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reisen EXCLUSIV Sommer 2023

“Die Fühl-Dich-Frei-Ausgabe" Sri Lanka Schweden Alaska Dolomiten Mekong Mallorca Kentucky Hotel-Tipps Auf dem Rhein und vieles mehr

“Die Fühl-Dich-Frei-Ausgabe"

Sri Lanka
Schweden
Alaska
Dolomiten
Mekong
Mallorca
Kentucky
Hotel-Tipps
Auf dem Rhein
und vieles mehr

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<strong>Sommer</strong> <strong>2023</strong><br />

Deutschland € 7,90 · Schweiz SFR 13,50 · Österreich € 9,00<br />

Die<br />

Fühl<br />

Frei Dich<br />

Ausgabe<br />

SRI LANKA<br />

AUF DEM MEKONG<br />

SCHWEDEN<br />

TOLLE HOTELTIPPS<br />

ALASKAS WILDNIS<br />

DOLOMITEN WANDERN


Menschen, Landschaften, Wildlife, Kultur<br />

ALLES KANADASTISCH!<br />

Der Blog mit allen wichtigen Infos zum<br />

schönsten Land der Welt<br />

WWW.KANADASTISCH.DE


EDITORIAL<br />

MACH DICH LOCKER, FÜHL DICH FREI<br />

Freiheit, ist das Einzige, was zählt. So Westernhagen. Doch wieso fühlt sich<br />

das Reisen an, als würden wir einen Happen Freiheit probieren? Habt ihr<br />

schon mal von der Sensation-Seeking-Theorie gehört? Da geht es darum,<br />

dass Menschen, die gerne <strong>reisen</strong>, eine höhere Risikobereitschaft haben.<br />

Und vermutlich auch die Bereitschaft in sich tragen, andere Risiken einzugehen.<br />

Wie beispielsweise Drogenkonsum oder Extremsport. Zumindest<br />

lautet so die Theorie in der Psychologie.<br />

Durch neue Reize, wie beispielsweise auf Reisen, beziehen Menschen mit eben entsprechender<br />

Persönlichkeitsstruktur einen Teil ihrer Lebenszufriedenheit. Zum einen ist<br />

man laut der Theorie des US-Psychologen Marvin Zuckerman stets auf der Suche nach<br />

neuen, komplexen und intensiven Empfindungen; zum anderen ist man bereit, dafür<br />

gewisse – zum Beispiel finanzielle und soziale – Risiken einzugehen.<br />

Ich würde sagen, auf meinen Freundeskreis trifft dies zu 100 Prozent zu. Doch warum<br />

fühlen wir uns beim Reisen frei? Psychologe Jürgen Kagelmann fasste es einmal so zusammen:<br />

»Im Prinzip ist das Grundmotiv der Reise, eine ins Ungleichgewicht geratene<br />

Befindlichkeit durch ein temporäres Weggehen wieder in Ordnung zu bringen!« Verlassen<br />

der Alltagsstrukturen also. Zumindest auf Zeit. Das können wir alle gebrauchen.<br />

Deshalb haben wir dazu ein paar Ideen gesammelt.<br />

Frei fühlen in der Wildnis beispielsweise. Abgelegen und abenteuerlich in Alaska. Eventuell<br />

Auge in Auge mit einem Bären. Oder paddelnd und saunierend in Schweden. Oder<br />

aber auf verschlungenen Wegen durch Sri Lanka. Ein Elefant hier. Ein Tempel da. Und<br />

eine Tasse Tee. Ganz wie einem beliebt. Und dann wären da noch die Hotels, die Komfort<br />

versprechen. Und Service. Kein Bettenmachen. Kein Putzen. Frei sein. Einfach sein.<br />

Alles, was wir tun müssen? Die Sensation suchen. Und zwar nicht nur in der Theorie.<br />

Foto: Julia Breuer/juliaslieblinge; Illustration:GoodStudio/Shutterstock.com<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

Instagram @fraumuksch<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

3


48ALASKA: Todesmutig<br />

wagte sich Reporter<br />

Norbert in die Nähe<br />

des Braunbären.<br />

102DOLOMITEN: Die fünf spektakulärsten<br />

Orte von Redakteurin Marie zwischen<br />

hoch hinaus und steil bergab.<br />

INHALT


90<br />

»Viel wandern<br />

macht bewandert.«<br />

MALLORCA:<br />

Das Belmond<br />

Residencia ist eine<br />

Künstleroase in Deià.<br />

Peter Sirius<br />

ASIEN<br />

NAH<br />

Fotos: Norbert Eisele-Hein, Belmond/ www.aquilamattiu.it, Kapreski/Shutterstock.com, William Martret<br />

26 Mekong<br />

Träumen erwünscht! Mit dem Boutique-Boot<br />

und reichlich Komfort eine Reise in eine<br />

andere Welt antreten.<br />

38 Sri Lanka<br />

Zum Nachmachen: Eine Reise durch Sri Lanka<br />

vom Strand zum Tee, vom Zahn zum<br />

Wolkenmädchen. Schwer zu verstehen?<br />

Dann besser lesen!<br />

USA<br />

48 Alaska<br />

Wenn es im Katmai Nationalpark laut grummelt,<br />

heißt es: Achtung, Bär! Die braunen Riesen sind<br />

hier zu Hause. Und Reporter Norbert<br />

war zu Besuch.<br />

58 Kentucky<br />

Zwischen Bourbon und »Black Beauty« ist<br />

Reporter Harald unterwegs im amerikanischen<br />

Süden.<br />

LIFESTYLE<br />

71 Creme dich ein!<br />

79 Lies dich schlau!<br />

85 Zieh dich an!<br />

112 Bring was mit!<br />

66 25 hours Indre By<br />

Durchgestylt schlafen in Kopenhagen:<br />

Wer farbenfrohe Möbel und Wände sowie<br />

verspieltes Interieur nicht mag, sollte<br />

woanders einchecken.<br />

72 Casa Baglioni<br />

Die neue Luxusherberge in Mailand<br />

überzeugt mit edlen Details im Herzen<br />

der Stadt.<br />

76 The David Kempinski<br />

Poleposition am Strand von Tel Aviv:<br />

Redakteur Frank testet das neue<br />

Kempinski Hotel.<br />

80 Aman Kyoto<br />

Hier stimmt alles: von Tatami-Matten in den<br />

Zimmern, Bonsai im Garten und fangfrischem<br />

Fisch zum Frühstück.<br />

86 Monte Carlo Beach Hotel<br />

Côte d’Azur, s’il vou plaît! Wer entspannen<br />

möchte wie die Schönen und Reichen,<br />

der ist hier goldrichtig.<br />

90 Belmond La Residencia<br />

Auf den Spuren der Kunst: Das Belmond<br />

La Residencia ist ein Kunstwerk für sich.<br />

Das Hotelensemble liegt traumhaft im<br />

Tramuntana-Gebirge Mallorcas.<br />

96 Schweden<br />

Und Action! Västervik zählt zu den<br />

beliebtesten <strong>Sommer</strong>zielen Schwedens.<br />

Die Gründe dafür haben den Anfangsbuchstaben<br />

»S«: schwimmen, segeln,<br />

saunieren.<br />

102 Dolomiten<br />

Die bizarren Felsformationen der<br />

Dolomiten erschaffen eine Kulisse wie aus<br />

einer anderen Welt. Grund genug, sie zu<br />

erwandern.<br />

108 Auf dem Rhein<br />

Reporterin Simone war bei der Jungfernfahrt<br />

der MS Viva Two auf dem Rhein an<br />

Bord und erklärt uns, was das 135 Meter<br />

lange Schiff so kann.<br />

STANDARDS<br />

03 Editorial<br />

06 Reisenews<br />

08 Take away<br />

09 Da wollen wir hin<br />

10 Esskalation<br />

12 Für kleine Weltenbummler<br />

14 Städtetipp Greifswald<br />

16 Nachgelesen<br />

18 Events<br />

19 Vorfreude<br />

24 Autor:innen der Ausgabe<br />

114 Gewinnspiel & Impressum<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

5


eisenews<br />

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Im Sandals Royal Curaçao liegt ganz schön viel Liebe in der Luft,<br />

denn hier turteln ausschließlich Verliebte, Verlobte und Verheiratete. Das Resort ist nicht nur ein Allinclusive-,<br />

sondern auch ein Couples-only-Resort. Romantik, wohin man blickt. Selbst der Pool ist als Herz<br />

geformt. So genießen die Gäste die Urlaubstage mit vollem Herzen: Beim Planschen im Pool, Candle-<br />

Light-Dinner am Strand oder Paarmassagen im Spa – mehr traute Zweisamkeit geht nicht. Ab und an<br />

sollte man seine Aufmerksamkeit vom Partner auf die Traumkulisse lenken. Das Resort liegt eingebettet<br />

zwischen 3.000 Hektar tropischer Natur, eingerahmt vom Karibischen Meer. Neun Außenpools – darunter<br />

ein zweistöckiger Infinitypool –, dreizehn Bars und acht Restaurants verteilen sich auf dem Gelände. Mit<br />

schicken Hollandrädern radelt man entspannt zwischen den Palmen von Spot zu Spot. Dabei ist wirklich<br />

alles all-inclusive – aber in schick! Auch der Butlerservice und alle Restaurants; und in den obersten<br />

Kategorien bekommt man sogar ein Mini Cooper Cabrio, in dem man die Insel erkunden kann, vor die<br />

Tür gestellt. Auch die Karibikinsel Curaçao selbst ist das perfekte Plätzchen für Verliebte. Die Insel wirkt<br />

intim und entspannt, sie gehört zu den Kleinen Antillen, die auch den Beinamen »Inseln unter dem Wind«<br />

tragen. Und die frische Brise an warmen Tagen ist wirklich ein Segen, versprochen. www.sandals.com<br />

Ein<br />

und<br />

eine Seele<br />

6<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Mega<br />

Die Luxushotelkette Ritz-Carlton hatte bereits 2017 angekündigt, sich in<br />

unbekannte Gewässer aufmachen zu wollen und in den nächsten Jahren<br />

mit drei Luxusschiffen in See zu stechen. Ursprünglich sollte das erste Schiff,<br />

die Evrima, bereits 2020 die ersten Passagiere luxuriös übers Meer schippern,<br />

doch es wurde Oktober 2022. Das Warten hat sich gelohnt, denn die<br />

Evrima ist weniger ein Kreuzfahrtschiff, denn eher eine Megaluxusyacht mit<br />

gerade einmal 298 Gästen. Nun steht schon das zweite Schiff, die Ilma, in<br />

den Startlöchern. Sie geht 2024 auf Jungfernfahrt. Die Gäste schlafen in 228<br />

Suiten – jede mit einer privaten Terrasse, begehbarem Kleiderschrank und<br />

Kingsizebetten. Und werden von einem persönlichen Concierge und 24-Stunden-Zimmerservice<br />

umsorgt. Die Route? Hauptsächlich Ziele in der Karibik<br />

und in Europa. www.ritzcarltonyachtcollection.com<br />

Sand aufs<br />

Wenn Sand in Kunstwerke verwandelt<br />

wird, befindet man sich an<br />

der dänischen Nordseeküste. Das<br />

Sandskulpturenfestival in Søndervig<br />

feiert seinen 20. Geburtstag – und<br />

widmet das Jubiläum der griechischen<br />

Mythologie. So tummeln sich<br />

griechische Götter des Olymps<br />

wie Zeus, Poseidon, Aphrodite und<br />

Apollo erstarrt wie steinerne Riesen<br />

am Strand. Sehr beeindruckend, wie<br />

aus rund 12.000 Tonnen westjütländischem<br />

Sand solch unglaubliche<br />

Skulpturen geschaffen wurden.<br />

www.sandskulptur.dk<br />

Fotos: Universeum (2), Marriott International, Sandals, Tine Uffelmann/VisitNordseeland<br />

Fass dir ein<br />

Um ins All zu <strong>reisen</strong>, braucht man seit Anfang des Jahres nicht<br />

mehr weiter als nach Göteborg. Denn im Wisdome, der neu<br />

gebauten Kuppel auf dem Dach des Wissenschaftsmuseums<br />

Universeum, können Besucher nun visuelle Weltraum<strong>reisen</strong><br />

unternehmen. Eine 360-Grad-Leinwand mit modernster<br />

Visualisierungstechnologie ermöglicht die Ausflüge ins All.<br />

Da bekommt man richtig Herzklopfen vor Aufregung.<br />

Was für ein Trip! www.universeum.se/experiences/wisdome<br />

7


takeaway<br />

AIRWAYS.<br />

Laufen wie auf Wolken? Mit dem<br />

Running Sneaker von Ferragamo<br />

ist man auf Reisen für alle Eventualitäten<br />

gewappnet, so bequem<br />

ist man mit ihm unterwegs. Kleiner<br />

Sprint zum Gate? Kein Problem!<br />

€ 795<br />

WIN-WIN.<br />

Ob bei Langeweile, weil der Flug<br />

schon wieder Verspätung hat, oder<br />

aus purer Spielfreude am Urlaubsort:<br />

Das faltbare Schachbrett ist allzeit<br />

bereit für eine Partie und macht dabei<br />

in Himmelblau auch noch eine gute<br />

Figur. Dieses Mal gewinne ich! € 28<br />

COOL DOWN.<br />

Mit Schirm, Charme und<br />

Melone: Der Fächer von<br />

Pubumésu gehört mit<br />

ins Gepäck, denn er<br />

sieht nicht nur zum<br />

Anbeißen aus, sondern<br />

sorgt auch stets für ein<br />

kühles Lüftchen. € 160<br />

Sieht aus wie eine kleine Clutch, doch<br />

verbirgt sich darin das wohl praktischste<br />

Puder zum Nachschminken für unterwegs.<br />

Erspart einem hektisches Herumwühlen<br />

in der Handtasche. Das Light-Lasting-<br />

Puder verbessert den Hautton und verleiht<br />

ein mattes Finish. Go-Clutch von Valentino,<br />

nachfüllbar, 7 ml, € 170<br />

TO GO.<br />

BUTTERBALM.<br />

Für den perfekten Strandlook:<br />

Der Treasure Island<br />

Lipbalsam von benefit<br />

spendet Feuchtigkeit und<br />

verleiht einen Hauch von<br />

Farbe. Hallo, butterweiche<br />

Lippen! Sun’s Up Butter<br />

Balm, 10 ml, € 21<br />

STAR-RAIN.<br />

Holt einem die Sterne vom Himmel, jedenfalls wenn es<br />

ums Auftragen der Foundation geht. Ob cremige, flüssige<br />

oder pudrige Foundation – mit dem superweichen Pinsel<br />

zaubert man mühelos einen streifenfreien Teint. Ohne<br />

ver<strong>reisen</strong>? Undenkbar! Heavenly Luxe Superstar Flawless<br />

Foundation Brush von IT Cosmetics um € 30<br />

Fotos: PR (6)<br />

8<br />

sommer <strong>2023</strong>


da wollen wir hin<br />

ECHO ECO LODGE Antarktis<br />

Fotos: Courtesy of White Desert, Andrew Macdonald<br />

Aus der Ferne wirkt die Ansammlung dunkelsilberner Kapseln auf der dicken Eisschicht wie<br />

ein Lager auf einem fernen Planeten. Tatsächlich handelt es sich bei den dunkelsilbernen Kapseln<br />

um eine Luxuslodge in der Antarktis. Die Echo Eco Lodge ist die neueste Unterkunft des<br />

Reisespezialisten White Desert und liegt an einem der entlegensten Orte der Erde umgeben<br />

von Eisbergen und Kolonien von Königspinguinen. Die sechs hochmodernen, kugelförmigen<br />

»Himmelskapseln« aus Fiberglas wären allerdings durchaus auch weltraumtauglich. Die bis zu<br />

zwölf Gäste vermissen im Inneren der Kapseln keinen Luxus: Geräumige Badezimmer, kuschelige<br />

Betten, Ledersessel und Felldecken sowie Gourmet-Essen verwöhnen, während draußen<br />

Schneestürme toben und eisige Temperaturen herrschen.<br />

Das Öko-Camp, das komplett über Solar- und Windenergie betrieben wird, kann nur zwischen<br />

November und Januar bewohnt werden. Außerhalb der Saison, wenn starke Winde für eine<br />

lebensfeindliche Umgebung sorgen, wird es abgebaut, ohne jede menschliche Spur zu hinterlassen.<br />

Ein Team aus Polarforschern betreut das Camp und organisiert unter anderem Exkursionen<br />

durch das Eis zu Kaiserpinguin-Kolonien und dem Südpol. Die fünftägige Expedition<br />

startet in Kapstadt und kostet rund 57.000 Euro pro Person. www.white-desert.com<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

9


esskalation<br />

GEHEIMNISKRÄMER<br />

Wie wohl Sekt schmeckt, der ein halbes Jahr auf dem<br />

Meeresgrund gereift ist? Der Kreuzfahrtspezialist Hurtigruten<br />

Norwegen hat sich anlässlich des 130-jährigen<br />

Jubiläums etwas Besonderes ausgedacht und 1.700<br />

Flaschen des weltweit ersten in arktischen Gewässern<br />

gereiften Sekts an einem streng geheimen Ort vor der<br />

Küste Norwegens versenkt. Das Projekt »Havets Bobler«<br />

wurde in Zusammenarbeit mit dem renommierten britischen<br />

Weingut Rathfinny realisiert. Die exklusiv hergestellten,<br />

mit Wachs versiegelten Flaschen schlummerten<br />

die letzten sechs Monate auf dem 66. Breitengrad – kurz<br />

vor dem Polarkreis – auf bis zu 34 Meter Tiefe auf dem<br />

Meeresgrund. Nun wurden sie geborgen und werden ab<br />

diesem <strong>Sommer</strong> auf den Postschiffen von Hurtigruten<br />

ausgeschenkt. Wer also ein Gläschen des Zaubertranks<br />

genießen möchte, muss eine Runde mit dem Postschiff<br />

drehen. Das wiederum lohnt sich auch ohne Sekt. Aber<br />

mit ist es einfach schöner. www.hurtigruten.de<br />

Fotos: Steffen Silseth/Hurtigruten Norway, Kristian Dale/Hurtigruten Norway, PR, Valentyn Volkov/Shutterstock.com, Victor Robyn, Patrick vom Berg, ZUMA, Maine Ibiza<br />

10 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Quatsch<br />

MIT SOSSE?<br />

Ganz im Gegenteil! In den<br />

Soßen von Stupid Tasty stecken<br />

neben viel Liebe beste<br />

vegane und ausschließlich<br />

natürliche Zutaten. Entwickelt<br />

werden sie zusammen<br />

mit Sterneköchen in der<br />

Food-Manufaktur in Hamburg.<br />

So lecker und cremig!<br />

Creamy Thai Curry, 280 ml,<br />

um € 6<br />

Zuma Capri<br />

restauranttipps<br />

Der perfekte Ort, um sich mit Freunden zu treffen und sich<br />

gutes Essen zu teilen. Denn das ist der Izakaya-Stil des neuen<br />

Zuma Capri. Die authentischen Gerichte mit kräftigen und<br />

intensiven Aromen sind zum Teilen am Tisch gedacht. Und<br />

während man sich bestens<br />

amüsiert und im Genuss<br />

schwelgt, blickt man ab und<br />

zu über den Golf von Neapel<br />

und die Insel Ischia. Das Zuma<br />

Capri liegt auf der Dachterrasse<br />

des glamourösen Capri Palace<br />

Jumeirah in der hübschen<br />

Stadt Anacapri.<br />

Werde PATE!<br />

Das eigene Olivenöl geliefert<br />

bekommen? Das geht –<br />

und zwar, wenn man eine<br />

Baumpatenschaft für einen<br />

Olivenbaum übernimmt.<br />

Möglich ist das bei Agrivar,<br />

dem landwirtschaftlichen<br />

Teilbetrieb des Palazzo di<br />

Varignana. Natürlich wird<br />

das eigene Bäumchen auch<br />

mit eigenem Namen versehen.<br />

Schöne Sache!<br />

palazzodivarignana.com<br />

The Maine Ibiza<br />

Wer im kürzlich eröffneten The Maine<br />

auf Ibiza einen Tisch reserviert, der<br />

kommt auch her, um sich den ein<br />

oder anderen erstklassigen Drink mit<br />

Tequilas und Mezcals schmecken zu<br />

lassen. Denn das The Maine ist auch<br />

für seinen Barbereich und seine exzellente<br />

Barkarte bekannt. Tagsüber<br />

werden vegetarische und vegane<br />

Bowls und mediterrane Platten mit frischen und lokal bezogenen<br />

Produkten aufgetischt. Am Abend unterhalten verschiedene<br />

DJs von der Insel. Überhaupt ist das The Maine ein sehr<br />

lässiger Ort in einer sorgfältig restaurierten Finca aus dem<br />

18. Jahrhundert neben der kleinen Kirche von Sant Francesc<br />

de s’Estany, nur eine kurze Autofahrt von Ibiza-Stadt entfernt.<br />

TellerWÄSCHER<br />

Wenn die Teller immer ratzeputz leer gegessen sind, dann<br />

besitzt man höchstwahrscheinlich das kunstvolle Service<br />

der Serie »La Mère Tableware by Marie Michielssen« von<br />

Serax. Schließlich möchte man sie gerne wieder sehen, die<br />

kunstvolle Frau. Teller in M um € 20, in L um € 25<br />

Mahjong Roof Gardens<br />

Die Speisekarte des Mahjong Roof Garden klingt wie eine<br />

Abenteuerreise durch die Küchen Südamerikas. Dort stehen<br />

Gerichte mit Wildschwein- und Hirschfleisch inspiriert vom<br />

peruanischen Dschungel und Zutaten wie Getreide aus dem<br />

peruanischen und bolivianischen Hochland, Maniokwurzeln sowie<br />

Exotisches wie Cocona und Charapita, der teuersten Chili<br />

der Welt. Seit April <strong>2023</strong> kocht Küchenchef Michael Cánepa<br />

Farfán ungewöhnliche Kreationen aus seiner südamerikanischen<br />

Heimat Peru. Sein Restaurant liegt auf dem Dach eines<br />

Hochkaräters: dem Mandarin Oriental in München.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

11


kleine weltenbummler<br />

WIESO,<br />

WESHALB,<br />

WARUM?<br />

Den Satz »Wer nicht fragt, bleibt dumm« kennt doch jedes Kind – oder<br />

besser singt doch jedes Kind. Und woher stammt er? Richtig, aus der<br />

Sesamstraße. Und die feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Die<br />

Sesamstraße begeistert seit ihrem Start am 8. Januar 1973 mit ihren einmaligen<br />

Charakteren kleine und große Zuschauerinnen und Zuschauer.<br />

Vom frechen Ernie über den aufgeregten Elmo hin zur neugierigen Abby<br />

und den auch mal grummeligen Oskar aus der Mülltonne. Dabei bringt<br />

sie Groß und Klein etwas bei und ist oft urkomisch. Mit der Ausstellung<br />

»Sesamstrasse. 50 Jahre Wer, Wie, Was!« huldigt das Museum für Kunst<br />

& Gewerbe Hamburg die wohl bekannteste Kindersendung. Und beantwortet<br />

ebenso wie die Sendung Tausend tolle Fragen, die so noch nie<br />

gestellt worden sind: Wer hat die Sendung erfunden? Wie funktioniert die<br />

Sesamstraße? Und wie wird das alles eigentlich gemacht? Es geht also<br />

um die kreativen Köpfe und Hände hinter den Kulissen. Und dabei gibt es<br />

natürlich auch jede Menge zum Mitmachen und Ausprobieren: Im Musikzelt<br />

wird getanzt und lauthals mitgesungen und an der großen Malstation<br />

können sich die Kinder kreativ austoben. Zudem gibt es ein Begleitprogramm,<br />

bei dem u. a. Knetfiguren-Workshops angeboten werden. Noch<br />

bis zum 7. Januar 2024. www.mkg-hamburg.de<br />

WER HAT HIER<br />

DEN HUT AUF?<br />

Damit ist sonnenklar, wer hier das<br />

Kommando hat: Die Kappe »Skipper«<br />

von Mini Rodini aus Biobaumwolle<br />

ist das perfekte <strong>Sommer</strong>accessoire<br />

für Minikapitäne – ob am Strand, See<br />

oder auf dem Meer. € 55, über<br />

www.smallable.de<br />

12 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Komm mit mir<br />

ins Abenteuerland!<br />

Ein Kleid, das perfekt gemacht ist für kleine Abenteurerinnen:<br />

von einer Safaritour durch die Savanne<br />

mit Nashörnern über einen Kamelritt bis hin zu einer<br />

Insel mit Palmen – all das versteckt sich dezent als<br />

niedlicher Print auf dem ärmellosen Kinderkleid aus<br />

Popeline. Von Petit Bateau, € 75<br />

Das geht mir<br />

auf den Kekz!<br />

Für ruhige Autofahrten und entspannte<br />

Flüge: Mit den Kekz-Kopfhörern<br />

kann jedes Kind selbst<br />

bestimmen, welche Lieblingsgeschichte<br />

es gerade hören möchte.<br />

Von Robin Hood über Conni bis<br />

Pumuckl. Einfach den Audio-Clip<br />

einsetzen und wieder austauschen,<br />

ganz wie man mag. Kekz-Hörer,<br />

um 70, Clips je um € 12.<br />

Das liegt mir<br />

auf der Tasche<br />

Da wäre man gern noch einmal Kind:<br />

Die Gürteltasche von Sticky Lemon<br />

aus robustem Segeltuch mit den zwei<br />

Fronttaschen sieht so hübsch und<br />

stylish aus, dass man sie auch gerne<br />

als Erwachsener tragen würde. Wasserdicht<br />

ist sie auch noch. »Abenteuer-<br />

Kollektion«, Farbe: cousin clay, um € 33.<br />

Fotos: PR (4), Hochzeiger Bergbahnen/Daniel Zangerl, NDR/Uwe Ernst<br />

Die Kinder wieder aus dem Zirbenpark im Pitztal an der Hochzeiger<br />

Mittelstation wegzubekommen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Warum<br />

dann nicht einfach bleiben, bis es dunkel wird? Zu tun gibt es genug!<br />

Das große Zirbenbaumhaus hinunterkraxeln, zu rutschen und sich darin<br />

zu verstecken, macht super viel Spaß. Und erst die XXL-Zirbenkugelbahn<br />

oder der Motorikparcours, wo sich die Kleinen bei jeder neuen<br />

Runde immer geschickter anstellen. Und die Eltern? Die machen es<br />

sich einfach in der Sonne bequem und genießen das Nichtstun – und<br />

den Blick und Duft von Tirols größtem Zirbenwald.<br />

Das beruhigt! Versprochen! www.pitztal.com<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

13


städtetipp<br />

GREIFSWALD<br />

WEIT UNTER DEM STÄDTETRIP-RADAR LIEGT – VÖLLIG<br />

ZU UNRECHT – GREIFSWALD. DIE STADT BEGEISTERT.<br />

NICHT NUR MIT DER TOLLEN LAGE AN DER OSTSEE,<br />

DER HÜBSCHEN ARCHITEKTUR, DER ATMOSPHÄRE EINER<br />

STUDENTENSTADT, SONDERN AUCH DURCH KULTUR. UND<br />

DIE ERLEBT NÄCHSTES JAHR EIN SPEKTAKULÄRES JAHR.<br />

WIR SIND FÜR EUCH AUF DEN SPUREN DES DEUTSCHEN<br />

MALERS CASPAR DAVID FRIEDRICH SPAZIERT.<br />

ELDENA<br />

NACHAHMEN DRINGEND EMPFOHLEN.<br />

Die wohl schönste, zugänglichste und berühmteste Ruine Deutschlands ist Eldena. Liegt<br />

sie auch ums Eck der drei Weisen. Den Ruhm hat sie wohl Friedrich zu verdanken. Denn<br />

er machte die Ruine des alten Zisternenklosters weltbekannt und heute ist sie geradezu<br />

Denkmal der Romantik. Friedrich hat die Klosterruine Eldena in verschiedenen Kontexten<br />

und Stimmungen dargestellt. Im strahlenden Sonnenschein umgeben von Vegetation,<br />

oder er hat sie versetzt. Und zwar in die völlig andere Landschaft des Riesengebirges.<br />

Das ehemalige Kloster ist der ausschlaggebende Grund, dass die Stadt Greifswald<br />

überhaupt entstand. Heute finden dort gerne Jazzkonzerte statt. Und im Jubiläumsjahr<br />

kommt beispielsweise der avantgardistische Martin Kohlstedt hierher und wird die<br />

Ruine avantgardistisch neu zum Glühen bringen.<br />

MARKTPLATZ<br />

Am besten, man platziert sich direkt vor der Sparkasse und blickt Richtung Ratsapotheke,<br />

dann hat man den gleichen Blick, den auch Caspar David Friedrich hatte,<br />

als er die Szene auf dem Marktplatz malte. Das Bild ist übrigens eines seiner wenigen<br />

Werke auf Papier. Ganz selten wird es nur ausgestellt, weil die Qualität des Gemäldes<br />

erhalten bleiben soll. Das letzte Mal wurde das Original 2018 ausgestellt. Nächstes Jahr<br />

ist es wieder so weit. Wir durften im Archiv schon mal einen Blick darauf erhaschen. Ja,<br />

toll, oder? Und was sehen wir? Tatsächlich die gleiche Apotheke, an der wir eben noch<br />

vorbeigingen. Die ist dort nämlich schon seit 1550.<br />

14 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


POMMERSCHES<br />

LANDESMUSEUM<br />

Fotos: Jennifer Latuperisa-Andresen (5), SSKH-Pictures, Marc Venema/Shutterstock.com, Armin Wenzel<br />

AFFENFELSEN<br />

Am Greifswalder Museumshafen, übrigens der größte Deutschlands,<br />

liegt der Affenfelsen. Ein in Holz verkleideter Container und eine<br />

Vielzahl von Liegestühlen ist die perfekte Location, um den Tag ausklingen<br />

zu lassen. Besonderes zum Sonnenuntergang. Für Feierlustige.<br />

Für Junggebliebene. Mit Blick auf Schiffe, die dort schon gefühlt<br />

seit Jahrhunderten genau an dieser Stelle im Hafen liegen. Genau –<br />

den Anblick genoss auch schon Caspar David Friedrich. Es ist ihm<br />

nicht zu verdenken.<br />

CASPAR<br />

DAVID<br />

FRIEDRICH<br />

Tatsächlich steht noch ein Teil<br />

des ehemaligen Geburtshauses<br />

des Farbvirtuosen in der Langen<br />

Straße. Caspar David Friedrich<br />

erblickte als sechstes Kind des<br />

Seifensieders und Kerzengießers<br />

Adolf Gottlieb Friedrich<br />

das Licht der Welt. Dort lebte<br />

er, bevor er zum Kunststudium<br />

aufbrach. Inzwischen beherbergt<br />

das frühere Wohnhaus das<br />

Caspar-David-Friedrich-Zentrum,<br />

wo Besucher eine Ausstellung<br />

über das Leben und Schaffen<br />

des großen Malers bestaunen<br />

können. Wer mag, kann<br />

heute hier zeitgenössische<br />

Kunst bewundern,<br />

das kreative Talent der<br />

Familienangehörigen beurteilen<br />

oder aber Kurse<br />

zum Kerzenziehen und<br />

Zeichnen besuchen.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

Einer der berühmtesten Maler Deutschlands<br />

wurde 1774 in Greifswald geboren.<br />

Und weil sein Geburtstag<br />

nächstes Jahr 250 Jahre<br />

her ist, putzt sich die Stadt<br />

heraus, um mit zahlreichen<br />

Events und reichlich<br />

Kunst den bedeutenden<br />

deutschen Künstler zu<br />

feiern. Also unbedingt den<br />

Veranstaltungskalender<br />

studieren.<br />

Eine faszinierende Reise durch 14.000 Jahre Kultur<br />

und Geschichte Pommerns kann der Besucher hier erfahren.<br />

Hinzu kommt, dass die Architektur beeindruckt.<br />

Hier treffen gotische, klassizistische und zeitgenössische<br />

Architektur in einem imposanten Gesamtensemble<br />

aufeinander. Preisgekrönt zudem. Doch nicht<br />

nur die Architektur beeindruckt, sondern auch eine<br />

hochkarätige Gemäldesammlung, die das kulturelle<br />

Erbe der Region auf einzigartige Weise präsentiert.<br />

Hier treffen sich die Meister der Romantik. Darunter<br />

natürlich Caspar David Friedrich. Im kommenden Jahr,<br />

seinem Jubiläum, wird er zelebriert. Und es werden noch<br />

mehr Werke von ihm ausgestellt. Beispielsweise wird<br />

auch das Bild »Kreidefelsen auf Rügen« zu sehen sein.<br />

DIE DREI WEISEN<br />

UND DIE WIECKER<br />

KLAPPBRÜCKE<br />

Drei Holzköpfe stehen am Ufer und blicken in die<br />

Ferne. Sie trotzen dem Wind. Der See. Und den<br />

Vögeln, die auf ihnen Platz nehmen und gerne<br />

picken. Hier schlendern Paare Hand in Hand. Hier<br />

lässt es sich verweilen. Oder ein kleines Picknick<br />

organisieren. Einfach auf eine Bank setzen. Zwei<br />

Gläschen Rosé, zwei gut belegte Stullen und das<br />

Glück ist perfekt. Als Caspar David Friedrich sich hier<br />

Inspiration holte, war der Stadtteil Wieck noch ein<br />

Fischerdorf. Die berühmte Holzklappbrücke, die<br />

heute noch von Hand betrieben wird, entstand erst<br />

1887, nach Friedrichs Zeiten. Gehört aber zu einem<br />

Ausflug dazu. Man kommt eh daran vorbei.<br />

Kaiseki<br />

15


nachgelesen<br />

Ein feines, kleines Buch mit gewaltiger Wirkung: Nach der Lektüre möchte<br />

man alles stehen und liegen lassen und irgendwo auf der Welt als Leuchtturmwärter<br />

ein romantisches Dasein fristen – umgeben von ungestümem<br />

Wind und tosendem Wasser. Beispiele liefert das Buch in Hülle und Fülle.<br />

Von Leuchttürmen wie von den beeindruckenden Menschen, die das Feuer<br />

bewachen. Und eines wird schnell deutlich: Als Leuchtturmwärter muss<br />

man die erbarmungslose Einsamkeit abkönnen, furchtlos gegenüber den<br />

Naturgewalten sein und Nerven wie Drahtseile haben.<br />

Die Geschichten, die Autor José Luis González Macías in seinem »Kleinen<br />

Atlas der Leuchttürme am Ende der Welt« erzählt, faszinieren. Und als Leser<br />

lernt man jede Menge dazu. Zum Beispiel, dass der Leuchtturm von Bell<br />

Rock der älteste noch aktive Leuchtturm auf offenem Meer ist. Er steht auf<br />

einem Felsen in der Nordsee, 18 Kilometer vor dem schottischen Festland.<br />

Seine Bauweise ist ein Wunder der Technik, so wie er der schottischen See<br />

trotzt. Sein Bau dauerte Jahre und kostete mehrere Menschenleben. Oder<br />

das Godrevy Lighthouse in West Cornwall, den Virginia Woolf sogar in einen<br />

ihrer Romane einfließen ließ, wenn auch an einem anderen Ort. Als Kind<br />

urlaubte sie mit ihrer Familie dort und trug sich sogar ins Gästebuch des<br />

Leuchtturms ein. Ein anderer Leuchtturm vor der Küste der USA wiederum<br />

dient mittlerweile als Aufbewahrungsort für Urnen. In einem anderen soll<br />

nachts noch das Klappern einer Schreibmaschine nach dem Tod des Leuchtturmwärters<br />

zu hören gewesen sein.<br />

Die Leuchttürme sind über die ganze Welt verteilt und haben mit den<br />

unterschiedlichsten Begebenheiten zu kämpfen. Wie der Leuchtturm von<br />

Maatsuyker, der auf einem abgesprengten Felsblock vor Tasmanien zwischen<br />

Pazifischem und Indischem Ozean liegt. Danach kommt lange, lange<br />

nichts – und irgendwann würde man in der Antarktis landen. Ein unwirtlicher<br />

