Erfolg Magazin Ausgabe 01-2022

erfolgmagazin

MATTHIAS SCHWEIGHÖFER: Der Kumpel von nebenan – Michael Jagersbacher
Ziele setzen – Jochen Mai
Sei dein eigenes Vorbild – Auszug aus dem neuen Buch von Felix Thönnessen
Erfolg ist Kopfsache – Prof. Dr. Volker Busch
Deutschlands größte Rockband – Auszug aus dem neuen Buch von Michael »Curse« Kurth
Erfolg im Vertrieb
DR. DR. RAINER ZITELMANN – im Interview
Mach mal Buddha! – Ava Hauser
Aufmerksamkeit bündeln wie einen Laser – Auszug aus dem Buch von Thorsten Havener
»Wusste oft nicht, in welcher Zeitzone ich war.«
»Eigenlob stinkt« – Auszug aus dem Buch »Bullshit Rules« von Julien Backhaus
Brainset: Menschen menschlich aktivieren – Karsten Brocke
Selbsterkenntnis: Der erste Schritt auf dem Weg zur Potenzialentfaltung – Benjamin Berg
Zen Style – Stephan Kunze
NEWS: Aktuelle News aus der Erfolgswelt
BEST OF WEB: Schauen Sie doch mal online rein
ERFOLG Magazin Top Experten
ERFOLG Magazin Brand Ambassadors

MICHAEL »CURSE« KURTH: DIE GRÖSSTE ROCKBAND DEUTSCHLANDS

1/ 2022

ZEN

STYLE

SO FINDEN

WIR ZURÜCK

ZU UNS

Verleger

Julien Backhaus

über Ziele für das

neue Jahr

ZIELE

SETZEN

DER SCHLÜSSEL

ZUM ERFOLG

RAINER

ZITELMANN

IM INTERVIEW

ÜBER BUCHERFOLG

UND KAPITALISMUS

BACKHAUS VERLAG 5 €

ÖSTERREICH 5,60 € |SCHWEIZ 8,00 CHF

MATTHIAS

SCHWEIGHÖFER

MICHAEL JAGERSBACHER BLICKT AUF DIE KARRIERE

DES ERFOLGREICHEN SCHAUSPIELERS

Bilder: IMAGO / Michael Handelmann, Oliver Reetz


Editorial

Bild: Oliver Reetz

Julien Backhaus

Verleger und

Herausgeber

Noch mehr

Erfolg für Sie!

Das nächste Heft

erscheint am

24. Februar 2022

ZIELE FÜR DAS NEUE JAHR

MIT BLICK VON AUSSEN NACH INNEN

Im Jahr zwei der Pandemie wurde vielen bewusst, dass das Setzen von

Zielen derzeit unter schwierigen Umständen stattfindet. Am Anfang

hieß es von Seiten der Bundesregierung: Bitte tun Sie nichts. Ab auf die

Couch und still halten. Spätestens im Jahr darauf wurde vielen klar:

Das führt ins Abseits. Denn wir mussten und müssen nun lernen,

Ziele unter neuen Voraussetzungen zu setzen. Und scheinbar stellt sich

auch nicht die Frage »wann ist das alles vorbei?«, sondern: »Wie leben

wir künftig mit den diversen globalen Herausforderungen und berücksichtigen

diese Unwägbarkeiten generell in unserer Planung?«

Sie dürfen nicht auf den Fehler hereinfallen, Ziele nur unter Optimalbedingungen

zu planen. Denn auch vor Corona gab es niemals Optimalbedingungen.

Worst-Case-Szenarien gehören zum professionellen

Planen dazu. Und wir können uns einig sein, dass diese künftig weiter

zunehmen werden. Wir müssen unsere Ziele also grundsätzlich unter

erschwerten Bedingungen planen. Dazu gehört übrigens nicht nur die

Zeitkomponente. Denn auch Geduld gehört künftig zu den wertvollen

Eigenschaften, die Erfolgsmenschen brauchen, um voranzukommen.

Auch darum geht es in dieser Ausgabe. Denn Geduld und Ruhe lässt

sich lernen und trainieren. Der »Zen-Style« hilft uns dabei, alles in der

richtigen Relation zu betrachten. Denn eine Sache gilt bei all dem

Zielesetzen: Verlieren Sie sich nicht selbst in dem Prozess. Die Betrachtung

muss von außen nach innen wandern, um eine Zentrierung

zu schaffen. Wir selbst spielen in der Gleichung eine wichtige Rolle, die

schnell übersehen wird. Auch unser Cover-Star Matthias Schweighöfer

ist dafür ein Beispiel – denn er schafft es, sich in seinen Rollen sehr

treu zu bleiben und auch den international großen Erfolg in die richtige

Relation zu setzen.

Für das neue Jahr, mit all seinen Herausforderungen und Chancen,

wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und maximale Erfolge. Setzen

Sie die richtigen Ziele. Und setzen Sie sie richtig.

Viel Vergnügen beim Lesen,

Ihr Julien Backhaus

Impressum

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Erfolg Magazin ISSN 25057342

Verlag Backhaus Verlag GmbH ist ein Unternehmen

der Backhaus Mediengruppe Holding GmbH,

Geschäftsführender Gesellschafter Julien Backhaus

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Chefredakteur (V.i.S.d.P.): Julien D. Backhaus

Redaktionsleitung: Johanna Schmidt

Redaktion: Katrin Beißner

E-Mail: redaktion@backhausverlag.de

Layout und Gestaltung: Johanna Schmidt, Judith Iben,

Jasmin Päper

E-Mail: magazine@backhausverlag.de

Herausgeber, Verleger: Julien D. Backhaus

Anschrift: Zum Flugplatz 44, 27356 Rotenburg

Telefon: (0 42 68) 9 53 04 91

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Internet: www.backhausverlag.de

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INHALT 1/2022

14

Matthias

Schweighöfer

Erfolg

Matthias Schweighöfer –

Der Kumpel von nebenan

Michael Jagersbacher................................... 14

Die größte Rockband Deutschlands – ein

Auszug aus dem Buch »199 Fragen an dich

selbst« von Michael »Curse« Kurth.............. 22

Story

Erfolg im Vertrieb......................................... 25

»Wusste oft nicht, in welcher Zeitzone

ich war.«...................................................... 38

Einstellung

Sei dein eigenes Vorbild – ein Auszug aus

dem Buch »Der Taschenmentor« von

Felix Thönnessen.......................................... 12

Das Geheimnis weltweiten Bucherfolgs –

Rainer Zitelmann im Interview...................... 26

Selbsterkenntnis – der erste Schritt auf dem

Weg zur Potenzialentfaltung

Benjamin Berg.............................................. 45

34

Aufmerksamkeit

bündeln

Thorsten Havener

»WENN EIN MÄDCHEN IN SCHWEDEN NICHT

ZUR SCHULE GEHT, UM AUF DIE DROHENDE

KLIMAKATASTROPHE HINZUWEISEN, DANN

INTERESSIERT DAS KAUM EINEN MENSCHEN.

WENN ABER GANZ VIELE JUGENDLICHE IHRE

KONZENTRATION IN DIESELBE RICHTUNG

LENKEN, DANN ENTSTEHT EINE BEWEGUNG.«

Bilder: IMAGO / Michael Handelmann / ZUMA Press / imagechina, Thomas Schweigert

4 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


ERFOLG

D A S L E S E N E R F O L G R E I C H E magazin

Leben

Aufmerksamkeit bündeln wie einen Laser –

Auszug aus dem Buch »Mach doch, was

ich will« von Thorsten Havener .................... 34

»Eigenlob stinkt« – Auszug aus dem Buch

»Bullshit Rules« von Verleger

Julien Backhaus...........................................41

Zen Style

Stephan Kunze............................................46

Wissen

Ziele setzen

Jochen Mai..................................................... 8

Erfolg ist Kopfsache

Prof. Dr. Volker Busch.................................. 21

Mach mal Buddha!

Ava Hauser................................................... 32

Brainset: Menschen menschlich aktivieren

Karsten Brocke............................................. 42

Sonstiges

News: Aktuelle News aus der Erfolgswelt....... 6

Best of Web:

Schauen Sie doch mal online rein................. 48

Die Erfolg Magazin Top Experten................. 49

Die Erfolg Magazin Brand Ambassadors....... 50

42

Menschen menschlich aktivieren

26

Rainer Zitelmann

im Interview

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

5


News

NEWS

Berliner Cannabis-Start-up bekommt

Millionen von Snoop Dogg

Anfang November hat der für seinen Cannabiskonsum bekannte

US-Rapper Snoop Dogg mit seinem Investmentfonds Casa Verde

Capital in das Berliner Health- und Life-Science-Unternehmen

Sanity Group investiert. Mit drei Millionen Euro (etwa 3,38 Millionen

US-Dollar) investiert Casa Verde laut »Business Insider« damit

erstmals in Deutschland. In einer unternehmenseigenen Mitteilung

sagte Finn Hänsel, Gründer der Sanity Group: »Der Einstieg

von Casa Verde ist dabei auch ein wichtiges Zeichen für den europäischen

Markt und bestätigt uns darüber hinaus in unserem bisherigen

Weg.« Man sei sehr stolz, dass der größte Cannabis-VC-

Fonds der USA jetzt das erste Mal in Deutschland investiert habe.

Die Sanity Group hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gemacht,

die »Vorteile von Cannabis für die Gesundheit und das

Wohlbefinden freizulegen«. Hatte das Unternehmen bereits mit

Rapper Will.i.am, Schauspielerin Alyssa Milano und Fußballer Mario

Götze bekannte Gesichter als Investoren, so gesellte sich nun

der als »Cannabis-Godfather« bekannte Rapper Snoop Dogg hinzu.

Doch um den Rausch, der beim Hanfkonsum entsteht, geht es

dem Start-up nicht. Denn Cannabidiol (CBD) kann als entkrampfendes

und entzündungshemmendes Mittel eingesetzt werden.

Daher verwundert auch die Unterstützung des Start-ups durch

Mario Götze nicht, der bereits im Dezember 2020 neben anderen

Prominenten zum Gesellschafter wurde. Mit der kürzlich erworbenen

Finanzspritze will die Sanity Group nun die medizinische

Cannabisforschung vorantreiben.

ERFOLGSZITAT

Gary Vaynerchuk

Jeden Tag neu auf Instagram

bei @erfolgmagazin

»Ich schaue immer

nach vorn. Ich verbringe

sehr wenig Zeit damit,

zurückzuschauen.«

6 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


News

Aktuelle News aus der Erfolgswelt

Jung und erfolgreich:

Die jüngsten Milliardäre der Forbes 400

»Forbes« veröffentlichte mit seiner Forbes-400-Liste für das Jahr

2021 die Namen der 15 jüngsten amerikanischen Milliardäre

mit einem Alter unter 40 Jahren. Das Geschäft mit Kryptowährungen

oder Gründungs-Beteiligungen an Social-Media-Apps

wie Snapchat oder Pinterest sind nur einige Faktoren, aufgrund

derer sich etliche Millenials an der Spitze der Reichsten wiederfinden.

Dabei sticht der Jungunternehmer Sam Bankman-Fried mit nur

29 Jahren hervor. Er ist Mitbegründer der Kryptowährungsbörse

FTX. Diese bietet unter anderem Derivate und tokenisierte

Aktien für Händler und soll laut Bankman-Fried als »vertrauenswürdige

und innovative Börse« etabliert werden. Im April 2021

ging das konkurrierende Unternehmen Coinbase Global an die

Börse und sorgte für ertragreiche Gewinne für die Mitbegründer

Fred Ehrsam (33) und Brian Armstrong (38), die ebenfalls zu

den 15 jüngsten Milliardären zählen. Generell gilt das Jahr 2021

bislang als relativ erfolgreich für den Bitcoin, auch wenn starke

Kursschwankungen zu verzeichnen waren.

Neben Neugründern erfasste die Liste auch Firmenerben: Die

Weiterführung des Fastfood-Unternehmens In-N-Out Burger

obliegt Lynsi Snyder (39); sie ist gleichzeitig die einzig gelistete

Frau. Lukas Walton (35) erbte ein Drittel des Vermögens seines

Vaters John Walton. Sein Großvater war Sam Walton, Gründer

der Walmart-Kette. Scott Duncan (38) und seine Geschwister

erhielten nach dem Tod ihres Vaters Dan Duncan jeweils einen

Anteil am Pipeline-Unternehmen Enterprise Products Partners.

Zusätzlich umfasst die Liste folgende Mitglieder: Evan Spiegel

(33), Bobby Murphy (33), Baiju Bhatt (36), Mark Zuckerberg

(37), Dustin Moskovitz (37), Nathan Blecharczyk (38), RJ Scaringe

(38), Ernest Garcia III (39) sowie Ben Silbermann (39).

Bilder: IMAGO / MediaPunch / ZUMA Wire / Xinhua, Depositphotos / yakub88

Ed Sheeran verdient über 50.000 Euro am Tag

Nicht alle Künstler leiden unter den Maßnahmen zur Eindämmung

der Coronapandemie. Der Sänger und Produzent Ed Sheeran

hat alleine im vergangenen Jahr sein Vermögen um rund 30

Millionen Pfund vermehrt. Sein Hit »Shape of you« gilt als die

meistgestreamte Single aller Zeiten und seine »Divide Tour« dazu

noch als die umsatzstärkste Tournee, die es jemals gab. Mit einem

Einkommen von insgesamt fast 280 Millionen Euro steht Ed

Sheeran damit auf Platz eins der reichsten Briten unter 30 Jahren

und ist zum dritten Mal in Folge dabei. Er zahlte sich nicht nur

selbst 2020 als Geschäftsführer seines Unternehmens Ed Sheeran

Limited ein Jahresgehalt von 25 Millionen Euro aus. Das meiste

Geld brachten dem eher introvertierten und frei von allen Skandalen

auftretenden Sänger Lizenzgebühren und die 258 Konzerte

seiner Tour ein. Dabei erkrankte Sheeran zwischenzeitlich

selbst an Corona, trat aber kurz danach wieder auf.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

7


Wissen

Jim Carrey verdankt seine

erste 10-Millionen-Gage

dem schriftlichen Festhalten

seines Ziels.

Ziele setzen

TIPPS VON JOCHEN MAI, DEM GRÜNDER DER KARRIEREBIEBEL

KARRIEREBIBEL

8 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Wissen

Wer etwas erreichen will,

muss sich Ziele setzen.

Nur träumen und hoffen

reicht nicht. Um

Ziele zu setzen und zu

erreichen, müssen diese allerdings ebenso

konkret wie realistisch oder umsetzbar

sein. Das Problem sind häufig nicht fehlende,

sondern falsch gesetzte Ziele! Wir

zeigen Ihnen Beispiele, Tipps und Methoden,

die auch funktionieren, wenn Sie Ziele

setzen und erreichen wollen.

Ziele setzen allein reicht nicht

Ein Ziel ist ein Zustand, Ereignis oder Ort,

den wir erreichen möchten. Und wer Erfolg

haben will, muss sich Ziele setzen. Das

stimmt – reicht aber nicht. Eine wesentliche

Definition von Erfolg ist die Art und

der Grad der Zielerreichung. Heißt: Ziele

setzen ist nur der Anfang. Danach müssen

Sie diese auch umsetzen, Fortschritte machen

und das Ziel im vorgegebenen Zeitrahmen

erreichen – möglichst mit legalen

und legitimen Methoden und Mitteln.

Die meisten scheitern nicht mal an fehlender

Disziplin oder Motivation. Sie scheitern

an falschen oder falsch gesetzten Zielen.

Wer Erfolg haben will, muss sich daher

seine Ziele richtig setzen. Erst so kommen

Sie diesen wirklich näher und können

diese auch erreichen.

Merkmale von Zielen

Ziele sind nicht einfach nur To-Dos,

Träume oder Visionen. Wesentlich an ihnen

ist:

• Ziele sind nicht Wünsche, sondern

feste Absichten.

• Ziele sind keine spontanen Gedanken,

sondern ein konkretes Betreben.

• Ziele erfüllen keine Erwartung, sondern

sind Überzeugungen.

• Ziele basieren nicht auf rationaler Erkenntnis

allein, sondern sind vor allem

eine Sache des Herzens.

Wer seine eigenen Ziele finden und setzen

will, für den gibt es eine einfache Formel

und Frage, die sich unterschiedlich betonen

lässt:

Will ich das?

Wollen Sie es wirklich –

mit allen Konsequenzen?

Will ich das?

Ist es wirklich Ihr Ziel

oder erfüllen Sie Erwartungen?

Will ich das?

Ist es genau das?

Wie konkret kennen Sie Ihr Ziel?

Bilder: IMAGO / ZUMA Wire, Unsplash / Eila Lifflander / Tyler Nix

Ziele aufschreiben steigert

Erfolgschancen auf 76 Prozent

Man kann sich viel vornehmen und doch

nichts erreichen. Wer aber seine Ziele aufschreibt,

steigert seine Erfolgschancen

enorm. Das ist das Ergebnis einer Studie

der Psychologin Gail Matthews an der Dominican

University in San Rafael, Kalifornien.

