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faktor Herbst 2022

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www.mehralseinmagazin.de<br />

18. Jahrgang <strong>Herbst</strong> <strong>2022</strong> 8 Euro<br />

profil<br />

› MEHR ALS EIN MAGAZIN<br />

› DAS ENTSCHEIDER-MAGAZIN FÜR DIE REGION GÖTTINGEN<br />

erfolgsgeschichte Der Göttinger Fintan Whelan bringt mit seinen vielschichtigen Kunstwerken die Welt zum Leuchten TOP-ARBEITGEBER 90 2018 1


Jan Förster Dipl.-Finw.(FH)<br />

Steuerberater<br />

Miriam Engel Dipl.-Kffr.<br />

Steuerberaterin<br />

Tatjana Wucherpfennig B.Sc.<br />

Steuerberaterin<br />

Immer die richtige Finanzmedikation<br />

Damit Abgaben nicht zur bitteren Pille werden, finden Mediziner in Quattek &<br />

Partner ihren „Facharzt“ unter den Steuerberatern. Wir verstehen uns als wirtschaftliche<br />

Wegbegleiter der Heilberufe. Unser Rezept für das monetäre Wohlergehen:<br />

effektive Finanzdiagnostik und wirksame Therapien von der Praxisübernahme<br />

über den laufenden Betrieb bis hin zur Nachfolgeregelung.<br />

Steuerprognosen, Liquiditäts- und Planrechnungen sowie Branchen- und Mehrjahresvergleiche<br />

helfen uns, Probleme frühzeitig zu erkennen und eine entsprechende<br />

„Medikation“ vorzunehmen. Die Ergebnissituation fassen wir nachvollziehbar<br />

in speziellen Quartalsberichten und Überschussrechnungen zusammen.<br />

Als Spezialisten auf dem Gebiet der Heilberufe betreuen wir mit besonders ausgebildeten<br />

und motivierten Mitarbeitern eine Vielzahl von niedergelassenen Medizinern<br />

der verschiedensten Fachrichtungen und Praxen unterschiedlichster<br />

Größenordnungen und Organisationsformen.<br />

Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.<br />

Steuerberater<br />

Roland Haever Dipl.-Kfm.<br />

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />

Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.<br />

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />

Johann-Karl Vietor Dipl.-Kfm.<br />

Steuerberater<br />

Thorsten Kumpe Dipl.-Kfm.<br />

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />

Miriam Engel Dipl.-Kffr.<br />

Steuerberaterin<br />

Lutz Becker<br />

Rechtsanwalt<br />

Jan Förster Dipl.-Finw. (FH)<br />

Steuerberater<br />

In Kooperation mit<br />

Quattek & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB · Nikolausberger Weg 49 · 37073 Göttingen · Tel. (05 51) 49 70 1-0 · www.quattek.de


editorial<br />

DAS NEUE<br />

ARBEITS-<br />

GEFÜHL<br />

FOTO COVER: ALCIRO THEODORO DA SILVA / FOTO EDITORIAL: LUKA GORJUP<br />

Ihre Elena Schrader<br />

Chefredakteurin<br />

schrader@<strong>faktor</strong>-magazin.de<br />

»The queen is dead,<br />

long live the king!«<br />

A<br />

uch wenn dieser klassische monarchische Zweiklang in manchen Ohren<br />

kurios, vielleicht sogar grotesk klingen mag – und Monarchien in den Augen<br />

vieler grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß scheinen –, er steht vor allem<br />

für eins: eine jahrhundertealte Tradition.<br />

Dabei sind die Windsors heute nichts anderes als ein Familienunternehmen. Und der Grund,<br />

warum vor allem konstitutionelle Monarchien allem Für und Wider zum Trotz bis heute<br />

überlebt haben, ist, dass sie sich angepasst und weiterentwickelt haben – und selbst nach<br />

dem Tod des Oberhauptes dem Grundsatz folgen: Es muss ja irgendwie weitergehen.<br />

Die Beliebtheit der Queen, ihr Erfolg, gibt dem recht.<br />

Traditionen zu bewahren und dennoch mit der Zeit zu gehen, ist ein Erfolgsrezept, das<br />

überall auf der Welt – so auch in Südniedersachsen – funktioniert. Ein Rezept, das bei<br />

Galke in Gittelde zur Perfektion gereift ist. Der Kräuterhändler mit dem breitesten<br />

Sortiment Europas vertraut seit über 100 Jahren auf das von Generation zu Generation<br />

überlieferte Spezialwissen. Wir waren vor Ort und erfuhren von der Urenkelin des<br />

Gründers, Sophie Galke, wie sie das Familienunternehmen in die Zukunft führen will.<br />

Doch eines ist ebenfalls klar: Traditionen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie müssen<br />

erst begründet werden – und wachsen. Wie die Idee, Göttingen zur neuen Autostadt zu<br />

machen! Der Maschinenbauer Akcurate hat hier einen Coup gelandet. Wie es dazu kam,<br />

dass in Rosdorf künftig Elektrofahrzeuge mit Kultpotenzial gefertigt werden, davon<br />

berichtet Geschäftsführer Andreas Kirsch ab Seite 38.<br />

Und das ist in dieser Ausgabe nicht der einzige Höhepunkt in Sachen Mobilität, denn<br />

wir widmen dieser Herausforderung des 21. Jahrhunderts einen eigenen Schwerpunkt.<br />

In unserem Beitrag ,Mobil in kleinen Schritten‘ erfahren Sie, was das Thema in Zukunft für<br />

uns bereithält, und wir stellen Ihnen zahlreiche Unternehmen der Region vor, die sich mit<br />

ihren ,mobilen‘ Lösungen bereits auf dem Erfolgsweg befinden.<br />

Ich wünsche Ihnen bei dieser spannenden und zukunftsweisenden Lektüre<br />

viel Vergnügen und einen bewegten <strong>Herbst</strong>!<br />

www.mehralseinmagazin.de<br />

P<br />

Direkt<br />

Wir denken Büro neu.<br />

an unserem Ausstellungszentrum stehen<br />

ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.<br />

KARL-ARNOLD-STRASSE 4 · 37079 GÖTTINGEN<br />

0551 50669-23 und -25<br />

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WWW.STRUCKMEIER.DE<br />

Raus<br />

ins<br />

Büro!<br />

Das neue Arbeitsgefühl ist wie eine Spritztour mit<br />

der in Göttingen brandneu entwickelten Evetta.<br />

Das nachhaltige E-Auto ist der regionale Star<br />

unserer neuesten gabe des Struckmeier<br />

Aus-<br />

on t.o.p Kataloges.<br />

mehr auf den Seiten 38 und 45<br />

Hier Bürobedarf-<br />

Katalog anfordern<br />

3 |<strong>2022</strong> 3


inhalt<br />

unternehmen<br />

122 Engagiert im Literaturhaus<br />

» Lesen vergrößert die eigene<br />

Welt. Man erlebt dabei<br />

Geschichten, die man sonst<br />

eben nicht erleben würde. «<br />

22 Mit Kräutern gewachsen<br />

Generationswechsel bei<br />

Galke in Gittelde<br />

38 Göttingen wird Autostadt<br />

Akcurate fertigt Elektrofahrzeuge<br />

in Rosdorf<br />

46 Eine Frage der Einstellung<br />

Wie VisiCon in Rittmarshausen<br />

zum Weltmarktführer wurde<br />

wissen<br />

58 Mobil in kleinen Schritten<br />

Wie die Zukunft der Mobilität<br />

aussehen kann<br />

66 Mit dem richtigen Code<br />

Zeichenforscher Gerdum Enders<br />

erklärt, wie Unternehmen in der<br />

Zukunft überleben<br />

72 Im Kreis der vielen Richtungen<br />

Ein Blick in den Wirtschaftsstandort<br />

Weserbergland<br />

80 Von Kerzen, Pilzen und DNA<br />

Gründungswettbewerb Lift-Off<br />

geht in die nächste Runde<br />

84 Das richtige Motiv<br />

Die langfristige Erfolgsgeschichte<br />

der temporären Tattoos von Inkster<br />

mensch<br />

90 Dem Himmel so nah<br />

Die vielschichtige Kunst des<br />

Göttingers Fintan Whelan<br />

98 Fit an der Platte<br />

Lukas Bank bringt mit seiner<br />

Eventkitchen hochklassige<br />

Gastronomie nach Göttingen<br />

106 Die letzte Meile<br />

Felix Dossmann und seine<br />

Lösung für die Paketzustellung<br />

bis zur Haustür<br />

leben<br />

114 Das Biest<br />

Der Unternehmer und überzeugte Fan<br />

erneuerbarer Energien Ingo Stephan testet<br />

den neuesten Hybrid-Ferrari<br />

120 Werte für die Ewigkeit<br />

Das Gemeinwohl in der Region<br />

mit dem Stiftungsportal<br />

Südniedersachsen fördern<br />

122 Die Köpfe öffnen<br />

Interview mit den neuen Bewohnern<br />

des Literaturhaus Göttingen und<br />

Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg<br />

136 Die Erde bebt<br />

Zu Besuch im Bunker der Wiechert’schen<br />

Erd beben warte am Göttinger Hainberg<br />

service<br />

3 Editorial<br />

8 Momentaufnahmen<br />

Besondere Augenblicke<br />

vergangener Tage<br />

14 Geschüttelt, nicht gerührt<br />

Die 36. <strong>faktor</strong>-Business-Lounge mit<br />

Uni-Präsident Metin Tolan<br />

16 Aktuelles<br />

Neues aus der´Redaktion<br />

145 Impressum<br />

146 Wissensbissen<br />

Der Schlörwagen oder das Göttinger Ei –<br />

gezeichnet von Tanja Wehr<br />

4 3 |<strong>2022</strong>


98 Kochen als Event<br />

22 Mit Sophie Galke geht der Gittelder Gewürzhandel in die vierte Generation<br />

»Wir versuchen, zu den Ursprüngen zu gehen und die Kräuter<br />

dort einzukaufen, wo sie ursprünglich herstammen.«<br />

Leckerbissen. Lukas Bank tischt<br />

Prominenten auf und kredenzt in den<br />

besten Restaurants der Welt. Jetzt<br />

bringt der Eichsfelder die hochklassige<br />

Gastronomie auch nach Göttingen.<br />

FOTOGRAFIE: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

38 Die ,Knutschkugel‘ ist zurück<br />

Göttingen wird Autostadt Die Maschinenbaufirma Akcurate von Andreas Kirsch hat einen Coup<br />

gelandet: In Rosdorf werden künftig Elektrofahrzeuge – wie die Evetta (Foto) mit Kultpotenzial<br />

oder der wandelbare XBus – gefertigt und die Produktionsanlagen dafür weltweit geliefert.<br />

46 + 136 Gut aufgestellt<br />

Vielseitig unterwegs. Wolfgang Brunk<br />

hat VisiCon in Rittmarshausen zum<br />

Weltweltmarktführer gemacht und<br />

entscheidend zur Rettung der<br />

Wiechert’schen Erdbebenwarte auf<br />

dem Göttinger Hainberg beigetragen.<br />

3 |<strong>2022</strong> 5


ANZEIGE<br />

tommy m-Showroom eröffnet<br />

bei Möbel Hesse<br />

Im Interview: Thomas Machalke, Gründer von tommy m, zur Philosophie des Unternehmens<br />

und seiner Leidenschaft für besondere Leder.<br />

„Jedes unserer Ledersofas hat<br />

seinen eigenen Herzschlag.“<br />

Thomas Machalke (54) ist Inhaber<br />

des Unternehmen TM Collections.<br />

Herr Machalke, bei Möbel Hesse in Garbsen<br />

hat vor Kurzem ein großer Showroom<br />

von tommy m eröffnet, es ist der größte in<br />

Deutschland, gleich nach Ihren eigenen Ausstellungsräumen<br />

bei Lichtenfels. Wer steht<br />

hinter der Marke?<br />

tommy m habe ich 2003 gegründet. Die Liebe<br />

zum Leder liegt bei uns in der Familie: Mein<br />

Vater und mein Onkel hatten selbst eine bekannte<br />

Möbelfirma. In meiner Kindheit, Jugend<br />

und auch im Studium habe ich dort viele<br />

Wochen verbracht. Und von klein auf bin ich<br />

mit Leder, seiner Schönheit und seiner bei uns<br />

ganz individuellen Verarbeitung vertraut. Ob<br />

Entwicklung, Vertrieb oder Verkauf, alle diese<br />

Berufsfelder habe ich kennengelernt – bis auf<br />

das Nähen.<br />

Und heute?<br />

Heute reise ich in Länder auf der gesamten<br />

Welt, immer auf der Suche nach besonderen<br />

Ledern – man kann sagen, ich brenne für Leder.<br />

Übrigens: Keines der Tiere stirbt wegen<br />

des Leders, das ist uns wichtig. Wir nutzen<br />

das Leder von Tieren, die in der Nahrungsmittelindustrie<br />

verarbeitet wurden. Leder ist<br />

damit ein sehr nachhaltiges Material – und wir<br />

schenken dem Leder damit quasi ein zweites<br />

Leben.<br />

Was ist die Philosophie von tommy m?<br />

tommy m gilt als jung, stylisch, flexibel, progressiv,<br />

als sehr individuell und manchmal<br />

auch etwas „anders als andere“. Wir haben<br />

uns darauf spezialisiert, in kleinen Stückzahlen<br />

und mit hoher Individualität zu fertigen<br />

und nicht in Masse. Unsere Möbel sind hochwertige<br />

Designmöbel, überwiegend aus naturbelassenen<br />

Ledern mit einzigartiger Optik<br />

und Haptik. Denn wir verwenden keine Leder<br />

von der Stange.<br />

Das heißt, Handwerkskunst trifft auf<br />

modernes Know-how?<br />

Ja, wir fertigen unsere Möbel in ganz viel<br />

Handarbeit und mit gut ausgebildeten Fachkräften<br />

an unserem Firmensitz im bayerischen<br />

Lichtenfels. Wir und unsere rund 50<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glauben an<br />

den Manufaktur-Gedanken. Da unsere Materialien<br />

so hochwertig und einzigartig sind,<br />

brauchen sie auch besonderes Know-how,<br />

äußerste Sorgfalt und großes Fingerspitzengefühl.<br />

Was zeichnet die Sofas, Sessel, Dinnersofas<br />

und Co. von tommy m aus?<br />

Sie sind modern, ausdrucksstark, sehr individuell<br />

und gleichzeitig nachhaltig, naturbelassen,<br />

ressourcen- und umweltbewusst. Und<br />

sie haben gleichzeitig den Touch des zeitlosen<br />

Klassikers. Wir arbeiten mit internationalen<br />

Designern zusammen, das prägt die Entwürfe.<br />

Viele der Möbel haben italienisches Flair.<br />

Wie erreichen Sie diese Individualität?<br />

Ob bei Ledern von süddeutschen, amerikanischen<br />

oder asiatischen Tieren: Alle natürli­


PROFIL<br />

ANZEIGE<br />

Ob das Modell Al Jazar (links) oder Empoli: Die Sofas von tommy m stehen für zeitloses Design und markante Oberflächen – und für einen beeindruckenden<br />

Auftritt mit starker Präsenz.<br />

chen Merkmale des Leders, wie etwa Narben,<br />

Insektenstiche, Nackenfalten, Stacheldrahtrisse<br />

oder Ähnliches bleiben voll erhalten und<br />

geben jedem Möbel eine lebendige Optik. Die<br />

Leder werden nach jeweils traditionellen Verfahren<br />

gegerbt. Jedes Sofa ist also ein Unikat,<br />

mit besonderem Leder und jeweils individuellen<br />

Sitzelementen, Nahtbildern und Füßen.<br />

Jedes Ledersofa hat sozusagen seinen eigenen<br />

Herzschlag.<br />

Wer sind Ihre Kunden?<br />

Möbel von tommy m stehen auf der gesamten<br />

Welt. Deutschland, Österreich, die Schweiz<br />

und Benelux gehören zu unseren wichtigsten<br />

Märkten. Das Design ist aber eher international<br />

als deutsch. Auch viele Hotels und Objekte<br />

in ganz Europa, Amerika und Asien gehören<br />

zu unseren Kunden, auch viele Sportler<br />

und Rennfahrer.<br />

Was erwartet die Besucher im neuen<br />

tommy m-Studio bei Möbel Hesse?<br />

Möbel Hesse wird unser größter Stützpunkt<br />

in Deutschland, der Showroom auf einer<br />

Fläche von 200 Quadratmetern ist der bundesweit<br />

zweitgrößte nach unseren eigenen<br />

Ausstellungsräumen in Lichtenfels. Er bietet<br />

uns die Möglichkeit, unsere Vielfalt zu zeigen<br />

– und wie flexibel wir sind. Wir erwarten, dass<br />

der Standort eine große Strahlkraft hat, denn<br />

wir erleben, dass die Kunden bereit sind, für<br />

diese außergewöhnlichen Produkte weit zu<br />

fahren.<br />

Welche Produkte zeigen Sie in der Ausstellung<br />

bei Möbel Hesse?<br />

Wir präsentieren das gesamte Portfolio: Ob<br />

klassische Zweisitzer, stylische Eckkombinationen<br />

oder gemütliche Wohnlandschaften.<br />

Allen voran das Sofa Al Jazar. Der Loungecharakter,<br />

die Geradlinigkeit des zeitlosen Designs<br />

und die markanten Oberflächen stehen<br />

für einen beeindruckenden Auftritt mit starker<br />

Präsenz<br />

Zu unserer Kollektion gehören auch Stühle<br />

und Sessel, wie etwa der Sessel Dylan: Er ist<br />

gleichzeitig schlank und elegant, bietet kuscheligen<br />

Komfort und vermittelt ein geborgenes<br />

Sitzgefühl. Wie bei allen Möbelstücken<br />

von tommy m kann auch bei Dylan zwischen<br />

unterschiedlichen Nahtbildern und Füßen<br />

ausgewählt werden.<br />

Die Bandbreite unserer Produkte ist riesig<br />

und eben sehr individuell. Bei tommy m<br />

ist auch die Dinnerbank nach Maß möglich.<br />

Das Modell Como etwa verbindet nicht nur<br />

höchsten Sitzkomfort mit schlichter Eleganz:<br />

Egal ob mit Armlehnen oder als offene Variante,<br />

Eckkombination oder frei stehende Dinnerbank<br />

– Como passt sich vollkommen den<br />

Kundenwünschen an.<br />

Herr Machalke, und welches Sofa steht bei<br />

Ihnen zu Hause?<br />

In unserem Wohnraum steht ein ganz großes<br />

Sofa, das Alexandria, mit einem ergänzenden<br />

Daybed. Es ist aus schwarzem Nubuk-Leder,<br />

gefertigt, schon zwölf Jahre alt und wird mit<br />

den Jahren immer schöner. Bei uns sind viele<br />

Kinder und Jugendliche zu Gast – sie lieben<br />

das Sofa, was für die Aktualität unserer Möbel<br />

spricht.<br />

KONTAKT<br />

INTERVIEW: JUTTA GRÄTZ (MÖBEL HESSE)<br />

Möbel Hesse<br />

Robert-Hesse-Straße 3<br />

30827 Garbsen<br />

Tel. 0511 27978-0<br />

info@moebel-hesse.de<br />

www.moebel-hesse.de


momentaufnahmen<br />

Momentaufnahmen<br />

<strong>faktor</strong> lässt besondere Ereignisse in der Region mit ausgewählten Impressionen Revue passieren.<br />

TEXT KIM HENNEKING FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

Stimmungsvoll im Wald<br />

Das Open-Air-Programm ,Musik im Wald‘ lockte im August wieder einmal für zwei Abende<br />

zahlreiche Besucher in den Kaiser-Wilhelm-Park in Göttingen. Auf dem Programm eine bunte<br />

Mischung aus lokalen und internationalen Stars: Neben Sänger Laith Al-Deen und der<br />

Blues­ Band Phil Miller & The Mills-Tones stand unter anderem Alice Merton (Foto) auf der<br />

Bühne, die ihr aktuelles Album S.I.D.E.S vorstellte. Die Singer-Songwriterin, bekannt aus der<br />

Castingshow ,The Voice‘, verarbeitet mit ihren neuen Werken ihre Erlebnisse während der<br />

Pandemie. Nachdenklich und gleichzeitig stimmungsvoll sind ihre Lieder, die Mut für eine<br />

bessere Zeit machen sollen und in Göttingen für ausgelassene Atmosphäre sorgten.<br />

8 3 |<strong>2022</strong>


momentaufnahmen<br />

3 |<strong>2022</strong> 9


momentaufnahmen<br />

10 3 |<strong>2022</strong>


momentaufnahmen<br />

Jung und Alt am Start<br />

Der Göttinger Altstadtlauf ist für alle Laufinteressierte der Region bereits seit vielen Jahren eine<br />

feste Größe und dient unter anderem der Förderung des Breitensports. Kein Wunder also, dass<br />

sich Mitte Juli – nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause – beinahe 4.000 Athleten für den<br />

Start gemeldet hatten. Bei fantastischer Stimmung und bestem Leichtathletikwetter nahmen sie in<br />

den insgesamt sechs Disziplinen die sportliche Herausforderung an, und das über alle Altersklassen<br />

hinweg: ob beim Schulcup (1 Altstadtrunde = 1.800 Meter) oder auf der Langstrecke beim Novelis-<br />

Cup (6 Altstadtrunden = 10.450 Meter) – für Letztere benötigte der schnellste Läufer übrigens gerade<br />

einmal 34:50 Minuten. Zurecht feierten Tausende Schaulustige die motivierten Sportler am Start-Ziel-<br />

Bereich am Göttinger Gänseliesel und entlang der Strecke quer durch die historische Innenstadt.<br />

3 |<strong>2022</strong> 11


momentaufnahmen<br />

12 3 |<strong>2022</strong>


momentaufnahmen<br />

Wenn die Motoren brummen ...<br />

Zu den Einbecker Oldtimer-Tagen haben im Juli der PS.Speicher und das Einbeck Marketing<br />

eingeladen. An drei Tagen drehte sich in der Fachwerkstadt alles ums Thema Mobilität. Doch nicht<br />

nur alte Autos ließen die Herzen der Motorenfans höher schlagen. Autohäuser präsentierten den<br />

Besuchern auch moderne Technik in Form von E-Motoren und Plug-in-Hybriden. Beim Korso<br />

durften alle mitfahren, deren Gefährt nicht jünger als Baujahr 2000 war – und so schlossen sich<br />

über 170 begeisterte Autofahrer der 160 Kilometer langen Rallye quer durch Südniedersachsen an.<br />

3 |<strong>2022</strong> 13


aktuelles<br />

Geschüttelt, nicht gerührt!<br />

Wie Uni-Präsident Metin Tolan auf der 36. <strong>faktor</strong>-Business-Lounge James Bond und Physik<br />

unterhaltsam zusammenbrachte<br />

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

Wird Uni-Präsident Metin Tolan der nächste<br />

James Bond? Diese Frage mag anfangs etwas<br />

absurd wirken. Doch im Rahmen der jüngsten<br />

<strong>faktor</strong>-Business- Lounge, die Ende August im historischen<br />

Am biente der Göttinger Sternwarte stattfand, hat<br />

sich dieser Eindruck bei rund 80 Gästen sehr wohl gefestigt.<br />

Oder zumindest der Eindruck, dass der aktuelle<br />

Uni-Präsident diese Gelegenheit niemals ausschlagen<br />

würde. Denn Metin Tolan gehört nach eigenen Angaben<br />

zu den größten Fans der Roman- und Filmfigur James<br />

Bond. Vielleicht verbindet er auch deshalb den Geheimagenten<br />

gern mit seiner zweiten großen Leidenschaft:<br />

der Physik.<br />

Wenn beides zueinander passen soll, braucht es definitiv<br />

einen Mann wie Metin Tolan. ,James Bond, im Visier<br />

der Physik‘ lautete sein Vortrag, der nicht nur spannend<br />

und lehrreich daherkam, sondern auch überraschend<br />

witzig. Ob Uhren mit Riesenmagnet und Mikrowellen,<br />

sich in der Luft drehende Autos oder Sprengsätze im<br />

Schuh absatz. Bond ist auf der Kinoleinwand über Jahrzehnte<br />

mit diesen Gadgets zu Überlebensgröße herangewachsen.<br />

Doch funktioniert das eigentlich, was sich die<br />

Autoren, Regisseure und Stuntmenschen so ausgedacht<br />

haben?<br />

SO MUSSTE SICH DIE REALE und irreale Machbarkeit<br />

der Tricks des Lieblingsgeheimagenten in dem spannenden<br />

Vortrag am mal mehr, mal weniger komplexen Zahlenwerk<br />

des 57-jährige Physikers messen lassen. Am<br />

Ende waren die Gäste des Abends durchaus davon be-<br />

14 3 | <strong>2022</strong>


aktuelles<br />

Unterhaltsame Wissenschaft Dank Uni-Präsident Metin Tolan (Foto, linke Seite) wurde so manches Geheimnis der<br />

James-Bond-Reihe vor den Augen der rund 80 Gäste – Zumindest in physikalischer Hinsicht – gelüftet.<br />

eindruckt, was alles in der Welt von James Bond auch<br />

auf der Kasseler Landstraße in Göttingen möglich wäre<br />

– das richtige Equipment, Budget und ein Atomkraftwerk<br />

mit reichlich Energie vorausgesetzt.<br />

Vor allem aber gewährte Metin Tolan einen Einblick<br />

in die Denkweise der Wissenschaft – die gar nicht entzaubern<br />

will, sondern einordnen, verständlich machen<br />

und damit vielleicht sogar ein bisschen bezaubern. Das<br />

ist dem Präsidenten mit Herz und Humor nicht nur in seinem<br />

Vortrag gelungen, sondern auch beim anschließenden<br />

Netzwerken mit den Besuchern der 36. <strong>faktor</strong>-Business-<br />

Lounge – begleitet von standesgemäßen Martinis und<br />

passend ausgesuchter Verköstigung vom Cateringhaus<br />

Göttingen Böning-Schaumberg à la ,Octopussy‘ und<br />

,Liebesgrüße aus Moskau‘. ƒ<br />

Sie haben die Lounge verpasst? Kein Problem.<br />

In unserem <strong>faktor</strong>-Digital-Video können Sie sich<br />

einen Eindruck des Abends verschaffen unter:<br />

<strong>faktor</strong>-magazin.de/<strong>faktor</strong>-video<br />

3 |<strong>2022</strong> 15


aktuelles<br />

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

<strong>faktor</strong>-Mittagsclub<br />

Impulse für Entscheider<br />

Der <strong>faktor</strong>-Mittagsclub ermöglicht für seine Mitglieder einmal im Monat<br />

einen Blick hinter die Kulissen regionaler Unternehmen. Nach einem<br />

Impulsvortrag können sich die Teilnehmer der exklusiven Gruppe beim<br />

Mittagessen im Restaurant Amavi austauschen.<br />

Winzer Michael Winkler (M.) zu Gast im Mittagsclub<br />

Im Juni war Alexander Pape von bode & Stephan zu Gast. Das<br />

Göttinger Elektrotechnikunternehmen wurde vom Hamburger Dienstleister<br />

für Solar energieversorgung 1Komma5° gekauft. Pape berichtete, wie<br />

der Deal seinen Partner Ingo Stephan und ihn im Mindset und der<br />

Digitalisierung voranbringt.<br />

Im Juli kam Michael Winkler (Foto) vorbei. Der Göttinger Apotheker erzählte,<br />

wie er sich mit 50 Jahren entschied, parallel etwas Neues anzufangen – und<br />

Göttingens erster Weinanbauer zu werden. Seine erste erfolgreiche Ernte vom<br />

Weinberg bei Bovenden-Lenglern konnten sich die Mittagsclub-Teilnehmer<br />

bereits munden lassen.<br />

Im August erweiterte dann Eckart Pottebaum die Runde. Der Geschäftsführer<br />

des Renovierungsdiscounters tedox aus Harste berichtete über das 50-jährige<br />

Jubiläum des Unternehmens, bei dem anstelle bundesweiter Feiern<br />

200.000 Euro für Bedürftige in der Ukraine gespendet wurden, und<br />

darüber, wie tedox erfolgreich die Viertagewoche etabliert hat.<br />

Weitere Infos unter:<br />

www.<strong>faktor</strong>-magazin.de/<strong>faktor</strong>-mittagsclub-bildergalerien<br />

Der neue <strong>faktor</strong>-Azubi ist da<br />

Nachwuchskräfte in Südniedersachsen halten<br />

Im August ist der neue <strong>faktor</strong>-Azubi erschienen. Darin stellen sich wieder einmal<br />

Azubis und Studierende sowie spannende Unternehmen der Region vor und zeigen,<br />

welche Zukunftsperspektiven Südniedersachsen so zu bieten hat. Wer noch keinen<br />

Plan hat, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen kann, findet Orientierung<br />

im Berufsfahrplan und Inspiration im Top-Ten-Ranking der beliebtesten Berufe<br />

Deutschlands. Obendrein geben regionale Personaler ganz persönliche Tipps aus<br />

erster Hand für gelungene Bewerbungsschreiben und das Vorstellungsgespräch.<br />

Wollen auch Sie Ihr Unternehmen den Fachkräften von morgen vorstellen?<br />

Dann melden Sie sich gern bei Nicole Benseler unter Tel. 0551 30983922 oder<br />

per E-Mail an benseler@<strong>faktor</strong>-magazin.de<br />

16 3 |<strong>2022</strong>


aktuelles<br />

©NORDPHOTO<br />

38. <strong>faktor</strong>-Business-Lounge<br />

Im November wird's sportlich!<br />

Passend zur Fußballweltmeisterschaft ist Marco Bode (Foto)<br />

im November zu Gast bei der 38. <strong>faktor</strong>-Business- Lounge.<br />

Unter dem Vortragstitel ,Matchplan – was Fußball und<br />

Unternehmen voneinander lernen können‘ zeigt er Parallelen<br />

zwischen dem Erfolg auf dem Fußball- und am Arbeitsplatz auf.<br />

Gebürtig in Osterode, spielte Bode ganze 379-mal für seinen<br />

Verein Werder Bremen in der Bundesliga sowie 40 Länderspiele<br />

mit der Nationalmannschaft. Von 2014 bis 2021 war er Aufsichtsrats vor sitzender von<br />

Werder Bremen. Kürzlich ist sein neues Buch ,Tradition schießt keine Tore‘ im Göttinger<br />

Werkstatt-Verlag erschienen.<br />

Die 38. <strong>faktor</strong>-Business-Lounge findet am Donnerstag, den 17. November, in Kooperation mit<br />

dem VersicherungsKontor Osterode statt. Beginn ist um 19 Uhr im Fun Golf Bovenden.<br />

Infos und Anmeldung unter: <strong>faktor</strong>events.de<br />

<strong>faktor</strong>-Buch<br />

Die beste Medizin<br />

Die Top-Mediziner und -Dienstleister der Gesundheitsbranche<br />

auf einen Blick – das kommende <strong>faktor</strong>-Buch<br />

stellt diese Branche vor: auf hochwertigem Papier und mit<br />

edlem Leinencover. Nach der gelungenen Premiere des ersten<br />

<strong>faktor</strong>-Buches über Top-Unternehmer und ihre Erfolgsgeschichten<br />

im <strong>Herbst</strong> 2021 präsentieren sich nun innovative Ärzte und Dienstleister<br />

im Gesundheitssektor Südniedersachsens mit ihrer Spitzenmedizin.<br />

Eine kombinierte Präsenz in der <strong>faktor</strong>-Winterausgabe im<br />

Schwerpunkt Gesundheit und auf der digitalen Plattform runden<br />

dieses exklusive Angebot ab.<br />

Haben auch Sie Interesse? Dann wählen Sie Ihre einzigartige und<br />

zeitlose Präsentation auf der <strong>faktor</strong>-Plattform in einem Premiumumfeld:<br />

marketing.<strong>faktor</strong>-magazin.de/<strong>faktor</strong>-buch<br />

3 |<strong>2022</strong> 17


aktuelles<br />

FOTO: UMG<br />

Innovative Medizin fördern<br />

<strong>faktor</strong>-Herausgeber im<br />

hochkarätigen Stiftungsbeirat<br />

Herz und Hirn vereint Auch mit der Unterstützung von Gerd Hasenfuß,<br />

dem Vorstandsvorsitzenden des Herzzentrums der UMG, und Björn Thümler,<br />

dem niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, will die neue<br />

Stiftung unter UMG-Vorstand Wolfgang Brück (v. l.) Großes erreichen.<br />

Individuelle<br />

Gebäudetechnik.<br />

Unsere Leistungen –<br />

so individuell, wie die Ansprüche<br />

unserer Kunden.<br />

Bereits in der vierten Generation bieten wir<br />

unseren gewerblichen, öffentlichen und<br />

privaten Kunden das gesamte Spektrum der<br />

Gebäudetechnik.<br />

Mit seinen 40 Kliniken und über 30 Polikliniken setzt die<br />

Universitätsmedizin Göttingen (UMG) immer wieder<br />

Maßstäbe. Durch Gründung einer neuen Stiftung ,UMG<br />

add on‘ möchte Niedersachsens medizinischer Spitzenversorger<br />

diese Exzellenz nun ausweiten. Der Name ist dabei<br />

Programm. Innerhalb der drei profilbildenden Schwerpunkte<br />

der UMG – Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf-<br />

Medizin und Onkologie – sollen mit der Stiftung interdisziplinäre<br />

Leuchtturmprojekte gefördert werden, die<br />

über die klassische Spitzenmedizin hinausweisen. Dazu<br />

sollen die weltweit besten Wissenschaftler unterschiedlicher<br />

Fachrichtungen in einem neuen Forschungszentrum<br />

zusammengebracht werden, um Ansätze und Therapien zu<br />

entwickeln, die direkt auf die Krankenversorgung übertragbar<br />

und individuell auf die Patienten abgestimmt sind.<br />

Diese Arbeit unterstützt auch <strong>faktor</strong>-Herausgeber<br />

Marco Böhme, der unter anderem neben PS.Speicher-<br />

Gründer und Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf und<br />

Manager Philipp Schulte-Noelle im hochkarätigen<br />

Stiftungsbeirat sitzt.<br />

Mehr zur neuen ,UMG add on‘-Stiftung lesen Sie übrigens<br />

im Dezember in der nächsten <strong>faktor</strong>-Ausgabe!<br />

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18 3 |<strong>2022</strong>


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unternehmen<br />

22 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Mit Kräutern<br />

gewachsen<br />

Galke in Gittelde ist der europäische Kräuter- und Gewürzhändler mit dem<br />

breitesten Sortiment – 1.600 verschiedene Pflanzen rohstoffe werden hier vorrätig<br />

gehalten und weltweit exportiert. Seit über 100 Jahren vertraut das Familienunternehmen<br />

auf das von Generation zu Generation überlieferte Spezialwissen.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

