EBM-Report 3-2021

kletterulf

Infoblatt für die EBM-

Gruppenmitglieder

EBM-Report

(vormals HÜTTENREPORT)

www.einheit-berlin-mitte.de +++ Ausgabe 3/2021

(Nr. 90)


Inhalt

Editorial Seite 3

Nachruf Reinhard Link 5

Bitte beachten! 6

Neues von der Hütte 7

Elbsandstein-Splitter 7

Schon gewusst, dass ….? 10

Gipfeldrama im kalten Krieg 11

Wanderung mit Folgen 13

Damals war’s, vor 50 Jahren … 15

Beton rettet Sandstein 17

Sammelsurium 19

Das Mittelseitenfoto 20

Rettung naht 22

Gelbe Natur 23

Leute 25

Kleine Materialkunde: Der Anorak 29

Gipfeldrama (Ergänzung) 31

Bemerkenswerte Zahlen 32

Vielklettern tut der Seele gut 36

Die Zugspitze 37

EBM-Kompakt 40

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Titelfoto: Der Frühling ist da (netpic).

Fotos: S. 5 Gert Kommichau; S. 7 – 9 Sandsteinblogger; S. 29 Rudi

Kebschull; alle anderen Fotos: Jeweiliger Autor bzw. Internet

Texte, soweit nicht anders gekennzeichnet, sowie Layout, Druck und

Versand: H. Wiemann

2


Editorial

Wenn man wie ich in die Jahre

kommt und schon so viel beim Klettern

erlebt hat, dann schaut man

gern zurück auf diese schöne Zeit.

Und so habe ich mich in diesem Heft

gefragt, was war denn vor 50 Jahren

so los? Da war ich noch gar nicht bei

EBM, sondern ahnte nur, dass mich

wohl am Ende ein Berliner Verein

einfangen würde. Ich habe deshalb

in verschieden Publikationen in meinem

Archiv geblättert und einiges Interessantes

zutage gefördert. Ich wünsche

euch jedenfalls Spaß beim Lesen.

Noch ein Hinweis: Der 1. April treibt

auch in diesem Jahr wieder sein Unwesen,

und so dürft ihr nicht jede

Meldung oder jeden Artikel in dieser

Ausgabe bierernst nehmen. Sie sind

nicht besonders gekennzeichnet, sprechen

aber für sich. Findet das also

selbst heraus. Ernst gemeint ist aller-

3


dings die letzte Mahnung am Anfang

dieses Heftes an diejenigen, die den

EBM-Beitrag oder auch gegebenenfalls

den Hüttenbeitrag verschlafen

haben zu bezahlen. Corona ist nicht

an allem schuld. Bitte überweist die

Beträge an Willy Göricke und zeigt

damit zugleich, dass EBM weiter existieren

soll.

Dass doch wieder ein Heft entgegen

meiner Ankündigung erscheint, ist

kein Aprilscherz, sie ist vielmehr dem

Umstand geschuldet, dass auf meinem

Schreibtisch noch so viel Lesenswertes

rumliegt, und ich möchte das

nicht nur einfach in den Papierkorb

entsorgen.

Und nun hoffe ich, dass es die Post

schafft, diese Ausgabe bis spätestens

zum 1. April in eure Briefkästen zu

werfen.

Harald

4


Reinhard Link

*19. Januar 1939 †4. Februar 2021

Als ich 1973 ganz am Anfang mei-

ner Kletterei mit Reinhard zwei

Wege geklettert bin, konnte ich

nicht voraussehen, dass diese beiden

Wege die einzige gemeinsamen

Kletterwege mit ihm bleiben

würden, aber stattdessen in vielen

anderen Belangen ein jahrelanger

gemeinsamer Weg innerhalb der

Klettergruppe EBM begonnen hatte.

Das waren viele gemeinsame Fahrten,

das war aber vor allem die

gemeinsame Arbeit an Projekten,

bei denen Reinhards Ideenreichtum

und sein künstlerisches Können im Vordergrund standen.

Mit Reinhard Link verlieren wir ein Mitglied, das wie wenige andere den Verein

mitgeprägt hat. Seit Mai 1972 war er Mitglied bei Einheit-Berlin-Mitte. Er

gehörte mit zu den aktivsten Wanderern und scheute sich nicht, auch mal

100 Kilometer am Stück unter die Füße zu nehmen. Viele Touren durch die

damals erreichbaren Länder hat er initiiert oder mit organisiert. Wenn er uns

durch die Sächsische Schweiz geführt hat, konnten wir über sein scheinbar

unermessliches Fachwissen zu Geografie und Geschichte staunen. Auch auf

unseren Versammlungen bewies er das mit zahlreichen Kommentaren. Die

Felskletterei stand bei ihm nicht unbedingt im Mittelpunkt, eher das gemeinsame

Naturerleben in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Reinhard hat das

Leben in unserer Gemeinschaft mit Humor und ideenreicher Mitarbeit wesentlich

mitgetragen und mitgestaltet.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Oben links auf der Titelseite

unseres Mitteilungsblattes ist ein Logo angeordnet, das von Reinhard

stammt, und auch das wird uns stets an ihn erinnern.

Harald

für die Klettergruppe EBM

5


Bitte beachten:

Also das dürft ihr jetzt natürlich nicht wirklich ernst nehmen, aber schön wäre

es schon gewesen, wenn uns Thomas Klenz in ähnlicher Form hätte so nett

einladen können. Aber Corona hat ihm das leider nicht gestattet. Jetzt müssen

wir hoffen, dass der Stollen nicht bis zum Dezember ranzig wird.

Aber was sagt uns diese Einladung heute noch?

Erstens, dass der 15. 12. 1992 der dritte Dienstag im Dezember war und nicht

der zweite wie eigentlich seit Jahren praktiziert. Was ist damals also passiert,

dass wir am dritten Dienstag als Gruppe zusammen gekommen sind und nicht

am zweiten? Weiß das noch jemand?

Zweitens, dass schon damals korrekt gegendert worden ist, allerdings mit der

heute nicht mehr alle Geschlechter umfassenden Schreibweise. Korrekt wäre

gewesen: Liebe Sportfreund*innen.

Und drittens, dass wir damals in einer echten Gaststätte getagt haben, in der

es mehr als nur Bockwurst oder Wiener gegeben hat. Dafür müssen wir heute

nicht mehr mit ein paar Dias vorlieb nehmen, sondern können das moderne

Equipment eines Beamers nutzen.

6


Neues von der Hütte

Die Böhmkarte, auf der auch ein Teil von Prossen zu sehen ist, liegt

seit 2010 in 4. Auflage vor. 174 Korrekturen hatte der Kartograf darauf vorgenommen.

Leider ist der Weinberg nur teilweise erfasst. Aber immerhin ist

nun auch klar, dass es in Prossen keine Gaststätte mehr gibt. Gelernt habe ich

auch, dass die Riesenlinde unterhalb des Schlosses einen Namen hat, nämlich

Nina-Heller-Linde. Was allerdings der Dame die Ehre der Namensgebung für

die Linde eingebracht hat, muss ich erst noch ergründen. Herrn Böhm habe

ich gebeten, seinen Zuschnitt der beiden infrage kommenden Karten so gestalten,

dass der Weinberg bis zum Fritzschenstein eingebunden wird. Mal

sehen was die nächsten Auflagen bringen.

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Sächsische Schweiz - Splitter

Eine Antonov ist in Altendorf gelandet. Erik Herbert baut aus

solch einem Russenflieger

eine pfiffige Herin

Altendorf. Da

war es schon vor der

Eröffnung spektakulär.

Allerdings wurde das

selbst nicht mehr

berge

flugfähige fähige

Museumsstück

mit einem Hubschrauber

eingeflogen.

Ein brauchbares Rollfeld

hätte es auch nicht

gegeben. Die AN2 wurde auch Tante Anna genannt, manchmal aber auch

despektierlich "Kastendrachen".

7


Sperrung zwischen Bad Schandau und Königstein (rechtselbig).

Erst einmal vom 1.3.2021 bis zum 31.12.2021 bleibt aufgrund von Sanierungsarbeiten

am rechtselbigen Elberadweg der Abschnitt zwischen Bad

Schandau und Königstein für längere

Zeit voll gesperrt. Zwischen Prossen

und Halbestadt wird u.a. eine neue

Stützmauer gebaut. Der aktuelle erste

Bauabschnitt wird voraussichtlich

im August 2021 fertiggestellt sein,

bevor der zweite Bauabschnitt dann

beginnt. Die Sanierungsarbeiten sollen

erst 2022 vollständig abgeschlos-

sen sein. Eine Umleitung für Einwohner und Gäste, die mit dem Auto nach

Halbestadt (unter anderem auch zur Familienoase) gelangen gen wollen, führt

über einen schmalen Forstweg über Waltersdorf und ist aufgrund einer engen

Ampeltaktung für Fahrradfahrer nicht zu empfehlen. Er ist sehr schmal, so-

darf. Eine

dass sich nur ein Fahrzeug auf der gesamten Umleitung befinden

Ampelschaltung sichert das, und deren Phase ist wohl die längste an einer

deutschen Baustelle. 30 Minuten muss man gegebenenfalls bei Rot warten.

