AllgäuALTERNATIV 1-2020

editionallgaeu

allgäuALTERNATIV liefert Hintergrundinformationen und stellt Menschen vor, die etwas bewegen und die Energiezukunft aktiv mitgestalten. Wir liefern Anregungen und geben Tipps von Fachleuten weiter.

Ausgabe 1/2020

Schutzgebühr: 4,– Euro

Regionale Berichte zu Energiezukunft und Klimaschutz

Biogasanlagen: Bauen: Es grünt Forderungen so grün und Folgen

Wasserkraft: Energiewende: Schneiteich Warum wir als uns Stromlieferant

verrechnen

Windräder: E-Mobilität: Die Ungewöhnliche Zukunft im Retrogewand

Standorte

Photovoltaik: Lichtblicke für Afrika


Entspannt in

die Energiezukunft

der Region blicken?

Mit LEW geht das

Mehr entdecken auf lew.de


Auf ein Wort

Energiewende ist

der beste Klimschutz

Foto: StMWi

Klimaschutz ist in aller Munde. Dieser kann

nur vorangebracht werden, wenn alle ihren

Beitrag leisten. Der Bund hat jüngst ein

Paket mit zahlreichen Maßnahmen geschnürt, um die

sehr ambitionierten deutschen Klimaschutzziele für

das Jahr 2030 zu erreichen. Das Klimaschutzprogramm

2030 und mehrere Gesetze zum Schutz des

Klimas wurden verabschiedet. Auch wir in Bayern setzen

uns klare Klimaziele. Im November hat das Bayerische

Kabinett zum ersten Mal ein Bayerisches

Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht sowie einen

Zehn-Punkte-Plan mit 96 konkreten Klimaschutzmaßnahmen

beschlossen.

Da über 80 Prozent der Treibhausgasemissionen

energiebedingt sind, ist für mich die Energiewende

der entscheidende Hebel für den Klimaschutz. Wir

werden ihr in Bayern neuen Schwung verleihen. In

meiner Regierungserklärung vor dem Bayerischen

Landtag am 27. November 2019 habe ich die konkreten

Schritte vorgestellt, die wir angehen werden. Diese

sind in einem Bayerischen Aktionsprogramm

Energie zusammengefasst, das unter dem Link

www.stmwi.bayern.de/energiepolitik abrufbar ist.

Mit dem Bayerischen Energiegipfel ist dem Aktionsprogramm

eine umfangreiche Expertenanhörung

vorgeschaltet worden. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft,

Politik und von bayerischen Bürgerinitiativen

haben sich in vier Arbeitsgruppen eingebracht

und ihre Expertise ist in unser Programm eingeflossen.

Diese Einbindung war mir besonders wichtig. Die

Energiewende kann nur gelingen, wenn wir alle, die

Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen, mitnehmen.

Ein Schwerpunkt des Programms ist der

Ausbau der sauberen erneuerbaren Energien mit möglichst

viel Wertschöpfung vor Ort. Wir wollen vor allem

die Sonnenenergie noch stärker nutzen und haben

dazu auch ein Photovoltaik-Speicherprogramm für

unsere Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht.

Bis 2022 streben wir einen kraftvollen Zubau von Photovoltaikleistung

in Höhe von 3,2 Gigawatt peak und

mindestens 250.000 Quadratmeter solarthermische

Kollektorfläche an. Auch bei der Wasserkraft, der Biound

Windenergie sowie der Geothermie haben wir

konkrete Ziele und Maßnahmen in unserem Aktionsprogramm

festgelegt.

Neben der Umwelt- und Klimaverträglichkeit der

Energieversorgung muss die Politik auch auf die Versorgungssicherheit

und Wirtschaftlichkeit achten.

Eine unsichere Stromversorgung können wir uns nicht

leisten. Die benötigte Energie muss für die Bürgerinnen

und Bürger, aber auch für die Unternehmen bezahlbar

bleiben. Das Aktionsprogramm enthält deshalb

zahlreiche Maßnahmen für eine sichere und wirtschaftliche

Energieversorgung. So wollen wir für eine

sichere Stromversorgung den Bau von regionalen Gaskraftwerken

und 3000 neuen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen

anstoßen. Mittelfristig muss es uns gelingen,

dass diese Anlagen mit grünem Gas betrieben

werden.

Wir werden Bayern auch zu einem führenden

Wasserstoff-Land machen. Mit über 100 Millionen

Euro wollen wir Forschung und Entwicklung fördern

und die Infrastruktur ausbauen. Das kürzlich gegründete

Zentrum Wasserstoff Bayern (H2.B) wird als zentrale

Koordinierungsstelle Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik vernetzen und eine bayerische Wasserstoffstrategie

erarbeiten.

Zum Erfolg unserer energie- und klimapolitischen

Ziele wird auch die neue Landesagentur für

Energie und Klimaschutz beitragen. Sie soll als Kompetenz-

und Beratungsstelle die Energiewende bayernweit

in die Fläche tragen. Mein Ziel ist eine Bürger-

Energiewende, die von der Breite der Bevölkerung unterstützt

wird. Lassen Sie uns gemeinsam in eine nachhaltige

Zukunft gehen und bei den Zukunftsthemen

Energiewende und Klimaschutz energisch anpacken!

Hubert Aiwanger, Staatsminister für

Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie,

Stellvertretender Ministerpräsident

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Inhalt

Impressum

Verlag und Herstellung:

Verlag HEPHAISTOS,

EDITION ALLGÄU

Lachener Weg 2,

87509 Immenstadt-

Werdenstein

Tel. 08379/728616

Fax 08379/728018

info@heimat-allgaeu.info

www.edition-allgaeu.com

Herausgeber:

Peter Elgaß

Redaktion:

Claudia Schöwe (v.i.S.d.P.)

Thomas Niehörster

Gekennzeichnete Beiträge

stellen die Meinung des

Ver fassers, nicht aber des

Verlages dar.

Layout:

Ramona Alger

Bianca Elgaß

Joshua Riedisser

Vorwort Seite 3

Holzbau

Ein Haus für die Zukunft Seite 6

Organisch statt anorganisch Seite 12

Bauen

Es grünt so grün … Seite 16

E-Mobilität

Ein Auto für alle Fälle Seite 22

Die Zukunft im Retrogewand Seite 24

Batterien im Faktencheck Seite 26

Energie

European Energy Award Seite 28

Ein Jahrhundert AÜW Seite 30

Aus der Welt

Globale Ideen fürs Klima Seite 36

Energiewende

Warum wir uns verrechnen Seite 38

Stromrebellen aus Fuchstal Seite 42

Energiezukunft

Nachhaltigkeit bei Wölz Seite 46

Meldungen

Zusammen zur Klimaneutralität Seite 52

Solarkataster Kempten Seite 52

Kommunen für Klimaschutz ausgezeichnet Seite 53

Spitalhof in Kempten erhält Förderung Seite 53

Die Retter brauchen Hilfe Seite 54

Auszeichnung für Green Ways to Work Seite 55

Neben dem Beruf zum Bachelor Seite 56

Informativ und plakativ Seite 56

Aktionen zur solaren Nutzung begehrt Seite 57

Mehr Mehrweg im Unterallgäu Seite 58

Hohe Zuschüsse für Heizungstausch Seite 58

Wettbewerbsfähigkeit Seite 59

Unternehmen

Ein strahlendes Beispiel Seite 60

Natur

Preis für Immenstädter Wald Seite 62

Umweltfreundlich gärtnern Seite 64

Medien

Brennnesseljauche & Co. Seite 67

Das Natron-Handbuch Seite 67

5 Hausmittel ersetzen eine Drogerie Seite 67

Selber machen statt kaufen Seite 67

Photovoltaik

Grüner Strom vom Balkon Seite 68

Lichtblicke für Afrika Seite 70

Energie sparen

Alles neu macht der Frühling Seite 74

Redaktions- und Anzeigenschluss für

die nächste Ausgabe ist der 24. Juni 2020

Anzeigen:

Carolin Mathes

Christian Vu

Tel. 08379/728616

gültige Anzeigenpreisliste:

1/2010

16

Bankverbindung Verlag:

Raiffeisenbank Oberallgäu-

Süd eG, IBAN:

DE97733699200007126999

BIC: GENODEF1SFO

Druck und Bindung:

HOLZMANN DRUCK

GMBH & CO. KG

Gewerbestraße 2

D-86825 Bad Wörishofen

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Fotos: Bruno Maul/AÜW, Frédéric Delangle/BFV Architekten, Honda, Pixabay, Vertiko GmbH

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XX 64

Titelfotos: Abiola gGmbH, Honda, Pixabay, Vertiko GmbH


Holzbau

Ein Haus für die Zukunft

Baubiologisch und energieeffizient

Die Bauherren hatten ein klares Ziel vor Augen: Ihr Altersruhesitz

sollte ausschließlich aus gesunden Baustoffen, vor allem aber aus

Holz bestehen. Und er sollte wenig Energie verbrauchen. Mit dem

Architekten Michael Felkner fanden sie einen Spezialisten, der seit

über 20 Jahren Holzgebäude in allen Größen auf höchstem energetischen

und ökologischen Standard baut.

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Ein kleines aber feines Haus sollte es sein und

dazu noch energieeffizient. Was zunächst einfach

klingt, ist es gar nicht, denn: Je kleiner ein

Haus ist, es umso schwieriger wird es, dieses als

Niedrigst energiehaus hinzubekommen. Das hat mit

dem Verhältnis von Gebäudehüllfläche zu Volumen

zu tun. Dies bedeutet, dass im Vergleich zu einem großen

Mehrfamilienhaus die Gebäudehülle eines kleinen

Einfamilienhauses viel besser wärmegedämmt werden

muss, um denselben niedrigen Heizenergieverbrauch

zu erreichen.

Biologische Dämmung und Materialien

So kam es auch, dass der Stahlbetonboden und

die beiden gegen den Hang gerichteten Stahlbetonwände

mit 30 Zentimeter Perimeterdämmung versehen

wurden, was den Baumeister ganz fassungslos zu

der Aussage veranlasste, dass er so etwas noch nie gemacht

habe. Für den Holzbaubetrieb aus dem Nachbarort

war es dagegen selbstverständlich, dass die Gefache

der 28 Zentimeter tiefen Holzständer mit Zellulose,

außen zusätzlich mit einer Deckschicht aus ►

Von außen besticht der

hölzerne Neubau durch

seine Verkleidung aus

Lärchenholz. Auf der nach

Südosten ausgerichteten

Dachhälfte ist über die

komplette Fläche eine

Solaranlage integriert

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Das Erdgeschoss besteht

aus einem einzigen großen

Wohnraum, der zum Dach

hin geöffnet ist. Lediglich ein

kleines WC und die Speis

sind davon separiert

sechs Zentimeter dicken Holzfaserplatten und raumseitig,

in der sogenannten Installationsebene, noch

einmal mit sechs Zentimeter Holzfaser – also insgesamt

40 Zentimetern – gedämmt wurden. Zudem sei

noch eine Besonderheit angemerkt: Anstatt der sonst

üblichen aussteifenden und winddichtenden Beplankung

aus ökologisch nicht ganz unbedenklichen Holzwerkstoffplatten

kam hier eine neu entwickelte Holzfaserplatte

zum Einsatz.

Außenseitig wurde das Wohngebäude mit unbehandeltem

Lärchenholz verschalt. Innen kamen als

Wandverkleidungen anstatt den üblichen Gipskartonplatten

Dreischichtplatten aus Fichtenholz beziehungsweise

Lehmputz auf Schilfrohrmatten und sägerauer

Schalung zum Einsatz. Die Decke über dem talseitig

aus dem steilen Hang vollkommen frei herausragenden

Untergeschoss ist aus leimfreien Dübelholzelementen

hergestellt, die wie alle übrigen Holzbauteile

aus dem Allgäu stammen.

Ein Blick hinter die wärmenden Wände

Das nach Südosten abfallende Grundstück ist

von unten her erschlossen, sodass der Hauszugang

auch im Untergeschoss liegt. Etwas ungewöhnlich,

aber aufgrund der grandiosen Aussicht auf den Hochgrat

nachvollziehbar sind Schlafräume, Ankleide, Bad

und Haustechnik/Hauswirtschaft auf der Eingangsebene

angeordnet. Von dort erreicht man über eine

geradläufige (und mit einem Treppenlift nachrüstbare)

Treppe das Erdgeschoss, das aus einem einzigen

großen zum Dach hin geöffneten Wohnraum besteht.

Davon abgetrennt sind lediglich ein WC und die Speis.

Der mit einer Holzschalung belegte Sichtdachstuhl

hat eine Aufdachdämmung aus 28 Zentimetern

Zellulose und zwölf Zentimetern Holzfaser, also wiederum

fast einen halben Meter Dämmstoffdicke. Die

U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) der Gebäudehülle

belaufen sich dabei durchgängig auf den

Spitzenwert von 0,11 Watt pro Quadratmeter und Kelvin

(W/m²K). Bleiben als letztes die mit Leinölfirnis

behandelten Lärchenholzfenster, die je nach Größe der

dreifachverglasten Scheiben einen U-Wert zwischen

0,65 und 0,88 W/m²K aufweisen. Bis auf Bad und WC

bestehen die Böden aus nach dem Mond geschlagenen

Vollholzdielen. Einzig dieses Holz stammt nicht aus

dem Allgäu, sondern aus dem Berchtesgadener Land.

Nun wird sich manch einer fragen, ob das nicht

etwas viel Holz ist und wie man das denn pflegen

kann. Die Lösung ist Seife. Dieselbe Seife haben die

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Die Innenwände wurden

mit Dreischichtplatten aus

Fichtenholz beziehungs -

weise Lehmputz verkleidet.

Der Sichtdachstuhl wurde

mit einer Holzschalung

belegt

Die Wandstrahlheizung

kann im Bedarfsfall von den

Erdreichwärmetauschern –

mit Hilfe der Wärmepumpe

– mit Wärme versorgt

werden

Die Lüftungsleitungen

wurden in den Bodenaufbau

integriert und sind heute

nicht mehr sichtbar

Fotos: Michael Felkner

Bauherren bereits beim Bau ihres ersten inzwischen

verkauften Hauses verwendet. Damit »vergilbt« die

Fichte nicht und vor allem bietet die Seife einen perfekten

Schutz für die Holzböden.

Eine natürliche Wohlfühlatmosphäre

Neben dem zahlreich verwendeten Holz gehört

auch der Lehm an den Wänden zu den Baustoffen, die

das Raumklima am besten regulieren. Keine anderen

Baumaterialien können innerhalb kürzester Zeit so

viel Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen, speichern

und nach dem Rückgang der Raumluftfeuchte

(durch Lüften) wieder an die Umgebung zurückgeben

wie diese. Da kann man wirklich von »atmenden

Wänden« sprechen.

Wobei wir gleich bei einem weiteren wichtigen

Thema sind: Der Wohlfühlindex dürfte in diesen Räumen

bei 100 Prozent liegen, denn es gibt keine unangenehmen

oder gar unnatürlichen Gerüche in diesem

Haus, sogar den Handwerkern fiel das schon während

der Bauphase auf. Und trotzdem ist das Gebäude

»dicht« – winddicht, um genau zu sein. Dies wurde

durch einen Luftdichtigkeitstest überprüft. Erreicht

wurde – bedingt durch die exzellente Planung und

Ausführung – ein Wert von 0,3, gerade einmal ein

Fünftel dessen, was vorgeschrieben ist.

Ohne Haustechnik geht’s nicht

Aufgrund des extrem niedrigen Heizenergie -

bedarfs ist eine konventionelle Heizung überflüssig.

Daher gibt es hier stattdessen ein Passivhaus-

Kompaktgerät, das heißt, ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung

und Kleinstwärmepumpe zur

Warmwassererzeugung. Das Gebäude verliert nämlich

weitaus mehr Wärme durch den notwendigen

Luftaustausch als durch die Gebäudehülle. Über den

Wärmetauscher im Lüftungsgerät werden während

der Heizperiode 80 bis 90 Prozent der Wärme aus der

verbrauchten Luft recycelt. Die Lüftungsleitungen

sind in den Bodenaufbau integriert. Außerhalb der

Heizperiode kann das Lüftungsmodul abgeschaltet

werden, denn alle Fenster können zum Lüften geöffnet

werden.

Knackpunkte sind der Warmwasserverbrauch

und längere Perioden ohne Sonnenschein. Deswegen

wurden auf dem Grundstück Erdreichwärmetauscher

vergraben, die im Bedarfsfall mit Hilfe der Wärmepumpe

ein paar Quadratmeter Wandstrahlheizung

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Holzbau

Die große Fensterfront

lässt zwar tagsüber die

Sonne herein, doch nachts

verliert das Haus darüber

Wärme. Dank der ausgefeilten

Technik müssen die

Bewohner aber niemals

frieren

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Auch wenn es sich um

ein Holzhaus handelt, ohne

einen Stahlbetonboden

ging es nicht

Geht man um das Haus

herum wird deutlich, dass

es in den Hang gebaut

wurde. Auch die beiden

gegen den Hang gerichteten

Wände sind aus

Stahlbeton und sorgen so

für Stabilität. Betrachtet

man die Aussicht, versteht

man, warum der Standort

gewählt wurde

mit Wärme versorgen, vor allem aber der Warmwasserbereitung

dienen.

Auch die Kraft der Sonne nutzen

So schön es ist, wenn an eiskalten Wintertagen

durch große Südverglasungen sich die Sonnenstrahlen

in wohlige Wärme verwandeln: in der Nacht verliert

das Haus durch ebendiese Fenster auch wieder Wärme.

Oder wenn tagelang keine Sonne scheint, geht es

ohne die Unterstützung der Technik auch nicht. An

diesem Punkt greift das nächste Rädchen in das ausgefeilte

System ein. Auf der nach Südosten ausgerichteten

Dachhälfte ist über die komplette Fläche eine

Photovoltaik-Anlage mit mehr als neun Kilowatt Leis -

tung integriert. Diese Anlage erzeugt übers Jahr hinweg

gesehen mehr Energie, als das Haus selbst verbraucht.

Das Problem bei der Sonnenenergienutzung

ist allerdings, dass die Sonnenstrahlen im Sommer

etwa zehn Mal so viel Energie liefern wie im Winter.

Deswegen benötigt das Haus für den kalten Extremfall

ein ausgewogenes Speichersystem. Wärme wird in einem

Wasserspeicher bevorratet und Strom in einem

Batteriespeicher.

Ein ökologisches Speichermedium

Das größte ökologische Hindernis auf dem Weg

zu einer effektiveren Energieversorgung mit dem

Energieträger Strom stellt die Rohstoffgewinnung für

die Herstellung und am Ende der Nutzungsdauer die

Recyclingfähigkeit von Batteriespeichersystemen dar.

An diesem Knackpunkt kommt nun einer der ersten

Salzwasser-Batteriespeicher im Allgäu zum Einsatz.

Der ist rundum ökologisch und gar nicht einmal wesentlich

teurer als ein umweltschädliches auf Lithium-

Ionen basiertes System. Aufgrund der hohen Nach -

frage gibt es allerdings Lieferengpässe. So ist das Gebäude

zwar seit Anfang Dezember bezogen und die

Solar anlage längst in Betrieb, doch der Salzwasser-

Batteriespeicher wir erst im Frühling geliefert – ein

Jahr nach dem Baubeginn.

Der Batteriespeicher erhöht den Eigennutzungsanteil

beim selbst erzeugten Strom auf circa 60 Prozent.

Angesichts des sommerlichen Überschusses

lohnt sich dann auch die Anschaffung eines Elektroautos.

Dieses und Gartengeräte finden Platz in einer

in den Hang hineingegrabenen Doppelgarage. Hier

kam Beton als Baustoff zum Einsatz, denn die Garage

ist nicht wärmegedämmt. Die Trennwand zwischen

Garage und Wohngebäude ist allerdings schon wieder

in feuerhemmender und hoch wärmedämmender

Holzständerbauweise ausgeführt, denn nur durch eine

bestens wärmegedämmte und vor allem wärme -

brückenfreie Gebäudehülle kann man den KfW-Effizienzhausstandard

40 beziehungsweise im Zusammenwirken

mit der Photovoltaik-Anlage sogar den

Plusenergiehausstandard erreichen.


Parade der Holzbau-Meister

Präsentieren Sie

Ihr Holzbauprojekt

kostenlos und unverbindlich in allgäuALTERNATIV

Das bringen Sie mit:

Die Zeitschrift allgäuALTERNATIV berichtet regelmäßig über regionale

Projekte zu Energie zukunft und Klimawandel. Vor einiger Zeit ist eine

neue Serie gestartet, in der wir unseren Lesern die interessantes ten

Allgäuer Holzbau-Projekte vorstellen. Dabei geht es der Redaktion um

modernste Bautechnik, Energiespar- Innovationen und gute Innen- und

Außen gestaltung, passend für unsere Region.

Die Redaktion stellt praktische Beispiele vor, die in letzter Zeit errichtet

wurden. Die Serie soll unseren Lesern helfen, den richtigen Bau-Partner

für ihr Projekt zu finden. Wir legen dabei großen Wert auf Niedrig-Energiestandards

und pfiffige, sowie günstige Lösungen für die Bauherrn.

Ihre Firma hat in letzter Zeit ein solches

Bauprojekt durchgeführt?

Der Bauherr hat nichts dagegen, dass sein Haus

in unserer Zeitschrift vorgestellt wird?

Das Projekt wurde von Ihnen dokumentiert?

Rufen Sie uns von allgäuALTERNATIV an:

+49 (0)83 79 / 72 80 16 oder

senden Sie eine Mail an info@heimat-allgaeu.info


Holzbau

Organisch statt anorganisch

Wie Gebäude zur CO 2 -Senke werden

Die Bevölkerung wächst und es wird immer mehr Wohnraum

benötigt. Das Problem ist allerdings, dass die Produktion

anorganischer Baumaterialien wie Zement und Stahl sehr

rohstoff- und energieintensiv ist sowie eine Hauptquelle von

Treibhausgasen darstellt. Der natürliche Baustoff Holz hingegen

produziert nicht, sondern absorbiert Kohlenstoffdioxid.

Eine Materialrevolution, die im Städtebau Zement

und Stahl durch Holz ersetzt, kann doppelten

Nutzen für die Klimastabilisierung

haben. Das zeigt jetzt die Studie eines internationalen

Teams von Wissenschaftlern. Erstens kann sie Treibhausgasemissionen

aus der Zement- und Stahlproduktion

vermeiden. Zweitens kann sie Gebäude in eine

Kohlenstoffsenke verwandeln, da im Bauholz das von

den Bäumen zuvor aus der Luft aufgenommene und

in ihren Stämmen eingelagerte Kohlenstoffdioxid

(CO 2 ) gespeichert wird. Obwohl die erforderliche

Menge an Holz theoretisch verfügbar ist, würde eine

solche Ausweitung eine sehr sorgfältige nachhaltige

Waldbewirtschaftung erfordern, betonen die Autoren.

»Verstädterung und Bevölkerungswachstum

werden eine enorme Nachfrage nach dem Bau neuer

Gebäude für Wohnen und Gewerbe schaffen – daher

wird die Produktion von Zement und Stahl eine

Hauptquelle von Treibhausgasen bleiben, wenn wir

nicht handeln«, sagt die Hauptautorin der Studie, Galina

Churkina, die sowohl der Yale School of Forestry

and Environmental Studies in den USA als auch dem

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in

Deutschland (PIK) angehört. »Diese Risiken für das

globale Klimasystem können aber in ein wirksames

Mittel zur Eindämmung des Klimawandels verwandelt

werden, wenn wir den Einsatz von technisch verarbeitetem

Holz – engineered wood – im weltweiten Bausektor

stark steigern. Unsere Analyse zeigt, dass dieses

Potenzial unter zwei Bedingungen realisiert werden

kann. Erstens: Die geernteten Wälder werden nachhaltig

bewirtschaftet. Zweitens: Das Holz aus dem Abriss

von Gebäuden wird weiterverwendet.«

Klimastabilisierung durch Holznutzung

Vier Szenarien wurden von den Wissenschaftlern

für die nächsten dreißig Jahre berechnet. Geht man

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Fotos: Pixabay, Dominik Ultes, Frédéric Delangle/BFV Architekten

Die Nachfrage nach Wohnund

Gewerbebauten wird

weiter steigen. Dass diese

auch aus Holz gebaut

werden können, zeigt ein

Geschäftshaus (oben) in

Frankreich mit einer

Größe von fast 30.000

Quadratmetern

Zement und Stahl, die für

den konventionellen Bau

unverzichtbar sind,

verursachen bei ihrer

Produktion viele

Treibhausgasemissionen

von einem »business as usual« aus, werden bis 2050

nur 0,5 Prozent der Neubauten mit Holz gebaut. Dieser

Anteil könnte auf zehn Prozent oder 50 Prozent

steigen, wenn die Massen-Holzproduktion entsprechend

zunimmt. Wenn auch Länder mit einer derzeit

geringen Industrialisierung den Übergang schaffen,

sind sogar 90 Prozent Holz im Bau denkbar, erklären

die Wissenschaftler. Dies könnte dazu führen, dass

zwischen zehn Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr

im niedrigsten Szenario und fast 700 Millionen Tonnen

im höchsten Szenario gespeichert werden. Darüber

hinaus reduziert der Bau von Holzgebäuden die

kumulierten Emissionen von Treibhausgasen aus der

Stahl- und Zementherstellung auf Dauer um mindes -

tens die Hälfte. Dies mag im Vergleich zu der derzeitigen

Menge von etwa 11.000 Millionen Tonnen globaler

Kohlenstoff-Emissionen pro Jahr nicht sehr viel

erscheinen (wegen der besseren Vergleichbarkeit sind

diese Angaben hier in Kohlenstoff, nicht in CO 2 ).

Doch das Umstellen auf Holz würde einen Unterschied

für das Erreichen der Klimastabilisierungsziele

des Pariser Abkommens machen.

