21.06.2022 Aufrufe

reisen EXCLUSIV Sommer 2022

“Traumreisen - 15 Ziele für Eure Wunschliste” Alpenhotels Bahamas Marokko Malediven Seychellen Portugal Kanada Australien Guinea-Bissau und vieles mehr

“Traumreisen - 15 Ziele für Eure Wunschliste”

Alpenhotels
Bahamas
Marokko
Malediven
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<strong>Sommer</strong> <strong>2022</strong><br />

Deutschland € 7,90 · Schweiz SFR 13,50 · Österreich € 9,00<br />

Alpenhotels<br />

Bahamas<br />

Marokko<br />

Malediven<br />

Seychellen<br />

Traum<strong>reisen</strong><br />

15 ZIELE FÜR EURE<br />

WUNSCHLISTE


Alles außer<br />

gewöhnlich<br />

Eine Reise ins Northern Territory bedeutet, sich mit<br />

der Natur und den Menschen zu verbinden. Intensive<br />

Erlebnisse an beeindruckenden Orten werden zu<br />

unvergesslichen Erinnerungen: Wandern im Kakadu<br />

National Park, Eintauchen in die Aboriginal-Kultur,<br />

Bestaunen des Red Centre und Freiheit und Weite<br />

auf Road Trips erleben.<br />

Komm’ ins Northern Territory und finde das<br />

Außergewöhnliche.<br />

northernterritory.com/de


EDITORIAL<br />

NEUGIERIG?<br />

Jahrhundertelang herrschte die Annahme,<br />

dass das Leben auf dem Meeresboden<br />

wenig variantenreich ist. Würmer existieren<br />

dort und vielleicht noch Seegurken.<br />

So war die Vorstellung. Wer kann schon<br />

dort leben, wo es tiefschwarz und kalt ist.<br />

Eben auf einem Fleckchen Erde, das die<br />

Sonne nicht tagtäglich küsst. Und ja, auch heute noch<br />

ist es eine Herausforderung, in diese Tiefe durchzudringen.<br />

Und mit jeder Expedition erhalten wir Menschen<br />

einen neuen Einblick in diese unbekannte Welt.<br />

Das Ergebnis dieser Missionen ist dann meist, dass<br />

neue Lebensformen entdeckt werden. Arten, die bisher<br />

noch nie beschrieben wurden. Unbekannte und<br />

somit auch unbenannte Wesen.<br />

Foto: Julia Breuer/juliaslieblinget; Illustration: NotionPic/Shutterstock.com<br />

Doch warum erzähle ich das? Na ja, eigentlich ist ja<br />

neben dem unendlichen Weltall nur der Meeresboden<br />

eine Region, die die Menschheit noch wie Pioniere<br />

entdecken kann. Denn im Hier und Jetzt reihen<br />

wir uns bei unseren Reisen ja meist in die Social-Media-Riege<br />

unserer Vorgänger. Jedes Mural, jede kulinarische<br />

Raffinesse, jedes kulturelle Ritual, schon zig<br />

mal fotografiert und gefilmt. Können wir also noch<br />

etwas Neues empfehlen? Wahrscheinlich nicht. Aber<br />

dennoch haben wir eine Ecke gefunden, die touristisch<br />

kaum bekannt ist. Guinea-Bissau. Und ja, viele<br />

wissen nicht einmal, wie man es ausspricht und wo<br />

es genau liegt. Reporter Andreas Dauerer durfte es<br />

für uns erkunden. Und ja, eine Reise dorthin fühlt<br />

sich ein wenig an wie eine Expedition in neue Gefilde.<br />

Es gibt sie also noch die Ecken. Gott sei Dank, dass<br />

wir weder eine Rakete noch eine Tiefseekapsel dafür<br />

betreten müssen.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

3


34<br />

SEYCHELLEN<br />

INHALT<br />

STANDARDS<br />

03 Editorial<br />

06 Reisenews<br />

08 Esskalation<br />

10 Städtetipp: Wuppertal<br />

12 Kulturtipps<br />

13 Da wollen wir hin<br />

14 Take away<br />

15 Für kleine Weltenbummler<br />

16 Kolumne<br />

17 Vorfreude<br />

114 Gewinnspiel & Impressum<br />

62<br />

MAROKKO


97<br />

HOTELS<br />

»In die Berge<br />

oder ans Meer?<br />

Beides!«<br />

die <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-Redaktion<br />

INSELN<br />

FERNWEH<br />

Fotos: Club Med Seychellen, Marie Tysiak, PR, Jeremy Mason McGraw/GlobalImageCreation.com, Kapreski/Shutterstock.com<br />

24 Bahamas<br />

Kleine Inseln fürs große Glück: Redakteurin<br />

Marie Tysiak auf Reise zwischen<br />

Sonnenorten und heimlichen Häfen.<br />

34 Seychellen<br />

Buchten für Badefans, Wald für Wanderer<br />

und Gourmethappen für Genießer, der<br />

Club Med hat das Rundum-Paket.<br />

42 Malediven<br />

So flach und doch voller Höhepunkte! Ein<br />

Traumresort für Familien ist das Sheraton<br />

Full Moon.<br />

LIFESTYLE<br />

40 Pooloutfits<br />

86 Aussichtshelfer<br />

94 Belletristik zum Wegträumen<br />

50 Guinea-Bissau<br />

Reporter Andreas Dauerer begab<br />

sich auf die Spur eines Gefühls: pure<br />

Faszination für Naturwunder und<br />

Frauenpower.<br />

58 Australien<br />

Wer die Region am anderen Ende<br />

der Welt ansteuert, wird ein rotes<br />

Naturwunder erleben – und ein<br />

kreatives dazu.<br />

62 Marokko<br />

Der perfekte Roadtrip von<br />

Marrakesch nach Tanger mit<br />

Farbrausch und Wüstensand.<br />

70 Kanada<br />

Kanada vereint das Schönste,<br />

was die Schöpfung weltweit hervorgebracht<br />

hat: Gletscher und Grizzlys,<br />

tiefe Fälle und hohe Gipfel, weltoffene<br />

Städte und weiße Weite.<br />

98 7132<br />

In Vals in Graubünden in der Schweiz fühlen sich<br />

Architekturfans bestens aufgehoben. Ein echter<br />

Hotspot ist die Therme, entworfen von Peter Zumthor.<br />

104 Die Hochkönigin<br />

Hochgefühle am Hochkönig in der Hochkönigin.<br />

Perfekter Urlaub im Salzburger Land!<br />

108 Hubertus Mountain Refugium<br />

Achtsamkeit im Allgäu: Das Wohlfühlkonzept<br />

HolisticLife nimmt man mit nach Hause.<br />

EUROPA<br />

78 Alentejo<br />

Weintrauben als kühne Wegberater auf einer Tour<br />

durch den Süden Portugals.<br />

88 Nantes<br />

Es liegt in ihrer Natur, Besucher zu berauschen. Direkt<br />

an der Loire ist die Stadt tolerant und unterschätzt.


eisenews<br />

Vor 150 Jahren schuf Präsident Ulysses Grant den ersten Nationalpark der Welt! Ja,<br />

richtig gehört. Der Yellowstone ist somit nicht nur der älteste Nationalpark, sondern auch<br />

Vorbild für die vielen Parks, die folgten. Und er hat auch heute nichts an Schönheit verloren.<br />

Seine beeindruckende Naturkulisse, die sich vom Nordwesten Wyomings bis nach<br />

Idaho und Montana erstreckt, ist legendär. Kristallklare Seen, tosende Wasserfälle und<br />

die weltbekannten Felsformationen der Canyons locken Millionen Reisende aus aller Welt<br />

in den Park. Und obwohl es doch einige Touristen sind, die hier jährlich durchwandern,<br />

fühlen sich Bären, Bisons und Wölfe dort ebenso wohl. Anlässlich des Geburtstags gibt es<br />

noch bis September Events und Aktivitäten. nps.gov/yell<br />

HAPPY BIRTHDAY, YELLOWSTONE!<br />

6<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


BIG BOULDER<br />

Na? Wo steht wohl die größte Kletterhalle<br />

der Welt? In Berlin? Nein! In London? Nö! In<br />

Los Angeles? Weit gefehlt. Natürlich im international<br />

bekannten Bubenreuth. Das ist eine<br />

Gemeinde im Landkreis Erlangen. Und ja, da<br />

haben die Blockhelden vor ein paar Wochen<br />

die größte Boulderhalle weltweit eröffnet.<br />

3.500 Quadratmeter Kletterfläche locken<br />

Anfänger wie Fortgeschrittene ins fränkische<br />

Bubenreuth. blockhelden.de<br />

FRIEDEN!<br />

Auf dem Osloer Rathausplatz befindet sich das<br />

friedlichste Museum Norwegens: The Nobel<br />

Peace Center. Dahinter wird im Juni das größte<br />

Museum Norwegens eröffnet: Das neue Nationalmuseum.<br />

Und davor steht eine einladende Bank<br />

in Form eines großen Lächelns. Die Bank ist nach<br />

einem Zitat von Nelson Mandela benannt: »Die<br />

beste Waffe ist, sich hinzusetzen und zu reden.«<br />

Sie soll zu einem friedlichen Dialog anregen. Im<br />

Inneren erwartet den Besucher ein renoviertes<br />

Museum mit neuen, aktuellen Ausstellungen.<br />

Besser könnte es nicht in die heutige Zeit passen.<br />

nobelpeacecenter.org<br />

Fotos: Marian Lenhard (2), Laila Skalsky, Yannick Menard, Jon Terje Hellgren Hansen/Nobel Peace<br />

Center, Mette Bruaas/Nobel Peace Center, Frank Kroeger, T. Kaiser<br />

WIE IM FLUG<br />

Sylt ist toll! Das finden nicht nur Promis, sondern auch Urlauber,<br />

die die Nordseeinsel wegen ihrer prachtvollen Natur schätzen.<br />

Und wegen der langen Strände. Und der Leuchttürme. Und der<br />

Sternerestaurants. Ja, es gibt viele Gründe, hoch in den Norden<br />

zu <strong>reisen</strong>. Doch wem die Anfahrt zu lang ist, dem sei verraten –<br />

es gibt Direktflüge nach Sylt. Und zwar ab München, Berlin-Tegel,<br />

Düsseldorf, Frankfurt a. M., Stuttgart, Mannheim, Kassel, Hamburg,<br />

Luxemburg und Zürich. sylt.de<br />

7


esskalation<br />

In Notting Hill mangelt es wahrlich nicht an schicken Pubs. Und wenn die Konkurrenz<br />

groß ist, heißt es klotzen statt kleckern. Genau das Konzept hat auch The Princess<br />

Royal mit seiner hübschen smaragdgrünen Fassade, dem sonnigen Garten und dem<br />

beeindruckenden Gewächshaus verfolgt. Küchenchef Ben Tish (einst im Noma tätig,<br />

ihr wisst schon, das beste Restaurant der Welt) hat das Sagen in der Küche und<br />

kümmert sich um eine mediterran angehauchte Speisekarte. Appetithappen gefällig?<br />

Es gibt eine umfangreiche Rohkost-Bar, rote Garnelen-Crudo mit spritziger Orange,<br />

Rindertartar mit Minze und verschiedene Austernsorten (Jersey Rock ist die Sorte,<br />

die man als Anfänger bestellen sollte!), Snacks (fluffige Focaccia, zitrusartige, mit<br />

Salz gesprenkelte Padron-Paprika) und Vorspeisen (aufgeschlagene Nduja mit Pfiff,<br />

Pizzette mit herabhängendem Burrata, Mascarpone und Fontina). Doch es ist der<br />

Sticky Toffee Pudding, der diesen Pub unvergesslich gut macht. Wer Lust hat, der<br />

bucht einfach ein Zimmer im Obergeschoss bei der Tischreservierung mit. Die<br />

Zimmer sind so niedlich, wie das Essen gut ist. cubitthouse.co.uk/the-princess-royal/<br />

PubSATT<br />

8


DA BRÜHT SICH<br />

was zusammen<br />

Fotos: PR (2), Manufaktur Jörg Geiger GmbH (2), The Princess Royal (2), www.davidcotsworth.com, Masa New York City, Daniel Balda<br />

IT’S BRIDGERTON<br />

TEA, my Lady<br />

Regency-Garderobe einpacken<br />

und ab in die schönste Residenz<br />

Londons: Zum Bridgerton<br />

Afternoon Tea ins The Lanesborough!<br />

Im reich dekorierten<br />

Speisesaal wird das Menü kredenzt,<br />

kreiert vom Chefkoch<br />

Kevin Miller. Es reicht von<br />

köstlichen Finger-Sandwiches<br />

zu sensationellen Brioche-<br />

Slidern und ist eine Hommage<br />

an die wichtigsten Familien aus<br />

der Bridgerton-Serie sowie an<br />

das heutige »Lanesborough<br />

House«, das 1825 von William<br />

Wilkins auf dem Höhepunkt der<br />

Regency-Ära im klassizistischen<br />

Stil restauriert wurde. Heute gilt<br />

es als das Londoner Regency-<br />

Gebäude schlechthin.<br />

oetkercollection.com<br />

In einer kleinen Manufaktur in<br />

Thüringen brodelt es in den Töpfen:<br />

Hier werden die Bio-Brühen<br />

der Manufaktur »J. Kinski – Lecker<br />

seit immer« hergestellt. Und die<br />

schmecken international wie die<br />

Bio-Brühe »Pho-Veganer-Suppengrün«.<br />

Paket mit 6 Flaschen<br />

à 525 ml, um € 40, j-kinski.de<br />

GESPRÄCHSstoff<br />

DAS 1.000-DOLLAR-Sushi<br />

Es ist das teuerste Restaurant der USA: Masa,<br />

eine opulente Sushi-Bar in New York City. Und<br />

die Preispolitik des Drei-Sterne-Michelin-Restaurants<br />

ist ausgeklügelt. Für ein Omakase-Menü<br />

direkt an der Theke verlangt das Masa $1.034<br />

(€ 980) pro Person inklusive Steuern. Ohne<br />

Weinbegleitung. Diejenigen, die einen der wenigen<br />

Tische reservieren möchten, müssen mit<br />

einem Preis von $750 (€ 710) rechnen. Warum<br />

ist der Tisch billiger als die Theke? Weil man<br />

dort dem Itamae (dem Sushi-Meister) auf die<br />

Messer gucken kann. Das Menü ist eine Auswahl<br />

von fünf bis sechs kleinen Vorspeisen, gefolgt<br />

von 15 bis 17 Sushi, je nach Saison und Ermessen<br />

des Chefkochs. Die Gourmands sind begeistert.<br />

Bilder vom Essen und Restaurant dürft ihr nicht<br />

machen, schließlich sollen die 1.000-Dollar-Sushis<br />

in absoluter Privatsphäre genossen werden.<br />

www.masanyc.com<br />

BESCHWIPSTES<br />

Wiesenobst<br />

Auf den Wiesen der Manufaktur Jörg Geiger<br />

wachsen jahrhundertealte schwäbische Obstsorten.<br />

Und daraus zaubern er und sein Team süffige<br />

Getränke, die es locker mit einem richtigen Champagner<br />

aufnehmen können wie der Schaumwein<br />

aus der Obstsorte Champagner Bratbirne. Doch<br />

die Birne muss nicht immer beschwipst sein, es<br />

gibt auch jede Menge tolle alkoholfreie Varianten.<br />

manufaktur-joerg-geiger.de<br />

El silencio, ist der »place to be«<br />

diesen <strong>Sommer</strong> auf Ibiza. Vor elf<br />

Jahren gründete David Lynch<br />

den Club »Silencio« in Paris. 2021<br />

brachte er einen Ableger des legendären<br />

Clubs auf die mondäne<br />

Insel. Das Strandhaus mit Restaurant<br />

und Bar zieht die coolsten<br />

Leute aus aller Welt an. Die beiden<br />

Köche Mauro Colagreco und<br />

Federico Desseno, der Künstler<br />

Samuel de Saboia und der Barkeeper<br />

Remy Savage werden die<br />

Gastronomie-, Kunst-, Kultur- und<br />

Freizeitszene auf Ibiza diesen<br />

<strong>Sommer</strong> ordentlich aufmischen.<br />

elsilencioibiza.com<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

9


städtetipp<br />

WUPPERTAL<br />

WUPPERTAL IST KEINE KLASSISCHE<br />

SCHÖNHEIT. DOCH WER IN DER EHEMA-<br />

LIGEN TEXTILSTADT GENAUER HINSIEHT,<br />

ENTDECKT ALLERHAND COOLE ORTE,<br />

TRAUMHAFTE AUSSICHTEN UND INNOVA-<br />

TIVE MENSCHEN. ZWISCHEN STREETART<br />

UND INDUSTRIE-CHARME ZEIGEN WIR<br />

EUCH SECHS AKTIVITÄTEN FÜR DAS PER-<br />

FEKTE WOCHENENDE IN WUPPERTAL.<br />

Kultur erleben<br />

und Kunst entdecken<br />

Wuppertal ist Heimat vieler toller Künstler,<br />

die ihre Stadt aktiv mitgestalten. Eine der<br />

bekanntesten war zweifelsohne Pina Bausch,<br />

deren Tanztheater die Stadt weiterhin nachhaltig<br />

prägt. Der britische Skulpturenkünstler<br />

Tony Cragg eröffnete in seiner Wahlheimat<br />

den Skulpturenpark Waldfrieden, der nicht<br />

nur seinen eigenen riesigen Skulpturen,<br />

sondern auch Werken anderer Künstler eine<br />

Ausstellungsfläche im Grünen bietet. Kunstinteressierte<br />

sollten unbedingt auch dem<br />

Von der Heydt-Museum einen Besuch abstatten,<br />

in dem vor allem europäische Kunst<br />

des 19. Jahrhunderts ausgestellt wird.<br />

DURCHS TAL SCHWEBEN –<br />

DIE SCHWEBEBAHN<br />

Natürlich ist kein Besuch der bergischen Großstadt<br />

perfekt, ohne mit der Schwebebahn über die Wupper<br />

zu schweben! Das Wahrzeichen Wuppertals ist seit<br />

1901 das schnellste und unkomplizierteste Verkehrsmittel<br />

der Stadt. Knapp zwölf Meter über der Wupper<br />

und später auch über der Straße schwebt man förmlich<br />

durchs Tal und genießt tolle Perspektiven auf die<br />

Stadt. Die Schwebebahn gehört einfach zu Wuppertal<br />

wie der Dom nach Kölle! Einmal von Oberbarmen nach<br />

Vohwinkel zu fahren, am Stadion vorbei und über die<br />

Autobahn, immer mit Ausblick auf die grünen Hänge,<br />

ist ein Muss! Für Besucher ist die Fahrt aufregend,<br />

auch wenn die Schwebebahn für Wuppertaler ein<br />

ganz normales Verkehrsmittel ist.<br />

10 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> sommer <strong>2022</strong>


AUSBLICKE GENIESSEN – DIE HARDT<br />

Durch die steilen Hänge bieten sich in Wuppertal an allen Ecken<br />

grandiose Ausblicke weit über das Tal. Besonders schön ist es<br />

auf dem Hardtberg, denn hier befinden sich die Hardt-Anlagen<br />

einem der ältesten Stadtparks Deutschlands. Verschiedene Aussichtstürme<br />

wie der wunderschöne Elisenturm oder der rustikale<br />

Bismarckturm gewähren einen Blick bis nach Düsseldorf und<br />

sind auch für sich eine Augenweide. Die Hardt-Anlagen laden zu<br />

einem ausgedehnten Spaziergang durchs Grün ein, im Botanischen<br />

Garten blühen im Frühjahr exotische Pflanzen aus aller<br />

Welt. Das schnuckelige Café Elise ist der perfekte Ort für Kaffee<br />

und Kuchen und auch zum Brunch einen Besuch wert.<br />

TREPPENSTEIGEN –<br />

HOLSTEINER TREPPE<br />

Wuppertal ist berüchtigt für seine Treppen.<br />

Denn in der Stadt, die sich über das lang<br />

gezogene Tal der Wupper und die steilen<br />

Hänge zu beiden Seiten des Flusses zieht, gibt<br />

es einige davon. Knallbunt wie die Holsteiner<br />

Treppe oder verwinkelt und mit schnuckeligen<br />

Namen wie Tippen-Tappen-Tönchen versehen:<br />

Wuppertals Treppen, die Besuchern manchmal<br />

einiges abverlangen, gehören genauso<br />

zu der Stadt wie ihre Schwebebahn. Und tolle<br />

Fotomotive bieten sie auch noch! Tipp: Wer<br />

Streetart mag, der sollte unbedingt auch die<br />

Brücke an der Schwesternstraße auschecken,<br />

die der Graffiti-Künstler Megx in ein buntes<br />

Legostein-Kunstwerk verwandelt hat.<br />

Text: Marie Tysiak; Fotos: Simon Wierzba<br />

AUF ALTEN BAHNTRASSEN RADELN –<br />

UTOPIASTADT<br />

Einst verband eine kleine Eisenbahn die verschiedenen Stadtteile<br />

Wuppertals. Eine Bürgerinitiative bewegte die Betonierung,<br />

und so führen heute verschiedene Trassen durch Wuppertal.<br />

Die Nordbahntrasse verläuft fast einmal durchs gesamte Tal,<br />

immer schön flach und natürlich ebenso mit tollen Ausblicken. In<br />

den alten Bahnhofsgebäuden haben sich Cafés, Kollektive und<br />

Kletterhallen eingenistet. In der Utopiastadt am einstigen Mirker<br />

Bahnhof kann man in lockerer und hipper Atmosphäre entspannen<br />

und sich von Kunst sowie Machern inspirieren lassen.<br />

Dort können auch kostenfrei Fahrräder ausgeliehen werden, mit<br />

denen man auf der Trasse quer durch Wuppertal radeln kann.<br />

ES GRÜNT SO GRÜN!<br />

Barhopping und Bummel<br />

im Luisenviertel<br />

Ab Mittag wird das Luisenviertel rund um die<br />

gleichnamige Straße lebendig. Vor Bars und<br />

Cafés stehen Tische auf dem Kopfsteinpflaster,<br />

die ersten Bummler genießen einen Kaffee<br />

oder ein Glas Weißwein. Später trifft man sich<br />

in den unzähligen Restaurants wie<br />

dem Alaturka, Katzengold oder<br />

79°, um anschließend vielleicht<br />

noch in eine der vielen hippen<br />

Bars auf einen Drink<br />

einzukehren. Im Beatz &<br />

Kekse gibt es sonntagabends<br />

den Tatort, im<br />

Zum Köhlerliesl den<br />

berüchtigten Käsekuchen-Schnaps<br />

und<br />

Kicker-Turniere, die<br />

Viertelbar wartet mit<br />

coolem Interieur, und<br />

die besten Drinks serviert<br />

die Bar Edelrost.<br />

11


events<br />

Geschmackssache: drei Events für alle Fälle – von sportlicher<br />

Herausforderung in alpiner Kulisse in Ischgl über legendäre<br />

Street Art in Bremen bis zur Feier der Vielfalt in Sydney.<br />

STREET-ART-SUPERSTAR....<br />

Wenn Straßenkunst ins Museum kommt, dann lohnt es sich besonders bei dem britischen<br />

Künstler Banksy. Die Ikone der Stencils. Der Geheimnisvolle – denn bisher weiß niemand<br />

offiziell, wer Banksy eigentlich ist. »The Mystery of Banksy – A Genius Mind« ist eine neue<br />

Ausstellung zu Ehren der Kunstikone. Seit der Weltpremiere im März 2021 in München<br />

haben inzwischen über 300.000 Besucher die Ausstellung gesehen und machen sie damit<br />

zur publikumsstärksten und erfolgreichsten Schau über den Street-Art-Superstar weltweit.<br />

Bis zum 14. August <strong>2022</strong> noch in Bremen. Nächste Stationen: Leipzig und Hamburg.<br />

mystery-banksy.com<br />

Fotos: COFOEntertainment, Erwin Haiden, Brian Kyed<br />

HANG OVER..<br />

COOL COMMUNITY..<br />

Keine Frage: Es wird anstrengend. Wer sich beim Ischgl Ironbike<br />

aufs Mountainbike schwingt, wird nach dem ein oder anderen Hang<br />

erschöpft Pause machen. Jedenfalls die Laien unter uns. Immerhin<br />

kann man dann in Ruhe die Sicht auf die eindrucksvolle Kulisse<br />

des Silvretta-Massivs genießen. Puste zurück? Weiter geht’s! Der<br />

27. Ischgl Ironbike ist eine alljährliche Mountainbike-Veranstaltung,<br />

mit vier verschiedenen Rennen für Amateure und Profis. 3. bis<br />

6. August <strong>2022</strong>, ischglironbike.com<br />

Es ist stets die bedeutendste<br />

Großveranstaltung des<br />

Jahres für die internationale<br />

LGBT-Community: die<br />

Worldpride. 2023 wird sie in<br />

Sydney stattfinden und damit<br />

erstmals in der südlichen<br />

Hemisphäre. Gefeiert werden<br />

die Liebe, Vielfalt und<br />

Einbeziehung von Minderheiten.<br />

Der Pride March über<br />

die Sydney Harbour Bridge<br />

oder die Party an Sydneys<br />

Kultstrand Bondi Beach<br />

werden sicher legendär.<br />

Sydney Worldpride 2023,<br />

17. Februar bis 5. März 2023,<br />

sydneyworldpride.com<br />

Fotos: xxx<br />

12<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


da wollen wir hin<br />

SOUKI LODGE & SPA Cabrières, Frankreich<br />

Die Leichtigkeit des Seins: Die Souki Lodge & Spa macht es den Gästen leicht, im Moment zu leben – ob<br />

auf der Terrasse im eigenen Jacuzzi oder im Infinity-Pool mit Blick auf das Tal, in einem der unheimlich<br />

bequemen Kingsize-Betten, wo man sich morgens beim Aufstehen schon freut, sich abends wieder<br />

hineinkuscheln zu können, oder von der Couch aus im hellen Wohnzimmer die Ruhe und den Ausblick<br />

ins Grün genießend.<br />

Im französischen Cabrières, rund 50 Autominuten von Montpellier entfernt, am Fuße des malerischen<br />

Pic de Vissou, haben Fabien Moncel und Gilles Pascal zwei Lodges geschaffen, die behutsam auf Stelzen<br />

am Hang zwischen den Hügeln, Steineichen und Weinbergen integriert wurden sind. Es sind zwei<br />

lichtdurchflutete Kokons mit riesigen Fenstern, die einem das Gefühl vermitteln, ganz allein inmitten<br />

der wilden Natur zu urlauben – umgeben von modernem Komfort, einem schicken, klaren Design und<br />

schönen, liebevoll ausgesuchten Designobjekten, die man restlos alle nachkaufen möchte. Noch mehr<br />

Entspannung und Genuss gefällig? Wie wäre es mit einer Massage auf der Terrasse oder einem Menü<br />

von Spitzenköchen aus der Region, die extra für die Gäste kochen?<br />

Fotos: Mr. Tripper (2)<br />

Sollte man doch einmal aus seinem wunderschönen Kokon kurzzeitig hinauswollen: Unzählige Wanderwege,<br />

Weinberge und malerische Dörfer in den Ausläufern der Cevennen warten darauf, entdeckt zu<br />

werden. Ab auf das Elektrofahrrad, den Frühstückskorb mit Granola, Brioches und Obstsalat auf den<br />

Gepäckträger geklemmt und in den Weinbergen gefrühstückt. Die pure Leichtigkeit! Ab € 590 die Nacht<br />

pro Lodge inkl. Frühstück für zwei Personen. souki-lodges.com<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

13


takeaway<br />

HIMMELSZELT .<br />

Zelten ist nicht jedermanns Sache. Doch beim Anblick<br />

des Cave-XL-4-Season-Zelts überlegt man es sich<br />

vielleicht noch einmal anders. Denn mit dem hochmodernen,<br />

aufblasbaren Vier-Jahreszeiten-Zelt von Heimplanet<br />

in Zusammenarbeit mit 66°North kann man zu<br />

großen Abenteuern aufbrechen. € 990, heimplanet.com<br />

SCHATTENSPENDER.<br />

Wenn das Leben dir viel Sonne gibt, dann setz<br />

diesen sommerlichen Hut auf! Der Strohut von<br />

Marc Cain mit blau-weißem Streifenband und<br />

Orangen-Pailletten-Applikation ist ein schicker<br />

Strandbegleiter. Um € 100, marc-cain.com<br />

WIE NEU!.<br />

Stilvoll und nachhaltig radelt man auf dem Re:cycle Bike des schwedischen<br />

Start-ups Vélosophy durch den Alltag. Kommt einem die Farbe<br />

irgendwie bekannt vor? Den Nespresso-Trinkern unter uns sicher. Der<br />

Aluminiumrahmen besteht nämlich aus alten Nespresso-Kapseln, genauer<br />

aus der Sorte Arpeggio, die im markanten Violett daherkommt.<br />

Sattel, Griffe und Transportkorb bestehen aus dampfgebogenem<br />

Eichenholz. Und was kommt in den Getränkehalter? Na, Kaffee to go<br />

natürlich! Ab € 1.290, velosophy.cc<br />

AUF GROSSEM FUSS.<br />

Ob New York, Barcelona oder<br />

Paris: Mit dieser hübschen Plateau-Sandalette<br />

von Konstantin<br />

Starke spaziert man stilvoll<br />

zum Sightseeing. Um € 150,<br />

konstantin-starke-new-york.com<br />

ZAHNPASTA-LÄCHELN.<br />

Die kann definitiv jeder Reisende<br />

gebrauchen: Die nachhaltige und<br />

vegane Zahnpasta in Tab-Form<br />

von Natch ist nicht nur super<br />

praktisch, sondern schont auch<br />

die Umwelt. Tab im Mund zu einer<br />

Paste zerbeißen und wie gewohnt<br />

putzen. Die Tabs stecken in<br />

nachhaltigen Glasflaschen mit je<br />

85 Tabletten, was ungefähr zwei<br />

Tuben Zahnpasta entspricht. Der<br />

Weltreise steht nun nichts mehr<br />

im Weg. In unterschiedlichen<br />

Geschmacksrichtungen erhältlich,<br />

ab € 12, natchlabs.com<br />

Fotos: Benjamin Hardman/Heimplanet (2), PR (2), Natchlabs, Olaf Rayermann<br />

14<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


kleine weltenbummler<br />

Heiß begehrt!<br />

Die Mumins sind eine abenteuerlustige und gesellige<br />

Troll-Familie, die zusammen mit ihren Freunden im<br />

Mumintal lebt. Da passt es ja super, die kleinen Trolle<br />

auf die eigenen Mikro-Abenteuer mitzunehmen. Die<br />

»Hottie«-Isolierkanne von Rig-Tig mit Illustrationen<br />

von Tove Jansson macht einfach Freude und hält<br />

den mitgenommenen Kakao oder Tee schön warm –<br />

oder eben kalt. Um € 50, rig-tig.com<br />

tagträumer<br />

Einmal wie Peter Pan aus dem<br />

Fenster schweben und nach Nimmerland<br />

fliegen, mit Superkräften<br />

die Welt retten oder sich in eine<br />

andere Welt schrumpfen – das<br />

neue Yullbe Wunderland in der<br />

Hamburger Speicherstadt lässt<br />

diese Träume wahr werden. Dafür<br />

haben sich zwei der beliebtesten<br />

Sehenswürdigkeiten Deutschlands<br />

zusammengetan – der Eurpa-Park<br />

Rust und das Miniatur Wunderland<br />

– und eine hochmoderne<br />

Virtual-Reality-Attraktion auf 750<br />

Quadratmetern erschaffen, in der<br />

die Besucher mit allen Sinnen in andere<br />

Welten eintauchen. Ein großer<br />

Spaß für die ganze Familie.<br />

yullbe.com<br />

Freizeitpark auf hoher See<br />

Fotos: PR (4), Disney<br />

Wenn sich der Urlaub wie ein Disneyfilm anfühlt, dann befindet man sich<br />

zweifelsohne auf dem neuen Kreuzfahrtschiff »Disney Wish«. Ob im weiß<br />

glitzernden Restaurant mitten im Film »Frozen«, wo man sich fühlt wie die<br />

Eisprinzessin höchstpersönlich. Oder in der Hyperspace-Lounge, wo alles<br />

an »Star Wars« erinnert und man sich nicht wundern würde, zusammen mit<br />

Luke Skywalker dort abzuhängen. Spätestens nach der Schatzsuche mit<br />

Mickey und Minnie quer über das Schiff fällt jedes Kind abends wunschlos<br />

glücklich ins Bett. Das fünfte Schiff der Disney Cruises wird mit Flüssiggas<br />

betrieben, hat Platz für 4.000 Passagiere und sticht Mitte Juli <strong>2022</strong> zu seiner<br />

