seinen Geschäftspartnern

Ralph Zimmermann und Gregor

Goldmann beschlossen, auch die Sache mit der Zeitnehmung

selbst in die Hand zu nehmen. Nicht mit

Stoppuhr freilich, sondern mit einer modernen Anlage.

Solche Systeme gibt es mittlerweile einfach zu

kaufen, zwei große Anbieter dominieren da den

Markt: Race result und mylaps – von dort haben nahezu

alles großen Timing-Anbieter ihre Systeme. Ob

das jetzt mit Chips am Schuh, am Fußgelenk oder in

der Startnummer gemessen wird. „Ab rund 4000

Euro ist man dabei“, sagt Smrz. Dafür gibt es eine

Matte, das Steuergerät und die Software.

Aufgestellt ist das Ganze ruckzuck. „Es kommt darauf

an, wie komplex die Veranstaltung ist, aber bei

einem Straßenlauf, bei dem Start gleich Ziel ist und

man keine Zwischenzeit hat, ist das in wenigen Minuten

aufgebaut“, erzählt Smrz aus der Praxis. Vor

drei Jahren hat er sich mit Time Now Sports zeitlich

unabhängig gemacht. „Zu Aufbau und Betreuung

eines Events reichen ein bis zwei Leute aus.“ Das

System arbeitet mit Akku, bei „normalen“ Läufen ist

also nicht einmal Strom notwendig. Auch eine Internetverbindung

ist nicht zwingend. „Man kann dann

Fotos: Leo Hagen

56 SPORTaktiv


So schnell

gehts: Jürgen

Smrz

(Bildmitte)

von Time

Now Sports

mit seinen

Kollegen

Gregor

Goldmann

und Ralph

Zimmermann

beim

Aufbau

ihrer Zeitnehmung

LAUFERLEBNIS IM

WELTKULTURERBE

halt die Ergebnisse nicht direkt ins Netz stellen, sondern

muss Ergebnislisten ausdrucken.“ Meist sind

Netzwerke aber ohnehin vorhanden. Was die Abwicklung

massiv erleichtert: die Einmalchips, die auf

die Startnummer geklebt werden. „Die kann man

beim Systemanbieter gleich direkt mitbestellen.“

Ganz ohne technisches Know-how geht es aber

nicht. „Man muss die Software dann schon noch anpassen,

weil man ja meistens verschiendene Altersklassen

hat sowie getrennte Wertungen für Frauen

und Männer, Staffel, Teams und so weiter“, sagt

Smrz. Dafür gibt es aber beim Systemanbieter kostenpflichtige

Workshops.

Wie schnell so eine Zeitnehmung heute aufgebaut

und in Betrieb genommen wird, hat er selbst erlebt.

„Bei einem Bewerb ist der Zeitnehmer nicht aufgetaucht.

Also hab ich eine Stunde vor dem Start meine

Geschäftspartner angerufen, einer ist ins Lager

gefahren und hat das Equipment geholt, der andere

war zwar ebenfalls bei einem Event im Einsatz, hat

aber schnell ein paar Kleinigkeiten programmiert

und das System, das natürlich dasselbe wie unseres

ist, freigeschaltet. Mit einer halben Stunde Verzögerung

konnte der Lauf dann durchgeführt werden.“

ANMELDEN

UND

MITLAUFEN

23. Wachau

MARATHON

Jetzt registrieren unter www.wachaumarathon.com

27. September 2020


DER MOND SCHAUT ZU

JESOLO AN DER ITALIENISCHEN ADRIA FEIERT

AM 16. MAI DAS 10-JÄHRIGE JUBILÄUM SEINES

„MOONLIGHT HALFMARATHON“.

ONLINE-

ANMELDUNG

www.moonlight

halfmarathon.it

Jesolo kennt man für seine langen

weißen Strände, das große Hotelangebot

und viele weitere Attraktionen.

Eine davon ist der Moonlight

Halfmarathon, der am 16. Mai zum

zehnten Mal über die Bühne geht. Der

Event wird vom selben Team wie der

Venedigmarathon organisiert, richtet

sich jedoch an etwas genussorientiertere

Sportler. Neben der 21-Kilometer-Strecke

steht auch ein 10-km-Bewerb sowie

ein 4 km langer Familienlauf auf dem

Programm.

Wie der Name des Laufes schon

verrät, wird bei Sonnenuntergang

gestartet und das Rennen endet unter

Mondlicht und Sternenhimmel. Die

Strecke ist schnell und flach, Meer,

Strand und Pinienwälder bilden die

Kulisse. Es geht am Lungomare entlang,

die aus den Strandbars dringende

Musik ist neben dem Mondlicht der

Begleiter. Auf den letzten Kilometern

kann man im Vorbeilaufen die Stimmung

des tolle Nachtlebens von Jesolo

aufsaugen – und sich nach dem Rennen

in dieses stürzen. Oder man trifft

sich bei der Moonlight Beach Party.

Ein Detail noch, dass Läufer mit Italien-Erfahrung

schätzen werden: Ausländische

Starter brauchen ab sofort

kein medizinisches Attest mehr für die

Rennteilnahme.

Fotos: Jesolo Moonlight Halfmarathon

58 SPORTaktiv


FIT MIT SUMI

Foto: Thomas Polzer

DIE ZEIT

WAR REIF

CHRISTOPH

SUMANN

war als Biathlet

viele Jahre

Weltklasse

und ist jetzt

leidenschaftlicher

Freizeitsportler.

Zeit hat in meinem Leben sehr lange eine

große Rolle gespielt. Beim Biathlon kommt

es ja oft auf Sekundenbruchteile an. Zwei

Erlebnisse mit der Zeit bzw. der Zeitnehmung

sind mir aber besonders in Erinnerung geblieben.

Bei Olympia 2010 in Vancouver bin ich nach

dem Sprint als 12. in die Verfolgung gestartet.

Dort gibt es drei Startkorridore, in denen die

Läufer nach ihren jeweiligen Rückständen auf

den Ersten ins Rennen gehen. Normalerweise

hält dich da ein Ordner an der Schulter und lässt

dich erst los, wenn du starten darfst. Das war

dort nicht so, die waren ein bissl überfordert. Vor

mir sind ein Kanadier und ein Amerikaner gestartet

und mir ist das schon komisch vorgekommen.

Ich wollte schon los, da ruft der Schwede

Björn Ferry zu mir rüber: „Wart, da stimmt was

nicht.“ Wir warten also, schauen noch einmal

und laufen dann korrekt weg. Die beiden Herren

vor uns wurden übrigens disqualifiziert. Björn

Ferry ist Olympiasieger geworden, ich hab Silber

geholt. . . Wenn wir uns heute über den Weg

laufen, sag ich immer: „Hey, du weißt schon,

dass du schuld bist, dass ich nur Zweiter geworden

bin.“ Und er antwortet: „Hey, du weißt

schon, dass du nur wegen mir Zweiter geworden

bist.“

Später ist mir noch einmal eine lustige Geschichte

passiert, beim Weltcup-Finale in Chanty-Mansijsk

in Russland. Ich bin als Vierter hinter

Arnd Peiffer, Ole-Einar Björndalen und Emil

Hegle Svendsen weg. Nach ein, zwei Minuten

springen Ordner auf die Loipe und halten uns

auf. Die Zeitnehmung hat nicht ausgelöst. Wir

lachen, laufen retour. Arnd Peiffer hat sich aber

nicht aufhalten lassen, ist eine Runde volles Rohr

gelaufen und hat ziemlich gestaunt, als er ins

Stadion zum Schießstand kommt und alle noch

warten. Er hatte dann fünf Minuten Zeit sich

zu erholen, war im Rennen dann aber natürlich

chancenlos.

8 TAGE

3 LÄNDER

2 LÄUFER

1 TRAUM

2 ETAPPEN

29 — 30/08/2020

255 KM

16.498 HM

#SPEEDUP

#TAR2020

#TARFAMILY

TRANSALPINE-RUN.COM


VON DER

RENN S

BIS EIN NEUER LAUFSCHUH IM REGAL

STEHT, IST LANGE ENTWICKLUNGS-

ARBEIT NÖTIG. UM DIE ZU BESCHLEU-

NIGEN, SETZEN DIE HERSTELLER AUCH

AUF DIE ERFAHRUNG, DEN SPEED UND

DIE EXPERTISE VON PROFISPORTLERN.

WAS SIE SO WERTVOLL MACHT UND

WARUM DER MENSCH EINFACH DURCH

NICHTS ZU ERSETZEN IST.

VON KLAUS MOLIDOR

Fotos: On-Running, Salomon

60 SPORTaktiv


Es geht doch wirklich nichts über

unsere Spezies, den Homo sapiens,

sprich den guten alten Mensch. Auch

wenn die OSZE die düstere Prognose

stellt, dass es viele Jobs in rund 40

Jahren nicht mehr geben wird, weil

die Arbeit von Computern oder Robotern verrichtet

wird. Bei der Entwicklung von Laufschuhen

kann der Mensch einfach immer noch nicht

vollständig ersetzt werden. Das Gefühl, wie ein

Schuh abrollt, wie gut sich das Obermaterial an

den Fuß anschmiegt oder wie gut der Grip der

Sohle bei unterschiedlichen Bedingungen ist – all

das kann der Computer nie so gut simulieren,

wie es ein Mensch spüren kann.

Und schon gar nicht wie ein Athlet, ein Spitzensportler,

für den der Laufschuh Trainingsund

Arbeitsgerät ist, Lebensgrundlage und Mittel

zum Erfolg. Also bauen Laufschuhmarken

ihre Spitzensportler auch immer in die Entwicklung

neuer Schuhe ein. On setzt auf die Erfahrung

von olympiagestählten Läufern wie Chris

Thompson und Andy Vernon (groß im Bild),

Salomon-Testläufer beim Blindtest verschiedener Schuhe.

Das Feedback wird dann schriftlich festgehalten.

beide aus Großbritannien und auf der Langstrecke

beheimatet. Beide haben am neuen Cloudflow

mitgearbeitet, Ons Brot-und-Butter-Modell

sozusagen. Die Herausforderung: Der

Schuh sollte Athleten schneller machen und zugleich

auch für Normalverbraucher komfortabel

und angenehm zu laufen sein.

TRECKE

INS

REGAL

SPORTaktiv

61


JETZT

ANMELDEN

www.beatthecity.at

Vor dem Praxistest macht Salomon digitale Simulationen.

„Da geht es um Materialien, Abmischungen und

Geometrien“, sagt Sascha Stöfelmayer von Salomon.

Für Gefühl und Langlebigkeit sind dann die Testläufer

(oben) immer noch unersetzlich.

10

HINDER-

NISSE

15

20. JUNI 2020 23. MAI 2020

19. SEPT. 2020

Auch die traildominierte Palette

von Salomon entsteht in Zusammenarbeit

mit Athleten wie Ultraläufer

Kilian Jornet oder der heimischen

Traillegende Markus Kröll.

„Ein Athlet simuliert in kürzester

Zeit, was der ‚normale‘ Läufer über einen

längeren Zeitraum erlebt“, sagt

Dina Tageldin, bei On in der Abteilung

Forschung und Entwicklung tätig.

„Parameter wie die Eigenschaften

gewisser Materialien bei schnellem

Tempo lassen sich am besten durch

Athleten testen. Auch wenn es um die

Erholung geht, geben uns Leute wie

Chris oder Andy wichtiges Feedback,

da schlichtweg ihre Umfänge höher

sind.“ Diese Erkentnisse sind für On

essenziell. „Weil es uns neben der

Leistungsoptimierung auch um die

Verletzungsprävention geht. Und dort

spielt die Erholung eine große Rolle.“

Gerade am Anfang geben Athleten

die gesamte Erfahrung weiter. Vom

ersten Hineinschlüpfen und Schnüren,

vom Gefühl im Stand über Passform,

Abdruck, Landung bis hin zur

Abrollbewegung. „Wir bei On fragen

auch immer, wie sich der Schuh in einer

bestimmten Laufphase anfühlt.

Das Gefühl ist bei uns immer elementar“,

sagt Tageldin.

Salomon hat mit der S/LAB-Serie

sogar eine spezielle Linie für Athleten.

„Diese Schuhe werden auf die

speziellen Bedürfnisse bzw. Vorlieben

der Sportler maßgeschneidert“, sagt

Salomon-Produktmanager Sascha

Stöfelmayer. Um ihn nicht nur für

Kilian Jornet laufbar zu machen,

werden dann Details wie Sprengung

und Fit sanft abgeändert, ohne das

Grundkonzept des Schuhs zu verändern.“

Vor einem Test werden die Läufer

übrigens kaum instruiert. „Sie wissen

selbst am besten, was bei diversen

Schuhen ausschlaggebend ist – vom

maximalen Komfort bei Ultra Races

bis zu höchstem Grip und wenig Ge-

Fotos: ON-Running, Salomon


DAS GEFÜHL

IST BEI UNS

IMMER

ELEMENTAR.

wicht bei Vertical Races“, sagt Stöfelmayer.

Bei On läuft das ähnlich, wie Tageldin

erklärt. „Beim ersten Mal gibt

es keine Instruktionen – die Athleten

sollen sich ganz auf ihr Gefühl konzentrieren

können. Erst beim Feintuning

bitten wir sie, den Fokus auf

einen bestimmten Aspekt zu legen.“

Natürlich gibt es bei allen Herstellern

auch immer eine möglichst breite

Testerpalette.

Gewisse Dinge

können aber ausschließlich

Athleten

rückmelden. „Sie

können zum Beispiel

die Langlebigkeit

eines Schuhs

auf die Probe stellen“,

sagt Sascha

Stöfelmayer von Salomon.

Einen besonders wertvollen

Aspekt sieht Dina Tageldin aus der

On-Entwicklung. „Athleten haben

ein sehr ausgeprägtes Körperbewusstsein

und können genau identifizieren,

was kleine Veränderungen am

Schuh für eine Auswirkung auf den

gesamten Körper haben. Außerdem

erreichen sie Geschwindigkeiten, bei

denen das Material richtig gefordert

wird. Das gibt uns wichtige Rückschlüsse

für die Entwicklung.“

Die Erkentnisse der Sportler werden

dann meist auch sehr schnell umgesetzt

– was die Entwicklungszeit natürlich

verkürzt. Salomon stellt die

Prototypen im eigenen DesignCenter

im französischen Annecy her. „Kleinere

Adaptierungen werden dann

prompt nach den Testläufen umgesetzt“,

erklärt Sascha Stöfelmayer.

Bei den verwendeten Materialien

wiederum ist der Input der Athleten

gering. „Die Auswahl ist sehr komplex.

Die perfekte Materialkomposition

und Form zu finden ist der Knackpunkt,

den Athleten nicht ‚erfühlen‘

können“, sagt Dina Tageldin. „Dazu

braucht es jahrelange Erfahrung in der

Laufschuhentwicklung.“

Salomon

wählt gewisse Materialien

im Voraus

aus, die zuvor auf

Langlebigkeit, Verarbeitung

und Umweltverträglichkeit

getestet werden.

Spitzensportler

haben immer das

Ziel, Leistung und Komfort zu verbessern

und können in kurzer Zeit

viele Kilometer mit Prototypen abspulen.

Das macht ihre Rückmeldungen

für Hersteller so interessant.

Dabei kann es aber schon sein, dass

sie den Bogen ein wenig überspannen.

Chris Thompson hat das beim

neuen Cloudflow von On getan. Er

wollte das Speedboard, das bei On

die Zwischensohle ersetzt, steifer und

steifer machen, um so noch mehr

Rebound beim Abdruck zu erzeugen

und noch schneller laufen zu können.

Das Resultat: Ein Schuh, der

sich fast nicht mehr biegen ließ. „Das

war dann sogar mir zu hart“, musste

sich Thompson eingestehen.

Das aktive

Mädels-

Wochenende

in Zell am

See-Kaprun!

29.-31. MAI 2020

+ Trailrunning

+ Burning Balance & Yoga

+ Wellness

+ Ernährung

+ Verwöhnprogramm

Im On-Lab

in Zürich

wird das

Feedback in

die Entwicklung

neuer

Schuhe eingearbeitet.

#womenstrail

#girlsweekend

#zellamseekaprun

womens-trail.com


SALOMON SONIC 3

CONFIDENCE W

• Vibrationsdämpfung durch Optivibe

• optimierte Vorwärtsbewegung durch eine

Geometric-Decoupling-Achse

• perfekte Passform durch den SensiFit-Schaft

PREIS (UVP): € 140,–

www.salomon.com

STABIL

SCHUHE

VOLLE DÄMPFUNG, VOLLER KOMFORT,

OPTIMAL FÜR BESONDERS LANGE LÄUFE.

361 NEMESIS M

• die ausgezeichnete und getestete Platform

mit integrierter Stütze bietet sicheren und

stabilen Halt des Fußes

• Quikfoam-Innensohle sorgt für noch mehr

Komfort

• die stabile EVA-Basis mit verlängerter

Innenfußstütze bietet eine stabile und

sichere Plattform

PREIS (UVP): € 134,99

https://361europe.com/de

BROOKS TRANSCEND 7

• supersofte Dämpfung

• GuideRails®, ein ganzheitliches

Support-System

• Plush-Fit

PREIS (UVP): € 170,–

www.brooksrunning.com

ON CLOUDACE W

• maximaler Support und

Dämpfung für längere Läufe

• Testläufer loben den

herausragenden Komfort

• besonders beliebt bei

anspruchsvollen Läufern

PREIS (UVP): € 199,95

www.on-running.com

Fotos: Hersteller

64 SPORTaktiv


SCOTT SUPERTRAC 2 W

• durchgehende Sohle aus Gummi

• All-Terrain-Traction-Sohle

• Aerofoam+

• nahtlose Konstruktion

• anatomisch geformte Lasche

PREIS (UVP): € 129,95

www.scott-sports.com

HOKA ONE ONE ARAHI 4 M

• mit der J-Frame-Stabilitäts-Technologie

von HOKA bietet er Unterstützung

und Agilität

• mit dem völlig neuen und

vereinfachten Obermaterial ist er

leicht und schlank

• Läufer profitieren von der

schnellen Unterstützung

und der erhöhten

Atmungsaktivität

PREIS (UVP): € 140,–

www.hokaoneone.eu

ASICS GT 2000 8 W

• mit einer aktualisierten GEL-Dämpfung

und einer weicheren Schaumeinlage

im Fersenbereich

• die leichte FLYTEFOAM-Technologie

der Mittelsohle sorgt zusätzlich für eine

weiche Landung nach jedem Schritt

PREIS (UVP): € 140,–

www.asics.com/de

VOLLE UNTER-

STÜTZUNG

ADIDAS SOLARBOOST ST M

• Tailored-Fibre-Placement: die

direkt auf den Schuh aufgenähte

Verstärkung sorgt für

mehr Stabilität im Mittelfußbereich

• Dual-Density-Boost-

Zwischensohle: sorgt mit höherer

Dichte an der Fußinnenseite

für mehr Stabilität und

einen reaktionsfreudigen Lauf

• Solar-Propulsion-Rail: stabilisiert

und führt den Fuß

PREIS (UVP): € 159,99

www.adidas.at

Der große Stabilschuhboom ist vorbei,

aber noch immer gibt es genügend

Läufer, die ein solches Modell benötigen,

die sogenannten „starken Überpronierer“.

Sie haben meist ein schwaches

Fußgewölbe, wodurch das Bein

nach dem Aufprall des Fußes deutlich

nach innen knickt. Wer nicht sicher

ist, ob er zur Überpronation neigt – es

gibt einen einfachen „Selbsttest“: auf

ein Bein stellen und in die Knie gehen.

Bewegt sich das Knie nach innen,

zeugt das von Überpronation. Ob du

dann tatsächlich einen Stabilschuh

brauchst, hängt von der Stärke der

Pronation ab und gehört professionell

überprüft. Umso wichtiger ist

eine qualitativ hochwertige Beratung

im Sporthandel. Stabilschuhe bieten

Komfort auf langen Strecken, die

gute Dämpfung lässt die Muskulatur

langsamer ermüden.

SPORTaktiv

65


NEUTRAL

SCHUHE

BEQUEM ZU LAUFEN, MIT GUTER DÄMPFUNG UND

TROTZDEM LEICHTER ALS STABILSCHUHE.

SCOTT KINABALU M

• Versatile-Traction-Sohle

• Technologie: Traction-Rubber

• eRIDE

• nahtlose Konstruktion

• anatomisch geformte Lasche

PREIS (UVP): € 139,95

www.scott-sports.com

ASICS GEL-NIMBUS 22 M

• sorgt für angemessenen Komfort und

Schutz beim Laufen

• ist mit GEL-Dämpfung und einer weicheren

Schaumeinlage im Fersenbereich

ausgestattet

• das leichte und innovative Mesh-Obermaterial

begünstigt die Atmungsaktivität

PREIS (UVP): € 180,–

www.asics.com

SALOMON SONIC 3 ACCELERATE W

• leichter Trainingsschuh

• „Optivibe“ reduziert Vibrationen und

damit die Muskelermüdung

• Geometric-Decoupling-Achse fördert

eine schnelle Vorwärtsbewegung

• SensiFit legt sich wie ein

Handschuh um den Fuß

PREIS (UVP): € 140,–

www.salomon.com

361 MERAKI 3 M

• dynamischer Neutralschuh

• Ortholite-Sohle aus 20 Prozent recycelbarem

Material sorgt für Komfort und Feedback

• Obermaterial aus nahtlosem Mesh, für eine

bessere und angenehmere Passform

• Morphit im Innneren des Mittelfußbereichs

sorgt für Halt

PREIS (UVP): € 134,99

https://361europe.com/de

Fotos: Hersteller

66 SPORTaktiv


ON CLOUDFLOW W

• leichter und voll gedämpfter Schuh für

schnelle Trainingsläufe und Wettkampf

• hoher Komfort ab dem ersten Schritt

• die 18 Cloud-Elemente und der Helion-Superfoam

verwandeln Aufprallenergie

in Temposchub

PREIS (UVP): € 149,95

www.on-running.com

SALMING SPEED 8 W

• federleicht undt trotzdem supergedämpft

• spezieller Temposchuh für schnelle

Trainingsstrecken und Wettkämpfe

• Natural-Running-Support-System für

eine natürliche Lauftechnik

• Flexibilität und Agilität bei geringem

Gewicht

PREIS (UVP): € 139,–

www.naturalrunning.at

NEUTRAL UND

KOMFORTABEL

Neutralschuhe sind die Gewinner der

letzten Jahre. Früher wurden die meisten

Laufschuhe in der Stabilschuhkategorie

verkauft. Jetzt ist das Verhältnis zwischen

neutralen und stabilen Schuhen ungefähr

ausgeglichen. Die früher gängige Lehrmeinung,

Stabilschuhe würden Verletzungen

vorbeugen, hat sich in vielen Fällen als

nicht richtig herausgestellt. Viele Läufer,

denen früher zu einem Stabilschuh geraten

wurde, sind heute mit einem neutralen

Modell besser bedient.

Neutrale Schuhe sind heute außerdem

selbst stabiler als noch vor ein paar Jahren.

Also sind die Neutralschuhe mittlerweile

echte „Bestseller“. Weil sie bequem zu laufen

sind, eine gute Dämpfung haben und

dennoch leichter sind als stark gestützte

Modelle.

SAUCONY KINVARA 11 M

• leicht, schnell &

unkompliziert

• neues Dämpfungsmaterial

„PWRRUN“ sorgt für eine

ideale Kombination aus

reaktiver Dämpfung mit

direktem Abdruck

und Flexibilität

• neues Formfit-System –

für optimale Passform

und Halt

• flexible Außensohle

PREIS (UVP): € 135,–

www.saucony.de

BROOKS LEVITATE 3 M

• DNA-AMP-Mittelsohlentechnologie für superdynamische

Dämpfung und höchste

Energierückführung

• eine pfeilförmige Außensohle sorgt für schnelles

Abrollen

• neue gestaltetes gestricktes Obermaterial sorgt

für einen sicheren, sockenartigen Sitz

PREIS (UVP): € 170,–

www.brooksrunning.com

SPORTaktiv

67


I BELIEVE I CAN

68 SPORTaktivFLY


EIN „UNTYPISCHER, VERRÜCKTER WEG“ –

SO BESCHREIBT PETER HERZOG SELBST SEINE

SPEKTAKULÄRE LEISTUNGSEXPLOSION UND

DIE REISE VOM SAALFELDENER HOBBYLÄUFER

ZUM OLYMPIASTARTER IN JAPAN.

ÜBRIGENS: ER KANN FLIEGEN.

VON CHRISTOPH HEIGL

Fotos: Gepa Pictures (2), Facebook/Herzog

Ein Trainingsplan aus dem Internet?

Das klingt nach „Bikinifigur

in 3 Wochen“ und „Abnehmen

ohne Hungern“ oder

„Sixpack mit Netflix“. Das

muss man im Hinterkopf haben, wenn

man die Geschichte von Peter Herzog

verfolgt. Tatsächlich mit Trainingsplänen

aus dem Internet zog der Hobbyläufer

aus Saalfelden bzw. Leogang los und

mischte die heimische Laufszene auf.

Zunächst noch gänzlich ohne Plan lief

er seinen ersten echten Marathon in

München bereits in 2:39 Stunden. „Ja,

wenn das so einfach geht, will ich die

2:30 knacken und dann lass ich es wieder“,

erzählt Herzog mit einem Lachen.

Mit einem Vier-Wochen-Internet-Trainingsplan

rennt er in Wien 2016 tatsächlich

2:30, lässt es aber nicht dabei

bleiben. Der Salzburger saugt sich den

nächsten Trainingsplan aus dem Netz,

diesmal schon mit geradezu generöser

Drei-Monats-Einteilung und rast damit

in Frankfurt mit 2:21 ins Ziel. Spätestens

jetzt nehmen der Verband und

Rest österreich von Herzog, eigentlich

Nachwuchstrainer im Skigymnasium

Saalfelden, Notiz. „Da bin ich bei der

Halbmarathon-Staatsmeisterschaft

schon mit Valentin Pfeil mitgelaufen.

Lustig, keiner hat mich gekannt“, grinst

der 32-Jährige.

Also, wer ist dieser Peter Herzog?

Ein sportliches Ausdauer-Multitalent,

möchte man meinen. Herzog machte in

Jugendjahren Langlauf und Biathlon

und war Klassenkollege des späteres Biathlonweltmeisters

Dominik Landertinger,

eine Freundschaft, die heute noch

hält und motiviert. Mit zehn Jahren war

eine zusätzliche Faszination ausgebrochen:

Bike ­Trial, das Manövrieren und

Springen mit einem Rad auf und über

künstliche Hindernisse ohne abzusteigen.

Herzog war sehr talentiert, holte

mit dem Trial-Bike bei der Junioren-WM

Bronze. „Parallel dazu habe ich

immer Ausdauer gemacht. Ich wusste,

ich habe Talent und konnte locker mit

den besten Läufern bei uns mithalten.“

Dann kippte er Hals über Kopf und sehr

intensiv in den Triathlonsport, war beim

Radfahren und Laufen schnell bei den

Besten, nur das Schwimmen hat nicht

funktioniert. „Ich bin geschwommen

wie eine Werkzeugkiste und stieg immer

mit acht, zehn Minuten Rückstand aus

dem Wasser.“ Von heute auf morgen beendete

er seine Triathlonambition,

machte die Abendmatura und monatelang

keinen Sport. Doch er spürte etwas,

„das Sportlerblut in mir“, und ging bald

wieder zwei- oder dreimal pro Woche

laufen, ganz easy. Bis ihn ein Freund

fragte, ob er ihn als Ironman-Vorbereitung

zu einem Marathon begleitet. Her­

Sensationelles EM-Bronze für Österreich:

Christian Steinhammer, Lemawork Ketema,

Peter Herzog (von links).

SPORTaktiv

69


zog sagte zu und galoppierte unvorbereitet

in München mit seinem Bekannten

in 3:24 über die Ziellinie. „Mir hat alles

wehgetan, aber das Laufen durch die

Stadt und die Emotionen im Feld und

im Publikum haben echt Spaß gemacht.“

Das Feuer hatte ihn wieder gepackt.

Als er krank den Silversterlauf in

Innsbruck als Zweiter finishte, zog er sich

eine schwere Herzbeutelentzündung zu

und musste abermals aufhören. „Ich

konnte keine 30 Minuten laufen“, erinnert

er sich. Herzog rappelte sich hoch,

wurde gesund und startete in München

mit den 2:39 nun endgültig seine rasante

Reise durch die österreichische Laufszene.

PETER HERZOG

geboren am 1. August 1987,

aus Leogang bzw. Saalfelden

Verein: Union Salzburg LA

Marathon-Bestzeit: 2:10:57 Stunden

Halbmarathon-Bestzeit: 1:03:22 Stunden

Größte Erfolge: 10. Platz bei der EM 2018

und Bronze in der Nationenwertung,

Startplatz für Olympia 2020 in Tokio

(Marathon am 9. August in Sapporo).

Das Potenzial optimiert

2018 beim Vienna City Marathon

(2:16) holte er sich das Ticket für die

Europameisterschaft und einen Platz im

Nationalteam. Die EM wurde zur Sternstunde:

Der Pinzgauer lief in 2:15 Stunden

neuen Salzburger Landesrekord und

auf Rang zehn. Mit Lemawork Ketema

(2:13) und Christian Steinhammer

(2:20) holte Österreich überraschend

EM-Bronze in der Teamwertung. Herzog

war bis dahin berufstätig, beendete

nun aber seine Arbeit im Gymnasium,

wurde Profi als Heeressportler in Hochfilzen

und bekam wertvolle Partner und

Sponsoren. „Diese Chance kriegst du

nur einmal“, wusste er. Ab 2019 wurde

noch einmal alles optimiert, „denn ich

hatte mein Potenzial noch lange nicht

abgerufen.“ Ernährung, Höhentraining,

Gewichtsoptimierung, vor allem die Regeneration

wurden wichtiger und damit

hat man eine weitere Leistungsexplosion

eingeleitet, „die selbst für mich nicht

vorstellbar war“. Er trommelte 2019 in

Berlin die 42 km in 2:10:57 herunter –

Rang drei in der ewigen Bestenliste Österreichs

und das Ticket für Olympia

2020. Fast wie ein Traum, aber Herzogs

Reise ist noch nicht zu Ende. „Ich werde

immer mehr und mehr zum Marathonläufer

und bin gemessen an Laufjahren

noch jung und unverbraucht. Ich kann

noch was drauflegen“, sagt der 32-Jährige.

Wohl nicht bei Olympia, da gibt es

keine Pacemaker und zu viel Trödeltaktik

am Beginn, aber 2021 will er seine

Bestzeit noch einmal verbessern.

Unverbraucht scheint auch sein Zugang

zum Laufsport. Der Hobbyläufer

steckt noch in ihm. „Klar macht es nicht

immer Spaß, wenn du 200 km in der

Woche trainierst, aber ich laufe, weil es

mich wie früher befreit und mir Freude

bereitet. Dieses Gefühl, wenn du richtig

schnell läufst, das ist wie Fliegen. Das ist

mega.“ Dass seine Leistungsexplosion

(und sein nordischer Background) einigen

verdächtig vorkommt, wischt er weg

und geht in die Offensive. „Ja, eigentlich

ist das eine klassische Dopingkarriere.

Aber ich bin halt als Spätzünder eingestiegen

und kann erst nach und nach

mein Potenzial abrufen. Ein untypischer,

verrückter Weg.“

Dabei kämpft er als ungelernter Läufer

ohne Grundlaufschule auch mit der

Technik. Hauptaugenmerk ist eine Ökonomisierung

seines Laufstils. „Noch brauche

ich zu viel Energie, weil ich zu kraftvoll

laufe. Ich muss sehr bewusst laufen,

damit es sich rund anfühlt. Die Schrittfrequenz

haben wir schon um fünf, sechs

Schritte pro Minuten steigern können.

Klingt wenig, ist bei einem Marathon

aber sehr viel.“ Seine frühere Anfälligkeit

für Krankheiten nach Wettbewerben hat

man nun gut im Griff. Auch, weil Herzog

nicht mehr zwischen Schneehaufen auf

der selbst freigeräumten Laufbahn in

Saalfelden trainieren muss, sondern sich

in Trainingslagern in Portugal auf Olympia

vorbereitet. „Schnee und Eis machen

starke Beine“, grinst der Überflieger,

„aber für die Schnelligkeit brauchst du

andere Einheiten.“

70 SPORTaktiv


Pionier der E-Mobilität.

bis zu 449 km Reichweite * 660 km Reichweite * 311 km Reichweite *

E-Mobilität für alle.

Hyundai bietet die breiteste Produktpalette im Bereich der E-Mobilität an und nimmt damit eine Vorreiterrolle bei alternativen Antrieben in Österreich ein.

Erleben Sie die neuen Hyundai Eco-Modelle mit innovativen Assistenzsytemen, futuristischem Design und überzeugender Reichweite bei 0g CO2-Ausstoß

– inklusive 5 Jahre Fahrzeuggarantie OHNE Kilometerbegrenzung sowie 8 Jahre / oder bis zu 200.000 km Hochvolt-Batterie-Garantie°.

KONA Elektro

Erster Lifestyle Elektro-SUV mit

enormer Reichweite und 0g CO2-Ausstoß!

jetzt ab € 38.190,–

#laufenmithyundai

Hyundai ist stolzer Mobilitätspartner.

NEXO 1

Brennstoffzellen-SUV auf

höchstem Niveau mit 0g CO2-Ausstoß!

IONIQ Elektro

Überzeugt mit schickem Design

und 0g CO2-Ausstoß!

jetzt ab € 35.690,–

Als Mobilitätspartner wird Hyundai eine ganze Reihe an bedeutenden Laufveranstaltungen in Österreich unterstützen.

Weiter und schneller – und das Ganze klimafreundlich.

Das sind die Parallelen, die Hyundai in der Rolle als Mobilitätspartner sieht. Mit den Modellen IONIQ, KONA Elektro und NEXO ist Hyundai schon

heute Pionier im Bereich der Elektromobilität und bietet als einzige Automarke weltweit alle umweltfreundlichen Antriebsarten bereits heute in Serienfahrzeugen

an.

Marathonsport ist nachhaltig und das passt perfekt zu uns.

Hyundai erzielt mit seinen elektrisch betriebenen Fahrzeugen Top-Reichweiten. Unser Motto zur Marathon-Partnerschaft lautet:

Laufen auch Sie weiter als die anderen.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche und nachhaltige Partnerschaft!

Mag. Roland Punzengruber

Geschäftsführer von Hyundai Österreich

Hyundai freut sich auch besonders,

Peter Herzog als Markenbotschafter für die Aktivitäten

im Laufsport gewonnen zu haben:

„Ich bin stolz, dass Hyundai mich auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 als Mobilitätspartner begleitet. Als Markenbotschafter

für die #laufenmithyundai Kampagne in Österreich freue ich mich, meine Dynamik und Erfahrung als Olympionike im

Marathon-Sport zu teilen“, kommentiert Peter Herzog bei der Vertragsunterzeichnung.

° Die 8-Jahres-Garantie gilt nur auf die Hochvolt-Batterie oder bis zu 200.000 km (modellabhängig). Die Hyundai 5 Jahres-Neuwagengarantie ohne Kilometerbegrenzung gilt nur für jene Hyundai-Fahrzeuge, welche als Neufahrzeug ursprünglich von einem autorisierten Hyundai-Vertragshändler mit Sitz im Europäischen

Wirtschaftsraum (EWR) oder der Schweiz an Endkunden verkauft wurden. Details und Bedingungen zur Hyundai-Neuwagengarantie finden Sie im Garantie- und Serviceheft des Fahrzeuges. Die 5 Jahres-Neuwagengarantie ohne Kilometerbegrenzung gilt nicht für die Fahrzeugmodelle Starex, H-1 und H350.

1) Um einen strukturierten Vertriebsprozess gewährleisten zu können, wird der neue Hyundai NEXO nur im Direktvertrieb über die Hyundai Import GmbH verkauft. Unsere Zielgruppe sind dabei ausschließlich Firmenkunden, die einen direkten/ indirekten Bezug zum Thema Wasserstoff haben und somit den Rollout der Wasserstofftechnologie

in Österreich nachhaltig mitentwickeln. Preise/Aktionen gültig solange der Vorrat reicht bzw. bis auf Widerruf bei allen teilnehmenden Hyundai-Partnern, inkl. Hersteller- und Händlerbeteiligung. Symbolabbildung. Satz- und Druckfehler vorbehalten. * Alle Reichweitenangaben nach WLTP. Reichweitenangabe

beim KONA Elektro bezieht sich auf die Version mit 64 kWh Akkumulator.

Preise/Aktion gültig solange der Vorrat reicht bzw. bis auf Widerruf bei allen teilnehmenden Hyundai-Partnern, inkl. Hersteller- und Händlerbeteiligung. Symbolabbildung. Satz- und Druckfehler vorbehalten.


THOMAS VERHOUNIK

LINDERT SCHMERZEN,

LÖST BLOCKADEN,

KNETET MUSKELN UND

HAT ERFAHRUNG MIT

AMERIKANISCHEN

GEISTERSTÄDTEN. UND

GEWÄHRT UNS EINEN

EINBLICK IN DAS

LEBEN ALS MARATHON-

MASSEUR.

VON KLAUS MOLIDOR

MUSKEL-MANN

MEETS MARATHON

Jeder Läufer erzählt eine Geschichte.

Viele, während sie bei

Thomas Verhounik auf dem

Tisch liegen, einige schon, mit

der Art, wie sie sich auf den Tisch legen.

Verhounik ist Sportwissenschafter und

Heilmasseur und oft genug erkennt er

schon an der Stellung der Füße und

Beine, dass der Läufer da vor ihm seine

angepeilte Zeit nicht erreichen wird.

„Man sieht zum Beispiel, wenn ein Fuß

ganz weit nach außen gedreht ist, dass

er zu viel Spannung in der Gesäßmuskulatur

hat. Wenn beide Beine scheinbar

unterschiedlich in der Länge sind,

könnte sich eine muskuläre Dysbalance

verstärken.“ So spricht jemand, der

Abertausende Läuferwadeln gesehen

und geknetet hat, vor, während und

nach einem Marathon. Viele Jahre hat

Thomas Verhounik im Rahmen des

Graz Marathons verhärtete Muskeln

weich gemacht, stundenlang massiert.

Dabei wäre alles fast ganz anders gekommen.

Als Sanitäter beim Bundesheer

in der zweiten Hälfte der 1980er-

Jahre hat er gemerkt, dass er ein Händchen

für kleinere und größere Wehwehchen

der Rekruten und Berufssoldaten

hat, weil die Leute immer öfter zu ihm

gekommen sind. „Da hab ich mir gedacht

– so falsch kann das nicht sein,

was ich da mach.“

Also stapfte er zur Wirtschaftskammer

um sich zu erkundigen, wie man

Masseur wird. „Die haben mich ausgelacht

und gesagt, dass das doch kein Beruf

ist“, erinnert er sich. Über eine

Freundin seiner Mutter ist er dann auf

ein privates Institut gestoßen, an dem er

die Ausbildung zum Masseur machen

konnte. Bald danach wechselte er die

Studienrichtung von BWL „auf das, was

ich eh immer machen wollte, nämlich

Sportwissenschaften.“ Massagejobs hal-

Fotos: Thomas Polzer, Graz Marathon

72 SPORTaktiv


Thomas

Verhounik

(großes Bild)

macht müde

Beine wieder

munter. Beim

Graz-Marathon

knetet eine

Heerschar von

Masseuren

der Kneipp-

Akademie.

fen ihm dabei, das Studium zu finanzieren

und sich nebenbei auf dem Sektor

der Massage weiterzubilden.

Zum Laufen ist er dann über den

Turnverein USA Graz gekommen, in

dem er Mitglied ist. „Marian Erker hat

damals mit einem Team am 24-Stunden-Lauf

in Wörschach teilnehmen

wollen, da hab ich mich angeboten, die

Läufer zu massieren.“ 1992 folgt dann

ein Highlight, der Trans-America-Lauf

von Helmut Linzbichler. 5000 Kilometer

von Los Angeles nach New York hat

der in der Szene bekannte Dauerläufer

heruntergespult, mit Thomas Verhounik

im Betreuerteam. „Das Fernsehen hat

uns begleitet. Unvergessen, wie wir in

einer Geisterstadt irgendwo im Niemandsland

nachts die Massagebank aufgestellt

haben.“ Ebenfalls in bleibender

Erinnerung: der Badwater-Ultramarathon

im amerikanischen Death Valley,

bei dem er den Schweizer Milan Milanovic

betreut hat. „Von 0 auf 4400 Meter

und wieder retour, bei Temperaturen

zwischen 5 und 50 Grad“, erinnert sich

Verhounik an die insgesamt 500 km

lange Strecke mit dem Mount Whitney

als Höhepunkt.