Ort, wo der Wind oft bis zu 100 Stundenkilometer misst. Es stürmt so,<br />

dass selbst der massive Turm ins Wanken kommt und es an fünf von sieben<br />

Tagen regnet. Acht Jahre lang bewachte John Cook das Licht dieses abgelegenen<br />

Leuchtturms. Sein schlimmster Moment? Als ein Blitz in den Turm<br />

einschlug und die Kraft des Donners ihn an die Wand schleuderte. Doch er<br />

erlebte auch Momente voller Glück – als er Schweinswale beobachten<br />

konnte, Polarlichter den Nachthimmel erhellten oder unvergesslich eindrucksvolle<br />

Sonnenuntergänge am Horizont zu sehen waren.<br />

Über jeden der im Buch erwähnten 34 Leuchttürme weiß José Luis González<br />

Macías eine spannende Anekdote zu erzählen. Anekdoten, die erschauern<br />

lassen, aber diesem Beruf auch viel Bewunderung entgegenbringen, der in<br />

der Realität doch eher wenig mit Romantik gemein hat. Gespickt ist das<br />

Büchlein mit wunderschönen Illustrationen und feinen Grafiken.<br />

Kleiner Atlas der Leuchttürme<br />

am Ende der Welt<br />

José Luis González Macías,<br />

ISBN: 978-3-86648-693-5,<br />

mare, 160 Seiten, 36 Euro<br />

Foto: José Luis Gonzáles Macías/Kleiner Atlas der Leuchttürme am anderen Ende der Welt/mare<br />

16 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Savannah<br />

Sea Island<br />

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Ihr<br />

ultimativer<br />

Luxusurlaub<br />

in Georgia<br />

Ungeahnten<br />

Luxus entdecken<br />

Erleben Sie noble Hotels, gastronomische<br />

Höhenflüge, erstklassiges Shopping und<br />

Georgias einzigartige Gastfreundschaft.<br />

Atlanta – Eldorado für Shopaholics<br />

Erstklassiges Shopping, feine Restaurants und einige der besten<br />

Hotels von Atlanta befinden sich im vornehmen Stadtviertel<br />

Buckhead. So liegt das St. Regis nur wenige Schritte vom<br />

Buckhead Village District entfernt, das mehr als 50 Designer-<br />

Boutiquen, darunter Hermès, Dior und Christian Louboutin,<br />

beherbergt. Keinesfalls verpassen sollte man das Top-Einkaufsziel<br />

der Stadt: Der kultige Lenox Square und Phipps Plaza<br />

liegen direkt gegenüber und bieten zusammen 300 Luxusmarken-Shops<br />

sowie die Möglichkeit, stilvoll im brandneuen<br />

Nobu Hotel zu übernachten.<br />

Savannah – Augenschmaus für den Gaumen<br />

Die charmante Stadt begeistert nicht nur das Auge mit idyllischen<br />

Squares und historischer Architektur unter einem Baldachin<br />

von Eichen mit Spanischem Moos, sondern auch den Gaumen<br />

mit namhaften Restaurants und verschiedensten Küchen.<br />

Genießen Sie raffinierte Speisen aus erntefrischen Produkten<br />

und fangfrische Meeresfrüchte aus dem Atlantik im Common<br />

Thread. Erleben Sie gehobene Kulinarik im The Grey, einem<br />

preisgekrönten Restaurant, das in einem ehemaligen Busbahnhof<br />

untergebracht ist. Oder <strong>reisen</strong> Sie in die Vergangenheit im<br />

bekannten Olde Pink House, das elegante Südstaatenküche in<br />

einer historischen Villa aus dem 18. Jahrhundert auftischt.<br />

Sea Island – Legendärer Rückzugsort<br />

An der Atlantikküste von Georgia befindet sich The Cloister, ein<br />

abgeschiedenes Refugium, das 1928 auf Sea Island eröffnete<br />

und schnell zum beliebten Zufluchtsort für VIPs wie die Rockefellers,<br />

den früheren US-Präsidenten Calvin Coolidge sowie<br />

für weitere Staatsoberhäupter, Stars und gekrönte Häupter<br />

wurde. Noch heute strahlt das Resort im mediterranen Stil<br />

eine einladende Opulenz aus und lädt mit dem preisgekrönten<br />

Restaurant Georgian Room sowie einem Spa, Pools und dem<br />

Sea Island Beach Club zum Genießen ein. Auf der Insel gibt es<br />

zahlreiche Aktivitäten, wie Falknereikurse, Reiten am Strand<br />

und Golfen auf einem Platz nahe dem Ozean.<br />

Foto: © Sea Island Resort<br />

Buckhead Village District<br />

INFO<br />

Beginnen Sie mit der Planung Ihres ultimativen Luxusurlaubs<br />

unter exploregeorgia.org<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

17


events<br />

Ganz schön was los im <strong>Sommer</strong>. Drei Tipps, bei denen man mit vollem<br />

Herzen dabei ist – von sportlich bis kunstvoll.<br />

Fotos: Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn <strong>2023</strong>,<br />

TVB Paznaun – Ischgl, Vibe Images/Shutterstock.com<br />

ICH BIN DABEI, DU BIST DABEI, WIR SIND DABEI?..<br />

Ihr könnt euch ein Radrennen nur mit einem Motor unterm Po vorstellen? Dann aufgepasst! Es gibt nämlich<br />

dieses Jahr die E-Bike-WM für jedermann im österreichischen Ischgl. Die Chance, hier zu gewinnen, hat jeder,<br />

denn die Regeln beim weltgrößten E-Bike-Rennen sind einfach: »Die Teilnehmer in der Wertungsklasse<br />

JEDERMANN fahren gegen drei Fahrzeitlimits (Gold, Silber und Bronze) an. Beim Unterschreiten einer der drei<br />

definierten Limits erhalten die E-Biker eine offizielle Gold-, Silber- oder Bronzemedaille der JEDERMANN WM“,<br />

erklärt Dr. Markus Mitterdorfer (E-Bike World Federation). Cool: Wer das Goldlimit unterschreitet, darf sich<br />

Weltmeister nennen. Das gilt schon für Gelegenheitsradler ab zehn Jahren. Wann? 31. August bis<br />

2. September <strong>2023</strong>. Anmeldungen unter: www.ebikewm.com<br />

FROH DABEI ZU SEIN..<br />

Wer auf Borkum eine Schlappe einsteckt,<br />

nimmt das nicht allzu schwer. Denn der alljährliche<br />

Badeschlappenweitwurf macht so<br />

viel Spaß, dass das Dabeisein wirklich alles<br />

ist. Die Regeln des Wettbewerbs sind schnell<br />

erklärt: Die Badeschlappe, die am weitesten<br />

fliegt, gewinnt. Der Wettbewerb wird<br />

im Zuge des »Sportstrand Borkum« in den<br />

Dünen am Nordbad ausgetragen. In diesem<br />

Jahr vom 10. Juli bis 4. August <strong>2023</strong>. Aber<br />

keine Sorge, wer es nicht schafft: Auch im<br />

<strong>Sommer</strong> 2024 fliegen wieder die Schlappen<br />

über den Borkumer Strand. www.borkum.de<br />

ALLE DABEI..<br />

Von Marc Chagall über Henri<br />

Matisse bis Joan Miró und Pablo<br />

Picasso, sie alle sind dabei.<br />

Bei der Ausstellung »Chagall,<br />

Matisse, Miró. Made in Paris«<br />

im Museum Folkwang vom<br />

1. September <strong>2023</strong> bis zum<br />

7. Januar 2024. Die Sammlung<br />

des Museums Folkwang wurde<br />

um internationale Leihgaben<br />

erweitert, gezeigt werden herausragende<br />

Werke wie »Jazz«<br />

von Henri Matisse, »La Tauromaquia«<br />

von Pablo Picasso<br />

und »A toute épreuve« von<br />

Joan Miró. Ebenfalls spannend:<br />

Von einigen Exponaten werden<br />

auch die berühmten Druckwerkstätten<br />

vorgestellt, in<br />

denen sie entstanden sind.<br />

www.museum-folkwang.de<br />

18<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


VORFREUDE<br />

Wunderschönes Dreierlei: Unerwartet sind diese drei Tipps<br />

auf unserer Reisewunschliste gelandet. Von Kultur und<br />

trubelig über Natur und einsam bis hin zu Genuss<br />

und nass. Hach, wie schön!<br />

Foto: Elle Leontiev<br />

ALLEZ, ALLEZ!<br />

Durch diese Allee geht man nicht bloß, man schreitet. Die Baobab-Bäume strahlen etwas Erhabenes aus. Die<br />

260 Meter lange Allee im Westen von Madagaskar in der Region Menabe ist wohl die schönste Straße Ostafrikas.<br />

Die Affenbrotbäume, die sich bis zu 30 Meter gen Himmel strecken, wachsen hier teils seit stolzen<br />

800 Jahren. Sie sind Teil eines 3,2 Quadratkilometer großen Gebiets, das unter Naturschutz steht und wo auch<br />

viele neue Bäume gepflanzt werden. Der beste Zeitpunkt, um die Allee zu besuchen? Bei Sonnenaufgang und<br />

Sonnenuntergang, dann verändert sich nicht nur die Farbe der Stämme im warmen Sonnenlicht, sondern die<br />

Bäume werfen dramatisch lange Schatten. Eine neue Dimension an Schattenspiel! Der Reiseveranstalter FTI<br />

hat gleich drei neue Rund<strong>reisen</strong> auf Madagaskar im Programm, unter anderem auch eine in den Westen des<br />

Landes. www.fti.de<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

19


VORFREUDE | Polen<br />

Fotos: Mariott International (2)<br />

20<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


LICHTGESTALT<br />

Lust auf einen Kulturtrip? Dann empfehlen wir Polen. Von<br />

Warschau über Krakau nach Sopot. Das Land ist kulturell<br />

aufregend. Und hat ganz nebenbei auch zahlreiche Hotels,<br />

die so einzigartig sind, dass sich eine Reise lohnt. Denn was<br />

haben Tina Turner, Marlene Dietrich und Michael Jackson<br />

gemeinsam? Richtig, sie haben in dem wohl altehrwürdigsten<br />

Hotel Polens genächtigt. Das Hotel Bristol wurde zur Jahrhundertwende<br />

an Warschaus Prachtstraße Krakowskie Przedmiescie<br />

errichtet und hat aufregende Zeiten erlebt. Die Lage<br />

in der Innenstadt ist perfekt und der Präsidentenpalast liegt<br />

direkt nebenan. Wer elegant und nobel nächtigen will und in<br />

einer Sehenswürdigkeit übernachten möchte, ist in diesem<br />

wunderschönen Haus sehr gut aufgehoben. Unbedingt vorbeischauen<br />

im beliebten Bristol Café oder in der superstylishen<br />

Gin-Bar Lane’s. Mehr Hotels und Tipps auf:<br />

www.emea.marriott.com/de/destinations/poland<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

21


22<br />

SCHÖNHEITSPARADE<br />

Die Südsee ist ein Sehnsuchtsziel. Manche würde es als »Paradies« bezeichnen. Mit einem<br />

blauen Farbspiel, das fast trunken macht, und einer Unterwasserwelt, in die man ab- und völlig<br />

berauscht wieder auftauchen kann. Und genau so fühlt es sich an, wenn man die Paul Gaugin<br />

betritt und Richtung Französisch-Polynesien und in den Südpazifik schippert. Für welche der<br />

insgesamt 33 Routen, die zu sieben verschiedenen Südsee-Destinationen führen, man sich<br />

auch entscheidet, es ist immer eine gute Wahl. Ob nun von Papetee über Motu Mahana bis<br />

nach Bora Bora und Moorea und wieder zurück. Oder zu den Marquesas, nach Tahiti oder den<br />

Fidschis und Cookinseln. Das Kreuzfahrtschiff der Reederei Ponant bietet mit 332 Passagieren<br />

ein intimes und luxuriöses Erlebnis aus komfortablen Suiten, aufmerksamem Service und einer<br />

Gourmetküche. Schöner kann man wohl das Ende der Welt nicht erkunden.<br />

de.ponant.com/paul-gauguin


VORFREUDE | Südsee<br />

Foto: Paul Gaugin Cruises (2)<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

23


AUTOR:INNEN<br />

!<br />

... grunzen glücklich<br />

geradeaus !<br />

Tina Bremer<br />

Norbert Eisele-Hein<br />

Mit dem Tuk-Tuk durch<br />

Teeplantagen tingeln und<br />

zu Fuß zu den größten<br />

Braunbären der Welt. Dieses<br />

Mal war Norbert in Sri<br />

Lanka und Alaska für uns<br />

unterwegs. Der gebürtige<br />

Münchner ist kein Strandtyp,<br />

bestenfalls mal mit<br />

einem richtig guten Buch<br />

in der Hand, ansonsten<br />

fängt der Ethnologe,<br />

Autor und Fotograf ganz<br />

schnell zu steppen an.<br />

»Meine ersten Begegnungen<br />

mit Grizzlybären hatte<br />

ich vor bald 35 Jahren.<br />

Damals fuhr ich in den<br />

Semesterferien mit dem<br />

Fahrrad von Alaska nach<br />

San Francisco. Bei den<br />

ersten Bärenbegegnungen<br />

standen mir die Haare zu<br />

Berge. Oft genug ließ ich<br />

das Rad einfach auf dem<br />

Highway liegen und trippelte<br />

sachte rückwärts. Nun<br />

auf Katmai – mit kundiger<br />

Führung – konnten wir die<br />

Bären aus nächster Nähe<br />

beobachten. Ein unglaubliches<br />

Erlebnis in einer<br />

überwältigend schönen<br />

Wildnis.«<br />

Simone Sever<br />

Italienische Modemetropole,<br />

griechische Sonneninsel,<br />

an Bord eines<br />

luxuriösen Flussfahrtschiffs<br />

– Simone hat stets<br />

ausgesuchte Garderobe<br />

dabei und natürlich dazu<br />

passende Schuhe. In Milano<br />

italienische Slipper,<br />

auf Rhodos Havaianas und<br />

zur Tauffahrt an Bord der<br />

Viva Two auch mal High<br />

Heels. Im Casa Baglioni<br />

in Mailand wurde ihrer<br />

Garderobe nun noch »die<br />

Krone aufgesetzt«. Was es<br />

damit auf sich hat – lest<br />

selbst!<br />

»Mein liebstes Kompliment<br />

ist, wenn ich nicht als<br />

Touristin erkannt werde.<br />

In Milano wurde ich gleich<br />

mehrfach nach dem Weg<br />

gefragt. Ich habe den Modeton<br />

der Stadt wohl getroffen.<br />

Kleider machen auch auf<br />

Reisen Leute. Ich freue<br />

mich schon auf meinen<br />

nächsten Mailand-Trip, dann<br />

›molto italiano‹ und perfekt<br />

behütet.«<br />

Harald Braun<br />

Als <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-<br />

Reporter hat der Wahl-<br />

Hamburger mit dem<br />

rheinischen Sprachfehler<br />

schon einige Ecken auf<br />

der Welt gesehen. Er hat<br />

die Winzer Westaustraliens<br />

getroffen, auf den<br />

Scilly Islands Ornithologen<br />

beobachtet und<br />

auf dem Marktplatz von<br />

Marrakesch Schlangenbeschwörern<br />

beim Musizieren<br />

zugehört. Gar nicht<br />

schlecht für einen Mann,<br />

der in seiner Jugend<br />

immer bloß in Eifeler<br />

Landschulheime reiste.<br />

»Stets lehrreich, so ein Trip<br />

in die Fremde. Für diese<br />

Ausgabe waren es gleich<br />

zwei davon: Auf dem Mekong<br />

in Laos lernte ich auf<br />

einer Kreuzfahrt die Freuden<br />

der Melancholie kennen. In<br />

Kentucky wiederum lernte<br />

ich vor allem, dass man<br />

Bourbon auch schon zum<br />

Frühstück trinken sollte,<br />

um sich den Gebräuchen<br />

der Locals anzupassen.<br />

Und noch ein paar Sachen<br />

über Pferde, die ich schnell<br />

wieder vergessen habe. Der<br />

Bourbon vermutlich.«<br />

Andreas Dauerer<br />

Fotoreporter Andreas<br />

bringt von seinen Reisen<br />

nicht nur stets wunderschöne<br />

Bilder mit,<br />

sondern auch immer besondere<br />

Restauranttipps.<br />

Dieses Mal war er im<br />

schwedischen Västervik<br />

für uns unterwegs und es<br />

wurde ziemlich nass und<br />

kalt – so viel dürfen wir<br />

schon einmal verraten.<br />

»Ein Hoch auf die Schultersaison.<br />

Västervik und<br />

Umgebung zeigen sich<br />

dann in diesem schönen<br />

Zwischenzustand vor oder<br />

nach dem Winterschlaf.<br />

Die Natur atmet durch und<br />

auch ich hatte bei all der<br />

touristischen Ruhe meine<br />

Sinne nachgeschärft. Das<br />

Beste: Kulinarisch ist nichts<br />

im Winterschlaf. Selten<br />

habe ich in einer Kleinstadt<br />

so viele gute Restaurants<br />

gesehen.«<br />

Mit Dänemark ist Tina<br />

Bremer quasi auf Du und<br />

Du – stammt die Reisejournalistin<br />

doch aus<br />

Schleswig-Holstein. Vielleicht<br />

ist ihr der Norden<br />

Europas deshalb so nah,<br />

mag sie die Klarheit von<br />

Luft und Leuten. Nur an<br />

dem häufigen Schietwetter<br />

sollte man arbeiten,<br />

findet das Nordlicht.<br />

Zum Glück schien bei<br />

ihrem letzten Besuch die<br />

Sonne. Für uns radelte<br />

Tina durch Kopenhagen<br />

und stellte ihr Fahrrad<br />

im neuen 25hours Hotel<br />

Indre By ab.<br />

»Dänemark mag Vorreiter<br />

in vielen Dingen sein wie<br />

nachhaltige Fashion Week<br />

oder Legalisierung von<br />

Pornografie, Kopenhagen<br />

aber ist Vor-Radler. Genau<br />

so sollten Städte aussehen:<br />

weniger Autos, mehr Platz<br />

für Mensch und Natur. Wie<br />

gut, dass man im Leben<br />

stets dazulernt – vor allem<br />

im 25hours Hours Indre By,<br />

das sich mit seinem Design<br />

dem Thema Erwachsenwerden<br />

und Lernen verschrieben<br />

hat.«<br />

Instagram @tina_bremer<br />

Instagram @<strong>reisen</strong>_exclusiv<br />

Instagram @aspirinia<br />

Instagram @<strong>reisen</strong>_exclusiv<br />

Instagram @andreasdauerer<br />

Fotos: privat<br />

24<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


ASIEN<br />

EAT, PRAY, FLY<br />

1.425.775.850<br />

Menschen – so viele Einwohner<br />

zählt Indien <strong>2023</strong>. Damit ist<br />

INDIEN das bevölkerungsreichste<br />

Land der Welt und hat<br />

China nun überholt.<br />

Fotos: PR, Aron Visuals/Shutterstock.com, T. Lesia/Shutterstock.com<br />

Gute Nachrichten für alle Bali-Liebhaber: Singapore Airlines fliegt nun die beliebte<br />

indonesische Ferieninsel von Frankfurt aus öfters an – und natürlich auch wieder<br />

zurück. Ab dem 1. Juli geht es täglich in einem Nachtflug über Singapur nach Bali.<br />

www.singaporeair.com<br />

WIE MAN<br />

NINJA WIRD<br />

Ein unterhaltsames und spannendes<br />

Buch, das Fernweh<br />

weckt, Wissen weitergibt und<br />

auch dazu anregt, die eigene<br />

Weltsicht zu erweitern oder<br />

zu überdenken. Autorin Anna<br />

Sanner erzählt in ihrer Biografi e<br />

von ihrer besonderen Zeit in<br />

Japan. Denn als sie nach Osaka<br />

zieht, bekommt sie die Chance,<br />

eine Ausbildung zur Show-Ninja<br />

zu machen. Kein leichter Weg,<br />

in eine für uns ganz fremde<br />

Kultur einzutauchen. Humorvoll<br />

und authentisch geschrieben.<br />

Ein Muss für alle Japan-Fans.<br />

»Wie man in Japan Ninja wird«,<br />

Reisedepeschen Verlag, 352<br />

Seiten, € 20.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

25


ASIEN | Mekong<br />

fotos<br />

BPatrick Ohligschläger<br />

Das Leben<br />

ist ein langer,<br />

ruhiger Fluss<br />

Eine Kreuzfahrt kam für <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-Autor<br />

Harald Braun bislang nie infrage. Zu viele Menschen auf<br />

einem viel zu großen Gewässer. Erst die Möglichkeit,<br />

im charmanten Boutique-Boot ein paar Tage auf dem<br />

Mekong zu cruisen, änderte die Meinung unseres<br />

störrischen Schreibers.<br />

26


Hinreißender Fluss: Eine Reise auf dem<br />

bislang wilden und unregulierten Mekong<br />

ist ein Abenteuer. Geankert wird dort,<br />

wo es der Strom gerade zulässt.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

27


CHINA<br />

START<br />

Luang Prabang<br />

MYANMAR<br />

ZIEL<br />

Vientiane<br />

LAOS<br />

THAILAND<br />

KAMBODSCHA<br />

VIETNAM<br />

Prolog<br />

Alles, was über eine Kreuzfahrt zu sagen ist, hat<br />

David Foster Wallace bereits in seinem Büchlein<br />

»Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne<br />

mich« niedergeschrieben. Dachte ich jedenfalls.<br />

Allerdings bezog sich Foster Wallace auf einen<br />

Trip mit einer Art fahrendem Möbelhaus, so gigantisch,<br />

dass eine Kleinstadt darin Platz finden<br />

würde. Zudem schipperte er im Pazifik herum,<br />

was mir als Nichtschwimmer einen gewissen<br />

Respekt abverlangt. Nein, ich war kein Fan. Was<br />

sieht man denn auf so einer Reise, was lernt man<br />

kennen? Außer sehr viel Wasser und bunten<br />

Buffets, die auf jedem Stockwerk dieser schwimmenden<br />

Vergnügungsfabriken davon ablenken<br />

sollen, dass es auf solch einem Traumschiff wenig<br />

zu tun gibt. So weit zu meinen und von Foster<br />

Wallace untermauerten Vorurteilen.<br />

Neulich aber erhielt ich die Einladung, mit<br />

einem Boutique-Boot ein paar Tage lang auf dem<br />

Mekong zu cruisen. Das klang doch schon mal<br />

ganz anders, aufregend, geheimnisvoll. Ich entschloss<br />

mich, über meinen Schatten zu springen<br />

und das erste Mal an einer »Kreuzfahrt« teilzunehmen.<br />

Spoiler-Alarm: Ich habe es nicht bereut.<br />

28 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


ASIEN | Mekong<br />

Ist eine Reise auf dem<br />

Fluss eine Kreuzfahrt im<br />

klassischen Sinne?<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

29


ASIEN | Mekong<br />

Für die Ewigkeit! Die Wat Xieng<br />

Thong ist die älteste Tempelanlage<br />

Luang Prabangs und eines der<br />

bedeutendsten buddhistischen<br />

Zentren in Laos.<br />

30<br />

herbst 2020


Mönche<br />

dürfen keinen<br />

weltlichen<br />

Besitz haben.<br />

Tag 1<br />

Beginnen wir mit der Beschreibung dessen, was so eine<br />

Fahrt mit dem Boutique-Boot von einer beliebigen Sause<br />

mit einer schwimmenden Kleinstadt unterscheidet.<br />

Die Mekong Sun ist nur 40 Meter lang und wirkt durch<br />

die eleganten Aufbauten aus Teak- und Mahagoniholz<br />

wie die schwimmende Gartenlaube eines skandinavischen<br />

Designers. Schuhe aus. Das ist der erste Satz, den<br />

wir an Bord hören – die glänzenden Holzbohlen sollen<br />

möglichst nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.<br />

Auf den beiden Decks befinden sich nur 14 Kabinen.<br />

Das Schwesterschiff Mekong Pearl hat nur eine Kabine<br />

mehr. Das heißt, dass nie mehr als 28 Gäste an Bord<br />

sind – zuzüglich der 16 Crewmitglieder natürlich, die<br />

wir im Rahmen einer Vorstellungsrunde kennenlernen.<br />

Bevor wir in Luang Prabang an Bord der Mekong<br />

Sun einchecken, bleibt ein Tag Zeit, um uns den wohl<br />

schönsten Ort Südostasiens anzuschauen. Luang Prabang<br />

gilt als Stadt der Tausend Pagoden, doch wirklich<br />

gezählt hat offenbar niemand. Ständig wechseln die<br />

Angaben. Sicher ist nur, dass es sehr, sehr viele Tempel<br />

sind. Man kann es jeden Morgen aufs Neue sehen.<br />

Dieses Schauspiel auf Luang Prabangs Straßen ist<br />

wirklich beeindruckend: Im Morgengrauen schwärmen<br />

Heerscharen leuchtend orange gekleideter Mönche aus,<br />

um sich ihre tägliche Spende abzuholen. Tak Bat heißt<br />

dieses Schauspiel, das auch als »Offering« oder »Einsammeln<br />

der Morgengabe« bekannt und zur beliebten<br />

Touristenattraktion geworden ist. Schweigend schlurfen<br />

die müden Mönche durch den Morgennebel und sammeln<br />

Früchte und eine Menge Klebereis in glänzenden<br />

Bottichen aus Plastik ein – ihr Frühstück, Mittag- und<br />

Abendessen. Mönche dürfen keinen weltlichen Besitz<br />

haben und sind auf dieses malerische Bettelritual angewiesen.<br />

Der Preis dafür: Touristen aus aller Welt rücken<br />

ihnen mit Kameras und Mobiltelefonen zum Teil sehr<br />

nah auf die Pelle. Nicht immer bleibt die Würde dieser<br />

traditionellen Zeremonie gewährleistet.<br />

Kaum haben sich die Mönche im Tempel zurückgezogen,<br />

öffnen die ersten Frühstückscafés in Luang<br />

Prabang. Avocados werden aufgeschnitten, Siebträger-Kaffeemaschinen<br />

zischen, frische Früchte werden<br />

auf Tellern zerteilt. Es könnte auch Ibiza sein oder ein<br />

Hipsterspot in New York, wenn man nicht so genau<br />

hinschaut. Luang Prabang ist dank üppiger Finanzspritzen<br />

seiner einstigen französischen Besatzer zu einer Art<br />

Freilichtmuseum geworden, hübsch anzusehen, aber<br />

doch auch sehr künstlich.<br />

Backpacker aus der ganzen Welt klappen hier in<br />

schmucken Gasthäusern ihre Laptops auf, die Restaurants<br />

und Cafés sind stilvoll aufgerüscht, die Straßen<br />

überwiegend sauber – mit dem Rest von Laos, einem der<br />

ärmsten Länder der Welt, hat Luang Prabang wenig zu<br />

tun. Das ist Fluch und Segen für die Bewohner dieser<br />

wundervollen Stadt, denn vom ursprünglichen laotischen<br />

Leben ist man hier zumindest in der historischen Altstadt<br />

weit entfernt. Selbst die rauen, lange so angenehm ungeordneten<br />

Tages- und Nachtmärkte haben sich verändert,<br />

sind weitgehend zugeschnitten worden auf westliche<br />

Bedürfnisse. Aber Vorsicht, es gibt Ausnahmen: Nicht<br />

jeder Besucher ist auf den Anblick von gekochten Ratten<br />

oder Flughunden eingestellt – oder auf blutige Stümpfe<br />

von Ziegenbeinen, die auf die Auslage tropfen.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