Allerdings gibt es ähnlich wie bei Schleusen feste Schaltzeitpunkte. Zur vollen

und halben Stunde kann man in Halbestadt Gas geben, in der Gegenrichtung

jeweils um Viertel und Dreiviertel. Die Bauarbeiter sind immer noch im ersten

Bauabschnitt, und zwar von der Ortsgrenze Prossen bis zur ersten Ausweichstelle.

Auf diesen 400 Metern war der Hang in Richtung Elbe in Bewegung ge-

kommen, und die Straße hat deshalb dort eine aufwendige Stützmauer bekommen.

Die Arbeiten haben einen Zeitverzug von sechs Wochen erfahren,

weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst Corona bedingt seine Arbeit einge-

stellt hatte, die Straße wegen vermuteter Munitionsreste aber vor der Ausbaggerung

noch gescannt werden musste. Ende 2022 soll dann die gesamte,

abschnittsweise verbreiterte Straße fertig sein. Zwei Millionen Euro wird das

dann gekostet haben. Positiv für Radfahrer ist, dass der linkselbische Weg

wegen der Vollsperrung instand gesetzt werden musste.

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Fahrradfahrern auf dem Elberadweg wird empfohlen, den linkselbigen Radunproblematisch

ist, zeigt der Absturz eines Bag-

weg zu nutzen.

Dass diese Umleitung nicht gers. Dieser musste aufwendig mit zwei Kränen wieder in die Spur gehievt

werden.

Eisklettern.- Die tiefen Temperaturen des vergangenen Winters

haben in der Sächsischen Schweiz wieder bizarre Eismärchen produziert.

Die Gautschhöhle war wieder mit einem Eisvorhang geschmückt,

an dem man sogar klettern konnte.

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letzte Mahnung:

Gruppenbeitrag für 2021

Bitte den Beitrag diesmal an den Finanzverantwortlichen (siehe letzte Seite) überverbunden

fühlen.

weisen.

Gruppenbeitrag: 5 Euro pro Person die sich EBM Hüttenbeitrag: 30 Euro pro Person für die, die sich der Hütte verbunden fühlen.__________________________________________________________________

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Schon gewusst, dass ….

… es in Königstein eine Straßenbahn gegeben hat? Sie hieß Bielatal-

Motorbahn und führte vom Zentrum (heute der Kreisverkehr) über den Ortsteil

Hütten bis zum Ortsausgang (Königsbrück). Die Verbindung wurde am 10.

Juli 1901 eröffnet und diente dem öffentlichen Personen-

und Gütertransport.

Erbaut wurde sie von Max Schiemann, der auch der Erfinder der auch

heute noch bei den O-Bussen üblichen zwei Stromabnehmerstangen mit den

drehbaren Schleifschuhen war. Für Wanderer, die aus dem Bielatal kommend

den extrem langgestreckten Ort bis zum Bahnhof durchqueren mussten, be-

stimmt eine angenehme Erleichterung.

… das so genannte Brockengespenst

ein optischer Effekt ist, der

auftritt, wenn man bei sehr niedriger

Wolkendecke von hinten mit einer

starken Lichtquelle angeleuchtet

wird? Der eigene Schatten ist dann

stark vergrößert an der Wolke zu sehen.

Dieser Effekt ist nach dem Brocken

benannt, weil er dort häufig zu

beobachten ist. Auf dem nebenstehenden Foto ist beispielsweise der Schatten

der Tante zu sehen.

… der Große Lorenzstein erst seit 1971 ein offizieller Klettergipfel ist?

Geklettert wurde dort aber

schon seit alters her, jedenfalls

auf den leichten

Wegen. Ab 1964 wurde er

dann systematisch erschlossen,

zum Beispiel

auch durch Dietrich Hasse

10


(Zentrale Südwand VIIa). Heute ist er zum Gipfel mit den meisten Aufstiegs-

routen geworden.

… 1970 in der Sächsischen Schweiz der

erste Weg mit sechs Ringen von Bernd Arnold

und Nachsteiger Wolfram Nolte eröffnet wurde?

Gemessen an den heutigen Ringalleen wohl

nichts Besonderes, damals aber erregte das die

Aufmerksamkeit der Szene. Es handelte sich dabei

um die Nordwand (damals VIIc, heute als IXb

eingestuft) des Schwagers. 13 Stunden hingen

die beiden Kletterer seinerzeit in der Wand. Akku-Bohrer

gab es eben noch nicht. 18 Jahre später

kam die noch schwerere Jalousie (IXc) als Einstiegsvariante, diesmal mit

G. Ludewig und G. Priebst, dazu. Übrigens war Bernd Arnold damals Mitglied

der BSG Motor Schokopack. Ob es da ab und zu einen Schokoriegel als Kletterverpflegung

gratis gab, ist nicht überliefert.

______Ω_____

Gipfeldrama im Kalten Krieg

DDR Museum deckt nach brisantem Stasi-Aktenfund alpinistische Tragödie

auf

Berlin, 01. April 2021. Das DDR Museum ist bei Recherchen in der Stasi-

Unterlagenbehörde auf eine bisher unbekannte STASI-Expedition gestoßen.

Zum ersten Mal kann nun belegt werden, dass im Taunus in Hessen eine bisher

unentdeckte Bergspitze existiert, die schon aufgrund ihrer Unzugänglichkeit

eines der letzten ungelösten alpinistischen Probleme Deutschlands dar-

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stellt. Ziel der im Herbst 1989 in das so genannte Operationsgebiet entsandten

MfS-Expeditionsgruppe war die Erstbesteigung des Gipfels, um damit den

Klassenfeind vorzuführen und die Überlegenheit des Sozialismus durch das

Hissen der DDR-Fahne jedermann vor Augen zu führen. Wie die Unterlagen

zeigen, haben Mitglieder der Ostberliner Klettersektion „Rote Bergsteiger“

maßgeblich an der Vorbereitung der Aktion mitgewirkt, erhielten aber letztlich

aufgrund eines nicht geleisteten Subbotniks keine Ausreisegenehmigung.

Lediglich ihr Namensvorschlag (Pik Honecker) wurde mit Wohlwollen bedacht.

So war das streng geheime Unternehmen von Anfang an zum Scheitern

verurteilt, zumal die Apfelsinen, welche über die Stasi-Tarnfirma

„Vitamex“ ins Basislager geschickt wurden, ihr Ziel nie erreichten. Wie sich

später herausstellte, war Anfang November eine Mauer, die sich rund um

Westberlin befunden haben soll, umgefallen und hatte die Südfrüchtelieferung

beim Umladen an der Sektorengrenze unter sich begraben. Wenig später

riss auch der Funkkontakt ab. Die letzte, etwas wirr klingende Nachricht

vom STASI-Chef in Ost-Berlin („Ich liebe Euch doch alle!“) wollte allerdings

keiner der Expeditionsteilnehmer wörtlich nehmen. Aufgrund der offensichtlich

unklaren Befehlslage, den sich von der DDR her orkanartig ausbreitenden

Stürmen sowie aufgebrauchter Devisen für die Rückfahrt, beschloss die Truppe,

die Wende ihres Unternehmens einzuleiten. Am Berg wurde abgerüstet

und die Materialschlacht um den immer noch unbestiegenen Pik Honecker

damit beendet. Die inzwischen völlig demoralisierten STASI-Leute tauchten in

den umliegenden Wäldern unter, schließlich konnten sie ja nicht ohne Gipfelsieg

in das sozialistische Vaterland heimkehren. Bis heute weiß kein Mensch,

ob sie dort noch immer in Erdlöchern hausen.

Jahre später gab es seitens des BND Vermutungen, dass sich einzelne bis

nach Bonn durchgeschlagen haben könnten, um dort - als persönliche Referenten

getarnt - den Klassenkampf im Bundestag fortzusetzen. Auch das

vermehrte Auftauchen von so genannten „Ruppberg-Karabinern“ im Frankfurter

Raum gab den Schlapphüten des BND Rätsel auf. Die vom DDR Museum

aufgestellte Vermutung, dass es sich dabei um Relikte der gescheiterten

STASI-Expedition aus dem Herbst 1989 handeln könnte, wurde als völlig ab-

12


surde Theorie abgetan. Pikanterweise hat die Bunderegierung aber schon am

nächsten Tag die Auflösung der STASI-Unterlagenbehörde sowie eine Sperrung

der Akten beschlossen. Die Wiedereröffnung durch das Bundesarchiv ist

für das Jahr 2089 geplant, dem hundertsten Jahrestag der friedlichen Revolution.

Bis dahin wird das Gipfeldrama zwischen den Fronten des Kalten Krieges

wohl nie ganz gelöst werden können. Es bleibt eines der letzten Rätsel der

deutsch-deutschen Alpinismusgeschichte.