Später hatte er auch öfters eine Massagestation

an der Marathonstrecke.

„Dort kann man einem Läufer das

Durchkommen schon noch retten.“

Eine Beobachtung hat Verhounik dabei

gemacht. „Wer eine Zielzeit zwischen

drei und dreieinhalb Stunden anpeilt,

der lässt sich unterwegs nicht massieren,

wenn er Probleme bekommt, sondern

hört auf. Über vier Stunden dagegen

geht es den Läufern zwar auch um eine

Zeit, vor allem aber darum ins Ziel zu

kommen.“

Eine Massage kann aber auch vor einem

Bewerb sinnvoll sein. „Zum einen,

wenn Läufer eine lange Anreise haben,

ist es einen Tag davor sinnvoll, den Körper

einmal zu entspannen“, sagt Verhounik.

„Zum anderen kann man mit

Massage aber auch den Muskeltonus

heben, was für den Wettkampf gut ist.“

Vor allem aber hat er nach dem Marathon

unzähligen Leuten kraft seiner

Hände und seines Könnens eine ruhige

Nacht beschert, weil ihnen die 15, 20

Minuten Massage Hüftschmerzen,

Wadenkrämpfe und Co. erspart haben.

Optimal ist so eine Behandlung übrigens

nicht gleich nach Ende der Belastung.

„Zuerst sollte man die Kohlenhydratspeicher

wieder auffüllen, das hilft in

der Regeneration schon. Dann duschen,

locker bewegen und zwei, drei Stunden

danach zur Massage“, erklärt er. „Weil

direkt nach der Anstrengung tun sich

die Muskeln mit der Entspannung

schwer.“ Neben dem körperlichen Effekt

kommt auch der mentale dazu. „Sich

selbst etwas Gutes zu tun, hilft in der

Erholung ja auch“, sagt Verhounik. Viele

Läufer erzählen dann vom Lauf, von

ihren Schmerzen oder einfach von alltäglichen

Dingen. Darum sind die drei,

vier Stunden, die Thomas Verhounik am

Massagetisch steht und seine Hände

sprechen lässt auch keine Anstrengung

für ihn. „Es ist immer interessant und

abwechslungsreich. Ich mag das.“

Denn er kann sich oft in die Lage des

Massierten hineinversetzen. „Fünf, sechs

Marathons bin ich selbst gerannt“, erzählt

er. Im Wettkampf, aber auch für

sich alleine, zum Spaß. In der Natur im

Norden von Graz. Was der Läufer gerade

braucht, hart oder zart, ob klassische

Massage, Triggerpunktbehandlung oder

Faszientechniken, das muss ihm aber

keiner erzählen. „Ein guter Masseur

muss erkennen, was der Läufer braucht,

ohne dass der es weiß“, sagt Verhounik.

SPORTaktiv

73


ADRENALIN IM

LUXEMBURGER

LICHTERMEER

Zum 15. Mal steigt am 23.

Mai der ING Night Marathon

Luxembourg. Die abwechslungsreiche

und mit reichlich

Höhenmetern anspruchsvolle

Strecke führt durch enge

Altstadtgassen, hinab in ein

imposantes Flusstal und hinauf

in das moderne Banken- und

EU-Viertel. Der Marathon beginnt

um 19 Uhr und zieht sich

in die Nacht hinein, was einen

echten Adrenalinschub mitten

im Luxemburger Lichtermeer

garantiert. Denn im „Leo Light

Village“ durchqueren die Läufer

ein Spalier aus Lampions,

Fackeln und Lichtformationen.

Neben dem klassischen

Marathon gibt es einen Team-

Run, einen Halbmarathon und

Bewerbe für Rollstuhlfahrer

und Kinder.

www.ing-night-marathon.lu

Foto: ING Night Marathon/Norbert Wilhelmi

74 SPORTaktiv


SPORTaktiv

75


GRAN

FINAL

Joshua Cheptegei aus Uganda

brauchte 26:38 Minuten für

die 10.000 Meter: Récord

mundial! Ich hab mir rund

eine halbe Stunde mehr Zeit

gelassen: Um Eindrücke zu sammeln,

vor allem aber, um das Privileg, am 1.

Adventsonntag mit 32.000 anderen Läufern

bei milden 20 Grad durch die weihnachtsdekorierte

drittgrößte spanische

Stadt zu laufen, auszukosten.

Privileg auch deshalb, weil der Event

seit Langem ausverkauft war: Von den

32.000 aus aller Welt liefen 25.000 den

DAS BESTE

KAM ZUM

SCHLUSS

vollen Marathon, die restlichen 7000

waren 10-Kilometer-Läufer. Beide Starterfelder

waren streng limitiert; der

Halbmarathon in Valencia findet als eigener

Event im Oktober statt. Das muss

man zunächst wissen, wenn man die

Starterzahl mit den heimischen Citymarathons

vergleicht, wo ja die „echten“

Marathonläufer nur eine Minderheit

sind. 2020, wenn der Valencia-Marathon

dann zum 40. Mal stattfindet, wird auch

der 10K nicht mehr ausgetragen. Stattdessen

werden 30.000 ausschließlich den

ganzen Marathon in Angriff nehmen.

EIN RENNEN GELAUFEN

ZU SEIN, BEI DEM

DER SIEGER IN WELT-

REKORDZEIT DIE ZIELLINIE

ÜBERQUERT, DÜRFTE EIN

„ONCE-IN-A-LIFETIME-

ERLEBNIS“ SEIN. MIR

IST DAS AM 1. DEZEM-

BER PASSIERT, BEIM

„10K“ IM RAHMEN DES

VALENCIA-MARATHONS.

EIN EVENT, DER ABER VIEL

MEHR ZU BIETEN HAT

ALS NUR EIN SCHNELLES

PFLASTER.

VON CHRISTOF DOMENIG

Fotos: Fundacion Valencia Trinidad Alfonso

76 SPORTaktiv


Joshua Cheptegei

nach seinem

10-km-Weltrekord.

Im großen Bild

das „Ziel überm

Wasser“.

Neben einer schnellen Strecke (Marathonsiegerzeit

heuer: 2:03:52, drei Frauen

liefen unter 2:18 Stunden) ist in Valencia

auch das Eventgelände hervorzuheben:

Prädikat äußerst sehenswert. Um

es zu beschreiben, muss man ein bisschen

ausholen: Der Rio Turia hat einst

in der 800.000-Einwohner-Stadt immer

wieder für schwere Überschwemmungen

gesorgt, bis der Fluss in den

1960er-Jahren umgeleitet wurde. Im alten

Flussbett wurde nach langem Tauziehen

(auch eine Stadtautobahn war im

Gespräch) dann eine herrliche Grünanlage

angelegt. Am östlichen Ende des

Turia Parks wurde schließlich ab den

1990er Jahren die „Cietat de les Arts i

les Ciencies“ (CAC), zu Deutsch: „Stadt

der Künste und der Wissenschaften“ gebaut.

Die kunstvoll gestalteten mächtigen

Gebäude in Weiß und mit viel Glas

stammen vom valencianischen Starar-

chitekten Santiago Calatrava sowie von

Felix Candela, sind mit künstlichen

Wasserflächen umgeben und bilden

beim Marathon die prachtvolle Kulisse

des Start-Ziel-Bereiches.

So stand ich also am 1. Dezember

noch im Dunkeln kurzbehost im Startblock

und schaute fasziniert dem nervösen

Treiben zu. Rechtzeitig vorm Startschuss

um 8 Uhr setzte erst die Morgendämmerung

ein und von bombastischer

Musik begleitet, setzten sich kurz

darauf 32.000 Beinpaare in Bewegung.

Was heißt Gänsehaut auf Valencianisch

(der zweiten offiziellen Sprache neben

Spanisch in der autonomen Gemeinschaft)?

25.000 auf der rechten Straßenhälfte,

7000 auf der linken. Die Felder

teilen sich kurz nach der Startlinie endgültig,

weil die Marathonmeute zuerst

in Richtung Hafen unterwegs ist und

erst am Ende auf die Strecke durch die

Altstadt einbiegt, die die 10K-Läufer

2019 letztmalig laufen durften.

Obwohl nicht einmal mit dem halben

Tempo des Siegers unterwegs, vergingen

meine 10 Kilometer durch die

Altstadt dann gefühlt viel zu schnell.

Was jedoch Jäger ihrer persönlichen

Bestzeit vielleicht wissen sollten (und

was dem Vernehmen nach auch für den

ganzen Marathon gilt): Die Strecke ist,

gemessen an der Zahl der Läufer, nicht

sehr breit, das Feld dröselt sich relativ

spät auf, sodass man durchaus längere

Zeit Probleme damit haben kann, sein

eigenes Tempo zu laufen. Mir war das

jedoch völlig egal – ich freute mich

über der Stimmung, die Musikgruppen

am Straßenrand und die Anfeuerung

der Valencianer, die auch „Hintendrin

statt nur dabei“-Läufern wie mir großzügig

zuteil wurde. Die letzten Meter

vor dem Ziel gehören zu den besten

überhaupt – sagen auch erfahrene, weitgereiste

Marathonläufer: Man rennt auf

einem blauen, für den Marathon übers

Wasser gebauten Steg durch eine begeisterte

Menge. Wer da mit Scheuklappen

drübersprintet, statt Atmosphäre aufzusaugen,

bei dem geht’s wohl um den

Weltrekord.

Ja, apropos: Joshua Cheptegei konnte

sich nur sechs Wochen über seinen 10-

km-Straßen-Weltrekord freuen, am 12.

Jänner war Rhonex Kipruto aus Kenia

noch einmal 14 Sekunden schneller.

Und wo? Wieder in Valencia, lustigerweise.

Würde ich zum Saisonfinale

2020 einen vollen Marathon planen,

der 40. Maratón Valencia am 6. Dezember

mit 30.000 auf der 42,195-km-

Strecke wäre ein ganz heißer Tipp.

SPORTaktiv

77


WETTKAMPF-

SCHUHE

DIE LEICHTGEWICHTE MIT WENIG DÄMPFUNG

SIND FÜR DEN BESONDEREN TAG GEMACHT.|

ON CLOUDFLASH M

• der schnellste On-Schuh aller Zeiten – optimal für

Wettkämpfe

• Speedboard aus „Pedax“ bringt die Energie -

umwandlung auf ein neues Level

• für Athleten auf dem Sprung nach ganz oben

aufs Podium

PREIS (UVP): € 189,95

www.on-running.com

INOV8 X-TALON G 235 M

• 235 g leichter Trailrunning- Wettkampfschuh

• Graphene-Grip bietet unschlagbare Haftung und

verbesserte Haltbarkeit

• dank Precision-Fit sitzt der Schuh fest am Fuß

• zweiteilige Zunge schützt vor Eindringen

von Schmutz

PREIS (UVP): € 165,–

www.inov-8.com

ASICS GEL NOOSA TRI 12 W

• außergewöhnliche Passform

wie eine zweite Haut

• reaktives Abrollen

• Open-Mesh-Upper: optimale

Atmungsaktivität

• Flytefoam: leichtes, komfortables

und haltbares Mittelsohlmaterial

PREIS (UVP): € 140,–

www.asics.com

ADIDAS ADIZERO BOSTON 8 W

• gibt auch auf schwierigen Streckenabschnitten

ein angenehm

kühles Tragegefühl

• die reaktionsfreudige Dämpfung

gibt volle Power bei jedem

Schritt

• Obermaterial aus Air-Mesh

• sicherer Sitz

PREIS (UVP): € 139,95

www.adidas.at

Fotos: Hersteller

78 SPORTaktiv


SALOMON S/LAB SENSE 8 M

• die gemeinsam mit Topathleten entwickelte

Version des legendären

Schuhs bietet eine weichere Dämpfung

unter dem Vorderfuß und ein

neues System der Geröllableitung für

anhaltenden Komfort

• bei gleichem Trittgefühl, Präzision

und Halt läuft es sich jetzt noch

leichtfüßiger

PREIS (UVP): € 180,–

www.salomon.com

BROOKS HYPERION ELITE M

• wurde für den Wettkampf entwickelt

• superleichte DNA-ZERO-Mittelsohle

passt sich Laufschritt an und bietet

konstante Dämpfung, ohne dabei

wuchtig zu sein

• Propulsion Plate aus Carbonfasern

beschleunigt bei jedem Schritt den

der Ferse zum Vorfuß und fördert somit

die Abrollbewegung der Zehen

PREIS (UVP): € 250,–

www.brooksrunning.eu

SCOTT KINABALU RC 2.0 M

• für schnelle Läufe auf schnellen

Trails entwickelt

• Hybrid-Traction-Sohle

• Kinetic Foam

• speziell entwickelte

EVA- Zwischensohle

• nahtlose Konstruktion

• RC-Einlegesohle

PREIS (UVP): € 159,95

www.scott-sports.com

NEW BALANCE FUEL CELL

REBEL W

• das neue Leichtgewicht in der

New-Balance-Familie besticht

durch hervorragenden Grip und

extraviel Rebound

• geeignet für Wettkämpfe bis zur

Halbmarathondistanz

• überragende Rückstellfähigkeit

für extra Vortrieb beim Abdruck

PREIS (UVP): € 130,–

www.newbalance.de

DER SCHNELLE ZWEITSCHUH

100 Gramm weniger als Neutral- oder Stabilmodelle sind keine Seltenheit.

Aber Vorsicht: Die „Leichtigkeit des Seins“ hat ihren Preis – denn

sie geht auf Kosten der Dämpfung. Für den täglichen Gebrauch sind die

Schuhe nicht gemacht. Wohl aber als Zweitschuh. Auch, weil dem Fuß

dann nicht jede Arbeit abgenommen wird und man ihn so stärker macht.

Für die Auswahl des perfekten Schuhs gilt: immer die Wettkampflänge

einberechnen. Auf langen Läufen kann nämlich die fehlende Dämpfung

zu schnellerer Ermüdung der Musku latur führen, da löst sich der Gewichtsvorteil

dann in Luft auf. Das gilt sinngemäß auch für Trailwettkämpfe,

die immer beliebter werden – weshalb sich hier auch der eine

oder andere „schnelle“ Trailrunningschuh in der Vorstellung findet.

SPORTaktiv

79


LAUFEN MIT

„PLOGGING“ HEISST EINE WELTWEITE

BEWEGUNG, DIE MÜLLSAMMELN AUF

DER LAUFRUNDE

PROPAGIERT.

WARUM DAS

AUCH IN ÖSTER­

REICH LEIDER

NOTWENDIG IST,

LIESSEN WIR UNS VON DER INITIA­

TORIN DES „WELT-PLOGGING-TAGES“

ERKLÄREN. UND ES ZEIGTE AUCH

EIN SELBSTVERSUCH.

VON CHRISTOF DOMENIG

MIST­

SACKERL

80 SPORTaktiv


Impressionen von der letzten

„Plogging World“ auf der

Wiener Donauinsel. Das

Sammelergebnis gibt einen

Eindruck davon, wie viel Müll

sonst in der Landschaft lagert.

Ein Samstagmorgen in Graz.

Noch vor dem ersten Laufschritt

landet ein

Tschickstummel im mitgenommenen

Mistsackerl. Es

folgen diverse Papierln, eine

durchweichte Visitenkarte und ein undefinierbares

Verpackungsteil aus Plastik,

noch bevor ich meine Wohnsiedlung

verlasse und die erste öffentliche

Straße erreiche. Auf dieser erweist sich

der Bereich zwischen Parkplatzreihe

und Gehsteigkante als wahre Müll-

Fundgrube, zwei plattgewalzte Aludosen

sind nur die auffälligsten Fundstücke.

Damit sich zwischen den Kniebeugen

auch einmal ein paar durchgehende

Laufschritte mehr ausgehen, habe ich

schon beschlossen, die grauslichen aufgeweichten

Tschickstummel liegenzulassen.

Man hat einiges zu tun als „Plogger“.

Dabei habe ich vor wenigen Tagen beim

Telefonat mit Elizabeth Toth noch verkündet:

„Ich denke schon, dass ich nicht

völlig ignorant gegenüber ‚grünen‘ Themen

bin. Aber mir ist noch nie aufgefallen,

dass auf meiner Laufrunde viel Müll

herumliegen würde.“

Fotos: Green Heroes Austria/Adrian Almasan

Es stimmt also: dass man nur ein

wenig genauer hinschauen muss. Dann

sehe man auch, was viele Mitmenschen

einfach an Ort und Stelle „entsorgen“.

Elizabeth Toth ist Gründerin des Umweltschutzvereins

„Green Heroes“ in

Wien, hat Plogging 2018 nach Österreich

gebracht und ist auch Initiatorin

der „Plogging World“, eines Welttags

des Ploggings, der heuer am 25. April

zum zweiten Mal durchgeführt wird.

Plogging ist ein Kunstwort: eine Zusammensetzung

aus dem schwedischen

„plocka up“, was so viel wie aufheben

heißt, und Jogging. Erik Ahlström gilt

als weltweiter Begründer der Bewegung,

die über die sozialen Medien vernetzt

ist. Kurz gesagt: Plogger laufen

und sammeln dabei herumliegenden

Müll auf. Toth relativiert die Legende

rund um Erik Ahlström ein wenig: „Er

hat den Namen geprägt und Plogging

bekannt gemacht.“ Die Bewegung

selbst habe es schon vor dem Jahr 2016

gegeben, als Ahlström und der Begriff

erstmals auftauchten. Die Wienerin

selbst begann 2015 im Urlaub beim

Joggen damit, am Strand angeschwemmten

Müll einzusammeln, erzählt

sie. Wieder in Wien zurück, fiel

ihr auf, was alles auf den Straßen und

städtischen Uferböschungen herumliegt.

Sie verweist auch darauf, dass es

für viele Wanderer seit Jahrzehnten üblich

ist, Müll, der in den Bergen herumliegt,

ins Tal mitzunehmen.

2017 wollte sich Elizabeth Toth dann

dem österreichischen Team beim

„World Cleanup Day“ anschließen, einem

ebenfalls über die sozialen Medien

organisierten weltweiten Flurreinigungstag,

an dem Freiwillige in ihren

jeweiligen Heimatgemeinden herumliegenden

Müll einsammeln. Es stellte

sich heraus, dass es in Österreich noch

gar kein Team gab. Also gründete Toth

die „Green Heroes“ als Umweltschutzorganisation,

die heute nicht nur den

World Clean up Day in Österreich vertritt,

sondern auch Plogging-Laufrunden

und -Events auf die Beine stellt

und sich generell für eine lebenswerte

Umwelt engagiert.

SPORTaktiv

81


Warum überhaupt ploggen?

Natürlich stellt sich die Frage: Warum

soll man Müll im städtischen

öffentlichen Raum einsammeln,

wenn in Österreich die Müllentsorgung

und -trennung doch vergleichsweise

gut funktioniert? Und

weltweit – Stichwort Klimawandel

– sicherlich größere ökologische

Probleme zu lösen sind? Einen Teil

der Antwort lieferte mir einerseits

schon mein Plogging-Selbstversuch:

Nach 6 Kilometern war mein

Sackerl prall voll. Die Green-

Heroes-Gründerin sagt zu der Frage

aber auch: „Als Einzelner hat

man in den großen Fragen, etwa

der Dekarbonisierung, nur einen

begrenzten Einfluss. Also habe ich

mich gefragt: Was kann ich zusätzlich

zu einem bewussten Lebensstil

noch in meinem Leben ändern?

Und vor allem mit relativ einfachen

Mitteln? Handschuhe und Greifzangen

besorgen, mich mit der

MA48 in Verbindung setzen und

Flurreinigungen organisieren: Das

war leicht machbar.“

Bei den ersten Green-Heroes-

Events 2018 haben sich rund 30

Freiwillige beteiligt und der Zuspruch

stieg rasch an. Beim letzten

„World Cleanup Day“ im September

2019 sind rund 150 Personen

dem Aufruf gefolgt und sammelten

innerhalb von zwei Stunden 488

Kilogramm Müll auf der Wiener

Donauinsel. Meist sind es junge

Menschen zwischen 14 und 35, die

ploggen, sagt Toth. Die Green-

Heroes-Gründerin empfiehlt, sich

Plogging kann man in Gruppen,

bei Events, aber auch

ganz für sich allein betreiben:

Alles, was man braucht, sind

Hand schuhe und ein Sackerl.

an die Flussläufe im städtischen

Raum zu halten: nicht nur, weil an

den Uferpromenaden erfahrungsgemäß

viele Menschen unterwegs

sind, die entsprechend viel Mist

hinterlassen, sondern auch, weil der

Müll, der von Uferböschungen in

die Flüsse gelangt, sein Endlager in

den Weltmeeren findet.

Vom Buttermilchpackerl bis zur

Wodkaflasche gab die Grazer Murpromenade

auf meiner Ploggingrunde

alles Mögliche her. „Man

findet wirklich alles“, berichtet

auch Elizabeth Toth. Meistens sei

es Verpackungsmüll, der die städtischen

Wege und Grünstreifen verunstaltet

– aber auch Matratzen,

Zelte, ein Brecheisen, Unterwäsche

und vieles mehr haben die Green

Heroes bereits in der Natur eingesammelt,

getrennt und der ordnungsgemäßen

Wiederverwertung

FĒNIX ® 6 SERIE

82 SPORTaktiv

GARMIN.COM

Fotos: Green Heroes Austria/Adrian Almasan


ELIZABETH TOTH

ist Gründerin der Umweltschutzorganisation

Green Heroes

Austria und Initiatorin der

„Plogging World“ am 25. April.

www.greenheroes.at

www.ploggingworld.org

www.facebook.com/

greenheroesaustria

präsentiert von

bzw. Entsorgung zugeführt. Und nur ein Hinweis zum

verbreiteten (Irr-)Glauben, dass Österreichs Recyclingsystem

sowieso besser funktioniert als im Rest der

Welt: „Ein Verpackungspfand wie in Deutschland würde

viel helfen und ist eines der Anliegen, für die wir uns

einsetzen“, sagt Elizabeth Toth.

Noch eine Erkenntnis: Als Plogger muss man den einen

oder anderen Blick (neugierig? belustigt? anerkennend?)

aushalten. „Man wird schon immer wieder angesprochen

und die allermeisten Rückmeldungen sind positiv“,

bestätigt Toth.

Ploggen ist ganz einfach

Die Green Heroes wurden im Vorjahr übrigens mit dem

österreichischen „Green Event“-Preis ausgezeichnet:

nicht nur, weil sie die Umwelt säubern, sondern auch,

weil sie ihre Events in Hinblick auf größtmögliche

Nachhaltigkeit organisieren. In Schulen und Kindergärten

bieten Elizabeth Toth und die anderen Green Heroes

Workshops an, um die Anliegen weiterzutragen.

Wer auch ploggen möchte, der nehme also einfach ein

Mistsackerl und renne los. Oder man schließt sich am

25. April einer Gruppe bei der „Plogging World“ an.

Dieser von Österreich ausgehende Plogging-Welttag

wurde bei der Premiere im Vorjahr in über 70 Städten

und Gemeinden weltweit umgesetzt, für die zweite Auflage

am 25. April sind bereits über 110 weltweite Gemeinden

angemeldet. Wer seinen Heimatort auf der

Liste noch nicht findet, dem helfen die Green Heroes

auch, einen Event auf die Beine zu stellen. Auf

www.ploggingworld.org findet man alle Infos.

Kleine Zeitung

Graz Marathon

Der österreichische Herbstklassiker durch

die Grazer Innenstadt! Sei dabei wenn es vom

9. bis 11. Oktober 2020 heißt: „Pack die

Laufschuhe und die Shoppingtasche ein!“

Distanzen von 5 bis 42 km

Lauf-Urlaub-Packages für die ganze Familie

Knapp 10.000 Teilnehmer und tausende Zuschauer

Einzigartige Stimmung durch „Hot-Spots“

mit Musik, Tanz, u. v. m.

Infos und Anmeldung: www.grazmarathon.at

WO DER SPORT DIE NR. 1 IST


SO

MATSCH

FUN

Der Fisherman’s Friend

StrongmanRun ist zurück

und wird am 11. Juli 2020

wieder Tausende Sportbegeisterte

nach Flachau

locken. Frei nach dem Motto

„so Matsch Fun“ geht’s für

die Teilnehmer des verrücktesten

Hindernislaufs des

Landes durch zehn Tonnen

Schlamm, eiskalte Wasserduschen

oder über lebende

Hindernisse. Spaß, Sportlichkeit

und Humor sind

dabei der Weg zum Ziel.

Zwei Runden zu insgesamt

20 Kilometern und 740

Höhenmeter gilt es zu absolvieren,

gewürzt mit zehn

spannenden Hindernissen.

Wer es weniger hart will,

kann sich auf der

10-Kilometer-Challenge

austoben. Dazu gibt es ein

buntes Unterhaltungsprogramm.

strongmanrun.at

Foto: wildbild

84 SPORTaktiv


SPORTaktiv

85


FLUCHT

INS GELÄNDE

So martialisch schaut er gar

nicht aus. „Ich fresse die

Landschaft fast“, sagt Markus

Stock. „Ich sauge die Gegend

auf, die Natur.“ In diesen wenigen

Worten erklärt er die Faszination

Trailrunning. Und der 50-Jährige weiß,

wovon er spricht. Bei allen fünf Auflagen

des Großglockner Ultra-Trail ist er

gelaufen, hat zweimal auf der

50-km-Strecke gewonnen. Straßenlaufen

– das ist ihm zu fad. Im Gelände rennt

er 50, 60, 75 Kilometer, auf der Straße

hat er nicht einen Marathon absolviert.

„Zu monoton. Immer auf die Uhr

schauen, Kilometer, wieder ein Kilometer,

wieder einer.“

Die Aussagen des Dynafit-Athleten

unterstreichen den Trend zum Trail, der

seit Jahren anhält. Immer mehr grobstollige

Schuhe werden verkauft – selbst in

der Wiener Innenstadt, in der Wurzel,

Stein und Almbodenanteil bekanntlich

mehr als überschaubar sind? Zeit also,

sich dem Laufen im Gelände einmal

ausführlich zu widmen. Über eine ganze

Saison lang. Im einfacheren Gelände

und in schwierigerem, bei Wettbewerben

und Workshops, in Österreich und

im Ausland.

1ERSTE STATION

Lindkogeltrail

in Bad Vöslau

Ende März, das Flachland vor Wien klingt auf alle Fälle

einmal schaffbar, zumal man dort 10, 20 oder 30 Kilometer

laufen kann. Ich entscheide mich für die 20 Kilometer mit

knapp 1000 Höhenmetern. Das erscheint machbar, auch

wenn es so früh im Jahr doch schon sehr warm ist. Auf den

ersten Metern durch den Park und im welligen Auf und Ab

am Waldesrand geht der Blick noch oft auf die Uhr, im ersten

echten Anstieg ist dann Schluss damit. Dafür genießt

man die Luft, erfreut sich am Wegerl, das sich durch den

Wald schlängelt. Dann der harte Anstieg auf den höchsten

Punkt und die Erkenntnis: Laufen heißt hier auch gehen.

Hände auf den Oberschenkeln. Meter für Meter. Eine Frau

will sich auf’s Bankerl setzen. Sofort muntern sie andere Läufer

auf, ich spendier ihr ein Gel, weiter geht’s. Trailrunning

ist auch ein Gemeinschaftserlebnis, kein stures Schneller-Sein-Wollen

als der andere. Es ist auch abwechslungsreich.

„Nicht jeder Schritt ist gleich, das macht es auch weniger

anstrengend“, hat Markus Stock gesagt. Unterschreibe

ich – teilweise. Weil anstrengend ist es halt doch, wenn es kilometerlang

über Stufen, Wurzeln und Steine bergab geht.

Abwechslungsreich ist es allemal, weil auch die Navigation

dazukommt, du schauen musst, ob der Weg eh noch stimmt.

Fotos: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

86 SPORTaktiv


TRAILRUNNING BOOMT IMMER NOCH. WAS ABER MACHT DIE GROSSE FASZINATION

AUS? ERLIEGT MAN IHR AUCH ALS EINGEFLEISCHTER STRASSENLÄUFER?

RÜCKBLICK AUF EIN JAHR SELBSTVERSUCH ABSEITS DER STRASSEN.

VON KLAUS MOLIDOR

Der Berg ruft. Beim Großglockner-

Berglauf geht es vom Dorf über

Almen bis hinauf zum Gletscher.

SPORTaktiv

87


2ZWEITE STATION

Trailrunning-

Camp

Was ich auf dem ersten Einsatz

schmerzhaft erfahren habe: Bergab laufen

will gelernt sein. Daher passt das SPORTaktiv-Camp

im Krallerhof in Saalfelden

auch perfekt. Die erfahrenen Athleten

Markus Kröll und Sabine Kozak sorgen

nicht nur für Spaß, sondern geben wertvolle

Techniktipps und erklären, wie man

sie umsetzt. „Bergab sollte ihr nicht auf

der Ferse landen, sondern mit dem Voroder

Mittelfuß“, sagt Kröll. Denn dadurch

hat man mehr Stabilität im

Sprunggelenk und Reserven, wenn man

wegzurutschen droht. „Dann kann man

sich immer noch zurücklehnen auf die

Ferse“, erklärt Kröll. Wer schon auf der

Ferse landet und sich zum Bremsen zurücklehnt,

landet am Hintern. Außerdem

ist der andere Stil gelenksschonender, weil

man mehr natürliche Dämpfung hat.

Skeptisch. Springt hoch und landet einmal

auf der Ferse und das andere Mal auf

den Zehen. Dann ist alles klar.

Übrigens: Bei der Vor-/Mittelfußlandung

rutscht man auf losem Untergrund

in den Schritt hinein. Das ist gewöh­

nungsbedürftig, danach aber lustig. Wer

wissen will, wie sich die optimale Landung

anfühlt, läuft bergab 10, 20 Meter

rückwärts. „In diesem Stil sollte man

auch vorwärts laufen“, erklärt Sabine

Kozak. Bergauf besser kleinere Schritte

machen und zwischendurch abwechselnd

die Beine schnell anfersen. „Damit

verbessert sich der Kniehub und der

Laufstil wird runder und ökonomischer“,

sagt Kozak.

3DRITTE STATION

Großglockner

Doppelt hält besser. Darum nähere

ich mich Österreichs höchstem Berg

auch zweimal: beim Glockner-Berglauf

geht es Anfang Juli vom malerischen

Heiligenblut bis auf die Franz-Josefs­

Höhe. 13,3 Kilometer und 1400 Höhenmeter.

Beim Großglockner Ultra

Trail wähle ich den 30-km-Bewerb vom

Weissee via Kapruner Törl zu den Hochgebirgsstauseen

und runter ins Ortszentrum

von Kaprun. Der Berglauf ist teilweise

sehr steil, belohnt aber mit dem

Blick, wenn man nach einer langen Serpentinenpassage

über die Geländekante

kommt und die Pasterze und den Gipfel

sieht. Die Höhe ist nicht zu unterschätzen.

Auf über 2400 Metern wird die

Luft eben sehr dünn. Vom Ultra-Trail

zwei Wochen später bleibt das unglaubliche

Bergpanorama in bleibender Erinnerung.

Das Geröllfeld, das dich glauben

lässt auf dem Mond zu sein und das

Knacken und Donnern, wenn ein Stück

Gletscher abbricht. Trailrunning, das

wird mir am Kapruner Törl mit Blick

auf die mächtigen Stauseen bewusst, ist

so viel mehr als Laufen, als Jagd nach

der Bestzeit oder Runners High. Es ist

Abenteuer und Naturgenuss. Dass sich

das mit dem Lieblingssport vereinbaren

lässt – umso besser. Unvergessen aber

auch das Brennen in den Oberschenkeln

beim Bergablaufen. 2000 negative Hö­

henmeter – dafür fehlte mir trotz Camp

einfach die Vorbereitung. Bergablaufen

muss man unbedingt trainieren, da gibt

es keine Abkürzung, das lässt sich einfach

nicht simulieren. Die letzten vier

Kilometer laufe ich gemeinsam mit

Franz aus der Steiermark und Manfred

aus dem Ruhrgebiet. Wir sind alle vier

erledigt, wollen es aber unter sechs Stunden

schaffen. Wir motivieren uns, helfen

einander gegenseitig. Franz spendiert

Salz, ich Wasser, Manfred Apfelsaft. Gemeinsam

laufen wir nach 5:57 Stunden

über die Ziellinie. Mehr Glück war nie.

4VIERTE STATION

Garmisch-

Partenkirchen

Trailrunning ist ein Tourismusthema

geworden. Daher veranstaltet der Ort

am Fuße der Zugspitze ein eigenes 360-

Grad-Trail-Event. Canyoning, Mountainbiken,

Navigieren und natürlich

auch Laufen. Es gibt Workshops und

Vorträge, vor allem aber: regen Austausch

untereinander. Was spürbar wird:

Allenthalben wächst eine Sehnsucht

nach einem Zurück zur Natur. Zum

Morgenlauf vor Sonnenaufgang muss

ich mich zwingen, nach einer Stunde in

östlicher Richtung der Loisach entlang

mache ich kehrt. Vor mir geht die Sonne

über der Zugspitze auf. Zeit wird unwichtig,

der Rückweg purer Genuss.

Fotos: Großglockner Berglauf/Sportograf, Großglockner Ultra Trail/Sportograf

88


5FÜNFTE STATION

Bassano del

Grappa

Drei Impressionen vom Glockner Ultra-Trail. Unvergessen:

der Zieleinlauf zu dritt in Kaprun nach knapp 6 Stunden.

Italien ist eines jener Länder, in denen die

Trailruns schon lange großen Zulauf haben.

Beim CMP-Trail über 18 Kilometer wuselt es

nur so vor Läufern. Auf der Strecke bist du nie

allein. Durch Weinberge, vorbei an Wasserfällen,

mit Blick über sanfte Hügeln und mittelalterliche

Dörfer – ein Genusslauf, der auch

harte Anstiege und knackige Downhills bietet.

Vor allem aber eine Erkenntnis: Die Italiener

sind grandiose Bergabläufer, aber ganz schwache

Bergaufläufer. Am Ende völlig egal. Es ist

Ende September und ich denke wieder an die

Worte von Markus Stock. „Es ist eine Sucht,

in der Natur zu laufen.“ Recht hat er.

06. UND 07.

MÄRZ MÄRZ 2020 2020

Infos und Anmeldung: www.schlagdasass.at

SPORTaktiv

89


COLUMBIA TRANS ALPS F.K.T. III M

• sehr leicht für einen Trailschuh

• eng gewebtes Jacquard-Obermaterial

für einen komforablen Sitz

• die auf dem TPU-Schaum platzierte

TrailShield-Platte sorgt für die nötige

Torsionssteifigkeit

• mit 3,5 mm Stollenprofil ist er ganz klar

auf Reaktionsfreudigkeit getrimmt

PREIS (UVP): € 139,99

www.columbiasportswear.at

SALOMON SENSE RIDE 3 W

• ideal für Trailabenteuer und für jeden

Untergrund geeignet

• basiert auf dem Standard eines Asphaltschuhs

und bietet umfassenden

Komfort sowie weiche Dämpfung

• Mesh-Einsatz für Geröllschutz

• Bodendämpfung und eine griffige

Contagrip®-Außensohle

PREIS (UVP): € 130,–

www.naturalrunning.at

TRAIL

SCHUHE

DIESE ACHT AKTUELLEN MODELLE GEBEN

DIR DEN NÖTIGEN GRIP IN JEDEM GELÄNDE.

SALMING TRAIL 6 M

• federleichter und dennoch sehr widerstandsfähiger Schuhmantel

• extrem griffige VibramMegaGrip-Außensohle für einen perfekten Grip

auch auf nassem und rutschigem Untergrund

• die Recoil-Mittelsohle sorgt für angenehme Dämpfung

PREIS (UVP): € 159,–

www.naturalrunning.at

HOKA ONE ONE SPEEDGOAT 4 GTX W

• verbessertes Obermaterial bietet

Atmungsaktivität

• 3D-gedruckte Overlays für mehr Halt im

Mittelfußbereich

• anpassungsfähige Passform in der

Zehenbox für einen noch

komfortableren Lauf

• erstmals auch in unterschiedlichen

Breiten erhältlich

PREIS (UVP): € 140,–

www.hokaoneone.eu

Fotos: Hersteller

90 SPORTaktiv


ICEBUG OUTRUN RB9X W

• für Schutz auf technisch

anspruchsvolleren Trails sorgt

ein Rundum-Spritzschutz

• BUGforce-Mittelsohle bietet sowohl

intensiven Rückstoß als auch

reichlich Dämpfung

• Rock-Shield im Vorfußbereich schützt

auf felsigem Untergrund

PREIS (UVP): € 139,–

www.icebug.de

DYNAFIT ULTRA 100 M

• neues Trailrunning-Modell

von DYNAFIT

• perfekt für Ultraläufer

• sehr gute Dämpfungseigenschaften

dank neu entwickelter

Mittelsohle

• Schutz und Stabilität für

lange Läufe

• mit 310 Gramm ein

Leichtgewicht

PREIS (UVP): € 150,–

www.dynafit.com

AB INS

GELÄNDE

Immer mehr Läufer wollen nicht

nur auf der Straße unterwegs sein.

Um unterschiedliche Reize zu setzen,

sind regelmäßige Ausflüge ins Gelände

für alle regelmäßigen Läufer zu

empfehlen. Etwa, weil der unebene

Untergrund eine andere Belastung für

den Fuß ergibt, weil man im Gelände

konzentrierter ist als auf der Straße

und die Schritte bewusster setzen

muss. Dazu braucht es auch Schuhe,

die dafür geeignet sind. Wichtig vor

allem: ein guter Halt im Schuh. Viele

Modelle sind höher geschnitten, um

dem Sprunggelenk mehr Stabilität zu

geben. Ebenso wichtig ist die Sohle:

Sie soll im unwegsamen Gelände guten

Grip bieten, aber auch auf hartem

Untergrund gut zu laufen sein. Die

Sohlen bei Trailrunningschuhen sind

grobstolliger als bei Straßenschuhen,

die Dämpfung fällt oft geringer aus.

LA SPORTIVA KAPTIVA M

• neuer Trailrunningschuh für

kurze bis mittlere Distanzen

• der Schaft legt sich wie eine

Socke eng an den Fuß an –

das verhindert das Eindringen

von Steinchen oder

Schlamm und ermöglicht

einen schnellen Einstieg

PREIS (UVP): € 159,–

www.lasportiva.com/de

ON CLOUDVENTURE PEAK W

• Missiongrip-Außensohle für besonders

starken Halt im Gelände

• der leichte, hervorragend gedämpfte

Trail-Wettkampfschuh bietet zusätzlichen

Support auf unterschiedlichen Untergründen

in den Bergen

PREIS (UVP): € 159,95

www.on-running.com

SPORTaktiv

91


„GGUT“:

GIB DIR DAS

ABENTEUER

Es ist kurz vor 22 Uhr,

Kaprun, Blick Richtung

Alpenhauptkamm. Zart

schimmern die Gletscher des

Kitzsteinhorns im Mondlicht.

Dorthin werden die

Akteure beim Großglockner

ULTRA-TRAIL (GGUT)

gleich aufbrechen, zum

einzigartigen Abenteuer

im Herzen der österreichischen

Alpen. Es geht auf die

Glocknerrunde mit 110 km

und 6500 m rund um den

Großglockner, durch die

Hochgebirgslandschaft des

Nationalparks Hohe Tauern.

Auf GGUT-Teilstrecken mit

85 km, 55 km und 35 km

kann sich jeder herantasten.

Freut euch drauf: Vom

24.–26. Juli 2020 in Zell

am See-Kaprun, Kals am

Großglockner, Fusch an der

Glocknerstraße und Weissee-Uttendorf.

www.ultratrail.at

Foto: GGUT/Andi Frank

92 SPORTaktiv


SPORTaktiv

93


LAST

MAN

Fotos: Klaus Molidor

RUNNING

EIN RENNEN, BEI DEM

SO LANGE GELAUFEN

WIRD, BIS NUR NOCH EI-

NER ÜBRIG BLEIBT. DAS

VERSPRICHT EINE GANZ

EIGENE STIMMUNG.

UND SEHR VIEL SPASS,

WIE DER SELBSTVER-

SUCH BEIM „HEAVY

METAL ULTRA“ IN

ESTLAND BEWEIST.

VON KLAUS HÖFLER

94 SPORTaktiv


in Sommerabend. Ein

Waldstück irgendwo im

Nirgendwo Estlands.

Eine Horde Menschen.

Ein Rundkurs. Ein Lied.

Und plötzlich rennen

alle los, kommen zurück,

warten. Und rennen wieder los. Immer

wieder.