Wer seine Ziele nur mündlich formulierte,

erreichte diese nur zu 43 Prozent,

das ist nicht mal die Hälfte. Wer seine Ziele

aber aufschrieb und die Fortschritte zusätzlich

festhielt, kam auf ganze 76 Prozent

Zielerreichung.

Die Erklärung der Wissenschaftlerin: Wer

nur an die Ziele denkt, nutzt allein seine

Vorstellungskraft. Wer hingegen Ziele notiert,

sorgt für eine Art inneres Commitment:

»Ich will das und ich meine es ernst

damit!« Motto: Was geschrieben steht, ist

ein Fakt. Beides zusammen sendet unablässig

Signale an unser Unterbewusstsein,

an dem Ziel zu arbeiten. Erst recht, wenn

wir den Zettel mit unseren Zielen oder das

Erfolgsjournal erneut lesen und daran erinnert

werden.

Dass das Aufschreiben von Fortschritten

und Erfolgen wirkt, bestätigen auch Studien

um Harvard-Psychologin Teresa

Amabile. In ihren Studien waren die Autoren

eines Erfolgstagebuchs deutlich motivierter,

glücklicher und langfristig erfolgreicher.

Egal, wie klein die Errungenschaften

auch waren. Jeder Erfolg, selbst

ein Mini-Erfolg, aktiviert das Belohnungszentrum

im Gehirn. Sich diese bewusst zu

machen, steigert das Selbstbewusstsein,

gibt uns Kraft und führt uns vor Augen,

was wir geschafft haben und künftig schaffen

können.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

9


Wissen

ZIELE SETZEN: SIEBEN TIPPS

Wie Sie richtig Ziele setzen, können Sie lernen.

Dazu haben wir einige Tipps zusammengestellt,

mit denen Sie sich besser und

erfolgreicher Ziele setzen können.

1. Setzen Sie konkrete Ziele

Wenn Sie Ziele setzen, müssen diese möglichst

konkret sein. Es reicht nicht, wenn Sie

sich vornehmen »Ich möchte erfolgreicher

sein.« Gehen Sie ins Detail, benennen Sie

für sich selbst genau, wie dieser Erfolg aussieht

und was Sie erreichen wollen. Erst

wenn Sie sich konkrete Ziele setzen, wissen

Sie, worauf Sie hinarbeiten – und können

Schritte identifizieren, die dazu notwendig

sind.

2. Bleiben Sie realistisch

Es ist verlockend, möglichst große Ziele zu

setzen. Sie wollen schließlich viel erreichen.

Das kann auf der einen Seite anspornen.

Wenn Sie aber unrealistische Ziele setzen,

verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil: Weil

Sie nichts davon erreichen, steigen Frustration

und Selbstzweifel. Dies gilt sowohl für

das angestrebte Ergebnis als auch für die

Zeit, in der Sie ein Ziel erreichen wollen.

3. Haben Sie einen guten Grund

Um ein Ziel zu setzen, das Sie wirklich erreichen

wollen, sollten Sie sich den Grund

dafür bewusst machen: Warum genau wollen

Sie dieses Ziel setzen und erreichen? Ist

es Ihre intrinsische Motivation, also Ihr

eigener Antrieb, um dran zu bleiben?

4. Machen Sie Ihre Ziele öffentlich

Ein gesetztes Ziel öffentlich zu machen, steigert

die Wahrscheinlichkeit, es auch zu erreichen.

Erzählen Sie Ihrer Familie, Freunden

oder Kollegen davon. Dies erzeugt

Verbindlichkeit und erhöht die Motivation,

weil Sie es den anderen beweisen wollen.

5. Nutzen Sie kurz- und langfristige Ziele

Ziele setzen sollte unterschiedliche Zeitspannen

beinhalten. Auf der einen Seite

brauchen Sie kurzfristige Ziele, die Sie in

nächster Zeit erreichen und umsetzen können.

Gleichzeitig sollten Sie langfristige

Ziele setzen, die eine grundsätzliche Richtung

vorgeben.

6. Formulieren Sie Ziele positiv

Profis unterscheiden zwischen »Weg-von«

und »Hin-zu«-Zielen. Letztere motivieren

uns wesentlich mehr und langfristiger.

Auch, weil sie positiv formuliert sind. Wer

beispielsweise »weg von« seinen vielen Kilos

will, scheitert leichter, als jemand, der »hin

zu« einer gesunden Ernährung und einem

besseren Body-Mass-Index steuert.

7. Bleiben Sie flexibel

Bei allen Zielen, die Sie setzen, braucht es

immer noch genug Flexibilität. Mal müssen

Sie den Weg zum Ziel anpassen, mal ändert

sich mit der Zeit das Ziel selbst. Formulieren

Sie Ihre Ziele daher dynamisch, nicht statisch.

Lassen Sie sich Raum zur Korrektur.

Aber senken Sie dabei NIE Ihr Ziel, solange

es für Sie wichtig und realistisch ist. Nur

eben nicht versteifen, wenn Sie sich Ziele

setzen.

Bonus:

Von Vera F. Birkenbihl stammt der Tipp,

seine Ziele in Gegenwartsform zu formulieren.

Nicht: »Ich will 60 Kilo wiegen.« – Wollen

können Sie ein Leben lang und nichts

davon erreichen. Wer dagegen sein Ziel in

Gegenwartsform beschreibt (»Ich wiege 60

Kilo.«), der visualisiert es bereits. Und genau

dieses Bild von uns im Kopf (hier: wie wir

schlank aussehen), sei der Schlüssel zur

wahren Motivation.

Der Autor

Jochen Mai ist Gründer der Karrierebibel, Hochschuldozent,

Autor mehrerer Bestseller und Keynote-Speaker.

Davor arbeitete unter anderem als

freier Journalist und Ressortleiter bei der »WiWo«.

Bilder: Unsplash / Eila Lifflander, Jürgen Silius

10 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Erfolg

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

11


Einstellung

SEI DEIN

EIGENES

VORBILD

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON FELIX THÖNNESSEN

Hast du Vorbilder? Damit

meine ich keine Superhelden,

sondern Menschen, die für

dich ein Vorbild sind? Die etwas

getan oder geschaffen haben,

das du bewunderst? Die entscheidende

Frage ist, was diese Menschen zu deinem

Vorbild macht. Denk mal kurz darüber

nach. Was zeichnet diese Menschen aus? Für

mich gibt es neben meinem Großvater noch

andere, die ich bewundere. Das Interessante

daran ist – ich bewundere sie aus völlig

unterschiedlichen Gründen. Was macht

dein Vorbild zum Vorbild? Übrigens eine

gute Stelle, um die Namen deiner Vorbilder

einfach hier ins Buch zu schreiben.

Wie das Wort schon sagt, ist es ein Vor-Bild,

ein Bild, das du dir vorhältst und dem du

positiv nacheiferst und nicht nachneidest.

Wir wissen nicht, was diese Person getan

hat, um dorthin zu kommen, wo sie nun

steht. Finde die Punkte, die sie für dich zum

Vorbild macht, und eifere diesen nach.

Nicht ihr Name sollte dein Ansporn sein,

sondern das, wofür sie steht oder was sie

bereits erreicht hat. Diese Betrachtungsweise

wird dich weiterbringen. Aber auch,

wenn du darüber nachdenkst, wie diese

Person dorthin gekommen ist, kannst du

eine Menge lernen. Wie sah ihr Weg bis

dorthin aus? Wo ist sie gestartet? Was

spricht für dich dagegen, sich auf denselben

12 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Einstellung

Schlachtplan zurechtlegen, der dir hilft, sie

zu besiegen.

Bilder: IMAGO / Kyodo News, Depositphotos / zeynurbabayev / alexey_boldin, WhatsApp, Cover: FinanzBuch Verlag

Startpunkt zu stellen und ebenfalls dort zu

starten?

Oft sprechen wir in diesem Zusammenhang

von Neid. Wir sind neidisch auf das, was

jemand anderes hat, das wir ebenfalls gerne

hätten. Eine solche Betrachtungsweise wird

dich nie weiterbringen. Im Gegenteil: Neid

lähmt und bringt nicht voran. Denk in diesem

Zusammenhang darüber nach, was die

Person dorthin gebracht hat und was du von

diesem Weg für dich lernen kannst.

Wir wünschen uns oft, mit jemandem zu

tauschen. Wären wir denn auch bereit gewesen,

seinen Weg zu gehen? Hierzu habe

ich eine kleine Geschichte für dich:

Twocolors – Lovefool

Zwei Männer bewerben sich bei einem

Unternehmen, einem großen Unternehmen

– bei Facebook. Voller Tatendrang, mit

einem exzellenten Lebenslauf und viel Erfahrung

bekommen beide ein Vorstellungsgespräch.

Das klingt wie der Beginn einer

traumhaften Karriere. Aber beide wurden

abgelehnt. Das war im Jahr 2007. Einer der

beiden kaufte sich im Jahr 2009 ein iPhone.

Es war Jan Koum. Als er es nutzte, fiel ihm

auf, dass ein guter Messenger fehlt. Er hatte

eine zündende Idee und gründete das

Unternehmen Whats App, das dir sicher ein

Begriff ist. Anfänglich konnte die App nicht

viel, außer den eigenen Status anzuzeigen.

Die Messenger-Funktion kam erst später

hinzu.

Klar, 19 Milliarden sind ein guter Grund für

einen Verkauf, aber dennoch glaube ich,

viele hätten sich aus Stolz, Trotz oder Ähnlichem

dagegen entschieden. Oder wären

sogar einen ganz anderen Weg gegangen

und hätten sich nach dem erfolglosen Vorstellungsgespräch

eine andere Branche gesucht.

Wie so oft sehen wir nur die Spitze

des Eisbergs und nicht, wie viel Arbeit ein

Weg nach oben tatsächlich erfordert und

wie viel Schweiß, Mühen und Ängste er mit

sich gebracht hat. All dies wird dir auf deinem

Weg auch begegnen, aber ich verspreche

dir, dass wir uns mit diesen Widrigkeiten

auseinandersetzen und dir einen

Dieses interessante Detail kennen viele

nicht: Koum wollte bereits Anfang 2009

nach dem Aufbau von WhatsApp aufgeben.

Und wann hat sich sein Erfolg eingestellt?

Ende des Jahres 2009! Auch hier hätten

wahrscheinlich viele von uns bereits vorher

die Flinte ins Korn geworfen, oder? Erfolg

kommt nicht über Nacht und in der Regel

auch nicht nach Wochen. Bei mir hat es

lange gedauert, bis ich mich beruflich als

erfolgreich bezeichnen konnte. Das lässt

sich auch auf private Ziele und Erfolge übertragen.

Einen Waschbrettbauch bekommst

du nicht nach einmaligem Trainieren und

eine neue Freundin lässt sich auch selten

sofort herbeizaubern.

Eine Frage, die ich meinen Mentees dann

immer stelle, lautet:

Wie sehr willst du es?

Bist du bereit, dafür zu schwitzen, zu weinen,

schlaflose Nächte durchzustehen? Die

Frage kannst du leicht mit Ja beantworten,

aber bist du auch wirklich dazu bereit?

Im Jahr 2014 erfolgte dann die überraschende

Wende. WhatsApp hatte bereits

Millionen von Nutzern und ging auf Wachstumskurs.

Da meldete sich ein großes

Unternehmen und kaufte den Dienst für 19

Milliarden Dollar. Es war Facebook – dasselbe

Unternehmen, das die beiden Gründer

nicht einstellen wollte. Interessante Entwicklung,

oder?

Wärst du diesen Weg auch gegangen? Hättest

du dein Start-up an den Konzern verkauft,

der dich zuvor nicht haben wollte?

»Der Taschenmentor «

von Felix Thönnessen

256 Seiten

Erschienen: Oktober 2021

FinanzBuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-441-8

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

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Erfolg

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www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Erfolg

MATTHIAS

SCHWEIGHÖFER

DER KUMPEL VON NEBENAN

Bild: IMAGO / Michael Handelmann

Matthias Schweighöfer ist

ein deutscher Schauspieler,

Synchronsprecher,

Regisseur und

Filmproduzent. Neben

Til Schweiger ist Schweighöfer wohl derjenige,

der den deutschen Film seit der

Jahrhundertwende maßgeblich mitbeeinflusste.

Insgesamt war er bis dato, in der

einen oder anderen Form, an über 44 (!)

Filmen beteiligt. Obgleich er schon jahrzehntelang

erfolgreich ist, sucht man vergeblich

nach Skandalen um seine Person.

Anlässlich seines 40. Geburtstags untersuche

ich Erfolgsgeheimnisse des zweifachen

Vaters und wie wir von ihm lernen

können.

Beginn und Deutscher Fernsehpreis

Bereits mit 16 Jahren stand Schweighöfer

als Sohn einer Schauspielfamilie das erste

Mal vor der Kamera. Von 1997 bis 1999

folgten weitere Auftritte in deutschen

Formaten wie »Spuk aus der Gruft« oder

»Dr. Stefan Frank – der Arzt, dem die

Frauen vertrauen«. In dieser Zeit absolvierte

er auch sein Abitur und begann ein

Studium an der Hochschule für Schauspielkunst

in Berlin, brach es aber nach

einem Jahr wieder ab. Schweighöfer ist

wohl ein gutes Beispiel dafür, dass es

nicht unbedingt einen akademischen Abschluss

benötigt, um nachhaltig erfolgreich

zu sein.

2001 bekam er für seinen Auftritt in

»Verbotenes Verlangen – Ich liebe meinen

Schüler« den Deutschen Fernsehpreis

als bester Nachwuchsdarsteller. Das

Fundament für eine grandiose Filmkarriere

war somit gelegt. 2001 war dann

auch das Jahr, in welchem man Schweighöfer

das erste Mal auf der Kinoleinwand

erleben durfte und zwar im Jugendfilm

»Herz im Kopf«.

Karriere nimmt Fahrt auf

Weitere Kinoauftritte folgten. Vor allem

»Filmduette« mit Til Schweiger scheinen

besonders gut zu funktionieren. In den

Liebeskomödien »Keinohrhasen« (2007)

und »Zweiohrküken« (2009) war er in der

Rolle des Moritz zu sehen. 2013 spielte er

in »Kokowääh 2« sich selbst. Es handelte

sich bei allen genannten Filmen um absolute

Kassenschlager, die Schweighöfer

endgültig im Olymp des Deutschen Kinofilms

ankommen ließen. Doch dort

machte er noch lange nicht halt.

2008 durfte er im Film »Operation Walküre

– Das Stauffenberg-Attentat« an der

Seite von Tom Cruise Hollywoodluft

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

15


Erfolg

schnuppern. Innerhalb von sieben Jahren

gelang ihm das, was sich die allermeisten

Schauspieler wünschen. Doch viel interessanter

als sein Karriereweg ist, was diese

Erfolge mit ihm als Menschen gemacht

haben.

Aller Anfang ist schwer

Egal, welche Medien man konsumiert, es

sind keine Skandale von Matthias Schweighöfer

zu finden. Er scheint tatsächlich so

etwas wie »Everybody’s Darling« zu sein.

Er hat, neben seinem schauspielerischen

Talent, vor allem ein Talent dafür, vielen

Menschen gleichzeitig zu gefallen, ohne in

Trivialität oder Anbiederung abzugleiten.

Er macht keinen abgehobenen Eindruck,

sondern wirkt immer noch wie der junge

Mann von nebenan, mit dem »Mann und

auch Frau« gerne ein Bier trinken gehen

würden. Diesen Eindruck vermitteln wohl

die wenigsten Superstars. Man kann dies

also durchaus als spezielle Fähigkeit bezeichnen.

Vielleicht verfügt er über diese

Fähigkeit, weil er weiß, wie es ist, unerfolgreich

und unbeliebt zu sein.

Die heutige Sportskanone war als Kind

sehr dick. Er sei in der Schule immer der

»Kreis mit Locken« gewesen. Nachdem

ihn der eigene Vater als »fette Sau« bezeichnet

hatte, nahm Matthias ab. Bis

heute läuft und schwimmt er regelmäßig,

um neben Job und Familie einen Ausgleich

zu haben.

Matthias Schweighöfer und Til Schweiger

2015 auf einer Pressekonferenz zu der Neuverfilmung

von »Vier gegen die Bank«

Vor allem »Filmduette«

mit Til Schweiger

scheinen besonders gut

zu funktionieren.

Matthias Schweighöfer und seine

Verlobte Ruby O. Fee bei der Panta

Berlinale Party im Februar 2020.

Bilder: IMAGO / POP-EYE / APRESS / Michael Handelmann

16 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Erfolg

»Xxx«

– Xxx

Umgang mit Kritik

Auch wenn es so scheint, nicht immer

gab es Jubelstürme für all seine Filme.