Unter der Annahme, dass weiterhin mit Beton

und Stahl gebaut wird und die Bodenfläche pro Person

nach dem bisherigen Trend weiter zunimmt, könnten

bis 2050 die kumulierten Emissionen aus mineralischen

Baustoffen bis zu einem Fünftel des CO 2 -Emissionsbudgets

erreichen. Das ist ein Budget, das nicht

überschritten werden sollte, wenn wir die Erwärmung

auf deutlich unter zwei Grad Celsius halten wollen,

wie es die Regierungen im Pariser Abkommen versprochen

haben.

Gebäude als Lösung?

Wichtig ist, dass alle Länder der Welt CO 2 -Senken

benötigen, um bis Mitte des Jahrhunderts den

Ausstoß von Treibhausgasen auf netto Null zu ►

13


Holzbau

14

Wenn mehr mit Bauholz

gearbeitet werden soll, darf

der Schutz der Wälder

nicht vernachlässigt werden

senken. Nur mit diesen können sie die verbleibenden,

schwer vermeidbaren Emissionen ausgleichen, insbesondere

die aus der Landwirtschaft.

Gebäude könnten eine solche Senke sein – wenn

sie aus Holz gebaut werden. Ein fünfstöckiges Wohngebäude

aus Brettschichtholz kann bis zu 180 Kilogramm

Kohlenstoff pro Quadratmeter speichern, das

ist dreimal mehr als in der oberirdischen Biomasse natürlicher

Wälder mit hoher Kohlenstoffdichte. Dennoch

würde selbst im 90-Prozent-Holz-Szenario der

in Holzstädten über dreißig Jahre hinweg angesammelte

Kohlenstoff weniger als ein Zehntel der Gesamtmenge

des oberirdisch in Wäldern weltweit gespeicherten

Kohlenstoffs betragen.

Ungenutztes Potenzial nutzen

»Wenn der Einsatz von Bauholz stark gesteigert

werden soll, ist der Schutz der Wälder vor nicht nachhaltiger

Abholzung und einer Vielzahl anderer Bedrohungen

entscheidend wichtig«, betont Co-Autor

Chris topher Reyer vom PIK. »Unsere Vision für eine

nachhaltige Bewirtschaftung und Regulierung könnte

aber die Situation der Wälder weltweit tatsächlich sogar

verbessern, da diesen dann ein höherer Wert zugemessen

wird«, betont Reyer.

Die Wissenschaftler fassen mehrere Belegketten

zusammen, von der offiziellen Statistik zu Holzernten

bis hin zu komplexen Simulationsmodellen, und ermitteln

auf dieser Grundlage, dass theoretisch die derzeit

ungenutzten Potenziale der weltweiten Holzernte

den Bedarf des Zehn-Prozent-Holz-Szenarios decken

würden. Es könnte sogar den Bedarf des 50- und 90-

Prozent-Holz-Szenarios decken, wenn die Bodenfläche

pro Person in Gebäuden weltweit nicht steigen,

sondern auf dem aktuellen Durchschnitt bleiben würde.

»Es gibt hier eine ziemlich große Unsicherheit sowie

einen starken Bedarf an politischen Maßnahmen

zur Aufwertung der Wälder und ihrer Produkte, aber

grundsätzlich sieht es vielversprechend aus«, sagt Rey-


Eine revolutionäre

Rückbesinnung? Über

Jahrhunderte hinweg

bauten die Menschen

ihre Häuser aus dem

nachwachsenden Rohstoff

Die Hälfte der Rundhölzer

wird heutzutage verbrannt,

dabei könnten sie auch

als Baumaterial

verwendet werden

er. »Zusätzlich wären Plantagen erforderlich, um den

Bedarf zu decken, einschließlich des Anbaus von

schnell wachsendem Bambus durch Kleingrundbesitzer

in tropischen und subtropischen Regionen.«

Wenn zudem das Verwenden von Rundhölzern

als Brennstoff verringert würde – derzeit wird etwa die

Hälfte der Rundhölzer verbrannt, was ebenfalls zu

Emissionen führt –, könnte mehr davon für das Bauen

mit verarbeiteten Holzwerkstoffen zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus kann die Wiederverwendung

von Holz nach dem Abriss von Gebäuden die Menge

an verfügbarem Holz erweitern.

Die Technologie der Bäume

Holz als Baumaterial weist eine Reihe interessanter

Merkmale auf, die in der Analyse beschrieben werden.

Zum Beispiel sind große Bauhölzer bei richtiger

Verwendung vergleichsweise feuerbeständig – ihr innerer

Kern wird beim Verbrennen durch das Ver -

kohlen ihrer äußeren Schicht geschützt, sodass es für

einen Brand schwer ist, die tragende Konstruktion zu

zerstören. Dies steht im Gegensatz zu der weit verbreiteten

Annahme der Feuergefährlichkeit von Holz -

gebäuden. Viele nationale Bauvorschriften erkennen

diese Eigenschaften bereits an. »Bäume bieten uns eine

Technologie von beispielloser Perfektion«, sagt Hans

Joachim Schellnhuber, Co-Autor der Studie und emeritierter

Direktor des PIK. »Sie entziehen unserer

Atmosphäre CO 2 und wandeln es in Sauerstoff zum

Atmen und in Kohlenstoff im Baumstamm um, den

wir nutzen können. Ich kann mir keine sicherere Art

der Kohlenstoffspeicherung vorstellen. Die Menschheit

hat Holz für viele Jahrhunderte für Bauwerke genutzt,

doch jetzt geht es angesichts der Herausforderung

der Klimastabilisierung um eine völlig neue Größenordnung.

Wenn wir das Holz zu modernen Baumaterialien

verarbeiten und die Ernte und das Bauen

klug managen, können wir Menschen uns ein sicheres

Zuhause auf der Erde bauen.«

15


Bauen

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Es grünt so grün …

Die Natur aufs Dach bringen

Auch wenn man sie auf den ersten Blick oft nicht sieht, haben sich Dachbegrünungen

in den vergangenen Jahrzehnten etabliert. Mittlerweile findet man die grünen Oasen

in luftiger Höhe auf Industrie- und Wohngebäuden, aber auch Garagen, Carports

sowie Wände können bepflanzt werden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern liefert

auch viele ökologische Vorteile.

17


Bauen

Von grau zu grün« ist das Motto von Haas

Gala bau aus Wangen im Allgäu, wenn es um

das Thema Dachbegrünung geht. Das Unternehmen,

das 1980 von Helmut Haas gegründet wurde,

widmet sich nicht nur dem Garten-, Landschafts- und

Sportanlagenbau, sondern auch der Bauwerksbegrünung

– insbesondere dem Bepflanzen von Dächern.

»Bei der Dachbegrünung unterscheidet man extensiv

und intensiv. Bei extensiv hat man einen sehr

dünnen Aufbau und die Bepflanzung soll sich selbst erhalten,

ohne dass man dreimal am Tag wässern muss«,

erklärt Patrick Behnert, Bereichsleiter für Bauwerksbegrünung

bei Haas Galabau. Doch er schiebt direkt hinterher,

dass Pflege natürlich dennoch sein muss, wenn

auch nur ein oder zweimal im Jahr. Da sollte dann alles,

was nicht aufs begrünte Dach gehört, entfernt werden

– dazu zählt beispielsweise Gehölzaufwuchs von Kiefern

oder Birken. Doch bis es soweit ist, muss aus dem öden

grauen Flachdach erst eine begrünte Fläche werden.

Schicht für Schicht

Das gestaltet sich gar nicht mal so aufwendig, wie

manch einer denken mag. Nachdem der Dachdecker

das Dach mit einer Abdichtung, beispielsweise aus Bitumen,

versehen hat, können die Gartenbauer loslegen.

Sie verlegen zunächst ein Schutzvlies, das – wie

der Name es schon verrät – die Abdichtung schützt.

Auf eben jenes kommt eine Drainagematte, die dafür

sorgt, dass das Wasser später auch ablaufen kann und

nicht stehen bleibt, erklärt der Profi für Bauwerksbegrünung.

»Die hat oberseitig noch einen Wasserrückhalt

und da drauf kommt ein Filtervlies, das die Feinteile

oben hält, damit die nicht in die Abläufe gelangen.

Und darauf kommt dann die Substratschicht«, ergänzt

der Bereichsleiter.

Bei dem Substrat handelt es sich um eine speziell

für Dachbegrünungen zusammengestellte Pflanzenerde,

die in einer etwa acht Zentimeter dicken Schicht

aufgetragen wird. Zusammen mit den anderen Schichten

misst der Aufbau gerade einmal um die zwölf Zentimeter.

Ist das geschafft, müssen nur noch die Pflanzensamen

ausgebracht werden. Dann heißt es leider

warten, bis das Dach in Grün erstrahlt, doch es lohnt

sich: In nur einem Jahr sind 60 bis 80 Prozent des Daches

von Pflanzen bedeckt.

Ein natürlicher Schutz

Und daran kann sich der Kunde dann jahrzehntelang

erfreuen, denn erst nach 30 oder gar 40 Jahren

stehen Sanierungen an, so Patrick Behnert. Im glei-

Die extensive Dach be -

grünung eignet sich nicht

nur für Flachdächer. Bis zu

einem gewissen Grad

können auch Schrägdächer

begrünt werden


chen Atemzug ergänzt er, dass nicht etwa die Pflanzen

ausgetauscht werden müssen: »Die würden im Prinzip

ewig halten, aber die Abdichtung muss alle paar Jahrzehnte

ausgetauscht werden.«

Das müssen sie jedoch auch bei einem konventionellen

Dach und da meist sogar früher, denn dank der

Begrünung ist die Abdichtung besser vor UV-Strahlung,

aber auch Hitze und Kälte geschützt. »Wenn man

nur eine Bitumenbahn als Abdichtung hat und da im

Sommer die Sonne raufscheint, dann herrscht eine

thermische Belastung von 80 Grad Celsius auf dem

Dach. Mit einer Dachbegrünung hingegen sind es nur

etwa 20 Grad Celsius«, erklärt der Bereichsleiter und

spricht – neben der Optik – den ersten Vorteil an.

Einfach, aber effektiv

Dachbegrünungen haben noch weitere positive

Effekte, die eigentlich auf der Hand liegen, wenn man

genauer nachdenkt. So haben sie zum einen eine natürliche

Dämmwirkung, die am besten ist, wenn die

Begrünung feucht ist, so der Fachmann aus Wangen.

Zudem hat ein feuchter Aufbau auch eine Kühlwirkung,

wenn das darin enthaltene Wasser verdunstet.

Dies ist gerade in Städten von Vorteil, die sich im

Sommer erwiesenermaßen sehr stark aufheizen kön-

nen und am Boden zunehmend grüne Flächen durch

Bebauung verlieren.

Damit ist auch der nächste Vorteil von Bauwerksbegrünungen

angesprochen: Die Flächenversiegelung,

sei es in der Stadt oder auf dem Land, führt zum Verlust

von Lebensräumen von Pflanzen und Tieren. Mit

Dachbegrünungen kann man dem entgegenwirken

und beispielsweise Insekten ein schönes Plätzchen in

luftigen Höhen schaffen. Damit sie und andere Lebewesen

sich so richtig wohlfühlen, können auf dem extensiv

begrünten Dach Kräuter angepflanzt, Totholz

hingelegt und Sandlinsen geschaffen werden, erklärt

Patrick Behnert.

Ein weiterer ökologischer Vorteil ist der Wasserrückhalt

von begrünten Dächern. Langanhaltende und

starke Regengüsse, die oft stadt- wie landwärts zu Überschwemmungen

führen, können mit Hilfe grüner Dachflächen

abgeschwächt werden. So hat man bei einer extensiven

Begrünung etwa 50 Prozent Rückhalt, was bedeutet,

dass die Hälfte des Regens oben auf dem Dach

bleibt und nicht in den Kanal schießt. Weiterer positiver

Nebeneffekt: Manchen Kommunen bieten eine Abwassersplittung

an – dann zahlt man für das grüne Dach weniger

Abwassergebühr. Zudem kann bei Wegfallen des

Kanalanschlusses auf Grund der Rückhaltung des Regenwassers

eine Befreiung der Gebühren erfolgen.


links oben: Vor allem in

Städten dienen begrünte

Dächer den Tieren als

Lebensraum

oben: Auf extensiv

begrünten Dächern können

zusätzlich Solaranlagen

installiert werden

links: Carports und Garagen

eignen sich ebenfalls gut für

eine Dachbegrünung

19


Bauen

Fassaden können entweder

mit Kletterpflanzen und

Rankhilfen begrünt werden

...

... oder aber mit Konsolen,

die fest an die Wand

geschraubt und mit

Pflanzen befüllt werden

Den Garten nach oben bringen

All diese Vorteile bietet auch die anfangs angesprochene

intensive Dachbegrünung, die für Gartenparadiese

hoch über dem Boden steht. Der Aufbau ist

vom Prinzip her der gleiche wie bei der extensiven –

Dachabdeckung, Schutzvlies, Drainagematte, Filtervlies,

Substrat. Doch die Höhe des Aufbaus ist deutlich

größer. »Wenn man nur mit Stauden arbeiten will,

dann reichen 30 Zentimeter, bei Rasen auch. Wenn

man aber Bäume oder Sträucher pflanzen will, dann

braucht es schon eher einen halben bis einen Meter«,

so Patrick Behnert.

Und so groß wie hier die Spannweite ist, so groß

ist sie auch, was die Möglichkeiten der intensiven

Dachbegrünung betrifft. Ob Urban Gardening oder

gleich ein richtiger Garten mit Wegen, Blumen und

Terrasse, vielleicht sogar mit Schwimmteich oder Pool.

Im Prinzip kann alles, was unten gemacht wird auch

oben gemacht werden – einzig die Statik muss mitspielen.

Denn die Last auf dem Dach kann bei der intensiven

Begrünung gerne mal eine halbe Tonne oder

mehr pro Quadratmeter betragen. Zum Vergleich: Bei

der extensiven sind es 120 Kilogramm pro Quadratmeter

und weniger. Darüber hinaus ist natürlich auch

der Zeitaufwand größer – sei es für den Bau oder für

die Pflege. Aber dafür hat man dann auch ein kleines

grünes Reich, zu dem die anderen neidvoll hinaufschauen

werden und das die eigene Lebensqualität

20


oder die der Mitarbeiter – wenn es sich um ein begrüntes

Unternehmensgebäude handelt – steigert.

Steil, steiler, 90 Grad

Doch man kann nicht nur Dächer begrünen,

sondern auch ganze Fassaden und die übersieht garantiert

niemand. Dabei unterscheidet man zwei

Bauweisen: Die erste ist, dass man Kletterpflanzen im

Boden vor der Wand einpflanzt und diese mit Rankhilfen

beispielsweise Gittern an der Fassade entlang

wachsen. Das Endergebnis erinnert so manchen an

von Efeu bewachsene Wände an alten Häusern, auch

wenn der Spezialist für Bauwerksbegrünung davon

abrät, Efeu zu verwenden, da dieser sich gerne in Ritzen

breitmacht.

Die zweite Variante ist die wandgebundene Fassadenbegrünung.

Dahinter verbergen sich Konsolen,

die fest an die Wand geschraubt werden. In diesen befindet

sich je nach Hersteller ein Vlies, ein Substrat

oder auch Steinwolle. Egal, welches Material gewählt

wurde, am Ende wurzelt sich die Pflanzen in eben jenem

fest und wächst und gedeiht im 90 Grad Winkel.

Das geht allerdings nur mit robusten Pflanzen, denn

die Fassade ist ein extremer Standort mit einer hohen

Sonneneinstrahlung. Ein automatisches Bewässerungssystem

mit Tropfschläuchen auf verschiedenen

Ebenen, das die Pflanzen rund um die Uhr mit Wasser

und bei Bedarf mit Dünger versorgt, gewährleistet,

dass die ausgewählten Pflanzen diesen extremen Bedingungen

trotzen können.

»Was bei uns in Mitteleuropa allerdings ein kleines

Problem ist, ist der Winter«, räumt Patrick Behnert

ein. Denn wenn lange Minusgrade herrschen,

muss die Bewässerungsanlage ausgeschaltet werden,

und dann kann es sein, dass das viele Pflanzen nicht

überleben. Man kann sie allerdings recht leicht ersetzen

– der Austausch ist vergleichbar mit dem Umtopfen

von Blumen.

Wofür man sich auch entscheidet – Dach oder

Fassade – am Ende wertet man das Gebäude nicht nur

optisch auf, sondern tut aktiv etwas für den Klimaschutz

und trägt dazu bei, dass die Welt wieder ein

bisschen grüner wird.

(cs)

Fotos: Optigrün international, Vertiko GmbH, Photo by Zac Wolff on Unsplash

Der Bosco Verticale in Mailand ist ein schönes Beispiel für ein begrüntes Wohnhaus – hier

ist aber nicht die Fassade an sich begrünt, sondern jeder einzelne Balkon

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21


E-Mobilität

Der elektrische Kasten -

wagen überzeugt vor

allem im Stadtverkehr –

im urbanen Raum kann er

auch an vielen Lade -

stationen getankt werden

Ein Auto für alle Fälle

ABT setzt den Caddy unter Strom

Der Oberallgäuer Fahrzeugveredler mit Sitz in Kempten beschäftigt

sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Entwicklung von elektrischen

Fahrzeugen und das sehr erfolgreich. Vor zwei Jahren ging das Allgäuer

Unternehmen eine Kooperation mit VW Nutzfahrzeuge ein. Neuestes

Kind dieser glücklichen Ehe ist der neue ABT e-Caddy.

Nicht zu groß, nicht zu klein und elektrisch

soll er sein: Diesen Wunsch erfüllt der

strombetriebene Kastenwagen. Der umweltbewusste

Allrounder ist vielseitig einsetzbar – sei

es als Familienkutsche, Liefer- oder Baustellenfahrzeug,

innerorts oder auf Schnellstraßen. Den Umbau

des beliebten Nutzfahrzeuges zum elektrischen Alles -

könner übernimmt die ABT e-Line.

Das Allgäuer Unternehmen bringt in den zugelieferten

Grundfahrzeugen den Elektromotor, die

Elektronik und die Unterflurbatterie so an, dass der

Innenraum weiterhin flexibel genutzt werden kann:

So verfügt auch der elektrifizierte Caddy als Kastenwagen

über bis zu 4,2 Kubikmeter Laderaumvolumen.

Allerhand Platz also, den man nach Lust und

Laune füllen kann. Der drehmomentstarke Elektromotor

mit 200 Newtonmetern (Nm) und 83 Kilowatt

(kW) Leistung sorgt dafür, dass sich der umweltfreundliche

Kastenwagen – der auch als Kombi oder

Pkw-Version in der Trendline-Ausstattung erhältlich

ist – zügig vom Fleck bewegt.

Im soliden Mittelfeld

Doch auch wenn ABT für die Elektroumrüstung

zuständig war, sollte man nicht damit rechnen, dass

man mit dem e-Caddy alle abhängen kann: Das Fahrzeug

ist auf eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Kilometern

pro Stunde (km/h) ausgelegt, optional bis zu

120 km/h. Ein Sprinter ist er also nicht, aber für den

Stadtverkehr oder Überlandfahrten reicht die Geschwindigkeit

allemal.

Bei der Batteriekapazität von 37,3 Kilowattstunden

und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90

km/h absolviert der Stromer maximal 159 Kilometer,

im Stadtverkehr bis zu 167. Sind diese geschafft, muss

er an die Steckdose. Mit Wechselstrom an einer 7,2-

kW-Wallbox dauert es rund fünf Stunden bis die Ak-

22


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Das Wichtigste auf einen Blick

Reichweite:

max. 159 km bei 90 km/h

Batteriekapazität: 37,3 kWh

Ladezeit: AC max. 7,2 kW – 5h bis 100 %

CCS max. 50 kW – 50 min bis 80 %

Motorleistung: max. 83 kW

Drehmoment:

max. 200 Nm

Höchstgeschwindigkeit: max. 90 km/h (optional 120 km/h)

Nutzlast:

635 Kg

Laderaumvolumen: max. 4,2 m³

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Fotos: ABT e-Line GmbH

Oben: Erst ein genauerer Blick auf den Kühlergrill verrät,

wer das Auto elektrifiziert hat. Ansonsten sieht er aus

wie ein »normaler« Caddy

Unten: Ein modifiziertes Kombiinstrument zeigt an,

wenn durch Bremsen die Batterie aufgeladen wird und

wann besonders energiesparend gefahren wird

kus wieder vollständig aufgeladen sind, an einer

Schnellladestation (CCS) mit 50 kW benötigt man 50

Minuten Zeit für eine 80-Prozent-Ladung.

Zu kaufen gibt es den elektrischen Allrounder allerdings

nicht – er wird ausschließlich als Leasingfahrzeug

angeboten und startet bei 293 Euro netto als Kas -

tenwagen (inklusive Volkswagen Umweltbonus von

3000 Euro und Sonderzahlung von 3000 Euro). Kalkulationsbasis

für die Leasingrate ist ein Gesamtpreis,

der bei 29.900 Euro startet.

(cs)

23


E-Mobilität

Dank seiner kompakten

Maße eignet sich der Honda e

hervorragend für die Stadt

und das Umland – genau dafür

wurde er auch konzipiert

Fotos: Honda

Die Zukunft im Retrogewand

Der erste Stromer von Honda

Der japanische Automobilhersteller verfolgt ein ambitioniertes Ziel:

Bis 2022 sollen alle Honda Volumenmodelle über einen Elektroantrieb

verfügen. Den ersten Schritt in diese Richtung macht das Unternehmen aus

Fernost mit dem Honda e, einem kompakten vollelektrischen Kleinwagen,

der ab diesem Frühjahr über die Straßen stromert.

Die Armaturentafel mit fünf

bündig eingefassten Flachbild -

schirmen spannt sich über die

gesamte Fahrzeugbreite. Die

Bildschirme des Kamera -

systems, das die Außenspiegel

ersetzt, finden sich an beiden

Enden des Armaturenbretts

Auf den ersten Blick versetzt einen der Honda e

in die Vergangenheit und das vollkommen bewusst,

denn das Design orientiert sich an

Hondas Kult-Kleinwagen N360, manche erinnert es

auch an den 1972er-Civic. Doch bei näherer Betrachtung

zeigt sich – bei allem Retrocharme – das der erste

Stromer aus dem Hause Honda vor Hightech nur so

strotzt und der Kleine, zumindest hinsichtlich der technischen

Ausstattung, mit den Großen mithalten kann.

Optische Raffinessen

So sind beispielsweise die Türgriffe bündig in die

Türen integriert und fahren aus den Fahrzeugseiten

heraus, wenn sich der Fahrer mit dem Schlüssel nähert

oder über die My Honda+ App den digitalen Schlüssel

aktiviert. Auch die hinteren Türgriffe, die in die C-Säule

integriert sind, schließen bündig mit der äußeren

Oberfläche ab.

So versteckt die Türgriffe konzipiert wurden, so

markant ist der Ladeanschluss. Dieser befindet sich

nicht etwa in im Stoßfänger oder an der Seite, sondern

zentral in der Fronthaube und wird durch

schwarzes Sicherheitsglas noch betont. Die Positionierung

mag zuerst befremdlich wirken, macht aber

durchaus Sinn, denn so ist der Anschluss von beiden

Fahrzeugseiten aus gut zu erreichen. Entriegeln lässt

er sich, genau wie die Türgriffe, mit dem Fahrzeug-


Das serienmäßige Kamera system anstelle

von Außen spiegeln bietet mehrere Sicherheits -

vorteile. So kann der Fahrer zwischen Normal -

ansicht und Weitwinkelansicht wählen und

damit das Sichtfeld erweitern

Markant in der Fronthaube – unter

Sicherheitsglas – befindet sich der

Ladeanschluss. Die LED-Beleuchtung

begrüßt den Fahrer nicht nur, wenn er sich

nähert, sie leuchtet auch beim Laden blau

schlüssel oder über die My Honda+ App. Zudem

wird der Ladeanschluss mit LEDs beleuchtet, die unter

der transparenten Abdeckung gut sichtbar sind

und auch den Ladestatus des elektrischen Flitzers anzeigen.

Monitore statt Spiegel

Was aber am meisten ins Auge sticht, ist das Fehlen

von Außenspiegeln. Doch niemand muss Angst haben,

dass er im Honda e beim Spurwechsel nichts sieht.

Die Aufgabe der Außenspiegel übernehmen kleinformatige

Kameras, die ihre hochauflösenden Bilder in

Echtzeit auf zwei 6-Zoll-Monitore im Fahrzeuginneren

übertragen. Diese sind an den Seiten des Armaturenbretts

positioniert und ermöglichen dem Fahrer einen

natürlichen Blickwinkel. Zudem passen sich die Helligkeitsstufen

der Innenmonitore automatisch an die

aktuellen Lichtbedingungen an – so ist eine gute Sicht

ohne Reflexionen auch bei schlechtem Wetter oder

schwachen Lichtverhältnissen gewährleistet.

Zwischen diesen beiden Monitoren befinden sich

noch drei weitere und lassen das Innere des Honda e

äußerst futuristisch wirken. So nehmen zwei 12,3-

Zoll-LCD-Touchscreens den größten Bereich des Armaturenbretts

ein. Über diese beiden Infotainment-

Bildschirme lassen sich verschiedene Apps und Diens -

te nutzen.

Doch der wichtigere Bildschirm, neben den beiden

außen, ist die 8,8 Zoll große TFT-Instrumentenanzeige.

Direkt vor dem Fahrer positioniert, liefert sie

alle wichtigen Fahrzeuginformationen wie etwa zum

Fahrmodus – man kann wählen zwischen Normal und

Sport –, Details zu den Sicherheitssystemen sowie zur

Energie und dem Ladestatus.