Um das hier zu verstehen, muss

man sich aufmachen nach Bell Buckle,

Tennessee. Ins Jahr 2012. Damals

fand die Premiere eines neuartigen

Laufveranstaltungsformats statt, das

sich in der Trailrunningszene mittlerweile

zu einem kleinen, aber feinen

Trend rund um den

Erdball ausgebreitet

hat: die Backyard

Ultras. Es gibt sie in

den USA wie in

Neuseeland, in

Hongkong wie in

Irland, in Deutschland

wie in Dubai.

Immer und überall

derselbe Modus, „erfunden“

von Gary

„Lazarus Lake“ Cantrell,

einer Ultratrailrunning-Ikone

aus

den USA: Es geht

nicht darum, wer am

schnellsten läuft, sondern

wer am längsten

laufen kann. „Last Man

Standing“ also, ein

Ausscheidungsrennen,

bis nur noch einer

überbleibt. Gestartet

wird auf einem Rundkurs,

der gemäß den offiziellen

„Backyard Ultra“-Vorgaben

4,166

Meilen (6,704 Kilometer)

lang sein muss. Für

diese Runde hat jeder

Läufer eine Stunde Zeit.

Dann geht es in die

nächste Runde. Je nach gelaufener

Rundenzeit kann man in der verbleibenden

Zeit bis zum nächsten Start

rasten, essen, dehnen oder tun, was

immer man tun möchte. Kommt

man erst nach einer Stunde ins Ziel

oder hört aus anderen Gründen auf,

scheidet man aus. So lichtet sich das

Teilnehmerfeld, bis am Ende nur

noch ein Läufer übrig bleibt: der Sieger

(auch er muss die letzte Runde

aber noch binnen einer Stunde absolvieren).

Alle anderen werden folgerichtig

und unabhängig von der Anzahl

der individuell gelaufenen Runden

mit „DNF“ klassifiziert, haben

sie doch die von der Gewinner-Leistung

festgelegte Ziellinie nicht erreicht.

Klingt hart und demotivierend,

ist aber fair.

Startsong statt Startschuss

Die Rundenlänge ist so gewählt, dass

sie nach 24 Stunden – also 24 Runden

– ziemlich genau 100 Meilen,

also 160 Kilometer ergibt. Dass das

nicht zu hoch angesetzt ist, beweist

die Bestenliste. Der bisherige Rekord,

aufgestellt 2018, liegt bei 68 Runden

(455,4 Kilometer) bei den Herren

(Johan Steene) beziehungsweise 67

Runden (449,2 km) bei den Damen

(Courtney Dauwater), wobei die

US-Amerikanerin Maggie Guterl im

vergangenen Jahr den Coup schaffte

und erstmals die Gesamtwertung

der„Backyard-Ultra“ Weltmeisterschaft

(auch so etwas gibt es mittlerweile)

gewinnen konnte. Last Woman

Standing also.

Das alles muss man wissen, um zu

verstehen, was sich an diesem Sommerabend

im August 2019 am „Terviserajad“,

also Gesundheitspfad, in

einem Waldstück in Keila, 76603

Harju maakond, Estland, abspielt.

Olle Rouk, ein grundsympathischer,

immer lächelnder estnischer Laufenthusiast,

hat hier die Premiere eines

Wettkampfs nach dem Muster des

amerikanischen Vorbilds organisiert

und den Lauf „Heavy Metal Ultra“

getauft. Der Zusatz „Backyard Ultra“

fehlt, weil die Runde mit 6,6 Kilometern

nicht exakt den Vorgaben der offiziellen

Rennserie entspricht. Dafür

bietet Rouk eine besondere Motivationsspritze

für seine Rundenbolzerei:

Als „Startschuss“ gibt es jede Stunde

einen Heavy-Metal-Song zu hören.

Die Starter haben dann exakt die

Liedlänge Zeit, in eine weitere Runde

zu starten. Kein Startschuss also, sondern

eine Startmelodie, zu der man

irgendwann zwischen erstem Ton und

letztem Akkord losgerannt sein muss.

Mit der Anmeldung konnte man

eine Playlist mit drei Lieblingsstücken

aus der Rubrik „Schwermetall“ mitschicken,

in der Hoffnung auch seinen

Song einmal als Aufputschmittel

zu hören. Den „Opener“ hatte sich

Olle Rouk aber selbst reserviert – und

er liegt auf der Hand: „Highway to

Hell“ von AC/DC ertönt, als sich ein

Rudel aus 79 Startern um 21 Uhr

erstmals auf den Weg macht, darunter

zu 80 Prozent Läuferinnen und Läufer

aus dem skandinavischen Raum und

eine Abordnung britischer Soldaten

der hier stationierten Nato-Truppen.

Und ein Österreicher: ich.

„Du hast jetzt aber nicht gewonnen“,

empfängt mich Olle Rouk nach

der ersten Runde. Sein typisches Lachen

ist kurzer Verwunderung gewichen.

Knapp sechs Minuten vor dem

zweiten Läufer passiere ich nach circa

35 Minuten das erste Mal die Ziellinie.

Geplant ist das alles nicht, eher

passiert. „Eine interessante Taktik, die

du da hast“, kommentiert Olle das

deckungsgleiche Ergebnis nach der

zweiten Runde. Taktik? Habe ich keine.

Auf ein „Bis zum bitteren Ende“-Rennen

ist das hier für mich ohnehin

nicht avisiert, eher auf einen

auf rund zehn Runden angelegten,

SPORTaktiv

95


nächtlichen Selbstversuch im Ultra-Intervalltraining,

während die Familie in

Tallinn ihren Urlaubsschlaf genießt.

So läuft es auf der ausgesteckten Strecke

gemütlich dahin: den kurzen Anstieg

hinauf, im engen Schlingerkurs

durch ein kleines Waldstück, über einen

Wiesenweg bis zum nächsten Baum-Slalom,

dazwischen einen Feldweg entlang,

am Ende noch Singeltrails und das letzte

Stück über ein freies Feld Richtung Zielbogen.

Immer und immer wieder. Eine

permanente Wiederholung der Wiederholung.

Ohne je auf die Uhr zu blicken

laufe ich die ersten acht Runden alle auf

die Minute gleich schnell, die Konkurrenz

im Rückspiegel bleibt unsichtbar.

Als ich in Runde neun ausgiebige Fotostopps

einlege und erst nach 43 Minuten

ankommen, fragt mich Olle grinsend,

was denn los sei. Als ich mich bei

Runde 10 wieder aufs Anfangstempo

einpendle, höre ich von Olle ein auf-

munterndes „Back on track!“ Ich beginne,

seinen Humor zu lieben. Für das

Rennen ist das alles freilich völlig unerheblich.

Es geht hier nur bedingt um

Beschriftete Becher

im Sinne der Nachhaltigkeit

und viel

Gegend beim „Heavy

Metal Ultra“.

Geschwindigkeit. Eher um gute Regenerationsfähigkeit.

Ganz sicher um starken

Willen. Den braucht es vor allem, wenn

die Lautsprecherdurchsage „Five minu-

SILVRETTARUN

3000

Bereits zum 9. Mal lockt der Silvrettarun

3000 die Trailrunner ins

Paz naun. Erstmals gibt es für die

Strecke von Ischgl nach Galtür aber

nicht mehr drei, sondern vier Varianten

– von „Small“ bis „Hard“.

Beim 9. Silvrettarun 3000 am 18.

Juli 2020 stellen sich versierte Hobbyathleten

und Marathonläufer auf

der Strecke von Ischgl nach Galtür der

Herausforderung „Marathon auf einen

Dreitausender“. Hier heißt es auf der

Strecke „Hard“ mit 42,195 Kilometern

über 1814 Höhenmeter das knapp 3000

Meter hohe Kronenjoch zu bezwingen.

Wem das zu anspruchsvoll ist, der findet

auf einer der drei abwechslungsreichen,

kür zeren Trailrunning-Distanzen sein

Glück. Neu dabei: die Strecke „Light“

mit knapp 20 km. Im Ziel winkt ein

Gesamtpreisgeld von 14.000 Euro.

Wer sich bis 30. April anmeldet, zahlt

weniger: 39 Euro für „Small“ und

„Light“ bzw. 48 Euro für „Medium“

und „Hard“.

ZIMMER BUCHEN

TVB Paznaun-Ischgl

T.: +43 50 990 100

info@paznaun-ischgl.com

www.paznaun-ischgl.com

INFOS UND ANMELDUNGEN

www.silvrettarun3000.com

Foto: Stefan Kuerzi

96 SPORTaktiv


Nach 13 Runden ist’s für Klaus Höfler

(Bild) genug. Sieger Hannes Veide

spult sogar 32 Runden ab.

Fotos: Klaus Höfler

tes“ durch die Nacht bricht. Fünf Minuten

später dröhnt der nächste Heavy

Metal-Song und damit das Startintervall

für die nächste Runde durchs Start-Zielgelände.

Zunehmend hölzern und steif

wirkende Läufer lösen sich wie Gespenster

aus dem Dunkeln, kriechen aus ihren

Zelten, klettern aus Auto-Kofferräumen

und anderen behelfsmäßig aufgebauten

Lagern, knipsen ihre Stirnlampen ein,

machen kurze Mobilisierungsübungen.

Die britische Nato-Battlegroup zerfällt

indes langsam in ihre Bestandteile. Immer

weniger der Soldaten schleppen sich

an die Front und in eine nächste Runde.

Nur der Mond ist Zeuge, als sich ein

Mitläufer weit nach Mitternacht einen

besonderen Scherz erlaubt. Angestrengt

setzt er sich an die Spitze, versucht Abstand

zu gewinnen. Bei Halbzeit der

Runde weiß ich warum: Plötzlich

springt er mit martialischem Gegröhle

aus dem Gebüsch, eine Wolfsmaske über

dem Gesicht. Mein Puls schnellt springflutartig

in die Höhe. Er lacht. Wir klatschen

ab. Hinter meinem Rücken werde

ich bei dieser Runde noch einige Aufschreie

erschreckter Läufer hören. Im

Ziel ist nach dieser Runde für Gesprächsstoff

gesorgt. Die Müdigkeit hat

Pause – auch weil sich langsam der Morgen

zurückmeldet. Der Sonnenaufgang

gibt Extrakraft. So werden es am Ende

statt der angepeilten zehn dreizehn Runden

(86,671 Kilometer). Statt des versprochenen

Frühstücks bringe ich ein

Mittagessen zur wartenden Familie.

Hannes Veide gewinnt den ersten „Heavy

Metal Ultra“ in Estland mit 32 Runden

(213,344 km) vor Reigo Lehtla (31 Runden) und

Oliver Kalvi (30 Runden). Klaus Höfler wird 24.

(13 Runden). Der nächste „Heavy Metal Ultra“

findet am 15. August 2020 in Keila statt.

www.trailrun.ee

FÜR DIE HELDEN

DER BERGE

MEHR INFO

www.mountainman.de

www.grossarltal.info

Fotos: Mountainman Großarltal

Beim 2. „Mountainman“-

Trailrunning- und Hikingevent

im Großarltal warten

vier Strecken zwischen

10 und 50 Kilometern Länge.

Termin: 13. Juni 2020.

Schneller, höher, weiter, härter: Das Großarltal

sucht Helden der Berge. Am 13. Juni

treffen sich die besten Trailrunner Europas

zum 2. Mountainman®, einer internationale

Trailrunning- und Wander-Eventreihe mit

den Stationen Nesselwang (9. Mai), Großarl

(13. Juni) und Reit im Winkel (8. Juli).

Zur Wahl stehen vier Strecken, die einfachste

mit rund 10 km/550 Höhenmetern,

die mittleren mit 15 bzw. 30 km und 860

bzw. 1560 Höhenmetern und die XL-Strecke

mit 50 km und 2750 Höhenmetern.

Das internationale Teilnehmerfeld des

Vorjahres war von der Veranstaltung restlos

begeistert, insbesondere von der selektiven

Streckenführung und von der kulinarischen

Versorgung auf den Almen entlang der Strecke.

Der Rekord für die lange Distanz lag

2019 bei 6:06:34 Stunden, heuer könnte die

magische 6-Stunden-Marke fallen.

SPORTaktiv

97


Saalfelden Leogang, Salomon und SPORTaktiv laden zum

TRAILRUNNING-

TAGE 2020

29. bis 31. Mai 2020 (Fr.–So.)

PROGRAMM

Freitag, 29. Mai

• Ankunft und Ausgabe der Starterpakete

• Abendlauf mit Markus Kröll und Sabine Kozak

Samstag, 30. Mai

• Ausgabe der SALOMON-Testschuhe und

SUUNTO-GPS-Uhren

• Warm-up und Laufkoordination mit Lauftrainer

Günther Schernthaner

• Auffahrt mit der Gondel auf den Asitz,

Trailrunning in zwei oder drei Leistungsgruppen

• Wellness-Nachmittag im Krallerhof und Auswertung

der SUUNTO-Laufdaten

• Vortrag von Markus Kröll

DAS ANGEBOT:|

3 TAGE GELÄNDELAUFEN,

COACHING UND ÜBERNACHTUNG

IM HOTEL KRALLERHOF UM

€ 342,–

Sonntag, 31. Mai

• Morgentrail mit Markus Kröll und Sabine Kozak

• Ausklang mit Wellness im Krallerhof

Programmänderungen vorbehalten

LEISTUNGEN

• 2 Nächte im Hotel Krallerhof in Leogang inkl.

Frühstück, Mittagsbuffet & Abendwahlmenü,

Nachmittags snacks und ausgewählten

alkoholfreien Getränken

• Wellnessbereich „Refugium“, Fitness uvm.

• Täglich kostenlose Bergfahrt auf den Asitz

• Begrüßungspaket mit SPORTaktiv-Buff-Headband,

einem Sportnahrungspaket von Peeroton und einem

Ultrasun-LSF-30-Sports-Gel

• Laufbetreuung durch SALOMON-Proficoach

sowie Markus Kröll und Sabine Kozak

• Testmöglichkeit von aktuellen SALOMON-Laufschuh-

und SUUNTO-Sportuhren-Modellen

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger Versicherung

für drei Tage

• Package-Preis: € 342,– pro Person/Aufenthalt im DZ

(Einzelzimmerzuschlag € 25,– pro Tag)

ZIELGRUPPE & TEILNEHMERZAHL

Trailrunning-Einsteiger/-innen und ambitionierte

Hobbyläufer/ -innen. Die Teilnehmerzahl ist auf

20 limitiert.

ZUM TESTEN

SALOMON-Schuh modelle,

wie z.B. der SENSE RIDE 3,

S/Lab Sense 8, SALOMON

ADV Skin-SET und die

neuen SUUNTO-9-Baro-

Modelle

DEINE GESCHENKE

Ein Ultrasun-LSF-30-Sports-Gel;

ein Top-Sportnahrungspaket von

Peeroton; und ein SPORT aktiv-

Headband von BUFF.

98 SPORTaktiv


TRAILRUNNING CAMP

www.sportaktiv.com

Unsere Trailrunning-Tage haben schon

Tradition. Auch heuer gibt es wieder dieses

exklusive Erlebnis: Vom 29. bis 31.

Mai dreht sich in Saalfelden Leogang alles ums

Geländelaufen. So gestaltet, dass Einsteiger

genauso wie Fortgeschrittene davon profitieren.

Als prominenter und kompetenter Guide

führt auch heuer wieder Salomon-Top athlet

Markus Kröll durch die Trailrunning-Tage.

Ebenfalls wieder mit dabei ist Sabine Kozak:

Die Spitzenathletin aus dem „Salomon Running

Team“ ist unter anderem auch Laufcoach

beim (rein weiblichen) Laufclub 261 in Klagenfurt.

Ein Highlight für sich ist die Trailrunning-Region

Saalfelden Leogang. Das riesige

Streckennetz ermöglicht ein variantenreiches

und naturnahes Lauf erlebnis, das seinesgleichen

sucht. Für Fortgeschrittene gibt es

außerdem zwei Höhenstrecken und eine Berglaufstrecke.

Eine Besonderheit ist das spezielle

Leitsystem an den Strecken, das die Tempound

Pulskontrolle ermöglicht.

Last but not least: Unser Quartiergeber ist

auch 2020 wieder das Hotel Krallerhof – das

auf einem Hochplateau in Leogang gelegene

Vier-Sterne-Superior-Wellness hotel. Im Exklusivpreis

von € 342,– für diesen Drei-Tage-

Event sind zwei Übernachtungen, Verpflegung,

Wellness, Testmaterial und vieles mehr inkludiert.

Alle Details zu den Trailrunning-Tagen von

Saalfelden Leogang, Salomon und SPORTaktiv

findest du im Kasten links. Ein guter Tipp:

Schnell anmelden – es sind nur 20 Plätze frei!

Fotos: Sportalpen, Krallerhof/David Knörnschild

DIE UNTERKUNFT

Du übernachtest im Hotel Krallerhof, das in Leogang

auf einem sonnigen Hochplateau liegt. Das Hotel bietet

einen außergewöhnlichen SPA-Bereich mit Blick in die

Bergwelt sowie eine ausgezeichnete Küche.

Laufspaß mit prominenten

Guides: Die Salomon-

Topläufer Markus Kröll

und Sabine Kozak sind

wieder mit dabei.

ANMELDUNG

bis spätestens 22. Mai 2020 unter dem

Kennwort „SPORTaktiv“ per E-Mail an

office@krallerhof.com oder per

T.: +43 (0) 65 83/82 46-0

SPORTaktiv

99


Egal, ob in den italienischen

Bergen oder

beim Hochkönigman

(unten): Trailrunning ist

Sigrid Hubers Passion.

as Ende der Welt scheint eine sehr bekömmliche

Gegend zu sein. Sigrid Huber

jedenfalls sieht aus wie das blühende

Leben. Und ihrer Heimat Liebenau im

Mühlviertel hat sie zwar den obigen, uncharmanten

Beinamen gegeben, aber sie

scheint ihr Kraft für Dinge zu geben, die

sich sehr viele Menschen gar nicht vorstellen

können, gar nicht vorstellen wollen.

Allein 2019 ist die Oberösterreicherin beim

Hochkönigman im Frühjahr 85 Kilometer durch

die Berge gelaufen. Im Sommer hat sie den Großglockner-Ultra-Trail

absolviert. Den ganzen

wohlgemerkt, das sind 110 Kilometer mit 6500

Höhenmetern und 20 Stunden ohne Schlaf. Das

alles als berufstätige Frau mit Familie und vier

Kindern – und nur als Vorbereitung für den ganz

normalen Wahnsinn.

Dabei hat alles ganz anders begonnen. Mit Stadionleichtathletik.

„Laufen, springen, werfen –

das war einfach lustig.“ Mit 16 Jahren dann blitzte

zum ersten Mal durch, was später ihre große

Leidenschaft werden sollte. „Da hab ich mich für

den Halbmarathon in der Wachau angemeldet.

Einfach so“, sagt Huber heute und lacht. Frisch

und munter ist sie, eine junge, schlanke, große

Frau mit schwarzen kurzen Haaren. Ihre Züge

sind weich und nicht ausgezehrt. Mit einem Wort

– man sieht ihr die Strapazen, das intensive Training

nicht an.

Nach der Schule studiert sie Medientechnik

und -gestaltung. Daneben entdeckt sie das

Fotos: Sportograf, getpica.com, Privat

100 SPORTaktiv


SIGRID HUBER

WEITER,

WEITER,

IMMER

WEITER

Mountainbike als Sportgerät und Leidenschaft.

Sie fährt Rennen und bald schickt sie der Trainer

im Radklub in den Weltcup. „Und der hat mich

klassisch verheizt. Ich sollte unbedingt Weltcuprennen

fahren, war aber chancenlos. Da verlierst

schnell die Freude.“

Per Zufall kommt sie dann zu einem Langdistanztriathlon.

Für die Challenge Roth gewinnt sie

einen Startplatz, bereitet sich ein halbes Jahr mit

Coach vor, finisht und stellt fest: „zu verbissen, zu

ehrgeizig, zu wenig Spaß.“ Weil sie gerade in Seefeld

lebt, meldet sie sich wenig später spontan für

die erste Auflage des Zugspitz-Ultra-Trail an.

„Zwei Tage später bin ich das 65-Kilometer-Rennen

gelaufen und hab sofort gewusst: Das ist es.“

Alles fühlte sich so leicht und unbeschwert an.

FAMILIE UND ULTRALÄUFE, WINDEL WECHSELN UND

TRAINIEREN. VIER KINDER UND 350 KILOMETER LAUFEN

AM STÜCK – WIE TRAILRUNNERIN SIGRID HUBER IHRE

BEIDEN LEIDENSCHAFTEN UNTER EINEN HUT BRINGT.

Trailrunning wird ihr Leben. Auch beruflich. Aus

Ärger, dass es kein heimisches Trail-Magazin gab,

startete sie mit einer Website und einem Veranstaltungskalender,

später sogar mit einem gedruckten

Magazin, „Trailrunning-Szene“. Sie

lernt das Geschäft von der Pike auf, kümmert

sich um Layout, Design, Druck, Geschichten,

Anzeigen. Nach Jobs in der Webentwicklung und

im Marketing stürzt sie sich bald voll in ihr Projekt.

Norbert Wastian stößt dazu, der Anzeigen

verkauft, heute hat sie „zumindest jemanden, der

VON KLAUS MOLIDOR

SPORTaktiv

101


Glücklich

und zufrieden

wie nie:

Sigrid Huber

nach 350

Kilometern

beim Tor des

Géants.

mir mit der Website hilft und die Buchhaltung

macht.“

Arbeit, Training, Wettbewerbe und Familie –

wie geht das? „Meine Partnerin unterstützt mich

voll und das Training versuche ich in den Arbeitsalltag

zu integrieren. Wenn ich daheim bin,

bin ich daheim“, sagt Huber. Wäsche waschen,

bügeln, kochen, spielen, Windel wechseln, aufräumen.

Die Kinder sind 8, 4 und zweijährige

Zwillinge. „Da ist immer was los.“ Trotzdem trainiert

Sigrid Huber 10 Stunden die Woche. In ruhigeren

Zeiten. „Im Frühjahr und Sommer werden

es dann schon 16, 17.“

Schließlich will sie sich einen Traum verwirklichen:

die Teilnahme am „Tor des Géants“ mit Start

und Ziel in Courmayeur im italienischen Aostatal.

350 Kilometer, 30.000 Höhenmeter. Alleine. „Viele

Leute haben mir davon abgeraten. Meiner Mama

wäre es sicher lieber gewesen, wenn es mit dem

Startplatz nicht geklappt hätte. Meine Frau war die

Einzige, die mich motiviert hat, es zu versuchen.“

Auf Huber wartet eine Woche in den Bergen, bis in

3000 Meter Seehöhe, dafür kein Assistent an den

Versorgungsstationen, wie ihn viele andere Läufer

haben. „Dabei wäre das enorm hilfreich. Bei so einer

Belastung weißt du oft nicht mehr, wo welche

Sachen in der Tasche sind und was du für das

nächste Teilstück brauchst.“ Strapazen hin, Einsamkeit

her. Ganz oft hat sie auf der Strecke durch die

Berge das Gefühl: „Genau da will ich jetzt sein.“

Raus aus der Komfortzone des Alltags. Nur laufen,

gehen, essen, trinken und zwischendurch ein bisschen

schlafen. Nie länger als eine gute Stunde.

„Länger ist das auf den Life-Stations nicht erlaubt,

weil es nicht so viele Betten gibt und ja alle Läufer

einmal schlafen wollen.“ Nach den Schlafpausen

SEI DABEI

IN DER WACHAU!

SPORTaktiv und der WACHAUmarathon

verlosen für die 23. Auflage des

Klassikers am 27. September wieder

tolle Preise. Die Anmeldung ist

bereits geöffnet.

GEWINNSPIEL

Der spätere Termin am letzten September-Wochenende

hat sich bewährt.

Somit geht der 23. WACHAUmarathon

am 26./27. September 2020 über die

Bühne. Der „grüne Weg“ wird weiter

beschritten, etwa mit Goodie-Bags und

Regenponchos aus gentechnikfreier

Maisstärke. Es gibt weiters wieder den

für eine Großveranstaltung einzigartigen

Versicherungs-Komplettschutz, der

bei der Anmeldung mitgebucht wird.

Noch eine gute Nachricht: SPORTaktiv

und der WACHAUmarathon verlosen

wieder tolle Preise. Ein VIP-Ticket mit

Begleitung (inkl. Startgebühr, Sonderbustransfer

zum Start, Zutritt zum

VIP-Bereich im Ziel im Wert von 150

Euro) sowie zehn Startplätze, wahlweise

für den Marathon, Halb- oder Viertelmarathon.

Mitspielen lohnt sich also!

Und so kannst du gewinnen:

Schick eine E-Mail mit dem Betreff

„23. WACHAUmarathon“ an:

office.sportaktiv@styria.com.

Einsendeschluss ist der 6. April

www.wachaumarathon.com

Foto: Wachaumarathon

102 SPORTaktiv


hat sie immer Schüttelfrost. „Das war unglaublich

hart. Du zitterst am ganzen Körper, kannst oft

nicht einmal den Reißverschluss gscheit zumachen.“

Ans Aufgeben denkt sie nicht. Nur einmal. „Da

war ich so knapp davor“, sagt Huber und bei ihrer

dazugehörigen Geste passt zwischen Daumen

und Zeigefinger gerade einmal ein Löschblatt.

Am vierten Tag hat sie Nasenbluten, das sich

nicht und nicht stoppen lasst. Sie verliert Kraft,

wird blass und blasser. „Viele Läufer haben mich

gefragt, ob sie einen Arzt rufen sollen.“ Sie aber

schüttelt vorerst den Kopf. Mit letzter Kraft

kommt sie zu einer Station, ein Arzt tamponiert

ihr die Nase. Endlich wird es besser. Nach der

Ruhepause ist sie aber so erschöpft, „dass ich

mich im Bett nicht einmal umdrehen konnte“.

Irgendwie geht es aber doch weiter. Schritt für

Schritt. Der Körper erfängt sich ein wenig, „Aber

ich bin oft stehen geblieben und hab auf der Karte

geschaut, wo ich bin und wie es wäre, wenn ich

jetzt aufgeben würde.“ Tut sie letztlich aber nicht,

sondern kommt nach 144 Stunden ins Ziel. „Das

erste Mal war ich richtig glücklich und es gab danach

kein Loch, weil das Ziel weggefallen ist.“

SIGRID

HUBER

ist Trailrunnerin und lebt mit ihrer Partnerin und

den vier gemeinsamen Kindern in Liebenau im

Mühlviertel (OÖ). Huber ist auch Herausgeberin

des Magazins Trailrunning-Szene

www.trailrunning-szene.at

Danach ist sie wochenlang müde, hat aber keine

körperlichen Probleme. Der Alltag hat sie wieder.

Geschichten schreiben, Windel wechseln,

layoutieren, kochen, Deadlines einhalten, Wäsche

waschen. Für 2020 hat sie noch keine großen

Wettbewerbspläne. Hochkönigman vielleicht,

Glockner eher nicht. Keine Jagd nach schneller,

höher, weiter, kein Bessersein als letztes Mal

dringt bei ihr an die Oberfläche. Gewiss ist nur

eines: Den Tor des Géants will sie noch einmal

laufen, diesmal mit Assistent. „Weil dieses Erlebnis

in den Bergen zu laufen, über dir nur der

klare Sternenhimmel, ringsum die gigantischen

Berge, das ist unglaublich. Ein größeres Freiheitsgefühl

gibt es nicht.“

ERSTE BILANZ

FÜR OPTIMUM

Das OPTIMUM ® -Programm in der

Heiltherme Bad Waltersdorf ist bislang

eine einzige Erfolgsgeschichte.

Zufriedene Gäste berichten nach den

ersten OPTIMUM ® -Monaten über ihre

persönlichen Erfolge.

ANZEIGE / Foto: Bad Waltersdorf

So sehen zufriedene Kunden und ihr

Feedback aus: Birgit hat mehr Energie,

da sie mit OPTIMUM® wieder zu

einem besseren Körpergefühl gefunden

hat. Denise haben die regelmäßigen

Mahlzeiten und das auf sie individuell

abgestimmte Sportprogramm geholfen,

ihr Wunschgewicht nach der Schwangerschaft

zu erreichen und auch zu

halten: „So ein vielfältiges Gesundheitsprogramm

gibt es in keiner anderen

Therme“. Thomas erinnert der Vitalmonitor

täglich daran, dass – und in

welchem Ausmaß – er heute etwas für

sich tun sollte. Paul hat wieder zu seiner

regelmäßigen Sportroutine gefunden,

die ihm berufsbedingt leider verloren

gegangen ist. Eva ist glücklich, dass sie

den Schritt trotz erster Bedenken, ob sie

das schafft, gewagt hat. Sie trainiert voll

motiviert von den OPTIMUM®-Coaches

und startet mit über 60 unter

anderem ihr erstes Krafttraining. Und

Andreas hat nicht nur 10 kg Körpergewicht

abgenommen, sondern auch 10 %

Fettanteil verloren. Weiter so!

HEILTHERME

BAD WALTERSDORF

Thermenstraße 111,

8271 Bad Waltersdorf

optimum@heiltherme.at

www.heiltherme.at/optimum

SPORTaktiv

103


CEP RUN SHIRT + RUN SHORTS 3.0 M

Shirt

• hochfunktionell, leicht, atmungsaktiv mit

Mesh-Einsatz am Rücken

• perfekter Tragekomfort durch angenehmen

anatomischen Sitz sowie flache Nähte

• reflektierende Tapes vorne und hinten

Shorts

• reduzieren Muskelvibration beim Laufen

• mehr Stabilität senkt das Verletzungsrisiko

PREIS (UVP): € 49,95/€ 99,95

www.cepsports.com

ASICS SEAMLESS SS TEXTURE +

5¨ SHORTS M

Shirt

• perfekt bei wärmerem Wetter

oder am Laufband

• Reflektor-Logo und Streifen auf den

Ärmeln und am Rücken

Shorts

• reguläre Passform

• interner Slip für optimalen Komfort

PREIS (UVP): € 45,–/€ 40,–

www.asics.com

FRÜHLINGS

GEFÜHLE

SHIRTS, SHORTS UND TIGHTS, MIT DENEN ES

IN DER NEUEN SAISON SICHER RUNDLÄUFT.|

UYN ALPHA RUNNING SHIRT

+ ALPHA COOLBOOST RUNNING

SHORT W

• innovatives Freshcore-Yarn sorgt

für ein Gefühl der Frische

Shirt

• anatomische Passform

• exklusive „T-Hexagon“-Techno logie

verhindert ein Überhitzen

des Körpers

Shorts

• nahtloses, elastisches und perfekt

anliegendes Gewebe verleiht den

Muskeln mehr Energie

PREIS (UVP): € 89,–/€ 89,–

www.uynsports.com

ADIDAS PARLEY 25/7 RISE UP RUN

SHIRT + SATURDAY LONG TIGHT M

Shirt + Short

• ressourcenschonend aus recyceltem

Polyester hergestellt

• 360°- reflektierendes Material

Shirt

• Climacool für angenehm kühles

und trockenes Tragegefühl

Shorts

• Aeroready für ein angenehm

trockenes Tragegefühl

PREIS (UVP): € 39,95/€ 84,05

www.adidas.at

Fotos: Hersteller

104 SPORTaktiv


ODLO ACTIVE SPINE PRO T-SHIRT +

MILLENIUM PRO 2-IN-1-SHORTS M

Shirt

• verbessert die Körperhaltung

und erleichtert das Atmen

• Seamless-Konstruktion auf

Performance-Gewebe

• hohe Atmungsaktivität und

feuchtigkeitsregulierend

Shorts

• leichtes Material mit

natürlichem Leinenanteil

• sorgt für kühles Gefühl auf der Haut

auch an heißen Tagen

PREIS (UVP): € 69,95/€ 59,95

www.odlo.com

SCOTT TRAIL RUN SHIRT

+ TRAIL RUN SHORTS W

Shirt

• ergonomischer Schnitt

• sehr leicht

• schnell trocknend

• Reflektor-Streifen und -Logo

Shorts

• besonders leicht

• integrierte Innenshorts

• Beintasche zur Aufbewahrung

kleiner Gegenstände

PREIS (UVP): € 59,95/€ 59,95

www.scott-sports.com

SALOMON SENSE PRO TEE +

SENSE SHORT M

Shirt

• leicht und nahtlos

• für Training und Wettkampf

• schnell trocknend für mehr Komfort

• weniger Reibung und mehr

Bewegungsfreiheit

Shorts

• besonders leicht

• komfortabler Hosenbund

• viel Stauraum

PREIS (UVP): € 60–/€ 70,–

www.salomon.com

LA SPORTIVA WAVE T-SHIRT + TEMPO SHORT M

Shirt

• leichtes, atmungsaktives,

feuchtigkeitsaufnehmendes Gewebe

• Polygiene®-Behandlung verringert Gerüche

• reflektierende Details auf den Schultern

Shorts

• für Trailrunningwettkämpfe

• Konstruktion an der Taille ermöglicht das

unauffällige Verstauen von kleinen

Gegenständen

PREIS (UVP): € 75,–/€ 49,99

www.lasportiva.com/de

SPORTaktiv

105


SUPER-G IM

LAUFSCHUH

DIE SKIPISTE RAUFLAUFEN? NICHTS NEUES MEHR. BEIM 1. SNOWTRAIL

DOWNHILL IM STEIRISCHEN GAAL GING ES DIE PISTE BERGAB. EINE

GRENZERFAHRUNG IM STEILHANG – MIT EINER PERSÖNLICHEN PREMIERE.

Die Warnung von Sascha

kommt zu spät. „350 Meter

bergab können sich anfühlen

wie die Hölle.“ Gut, Sascha

ist die Mausefalle in Kitzbühel bergab

gelaufen. Im Sommer. Ich stehe aber

am Start des 1. Snowtrail Downhill in

Gaal in der Obersteiermark. Gaal ist

nicht Kitz. Das hat auch Vorläuferin

Renate Götschl gesagt, die sich mit

Ski den einen Super-G ähnlichen Kurs

nach unten gestürzt hat. Und was sich

hier Steilhang nennt, wird wohl die

heute allerorts übliche Vermarktung

einer Kleinigkeit als Superlativ sein.

Außerdem: 400 Meter flach, dann

400 Meter Steilhang und 600 easy dahinrollen

auf einer blauen Piste. 32

Männer und 4 Frauen wagen sich an

das neue Format, das Norbert Wastian

vom Magazin Trailrunning- Szene erfunden

hat. Zwei Durchgänge werden

gelaufen, die Entscheidung wie im

Weltcup in der gestürzten Reihenfolge

des ersten Durchgangs. 350 Meter

und die Hölle. Pah. Der will mich nur

nervös machen. „Startnummer 26 bereit.

3, 2, 1, los.“

Raus aus dem Starttor, hinein in

den Ziehweg. Hier halten die Chainsen,

also die Schneeketten, die wir uns

verpflichtend über die Trailschuhe ziehen

müssen perfekt. Dann taucht

links die Kante auf, das erste blaue

Richtungstor und der Blick geht tief

VON KLAUS MOLIDOR

nach unten. Steil heißt echt steil. Hätt

ich früher draufkommen können. Immerhin

finden hier regelmäßig FIS-

Slaloms statt. Na gut. Ist ja nicht weiiiiiiiiiit.

Keine drei Schritte sind auf

dem patzigen Schnee getan, da ist es

mit dem Grip nicht mehr weit her.

„Gemma, zah an, trau dich“, schreit

der Fotograf, der innen in der Linkskurve

lauert. Ich fühle die Entschlossenheit

des Herminators, steche eng

am Tor vorbei ins Tal – und segle auf

der glatten Spur dahin wie in einem

Slapstick. „Daaanke“ hör ich es von

106 SPORTaktiv

Fotos: Lucas Pripfl Photography


Achtung, Rutschgefahr! Ohne Sturz kommt

kaum einer ins Ziel. Unten: der Autor völlig

erschöpft in der Steilhang-Ausfahrt.

weiter oben noch aus dem Fotografenmund.

Gleich darauf fliegt Veranstalter

Norbert Wastian an mir vorbei,

mit ausgreifenden Schritten und

scheinbar mühelos in Balance. „Is rutschig?“,

wirft er mir zu. Wer den

Schaden hat, braucht für den Spott

nicht zu sorgen.

Immerhin bin ich nicht allein mit

meinen Problemen. Fast jeden Läufer

haut es im Steilhang zumindest einmal

in den Schnee. Sascha fällt mir

plötzlich ein – denn die Oberschenkel

schmerzen, unter dem Helm rinnt der

Schweiß in Bächen, geht der Atem

schwer. Immerhin: Nach einer Ewigkeit

wird es flacher. Von easy allerdings

keine Spur. Denn was auf

Skiern flach ist, entpuppt sich mit leeren

Oberschenkeln durchaus als Challenge.

„Das war nicht ohne“, gesteht

im Zielraum auch Florian Grasel, Österreichs

bester Trailrunner. „Ich bin ja

hauptsächlich auf Ultras zu Hause.“

Spaß hat er aber sichtlich gehabt. Sein

Tipp für den zweiten Lauf: „Accept

the downhill“, sprach’s, lacht und

rauscht ab ins Gasthaus zum Aufwärmen.

Dort wird aus einem Gefühl Gewissheit:

Ich bin Letzter. Zum ersten

Mal in meiner durchaus überschaubaren

Laufkarriere war tatsächlich keiner

mehr langsamer als ich. „Na“, feixt Sascha.

„Was hab ich dir gesagt?“ Am

Sessellift nach oben frage ich mich, ob

es wirklich eine gute Idee war, den

zweiten Lauf auch noch anzugehen.

Aber keiner zieht zurück, auch wenn

alle von der Härte der kurzen Strecke

überrascht waren. „Einfach laufen lassen“,

höre ich immer wieder. Denn

natürlich kostet das Bremsen Kraft,

aber erstens ist die Piste einmal hart,

dann wieder weich, mal greifen die

Spikes, mal slidest du dahin und zweitens:

im Steilhang wirst du dann so

schnell – da komm ich motorisch

nicht mehr mit.

2. Lauf, Flutlicht. „Endlich hast einmal

a guate Piste und keine Wandln“

ruft einer aus dem Dunkel, als ich

schon wieder am Start stehe. Als Erster

im zweiten Lauf, logisch. Der Schmäh

rennt hier noch mehr als die Beine. Es

ist – auch wenn es hart und anstrengend

ist – ein Riesenspaß. Eine Versammlung

von Verrückten, die sich

eine Hetz draus machen ohne Ski Ski

zu fahren. Diesmal geht es ein Haucherl

besser. Mitte Steilhang versagen

dann die Muskeln, am Hosenboden

geht es rasant abwärts. Passt, spar ich

mir ein paar Meter und vielleicht bin

ich dann schneller als im 1. Lauf.

Denkste. Das Schlussstück zieht sich

noch ärger. Endlich, der Zielbogen.

Die Erkenntnis: Man kann auch

nach 1,5 Kilometern bergab völlig

blau sein. Man kann auf kurzer Strecke

enorm viel Zeit verlieren. Die Gesamtzeit

des Siegers betrug 7:42 Minuten,

meine 18:43 Minuten

Wieder haben mich bei einem Startintervall

von 30 Sekunden zwei Läufer

überholt, ich weiß auch ohne Blick

auf die Ergebnisliste: Letzter. Egal. Als

Trost bleibt das Bezwingen des Berges,

der Spaß mit Gleichgesinnten, die genauso

gaga waren, herzukommen, die

genauso erledigt sind und als 32. von

32 – haarscharf an den ersten Weltcuppunkten

vorbei ...

SPORTaktiv

107


Der neue ASICS

EVORIDE TM ist nach

dem METARIDE TM und

dem GLIDERIDE TM das

jüngste und leichteste

Mitglied der ASICS-

GUIDESOLE TM - Familie.

DIE EVOLUTION DES

LEICHTEN LAUFENS

Asics’ GUIDESOLE-Familie hat Zuwachs bekommen:

Der ASICS EVORIDE TM paart die Vorteile der energiesparenden

Sohlentechnologie mit leichtem Gewicht

und das ohne Abstriche beim Komfort.

Der ASICS

EVORIDE TM ist

seit 7. Februar

2020 weltweit

im ausgewählten

Sportfachhandel,

in Asics-

Flagship stores

und online

verfügbar.

UVP: € 130,–

www.asics.at

Der EVORIDE wurde für Neutralläufer

entwickelt und bietet eine außergewöhnliche

Sohlenkonstruktion mit 5 mm Sprengung,

die ein optimales Gefühl für eine flüssige Vorwärtsbewegung

vermittelt. Mit einer – im Vergleich

zu den beiden vorherigen Schuhen in der

ASICS-GUIDESOLE-Familie – moderaten

Sohlenwölbung ist der Schuh perfekt für alle,

die von den Vorteilen der energiesparenden

Sohlentechnologie profitieren möchten und

zugleich Wert auf Leichtigkeit, Flexibilität und

Schnelligkeit legen. Eine perfekt abgestimmte

Zwischensohle sorgt für eine mühelose Abrollbewegung.