3 |<strong>2022</strong> 23


unternehmen<br />

LESEZEIT: 10 MINUTEN<br />

Hinter dem Bahnhof von Gittelde im<br />

Harzvorland, da wo man sich kaum<br />

je durch Zufall hinverirrt, hat eine<br />

besondere unternehmerische Perle<br />

Südniedersachsens ihren Sitz: die<br />

Alfred Galke GmbH. Dem Endverbraucher<br />

ist Galke kein Begriff, dafür stolpern unzählige<br />

Unternehmen, Apotheken und selbst Forschungseinrichtungen,<br />

national wie international, früher oder später<br />

über diesen Namen – wenn sie für die verschiedensten<br />

Verwendungszwecke Kräuter benötigen. Denn das über<br />

100-jährige Familienunternehmen ist in Europa der<br />

Kräuterhändler mit dem größten Sortiment, der nicht<br />

nur aus aller Welt seine pflanzlichen Rohstoffe bezieht,<br />

sondern sie auch in alle Welt exportiert – die Exportquote<br />

liegt bei 45 Prozent.<br />

Von außen sieht das Betriebsgelände unscheinbar aus,<br />

niedrige Gebäude, dahinter eine Halle, hinter der aber<br />

noch eine und noch eine folgt. Dass hier allerdings etwas<br />

anders ist als in gewöhnlichen Betriebsstätten, merkt<br />

man sofort beim Betreten, denn statt nach Metall- und<br />

Öl gerüchen oder Büroatmosphäre mit sterilen Fluren<br />

duftet es wie in einem Teeladen: nach Fenchel, Zitrus<br />

oder Pfefferminz und nach Pflanzen, die man überhaupt<br />

nicht zuordnen kann. Ein Fest für die Nase.<br />

1.600 VERSCHIEDENE SORTEN hat man bei Galke vorrätig<br />

– 600 in Bio-, 1.000 in konventioneller Qualität,<br />

vorwiegend Kräuter, aber auch Gewürze. „Wir versuchen,<br />

alles da zu haben, was es gibt, auch die seltenen Kräuter“,<br />

erklärt Hartmut Galke, Geschäftsführer des Traditionsbetriebs<br />

in dritter Generation. Die Besonderheit des<br />

Kräutergeschäfts ist, dass man nur einmal die Chance<br />

hat, die Waren zu kaufen – nach der Ernte. Insofern<br />

kommt dem Lager eine überragende Bedeutung zu, denn<br />

der Bedarf eines Jahres muss vorrätig sein. 27.000 Quadratmeter<br />

ist es groß, teilweise ist die Ware mehrere<br />

Meter hoch gestapelt, alphabetisch sortiert.<br />

Deswegen wird ein Besuch bei Galke schnell zu einer<br />

kleinen Wandertour, will man die ganzen Lager in Augenschein<br />

nehmen. Deswegen flitzen auch die Mit arbeiter der<br />

Kommissionierung mit Tretrollern durch die Hallen, um<br />

die Distanzen zu überbrücken, wenn etwa eine neue Bestellung<br />

an Birkenblättern versandfertig gemacht werden<br />

muss. Galke ist kein Massenversender, sondern hat sich<br />

auf eher kleinere Tranchen spezialisiert, selbst kleinste<br />

Mengen ab 100 Gramm sind bestellbar.<br />

So breit wie das Sortiment an Gewürzen, Arzneikräutern,<br />

Tees oder Färbemitteln, an Harzen und Aromen ist,<br />

so breit ist auch die Kundenlandschaft: Lebensmittelund<br />

Futtermittelhersteller, die daraus zum Beispiel Gesundheitstees<br />

– auch für Pferde – herstellen, die chemische<br />

und pharmazeutische Industrie, aber auch der kleine<br />

Einzelhandel wie die Apotheke, die noch ihre eigenen<br />

Salben anmischt, oder der Tee- und Kräuterhandel sowie<br />

Reformhäuser. Selbst Spirituosenhersteller greifen auf<br />

die Kräuterauswahl zurück. Und ein besonders faszinierender<br />

Abnehmer sind Zoos, die bestimmte Kräuter als<br />

Futterzusatz für Flamingos benötigen, damit diese ihre<br />

rosa Farbe behalten.<br />

Und so finden sich Galke-Rohstoffe wie Seifenkraut in<br />

Spülmitteln, Rote Beete als Färbemittel in Bio-Kreide,<br />

und in Gesundheitstees landen Löwenzahn und Brennnesseln,<br />

die niemand im Garten haben will, man in Gittelde<br />

aber in großen Mengen benötigt.<br />

DIE ANFÄNGE DES UNTERNEHMENS gehen auf Alfred<br />

Galke zurück, der 1920 in Schlesien einen Kräuterhandel<br />

gründete und vor dem Zweiten Weltkrieg bereits<br />

ganz Westeuropa mit Früchtetees beliefert hatte. Doch<br />

mit dem Kriegs ende kam die Flucht und der Verlust der<br />

alten Produk tionsstätte. Galke landete in der Nähe von<br />

Hannover und schaute sich dort gleich nach Möglichkeiten<br />

um, den Handel neu aufzubauen. Fündig wurde er in<br />

Gittelde, wo ein ehemaliger holzverarbeitender Betrieb,<br />

der über den nötigen Gleisanschluss verfügte, zum Verkauf<br />

stand. Das und die Nähe zum Harz und damit zu<br />

den dortigen Kräutersammlern und pflanzlichen Rohstoffen<br />

gaben den Ausschlag, im Norden zu bleiben. „Das ist<br />

untypisch für unsere Branche“, erklärt Sophie Galke,<br />

Hartmuts Tochter und vierte Generation, die das Unternehmen<br />

in die Zukunft führen soll. Seit fünf Jahren unterstützt<br />

sie ihren Vater bereits als Prokuristin, kümmert<br />

sich um Personalangelegen heiten, Betriebsorganisation<br />

und Umstrukturierungen. „Unsere Konkurrenten sitzen<br />

entweder an den Überseehäfen in Hamburg und Bremen<br />

oder in Süddeutschland, wo viele Kräuter angebaut werden.“<br />

Interessanterweise ist der Kräuterhandel in Europa<br />

in deutscher Hand. „Wir kennen uns alle untereinander,<br />

jeder hat so seine Spezialisierung gefunden, und wir<br />

helfen uns auch gegenseitig mal aus, wenn dem Kollegen<br />

ein Rohstoff fehlt.“<br />

Sophies Urgroßvater machte noch persönlich seine<br />

Runden im Harz und kaufte die kleinen Tranchen auf,<br />

die Kräutersammler auf ihren Dachböden getrocknet<br />

hatten. Einer der wichtigen Spezialartikel damals war der<br />

Fingerhut, der in Herzpräparaten verwendet wurde.<br />

24 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Traditionsbewusst Mit Prokuristin Sophie Galke ist die vierte Familiengeneration in das Unternehmen eingetreten.<br />

3 |<strong>2022</strong> 25


unternehmen<br />

Bunte Vielfalt Rund 1.600 verschiedene Pflanzenprodukte hat Galke im Portfolio. Sie kommen aus rund 80 Ländern weltweit und reichen von<br />

26 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Abelmoschussamen über Chilis (Foto) bis zu gemahlenen Zwiebeln.<br />

3 |<strong>2022</strong> 27


unternehmen<br />

28 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Handarbeit und Siebenmeilenstiefel Die zahlreichen Produkte können bei Galke jeweils schon in kleinsten Mengen ab 100 Gramm<br />

bestellt werden – für den Versand werden diese aus dem weitläufigen Lagerbereich geholt und von Hand verpackt.<br />

3 |<strong>2022</strong> 29


unternehmen<br />

FOTOS: GALKE<br />

Auf dem Weg Hartmut Galke leitet das Unternehmen seit 1999 und hat das<br />

Sortiment stark erweitert. Im Betrieb bewegt der 59-Jährige sich, wie auch die<br />

Mitarbeiter, gern auf dem Tretroller durch die langen Hallen.<br />

Ihr Großvater wiederum begann mit dem Aufbau des<br />

Bio-Sortiments. Der große Entwicklungssprung des Unternehmens<br />

kam dann 1993, als ihr Vater, Hartmut Galke<br />

entschied, den Betrieb zu übernehmen: „Wir haben damals<br />

stark investiert, um die Kapazitäten zu vergrößern,<br />

die Abläufe zu modernisieren und mit den vielen gesetzlichen<br />

Anforderungen Schritt zu halten“, erzählt der<br />

heute 59-Jährige. So wuchs der Kräuterhandel von 20<br />

Mitarbeitern auf heute rund 100, von denen alleine 40<br />

im Büro sitzen, denn sowohl der Dokumentationsaufwand<br />

als auch der Waren einkauf seien „unheimlich aufwendig“.<br />

DIE BESCHAFFUNG DER WAREN IST EINE WELT für<br />

sich. „Wir versuchen, zu den Ursprüngen zu gehen und<br />

die Kräuter dort einzukaufen, wo sie ursprünglich herstammen“,<br />

erklärt Sophie Galke. So kommt die Kamille<br />

unter anderem aus Ägypten, der Rotbusch-Tee aus Südafrika<br />

oder die Mate aus Brasilien. „Allerdings rufe ich<br />

nicht einfach an und bestelle eine Tonne. Vielmehr ist es<br />

ein langer Kommunikationsprozess.“ Der reicht teils<br />

vom einzelnen Anbaubetrieb bis zu Großhändlern und<br />

Exporteuren und Logistikunternehmen, andere Uhrzeiten<br />

und Mentalitäten rund um den Globus machen es<br />

nicht einfacher. Geht es um neue Quellen für die Sortimentserweiterung,<br />

wird mitunter auch versucht, Konsulate<br />

einzuschalten, um Anbaubetriebe in anderen Ländern<br />

zu finden.<br />

Viele der Lieferanten, beispielsweise in Osteuropa,<br />

sind jedoch Familienbetriebe, zu denen bereits jahrzehntelange<br />

Geschäftsbeziehungen bestehen. Eine große Bedeutung<br />

spielen dabei Wildsammlungen, aus denen etwa<br />

die Hälfte des Sortiments stammt. „Nehmen Sie die<br />

Enzianwurzel“, sagt die Prokuristin, „da hat die wild gesammelte<br />

eine bessere Qualität, weil sie einen höheren<br />

Anteil an hochwertigen Inhaltsstoffen hat.“ Und es ist in<br />

der Praxis wirklich noch so, wie man sich das aus den<br />

Märchen der Kinderzeit vorstellt: Da geht das alte Kräutermütterchen<br />

in den Wald und sammelt mit großer, über<br />

Generationen weitergegebener Erfahrung die seltenen<br />

Kräuter.<br />

„AUF KRETA SAMMELT ZUM BEISPIEL ein alter Mann,<br />

der ist inzwischen über 80 ist, für uns Engelsüßwurzel in<br />

den Bergen“, erzählt Sophie Galke über einen der Kontakte.<br />

„Der hat uns aber vor einiger Zeit schon gesagt,<br />

dass er altersbedingt nicht mehr als 30 Kilo im Jahr<br />

schafft.“ Genau das sei eine der großen Herausforderungen<br />

in der Branche, die von genau diesem tradierten Erfahrungswissen<br />

so ungeheuer abhängig ist: Diese Sammler<br />

sterben aus, die jungen Leute auf Kreta gehen lieber<br />

in den Tourismus. „Für uns heißt das, dass Raritäten<br />

und Spezialitäten verschwinden, wenn wir keine alternativen<br />

Quellen auftun.“ Deswegen sucht das Traditionsunternehmen<br />

immer wieder nach neuen Lieferanten oder<br />

experimentiert gemeinsam mit Partnern auch mit dem<br />

gezielten Anbau von solchen Kräutern.<br />

30 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

UND NOCH EINE ENTWICKLUNG MACHT der Branche<br />

das Leben schwer: Grenzwerte, die in Deutschland zu<br />

den strengsten der Welt gehören. Deswegen muss auch<br />

jede Charge von unabhängigen Labors getestet werden.<br />

In der Wareneingangshalle gibt es daher zwei abgetrennte<br />

Bereiche: links der Quarantänebereich neu eingegangener<br />

Ware, die sich zurzeit in der Testung befindet, und<br />

rechts der Ausschussbereich der Ware, die im Test durchgefallen<br />

ist. Fällt ein Test negativ aus, ist die ganze Charge<br />

vom Ausschuss betroffen.<br />

„Es gibt so viele Kontaminanten, auf die man prüfen<br />

kann oder muss, und es werden immer mehr“, sagt<br />

Sophie Galke. Darunter die Klassiker mikrobielle Belastung<br />

und die Belastung mit Schwermetallen. Die allerdings<br />

sind heute nicht mehr so bedeutend, wichtiger sind<br />

dafür Glyphosat und Pyrrolizidinalkaloide (PA) geworden,<br />

für die seit ein paar Jahren überhaupt erst Vorgaben<br />

existieren. Bei PAs handelt es sich um Inhaltsstoffe von<br />

Pflanzen, die der Fressfeindabwehr dienen und die beim<br />

Menschen bereits in geringen Mengen zum Beispiel<br />

Leberschäden verursachen können. „Wenn auch nur ein<br />

PA-haltiger Huflattich in einem Brennnesselfeld steht<br />

und mitgeerntet wird, dann wird dadurch die ganze<br />

Charge nicht mehr verkehrsfähig. Das sind extreme Vorgaben,<br />

wie ein Tropfen in einem Swimmingpool.“ Für<br />

die Lieferanten werden die deutschen Ansprüche zunehmend<br />

zu einem Problem, da es den Aufwand und die<br />

Kosten enorm in die Höhe treibt.<br />

Die Ansprüche an Qualität sind jedoch auch ein großer<br />

Treiber für die Mechanisierung der Produktion bei<br />

Galke. Beispielsweise werden zwei CO 2-Hochdruckcontainer<br />

eingesetzt, um prophylaktisch gegen eventuell<br />

vorhandene Schädlinge oder akuten Schädlingsbefall<br />

vorzugehen: Die Ware wird dabei für bis zu acht Stunden<br />

bei bis zu 20 Bar behandelt, was Larven und Käfer<br />

abtötet. Neu ist eine mikrobiologische Dampfanlage, in<br />

der mittels kurzer Dampferhitzung und anschließender<br />

Vakuumtrocknung eine mikrobiologische Kontaminierung<br />

beseitigt werden kann.<br />

ES TUT SICH EINIGES BEI GALKE – in der Modernisierung<br />

sowohl der Abläufe, neuer Software und neuer Maschinen,<br />

um die Produktion zu erweitern, als auch neuer<br />

Geschäftsfelder und einer differenzierten internen Organisation.<br />

So ist der Onlinehandel dazugekommen, und<br />

bald soll auch eine erste Serie von Gesundheitstees unter<br />

eigenem Namen in den Handel gebracht werden –<br />

letzteres ist das persönliche Projekt von Sophie Galke,<br />

die unmittelbar nach ihrem BWL-Studium fest in den<br />

Familienbetrieb eingestiegen ist. Schon früh habe sie im<br />

Betrieb mitgeholfen, etwa in den Schul- und Semesterferien.<br />

„Für mich stand eigentlich schon immer fest, dass<br />

ich das Unternehmen irgendwann auch übernehmen<br />

werde – und auch, unter welchen Voraussetzungen“, erzählt<br />

Galke mit selbstbewusster Stimme. „Wir sprechen<br />

über sehr viele Dinge, diskutieren alles aus, und mein Vater<br />

lässt mir den Raum für eigene Ideen.“<br />

Alfred Galke senior<br />

HISTORISCHE ENTWICKLUNG<br />

1920 Gründung einer Teetrocknerei und -großhandlung durch<br />

Alfred Galke senior (Foto) in Bad Warmbrunn, Schlesien.<br />

1950 Nach der Vertreibung aus Schlesien glückt Alfred Galke<br />

senior und seiner Frau Hedwig der Neuanfang in<br />

Gittelde. Familien sammeln Heilpflanzen und liefern<br />

sie gegen Entgelt bei Galke ab.<br />

1963 Ab jetzt obliegt Alfred Galke junior und seiner Frau Erika<br />

die Leitung des prosperierenden Unternehmens. Es<br />

folgen Importe aus aller Herren Länder.<br />

1968 – 1983 Beginnend im Westen Europas dehnt Galke die Exporte<br />

im Laufe der Jahre auf ganz Europa aus. Erste Kontakte<br />

nach Übersee entstehen.<br />

1993 Hartmut Galke (Foto linke Seite) verstärkt das Unternehmen<br />

und wird 1999 Mitglied der Geschäftsführung.<br />

1994 – 1999 Die ohnehin schon beachtlichen Lagerkapazitäten<br />

werden sukzessive erweitert.<br />

2000 Die Exporte werden auf Japan und Südamerika ausgedehnt.<br />

Es folgen der Bau neuer Produktionsflächen und<br />

die Installation einer neuen Aufbereitungsanlage.<br />

2002 – 2006 Durch einen Neubau ergänzt Galke die Versandflächen,<br />

optimiert so die logistischen Abläufe und kann flexibler<br />

reagieren. Mit der Zeit werden neue Produktionsanlagen<br />

für Sieb- und Mischtechnik installiert, der Konfektionierungsbereich<br />

modernisiert und der Logistikbereich sowie<br />

das Fertigwarenlager neu gebaut.<br />

2007-2015 Das wachsende Sortiment – mit inzwischen über 1.600<br />

verschiedenen Produkten – verlangt weiter nach neuen<br />

Kapazitäten. Drei zusätzliche Lagerhallen werden gebaut.<br />

2017 Mit Sophie Galke führt nunmehr die vierte Generation<br />

das Familienunternehmen.<br />

3 |<strong>2022</strong> 31


unternehmen<br />

Hoch gestapelt Auf 27.000 Quadratmetern lagert alphabetisch sortiert der Vorrat für ein komplettes Geschäftsjahr, das mit der Ernte beginnt.<br />

32 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

3 |<strong>2022</strong> 33


unternehmen<br />

Organisch gewachsen Die ältesten Bereiche am Gittelder Bahnhof stammen noch aus dem Jahr 1936 von dem alten holzverarbeitenden<br />

Betrieb, den Alfred Galke nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte – die neuesten Hallen sind erst wenige Jahre alt.<br />

Dieser hatte in Sachen Unternehmensnachfolge auch ein<br />

exzellentes Vorbild, da bereits sein Vater den Übergang<br />

mit dem Spielraum für eigene Ansätze und über einen<br />

langen Zeitraum begleitet hatte. Und so will Hartmut<br />

Galke es ebenfalls handhaben: „Wir sind nicht immer<br />

einer Meinung, aber das ist auch gut so. Sophie hat andere<br />

Ideen, die sie umsetzen können muss. Und für mich<br />

ist das langfristige Ziel, mich stärker aus dem operativen<br />

Geschäft zurückzuziehen.“<br />

AUCH IN SACHEN NACHFOLGE ist die Familie somit<br />

gut aufgestellt – denkt in langen Zeiträumen. Und vielleicht<br />

ist das ihr Erfolgsrezept? Denn trotz vieler Märchen<br />

und Mythen, die sich um Kräuter und Gewürze<br />

ranken, vertraut man in Gittelde auch nach 100 Jahren<br />

noch immer auf das von Generation zu Generation<br />

überlieferte Spezialwissen und auf die eigenen, über Jahre<br />

hinweg angehäuften Erfahrungen von Familienmitgliedern<br />

und langjährigen Mitarbeitern. Selbst der Großvater<br />

steht dem Unternehmen noch heute mit seiner Expertise<br />

zur Seite. „In unserer Branche ist das kurios. Ich<br />

kenne unsere Wettbewerber gut, und die arbeiten alle<br />

länger – vielleicht auch, weil die Materie so viel Spaß<br />

macht “, erzählt Hartmut Galke glücklich. Und davon<br />

profitieren alle – denn selbst er, nach 30 Jahren Kräuterhandel,<br />

lerne noch immer Neues dazu. ƒ<br />

Zum Unternehmen<br />

Der europäische Kräuterhandel wird von wenigen großen<br />

Unternehmen dominiert, die alle in Deutschland sitzen –<br />

hauptsächlich in Süddeutschland, aber auch in den<br />

Überseehäfen. Mittendrin hingegen sitzt im Harzvorland<br />

die Alfred Galke GmbH. Das Unternehmen hat sich auf<br />

Vielfalt spezialisiert – ungemein viel von dem, was an<br />

(Heil-)Kräutern weltweit verwendet wird, hat Galke im<br />

Sortiment. Das sind 1.600 verschiedene Pflanzen, 600<br />

davon in Bio-Qualität. Ein weltweites Netz an Lieferanten<br />

sowie an Kunden macht Galke absolut international.<br />

Beliefert werden bislang nur andere Unternehmen,<br />

seien es Drogerien, der Einzelhandel, Apotheken oder<br />

Futter mittelhersteller. Bald jedoch soll eine eigene<br />

Produktlinie mit Gesundheitstees erscheinen.<br />

Galke ist ein traditionelles Familienunternehmen, das<br />

von Hartmut Galke – in dritter Generation und seit 1993<br />

in der Geschäftsführung – stark vorangebracht wurde und<br />

heute rund 100 Mitarbeiter hat. Die Übergabe an die<br />

vierte Generation läuft derzeit, Tochter Sophie Galke ist<br />

seit 2016 im Betrieb.<br />

www.galke.com<br />

34 3 |<strong>2022</strong>


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Carsten Domröse und Helge Grupe mit E-Bike und Bio-Bike<br />

Helge Grupe mit dem XBus (Koffermodul) von ElectricBrands<br />

Die Vielfalt der vollelektrischen Evetta<br />

Vom Autohaus zum Mobilitätsdienstleister<br />

Das Autohaus Rolf, exklusiver Citroën-Vertragspartner in Göttingen, beschreitet neue Wege:<br />

Der Vertrieb von elektrischen Leichtfahrzeugen sowie von Fahrrädern macht aus dem<br />

Unternehmen einen breit aufgestellten Mobilitätsdienstleister.<br />

Als Helge Grupe 2017 die Geschäftsführung<br />

der Friedrich Rolf GmbH – seit<br />

der Gründung 1978 exklusiver Citroën­<br />

Händler in Göttingen – übernahm, zeichneten<br />

sich bereits Veränderungen in der Autobranche<br />

ab. „Mir war bewusst, dass die alleinige<br />

Ausrichtung auf eine Automarke für die Zukunft<br />

nicht mehr ausreichen wird“, so Grupe.<br />

„Wir sind weiterhin aktiv und mit Herzblut der<br />

Marke Citroën verbunden, deswegen haben<br />

wir unser Sortiment nicht einfach um eine<br />

andere Marke erweitert, die im selben Segment<br />

produziert.“<br />

Es kamen zwei Geschäftsbereiche hinzu.<br />

2018 wurde das deutsche Start-up Electric­<br />

Brands bei Grupe vorstellig – das Unternehmen<br />

suchte für seine geplanten elektrischen<br />

Leichtfahrzeuge einen Vertriebs- und Servicepartner<br />

in der Region. Der XBus basiert auf<br />

einer einheitlichen Plattform, bei der verschiedene,<br />

einfach austauschbare Module aufgesetzt<br />

werden können. So kann zum Beispiel<br />

leicht aus einem Transporter ein Campingmobil<br />

für das Wochenende werden.<br />

„Das Konzept hat uns sofort massiv überzeugt“,<br />

sagt Helge Grupe. „Dieses modulare<br />

System vom XBus ist absolut einzigartig<br />

und eine Alternative zum typischen Pkw und<br />

Nutzfahrzeug, ob für Privatkunden oder gewerbliche<br />

und kommunale Unternehmen.“<br />

Inzwischen hat die ElectricBrands AG ihre<br />

Produktpalette um die Evetta, den vollelektrischen<br />

Zweisitzer für die Stadt, erweitert. Sowohl<br />

die Evetta als auch der XBus gehen 2023<br />

in Produktion und können bereits im Autohaus<br />

Rolf vorbestellt werden.<br />

DER ZWEITE GESCHÄFTSBEREICH dreht<br />

sich rund um das Rad. „In einer fahrradaffinen<br />

Stadt wie Göttingen, in Verbindung mit der eigenen<br />

Begeisterung für Zweiräder, schien es<br />

uns nur konsequent, diesen Geschäftszweig<br />

mit aufzunehmen“, sagt Carsten Domröse,<br />

Mitinhaber und Partner von Helge Grupe. Seit<br />

Mitte <strong>2022</strong> wurde mit den Marken Husqvarna,<br />

R Raymon und Manufaktur 83 ein Sortiment<br />

geschaffen, das von E-Bikes über traditionelle<br />

Räder bis zu Gravelbikes reicht. Demnächst<br />

werden noch Lasten- und Klappräder hinzukommen.<br />

„Aus Gesprächen mit Kunden,<br />

Freunden und Bekannten weiß ich, dass die<br />

Ergonomie am Rad für die meisten Radler<br />

nicht passt, daher bieten wir als Partner der<br />

Ergonomie-Spezialisten von SQLab auch eine<br />

vollumfängliche Beratung und Umsetzung“,<br />

so Domröse. Da Mitarbeiterbindung dieser<br />

Tage immer wichtiger wird, kann die Friedrich<br />

Rolf GmbH auch alle gängigen Radleasingfirmen<br />

für Arbeitnehmer abwickeln.<br />

KONTAKT<br />

Friedrich Rolf GmbH<br />

Anna-Vandenhoeck-Ring 2<br />

37081 Göttingen<br />

Tel. 0551 998 77 0<br />

info@autohaus-rolf.de<br />

www.autohaus-rolf.de


unternehmen<br />

Göttingen wird Autostadt<br />

Der Maschinenbauer Akcurate hat einen Coup gelandet: In Rosdorf werden künftig Elektrofahrzeuge<br />

– wie die ,Knutschkugel‘ mit Kultpotenzial Evetta (Foto) oder der wandelbare XBus – gefertigt und die<br />

Produktionsanlagen dafür weltweit geliefert.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

38 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

3 |<strong>2022</strong> 39


unternehmen<br />

Neues Standbein<br />

Das Kerngeschäft von Akcurate, der Firma von<br />

Andreas Kirsch, ist hochgenaues 3D-Messen und Fräsen.<br />

Doch ab nächstem Jahr soll hier ganz nebenbei auch noch<br />

die neue Evetta ,vom Band rollen‘.<br />

LESEZEIT: 7 MINUTEN<br />

Die ,Knutschkugel‘ ist zurück –<br />

diesmal made in Rosdorf. Der<br />

kultige Erfolgswagen der Fünfziger-<br />

und Sechzigerjahre, einst<br />

unter dem Namen Isetta bekannt,<br />

feiert seine formgetreue<br />

Wiedergeburt – in moderner<br />

Elektro- Variante. Die Prototypen<br />

stehen und fahren bereits, gebaut vom Maschinenbauunternehmen<br />

Akcurate, die eigentlichen Serien<br />

sollen zeitnah folgen. Praktisch ganz nebenbei wollen<br />

die Rosdorfer damit auch in ihrer Produktion neue Standards<br />

setzen.<br />

HOCHGENAUES 3D-MESSEN UND FRÄSEN sind das<br />

Geschäft von Akcurate, der Firma von Andreas Kirsch.<br />

Die in Auftrag gegebenen Anlagen für die sechsachsige<br />

räumliche Vermessung von Bauteilen und die zugehörige<br />

Software werden hier komplett selbst entwickelt, konstruiert,<br />

in Betrieb genommen und beim Kunden eingerichtet.<br />

In diese Technik und Software sind mittlerweile<br />

zehn Jahre geflossen. „Und die Arbeit hört nie auf“, sagt<br />

Kirsch. „Es lässt sich immer weiter optimieren.“<br />

Angefangen hat die Verbindung zum Auto mit dem Fräsen<br />

von Rohren für die Karosserie: Vermessung des Bauteils,<br />

Fräsen, im 20-Sekunden-Takt. Die Technik selbst<br />

stammt ursprünglich aus der Anwendung in Dentalfräsmaschinen,<br />

die bereits über Kirschs zweite Firma CIMT<br />

produziert wurden – das Prinzip ließ sich problemlos<br />

übertragen. Darüber hinaus werden in Rosdorf Scheinwerfer,<br />

Windschutzscheiben und Sonnen dächer vermessen<br />

und gegebenenfalls mit einer Fräs maschine kombiniert.<br />

DANN KAM DIE PANDEMIE UND DAMIT ZEIT zum<br />

Nachdenken und Tüfteln. „Wir haben überlegt, wie wir<br />

unsere unterschiedlichen Maschinen vom Messen bis<br />

zum Fräsen kombinieren können, sodass wir eine perfekte<br />

Anlagentechnik für die moderne Produktion von<br />

Autoteilen erhalten“, erzählt Andreas Kirsch. „Sprich:<br />

mit weniger Platzbedarf und weniger Kosten eine bessere<br />

Qualität erreichen.“ Denn die Entwicklung in der<br />

Automobilindustrie, insbesondere im Premiumsegment,<br />

geht zu immer mehr Präzision und damit immer geringeren<br />

Spaltmaßen. Entstanden ist aus dem Nachdenken<br />

ein Kombisystem, das gleich mehrere Produktionsschritte<br />

in sich vereint.<br />

Für einen deutschen Scheinwerferhersteller, der unter<br />

anderem Sportwagen produziert, wurde eine solche Anlage<br />

gebaut – die bislang einzigartig ist. Sie vermisst den<br />

Scheinwerfer dreidimensional, berechnet, wie das Bauteil<br />

im Gehäuse optimal platziert werden muss, damit es<br />

perfekt sitzt, und fräst dann an den exakt berechneten<br />

Stellen die Anschraubpunkte an die bestmögliche Position.<br />

Anschließend dreht ein selbst entwickelter Schrauber<br />

mit derselben Maschine die Schrauben auf eine exakte,<br />

ebenfalls berechnete Höhe in das Gewinde, damit letztendlich<br />

alles zehntelmillimeter genau zusammenpasst.<br />

DIE TOLERANZEN, DIE DABEI wiederholgenau erreicht<br />

werden müssen, sind mittlerweile so klein, dass sie der<br />

Dicke von zwei europäischen Standardhaaren entsprechen<br />

– das sind eineinhalb Blatt Papier. „In einem normalen<br />

Produktionsprozess lässt sich diese Präzision<br />

nicht erreichen, denn bisher brauchte man für diese Arbeitsschritte<br />

vier separate Maschinen, die jeweils nicht<br />

voneinander wissen, wo genau sie am Objekt sind“, so<br />

der geschäftsführende Gesellschafter. „Dadurch entstehen<br />

Abweichungen, denn kein Schweinwerfer gleicht<br />

exakt dem nächsten.“ Auch, wenn es vielleicht banal<br />

klingt, der Aufwand im Autobereich ist enorm: Allein,<br />

um einen Scheinwerfer messbar zu machen, wurde gemeinsam<br />

mit einem Hersteller drei Jahre lang an der Lösung<br />

gearbeitet, 70 Mannjahre stecken in der dazugehörigen<br />

Messsoftware.<br />

In die Zeit dieser Anlagenentwicklung fiel auch der<br />

zufällig entstandene Kontakt zum Itzehoer Start-up<br />

ElectricBrands, der Firma, die das Konzept für den elektrischen<br />

Leichtwagen entwickelt hat, der unter dem Namen<br />

Evetta ab 2023 auf den Straßen unterwegs sein soll<br />

und bei knapp unter 20.000 Euro Stückpreis beginnen<br />

wird. „Daraus ist eine Chance entstanden, die man wohl<br />

nur einmal im Leben erhält“, sagt Andreas Kirsch. Der<br />

Ingenieur meint damit nicht nur die Geschäftsperspektiven,<br />

sondern die Chance, einen über hundert Jahre etablierten<br />

Produktionsprozess in der Branche grundsätzlich<br />

zu verändern.<br />

DIE EVETTA BEFAND SICH NOCH in der Prototypenphase:<br />

Die finalen Entwicklungsschritte waren noch<br />

nicht abgeschlossen, die Produktionsabläufe noch nicht<br />

industrialisiert und auf Serie ausgelegt. Es gab noch keine<br />

Fertigung, die Qualitätsabnahme war noch nicht<br />

40 3 | <strong>2022</strong>


unternehmen<br />

3 |<strong>2022</strong> 41


unternehmen<br />

Wandelbar Neben der ,Knutschkugel‘ wird Akcurate auch ein multimodales flexibles Bussystem, den XBus, produzieren, der sich sowohl in<br />

einen Camper für den Urlaub als auch in einen Kipp laster für Schüttgut verwandeln lässt.<br />