Jungfernfahrt in See – ab Port Canaveral in Florida geht es nach Nassau auf<br />

den Bahamas zur Disneys Privatinsel Castaway Cay. disneycruise.com<br />

Egal ob späterer Tour-de-France-Champion oder zukünftiger<br />

Freizeit-Radler: Mit den stylischen Laufrädern »First go« der<br />

Berliner Marke Banwood entdecken Kinder zwischen zweieinhalb<br />

und fünf Jahren die Welt auf zwei Rädern. Safety first: Ein<br />

passender Helm darf natürlich nicht fehlen. Schick! Laufrad<br />

€ 149, Helm € 45, banwood.com<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

15


KOLUMNE<br />

Unsere Kolumnistin und Brand-Building-Expertin<br />

Ala Zander hat nicht nur ein sonniges Gemüt,<br />

sondern liebt die Sonne, die Wärme und auch die<br />

Amis. Über zehn Jahre lang verbrachte sie viele<br />

Monate im Jahr im sonnigen Kalifornien. Dann<br />

kam Corona. Doch jetzt im April kehrte sie nach<br />

langer Zeit zurück – und endlich hieß es wieder<br />

California Dreaming, oder?<br />

Das Thema Hotels in L.A. ist ein sehr spezielles. Bei<br />

jedem Besuch wollte ich etwas Neues entdecken<br />

und sicherlich habe ich mich seit 2010 durch alle<br />

bekannten und weniger bekannten Hotels, Motels<br />

und Airbnbs geschlafen. Wenn man in Amerika den<br />

europäischen Hotelstandard erwartet, wird man<br />

schnell recht negativ überrascht. Was man sich hier<br />

in Sachen Fünf-Sterne und Luxus schon mal leisten<br />

kann, ist dort unerschwinglich. Unser Verständnis<br />

von »schick« ist dort im wahrsten Sinne des Wortes rückständig. Wenn<br />

ich einige Wochen in Kalifornien verbringe, pendle ich meistens zwischen<br />

Venice, L.A. Downtown und Hollywood – ganz auf die Termine<br />

und Kunden abgestimmt. Dabei war die Zeit in Venice Beach immer<br />

meine ganz besondere Quality-Time, die ich geradezu zelebrierte, und<br />

niemals hätte ich gedacht, dass diese Begeisterung nachlässt. Doch so<br />

war es: Zum ersten Mal fand ich Venice Beach irgendwie zu laut, zu<br />

schmutzig, zu überlaufen und vor allem absurd teuer. So landete ich<br />

bei der Suche nach einer »Alternative am Strand« in Hermosa Beach,<br />

nur wenige Kilometer von Venice entfernt, aber eben nicht als internationaler<br />

Tourist-Hostspot bekannt, sondern mehr als verschlafener<br />

Surferort.<br />

Ein neues und schickes Hotel hatte ich in Venice Beach in zehn<br />

Jahren nicht entdeckt und ich war umso überraschter, im gerade neu<br />

eröffneten H2O Hermosa zu landen: Ein kleines Boutique Hotel,<br />

nur wenige Meter vom breiten Sandstrand und dem Oceanwalk entfernt,<br />

mit allem Komfort versehen und bezahlbar. In Hermosa Beach<br />

schleppt nicht jeder eine Yogamatte mit sich herum wie in Venice,<br />

sondern hat ein Surfbrett unter den Arm geklemmt. Und statt mit It-<br />

Bag am Arm stehen die Girls morgens eher mit ihrem Skateboard bei<br />

Starbucks an. Ich war sofort verliebt. Auch in Tyler, den Hotelmanager<br />

des H2O Hermosa, der meinen sechstägigen Aufenthalt mit seinem<br />

herzlichen Charme und einer besonders smarten Gästebetreuung zu<br />

einem besonders positiven Erlebnis machte. Vermutlich war Venice<br />

vor 20 Jahren mal wie Hermosa – und wahrscheinlich ist es in ein paar<br />

Jahren auch dort genauso voll und laut. Aber bis dahin ist das neue<br />

coole Designhotel mein ganz geheimer Travel-Tipp für alle, die bei ihrem<br />

Trip nach L.A. Lust auf ein paar unbeschwerte Tage am Beach und<br />

etwas »Surfin’ USA«-Feeling haben.<br />

Fotos: Privat, Dan Nakon, NRRALLY, H2O Hermosa<br />

Fotos: PR (3), Privat<br />

16<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


VORFREUDE<br />

Architekturfans und Kunstliebhaber aufgepasst – drei Gebäude, die<br />

unbedingt besuchenswert sind. Allein schon, um die Handschrift von<br />

Herzog & de Meuron zu schätzen, denn alle drei Gebäude wurden<br />

von den Schweizer Star-Architekten entworfen.<br />

TATE MODERN, LONDON<br />

Was einst ein düsterer Backsteinklotz war, ist heute eine der beeindruckendsten<br />

Kunstgalerien der Welt: die Tate Gallery of Modern Art<br />

in London, kurz Tate Modern genannt. Jacques Herzog und Pierre de<br />

Meuron verwandelten das ehemalige Kraftwerk, die frühere Bankside<br />

Power Station, am Themseufer Ende der 1990er-Jahre in eine<br />

Kathedrale der Kunst – heute eine der beliebtesten Attraktionen in<br />

Großbritannien. Die Devise des Star-Architektenduos: Verzichte auf<br />

Glamour und bleibe nüchtern. Und so kommen die Menschen nicht<br />

nur wegen der Kunst, sondern auch, um die gewaltige architektonische<br />

Umgestaltung zu betrachten, denn Herzog und de Meuron<br />

entwarfen auch den 2016 eröffneten Anbau. Die uneindeutige Form<br />

des Neubaus – ein Hybrid aus Pyramide und Stehle – und seine<br />

Backsteinfassade mit den horizontalen Schlitzen, die scharf wie<br />

Skalpellschnitte gesetzt sind, ist millionenfach abgelichtet. Das<br />

Innere ist nicht minder sehenswert mit 20.000 Quadratmetern<br />

Ausstellungsfläche und Werken der bedeutendsten und<br />

einflussreichsten Künstler der klassischen Moderne<br />

und der Gegenwart. tate.org.uk<br />

Foto: photosounds/Shutterstock.com, Cavan-Images/Shutterstock.com<br />

17


KÜPPERSMÜHLE,<br />

DUISBURG<br />

Auf den ersten Blick sieht es so aus,<br />

als ob das neue Gebäude schon immer<br />

dort gestanden hat. Und das ist durchaus<br />

so gewollt. Auch die Duisburger<br />

Küppersmühle, einst eine Getreidemühle<br />

aus 1860, ist das Ergebnis<br />

der geschickten Umgestaltung eines<br />

bestehenden Industriegebäudes durch<br />

die Stararchitekten Jacques Herzog<br />

und Pierre de Meuron im Jahre 1999.<br />

Auch für den Erweiterungsbau, der<br />

2021 eröffnet wurde, zeichnen die<br />

Schweizer verantwortlich. Ebenso wie<br />

bei der Tate in London ist auch das<br />

Innere architektonisch spektakulär:<br />

Eine auffällige, geschwungene Treppe<br />

verbindet alle Stockwerke des neuen<br />

Bereichs. Der Terrakotta-Ton und<br />

die strukturierte Beton-Materialität<br />

spiegeln den Gesamtcharakter der<br />

Küppersmühle als typische Industrieanlage<br />

des 19. und 20. Jahrhunderts<br />

wider. Auf insgesamt 6.000 Quadratmetern<br />

präsentiert das Museum vor<br />

allem die umfangreiche Sammlung der<br />

Eheleute Sylvia und Ulrich Ströher mit<br />

3.500 Werken vorwiegend deutscher<br />

Kunst von 1950 bis heute.<br />

museum-kueppersmuehle.de<br />

sommer <strong>2022</strong>


VORFREUDE | Küppersmühle Duisburg<br />

Fotos: Simon Menges (3)<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

19


20 sommer <strong>2022</strong>


VORFREUDE | Elbphilharmonie Hamburg<br />

ELBPHILHARMONIE, HAMBURG<br />

Schon die Fahrt hinauf in die Elbphilharmonie beeindruckt: Innerhalb<br />

von zweieinhalb Minuten fährt die steile Rolltreppe durch den alten<br />

Kaispeicher hinauf in den Tempel der Musik. Der spektakuläre Konzertsaal<br />

wurde weltweit für sein kühnes Design, seine hervorragende<br />

Akustik und eine außerordentliche Außergewöhnlichkeit gelobt. Die<br />

»Elphi«, wie die Hamburger ihr Wahrzeichen liebevoll nennen, ist<br />

ein 866 Millionen Euro teures Gesamtkunstwerk von Herzog und de<br />

Meuren, deren Bauzeit zehn Jahre dauerte. Bei ihrer Eröffnung 2018<br />

war das modernistische Wunderwerk am Elbufer umstritten, vor allem<br />

wegen der enormen Kosten, von denen die Stadt Hamburg allein 789<br />

Millionen Euro tragen musste. Doch fünf Jahre später ist das Geburtstagskind<br />

aus der Hansestadt nicht mehr wegzudenken – und Herzog<br />

und de Meuron haben mit ihr der Stadt ein neues Gesicht verliehen.<br />

elbphilharmonie.de<br />

Foto: Tim Hufner<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

21


URLAUB IN DEUTSCHLAND?<br />

Diese Vorstellungist ist verlockend. Kommauf<br />

funkygermany.commit mitinindie coolsten Städte.<br />

Begleite uns auf Abenteuern in der freien Natur. Besuche wegweisende Ausstellungen und Museen.<br />

Erkundedie die besten Shopping-Meilen. Schlemmeund genieße – und undfreu freudich dichauf stylische Hotels.<br />

Germany ist funky. So angesagt wie nie.<br />

#bepartoftheFUNKYjourney<br />

funky.germany<br />

22 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

frühling 2016


INSELN<br />

Hurtig gen<br />

NORDEN<br />

Vor fast 130 Jahren, am 2. Juli 1893, stach die DS<br />

Vesterålen mit Kapitän Richard With erstmals in See,<br />

um die norwegischen Küstenorte zu versorgen und<br />

Passagiere zu befördern. Der Beginn der Postschiff<strong>reisen</strong>!<br />

Bis heute erleben die Gäste die Fahrt, wie es<br />

Generationen von Norwegerinnen und Norwegern einst<br />

taten. Das Jubiläum der Hurtigruten wird 2023 an Bord<br />

gefeiert – und zwar auf umweltfreundlicheren hybriden<br />

Postschiffen sowie mit Jubiläumsmenü und vielen<br />

Aktionen. hurtigruten.de<br />

RUHEINSEL<br />

IN SICHT<br />

Ganz klar, zum Reisen oder<br />

für das Planschbecken ist<br />

dieser Seestern zu groß.<br />

Aber falls ihr einen Pool<br />

habt, jemanden kennt, der<br />

einen hat, oder damit nur<br />

auf dem Rasen liegen wollt<br />

– wir können es verstehen.<br />

Denn der Seestern hat<br />

Platz für zwei Personen und<br />

eignet sich wunderbar, um<br />

damit anzugeben! Und um<br />

sich in ferne Inselparadiese<br />

zu träumen. »Starfi sh«<br />

by Ogo, in drei Größen<br />

erhältlich, ab € 197.<br />

ogofurniture.com<br />

Sich die frische Ostseebrise um die Nase wehen lassen, am Strand entlang spazieren und ab<br />

und zu das Alpaka knuddeln – das ist möglich im Westen der Ostseeinsel Fehmarn. Auf der<br />

SHL<br />

S <br />

ASsunset-farm.de<br />

Fotos: Joakim Honkasalo, PR, Agurtxane Concellon<br />

Knuddelzeit am Meer<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

23


Paradies<br />

Ein<br />

für jeden Tag<br />

B text<br />

Marie Tysiak<br />

Die Exuma Cays, das sind 365 Inselchen in einer perfekten<br />

Schnur auf knapp 200 Kilometern von Norden nach Süden<br />

aufgereiht. Manche so klein, dass man sie in wenigen Schritten<br />

zu Fuß gesäumt hat. Viele unbewohnt und umgeben von flachen<br />

Lagunen. Ein Grund, warum man diese Region im Herzen der<br />

Bahamas am besten mit einem Segelboot erkundet. Unsere<br />

Redakteurin Marie Tysiak hat ihre Seetauglichkeit auf die<br />

Probe gestellt – und ist mit einem Yachtcharter von The Moorings<br />

eine Woche durch die atemberaubende Welt im Norden der<br />

Inselgruppe gesegelt.<br />

24


INSELN | Bahamas<br />

Wilde Schönheit: Der Blick von oben auf Highbourne<br />

Cay zeigt, wie ursprünglich die Privatinsel<br />

ist. Einzig eine Schaukel thront zwischen dem für<br />

die Exumas typischen Geäst – der perfekte Spot für<br />

den Sonnenaufgang. Tatsächlich sind Palmen eher<br />

ungewöhnlich hier. Das macht die Traumstrände<br />

der Exumas aber nicht weniger spektakulär.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

25


INSELN | Bahamas<br />

Mit seiner ruhigen und<br />

bestimmten Art kann ich mir keinen<br />

besseren Captain vorstellen.<br />

»Welcam airboard«, Captain Althario reicht mir die Hand. Die kommenden<br />

sieben Tage wird mein Schicksal in ebendiesen Händen des<br />

muskulösen Bahamaers Anfang 30 mit den blitzenden weißen Zähnen<br />

liegen. Doch da bin ich – zumindest dem ersten Eindruck nach zu<br />

urteilen – bestens aufgehoben. Denn Captain Althario ist ein Ex-Marine<br />

von der Royal Bahamas Defense Force. Er kennt jeden Winkel der<br />

Exumas aus der Zeit, als er noch auf der Jagd nach Drogenschmugglern<br />

war, die die oft unbewohnten Cays und Grotten als Umschlagplatz<br />

auf dem Weg von Südamerika in die USA nutzten. Aber dazu<br />

später mehr.<br />

Ich bin also angekommen in meinem Zuhause für die Woche. Noch<br />

schaukelt unser Segelkatamaran Moorings 4500 in der Marina von<br />

Palm Cay, unweit der Hauptstadt Nassau. Meine Kabine unter Deck<br />

vorne links im Rumpf habe ich schon bezogen und meine wenigen<br />

Habseligkeiten ordentlich verstaut. Denn: Auch wenn die Yacht sich<br />

als kleines Raumwunder entpuppt und tatsächlich auf drei Decks sehr<br />

geräumig Platz für bis zu elf Personen bietet – mein Zimmer bleibt<br />

eine Schiffskabine. Hier wird nicht nur alles gut durchgerüttelt bei der<br />

Fahrt, es entsteht auch ganz schnell diese automatische Unordentlichkeit,<br />

wenn auf kleinem Raum nicht alles seinen festen Platz hat. Wer<br />

schon einmal mit einem Camper gereist ist, weiß, wovon ich spreche.<br />

Aber: Es ist alles da. Toilette, Dusche, ein großes Bett, Schränke, Klimaanlage<br />

und sogar mehrere Fenster mit Blick auf das Meer.<br />

Eingekauft ist auch schon und die Luken und Klappen auf dem<br />

Hauptdeck sind prall gefüllt mit ausreichend Wasser und Vorräten für<br />

die kommenden Tage. Denn: Die Exuma Cays, zumindest der nördliche<br />

Teil, den wir ansteuern, sind größtenteils unbewohnt. Das bedeutet,<br />

dass wir an manchen Tagen in keinem Hafen mit Restaurant anlegen<br />

können, sondern in Buchten einsamer Eilande ankern müssen.<br />

Unterwegs wird es keinen Supermarkt geben – oder falls doch, wird<br />

er nur das haben, was das Frachtschiff eben an Bord hatte. Ich bin<br />

gespannt. Noch ist die Kühlbox auf der hinteren Terrasse reich gefüllt<br />

mit Eiswürfeln und kalten Drinks.<br />

Der erste Morgen. Die Segel sind gehisst, kaum haben wir den<br />

schmalen Kanal der Marina verlassen, der uns an den schönsten Yachten<br />

dieser Welt vorbeiführt. Ich verlasse meinen Spot auf dem Stuhl<br />

ganz vorne auf dem Rumpf, von dem aus ich fleißig winkend unsere<br />

Ausfahrt verfolgt habe. Captain Althario sitzt ein Deck höher am<br />

Steuer. Ein Blick auf die Armatur zeigt: sechs bis sieben Knoten, also<br />

etwa zwölf Stundenkilometer, schaffen wir mit Motor- und Windkraft<br />

zugleich. So meistern wir die Überfahrt zu den Exuma Cays, 40 Seemeilen<br />

(oder für Landratten: 75 Kilometer), in sechs Stunden. Genug<br />

Zeit also, um jede der gemütlichen Sitzgruppen, Sonnendecks<br />

und Sitzsäcke auszutesten – und nichts zu tun. Denn Lesen fällt leider<br />

selbst bei leichtem Seegang bei mir flach und ich kaue das erste<br />

Anti-Schwindel-Gum. Sicher ist sicher. Aber einfach auf dieses unglaubliche<br />

Wasser zu blicken, der Geruch nach Salz, der alle Gedanken<br />

fortblasende Wind und die strahlende Sonne, das ist herrlich. Doch<br />

tatsächlich: Kurz darauf hat der heftige Wellengang uns fest im Griff<br />

und ich schließe die Augen vor der wankenden Kulisse.<br />

26<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> sommer <strong>2022</strong>


Captain Althario hat alles im Blick: Anfangs musste<br />

sich Redakteurin Marie noch konzentrieren, um<br />

seinem bahamaischen Kreol zu folgen, bei dem gerne<br />

überall ein »air« drankommt. Doch schon bald hängt<br />

sie an seinen Lippen, wen er allerhand spannende<br />

Geschichten von den Exumas erzählt.<br />

27


INSELN | Bahamas<br />

Die Exumas sind Heimat von Iguanas.<br />

Die drachenähnlichen Tiere werden<br />

bis zu einen Meter groß – und freuen<br />

sich über mitgebrachtes Obst, vor<br />

allem Weintrauben. Aber aufgepasst<br />

beim Füttern: Sie sehen schlecht und<br />

beißen auch mal in den Finger!<br />

Paradies 1 Highbourne Cay<br />

Deswegen bin ich sehr froh, als wir nach Stunden wackeliger Fahrt<br />

wieder Land erblicken. Nicht nur das macht den Highbourne Cay so<br />

verheißungsvoll, es ist ein wildes Paradies. Schon bei der Einfahrt in<br />

die kleine Marina begrüßt uns ein riesiger Schwarm Ammenhaie im<br />

flachen, tieftürkisblauen Wasser. Später, als ich voller Freude in der<br />

wunderschönen Sandbucht zum ersten Mal in die Fluten renne, gesellen<br />

sich leider drei Bullenhaie dazu. Ein kurzes Badevergnügen. Aber<br />

der Blick auf die beeindruckenden, nur eben auch sehr gefährlichen<br />

Tiere vom Steg aus entschädigt dafür allemal.<br />

Der Jetlag – den hatte ich fast vergessen nach den Corona-Jahren<br />

ohne Fern<strong>reisen</strong>. So kommt es, dass ich am Tag darauf schon um kurz<br />

vor sechs Uhr hellwach bin – als überzeugte Langschläferin. Ich schiebe<br />

meinen Vorhang zur Seite und erkenne den ersten hellen Schleier<br />

am Horizont. Dann nutze ich eben die überraschende Gunst der<br />

Stunde: Schnell etwas übergeworfen tapse ich so leise wie möglich<br />

im Halbdunkeln übers Boot und zum Steg. Beim kleinen Hafenmeisterbüro<br />

schnappe ich mir eines der kostenfreien Fahrräder und radle<br />

über die menschenleere Straße, die einmal hoch über den Inselrücken<br />

auf die andere Seite und dann über die komplette Insel führt. Just<br />

als ich den höchsten Punkt erreiche, taucht der erste Sonnenstrahl<br />

am Horizont auf. Wie von Zauberhand platziert taucht vor mir, in die<br />

Felsen zwischen dichtem Gestrüpp gebaut, eine einsame Schaukel mit<br />

perfektem Blick auf das Spektakel des Sonnenaufgangs auf. Unter mir<br />

an den Felsen zerbersten die Wellen, das Salzwasser spritzt meterhoch<br />

und kitzelt an meinen nackten Beinen. Dazu geht der Feuerball<br />

glühend rot auf und taucht alles in einen goldenen Schein. Die Vollkommenheit<br />

und Anmut dieses Moments ist unbeschreiblich. Ebenso<br />

wie der namenlose Strand, den ich kurz danach entdecke. Große Wellen,<br />

die sich über das türkise Wasserbett auf die Kilometer an feinen,<br />

unberührten Sand an der Ostseite der Insel zubewegen. Fast wie in<br />

Zeitlupe, damit man es noch mehr genießen kann. Ich hüpfe in den<br />

Fluten wie ein Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht. Danke, Jetlag.<br />

28 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Paradies 2 Warderick Wells<br />

Ich komme aus dem kindlichen Staunen in dieser Woche nicht mehr<br />

heraus. Denn nicht nur jeder neue Ankerpunkt ist eine nie da gewesene<br />

Sensation, auch die Segeltörns über den Samtteppich aus Türkis eröffnen<br />

mir ganz neue Gefühlswelten. Gott sei dank ist der Wellengang<br />

nicht mehr so stark zwischen den Keys der Exumas. Moment – hieß<br />

es nicht eben noch Cay? Richtig gelesen. Key, Cay, Caye – alles dasselbe,<br />

nämlich kleine, flache Inseln aus Korallen- und Sandablagerungen.<br />

Genau, auch die Florida Keys sind solche Inseln. Die Exuma Cays sind<br />

also nach Wikipedia-Definition flach, und das nicht nur an Land. Selten<br />

zeigt das Messgerät an Captain Altharios Anzeige mehr als fünf<br />

Meter Wasserstand. Fast immer kann man bis zum Grund blicken, der,<br />

wie Wikipedia ebenso erklärt, dank des Kalks aus besonders weißem<br />

Sand besteht. Eine Kombination, die selbst das Wasser der Malediven<br />

matt aussehen lässt. Kein Scherz.<br />

Wir ankern nun also an unserem nächsten Stopp: Warderick Wells.<br />

Wir sind eines von rund einem Dutzend Booten, das vor der Insel eingereiht<br />

auf einem schmalen, dunkelblauen Band tieferen Wassers vor<br />

Anker liegt. Auf dieser mit Wanderwegen überzogenen Insel leben die<br />

einzigen Säugetiere der Bahamas, die murmeltierartigen Bahaman Hutia.<br />

Okay, genau genommen bewohnt noch ein anderes Säugetier die<br />

Inselwelt – und auf Warderick Wells leben sie tatsächlich: Menschen,<br />

hier stolze acht an der Zahl. Drei Ranger und fünf Mitarbeiter der<br />

Defense Force. Die Ranger kümmern sich um den Schutz des Exuma<br />

Cays Land and Sea Park. Er wurde Ende der 1950er-Jahre von keinem<br />

anderen als Tolstoi-Enkel Ilja etabliert, der sich in die wundersame<br />

Natur der Exumas verliebt hatte. Es war der erste Park der Welt, der<br />

gleichzeitig Meer und Land schützt: 13 Cays und ihre Unterwasserwelt<br />

in den Exumas gehören dazu – unter anderem auch Warderick<br />

Wells. Und das merkt man: Beim Schnorcheln kann ich meinen Augen<br />

kaum trauen. Binnen weniger Minuten schwimmen ein Schwarm gigantischer<br />

Adlerrochen, zwei Schildkröten, ein Riffhai und Abertausende<br />

bunte Fische vorbei. Wäre ich nicht weit abgeschieden vor einer<br />

einsamen Insel – ich würde den Ranger des Product-Placements bezichtigen.<br />

Auch die Korallen sind in erstaunlich gutem Zustand. Und<br />

wie mir Ranger Bradley Shawn Rotherford später am Visitor Center<br />

erklärt, hat man hier bis dato auch kein Problem mit dem Korallensterben.<br />

Durch die kühleren und oft starken Meeresströme des Atlantiks<br />

– denn genau genommen liegen die Bahamas ja nicht in der<br />

Karibik – spürt man hier die Folgen der Erderwärmung und die damit<br />

einhergehende Massenbleiche (noch) nicht.<br />

Fein säuberlich aufgereiht ankern die Segelyachten<br />

vor Warderick Wells – dem Hauptsitz<br />

des Exuma Land and Sea Parks, der von<br />

drei Rangern vor Ort betreut wird. Ein kleiner<br />

Wanderweg führt hinauf zum Boo Boo Hill,<br />

wo Segler traditionell ein Stück Treibholz mit<br />

dem Namen ihres Schiffs hinterlassen – oder<br />

auch eine bunt bemalte Muschel.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

29


Paradies 4 Compass Cay<br />

Mittlerweile sind meine Haare vom ganzen Schnorcheln und Schwimmen<br />

heller geworden – und meine Haut braucht nicht mehr alle paar<br />

Minuten einen Nachschlag dickflüssiger 50er-Sonnenmilch. Wir haben<br />

die Rückfahrt angetreten, segeln also nun wieder nach Norden und machen<br />

unterwegs an anderen Cays Halt. Compass Cay ist berühmt für die<br />

Fotos von Schwimmern zwischen unzähligen Ammenhaien – mir hat die<br />

Erfahrung am ersten Abend mit den überraschenden Bullenhaien allerdings<br />

gereicht. So ankern wir stattdessen am Nordufer der Insel, zu allen<br />

Seiten glitzert das Wasser in unrealen Türkistönen – eine Tatsache,<br />

an die ich mich auch nach Tagen immer noch nicht gewöhnt habe. Mit<br />

dem bloßen Auge erkenne ich ein paar einzelne Rochen, die ihre Bahnen<br />

durch das flache Wasser ziehen. Ich möchte sofort hereinspringen – doch<br />

Captain Althario schwärmt vom Rachel’s Bubble Bath – und bringt mich<br />

kurzerhand mit dem kleinen Beiboot an Land, wo ich mich nach wenigen<br />

Gehminuten eingerahmt zwischen Kalksteinfelsen in einem natürlichen<br />

Pool treiben lasse. Er hat nicht zu viel versprochen. Ich lasse es mir<br />

dennoch nicht nehmen, nach dem Mittagessen – wir grillen Burger auf<br />

unserem Grill seitlich der Reling – einfach noch einmal eine Runde vom<br />

Boot ins kühle Nass zu springen und eine ausgedehnte Runde mit dem<br />

Stand-up-Paddle-Board zu drehen. Es ist einfach zu schön.<br />

30<br />

herbst 2020


INSELN | Bahamas<br />

Paradies 3 Staniel Cay<br />

Heute werden wir wieder ein bisschen Zivilisation zu schnuppern bekommen. Denn: Rund um Staniel Cay befinden sich einige der<br />

berühmtesten Attraktionen der Bahamas. Und so haben wir auch den schwimmenden Schweinen am Big Major bereits einen Besuch<br />

abgestattet für die hunderball Grotto aus den ames-Bond-Filmen waren wir leider zur falschen ide da, als wir im dementsprechend<br />

großen Hafen zwischen den gigantischen Megayachten hauptsächlich amerikanische Bootsurlauber wie auf einem überfüllten Walmart-<br />

Parkplatz stehen. Anfangs sträube ich mich noch, auf einmal wieder Häuser, Straßen und andere<br />

Menschen zu sehen. Doch Staniel Cay ist echt hübsch und die frisch frittierten Conch Fritters im<br />

Staniel Cay achtclub zum grandiosen Sonnenuntergang machen alles wett. Die gigantische Meeresschnecke<br />

in all ihren arianten ist Nationalgericht. Ich verputze sie als eine Art Calamari im klassischen<br />

Stil als fritters and beer – also mit einem eiskalten Kalik-Lagerbier dazu. Ein paar orteile hat<br />

so ein bisschen Zivilisation ja schon.<br />

Paradies 5 Shroud Cay<br />

Wenn ich gewusst hätte, was wir auf der Fahrt gen Süden alles links liegen gelassen haben – alle Inseln sind auf ihre Weise ganz besonders!<br />

Shroud Cay – ich weiß gar nicht, wie ich diesen Ort beschreiben soll. Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Doch ich hoffe,<br />

dass meine Worte zumindest einen Bruchteil der vollkommenen Schönheit dieses Orts spüren lassen. Shroud Cay – die nördlichste Insel<br />

des Exuma Cays Land and Sea Park – ist dicht bewachsen mit Mangrovenwäldern. Flüsse, bei Flut gerade tief genug, dass Captain Althario<br />

geschickt das Beiboot hindurchlenken kann, durchziehen den Cay. Schildkröten und Stachelrochen huschen hier und da ins dichte Geäst<br />

der Mangroven, das Wasser misst badewannenwarme 30 Grad. Auf der anderen Seite der Insel spuckt der Fluss uns an dem magischsten<br />

Ort aus, den ich je gesehen habe. Und hier fehlen mir einfach wirklich die Worte. Diese Farben, wo der Fluss auf das Meer und auf die<br />

Lagune trifft, das muss man einfach selbst erlebt haben. Allein hierfür lohnt sich die lange Anreise auf die Exumas. Ich nehme mir insgeheim<br />

vor, wenn ich irgendwann mal die Zeit und das Geld haben sollte, wirklich jede der kleinen 365 Cays anzufahren. Ein Paradies für<br />

jeden Tag, und das ein ganzes Jahr lang.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