Die Super-AHAR-Rubber-Konstruktion

im Fersensegment sorgt für zusätzliche

Haltbarkeit des neuen Top-Modells.

Trotz des geringen Gewichts macht der neue

EVORIDE keinerlei Abstriche beim Komfort.

Die FLYTEFOAM-Propel-Zwischensohle

bietet eine hervorragende Dämpfung und ein

reaktionsfreudiges Laufgefühl, während das

multidirektionale Stretch-Mesh-Obermaterial

die Atmungsaktivität verbessert und sich der

Fußform anpasst.

Kenichi Harano, Senior General Manager am

ASICS Institute of Sport Science erklärt: „Als

leichtestes und erschwinglichstes Mitglied unserer

energiesparenden Laufschuh-Familie ist der

EVORIDE perfekt sowohl für schnelles Training

als auch für lange Distanzen – und hilft,

die eigenen Grenzen in Bezug auf Geschwindigkeit

und Ausdauer neu zu definieren.“

ANZEIGE/Foto: Asics

108 SPORTaktiv


18. Radio Steiermark

Lauf Wochenende

inkl. Steirische Meisterschaften

im Halbmarathon!

03.-05. April

Bad Waltersdorf

• 3.4.: Warm up in der Heiltherme

• 4.4.: ORF Radio Steiermark Lauf, ab 11.00 Uhr

• 5.4.: Cool Down im heilenden Thermalwasser

Anmeldung unter: www.badwaltersdorf.com/orflauf

Anmeldefrist: Mittwoch, 01.04.2020 - 18.00 Uhr, Angebot: 3 Tage/2 Nächte ab € 155,50


Oh, du läufst nur Marathon? Andere

machen Ultras ...“ Wenn Laien

von Distanzen statt Zeiten im

Laufsport beeindruckt waren, hatte

sich Adharanand Finn oft geärgert. Er lief

Marathon unter 3 Stunden. Ultrarunning?

War doch kein richtiges Laufen. Sondern „so,

als würde man so lange aufs Laufen eindreschen,

bis es fast tot ist“. Dann bekam er das

Angebot, den Oman Desert Marathon zu

testen und darüber zu schreiben, einen – angeblich

– einfachen 6-Etappen- Wüstenlauf.

Schlecht vorbereitet und ausgerüstet quälte er

sich über die 165 Kilometer Gesamtdistanz.

Mit etwas Abstand ließ Finn diese Erfahrung

dann nicht mehr los: Warum verzeichnet

Ultrarunning weltweit so große Steigerungsraten?

Was suchen und finden die

Sportler hier? 2016 bis 2018 recherchierte der

Brite, traf Stars und Sieger wie Kilian Jornet,

Jim Walmsley, Zach Miller, Elisabet Barnes

oder Camille Herron. Aber auch etliche Hobbyläufer.

Er stellte sein Lauftraining um, probierte

einen „Ultra“ nach dem anderen, ganz

unterschiedlicher Natur: Von wenig bekannten

Läufen knapp über 50 km Länge über

den seit 1921 ausgetragenen Comrades Marathon(ca.

90 km) in Südafrika, einen 24-Stunden-Bahnlauf,

bis hin zu den boomenden

Ultra trailruns in den Alpen wie den Lavaredo

Ultratrail über 120 Kilometer/5800 hm in

den Dolomiten. Mit dem Ziel, sich für den

weltweit angesehensten Event, den Ultra Trail

du Mont Blanc (UTMB) mit 160 km und

mehr als 10.000 hm, zu qualifizieren.

Im Buch „Der Aufstieg der Ultraläufer“

reist der Leser mit „an die Grenzen der

menschlichen Ausdauer“, leidet und freut

sich mit den Protagonisten und dem Autor

in den „Selbsterfahrungs-Abschnitten“ mit.

Auf fast 400 Seiten bis zum Finale, das sich

kein Hollywood-Autor hätte besser ausdenken

können. Das verraten wir natürlich

nicht, sondern bitten den Autor zum Interview,

fast so episch wie ein Ultra.

zu fassen, das erfordert Tiefgang. Das klappt

nicht per Telefon. Deshalb war es mir wichtig,

wirklich viel Zeit mit Leuten wie Zach

Miller und Elisabet Barnes zu verbringen.

Damit sie selbst die Zeit und den Raum haben,

sich mit mir wohlzufühlen, um über

ihre Erfahrungen im Ultralaufen zu sprechen,

nicht nur über ihr Training, ihre Ziele usw.

Gab es in den Gesprächen einen Moment,

der dich besonders überrascht hat?

Trotz meiner Antwort vorhin fand ich das

Allererste bemerkenswert, was Camille Herron

zu mir sagte. Es war am Tag nach ihrem

Sieg beim Comrades Marathon. Sie sah mir

direkt in die Augen und sagte: „Sie müssen

mich interviewen. Ich habe eine verrückte

Geschichte.“ Das hat mir sehr gut gefallen.

Es hat mich wirklich beeindruckt, wie extrem

viele dieser Läufer irgendwie eine „verrückte“

Geschichten haben.

Stark fand ich auch, wie Kilian (Jornet,

Anm.) mir erklärte, warum man Risiken im

Leben eingehen muss. „Im Leben geht es darum,

etwas zu riskieren, nicht darum, am

Sofa zu sitzen. Wie jemandem zu sagen, dass

du ihn liebst.“

Ein wesentlicher Teil deines Buches handelt

von deinen Begegnungen mit Weltklasseläufern.

Wie einfach oder schwierig

war es, tiefe Einblicke ins Innere der Topathleten

zu bekommen?

Ehrlich gesagt war es schwer. Es ist nicht

leicht, das Gefühl des Ultralaufens in Worte

110 SPORTaktiv


Rennen wie der Lavaredo Ultratrail in

den Dolomiten (heuer von 25.–27. Juni)

ziehen immer mehr in ihren Bann.

DIE SUCHE

NACH DEM, WAS FEHLT

WARUM ZIEHT ES IMMER MEHR SPORTLER ZU LÄUFEN JENSEITS DER

MARATHON DISTANZ MIT TEILS WEIT ÜBER 100 KILOMETERN LÄNGE? WENN ES

EINER ERKLÄREN KANN, DANN ADHARANAND FINN: DER BRITISCHE JOURNA-

LIST HAT ZWEI JAHRE LANG RECHERCHIERT UND SELBST ZAHLREICHE RENNEN

BESTRITTEN, UM DEN „AUFSTIEG DER ULTRALÄUFER“ ZU VERSTEHEN.

INTERVIEW: CHRISTOF DOMENIG

Foto: Lavaredo Ultra Trail/Alexis Berg

SPORTaktiv

111


ADHARANAND FINN

ist 1973 in London geboren, freier

Journalist und Autor, u. a. für

„The Guardian“, „The Independent“

und „Runner‘s World“.

„Der Aufstieg der

Ultraläufer. Eine Reise an

die Grenzen der menschlichen

Ausdauer.“

Egoth 2019, € 24,90

www.egoth.at

Konntest du gemeinsame Charaktereigenschaften

bei den Klasse-Ultraläufern

erkennen?

Es scheint zwei entgegengesetzte Typen

zu geben. Entweder Menschen wie Camille

Herron oder Jim Walmsley, die

sehr intensive Persönlichkeiten haben,

die im Leben gelitten haben und in gewisser

Weise auch gerne leiden. Manchmal

dachte ich, dass ich nicht genug

Traumata erlitten habe, um ein guter

Ultraläufer zu sein.

Dann gibt es den zweiten Typ: Leute,

die sehr ruhig und emotional sehr stabil

waren. Wie Elisabet Barnes und Damian

Hall. Mir wurde klar, dass die Fähigkeit,

sich nicht in guten und schlechten

Gefühlen selbst zu verlieren, ein wichtiges

Merkmal beim Ultralauf ist. Auch

darin war ich nicht gut: Lief ein Rennen

gut für mich, ließ ich mich schnell dazu

hinreißen, mich wie ein Weltmeister zu

fühlen. Lief es schlecht, war ich ein

Wrack, weinte und weigerte mich, mich

zu bewegen. Den großen Läufern gelingt

es, unabhängig von ihrem Geisteszustand

stets ruhig und emotional stabil

zu bleiben.

Du hast auch viele Hobby-Ultraläufer

getroffen. Wer war die beeindruckendste

Persönlichkeit darunter?

Ich habe Kartik geliebt, einen Mitläufer

beim 24-Stunden-Rennen in London.

Als ich am Tiefpunkt war – nach rund

16 Stunden – und ich sicher war, dass

ich unmöglich weitermachen konnte,

sagte er zu mir: „Es wäre eine Schande,

gerade dann aufzuhören, wenn es interessant

wird.“ Eine Person, die zweifellos

auch herausragt, ist Catra Corbet, die

drogenabhängig war und wegen Drogenhandels

verhaftet wurde, bevor sie zu

laufen begann. Zunächst langsam, fünf

Minuten auf dem Laufband. Heute ist

sie Mitte 50 und sieht wie 25 aus. Sie

läuft fast jeden Monat 100- oder

200-Meilen-Rennen und trägt dabei oft

ihren Dackel mit, der aus dem Rucksack

schaut!

Ultralaufen ist eine von wenigen

Sportarten, bei denen Frauen gleich

gute oder sogar bessere Leistungen

erbringen als Männer. Unterscheidet

sich die weibliche Perspektive in diesem

Sport von der männlichen?

Ich habe neulich etwas Interessantes von

der Langstreckenradfahrerin Emily

Chappell gelesen, die so etwas sagte wie:

„Männer machen Ultras, um die

Schmerzen und Mühen zu erfahren, die

ihnen im Alltag fehlen. Frauen machen

Ultras für die Freiheit, die ihnen im Alltag

fehlt.“ Natürlich ist es nicht so einfach,

die Leute rennen aus den verschiedensten

Gründen – aber diese Aussage

hat mich schon überrascht.

Ich denke, Ultralaufen bringt eine

Herausforderung wie auch ein Unbehagen

mit sich, das real und lebensbejahend

ist. Aber auch eine Freiheit: Zeit

für sich, wild, eins mit den Elementen

und seiner eigenen Natur sein. Jeder genießt

und braucht diese beiden Dinge in

gewissem Maße. Und vielleicht haben

Männer wirklich ein stärkeres Bedürfnis

nach dem Schmerzelement.

Warum Frauen Männer schlagen können,

hat, glaube ich, einen anderen

Grund: Ich denke, dass bei längeren Ultras

der Geist entscheidet. Mentale Stärke

ist nicht geschlechtsspezifisch. Frauen

können sich außerdem in der Regel besser

selbst einschätzen. Es ist im Ultra

wichtig, sein Ego in den frühen Phasen

eines Rennens in Zaum zu halten, Frauen

scheinen darin besser zu sein.

Ein wesentlicher Aspekt des Buches

sind deine Rennerfahrungen. Hast du

deinen Selbstversuch und damit das

gesamte Buchprojekt dabei öfters in

Frage gestellt?

Ja, bei jedem einzelnen Rennen. Und jedes

Mal, wenn mein Wecker um 4 Uhr

früh geläutet hat und es draußen dunkel

war und ich trainieren musste, habe ich

mir gesagt: „Das ist dumm. Du rennst

nicht mal gern. Geh wieder ins Bett.“

Ich dachte sogar in jedem Rennen, dass

es gut für das Buch wäre, wenn ich mindestens

ein Rennen abbrechen würde,

damit ich darüber schreiben kann, wie

sich das anfühlt.

Fotos: Lavaredo Ultra Trail/Canofotosports

112 SPORTaktiv


Eine wiederkehrende Schlüsselfrage

ist, ob Schmerz nur eine mentale Sache

ist. Welche Antwort hast du letztendlich

gefunden?

Nun, es ist nicht „nur“ mental, aber der

Schmerz, den man in einem Ultra erlebt,

ist sicher nicht immer real. Ich habe

erkannt, dass der Geist oft ein Gefühl

von Schmerz, Müdigkeit und Unbehagen

erzeugt, um dich zu verlangsamen,

weil er versucht, dich zu schützen. Aber

dieser Teil deines Geistes ist wie eine

überfürsorgliche Mutter. Du beginnst zu

erkennen, dass du oft viel mehr Kraft

und Energie hast, als du geglaubt hast,

und es war nur der Geist, der dir gesagt

hat, dass du müde warst. Natürlich ist

der Schmerz manchmal echt, aber man

lernt den Unterschied zu erkennen.

Ultraläufer sagen manchmal, dass Außenstehende

zu oft nur an Schmerzen

denken, wenn sie an Ultras denken.

Und andere wichtige Aspekte des

Sports nicht sehen. Siehst auch du

diese Gefahr?

Ja, möglicherweise. Ich meine, wenn es

nur Schmerz, Schmerz, Schmerz wäre,

würden wir es nicht tun. Und es ist kein

schlimmer Schmerz. Nicht der einer

Verletzung oder eines Unfalls, sondern

ein Schmerz, der dadurch entsteht, dass

du vollständig in deinem Körper bist

und ihn vollständig ausnutzt. Abgesehen

davon geht es in diesem Sport um Abenteuer,

Wettbewerb, die Freude und Euphorie,

die Morgendämmerung beim

Überqueren eines abgelegenen Bergrückens

oder beim nächtlichen alleinigen

Laufen durch die Wüste. Ich hatte so

viele wundervolle Erfahrungen, die ich

für den Rest meines Lebens schätzen

werde.

Ist der „Aufstieg der Ultraläufer“ charakteristisch

für unsere Zeit?

Zum Teil ist es wohl eine Verlängerung

des Marathon-Booms. Da immer mehr

Menschen Marathons laufen, suchen einige

nach einer neuen Herausforderung.

Dann spielen soziale Medien sicher eine

Rolle. Und ich denke, es spielt eine Rolle,

dass immer mehr Menschen ein Leben

führen, das von körperlicher Anstrengung

und echten, rohen Abenteuern

abgekoppelt ist. In unserem komfortablen,

klimatisierten Leben sehnt sich

ein Teil von uns nach einer elementareren,

wilderen Erfahrung. Da wir nicht

dafür geschaffen sind, im Büro herumzusitzen,

dann nach Hause zu fahren

und am Sofas ein Eis zu essen, könnten

wir in unserem Körper und Geist

manchmal das Gefühl haben, dass etwas

fehlt. Das ist heute in der westlichen

Welt wahrscheinlich ausgeprägter als jemals

zuvor.

Zum Schluss: Was macht der Ultraläufer

Adharanand Finn seit dem Ultra

Trail du Mont Blanc 2018, mit dem deine

„Reise“ im Buch endete?

Seit dem UTMB 2018 bin ich nicht

mehr viel gelaufen. Ich habe ein paar

kleine Verletzungen gehabt und zu viel

Gewicht zugenommen. Aber ich bin

jetzt wieder im Training und habe einen

55-km-Ultra für März geplant – das

„Gaoligong by UTMB“-Rennen in China.

Ich freue mich wirklich darauf!

WIR SIND

NICHT DAFÜR

GESCHAFFEN, IN

EINEM BÜRO

HERUMZUSITZEN,

NACH HAUSE

ZU FAHREN UND

AUF DEM SOFA

EIN EIS ZU

ESSEN.

SPORTaktiv

113


AUS

PRO

BIERT

RUN

SCHÖNER WOHNEN

Kurz überlegt man, ob man nicht in Hauspatschen auf das

NOHrD SPRINTBOK steigen soll. Jedenfalls nicht in den

dreckigen Laufschuhen. € 6695,– steht auf dem Preiszettel

– in Nussholz, wie wir es bei GIGASPORT in Graz entdeckt

haben. Los geht’s preislich bei € 5895,– in Esche, wobei

sechs Holzarten zur Auswahl stehen, um das Laufband auf

den Parkett oder den Rest der Einrichtung abzustimmen. Na

gut, wer so ein großes Wohnzimmer besitzt, dass ein Laufband

locker reinpasst, der hat wohl auch noch das nötige

Kleingeld, um dann nicht zum 08/15-Gerät zu greifen.

Auch technisch ist das Sprintbok interessant. Es ist motorlos,

der Antrieb funktioniert durch die Biegelinie in Verbindung

mit der Schwerkraft. Man läuft also immer etwas

bergauf und es braucht eine wenig Eingewöhnung, bis man

die Geschwindigkeit durch Körperverlagerung auf dem gewünschten

Niveau hält. Tipp: zunächst mit Walken starten.

Top: Das gefederte Gefühl beim Laufen auf den kugelgelagerten

Holzlamellen, die geräuscharm unter einem

durchsurren, wenn man die Sache dann draufhat.

Der superflache 17,3-Zoll-Screen zeigt die vom Fitnessstudio

bekannten Infos an oder man verbindet ihn mit dem Internet

und vertreibt sich die Laufzeit online. Mit der NOHrD-

App kann man sogar virtuelle „Scenery-Läufe“ absolvieren.

Falls man das will und das Auge sich nicht lieber am edlen

Design des Kurvenlaufbands erfreut.

EIN LAUFBAND, VIEL ZU

SCHADE FÜR DEN FITNESSKEL-

LER. UND DAZU ZWEI PRAXIS-

ORIENTIERTE UTENSILIEN: DAS

HABEN WIR DIESMAL FÜR

EUCH AUSPROBIERT.

VON CHRISTOF DOMENIG UND KLAUS MOLIDOR

Fotos: Thomas Polzer, Klaus Molidor, Hersteller

114 SPORTaktiv


SCHNEEKETTEN FÜR DIE SCHUHE

DA SCHEPPERT NIX ...

... das sagte, falls sich noch jemand erinnert, vor einigen

Jahren ein deutscher Automanager über ein koreanisches

Konkurrenzprodukt und landete damit einen Youtube-Hit.

Ich hab an den Satz öfters gedacht, wenn ich

mit kleinem Rucksack von der Arbeit nach Hause gelaufen

bin. Geld, Schlüssel und Handy sind halt die Minimalausstattung,

die man immer mithaben will, und das war

dann immer ein ganz schönes Geschepper im Rucksack.

Der FORMBELT von VARIOSPORTS schafft Abhilfe. Er

liegt so eng an und ist gleichzeitg so flexibel, dass er die

Pflichtutensilien fest in Zaum hält. Handys bis 6,8 Zoll

(sagt der Hersteller), Schlüssel und – naja – zumindest

die Bankomatkarte und ein paar kleine Scheine und

Münzen finden locker Platz. Auch Taschentücher oder

das eine oder andere Gel lassen sich mit dem Formbelt

an der Taille verstauen.

Der Gürtel ist aus einem Stück gefertigt, und man steigt

einfach rein. Was auch den Vorteil hat, dass es keinen

Verschluss oder Ähnliches gibt, der dann drücken könnte.

Atmungsaktiv ist der Gurt auch – und um € 17,95

herrscht beim Laufen endlich Ruh.

Laufen im Schnee kann schon was. Allerdings: Der Grip ist

schnell ein Problem. Vor allem bergauf geht viel Vortrieb durch

die Rutschphase verloren. Kennt man ja vom Auto. Dort schaffen

Schneeketten Abhilfe, beim Laufen die SNOWLINE CHAIN-

SEN um knapp 40 Euro. Mit einem starken Gummiband zieht

man die mobilen Schuh-Spikes erst über die Zehenkappe,

dann über die Ferse. Und dann marschierst du bergauf ohne

Schlupf und damit schneller und vor allem sicherer als je zuvor.

Ein sehr gutes Gefühl. Bergab? Da verfliegen die Sorgen,

dass die Dinger verrutschen oder sich gar vom Schuh lösen

könnten in Windeseile. Hält bombenfest. Der unschlagbare

Vorteil gegenüber Laufschuhen mit Spikes: Ist das Geläuf

schnee- und eisfrei, sind die Chainsen mit zwei flinken Handgriffen

entfernt und im kleinen Tascherl verstaut. Kurze Strecken

über Asphalt halten die Chainsen aber auch leicht aus.

Der Laufrunde bei Eis und Schnee steht also nichts im Wege.

SPORTaktiv

115


VOLLE LEISTUNG

Dr. Böhm ® Magnesium Sport

+Aminosäuren gibt Sportlern

Muskelkraft und Ausdauer

während des Sports und

sorgt für eine schnellere

Regeneration der Muskeln

danach. Eine wichtige Rolle

spielen dabei verzweigtkettige

Aminosäuren, die BCAAs.

www.magnesium-sport.at

RUN

NEWS

SAVE ENERGY

Der ASICS Evoride ist

das dritte und leichteste

Mitglied der innovativen,

energiesparenden Guidesole-

Laufschuhfamilie. Wer

als Neutralläufer Wert auf

Leichtigkeit, Schnelligkeit und

Flexibilität legt, wird mit

ihm glücklich sein.

www.asics.at

GUT VERSORGT

IM SPORT

Wer leistungsfähig bleiben

will, braucht eine gezielte

Mikronährstoff versorgung.

Die Sport-Basisversorgung

von PURE Encapsulations

vereint Mikronährstoffe

wie Magnesium, Zink und B-Vitamine,

die den Körper beim Sport gezielt

unterstützen.

www.purecaps.net

HIGH-TECH UND

RETRO-CHIC

Starke Laufsocken sind die

CEP 80’s Compression Socks.

Das innovative Druckprofil

aktiviert die Durchblutung und

steigert die Versorgung mit

Nährstoffen, und die gezielte

Kompression regt den

Stoffwechsel an und fördert

die Regeneration.

www.cepsports.com

LÄUFT LÄNGER

Die neue GARMIN-fenix-6-Serie besticht durch

größere Displays, innovative Performance-

Features sowie längere Akkulaufzeiten.

Highlight ist die fenix 6X Pro Solar-Edition

mit „Power Glass“ und Solarladelinse zur

Verlängerung der Akkulaufzeit.

www.garmin.com

Fotos: Hersteller

116 SPORTaktiv


BIKE

Technik – Menschen – Material

Fotos: Wintersteiger, Specialized, Michael Cramer

DAS FLAGGSCHIFF

Specialized prescht voran und stellt

die neue Levo-SL-Serie fürs E-MTB

vor. Kleinerer Motor und Akku,

sehr leicht (S-Works nur 17,3 kg!)

und 150 mm Federweg. Preise von

€ 5999,– bis zur Limited Founder’s

Edition (Bild) um € 14.999.

www.specialized.com

LÖSUNGEN FÜR BIKER

News von der ISPO in Müchen:

Anlagenbauer Wintersteiger aus

Ried (auch Skiservice) geht heuer

verstärkt in den Radsektor: mit

Waschanlagen, Lagerungsideen,

Verleihsoftware und Hygienelösungen

für Bike-Pendler.

www.wintersteiger.com

HISTORISCHE ROUTE

Der deutsche Grünen-Politiker

Michael Cramer (Bild) ist seit 1979

ohne Auto mobil. Der leidenschaftliche

Radfahrer hat sechs Bücher

geschrieben und den Europaradweg

Eiserner Vorhang von der Barentsee

bis zum Schwarzen Meer initiiert.

www.michael-cramer.eu

SPORTaktiv

117


DIE LIEBE IST EIN

KOMPROMISS

Ich gestehe, ich bin verliebt in einen

Kompromiss. Dass das möglich sein

kann, hätte ich vor wenigen Monaten

auch nicht gedacht. Denn prinzipiell

orientiert man sich auch bei

der Auswahl seiner Sportgeräte doch am

Optimum. Und nicht an einer Schnittmenge,

deren ureigenste Natur es ist,

eben nicht diese optimale Lösung zu

sein. Damals hatte ich allerdings noch

keinen Crosser („Querfeldeinrad“), meine

neue eierlegende Wollmilchsau, die

nur als flüchtige Winterromanze gedacht

war. Meine neue „Liebe“ erreichte mich

in einem Karton. Einem großen, braunen

Karton aus Belgien und nach rascher

Endmontage stand sie endlich da.

Es war aber nicht die Liebe auf den ersten

Blick, denn im Vergleich zu meinem

schlichten und eleganten Rennrad derselben

Marke wirkte der Crosser auf den

ersten Blick mit seinem Aluminiumrahmen,

den Scheibenbremsen und vor allem

den 33 Millimeter breiten Stollenreifen

wie ein massiver Geländewagen.

Wenige Wochen zuvor habe ich meinen

Crosser bestellt. Ich wollte ein Rad

für den Winter, nichts aufregend Aufregendes.

Einfach ein stabiles, unverwüstliches

Gerät, mit dem ich auf der Straße

und auch im einfachen Gelände trainieren

kann, ohne um meinen Renner

„Angst“ haben zu müssen. Denn, obwohl

ich ein Freund von Walze und

Zwift bin, wollte ich auch in der kalten

SPASS IM GELÄNDE, SPASS AUF

DER STRASSE – UND DAS MIT EIN

UND DEMSELBEN RAD. GEHT NICHT?

GEHT DOCH. AUSRITTE AUF DER

EIERLEGENDEN WOLLMILCHSAU DER

MUSKELBETRIEBENEN ZWEIRÄDER

TRETEN DEN WAHRHEITSBEWEIS

Jahreszeit wieder raus an die frische Luft

und dabei wenn möglich von den viel

befahrenen Straßen runter. Denn mit

den kürzer werdenden Tagen wird auch

der Platz auf der Straße (gefühlt) weniger

und die Gefahr immer größer, bei

der diesigen Witterung übersehen zu

werden – Reflektoren und Lichter hin

oder her.

Und außerdem: Wenn Mathieu van

der Poel, der neue Shootingstar auf der

World Tour, sich im Winter mit Cyclocrossrennen

scharf macht, wird es einer

Hobbette wie mir bestimmt auch

nicht schaden.

Es mussten vor dem Kauf aber zwei

grundlegende Entscheidungen getroffen

werden. Die erste: Cyclocrosser oder

Gravelbike? Der Übergang zwischen den

beiden Typen ist zwar fließend, doch

sind Gravelbikes von der Auslegung eher

DAFÜR AN.

VON GEORG MICHL

FOTOS: THOMAS POLZER

Fotos: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

118 SPORTaktiv


für lange (komfortablere) Fahrten auf

Schotterpisten konzipiert. Ich war aber

auf der Suche nach einem Sportgerät,

das in puncto Agilität und Lenkverhalten

meinem Straßenrad ähnelt und mit

dem ich mir kurz so richtig einschenken

kann, sprich ein bis zwei Stunden hart

trainieren. Länger macht es mir im Winter

auch mit gutem Gewand selten richtig

viel Spaß. Daher habe ich mich für

den eher aggressiver ausgelegten Crosser

entschieden, denn seine Geometrie ist

der meines Rennrades nach ein paar Adaptierungen

(Vorbau, Sattelstütze) sehr

ähnlich, wenngleich etwa das Oberrohr

kürzer ist.

Blieb nur noch zu entscheiden, ob ein

oder zwei Kettenblätter. Wiewohl die

moderne einfache Kurbel cooler und

auch leichter ist, sprach ein Fakt für die

„klassische“ Variante mit zwei Kettenblättern:

Sowohl bergauf (vor allem im

Gelände bei einem schweren Fahrer, wie

ich es bin) als auch bei höherem Tempo

auf der Straße würden mir irgendwann

schlichtweg die Gänge ausgehen. Darum

fiel die Wahl auf 46/36 und 11/32 in solider

und robuster FSA-Shimano-

105-Variante.

Die Entscheidungen stellten sich

schon bei der ersten Ausfahrt als richtig

heraus. Der Premierenritt auf dem neuen

Gaul wurde gleich zum ersten Härtetest,

inklusive eines leichten Singletrails

versteht sich. Denn so ein Rad forderte

eines als Allererstes heraus: Das Kind im

Mann und das ist erst zufrieden, wenn

es irgendwann irgendwo vollkommen

dreckig auf dem Boden liegt und das

Rad möglichst ein paar Meter weiter.

(Leichte) Singletrails sind mit diesen Rädern

durchaus fahrbar, der Spaß hält

sich im Gegensatz zu einfacherem Terrain

wie Schotterpisten oder Waldwegen

mit Wurzeln und Schlamm aber relativ

in Grenzen. Es ist aufgrund der fehlenden

Dämpfung und des schmalen Rennradlenkers

eher mühsam, wenngleich

auch lehrreich.

Wo mit wir bei einem Extrabonus für

das Straßenrad sind: Durch das Fahren

auf losem Untergrund und in schwieri-

SPORTaktiv

119


DAS KIND

IM MANN

IST ERST

ZUFRIEDEN,

WENN ES

DRECKIG AUF

DEM BODEN

LIEGT UND

DAS RAD

MÖGLISCHST

EIN PAAR

METER

WEITER.

gen Situationen verbessert sich das

Handling mit dem Rad merklich und

man kann die Grenzen des Fahrbaren

besser ausloten. Balancieren, schnelles

Ein-Aus-Klicken, Kurven lesen und fahren,

springen – beim Crossen und auch

Graveln werden zahlreiche Fähigkeiten

geschärft. Und nicht nur das, es ist

obendrein ein Freibrief, sich und das

Rad von oben bis unten richtig fein einzusauen.

Je dreckiger, desto besser. Weshalb

es sich auch immer empfiehlt, vor

der Ausfahrt ein, zwei Euro für die

Waschstraße einzustecken.

Ein Mal habe ich für die Reinigung

von Rad (und mir selbst) sogar zum

Feuerwehrschlauch gegriffen, so dick

war die Schicht aus Gatsch, Sand und

Laub. Obwohl ich es nie vorhatte, ein

Rennen zu fahren, habe ich mich bei der

ersten Möglichkeit dafür angemeldet.

Die Inkubationszeit mit dem Cross-Virus

ist offenbar minimal und es war einfach

nur großartig: 40 Minuten Vollgas

mit Tragepassagen, Matsch, kurzen

Rampen, Querfahrten und allen möglichen

Hindernissen wurden serviert. Dabei

herausgekommen ist ein Durchschnittspuls

von 172 Schlägen, zwei

Stürze, ein aufgeschlagenes Knie, überall

Sand und Dreck und ein Spaß auf dem

Rad, wie ich ihn in dieser Form noch

nie hatte. Dabei ist Cyclocross keine

neue Erfindung, sondern die Renaissance

des eigentlichen Querfeldeinfahrens.

Rund um die vorletzte Jahrhundertwende

haben sich Fahrer mit Rennen zwischen

zwei Orten von Kirchturm zu

Kirchturm in Form gebracht und die

Wahl der Strecke war frei. Meist wurde

dabei die Direkte durch das Gemüse gewählt.

Vor allem in den Niederlanden

und Belgien ist Cyclocross eine der Top-

Wintersportarten und die Saison endet

meist im Februar. Mit meiner Leistung

hätte ich mir in Belgien aber eher eine

Bierdusche als Applaus von den Zusehern

abgeholt.

MEHR POWER,

MEHR SPASS

BH Bikes verpasst der

ATOMX-Serie spannende

Updates. Der neue Antrieb

ermöglicht jetzt bis zu 155

km lange E-MTB-Touren.

Die ATOMX-Serie des baskischen Premiumherstellers

BH Bikes besitzt auch in der

Aluminium-Version für 2020 alle Vorteile

der Carbon-Modelle. So sind die Räder

mit 29-Zoll-Bereifung ausgestattet, die bei

Fahrtests eine bis zu 15 % höhere Reichweite

als die verwendeten Plusreifen vorheriger

Modelljahre aufwiesen. Ebenso auf hohe

Reichweite und perfektes Fahrvergnügen

sind der 720 Wh große Akku sowie der

leistungsstarke Brose-Drive-S-Mag-Antrieb

getrimmt, der bis zu 155 km lange Touren

ermöglicht. Wer sich fragt, wo der Akku

versteckt ist: Der wird durch das Oberrohr

in das Unterrohr eingeschoben. Als kleines

technisches Highlight benötigt man zum

Öffnen der Akkuklappe nichts weiter als das

mitgelieferte Smart-Key-Armband – einmalig

in der Radbranche.

Mehr Infos unter: www.bhbikes.com

Fotos: BH Bikes

120 SPORTaktiv


So fein die Traktion des Stollenreifens

mit seinem groben Profil im Gelände

auch ist, auf der Straße rollt er nicht

wirklich fein ab. Aus diesem Grund

habe ich mir für das reine Training auf

Asphalt einen zweiten Satz Laufräder gegönnt

und mit breiten Rennradreifen

samt leichtem Regenprofil ausgerüstet.

So spare ich mir das lästige Ummontieren

der Mäntel und kann das Rad mit

wenigen Handgriffen den Trainingsgelüsten

anpassen. Vor allem bei feuchter

Straße vermitteln die breiteren Reifen

ein gutes Gefühl und durch den geringeren

Druck in den Reifen werden Unebenheiten

wesentlich besser „geschluckt“

als auf dem Rennrad. Nicht nur darum

ist es sicher auch eine gute Option für

(Rennrad-)Einsteiger, die sich auch vom

Verkehr fernhalten wollen. Meist bleiben

bei mir aber die „Groben“ montiert

und es geht in den Wald zum kompromisslosen

„Ballern“. Und meine Saison

endet sicher nicht im Februar.

E-GLOW

LIGHT UP

YOUR

RIDE.

OPTIMAL FOR

E-BIKES

E-GLOW: Wasserdichte Lenkertasche für E-Bikes, die mehr als nur

praktisch ist: mit LED-Beleuchtung und der Möglichkeit, beidseitig

Trinkflaschenhalter anzubringen. MADE IN GERMANY.

KEEP DRY SPORTaktiv WHAT

YOU LOVE.

121


Bosch, SCOTT & SPORTaktiv präsentieren in St. Anton am Arlberg:

2. E-MOUNTAINBIKE

WOMEN-CAMP IN

ST. ANTON AM ARLBERG

18. bis 21. Juni 2020

(Donnerstag bis Sonntag)

3 Übernachtungen im Hotel Schwarzer Adler

in St. Anton am Arlberg

• Halbpension

• kostenfreies WLAN

• 3 E-Bike-Touren (zwei längere, eine kürzere)

in St. Anton mit weiblichen Guides

• Fahrtechniktraining

• Thule-Bikerucksack als Geschenk

• Top-Testräder von SCOTT

• 1x Teilmassage

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger

Versicherung

PREIS: € 350,– pro Person im DZ

(Aufenthalt im Doppelzimmer Standard,

Einzelzimmeraufschlag auf Anfrage)

PREIS für den Guide: € 40,– pro Person

(wird vor Ort abgerechnet)

DAS ANGEBOT:

TEILNEHMERINNEN

max. 15 Personen

PROGRAMM

Donnerstag, 18. Juni

• selbstständige Anreise

• gemeinsames Abendessen der

Teilnehmerinnen und Begrüßung (19 Uhr)

Freitag, 19. Juni

• Ausgabe/Einstellen der E-MTBs

• 1. gemeinsame Ausfahrt (rund 4 Stunden)

mit Fahrtechniktraining

• Nutzung der einmaligen Teilmassage

Samstag, 20. Juni

• 2. Ausfahrt (rund 5 Stunden)

• Nutzung der einmaligen Teilmassage

• individuelles Abendessen (19 Uhr)

Sonntag, 21. Juni

• kurze Abschlusstour (ca. 2 Stunden)

• individuelle Abreise

Programmänderungen vorbehalten

4 TAGE UND 3 NÄCHTE

MIT HALBPENSION, TESTRAD

UND GESCHENKEN UM € 350,–

ZUM TESTEN

Das SCOTT Contessa Strike

eRIDE 910 hat 140 mm Federweg,

die kraftvolle Unterstützung

der Bosch Performance

Line CX und ist speziell für

Frauen ausgelegt.*

*Musterfoto. Testbike kann abweichen

122 SPORTaktiv


E-MTB WOMEN CAMP

www.sportaktiv.com

Entspannen, relaxte Leute treffen, plaudern,

biken – und das alles exklusiv für

Damen, in traumhafter Landschaft und

gemütlicher Atmosphäre? Willkommen beim 2.

E-Mountainbike- Women-Camp von SPORTaktiv

in St. Anton am Arlberg! Vier Tage lang habt

ihr die Möglichkeit, ins Thema E-Mountainbike

hineinzuschnuppern. 15 Frauen werden von weiblichen

Coaches persönlich betreut und von ihnen

gibt es wertvolle Tipps zu Technik, Gelände und

Fahrsituationen.

Ein wenig Bikeerfahrung solltet ihr schon mitbringen,

denn drei Ausfahrten stehen auf dem

Programm, zwei längere und eine kurze zum

Abschluss. Dazu gibt es Goodies unserer Partner

von Thule und Bosch. Apropos: Du musst nicht

einmal dein eigenes Bike mitbringen. Scott stellt

E-Mountainbikes zur Verfügung.

Aber keine Sorge, das ist kein Trainingslager,

Spaß und Entspannung kommen nicht zu kurz.

Dafür sorgt schon allein die Unterkunft im Hotel

Schwarzer Adler in St. Anton.

Das SPORTaktiv-Camp dauert von Donnerstag

18. bis Sonntag 21. Juni. On top gastiert zur selben

Zeit das „E-BIKE FEST ST. ANTON“ im

weltbekannten Ort am Arlberg. Als Zuckerl findet

am Freitagabend ein Hüttenabend auf einer

urigen Hütte oberhalb von St. Anton statt. Dort

warten Lagerfeuer, Livemusik und leckere Drinks.

Mehr Infos: www.ebikefest.at

DEINE GESCHENKE

Wir statten dich mit Goodies

unserer Partner aus: Thule

schenkt dir einen edlen Bikerucksack,

Bosch sorgt für trockene

Füße und von Peeroton

gibt es Energie für unterwegs.

DIE UNTERKUNFT

Hotel Schwarzer Adler ****s

in St. Anton am Arlberg

Fotos: St. Anton Tourismus/Patrick Bätz, Hersteller, Bosch

Sabine

Schipflinger

von SCOTT

steht im

Camp als

Expertin zur

Verfügung.

ZIMMERBUCHUNG

KONTAKT & BUCHUNG mit Kennwort

SPORTaktiv E-MTB-WOMEN-CAMP“

Hotel Schwarzer Adler ****s

sport & spa

Fam. Tschol GmbH

6580 St. Anton am Arlberg

hotel@schwarzeradler.com

www.schwarzeradler.com

SPORTaktiv

123


Bitte nicht lachen. „Fufu Zauberlift“

steht auf dem Schild

mit dem kleinen feuerspeienden

Drachen. Bei diesem Zauberteppich

üben die Kleinsten

der Kleinen das Skifahren. Jetzt steht ein

ausgewachsener Lackl inmitten von Dreijährigen

und versucht, sich nicht zum

Narren zu machen. Kinder schauen ungläubig,

Papas entfährt ein „cool“ oder ein

„häh?“. Die ersten Meter am Sno-Go im

superflachen Gelände gelingen erstaunlich

leicht, es rutscht, das bringt uns trotzdem

nicht weiter.

Also zum Lift, zum echten. Nix für ungut,

Fufu. „Was ist denn das? Da kannst ja

gar net sitzen!“, staunt der Liftwart ob der

fehlenden Sitzbank (wie beim entfernt

verwandten Skibob) und reicht mir den

Bügel für den Schlepplift. Damit ist die

Frage, ob ich mit dem komischen Ding

überhaupt transportiert werde, abgehakt.

„Ich kann nicht garantieren, dass es mich

nicht gleich raushaut“, rufe ich nach hinten

und los geht die Fahrt.

„Das ultimative Snowbike! Das Sno-Go

verbindet Skifahren mit Downhill-Mountainbiken“,

steht im Pressetext. Das gefällt

mir und erinnert mich irgendwie an den

Slogan vom Besten aus beiden Welten unserer

türkis-grünen Regierung. Und weiter

heißt es: „Jeder, der schon einmal Mountainbike

gefahren ist, wird sich in wenigen

Minuten mit dem Sno-Go auf die Piste

wagen.“ Das gefällt mir auch.

Die wenigen Minuten absolviere ich am Lift.

Oben starte ich in die Piste, die eine sehr, sehr

blaue Anfängerpiste ist. Der beste Tipp kam

von einem Youtuber, der empfahl, das massiv

und hochwertig verarbeitete Sno-Go wie ein

Mountainbike über den Lenker und mit viel

Druck auf den kurveninneren Griff zu lenken.

Tatsächlich, der Rahmen kippt über

die Parallelachsen willig ein und die beiden

Kurzski hinten, auf denen ich mit Winterschuhen

stehe, gehen wie Carvingski auf

die Kante. Ich ziehe los. Links kippen,

rechts kippen, links, rechts, links, rechts,

lässig. Das Spiel mit der Schieflage

macht echt Spaß und gerade als die

Fahrt auf der hart präparierten Piste

nicht unrasant wird, erinnere ich mich,

wie mich die bessere Hälfte zu Hause

beim Zusammenbauen des Sno-Gos

beobacht hatte. „Und wie bremst

man da ……?“, hat sie sorgenvoll

beim Blick auf nichtvorhandene

Bremsen gefragt. Im Bastelkeller

habe ich ihren Einwand milde

weggelächelt. Bremsen, pffffff.