definiert. „Wir hatten uns zu einem Zeitpunkt getroffen,<br />

an dem man noch alles anpassen konnte“, erzählt Kirsch.<br />

„Wir haben dann gesagt, dass wir mit weniger Platzbedarf,<br />

weniger Spezialisten und insgesamt weniger Personal<br />

ein Fahrzeug bauen können, das präziser gefertigt ist<br />

als bisherige andere Modelle.“<br />

Was ihm vorschwebt, ist die Umkehrung des industriellen<br />

Produktionsprozesses beim Auto. Statt die Entwicklungs-<br />

und Arbeitsschritte an und in die gegebenen<br />

Produktionsmöglichkeiten an- und einzupassen, wird<br />

sich bei der Evetta die Produktionsorganisation nach<br />

den Möglichkeiten der Technik richten. „Mit unserer<br />

Technologie kann man natürlich auch zu Volkswagen<br />

oder Daimler gehen, aber die müssten ihre komplette<br />

Fahrzeugentwicklung umstellen“, sagt Kirsch. Das Auto<br />

müsste einfacher entwickelt werden – vom Einzelbauteil<br />

bis zur Baugruppe, Konstruktion und Abnahme,<br />

der ganze Prozess ändert sich. „Das ist in einem etablierten<br />

großen Unternehmen einfach nicht möglich.“<br />

ANDREAS KIRSCH KENNT SICH in der Branche aus.<br />

Das Maschinenbaustudium begann er in seiner Heimat<br />

im Schwarzwald, doch er reiste viel durch die Welt, studierte<br />

unter anderem in Großbritannien und schrieb seine<br />

Diplomarbeit in Mexiko, schon damals mit Bezug<br />

zum Auto. Er arbeitete dann rund zehn Jahre bei Volkswagen,<br />

zuerst in Mexiko, später in Emden, und war für<br />

den Aufbau und die Entwicklung von neuen Abteilungen<br />

und Prozessorganisationen zuständig – vom Prototypenbau<br />

bis zum Abteilungsaufbau und zur Arbeit in<br />

der Fertigungsleitung.<br />

„Ich habe bei VW dann aufgehört, weil ich noch einmal<br />

etwas anderes, eigenes machen wollte, bevor ich zu<br />

alt dafür bin“, sagt Kirsch. Der Neustart mit Akcurate,<br />

die er 2008 gründete, war ein Sprung ins kalte Wasser<br />

und so etwas wie eine Rückkehr zu den Wurzeln im Maschinenbau<br />

und in der Werkzeugmechanik, die er davor<br />

gelernt hatte. „Ich wusste nicht, was kommt. Aber: no<br />

risk, no fun.“ Die erste Maschine hatte er dann für einen<br />

mexikanischen Autozulieferer gebaut. „Das war eine<br />

voll automatisierte Glasdachbiegemaschine für Schiebedächer,<br />

die wir auch heute noch fertigen.“<br />

ANGEFANGEN HAT KIRSCH als Einmannbetrieb, entwickelte<br />

unter der Woche seine Maschinen und erledigte<br />

am Wochenende die Buchhaltung. 2010 gründete er<br />

dann bereits die Kirschmechanik, die sich auf Metallverarbeitung<br />

konzentriert, und 2018 kam die CIMT<br />

dazu, in der besagte Dentalfräsmaschinen produziert<br />

werden. Alle drei Firmen sitzen in Rosdorf und teilen<br />

sich die Produktionsanlagen. Rund 60 Mitarbeiter beschäftigt<br />

Kirsch derzeit, doch der Neubau, der 2021 bezogen<br />

wurde, bietet Platz für mindestens die doppelte<br />

Mannschaft.<br />

Der wird auch gebraucht, wenn es erst einmal mit der<br />

Produktion der Evetta losgeht. Drei Modelle sind zu<br />

42 3 | <strong>2022</strong>


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unternehmen<br />

Beginn geplant: die Prima als geschlossenes Fahrzeug und<br />

Open Air als Cabrio erinnern in ihrem gerundeten Stil<br />

sehr stark an die BMW Isetta – und natürlich wird auch<br />

hier zum Einsteigen die Vorderseite des Wagens aufgeklappt.<br />

Cargo hingegen wird ein Minibus. Hinzu kommt<br />

noch der XBus, eine separate Marke von Electric Brands,<br />

die ein multimodales flexibles Bussystem darstellt – vom<br />

Camper für den Urlaub bis zum Kipp laster für das<br />

Schüttgut lässt sich solch ein Wagen schnell umbauen.<br />

DIE FERTIGUNG FÜR KLEINSERIEN und Prototypen<br />

wird in Rosdorf geschehen. Doch das Besondere an der<br />

Evetta-Produktion wird sein, dass es Fertigungen auf der<br />

ganzen Welt geben wird. ElectricBrands steht derzeit in<br />

Verhandlungen mit einem Dutzend Lizenzfertigern, die<br />

unter anderem aus Mexiko, Südkorea, Australien und<br />

sogar Nepal kommen. Der erste Gedanke, der einem<br />

gerade bei Nepal und anderen Ländern ohne Autoproduktionskultur<br />

kommt, ist: Wie lässt sich da die hohe<br />

Qualität gewährleisten, wenn Akcurate die Hightech-<br />

Fertigungs verfahren definiert? „Das ist zunächst einmal<br />

eine Herausforderung, weil unsere Technologie sehr<br />

komplex und anspruchsvoll ist“, sagt Kirsch. Aber dadurch,<br />

dass die Produktion und die Präzision sehr stark<br />

mit der Software geregelt werden, lasse sich deutlich einfacher<br />

damit arbeiten.<br />

„Das Potenzial, das wir mit unserer Anlagentechnik sehen,<br />

wird bahnbrechend sein“, sagt der Unternehmer<br />

überzeugt. „Wir wollen es hinbekommen, dass auch in<br />

Ländern, die keine Hightech-Standorte sind, produziert<br />

werden kann.“ Auch auf andere Branchen abseits der<br />

Autoindustrie will der Ingenieur das Prinzip übertragen.<br />

44 3 | <strong>2022</strong><br />

Trotz der aktuellen Erfolgswelle und des rasanten Unternehmenswachstums<br />

– Andreas Kirsch ist bei seinen<br />

Wurzeln geblieben. „Ich konstruiere auch noch viel mit,<br />

zur normalen Arbeitszeit findet man mich eigentlich nie<br />

im Büro“, sagt er. Und in der Zusammenarbeit mit ElectricBrands<br />

freut er sich auf eines besonders: Akcurate<br />

liefert die Fertigungsmaschinen und installiert sie bei<br />

den Lizenzfertigern. „Ich werde und will auch selbst<br />

unterwegs sein, um das zu erledigen. Die Lust auf den<br />

internationalen Austausch habe ich nicht verloren, im<br />

Gegenteil.“ ƒ<br />

Zum Unternehmen<br />

Akcurate wurde 2008 von Ingenieur<br />

Andreas Kirsch als Messtechnik- und<br />

Maschinenbau unternehmen gegründet, der<br />

Fokus liegt vornehmlich auf der Automobilindustrie,<br />

in der Kirsch viele Jahre tätig war. Für diese<br />

werden unter anderem Maschinen zur schnellen<br />

Vermessung mit kombiniertem Fräsen gebaut,<br />

die etwa bei der Scheinwerferinstallation eine<br />

Rolle spielen. Aus dem Erfolg der hauseigenen<br />

Mess- und Fräsqualität heraus gründete<br />

Andreas Kirsch noch zwei weitere Unternehmen:<br />

2010 die Kirschmechanik, die sich auf<br />

Metallverarbeitung konzentriert, und 2018 die<br />

CIMT, in der Dentalfräsmaschinen produziert<br />

werden. Alle drei Firmen sitzen in Rosdorf und<br />

beschäftigen zusammen rund 60 Mitarbeiter.<br />

akcurate.de


DIE LETZTEN MONATE HABEN UNSERE<br />

ARBEITSWEISE MASSIV VERÄNDERT.<br />

Viele haben die Erfahrung gemacht, wie es ist, an<br />

anderen Orten zu arbeiten. Ob nun konzentriertes<br />

und kreatives Arbeiten oder Video Calls, Team-<br />

Meetings, sogar die Pause – alles fand im selben<br />

Raum statt.<br />

Nun stehen viele Wissensarbeiter vor der<br />

Wahl: „Arbeite ich lieber vom Homeoffice aus?<br />

Oder raus ins Grüne mit meinem sympathischen<br />

E-Auto? Wo habe ich mehr Ruhe? Wo den besseren<br />

Austausch? Wo kann ich kreativer sein? Stört<br />

es, wenn ich nebenbei die Waschmaschine laufen<br />

lassen?<br />

Entstanden ist dadurch ein neues Gefühl<br />

für die eigene Arbeitsweise. Hier werden<br />

immer weniger Kompromisse gemacht. Und<br />

das ist gut so. Gut für ein freieres, angenehmeres<br />

Arbeiten und gut für die Effektivität. Die wird<br />

nämlich mit Wohlgefühl und freier Arbeitsortwahl<br />

besser. Nachweislich.<br />

DAS NEUE<br />

ARBEITS-<br />

GEFÜHL<br />

Die Arbeitswelt<br />

steht Kopt!<br />

Dadurch verändert sich auch die Arbeitslandschaft<br />

in den Unternehmen. In den<br />

Büros selbst wird es wohnlicher, farbenfoher, gesünder,<br />

nachhaltiger und neuerdings muss auch<br />

Energie gespart werden.<br />

Wie man dieses neue Lebensgefühl in individuelle<br />

Arbeitswelten übersetzt, dabei helfen wir von<br />

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Sprechen Sie uns bitte an.<br />

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unternehmen<br />

46 3 |<strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Eine Frage<br />

der Einstellung<br />

VisiCon in Rittmarshausen ist einer der Weltmarktführer in der automatischen Einstellung<br />

von Scheinwerfern und Fahrwerken. Den Grundstein für den Erfolg hat Wolfgang Brunk mit seiner<br />

Leidenschaft fürs Basteln gelegt. Nun übergibt er sein Unternehmen an die nächste Generation.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

3 |<strong>2022</strong> 47


unternehmen<br />

» Ich habe den Robotern<br />

das Sehen beigebracht. «<br />

B<br />

LESEZEIT: 7 MINUTEN<br />

eim Gang durch die große Produktionshalle<br />

in Rittmarshausen<br />

erinnert so einiges an die klassische<br />

Kfz-Werkstatt – hier wird noch viel<br />

von Hand gearbeitet, mit Hebebühne,<br />

Fahrgestell und Ersatzteillager,<br />

hin und wieder ertönt vertrautes<br />

Motorengeheul. Und doch<br />

ist VisiCon eines der Unternehmen,<br />

die zeigen, dass Universitätsausgründungen im Bereich<br />

der Messtechnik nicht nur vor 200 Jahren erfolgreich<br />

waren, sondern es auch heute noch sind.<br />

DEM ENDKUNDEN UND AUTOKÄUFER ist VisiCon<br />

zwar kein Begriff, doch sichtbar wird das Wirken jedes<br />

Mal, wenn etwa die Scheinwerfer eingeschaltet werden<br />

oder sich die Reifen in die richtige Richtung bewegen –<br />

denn inzwischen hat VisiCon schon für fast jeden Autohersteller<br />

vollautomatische Einstellan lagen für Scheinwerfer<br />

und Fahrwerke produziert. Diese werden in Rittmarshausen<br />

konstruiert und hier vor Ort von Kunden in<br />

deren mitgebrachten Fahrzeugen auf Herz und Nieren<br />

geprüft, bevor sie schließlich zur weiteren Verarbeitung<br />

in die ganze Welt geliefert werden. So manchen Erlkönig<br />

und manche neue Serie haben die VisiCon-Mitarbeiter<br />

dadurch schon früh zu Gesicht bekommen – inklusive<br />

der standardmäßigen Geheimhaltungsvereinbarung. Denn<br />

hier läuft alles präzise nach Plan.<br />

Dabei ist Firmengründer Wolfgang Brunk mehr oder<br />

weniger ungeplant in den Erfolg hineingerutscht. Noch<br />

während seines Physik-Studiums in Göttingen entstand<br />

der Kontakt zum schwedischen Unternehmen Selcom,<br />

das in der optoelektronischen Messtechnik tätig war<br />

und für das er schließlich die deutsche Tochter gründete<br />

und leitete. Nachdem Selcom verkauft worden war,<br />

machte sich Brunk mit der BSB Brunk Systemberatung<br />

selbstständig. Als Freiberufler beriet er die Automobilindustrie<br />

– unter anderem für Volkswagen, wo er an der<br />

Entwicklung der Robotersteuerung beteiligt war. „Ich<br />

habe den Robotern das Sehen beigebracht“, erzählt<br />

Brunk nicht ohne Stolz.<br />

DAS WIEDERUM BRACHTE IHN AUF DAS RADAR von<br />

Daimler, deren Ziel es war, eine vollautomatische Endmontage<br />

zu bauen, in der unter anderem die Scheinwerfer-<br />

und Fahrwerkseinstellung vorgenommen wurde.<br />

Die Scheinwerfer waren Brunks Aufgabe. „Vollautomatisch<br />

hieß, dass hier kein Mensch mehr war, der das<br />

Licht ein- und ausschalten konnte“, erklärt der Diplom-<br />

Physiker und beschreibt die technische Herausforderung<br />

dabei: „Wenn Abblendlicht, Fernlicht und Nebel scheinwerfer<br />

alle gleichzeitig vorher angeschaltet wurden, sie<br />

aber jeweils unabhängig voneinander eingestellt werden<br />

müssen, hatte die Messtechnik ein Problem, denn die<br />

konnte nicht zwischen den dreien unterscheiden.“<br />

RUND EIN JAHR BASTELTE BRUNK an einer Lösung, die<br />

er letztlich in der softwaregestützten Bildverarbeitung<br />

fand. Das war Ende der 1980er-Jahre. „Ich hatte das<br />

Ergebnis damals gar nicht so sehr als eigenes Produkt<br />

gesehen, sondern vielmehr als einmalige Sonderlösung.“<br />

Doch bereits sechs Wochen später rief Audi an. Sie hätten<br />

das System bei Daimler gesehen – und wollten kaufen.<br />

Drei Monate danach standen vier Ingenieure von<br />

Ford in Brunks Werkstatt, die ebenfalls ihr Interesse an<br />

seiner Errungenschaft bekundeten.<br />

48 3 | <strong>2022</strong>


unternehmen<br />

Runde Sache Die berührungslose Bestimmung der Fahrwerksgeometrie geschieht bei VisiCon mittels Laser und Stereofotogrammetrie.<br />

3 |<strong>2022</strong> 49


unternehmen<br />

Auf dem Weg in die Zukunft Wolfgang Brunk ,übergibt‘ an die nächste Generation mit Ariane Brunk und Jan-Hendrik Keller (v.l.).<br />

ES FOLGTE DIE EINLADUNG zum Ford-Werk in Köln,<br />

in dem ein Vergleich aller damaligen Hersteller von<br />

Scheinwerfereinstellanlangen stattfand. „Das Ergebnis<br />

hat uns umgehauen“, erzählt Wolfgang Brunk heute<br />

noch immer begeistert. Denn im Abschlussbericht stand:<br />

Das System der 1990 gegründeten VisiCon sei „far superior<br />

to all“ – allen anderen weit überlegen. Daher wollte<br />

Ford weltweit alle seine Werke mit der VisiCon-Technik<br />

ausrüsten. „Eigentlich war das unmöglich, denn wir waren<br />

seinerzeit vier Leute in der neu gegründeten VisiCon.<br />

Wir haben die Herausforderung aber trotzdem angenommen<br />

und im Ford-Werk in Valencia angefangen. So<br />

sind wir völlig ungeplant über Nacht der größte Hersteller<br />

von Scheinwerfereinstell anlagen weltweit geworden.“<br />

Nachdem sich die Firma mit dieser herausstechenden<br />

Messtechnik schnell einen guten Ruf erworben hatte,<br />

trugen Autohersteller einen neuen Wunsch an sie heran:<br />

ein System zu entwickeln, mit dem Fahrwerke berührungslos<br />

vermessen werden konnten. Auch dafür fand<br />

Brunk eine Lösung. „Und dann kam der damalige Einkaufschef<br />

von General Motors auf uns zu“, erzählt der<br />

Geschäftsführer weiter. Der hatte erkannt, dass die<br />

Kerntechnologie der Anlagen in der Sensorik und Software<br />

liegt und nicht im maschinellen Drumherum.<br />

„Dann hieß es auf einmal: Ihr macht nicht nur die Kerntechnik,<br />

sondern liefert uns künftig die gesamte Anlage.“<br />

Insofern ist VisiCon heute kein Zulieferer mehr, sondern<br />

Anlagenbauer für die Fahrzeugproduktion. Wenngleich<br />

der Schwerpunkt auf Fahrwerk und Scheinwerfern liegt,<br />

entwickelt VisiCon auch Einstelltechnik für Fahrassistenzsysteme,<br />

Abstandsradar und Head-up-Displays. „Letztlich<br />

alles, was relativ zum Fahrzeug eingestellt werden<br />

muss“, so Brunk. Je mehr Sensorik im Fahrzeug integriert<br />

wird und je stärker die Anteile autonomen Fahrens<br />

werden, desto mehr Sensorik wird benötigt – und<br />

desto mehr muss eingestellt werden. Für VisiCon sind<br />

das derzeit hervorragende Perspektiven.<br />

INZWISCHEN SIND RUND 80 MITARBEITER in Rittmarshausen<br />

beschäftigt, eine Serviceniederlassung mit<br />

vier Mitarbeitern besteht noch in Schanghai, doch die<br />

Anlagen – die zwischen 100.000 und 2,5 Millionen Euro<br />

kosten – werden weltweit installiert. Jährlich fertigt<br />

VisiCon nach den individuellen Vorgaben des jeweiligen<br />

Kunden etwa 10 bis 15 Anlagen für Scheinwerfer und<br />

Fahrassistenzsysteme und zwei für Fahrwerke – und das<br />

mit großem zeitlichem Aufwand. Denn jede Anlage ist<br />

im Prinzip ein Unikat, die Kalibrierung dabei eine Meisterleistung<br />

in Präzision, die auf ein hundertstel Millimeter<br />

genau sein muss. Im Regelfall werden für eine<br />

normale Anlage etwa drei Monate Planung, drei Monate<br />

Materialbeschaffung und drei Monate Bauzeit veranschlagt.<br />

Ist die Anlage komplexer, dauert es auch mal bis<br />

zu einem Jahr.<br />

50 3 | <strong>2022</strong>


Anwaltskanzlei „Arkaden am Gericht“<br />

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VISICON HAT DABEI DEN VORTEIL, dass sie von der<br />

Konjunktur in der Automobilbranche, dem Umstieg auf<br />

E-Mobilität und den gefertigten Stückzahlen relativ unabhängig<br />

ist. „Dafür ist unsere Verantwortung sehr<br />

hoch“, erklärt Wolfgang Brunk. „Sollte unsere Anlage<br />

einmal stillstehen, verlässt kein Wagen mehr das Werk,<br />

das sind Kosten bis zu 50.000 Euro pro Minute, die<br />

dann entstehen.“ Daraus ergibt sich noch eine weitere<br />

besondere Rahmenbedingung, die für die Mitarbeiter<br />

meistens nicht so angenehm ist: „Wir können unsere Anlagen<br />

nur dann in den Werken aufbauen, wenn dort<br />

nicht gearbeitet wird. Das heißt, wir arbeiten dann,<br />

wenn andere Urlaub machen, also an Weihnachten,<br />

Silvester, Ostern.“<br />

Doch Brunk hat an seiner Leidenschaft für das Problemlösen<br />

noch ungebrochen Spaß. „Ich bin immer Bastler<br />

und kein Firmenchef gewesen“, sagt der Senior. Deswegen<br />

ist VisiCon auch nach wie vor noch sehr familiär<br />

organisiert – mit flachen Hierarchien, die es zudem noch<br />

nicht so lange gibt. Bis vor fünf Jahren gab es nicht einmal<br />

Abteilungsleiter, doch das Wachstum hat eine<br />

Umorganisation notwendig gemacht. „Das musste ich<br />

zähneknirschend einsehen.“<br />

DIESES JAHR WIRD WOLFGANG BRUNK 70, und sein<br />

Partner Wieprecht Keller, mit dem er VisiCon aufgebaut<br />

und lange zusammen geleitet hat, hat sich 2021 aus dem<br />

Geschäft in den Ruhestand zurückgezogen, hilft aber gelegentlich<br />

noch aus. So hat es auch Brunk vor, der sich<br />

ebenfalls langsam aus der Geschäftsführung verabschiedet.<br />

Er macht jetzt mehrheitlich nur noch das, was ihm<br />

Spaß macht. Auch für sein Hobby, an Oldtimern rumzuschrauben,<br />

hat er inzwischen wieder mehr Zeit.<br />

Bei VisiCon hat indes ein sanfter Generationenwechsel<br />

stattgefunden, die Kinder von Keller und Brunk haben<br />

das Ruder übernommen. Ariane Brunk ist seit 2019<br />

in der Geschäftsführung für den Vertrieb zuständig.<br />

Kellers Sohn Jan-Hendrik, promovierter Ingenieur im<br />

Kunststoffbereich, war 2018 in die Geschäftsführung<br />

aufgenommen worden und hat von Wolfgang Brunk die<br />

technische Leitung übernommen. Der dritte Geschäftsführer,<br />

Sohn Andreas Brunk, trägt bereits seit 2013 als<br />

Wirtschaftsingenieur die Verantwortung für Finanzen<br />

und Personal.<br />

Die neue Generation hat auf die eine oder andere Weise<br />

eine enge Bindung an das Unternehmen. „Mir ist das<br />

Ganze in die Wiege gelegt worden“, erzählt Jan-Hendrik<br />

Keller. „Ich habe schon als Teenager meinem Vater über<br />

die Schulter geschaut und auch früh eigene Software geschrieben.“<br />

Der Bezug dazu ist ihm bis heute erhalten<br />

geblieben und erleichtert das Verständnis für die eigenen<br />

Entwickler. Doch ein kreativer Bastler wie Wolfgang<br />

Brunk ist er nicht, wie er zugibt. „Unsere Abläufe werden<br />

professioneller, deswegen sehe ich mich stärker in<br />

der Rolle des Koordinators, der dafür sorgt, dass Entwicklungen<br />

auch einmal fertig werden und in den Markt<br />

52 3 | <strong>2022</strong><br />

eingeführt werden können.“ Anders als im Einmannbetrieb<br />

von früher ist die Koordinierung heute bedeutend<br />

aufwendiger.<br />

Genau andersherum war es für Ariane Brunk, die sich<br />

lange gesagt hat, dass sie nie in der Firma arbeiten möchte.<br />

„Doch mein Job in der Pharmaindustrie war maximal<br />

frustrierend, weil er eintönig war und keine Herausforderungen<br />

damit verbunden waren.“ Als sie nach der Elternzeit<br />

vor der Frage stand, ob sie in ihren alten Beruf<br />

zurückkehrt, brachte ein Gespräch mit Kellers Vater die<br />

Option VisiCon ins Gespräch. „Ich hatte zu Jan-Hendriks<br />

Vater immer ein sehr gutes Verhältnis, und er hat<br />

mich letztlich davon überzeugt, es hier zu probieren.“<br />

Bereut hat sie es nicht. „Ich habe mir zwar in der einen<br />

oder anderen Situation schon gedacht: Worauf hast du<br />

dich hier eingelassen? Aber mir persönlich hat es ganz<br />

viel gebracht – man lernt etwas Neues, erweitert seinen<br />

Horizont und steht jeden Tag vor abwechslungsreichen<br />

Herausforderungen.“<br />

UND WIE WIRD ES MIT VISICON WEITERGEHEN? „Angesichts<br />

der kleinen Stückzahlen, die VisiCon fertigt,<br />

sind wir im Vergleich zu den großen Anlagenbauern der<br />

Branche wie Siemens oder Dürr eine Winzigstfirma“,<br />

erzählt die Geschäftsführerin. „Aber wir sagen von uns,<br />

dass wir die Innovativsten sind. Fast die Hälfte unserer<br />

Mitarbeiter sind auch im Bereich Forschung und Entwicklung<br />

tätig.“ Dieser Vorteil wird auch in Zukunft<br />

jedes Mal zum Tragen kommen, wenn ein Autohersteller<br />

mit einem neuen Problem auf sie zukommt. Dann<br />

verschwindet ihr Vater wieder ,in seiner Bastelbude‘ –<br />

und sucht gemeinsam mit den Konstrukteuren nach<br />

Lösungen. ƒ<br />

Zum Unternehmen<br />

VisiCon in Rittmarshausen ist mit seinen gegenwärtig<br />

80 Mitarbeitern ein Anlagenbauer und<br />

Problemlöser für die Automobilindustrie und<br />

ihre Zulieferer. Das Unternehmen ist auf die<br />

Entwicklung und den Bau von Anlagen zur<br />

auto matischen Einstellung von Schein werfern,<br />

Fahr werken und Fahreassistenz systemen<br />

spezialisiert. Trotz seiner Größe als kleinerer<br />

Mittelständler zählt der Betrieb, der bereits für<br />

so gut wie alle namhaften Automobilhersteller<br />

Systemlösungen entwickelt und weltweit<br />

seine Anlagen aufgebaut hat, zu den<br />

Weltmarkt führern.<br />

www.visicon.eu<br />

Übrigens:<br />

Mehr über Wolfgang Brunk und das, was der<br />

Unternehmer in seiner Freizeit in einem Bunker<br />

am Göttinger Hainberg macht, lesen Sie in<br />

dieser Ausgabe ab Seite 136.


40 JAHRE<br />

„Wir kümmern uns um Ihre IT, während Sie sich voll auf<br />

Ihr Kerngeschäft konzentrieren können!“<br />

• Seit 1982 in Südniedersachsen am Markt tätig<br />

• Am Standort im Maschmühlenweg 81 in Göttingen sind zur<br />

Zeit 22 Mitarbeiter beschäftigt.<br />

• Ausbildungsbetrieb seit 1999<br />

Als eines der führenden IT Systemhäuser in der Region Südniedersachsen<br />

ist die GOESYS AG seit nunmehr 40 Jahren der kompetente Ansprechpartner<br />

für IT-Lösungen, IT-Service und Cloud-Anwendungen.<br />

Die Optimierung der IT-Strategie sowie der Datensicherheit steht im<br />

Fokus unserer individuellen Beratung. Dazu zählen die Analyse bestehender<br />

Systeme und Netzwerke, sowie die Erstellung maßgeschneiderter Konzepte,<br />

die nicht nur für den Moment, sondern auch langfristig den Bedürfnissen<br />

des Kunden entsprechen und jederzeit individuell und flexibel angepasst<br />

werden können.<br />

GOESYS AG<br />

Maschmühlenweg 81<br />

37081 Göttingen<br />

Tel. 0 551 48859-0<br />

info@goesys.de<br />

www.goesys.de<br />

Sprechen Sie uns an, gern stehen<br />

wir Ihnen zur Verfügung.


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FOTOS: KAYSER GMBH<br />

One World. One Family. One KAYSER.<br />

Die KAYSER Automotive Group schreibt weltweit Geschichte!<br />

Die Firmenzentrale der KAYSER-Unternehmensgruppe<br />

befindet sich in Einbeck.<br />

In der Stadt in Niedersachsen<br />

mit rund 30.000 Einwohnern gelang bereits<br />

1960 der Einstieg in die Automobilindustrie.<br />

Der Grundstein der heutigen KAYSER Automotive<br />

Group wurde allerdings bereits 1709<br />

mit der Wollfabrik der Gebrüder Borcholt gelegt<br />

– damit zählt die KAYSER Group zu einem<br />

der ältesten Unternehmen in Niedersachsen.<br />

Was vor mehr als 60 Jahren begann, entwickel<br />

te sich in den vergangenen Jahren<br />

rasant. Heute zählen 17 Standorte in elf Ländern<br />

auf drei Kontinenten zu der Unternehmensgruppe,<br />

in der KAYSER Automotive<br />

Group sind über 3.600 Mitarbeiter beschäftigt,<br />

davon 1.300 Mitarbeiter im Hauptsitz in<br />

Einbeck.<br />

DAS TRADITIONSVERBUNDENE Familienunternehmen<br />

ist globaler Partner aller namhafter<br />

Automobilhersteller für die Entwicklung<br />

und Fertigung von innovativen und hochkomplexen<br />

Systemen im Bereich Batterie-Thermomanagement,<br />

Fluid Management und vieler<br />

weiterer neuer Technologien für Fahrzeuge aller<br />

Antriebsarten, egal ob für Hybridfahrzeuge,<br />

Elektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit Brennstoffzelle.<br />

Durch das langjährige Automotive­<br />

Know-how bietet KAYSER seinen Kunden in<br />

Europa, Asien und Amerika individuelle Lösungen<br />

zur Reduzierung der Emissionen in<br />

der Mobilität, die sich an den spezifischen<br />

Anforderungen der Automobilhersteller und<br />

den gesetzlichen Vorgaben orientieren.<br />

NEBEN DER AUTOMOTIVE GROUP zählen<br />

auch Unternehmen aus den Bereichen Filtertechnik,<br />

Werkzeug- und Anlagenbau, Elektronik<br />

sowie Umwelttechnik zur KAYSER Group. In<br />

diesem Unternehmensverbund schaffen wir<br />

Synergien, um innovative Lösungen anzubieten.<br />

Wir arbeiten projektbezogen in globalen<br />

Teams. Unsere Unternehmenskultur, in der<br />

gegenseitige Unterstützung und Eigenverantwortung<br />

zur Selbstverständlichkeit gehören,<br />

ist dabei von flachen Hierarchien und einem<br />

persönlichen Miteinander geprägt.<br />

NEBEN UNSERER WELTOFFENHEIT und<br />

der technischen Expertise sind unsere Mitarbeiter<br />

ein bedeutender Faktor für den internationalen<br />

Erfolg – und wir sind immer auf<br />

der Suche nach neuen motivierten Teammitgliedern.<br />

KONTAKT<br />

A. KAYSER Automotive Systems GmbH<br />

Hullerser Landstraße 43<br />

37574 Einbeck<br />

Tel. 05561 790 20<br />

info@kayser-automotive.com<br />

www.kayser-automotive.com


PROFIL<br />

ANZEIGE<br />

Katrin Schlick und ihr Mann Andreas Backfisch<br />

treffen nachhaltige Entscheidungen. Der Bio-Lieferservice<br />

LOTTA KAROTTA setzt auf Elektro mobilität<br />

– getankt wird Strom vom eigenen Dach.<br />

Mobilität bei LOTTA KAROTTA<br />

LOTTA KAROTTA Bio-Lieferservice ist vor über 22 Jahren mit dem Ziel gestartet,<br />

regionale Bioprodukte in der Region auszuliefern.<br />

Ein Grundgedanke des Systems Ökokiste<br />

ist, durch ausgeklügelte Touren die Einkaufsfahrten<br />

von mehreren Haushalten<br />

zu bündeln, sodass im Schnitt nur rund drei<br />

Kilometer pro Adresse gefahren werden – gemittelt<br />

über Stadt- und Landfahrten. Für viele<br />

Kund*innen ist der nächste Einkaufsmarkt weiter<br />

als diese drei Kilometer entfernt.<br />

In den letzten Jahren hat LOTTA KAROTTA<br />

mit dem Umbau auf E-Mobilität begonnen: Es<br />

wurde eine Fotovoltaik-Anlage mit 135 Kilowatt<br />

und einem Batteriespeicher von 130 Kilowatt<br />

gebaut – ausgeliefert wird mit fünf Elektro-<br />

und vier Dieseltransportern, von denen<br />

Letztere jedoch bald getauscht werden sollen.<br />

Katrin Schlick und Andreas Backfisch haben<br />

sich komplett gegen den Kauf von weiteren<br />

Verbrennern entschieden, wohl wissend, dass<br />

es auf dem Markt für regenerative Antriebe<br />

noch Entwicklungspotenzial gibt. Die nächsten<br />

zwei E-Transporter mit größerer Reichweite<br />

sind bereits bestellt.<br />

Fahrradkilometer-Bonus – Klimaschutz und<br />

Freizeitausgleich in einem<br />

Für die Mitarbeitenden wurde 2021 ein Fahrradkilometer-Bonus<br />

eingeführt: Für jeden<br />

Kilometer zur Arbeitsstätte, den sie mit dem<br />

Fahrrad zurücklegen, werden ihnen 20 Cent<br />

auf dem Urlaubskonto gutgeschrieben. Das<br />

schafft einen Anreiz zum Radeln, fördert die<br />

Gesundheit der Belegschaft und reduziert<br />

gleichzeitig den CO2-Fuß abdruck.<br />

By the way: Früher war es eine Seltenheit,<br />

dass Mitarbeitende weiter als 5 km mit dem<br />

Rad zur Arbeit kamen – heute werden auch<br />

die gut 15 km aus Göttingen teilweise geradelt,<br />

mit als auch ohne elektrische Unterstützung.<br />

Insgesamt werden bei LOTTA KAROTTA<br />

schon 25 Prozent der Arbeitswege mit dem<br />

Rad zurückgelegt.<br />

Die Vision: ein rundum nachhaltiges und<br />

soziales Unternehmen<br />

Dieses Mobilitätskonzept ist Teil einer größeren<br />

Vision: LOTTA KAROTTA versucht, so nachhaltig,<br />

energieeffizient und sozial wie möglich<br />

zu wirtschaften – auf allen Ebenen.<br />

Das Engagement fängt in der eigenen<br />

Bioland-Gärtnerei mit Bio-Saatgut sowie<br />

Natur- und Artenschutz an und geht über<br />

energie effiziente Betriebsabläufe bis hin zu<br />

einer wertschätzenden Zusammenarbeit mit<br />

Mitarbeitenden und Lieferant*innen. Unterstützt<br />

wird dieses Engagement schließlich<br />

von unseren Kund*innen. Im jüngst<br />

abgeschlossenen Gemeinwohlökonomie-Prozess<br />

wurden alle Berührungspunkte nach<br />

den Werten Menschen würde, Solidarität &<br />

Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit,<br />

Transparenz & Mitentscheidung genauestens<br />

beleuchtet – dabei wurde weiteres Verbesserungspotenzial<br />

ermittelt. Hier möchte sich<br />

LOTTA KAROTTA weiter verbessern und für<br />

zukunftsfähiges Wirtschaften in der Region<br />

Vorbild sein.<br />

KONTAKT<br />

Lotta Karotta Bio-Lieferservice OHG<br />

Gartestraße 50 a<br />

37130 Gleichen-Rittmarshausen<br />

Tel. 05508 979 419-0<br />

service@lotta-karotta.de<br />

www.lotta-karotta.de


Passender Schutz für Ihre Fahrzeugflotte<br />

KFZ-Flottenversicherung<br />

Mit dem aktuellen K-Gewerbe-Tarif steht Ihnen für Flotten von<br />

drei bis 25 Fahrzeugen eine für kleine und größere mittelständische<br />

Unternehmen aus den Bereichen Handel, Handwerk,<br />

Service und Dienstleistungen besonders interessante Lösung<br />

zur Verfügung. Für Flotten ab 25 Fahrzeugen bieten wir Ihnen<br />

individuelle Versicherungslösungen mit maßgeschneidertem<br />

Versicherungsschutz an.<br />

Individuelle Lösungen, nur KFZ-Haftpflicht ist Pflicht<br />

Transparente Tarifierungsmodelle<br />

Einheitlicher Beitragssatz ab 16 Fahrzeugen<br />

Gisbert Hann<br />

Leiter Gothaer<br />

Regionaldirektion Göttingen<br />

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Wir werden<br />

für unsere Kunden mobil<br />

bleiben.<br />

In der Gothaer Gemeinschaft sichern<br />

Sie Ihre Mobilität – mit Werkstattservice<br />

und vielen Zusatzleistungen.<br />

Gothaer<br />

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Regionaldirektion Göttingen<br />

Gothaer Platz 2-8 · 37083 Göttingen<br />

Telefon 0551 701-55805 · www.gothaer.de


PROFIL<br />

ANZEIGE<br />

Till Pauli, Sales Manager<br />

Das exklusive Lebensgefühl<br />

Die MOLL-Gruppe ist seit 1932 der erfahrene Experte für qualitätsbewussten Service rund um das Thema Automobile.<br />