Das Herz des Stromes

Gerade die letzten beiden Punkte sind für den

Fahrer des elektrischen Flitzers bedeutend: er will

schließlich nicht stehen bleiben. Dies würde ihm allerdings

erst nach bis zu 222 Kilometern passieren,

denn soweit kommt der Honda e mit einer Ladung.

Da muss man ehrlicherweise sagen, dass andere elektrische

Kleinwagen der Konkurrenz mehr Puste haben.

Dafür überzeugt der leistungsstarke Elektromotor

mit seinen Eckdaten: In der Basisversion entwickelt

der Motor 136 PS (100 Kilowatt) und 315 Newtonmeter

Drehmoment und beschleunigt den kleinen Elektroflitzer

so in neun Sekunden auf 100 Stundenkilometer.

In der Advance-Variante geht es sogar noch

schneller, denn dort sorgen das gleiche Drehmoment

und 154 PS (113 Kilowatt dafür), dass der Honda e in

8,3 Sekunden von null auf hundert ist.

Aber wie bereits erwähnt: Nach etwas über 200

Kilometern ist Schluss mit lustig und der Stromer

muss an die Steckdose. Der kompakte und leichte Lithium-Ionen-Akku

mit einer Kapazität von 35,5 Kilowattstunden

lässt sich per Schnellladefunktion in

nur einer halben Stunde auf 80 Prozent aufladen. Alternativ

kann die Batterie auch mit einem Typ-2-AC-

Anschluss aufgeladen werden. Bei 7,4 Kilowatt Ladeleistung

dauert das vollständige Laden allerdings ein

bisschen mehr als 4 Stunden. Das sind durchaus solide

und alltagstaugliche Zahlen, vor allem im urbanen

Umfeld.

Nicht ganz so alltagstauglich ist allerdings der

Preis, den der japanische Autobauer aufruft, denn die

Basisversion kostet ohne E-Auto-Förderung stolze

33.850 Euro. Die Advance-Variante ist sogar noch einmal

3000 Euro teurer.

(cs)

Das Wichtigste

auf einen Blick

Reichweite: max. 222 km

Batteriekapazität: 35,5 kWh

Ladezeit: AC 7,4 kW – 4,1 h bis

100 %

CCS 100 kW – 30

min bis 80 %

Motorleistung: max. 100 kW

Drehmoment: max. 315 Nm

Höchstgeschwindigkeit: max.

145 km/h

Nutzlast: 341 kg

Länge: 3895 mm

Breite: 1750 mm

25


E-Mobilität

Batterien im Faktencheck

Was noch getan werden muss

Welche Umweltbilanz haben E-Autos? Wie entwickeln sich Reichweite, Wirtschaftlichkeit

und Ladeinfrastruktur langfristig? Führt die E-Mobilität zu Arbeitsplatzverlusten?

Diesen und anderen Fragen entlang der Batterie-Wertschöpfungskette

geht das Fraunhofer ISI in einem Policy Brief nach. Zentrale Aussage: Einer breiten

Marktdiffusion von Elektroautos bis 2030 steht nichts im Wege, jedoch sind noch

zahlreiche Herausforderungen anzugehen.

Die technologische Reife von Batterien für E-

Pkw und deren Sinnhaftigkeit wird von Kritikern

auch heute noch in Frage gestellt,

obwohl die Elektromobilität längst voranschreitet. Seit

Anfang 2020 befinden sich weltweit über 7,5 Millionen

E-Pkw auf den Straßen und ihr Anteil an den globalen

Pkw-Verkäufen wird je nach Marktstudie ab

2030 auf 25–75 Prozent geschätzt. Dies hat große Auswirkungen

auf die globale Nachfrage nach und Kapazität

von Lithium-Ionen-Batterien (LIB), die von

500–1500 Gigawattstunden (um 2025) auf 1000–6000

Gigawattstunden (ab 2030) ansteigen dürfte.

Batteriezellen Made in Europe

In Europa sind bis 2030 fast 600 Gigawattstunden

Zellproduktionskapazitäten angekündigt – die

Hälfte davon soll in Deutschland entstehen. Dies entspricht

einem Anteil von durchschnittlich 20 Prozent

des globalen Batteriezell-Bedarfs, mit dem etwa die

erwartete Nachfrage europäischer Automobilhersteller

gedeckt würde. Vor dem Hintergrund der zwischen

2020 und 2030 entscheidenden Markthochlaufphase

liefert der Faktencheck des Fraunhofer ISI einen

Überblick zu kontrovers diskutierten Fragen entlang

der Batterie-Wertschöpfungskette und formuliert

den bestehenden Handlungsbedarf in diesem

Zeitraum. Die Autorinnen und Autoren haben hierzu

Info:

Das Fraunhofer-Institut für System- und

Innovationsforschung (ISI), mit Sitz in Karlsruhe,

analysiert die Entstehung und Auswirkungen von

Innovationen. Das in dem Text angesprochene

Kurzdossier wurde Ende Januar im Rahmen des

Batterieforums Deutschland in Berlin vorgestellt.

Weitere Fakten rund um die Batteriethematik finden sich

im Policy Brief »Batterien für Elektroautos: Faktencheck

und Handlungsbedarf« unter:

www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/cct

/2020/Faktencheck-Batterien-fuer-E-Autos.pdf

in einer Meta-Literaturanalyse Fremd- und Eigenstudien

analysiert, um zwölf zentrale Fragen wie diese zu

beantworten:

Wie entwickeln sich Batterien und

welche Reichweiten sind zu erwarten?

In den letzten zehn Jahren hat sich die Energiedichte

großformatiger, in E-Pkw eingesetzter LIB-Batteriezellen

fast verdoppelt und könnte sich bis 2030

nochmals verdoppeln. Um damit reale Reichweiten

über 600 Kilometern zu erreichen, sind aber neben der

Weiterentwicklung der LIB-Zellen auch raum- und

gewichteinsparende Innovationen und Strategien bis

auf die Batterie-Systemebene sowie im Fahrzeug erforderlich.

Die Akzeptanz und Nachfrage durch E-

Pkw Käufer wird sich mit der Reichweite ebenso wie

mit der zunehmenden Wirtschaftlichkeit und parallel

entstehenden Ladeinfrastruktur im kommenden Jahrzehnt

weiter verbessern.

Ist die Umweltbilanz von E-Pkw besser

als bei konventionellen Pkw?

Die Klimabilanz aktueller E-Pkw fällt gegenüber

konventionellen Pkw über die gesamte Nutzungsdauer

deutlich besser aus. Werden bei der Batterieproduk -

tion und beim Fahren zukünftig noch mehr erneuerbare

Energiequellen eingesetzt, verbessert dies die

Umweltbilanz weiter. Aber wie alle Pkw haben auch

E-Pkw negative ökologische Auswirkungen, welche es

weiter zu verringern gilt, unter anderem auch durch

ein verändertes Mobilitätsverhalten.

Führt die Elektromobilität zu

Arbeitsplatzverlusten?

Insgesamt deuten viele Studien auf einen Beschäftigungsrückgang

in der Automobil- und Zulieferindus -

trie hin. Die Arbeitsplatzeffekte in der Batteriezellproduktion

selbst sind zwar limitiert, jedoch sind die sich

aus den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsket-

26


ten ergebenden Arbeitsplatzeffekte relevant – und daher

die Ansiedlung von Zellherstellern enorm wichtig.

Den Arbeitsplatzverlusten in der Automobil- und Zulieferindustrie

stehen aber auch Arbeitsplatzgewinne

in anderen Bereichen wie der Stromproduktion und

-verteilung oder dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur

gegenüber. Besonders vom Strukturwandel betroffene

Regionen und Unternehmen müssen gegebenenfalls

durch aktive industrie- und arbeitsmarktpolitische

Maßnahmen unterstützt werden, damit – gemeinsam

mit natürlicher Altersfluktuation – der Strukturwandel

sozialpolitisch verträglich gestaltet werden kann.

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27


Energie

European Energy Award

Bezirk Schwaben ist dabei

Deutschlandweit nehmen knapp 300 Gemeinden, Städte und Landkreise am European

Energy Award (eea) teil. Ein Bezirk fehlte bislang. Das hat sich mit dem Beschluss des

schwäbischen Bezirkstags im Herbst 2019 geändert. Ab sofort nutzt auch der Bezirk

Schwaben den eea als Instrument für seine Klimaschutzpolitik.

Fotos: eza!

Wer was macht

Wie in den anderen eea-Kommunen arbeitet

künftig auch beim Bezirk Schwaben ein Energieteam

– bestehend aus Mitgliedern des Bezirkstags, Mitarbeitern

der Verwaltung und weiteren Akteuren – an

der Auswahl und der Umsetzung der Klimaschutzprojekte.

Die Mitglieder treffen sich mindestens viermal

pro Jahr. Im Bezirk Schwaben nahm das dortige Energieteam

Ende Februar unter Vorsitz des Bezirkstagspräsidenten

Martin Sailer seine Arbeit auf.

Unterstützt wird es dabei von einem externen

eea-Berater, der wie bei allen anderen Awardteilnehmern

aus der Region von eza! kommt. Dieser Berater

bringt Fachkompetenz und neue Impulse ein, begleitet

den Prozess und sorgt für einen Austausch und die

Vernetzung mit anderen Akteuren im Rahmen des

eea-Programms.

Der Weg zum Preis

Strahlende Gesichter gab es bei

der letzten eea-Verleihung in

Lindau. Das Foto zeigt die Ver -

treter der ausgezeichneten

Kom munen mit Bayerns Um -

welt minister Thorsten Glauber

28

Das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

hatte im Dezember 2019 die

neue Förderrichtlinie KommKlimaFöR veröffentlicht.

Seit Januar 2020 übernimmt der Freistaat

wieder 70 Prozent der förderfähigen Kosten, die im

Rahmen der eea-Teilnahme entstehen – bei Kommunen

mit einem besonderen Handlungsbedarf beträgt

die Förderung sogar 90 Prozent.

Der eea ist weit mehr als nur ein schöner Titel,

mit dem sich eine Kommune schmücken darf. Er bietet

Begleitung und Beratung bei der Planung und der

ganz konkreten Umsetzung von energie- und klimaschutzpolitischen

Zielen und Maßnahmen, erklärt

Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und

Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!, das bereits 21

Kommunen bei der eea-Teilnahme begleitet. »Die eea-

Teilnahme ist vergleichbar mit einem Managementprozess:

Ziele werden gesetzt, Projekte gestartet und

der Erfolg überwacht«, so Martin Sambale weiter. »Bei

Bedarf wird auf Abweichungen reagiert, beziehungsweise

die Projekte werden an geänderte Rahmen -

bedingungen angepasst.«

Am Ende wird dann in Prozentpunkten bewertet,

wie viel eine Kommune umgesetzt hat im Verhältnis

zu den Aktivitäten, die bei der jeweiligen Struktur der

Kommune machbar sind. Wenn ein externer Auditor

dies überprüft und festgestellt hat, dass ein Landkreis,

eine Stadt oder eine Gemeinde mindestens 50 Prozent

der für sie möglichen Punkte erreicht hat, ist der Weg

zur Auszeichnung mit dem eea frei.

Punkte sammeln können Städte und Gemeinden

dabei auf sechs Handlungsfeldern: Entwicklungsplanung/Raumordnung,

kommunale Gebäude und Anlagen,

Versorgung/Entsorgung, Mobilität, interne Organisation,

Kommunikation/Kooperation. eza! unterstützt

die betreuten Kommunen nicht nur im laufenden

Prozess, sondern berät sie auch zu konkreten Projekten

und hält in den einzelnen Handlungsfeldern

viele Angebote für sie bereit – zum Beispiel das kommunale

Energiemanagement, das für einen geringeren

Energieverbrauch der kommunalen Liegenschaften

sorgt (siehe Kasten).

Die eigenen Liegenschaften werden auch für den

Bezirk Schwaben ein wichtiges Handlungsfeld sein,


Mehr Energieeffizienz durch kommunales Energiemanagement

Den Haushalt entlasten und gleichzeitig einen Beitrag zum

Klimaschutz leisten – das kommunale Energiemanagement

hilft dabei und ist damit ein wichtiges Instrument für mehr

Energieeffizienz in Gemeinden, Städten und Landkreisen.

Auch beim eea ist das Energiemanagement ein wichtiges

Handlungsfeld. Unter kommunalem Energiemanagement versteht

man die laufende Betreuung der kommunalen Liegen -

schaften während der gesamten Nutzungszeit. Experten der

bayerischen Energieagenturen suchen dort nach Schwach -

stellen von technischen Anlagen und optimieren deren

Einstellungen. Erfahrungsgemäß lassen sich dadurch zehn

bis 15 Prozent Energie und Kosten einsparen. Seit Januar

2020 übernimmt der Freistaat auch hier 70 Prozent der

förderfähigen Kosten, die beim Auf- oder Ausbau eines

kommunalen Energiemanagements entstehen – bei

Kommunen mit einem besonderen Handlungsbedarf beträgt

die Förderung sogar 90 Prozent.

Die wesentlichen Bestandteile eines kommunalen Energie -

managements sind das Erfassen und Analysieren des

Energie- und Wasserverbrauchs, die Optimierung der vor -

handenen Anlagentechnik und die Information und Motivation

der Gebäudenutzer. Wichtig für den Erfolg des kommunalen

Energiemanagements ist es, die Hausmeister und Gebäude -

verantwortlichen mit ins Boot zu holen. Bei den regelmäßig

stattfindenden Gebäudebegehungen werden sie von den

Fachleuten in die Optimierung der vorhandenen Anlagentechnik

eingebunden. Zudem bietet beispielsweise eza! spezielle

Hausmeisterschulungen an. Falls gewünscht, werden auch

Vorschläge für energiesparende Sanierungs- und

Investitions maßnahmen für die betreuten Liegenschaften

erarbeitet oder die Kommunen bei der Umsetzung der

Maßnahmen unterstützt.

Weitere Informationen unter www.eza-allgaeu.de

Das kommunale

Energiemanagement hilft den

Kommunen dabei,

Energiekosten einzusparen

verfügt der Bezirk doch über zahlreiche Gebäude –

etwa die Bezirkskrankenhäuser –, wo erfahrungsgemäß

spürbar Energie und Kosten eingespart werden

können. Kräftig Punkte sammeln will der Bezirk auch

im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen,

um den Klimaschutz voranzutreiben und die verschiedensten

Akteure für das Thema zu sensibilisieren. Die

Erfahrung zeige, dass Kommunen durch die Teilnahme

am eea konsequenter, zielgerichteter und auch ausdauernder

das Thema Klimaschutz verfolgen würden,

stellt Sambale fest. Das erwartet er auch im Falle des

Bezirks Schwaben. Zugleich gehe von dessen eea-Teilnahme

auch »eine Signalwirkung aus«, glaubt der eza!-

Geschäftsführer.

Weitere Informationen zum eea unter www.ezaallgaeu.de

und www.european-energy-award.bayern

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Energie

Ein Jahrhundert AÜW

Vom Stromerzeuger zum Energiemanager

Das regionale Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Kempten feiert

heuer einen wahrlich runden Geburtstag. allgäuALTERNATIV verzichtet

auf einen Rückblick auf die letzten 100 Jahre. Stattdessen wollten wir wissen,

was die Zukunft für den Energieerzeuger und -vermittler bringen wird.

Pressesprecher Stefan Nitschke hat unsere Fragen beantwortet.

Herr Nitschke, welche Schwerpunkte in der

Stromerzeugung und der Verteilung werden in den

nächsten beiden Jahren gesetzt?

In den kommenden zwei Jahren werden wir, zusammen

mit unserer Netztochter, der AllgäuNetz verstärkt

daran arbeiten, das Stromnetz zu digitalisieren

und somit intelligenter zu machen. Derzeit ist der

Stromverbrauch bei Privatkunden und im Niederspannungsnetz

ein »Blindflug«. Aktuell lesen wir nur

einmal im Jahr die Zählerstände unserer Kunden ab.

Was in den 365 Tagen zwischen diesen Zählerständen

Das Kraftwerk in der

Illerstraße in Kempten wurde

2015 modernisiert. Auf der

gegenüberliegenden Uferseite

entstand das Restwasser -

kraftwerk Kaufbeurer Straße

30


passiert, bilanzieren wir über sogenannte Standard-

Lastprofile. In der »alten« Energiewelt hat uns das gereicht.

Heute stehen wir mit den vielen dezentralen Erzeugungsanlagen

und variablen Verbrauchern wie der

Elektromobilität und zum Beispiel Wärmepumpen vor

neuen Herausforderungen. Künftig helfen uns die Daten

der SmartMeter, damit besser umzugehen. Bis es

soweit ist, werden wir unser Stromnetz digitalisieren

und an wichtigen Netzknotenpunkten Daten generieren,

auswerten und verarbeiten.

Im Stromvertrieb sehen wir das Thema Regionalstrom,

was uns die kommenden zwei Jahre beschäftigen

wird. Mit dem AllgäuStrom 100% bieten wir bereits

heute ein Stromprodukt, dessen Strommenge zu 100

Prozent in erneuerbaren Erzeugungsanlagen im Allgäu

produziert wird. Parallel arbeiten wir an einem Produkt,

das Erzeugung und Verbrauch nicht nur bilanziell, sondern

auch physikalisch zusammenbringen wird.

Das AÜW ist ein regionaler Stromversorger

und muss sich im Konzert der überregionalen, nationalen

und internationalen Energiekonzerne beweisen.

Wie wird das AÜW in Zukunft diesen Wettbewerb

bestehen? Gibt es Vorteile, die ein regionaler

Energieversorger hat?

Vor gut 20 Jahren wurde der Energiemarkt liberalisiert.

Natürlich, der Wettbewerb ist intensiver geworden

und wenn ich die Energie nur mit dem Strom

aus der Steckdose verbinde, wäre es tatsächlich egal,

wer mein Stromlieferant ist. AÜW ist aber deutlich

mehr als das und das wissen glücklicherweise auch

unsere Kunden. Wir sind nicht nur einer der maßgeblichen

Treiber der EnergieZukunft in unserer Heimat,

wir sind gleichzeitig vor Ort und wirken hier. AÜW

bietet sichere Arbeitsplätze, arbeitet, wo möglich, ausschließlich

mit regionalen Lieferanten und Baufirmen

zusammen und unterstützt die Jugend- und Vereinsarbeit

in den Orten. Insgesamt sorgt AÜW für rund

55 Millionen regionale Wertschöpfung. Der Gewinn

bleibt zu 100 Prozent in der Region. All diese Punkte

können die großen Konzerne nicht bieten. Wir machen

es aus Liebe zum Allgäu und unsere Kunden

schätzen das sehr – seit nunmehr 100 Jahren.

Wie sehen Sie die langfristige Entwicklung der

Energieversorgung im Allgäu in den nächsten zehn

Jahren?

Als Pressesprecher von AÜW

und als Geschäftsführer der

AÜW-Tochter Energiever -

sorgung Kleinwalsertal hat

Stefan Nitschke Einblick in die

zukünftigen Projekte der

Allgäuer Überlandwerke und in

die Aktivitäten der Energie-

Dienstleister in der Region

Fotos: Bruno Maul, Allgäuer Überlandwerk

Wir befinden uns in einer sehr spannenden Zeit,

was die Energiebranche betrifft. Jahrelang wurde die

Energiewende politisch betrieben und von den Energieversorgern

und Einzelnen umgesetzt. Heute nehmen

wir wahr, dass die Bevölkerung umdenkt, dass

die Akzeptanz für den Umbau der Energiewelt steigt.

Die Energiebereiche Strom und Wärme sowie Speicherung

und Mobilität wachsen immer mehr zusammen

und können nicht mehr isoliert voneinander betrachtet

werden. Es wird die nächsten zehn Jahre alles

deutlich vernetzter, digitaler und die Erzeugung noch

dezentraler werden. Erzeugungsanlagen und Verbraucher

werden untereinander kommunizieren, voneinander

lernen, viele Prozesse werden automatisiert. Die

Städte werden smarter (intelligenter), von der Parkplatzsuche

bis zum autonomen Transportmittel werden

wir noch einiges sehen und erleben die kommenden

zehn Jahre. Wichtig ist, dass wir dem offen begegnen

und den Prozess aktiv begleiten und steuern.

Herr Lucke hat vor einigen Jahren angekündigt,

dass das AÜW sich vom reinen Stromerzeuger

zum Dienstleister entwickeln wird. Wie weit ist das

AÜW auf diesem Weg?

Hier hat er Wort gehalten. Die vergangenen zehn

Jahre waren sehr intensive Jahre für uns als AÜW. Herr

Lucke wusste schnell, dass wir als reiner Strom- ►

31


Energie

Das AÜW setzt schon seit

Jahren auf die Kraft der Sonne

und sieht im Bereich von

Photovoltaik-Anlagen auch für

die Zukunft noch ein großes

Potenzial

32

lieferant eine schwierige Zukunft haben werden. Wie

oben erwähnt – Strom liefern und vertreiben kann nahezu

jeder.

Auch wir verkaufen heute noch klassischen

Strom. Aber es geht weit darüber hinaus. Wir vernetzen

die Erzeugungsanlagen und Verbraucher im

Haushalt, projektieren PV-Anlagen für Privathäuser,

wie für Industriebetriebe und setzen diese schlüsselfertig

um, stehen als Spezialist für Elektromobilität mit

konkreten Lösungen und Produkten den Kunden zur

Verfügung und arbeiten an den Themen der Zukunft.

Dazu gehören Projekte im Bereich SmartCity ebenso

wie konkrete Betrachtungen der Wasserstofftechnologie

und dem Strommarkt der Zukunft, in dem die Erzeuger

und Verbraucher in der Nachbarschaft direkt

untereinander den Strom handeln. In unserem virtuellen

Kraftwerk verbinden wir schon heute zahlreiche

dezentrale Anlagen und stellen diese an einem immer

volatiler werdenden Energiemarkt zur Verfügung.

In der Autoindustrie entwickelt sich die Batterietechnik

sehr schnell. Welchen Stellenwert hat diese

Technik im Bereich der Stromspeicherung und -

verteilung?

Diese Beobachtung machen wir auch. Wir glauben

aber derzeit nicht daran, dass eine Privatperson, die ein

E-Auto hat, die Batterie als Flexibilität dem Markt zur

Verfügung stellen wird. Dafür sind die Kapazitäten von

derzeit maximal 80 Kilowattstunden pro Autobatterie

zu gering und der Aufwand im Verhältnis noch zu

hoch. Wir werden das aber sicherlich weiter beobachten.

Allerdings sehen wir die Technologie derzeit im

Stromnetz als sehr effizient an. Konkret haben wir momentan

fünf große Batteriespeicher im Stromnetz installiert,

um an speziellen Knotenpunkten Verbrauch

und Erzeugung besser zu vereinen. Ein zweites konkretes

Projekt ist unser Hybridspeicher in Sulzberg/Au.

Dort puffert ein großer Batteriespeicher die Vorlaufzeit,

die unsere Gasturbine benötigt, um in Sekundenschnelle

am Regelenergiemarkt teilzunehmen – ein wichtiger

Schritt für die Flexibilität der Stromversorgung.

Welchen Stellenwert wird in zehn Jahren die

»Selbstversorgung« im Bereich der Privathäuser haben?

Heute muss man ökologisch sehr überzeugt sein,

wenn man seinen eigenerzeugten Strom im Batteriespeicher

einspeichert und selber verbraucht, anstelle

diesen über die EEG-Vergütung in das öffentliche

Stromnetz einzuspeisen. Doch die Vergütungssysteme

ändern sich, die ersten Erzeugungsanlagen fallen die

kommenden Jahre aus der EEG-Vergütung und die

Anschaffungskosten für Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme

werden sinken. Somit wird es

auch für Kunden interessant, die es aus wirtschaftlichen

Gesichtspunkten betrachten. Wir sind davon

überzeugt, dass dadurch der Anteil der »Selbstversorgung«

deutlich ansteigen wird – und das ist nur sinnvoll,

wenn die Energie direkt dort verbraucht wird, wo

sie erzeugt wird.


Wird die dezentrale Stromversorgung auch für

Mieter möglich sein und welche Alternativen haben

Mieter?

Die Möglichkeit besteht bereits heute. Wir von

AÜW bieten über das sogenannte Mieterstrommodell

an, dass Hausverwaltungen eine zentrale Erzeugungsanlage,

wie etwa eine PV-Anlage auf dem Dach, installieren

und wir durch ein intelligentes Messkonzept

den erzeugten Strom vom Dach direkt an die Mieter

verteilen. Sind keine Verbraucher im Haus, wird der

Strom zwischengespeichert oder ins Stromnetz eingespeichert.

Der SmartMeter misst genau, welcher Mieter

wie viel Strom vom Dach und wie viel aus dem

Stromnetz bezogen hat. Die Abrechnung übernehmen

wir als Dienstleister.

Mit der Stromplattform, die wir derzeit testen

und aufbauen, können Mieter aus Mehrparteienhäusern

auch gezielt überschüssigen Strom aus Erzeugungsanlagen

der Umgebung beziehen – vergleichbar

mit der Milch vom Bio-Bauernhof nebenan.

Das Schlagwort »regionale Vernetzung« ist in

aller Munde. Was verstehen Sie darunter?

Die regionale Vernetzung mit anderen Spezialisten

ist für uns eine wichtige strategische Entscheidung.

Die Energiewende ist so komplex, dass es vermessen

wäre, alles allein machen zu wollen. So haben

wir beispielsweise vor ein paar Jahren mit der egrid

applications GmbH eine Tochter gegründet, die spezialisiert

ist auf Quartiersentwicklung, Wärme- und

Mobilitätskonzepte. Zusätzlich arbeiten wir in Forschungsprojekten

oft mit der Hochschule Kempten

zusammen, sind Mitglied im Netzwerk der Marke

Allgäu und arbeiten mit den anderen Energieversorgern

im Allgäu unter der Dachmarke AllgäuStrom

zusammen. Nachdem Energie für uns mehr ist, sind

wir auch an mehreren Unternehmen in der Region

beteiligt, die nichts direkt mit der Energiebranche zu

tun haben. So sind wir beispielsweise, gemeinsam

mit der Energieversorgung Kleinwalsertal als Mehrheitsgesellschafter

an der Kleinwalsertaler Bergbahn

AG beteiligt.