Aber jetzt in voller Fahrt kommt

mir das wieder in den Sinn. „Die

EIN MOUNTAINBIKE PAART SICH MIT EINEM SKIBOB.

HERAUS KOMMT DAS BESTE AUS BEIDEN WELTEN

UND EINE KOALITION MIT HANG ZUM LINKSEXTREM

UND RECHTSEXTREM. „SNO-GO“ HEISST DAS DING.

DOCH MANCHMAL IST VORSICHT GEBOTEN, SAGT

DER HINTERKOPF NACH DEM GROSSEN KNALL.

VON CHRISTOPH HEIGL, FOTOS: THOMAS POLZER

TÜRKIS-GRÜN IN

SCHIEFLAGE

124 SPORTaktiv


Druck auf

den Lenker

und die Ski

gehen in den

Carving-Modus:

Sno-go heißt das

Spaßgefährt.

SPORTaktiv

125


Mittels „S.L.A.T.-Technologie“ kippen die

Ski parallel auf die Kante. Normale Winterschuhe

reichen, man hat keine Bindung.

AM HALDENSEE

Winterausklang

[ 15. März - 5. April 2020 ]

5 oder mehr Tage mit der

¾-Verwöhnpension und

allen „Tyrol-Inklusive-

Leistungen“ sowie:

■ 1 Gutschein im Wert von

€ 20 für Anwendungen

in der VitalQuelle

■ 2 geführte Wanderungen

■ 1 geführte Nordic-

Walking-Tour

■ 1 Laternenwanderung

■ Saunanacht und

Mondscheinschwimmen

5 Tage ab

€ 505

pro Person

Bremstechnik entspricht der des

Skifahrens“, heißt es im Beipacktext.

Und das heißt??? Abbremsen

durch Querstellen der Ski? Ich

nehme den Fuß vom linken hinteren

Ski und gehe in den Volldrift

wie Walter Röhrl und Stig Blomqvist.

Auch Franz Wittmann und

Mundl Baumschlager wären jetzt

stolz auf mich. Ich lenke rechts

dagegen, das Gefährt bricht links

aus. Bremswirkung auf harter Piste

fast null. Nach 10, 15 Metern

Driftphase beginne ich, die Gegend

um mich zu scannen. Wo

könnte ich reindonnern? Wie weiche

ich dem Kinderskikurs aus?

Nach 20, 25 Metern Drift steht

die Fuhre. Endlich. Mein Herz

rast. Also Fahren ist von der

Grundtechnik her relativ easy,

aber das Bremsen definitiv nicht.

Vom Schlepplift schauen ein paar

erschrocken herüber. Der alte

Depp und sein Spielzeug, denken

sie sicher.

Aber das Fahren macht großen

Spaß. Der Druck auf die Ski hinten

ist groß, das Carven gelingt

deshalb einfach, auch wenn die

Lenkwirkung des Führungsskis

(in der MTB-Federgabel) nicht

berauschend ist. Der Oberkörper

ist Mountainbiker, die Beine fahren

Ski, so funktioniert das. Nur

der Moment zwischen den Carvingphasen

macht mich nervös.

Liegen die Ski flach auf, rutscht

das 16-kg-Gerät mehr oder weniger

ohne Kontrolle seitwärts.

Beim Zweitversuch ist dieselbe

Piste übrigens weich und mit etwas

Neuschnee entschärft, da ist

auch das Bremsen weniger ein

Problem.

Hotel Tyrol am Haldensee

Familie Schädle & Barbist

A-6673 Haldensee

Seestraße 24

Tel. +43 5675 6245

info@tyrol-haldensee.com

www.tyrol-haldensee.com

126 SPORTaktiv

@tyrolhaldensee

#tyrolhaldensee

Yippieh! Auch in den Tiefschnee

kann man mit dem Sno-go ausreiten.


DAS ULTIMATIVE

SNOW-BIKE?

UVP 1699 Euro,

Gewicht: 16 kg

Das Sno-Go wurde von

einem Start-up in Sandy

im US-Bundesstaat Utah

entwickelt. Ausgezeichnet

mit dem ISPO Brandnew

Award 2019 gibt es das

Sno-Go seit dem Vorjahr

auch in Europa. In den

USA hat die Vereinigung

der Skilehrer (PSIA – Professional Ski Instructors of America) das Sno-Go

sogar in den offiziellen Ausbildungs- und Lehrplan aufgenommen.

DETAILS: massiver, pulverbeschichteter Alu-Rahmen, Sicherheitsleine

für den Fall eines Sturzes. Die drei Kurz-Ski haben einen Vollholzkern,

Spitzenschutz und Vollstahlkanten. Ein spezieller Bügel in genormter

Höhe ermöglicht den Transport am Sessellift, Schleppliftfahren funktioniert

ähnlich wie beim Snowboarden. Mit drei Schnellverschlüssen lässt

sich das Snowbike demontieren und passt dann in jeden Kofferraum.

TECHNIK: Die patentierte S.L.A.T.-Technologie (Synchronized Lateral Articulating

Technology) sorgt dafür, dass die beiden hinteren Ski stets in einer

parallelen Position gehalten werden. Die hinteren Gelenke sind mit

Nachlaufwinkel montiert, um auch bei höheren Geschwindigkeiten sicher

fahren zu können. Als Vordergabel ist eine RockShox Judy mit 120 mm

Federweg montiert. Eine zusätzliche Feder zwischen Vorderski und Federgabel

filtert kleinere Schläge und Stöße ab.

EINSATZGEBIET: Pisten, Tiefschnee, Forststraßen, Wege.

INFO: www.snogo-europe.com

Du kannst dein Rad ja

nicht immer mitnehmen!

Mit dem Power Fold von BBB ist

es trotzdem sicher verwahrt! das

hochsichere Faltschloss sorgt für

maximalste Sicherheit. 7,5 x 22 mm

starke, gehärtete Stahlglieder bieten

extremen Schutz. die Kunststoffhülle

zur Befestigung am Rahmen

bietet Schutz vor Kratzern.

Gesamtlänge: 70 cm

Eine Erinnerung bleibt mir noch

an die harte Piste. Bei einem

Bremsdrift mit verhältnismäßig geringem

Tempo, irgendwo in der

Nähe von Fufu, verdreht es das

Snowbike, ein Ski fängt sich im

Schnee und das Ding steht plötzlich

stur wie ein Bock. Da ist der

Reiter längst abgehoben und mit

dem Hinterkopf auf die Piste geknallt,

dass es nur so scheppert.

Dabei ist sogar die Sicherungsleine

ausgerissen. Hoppla, schaut kinderleicht

aus, im Detail sind ein paar

Tücken. Helm ist also Pflicht.

Dass die Grundidee stimmt, zeigen

meine motorisch überaus begabten

Neffen. Die beiden Volksschüler

stellen sich beim ersten Mal

rauf und kurven los, als hätten sie

nie etwas anderes gemacht. Kindertauglich

ist es also, Vorsicht aber

geboten. Also eh wie beim Mountainbiken

und dem Besten aus

beiden Welten.

FALTSCHLOSS

POWER FOld - BBl-71

SPORTaktiv

127


DIE TROPHY IST

DIE HÖLLE

„EINMAL HÖLLE UND ZURÜCK“, WEN DAS TROPHY-

FIEBER EINMAL GEPACKT HAT, DER NIMMT DIE STRA-

PAZEN IN KAUF. DIE SALZKAMMERGUT- TROPHY IN BAD

GOISERN FINDET HEUER AM 18. JULI STATT. SPORT-

AKTIV IST MIT DABEI UND SUCHT TEAMFAHRER!

Die Salzkammergut-Trophy in Bad Goisern

hat sich seit der ersten Auflage im

Jahr 1998 zum größten MTB-Marathon

Österreichs entwickelt. Waren es 1998

gerade 220 hartgesottene Biker, standen in

den letzten Jahren mehr als 5000 Teilnehmer

am Start und trugen sich in die ewigen

„Trophy-Geschichtsbücher“ ein.

Bei der Trophy 2020 stehen wieder sieben

Marathondistanzen zur Auswahl. Zusätzlich

zur Extremdistanz über 210 Kilometer gibt

es Strecken über 22, 37, 53, 76 und 119 Kilometer

sowie den technisch anspruchsvollen

„All-Mountain“-Bewerb mit 56 Kilometern.

Abgerundet wird das Rennangebot mit der

SCOTT-Junior-Trophy, den Einradbewerben,

der innovativen Bosch-eMTB-Challenge

und dem Gravel-Marathon powered

by Dachstein-Salzkammergut. Das lassen

sich auch Österreichs fitteste Promi-Sportler

nicht entgehen: Andreas Goldberger

nimmt wieder die Extremdistanz in Angriff,

Snowboarder Benjamin Karl und Langläufer

Christian Hoffmann haben ihre Teilnahme

auf den Strecken über 119 bzw. 76 km auch

schon bestätigt.

ANMELDUNG

Sei mit uns dabei

von 17. bis 19. Juli in

Bad Goisern!

www.trophy.at/

anmeldung

Auch SCOTT ist

heuer SPORT aktiv-

Teamsponsor und

präsentiert bei

der Trophy-Bike- Messe

u.a. das neue Spark RC

900 World Cup AXS.

Wir sind dabei!

Als langjähriger Partner ist auch SPORTaktiv

wieder mit einem Team in den verschiedenen

Startblöcken unter den Mountainbikern

vertreten. Heuer suchen wir

50 Biker und Bikerinnen, die mit uns die

Trophy als „Slow-Motion-Team“ in Angriff

nehmen. Dafür haben wir mit unseren Partnern

tolle Goodies fixiert. Melde dich rasch

mit unserer Teamnummer 55 an.

www.trophy.at/anmeldung

128 SPORTaktiv


TEUFEL

KOMM RAUS

WER MACHT MIT? SPORTAKTIV

HAT WIEDER EIN TEAM BEI DER

SALZKAMMERGUT-TROPHY!

VITAL ENTSPANNEN IM

NARZISSEN VITAL RESORT

Das Narzissen Vital Resort bietet dir

während der Trophy den perfekten

Ausgangspunkt. Genieße vor und

nach dem Rennen eine entspannte

Atmosphäre fernab des Trubels und

gönne dir erholsame Momente der

Regeneration im Solebad & Saunabereich.

Schöpfe bei einer Massage im

Medical Wellness neue Kraft und fülle

deine Energiereserven wieder auf.

Das Start- und Zielgelände ist in 20

Minuten mit dem Pkw erreichbar.

Paket: 3 Tage/2 ÜN inkl. Frühstücksbuffet,

15 Minuten Medyjetbehandlung,

Solebad, Sauna sowie Medical

Fitness ab € 440,– für zwei Personen

im DZ, buchbar nach Verfügbarkeit.

Anmeldung und Infos:

Narzissen Vital Resort Bad Aussee

Pötschenstraße 172

T. +43 36 22/553 00-202

E-Mail: reservierung@vitalresort.at

www.vitalresort.at

DAS „DOWE-SPORTAKTIV-

SLOW-MOTION-TEAM“

Eine Besonderheit der Trophy ist die

„Slow-Motion-Teamwertung“: Es gilt als

Team eine möglichst große Kilometerzahl

zu schaffen. Gemeinsam mit 50 Lesern versuchen

wir, wie in den letzten Jahren auch

heuer wieder ganz vorne dabei zu sein – als

„Dowe-SPORTaktiv-Team“. Alle, die bei der

Anmeldung unsere Teamnummer „55“ angeben,

sind automatisch Teammitglieder.

Fotos: Erwin Haiden, Hersteller

Alle 50 Teamfahrer bekommen das

Dowe-Team-Trikot mit Trägerhose, das

Energie-Paket von Dr. Böhm ® , die perfekte

Pumpe für zu Hause und unterwegs von

Syncros und den Kettenreiniger von Ballistol.

Die ersten 10 Anmeldungen zusätzlich

die neue Thule-Bike-Duffel.

SPORTaktiv

129


DAS

RAD

DREHT

SICH

WEITER

Für die Produktion

von Fahrrädern

braucht es viel

Know-how. Das

findet man vorwiegend

in Asien.

Nachhaltigkeit ist in der

Sportbranche das Thema

der Stunde. Diskussionen

um Klimawandel, Fairness,

vegane Ernährung, von

Ethik und Moral geleitetes Kaufverhalten,

ökologische Produktionsbedingungen

und Mobilitätsvisionen haben sich

bei der größten Sportartikelmesse, der

ISPO in München, wie ein „grüner Faden“

durch die Messehallen gezogen

(siehe unseren Bericht im FIT-Teil).

Auf der Eurobike-Messe im Jahr 2019

war das Thema auch in der Radbranche

spürbar. Eher noch im Ausrüstungs- und

Bekleidungsbereich, aber Diskussionen

um die Produktion von Carbon- und

Aluminiumprodukten in Fernost (im

Fokus: die Rahmen) hatten die Branche

längst erreicht. Bis auf in Kleinstserien

produzierende Nischenanbieter bezieht

die gesamte Szene ihre Rahmen seit

Jahrzehnten aus China und Taiwan.

Doch auch dort steigen allgemeiner

Wohlstand und Umweltauflagen. Die

Produktionsbedingungen unter im Vergleich

zu Europa günstigeren Vorzeichen

Fotos: iStock, Christoph Heigl

130 SPORTaktiv


DAS FAHRRAD STEHT FÜR NACHHALTIGKEIT, GRÜNE MOBILITÄT UND GESUNDHEIT.

DIE REALITÄT IN DER PRODUKTION IN ASIEN SCHAUT OFT ANDERS AUS. DAS RUFT

DIE EU AUF DEN PLAN UND HAT DIE ÖSTERREICHISCHE MARKE WOOM ERREICHT,

DIE JETZT MIT TRANSPARENZ PUNKTET UND IN DIE OFFENSIVE GEHT.

VON CHRISTOPH HEIGL

werden schwieriger, weshalb chinesische

und taiwanesische Produzenten mit Subfirmen

in noch ärmere Länder auswandern,

wo sie ihrer Einschätzung nach

„produktionsfreundlichere Konditionen“

vorfinden. Zudem werden Einfuhren

aus China und Taiwan in die EU

mittlerweile mit hohen Strafzöllen belegt.

So werden Laos, Vietnam, Kambodscha

und Nord-Thailand zu Orten der

Begierde. Das Rad dreht sich munter

weiter. Die Produkte für uns in Europa

bleiben billig, nur vor Ort in den Fabriken

werden die Bedingungen nicht besser.

Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards

sind in diesen Ländern nicht

ganz oben auf der Agenda, vor allem die

Zustände in der Textilindustrie sind

ständig in den Medien.

Nur ganz wenige westliche Fahrradproduzenten

können aus diesem Karussell

aussteigen. Von den Großen, die auf

riesige Stückzahlen und günstige Preise

für den Endkunden angewiesen sind,

keiner. Möglich ist die Produktion z. B.

in Europa nur für jene Nischenmarken,

die auf wieder im Trend liegende Handarbeit

mit Schweißgerät und Co. setzen

und Radrahmen aus edlem Stahl oder

Titan brutzeln. Doch das sind nur ganz,

ganz wenige, wie etwa die Engländer

von „Stanton Bikes“, die ihre Produktion

vom fernen Taiwan gerade zurück auf

die britschen Inseln in die nebligen Derbyshire

Dales ins Örtchen Tansley verlegt

haben. Englische Handarbeit, dementsprechend

exklusiv, die Klientel greift

da gerne ein bissl tiefer ins Börserl. So

können kleine Rahmenschmieden in

Italien, Frankreich und England am

Markt bestehen. Billige Serienproduktion

findet am anderen Ende der Welt

statt.

„Made in Cambodia“. Dieser Kleber

ziert viele Räder, die aus Fernost in Europa

landen. Im Jahr 2018 waren es 1,5

Millionen Räder für den gesamten EU-

Raum, davon 560.000 für Deutschland.

Kein Land liefert mehr Fahrräder nach

Deutschland als Kambodscha, schreibt

Zacharias Zacharikis im Dezember 2019

in einer aufsehenerregenden Reportage

für „DIE ZEIT“. Der Wirtschafts- und

Gesellschaftsredakteur war in Kambodscha

und hat im Vertrauen mit Arbeitern

von Fabriken gesprochen, in denen Fahrradrahmen

hergestellt werden. Das Bild

war ernüchternd: Von oft nur 5,50 Euro

Taglohn war die Rede, kaum langfristige

Verträge, kein Urlaub, totale Erschöpfung,

schlechte Ausbildung, handwerklich

fragwürdige Fertigung. Die Geschäftsführungen

vor Ort bestritten die

Vorwürfe vehement. Auch die Cambodian

Bicycle Coalition als Zusammenschluss

der drei großen Fabriken vor Ort

in Bavet stellte in einer Presseaussendung

Punkt für Punkt klar, dass die Schilderungen

im Artikel nicht korrekt sind. Besonders

brisant war der Zeit-Artikel für

den deutschen Markt dennoch, weil in

jenen Fabriken u. a. Räder für die große

„Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft

ZEG“ aus Köln (u. a. mit den Marken

Bulls, Pegasus) und früher für die bekannte

Marke Cube hergestellt werden,

die am europäischen Markt mit hoher

Qualität und hohen Standards werben.

SPORTaktiv

131


Besuch uns auf BIKEHOTELS.IT

Bikeboard.at - Erwin Haiden

GOOD

TIMES

ON 2

WHEELS

DESIGN.NATUR.LEBENSFREUDE

Design Hotel Tyrol ****

www.tyrol-hotel.it

Erwähnt wird in der Reportage

auch der heimische Vorreiter in Sachen

Kinderbikes, die junge Marke

„Woom“ aus Klosterneuburg bei

Wien. Auch deren Rahmen werden

in Asien hergestellt. Woom-Gründer

und Geschäftsführer Christian Bezdeka

wurde in einem Folgeartikel zitiert:

„Für uns kommt es nicht infrage,

dass wir auf Kosten anderer erfolgreich

sind. So ticken wir nicht

und wir glauben auch nicht, dass dies

funktioniert. Wir nehmen die Vorwürfe

sehr ernst.“ In der Folge kommunizierte

Woom sehr transparent,

veröffentlichte zwei Stellungnahmen

auf der Website, auch zu den sehr

korrekt wirkenden Arbeitszeiten im

Werk sowie den E-Mail-Verkehr mit

dem Journalisten mit allen Klarstellungen.

Auch SPORTaktiv stand

Woom für alle Fragen zur Verfügung.

Nach zwei wenig erfolgreichen Versuchen

in Europa, die nicht die gewünschte

Qualität brachten, wurde

auf das Know-how asiatischer Standorte

zurückgegriffen. Bezdeka selbst

war in Kambodscha, ein Qualitätsmanager

von Woom sei in drei Jahren

36 Mal im Werk gewesen, jeden

Monat verbringt er eine Woche dort.

Woom legte offen, „gefragte Produktionspartner

in Kambodscha, China

und Bangladesch zu haben, die großes

Know-how, erstklassiges Material

Woom-Gründer Christian Bezdeka

kommuniziert sehr offen und will jetzt in

der Branche ein Gütesiegel etablieren.

und höchste Qualität“ garantieren,

auch den freien Zugang zur Fabrik,

ohne merkliche Verschleierungen

oder Einschränkungen bezüglich der

Arbeitsbedingungen.

Woom gibt sich mit dem Status

quo aber nicht zufrieden und geht

weiter in die Offensive. „Wir haben

uns entschlossen, ein Projekt zu starten,

das sich zum Ziel setzt, einen

Standard für faire Fahrradproduktion

zu entwickeln, vergleichbar mit den

Gütesiegeln anderer Branchen. Dafür

haben wir Expertinnen und Experten

engagiert, die uns mit Know-how

und Erfahrung begleiten. In Kambodscha

und Bangladesch möchten wir

zukünftig die Produktionsbedingungen

auch durch unabhängige Dritte

überprüfen lassen“, so Woom. „Das

FÜR UNS

KOMMT ES

NICHT INFRAGE,

DASS WIR AUF

KOSTEN ANDE-

RER ERFOLG-

REICH SIND.


ist aber nichts, was man aus der Hüfte schießt

und sicher ein längerfristiges Projekt“, sagt

Bezdeka. Über die Fortschritte des Programms

werde man regelmäßig informieren,

Bezdeka sieht damit die Chance, aus der Situation

gestärkt herauszukommen. „Ich bin einer,

der in jeder Situation das Positive sieht.“

Dass es im Kinderradbereich auch anders

geht, zeigt Woom ohnehin schon vor. Das

neue, erste Kinder-E-Bike „UP“ wird in Polen

gefertigt und ist made in Europe. „Das ist nur

möglich, weil im E-Bike-Bereich der höhere

Preis auch eine andere Produktion zulässt und

viele E-Zubehörteile ohnehin aus Europa

kommen“, erklärt Bezdeka. In puncto Nachhaltigkeit

unterstützt Woom eine Diplomarbeit

zum Thema Mehrwegverpackung bei der

Radauslieferung und steht mit der Marke generell

für Langlebigkeit, Hochwertigkeit,

Wiederverwertbarkeit und zeitloses Design.

Alles außer Waffen

Für Kambodscha ist eine Änderung in Sicht:

Die EU gewährte 2001 den 49 schlechtestentwickelten

Ländern der Welt das Handelsabkommen

„Everything But Arms“ (EBA,

wörtlich: Alles außer Waffen), das arme Länder

mit zollfreiem Warenexport in die EU fördern

soll. Kambodscha war darunter, machte

aus Europa in der Folge den größten Handelspartner

und das Land für chinesisch-taiwanesisch-europäische

Radproduzenten erst interessant.

Jetzt droht das Land diesen privilegierten

Status zu verlieren. Wegen anhaltender

Berichte über Menschenrechtsverletzungen

und politische Zensur hat die EU Kambodscha

die gelbe Karte gezeigt und gedroht, das

Königreich aus dem Abkommen auszuschließen.

Aus Kambodscha kamen Proteste und

der Hinweis, dass das drastische Auswirkungen

hätte, speziell auf die ärmste Schicht und

im Besonderen die Frauen. In Kambodschas

Fabriken arbeiten fast ausschließlich Frauen,

Schätzungen zufolge in Summe eine Million.

Größter Exportpartner des 16-Millionen-Einwohner-Landes

ist Deutschland, wichtigstes

Segment die Bekleidungsindustrie (z. B. mit

Adidas).

Neue Entscheidungen seitens der EU in der

Causa Kambodscha sind für Ende Februar angekündigt.

Fällt das Land aus dem EBA-Programm,

lohnt sich das Geschäft wohl nicht

mehr. Die Fahrradindustrie wartet gespannt.

Das Rad wird sich weiterdrehen.

IVERA 7210

NICE LOOKING

SAFE LOCKING

Unsere Sicherheitslösungen mit IveyTex Technologie

sehen nicht nur gut aus – Das Hightech-Gewebe ist

langlebig und hochflexibel. Zudem ist es witterungsresistent

und unempfindlich gegen Flüssigkeiten. Ab sofort gibt

es keine Ausreden mehr auch bei schlechtem Wetter mit

dem Fahrrad zu fahren!

abus.com


Bosch, SCOTT, das Ausseerland & SPORTaktiv präsentieren:

3. E-MOUNTAINBIKE-

WOMEN-CAMP

25. bis 28. Mai 2020

(Montag bis Donnerstag)

• 3 Übernachtungen im Narzissen Vital Resort ****

in Bad Aussee

• Halbpension

• kostenfreies WLAN

• 3 E-Bike-Touren (2 längere, 1 kürzere) im

Ausseerland-Salzkammergut mit Bosch-Uphill-

Flow-Expertin Greta Weithaler, Jenny Schönenberger

von Scott und einem weiblichen

Guide des Narzissen Vital Resorts

• Fahrtechniktraining

• Bikehelm von ABUS als Geschenk

• Testrad von SCOTT

• Relaxen im Solebad

• 15-Minuten-Medyjet-Gutschein

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger

Versicherung

PREIS: ab € 402,– pro Person im DZ Standard

exkl. Ortstaxe (Im DZ bei Einzelnutzung ab

€ 472,– exkl. Ortstaxe )

TEILNEHMERINNEN

max. 15 Personen

PROGRAMM

Montag 25. Mai

• selbstständige Anreise

• gemeinsames Abendessen der

Teilnehmer innen und Begrüßung (19 Uhr)

Dienstag, 26. Mai

• Ausgabe/Einstellen der E-MTBs

• 1. gemeinsame Ausfahrt (rund 4 Stunden)

mit Fahrtechniktraining

Mittwoch 27. Mai

• 2. Ausfahrt (rund 5 Stunden)

• individuelles Abendessen (19 Uhr)

Donnerstag, 28. Mai

• kurze Abschlusstour (ca. 2 Stunden)

• individuelle Abreise

DAS ANGEBOT:

4 TAGE UND 3 NÄCHTE

MIT HALBPENSION, TESTRAD

UND GESCHENKEN AB € 402,–

ZUM TESTEN

Das SCOTT Contessa Strike

eRIDE 910 hat 120 mm Federweg,

die kraftvolle Unterstützung

der Bosch Performance

Line CX und ist speziell für

Frauen ausgelegt.*

Programmänderungen vorbehalten

*Musterfoto. Testbike kann abweichen

134 SPORTaktiv


E-MTB WOMEN CAMP

www.sportaktiv.com

Ladys, aufgepasst! Eine einzigartige Möglichkeit

tut sich für alle Einsteigerinnen auf. In

einer reinen Frauengruppe und in traumhafter

Landschaft mit dem Mountainbike zu fahren

und pure Entspannung zu genießen, heißt es

bei unserem Camp. Als Bonus kann man dabei

erste Erfahrungen mit topmodernen E-Bikes wie

zum Beispiel dem extra für Frauen abgestimmten

Contessa-Aspect-Modell von SCOTT sammeln.

Voilà, hier ist es, das dritte E-MTB-Women-

Camp Österreichs, das Bosch, SPORTaktiv und

das Narzissen Vital Resort in Bad Aussee exklusiv

für 15 Leserinnen organisieren.

Das Paket ist ein Genuss auf ganzer Linie: vier

Tage und drei Nächte in der malerischen Ausseer

Bergwelt, Top-Unterkunft im Vier-Sterne-Haus

des Narzissen Vital Resorts Bad Aussee mit allen

Annehmlichkeiten und ein sportliches Programm,

das sich sehen lassen kann. Beim Women-Camp

sind als Guides weibliche Bikerinnen an Bord.

Allen voran wird Bosch-Uphill-Flow-Enthusiastin

Greta Weithaler die Gruppe anführen. „Die

Teilnehmerinnen setzen sich auf das E-Bike, nach

wenigen Metern fangen schon alle an zu schreien,

zu lachen und haben einen Riesenspaß“, weiß

Greta von vielen E-Bike-Ausfahrten. Auch Jenny

Schönenberger von SCOTT ist mit dabei.

Doch nicht nur das Biken in der fantastischen Kulisse

vom Ausseerland-Salzkammergut belebt die

Sinne, im Narzissen Vital Resort steht das Relaxen

danach auch ganz oben.

DEINE GESCHENKE

DIE UNTERKUNFT

Das Narzissen Vital Resort Bad Aussee

inmitten der Ausseer Bergwelt

Fotos: Hersteller, Narzissen Vital Resort, Bosch

Diesen superlässigen Bikehelm

von ABUS und ein Paar

Radsocken gibt es als

Geschenk für alle Damen.

Dazu ein Sportnahrungspaket

von Peeroton für genügend

Energie unterwegs.

Jenny Schönenberger (o.) von SCOTT und

Greta Weithaler von Bosch stehen im Camp

als Expertinnen zur Verfügung.

ANMELDUNG

KONTAKT & BUCHUNG mit Kennwort

SPORTaktiv E-MTB-WOMEN-CAMP“

Narzissen Vital Resort Bad Aussee

Pötschenstraße 172

T.: +43 36 22/553 00-202

E-Mail: reservierung@vitalresort.at

www.vitalresort.at

SPORTaktiv

135


ABUS steht seit 1924 für

Sicherheit und Tradition.

Seit der Familienbetrieb als

Helmsponsor bei Giro und

der Tour de France auftauchte,

heben auch Sportler die

Augenbrauen. 2020 greifen

die Sicherheitsexperten aus

dem Ruhrpott bei den Mountainbikern

an. Und Fahrraddiebe

werden mit der „magischen

Zahl 3“ abgeschreckt.

VON CHRISTOPH HEIGL

MIT

SICHERHEIT

Mit einem ohrenbetäubenden

Knall donnert der

nackte Kopf-Dummy auf

den Holzpflock. Die Besuchergruppe

aus Österreich zuckt

trotz Vorwarnung zusammen. „Das

war jetzt ein Radsturz bei 20 km/h.

Mit 455 g Belastung auf den Kopf“,

sagt Axel Patzer ganz leise, als er den

Analysewert vom Screen abliest.

„Ohne Helm ist das vermutlich tödlich“,

meint der Leiter der ABUS-Sicherheitsakademie.

„Aber ganz sicher

gibt es schlimme Verletzungen und

Hirnblutungen.“ Dann wird der tapfere

Dummy mit einem ABUS-Fahrradhelm

bestückt und in der Simulationsmaschine

ein zweites Mal auf die

kurze, aber gefährliche Reise geschickt.

Diesmal ist der Aufprall

schon viel leiser und Patzer sieht den

neuen Wert am Bildschirm. „Nur

noch 171 g Belastung. Eine massive

Reduzierung, die Leben retten kann.“

Von der Wichtigkeit des Helmtragens

waren wir zwar schon vorher überzeugt,

aber so eine Vorführung macht

auch aus Helmmuffeln restlos überzeugte

Helmis.

Wir sind in der Firmenzentrale von

ABUS in Wetter an der Ruhr im

deutschen Ruhrpott, unweit von

Dortmund. „Aber deswegen ist unser

Labor nicht in Gelb-Schwarz gestylt“,

lacht Marvin Saake, der uns im Innovation

Lab zeigt, wie Helme getestet

werden. Durchdringungstest, seitlicher

Aufprall sowie Testserien nach

europäischen, australischen und

US-Standards werden abgebildet, damit

die Helme ihr Zertifikat bekommen.

Hier wird das ideale Zusammenspiel

aus Innenschale und Außenschale

herausgefiltert, Lufteinlässe

werden optimiert, Riemen getestet.

Der neueste Clou: ein Chip namens

Quin, der Aufprallkräfte misst und im

Falle eines Sturzes via Handyapp die

Notfallkontakte alarmiert. Woran genau

getüftelt wird: „Die Elektronik

und Verkabelung muss gut abgedich-

136 SPORTaktiv


Fotos: Christoph Heigl

tet werden“, erklärt Saake. „Insofern

ist es eine Herausforderung, diese

Technik in leichte, luftige Helme einzubauen.

Sonst bleibt es wenig sinnvoll,

,Smart Tec‘ in Helme einzubauen,

die vom Aufbau her eher ,Low

Tec‘ sind.“

Links: Auf dieser

Werkbank fertigte

August Bremicker die

ersten ABUS-Produkte.

Schau genau: Das

Logo im Eingangsbereich

besteht aus

6500 roten Schlössern,

in Summe

2,5 Tonnen schwer ...

günstiger und bei Hausmessen ein

Hit“, schickt er voraus. ABUS hat

doch tatsächlich Miniaturmodelle von

Helmen gebaut, in die gerade ein Ei

passt – ein rohes wohlgemerkt. So behütet

lässt Patzer das Ei aus einem

Meter Höhe auf den Boden fallen.

Nix passiert, die Schale bleibt intakt,

das Ei auch. Wer das so präsentiert

und danach seinen Kunden beweist,

dass das Ei tatsächlich roh und nicht

gekocht war, könne seine Hausmesse

im Anschluss gleich mit einer leckeren

Eierspeisparty abschließen, empfiehlt

der ABUS-Profi augenzwinkernd.

Dass die Leute ihr Handwerk verstehen,

sieht man hier an jeder Ecke:

Der Eiertest

Als die österreichischen Fahrradhändler

und ABUS-Partner beim Firmenbesuch

nach einer Leihmöglichkeit

für den eingangs erwähnten Helmsimulator

fragen, um damit auf Veranstaltungen

und Hausmessen ihre

Kunden zu überzeugen, zeigt Patzer

den berühmten Eiertest. „Viel kostenbei

der Fertigung, Entwicklung, in

den Schulungsräumen, ein Handwerk

zum Angreifen. Da passt auch das

Museum mit Exponaten aus der Firmenhistorie

seit 1924 dazu, wie die

erste Werkbank von Firmengründer

August Bremicker (dessen Initialen

mit dem Zusatz „und Söhne“ übrigens

das Wort ABUS ergeben) und

sein erstes Vorhangschloss, das den

Weltruf der Marke begründet hat.

Im Showroom schließt sich der

Kreis zu Gegenwart und Zukunft.

Denn ABUS poliert sein Image der

braven Sicherheitsfirma gerade kräftig

auf und investiert in den Profiradsport.

Rennrad-Weltmeister Alejandro

Valverde ist zu sehen, Exponate des

Movistar-Teams, das mit ABUS und

Richard Carapaz zum Sieg beim Giro

d’Italia fuhr. „Jetzt decken wir von

Kindern und Familien weg alles ab

und haben auch für Sportler und Profis

mit den Modellen Game Changer

und Airbreaker richtige Superhelme,

die mit Aerodynamik und Leichtigkeit

bestechen“, ist Patzer stolz.

Mit uns in der Besuchergruppe ist

auch der österreichische ABUS-Markenbotschafter

Michael Strasser, der

den Game Changer auf seiner Weltrekordfahrt

von Alaska nach Patagonien

über 23.000 Kilometer getragen hat.

„Du brauchst Produkte, auf die du

dich verlassen kannst“, sagt Strasser in

seinem Vortrag, der ob der eindrücklichen

Bilder und Anekdoten für viele

Gänsehautmomente sorgt.

Damit sich im Familienbetrieb alle

wohlfühlen, hat man fast amerikanische

Wohlfühlverhältnisse im riesigen

Firmengelände in Wetter. Ein künstlicher

Teich mit Springbrunnen und

Strandkörben, Fußballplatz, Minigolf,

Volleyball, Tischtennis. „Leisure and

creative center“, heißt das bei ABUS.

„Internationale Meetings beginnen oft

einen Tag davor mit einem Fußball-

SPORTaktiv

137


Die österreichische Besuchergruppe

vor der Fertigung in Rehe und im

„Panzerknackerlabor“.

Unten: August Bremickers erstes

Schloss aus dem Jahr 1924.

ABUS

Firmenname abgeleitet von „August

Bremicker und Söhne“ (KG), Hauptsitz

in Wetter im Ruhrgebiet (Deutschland),

traditionelles Familienunternehmen

seit 1924, spezialisiert auf präventive

Sicherheitstechnik

Produkte: Schlösser, Alarmanlagen

und Überwachungskameras,

Rauchmelder, Fahrradhelme und

-schlösser, Smart Solutions

Mitarbeiter: 3500 weltweit in 19 Niederlassungen,

davon in Deutschland

1500 Mitarbeiter an fünf Standorten,

Präsenz in 106 Ländern

ABUS Austria als eigenständiges

Tochterunternehmen in Wr. Neudorf

www.abus.com

turnier“, erzählt Roland Huber, Geschäftsführer

von ABUS Österreich.

„Und dann wird gearbeitet.“ Unser

Abendessen im Firmenrestaurant hat

Haubenqualität.

ABUS ist anders. Die Firma ist im

Familienbesitz, mit den Jüngsten wie

Daniel Bremicker in fünfter Generation

in verantwortungsvollen Positionen.

Man ist stolz darauf, ohne Bankenfinanzierung,

nur mit Eigenkapital,

zu arbeiten. „Und wir sind weniger am

nächsten Quartalsbericht interessiert

als an einer langfristigen Entwicklung

mit Perspektive“, sagt Daniel Bremicker.

Am Klavier im schmucken Mitarbeiterrestaurant

liegt die Bibel, im

Geschenkspäckchen für uns Besucher

das Neue Testament. ABUS ist anders.

Bei der Fertigung im knapp zwei

Stunden entfernten Rehe dürfen wir

endlich Einbrecher und Fahrraddieb

spielen und Schlösser knacken. Was

für ein Spaß, mit einer riesigen Velco-Schere

ein Kabelschloss zu zerschneiden!

Was für eine Mühe dann,

mit dem gleichen Werkzeug bei gehärtetem

ABUS-Stahl am Bügelschloss

kläglich zu scheitern. Woher bekommt

ABUS eigentlich den kriminellen Input

um zu wissen, wie Diebe ticken?

„Wir arbeiten eng mit der Kriminalpolizei

zusammen und haben alle aktuellen

Statistiken“, erklärt uns Stefan

Baran, der seit 22 Jahren an sicheren

Schlössern bastelt. Wobei er sagt: „Das

100 Prozent sichere Schloss gibt es

nicht.“ Bei ABUS arbeitet man aber

mit der „magischen Zahl 3“ als Mission.

„Statistiken der Polizei sagen: Drei

Minuten muss ein Schloss einen Dieb

oder Einbrecher beschäftigen und aufhalten.

Dann verliert er die Freude an

der Aktion und haut frustriert ab. Diese

drei Minuten müssen wir also erreichen.“

Was mit dem millionenfach

verkauften Faltschloss-Besteller Bordo

gelingt, mit den schweren Bügelschlössern

mit Sicherheitslevel 15 oder 20

sowieso. Wir dürfen selbst knacken:

5,5 Tonnen Druck sind im Labor nötig,

damit das erste Bügelschloss

bricht. Das schafft kein mitgebrachtes

Gaunerwerkzeug. Das große Schloss

gibt erst bei 13 Tonnen w.o. – also

unkaputtbar unter Realbedingungen.

Mit Smart Locks, lautem Alarm und

Freischaltungen bzw. Kontrolle via

Handyapp hat ABUS auch Lösungen

für die digitale Zukunft im Angebot.

Ganz nach der Devise, die Firmengründer

August Bremicker schon 1924

ausgerufen hat: „Wir wollen das Leben

ein Stück sicherer machen.“

138 SPORTaktiv


BEI WIND

UND WETTER

WER JETZT AUFS RAD STEIGT, BRAUCHT

KLEIDUNG, DIE ALLES MITMACHT.|

BBB DELTA SHIELD BBW-268

• wind- und wasserdichte

Radjacke mit atmungsaktiver

Aquatec-Membran.

• weiches und extrem flexibles

Gewebe mit 2,5 Schichten

• die voll einstellbare Kapuze

passt über den Helm

• verstärkte Einsätze an den

Unterarmen, Seitenpartien

und Schultern.

PREIS (UVP): € 159,99

https://bbbcycling.com/de_de

DAINESE HARASHIMAYA

• ideal für den Bereich Enduro/Downhill/

All Mountain

• die Jacke besteht aus einem elastischen,

reißfesten Vier-Wege-Material mit einer

wasserdichten, hoch atmungsaktiven

Membran, die Bewegungsfreiheit und extreme

Witterungsbeständigkeit gewährleistet

• Wassersäule: 10.000 mm+

• 4-Wege-Stretch

PREIS (UVP): € 219,90

www.dainese.com

Fotos: Hersteller

VAUDE FEDAIA SOFTSHELL JACKET

• 100 % winddicht

• sehr atmungsaktiv und

wasserabweisend

• wärmend, elastisch

• umweltfreundlich hergestellt

PREIS (UVP): € 190,–

www.vaude.com

LÖFFLER BIKE JACKET ALPHA WS LIGHT

• winddichte, wasserabweisende

Bike-Jacke aus Gore-Tex-Infinium-

Windstopper® im Frontbereich

• mit elastischen Thermo-Velours-

Zonen seitlich und im Rückenbereich

• Zip-Rückentasche und elastischer

Arm- und Bundabschluss

• maximale Wärmeisolation bei

minimalem Packmaß

PREIS (UVP): € 159,99

www.loeffler.at

SPORTaktiv

139


SAMEN

SÄEN

FÜR DIE ZUKUNFT

Nadja, was war bislang die

größte Herausforderung auf

deiner Reise?

Am meisten zu schaffen macht

mir persönlich immer die Kälte. Natürlich

vermisse ich meine Kids, meine Familie,

meine Freunde. Aber abgesehen

davon hatte ich bisher noch nicht wirklich

größere Schwierigkeiten. Alles ging

am Ende immer irgendwie gut aus.

Deine Mission: Du willst mit kleinstmöglichem

ökologischen Fußabdruck

von Wien nach Hawaii. Was sind deine

Schwerpunkte? Die Reise selbst?

Die Ernährung? Die Message?

Eigentlich ein bisschen von allem.

Nachdem ich angefangen hatte,

mich mit den Aspekten des Veganismus

und dem Zustand unseres

Planeten intensiver auseinanderzusetzten,

hat es mir erst mal den

Boden unter den Füssen weggezogen

und es ist der Wunsch

entstanden, darüber zu informieren.