In Ergänzung anderer Sportwagenmarken<br />

ist die MOLL-Gruppe seit Ende 2015 mit<br />

der MOLL Sportwagen Hannover GmbH<br />

nun auch mit der wohl exklusivsten Sportwagenmarke<br />

Ferrari für den Großraum Hannover<br />

und darüber hinaus kompetenter Ansprechpartner.<br />

Die Marke Ferrari bedeutet Exklusivität und<br />

Lebensgefühl, ob bei Ausfahrten mit ikonischen<br />

Klassikern oder Sportwagen der Superlative,<br />

Konfigurations- und Gestaltungsmöglichkeiten<br />

bis ins Unendliche, dem Besuch der<br />

einstigen Produktionsstätte des Cavallino<br />

Rampante in Maranello, dem Fahren von Formel-1-<br />

oder GT-Boliden oder dem Besuch eines<br />

Formel-1-Grand-Prix und vielem mehr. Die<br />

Marke Ferrari bietet seinen Kunden grenzenlose<br />

Möglichkeiten.<br />

ENTDECKEN SIE SELBST die Eleganz und<br />

Raffinesse der luxuriösen Fahrzeuge des Cavallino<br />

Rampante und erleben Sie in Hannover<br />

oder in der Außenstelle im Lenkwerk<br />

Bielefeld stets eine exklusive Auswahl an Preowned-<br />

und Neu-Fahrzeugen aus der gesamten<br />

Modellpalette, oder halten Sie sich über<br />

den News-Bereich stets über Neuerungen<br />

und Veranstaltungen informiert.<br />

NEBEN DEM 75-JÄHRIGEN JUBILÄUM der<br />

Marke Ferrari feiert auch die MOLL-Gruppe ihr<br />

90-jähri ges Bestehen und nahm im Juni <strong>2022</strong><br />

ihren ersten Gesellschafter, die Pon Holdings<br />

(Pon) aus den Niederlanden, auf. Pon mit Sitz<br />

in Amsterdam ist der Generalimporteur für<br />

alle Marken des Volkswagenkonzerns in den<br />

Nieder landen und – wie MOLL – ein Familienunternehmen.<br />

Pon hält hierbei eine Minderheitsbeteiligung<br />

an der MOLL-Gruppe.<br />

Das Markenportfolio von Pon ist nahezu<br />

identisch mit dem der MOLL-Gruppe: Volumenmarken,<br />

bekannte Premiummarken und<br />

hochwertige Sport- und Luxusfahrzeuge. Pon<br />

beschäftigt weltweit rund 16.500 Mitarbeiter<br />

und erzielt einen Jahresumsatz von mehr<br />

als 8,1 Milliarden Euro. Mit ihrer Mobilitätsgruppe<br />

ist Pon global führender Hersteller der<br />

Fahrradmarken Kalkhof, Focus, Gazelle und<br />

Cannondale. Das 90 Jahre alte Familienunternehmen<br />

MOLL ist mit einem Jahresumsatz<br />

von 706 Millionen Euro und einer Unternehmensgruppe<br />

mit rund 530 Mitarbeitern einer<br />

der größten Händler in Deutschland.<br />

„DER AUTOMOBILMARKT BEFINDET sich<br />

derzeit in einem tiefgreifenden, dynamischen<br />

Wandel, nicht nur durch den technologischen<br />

Wandel vom Verbrennungsmotor hin zur zukunftsweisenden<br />

E-Mobilität, sondern auch<br />

durch die Umstellung der Hersteller auf alternative,<br />

digital gesteuerte Vertriebssysteme. Als<br />

Familien unternehmen wollen wir jetzt aus einer<br />

Position der Stärke heraus die Weichen für<br />

die Zukunft stellen. Pon ist für uns der perfekte<br />

strategische Partner, sagt Geschäftsführer<br />

Timm Moll. „Die Hersteller verändern ihre Geschäftsmodelle<br />

und Vertriebsstrukturen – und<br />

wir verändern uns mit der Vision von neuer<br />

Mobilität und Zukunftsfähigkeit eines modern<br />

geführten Familienunternehmens.“<br />

Mit einem Partner wie Pon wird die MOLL-<br />

Gruppe ihr strategisches Wachstum noch besser<br />

fortsetzen können.<br />

KONTAKT<br />

OFFICIAL<br />

FERRARI DEALER<br />

MOLL SPORTWAGEN HANNOVER<br />

Moll Sportwagen Hannover GmbH –<br />

Official Ferrari Dealer<br />

Expo Park, Sydney Garden 1<br />

30539 Hannover<br />

Tel. 0511 821001<br />

info@ferrari-hannover.de


wissen<br />

ILLUSTRATION: STOCK.ADOBE.COM<br />

58 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

Mobil<br />

in kleinen<br />

Schritten<br />

In der Mobilität ist viel im Fluss: Technische Fortschritte<br />

machen immer autonomeren Verkehr möglich, und eine<br />

stärkere Vernetzung von Verkehrs trägern sowie andere<br />

Tarifstrukturen könnten die Mobilität verbessern.<br />

Die schöne neue Welt hat zwar noch viele offene<br />

Fragen, aber nur einen wirklich entscheidenden Haken:<br />

Sie hängt massiv an öffentlichen Investitionen.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD<br />

LESEZEIT: 7 MINUTEN<br />

Als Marty McFly im Film ,Zurück in die Zukunft<br />

II‘ in den Oktober 2015 reiste, wagten<br />

die Produzenten damit auch einen Ausblick<br />

auf ein mögliches Zukunftsszenario, das von<br />

ihnen noch 30 Jahre weit weg war. Wesentlicher Kernbestand:<br />

fliegende Skateboards und – natürlich – fliegende<br />

Autos. Am 15. Oktober 2015 wurde daher nicht nur<br />

der erste ,Back to the Future Day‘ gefeiert, sondern in<br />

vielen Medien auch Bilanz gezogen, was denn eigentlich<br />

von dieser Zukunftsversion eingetreten ist.<br />

Nun, Nike hatte bis dato noch keine ,Power Laschen‘<br />

herausgebracht, tat es aber zum Anlass des inoffiziellen<br />

Feiertages mit einer Schuh-Sonderedition. Auch im<br />

Heimbereich sind wir mit dem vernetzten Smart Home<br />

und Alexa-/Echo-Interface schon recht weit, wenngleich<br />

3 |<strong>2022</strong> 59


wissen<br />

der hydrierende Pizzaofen bislang fehlt. Fliegende Autos<br />

und damit eine Lösung des Verkehrsproblems sind allerdings<br />

immer noch Fehlanzeige.<br />

Gerade das fliegende Auto ist zu so etwas wie dem<br />

Sinnbild des utopischen, zukünftigen Verkehrs geworden,<br />

und nach über 100 Jahren Entwicklungsversuchen gibt es<br />

zwar einige Prototypen – aber eine flug- und fahrfähige<br />

Serienfertigung inklusive Landefahrstreifen im städtischen<br />

Ballungsraum ist noch nicht in Sicht. Auch der<br />

sehr reale Entwickler- und Verkehrsplanertraum vom<br />

autonomen Verkehr hat nicht mit der Geschwindigkeit<br />

Einzug gehalten, wie es anfangs prognostiziert wurde.<br />

DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT, sie kommt eher in<br />

kleinen Schritten und braucht einen langen Atem. In<br />

den Niederlanden haben beispielsweise mehrere Städte<br />

ihre Innenstädte autofrei umgestaltet – ein Prozess, der<br />

Jahrzehnte gedauert hat. Zudem gibt es große Herausforderungen<br />

auf ganz verschiedenen Ebenen. Die naheliegendsten<br />

sind technischer Natur: Wie ersetzt man<br />

erdölbasiertes Kerosin in Flugzeugen? Ein Antrieb mit<br />

großer Batterie, wie es in Elektroautos der heutige<br />

Standard geworden ist, ist nicht möglich. Auch ein<br />

Leichtbau mit Kohlenstoffverbundfasern wäre praktisch,<br />

erfordert aber eine komplett neue Aeroelastik, Aerodynamik<br />

und Produktionsweise.<br />

EBENSO AUF DER SCHIENE: Am Deutschen Zentrum<br />

für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) wurde 2007 das<br />

Projekt Next Generation Train ins Leben gerufen, es sollte<br />

der große Wurf werden: Wie würde der Zug der<br />

Zukunft aussehen, wenn die gesamte Technik und Aerodynamik<br />

aus einem Guss nach aktuellem Stand der Technik<br />

gemacht wären? 15 Jahre sind seitdem vergangen,<br />

aber von einem Praxiseinsatz und einer Produktion im<br />

industriellen Maßstab sind die Konzepte des 440 km/h<br />

schnellen, per Induktion elektrisch angetriebenen, doppelstöckigen<br />

Hochgeschwindigkeitszugs noch immer weit<br />

entfernt.<br />

Es geht eben nicht nur um das technisch Mögliche, es<br />

geht auch um Investitionen, Zulieferer, um Produktionsketten,<br />

Datenbereitstellung und deren Verarbeitung, um<br />

Organisationsfragen, da alte und neue Technik zunächst<br />

koexistieren müssen. Es geht um die Frage, ob die Kunden<br />

neue Technik überhaupt annehmen: Ist die Mutter<br />

etwa bereit, ihre Kinder dem autonomen Shuttle anzuvertrauen,<br />

das sie in die Schule bringen soll? Es geht um<br />

eine rechtliche Dimension: Was, wenn ein autonom fahrendes<br />

Fahrzeug einen Unfall baut, wer trägt dann die<br />

Kosten und die Schuld – der Softwarehersteller, der<br />

Fahrzeugbauer, der ,Fahrer‘, der eventuell gerade gelesen<br />

hat? Für Verkehrsplaner macht es zudem einen riesigen<br />

Unterschied, ob Konzepte in der ländlichen Fläche oder<br />

im großstädtischen Ballungsraum umgesetzt werden soll.<br />

»Wir haben einen gigantischen Transport-<br />

bedarf, aber ich bin erschrocken, wie gering<br />

der Anteil des nicht individuellen Verkehrs<br />

am Personen- und Güterverkehr ist. «<br />

THOMAS VIETOR, Professor für Konstruktionstechnik<br />

IN NIEDERSACHSEN und auch deutschlandweit ist das<br />

Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik<br />

(NFF) ,die‘ Adresse, wenn es um solche Mobilitäts fragen,<br />

vor allem auf der Straße, aber auch auf der Schiene geht.<br />

Das NFF ist eine Einrichtung der TU Braunschweig, an<br />

dem auch die Universitäten in Bremen, Hannover und<br />

Clausthal Mitglied sind und das mit vielen internationalen<br />

Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft<br />

kooperiert, so etwa aus China, Japan und den USA. Am<br />

NFF wird an der Technik geforscht sowie den davon berührten<br />

Bereichen, wie etwa an rechtlichen Rahmenbedingungen,<br />

soziologischen Fragestellungen oder der betriebswirtschaftlichen<br />

Tragfähigkeit. Wenn man sehen<br />

will, was in Sachen Mobilität geht oder eben (noch)<br />

nicht, dann wird man beim NFF fündig.<br />

DAS GROSSE PROBLEM DER MOBILITÄT werde in den<br />

Zahlen sichtbar, so Thomas Vietor, Professor für Konstruktionstechnik<br />

und Vorstandssprecher des NFF. 2019 wurden<br />

in Deutschland 1,2 Billionen Personenkilometer zurückgelegt,<br />

der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hatte<br />

daran nur einen Anteil von 6,3 Prozent, die Schiene von<br />

acht Prozent – der Rest entfällt auf den indi vi duellen motorisierten<br />

Verkehr. Bei den für den Transport von Waren<br />

relevanten 700 Milliarden Tonnen- Kilometer sieht es wenig<br />

anders aus: 18 Prozent entfallen auf die Eisenbahn, 71<br />

Prozent auf die Straße. „Wir haben einen gigantischen<br />

Transportbedarf, aber ich bin erschrocken, wie gering der<br />

Anteil des nicht individuellen Verkehrs am Personen- und<br />

Güterverkehr ist“, erklärt Vietor. Das 9-Euro-Ticket habe<br />

interessante Beobachtungen erlaubt, wie sich einerseits<br />

mehr Menschen in den ÖPNV und die Bahn bringen<br />

ließen. „Gleichzeitig wurde damit die Kapazitätsgrenze<br />

überschritten. Der Personennahverkehr kann in der gegenwärtigen<br />

Form nicht viel mehr leisten.“<br />

60 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

Unsere Städte seinen um das Auto herum gebaut, betont<br />

Thomas Vietor, das beschränke das Wachstum der<br />

öffentlichen Verkehrsträger, mache aber bei zunehmendem<br />

Individualverkehr die Situation nicht besser: Absurdes<br />

Sinnbild dieser Situation sind die Autos, die sich kaum<br />

vom Fleck bewegen, weil der Besitzer sonst befürchtet,<br />

keinen neuen Parkplatz zu finden. Also: Wie bekommt<br />

man die Autos weg, ohne an Mobilität einzubüßen?<br />

Eine Lösung bietet theoretisch das autonome Fahren.<br />

Was, wenn ich in der autofreien Innenstadt einkaufen<br />

gehe und mich anschließend mein Wagen, der derweil<br />

autonom in einem automatisierten Parkhaus etwas weiter<br />

weg eingeparkt hat, wieder abholt? Am NFF läuft<br />

derzeit ein solches Versuchsprojekt. Im dortigen Forschungsparkhaus<br />

werden die Testfahrzeuge automatisiert<br />

ein- und aus geparkt. Für den Nutzer bedeutet das<br />

weniger Stress und Suchen, für das Parkhaus heißt das,<br />

es wird weniger Platz pro Auto benötigt, weil niemand<br />

ein- und aussteigt.<br />

Auch ein automatisierter Shuttle-Verkehr, in ferner<br />

Zukunft als Ersatz, zu Beginn zunächst als Ergänzung<br />

des ÖPNV, könnte helfen, Angebote zu verbessern, denn<br />

das ,Problem‘ im ÖPNV sind die Personalkosten. Sie<br />

sind der größte Kosten<strong>faktor</strong> für den Betrieb, zudem<br />

gibt es einen akuten Mangel an Busfahrern. Auch dazu<br />

wird am NFF bald ein eigenes Praxisprojekt starten:<br />

Auf etwa einem Kilometer wird eine Fahrspur der Hermann-Blenk-Straße<br />

auf dem Nordcampus der TU Braunschweig<br />

zur Teststrecke, wo ein autonomer Shuttle quer<br />

über das Gelände Personen transportieren soll. „Das Ziel<br />

ist, dass die Betreiber des ÖPNV dieses Prinzip schrittweise<br />

umsetzen und kommerzialisieren können“, sagt<br />

Vietor. „Unsere Vision ist, dass wir mittelfristig so auch<br />

eine Verbindung von Nordcampus und Hauptcampus<br />

sowie nach Wolfsburg realisieren.“ Doch bis es so weit<br />

ist, müssen noch einige technische Hürden genommen<br />

werden.<br />

Bald am Start Die Vorbereitungen für den ersten Testbetrieb eines vollautonomen<br />

Shuttles, der künftig auf den Straßen Richtung Braunschweiger Flughafen<br />

pendeln soll, laufen bereits auf Hochtouren.<br />

©NFF/FORMHERR<br />

©NFF/KEPPEL<br />

NICHT ZULETZT LANDET MAN immer wieder beim<br />

Geld. Denn einerseits gibt es die politischen Ansprüche<br />

und den bürgerlichen Wunsch für ein besseres öffentliches<br />

Mobilitätsangebot, andererseits kostet es Geld. Autonomes<br />

Fahren etwa verlangt nach technischer und<br />

infrastruktureller Auf- und Umrüstung der Städte. Auf<br />

dem Land hingegen müssen noch größere Herausforderungen<br />

überbrückt werden als in der Stadt. Denn hier<br />

braucht es überhaupt erstmal eine verlässliche Alternative<br />

zum Auto, die möglichst breit verfügbar ist und<br />

gleichzeitig auch bezahlbar bleiben muss.<br />

„Das ist das große Spannungsfeld des ÖPNV“, sagt<br />

Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbands<br />

Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN). Der Verband<br />

ist mittlerweile eine wichtige Anlaufstelle für die<br />

Weiterentwicklung der Mobilität in Südniedersachsen.<br />

3 |<strong>2022</strong> 61


wissen<br />

Gescheitert<br />

Das EcoBus-System sollte ein<br />

flexibles Rufbussystem mit<br />

modernsten Algorithmen kombinieren<br />

und so den öffentlichen Personennahverkehr<br />

in der ländlichen Fläche<br />

verbessern. Nach dem Testlauf 2018<br />

in Südniedersachsen ging es jedoch<br />

nicht mehr weiter – die Idee war<br />

gut, aber zu teuer.<br />

Er hat eine Tarifreform in der Region durchgeführt,<br />

für eine lange Phase der Preisstabilität gesorgt, sich an<br />

innovativen Forschungsprojekten beteiligt und das<br />

Angebot im ÖPNV ausgebaut, weil die öffentliche Hand<br />

bereit war, wieder stärker zu finanzieren – gegen den<br />

Trend der vorherigen Jahrzehnte. „Der nächste Schritt<br />

muss sein, wie wir das Angebot des ÖPNV deutlich<br />

besser mit anderen Verkehrsmitteln – Auto, Rad, Ondemand-Verkehren<br />

– verzahnen können und bei den<br />

Bürgern eine Verhaltensänderung bewirken können.“<br />

IDEEN GIBT ES EINIGE. Kurgäste im Harz beispielsweise<br />

können mit der Kurabgabe auch den ÖPNV kostenlos<br />

nutzen – ein erfolgreicher Ansatz, wie die Auslastung<br />

zeigt. Das EcoBus-Projekt, das in Südniedersachsen<br />

2019 einen Testlauf absolvierte, war ein moderner algorithmusgesteuerter<br />

On-demand-Transport mit kleinen<br />

Shuttles, der den Service eines Taxis in Gestalt eines<br />

ÖPNV bieten sollte. Doch es zeigten sich zwei Probleme:<br />

Der Betrieb war im Vergleich zum bisherigen ÖPNV viel<br />

zu teuer und die Laufzeit zu kurz, um nachhaltig ein verändertes<br />

Nutzerverhalten zu erreichen.<br />

Doch abseits aller Ideen, Konzepte und technischen<br />

Möglichkeiten steht der ÖPNV in Südniedersachsen<br />

derzeit vor einer existenziellen Krise, die innerhalb kürzester<br />

Zeit dem bisherigen Angebot teilweise den Garaus<br />

machen kann – nach zwei Jahren Pandemie, die dem<br />

ÖPNV „schon fast das Genick gebrochen haben“, sagt<br />

Frömming. „Für uns im ZVSN fahren 16 Busunternehmen.<br />

Dieses Jahr haben sie Mehrkosten für Kraftstoffe<br />

von vier Millionen Euro.“ Das Geld hätten weder die<br />

Unternehmen noch die Landkreise. „Mit jedem Tag<br />

kommen wir dichter an die Situation heran, wo der Betrieb<br />

nicht mehr wirtschaftlich ist und im schlimmsten<br />

Fall die Insolvenz eines Busunternehmens steht.“ Einen<br />

Ersatzverkehr unter Marktbedingungen zu organisieren,<br />

würde das Problem für die kommunalen Haushalte nur<br />

verschärfen.<br />

Erste Streichungen im Fahrplanangebot gab es schon.<br />

„Das ist aber erst der Anfang. Ab Dezember wird es zu<br />

deutlich größeren Streichungen im Fahrplan kommen,<br />

wenn es nicht schnellstens, das heißt bis Ende September,<br />

eine deutliche Unterstützung durch das Land oder den<br />

Bund gibt“, sagt Frömming warnend. Die ÖPNV-Unternehmen<br />

warnen bereits seit Längerem vor dieser Situation.<br />

Doch auf entsprechende politische Signale wartet<br />

man bisher vergebens.<br />

WIE WIRD SIE ALSO AUSSEHEN, DIE ZUKUNFT der<br />

Mobilität in 30 Jahren? Schaut man sich rein die Technik<br />

an, so wird der autonome Verkehr breiten Einzug<br />

halten und zu veränderten Nutzungsformen führen, die<br />

das innerstädtische Fahren verändern: Fahrzeuge parken<br />

weiter weg und kommen auf Zuruf zum Besitzer,<br />

vollautomatisierte Shuttles verkehren auf wichtigen, dafür<br />

speziell eingerichteten Fahrbahnen und übernehmen<br />

so Teile des ÖPNV – alle Verkehrsträger sind eng vernetzt.<br />

Modular gebaute Fahrzeuge könnten tagsüber<br />

Personen transportieren und nachts Pakete, vollautomatisch.<br />

Vielleicht wäre sogar eine verkehrsverbundübergreifende<br />

einfache Tarifstruktur für den ÖPNV machbar.<br />

Das 9-Euro-Ticket zeigt, dass eine Verkehrswende über<br />

solche günstigen bis fast kostenlosen Verkehrsflatrates<br />

möglich ist, das Angebot vorausgesetzt.<br />

„ALLERDINGS, WENN ICH MIR die Erneuerungslücke<br />

unserer Städte anschaue, dann fürchte ich, dass wir in<br />

20 Jahren nicht viel weiter sind als heute“, sagt Thomas<br />

Vietor. Der Weg in die Mobilitätszukunft zeichnet sich<br />

ab, er nimmt technisch mehr und mehr Gestalt an, wird<br />

(er-)fahrbar. Doch der Weg ist von vielen Schildern gesäumt,<br />

auf denen große Fragezeichen stehen. Die aktuellen<br />

politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen,<br />

wie schnell aus dem visionären Weg ein Irrweg werden<br />

kann, wenn der Wille zwar da ist, aber die Umsetzung an<br />

den Investitionen scheitert. ƒ<br />

62 3 | <strong>2022</strong>


Der perfekte Augenblick.<br />

Audi Gebrauchtwagen<br />

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Bis zum 31.10.<strong>2022</strong> attraktive Leasingkonditionen für die Modelle Audi A4 und Audi A6.<br />

Ein attraktives Leasingangebot:<br />

z. B. Audi A4 Avant 35 TFSI, 6-Gang<br />

EZ 01/21, 21.654 km, 110 kW (150 PS)<br />

Mythosschwarz, Business Paket, Navigation, Klimaautomatik,<br />

Sitzheizung vorn,<br />

Anhängevorrichtung, Einparkhilfe vorn und hinten u.v.m.<br />

Leasing-Sonderzahlung: € 6.250,–<br />

Laufzeit:<br />

36 Monate<br />

Jährliche Fahrleistung:<br />

15.000 km<br />

36 monatliche Leasingraten à<br />

€ 299,–<br />

Etwaige Rabatte bzw. Prämien sind im Angebot<br />

bereits berücksichtigt.<br />

Ein attraktives Leasingangebot:<br />

z. B. Audi A6 Avant 40 TDI, S tronic<br />

EZ 06/21, 15.949 km, 150 kW (204 PS)<br />

Mythosschwarz, Head-up-Display, Panoramadach, Business<br />

Paket, Anhängevorrichtung,<br />

Navigation, Virtual Cockpit u.v.m.<br />

Leasing-Sonderzahlung: € 1.725,–<br />

Laufzeit:<br />

36 Monate<br />

Jährliche Fahrleistung:<br />

15.000 km<br />

36 monatliche Leasingraten à<br />

€ 369,–<br />

Etwaige Rabatte bzw. Prämien sind im Angebot<br />

bereits berücksichtigt.<br />

Nur gültig für Audi A4 und Audi A6 (Mietfahrzeuge und Werksdienstwagen) jeweils frühestens 2 Monate und spätestens 24 Monate nach<br />

Erstzulassung. Max. Gesamtfahrleistung bei Vertragsbeginn: 30.000 km. Ausgenommen sind S- und RS-Modelle sowie TFSI e Modelle. Für<br />

das Fahrzeugalter gilt als Stichtag das Datum der Gebrauchtwagenleasingbestellung. Gültig vom 16.09. – 31.10.<strong>2022</strong> (Gebrauchtwagenleasingbestellung),<br />

späteste Ummeldung 31.12.<strong>2022</strong>. Ein Angebot der Audi Leasing, Zweigniederlassung der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner<br />

Straße 57, 38112 Braunschweig. Inkl. Überführungskosten. Bonität vorausgesetzt. Für private und gewerbliche Einzelabnehmer_innen.<br />

Beispielhafte Fahrzeugabbildung kann Sonderausstattungen zeigen. Alle Angaben basieren auf den Merkmalen des deutschen Marktes.<br />

Kombinierbarkeit mit anderen Angeboten auf Anfrage.<br />

Audi Zentrum Göttingen, Audi Zentrum Göttingen GmbH, Kasseler Landstr. 71+73, 37081 Göttingen, Tel.: 05 51 / 9 03-3 00,<br />

info@audi-zentrum-goettingen.de, www.audi-zentrum-goettingen.audi


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Göttingens erste Adresse<br />

der Gothaer<br />

40 Jahre Bezirksdirektion Waterkamp am Theaterplatz<br />

Horst Waterkamp, Bezirksdirektor i.R.:<br />

„Kompetenz, von der Sie profitieren“<br />

Am 01. Oktober 1982 wurde dem Versicherungsfachwirt<br />

Horst Waterkamp die<br />

Leitung der traditionsreichen Bezirks ­<br />

direktion der Gothaer Lebensversicherungen am<br />

Theaterplatz übertragen. Nachdem er bereits<br />

20 Jahre erfolgreich in der Branche tätig gewesen<br />

war und verschiedene Führungs positio nen<br />

bekleidet hatte, sollte die Selbstständigkeit<br />

die Basis für weitere unternehmerische Erfolge<br />

werden. Versicherungstechnisch breit<br />

aufgestellt und in der Göttinger Wirtschaft<br />

bestens vernetzt, expandierte die Bezirksdirektion<br />

in den folgenden Jahren zu einer<br />

der größten und erfolgreichsten der Gothaer<br />

Versicherungsgruppe. Bereits 1990 nach der<br />

Wiedervereinigung wurde eine Niederlassung<br />

in Heiligenstadt eröffnet, um die seriöse und<br />

fachlich fundierte Beratung auch in den neuen<br />

Bundesländern zu pflegen. Fachlichkeit, Zuverlässigkeit,<br />

Innovation und Nachhaltigkeit<br />

waren und sind dabei immer Grundpfeiler der<br />

weiteren Entwicklungen gewesen.<br />

ABER SCHON SEIT DEN 1930ER-JAHREN<br />

repräsentierte mit Kurt Graf zu Rantzau die<br />

Bezirksdirektion am Theaterplatz die Gothaer<br />

Versicherungen in Göttingen. Lange, bevor die<br />

Hauptverwaltung der Gothaer Lebensversicherungen<br />

ihren neuen Hauptsitz von Gotha nach<br />

Göttingen verlegte, war die älteste Vertriebsdependance<br />

bereits hier in der Region ansässig.<br />

Eine Adresse mit unternehmenshistorischer<br />

Relevanz. Bei der Umsiedlung der Hauptverwaltung<br />

nach dem Krieg war hier die erste<br />

Anlaufstelle und im Oktober 1945 erfolgte die<br />

erste handelsregisterliche Eintragung der Versicherungsgesellschaft<br />

in der Stadt. Man kann<br />

also zu Recht die Repräsentanz als Keim zelle<br />

der Gothaer Versicherungen in Göttingen bezeichnen.<br />

Die Bezirksdirektion wird als selbstständige<br />

inhabergeführte Exklusivvertretung<br />

der Gesellschaft geführt. So ist es in der<br />

Branche eine Besonderheit, die zugleich die<br />

Kontinuität unterstreicht, dass in dieser Zeit<br />

lediglich drei Familien die Geschicke und die<br />

erfolgreiche Arbeit der Repräsentanz prägten.<br />

Nach Graf zu Rantzau expandierte die<br />

Bezirksdirektion unter der Leitung von Arthur<br />

Fandrey in der Zeit des Wirtschaftswunders<br />

bis in die beginnenden 1980er-Jahre.<br />

SEIT 1982 UND DAMIT SEIT nunmehr<br />

40 Jahren liegt die Verantwortung bei der Familie<br />

Waterkamp. In zweiter Generation führt<br />

heute der Diplom-Betriebswirt (FH) im Versicherungswesen<br />

und Versicherungskaufmann<br />

(IHK) Hanjo M. Waterkamp die Bezirksdirektion.<br />

Durch Fokussierung und Innovation war<br />

das Unternehmen auch schon in der Vergangenheit<br />

über die Grenzen der Region hinaus<br />

erfolgreich tätig. Im Bereich der erneuerbaren<br />

Energien ist es heute mit drei Kooperationsrepräsentanzen<br />

in Bozen und Meran im italienischen<br />

Markt vertreten. Dieses Feld entwickelte<br />

bereits die nächste Generation unter Hanjo<br />

Waterkamp.<br />

Aber das ist nur ein spezieller Nebenbereich<br />

der erfolgreichen Arbeit. „Unser Schwerpunkt<br />

liegt klar hier in der Region“, erläutert Hanjo M.<br />

Waterkamp. Der Slogan „Aus der Region für die


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FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