Quelle: Sören Marotz, DDR-Museum

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Gut gesagt:

„In den Kletterhallen habe ich mich immer wie ein Süßwasserfisch im

Meer gefühlt, für mich auf Dauer nicht überlebensfähig. Also bin ich

vom Meer den Fluss hinauf geschwommen, bis ich die Berge gesehen

habe. Dort in der alpinen Natur habe ich mich wohl gefühlt.“

Simone Moro

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Thema EBM-Winterwanderung:

Wanderung mit Folgen

Unsere traditionelle Winterwanderung musste in diesem Jahr bekanntlich

ausfallen. Die Gefahr einer Ansteckung untereinander war einfach zu groß,

zumal wir ja auf unserer Hütte übernachten wollten. Und auch unser dann zu

erwartendes Durchschnittsalter liegt ja eher schon im Hochrisikobereich. Also

haben wir, obgleich bedauerlich, den vernünftigen Beschluss gefasst, die

Winterwanderung ausfallen zu lassen und damit die verbliebene aktive Mitgliedschaft

nicht zusätzlich zu gefährden.

13


Was passieren kann, wenn man die Vernunft beiseite lässt, hat eine Gruppenwanderung

von nur 14 Leuten in Mühlheim an der Donau deutlich gemacht,

bei der auch sicher noch eine Einkehr die Ansteckungen begünstigt

hatte.

Die Stadt Mühlheim an der Donau hatte anschließend kurzzeitig eine besonders

hohe Inzidenz, verursacht durch diese eine Wandergruppe.

Am 16. Januar war nach Angaben des zuständigen Landrats eine 14-köpfige

Gruppe mit Teilnehmern aus zehn Haushalten gemeinsam auf eine Wanderung

bei Mühlheim an der Donau aufgebrochen. Die Wanderer hatten anschließend

noch gemeinsam in einer Hütte beisammengesessen. Bereits 25

Corona-Fälle ließen sich schon Ende Januar auf den Ausflug zurückführen.

Laut Mühlheims Bürgermeister hatten sich die Wanderer gegenseitig angesteckt

und später weitere infiziert. In Mühlheim lag die Sieben-Tage-Inzidenz

in der letzten Januarwoche dann bei fast 1000, sank aber seither wieder.

Es habe keine Hinweise auf eine Straftat gegeben, sagte damals ein Sprecher

der Polizei Konstanz. Man sei bislang lediglich von Verstößen gegen die Corona-Verordnung

und das Infektionsschutzgesetz ausgegangen. Es gelte zu klären,

ob Personen, die bei der Wanderung bereits mit dem

Coronavirus infiziert gewesen seien, von ihrer Infektion gewusst hätten. Das

wäre dann Voraussetzung für ein Körperverletzungsdelikt. So bleibt es eine

„billigere“ Ordnungswidrigkeit, ansonsten wäre es eine wesentlich teurere

Strafsache. Allerdings gehe die Polizei derzeit nicht davon aus, hieß es.

Dieser Ablauf hätte 100%ig auch auf unsere Verhältnisse gepasst. Na, da

bleiben wir doch lieber vernünftig.

har

Und was sagt Messner zum Thema Corona?

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab es kürzlich ein Interview

mit Reinhold Messner, bei dem der Ausnahmekletterer auch nach seinem

Umgang mit dem Coronavirus befragt worden ist. Der Reporter fragte da unter

anderem:

Coronavirus und den Klimawandel. Was bereitet Ihnen persönlich mehr

Angst?

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Messner: Angst kommt bei mir in diesem Zusammenhang

nicht vor, auf beides blicke ich

ganz rational. Das Virus ist Teil der Natur, und

wir empfinden es als schrecklich. In Wirklichkeit

ist dieses Virus weder böse noch gut, es

ist nur da und hat genetisch die Information,

dass es sich verbreiten muss. Es ist so winzig

klein, dass man es mit bloßem Auge nicht sehen

kann, und es ist trotzdem in der Lage, die

Welt in Schach zu halten – die Menschenwelt.

Wir müssen sen akzeptieren, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind. Wir

Menschen sind nur geduldet auf der Erde, und wir sind eines der schwächsten

Glieder, obwohl wir mit der Wissenschaft, der Technologie, der Medizin

und der Pharmazie einen Status erreicht haben, der uns in den Glauben ver-

setzt, unendlich zu sein. Als ob selbst der Tod aufzuhalten wäre – alles Humbug!

Es wird uns nicht gelingen, uns über die Natur zu erheben.

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Damals war's, vor 50 Jahren ....

Wie im Editorial angekündigt, hier nun ein paar Gedanken dazu, was vor 50

Jahren so Mode war. Das war also vor der Wende, und verknöcherte Ideologen

hatten noch das Sagen. Dem musste auch unser Fachblatt "der tourist"

Rechnung tragen. So war es eine ganz wichtige Nachricht für die Titelinnen-

seite, dass ein stellvertretender Dirigent des Bergsteigerchores "Kurt Schlosser"

Kandidat der SED wurde. Andererseits war beim Heft 8/71 der Notensatz

von "Wenn die Sonn am Himmel lacht ..." abgedruckt, in dem es ja heißt: ...

den Bergen die Treue ist unser Gebot, also nicht der Partei der Arbeiterklasse.

Oder bei der Vorstellung des damaligen Mannschaftsarztes der Nationalmannschaft

Alpinistik Dr. Heinz Passehr. Da war zunächst wichtig, wie oft er

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Aktivist war, dass er die Medaille für treue Dienste bei den bewaffneten Oristeriums

hatte sowie die Friedensmedaille der FDJ. Ja

sogar die Tatsache, dass auch das Abzeichen für gutes Wissen in seinem Be-

ganen des Innenministeriums

sitz sei. Dass er wohl auch ein guter Arzt war und auch klettern ging, spielte

keine Rolle.

Nun ja, lassen wir das. Es gibt nämlich in diesen Heften hin und wieder auch

Erquickliches und Historisches zu lesen, was das Stöbern unterhaltsam werden

lässt.

So zum Beispiel, dass unsere Jahresabschlußveranstaltung (ja, damals noch

mit „ß“ geschrieben) sogar Eingang in den Terminplan des DWBO-

Mitteilungsblattes gefunden hatte, einmal gab es sogar einen Rückblick auf

die 1970er Auflage, geschrieben von Brigitte Apelt. Das war die Fahrt nach

Rathen, die aufgeteilt war auf die

Übernachtung in der Karl-Stein-

Jugendherberge und in die Feier im „Rosengarten“. Bemerkenswert: Der Artikel

wurde von der Redaktion abgedruckt, obwohl die damals üblichen Lobeshymnen

auf die bevorstehenden Feierlichkeiten zu 25 Jahren SED beziehungsweise

Selbstverpflichtungen in Vorbereitung auf den VIII. Parteitag

eben dieser Partei in diesem Beitrag fehlten.

Manches von damals beschäftigt die Klettergemeinde noch heute. Da ist beian

der Johanniswacht

spielsweise ein Beitrag abgedruckt, der gegenwärtig erbittert diskutiert wird, also das Schlagen nachträglicher r Ringe, damit ungegeklettert

werden. Damals

ging es um die Ostkante des Schiefen Turms. Der wurde am 29. 6. 1969 geschlagen.

In den davorliegenden 12 Wochen war er nur einmal geklettert

sicherte, aber eigentlich lohnende Wege öfter worden, danach im gleichen Zeitraum 25 mal. Das gleiche Anliegen versucht

man auch heute, beim Projekt "Johanniswacht"

umzusetzen.

Und auch das fand ich schmunzelnder

Weise im Jahrgang 1971: Heute

undenkbar, damals aber Realität, die

Eigenherstellung von Sicherungsmaterial.

Zum Beispiel konnte man eine

Anleitung für einen Brustgurt im

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Heft 7/71 lesen. Ich selbst hatte mir so ein Teil auch gebastelt. Es fing aber

damals schon bei der Beschaffung der Ausgangsmaterialien an. Irgendwie

kam man dann aber doch ran. Kleine sozialistische sche Marktwirtschaft eben. Ein

Anseilknoten wurde auch gleich vorgestellt. Damals kamen

auch die ersten Bremshilfsmittel auf. Aber meistens

wurde eben noch mit der Kreuzsicherung geklettert.

Für die Halbmastwurfsicherung fehlte ein geeigneter

Karabiner. An diese Kreuzsicherung habe ich noch

eine ganz schlechte Erinnerung. Bei unserem Hallentraining

wurden auch Fallübungen trainiert. Der Sicherungsmann

saß wie an einem Ring oben unter der Decke

an einer Leiter, und das „Fallsubjekt“ imitierte einen

Sturz von kurz oberhalb. Fallhöhe also knapp zwei Meter oder sogar noch

weniger. Und als sich Jochen Söhler bei einem solchen Training von mir im

direkten Fallversuch halten ließ, hatte ich hinterher her eine Rippenprellung und

einen blau-violetten Ring um die Brust. Von da an habe ich dann nur noch eihar

ne ebenfalls selbst gefräste Bremsplatte verwendet.