Meine Hoffnung

war, dass ‚da draußen‘ viele

sind, denen es geht, wie es mir

über 40 Jahre lang gegangen

Auf der Reise hält Nadja

Hennig Vorträge und

stellt Projekte vor.

ist: keine Zeit, kein wirkliches Interesse,

proaktiv mehr darüber in Erfahrung zu

bringen, keine Bereitschaft, die Fakten

wirklich bewusst aufzunehmen. Und die

aber dankbar sind, wenn sie bestimmte

Informationen dann doch haben und ihr

Handeln und ihre Entscheidungen bewusster

in Einklang mit ihren inneren

Werten bringen können.

Zu welchem Schluss bist du

gekommen?

Ich habe überlegt, wie mein Beitrag aussehen

könnte. Was ich kann? Was mache

ich gerne? Und nachdem ich sehr früh

Kinder bekommen habe und so was wie

lange Rucksackreisen nie unternommen

habe, wollte ich Reisen, Triathlon, Inspiration

und Information kombinieren. So

ist die Idee zu Ride4Respect entstanden.

Eine Reise mit dem Rad von Wien nach

Hawaii zur Ironman-WM 2020, mit dem

Versuch, sich unterwegs in Texas für Hawaii

zu qualifizieren. Mein Projektbudget

beträgt 20.000 Euro. Was am Ende vom

Reisebudget übrig bleibt, wird für eines

der Projekte und Organisationen gespendet,

die ich unterwegs vorstelle. Natürlich

kann auch jeder über die Website etwas

spenden.

Was definierst du als „Ziel“ dieser

Reise?

Mein Projekt endet mit der Weltmeisterschaft

in Hawaii im Oktober. Schaffe ich

die Quali nicht, feuere ich dort einfach

an. Das Ziel dieser Reise ist aber, bei so

vielen wie möglich Bewusstsein für die

Aspekte des Veganismus und den Zustand

unseres Planeten zu schaffen und

dazu zu motivieren, selbst aktiv zu wer-

Fotos: ride4respect.com

140 SPORTaktiv


NADJA HENNIG (44) REIST MIT DEM RAD VON WIEN ZUR IRONMAN-WM AUF HAWAII.

DABEI GEHT ES IHR ABER NICHT UM SIE, SONDERN UM DIE ZUKUNFT DES PLANETEN.

DIE TRIATHLETIN UND MUTTER IST BOTSCHAFTERIN DES VEGANEN LEBENSSTILS UND

GIBT MITTLERWEILE IN FLORIDA TV-INTERVIEWS. SPORTAKTIV HAT SIE AUCH ERREICHT.

VON CHRISTOPH HEIGL

den. Wir brauchen zwar einen Systemwandel,

aber der kann nur Hand in

Hand mit einem individuellen Wandel

funktionieren und offenbar braucht es

noch viel mehr Druck „von unten“, bevor

die aktuellen Machthaber endlich aktiv

werden und Maßnahmen ergreifen,

um die schlimmsten Auswirkungen des

Klimawandels noch zu verhindern – oder

zumindest so weit zu verlangsamen, dass

wir noch eine Chance haben, bessere Vorkehrungen

zu treffen und uns auf das

vorzubereiten, was uns bevorsteht.

Seit wann und weshalb baust du auf

vegane Ernährung?

Ich bin selbst noch gar nicht so lange vegan

unterwegs. Im März ist es ein Jahr.

Ich habe im März 2019 im Trainingslager

auf Lanzarote abends zwei Hörbücher angehört:

„Ich bin dann mal vegan“ und

„Anständig essen“. Das tagsüber beim

Schwimmen, Radfahren und Laufen

durch den Kopf gehen zu lassen und

SPORTaktiv

141


ICH WILL MÖGLICHST VIELE ERREICHEN,

DIE VON MIR BEGEISTERT SIND ODER

MICH SCHEITERN SEHEN WOLLEN.

BEIDES IST IN ORDNUNG.

die mir erlauben, mein Reisebudget für

weniger Notwendiges anzugreifen. Einfach,

damit es nicht so leicht ist, Geld für

nicht Notwendiges auszugeben und ich

mir Gedanken machen muss, welche

Ausgaben mir das nun wirklich wert sind.

abends bewusst auf den Teller zu sehen,

hat alles geändert. Als ich heimkam, eröffnete

ich meinem Sohn: „Ab jetzt ist

das ein veganer Haushalt!“ Natürlich

habe ich mir auch Sorgen um meine

sportliche Leistung gemacht. Völlig umsonst.

Ich habe schnell rausgefunden, dass

ich eine ehr viel geringere Regenerationszeit

benötige und allgemein belastbarer

bin. Und auch auf der Genussebene steht

die vegane Küche einer omnivoren in

nichts nach. Die vegane Küche ist unheimlich

bunt, vielseitig und kreativ und

es schmeckt einfach alles so viel besser,

wenn man weiß, dass niemand dafür leiden

musste und die Umwelt geschont

wird.

Wird sich die Reise mit deinem Budget

von nur 20.000 Euro ausgehen?

Wenn ich weiterhin so tolle Unterstützung

auf meinem Weg erhalte und sich

meine Ausgaben auf einem Niveau wie

bisher bewegen, werde ich ca. 3000 Euro

vom Reisebudget spenden können. Allerdings

ist das Essen in Amerika sehr, sehr

teuer. Meine Ausgaben können über meine

Website unter „Rules“ transparent

nachverfolgt werden. Ich unterscheide

zwischen „notwendigen Ausgaben“, was

quasi das Minimum umfasst, das ich

brauche, um dieses Projekt erfolgreich

abzuschließen, und „nicht notwendigen

Ausgaben“. Für Letztere muss ich

Schwimm- und Laufpunkte sammeln,

Wie kannst du dich während der Reise

seriös auf den Ironman Texas und die

WM selbst vorbereiten?

Das Training ist unter diesen Umständen

natürlich tricky. Aber ich habe genug Zeit

eingeplant, um auch die Lauf- und

Schwimmeinheiten unterzubringen.

Über die Online-Trainingsplattform

„PerfectPace“ sind mein Trainer Alexander

Kolar vom Wiener Tri-Team Chaos

und ich verbunden. Ich gebe ihm im

Trainingskalender meine geplanten Radtage

vor und er plant die anderen Einheiten

drumherum. Ich zeichne meine Aktivitäten

auf und er kann meine Entwicklung

im Auge behalten. Nicht immer lassen

sich alle Trainingsvorgaben 1:1

SCHÖCKL STÜRMEN

UND EM SCHAUEN

Der Bikeclub GIANT Stattegg hat im

Bikesport so ziemlich alles veranstaltet,

was es zu veranstalten gibt.

Im Jahr 2020 ist die 20. EM an der

Reihe: Die UEC Mountainbike-EM

Graz/Stattegg von 14. bis 17. Mai.

Foto: Bikeclub GIANT Graz Stattegg/grubernd

Der Europäische Radsportverband UEC

ist zum 20. Mal in der bikeCULTure-

Region Graz zu Gast. Das Jubiläum

werden von 14.–17. Mai 2020 die

europäischen Stars der Szene in den

Eliteklassen des Cross-Country-Sports

feiern. Die Elite-Europameisterschaft

mit allem Drum und Dran gastiert in

Graz/Stattegg und viele Stars fahren um

ihre Qualifikation für Olympia in Tokio.

Neben den Eliteklassen fahren auch

die JuniorInnen und U23-Kategorien

um EM-Medaillen. Für die Masters ab

35 wird in einem Aufwaschen am 14.

und 15. Mai auch die „UEC XCO Masters

EM“ abgehalten. Der Clou für die

Teilnehmer der MTB-Challenge: Der

Termin des Schöckl Gipfelsturms wurde

mitten in das EM-Programm am 16.

Mai hineingepflanzt. Motto: Erst den

Schöckl stürmen, dann EM schauen!

DIE EM-RENNEN

14. Mai: Team Relay (XCR)

15. Mai: Eliminator (XCE)

16. Mai: Cross Country Olympic

(Juniors, U23 Männer)

17. Mai: Cross Country Olympic

(Elite, U23 Frauen)

Ebenfalls am Programm:

14.–15. Mai: UEC MTB Masters

EM XCO

16. Mai: Schöckl-Gipfelsturm

für jedermann/jederfrau

www.bike020.at

142 SPORTaktiv


umsetzen, aber im Großen und Ganzen

sind wir mit der Trainingsentwicklung

bisher zufrieden. Kritisch wird sicher,

dass meine Radeinheiten nicht wirklich

schnelle Einheiten beinhalten. Aber mein

Schwachpunkt ist eh eher das Laufen.

Radelst du tatsächlich mit deiner Triathlon-Rennmaschine?

Wie schwer ist

dein Gepäck?

Nein, natürlich nicht. Zum Glück hat

mich mein Sponsor unicabikes.at hier gut

beraten und ein ordentliches Gravel-Rad

(Anm. geländetaugliches Rennrad mit

breiten Reifen) zusammengestellt. Ohne

Gravel-Bike wäre ich nicht mal aus Österreich

rausgekommen. Meine Navigationsfähigkeiten

sind – sagen wir – ausbaufähig.

Und ich habe mich schon in den

ersten Tagen auf Wege verirrt, wo andere

wahrscheinlich nicht mal mit Mountainbikes

fahren würden. Mein Gepäck transportiere

ich in einem Anhänger. Alles zusammen

wiegt ca. 35 kg.

NADJA HENNIG

geboren am 16. Juli 1975, aus

Rosenheim (D), lebt seit 2013 in

Wien. Wirtschaftsstudium in der

Ludwig-Maximilians-Universität in

München, Mutter zweier Kinder

(Jahrgang 1997 und 1998) und Triathletin.

Jetzt mit Ride4Respect selbstständig,

eine Reise mit dem Rad von

Wien nach Hawaii zur Ironman-WM.

Route: Wien, München, SUI, FRA,

SPA, POR, Kanaren, Kuba, Anfang

Februar aktuell in Florida (USA).

Ironman Texas am 25. April.

www.ride4respect.com

Welches Feedback und Echo bekommst

du? Gibt’s auch Kritik an der Aktion?

Überwiegend positives Feedback. Aber natürlich

gibt es auch Kritiker. Sie kritisieren

meine Route über so viel Wasser bzw.

Meer. Aber mir ist es wichtig, „den globalen

Westen“ zu informieren, da er es ist, der

unseren Planeten zerstört. Außerdem wollte

ich eine zivilisierte und warme Route und

brauchte einen passenden Ironman für die

Quali. Auch für den Ironman als Kommerzbewerb

wurde ich kritisiert, mit

durchwegs gerechtfertigten Kritikpunkten.

Mir ging es aber darum, eine Story zu haben,

von der ich die Hoffnung hatte, dass

sie möglichst viele dazu bewegt, mich auf

meiner Reise zu begleiten. Weil sie begeistert

sind und mitfiebern oder weil sie mich

scheitern sehen wollen. Beides ist in Ordnung.

Meine Hoffnung ist nur, dass ich

den einen oder anderen Samen säen kann,

der sie vielleicht zum Nachdenken in Bezug

auf ihre Handlungen und Konsumentscheidungen

bringt.

COMEBACK IN

DEN NOCKBERGEN

ALLE INFOS/ANMELDUNGEN

ARBÖ-Radmarathon

Bad Kleinkirchheim

www.kaernten-radmarathon.at

Foto: ARBÖ-Radmarathon Bad Kleinkirchheim

Nach drei Jahren Pause

wird in den Kärntner Nockbergen

wieder geradelt.

Das Motto beim neuen

ARBÖ-Radmarathon Bad

Kleinkirchheim am 7. Juni

lautet: „bike&enjoy“.

Manche werden wissen, dass ein schlimmer

Unfall und die damit verbundenen juristischen

Folgen dazu führten, dass der Radmarathon

drei Jahre pausierte. Nun haben

sich die Schatten verzogen, am 7. Juni 2020

feiert das Jedermann-Radspektakel in den

Nockbergen ein glanzvolles Comeback.

Um jeglichen Renndruck hintanzuhalten,

bekommt der Radmarathon Bad Kleinkirchheim

ein in Österreich bislang einzigartiges

System verpasst: „Nur noch an drei Anstiegen

gibt es eine Zeitnehmung. Und in die

Wertung kommen nur Fahrer, die mindestens

3,5 Stunden unterwegs waren“, verrät

OK-Chef Norbert Unterköfler. Generell

wird der Genussfaktor in den Mittelpunkt

gestellt: Von der Jedermann-Ausfahrt mit

Einkehr am Freitag über den Kids-Bewerb

und das MB-Race am Samstag bis zum

Radmarathon am Sonntag.

SPORTaktiv

143


VALAMAR & SPORTaktiv LADEN EIN

DAS SPORTAKTIV-

RENNRAD-CAMP

07. bis 10. Mai 2020

in Poreč, Kroatien

• 3 Übernachtungen im 3-Sterne-Hotel Valamar

Pinia in Poreč

• inklusive 3 x Frühstück und 3 x Abendessen

• Bike-Service-Bereich, Waschservice, Radkeller

• Entspannung am hoteleigenen Pool

• Begleitung und Betreuung durch die Profi-

Guides von IstriaBike (www.istriabike.com)

• 2 geführte Rennrad-Tages touren (Fr. & Sa.)

auf verkehrsarmen Straßen in Istrien

(in zwei Leistungsgruppen)

• als Geschenk: ein Sportnahrungspaket

von PEEROTON, ein Ultrasun-Sonnenschutz und

ein SPORTaktiv-Buff-Stirnband

ZIELGRUPPE

ambitionierte Rennradfahrer für Ausfahrten

zwischen 80 und 120 km pro Tag

TEILNEHMER

maximal 25

PREISE & ANMELDUNG

direkt unter www.valamar.com mit dem

Buchungscode „SPORTAKTIV“. Damit erhältst du

20 % Rabatt auf den Hotelpreis. Die Guidingkosten

in Höhe von € 48,– werden bei Buchung automatisch

hinzugefügt. Der Preis kann je nach Auslastung

und Buchungszeitpunkt leicht abweichen.

Die ersten 25 kommen zum Zug!

UNTERKUNFT

Valamar Pinia Hotel

Šetalište Antona Restovića 2, 52440 Poreč

T. +385 52 407 700

www.valamar.com

ISTRIA300

Das neue Rennrad-Event ISTRIA300 findet

am 10. Oktober 2020 statt und bietet

Strecken über die Distanzen von 300 km,

235 km und 155 km (Distanz während der

Fahrt flexibel wählbar). Die Teilnehmerzahl

ist auf 1000 limitiert.

Alle Teilnehmer des SPORTaktiv-Rennrad-

Camps erhalten einen fixen Startplatz

zum vergünstigten Preis von EUR 60,–

statt des Normalpreises von EUR 85,–.

144 SPORTaktiv


RENNRAD CAMP 2020

www.sportaktiv.com

DAS ANGEBOT:|

4 TAGE/3 NÄCHTE|

MIT 2 GEFÜHRTEN|

RENNRAD-TOUREN |

AB € 233,–|

DEINE GESCHENKE

Ein Top-Sportnahrungspaket von

PEEROTON, ein Ultrasun Sonnenschutz

und ein SPORTaktiv-Buff-Stirnband

Fotos: Valamar, Barbara Tesar

Das SPORTaktiv-Rennrad-Camp 2020

findet vom 7. bis 10. Mai dort statt,

wo das Einrollen in die neue Saison

am meisten Spaß macht: direkt am Meer,

im milden mediterranen Klima entlang der

Küsten Istriens.

Ambitionierte Rennradler planen zu

Jahresbeginn die nächste Saison. Was gibt

es dabei Schöneres als ein sportliches Frühlings-Trainingslager

am Meer mit komfortabler

Auto-Eigenanreise mit dem geliebten

Rennrad im Gebäck. Gemeinsam mit

VALAMAR, der führenden Hotelgruppe in

Kroatien, und den erfahrenen

Istrien-Rennradguides

von ISTRIABIKE rund um

die bekannte Grazer Triathletin

Barbara Tesar planen

wir zwei lange gemeinsame

Ausfahrten in zwei unterschiedlichen

Leistungsgruppen.

Gefahren wird in der malerischen

Umgebung rund

um Poreč und damit großteils

auf den Straßen des

neuen PREMIUM-Rennradevents

ISTRIA300 (www.

istria300.com), das heuer

am 10. Oktober 2020 erstmalig

mit den drei Distanzen

300 km, 235 km und

155km stattfindet.

Istrien besticht als Rennraddestination

durch das milde mediterrane

Klima, die coolen Straßen entlang der Küste,

die unberührten Natur im Landesinneren

und das gut ausgebaute und zugleich verkehrsarmen

Straßennetz. Rennradherz, was

willst du mehr? Alle Infos zum heurigen

Camp findest du im Infokasten links. Wichtig

noch der Hinweis auf die mit 25 Teilnehmern

begrenzte Teilnehmerzahl,

d.h. bitte rasch entscheiden!

DIE EXPERTIN

Barbara Tesar

übenimmt mit "istriabike.com"

das Guiding.

Die bekannte Triathletin

kennt Istrien in- und

auswendig – IstriaBike

ist dort seit Jahren

die beste Adresse für

Radsporturlaub und

Triathloncamps.

www.istriabike.com

SPORTaktiv

145


SPEED & STYLE

Die Bike- und Multisportbrille

RUSH von JULBO ist ein

kompromissloser Top-Performer.

Die perfekt belüftete Scheibe

bietet ein maximales

Sichtfeld. Mit Flex³-Bügel

für sicheren Halt und

selbsttönender REACTIV-

Photochromic-Scheibe.

www.julbo.com

BIKE

MIT HECKSPOILER

Superleicht (128 g), superkomfortabel: Der neue Sattel 612R

von SQ-LAB gibt durch das noch mal erhöhte Heck mehr

Halt und sorgt damit für eine bessere Kraftübertragung. Die

bewährte Ergowave-Form entlastet den Dammbereich und

verhindert energiezehrende Schutzhaltungen. Fürs Rennrad

und sportliche Mountainbikes.

www.sq-lab.com

NEWS

RENDER LÄSST

DIE PREISE

KRACHEN

Mehr Ausstattung und

Performance für diesen Preis

zu finden, wird schwierig.

RADON zeigt mit der neuen

E-MTB-Serie RENDER (ab UVP

€ 3999,–) der gängigen Preisspirale

den Vogel und bietet eine Ausstattung, die

bei anderen Herstellern erst beim doppelten

Budget verfügbar ist. Der Preis-Leistungs-Tipp

für 2020. www.radon-bikes.de

Fotos: Hersteller

SPORT TOTAL AM

NEUSIEDLER SEE

Mit gleich mehreren Rad- und Laufbewerben

wird am Wochenende

des 25./26. April am Neusiedler See

wieder die Freiluftsportsaison in

Österreich eingeläutet. Im Mittelpunkt

steht der Radmarathon.

Der Bewerb ist erfahrungsgemäß der

erste Gradmesser des Jahres für sehr

viele Hobbysportler: Der Neusiedler-

See-Radmarathon mit seinen zahlreichen

Sideevents am 25. und 26. April.

Highlight dabei ist der 125 Kilometer

lange Radmarathon mit 600 Höhenmetern

am Sonntag mit Start und Ziel

in Mörbisch. Bereits am Samstag davor

steht ein Einzel- und Paarzeitfahren auf

dem Programm, bei dem immer mehr

Hobbysportler mitmachen.

Ebenfalls am Samstag, dem 25. April

geht der Mörbischer Lauftag in der

Weinmetropole über die Bühne. Hier

warten Bewerbe von 10 und 5 Kilometer

Länge auf motivierte Freizeitläufer

und auch Bewerbe für die Kleinsten.

Auch der Mini-Radmarathon über 63

Kilometer steht wieder au dem Programm:

Gestartet wird mit dem „großen“

Marathon, das Ziel befindet sich

aber bereits in Illmitz. Von dort geht es

mit der Fähre über den Neusiedler See

und dann wieder zurück nach Mörbisch,

wo gemeinsam gefeiert wird.

MEHR INFOS

www.neusiedlersee-radmarathon.com

Foto: Neusiiedler See Radmarathon/Sportshot

146 SPORTaktiv


LADIES-BIKECAMP

www.sportaktiv.com

Fotos: Heiko Mandl/Alrbergerhof

DAS 4. SPORTAKTIV-

LADIES-BIKECAMP

Termin: 29. Mai–1. Juni 2020

im Naturpark Weissensee

TEILNEHMER

max. 24, die in 3 Gruppen aufgeteilt werden

und mit wechselnden Guides fahren

ZIELGRUPPE

Bike-Einsteigerinnen und

fortgeschrittene Bikerinnen

CAMPINHALT

• Technik und Trailtechnik

• Abfahren auf unseren

3 Weissensee-Trails

• Schrauber-Workshop

• Bike- und SEEnerlebnis

LEISTUNGEN

• 3 Übernachtungen im

Hotel Arlbergerhof Vital im

Naturpark Weissensee

• Verpflegung: Halbpension mit kulinarischen

Genüssen aus Christines Küche

• Teilnahme am dreitägigen Bikecamp-

Programm, an zwei Tagen mit Mirijam

Buhr als Guide

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger

Versicherung für die Dauer des Camps

• Exklusives Maloja-Ladies-Shirt

• Gratis-Bergbahnbenutzung

• Top-Preis für SPORTaktiv-Leserinnen:

€ 375,– p. P.

• Aufpreis für Einzelzimmer: € 30,–

BUCHUNGEN

Direkt beim Hotel Arlbergerhof

am Weissensee: T.: +43 (0) 47 13/22 80

info@arlbergerhof.at

Infos zum Hotel: www.arlbergerhof.at

Es gelten die allg. Bedingungen des

österreichischen Hotelgesetzes

DEIN GESCHENK

Ein Ultrasun-LSF-50-Sports-Gel; ein

Top-Sportnahrungspaket von Peeroton;

und ein SPORTaktiv-Headband

von BUFF

DAS ANGEBOT: 3 NÄCHTE IM

ARLBERGERHOF VITAL UND 2 TAGE

BIKEN UM € 375,–

M

üsste man die bisherigen Ladies-Camps

in wenigen Sätzen

zusammenfassen, würde sich

das laut Arlbergerhof-Hausherr Peter

Schwarzenbacher so anhören: „Mädels

aus allen Himmelsrichtungen kommen

zusammen, setzen sich aufs Bike und

fahren gemeinsam auf die Alm. Dort

geht’s mit vollem Ehrgeiz und noch

mehr Spaß ans Techniktraining. Es gibt

lauter strahlende Gesichter, Freundschaften

entstehen und die eine oder

andere Träne gibt es auch, wenn es daran

geht, Abschied zu nehmen.“

Der Weissensee ist als Location

perfekt. Die Vormittage werden aktiv

gestaltet, die Techniktrainings werden

von Freeriderin Mirijam Buhr aus Aachen

geleitet. Mit den neu gewonnenen

fahrtechnischen Kenntnissen geht es

geschmeidig die Trails bergab. Noch

MIRIJAM BUHR ist Freeriderin und

bringt mit ihrer Bikeschule seit Jahren

nicht nur Ladies das Biken bei.

einmal hinauf und die Trails werden

gerockt. Nach einem Heidelbeerkaiserschmarrn

folgt nachmittags die verdiente

Abkühlung im Weissensee. Zum

Entspannen und um in der Sonne zu

liegen ist auch genug Zeit eingeplant.

Und zum Abschluss jeden Tages gibt’s

kulinarische Hochgenüsse aus Christine

Schwarzenbachers Küche.

WEISSENSEE

Spielplatz der Natur

SPORTaktiv

147


ANRADELN HAT

WIEDER SAISON

AnRADeln ist das RADopening

in der Steiermark!

Von 3. bis 5. April

starten sonnenhungrige

Radbegeisterte in Bad

Radkersburg mit Fun

und Gleichgesinnten

in die Saison.

enn in vielen Regionen

Österreichs noch die

Reste von Schnee und

Eis liegen, regieren im steirischen Süden

fast immer schon die Sonne und

milde Temperaturen. In der Region

um Bad Radkersburg können das die

Radfahrer ausnutzen und extrafrüh in

den Frühling starten – die Sportlichen,

die Hobby- und Genussfahrer genauso

wie Familien.

Das milde Klima ist freilich nicht

der eizige Grund, warum das AnRA-

Deln seit Jahren so beliebt ist. Los

geht es am Freitag, dem 3. April,

mit der City Trophy. Das Rennen in

der historischen Bad Radkersburger

Altstadt wird für Rennradfahrer und

Mountainbiker im Eliminator-Bewerb

ausgetragen. Am Samstag, dem 4.

April, findet das AnRADeln mit fünf

geführten Touren für Rennradfahrer,

Genussradler, Mountainbiker, Familien

und Nostalgieradler statt. Es ist

Die Region Bad Radkersburg

wird Anfang

April wieder zum Treffpunkt

für Freizeitradler

jeder Art.

Foto: TVB Radkersburg

148 SPORTaktiv


ACHT GRÜNDE FÜRS ANRADELN

1 Früher Frühling

Das mediterrane Klima beschert

der Region einen herrlich

frühen Frühlingsstart

2 Erlebnisreichste

und sonnigste RADregion

Österreichs

3 Abwechslungs reiche

Touren für Renn- und Genussradler

und für Familien

4 RAD-Guides

begleiten die Tour

5 Regionale Kulinarik

6 Startsackerl

mit vielen Goodies

7 Kein Nenngeld

beim AnRADeln

8 Regeneration im

mineralreichen Thermal wasser

kein Startgeld zu bezahlen, im Gegenteil:

Alle Aktiven, die nach dem

Radeln ihre Startkarte im Ziel abgeben,

erhalten kostenlos eine 3-Stunden-Eintrittskarte

in die Parktherme

sowie ein Präsent. Ab 10 Uhr gibt

es ein Rahmenprogramm mit Livemusik,

Radneuheiten und regionalen

Schmankerln.

Ausklingen wird das Radfest am

Sonntag ab 9 Uhr mit drei gemütlichen

Ausfahrten: der Weinland-Tour

(Rennrad, 70 km), der Murauen-

Tour (25 km) und der Dörfertour

(15 km).

ANRADELN 2020

Das Rad-Opening in der Region

Bad Radkersburg von 3. bis 5.

April mit City Trophy am Freitag,

AnRADeln am Samstag und

AusRADeln am Sonntag.

RENNRADCAMP 2020

Vom 1. bis 5. April (5 Tage, 4 Nächte)

sorgen in dem von Edi Fuchs

organisierten RennRAD-Camp drei

Coaches für den optimalen Start in

die Saison.

ONLINE-ANMELDUNG

Tourismusverband Region

Bad Radkersburg

www.badradkersburg.at

GESCHENKE

Ein Top-Sportnahrungs paket von

Peeroton für genügend Energie;

ein SPORTaktiv-Headband von BUFF

SPORTaktiv

149


AUS

PRO

BIERT

BIKE

O SOHLE MIO

Beginnnen wir ganz unten. Kalte Füße und Zehen sind beim

Radfahren ungefähr das Schlimmste, im Horror-Ranking

gleichauf mit steifgefrorenen Fingern. In den – ohnehin schon

wind- und wasserdichten – Winterradschuhen kann man an

den kältesten Tagen aber noch ein wenig nachhelfen. Mit

den Sohlenwärmern der deutschen Marke THERMOPAD aus

Freudenstadt.

Die Sohlen kosten pro Paar 2,99 Euro (im Sparpack ab € 1,99)

und sind nur einmal verwendbar. Den Nachhaltigkeitsgedanken

versucht man bei Thermopad mit den recycelbaren

Inhaltsstoffen (Eisenpulver, Salz, Aktivkohle, Wasser) zu kompensieren.

Einmal aus der luftdichten Verpackung entnommen,

reagieren Eisenpulver und Aktivkohle in der Sohle mit dem

Sauerstoff der Umgebung und werden nach wenigen Sekunden

wohlig warm. Rein in die Schuhe, fertig. Bei –10 Grad beim

Pendeln ausprobiert, bei –6 Grad am Rennrad, selbst beim

Winterwandern, funktioniert tadellos und hält bis zu 8 Stunden

warm. Ehrlich? So lange waren wir nie unterwegs.

Zielgruppe des Produktes sind aber nur in zweiter Linie

Aktivsportler, wie Vertriebsleiter Frank Klumpp erzählt. „Zu

unseren größten Fans zählen Jäger. Sie sind stundenlang und

bei großer Kälte im Wald und auf den Bergen.“ Zudem sind

die warmen Sohlen beliebt bei Besuchern von Weihnachtsmärkten,

Eishockeyspielen und Fans von winterlichem Fußball.

Darüber hinaus gibt es die Wärme auch in kleinerer Form, nur

für den Zehenbereich oder nur für die Finger.

Fazit: Dafür können wir uns echt erwärmen.

RADFAHRER FRÖSTELN JETZT

DEM FRÜHLING ENTGEGEN.

NICHT MIT DEM SANTINI-DUO,

WARMEN SOHLEN UND DEM

SICHERSTEN HELM DER WELT.

VON CHRISTOPH HEIGL

Fotos: Thomas Polzer

150

SPORTaktiv


JEDE ZELLE MEINES

HELMES IST GLÜCKLICH

ITALIENISCHER WINTER

Weiter oben hat uns der italienische Bekleidungsspezialist

Santini für den Winter ausgerüstet. Mit der neuen Winterradhose

ADAPT BIB TIGHTS und der Winterradjacke VEGA XTRE-

ME. Beide Produkte (UVP €230,– und 199,–) sind typisch italienisch

supereng geschneidert und schmiegen sich wie eine

zweite Haut um den Körper. Passform und Schnitt sind Spitzenklasse,

vom Styling eher fürs Rennradfahren denn fürs Mountainbiken,

wo man gerne weitere Sachen trägt.

Die Hose ist winddicht, wasserabweisend und mit einem Mix

aus Polartec-Powerwool und bi-elastischer Stofftechnologie

gefertigt, traumhaft. Über den Unterschenkel hat man ein bunt

reflektierendes Santini-Logo eingearbeitet. „Keine Forelle

schimmert schöner“, ruft mir der Kumpel beim Niteride zu, als

ich in seinen Licktkegel komme. So ein Kompliment muss man

erst einmal verdauen!

Auch die Jacke ist aufwendigst mit Polartec Windbloc, Alpha

und Fleece gefertigt und passt wie angegossen. Top: superlange

Ärmel mit dichtem Gummiabschluss und ein langer Rückenteil

mit drei Taschen, die mittlere davon wasserdicht. Speziell

die Jacke ist für Performance gemacht, d.h. für den aktiven

Betrieb, bei dem man viel schwitzt. Deshalb funktioniert sie am

besten, wenn man darunter nicht viel anhat. Selbst bei leichten

Minusgraden reichen eine Schicht Sportunterwäsche und ein

Wintertrikot. Bleibt man stehen, sollte man sich rasch eine

Extraschicht drüberziehen. Forza, Italia!

Wir haben an dieser Stelle bei einem Helmtest (Leatt) schon

einmal vermerkt: Wenn stürzen, dann mit diesem Helm. Das gilt

auch in diesem Fall, auch wenn der Fall nie eintreten möge.

Herkömmliche Schaumhelme werden für einen direkten, linearen

Aufprall entwickelt. Bontrager hat viele der neuesten

Helme exklusiv mit der WaveCel-Technologie gebaut. WaveCel

berücksichtigt, wie die meisten Fahrradunfälle tatsächlich ablaufen:

ungraziös, mit Windungen, Drehbewegungen und einem

schrägen Aufprallwinkel. Je nach Winkel reagiert das

wabenartige, komprimierbare WaveCel-Material anders. Der

Helm dreht sich am Kopf. 48-Mal wirksamer als normale Helme,

behauptet Bontrager in einer Studie.

Wir hatten den praktischen Stadt- und Pendlerhelm CHARGE

im Test (UVP €149,99). Der Helm wirkt am Kopf wesentlich

leichter, als er sich in der Hand anfühlt, und ist für den Alltag

ausgelegt. Das WaveCel ist sehr atmungsaktiv, geschwitzt haben

wir auch an heißen Tagen nicht – auch wenn die Belüftungsschlitze

minimal wirken. Gut gefallen hat uns der Fidlock-Magnetverschluss

und dass man mit einem magnetischen

Adapter ein Rücklicht an der Helmhinterseite befestigen kann.

Auf die 48-fache Verletzungsminimierung vertrauen wir blind.

Gestürzt mit dem Charge sind wir – gottlob – nicht.

SPORTaktiv

151


BASIL LIEFERT DIE

EXTRA DOSIS GLÜCK

Der Familienbetrieb Basil sorgt für Freude am Radfahren

durch eine noch größere Kollektion an Fahrradkörben,

Fahrradtaschen, Bekleidung und Zubehör. Auch bei Regen!

Alles beginnt, als Ine van Dam im Jahr

1976 das Fahrradgeschäft von Nico van

Balveren betritt und ihn nach einem

besonderen Rattan-Korb fragt. Nico entwickelt

den Korb ganz nach ihren Wünschen

und macht Ine damit sehr glücklich. Aber das

Allerbeste daran war: Durch diesen Korb fährt

sie noch viel lieber mit ihrem Fahrrad. Und das

ist genau der Effekt, den Basil haben will. Die

niederländische Firma lebt das Fahrradfahren.

„Wir sind am glücklichsten, wenn du oft und

mit viel Vergnügen auf deinem Fahrrad unterwegs

bist“, lautet das Credo. Und dafür haben

die Niederländer Dinge wie funktionelle Fahrradkörbe

entwickelt, aber auch Taschen, Kisten

und tolle Regen- und Allwetterbekleidung.

„Radfahren ist gesund, sorgt für die tägliche

Bewegung und eine große Dosis Glück.“

Zurück zum Firmengründer Nico. Unter

dem Namen „N. van Balveren Riet Import-Ex-

ANZEIGE / Fotos: Basil

152 SPORTaktiv


BASIL

Mit stylishen Fahrradkörben

ist der niederländische

Familienbetrieb aus Ulft

bekannt geworden. Heuer setzt

er ganz stark auf eine neue

Regenbekleidungslinie.

Infos: service@basil.nl

www.basil.com

Händlernachweis unter

www.funbike.at

„Ich hoffe, es regnet heute“, lautet einer

der Slogans bei Basil. Die Regen-Parkas

und -Hosen sind genauso hochwertig

wie die Packtaschen und Radkörbe, für

die Basil bekannt ist.

port‘, später „van Balveren Silvolde“ (deshalb

Basil), beginnt Nico mit dem Import der Körbe

aus dem damaligen Jugoslawien. Seitdem hat

sich im Familienbetrieb eigentlich nicht viel

verändert. „Unsere Leidenschaft besteht noch

immer darin, Produkte zu entwickeln, die das

Fahrradfahren sorgloser und angenehmer machen.

Deine Wünsche und Bedürfnisse sind

immer unser Ausgangspunkt.“

Umzug & Kaffee

1998 zieht der Hauptsitz von Silvolde nach

Ulft um. Marthijn van Balveren übernimmt

2001 die Firma von seinem Vater Nico. Der

Gründer bleibt präsent: Nico kommt jeden Tag

kurz bei Basil auf Besuch, um mit einer Tasse

Kaffee in der Hand mit allen Kollegen Neuigkeiten

auszutauschen. Außerdem begleitet

er das Basil-Team jedes Jahr zur Eurobike in

Friedrichshafen.

Mit einer Neupositionierung geht Basil zurück

zu den Wurzeln der Marke und möchte

Menschen ermutigen, so häufig wie möglich

auf ihr Fahrrad zu steigen – an Schultagen,

Arbeitstagen oder Urlaubstagen. Den Wind

in den Haaren, die Sonne im Rücken: Die

neue Kampagne feiert endlose Momente des

Fahrradglücks. Von einer kurzen Fahrt zum

Gemüsehändler bis zur erfrischenden Fahrt

nach Hause nach einem langen Arbeitstag. Das

neue Motto „Spread the Cycling Joy“ (wörtlich:

Verströme die Freude des Radfahrens) lädt dazu

ein, dieses Gefühl kennenzulernen. Nach der

Präsentation von komplett wasserdichten Taschen,

dem innovativen MIK-Befestigungssystem

für Gepäckträger und der Nordlicht-Technologie

führt Basil in diesem Jahr eine neue

Produktgruppe ein: Basil Cyclist Rainwear,

die revolutionäre Fahrrad-Regenbekleidung.

Wie gut sie funktioniert, soll folgender Slogan

verdeutlichen: „Basil Cyclist Regenbekleidung:

Ich hoffe, es regnet heute!“ Und mit einem

Augenzwinkern: „Wir bewundern Menschen,

die auch bei Regen auf ihre Fahrräder steigen

– und wir sind neiderfüllt, wenn sie dann noch

gut aussehen.“ Stil, Esprit, Fröhlichkeit, das

sollen Produkte von Basil vermitteln. „Spread

the Cycling Joy.“

SPORTaktiv

153


ÜBER

FLIEGER

25 JAHRE E-BIKE-PIONIER FLYER!

EIN VIERTELJAHRHUNDERT E-BIKE-KOMPETENZ

AUS DER SCHWEIZ ZEIGT SICH IM NEUEN

CROSSOVER-E-BIKE GOROC. PENDELN? GELÄNDE?

WOCHENENDTRIP? EIN FLYER FÜR ALLE FÄLLE.

GOROC 4 6.50

RAHMEN: Full Suspension, Flyer engineered, 27,5+

DÄMPFER: RockShox Deluxe Select+ RL, 140 mm

FEDERGABEL: SR Suntour Aion35 EVO, 140mm

SCHALTUNG: Sram SX Eagle 1 x 12 (11-50)

MOTOR: Panasonic GX Ultimate

AKKU: FLYER Smart Integrated Battery

SIB-630 (630Wh/16.75Ah/36V)

BREMSEN: MAGURA MT TRAIL SPORT, 203/180

LAUFRÄDER: Rodi Ready 30

REIFEN: Maxxis Forekaster SilkShield 27,5 x 2,35

PREIS: UVP € 4799,–

www.flyer-bikes.com

154 SPORTaktiv


ANJA

KNAUS

macht PR und

Medienarbeit

beim E-Bike-

Pionier FLYER.

NOCH

DREI FRAGEN

AN DIE EXPERTIN

ANZEIGE / Fotos: Flyer AG

Neu bei

FLYER sind die

praktischen

und chicen

Crossover-Modelle

der Goroc-Serie.

Anfang der 90er-Jahre kommt ein Emmentaler namens

Philippe Kohlbrenner auf die Idee, sein Fahrrad zu

motorisieren. «Roter Büffel» nennt der Erfinder das

Elektrovelo. 1995 wird mit dem „FLYER Classic“ eine erste

Kleinserie von E-Bikes auf den Schweizer Markt gebracht.

Mit der inzwischen legendären C-Serie gelingt Anfang der

2000er-Jahre der Durchbruch der hochwertigen E-Bikes der

Marke FLYER. Die FLYER-E-Bikes erobern Deutschland,

die Benelux-Staaten und Österreich, später folgen Italien

und Frankreich. Gestützt auf die Eckpfeiler herausragende

Schweizer Qualität, Innovationskraft, Liebe

zum Detail und zeitloses edles Design macht es sich

FLYER zur Aufgabe, das E-Bike salonfähig zu

machen.

Bei den Kunden in Österreich besonders beliebt

sind das vielseitige FLYER Upstreet5, die

sportlichen E-Mountainbikes aus der Uproc-Serie

und die neuen FLYER Goroc Modelle (siehe

links). Die sportliche Geometrie und Sitzposition

wird beim Topmodell Goroc4, wie bei allen

FLYER Crossover Modellen, mit einer hochwertigen

Vollausstattung für die Straße, mit robustem

Gepäckträger, stabilem Spritzschutz, starker Lichtanlage

und praktischem Seitenständer kombiniert.

Wie feiert E-Bike-Pionier FLYER

heuer sein 25-Jahr-Jubiläum?

Wir feiern mit Wegbegleitern, Partnern

und Kunden. Unter dem Motto

„Auf den Spuren der Pioniere“

erzählen wir Geschichten von den

Menschen, die die Marke prägten.

Es gibt einen Jubiläums-Wettbewerb,

unser FLYER-Test-Truck ist

auch in Österreich auf Jubiläumstour

und es warten spannende Neuheiten.

Mehr dazu ab Mai.

Welche Räder stehen 2020

im Rampenlicht?

Mit der neuen Goroc-Serie setzen

wir ein Zeichen für 2020. Neue

Reichweitenrekorde ermöglichen

unsere Modelle mit dem neuen

Bosch-Performance-Line-CX-Antrieb

und optionaler DualBattery.

Welche Ideen könnten bei

FLYER die Zukunft und die

nächsten 25 Jahre prägen?