31


ASIEN | Mekong<br />

Tag 2<br />

Der Oberlauf des Mekongs gehört zu den schönsten<br />

Flussstrecken der Welt. Unsere Route zwischen Luang<br />

Prabang und Vientiane, der Hauptstadt von Laos, ist<br />

knapp 500 Kilometer lang – ein Klacks nur im Vergleich<br />

zu den fast 5.000 Kilometern, in denen sich die<br />

»Mutter aller Flüsse« von den Götterbergen Tibets bis<br />

ins Delta von Vietnam windet. Doch es sind abwechslungsreiche<br />

500 Kilometer, das erkennen wir schon<br />

nach kurzer Fahrt. Sie werden bestimmt von engen Biegungen,<br />

mächtigen Schleusen und raffiniert versteckten<br />

Sandbänken. Der Eindruck täuscht allerdings. Was aus<br />

unserer Perspektive wie die betuliche Verfilmung von<br />

»Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss« wirkt, kann<br />

in Wahrheit zu einem echten Abenteuer werden. Der<br />

Mekong hat viele Gesichter: An einigen Stellen ist er<br />

100 Meter tief, an anderen nur einen einzigen Meter.<br />

Mal misst er erstaunliche 50 Meter von Ufer zu Ufer,<br />

dann wiederum dehnt er sich auf bis zu gewaltige 14<br />

Kilometer aus. Unser Kapitän Huan Chith Ta Phon ist<br />

ein kurzer Mann. Er steht auf einem Höckerchen, um<br />

freie Sicht auf den Fluss zu haben und die Mekong Sun<br />

Der Mekong hat<br />

ein Eigenleben.<br />

Wann wir wo sein<br />

werden, ist im<br />

Voraus nie genau<br />

zu bestimmen.<br />

zu lenken. Das geschieht auf Sicht, keine automatische<br />

Navigation steuert unsere Geschicke. Er gehört zu den<br />

wenigen Kapitänen, die ein Schiff wie die Mekong Sun<br />

überhaupt lenken können. Schriftliches Kartenmaterial,<br />

das helfen könnte, einen sicheren Weg zwischen Stromschnellen<br />

und tückischen Sandbänken zu finden, gibt es<br />

nicht. Erfahrung und ein Gefühl für die Launen des Mekong<br />

sind es, die unseren Kapitän leiten. Und das auch<br />

nur tagsüber. Bevor die Dunkelheit einsetzt, muss ein<br />

Ankerplatz gefunden werden. Fest kalkulierbare Ziele<br />

gibt es nicht. Der Mekong hat ein Eigenleben. Wann wir<br />

wo sein werden, ist im Voraus nie genau zu bestimmen.<br />

Am zweiten Abend landen wir irgendwo weit abseits<br />

von Spuren menschlicher Zivilisation. Auf einer dünnen<br />

Landzunge errichtet unsere Crew ein Lagerfeuer und<br />

stimmt zu den Klängen einer schlichten Klampfe laotische<br />

Lieder an. Wir kontern mit US-amerikanischen<br />

Gassenhauern: »Take me home, country roads.« Ob John<br />

Denver geahnt hat, dass sein Song laotischen Matrosen<br />

mal eine solche Freude bereiten wird? Die höflichen Gesellen<br />

haben jedenfalls so getan.<br />

Die 28 Gäste werden<br />

von 16 Crewmitgliedern<br />

umsorgt.<br />

Thomas Stukenbrok<br />

ist Hoteldirektor der<br />

Mekong Sun, Reiseleiter<br />

und Südostasien-Experte<br />

in einem.<br />

32


Auch wenn er oft wunderschön<br />

anzusehen ist: Der<br />

Mekong hat seine Launen.<br />

Kapitän Huan Chith Ta Phon<br />

Dieser Kopf zierte einst einen Wagen beim Karneval von Mindelo.<br />

weiß sie zu nehmen.<br />

Heute verwittert er in einem Hof, in dem die bildenden Künstler der<br />

Stadt arbeiten.<br />

frühling sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

33


34<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

herbst 2020


ASIEN | Mekong<br />

Illustration: MuchMania/Shutterstock.com<br />

Tag 3<br />

Wir besuchen ein kleines Dorf: Ban Don Sai<br />

Ngam. Seine Bewohner gehören zu den sogenannten<br />

Tiefland-Laoten, einer von drei Bevölkerungsgruppen<br />

in Laos. Neben ihnen gibt es noch<br />

Hochland- und Berghang-Laoten. Im Laufe des<br />

letzten Jahrzehnts entwickelte sich im Schatten<br />

der prosperierenden Tigerstaaten Thailand, Vietnam<br />

und China auch in Laos spürbares Wirtschaftswachstum.<br />

Ob sich das in der Lebensqualität<br />

der Menschen im winzigen Ban Don Sai<br />

Ngam widerspiegelt, ist eine interessante Frage.<br />

Einige Kinder zwischen drei und 13 Jahren erwarten<br />

uns vor dem Eingang zum Dorf. Einer<br />

aus unserer Gruppe hat Spielzeug dabei, extra<br />

für diese Begegnung aus Deutschland durch alle<br />

Zollkontrollen geschleppt: Puppen, Steiff-Tiere,<br />

ausrangierter Plüsch aus westlichen Altbaustuben.<br />

Die laotischen Kinder nehmen die Geschenke<br />

erfreut, aber auch sichtlich irritiert entgegen.<br />

Teilweise tragen sie Fußballtrikots von Manchester<br />

United oder Real Madrid. Die Häuser<br />

im Dorf sind einfach, aber solide erbaut, nur der<br />

randständige Tempel sieht verwahrlost aus. Der<br />

Grund: Der Mönch ist weg. Länger schon, wie<br />

wir hören, weitergezogen, weil sich die Gemeinde<br />

seinen Unterhalt nicht mehr leisten konnte.<br />

Das vermutet jedenfalls Thomas Stukenbrok,<br />

unser bedächtiger Guide in allen Fragen der Völkerverständigung<br />

auf der Mekong Sun. Die Menschen<br />

im Dorf leben von der Landwirtschaft. Hier<br />

in Ban Don Sai Ngam will uns niemand etwas<br />

verkaufen. Einer von uns darf einen seltsamen<br />

dreirädrigen Traktor Probe fahren, der eines der<br />

wenigen technischen Hilfsmittel zu sein scheint,<br />

mit dem die Tiefland-Laoten hier Landwirtschaft<br />

betreiben. Das meiste ihrer Ernte verkaufen sie<br />

auf einem Markt in der Gegend, davon leben sie.<br />

Ban Don Sai Ngam ist kein Show-Dorf, das<br />

von Touristen lebt, versichert Thomas Stukenbrok,<br />

und es stimmt. Die Menschen dort haben<br />

genauso viel Interesse an uns wie wir an ihnen,<br />

ohne dass daraus unbedingt ein Geschäft entstehen<br />

müsste. Als wir zurück an Bord gehen, sind<br />

wir trotzdem bedrückt. Objektiv sind die Tiefland-Laoten<br />

bitterarm. Der Eindruck, den sie auf<br />

uns machen, suggeriert allerdings eine gewisse<br />

demütige Zufriedenheit. Oder ist es nur unser<br />

westlicher Blickwinkel, der uns beruhigt glauben<br />

lässt, dass Menschen in diesen Verhältnissen ein<br />

gutes Leben führen?<br />

Hier in Ban Don Sai<br />

Ngam will uns niemand<br />

etwas verkaufen.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

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35


ASIEN | Mekong<br />

Tag 4<br />

Wäre die Langsamkeit nicht schon von Schriftsteller Stan<br />

Nadolny entdeckt worden, nach dieser Reise hätte ich<br />

mich auch dafür bewerben können. Seit Tagen schweben<br />

wir nun bereits im stillen Wasser durch den laotischen<br />

Teil des Mekongs und hängen unseren Gedanken nach.<br />

Wenn wir nicht gerade von der Crew der Mekong Sun<br />

mit traditionellem Thai-Food bedient oder von unserem<br />

»Hoteldirektor« Thomas Stukenbrok auf die Eigenheiten<br />

asiatischer Lebensart hingewiesen werden, schauen wir<br />

immer wieder still und staunend hinaus auf den umbrabraunen<br />

Fluss und schweben in gefühlter Zeitlupe durch<br />

die Landschaften Südostasiens. Das kraftvolle, zweimal<br />

550 PS starke Tier tief im Rumpf unseres Boots unterlegt<br />

dieses exotische Bühnenbild mit dumpfem Brummen.<br />

Hinter jeder Biegung des Flusses taucht ein neues Szenario<br />

auf: Dschungelidyllen an hoch aufragenden Ufern.<br />

Hügelige Lehmkaskaden neben rissigen, brachial in Sand<br />

und Stein geschlagenen Treppenstufen ins Nichts. Verwitterte<br />

Hütten aus Holz, die schon jahrelang niemanden<br />

mehr beherbergt haben dürften. Dazu immer wieder<br />

vereinzelt Menschen, die in gebückter Haltung aus der<br />

Entfernung so verloren wirken wie Dschunken in stürmischer<br />

Brandung. Der Mekong ist ein mächtiger Fluss, der<br />

alles um sich herum an den Rändern übermalt.<br />

Nach vier Tagen endet unsere Reise in Vientiane,<br />

der Hauptstadt von Laos. Im Gegensatz zum schicken<br />

Luang Prabang versprüht Vientiane den Charme einer<br />

staubigen Provinzstadt. Vom exotischen Zauber unserer<br />

Schiffspassage auf dem Mekong ist hier nichts mehr zu<br />

spüren. Wehmütig lassen wir die eindrucksvollen Bilder<br />

der letzten Tage noch einmal vor unserem geistigen Auge<br />

ablaufen, bevor uns ein Flugzeug nach Bangkok bringt.<br />

Der Moment, in dem wir in den berühmten Pak-Ou-Höhlen<br />

neben den Tausenden von erhabenen Buddhastatuen<br />

auch die eine Figur entdecken, die lacht wie ein Kobold<br />

auf Ecstasy, und der uns beweist: Buddha hat Humor.<br />

Der Moment, in dem wir Grillen vom Grill probieren und<br />

die Stinkefrucht Durian (keine gute Idee). Der Moment,<br />

in dem uns laotische Tänzerinnen Leinenbändchen umlegen,<br />

um böse Geister zu vertreiben. Und die perfekten<br />

Momente natürlich, die wir still und beinahe andächtig<br />

am Oberdeck der Mekong Sun verbringen, während diese<br />

magische Flusslandschaft in Zeitlupe an uns vorüberzieht<br />

und uns wehmütig und glücklich zugleich macht.<br />

Mehr als auf dem Mekong werden wir über das Wesen<br />

der Melancholie vermutlich nie erfahren.<br />

36<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Alles Gold, was glänzt:<br />

Der buddhistische Stupa<br />

Pha That Luang in der<br />

Hauptstadt Vientiane<br />

ist das Nationalsymbol<br />

von Laos.<br />

Der Mekong ist ein<br />

mächtiger Fluss, der<br />

alles um sich herum<br />

an den Rändern<br />

übermalt.<br />

INFO<br />

ANREISE Von Frankfurt a. M. und München gibt<br />

es Direktflüge in die thailändische Hauptstadt<br />

Bangkok. Von dort sind es weitere eineinhalb<br />

Flugstunden bis Luang Prabang. Zurück fliegt Lao<br />

Airlines von Vientiane nach Bangkok.<br />

EINREISE Für Laos wird ein Visum benötigt.<br />

»Visa-on-arrival« wird am Flughafen ausgestellt und<br />

kostet rund € 38.<br />

FLUSSKREUZFAHRTEN Lernidee Erlebnis<strong>reisen</strong><br />

betreibt die zwei Boutique-Schiffe Mekong Sun<br />

und Mekong Pearl auf dem oberen Mekong.<br />

14 beziehungsweise 15 Kabinen bieten Platz für<br />

28 beziehungsweise 29 Personen. Besonders<br />

beliebt ist die Reise »Orchidee« vom Goldenen<br />

Dreieck über Luang Prabang bis nach Vientiane<br />

oder umgekehrt. Sie dauert 14 Tage (zehn Tage<br />

Schiffsreise) und ist ab € 4.400 buchbar. Im<br />

Reisepreis sind Flüge ab/bis Deutschland sowie<br />

sämtliche Mahlzeiten enthalten.<br />

WÄHRUNG In Laos wird in laotischen Kip gezahlt.<br />

Ein Euro entspricht rund 19.000 Kip.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

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37


ASIEN | Sri Lanka<br />

text & fotos<br />

BNorbert Eisele-Hein<br />

entLANKA<br />

Eine Reise nach Sri Lanka<br />

war der Traum vieler. Zu vieler.<br />

Und dann kam Corona, eine<br />

Wirtschaftskrise und die<br />

Unsicherheit, ob denn Sri Lanka<br />

wirklich noch das richtige Ziel<br />

ist. Jetzt, wo sich das Land<br />

langsam berappelt hat, haben<br />

wir unseren Reporter Norbert<br />

Eisele-Hein hingeschickt, um<br />

nach dem Rechten zu sehen<br />

und uns von der Trauminsel<br />

vorzuschwärmen.<br />

Die prächtigen blauen Blumen sind<br />

begehrte Devotionalien für Buddhisten<br />

und lassen sich auf dem Markt gut<br />

verkaufen. Dass in den Gewässern auch<br />

Krokodile schwimmen, scheint den<br />

Sammler nicht zu kümmern.<br />

38


sommer <strong>2023</strong><br />

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39


Überragend: Der 350 Meter hohe<br />

Lotus Tower mitten in der Hauptstadt<br />

Colombo sticht heraus.<br />

Mitten im geschäftigen Colombo liegt<br />

der kleine Beira-See. Hier turteln<br />

Liebespaare in Tretbooten. Pelikane<br />

segeln über den Teich. Setzen auf der<br />

Suche nach Fischen immer wieder<br />

zum so plump wirkenden, aber dennoch<br />

meist erfolgreichen Sturzflug an. Am Ufer lässt<br />

ein Schlangenbeschwörer eine Kobra nach den Lauten<br />

seiner Flöte tanzen. Andere hieven mutigen Touristen<br />

für einen Obolus gar einen Python auf die Schultern.<br />

Gleich daneben werden Zuckerwatte, Mangos und junge<br />

Kokosnüsse mit Strohhalm verkauft. m Hintergrund<br />

ragt der erst kürzlich, noch vor der großen Wirtschaftskrise<br />

im Frühjahr 2022 erbaute, 350 Meter hohe Lotusturm<br />

in den Himmel. Die lilafarbenen Blütenblätter<br />

aus illuminierbarem Glas strahlen wie ein aumschiff.<br />

Das höchste Bauwerk Südasiens gilt als architektonisch<br />

gelungenes Statement. Doch so ein sündteures Statussmbol<br />

inmitten schwerster Wirtschaftskrise, war das<br />

wirklich nötig, fragen sich die Bürger. Selbst der riesige,<br />

goldene Buddha im nahen Viharamahadevi Park, der zu<br />

Zeiten britischer Kolonialherrschaft etwas leichter auszusprechen<br />

nur Cinnamon Gardens hieß, scheint skeptisch.<br />

m Lotussitz blickt er mit stilisierten Augen träumerisch-verklärt<br />

auf das neue Wahrzeichen der Stadt<br />

– den kaum zu übersehenden, protzigen Phallus. Gütige<br />

Stimmen meinen, Buddha drücke beide Augen zu. Sri<br />

Lanka fängt also schon mal richtig gut an.<br />

40<br />

herbst 2020


ASIEN | Sri Lanka<br />

»Das hat alles<br />

seine Ordnung.<br />

Wozu haben wir<br />

Hupe und Bremse?«<br />

Geplant ist eine 14-tägige Rundtour durch das zentrale<br />

Hochland, um dann in den Süden der nsel zu <strong>reisen</strong>.<br />

Zum Baden. Dazwischen wollen wir möglichst viel Kultur<br />

und atur Sri Lankas erfahren. Und so viel vorweg:<br />

Von beidem hat die Perle im ndischen Ozean jede Menge.<br />

Bis zu unserem ersten Stopp in Kand sind es von der<br />

Hauptstadt Colombo 11 Kilometer. »We take the main<br />

road«, erklärt Guide Sunda, » hope it will onl take about<br />

four hours.« Schon bald ist klar: Wer bei »Hauptstraße«<br />

an die deutsche Autobahn denkt, ist falsch gewickelt. Die<br />

Straße führt durch eine unendliche Anreihung von Dörfern.<br />

Der Straßenrand ist Werbefläche, beschert durch<br />

seine omnipräsenten, krachbunten Plakate eine stetige<br />

eizüberflutung. Ab Mirigama wird die Vegetation üppiger.<br />

Bald ragen Urwaldriesen in den Himmel. Darin<br />

hängen Hunderte Flughunde kopfüber beim tagsüber<br />

üblichen Nickerchen. Die quietschbunten Papageien sind<br />

tagaktiv und schwirren lautstark krächzend kreuz und<br />

quer. Mittendrin watschelt ein bestimmt zwei Meter langer<br />

Waran seelenruhig über die Straße. Dort scheint ohnehin<br />

Anarchie zu herrschen. »ein, das hat alles seine<br />

Ordnung. Wer vorne ist, hat Vorfahrt. Es gilt das echt<br />

des Stärkeren. berholt wird überall. Wozu haben wir<br />

Hupe und Bremse«, lacht Sunda. Die unzähligen Mopeds,<br />

Tuk-Tuks, Kleinlaster und Schwertransporte sorgen für<br />

ein Bewegungsprofil, das einem Ameisenhaufen auf<br />

Ecstas gleicht. ur hin und wieder eingebremst durch<br />

einen Ochsenkarren. Und obwohl uns Europäern in so<br />

mancher Fahrsituation das Blut in den Adern gefriert,<br />

passiert doch erstaunlich wenig.<br />

Eakt nach vier Stunden biegen wir zur Thotupola esidence<br />

ein. Dort weiht uns Frau Sulochana in die Kunst<br />

der Currzubereitung ein. Wir öffnen Kokosnüsse für das<br />

Kokoswasser, raspeln fleißig Kokosmark. Mörsern, mahlen<br />

und schnippeln frische Gewürze: Bockshornklee,<br />

Kurkuma, Curryblätter, Senfsamen, Knoblauch und<br />

Chilis. n einem Mini-Tonofen zaubern wir mit Holzfeuer<br />

ein pikantes Curr. Wahlweise mit Huhn. Dazu gibt<br />

es Karottengemüse, Auberginenmousse und Bratkartoffeln.<br />

Zur achspeise: Pfannkuchen mit Kokosmark,<br />

Palmhonig und – als einzige Zutat aus dem Supermarkt<br />

– Vanilleeis. »Das Geheimnis des Currys ist die frische<br />

Zubereitung der Gewürzmischung«, meint Frau Sulochana.<br />

So schlemmen wir auf ihrer Terrasse und würden<br />

am liebsten die Tonschalen ausschlecken. Lauschen der<br />

Kakophonie des Urwalds und beobachten Sandsammler<br />

auf dem Mahaweli iver, dem längsten Fluss Sri Lankas.<br />

Mit langen Stangen, an denen eimerähnliche Kellen<br />

montiert sind, schaufeln sie Sand vom Grund des Mahaweli.<br />

Packen ihn mit purer Muskelkraft nach oben und<br />

türmen ihn auf den Bambusflößen zu stattlichen Bergen<br />

auf. Was für eine Plackerei.<br />

Später in Kandy hören wir gerade noch den Schulgong.<br />

Schon strömen unzählige Schüler auf die ohnehin<br />

vollgepackten Straßen. Die Mädchen mit Zöpfen<br />

und Schleifchen, hochgeschlossener, weißer Bluse und<br />

ock. Die Jungen mit gebügelten Uniformen und gescheiteltem<br />

Haar – alle Geschlechter mit Krawatten.<br />

Wer nicht mit dem Tuk-Tuk abgeholt wird, uetscht sich<br />

in die Busse oder schlendert zur Eisenbahn. Wir eilen<br />

zur Pooja, einem Abendgebet im Sri Dalada Maligawa,<br />

dem wohl wichtigsten buddhistischen Heiligtum Sri<br />

Lankas. m »Zahntempel« wird angeblich der mthenumrankte<br />

Eckzahn des Buddha aufbewahrt. Die mehr<br />

als abenteuerliche Odyssee dieser Reliquie füllt Bücher.<br />

Der weise Khema soll den Zahn einst um 40 vor Chris-<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

41


ASIEN | Sri Lanka<br />

Waren es Dienerinnen,<br />

Nymphen, Prinzessinnen?<br />

tus aus Buddhas Scheiterhaufen gerettet haben. m Jahr<br />

311 wurde er von der indischen Königstochter im wallenden<br />

Haar versteckt nach Sri Lanka gebracht. Der Zahn<br />

selbst liegt geschützt in einer mit Edelsteinen besetzten<br />

Karanduwa, die wiederum – ähnlich einer russischen<br />

Matroschka-Puppe – in weiteren sieben Behältnissen<br />

mit Schlössern und Zugangsbeschränkungen für Äbte<br />

und Verwalter gesichert ist. Die spirituelle Verneigung<br />

der Buddhisten und das Blumenmeer der Opfergaben<br />

lässt die Atmosphäre angenehm knistern. Auch wenn<br />

der Zahn nicht wirklich zu sehen ist, die Andacht mit<br />

Trommlern und Bläsern in diesen prunkvollen Gemäuern<br />

ist ein Muss.<br />

Wir setzen zu einer mehrtägigen, nördlichen Schleife<br />

durch das kulturelle Dreieck an. Die Anlage von Dambulla<br />

mit ihrem riesigen goldenen Buddha gleich am<br />

Eingang und den liegenden Buddhas in fein mit Fresken<br />

verzierten Höhlen wird auch heute noch von Mönchen<br />

bewohnt. Der Aukana-Buddha nur 30 Minuten weiter,<br />

etwas westlich der A , thront nur ein paar Schritte vom<br />

Parkplatz entfernt. Dieser segnende Buddha wurde aus<br />

einem einzigen, sagenhaften Felsblock gemeißelt und gilt<br />

als größte Kolossalplastik Sri Lankas.<br />

Weiter geht es zu einem monumentalen Tafelberg,<br />

der majestätisch aus dem Urwald aufragt. Der Löwenfelsen<br />

von Sigiria wurde bereits 1 von der Unesco ins<br />

Weltkulturerbe aufgenommen. Der Aufstieg durch den<br />

alten Königspalast über steile und eponierte Stufen hat<br />

es in sich und erfordert gelegentlich etwas Schwindelfreiheit<br />

und gutes Schuhwerk. Zur Belohnung gibt es einen<br />

Blick auf die Fresken bezaubernder Wolkenmädchen, bereits<br />

im 5. Jahrhundert liebreizend dargestellt, rätselt die<br />

Wissenschaft heute noch über ihre ursprüngliche Bedeutung.<br />

Waren es Dienerinnen, mphen, Prinzessinnen?<br />

Für eine Bootstour auf der Seenplatte von Habarana<br />

nehmen wir uns einen ganzen Tag Zeit. Vor uns gleiten<br />

Kinder mit hölzernem Katamaran über den regungslos<br />

daliegenden See. Erst als ein kleines Mädchen ein paar<br />

Seerosen pflückt, zerfließt dieses impressionistische<br />

Gemälde still zu einem modernen Auarell. Die Ufer<br />

werden von mächtigen Urwaldriesen gesäumt. Seiden-,<br />

Eben- und sogar Eisenholzbäume sind darunter, dazwischen<br />

suchen immer wieder Kokospalmen den Weg<br />

durch das Blätterdach ans Licht. Zwischen den Seen und<br />

zahlreichen Kanälen lässt sich die Tour genauso entschleunigt,<br />

aber etwas ruckeliger mit dem Ochsenkarren<br />

fortsetzen. eben einer Vielzahl von eihern, Kormo-<br />

42 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Der Aufstieg zu den Wolkenmädchen am Löwenfelsen<br />

von Sigiriya ist anstrengend, aber der Anblick der<br />

Fresken und der Ausblick sind die Mühe wert.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

43


Die wellenförmigen Teeplantagen sind eine Augenweide, aber die Arbeit in den steilen Hängen ist ein Knochenjob –<br />

so auch für die Teepflückerinnen.<br />

44<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

herbst 2020


ASIEN | Sri Lanka<br />

Affen zocken auch gerne mal<br />

Sonnenbrillen und Handys.<br />

ranen und Greifvögeln sehen wir Wasserbüffel. Unser<br />

Guide meint, es gäbe auch Bären und Krokodile. Okay,<br />

Baden fällt für uns also aus. Nicht so für einen Lotusblumensammler.<br />

Er watet durch das schultertiefe Wasser<br />

einer zugewachsenen Bucht und pflückt blaue Lotusblumen<br />

für den Verkauf auf dem Markt – eine begehrte Devotionalie<br />

bei Buddhisten.<br />

Doch wofür ist Sri Lanka auch bekannt? Genau, für<br />

die Elefanten. Also ist eine Jeepsafari zu den Dickhäutern<br />

ein absolutes Muss. uckelnd im engen Jeep kurven<br />

wir durch den angrenzenden ationalpark. Und da sind<br />

sie. Und neben den riesigen Elefantenherden tummeln<br />

sich auch etliche, locker vier Meter lange Krokodile an<br />

den Ufern der Seen.<br />

Polonnaruwa markiert unsere letzte Station im »Culture<br />

Triangle«. Die einst florierende Königsstadt wurde<br />

nach mehreren Plünderungen 1288 aufgegeben.<br />

Das riesige Areal wäre die perfekte Filmkulisse<br />

für das Dschungelbuch , denn die Languren,<br />

Hutaffen und Schlankloris haben<br />

die Ruinen längst für sich erobert. Der<br />

zentrale Königspalast soll bis zu sieben<br />

Stockwerke hoch gewesen sein und über<br />

1.000 Zimmer verfügt haben. Ein Bad<br />

in Form einer Lotusblume, zig Tempel<br />

und Buddha-Statuen. Unbedingt genug<br />

zu trinken mitnehmen und vor allem den<br />

Sonnenschirm nicht vergessen.<br />

Wieder zurück in Kand wechseln wir das Fortbewegungsmittel.<br />

Für unsere »Tour de Tee« ins Hochland<br />

nehmen wir den Zug. Der Bahnhof Kand ist eine Augenweide,<br />

atmet förmlich koloniales Flair. Die optisch so<br />

gemütlich wirkenden, bauchig runden singhalesischen<br />

Schriftzeichen wurden per Hand auf die Tafeln gemalt,<br />

die Schalter und Bänke aus dunklem Tropenholz reichhaltig<br />

verziert. Die Main Line verbindet Colombo mit<br />

dem Hochland und rattert über 0, Kilometer bis nach<br />

Bandarawela. Wir picken uns das Sahnestück von Kand<br />

bis Ella heraus. Die scheinbar in die Jahre gekommene<br />

Diesellok tuckert fleißig bergauf. Ausladende Bougainvilleen<br />

und Büsche mit kunterbunten Zistrosen wischen<br />

wie ein egenbogen im Zeitraffer an uns vorbei. Bananenstauden<br />

reichen derart nah an die Waggons heran,<br />

dass wir sie unter der Fahrt pflücken können. Baumdicker<br />

Bambus mit bis zu 25 Metern Höhe säumt die Strecke.<br />

Bei ngura Oja tauchen die ersten Teeplantagen auf.<br />

Bei Hatton kraelt der Zug bis auf 1.1 Meter über dem<br />

Meeresspiegel empor. Gelegentlich wirkt es, als würfen<br />

die Teeplantagen Wellen und die fleißigen Teepflückerinnen<br />

mit ihren leuchtenden Saris schwämmen in diesem<br />

Ozean aus schimmerndem Grün. Bei Talawakelle darf die<br />

Diesellok durchschnaufen. Leicht bergab rollen wir mitten<br />

durch das Städtchen, blicken direkt in angrenzende<br />

Häuser, sehen das dampfende Curry auf dem Tisch und<br />

Leute beim Duschen im Vorgarten. Schon laufen wieder<br />

fliegende Händler am Zug entlang. Verkaufen gebackene<br />

Chilis mit Limetten, lecker gefüllte Samosas und Pakoras<br />

und wechseln im Dauerlauf auch noch das Geld. Vorsicht:<br />

Die Speisen sind fast immer von Locals für Locals,<br />

also eine im Hinblick auf den Schärfegrad ungefilterte<br />

Einheimischenvariante. Aber keine Angst, hungern wird<br />

keiner, denn in der ersten Klasse werden für westliche<br />

Gäste taugliche Speisen und Getränke serviert.<br />

Über eine Steinbrücke mit neun Bögen, ein Glanzlicht<br />

kolonialer Baukunst, gelangen wir nach Ella.<br />

Ein perfekter oga-Ort, der Hotspot illustrer<br />

ucksacktouristen. Ein knackfrischer<br />

Salat mit Mango im Guru Café, ein Kokospfannkuchen<br />

vom Straßenstand und<br />

dann auf den ausgedehnten Kissenlandschaften<br />

in der One Love Lounge mit<br />

Drink und Shisha die Seele baumeln<br />

lassen. Angenehme Temperaturen auf<br />

gut 1.000 Metern Seehöhe, herrliche<br />

Wanderwege, ein kapitaler Wasserfall am<br />

Ortsrand und jede Menge coole Bars und<br />

Boutiquehotels. Genau dieses Programm könnten<br />

wir schon noch ein paar Tage aushalten.<br />

Doch schon am nächsten Morgen steht Sunda wieder<br />

parat. Kurbelt uns auf der A 16 durch die prächtige<br />

Kulturlandschaft des »Hill Country« über Bandarawella<br />

und Haputale nach Dambatenne, wo wir auf Tuk-Tuks<br />

umsteigen. Zwischen Nebelfetzen schrauben wir uns<br />

auf schmalen, eponierten, gerade noch fahrbaren Wegen<br />

über endlose Teeterrassen in die Plantage hinauf.<br />

Ganz oben sitzt er dann gemütlich, jovial-milde lächelnd<br />

und genießt ein umwerfendes 360-Grad-Panorama: Sir<br />

Thomas Johnstone Lipton, britischer Selfmade-Milliardär<br />

alter Schule, 1 gründete er seine ikonografische<br />

Teemarke, die noch heute jedes Kind kennt, auch wenn<br />

die Firma längst zum multinationalen Unilever-Konzern<br />

gehört. Natürlich gibt es dort oben neben seiner lebensgroßen<br />

Plastik auch frisch gebrühten Tee und kleinere<br />

Snacks. Achtung: Vagabundierende Affen klauen nicht<br />

nur die Kekse vom Teller, sondern zocken auch gerne mal<br />

Sonnenbrillen und Handys.<br />

Achtung, Affen!<br />

Die lustigen Kerle<br />

sind rotzfrech – auf<br />

keinen Fall füttern!<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

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ASIEN | Sri Lanka<br />

Ein Stopp in Galle ist für jede Rundreise Pflicht. Nicht nur beim<br />

Leuchtturm ist es dort idyllisch. Und Elefanten begegnen einem hier<br />

entweder in einem Park oder aber gern auch wild auf der Straße.<br />

Auf dem ückweg stoppt unser Tuk-Tuk an einer Sammelstelle,<br />

wo Dutzende Damen gerade ihre riesig aufgebauschten<br />

Sammelbehälter wiegen lassen. »Ja, das Teezupfen<br />

ist körperlich sehr anstrengend, aber es macht mir immer<br />

noch Freude«, erzählt die 0-jährige Sirigawatha mit<br />

strahlendem Lächeln. Sie hat sechs Kinder und schon <br />

Enkel, die meisten arbeiten auf der Plantage. Seit ihrer<br />

Kindheit steigt sie barfuß über das wilde Wurzelwerk der<br />

steilen Hänge und zupft täglich noch über 15 Kilogramm<br />

in ihren mit einem Trageriemen am Kopf befestigten Beutel.<br />

Dafür bekommt sie den Mindestlohn von ca. 100 Euro<br />

monatlich. Sirigawatha wirkt erstaunlich gesund und<br />

glücklich.<br />

Die nächsten Tage kurvt Sunda nur noch bergab. Bald<br />

bricht sich der Dschungel wieder Bahn. m »Center for<br />

Elephant Conservation« bei Udawalawa können wir die<br />

Pullis endgültig in den Koffer packen. Das Elefanten-Waisenhaus<br />

kümmert sich um ausgediente Arbeitselefanten,<br />

aber auch um junge Problemfälle, wie einen Babyelefanten<br />

mit Holzbein, der einem Krokodil zu nahe gekommen<br />

ist. Zurück am ndischen Ozean steht die Hitze wieder.<br />

Der Fischmarkt von Tangalle uillt schier über vor Angebot.<br />

Hummer in allen Farbschattierungen, Krabben,<br />

Thun- und adelfische mit Furcht einflößenden Zähnen<br />

landen täglich auf den Holzbänken der Händler.<br />

Die aus der Tourismuswerbung bekannten Stelzenfischer<br />

bei Kogalla sind eigentlich nur noch Fotomotive.<br />

Für einen unverschämten Eintrittspreis schwingen sie<br />

ihre windigen Angeln, der minimale Fang ist ebensache.<br />

Dafür entführt uns Galle noch einmal in die portugiesisch-britisch-holländische<br />

Kolonialvergangenheit<br />

des einstigen Ceylons. Beim alten Fort mit seinem palmengesäumten,<br />

18 Meter hohen Leuchtturm rattern die<br />

Kameras um die Wette. Entlang der Befestigungswälle<br />

locken etliche goldgelbe Ministrände noch einmal ins<br />

Meer. Lautstark schlürfen wir eine Kokosnuss. Lassen<br />

uns gedankenverloren vom badewannenwarmen Wasser<br />

umspülen. Dösen in der Hängematte. Sehen mit einem<br />

Auge den Barkeeper mit dem Shaker und die Palmen darüber<br />

beim Tanz in der leichten Brise. Die letzte Nacht in<br />

Colombo wird gecancelt, wir bleiben zwei Tage in Galle.<br />

Die Hängematte ist der perfekte Ort, um die Wundertüte<br />

Sri Lanka mit ihren Wolkenmädchen, Elefanten und<br />

Krokodilen, Buddhas Zahn und der Teerallye mit Tuk-Tuk<br />

evue passieren zu lassen.<br />

INFO<br />

RUNDREISE Buchbar beim Reiseveranstalter<br />

Enchanting Travel. 15 Tage Sri Lanka: »Teetradition,<br />

koloniale Schätze und Strände« kosten ab € 4.190<br />

p. P. ohne internationale Flüge. Route: Negombo,<br />

Sigiriya, Kandy, Hatton, Udawalawe National Park,<br />

Balapitiya, Galle Fort. www.enchantingtravels.com<br />

Mehr Infos zum Land: www.srilanka.travel<br />

46<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


USA<br />

Fotos: Alex Person, Luke Mummert, <strong>2023</strong> Mona Whetzel<br />

NICHT MIT MIR<br />

Realität oder optische Täuschung? Auf den ersten Blick scheint es, als wälze sich der Hund im<br />

Pulverschnee. Doch auf den zweiten Blick macht das Auge keine Schneeberge, sondern gleißend<br />

weiße Dünen aus. Diese sind charakteristisch für den 712 Quadratkilometer großen White-Sands<br />

Nationalpark im amerikanischen Bundesstadt New Mexico. Und sie bewegen sich. Die stets starken<br />