PROFIL<br />

„Team Theaterplatz. Der Zukunft entgegen“<br />

Hanjo M. Waterkamp: „Aus der Region für die Region.“<br />

Region“ ist gelebte Praxis. Die Stärke ist klar<br />

die hohe Fachkompetenz, die Servicebereitschaft<br />

und Nähe zum Kunden und insbesondere<br />

die Zuverlässigkeit aller Mitarbeiter. Hanjo<br />

M. Waterkamp legt daher besonderen Wert<br />

auf top ausgebildete Mit arbeiter. „Es geht heute<br />

nicht mehr um schiere Größe einer Agentur,<br />

sondern um qualitative Kompetenz und den<br />

Willen, für den Kunden da zu sein.“ Die heutigen<br />

fachlichen und juristischen Ansprüche<br />

erfordern ein hohes Maß an Know-how. Alle<br />

Mitarbeiter sind mindestens ausgebildete Versicherungskaufleute<br />

und überwiegend als Versicherungsfachwirte<br />

Meister ihres Faches. Mit<br />

diesem Know-how beraten sie gewerbliche<br />

Kunden in Handel, Handwerk und den KMU.<br />

Durch die Haftungserklärung der Gothaer Versicherungen<br />

ist die Bezirksdirektion ein adäquater<br />

und sicherer Ansprechpartner auch<br />

für das produzierende Gewerbe und die mittelständische<br />

Industrie, die auf umfassende persönliche<br />

Betreuung Wert legen.<br />

„BEI DER BERATUNG UND BETREUUNG<br />

stehen wir aktuell mit sieben Personen persönlich<br />

im Frontoffice dem Kunden zur Seite.<br />

Darüber hinaus können wir bei besonderen<br />

Themen auf einen Spezialistenpool von zehn<br />

Personen im Backoffice zurückgreifen“, erläutert<br />

Waterkamp. Wie schon beschrieben, ist<br />

die Zielgruppe vornehmlich im KMU-Segment<br />

zu sehen. Für das Handwerk unterhält die<br />

Bezirksdirektion eine jahrzehntelange, vertrauensvolle<br />

Kooperation zur Kreishandwerkerschaft<br />

Südniedersachsen, aus der diverse<br />

Rahmenverträge und Sonderkonditionen abzuleiten<br />

sind.<br />

Unter anderem resultiert hieraus das von<br />

Waterkamp senior initiierte Versorgungswerk<br />

der regionalen Kreishandwerkerschaft. Hier<br />

kann Waterkamp die gesamte Bandbreite<br />

der Versiche rungs gebiete darstellen. Seine<br />

Schadenregu lierungs vollmacht ermöglicht<br />

dem Kunden kurze Wege und eine kurzfristige<br />

Regulierung des Schadens. Schwerpunkte<br />

bilden die betriebliche Risikoanalyse und Absicherung<br />

der Sach- und Vermögenswerte wie<br />

auch die private und insbesondere betriebliche<br />

Altersversorgung, welche in der aktuellen Zinslandschaft<br />

eine besondere Rolle zuteil wird.<br />

Kfz-Versicherungen und Flottenlösungen sind<br />

gelebter Standard.<br />

Aktuell und gerade in Bezug auf den Fachkräftemangel<br />

und die Mitarbeiterbindung ist<br />

die betriebliche Krankenversicherung als zusätzlicher<br />

betrieblicher Benefit ein steuerlich<br />

interessantes Instrument, um das wichtige<br />

Thema der Mitarbeitergesundheit zu fördern.<br />

„Wir machen eine Rundum-Anamnese, damit<br />

der Kunde weiß, welche existenziellen Risiken<br />

er abgesichert hat oder noch gar nicht<br />

kannte. Gerade Themen wie die haftungstechnische<br />

Absicherung des Privatvermögens von<br />

Geschäftsführern sowie die Versicherung von<br />

sogenannten Cyberschäden sind hochaktuelle<br />

Risiken, die nicht außer Acht gelassen werden<br />

dürfen“, sagt Waterkamp.<br />

SEIT FAST 20 JAHREN bildet die Expertise von<br />

Hanjo M. Waterkamp einen weiteren Schwer­<br />

punkt. In Zusammenarbeit mit der Gothaer<br />

Asset Management, also der Kapitalanlage<br />

im Konzern, bietet er seinen Kunden eine<br />

konservative Lösung für die private, aber auch<br />

für die betriebliche Geldanlage an. Hier öffnet<br />

er dem Kunden das Vermögensmanagement<br />

eines institutionellen Partners und den unabhängigen<br />

Zugang zu über 90 % des Fondsmarktes<br />

mit einer individuellen persönlichen<br />

Beratung.<br />

All diese Aspekte bilden die Grundlage für<br />

eine weiterhin seriöse, professionelle und persönliche<br />

Beratung und Betreuung vor Ort, um<br />

auch im nächsten Jahrzehnt eine erste Adresse<br />

für die Kunden zu sein.<br />

KONTAKT<br />

Gothaer Bezirksdirektion<br />

Dipl. Betriebswirt (FH)<br />

Hanjo M. Waterkamp<br />

Theaterplatz 6<br />

37073 Göttingen<br />

Tel. 0551 58360<br />

www.waterkamp.gothaer.de


wissen<br />

» Die Welt ist nicht<br />

kompliziert, sie ist codiert. «<br />

66 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

Wie überleben<br />

Unternehmen<br />

in der<br />

Zukunft ?<br />

Gerdum Enders ist vieles: Zeichenforscher,<br />

Erfinder, Professor, Unternehmer, Sparringspartner<br />

und vor allem eines – ein unkonventioneller<br />

Mensch. Seine Denkansätze bringen<br />

andere Unternehmer dazu, umzudenken und<br />

klare Zukunftsstrategien zu entwickeln und<br />

umzusetzen. Der Mittelständler bueroboss.de/<br />

kassebeer aus Northeim arbeitet seit einem<br />

Jahr intensiv mit Gerdum Enders zusammen<br />

– mit dem Ergebnis: alles einfach machen.<br />

TEXT ANJA DANISEWITSCH<br />

FOTOGRAFIE MARCO BÜHL<br />

3 |<strong>2022</strong> 67


wissen<br />

Mit Strategie zur neuen Marke<br />

Mit seiner Code-Methode hat<br />

Zeichen forscher Gerdum Enders (M.)<br />

gemeinsam mit dem Kassebeer-Team<br />

rund um die Geschäftsführung,<br />

Mark Berke (l.) und Ehefrau Ines (r.),<br />

Unternehmenswurzeln freigelegt.<br />

Nun geht es an die Verwirklichung der<br />

Vision: neues Arbeiten, neuer Spirit,<br />

neue Räume – wie hier das<br />

umgestaltete Büro.<br />

LESEZEIT: 7 MINUTEN<br />

Ein Tag im Sommer 2021. Bei bueroboss.de/<br />

kassebeer in Northeim wird an diesem<br />

Freitag nicht gearbeitet. Die gesamte<br />

‚Mannschaft‘ hat sich versammelt, um zum<br />

einen Gerdum Enders und sein Team kennenzulernen<br />

und zum anderen endlich zu<br />

erfahren, was es mit diesem Termin auf sich hat, der seit<br />

Wochen im Outlook-Kalender geblockt ist. Workshops<br />

und Veränderungsprozesse haben die langjährigen Mitarbeiter<br />

schon einige mitgemacht. Die meisten Ideen daraus<br />

verliefen allerdings irgendwann im Sand: Zu viele<br />

andere Prioritäten – zu viel Tagesgeschäft. Wennʼs läuft,<br />

warum etwas ändern?<br />

„DIE MENSCHEN DENKEN viel zu kompliziert, und Unternehmen<br />

verschwenden Zeit durch überlebte Abläufe.<br />

80 Prozent der Erneuerungsprozesse scheitern“, sagt<br />

Gerdum Enders, Gründer von Code Lab in Kassel und<br />

seit über 30 Jahren Unternehmer. Seinen ersten großen<br />

Erfolg feierte er in den 1980er-Jahren, als er der ,Swatch‘<br />

zum Kultstatus verhalf, indem er die Schweizer Uhr zum<br />

begehrten Sammelobjekt machte. Vom einfachen Zeitmesser<br />

zu einem Zeitgeistmesser. Heute sieht er sich<br />

selbst als Sparringspartner, um Unternehmer aus ihrem<br />

alltäglichen ‚Gedankengefängnis‘ zu befreien und wirklich<br />

Neues zu denken. Denn Innovationen und Zukunftsideen<br />

entstehen nicht im Status Quo. „Die Welt ist<br />

nicht kompliziert, sie ist codiert“, sagt Enders immer<br />

wieder. Denn dieser Satz ist Schlüssel zu seiner Methode.<br />

Wir alle entschlüsseln tagtäglich Tausende von ,Codes‘,<br />

um uns in der Welt zu orientieren. Welches Bier ist von<br />

seiner Natürlichkeit und Reinheit so klar wie ein<br />

Bergsee? Die meisten haben jetzt ein Bild vor Augen und<br />

den Code entschlüsselt. Allerdings können wir solche<br />

Zeichen nur knacken, wenn sie eindeutig kommuniziert<br />

werden. Mit seiner ‚Code-Methode‘ hat der Kassler Zeichenforscher<br />

ein eigenes Framework (System) entwickelt.<br />

Dafür braucht es auf den ersten Blick nicht viel: Unternehmenswurzel<br />

freilegen, Vision erspüren und entlang<br />

der Unternehmens-DNA eine Strategie aufbauen. Ganz<br />

so einfach ist es in der Realität allerdings nicht. Worum<br />

es letztlich jedoch immer geht, sind Einfachheit und<br />

Klarheit.<br />

DIESE ERFAHRUNG HABEN auch Ines und Mark Berke<br />

von bueroboss.de/kassebeer, einem Systemhaus für Büround<br />

Informationsmanagement, gemacht. Das Geschäftsführerehepaar<br />

leitet seit drei Jahren das Northeimer Familienunternehmen<br />

in fünfter Generation. „Wir haben<br />

ein Erbe angetreten, das wir nicht nur pflegen, sondern<br />

vor allem gestalten wollen“, erzählt Ines Berke. Und ihr<br />

Mann ergänzt: „Ein Erneuerungsprozess, den wir mit<br />

leichtem Gepäck gehen wollen.“ Mit Gerdum Enders<br />

haben sie ihre Unternehmenswurzel freigelegt und ihren<br />

persönlichen Code definiert: menschlich, mutig, markant.<br />

Das sind Werte, auf denen von der Gründung bis<br />

heute der Erfolg des Unternehmens basiert. An ihnen<br />

werden nun alle neuen Maßnahmen von der Kommu-<br />

68 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

nikation bis zu den Dienstleistungen ausgerichtet. „Das<br />

ist unser Prüf-Code und Leitstern“, sagt Mark Berke mit<br />

selbstbewusstem Stolz in der Stimme.<br />

LEICHTES GEPÄCK – das bedeutet: Ballast abwerfen.<br />

Und genau das tat das Unternehmen Ende 2021 nicht<br />

nur metaphorisch. Das gesamte Kassebeer-Team vom<br />

Techniker bis zur Buchhaltung schuftete einen ganzen<br />

Tag, um selbst aus den hintersten Ecken gnadenlos alles<br />

zu entsorgen, was sie auf der Reise zu ihrer Zukunftspositionierung<br />

nicht mehr benötigten, ob alte Kugelschreiber<br />

oder komplette Regalwände. Es war eine Aktion,<br />

die sofort für alle sichtbar machte – hier passiert<br />

etwas. „Transformationen werden dadurch angestoßen,<br />

dass wir uns nicht mit langen PowerPoint-Präsentationen<br />

aufhalten, sondern schnell ins Tun kommen“, erklärt<br />

Gerdum Enders.<br />

Er arbeitet immer zuerst an der Veränderung der<br />

Kommunikation. „Das geht am schnellsten und bringt<br />

sofort sichtbare Erfolge. Neue Räume, neue Klamotte,<br />

neuer Markenauftritt“, sagt der Zeichenforscher in lässigem<br />

Ton. Dann werden die Dienstleistungen oder Produkte<br />

neu designt – und all das transformiert die Unternehmenskultur.<br />

Letzteres dauert am längsten, da sich<br />

Menschen mit ihren Gewohnheiten nicht von heute auf<br />

morgen ändern.<br />

Enders lebt vor, was die neue Arbeitswelt ausmacht:<br />

Leichtigkeit und Spaß kombiniert mit Konsequenz und<br />

Disziplin. Gewohnte Strukturen und Verhaltensmuster<br />

zu verlassen, das bedeutet für das Gehirn, aus einem bequemen<br />

Energiesparmodus zu treten und aktiv zu werden.<br />

Den Anstoß wiederum, um schnell in neues Denken<br />

zu kommen, gibt Enders gern durch gezielte Provokation.<br />

Er spricht an, worüber seine Kunden im eigenen Unternehmen<br />

gern großzügig hinwegsehen. Dinge, die schon<br />

immer so gemacht wurden. Räume, die schon immer so<br />

aussahen. Geht doch noch. „Erneuerung ist ein Trainingsprozess,<br />

bei dem Bewährtes und Bekanntes hinterfragt<br />

wird, damit anderes Denken und Handeln erlernt<br />

wird“, so der Sparringspartner, der viele große Namen zu<br />

seinen Kunden zählt. Bosch. Daimler. Sartorius.<br />

UND WAS IST NACH EINEM JAHR bei den Northeimern<br />

nun anders? „Wenn man an unserem Firmengebäude<br />

vorbeifährt, noch gar nichts“, sagt Mark Berke und<br />

lacht. Umso überraschender, wenn man hinter die Kulissen<br />

blickt: Hier wird inzwischen ein neues Markenbewusstsein<br />

gelebt. Die Räume sind in knalligem Orange,<br />

Lila und Gelb gebrandet. Slogans wie ‚Digital – wir<br />

machen es einfach.‘ oder ‚einfach. sympathisch. digital.‘<br />

prangen selbstbewusst an den Wänden. Stand bisher die<br />

Marke ‚bueroboss.de/kassebeer‘ für alles, wird es nun<br />

zwei eigenständige Marken geben. bueroboss.de/kassebeer<br />

bleibt weiterhin Partner seiner B2B-Kunden für<br />

Büro artikel und Verbrauchsmaterialen im Onlineshop.<br />

Die neue Marke ‚kassebeer digital‘ ist Partner für die<br />

Digitalisierung der mittelständischen Wirtschaft in der<br />

Region. „Viele Unternehmen schrecken vor der Digitalisierung<br />

zurück, weil es viel zu kompliziert erscheint“,<br />

sagt Mark Berke. „Ganz im Sinne der Code-Methode<br />

vereinfachen wir Prozesse und beraten unsere Kunden<br />

nicht im IT-Slang, sondern einfach und verständlich.“<br />

Bis die neue Marke komplett aufgestellt ist, wird es<br />

noch einige Zeit dauern. Es ist kein Spaziergang, sondern<br />

eine Gipfelbesteigung. „Dafür muss man trainieren, aber<br />

nicht gleich an der Eiger-Nordwand“, sagt Enders. Die<br />

ersten Höhenmeter hat das kassebeer-digital-Team schon<br />

zurückgelegt und ist mächtig stolz darauf. Wie andere<br />

auch stand dieser mittelständische Betrieb vor gut einem<br />

Jahr vor der Frage: Wie überleben Unternehmen in der<br />

Zukunft? Die Antwort, wie sie sich morgen vom Wettbewerb<br />

unterscheiden, haben sie dank Gerdum Enders<br />

gefunden – ihre Strategie ist integriert und auf den Punkt<br />

gebracht. Komplexes kompliziert machen? Die Zeiten<br />

sind vorbei. ƒ<br />

Die Code-Methode: Strategie. Integriert. Einfach.<br />

‚,Wie sicher ist Ihre Zukunft?"<br />

Wenn Märkte immer dynamischer werden, brauchen<br />

Unternehmen ihren klaren Nordstern für die Zukunft.<br />

Durch das Code-Denksystem extrahiert Dr. Gerdum Enders<br />

die drei differenzierenden Werte, die ein Unternehmen<br />

einzigartig machen. Kombiniert mit einer klaren<br />

sinnstiftenden Vision, entsteht so eine echte Zukunftsstrategie.<br />

Dieses praktische Denkmodell ist Grundlage<br />

für konsequente und disziplinierte Umsetzung.<br />

Kontakt<br />

CODE LAB<br />

Global Mind Network GmbH<br />

Garde-du-Corps-Str. 5<br />

34117 Kassel<br />

Tel. 0561 810480<br />

office@codelab.de<br />

www.codelab.de<br />

70 3 | <strong>2022</strong>


Wir vernetzen<br />

die Region!<br />

Der Businessclub der BG Göttingen bietet großartige Möglichkeiten<br />

schnell neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Durch die im Businessclub<br />

entstandene Partnerschaft mit dem Göttinger Glas-Team profitieren<br />

wir als Sponsor nicht nur von der regionalen und nationalen Sichtbarkeit,<br />

sondern können unseren potentiellen Kunden unsere Produkte bereits<br />

bei der Auswahl der neuen Fenster präsentieren.<br />

Marco Vogler - Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH<br />

Durch den Kontakt bei BG Göttingen ist eine erfolgreiche Partnerschaft<br />

mit Lichtblick entstanden, welche unsere Wettbewerbsfähigkeit im<br />

Arbeitsalltag gestärkt und unsere Kompetenz beim Endkunden erhöht<br />

hat. Getreu dem Motto - Dein Netzwerk ist dein Erfolg.<br />

André Kaczmarek - Göttinger Glas-Team<br />

Mehr Infos unter www.bggoettingen.de/sponsoring


wissen<br />

Im Kreis<br />

der vielen Richtungen<br />

Der Landkreis Holzminden ist in einer schwierigen Situation:<br />

im Solling gelegen, ist es weit bis zu den Bezugsräumen Göttingen und<br />

Hildesheim, die demografische Entwicklung ist herausfordernd. So wurde der<br />

Schulterschluss mit Höxter gesucht – und der zeigt sichtbare Erfolge.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD<br />

72 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

FOTO:LANDKREIS HOLZMINDEN<br />

LESEZEIT: 5 MINUTEN<br />

Holzminden ist weit weg, die Stadt ist vom<br />

vielleicht größten Autobahnring Deutschlands<br />

umgeben – zu jeder Auffahrt dauert es<br />

etwa eine Stunde. Damit ist der Landkreis<br />

großen Fliehkräften ausgesetzt: Das Weserbergland mit<br />

seinen bewaldeten Höhenzügen und der damit schwierigen<br />

Infrastruktur sorgt dafür, dass sich die einzelnen Teile<br />

des Landkreises in ganz unterschiedliche Richtungen<br />

und nicht auf die Kreisstadt hin orientieren.<br />

Doch da hören die Schwierigkeiten noch nicht auf.<br />

Die Einwohnerzahl nimmt seit Jahrzehnten kontinuierlich<br />

ab: 2021 lag sie erstmals unter 70.000 – im Vergleich<br />

zu noch rund 83.000 Einwohnern 1995. Zudem<br />

ist der Landkreis stark verschuldet. Doch von einer „der<br />

Letzte macht das Licht aus“-Mentalität, die lange Jahre<br />

das Reden über den demografischen Wandel und die<br />

Entwicklung Holzmindens geprägt hat, ist nichts mehr<br />

zu spüren. Im Gegenteil: Seit ein paar Jahren lassen sich<br />

eine Aufbruchstimmung und eine Vielzahl von Aktivitäten<br />

beobachten, die das Ziel verfolgen, eine Trendwende<br />

herbeizuführen.<br />

Der Stadt Holzminden kommt zugute, dass sie ein sehr<br />

starkes wirtschaftliches Fundament hat. Mit Symrise, Stiebel<br />

Eltron und Schott haben hier gleich drei weltbekannte<br />

Großunternehmen ihr Hauptquartier. „Deswegen: Ja, wir<br />

haben diese Fliehkräfte, aber man muss auch sehen, dass<br />

die Stadt Holzminden bei 20.000 Einwohnern täglich<br />

15.000 Einpendler aus einem Einzugsgebiet bis Hildesheim<br />

und Hameln hat“, sagt Landrat Michael Schünemann.<br />

Hinzu kommt einer der Standorte der HAWK<br />

Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft<br />

mit inzwischen rund 1.200 Studenten. Die HAWK sei<br />

ein enger Kooperationspartner für viele lokale Akteure<br />

und für die Stadt „extrem wichtig“, so der Landrat.<br />

3 |<strong>2022</strong> 73


wissen<br />

FOTO: HAWK<br />

Standort<strong>faktor</strong> Mit ihren jährlich rund 1.300 Studierenden ist die HAWK heute aus dem Stadtbild Holzmindens nicht mehr wegzudenken.<br />

ABER ES SIND VOR ALLEM UNTERNEHMERKREISE, die<br />

sich inzwischen deutlich stärker und eigeninitiativ vor<br />

Ort engagieren, denn der Leidensdruck ist groß. So groß,<br />

dass sich selbst die Weltunternehmen wie Symrise und<br />

Stiebel Eltron, die sich lange nicht in den lokalen Wirtschaftsnetzwerken<br />

eingebracht haben, jetzt mit an den<br />

Tisch gesetzt haben, denn auch sie finden kaum noch<br />

Fachkräfte.<br />

In Holzminden ist es der Verein Weserpulsar, der sich<br />

seit 2001 als Sprachrohr der Wirtschaft versteht und<br />

rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze im Landkreis vertritt.<br />

Dessen langjähriger Vereinsvorstand Carl-Otto Künnecke<br />

ist ein Urgestein des ehrenamt lichen Engagements in<br />

vielen Gremien, lokalen wie überregionalen, etwa als<br />

IHK-Vizepräsident. „Ich sehe im Landkreis Holzminden<br />

durchaus eine Trendwende“, sagt Künnecke bestimmt.<br />

„Und das nicht nur, weil es nicht so schlimm gekommen<br />

ist, wie es früher prophezeit wurde.“ Das liege daran,<br />

dass man begriffen habe, dass es der Landkreis oder die<br />

Stadt nicht alleine schaffen können. Das schließt die aktive<br />

auch finanzielle Beteiligung der Wirtschaft mit ein,<br />

denn oft scheiterten in der Vergangenheit Förderprojekte,<br />

weil der Landkreis die Co-Finanzierung nicht aufbringen<br />

konnte.<br />

„WENN WIR DIE REGION NICHT GEMEINSAM attraktiv<br />

machen, verlieren wir“, sagt der Geschäftsführer der<br />

Künnecke GmbH. „Auch die großen Unternehmen bei<br />

uns haben jetzt verstanden, dass sie nicht alleine die<br />

Strahlkraft haben. Sartorius in Göttingen hingegen hat<br />

das sehr gut verstanden, die bringen sich im Regionalmarketing<br />

aktiv ein.“ Künnecke ist derzeit eine der<br />

treibenden Kräfte dahinter, gemeinsam mit vielen Partnern<br />

den Digitalhub in Holzminden aufzubauen, „einen<br />

der größten deutschen Co-Working-Spaces auf<br />

dem Land“, um dadurch das Thema Gründungen stärker<br />

voranzubringen.<br />

Die Aktivitäten, die Weserpulsar entfaltet hat, sind im<br />

Geiste der überregionalen Kooperation inzwischen allerdings<br />

auf das Innovationsnetzwerk Holzminden-Höxter<br />

übergegangen, das gemeinsam mit der benachbarten<br />

Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter 2016 gegründet<br />

wurde – bis zum Nachbarn sind es nur neun Kilometer.<br />

Vorausgegangen war ein Umdenken in Politik und Wirtschaft<br />

in beiden Landkreisen, denn beide haben ähnliche<br />

Strukturen und Probleme. Inzwischen stimmen sich die<br />

Verwaltungen der Mittelzentren Höxter und Holzminden<br />

stärker miteinander ab, und über das Innovationsnetzwerk<br />

findet in Gruppen, bestehend aus Mitarbeitern von<br />

interessierten Unternehmen, wichtige Arbeit statt.<br />

VON, MIT UND FÜR UNTERNEHMEN, so lautet die Devise<br />

der verschiedenen Arbeitsgruppen. Aus den dort erarbeiteten<br />

Ideen entstehen wiederum Projekte. „In diesen<br />

Arbeitsgruppen hat sich eine sehr schöne Dynamik<br />

ent wickelt“, erklärt Imke Müller-Stauch, Leiterin der Geschäftsstelle<br />

des Innovationsnetzwerks. „Dadurch, dass<br />

die Mitglieder branchenübergreifend und sowohl aus<br />

kleinen, mittleren und großen Unternehmen kommen,<br />

gibt es ganz verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.“<br />

Aus dieser Arbeit ist 2019 das bislang bekannteste<br />

Projekt hervorgegangen: die Superheldenausbildung,<br />

eine regionale Fachkräfteinitiative. Weil die Personalkampagnen<br />

von Einzelunternehmen, selbst den großen,<br />

nicht mehr ausreichen, sollte es zusammen versucht werden<br />

und auch früher, bereits in der Schule, angesetzt<br />

werden. „Ausbildung ist nicht nur eine Alternative, sondern<br />

die erste Wahl, das ist unsere Message, die wir an<br />

die potenziellen Auszubildenden bringen wollen“, sagt<br />

Müller-Stauch. Ein ganzes Potpourri an verschiedenen<br />

Aktivitäten ist daraus entstanden, vor allem aber die Einbindung<br />

von Azubis. „In kleinen Videos und Testimonials<br />

zeigen sie aus ihrer Sicht und zielgruppengerecht,<br />

dass wir hier spannende Unternehmen und Berufe haben<br />

mit super interessanten Karrieremöglichkeiten, für die<br />

man nicht studieren muss.“<br />

Um die 50 Azubis aus genauso vielen Unternehmen machen<br />

mittlerweile mit, etwa 35 verschiedene Ausbildungsgänge<br />

sind vertreten. „Heute rufen mich auch Unternehmen<br />

an, die noch gar nicht bei uns Mitglied sind, aber<br />

74 3 | <strong>2022</strong>


—<br />

always inspiring more …<br />

—<br />

Sich ernähren und pflegen. Riechen und schmecken. Der Natur auf der Spur — nachhaltig,<br />

innovativ und kreativ. So wünschen sich Verbraucher ihre Produkte heute, 24 Stunden<br />

am Tag, sieben Tage die Woche. Mit unseren Ideen und Lösungen bereichern wir das Leben<br />

von Menschen und ihren vier beinigen Begleitern. Mit Einfallsreichtum und<br />

unternehmerischem Schwung arbeiten wir daran, dass diese die alltäglichen und<br />

besonderen Momente genießen können — zuhause und in aller Welt.<br />

www.symrise.com


wissen<br />

Verweilen in Holzminden Auf dem historischen Boden der Burg zu Everstein, direkt am beliebten Weser-Radweg,<br />

heißt seit einigen Jahren das Weserhotel Schwager zahlreiche Touristen willkommen.<br />

FOTO: STADTMARKETING HOLZMINDEN<br />

dennoch gerne mitmachen würden“, erzählt die Geschäftsstellenleiterin.<br />

Auch die Schulen – sogar die Gymnasien –<br />

machen nach anfänglicher Skepsis inzwischen von selbst<br />

mit. War das Netzwerk zunächst auf die beiden Städte<br />

konzentriert, stellt Imke Müller-Stauch zunehmend fest,<br />

dass sich der Wirkradius auch in das Umland ausbreitet<br />

und beiderseits der Weser mehr Unternehmen anspricht.<br />

Das Innovationsnetzwerk hat sich damit als ein Motor<br />

etabliert, der nicht nur die Stimmung belebt, sondern<br />

auch konkret an den Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges<br />

Wirtschaftsleben arbeitet.<br />

ÄHNLICH SIEHT ES BEIM ZWEITEN STANDBEIN der<br />

Region aus. „Der Tourismus ist einer der wesentlichen<br />

Wirtschafts<strong>faktor</strong>en“, sagt Petra Wegener, Geschäftsführerin<br />

der Weserbergland Tourismus, die sich um das<br />

Tourismusmarketing von Hann. Münden bis zur Porta<br />

Westfalica kümmert. Vor der Pandemie gab es hier rund<br />

drei Millionen Übernachtungen pro Jahr, die Wertschöpfung<br />

betrug etwa eine Milliarde Euro mit steigender<br />

Tendenz. Etwa 22.000 Arbeitsplätze hängen am Tourismus.<br />

Doch dann kam die Pandemie und damit ein Einbruch<br />

von über 30 Prozent.<br />

Wie es jetzt und zudem unter dem Vorzeichen der<br />

Energiekrise weitergeht, sei völlig offen. „Wir können<br />

keine Prognosen abgeben, die gesamte Branche ist sehr<br />

unsicher, Buchungen werden kurzfristiger, man merkt<br />

die Zurückhaltung der Leute“, so Wegener. Dabei hat<br />

sich das Weserbergland touristisch gut entwickelt, in den<br />

vergangenen zwanzig Jahren gab es einiges an Investitionen<br />

in Wege, Attraktionen und Hotels. Gerade das<br />

Radwandern hat sich zu einem regelrechten Hype<br />

entwickelt, und hier kann die Region punkten: Der<br />

Weser- Radweg ist Nummer 1 der beliebtesten deutschen<br />

Radfernwege. Hinzu kommen viele andere Qua litätswanderwege.<br />

„Heimelig sei es hier“, höre Petra Wegener<br />

oft von Kunden, die erstmals ins Weserbergland kommen:<br />

eine Mittelgebirgslandschaft, vielfältige Natur,<br />

Burgen, Schlösser, Fachwerkstädte, viele Besichtigungsmöglichkeiten<br />

– ideal für den Aktivtourismus.<br />

Aber es gibt auch noch viel Luft nach oben, doch die<br />

Abstimmung über die Entwicklung der Region über die<br />

Landesgrenzen hinweg mit NRW, Niedersachsen und<br />

Hessen ist nicht immer einfach. Eine Erfahrung, die<br />

man auch in Höxter und Holzminden macht, wenn es<br />

um eine Abstimmung mit den verschiedenen Schulrahmenbedingungen<br />

oder bei der Infrastrukturplanung<br />

geht. Dann sind es zwar – gefahren – nur neun Kilometer<br />

zwischen beiden Städten, verwaltungstechnisch<br />

aber liegen zwischen ihnen Welten.<br />

DENNOCH, TROTZ DER HERAUSFORDERNDEN Lage<br />

ist Holzmindens Landrat Michael Schünemann zuversichtlich.<br />

„Arbeit haben wir hier genug. Jetzt brauchen<br />

wir die Infra struktur, um für Zuziehende interessanter<br />

zu werden.“ Und das heißt für ihn vor allem: Straßenund<br />

Breitbandausbau. Immerhin, hier geht es stetig,<br />

wenn auch langsam, vorwärts. ƒ<br />

76 3 | <strong>2022</strong>


NATUR. DESIGN. ELEGANZ.<br />

Jedes unserer<br />

Ledersofas hat<br />

seinen eigenen<br />

Herzschlag.<br />

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Lokale Bürokompetenz, bundesweit präsent<br />

Ihre Spezialität sind alle Dienstleistungen rund ums Büro: Die KÖNIG-Gruppe hat ein reichhaltiges Portfolio entwickelt,<br />

um alle Bedarfe der modernen Büroarbeit, insbesondere in mittelständischen Unternehmen, zu bedienen.<br />

Büroeinrichtung und die dazugehörige<br />

Technik sind sehr beratungs- und<br />

pla nungsintensive Bereiche“, sagt<br />

Andreas Kronier, Vertriebsleiter der KÖNIG­<br />

Gruppe. „Da kommt es zentral darauf an,<br />

dass man die Anforderungen und Problemstellungen<br />

der Kunden versteht und umsetzt.“<br />

Gutes Anschauungsmaterial bietet derzeit<br />

der klar erkennbare Trend zum Homeoffice.<br />

Es komme dabei nicht nur darauf an, dass<br />

Mitarbeiter über ein schnelles WLAN verfügen,<br />

sondern dass auch die restliche Arbeits ­<br />

umgebung vernünftig gestaltet wird, zum<br />

Beispiel durch gesundes Sitzen, eine benutzergerechte<br />

Bildschirm ergonomie und nicht<br />

zuletzt dadurch, dass eine gute Sicherheitslösung<br />

für den Datentransfer implementiert ist.<br />

„Wenn ich im Firmennetzwerk arbeite und auf<br />

betriebliche Serverinhalte zurückgreife, muss<br />

das datenschutz- und sicherheitskonform passieren“,<br />

so Kronier. Doch in der Praxis erlebe er,<br />

dass das noch bei Weitem nicht überall der Fall<br />

ist. Da wird sich nicht nur mit seinem einfachen<br />

Passwort über den heimischen Router in das<br />

Fir mennetz eingeloggt, sondern es werden darüber<br />

auch Daten transferiert. Oder Verträge und<br />

Dokumente werden abfotografiert und per<br />

Whatsapp an Kollegen versendet. Das passiere<br />

in kleinen wie auch in großen Unternehmen.<br />

BERATUNGSINTENSITÄT heißt für die<br />

KÖNIG-Gruppe, dass sich ihre erfahrenen<br />

Spezialisten vor Ort mit Kunden, vorrangig<br />

mittelständischen Unternehmen, zusammensetzen,<br />

um genau über diese Rahmenbedingungen<br />

zu sprechen und nach situationsspezifisch<br />

passenden Lösungen zu suchen.<br />

„Deswegen sind wir lokal mit vielen Niederlassungen<br />

vertreten“, so Kronier. Mit ihren<br />

14 Standorten bundesweit wird die KÖNIG­<br />

Gruppe ihrem Slogan gerecht, bedarfsgerechte<br />

Lö sungen für das moderne Büro inklusive<br />

des entsprechenden Supports anzubieten.<br />

Gerade im Bereich der sicheren Zusammenarbeit<br />

über Datennetze hat die Gruppe zuletzt<br />

weitere Kapazitäten aufgebaut.<br />

,DAS GANZE BÜRO‘ umfasst bei KÖNIG<br />

einerseits klassische Büromöbel sowie alle<br />

dafür nötigen Materialien vom Ordner bis zur<br />

Heftklammer, andererseits aber auch die entsprechende<br />

Technik rund um das Dokument<br />

– Drucker, Kopierer, Dokumentenmanagement<br />

und die dafür nötigen Sicherheitslösungen<br />

– und Präsentationstechnik, etwa interaktive<br />

Touchdisplays. Auch der Service wird großgeschrieben:<br />

Lieferung, fachgerechte Installation,<br />

Einweisung und Support gehören bei der<br />

KÖNIG-Gruppe zum Leistungsspektrum.<br />

DIE NIEDERLASSUNGEN firmieren lokal<br />

unter ihren traditionellen Anbieternamen – in<br />

der Region ist die KÖNIG-Gruppe an zwei<br />

Standorten vertreten: mit Fischer in Kassel<br />

und Büro 2000 in Beverungen. Doch dahinter<br />

steht die Firmengruppe und damit die<br />

Möglichkeit, einen bundesweiten Service<br />

anzubieten. „KÖNIG selbst ist seit 45 Jahren<br />

in Deutschland am Markt und weiterhin inhabergeführt“,<br />

so Kronier. „Damit sind wir<br />

eines der größten unabhängigen Unternehmen<br />

im Bereich Büroeinrichtung und -technik<br />

in Deutschland.“<br />

KONTAKT<br />

Büro 2000 GmbH & Co. KG<br />

Andreas Kronier<br />

Tel. 069 978288-10<br />

Mobil 0160 90517611<br />

andreas.kronier@koenig-ffm.com<br />

TEXT: SVEN GRÜNEWALD


PROFIL<br />

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Ein Reallabor für die Energiewende: Das STIEBEL ELTRON-Schulungszentrum 'Energy Campus'<br />

am Hauptsitz in Holzminden.<br />

Umweltfreundlich und zukunftssicher<br />

heizen mit Wärmepumpen aus Holzminden.<br />

Mit Wärmepumpen auf Erfolgskurs<br />

Mitten im Weserbergland hat das Green-Tech-Unternehmen STIEBEL ELTRON<br />

seinen Hauptsitz.<br />

Zuhause bedeutet Sicherheit, Geborgenheit<br />

und Komfort. Die richtige Haustechnik<br />

sorgt dafür, dass das auch so<br />

bleibt. STIEBEL ELTRON bietet nicht nur die<br />

passende Technik für Heizung, Warmwasser<br />

und Lüftung, sondern leistet damit auch noch<br />

einen wichtigen Beitrag zur Energiewende im<br />

Gebäudesektor. Mit über 4.000 Mitarbeitern<br />

weltweit setzt das Unternehmen mit seinem<br />

Hauptsitz in Holzminden, mitten im Weserbergland,<br />

von der Produktentwicklung bis zur<br />

Fertigung konsequent auf eigenes Know-how.<br />

Mit vier nationalen und vier internationalen<br />

Produktionsstätten, weltweit 26 Vertriebsgesellschaften<br />

sowie Vertriebsorganisationen<br />

und Vertretungen in über 120 Ländern ist<br />

STIEBEL ELTRON global aufgestellt. Der Umsatz<br />

betrug 2021 rund 830 Millionen Euro,<br />

mehr als 50 Prozent davon entfallen auf das<br />

Ausland.<br />

Wichtigster Treiber für das Geschäft des Holzmindener<br />

Traditionsunternehmens sind umweltfreundliche<br />

Wärmepumpen­ Heizungen.<br />

„In diesem Jahr ist der Heizungs-Wärmepumpen-Absatz<br />

in Deutschland bisher gegenüber<br />

dem Vorjahr um 29 Prozent gewachsen, wobei<br />

das Jahr 2021 bereits um mehr als 28 Prozent<br />

über dem Jahr 2020 lag. Der Auftragseingang<br />

für Wärmepumpen bei Stiebel Eltron hat<br />

sich innerhalb eines Jahres verdoppelt“, sagt<br />

Geschäftsführer Dr. Kai Schiefelbein zusammenfassend.<br />

Und bis 2027 sollen die Produktionskapazitäten<br />

für Wärmepumpen am<br />

Hauptsitz in Holzminden noch einmal mehr<br />

als verdreifacht werden.<br />

Dafür sollen in den nächsten Jahren rund 600<br />

Millionen Euro investiert werden. Gleichzeitig<br />

werden über 400 neue Arbeitsplätze ent stehen<br />

und das Qualifizierungsangebot wird ausgebaut.<br />

„Die umweltfreundliche Technologie<br />

bietet ausgezeichnete Karrierechancen“, sagt<br />

Personalleiterin Christiane Schäfer.<br />

Viermal in Folge ausgezeichnet:<br />

STIEBEL ELTRON mit ‚Top Karrierechancen‘<br />

Mit dem Award für ‚TOP Karrierechancen‘<br />

wurde der Haustechnikhersteller Ende 2021<br />

zum vierten Mal in Folge ausgezeichnet, erstmals<br />

auch als Branchensieger im Bereich der<br />

Wärme- & Kältetechnikanbieter. Insbesondere<br />

in den Themengebieten Karriereperspektiven<br />

und Unternehmensklima erreicht Stiebel Eltron<br />

sehr gute Werte. „Dies spiegelt sich beispielsweise<br />

in außerordentlich langen Betriebszugehörigkeiten<br />

unserer Mitarbeiter wider“, so<br />

Christiane Schäfer. Die Studie ,Top Karrierechancen‘<br />

wurde im Auftrag von Focus Money<br />

und Deutschland Test durch das IMWF<br />

Institut für Management- und Wirtschaftsforschung<br />

realisiert.<br />

KONTAKT<br />

STIEBEL ELTRON Gruppe<br />

Dr.-Stiebel-Str. 33<br />

37603 Holzminden<br />

Tel. 05531 702 702<br />

info@stiebel-eltron.de<br />

www.stiebel-eltron.de


wissen<br />

Von Kerzen, Pilzen und DNA<br />

Der Gründungswettbewerb der Uni Göttingen Lift-Off hatte einen neuen Rekord zu verzeichnen:<br />

Fast 40 teilnehmende Teams warfen <strong>2022</strong> ihren Hut in den Ring. Wie immer war die Ideenvielfalt groß.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOS UNI GÖTTINGEN<br />