Die E-Bikes werden immer leichter

werden und gleichzeitig größere

Reichweiten ermöglichen. Der

FLYER der Zukunft wird proaktiv

sein und sich selbst und den Fahrer

schützen. Und die Konnektivität

wird in großem Maß weiter ausgebaut.

Es wird neue Funktionen und

Möglichkeiten geben, die wir heute

noch gar nicht kennen.

SPORTaktiv

155


Die Nummer 1 unter

den 784 Dreitausendern

in Österreichs:

der Großglockner.

Um ihn und die 783

anderen Dreitausender

dreht sich das

Projekt Salewa3000

des Südtiroler Bergsportausrüsters

WELCHEN 3000ER

BESTEIGST DU?

Die Südtiroler Bergsteigermarke Salewa startet

mit „Salewa 3000“ ein außergewöhnliches Projekt,

bei dem jeder Bergsportler mitmachen kann.

784

Dreitausender gibt es in den österreichischen

Alpen. Der Bergsportausrüster

Salewa ruft seine Community dazu auf,

jeden einzelnen dieser Gipfel in sechs Monaten

zu besteigen. Bis zum 30. Juni 2020 sammelt

Salewa unter #SALEWA3000 Fotos, die alle

Gipfelstürmer und Gipfelstürmerinnen auf

„ihrem“ Gipfel zeigen.

Für jede erfolgreiche Besteigung spendet Salewa

fünf Euro für die Renovierung der baufälligen

Biwakschachtel am Großglockner. Der

kleine, in den 1950er-Jahren erbaute Stützpunkt

auf 3205 Metern ist dringend sanierungsbedürftig

– und zu klein. Es gibt keinen

Tisch, keine Kochmöglichkeit, dafür großen

Platzmangel. Gerade einmal acht Personen

können sich in das Biwak pferchen.

SALEWA3000 ist allerdings kein Projekt, bei

dem es sich um das bloße Sammeln von Gipfeln

dreht. Vielmehr möchte der Komplettanbieter

mit dieser Aktion Alpinisten dazu inspirieren,

die Hochtourenvielfalt Österreichs sicher,

nachhaltig und eindrucksvoll zu entdecken.

Unter den 784 Dreitausendern sind

namhafte Klassiker wie zum Beispiel die 3768

Meter hohe Wildspitze oder der 3657 Meter

hohe Großvenediger. Doch zahlreiche spannende

(und teils einsame) Touren verstecken sich

direkt nebenan in ihrem Schatten.

Poste deinen 3000er-Gipfel mit dem Hashtag

#SALEWA3000.

Infos und Geschichten rund um

das Projekt findest du unter:

www.salewa.com/de-at/salewa3000

ANZEIGE/Foto: Salewa

156 SPORTaktiv


OUT

DOOR

Touren – Menschen – Sicherheit

Fotos: Mountain Attack/Wildbild, Banff Centre Mountain Film Festival, iStock

STRECKENREKORD

Jakob Herrmann (A) und Alba De

Silvestro (I) strahlten als Sieger

nach Österreichs größtem Skitourenrennen,

der Mountain Attack in

Saalbach. Herrmann pulverisierte

sogar den Streckenrekord.

www.mountain-attack.at

GROSSES KINO

Die „Banff Centre Mountain Film

Festival World Tour“ bringt gewaltige

Naturaufnahmen, spektakuläre

Action und coole Charaktere auf

die Leinwand. Ö-Start ist am 6.

März in Judenburg (St). Termine:

www.banff-tour.de

MÄNNLICHE GEFAHR

Laut Unfallstatistik des Kuratoriums

für alpine Sicherheit kamen

2019 304 Menschen in Österreichs

Bergen ums Leben, etwas über

dem langjährigen Schnitt. 258 der

Todesopfer (85 %) waren Männer.

www.alpinesicherheit.at

SPORTaktiv

157


WENN ES ENG

WIRD IM HANG

DER SKITOURENBOOM BRINGT

ECHTE HOTSPOTS HERVOR.

AUF VIEL FREQUENTIERTEN

„MODESKITOUREN“ FÜHLEN

SICH SPEZIELL EINSTEIGER AUCH

SICHERER. WAS MAN DORT

DENNOCH BEACHTEN SOLL –

UND WARUM ES SICH AUSZAHLT,

Pulverschnee, blauer Himmel

und ein Gipfelglück, das nur der

eigene Tourenpartner teilt: So

schaut das Klischeebild einer

Skitour aus. Die Wirklichkeit ist oft profaner.

Gerade an schönen Wochenenden

im Winter und Frühling ist auf beliebten

Routen der Bär los. Die Bezeichnung

„Modeskitour“ klingt ein wenig

abwertend – aber warum nicht? Die

Touren-Hotspots sind meist von Ballungszentren

aus rasch zu erreichen und

relativ schneesicher. Sie sind perfekt für

Fitnesstouren und ein kurz entschlossenes

Naturerlebnis – zumindest auf den

ersten Blick. Dass manchmal Karawanen

von Sportlern, oft mehrere Hundert an

einem Tag, zum selben Gipfel streben,

nimmt man in Kauf.

Eins kommt noch dazu: Gerade Einsteiger

haben auf Modeskitouren ein besonders

sicheres Gefühl, umgeben von

Gleichgesinnten. Andererseits finden

auch Modeskitouren im freien und potenziell

lawinengefährdeten Gelände

AUCH MAL EINEN BERG WEITER

ZU SCHAUEN.

statt und die Belastung der Schneedecke

spielt bei der Lawinenauslösung eine

entscheidende Rolle. (Zu) viele Sportler

auf (zu) kleinem Raum in einem Lawinenhang

können dabei durchaus zum

Sicherheitsproblem werden.

Arno Studeregger ist Lawinenprognostiker,

Alpinsachverständiger und Mitveranstalter

des alle zwei Jahre in Graz

VON CHRISTOF DOMENIG

stattfindenden Internationalen Lawinensymposiums.

Bei der jüngsten Veranstaltung

im letzten Oktober hat er auf diese

bisher wenig beachtete Sicherheitsproblematik

auf Modeskitouren, zu viele

Menschen auf zu engem Raum, aufmerksam

gemacht. Und zwar anhand eines

konkreten Unfalls aus dem Jahr

2017: Am Großen Bösenstein wurden

158 SPORTaktiv


DR. ARNO

STUDEREGGER

ist Lawinenprognostiker beim

Lawinenwarndienst Steiermark,

Alpinsachverständiger und Bundesreferent

für Skitouren bei

den Naturfreunden Österreich.

MARTIN

EDLINGER

ist staatl. geprüfter Berg- und

Skiführer, Abteilungsleiter für

Skitouren und Bergsport bei den

Naturfreunden Österreich.

www.naturfreunde.at

drei Menschen verschüttet, einer starb,

einer wurde verletzt. Da unterschiedliche

Gruppen auf engem Raum zusammenkamen,

manche aufsteigend, andere

abfahrend, konnte kein Unfallverursacher

ermittelt werden. Wir haben darüber

in der letzten Ausgabe schon kurz

berichtet – im Sinn der Sicherheit haben

wir aber nun noch einmal nachgehakt

Fotos: Getty Images, Naturfreunde/Martin Edlinger

und wollen genauer ausführen: Worauf

sollen Tourengeher auf stark frequentierten

Skitouren achten? Was kann man

tun, wenn man selbst zwar wichtige

Entlastungsabstände einhalten will, aber

andere die Empfehlungen ignorieren?

Martin Edlinger, Bergführer und für

die Naturfreunde Österreich Mitveranstalter

des Lawinensymposiums, hält zu-

nächst grundsätzlich fest: „Dass Einsteiger

stark frequentierte Skitouren als

Möglichkeit sehen, um Erfahrung im

Gelände zu sammeln, ist zunächst nicht

falsch. Wir empfehlen Modeskitouren in

unserem Sicherheitsleitfaden w3 ausdrücklich

als eine Möglichkeit für Toureneinsteiger.“

Wird eine Tour viel gegangen, sind

Schwachschichten in der Schneedecke

oft zerstört und die Gefahrenlage nimmt

dadurch ab. Der Schluss, dass auf Modeskitouren

überhaupt keine Gefahr besteht,

man auf den „ausgetretenen Pfaden“

und als Teil der Gipfelkarawane

etwa keine Tourenplanung durchführen

müsste: Der wäre jedoch völlig verkehrt!

Martin Edlinger: „Wo viele Menschen

unterwegs sind, kommt man schnell zur

Einschätzung, dass es ungefährlich ist.

Wenn einer in einen Hang reingeht,

geht der Nächste sicher auch rein.“

Lemmingverhalten kann man das salopp

bezeichnen. Doch Sicherheitsgefühl und

echte Sicherheit sind zwei Paar Schuhe.

SPORTaktiv

159


SKITOURENBOOM:

KEIN ENDE IN SICHT

Die jüngsten Zahlen zum Skitourensport

in Österreich, die von der Plattform Skimo

Austria jährlich im Jänner präsentiert

werden, zeigen weiter bergauf. In

den letzten zehn Jahren hat sich die

Zahl der Skitourensportler auf deutlich

über 600.000 verdoppelt. Rund 75.000

davon sind „Fitnesstourengeher“, die

die Sportart zum Beispiel auf Skipisten

betreiben. Skitourengehen wird außerdem

immer weiblicher – 40 Prozent

sind mittlerweile Frauen. Und die Sportart

wird jünger, das Durchschnittsalter

liegt bei 37 Jahren.

TOUREN PLANEN

LEICHT GEMACHT

Ihr „Tourenportal“ (www.tourenportal.at)

und die dazugehörige App haben die

Naturfreunde neu aufgesetzt und mit einigen

nützlichen neuen Funktionen ausgestattet.

Durch Eingeben von Startund

Endpunkt plant das Portal nun

selbstständig den besten Weg inklusive

Distanz, Höhenmeter, Gehzeit und Höhenprofil.

Je nach Wunsch wird dafür

entweder der optimale, in „Open Street

Map“ verzeichnete Weg herangezogen

oder aber die direkte Linie berechnet.

Touren planen und online speichern,

Tourenbeschreibungen und Karten ausdrucken,

die App als Outdoornavi nutzen

– das alles funktioniert schon in der

kosten losen Basisversion.

Für Skitourengeher besonders interessant

ist zudem die „Pro“-Version. Die ist

mit amtlichen Karten aufgewertet und

zum Beispiel mit einem Hangneigungs-Layer

ausgestattet,

die Farbschattierung gibt Auskunft

über die jeweilige Hangneigung.

Touren und Kartenausschnitte

lassen sich in der

„Pro“-App auch offline speichern.

Die Pro-Version gibt es

derzeit zum Einführungspreis

von 19,99 pro Jahr.

www.tourenportal.at

Problem Sicherheitsabstand

Eine große Belastung für die Schneedecke

ist bekanntlich ein wichtiger

Auslösefaktor von Lawinen, weshalb

in der Lawinenkunde standardmäßige

Sicherheitsabstände gelehrt werden:

In Hängen über 30 Grad sind

Entlastungsabstände von 10 m im

Aufstieg empfohlen, beim Abfahren

30 m. Je nach Verhältnissen erhöht

sich der Abstand bis zum Einzelfahren

von Haltepunkt zu Haltepunkt.

Zumindest in der Theorie. „Ist viel

los, ist das in der Praxis aber schwer

durchführbar“, weiß Edlinger.

Nach Arno Studereggers Beobachtung

werden Entlastungsabstände innerhalb

von Gruppen, in denen man

einander kennt, zwar oft eingehalten,

kommen mehrere Gruppen zusammen,

wird dagegen darauf „vergessen“.

Kommunikation und Rücksichtnahme

sind daher das Um und

Auf an viel frequentierten Engstellen.

Als Bergführer kennt auch Peter

Gebetsberger die Problematik, dass

andere der eigenen Gruppe in lawinengefährlichen

Situationen zu nahe

kommen: „Ich wende dann ein Stufensystem

an. Oft nützt es, wenn

man die anderen freundlich auf nötigen

Abstand hinweist. Manchmal

stößt man dabei auf Unverständnis,

dann versuche ich es vehementer.

Hilft auch das nichts, kann man nur

selbst zurückstecken, sich selbst und

seine Gruppe aus der Gefahrensituation

zurückziehen.“

Auch Studeregger empfiehlt, wenn

es zu Engstellen kommt: „beobachten,

was andere tun, freundlich kommunizieren

und überlegen: Wie lösen

wir gemeinsam das Problem? Wenn

sehr viel los ist: nachdenken, ob ich

in den Hang wirklich reinmuss oder

ihn auch umgehen kann. Gibt mir

das Gelände einen alternativen Vorschlag?

Muss ich tatsächlich auf diesen

einen Gipfel?“ Dafür müsse man

aber schon über Wissen verfügen,

gibt Studeregger zu bedenken, Einsteiger

wären damit wohl überfordert.

Bleiben im Zweifel Rückzug

und Verzicht.

„Grundthema ist das Abgeben von

Verantwortung: Immer weniger wollen

selbst Verantwortung übernehmen“,

sagt Peter Gebetsberger, „dabei

führt Verantwortung fast immer zu

einem Gewinn. Hier konkret zum

Erlebnisgewinn.“ Rund um die stark

frequentierten Ziele gäbe es fast immer

ebenso schöne, aber viel weniger

bekannte Tourenziele, wissen auch

Edlinger und Studeregger, „während

Hunderte auf den einen Gipfel streben,

bist du etwas abseits davon oft

allein in der Natur. Am Nachbarberg

ist oft nichts los und du hast das viel

schönere Natur erlebnis.“

Zusammenfassend bleibt:

+ auch auf Modeskitouren nie auf

sorgfältige Tourenplanung sowie

das Einhalten von Sicherheits-Standardmaßnahmen

verzichten.

+ Kommunikation ist das Um und

Auf, wenn im Wintergelände viele

Personen auf engem Raum

zusammen kommen.

+ wenn alles nichts hilft: lieber zurückstecken

und auf einen Gipfel

oder Hang verzichten.

Langfristig sollte man Eigenverantwortung

anstreben: Das funktioniert

durch Ausbildungen, durch „mitgehen

mit Leuten, die sich auskennen“,

sagt Peter Gebetsberger. „Selber aktiv

werden und nicht nur ‚konsumieren‘

– wenn du aber nur konsumieren

willst, dann nimm dir einen Bergführer

oder geht zu einem alpinen

Verein“, empfiehlt der Bergführer.

Anders ausgedrückt: Auch eine

Mehrheit kann sich irren. Auf Skitouren

im Gelände ist immer der

eigene Kopf gefragt.

160 SPORTaktiv


Fotos: Kitzbühel Tourismus | Michael Werlberger

WINTERTRÄUME

FÜR GENIESSER

Wenn die Tage wieder länger werden und der Schnee in der

Sonne glitzert, schlägt das Skifahrerherz in Kitzbühel noch

ein bisschen höher. Denn im Frühjahr fängt die schönste

Zeit der Wintersaison an: der Sonnenskilauf.

Kitzbühel Tourismus

T. +43 53 56/66 660

servus@kitzbühel.com

skifahren.kitzbühel.com

Ob sanfte Pisten, steile Nordhänge,

lange Talabfahrten oder breite Carvingstrecken:

Auf Kitzbühels 92 Skipisten

findet jeder seinen Favoriten und perfekten

Skigenuss. Nicht umsonst wurde Kitzbühel

zum siebten Mal in Folge zu „Austria’s Best

Ski Resort“ gewählt. 188 bestens präparierte

Abfahrtskilometer, 46 Kilometer markierte

Varianten im Gelände sowie diverse

Funparks bieten Abwechslung pur.

Im Frühling begeistert Kitzbühels Skigebiet

mit herrlich firnigen Pisten und urigen

Skihütten – und das bis 3. Mai! Dank

ausgeprägter Nordosthänge und bester

Präparierung ist das Skifahren bis weit

nach Ostern ein sportliches Vergnügen.

Tipp: Ab 01. Februar öffnen einige Liftanlagen

wie die Hahnenkammbahn bereits

um 8 Uhr.

Zum Einkehrschwung laden die

Sonnenterrassen der 60 bewirtschafteten

Hütten im Skigebiet ein – so lässt sich

die typische Tiroler Gastlichkeit mit dem

Bergpanorama Kitzbühels bei den ersten

frühlingshaften Temperaturen perfekt

genießen.

Herrliche Sonnentage lassen sich auch

auf den abwechslungsreichen Skirouten

verbringen. Die Liftanlagen sind eine

perfekte Aufstiegshilfe, um etwa die

Bergwelt rund um die Bichlalm im feinen

Frühjahrsfirn zu erkunden.

Auch Osterbrauchtum wird in Kitzbühel

Jahr für Jahr mit einem abwechslungsreichen

Programm gelebt. Seien Sie dabei

von 3. bis 19. April 2020.

Im Kitzbühel-Urlaub kann man sich

auf beeindruckende Bergkulissen und

besondere Begegnungen freuen. Die Stadt

steckt voller Leben und Geschichten.

Hotellerie und kulinarisches Angebot

auf Haubenniveau, gepaart mit leichter

Erreichbarkeit und einem abwechslungsreichen

Programm: Das alles macht

Kitzbühel zur legendärsten Sportstadt der

Alpen.

SPORTaktiv

161


Foto: Herbert Ranggetiner

162 SPORTaktiv


GLEICHZEITIG

JUNG UND ALT

DER BRÜCKENBAUER SPORT

HERBERT RANGGETINER

Kolumnist, Querdenker, Kletterer von Weltruf.

Herbert Ranggetiner ist seit vielen Jahren fixer

Bestandteil jeder SPORTaktiv-Ausgabe Das Bild

zeigt ihn inmitten seiner „Boulder-Gang“.

ogar der Hahn von nebenan kuschelt

noch zwischen seinen

Hennen, als ich zeitig in der

Früh meine tägliche Runde mache.

Mit dem Kaffee in der

Hand befreie ich unsere zwei Katzen

aus ihrem Kellernachtquartier

und darf mir ein visuelles Zuckerl, also diese

ersten Momente nach ihrer Tiefschlafphase ansehen.

5 Sekunden kurz durchstrecken und die

putzigen Viecherl sind voll da, die stehen gleich

habt acht und haben eine Klarheit im Blick, als

kämen sie von einer Erstbesteigung im Himalaya

zurück, genial! Ist man so wie ich jenseits

der 50 Lenze, dauert dieses Durchstreckprozedere

volle 20 Minuten und erst dann ist an so

etwas wie Training zu denken. Doch wenn der

alte Motor einmal läuft, ja, dann tuckert er mit

einer überraschenden Leichtigkeit dahin, wobei

ich stets zuverlässig auf die innerliche Schmierung

mittels Koffein achte. Wartung ist halt die

halbe Miete. Heute Nachmittag Bouldertime,

heißt im Kletterraum mit meinen Jungs und

anderen Kids a bissl anreißen. Der Versuch

spielerisch die Schwerkraft auszutricksen ist ein

Grundbedürfnis dieser bunten Truppe. Der

eine mit Mütze, beim zweiten sitzt die Hose

recht tief und der dritte ist oben ohne, ja, cool,

wir sind eh nicht bei den Pfadfindern. Bevor

ich meinen Vortrag über das Aufwärmen überhaupt

beginnen kann, hängt schon ausnahmslos

jeder in der Wand, passt, alles so wie immer!

Wer Verletzungen nicht kennt, der fürchtet sie

auch nicht, das passt zwar nur so mittelprächtig,

aber um das Fingerkneten mit dem Softball

kommt dann keiner rum. Die Handys liegen

irgendwo im Eck, die anfängliche Hektik legt

sich und dann kommt das eigentliche Phänomen,

ich nenn es einfach mal so salopp das

,,Harmoniestadium‘‘. Eine langsame Gleichschaltung

der Pole und Energien, kein Trainer

mehr, keine Schüler, kein Generationenkonflikt,

sondern nur mehr ein Haufen motivierter

Kletterer. Alle versuchen mit ihren individuellen

Fähigkeiten ein Boulderproblem zu lösen,

hier beseitigt das Miteinander jede Art von

SPORTaktiv

163


Kluft! Achtung Info: Ein Boulderproblem ist

eine klar definierte Abfolge von Kletterzügen,

in unserem Fall ist der Ort des Geschehens eine

60 Grad steile Kletterwand im Keller und jeder

arbeitet an seiner selbst ausgedachten Abfolge

von Kletterbewegungen an verschiedensten

Griffen. Keine Regeln, nur diese ultimative Frage:

„Wie zum Geier komme ich von Punkt A

nach Punkt B?“ Der kreative Freiraum von

Kindern und das scheinbar permanente Ignorieren

von Schwerkraft und Trägheitsgesetzen

haben mich schon oft zum staunenden und

dankbaren Schüler gemacht. Ein Vorbild kann

man nur sein, wenn man einer von ihnen ist

und nicht mit erhobenem Zeigefinger über ihnen

steht. Charakter und Persönlichkeit können

sich nur entfalten, wenn ich jedem dasselbe

Gefühl von Wertigkeit gebe. Nur beim Fluchen

und der oft irrsinnigen Suche nach der Schuldfrage

des „Warum schaff ich den elendigen Zug

des Boulderproblems nicht“ kenne ich kein

Pardon, da hau ich dann die Bremse rein. Wer

alles gibt, braucht nie einen Schuldigen zu suchen,

der kann nur gewinnen, die maximale

Form der Niederlage ist immer nur das Nichtstun.

Ich habe auch gar kein Problem mit korrekt

gekleideten Kids mit Engelsgesicht und

Heiligenschein, aber leicht verstaubte grundehrliche

Lausbuben mit einer Neugier auf das

WER ALLES GIBT BRAUCHT

NIE EINEN SCHULDIGEN ZU

SUCHEN, DER KANN NUR

GEWINNEN, DIE MAXIMALE

FORM DER NIEDERLAGE

IST IMMER NUR DAS

NICHTSTUN.

Leben da draußen verstehe ich einfach in ihrer

Art besser, da ich eben selber einer war!

Apropos Neugier, warum genau predige ich

schon wieder wie Hochwürden in der Kirche,

obwohl ich immer von Freiheit und keinen Regeln

labere? Genau, weil eben Kinder Erwachsenenregeln

nicht verstehen und weil eben wir

Erwachsenen das oft auch nicht tun und dann

die Antwort kommt: „Das ist halt einfach so!“

Ich gebe immer alles, um eine Lösung der Probleme

in ihrer Welt zu finden, und ich pfeife

darauf, sie davon abzuhalten, dieselben Fehler

zu machen wie ich einst, denn erst die Summe

dieser Erfahrungen macht dich als Individuum

einzigartig.

Zurück in den Boulderraum: Mani, ein 23

kg schweres Energiebündel versucht sich zum

x-ten mal an seinem Boulderprojekt, alle feuern

ihn an und geben Tips, er klettert, aber wir haben

schwitzige Hände und wieder rauscht er

beim letzten Zug im hohen Bogen in den weichen

Berg aus Schaumstoffmatratzen. Und

trotzdem, jeder gibt High five, denn jetzt in

diesem Moment ist Mani gleich groß, schwer

und alt wie ein jeder Einzelne von uns. Kein

Tricksen, keine Ausreden, nur versuchen und

lernen. Machen der Sport, die Gemeinschaft,

das Miteinander bessere Menschen aus uns? Es

kommt immer auf das Umfeld an, wie ticken

die Kumpels beim Sport, welcher Antrieb und

welche Motivation, ist es das Siegen, der Spaß

oder die Suche nach Anerkennung? Ich traf Typen,

die waren grenzgenial in ihrem Sport, aber

doch 100%ige Idioten, überheblich und arrogant

in ihrem Auftreten, eine wandelnde One

Man Show. Sport ist kein Allheilmittel, aber

von den richtigen Leuten vermittelt, ist es eine

Tätigkeit bei der Körper und Geist trainiert

werden und zumindest im Zeitraum der Ausübung

ist es schwer möglich sonst irgendeinen

Blödsinn anzustellen. Die Natur, dein Umfeld

und das Wissen um deine Fähigkeiten lassen

Dinge wie Alkohol, Drogen oder Doping in

weite Ferne rücken. Jemand, der dopt, ist nie

das Opfer von Leistungsdruck und der Gesellschaft,

nein, er ist das Opfer seiner selbst

164 SPORTaktiv


geschaffenen Realität, unfähig auf dem richtigen

Weg zu bleiben. Im Geiste bin ich immer

noch ein junger Wilder, der den offensichtlich

permanent fortschreitenden Irrsinn dieser Erdbewohner

nicht mit seinem begrenzten Verstand

verarbeiten kann, deshalb Unverstandenes

kompensieren, in Energie umwandeln und

diese im Sport verpuffen lassen muss, meine

Art der Problembewältigung. Politiker denken

nicht um, sondern nur an sich selbst und momentan

steuert der Blinde das sinkende Schiff

und der Taube führt seine Befehle aus. Einfach

den Jungen einen größeren Löffel in die Hand

zu drücken, um die Suppe auszulöffeln, kann

wohl nicht die Lösung sein. Es gibt keine Endpunkte,

immer nur Ausgangspunkte! Wahrnehmung

– Denken – Handeln, so beeinflussen

wir unser Schicksal, die Quelle aller Veränderung

sind unsere Gedanken! Deshalb, älter werden,

dehnen, aufwärmen, alles kein Problem,

denn im nächsten Leben werde ich mit an

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh

eine Katze!

POLITIKER DENKEN NICHT

UM, SONDERN NUR AN SICH

SELBST UND MOMENTAN

STEUERT DER BLINDE DAS

SINKENDE SCHIFF UND DER

TAUBE FÜHRT SEINE

BEFEHLE AUS

EINE KULISSE

VOM FEINSTEN

Wenn sich das schönste Hochtal

Europas in ein Winterparadies

verwandelt, können sich Wintersportler

und Genussurlauber freuen.

Zu Gast zwischen Allgäuer Alpen

und Tannheimer Bergen.

Foto: Achim Meurer

Ein abwechslungsreiches Programm erwartet

die Gäste im Tannheimer Tal in

Tirol. Sechs Skigebiete, 55 Pistenkilometer

und 27 Liftanlagen lassen Wintersportler-Herzen

höher schlagen. Auf 140

Loipenkilometern bietet das Tal von gemütlichen

Panoramarunden bis hin zu

fordernden Passagen für jede Leistungsstufe

etwas. Um die wunderbare Winterlandschaft

zu genießen, stehen den Gästen

81 Kilometer geräumte Winterwanderwege

zur Verfügung.

Auch dieses Jahr gibt es das Angebot

„Winterbergbahnen inklusive“: Bei der

Buchung eines Mindestaufenthalts von

drei Nächten haben die Gäste die Möglichkeit

von Montag bis Donnerstag die

Bergbahnen kostenfrei zu nutzen und

damit die Aussicht, Wanderwege und

Pisten zu erleben. Das Angebot gibt es

vom 16.–19. März 2020.

TOURISMUSVERBAND

TANNHEIMER TAL

Vilsalpseestraße 1

6675 Tannheim/Tirol

T: +43 56 75/62 20-0

info@tannheimertal.com

www.tannheimertal.com

SPORTaktiv

165


AUSGEKLÜGELTE

DETAILS

Die Wakeen Pant von prAna ist für

kletterbegeisterte Frauen designt.

Die Kniepartie ist vorgeformt und

aus verstärktem Material – somit

ist sie robust und liefert optimale

Bewegungsfreiheit auch aufgrund

des Strechbundes. Zwei große,

umlaufende Vordertaschen mit

seitlichem Reißverschluss und

eine elastische Schlaufe eignen

sich prima, um Bürste etc.

unterzubringen.

www.prana.com

OUT

DOOR

NEWS

WOOL MESH

Aus 100 Prozent

Wollnetzgewebe besteht

die DEVOLD-Wool-Mesh-

Kollektion. Die Merino-

Baselayer sind für intensive

Aktivitäten im Winter ideal,

bei denen Gewicht, effektiver

Feuchtigkeitstransport

und Atmungsaktivität im

Vordergrund stehen.

www.devold.com

GIPFELSTÜRMEN

LEICHT GEMACHT

Die DYNAFIT-Elevation-Gore-

Tex-Shakedry-Jacke ist 238 g

(als Herrenmodell) leicht,

wasserdicht und atmungsaktiv.

Dank abnehmbarer Ärmel

wird die funktionelle Jacke im

Handumdrehen zur Weste.

Sie ist das neue DYNAFIT-

Topmodell für sportliche

Bergsteiger.

www.dynafit.com

AUFSTEIGER

UND ABFAHRER

Der DALBELLO Lupo Air ist ein

Hi-End Freeride-Touringschuh

mit nur 1300 g Gewicht. Die

revolutionäre Konstruktion ohne

Zunge und die Grilamid-Air-

Schalenkonstruktion ermöglichen

eine faszinierende Aufstiegswie

Abfahrtsperformance.

www.dalbello.it

Fotos: Hersteller

166 SPORTaktiv


Weitere Infos unter

www.saalbach.com

DIE WERTVOLLSTEN

TAGE IM SCHNEE

AUF GEHT’S ZUM SONNENSKILAUF IN

DEN SKI CIRCUS SAALBACH HINTER-

GLEMM LEOGANG FIEBERBRUNN.

Fotos: saalbach.com, Mirja Geh, Daniel Roos

Nicht umsonst zählen die Tage des Sonnenskilaufs

zu den schönsten Erlebnissen im Wintersport.

Am Vormittag glühen die Ski und Snowboards,

wenn die Spuren gekonnt im sanften Firn

gezogen werden. Das Adrenalin steigt, wenn im

Backcountry der Tiefschnee staubt und die Freerider

ihrer Leidenschaft nachgehen. 270 Abfahrtskilometer

und unzählige Freeride-Möglichkeiten stehen

im Skicircus zur Verfügung – doch am Nachmittag

ist auch hier Entspannung pur angesagt. Über 60

Hütten warten auf sonnenhungrige Genießer, um

Kulinarik der Sonderklasse zu erleben und den Tag

im Liegestuhl ausklingen zu lassen.

Wenn der Schnee frühmorgens in der Sonne

glitzert, die Tage wieder länger werden und die

Temperaturen zum Verweilen einladen, wird

die „White Pearl“-Saison im Skicircus Saalbach

Hinterglemm Leogang Fieberbrunn eingeläutet.

Heißt: Von 20. März bis 5. April – ganze 17 Tage

lang – werden die letzten Tage der Wintersaison

auf höchstem Niveau zelebriert. „And the living

is easy“ ist nicht nur eine Floskel aus einem Song

von Milk & Sugar: Genau diesen Vibe wollen die

White Pearl Mountain Days mit chilligen Tunes,

feinster Kulinarik und alpinem Lifestyle vermitteln.

Auch für Familien bedeutet Sonnen skilauf im

Home of Lässig jede Menge Spaß und Abwechslung.

Und das alles bei attraktiven Ermäßigungen:

So erhalten Kinder (Jahrgang 2004 oder später)

mit dem Osterbonus von 4. bis 13. April ihren

Skipass gratis, wenn gleichzeitig ein Elternteil

einen Skipass für mindestens vier Tage kauft. Und

mit der Aktion „Power of Zehn“ kostet der Skipass

für alle unter 19 Jahren an jedem Samstag in der

Saison nur 10 Euro.

Für alle, die nicht genug bekommen können:

Der reguläre Skipass (ab einem Tag) ist im Skicircus

bereits ab 15 Uhr des Vortages gültig – ideal,

um noch am Anreisetag die ersten Schwünge

auszuprobieren. Und für alle Frühaufsteher, die

die Ersten auf der Piste sein wollen, starten einige

Bahnen bereits um 8 Uhr morgens!

SPORTaktiv

167


DER DOMPFARRER

ALS SKILEHRER

oni Faber ist ein PR-Profi, wie man sich

ihn nur wünschen kann. Schon nach

kurzer Besprechung ist er bereit, unser

Anliegen in die Tat umzusetzen: Er soll

bitte mit Skiern vor seiner Kirche posieren.

Erstens ist er Pfarrer dieses herrlichen

Doms, der jährlich 6,2 Millionen Besucher anzieht.

Und zweitens hat er in jungen Jahren

vielen Menschen das Skifahren beigebracht.

Auch sein Statement, warum er den Schneesport

so liebt, ist höchst professionell und

ohne den geringsten Verkanter druckreif: „Ich

arbeite, zelebriere und bete täglich in der Kathedrale

des Stephansdoms. Aber die schönste

Kathedrale ist schon noch der freie Himmel,

wenn ich in den Bergen bin und dort den lieben

Gott hochleben lasse. Das ist immer ein

ganz besonderer Genuss, wenn ich etwa am

Arlberg tiefschneefahren kann.“

WAS HABEN DER

STEPHANSDOM UND DIE

SNOWSPORTS ACADEMY

GEMEINSAM? BEIDE SIND

IN WIEN BEHEIMATET.

ZUDEM HAT DER LEITENDE

PRIESTER DER WELTBE-

RÜHMTEN KATHEDRALE

EINEN STARKEN SCHNEE-

SPORTBEZUG. IN SEINER

STUDENTENZEIT WAR TONI

FABER ALS SKILEHRER

TÄTIG. WIR HABEN MIT IHM

DARÜBER GEPLAUDERT.

VON MARTIN OBERMAYR

Erste Rutschversuche

und ein Beinbruch

Bereits als Kind in der 1960er-Jahren erobert

Toni Faber mit Holzskiern die Hügel im Wiener

Außenbezirk Liesing. „Im Gütenbachtal,

auf der Himmelswiese oder am Mauer-Berg

haben wir unserem großen Idol Toni Sailer

und den Skispringern nachgeeifert“, erinnert

er sich und streut gleich eine Anekdote ein.

„Wir haben auch immer Schanzen gebaut. Im

Alter von neun Jahren wollte ich es nach einem

schweren Sturz unbedingt wissen. Also bin

ich noch einmal voll Schuss angefahren, bin aber

noch schwerer gestürzt und habe mir den Fuß

gebrochen.“ Die religiöse Note an der Story:

„Als ich mit meinem Gips zu Hause im Bett liegen

musste, habe ich sogar meine erste Beichte

versäumt.“

Die Verbindung aus Glaube und Sport zieht

sich wie ein roter Faden durch das Leben des

Dompfarrers. In seinen Teenagerjahren lernt er

bei Skiausflügen mit der Pfarrjugend erstmals

den Arlberg kennen. Als Student der Theologie

entschließt er sich, die Ausbildung zum Begleitlehrer

für Schulskikurse zu absolvieren. Sein erster

Ausbildungskurs führt ihn ins renommierte

Bundessportheim in St. Christoph am Arlberg.

Dort lernt er auch Franz Hoppichler kennen,

quasi den „Papst“ des österreichischen Skilehrwesens.

Foto: Snowsports Academy

168 SPORTaktiv


Skilehrer und Mädchenschwarm

Nachdem Toni Faber die Ausbildung abgeschlossen

hat, wird er von einem weiteren

prominenten Österreicher für dessen Skischule

angeheuert: Hubert Neuper, Silbermedaillengewinner

im Skispringen bei den

Olympischen Spielen 1980 und staatlicher

Skilehrer. „Ich habe Mitte der 1980er dann

zwei Saisonen in seiner Skischule gearbeitet.

Diese jeweils vier Wochen waren wirklich

sehr lässig“, schwärmt Toni Faber noch heute

von diesen einzigartigen Erfahrungen.

Natürlich hat der Dompfarrer auch aus

dieser Zeit eine humorvolle Geschichte parat:

„Dass ich damals bereits in der Vorbereitung

für das Priesteramt war, hinterließ vor

allem bei den weiblichen Skigästen einen besonderen

Eindruck. Oft wurde ich gefragt,

ob ich es mir nicht doch noch einmal überlegen

wolle. Außerdem haben manche gemeint,

ob Theologie etwas mit Steinen zu

tun habe – dabei haben sie Geologie gemeint.“

Der Arlberg als jährliches Abenteuer

Bis dato ist Toni Faber dem Skifahren treu

geblieben. Selbst wenn sein Terminkalender

stets prallvoll ist, gönnt er sich nach den

Weihnachtsfeierlichkeiten eine Woche Auszeit.

Die Tage rund um Silvester verbringt er

als Ski-Seelsorger im Arlberg Hospiz Hotel

in St. Christoph. Auch dort kommt er seinen

priesterlichen Verpflichtungen nach.

„Untertags gehe ich schon Ski fahren, aber

abends feiere ich täglich eine heilige Messe

in der Christophorus-Kapelle. Es ist einfach

ein erhebendes Gefühl, wenn hier oben

sonntags oder zu Silvester bis zu 150 Menschen

zum Gottesdienst kommen.“ Es ist

diese weltoffene und volksnahe Art, die Toni

Faber zum gern gesehenen Gast in der österreichischen

Politik, Wirtschaft und Society

macht. PR-Termine sind sozusagen sein täg-

Die Geschichte erscheint im

Rahmen unserer Kooperation

mit der Snowsports Academy und ist auch

im Magazin „Insight“ zu lesen.

SPORTaktiv

169


ES IST EINE MÖGLICH-

KEIT, DIE BREITE MASSE

ZU ERREICHEN, DENN

NUR EIN PROZENT DER

WIENER BEVÖLKERUNG

GEHT REGELMÄSSIG

IN DIE KIRCHE.

EIN WEITER WEG ZUM WINTERWANDERN

Seefeld in Tirol hat einen Winter-Weitwanderweg:

vier Etappen für einen entschleunigten Winterurlaub.

TIROL. Weitwandern boomt. Freunde dieser entschleunigten

Urlaubsvariante kommen in Seefeld sogar im Winter auf ihre

Kosten. Die Kulisse für den Winterweitwanderweg bildet

das offene, auf 1100 m Seehöhe gelegene und 16 km lange

Leutaschtal. Vier geräumte Etappen mit jeweils moderaten

Höhenmetern sind durch die Natur angelegt, die in jeweils

vier bis sechs Stunden zu bewältigen sind. Bis 12. März noch

(jew. Mo.–Do.) kann man die Winterweitwanderung diese

Saison noch buchen, Gepäcktransport inklusive.

www.seefeld.com

liches Brot und nehmen rund ein Drittel seiner Arbeitszeit

in Anspruch. Ein weiteres Drittel falle für das

Management der insgesamt 80 Mitarbeiter der Dompfarre

St. Stephan an und ein weiteres für die Seelsorge.

„Der direkte Kontakt zu den Menschen liegt mir wirklich

sehr am Herzen: ob bei Messen, Beichten oder im

persönlichen Gespräch. Genau deshalb möchte ich nie

Bischof oder Kardinal werden, denn das würde mir

dann fehlen.“

Bungee-Sprung von 152 Metern

Aber genauso wie die kirchliche Arbeit liebt der

Dompfarrer eben auch das prickelnde Erlebnis bei

sportlichen Grenzerfahrungen. Im Jahr 2002 etwa

wagte er einen Bungee-Sprung vom Donauturm aus

152 Metern Höhe – natürlich nicht, ohne die Anlage

des deutschen Bungee-Pioniers Jochen Schweizer vorher

gesegnet zu haben. „Ich bin sicher kein Adrenalin-Junkie,

aber solche Erlebnisse reizen mich einfach.

Das Schlimmste daran war, dass ich wegen starken

Windes ewig warten musste. Und weil zahlreiche Journalisten

von Fernsehen, Radio und Zeitung vor Ort

waren, konnte ich klarerweise nicht mehr zurück – so

eitel bin ich dann doch“, sagt er mit einem breiten

Schmunzeln.

„Öffentlichkeitsarbeit im Dienste des Evangeliums“

nennt Toni Faber solche Aktivitäten, die er ganz bewusst

einsetzt. „Es ist eine Möglichkeit, die breite Masse

zu erreichen, denn nur ein Prozent der Wiener Bevölkerung

geht regelmäßig in die Kirche.“ Dass seine

PR-Auftritte tatsächlich Wirkung zeigen, lässt sich sogar

in Zahlen messen: „In meiner Pfarre treten 100

Menschen pro Jahr wieder in die Kirche ein – und das

in Zeiten wie diesen.“

Stephansdom und Manner-Schnitten

Kein Wunder also, dass Toni Faber viele prominente

Österreicher zum Freundeskreis zählt. So bat ihn im

Frühjahr 2019 die Witwe von Niki Lauda, dass er die

Begräbnisfeier des legendären Formel-1-Weltmeisters

übernehmen solle. Auch für den „Vater“ der weltbekannten

Manner-Schnitten hat er die Verabschiedungszeremonie

gehalten. Carl Manner war ein großer

Gönner des Stephansdoms gewesen und hatte über 35

Jahre hinweg zwei Mitarbeiter der Dombauhütte komplett

finanziert – ein Gegenwert von 2 Millionen Euro.

Zudem hat er verfügt, dass diese Unterstützung seitens

der Firma Manner nach seinem Tod weiterläuft. Dass

auf der rosaroten Packung der Manner-Waffeln der

Stephansdom abgebildet ist, freut Toni Faber klarerweise

ebenfalls – denn auch das ist eine sehr sympathische

Form der Werbung für seine Kathedrale.