Das Allgäu ist eine ländlich geprägte Region.

Das bedingt auch eine dezentrale Energieversorgung.

Machen die größeren Versorgungsstrecken

ein Problem?


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33


Energie

Direkt in Kempten, nah an der

Iller, hat das Traditionsunter -

nehmen seinen Geschäftssitz.

Es produziert übrigens nicht nur

Strom für die Region, sondern

auch für seine E-Autos

Nein, generell sind lange Übertragungsstrecken

kein Problem. Ungeachtet dessen sind wir davon überzeugt,

dass es wirtschaftlicher ist, wenn die Energie

möglichst dort genutzt wird, wo sie erzeugt wird. In

Wildpoldsried haben wir mit Partnern zusammen ein

Real-Versuchs-Labor errichtet, in dem wir autarke Inselnetze

testen. Das heißt Erzeugung und Verbrauch

werden, durch den Einsatz intelligenter Steuerungen,

aufeinander abgestimmt und vor Ort verbraucht.

Nehmen wir an, in zehn Jahren fahren zwei

Drittel der Autos mit Strom, wo soll dieser Strom

herkommen?

Vorweg: Wir gehen davon aus, dass 2030 rund 30

Prozent der Fahrzeuge elektrifiziert fahren werden.

Was die Energie selbst betrifft, um die Fahrzeugbatterien

zu laden, machen wir uns weniger Sorgen. Wir

sehen heute schon, dass entsprechende Energieeinsparungen

bei Privat- und Industriekunden, die neuen

Verbraucher kompensieren, zudem wird der Ausbau

der Erneuerbaren in den kommenden zehn Jahren

weiter voranschreiten.

Selbst im Stromnetz sehen wir wenig Probleme,

da niemals alle Fahrzeuge zur gleichen Zeit geladen

werden – der sogenannte Gleichzeitigkeitsfaktor ist

hier das Schlagwort. Aber intelligente Lastmanagement-Systeme,

die wir bereits heute verbauen, wenn

mehrere Ladepunkte zum Einsatz kommen, verteilen

die Energie, nach Verfügbarkeit und Bedarf. Zudem

muss man beachten, dass heute und auch morgen die

durchschnittliche Fahrstrecke pro Tag bei rund 50 Kilometern

liegen wird, ein E-Auto ist also selten leer,

gleichzeitig hat es über Nacht lange Standzeiten. Zusammengefasst:

30 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge

machen uns nicht nervös.

Welchen Stellenwert hat im AÜW der Wasserstoff

in den nächsten Jahren?

Wasserstoff ist eine Technologie, die wir als Realoption

für die Zukunft ansehen. Gemeinsam mit dem

ZAK haben wir bereits eine Studie in Auftrag gegeben,

wie hoch das Potential zur Erzeugung von Wasserstoff

in der Region Allgäu ist. Die ersten Ergebnisse zeigen

ein interessantes Erzeugungspotential. Im ersten Halbjahr

dieses Jahres gehen wir im zweiten Schritt an die

Ausarbeitung, welche Abnehmer und wirtschaftlichen

Geschäftsfelder mit dem erzeugten Wasserstoff möglich

sind. Im Anschluss werden wir die nächsten konkreten

Schritte beschließen.

Zum Schluss: Das AÜW hat die Stromerzeugung

mit Wasserkraft fast an allen Kraftwerken optimiert.

Sehen Sie in der Region weitere Energiequellen

(Wind/Solar/Speicherteiche/Wasserstoff)?

Potenziale für den Ausbau erneuerbarer Energie

sind im Allgäu nach wie vor gegeben. Größte Potenziale

sehen wir im Bereich Wind und PV-Anlagen.

Neue Windkraftanlagen sind unter den aktuellen politischen

Rahmenbedingungen (Stichwort H10) nicht

möglich. Interessant ist, dass seit der H10-Regel vom

ehemaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, in

ganz Bayern kein einziges Windrad mehr zugebaut

wurde. Was die PV-Anlagen betrifft, so haben wir auf

öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen sowie auf

Industriebetrieben und Privathäusern entsprechendes

Potenzial. Zusätzlich sehen wir sogenannte »benachteiligte«

Flächen als großes Potenzial für Freiflächenanlagen.

Fakt ist, mit gut 45 Prozent erneuerbarer

Energien, gemessen am Stromverbrauch, sind wir im

Allgäu auf einem guten Weg. Um noch besser zu werden

und unsere Klimaziele zu erreichen, sind wir alle

angehalten, noch ein bisschen mehr zu tun. Getreu

unserem Motto: »EnergieZukunft kann keiner allein.«

Wir freuen uns auf die nächsten 100 Jahre

EnergieZukunft im Allgäu.

34


Advertorial

So schön kann Klimaschutz sein

Heim-Batteriespeicher in Siemens-Qualität

Immer mehr Eigenheimbesitzer erzeugen ihren eigenen Solarstrom.

Angesichts sinkender Einspeisevergütungen und steigender Strompreise

lohnt es sich, diesen möglichst vollständig und unabhängig vom Stromnetz

zu nutzen. Die Basis dafür legen Batteriespeicher wie die Junelight

Smart Battery von Siemens.

Die Junelight Smart Battery von Siemens

wurde für ihr herausragendes Design

mit gleich zwei Awards ausgezeichnet.

Mit der Junelight Smart Battery

bietet Siemens erstmals einen

Batteriespeicher an, der speziell

auf die Anforderungen in privaten Eigenheimen

ausgelegt ist. Er vereint Funk tionen

für ein intelligentes und sicheres Energiemanagement

im eigenen Zuhause mit einem

modernen Design. Beim Be- und Entladen

der Batterie berücksichtigt die Junelight Smart

Battery automatisch aktuelle Wetterprognosen

und das individuelle Verbrauchsprofil des

Haushalts. Das heißt, die Batterie wird erst

in Zeiten mit hoher Photovoltaik-Leistungsabgabe

vollgeladen, so dass Stromverluste

minimiert werden. Über die mobile Junelight

Smart App sind alle Energieflüsse von der

Produktion über Speicherung bis hin zu Verbrauch

und Netzeinspeisung stets in Echtzeit

einsehbar.

Eine sichere Investition

Auch für die Zukunft ist der Speicher

bestens gerüstet: Die Speicherkapazität der

Junelight Smart Battery lässt sich jederzeit

flexibel und zeitlich unbegrenzt auf bis zu

19,8 Kilowattstunden (kWh) erweitern und

an den eigenen Bedarf anpassen, etwa zur

Anbindung von Wärmepumpen oder zum

Laden von Elektroautos. Sowohl die Produktionsprozesse

als auch das gesamte System

und jedes Softwareupdate der Junelight

Smart Battery sind nach VDE-Standard zertifiziert.

Das gewährleistet maximale Sicherheit

für Mensch und Haus.

Mehrfach ausgezeichnet wurde das herausragende

Design der Junelight Smart Battery:

Sowohl für das Gehäuse als auch für die

mobile Smart App erhielt die Junelight Smart

Battery mit dem IF Design Award und Red

Dot Award zwei international renommierte

Designpreise. Der Speicher ist wahlweise in

weiß oder schwarz erhältlich und verfügt

Durch die Kombination von Photovoltaikanlage

und Batteriespeicher ist ein Autarkiegrad von bis

zu 90 Prozent möglich.

über eine digitale Lade standanzeige. Er ist

besonders flach und passt damit auch in enge

Keller- oder Technikräume.

Sonnige Aussichten

Lässt sich mit Photovoltaikanlagen ein

Autarkiegrad von gerade einmal 40 bis 50

Prozent erreichen, so sind durch die Kombination

mit einem zusätzlichen Batteriespeicher

bis zu 90 Prozent möglich! Das bedeutet:

Unabhängigkeit vom Stromnetz, minimale

Stromkosten und geringere CO 2 -Emissionen

sowie eine Wertsteigerung der eigenen

Immobilie.

Mehr Informationen – auch zu den

staatlichen Förderprogrammen – unter:

www.siemens.de/junelight

Fotos: Siemens AG

Gut beraten: Angesichts

sinkender Einspeisever -

gütungen und steigender

Strompreise lohnt es sich,

eigenen Solarstrom mög -

lichst vollständig und un -

abhängig vom Stromnetz

zu nutzen.

Die Zertifizierung nach

VDE-Standard gewähr -

leistet höchste Sicherheit.

35


Aus der Welt

Globale Ideen fürs Klima

Zusammen die Zukunft gestalten

Man muss neue Wege gehen und über den Tellerrand

schauen, wenn man etwas in Sachen Energiezukunft und

Klimaschutz bewegen will. Deswegen wollen wir uns von

allgäuALTERNATIV nicht nur auf unsere Region beschränken,

sondern schauen über die Grenzen des Allgäus hinaus – denn weltweit

gibt es Innovationen und Projekte für eine grüne Zukunft.

Pakete bringen, Müll mitnehmen

Weniger CO 2 , Lärm und Verkehr – dafür sorgt die Initiative »Älskade

stad« (geliebte Stadt) in mehreren skandinavischen Städten, die der

Lieferdienst Bring, der Abfallkonzern Ragn-Sells, die Immobilienfirma

Vasakronan und die Stadt Stockholm gestartet haben. Hinter dem

Projekt, das seit gut zweieinhalb Jahren läuft, steckt eine simple aber

geniale Idee, die mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt. Denn während

der Paketbote mit einem vollbeladenen Auto ins Zentrum fährt und leer

wieder zurückkommt, ist es bei der Müllabfuhr genau anders herum. Und

so wird seit 2017 – zuerst nur in Stockholm, später auch in Trondheim,

Malmö und Oslo – beides miteinander kombiniert. Darüber hinaus wurden

extra für das Projekt elektrische Lastenfahrzeuge entwickelt, die weder

CO 2 noch Lärm verursachen und auch nachts im Einsatz sein können,

ohne die Anwohner zu stören. Die Ausführung der Idee ist denk bar

einfach: Wird ein Paket bei einem Kunden abgeliefert, kann dieser seinen

trockenen Müll (Papier, Pappe und andere Verpackungs materialien) dem

Kurier übergeben. Das Projekt wird übrigens nicht staatlich gefördert,

sondern trägt sich selbst und schreibt schwarze Zahlen.

Fotos: Harbour Air, BayWa r.e., ubitricity, mynewsdesk.com

An der Laterne tanken

Elektromobilität ist die Fortbewegung der Zukunft, doch nicht nur der

Preis von so manch elektrischen Flitzern schreckt potenzielle Kunden

ab, sondern auch die fehlende Infrastruktur. Manchmal ist es

schlichtweg schwierig, eine (freie) Ladestation zu finden. Was es

jedoch zu Hauf gibt, sind Straßenlaternen und genau das macht sich

das Berliner Unternehmen Ubitricity zunutze: Es baut Laternen in

Ladestationen um. Dass das gut funktioniert, zeigen die Berliner seit

einer Weile in London, wo insgesamt 1000 Laternen-Ladepunkte entstehen

sollen. Auch hierzulande ist dies durchaus möglich, wenn die

Kommunen mitmachen, denn der Umbau einer Laterne würde sie

etwa 1000 Euro kosten. Der Endverbraucher wiederum benötigt das

»Smart Cable« des Unternehmens, ein Ladekabel mit integriertem intelligentem

Stromzähler, das alle Daten erfasst, die zur Abrechnung

wichtig sind.

36


Schwimmende Solaranlagen

Photovoltaik auf Hausdächern ist wahrlich nichts Neues mehr,

auf dem Wasser hingegen schon – zumindest hierzulande.

Denn in Kalifornien ging bereits 2008 die erste kommerzielle

schwimmende Solaranlage in Betrieb und auch in den Niederlanden

erzeugen Solarzellen auf dem Wasser Strom. So genannte Floating

PV-Anlagen auf künstlichen Seen (Stau-, Bagger- oder Tagebauseen)

können dazu beitragen, Landnutzungskonflikte für den PV-Ausbau

in Deutschland zu entschärfen. Darüber hinaus weist die Tech no -

logie einige Vorteile gegenüber Freiflächenanlagen auf, wie beispiels -

weise die erhöhte Stromproduktion aufgrund des Kühl effekts

des Gewässers oder eine höhere Flächennutzungseffizienz. Das

technische Potenzial auf Braunkohle-Tagebauseen in Deutschland

wird in einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energie -

systeme auf 56 Giga-Watt-Peak geschätzt. Das lässt erahnen,

welches Potenzial weltweit in schwimmenden solaren Kraftwerken

schlummert.

Erstes elektrisches Passagierflugzeug

Kanada verbinden die meisten mit unendlicher Weite und

atemberaubender Naturschönheit, doch den wenigsten

fallen vermutlich auf Anhieb Innovationen ein, die hier

entstanden sind. Das könnte sich bald ändern. Die kleine

Fluggesellschaft Harbour Air hat Ende des letzten Jahres

das erste elektrische Passagierflugzeug in die Lüfte

geschickt – ein Novum in der Geschichte der Luftfahrt.

Dazu kommt, dass das Wasserflugzeug nicht eigens

kon zipiert, sondern zu einem E-Flieger umgebaut wurde.

Zukünftig will die Airline alle ihre 40 Wasserflugzeuge

elektrisieren lassen und zeigen, dass die kommerzielle

Luftfahrt auch ohne Emissionen möglich ist.

Einschränkend muss an dieser Stelle allerdings gesagt

werden, dass Harbour Air meist kurze Strecken fliegt –

das schmälert den Erfolg aber keinesfalls.


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HEIMAT IST IMMER NOCH DIE BESTE MOTIVATION.

Danke Allgäu. Danke, dass wir dich und die Menschen hier seit 100 Jahren begleiten dürfen.

Als regionaler Energiedienstleister. Als fairer Arbeitgeber. Als innovatives Unternehmen.

Gemeinsam haben wir es geschafft, dass heute im Allgäu bereits 45 % des Strombedarfs aus

erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Das macht uns stolz, das motiviert uns und das feiern wir gemeinsam. Heute und in Zukunft.

Mehr Infos zur EnergieZukunft Allgäu unter www.auew.de

37


Energiewende

Warum wir uns verrechnen

Ein Kommentar aus der Physik

Im Klimapakt hat sich Deutschland dazu verpflichtet, seinen Kohlenstoffdioxid-

Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent zu verringern und setzt dabei auf den

Ausbau erneuerbarer Energien. Das ist durchaus lobenswert, doch ein Rückblick

auf die letzten zehn Jahre zeigt, dass diese Strategie in der Vergangenheit nicht

viel bewirkt hat.

Weltweit steigt der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid

(CO 2 ) stetig an, vorwiegend

zivilisationsbedingt, was zur Klimaerwärmung

führt. Dafür liegen inzwischen überwältigende

wissenschaftliche Ergebnisse vor. Um den fortschreitenden

Klimawandel aufzuhalten, möchte

Deutschland seinen Beitrag leisten und setzt dabei voll

auf die Energiewende. Zu diesem Zweck hat sich

38


Fossile Brennstoffe wie Kohle

machen nach wie vor den

größten Teil der Energie -

versorgung aus. Der Anteil

der Wasserkraft hingegen liegt

bei mickrigen 0,5 Prozent

Deutschland im Klimapakt der Europäischen Union

verpflichtet, den Ausstoß klimaschädlicher Gase, insbesondere

von CO 2 , bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu

verringern. Als Zwischenziel soll bis 2030, das heißt

in etwa zehn Jahren, deren Ausstoß gegenüber heute

um 40 Prozent gesenkt werden.

Die Faktenlage

Um abschätzen zu können, wie realistisch dieses

Zwischenziel ist, muss man als erstes einen Blick zurückwerfen:

Was wurde in der gleichen Zeitspanne,

das heißt in den vergangenen zehn Jahren, beim Klimaschutz

in Deutschland erreicht, nachdem erheblich

in den Ausbau vorwiegend von Wind und Sonnenkraftanlagen

investiert wurde? Hier fällt die Bilanz des

CO 2 -Ausstoßes ernüchternd aus. Obwohl im Jahr

2018 bereits beachtliche 38 Prozent des Stroms aus erneuerbaren

Quellen stammte, ist der Ausstoß klimaschädlicher

Gase seit zehn Jahren unverändert, abgesehen

von kleinen wetter- und konjunkturbedingten

Schwankungen. Abbildung 1 zeigt die Daten des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie (BMWi)

zum CO 2 -Ausstoß.

Tatsächlich ist der CO 2 -Ausstoß in den Jahren

davor und insbesondere nach der Wiedervereinigung

um insgesamt 25 Prozent zurückgegangen, weshalb

1990 gerne als Referenzdatum genommen wird. Dieser

Rückgang lässt sich aber vor allem durch den

Strukturwandel in den neuen Bundesländern erklären.

Die in der Abbildung sichtbare geringfügige Abnahme

im Jahr 2018, zum Teil ausgelöst durch den vorangegangenen

milden Winter, wurde allseits gebührend gefeiert.

Das Gesamtsystem betrachten

ebenfalls für die letzten zehn Jahre, bezogen auf das

Jahr 2009. Die oberen vier breiten Streifen der Abbildung

zeigen die fossilen Brennstoffe Kohle, Erdöl und

Erdgas. Sie tragen den Großteil der Energieversorgung

Deutschlands und sind damit die wesentliche Quelle

des CO 2 -Ausstoßes.

Die unteren fünf schmalen Streifen in Abbildung

2 zeigen die nicht-fossilen Energieträger, von Kernkraft

bis Sonnenkraft, deren Einsatz die CO 2 -Bilanz

nicht belastet. Der Anteil dieser nichtfossilen Energieträger

im Jahr 2018 beträgt 20 Prozent (bezogen auf

den Gesamtenergieverbrauch von 2018), und hat sich

praktisch in den letzten zehn Jahren nicht verändert,

obwohl sich Deutschland im Klimapakt bis 2030 auf

einen Anstieg dieses Anteils auf mindestens 30 Prozent

verpflichtet hat (neben dem vorhin genannten 40

Prozent CO 2 -Rückgang). Absolut ist diese CO 2 -arme

Energie seit 2009 sogar leicht zurückgegangen (um ein

Prozent). Der Anstieg bei den erneuerbaren Energieträgern

Wind- und Sonne musste die Kernenergie als

Energiequelle teilweise ersetzen. Diese soll bekanntlich

bis 2022 ganz abgeschaltet werden.

Noch weit vom Ziel entfernt

Insgesamt tragen die erneuerbaren Energieträger

(die vier untersten in Abbildung 2) im Jahr 2018 ►

120

100

Abbildung 1: CO 2 -Emissionen in Deutschland

Der CO2-Ausstoß in den letzten

zehn Jahren. Der Ausstoß im

Jahr 2009 wurde auf 100

Prozent gesetzt. Quelle: BMWi

Um zu verstehen, warum sich der CO 2 -Ausstoß

trotz großer Anstrengungen nicht verringert, ist es

wichtig, die Entwicklung der gesamten Energieversorgung

zu betrachten. Es verzerrt das Bild, wenn man,

wie es sich eingebürgert hat, nur den Stromsektor betrachtet,

da große Verschiebungen zwischen den einzelnen

Sektoren vorgesehen sind. Wenn man beurteilen

will, ob solche Verschiebungen realistisch sind,

etwa beim Wechsel vom Verbrenner- zum Elektro -

auto, muss man das Gesamtsystem betrachten.

Abbildung 2 zeigt den Anteil der verschiedenen

Energieträger an der primären Energieversorgung,

Prozent

80

60

40

20

0

2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Jahr

39


Energiewende

Trotz aller Bemühungen und

Bekundungen zu mehr

Klimaschutz sind die CO 2 -

Emissionen in den letzten

Jahren kaum gesunken

Die Anteile der verschiedenen

Energieträger an der gesamten

(primären) Energieversorgung.

Die Gesamtenergie im Jahr

2009 wurde auf 100 Prozent

gesetzt. Quelle: BMWi.

100

80

Abbildung 2: Energieversorgung in Deutschland

Steinkohle

Braunkohle

Prozent

60

40

Erdöl

Erdgas

Kernkraft

Wasserkraft

20

0

2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Jahr

Biomasse

Windkraft

Sonnenkraft

mit 14 Prozent zur Primärenergieversorgung bei. Der

größte Anteil von neun Prozent stammt dabei aus Biomasse

(etwa Holz, Klärgas, Biodiesel). Der Anteil von

Wind- und Sonnenenergie beträgt nur bescheidene

3,1 beziehungsweise 1,3 Prozent. Wasserkraft und Naturwärme

(Wärmepumpen, Solar- und Geothermie)

tragen mit 0,5 und 0,7 Prozent bei. Der Ressourceneinsatz

zur Erstellung der Kraftanlagen und zur Bereitstellung

der Brennstoffe ist in diesen Zahlen nicht

berücksichtigt.

In Abbildung 2 ist die »Primärenergie« gezeigt,

die in den eingesetzten Energieträgern steckt. Die Abbildung

zeigt den jährlichen Verbrauch der Energievorräte.

Die »Endenergie« hingegen ist der Anteil

der Primärenergie, die beim Verbraucher ankommt

(69 Prozent im Jahr 2017). Sie zeigt den Nutzen der

Energie. Die Endenergie wird eingesetzt als Wärmeenergie

für Heizung, Kühlung, Warmwasser (32

Prozent) und Prozesswärme in der Industrie (24 Prozent)

und als mechanische Energie (39 Prozent), das

meiste davon im Straßenverkehr. Die restlichen fünf

Prozent gehen zu etwa gleichen Teilen in Beleuchtung

und Datenverkehr.

Der Anteil der erneuerbaren Energieträger am

Endenergieverbrauch liegt um etwa fünf Prozentpunkte

höher als der 14 Prozentanteil am Primärenergieeinsatz.

Der Grund hierfür ist, dass bei der Verstromung

von fossilen Brennstoffen der Wirkungsgrad der

Kraftwerke berücksichtigt werden muss und hier

mehr Energie verloren geht. Die vielfältigen Effizienzsteigerungen,

die in den letzten Jahren bei der Energienutzung

in vielen Bereichen erzielt wurden (Kraftfahrzeuge,

Beleuchtung, Klima, EDV, …) sind leider

meist durch Mehrverbrauch kompensiert worden.

Ein großes Missverständnis

Die in Abbildung 2 gezeigten drei Prozent für die

Windenergie lassen uns stutzen. Auf den ersten Blick

scheinen sie in Widerspruch zu den Erfolgsmeldungen

des Windkraftausbaus zu stehen, wonach jede Windkraftanlage

im Mittel etwa 1000 Haushalte mit Strom

versorgt, was bei den 30.000 installierten Windrädern

bereits 30 Millionen der insgesamt 41 Millionen Haushalte

sind. Ist die Energiewende damit nicht schon fast

geschafft?

40


Fotos: Pixabay

Leider nein, denn selbst wenn heute alle Haushalte

in Deutschland ihren Strom aus erneuerbaren

Quellen bezögen, so wäre das noch immer erst ein

winziger Teil unseres Energieverbrauchs: Der derzeitige

Anteil des Stroms an unserem Endenergieverbrauch

beträgt nur 20 Prozent, und der Haushaltsstrom

macht davon gerade mal ein Viertel, also fünf

Prozent aus. In diesem Fall ist also der gemeldete Erfolg

20-mal größer als der tatsächliche Erfolg.

Hinzu kommt: Meist wird, zum Vergleich mit

konventionellen Kraftwerken, die installierte Leistung

von Sonnen- und Windkraftanlagen angegeben statt

der tatsächlich produzierten nutzbaren Leistung. Die

installierte Leistung einer Windkraftanlage ist viermal,

die einer Photovoltaikanlage achtmal höher als die eigentlich

interessierende im ganzjährigen Betrieb im

Mittel gelieferte nutzbare Leistung. Die Beispiele lassen

ahnen, warum die öffentliche Wahrnehmung der

bisherigen Energiewende so stark von dem in den Abbildungen

1 und 2 gezeigten Sachverhalt abweicht.

Hierbei ist noch nicht berücksichtigt, dass Windund

Sonnenenergie heute und in absehbarer Zukunft

nicht voll nutzbar sind. Grund hierfür sind insbesondere

die starken jahreszeitlichen und Tag-Nacht

Schwankungen von Wind und Sonne. Wegen der unvermeidlichen

Dunkelflauten, in denen es weder Sonne

noch Wind gibt, muss für alle Wind- und Sonnenkraftanlagen

eine entsprechende Anzahl fossiler Kraftwerke

vorgehalten werden – solange es noch keine

ausreichenden Stromspeicher gibt.

Was kann getan werden?

Die bisherigen großen Anstrengungen beim Aufbau

der erneuerbaren Energien haben in den letzten

zehn Jahren nicht zu einem merklichen Rückgang der

CO 2 -Emissionen in Deutschland geführt. Der Zuwachs

der Erneuerbaren und die Steigerung der Energieeffizienz

haben gerade dazu gereicht, den mit dem

wachsenden Bruttosozialprodukt einhergehenden

steigenden Energiebedarf zu kompensieren. Ein Weiter

so mit mehr vom Gleichen wird nicht genügen, um

die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Ein nur auf

den positiven Zahlen der Stromversorgung beruhender

Zweckoptimismus führt zu Fehlinvestitionen und

Enttäuschungen.

Bei der Energieversorgung sind keine Wunder zu

erwarten, aber eins ist sicher: Die Strategien der Zukunft

sollten ergebnisoffen sein und nicht fixiert auf

den Ausbau fest vorgegebener Technologien, weil letzteres

die Entwicklung neuer Ideen blockieren kann.

Schon heute ist klar, dass das weltweite Potenzial

der Sonnenenergie sehr groß ist und besser genutzt

werden sollte, gegebenenfalls in Kombination mit der

Erzeugung speicherbaren und transportablen Wasserstoffs.