31


INSELN | Bahamas<br />

Die gigantische Meeresschnecke Conch wird auf den Bahamas zu allerhand Gerichten<br />

verarbeitet – wie hier zu Salat. Doch Restaurants sind rar gesät in den nördlichen<br />

Exumas, da nur wenige Inseln bewohnt sind.<br />

Paradies 6 Norman’s Cay<br />

Die Abende verbringen wir oft mit der ganzen<br />

Crew an Deck. Dann, wenn auch der letzte<br />

Teller gespült und der Himmel übersäht ist<br />

mit Abertausenden Sternen, die erst in den<br />

USA auf größere Lichtverschmutzung treffen,<br />

ja dann kommt auch Captain Althario zur<br />

Ruhe. Keine Segel, die mehr gesetzt werden<br />

müssen, kein Steuerrad, das bedient werden<br />

möchte. Natürlich helfen wir alle fleißig mit,<br />

doch wir sind absolute Landratten und Althario<br />

kann jeden Griff auf dem Schiff im Schlaf<br />

– und zieht zur Not den Anker in Handarbeit<br />

nach oben. Mit seiner ruhigen und bestimmten<br />

Art kann ich mir keinen besseren Captain<br />

vorstellen.<br />

Heute Abend hat er zur Feier des Tages<br />

plötzlich eine Flasche Banana Rum aus seiner<br />

Kajüte gezaubert und gibt eine Runde aus –<br />

mit Milch gemischt, so wie auf den Bahamas<br />

üblich. Fast alle Vorräte sind mittlerweile<br />

aufgebraucht. Ich möchte gar nicht, dass diese<br />

Zeit endet. Captain Althario erzählt nun<br />

endlich von seiner Zeit, als er mit der Defense<br />

Force manchmal Monate auf einer dieser<br />

einsamen Inseln versteckt gelebt hat, um<br />

den Moment abzupassen, wenn ein Drogenkurier<br />

vorbeifährt. Oder fliegt. Denn morgen<br />

– da werden wir bei einem gesunkenen<br />

Frachtflugzeug schnorcheln. Die aus ungeklärter<br />

Ursache abgestürzte Curtiss C-46<br />

Commando war vermutlich beladen mit Drogen<br />

und wurde vom Medellín-Kartell – dem<br />

Drogenring von Pablo Escobar – betrieben.<br />

Der Pilot und Co-Pilot überlebten den Sturz<br />

im flachen Wasser, doch die Maschine mit<br />

knapp 33 Meter Spannweite liegt noch heute<br />

in der seichten Lagune vor Norman’s Cay<br />

und erinnert an die Zeiten, als Captain Althario<br />

hier noch auf der Jagd nach Verbrechern<br />

war. Doch diese Zeiten sind glücklicherweise<br />

(größtenteils) vorbei. Und Captain Althario<br />

kehrt nur noch auf die Exumas zurück, um<br />

mit The Moorings durch diesen ganz besonderen<br />

Winkel der Bahamas zu segeln. Wenn<br />

ich irgendwann mal meinen Traum von einem<br />

Jahr Exumas wahr werden lasse, dann<br />

muss Althario unbedingt wieder mein Captain<br />

sein. »Airright«, sagt er und erhebt das<br />

Glas.<br />

Fotos: Marie Tysiak (10), mrmrsporter.com (2), Medea Sisti, Norbert Eisele-Hein<br />

32<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


INFO Die Exuma Cays sind 365 Inseln im Herzen der Bahamas und<br />

können von der Hauptinsel New Providence aus angesegelt<br />

oder per Linienflug erreicht werden. Mehr Informationen zu den<br />

Bahamas unter bahamas.de<br />

The Moorings verleiht Yachten in fast allen Segelrevieren der<br />

Welt, so auch auf den Bahamas. Ein Segelkatamaran Moorings<br />

4500L mit vier Kabinen kostet im Juli <strong>2022</strong> für sieben Tage ab<br />

ca. € 11.500 (bei Belegung mit acht Personen ca. €1.450 p. P.).<br />

Wer keinen eigenen Segelschein hat oder sich zurücklehnen<br />

mag, kann über The Moorings einen ausgebildeten Skipper<br />

anheuern (plus € 310 pro Tag). Mehr Informationen unter<br />

moorings.de<br />

herbst 2020<br />

33


text<br />

BSimone Sever<br />

Chillen auf den<br />

Seychellen<br />

Großer Auftritt: Die Wege zu den Stränden<br />

sind im Club Med Seychellen nie wirklich<br />

weit – und die natürliche Schönheit<br />

berauscht täglich Augen und Ohren.<br />

34<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


INSELN | Seychellen<br />

WAS IST WIRKLICH DRAN AN CLUB-MED-<br />

URLAUB?, DAS FRAGTE SICH REISEN<br />

<strong>EXCLUSIV</strong>-AUTORIN SIMONE SEVER UND<br />

BESTIEG DEN FERIENFLIEGER CONDOR,<br />

UM DIREKT UND OHNE UMWEGE AUF<br />

DAS ARCHIPEL KNAPP UNTERHALB DES<br />

ÄQUATORS ZU FLIEGEN – ZUM CLUBBING<br />

IM INDISCHEN OZEAN MIT DEM<br />

SOUNDTRACK DER WELLEN.<br />

35


Logenplatz inmitten der Postkartenidylle: Ob gemütlich in der Hängematte relaxen oder sich in einer<br />

neuen Sportart versuchen, im Club Med Seychellen macht‘s die Mischung aus Wellness<br />

und Entspannung, Abenteuer und Aktion.<br />

36<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


KARIBIK INSELN | | Seychellen Dominica<br />

Es ist noch Nacht, als der Condorflieger auf dem International<br />

Airport Mah, der Hauptinsel der Seychellen,<br />

landet. Die feuchtwarme Luft lässt bereits morgens<br />

um fünf Uhr erahnen, mit welcher Kraft die Sonne im<br />

Laufe des ages strahlen wird. Doch bevor sie aufgeht,<br />

öffnen sich erst einmal die Schleusentore: Es regnet<br />

nicht, es schüttet Egal, durch den Regen gehts auf einer<br />

kurzen Bootsfahrt zur 0 Hektar großen rivatinsel<br />

Sainte Anne, wo einzig der Club Med Seychelles seit der Eröffnung<br />

im März 0 seine Gäste begrüßt. Dort wird den neu ankommenden<br />

Besuchern bereits vor Sonnenaufgang zur Begrüßung ein Glas Champagner<br />

angeboten, zur Feier des ages. Und weil der edle raubensaft<br />

ab Uhr ohnehin täglich inklusive ist. Sant auf das Savoir-vivre<br />

Mein Zuhause auf Zeit ist eine farbenfrohe und großzügig geschnittene<br />

Suite mit Wohn- und Schlafzimmer, die mich schon vor dem<br />

Frühstück bezugsfähig erwartet. Das Badezimmer nach dem langen<br />

Nachtflug der place to be, mit frei stehender Badewanne, Regendusche<br />

und wundervoll duftenden flegeprodukten von Cinue Mondes, die<br />

in nachhaltigen Spendern zur erfügung stehen. Natürlich warten dort<br />

auch ein flauschiger Bademantel, Hotelschlappen aus Naturfasern und<br />

genügend strahlend weiße Handtücher. Bei wohligen emperaturen<br />

lege ich mich entspannt auf das üppige runde Daybed meiner Balkonterrasse,<br />

der Sound der raschelnden almenblätter im Wind und das<br />

Gezwitscher tropischer ögel wiegt mich so schnell in den 0-Minuten-Schlaf<br />

wie sonst nur die Entspannungs-Apps auf meinem ihone.<br />

Sesam, öffne dich!<br />

Um nichts, rein gar nichts möchte ich mich kümmern in dieser Woche.<br />

Einfach nur sein. Genießen. Einfach nur machen. Hier. etzt. Und<br />

dafür ist der Club Med ja bekannt, bereits seit dem ahr 50, als die<br />

erste Rundum-sorglos-Anlage eröffnete. Wie Erholung heute im Club<br />

Med funktioniert, ist schnell erklärt: Mein Handgelenk ziert bereits<br />

eines dieser Urlaubsfreundschaftsbändchen, in diesem Fall mit Chip.<br />

Mehr brauche ich nicht. Das Bändchen erspart mir zudem die ständige<br />

Suche nach der Zimmerkarte – wir wissen ja alle, wie nervig die Suche<br />

danach in kleinen Hand- und großen Strandtaschen sein kann. Der<br />

Chip am Handgelenk erkennt das temporäre Zuhause und ist mein<br />

Sesam-öffne-dich-Gadget. Was der Chip sonst noch draufhat, das will<br />

ich herausfinden und mache mich auf den Weg.<br />

Alles so schön bunt hier<br />

Flora und Fauna kitzeln bereits die blasse Nase: Hibiskusblüten, Frangipani,<br />

Bananen, die Natur am Wegesrand zur Hotelrezeption ist üppig<br />

und tropisch. Bereits tagsüber kann man hoch am Himmel Flughunde<br />

k<strong>reisen</strong> sehen. Die Batman sehr ähnlichen Flieger sind übrigens<br />

reine egetarier. uh Wem der Weg zur Rezeption, wo auch der Mainpool,<br />

die Monkey ales Main Bar und das urtle Cove Main Restaurant<br />

zu finden sind, zu mühsam erscheint, der bestellt per Haustelefon<br />

einen Buggy. Für einige der insgesamt 0 Zimmer und Suiten keine<br />

schlechte Idee, denn so manche Unterkunft liegt mehr als nur ein paar<br />

Schritte von der Rezeption entfernt. Wer mag, hüpft sonst einfach unterwegs<br />

auf eines dieser mehrreihigen Golfkarts, die die Gäste von den<br />

Zimmern abholen und andere Besucher zu ihren Gemächern bringen.<br />

Der warme Fahrtwind morgens um halb zehn fühlt sich wie Seide auf<br />

der Haut an.<br />

Schnell und unkompliziert wird der Club-Med-Chip mit der Kreditkarte<br />

verbunden. etzt können Massagen im Cin Mondes Spa reserviert,<br />

kann im Shop eingekauft oder der ein oder andere Ausflug<br />

gebucht werden. Das komplette Angebot findet sich auf der Club-<br />

Med-App, die ich während des Frühstücks im Buffetrestaurant urtle<br />

Lodge bei frischem tropischen Obst und einem doppelten Espresso<br />

genau unter die Lupe nehme.<br />

Füße im Postkartenklischee<br />

Die Wolken haben sich verzogen, die Sonne steht inzwischen hoch am<br />

Himmel und ich mitten im ostkartenmotiv. Die Füße im beigefarbenen<br />

Sand, die weichen Wellen kitzeln meine Zehenspitzen. Das ürkis<br />

des Indischen Ozeans kommt sich ein bisschen mit dem Himmelblau<br />

meines Nagellacks in die uere – oder doch nicht almen strecken<br />

sich der Sonne entgegen, Bäume, abgestorben durch das Salzwasser,<br />

gedreht und gewunden wie Skulpturen einer Kunstausstellung, ziehen<br />

die Blicke auf sich. Als hätten Riesen mit Murmeln gespielt, liegen<br />

überall diese fotogenen und weichgespülten Felsen am Strand, die<br />

das Klischeebild der Seychellen so vorzüglich in Szene setzen. Einzig<br />

das Zenventure Flagship Resort des Club Med so lautet der ozielle<br />

Name des Resorts – man achte auf das Wortspiel: Zenventure, das<br />

steht für Wellness und Abenteuer ist auf dieser rauminsel zu finden,<br />

ansonsten lediglich sattgrünen Natur, die neugierig macht auf Abenteuer<br />

und die meiner Seele schon jetzt Entspannung schenkt.<br />

Ganz schön Zen<br />

Am Zen ool ist es ruhig. Wer nicht im Buffetrestaurant lunchen<br />

möchte, kann gleich nebenan im he Reef Beach Lounge Restaurant<br />

la carte ordern. Oder sich in die beuemen und formschönen Sofas<br />

werfen und frische Säfte, Cocktails, Kaffee oder wonach immer der<br />

Sinn steht, bestellen. Oder einfach nur auf das Meer starren. Das ist<br />

eigentlich schön genug und auch total Zen<br />

Ich mache mich auf, die Insel zu erkunden. Immer am Strand entlang<br />

über einen fotogenen Holzsteg, der vom Meer ausgeblichen grau<br />

erstrahlt, vorbei an den inzwischen so vertrauten Felsen. Der Blick<br />

aufs Meer unter mir lässt mich erschauern. Hai Ich sehe tatsächlich<br />

einen Hai. Er ist weiß. Na ja, auch weiß. Ich sehe also einen Weißen<br />

Hai unter mir schwimmen. Für mich Dramaueen ist das die perfekte<br />

Geschichte. Aber erst einmal schreie ich recht laut: Shark<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 37


Alles im bunten Bereich: Genauso kunterbunt wie die wunderschöne Natur der Seychellen ist auch<br />

das Interieur der Zimmer und Suiten im Club Med Seychelles.<br />

Der lange Watersports Beach liegt direkt vor mir. Hier wird mir erklärt,<br />

dass es sich bei dem von mir gesichteten Hai um einen harmlosen<br />

Reefshark, also um einen ganz friedlichen Schwimmer, handelt.<br />

Hier am Strand dieser Inselseite sind die Wellen deutlich rauer. Ich<br />

könnte ein Kajak ausleihen oder mit einem Hobie Cat übers Meer segeln,<br />

doch mir steht der Sinn danach, einfach spazieren zu gehen. Es<br />

ist einsam und verlassen hier, und es fühlt sich befreiend an, allein<br />

schon am Wasser entlangzulaufen. Die Füße in den warmen Wellen<br />

und eine frische Kokosnuss in Händen, die mir an der Beach Bar trinkfertig<br />

aufgeschlagen wurde – so fühlt sich Glück an. Doch plötzlich<br />

ziehen dunkle Wolken auf und es regnet erneut wie aus Kübeln. Kein<br />

Wunder, dass die Flora hier so üppig grün aufblüht. Doch so schnell<br />

der Regen einsetzt, so schnell verzieht er sich auch wieder, und die<br />

Sonne ist zurück und bringt wohlige Wärme mit sich: Bei Grad mit<br />

leichter Brise lässt es sich durchaus aushalten.<br />

Bon Appetit!<br />

Es ist Zeit für den Lunch, und im Main Restaurant, das trotz vieler<br />

Gäste keinesfalls überlaufen ist, wurde schon aufgefahren. Das Angebot<br />

ist international, aber auch authentisch lokal: Beef, he Catch of<br />

the Day, Burger, Curry, asta, izza oder Ceviche als orspeise hübsch<br />

drapiert auf weißem orzellan. Das Auge isst mit und macht den<br />

Mund wässrig. Und auch die Dessertauswahl mit Macarons, Muns,<br />

Melone und weiteren Köstlichkeiten ist verlockend. Im Club Med wird<br />

viel Wert auf französische Cuisine gelegt: Ein Glas Ros ouruoi<br />

pas Warum denn nur nicht Ach, diese Auszeit schmeckt mir.<br />

Am Main ool findet sich nach dem Essen ein leeres Strandbett,<br />

das mit wehenden Stoffbahnen genügend Schatten für eine Ruhezeit<br />

spendet. Das Zeitgefühl ist ein kleines bisschen durcheinandergeraten,<br />

und ich schlafe glückselig, bis mich wummernde Beats zurück in die<br />

Realität holen. Am ool wird beim Aua-Gym ordentlich Wasser getre-<br />

ten. Und neben mir hat sich eine Gruppe türkischer Freundinnen aus<br />

Istanbul gerade einen Eiskaffee mit Baileys geordert. Exzellente Idee<br />

Dürfen, nicht müssen<br />

Das All-inclusive-Konzept des Club Med geht auf. Schon beim Lunch<br />

war deutlich erkennbar, wer hier Urlaub macht: aare, Freunde, Familien.<br />

Christine und Didier aus Südafrika etwa haben sich eine Auszeit<br />

geschenkt. Ein junges Ehepaar aus London ist bereits das dritte Mal<br />

im Club Med, und wie sie erzählen, auch nicht das letzte Mal. Eine<br />

Großfamilie aus Frankreich ist Stammgast: Die Kinder sind mit dem<br />

Club Med erwachsen geworden.<br />

Die Sonne verliert langsam an Strahlkraft und taucht in Richtung<br />

Meer ab. Die Club-Med-App verrät mir das Motto dieser Nacht: All<br />

White. Genau wie bei den Sportangeboten heißt es auch hier: dürfen,<br />

nicht müssen Natürlich mach ich mit. Und beende meinen ersten ag<br />

am Strand, während die angesagten Ds von Ofenbach ihren Hit Be<br />

Mine« spielen.<br />

Es ist dunkle Nacht, und ich bin hellwach. Dann nutze ich die Zeit<br />

eben für neue Nägel. Und weil mich der erste ag hier am Meer schon<br />

so glücklich gemacht hat, lackiere ich in den Farben der Seychellenflagge:<br />

Blau für das Meer und den Himmel. Gelb für das Licht und die<br />

Sonne. Rot für die Menschen und die Liebe. Weiß für Harmonie und<br />

Grün für die Natur. Damit werde ich bei meinen geplanten Ausflügen<br />

in den Marine National ark und auf die Nachbarinseln La Diue<br />

und raslin glänzen. Es ist meine Hommage an dieses wunderschöne<br />

Fleckchen Erde und all die Zenventures, die noch vor mir liegen.<br />

INFO<br />

Club Med Seychellen Zenventure Eine Woche kostet im Winter<br />

€ 2.015 pro Person mit 15 Prozent Frühbucher-Ermäßigung,<br />

clubmed.de/r/seychellen<br />

Fotos: Simone Sever (6), Club Med Seychellen (2)<br />

38<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


INSELN | Seychellen<br />

Was will man Meer? Die Brücke<br />

zwischen Zen Pool und Watersports<br />

entlangflanieren, und mit<br />

etwas Glück schwimmt sogar<br />

ein Riffhai vorüber.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

39


Pool<br />

Party<br />

Bye-bye langweilige<br />

Farben – dieser <strong>Sommer</strong><br />

wird bunt! Diese angesagten<br />

Pool-Outfits<br />

eignen sich besonders<br />

gut für schöne Urlaubsfotos.<br />

Unsere <strong>Sommer</strong>-<br />

Pool-Hits!<br />

1 |<br />

2 | 3 | 4 |<br />

40<br />

sommer <strong>2022</strong>


LIFESTYLE<br />

5 |<br />

6 |<br />

1 Let's get surfing<br />

Das Outfit des nachhaltigen Hamburger<br />

Labels My Marini schlägt hohe<br />

Wellen der Begeisterung – ob beim<br />

Surfen oder eben der Pool-Party. Surfshirt,<br />

€ 130, Surfshorts, € 90, Farbe:<br />

basil-mint-white. mymarini.com<br />

2 Yellow Submarine<br />

Verspielt und sexy: Der edle Einteiler<br />

von Hermès ist ein sonniger Farbtupfer<br />

im blauen Nass und fast zu schade, um<br />

mit Chlor oder Meersalz in Berührung<br />

zu kommen. Aus Jersey. € 420,<br />

hermes.com<br />

3 True Colours<br />

Gegensätze ziehen sich an? Stimmt!<br />

Der »Swimsuit No.18« von Rendl macht<br />

Color-Blocking strandfähig. € 120,<br />

rendl.co<br />

4 Somewhere<br />

over the Rainbow<br />

Dunkle Wolken am Horizont? Der<br />

»Sol«-Badeanzug von Perfect Moment<br />

im jugendlichen pastellfarbenen Regenbogen-Look<br />

strahlt besser als jede<br />

Anti-Aging-Creme. € 260,<br />

perfectmoment.com<br />

5 Stormy Waters<br />

Abkühlung gefällig? Dann das Handtuch<br />

abstreifen und mit Anlauf in den<br />

Pool springen. Keine Sorge: Der Bikini<br />

von Molly Bracken sitzt eins a! Bikini-<br />

Top, um € 22, High-Waist-Unterteil,<br />

um € 17. mollybracken.com<br />

6 Underwater Love<br />

Ist das schön kühl! Mit dem Bikini von<br />

North Sails machen Badenixen stets<br />

eine gute Figur beim Planschen! Balconette-Bikinioberteil,<br />

um € 50, Slip<br />

mit verstellbaren Bändern, um € 25.<br />

webstore-dach.northsails.com<br />

7 |<br />

8 |<br />

Fotos: PR (7), Christin Schwarzer, Lefteris Kallergis<br />

7 Island in the Sun<br />

Mit dem Lieblingscocktail in der Hand,<br />

gutem Beat im Ohr und der »Men’s<br />

Playa Short« von Dockers kommt das<br />

Urlaubsfeeling wie von selbst. Und<br />

jetzt alle laut mitsingen: »On an island<br />

in the sun. We’ll be playing and having<br />

fun...«. € 64, eu.dockers.com<br />

8 Banana Boat<br />

Hergestellt aus leichtem und strapazierfähigem<br />

recyceltem Polyester<br />

fühlt sich Mann in der Badeshort von<br />

Happy Socks rundherum wohl. Auf<br />

ein Bananasplit an der Bar? Um € 60,<br />

happysocks.com<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

41


INSELN | Malediven<br />

B text<br />

Simone Sever<br />

Der Pups der<br />

Papaeische<br />

42<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


Für manch einen sind die Malediven das ultimative Urlaubsziel.<br />

Irgendwie will da ja jeder hin, denn die Angst, dass die Trauminseln<br />

im Meer versinken, bevor man es geschafft hat, Flüge, Hotel oder<br />

auch das nötige Kleingeld zu organisieren, ist durchaus real.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-Autorin Simone Sever war da eher entspannt,<br />

auch weil sie der Meinung war, diese Urlaubswelt könnte sie zu<br />

schnell langweilen: nur Strand, Sonne und Wasser. Kein Shopping,<br />

keine Großstadt, kein Treibenlassen in den Straßen? Nun, treiben<br />

geht auch anders, Shopping ist nicht so wichtig und die Großstadt,<br />

die kann warten. Eine überraschende Erkenntnis.<br />

43


INSELN | Malediven<br />

Ob Sunset Cruise, Dolphins Tour<br />

oder einfach raus zum Hausriff,<br />

um in die kunterbunte Unterwasserwelt<br />

abzutauchen – die Bootsausfahrten<br />

mit dem traditionellen<br />

Maldivian Dhoni sind für die<br />

Gäste stets ein Abenteuer.<br />

Die Welt scheint still zu stehen. Ich treibe im Blau der<br />

Unterwasserwelt mindestens zwei Meter unter der Wasseroberfläche.<br />

Zwischen kunterbunten Fischschwärmen,<br />

die mir Muster und Farbkombinationen präsentieren, so<br />

schillernd und ungeahnt, wie ich sie im Leben nicht für<br />

möglich gehalten hätte. Ich glaube, mir ist gerade der Appetit auf Fischfilet<br />

vergangen. Meine kleinen neuen Freunde sind beinahe zum Greifen<br />

nah, aber jedes Mal, wenn ich die Hände ausstrecke, machen sie<br />

die Biege. Ich schwebe. Meine Arme haben sich Richtung Wasseroberfläche<br />

erhoben, die Beine mit Flossenverlängerung dem Meeresgrund<br />

entgegengestreckt. Ich bin mindestens drei Meter lang. Um mich herum<br />

– wie Ostereier in einem Gartenbusch – hängen schwarz-weiß gestreifte<br />

Fahnenfische dem Namen entsprechend im flüssigen Himmel.<br />

Eine Schildkröte paddelt Richtung Riff, als ich plötzlich neben mir<br />

ein Geräusch höre, eine Art blubbernden Urknall und dann sehe ich,<br />

wie aus dem hinteren eil eines apageifisches weißer ups herausgeschossen<br />

kommt. Mein Unterwasserfreund produziert gerade weißen<br />

Maledivensandstrand. 5 rozent des raumstrands, so wird gesagt,<br />

sind eigentlich Fischpups vom apageifisch, der knabbert nämlich an<br />

den Korallen, die eigentlich ja nur Kalk sind, um an sein Futter, die<br />

Algen, zu kommen. Na ja, und was reinkommt, muss auch wieder raus<br />

und so kackt der mal blaubunte und dann wieder kunterbunte Fisch<br />

den Korallenkalk irgendwann einfach wieder aus. Fein sedimentiert<br />

und pulverisiert. So entsteht der wunderschöne weiße Sandstrand<br />

also. ja, so schauts aus. Die Realität ist manchmal überraschend.<br />

Pure Glückselikeit auf uadratmetern<br />

Ich bin im Sheraton Maldives Full Moon Resort Spa auf der Insel<br />

Furanafushi nur eine 5-minütige Schnellbootfahrt von der Hauptinsel<br />

und gleichnamigen Hauptstadt Mal und dem Flughafen entfernt.<br />

Mein Beach Bungalow schenkt mir pure Glückseligkeit auf 0<br />

uadratmetern. Allein das Bad unter freiem Himmel mit allem, was<br />

man brauchen könnte, und einer Regendusche – komplett uneinsehbar<br />

für andere –, deren Wasser so seidig weich auf mich niederprasselt,<br />

dass ich fast weinen muss, ist allein schon eine Reise wert. Ich bin<br />

wohl im Paradies gelandet.<br />

Wer hätte das gedacht. Eigentlich sind nämlich kompletter Strandurlaub<br />

und chillen nicht so unbedingt mein Ding. Aber Und das<br />

Aber ist in diesem Fall bedeutungsschwer, denn es stellt all meine<br />

Klischees und orurteile komplett auf den Kopf. Das Aber steht<br />

bereits erhobenen Hauptes parat, wenn ich morgens erwache und<br />

meine nackten Füße den warmen Zimmerboden berühren, der bei um<br />

die 0 Grad Außentemperatur auch trotz Klimaanlage nicht kühl ist.<br />

Nur drei Schritte aus dem wolkenhohen Bett heraus und ich habe die<br />

hölzerne eranda erreicht. Drei kleine ippelschrittchen und meine<br />

Füße stehen mitten in der vom apageifisch ausgepupsten Koralle.<br />

Links und rechts schirmen Hibiskusbüsche, almen und Bananen den<br />

Blick zu den Nachbarn ab. Höchstens zwanzig Schritte bis zu meiner<br />

Strandliege, die gepolstert zwischen almen steht und mir die so geschätzte<br />

rivatsphäre schenkt. e nach Wasserstand sind es entweder<br />

noch drei, höchstens vier Schritte zum Wasser oder ich stehe schon<br />

mittendrin im klaren ürkis des Meeres, das sich hier Indischer Ozean<br />

nennt und sich eher wie meine Badewanne anfühlt. etzt erst einmal<br />

hinein in die Hängematte, die im glasklaren Wasser auf mich wartet.<br />

Unter mir sehe ich derweil einen Fischschwarm gläserner Fische. Ich<br />

wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.<br />

Die eichtikeit des Seins<br />

Es ist ganz früh am Morgen. Der ag erwacht gerade, die Sonne erhebt<br />

sich in den wolkenlosen Himmel. Noch ist keine Menschenseele am<br />

Strand. Welch ein Luxus, barfuß und allein im warmen Licht der aufgehenden<br />

Sonne am Strand zu spazieren. Ich begreife langsam, was die<br />

Malediven mit ihren Besuchern anstellen. Alles hat etwas Magisches.<br />

Als wäre die Magie noch nicht greifbar genug, schwimmt ein Riffhai<br />

durch meine Badewanne, während ich dem Kind in mir Raum schenke<br />

und latz genommen habe auf einer der zahlreichen Schaukeln, die<br />

hier überall rumhängen. Die Leichtigkeit des Seins holt Schwung.<br />

Irgendwo auf der Welt ist es bereits fünf Uhr lässt mich das Schild,<br />

44 sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


ch bereife lansam, as<br />

die aledien mit ihren<br />

Besuchern anstellen Alles<br />

hat eas aisches<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 45


Spitzenlage: Eine halbe Stunde Speedbootfahrt von der Malediven-Hauptstadt<br />

Malé entfernt, steht man inmitten der umwerfenden Inselwelt des Sheraton<br />

Maldives Full Moon Resort & Spa.<br />

Abtauchen im Aquarell: Spätestens bei<br />

diesem Anblick versteht man, warum die<br />

Malediven ein Sehnsuchtsort sind.<br />

46<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


INSELN | Malediven<br />

an einer alme bei der Kakuni Hut wissen. Den Cocktail des ages<br />

in der Hand schaukle ich mich am breiten weißen Sandstrand hinein<br />

in die Glückseligkeit, während sich die Sonne an diesem ag langsam<br />

verabschiedet und Flughunde ihre Bahnen ziehen. Seufz<br />

Aatar trifft Garten den<br />

Die Wege im Sheraton Maldives Full Moon Resort Spa sind nie<br />

wirklich weit, und sie erinnern an einen Garten Eden, der sich von<br />

Avatar hat inspirieren lassen. Am Abend sind die Bäume mit gefühlt<br />

Millionen Lichtern illuminiert. Es ist eine Zauberwelt, durch die ich<br />

schreite. Durchatmen und wieder auf einer der Schaukeln Schwung<br />

holen, bevor es zum Dinner geht. Und hier ist die Auswahl an Restaurants<br />

gewaltig: International im Feast. Mediterran in der Anchorage<br />

Bar, Chinesisch im Chopsti, hailändisch im Baan hai, Indisch im<br />

Masala Hut. Und im edlen Restaurant Sea Salt unter almen steht<br />

feinster fangfrischer Fisch auf der erleuchteten Speisekarte, die das Lesen<br />

im Dunkeln so herrlich vereinfacht. Im blau angestrahlten Wasser<br />

beobachten die Riffhaie das reiben an den ischen. Und ich denke an<br />

meine farbenfrohen neuen Freunde, die ich doch eigentlich nie wieder<br />

, aber das Fisch-Carpaccio auf meinem eller erinnert nun mal so gar<br />

nicht an die bunten Fische, die mir in der anderen Welt begegneten,<br />

und schmeckt leider ausgezeichnet. Ein Glas perfekt gekühlter Ros,<br />

der das Weinglas in der Hitze der Nacht für einen Moment beschlagen<br />

lässt, hilft, mein schlechtes Gewissen zu verdrängen. Schnell zaubert<br />

mir die Leichtigkeit des Seins erneut ein Lächeln ins Gesicht, als hätte<br />

ich mindestens nicht mehr alle Latten am Zaun. Auf den Malediven<br />

darf man das, muss man das<br />

Als wäre ich nicht schon entspannt genug, steht eine Spa-Behandlung<br />

im Shine Spa for Sheraton auf meinem üppigen agesplan, der<br />

sich durch reiben im Wasser, Rumlungern auf meiner Strandliege,<br />

Verschnaufpause: Von der frei stehenden Badewanne<br />

des Beach Bungalows blickt man in tropisches Grün.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