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Beton rettet Sandstein

Man kennt ja die zahlreichen künstlichen Kletterwände aus Beton besonders

auf Spielplätzen. Dort sorgen bunte Plastikgriffe für Klettermöglichkeiten.

Aber auch ganze Türme aus Beton sind entstanden, bei denen Griffe meistens

hinein modelliert wurden. Verwitterung ist bei solchen Kletterbauten

normalerweise kein Thema. Anders ist das beim Sandstein. Insbesondere da,

wo die harte Außenhaut verletzt ist, greift das Wetter an. Der besonders weiche

Sandstein im Rathener Gebiet ist dafür anfällig. Sehen kann man das seit

Jahren an den exponierten Felsen der Bastei. Hier wird versucht, die beder

Nachwelt zu erhalten. Von der kann man unter anderem

gut die Abbruchseite des Wartturmes bestaunen. Aber viele kleinere nicht

sofort sichtbare Schäden gilt es zu beseitigen. 2014 war an der Kleinen rühmte Aussicht Stein-

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schleuder eine Platte abgeplatzt und hatte eine Wanderin ins Krankenhaus

gebracht. Eine Untersuchung damals hatte ergeben, dass nicht nur dieser Felsen,

sondern auch andere, unter anderem der Sieberturm dringend gesichert

werden müssten. Dies ist auch mittlerweile weitgehend erfolgt, aber mit

teilweise unschönen Begleiterscheinungen. Der verwendete Beton unterscheidet

sich in der Färbung deutlich vom Grau des umgebenden Sandsteins.

Ohne die eingesetzten Stangen und Nadeln beziehungsweise die Untermaue-

rungen wären schon Teile des Sieberturms vielleicht schon dem Wartturm

gefolgt.

Seit 2016 wird auch an der

schwebenden Plattform geplant

und gebaut, die die poröse

Basteiaussicht überspannen soll.

Gebaut wird eigentlich bis jetzt

nur an den Felsen, die die Plattform

tragen soll. Denn was am

Anfang als einigermaßen preiswerte

Variante aussah, das hat

sich inzwischen kostenmäßig als ein Fass ohne richtigen Boden erwiesen. So

wurde unter anderem bei Bohrungen im hinteren Gestein in 16 Meter Tiefe

nur noch loser Sand zutage befördert. In einem Bereich also, der die tonnenschwere

Plattform tragen soll. Der ganze Fels ist deutlich instabiler als angenommen.

Die Lösung: Zahlreiche 19 Meter lange Stahlpfähle werden in dem

Fels mit eingepresstem Beton verankert und untereinander verbunden. Das

soll dem Felsen Halt geben. Der vordere ziemlich marode Teil des Felsens

wird mit diversen quer liegenden Nägeln an das Massiv angebunden und stabilisiert.

Zur Technik: Zunächst wird eine Bohrung eingebracht, dann werden

die etwa drei Meter langen Stahlnägel eingebracht. Diese sind mit einer

halbdurchlässigen Gaze umhüllt, die dann wie ein Fahrradschlauch mit Beton

prall aufgepumpt wird und so den Nagel fest verankert. Am Fuß des Felsens

wird zudem eine bis zu 30 Zentimeter dicke Spritzbetonschale aufgetragen.

Frühestens 2022 wird mit dem Bau der Plattform begonnen. Für die langen

Realisierungszeiträume kommt es auch, weil die Baustelle im Nationalpark

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liegt. Und da sind zum Beispiel aufwendige naturschutzfachliche Untersuchungen

erforderlich gewesen. Es musste festgestellt werden, welche Tiere

an den Felsen leben und welche Pflanzen dort wachsen. Man staunt, dass so

etwas nicht schon lange bekannt ist. Es ist wohl so etwas wie das Waldohrfledermaus-Syndrom,

das man von einer Elbbrücke her kennt.

Neben den Felssicherungsarbeiten müssen aber die Bauwerke gesichert beziehungsweise

saniert werden, die ja zum Teil aus dem 19. Jahrhundert

stammen. So zum Beispiel an der Basteibrücke, gewissermaßen dem ältesten

Skywalk in Deutschland (1851) und gleichfalls an der Brücke zur Ferdinandaussicht.

Und immer ist auch Beton mit von der Partie.

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Sammelsurium

Stau nicht nur auf unseren Straßen, sondern auch an den Aussichtshotspots

in unseren Bergen. Die um sich greifende Selfiemanie führt dazu,

dass an exponierten Stellen unbedingt ein Foto gemacht werden muss, und

das natürlich allein ohne störende Mitbewerber. So entstehen dann durch

diese eigentlich nur Wichtigtuerei lange Wartezeiten. Und wenn das begehrte

Fotomotive eine schmale Hängebrücke ist, dann ist eben auch kein „danneben-nicht“

möglich, denn der Weiterweg geht halt nur über diese Engstelle.

Im Rahmen der Feierlichkeiten des Musters „30 Jahre ….“ ist ein Jubiläum

untergegangen, von dem wir als EBM direkt betroffen sind, nämlich „30

Jahre DAV-Sektion Brandenburger Tor“. 1991 entstand diese Alpenvereinssektion

aus den DDR-Sportvereinen Lok „Erich Steinfurth“, Einheit Berlin Mitte,

Außenhandel, Luftfahrt, Lok Schöneweide und weiteren kleineren Klettersektionen.

Als damals mitgliedsstärkste Gruppe stellten wir mit Andreas

Kramer auch den ersten Vorsitzenden. Zur Erinnerung: Heute ist es Lutz Prill,

der allerdings nur formal zu uns zählt.

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Aussicht vom Sperlingstein zum Schneeberg (Bildmitte mit Turm). Unten ist auch die Elbe zu sehen. Aufnahme ist entstanden bei der EBM-Winterwanderung 2019

(Foto: H. Wiemann)



Rettung naht ….

Das ist in unseren Mittelgebirgen meistens kein Problem. In den Hauptklettergebiet

haben sich Strukturen entwickelt, sodass meist nicht viel Zeit

vergeht, bis Helfer vor Ort sind. Im Hochgebirge ist das schon anders, obwohl

in den hochfrequentierten Gebirgen, wie in den Alpen, auch dort schnelle Hilfe

meist möglich ist. Hier ist der Einsatz von Helikoptern eine große Hilfe.

Aber auch in unseren Mittelgebirgen lauern Gefahren, speziell im Winter, die

man erstens nicht vermutet und damit zweitens nicht berücksichtigt. Hier

lauert die größte Gefahr eigentlich dann, wenn man markierte Wege oder

Routen verlässt. So wurde eine Schneeschuhwanderin im Schwarzwald von

einer Lawine mitten im Wald verschüttet und verstarb. Sie war durch eine

nicht zu erkennende Schneebrücke gefallen, die einen Bachlauf überdeckte.

Dadurch rutschte Schnee nach und das löste schließlich eine Lawine von etwas

weiter höher aus. Zum Schluss lag die Frau sechs Meter unter der

Schneeoberfläche. Durch einen von der Seiter her gegrabenen Tunnel, allerdings

erst nach Stunden konnte die Frau geborgen werden. Das Fazit des

Chefs der 36 Retter: In unbekanntem Gelände sollte man sich seiner Sache

sicher sein.

Ihrer Sache sicher waren wohl auch zwei Bergsteiger*), die vom Gasherbrum

VII mit Skiern abfahren wollten. Der eine von beiden Cassardo stürzte in einem

Steilstück 500 Meter ab und verlor dabei Skier, Rucksack und sogar einen

Teil seiner Klamotten. Er war schwer verletzt, aber lebte noch. Und so

lief dann die Rettung: Der Unverletzte rief über sein Satellitentelefon seine

Frau in München an, die ihrerseits die Rettungshubschrauber über die Botschaft

alarmierte. Da die aber wegen des Wetters nicht starten konnten,

musste der Verletzte noch eine Nacht in einem Schneeloch verbringen, das

sein Partner ihm gegraben hatte. Außerdem war er ins Camp1 abgestiegen

und hatte Schlafsack und Rettungsdecke herauf zu holen. Das Ganze spielte

sich auf 6300 Meter Höhe ab. Die Hubschrauber waren aber bei einem anderen

Rettungsversuch am K2 gebunden. Also mussten Bergsteiger, die sich in

dem Gebiet befanden, helfen. Darunter war auch der bekannte Kasache >>>

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>>> Denis Urubko. Er ist wohl der stärkste Himalayagänger und der erfahrenste

Höhenretter. Schon am Annapurna hatte er eine spektakuläre Ret-

tungsaktion angeführt. Zusammen mit ihm stiegen der Kanadier Don Bowie

und zwei weitere starke polnische Alpinisten zum Verletzten auf. Kurz vor

dem Einbruch der Dunkelheit

erreichten sie ihn und

konnten ihn noch mit einem

Behelfsschlitten 200

Meter tiefer bugsieren. Die

Nacht wurde wieder unter

freiem Himmel verbracht,

allerdings beim Abstieg

zum Basislager. Von dort

konnte der Verletzte dann

mit dem Heli in eine Klinik ausgeflogen werden.