LESEZEIT: 4 MINUTEN<br />

Jedes Jahr aufs Neue berichtet <strong>faktor</strong> als Medienpartner<br />

über die spannenden Gründungen, die aus<br />

dem Lift-Off, dem Gründungswettbewerb der Uni<br />

Göttingen, hervorgehen. In den Vorjahren waren es<br />

jeweils bis zu 29 Teams, die teilgenommen haben. <strong>2022</strong><br />

hingegen waren es knapp 40 – ein neuer Rekord. 22 von<br />

ihnen erreichten die Endrunde des Wettbewerbs. „Wir<br />

haben aus dem Förderprogramm Exist-Potentiale des<br />

Bundes zusätz liche Mittel erhalten“, erzählt Martin<br />

Stammann, Leiter des Transfer & Startup Hub in der<br />

Abteilung Forschung und Transfer, sichtlich zufrieden.<br />

„Diese haben uns die Möglichkeit gegeben, mehr<br />

Transfergespräche mit Wissenschaftlern direkt<br />

zu führen sowie mehr Veranstaltungen zu<br />

organisieren, die für das Thema Gründungen<br />

sensibilisieren sollen.“ Das habe die<br />

Reichweite innerhalb der Universität noch einmal<br />

erhöht. Insbesondere wurden darüber mehr<br />

Wissenschaftler als früher angesprochen und zu einer<br />

Gründungsidee motiviert.<br />

UND SO IST WIEDER EIN BUNTES POTPOURRI an<br />

Gründungsideen zusammengekommen, das von nachhaltiger<br />

Kerzenproduktion über einen KI-basier ten Gesichtshautscanner,<br />

der eine Kombination aus auf die<br />

Haut abgestimmten Pflegeprodukten zusammenstellt,<br />

bis hin zum Möbelbau aus Pilzen und der Behandlung<br />

von Gelenkarthrose reicht.<br />

Eine gewisse Tendenz lässt sich dabei beobachten: In<br />

Göttingen haben sich in den letzten Jahren viele Player<br />

dafür engagiert, die Life Sciences in der<br />

Stadt zu stärken, und eine entsprechend<br />

tief gestaffelte Infrastruktur<br />

zur Gründungsförderung etabliert. „Wir merken,<br />

dass über diese Schiene und über die Universitätsmedizin<br />

schon mehr Teams aus dem medizinischen und<br />

biologischen Bereich kommen“, sagt Stefanie Pinkert,<br />

Gründungscoach an der Universität. „Eine sehr schöne<br />

Entwicklung dabei ist, dass Arbeitsgruppen, in denen bereits<br />

eine Ausgründung erfolgreich war, dafür gesorgt<br />

haben, dass auch Kollegen das Thema für sich entdeckt<br />

haben und zwei, drei Jahre später eine eigene Idee einreichten.“<br />

Insofern gibt es auch bereits ,Wiederholungstäter‘<br />

wie Arndt Schilling von der Universitätsmedizin,<br />

der bereits zum zweiten Mal mit einem Projekt dabei ist<br />

und damit wieder einen ersten Preis beim Lift-Off erhielt.<br />

DASS GRÜNDUNGEN ein spannendes Thema mit Potenzialen<br />

für die Zeit nach und jenseits der Uni sind, hat sich<br />

in Göttingen offenkundig schon recht gut rumgesprochen,<br />

auch wenn natürlich noch Luft nach oben ist, wie Martin<br />

Stammann betont. Denn manche Fakultäten hinken im<br />

Vergleich der Gründungsaktivitäten etwas hinterher.<br />

Doch wie es mit dem Lift-Off und der Gründungsförderung<br />

weitergeht, ist noch offen. Uni-Präsident Metin<br />

Tolan betonte zwar mehrfach, dass dieser Bereich ihm<br />

sehr wichtig sei, doch ein Teil der Mittel für die Gründungsunterstützung<br />

kommen aus Drittmitteln, die 2023<br />

auslaufen. Eine Anschlussfinanzierung ist noch nicht gesichert.<br />

Lift-Off 2023<br />

Demnächst startet die nächste Runde des<br />

Gründungswettbewerbs. Interessierte Teams<br />

können sich bereits informieren und anmelden<br />

unter: www.uni-goettingen.de/gruendung<br />

80 3 | <strong>2022</strong>


wissen<br />

Die Gewinner <strong>2022</strong><br />

DAS ZIEL: nachhaltige und gleichzeitig hochwertige<br />

Kerzen zu produzieren und das made in Germany.<br />

Die beiden Gründer Amy Peters und Maurice<br />

Jedlicka wollen die traditionelle Kerzenindustrie<br />

revolutionieren. Es beginnt bei der innovativen<br />

Gewinnung des Kerzenwachses. Herkömmliches<br />

Kerzenwachs besteht meist aus Paraffinen, Palmoder<br />

Sojaöl. Hierfür werden Erdölbohrungen durchgeführt,<br />

Regenwald für Monokulturen vernichtet<br />

und eigentliche Lebensmittel zweckentfremdet.<br />

1. Platz Gründungspotenzial<br />

Molly Suh<br />

Maurice Jedlicka und Amy Peters<br />

Das Wachs der Kerzen von Molly Suh wird hingegen<br />

aus der recycelten Biomasse von pflanzlichen Fetten<br />

gewonnen. Diese Fette haben bereits einen Lebenszyklus<br />

durchlebt und werden in einem ,Waschgang‘<br />

aufgewertet. Das heißt, am Anfang des Produktes<br />

steht Recycling, gefolgt von anschließendem<br />

Upcycling. Kombiniert mit dem natürlichen Duft<br />

von ätherischen Ölen.<br />

ARTHROPORE ermöglicht die Heilung des Knorpels<br />

durch die Rekonstruktion der komplizierten Mikrostruktur<br />

des Gelenks. Gegenwärtig gibt es noch<br />

keine Heilungsansätze für Gelenkarthrose, die<br />

Behandlungsstrategien beschränken sich auf Operationen<br />

zum vollständigen Gelenkersatz. Deutschland<br />

hat unter den OECD-Staaten die zweit- bzw.<br />

vierthöchste In zidenzrate für Hüfttotalendoprothesen<br />

(THR) und Knietotalendoprothesen (TKR),<br />

deren durchschnittliche Kosten sich auf 15.500 bis<br />

17.800 Euro pro Patient belaufen.<br />

1. Platz Wissenschaft<br />

ArthroPore<br />

Dr. Shahed Taheri und Prof. Dr. Arndt Schilling<br />

Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der<br />

Teammitglieder Shahed Taheri und Arndt Schilling<br />

liegt die Ursache der Arthrose allerdings nicht, wie<br />

bisher angenommen, im Knorpel selbst, sondern in<br />

einer Veränderung der Mikrostruktur des Knochens,<br />

der dem Knorpel zugrunde liegt. ArthroPore kann die<br />

3D-Mikrostruktur des Knochens im Gelenk abbilden<br />

und damit personalisierte Implantate/Membranen<br />

herstellen, die das natürliche, gesunde Gewebe des<br />

Patienten nachahmen.<br />

3 |2023 81


wissen<br />

DAS TEAM hinter DirIGEN, bestehend aus Eric<br />

Schoger und Janek Fischer, bedient sich eines<br />

Verfahrens namens CRISPR, mit dem gezielt an<br />

der DNA gearbeitet werden kann. Das Verfahren<br />

ermöglicht es, gezielt Gene abzulesen und für<br />

therapeutische Anwendungen zu entwickeln, neue<br />

therapeutische Zielstrukturen zu identifizieren oder<br />

grundlagenwissenschaftliche Fragestellungen zu<br />

erarbeiten. Denn häufig sind Fehlfunktionen<br />

bestimmter Zellen auf das fehlerhafte Ablesen<br />

von DNA-Abschnitten zurückzuführen.<br />

Sonderpreis ,Life Science‘<br />

DirIGEN<br />

Dr. Eric Schoger und Janek Alfred Fischer<br />

Das DirIGEN-Team hat aus seiner mehr als fünfjährigen<br />

wissenschaftlichen Tätigkeit heraus eine<br />

Plattform zum Ablesen bestimmter Gene für Partner<br />

aus der pharmazeutischen und biotechnologischen<br />

Industrie entwickelt: ein CRISPR/Cas9-basiertes<br />

Verfahren zur Identifikation von gRNA-Molekülen,<br />

mit deren Hilfe präzise Gene angeschaltet werden<br />

können.<br />

DAS TEAM um Steffen Konnemann nutzt Agrar ­<br />

abfälle wie Getreidestroh und -spelze sowie<br />

Sägemehl, um Pilze zu ernähren. Das sich bildende<br />

Myzel-Fasergerüst erlaubt die Entwicklung diverser<br />

biologisch abbaubarer Produkte. Diese reichen von<br />

styroporähnlichem Verpackungsmaterial bis hin zu<br />

Möbelstücken. Alle Produkte könnten am Ende ihrer<br />

Nutzungsdauer ohne Bedenken auf dem heimischen<br />

Kompost entsorgt werden. Gleichzeitig<br />

werden keine neuen Ressourcen verbraucht, da<br />

Abfälle genutzt werden.<br />

Sonderpreis ,Zukunftsfähige Landnutzung‘ und Publikumspreis<br />

HyphaGrowth<br />

Hendrik Wever und Steffen Konnemann<br />

Der bisher noch nicht etablierte Werkstoff Pilzmyzel<br />

bietet neue haptische und optische Eigenschaften:<br />

Er ist formstabil, wasserabweisend und kann eine<br />

lederähnliche Oberfläche entwickeln. Jedes Produkt<br />

ist ein Unikat, da es organisch gewachsen ist. Im<br />

Gegensatz zu abbaubaren Produkten aus Maisstärke<br />

oder Hanf stellt die Pilzmyzel-Produktion keine<br />

Konkurrenz zur Nahrungserzeugung dar.<br />

82 3 | <strong>2022</strong>


PROFIL<br />

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Q3Labs – Ihr neuer digitaler<br />

Labor-Roboter<br />

Das Team (von li.) Herr Silin Zhao , Frau Gayatri<br />

und Dr. Giriprakash Chodisetti.<br />

Q3LABS entwickelt eine Online-Softwareanwendung<br />

zur Digitalisierung und Programmierung<br />

von Versuchsprotokollen, die in biologischen<br />

Forschungslabors verwendet werden. Sie umfasst<br />

offen zugängliche und laborspezifische<br />

Protokolle.<br />

Das Start-up-Team wurde im Lift-off-Wettbewerb<br />

2021 mit dem 2. Preis der Universität<br />

Göttingen ausgezeichnet und erhielt außerdem<br />

das N-Bank-Gründungsstipendium <strong>2022</strong>.<br />

PAPIERBASIERTE PROTOKOLLE ADÉ<br />

Durch die Programmierung der Versuchsprotokolle<br />

will Q3LABS die Forscher dabei unterstützen,<br />

Zeit zu sparen und die Genauigkeit und<br />

Zuverlässigkeit der Versuchsdaten zu erhöhen.<br />

KONTAKT<br />

Giriprakash Chodisetti<br />

Hainbuchenring 3<br />

37077 Göttingen<br />

Tel. 0176 72110354<br />

Ist Ihre Unternehmensvision allen klar?<br />

Sind alle wichtigen Positionen optimal besetzt?<br />

Matthias Walter, erfolgreicher Unternehmer + Coach – TAB-Partner für Südniedersachsen<br />

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mensch<br />

84 3 |<strong>2022</strong>


mensch<br />

Das richtige Motiv<br />

Die Göttinger BWL-Studenten Michael Noack und Melvyn Wittwer vertreiben mit Inkster wasserfeste<br />

Zwei-Wochen-Tattoos – ihre Erfolgsgeschichte hingegen ist langfristig angelegt.<br />

TEXT RUBERT FABIG FOTOGRAFIE MARVIN CONTESSI<br />

LESEZEIT: 3 MINUTEN<br />

Darüber, wie sie sich kennengelernt haben,<br />

schmunzeln Melvyn Wittwer und Michael<br />

Noack nur. Stichwort: Orientierungsphase,<br />

die ersten Tage im Studentenleben. Sagen wir<br />

es so: Die Erinnerung ist verblichen. Womit wir beim<br />

eigentlichen Punkt wären. Verblichen wie ein Tattoo von<br />

Inkster. Der Marke, die die ehemaligen Betriebswirtschaftsstudenten<br />

der Georg-August-Universität Göttingen<br />

erst Anfang 2021 gegründet haben und die mittlerweile<br />

einen Umsatz von 400.000 Euro generiert. Monatlich,<br />

versteht sich.<br />

Während ihres Auslandssemesters 2018 im kalifornischen<br />

San Diego haben die beiden Surferboys im Modul<br />

,Business Plan & Development‘ die Aufgabe, eine Geschäftsidee<br />

zu entwickeln und den passenden Plan dazu<br />

zu erstellen. Zur gleichen Zeit überlegt Wittwer, sich ein<br />

Tattoo stechen zu lassen. Motiv? Unklar. „Ich dachte, es<br />

wäre cool, mal eines zur Probe zu tragen“, sagt er. Also<br />

recherchiert der 27-Jährige, was sich an temporärer Körperkunst<br />

finden lässt – und stößt auf die Jagua. Eine<br />

Frucht aus dem südamerikanischen Dschungel, deren<br />

tintenähnlicher Extrakt die erste Hautschicht färbt.<br />

ZURÜCK IN GÖTTINGEN, wo die Freunde bis 2020 noch<br />

studieren, analysieren sie, ob sich daraus ein Business erschaffen<br />

lässt, und kommen zu dem klaren Urteil: Ja. Und<br />

sie sollen recht behalten. Zunächst baut Noack nur<br />

einen Instagram-Kanal mit Inspirationsmotiven auf, der<br />

in kurzer Zeit auf 100.000 Abonnenten anwächst. Beim<br />

Lift-Off-Gründungswettbewerb 2020 der Universität<br />

räumen die beiden nur kurze Zeit später den zweiten<br />

Platz in der Kategorie Gründungspotenzial sowie den<br />

Publikumspreis ab.<br />

Einige Monate darauf gründen Wittwer und Noack –<br />

die übrigens jeweils zwei echte Tattoos haben – schließlich<br />

mithilfe eines Stipendiums der Universität, finanziert<br />

durch die NBank, eine GmbH, um Büroflächen zu bezahlen<br />

und Lebenshaltungskosten zu decken. Sie sparen<br />

nicht an den falschen Stellen. Eine Kosmetikzertifizierung<br />

– selten bei temporären Tattoos – liegt vor, eine<br />

Agentur berät das Duo beim Marketing.<br />

IM JUNI 2021 BEGINNT DER VERKAUF der ersten Produkte.<br />

Zunächst wird den Kunden eine Tube mit der<br />

Jagua-Tinte nebst Schablone geliefert. Der Umsatz in<br />

Monat eins: 10.000 Euro. „Das hat uns mächtig stolz<br />

gemacht“, sagt Noack. Die ersten 330 Motive dafür –<br />

zeichnen die beiden selbst. Nach nur zwei Monaten<br />

stellt Inkster – der Name leitet sich vom englischen<br />

Wort ,ink‘ für Tinte ab – den ersten Mitarbeiter ein,<br />

mittlerweile sind es acht, überwiegend Werksstudenten,<br />

darunter eine Designerin, die die Abziehbildchen entwirft.<br />

Abziehbildchen? Korrekt. Im April dieses Jahres<br />

wurde die Produktpalette weiterentwickelt, jetzt<br />

3 |<strong>2022</strong> 85


mensch<br />

Win Win Die über 300 Designs wurden in Zusammenarbeit mit Tattoo-Künstlern aus der ganzen Welt erstellt, die an jedem Verkauf<br />

mitverdienen. Neben ihnen wird auch die Umwelt unterstützt – durch eine kompostierbare Versandverpackung aus Graspapier.<br />

werden Abziehtattoos verkauft. „Die sind deutlich weniger<br />

fehleranfällig und so einfach wie Kindertattoos,<br />

nur in der Haut statt darauf“, erklärt Wittwer. Bis zu<br />

zwei Wochen halten die Kunstwerke, die zwischen drei<br />

mal drei und sechs mal zehn Zentimetern groß sind, bei<br />

guter Pflege. Inzwischen gibt es erste Kopierer der Idee,<br />

was die Unternehmer nicht besorgt, sondern auf ihrem<br />

Weg bestätigt.<br />

DEN GESCHÄFTS- UND LEBENSMITTELPUNKT haben<br />

die Gründer nach Hamburg verlegt. Eine persönliche<br />

Entscheidung mit beruflichen Vorteilen. „Hier sind wir<br />

ein Start-up unter vielen und profitieren von der lokalen<br />

Expertise“, sagt Wittwer. Das Unternehmen setzt ausschließlich<br />

auf Onlinehandel. „Leichter skalierbar.“ Die<br />

enorme Produktauswahl wäre im stationären Handel<br />

schwierig zu handhaben.<br />

Die Kunden kommen hauptsächlich aus dem deutschsprachigen<br />

Raum, sind in der Regel 35 Jahre und älter<br />

– und zu rund 75 Prozent weiblich. Daran orientieren<br />

sich auch die minimalistischen Motive. „Individualisierung<br />

ist ein großes Ding dieser Tage. Unsere Tattoos<br />

sind zum Accessoire zur Kleidung geworden. 30 Prozent<br />

der Käufer erwerben sie vor ihrem Urlaub, um sie dort<br />

zu tragen“, erläutert Noack. Bestseller sind Herzen aller<br />

Art sowie Schmetterlinge. „Das Herz ist ein emotionales<br />

Tattoo, was besonders den Frauen unserer Zielgruppe<br />

zu gefallen scheint“, so Wittwer mit strahlenden Augen.<br />

Eine Ausweitung des Geschäfts auf den europäischen<br />

Markt ist derzeit noch nicht geplant. „Die sprachliche<br />

Hürde, Logistik, Werbung, Customersupport und den<br />

Onlineshop aufzubauen, ist sehr groß“, sagt der<br />

26-jährige Noack.<br />

86 3 |<strong>2022</strong><br />

Die nächsten Ziele der jungen Firma sind stattdessen<br />

die kontinuierliche Erweiterung der Produktpalette, die<br />

Verbesserung des Designs sowie die Schärfung des Markenbildes.<br />

„Wir wollen Inkster hipper machen. Es wird<br />

viele Nachahmer geben. Wichtig ist, dass die Leute wissen,<br />

dass wir das Original sind. Wie bei Coca Cola und<br />

Pepsi“, sagt Wittwer. Und da der Verkauf häufig über die<br />

sozialen Medien, vornehmlich Instagram und Facebook,<br />

funktioniert, soll auch TikTok erschlossen werden. „Und<br />

Amazon wollen wir knacken“, schiebt der Gründer nach.<br />

Schwierigkeiten besaßen bislang Seltenheitswert. Ab<br />

und an gerät die Liquidität an ihre Grenzen. Aber das<br />

sind Luxusprobleme.<br />

Für Investoren sind der in Salzgitter geborene Wittwer<br />

und der in Husum aufgewachsene Noack zwar grundsätzlich<br />

offen, konnten bislang aber auch wunderbar<br />

durch den eigenen Cashflow organisch wachsen. Auch<br />

ein Verkauf des Unternehmens sei langfristig nicht ausgeschlossen.<br />

„Die Struktur ist so gebaut, dass ein Verkauf<br />

möglich wäre“, berichtet Wittwer. Allerdings schieben<br />

die beiden das noch auf die lange Bank. Zu viel<br />

Freude bereiten ihnen Arbeit und Zusammen arbeit.<br />

„Sollten wir einmal verkaufen und auf eine andere Geschäftsidee<br />

kommen, bietet es sich schon an, weiter als<br />

Duo zu arbeiten, weil wir uns bestens verstehen und unsere<br />

Stärken und Schwächen gut kennen“, erklärt Noack,<br />

der seine Expertise überwiegend im Marketing hat, während<br />

sich sein Partner primär um die Unternehmensführung<br />

kümmert.<br />

WAS DAS NICHT HEISSEN SOLL: dass die beiden gerade<br />

wieder in einer Orientierungsphase sind. Ihre Liebe für<br />

Inkster ist noch lange nicht verblichen. ƒ<br />

Wo gibt’s die Tattoos?<br />

www.inkster.eu


Ein Unternehmen, das den Mitarbeitenden gehört – genau das ist Arineo.<br />

Wir arbeiten gemeinsam an unserem Erfolg und setzen dabei auf Selbstorganisation und<br />

Motivation Arineo mitzugestalten. Wir schaffen uns die besten Arbeitsbedingungen und<br />

tragen damit auch zum Erfolg unserer Kunden bei. Die Gewinne, die wir erzielen, bleiben<br />

im Unternehmen. Was wir gemeinsam erwirtschaften, investieren wir in die Weiterentwicklung<br />

unserer Kolleg:innen, unseres Unternehmens und unserer Technologien.<br />

Das klingt für dich nach einem spannenden Arbeitgeber?<br />

Dann schau bei unseren Jobangeboten, ob etwas Passendes für dich dabei ist<br />

oder bewirb dich initiativ. Viele unserer Stellen sind auch in Teilzeit möglich.<br />

Wir freuen uns auf dich als neue Kolleg:in!<br />

www.arineo.com/go/jobs


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Die Schaumbergs –<br />

zusammen stark<br />

Das Unternehmen Böning-Schaumberg hat die Zeit der Pandemie genutzt:<br />

für neue Wege mit einer prägnanten Dachmarke und einem Onlineversand für delikate Speisen.<br />

„Egal, ob für den<br />

Bundespräsidenten oder die<br />

Großmutter bei uns in<br />

Rittmarshausen um die Ecke,<br />

die kurzerhand Essen für ihr<br />

Enkelkind möchte – wir kochen<br />

wirklich für jeden gern.“<br />

ANJA BÖNING-SCHAUMBERG<br />

Sie schaffen den perfekten Rahmen für<br />

Dialog, Netzwerken, Kooperationen und<br />

vertragliche Bindungen in Wissenschaft,<br />

Wirtschaft, Sport, Politik, Gesellschaft und im<br />

Privaten: Anja Böning-Schaumberg und Frank<br />

Schaumberg gestalten Orte der Begegnung<br />

und des Miteinanders – bei hervorragendem<br />

Essen und Trinken und in einem dem Anlass<br />

entsprechenden Ambiente: von der frechen<br />

Gartenparty über die Hochzeit im Schloss bis<br />

zum Stiftungsdinner im Forum Wissen oder<br />

in der historischen Aula der Universität Göttingen.<br />

Durch die Umstände bedingt war in<br />

Zeiten der Pandemie kreative Gastlichkeit wenig<br />

gefragt, doch jetzt ist das Pendel zur Gegenseite<br />

ausgeschlagen, die Auftrags bücher<br />

sind voll und die Erwartungen der Kunden<br />

und Gäste so hoch wie nie.<br />

„DIE LETZTEN BEIDEN JAHRE waren für uns<br />

eine willkommene Zwangspause, die wir gut<br />

genutzt haben. Wir sind inzwischen nicht nur<br />

„total digital“ in der Welt und bis hin zu jedem<br />

Arbeitsplatz per Touchscreen verknüpft – wir<br />

haben vor allem über unsere Werte und unseren<br />

Anspruch nachgedacht und darüber,<br />

wie wir uns zukünftig aufstellen wollen“, sagt<br />

Frank Schaumberg. „2019 hatten wir über<br />

500 Aufträge, da hat man keine Sekunde freie<br />

Zeit, um neue Ideen zu entwickeln und aus­<br />

zuprobieren. Das haben wir in den vergangenen<br />

zwei Jahren getan und zwar zu viert“, so<br />

seine Frau. Neben Anja Böning-Schaumberg<br />

und Frank Schaumberg, die sich seit 1996<br />

mit ihrem Unternehmen weit über die Region<br />

hinaus einen herausragenden Ruf erworben<br />

haben, sind das Gordon und Johann, die beiden<br />

Söhne. Sie waren schon immer „dabei“<br />

und wollen und sollen nun mit ihren Eltern<br />

gemeinsam die Zukunft der „Schaumbergs“<br />

aktiv gestalten.<br />

„SCHAUMBERGS“ heißt folgerichtig die neue<br />

Dachmarke, die neben Catering und Veranstaltungslogistik<br />

auch Frischgekochtes im<br />

Onlinehandel umfasst. Diesen erfolgreich in<br />

den Covid-Zeiten entwickelten Unternehmenszweig<br />

haben die Schaumbergs zusammen aufgebaut,<br />

die beiden Söhne sind hier Miteigner –<br />

quasi als Einstieg in die Zukunftsvision. Jeder<br />

hat auf seine Weise dazu beigetragen: Frank<br />

und Johann haben als Köche ihre ganze Professionalität<br />

in die Entwicklung, Zubereitung,<br />

Kühlung und Verpackung der genuss fertigen<br />

Köstlichkeiten gesteckt, Anja und Sohn Gordon<br />

den kaufmännischen Sachverstand und<br />

den Sinn für die Inszenierung eingebracht.<br />

Ob bayerisches Menü in rotweiß karierten<br />

Versandkartons oder ganze Weihnachts- und<br />

Firmenfeiern, die mit Eventcharakter online


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PROFIL<br />

FOTOS: CATERINGHAUS<br />

FOTO: MARCO BÜHL<br />

Starkes Team: Johann Schaumberg, Gordon Schaumberg, Anja Böning-Schaumberg und Frank Schaumberg (v.l.)<br />

stattfanden: Die Mitarbeiter*innen im Homeoffice<br />

konnten mit Anleitung aus der Schaumbergʼschen<br />

Küche per Livestream ihre Vanillesoße<br />

selbst zubereiten. Die Idee wurde weit<br />

über die Region hinaus bis hin nach Kopenhagen<br />

zum Renner und sicherte zudem den<br />

16 Mitarbeiter*innen in Rittmarshausen in<br />

schwierigen Zeiten ihren Arbeitsplatz.<br />

Die Erfolgsgeschichte gemeinsam weiterzuschreiben,<br />

das ist der Plan. „Wir sind ein<br />

starkes Team“, sagt Gordon Schaumberg.<br />

Und sein Bruder Johann fügt hinzu: „Stärker<br />

zusammen – das wussten wir schon immer,<br />

jetzt erst recht.“<br />

GORDON SCHAUMBERG, 26, schob zwischen<br />

Studium und geplantem Auslandsaufenthalt<br />

in Taiwan eine Ausbildung als<br />

Kaufmann für Büromanagement ein, die er inzwischen<br />

erfolgreich abgeschlossen hat. Er ist<br />

fit und bereit für die kaufmännische Leitung<br />

des Unternehmens, auch wenn er erst sein<br />

Studium abschließen will und bis dahin seine<br />

Mutter unterstützt.<br />

JOHANN, 24, wollte schon immer Koch werden.<br />

Nach der Ausbildung im Göttinger Apex,<br />

die er mit Auszeichnung abschloss, führte ihn<br />

sein Weg in das Zwei-Sterne-Gourmetrestaurant<br />

Söl’ring Hof nach Sylt, in dem ein ehemaliger<br />

Azubi der Schaumbergs inzwischen als<br />

Patron den Kochlöffel schwingt. „Jan-Philipp<br />

Berner ist total kochverrückt, und ich habe unglaublich<br />

viel gelernt“, so Johann Schaumberg.<br />

Wie immer schon geplant, zog es Johann in<br />

das Familienunternehmen zurück, allerdings<br />

etwas früher als gedacht, denn die nächste<br />

Generation der Schaumbergs, die mit seinem<br />

kleinen Sohn Karl nun Einzug hält, beflügelte<br />

die Rückkehr in die Heimat.<br />

„WIR LIEBEN, WAS WIR TUN“, da sind sich<br />

die vier Schaumbergs einig. Die Leidenschaft<br />

für das Kochen, die hohe Professionalität und<br />

die Fähigkeit, den perfekten Rahmen für Gastfreundschaft<br />

und menschliche Begegnun gen<br />

zu schaffen, nehmen sie immer wieder auch<br />

als Herausforderung an, neue Wege und<br />

kreative Lösungen zu suchen und zu finden.<br />

Das gilt für alle Kunden und alle Veranstaltungen,<br />

die sie betreuen: „Egal, ob für den<br />

Bundespräsidenten oder die Großmutter bei<br />

uns in Rittmarshausen um die Ecke, die kurzerhand<br />

Essen für ihr Enkelkind möchte – wir<br />

kochen wirklich für jeden gern“, sagt Anja<br />

Böning-Schaumberg. Das sind sie, die<br />

Schaumbergs.<br />

TEXT: SVEN GRÜNEWALD<br />

KONTAKT<br />

Cateringhaus Göttingen Böning-Schaumberg<br />

In der Klappe 3<br />

37130 Gleichen OT Rittmarshausen<br />

Tel. 05508 9998 60<br />

info@cateringhaus-goettingen.de<br />

www.schaumbergs.de<br />

www.cateringhaus-goettingen.de


mensch<br />

Dem Himmel so nah<br />

Rund um den Globus findet die vielschichtige Kunst des<br />

Göttingers Fintan Whelan zahlreiche Abnehmer.<br />

Mit seinen Werken taucht er ein in die Farben seiner<br />

irischen Heimat und bringt die Welt zum Leuchten.<br />

TEXT STEFANIE WASKE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

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mensch<br />

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mensch<br />

92 3 | <strong>2022</strong><br />

H<br />

LESEZEIT: 8 MINUTEN<br />

ineinsinken, sich vertiefen ins Blau der Bilder. Eintauchen<br />

in glatte Flächen, in denen sich der Himmel zu spiegeln<br />

scheint. Doch lauern auch graue Strudel, schwarzblaue<br />

Untiefen, die einen hinabziehen können in einen<br />

raumlosen Ort. Und plötzlich, ja abrupt, endet das Blau<br />

mit einer scharfen Kante. Ab hier ist alles weiß, so rein,<br />

ohne jeglichen Makel. Die Welten des Malers Fintan<br />

Whelan bieten Ausflüge ins Unbekannte. Mag ihr Blau<br />

auch die Farbe des Himmels, des Meeres und der Ferne<br />

sein – sie sind etwas anderes. Haben ihre eigenen Geheimnisse.<br />

Die bewahrt der Maler sorgsam bedacht vor zu vielen<br />

neugierigen Blicken. Auch, wenn sich die Tür seines Ateliers<br />

in einer der schmalen Gassen Adelebsens öffnet.<br />

Mit gastfreundlichem Lächeln bittet er hinein, an einem<br />

schwülen und heißen Samstagnachmittag. Gewährt Einblick,<br />

wo diese ungewöhnlichen Bilder mit ihren Marmorierungen,<br />

Schlieren, Strudeln auf weißen Flächen<br />

entstehen.<br />

Das Fachwerkhaus von 1910 ist nicht sein neuer<br />

Wohnsitz oder gar ein Sommerhaus zum Vergnügen. „Es<br />

ist ein Haus für Kunst“, erzählt Fintan Whelan wenige<br />

Schritte nach dem Eintreten in den schmalen langen Flur.<br />

Mit seiner Frau Gabi und den zwei Töchtern wohnt er<br />

weiterhin im 20 Minuten entfernten Göttingen.