In den äquatornahen Wüsten der Erde stehen

große Flächen für den Einsatz von Solarkraftwerken

zur Verfügung, und auch für die Windenergie gibt es

deutlich günstigere Standorte als das relativ windstille

deutsche Binnenland.

Das Klima gesund sparen

Weitaus stärkere Aufmerksamkeit sollten Energieeinsparungen

erfahren: Energieeinsparungen führen

unmittelbar zu einer Senkung des CO 2 -Ausstoßes

und zudem zu einer Senkung der Energiekosten.

Energieeinsparungen schaffen damit nicht zuletzt

auch die finanziellen Spielräume, um an anderer Stelle

in die Energiewende zu investieren, zum Beispiel für

den Bau energieeffizienter Wohnungen, oder um die

Schäden des Klimawandels zu mildern. Würde beispielsweise

im Verkehr zwölf Prozent weniger Kraftstoff

verbraucht, so sparte dies mehr Energie ein, als

alle Windkraftanlagen liefern. Stattdessen wurde die

Leistung der neu zugelassenen Pkw in den vergangenen

zehn Jahren im Mittel um 18 Prozent erhöht, ihre

Anzahl um elf Prozent.

In Anbetracht des in den Abbildungen 1 und 2

gezeigten Standes der Dinge ist es für uns schwer vorstellbar,

dass unser heutiger Energiebedarf aus erneuerbaren

Energien gedeckt werden kann. Energieeinsparung

in allen Bereichen muss deshalb das oberste

Ziel sein. Hier muss Deutschland als Hochtechnologieland

vorangehen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Dubbers, Prof. Dr. Johanna

Stachel, Prof. Dr. Ulrich Uwer (Physikalisches Institut

der Universität Heidelberg)

Um die Ziele des Klimapaktes

doch noch zu erreichen, müssen

Potenziale genutzt werden. Die

liegen etwa im Bau von Solar -

anlagen in der Wüste oder in

der Senkung des Kraftstoff -

verbrauchs von Pkws

41


Energiewende

Stromrebellen aus Fuchstal

Lieber selber machen, statt machen lassen

Das gab es noch nie: Eine kleine oberbayerische Gemeinde bietet

künftig ökologischen Regionalstrom an – und macht damit nicht

nur den Konzernen Konkurrenz, sondern treibt die Energiewende

vor Ort voran. Ein Paradebeispiel, das Schule machen sollte und

zeigt, dass schon ein paar Menschen etwas bewegen können.

Die Verrückten im Fuchstaler Rathaus. So

nennen sie sich selbst, und vermutlich tun

das auch einige andere in der Gemeinde.

»Die im Gemeinderat meinten, sollen die zwei Spinner

sich doch ruhig noch mehr Arbeit ins Haus holen«,

sagt Bürgermeister Erwin Karg. Da muss er selbst

grinsen. Letztlich halten er und sein »Mit-Spinner«

Gerhard Schmid auf ihren Gemeinderat große Stücke

– und umgekehrt. »Sie lassen uns machen«, erklärt

Kämmerer Schmid. Andere Gemeinden, so Karg, verlegten

halt Wasserleitungen und bauten Kindergärten.

»Machen wir schon auch.« Was man im Rathaus

Fuchstal aber ansonsten tut: die Energiewende vorantreiben.

In Eigenregie. Ab 2020 bietet Fuchstal regionalen

Strom an. Ökologisch produziert, versteht sich.

Das ist neu.

»FuXstrom«, so soll das Baby heißen. Klingt witzig.

»Und wir haben auch einen Riesenspaß dran«,

sagt Schmid. Auch das ist eines der Ziele: Den Bürgern

zeigen, »dass die Energiewende Spaß macht – und

man Geld damit verdienen kann«. Über »FuXstrom«

kann man künftig Strom von der Gemeinde beziehen,

die mit eigenen Windkraft- und Photovoltaikanlagen

selbst Erzeuger ist. Die Kunden bekommen ihn unter

dem Preis des Grundanbieters, verspricht Karg. Es soll

sogar ein Wechselbonus drin sein. Wie das geht? »Wir

haben eine schlanke Verwaltung und verzichten auf

Gewinne«, sagt Karg. Insgesamt wird das Angebot nur

im Gemeindebereich und im mitverwalteten Unterdießen

gelten, weil » sonst Regionalstrom ja keinen

Sinn macht«, so der Bürgermeister.

Die fuchsigen Rebellen

Fuchstal, mit den Teilgemeinden Asch, Seestal

und dem Markt Leeder zählt 3900 Einwohner, liegt

idyllisch am Rande vom Landkreis Landsberg. Gleich

an der Grenze zum einstigen Landkreis Schongau, wo

einst Franz Josef Strauß als Landrat regierte. Und wie

einer aus dessen Hofstaat erscheint auf den ersten

Stimmen zu FuXstrom

Regina Renz, 42

Inhaberin eines e-Bike-Ladens, Leeder

Ich finde das super, wenn Strom aus erneu -

erbaren Energiequellen produziert und auch

vor Ort verbraucht wird. Ich denke, das

motiviert die Leute hier in den Dörfern, dass

sie dann auf diese Weise auch Ökostrom

beziehen. Und dass vielleicht der eine oder

andere bei sich eine Photovoltaikanlage aufs

Dach macht und den Strom einspeist – weil das der Region nützt. Und das

Stromnetz wird so vermutlich auch entlastet.

Ich bin auf jeden Fall an FuXstrom interessiert. Es würde super zu meinem

Laden und meinen eBikes passen: Ich habe auf jeden Fall ein grünes Herz. Ich

beobachte inzwischen auch bei mir im Geschäft, dass sich die Gewohnheiten

der Leute ändern. Etwa, dass viele ein e-Bike nicht nur für die Freizeit ver -

wenden, sondern auch für den Weg zur Arbeit, oder zum Einkaufen ein

Lastenfahrrad kaufen. Grüner Regionalstrom ist für unsere Gegend auf

jeden Fall ein guter Impuls!

Werner Ruf, 51

Fischwirtschaftsmeister, Leeder

Ich finde diese Idee sehr erfrischend. Wir

beziehen viele andere Produkte auch aus der

Region, warum nicht auch Energie? Aus der

Region, für die Region. Ich denke, dass viele

Fuchstaler da mitmachen werden. Unter

anderem natürlich, weil FuXstrom ein biss -

chen billiger ist – und der Preis für die

meisten noch das wichtigste Argument ist. Ich beteilige mich selbst mit meiner

Biogasanlage an dem Konzept, indem ich Strom und Wärme an die Gemeinde

liefere. Auch meine Fischzucht, die eigentlich energieintensiv ist, führe ich

weitgehend autark mit einer Photovoltaikanlage und einer Wasserkraftanlage,

da mir Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt.

Mit solchen Regionalkonzepten entlasten wir zusätzlich die Stromtrassen.

Wünschenswert wäre, wenn wir dann keine Netzentgelte mehr bezahlen müss -

ten. Die »große Politik« tut sich leider schwer, Regionalität zu fördern. Aber gut,

dass wir bei uns in der »kleinen Politik« Leute haben, die diese Philosophie leben.

42


Blick Bürgermeister Karg: ein Mannsbild mit Präsenz,

55 Jahre alt. Flinke Zunge, polternder Witz und unerschrocken.

Karg wuchs nach eigenen Worten in einer

CSU-geprägten Familie auf. Doch: Karg ist parteilos,

Verfechter von regenerativer Energie und gar nicht so

konservativ, wie er aussieht.

Sein Geschäftsstellenleiter und Bruder im Geiste:

Gerhard Schmid, 47, CSU-Mitglied, aus einer Landwirtschaft

stammend. Versierter Kenner des Kommunalrechts,

beim Thema Fördermöglichkeiten ein echter

Fuchs. Schmid lacht herzhaft und frech, mit seinem

Humor eckt er in seiner Heimatgemeinde Apfeldorf

gelegentlich an: Dort redet er als zweiter Bürgermeis -

ter mit und will 2020 Gemeindechef werden.

Der Dritte im Bunde ist Robert Sing, 42. Der Ingenieur

und Windkraftexperte aus Landsberg ►

Bürgermeister Erwin Karg

(links) und sein Kompagnon

Gerhard Schmid haben gut

lachen – zusammen treiben sie

die Energiewende vor Ort voran

Johannes Wolffhardt, 56

Architekt, Asch

Theresa Schuster, 25

Gastronomin/ Inhaberin eines Bistros, Leeder

Es ist schön, dass nun nicht nur die Inves toren,

sondern alle Fuchstaler Bürger profi tieren können.

Und umweltfreundlichen Strom zu günstigen

Preisen bekommen. Sprich: Wir dürfen die

Windräder nicht nur sehen, sondern kriegen auch

ihren Strom. Dieser Gedanke der Regionalität ist

heute modern, und wie ich finde: zu Recht. Bei uns

im Landkreis wurde bereits 2013 ein Klimaschutz konzept verabschiedet, da

gehört Windkraft einfach dazu. Ich wohne und arbeite hier. Mir ist es wichtig,

möglichst CO2-neutral zu arbeiten. Beruflich beschäftige ich mich damit,

energieeffiziente Sanierungen und Neubauten in der Region umzusetzen. Aber

ich möchte das auch vorleben: Ich fahre ein E-Auto und Fahrrad, mein Büro ist

– bei der Größe bis 20 Mitarbeiter – zum umweltfreund lichsten Deutschlands

gewählt worden. Aktuell bin ich bei einem anderen Öko strom anbieter. Aber es

ist gut möglich, dass ich dann zu FuXstrom wechsle. Wichtig ist, dass ein

Stromanbieter eine hohe Neuanlagenquote von erneuerbarer Energie hat.

Von FuXstrom hab ich schon gehört –

ich muss mich allerdings noch genauer

informieren. Grundsätzlich finde ich das toll.

Wir in unserem Landbistro arbeiten ja nach

dem Motto »Heimat, die man spüren und

schmecken kann«. Wir bieten also nur

regionale und saisonale Lebensmittel an –

und eben keine Erdbeeren aus Spanien im Dezember. Warum also nicht auch

den Strom, der hier produziert wird, hier verbrauchen? Ich wäre durchaus

an einem Wechsel interessiert. Aber wie bei allem muss man ein Stück

weit auf den Preis achten. Wenn der am Ende sogar ein wenig günstiger ist,

ist für mich so ein Regionalstromangebot prima. Okay, die Windräder sind

für die Landschaft nicht unbedingt ein Gewinn. Aber wenn ich die Wahl habe,

dass stattdessen irgendwo ein Atomkraftwerk steht, kann ich mit den

Windrädern gut leben. Es muss halt im Rahmen bleiben: Hundert Stück

davon wären bei uns zu viel.

43


Energiewende

In der oberbayerischen

Gemeinde erzeugen Solar -

anlagen und Windräder sowie

eine Biogasanlage Strom,

der von den Kunden vor Ort

verbraucht wird

Fotos: Klaus Mergel, Pixabay

betreut mit seinem Büro seit 2012 Projekte der erneuerbaren

Energie. Er liefert den Fuchstalern die nötige

technische Fachkompetenz.

Bürger ins Boot geholt

2011, nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima,

fing alles an. Der damalige Ministerpräsident Horst

Seehofer verkündete, man brauche jetzt 1500 Wind -

räder in Bayern. Es dauerte nicht lange, da klopften die

ersten Investoren in Fuchstal an die Rathaustür – sie

kamen aus Düsseldorf, Köln und sogar England. »Da

haben wir uns gedacht: Das machen wir selbst«, sagt

Schmid. Kein leichtes Unterfangen: Windkraftgegner

haben in Bayern einige Anlagen verhindert. Doch die

Fuchstaler konnten ihre Bürger überzeugen.

Seit 2016 betreibt eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft

vier Windkraftwerke: 49 Prozent der Anteile

hält die Gemeinde, 51 Prozent diverse Gesellschafter,

darunter Bürger der Gegend, aber auch Unternehmen

wie die Stadtwerke Bad Tölz. Die Anlagen stehen einige

Kilometer südlich von Fuchstal auf Pachtgrund

im Bayerischen Staatsforst: ein 2000 Hektar riesiges

Waldgebiet. Rings um die Windräder üppige Vegetation

und jede Menge Wald.

Eine lohnende Investition

Die Räder haben eine Leistung von zwölf Megawatt

und erzeugen im Jahr rund 24 Millionen Kilowattstunden

Strom. Hinzu kamen 2013 und 2017 zwei

kommunale Photovoltaikanlagen mit 1,2 Megawatt

Leistung und eine weitere in Unterdießen mit 0,6 Megawatt.

Eine Biogasanlage eines privaten Unternehmers

wurde in das Energiekonzept integriert: Die Abwärme

daraus speist man in das lokale Fernwärmenetz

von Fuchstal ein. Insgesamt sind das über 24,3 Millionen

Kilowattstunden pro Jahr. Nicht übel für ein Dorf.

Zum Vergleich: So viel verbrauchen etwa 7000 Vierpersonenhaushalte.

21 Millionen Euro wurden in den Windpark investiert,

6,5 Millionen Euro Eigenkapital brachten

Bürger und Gemeinde ein. Seit dem ersten Jahr verdient

der Bürgerwindpark Geld – mehr als prognostiziert

wurde. Für die Gesellschafter hat sich die Anlage

längst rentiert: Jährlich schüttet die GmbH bisher

durchschnittlich sechs Prozent Rendite aus. Bis 2026

werden voraussichtlich alle Schulden bezahlt und die

Rücklagen für den Rückbau vorhanden sein.

Für 20 Jahre bekommen die Fuchstaler die EEG-

Vergütung, also den vom Staat geförderten Garantiepreis

auf regenerative Energie. »Was in 20 Jahren ist,

kann man jetzt ohnehin nicht sagen«, sagt Schmid.

Regionalität ist gefragt

Ziemlich bald kam im Rathaus die Idee auf: Warum

nicht selbst Regionalstrom anbieten? »So wie mit

den Eiern und der Milch, die kauft man bei uns ja

auch vom Bauern nebenan«, sagt Karg. Das schafft

Verbundenheit der Verbraucher.

Regionalstrom ist ein echter Trend. Unternehmen

wie das Allgäuer Überlandwerk in Kempten oder

das Grünstromwerk in Hamburg bieten inzwischen

regional begrenzte Öko-Stromprodukte an, bei dem

sich sogar Kunden mit dem Strom ihrer PV-Anlagen

zu einem guten Abnahmepreis beteiligen. Das Ziel:

Die lokalen Akteure stärken, das Geld in der Region

in nachhaltige Projekte investieren und den Graustrom-Anteil

– also unbekannter Herkunft – im Netz

verringern.

Klar: Der Strom im Gesamtstromnetz stammt

von allen Erzeugern, genauso von Kohle- und Atomkraftwerken.

Wie in einer Badewanne mit vielen Zu-

44


läufen. Aber mit dem Prinzip Regionalstrom steigt der

Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

Und die umstrittenen Stromtrassen, die das Land

durchziehen sollen, können auf ein nötiges Minimum

reduziert werden.

Dieser Trend bringt auch bundesweit volkswirtschaftliche

Vorteile. Laut Jahresbericht 2018 der AG

Energiebilanzen e.V. werden pro Jahr fossile Energieträger

für 68 Milliarden Euro aus dem Ausland importiert.

»Das sind pro Bundesbürger 2,25 Euro täglich.

Geld, das in die Taschen von Ölscheichs, Gaszaren

und Kohlekonzernen fließt«, sagt Sing. Wenn Strom

aber regional erzeugt und verbraucht wird, kommt das

Geld eher den Menschen vor Ort zugute.

Sie gestalten die Zukunft

Im Fuchstaler Rathaus machte man sich nun viel

Gedanken. Viele Abende grübelten und diskutierten

die »Verrückten«. Denn um Strom zu jeder Zeit zur

Verfügung zu stellen, muss man auch zu Hauptlastzeiten

liefern können – das muss man im Kreuz haben.

Also wenn viele Kunden zur selben Zeit viel Strom

verbrauchen: Zum Beispiel am frühen Abend im Winter,

wenn geheizt, gewaschen und gekocht wird, der

Fernseher läuft und eventuell das E-Auto an der Ladestation

hängt.

Um das Problem zu lösen, bauen die Fuchstaler

derzeit eine Speicheranlage. Batterien mit einer Kapazität

von drei bis vier Megawattstunden speichern

künftig überschüssigen Strom, um Schwankungen

auszugleichen. Dazu kommt ein Wärmespeicher, der

die Abwärme der Biogasanlagen und eines örtlichen

Holzpellet-Produzenten aufnimmt. Und eine Powerto-Heat-Anlage,

die wie ein Tauchsieder überschüssigen

Strom in Wärme umwandelt: Die soll über das

örtliche Fernwärmenetz genutzt werden.

Außerdem sind drei weitere Windräder mit einer

Leistung von rund 13 Megawatt in Planung. Bis Ende

2020 soll davon schon einiges realisiert sein. Dieses innovative

Projekt mit dem Titel »Energiezukunft

Fuchs tal« wird mit drei Millionen vom Umweltministerium

gefördert.

Sie stehen nicht alleine da

Doch um FuXstrom nun tatsächlich dem Bürger

anbieten zu können, steht eine gewaltige Verwaltungsarbeit

an. »Wir vom Rathaus werden sicherlich bei unseren

Kunden nicht Strom ablesen und Geld kassieren«,

sagt Bürgermeister Karg. Hier holten sich die

Fuchstaler Unterstützung bei der Firma BürgerGrün-

Strom aus Markt Erlbach in Mittelfranken: Das Unternehmen

sammelte mit ihrem Produkt »RegioGrün-

Strom« schon viel Erfahrung im Bereich der Regionalstromtarife.

Als Partner der Fuchstaler übernimmt es

nun den Stromvertrieb und damit die Verwaltungsaufgaben

und die Kundenbetreuung.

Die Idee des eigenen regionalen Stromtarifs

kommt bei den Bürgern der Gegend an. Auch bei Behörden

und Ministerien stoßen die Fuchstaler auf

positive Resonanz: Zusammen mit der Stadt Kaufbeuren

und dem Landkreis Ostallgäu wird die Gemeinde

zur Wasserstoffregion. In dem vom Bundesverkehrsministerium

geförderten Projekt namens

»Hystarter« soll überschüssige Windenergie in Wasserstoff

umgewandelt werden, den man nach Bedarf

als saubere Energiequelle einsetzen kann.

»Die Welt werden wir Fuchstaler vielleicht nicht

retten. Aber wir können zeigen, dass auch eine kleine

Kommune eine Menge für das Klima tun kann«, sagt

Bürgermeister Erwin Karg. Vielleicht gar nicht so

übel, wenn man ein paar »Verrückte« einfach mal

machen lässt.

Klaus Mergel

45


Energiezukunft

Fertigungshalle

der Firma Wölz

Nachhaltigkeit bei Wölz

Baukasten für den Umweltschutz

13 E-Smarts für die Mitarbeiter, Lastenräder, PV-Anlagen oder ein firmeneigenes

Mülltrennsystem – Wölz Stahl- und Metallbau in Gundelfingen beweist, dass

Umweltschutz keineswegs nur ein Thema für große Konzerne ist. Jeder Betrieb kann

seinen Beitrag leisten – auch im Allgäu. Entscheidender Erfolgsfaktor: die Mitarbeiter

für die eigene Öko-Strategie zu begeistern und zu nachhaltigem Denken zu motivieren.

Unser Schwesterheft oberlandALTERNATIV schaute in dem Betrieb vorbei.

46


Je intensiver wir uns mit Umweltschutzmaßnahmen

beschäftigen, umso häufiger stellen

wir fest: Am Stammtisch wird viel geredet, aber

umgesetzt wird davon nichts.« Ein ehrliches Statement,

mit dem Steffen Wildner, Prokurist im Familienbetrieb

Wölz Stahl- und Metallbau, gleich zu Beginn

unseres Gesprächs deutlich macht, mit welchen Herausforderungen

er beim Thema Nachhaltigkeit täglich

zu kämpfen hat. Dass der 140 Mitarbeiter zählende

Betrieb heute ein Öko-Konzept und einen regelrechten

Baukasten für den Umweltschutz besitzt und stetig

weiterentwickelt, zeigt, dass man es mit schwäbischer

Beharrlichkeit besser nicht aufnehmen sollte. Ob unkooperative

Entsorgungsunternehmen oder skeptische

Mitarbeiter: Mit der richtigen Strategie konnte

Wölz mittelfristig jedes Problem lösen, wenn man sich

auch mehr gesellschaftliches Engagement für die Umwelt

wünschen würde.

»Geld verdienen können wir mit Umweltschutz

nicht, aber wir haben doch alle Kinder und eine

Schutzverantwortung für unsere Umwelt«, verdeutlicht

Wildner. Ohne die eigene Bereitschaft, etwas für

die Umwelt zu tun, könne eben nichts verändert werden.

Bei Wölz sei das durch eine Inhaberfamilie gegeben,

die dem Thema Nachhaltigkeit aufgeschlossen

gegenüber steht und nicht den monetären Betrag, son-

47


Energiezukunft

Lautlos und für

Bewegungsmuffel:

Transportfahrräder sind auf

dem Firmengelände von

Wölz im stetigen Einsatz

Links: Sortenreine Lagerung

von wiederverwendbaren

Verpackungsmaterialien

Rechts: Holz als wichtiger

und regenerativer

Verpackungswertstoff

Fotos: oberlandALTERNATIV, Wölz

dern die ökologische Verantwortung in den Mittelpunkt

stellt. Gerade in einer konjunkturell starken

Phase mit vollständiger Marktausschöpfung, in der

mit dem eigenen Geschäft gutes Geld verdient wird,

sei es eben nicht angebracht, beim Thema Umweltschutz

jeden Euro umzudrehen, so Wildner, sondern

sich zu fragen: »Was können wir vernünftigerweise

tun, um einen Beitrag für die Zukunft zu leisten?«

Stellschrauben fürs große Ganze

An Ideen, wie der Betrieb nachhaltiger arbeiten

kann, mangelt es bei Wölz nicht. Es sind viele kleine

Stellschrauben, an denen das Team täglich dreht, um

etwas am großen Ganzen zu verändern. Das Schöne

dabei ist, dass diese kleinen Maßnahmen schnell für

Erfolgserlebnisse sorgen, auch, wenn sie auf den ersten

Blick unbedeutend erscheinen mögen. So etwa der

Verzicht auf mehrfache Printexemplare von Systemkatalogen,

die nun nicht mehr jeder Planer auf seinem

Schreibtisch stehen hat, sondern der zentral gelagert

und für alle zugänglich ist. Oder ökologisch verträgliche

Putzmittel, die eigentlich ein Selbstläufer sein sollten:

»Aber es dauert, bis wir die letzte Chemiekeule

hier aus dem Haus heraus haben«, erklärt Wildner lachend.

Holzlatten als Lagerpuffer zwischen Profilen

anstelle von Kunst- oder Schaumstoffen, Mülltrennung

in Sozialräumen, Umstellung von Plastikflaschen

auf Glasflaschen, recycelbare Verpackungen,

Hybrid- oder Elektrofahrzeuge – es sind viele kleine

Bausteine.

Seit Kurzem gibt es auch ein übergeordnetes

Nachhaltigkeitskonzept. Ein Logo soll zeigen, dass es

dem Familienbetrieb wirklich ernst damit ist, nur Produkte

zu verwenden, die ökologisch sinnvoll sind, und

so viel wie möglich zur Einsparung von Emissionen

beizutragen.

Das Konzept basiert auf den drei Säulen Ökologie

– Ökonomie – Soziales. In elf Schritten legt der Betrieb

darin seine Guideline fest: von der Ist-Aufnahme der

Wertstoffe und Abfälle über die Dokumentation der

Abfall- und Wertstoffe, die Sensibilisierung aller Mitarbeiter,

die Integration der Maßnahmen in die Geschäftsprozesse,

die Senkung von Energieverbrauch

und CO 2 -Ausstoß, bis zur Vermeidung von Verbund -

48


Wiederverwendbare

Transportgestelle für

Fenster- und Türprofile

Eine gelebte Teamkultur und

eine funktionierende

Kommunikation zwischen

Fertigung und Planung

werden bei Wölz

großgeschrieben

stoffen, Mülltrennung und der vollständigen Umstellung

auf umweltfreundliche Produkte und Lieferanten.

Ökologisch Denken

Die Technikphilosophie wusste es lange, doch es

hat ein paar Jahrzehnte gedauert, bis die Erkenntnis in

die Industrie durchgesickert ist: Ökologisches Denken

geht umweltfreundlicher Technik voraus. Und so ist

die eigentlich einfachste Aufgabe heute die zugleich

schwerste und zentralste: Menschen zu einem ökologischen

Bewusstsein zu motivieren.

Auch bei Wölz sei die Bereitschaft für ökologisches

Engagement oft nur durch zähes Ringen erreichbar,

erklärt Wildner. Unbezahlter Mehraufwand, um

eine bessere Mülltrennung auf der Baustelle möglich

zu machen? Was zu Hause selbstverständlich ist, ist für

den Betrieb mit großem Motivationsaufwand verbunden,

und sei es nur die Aufgabe, Baustoffmüll wie Folien,

Dämmstoffreste oder Glasbruch auf der Baustelle

in unterschiedliche Säcke zu packen.

Für Wildner sind die Konsequenzen dieser Einstellung

absehbar und eigentlich vermeidbar, dass der

Staat irgendwann mit Strafen arbeiten muss, weil die

freiwillige Bereitschaft nicht stark genug war. Aufgeben

kommt für den Betrieb aber nicht infrage, und so zielt

die neue Strategie eher darauf ab, Anreize zu bieten.