Neben der unglaublichen Leistungen von Urubko und den anderen waren für

die Rettung ausschlaggebend beziehungsweise einbezogen ein Satellitentelefon,

die Ehefrau in Italien, der italienische Botschafter in Pakistan und natürlich

ein Helikopter.

Hier ergibt sich dann die Frage: Wären die beiden zu dem Unternehmen ge-

startet, wenn sie hätten damit rechnen müssen, wirklich nur auf sich allein

gestellt zu sein, ohne die rettungsrelevante Technik?

*)Die Italiener C. Cementi und Francesco Cassardo. Cementi ist in diesem

Jahr in einer Lawine verstorben.

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Gelbe Natur

Anfang Februar hatten wir in diesem Jahr wieder einmal ein paar echte Wintertage

mit Frost und verhältnismäßig viel Schnee. Und im Süden gab es dazu

gelben bis ockerfarbenen Niederschlag. Der war den Staubwolken >>>

23


>>> aus der Sahara zu verdanken, die von einer starken Südströmung bis

nach Mitteleuropa getragen worden waren.

Seit einiger Zeit gibt es aber auch einen Gelbstich in unserer Landschaft. Den

verdanken wir der Gewöhnlichen Gelbflechte (Xanthoria parietina). Seit Anfang

der Neunziger Jahre breitet sich diese stark aus. Das ist einerseits ein

gutes Zeichen, weil sich Flechten generell seit dem Rückgang der Schwefeldioxidemissionen

besser entwickeln, andererseits örtlich auch ein schlechtes,

nämlich dort, wo ein übermäßiger Gülleeintrag in die Natur erfolgt. Gülle

enthält bekanntlich viel Nitrat, das gelangt in das Grundwasser und macht

dort ab einer bestimmten Menge Probleme, Gülle dünstet aber leider auch

Ammoniak aus, dem wir in der Nähe von landwirtschaftlicher Nutzung geruchsmäßig

nicht entgehen können. Und dieses Ammoniak reagiert mit der

Luft zu Ammoniumsalzen, der Hauptnahrung der Gelbflechte. Auch auf unseren

Sandsteinfelsen fühlen sich Flechten ausgesprochen wohl.

Die Gelbflechte schadet nicht ihren Trägern, sie zeigt aber an, dass das ökologische

Gleichgewicht der Natur aus den Fugen geraten ist. Überdüngung ist

hier das Stichwort. Das geht letztlich auch auf einen deutschen Chemiker zu-

rück, der vor über hundert Jahren ein Verfahren erfand, wie man aus dem

Stickstoff der Luft Kunstdünger machen kann. Unser Planet ist inzwischen völ-

lig übersättigt mit diversen Stickstoffverbindungen.

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Leute ... Leute ... Leute .... Leute .... Leute ... Leute ... Leu

Cesare Maestri mit 91 Jahren gestorben.

Sein Name wird ewig mit dem Cerro Torre verbunden blei-

ben: Ob er ihn 1959 tatsächlich als Erster bestiegen hat,

bleibt wohl ungewiss. in.

Die Geschichte begann 1959. Damals gab der italienische

Kletterer Cesare Maestri bekannt, dass er mit dem Osttiroler

Toni Egger auf dem höchsten Punkt des Cerro Torre in

Patagonien gestanden habe, eines 3128 Meter hohen Granit-Giganten mit

einer Kappe aus Eis – und einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge

der Welt. Ein gewaltiger Erfolg.

Doch immer lauter werdende Zweifel an der Geschichte der angeblichen

Erstbesteigung, am Gipfelfoto, an seinem toten Kameraden Egger, der beim

Abstieg von einer Lawine erfasst worden war, und an der dabei verlorengegangenen

Kamera mit dem Beweisfoto nagten an Maestri. In seiner Ehre gekränkt,

stieg er daher elf Jahre später, 1970, noch einmal ein – mitsamt einem

135 Kilogramm schweren benzingetriebenen Luftkompressor, den er bis

kurz unterhalb des Gipfels mitschleifte. Mit dem Gerät setzte er Bohrhaken

um Bohrhaken in den Fels, insgesamt samt 360 Stück. Der Kompressor hängt bis

heute dort, seit einem halben Jahrhundert. Nun ist er im Alter von 91 Jahren

gestorben.

Ob Maestri die Wahrheit über seine angebliche Erstbegehung des Cerro Torre

gesagt hat? Die Frage hat Generationen von Kletterern rn dazu gebracht, selbst

an dem Berg nach Spuren zu suchen. 2005 erreichte eine Dreierseilschaft, die

weitgehend der Maestri/Egger-Linie von 1959 folgte, den Gipfel des Cerro

Torre. Die Haken, die Maestri laut seinen Berichten 1959 dort geschlagen ha-

ben will, oder andere Spuren fanden die Kletterer nicht. Es gab Gerüchte,

wonach Reinhold Messner den Kompressor einmal aus der Wand holen >>>

25


Leute ... Leute ... Leute .... Leute .... Leute ... Leute ... Leu

>>> wollte – der Widerstand bei den Kletterern sei aber zu groß gewesen.

Vielleicht hat Maestri immer die Wahrheit gesagt. Vielleicht wird die Wahrheit

nach seinem Tod aber auch immer ein Geheimnis bleiben.

Auch wenn sein Name immer mit dem Cerro Torre verbunden bleiben wird, Maestri

allein darauf zu reduzieren, würde seiner Leistung nicht gerecht werden.

Besonders in der Brenta und in den Dolomiten hat Maestri, der den Beinamen

„Spinne der Dolomiten“ trug und zu den besten Kletterern seiner Zeit

gehörte, Spuren hinterlassen. Er eröffnete zahlreiche Routen, wiederholte

andere im Alleingang, wurde zum Vorreiter späterer Generationen, indem er

Routen aneinanderreihte. 1954 bestieg er in der Brenta im Alleingang inner-

halb von 24 Stunden 16 Gipfel. 1956 durchstieg er ebenfalls solo die Nordwand

des Cimon della Pala (3184 Meter).

Neues Wunderkind?

"Wo ist denn nun das Wunderkind", fragte die

Kletterlegende Bernd Arnold, als er sich an der

Großen Hunskirche am Einstieg zum Privatweg

eingefunden hatte, um Svante Neumann (15)

zuzusehen, wie er seinen letzten so genannten

Meisterweg klettern wollte. 91 der insgesamt 92

Meisterwege hatte der da in den zurückliegenden

nur fünf Monaten schon abgehakt. Meisterwege,

das waren zu DDR-Zeiten extrem schwere

Wege mit Linie, für es damals meist nur VIIc-

Einstufungen gab, die aber heute bei der erweiterten Skala meist im VIIeroder

IXer-Bereich angesiedelt sind, der Privatweg beispielsweise mit VIIIb.

Bollwerke waren das damals. Zwölf solcher Wege mussten innerhalb eines

Jahres geklettert werden, damit man die Einstufung Meister-des-Sports be-

26


Leute ... Leute ... Leute .... Leute .... Leute ... Leute ... Leu

kam. Nur wenige schafften das. Aus Berlin war bei den Frauen die unvergessene

Elvira Meisel eine Meisterin des Klettersports.

Ausgerechnet Corona half dem Schüler bei dieser Leistung, denn durch die

Schließung der Schule gab es mehr Freizeit für das Unternehmen. Am Ende

waren auf der Großen Hunskirche fast zwei Dutzend Kletterer versammelt,

teils dem jungen Gipfelstürmer er nachgestiegen, teils auf anderen Wegen nach

oben gekommen. Darunter auch Bernd Arnold, Gisbert Ludewig, Helfried Hering

und Günter Priebst, alles Leute, die früher diese Wege drauf hatten.

Und wie das bei jungen Leuten so ist, neue Ziele müssen her. Und da hat sich

Svante Neumann das "Must-have" des sächsischen Bergsteigens vorgenommen,

die 400 schönsten Wege. Der nächste Lockdown steht ja schon vor der

Tür.

PS.: Die Neumann-Dynastie gehört zu den Alle-Gipfel-Bezwingern, einschließ-

lich natürlich mit Sohn Svante.

Dramen

Reinhold Messner hat einmal sinngemäß gesagt, er

habe bei seiner Bergsteigerei riesiges Glück gehabt

und überlebt. Über die Hälfte der Spitzenbergsteiger

sind in den Bergen umgekommen.

Nun hat es Carlalberto Cimenti erwischt. Er ist

tödlich verunglückt. Beim Skifahren mit einem Freund in den italienischen Alverschüttet.