mensch<br />

3 |<strong>2022</strong> 93


mensch<br />

Deep Falls Above<br />

Symphony Of Nature<br />

Der 1967 in Dublin geborene Maler schlägt eine<br />

Hausführung vor. Bald zeigt sich, was er meint: Die kleinen<br />

Räume links und rechts des Flurs sind keine Wohnoder<br />

Schlafräume – sondern Magazine. Dort lehnt sich<br />

Keilrahmen an Keilrahmen, einige sind so groß wie ein<br />

Mann, andere handlich auf Armlänge, wieder andere<br />

rund wie eine Scheibe. Von manchen ist nur die cremefarbene<br />

Rückseite der Leinwand zu sehen. Ein wenig<br />

von ihren Farben lässt sich erhaschen, vom Blau, Violett-<br />

Rot und Grau.<br />

„PLATZ IST MIR WICHTIG“, sagt Whelan und steigt mit<br />

raschen Schritten die Treppe zum Obergeschoss hinauf.<br />

Das sei der Grund gewesen, das Atelier vor ein paar Jahren<br />

von Göttingen nach Adelebsen zu verlegen und das<br />

Haus zu kaufen. Auch das Obergeschoss mit seinen<br />

schmalen Zimmern dient nun seiner gegenstandslosen,<br />

abstrakten Kunst, beherbergt Holzlatten für Rahmen<br />

und Verpackungsmaterial. Selbst unter dem Dach in<br />

brütender Hitze wartet Material auf seinen Einsatz.<br />

Zurück im Erdgeschoss bleiben noch drei Räume, darunter<br />

die Küche. Durch einen schmalen Türrahmen öffnet<br />

sich der erste Atelierraum. Auf einem großen Tisch in<br />

der Raummitte liegt eine dicke, gepolsterte graue Tischdecke.<br />

Unter dem Tisch stehen wohlgeordnet Werkzeuge<br />

wie Spachtel, Pinsel und Lasuren. „Das ist der Packraum“,<br />

erklärt der Künstler. Hier werden die Bilder für<br />

den Transport in alle Welt vorbereitet. Teils, weil Sammler<br />

sie im Internet gesehen und selbst in Australien bestellt<br />

haben – bei seiner Agentur finden sich je nach Größe<br />

Bilder von 300 bis hin zu 12.000 Euro. Teils, weil sie<br />

für Ausstellungen und Kunstmessen auf Reisen gehen.<br />

Fintan Whelan hat bereits in vielen Ländern ausgestellt,<br />

vorwiegend in Irland, Großbritannien und Deutschland.<br />

In wenigen Wochen geht es wieder nach Los Angeles.<br />

Alles hat Whelan geordnet wie in einer Manufaktur,<br />

jeder Raum hat seine Aufgabe – vom Dachboden bis zur<br />

Terrasse. Auch seine Frau hilft mit, spannt Leinwände,<br />

fotografiert die fertigen Werke für die sozialen Medien.<br />

Einzig der kniehohe Hund Cachi mit schwarz-weiß ge-<br />

94 3 | <strong>2022</strong>


mensch<br />

locktem Fell hält sich nicht an Regeln. Vielleicht liegt es<br />

an seinem Straßenleben im spanischen Sevilla noch vor<br />

zwei Jahren. So vertreibt er denn die Stille rund um das<br />

Haus im Garten mit seinem kräftigen Bellen. Whelan<br />

verrät, dass der Rüde ab und an seinen Kopf auf die<br />

Leinwand am Boden legt. Und er muss dann zum Pinsel<br />

greifen und all die Flecken wieder ausbessern. Doch<br />

auch ohne Cachis Schnauzenabdruck erhalten die kleinen<br />

Formate im Packraum eine letzte aufwendige Korrektur,<br />

berichtet der Mittfünfziger: Jeden noch so kleinen<br />

Farbspritzer auf den weißen Flächen der Bilder tilgt<br />

Whelan mit einem feinen Pinsel.<br />

DOCH WIE ENTSTEHEN DIESE AUSSERGEWÖHNLICHEN<br />

Bilder? Wie kommt die Farbe auf die Leinwand, wie entstehen<br />

die wirbelnden Farben, die mit ihrer Leuchtkraft<br />

manchmal gar an Seidenstoffe erinnern? Das mag der<br />

Künstler nicht zeigen, nicht verraten. Zu viele wollten<br />

seine Technik imitieren, ihn erreichten regelmäßig Anfragen<br />

in diese Richtung. Auch Malkurse lehne er deshalb<br />

regelmäßig ab. Was daher im zweiten, hinteren Atelierraum<br />

geschieht, wissen einzig Eingeweihte, der<br />

Künstler und seine Frau. Der fremde Betrachter fühlt<br />

sich daher wie in einem Rätsel angekommen, inmitten<br />

eines lang gezogenen Raums mit großen Fenstern mit<br />

Blick auf die Burg Adelebsen.<br />

Auf dem Fußboden liegt eine große Kunststoffplane<br />

ausgebreitet, auf der schon einige blaue, schwarze und<br />

türkise Farbflecken zu sehen sind. Eine fast zwei mal<br />

zwei Meter große weiß grundierte Leinwand liegt darauf.<br />

Vier niedrige Füße erheben sie wenige Zentimeter vom<br />

Boden. Whelan muss dort hinunter, um mit seiner Arbeit<br />

zu beginnen. Tag für Tag, in der Regel immer an der<br />

Kante mit Blick auf die Tür zur Terrasse. So wirkt er<br />

sportlich in seinem dunkelblauen Poloshirt. Auf einem<br />

kleinen Tischchen stehen einige Pigmente, darunter für<br />

Kobaltblau, ein sattes Himmel blau. Whelan gesteht, er<br />

sei „wie verliebt in diese Farben“. Neben Blau sind die<br />

Erdtöne, Orange und Rot.<br />

EIN WENIG ZUR TECHNIK VERRÄT ER schließlich doch:<br />

Wichtig für die Leuchtkraft sei die Grundierung, die er<br />

mit einer Malerrolle auf die Leinwand bringt. Sie wird<br />

quasi versiegelt, sodass sich die später aufgebrachten<br />

Farben nicht mit dem Weiß mischen. Jeder, der einmal<br />

einen Tuschkasten hatte, ahnt warum: Farben mit<br />

3 |<strong>2022</strong> 95


mensch<br />

» Meine Sprache ist wie Musik –<br />

sie ist aus Licht, Farbe, Textur. «<br />

Viele Bilder verweilen daher in einem Zwischenstadium,<br />

hängen an den Atelierwänden, damit Whelan sie betrachten<br />

kann, oftmals gar eine halbe Stunde – um herauszufinden,<br />

wie er die Komposition verbessern kann.<br />

Seine Kunst sei daher keine schnelle Kunst. Nicht immer<br />

taucht er dabei in die Stille hinab. Auf dem Fensterbrett<br />

im Atelier liegen stapelweise CDs. Gerade ist es<br />

eine Mischung von Irish Folk, Marianne Faithfull, Leonard<br />

Cohen oder Tom Waits. Viele wollten seine Kunst<br />

verstehen, sagt Whelan und klingt ein wenig unzufrieden.<br />

Eine einfache Beschreibung, eine Übersetzung, würde<br />

das Geheimnis der Bilder zerstören. „Meine Sprache<br />

ist wie Musik – sie ist aus Licht, Farbe, Textur.“ Auf<br />

diese müsse sich der Betrachtende einlassen.<br />

Weiß gemischt werden heller, pastelliger, matter. Das<br />

wäre der Leuchtkraft der Farben daher abträglich.<br />

Zweifellos werden die Pigmente mit verschiedenen<br />

Flüssigkeiten, Emulsionen aufgelöst. Zu Beginn gleicht<br />

jedes Bild einem kurzen Experiment, so Whelan, wenn<br />

die Farbe auf die Fläche trifft. Dann aber greift er ein,<br />

bewegt die Leinwand hin und her, gestaltet. „Viel Konzentration<br />

ist nötig“, sagt der Künstler. Bei den riesigen<br />

Formaten nutzt er eine Montageplattform, die wie ein<br />

ungefähr auf zwei Meter verlängerter Tritt aus Metall<br />

aussieht. Auf einem der Fotos seiner Webseite lässt sich<br />

erahnen, wie Whelan mit dieser arbeitet: Er liegt mit<br />

dem Bauch auf der Plattform und tupft mit einem Tuch<br />

überschüssige Farbe von der Bildmitte auf.<br />

VIER BIS FÜNF FARBEN KOMMEN SCHICHT für Schicht<br />

hinzu. Während eine trocknet, widmet sich der Künstler<br />

anderen Werken. Was auch sinnvoll sei, entstehen sie<br />

doch oftmals in Serien, wie aktuell zu sehen im Palazzo<br />

Bembo während der Biennale di Venezia. Dort hängen<br />

acht Leinwände von zwei mal anderthalb Metern, alle in<br />

Blau-Türkis-Tönen in der Ausstellung. In ihnen stecken<br />

ein halbes Jahr Arbeit, verrät Whelan. 15 bis 16 Bilder<br />

hätten es hingegen nicht nach Italien geschafft.<br />

Ob er auch einige Werke nicht abschließe, aufgebe?<br />

Whelan bejaht, schließlich müsse er mit dem Bild zufrieden<br />

sein – da mache er keine Kompromisse. Keines gelänge<br />

aus seiner Sicht komplett, immer sei es mehr eine Annäherung<br />

an die Perfektion. Verzweifeln lasse ihn das<br />

nicht. „Ich sage mir, das nächste Mal wird es besser.“<br />

DER WEG ZU DIESEM GANZ EIGENEN künstlerischen<br />

Ausdruck begann vor über zwanzig Jahren in Spanien.<br />

Nach seinem Kunststudium in Dublin arbeitete Whelan<br />

ein paar Jahre in einem Verlag. Mit der Zeit fühlte sich<br />

das für ihn immer mehr nach Enge, Routine an. Er zog<br />

ins spanische Granada, mietete ein altes Haus in den<br />

Bergen in einem Ort mit 500 Einwohnern und begann<br />

wieder zu malen. Das Licht, die Stille und der Platz hätten<br />

ihm den Neuanfang ermöglicht. Nach sechs Jahren<br />

habe er dann seine erste Einzelausstellung in Spanien<br />

gezeigt. Vielleicht spielte auch die Liebe eine Rolle: Mit<br />

Gabi, die es als Biologin bei der Max-Planck-Gesellschaft<br />

zunächst nach Hannover, 2006 dann nach Göttingen<br />

verschlug, beschloss er, eine Familie zu gründen.<br />

Dieser und der Kunst gehören seitdem sein Leben.<br />

Was sich im Laufe der Jahre gewandelt habe in seinen<br />

Bildern? Whelan überlegt. Er konzentriere sich auf wenige<br />

Farben, früher seien seine Werke bunter gewesen. Aktuell<br />

sind sie fast nur blau, grau, violett und sandfarben,<br />

teils finden sich silberne Details. Die Bilder tragen Namen<br />

wie ,Zirkel der Gefühle‘, ,Himmelsfigurationen‘<br />

oder ,reisendes Licht‘. Er würde seinen Stil als organisch<br />

beschreiben, mit Wachstum und Bewegung.<br />

UND WARUM GERADE DAS BLAU wie das Wasser? Das<br />

lasse ihn an seine Heimat denken, sagt Whelan und<br />

lächelt: „Es erinnert mich an meine Kindheit in Irland,<br />

wo der Himmel ständig wechselte.“ Dazu komme Wasser<br />

nach dem Regen, wenn alles nass sei. Nicht nur das<br />

Meer habe dieses tiefe Blau. In der kommenden Woche<br />

werde er all dieses nach zwei Jahren Pandemie wiedersehen.<br />

Blau kann schließlich auch die Farbe der Ferne<br />

und der Sehnsucht sein. ƒ<br />

96 3 | <strong>2022</strong>


mensch<br />

Ton in Ton Fintan Whelan auf der Palazzo Bembo während der Biennale in Venedig – ein echter Ritterschlag für einen Künstler, dabei zu sein.<br />

Aktuelle Ausstellung in Göttingen<br />

Im Dezember ist Fintan Whelan in einer Einzelausstellung<br />

in Göttingen zu sehen. Vom 9. bis 11. Dezember werden<br />

seine Bilder im Holbornschen Haus, Rote Straße 34,<br />

gezeigt. Eröffnung ist am 9.12. um 18 Uhr.<br />

Mehr zu Fintan Whelan<br />

fintanwhelan.com<br />

instagram.com/fintan_whelan<br />

3 |<strong>2022</strong> 97


mensch<br />

Fit an der Platte<br />

Lukas Bank ist ein begnadeter Koch. Er tischt<br />

Prominenten auf und kredenzt in den besten<br />

Restaurants der Welt. Nun betreibt der<br />

Eichsfelder die Eventkitchen – und bringt damit<br />

hochklassige Gastronomie nach Göttingen.<br />

TEXT RUPERT FABIG<br />

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

98 3 |<strong>2022</strong>


mensch<br />

3 |<strong>2022</strong> 99


mensch<br />

Wahrscheinlichkeit noch nie auch nur annähernd so gut<br />

bekocht wurde. Keine Übertreibung, für die an dieser<br />

Stelle Gelder geflossen sind. Bank ist schlicht ein genialer<br />

Kochkünstler, einer der besten, die Deutschland zu bieten<br />

hat. Zugeben würde er das selbst niemals. Dafür ist<br />

er viel zu zurückhaltend.<br />

„Am Ende des Abends überglückliche<br />

Gäste zu haben, macht süchtig.“<br />

LESEZEIT: 8 MINUTEN<br />

Wer sich zufällig in die Eventkitchen<br />

by Lukas Bank an der<br />

Kurzen Straße in Göttingen<br />

verirrt, wird auf einen sympathischen,<br />

wenngleich – er mag<br />

es verzeihen – auch durchaus<br />

etwas unscheinbaren Mann<br />

treffen. Auf „Lukas aus Kirchgandern“, wie er sich<br />

selbst freundlich vorstellt. 32 Jahre, gepflegtes Äußeres,<br />

wache Augen hinter der Brille, angenehmer Eichsfelder<br />

Akzent.<br />

Wer mit Lukas Bank ins Gespräch kommt, dürfte<br />

schon hellhöriger werden und den Eindruck erhalten,<br />

dass hier ein Koch am Werk ist, der sein Handwerk beherrscht.<br />

Vor allem aber beherrscht er die Kunst des<br />

Understatements.<br />

Denn wer sich schließlich von Bank bekochen lässt,<br />

wird unweigerlich feststellen, dass er soeben mit hoher<br />

ABER ERSTMAL KURZ DURCHATMEN, die Köstlichkeiten<br />

verdauen und die Zutaten aufzählen, die die Eventkitchen<br />

zum Genusstempel machen.<br />

Also: Es war einmal der kleine Lukas, der Pilot werden<br />

wollte, aber „zu schlecht in der Schule war“. Da seinem<br />

Vater aufgefallen war, dass sich der Sohn ständig in der<br />

Küche herumtreibt, legte er ihm ein Praktikum in der<br />

Hölle für lukullische Genüsse nahe: in der Kantine einer<br />

Jugendherberge. Bank hielt stand. Mehr noch, es gefiel<br />

ihm, weswegen ein Praktikum im Friedländer Landhaus<br />

Biewald folgte. Hier wiederum muss der heranwachsende<br />

Lukas erstmals Eindruck hinterlassen haben, denn<br />

ihm wurde unmittelbar eine Ausbildung angeboten. „Da<br />

bin ich erstmals mit dem Fine Dining in Kontakt gekommen“,<br />

erzählt Bank. Und anschließend schaute er bis<br />

heute nie wieder in den Rückspiegel – außer vielleicht in<br />

den seiner heißgeliebten Motocross-Maschine, aber das<br />

ist eine andere Geschichte.<br />

Von hier an nimmt sein Berufsleben einen rasanten<br />

Verlauf. Bank „rutscht in die Sterne-Schiene“, wie er<br />

sagt. Er kocht in Kitzbühel bei Simon Taxacher im<br />

zweitbesten Restaurant des Landes, im Sissi-Schloss in<br />

Salzburg, einigen der Topadressen Deutschlands, kommt<br />

in Kontakt mit Prominenten, für die er als Privatkoch<br />

auftischt. Beispiele gefällig? Zu seinen Fans zählen<br />

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard, Oligarch Roman<br />

Abramowitsch und Fußballweltmeister Mario Götze,<br />

dessen Hochzeitsmenü Bank zauberte. Auch gut betuchte<br />

Unternehmer buchen den bodenständigen Eichsfelder<br />

regelmäßig. Wer ein bisschen recherchiert, wird herausfinden,<br />

dass sich damit erstaunliche Tagessätze erzielen<br />

lassen. Doch darum geht es Bank nicht primär. Seine<br />

Motivation: „Am Ende des Abends überglückliche Gäste<br />

zu haben, macht süchtig.“<br />

Dabei ist er sich stets treu geblieben. Setzt Profit nie<br />

vor Professionalität, verfiel, durchaus branchenunüblich,<br />

nicht dem Alkohol, was seine sportliche Statur belegt,<br />

und verließ einst auch ein Spitzenrestaurant, „weil ich<br />

den Umgangston für unangebracht hielt“.<br />

DER ZEIT ALS PRIVATKOCH ging unter anderem noch<br />

ein Aufenthalt in Vancouver voraus – muss man erwähnen,<br />

dass es in einem der besten Restaurants Kanadas<br />

war? –, bevor Bank spontan nach Sydney ging. „Eigentlich<br />

wollte ich denen in Australien was zeigen – stattdes-<br />

100 3 | <strong>2022</strong>


mensch<br />

sen habe ich praktisch das Kochen dort nochmal neu<br />

erlernt“, erzählt der 32-Jährige. „Wir kochen in Deutschland<br />

viel zu kompliziert, dabei gibt es so viele einfache<br />

Gerichte und Restaurantkonzepte. Verglichen damit<br />

sind wir totale Hinterwäldler.“<br />

Das Neuerlernen, den richtigen Mix aus allen Einflüssen<br />

zu finden, endet bei Bank nie. „Ich schaue regelmäßig<br />

bei Kollegen über die Schulter, um fit an der Platte<br />

zu bleiben.“ Momentan fokussiert er sich darauf, seine<br />

Skills bei asiatischem Essen – also echtem, nicht dem<br />

hierzulande häufig servierten China-Fresstempel-Menü<br />

– zu schleifen. „Geile Ramen und eine authentische Pho<br />

fallen nicht vom Himmel“, sagt Bank. Er wird Monate<br />

daran arbeiten. Und er liebt das. Die Herausforderung.<br />

Wenn ein Gast beispielsweise ein marokkanisches Menü<br />

wünscht. „Ihm dann ein besonderes Erlebnis rüberzubringen,<br />

macht wirklich Spaß.“<br />

WAS BANK, DER SEINEN STIL ALS „jung, wild und modern“<br />

bezeichnet, selbst nicht mag, kommt ihm nicht auf<br />

den Teller. Stichwörter: Sahne, Mayo, Frittiertes – „das<br />

Einmaleins des schlechten Kochens“. Als eine Art ,Signature<br />

Dish‘ hat sich derzeit das sardische Hartweizengericht<br />

Fregola Sarda etabliert, Wagyu-Fleisch verarbeitet<br />

er ebenfalls mit Vorliebe. Er kocht stets mit möglichst<br />

vielen regionalen und vor allem extrem frischen Zutaten<br />

– wie den Kirschtomaten aus seinem eigenen Garten.<br />

Fisch beispielsweise bezieht der Gourmet – persönliche<br />

Lieblingsspeise: Sushi – vom Feinkosthändler Costa<br />

Nova, der den Fang zunächst auf Wurmbefall röntgt<br />

und anschließend bei minus 72 Grad Cel sius schockfrostet.<br />

Frisch blieb auch Bank trotz aller Reisestrapazen als<br />

Privatkoch. Doch die Familie zog ihn vor einiger Zeit<br />

zurück in die alte Heimat nach Kirchgandern. Das hat<br />

nicht nur den Vorteil, dass sein inzwischen einjähriger<br />

Sohn Aaron feinste Speisen mit in den Kindergarten<br />

nimmt und Bank am heimischen Herd „Schadensbegrenzung“<br />

betreiben kann, sondern auch, dass Göttingen<br />

um eine kulinarische Attraktion reicher ist. Privatkoch<br />

ist er nebenher noch immer. Der Fokus liegt auf der<br />

Eventkitchen.<br />

Ein Vorgeschmack auf die Eventkitchen – von flambiertem Sockey Lachs (l.)<br />

über geschmorte Ochsenbacke (o.) bis hin zum Schokoladenparfait in<br />

Banks persönlicher ,Black Forrest Edition‘ (u.) mit Ganage, Biskuit,<br />

Kirschgel und -sorbet, serviert in Stonehead-Figuren aus dem 3D-Drucker.<br />

GEMEINSAM MIT EINEM HERSTELLER von hochwertigen<br />

Holztischen und seiner Mutter – die mit home by<br />

ASA passenderweise ein Geschäft für Küchenkeramik<br />

und -porzellan betreibt – teilt sich Lukas Bank seit November<br />

vergangenen Jahres die Räumlichkeiten in der<br />

Göttinger Innenstadt und den Kundenkreis. Die Zielgruppe<br />

ist vielfältig. Vorstandsfeiern von Unternehmen,<br />

private Ehrentage, Kunden, die für ihr Geschmackserlebnis<br />

nicht extra nach Kopenhagen fliegen möchten.<br />

3 |<strong>2022</strong> 101


mensch<br />

Essen als Event Im ungewöhlichen Ambiente der Eventkitchen von Lukas Bank stehen die Gäste wahlweise selbst mit am Herd,<br />

können sich aber vom Spitzenkoch auch einfach nur verwöhnen lassen.<br />

Überwiegend und am liebsten kocht Bank einfach nur<br />

selbst für seine Gäste, achtet penibel auf Sauberkeit, die<br />

kunstvolle Anrichtung der Gerichte und Wahl der Teller.<br />

Andere Möglichkeit: In einem Kochkurs light, bei dem<br />

rund 70 Prozent der Speisen vorbereitet sind, können<br />

sich die Teilnehmer selbst beteiligen. Zudem werden<br />

auch klassische Kochkurse angeboten, in denen man alles<br />

von der Pike auf lernt.<br />

AB ACHT PERSONEN und 120 Euro pro Kopf ist man<br />

im Rennen. Geboten werden mindestens drei Gänge, ein<br />

Apéro, Brot mit Dips, die Getränke gibt es inklusive. Die<br />

Auswahl des Menüs wird individuell mit jedem, der zumeist<br />

offenen und kultivierten Kunden ein bis zwei Wochen<br />

vorab besprochen. Wer möchte, erhält ein herausragendes<br />

Schokoladenparfait, die ,Schwarzwald-Edition‘,<br />

mit Ganage, Biskuit, Kirschgel und -sorbet serviert in<br />

Stonehead-Figuren aus dem 3D-Drucker. Besonders<br />

häufig werde die sogenannte gefakte Ananas gewünscht.<br />

Das Dessert ist so ziemlich das Einzige, das nur vorgetäuscht<br />

ist in Banks Küche. Einen Stern könnte er vermutlich<br />

spielerisch erkochen. „Aber einerseits fehlt mir<br />

dafür der Service in meinem Privatrestaurant, andererseits<br />

ist das nicht mein Ziel“, sagt Bank. „Ich möchte<br />

mir nicht den Druck machen, sondern so frei kochen,<br />

wie ich Lust habe.“ Eine Lust, die zu spüren ist und die<br />

durchaus süchtig macht. ƒ<br />

EVENTKITCHEN by Lukas Bank<br />

Kurze Straße 2<br />

37073 Göttingen<br />

Tel. 0175 7849374<br />

lukasbankchef@gmail.com<br />

professionalcooking-lb.com<br />

102 3 | <strong>2022</strong>


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37085 Göttingen<br />

Ansprechpartnerin: Bettina Cor<br />

Telefon: 0551 799-2130<br />

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FOTOS: LICHTBLICK<br />

Firmengebäude in Heilbad Heiligenstadt<br />

Geschäftsführer: Markus Liese, Steven Hartmann<br />

Sonnenschutz von Lichtblick<br />

Die Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH hat ihr neues Firmengebäude bezogen. Das Heiligenstädter Unternehmen baut<br />

damit die heimische Produktion von Sicht- und Sonnenschutzsystemen aus und stärkt seine Präsenz in Südniedersachsen.<br />

Sein Unternehmen hatte Markus Liese<br />

2010 in Thalwenden gegründet. Zunächst<br />

lag der Fokus auf dem reinen<br />

Onlinehandel mit Sicht- und Sonnenschutzsystemen<br />

verschiedener Hersteller, doch 2013<br />

kam mit Lichtblick-Original auch die erste eigene<br />

Marke hinzu, unter der Rollos, Plissees,<br />

Vorhänge und Fensterfolien vermarktet wurden.<br />

„Schon meine Eltern haben 1978 begonnen,<br />

Sonnenschutzprodukte zu fertigen“, sagt<br />

Liese. „Von daher habe ich inzwischen über<br />

40 Jahre Erfahrung mit dem Thema.“ Diese<br />

Erfahrungen flossen auch in die eigenen Produkte<br />

ein.<br />

MIT LICHTBLICK-ORIGINAL haben wir den<br />

Grundstein für unsere Sonnenschutzprodukte<br />

gelegt. Diese Submarke ist gedacht, um<br />

hochwertige und zeitlose Produkte für möglichst<br />

viele Typen von Wohnungen, Fenstern<br />

und Anforderungen zu ermöglichen.<br />

Und weil es im Sonnenschutz nicht das<br />

eine Produkt gibt, das für alle passt, haben wir<br />

mit zunehmender Erfahrung unterschiedliche<br />

Submarken entwickelt, die vom klassischen<br />

Rollo bis zum maßgeschneiderten Sonnenschutzsystem<br />

für den professionellen Einsatz<br />

alle Bedürfnisse abdecken.<br />

MIT LICHTBLICK-KREATIV kam 2015 eine weitere<br />

Marke hinzu. Bei Lichtblick-Kreativ kann der<br />

Kunde die Rollos, Plissees oder Fenster folien<br />

bedrucken lassen, sei es mit eigenen Motiven<br />

wie dem Firmenlogo oder mit einer der 1.200<br />

verschiedenen Grafiken aus unserem Angebot.<br />

„Wir bedrucken und bauen dann den gewünschten<br />

Sonnenschutz bei uns im Haus“, so Liese.<br />

Zuletzt wurde die Marke LICHTBLICK-OBJEKT<br />

ins Leben gerufen. „Da sind wir im direkten<br />

Kundengeschäft unterwegs, denn hier nehmen<br />

Beratung und Service eine viel wichtigere<br />

Rolle ein“, so Liese. „Wir fahren mit Mustern<br />

zu den Kunden raus, sei es auf die Baustelle,<br />

zum Privathaus oder in die Geschäftsstelle,<br />

und machen vor Ort das Aufmaß. Wir übernehmen<br />

ebenfalls die Montage.“ Es sind nicht<br />

nur Privatkunden, sondern auch viele Unternehmen,<br />

die Lichtblick ausstattet, vom Fitnessstudio<br />

über die Arztpraxis bis zum Hotel.<br />

Durch den Neubau direkt an der A38 existiert<br />

nun die Möglichkeit, im Innenbereich<br />

einem Ausstellungsraum und auf dem Außengelände<br />

einen großen Showroom zu installieren,<br />

in denen sich Kunden verschiedene<br />

Lösungen anschauen können. Bisher bedient<br />

Lichtblick mit seinen zwanzig Mitarbeitern<br />

schon bis in den Göttinger Raum hinein Kunden<br />

– doch hier wollen Markus Liese und Steven<br />

Hartmann, zweiter Geschäftsführer des<br />

Unternehmens, künftig noch präsenter werden.<br />

DER NEUBAU BIETET auch den nötigen<br />

Raum, weiter zu wachsen: „An unserem alten<br />

Standort waren die Kapazitäten begrenzt, und<br />

wir haben einen großen Teil unserer Produktion<br />

an Lieferanten ausgelagert“, so Markus Liese.<br />

„Jetzt können wir unsere eigene Produktion<br />

entsprechend erweitern.“ Auch die Themen<br />

Nachhaltigkeit und Smart Home in Kombination<br />

mit Sicht- und Sonnenschutz wird Lichtblick<br />

künftig stärker berücksichtigen, da die<br />

Kundennachfrage in diese Richtung geht.<br />

KONTAKT<br />

Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH<br />

Dr.-Gerhard-Müller-Str. 2<br />

37308 Heilbad Heiligenstadt<br />

Tel. 03606 502 33-0<br />

info@lichtblick-net.de<br />

lichtblick-net.de


PROFIL<br />

ANZEIGE<br />

FOTOS: OTTOBOCK<br />

Tradition trifft Moderne Das in Duderstadt verwurzelte Familienunternehmen Ottobock gestaltet zukunftsweisende Produkte weltweit.<br />

Innovationen für mehr Lebensqualität<br />

Seit über 100 Jahren setzt Ottobock mit innovativen Produkten Standards – und sorgt mit der<br />

Erschließung neuer Geschäftsfelder für spannende Jobperspektiven.<br />

Als das Unternehmen 1919 von Otto<br />

Bock in Berlin gegründet wurde,<br />

handel te es sich aus heutiger Sicht<br />

um ein waschechtes Start-up. Diesen Spirit<br />

hat sich Ottobock erhalten – und entwickelt<br />

heute mit mehr als 9.000 Mitarbeitenden<br />

in fast 60 Ländern biomechanische und orthopädische<br />

Hochtechnologie ganz nah am<br />

Menschen. Von der bionischen Handprothese<br />

bis hin zum mikroprozessorgesteuerten<br />

Kniegelenk: Die Produkte von Ottobock verschieben<br />

Grenzen des Machbaren und helfen<br />

Menschen, ihre Bewegungsfreiheit zu bewahren<br />

oder zurückzugewinnen.<br />

Die Zukunft im Blick<br />

Neben den Produktbereichen Prothetik, Orthetik<br />

und Rollstühle forscht Ottobock seit 2012<br />

auch an innovativen Lösungen, um Arbeitsplätze<br />

in Industrie, Logistik und Handwerk ergonomischer<br />

zu gestalten. Ziel von ‚Ottobock Bionic<br />

Exoskeletons‘ ist, Menschen mit körperlich anspruchsvollen<br />

Tätigkeiten, wie beispielsweise<br />

Überkopfarbeit, zu entlasten und gesündere<br />

Arbeitsbedingungen zu schaffen. Der Bereich<br />

bietet eine breite Palette von Exoskeletten und<br />

Lösungen zur Unterstützung unterschiedlicher<br />

Körperpartien wie Rücken, Schulter, Arme,<br />

Handgelenke oder Finger.<br />

„Fachkräftemangel und eine alternde Belegschaft<br />

führen zu einem erhöhten Bedarf an<br />

Lösungen, die es Menschen ermöglichen,<br />

ihrer Arbeit gesundheitsschonend und langfristig<br />

nachzugehen. Auch die zunehmende<br />

Bedeutung von Arbeitssicherheit und ein Bewusstsein<br />

für Folgekosten tragen zum dynamischen<br />

Wachstum des Marktes bei“, sagt<br />

Dr. Sönke Rössing, CEO von Ottobock Bionic<br />

Exoskeletons.<br />

2021 erweiterte Ottobock mit dem ‚Exopulse<br />

Mollii Suit‘ auch im Bereich NeuroMobility<br />

sein Portfolio. Der Neuromodulationsanzug<br />

löst verkrampfte Muskeln, die oft Folgen<br />

spastischer Lähmungen und anderer neurologischer<br />

Bewegungsstörungen sind, mit<br />

elektrischen Impulsen. So kann zum Beispiel<br />

die Studentin Louisa, die an MS erkrankt ist<br />

und seit dem 25. Lebensjahr auf Rollstuhl und<br />

Rollator angewiesen war, wieder unbeschwert<br />

gehen.<br />

Der Mensch im Mittelpunkt<br />

Der Mut, neue Wege zu gehen, ist ein ebenso<br />

wichtiger Wachstumstreiber wie die Menschen,<br />

die mit ihren Ideen und ihrem Engagement<br />

hinter unseren Produkten und Dienstleistungen<br />

stehen: Sie halten die Ottobock­ Welt mit<br />

Erfindergeist und Spielfreude in Bewegung.<br />

Daraus ergeben sich vielfältige Jobperspektiven<br />

und internationale Entwicklungsfelder,<br />

die im Team stets erweitert und ausgebaut<br />

werden sollen.<br />

KONTAKT<br />

Ottobock SE & Co. KGaA<br />

Max-Näder-Str. 15<br />

37115 Duderstadt<br />

jobs@ottobock.de<br />

www.ottobock.com/karriere


mensch<br />

Die letzte Meile<br />

Felix Dossmann hat mit Grünfuchs Logistik in Göttingen eine Lösung für die Paketzustellung bis zur<br />

Haustür entwickelt – und leistet damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den zunehmenden<br />

Lieferverkehr. Ein Konzept, das als Franchise bereits in weiteren Städten ankommt.<br />

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

LESEZEIT: 5 MINUTEN<br />

Der Logistik-Stau passiert vor der Haustür:<br />

Wenn sich hier den Tag über die verschiedenen<br />

Paketdiensttransporter die Klinke in die<br />

Hand geben, wird das Problem ersichtlich.<br />

Noch schwieriger ist die Situation in der Fußgängerzone,<br />

die eigentlich nur in einem kleinen Zeitfenster von Lieferwagen<br />

befahren werden darf – ein Fenster, das aber<br />

bei Weitem nicht mehr ausreicht.<br />

Es ist das Problem der ,letzten Meile‘ – ein Fachbegriff<br />

aus der Logistik, der den Verkehrs- und Organisationsaufwand<br />

beschreibt, der im Lieferverkehr auf dem Weg<br />

vom lokalen Distributionszentrum bis zur Anlieferung<br />

anfällt. Hier entstehen zudem die meisten Fahrt- und<br />

Personalkosten. Nach Lösungen für die letzte Meile<br />

wird schon lange gesucht – derjenige, der eine davon<br />

gefunden hat, heißt Felix Dossmann. Seine <strong>2022</strong> gegründete<br />

Grünfuchs Logistik GmbH ist seit diesem Sommer<br />

unterwegs – und das für alle Kunden sichtbar.<br />

DOSSMANN BLICKT AUF reichhaltige Unternehmensund<br />

Gründungserfahrung zurück. Der gebürtige Iserlohner<br />

bekam das quasi mit in die Wiege gelegt: Sein Vater<br />

hatte bereits eine Softwarefirma im Bereich Druck und<br />

Verpackung gegründet, in der Felix Dossmann schon<br />

früh mitgearbeitet hat. „Ich hatte mir allerdings geschworen,<br />

selbst nie Unternehmer zu werden“, erzählt<br />

Dossmann und lacht herzlich auf. Dass es doch anders<br />

kam, passierte nebenbei.<br />

Während des Studiums in Göttingen arbeitete er am<br />

Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl und bekam darüber einen<br />

Praktikumsplatz bei Bertelsmann. Dort war Dossmann unter<br />

anderem für New Media Development bei einem Bertelsmann-Start-up<br />

zuständig und wurde dafür als Chief<br />

Technical Officer nach New York geschickt. „Ich war damals<br />

22. Das war alles sehr spannend, aber ich habe mich<br />

dann doch dagegen entschieden, bei dem Start-up zu bleiben.<br />

Ich wollte mich lieber selbstständig machen.“<br />

106 3 | <strong>2022</strong>


mensch<br />

3 |<strong>2022</strong> 107


mensch<br />

Daraus resultierte die Gründung der DFF Solutions,<br />

die das Ziel verfolgte, das Papier im Auslieferungsprozess<br />

abzuschaffen. Die Idee zündete und hatte Erfolg,<br />

große Kunden wie die Metro und zahlreiche große Lebensmitteldiscounter<br />

nutzten das System – bis heute.<br />

„Aus Göttingen heraus wurden wir der Marktführer im<br />

Lebensmittelbereich für dieses System“, erklärt Dossmann.<br />

Am Ende hatte die Firma rund 40 Mitarbeiter.<br />

„Doch die Konzepte kamen weiterhin nur von mir.“ Es<br />

war absehbar, dass es mit einem deutlich professionelleren<br />

Personalmanagement weitergehen musste – also entweder<br />

mit einem Partner oder mit einer veränderten<br />

Rolle für ihn selbst. „Ich habe damals festgestellt, dass<br />

ich in großen Unternehmen einfach nicht so gut funktioniere,<br />

und habe deswegen die Firma verkauft.“ Er blieb<br />

noch einige Zeit danach als Director of Operations im<br />

Unternehmen, verließ es aber 2018 endgültig – mit einem<br />

Wettbewerbsverbot in der Logistik für die kommenden<br />

zwei Jahre.<br />

„Ich durfte zwar nicht in der Logistik tätig sein, aber<br />

Gedanken über entsprechende Konzepte durfte ich mir<br />

natürlich machen“, erzählt Dossmann. Zunächst begleitete<br />

er als Berater andere Unternehmen unter anderem<br />

bei der Prozessdigitalisierung und -analyse, bis er 2021<br />

zusammen mit einer Geschäftspartnerin die boldly GmbH<br />

gründete – ein Unternehmen, das gezielt Start-ups scoutet,<br />

fördert und in sie investiert. Den Namen hatte sich<br />

Star-Trek-Fan Dossmann vom Leitspruch der Serie geliehen:<br />

to boldly go, where no one has gone before – mutig<br />

dorthin zu gehen, wo noch niemand zuvor war.<br />

DAS STECKENPFERD LOGISTIK hat Dossmann allerdings<br />

nicht losgelassen. „Man muss nur aus dem Fenster<br />

gucken und sieht jeden Tag die ganzen Paketdienste vorfahren.<br />

Zwei Jahre habe ich letztlich an der Idee getüftelt,<br />

wie man diesen ganzen Aufwand reduzieren kann.“<br />

Er stimmte sich mit ProCity ab, ein interfraktioneller<br />

Ratsantrag ebnete den Weg. Herausgekommen ist der<br />

Grün fuchs, der inzwischen im Gewerbegebiet von Elliehausen<br />

direkt an der A7 seine erste Sortieranlage für Pakete<br />

in Betrieb genommen hat: den SmartCity Microhub.<br />

Die Idee ist von simpler Eleganz: Im Idealfall liefern<br />

alle großen Paketdienste – DHL, dpd, Hermes etc. – die<br />

Sendungen an das Verteillager des Grünfuchs. Dort werden<br />

die Pakete entsprechend sortiert, am Ende in kleine<br />

Lastenräder eingeladen und dann ausgeliefert. Im Ergebnis<br />

reduziert sich der Gesamtaufwand für die Paketzustellung<br />

erheblich: Derzeit beträgt die tägliche Fahrstrecke<br />

der Paketdienste durchschnittlich 3.500 Kilometer –<br />

allein in Göttingen.<br />

Durch den Grünfuchs-Ansatz kann diese Wegstrecke<br />

um bis zu 67 Prozent reduziert werden, die Fahrzeit pro<br />

Ausliefertour halbiert sich und damit verringert sich auch<br />

die Größe der benötigten Zustellflotte. Daraus resultieren<br />

Konditionen, die es für Paketdienste attraktiv machen,<br />

für die letzte Meile auf Grünfuchs zurückzugreifen. Entsprechend<br />

laufen derzeit viele Gespräche. Dossmann geht<br />

derzeit davon aus, dass der Göttinger im Stadtgebiet ab<br />

<strong>Herbst</strong> eine deutliche Reduktion der Zustellfahrzeuge sehen<br />

wird – und die grün-weißen Lastenräder dafür sichtbar<br />

in Erscheinung treten werden.<br />

108 3 | <strong>2022</strong>


DAS<br />

familiäre<br />

GYMNASIUM in Bad Sachsa<br />

Das Pädagogium Bad Sachsa ist für 360 Jugendliche<br />

sowohl Gymnasium vor Ort als auch Internat. Schüler,<br />

Eltern und Lehrer kennen sich und arbeiten eng<br />

zusammen. Das schafft Vertrauen und eine gute<br />

Lernatmosphäre, so dass auf persönliche Stärken<br />

und Schwächen der Schüler sinnvoll reagiert<br />

werden kann. Die Qualifikationsphase bietet drei<br />

Profile mit vielfältigen kleinen Kursen.<br />

Ihre Fragen beantwortet gern:<br />

Herr Schwark (0 55 23 / 30 01-15).<br />

Anmeldungen sind jederzeit möglich.<br />

Staatlich anerkanntes<br />

Gymnasium mit<br />

Internat<br />

Ostertal 1-5 · 37441 Bad Sachsa<br />

Telefon: 05523/30 01-0<br />

kontakt@internats-gymnasium.de<br />

www.internats-gymnasium.de<br />

Das Gymnasium Pädagogium Bad Sachsa ist eine Schule<br />

in freier Trägerschaft mit angeschlossenem Internat. Es<br />

liegt am Stadtrand von Bad Sachsa, einer familienfreundlichen<br />

Kleinstadt am Südharz mit vielen Geschäften, allen<br />

Ärzten, mehreren Kindergärten und allen Schulformen<br />

vor Ort. Der Mietspiegel ist günstig.<br />

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Werte und Normen oder Religion;<br />