Winde sorgen dafür, dass die Dünen bis zu zehn Meter pro Jahr wandern. Seinen Schlitten<br />

kann man trotzdem einpacken und die Dünen hinunterflitzen.<br />

JA, ICH WILL<br />

Das Punk Rock Museum ist die<br />

weltweit umfassendste Ausstellung<br />

über die Geschichte, Kultur und<br />

Absurdität des Punks. Es befi ndet<br />

sich in Las Vegas und beherbergt<br />

nicht nur Artefakte und Erinnerungsstücke<br />

aus der weltweiten<br />

Punkszene, wie handgeschriebene<br />

Texte, Instrumente, Kleidung, und<br />

Fotos, sondern natürlich auch eine<br />

Bar und einen ganz besonderen<br />

Museumsshop. Auf einer Fläche<br />

von 12.000 Quadratmetern in der<br />

1422 Western Ave, zwischen dem<br />

Las Vegas Strip und Downtown,<br />

feiert das Museum den großen<br />

kulturellen Einfl uss des Genres im<br />

letzten halben Jahrhundert. Es ist<br />

auch noch frisch, denn es wurde<br />

erst am 1. April eröffnet. Ach ja,<br />

und wer mag, kann sich in der<br />

Wedding Chapel des Punk<br />

Museums das Jawort geben.<br />

www.thepunkrockmuseum.com<br />

JETZT JA<br />

Auf dieser Insel verbrachte früher<br />

niemand freiwillig seine Zeit:<br />

Alcatraz, auch als »The Rock«<br />

bekannt. Der Felsen in der Bucht<br />

von San Francisco diente einst<br />

als ausbruchsicheres Gefängnis<br />

für die schlimmsten Verbrecher<br />

wie den Mafi aboss Al Capone. Vor<br />

60 Jahren verließen die letzten<br />

Häftlinge den berüchtigten Ort, zu<br />

unmenschlich waren die Bedingungen<br />

dort. Heute ist die Insel<br />

eine Attraktion und lässt jeden<br />

mal hinter schwedische Gardinen.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

47


IN ALASKAS KATMAI NATIONALPARK GIBT ES DIE<br />

HÖCHSTE DICHTE AN BRAUNBÄREN IN DEN USA.<br />

BESUCHER KÖNNEN DIE IMPOSANTEN TIERE FAST<br />

HAUTNAH ERLEBEN – UNTER KUNDIGER FÜHRUNG<br />

UND MIT GROSSEM RESPEKT VERSTEHT SICH.<br />

48 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


USA | Alaska<br />

text<br />

BNorbert Eisele-Hein<br />

GROSSARTIGES<br />

..<br />

BARENKINO<br />

Auf dem Trockenen: Bei Ebbe liegen die Aluboote<br />

im Katmai Nationalpark auf Sand. Dahinter nehmen<br />

Bären vorübergehend die Abkürzung.<br />

49


..<br />

..<br />

UBER 2.200 KUSTENBRAUNBAREN<br />

..<br />

TUMMELN SICH WAHREND DES<br />

SUBPOLAREN SOMMERS IM KATMAI<br />

NATIONALPARK.<br />

..<br />

50


USA | Alaska<br />

Chill-Bill! Die Hood<br />

auschecken, etwas<br />

snacken und sich locker<br />

machen, das beherrschen<br />

die kleinen Bären perfekt.<br />

Das Leben braucht manchmal einen Perspektivwechsel.<br />

Ein Abenteuer. Deshalb habe ich<br />

mich entschieden, die Bären Alaskas zu besuchen.<br />

Um genauer zu sein den Kodiakbären<br />

Ursus arctos middendorfi. Und dieser ist<br />

vom Grizzl Ursus arctos horribilis kaum<br />

zu unterscheiden. Die Kodiaks ernähren sich<br />

vermehrt von Lachs und Meerestieren, wodurch<br />

sie häufig noch größer und schwerer<br />

als der Grizzly werden, der oft im Landesinneren auf die<br />

Jagd geht und auch auf Beeren, Wurzeln und Aas angewiesen<br />

ist.<br />

Im »Katmai National Park and Preserve« auf der Alaska<br />

Peninsula, dem Bindeglied des alaskischen Festlands<br />

zu der sich in den unendlichen Weiten der Beringsee<br />

verlierenden Inselkette der Aleuten, tummeln sich während<br />

des kurzen, subpolaren <strong>Sommer</strong>s sage und schreibe<br />

über 2.200 Küstenbraunbären. Nur so viel vorweg: Es<br />

gibt wohl auf der ganzen Welt keinen besseren Ort, um<br />

Bären in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten und<br />

ihnen fast schon haarsträubend und pulstreibend nahe<br />

zu kommen.<br />

Damit die Bären im Herbst auf ordentliche Fettreserven<br />

zurückgreifen können, müssen sie im Frühjahr<br />

und <strong>Sommer</strong> rund um die Uhr Futter suchen. Die riesigen<br />

Lachsschwärme strömen häufig erst Ende Juli oder<br />

Anfang August über die Shelikof Strait im Osten oder<br />

die Bristol Bay im Westen zu ihren Geburtsplätzen zurück.<br />

Bis dahin ist der Tisch für die Bären keineswegs<br />

reichhaltig gedeckt. Die Nahrungssuche erfordert weite<br />

Wege und emsige Kleinarbeit, im grünen Dickicht kostet<br />

das Vorankommen nämlich zusätzliche Kalorien.<br />

Die Bären sind also clever und suchen verstärkt an den<br />

Uferzonen nach Essbarem. Und wir können sie dort mit<br />

den flachen Alubooten der Katmai Wilderness Lodge<br />

wunderbar beobachten. Gleich am ersten Tag begleiten<br />

wir eine Bärenmutter mit zwei tollpatschigen Kids<br />

auf ihrer Strandmeile. Die Bärin frisst pausenlos. Dreht<br />

riesige Felsbrocken mit bestimmt 40 bis 50 Kilogramm<br />

Gewicht mal eben mit der Pranke auf die Seite, um darunter<br />

nach kleinen Krebsen zu suchen. Zerquetscht<br />

kleine ankenfußkrebse, auch Seepocken genannt, die<br />

sich auf Felsen fest angesaugt haben, mit ein paar gezielten<br />

Tatzenhieben. Buddelt Muscheln im Sand aus, die<br />

sie mit fast schon chirurgischer Präzision ihrer Furcht<br />

einflößenden Krallen auseinandernimmt. Am oberen<br />

Ufer werden sämtliche Beeren abgepflückt. Und wenn<br />

gerade nichts anderes zur Verfügung steht, wird eine<br />

Unmenge Riedgras verschlungen. Dutzende Kilogramm<br />

täglich, das die Bärin mit lautstarkem Rupfgeräusch in<br />

dicken Bündeln ausreist. Das saftige Gras enthält enorm<br />

viel Eiweiß und sichert den Bären in der lachsfreien Zeit<br />

das Überleben. Die Bärenkids folgen ihrer Mutter, so gut<br />

es geht. Stolpern teils übereinander. Balgen sich zudem<br />

beständig, um spielerisch den Kampf ums Überleben zu<br />

erlernen. Stündlich drängen die beiden an die Milchzitzen<br />

der Mutter. Prügeln sich förmlich um den besten<br />

Platz an der Milchbar. Schon diese putzigen Teddys, die<br />

höchstens drei bis vier Monate alt sein dürften, geben<br />

dabei ein unglaublich finsteres Grollen von sich. Danach<br />

wird kurz gekuschelt und gedöst. Unsere Boote sind zum<br />

Teil nur noch wenige Meter entfernt. Selbst das Surren<br />

der Kameramotoren scheint die Bären nicht zu stören.<br />

Unsere Guides Dustin Edwards und Jake de eff<br />

klappen die 10-PS-Außenborder um. Unsere Aluflundern<br />

gleiten über die Kukak Bay zurück zur Lodge. Offenbaren<br />

ganz nebenbei einen überwältigen Einblick in<br />

die maritime Fauna Alaskas. »Schaut mal da drüben auf<br />

14.00 Uhr«, ruft Jake. »Ein Otterfloß aus mindestens 100<br />

Tieren. Diese Community treibt scheinbar planlos auf<br />

dem Meer. Sie sind über Kelpstängel miteinander verwoben.<br />

Seht, wie sie ihren Nachwuchs auf dem Rücken<br />

transportieren.« Der große ückenschwimmer vorne<br />

zerkleinert mithilfe eines Steins leckere Muscheln auf<br />

seinem Bauch. Was für ein wuseliges Treiben, ständig<br />

tauchen Köpfe auf und ab. Wie Jake uns erzählt, lockten<br />

die Otter einst russische Pelztierjäger nach Alaska. »Das<br />

Otterfell besteht aus gut 100.000 Haaren pro Quadratzentimeter,<br />

so viel hat ein Mensch auf seinem ganzen<br />

Kopf«, weiß Jake. »Sauber verarbeitet ist es wasserdicht<br />

und enorm warm. Die High Society der alten und neuen<br />

Welt in Paris und New York, konnten nicht genug von<br />

diesem Pelz bekommen. 1867 schien der Otter fast ausgerottet.<br />

Und es war wohl nicht grundlos, dass Russland,<br />

den vermeintlich wertlosen Gefrierschank Alaska für 7,2<br />

Millionen Dollar an die USA verscherbelte.«<br />

Wir passieren markante Felsmonolithen. Erschrocken<br />

türmen die Papageientaucher sofort. obben dösen<br />

lethargisch auf den flechtenbewachsenen Felsen weiter.<br />

Erst als wir ihnen schon fast die Flosse reichen können,<br />

öffnen sie ihre tiefschwarzen Kulleraugen. Lassen sich<br />

plump ins Wasser fallen. An den Ufern patrouillieren<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

51


USA | Alaska<br />

Tanzbären? Nein,<br />

zwei junge Bären beim<br />

spielerischen Kampf.<br />

Ein faszinierendes<br />

Schauspiel!<br />

Dutzende Weißkopfseeadler. Das amerikanische Wappentier<br />

segelt majestätisch über der Wasseroberfläche<br />

und schnappt elegant riesige Fische aus der See, um den<br />

nimmersatten Nachwuchs hochzupäppeln.<br />

Unsere Lodge liegt umrahmt von mannshohem,<br />

lila-pink in der Sonne strahlendem Fireweed, in Deutsch<br />

Schmalblättriges Weideröschen, auf einem Hügel. Dahinter<br />

ragen monumentale Berge, wie der Kukak Volcano,<br />

Mount Steller und Mount Denison, wie Kathedralen<br />

empor. Der Kontrast vom scheinbar lichterloh brennenden<br />

Fireweed zu den mit kapitalen Eisschilden und Hängegletschern<br />

bewehrten Eisriesen und dem Stahlblau<br />

des alaskanischen Himmels betört die Sinne. Die Gipfel<br />

schrammen zwar alle nur knapp an der 2.500-Meter-Marke,<br />

aber vom Meeresspiegel betrachtet wirken sie wie unbezwingbare<br />

Himalayariesen.<br />

Im Garten liegen Walknochen und ein riesiges Elchgeweih.<br />

»Typisches Strandgut hier in der Bucht«, meint<br />

Perry Mollan. Er kam im <strong>Sommer</strong> 1980 zum ersten Mal<br />

nach Katmai. Lernte auf der Ostseite des Parks in der<br />

Brooks Falls Lodge seine Frau Angela kennen. 003 eröffneten<br />

sie ihre Katmai Wilderness Lodge. Eine wahrhaft<br />

philanthropische Oase in der rauen Wildnis. Die maximal<br />

zwölf Gäste werden in einer Handvoll schnuckeliger<br />

Blockhäuschen mit eigener Dusche und Gasheizung untergebracht.<br />

Im Haupthaus wird gegessen und gechillt,<br />

wenn einem das Wetter hier oben am Nordrand der Welt<br />

mal wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Im<br />

urgemütlichen Salon liegen hochwertige Lexika und<br />

Ethnografika über die Fauna, Flora und Besiedlungsgeschichte<br />

Alaskas bereit. Perry verfügt über ein enormes<br />

Fachwissen. Er zeigt uns seine beeindruckende Sammlung<br />

von Schädelskeletten. »Seht euch diese beiden Exemplare<br />

von einem Bären und einem Seelöwen an. Kaum<br />

auseinanderzuhalten. Oder dieses Bibergebiss. Die geschwungenen<br />

Nagezähne lagern mit einer enormen Reservelänge<br />

im Kiefer und wachsen somit ein Leben lang<br />

nach.« Angela ist die gute Seele des Hauses und regiert<br />

den Funk – wenn Wetterkapriolen wieder mal alle Flugzeiten<br />

über den Haufen werfen. Nicht ganz unwichtig<br />

für das seelische Gleichgewicht auf diesem Außenposten<br />

ist Tom Elliott, der Koch. Er zaubert unglaubliche<br />

Menüfolgen aus seinem Vorrat: Krabbenküchlein, Risotto<br />

mit Pilzen und Cranberrys, Terriyaki-Fleischbällchen,<br />

Salate mit Kräutern aus dem eigenen Gärtlein, um nur<br />

eine kleine Auswahl seines Repertoires zu nennen. Tom<br />

war lange Chefkoch auf Kreuzfahrtschiffen und hält seine<br />

Wildnisküche auf einem hohen Lecker-Level. Eine logistische<br />

Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass das Gros<br />

der Vorräte für die sechsmonatige Saison nur einmal zu<br />

Beginn mit einem Versorgungsfrachter angeliefert wird.<br />

Lediglich Obst, Gemüse und Eier lässt Tom immer noch<br />

wöchentlich mitsamt den Gästen in den kleinen Wasserfliegern<br />

anliefern.<br />

Am nächsten Morgen herrscht Kaiserwetter – wir<br />

ziehen wieder mit den Booten los. Begleiten »Blondie«,<br />

unsere Bärenmama, und ihre Rasselbande wieder auf ihrer<br />

Landzunge beim morgendlichen Streifzug in unserer<br />

Aluschale. Es ist Alaska, wie man es sich erträumt. Ein<br />

Naturerlebnis, das in nur wenigen Minuten das Herz erwärmt.<br />

Das wiederzugeben, ist schier unmöglich. Doch<br />

ich will es versuchen. Der erste Stopp ist der Wasserfall<br />

52<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


ES GIBT WOHL AUF DER .. GANZEN WELT<br />

KEINEN .. BESSEREN ORT, UM BAREN IN IHREM<br />

NATURLICHEN HABITAT ZU BEOBACHTEN.<br />

53


Die Bärin »Blondie« und ihre Boys auf<br />

Futtersuche am Ufer: Muscheln, Seepocken,<br />

Krebse – alles wird vernascht.<br />

..<br />

ERST AUF DER RUCKFAHRT<br />

WEICHT DAS ADRENALIN .. LANGSAM<br />

DEN GLUCKSHORMONEN.<br />

54


FERNWEH USA | | Kanada Alaska<br />

der Kaflia Ba. Am seichten Ende eines Kanals sehen wir<br />

durch den Fernstecher einen Elch, der mit seiner monströsen<br />

Schaufel gerade aus dem Wasser auftaucht. Das<br />

Bild zerfließt wie ein epressionistisches Gebilde. Das<br />

rücklaufende Wasser verbietet uns, näher zu kommen.<br />

Dann schwenken wir zu einer kleinen, dem Festland<br />

vorgelagerten Inselgruppe, die Jake und Dustin schlicht<br />

nur den Garten Eden nennen. Wandern durch riesige Farne<br />

und monströses Fireweed auf die begrünten Höcker<br />

mitten in der Kukak Bay und sind sprachlos. Von dort<br />

oben präsentiert sich die gegenüberliegende Bergkette<br />

mit perfektem Spiegelbild im satten Blau des Salzwassers.<br />

Wollgras erstrahlt wie kleine Fackeln im Gegenlicht,<br />

Cranberrys glühen wie Laternen, wilde Iris’ und arktische<br />

Gänseblümchen tänzeln in der leichten Brise. Wieder<br />

unten am Strand brennt die Sonne intensiv auf die<br />

vom Wellengang rundgewaschenen Kiesel. Tom hat uns<br />

ein Picknick eingepackt. Tee und Kaffee wird aus Thermoskannen<br />

gereicht. Wow, das ist eine Form von Glück,<br />

die man nur selten findet.<br />

Vollgefuttert schippern wir weiter westlich zur<br />

Aguchik Island. Kurz bevor die Kukak Bay eine Sackgasse<br />

bildet, gehen wir an Land. Es herrscht Ebbe, somit<br />

stapfen wir nach dem opulenten Mahl etwas schwerfällig<br />

mit unseren Wattstiefeln über Schlamm, Schlick und rutschige<br />

Algen. Über einen leichten Aufschwung gelangen<br />

wir auf ein fruchtbares Plateau mit fast schon smaragdgrünem<br />

Riedgras – fürwahr ein Bärenparadies. Prompt<br />

sehen wir fünf stattliche Exemplare. Zwei beim bärigen<br />

Tête-à-Tête und die anderen bei der somit zweitliebsten<br />

Beschäftigung, dem Fressen. Wir bleiben zwar brav auf<br />

Abstand und verhalten uns mucksmäuschenstill, aber<br />

Schnepfen, die an den nahen Böschungen nisten, schlagen<br />

sofort sirenenartig Alarm. Sie keckern ohne Punkt<br />

und Komma und fliegen Scheinattacken über unseren<br />

Köpfen. Schon nähert sich ein kapitales Männchen bis<br />

auf wenige Meter. Jake und Dustin formieren uns zur<br />

Gruppe. Sie treten vorne raus. Bilden die Speerspitze.<br />

Bärenspray und einen kleinen Pyrostab, den man sonst<br />

nur aus Fußballstadien kennt, im Anschlag. Der Bär beäugt<br />

uns kurz, kippt verspielt nach hinten und startet mit<br />

allen Vieren nach oben gereckt ein Nickerchen. Keine<br />

fünf Meter von uns entfernt. Was für eine grotesk-komische<br />

Situation. Wenn wir nicht die Hosen voll hätten,<br />

würden wir gerne in schallendes Gelächter ausbrechen.<br />

Nach dem Liebesakt kommt die Bärendame solo an uns<br />

vorbeigeschlendert. Und siehe da, nach dem Power-Nap<br />

Landpartie mit Wasseranschluss: Beim<br />

Flug von Kodiak Richtung Shelikof Strait<br />

passiert man dieses Flussdelta mit seinen<br />

mäandernden Läufen.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

55


USA | Alaska<br />

Schön wachsam: Das Weißkopfseeadlerpaar<br />

rackert rund um<br />

die Uhr, um den Nachwuchs<br />

satt zu kriegen.<br />

zeigt unser Herr Bär sofort lüsternes Interesse. Schon<br />

sausen beide über einen Wassergraben hinfort zum näheren<br />

Kennenlernen. Uns stockt immer noch der Atem.<br />

Erst auf der Rückfahrt weicht das Adrenalin langsam den<br />

Glückshormonen.<br />

Doch das Wetter in Alaska ist ungestüm. Unvorhersehbar.<br />

Und so kommt es, dass wir den Nachmittag in<br />

der Lodge verbringen. Allerdings wohl verwöhnt. Tom<br />

zaubert Blaubeerpfannkuchen in Bärenform. Zeit, ein<br />

wenig zu plaudern und die Anekdoten auszupacken. Bei<br />

dampfendem Kaffee erzählen die Guides von ihren ersten<br />

Touren, als sie selbst noch Rookies waren. Jake erzählt,<br />

wie er einem Seeadlernest zu nahe kam: »Ich hatte<br />

nicht realisiert, dass die Adler Nachwuchs haben. Die Eltern<br />

haben mich sofort mit ihren messerscharfen Krallen<br />

attackiert. Ich musste mich mehrmals zu Boden werfen<br />

und konnte mich zum Glück in die Büsche schlagen.«<br />

Und dann ist da noch die Geschichte des Grizzly Man,<br />

der in der Kaflia Ba wirkte, die wir ja just besucht hatten.<br />

Perr empfiehlt uns: »Am besten seht ihr euch die<br />

Doku zu ihm an.« Gesagt, getan. Das filmische Meisterwerk<br />

von keinem Geringeren als dem deutschen Werner<br />

Herzog lässt uns das Blut in den Adern gefrieren. Timothy<br />

Treadwell, ein blondgelockter Surfer aus Kalifornien,<br />

war ein radikaler Tierschützer und Bärenfan. Er kam über<br />

Jahre hinweg in die Kaflia Ba, lebte dort allen Warnungen<br />

zum Trotz mit den Bären. Er filmte etensiv, wurde<br />

alsbald von Firmen und Hollywoodstars gesponsert, trat<br />

sogar in der David-Letterman-Show auf. Herzog zeichnet<br />

in seiner prämierten Doku das Bild eines sympathischen,<br />

aber letztlich auch geistig verwirrten Grenzgängers. Er<br />

lässt seine Eltern und Weggefährten zu Wort kommen<br />

und verwendet hauptsächlich das Originalmaterial von<br />

Treadwell. Nach 13 <strong>Sommer</strong>n kam es wie es wohl kommen<br />

musste. Treadwell wird im Oktober 2003 von dem<br />

28 Jahre alten Bären 141 angefallen, der nicht mehr ordentlich<br />

jagen und fischen konnte. Er ruft seiner Freundin<br />

Amie Huguenard noch zu, dass sie fliehen soll. Die<br />

aber versucht, den hungrigen Bären mit einer Bratpfanne<br />

zu vertreiben. Auch sie wird getötet und teils gefressen.<br />

Tatsächlich wollte er den Bären filmen, als er attackiert<br />

wurde, die Kamera lief bereits, aber der Objektivdeckel<br />

blieb oben. Das Tondokument vom Todeskampf der beiden<br />

ist der blanke Horror. Herzog verwendet es nicht<br />

und empfiehlt den Erben, es zu vernichten. Für eine ganze<br />

Weile ist in unserer Lodge nur noch das Prasseln des<br />

Kaminfeuers zu hören.<br />

Am nächsten Tag klart es auf. Leider. Es ist Abreisetag.<br />

Die De-Havilland-Beaver-Wasserflieger landen direkt<br />

vor der Lodge. Pilot Jerry ist so ein netter Kerl, dass er<br />

für uns eine Panoramaroute einlegt. Gleich nach Über-<br />

uerung der Shelikof Strait steuert er jäh abfallende Bergkämme<br />

an. Zeigt uns schneeweiße Bergziegen, die in<br />

schier senkrechten Wänden grasen. Dann taucht er<br />

zum intensiven Grün der Tundra hinab. Schwebt über<br />

Sitka-Fichten-Wälder und glitzernde Mäander eines namenlosen<br />

Flussdeltas. Kurz vor dem Landekanal an der<br />

Ostseite von Kodiak verspricht er uns über den knarzenden<br />

Bordfunk ein riesiges Otterfloß. Und dann kann er<br />

es selbst kaum fassen, dass auch noch eine Schule Finnwale<br />

prustend auftaucht, bevor wir endgültig landen.<br />

Ich sage nur: Perspektivenwechsel – check! Abenteuer –<br />

check! Glück – check! Ich habe einen Bärenglück.<br />

INFO<br />

ANREISE Über Anchorage und Kodiak mit dem<br />

Wasserflugzeug direkt zur Lodge. Meist müssen<br />

zwei zusätzliche Übernachtungen in Anchorage<br />

und Kodiak eingeplant werden.<br />

Anchorage-Kodiak mit einer großen Propellermaschine<br />

der Alaska Air. www.alaskaair.com<br />

Kodiak-Katmai Wilderness Lodge mit dem Wasserflugzeug,<br />

Island Air Service, www.flyadq.com<br />

ÜBERNACHTEN Adressen unter: www.alaska.org<br />

und www.kodiak.org<br />

Tipp: Sheraton Anchorage Hotel & Spa<br />

(www.marriott.com) und Best Western Kodiak Inn<br />

(www.kodiakinn.com)<br />

LODGE Auf der Ostseite des Parks gibt es nur<br />

eine Lodge, die Katmai Wilderness Lodge. Pakete<br />

mit drei, vier oder sieben Nächten buchbar, ab<br />

€ 4.325. All-inclusive mit Guides, Bootsfahrten,<br />

Vollverpflegung, alkoholische Getränke, Ausrüstung<br />

wie Regenzeug, Wattstiefel und Fliegennetze – und<br />

mit Bärengarantie. www.katmai-wilderness.com<br />

Paket buchbar mit kompletter Beratung und<br />

Zubringerflügen bei: DIAMIR Erlebnis<strong>reisen</strong> GmbH,<br />

Berthold-Haupt-Str. 2, 01257 Dresden, Tel. + 49 (0)<br />

351 312070, info@diamir.de, www.diamir.de<br />

Fotos: Norbert Eisele-Hein (11), Anton Klocker (2), Perry Mollan (2); Illustration: Rainer Lesniewski/Shutterstock.com<br />

56<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Kopfstand: In der Kaflia Bay spiegeln sich die umliegenden<br />

Gipfel wunderschön in einer Regenwasserlagune.<br />

Pilot Jerry Borchard liebt seinen<br />

Job und dreht auch gerne mal eine<br />

Extrarunde. Die Wasserflieger<br />

landen direkt vor der Hütte und<br />

bringen neben Touristen auch<br />

frische Nahrungsmittel.<br />

herbst 2020<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

57


text<br />

BHarald Braun<br />

SAG NICHT<br />

COWBOY ZU MIR,<br />

FREMDER!<br />

NEULICH FÜHLTE SICH REISEN <strong>EXCLUSIV</strong>-AUTOR HARALD<br />

BRAUN EINE WOCHE AM STÜCK WIE SEIN NAMENSVETTER<br />

JUHNKE: »KEINE TERMINE HABEN UND LEICHT EINEN SITZEN … «<br />

DAS BEZEICHNETE JENER MAL ALS INBEGRIFF IRDISCHEN<br />

GLÜCKS. DAS MIT DEN TERMINEN VERGESSEN WIR MAL. ABER<br />

DER REST KOMMT IN KENTUCKY ZWANGSLÄUFIG HIN.<br />

58<br />

Jeder Bourbon ist ein Whiskey,<br />

aber nicht jeder Whiskey ist ein Bourbon.<br />

sommer <strong>2023</strong>


WEIT WEG | Nationalparks USA | Kentucky Kanada<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