Der Itali-

pen wurde der Fünfundvierzigjährige von einer Lawine ener und sein Begleiter eiter wurden unter zwei Metern Schnee tot aufgefunden,

Cimenti war unter anderem im Juli 2019 durch die Besteigung des Nanga

Parbat (8125 Meter) im Karakorum und die anschließende Skiabfahrt bekanntgeworden.

Nur Wochen später hatte er die Erstbesteigung des

Gasherbrum VII (6955 Meter) geschafft. Sein Begleiter Francesco Cassardo

stürzte damals auf der Skiabfahrt Hunderte Meter weit ab, konnte aber in einer

dramatischen Rettungsaktion mit Hilfe anderer Bergsteiger schwer ver-

letzt geborgen werden. >>>

27


Leute ... Leute ... Leute .... Leute .... Leute ... Leute ... Leu

>>> Im März 2020 war Cimenti an Covid-19 erkrankt. Die Krankenhäuser in

Norditalien waren damals heillos überlastet, Cimenti bekam nur Medikamen-

te und überwand seine Lungenbeschwerden schließlich zu Hause. Cimenti,

der unter anderem auf dem Cho Oyu (8201 Meter), dem

K2 Manaslu (8163 Meter) und dem Dhaulagiri (8167 Meter)

stand, hatte kurz zuvor als Hoffnungszeichen eine Erinnerung

an den Pakistaner Muhammad Ali Sadpara auf

Facebook gepostet. Sadpara ist am K2 (8611 Meter) ge-

storben. Mit ihm zusammen hatte Cimenti 2019 den Gipfel

des Nanga Parbat erreicht. Sadpara gehört zu den drei

am K2 verschollenen Bergsteigern. Die waren in etwa 8000 Metern Höhe das

letzte Mal gesehen worden.

Wenige Tage zuvor war am K2 schon der Bulgare Atanas Skatov beim Abstieg

tödlich verunglückt, ebenfalls

Mitte Januar war auch der Spanier Sergi

Mingote tödlich abgestürzt. Auch Mingote hatte im Juli 2019 wie Carlalberto

Cimenti den Gipfel des Nanga Parbat erreicht.

_____________Ω_____________

Weisheiten und Sprüche:

Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.

J. W. von Goethe

Die wahre Belastungsprobe für eine Beziehung ist nicht das

Zusammenziehen oder das Kinderkriegen, sondern, gemeinsam

ein Wurfzelt wieder abzubauen.

I. Hartmann

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Kleine Materialkunde

Der Anorak

Die Gleichberechtigung oder gar die Gleichstellung von Mann und Frau lässt

bekanntlich auf sich warten. Aber seit den Dreißigerjahren gibt es ein – heute

würde man sagen cooles – Teil, das in früher Zeit einmal erfunden wurde,

um der Kälte zu trotzen. Und das wurde unverändert im Schnitt von Männlein

oder Weiblein getragen. Damals hatten die Inuit (Eskimos darf man ja

nicht mehr sagen) dieses coole Teil erfunden. Der Begriff ‚Anorak‘ ist eine dä-

nische Interpretation des Inuit-Wortes annoraaq. In seiner Ur-Version wurde

das Kleidungsstück aus zwei in einander gesteckten Häuten – entweder von

Robben oder von Karibus – hergestellt. Die Innenseite wird nach außen ge-

stülpt, sodass die wärmende

Fellseite nach innen

kam. Mit Robbendarm

wurde das Kleidungsstück

noch gegen Feuchtigkeit

abgedichtet. Das war dann

das Vorbild aller späteren

Funktions-kleidung. In den

70iger Jahren dann trat der

Anorak, auch teils als Windjacke

und später der Zeit

geschuldet

als

Windbreaker betitelt, seinen

Siegeszug an. Der

Schnitt war da stets unisex

in Form einer Schlupfjacke.

Unterschiede für die damals

noch zwei Geschlechter

gab es nicht. Und es gab

damals auch noch niemanden/niemande,

der oder

die das moniert hätte als Diskriminierung der Frau. >>>

29


>>> Selbst Alice Schwarzer habe ich auf einem Foto mal so verhüllt gesehen.

Gern erinnere ich mich an die DDR-Version zu 70 Ostmark in blau, gelb oder

feuerwehrrot, natürlich unisex. Das war im Übrigen ja auch ideal für die allumfassende

Planwirtschaft.

Es gab eine große Brusttasche und eine Kapuze. In meinen Fotoalben gibt es

viele Bilder von Personen, die solch einen Anorak ihr eigen nannten. Den Anforderungen

eines Hochgebirgswinters hätte ein solches Teil aber nicht

standgehalten.

Für die Tatra-Hauptkammüberschreitung Mitte der 70iger Jahre hatte ich mir

von einer Westtante einen strapazierfähigen Anorak im Luis-Trenker-Stil erbettelt.

Der hatte sogar noch einen Riegel durch den Schritt, damit er bei einem

Sturz im Schnee nicht über den Kopf rutschte. In dem Teil sah ich aus

wie Hermann Buhl. Nachteil dieses Anoraks war, dass er, sobald er feucht beziehungsweise

nass wurde, zwar regendicht war, er aber gleichzeitig eine so

große Steifigkeit annahm, die es dann verhinderte, dass ich ihn nicht ohne

fremde Hilfe wieder vom Körper bekam. Außerdem, man kannte damals den

modernen Brustgurt noch nicht, hatte er drei Brusttaschen, an die, hätte man

das Teil mit Brustgurt getragen, nicht mehr rangekommen wäre.

Wie alles im Bereich der Mode, wurde auch der Anorak für das Geschäft auf

dem Bekleidungsmarkt okkupiert. Und auch der Anorak wurde als Variante

für die Frau mit allerhand unnötigen, teils hinderlichen Accessoires garniert.

Ein Zurück also zur Ungleichbehandlung. Wenn es kalt ist, sind aber geschlechterspezifische

Kleidungseigenheiten eigentlich nicht gefragt. Es gibt

eben Dinge, die uns die Inuit schon immer voraus gehabt haben.

91 % von 1001 Befragten antworteten, dass es

sie glücklich mache, in der Natur zu sein.

Aber nur 66 % können ein Buchenblatt richtig zuordnen, immerhin 82 % ein

Kastanienblatt. Ob es sich um einen Reiher oder einen Kranich handelt wissen

nur 29 % und 70 % können ein Reh nicht von einer Rothirschkuh unterscheiden.

30


Ergänzung zum Beitrag Gipfeldrama (siehe Seite 11)

Aus dem von Sören Marotz beschriebenen Drama ging leider nicht hervor,

wie die Kämpfer eigentlich das Zielgebiet erreicht hatten. Ich habe versucht

dies nachzuvollziehen und bin dabei auf die Beschreibung eines schwierigen

Wegabschnitts gestoßen, den die Leute genommen haben müssen, und der

die Leistung der damals Beteiligten in ganz neuem Licht erscheinen lässt:

Zunächst ging es wohl durch ein Waldstück und über eine Wiese. Dieser Zugang

war aber durch Abfälle und sonstige Biwakspuren ausreichend gut erkennbar.

Am Steilhang ging es dann neben einem Blitzableiter der ehemaligen

Gipfelgaststätte zunächst bis zu auffallenden Grasbatzen. An einem der

festeren musste sie sich hochgezogen haben zu einem Hangelquergang an

verrostetem Drahtseil zu einem Standplatz. Hier hatten sie vermutlich nachgeholt,

obwohl wegen der vom Klassenfeind ausgelegten Glasscherben Vorsicht

geboten war. Offenbar wurde von dort weiter gequert zu einem eingeklemmten

Nachtgeschirr, und von da hatten sie sich dann mit Hilfe von

Dübelpistolen und Trittleitern in technischer Kletterei über eine künstliche

Mauer auf eine nächste Plattform zwei Meter hoch gearbeitet (Schlüsselstelle).

Jetzt konnten die Akteure einen Stachelbeerbusch greifen und sich an ihm

vorsichtig auf das letzte Plateau hochziehen. Das Schwerste war damit überwunden.

Nun ging es leicht weiter zum höchsten Punkt.

Sören Marotz hat sich im Januar noch die Mühe gemacht, mit einer Winterbegehung

die ungeklärten Bruchstücke dieses Puzzles zusammen zu fügen.

Weitere Spuren hat er aber nicht gefunden. Auch bleibt die Frage ungeklärt,

ob nicht vielleicht auch der KGB mit von der Partie gewesen ist, denn im Hintergrund

war der ja auch stets dabei. Es hätte ja vielleicht noch ein Abalakow

vor sich hinrosten können, oder Reifenspuren des Dienstfahrzeugs vom Wladimir

Wladimirowitsch Putin im gefrorenen Boden konserviert worden sein.

Lauter offene Fragen!

Sören hat mir aber schon signalisiert, dass er dran bleiben will.