47


FERNWEH<br />

BEWANDERT<br />

in Peru<br />

Es hat etwas vom Gefühl alter<br />

Entdecker, einen Weg zu gehen,<br />

den vor einem nur wenige erkundet<br />

haben – so auch auf dem<br />

neuen Inka-Trail, den man ab<br />

<strong>Sommer</strong> <strong>2022</strong> mit Hauser Exkursionen<br />

entdecken kann. 16 Tage<br />

lang folgen die Teilnehmer dem<br />

neuen mittelschweren Choquequirao<br />

Trek zur gleichnamigen<br />

Ruinenstadt. Hier wird’s einsam<br />

im Urwald, denn die Stadt ist<br />

nur durch einen mehrtägigen<br />

Fußmarsch erreichbar. Weiter<br />

geht es dann in das Urubamba-Tal<br />

und schließlich nach<br />

Machu Picchu. Ab € 3.345 p. P.<br />

inkl. aller Flügen, Reiseleitung,<br />

Übernachtungen, Verpflegung<br />

und Gepäcktransport,<br />

hauser-exkursionen.de<br />

DA SPRINGT<br />

DER FUNKE<br />

ÜBER<br />

Der perfekte Augenblick an<br />

den schönsten Orten der<br />

Welt – wie sah er aus? Genau<br />

diese Frage hat der bekannte<br />

Fotograf Finn Beales 20 der<br />

weltweit besten Naturfotografi<br />

nnen und -fotografen<br />

gestellt. Herausgekommen ist<br />

der Bildband »Let’s Get Lost«,<br />

der von ihren Entdeckungs<strong>reisen</strong><br />

zu wenig bekannten<br />

Orten und von ihren individuellen<br />

Fotoerlebnissen erzählt.<br />

Zudem gibt es viele hilfreiche<br />

Tipps für die Fotopraxis. Beim<br />

Schmökern bekommt man<br />

nicht nur unbändige Lust, in<br />

die Ferne zu <strong>reisen</strong>, sondern<br />

sich auch selbst mal wieder<br />

die Kamera zu schnappen,<br />

loszuziehen und die Tipps<br />

umzusetzen. Prestel Verlag,<br />

240 Seiten, 250 Farbabbildungen,<br />

€ 30<br />

Die Copacabana, der Zuckerhut oder die Samba-Rhythmen sind zweifelsohne eine Reise wert. Doch wer lieber in Brasilien auch die unbekannten<br />

Seiten entdecken möchte, der sollte mal eine Reise ins Hinterland wagen – und die Romantische Straße Brasiliens entlangfahren. Richtig gehört,<br />

nicht nur wir Deutschen haben eine solche. Sie führt von der hügeligen Serra Gaúcha in Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens von São Leopoldo<br />

nach São Francisco de Paula. Unser Tipp: Unbedingt in Gramado einen Stopp einplanen. Mit seiner Architektur mutet es wie ein Schweizer Dorf<br />

im Herzen Südamerikas an, wo man in den Restaurants sogar Fondue bekommt.<br />

Ab ins Hinterland<br />

Fotos: Hauser Exkursion, Jonathan Borba, PR<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

49


INSELN | Malediven<br />

Klarer Fall: Ob Overwater-Bungalow<br />

oder Beach-Bungalow –<br />

beide Zimmerkategorien sind wahr<br />

gewordene Traumwelten und<br />

verwöhnen mit allerlei Komfort.<br />

Abhängen in der Hängematte, Abtauchen in die Unterwasserwelt oder<br />

das Innere-Kind-schaukeln-Lassen auszeichnet. Nun wandere ich auf<br />

dem tropischen Eiland vorbei am Honeymoon Garden, wo Lovebirds<br />

und urteltauben, erliebte und erlobte ihre Namen in hölzerne Anhänger<br />

geschrieben haben. Da mache ich jetzt nicht mit.<br />

ohlfühlorte<br />

Das Shine Spa for Sheraton liegt auf einer separaten kleinen Insel,<br />

die ich über einen langen Holzsteg erreiche. Mit ee und Frangipaniblüten<br />

werde ich begrüßt. Der Ausblick aus dem Behandlungsraum ist<br />

rauer als der Blick auf meine Badewannenbucht. Hier brechen sich die<br />

Wellen, zeigt sich weiße Gischt, wiegen sich almen im sommerlichen<br />

Wind. Nur das Grün ist ebenso üppig wie die almenwelt vor meiner<br />

Bungalow-eranda. Das meditative Wellenrauschen, der ausgewogene<br />

Druck auf meine erspannungspunkte, das Hingeben in den Moment,<br />

und schon bin ich weggedriftet.<br />

Auf dem Weg zurück zu meinem privaten Wohlfühlort sitze<br />

ich mindestens eine gefühlte Ewigkeit in der großen Schaukel bei der<br />

Rikscha am Banyan ree. Ich glaube, das ist meine Nummer eins, oder<br />

doch die an der Kakuni Hut oder die vor meiner Eingangstür Muss<br />

ich mich eigentlich entscheiden<br />

Abtauchen in der Glückselikeit<br />

aya und Mango, die ungs vom Water Sports Center, haben mich<br />

beim letzten Ausflug mit dem traditionellen Maldivian Dhoni davon<br />

überzeugt, dass ich heute noch einmal mit zum Schnorcheln kommen<br />

muss. Klar bin ich dabei und stehe pünktlich mit Schnorcheleuipment<br />

am Steg bei der Marina. Angekommen am Banana Reef, kann ich<br />

es kaum erwarten und während die anderen langsam über die reppe<br />

ins Wasser gleiten, hüpfe ich einfach rein, denn ich weiß, die Glückseligkeit<br />

wartet. Und tatsächlich sehe ich an meinem letzten ag gleich<br />

drei Haie unter mir. Wie weint man vor Glück unter Wasser<br />

Der letzte Sonnenuntergang, ein letzter Sunsetcocktail, eine letzte<br />

Bootsfahrt. Nochmal einmal paar ränen vergießen, und dann muss<br />

ich schließlich mein gefundenes aradies verlassen.<br />

An meinen roten Wildlederschuhen hängt bis heute der Staub der<br />

Malediven oder ehrlicher: der ups der apageifische. Die Malediven<br />

lassen mich einfach nicht mehr los.<br />

INFO Sheraton Maldives Resort & Spa. Das Beachfront Cottage kostet<br />

ab ca. € 410 die Nacht inkl. Frühstück. marriott.com<br />

Fotos: Sheraton Maldives Full Moon Resort & Spa (4) , SimoneSever (3)<br />

48<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


Spuren<br />

im Sand<br />

text & fotos<br />

BAndreas Dauerer<br />

Der Bijagós-Archipel ist ein einziges<br />

Naturwunder. Die vorgelagerten Inseln Guinea-<br />

Bissaus sind nicht nur Brutplatz von Schildkröten<br />

inmitten einer weitgehend intakten Flora, sondern<br />

auch Heimat von Flusspferden und unzähligen<br />

Vogelarten - und Bewohnern, bei denen die<br />

Frauen die Hosen anhaben. Andreas Dauerer<br />

hat sich die Sache einmal angesehen.<br />

In Flip-Flops.<br />

50<br />

sommer <strong>2022</strong>


FERNWEH | Guinea Bissau<br />

INSELN | Malediven<br />

Ob Sunset Cruise, Dolphins Tour oder einfach<br />

raus zum Hausriff, um in die kunterbunte Untermit<br />

dem traditionellen Maldavian Dhoni sind für<br />

die Gäste stets ein Abenteuer.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 51


INSELN | Guinea-Bissau<br />

Hippos sind weise und heilig.<br />

Kein Wunder, dass sie in<br />

Guinea-Bissau auch auf Sonderprägungen<br />

zu finden sind.<br />

Die Ankunft in fernen Ländern beginnt fast immer mit dem<br />

Ausstieg aus dem Flieger. Wenn man die Gangway hinabmarschiert,<br />

kann einem schon mal die Luft wegbleiben.<br />

Wegen der Höhe oder dem Smog, im schlimmsten Fall<br />

aufgrund von beidem zusammen. In Bissau ist es die Temperatur,<br />

weil die Mittagssonne besonders unbarmherzig auf das kleine<br />

Land zwischen Guinea im Süden und Gambia im Norden brennt, was<br />

bei ungeübten Europäern dann schon mal zu Hitzewallungen führt<br />

und die eigene physische Unzulänglichkeit schnell zutage treten lässt.<br />

45 Grad, also nichts wie rein in den Schatten. Der Dampfhammer ist<br />

aber schon da, die letzte Flasche Wasser ausgetrunken und fortan<br />

fließt das einzige Wasser aus den oren des eigenen Körpers. Willkommen<br />

in Afrika, willkommen in Guinea-Bissau.<br />

Für die wirklichen Unzulänglichkeiten sorgt hingegen die A.<br />

Mein Gepäck mochte die portugiesische Airline nicht mitnehmen. Bei<br />

einem Direktflug wohlgemerkt. Immerhin, allein bin ich damit nicht.<br />

Acht anderen Leidensgenossen geht es ebenso. Schwitzend am Ausgang<br />

warten, dass nichts kommt. Vielleicht liegt es auch an der Band<br />

mit ihrer hübschen Sängerin, die ebenfalls im Flugzeug saß und mittlerweile<br />

Autogramme schreiben muss. Eine Local Heroine mit langen<br />

schwarzen Zöpfen und einer Entourage, die es mit jedem US-Rapper<br />

aufnehmen könnte. Obwohl sie in Bissau geboren wurde, lebt sie inzwischen<br />

in Lissabon. Natürlich. Wer kann, verlässt das bettelarme<br />

Land, um woanders sein Glück zu versuchen. Vergessen hat sie ihre<br />

Heimat nie, deshalb ist sie ja auch wieder da. Und die Leute danken<br />

es ihr. Ehe ich jedoch noch überlegen kann, ob mein Zeitplan es vielleicht<br />

erlaubt, einem der beiden Konzerte beizuwohnen, holt mich die<br />

Realität schnell zurück. Kein Koffer bedeutet, dass ich für 5 Grad<br />

nichts Adäquates anzuziehen habe. Ehe ich jedoch gedanklich meine<br />

Liste für die Must-haves dieser Breitengrade aufschreibe, sitze ich bei<br />

Hafes im Auto. Ziel: Grundausstattung kaufen. Wo Ich weiß es nicht.<br />

Schnell finde ich mich mit meinem zunächst unbekannten Begleiter<br />

in einem kargen Kleidermarkt unter Neonlicht wieder und probiere<br />

Hose über Hose, Hemd über Hemd, T-Shirt über T-Shirt. Der Lernfaktor<br />

ist enorm. Die angegebenen Größen sind maximal Empfehlungen<br />

und wenn Cotton ausgewiesen wird, dann ist es meist doch olyester.<br />

Offenbar haben hiesigen Kunden eine deutlich andere ranspirationsschwelle.<br />

Sei’s drum. Nach zwei Stunden bin ich fürs Erste durch.<br />

Hafes auch. Ob jetzt vom Verhandeln oder weil er mich quasi ständig<br />

nur in Unterhose bekleidet beim Anprobieren verschiedenster Oberund<br />

Unterteile gesehen hat Stichwort: weiße Waden, bleibt sein<br />

höfliches Geheimnis. Er ist jedenfalls der Schwiegersohn von Mariana<br />

Ferreira, der Chefin des Orango arue Hotel auf der gleichnamigen<br />

Insel im Bijagós-Archipel, das seit 1996 zum Unesco-Biosphärenreservat<br />

gehört. Genau dort werde ich die nächsten vier Tage verbringen.<br />

Fehlen noch Schuhe und eine Kopfbedeckung. Die bekomme ich am<br />

großen Straßenmarkt in der Avenida dos Combatentes da Liberdade<br />

da atria. Und tatsächlich, ein bisschen was von Kampf hat es anfangs<br />

schon, wenn man sich seinen Weg zwischen Menschenmengen<br />

und Händlern am Straßenrand bahnt. Zu kaufen gibt es alles. on der<br />

Wunderwurzel einer jungen Frau, die in jedem Fall potenzfördernd<br />

sein soll, bis hin zum quicklebendigen Huhn. Immerhin auch totes<br />

Getier wird am Rand bei den Garküchen serviert, fein aufgespießt und<br />

mit einem unwiderstehlichen Geruch, sodass man es einfach probieren<br />

muss. Am Ende habe ich nicht nur den Magen voll, sondern nach<br />

zehn ersuchen sogar Flip-Flops in meiner Größe bekommen nebst<br />

einer Baseballkappe, die mich vor der Sonne schützen soll. Denn Kleidung<br />

und allerlei anderen Tand gibt’s natürlich auch.<br />

Tags darauf geht es früh mit dem Boot nach Orango. Der Morgen<br />

schimmert graublau und Dunst verdeckt den Sonnenaufgang.<br />

Das fahle Licht weicht dann Sekunde um Sekunde der stärker werdenden<br />

Sonne, als hätte jemand unsichtbar den Schalter der Abzugshaube<br />

betätigt. Erst fahren wir den Rio etu hinunter und dann aufs<br />

Meer, das es gnädig mit uns meint. Kaum Seegang. Das Geräusch des<br />

Zweitakters lullt mich ein und die Augenlider werden schwer. Nach<br />

vier Stunden sind wir da. Orango. Ein Name wie eine erheißung.<br />

Das Terrain ist fremd, zumindest für diejenigen, die hier nicht wohnen.<br />

300 Flusspferde gibt es auch auf der Insel. Deren Besonderheit?<br />

Diese Exemplare leben sowohl im Fluss als auch im Meer. or allem,<br />

wenn die Trockenheit das Wasser in den Lagunen schrumpfen lässt,<br />

Foto: Yaroslaff/Shutterstock.com<br />

52<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> sommer <strong>2022</strong>


Die Natur erinnert an die<br />

Savanne, nur ohne die Gefahr,<br />

auf Gnus, Elefanten, Löwen,<br />

Büffel oder Ähnliches<br />

zu treffen.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

53


Tanzen bis zur Ekstase: Die Frauen in Eticoga besingen ihr Leben auf den Bijagós-Inseln. Anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern<br />

haben sie hier in allen wichtigen Entscheidungsprozessen die Oberhand.<br />

54


FERNWEH | Guinea-Bissau<br />

gehen sie im Meer baden. So schützen sie sich vor der Sonne und<br />

nebenher dürfen arasiten die Haut reinigen. Die Bevölkerung verehre<br />

sie als weise Tiere, sagt Belmiro, unser Guide für die nächsten Tage.<br />

Aber auch Koch, Kellner, Geschichtenerzähler und schnell auch guter<br />

Kumpel, der gerne und viel lacht. Dann funkeln seine Augen noch<br />

ein Stückchen mehr, die Zähne blitzen hervor und der Körper biegt<br />

sich. Ob er Angst vor den großen Mitbewohnern der Insel habe Anfangs<br />

schon, klar, entgegnet der junge Mann. Aber jetzt nicht mehr<br />

so sehr.« Das hänge natürlich mit seiner Arbeit zusammen, weil er ja<br />

die Besucher regelmäßig zu den Hippos führen müsse. Ein Restrisiko<br />

bleibe aber immer. Man hat bereits viel versucht auf Orango. Zäune<br />

bauen zum Beispiel. Mit Strom. Aber ein Hippo ist keine Kuh. Wenn<br />

die nachtaktiven Kolosse nach Sonnenuntergang dann ihre Schneisen<br />

durch das mannshohe Gras schlagen, um Futter zu suchen, dann steht<br />

man besser nicht im Weg. Das Zaunprojekt gibt es noch, aber es fehlt<br />

an Geld, um es gut in Schuss zu halten. Was aber vor allem hilft, ist,<br />

nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr in der Nähe des Flusspferdhabitats<br />

unterwegs zu sein. Mit dieser Kombination sei es in den letzten<br />

Jahren zu immer weniger tragischen Zwischenfällen gekommen.<br />

Auch wir ziehen mit einer kleinen Gruppe los. Die ersten tellergroßen<br />

Abdrücke der Flusspferde finden wir direkt am Strand, dann<br />

geht es immer weiter hinein ins Inselinnere. Die Natur erinnert an<br />

die Savanne, nur ohne die Gefahr, auf Gnus, Elefanten, Löwen, Büffel<br />

oder hnliches zu treffen. Stattdessen gibt es Krokodile und neulich<br />

sei noch eine Schwarze Mamba gesehen worden. Ich gucke kurz<br />

runter auf meine Flip-Flops, während meine Mitstreiter in festem<br />

Schuhwerk durch den Sand stapfen. Immerhin gibt es auch ein paar<br />

ungefährlichere Zeitgenossen hier. Chamäleons oder Edelfalter. Auch<br />

der Schilffrosch, der so klein ist, dass man ihn buchstäblich übersieht,<br />

klammert sich am hohen Gras fest und kann die Trockenzeit über reglos<br />

überstehen. Dazu fährt er seinen Metabolismus einfach herunter.<br />

Würde uns auch nicht schaden, denke ich bei mir. Bald kommt der<br />

Morast und wo ich auch auftrete, hinterlasse ich ein lautes Schlurpen.<br />

Mein Hemd ist voller Schlamm und zunehmend fällt es mir schwer,<br />

mich in meinen neuen Schuhen überhaupt fortzubewegen. Irgendwann<br />

bleibt Belmiro vor einem Sumpf aus Wasserlilien stehen. Er<br />

klatscht in die Hände und ahmt das Grunzen der Flusspferde nach. Ob<br />

Brunft- oder Begrüßungslaut kann ich nicht genau ausmachen. Es passiert:<br />

nichts. Nach 30 Minuten klatschen, schreien und suchen: eine<br />

kleine Antwort. Flusspferdunmutsgebrüll. Immerhin, sie sind hier<br />

irgendwo. Gut versteckt zwischen Büschen, Gestrüpp und Gräsern.<br />

Nicht mal Augen sehen wir. Nach einer weiteren halben Ewigkeit<br />

neigt sich die Sonne hinter Baobabs und Kapokbäumen. Allmählich<br />

wird es also auch gefährlicher, gerade für Europäer in Flip-Flops. Wir<br />

ziehen weiter. Keine 50 Meter haben wir uns entfernt, als die Flusspferde<br />

uns scheinbar hämisch hinterherlachen. Aber auch das gehört<br />

dazu. In der Natur gibt es keine Garantien. Außer fressen und gefressen<br />

werden. Höchste Zeit also, die Wanderung zum Boot zu beenden,<br />

durch die Mangroven nach Orango zu schippern und nach einer Dusche<br />

das Abendessen zu genießen.<br />

Magisch sind sie, die Bijagós-Inseln, nicht nur wegen der Tierwelt.<br />

Sondern auch wegen ihrer Legenden, Religion und Riten. Fanado<br />

heißt jener Initiationsritus, der etwa bei Belmiros Onkel Augustino<br />

schwere, aber kunstvolle Narben hinterließ, die sich wie eine Schlange<br />

um den Oberkörper winden. Was genau passiert, wenn junge Männer<br />

für ein paar Wochen auf heiligen Inseln ausgesetzt werden, weiß niemand,<br />

außer diejenigen, die es selbst erlebt haben. Auch für Frauen<br />

gibt es die Tradition, was man bei ihnen meistens an den Narben auf<br />

den Armen erkennt. Anschließend sind sie geachtete Mitglieder ihrer<br />

Gemeinde, ihres Stamms. Belmiro, Mitte 30, hat es noch nicht gemacht.<br />

Und er weiß auch noch nicht, ob er sich der archaischen radition<br />

unterwerfen mag. Ob ihn das für Frauen unattraktiver mache? Da<br />

lacht er. Er hat zwei Frauen. Nichts Ungewöhnliches im Örtchen Eticoga<br />

auf Orango. Allerdings bestimmen die Frauen, mit wem sie sich<br />

einlassen, und so kommt es auch vor, dass sie mal in einer fremden<br />

Hütte übernachten. Liebesbekundungen an ihn laufen durch den Magen,<br />

wenn man dem Erzählten Glauben schenken mag. Sie stellt dem<br />

Begehrten eine Schale Reis und Fisch vor die Tür, isst er auf, willigt<br />

er einer künftigen Liaison ein. Kein Wunder, dass es Okinka ampa,<br />

eine riesterin, war, die Anfang des 0. ahrhunderts den Widerstand<br />

gegen die portugiesische Krone anführte und soziale Reformen anstieß<br />

– sie wird noch heute tief verehrt und man darf das selbstverständlich<br />

auch bei ihren sterblichen Überresten in einer Hütte tun,<br />

die in Eticoga aufbewahrt werden. Auf dem Spaziergang zurück zum<br />

Orango arue Hotel denke ich nach, wie gut eigentlich das Leben<br />

hier auf diese Weise funktioniert. Die robleme sind dann auch eher<br />

Frühehen und HIV, oder eben die Hippos. Die Grundversorgung wird<br />

durch diverse rogramme, allen voran die CBD-Habitat Foundation,<br />

unterstützt. Diese latente maskuline Aggressivität, die man in manch<br />

anderen Ländern dieser Erde ständig vorfindet, sucht man hier vergebens.<br />

Das empfinde ich als wunderbar wohltuend.<br />

oilo heißt dann auch das letzte Abenteuer, eine der entlegensten<br />

der 88 Inseln des Bijagós-Archipels. Eine heilige Insel und zugleich<br />

Brutstätte der Grünen Meeresschildkröte. Die Fahrt mit dem Aluboot<br />

dauert vier Stunden, anschließend ist es Zeit für ein kühles Bier, ehe<br />

die Zelte für die Nacht aufgebaut werden. Hier gibt es nämlich nichts.<br />

Alles, was man braucht, muss gebracht und auch wieder mitgenommen<br />

werden. Die Schildkröten, nicht selten bis zu 00 Kilogramm<br />

schwer, kommen zum Eierlegen auf die Insel, wo sie einst selbst geschlüpft<br />

sind. Das geht natürlich mit der Flut leichter, weshalb man<br />

schon mal um drei Uhr morgens aufstehen muss, wenn die Gezeiten<br />

es zwischen August und Januar eben so festgelegt haben. Zumindest<br />

dann stehen die Zeichen gut, diese wunderbaren Tiere bei der Eiablage<br />

zu beobachten. Der Strand sieht aus, als wäre er mit einspurigen<br />

Riesenreifen befahren worden. Ein Zeichen, dass die Schildkröten in<br />

der Nacht fleißig waren. Der Weg ist trotz Gezeiten ein beschwerlicher.<br />

Die schwerfälligen Körper schieben sich dann über die Insel,<br />

manchmal bis zu 100 Tiere in einer Nacht. Sie suchen ein Fleckchen,<br />

um ihre 0 bis 0 Eier abzulegen. orher müssen sie graben und<br />

nach dem Ablegen das Nest wieder zuschütten. Dadurch bleiben die<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

55


FERNWEH | Guinea-Bissau<br />

Eier wohltemperiert und sind vor Fressfeinden gut geschützt. Zwei<br />

Stunden dauert eine solche rozedur in der Regel, ehe die Schildkröten<br />

den Rückzug ins Wasser antreten. Es ist faszinierend. Und traurig.<br />

Denn der Strand, obwohl als Nationalpark deklariert und alle zwei<br />

Wochen gesäubert, strotzt vor angeschwemmtem Dreck. Shampooflaschen,<br />

Koffer, Schuhe, eine abgerissene aucherweste. Es ist beinahe<br />

normal, dass die Tiere beim Buddeln nicht nur den Sand, sondern auch<br />

lastik aller Herren Länder aus dem Weg räumen müssen. Mir bricht<br />

es das Herz. Jede Schaufelbewegung wird mit dem Geräusch einer zusammengedrückten<br />

lastikflasche uittiert. Alles ist seltsam eng beieinander<br />

hier auf oilo. Die globale Umweltverschmutzung auf der<br />

einen, Leben geben und Leben nehmen auf der anderen. Während Eier<br />

abgelegt werden, schlüpfen bereits andere. utzig sehen die kleinen<br />

Schildkröten aus, die ihren allerersten Gang ins Wasser vor sich haben<br />

– die almgeier oben auf den Bäumen wissen das. Mit ihren weichen<br />

anzern sind sie ideale, vor allem aber auch leichte Beute für die fliegenden<br />

Räuber. Belmiro sagt, nur eine von 500 Schildkröten käme<br />

durch. Ein Wahnsinnsprozentsatz. Die Natur hat es aber ideal eingerichtet.<br />

Eine Überproduktion einer Spezies führt zur Lebensgrundlage<br />

einer anderen. Fressen und gefressen werden. So normal, so schön, so<br />

einfach. Wäre da nicht jenes Geräusch von auszubuddelnden lastikflaschen,<br />

das ich nicht mehr aus dem Ohr kriege. Auf der Rückfahrt<br />

kommen mir all diese wunderbaren Naturschauspiele in den Sinn,<br />

die ich hier erleben durfte. Ich denke daran, dass diese Lebewesen<br />

schon seit ahrtausenden, ahrmillionen den laneten bevölkern und<br />

gut durchgekommen sind. Während wir alles dafür tun, uns selbst<br />

auszulöschen, werden sie immer noch da sein. Und, da bin ich mir<br />

sicher, sie werden dann ein Lächeln auf den Lippen haben. Auch das<br />

kann Magie sein – oder einfach: die Gerechtigkeit der Natur, der auch<br />

wir uns unterwerfen werden müssen.<br />

Auf dem riesigen Straßenmarkt an der Avenida dos Combatentes in<br />

Bissau sammeln Jugendliche am Abend die Reste eines Mobilfunkstands<br />

auf. In dem bettelarmen Land müssen schon die Jüngsten<br />

schauen, wie sie sich durchschlagen können.<br />

INFO Guinea-Bissau zählt nicht zu den einfachsten Reisedestinationen<br />

bzw. findet man nicht ganz so viel online. Wertvolle Informationen<br />

liefert hingegen der Reiseführer Senegal/Gambia/Guinea-Bissau<br />

aus dem Reise Know-How Verlag (aktualisiert 2019/20), € 16,90.<br />

ANREISE<br />

Erfolgt mit der TAP inklusive Zwischenstopp in Lissabon in die<br />

Hauptstadt Bissau. Eine weitere Möglichkeit bietet die Royal Air<br />

Maroc über Casablanca. Von Bissau aus geht es per Fähre oder<br />

Privatboot auf das Bijagós-Atoll.<br />

UNTERKUNFT<br />

Das Orango Parque Hotel ist ideal für alle Exkursionen auf den<br />

Inseln. Ein 10-Tages-Programm ab Flughafen Bissau mit Übernachtung<br />

im Orango, Vollpension, sämtlichen Transporten, geführten<br />

Exkursionen und Nationalparkgebühren gibt es ab € 1.740 p. P. im<br />

DZ. Buchbar unter orangohotel.com oder als Reisebaustein über<br />

einen Afrika-Reiseveranstalter.<br />

Leben und Sterben liegen auf Poilão dicht beieinander. Der verwesende<br />

Körper einer grünen Meeresschildkröte ist zugleich Futter für die<br />

Palmgeier und andere Vögel, aber auch Zeugnis von neuem Leben:<br />

Denn hierher kommen die Tiere, um ihre Eier abzulegen, damit das<br />

Überleben der Art gesichert bleibt.<br />

REISEZEIT<br />

Die angenehmste Reisezeit für Guinea-Bissau ist Dezember bis<br />

Mitte Mai. Dann herrscht Trockenzeit und es ist zwar wärmer, aber<br />

nicht so schwül. Die Schildkröten kann man am besten zwischen<br />

September und Januar beobachten, die Flusspferde (theoretisch)<br />

ganzjährig.<br />

56<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


Putzig sehen die kleinen<br />

Schildkröten aus, die ihren allerersten<br />

Gang ins Wasser vor sich haben –<br />

die Palmgeier oben auf den Bäumen<br />

wissen das. Mit ihren weichen Panzern<br />

sind sie ideale, vor allem aber<br />

auch leichte Beute für die<br />

fliegenden Räuber.<br />

herbst 2020<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

57


text<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

B<br />

AUSTRALIENS<br />

NORTHERN<br />

TERRITORY<br />

Ohhh, wie süß! Im Kangaroo<br />

Sanctuary bekommen Waisen und<br />

verletzte springende Kängurus<br />

noch einmal eine Chance. Aber<br />

Achtung: mitnehmen verboten.<br />

58


FERNWEH | Northern Territory<br />

ENDLOSE SPINIFEXGRAS-STEPPEN UND SCHROFFE FELSLAND-<br />

SCHAFTEN PRÄGEN DAS GESICHT DES NORTHERN TERRITORY.<br />

ROSTROT LEUCHTET DIE ERDE IM ZENTRUM, ORANGEROT<br />

HINGEGEN GLÜHT DER ULURU IN DER ABENDSONNE UND<br />

DUNKELROT SIND DIE AUFGETÜRMTEN TERMITENBAUTEN.<br />

DAS TOP END UND DAS RED CENTRE SIND LANDSCHAFTLICHE<br />

SINFONIEN UND ORTE DER BESONDEREN MOMENTE. WER HIERHER<br />

REIST, ERLEBT TIEFGRÜNDIGES UND EIN NEUES GEFÜHL FÜR<br />

FREIHEIT, ACHTSAMKEIT UND WERTSCHÄTZUNG. WILLKOMMEN<br />

IM NORTHERN TERRITORY, DAS SICH SO ZEIGT, WIE WIR UNS<br />

AUSTRALIEN ERTRÄUMEN: ROTE ERDE, KÄNGURUS UND<br />

FELSFORMATIONEN. UND NATÜRLICH DIE MENSCHEN, DIE BEI<br />

EINER REISE DEN WICHTIGEN UNTERSCHIED MACHEN.<br />

Larapinta Trail – einer der schönsten Wanderwege der Welt<br />

Der 231 Kilometer lange Larapinta Trail startet (oder endet, je nach Richtung) in der Nähe von Alice Springs und durchquert<br />

den West MacDonnell Ranges National Park. Er ist einer der bedeutendsten Fernwanderwege Australiens.<br />

Der Larapinta Trail präsentiert einen Strauß an Möglichkeiten und Schwierigkeitsgraden. Es gibt Streckenabschnitte über<br />

hohe und äußerst felsige Bergrücken, die spektakuläre Panoramaaussichten bieten, und leichtere Wanderungen über ausgedehnte<br />

Plateaus und trockene Bachbetten am Fuß der Gebirgsketten. Beim Wandern durch diese raue Landschaft, die von Rot-,<br />

Grün- und Gelbtönen und einem unvorstellbar blauen Himmel dominiert wird, hat man das Gefühl, dass die Zeit auf einer<br />

anderen, tieferen Ebene fließt.<br />

Die Ranger von Northern Territory Parks & Wildlife haben den Trail durch stetige Verbesserungen und Instandhaltung so<br />

sicher und zugänglich wie möglich gemacht. Blaue feilmarkierungen an Bäumen entlang gut definierter Wege geben einem<br />

alle 500 Meter die Sicherheit, dass Verlaufen fast unmöglich ist.<br />

Das wichtigste Detail ist eine garantierte Wasserversorgung, denn Trinkwasser ist nie weiter als einen Tagesmarsch entfernt.<br />

Zum Beispiel kann man seinen orrat meistens an ausgewiesenen Campingplätzen auffüllen.<br />

Der Larapinta Trail kann in beide Richtungen begangen werden. Wer von Osten nach Westen wandert, kann am letzten<br />