59


USA | Kentucky<br />

Kentucky<br />

Cowboys? Die gibt es in Kentucky<br />

nicht, weiß Guide Chenelle.<br />

Wer davon geträumt hat, irgendwann einmal<br />

ein Pferd vor einer Apotheke kotzen<br />

zu sehen, dürfte in Kentucky die besten<br />

Chancen haben. Es gibt nämlich genau<br />

zwei Dinge, um die sich in dem Bundesstaat<br />

im Grenzbereich zwischen dem Süden<br />

und dem Mittleren Westen der USA<br />

alles dreht: Pferde und Bourbon. Auf das<br />

Kentucky Derby und die wirtschaftliche Bedeutung der<br />

Pferdezucht für den im Vergleich recht überschaubaren<br />

Bundesstaat komme ich später zurück. Zuerst zum<br />

Whiskey. Oder besser: zum Bourbon. Nicht dasselbe!<br />

Das ist so ziemlich die erste Lektion, die ein Kentucky-Greenhorn<br />

wie ich von einem eingeborenen Local<br />

erhält: »Jeder Bourbon ist ein Whiskey, aber nicht jeder<br />

Whiskey ist ein Bourbon.« Die Unterschiede sind vielfältig,<br />

wichtig zu wissen ist Folgendes: 95 Prozent der weltweiten<br />

Bourbon-Produktion stammt aus Kentucky. Dass<br />

sich ein hochprozentiges Getränk überhaupt Kentucky<br />

Straight Bourbon nennen darf, setzt voraus, dass es in<br />

Kentucky gebrannt worden ist, in einem brandneuen Eichenfass<br />

mindestens ein Jahr gelagert und zu 51 Prozent<br />

aus Mais gewonnen wurde. Es ist nicht schwer, diese Informationen<br />

abzuspeichern, wenn man in Kentucky zu<br />

Gast ist. Sie werden einem schließlich so drei- bis viermal<br />

am Tag eingetrichtert. Stets zusammen mit einem<br />

Gläschen Bourbon. Ablehnen ist keine Option. Ich frage<br />

in die Runde, ob es in Kentucky möglicherweise mehr<br />

Alkoholmissbrauch gibt als anderswo im Land, könnte<br />

doch sein. Spöttisches Gelächter in der Runde der Einheimischen.<br />

»Schon okay«, wiegelt Chenelle McGee ab,<br />

die unsere Gruppe in Louisville in Empfang genommen<br />

hat und uns in der Bar North of Bourbon zum Dinner<br />

parkt: »Bourbon gehört in Kentucky zum täglichen Lifestyle,<br />

das ist kein Problem für uns.« Nun denn. Im<br />

North of Bourbon stehen rund 300 Bourbon-Sorten auf<br />

der Karte, auch die meisten der angebotenen 26 Cocktails<br />

basieren auf, Überraschung: Bourbon. Essen gibt’s<br />

auch, Comfort Food mit Louisiana und Mississippi-<br />

Wurzeln – mächtige Portionen, stabil paniert. In den<br />

nächsten Tagen werden wir allerlei Bars und Restaurants<br />

kennenlernen, das Angebot ist nahezu identisch: Stolze<br />

Mengen Bourbon, üppige Küche – welcome to Kentucky!<br />

Tatsächlich habe ich es dann mal kurz gegoogelt. Es<br />

stimmt: Im Ranking aller 51 US-Bundesstaaten nimmt<br />

Kentucky, was den Alkoholkonsum pro Person angeht,<br />

einen unauffälligen 1. Platz ein. ur in Sachen »Betrunken<br />

verhaftet« rückt man landesweit auf Platz sechs<br />

nach vorn. Was mich wiederum verwundert, denn ich<br />

habe in einer Woche zwischen Louisville, Lexington und<br />

Covington zwar eine Menge Frauen und Männer amtlich<br />

bechern sehen, aber niemand wurde dabei aggressiv oder<br />

auch nur unfreundlich. Im Gegenteil: Kentuckys Einwohner<br />

machen, wenn derartige Pauschalisierung hier<br />

ausnahmsweise mal gestattet ist, einen überwiegend<br />

entspannten, gemütlichen und sympathischen Eindruck.<br />

Das bestätigt auch Chenelle McGee. Ihr fällt dann auch<br />

gleich ein gutes Beispiel für die No-Bullshit-Attitüde ihrer<br />

Landsleute ein. Vorlage: Moi. »Wo sind denn die ganzen<br />

Cowboys hin?«, frage ich mit Blick auf die braven<br />

Kerle, die mit schmucklosen Basecaps an der Theke des<br />

North of Bourbon hocken. Kein Stetson weit und breit.<br />

Chenelle lacht mich spöttisch aus. Schon wieder. »Niemand<br />

würde sich hier als Cowboy bezeichnen«, sagt sie<br />

schließlich, »das wäre in ihren Augen völlig lächerlich.<br />

Sie sind einfach Farmer.«<br />

Man könnte nun denken, dass man als Gast in Kentucky<br />

auch mal in die freie Natur gebeten wird. Schließlich<br />

nimmt man bei der Überlandfahrt aus dem Fenster des<br />

Vans wahr, dass die Landschaft in Kentucky überwiegend<br />

grün und leicht hügelig wie in einem lieblichen Hobbitland<br />

zu sein scheint, also für Wanderer durchaus einladend.<br />

Doch wer 42 Bourbon-Destillerien in seinem Bundesstaat<br />

vorzuzeigen hat, muss sich sputen. Nicht mal<br />

für den spektakulären Mammoth Cave Nationalpark mit<br />

seinem unterirdischen Höhlensystem oder die Anglerparadiese<br />

Kentucky Lake und Lake Barkley bleibt genügend<br />

Zeit (was wir trotzdem jedem Kentucky-Besucher<br />

empfehlen würden – allein schon, um mal ein paar Stunden<br />

nüchtern zu bleiben). Stattdessen landen wir in der<br />

Castle & Key Distillery am beschaulichen Glenn’s Creek<br />

in der ähe von Frankfort. Auf der offiziellen Kentuck<br />

Distillery Map ist zu erkennen, dass in unmittelbarer<br />

60<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


WEIT WEG | Nationalparks Kanada<br />

..<br />

BOURBON .. GEHORT IN KENTUCKY<br />

ZUM TAGLICHEN LIFESTYLE, .. DAS<br />

IST KEIN PROBLEM FUR UNS.<br />

frühling <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

61


IN NOVA SCOTIA<br />

JEDER BASEBALL-SUPERSTAR<br />

KOMMT NACH LOUISVILLE, .. UM SICH<br />

SEINEN SCHLAGER AUF MASS<br />

ANFERTIGEN ZU LASSEN.<br />

62<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

frühling <strong>2023</strong>


USA | Kentucky<br />

Beim Kentucky Derby übertrumpfen<br />

sich die Damen mit ihren Hüten und<br />

führen einen ganz eigenen Wettbewerb.<br />

Nachbarschaft auch die Whiskey Thief Distillery (vielversprechender<br />

Name!), die Woodford Reserve oder die<br />

Wild Turkey Distillery auf dem Weg liegen. Warum wir<br />

ausgerechnet bei Castle & Key landen, entschlüsselt sich<br />

schon vor den Toren der Brennerei. Empfangen werden<br />

wir von einer Art Zuckerbäckerschloss aus Sandstein, das<br />

als Entree des weitläufigen Areals beste nstagram-ualitäten<br />

aufweist. Der Bourbon-Boom in Kentucky in den<br />

letzten Jahren hat dazu geführt, dass immer mehr stillgelegte<br />

Destillerien restauriert und in schmuckem Gewand<br />

wieder eröffnet werden. Auch die Gebäude<br />

von Castle & Key rotteten 40 Jahre vor sich hin, bis sich<br />

die beiden Bourbon-Abenteurer Will Arvin und Wesley<br />

Murr aufmachten, die uine flottzumachen. Seit 016<br />

wird dort wieder Bourbon gebrannt. Mit Marianne Eaves<br />

ist dort erstmals eine weibliche Meister-Brennerin am<br />

Werk. 2022 wurden die ersten Fässer von Castle & Key<br />

ausgeliefert. Doch mehr noch: Das Gelände der vorläufig<br />

jüngsten Destillerie Kentucks ist ein landschaftliches<br />

Schmuckstück. Es verfügt über einen zauberhaften englischen<br />

Garten, einen glamourösen Eventbereich und mit<br />

dem Boiler Room on top über ein fantastisches Gewölbe,<br />

in dem die Produkte des Hauses angeboten werden. Ganz<br />

wichtig das Ritual, das uns bei jeder der kommenden Tastings<br />

in den unterschiedlichsten Brennereien angetragen<br />

wird: In einer der gewaltigen Castle-&-Key-Lagerhäuser<br />

lernen wir, wie man mithilfe einer Art großen Pinzette<br />

den Bourbon direkt aus einem Fass ausschenkt – und,<br />

ähm: trinkt.<br />

Für die meisten der 42 Destillerien in Kentucky gehören<br />

Tastings und Führungen wie diese zum Geschäftsmodell.<br />

Selbst wenn man keinen eigenen Bourbon<br />

brennt, kann man im Whiskeygeschäft mitmischen.<br />

Sogar buchstäblich, wenn man zum Beispiel ein Tasting<br />

veranstaltet, bei dem jeder Gast aus vier ausgesuchten<br />

Bourbon-Sorten mithilfe seiner Geschmacksknospen<br />

den eigenen Bourbon zusammenbraut. So geschehen bei<br />

Wenzel Whiskey in Covington. Hier erhalte ich meine<br />

eigene Flasche Bourbon. Ein Unikat. Auf dem extra für<br />

mich beschrifteten Etikett werden selbst die 55 Prozent<br />

Alkoholgehalt beglaubigt, die ich mir mithilfe von Wenzel-Gründer<br />

Bill Whitlow zusammengemischt habe. Der<br />

Mann wird übrigens in den nächsten Monaten mit der<br />

Hilfe von Investoren seine eigene Brennerei betreiben,<br />

die Hallen sind schon angemietet. »Der Markt für Bourbon<br />

in Kentucky ist riesig«, schwärmt Whitlow. »Was<br />

gibt’s Größeres, als den eigenen herzustellen?«<br />

Ambitionen, die Brad »Dust« Bonds offenbar nicht<br />

kennt. Der Mann führt zusammen mit seinen beiden Businesspartnerinnen<br />

Shannon Smith und Katie Meyer den<br />

Revival Vintage Bottle Shop in Covington. Auf zahlreichen<br />

Regalen kuscheln sich braun schimmernde Bourbon-Flaschen<br />

mit amüsanten Etiketten aneinander. Zum<br />

Teil sind sie fünfzig, sechzig Jahre alt und älter. Ausgesuchte<br />

Tropfen, bei denen Sammlern das Herz aufgeht.<br />

Brad Bonds allerdings hält nichts davon, seine Schätze<br />

von Old Rip Van Winkle, Yellowstone oder Colonel Lee<br />

nur in die Vitrine zu stellen. Täglich öffnet er eine Flasche<br />

aus seinem reichhaltigen und ständig nachwachsenden<br />

Portfolio und schenkt Genießern für einen schlanken<br />

Zehner ein Schlückchen aus. Natürlich erst nachdem er<br />

selbst probiert hat. Wie seine Leidenschaft der Gesundheit<br />

bekommt, will ich wissen. Brad Bonds grinst mich<br />

ungläubig an und zuckt mit den Schultern. Die Sprechblase<br />

über seinem Kopf ist nicht zu übersehen: Was will<br />

er, der europäische Moralapostel?<br />

Es gibt halt so Fragen, die darf man in Kentucky einfach<br />

nicht stellen, wenn man sich nicht auslachen lassen<br />

möchte. Auch Ethan zweifelt an meinem Verstand, eine<br />

Melange aus Erheiterung und Ungläubigkeit schütteln<br />

ihn, als er mich mustert. Ethan ist Guide im Slugger Museum<br />

von Louisville. Dieses Museum zeigt die Geschichte<br />

der berühmten Baseballschläger, die seit Generationen<br />

hier angefertigt werden. Vor dem Gebäude steht ein überlebensgroßes<br />

Exemplar dieser hölzernen Totschläger, fast<br />

40 Meter hoch, angeblich der größte Schläger der Welt.<br />

In Deutschland kenne ich die Dinger nur in Zusammenhang<br />

mit Türstehern und rechten Hooligans. Ob man die<br />

in den USA frei erwerben und ohne Waffenschein führen<br />

darf, ist also in meiner Welt eine durchaus berechtigte<br />

Frage. Hätte ich mir sparen können, wenn ich Ethans<br />

Blick richtig deute. Als wir die Führung durch das Museum<br />

hinter uns haben, bekommen wir alle zum Abschied<br />

eine Minivariante des Holzprügels geschenkt. Außerdem<br />

wissen wir nun, dass Baseball in Louisville von allergröß-<br />

sommer <strong>2023</strong> <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 63


USA | Kentucky<br />

Muhammad Ali wurde auch »Louisville<br />

Lip« genannt, eine Anspielung auf die<br />

Geburtsstadt des Boxers.<br />

ter Bedeutung ist und jeder amerikanische Baseballsuperstar,<br />

der etwas auf sich hält, nur hierher kommt, um<br />

sich seinen Schläger auf Maß anfertigen zu lassen.<br />

Das Slugger Museum ist allerdings nur das zweitwichtigste<br />

Museum in Louisville. Die Nummer eins<br />

ist das Muhammad Ali Center, fußläufig vom Sluggermuseum<br />

in der Innenstadt Louisvilles nur ungefähr fünf<br />

Minuten entfernt. Bei der Gelegenheit nur kurz erwähnt:<br />

Die Städte in Kentucky sind Kleinstädte, wenn man nur<br />

auf ihre Einwohnerzahlen schaut. Straßen und Häuserzeilen<br />

allerdings sind weder klein noch idyllisch: Louisville<br />

oder Lexington wirken ganz genauso modern und<br />

gewaltig wie New York oder Los Angeles, wenn man sich<br />

ihre architektonischen Dimensionen anschaut. In Amerika<br />

denkt man eben auch in der Provinz groß. Der Unterschied<br />

zu einer richtigen Großstadt besteht jedoch darin,<br />

dass das gesamte Louisville in zwei Stadtteile von New<br />

ork reinpasst. Das Muhammad Ali Center befindet sich<br />

nicht zufällig in Louisville – der Größte aller Zeiten wurde<br />

1942 hier geboren und wird auch über seinen Tod hinaus<br />

verehrt. Auf vier Stockwerken sind die wichtigsten<br />

Ausschnitte seiner Kämpfe zu sehen, dazu eine Menge<br />

Memorabilien, Fotos und Plakate. Funfact: An der Gestaltung<br />

des Museums war er noch selbst beteiligt.<br />

Eine Sache ist ungeklärt: Wie kommt es, dass Kentucky<br />

solch eine Pferdehochburg ist, so dass Lexington<br />

sich unwidersprochen Pferdehauptstadt der Welt nennen<br />

darf? Es ist ein Mythos, dem sich der Schriftsteller<br />

J. J. Sullivan in einer Art Kulturgeschichte des Kentucky-Pferdesports<br />

am Ende auch nur vage nähert: Es hat<br />

etwas mit der geologischen Beschaffenheit Kentucks zu<br />

tun, den geschwungenen Hügeln, dem klaren Wasser,<br />

den gesunden Blue-Grass-Weiden. Über 50 Pferderassen<br />

werden in Kentucky gezüchtet, rund 450 Gestüte sind<br />

daran beteiligt. Das Kentucky Derby, jährlich stets am<br />

ersten Samstag im Mai, ist das wichtigste Pferderennen<br />

weltweit. Selbst die englische ueen war zu Lebzeiten<br />

da. Keeneland, diese wunderbare Anlage aus Rennbahn<br />

und Auktionshaus in Lexington, gilt als heißester Umschlagplatz<br />

für Rassepferde aus aller Welt. Zweimal im<br />

Jahr wechseln hier Millionensummen den Besitzer. Zuschauer,<br />

Züchter, Jockeys, Trainer und Rennstallbesitzer<br />

kommen in Kentucky zusammen und tun, was sie am<br />

liebsten tun: auf Pferde wetten. Normalsterbliche beim<br />

sogenannten »Run for the Roses«-Rennen, wie das Kentucky<br />

Derby auch genannt wird, am Wettcounter. Die<br />

Profis der Branche am Auktionspult in Keeneland. »Ein<br />

Glücksspiel ist es für beide Gruppen«, lacht Chenelle<br />

McGee. Sie berichtet von einem Herrn aus Übersee, der<br />

seit Jahren stets eine Million Dollar auf den Favoriten<br />

des Rennens setzt. Limits gibt es keine, Garantien allerdings<br />

auch nicht. Der Millionen-Mann hat bislang immer<br />

verloren. Die Zeit des Kentucky Derbys sei überdies fast<br />

eine eigene Jahreszeit, sagt Chenelle: »Es herrscht Ausnahmezustand<br />

in der Stadt, überall wird gefeiert, eine<br />

Woche lang bleibt hier kein Stein auf dem anderen.« Immerhin<br />

trinken die Leute dann mal was anderes als immer<br />

nur diesen Bourbon, werfe ich ein, schließlich habe<br />

ich bei unserer Führung in Keeneland gut aufgepasst und<br />

weiß daher, dass beim Kentucky Derby traditionell »Mint<br />

Julep« gebechert wird. Ein letztes Mal lacht Chenelle<br />

mich aus, und das habe ich auch nicht besser verdient.<br />

Denn die Zutaten eines Mint Juleps in Kentucky sind:<br />

1, cl Zuckersirup, sechs bis acht Blätter Minze und ,<br />

cl Bourbon!<br />

INFO<br />

ANREISE Von Frankfurt a. M. über Charlotte nach<br />

Louisville, beispielsweise mit American Airlines.<br />

www.americanairlines.de<br />

HOTELTIP Ein wunderschönes Boutique-Hotel ist<br />

das The Grady Hotel in Louisville. DZ ab € 300 die<br />

Nacht. www.thegradyhotel.com<br />

Fotos: Bogdanhoda/Shutterstock.com, Hannah Dickens, Harald Braun, Danita Delimont/Shutterstock.com, Barnd USA, Sean Pavone/Shutterstock.com,<br />

DenisMArt/Shutterstock.com, Diane Bondareff/Shutterstock.com, Arne Beruldsen/Shutterstock.com; Illustration: namllasum/Shutterstock.com<br />

64<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


HOTEL<br />

KNEIF<br />

MICH MAL<br />

WAKE ME UP<br />

So startet man perfekt in den<br />

Urlaubstag: Mit den Zahnpasta-<br />

Tabs »Wake-up Call« von natch.<br />

Erfrischend und minzig mit<br />

stimmungsaufhellendem Ylang-<br />

Ylang, erfrischenden ätherischen<br />

Ölen aus Spearmint und<br />

Matcha, der reich an Koffein<br />

ist. 85 Tabs, um € 15.<br />

Fotos: The Pongwe Island (2), Albrecht Schnabel, PR<br />

Gäbe es ein Paradebeispiel für einen Inselurlaubstraum,<br />

dann wäre die The Island Pongwe<br />

Lodge auf Sansibar ein heißer Anwärter. Die<br />

Lodge liegt auf einer kleinen, verträumten und<br />

privaten Insel inmitten unberührter Natur, in<br />

der sich gerade einmal fünf exklusive Villen<br />

verstecken. Mehr Privatsphäre und Komfort<br />

geht kaum. Ein natürlicher Luxus, denn im<br />

umweltfreundlichen Boutiquehotel wurden<br />

recyceltes Holz und natürliche, lokale<br />

Materialien für Designelemente und Gebäude<br />

verwendet. Wach ich oder träum ich? Diese<br />

Frage stellt man sich als Gast wohl jeden<br />

Morgen. Nacht für zwei Personen um € 300,<br />

www.theislandpongwe.com<br />

FÄLLT MIR<br />

IM TRAUM<br />

NICHT EIN!<br />

Wo liegt der »Himmel auf<br />

Erden«? Im Alpencamping<br />

Nenzing in Österreich. So<br />

jedenfalls heißen hier die hübschen<br />

Himmelchalets, in denen<br />

Gäste einen besonderen Glampingurlaub<br />

verbringen können.<br />

Die zehn komfortablen Chalets<br />

liegen auf einer kleinen Anhöhe<br />

und bieten schöne Aussichten<br />

über den nahe gelegenen<br />

Naturpark Nenzinger Himmel.<br />

Mehr Entspannung gibt es im<br />

Wellnessbereich des Alpencampings<br />

mit Schwimmbad, Sauna<br />

und Massagen. Nur kurz bleiben?<br />

Fällt mir im Traum nicht<br />

ein! Himmelchalets buchbar ab<br />

4 Nächten, ab € 205 je nach<br />

Saison. www.alpencamping.at<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 65


HOTEL<br />

text<br />

Tina Bremer<br />

25 STUNDEN<br />

FÜR EINE NACHT<br />

Das 25hours Hotel Indre By in Kopenhagen ist das jüngste Haus der angesagten<br />

Hotelkette. Untergebracht in einem ehemaligen Universitätsgebäude,<br />

drückt man hier allzu gerne wieder die Schulbank. Erst recht, wenn sie von<br />

Martin Brudnizki designt wurde, dem Interior-Whizz-Kid der Stunde.<br />

25HOURS HOTEL INDRE BY<br />

Kopenhagen<br />

66


»Die 25hours Hotels<br />

rühmen sich, dass keines<br />

dem anderen gleicht.«<br />

Es ist fast ein Automatismus: Sobald die Rede<br />

von Kopenhagen ist, fällt nahezu unweigerlich<br />

das Wort »hygge«. Jener skandinavische<br />

Begriff, der ein Lebensgefühl zusammenfasst,<br />

das sich gut mit dem Verzehr einer<br />

warmen Zimtschnecke vergleichen lässt. Es<br />

hinterlässt ein wohliges »Mmhh« in der Magengegend,<br />

nährt Leib und Seele. Dabei kann Kopenhagen<br />

durchaus Kante zeigen. Die dänische Metropole trägt<br />

<strong>2023</strong> den Titel »Welthauptstadt der Architektur«. Wer<br />

verstehen will, warum, der macht es am besten wie die<br />

Einheimischen, schnappt sich ein Fahrrad und tritt in die<br />

Pedale. Es geht zur Oper mit ihrem windschnittigen Dach.<br />

Am Ufer der gegenüberliegenden nsel befindet sich die<br />

Königliche Bibliothek mit ihrem Anbau aus poliertem<br />

Granit, der den Spitznamen »Schwarzer Diamant« trägt.<br />

Und gleich daneben steht das Kulturzentrum Blox, das<br />

aussieht, als hätte man Legosteine übereinandergestapelt.<br />

Keine Frage, das Erbe von Architekten und Designern wie<br />

Arne Jacobsen, Hans J. Wegner oder Finn Juhl wird in Kopenhagen<br />

hochgehalten.<br />

Mitten in der nnenstadt hat vergangenes Jahr ein<br />

weiteres Architektur-Highlight seine Türen geöffnet: Das<br />

hours Hotel ndre B. Benannt nach dem ältesten Viertel<br />

Kopenhagens, ist es das neueste Haus der angesagten<br />

Hotelkette – und vielleicht das schönste. Wobei: Die Geschmäcker<br />

sind bekanntlich verschieden, und die 25hours<br />

Hotels rühmen sich, dass keines dem anderen gleicht. Jedes<br />

Haus ist von der Geschichte des jeweiligen Orts inspiriert.<br />

Für den Umbau des ndre B zeichnet das lokale<br />

Architekturbüro BPP Arkitekter verantwortlich, für die<br />

nneneinrichtung das Londoner Designstudio von Martin<br />

Brudnizki, dem nteriordesign-Whizz-Kid der Stunde.<br />

ew ork, Paris, London, Los Angeles – der schwedische<br />

Stararchitekt ist bei Bauherren und nvestoren auf<br />

der ganzen Welt so heiß begehrt wie eingangs erwähnte<br />

Zimtschnecken. Sein eklektisches Design findet sich in<br />

estaurants wie dem Baurs in Zürich oder in Luushotels<br />

wie dem Four Seasons Astir Palace Hotel Athens. Das<br />

hours Hotel ndre B trägt zwar keine fünf Sterne, aber<br />

die Chancen stehen gut, dass es zu einer der beliebtesten<br />

Herbergen der Stadt avanciert.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

67


HOTEL<br />

Höre ich da das Klappern von Schreibmaschinen?<br />

Das 25hours Indre By steckt voller überraschender<br />

Details. Im gesamten Hotel befinden sich versteckte<br />

Orte, die entdeckt werden wollen.<br />

68


Radiergummis und Bleistifte weisen den Weg. Die Zimmer, die in die<br />

Kategorien »Passion« und »Knowledge« unterteilt sind. Schiefertafeln<br />

mit den Notizen von Charles Darwin und Tycho Brahe fordern den<br />

Verstand. In den Zimmern, die der Leidenschaft frönen,<br />

räkeln sich nackte Frauen auf den Fenstervorhängen.<br />

herbst sommer 2020 <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 69


HOTEL<br />

Das fröhliche Design<br />

macht einfach Spaß.<br />

Wer es nicht bunt mag,<br />

macht sich besser<br />

woanders frisch.<br />

Das Hotel liegt gegenüber der Trinitatis-Kirche, seine<br />

43 Zimmer verteilen sich auf vier Gebäude. n den drei<br />

historischen wurde einst Porzellan gebrannt und Papier<br />

geschöpft, anschließend rauchten in ihnen die Köpfe: Bis<br />

2017 waren in den hohen Räumen das theologische sowie<br />

das rechtswissenschaftliche nstitut der Universität<br />

untergebracht. Verbunden ist das Quartett durch einen<br />

modernen eubau und einen »Secret Garden«. Die Vergangenheit<br />

als Ort des Wissens war nspiration für das<br />

Gestaltungskonzept »Coming of Age«. st Lernen doch<br />

ein wichtiger Teil des Heranwachsens. Und so finden sich<br />

im ganzen Hotel Anleihen an die Geschichte: Die Schilder<br />

etwa, auf denen die Zimmernummern geschrieben sind,<br />

haben die Form eines Radiergummis, in der zentralen<br />

»Assembl Hall« prangen über den abgehenden Gängen<br />

noch die Buchstaben aus Universitätszeiten, an den Türen<br />

zu den Mitarbeiterräumen steht »For scientists only«,<br />

vor der Rezeption windet sich der »Tree of Knowledge«<br />

bis zur Decke. Die Skulptur der spanischen Künstlerin<br />

Alicia Martin besteht aus 3.000 Büchern, die zu einem in<br />

sich gedrehten Turm angeordnet sind. Die ezeption ist<br />

bewusst nach hinten versetzt, sodass sich auch die Kopenhagener<br />

im Hotel willkommen fühlen, keine Barriere<br />

aufgebaut wird.<br />

Die Zimmer selbst unterteilen sich in die Kategorien<br />

»Knowledge« und »Passion«. n den Zimmern, in denen<br />

der Leidenschaft gefrönt wird, finden sich unterschiedliche<br />

Zeichnungen an einer Pinnwand aus Kork, räkeln sich<br />

nackte Frauen auf den Fenstervorhängen. Denn bei all<br />

dem Pauken soll auch die Libido nicht zu kurz kommen.<br />

War Dänemark 16 doch das erste Land, das Pornografie<br />

legalisiert hat. Als Hommage an die freizügige Vorreiterrolle<br />

gibt es im Erdgeschoss eine »Librar of Love«, die<br />

mit erotischer Literatur ausgestattet ist. n den Bücherregalen<br />

können Gäste in Coffee-Table-Books wie »The Art of<br />

Pin-up« oder »Le Petit Voeur« blättern. Wem das zu anrüchig<br />

ist, bucht sich lieber in eines der Wissenszimmer<br />

ein, die garantiert keine roten Wangen verursachen. Hinter<br />

den Kopfteilen der Betten prangt eine Schiefertafel mit<br />

otizen von Charles Darwin und Tcho Brahe. Der Däne<br />

Brahe war einer der bedeutendsten Astronomen seiner<br />

Zeit, an den Wänden hängen Bilder einer nach ihm benannten<br />

Supernova. Der eplodierende Stern taucht aber<br />

nicht nur dort auf. Auch der Signature Drink des Hauses<br />

heißt Supernova und hat es in sich: Whisky, Wermut, Hibiskus<br />

und Zitrone, um genau zu sein. Serviert wird er in<br />

der Lobbbar, die sich in der »Assembl Hall« befindet.<br />

Alternativ geht es eine Etage tiefer in die Boilerman Bar,<br />

wo die Gäste an einem langen Tisch »Mensch ärgere Dich<br />

nicht«, »Backgammon« oder »Mühle« spielen.<br />

Das Leben hat auch gelehrt: Besser nicht zu tief ins<br />

Glas schauen, ohne vorher eine gute Grundlage geschaffen<br />

zu haben. m hours Hotel ndre B ist das entweder im<br />

italienischen Café Duse möglich oder im eni, das von einer<br />

Glaskuppel überdacht ist, die sich öffnen lässt und in<br />

der warmen Jahreszeit den Frühling und <strong>Sommer</strong> in den<br />

Wintergarten bittet. Der ame eni klingt bekannt? Gut<br />

möglich, kooperieren doch auch andere 25hours-Häuser<br />

mit der estaurantkette, die für ihre ostmediterrane<br />

Küche beliebt ist. Dass Gründerin Haa Molcho aus<br />

srael stammt, spiegelt sich auch an der langen Wand<br />

wider: Künstlerinnen und Künstler aus Tel Aviv haben<br />

Szenen der »Weißen Stadt« an ihr verewigt. Überhaupt,<br />

die Kunst: m ganzen Hotel lassen sich über 100 Bilder,<br />

Wandteppiche, Neonschilder und Skulpturen entdecken.<br />

Sie wurden von der Pariser Art-Consulting-Agentur Visto<br />

mages zusammengetragen. Und so unterschiedlich die<br />

Werke auch sind, sie alle beschäftigen sich mehr oder weniger<br />

subtil mit dem Erwachsenwerden und der Frage,<br />

wie sehr – und ob – sich unsere Persönlichkeit im Laufe<br />

des Lebens verändert. Vielleicht findet man in Stunden<br />

keine Antwort darauf, aber eine Nacht schläft man in<br />

dem Kopenhagener Hotel liebend gerne darüber.<br />

INFO<br />

25hours Hotels. Pilestræde 65, 1112 København,<br />

Tel. +45 70 77 07 07, www.25hours-hotels.com<br />

Doppelzimmer ab € 202 die Nacht.<br />

Illustration: Kapreski/Shutterstock.com; Fotos: Stephan Lemke (6)<br />

70<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


LIFESTYLE<br />

nacht<br />

wächter<br />

Schön werden im Schlaf, davon träumt<br />

doch jeder, oder? Kleine Helferlein<br />

dazu sind diese Nachtcremes.<br />

Sie kümmern sich in der Nacht um<br />

die Haut ohne unser Zutun.<br />

Gut's Nächtle<br />

Wenn Körper und Geist im Urlaub<br />

die Seele baumeln lassen dürfen,<br />

dann darf das die Haut auch. Das<br />

»Equilibrium Resurfacing Retinoid<br />

Treatment« von Hourglass ist wie<br />

eine Wellnessbehandlung für strapazierte<br />

Gesichtshaut über Nacht.<br />

30 ml, € 118<br />

Bonne nuit<br />

Es war eine kurze Nacht dank<br />

Jetlag? Mit der »Merveillance LIFT<br />

Konzentrierte Nachtcreme« von<br />

Nuxe strahlt die Haut am Morgen,<br />

als hätte sie ausreichend Schönheitsschlaf<br />

gehabt. Straffende<br />

Anti-Aging-Creme mit ultrakorrigierendem<br />

Mikroalgenöl. 50 ml,<br />

um € 52<br />

Good night<br />

Nach dem Langstreckenflug spannt<br />

die Haut? Kein Problem, einfach<br />

vor dem Schlafen im Hotel die<br />

»282 Regenerierende Creme« von<br />

L:a Bruket auftragen, und die Haut<br />

erholt sich über Nacht. Sie pflegt<br />

intensiv und mindert Rötungen,<br />

Falten und feine Linien. 50 ml, € 62<br />

Buona notte<br />

Stars schwören auf die deutsche<br />

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von Dr. Barbara Sturm, die die<br />

Erneuerungsprozesse der Haut<br />

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sommer <strong>2023</strong><br />

71


HOTEL<br />

WO DESIGN<br />

UND KUNST ZU<br />

HAUSE SIND<br />

In der italienischen Modemetropole Mailand<br />

hat Anfang <strong>2023</strong> das Fünf-Sterne-Stadthotel<br />

Casa Baglioni seine Türen im angesagten<br />

Künstler- und Designviertel Brera eröffnet. <strong>reisen</strong><br />

<strong>EXCLUSIV</strong>-Autorin Simone Sever durfte als eine<br />

der Ersten in der Luxusherberge an der<br />

Via dei Giardini Probe liegen.<br />

72 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


CASA BAGLIONI Mailand<br />

Der Frühling ist da. Die Temperaturen<br />

deutlich im zweistelligen Bereich. Die<br />

Sonne zeigt sich strahlend. Man kann<br />

den <strong>Sommer</strong> fast schon riechen. Die modebewussten<br />

Mailänder tragen die Slipper<br />

sockenlos und ohne Sonnenbrille<br />

geht kaum noch jemand aus dem Haus.<br />

Ich trage mein Lieblingssommeraccessoire in meiner Lockenpracht,<br />

während ich die sechs marmornen Stufen hinunterspringe,<br />

um die Gegend rund um die Casa Baglioni<br />

zu erkunden. Schon werde ich nach dem Weg zur Scala,<br />

dem Mailänder Opernhaus, gefragt. Leider kann ich nicht<br />

wirklich helfen, muss mich ja selbst erst einmal orientieren,<br />

nehme aber die Frage als Kompliment für meinen offensichtlich<br />

an Mailand angepassten Modestil. Das fühlt<br />

sich verdammt gut an. Ebenso wie die musikalische Untermalung<br />

meiner Spotify-Playlist, die mir derweil passend<br />

zum italienischen Frühling den Italosong »Sincera«<br />

von Giuse The Lizia ins Ohr setzt. Ich habe zwar keinen<br />

Schimmer, worum es in dem Song geht, aber Italienisch<br />

klingt einfach immer gut.<br />

Vor dem Hoteleingang steht ein Paar, sich wundernd,<br />

wer hier wohl wohnt in diesem Art Noveau Palazzo von<br />

1913. Denn im Vorbeigehen erscheint der Eingang zur<br />

Casa Baglioni eher wie das Entree in private Heiligtümer.<br />

So gar nichts weist auf eine Hotellobby hin. Es ist, als<br />

schaue man direkt in ein geschmackvolles Wohnzimmer<br />

hinein. Gedeckte und von den 1960er-Jahren inspirierte<br />

Farben schenken den Augen schmeichelnde Momente.<br />

Ein samtenes, goldglänzendes Sofa wird von frei hängenden,<br />

kreisrunden, modernen Panzeri-Designleuchten ins<br />

richtige Licht gesetzt. An der Wand Enrico Castellanis<br />

eliefkunstwerk »SuperficieBianca«.<br />

Auf eine Rezeption, an der eingecheckt wird, hat man<br />

in der Casa Baglioni bewusst verzichtet. Warum? Um<br />

dem Gast bei der Ankunft das unpersönliche, bürokratische<br />

Gefühl des Eincheckens zu nehmen. Es heißt: Einfach<br />

Platz nehmen in den extra für das Hotel entworfenen<br />

Sesseln, alles Weitere wird schnell und unkompliziert von<br />

lässig bis edel gekleideten Mitarbeitern per Tablet erledigt.<br />

Währenddessen scannt und verinnerlicht der design- und<br />

kunstinteressierte Blick die Materialien und Muster, die<br />

Farben und Formen. Auf den Tischen liegen dekorativ<br />

Coffee-Table-Books zum Stöbern und Einstimmen.<br />

Die italienischen Architekten von Spagnulo & Partners<br />

haben mit dem Design und der Kunst, die überall im<br />

Haus zu finden ist, eine Wohlfühlwelt erschaffen, in der<br />

man es sich gemütlich machen kann, so, als wäre man bei<br />

einem Kunstsammler zu Besuch. Mehr ein »Platz nehmen<br />

im Wohnzimmer« als das Ankommen in einem Hotel.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