(har)

31


Bemerkenswerte Zahlen

Nur 2,8 Prozent der Wälder in Deutschland sind der freien Entwicklung

überlassen und weisen damit auch einen gesunden Waldboden auf. Bis

sich ein Zentimeter dicker Waldboden bildet, braucht es etwa 100 Jahre. In

einem Liter Erde tummeln sich bis zu 10 Milliarden Lebewesen. Die erzeugen

für uns den Humus.

17 der 19 Waldbrände in der Sächsischen Schweiz im Jahr 2018

sind von illegalen Lagerfeuern ausgegangen. In den Folgejahren lag das Verhältnis

in der gleichen Größenordnung, wenngleich die absolute Zahl der

Brände zurückging. Hauptursache war die neue 'Mode', abends auf einem

möglichst exponierten Felsriff ein romantisches Feuer zu entfachen.

Seit Jahren ist das Feuern in den Boofen untersagt, sehr zum Leidwesen der

traditionellen Kletterszene. Aber eine (absolute) Ausnahme gibt es: Am Totensonntag

pilgert ein Teil der Klettergemeinde nach der Feier auf der Hohen

Liebe in den Großen Dom, wo in einer Boofe unterhalb der Rohnspitze ein

Lagerfeuer mit ausdrücklicher Genehmigung der Nationalparkverwaltung

entzündet werden darf. Von der NPV wird sogar das dafür erforderliche Feuerholz

herangeschafft, damit kein Totholz aus der Umgebung entnommen

werden muss. Die hier versammelten Bergfreunde lauschen dann bei einem

Becher wärmenden Glühweins den Liedern der Bergfinken.

Leider konnten die Berliner für ihre traditionelle Jahresanfangsfahrt zur

Südecke des Großen Zschirnsteins eine solche Ausnahmegenehmigung beim

Forstamt Neustadt nicht aushandeln.

Rund 12.000 Euro müssen Anwärter auf die Bergführerlizenz für ihre

Ausbildung aufbringen. Größter Brocken dabei ist die Prüfungsgebühr mit

1.700 Euro. Weitere Kostenfaktoren sind Kurs- und Lehrgangsgebühren, Arbeitsmittel,

Fachliteratur und auswärtige Übernachtungen.

Die Verdienstmöglichkeiten nach erfolgreicher Ausbildung beginnen bei 450

Euro pro Tag und können je nach Anforderungen der Tour auf bis zu 1000 Euro

steigen.

32


Im Januar 1990 zählte EBM 204 Mitglieder, dann pendelte sich deren

Zahl auf um die 60 ein. Gegenwärtig sind es noch nicht einmal mehr 50.

Beitragszahler sind leider noch weniger.

Etwa 21.000 Übernachtungen zählen die Ranger jährlich in der Sächsischen

Schweiz. Aber nicht etwa in Betten, sondern im Freien. Aber nicht nur

in Boofen, also zugelassenen Orten, sondern auch mitten im Wald oder auf

den beliebten, meist ausgesetzten Riffen. Die meisten von ihnen ohne jeden

Bezug zum Klettern, für das ja die Ausnahmeregel ursprünglich gemacht worden

war. Noch unter dem inzwischen ausgeschiedenen Nationalparkchef Butter

war deshalb diskutiert worden, ob nur die Vorweisung eines

Bergsteigerausweises zur Freiübernachtung berechtigen solle oder ein zu lösendes

Ticket. Bei der sächsischen Staatsregierung hat man eine solche Regelung

weiter im Auge. Angedacht war sie schon mal für 2021.

60.000 Hektar bewaldete Flächen hat Bayern als Naturwälder ausgewiesen

das heißt das diese Forsten in der Entwicklung sich selbst überlassen

bleiben.

8848,86 Meter

Jetzt wissen wir es genau: China und Nepal haben erstmals gemeinsam den

Mount Everest gemessen und berechnet, und er ist genau 8848,86 Meter

hoch, jedenfalls im Moment. Einer der nepalesischen Vermesser, die im

Frühjahr 2019 zeitgleich mit chinesischen Wissenschaftlern auf den Gipfel

hoch gestiegen sind, berichtete kürzlich von seinem dramatischen Aufstieg

auf den Mount Everest.

Die Messung war den Politikern so wichtig, dass die Außenminister von China

und Nepal, Wang Yi und Pradeep Kumar Gyawali, die neue offizielle Höhe

des Berges erst im Januar in einer Videoschalte offiziell bekanntgegeben haben.

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Während eine nepalesische Gruppe von Landvermessern 2019 den Gipfel von

Süden erklomm, war eine chinesische Expedition mit dem gleichen Ziel im

Frühjahr 2020 auf der tibetischen Nordseite des Berges unterwegs. Die Chinesen

bauten dafür eigens ein 5G-Mobilfunknetz auf. Zweieinhalb Stunden

lang sollen sie auf dem Gipfel gearbeitet haben, um die Höhe neu zu bestimmen.

Weil diese Expedition die einzige war, die im Frühjahr am Mount Everest

unterwegs war, wurden die Vermesser bei ihrer Arbeit nicht durch Berg-

steiger gestört.

Nach dem heftigen Erdbeben im April 2015, das bekanntlich eine Stärke von

7,8 auf der Richterskala erreichte und auch in der Everest-Region große

Schäden anrichtete, war angenommen worden, dass sich durch die Verschiebung

der Erdplatten die Höhe des Mount Everest geändert haben könnte. Die

bisher als offiziell angegebene Höhe von 8848 Meter stammt aus dem Jahr

1954 vom Amt für Kartografie Indiens. Es ist der Mittelwert aus Daten von

insgesamt zwölf Messstationen. Mitte der 1970er Jahre bestätigte eine chi-

nesische Expedition den Wert, sie kam auf 8848,13 Meter. Von dieser Expedition

stammt noch ein Stativ auf dem Gipfel des Mount Everest, das für viele

nachfolgende Besteiger den Beweis des Gipfelerfolgs lieferte.

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Im September 1992 bestimmte eine chinesisch-italienische Expedition die

Höhe mit Hilfe von Theodoliten, Lasern und GPS und gab einen Wert von

8848,82 Metern an. Bestätigt wurde dieser Wert durch eine Messung mit Radarreflektoren

im Jahr 2004. Dagegen ergab im Mai 1999 eine Messung mit

GPS-Empfängern 8850 Meter, und eine chinesische Expedition kam 2005 auf

8844,43 Meter. Demnach ist der Berg seitdem um 30 Zentimeter gewachsen.

Es gibt wohl kaum einen Berg auf der Welt, zumindest aber im Himalaja, der

so oft vermessen worden sein dürfte, wie der Mount Everest.

Und was für einen Nutzen bringt nun dieser hohe Aufwand für die Menschheit?

Auf mich wirkt das Ganze mehr als Rechthaberei der Anliegerstaaten.

Und sicher war das nicht die letzte Messung.

Kürzlich berichtete nun einer der nepalesischen Vermesser von seinem Aufstieg

auf den Mount Everest. Laut Khim Lal Gautam herrschten bei der Arbeit

auf dem Gipfel minus 43 Grad Celsius. Die Vermesser arbeiteten in der Nacht,

weil zu dieser Zeit keine Bergsteiger unterwegs sind. Beim Abstieg habe er

das Bewusstsein verloren, schilderte der 36 Jahre alte Nepalese. Mit einem

Hubschrauber wurde er schließlich vom Berg geholt. Aufgrund von Erfrierungen

musste ihm später die linke große Zehe amputiert werden.

(Limerick 50)

Es meinte ein Klett’rer aus Lingen:

Den Everest will ich bezwingen.

Am Berg aber tat er erbleichen,

ließ seine Pläne verstreichen.

Sein Kopfkino muss es jetzt bringen.

(har)

375.000 Euro jährlich hat die Nationalparkverwaltung in die touristische

Infrastruktur investiert. Sie unterhält 500 Kilometer Wanderweg, 80

Steiganlagen mit einer Gesamtlänge von 23 Kilometern und rund 5000 Meter

Höhendifferenz, 110 Infotafeln und 1600 Wegweiser.,

78,2 Grad Celsius heiß kann der Boden in der iranischen Wüste Lut an

der Oberfläche werden.

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16.079 Neubesohlungen bei Bergschuhen

hat allein in Deutschland der Schuhhersteller

Lowa im Jahr 2019 durchgeführt.

Auch die Reparatur-Werkstätten

von Meindl und Hanwag sind sehr gut ausgelastet.

Angespritzte Sohlen (vor allem bei

preiswerten Schuhen angewendet) sind allerdings

nicht reparierbar.

3 Millionen unentdeckte Schiffswracks liegen auf dem Boden der

Weltmeere. Das schätzt die UNESCO. Mit Hilfe von Satellitenfotos sollen sie

anhand der durch die Wracks verursachten Wasserverwirbelungen aufge-

spürt werden.

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Vielklettern tut der Seele gut

Psychologen und Sportmediziner verweisen

seit langem auf die positiven Wirkungen

von Bewegung. Wer Tai-Chi oder Qui-

Gong ausübt, weiß über deren ausgleichende

Wirkung auf das mentale Fühlen.