Tag den Gipfel des Mount Sonder – des vierthöchsten Bergs im Northern Territory – erklimmen und so die Wanderung im<br />

wahrsten Sinne des Wortes mit einem Höhepunkt abschließen.<br />

sommer <strong>2022</strong> <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 59


FERNWEH | Northern Territory<br />

Kakadu National Park<br />

Der Kakadu National Park ist für seine natürliche Schönheit berühmt<br />

und beherbergt einige der bemerkenswertesten Felskunststätten der<br />

Welt. Und ja, Kakadus gibt es tatsächlich auch in diesem großen Nationalpark.<br />

Doch daher kommt der Name nicht. Den Gagadju, dem<br />

gleichnamigen Volk der Aboriginal People, die auch in dieser Gegend<br />

leben, verdankt der Park seinen Namen. Er ist auch Unesco-Welterbe.<br />

Die hiesigen Felsmalereien belegen die frühe Kultur der australischen<br />

Ureinwohner. Sie gehören zu den beeindruckendsten ihrer Art.<br />

Die ältesten Zeichnungen sollen 20.000 Jahre alt sein. Ja, richtig gelesen.<br />

Wobei manche Experten sie tatsächlich noch weiter zurückdatieren<br />

würden. Ein Must-see ist die Felskunst am Ubirr Rock und am<br />

Nourlangie Rock. Auf den Bildern im sogenannten Röntgenstil (x-Ray-<br />

Stil) sind Rippen, Rückgrat und innere Organe des Menschen exakt<br />

dargestellt. Eine besondere Bedeutung genießt auch die Darstellung<br />

der Regenbogenschlange. Was es damit auf sich hat? Das kann am<br />

besten Storyteller Sab Lord erklären. Sabs ersion eines Ausflugs im<br />

Kakadu ist zum einen tiereguckend in Safari-Manier, denn er ist auf<br />

einer Krokodilsfarm groß geworden. Zum anderen lernt man dabei<br />

viel von der Aboriginal-Kultur. Er genießt das Vertrauen der Ureinwohner<br />

und ist nicht nur Experte ihrer wegweisenden Kunst, sondern<br />

darf auch ihre Geschichten erzählen. Besser kann man sich nicht durch<br />

den Park führen lassen.<br />

Aber noch ein kleines Highlight sei in diesem Park dringend empfohlen:<br />

das spontane Baden. Ein Favorit ist der Gunlom Plunge Pool.<br />

Zwar muss man sich das Schwimmen ein wenig verdienen, aber es<br />

lohnt sich, nicht nur für ein spektakuläres Foto! Nach einer kleinen<br />

Wanderung zum oberen Ende des Wasserfalls kann man endlich in dem<br />

unglaublich schönen Naturpool eine Abkühlung nehmen. Der Blick von<br />

hier über den Kakadu National Park ist einfach atemberaubend.<br />

Uluru Kata Tjuta National Park<br />

»Mingas« – Ameisen – so wurden einst die Touristen genannt, die<br />

den heiligen Berg der Aboriginal People bestiegen. Von unten sahen<br />

sie eben aus wie winzige Krabbeltiere, die sich auf dem roten Gestein<br />

bewegten. Seit Oktober 0 ist es verboten, den Uluu zu<br />

besteigen. Was gerne auch vergessen wird: Zum Nationalpark gehören<br />

neben dem bekanntesten Monolithen der Welt auch die Kata<br />

Tjuta (früher Olgas genannt) – was so viel bedeutet wie »die vielen<br />

Köpfe«. Um genau zu sein: 36 Bergkuppen.<br />

Die jetzt am Uluu lebenden Aboriginal eople nennen sich<br />

Anangu, was in der indigenen Sprache »Mensch« bedeutet. Ihnen<br />

ist alles an diesem Berg heilig. Jede Höhle, jede Spalte und jede<br />

Wasserstelle. Umso mehr sollte man dem Berg mit Ehrfurcht begegnen.<br />

Aber er ist auch einfach eine echte Schönheit. Wenn die Sonne<br />

das rote Gestein des Uluu kitzelt, fängt dieser an zu glühen. Er<br />

steht tatsächlich im geografischen Zentrum des Fünften Kontinents<br />

und ragt 348 Meter aus einer baumlosen Ebene hervor. Er und sein<br />

fantastisches Farbenspiel sind also schon von Weitem zu sehen.<br />

Doch am 600 Millionen Jahre alten Naturschauspiel lässt sich auch<br />

einiges erleben. Verschiedene Wanderungen mit einem Aboriginal-Guide<br />

erklären ihr Territorium. Es gibt lange tiefgründige Touren,<br />

wie den Uluu Base Walk, und kurze unterhaltsame, wie den<br />

Mala Walk.<br />

Doch auch bei Dunkelheit ist es hier zauberhaft. Denn die mangelnde<br />

Lichtverschmutzung bietet eine unglaubliche Sicht auf den<br />

Sternenhimmel. Wer mag, kann sich ein spektakuläres Abendessen<br />

auf einer roten Sanddüne gönnen. Nicht nur mundet bei einem<br />

Menü »Sounds of Silence« das Essen, sondern ein Sternendeuter<br />

erklärt auch noch die Konstellationen. Romantik pur!<br />

60<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Fotos: Tourism NT/Shaana McNaught, Tourism NT/KWP! 2020, Tourism NT/Che Chorley 2021, Tourism NT/James Fisher, Tourism NT/Helen Orr, Tourism NT/ Che Corley<br />

Territory Art Trails<br />

Heute leben im Northern Territory – im Verhältnis zur jeweiligen Gesamtbevölkerung<br />

– die meisten australischen Ureinwohner. Die jahrtausendealte<br />

Kultur der Aboriginal People, die Höhlenmalereien und<br />

Felsritzungen an heiligen Orten sind Teil der besonderen Anziehungskraft<br />

dieser Region. Bruce Chatwin, ein englischer Schriftsteller, der<br />

den Reiseroman »Traumpfade« verfasste, beschrieb die Aboriginal People<br />

als »ein Volk, das auf leichten Füßen über die Erde schritt; und je<br />

weniger sie der Erde wegnahmen, desto weniger mussten sie ihr<br />

zurückgeben.« Ein Volk, das aufgrund ihrer Dankbarkeit für die Natur<br />

und ihrer Bescheidenheit ihr gegenüber ein Vorbild für die restliche<br />

Menschheit sein sollte. Gleichzeitig sind sie auch ein unglaublich kreatives<br />

Volk. Am leichtesten sind die faszinierenden Kunstwerke zu<br />

finden, indem ihr den erritory Art rails folgt.<br />

Es ist durchaus bekannt, dass man hier in die indigene Kultur eintauchen<br />

kann. Doch häufig ist dabei vergessen worden, dass sich in<br />

den letzten Jahrzehnten – ganz still und heimlich – eine zeitgenössische<br />

Kunstszene entwickelt hat. Die Territory Art Trails, die dieses<br />

riesige geografische – und künstlerische – errain abdecken, zeigen<br />

einige der wichtigsten Kunst- und Kulturstätten und ermöglichen es<br />

den Reisenden, sich ihren ganz eigenen Weg durch dieses weitläufige<br />

Land zu bahnen. Sozusagen ein Roadtrip der Kunst.<br />

Kangaroo Sanctuary<br />

Kein anderes Tier steht symbolisch so für Australien wie das Känguru.<br />

Und natürlich ist es wunderbar, das Tier in seiner Umgebung<br />

zu beobachten. Perfekt dafür ist das Kangaroo Sanctuary. Ein Ort,<br />

an dem die Schönheit des Kängurus geradezu zelebriert wird. Das<br />

Schutzgebiet liegt etwas außerhalb von Alice Springs. Auf der geführten<br />

Tour bei Sonnenuntergang kann man bei einem gemütlichen<br />

Spaziergang durch das 188 Hektar große Wildtierreservat die<br />

Beuteltiere beobachten. Da die Kängurus tagsüber schlafen, sollen<br />

sie zu dieser ageszeit ungestört bleiben. Deshalb finden die Führungen<br />

am späten Nachmittag statt – genau dann, wenn die Kängurus<br />

aus ihrem Tagesschlaf zu erwachen beginnen. Das Schutzgebiet<br />

kann nur im Rahmen einer im Voraus gebuchten Tour besucht<br />

werden. Die Tour dauert etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Und<br />

diese bleiben garantiert unvergesslich.<br />

INFO https://northernterritory.com/de


B text<br />

Marie Tysiak<br />

B fotos<br />

Patrick Lettmann & Marie Tysiak<br />

DER PERFEKTE<br />

ROADTRIP DURCH<br />

MAROKKO<br />

Marokko ist das Roadtrip-Paradies schlechthin:<br />

Tolle Panoramastraßen und aufregende Stopps<br />

versprechen viel Fahrspaß und einen grandiosen<br />

Urlaub. Doch das Land ist flächenmäßig nicht gerade<br />

klein – somit steht man bei der Planung der Reisetour<br />

vor der Qual der Wahl. Wir zeigen euch eine schöne<br />

Route durchs Inland von Marokko, von Marrakesch<br />

nach Tanger in einer Woche.<br />

62<br />

sommer <strong>2022</strong>


FERNWEH | Marokko<br />

1 MARRAKESCH<br />

Marrakesch, oft auch die geheime<br />

Hauptstadt Marokkos genannt, steht<br />

für viele ganz oben auf der Bucketlist<br />

für den Marokko-Urlaub. Und<br />

tatsächlich ist die Stadt im Herzen<br />

des Landes ein guter Startpunkt für<br />

eine Tour. Denn auf dem internationalen<br />

Flughafen landen viele Direktflüge<br />

aus Deutschland. Hier kann man<br />

zudem erst einmal ein paar Tage in<br />

einem wunderschönen Riad ankommen<br />

– und anschließend gleich mit<br />

dem Mietwagen durchstarten. Ein<br />

Tipp wäre: Holt euch den Wagen am<br />

besten erst am Ende eures Marrakesch-Besuches,<br />

denn durch die<br />

engen Gassen, die sich oft Kutschen,<br />

Motorroller, Esel und Fußgänger<br />

gleichermaßen teilen, kommt ihr nur<br />

schwer durch.<br />

Marrakesch ist eine der Königsstädte<br />

Marokkos – hier dürft ihr euch auf<br />

wuselige Souks (Märkte), tolle<br />

Paläste und eine historische Koranschule,<br />

den berühmten Geschichtenerzählerplatz<br />

Djemaa el-Fna, viele<br />

schöne Rooftop-Bars (zum Beispiel<br />

das Nomad oder auf dem Dach des<br />

Maison de la Photographie) und<br />

einen kleinen Kulturschock freuen!<br />

Bleibt am besten erst einmal zwei<br />

Tage hier, um euch einzugewöhnen<br />

und die Stadt zu besichtigen.<br />

Foto: Georgios Tsichlis/Shutterstock.com<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 63


FERNWEH | Marokko<br />

2<br />

AÏT-BEN-HADDOU<br />

Etwa dreieinhalb Stunden südöstlich, einmal quer übers<br />

Atlasgebirge, liegt die historische Kasbah Aït-Ben-Haddou. Diese<br />

aus Stampflehm errichtete alte Festungsanlage thront imposant<br />

am Hang eines Berges und präsentiert eine spektakuläre Kulisse!<br />

Kein Wunder also, dass hier schon unzählige Filme und Serien wie<br />

Game of Thrones, Gladiator und viele mehr gedreht wurden. Die<br />

umliegende Landschaft des Atlasgebirges mit seinen schneebedeckten<br />

Gipfeln am Horizont tut sein Übriges. Bei einem Bummel<br />

durch die engen Gassen der Festung fühlt ihr euch selbst ein<br />

wenig wie in einem Film.<br />

3<br />

RUND UM TINGHIR<br />

Gen Osten führt die Route weiter durch spektakuläre Landschaften.<br />

Rund um die schöne Oasenstadt Tinghir gibt es einiges zu<br />

entdecken: Im Dadestal warten beeindruckende Berglandkulissen<br />

und spektakuläre Passstraßen. In der Todra-Schlucht hingegen<br />

richten sich die roten Felsen plötzlich senkrecht in die Höhe – ein<br />

tolles Naturschauspiel. Allein die Fahrt hierher ist eine Reise<br />

wert! Immer wieder schaffen kleine Flüsse in den schmalen<br />

Tälern malerische Oasen, in denen die Dattelpalmen nur so<br />

sprießen. In dieser hauptsächlich von Berbern bewohnten Gegend<br />

könnt ihr ideal wandern oder Rad fahren. Nur Achtung: besser<br />

nicht im <strong>Sommer</strong> oder zur Mittagszeit.<br />

64<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


4<br />

MERZOUGA<br />

Klar, ein Besuch der Sahara darf bei einem Roadtrip<br />

durch das Inland Marokkos nicht fehlen! Merzouga<br />

ist das touristische Zentrum für Trips in die Wüste.<br />

Rund um die Kleinstadt finden sich viele Anbieter,<br />

die einen für einen Tag oder eine Nacht mit in die<br />

Wüste nehmen – wer mag, klassisch auf einem<br />

Dromedar mit Übernachtung in einem Camp,<br />

wahlweise Basic oder als Luxusvariante (zum<br />

Beispiel zu finden auf Airbnb oder Booking.com).<br />

Der Sternenhimmel über der Wüste und die tiefroten<br />

Sanddünen beim Sonnenuntergang bleiben garantiert<br />

unvergessen.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

65


WANDERN | Alpenüberquerung<br />

5 FAHRT NACH NORDEN ÜBER MIDELT<br />

Nun geht es auf gen Norden! Um das nächste Ziel – Fès – zu erreichen, muss man zunächst gut aufs Gaspedal treten. Doch das ist<br />

gar nicht schlimm. Denn die acht Stunden Fahrt von der Sahara über Midelt bis nach Fès sind der absolute Roadtrip-Traum. An nur<br />

einem Tag hat man das Gefühl, durch Utah, das Voralpenland, Steppe und Wüste gleichermaßen zu fahren. Hier wird einem bewusst,<br />

wie vielfältig die Landschaft Marokkos eigentlich ist. Autobahnen sucht man vergebens, dafür warten unglaubliche Passstraßen durch<br />

Schluchten, vorbei an Seen, Gipfeln, Oasen und kleine Berberstädtchen auf euch. Achtung, die Fahrt wird lang – aber es ist wahrlich<br />

kein verlorener Urlaubstag. Wer mag, kann die Strecke auch zweiteilen und in Midelt übernachten.<br />

66<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


FERNWEH | Marokko<br />

Fès ist eine weitere der Königsstädte des Landes. Sie ist das kulturelle Zentrum<br />

Marokkos – und das merkt man sofort. Hier finden sich die älteste Universität der<br />

Welt, eine unheimlich wuselige Altstadt, das berühmte Färberviertel, Paläste und<br />

wunderschöne Cafés inmitten des Trubels. In Fès lassen sich locker einige Tage<br />

verbringen, um einfach nur zu staunen. Wir empfehlen aber mindestens einen ganzen<br />

Tag. Und wenn es euch zwischen den Handwerkern in den Souks, Straßenhändlern<br />

und Eseln mal zu wuselig wird, haltet einfach Ausschau nach der nächsten Dachterrasse<br />

oder einem Café in einem Innenhof – wie zum Beispiel das The Ruined Garden –,<br />

trinkt einen Minztee, esst ein paar leckere Kleinigkeiten und ruht euch ein wenig von<br />

dem Trubel aus.<br />

..<br />

6 FÈS<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 67


FERNWEH | Kanada<br />

Wir verlassen das eindrucksvolle Fès und<br />

fahren weiter gen Norden. Nach circa drei<br />

bis vier Stunden Fahrt durch malerische<br />

Berglandschaften findet man sich plötzlich<br />

in einer absurden Szenerie wieder: In<br />

Chefchaouen ist die gesamte Altstadt in<br />

Blau angestrichen. Warum die Menschen<br />

ihre Häuser in die typische Indigofarbe<br />

einfärbten, ist nicht mehr ganz nachzuweisen<br />

– vermutlich wegen der Sonne.<br />

Heute bekommen die Häuser jährlich<br />

einen neuen Anstrich, aber nun wohl<br />

mehr aus touristischen und ästhetischen<br />

Gründen. Jedenfalls ist ein<br />

Spaziergang durch die Gassen dieses<br />

kleinen Bergstädtchens ein Instagramund<br />

Fotoschauspiel. Ein paar Stunden<br />

reichen, doch beeindrucken! Von der<br />

spanischen Moschee habt ihr einen<br />

grandiosen Blick auf die im Berghang<br />

verteilten blauen Gebäude.<br />

..<br />

GOLDGRABER CITY<br />

Dawson City ist die Hauptstadt der Goldsucher und Trapper. Es ist die<br />

ewige Kulisse der Jack London Romane, dessen Hütte auch heute noch<br />

dort zu besichtigen ist. Diese hatte man nach einer aufwendigen Suche<br />

in der Wildnis gefunden und tatsächlich als Touristenattraktion nach<br />

Dawson umgesetzt. Während der Hoch-Zeit des Goldrausches lebten<br />

hier bis zu 60.000 Menschen. Heute sind es knapp 1.400 Seelen. Da die<br />

Stadt aber unter Denkmalschutz steht, ist alles erhalten, wie es einst<br />

war. Das hat schon Flair, auch wenn es oft wie eine Art Western-Film-Kulisse<br />

wirkt. Ein Hauch aus der guten alten Zeit lässt sich auch erleben.<br />

Beispielsweise bei einer Cancan-Tanz-Aufführung, einem Spaziergang<br />

über die Front Street oder einem Sourtoe-Cocktail, wo ein abgefrorener<br />

Zeh im Whisky schwimmt. Ja, solche Reiseerlebnisse gibt es nur dort,<br />

wo der Klondike und der Yukon zusammenfließen, in Dawson City.<br />

7 CHEFCHAOUEN<br />

68<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


FERNWEH | Marokko<br />

Unter einem neuen<br />

Stern: Die Hafenstadt<br />

Tanger hatte lange<br />

einen schlechten Ruf –<br />

bis König Mohammed<br />

VI. 1999 anfing, die<br />

Stadt herauszuputzen<br />

und die Medina<br />

sicherer machte.<br />

8 TANGER<br />

Die letzte Etappe führt nach Tanger. Man merkt auf der<br />

Fahrt: Die Landschaft wird nun immer mediterraner und<br />

erinnert fast an Südspanien. Tatsächlich sprechen die<br />

Menschen nun eher Spanisch als Französisch – und auch an<br />

den westlichen Hotelketten lässt sich erkennen, dass man<br />

auch kulturell Europa immer näher kommt. In Tanger<br />

angekommen kann man am Hafen tatsächlich auf der<br />

anderen Seite Tarifa glitzern sehen! Tanger hat sich in den<br />

letzten Jahren stark herausgeputzt und ist nun ein sicher(er)<br />

es Reiseziel. Von der Kasbah hat man einen tollen Ausblick<br />

über die Stadt. In der alten Medina streift man nun durch<br />

weiße schmucke Häuserreihen. Mit dem Auto könnt ihr auch<br />

dem nahen Kap Spartel einen Besuch abstatten. Unweit des<br />

Leuchtturms oberhalb der Klippen zeigt ein Schild, dass hier<br />

Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen. Rund um die<br />

Stadt verteilen sich tolle Strände, wie der Achakkar Beach<br />

– falls ihr vor dem Abflug noch einmal ins Meer hopsen wollt!<br />

INFO<br />

VERKEHRSKONTROLLEN<br />

Es gibt unterwegs unzählige Polizeikontrollen. Haltet euch deswegen unbedingt an<br />

die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ansonsten sind die Beamten immer äußerst<br />

freundlich und man sollte bei einer Kontrolle keine Probleme haben. Meist sind<br />

die Polizisten nur neugierig, wo es als Nächstes hingeht, und verraten die<br />

landschaftlich schönste Route dorthin.<br />

FAHREN IM DUNKELN<br />

Es ist vergleichsweise sicher, in Marokko im Dunkeln zu fahren. Dennoch sei dazu<br />

nicht geraten. Die Straßen weisen zum Teil Schlaglöcher auf, kurven sich durch<br />

die Berge und vielleicht steht am Straßenrand eine Herde Schafe.<br />

PARKPLATZ KLÄREN<br />

Klärt am besten im Vorhinein, ob eure Unterkunft einen Parkplatz hat, besonders<br />

in den großen Städten. Wenn nicht, fragt vorher kurz nach oder schaut bei Google<br />

Maps nach der nächsten Parkgelegenheit. Meistens zahlt man bis zu umgerechnet<br />

zwei bis fünf Euro für das Parken für eine Nacht.<br />

ZEIT EINPLANEN<br />

Plant am besten genügend Zeit für die Fahrt ein! Die Straßen sind nichts für Raser<br />

– und mitunter wollt ihr alle Nase lang anhalten und Fotos machen. Da wäre es ja<br />

schade, wenn man sich nachher hetzen muss. Diese Route beinhaltet Etappen,<br />

die (bis auf die Fahrt nach Norden) alle gut innerhalb von drei bis fünf Stunden<br />

inklusive Pausen machbar sein sollten.<br />

OFFLINE-MAPS<br />

In Marokko sind die mobilen Daten für europäische Netzbetreiber oft sehr teuer,<br />

vielleicht habt ihr unterwegs auch gar keinen Empfang. Offline-Kartendienste wie<br />

MapsMe oder GoogleMaps funktionieren für die längeren Strecken zuverlässig.<br />

Nur für die anschließende Suche der Unterkunft in der Medina kann es gegebenenfalls<br />

zu Schwierigkeiten kommen, da oft nicht alle der kleinen Straßen eingezeichnet<br />

sind. Fragt euch dann am besten durch.<br />

IDEALE REISEZEIT<br />

Im <strong>Sommer</strong> wird es in Marokko unglaublich heiß. Daher bietet sich besonders der<br />

Frühling oder Herbst an, aber auch im Winter kann man Marokko gut be<strong>reisen</strong> und<br />

es ist nicht so überlaufen.<br />

FAHREN AN DER KÜSTE<br />

Wer Zeit hat, kann natürlich auch noch die Küste in seinen Roadtrip durch<br />

Marokko einschließen! Wir haben die oben beschriebene Route – ohne Küste –<br />

in insgesamt neun Tagen (sieben Fahrttage) gemacht – weniger sollte man auch<br />

nicht einplanen. Wer Lust auf entspanntes und hippes Surferflair und Meer hat,<br />

der kann über Rabat, Casablanca und Essaouira wieder zurück nach Marrakesch<br />

fahren. Hierfür braucht ihr aber mindestens zwei Wochen Zeit.<br />

herbst 2020<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

69


FERNWEH | Kanada<br />

KAN<br />

..<br />

DER BERUHMTE FALL<br />

70


FERNWEH | Kanada<br />

B text<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

ADISCHE<br />

IKONEN<br />

JUSTIN BIEBER, MICHAEL BUBLÉ UND CELINE DION SIND KANADIER*INNEN.<br />

WUSSTEST DU DAS? AUCH PAMELA ANDERSON, RYAN REYNOLDS ODER RYAN<br />

GOSLING WURDEN IM ZWEITGRÖSSTEN LAND DER WELT GEBOREN. UND HEUTE<br />

SIND SIE WAHRE IKONEN IHRER BRANCHE. DOCH SO WIE MIT DEN STARS GEHT ES<br />

DEM LAND AUCH MIT SEINEN ERLEBNISSEN. NICHT JEDER WEISS, WIE UNFASSBAR<br />

SCHÖN KANADA IST. ATEMBERAUBENDE LANDSCHAFTEN – OH JA! ABER KANADA<br />

KANN NOCH VIEL MEHR. EIN ÜBERBLICK.<br />

Zweifelsohne gehören die Niagarafälle zu den wohl berühmtesten Markenzeichen Kanadas. Dabei liegt hier nur ein Teil<br />

und der andere in den USA. Goat Island teilt die riesigen Fälle in zwei Teile und zwei Staaten, wobei die breiten und<br />

spektakulären Horseshoe Falls auf der kanadischen Seite liegen. Und ja, das bombastische Rauschen ist in vielerlei<br />

Hinsicht ein echtes Erlebnis. Mittlerweile passiert um die Fälle auch so einiges. Damit ist nicht unbedingt die<br />

Mini-Las-Vegas-Version der Stadt Niagara gemeint, sondern eher die Touren und Aktionen, die sich direkt am Wasserfall<br />

befinden. Seit Neuestem kann man auch das einstige Kraftwerk besuchen und das eröffnet mit einem gläsernen Tunnel<br />

noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die legendären Wasserfälle. Wer nur wenig Zeit hat, dem sei weiterhin der<br />

Klassiker empfohlen: Mit einem bunten Regenponcho bekleidet auf Schiffstour der Gischt entgegen.<br />

Es ist eine nasse Angelegenheit. Aber ein Riesenspaß!<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 71


DAS WAHRZEICHEN<br />

TORONTOS:<br />

DER CN TOWER<br />

Der CN Tower – übrigens steht das CN für Canadian National Railway – ist in der<br />

kanadischen Metropole allgegenwärtig! Denn mit seinen 553,33 Metern überragt<br />

er alles. Und prägt die Skyline. Für Touristen ist er jedoch mehr als eine<br />

markante Orientierungshilfe beim Manövrieren durch die Stadt. In 335 Metern<br />

Höhe befindet sich der sogenannte »Korb« und in diesem wiederum ein Drehrestaurant<br />

und eine Aussichtsplattform. Das Drehrestaurant lebt eher von der Aussicht<br />

als vom kulinarischen Genuss, aber die Aussichtsplattform eröffnet einen<br />

grandiosen Weitblick. Bis zu 120 Kilometer weit kann man blicken und wenn das<br />

Wetter es zulässt, taucht der Gischtschleier der Niagarafälle am Horizont auf.<br />

Nun spielt ein Gebäude dieser Art auch gerne mit seinen Vorzügen. So gibt es<br />

neben dem gläsernen Aufzug, der an der äußeren Seite hinaufgleitet, oben auch<br />

einen Glasfußboden, der tief blicken lässt. Es geht aber, wer mag, noch höher<br />

hinaus. 477 Meter hoch ist der Skypod, auf dem die riesige Antenne befestigt<br />

ist. Wie wäre es mit einem Spaziergang am Rande der Plattform? Auch das ist<br />

möglich. EdgeWalk heißt das Abenteuer, bei dem die Mutigen mit einem Guide,<br />

gut gesichert, auf dem Dach des Drehrestaurants den Turm umrunden. Ein unvergessliches<br />

Erlebnis!<br />

72<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


FERNWEH | Kanada<br />

GANZ WEIT IM NORDEN<br />

Wohl das unbekannteste der Territorien ist Nunavut. Es ist auch das einzige Gebiet, das nicht<br />

über eine Straßenverbindung mit dem übrigen Kanada verbunden ist. Wer hierher will, muss<br />

fliegen. Oder eben mit dem Schiff kommen. Viele reizt es eh, mit dem Schiff die Arktis zu erkunden<br />

und einen Teil der sagenumwobenen Nordwestpassage zu befahren. Vorbei an Eisbären, die<br />

auf Eisschollen hocken, Narwalen, die neben dem Boot schwimmen, langen Fjorden und entlang<br />

der weiten Tundra.<br />

Mit gut 30.000 Einwohnern, verteilt auf einer Fläche, die beinahe sechsmal so groß ist wie Deutschland,<br />

ist es selbstverständlich auch die am dünnste besiedelte Region des Landes. Durch die<br />

Abgeschiedenheit haben selbst die meisten Kanadier keine Ahnung von der Welt am Polarkreis.<br />

Doch wer sich einmal ganz nach oben in den Norden begibt, sich für die Schönheit und die<br />

Einsamkeit öffnet, den packt schnell das »Arktisfieber«. Eine Liebe zum Eis, zur Stille und der<br />

schier endlosen Weite der arktischen Wunderwelt. Auch die Kultur der Inuit, mit der man dort<br />

oben in Berührung kommt, ist spannend und prall gefüllt mit Anekdoten und Geschichten vom<br />

Über- und Erleben. Die meisten Inuit haben bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ausschließlich<br />

vom Fischfang gelebt. Und auch ihre Kleidung oder Transportmittel haben sie aus<br />

den lokalen Materialien geschaffen.<br />

Die Hauptstadt Nunavuts, Iqaluit, ist noch recht einfach mit dem Flugzeug von den kanadischen<br />

Großstädten zu erreichen. Sie liegt auf Baffin Island. Die größte Insel des kanadisch-arktischen<br />

Archipels und die fünftgrößte Insel der Welt. Von hier lassen sich wunderbar<br />

Touren in den Auyuittuq National Park organisieren. Ein Traumziel für<br />

Extremsportler und Gleitschirmflieger. Denn dort warten beeindruckende Granitgiganten,<br />

die aus dem Nichts in die Höhe zu schießen scheinen. Und wenn sich vor dieser<br />

beeindruckenden Kulisse noch ein Moschusochse verirrt, ist das Motiv perfekt.<br />

73


WANDERN | Alpenüberquerung<br />

DAS POSTKARTENMOTIV<br />

Wie eine majestätische Wand ziehen sich die Rocky Mountains von Süd<br />

nach Nord und bilden damit auch – zu einem wesentlichen Teil – die<br />

Grenze von der Provinz British Columbia zur Provinz Alberta. Und genau<br />

diese Wand ist auch eine Wetterscheide. Denn die Gebiete am Pazifik<br />

sind regenreich und häufig sattgrün und auf der anderen Seite wird die<br />

Landschaft eher zur Prärie – also trocken und steppenartig.<br />

Doch die Rockies sind viel mehr als nur Berg und Tal. Sie sind das Sinnbild<br />

für Kanada. Natürlich nicht grundlos, denn die Schönheit der Landschaft<br />

ist einzigartig. So bildschön, dass die Region äußerst populär ist.<br />

Fast zu beliebt. Hier empfiehlt es sich, antizyklisch zu <strong>reisen</strong>. Insbesondere<br />

wenn man zwischen den Touristenmagneten Banff und Jasper pendelt.<br />

Da kann es im Hochsommer schon arg voll auf den Straßen werden.<br />

Und der sagenumwobene Icefields Parkway, eine Promenade<br />

entlang der Gletscher, eröffnet seine wahre Pracht natürlich nicht im<br />

Stau stehend.<br />

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, Lake Louise in stiller Einsamkeit<br />

genießen zu können: Ein Besuch lohnt sich immer. Denn dieses<br />

Fleckchen Erde ist umwerfend. Nicht minder sehenswert ist Maligne<br />

Lake. Allein die Anfahrt lohnt sich. Und wer einmal dort war, konnte eigene<br />

Postkartenmotive sammeln.<br />

74<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


FERNWEH | Kanada<br />

..<br />

BARENSTARK<br />

Eine Begegnung mit einem Bären, egal welcher Art, ist erst einmal<br />

aufregend. Keine Frage. Aber gleichzeitig ist es auch so typisch Kanada,<br />

dass man fast enttäuscht ist, wenn man keinem begegnet.<br />

Und ja, wenn man sich an die Sicherheitsvorkehrungen hält, dann<br />

kann Bärenbeobachtung ein grandioses Naturschauspiel sein und<br />

das geht bereits aus sicherer Distanz.<br />

Da wäre zum einen der Grizzly. Sicherlich möchte man der großen<br />

Braunbärspezies nicht unbedingt einsam auf einer Wanderung begegnen.<br />

Aber aus sicherer Distanz, beispielsweise aus einem Auto,<br />

ist es ein spannendes Gefühl. Im Yukon zeigen sich die flauschigen<br />

Giganten so häufig, dass es kein Problem sein wird, diese aus dem<br />

sicheren Wagen zu betrachten.<br />

Aber auch mit beiden Beinen in der Natur stehend geht eine Grizzlybeobachtung.<br />