Zum Umgang mit Filmkritik sagt er:

»War gut so, ich habe Lehrgeld bezahlt.

Und es ist auch immer mal gut, auf die

Fresse zu fliegen.« Auch für solch einen

erfolgreichen Mann gibt es nicht immer

nur neue Höhepunkte in der Karriere. So

mancher Tiefpunkt schlich sich ebenfalls

ein. Obwohl er mit Preisen wie dem

Bambi, dem Curd-Jürgens-Gedächtnispreis

und dem Deutschen Fernsehpreis

geschmückt wurde, kennt er andere Zeiten:

Vor »Keinohrhase« mit Til Schweiger

und Nora Tschirner im Jahr 2007 hatte er

15 Monate lang kein einziges schauspielerisches

Engagement. In dieser Zeit hat

Schweighöfer die andere Seite des Berufs

kennengelernt: keine Arbeit, kein Geld –

so einfach und schmerzhaft ist dies.

Schweighöfer stellte für sich Folgendes

fest: »In diesem Job kann ganz schnell der

Wandel kommen.« Seit dieser Erfahrung

stellte er sein Business auf ein breiteres

Fundament, indem er eine eigene Kleidermarke

kreierte und eine Filmproduktion

gründete.

Einstellung zu Leben, Familie und Beruf

Die wenigsten wissen, dass Schweighöfer

unter enormer Flugangst leidet. Für einen

international tätigen Schauspieler, Regisseur

und Produzenten ist dies mehr als

suboptimal. Deshalb nutzte er so manches

Filmprojekt, in welchem er fliegen

musste, als Selbsttherapieanlass. Dieses

Beispiel zeigt sehr schön seine Einstellung

zum Leben – geht nicht, gibt’s nicht:

»Ich glaube daran, dass man mit ganz viel

Kraft ganz viel schaffen kann. Ich glaube,

man kann Glück auch erzwingen. Ich

gebe auch Vorstellungen, wenn ich 39

Grad Fieber habe. Ich bin so, das ist mein

Naturell.«

Auch die Corona-Krise nahm er als Anlass,

eine neue Perspektive auf Familie

und Beruf einzunehmen. Er hätte nun

mehr Zeit für seine Familie, seine Kin-

»Ich glaube

daran, dass

man mit

ganz viel

Kraft ganz

viel schaffen

kann.«

- Matthias

Schweighöfer

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

17


Erfolg

Matthias Schweighöfer in seiner

Rolle als Ludwig Dieter an der Seite

von Omari Hardwick am Set von

»Army of the Dead«

Insider munkeln, dass er mit

diesem Projekt endgültig

in Hollywood angekommen

sei und entsprechend große

Folgeprojekte nur mehr eine

Frage der Zeit sein werden.

der. Außerdem sei er ruhiger und gelassener

geworden. Davor sei er immer von

Termin zu Termin gerast. Jetzt habe er

aber gelernt, dass das manchmal gar nicht

nötig war, dass es Wichtigeres im Leben

gibt. Wie recht er doch hat…

Wenn Träume in Erfüllung gehen

Natürlich ist Matthias Schweighöfer mit

seinen 40 Jahren noch lange nicht am

Ende seiner Karriere angelangt. Ganz im

Gegenteil: Gerade erst geht einer seiner

lang gehegten Lebensträume in Erfüllung:

Gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen

Omari Hardwick ist Matthias

Schweighöfer 2021 auf Netflix zu sehen.

Dabei handelt es sich um die Neuverfilmung

des Action-Thrillers »Army of the

Dead«. Im Film jagt er Zombies, also

eben die Armee der Toten, wie der Titel

schon verrät. Insider munkeln, dass er

mit diesem Projekt endgültig in Hollywood

angekommen sei und entsprechend

große Folgeprojekte nur mehr eine Frage

der Zeit sein werden. Ein Anzeichen dafür

ist jedenfalls die starke internationale

Resonanz auf die rasch darauf gefolgte

Verfilmung der Prequel »Army of

Thieves«, in der Schweighöfer nicht nur

als Protagonist Ludwig Dieter vor der Kamera,

sondern auch als Co-Produzent

und Regisseur hinter der Kamera tätig

wurde.

Zu seinem 40. Geburtstag wünschen wir

vom Erfolg Magazin ganz viele spannende

Rollen in »good old Hollywood«

und dass er weiter der »Junge von

nebenan« bleibt, mit dem man gerne auf

das eine oder andere Getränk gehen

würde.

In der Prequel »Army of Thieves« steht er

gemeinsam mit »Game of Thrones«-Star

Nathalie Emmanuel vor der Kamera.

Der Autor

Michael Jagersbacher ist Kommunikationstrainer,

Unternehmer und Buchautor. Auf seinem Blog

www.michael-jagersbacher.at gibt er Tipps, wie

man sympathischer wird und mehr Profil erhält.

Bilder: IMAGO / ZUMA Press / Prod.DB / Michael Handelmann, Karin Bergmann

18 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Erfolg

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de 19


Erfolg

20 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Wissen

ERFOLG

IST KOPFSACHE

Die US-amerikanische

Turnerin Simone Biles ist

mit ihren 25 Weltmeisterschafts-

und sieben

Olympiamedaillen eine

wahre Meisterin darin,

sich allen Störfaktoren

zum Trotz zu konzentrieren,

wenn es darauf

ankommt. Doch sie

weiß auch, wann es zu

viel wird und sie eine

Pause braucht.

Bilder: IMAGO / PanoramiC, Oliver Betke, Cover: Droemer HC

Erfolg ergibt sich aus klugem und

konsequentem Handeln. Er

hängt dabei weit weniger von

der Persönlichkeit oder der Intelligenz

ab als von der eigenen

Umsetzungsdisziplin. Erfolgreich ist, wer

seine Ziele im Blick hält, einen Plan auf

dem Weg dorthin verfolgt und ablenkende

Impulse wirksam kontrolliert: Bei einer

Diät sind wir erfolgreich, wenn wir uns an

den Ernährungsplan halten, statt bei jedem

herumliegenden Schokoriegel schwach zu

werden. Beim Sport verbessern wir uns,

wenn wir unseren Trainingsplan einhalten,

statt abends auf der Couch dem verführerischen

TV-Programm zu erliegen. Und bei

der Arbeit am Schreibtisch oder beim Lernen

für eine Prüfung sind wir ebenfalls erfolgreicher,

wenn wir dem Impuls ständiger

Ablenkungen beispielsweise in Form von

Medienkonsum standhalten und uns auf

das konzentrieren, was gerade wichtig ist.

Der Autor

Prof. Dr. Volker Busch ist Arzt, Neurowissenschaftler,

Bestsellerautor und Keynote-Speaker.

Als Speaker und Trainer verhilft er Mitarbeitern

und Führungskräften zu mehr Leistung.

»Kopf frei!«

von Volker Busch

288 Seiten

Erschienen: September 2021

Droemer HC

ISBN: 978-3-426-27865-9

Im digitalen Arbeitsalltag führen verschiedene

Störfaktoren zu einer Beeinträchtigung

dieser kognitiven Steuerungsfähigkeit.

Eine der stärksten »Interferenzen« für

unser Gehirn ist die Menge an Informationen,

die uns heute rund um die Uhr erreicht

und häufig zu einer regelrechten

Überladung führt (information overload).

Die Ablenkungsdichte sorgt für ständige

Unterbrechungen und ein permanentes

Umschalten der Aufmerksamkeit. Mit der

Folge, dass wir oberflächlicher denken,

weniger nachhaltig lernen und fehlerbehafteter

arbeiten. Der Stress durch den

ständigen Aufmerksamkeitswechsel verschlechtert

zudem unsere Impulskontrolle.

Abends sind wir erschöpfter, naschen

mehr und geben online mehr Geld aus,

wie eine Studie unlängst belegen konnte.

Der Durchbruch solcher Impulse kann die

allgemeine Zielerreichung gefährden.

Um die kognitive Steuerfähigkeit zu

schützen und zu bewahren, sind heute

daher ein gutes Informationsmanagement

und eine wirksame Störungskontrolle

essenziell:

1) Wählen Sie gut aus, womit Sie sich überhaupt

befassen möchten. Das hilft Ihrem

Gehirn, den Blick auf Ihr Ziel zu behalten

und sich nicht in virtuellen Nebensächlichkeiten

zu verlieren.

2) Richten Sie Fokuszeiten ein, in denen Sie

sich auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren

können, ohne dabei unterbrochen zu

werden. Die volle Aufmerksamkeit auf eine

Sache erhöht die geistige Verarbeitungstiefe

und verbessert nachweislich Ihr präzises

Denken, Ihr logisches Schlussfolgern

und Ihre Gedächtnisleistung.

Wer Erfolg im Job und im Privatleben erreichen

möchte, sollte den Effekt von klugem

Selbstmanagement nicht unterschätzen.

In einer immer komplexer werdenden

und sich zunehmend schneller drehenden

Welt müssen wir uns selbst effektiv steuern,

um unsere Ziele zu erreichen.

Die gute Nachricht lautet: Ihr Gehirn

bringt bereits alle Voraussetzungen mit,

um erfolgreich zu sein – wenn Sie es richtig

einsetzen.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

21


Erfolg

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON MICHAEL »CURSE« KURTH

DIE GRÖSSTE ROCKBAND

DEUTSCHLANDS

Autor Michael »Curse« Kurth 2008

gemeinsam auf der Bühne mit

Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß.

Bild: IMAGO / Eventpress, Cover: Rohwolt Taschenbuch

MIT DEN RICHTIGEN FRAGEN

ZUM ERFOLG

Ein Münchener Brauhaus und

eine zünftige Runde Brezen und

Weißbier: Das sind hervorragende

Bedingungen für ein Gespräch

über die Zukunft. Vor allem,

wenn es sich dabei um die Zukunft

einer jungen Rockband handelt. Ich hatte

mit dieser speziellen Band, mit der ich jetzt

mittags zusammensaß, bereits im Studio

zusammengearbeitet. Wir hatten an neuen

Songs geschrieben und uns über Ideen,

Geschichten und Pläne ausgetauscht. Nach

ein paar musikalischen Begegnungen bat

mich die Band mit ihrem Management und

ihrer Konzertagentur um ein informelles

Coaching in lockerer Runde. Es sollte darum

gehen, wie die Beteiligten sich die gemeinsame

Zukunft vorstellten und wie

Band und Team besser miteinander kommunizieren

und dieses Ziel optimal umsetzen

könnten. Wir sprachen zuerst entspannt,

aber sehr fokussiert darüber, was

dieses Ziel sein könnte – und zu meiner

Überraschung waren sich alle Beteiligten

sehr schnell einig: Sie wollten die größte

Rockband Deutschlands werden. Normalerweise

könnte man an diesem Punkt applaudieren

und sagen »Super! Jetzt lasst uns

darüber besprechen, mit welchen Schritten

wir das am schnellsten und besten erreichen.«

Doch ein Bauchgefühl, das zum

Glück weder vom Weißbier noch von den

Brezeln kam, führte mich zu einer anderen

22 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Erfolg

Frage, und sie schien mir viel wichtiger als

ein »Wie«. Ich bat alle am Tisch Sitzenden

darum, sich ein Blatt Papier und einen Stift

zu nehmen und für zehn Minuten still über

folgende Frage nachzudenken: »Wenn du

in einem Jahr morgens aufwachst, und ihr

seid die größte Rockband Deutschlands –

woran genau würdest du das erkennen?«

Das Gespräch am Tisch verstummte und

das Hintergrundrauschen des Brauhauses

übernahm. Die Mitglieder der Band, die

Vertreter von Management und Konzertagentur

saßen über ihren Blättern, überlegten

und notierten. Als die zehn Minuten

um waren, bat ich darum, dass jede Person

der Reihe nach ihre Antwort vorlesen

sollte.

WAS HINTER UNSEREN ZIELEN STECKT

An diesem Punkt wurde es interessant. Das

erste Bandmitglied sagte, dass es beim Aufwachen

in einem Jahr zu Hause in seinem

Bett liegen würde, entspannt und umgeben

von goldenen Schallplatten für kommerzielle

Erfolge – und es dabei im Radio seine

Musik hören würde. Die Radiomoderatorin

kommentierte in seiner Vorstellung den

Song mit den Worten: »Und hier ist der

nächste Nummer-1-Hit dieser Band, und

wir spielen ihn rauf und runter«. Diese

Vorstellung war für Bandmitglied Nummer

1 die Definition dessen, die größte Rockband

Deutschlands zu sein.

Das zweite Bandmitglied übernahm und

sagte, dass es an diesem Morgen erwachen

würde und ganz woanders wäre – nämlich

in einem Tourbus auf einem Festivalgelände.

Die Band wäre ständig auf Tour,

würde ein Konzert nach dem anderen spielen

und es würde sein Zuhause kaum sehen.

Sein Erfolg bestand im Unterwegssein

und Livespielen. Das dritte Bandmitglied

sprach weder von vielen Konzerten noch

von einem kommerziellen Radioerfolg,

sondern davon, dass ihm Komplimente

und Zuspruch von Kritikern und seinen

Lieblingsmusikern zeigen würden, dass sie

selbst es als Band endlich geschafft hätten.

Der positive Zuspruch von geschätzten

Kolleginnen und Kollegen war seine Messlatte

dafür, was es bedeutete, die größte

Rockband Deutschlands zu sein.

Vielleicht erscheint es auf den ersten Blick

nicht so, doch diese drei Szenarien unterscheiden

sich grundlegend voneinander!

Im Radio zu laufen bedeutet in der Musikwelt

zum Beispiel nämlich nicht per se,

dass man auch von den kritischen Kollegen

geschätzt wird. Im Gegenteil, eine als kommerziell

geltende Band könnte tendenziell

von Kolleginnen und Kollegen eher skeptisch

beurteilt werden. Und viele Konzerte

zu spielen, hat meist weder etwas mit

einem Radioerfolg noch mit dem Ansehen

bei den Kritikern zu tun, sondern vielmehr

mit einer klaren Fokussierung auf das Livegeschäft

und den damit einhergehenden

Aufgaben.

Die Vertreter des Managements und der

Konzertagentur hatten nochmal ganz andere

Parameter als die Band, u. a. gut bezahlte

Konzerte und eine große Medienpräsenz,

an denen sie erkennen würden,

dass sie das Ziel, die größte Rockband

Deutschlands zu werden, erreicht hätten.

UMSTÄNDE UND GEFÜHLE

Alle am Tisch sitzenden Menschen hatten

also vermeintlich dasselbe Ziel, doch jeder

verstand darunter etwas ganz anderes.

Wenn wir also in unserem Leben sagen,

dass wir in Beruf, Partnerschaft oder Familienleben

das Gleiche wollen wie unsere

Freundinnen, Partner oder Mitarbeitenden,

sollten wir uns trotzdem nicht darüber

wundern, dass es bei Kommunikation

und Umsetzung immer wieder hakt. Denn

haben wir jemals gefragt, was dieses Ziel

für alle Beteiligten wirklich bedeutet?

Durch die richtigen Fragen kannst du herausfinden,

was hinter den Worten steckt,

die wir für Ideen, Ziele und Wünsche haben.

In Wirklichkeit geht es immer um ein

Gefühl, das wir zu erlangen hoffen. Das

Erreichen des Ziels ist nur ein Vehikel, um

den Wunsch nach einem bestimmten Zustand

oder einem bestimmten Erlebnis zu

erfüllen. Du magst an der Oberfläche das

gleiche Ziel haben wie dein Kollege oder

deine Partnerin, doch das Gefühl, das du

damit suchst, kann ein ganz anderes sein.

Und auch das, woran du merken würdest,

dass du das Ziel erreicht hast, kann sich

von dem deines Partners grundlegend

unterscheiden. Also tun wir oft völlig

unterschiedliche Dinge, obwohl wir glauben,

das gleiche Ziel zu verfolgen!

In der Geschichte der jungen Band war

dieser Moment übrigens nicht die Lösung

aller Probleme. Aber ihr wurde endlich

klar, woher die Probleme in ihrer Kommunikation

und daher auch in der Umsetzung

»199 Fragen an dich selbst «

von Michael »Curse« Kurth

208 Seiten

Erschienen: Dezember 2021

FinanzBuch Verlag

ISBN: 978-3-499-00241-0

DURCH DIE RICH-

TIGEN FRAGEN

KANNST DU HER-

AUSFINDEN, WAS

HINTER DEN

WORTEN STECKT,

DIE WIR FÜR

IDEEN, ZIELE

UND WÜNSCHE

HABEN.

ihrer Ziele stammten. Mit diesem Wissen

konnten sie beginnen, die wichtigen Fragen

zu stellen: »Was meinst du, wenn du

Erfolg‹ sagst? Meinen wir wirklich das

Gleiche? Wie erfüllen wir die Bedürfnisse

aller – oder finden einen Kompromiss?«

Frage dich also immer, was hinter deinen

Antworten liegt. Vielleicht entdeckst du,

dass es um ein Gefühl geht und nicht um

äußere Umstände. Oder ist es umgekehrt?