73


HOTEL<br />

Hier legt man sich nur<br />

zu gerne ins gemachte<br />

Bett: Die Zimmer der<br />

Casa Baglioni sind<br />

gemütliche Rückzugsorte.<br />

Aber nicht zu<br />

lange Verrweilen, denn<br />

das Hotel liegt in einer<br />

der schönsten Ecken<br />

der Stadt.<br />

74<br />

sommer <strong>2023</strong>


»Benvenuto a Milano!<br />

La mia casa è la tua casa.<br />

Willkommen in Mailand!<br />

Mein Haus ist dein Haus.«<br />

Fotos: Diego de Pol (3); Illustration: Kapreski/Shutterstock.com<br />

Mehr ein: »Benvenuto a Milano! La mia casa è la tua casa.<br />

Willkommen in Mailand. Mein Haus ist dein Haus.«<br />

Die Milano-Suite, eine von insgesamt 30 Zimmern<br />

und Suiten, liegt im fünften Stock und ist in ihrer Art<br />

einzigartig. Der Blick auf die begrünten Dachterrassen<br />

der umliegenden Prachtbauten ebenfalls. Mehr Raum<br />

braucht es nicht, um Wohnglück zu fühlen: Wohnbereich,<br />

Schlafzimmer, ein Bad so schön und vielseitig, dass<br />

man stundenlang nirgendwo anders sein mag. Ich würde<br />

meine Wohnung daheim wohl in der Sekunde gegen<br />

dieses Refugium oder vielleicht auch nur gegen das Bad<br />

eintauschen. Überall in der Suite gibt es Schönes zu entdecken.<br />

Die Liebe liegt stets im Detail. Vasen und Objekte<br />

von Gala Rotelli, so einzigartig und formvollendet, dass<br />

man sie streicheln mag, fühlen muss. Die Atollo-Leuchte<br />

von Oluce, diese ikonische Leuchte in Gold, passend<br />

zum Telefon, das in Schwarz und Gold auf der dunkelgrün<br />

durchzogenen Marmorplatte des Schreibtischs so hochwertig<br />

und perfekt zu meinem goldenen Schmuck und<br />

meinen schwarz lackierten Nägeln passt. Das nenne ich<br />

mal »Match made in Milano!«.<br />

Im Bad scheinen Lichtquellen in der Luft zu schweben,<br />

runden Spiegel ohne Ecken und Kanten das Bild ab.<br />

Konkurriert eine frei stehende und filigran anmutende<br />

Badewanne mit einer dunkel im Fischgrätstil gefliesten<br />

Regendusche. Im Schlafzimmer umrahmen edle, matte<br />

Walnusshölzer das einladende Kingsizebett und fließen<br />

über in Ablagen links und rechts, die wiederum von frei<br />

schwebendem und punktiertem Licht von Panzeri in Szene<br />

gesetzt werden. Die goldenen Regale, die wie eine<br />

Art Raumteiler wirken, präsentieren dekorative Objekte<br />

und inspirierenden Lesestoff. An den Wänden beim Sofa<br />

hängen Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Mailand der<br />

160er-Jahre und nehmen einen mit auf eine Zeitreise.<br />

Eine weitere Reise im Hier und Jetzt erwartet die<br />

Hotelgäste auf ihren Zimmern. Die Casa Baglioni hat<br />

mit der italienischen Hutmanufaktur Borsalino, dem ältesten<br />

Spezialisten für luxuriöse Kopfbedeckungen, eine<br />

Kooperation, um den Gästen ein besonderes Erlebnis<br />

zu bieten: »Made to Measure« nennt sich das Erlebnis.<br />

Mein »Made to Measure«-Termin mit Hutprofi Simone<br />

– meiner Namensvetterin – wartet. Die Entstehung<br />

eines personalisierten Huts by Borsalino beginnt. Mein<br />

Kopf wird vermessen. 59er-Umfang. Ich werde durch das<br />

Farb- und Materialangebot geführt. Ich habe nicht wirklich<br />

das richtige Hutgesicht, finde ich. Allerdings ist mein<br />

Namenszwilling da ganz anderer Meinung. <strong>Sommer</strong>licher<br />

Panamahut? Klassiker? Ich gehe classy passend zur Basis<br />

meiner Garderobe in Schwarz. Weicher Wollstoff, breite<br />

feminine Hutkrempe, Krokoband. Und für meine windige<br />

Heimatstadt Hamburg mit Rückversicherung in Form eines<br />

langen Fangbands, das ich an einem meiner Knopflöcher<br />

befestigen kann, falls mir der Wind den Hut mal vom<br />

Kopf wehen will. Das wäre schließlich fatal, denn solch<br />

ein Borsalino-Klassiker hat einen ordentlichen Wert.Mit<br />

dem Probehut auf dem Kopf, einem Blick auf den Instagram-Account<br />

der Borsalino World und in den Spiegel<br />

komme ich schließlich zu der Erkenntnis: Der Hut steht<br />

mir ganz gut. Simone hat ganze Arbeit geleistet.<br />

Es klopft. Der Zimmerservice kommt mit Essen auf<br />

Rädern. Der mobile Tisch wird am Fenster mit Ausblick<br />

positioniert. Die 67 Quadratmeter der Milano-Suite geben<br />

genügend Platz her. Unter einer Cloche kommt ein<br />

farbenfroher Hummersalat, appetitlich auf dem Teller<br />

komponiert, zum Vorschein. Ein Glas toskanischer Rosé<br />

Alìe Ammiraglia Frescobaldi mit Aromen von weißen<br />

Blumen, Walderdbeeren und Zitrusschalen ist eine gute<br />

Gesellschaft für meinen späten Lobster-Lunch. Wohlschmeckende<br />

kleine Foccacina con pomodori, lokales<br />

Olivenöl, Salz, Pfeffer aus der Mühle Die Küche um<br />

Michelin-Sterne-Koch Claudio Sadler kocht mit Leidenschaft,<br />

das ist ganz einfach schon an den kunstvollen<br />

Kompositionen der Gerichte erkennbar, bevor man überhaupt<br />

einen Bissen probiert hat.Weiter geht es dann am<br />

Abend im sternegekrönten »Ristorante Sadler«. Jeder Biss<br />

eine Offenbarung.<br />

Bevor ich am nächsten Morgen bei einer vom Hotel<br />

organisierten Kunsttour die Pinacoteca di Brera im barocken<br />

»Palazzo di Brera« anpeile, um mich mit den alten<br />

Meistern auseinanderzusetzen, nehme ich erneut kurz<br />

Platz im »Wohnzimmer«. Und werfe einen Blick auf das<br />

Coffee-Table-Book direkt vor mir: »nside Milan« lese ich.<br />

Ja, das passt, denn im Casa Baglioni sitzt man mittendrin<br />

in Mailand, spürt die Kunst, die Gastfreundschaft und die<br />

besondere Art des Hauses – und wird für einen kurzen<br />

Moment selbst zur Mailänder Stilikone. Hut ab! Und Hut<br />

auf, denn jetzt heißt es: Ciao Milano, Ciao Casa Baglioni –<br />

Ti amo!<br />

INFO<br />

Casa Baglioni. Via dei Giardini, 21, 20121 Mailand,<br />

Tel. +39 02 305 5561, www.baglionihotels.com<br />

Zimmer ab € 900 für zwei Personen.<br />

herbst sommer 2020 <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 75


HOTEL<br />

text<br />

Frank Störbrauck<br />

EIN LÄCHELN<br />

IM GESICHT<br />

Erfolgsrezeptur: Geschichte bis zum Abwinken,<br />

spannende Architektur, Kulinarik zum Dahinschmelzen, viel Sonne,<br />

Strand und Meer. Eine der besten Adressen der Stadt, um all das<br />

zu erkunden, ist das Hotel The David Kempinski. Ein Besuch.<br />

Ach, besser könnte der Tag nicht starten.<br />

Gerade eben hat mich der Wecker aus<br />

dem Schlaf gesummt. Ich strecke Arme<br />

und Beine weit von mir. Zu gern würde<br />

ich jetzt noch ein Stündchen in der<br />

edlen Bettwäsche liegen bleiben und<br />

vor mich hin träumen. Aber die Neugier<br />

auf den Ausblick aus dem 15. Stock treibt mich raus<br />

aus den Federn. Es ist schließlich mein erster Morgen<br />

hier. Der erste Blick löst bereits Vorfreude aus. Strand!<br />

Die frühmorgendlichen Sonnenstrahlen verwandeln den<br />

Tel Aviver Stadtstrand in ein zauberhaftes goldenes Licht.<br />

Der Tag könnte hier, im The David Kempinski, nicht besser<br />

starten.<br />

Schon am Vortag signalisierte mir der Service des<br />

Hauses, dass es ein unvergesslich feiner Aufenthalt werden<br />

könnte. Im klassisch-vornehmen Stil, versteht sich.<br />

Bei der Anreise eilten adrette Pagen herbei, standesgemäß<br />

im schwarzen Frack und mit Zlinder, öffneten mit<br />

einem Lächeln die Türen, kümmerten sich um die Koffer<br />

und wiesen mir den Weg zur Rezeption. Während eines<br />

Zigarettenpäuschens merkte ich gleich, dass das Pagenteam<br />

nicht nur professionell seine eigentlichen Aufgaben<br />

erledigt, sondern gern auch ein Schwätzchen mit<br />

den Gästen hält. Geheimtipps inklusive. Carmel Market?<br />

Ja, unbedingt. Nur 15 Minuten zu Fuß. Dort unbedingt<br />

Pitah, das israelische Fladenbrot, probieren. Jerusalem?<br />

Ganz anders als Tel Aviv. Traumaussicht auf die Altstadt<br />

vom Ölberg! Frühmorgens hinfahren, dann sind noch<br />

nicht so viele Touristen da. Da hört man doch gern zu.<br />

Kempinski betreibt derzeit 80 Fünf-Sterne-Hotels<br />

und -Residenzen in 34 Ländern, darunter prunkvolle, geschichtsträchtige<br />

Vorzeigehäuser wie etwa das Adlon in<br />

Berlin, das Emerald Palace in Dubai und das iraan Palace<br />

in Istanbul. Die Dependance in Tel Aviv gehört zu den<br />

jüngsten Küken in der Kempinski-Familie. Erst im Frühling<br />

0 hat es seine Türen für die ersten Gäste geöffnet.<br />

Der Neubau ist unübersehbar, er ragt 34 Stockwerke<br />

in den Himmel und beherbergt 250 Zimmer und Suiten.<br />

Wer es sich richtig gut gehen lassen möchte, kann sich<br />

ein paar Nächte in der David-Penthouse-Suite gönnen.<br />

Auf 380 Quadratmetern Fläche gibt’s zwei Schlafzimmer<br />

mit eigenem Bad, einen riesigen Wohn- und Essbereich,<br />

einen eigenen Fitnessraum und eine Terrasse samt zehn<br />

Meter langem nfinitpool.<br />

Doch, Moment, es muss und kann für die meisten selten<br />

das Teuerste sein. Wer sich für eine Signature-Suite<br />

entscheidet, bekommt Zugang zu der Horizon Lounge im<br />

22. Stock. Wie in einem exklusiven Club. In dem man sich<br />

Drinks aller Art mixen kann oder sich am Hotel-Lounge-Buffet<br />

satt essen. Das ist übrigens etrem opulent zu<br />

allen drei Mahlzeiten gefüllt.<br />

Und ja, das Konzept wird von vielen Hotels so gehandhabt.<br />

Die anderen wiederum haben aber keine Anna.<br />

Anna ist die fröhliche Lounge-Rezeptionistin, die schon<br />

beim zweiten Besuch die Gäste mit Namen anspricht.<br />

Und auch die Lounge-Terrasse ist beeindruckend. Der<br />

Blick auf die Promenade und den Strand ist wunderbar.<br />

ch treffe hier Hoteldirektor Gu Klaiman. 3 Jahre<br />

lang war er Manager von Hilton-Hotels auf der ganzen<br />

Welt, zuletzt leitete er das Waldorf Astoria in Jerusalem.<br />

Klaiman, stets im Maßanzug und mit der Aura eines<br />

Grandseigneurs, der in der Knesset eine mächtige Rolle<br />

spielen könnte, ist ein Mann der alten Hotelschule:<br />

charmant, zuvorkommend, gebildet und stets die Contenance<br />

wahrend. Man könnte sich Stunden mit ihm über<br />

die Philosophie eines Luxushotels unterhalten. Das, worauf<br />

es ihm besonders ankommt, lässt er rasch durchblicken:<br />

die Menschen, die in seinem Hotel arbeiten. »Sie<br />

können jeden erdenklichen Hotelluxus bieten. Aber wenn<br />

76 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


THE DAVID KEMPINSKI Tel Aviv<br />

Bauklötze staunen:<br />

Das The David Kempinski<br />

liegt direkt am beliebten<br />

Stadtstrand von Tel Aviv.<br />

77


HOTEL<br />

Dampf ablassen?<br />

Im Restaurant<br />

Sereia lässt sich<br />

über Geschmack<br />

nicht streiten.<br />

Alles schmeckt<br />

hervorragend!<br />

Innovation steht bei<br />

Küchenchef Mor Cohen<br />

ganz hoch im Kurs.<br />

das Lächeln in den Gesichtern der Mitarbeiter fehlt, hat<br />

man verloren«, sagt er. Das Lächeln sei für ihn eine Frage<br />

der Einstellung zum Job. Wer beim Vorstellungsgespräch<br />

im Kempinski-Hotel nicht gelächelt habe, den habe er<br />

erst gar nicht genommen. »Wenn die Bewerber nicht die<br />

richtige Einstellung haben, können sie einfach nicht die<br />

Herzlichkeit der Gastfreundschaft bieten, für die wir stehen«,<br />

sagt er. Lächelnd, versteht sich.<br />

Nach einem Nickerchen düse ich am Abend mit dem<br />

Aufzug entspannt ins Erdgeschoss, wo die Sereia Lounge<br />

Gaumenschmäuse verspricht. Ausschließlich koschere<br />

Speisen werden hier serviert. Verantwortlich für die Leckereien,<br />

die heute Abend auf meinen Teller gezaubert<br />

werden, ist Küchenchef Mor Cohen – ein recht bekannter<br />

Koch im Land, schließlich tritt der 37-Jährige regelmäßig<br />

in einer Kochshow im israelischen Fernsehen auf. Sein<br />

Lebensmotto: »Wähle einen Job, den du liebst, und du<br />

musst keinen Tag in deinem Leben arbeiten.«<br />

Seine frischen Zutaten besorgt er sich regelmäßig auf<br />

dem Carmel Market, der nur wenige Fußminuten vom<br />

Hotel entfernt liegt. Beim Zubereiten seiner Speisen treibe<br />

ihn immer wieder der Ehrgeiz an, Neues auszuprobieren,<br />

sagt er. Innovation stehe bei ihm ganz hoch im Kurs.<br />

Ach ja, das schiebt er noch hinterher, er möchte zudem<br />

eine leichte Küche servieren: »Keiner will doch heute<br />

noch mit einem schweren Magen das Restaurant verlassen.<br />

Dann ist der Tag oder die Nacht doch gelaufen.« Aber<br />

lecker, das verspricht er, wird es ganz bestimmt.<br />

Das Team von Mor Cohen sorgt dann auch für einen<br />

fantastischen Abend. Köstlicher Hummus wird als<br />

Vorspeise serviert, dazu frisch gebackenes Brot mit Algenbutter<br />

zum Dahinschmelzen. Thunfischsteak mit<br />

Kohlrabi, Chili, Mandeln und Kosho-Joghurt-Dip gibt<br />

es, anschließend köstliches Goldbarschfilet la plancha<br />

mit feinen Rosinen und Pinienkernen. Die Weinkarte<br />

verwöhnt mit israelischen Tropfen von den Golanhöhen,<br />

aus Galiläa und Negev. Darunter ist ein exzellenter Pinot<br />

Noir (»Domaine du Castel«) aus 2016, den ich am liebsten<br />

flaschenweise in meinen Koffer verfrachten würde.<br />

Der letzte Vormittag, Tag der Abreise. Ich verabschiede<br />

mich aus der Lobby. Direktor Guy Klaiman, während<br />

meines Aufenthalts unfassbar präsent im ganzen Hotel,<br />

kommt um die Ecke. Ein letzter Small Talk, er möchte<br />

wissen, wie es mir in der Stadt gefiel. ch schwärme vom<br />

quirligen Carmel Market, den imposanten Häusern im<br />

Bauhaus-Stil, der pittoresken Altstadt in Jaffa und – ja natürlich,<br />

so viel Lob muss sein – der wunderbaren Zeit, die<br />

ich im Kempinski hatte. Ein Lob über die dauerlächelnden<br />

Mitarbeiter seines Hauses verkneife ich mir. Das<br />

wäre dann doch eine Schleimspur zu viel, die ich jetzt<br />

hinterlassen würde, denke ich mir. Klaiman lächelt zum<br />

Abschied. Ich auch.<br />

INFO<br />

The David Kempinski Tel Aviv. Hayarkon 51,<br />

6343203, Tel Aviv, Israel, Tel. +972 3 776 8888,<br />

www.kempinski.com<br />

Doppelzimmer ab € 600 die Nacht.<br />

Illustration: Kapreski/Shutterstock.com; Fotos: Sivan Askayo, Alexander Maistern, Ben Yuster The David Kempinski Tel Aviv<br />

78<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


LIFESTYLE<br />

Wach<br />

lektüre<br />

Illustration: Huza Studio/Shutterstock.com<br />

Schlaflos im Hotel? Zum Glück!<br />

Denn dann bleibt genug Zeit, in der<br />

mitgebrachten Nachtlektüre zu<br />

schmökern. Drei Buchtipps für<br />

entspannte Urlaubstage<br />

oder -nächte!<br />

»Der letzte Sessellift« begeistert<br />

mit dem typischen Irving-Charme<br />

aus skurrilen Figuren und derber<br />

Komik. Der junge Adam macht sich<br />

auf die Suche nach seinem Vater,<br />

den er nie kennengelernt hat. Sein<br />

Weg führt ihn in den amerikanischen<br />

Luxusskiort Aspen, ins Hotel<br />

Jerome, in dem er gezeugt wurde.<br />

Damals, als seine Mutter als 18-Jährige<br />

bei den Skimeisterschaften<br />

in Aspen angetreten ist. In dem<br />

altehrwürdigen Hotel trifft er auf<br />

Gespenster und schrulliges Personal.<br />

Und was hat der letzte Sessellift<br />

mit all dem zu tun? Mit 1.088 Seiten<br />

hat man ihn zum Glück auch nicht<br />

in einer Nacht oder einer Sessellift-Fahrt<br />

durchgelesen. Diogenes<br />

Verlag, € 36.<br />

»Und sie bewegt sich doch« –<br />

an manchen Tagen ist das nur eine<br />

Wunschvorstellung. Viel zu oft<br />

bewegt sich die Bahn nämlich eben<br />

nicht. Und doch gibt es auch die<br />

Fahrten, die das Herz berühren, weil<br />

man auf nette Zufallsbegegnungen<br />

oder eine große Hilfsbereitschaft<br />

trifft. Denn in der Bahn kommen wir<br />

alle zusammen – unabhängig von<br />

Milieu, Klasse, Stil und Weltanschauung.<br />

Ein jeder von uns hat eine<br />

Bahn-Anekdote zu berichten. Wie<br />

auch die Autorinnen und Autoren<br />

dieses Buchs. Horst Evers, Dietmar<br />

Wischmeyer und Cordula Stratmann<br />

erzählen auf herrlich-komische<br />

Weise Geschichten, wie sie nur die<br />

Bahn schreibt. Rowohlt Berlin,<br />

240 S., € 16.<br />

»Gebrauchsanweisung für den<br />

Strand« nimmt einen mit auf eine<br />

Reise zu den Stränden der Welt:<br />

vom sommerlichen Isarstrand über<br />

den winterlichen Nordseestrand bis<br />

hin zum karibischen Traumstrand.<br />

Von Coney Island bis Kreta, von Bali<br />

bis Sylt werden die Strände unter<br />

die Lupe genommen. Wie sieht<br />

eigentlich der perfekte Strand aus?<br />

Wo gibt es die weißesten Strände,<br />

und wie ist der Beach-Kult überhaupt<br />

entstanden? Für Strandspaziergänger<br />

und Muschelsucher, für<br />

Badenixen und Beachvolleyballer, für<br />

Winterschwimmer und Sonnenanbeter.<br />

Zum Schmökern am Strand oder<br />

eben nachts im warmen Hotelbett.<br />

Von Stella Bettermann, Piper,<br />

208 S., € 16.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

79


HOTEL<br />

VERWUNSCHENES<br />

WUNSCHHOTEL<br />

80 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


text<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

Kyoto war mehr als 1.000 Jahre lang die kaiserliche Hauptstadt Japans.<br />

Noch heute ist die Stadt eine Ode an die Schönheit und den Wohlstand von Japans<br />

Vergangenheit. Die steinernen Straßen mit ihren Häusern aus dem 11. Jahrhundert,<br />

den tippelnden Geishas und den jahrhundertealten Tempeln sind ein kulturelles<br />

Feuerwerk. Nun gibt es die Chance, inmitten der pulsierenden Stadt zu nächtigen<br />

oder sich in eine grüne Oase zurückzuziehen, die Kyoto von einer ganz<br />

anderen Seite zeigt. Verwunschen sozusagen. Willkommen im Aman Kyoto.<br />

AMAN Kyoto<br />

81


HOTEL<br />

Gelassenheit, Ruhe,<br />

Minimalismus, Eskapismus<br />

Wenn man wie ich am<br />

Bahnhof von Koto<br />

ankommt und in ein<br />

Tai steigt, um ins<br />

Aman Koto zu fahren, sollte man<br />

sich nicht wundern, dass die Fahrt<br />

erstens ein wenig länger dauert und<br />

zweitens in eine Gegend führt, die so<br />

gar nicht nach Großstadt aussieht.<br />

Dafür aber – und ich bin nicht esoterisch<br />

veranlagt – eine ganz besondere<br />

Aura hat. Etwas Magisches. Etwas<br />

Bezauberndes. Das Luushotel liegt<br />

in einem verwunschenen Garten und ist zusätzlich von<br />

dichtem, sattgrünen Wald umgeben. Wer hier eincheckt,<br />

checkt bei der Zivilisation aus.<br />

Jetzt könnte der Eindruck entstehen, dass das Aman<br />

Koto so abgelegen liegt und es sich deshalb nicht eignet,<br />

um das prächtige Koto zu entdecken. Das täuscht. Praktisch<br />

vor der Haustür des Hotels liegen einige wichtige<br />

Sehenswürdigkeiten: Kinkakuji, der Tempel des Goldenen<br />

Pavillons, ist nur 1 Minuten zu Fuß entfernt. Auch<br />

der oanji-Tempel mit seinem berühmten Steingarten<br />

ist nicht weit. Deshalb: Ja, die nächste Sushibar liegt ein<br />

bisschen ferner. ch habe die Fahrdienste von Tais und<br />

Uber bemüht. Aber dafür schläft man an einem Ort, der<br />

wohl keinem anderen Hotel gleicht.<br />

Doch das erkläre ich besser im Detail. Das Aman Koto<br />

hat keine großzügige Lobb, wie es viele Luushotels<br />

haben. Menschen tummeln sich hier eigentlich nirgends.<br />

Wer hierherkommt, sucht uhe und Abgeschiedenheit,<br />

möchte seine Privatsphäre genießen und Koto in seinem<br />

ganz eigenen Tempo entdecken. Wer hierherkommt, mag<br />

es minimalistisch, aber luuriös. Dennoch, wer Gold und<br />

Glitzer sucht, ist hier definitiv fehl am Platz.<br />

Attribute, die mir spontan zu dem Haus einfallen,<br />

sind: Gelassenheit, uhe, Minimalismus, Eskapismus.<br />

Das Hotel befindet sich umgeben von einem Park, dessen<br />

Status sich zwischen gepflegt und wuchernd angeben<br />

lässt. Zudem befinden sich um das Terrain 3 Hektar<br />

Wald. Und der ist, trotz Großstadt, so frei von Zivilisation,<br />

dass sich otwild dort wohlfühlt. Derart unberührt<br />

mögen wir auch die Welt um uns herum, wenn wir bei<br />

eisen zur uhe kommen möchten, oder? nmitten all<br />

dieses Grüns befindet sich eine eihe von hölzernen Pa-<br />

villons, die von Kerr Hill entworfen<br />

wurden, dem verstorbenen australischen<br />

Architekten, der bereits zuvor<br />

einige Projekte von Aman umsetzte.<br />

Doch nun zu den Zimmern: Die<br />

insgesamt 6 Suiten sind in sechs<br />

Pavillons untergebracht, die auf<br />

dem Gelände verstreut sind. Die<br />

Gästezimmer sind eine moderne<br />

nterpretation traditioneller japanischer<br />

okans. Sie sind sehr großzügig,<br />

natürlich minimalistisch und<br />

strahlen bereits eine gewisse uhe<br />

aus. Es gibt Bodenbeläge aus Tatami-Matten, traditionelle<br />

Pjamas, einen begehbaren Kleiderschrank, einen<br />

versteckten Fernseher und die Aussicht auf den verwunschenen<br />

Wald, die – eingerahmt von bodentiefen Fenstern<br />

– wie ein Gemälde wirkt.<br />

Das wahre Highlight sind jedoch die Badezimmer mit<br />

großen japanischen Badewannen aus duftendem Hinoki-Zpressenholz.<br />

Sie sind so gigantisch, dass sie zwei<br />

Stöpsel haben und es 30 Minuten dauert, sie zu füllen,<br />

und zwei groß gewachsene Menschen darin zu zweit<br />

beuem Platz finden. Eigentlich bade ich nie und habe<br />

bislang sämtliche Whirlpool-Badewannen, selbst die in<br />

schwindelerregenden Höhen vor Panoramafenstern, gekonnt<br />

ignoriert. Doch dieses riesige Holzbecken wollte<br />

ich ausprobieren.<br />

Dabei war das schon mein zweites Bad vor Ort. Denn<br />

natürlich habe ich auch schon das Spa besucht. Doch Moment,<br />

es entspricht nicht ganz den europäischen Vorstellungen<br />

von einem Spa. Denn einen Pool zum Bahnenziehen<br />

oder Planschen gibt es nicht. Auch keine Sauna oder<br />

Dampfbad. Dafür aber können die Gäste ein Bad im wärmenden,<br />

mineralhaltigen Onsen-Wasser nehmen, bevor<br />

sie eine wohltuende Behandlung genießen. Doch Achtung<br />

m Onsen schwimmt man nackt. Ja, richtig gehört.<br />

Komplett nackig. ur als Vorwarnung. Und die Anwendungen?<br />

Die AmanKotoSignature Journe ist eine tief<br />

erholsame Massage mit einer alchemistischen Mischung<br />

aus köstlich duftenden len – von Koto-Kitaama-Zedern<br />

und uzu-Zitrusfrüchten bis hin zu Sakura-Kirsche<br />

und grünem Tee – wie sie traditionell vonKotoer Geishas<br />

für ihre Schönheitspflege verwendet werden. Und<br />

für alle, die sich doch nach etwas Glitzer sehnen: Es gibt<br />

82<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Spürt ihr es? Diese Ruhe! Die Räume des Aman Kyoto ruhen in sich und wir in ihnen. Es ist, als würde man beim Betreten der Tatami-Matten<br />

auf dem Boden die Welt da draußen dort lassen, wo sie hingehört. Vor der Tür. Wohlfühlen garantiert.<br />

Om. Oder sollten wir lieber Onsen sagen. Das ist der<br />

Onsen-Pool des Spas, der von einer heißen Quelle gespeist<br />

wird. Es gibt einen Bereich für Männer und einen für Frauen.<br />

Das liegt daran, dass Badebekleidung unerwünscht ist.<br />

herbst 2020<br />

83


HOTEL<br />

Tagesgericht: Klassiker des Menüs, die sich im Taka-An über Jahre oder Monate auf der Karte befinden,<br />

gibt es nicht. Jeder Tag birgt neue Überraschungen auf dem Teller. Loslassen und genießen heißt die Devise.<br />

eine Gesichtsbehandlung mit japanischem Blattgold, für<br />

die 4-karätiges Gold aus Kanazawa verwendet wird.<br />

Preislich fast auf Gold-iveau ist ein Essen im noblen<br />

Taka-An. Die Fine Dining Eperience des Hotels.<br />

Das estaurant ist ein weiterer friedlicher Zufluchtsort,<br />

mit Ledersesseln an einer langen Holztheke, an der Chefkoch<br />

Shinichir Takagi mit den Aromen spielt wie ein Maler<br />

mit seinen Farben. Dabei habe ich die Metapher nicht<br />

willkürlich gewählt. Auf der Website des Taka-An steht,<br />

dass er die Zutaten zubereitet wie ein Künstler ein Gemälde<br />

– mit akribischer Präzision und kreativer Finesse.<br />

Das estaurant folgt der japanischen Omakase-Tradition.<br />

Doch was heißt Omakase? Eigentlich bedeutet es »ich<br />

vertraue dir« und dementsprechend wird serviert, was das<br />

kreative Gespür des Chefkochs just hergibt. Bedeutet, es<br />

gibt kein Menü. Es gibt keine Auswahl. Es wird gegessen,<br />

was auf den Tisch kommt – uasi in der Delue-Version.<br />

Das kann ab und an berraschungen auf den Teller<br />

zaubern, die tatsächlich einer Dschungelcamp-Aufgabe<br />

gleichen. Die rohe Seegurke, die ja nicht wie der ame<br />

vermuten lässt, ein Gemüse ist, sondern eher ein Wurm<br />

aus dem Meer, ist in ihrem faden Geschmack und ihrer<br />

schleimigen Konsistenz schwer für mich erträglich. ch<br />

esse sie dennoch. Schließlich steht der Chefkoch direkt<br />

vor mir und beobachtet mich. Kleiner Benimmtipp: Japaner<br />

trinken CHT zu jedem Gang einen korrespondierenden<br />

Wein. Eher trinken sie zum Essen wenig bis<br />

nichts. Es kann Unverständnis verursachen, wenn man<br />

sich das dritte Glas Wein bestellt. Hicks. Aber wo wir bei<br />

Getränken sind: Den Sake-Sekt kann ich nur empfehlen<br />

Aber das ist nicht das einzige herausragende Getränk.<br />

Es klingt banal. Aber der Orangensaft beim Frühstück im<br />

Living Pavilion ist Weltklasse. ch würde fast behaupten,<br />

der beste weltweit. Living Pavilion ist das Hauptrestaurant,<br />

in dessen Mitte sich ein runder Kamin befindet und<br />

in dem die Wände mit handgefertigten aku-Kacheln<br />

verkleidet sind. Hinzu kommt der Panoramablick in die<br />

grüne Oase durch die große, bodentiefe Fensterfront.<br />

Morgens kann man zwischen traditionellem japanischem<br />

Frühstück wählen was ich unbedingt empfehlen würde<br />

oder sich dem klassischen westlichen Eier-und-Speck-<br />

Frühstück widmen. Abends kreiert Chefkoch Tatsua<br />

Ozawa hausgemachte Küche im Koto-Stil. Oder westliche<br />

Küche mit einem Hauch Koto-Esskultur. Die Karte<br />

ist klein, aber oho<br />

Wie das Hotel selbst. Das hat nur 6 Zimmer. Dennoch<br />

wird dem Gast viel geboten. Kleiner Einblick in<br />

das Eperience-Menü? Da hätten wir Meditieren mit<br />

einem Zen-Buddhistenmönch. Mit einer persönlichen<br />

Einladung können Aman-Koto-Gäste ein altes Ochaa<br />

Teehaus besuchen und einen achmittag und Abend<br />

mit einer Geiko so nennen sich die Geishas in Koto<br />

verbringen, Ozashiki spielen, Tee trinken und eine Tanzvorführung<br />

sowie ein Abendessen genießen. Es gibt auch<br />

das Angebot, den achmittag mit der kebana-Kunst zu<br />

verbringen und zu lernen, wie man Blumen in strukturell<br />

prächtige Arrangements aus Farbe und Form verwandelt.<br />

Oder wie wäre es mit Malen, einer traditionellen Teezeremonie<br />

oder, wie ich es getan habe, die Tempel in der<br />

Umgebung mit dem E-Bike zu erkunden. Eine wunderbare<br />

Erfahrung. icht nur weil sich die Perspektive auf die<br />

Stadt verändert, auch weil man sich dann eher als Teil des<br />

Ganzen fühlt.<br />

Und am Ende jedes Koto-Besuchs kehrt man zurück<br />

in diese verwunschene Welt. Zwischen überwuchernden<br />

Mäuerchen, unebenen Steinen, moosbewachsenen Wegen,<br />

in ein klar strukturiertes Zimmer. Und es fühlt sich<br />

an, als käme man nach Hause. Und das lieb ich sehr.<br />

INFO<br />

Aman Kyoto. 1 Okitayama Washimine-cho Kita-ku<br />

603-8458 Kyoto, Tel. +81 75 496 333, aman.com<br />

Zimmer zwischen € 800 und € 5.000 – je nach Saison.<br />

Illustration: Kapreski/Shutterstock.com; Fotos: Nacasa & Partners Inc. (7), Aman Resorts (2)<br />

84<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


schlaf<br />

gut<br />

Schlafen mit Stil.<br />

Das gilt nicht nur<br />

für die Herberge,<br />

sondern auch für<br />

das Outfit.<br />

Grandhotel<br />

Altehrwürdige Luxushotels<br />

verlangen auch eine elegante<br />

Nachtgarderobe. Mit dem<br />

Nachthemd mit Spitze von<br />

Molly Bracken ist man auch in<br />

den Laken bestens gekleidet.<br />

Verstellbare Träger, Länge<br />

106 cm. »Lace Trim Nightgown«,<br />

um € 60<br />

LIFESTYLE<br />

Englisches Cottage<br />

Direkt aus dem Bett die erste Tasse<br />

Earl Grey auf dem Sofa genossen –<br />

der Pyjama von Guess ist wirklich zu<br />

schade, um ihn nur zum Schlafen zu<br />

tragen. Aus Seide, € 85.<br />

Fotos: PR (3), nadtytok/Shutterstock.com<br />

Safarizelt<br />

Der Pyjama von mey ist so hübsch anzusehen<br />

und fühlt sich so gut auf der Haut an, dass<br />

man ihn glatt morgens auf der Safaritour<br />

einfach anlassen könnte. Serie Demy mit<br />

knöchellanger Hose, um € 90 und Langarmshirt,<br />

um € 100.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

85


HOTEL<br />

Schöne Aussichten: Geschichte und gutes Essen finden die Gäste des Monte Carlo Beach Hotels im Sternerestaurant Elsa. Hoch oben über<br />

dem pittoresken Luxushotel wacht die Villa von Karl Lagerfeld über Monaco und Mittelmeer.<br />