Beispielsweise im zauberhaften Bella Coola, der<br />

selbsternannten Hauptstadt der Grizzlys. Wenn die Lachse zum Laichen<br />

ihre Rückkehr flussaufwärts antreten, brauchen die bis zu zwei<br />

Meter großen Bären sich einfach nur in den Fluss zu stellen und das<br />

Maul aufzuhalten. Denn die Lachse hüpfen gegen den Strom und so<br />

ist es ein Festmahl für die Grizzlys und eine günstige Fotooption für<br />

den Menschen. Der Bär ist völlig desinteressiert an den Personen,<br />

schließlich wimmelt um ihn herum seine Lieblingsspeise.<br />

Auch der Eisbär kann in seinem natürlichen Habitat beobachtet werden.<br />

Am leichtesten geht das an der Hudson Bay in Manitoba.<br />

Churchill ist nämlich die Hauptstadt der Eisbären. Diese harren an<br />

der Hudson Bay aus, bis sich eine Eisdecke bildet und sie von dort<br />

hinaus in die Arktis ziehen können. Sehnsüchtig warten sie darauf.<br />

Denn ihre bevorzugte Nahrung, die Robben, finden sie auf dem Eis.<br />

Doch wie lassen sich die Polarbären am besten aufspüren? Am einfachsten<br />

ist es sicherlich mit dem sogenannten Tundra Buggy. Ein<br />

riesiges Gefährt, das extra zur Eisbärenbeobachtung erbaut wurde.<br />

Die ruhigere und weitaus nachhaltigere Variante ist eine Wanderung<br />

mit einem Guide. Bei dieser durchaus kostspieligen Variante verweilt<br />

der Gast in einer abgelegenen Lodge in der Tundra, wo Eisbären<br />

(und oft auch Nordlichter) bereits vom Fenster aus beobachtet<br />

werden können.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

75


FERNWEH | Kanada<br />

MULTIKULTIMETROPOLE<br />

Nein, Vancouver ist nicht die größte Stadt<br />

Kanadas. Es ist Toronto. Und Toronto hat so<br />

eine ganz besondere Atmosphäre. Das liegt<br />

einerseits daran, dass die Hälfte aller<br />

Torontonians nicht in Kanada geboren sind.<br />

Rein theoretisch können einem 140 verschiedene<br />

Sprachen zu Ohren kommen.<br />

Das macht T.O., wie die Kanadier es liebevoll<br />

abkürzen, zu einer der internationalsten<br />

Städte der Welt. Und freundlich und friedlich<br />

obendrein. Das allein ist Teil dieses<br />

Charmes, dem man erliegt, wenn man sich<br />

in der Metropole aufhält.<br />

Wofür man Toronto lieben muss? Für die<br />

Kultur. Weltklassemuseen und aufsehenerregende<br />

Kultbauten von renommierten Architekten.<br />

Mondänes Lebensgefühl an der<br />

Harbourfront, Out-of-the-Box-Thinking im<br />

Distillery District und Weltoffenheit im<br />

Queen Street Village.<br />

Dazu kommen eine ausgezeichnete Küche,<br />

die im restlichen Kanada nicht immer vorausgesetzt<br />

werden kann, und ein tolles Shoppingerlebnis<br />

in West Queen West. Sagen wir<br />

es kurz und bündig: Toronto ist die Stadt, in<br />

der man Urlaub machen will!<br />

..<br />

GOLDGRABERCITY<br />

Dawson City ist die Hauptstadt der Goldsucher und Trapper. Es ist die<br />

ewige Kulisse der Jack-London-Romane, dessen Hütte auch heute noch<br />

dort zu besichtigen ist. Diese hatte man nach einer aufwendigen Suche<br />

in der Wildnis gefunden und tatsächlich als Touristenattraktion nach<br />

Dawson umgesetzt. Während der Hoch-Zeit des Goldrauschs lebten hier<br />

bis zu 40.000 Menschen. Heute sind es knapp 1.400 Seelen. Da die<br />

Stadt aber unter Denkmalschutz steht, ist alles erhalten, wie es einst<br />

war. Das hat schon Flair, auch wenn es oft wie eine Art Western-Film-Kulisse<br />

wirkt. Ein Hauch aus der guten alten Zeit lässt sich auch erleben.<br />

Beispielsweise bei einer Cancan-Tanz-Aufführung, einem Spaziergang<br />

über die Front Street oder einem Sourtoe-Cocktail, bei dem ein abgefrorener<br />

Zeh im Whisky schwimmt. Ja, solche Reiseerlebnisse gibt es nur<br />

dort, wo der Klondike und der Yukon zusammenfließen, in Dawson City.<br />

INFO<br />

Noch nicht genug vom wunderschönen Kanada? Mehr Infos über Land<br />

und Leute findet ihr auf kanadastisch.de<br />

Fotos: Destination Canada (2), dreamscapez.com, Yeshi Kangrang, Hubert Kang, Travel Manitoba, Jonathan Wall,<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen, Johan Lolos, Robin Matanovich<br />

76<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> sommer <strong>2022</strong>


EUROPA<br />

Der Klang der BERGE<br />

Jedes Jahr findet im Trentino ein einzigartiges Musikfestival statt,<br />

genannt »I Suoni delle Dolomiti« – zu Deutsch: Der Klang der<br />

Dolomiten. Konzerte aller Musikrichtungen italienischer wie internationaler<br />

Künstler locken raus in die Natur der Berge, wo<br />

die Akustik in der natürlichen Kulisse der schroffen Berggipfel unvergleichbar<br />

ist. Dieses Jahr finden im Rahmen des Festivals vom<br />

22. August bis 23. September 16 Konzerte und ein dreitägiges<br />

musikalisches Trekking statt. Von der harmonischen Stimme<br />

Marco Paolinis zur Morgendämmerung über den poppigen Sound<br />

von Alice Phoebe Lou zu der beeindruckenden Energie des<br />

Streichorchesters Amsterdam Sinfonietta – das Programm ist so<br />

abwechslungsreich wie die Dolomiten selbst. visittrentino.info<br />

GÖTTLICHER<br />

DUFT<br />

Der griechischen Sage nach<br />

verwandelte die Göttin der<br />

Erde Gaia ihren rebellischen<br />

Sohn Sykeus in einen Feigenbaum,<br />

um ihn vor dem<br />

Zorn Zeugs zu bewahren.<br />

Der erste Feigenbaum<br />

ward erschaffen. Der Duft<br />

»Athenean« duftet nach<br />

dem Holz des Feigenbaums<br />

– gemischt mit warmem<br />

Sandelholz und Moschus.<br />

Aufsprühen und sich nach<br />

Athen beamen. Von Heeley,<br />

EdP, unisex, 100 ml, € 130,<br />

jamesheeley.com<br />

Fotos: PR, Palais Het Loo, Graziano Panfili - www.grazianopanfili.com, Marisa Montibeller<br />

Königliche<br />

Nachbarn!<br />

Mitten im Grünen – an der Veluwe<br />

– wurde das Paleis Het Loo nach<br />

jahrelangen Renovierungs- und<br />

Sanierungsarbeiten wiedereröffnet.<br />

Nun erstrahlt die Oranierresidenz<br />

wieder im alten Glanz.<br />

Seit jeher waren Paleis Het Loo<br />

und das Waldgebiet Veluwe der<br />

Ort, an dem Könige und Stadthalter<br />

sich erholten, Urlaub machten<br />

und die Ruhe genossen. Hier lässt<br />

sich das royale Leben wahrhaftig<br />

erleben, denn die königliche<br />

Familie hat hier mehr als 300<br />

Jahre gelebt. Beeindruckend ist<br />

ein Bummel durch die großzügigen<br />

Räume des Palastes. Auch die<br />

exotischen Blumen und Pflanzen<br />

in den Gärten und die luxuriösen<br />

Pferdeställe sind absolut sehenswert.<br />

paleishetloo.nl/de<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

77


text & fotos<br />

einwandern<br />

BAndreas Dauerer<br />

78<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


EUROPA | Portugal<br />

im interland<br />

LÄNGST IST DER ALENTEJO KEIN GEHEIMTIPP MEHR.<br />

DENNOCH IST ER GERADE IM OSTEN, FERNAB VON<br />

GROSSSTÄDTEN UND KÜSTEN, JEDEN BESUCH WERT.<br />

JAHRHUNDERTEALTE ORTSCHAFTEN UND BURGEN<br />

WARTEN DARAUF, BESUCHT ZU WERDEN. ACH JA,<br />

HERVORRAGENDEN WEIN GIBT’S NATÜRLICH AUCH.<br />

79


Der ehemalige Hauptplatz von<br />

Évora, der Praça Conde de Vila<br />

Flor, hält den Überresten des<br />

Diana-Tempels den Rücken frei.<br />

80<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


KARIBIK EUROPA | | Dominica Portugal<br />

Wenn die Luftfeuchtigkeit des Tejo langsam weicht<br />

und die Landschaft sich mit sanften Hügeln und unzähligen<br />

Korkeichen, die zu allem Übel auch noch<br />

ihr Unterkleid verloren zu haben scheinen, abwechselt,<br />

und wenn der Wein selbst in der kleinsten Pinte<br />

so wunderbar schmeckt, spätestens dann weiß auch der letzte Reisende,<br />

dass er im Alentejo gelandet ist. Ich bin auf der N4 unterwegs,<br />

immer weiter Richtung Osten. Meine erste Etappe von Lissabon nach<br />

Évora. Über Pegões, Vendas Novas, Montemor-o-Novo. Lauter Dörfer<br />

und kleinere Städtchen mit einer Handvoll lokalen Winzern, drei<br />

Kirchen und mindestens einer Befestigungsanlage. Die Liste kriegerischer<br />

Auseinandersetzungen auf portugiesischem Boden ist schließlich<br />

lang. Römer, Goten, Mauren, natürlich der spanische Nachbar, zu<br />

deren Provinz sie eine Zeit lang ab dem späten 16. Jahrhundert gehören<br />

sollten. Glücklicherweise ist das alles schon eine Weile her, und<br />

Reisende bewundern nun eher die wunderbaren Aussichten auf den<br />

Wehrtürmen. Ein kurzer Halt im Straßencafé samt Nata und Espresso,<br />

und schon geht es weiter über die N114. Die Korkeichen werden weniger,<br />

dafür zunehmend niedriger, und die letzten Kilometer nach Évora<br />

begleitet mich ein wiederaufgebautes Aquädukt als Reminiszenz an<br />

die vier Jahrhunderte Besatzung der Römer. Immerhin, das Aquädukt<br />

war einst, so viel darf man sagen, sicherlich eine der besseren Erfindungen.<br />

Évora<br />

Wer in die hübsche Universitätsstadt möchte, muss irgendwann durch<br />

die dicke weiße Stadtmauer. So auch ich. Das Hotel liegt gleich dahinter,<br />

eingerahmt vom letzten Rest der römischen Wasserstraße. Echt<br />

sind hier die unzähligen Mauerreste, die von einer – natürlich bewegten<br />

– Geschichte erzählen. Erst kamen die Mauren, dann die Juden<br />

und schließlich die Inquisition. Der Platz gegenüber der Kathedrale<br />

erinnert daran. Heute bin ich es, weit harmloser als anno dazumal, der<br />

sich den Kern von Évora erwandern möchte. Ich lasse mich treiben.<br />

Schaue den Tauben zu, wie sie am Praça do Geraldo am Brunnen hastig<br />

trinken, ehe sie von kleinen Kindern wieder weggescheucht werden.<br />

Anfang November trinkt aber noch eine ganz andere Spezies viel<br />

und gerne: die Studenten. Eine Art Initiationsritus für Erstsemester,<br />

die von den älteren Kommilitonen, je nach Studienfach in unterschiedliche<br />

Kutten gehüllt, durch die Stadt getrieben werden. Alles vibriert,<br />

einschließlich der Biergläsern, die leer getrunken lautstark auf die<br />

Holztische sausen, ehe junge Kehlen zum Singen anheben. Eine etwas<br />

verrückte Stimmung, in der ich mich da befinde. Aber, so viel ist klar,<br />

wunderbar belebend. Und sie macht hungrig. Schnell hinein ins Café<br />

Alentejo, ein bisschen Käse und Suppe zur Vorspeise, eine kleine Folhado<br />

de Carne, quasi ein teigummantelter Rollbraten à la portuguesa,<br />

und dazu, natürlich, Wein. Wie es mir gehe, fragt die Besitzerin Rita,<br />

die das Restaurant seit führt. Gut, antworte ich pflichtschuldig.<br />

Wie es einem eben so geht, wenn draußen die Jugend das Zepter für<br />

ein paar Tage übernommen hat, die Ausgelassenheit durchweg auf alle<br />

überschwappt und ich mich hier drinnen den kleinen Genüssen hingebe.<br />

Natürlich führt sie mich direkt in den so aus- wie einladenden<br />

Weinkeller. Nur zu gerne zeigt sie stolz ihren eigenen Rotwein, den sie<br />

anlässlich ihres 20. Inhaber-Jubiläums hat machen lassen. Eine Cuvée<br />

aus Touriga Franca und Nacional. Fruchtig, schwer. Fast möchte ich<br />

meinen, zu schwer, wenn ich kurz an die Tageszeit denke. Aber dann<br />

holt mich der studentische Gesang von draußen wieder ein. Ich bestelle<br />

noch ein Glas, löe den Rest meiner Crme Brle aus der Schale,<br />

stürze mich anschließend ins Getümmel und erkunde die Stadt.<br />

Auf dem Weg zur Kathedrale laufe ich zunächst zum alten römischen<br />

Diana-Tempel, oder besser, zu dem, was an Fundament und Säulen<br />

noch übrig ist, ehe ich dem Tross Studierender folge, der hinunter<br />

zur Universität will. Ein Bierchen hier, ein Gläschen Wein da, die ganze<br />

Stadt scheint heute beschwipst zu sein. Es ist diese lebensbejahende<br />

Mischung, die mich gerade ganz sanft umarmt. Für den Moment der<br />

Besichtigung kehrt Ruhe ein. Aber sobald ich das opulente Kirchenschiff<br />

durch die zweitürmige Fassade wieder verlasse, kommt sie augenblicklich<br />

zurück. Heute bleiben die Gläser des Klerus aber wohl<br />

wirklich leer, während die Studenten weiter ihren Riten frönen, bis spät<br />

in die Nacht, versteht sich. Ich habe dann ein Rendezvous im M‘ar de<br />

Ar Aueduto. Mit einem hervorragenden Rinderfilet und einer Flasche<br />

Plansel, einem sortenreinen Wein aus dem Hause Dorina Lindemann.<br />

Pêra-Manca<br />

Évora darf man nicht verlassen, ohne auf dem Weingut Adega Cartuxa<br />

gewesen zu sein. Das wäre ein Sakrileg, sagte mir Rita. Sie hat<br />

wohl recht. Zu bekannt ist dieser Pêra-Manca, jener Wein, um den sich<br />

die Legenden wie kaum einen anderen ranken. Die Kurzversion geht<br />

in etwa so: Ordensbrüder des Convento de Espinheiro haben im 15.<br />

und 16. Jahrhundert Wein angebaut, angeblich auf steinigem Boden,<br />

der wiederum aber besonders gut für die Reben war. Und zwar so<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 81


EUROPA | Portugal<br />

gut, dass ihr Wein sogar von Kapitän Pedro Álvares Cabral gekauft wurde. Besagter<br />

Cabral stieß dann bei seiner Ankunft in Brasilien im Jahr 1500 auf die geglückte<br />

Überfahrt an. Im 19. Jahrhundert war es dann José Soares, der einen Wein namens<br />

Pêra-Manca herstellte, es dann aber irgendwann sein ließ. Erst in den 1980er-Jahren<br />

bot ein Nachfahre den Namen der Fundação Eugénio de Almeida an, die auch die<br />

Cartuxa betreut. Einzige Prämisse: Sie dürften immer nur die besten Weine unter<br />

diesem Namen verkaufen. Und tatsächlich hält man sich sehr daran. Der letzte Rote<br />

ist aus 2015, eine Cuvée aus Aragonez und Trincadeira, der Weiße von 2019 aus den<br />

Reben Antão Vaz und Arinto. Beim Rotwein waren das nur 19.000 Flaschen, weshalb<br />

die Preise mit »ordentlich« noch untertrieben beschrieben scheinen. Es geht<br />

ab 200 Euro aufwärts los, in Auktionen später oft ein Vielfaches. Allerdings muss<br />

man auch bedenken, dass der Wein zwischen 18 und 24 Monate im Eichenfass reift,<br />

ehe er noch mal zwei Jahre in der Flasche ruhen darf. Zeit ist hier also auch bares<br />

Geld. Kaufen kann man den Wein in ausgesuchten Läden, aber natürlich auch hier<br />

direkt auf dem Weingut. Allerdings muss man vorher die Weintour mitgemacht<br />

haben, und dann auch nur eine Flasche pro Besucher, volljährig, versteht sich. Doch<br />

auch wenn ich den besonderen Roten nicht probieren durfte, auch die übrigen fünf<br />

Millionen Flaschen, die jährlich produziert werden, können sich sehen lassen. Mein<br />

Favorit: Cartuxa Reserva. Ein Verschnitt aus Aragonez und Alicante Bouschet. Aus-<br />

Die Lage des Mittelalterdorfs Monsaraz ist<br />

ideal für einen 360-Grad-Rundblick über den<br />

Alentejo bis hinüber nach Spanien.<br />

82 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


gewogene Säure und Weichheit, ein bisschen Vanille und jede Menge dunkle Beeren.<br />

Anschließend bin ich froh, dass ich doch zu Fuß aus Évora gekommen bin.<br />

Monsaraz<br />

Immer wieder spitzt sie hervor, diese kleine, wunderschöne Mittelalterfestung. Majestätisch<br />

thront der Turm des Kastells im Himmel, und die portugiesische Flagge<br />

darauf erwehrt sich erhaben gegen den Wind. Drum herum eine Handvoll weiß<br />

gekalkter Wände mit roten Dächern. 40 Personen sollen es sein, die innerhalb der<br />

Stadtmauer leben. Und noch mal 30 davor. Es regnet, und ich habe natürlich keinen<br />

Schirm dabei. Wer denkt bei Portugal schon an Regen? Sonne, Wind und, ja, der<br />

Wein und das Essen. Aber Regen? Dennoch laufe ich los. Vom Castelo de Monsaraz<br />

hat man einen fantastischen Blick über das ganze Land. Angreifer hatten hier<br />

sicherlich ihre liebe Müh durchzukommen, und so ist über die Jahre und Jahrhunderte<br />

irgendwie auch nicht so viel passiert. Zerstörungstechnisch. Ich kann mir gerade<br />

schwerlich vorstellen, wie die Heerscharen an Touristen hier ab Frühling sich<br />

gegenseitig auf den Füßen stehen. Sehr gut vorstellen könnte ich mir jetzt aber<br />

ein Getränk gegen die Kälte. Der Wind rüttelt an mir, als ob er mir sagen wollte:<br />

Nimm die nächste Tür, und du wirst belohnt werden. Gesagt, getan. Ich bin im<br />

herbst 2020 83


O Gaspacho gelandet, wo, man hätte es vermuten können, die beste<br />

Gazpacho des Landes serviert wird. Kalte Suppe bei kaltem Wetter<br />

hilft aber nicht, sagt Rui, der Chef des kleinen Restaurants. Also trinke<br />

ich einen Schnaps, dessen Namen ich direkt vergessen habe. Wir<br />

plaudern. Der Mann mit seiner leicht ergrauten Mähne lacht viel, redet<br />

so schnell, dass ich nur die Hälfte verstehe. Komischerweise ist<br />

mein kleines Glas aber immer sehr schnell wieder gefüllt. Am Ende<br />

ist mein Bauch so warm, dass ich doch noch die Gazpacho esse. Was<br />

soll ich sagen? »Hervorragend« wäre eine schändliche Untertreibung.<br />

Anschließend gehe ich noch hinüber zur alten Schule. Sie beherbergt<br />

jetzt eine Weinhandlung mit lokalen und sehr erlesenen Weinen, aber<br />

man bekommt auch Olivenöl oder Honig. Letzterer hilft mir gerade<br />

sehr, das Gleichgewicht zwischen Schnaps und kalter Tomatensuppe<br />

wieder herzustellen. Wer Zeit mitbringt, bleibt zum Sonnenuntergang.<br />

Magisch sei der, meint Rui. Und lacht.<br />

Herdade do Sobroso<br />

Filipe öffnet gerade einen Syrah aus dem ahr 00. Ros. Wir probieren.<br />

Frisch, fruchtig, ein bisschen Himbeere, sehr gut ausbalanciert<br />

und durchaus mit Körper für einen Roséwein. Hinter mir stehen die<br />

Amphoren, mit denen Filipe hier arbeitet und ein wenig experimentiert.<br />

Man sieht sie jetzt immer öfter im Alentejo. Eine Rückbesinnung<br />

auf althergebrachte Keltereimethoden, aber neu gedacht und interpretiert.<br />

Dann probiere ich noch den Arché, einen hundertprozentigen<br />

Anto az. iel Körper, ein bisschen flaume und Blaubeere, dazu<br />

Schokolade. Es ist fast schon befremdlich, wie gut austariert die Weine<br />

hier quer durch das Alentejo sind. Schließlich gehen wir nach draußen<br />

und fahren durch das riesige Gelände. 1.600 Hektar gehören zur<br />

Herdade do Sobroso, nur ein Bruchteil wird für die Weinerzeugung<br />

genutzt. Ein bisschen Safari mitten im Alentejo. Roter Sand, Wildtiere<br />

flüchten vor dem Motorengeräusch, und die Luft schmeckt nach Erde.<br />

Oben auf dem Hügel gucken wir der Sonne beim Untergehen zu. Da<br />

drüben: Vidigueira mit der Quinta do Quetzal, daneben noch das Restaurant<br />

País das Uvas mit seiner ehrlichen Küche und dem Landwein<br />

in besagten Amphoren. Direkt vor uns erstreckt sich der Rio Guadiana<br />

und hinter dem Hügel erahne ich das ganze Alqueva-Gebiet, das so<br />

wunderbar zu durchfahren ist. Ein menschengemachtes Biotop, weil<br />

man den Fluss gestaut hat. Erst 2002 wurde der Damm fertiggestellt,<br />

seitdem füllt sich das Wasserreservoir. Die Natur freut es, Vögel kann<br />

man beobachten und natürlich wandern. Halt machen in Monteiro<br />

oder Moroni – oder eben weiter nach Vidiguera zur Weinprobe.<br />

Beinahe fühle ich mich wie in Afrika. Nur der mächtige Strommast<br />

stört ein wenig. Filipe lacht. Als er das Land hier vor 15 Jahren gekauft<br />

hatte, war er noch nicht da, erzählt er. Aber die Trasse bereits<br />

geplant. So sei das eben. Die Sonne ist jetzt untergegangen, der Horizont<br />

leuchtet noch kurz blutrot, dann werden Hügel und Weinstöcke<br />

erst in weiches, bald fahles Licht getaucht. Höchste Zeit, um<br />

auf der Herdade zu Abend zu essen. Ach ja, dass beim exzellenten<br />

Menü eine hauseigene Weinbegleitung dabei ist, brauche ich an dieser<br />

Stelle nicht zu erwähnen.<br />

INFO Allgemeine Infos bekommt man auf der Seite der<br />

Region Alentejo unter visitalentejo.pt<br />

84<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

herbst 2020


EUROPA | Portugal<br />

Blindtext des Amanpulo<br />

wurden nach dem<br />

Vorbild der traditionellen<br />

Wohnhäuser, der<br />

sogenannten Bahay<br />

Kubo, entworfen.<br />

Schlückchen gefällig? Filipe Teixeira Pinto öffnet in seinem Weinkeller<br />

einen seiner 2020er Syrah Rosés zum Probieren.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

85


LIFESTYLE<br />

PINKES BEACH-BABE:<br />

Wenn die rosa-rote Brille stilsicher und in Eye-Cat-Form<br />

daherkommt, möchte man sie erst recht nie mehr<br />

a b lege n. Vo n Salva to re Fe rra ga m o, € 245<br />

ES IST ZEIT, IM KREIS ZU GUCKEN:<br />

Einmal rund um den Äquator muss es ja nicht direkt<br />

sein, aber die stylishe Sonnenbrille von Inyati in<br />

Perlm u tt ve rset zt i n Re is e l au n e . Um € 70<br />

All eyez<br />

SCHMETTERLING, DU HÜBSCHES DING:<br />

Setzt jedem Outfit stilistisch die Sahnehaube auf: die<br />

So nn e nb ri ll e mit Far b verl a uf i n Schmet ter l i ngs fo rm<br />

von Liu Jo, um € 130<br />

GELB VOR NEID:<br />

on me<br />

Wer die Sonne auf der Nase trägt, zieht neidische Blicke<br />

au f s ich. Da da r f am U rla u b so r t ruh ig a u ch mal ei n<br />

Wö lk ch en d i e S o nn e üb erd ecke n. Vo n La n v i n, € 215<br />

86<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

ALLES IM GRÜNEN BLICK-BEREICH:<br />

Ob Dschungel-Abenteuer oder City-Trip: Die Sonnenbrille<br />

» H as ke l S u n « ma cht in j e der U rla u bsla ge ei n e gu te Fi gur.<br />

Von Moscot, € 305<br />

HOPPLA, ZWEI KATZENAUGEN:<br />

Am angesagtesten sind in diesem <strong>Sommer</strong> die<br />

klassischen Cat-Eye-Sonnenbrillen – wie diese<br />

hier von Longchamp. Um € 150<br />

Fotos: PR (6)


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Geheimtipp Marburg<br />

Märchenhafte Verwöhnmomente mit VILA VITA<br />

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so<br />

nah, fragte sich einst Goethe. Dass das Gute wirklich<br />

nah liegt, erfahren Gäste bei einem Besuch der<br />

idyllischen Universitätsstadt Marburg und erleben mit<br />

VILA VITA Marburg eine entspannten Auszeit um die<br />

Energiereserven aufzuladen. Unter den Liebhabern<br />

von Städte<strong>reisen</strong> ist die wunderschöne Fachwerkstadt<br />

im Herzen Deutschlands ein wahrer Geheimtipp und<br />

lädt zu einer märchenhaften Entdeckungsreise ein.<br />

Inmitten des oberhessischen Berglandes begeistert<br />

eine bezaubernde Altstadt mit einem aufregenden Mix<br />

aus Tradition und Moderne. Hier wandeln große und<br />

kleine Besucher auf den Spuren der Brüder Grimm,<br />

die einst in Marburg lebten. Der eigens eingerichtete<br />

Grimm-dich-Pfad erweckt ihre Märchen zum Leben:<br />

Besucher entdecken Märchenfiguren in luftiger Höhe an<br />

Häusern, Treppen und Mauern, die von Hexen, Königen<br />

und Prinzessinnen erzählen und nicht nur Kinder ins<br />

Staunen versetzen.<br />

Fotos:VILA VITA Marburg<br />

VILA VITA Rosenpark – Entspannen<br />

und Genießen<br />

Lassen Sie sich verzaubern und übernachten Sie bei<br />

einem Besuch in der Stadt bei der VILA VITA Marburg.<br />

Die weitläufigen, geschmackvoll eingerichteten Zimmer<br />

mit hochwertigen Materialien und in modernem Design<br />

strahlen exklusive Gemütlichkeit aus und laden zu<br />

entspannten Stunden ein. Hier beginnt der Tag bereits<br />

vielversprechend. Nach einem reichhaltigen Frühstück<br />

gehen Sie gestärkt auf Tour durch Marburg und in seine<br />

Umgebung.<br />

Bei einem Spaziergang erkunden Sie die pittoreske<br />

Altstadt, die nur wenige Gehminuten vom Hotel gelegen<br />

ist. Wunderschöne Fachwerkhäuser säumen den Weg,<br />

kleine Cafés und urige Geschäfte laden zum Verweilen<br />

ein. Ein weiterer Höhepunkt ist das Landgrafenschloss.<br />

Rund 400 Treppenstufen führen hinauf zum Wahrzeichen<br />

Marburgs und belohnen nach dem Aufstieg mit<br />

einer wunderschönen Aussicht über die Stadt. Direkt<br />

am Schloss liegt das Restaurant Bückingsgarten, wo<br />

Gäste den traumhaften Ausblick bei regionaler und<br />

authentischer Küche genießen können.<br />

Nach der Stadttour bringt der Rosenpark Spa auf 1.000<br />

Quadratmetern Entspannung. Auf der körperwarmen<br />

Wasserliege werden die Energiereserven aufgeladen,<br />

die Gelenke durch sanfte Hände gelockert und in Sauna<br />

und Dampfbad die Muskeln entspannt. Ein Highlight:<br />

Der Besuch in der Schneekabine – 365 Tage im Jahr<br />

weißer Niederschlag und Abkühlung bei minus 10 Grad.<br />

Anschließend heißt es, mediterran zu genießen im hoteleigenen<br />

Restaurant OLIVA. Das Konzept mit ausgewählten<br />

und hochwertigen Produkten verspricht Dolce<br />

Vita pur. Den Nachtisch nehmen Sie in der benachbarten<br />

Eismanufaktur AROMA ein. Hier gibt es außergewöhnliche<br />

Kreationen, wie etwa gesalzene Erdnuss<br />

oder Buttermilch-Karotte-Banane. Diesen perfekten<br />

Verwöhntag krönt ein Besuch in der stylischen 360°<br />

Bar und Lounge, begleitet von einem Signature-Drink,<br />

kredenzt vom Barchef höchstpersönlich.<br />

www.vilavitamarburg.de<br />

87


Breit gefächert: In Nantes tanzen<br />

sogar die Straßenlaternen aus<br />

der Reihe wie die wunderschöne<br />

Laterne im Jugendstil.<br />

WER GENAU HINSIEHT, BEMERKT, DASS DIE LOIRE.<br />

IN NANTES IN DIE FALSCHE RICHTUNG FLIESST. JEDEN TAG.<br />

ZWEIMAL, IMMER WIEDER AUFS NEUE. DAS IST DEN GEZEITEN.<br />

GESCHULDET, DIE AUCH 60 KILOMETER LANDEINWÄRTS DAS.<br />

WASSER ZURÜCKDRÄNGEN. DER RHYTHMUS DER NATUR ABER.<br />

IST ZUGLEICH EINE SCHÖNE METAPHER FÜR DIE HAFEN- UND.<br />

INDUSTRIESTADT, DIE GERNE MIT KONVENTIONEN BRICHT. .<br />

88


EUROPA | Nantes<br />

text<br />

BRalf Johnen<br />

AM<br />

LIEBSTEN<br />

GEGEN DEN<br />

STROM<br />

Ab in die Horizontale<br />

und Wasser speien:<br />

Der zauberhafte<br />

Botanische Garten ist<br />

mit Skulpturen und<br />

entspannten Comicfiguren<br />

wie dieser<br />

versehen.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 89


EEin Elefant stolziert über die Loire-Insel. Auf seinem Höchste<br />

Rücken sitzt mehr als ein Dutzend Menschen.<br />

Während der Rüssel des Elefanten geräuschvoll eine<br />

Fontäne ausstößt, genießen sie in zwölf Meter Höhe<br />

die Aussicht. Ein alltäglicher organg in Nantes,<br />

denn das Eiland ist die Heimat von Les Machines de<br />

lle. Die Künstlerwerkstatt betreibt hier eine Ausstellungshalle<br />

und ein Atelier, wo die Mitarbeiter am<br />

laufenden Band skurrile Kreaturen und Skulpturen<br />

entwerfen, die in der Galerie des Machines zum Leben<br />

erweckt werden.<br />

Auch das Carrousel des mondes marins geht auf<br />

das Konto der Künstler. Dabei handelt es sich um ein<br />

auf Alt getrimmtes Karussell mit im Kreis reitenden<br />

Figuren, die einer fremden Unterwasserwelt zu entstammen<br />

scheinen. Eine Anspielung auf Jules Verne,<br />

der in Nantes das Licht der Welt erblickt hat Oder<br />

doch eher eine Manifestation des Steampunks, jener<br />

Kunstrichtung, die futuristische Elemente mit viktorianischen<br />

Formen vereint<br />

Darüber denken wir noch nach, als die Karussellfahrt<br />

beendet ist. Doch viel Zeit bleibt uns nicht. Schließlich<br />

reihen sich auch am Ufer des Flusses die Attraktionen<br />

in dichter aktung aneinander. Das fängt<br />

an mit einer Serie von überdimensionalen Ringen, die<br />

am Quai des Antilles zu einer ausführlichen Fotosession<br />

einladen. Nicht weit entfernt sorgen ein Paar riesige<br />

Gummistiefel und eine auffällig feindselige Stachelskulptur<br />

für staunende Blicke. Und als wäre das<br />

noch nicht genug Futter für den Instagram-Account,<br />

ruhen auf dem Eiland auch noch dekorative Hafenkräne<br />

und ausgemusterte Lagerhallen, in denen sich nun<br />

spannende Museen wie die HAB Galerie befinden.<br />

Zeit für eine kleine Auszeit. Diese nehmen wir in der Cantine<br />

du Voyage, einer Institution, die ihrerseits eine ausgediente Lagerhalle<br />

mit neuem Leben erfüllt. Die halbe Stadt scheint sich hier im <strong>Sommer</strong><br />