170 SPORTaktiv


www.hohe-salve.com

ERLEBNIS-REICH

HOHE SALVE

Ferienregion

Hohe Salve

T. +43 57 5 07 70 00

info@hohe-salve.com

www.hohe-salve.com

WENN DIE TAGE LÄNGER WERDEN,

BEGINNT DIE ATTRAKTIVSTE ZEIT IN

DER FERIENREGION HOHE SALVE.

Fotos: Christian Kapfinger, Stefan Herbke, Mirja Geh

Schon von Weitem ist die markante

Kegelform der Hohen Salve, des

wohl schönsten Aussichtsbergs Tirols

sichtbar. Acht Orte rund um die 1829

m hohe Erhebung bilden die gleichnamige

Ferienregion, die Teil eines der

größten und modernsten Skigebiete

weltweit, der SkiWelt Wilder Kaiser-

Brixental, ist.

Komfort wird in der Ferienregion

Hohe Salve großgeschrieben: So kann

man zentral in Hopfgarten in die Gondelbahn

einsteigen und wenige Minuten

später am Gipfel der Hohen Salve das

Panorama mit über 70 Dreitausendern

genießen. Zugleich befindet man sich

schon mittendrin im puren Skivergnügen.

284 Kilometer bestens präparierte

Pisten und über 80 urige Hütten warten

in der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental

nur darauf, entdeckt zu werden.

Denkbar einfach gestaltet sich auch die

Anreise – befindet sich doch die Bahnhaltestelle

„Hopfgarten Berglift“ direkt

neben der Gondelstation der Bergbahnen

Hohe Salve. Zusätzlich nutzen Gäste

der Region die „Kitzbüheler Alpen

Card“ (so heißt die Gästekarte) als kostenloses

Ticket für die Öffis vor Ort.

Sonnenskilauf und Skihütten-Gaudi

Im März lädt die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental

zum Sonnenskilauf vom

Feinsten: Von 7. bis 29. März findet in

der Region Österreichs größte Skihütten-Gaudi

statt. In dieser Zeit stehen

kostenlose Skiguides zur Verfügung, die

nicht nur die besten Abfahrten kennen,

sondern auch den perfekten Einkehrschwung

beherrschen. Für musikalischen

Genuss ist bestens gesorgt: Viele

der Hütten bieten Livemusik verschiedenster

Genres an und laden zum Verweilen

auf den Sonnenterrassen ein.

Doppelt attraktiv: Im Rahmen der

Superskiwochen von 14. März bis

13. April profitieren Gäste vom

Urlaubs-Spezialpreis mit inkludiertem

Skipass sowie Ermäßigung auf Skiverleih

und Skischule. Kinder bis 15 Jahre

fahren in dieser Zeit außerdem frei,

wenn ein Elternteil einen Skipass von

mindestens 3 Tagen kauft.

Ein Paradies für Tourengeher

Wer abseits der Piste sein Vergnügen

sucht, ist im idyllischen Seitental Kelchsau

ideal aufgehoben. Auf Tourengeher

wartet dort ein wahres Paradies an Möglichkeiten,

mit einzigartigen Aussichten,

herrlicher Einsamkeit und traumhaften

Abfahrten.

Tipp: Eine detaillierte, kostenlose

Tourenkarte ist in den Infobüros der

Ferienregion Hohe Salve erhältlich

(wird auch gerne kostenlos zugeschickt).

SPORTaktiv

171


Nach unten hin gibt es im Klettersport beinahe

keine Grenze. Zumindest, was das Alter

betrifft: „Die meisten Kletterhallen haben

einen Kinderbereich. Schon ganz kleine

Kinder können dort spielerisch die ersten Erfahrungen

mit den bunten Griffen machen. Und damit

auch mit ihrem eigenen Körper“, sagt Thomas Kohlbacher,

Leistungskletterer, Klettertrainer und Wettkampfcoach

in der Grazer Boulderhalle Bloc House.

Er selbst hat im Alter von zehn Jahren zu klettern

begonnen, doch obwohl das nicht viel länger als ein

Jahrzehnt her ist, „waren es andere Zeiten“, meint er.

Bouldern – also das Klettern in Absprunghöhe, bei

dem keine Seilsicherung notwendig ist – hat sich seitdem

vom Insidertipp stark in Richtung Breitensport

entwickelt, es ist etwa mittlerweile DER Studentensport,

sagt der Psychologie- und Sportstudent. Kletterhallen

ziehen ein immer jüngeres Publikum an. Dass

oft vom „Klettern als Lebensschule“ gesprochen wird,

hat absolut seine Berechtigung.

Kurse werden etwa im Bloc House ab fünf bis sechs

Jahren angeboten. Ab rund zehn Jahren, bei Talent

und Lust auch früher, könne man sich auch für Klettern

als Wettkampfsport entscheiden.

Bleiben wir vorerst beim reinen Erlebnissport. Auch

da spielen Grenzbereiche, die sich mit der Zeit verschieben,

eine wichtige Rolle: „Man kann spielerisch

an seine Grenzen gehen und sich ein bisschen heraus-

Fotos: Bloc House Graz

172 SPORTaktiv


fordern. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite

geht es ums Miteinander“, erklärt Kohlbacher. Obwohl

man in der Wand allein ist und beim Bouldern

auch keinen Partner zum Sichern braucht, ist die Gemeinschaft

ein wesentliches Element. Im Unterschied

zu Teamsportarten falle dabei jedoch viel vom sozialen

Druck weg, sagt Kohlbacher: Jeder sucht und findet

nämlich seine eigene Herausforderung ganz nach seinen

individuellen Möglichkeiten, niemand wird als

Letzter in die Mannschaft gewählt. Man muss nicht

drahtig wie ein Wettkampfkletterer sein, etwas mehr

Gewicht zu haben ist kein Problem.

Durch diese Vielfalt an Möglichkeiten können Eltern

und Kinder den Sport auch gemeinsam ausüben

– ab zehn, zwölf Jahren kann das gemeinsame Klettern

mit den eigenen Kindern auch für Eltern schon richtig

herausfordernd sein.

Die Benefits

Beim ersten Mal in einer Kletterhalle bekommt jeder

eine Einführung in die Regeln. Eine Spielwiese, wo Eltern

ihre Kinder abgeben können, ist die Halle nicht.

Sind Kinder nicht in eine Gruppe mit Trainer integriert,

muss eine Aufsichtsperson dabei sein. Das versteht

sich im Sinne der Sicherheit aber auch von

selbst, schließlich sind die oft überhängenden Boulderrouten

bis zu vier Meter hoch, unkontrolliert herumlaufende

Kids sind da logischerweise Fehl am Platz.

Wer die Hallenregeln kennt und beherzigt, kann auf

eigene Faust loslegen. Stichwort Höhe: Dass auch

SPIELDASS MAN

MIT DEN GRENZEN

VOM KLETTERN

KÖRPERLICH, MENTAL UND SOZIAL

PROFITIERT, HABEN WIR SCHON

ÖFTERS GESCHRIEBEN. DASS DAS

SPEZIELL AUCH FÜRS KINDER-

UND JUGENDALTER GILT, BISLANG

NICHT. BOULDERN GARANTIERT

AUF JEDEM NIVEAU ERFOLGS-

ERLEBNISSE UND IST SOGAR EIN

IDEALER ELTERN-KIND-SPORT.

VON CHRISTOF DOMENIG

SPORTaktiv

173


AB ZWEI JAHREN

IN DIE WAND

Sogar zwei- bis fünfjährige Kinder profitieren schon vom Bouldersport

– beweist ein Projekt der Naturfreunde St. Veit an der Glan

(Kärnten). Denn wie Laufen, Springen oder Balancieren gehört

auch das Klettern zu den Grundformen der

menschlichen Bewegung, erklärt Anja Puggl

(Bild). Die Sportwissenschafterin hat ein spezielles

Boulder-Konzept für Kleinkinder entwickelt,

von dem auch Zweijährige schon

profitieren, das daraus hervorgegangene

Projekt „Spiel und Spaß in der Boulderhalle“

wird für zwei- bis fünfjährige Kinder seit

mehreren Jahren in der Kletterhalle in St.

Veit angeboten. Diese angeleiteten Spielund

Kletterstunden für die Jüngsten helfen

bei der Entwicklung motorischer Grundfertigkeiten

genauso wie bei der Entwicklung

sozial-emotionaler Fähigkeiten, sagt Puggl.

Bouldereinheiten müssten in diesem jungen Alter jedoch unbedingt

pädagogisch fundiert sein und einen absolut spielerischen

Zugang bieten: „Entscheidend ist die Mischung aus freier Spielzeit

und gezielten Bewegungsangeboten“, sagt Anja Puggl.

beim unkontrollierten Abgang in der

Regel nichts passiert, dafür sorgen ein

mattenartiger Boden sowie ein bisschen

Absprungtraining, das in Kursen gelehrt

wird. Die Höhe ist gerade für Kinder

durchaus auch eine Herausforderung, an

die man sich herantasten kann, wobei

wieder gilt: Jeder wählt die Höhe danach,

wie man sich fühlt.

Wie in jeder Sportart ist ein angeleiteter

Start mit Trainer von Vorteil: „Man

lernt zum Beispiel, wie man unterschiedliche

Griffe greift, wie man richtig

steigt, was es benötigt, um unterschiedliche

Züge zu schaffen. In Einsteigerkursen

wird zunächst ein Grundverständnis

für die Bewegungen vermittelt“, erklärt

Thomas Kohlbacher.

Wer regelmäßig klettert, profitiert

vielfach. Auf der körperlichen Ebene:

„Die Koordinationsfähigkeit steigt immens,

man wird ganzkörperlich stabiler,

kräftiger. Bewegungsgefühl und Körperwahrnehmung

werden besser“, sagt der

Klettertrainer. Gerade im Kinder- und

Jugendalter sind die psychischen Benefits

mindestens genauso wertvoll: Die

Konzentrationsfähigkeit steigt ebenso

wie die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe

zu fokussieren – beim Überwinden der

Schwerkraft in der Wand geschieht dies

alles ganz automatisch. Nicht ganz unwichtig

in Zeiten, wo schon kleine Kinder

immer mehr Zeit mit iPad oder

Smartphone verbringen, was die Konzentrationsfähigkeit

bekanntlich ganz

und gar nicht unterstützt. „Umgang mit

Frustration ist ebenfalls ein großes Thema,

das beim Bouldern gelernt werden

kann“, erklärt Kohlbacher weiter. Und

man lernt „Selbstwirksamkeit“, also seine

Fähigkeiten und Grenzen viel besser,

realistischer einzuschätzen.

Fotos: Bloc House Graz, Eveline Thoner

174 SPORTaktiv


Eingebettet in die Gruppe, profitieren

drittens die sozialen Skills: Man unterstützt

sich gegenseitig in der Gruppe, tüftelt

gemeinsam an Problemen und freut

sich gemeinsam über gelungene Züge.

Der Weg zum Wettkampfsport

Beim Lösen von „Boulderproblemen“

kommt es auf eine Kombination aus

Kraft, Technik, Taktik und Kreativität an.

Womit auch der Bogen zum Leistungssport

gespannt ist: Spielerische Wettkampfformate

werden schon für unter

Zehnjährige angeboten. Ab der Klasse

U12, also ungefähr mit zehn Jahren, starten

offizielle nationale Wettkämpfe, ab

der U16 internationale. Wer sich einmal

für Wettkampfbouldern entscheidet, sollte

aber wirklich regelmäßig zwei- bis dreimal

(oder auch öfter) pro Woche Bock

auf Training und an den Wochenenden

Zeit für Wettkämpfe haben. In Leistungsgruppen

wird wettkampfspezifisch trainiert,

das Klettertraining zum Beispiel

durch spezifisches Krafttraining ergänzt.

Es stimmt zwar, dass beim Klettern Technik

mindestens so wichtig wie Kraft ist,

„aber ohne Kraft kann man die Technik

auch nicht anwenden“, erklärt der Klettertrainer.

In Kletterbewerben hat es ja schon einige

jugendliche Weltmeister der allgemeinen

Klasse gegeben – kommt die Sportart

dem Körperbau im Wachstum grundsätzlich

entgegen? „Jein“, sagt Thomas Kohlbacher.

Als Trainer trachte man jedenfalls

danach, Nachwuchskletterer mit Bedacht

aufzubauen und langsam an die allgemeine

Klasse, die nach der U20 beginnt, heranzuführen.

Bei zu frühen Leistungshöhepunkten

sei die Gefahr erfahrungsgemäß

groß, dass später die Freude verloren

geht. Beharrlichkeit führt also zum Ziel.

Und das gilt für das Alter wie für die

Leistung: Nach oben gibt es im Klettern

keine Grenzen.

THOMAS

KOHLBACHER

ist Klettertrainer und Wettkampfcoach

in der Boulderhalle

Bloc House in Graz sowie beim

Kletterverband Steiermark.

www.bloc-house.at

klettern-steiermark.at

Foto: Fanningberg

EIN STARKES STÜCK LUNGAU

Bis 13. April bietet das schneesichere Familienskigebiet

Fanningberg auf 30 Pistenkilometern Winterspaß pur.

SALZBURG. Ob auf Ski oder Board, ob Anfänger oder Könner

– der Fanningberg im Salzburger Lungau hat’s in sich

und lässt die Herzen von Wintersportfreaks höherschlagen.

Mit einer Seehöhe von 1500 bis 2150 Metern ist das Gebiet

schneesicher und der Skibetrieb meist bis Mitte April möglich.

Die Kleinsten tummeln sich im Fanny-Kinderpark,

die Großen schweben mit komfortablen 6er-Sesselbahnen

auf den Berg. Kulinarisches Highlight: Im Gamsstadl und

Pizzastadl kocht und singt Hüttenwirt Toni persönlich.

www.fanningberg.info

ANZEIGE/Foto: Bloc House

WIR LIEBEN BOULDERN!

Auf über 1000 Quadratmetern bietet das Bloc House

in Graz Bouldervergnügen in höchster Qualität.

STEIERMARK. Vom Einsteiger bis zum Leistungskletterer

finden Sportler im Bloc House ein motivierendes Trainingsumfeld.

„Für uns ist Bouldern die DNA des Klettersports.

Der Weg zum Erfolg führt dabei immer über die Qualität

der Bewegung“: Dieser Grundsatz wird in Kursen für Einsteiger

wie in Nachwuchstrainingsgruppen vermittelt. Mit

der „Housemeisterschaft“ bietet das Bloc House einen Wettkampf

an, der an einem Wochenende internationale Stars,

Nachwuchstalente ab U10 und Hobbysportler vereint.

www.bloc-house.at

SPORTaktiv

175


FRAUENPOWER

UND SCHATZSUCHE

Obertauern hat auch im Frühjahr noch viel zu bieten.

Von Sonnenskilauf beim #SHESKIS zugunsten der

Österreichischen Krebshilfe bis zum legendären

„Gamsleiten Kriterium“, der größten Schatzsuche im

Schnee, bei der es wieder ein Auto zu gewinnen gibt.

TVB Obertauern

Pionierstraße 1

5562 Obertauern

T. +43/64 56/72 52

info@obertauern.com

www.obertauern.com

Zum vierten Mal schon ruft Obertauern,

Österreichs schneereichster Wintersportort,

starke Frauen auf die Pisten.

Beim #Sheskis-Damenskitag am 28. März

unterstützt der Winter-Hotspot gemeinsam

mit Atomic die Pink-Ribbon-Aktion der

Österreichischen Krebshilfe. Die Veranstaltung

wird von prominenten Frauen aus

verschiedensten Sparten wie Sport, Mode

oder Lifestyle begleitet. 2019 nahmen zum

Beispiel die Atomic-Athletinnen Marlies

Raich, Hannah Köck, Stephanie Venier,

Jacoba Kriechmayr und Michaela Kirchgasser

an dem Event teil und verrieten den

Skifahrerinnen Techniktipps und Tricks für

ihren Lieblingssport. Im vergangenen Jahr

konnten durch die Teilnehmerinnen 15.000

Euro gesammelt werden. Und natürlich

bleibt neben dem Skifahren immer noch

Zeit für ein Fotoshooting. Wer die Bilder

mit #sheskis und #loveobertauern teilt, hat

die Chance wertvolle Preise wie Ski und

Skipässe zu gewinnen.

Schatzsuche im Schnee

Am 18. April steigt ein weiteres Highlight,

das Gamsleiten Kriterium. Auf der steilen

„Gamsleiten 2“ wedeln mehr als 1000 Teilnehmer

ins Tal und graben dann im abgesteckten

Areal oberhalb der Talstation nach

Preisen. Für all jene Teilnehmer, welche

die Gamsleiten 2 nicht bezwingen können,

gibt es heuer erstmalig die Möglichkeit,

diese zu umgehen. Damit Challenge- und

Fairnessfaktor erhalten bleiben, muss das

Areal samt Skiausrüstung zu Fuß bewältigt

werden. Rund 30 Schatzkisten mit attraktiven

Preisen sind im Schnee versteckt. Der

Hauptpreis: ein Schlüssel zu einem neuen

BMW X1 XDrive. Teilnahmetickets um 50

Euro gibt’s im Tourismusverband sowie unter

www.obertauern-tickets.com.

Fotos: TVB Obertauern, Matthias Fritzenwallner

176 SPORTaktiv


Foto: Ranggetiner

OUTSIDE

ENERGIE- UND

KRAFTPLÄTZE

HERBERT

RANGGETINER

... ist Profikletterer

und einer der

besten Extremkletterer

Europas –

und ein „Querdenker“

der Outdoorsportszene.

In seiner

„Outside“­ Kolumne

lässt er die SPORTaktiv-Leser

an seinen

Gedanken teilhaben.

Wo ist dein Kraftplatz? Eisen stemmen in

der Muckibude, ein Craft-Bier auf der

Berghütte oder ist es das Haus des Herrn,

die Kirche? Rein von den Locations und in einer

dosierten Form für mich alles denkbar, nur mit dem

irdischen Personal von Nr. 3 und deren Handlungen

bin ich nicht kompatibel, also fällt diese Variante weg.

Glaube ohne Kirche? Muss ich beim Alpenverein sein,

um in die Berge gehen zu können? Bevor die Pferdchen

mit mir durchgehen, Cut – Schnitt!

Eines Tages: Ich klettere gerade durch diese geniale

Wand, die Sensoren sind auf „maximal“ eingestellt,

als ich in meine selbst gewählte Realität eintauche,

die weltlichen Dinge verflüchtigen sich, hier zählt nur

das Jetzt, die Bewegung, das Tun! Keine Angst, keine

Panik und doch verharre ich dann für Minuten auf

einem Felsband mitten in der Wand. Ich stehe einfach

nur da, atme ruhig und tief, bin völlig entspannt .Da

ist diese Mulde mit Steinen direkt neben mir und

ich spüre diese extreme Energie, die von diesem Ort

ausgeht. Welch luftige und einzigartige Ladestation,

Gänsehaut, phänomenal! Vor Millionen von Jahren

war dieser Ort im Meer, möglicherweise kratzten sich

Seeungeheuer genau hier ihren Rücken am scharfen

Fels. Die Elemente formten diese Steine, die Zeit

verlieh ihnen Charakter, ständig in Bewegung und

jetzt im Endzustand – eine geladene Steinbatterie.

Ich meine, ich bin nicht mehr der Jüngste, aber dabei

war ich nicht, doch möglich wäre es. Seit diesem Tag

klettere ich immer wieder zu dieser Stelle, wenn es einem

meiner Bekannten schlecht geht, und hole einen

Stein aus dieser Mulde, diesen einen nur für sie oder

ihn bestimmten Kraftstein! Einbildung oder nur ein

guter Geschichtenerzähler? Tut mir leid, nichts von

beidem! Für mich real, auch wenn andere es nicht

spüren, nur Kraft- und Energieplätze gibt und gab es

schon immer. Noch nie an einem Ort gewesen, an

dem du dich (warum auch immer) wohlfühlst, oder

einen Menschen getroffen, dessen Energie dir die Nackenhaare

aufstellt? Also ich bin genau mit so einem

Menschen verheiratet und den Kraftplatz nennen wir

unser Zuhause.

WINTERSPORT-

SCHUTZ*

Für jeden

die passende

Versicherung!

Mit dem Wintersportschutz sind Sie im

Falle eines Unfalls bestens versichert:

Schon ab € 4,98

Jederzeit online abschließbar:

www.nuernberger.at/bergschutz

*Versicherer ist die

GARANTA Versicherungs-AG Österreich


AUS

PRO

BIERT

OUTDOOR

SCHNELL GEFALTET, SCHNELL

ANGEZOGEN, SCHNELL WARM

– WIR HABEN STOCK, SCHNEE-

SCHUH UND EIN NEUES

JACKENSYSTEM GETESTET.

LEICHT, KLEIN, STABIL

Faltstöcke sind instabil? Das war einmal! Ein neues Modell

räumt mit alten Vorurteilen auf und überzeugt restlos – bei

Skitouren, Schneeschuhabenteuern oder Winterwanderungen.

Wir haben den neuen LEKI GUIDE EXTREME V (€

219,95) auf Herz und Nieren geprüft und ihn mit „nur“ längenverstellbaren

Stöcken verglichen. Er ist stabil wie ein

nicht faltbarer Stock. Er ist dank vieler Carbonteile superleicht.

Er ist mittels Schnellverschluss längenverstellbar

(115–135 cm). Und er ist, weil klein packbar (42 cm), im

Rucksack verstaubar. Weil man die größeren Schneeteller

einfach durch kleine „Sommerteller“ ersetzen kann, ist der

Leki Guide Extreme V zusätzlich zum Winter auch im Sommer

perfekt einsetzbar.

Eine weitere Stärke des Guide Extreme V ist das „Trigger S

Vertical 2.0“-Griffsystem. Er wird mit der neuesten Generation

von Griffschlaufen geliefert, die für den Alpineinsatz

viele flexible Umgreifmöglichkeiten bieten. Die neuen

Schlaufen wirken minimalistisch, sind ein wenig gewöhnungsbedürftig,

bewähren sich allerdings im Test sehr. Neben

den neuen Schlaufen können auch die bewährten Trigger-S-Schlaufen

sowie Handschuhe mit integriertem

Trigger-S-System verwendet werden.

Fotos: Oliver Pichler

VON OLIVER PICHLER

178

SPORTaktiv


JACKEN-EINSATZ NEU GEDACHT

UMSTÄNDLICH WAR GESTERN

Mühsam am Schneeschuhwandern war bisher vor allem

das Anlegen der Schneeschuhe. Ohne Handschuhe galt es

in der Kälte mehrere Riemen eher umständlich zu fixieren.

Das war einmal. Ein neues, mehr Komfort und perfekten

Sitz versprechendes Bindungssystem soll Abhilfe schaffen.

Die „Paragon-Bindung“ ist die wichtigste Innovation der

neuen „MSR LIGHTNING ASCENT“-SCHNEESCHUHE (ab €

319,95), die es in zwei Größen für Damen und in drei Größen

für Herren gibt. Die neue Bindung besteht im vorderen

Fußbereich aus einem elastisch-flexiblen und doch festen

Mesh-Riemen, der mit je einer Lasche rechts und links einmal

an den Schuh anzupassen ist. Ein zweiter Riemen im

hinteren Fußbereich komplettiert die Bindung.

Im Test zeigt sich: Die Erstanpassung des Schneeschuhs

an den Schuh (2 Laschen je Fuß sind passend einzustellen)

ist nach wie vor etwas mühsam. Deshalb sollte man sie

vorab machen. Dann braucht es beim Start im Schnee nur

noch einen Handgriff je Fuß, um den hinteren Riemen zu fixieren,

und es kann losgehen. Im Gelände bewährt sich der

Schneeschuh sehr. Gewicht (sehr leicht!), Robustheit, Halt

auch in vereisten Steilpassagen und das „Sich-Sicherfühlen“,

wenn es im weichen Tiefschnee bergab geht – top.

Komfortabel ist, dass man mit etwas Übung die Steighilfe-Bügel,

ohne sich zu bücken, mit dem Skistock auf- und

niederklappen kann.

Abwegig mutet es an, die Isolationsweste oder -jacke über

die Hardshelljacke anzuziehen. Denkt man den „anderen“

Ansatz weiter, bekommt das Umdrehen des gelernten Bekleidungsschichten-Systems

eine plausible Logik. Kern ist, sich

bei Kälte, nach intensivem, schweißtreibendem Aufstieg, nicht

mehr bis auf die nackte Haut ausziehen zu müssen, um ein

Kälteproblem beim Abstieg/bei der Abfahrt auszuschließen.

Nicht frei von Skepsis beginnen wir den ersten Test:

Kurzarm- und Langarm-Baselayer sowie Midlayer sind die

Schichten unter der Hardshell-Jacke JAMSPITZ (€ 399,95) von

HYPHEN-SPORTS. Bei minus 8 Grad und zu erwartenden 50

bis 60 km/h Nordwestwind starten wir. Anfangs erscheint die

Jacke zu dünn; schon nach ein paar Minuten sind wir froh, die

Belüftungsreißverschlüsse an den Unterarminnenseiten öffnen

zu können. Im Wind, inklusive fliegendem Schnee, bewähren

sich die eng einstellbare Kapuze sowie der hohe Kragen mit

Atmungsluftlöchern und außerhalb der Mitte verlaufendem

Reißverschluss. Oben am Gipfel ist es, bei dem starken Wind,

angenehm, sich nicht ausziehen zu müssen. Stattdessen gilt

es, zwischen zwei Isolationslösungen – beide leicht und klein

im Packmaß – zu wählen: der STÜDLGRAT-WESTE (€ 199,95)

oder der PAREISPITZ-JACKE (€ 369,95). Wir wählen die Weste

mit den überschnittenen Schultern, die zusätzlichen Wind- und

Wetterschutz bieten. Zügig geht es talwärts. Obwohl verschwitzt,

bleibt ein warmes Gefühl am Körper erhalten, selbst

danach auf der 20minütigen Autofahrt nach Hause.

SPORTaktiv

179


TVB OSTTIROL

Mühlgasse 11, 9900 Lienz

T. +43 50 212 212

info@osttirol.com

nationalpark.osttirol.com

OSTTIROLER

SKITOURENTRÄUME

BESSER GEHT’S NICHT: BEIM

NATIONALPARKCAMP IN

OSTTIROL IM JÄNNER LERN-

TEN UNSERE LESER/-INNEN

DIE NATIONALPARKREGION

HOHE TAUERN UND DAS SKI-

TOURENGEHEN VON IHRER

SCHÖNSTEN SEITE KENNEN.

Etliche neue und einige altbekannte

Fans der SPORTaktiv-Camps

pilgerten Mitte Jänner ins Defereggental.

Bereits seit Anfang November ist

die Nationalparkregion Hohe Tauern

von einer dicken Schneeschicht eingehüllt

– das war sicher mit ein Grund,

warum das für Skitoureneinsteiger

ausgeschriebene „Nationalparkcamp“

so schnell ausgebucht wie noch nie

eines unserer Camps war. Los ging es

mit einem echten Geheimtipp: Der

Staller Sattel liegt malerisch zwischen

dem Südtiroler Antholzer Tal und dem

Defereggental und bietet Skitouren vom

Feinsten mit traumhaftem Ausblick auf

die Dreitausender Ost- und Südtirols.

Unter Leitung der Osttiroler Berg- und

Skiführer zeigten sich die Region und

die Teilnehmer gleich von ihrer besten

Seite. Auch die anspruchsvolle Mandlscharte

meisterten alle mit Bravour, was

für besondere Glücksgefühle sorgte.

Tag zwei stand unter dem Motto

„Raufgehen zum Runterkommen“: Die

2688 m hohe Langschneid war das

Gipfelziel und bot eine tolle Skitourenkulisse

in den Deferegger Bergen mit

schönen Hängen und einer rassigen

Abfahrt. Die Bergführer waren mit den

Leistungen der Teilnehmer wieder absolut

zufrieden und konnten auch selbst

die Tour so richtig genießen.

Am Schlusstag führte dann die vom

Nationalpark-Ranger geleitete Sonnenaufgangswanderung

auf Schneeschuhen

zum malerisch gelegenen Alpengasthof

Obersee. Der Sonnenaufgang mit den

sich langsam rot verfärbenden Bergspitzten

war eine Wucht. Kurz vor der

Einkehr zum Frühstück zeigte sich ein

Gamsrudel in unmittelbarer Nähe –

klar, dass alle die Test-Ferngläser von

Swarovski Optik zückten. Generell

wurde das Camp durch Testprodukte

von Dynafit, bca und Swarovski

Optik perfekt abgerundet. Fazit: blauer

Himmel, viele Sonnenstunden, tolle

Impressionen – besser kann der Einstieg

in den Skitourensport nicht verlaufen.

Foto: Nationalpark Hohe Tauern/Sandra Gutternig

180 SPORTaktiv


PROIm Frühjahr stehen wieder

Radklassiker wie Mailand– San

Remo auf dem Programm (im

Bild Peter Sagan).

FORMEL-1-AUFTAKT

Am 15. März startet traditionell in

Melbourne die neue Saison in der

Königsklasse des Motorsports. Ist

Lewis Hamilton heuer zu stoppen?

www.formula1.com

EUROFIGHTER IM EINSATZ

Sowohl der LASK (am 20./27. Februar

gegen Alkmaar) als auch Salzburg

(Frankfurt) halten Österreichs

Fahnen in der Europa League hoch.

www.uefa.com

DAVIS-CUP-HIT

Gegen Uruguay entscheidet sich

am 6. und 7. März in Premstätten,

ob es das rot-weiß-rote Team in die

Tennis-Weltgruppe schafft.

www.oetv.at

Fotos: Getty Images (4)


THE SPIRIT

OF CURLING

TAKTIK, BALANCE,

FINGERSPITZENGEFÜHL,

KONZENTRATION,

WISCHKRAFT – DIE

CHALLENGE GEGEN

SERIENMEISTER

SEBASTIAN WUNDERER

ZEIGT, DASS CURLING EINE

DER KOMPLEXESTEN

SPORTARTEN ÜBERHAUPT

IST. UND NICHT GANZ

UNGEFÄHRLICH, WIE

BLAUE FLECKEN AM TAG

DANACH ZEIGEN.

VON MARKUS GEISLER

182 SPORTaktiv


Fotos: GEPA pictures

igentlich hätte ich

spätestens hellhörig

werden müssen,

als mir Eismeister

Chris –

ein waschechter

Schotte – wärmstens

empfiehlt, einen als Stirnband

getarnten Helm aufzusetzen. „Believe

me – it’s better“, sagt er in breitestem

Glasgower Dialekt. Dass er mich mit

dem Hinweis nicht aufs Glatteis führen

wollte, merke ich, als er mich

wirklich aufs Glatteis führt. Und zwar

in der Kitzbüheler Curlinghalle, der

einzigen (!) ihrer Art in ganz Österreich

und Heimat von Sebastian

Wunderer, der mit seinem Team so

etwas wie der FC Red Bull Salzburg

des Stein- und Besengewerbes ist, da

die vergangenen sechs Staatsmeistertitel

alle an ihn und sein Tiroler Team

gegangen sind. Er soll mich in die

Geheimnisse des Sports einweihen,

der wahlweise respektvoll als „Schach

auf dem Eis“ oder weniger respektvoll

als Hausfrauen-Bewegungstherapie tituliert

wird. Letzteres kann allerdings

nur jemand behaupten, der sich noch

nie aus einem sogenannten Hack katapultiert

und versucht hat, einen 20

Kilogramm schweren Stein ins gegenüberliegende

Haus zu befördern.

Doch zurück zu meinen ersten

Gehversuchen, bei denen ich mit

Curlingschuhen auf der Eisbahn so sicher

stehe wie eine Kuh auf dem

Drahtseil. Am linken Schuh eine Slider-Sohle,

rechts einen Anti-Slider-Aufsatz,

sodass ich mich elegant

bewege wie Paulchen Panther zu seinen

besten Zeiten. „Am besten du

Beim Wischen auf der 45 Meter langen Bahn merkt unser Reporter, dass Curling

nicht nur ziemlich anstrengend, sondern auch schmerzhaft sein kann.

gehst die Bahn ein paarmal auf und

ab, damit du dich daran gewöhnst“,

schlägt Chris vor. In der Zwischenzeit

schafft Sebastian die Steine heran,

denn zunächst soll es darum gehen,

wie man das Spielgerät fehler- und

unfallfrei auf die Reise schickt.

Sprich: Als Rechtshänder kommt der

rechte Fuß in den Hack, der an einen

Startblock aus der Leichtathletik erinnert,

linker Fuß daneben. Curlingstein

in die rechte Hand, links ein

„Krücke“ genanntes Hilfsgerät, damit

man beim Sliden nicht umfällt (echte

Curler nehmen dafür ihren Besen).

„Hüften hoch, Schwung holen und

abstoßen“, erklärt Sebastian. Was er

nicht erklärt, ist, wie man das Gleichgewicht

halten soll, wenn man den

Stein irgendwann loslässt. Dementsprechend

unbeholfen mache ich

(und vor allem mein rechtes Knie)

SPORTaktiv

183


DIE WICHTIGSTEN

CURLING-REGELN

Ein Team besteht aus vier Spielern, von denen jeder zwei Steine

ins Spiel bringen muss. Kapitän des Teams ist der sogenannte

Skip, er bestimmt die Taktik und zeigt mit dem Besen im Haus

an, wohin gezielt werden soll. Ein Match besteht bei großen

Meisterschaften aus zehn Ends, in denen es für jeden Stein, der

dem Zentrum im Haus am nächsten ist, einen Punkt gibt (ähnlich

wie beim Boccia). Am Anfang wird gelost, wer im ersten

End den Hammer bekommt (=Recht auf den letzten Stein).

Punktet ein Team, geht der Hammer automatisch zum Gegner

über. Steine, die als Guards in der sogenannten und meist gelb

markierten „Free Guard Zone“ vor dem Haus platziert werden,

dürfen in den ersten fünf Runden eines Ends nicht weggeschossen

werden – das führt zu vielen taktischen Variationsmöglichkeiten

beim Curling.

erstmals, aber leider nicht letztmals

Bekanntschaft mit dem Eis.

„Das ist ganz einfach“, sieht Sebastian

gleich, woran es hapert. „Du

musst so viel Gewicht wie möglich

auf den linken Fuß und so wenig wie

möglich auf den Stein geben. So

kannst du dich auch voll darauf konzentrieren,

welchen Drall du ihm mitgibst.“

Womit wir beim nächsten

spannenden Punkt dieser irrsinnig

komplexen Sportart angelangt sind.

Denn wer glaubt, dass man einen

Stein einfach so gerade über die Bahn

schieben kann, hat die Rechnung

ohne die Tücken des Eises gemacht.

„Zwei Möglichkeiten: Entweder du

drehst den Stein am Anfang auf 14

Uhr und zurück auf 12, wenn du ihn

loslässt. Oder du drehst von 10 Uhr

auf 12. Das Erste ergibt einen Linksdrall,

beim Zweiten sorgt die Rotation

dafür, dass er nach rechts geht.“

Bedeutet: Wenn man versucht, den

Stein in die Mitte des Hauses (Button

oder Dolly) zu platzieren, zielt man in

Wahrheit gut einen Meter daneben,

was wiederum durch die Rotation

ausgeglichen wird. Warum einfach,

wenn es auch kompliziert geht?

Zu Übungszwecken stellt Sebastian

einen Stein in die Mitte, den ich einfach

nur aus dem Haus schießen soll.

„Take out“ nennen das die Profis.

Wobei einfach natürlich in Anführungsstriche

gehört, da mein Stein

wahlweise rechts oder links vorbeirauscht

oder schlicht und ergreifend

zu wenig Power hat und somit zu

kurz ist. Eine gute Gelegenheit, den

Besen ins Spiel zu bringen, mit dem

man die Richtung, vor allem aber die

Länge des gespielten Steines beeinflussen

kann. Drei bis vier Meter, sagt

man, kann der Weg bei optimalem

Wischen verlängert werden, weswegen

es ratsam ist, dem Stein im Zweifel

lieber ein bisschen zu wenig als zu

viel Schwung mitzugeben. Detail am

Rande: Will man gegnerische Steine

aus dem Zielbereich schießen, ist es

ab der Mitte des Hauses erlaubt, auch

bei denen mit dem Wischer nachzuhelfen.

Nun drückt mir Sebastian also einen

Besen in die Hand und ich ahne

schon, dass der Stein, den er als

Nächstes auf den Weg bringt, viel

Wischeinsatz benötigt. Also wird das

Eis geschrubbt, was das Zeug hält,

ohne Rücksicht auf Verluste. Und

ohne Rücksicht auf mein Gleichgewicht,

weswegen spätestens jetzt das

Gefühl tiefer Dankbarkeit in mir aufkommt,

dass ich einen Kopfschutz

trage. Was meinem schmerzenden Ellbogen

freilich auch nicht hilft.

Wurscht. Jedenfalls kommt hier der

wirklich sportliche Teil des Spiels zum

Tragen, denn wenn man die 45 Meter

lange Eisbahn ein paar Mal in gebückter

Haltung rauf und runter hirscht

und dabei Wasserfilme auf dem Eis

produziert, bleibt der Curlingdress

nicht lange trocken.

„Die Basics kannst du ja jetzt, spielen

wir ein End“, sagt Sebastian. Normalerweise

besteht eine Mannschaft

zwar aus vier Spielern, von denen jeder

zwei Steine ins Spiel bringen

muss, aber da ich ja ohnehin viel

Fotos: GEPA pictures

184 SPORTaktiv


üben muss, spielen wir eins gegen eins.

Als Skip (eine Art Spielführer und Mastermind,

der die Taktik vorgibt) für uns

beide fungiert Eismeister Chris. Er steht

am Ende der Bahn und zeigt mit dem

Besen an, wohin man zielen soll. „Du

bist der Herausforderer, also überlasse

ich dir den Hammer“, meint Sebastian.

Was deutlich schroffer klingt, als es gemeint

ist, denn wer den Hammer hat,

hat das Recht, den letzten der insgesamt

16 Steine zu spielen – ein unschätzbarer

Vorteil, mit dem man in der Regel ein

End für sich entscheiden kann.

Also muss der Profi loslegen. Und ich

beginne zu erahnen, wie groß die taktische

Komponente beim Curling ist. Es

gibt offensive und defensive Varianten,

welche, bei denen man sogar auf einen

Feinarbeit: Will man die Steine im

Haus gewinnbringend platzieren,

kommt es auf zentimetergenaues

Anspielen an.

Punkt verzichtet, um den Hammer

nicht zu verlieren, immer alles abhängig

vom jeweiligen Spielstand und den noch

zu spielenden Ends. Nur eins kann man

dabei auch als Profi nur ganz schwer berechnen:

das unkontrollierbare Glück

des blutigen Anfängers. Als alles auf ein

Waterloo für mich herausläuft, verfehle

ich mit dem letzten Stein mein anvisiertes

Ziel um Längen. Und löse eine Kettenreaktion

aus, an deren Ende plötzlich

und unerwartet einer meiner roten Steine

der guten alten Dolly am nächsten

kommt. Schluss, aus, Punkt für mich.

„Gutes Spiel“, kommt Sebastian auf

mich zu und drückt mir die Hand.

Inhaltlich natürlich nicht zu rechtfertigen,

aber ein elementarer Bestandteil

der Sportart, den man „Spirit of Curling“

nennt. Ein Ehrenkodex, der beispielsweise

auch besagt, dass man einen

Gegner niemals provozieren oder aus der

Konzentration bringen darf, in Streitfragen

zugunsten der anderen Partei nachgibt

und eine Niederlage immer einem

ungerechtfertigten Sieg vorzieht. „Und

es heißt darin, dass der Gewinner den

Verlierer nach dem Match zum Trost auf

ein Getränk einlädt“, sagt Sebastian.

Und sein verschmitztes Lächeln lässt

mich latent daran zweifeln, ob mein

Glücksschuss am Ende nicht doch von

langer Hand geplant gewesen sein

könnte ...

SEBASTIAN WUNDERER

Der Lehramtsstudent (Sport und Mathematik) aus Kitzbühel

begann mit 13 Jahren zu curlen und bewies schnell

sein Talent in dieser Sportart. 2014 schaffte es das „Team

Wunderer“ (zu dem auch Philipp Nothegger, Lukas Kirchmair,

Martin Reichel und Mathias Genner gehören, allesamt

gebürtige Kitzbüheler) zu den Junioren-Weltmeisterschaften

in die Schweiz, wo der achte Platz belegt wurde.

In Österreich ist das Team des K.C.C. (Kitzbühel Curling

Club) unangefochten, sechs Mal nacheinander wurde der

Staatsmeistertitel eingeheimst. Zuletzt vertrat das

Team Österreich bei der B-EM in Schweden im November,

wo der Klassenerhalt gesichert wurde.

SPORTaktiv

185