86


text<br />

Ulrike Herder<br />

ZUM GLÜCK IN<br />

MONTE CARLO<br />

Das Monte Carlo Beach Hotel im Fürstentum Monaco ist ein<br />

legendäres Hotel, in dem die Reichen und Schönen seit den<br />

1930er-Jahren ihre Häupter betten. Standesdünkel? Nicht zu spüren.<br />

Ganz im Gegenteil: Es geht herrlich unkompliziert zu. Das Hotel<br />

versprüht sommerliche Lebensart und ist der perfekte<br />

Rückzugsort für einen entspannten Aufenthalt am Strand.<br />

MONTE CARLO BEACH HOTEL<br />

Verrückt. Ich stehe am Pool, einem Hotelpool<br />

wohlgemerkt, und vor mir ragt<br />

ein Fünf-Meter-Sprungturm in den<br />

hellblauen Himmel. Ob ich mich traue<br />

zu springen? Sagen wir so: Ich fühle<br />

mich beschwingt. Und das hat zweifelsohne<br />

mit dem Ort zu tun, an dem<br />

ich mich gerade befinde: dem Monte Carlo Beach Hotel.<br />

Alles scheint hier möglich. Sogar, dass ich mich von einem<br />

fünf Meter hohen Turm in die Tiefe stürze. Das scheint<br />

eine Art Aura des Orts zu sein. Nicht umsonst tummelt<br />

sich hier so viel Sportsgeist und Glücksspiel. Vom »Rien<br />

ne va plus« am oulettetisch des weltberühmten Casinos<br />

bis zu den bereits aufgestellte Extraleitplanken für das im<br />

Mai stattfindende Formel-1-ennen – in Monaco heißt es<br />

oft »Leben am Limit«.<br />

Glamour, Wettkampf und schnelle Autos – dafür steht<br />

das Land im Taschenformat, das sich gerade einmal über<br />

zwei kleine Kilometer entlang der felsigen Küste erstreckt<br />

und vom Mittelmeer umspült wird. Schwindelerregende<br />

Türme, bunte Villen im italienischen Stil mit Pools, schicke<br />

Klubs und Palmen formen sich zu einem privilegierten<br />

Zufluchtsort für die eichen und Schönen. Ein Land<br />

mit gerade einmal 36.690 Einwohnern. Das sind ein paar<br />

Menschen weniger als die Stadt Emsdetten. Dafür ist Monaco<br />

aber weltbekannt. Dem schillernden Fürstenhaus sei<br />

Dank. So wie den zahlreichen Filmen, die sich dieser Kulisse<br />

bedienten.<br />

Doch in Monaco kann man, abseits des Trubels, auch<br />

ganz fantastisch die Seele baumeln lassen und einen entspannten<br />

Strandurlaub verleben. Das Monte Carlo Beach<br />

Hotel liegt – wie der ame es schon verrät – in Monte<br />

Carlo, einem Bezirk von Monaco. Seinen amen hat es<br />

dem Fürsten Charles . zu verdanken, auf italienisch<br />

Carlo ., der in den 160er-Jahren auf dem damals völlig<br />

unbesiedelten Felsvorsprung (italienisch Monte =<br />

Berg ein Casino erbauen ließ.<br />

Um zum Monte Carlo Beach zu gelangen, lässt man<br />

den Trubel hinter sich. Das Hotel schmiegt sich in einer<br />

pittoresken Bucht am ande des Fürstentums in den<br />

Felsen, umringt von einem Pinienwald. Zunächst sticht<br />

die ungewöhnliche Farbe der Fassade ins Auge. Terrakottarot<br />

trifft es wohl am besten. Frankreich-Kundige<br />

werden sich sofort an die roten Felsen des nahen Esterel-Massivs<br />

an der Cte dAzur zwischen Saint-aphal<br />

und Cannes erinnert fühlen. So oder so eine wirklich<br />

gelungene Komposition: Die tiefrot schimmernde Fassade<br />

und das azurblau funkelnde Meer werden von der<br />

Sonne in ein warmes, schmeichelndes Licht getaucht.<br />

Auch das Design im Inneren kann man nur als gelungen<br />

bezeichnen. Hier hat jemand ein Händchen für<br />

Farben, Licht und Formen. Dieser jemand ist einer der<br />

Superstars unter den Designern: die gebürtige Iranerin<br />

ndia Mahdavi, die das 1 erbaute Luushotel<br />

mit seinen 40 Zimmern in den letzten Jahren mit ihrer<br />

Handschrift in die Neuzeit katapultiert hat. Hier versüßt<br />

Design den Aufenthalt. Dabei sind die Zimmer<br />

nicht nur schön anzusehen, sondern ich fühle mich direkt<br />

pudelwohl. Farbenfrohe marine Elemente treffen<br />

auf zeitlose und elegante Formen – und all das schafft<br />

ein behagliches Ambiente. Alles wirkt schwungvoll und<br />

fröhlich.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

87


HOTEL<br />

Auf dem Sprung? Wagemutige<br />

stürzen sich im Monte Carlo<br />

Beach Hotel vom Fünf-Meter-<br />

Turm in den Pool. Der Rest<br />

schaut zu. Auch schön!<br />

Angefangen bei den Möbeln mit organischen Formen,<br />

Kurven und vielfältigen Strukturen, wie etwa das Sofa,<br />

das sich im maritimen blau-weißen Look in einem großen<br />

Bogen an die Wand schmiegt. Oder die Tische, die fast so<br />

wirken, als hätte das Meer in Tausenden von Jahren für<br />

ihre besondere abgerundete Form gesorgt. Oder der Sessel<br />

»Cap Martin«, den die Designerin eigens für das Monte<br />

Carlo Beach entwarf, und auf dem man es sich auf der<br />

Terrasse der Loggia bequem machen kann.<br />

Der Höhepunkt in Sachen buntes, frisches und lebendiges<br />

Design ist zweifelsohne das Bad. Schiebt man die<br />

weiße, wellenförmig gestaltete Badezimmertür zur Seite,<br />

fühlt man sich kurz, als müsse man blinzelnd in die Sonne<br />

schauen. Das komplette Bad inklusive Dusche und Toilette<br />

ist mit zitronengelben Kacheln verkleidet. Ein Design,<br />

das verzückt. Ein Bad, das jedem Morgenmuffel beste<br />

Laune bereitet. Und wieder trifft Sonne auf das Azurblau<br />

des Mittelmeers, in Form eines großen Bullauges, das den<br />

Blick vom Bad hinaus auf die Bucht freigibt. Wenn der Tag<br />

schon mit einem Highlight beginnt …<br />

Von meiner Terrasse aus habe ich nicht nur direkten<br />

Blick auf das Meer, sondern eine Treppe führt auf eine<br />

hoteleigene Promenade, die mich geradewegs zum Frühstück<br />

ins Restaurant Elsa führt. Ganz zur Linken in der<br />

Ferne kitzeln erste Sonnenstrahlen die Altstadt hoch oben<br />

auf dem Felsen wach. Darunter schaukeln die Luxusyachten<br />

träge im Hafen. Direkt hinter der Bucht erheben sich<br />

die Hochhäuser in die Höhe im stillen Wettbewerb, wer<br />

nun das höchste ist. Hier und da durchbrechen Baukräne<br />

das Panorama. Monaco brummt. Wie schön also, nicht<br />

mittendrin zu sein. Noch am Abend zuvor bin ich bei geöffneter<br />

Terrassentür vom auschen der Wellen in den<br />

Schlaf gewiegt worden.<br />

Die Lage etwas abseits des Rummels wusste schon Karl<br />

Lagerfeld zu schätzen. Seine würfelartige Villa »La Vigie«<br />

thront hoch oben über dem Hotel auf dem gleichnamigen<br />

Berg.<br />

Ob er auch schon mal ins Elsa essen ging? Darüber<br />

wird geschwiegen. Was man nicht verschweigen muss, ist,<br />

wie gut das Essen im Restaurant ist, dass zu Recht einen<br />

Stern trägt. Die kleinen Grüße aus der Küche gleich zu Beginn<br />

machen Lust auf mehr Meer. Ebenso das Fisch-Carpaccio,<br />

gefolgt von einem feinen, geschmacksintensiven<br />

Spargelrisotto. Auch das Dessert ist überraschend anders,<br />

aber eben auch überraschend gut: Gurken umringen ein<br />

Zitronen-Honig-Mousse, das auf geröstetem Reis gebettet<br />

ist. Küchenchefin Mélanie Serre bereitet ihre mediterranen<br />

Gerichte aus lokalen und saisonalen Zutaten zu. Mit<br />

viel Liebe und Hingabe. Wem es auf der Terrasse des Elsa<br />

fröstelt oder im <strong>Sommer</strong> zu warm wird, nimmt im Inneren<br />

Platz. Und lernt so einiges über das Hotel und seine<br />

Geschichte, denn die gerahmten Schwarz-Weiß-Fotografien<br />

lassen die früheren mondänen Zeiten aufleben. Am<br />

Strand begann die fast einhundertjährige Geschichte des<br />

Hotels, das 1 eröffnet, in den 130er-Jahren schnell<br />

für seine mondänen Parts bekannt wurde, und sich zum<br />

»Place to be« an der französischen Riviera mauserte.<br />

m Monte Carlo Beach nimmt man das Leben auch<br />

heute noch leicht. m Bademantel über die Terrasse des<br />

Elsa zur Massage ins Spa? Kein Problem, Madame! In Flip-<br />

Flops zum Mittagessen ins zweite Restaurant des Hotels<br />

namens »Le Deck«? Naturellement. Und genauso unkompliziert<br />

vergehen die Tage – zwischen kulinarischem<br />

Hochgenuss und Sonnenbaden am Privatstrand mit den<br />

Füßen auf den Kieselsteinen oder auf dem Ponton, der<br />

ins Wasser ragt. Oder Bahnen ziehen im Pool mit olmpischen<br />

Maßen, der mit regeneriertem Meerwasser gefüllt<br />

ist. Und dem fotogenen Sprungbrett, das schon Helmut<br />

Newton einst für sonnige Aufnahmen als Kulisse ablichtete.<br />

Ob ich mein Glück auf die Probe stellen und doch<br />

einen Sprung wagen sollte?<br />

Denn wer in Monaco urlaubt, braucht Glück. Jedenfalls<br />

wenn man im Casino beim oulette alles auf eine<br />

Zahl setzt. Oder wenn man sich mit dem Auto durch die<br />

kurvenreiche nnenstadt schlängelt. Für mich steht fest:<br />

Wer im legendären Monte Carlo Beach Hotel eincheckt,<br />

bei dem kommen die Glücksgefühle ganz von allein – auch<br />

ohne waghalsigen Sprung in die Tiefe.<br />

Illustration: Kapreski/shutterstock.com; Fotos: Monte-Carlo Société des Bains de Mer (5), Bernard Touillon<br />

88<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Farbenfrohe marine Elemente<br />

treffen auf zeitlose und<br />

elegante Formen. Alles wirkt<br />

schwungvoll und fröhlich.<br />

INFO<br />

Monte Carlo Beach Hotel. Avenue Princesse Grace.<br />

06190 Roquebrune-Cap-Martin. Tel +33 (0)4 93 28 66 66.<br />

montecarlosbm.com/fr/hotel-monaco/monte-carlo-beach<br />

Das Hotel hat über die Wintermonate geschlossen und nur<br />

von April bis Oktober geöffnet. Doppelzimmer ab € 520<br />

ohne Frühstück.<br />

herbst 2020 89


HOTEL<br />

text<br />

Marie Tysiak<br />

ENDLICH, ENDLICH<br />

Redakteurin Marie Tysiak war das erste Mal auf Mallorca – und<br />

durfte gleich in einem der luxuriösesten Hotels der Insel nächtigen,<br />

dem wunderschönen Belmond La Residencia. Hier war sie vor allem<br />

auf den Spuren der Kunst unterwegs. Doch erst einmal musste sie<br />

ihren ganzen Stress ablegen. Endlich, endlich.<br />

90 <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


BELMOND LA RESIDENCIA Mallorca<br />

91


HOTEL<br />

Schon beeindruckend<br />

so ein Leben hier in den<br />

mallorquinischen Bergen.<br />

Gestresst steige ich in Köln in den<br />

Flieger. Und ebenso gestresst steige<br />

ich in Palma aus. Die kurze Flugzeit<br />

hat nicht gereicht, den Wahnsinn<br />

der letzten Wochen abzuschütteln.<br />

Abgabe meiner Masterarbeit. Einen<br />

Tag nach meinem 30. Geburtstag. Berufsbegleitend.<br />

Kurzum: nicht zu empfehlen. Dann bleibt<br />

kein Millimeter Spielraum mehr für irgendwelche Eventualitäten<br />

– und davon gab es bei mir einige, der plötzliche<br />

Kurzschluss im Laptop war mit kilometerweitem<br />

Abstand die kleinste Katastrophe. Nun gut, ich will hier<br />

nicht jammern, aber kurz einordnen in mein Seelenheil.<br />

Die warme Begrüßungssonne auf der Lieblingsinsel der<br />

Deutschen will meine Haut noch nicht so richtig spüren.<br />

Daher fühlt sich die kurvige Straße, die sich schon<br />

wenig später durch die Bergwelt der Serra de Tramuntana<br />

windet, eher wie ein Traum als Realität an. Ebenso das<br />

Tor, das zur Rechten den Weg weist, wo sich die ockerfarbenen<br />

Gebäude des Belmond La esidencia weitläufig<br />

zwischen den knorrigen Olivenbäumen und Palmen an<br />

den Berg schmiegen. Ein Erfrischungsgetränk, ein warmes<br />

Lächeln, mein Koffer wird für mich fortgetragen. Und<br />

dann geleitet man mich auch schon weiter nach oben, zu<br />

Fuß, vorbei am Atelier des chilenischen Bildhauers und<br />

Töpfers Juan Waelder, einer der Artists-in-Residence hier<br />

im Hotel. Vorbei an der Ebene des ersten, großen Pools.<br />

Eine weitere Treppe höher, ein zweiter Pool, noch eine<br />

Treppe – da bin ich nun also. Ganz oben mit dem Blick<br />

weit über das Meer liegt mein Refugium.<br />

Kein Zimmer gleicht dem anderen. Nicht nur wird<br />

die Kunst an den Wänden regelmäßig neu kuratiert, auch<br />

das esort wird seit seiner Eröffnung stetig erweitert und<br />

Fincas und Häuser im Dorf hinzugekauft, restauriert und<br />

wunderschön eingerichtet. Deshalb hat jedes Zimmer<br />

seinen ganz eigenen Charme. Ob die Matthew Williamson<br />

Suite, die farbenfroh im Mustermix den Stil des Designers<br />

repräsentiert und mit privatem Pool begeistert,<br />

oder die verwinkelte dreistöckige Tower Suite im Herzen<br />

der Anlage mit kleiner Rooftop-Terrasse und Teleskop<br />

zum Sternegucken. Meine geräumige Executive Suite hat<br />

neben einer riesigen marmornen Badewanne, kuscheligstem<br />

Bett und ausgewählten antiken Möbeln und moderner<br />

Kunst dieses Highlight: einen privaten Pool. Erste<br />

Gefühle regen sich in mir: Da möchte ich rein.<br />

Also steige ich kurz später in das erstaunlich frische Wasser<br />

des kleinen Pools. Der Blick über die grünen Hügel<br />

und bis zum Meer. Da passiert es: Der Stress wird förmlich<br />

abgewaschen und in dem kalten Nass erstickt. Und<br />

plötzlich bin ich hier. Hier auf Mallorca. Hier im wunderschönen<br />

Belmond La Residencia. Und das Leben, ja, das<br />

Leben kann auch verdammt schön sein. Und so schnappe<br />

ich mir kurzerhand meine Begrüßungs-Macarons und<br />

einen kühlen Drink aus der Minibar. Dieses wunderbare<br />

Gefühl von neu erlangter Freiheit und unbegrenzten<br />

Möglichkeiten muss gefeiert werden. Auf einmal scheint<br />

alles mit einem wohligen Filter belegt – ist das dieses<br />

warme Licht, von dem immer alle auf Mallorca sprechen?<br />

Ich schwebe also von nun an. Zum Beispiel wenig<br />

später die Treppen wieder hinunter. Dabei höre ich auf<br />

einmal das Zwitschern der Vögel aus allen Ecken. Auf<br />

einmal spüre ich die warme <strong>Sommer</strong>brise, die an meinem<br />

Kleid zuckelt. Auf einmal erhascht mein Blick kleine<br />

Früchte an den bauchigen, verholzten Olivenbäumen, die<br />

bestimmt ihre 100 Jahre auf dem Buckel haben. Der Pool<br />

glitzert, die Palmen wanken und plötzlich hat alles diesen<br />

magischen »Glow«.<br />

Ich trete ins Café Miró ein. Das Restaurant trägt seinen<br />

Namen nicht von ungefähr: Stolze 33 originale Prachtwerke<br />

des spanischen Künstlers, der viel Lebenszeit auf Mallorca<br />

verbrachte, hängen in dem eleganten Restaurant aus.<br />

Mirós Enkel hat einen engen Bezug zum Hotel. Der legendäre<br />

Belmond Afternoon Tea wird auf der schönen Sonnenterasse<br />

mit Blick auf den Skulpturengarten sogar auf<br />

eigens für das Hotel gefertigtem Porzellan mit Miró-Mustern<br />

serviert. Ihr wisst schon, diese typischen Formen abstrakter<br />

Linien mit bunten Farben gefüllt. Ja, Kunst spielt<br />

eine große Rolle im Belmond La Residencia, dazu später<br />

mehr. Erst einmal gebe ich mich den köstlichen mediterranen<br />

Tapas hin. Austern, gegrillter Oktopus, Gambas aus<br />

dem nahen Sóller, dazu ein Glas mallorquinischer Callet –<br />

endlich, endlich schmecke ich wieder, wie köstlich das Leben<br />

sein kann. Mein Gaumen wird verwöhnt mit Seafood,<br />

meine alte Liebe ist wieder neu entfacht. Zum Abschluss<br />

des Abends malt Chefkoch Guillermo Méndez kurzerhand<br />

mein Dessert auf den Tisch – zum Abschlecken gut. Einen<br />

Löffel benutze ich dann aber dennoch und erwische mich<br />

dabei, wie ich die Reste von der übergeworfenen Plastiktischdecke<br />

kratze. Was für ein Auftakt! Endlich, endlich<br />

kann ich das Leben wieder in vollen Zügen aufsaugen.<br />

92<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Kunstvoll: Die Landschaft rund um das Belmond La Residencia, wie in Port de Sóller (unten rechts), könnte malerischer kaum sein. Auch<br />

das Hotel mit seinen vielen kleinen Fincas und Villen ist ein einziges Prachtstück. Kein Wunder, dass hier ein Ort der Inspiration entstanden<br />

ist, wo gleich zwei Artists-in-Residence Gäste in ihr Atelier einladen. Alan Hydes zeigt stolz seine berühmtesten Werke.<br />

herbst 2020<br />

93


HOTEL<br />

Eine Nacht drüber schlafen?<br />

Muss man im Belmond La<br />

Residencia nicht! Man fühlt sich<br />

in den kunstvoll gestalteten<br />

Zimmern sofort wie zu Hause.<br />

Dass das Belmond La Residencia eng mit der Kunst verknüpft<br />

ist, hatte ich ja bereits erwähnt. Doch nicht nur<br />

das Hotel, das ganz Dorf Deià ist ein Hotspot der Kreativen.<br />

Viele Schaffende aus aller Welt unterhalten hier<br />

ihre Ateliers hinter offenen Türen, sodass man ihnen beim<br />

Gestalten zusehen kann. Vielleicht ist es die malerische<br />

Kulisse. Wirklich, Deià liegt so eindrucksvoll – mit seiner<br />

historischen Steinkirche, erhöht inmitten des Dorfs, und<br />

weit unter einem die tieftürkise kleine Bucht –, dass sogar<br />

ich den Pinsel in die Hand nehmen mag.<br />

Kein Problem. Denn gleich zwei Artists-in-Residence<br />

nennen das Belmond La Residencia ihre Heimat und haben<br />

ihre Ateliers auf dem Gelände. Im Gegensatz zu dem<br />

Atelier von Juan, das ich immer auf dem Weg zu meinem<br />

Zimmer passiere, liegt Alan Hydes kreative Oase etwas<br />

versteckter, dafür sehr eindrucksvoll mit Blick von der<br />

Terrasse. Der Brite lebt schon seit vielen Jahren in Deià<br />

(»Es war Liebe auf den ersten Blick«) – und malt. Mit<br />

Acryl-, Öl- oder Wasserfarben, am liebsten bunt, gerne<br />

Pools und Blumen. Wer möchte, kann nicht nur beim<br />

Malen zusehen, sondern auch selbst zum Pinsel greifen.<br />

Oder wie in meinem Fall: zum Bleistift. Wir malen Stillleben.<br />

Und zwar einen bunten Strauß frischer Blumen.<br />

Währenddessen plaudert Alan aus dem Nähkästchen. Von<br />

seinem Künstlerleben auf Mallorca, seinen Werken und<br />

seinen Besuchen. Ja, in so ein edles Hotel verirren sich<br />

auch edle Gäste. Und so zeigt Alan sein Selfie mit Leonardo<br />

di Caprio, der ihn mal in seinem Atelier besucht hat.<br />

Es ist ein Ort der Promis. Königlicher Besuch wie Lady<br />

Di, Hollwoodstar Tom Hanks oderMusikerlegende Bruce<br />

Springsteen und Spitzenköche wie Jamie Oliver oder Tim<br />

Mälzer – die Liste ist lang. Und nun bin eben ich hier. Immerhin<br />

habe ich jetzt einen Masterabschluss.<br />

Am achmittag treffe ich mich mit einer Künstlerlegende<br />

aus Deià: Cecilie Sheridan. Sie lebt schon ewig in<br />

Deià, hat hier mit ihrem bereits verstorbenen Mann, ebenfalls<br />

Künstler, zwei Kinder großgezogen und besitzt eine<br />

stolze Kunstsammlung mit mehr als 800 Werken. Diese<br />

kuratiert sie – und so wird das Belmond La Residencia zu<br />

einer wechselnden Kunstausstellung. Nicht nur in der hoteleigenen<br />

Galerie, sondern auch in den Zimmern wechselt<br />

die Kunst regelmäßig und wird penibel ausgewählt.<br />

Legende hin oder her: Das lässt die Dame mit den dunklen<br />

Haaren und freundlichen Augen sich keineswegs anmerken.<br />

Herzlich lädt sie mich zu sich nach Hause ein,<br />

zeigt mir ihr Atelier, ihre Kunst, ihre Dachterrasse. Der<br />

Kater streift dabei um ihre Beine und fordert schließlich<br />

mit lautem Miauen vom Waschbecken ein, dass Cecilie<br />

das Leitungswasser aufdreht und der Kater minutenlang<br />

daran trinken kann. Das Erlebnis mit der beeindruckenden<br />

Frau lasse ich während meiner Spa-Behandlung innerlich<br />

Revue passieren. Schon beeindruckend so ein Leben<br />

hier in den mallorquinischen Bergen. So eine Erfüllung<br />

des Lebenstraums. So Eins mit der Natur.<br />

Mein letzter Abend ist angebrochen. Ein Dinner im El<br />

Olivo ist auch ein Date mit der Natur. Und so startet mein<br />

Abend mit Gambas (natürlich, die alte Liebe wurde ja just<br />

zum Leben erweckt!) in Salz, gebettet in eine Consommé,<br />

die mit einem Hauch Orange verfeinert wurde. Anschließend<br />

wähle ich den Fisch. Fangfrisch selbstverständlich.<br />

Göttlich. Allein die Präsentation auf den Tellern ist Kunst.<br />

Morgen werde ich mich aufmachen – und zwar weiter<br />

gen Norden der Insel, entlang des Fernwanderwegs<br />

GR221, der direkt vom Hotel in einer wunderschönen<br />

Wanderung nach Sóller und bis zum Cap Ferrutx führt.<br />

Zum Glück ist die Reise noch nicht zu Ende. Denn<br />

endlich, endlich fühle ich wieder und mag noch länger in<br />

diesem warmen Licht verbringen und das Potenzial des<br />

natürlichen und kreativen Lebens ausschöpfen.<br />

INFO<br />

Belmond La Residencia. Carrer Son Canals s/n,<br />

07179 Deià, Mallorca, Tel. +34 971 63 90 11,<br />

www.belmond.com, DZ ab € 700 die Nacht.<br />

Illustration: Kapreski/Shutterstock.com; Fotos: Marie Tysiak (6), Richard James Taylor (2)<br />

94<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


NAH<br />

FISCHFRISCH<br />

Ein beherzter Biss ins Fischbrötchen<br />

gehört in den beliebten<br />

deutschen Destinationen ebenso<br />

dazu wie die dreisten Möwen,<br />

die auch gerne ein Stückchen<br />

abhaben möchten. Doch nun<br />

Butter bei die Fische: Wo gibt es<br />

die besten Fischbrötchen in ganz<br />

Deutschland? An der Ostsee!<br />

Das hat das Online-Kurzreiseportal<br />

kurz-mal-weg.de kürzlich in<br />

einer Umfrage herausgefunden.<br />

Heiligenhafen ist die »Matjestät«<br />

unter den 16 untersuchten Städten.<br />

Gefolgt vom Timmendorfer Strand,<br />

Platz drei geht an Wismar.<br />

PING-PONG<br />

WAU<br />

Ob Gewohnheitstier oder nicht,<br />

wenn die ganze Familie samt<br />

Fellnase im Fürstenhaus am<br />

Achsensee in Pertisau eincheckt,<br />

sind alle froh und glücklich, die<br />

Alltagsroutine hinter sich zu<br />

lassen und das Ungewohnte zu<br />

erkunden. Das Travel Charme<br />

Hotel legt nämlich nicht nur Wert<br />

darauf, dass sich Zweibeiner<br />

rundum wohlfühlen, sondern<br />

auch die Vierbeiner jeglichen<br />

Service genießen können. Von<br />

Hundedecke über Leckerlies<br />

bis zu Hundehandtüchern für<br />

Strandspaziergänger am nahen<br />

Hundestrand ist an alles gedacht.<br />

Schön, wenn das ganze Rudel<br />

zusammen entspannt urlauben<br />

kann. www.travelcharme.com<br />

Fotos: Arne Nagel, kurz-mal-weg.de, PR<br />

Öffentliche Tischtennisplatten findet man erfreulicherweise noch an vielen Orten,<br />

und es lohnt immer, einen Schläger ins Reisegepäck zu packen, um an lauen <strong>Sommer</strong>abenden<br />

ein Match auszutragen oder Rundlauf zu spielen. Wer den stylishen<br />

Design-Tischtennisschläger »Dragonfly« von Supersmash besitzt, kann eh<br />

nicht die Finger davon lassen. Schlag, Satz und Sieg! € 59<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

95


NAH | Schweden<br />

text & fotos<br />

BAndreas Dauerer<br />

outdoor<br />

paradies<br />

im Schärenland<br />

Wo könnte man besser eins werden mit Natur als auf dem Wasser?<br />

Eine Kajaktour ist ein Muss für jeden Västervik-Besucher.<br />

96


Wiederholt wurde Västervik zur Nummer eins der<br />

<strong>Sommer</strong>urlaubsziele in Schweden gewählt. Kajak fahren,<br />

Bouldern, Schwimmen, Saunieren, Segeln, Wandern –<br />

die Gegend ist ein Paradies für Leute, die es gerne aktiv<br />

haben. Autor Andreas Dauerer hat sich in der Schulter-<br />

saison für uns umgesehen – Eisbaden inklusive.<br />

VÄSTERVIK<br />

Langsam durchschneidet das gelbe Blatt<br />

die tiefblaue See. Wie ein Messer, das<br />

durch flüssige Butter gleitet. Erst links,<br />

dann rechts. Spiegelverkehrt und in rhthmischem<br />

Gleichmut. Mit jedem einzelnen<br />

Schnitt hüpft mein rotes Kajak einen kleinen<br />

Satz nach vorne. Beinahe lautlos. Sobald ich das<br />

Paddelblatt aus dem kalten ass ziehe, hinterlasse ich<br />

für den Moment eine Spur kleiner Strudel, und das Meer<br />

gurgelt zufrieden. Johannes ist schon ein bisschen vorausgefahren.<br />

Zwar blickt er sich immer wieder nach mir<br />

um, aber er weiß nur zu gut, dass, ähnlich wie beim<br />

Bergsteigen, auch beim Kajakfahren jeder sein eigenes<br />

Tempo paddelt. Johannes ist ein ganz interessanter Charakter.<br />

Einst war er bei der schwedischen Armee. Wenn,<br />

aus gegebenem Anlass, ein Kampfjet die südschwedische<br />

Stille durchschneidet, kann er nicht nur die Tpenbezeichnung<br />

nennen, er weiß auch direkt, dass die jetzt<br />

gerade bungsflüge machen. Bei der Armee war er auch<br />

mit dem Kajak unterwegs, das sieht man jeder seiner<br />

Bewegungen auch heute noch an. Einstudiert, geschult,<br />

schnell und überhaupt, sieht alles an diesem Modellathleten<br />

so mühelos aus. Aber bei der Armee geht es<br />

im Zweifel auch ganz anders zu, also entschied er sich,<br />

wieder in sein Västervik zurückzukehren. Mehr Zeit mit<br />

der Familie, wichtige Dinge machen. Er half bei der ntegration<br />

der Geflüchteten, die es hierher verschlagen<br />

hat. Und weil er die atur und das Draußensein so<br />

liebt, lag es nur nahe, dass er ungelenke Touristen wie<br />

mich auf eine Kajaktour durch die Schären führt. Einen<br />

halben Tag, einen Tag, aber auch Touren mit mehreren<br />

Übernachtungen im Zelt sind möglich. Zu tun hat er<br />

im <strong>Sommer</strong> genug, schließlich ist Västervik innerhalb<br />

Schwedens gleich zwei Jahre in Folge als beste <strong>Sommer</strong>destination<br />

gewählt worden. Es zieht Besucher aus<br />

der ganzen Welt an, auch wenn ich davon gerade relativ<br />

wenig sehe, bin ich doch außerhalb der Saison ins <strong>Sommer</strong>paradies<br />

gekommen. Wohl deshalb sitze ich auch in<br />

einem Trockenanzug im Kajak und bei acht Grad Wassertemperatur<br />

mag ich mir gerade nicht vorstellen, wie<br />

es wäre, wenn ich genau jetzt reinfallen würde.<br />

Beinahe mühelos gleite ich hier von Marielundsviken,<br />

etwa zehn Autominuten von Västervik entfernt,<br />

mit meinem gelben Kajak durch die See. Vorbei an vielen<br />

Felsen, die vom Meer ganz weich poliert zu sein<br />

scheinen. Die Bäume strahlen in herbstlichen Farben in<br />

der Sonne und immer wieder blicke ich auf die Stugor,<br />

die Ferienhäuschen der Schweden, die so auch direkt<br />

in Pippi Langstrumpf hätten vorkommen können. Sogar<br />

im engeren Sinne, schließlich kommt Astrid Lindgren<br />

aus Vimmerb, das gerade einmal 0 Kilometer westlich<br />

von Västervik liegt und natürlich ein Pippi-Langstrumpf-Museum<br />

besitzt, versteht sich von selbst. Für<br />

mich zählen heute aber nur das Wasser und der Schärengarten.<br />

.000 nseln gibt es hier, manche nicht mehr<br />

als ein Felsen, der aus der See heraussticht. Knapp 4.300<br />

Küstenkilometer sollen es sein, die hier zusammenkommen.<br />

Wahrlich ein Paradies für aturliebhaber, die angesichts<br />

des schwedischen Jedermannsrechts auch auf<br />

jeder Schäre ihr Zelt aufschlagen dürfen. Johannes wartet<br />

vor einer kleinen Brückendurchfahrt auf mich. Hier<br />

ist das Wasser sehr seicht. Würde ich auf Grund laufen,<br />

würde er mich natürlich rausziehen, lacht er. Aber alles<br />

geht einen entspannten Gang. ach insgesamt zwei<br />

Stunden machen wir ast. m u sind Decken ausgebreitet,<br />

der mobile Grill angeworfen und ein selbst erzeugter<br />

Apfelsaft eines Freundes von Johannes rinnt<br />

meine Kehle hinunter. Als dann auch noch Minipizzen<br />

auf dem Grill landen, muss ich schmunzeln. Schon erstaunlich,<br />

was alles in einem Kajak Platz hat und wenn<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

97


NAH | Schweden<br />

5.000 Inseln gibt<br />

es hier, manche nicht<br />

mehr als ein Felsen, der<br />

aus der See heraussticht.<br />

es dieses Mittel der Fortbewegung auf dem Wasser nicht<br />

schon gegeben hätte, dann würde ich fast vermuten, es<br />

wäre eigens für diese Schären hier erfunden worden. Zu<br />

gut passt das einfach alles zusammen. Die Pizzen sind<br />

schneller gegessen, als sie über dem Grill gegart wurden<br />

und sie schmecken, wie sollte es nach der Paddelei auch<br />

sein, hervorragend. Vor dem abschließenden Kaffee<br />

komme ich noch ein bisschen ins Schwitzen, schließlich<br />

müssen die Bohnen in Handarbeit gemahlen werden.<br />

Beinahe erschrecke ich mich, wie laut das Mahlgeräusch<br />

durch den sonst so stillen Schärengarten hallt. Aber die<br />

Mühe lohnt sich. Keine fünf Minuten später kocht die<br />

Espressokanne auf dem Grill fast über und ich freue<br />

mich, noch eine wach machende Wärme im Magen zu<br />

haben. m <strong>Sommer</strong> dürfte es einen Tick mehr Menschen<br />

geben, die sich die nseln erschließen. Oder wie hatte<br />

es gleich noch einmal Västerviks Boulder-kone Stefan<br />

asmussen mir am Vortag erzählt, als ich ihn nach einem<br />

normalen <strong>Sommer</strong>tag gefragt habe? »Wir fahren<br />

mit dem ad zum Wasser, steigen ins Kajak und legen<br />

dann auf einem der unzähligen Boulderspots auf einer<br />

nsel eine Klettereinheit ein, ehe wir dann verschwitzt<br />

ins Wasser springen.«<br />

rgendwann packen wir unsere Sachen wieder ein.<br />

So lautlos, wie wir gekommen waren, gehts auch wieder<br />

zurück. Die roten Häuschen scheinen jetzt im tief<br />

stehenden Licht noch puppenhafter zu sein, das Meer<br />

noch blauer und die Seele hüpft mit den Gedanken im<br />

Gleichschritt. Beinahe bin ich traurig, als wir wieder anlegen.<br />

Aber ich habe noch eine besondere Verabredung.<br />

»Ah, Deutschland. a, immerhin haben Sie ja noch<br />

ihre Hose anbehalten.« Mein Blick muss wohl eine gewisse<br />

rritation ausgedrückt haben, denn mit einem<br />

leichten Schulterzucken führt der junge Mann weiter<br />

aus: »a, Sie glauben ja nicht, was wir hier alles zu sehen<br />

kriegen. Viele denken bei Sauna und Badehaus,<br />

dass sie hier völlig entblättert herumlaufen können.«<br />

Der Mann strahlt – und ich tue es ihm direkt gleich.<br />

ch stehe nämlich gerade mitten im Warmbadhuset,<br />

wohlgekleidet im Bademantel nebst untergelagerter<br />

Badehose und warte auf Entspannung. Denn die wurde<br />

mir gewissermaßen versprochen, drüben, im Hotel<br />

Slottsholmen. Zugegeben, die Herrschaften dort dürften<br />

nicht ganz objektiv gewesen sein, schließlich handelt es<br />

sich bei beiden Häusern um die gleichen Eigentümer.<br />

Oder genauer: um eines der B von Abba. Und noch genauer:<br />

Björn Ulvaeus. Wer nach Västervik kommt, dürfte<br />

den amen öfter zu hören bekommen. Schließlich ist<br />

er in der ähe geboren, hat hier aber seine ersten musikalischen<br />

Gehversuche unternommen und schon mit<br />

1 Jahren und seiner ersten Band an den hiesigen <strong>Sommer</strong>konzerten<br />

teilgenommen. 01 hat er hier ein Hotel<br />

eröffnet, das Slottsholmen, geführt von seiner Tochter<br />

Anna. Der Ansatz? Modern und nachhaltig und immer<br />

mit dieser Prise schwedischen Familiensinns. So sind<br />

die Dächer mit Solarpanelen ausgerüstet, deren erzeugter<br />

Strom für das Hotel und die privaten Apartments darüber<br />

mehr als ausreichend ist. m <strong>Sommer</strong> versorgt die<br />

auch eine Entsalzungsanlage, sodass daraus Süßwasser<br />

für das Slottsholmen gewonnen werden kann. Man sei<br />

einfach offen für alles gewesen, erzählt Anna über die<br />

Mission ihres Vaters. Das zeigt sich auch bei den Mitarbeitern.<br />

0 ationen zählen die und anfangs sei es<br />

nicht leicht gewesen, alle von Västervik zu überzeugen.<br />

»Aber«, sagt Anna, »wem das nicht gefällt, der braucht<br />

auch nicht zu uns zu kommen.« Ganz einfach also. Das<br />

Hotel ist trotz ebensaison mehr als ordentlich und das<br />

estaurant so gut wie immer prall gefüllt. Mittags gibt<br />

es einen erschwinglichen Mittagstisch aus drei Gängen,<br />

wahlweise Fleisch oder Fisch und abends ein euisites<br />

Dinner la carte. berhaupt kommt auch in der Küche<br />

eine weitere Besonderheit dazu. Denn: Wer nicht<br />

aufisst, sorgt automatisch dafür, dass die Portionen<br />

kleiner werden. »Wir wiegen unsere Abfälle ab. Wenn<br />

wir merken, dass die Leute nicht aufessen, werden die<br />

Portionen einfach kleiner. Es gibt nichts Schlimmeres,<br />

als essen wegwerfen zu müssen.« Eine ziemlich einfache<br />

und wirksame Methode, wie finde ich.<br />

Aber zurück zu mir im Bademantel. eben dem<br />

Slottsholmen hat Ulvaeus auch das alte Badehaus<br />

wieder auf Vordermann gebracht. Und zwar genauso<br />

prachtvoll, wie es einst 110 mit all seinen Jugendstilanleihen<br />

schon einmal konzipiert worden ist, wobei ich<br />

hier nicht die Zwischennutzung als Bahnhof oder Bürogebäude<br />

meine. Ursprünglich war das Gebäude nämlich<br />

ein Badehaus für diejenigen, die zu Hause kein fließendes<br />

und schon gar kein warmes Wasser hatten. Herausgekommen<br />

ist ein wahres Kleinod der Entspannung.<br />

Das Herzstück ist der Pool, gut sieben Meter lang und<br />

vier Meter breit, in dem man ein bisschen schwimmen<br />

und sonst, nun ja, baden kann. Daneben gibt es noch<br />

Sauna, Dampfbad und Heißwasserbecken und im oberen<br />

Stockwerk einen Salzraum für die Lungenerholung<br />

sowie einen für Fußbäder. Selbstverständlich stehen<br />

98<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


Meditation auf die schwedische Art:<br />

Beim Vorbeipaddeln kommt man<br />

immer auch wieder an den Pippi-<br />

Langstrumpf-Häusern vorbei.<br />

Guide Johannes kann nicht nur die Route<br />

ganz analog erklären, er hat auch ungeahnte<br />

Grillqualitäten: Pizza und Apfelsaft bringen den<br />

Körper für die Rückfahrt in Schwung.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