zu treffen, obwohl es nur ein einziges Gericht gibt: gegrilltes Maishühnchen<br />

mit köstlichen Kartoffeln und Salat – inklusive eines Getränks für<br />

11 Euro (oder 14 Euro am Abend).<br />

Bald darauf begeben wir uns an Bord eines Navibus. So heißen hier<br />

die Fähren, die über den Fluss und seine beiden Arme einzelne iertel<br />

der 0.000-Einwohnerstadt miteinander verbinden. om Hangar <br />

Bananes steuern wir mit der Linie N das rendviertel Chantenay ein<br />

paar Kilometer flussabwärts an, wo wir zwischen alten Werften und<br />

abgerockten Schiffen die Little Atlantiue Brewery aufsuchen. Auch so<br />

eine aufgehübschte alte Lagerhalle, die für ihre sügen Biere aus hauseigener<br />

roduktion und gute Musik bekannt ist. Im <strong>Sommer</strong> lockt<br />

zudem eine große errasse.<br />

Die Brauerei aber suchen wir nicht nur wegen der leckeren Biere<br />

auf. ielmehr setzen wir von hier unseren Rundgang fort. Nächste Station<br />

ist der ardin extraordinaire. Hier ist der Name rogramm: Künstliche<br />

Wasserfälle, eine abenteuerliche reppe, bizarre Skulpturen und<br />

atemberaubende Aussichtplattformen rechtfertigen jeden Buchstaben<br />

der Bezeichnung als außergewöhnlichen Garten. Das Gesamtkunstwerk<br />

befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch am Nordufer der<br />

Loire. Es verfügt über einige hübsche Rückzugsorte und ist noch lange<br />

nicht fertig.<br />

Wir verlassen den ark an der Oberkante, wo wir eine hübsche<br />

Aussicht auf den Fluss und Loire-Insel genießen. Hier befindet sich<br />

auch ein kleines Museum, das dem berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet<br />

ist: dem bereits erwähnten ules erne –05. In der<br />

hübschen illa sind vor allem Manuskripte, Illustrationen und Artefakte<br />

aus dem rivatbesitz des Autors zu sehen, wodurch das Ganze<br />

eher etwas für Fans als ein Museum ist, das jeder gesehen haben muss.<br />

Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit den Fabelwesen, die wir bereits<br />

von der le de Nantes kennen – und die von erne inspiriert sind.<br />

Nach diesem aufregenden Tag freuen wir uns auf einen Abschluss<br />

nach regionaltypischer Art. Hierzu begeben wir uns in die Fußgängerzone,<br />

wo wir im Heb Ken einen Tisch unter freiem Himmel ergattern.<br />

Dort bestellen wir das bretonische Nationalgericht: Galette, das herzhafte<br />

Gegenstück der Crpes, die es hier mit Blutwurst und Apfel oder<br />

mit würzigem Käse aus den Savoyer Alpen und Kartoffeln gibt. Dazu<br />

schmeckt ein Gläschen Muscadet oder Cidre. Ein Absacker geht danach<br />

noch – und was das angeht, haben wir viel Gutes über die :<br />

Cocktail Experience gehört. Die kleine Bar verfolgt einen hohen<br />

Anspruch und tritt im Stile eines amerikanischen Speakeasys auf.<br />

Den nächsten ag beginnen wir etwas konventioneller mit einem<br />

historischen Highlight: dem Chteau des Ducs de Bretagne, das an<br />

einen ungelösten Konflikt erinnert. So hat man im fernen aris<br />

beschlossen, dass Nantes nicht mehr die Hauptstadt der Bretagne,<br />

sondern fortan die Kapitale der neu gegründeten Region Loire-Atlantiue<br />

sein soll. Doch das schert die örtliche Bevölkerung wenig. Sie<br />

fühlt sich auch heute noch der historischen Bretagne zugehörig.<br />

Ein Argument, das alle weiteren Diskussionen binnen weniger Sekunden<br />

beendet, ist das Schloss der Herzöge der Bretagne. Es steht<br />

90<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


EUROPA | Nantes<br />

EINE ANSPIELUNG AUF.<br />

JULES VERNE ODER DOCH EHER EINE.<br />

MANIFESTATION DES STEAMPUNKS?.<br />

Koloss zum Anfassen: Auf der Île des Machines, einer ehemaligen<br />

Industriebrache, stehen heutzutage fantasievolle Tier-Maschinenwesen.<br />

Das beliebteste und bekannteste ist wohl der gigantische Elefant.<br />

91


WANDERN | Alpenüberquerung<br />

Ob Shoppen in der hübschen Passage<br />

Pommeraye oder Kulturbestaunen im<br />

Château des Ducs de Bretagne – Nantes<br />

ist immer für eine Überraschung gut.<br />

92<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


EUROPA | Nantes<br />

Frankreichs ideenreichster<br />

Schriftsteller ist in Nantes geboren<br />

und aufgewachsen. Im Musée<br />

Jules Verne werden sein Leben<br />

und sein Werk erzählt.<br />

Fotos: Ralf Johnen (6), Henryk Sadura/Shutterstock.com, saiko3p/Shutterstock.com<br />

nun einmal in Nantes und nicht in Rennes oder an irgendeinem anderen<br />

Ort. Das Bauwerk kombiniert die Stile diverser Epochen zu einem<br />

trutzigem Gesamtkomplex, der mit einem aufgeräumten Innenhof<br />

überrascht. Doch Nantes wäre nicht Nantes, hätte man nicht an der<br />

Außenfassade eine lang gestreckte Rutschbahn angebracht.<br />

Wo wir schon mal hier sind, schlendern wir noch ein wenig durch<br />

die City, die eher konventionell daherzukommen scheint. Ein Highlight<br />

ist die Passage Pommeraye. Die glamouröse Einkaufspassage mit<br />

Glasüberdachung und klassizistischer Säulenhalle aus der Mitte des<br />

19. Jahrhunderts verführt auf zwei Ebenen mit schicken Boutiquen<br />

zum Konsum. Doch auch staunende Blicke sind willkommen.<br />

Die setzen wir abermals auf, als wir der Place Royale erreichen,<br />

denn auf dem historischen Mittelpunkt der Stadt steht in diesem <strong>Sommer</strong>:<br />

ein Schiff. Es ist eil des wiederkehrenden Festivals, das die Stadt<br />

während der schönsten Monate des Jahres noch lebensfreudiger<br />

macht. Auf der ehrwürdigen Place Graslin, wo die Oper und das Jugendstil-Restaurant<br />

La Cigale beheimatet sind, ist wie selbstverständlich<br />

eine Skaterbahn aufgebaut.<br />

Das alles ist reichlich fortschrittlich und zukunftsfähig. In diesem<br />

Zusammenhang wundert es nicht, dass Nantes auch seine heikle Vergangenheit<br />

thematisiert. So ist das »Mémorial de l‘abolition de l’esclavage«<br />

ein beeindruckendes Bekenntnis zur eigenen Geschichte als<br />

Umschlaghafen für den Sklavenhandel. Nicht weniger als 1.710 Schiffe<br />

haben vor allem im 18. Jahrhundert den Hafen von Nantes mit Ware<br />

verlassen, die sie in Afrika gegen Sklaven an Bord eingetauscht haben,<br />

um den Weg nach Amerika fortzusetzen – und so zum fragwürdigen<br />

Wohlstand der Epoche beigetragen haben. Das am Nordufer der Loire<br />

unter Straßenniveau gelegene Mahnmal ist ein Ort der inneren Einkehr,<br />

mutig und bedrückend zugleich. Und es setzt ein Ausrufezeichen<br />

für eine bessere Zukunft, an der sich viele andere Städte ein Beispiel<br />

nehmen könnten.<br />

Mit diesem Wissen wenden wir uns wieder leichteren hemen zu.<br />

Wir besuchen die herrliche Markthalle, die hier kein Hipster-Ziel, sondern<br />

Versorgungseinrichtung ist. Und wir schlendern durch die Jardins<br />

Botanique hinter dem Bahnhof. Bald jedoch zieht es uns wieder auf die<br />

Loire-Insel, deren Ost-Hälfte sich als Spielwiese für avantgardistische<br />

Architekten erweist.<br />

Unmittelbar neben der Straßenbahnlinie entdecken wir abermals<br />

eine Lagerhalle, in der die Betreiber ein Vintage-Kaufhaus eingerichtet<br />

haben. Es heißt Le Wattignies und beherbergt kleine Läden für Vinylschallplatten,<br />

antike Designgegenstände und gebrauchte Klamotten.<br />

Davon angefixt, zieht es uns wieder zum Ufer. ber die ischtennisplatten,<br />

die halb rund sind, denen die Ecken fehlen oder die mit Artgenossen<br />

verflochten sind, wundern wir uns kaum noch. So ist das,<br />

wenn das Außergewöhnliche Normalität ist.<br />

INFO<br />

Nantes hat sich in den vergangenen 20 Jahren von einer grauen Maus zu<br />

einer der angesagtesten Städte Frankreichs gemausert. Das Preisniveau<br />

ist moderat, der kreative Input hoch. Zusätzlich zu den etablierten<br />

Attraktionen richtet die Stadt jedes Jahr das <strong>Sommer</strong>-Festival Le Voyage<br />

à Nantes aus. <strong>2022</strong> findet dieses vom 2. Juli bis zum 11. September<br />

statt. www.levoyageanantes.fr<br />

ANREISE<br />

Nantes ist bequem mit dem Zug erreichbar. Ab Paris braucht der TGV nur<br />

etwas mehr als zwei Stunden.<br />

Machines d’Île und Galerie des Machines, Parc des Chantiers,<br />

lesmachines-nantes.fr<br />

HAB Galeri, 21 Quai des Antilles, Eintritt frei. levoyageanantes.fr/<br />

etapes/hab-galerie<br />

Litlle Atlantique Brewery, 23 boulevard de Chantenay, So 11.30-0,<br />

Mo-Mi 12-0 und Do-Sa 12-2 Uhr, little-atlantique-brewery.fr<br />

Jardin Extraordinaire, Boulevard de Cardiff, tgl. 9–19.30 Uhr, Eintritt frei,<br />

jardins.nantes.fr<br />

La Cantine du Voyage, 20 Quai des Antilles, Mo-Fr 12.30–15 und<br />

19-23.30, Sa, So 12-0 Uhr, levoyageanantes.fr/etapes/la-cant<br />

ine-du-voyage-2/<br />

Musée Jules Verne, 3 Rue de l’Hermitage, tgl. 10-13 und 14-19 Uhr,<br />

nantesmetropole.fr<br />

Heb Ken, 5 Rue de Guérande, tgl. 11.45-22.45 Uhr,<br />

creperie-heb-ken.net-lab.fr<br />

19:33 Cocktail Experience, 8 Rue Voltaire , Di-Mi 18-0 und Do-Sa<br />

18-2 Uhr, Instagram@: 19.33cocktailexperience<br />

Château des Ducs de Bretagne, 4 Place Marc Elder, chateaunantes.fr<br />

Passage Pommeraye, Mo-Fr 8-20, Sa-So 9-20 Uhr,<br />

passagepommeraye.fr<br />

Mémorial de l‘abolition de l’esclavage, Quai de la Fosse – Passerelle<br />

Victor-Schœlcher, tgl. 9–20 Uhr Eintritt frei, memorial.nantes.fr<br />

La Cigale, 4 Place Graslin tgl. 7.30-0.30 Uhr, lacigale.com<br />

Le Wattignies, 13 Boulevard des Martyrs Nantais de la Résistance,<br />

Di-Sa 14-19 Uhr<br />

Hotel Oceania, 24 Rue Crébillon, oceaniahotels.com<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

93


Bücher zum<br />

Wegträumen<br />

94<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


LIFESTYLE<br />

Manchmal braucht man gute Geschichten. Geschichten, die einen<br />

mitnehmen in andere Welten. Geschichten, die einen träumen lassen von<br />

fernen Orten, damit die Gegenwart für kurze Zeit einfach ausgeblendet<br />

werden kann. Abtauchen. Charaktere lebendig werden lassen, Landschaften<br />

erträumen. Kurz gesagt: Genau die richtige Zeit für Bücher, die uns mit auf<br />

Reisen nehmen. Uns Spannung, Entspannung, Liebe, Humor und Abenteuer<br />

schenken. Und neugierig machen. <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-Autorin<br />

Simone Sever hat neue Seiten aufgeschlagen.<br />

KARIBIKINSEL MUSTIQUE:<br />

LADY BLAKE UND DAS GRAB IM MEER<br />

Auf die schöne karibische Insel Mustique entführt der<br />

Kriminalroman »Lady Blake und das Grab im Meer«. Wer<br />

sich das Buch bei wolkenverhangenem Himmel schnappt,<br />

der wird die wärmende Sonne der Insel geradezu auf der<br />

Haut spüren, das karibische Meer plätschern hören. In<br />

der Cosy-Crime-Story verschwindet die beste Freundin<br />

der Ziehtochter von Lady Veronica Blake, Hofdame im<br />

Ruhestand. Dann bricht zu allem Überfluss auch noch ein<br />

Tropensturm los und Mustique ist plötzlich und komplett<br />

von der Außenwelt abgeschnitten … Es wird spannend.<br />

Aber mehr sei nicht verraten. Mustique wartet.<br />

Anne Glenconner: Lady Blake und das Grab im Meer.<br />

Rowohlt Verlag, 384 Seiten, € 12<br />

INDIEN: GÖTTER, GURUS UND GEWÜRZE<br />

Zwei Jahre per Anhalter durch Indien. 24 Monate, 21.206<br />

Kilometer, 269 Mitfahrgelegenheiten. »Götter, Gurus und<br />

Gewürze« ist ein spannender Roadtrip mitten hinein in das<br />

Abenteuer Indien, auf den Rochssare Neromand-Soma und<br />

Morten Hübbe ihre Leser mitnehmen. Zugleich ist es aber<br />

auch eine farbenfrohe Einstimmung auf ein sehr widersprüchliches<br />

Land. Wer sich bis jetzt noch nicht getraut hat,<br />

den indischen Subkontinent zu be<strong>reisen</strong>, dem zeigen die<br />

beiden erfahrenen Rucksacktouristen Indien in seiner vollen<br />

Pracht. Mit boomenden Metropolen, abgelegenen Dörfern<br />

im Himalaya, heiligen Stätten und rauschenden Festen. Sie<br />

sind Gäste einer prächtigen Hochzeit in Rajasthan, springen<br />

in die braunen Fluten des Ganges, erleben herzliche Menschen<br />

und einzigartigen kulturellen Reichtum und tauchen<br />

mit jeder Tasse Chai tiefer ein in die Kulturen, Legenden<br />

und Traditionen Indiens. In Indien, so sagen sie, »gibt es so<br />

viele Gegensätze, wie es Götter, Dämonen und Fabelwesen<br />

in der indischen Mythologie gibt«. Ein Land mit so vielen<br />

Gesichtern. Ein Buch mit außergewöhnlichen Geschichten.<br />

Eine fesselnde Reise mit 335 Seiten und ein Muss für Indienfans<br />

und die, die es noch werden wollen.<br />

Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma: Götter,<br />

Gurus und Gewürze. Malik, € 18<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

95


SCHWEDEN: DER SÜSSE<br />

HIMMEL DER SCHWESTERN<br />

LINDHOLM<br />

Dieser Duft der frisch gebackenen<br />

Vaniljhjärtan kitzelt die Nase. Zimt.<br />

Ganz deutlich. Man kann ihn fast auf<br />

der Zunge schmecken. Die Leserschaft<br />

begibt sich auf eine Zeitreise in die<br />

Bäckerei der Schwestern Lindholm,<br />

im Jahre 1936, nach Schweden. Diese<br />

liegt mit Blick aufs Meer am Rande<br />

des Kullabergs an der Skåne-Küste.<br />

Die fünf Schwestern wollen ein Gartencafé,<br />

den Söta Himlen, den Süßen<br />

Himmel, eröffnen, um ihre Gäste mit<br />

den zuckersüßen Leckereien zu verwöhnen,<br />

und dann passieren das Leben<br />

und die Liebe und die Geschichte<br />

nimmt ihren Lauf, immer den Duft der<br />

köstlichen Vaniljhjärtan in der Nase.<br />

Besonders schön: Die Rezepte werden<br />

auch verraten. Einfach zuckersüß.<br />

Andrea Russo: Der süße Himmel der<br />

Schwestern Lindholm.<br />

Rowohlt Verlag, 416 Seiten, € 12<br />

ITALIEN: COMMISARIO LUCA<br />

FLÜSSIGES GOLD<br />

Idyllisch an den weichen Hängen der<br />

Bilderbuch-Toskana liegt das italienische<br />

Städtchen Montegiardino. Hier meint<br />

Commissario Luca, nachdem er seinen<br />

Job in Venedig an den Nagel gehängt hat,<br />

ein wunderschönes Plätzchen für ein<br />

Dolce Vita gefunden zu haben. Er arbeitet<br />

in der perfekten Idylle, ein gelegentlicher<br />

Auffahrunfall vor der Grundschule, viel<br />

mehr gibt es kaum für ihn zu tun, bis …<br />

ja, bis eines trubeligen Markttages mitten<br />

auf der zentralen Piazza eine Olivenbäuerin<br />

angeschossen wird. Vorbei ist es mit<br />

der toskanischen Ruhe und Commissario<br />

Luca muss sich schon bald fragen, ob<br />

vielleicht sogar die Mafia ihre Finger im<br />

Spiel hat. Bei all der Spannung ist dieser<br />

Bella-Italia-Krimi dennoch ein Fenster ins<br />

italienische Dolce Vita und man möchte<br />

am liebsten sofort die Koffer packen und<br />

nach Italien <strong>reisen</strong>.<br />

Paolo Riva: Commissario Luca Flüssiges<br />

Gold, Hoffmann und Campe, 302 Seiten,<br />

€ 16<br />

KONTINENTE ÜBERGREIFEND:<br />

IN ALL DEINEN FARBEN<br />

Bolu Babalola erzählt märchenhafte<br />

Liebesgeschichten der Mythologie.<br />

Etwa wie die aus Tausendundeiner<br />

Nacht, die nun im Hier und Jetzt stattfindet.<br />

Aber Obacht, Männer! Denn in<br />

den Lovestorys der britisch-nigerianischen<br />

Schriftstellerin Bolu Babalolas<br />

geben die Frauen den Ton an. Es sind<br />

starke und selbstbewusste Frauen.<br />

Frauen, die geliebt werden und sich<br />

vor allem auch selbst lieben. Und so<br />

schreiten diese wundervollen weiblichen<br />

Wesen wiegenden Schrittes, mit<br />

kessem Hüftschwung, eingehüllt in<br />

eine Aura aus Macht und Lebensfreude<br />

– als wären sie Gottheiten unter<br />

Sterblichen – durch die wundervollen<br />

und hochromantischen Geschichten.<br />

Man kann gar nicht aufhören, von<br />

diesen Göttinnen zu träumen. Übrigens<br />

fällt schon das kunterbunte Cover so<br />

herrlich ins Auge. Ein Muss für starke<br />

Frauen und hoffnungslose Romantikerinnen<br />

und Männer, denen das gefällt.<br />

Bolu Babalola: In all deinen Farben,<br />

Eisele Verlag, 320 Seiten,<br />

€ 18,99<br />

DIE REISE ZU SICH SELBST:<br />

LECKO MIO. SIEBZIG WERDEN<br />

Helge Timmerberg ist so etwas wie der<br />

Ur-Hippie. Immer war er on the road<br />

sozusagen. Hat zahlreiche Bücher geschrieben<br />

und seine Anhängerinnen und<br />

Anhänger immer wieder aufs Neue in<br />

seinen Bann gezogen. Mit »Shiva Moon«<br />

nahm er seine Leserschaft mit auf eine<br />

Reise durch Indien und in 80 Tagen um<br />

die Welt. Nun ist Helge siebzig. Eine<br />

große Nummer. Und coronabedingt geht<br />

es nicht mehr auf große Weltreise, dafür<br />

nimmt Timmerberg mit auf eine Reise<br />

zu seinen Erinnerungen und dem, was<br />

wohl noch vor ihm liegt. Immer höchst<br />

amüsant und auch schon mal überraschend<br />

ehrlich. Mehr Details möchte ich<br />

nicht verraten. Eines ist jedoch sicher:<br />

Wenn das Alter so amüsant wird, dann<br />

mal los!<br />

Helge Timmerberg: Lecko Mio – Siebzig<br />

werden. Piper Verlag, 192 Seiten, € 20<br />

Illustration: Ardea-studio/Shutterstock.com<br />

96 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

frühjahr 2020


HOTEL<br />

MAMMA mia!<br />

Für Etro-Fans ein wahr gewordener Traum: Das italienische Modehaus,<br />

das für italienischen Stil steht wie kaum ein anderes, hat im Punta Tragara<br />

Hotel auf Capri eine Suite nebst Terrasse designt. So finden sich die Gäste<br />

inmitten von Pastelltönen, Carvalho-Holz, gebürsteter Bronze, Irish-Green-<br />

Marmor und dem ikonischen Paisleymuster als Wanddekoration wieder.<br />

Spätestens wenn man es sich auf der weitläufigen Terrasse mit Wahnsinnsblick<br />

über die wunderschöne Amalfiküste auf den Outdoormöbeln der<br />

Etro-Home-Kollektion gemütlich macht, hat man in Gedanken längst eine<br />

Liste im Kopf, welche der Möbel man definitiv für die heimische<br />

Terrasse braucht. manfredihotels.com<br />

AB NACH<br />

DRAUSSEN<br />

Sie verwandeln jede<br />

Terrasse, den Garten oder<br />

Balkon in einen stilvollen<br />

Rückzugsort mit skandinavischem<br />

<strong>Sommer</strong>nachtsfl air:<br />

Die Seed-Stühle, designt<br />

von Hans Thyge & Co, wirken<br />

mit ihren weichen Formen<br />

einfach und raffi niert<br />

zugleich. Nachhaltig sind<br />

sie zudem, denn die sanft<br />

geschwungene Sitzschale<br />

besteht aus recyceltem<br />

Kunststoff. Mit oder ohne<br />

Armlehnen, in Kieselgrau,<br />

Mokka oder Schwarz<br />

erhältlich und kombinierbar.<br />

Ohne Armlehne, € 295, mit<br />

Armlehne € 354, Bolia.com<br />

Fotos: Danish Bjarke Ingels Group, Bolia.com, etrohomeinteriors.jumbogroup.it<br />

Nestbau der<br />

Superlative<br />

Einnisten geht kaum schöner:<br />

Das berühmte Treehotel in<br />

Nordschweden hat ein neues<br />

schwebendes Zimmer. Das<br />

ist spektakulär. Es heißt<br />

»Biosphäre« und besteht aus<br />

einem würfelförmigen Baumhaus,<br />

dessen Fassade mit etwa<br />

340 Vogelhäusern verziert ist.<br />

Das Highlihgt: Die private<br />

Dachterrasse mit einer<br />

sagenhaften Aussicht.<br />

Kate Moss und Justin<br />

Bieber relaxten bereits<br />

im Treehotel.<br />

treehotel.se<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

97


HOTEL<br />

text<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

7132 – DER CODE<br />

ZUM GLÜCK<br />

Schönheit, so wurde es mir heute von Richard David Precht<br />

bewusst gemacht, ist so besonders, weil sie so selten ist.<br />

Warum mir das genau bei diesem Hotelprojekt einfällt,<br />

das den Namen der Postleitzahl trägt?<br />

Na, seht selbst!<br />

7132 Vals, Schweiz<br />

98


Die vier Ziffern zum Glück --- sind nicht grundlos<br />

gleich eine ostleitzahl. Immerhin erstreckt sich das Hotel-rojekt<br />

in der Schweiz also den richtigen Namen dafür<br />

muss ich auch noch finden gleich über das gesamte<br />

rtchen als, das so malerisch eingebettet in der Bergwelt<br />

Graubündens liegt.<br />

Wer es sich aussuchen kann, sollte tagsüber an<strong>reisen</strong>, um die<br />

wunderbare anoramafahrt hinauf wirklich genießen zu können.<br />

Und wer, ganz unwissend, in der kleinen .000-Seelen-Gemeinde ankommt,<br />

erwartet wahrscheinlich kaum, dass sich hier ein architektonisch<br />

hochklassiges Hotelensemble befindet. Sagen wir so, von der<br />

Straße aus lässt es sich auch nicht vermuten. Man muss sich schon<br />

hineinwagen, in die Welt des . Architekturfans aus aller Welt <strong>reisen</strong><br />

ins beschauliche als, um die Schaffenskunst großer Namen zu<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

99


HOTEL<br />

Erst Vorlieben checken, dann an<strong>reisen</strong>. Entweder Design-Highlight im House of Architects oder lieber Wellbeing in der Spa-Suite im 7132 Hotel.<br />

100<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


Tiefgang: einzigartig,<br />

puristisch, wohltuend<br />

und ein Erlebnis. Mit<br />

dem Gebäude der<br />

Therme Vals hat Peter<br />

Zumthor ein Kunstwerk<br />

erschaffen.<br />

herbst 2020<br />

101


HOTEL<br />

ABER, ACHTUNG!<br />

WER SICH HIER DEM KÄSEFONDUE WIDMET,<br />

KANN HÖCHSTWAHRSCHEINLICH KEINEN<br />

NACHT-THERMEN-BESUCH EINPLANEN.<br />

bewundern. Es gibt zwei Hotelkomplexe nebeneinander. Einmal das<br />

Design-Hotel House of Architects. ier international renommierte<br />

Architekten durften sich hier verwirklichen: eter Zumthor, adao<br />

Ando, hom Mayne und Kengo Kuma. Dabei sind Zumthor, Ando und<br />

Mayne ritzker-reisträger. Wer es nicht weiß, das sind die Oscars der<br />

Architekturszene. Alle Zimmer dieses Hotelkomplexes haben mit<br />

0 uadratmetern dieselbe Größe. Dementsprechend spannend ist es<br />

zu beobachten, wie die unterschiedlichen Designs und Herangehensweisen<br />

ihre Wirkung auf den immer gleichen Raum entfalten. Wer<br />

also Architektur liebt, der sei herzlich dazu eingeladen, einen steten<br />

Zimmerwechsel vorzunehmen. Es verändert die erspektive, wenn<br />

nicht sogar die Art des Urlaubens. Höchst spannend. Und keine Sorge:<br />

Dieser Wunsch, in verschiedenen Architektenzimmern zu logieren,<br />

kommt hier recht häufig vor.<br />

Erste Berühmtheit erlangte als durch seinen Wellnessfaktor.<br />

Schließlich gibt es hier eine legendäre hermaluelle. Die St. etersuelle,<br />

aus der das stark mineralisierte Wasser bei einer emperatur<br />

von 0 Grad Celsius strömt, zieht seit über 00 ahren Badegäste an.<br />

Mitte der 0er-ahre widmete sich dann eter Zumthor einem<br />

neuen Bad, das dank seines außergewöhnlichen Erscheinungsbilds<br />

weltberühmt wurde. Das monolithische Gebäude aus rohem Beton<br />

und 0.000 alser uarzitblöcken ist eine Hommage an das alsertal.<br />

Wer hier verweilt, bekommt das Gefühl, entweder in einem Steinbruch<br />

zu baden oder gleich in einer Höhle. Kommt ganz auf das Becken an.<br />

Und auch die herme als ist ein Mekka für Architektur- und Designliebhaber.<br />

Sie teilt sich in sechs Bäder, vom Eisbad mit Grad bis<br />

zum Feuerbad mit Grad. Für Wow-Momente sorgt das Außenbad<br />

mit – je nach ahreszeit – bis zu Grad warmem Wasser. Es lädt an<br />

drei agen in der Woche auch nachts zum Floaten unter freiem Himmel<br />

ein. Allerdings ist das Gefühl, dort zu verweilen, auch ein ganz anderes.<br />

Beueme Kuschelliegen sucht man hier vergebens. Die Optik wird bis<br />

ins kleinste Detail durchgehalten. So sind die Liegen karg und puristisch<br />

und sorgen sicherlich nicht dafür, sich dort stundenlang zu erholen.<br />

Dann doch eher ab ins ESA Spa – mit sieben Behandlungsräumen<br />

und einem Wassermassageraum. Einige der Signaturetreatments<br />

nehmen Bezug auf die alser Landschaft, und so werden zum Beispiel<br />

alser uarzitsteine als Hot Stones verwendet.<br />

Auch im gastronomischen Bereich ist das immer für eine berraschung<br />

gut. Es gibt ein Sternerestaurant, eine izzeria, ein uriges<br />

Restaurant und ein Restaurant mit zeitlosen Klassikern.<br />

Mitja Birlo leitet das Gourmetrestaurant Silver. Der gebürtige Deutsche<br />

kreiert das auf den eller, was Zumthor in der Architektur tut.<br />

Beide orientieren sich an der Umgebung und beziehen die fantastische<br />

Landschaft rund um als in ihre Kunst mit ein. Und so hat sich Birlo<br />

mit viel alent und Experimentierfreudigkeit an die internationale<br />

Spitze gekocht. Dabei beschenken einen die Gerichte mit wahren Geschmacksexplosionen.<br />