Dir selbst solche Fragen zu stellen und zu

erforschen, welches tiefere Bedürfnis hinter

deinen offensichtlichen persönlichen

oder beruflichen Zielen liegt, eröffnet dir

die Möglichkeit, dich selbst besser kennenzulernen.

Nutze diese Möglichkeit.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

23


Erfolg

Dieser Hund hat

einen Beruf

Benno ist ein Therapiehund

Wenn Benno zur Tür ins Krankenzimmer hereinkommt, vergisst der zehnjährige

Jakob für eine ganze Weile, dass er Knockenkrebs hat. Benno weiß, wie das

geht. Denn er wurde über Jahre darin ausgebildet, Menschen in schwierigen

Lebenssituationen beizustehen.

Ihre Spende verändert Leben.

www.backhaus-stiftung.de

24 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Story

ERFOLG IM VERTRIEB:

»MAN MUSS WISSEN, WIE MAN MIT EINEM NEIN UMGEHT.«

Bilder: Linus Schneider

Anfang 2020, in einer Ein-Zimmer-Dachgeschosswohnung

in der Nähe von Leipzig: Die

Kinder der Nachbarn haben

schon lange aufgehört zu

schreien und selbst der BWL-Student von

nebenan hat seinem täglichen Netflix-Binge

für heute wieder mal ein Ende gesetzt – oder

andersherum. Nur im Wohn- und Schlafzimmer

von Maximilian Arndt flimmert noch

ein bisschen Leben. Der Bildschirm seines

Laptops erhellt das Gesicht des 21-Jährigen

in einem blauen Schimmer. Maximilians

Karriere im Leistungssport liegt mittlerweile

hinter ihm und durch erste gescheiterte

unternehmerische Versuche ist er zu diesem

Zeitpunkt bereits hoch verschuldet. Tagsüber

arbeitet er als angestellter Vertriebler für

einen Finanzdienstleister. Nachts schmiedet

er Pläne für seinen nächsten Vorstoß in das

Reich des Unternehmertums. Ebenso wie

gestern, vorgestern und die Nächte davor verbringt

er auch diese frühen Morgenstunden

damit, alle Inhalte, die er zum Thema Photovoltaik

im Internet ausfindig machen kann,

wissbegierig in sich aufzusaugen.

Was ihn auf einmal so an Solarenergie fasziniert?

Neben den Einsparungen an Stromkosten

und Steuern für Kunden und den

Vertriebseinnahmen durch den Verkauf

hochpreisiger Produkte – Maximilian zufolge

eine klare »Win-win-Situation« – interessiert

ihn vor allen Dingen der Weitblick:

»Die Nachfrage ist immens groß und die

Flexibilität für Erweiterungen in der Zukunft

ist gegeben«, lautet sein Gedankengang. Dabei

spielt ihm auch die Politik in die Hände.

Mit den zu dieser Zeit angelegten Klimazielen

bis 2050 freut er sich auf ein blühendes

Geschäft in den kommenden 20 Jahren.

Wenige Tage später finden er und seine Mentoren:

Maximilian ist bereit! Hals über Kopf

kündigt er seinen Job und steigt in den Solarvertrieb

ein. Etwas waghalsig? Vielleicht.

Doch Maximilian ist davon überzeugt, dass

Er träumte von einem High-

Life, wie er es auf den Instagram-Accounts

zahlreicher

erfolgreicher Unternehmer

mitverfolgen konnte.

er alles hat, was er braucht. Dabei denkt er

nicht unbedingt an sein frisch angeeignetes

Wissen über Photovoltaik-Anlagen oder

seine bereits gesammelten Erfahrungen im

Strukturvertrieb, im Network-Marketing

und in Tele-Sales. Vor allen Dingen hat er die

nötige Motivation: Der Schuldenberg wird

sich schließlich nicht durch ein langsam

tröpfelndes Monatseinkommen wegspülen

lassen. »Das war mein Hauptschmerzpunkt,

weshalb ich mit dem Solarvertrieb unbedingt

erfolgreich werden musste«, erklärt

Maximilian heute rückblickend.

Doch schon zu diesem Zeitpunkt dachte er

gleich mehrere Schritte weiter. Er träumte

bereits von einem High-Life, wie er es auf

den Instagram-Accounts zahlreicher erfolgreicher

Unternehmer mitverfolgen konnte.

Mit diesem Ziel vor Augen wusste der ehemalige

Profisportler genau, was er zu tun

hatte: Er musste alles geben. Lange Tage,

kurze Nächte und 8.000 gefahrene Kilometer

jeden Monat brachten den 21 Jahre jungen

Schuldner schließlich genau dahin, wo

er immer sein wollte: auf den Fahrersitz

seines neuen 5er BMWs. Abwechselnd mit

dem seines Audi R8 V10, natürlich. Es soll

sich schließlich keine der beiden Luxuskarosserien

vernachlässigt fühlen. So fahren

sich die langen Strecken auch gleich viel

angenehmer.

Neben dem eigenen Ehrgeiz identifiziert Maximilian

zwei weitere, handfestere Komponenten,

die zu seinem raschen Erfolg beigetragen

haben: Zum einen sind das die USPs,

also die »Unique Selling Propositions«, mithilfe

derer er sich von der Konkurrenz abhebt.

Dazu zählt er zum einen, dass er seinen

Kunden als »Full-Service-Anbieter« alle

Sorgen und Probleme, die aufkommen

könnten, vom Hals hält. Noch stolzer ist er

jedoch auf die Eigenständigkeit seines Vertriebs.

»Eines unserer größten USPs ist die

größtmögliche Versorgung durch die eigene

Anlage, einen Stromspeicher und eine

Stromcloud.«

Zum anderen führt er den Erfolg des Solarvertriebs

auf sein Team zurück, das doch

mehr ist als »nur« ein Team: »Grundsätzlich

sind alle meine Partner mit zu meinen besten

Freunden geworden.« Und dieser Freundeskreis

soll noch wachsen: Nächstes Jahr will

Maximilian weiteren 500 Leuten eine Chance

geben. Und diese werden allemal mit günstigeren

Voraussetzungen starten als er selbst.

Denn im Gegensatz zu seinem selbst erarbeiteten

Werdegang hat er für seine neuen Partner

bereits alle Werkzeuge vorbereitet, die sie

brauchen, um loszulegen. Dazu gehören

unter anderem Videoschulungen, Offline-

Coachings und Zoom-Calls. Bei der Auswahl

seiner Partner legt er zwar großen Wert

auf bereits vorhandene Erfahrung im Vertrieb,

mehr jedoch auf Motivation und

Eigeninitiative. Dabei gehe es ihm nicht primär

darum, dass bereits Erfolge vorgewiesen

werden können, sondern dass überhaupt

versucht wurde, etwas auf die Beine zu stellen.

»Vertrieb ist größtenteils Kopfsache. Vor

allem muss man wissen, wie man mit einem

Nein umgeht.« Das mag zunächst paradox

klingen, ist schlussendlich aber eine Erkenntnis,

die ihm niemand widerlegen wird – immerhin

ist er der lebende Beweis für deren

Gültigkeit.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

25


Einstellung

Herr Dr. Zitelmann, Sie haben

über 25 Bücher geschrieben.

Einige davon

wurden Weltbestseller.

Wie schreibt man ein gutes

Buch? Und ist das Thema egal?

Ganz grundsätzlich gilt: Nicht jedes Buch

verkauft sich gut und nicht jedes Buch,

das sich gut verkauft, ist ein gutes Buch.

Natürlich hofft man als Autor stets, dass

viele Menschen ein Buch lesen – und

kaufen. Aber z. B. mein Buch »Die Gesellschaft

und ihre Reichen« ist eines meiner

wichtigsten. Es ist weltweit das erste Standardwerk

zu Vorurteilen über reiche

Menschen und ich bin sicher, noch in 100

Jahren werden Wissenschaftler, die zu

diesem Thema schreiben, sich auf dieses

Buch beziehen. Aber es ist bei Weitem

kein Bestseller! Das kann man bei einem

solchen Buch auch nicht erwarten. In

Deutschland hat es sich nicht besonders

verkauft, obwohl der »Spiegel« einen

positiven Vier-Seiten-Artikel dazu gebracht

hatte und auch die »Welt«, die

»FAZ«, die »Neue Zürcher Zeitung« und

andere Medien positiv berichtet haben.

Aber es ist in Deutsch, Englisch, Schwedisch

und Italienisch erschienen und

kommt demnächst auch in Spanisch, Chinesisch

und Vietnamesisch. Sogar »Le

Monde« hat ein ganzseitiges Interview

mit mir dazu gebracht, obwohl das Buch

in Frankreich gar nicht erschienen ist.

Und in Großbritannien war es sogar auf

Seite eins der »TIMES«. In Vietnam hat

es eine Universität inspiriert, eigene Forschungen

zu diesem Thema zu initiieren.

Ich habe mich also durch dieses Buch

international als Experte für diese Themen

positioniert, obwohl es sich nicht

gut verkauft hat.

Lässt sich schon beim Buchkonzept planen,

es auch tauglich für die internationale

Bühne zu machen?

Es ist wichtig, von vornherein, also bereits

beim Schreiben, ein weltweites Publikum

im Kopf zu haben. Mein nächstes

Buch handelt von den Irrtümern der

Antikapitalisten, es erscheint Ende Februar.

Ich habe dafür eine Umfrage machen

lassen, aber nicht nur in Deutschland,

sondern in 14 Ländern. Das hat

mich insgesamt circa 200.000 Euro gekostet.

Aber so kann ich individualisierte

Ausgaben für verschiedene Länder anbieten:

In Deutschland etwa gibt es ein ausführliches

Kapitel über Deutschland, in

der englischen Ausgabe eines über die

USA und Großbritannien und auch für

Schweden, Korea oder Italien biete ich

entsprechende Ausgaben an.

Und ich vermeide es – was viele Autoren

machen –, im Buch zu viele Beispiele aus

Deutschland zu bringen. Man muss beim

Schreiben stets im Kopf haben: Wen interessiert

das in anderen Ländern? Hätte

ich das Buch nur für Deutschland geschrieben,

dann hätte ich mich z. B. intensiver

mit Sahra Wagenknechts Kapitalismuskritik

auseinandergesetzt. Aber

Bild: Thomas Schweigert

26 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Einstellung

DAS GEHEIMNIS

WELTWEITEN

BUCHERFOLGS

AUTOR DR. DR. RAINER ZITELMANN IM INTERVIEW

ÜBER DAS SCHREIBEN, SEINEN INTERNATIONALEN

BUCHERFOLG UND DEN KAPITALISMUS

»Es ist

wichtig,

bereits beim

Schreiben ein

weltweites

Publikum

im Kopf zu

haben.«

wer in den USA oder Schweden oder

Brasilien kennt Wagenknecht? Andererseits:

Mit den Thesen eines weltweit bekannten

Autors wie etwa Thomas Piketty

kann man sich auseinandersetzen.

Oder nehmen Sie mein Buch »Ich will«

über erfolgreiche Menschen mit Behinderung:

Hätte ich das Buch nur für Deutschland

geschrieben, dann wäre die Auswahl

der dort porträtierten Personen eine andere

gewesen. Aber ich habe immer

meine weltweite Leserschaft im Kopf.

Was sind neben einem guten Buch

die wichtigsten Faktoren für den

Buch erfolg?

Manches bleibt rätselhaft, wie auch in der

Musik: Niemand kann vorher genau kalkulieren

und vorhersagen, was ein Hit

wird und was nicht. Es bleibt immer

spannend und voller Überraschungen.

Wichtig ist aber auf jeden Fall PR, weltweit.

Ich erzähle einfach mal, was ich

heute, an einem Montag, schon gemacht

habe: Ich habe heute einen ganzseitigen

Artikel über mein Buch im »Corriere

della Sera« bekommen, der führenden

italienischen Tageszeitung. Mein italienischer

Verlag macht sehr gute PR und hat

mir sogar eine wöchentliche Kolumne in

einer italienischen Zeitung vermittelt.

Das gilt auch in Schweden, wo ich in den

führenden Zeitungen war. Aber es ist

nicht überall so: Mein russischer Verlag

etwa ist nicht gut in der PR. Da habe ich

eine PR-Agentur engagieren müssen und

mich heute Vormittag mit denen ausgetauscht

über die nächsten Schritte. Da

soll im Januar ein großer Artikel in der

russischen »Cosmopolitan« kommen.

Und heute ganz früh, 7.30 Uhr, direkt

nach meinem Training, hatte ich einen

Zoom-Call mit Vietnam, wo vor einigen

Monaten mein Buch »Setze dir größere

Ziele« erschienen ist und nächstes Jahr

drei weitere erscheinen werden. Ich mache

gerade einen Pitch für drei verschiedene

vietnamesische Agenturen und

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

27


Einstellung

hoffe, dort endlich den richtigen Partner

zu finden. In Deutschland und der

Schweiz brauche ich keine PR-Agentur,

das kann ich alles selbst. Aber für andere

Länder brauche ich manchmal PR-Unterstützung,

weil die Verlage nichts oder zu

wenig tun. Leider sind auch 90 Prozent

der PR-Agenturen unfähig.

Wie erwähnt, erschienen viele Ihrer Bücher

in mehreren Ländern. In Asien gelten

Sie beinahe als Rockstar. Wie machen

Sie ausländische Verlage auf Ihre

Bücher aufmerksam?

Ich arbeite mit einer Agentin zusammen,

die z. B. die Lizenzen für Indien, China

und Korea verkauft hat. Kürzlich habe ich

einen Vertrag für drei meiner Bücher in

Saudi-Arabien unterschrieben, das hat sie

auch gemacht. Es gibt aber andere Länder,

wo ich durch mein eigenes Netzwerk die

Verlage finde. Das war beispielsweise so in

Schweden, Brasilien und Polen. Ich reise

auch viel. Vor Corona war ich auf Vortragstour

in vielen chinesischen Städten

und in Südkorea. Aber natürlich auch oft

in Großbritannien oder den USA. Dann

war Corona-Pause, aber diesen Monat

war ich wieder in Stockholm, morgen geht

es nach Warschau (in Polen kommen in

den nächsten Monaten die ersten beiden

Bücher von mir) und am 1. Dezember

nach Mailand. Manches geht international

noch nicht: Eine Konferenz in Japan findet

jetzt per Zoom statt und in Vietnam

kommt man auch noch nicht rein. Ich

freue mich schon auf eine Südamerika-

Tour nächstes Jahr: Da hat sogar der Bewerber

für das Präsidentenamt in Argentinien

neulich mein Buch »Kapitalismus

ist nicht das Problem, sondern die Lösung«

empfohlen.

Sie müssen also viel selbst in die Hand

nehmen?

Ich delegiere viel, aber natürlich muss

man sich selbst kümmern. Viele Autoren

machen den Fehler, dass sie denken, wenn

»Ich will: Was wir von

erfolgreichen Menschen mit

Behinderung lernen können«

von Rainer Zitelmann

384 Seiten

Erscheint: Juni 2021

FinanzBuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-469-2

»Viele Autoren

machen den

Fehler, dass sie

denken, wenn

das Manuskript

beim Verlag

abgegeben ist,

sei ihre Arbeit

getan.«

das Manuskript beim Verlag abgegeben

ist, sei ihre Arbeit getan. Für mich ist

dann erst die Hälfte abgeschlossen und es

beginnt der zweite Teil, also die Suche

nach internationalen Partnern sowie die

PR für das Buch. Auch hier ist Arnold

Schwarzenegger mein Vorbild. In seiner

Autobiografie schreibt er: »Wenn ich

einen Film abgedreht hatte, war für mich

die Arbeit erst zur Hälfte erledigt… Man

kann den besten Film der Welt machen,

aber wenn er nicht den Weg in die Kinos

findet und wenn die Leute nichts davon

erfahren, dann nützt das alles nichts. Dasselbe

gilt für Literatur, Malerei, oder auch

Erfindungen.« Viele große Künstler, so

schreibt Schwarzenegger, seien wirtschaftlich

gescheitert, weil sie sich darüber

nicht bewusst gewesen seien und

keine guten Verkäufer waren. Picasso

habe gegen eine Mahlzeit im Restaurant

eine Zeichnung angefertigt oder einen

Teller bemalt, heute seien diese Arbeiten

Millionen von Dollar wert. »So etwas

sollte mit meinen Filmen nicht passieren.

Im Bodybuilding und in der Politik hielt

ich es nicht anders. Egal, was ich im Leben

tat: Mir war klar, dass man es verkaufen

musste.« Genauso sehe ich das auch.