Emissionsfreie Mobilität

Gokart-Feeling, unmittelbare Kraftentfaltung

und lineare Beschleunigung: Das Nutzen von E-Fahrzeugen

bietet einen ganz eigenen Spaßfaktor, von dem

sich die Mitarbeiter bei Wölz überzeugen durften. Ein

Probefahrzeug des E-Smarts sollte die Lust auf elektrischen

Mobile wecken, und das hat super funktioniert.

Und zwar so gut, dass seit Ende April des letzten

Jahres 13 E-Smarts den Fuhrpark des Betriebes erweitern.

Die Mitarbeiter können damit nun auf Geschäftstermine

flitzen oder emissionsfrei zur Arbeit

und zurück pendeln.

Sowas kommt an bei den Beschäftigten, die ausnahmslos

»extrem positiv überrascht« waren. Und das

kann sich tatsächlich auch betriebswirtschaftlich rechnen,

denn ökologische Investitionen sieht das Führungsteam

von Wölz auch als Maßnahmen in die ei-

49


Energiezukunft

Mit den E-Smarts stromern

die Mitarbeiter

emissionsfrei zur Arbeit

gene Zukunft. »Für uns ist es in Anbetracht unseres

schnellen Wachstums immer schwieriger geworden,

ortsansässige Mitarbeiter zu gewinnen. Da sehen wir

Elektromobilität und Öko-Strategie als interessantes

Paket, um uns als Arbeitgeber auch jenseits der reinen

Lohntüte interessant zu machen«, ist Wildner überzeugt.

Ein hoher Kostenfaktor bei der Umstellung auf

Elektromobilität ist der Bau von Ladesäulen. Auch

Wölz rechnete die 35.000 Euro Investition hin und her

und entschied sich schließlich für die pfiffige Schlosser-Lösung

Marke Eigenbau. Neben zwei professionellen

Schnellladesystemen, die den E-Smart in etwa drei

Stunden laden, fertigte der Betrieb selbstgebaute Säulen

mit herkömmlichen, abschließbaren Steckdosen.

Hier liegt die Ladezeit bei sechs Stunden.

Für seine Service-Fahrten stellt Wölz derzeit zudem

seine Kleintransporter-Flotte auf VW Caddy mit

Gasantrieb um. Diese bieten eine Reichweite von mehr

als 600 Kilometern und schnelle Betankungszeit und

sind damit problemlos integrierbar. Die große Masse

an Auslieferungen fährt der Betrieb übrigens per Spedition,

im Unternehmen ist nur ein mittelgroßer Lkw

mit etwa zehn Tonnen im Einsatz.

Photovoltaik-Systeme

Mit dem Thema Photovoltaik hat die Öko-Strategie

des Unternehmens vor vielen Jahren angefangen.

»Auch heute werden wir immer noch begeistert von

Kunden darauf angesprochen, dass wir letztlich auf jedem

Hallendach PV installiert haben. Aktuell produzieren

wir annähernd das Doppelte unseres inhäusigen

Stromverbrauchs«, erzählt Wildner. Die Anlagen

auf den alten Hallendächern sind anhand der Einspeisevergütung

klar kalkuliert worden und arbeiten heute

teils schon gewinnbringend. Die neugebaute Halle ist

zu einhundert Prozent auf die Eigennutzung des

Stroms konzipiert, bevor Überschüsse ins Netz eingespeist

werden.

In Kombination mit der Umstellung auf Elektromobilität

ergeben sich noch weitere Möglichkeiten,

zumal die 13 E-Smarts nicht das Ende der Umstellung

sein sollen. Wenn es gut läuft, will der Betrieb weitere

Fahrzeuge anschaffen und auch auf eine intelligente

Steuerung und Speicherung der akkubetriebenen

Fahrzeuge umrüsten.

Entsorgung als Kreislauf

Völlig unverständlich ist für Wildner das Verhalten

der regional ansässigen Entsorgungsbetriebe. Es

gibt keinerlei Bereitschaft, den Baustellenmüll getrennt

anzunehmen und im Sinne der Kreislaufwirtschaft

zu recyceln. Vielmehr hält man an dem überkommenen

Modell fest, alles in einen Sack zu stecken

und der Verbrennung zuzuführen. »Der Containerinhalt

sieht einfach erschreckend aus, gerade weil man

so viele Stoffe darin findet, die im Privatleben schon

längst am Wertstoffhof entsorgt werden«, erklärt

50


Wildner nachdrücklich. Selbst mit der Bereitschaft, einen

höheren Betrag für die Entsorgung zu zahlen,

konnte der Betrieb die Müllverwertungsunternehmen

nicht ködern. »Wir wollen uns nicht mehr von der regionalen

Abfallwirtschaft diktieren lassen, ob wir die

Folie verbrennen oder recyceln lassen können. Jetzt

planen wir die Einrichtung eines eigenen Wertstoffhofes

auf dem Betriebsgelände.«

Derzeit gibt es schon Container für behandeltes

und unbehandeltes Holz, Aluminium und Aluminium-Kunststoff-Verbund,

Stahl, Glasbruch, Kunststoff

und Kartonagen, die über das gesamte Betriebsgelände

verteilt sind.

Auf dem eigenen Wertstoffhof soll jetzt eine zentrale

Lager- und Weiterverwertungsstelle entstehen.

Europaweit sucht der Betrieb nach Entsorgern, die die

einzelnen Stoffe als Wertstoffe entgegennehmen. Aluabschnitte

werden über ein A.U.F.-zertifziertes Unternehmen

entsorgt, um innerhalb der Kreislaufwirtschaft

zu verbleiben. Und in den Niederlanden hat

man beispielsweise einen Betrieb gefunden, der die

Folie als Wertstoff annimmt und weiterverarbeitet.

»Wir wollen große Pressen anschaffen, mit denen wir

das Material in Würfel pressen und anschließend per

Lkw verfahren können«, erzählt Wildner.

Auch auf seine Lieferanten will das Unternehmen

Druck machen. Sie sollen in Zukunft nach der Verpackung

differenziert werden und bei ähnlichen Rahmenbedingungen

wie Liefergeschwindigkeit und Preis

bevorzugt werden. Zudem kann der Familienbetrieb

dank seiner Größe viele Waren in Großverpackungseinheiten

mit Mehrwegboxen beziehen, die nach Entleerung

zum Hersteller zurückgehen. Auch selbstgefertigte

Lagergestelle sind bei Wölz im Einsatz, und

wer über das Betriebsgelände geht, findet überall

Holzlager. So kommen spezielle Holzklötzchen zum

Schutz der Beschläge bei Tür- und Fensterrahmen

zum Einsatz und Latten als Trennmaterial zwischen

den einzelnen Rahmen.

Initiative für und von Mitarbeitern

»Initiative zeigen« wird bei Wölz aber nicht nur

von oben nach unten gelebt, sondern findet in gleicher

Weise anders herum statt. Dem Metallbauunternehmen

ist eine gute Kommunikation mit offenen Türen

wichtig. Jeder kann jederzeit mit seinen Problemen,

Verbesserungsvorschlägen und Ideen kommen. Es sei

ein Vorteil der verstreuten Hallen, dass Mitarbeiter öfter

einmal durch den gesamten Betrieb laufen müssen,

um sich Informationen zu holen oder weiterzugeben.

»Und das ist ausdrücklich gewünscht, dass die Leute

bei uns miteinander reden.« Auch für die Mitarbeiterbindung

spielt das eine immer wichtigere Rolle, ist

Wildner überzeugt. »Wir sagen lapidar: Wer bei uns

das erste Jahr übersteht, bleibt für sehr lange. Und das

hat auch ganz entscheidend mit dem zu tun, was wir

als Unternehmen für unsere Mitarbeiter und unsere

Umwelt tun.«

Dr. Jona van Laak

Prokurist Steffen Wildner

an der Elektrotankstelle

Marke Eigenbau in

Schlosser-Qualität

51


Meldungen

Zusammen zur Klimaneutralität

Martin Sambale, Geschäfts -

führer eza! (zweiter von links)

mit fünf Gründungspartnern bei

der Auftaktveranstaltung (v.l.):

Dietmar Wolz (Inhaber Bahnhof-

Apotheke Kempten), Stefan

Fredlmeier (Tourismusdirektor

Füssen), Thomas Kiechle (Ober -

bürgermeister der Stadt Kemp -

ten), Nikolaus Pfister

(Geschäfts führer Swoboda) und

Andreas Eggensberger,

(Geschäftsführer Biohotel

Eggensberger)

Das neue Jahr bringt ein neues

Bündnis hervor und dieses verfolgt

– unter der Schirmherrschaft von

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für

wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung – ein ambitioniertes

Ziel: Das Allgäu soll bis zum Jahr

2030 klimaneutral sein. Die Auftaktveranstaltung

fand am 17. Februar

im Gründerzentrum Allgäu Digital

statt und war mehr als gut besucht.

Zahlreiche Vertreter aus Politik und

Wirtschaft wollten mehr über das

Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030

erfahren und einige sind dem auch

direkt beigetreten.

Leitgedanke ist, dass sich alle teilnehmenden

Unternehmen, Vereine,

Institutionen und Kommunen

dazu verpflichten, schrittweise bis

spätestens zum Jahr 2030 klimaneutral

zu sein. Dabei liegt der

Schwerpunkt auf der Reduktion der

CO 2 -Emissionen durch mehr Energieeffizienz

und dem stärkeren Einsatz

von erneuerbaren Energien.

Darüber hinaus sollen unvermeidbare

Restemissionen durch hochwertige,

zertifizierte Projekte, die

entsprechend CO 2 einsparen, kompensiert

werden. Diese Projekte, in

der Regel in Entwicklungsländern,

sollen vor Ort neben der CO 2 -Einsparung

auch die soziale und wirtschaftliche

Entwicklung des jeweiligen

Landes positiv beeinflussen.

Auch eine Komponente zur Förderung

regionaler Projekte ist geplant.

Foto: Claudia Schöwe

Hat sich beispielsweise ein Unternehmen

dazu entschlossen, dem

Bündnis beizutreten, wird im ers -

ten Schritt eine CO 2 -Bilanz zur Ist-

Analyse erstellt, die jährlich aktualisiert

wird. Als Bündnispartner ist

das Unternehmen dann verpflichtet

– ausgehend von der Startbilanz –

die Emissionen jährlich um zehn

Prozent zu senken. Beim Start im

Jahr 2020 müssen daher im ersten

Jahr zehn Prozent der Emissionen

kompensiert werden, im Jahr 2021

20 Prozent und so weiter bis

schließlich im Jahr 2029 100 Prozent

der Emissionen kompensiert

werden. Des Weiteren sind höhere

Kompensationsleistungen möglich,

wenn das Unternehmen es will.

Auch die sofortige Klimaneutralität

ist denkbar.

Das Bündnis und die Bereitschaft

der Allgäuer Kommunen und Unternehmen

zeigt deutlich, dass unsere

Region immer mehr zum Vorreiter

in Sachen Klimaschutz wird

und hier erkannt wurde, dass Taten

mehr zählen als Worte.

Wer Interesse hat, mehr erfahren

oder gleich beitreten will, erhält

weitere Informationen beim Energie-

und Umweltzentrum Allgäu

unter www.eza-allgaeu.de/kommunen-unternehmen/buendnis-klimaneutrales-allgaeu-2030

Solarkataster Kempten

Seit Anfang Februar können die

Einwohner der Residenzstadt nun

online überprüfen, ob sich ihr

Hausdach für eine Photovoltaikoder

Solarthermieanlage eignet

und sie vielleicht bald ihren eigenen

Strom aus Sonnenenergie produzieren

und nutzen können. Die

Vorgehensweise ist denkbar einfach:

Im ersten Schritt wird im

Suchfeld die eigene Adresse eingegeben,

alternativ kann man auch

auf das Gebäude klicken. Daraufhin

öffnet sich ein Fenster, das einem

die Sonneneinstrahlung auf

dem Gebäude anzeigt und einem

auch gleich mitteilt, wie gut sich das

Dach für eine Solar- oder Solarthermieanlage

eignet. Stimmen die

Bedingungen, kann man gleich

eine Anlage konfigurieren und sich

die zu erwartenden Erträge ausrechnen

lassen. Abschließend erhält

man die Ergebnisse als PDF in

einer Übersicht – damit hat man

eine Planungsgrundlage, mit der

man sich an einen Fachmann wenden

kann.

Weitere Informationen unter

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52


Meldungen

Kommunen für Klimaschutz ausgezeichnet

Bayerns Umweltminister Thorsten

Glauber hat im November des letzten

Jahres in Lindau den European

Energy Award (eea) für bayerische

Kommunen verliehen. Dem Gastgeber

wurde dabei eine besondere

Ehre zuteil. Dank der herausragenden

Leistungen in der kommunalen

Klimaschutz- und Energiepolitik

erhielt die Stadt Lindau den eea in

Gold. Auch der Markt Scheidegg

erreichte die höchste eea-Stufe.

Glauber überreichte zudem den

Vertretern der Gemeinden Wiggensbach,

Altusried, der Stadt Bobingen

sowie den Landkreisen Dillingen

a.d. Donau, Oberallgäu und

Regensburg den European Energy

Award. Beim Festakt betonte der

Umweltminister die Bedeutung der

Kommunen beim Thema Klimaschutz.

Der eea ist ein europäisches

Qualitätsmanagement-Programm,

das sich in zahlreichen Kommunen

als wichtiges Hilfsmittel für eine

kontinuierliche und tatsächlich

nachhaltige Energie- und Klimaschutzpolitik

bewährt hat. Er bietet

den teilnehmenden Städten, Gemeinden

und Landkreisen Begleitung

und Beratung bei der Planung

und Realisierung von energie- und

klimaschutzpolitischen Zielen und

(vordere Reihe von links): Leo Schrell (Landrat Land kreis Dillingen), Ulrich Pfanner (1. Bürgermeister von Scheidegg,

Dr. Gerhard Ecker (Oberbürgermeister der Stadt Lindau), Tanja Schweiger (Landrätin des Landkreises Regensburg),

Umweltminister Thorsten Glauber, Joachim Konrad (1. Bürgermeister von Altusried). (hintere Reihe von links):

Roman Haug (stellvertre tender Landrat des Landkreises Oberallgäu), Martin Sambale (eza!-Geschäftsführer),

Bernd Müller (1. Bürgermeister der Stadt Bobingen), Leonard Meyer (eea-Bundesgeschäftsstelle) und Christian

Oberhaus (2. Bürgermeister von Wiggensbach)

Maßnahmen. Bei einer erfolgreichen

Teilnahme winkt die Auszeichnung

mit dem begehrten

Award. Dafür müssen 50 Prozent

der für die Kommune möglichen

Punkte in den verschiedenen

Handlungsfeldern erreicht werden.

Bei 75 Prozent aller möglichen

Punkte winkt der goldene Preis. Zu

den Handlungsfeldern zählen:

Raumordnung und kommunale

Entwicklungsplanung, kommunale

Gebäude und Anlagen, Versorgung

und Entsorgung, Mobilität, interne

Organisation sowie Kommunika -

tion und Kooperation zur Einbindung

von Bürgern, Unternehmen

und weiteren Akteuren.

Foto: eza!

Spitalhof in Kempten erhält hohe Förderung

Die Landwirtschaft Bayerns kann

kräftig investieren, fließen doch fast

4,5 Millionen Euro über den Nachtragshaushalt

2020 zusätzlich in die

Landwirtschaft. Über 800.000 Euro

Förderung darf sich der Spitalhof in

Kempten freuen. Dieser ist seit 1918

Ausbildungsstätte für die Milchviehhaltung

im Allgäu. Seit 1997

wird der landwirtschaftliche Betrieb

des Milchwirtschaftlichen Vereins

Allgäu-Schwaben für die überbetriebliche

Aus- und Fortbildung im

Rahmen einer Kooperation genutzt.

Die regionalen Gegeben heiten des

Allgäus bestimmen die Futtererzeugung

für die Milchviehhaltung

und fließen in Ausbildung und Forschung

ein. »Das sind gute Nachrichten

für das Lehr-, Versuchsund

Fachzentrum für Milchviehhaltung,

Grünland und Berglandwirtschaft

am Spitalhof und fürs

ganze Allgäu«, freut sich Alexander

Hold, Vizepräsident des Bayerischer

Landtages und Landtagsabgeordneter

der FREIEN WÄHLER

aus Kempten. Durch den Vorzeigestall

kann die Bevölkerung unmittelbar

über das Thema Milchvieh

und zukunftsfähige Tierhaltung informiert

werden. »Vor allem in

Zeiten, in denen – leider – immer

wieder in den Medien Horrormeldungen

von Missständen das Vertrauen

der Bevölkerung in die

Landwirtschaft, vor allem in die

Tierhaltung erschüttern, ist es

wichtig, ein Signal zu setzen, dass

das absolute Gros der Landwirte

sich ausnahmslos dem Tierwohl

verpflichtet fühlt. Hier leistet natürlich

ein Vorzeigestall wie der

Spitalhof in Kempten wertvolle Informationsarbeit.«

53


Meldungen

Die Retter brauchen Hilfe

Die Foodsaver Allgäu in Kempten

retten Lebensmittel. Alles, was

noch appetitlich und verzehrbar ist,

wandert in den kleinen Shop statt

in die Tonne. Dort kann sich jeder

Lebensmittel mitnehmen. Viele lokale

Unternehmen unterstützen die

ehrenamtlichen Foodsaver und

stellen ihnen Waren zur Verfügung,

die sie nicht mehr verkaufen und

aus Platzgründen wegwerfen würden.

Mittlerweile hat diese »Essensrettende

Initiative« jedoch so viel

Zulauf, dass der kleine Verein ex-

pandieren muss. Bisher laden die

engagierten Helfer alles in ihre Privatfahrzeuge

– mehrmals täglich.

Doch mit den aktuellen großen

Mengen, die den Food savern angeboten

werden, ist das nicht mehr

möglich. Deswegen brauchen die

ehrenamtlichen Mitglieder dringend

einen größeren Transporter,

mit dem sie die zu rettenden Lebensmittel

in einer Tour einsammeln

können. Um das finanziell zu

stemmen, starteten sie eine

Crowdfundingkampagne auf Go-

FundMe und hoffen nun auf die

dringend benötigte Unterstützung.

Informationen zu der Kampagne

unter gofundme.com/foodsaver -

allgaeutruck

Info

Foodsaver Allgäu,

Herbst straße 22,

87439 Kempten,

E-Mail: kontakt@

foodsaverallgaeu.de

www.foodsaverallgaeu.de

Die Foodsaver helfen im

Kampf gegen die Lebens -

mittelverschwendung. Doch

nun brauchen die Essens -

retter selber Hilfe

Foto: Pixabay

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Meldungen

Auszeichnung für Green Ways to Work

Foto: Fred Schöllhorn

Der Förderverein KUMAS – Kompetenzzentrum

für Umwelt e.V.

zeichnet jedes Jahr drei vorbildliche

Projekte aus. Für das Jahr 2019 fiel

die Wahl der Jury unter anderem

auf den Wettbewerb Green Ways to

Work. Diesen hatte das Energieund

Umweltzentrum Allgäu (eza!)

im Sommer 2019 im Allgäu gestartet.

Dabei handelt es sich um einen

Wettkampf zwischen Unternehmen,

bei dem bewertet wird, wie

umweltfreundlich die Fahrten der

Mitarbeiter zum Arbeitsplatz zurückgelegt

werden. Je nach Verkehrsmittel

werden die zurück -

gelegten Kilometer als »Grüne Kilometer«

gezählt. Gewinner des

Wettbewerbs ist das Unternehmen

mit dem höchsten Anteil an »Grü-

Das eza!-Projekt Green Ways to Work ist als KUMAS-Leitprojekt 2019

ausgezeichnet worden. KUMAS-Geschäftsführer Thomas Nieborowsky (links)

und Joachim Knüpfer, 1. Vorsitzender von KUMAS (rechts) gratulieren eza!-

Geschäftsführer Martin Sambale (Zweiter von links) sowie den eza!-Projektleitern

Felix Geyer und Sebastian Hartmann

nen Kilometern« pro Mitarbeiter.

Mit der täglichen Erfassung über

eine Web-App und die Auswertung

über eine aktuelle Rangliste können

Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen

zu Änderungen ihres

Mobilitätsverhaltens motiviert werden.

Ein überzeugendes Konzept,

fanden die KUMAS-Juroren. Bei

der Premiere sammelten die Mit -

arbeiter der 16 teilnehmenden Firmen

über 213.000 Grüne Kilometer.

Wären diese im Pkw zurückge-

legt worden, hätten die Autos über

45 Tonnen CO 2 ausgestoßen. Bei

der Neuauflage in diesem Jahr (11.

Mai bis 24. Juli) sollen es nochmals

deutlich mehr teilnehmende Unternehmen

werden. Der Wettbewerb

wird dann auf ganz Schwaben und

angrenzende Regionen ausgeweitet.

Ziel sind laut eza!-Geschäftsführer

dann 50 bis 60 teilnehmende Unternehmen.

Weitere Infos zum Projekt unter

www.green-ways-to-work.de

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Meldungen

Ab Oktober gibt es an der

Professional School of Business

& Technology der Hochschule

Kempten einen neuen Studien -

gang, der Beruf, Studium und

Privatleben vereinbart

Neben dem Beruf zum Bachelor

in Wirtschaftsingenieurwesen

Foto: Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten

Den beruflichen Karriereweg beschreiten

und gleichzeitig einen

akademischen Abschluss erlangen?

Ab Oktober 2020 ist das an der Professional

School of Business &

Technology der Hochschule Kempten

möglich – mit dem berufs -

begleitenden Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen

(BWING). »Der

BWING eignet sich ideal für alle

Personen, die sich sowohl für technische

als auch betriebswirtschaftliche

Aspekte interessieren.

Von Vorteil ist es, wenn man bereits

an einer Schnittstelle zwischen diesen

beiden Bereichen arbeitet, das

ist aber kein Muss. Auch Neueinsteiger

in das Themengebiet sind

bei uns willkommen«, so Studiengangsleiterin

Prof. Dr. Gabriele

Schäfer. Ein besonderes Augenmerk

liegt auf der Vereinbarkeit

von Beruf, Studium und Privat -

leben. Aus diesem Grund finden

die Präsenzveranstaltungen circa

einmal pro Monat komprimiert

von Freitag bis Sonntag statt – so

bleibt zumindest ein Teil der kostbaren

Urlaubstage erhalten.

Die Berufsperspektiven für Wirtschaftsingenieure

sind sehr gut –

gefragt sind Persönlichkeiten, die

sich sowohl mit technischen als

auch betriebswirtschaftlichen Sachverhalten

auskennen und beides

miteinander verbinden können.

Diese ganzheitliche Sicht wird im

BWING erlernt und gefördert. Zusätzlich

vermittelt das Studium persönliche

und soziale Kompetenzen

– was gerade für spätere Führungskräfte

unerlässlich ist.

Bei Fragen kann man sich direkt

bei Birgit Kollmann melden.

Tel.: 0831/2523-9581

E-Mail: birgit.kollmann@

hs-kempten.de, www.hskempten.de/weiterbildung

Informativ und plakativ

Die sogenannten Kundenstopper vermitteln

durch ihre bildliche Darstellung die Thematik von wild

abgelagertem Müll auch über Sprachbarrieren hinweg

Foto: Amt für Technischen Umweltschutz Memmingen

Sie stehen im Weg und informieren

bildlich. Die sogenannten Kundenstopper,

die mittlerweile an 20

Wertstoffinseln von der Stadt

Memmingen aufgestellt wurden,

zeigen Wirkung. So konnte die

Durchschnittsmenge von wild abgelagertem

Müll von 17 Tonnen

pro Monat (Zeitraum der vorherigen

15 Monate) auf 9,5 Tonnen

verringert werden. Seit Mitte März

2019 stehen die Plakate nun an 20

der insgesamt 50 Wertstoffinselstandorten

und sorgen für mehr

Ordnung. Immerhin konnte ein

Rückgang von minus 44 Prozent

seit der Aufstellung verzeichnet

werden. »Ein großer Erfolg«, wie

Dietmar Hörberg, Amtsleiter Technischer

Umweltschutz, begeistert

berichtet. »Die Plakatständer stehen

förmlich im Weg und sind

nicht zu übersehen. Durch die

bildliche Darstellung wird die Thematik

auch über Sprachbarrieren

hinweg vermittelt, was ein großer

Vorteil ist.«

Aufgrund der durchweg positiven

Rückmeldungen und guten Erfahrungen

werden die Plakatständer

auch zukünftig an den Wertstoff -

inseln positioniert bleiben.

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Foto: Landkreis Lindau/Steffen Riedel

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Aktionen zur solaren

Nutzung begehrt

Um den Ausbau der erneuerbaren

Energien, insbesondere der Photovoltaik

zu fördern, hat der Landkreis

Lindau die Kommunen 2018

mit der Einrichtung eines sogenannten

Solarpotenzialkatasters

unterstützt. Mit diesem Kataster hat

jeder Landkreisbürger die Möglichkeit,

das individuelle Potenzial der

Solarenergie auf seinem Dach auszurechnen.

Waren es im ersten Jahr

1535 Zugriffe auf das Kataster, wurden

2019 knapp 2000 Zugriffe verzeichnet.

Zudem konnten sich im

letzten Jahr Interessierte in acht

Kommunen kostenlos zur Solarnutzung

beraten lassen. Die Solarkampagne

»Check Dein Dach« gab

es in Wasserburg, Opfenbach,

Scheidegg und in der Stadt Lindau

sowie den Argentalgemeinden Maierhöfen,

Grünenbach, Gestratz und

Das Interesse für Solarkraft ist in

Lindau auf jeden Fall vorhanden –

das belegen die Zahlen eindrucksvoll

Röthenbach. Der Landkreis Lindau

hat die professionellen Beratungen

mit 2000 Euro pro Gemeinde bezuschusst.