Das darf man sich einfach nicht entgehen lassen.<br />

Doch was mich richtig begeistert hat, ist weit weg von fancy. Im<br />

Glenner, mitten im schnuckeligen rtchen, werden traditionelle<br />

Spezialitäten serviert. Ob bei Bündner Gerstensuppe oder dem<br />

Glenner Fondue-Menu, Besucher und Einheimische treffen sich zum<br />

gemütlichen Beisammensein. Die einfache Küche mit rodukten in<br />

bester ualität aus der hauseigenen Metzgerei und die Nusstorte aus<br />

der Konditorei überzeugen auch anspruchsvolle Gourmets. Aber,<br />

Achtung Wer sich hier dem Käsefondue widmet, kann höchstwahrscheinlich<br />

keinen Nacht-hermen-Besuch einplanen. Aus Müdigkeit<br />

oder schlichtweg wegen der Gefahr, aufgrund der Schwere des Magens<br />

unterzugehen. Denn – weil es so genial gut schmeckt – isst man mehr,<br />

als man möchte<br />

Zu guter Letzt muss ich noch einen kleinen Wandertipp loswerden.<br />

Die Landschaft ist einfach zu umwerfend, um sie nicht in vollen<br />

Zügen zu genießen. Wer mag, kann beim hema Architektur bleiben<br />

und zu den Ferienhäusern von eter Zumthor in Leis einen Ausflug<br />

machen. Dazu empfehle ich die our Moos–Leis–als. Am besten gemütlich<br />

hochfahren und entspannt hinabwandern ins . Die ostleitzahl<br />

zum Glück.<br />

INFO<br />

7132 Hotelensemble. 7132 Vals, Schweiz, Tel. +41 58 7132 000<br />

Eine Übernachtung im 7132 Hotel kostet ab € 580 für zwei<br />

Personen im DZ inkl. Frühstück und freiem Eintritt in die Therme.<br />

Das 7132 House of Architects empfängt Gäste ab € 367 pro DZ<br />

inkl. Frühstück und freiem Thermeneintritt. 7132.com/de<br />

Fotos: Global Image Creation/Jeremy Mason McGraw (4), Jennifer Latuperisa-Andresen (2), Kapreski/Shutterstock.com<br />

102 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


ANZEIGE ANZEIGE<br />

Nehmen Sie sich eine gesunde Auszeit:<br />

Bad Griesbach lockt mit heilkräftigem Thermalwasser und viel Bewegung an der frischen Luft<br />

Fotos: Gäste- & Kur-Service Bad Griesbach/Pedagrafie<br />

Die drei Quellen, die die Thermenlandschaft in Bad Griesbach mit kostbarem<br />

Nass versorgen, sprudeln heilendes Thermal-Mineralwasser aus<br />

rund 1.500 Metern mit bis zu 60 Grad Celsius an die Oberfläche. Wer<br />

Ruhe und Erholung sucht und seiner Gesundheit etwas Gutes tun will,<br />

ist in der modern und hell gestalteten Wohlfühl-Therme genau richtig.<br />

Der Aufenthalt im Thermalwasser mit seinem hohen Fluoridgehalt und<br />

der Kombination aus wirksamen Inhaltsstoffen regt die Durchblutung an,<br />

entspannt sämtliche Muskeln, entsäuert das Bindegewebe und aktiviert<br />

den Zellstoffwechsel. Zusätzlich strömt im anerkannten Luftkurort Bad<br />

Griesbach mit jedem Atemzug frische Luft in die Lungen und sorgt dort<br />

für eine Sauerstoffdusche!<br />

Hier im Rottal prägen Felder und Wälder, Obstwiesen und bezaubernde<br />

kleine Ortschaften die Region um Bad Griesbach. Anstiege auf Kuppen<br />

und Hänge belohnen Wanderer und Radfahrer mit den schönsten Panoramablicken,<br />

die bis in die Alpen und in den Bayerischen Wald reichen.<br />

Das neu strukturierte Wanderwegenetz mit 242 Kilometern führen Wan-<br />

derer und Nordic Walker auf 26 aussichtsreichen Touren durch die sanft<br />

hügelige Landschaft. Zudem bietet sich fast ganzjährig die Gelegenheit,<br />

das abwechslungsreiche Rottal und die ganze Region bis Inn und Donau<br />

mit dem E-Bike zu erkunden.<br />

Europas größtes Golfresort rund um Bad Griesbach zeigt sich überaus<br />

vielseitig: Die Golfanlagen des Quellness Golf Resorts und des traditionellen<br />

Golfclubs Sagmühle bieten für Anfänger, Genussgolfer und Pros<br />

jeweils genau das Richtige. Die fünf 18-Loch-Meisterschaftsplätze des<br />

Quellness Golf Resorts und der Golfplatz Sagmühle bilden die topografischen<br />

Besonderheiten des Rottals vielfältig erlebbar ab.<br />

Nehmen Sie sich Zeit, wir kümmern uns um den Rest!<br />

INFO<br />

Gäste- & Kur-Service Bad Griesbach<br />

Kurallee 8, 94086 Bad Griesbach, Tel. 08532 792-40<br />

info@badgriesbach.de, www.badgriesbach.de<br />

103


HOTEL<br />

text<br />

Jan Malte Andresen<br />

EIN BESUCH ZU HOFE<br />

Berge. Da hätte ich jahrelang behauptet – das ist nicht meins.<br />

Doch nun bin ich Fan. Die Aussicht so majestätisch, die Küche<br />

so grandios, die Natur so phänomenal. Und welche<br />

Reise hat mich umgestimmt? Eine Reise nach Maria Alm<br />

in die wunderschöne Hochkönigin.<br />

104


DIE HOCHKÖNIGIN – MOUNTAIN RESORT Österreich<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

105


HOTEL<br />

Von jedem Zimmer, Balkon oder der Terrasse aus hat man den Blick<br />

auf Dorf und Alm und das eindrucksvolle Massiv des Hochkönigs,<br />

das sich dahinter auftürmt.<br />

Fotos: Hochkönigin/Lorenz Masser (4), Hochkönigin/Michael Huber/Huber Fotografie, Jan Malte Andresen, Kapreski/Shutterstock.com<br />

106


Naturkino zum Aperitif: Die<br />

Liebe zum Resort ist bei dem<br />

Wohfühlfaktor und dem<br />

Panorama schnell entfacht.<br />

Schon die Anreise lässt mich den Stress der letzten Tage<br />

vergessen. Kaum fahre ich über die deutsch-österreichische<br />

Grenze, ist die Urlaubsstimmung auf 110 Prozent.<br />

Die Fahrt geht durch eindrucksvolle Täler, vorbei an saftigen<br />

Wiesen und stimmungsvoll gezuckerten Gebirgsketten.<br />

Mit einem Mal wird das Tal noch ein bisschen weiter, und ich bin<br />

in Maria Alm.<br />

Wie oft behaupten Hotels in ihrer Werbung, bei ihnen könne man<br />

sich »wie zu Hause fühlen«. Und wie oft stimmt das nicht! Hier jedoch<br />

passiert das Gegenteil: Die kommenden Tage fühle ich mich wie<br />

ein waschechter Maria Almer. Kaufmann, Wirtshaus, die schnuckelige<br />

Kirche, Freiwillige Feuerwehr, Grundschule und Talstationen der Bergbahnen<br />

sind gefühlt nur einen Steinwurf entfernt. Und mittendrin:<br />

mein Hotel.<br />

Vorne klassisches Chalet, das seit Generationen in Familienbesitz<br />

ist. Dahinter: moderner Neubau. Mit viel Geschick, Liebe und Leidenschaft<br />

haben die vier erwachsenen Kinder der Familie Hörl Tradition<br />

und Moderne verbunden und ein schickes Resort in diese Dorfidylle<br />

geholt. Nach der herzlichen Begrüßung am Check-in bin ich nicht mehr<br />

nur Maria Almer, sondern fühle mich auch ein wenig wie ein Familienmitglied.<br />

Irgendeine oder irgendein »Hörl« läuft dir immer wieder<br />

über den Weg und gibt dir das wunderbare Gefühl, hierher zu gehören.<br />

Und dieses Gefühl gilt nicht nur für mich! Familien mit Kindern<br />

urlauben hier liebend gern, genauso wie Paare. In der Wintersaison<br />

freuen sich die Wintersportler darüber, dass sie von der Hochkönigin<br />

aus direkt auf die Pisten der Ski amadé gelangen, einem der größten<br />

Skigebiete Österreichs. Wenn kein Schnee liegt, ist das Hotel perfekter<br />

Ausgangspunkt für Wander- und Fahrradtouren oder Ausflüge mit den<br />

Kindern zu den nahe gelegenen <strong>Sommer</strong>bahnen.<br />

Überhaupt, die Kinder! Der Hochkönigin gelingt, was viele Hotels<br />

nicht schaffen. Sie ist Familienhotel, ohne kinderlose Gäste – ob<br />

sie wollen oder nicht – in einen Lärmpegel-und-Hähnchennuggets-am-Buffet-Mix<br />

hineinzuziehen. Wer es etwas ruhiger haben<br />

möchte, bekommt einen Tisch im separaten Restaurantbereich. Und<br />

wenn es den Kleinen im Familienrestaurant zu langweilig wird, steht<br />

im Untergeschoss eine komplette Kletter- und Tobewelt für sie zur<br />

Verfügung. So hat doch jeder etwas von einem gelungenen Urlaub.<br />

Sich wie zu Hause fühlen und schlecht schlafen? Das würde<br />

nicht zusammenpassen. Also: Ja, ich habe sehr gut geschlafen! Die<br />

Betten hochwertig, die Zimmer modern und schön: mit Holzfußboden,<br />

Relax-Chair und – was das Schönste ist – dem puren Naturkino<br />

vor dem Fenster. Von jedem Zimmer, Balkon oder der Terrasse hat<br />

man den Blick auf Dorf und Alm und das eindrucksvolle Massiv des<br />

Hochkönigs, das sich dahinter auftürmt. Und wer es mag: Manche<br />

Zimmer haben eine eigene Sauna oder gleich einen ganzen privaten<br />

Spa-Bereich.<br />

Apropos Spa: Das neue Spa auf dem Dach der Hochkönigin könnte<br />

auch nur ein Zimmerlein groß sein. Der Blick durch große Fenster<br />

auf Alm und Berge verleiht enorme Größe und gibt dir im Bademäntelchen<br />

ein Gefühl von Weite und Freiheit. Deswegen heißt dieser<br />

Wellnessbereich auch Nature Spa. Selbstredend ist es viel, viel größer<br />

als nur ein Zimmerchen. Auf 2.000 Quadratmetern gibt es diverse<br />

Ruhebereiche, acht Saunen und vier Pools, von denen der 17 Meter<br />

lange Infinity-ool auf dem Dach den entspanntesten Logenplatz auf<br />

die Berge bereithält. Zutritt haben alle ab 16, für Kinder gibt es das separate<br />

Family-Spa mit Hallenbad. Danach vielleicht die Erlebnis-Kindermassage<br />

für »zarte Kinderhaut«, während Mama und Papa bei der<br />

Salzburger Wadlmassage oder der Hochkönigin Spezial darauf hoffen,<br />

wieder zarte Kinderhaut zu bekommen.<br />

Darf ich denn mit vollem Bauch ins Spa? Denn ehrlich gesagt, ist<br />

es fast schwierig, diesen hier nicht zu haben. Beim ersten Frühstück<br />

werde ich gewarnt. Ich solle mich nicht wundern, das Omelett in der<br />

Hochkönigin habe einen leichten Grünstich. Die eierspendenden Hühner<br />

seien ja auch mit grünem Gras gefüttert worden. Auch beim Essen<br />

zahlt sich für den Gast aus, dass die Hörl-Hoteliers vier Kinder auf<br />

die Welt gebracht haben. Ein Sohn führt den eigenen Bio-Hof, sein<br />

Bruder ist der Küchenchef. Familiäres Teamwork, das sich auf Tellern<br />

und am Gaumen positiv bemerkbar macht. Man schmeckt die Qualität<br />

und Frische, und jedes der abendlichen Vier-Gang-Menüs gibt einem<br />

das gute Gefühl, mindestens ein bis zwei Stück Österreich geschmeckt<br />

zu haben.<br />

Und hier ist es wirklich leicht, sich in Österreich zu verlieben. Jeden<br />

Tag das Naturkino vor dem Fenster. Jeden Tag wird ein neuer Film<br />

dafür gedreht. Mal bin ich Statist, mal Hauptdarsteller. Betrachte das<br />

Ergebnis schier ungläubig – mit Wanderschuhen auf der Alm, im ool<br />

auf dem Hoteldach oder auf dem Mountainbike, während ich mutig<br />

den auch für Anfänger – puh – angelegten Flowtrail hinabsause. Bis<br />

quasi direkt vor die Hochkönigin.<br />

Und die Hochkönigin, das steht fest, habe ich nicht zum letzten<br />

Mal bei Hofe besucht. Ganz im Gegenteil. Ich gehöre doch dazu! Oder<br />

etwa nicht?<br />

INFO<br />

die HOCHKÖNIGIN – Mountain Resort. Hochkönigstraße 27,<br />

5761 Maria Alm, Tel. +43 6584 7447, hochkoenigin.com<br />

A b € 145 p. P. die Nacht inkl. Frühstück, Snackbuffet ab 14 Uhr<br />

und Sechs-Gang-Menü am Abend.<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

107


HOTEL<br />

text<br />

Susanne Pahler<br />

ALLGÄUER<br />

ACHTSAMKEIT<br />

Unsere Autorin Susanne Pahler war über alle Berge –<br />

im Hubertus Mountain Refugio Allgäu im Dörfchen Balderschwang.<br />

Dort machte sie nicht einfach nur Wellnessurlaub,<br />

sondern begab sich auf eine Reise für Körper und Geist.<br />

»HolisticLife« nennt sich das hoteleigene, ganzheitliche<br />

Wohlfühlkonzept. Und das wirkt tatsächlich<br />

herrlich nachhaltig.<br />

HUBERTUS MOUNTAIN REFUGI0 Allgäu<br />

108


Natürlich ess’ ich!<br />

HolisticFood-Coach<br />

Gabriel Simòn Pinero<br />

bringt den Gästen<br />

näher, was eine<br />

natürliche und<br />

gesunde Ernährung<br />

ausmacht.<br />

Es gibt diese Orte, die dem Leben eine neue Richtung geben.<br />

Vielleicht in Indien, auf Bali, in Neuseeland. Und ziemlich<br />

sicher auch in Balderschwang, einem 350-Seelen-Dorf auf<br />

1.044 Metern. Denn hier ist seit mehr als 70 Jahren ein<br />

ganz besonderes Retreat zu Hause: das Hubertus Mountain<br />

Refugio Allgäu. Sicher, man könnte dort auch einfach nur zum Wellnessen<br />

einchecken. Aber dann würde man das HolisticLife-Konzept<br />

versäumen, das diese Unterkunft so besonders macht: Damit berührt,<br />

verändert, wirkt ein Aufenthalt nachhaltig auf Körper und Geist, selbst<br />

wenn man das abgeschiedene Hochtal längst wieder verlassen hat.<br />

BIN ICH IN DEN ROCKIES, ODER WAS?!<br />

Schon die Anreise ist alles außer gewöhnlich: Erst seit 60 Jahren<br />

kommt man von der deutschen Seite aus mit dem Auto hoch, über<br />

den 16 Kilometer langen Riedbergpass, dem höchsten befahrbaren<br />

Gebirgspass Deutschlands, der sich auch irgendwo die Rocky Mountains<br />

hochschlängeln könnte. Oben dann ruhige, flache Weite, eingerahmt<br />

von lang gezogenen Gipfeln, die ganz hinten schon zu Österreich<br />

gehören, dazwischen das kleine Dorf mit dem nadelspitzen<br />

Kirchturm – und dem Hubertus Mountain Refugio Allgäu: honigfarbene<br />

Schindeln und geschichtete Holzscheite an der Front, drinnen<br />

Holzschemel, Holzbänke und stellenweise knarziger Holzboden, dazu<br />

gemütliche Felle, getrocknete Kräutersträuße, ein hängender Garten<br />

voller Grünpflanzen.<br />

In den Zimmern: regionale Materialien wie Leinen und Holzdielen,<br />

Details aus Wurzeln oder Stein, eine Wärmflasche an der Garderobe,<br />

ein Schaffell, eine oga-Matte. Mich umfängt augenblicklich ein warmes<br />

Gefühl der Geborgenheit, als ich erst mal alles liegen lasse, mir<br />

eine Tasse würzigen Tee mache, der zum Selbstbrühen bereitsteht, und<br />

vom Sofa über meine kleine Terrasse hinweg zum Pool und Spa blicke.<br />

Dieses Haus macht sofort etwas mit mir – wegen der magischen Lage,<br />

der reinen Natur rundherum und natürlich wegen der Gastgeberinnen<br />

und Gastgeber, die sich seit Jahrzehnten viele Gedanken machen, um<br />

ihren Gästen ein Stück gutes Leben mit auf den Weg zu geben.<br />

NEUE ENERGIE DURCH ACHTSAMKEIT<br />

Hausherrin Christa raubel etwa, die als Heilpraktikerin sowie ogaund<br />

Ayurveda-Therapeutin das HolisticLife-Konzept entwickelt hat.<br />

Dahinter stecken vier Säulen – HolisticFood, HolisticSleep, Holistic-<br />

Touch und HolisticSpirit –, die sich an den Jahreszeiten orientieren<br />

und mir helfen sollen, mit mir in Einklang zu kommen, verlorene<br />

Energie wiederzugewinnen, neue Kraft zu schöpfen. Man könnte das<br />

auch als Achtsamkeit bezeichnen, die man im Allgäu schon lange lebt:<br />

Viele Menschen hier sind tief mit der Natur verwurzelt, erhalten traditionelle<br />

Heilverfahren am Leben oder finden hier den Spirit, den sie<br />

anderswo schon lange gesucht haben.<br />

So wie Gabriel Simòn Pinero, der in Mexico City aufwuchs, mit 17<br />

Jahren begann, durch die Welt zu <strong>reisen</strong> und – nachdem ihn das Leben<br />

als gelernter Buchbinder nicht glücklich genug machte – schließlich<br />

hier seine Bestimmung gefunden hat: Als HolisticFood-Coach<br />

bringt der 63-Jährige den Gästen mit uraltem fernöstlichen Wissen<br />

sommer <strong>2022</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

109


HOTEL<br />

bei, was gute Ernährung ausmacht. Und startet mit einem geschmacklichen<br />

BMM: Ein eelöffel mit Rosenmarmelade öffnet meine Geschmacksknospen<br />

wie die Morgensonne eine Blüte. »Das bringt dich<br />

in einen bewussten Zustand, erklärt er – und der ist gut, denn beim<br />

Essen geht es darum, herauszufinden: Welches Essen tut mir gut<br />

»Wichtig ist, dass du keine Fälschungen isst, sondern möglichst einfache,<br />

biologische Nahrung. Andernfalls essen wir zu viel, weil wir<br />

keine Befriedigung finden. Und warm sollte das Essen sein, gerade<br />

morgens und abends: »Wärme macht zum Beispiel unser Gehirn und<br />

unsere Faszien flexibler. Schließlich entwickelte sich die Sprache und<br />

der aufrechte Gang erst, nachdem das Feuer entdeckt wurde und der<br />

Mensch anfing zu kochen.<br />

Das Mittagessen darf dann die größte, kompletteste Mahlzeit sein.<br />

Im Hotel jedoch ist das definitiv das mehrgängige Abendmenü Küchenchef<br />

Kristian Knölke könnte auf Sterneniveau kochen, mag sich<br />

den Stress aber nicht antun – und füllt die Teller beim abendlichen<br />

Vier-Gang-Gourmet-Menü natürlich trotzdem mit regionalen Zutaten<br />

auf höchstem Niveau. HolisticSleep Mit so viel Glück im Bauch ist<br />

das nicht schwer. Auch wenn natürlich die Boxspringbetten, die guten<br />

Kissen und das holzige Raumklima ihr Übriges tun …<br />

DEN SCHMERZ EINFACH WEGBEWEGEN<br />

Den nächsten Tag könnte ich mir mit HolisticSpirit-Angeboten wie<br />

oga, igong oder Klangschalen-Meditation verschönern. Mit dem<br />

jungen Hausherrn Marc Traubel oder seinem Vater Karl zu einer Sonnenaufgangswanderung<br />

oder einer Langlauftour mitkommen. Kräuterspaziergang,<br />

Kaffee-Workshop, Wein- oder ee-Degustation – auch<br />

das wäre möglich. Ich verbringe den Vormittag stattdessen bei Markus<br />

im Behandlungsraum und erlebe, was HolisticTouch bedeutet:<br />

Hier gehen die Therapeutinnen und Therapeuten ganz konkret auf<br />

den aktuellen Zustand der Gäste ein. »Ich könnte dich jetzt einfach<br />

massieren«, sagt er zu mir. »Ich würde dir aber was anderes vorschlagen«,<br />

sagt er und spiegelt mir, wie ich gerade vor ihm stehe: komplett<br />

schief, eingeknickt, alles andere als aufrecht. Mist, erwischt. Statt wie<br />

eigentlich erwartet, durchgeknetet zu werden, liege ich also auf dem<br />

Rücken, Markus drückt in meine Hüftbeuger, danach rotiere ich meine<br />

Hüftgelenke mit angewinkeltem Knie. Ich bekomme noch einige<br />

andere simple Übungen gezeigt, die ich alle zwei, drei Tage zwölf Minuten<br />

lang machen soll. Nach einer knappen Stunde verlasse ich den<br />

Behandlungsraum – und bin fast ein neuer Mensch, denn meine quälenden<br />

Rücken- und Schulterschmerzen sind einfach: weg.<br />

Danach gehe ich nicht ins Spa, ich schwebe Nachdem im anuar<br />

2019 just am Hang hinter dem Wellnessbereich eine gewaltige Lawine<br />

abging, ist es übrigens erst im <strong>Sommer</strong> 0 wiedereröffnet worden.<br />

Denn das gewaltige Grollen endete damals mit einer Druckwelle<br />

durchs ganze Haus, zwei Etagen waren komplett voller Schnee, Türen<br />

aus den Rahmen gedrückt, Mauern um Zentimeter verschoben. Wie<br />

durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Heute ist der Schneeschutz<br />

mit Fangzäunen und Betonmauer am Hang zwar nicht besonders<br />

hübsch, doch dafür steht jetzt ein sehr lawinensicheres, neues<br />

Spa am selben Ort.<br />

ABHÄNGEN IM WOHLFÜHLTEMPEL<br />

Mehr als .500 uadratmeter groß ist es, das ist ziemlich viel Zwischen<br />

der klaren Holzoptik verbergen sich unter anderem drei Saunen,<br />

ein Outdoor-Onsenbecken mit 0 Grad warmem Wasser, Infinity ool<br />

und Sonnenterrasse, Hängeschaukeln in diversen Ruheräumen sowie<br />

verschiedene oga- und Behandlungsräume. Ein echter Wohlfühltempel.<br />

Und der perfekte Ort für mich, um meiner kleinen Neufindung<br />

nachzuspüren. Wieder zu Hause, weiß ich ein paar Wochen später<br />

noch genau, wie sich das angefühlt hat. Und deshalb muss ich jetzt<br />

auch los. Erst auf die Matte, um Hüfte und Co. zu k<strong>reisen</strong>, dann in die<br />

Küche, um mir ein warmes Essen zu machen. Dazu werde ich mir die<br />

Sicht auf die Berge und das wohlige Gefühl aus dem Hubertus ins Gedächtnis<br />

zurückrufen – und dieses neue, gute Stück Leben genießen.<br />

INFO<br />

Hubertus Mountain Refugio Allgäu. Dorf 5,<br />

87538 Balderschwang, Tel. +49 8328 9200, hotel-hubertus.de<br />

REISEZEIT<br />

Vor rund 150 Jahren schrieb ein Pfarrer: »In Balderschwang ist es<br />

3/4 Jahr Winter und 1/4 Jahr kalt.« Auch rund 150 Jahre später<br />

ist der Ort sehr schneesicher – und dazu mit im Schnitt täglich<br />

7,4 Stunden Sonne auch mit viel Licht beglückt.<br />

ANREISE<br />

Mit der Bahn bis Fischen im Allgäu oder mit dem Bus bis Hittisau,<br />

dann per Hoteltransfer für € 20 bzw. € 10 weiter ins Hubertus<br />

Mountain Refugio Allgäu. Der Flughafen Friedrichshafen ist rund<br />

90 Autominuten entfernt, der Flughafen München rund 2,5 Stunden.<br />

UNTERKUNFT<br />

Doppelzimmer kosten im Hubertus Mountain Refugio Allgäu ab<br />

€ 340, bei einem Mindestaufenthalt von drei Nächten. Dabei ist<br />

vieles inklusive, darunter: die Nutzung des ganzen Spas, ein Treatment<br />

nach Wahl, die umfangreiche Kulinarik inkl. Frühstück bis<br />

11.30 Uhr, Lunchbuffet, Nachmittagskaffee, Vier-Gang-Dinner und<br />

Käsebrett, Nutzung des ruhigen Co-Working-Space sowie kostenloses<br />

Leih-Equipment (u. a. Rodel, Schneeschuhe, Wanderstöcke,<br />

Rucksack).<br />

Fotos: HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu (4), Susanne Pahler, Günter Standl/www.guenterstandl.de, Kapreski/Shutterstock.com<br />

110 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2022</strong>


Ein echter Wohlfühltempel. Und der perfekte Ort für mich,<br />

um meiner kleinen Neufindung nachzuspüren.<br />

herbst 2020<br />

111


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AUF REISEN!<br />

<strong>Sommer</strong> <strong>2022</strong><br />

Alpenhotels<br />

Bahamas<br />

Marokko<br />

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Seychellen<br />

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112


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SKANDINAVIEN<br />

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Finnland und Norwegen. 208 Seiten, Gräfe und<br />

Unzer Verlag.<br />

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sommer <strong>2022</strong>


CHECKOUT<br />

Impressum<br />

AB NACH FLOW-RENZ<br />

Es duftet nach Espresso und Coolness. Wie Coolness riecht? Ja, so wie Hipness, die sich<br />

nun dank des 25hours Hotel Piazza San Paolino im Herzen von Florenz befindet. Wer das<br />

Haus betritt, weiß direkt Bescheid. Hier wohnen Trendsetter. Das 25hours liegt in einem<br />

authentischen und weniger bekannten Viertel von Florenz, etwas abseits der Touristenströme.<br />

Fußläufig vom Bahnhof erreichbar, auf der Rückseite des Museo del Novecento,<br />

nimmt das 25hours Hotel einen ganzen Block zwischen der eleganten Antiquitätenstraße<br />

Via dei Fossi und der beliebten Via Palazzuolo ein und verbindet zukünftig zwei Viertel,<br />

die bisher wenig Berührung miteinander hatten. Das Hotel hat seinen zentralen Kern von<br />

66 Zimmern im ursprünglichen Kloster neben der gleichnamigen Kirche San Paolino. Den<br />

antiken Räumen wurde neue kreative Energie eingehaucht. Den historischen Kern ergänzt<br />

ein neues Nebengebäude mit weiteren 104 Gästezimmern mit Balkonen sowie die Casetta<br />

del Giardino, ein kleines Apartment mit privatem Garten und Pool.<br />

Das Design des Hotels durch die Mailänderin Paola Navone und ihr Team wurde inspiriert<br />

von Dantes Göttlicher Komödie und steckt voller Anspielungen auf dieses Werk: Szenen<br />

aus der Hölle und dem Paradies wechseln sich spielerisch ab und führen zwischen<br />

Tugenden und Lastern durch Dantes Welt. Das Herz des Hotels ist, wie sollte es anders<br />

sein, wir sind in Italien, das Restaurant San Paolino. Hier werden Köstlichkeiten aus ganz<br />

Italien unter der riesigen Glaskuppel atmosphärisch serviert. Darum herum reihen sich<br />

ein grüner Innenhofgarten und selbstverständlich gibt es auch eine erstklassige Bar.<br />

Wir verlosen zwei Nächte inklusive Frühstück in dieser wunderschönen<br />

Stadtoase. Für die Teilnahme am Gewinnspiel beantwortet bitte eine<br />

Frage unter <strong>reisen</strong>exclusiv.com/25hours-in-Mailand<br />

Einsendeschluss ist der 15. September <strong>2022</strong>.<br />

Fotos: PR (2)<br />

erscheint viermal im Jahr bei der<br />

ella Verlag und Medien GmbH<br />

Emil-Hoffmann-Str. 55–59<br />

50996 Köln<br />

Tel.: 02236 84880<br />

Fax: 02236 848824<br />

info@<strong>reisen</strong>exclusiv.com<br />

www.<strong>reisen</strong>exclusiv.com<br />

Chefredakteurin<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

Art Director<br />

Alessandro Riggio<br />

Redaktion<br />

Ulrike Herder, Linda Ruckes,<br />

Frank Störbrauch, Marie Tysiak<br />

Mitarbeitende dieser Ausgabe<br />

Jan Malte Andresen<br />

Andreas Dauerer<br />

Ralf Johnen<br />

Susanne Pahler<br />

Simone Sever<br />

Ala Zander<br />

Anzeigenleitung<br />

Susanne Gorny, sg@ella-verlag.com<br />

Anzeigen<br />

Andrea Vogel, av@ella-verlag.com<br />

Marketing & Kooperationen<br />

Claudia Scholz, cs@ella-verlag.com<br />

Korrekturen<br />

Bärbel Philipp, textperlen.de<br />

Dokumentation<br />

Anna Fuchs<br />

Titelbild mrmrsporter.com<br />

Druck Bonifatius, Paderborn<br />

Vertrieb<br />

VU Verlagsunion KG, Hamburg<br />

114<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Wir haben<br />

die Schnauze voll.<br />

Hilf unseren Meeren mit deiner Spende: wwf.de/plastikflut<br />

Der WWF arbeitet weltweit mit Menschen, Unternehmen und Politik zusammen, um die Vermüllung der Meere zu stoppen.<br />

Hilf mit deiner Spende! WWF-Spendenkonto: IBAN DE06 5502 0500 0222 2222 22


Menschen, Landschaften, Wildlife, Kultur<br />

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Der Blog mit allen wichtigen Infos zum<br />

schönsten Land der Welt<br />

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