99


NAH | Schweden<br />

Ohne Björn geht<br />

(fast) nichts in<br />

Västervik: Hier<br />

begrüßt Ulvaeus<br />

die Gäste in<br />

seinem Hotel.<br />

Aber auch das alte<br />

Warmbadhuset hat<br />

er liebevoll zu einem<br />

wunderbaren modernen<br />

Badehaus restauriert.<br />

Herzstück ist –<br />

natürlich – der große<br />

Pool (oben links).<br />

100


Illustration: Agrus/Shutterstock.com<br />

diverse Liegemöglichkeiten unten wie oben zur Verfügung,<br />

um die müden Glieder und den Geist wieder ein<br />

wenig auf Vordermann zu bringen. Vortreich, so viel<br />

darf ich verraten, funktioniert das von einer Liege aus<br />

direkt vor dem Schwimmbad. Dann guckt man nämlich<br />

durch die helle, leicht halbmondartig geschwungene<br />

Fensterfront hinaus auf das Wasser und weiter hinten<br />

auf das Ufer. Entspannung für die Augen. Vorne plätschert<br />

das Wasser an die türkisfarbenen Fliesen. Eine<br />

Entspannung für den Kopf. Wer da nicht schwere Augen<br />

bekommt, der ist womöglich nicht geschaffen für diese<br />

Art von Badekultur.<br />

Apropos ichtgeschaffensein. Wer immer schon<br />

mal wissen wollte, wie es ist, den Körper länger als<br />

zwei Sekunden in eiskaltes Wasser zu tauchen, etwa<br />

eine Minute und mehr, der sollte sich mit Corinne Silfverls<br />

in Verbindung setzen. Die nämlich vollbringt<br />

Unmögliches – zumindest in meinem Fall. Die Anfang<br />

0-Jährige hat eine Life-Coaching-Ausbildung, vor allem<br />

aber hat sie die nötige uhe, die mir hier im Spabereich<br />

auf Schloss Gränsö jegliche Angst nimmt. Einatmen,<br />

Ausatmen. Daran denken, dass das kalte Wasser<br />

einem nichts anhaben kann und man den ganzen Ablauf<br />

ja schon vor dem inneren Auge durcheerzieren kann.<br />

Womöglich war der gesundheitsfördernde Aspekt aber<br />

der für mich ausschlaggebende. Fett würde schmelzen,<br />

die mmunabwehr gestärkt und so weiter. ach zehn<br />

Minuten Entspannungsübungen und unzähligem Einund<br />

Ausatmen muss ich hinein. Ein simuliertes Eisloch.<br />

eben mir schwimmen ältere Damen und gucken belustigt.<br />

ch soll ja im Tunnel sein und zwinge mich. Der<br />

erste Schritt auf der Leiter, die Fersen schreien mir entgegen,<br />

dass das Wasser keine fünf Grad hat. Eher minus<br />

zwölf. Aber es hilft nichts und ihr kennt das sicherlich<br />

auch. Blöde Blöße. Bis zum Oberschenkel geht es noch,<br />

dann kommt das Becken. ch müsse die Alarmsignale<br />

wahrnehmen, sie aber mental wegschieben, sagt Corinne.<br />

Als dann nach einer halben Minute auch die Schultern<br />

bedeckt sind, muss ich doch ein bisschen japsen.<br />

Aber ich erinnere mich. Atmen. uhig werden. Auch<br />

wenn alles in mir schreit, ich möge doch jetzt umgehend<br />

dieses Eisloch verlassen, ich könnte doch erfrieren.<br />

Dann drückt Corinne auf ihre Stoppuhr. ch reiße<br />

mich zusammen, sage meiner inneren Unruhe, sie möge<br />

doch mit jedem Atemzug einfach hinausmarschieren. Es<br />

scheint zu klappen, und überhaupt, es geht ja um meine<br />

Gesundheit.<br />

Als ich wieder aus dem Loch klettere, stehen 6<br />

Sekunden auf der Uhr. ch weiß nicht, warum Menschen<br />

das machen müssen. Aber ich kann sagen, dass<br />

das Gefühl schon ein anderes ist, als wenn man sich in<br />

der heimischen Dusche kalt abbraust. ch bin hellwach,<br />

ein bisschen fröstelnd vielleicht. Allerdings gibt es im<br />

Spa nicht nur die Eistonne, sondern auch einen Whirlpool.<br />

Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass hier<br />

in Gränsö mal ausprobiert zu haben. Ach ja, der Blubber-Pool<br />

hat angenehme 4 Grad. Wenn das mal nicht<br />

eine schwedische Belohnung ist.<br />

INFO www.visitsmaland.se<br />

ANREISE Bahnbegeisterte nehmen den Nachtzug<br />

von Hamburg aus in Richtung Stockholm. Der<br />

Umstieg erfolgt dann in Linköping, mit der Regionalbahn<br />

geht es weiter nach Västervik. Mit dem<br />

Flugzeug wäre Kalmar der nächstgelegene Airport.<br />

Hier unterhält die Lufthansa direkte Verbindungen<br />

aus Frankfurt a. M. Alternativ fliegt die SAS via<br />

Stockholm dorthin.<br />

ÜBERNACHTEN Im Slottsholmen schläft man<br />

quasi auf dem Wasser, direkt am Hafen von<br />

Västervik. Neben 33 Zimmern gibt es noch elf<br />

größere Suiten. Ab ca. € 190 inkl. Frühstück.<br />

www.slottsholmen.com<br />

Auch das Stadthotel ist eine gute Möglichkeit,<br />

Stadt und Gegend zu erkunden und ist mit 101<br />

Zimmern auch nicht zu groß. Ab ca. € 125 inkl.<br />

Frühstück im Doppelzimmer. www.stadshotellet.nu<br />

ESSEN & TRINKEN Die Restaurants der beiden<br />

erwähnten Hotels, Slottsholmen und Stadshotellet,<br />

bieten sowohl mittags als auch abends sehr gute<br />

regionale Küche an. Weitere gute Adressen sind<br />

das Pink Bistro, das Guldkant für den ausgiebigen<br />

Fleischgenuss und mittags sollte man unbedingt<br />

ins Kulbacken Café gehen.<br />

OUTDOOR Mit Johannes Löf von Outdoorpassion<br />

(www.myoutdoorpassion.se) geht’s mit dem Kajak<br />

hinaus aufs Wasser. Bouldern kann man bei Stefan<br />

Rasmussen und bekommt von ihm alle Tipps.<br />

www.vastervikclimbing.se)<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

101


NAH | Dolomiten<br />

B text<br />

Marie Tysiak<br />

Rauf<br />

AUF<br />

DEN<br />

BERG<br />

Zweifelsohne – die Dolomiten sind einer der<br />

beeindruckendsten Gebirgszüge der Alpen.<br />

Denn: Die bizarren Felsformationen<br />

erschaffen eine Kulisse wie aus einer anderen<br />

Welt. Wer hier wandert, Mountainbike fährt<br />

oder in den Felsen klettert, fühlt sich dabei oft<br />

ganz klein. Redakteurin Marie Tysiak hat auf<br />

dem Höhenweg 4 die italienische Bergkette<br />

einmal durchkreuzt und verrät uns ihre fünf<br />

spektakulärsten Orte in den Dolomiten.<br />

102<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>


Kaum ein Motiv aus den Dolomiten ist so bekannt wie die Felsformation<br />

der Drei Zinnen. In diesem Gebirgsmassiv ragt die sogenannte Große Zinne<br />

(2.999 Meter), umrahmt von der Westlichen Zinne (2.973 Meter) und der<br />

Kleinen Zinne (2.857 Meter), frei stehend empor und bietet das perfekte<br />

Fotomotiv. Wer mag, kann zum Beispiel von der Auronzo-Hütte (mit<br />

Parkplatz) einen tollen Rundweg um die drei Berggipfel als Tagesausflug<br />

unternehmen, Mittagspause in der Dreizinnenhütte inklusive. Kletterer<br />

können sich an einer der unzähligen Routen hinauf probieren – es gibt<br />

verschiedene Schwierigkeitsgrade.<br />

Foto: Andre Masek<br />

Aller<br />

guten Zinnen<br />

sind drei<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

103


HÜTTENZAUBER MIT HÖHENFLUG<br />

Die Fonda-Savio-Hütte liegt eindrucksvoll auf einem Bergrücken und ist vom Tal aus gut als<br />

Tagesausflug erreichbar. Hier warten nicht nur ein eiskaltes Radler und der leckerste Strudel,<br />

sondern auch allerhand Abenteuer rund um diese Hütte in den Dolomiten. Zu beiden Seiten<br />

erstrecken sich Klettersteige einfacherer Kategorien, viele Wanderwege und ein unbeschreibliches<br />

Panorama. Besonders schön ist die Wander- oder Kletterroute zum Rifugio Città di Carpi.<br />

104


NAH | Dolomiten<br />

SAUBERE SACHE:<br />

LAGO DEL SORAPIS<br />

Fotos: Marie Tysiak (2)<br />

Kein Wunder, dass sich an schönen <strong>Sommer</strong>tagen die Menschenschlangen zur Rifugio Alfonso Vandelli<br />

hinaufschieben. Denn: Nach einem kurzen und anstrengenden Anstieg wartet gleich hinter der Hütte ein<br />

See, der seinesgleichen sucht. Der Lago del Sorapis leuchtet durch die enthaltenen Mineralien tieftürkis<br />

und ist wohl der schönste See der Dolomiten. Die schroffen Gipfel auf diesem Hochplateau spiegeln<br />

sich bei gutem Wetter darin – einfach unbeschreiblich. Wer hier oben übernachtet, hat den großen<br />

Vorteil, dass zum Abend hin viele der Tagestouristen weg sind und man den Ort fast für sich allein hat.<br />

Außerdem wird in der Hütte ein deftiges Abendmenü für die Übernachtungsgäste serviert.<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> 105


NAH | Schweden<br />

Dolomiten<br />

Wer Lust auf ein wenig Zivilisation zwischendrin hat, dem sei Cortina d’Ampezzo ans Herz gelegt.<br />

Die 5.500-Seelen-Gemeinde ist als Hotspot des Wintersports bekannt. So finden hier 2026<br />

teilweise die Olympischen Winterspiele statt. Doch vor allem ist das Städtchen mondän, mit<br />

einer schicken Innenstadt, einer schönen Kirche – und auch Szenen aus den James-Bond-Filmen<br />

wurden hier gedreht. Ein paar Stunden an diesem Ort, dazu ein leckeres Eis und ein kleiner<br />

Bummel reichen vollkommen, um ein bisschen Stadtluft zu schnuppern.<br />

AUF DER SONNENSEITE –<br />

CORTINA D’AMPEZZO<br />

Um den Monte Antelao (3.264 Meter), den zweithöchsten Berg der Dolomiten,<br />

ranken sich viele Legenden. Seine Besteigung ist kein Leichtes und hat schon so<br />

manchen Bergsteiger vor Herausforderungen gestellt. Doch auch die Kulisse<br />

allein ist schon ein toller Anblick. Wer mag, kann unterhalb des Bergs, bei der<br />

Schutzhütte Galassi einen Klettersteig zu einem Gletscher nehmen!<br />

Fotos: Marie Tysiak, Da Liu/Shutterstock.com<br />

106<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


GLETSCHERGLÜCK<br />

BEIM MONTE ANTELAO<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

107


108


NAH | Viva Cruises<br />

text<br />

Simone Sever<br />

Das neueste Schiff der Viva-Flotte, die MS Viva Two,<br />

nahm auf ihrer Tauffahrt Anfang März <strong>2023</strong> Kurs den Rhein<br />

hinunter Richtung Nimwegen in den Niederlanden. Mit an<br />

Bord der ersten Reise des luxuriösen Flussfahrtkreuzers war<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>-Autorin Simone Sever, die schnell die<br />

Vorzüge des Schiffs sowie dieser Art des Reisens erkannte.<br />

Plötzliches Gleiten. Oder beginnen wir gleich<br />

mit einem bekannten Ausruf: Alles im<br />

Fluss. Als sich die 135 Meter lange Viva in<br />

Bewegung setzt, habe ich den Akt des Anfahrens<br />

nicht wahrgenommen. Ich denke<br />

mir nur: »Wow, der Rhein hat ja eine ganz<br />

schön rasante Fließgeschwindigkeit.« Ich werde fast<br />

seekrank beim Anblick des zügig vorbeiziehenden Wassers.<br />

Kneife ich die Augen zusammen, werden aus den<br />

cremefarbenen blökenden Schafen, die auf dem grünen<br />

Deich grasen, lang gezogene Wollfäden. So, jetzt kann<br />

es losgehen, denke ich mir. Die Welt zieht gemächlich<br />

an mir vorbei. Zeit also, meinen Nachmittagstee in den<br />

gemütlichen Samtsesseln zu genießen.<br />

Es ist meine erste Reise an Bord eines Flusskreuzers<br />

und ich erkenne schnell die Vorteile dieser Art des<br />

Reisens. Es ist wie ein langer intensiver Atemzug. Komplettes<br />

Abschalten, Zurücklehnen, ein gemächliches<br />

Gleiten entlang der Zivilisation, die uns – und insbesondere<br />

mich – doch immer wieder an meine Stressgrenzen<br />

bringt. Mich braucht gerade niemand. Also widme ich<br />

meine Aufmerksamkeit dem Luxus und dem komfortablen<br />

Service an Bord. Darauf ein Glas Sekt und ich erinnere<br />

mich an das Zitat des deutschen TV-Entertainers<br />

Harald Juhnke: »Meine Definition von Glück? Keine Termine<br />

und leicht einen sitzen.« Vielleicht kam ihm diese<br />

Idee ja bei einer Fahrt entlang eines Flusses.<br />

Meine 15 Quadratmeter große Kabine mit französischem<br />

Balkon – übrigens eine von insgesamt 95 Kabinen<br />

für bis zu 190 Passagiere – liegt auf dem Rubin-Deck<br />

gleich in der Nähe der Lobby. Wem das zu klein erscheint,<br />

der findet auf dem Diamant-Deck acht Suiten,<br />

die mit 24 Quadratmetern mehr Platz bieten. Doch<br />

sommer <strong>2023</strong><br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

109


Wenn der Fernseher nur zur<br />

Zierde an der Wand hängt,<br />

weil das vorbeiziehende<br />

Panorama viel spannender ist,<br />

dann befindet man sich auf<br />

der Viva Two.<br />

mein schwimmendes Zuhause ist perfekt für mich und<br />

hat alles, was ich für ein paar erholsame Tage benötige. Ich<br />

kann, wenn ich will, Filme auf dem Flachbildfernseher anschauen,<br />

mich an der inkludierten Minibar bedienen, mir<br />

gleich nach dem Aufstehen am Morgen einen Espresso<br />

zubereiten. Die Schränke bieten genügend Platz für meine<br />

Kleiderauswahl, das Bad mit Dusche ist geräumig und geschmackvoll.<br />

Ohnehin schmeichelt das schlichte, elegante<br />

und unaufdringliche Interieur mit leichten Grautönen und<br />

gedeckten Farben dem Auge. Die vorbeiziehende Landschaft<br />

wirkt dadurch umso farbgewaltiger.<br />

Würde das Wetter mitspielen, so läge ich sicherlich auf<br />

dem Sonnendeck, würde im Pool planschen oder ein paar<br />

Bälle auf dem Putting Green schlagen. Doch auch ohne<br />

Sonnenschein lässt sich die Zeit auf diesem nagelneuen<br />

Flusskreuzer problemlos und entspannt gestalten. Ein<br />

bisschen Shopping? Kein Problem. Etwas Fitness oder gar<br />

ein Spa-Besuch? atürlich ist auch das möglich. Und wenn<br />

sich der kleine Hunger bemerkbar macht, dann werden<br />

den Passagieren in drei Restaurants kulinarische Köstlichkeiten<br />

serviert. Im Riverside, dem Hauptrestaurant, wird<br />

der Gast zum Mittag- und Abendessen mit mehrgängigen<br />

Menüs internationaler Gourmetküche verwöhnt oder – je<br />

nachdem, wo die Reise hingeht – auch mit regionalen Gerichten.<br />

Das Spezialitätenrestaurant Moments lockt mit<br />

einem mediterranen Konzept und Signature Dishes der<br />

gehobenen Küche. Beef Tartar, Gambas al ajillo oder saftige<br />

Burger deluxe … Ich entscheide mich dennoch erst einmal<br />

für das Vivas Bistro, das sich am Heck befindet und<br />

einen einzigartigen Blick auf das Zurückliegende schenkt.<br />

Ich kann mich kaum entscheiden, so appetitanregend liest<br />

sich die Karte: Fish & Chips mit frisch gebackenem Schollenfilet<br />

in einer Lemon-Tartar-Sauce, Moules marinires<br />

oder Backfischsandwich – das Wasser im Mund hat mindestens<br />

so einen Höchststand wie der Rhein.<br />

Doch auch eine Flusskreuzfahrt hat Landprogramm.<br />

Auf dieser Tauffahrt hat die Viva Two Kurs von Düsseldorf<br />

nach Nimwegen in den Niederlanden genommen. Morgens<br />

um halb zehn wirkt die Welt in der hübschen holländischen<br />

Altstadt besinnlich. Überschaubares Treiben<br />

in den engen Straßen rund um den Marktplatz. Shopping,<br />

Hema, Coffeeshops und Kaffee. Doch statt Koffein wird<br />

es deftig alkoholisch. Harald Juhnke hätte das gefallen.<br />

Ich nehme Platz in der Brouwerij de Hemel zum Biertasting.<br />

Die Craftbiere tragen Namen wie Ewige Jugend oder<br />

Höllischer Engel. Sie schmecken mal fruchtig, mal nach<br />

Koriander oder nach Schokolade. Es ist ein Ausflug in eine<br />

mir nicht bekannte Geschmackswelt. So sollten Landgänge<br />

sein, oder?<br />

Zurück an Bord, legt das schlanke Schiff ab, ohne dass<br />

ich auch nur den Motor schnurren höre. Das gesetzte<br />

Dinner im Riverside ist so deliziös wie die Pralinen, die<br />

zum Abschluss von Ketut, dem aufmerksamen Kellner, gereicht<br />

werden. Einen Drink noch an der lebhaften Bar mit<br />

moderner Popmusik, tollen Longdrinks und Cocktails,<br />

und der Tag geht zu Ende. Das Schiff gleitet durch die<br />

Nacht und wiegt mich im unendlich bequemen Bett in einen<br />

tiefen Schlaf. Pünktlich zum Sonnenaufgang habe ich<br />

das Glück, eine Kabine auf der richtigen Seite des Schiffs<br />

zu bewohnen. Die Sonne zeigt sich rosarot, die Bäume am<br />

Uferrand sind Silhouetten im Gegenlicht. Die atur zeigt<br />

sich hier so mystisch und mucksmäuschenstill, dass ich<br />

Gänsehaut bekomme.<br />

Ich freue mich schon auf meine nächste Flussfahrt mit<br />

der Viva Two. Von Wien nach Budapest. Das wäre mein<br />

Traum. Vorbei am Wiener Riesenrad, der Donauinsel, der<br />

Karlskirche, dem Hundertwasserhaus, Schloss Schönbrunn<br />

bis nach Budapest, wo man das Parlamentsgebäude,<br />

die Fischerbastei, die Kettenbrücke und die Budaer<br />

Burg vom Fluss aus bestaunen kann. Welch wunderbare<br />

Aussichten.<br />

INFO<br />

Die Viva Two wird in Zukunft vor allem auf der Donau<br />

unterwegs sein. Ab Passau oder ab Wien bringt das<br />

Schiff seine Gäste auf fünftägigen Kurz<strong>reisen</strong> oder<br />

Sieben-Nächte-Flusskreuzfahrten zu den beeindruckendsten<br />

Orten entlang der Donau. Im <strong>Sommer</strong> und<br />

Spätsommer steht dann eine 16-tägige Reise zum<br />

Donaudelta mit einzigartigem Naturerlebnis, unberührter<br />

Wildnis und voller Artenvielfalt auf dem Programm.<br />

Zum Saisonstart 2024 kehrt die Viva Two zurück<br />

nach Düsseldorf und fährt von hier aus die beliebten<br />

Vier-Nächte-Citytrips in die Niederlande und nach<br />

Belgien. Ahoi! www.viva-cruises.com<br />

Fotos. Viva Cruises (4)<br />

110<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


NAH | Viva Cruises<br />

Ich freue mich schon auf meine nächste<br />

Flussfahrt mit der Viva Two. Von Wien nach<br />

Budapest. Das wäre mein Traum.<br />

Von Heck bis Bug durchgestylt:<br />

Schlicht, aber elegant ist das<br />

Interieur der Viva Two.<br />

herbst 2020<br />

111


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ller<br />

elt<br />

Wir lieben Mitbringsel!<br />

Je ausgefallener, umso<br />

besser. Auch diese<br />

Souvenirs von unseren<br />

letzten Reisen um die<br />

Welt möchten wir euch<br />

nicht vorenthalten.<br />

San Diego<br />

SAN DIEGO<br />

Discokugeln kommen<br />

niemals aus<br />

der Mode. Vor allem<br />

nicht, wenn sie so<br />

charmant daherkommen<br />

wie dieser Globus<br />

aus San Diego.<br />

Die Discokugeln von<br />

Sofiest Design sind<br />

alle handgemacht und<br />

eine schöner als die<br />

andere. Um €150,<br />

sofiestdesigns.com<br />

112<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

sommer <strong>2023</strong>


LIFESTYLE<br />

SAARLAND<br />

Das Saarland hat jetzt ein Saarvenir!<br />

Eigentlich eine Skulptur. Gibt<br />

es aber auch als Konterfei. Mitgenommen<br />

in Form der hübschen<br />

Emailletasse. Da schmeckt der<br />

morgendliche Bürokaffee doch<br />

doppelt so gut. Um € 13<br />

PARIS<br />

Gönn dir was! Wer hätte nicht<br />

gerne Modeikone Karl Lagerfeld<br />

im Wohnzimmer stehen? Der »Pop<br />

Karl« stammt aus der Kollektion<br />

Karl Lagerfeld x Bosa und ist mit<br />

Farben aus 24-Karat-Gold und<br />

Platin bemalt. € 3.700<br />

AUGSBURG<br />

Auf ihre Renaissance-Gebäude<br />

sind die Augsburger mächtig<br />

stolz, zu sehen an ihrer neuen<br />

Designlinie »Renaissance – start<br />

again!« Das T-Shirt-Kleid gibt es<br />

an der Touristeninformation am<br />

Augsburger Rathausplatz. € 128<br />

LONDON<br />

Gestrickt in Schottland, aus reiner<br />

Lammwolle macht die Wärmflasche<br />

von Donna Wilson noch zu<br />

Hause gute Laune. Der Mann auf<br />

der Wärmflasche guckt aber auch<br />

immer freundlich, egal wie heiß<br />

ihm wird. Um € 70<br />

Saarland<br />

Paris<br />

Fotos: PR (3), Natalija Ribovic, Mallmo/Shutterstock.com, Sofi e Berarducci<br />

Augsburg<br />

London<br />

113


CHECK OUT<br />

IMPRESSUM<br />

WELLNESS FÜR ZWEI<br />

Das Gräflicher Park Health & Balance Resort in Bad Driburg ist ein Ort zum<br />

Erholen und Regenerieren. Bereits ein Spaziergang durch den englischen Landschaftspark,<br />

in dem das Vier-Sterne-Superior-Hotel liegt, wirkt entspannend und<br />

entschleunigend. Auch der 1.800 Quadratmeter große Garten-Spa sorgt für erholsame<br />

Momente. Gäste können im ganzjährig beheizten Außenpool die Seele<br />

baumeln lassen, in den verschiedenen Saunen und Dampfbädern entspannen<br />

und ausgewählte Beauty- und Wellnessanwendungen genießen. Das Medical<br />

Spa setzt auf ganzheitliche Gesundheit. Das hauseigene Quellwasser sowie das<br />

vor Ort gestochene Naturmoor kommen hier bei therapeutischen Anwendungen<br />

zum Einsatz. Darüber hinaus bietet das Hotel Fastenkuren nach F. X. Mayr an,<br />

die den Körper entsäuern und regenerieren. www.graeflicher-park.de<br />

Eine verdiente, erholsame Auszeit zu gewinnen: Wir verlosen zwei Übernachtungen<br />

mit Halbpension für zwei Personen im Doppelzimmer Deluxe. On top bieten<br />

wir drei entspannende Stunden im Privat Spa mit Whirlpool, Aroma-Dampfbad<br />

und Kräutersauna!<br />

Für die Teilnahme am Gewinnspiel beantwortet bitte eine Frage unter<br />

<strong>reisen</strong>exclusiv.com/gewinnspiel-graeflicher-park<br />

Einsendeschluss ist der 15.09.<strong>2023</strong>.<br />

Fotos: xxx<br />

erscheint viermal im Jahr bei der<br />

ella Verlag und Medien GmbH<br />

Headquarters Hürth 3<br />

50354 Hürth<br />

Tel.: 02233 460 15-0<br />

Fax: 02233 460 15-24<br />

info@<strong>reisen</strong>exclusiv.com<br />

www.<strong>reisen</strong>exclusiv.com<br />

Chefredakteurin<br />

Jennifer Latuperisa-Andresen<br />

Art Director<br />

Alessandro Riggio<br />

Redaktion<br />

Ulrike Herder, Marie Tysiak,<br />

Frank Störbrauck<br />

Reporter:innen dieser Ausgabe<br />

Jan Malte Andresen<br />

Harald Braun<br />

Tina Bremer<br />

Andreas Dauerer<br />

Norbert Eisle-Hein<br />

Simone Sever<br />

Anzeigenleitung<br />

Susanne Gorny, sg@ella-verlag.com<br />

Anzeigen<br />

Andrea Vogel, av@ella-verlag.com<br />

Marketing & Kooperationen<br />

Claudia Scholz, cs@ella-verlag.com<br />

Korrekturen<br />

Bärbel Philipp, textperlen.de<br />

Dokumentation Alexandra Lattek<br />

Titelbild Hudson Hintze<br />

Druck Bonifatius, Paderborn<br />

Vertrieb<br />

VU Verlagsunion KG, Hamburg<br />

114


GEHEN SIE MIT<br />

UNS AUF REISEN!<br />

<strong>Sommer</strong> <strong>2023</strong> Mekong, Sri Lanka, Alaska, Kentucky, Schweden, Dolomiten, Flusskreuzfahrt, Lieblingshotels<br />

ella verlag<br />

<strong>Sommer</strong> <strong>2023</strong><br />

Deutschland € 7,90 · Schweiz SFR 13,50 · Österreich € 9,00<br />

Die<br />

Fühl<br />

Frei Dich<br />

Ausgabe<br />

SRI LANKA SCHWEDEN ALASKAS WILDNIS<br />

AUF DEM MEKONG TOLLE HOTELTIPPS DOLOMITEN WANDERN<br />

8 x <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong><br />

zum Aktionspreis von 44 Euro<br />

(statt 63,20 Euro) plus Geschenk.<br />

✔ 30 % Rabatt<br />

✔ Geschenk nach Wahl*<br />

✔ kostenfreie Zustellung<br />

✔ jederzeit kündbar nach Ablauf<br />

der Bezugsdauer (acht Ausgaben)<br />

JETZT<br />

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UND<br />

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SICHERN!<br />

Mehr Auswahl und weitere Angebote auf www.<strong>reisen</strong>exclusiv.com/abo/<br />

oder anrufen: +49(0)2233 460 15-0<br />

*Angebot gültig innerhalb Deutschlands, solange der Vorrat reicht.<br />

<strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong> erscheint in der ella Verlag und Medien GmbH, Headquarters Hürth 3, 50354 Hürth.<br />

Fotos: PR<br />

Kochbuch<br />

PACIFIC FOOD<br />

Die passionierte Köchin<br />

Heidi Köster hat in die<br />

Töpfe dieser Welt<br />

geschaut und über<br />

100 Rezepte mitgebracht –<br />

rund um den Pazifik, von<br />

Hongkong bis Ecuador,<br />

von Yap bis L.A.<br />

336 Seiten, Gräfe<br />

und Unzer Verlag<br />

Kochbuch<br />

SKANDINAVIEN<br />

Eine nicht nur kulinarische<br />

Reise zu den nordischen<br />

Regionen Island,<br />

Dänemark, Schweden,<br />

Finnland und Norwegen.<br />

208 Seiten, Gräfe und<br />

Unzer Verlag


Deine<br />

Traumreise<br />

beginnt<br />

hier!<br />

twa 250 Hotels besuchen wir in einem Jahr. Die besten haben wir für dieses Buch<br />

sammengestellt. Denn ein richtig gutes Hotel ist das A und O eines gelungenen<br />

rlaubs oder Städtetrips. Stimmt etwas mit dem Hotel nicht, wird die schönste Zeit<br />

es Jahres sabotiert. Ist das Haus aber ein Wohlfühlort, stellt sich Entspannung praksch<br />

von alleine ein.<br />

ie Redakteur*innen von <strong>reisen</strong> <strong>EXCLUSIV</strong>, dem führenden Travel-Magazin für<br />

eise und Lifestyle, erkunden die Welt der Hotellerie und lassen euch wissen, wo es<br />

ch lohnt, einzuchecken. Damit ihr in den schönsten Nächten des Jahres auch richtig<br />

egt: unsere Lieblingshotels.<br />

it vielen Bildern und klar gegliedert: Wie ist der Wellnessfaktor? Ist das Hotel gut<br />

rs Bauchgefühl? Wer wohnt hier? Gut geschlafen? Und immer: drei gute Gründe,<br />

ort zu buchen.<br />

LIEBLINGSHOTELS DIE SCHÖNSTEN HOTELS DER WELT Band 1<br />

LIEBLINGS<br />

HOTELS<br />

DIE SCHÖNSTEN<br />

HOTELS DER WELT<br />

ISBN: 978-3-9824822-0-0<br />

Band 1<br />

Hier bestellen: auf.reise/hotelbuch

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