Aber woran liegt das? Wissenschaftler haben

jetzt nachgewiesen, dass das Gehirn

gegebenenfalls Rechenkapazitäten von einem

Bereich in den anderen verlagern muss, weil seine Rechenkapazität begrenzt

ist. Im konkreten Fall verlagert es bei Bewegung Kapazitäten aus dem

Bereich der Emotionen in den Bereich, der die Bewegungen koordiniert. Bekanntlich

ist die Multitaskingleistung eines Rechners begrenzt. >>>

>>> So ist das eben auch beim Gehirn. Durch die Verlagerung der Rechenleistung

in den Bewegungsbereich, muss der Emotionsbereich quasi runterge-

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fahren werden, sprich: Man beruhigt sich. Auf das Klettern bezogen bedeutet

das, je intensiver man sich auf die Kletterbewegungen konzentriert, desto

kleiner werden mentale Probleme.

Fazit: Vielklettern tut der Seele gut.

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Die vielen Jubiläen des vergangenen Jahres haben wir hinter uns. Dazu

gehörte auch die 200. Wiederkehr der Erstersteigung der Zugspitze.

Die Zugspitze: Die Geschichte des höchsten

deutschen Gipfels

Der Name des höchsten Berges Deutschlands, der 2.962 Meter hohen Zugspitze,

erklärt sich natürlich nicht daraus, dass man ihn – fast –mit dem Zug

erreichen kann. Tatsächlich gelangt man von Garmisch mit einer elektrischen

Adhäsionsbahn ins Zugspitzdorf Grainau. Von dort rattert eine Zahnradbahn

(Spurweite ein Meter, System Riggenbach) zum Fuß der Riffelwand und durch

einen 4,5 Kilometer langen Tunnel bis zum „Platt“, der großen, schrägen und

für den Wintersport erschlossenen Karsthochfläche südlich unterhalb der

Zugspitze. Dort hinauf gelangt man dann mit einer Seilbahn.

Auf dem berühmten „Atlas Tyrolensis“ von 1774 ist von der Zugspitze noch

nichts zu sehen: Neben den wirtschaftlich interessanteren Tälern, Almen und

Bergbaugebieten verzeichneten die Tiroler Kartographie-Pioniere Peter Anich

und Blasius Hueber nur „auf Blattach“ (eben jenes „Platt“) und den

„Blattacher Ferner“ (den heute bis auf zwei geringe Firnreste abgeschmolzenen

Schneeferner), die „Höhlethal Schrofen“ (den wilden Felskamm der Höllentalspitzen)

und zwei Gipfel mit der Bezeichnung „Wetterstein“, über denen

die Menschen seit jeher meteorologische Veränderungen ablasen.

37


Etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1750 und 1780, fertigte auch ein einheimischer

Förster eine Karte des Zugspitzgebiets an, und zwar mit genauen Wegbeschreibungen.

Beispielsweise für den Weg von Garmisch-Partenkirchen

durch das Reintal „ybers blath uf Zugspitz“ veranschlagte er „8 1/2 Stundt“.

Obwohl seit Jahrhunderten „erschröckliche“ Geschichten über Berggeister

kursierten, waren offenbar schon sehr früh Menschen in der Gipfelregion unzur

Jagd oder auf der Suche nach verirrten Schafen, ziemlich sicher

auch mit rußgeschwärztem Gesicht zum Wildern oder mit Schmuggelgut auf

terwegs – dem Buckel.

Heute führen drei Normalwege auf den Gipfel der Zugspitze.

Die erste verbürgte Ersteigung der Zugspitze gelang Joseph Naus, einem

Leutnant der bayerischen Armee, am 27. August 1820 mit dem

Partenkirchner Führer Johann Georg Tauschl. Beim Abstieg überraschte die

Gruppe ein Unwetter, aber auch die Spalten des damals noch ausgedehnten

Schneeferners sorgten für Angst und Schrecken. Es folgten weitere Ersteigungen

auf allen erdenklichen Routen, der Bau eigener Bergsteigerder

Knorrhütte (1855) oder der Höllentalangerhütte (1893)

sowie die Anlage von Gipfelwegen, die stellenweise aus dem Fels gesprengt

Unterkünfte wie bzw. mit Stahlseilen und Metallstiften gesichert wurden.

1851 entstand das erste Kreuz auf dem Westgipfel. Es hielt Blitzen und

Schneestürmen stand, nicht aber dem Willen der Alpenvereinssektion >>>

38


>>> München, auf dem höchsten Punkt des damaligen Deutschen Reiches ein

Schutzhaus zu errichten. 1897 war der Urbau des Münchner Hauses fertig; im

folgenden Jahr fanden hier bereits 1800 Besucher ein Dach überm Kopf. Allerdings

rief das Vorhaben auch Gegner auf den Plan, weil man „die stumpfsinnige

Masse nicht auf den Gipfel hinauflocken“ wollte. Als hätte man geahnt,

was noch folgen sollte: Um 1900 entstand ein Turm neben der Hütte,

von dem das Wetter täglich über eine 21 Kilometer lange Telefonleitung nach

Partenkirchen gemeldet wurde. Während der Wintermonate mussten die

Wetterwarte zunächst allein auf dem Berg ausharren.

Das änderte sich erst 1926, als die Tiroler die erste Zugspitz-Seilbahn eröffneten:

Ihre Talstation steht in der Nähe von Ehrwald, die Bergstation unter dem

Westgipfel, wo auch das damals höchstgelegene Hotel Österreichs entstand.

Mit der Realisierung der bayerischen Zahnradbahn bekam auch das „Platt“

eine entsprechende Herberge samt Seilbahn zum Gipfel: Das für die damalige

Zeit luxuriös ausgestattete Schneefernerhaus, in dem zum Beispiel Deutschlands

„oberster“ Frisör wirkte, entwickelte sich bald zum Zentrum des Skibetriebs.

Heute reichen die Liftanlagen bis auf die Höhe der Knorrhütte hinunter.

Seit den 1960er Jahren surrt auch von der deutschen Seite eine Seilbahn

herauf, während sich rund um das Gipfelhaus – wie beim Turmbau zu Babel –

immer mehr wissenschaftliche und touristische Einrichtungen anlagerten:

von einer zweiten, unbemannten Wetterstation der Österreicher bis zur

Multivisionsshow, vom Geldautomaten bis zum höchstgelegenen Biergarten

Bayerns. Im Messturm der nach wie vor ständig besetzten deutschen Wetterstation

erfasst man heute eine breite Palette meteorologischer Parameter,

die viele Grunddaten für die Klimaforschung liefern. Ein Gipfelkreuz hat die

Zugspitze übrigens auch wieder: Es steht – etwas abgedrängt und nur mit Hilfe

von Sicherungen erreichbar, aber frisch renoviert – auf dem schroffen Ostgipfel.

Tina Piechulik

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EBM-Kompakt:

Gruppenabende monatlich, jeweils am 3. Dienstag 18 Uhr (im Dezember am

2. Dienstag). im Begegnungszentrum LIBEZEM, Rhinstraße 9, 10315 Berlin-

Friedrichsfelde Tel.: 5229200

Gruppenmitgliedschaft 5,– Euro Beitrag/Jahr unabhängig von einer Mitgliedschaft

im Deutschen Alpenverein (DAV). Eine Mitgliedschaft im DAV ist

nicht Bedingung.

Eine Hütte in Prossen steht allen Gruppenmitgliedern zur Nutzung offen,

genauso deren Freunden und Bekannten, vorausgesetzt, es ist jemand von

der Gruppe mit auf der Hütte, wenn es ein Erstbesuch ist.

Übernachtungsgebühr 6.- Euro pP, Schüler ab 10 Jahren 3.- Euro und unter

10 Jahren 1 Euro.

Hüttenmitgliedschaft 30 Euro/Jahr, dann Übernachtungsgebühr nur 2,50

Euro, Schüler ab 10 Jahre 1 Euro, darunter frei. Abrechnung bei Willy

Göricke (siehe unten).

Die Hütte befindet sich in 01814 Prossen, in der Ferienanlage Weinberg,

Bungalow-Nummer 20/21; Anfahrt über Bergstraße

Hüttenschlüssel gegen Pfand bei Thomas Klenz.

Anmeldung bei Ulf Knoll (im Verhinderungsfall auch bei Thomas Klenz).

Kontakte:

Ulf Knoll 0160/98 15 98 77, Alfred-Randt-Str. 16, 12559 Berlin

Thomas Klenz 67820278, Walchenseestr. 12, 12527 Berlin

Jochen Söhler 564 87 73, Cecilienstr. 172, 12683 Berlin

EBM-Finanzen: Willy Göricke, wgo99@t-online.de

IBAN: DE51160500001100334366, BIC: WELADED1PMB

Ausführliche Infos über: www.einheit-berlin-mitte.de (Dort gibt es auch eine

aktuelle Belegungsübersicht für die Hütte.)

Coronabedingt vorläufig keine Zusammenkünfte!

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