Und die Beratungen kamen

gut an. »Die Resonanz war so groß,

dass das ursprüngliche Beratungskontingent

von 190 kostenfreien

Beratungen auf insgesamt 290 aufgestockt

wurde«, freut sich der

Klima schutzmanager Steffen Riedel

über den Erfolg der Aktion. Der

Landkreis Lindau wird deshalb

heuer nicht nur »Check Dein

Dach« weiter unterstützen, sondern

auch die Aktion »Check Dein

Haus« ,bei der Energieberater das

ganze Haus analysieren.

57


Meldungen

Mehr Mehrweg im Unterallgäu

Foto: Stefanie Vögele/Landratsamt Unterallgäu

Das Pfandnetz für Mehrwegbecher

im Unterallgäu wächst: Mitte Januar

haben sich alle Shell-Tankstellen

in Deutschland dem Pfandsystem

der Firma Recup angeschlossen.

Mit den Shell-Tankstellen in Babenhausen,

Erkheim und Mindelheim

gibt es im Landkreis Unterallgäu

damit nun elf Anbieter, die den

Kaffee im Mehrwegbecher von Recup

verkaufen: die Bäckereien

Böhm (Sontheim), Fäßler (Mindelheim),

Kaiser (Bad Wörishofen),

Die Recup-Becher sehen

nicht nur gut aus, sie helfen

auch bei der Müllvermei -

dung. Im Unterallgäu gibt

es nun drei neue Anbieter

des Mehrwegbechers

Mayer (Rewe Legau), Sonntag (Legau)

und Schützenbäck (Erkheim),

die Konditorei Gerle (Ottobeuren)

und die Cafeteria der Klinik Mindelheim.

Den Becher gibt es gegen

ein Pfand von einem Euro und er

kann bei jeder Recup-Verkaufsstelle

wieder zurückgegeben werden.

Gleichzeitig ist der Kaffee im Mehrwegbecher

teilweise sogar günstiger

als der im Einwegbecher.

Das Pfandsystem von Recup gibt es

im Landkreis Unterallgäu bereits

seit 2017. Das Unternehmen Recup

hat das Ziel, Einwegbecher für Kaffee

in Deutschland komplett abzuschaffen.

Insgesamt gibt es deutschlandweit

bereits über 4700 Ausgabestellen

für Recup-Becher. Alle

Verkaufsstellen findet man im Internet

unter www.app.recup.de

Hohe Zuschüsse für Heizungstausch

Foto: H.-J. Spindler/pixelio.de

Wer seine alte Heizung ersetzt,

kann seit Anfang 2020 höhere Zuschüsse

erhalten. Fast die Hälfte der

Kosten fürs neue Heizsystem übernimmt

der Staat im günstigsten Fall

– der Höchstsatz liegt bei 45 Prozent.

Der Umstieg von Gasheizungen

auf Anlagen, die ausschließlich

erneuerbare Energien nutzen, wird

mit 35 Prozent bezuschusst. Das

gilt etwa für Wärmepumpen oder

Holzpelletkessel, mit oder ohne

Unterstützung durch Solarwärme

vom Hausdach. Einen Zuschuss

von 30 Prozent gibt es für neue

Gasheizungen, die mit erneuerbaren

Energien kombiniert werden.

Bei diesen Hybridheizungen ist die

zusätzliche Einbindung einer Solarwärmeanlage

oder auch einer Wärmepumpe

möglich. Die Fördersätze

erhöhen sich noch um zehn Prozent,

wenn das alte System keine

Gas-, sondern eine Ölheizung war.

Wer jetzt einen neuen Gaskessel so

installiert, dass er innerhalb von

zwei Jahren erneuerbare Energien

einbezieht, erhält immerhin noch

einen Zuschuss von 20 Prozent.

Das bedeutet, dass Wärmespeicher

und Steuerung für eine Solarwärmeanlage

bereits eingebaut werden.

Hilfe bei der Vorbereitung eines

Heizungsaustauschs und Tipps zu

Fördermitteln gibt die Energieberatung

der Verbraucherzentrale Bayern.

Die Standorte sind unter

www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

zu finden. Termine

können unter der kostenlosen Telefonnummer

0800/809802400 vereinbart

werden.

Wer seine alte Heizung gegen

eine neue tauscht und auf

erneuerbare Energien setzt,

der kann bares Geld sparen

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Foto: Pixabay

Der Wettbewerb des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie soll Anreize für

Unternehmen schaffen, um CO 2 einzusparen

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Stefan Köberle erreichen Sie unter

Telefon: 08321/6606-64

E-Mail: saw.holzpellets@baywa.de

oder kostenlos unter

der Bestellhotline: 0800 5 611 111

Wettbewerbsfähigkeit –

einmal anders gedacht

Fördermaßnahmen für mehr Energieeffizienz

in Unternehmen hat es

schon einige gegeben, aber jetzt geht

das Bundesministerium für Wirtschaft

und Energie ganz neue Wege.

Ein Förderwettbewerb soll Anreize

schaffen, in Verfahrensumstellungen

auf effiziente Technologien oder

in andere energetische Optimierungen

zu investieren. Der »Wett -

bewerb Energieeffizienz«, der im

April 2019 mit der ersten Bewerbungsphase

startete, wird nun jährlich

in mehreren Runden zur Teilnahme

einladen und die besten Projekte

mit För dermitteln belohnen.

Eine Art »Deutschland sucht den

Super-Sparer« für Betriebe sämtlicher

Rechtsformen, vom Familienunternehmen

bis zum großen Industriekonzern.

Hier geht es um es-

sentielle Beiträge zu Klimaschutz

und Ressourcenschonung. Maßgeblich

für die Förderbewilligung

ist die sogenannte Fördereffizienz,

also das Verhältnis von beantragter

Fördersumme zur erwarteten CO 2 -

Einsparung. Aus diesem Kriterium

ergibt sich ein Ranking, von dessen

Spitzenplatz absteigend alle Projekte

gefördert werden – bis das Budget

für die jeweilige Runde erschöpft

ist.

Unternehmen, die dann leer ausgehen,

können aber zum nächsten

Stichtag ihren Antrag erneuern. In

der Wahl der energetischen Maßnahmen

sind die Antragsteller

weitgehend frei.

Weitere Informationen zum Wettbewerb

unter www.wettbewerbenergieeffizienz.de

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59


Unternehmen

Die Eisarena in Kaufbeuren

ist eine Referenz des

Beleuchtungsherstellers

Ein strahlendes Beispiel

Allgäuer Leuchtenhersteller als Vorbild

Bereits 2010 setzten die beiden Gründer von AS LED Lighting, Andreas

Thum und Stefan Kirner, auf den sich abzeichnenden Megatrend »LED-

Technologie«. Seitdem verfolgen sie konsequent ihre Vision einer äußerst

effizienten Beleuchtung höchster Qualität und Langlebigkeit, die regional

und umweltschonend entwickelt und produziert wird.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens hat der

LED-Beleuchtungshersteller aus Penzberg zu

seinem Gründungstag – am 8. Januar – zum

Gipfeltreffen im Schneefernerhaus auf der Zugspitze

eingeladen. Der Veranstaltungsort wurde ganz bewusst

gewählt, denn dort funktionieren von Firmenbeginn

an die Leuchten von AS LED Lighting. Markus

Neumann, Geschäftsführer vom Schneefernhaus,

nutzte auch gleich die Gelegenheit, in einem Vortrag

die lange Lebensdauer und Robustheit der Leuchten

hervorzuheben – im Gegensatz zu vielen anderen

elektronischen Einrichtungen und Geräten, die aufgrund

der extremen Höhenlage frühzeitig aussteigen.

Stefan Kirner, einer der beiden Geschäftsführer

des Leuchtenherstellers, hielt ebenfalls einen Vortrag

mit dem Titel »Im Kreislauf entwickelt, produziert

und vermarktet« und gab damit konkrete Praxisbeispiele

für eine verantwortungsvolle und nachhaltige

Produktionsentwicklung und Unternehmensführung.

Regional und ressourcenschonend

So vollzieht sich die Produktion der AS LED

Leuchten zum größten Teil in der Region Schwaben,

und zwar in Augsburg und Pfronten im Allgäu. Beide

sind keine zwei Stunden Fahrt von der Zentrale in

Penzberg entfernt. So werden zum einen der Wirtschaftsstandort

Bayern gestärkt und zum anderen –

dank der kurzen Wege – die Umwelt geschont und

CO 2 -Emissionen reduziert.

60


Dazu kommt, dass der Beleuchtungshersteller

nicht nur regional, sondern auch nachhaltig und in

Kreisläufen produziert: Das Aluminium der Leuchtenkörper

kommt aus Kempten und besteht zu über 80

Prozent aus recyceltem Aluminium. Zudem ist Aluminium

das dritthäufigste chemische Element auf der

Erde und bietet hervorragende Materialeigenschaften

wie Wärmeabfuhr, Korrosions- und UV-Beständigkeit.

Damit besitzt es alle erforderlichen Eigenschaften für

langlebige Leuchten. Und dank seiner Recyclingfähigkeit

bleibt es lange im Wertekreislauf und kann ohne

Qualitätsverlust immer wieder verwendet werden.

Was lange hält, ist einfach gut

Im Gesamten erfolgt die Entwicklung der AS LED

Leuchten nach dem Prinzip Cradle-to-Cradle, also abfallvermeidend.

Das bedeutet, dass die Leuchten nach

Ablauf ihrer Lebensdauer – im Angebot sind Platinen

mit 72.000 bis 120.000 Stunden Lebensdauer – komplett

in ihre Bestandteile zerlegt und voll recycelt werden

können. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist bekanntermaßen,

dass mit LED-Beleuchtung per se 60

bis 80 Prozent Strom eingespart und damit einhergehend

CO 2 -Emissionen verringert werden können.

Fotos: AS LED Lighting

Davon profitieren auch das Hallenbad Jordanpark

in Kaufbeuren sowie die Eisarena. Beide gehören

zu den ersten Referenzen von AS LED Lighting und

sind – mit Ausnahme weniger Räume – komplett mit

Leuchtenfamilien des Allgäuer Unternehmens ausgestattet:

HCL und HPL Hallenstrahler in der Eishalle,

TGL Feuchtraumleuchten in Funktionsräumen, Gängen

und Umkleiden des Eisstadions sowie in der großen

Schwimmhalle des Hallenbades SHL Strahler am

Sprungturm in der Schwimmhalle.

Gerne würde das Penzberger Unternehmen mehr

Leuchten ins Allgäu bringen, aber leider wird bei der

Auftragsvergabe oft zu sehr auf den Preis und weniger

auf Qualität, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit geachtet.

Hier wünscht sich AS LED Lighting ein Umdenken,

auch in der Politik. Doch schon jetzt steht einer strahlenden

Zukunft nichts im Wege. Weitere Informationen,

auch zum Gipfeltreffen unter www.as-led.de (cs)

(v.l.): Stefan Kirner und

Andreas Thum, Geschäfts -

führer AS LED Lighting, mit

Markus Naumannn,

Geschäftsführer Schneefernerhaus

beim Gipfeltreffen

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61


Natur

Der Stadtwald von Immenstadt

ist ein Bergmischwald mit

Zukunft. Im Herbst des letzten

Jahres gewann er den

Staatspreis für vorbildliche

Waldbewirtschaftung

Preis für Immenstädter Wald

Breite Vielfalt in Nutzung und Pflege

Im Stadtwald von Immenstadt werden Arten- und Naturschutzaspekte in alle Bereiche der

Waldbewirtschaftung integriert. Trotz zahlreicher Naturschutzprojekte und Rücksichtnahme

auf touristische Anliegen arbeitet der städtische Forstbetrieb wirtschaftlich. Dazu tragen

die enge Kooperation mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten,

aber auch der Dialog mit lokalen Naturschutzverbänden bei. Aus diesen Gründen gewann

Immenstadt den Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung.

Der Stadtwald von Immenstadt im Allgäu muss

viele Funktionen erfüllen. Er dient als Schutzwald

und liefert wertvolles Holz. Er ist Naherholungsgebiet

und touristischer Anziehungspunkt.

Schließlich erfüllt er zahlreiche Naturschutzfunktionen.

Trotz teilweise schwieriger Bodenverhältnisse, einer anspruchsvollen

Topografie und einem hohen Fichtenanteil

im Ausgangsbestand gelingt der Umbau zu einem

zukunftsfähigen Mischwald.

Von der Allmendefläche zum Stadtwald

Der stete Wechsel von Wald- und Weideflächen

prägt das Landschaftsbild im Allgäu und macht es so

reizvoll. Daneben sind die vielen Übergänge von Wald

zu Offenland ein Schatz für die Artenvielfalt. Im 19.

Jahrhundert verfügte Immenstadt nur über einen kleinen

Stadtwald. Der Großteil der Flächen war die sogenannte

Allmende, die von den Bürgern gemeinschaftlich

genutzt wurde. Dabei kam es im Wald immer wieder

zu Raubbau. Als ein starkes Hochwasser im Juli

1873 die Stadt schwer traf und zahlreiche Todesopfer

zu beklagen waren, reagierten die Verantwortlichen. In

der Folge wurde der Steigbach technisch verbaut und

der Waldanteil um 40 Prozent erhöht.

»Man hatte erkannt, dass zu viele Rodungen verantwortlich

waren«, erläutert Gerhard Honold, Leiter des

Referats Forst und Naturschutz im Immenstädter Rathaus.

»Mittlerweile sprechen wir von Schutzwald und

hoffen, dass er erhalten bleibt«, ergänzt Dr. Ulrich Sauter,

Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft

und Forsten Kempten (Allgäu). In den 1920er-Jahren

löste die Stadt dann die Rechte an den Allmendeflächen

ab und wandelte sie zum Stadtwald um.

62


Fotos: Gerald Honold

Eine angelegte Blühfläche als Lebensraum für Eidechsen und

Ringelnattern mit einheimischen Blühpflanzen

Eine Möglichkeit für den Naturschutz ist der Nutzungs ver -

zicht von Biotopbäumen, wie hier im Bereich der

»Alpschachen«

Stadtförster Gerhard Honold

bringt Forstwirtschaft und

Naturschutz zueinander

Wald prägt das Stadtbild –

Bürger fordern Naturschutz

Der Immenstädter Bevölkerung ist der Stadtwald

mit seinen vielerlei Funktionen bis heute wichtig. In den

Nachkriegsjahren rettete eine Bürgschaft auf den Stadtwald

den Menschen in Immenstadt buchstäblich das

Leben. Bis in die 1950er-Jahre war der Forstbetrieb der

höchste Posten im städtischen Haushalt. Heute ist der

Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Oberallgäu,

der stark von einer intakten Natur profitiert.

Dies nutzt Stadtförster Honold in geschickter

Weise aus und bringt Forstwirtschaft und Naturschutz

zueinander. »Trotz touristischer Anliegen und schwieriger

Geländelagen weist der städtische Forstbetrieb

einen Gewinn aus«, erläutert Sauter. »Herr Honold

nutzt viele Möglichkeiten für den Naturschutz, etwa

durch gezielten Nutzungsverzicht von Biotopbäumen

oder die Anlage kleiner Biotopflächen.« Dabei nimmt

er staatliche Förderung gern in Anspruch.

Zusammenarbeit mit Umweltverbänden

Doch nicht nur mit der staatlichen Forstverwaltung

arbeitet Honold sehr gut zusammen, sondern

auch zu den Natur- und Umweltschutzverbänden

pflegt er gute Kontakte. »Meine Vorgänger lagen bisweilen

mit den Verbänden über Kreuz. Ich kooperiere,

rate dem Bürgermeister, keine Fronten aufzubauen

und auch mal Flächen für eine Patenschaft zu übergeben«,

beschreibt der Stadtförster sein Erfolgsrezept.

»Ja, wir tauschen uns gern aus«, ergänzt Sauter. »Das

gehört zum Selbstverständnis der Förster hier.«

Führungen und Exkursionen zum Beispiel von

Schulklassen stehen ebenfalls auf dem Programm im

Stadtwald. »Die Bürger stehen jedem Eingriff zunehmend

kritisch gegenüber«, weiß Honold. »Da müssen

viele Dinge erklärt werden.«

Bis vor etwa fünf Jahren war die Naturverjüngung

aufgrund der damaligen Jagdsituation problematisch.

Dann bewies der Stadtrat Rückgrat – wie es Honold

ausdrückt –, entschied sich für die Eigenbewirtschaftung

der städtischen Jagd und stellte einen forstlich

ausgebildeten Berufsjäger ein. Seitdem funktioniert

die natürliche Mischwaldverjüngung. Lediglich

die Weißtanne wird noch gelegentlich an Stellen gepflanzt,

an denen keine alten Samenbäume vorkommen.

Den Vorwurf eines zu hohen Jagddrucks weist

Honold zurück. Ihm geht es vielmehr darum, gute Lebensräume

für alle Arten zu schaffen. Rotwild beispielsweise

überwintert in einem rund 40 Hektar großen

Wintergatter.

Vorbild für integrierten Naturschutz

Naturschutzüberlegungen spielen bei allen Entscheidungen

im Stadtwald eine Rolle. »Schützen und

Nutzen« stehen nebeneinander. »Was im Volksbegehren

für mehr Artenvielfalt in Bezug auf den Wald

steht, das haben wir längst erfüllt«, erklärt Honold

nicht ohne Stolz. »Mir gefallen überlegt gesetzte Trittsteine

besser als ein Nationalpark.«

Es gibt eine Biotopkartierung. Zahlreiche Projekte

stehen für den Erhalt der Vielfalt. Dazu gehört die

Renaturierung von Hochmoorflächen ebenso wie das

Aufhängen von Nistkästen, die von Schülern oder

Lehrlingen gebaut werden. Zum Schutz des gefährdeten

Auerhuhns wurde ein wildbiologisches Lebensraumkonzept

erstellt, das in Balz-, Brut und Aufzuchtzeiten

beispielsweise Arbeitsruhe in sensiblen Waldbereichen

fordert.

Das Hutewaldprojekt »Allgäuer Eichelschwein«

versucht, eine traditionelle Kulturlandschaft zu erhalten.

»Eichen kommen hier von Natur aus nur sehr selten

vor«, erläutert Sauter. »Das Projekt knüpft an eine

mittelalterliche Nutzungsform an.« Die Eichelschweine

stehen nicht nur für eine historische Nutzung, sondern

sollen bei den Besuchern auch ein Bewusstsein

für Landnutzungsformen jenseits der modernen Viehhaltung

schaffen. »In Immenstadt gibt es viele Mosaiksteine,

die das große Ganze ausmachen. Aber man

muss wissen, wie es geht, und dies umsetzen«, lobt Bereichsleiter

Sauter.

Quelle: Bayerische Forstverwaltung, Broschüre zum

Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2019,

www.forst.bayern.de

Steckbrief Stadtwald:

Waldfläche: 1000 ha,

zusätzlich rund 400 ha

landwirtschaftliche Flächen,

Baumarten: 75 % Fichte, 2 %

Tanne, 19 % Buche, 1 % Eiche,

3 % Edellaubhölzer

Naturraum: Allgäuer

Molassevoralpen

63


Natur

Umweltfreundlich gärtnern

Grüne Tipps fürs grüne Wohnzimmer

Wenn die Natur im Frühling wieder zum Leben erwacht, alles blüht und

gedeiht, brauchen die Pflanzen viele Nährstoffe und unsere Unterstützung.

Wer nicht mit der Chemiekeule anrücken will, der kann zu zahlreichen

Hausmitteln greifen. Die helfen nicht nur gegen Pilze und Schädlinge,

sondern können auch als Dünger eingesetzt werden.

Fotos: Pixabay, unsplash

Mehltau den Garaus machen …

… mit Milch

Der echte Mehltau kann Pflanzenfreunden echt

die Laune verderben. Er bildet einen weißen,

mehlartigen Belag auf der Oberseite der Blätter,

die schließlich braun werden und vertrocknen –

wahrlich ein trauriger Anblick. Doch soweit muss

es nicht kommen, denn Milch macht müde

Pflanzen munter. Zunächst müssen aber alle

befallenen Blätter entfernt und im Biomüll oder

der Restmülltonne entsorgt werden (nicht im

Kompost). Ist das erledigt, stellt man mehrmals

die Woche (mind. zwei Mal) ein Gemisch aus

Milch und Wasser im Verhältnis 1:8 her und

besprüht damit die Pflanze. Am besten geeignet

ist übrigens Rohmilch, denn die in ihr lebenden

Milchsäurebakterien bekämpfen die Pilze und

das erhaltene Natriumphosphat macht die Pflanze

resistenter gegen einen Befall.

… mit Knoblauch

Was sich ebenfalls im Kampf gegen Mehltau

bewährt hat, ist ein Sud aus der geruchs -

starken Knolle. Dafür zerkleinert man einfach

vier Knoblauchzehen und übergießt sie mit

einem Liter kochendem Wasser. Ist der Sud

abgekühlt, seiht man ihn ab und fängt die

Flüssigkeit auf. Diese muss anschließend nur

noch in eine Sprühflasche gefüllt werden und

schon kann man die Pflanze besprühen. Nach

ein paar Tagen wiederholt man den

Vorgang. Hinweis: Auch bei dieser

Variante müssen vor Beginn

der Behandlung alle

mit Mehltau

befallenen Blätter

entfernt werden.

64


Schnelle Hilfe

bei Schädlingen

Blattläuse

Sie sind nur wenige Millimeter groß, aber

Gärtnern ein echter Dorn im Auge. Wer den

Anblick seiner Pflanzen wieder genießen will,

der kann zur guten alten Schmierseife

greifen: Es müssen nur 50 Gramm mit einem

Liter warmem Wasser vermengt

werden. Sobald die Flüssigkeit kalt

ist, kann sie in eine Sprüh flasche

gegeben und damit die Pflanzen

behandelt werden. Sind die

Blattläuse unbeeindruckt, kann

die Wirkung des Hausmittels

mit einem Schuss Spiritus

verstärkt werden. Alternativ

kann man den Schädlingen auch einen Tee

aus Zwiebeln oder Knoblauch kochen. Dafür

hackt man 40 Gramm von den stinkenden

Gemüse und kocht

sie mit fünf Litern

Wasser auf. Der Sud

muss mindestens

drei Stunden

ziehen und

durchgesiebt werden,

bevor man die Pflanzen

damit besprühen kann.

Ameisen

Sie sind Nützling und Schädling in einem,

doch für viele überwiegen vermutlich die

Contra-Punkte auf der Liste. Man muss sie

aber nicht gleich töten, sondern sollte

eher versuchen, sie abzuschrecken

oder zu ver treiben. So kann man

etwa Kreidepulver oder Kalk um

Terras sen und Beete streuen

und damit die kleinen Insekten

von diesen Bereichen fernhalten.

Allerdings muss man den

Vorgang alle paar Tage

wiederholen, denn Wind

und Regen lassen sich damit

nicht abschrecken.

Wer auf das Prozedere keine Lust hat:

Die Krabbler meiden auch

starke Gerüche. Essig, Tee -

baumöl, Kaffeesatz, Knoblauch,

Nelken oder Zimt auf die

Ameisenstraßen oder in die

Nesteingänge gestreut oder

getröpfelt, verdirbt den Schädlingen

den Spaß an ihrer Garten arbeit und sie

werden sich schnell einen weniger stinken den

Ort suchen. Und auch so manch Pflanze

können Ameisen gar nicht riechen –

Lavendel, Majoran, Wacholder oder

Tomaten um Gemüsebeete herum

gepflanzt, hält die Kerbtiere fern.

Wühlmäuse

So niedlich sie aussehen, so gefräßig sind

sie auch und das macht sie zu wahren Unsympathen.

Viele rücken den Nagern mit Ultraschall -

geräten und Fallen auf den Pelz, doch auch so

manch Hausmittelchen verspricht Erfolg.

Seit Jahrhunderten bewährt hat sich beispiels -

weise die Katze, die die Mäuse nur allzu gerne

aus dem Garten – sagen wir mal – vertreibt.

Wer dem mord lustigen Haustier nichts ab -

gewinnen kann, Stinkbomben helfen auch. Dazu

mischt man Buttermilch und Molke zu gleichen

Teilen und tränkt einige Baumwolltücher darin.

Dann gräbt man die Erdhügel der Mäuse auf,

deponiert die feuchten Tücher darin und ver -

schließt die Löcher wieder. Wer keine Lust auf

Buddeln hat: Man kann die Buttermilch, oder

Brennspiritus, auch direkt in die Gänge gießen.

Es gibt auch pflanzliche Alternativen – so

mögen die pelzigen Schädlinge beispiels weise

keinen Knoblauch.

Ebenfalls unbeliebt bei den nimmersatten

Nagern ist Lärm. Diesen kann man erzeugen, in

dem man laut tickende Wecker in Blechdosen

steckt und diese dann in den Wühlmaus -

eingängen vergräbt. Will man nicht extra

Wecker kaufen, kann man auch Kronkorken

oder Blechdeckel von Schraub gläsern mit

Fäden an einer Eisenstange befes tigen und

diese in die Maushügel stecken – die Akustik

dieser improvisierten Windspiele stößt auf

wenig Liebe. Alternativ kann man auch zwei

Fliegen mit einer Klappe schlagen und seine

Kinder ordentlich im Garten spielen und toben

lassen. Den Mäusen gefällt es nicht, wenn

ihnen jemand aufs Dach steigt und die Kleinen

sind an der frischen Luft und abends müde.


65


Natur

Grüner wirds immer …

… mit Eierschalen

Nach dem Frühstück ist vor dem Düngen,

könnte man sagen und deshalb sollten Eier -

schalen nicht im Biomüll landen, sondern in

der Blumenerde – in Form eines Flüssig -

düngers. Für die Herstellung zerklopft man

die Schalen von zwei Eiern (am besten auf

einem Brett mit einem Tuch drüber oder in

einem Mörser) bis ein feines Pulver entsteht

und gibt dieses in einen Liter Wasser. Den

Sud lässt man einen Tag lang stehen. In der

Zeit löst sich der Kalk aus der Schale und

gelangt ins Wasser. Nach 24 Stunden kann

man den flüssigen Dünger benutzen und den

Boden gießen – der gelöste Kalk lockert

übrigens die Erde auf und sorgt so dafür,

dass die Wurzeln Nährstoffe besser

aufnehmen können.