Ich muss jedoch hinzufügen, dass ich den

ganzen Aufwand auch deshalb betreiben

kann, weil ich als Unternehmer und Investor

vermögend geworden bin. Ich habe

daher den ganzen Tag Zeit, um für meine

Bücher zu recherchieren und zu lesen, um

zu schreiben und mich um die PR zu

kümmern. Mit Büchern kann man kaum

Geld verdienen, es sei denn, man hat

Harry Potter geschrieben. Aber für mich

steht heute das Geldverdienen auch nicht

mehr im Vordergrund.

Sie sind eine Art Kapitalismus-Aktivist.

Im Fernsehstudio oder auf der Bühne

tragen Sie gerne ein »I love capitalism«-

Shirt. Was ist für Sie das Beste am

Kapitalismus?

Bevor der Kapitalismus entstand, lebten

die meisten Menschen auf der Welt in extremer

Armut – 1820 betrug die Quote

noch 90 Prozent. Heute ist sie unter 10

Prozent gesunken. Das Bemerkenswerte:

In den letzten Jahrzehnten, seit dem Ende

der sozialistischen Planwirtschaft in

China und anderen Ländern, hat sich der

Rückgang der Armut so stark beschleunigt

wie in keiner Phase der Menschheitsgeschichte

zuvor. 1981 lag die Quote noch

bei 42,7 Prozent, im Jahr 2000 war sie bereits

auf 27,8 Prozent gesunken und 2021

lag sie unter 10 Prozent. Ist das nicht

großartig? Ist nicht schon allein dies ein

Grund zu sagen: »I love Capitalism«?#

Überall auf der Welt – auch in Europa

und Deutschland – sehen wir Tendenzen

zum Sozialismus. Offensichtlich wollen

ihn viele Bürger. Warum hat der Sozialismus

so ein romantisches Image und

der Kapitalismus so einen schlechten

Ruf?

Antikapitalismus ist eine politische Religion.

Politische Religionen befriedigen

menschliche Sehnsüchte und Bedürfnisse,

die früher von Religionen bedient wurden.

In klassischen Religionen steht der

Teufel für das allgemein Böse in der Welt.

In der politischen Religion des Antikapitalismus

wird der Kapitalismus zur Inkarnation

des Bösen. Dementsprechend ist

der Kapitalismus für alle Übel der Gesellschaft

und auch für alle persönlichen Pro-

Bild: Thomas Schweigert, Cover: FinanzBuch Verlag

28 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Einstellung

bleme verantwortlich. Kapitalismus ist

dann schuld an Hunger, Armut, Ungleichheit,

Klimawandel, Umweltverschmutzung,

Krieg, Entfremdung, Faschismus,

Rassismus, Unterdrückung der Frau, Sklaverei,

Kolonialismus, Korruption, Kriminalität,

Ängsten, am kulturellen Verfall,

Neurosen und anderen psychischen

Krankheiten. Sogar am Nichtfunktionieren

sozialistischer Systeme ist der Kapitalismus

schuld, weil der Wirtschaftsboykott

der »US-Imperialisten« dazu führe,

dass die Menschen beispielsweise in Kuba

oder Venezuela trotz Sozialismus kein

besseres Leben haben. Da Religionen im

Gefühl und im Glauben und nicht in der

Ratio und im Wissen begründet sind, ist

es schwer, mit Argumenten gegen die

Antikapitalisten anzukommen. Ich werde

es trotzdem tun, und zwar in meinem

nächsten Buch, in dem ich gründlich alle

gegen den Kapitalismus vorgetragenen

Argumente auseinandernehme.

Sie sprechen mit vielen Menschen über

das Thema. Kann man Kapitalismus lernen?

Oder sich darin verlieben?

In Asien haben die Menschen vor allem

einen positiveren Bezug zu Themen wie

Erfolg und Reichtum, also Themen, die ja

auch im Mittelpunkt Ihres Magazins stehen,

Herr Backhaus. In Deutschland sind

Menschen wie Sie und ich Außenseiter,

aber in Vietnam oder Südkorea oder

China gibt es viel mehr Menschen, die

hungrig sind nach Erfolg, die weiterkommen

wollen, die mit einer Durchschnittsexistenz

nicht zufrieden sind. Zwar hat

»In der politischen

Religion

des Antikapitalismus

wird der Kapitalismus

zur

Inkarnation

des Bösen.«

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

29


Einstellung

»Das Beste

für die Wirtschaft

wäre,

wenn die Regierung

einfach

faulenzt

und nichts

macht.«

Bild: IMAGO / Horst Galuschka

auch dort der Kapitalismus Imageprobleme,

aber z. B. in Südkorea haben die

Menschen noch den Vergleich zu Nordkorea,

so wie wir früher den Vergleich zur

DDR hatten. Und manche haben nicht

vergessen, dass in den 60er-Jahren Südund

Nordkorea sehr arm waren – so arm

wie heute die ärmsten afrikanischen Ländern.

Im Norden gab es dann die sozialistische

Planwirtschaft und im Süden den

Kapitalismus. Im Norden hungern die

Menschen immer noch, sobald eine Ernte

mal schlecht ausfällt; im Süden sind viele

Menschen zu Wohlstand gekommen.

Oder nehmen Sie China: Da lebten noch

1981 88 Prozent in extremer Armut. Heute

ist es – dank Privateigentum und Marktwirtschaft

– weniger als ein Prozent. Zwar

darf man in Vietnam und China nicht

positiv über Kapitalismus reden, aber

wenn man stattdessen einfach »Marktwirtschaft«

sagt, ist es okay. Ich habe gerade

einen Aufsatz von meinem Freund

Professor Weiying Zhang (Peking-Universität)

über »Marktwirtschaft und allgemeinen

Wohlstand« gelesen. Ich war begeistert!

Nie hat jemand so klar und einfach

den Kapitalismus und seine Vorteile erklärt.

Ich werde den Aufsatz als Anhang zu

meinem nächsten Buch bringen.

Die Deutschen sind gründungsfaul. Woran

liegt das Ihrer Meinung nach?

Die Deutschen sind Sicherheitsfanatiker.

Das sehen Sie auch in der Art, wie sie ihr

Geld anlegen. Aber ich bin optimistisch,

dass unter den Jüngeren eine andere Kultur

entsteht, wo Leute Lust haben auf

Unternehmertum, auf Start-ups, auf Aktien.

Man müsste eigentlich Ihr Magazin

an allen Schulen verteilen und die Leute,

die bei Ihnen interviewt werden, müssten

dort Vorträge halten. Denn die Lehrer

bringen die jungen Leute bestimmt nicht

auf die Idee, zu gründen. Was hat denn ein

Lehrer gemacht? Der war in der Schule, ist

dann einige Jahre an die Uni und dann

wieder zurück in die Schule. Der hat doch

nicht die geringste Beziehung zum

Unternehmertum.

Was müsste die neue Bundesregierung

beherzigen, um wirtschaftlich

wie der aufzuschließen im globalen

Wettbewerb?

Das Beste für die Wirtschaft wäre, wenn

die Regierung einfach faulenzt und nichts

macht. Oder sich stattdessen mal auf ihre

eigentlichen Aufgaben konzentriert, also

z. B. äußere und innere Sicherheit, Infrastruktur

usw. Die Probleme kommen doch

vor allem von der Einmischung des Staates

in die Wirtschaft. Der Staat ist überall sehr

stark, wo er schwach sein sollte und überall

schwach, wo er stark sein sollte. Früher

haben die Autohersteller entschieden, welche

Autos sie produzieren (nämlich die,

die Kunden wollten), heute entscheiden

Politiker und Bürokraten in Brüssel über

sogenannte Flottenziele. Überall wird

doch die deutsche Wirtschaft in eine Planwirtschaft

verwandelt.

Das müsste gestoppt werden. Hier mal einige

Punkte: sofortige Beendigung der

Merkelschen »Energiewende«, stattdessen

neue Chancen für moderne Kernkraftwerke.

Zudem brauchen wir viel schnellere

Genehmigungsverfahren. In Berlin

dauert es z. B. oft zwölf Jahre lang, einen

Bebauungsplan aufzustellen! Viele beklagen

das, aber ich bin skeptisch, ob sich

radikal etwas ändert. Denn diese ganze

Bürokratie hat viel mit grünem und sozialistischem

Denken zu tun, wonach der

Staat besser weiß, was für die Menschen

gut ist, als die Menschen selbst. Solange

sich dieses Denken nicht ändert, werden

sich auch Politik und Verwaltung nicht

ändern.

Was macht eigentlich ein Kapitalist wie

Sie mit seinem Geld? Und was geschieht

damit, wenn Sie sterben? Kinder haben

Sie keine.

Ich habe ein Testament. Neben meiner

Schwester und meinen Eltern sind darin

vor allem einige ehemalige Freundinnen

bedacht. Es könnte aber auch sein, dass ich

– wenn ich älter bin – mal eine Stiftung

namens »I love Capitalism« oder so etwas

ins Leben rufe. Ich habe vor, noch mehrere

Jahrzehnte zu leben, also hoffe ich, dass

sich die Frage, wer erbt, nicht so bald

stellt. Und wer weiß, vielleicht werde ich

später noch Kinder haben. Meine Freundinnen

sind ja in dem Alter, wo sie sich

Kinder wünschen, ich müsste mich nur

mal für eine entscheiden.

30 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


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Wissen

Nach einer schwierigen Schwangerschaft hat

sich Beyoncé ein Jahr Zeit genommen, um sich

auf ihre Gesundheit zu konzentrieren.

Sie verlässt sich dabei auf die Werkezeuge der

Meditation und Atemtechniken.

MACH MAL

Buddha

!

VOM ENDE DER ADRENALIN-JUNKIES

Die Autorin

Ava Hauser ist Coach und Menschenexpertin.

Sie begleitet seit drei Jahrzehnten Menschen durch

Extrem- und Umbruchsituationen. Mehr auf:

www.ava-hauser.com.

Das hyperaktive, chemisch gedopte

Alphatier, das auf der

Überholspur durchs Business

rast – die Langsamen bewundern

nur noch den Kondensstreifen.

Der Kalender ohne Verschnaufzeiten

bestätigt das Credo des »Höher-

Schneller-Weiter«. Stress erscheint wie ein

Statussymbol.

Diese Adrenalin-Junkies sind eine aussterbende

Spezies.

Ein erfolgreicher CEO eines internationalen

Konzerns sagte einmal relativierend:

»Meine Kollegen koksen alle.« Seine Jungmanager

hat er ausgelacht, wenn sie über

späte Meetings klagten: »Weicheier! Jetzt

geht der Tag erst richtig los.« Dann fuhr er

mit Vollgas gegen die Bremsbake. Ein

»Stress, Stress, Stress, heutzutage

redet jeder von Stress. Das

ist alles Einbildung. Wir hatten

keine Zeit für Stress, wir haben

einfach gemacht!«

Schlaganfall kickte ihn rüde aus dem Spiel

und er kam zu mir, um sein Leben zu

ändern.

32 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Wissen

Über die chemische Rückkoppelung mit

dem Gehirn wird registriert, wann der

Peptidspiegel sinkt, und dieser wiederaufgefüllt.

Der Körper übernimmt mit der

Zeit die Kontrolle und zwingt stetig zurück

in das vertraute biochemische Muster.

So werden wir süchtig nach dem biochemischen

Cocktail in der Blutbahn, weil wir

uns damit wacher und lebendiger fühlen.

Stress kostet Lebensjahre

Die Telomere – schützende Kappen auf den

Chromosomensträngen – sind ein Parameter

für die Lebenserwartung. Sind sie

aufgebraucht, ist das zelluläre Leben zu

Ende. Man hat gemessen, dass chronisch

gestresste Mütter deutlich schneller altern.

Gewisse Meditationsformen reduzieren

kognitiven Stress, was sich gut auf die Telomere

auswirkt.

Bilder: Christina Pörsch, Depositphotos / kohanova1991 / Anna_Om

Schockierend? Stress hat viele Gesichter.

Ein über achtzigjähriger, altgedienter Manager

eines deutschen Automobilkonzerns

Der Buddha steckt in jedem

von uns. Wir müssen uns nur

entscheiden: Liefern wir uns

den Stresshormonen aus oder

übernehmen wir selbst die

Kontrolle über die Biochemie.

lästerte: »Stress, Stress, Stress, heutzutage

redet jeder von Stress. Das ist alles Einbildung.

Wir hatten keine Zeit für Stress, wir

haben einfach gemacht!« Stimmt nicht. Er

begegnete seinem Stress mit natürlicher

Resilienz. Und dem Vorteil einer Ära frei

von Stresstreibern wie Internet, ständiger

Erreichbarkeit, Globalisierung, Digitalisierung

etc.

Machen wir einen Streifzug durch die

Neuroforschung.

Stress macht dick und dumm

Dieser provokante Satz bringt die drei Phasen

des hormonellen Stoffwechsels auf den

Punkt: Zuerst behindert Adrenalin die Verdauung.

Dann kreiert Cortisol Heißhunger

auf Süßes, Muskelabbau und unterdrückt

das Immunsystem. Als Drittes laugt Cortisol

bei anhaltendem Stress die Nebennieren

aus, bis hin zum Burnout. Muskelsteifheit

am Morgen ist ein Warnzeichen.

Langfristig stört Cortisol die Sexualhormone

(Potenz- und Libidoprobleme) und

die Melatonin-/Serotoninachse (Schlafprobleme

und Stimmungsschwankungen).

Messungen zeigen, dass chronisch gestresste

Patienten einen schnelleren Abbau

des Gehirns erleiden.

Stress macht süchtig

Neuroforscher fanden heraus, dass Stress

technisch gesehen süchtig macht: Emotionen

wie Ärger, Frust, Scham schütten Peptide

ins Blut. Ist der Peptidspiegel über

Jahre hoch, bilden die Zellen Rezeptoren

dafür. Man kann sich das vorstellen wie

einen Airport, der für eine neue Destination

zusätzliche Gates bereitstellt.

Stress Relax Response trainieren!

Entscheidend ist die Stress Relax Response

– die Fähigkeit, von Stress auf Entspannung

umzuschalten. Hier zwei

Tools zum Einstieg.

Akupressur

Aus der von dem Psychotherapeuten

Roger J. Callahan entwickelten mentalen

Kurzzeittherapie stammt dieses

Tool: mit dem Finger den Stresspunkt

(Grube zwischen Nase und Oberlippe)

klopfen und dabei tief und bewusst

Stress ausatmen.

Kleine Stresstrigger, alles bis 3 auf einer

Skala von 1–10, erzeugen ein Grundrauschen.

Am Ende kosten sie Lebensjahre,

wenn man sie ignoriert.

Legales Hirndoping

Chemisches Doping ist gefährlich und

unnötig, lieber sollte man die körpereigene

Biochemie nutzen. Keine Sorge, es

ist nicht nötig, frühmorgens stundenlang

auf dem Meditationsschemel den Steiß

und die Geduld zu quälen. Inzwischen

gibt es spezielle Neurotechniken, die das

Gehirn dauerhaft auf die Ausschüttung

von Glücksmolekülen und Flow umstellen,

dafür reichen 20 Minuten täglich.

Der Buddha steckt in jedem von uns. Wir

müssen uns nur entscheiden: Liefern wir

uns den Stresshormonen aus oder übernehmen

wir selbst die Kontrolle über die

Biochemie.

Herzatmung

Eine einfache Atemübung erzeugt

stressabbauende und angstreduzierende

Herzfrequenzen: Hier die Audio-Anleitung:

https://rebrand.ly/stressraus.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

33


Leben

Pamela Reif agiert mit 8,2 Millionen Abonnenten

auf Instagram international als Influencerin und bewegt

und beeinflusst so weltweit Menschen.

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON THORSTEN HAVENER

Aufmerksamkeit

bündeln wie einen Laser

DIE MANIPULIERENDE KRAFT DER KONZENTRATION

Meines Erachtens ist die

Konzentration neben

unserer Vorstellungskraft

das wichtigste Werkzeug

unseres Geistes.

Im Bereich der Hypnose und Suggestion –

und auch in vielen Bereichen der Manipulation

– spielt es eine sehr große Rolle, dass

unsere Aufmerksamkeit und unsere Vorstellungskraft

so stark auf einen Punkt

konzentriert werden, dass ein messerscharf

gebündelter Fokus entsteht. Um uns herum

gibt es in jedem Moment unzählig viele

Reize, die sich auf unsere Sinne auswirken.

Die Reize, auf die wir uns konzentrieren,

haben Kraft. Und je stärker die Konzentration,

desto stärker die Kraft, die von diesen

Reizen ausgeht. Vielleicht waren Sie bis zu

diesem Moment so stark in dieses Buch

vertieft, dass Sie alles andere um sich herum

komplett ausgeblendet haben, bis ich

Sie mit diesen Worten wieder daran erinnert

habe: die Temperatur um Sie herum,

die Farben, die Geräusche, das Gefühl des

Stoffs Ihrer Kleidung auf Ihrer Haut. Sobald

Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf richten,

wird es spürbar, davor wahrscheinlich

nicht. Achten Sie doch einmal, während Sie

diese Zeilen lesen, auf Ihre Atmung und

erlauben Sie sich, regelmäßig und ruhig zu

atmen und angenehm zu entspannen. Mit

jedem Wort, das Sie lesen, können Sie tiefer

und tiefer entspannen. Und jetzt konzentrieren

Sie sich einmal nur auf Ihre

linke Hand. Und während Sie jetzt tief einatmen,

erlauben Sie sich, diese Konzentration

auf Ihre linke Hand auszuweiten und

zu vertiefen. Spüren Sie einmal, wie sich

Ihre linke Hand jetzt anfühlt. Fühlen Sie

die Temperatur und die Fläche, auf der Ihre

Hand aufliegt. Spüren Sie einfach jede

Empfindung in der linken Hand.

Atmen Sie weiterhin ruhig und entspannt

und achten auf Ihre linke Hand.

Achten Sie weiter auf Ihre linke Hand und

jede Empfindung, die Sie dort spüren. Achten

Sie einmal auf den Pulsschlag, den Sie

in Ihrer linken Hand spüren. Und während

Sie den Puls fühlen, bemerken Sie, wie

gleichmäßig und rhythmisch er schlägt.

Richten Sie Ihre Konzentration jetzt auf

34 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Leben

Ihre Fingerspitzen. Spüren Sie den Puls

jetzt in Ihren Fingerspitzen.

Als Nächstes konzentrieren Sie sich bitte

stark auf die Fingerkuppe Ihres Zeigefingers.

Fühlen Sie den Puls jetzt ganz deutlich

in der Kuppe Ihres Zeigefingers. Erlauben

Sie sich, das genau zu fühlen.

Sehr schön. Als Nächstes stellen Sie sich

vor, wie der Puls zum Mittelfinger wandert.

Und während Sie sich das vorstellen, können

Sie all Ihre Aufmerksamkeit auf den

Mittelfinger richten und fühlen, wie der

Puls dort schlägt.

Jetzt wandert dieses Gefühl für einige Pulsschläge

zum Ringfinger. Spüren Sie das Gefühl

dort so stark, wie Sie wollen. Und jetzt

wandert das Gefühl zum kleinen Finger.

Lassen Sie es dort so lange, wie Sie möchten,

und kommen zurück in den Moment.

Haben Sie bemerkt, wie stark sich Ihre

Konzentration auf Ihr Empfinden auswirkt?

Das ist übrigens eine sehr gute

Übung, um in stressigen Situationen zur

Ruhe zu kommen. Je stärker die Konzentration

auf einen Bereich ist, desto stärker

ist die Auswirkung dieses Bereichs auf

unser Empfinden.

Das gilt nicht nur für unseren Körper, sondern

auch für unsere Umwelt. Je stärker

wir uns auf Unangenehmes und mögliches

Scheitern konzentrieren, desto stärker wird

dieser Fokus sich auf unsere Vorstellungskraft

auswirken.

Dieser Fokus kann von innen kommen,

also aus unseren Gedanken und unserem

Geist, oder aber auch von außen.

Ständig wiederholt von außen ist die Kontrolle

der Aufmerksamkeit ein wichtiges

Instrument der Einflussnahme auf unsere

Gedanken und unser Verhalten.

Was denken Sie, warum Influencer auf Instagram

täglich mehrere Storys posten? Ein

wichtiger Faktor dabei ist die Wiederholung:

Je öfter der User auf den Namen

Die junge Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg

löste durch ihren Einsatz weitverbreitete Schulstreiks

aus, aus denen mittlerweile die globale

Klimaschutzbewegung »Fridays for Future«

entstanden ist.

klickt und die Story im entsprechenden

Account aufruft, desto stärker wird der

Einfluss des Influencers. Die Wiederholung

verstärkt den Fokus und damit die Einflussnahme.

Instagram macht da keinen

Hehl draus, es steckt ja sogar im Namen:

Influencer.

Wir halten also fest, dass in der Konzentration

eine unglaubliche Kraft steckt. Ganz

nebenbei: Es wäre eine echte Verschwendung,

wenn wir diese Kraft nicht für uns

nutzen würden, um uns selbst positiv zu

beeinflussen. Und um uns selbst zu beherrschen

und um auf uns selbst einzuwirken,

ist die Steuerung der Aufmerksamkeit eine

höchst bedeutsame Fähigkeit. Wenn wir es

nämlich nicht von innen machen, dann

machen es andere für uns von außen!

EIN WICHTIGER FAKTOR DABEI IST DIE WIE-

DERHOLUNG: JE ÖFTER DER USER AUF DEN

NAMEN KLICKT UND DIE STORY IM ENTSPRE-

CHENDEN ACCOUNT AUFRUFT, DESTO STÄR-

KER WIRD DER EINFLUSS DES INFLUENCERS.

Vertiefen wir also in diesem Kapitel

unsere Konzentration ein wenig weiter.

Es ist ein altes spirituelles Gesetz, dass

unsere Energie, und auch die Energie

unserer Mitmenschen, dorthin fließt, wohin

wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Je mehr Menschen ihre Energie und Aufmerksamkeit

in eine Richtung lenken,

desto stärker kommen in der Richtung

der Konzentration Dinge ins Rollen.

Bilder: IMAGO / Future Image / ZUMA Press

Je stärker wir uns auf Unangenehmes

und mögliches

Scheitern konzentrieren,

desto stärker wird dieser

Fokus sich auf unsere Vorstellungskraft

auswirken.

Wenn ein Mädchen in Schweden nicht

zur Schule geht, um auf die drohende Klimakatastrophe

(auch ein sehr geschickt

gewähltes Wort übrigens, aber dazu später

mehr) hinzuweisen, dann interessiert

das kaum einen Menschen.

Wenn aber ganz viele Jugendliche ihre

Konzentration in dieselbe Richtung lenken,

dann entsteht eine Bewegung.

Das geht schon ganz profan mit der Konzentration

auf denselben Tag und dieselbe

Uhrzeit los. Wenn einfach jeder

Schüler irgendwann mal nicht in die

Schule ginge, wann es ihm passt, dann

wäre das nichts Besonderes. Das haben

schon Generationen von Schülern vorher

so gemacht.

Wenn aber weltweit Schüler am selben

Tag um dieselbe Uhrzeit das machen

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

35


Leben

und diesen Protest mit einer Aussage verknüpfen,

dann bekommt der dahinterliegende

Gedanke Kraft.

Sobald Sie darauf achten, dass Sie Ihren

Fokus über einen längeren Zeitraum auf

eine Sache konzentrieren, werden Sie merken,

dass sich etwas in diesem Bereich ändert.

Sie entdecken zum Beispiel plötzlich

Artikel oder Websites zu diesem Thema,

hören etwas darüber im Radio oder treffen

Menschen, die sich für dasselbe Thema interessieren.

Es kann auch sein, dass Sie

plötzlich Post zu diesem Thema bekommen

oder Sie jemand in dieser Angelegenheit

anruft. Wie treffend die Ergebnisse

sind, hängt davon ab, wie hoch die Aufmerksamkeit

emotional aufgeladen ist.

Wir haben ja bereits den Grundsatz »Suggestion

braucht Emotion« kennengelernt.

Das gilt auch für unsere Konzentration.

Ein schönes Beispiel sind die Hausaufgaben

meines Sohnes. Hier fällt es ihm meistens

sehr schwer, sich zu konzentrieren.

Das liegt an der mangelnden unterstützenden

Emotion. Sobald er nämlich bei You-

Tube oder Twitch etwas entdeckt, das ihn

interessiert, kann er sich stundenlang darauf

konzentrieren und dafür begeistern.

Sobald Angst, Unsicherheit, Zweifel oder

Stress ins Spiel kommen, wird die Konzentration

blockiert und gebremst.

Nehmen wir an, Sie konzentrieren sich auf

100.000 Euro. Das ist der Gegenstand Ihrer

»Mach doch, was ich will«

von Thorsten Havener

240 Seiten

Erschienen: Oktober 2021

Yes Publishing

ISBN: 978-3-96905-074-3

Konzentration, aber in Verbindung mit

Zweifel oder Angst. Dann entdecken Sie

wahrscheinlich keine Möglichkeiten, an

100.000 Euro zu kommen, sondern Sie bekommen

statt des Geldes Berichte über

andere, die diese Summe verdient oder gewonnen

haben. Man nennt das auch die

»nächste mögliche Entsprechung«. Die

bringt uns nur meistens nicht das, was wir

ursprünglich im Sinn hatten.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was das mit

Manipulation zu tun haben soll. Nun, eine

ganze Menge.

Denn wenn wir nicht selbst genau wissen,

wie wir Herr (oder auch Frau und natürlich

auch Diverse) über unseren Fokus sind,

dann wird jemand anders das für uns übernehmen

und über unsere Konzentration

Zendaya ist einer der einflussreichsten Teen

Stars und gehört mit über 110 Millionen Abonnenten

auf Instagram zu den bekanntesten

Influencerinnen.

mit unseren Emotionen spielen, um über

uns seine Ziele zu erreichen.

Angst, Unsicherheit, Zweifel und Stress eignen

sich nämlich hervorragend als Türöffner

für die meisten Formen der Manipulation.

Um uns gegen diese Einflussnahme zu wehren

und nicht manipulierbar zu sein, ist

daher die Kontrolle unserer Aufmerksamkeit

ein sehr wichtiges Hilfsmittel. Denn:

Wer innerliche Stärke hat, ist nur schwer

manipulierbar.

Es lohnt sich also gerade in dieser Hinsicht,

sich mit dem Thema gründlich zu befassen.

Dass wir dadurch, praktisch nebenbei, Methoden

kennenlernen, mit denen wir leichter

unsere Ziele erreichen und mentale Stärke

und Klarheit erlangen, ist doch wunderbar.

Die Grundlage für unsere Konzentration

ist die Frage »Was willst du?«.

Das ist immer auch die erste Frage, die ich

einem Klienten in einer Coaching-Konsultation

stelle.

Die Idee, diese Frage zu stellen, ist nicht

von mir, ich habe sie von Jesus geklaut. Im

Konfirmandenunterricht haben wir im Lukas-Evangelium

die Geschichte gelesen, in

der ein Blinder zu Jesus gebracht wird. Anstatt

diesen Mann ungefragt einfach so

durch ein Wunder zu heilen (wer mag das

schon?), hat Jesus ihm folgende Frage gestellt:

»Was möchtest du von mir?«

Als weiser Mann wusste Jesus, dass das Offensichtliche

nicht immer mit der eigenen

Weltsicht übereinstimmen muss. Er hat

seine Annahmen nicht auf sein Gegenüber

übertragen. Wenn wir gerade dabei sind:

Das ist das Gegenteil von Manipulation.

Die Antwort des Mannes lautete übrigens:

»Ich möchte wieder sehen können.«

Zurück zu unserer Frage. Sobald Sie wissen,

was Sie wollen, können Sie Ihre Konzentration

ausrichten.

Erst dann.

Nur wenn Sie diese scheinbar so einfache

Frage klar und deutlich für sich selbst geklärt

haben, können Sie Ihre Aufmerksamkeit

entsprechend ausrichten.

Das hört sich so einleuchtend an. Ich habe

aber schon sehr viele Menschen getroffen,

die mir hauptsächlich erzählen, was sie

Bilder: IMAGO / ZUMA Wire, Cover: Yes Publishing

36 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Leben

nicht wollen. Darin sind sie Experten. Die

Idee, sich stärker auf das auszurichten, was

sie wollen, kommt diesen Menschen geradezu

revolutionär vor.

Genau diese Idee macht aber den Unterschied.

Unklare Ziele sorgen für zerstreute

Gedanken und einen unruhigen Geist. Und

der kann sich nicht konzentrieren. Wir

brauchen Fokus, um zur Ruhe zu kommen.

Glücklicherweise habe ich hier eine tolle

Übung für Sie. Ich habe sie von Serge King

auf Hawaii gelernt und nutze sie selbst sehr

gerne.

Die Übung hat zum Ziel, dass Sie sich von

nun an auf alles konzentrieren, was Sie

möchten. Das machen wir in vier

Schritten.

1. Stellen Sie sich vor, die Luft um Sie herum

sei voller Energie. Stellen Sie sich vor,

Sie atmen mit jedem Atemzug diese Energie

ein und sie verteilt sich in Ihrem Körper.

Mit jedem Atemzug gelangt mehr

Energie in Ihren Körper und Sie werden

kräftiger.

2. Als Zweites nutzen Sie die Kraft der

Worte. Sagen Sie sich laut oder auch in Gedanken

Sätze wie »Ich spüre, wie ich angenehm

in diesem Stuhl sitze. Ich spüre

den Puls in meinen Fingern und fühle, wie

meine Füße den Boden berühren«.

3. Jetzt nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft.

Ich schlage Ihnen hier zwei Alternativen

vor. Nehmen Sie die, die Ihnen am besten

gefällt. Denken Sie ganz konkret an etwas,

was Sie in Ihrem Leben wollen. Eine Sache,

eine Situation, eine Fertigkeit, was immer

Sie möchten. Nutzen Sie alle Ihre Sinne

und stellen sich das so gut wie möglich vor.

Hören, sehen, schmecken, riechen und

fühlen Sie das, was Sie sich vorstellen, so

gut es Ihnen möglich ist. Sagen Sie dann –

am besten laut: »Das will ich! Danke.«

Dann kommen Sie zurück in den aktuellen

Augenblick, entspannen sich tiefer und

lassen den Gedanken los.

Alternativ können Sie sich auch ein Symbol

für das ausdenken, was Sie wollen. Wenn

Sie Karriere machen wollen, dann können

Sie sich eine Leiter vorstellen. Oder wenn

Sie eine liebevolle Beziehung möchten,

dann können Sie sich zwei Hunde vorstellen,

die liebevoll miteinander toben. Wenn

Sie Ihre Gesundheit festigen wollen, dann

stellen Sie sich einen Baum vor, wie er gesund

und fest verwurzelt in der Natur

steht, oder auch ein starkes und gesunder

Tier. Ihr Unterbewusstsein liebt Bilder und

wird diese Bilder als den richtigen Befehl

wahrnehmen und ausführen. Sagen Sie

dann zu sich: »Du weißt schon, was das bedeuten

soll. Genau das will ich! Danke.«

4. Wenn Sie sich das intensiv vorgestellt

haben, dann erhöhen Sie das damit verbundene,

angenehme Gefühl, das in Ihnen

aufkommen wird. Genießen Sie die Vor-

Es sind übrigens

nicht

wir, die dafür

sorgen, dass

gewisse Dinge

um uns herum

geschehen.

stellung. Dann atmen Sie tief ein, öffnen

gegebenenfalls die Augen und beenden die

Übung, indem Sie zum Beispiel fest in die

Hände klatschen oder mit den Händen Ihr

Herz berühren.

Jetzt ist Ihr Fokus auf das Ziel ausgerichtet.

Wichtig ist im Bereich der Konzentration,

dass wir hierbei nicht verkrampfen, sondern

locker bleiben. In der Hypnose sprechen

wir daher auch vom Bereich der »entspannten

Aufmerksamkeit«. Üben Sie also

keinen Druck auf sich selbst aus.

Drängen Sie sich nicht, sondern erlauben

Sie sich, das Ziel entspannt und aufmerksam

zu verfolgen. Denn jedes Drängen

sorgt für Anspannung im Körper, und

diese Anspannung sorgt zwangsläufig für

Stress. Genau den wollen wir ja vermeiden,

denn er verwässert langfristig unseren Fokus

und öffnet die Tür zur Manipulation

durch andere.

Es sind übrigens nicht wir, die dafür sorgen,

dass gewisse Dinge um uns herum

geschehen. Darauf haben wir gewöhnlich

keinen Einfluss. Das Einzige, was wir wirklich

unter Kontrolle haben, sind unsere

Aufmerksamkeit und Konzentration. Noch

nicht einmal unsere Vorstellungskraft können

wir maßgeblich kontrollieren. Versuchen

Sie doch einmal, nicht an einen

blauen Elefanten zu denken. Stellen Sie

sich also bitte keinen blauen Elefanten vor.

Sehen Sie?

Aus diesem Grund habe ich am Anfang

dieses Kapitels auch gesagt, dass die Konzentration

noch über unserer Vorstellungskraft

steht.

Apropos Vorstellungskraft: Je angespannter

wir sind, desto weniger Kontrolle haben

wir über unsere Vorstellungskraft. Aus diesem

Grund funktioniert alles, was dafür

sorgt, dass wir uns stressen und anspannen,

zum Beispiel Zeitdruck, auch so gut

als Mittel der Beeinflussung. [...]

Eine sehr gute Möglichkeit, mehr Kontrolle

über unsere Vorstellungskraft zu erlangen,

besteht darin, körperlich zu entspannen und

den Körper entspannt zu halten.

Bei dieser Form der Selbst-Suggestion und

der damit verbundenen Konzentration auf

ein Ziel oder einen Wunsch unterliegen wir

schnell der Illusion, dass das Bild oder wir

selbst etwas bewirken würden.