… mit Kaffeesatz

Was uns belebt, belebt auch unsere Pflanzen,

denn Kaffeesatz ist ein wahrer Superdünger.

Die krümelige Masse ist nicht nur äußerst

wohlriechend, sondern auch reich an Nähr -

stoffen wie Kalium, Stickstoff und Phosphor

sowie Gerbsäure. Besonders geeignet ist er

für Pflanzen, die einen leicht sauren Boden

bevorzugen. Dazu gehören beispiels -

weise Tomaten, Gurken, Zucchini

aber auch Beeren sträucher,

Rosen, Geranien und Hortensien.

Um die Gewächse munter zu

machen, muss man den

Kaffeesatz nur auf den Boden um die Wurzeln

herumstreuen und leicht einarbeiten. Aller dings

sollte man es nicht zu gut meinen, denn

Pflanzen brauchen bei Weitem nicht so viel

Kaffee wie etwa Büroangestellte. Als

Faustregel gilt: Zimmer pflanzen

einmal im Jahr, draußen viermal

im Jahr. Alternativ kann der

Kaffeesatz auch in das

Gießwasser gegeben

werden – so erhält man

einen aromatischen

Flüssigdünger.

… mit Brennnesseljauche

Dieser Dünger vereint zwei Dinge, die wir

Menschen eigentlich meiden, doch Pflanzen

beschert er einen wahren Wachstumsschub.

Bevor es allerdings für die grünen Lieblinge

hoch hinausgeht, muss der Gärtner –

bewaf fnet mit dicken Handschuhen und einem

lang ärmeligen Oberteil – erst einmal ein Kilo

Brennnesseln pflücken (am besten vor der

Blüte). Die mit Vorsicht zu genießenden Gewächse

können anschließend noch mit einer Schere

zerkleinert werden, bevor sie in ein geeignet

großes Gefäß kommen und mit zehn Litern

Wasser übergossen werden. Danach muss

das Gefäß an einen sonnigen Standort gestellt

werden, damit die Gärung beginnen kann.

Apropos Gärung: Die Flüssigkeit fängt ordentlich

an zu stinken, deswegen das Behältnis vielleicht

lieber nicht direkt neben oder gar auf die

Terrasse stellen. Für wen die Geruchsbeläs -

tigung trotz ausreichender Entfernung den -

noch zu stark ist, der kann Gesteinsmehl in

die Jauche geben – das mildert den Gestank.

Einsatz bereit ist der natürliche Dünger nach

etwa ein bis zwei Wochen, wenn keine Bläs -

chen mehr zu sehen sind. Übereifrige dürfen

aber nicht gleich zur Tat schreiten, denn bevor

der Dünger aus gebracht wird, sollte er im

Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt werden.

Damit kann man seinen Pflanzen dann gerne

wöchentlich etwas Gutes tun.

66


Medien

Brennnesseljauche & Co.

Pflanzen retten Pflanzen

Das Natron-Handbuch

Fünf Hausmittel

ersetzen eine Drogerie

Selber machen

statt kaufen –

Garten und Balkon

In dem Buch stellen die Autoren

Wege vor, wie man die

Pflanzen im eigenen Garten gegen

Schädlinge schützt und im

Wachstum unterstützt. Das alles

ohne den Einsatz von Gift und

Chemie. Die Zauberformel dabei

lautet: Pflanzen retten Pflanzen.

Gegen alles ist im wahrsten Sinne

des Wortes ein Kraut gewachsen,

man muss nur wissen wo. So können

Pflanzenjauchen im Obstund

Gemüsegarten genauso zum

Einsatz kommen wie bei der Pflege

von Zierblumen oder zur Kräftigung

von Zimmerpflanzen. Extrakte

aus Brennnesseln, vom

Schachtelhalm, Farn, Beinwell

oder Löwenzahn, um nur einige

zu nennen, vollbringen oft wahre

Wunder bei Schutz und Pflege ihrer

Kollegen aus dem Pflanzenreich.

In diesem nützlichen und

naturnahen Buch wird genau erklärt,

wie man diese Pflanzenschutz

und -stärkungsmittel ohne

Chemie herstellt und wo man sie

am effizientesten einsetzt.

Von Bernard Bertrand/Jean-Paul Collaert/Eric

Petiot, 112 Seiten, zahlr.

farb. Abb., Preis 16,90 Euro; ISBN

978-3-7020-1451-3, Leopold Stocker

Verlag GmbH

Unseren Großeltern ist Natron

noch bestens bekannt: Es

leis tet schnelle Hilfe bei Sodbrennen

und macht die Wäsche wieder

sauber und frisch. Leider ist

das universelle Hausmittel zunehmend

in Vergessenheit geraten.

An seine Stelle traten Spezialmittel,

die aber – im Gegensatz zu

Natron – selten umweltfreundlich

sind. Doch seit einigen Jahren erlebt

der Alleskönner ein Comeback

und in diese Kerbe schlägt

das Natron-Handbuch. Das Buch

bietet zahlreiche Anregungen und

Ideen, wie sich Natron im Haushalt

verwenden lässt, sowohl für

Ernährung und Gesundheit als

auch zum Reinigen und Waschen

und sogar im Garten. Da findet

jeder mindestens eine Verwendungsmöglichkeit

für den umweltfreundlichen

Alleskönner

und wer weiß: Vielleicht können

sich die Großeltern sogar noch

was bei den Enkeln abschauen.

Vom smarticular Verlag, 192 Seiten

mit 100 farb. Abb., Preis 14,95 Euro;

ISBN 978-3-946658-16-0, auch als

E-Book erhältlich

In einem Durchschnittshaushalt

finden sich etwa 40 bis

60 Drogerieprodukte in bunten

Fläschchen und Tuben. Doch all

diese Spezialmittel für Wäsche,

Reinigung, Körperpflege, Küche

und Garten sind gar nicht notwendig.

Zudem geht es auch

simpler und umweltfreundlicher

und zwar, indem man all die Mittel

einfach selber macht. Denn

mit Natron, Soda, Essig, Zitronensäure

und Kernseife lassen

sich fast alle Drogerieprodukte ersetzen

und viele Herausforderungen

des Alltags lösen. In diesem

Buch wird in über 300 Anwendungen

und 33 Rezepten gezeigt,

wie einfach es geht. Zudem tut

man so nicht nur der Umwelt etwas

Gutes, sondern auch dem

Geldbeutel.

Vom smarticular Verlag, 192 Seiten

mit 76 farb. Abb., Preis 14,95 Euro;

ISBN 978-3-946658-00-9, auch als

E-Book erhältlich

Bienenfreundliche Blumenwiesen

statt Rasen, Gemüse statt

Zierpflanzen, Heilkraut statt Unkraut,

essbare Bodendecker statt

Flächen aus Stein – es gibt zahlreiche

unkonventionelle Möglichkeiten,

natürlicher, gesünder und

zugleich einfacher zu gärtnern.

Und zudem sieht ein naturnaher

Garten einfach schön aus und

macht Freude, selbst wenn es nur

ein Pflanzkübel auf dem Balkon

ist. In dem Buch werden 111

nützliche Projekte und Ideen für

das naturnahe Gärtnern vorgestellt

und die Themenbandbreite

reicht von der Bodenbelebung

und wie man grüner pflanzt, hin

zur natürlichen Stärkung von

Pflanzen sowie ihrem Schutz. Zudem

wird auch auf Nützlinge im

Garten und auf Balkon- und Terrassengärten

eingegangen – für

alle, die weniger Platz haben.

Vom smarticular Verlag, 192 Seiten

mit 120 farb. Abb., Preis 14,94 Euro;

ISBN 978-3-946658-30-6, auch als

E-Book erhältlich

67


Photovoltaik

Grüner Strom vom Balkon

Sparen mit der Kraft der Sonne

Während sich Hausbesitzer schon lange über gute Erträge ihrer Photovoltaik-Anlage

freuen, gab es für viele Mieter bislang noch keine Möglichkeit, Solarstrom zu nutzen.

Doch auch sie können sich jetzt aktiv an der Energiewende beteiligen und die Kraft

der Sonne nutzen – mit steckerfertigen Mini-Solaranlagen für Balkon oder Terrasse.

Die Geräte werden unter vielen Namen angeboten:

Mini Solar Anlage, micro Solar Anlage,

plug in Solar Anlage, mini Solar Generator,

plug in Solar Gerät, plugin PV Anlage, um nur einige

Beispiele zu nennen. Umgangssprachlich werden die

Geräte häufig als Balkon-Solaranlagen bezeichnet. Ihr

Vorteil: Sie lassen sich bei einem Umzug einfach abmontieren,

können ohne großen Aufwand angeschlossen

werden und sind vergleichsweise güns tig.

Kleinvieh macht auch Mist

So kostet eine Anlage mit 300 Watt Peak (Wp),

die in unseren Breiten rund 330 Kilowattstunden

Strom im Jahr liefert, rund 600 Euro. Davon lassen

sich im Schnitt rund zwei Drittel des erzeugten Stroms

selbst nutzen – für Dauerverbraucher wie Kühl- und

Gefrierschrank, Telefon oder Router, aber auch für

Haushaltsgeräte, deren Betriebszeit man selbst fest -

legen kann, wie Wasch- oder Geschirrspülmaschine.

Bei einem Eigenverbrauch von beispielsweise 200 Kilo -

wattstunden sinken die jährlichen Stromkosten um

rund 60 Euro.

Bedenkt man, dass die Mini-Solaranlage im Normalfall

eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren besitzt

und die Strompreise wohl weiter steigen werden, ergibt

sich neben der CO 2 -Einsparung und dem guten

Gefühl, einen Beitrag für die Energiewende zu leisten,

auch ein deutlicher finanzieller Vorteil.

Nicht einfach drauf loslegen

Ein paar Dinge gibt es allerdings zu beachten.

Wird eine Mini-PV-Anlage so montiert, dass sie das

optische Erscheinungsbild der Fassade verändert, sollte

der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden, nicht,

dass es im Nachhinein Ärger gibt. Zudem sollte eine

Elektrofachkraft die Wohnungsinstallation prüfen und

gegebenenfalls die Leistungsabsicherung von 16 auf

zehn Ampere reduzieren. Andernfalls könnte es zu einer

Überlastung des Leitungsnetzes kommen, wenn

die kleine Solaranlage Strom ins Leitungsnetz der

Wohnung einspeist. Für den sicheren Betrieb der

Mini-PV-Anlage wird zudem die Installation einer

speziellen Energiesteckdose durch einen Elektrofachmann

empfohlen.

68


Mit Mini-PV-Anlagen haben auch Mieter

in Wohnhäusern die Möglichkeit,

Sonnenstrom selbst zu produzieren

und zu verbrauchen

Montage: allgäuALTERNATIV; Fotos: Photo by Etienne Girardet on Unsplash, Pixabay

Außerdem muss die Anlage bei der Bundesnetzagentur

und dem Netzbetreiber angemeldet werden.

Die Netzbetreiber in der Region verwenden dafür ein

bayernweit einheitliches, einfaches Formular. Ist nur ein

»normaler« Zähler vorhanden, muss er gegen einen

Zähler mit Rücklaufsperre ausgetauscht werden. Falls

einmal mehr Strom produziert als verbraucht wird,

würde sich ein »normaler« Zähler rückwärts drehen.

Letzteres muss aus rechtlichen Gründen verhindert

werden. Nachdem die Energieversorger in der Region

an einer dezentralen und grünen Energiewende mitarbeiten

und diese unterstützen, übernehmen sie kulanterweise

die Kosten für einen eventuellen Zählertausch.

Um Interessenten bei ihrer Kaufentscheidung

eine Hilfe an die Hand zu geben, hat die Deutsche Gesellschaft

für Sonnenenergie (DGS) als un abhängige

Einrichtung eine Übersicht über Anlagen erstellt, die

empfohlen werden können (www.pvplug.de). Hier

finden sich auch wichtige Hinweise über die Sicherheitsstandards,

die beim Betrieb von Mini-PV-Anlagen

eingehalten werden sollten.

Weitere Informationen beim Energie- und Umweltzentrum

Allgäu (eza!) unter www.eza-allgaeu.de

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69


Photovoltaik

Lichtblicke für Afrika

Allgäuer hilft mit Solarlampen

Man mag es kaum glauben, aber auf dem schwarzen Kontinent – dort

wo zumindest in den Köpfen vieler immer die Sonne scheint – ist es zwölf

Stunden am Tag dunkel. Das will Christoph Köhler aus Sulzberg ändern

und mit der von ihm gegründeten gemeinnützigen Organisation Abiola

mit der Kraft der Sonne Licht ins Dunkel bringen.

Christoph Köhler verdiente

gutes Geld mit Solarenergie –

nun tut er Gutes damit

70

Dass die Allgäuer ein umtriebiges Völkchen

sind und ihr Glück gerne selbst in die Hand

nehmen, ist bekannt, doch Christoph Köhler

setzt noch einen drauf: Er nimmt auch das Glück der

anderen in die Hand und opfert damit seinen wohlverdienten

Ruhestand, in dem er sich eigentlich befindet.

Doch von Ruhe im Leben des Elektromeisters und

Solar-Pioniers kann keine Rede sein und das war

schon immer so.

Ein Mann mit solarer Erfahrung

»Schon als junger Elektromeister habe ich 1982

versucht, mich mit Solaranlagen selbstständig zu machen

– das hat nicht so gut funktioniert«, sagt er mit einem

Schmunzeln im Gesicht. Doch der Rückschlag hat

ihn nicht aufgehalten und schon gar nicht von der Idee

abgebracht, mit der Kraft der Sonne Geld zu verdienen.

Recht sollte er behalten: In seinem weiteren Berufsleben

baute er schließlich über 500 Photovoltaikanlagen und

war an mehreren Solarfirmen beteiligt. »In der Zeit

habe ich auch ganz viele Anlagen für mich gebaut.

Letztendlich gehören über 100 Anlagen mir«, so der

Allgäuer und er erklärt weiter, dass er heute von dem

Solarstrom leben kann und nicht mehr arbeiten muss.

Aber wie bereits erwähnt, liegt er nun nicht auf

der faulen Haut, sondern hat seinen letzten Lebens -

abschnitt – so seine Worte – Afrika gewidmet: »Weil


Auch viele medizinische

Einrichtungen wie dieses

Gesundheitszentrum

verfügen über keinen

Strom, so dass Arzneien

oft nicht gekühlt werden

können

Viele Menschen in Afrika

verfügen zuhause über

keine Stromversorgung.

Dank Abiola müssen sie

abends nicht im Dunkeln

sitzen

Es braucht nicht viel, um

das Leben vieler Menschen

zu verändern: Die ersten

konnten ihre SolarKits von

Abiola schon in Empfang

nehmen

Fotos: Abiola gGmbH

ich habe mit Solarenergie viel Geld verdient, wir alle

profitieren davon und die Afrikaner leiden, obwohl sie

unter der gleichen Sonne leben.«

Kaum Strom, dafür viel Sonne

Viele Menschen in Afrika, vor allem die in entlegenen

Dörfern, verfügen über keine oder nur eine unzureichende

Stromversorgung. Auch Schulen sowie

Waisen- und Krankenhäuser werden vielerorts nur

ungenügend, wenn überhaupt, mit Strom versorgt.

Das führt zu etlichen Problemen – wie etwa einer

mangelnden Bildung oder medizinischen Versorgung

–, die sich leicht lösen ließen, wenn Strom vorhanden

wäre. Und genau da setzt der Solarpionier mit seiner

gemeinnützigen Organisation Abiola an, denn wenn

es etwas in Afrika im Überfluss gibt, dann ist es Sonnenschein.

Zwar nur zwölf Stunden täglich, dafür aber

das ganze Jahr über.

Und so investierte er sein eigenes Kapital in verschiedene

Solar-Sets, die die Afrikaner mit Strom ver-

sorgen und ihnen die lange Nacht erhellen, denn in

den meisten Regionen herrscht von 18 Uhr abends bis

sechs Uhr morgens finstere Nacht.

Ein solares Multitalent

»Wenn die Kinder schlafen, würden die Eltern

vielleicht noch gerne was arbeiten oder nähen oder

ähnliches«, so der Allgäuer Solarpionier. Das geht allerdings

nicht ohne Licht und genau da kommt das Familien-SolarKit

ins Spiel. Dieses besteht aus einer kleinen

Lampe, die mit einem 3,5 Watt-Solarmodul geladen

werden kann, das automatisch mitgeliefert wird.

Ist die trag- und aufhängbare Lampe vollständig geladen,

spendet sie – je nach Intensität – zwischen zwölf

und 144 Stunden lang Licht. Zudem kann man an ihr

auch ein Mobiltelefon laden oder einen kleinen Tischventilator

betreiben – und zwar auch, wenn die Lampe

brennt. »Das ist so toll für die Menschen«, sagt Chris -

toph Köhler begeistert und man merkt ihm an, dass er

es ehrlich meint. Zusätzlich bekommen die Afri- ►

Das Familien-SolarKit

besteht aus einem

Solarpanel, mit dem die

Lampe geladen werden

kann, sowie einem kleinen

Zelt und Juterucksack

71


Photovoltaik

Ist der TurboCharger, rechts im

Bild, dank des Solarmoduls

aufgeladen, kann er mehr als nur

Räume beleuchten. Auch in der nur

etwa feuerzeuggroßen Powerbank

steckt mehr, als man vermutet

kaner noch ein Stoffzelt, in das man die Lampe stellen

und so für eine indirekte Beleuchtung sorgen kann,

sowie einen Jutebeutel, der auch als Rucksack verwendet

werden kann.

»Mein Traum ist es, bis nächstes Jahr 1000 Lichter

in Afrika einzuschalten«, sagt Christoph Köhler.

Doch langfristig gesehen sollen natürlich wesentlich

mehr Familien mit einem SolarKit ausgestattet werden.

Dafür ist er allerdings auf die Hilfe externer Spender

angewiesen. Mit gerade einmal 35 Euro finanziert

man ein komplettes Kit und bringt den Menschen

nicht nur Licht, sondern auch Freude und sich selbst

auch, denn: pro Spende geht ein Licht samt Zelt und

Beutel an den Spender oder eine Person seiner Wahl.

Auf das Solarpanel wird verzichtet, weil wir die Lampe

zuhause mittels USB an einer Steckdose laden können.

»Doch es ist uns wichtig, dass die Spender wissen, was

für eine Lampe das ist und wie wertvoll sie sein kann«,

erklärt der Elektromeister.

Ein Portal zum Helfen

Welche Familien ein SolarKit benötigen, können

potenzielle Spender auf dem im Oktober 2019 gestarteten

Lichtportal auf der Homepage von Abiola nachschauen.

Dazu kann man im Filter speziell nach Fa-

Auch in den Waisenhäusern fehlt es oft an dringend

benötigtem Strom. Während die Kleinen tagsüber im Hellen

spielen können, müssen sie nachts im Dunkeln zur Toilette

72


milien suchen, darüber hinaus aber auch weiter differenzieren,

etwa nach Ländern und Kategorien. Hat

man seine Filtereinstellungen gewählt, werden einem

die Menschen gezeigt, die zuhause über kein Licht verfügen.

Neben Bildern, die die Familie und ihre Lebenswirklichkeit

zeigen, erfährt man in einer Beschreibung

– die in Deutsch, Englisch und Französisch

verfügbar ist – auch etwas über die Menschen

und ihr Leben in Afrika. Zudem sieht man, ob sie

schon ein Licht erhalten haben oder noch auf eines

warten und auf Hilfe angewiesen sind.

Was im Lichtportal auch schnell auffällt, gerade

wenn man die Filtereinstellung »Typ« benutzt: Nicht

nur Familien werden von Abiola unterstützt, sondern

auch Projekte – das können Waisen-, Kranken- oder

Frauenhäuser sein, aber auch Schulen und Ausbildungszentren

– sie alle verfügen über keine oder nur

eine unzureichende Stromversorgung.

Produkte für alle Fälle

In Anbetracht der Größe solcher Einrichtungen

ist es logisch, dass das kleine SolarKit nicht ausreicht –

da muss schon schwereres Gerät her. Um auch diesen

Menschen zu helfen, bietet Abiola beispielsweise den

TurboCharger an, der mit maximal 120 Watt Solarleis -

tung betrieben werden kann. Mit ihm können nicht

nur mehrere Räume beleuchtet werden, man kann

auch Notebooks, Beamer sowie Fernseher anschließen

oder auch eine Kühlbox für Medikamente mit Strom

versorgen. Ähnlich universell, aber etwas kleiner

kommt der Abiola Charger daher, der mit 60 Watt Solarleistung

betrieben werden kann. Beide Systeme werden

natürlich mit Solarpanels versendet, sonst wären

sie wertlos. So aber leisten sie einen wichtigen Beitrag

und verändern das Leben zahlreicher Menschen.

Weitere Projekte von Abiola

Neben der Versorgung mit den SolarKits engagiert sich die gemeinnützige Organisation

auch anderweitig in Afrika. So haben sie den Kaufbeurer Verein humedica e.V. dabei

unterstützt, eine Krankenstation an eine Ambulanz im Niger zu bauen. Als diese stand,

bauten Christoph Köhler und seine Helfer zudem dort noch eine Photovoltaikanlage mit

30 Kilowatt Leistung.

Bei einem anderen Projekt, ebenfalls im Niger, baute Abiola 50 Getreidespeicher, in denen

jeweils 10.000 Kilogramm Hirse gelagert werden können. »Zur gleichen Zeit haben wir in

Memmingen eine 400 Kilowatt-Photovoltaikanlage gebaut, deren Einnahmen nur

humanitären Zwecken zugute kommen«, so der Allgäuer.

Zudem hat Abiola im Jahr 2018 50 Dörfer in dem afrikanischen Land Togo mit jeweils

einer Offgrid-Solaranlage ausgestattet – dies führte auch zur Gründung der Organisation.

Gleiches schafft auch das PowerbankKit, das

nicht wesentlich größer ist als ein handelsübliches

Feuerzeug. Mit diesem kann man selbstredend keine

Räume beleuchten, wertvoll ist es dennoch. Aufgeladen

an einem der Charger oder dem Familien SolarKit

kann man die Powerbank nutzen, um ein Mobiltelefon

zu laden oder einen kleinen Ventilator mit USB-Anschluss

zu betreiben. Zudem liefert der Kraftzwerg

Licht, sodass die Menschen abends lesen oder lernen

können und so beispielsweise die Chance haben, sich

fortzubilden und sich einen Weg aus der Armut bahnen

können, wie Christoph Köhler ausführt.

So unterschiedlich die einzelnen Produkte von

Abiola sind: sie alle eint, dass sie den Menschen, die

über keine Stromversorgung verfügen, den Alltag und

vor allem die Nacht erhellen. Und jeder, der abends

bei Stromausfall in einer dunklen Wohnung saß, weiß,

wie wertvoll das ist, was Christoph Köhler tut.

Weitere Informationen zu Abiola und dem Lichtportal

unter www.abiola.eu

(cs)

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73


Energie sparen

Alles neu macht der Frühling

Die kalten Tage sind gezählt: Draußen erwacht alles wieder aus

dem Winterschlaf und drinnen ist es an der Zeit, ein paar Dinge

zu ändern. Denn mit einigen kleinen Veränderungen kann man

im Frühjahr nicht nur Energie, sondern auch bares Geld sparen.

Frühjahrsschlaf für den Trockner

Die Wäsche machen ist

wahrlich ein notwendiges

Übel bei der Hausarbeit.

Gerne fallen pro Woche

mehrere Ladungen an,

die man schnellstmöglich

wieder gewaschen und

getrocknet im Schrank

liegen haben möchte.

Während dafür viele im

Winter auf den Trockner zurückgreifen, kann man den

nun in den wohlverdienten Frühjahrsschlaf schicken und

seine Wäsche an der frischen Luft (oder in der

Wohnung) trocknen lassen. Das dauert zwar länger,

spart aber mitunter viel Strom.

Einen Gang zurückschalten

Im Winter müssen die Heizungen oft ganz schön

schuften, damit wir es drinnen schön warm haben.

Doch wenn draußen die Temperaturen so langsam

steigen, ist es an der Zeit am Zeiger beziehungsweise

am Heizungsregler zu drehen. Ein paar Grad weniger

tun uns nicht weh, dem Geldbeutel und der Umwelt

dafür umso besser.

Fotos: Bianca Gonçalves from Pexels, Pixabay

Zwei statt vier Räder

Das Auto ist dem Deutschen heilig – transportiert

es uns doch bei Wind und Wetter zuverlässig und

geschützt von A nach B. Doch nun, wenn es wärmer

wird, kann man dem treuen Gefährten ab und zu

eine Pause gönnen und auf das Fahrrad umsatteln.

So spart man nicht nur jede Menge Geld, das sonst

durch den Auspuff flöten geht, sondern tut auch

aktiv etwas für den Klimaschutz und die eigene

Gesundheit.

Lass die Sonne rein

Während im Winter dazu geraten wird, die Rollläden

nach dem Lüften runterzulassen, um Wärmeverluste

einzudämmen, heißt es nun: Schotten auf. Denn so kann

man tagsüber die Kraft der Sonne nutzen und seine eigenen

vier Wände ganz natürlich erwärmen. Weiterer

Vorteil, wenn man die

Jalousien nicht schließt:

Man muss die Lampen

erst später anmachen,

wenn man Tageslicht

hereinlässt und ausnutzt,

dass es draußen länger

hell ist.

74


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Redaktions- und Anzeigenschluss ist am 24. Juni 2020.

Wir freuen uns auf Ihre unverbindliche Anfrage und beraten Sie gerne:

Christian Vu, Tel. +49 (0)8379/728016

E-Mail: christian.vu@heimat-allgaeu.info

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