Das ist nicht der Fall.

Die Konzentration hilft lediglich, unsere

Erwartung zu stärken. Und diese Erwartung

lässt uns Möglichkeiten um uns herum

entdecken, die wir andernfalls wahrscheinlich

einfach übersehen würden.

Es ist wie in unserer Übung mit dem

springenden Puls in den Fingerspitzen. Er

ist die ganze Zeit da, aber wir spüren ihn

nur, wenn wir unsere Konzentration auf

ihn richten.

Aus diesem Grund muss uns auch das Universum

– oder welche Energie Sie auch am

liebsten anrufen, wenn Sie nicht mehr weiterwissen

– nichts schenken. Nehmen wir

das Lied von Janis Joplin »Oh Lord, won’t

you buy me a Mercedes Benz«. Am Titel

merken wir schon, dass es sich um ein älteres

Lied handeln muss. Heute würde sie

den lieben Gott wahrscheinlich eher um

einen Tesla bitten. Ist politisch korrekter.

Zurück zum Thema: Wie wir alle wissen,

bekommen wir gewöhnlich nichts einfach

so geschenkt. Außerdem gibt es doch schon

ganz viele Mercedes Benz. Es braucht also

keine höhere Kraft mehr, die uns einen

schenkt. Es braucht vielmehr die Überzeugung,

dass wir uns einen leisten können.

Da ist sie wieder, die Überzeugung.

Der bedeutende Naturwissenschaftler August

Kekulé sagte einmal: »Unsere Überzeugungen

sind unsere Grenzen.« Genau

in ihnen liegt die Kraft und damit auch die

Stärke für Manipulation oder Autosuggestion.

Je nachdem, von welcher Seite die

Überzeugung kommt, aus uns selbst oder

von außen eingeflüstert und eingepflanzt.

Denn unsere Umwelt reagiert nicht auf

unsere Wünsche, sondern auf unsere Überzeugungen.

Und auf die damit verbundene

Konzentration unserer Aufmerksamkeit.

Das ist vermutlich auch der Grund, warum

Janis Joplin nie einen Mercedes Benz hatte.

Sie fuhr einen 356er Porsche. Die Arme.

DIE KONZENTRATION HILFT LEDIGLICH,

UNSERE ERWARTUNG ZU STÄRKEN. UND

DIESE ERWARTUNG LÄSST UNS MÖGLICH-

KEITEN UM UNS HERUM ENTDECKEN, DIE

WIR ANDERNFALLS WAHRSCHEINLICH EIN-

FACH ÜBERSEHEN WÜRDEN.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

37


Story

»WUSSTE

OFT NICHT,

IN WELCHER

ZEITZONE

ICH WAR.«

NETWORK-MARKETING-UNTERNEHMER CARSTEN LANGE

SAGT, WAS DAS BUSINESS UND 250.000 FLUGMEILEN IM

JAHR AUS IHM MACHTEN.

Leistung, Einsatz und Wille sind

für den 1978 in der DDR geborenen

Network-Marketer Carsten

Lange keine leeren Worte.

Die Einsatzbereitschaft, der er

den Aufstieg an die Spitze seines Networks

verdankt, entwickelte er bereits in jungen

Jahren nach der Berufung in ein Leistungszentrum.

Das harte Training fünfmal

die Woche und die ständigen Leistungstests

dort sieht er als Basis für seinen Ehrgeiz,

Leistung und Ausdauer zu bringen.

»Diese Zeit war für mich sehr förderlich«,

ist sich der heutige Marketing-Profi sicher.

Das Interesse an einer Auslandskarriere

erbte er von seinem Vater, der auf europäischen

und weltweiten Märkten tätig war.

»Seinen Weg mitzuerleben hat sicher das

Feuer nach mehr in mir verursacht«, sagt

er rückblickend. Dieses »mehr« hat er sich

als weltweit aktiver Network-Marketer mit

einem sechsstelligen Monatseinkommen

geholt.

Geld und Network-Marketing

Einst studierte Carsten Lange Jura und

wollte Anwalt werden. Als seine Mutter

2002 erkrankte, verfolgte die Familie jede

Option mit der Chance auf Heilung. Über

die im Network-Marketing typische Empfehlung

durch eine Bekannte seiner Mutter

erhielten Carsten Lange und seine

Frau Iveta einen Tipp für ein angeblich

heilsames Wellnessprodukt, zu dessen

Präsentation sie eingeladen wurden.

Schon kurz nach Vortragsbeginn war der

damalige Student enttäuscht: »So sollte

eine vernünftige Präsentation nicht aussehen.«

Es sei um Heilsversprechen und

Superlative gegangen. »Ich wollte da nur

weg«, bekennt er.

Seine Frau überredete ihn zum Bleiben.

»Und das war auch gut«, stellt er fest.

Denn im zweiten Teil der Präsentation

38 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Story

Bilder: Iveta Lange, Diana Kopaigora

»Niemand, der nur

wegen Geld in dieser

Branche startet, wird

langfristig erfolgreich.

Genauso wenig wird

jemand erfolgreich, der

nur eine Rolle spielt.«

ging es um passives Einkommen. Carsten

Lange lacht: »Passiv sein und Geld verdienen,

das ist doch super, dachte ich.«

Bereits wenige Monate nach seinem Einstieg

sagte er dem Jurastudium ade. »Geld

spielte definitiv eine Rolle bei meiner Entscheidung«,

erklärt er und fügt hinzu:

»Aber viel wichtiger waren mir damals

Selbstständigkeit und Freiheit.« Zusammen

mit seiner Frau startete er dann in

der Branche durch. »Ich kann nicht oft

genug betonen, welch große Rolle Iveta in

meiner Karriere gespielt hat«, so der Networker.

»Wir sind gemeinsam gestartet

und sie war immer an meiner Seite.«

Das Tagesgeschäft

»Bei mir ist jeder Tag anders«, betont

Carsten Lange. Die meiste Zeit telefoniert

er mit seinen Partnern und Leadern aus

der ganzen Welt oder mit seiner Company,

um verschiedene Dinge zu besprechen,

zu planen oder anliegende Probleme

zu lösen. Auch Zoom-Meetings, Geschäftspräsentationen

und Schulungen

gehören zu seinem täglichen Business.

Nach dem ersten Jahr des Geschäftsaufbaus

bei Healy in 2019 laufen viele alltägliche

Dinge nun wegen der coronabedingten

Umstellungen online ab. »Das erste

Jahr hatte es in sich«, erinnert sich der

Unternehmer. »Etwa 40 Länder haben wir

bereist. Teilweise wusste ich gar nicht, in

welcher Zeitzone ich mich gerade befand.«

Stolze 250.000 Flugmeilen hat er

damals gesammelt. Bei allem Spaß an der

Arbeit sei es nicht einfach für das Familienleben

gewesen, wenn man sich nur

gesehen habe, um die Wäsche zu wechseln,

gesteht er.

Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt:

Carsten Lange steht an der Spitze seiner

Network-Marketing-Struktur. Er führt

dies auch auf seine Menschenkenntnis

zurück. »Network-Marketing ist ein People

Business«, erklärt er. »Dort, wo Menschen

mit ihren Interessen, Egos und Nationalitäten

aufeinandertreffen, knirscht

es.« Wichtig sei, objektiv zu bleiben und

sich in die Lage der Partner, aber auch der

Unternehmen hineinzuversetzen.

Moral und Marketing

In der Öffentlichkeit besitzt Network-

Marketing teilweise einen ambivalenten

Ruf, der besagt, man könne viel Geld

durch viele Empfehlungen machen. Carsten

Lange wehrt dies ab. »Niemand, der

nur wegen Geld in dieser Branche startet,

wird langfristig erfolgreich«, erklärt er.

»Genauso wenig wird jemand erfolgreich,

der nur eine Rolle spielt.« Menschen kämen

darauf, ob jemand sich verstelle.

»Network-Marketing beruht auf Ehrlichkeit

und Transparenz«, sagt er bestimmt.

»Und Geld kommt nicht automatisch.«

»Es braucht verdammt harte Arbeit für

den Erfolg«, macht er deutlich. Jahrelange

Aufopferung, Zeiten des Lernens, der

Rückschläge und der Niederlagen gehören

dazu. Dies alles fordert Carsten Lange

auch von seinen Partnern. »Jeder bekommt

die Chance, mir sein ernsthaftes

Interesse am Network-Marketing zu zeigen.«

Fast klingt es wie eine Warnung.

Das Network ist eben kein Ponyhof. »Es

gibt eine Hol- und keine Bringschuld«, erklärt

der Experte. Nicht weniger als 100

Prozent erwarte er von seinen Partnern.

»Ich kann nicht oft

genug betonen, welch

große Rolle Iveta in

meiner Karriere

gespielt hat.Wir sind

gemeinsam gestartet

und sie war immer an

meiner Seite.«

»Am wichtigsten ist die Identifikation mit

dem eigenen Produkt«, sagt Carsten

Lange. »Dein Gegenüber merkt schnell,

ob du wirklich dahinterstehst.« Entscheidend

sei ein Alleinstellungsmerkmal.

»Frage dich, ob du immer wieder begeistert

von dem Produkt wärst.« Der Vergleich

mit einer Liebesbeziehung schießt

einem durch den Kopf, denn auch bei der

Partnerwahl entscheiden die ersten Minuten.

»Als ich mich für Healy World entschieden

habe«, sagt Carsten Lange, »war

mir schon nach zwei Stunden klar, dass

wir etwas Einzigartiges in der Hand

hatten.«

Anderen helfen

»Ich möchte Menschen zeigen, wie sie ihr

Leben positiv verändern und ihre Lebensqualität

steigern können«, sagt Carsten

Lange. Daran arbeitet er täglich. Anderen

Menschen zu helfen, ihre Wünsche und

Träume zu realisieren und Erfolg zu haben,

sei sein erklärtes Ziel. Aber Geld

spielt weiterhin eine Rolle. »Geld kann

ich in Projekte investieren, die mir und

meiner Frau am Herzen liegen und so

Menschen und Tieren helfen.« Dabei ist

Carsten Lange auch dankbar für die

Unterstützung seiner Partner und Mentoren.

»Vor allem aber bin ich dankbar für

die Unterstützung meiner Familie und

ganz besonders für die meiner Frau Iveta,

die immer hinter mir steht und stets hinter

mir gestanden hat.«

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Leben

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON VERLEGER JULIEN BACKHAUS

»EIGENLOB STINKT«

JULIEN BACKHAUS HAT EIN BUCH ÜBER 50 DUMME LEBENS- UND KARRIEREREGELN

GESCHRIEBEN, DIE MAN BRECHEN MUSS, UM ERFOLG ZU HABEN.

Bilder: Daniela Schenk, Cover: FinanzBuch Verlag

Wie selbstverständlich

konsumieren wir die

Werbung für Produkte,

die wir kaufen sollen.

Schokolade, Bier, Elektrogeräte.

Sie werden in Superlativen beschrieben.

Die besten, leckersten oder am

höchsten entwickelten Produkte, die man

kaufen kann. Innovativ ohne Ende. Eine

neue Waschformel, die die Wäsche schon

fast durchsichtig macht, statt nur weiß. Die

Industrie lobt ihre Produkte über den grünen

Klee, und wir alle kaufen sie deshalb.

Nicht wegen einer objektiven, sondern wegen

einer überwiegend subjektiven Entscheidung,

die wir aufgrund einer Werbung

fällen, die mit Superlativen und unverhohlenem

Eigenlob zu uns durchgedrungen ist.

Und in den meisten Fällen ist auch nichts

dabei. Denn in die Massenproduktion und

damit einhergehend in die Werbung schaffen

es die Produkte mit dem größten Potenzial

und der besten Qualität. Kein Unternehmen

betreibt all diesen Aufwand für ein

schlechtes Produkt, das sich kaum zwei

Wochen in den Regalen halten wird.

Warum fällt es uns Menschen so schwer,

uns selbst zu loben? Schließlich wollen wir

uns selbst in gewisser Weise auch vermarkten.

Als Liebespartner, als Freund, als Mitarbeiter

oder als Mitglied einer Gruppe.

Ein Grund dafür könnte in den Heiligen

Schriften der verschiedenen Religionen

liegen, die meist Demut und Bescheidenheit

von den Menschen fordern. Sich selbst

zu untergraben, das galt als fromm, und

noch heute halten viele Gläubige daran

fest. Allerdings steht in Heiligen Schriften

wie der Bibel auch, dass man Rache Auge

um Auge suchen soll und Frauen dem

Manne untertan seien. Man sollte also

nicht alles darin für bare Münze nehmen.

»Bullshit Rules:

50 Regeln, die Sie brechen

müssen, um Erfolg zu haben«

von Julien Backhaus

128 Seiten

Erschienen: Juli 2021

FinanzBuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-489-0

Wer nicht lernt, seine eigenen Qualitäten

zu loben, wird meist übergangen und übersehen.

Nichts spricht dagegen, es auf elegante

Weise zu tun. Aber Sie müssen sich

Gehör verschaffen. Es passiert selten, dass

jemand anderes diesen Job für Sie übernimmt

und all Ihre Vorteile anpreist. Natürlich

ist das der Königsweg im Marketing.

Deshalb nutzen Firmen so gerne

prominente Testimonials (Markenbotschafter),

die sich für die Produkte aussprechen.

Aber im Zweifel muss man sein eigener

Cheerleader sein, um deutlich zu

machen, was man kann und wer man ist.

Das Eigenlob hat noch einen weiteren

positiven Effekt: Es stärkt unser Selbstwertgefühl.

Denn es tut nicht nur gut, von anderen

gelobt zu werden, sondern auch,

wenn man es selbst tut.

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41


Wissen

Dior und Natalie Portman machen es

vor: In dem neuen »Miss Dior«-Film

fordert die Oskar-Preisträgerin die

Zuschauer direkt auf – »Wake up!« –

und nimmt sie mit auf eine wundersame

Reise in das Reich der Blumen.

Wer kann dazu schon Nein sagen?

Brainset

MENSCHEN MENSCHLICH AKTIVIEREN

Menschen menschlich zu

aktivieren, ist der Schlüssel

zum Kaufprozess von

Menschen. Der »alte« Verkauf

hat ausgedient. Heute

kauft ein Mensch und lässt sich nicht mehr

so schnell etwas verkaufen. Er entscheidet

immer mehr selbstständig, auch durch das

hybride Kaufverhalten, wann, wo und wie

er kaufen möchte. Deshalb entsteht die

Frage: »Wie kann ich Menschen aktivieren,

einen Kauf- oder Wahlprozess in Gang zu

setzen?«

Letztlich geht es um die Selbsterkenntnis

des potenziellen Kunden. Er muss sich die

Frage selbst beantworten, ob es ihm das,

was er erwerben möchte, wert ist. Erst diese

Selbsterkenntnis führt dazu, dass Dopamin

(Neurotransmitter), der die Vorfreude verstärkt,

im menschlichen Gehirn ausgeschüttet

wird. Dieser Schub durch eine zukünftig

zu erwartende Belohnung veranlasst Menschen

dann, eine positive Entscheidung

über das bewusste Handeln zu erzeugen.

Der Thalamus als Schnittstelle zwischen

dem limbischen System (unbewusst) und

dem präfrontalen Kortex (Bewusstsein)

muss so stimuliert (aktiviert) werden, dass

er die Informationen in das Bewusstsein

lässt und bewusst entschieden werden

kann. Wenn auch alles vorbewusstlich

schon gefärbt ist aus unserem Abgleich mit

dem Gedächtnis, so sind wir schon in der

Lage, eine Entscheidung zu treffen. Die folgende

vereinfachte Grafik soll dies

verdeutlichen.

Alles, was Sie

sagen und auch

was Sie nicht

sagen, löst in

dem anderen

Menschen eine

Reaktion aus.

42 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Wissen

Quelle: AFNB. 2020, zeitlicher Ablauf der Wahlentscheidungen im Gehirn in Millisekunden

DAS GEHIRN IM WAHL- UND ENTSCHEIDUNGSPROZESS – ZEITLICHER ABLAUF

Bilder: IMAGO / imaginechina, Unsplash / Anthony Melone, Sebastian Schwarz

Wenn wir nun einen Menschen dazu aktivieren

wollen, eine Entscheidung zu treffen,

kommen wir an diesem schematisch

dargestellten zeitlichen Ablauf nicht vorbei.

Immer nur – und wirklich nur –, wenn der

Thalamus die Information an das Bewusstsein

»durchlässt«, wird ein Mensch sich

selbstbewusst entscheiden können. Deshalb

ist die Sprache von größter Bedeutung.

Alles, was Sie sagen und auch was Sie

nicht sagen, löst in dem anderen Menschen

eine Reaktion aus. Durch Abertausende

Wiederholungen während der Sozialisierungsphase

ist unser Gehirn darauf programmiert

worden, bei einer Frage zu

antworten. Es antwortet demnach immer!

Was bedeutet dies für den modernen Verkauf,

also für die Aktivierung von Menschen?

Hier kann mit Sicherheit festgestellt

werden: Die Qualität Ihrer Fragen entscheidet

über die Qualität der Antworten.

Sie kennen diese blöden Kundenansprachen

aus dem Kaufhaus? »Was kann ich für

Sie tun?« Antwort: »Nichts, ich gucke nur!«

Blöde Kundenansprache erbringt eben

blöde Antworten. Wenn Sie heute einen

Menschen wirklich dazu aktivieren wollen,

Entscheidungen zu treffen, die ihn betreffen,

dann sprechen Sie aus der Sicht des

anderen. Vermeiden Sie die »Ich-Kommunikation«,

denn da reden Sie ja über Ihre

Ansichten. Vermeiden Sie auch die »Wir-

Kommunikation«, denn wenn Sie über das

Wir sprechen, weiß Ihr potenzieller Kunde

auch nicht genau, wen Sie meinen.

Es gibt aus neurowissenschaftlicher Sicht

nur eine Art der Kommunikation, die

einen Menschen wirklich dazu veranlasst,

selbst zu begreifen, dass es um ihn selbst

geht, und das ist die »Sie-Kommunikation«.

Wenn Sie aus der Sicht des möglichen

Kunden denken und kommunizieren,

dann haben Sie eine Chance, dass er versteht:

»Es geht hier wirklich um mich.« Um

beim Beispiel zu bleiben: »Was führt Sie in

das Geschäft?« wäre eine wesentlich bessere

Frage. Jetzt weiß der Kunde, Sie haben

wirklich Interesse an ihm und er wird mit

hoher Wahrscheinlichkeit eine klarere Antwort

geben, nämlich dazu, was ihn in Ihr

Geschäft getrieben hat.

Zusammenfassung: Heute gilt es, Menschen

zu aktivieren und aufzuhören, Menschen

das Gefühl zu geben, man wolle ihnen

etwas verkaufen. In hybriden

Kaufprozessen wird jeder Mensch selbst

entscheiden wollen und sich nicht drängen

lassen, denn der Kunde kann alles, zu jeder

Zeit und überall bekommen. Nutzen Sie

die Aktivierungfragen in der »Sie-Kommunikation«

und geben Sie Ihren potenziellen

Kunden das Gefühl, dass es wirklich um sie

geht.

Der Autor

Die Qualität

Ihrer Fragen

entscheidet über

die Qualität der

Antworten.

Karsten Brocke ist Experte für Brainset®,

Wahl- und Kaufentscheidungen, Dozent und

Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches

Bildungsmanagement.

ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

43


Erfolg

44 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Einstellung

SELBST ERKENNTNIS

DER ERSTE SCHRITT AUF DEM WEG DER POTENZIALENTFALTUNG

Bilder: SSF | Steffi Sturm Fotografie, Unsplash / Greg Rakozy

Potenzialentfaltung – das ist ein

mächtiges Wort. Es klingt wie

eine allumfassende Aufgabe und

mit Sicherheit kann ich sagen:

Das ist es auch! Das eigene

Potenzial zu entfalten bedeutet, den eigenen

Schatz wiederzufinden. Aber nicht nur

zu finden, sondern ihn wieder ans Licht der

Welt zu bringen. Unseren eigenen Schatz

tragen wir in uns, doch im Prozess des Älterwerdens

neigen wir dazu, diesen Schatz

aus den Augen zu verlieren, etwa durch

Der Autor

Benjamin Berg ist Mentalcoach und hilft Menschen

bei der Entfaltung ihres Potenzials. Unter

dem Motto »Lebe – Liebe – Lache« hilft er Menschen,

ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken.

Erfahrungen oder die vermeintlich wichtigen

Fragen nach einer sicheren Zukunft.

Doch ist es nicht schöner, in eine Zukunft

zu gehen, in der das eigene Potenzial voll

entfaltet werden kann und unsere Augen

wieder strahlen können?

Das Potenzial, das wir alle in uns tragen, ist

eine Kraft, die uns antreiben kann, wenn

sich die äußeren Umstände schwierig gestalten.

Jeder Mensch ist zu viel mehr in

der Lage, als er sich selbst zutraut. Wir machen

den Fehler, dass wir von Beginn an

viel zu groß denken und glauben, dass wir

durch vergangene negative Erfahrungen

und daraus entstandene Selbstzweifel nicht

in der Lage sind, etwas Großes zu schaffen

und die Welt zu verändern. Wie großartig

wäre es, wenn jeder Mensch den Mut hätte,

zu sich zu stehen, mit seiner Vergangenheit

abzuschließen und zu erkennen, was er in

der Welt verändern kann? Schaffen wir das,

dann sehen wir auch, dass jede noch so

kleine Veränderung Früchte tragen kann.

Das eigene Potenzial zu entfalten, bedeutet

zu wissen, was wir wirklich wollen, und

dem uneingeschränkt nachzugehen.

Die Entfaltung des eigenen Potenzials ist

ein Prozess, der einem viel abverlangen

kann. Allen voran benötigt man Offenheit

gegenüber sich selbst und die Bereitschaft,

tief vorzudringen in die eigene Person.

Denn Potenzialentfaltung beginnt immer

bei uns selbst.

Wie großartig wäre es,

wenn jeder Mensch den

Mut hätte, zu sich zu stehen,

mit seiner Vergangenheit

abzuschließen und zu

erkennen, was er in der

Welt verändern kann?

Kommen wir in den Genuss der Entfaltung,

fühlt es sich so an, als gäbe es für alles

Lösungen. Dinge fügen sich, Ziele werden

erreicht und kleine Erfolgsketten führen zu

großen Erfolgen. Die Entfaltung selbst

führt zu keinen Problemen, doch es könnten

Probleme auftreten für diejenigen, die

sie suchen. Es ist wichtig zu wissen, woher

wir kommen, um festzustellen, wohin wir

gehen wollen. Dieser Weg der Erkenntnis

kann schwer werden und Menschen vor

Probleme stellen, die ihnen bis dahin nicht

bewusst waren. Schaffen wir es, hier einen

klaren und ehrlichen Kopf zu wahren,

dann schaffen wir es auch, unser Potenzial

voller Klarheit, Ehrlichkeit und Selbstvertrauen

auszuleben.

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45


Leben

ZEN STYLE

ODER: ALS ICH AN ALLEM ZU ZWEIFELN BEGANN

In der Corona-Pandemie kam ich

darauf, ein Buch zu schreiben. Ein

Buch, das ich damals selbst gern

gelesen hätte, als ich an allem zu

zweifeln begann. In »Zen Style«

zeichne ich den Weg nach, der dazu geführt

hat, dass sich meine Vorstellungen

von Erfolg komplett gewandelt haben.

Vor 20 Jahren hatte ich eine klare Vorstellung

davon, was Erfolg für mich bedeutete.

Ich war Mitte 20 und wollte ins

Musikgeschäft. Ich begann damit, als

freier Autor für Musikzeitschriften zu

arbeiten. Damals war es üblich, dass uns

die großen Plattenfirmen regelmäßig

nach London, New York oder Los Angeles

fliegen ließen, um ihre Stars zum

Interview zu treffen. Während ich in

einer winzigen Studentenwohnung in

einem Hamburger Wohnblock lebte,

stieg ich auf diesen Trips in Fünf-Sterne-

Hotels ab und stand auf den Gästelisten

der angesagten Clubs. Einmal saß ich mit

Pharrell Williams auf einem Balkon mit

Blick auf auf den Ocean Drive in Miami

Beach, wo die italienischen Sportwagen

ganz selbstverständlich am Straßenrand

standen; Williams trug mehrere Hunderttausend

Euro um den Hals und das

Handgelenk spazieren. So sah Erfolg also

aus, von Nahem betrachtet.

»Zen Style«

von Stephan Kunze

288 Seiten

Erschienen: 20. Dezember 2021

Arkana Verlag

ISBN: 978-3-442-34288-4

Zehn Jahre später arbeitete ich immer

noch daran, im Musikgeschäft durchzustarten.

Bis dahin war es ganz gut gelaufen,

doch der Lebensstil, den ich mir

wegen meiner Vorstellungen vom Erfolg

abverlangte, forderte seinen Tribut: Ich

war 24/7 online und erreichbar, schob

jede Menge Nachtschichten in der Re-

46 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


Leben

Der Autor

Stephan Kunze schreibt seit vielen Jahren als

Journalist und Autor über Musik und Kultur. Seit

einigen Jahren arbeitet er in der Musikredaktion

von Spotify, inzwischen als Global Editorial Lead.

daktion und im Studio, trotzdem ließ ich

keinen Empfang und keine Party aus –

nicht selten war ich morgens der Letzte

an der Bar. Manchmal verdiente ich viel

Geld, hatte aber auch extrem hohe monatliche

Ausgaben. Vor allem war ich unglücklich

und ausgebrannt, kämpfte mit

Übergewicht und Bluthochdruck, Panikattacken

und Selbstzweifeln. Je verzweifelter

ich dem Erfolg hinterherjagte,

desto mehr schien er sich von mir zu

entfernen.

Meine Überzeugung ist, dass ein solches

Leben auch im 21. Jahrhundert noch

möglich ist – sogar ohne komplett aus

der Gesellschaft auszusteigen. Man muss

lediglich die kapitalistische Indoktrination

überwinden, die wir von klein auf

erfahren haben. Dann steht nicht mehr

das »Mithalten« mit den Nachbarn im

Mittelpunkt des eigenen Strebens, weil

wir erkennen, dass wahres Glück nur aus

uns selbst entstehen kann. Uns wird klar,

dass keine dicke Luxusuhr, kein Designer-Turnschuh,

kein neuer Lebenspartner,

kein weiterer Wochenend-Städtetrip

und auch kein exotischer Job-Titel uns

dem wahren Glück auch nur einen Millimeter

näher bringen wird – weil alles,

was wir brauchen, längst da ist. Mit dieser

Erkenntnis schwinden materielle

Wünsche und Ansprüche. Wir nutzen

unsere Lebenszeit für Aktivitäten und

Beziehungen, die uns guttun. Gelassenheit

und Akzeptanz ergreifen Besitz von

unserem Geist.

Wenn wir uns auf diese Reise begeben,

wird sich Entspannung breitmachen, wo

vorher Getriebenheit war. Nach außen

wird sich möglicherweise wenig verändern,

aber die innere Einstellung ändert

sich komplett. Wir arbeiten nicht mehr

zweckgebunden, sondern nur noch um

der Arbeit selbst willen. Und irgendwann

werden wir möglicherweise auch spüren,

dass sich auch eine Form des Erfolgs

nach »klassischer« Definition eingestellt

hat – weil wir nämlich aufgehört haben,

ihm krampfhaft nachzujagen. Wer finden

will, muss aufhören zu suchen, sagen die

Buddhisten. Zen Style.

Wenn wir

uns auf diese

Reise begeben,

wird sich

Entspannung

breitmachen,

wo vorher

Getriebenheit

war.

Bilder: Unsplash / S Migaj, Depositphotos / phaendin, privat, Cover: Arkana Verlag

Nachdem ich einmal eine längere Zeit im

Krankenhaus verbracht hatte und ein für

mich sehr wichtiger Mensch zu jung verstorben

war, begann ich mich vermehrt

damit zu beschäftigen, was mir eigentlich

wirklich wichtig war. In diesem Rahmen

befasste ich mich mit geistigen Strömungen

wie Minimalismus, Taoismus und

Zen-Buddhismus. Ich begann zu meditieren,

meine Achtsamkeit zu trainieren

und mich mit buddhistischer Psychologie

auseinanderzusetzen. In jahrelangen

Recherchen stieß ich auf einen wiederkehrenden

Grundgedanken: Ein genügsames,

naturnahes Leben in Einklang mit

den eigenen Werten macht langfristig

glücklicher und zufriedener als Materialismus

und Konsum. Ich habe viele Menschen

gefunden, die einen solchen Lebensstil

leben, den ich – in Anlehnung an

einen japanischen Zen-Meister – den

»Zen Style« nenne.

Das aktuelle Oberhaupt der

Buddhisten, der Dalai Lama.

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Erfolg Magazin Top Experten

Elon Musk stößt Jeff Bezos vom

»Bloomberg«-Podest

TOP

EXPERTEN

Vor kurzem hat die »New York Times« zusammen mit der

Beratungsfirma Equilar die Top 10 der weltweit bestbezahlten

CEOs aufgestellt. Festgestellt wurde, dass die Corona-Pandemie

keinerlei Auswirkungen auf die Vergütungen der Führungskräfte

hatte. Auf den Spitzenrängen tummeln sich die führenden Köpfe

der anerkanntesten Unternehmen. Umso interessanter ist, dass

weder Tesla-CEO Elon Musk noch der ehemalige Amazon-CEO

Jeff Bezos mit von der Partie sind.

1. Alexander Karp: 1.098.513.297 US-Dollar

Der 53-jährige Mitbegründer des US-Software-Anbieters Palantir

Technologies hatte bereits ein Jahr nach der Gründung im Jahr

2004 mit der Nachrichtendienstgemeinschaft der Vereinigten

Staaten (USIC) einen renommierten Kunden an der Hand. Besonders

bekannt ist das Softwareprojekt Palantir Gotham, das

Anti-Terror-Analysten in den USIC-Behörden und dem US-Verteidigungsministerium

verwenden.

2. Tony Xu: 413.660.920 US-Dollar

Mit 36 Jahren ist der Gründer und CEO von DoorDash, einem

On-Demand-Lieferservice, der zweitbestbezahlte Geschäftsführer

der Welt. Die als Dasher bezeichneten Fahrer des Unternehmens

erhalten pro Essenslieferung eine Provision, nutzen für die

Lieferung aber ihre eigenen Fahrzeuge, was DoorDash jegliche

Wartungskosten erspart und sich scheinbar auf die großzügige

CEO-Vergütung auswirkt.

3. Eric Wu: 370.240.992 US-Dollar

Der aus Taiwan stammende CEO von Opendoor Technologies,

auf deren digitaler Plattform Verbraucher Immobilien kaufen...

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Julian Buchmann

Markenaufbau und Premium-Marketing

für Immobilienmakler

Deutschland

Hierbei handelt es sich um die

neu aufgenommenen Top-Experten.

Die gesamte Liste finden Sie unter

www.erfolg-magazin.de/top-experten/

Bei der Benennung von »Top Experten« handelt es sich um eine redaktionelle

Entscheidung des ERFOLG Magazins. Die Redaktion sichtet regelmäßig

Profile von Marktteilnehmern und prüft die Personen unter Zuhilfenahme

öffentlich einsehbarer Informationen hinsichtlich fachlicher Qualifikation,

Veröffentlichungen, Kundenbewertungen und Dauer der Tätigkeit. Nur

natürliche Personen können als »Top Experten« benannt werden.

Bild: Depositphotos/depositedhar

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Menschen bestmöglich auf ihrer Reise zu begleiten.

»Kommunikation ist meine Passion!« – Florian

Heyer, der unter dem Pseudonym Mr.Rhetorik

bekannt ist, gibt Menschen die Möglichkeit,

durch seine Tipps ihr volles kommunikatives

Potenzial zu entfalten. Mit seinem Instagram-

Profil erreicht er monatlich Millionen von Menschen

mit einer Mission: »Menschen durch

starke Kommunikation für sich zu gewinnen!«

@richtigesmindset

@erfolgsblatt

@mr.rhetorik

Jammer nicht, lebe!

BMotivation

myMTVTN

Schon Einstein sagte, es gäbe viele Wege zum

Glück und einer davon sei, aufzuhören zu jammern.

Ich hab mir das nach einem Schicksalsschlag

zum Lebensmotto gemacht. Mein Blog

soll Dir eine Quelle der Inspiration und Motivation

sein. Es lohnt sich, seinen Träumen zu folgen und

nie aufzugeben. Ich gehe leben! Kommst Du mit?

@jammer_nicht_lebe

Unser Motto »Spreading the good vibes« richtet

sich an Menschen, die einen Traum haben,

jedoch noch nicht das richtige Mindset besitzen,

um diesen zu verwirklichen. Wenn Du Dich

für Persönlichkeitsentwicklung interessierst,

dann schaue gerne bei uns vorbei.

Maciej und Benny

@bmotivation_de

Unser Erfolgsrezept? DSG! Und nein, es handelt

sich hierbei nicht um ein Getriebe, sondern um

Disziplin, Spaß und Geduld! Wir bei myMTVTN

haben gelernt, dass diese drei Faktoren unerlässlich

für Deine Zielerreichung sind! Wann

schaltest Du einen Gang höher und arbeitest

endlich an Deinen Träumen?!

@mymtvtn

Bilder: privat

50 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 01/2022 . ERFOLG magazin


ERFOLG magazin . Ausgabe 01/2022 . www.erfolg-magazin.de

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