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Auch qualifizierte Quereinsteiger*innen sind herzlich willkommen.<br />

Ihre Bewerbung richten Sie bitte per E-Mail<br />

oder schriftlich an:<br />

Pädagogium Bad Sachsa<br />

Torsten Schwark, Schulleiter<br />

Ostertal 1-5<br />

37441 Bad Sachsa<br />

E-Mail: torsten.schwark<br />

@internats-gymnasium.de<br />

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Unternehmen dabei, wie mehr Kreativität und Innovation<br />

ins eigene Unternehmen gebracht werden kann. Z.B. durch<br />

Ideen-Workshops oder den Design Thinking Ansatz.<br />

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Der DigitalHub ist ein Projekt von StartRaum Göttingen in Kooperation mit GWG


mensch<br />

» Wir sind letztlich so etwas wie ein mobiler Paketshop. «<br />

NOCH EINE WEITERE DIENSTLEISTUNG wird Grünfuchs<br />

anbieten, die von keinem der Paketdienstleister in<br />

dieser Form angeboten werden kann: Same day oder<br />

Next day delivery für den Einzelhandel der Stadt –<br />

Grünfuchs wird zum Abhol- und Lieferdienst für den<br />

lokalen Handel. Im Advent 2021 wurde das Prinzip<br />

schon in Kooperation mit dem Innenstadt-Einzelhandel<br />

angeboten und hat damit beim Kunden für Erstaunen<br />

gesorgt. In der Innenstadt an der Johanniskirche ist eine<br />

erste Annahmestelle für Pakete eröffnet worden. Der<br />

Kunde kann seine Einkäufe hier abgeben, die ihm später<br />

zugestellt werden – oder er lässt die Waren vom Geschäft<br />

selbst über den Grünfuchs nach Hause liefern.<br />

Zudem wird der Grünfuchs auch Retouren und Pakete<br />

entgegennehmen. „Wir sind letztlich so etwas wie ein<br />

mobiler Paketshop“, sagt Felix Dossmann.<br />

Und noch ein Angebot für den lokalen Einzelhandel<br />

schwebt dem Unternehmer vor. Die Halle in Elliehausen<br />

ist 5.500 Quadratmeter groß, nur ein winziger Teil, etwa<br />

250 Quadratmeter, werden für die Sortieranlage für die<br />

Pakete benötigt. „Einzelhändler brauchen verständlicherweise<br />

ein Lager, aber muss das bei denen im Gebäude ein<br />

ganzes Stockwerk einnehmen? Kleinere Händler könnten<br />

ihre Flächen besser nutzen, indem sie das Lager auslagern<br />

und trotzdem am selben Tag lieferfähig bleiben.“ Konkret<br />

kann beim Schuhhändler ein Modell anprobiert werden,<br />

wird jedoch eine andere Farbe gewünscht, liefert der<br />

Grünfuchs das entsprechende Modell in der richtigen<br />

Größe. Auch für Händler, die neu in den Onlinehandel<br />

einsteigen wollen, wäre das eine Option.<br />

IM HERZEN DES GESCHÄFTSMODELLS schlägt neben<br />

einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur und den logistischen<br />

wie ökologischen Vorteilen noch ein sozialer: Bei<br />

seinem Personal will Dossmann gezielt Menschen gewinnen,<br />

„die beruflich nicht so viel Glück hatten und<br />

denen wir eine Chance bieten können“, denn das Radfahren<br />

benötigt keine großen Qualifizierungen. Die Einbindung<br />

in die Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse<br />

soll für jeden Mitarbeiter genauso gelten wie<br />

Weiterentwicklungsmöglichkeiten. „Wer sich bei uns<br />

langfristig verpflichtet, kann eine Qualifikation als Anlagentechniker,<br />

Fahrradmechaniker bis hin zum Lkw-<br />

Fahrer durchlaufen.“<br />

Und weil die Räder ohnehin den ganzen Tag in der<br />

gesamten Stadt unterwegs sind, eignen sie sich auch als<br />

mobile Plattform für die Umweltdatengewinnung: Es<br />

werden unter anderem Lärm, Luftqualität sowie Erschütterungen<br />

und damit Informationen über Straßenschäden<br />

registriert und der Stadt zur Verfügung gestellt.<br />

DER GRÜNFUCHS-ANSATZ soll dabei nicht auf Göttingen<br />

beschränkt bleiben, sondern als Franchise-System<br />

auch andernorts verfügbar werden. Das Interesse für<br />

das deutschlandweite Letzte-Meile-Problem ist da: In<br />

Magdeburg und Leipzig wird das Konzept bereits eingesetzt.<br />

ƒ<br />

Warum Grünfuchs?<br />

Der Grünfuchs ist eine Figur, die Felix<br />

Dossmann mit seinen Töchtern für ihr selbst<br />

entwickeltes Spiel ,Pampomime‘ erfunden<br />

haben. Weil der Fuchs als schlaues Tier gilt und<br />

die Farbe Grün Ressourcenschonung und lokale<br />

Lieferanten symbolisieren soll, schlug eine Mitgesellschafterin<br />

Dossmanns das Tier dann als<br />

Logo und Namengeber für das neue Unternehmen<br />

vor, weil er auch gut für intelligente Nachhaltigkeit<br />

stehen kann. Von dem Ansatz überzeugt,<br />

gaben auch Dossmanns Töchter ihr O.K.<br />

Der logistische Albtraum Paketzustellung<br />

In einer mittelgroßen deutschen Stadt werden<br />

pro Tag rund 15.000 Pakete von verschiedenen<br />

Zustellern gleichzeitig ausgeliefert. Dabei werden<br />

etwa 3.500 Kilometer verfahren, 140 Fahrzeuge<br />

sind dafür im Einsatz. 8.000 Stopps für die<br />

Paketzustellung werden eingelegt. 1,86 Pakete<br />

werden pro Stopp ausgeliefert, ein Lieferfahrzeug<br />

fasst rund 130 Pakete, das ergibt 70 Stopps<br />

pro Tour, eine Tour dauert sieben Stunden.<br />

Was der Grünfuchs leisten kann: Bei einer gebündelten<br />

Zustellung von 15.000 Paketen pro<br />

Tag sind es vier Pakete pro Stopp, damit 3.800<br />

Stopps und 1.600 verfahrene Kilometer.<br />

110 3 | <strong>2022</strong>


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Der neue GLC überzeugt mit seiner Ausgewogenheit<br />

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Proportionen charakterisiert. Die sportliche Präsenz des<br />

SUV überzeugt in der Stadt genauso wie abseits der<br />

Straße. Zur Serienausstattung zählt unter anderem das<br />

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Volksheimstätte eG bleibt ihrem Erfolg treu<br />

Vertreterversammlung am 27.06.<strong>2022</strong><br />

Die Genossenschaftsvertreter wurden vom<br />

Vorstand und Aufsichtsrat der Volksheimstätte<br />

umfassend über das Geschäftsjahr 2021 informiert.<br />

Sie entlasteten einstimmig den Vorstand<br />

und den Aufsichtsrat, und Annegret Engelhard,<br />

Rainer Bolli und Stefan Buddenbohm<br />

wurden im Aufsichtsrat erneut bestätigt.<br />

Mit einem Jahresüberschuss in Höhe von<br />

2,7 Millionen Euro und einem Anstieg der Bilanzsumme<br />

von 92,8 Millionen Euro im Jahr<br />

2020 auf 97,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr<br />

2021 legte die Volksheimstätte erneut<br />

das beste Ergebnis in ihrer Unternehmensgeschichte<br />

vor. „Auch die erneut beschlossene<br />

Vier-Prozent-Verzinsung auf die ersten bis<br />

dritten Genossenschaftsanteile belegt unsere<br />

stabile Geschäftsentwicklung“, so Vorstandsmitglied<br />

Thorsten May anlässlich der Vertreterversammlung.<br />

Neubauprojekt Weserstraße 51 a<br />

auf dem Leineberg<br />

Auf dem Göttinger Leineberg errichtet die<br />

Wohnungsbaugenossenschaft ein Mehrfamilienhaus<br />

mit 18 modernen Zweizimmerwohnungen<br />

auf vier Etagen. Nach dem Abriss der<br />

Garagen auf dem Baugrundstück im Februar<br />

<strong>2022</strong> konnte direkt mit den Erdarbeiten für<br />

das Fundament begonnen werden. Aktuell<br />

liegen die Bauarbeiten voll im Zeitplan. Lieferengpässe<br />

wurden nicht verzeichnet, der<br />

planmäßigen Fertigstellung des Gebäudes im<br />

Frühjahr 2023 dürfte nichts entgegenstehen.<br />

Großsanierung Friedrich-Ebert-Straße<br />

in Weende<br />

Seit April <strong>2022</strong> laufen die Arbeiten zur Großsanierung<br />

in den Häusern 58–60. Neue Balkone,<br />

neue Gebäudehülle, neue Heizung, neue<br />

Kanäle und Versorgungs stränge bedeuten für<br />

die dort lebenden Mieter der Volksheimstätte<br />

eine Herausforderung der besonderen Art.<br />

Da auch in den Wohnungen selbst durch Badund<br />

Kücheneinbau kein Stein auf dem anderen<br />

bleibt, sorgt die Genossenschaft dafür,<br />

dass die Mieter auf Wunsch für die anstrengendste<br />

Zeit der Sanierung in Ferienwohnungen<br />

untergebracht werden. „Die Belastungen<br />

der Mieter durch die Kernsanierung sind sehr<br />

hoch. Doch alle ziehen mit, und dafür sind wir<br />

sehr dankbar!“, sagt Heike Klankwarth, Vorstandsvorsitzende<br />

der Volksheimstätte, und<br />

kommentiert damit die aktuelle Situation auf<br />

der Weender Großbaustelle.<br />

KONTAKT<br />

Volksheimstätte eG<br />

Wohnungsbaugenossenschaft<br />

Kasseler Landstraße 89<br />

37081 Göttingen<br />

Tel. 0551 37077-0<br />

vh@volksheimstaette.de<br />

volksheimstaette.de


leben<br />

Das Biest<br />

Der Unternehmer und überzeugte Fan erneuerbarer Energien<br />

Ingo Stephan testet den neuesten Hybrid-Ferrari.<br />

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN<br />

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

114 3 |<strong>2022</strong>


leben<br />

3 |<strong>2022</strong> 115


leben<br />

LESEZEIT: 6 MINUTEN<br />

Für Ferrari war es eine Premiere, als<br />

sie Anfang des Jahres einen Sechszylinder<br />

in eines ihrer Autos verpflanzt<br />

haben. Und während die<br />

eingefleischten Ti fosi – also Ferrari-Fans<br />

– wahlweise einen Rosenkranz<br />

beten oder ihren Acht- bis<br />

Zwölfzylinder streicheln, haben die<br />

Auto- und Motorenbauer aus dem<br />

Süden Italiens direkt noch einen Elektromotor dazugesteckt.<br />

Das Ergebnis heißt Ferrari 296 GTB, ist ein waschechter<br />

Hybrid – und ein echter Ferrari? Diese Frage<br />

soll heute Ingo Stephan für <strong>faktor</strong> beantworten. Der<br />

Geschäftsführer von 1Komma5° Göttingen, einem Kompetenzzentrum<br />

für Gebäudetechnik auf der Göttinger<br />

Siekhöhe, setzt seit Jahren auf Strom und die Energiewende.<br />

Mit Erfolg. Wer sonst sollte also Ferraris ersten<br />

V6-Elektro flitzer testen?<br />

Bereits der Weg zum Autohaus in Hannover – die<br />

Moll Sportwagen Hannover GmbH, einer der wenigen<br />

Ferrari-Händler in Deutschland – läuft stilecht ab, denn<br />

wir reisen von Göttingen mit Stephans Elektro-Audi in<br />

die Landeshauptstadt. Bei einer kurzen Ladepause auf<br />

halber Strecke sprechen wir über Idealismus im Handwerk,<br />

den Wunsch, die Welt zu retten, und den Traum<br />

jedes Jungen, einmal Ferrari zu fahren. Alle diese Dinge,<br />

da ist sich Ingo Stephan sicher, werden uns irgendwann<br />

gelingen. Zumindest Letzteres – die Fahrt im Ferrari – ist<br />

nur noch ein paar Kilometer entfernt.<br />

FOTOVOLTAIK, WÄRMEPUMPEN, ELEKTROMOBILITÄT.<br />

Stephan und die 1Komma5° GmbH reiten das Thema<br />

der Zeit. Die Auftragsbücher sind voll, das Unternehmen,<br />

ehemals Bode & Stephan, wächst. Anfang des Jahres<br />

kam der Namenswechsel, hinter dem so viel mehr steckt.<br />

„Wir sind jetzt Teil der Holding und damit sehr viel<br />

schlagkräftiger“, sagt der Gründer. Wir sind auf der A7<br />

in Richtung Hannover, den E-Audi fährt Stephan jetzt<br />

seit rund drei Jahren. Aus Überzeugung. „Und weil ich<br />

weiß, dass Elektroautos die besseren Autos sind.“ Durch<br />

den Namenswechsel werde auch deutlich, wie viel Idealismus<br />

in allem steckt, was er, sein Geschäftspartner<br />

Alexander Pape und die rund 80 Mitarbeitenden so vorhaben.<br />

Es braucht die Energiewende, das haben die vergangenen<br />

Monate gezeigt. Von Göttingen aus bringt<br />

1Komma5° diesen Change in die privaten Haushalte.<br />

„Wir arbeiten derzeit an 20 Objekten gleichzeitig“, sagt<br />

Stephan. Strom vom Dach, Wärme aus der Erde, Energie<br />

für das Auto. Was so einfach klingt, füllt bei vielen<br />

Handwerksbetrieben aktuell die Auftrags bücher über<br />

Monate und Jahre.<br />

Doch bei aller Sinnhaftigkeit, aller Vernunft und allen<br />

Wünschen für eine nachhaltige Zukunft: Mobilität ist<br />

auch Leidenschaft. Das wird spätestens klar, als der<br />

E-Audi das große Ferrari-Logo in Hannover passiert<br />

und eine Steckdose sucht. Unser Auto für den Tag, ein<br />

tiefschwarzer Ferrari 296 GTB (*Verbrauchswerte siehe<br />

Kasten Seite 118), wartet bereits unter der hoch stehenden<br />

Sonne. Erstmals hat Ferrari hier einen Sechszylindermotor<br />

gebaut. Normalerweise setzen die Sportwagen<br />

auf acht Zylinder oder in großen GT-Modellen<br />

sogar auf zwölf Zylinder. Das ist nicht nur eine Entscheidung<br />

der Ingenieure, sondern auch eine Haltung,<br />

die sich bei den Fans bis ins Mark verankert hat. Mit<br />

dem Mini-Motor beginnen diese zu zweifeln, zu fragen:<br />

Ist das überhaupt noch ein Ferrari?<br />

Die Antwort ist einfacher, als es sich der Purist vielleicht<br />

wünscht: ja, der Ferrari 296 GTB. Denn gemeinsam<br />

mit dem Elektromotor krallen sich 830 PS über die<br />

Hinterachse in den Asphalt. Aufgrund der speziellen<br />

Bauweise klingt der Sechszylinder auch größer, als er eigentlich<br />

ist. Fast doppelt so groß, wünschen sich zumindest<br />

die Ingenieure – und haben am Ende recht. Das<br />

macht unterm Strich mächtig Dampf, wie ein wilder<br />

Tiger beißt und brüllt es hinter dem Fahrersitz.<br />

MIT VORSICHT UND RESPEKT traut sich der rechte Fuß<br />

von Ingo Stephan heran, die Bestie zu zähmen. „Es<br />

braucht nur einen kleinen Tipper“, sagt der Unternehmer<br />

mit weit aufgerissenen Augen begeistert. Dann<br />

schaltet die Automatik wie bestellt um drei Gänge herunter,<br />

das ganze Auto meldet: Ich bin bereit. Lass uns<br />

loslegen. Und genau das passiert dann auch. Das blaue<br />

Autobahnschild salutiert und gibt die Spur frei.<br />

Der GTB ist ein kompakter und leichter Sportwagen,<br />

das Leergewicht von 1,4 Tonnen lässt die 830 PS schnell<br />

hinter sich. Auch ab 300 kennt der Ferrari nur eine Richtung.<br />

Nach 2,9 Sekunden war die 100 geknackt. „Mit<br />

Autofahren hat das wenig zu tun“, resümiert Stephan<br />

nach der ersten Stunde. „Das ist ein Biest.“ Aber ein wunderschönes.<br />

„Und sicher fühlt es sich auch an. Die Straßenlage<br />

ist brachial.“ Die Angst, einen Fehler zu machen,<br />

nimmt zumindest das Wissen um die dicke Bremsanlage,<br />

mit Scheiben so groß wie bei anderen Autos die Räder.<br />

Fast 400.000 Euro kostet dieses hybride Abenteuer aus<br />

Maranello. Wartezeit: rund anderthalb Jahre.<br />

Mittlerweile parkt der Edelsportwagen vor der<br />

1Komma5°-Firmenzentrale in Göttingen. Mitarbeiter<br />

kommen aus dem Gebäude, machen Fotos, freuen sich:<br />

„Endlich ist der neue Dienstwagen da.“ Ein Ferrari ist<br />

kein Auto. Ein Ferrari ist eine Erscheinung, ein Ereignis.<br />

Ein Abenteuer.<br />

116 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

»Mit Autofahren hat das wenig zu tun, das ist ein Biest.«<br />

3 |<strong>2022</strong> 117


leben<br />

Bevor wir wieder losgefahren sind, führt Ingo Stephan<br />

noch durch sein Büro. Oder besser: seinen Probe raum.<br />

Denn neben dem Schreibtisch steht ein komplettes Schlagzeug.<br />

„Ja, wir haben eine Band, und manchmal proben<br />

wir hier“, sagt Stephan eher zurückhaltend. „Letze Woche,<br />

da hatten wir aber einen Auftritt hier im Foyer, für<br />

Freunde und Kollegen.“ Seine Frau singt, Kumpels besetzen<br />

Bass und Gitarre. Gespielt wird, was gefällt und<br />

wem es gefällt. Dazu Bier, Brause und Fleisch vom Grill.<br />

Der GTB ist beinahe wie so ein Konzert. Ein bisschen<br />

drüber, unerwartet – aber mit Bier und Brause.<br />

„Es braucht ein Umdenken“, sagt Stephan zurück am<br />

Steuer und meint die Haltung der Menschen zum Thema<br />

Energie. Strom kommt in Zukunft nicht einfach aus der<br />

Steckdose, ist nicht mehr binär: an, aus. Die Energieversorgung<br />

der Zukunft ist schlau, ist vernetzt und kommuniziert<br />

mit dem Verbraucher. „Das kann sie schon jetzt“,<br />

sagt der Göttinger Unternehmer.<br />

Intelligente Systeme erkennen Zeiten, in denen mehr<br />

Strom gebraucht als produziert wird – oder andersherum<br />

– und leitet zwischengespeicherte Energie wie in einem<br />

Netzwerk hin und her. Von Haus zu Haus, Stadt zu<br />

Stadt oder Land zu Land. „Nur so kann es funktionieren.<br />

Smart.“<br />

Dann klappt es auch mit der Elektromobilität: schnelles<br />

Laden, intelligentes Reisen. Die erneute Pause auf der<br />

A7 bietet Entschleunigung und Zeit, um weiteren Gedanken<br />

nachzugehen. Zum Beispiel darüber, was ein<br />

Ferrari mit Elektromotor in den Köpfen und Herzen der<br />

Menschen macht, die ernsthaft an die Elektromobilität<br />

glauben. Und mit denen, die sie verspotten. „Ich denke<br />

schon, dass das auffällt. Aber mit gerade einmal 25 Kilometern<br />

elektrischer Reichweite muss man den Ferrari als<br />

Elektroauto nicht ernst nehmen“, sagt Ingo Stephan. Es<br />

zeige aber auch, dass selbst Sportwagenhersteller die<br />

Vorteile in der Elektromobilität erkennen. Auch, wenn<br />

diese andere Schwerpunkte setzen.<br />

ES IST WAHR, sagt der 54-Jährige, dass die ersten guten<br />

Elektroautos eher etwas für den erweiterten Geldbeutel<br />

sind. „Aber das war immer schon so mit neuer Technologie.“<br />

Für die überzeugten E-Mobilität-Gegner ist diese<br />

Aussage aber wohl genauso polarisierend, wie sie für<br />

die eingefleischten Ferrari-Fans ernüchternd ist. „Der<br />

Mensch ist eben ein Gewohnheitstier“, sagt Stephan und<br />

zieht damit sein heutiges Fazit zurück in Hannover. Es<br />

brauche erst einen Kick wie 830 PS auf der Hinterachse<br />

oder die nächste Nebenkostenabrechnung, um wirklich<br />

inspiriert zu werden und etwas ändern zu wollen. Gut<br />

also, dass es dann in jedem Fall eine Lösung gibt: etwas<br />

Fotovoltaik aufs Dach oder einen Ferrari in der Garage.<br />

Zumindest Letzteres sei für Ingo Stephan aktuell allerdings<br />

keine Option. Doch wer weiß – vielleicht irgendwann<br />

einmal ... Auch die Kollegen würden den neuen<br />

Dienstwagen sicher mehr als begrüßen. Bis dahin bleibt es<br />

aber das, was es sein soll: ein automobiler Traum. ƒ<br />

Zum Auto<br />

Modell:<br />

Motor:<br />

Leistung:<br />

Höchstgeschwindigkeit:<br />

Beschleunigung:<br />

*Verbrauch (kombiniert)<br />

Kraftstoff:<br />

Strom:<br />

CO 2 -Emissionen<br />

(kombiniert):<br />

Listenpreis:<br />

Zur Person<br />

Ferrari 296 GTB<br />

Hybrid, V6 Turbo,<br />

Elektromotor<br />

Verbrenner 663 PS,<br />

Elektromotor 167 PS,<br />

kombiniert 830 PS<br />

>330 km/h<br />

3,3 sek. von 0 auf 100 km/h<br />

7,4 l/100 km<br />

13,8 kWh/100 km<br />

169 g/km<br />

Baujahr: 1968<br />

Geburtsort:<br />

Ausbildung:<br />

Aktuelle Stelle:<br />

Familienstand:<br />

Erstes Auto:<br />

Aktuelles Auto:<br />

ab ca. 270.000 Euro<br />

Freiburg<br />

Ausbildung zum Elektriker<br />

(Wolfsburg), dann Zivildienst<br />

in Göttingen, seit 2003<br />

selbstständig<br />

Geschäftsführer bei<br />

1Komma5° GmbH<br />

verheiratet, zwei Kinder<br />

Golf 2, amerikanische<br />

Ausführung<br />

Audi E-Tron<br />

Lust auf einen rasanten Eindruck vom<br />

Ferrari 296 GTB? Dann schauen Sie<br />

Unternehmer Ingo Stephan doch bei<br />

der Probefahrt über die Schulter –<br />

in unserem <strong>faktor</strong>-Digital-Video unter:<br />

www.<strong>faktor</strong>-magazin.de/<strong>faktor</strong>-video<br />

118 3 | <strong>2022</strong>


E-Mobilität geht<br />

mit uns!<br />

Auch Sie sind<br />

jetzt e-mobil?<br />

Wir sorgen schon<br />

jetzt mit über<br />

100 Ladepunkten<br />

in Göttingen für<br />

die öffentliche<br />

Infrastruktur.<br />

pos-marken.de


leben<br />

Werte für die Ewigkeit<br />

Das Gemeinwohl in der Region fördern – das hat sich die Sparkasse Göttingen zum Ziel gesetzt.<br />

Auf dem Stiftungsportal Südniedersachsen können sich potenzielle Stifter und Interessierte informieren<br />

und gemeinsam Gutes tun.<br />

TEXT STEFAN LIEBIG ILLUSTRATIONEN STOCK.ADOBE.COM/ ANNETT SEIDLER<br />

LESEZEIT: 3 MINUTEN<br />

Der Blick ins Weltgeschehen lässt einen in<br />

die sen Tagen immer wieder verzweifeln: Kriege,<br />

Gewalt, Naturkatastrophen, Klimawandel …<br />

Viele wollen dabei helfen, einen kleinen oder auch einen<br />

größeren Beitrag zu einer etwas besseren Zukunft beizusteuern.<br />

Das kann zum einen durch Spenden realisiert<br />

werden oder aber sogar durch die Gründung einer eigenen<br />

Stiftung. Beides ist nicht ganz einfach. Denn wer<br />

spenden möchte, weiß nicht sofort, wem er sein Geld<br />

anvertrauen sollte, um es möglichst den eigenen Absichten<br />

entsprechend zielführend einzusetzen. Und wer eine<br />

Stiftung gründen möchte, muss sich erst einmal mit den<br />

entsprechenden Gesetzen und Rahmenbedingungen vertraut<br />

machen und anschließend Unterstützer finden.<br />

„An dieser Stelle setzt der Servicegedanke des Stiftungsportals<br />

Südniedersachsen an“, sagt Thomas Häntzsch,<br />

geprüfter Generationenberater und zertifizierter Financial<br />

Consultant der Sparkassen-Finanzgruppe. Als langjähriger<br />

Mitarbeiter der Sparkasse Göttingen kümmert<br />

er sich – integriert in der Abteilung Private Banking –<br />

beispielsweise um die Beratung von Unternehmern, die<br />

eine Familien- oder Unternehmensstiftung einrichten<br />

möchten. Erste Informationen über Vorsorgeregelungen,<br />

die Gestaltung eines Testaments oder über Nachlassabwicklung<br />

und Testamentsvollstreckung gibt es auf<br />

dem Portal. Alles Weitere kann dann in einem persönlichen<br />

Gespräch vertieft werden. Mit einer ganzheitlichen<br />

Heran gehensweise berät Häntzsch die Interessenten.<br />

120 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

Er spricht – wenn erforderlich oder empfehlenswert –<br />

auch mit deren Rechtsbeiständen oder Steuerberatern.<br />

So kann er die sinnvollste Umsetzung für das beabsichtigte<br />

gesellschaftliche Engagement herausfiltern: „Wichtig<br />

ist, dass es dabei gar nicht unbedingt um eine große<br />

Geldsumme gehen muss – oft reicht schon ein kleinerer<br />

Betrag aus, um eine Stiftung zu gründen oder eine Zustiftung<br />

zu veranlassen.“<br />

FÜR ALLE, die sich vor der eigenen Entscheidung zunächst<br />

über bereits aktive Organisationen informieren<br />

möchten, gibt es auf dem Stiftungsportal Südniedersachsen<br />

ein Register mit Kurzpräsentationen und Ansprechpartnern<br />

von über 30 aktiven regionalen Stiftungen. „In<br />

Gesprächen stelle ich oft fest, dass den Menschen in der<br />

Region viele Stiftungen kaum bekannt sind“, erzählt<br />

Häntzsch. „Dabei sind es neben den großen und bekannten<br />

Stiftungen von Vereinen wie dem ASC Göttingen<br />

oder der Heinz-Sielmann-Stiftung gerade die vielen<br />

kleinen und jungen Stiftungen, die für die Aufrechterhaltung<br />

ihres Engagements auch auf Zustiftungen oder<br />

Spenden angewiesen sind.“ Das Stiftungsportal Südniedersachsen<br />

setzt genau da an und hilft, kleinere Stiftungen<br />

besser sichtbar zu machen und sie mit potenziellen<br />

Unterstützern zu vernetzen – wie beispielsweise die<br />

Initia tive HioB/Edelgard-Löffelbein-Stiftung oder die<br />

Stiftung Vielfalt der Kulturen, die neu auf dem Portal<br />

vertreten sind.<br />

Hier gibt es neben dem Register auch einen Überblick<br />

über das, was Stiftungen inhaltlich und rechtlich ausmacht<br />

und voneinander unterscheidet. Zudem sind Infos<br />

über Gesetzesänderungen, Neugründungen und aktuelle<br />

Veranstaltungen der Stiftungen in der Region abrufbar,<br />

Spendenmöglichkeiten werden in vielen Fällen genannt,<br />

und auch alles Wichtige zum Thema Nachlass ist detailliert<br />

und übersichtlich zusammengefasst.<br />

Hier geht's zum Stiftungsportal Südniedersachsen:<br />

www.stiftungsportal-suedniedersachsen.de<br />

Kontakt<br />

Sparkasse Göttingen<br />

Private Banking<br />

Thomas Häntzsch<br />

Tel. 0551 4053028<br />

thomas.haentzsch@spk-goettingen.de<br />

„DEN ANSTOSS FÜR DAS PORTAL lieferte eine Veranstaltung,<br />

auf der der Wunsch geäußert wurde, die regionalen<br />

Stiftungen in Form eines neuen digitalen Angebots<br />

vorzustellen“, erläutert Häntzsch. Denn es sei wirklich<br />

nicht leicht, sich in diesem komplexen Thema zurechtzufinden,<br />

so der erfahrene Berater: Die Zahl der rechtsfähigen<br />

Stiftungen in Deutschland steigt stetig. Allein im<br />

Jahr 2021 entstanden 863 neue Stiftungen, insgesamt<br />

sind es inzwischen über 24.600. Eine Zahl, die eher abschreckt<br />

als einlädt. Was natürlich schade ist, denn letztlich<br />

geht es jeder einzelnen Stiftung darum, zu helfen.<br />

Ohne sie wäre Deutschland nicht nur gesellschaftlich<br />

und finanziell, sondern vor allem auch kulturell ärmer.<br />

Häntzsch resümiert: „Stiftungen geben Impulse, stärken<br />

das Miteinander in unserer Gesellschaft mit ihrer Orientierung<br />

am Gemeinwohl, fördern den gesellschaftlichen<br />

Wandel und nehmen sich Zukunftsfragen an. Sie schaffen<br />

Werte für die Ewigkeit.“ ƒ<br />

3 |<strong>2022</strong> 121


leben<br />

Die Köpfe öffnen<br />

122 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

Der Literaturherbst und das Literarische Zentrum haben eine neue Heimat:<br />

das Literaturhaus Göttingen. <strong>faktor</strong> trifft die beiden neuen Bewohner und<br />

den privaten Sponsor Joachim Kreuzburg zum Interview. Gemeinsam gehen<br />

Anja Johannsen und Johannes-Peter Herberhold mit dem Sartorius-Chef<br />

und Literaturfan der Frage nach, warum Lesen unser Leben reicher<br />

macht und Häuser eine Seele brauchen.<br />

INTERVIEW ANJA DANISEWITSCH<br />

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

Im Mai dieses Jahres öffnet das Literaturhaus Göttingen in der<br />

Nikolaistraße seine schwere alte Holztür, um die Besucher in<br />

seinen frisch sanierten Räumen zu begrüßen. Vor mehr als sechs<br />

Jahren hatte der Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes,<br />

Johannes-Peter Herberhold, die Idee, aus dem damals leer<br />

stehenden Haus einen Dreh- und Angelpunkt der Literatur zu<br />

machen. Die Lage in unmittelbarer Nähe zum Kunstquartier,<br />

die Größe – alles passte.<br />

In Anja Johannsen, Geschäftsführerin des Literarischen<br />

Zentrums Göttingen, fand er eine Mitstreiterin, die sofort<br />

begeistert und mit von der Partie war. 2019 begann die<br />

Planungsphase.Während das Literarische Zentrum ein<br />

ganzjähriges Programm hat, ist der Göttinger Literaturherbst<br />

ein Festival mit rund zwei Wochen vollem Programm an<br />

unterschiedlichen Spielorten. Jetzt sind beide Institutionen<br />

unter einem Dach vereint und können noch enger als bisher<br />

zusammenarbeiten.<br />

Ermöglicht hat dies unter anderem der Sartorius-Vorstandsvorsitzende<br />

Joachim Kreuzburg, der mit Geld aus seiner<br />

eigenen Tasche und Know-How entscheidend dazu beiträgt,<br />

das Literaturhaus mit Leben zu füllen.<br />

3 |<strong>2022</strong> 123


leben<br />

„Lesen vergrößert die eigene Welt.<br />

Man erlebt dabei Geschichten,<br />

die man sonst eben nicht<br />

erleben würde. Und das empfinde<br />

ich als sehr bereichernd.“<br />

JOACHIM KREUZBURG<br />

Seit einem halben Jahr ist das Literaturhaus nun geöffnet.<br />

Das Literarische Zentrum hat dort erste Veranstaltungen<br />

durchgeführt, der Literaturherbst findet demnächst statt.<br />

Würden Sie sagen, das Haus hat bereits eine Seele?<br />

Johannes-Peter Herberhold: Das Haus hat auf jeden Fall<br />

bereits eine Seele! Mir ist aufgefallen, dass ich an diesem<br />

Haus früher immer vorbeigelaufen bin, all die Jahre. Der<br />

Haupteingang war zugemauert. Die Fenster von innen<br />

verblindet. Man hat es gar nicht wahrgenommen, dieses<br />

Haus. Wenn ich heute dort langgehe, dann denke ich:<br />

Das ist eigentlich ,das‘ Ankerhaus in diesem Straßenzug.<br />

Das wird sich zum schlagenden Herzen des Literaturherbstes<br />

entwickeln.<br />

Anja Johannsen: Die Rede des deutsch-bosnischen Schriftstellers<br />

Saša Stanišić, dem wir bei der Eröffnungsveranstaltung<br />

alle zu Füßen lagen, hatte genau das zum Thema:<br />

Was für eine Seele hat so ein Haus? Oder bildlich<br />

gesprochen: Welche Musik spielt eigentlich in solch<br />

einem Haus? Und überhaupt in Literaturhäusern? Es<br />

ging dabei vor allem um die Vielstimmigkeit der Musik,<br />

die erklingen soll. Ich glaube, das lösen wir jetzt schon<br />

ein. Wenn man dieses Haus betritt, ist gleich klar: Hier<br />

passiert etwas Tolles.<br />

Joachim Kreuzburg: Ich hatte während der gesamten Entstehungsgeschichte<br />

des Umbaus den Eindruck, dass ganz<br />

viele Menschen mit großer Freude mitgemacht haben.<br />

Sie beide natürlich, aber auch alle am Bau Beteiligten.<br />

124 3 | <strong>2022</strong>


„Der Haupteingang war<br />

zugemauert. Die Fenster von<br />

innen verblindet. Man hat es gar<br />

nicht wahrgenommen, dieses<br />

Haus. Wenn ich heute dort langgehe,<br />

dann denke ich: Das ist<br />

eigentlich ,das‘ Ankerhaus in<br />

diesem Straßenzug. Das wird sich<br />

zum schlagenden Herzen des<br />

Literaturherbstes entwickeln“.<br />

JOHANNES-PETER HERBERHOLD<br />

leben<br />

„Es ging dabei vor allem um die<br />

Vielstimmigkeit der Musik,<br />

die erklingen soll. Ich glaube,<br />

das lösen wir jetzt schon ein.<br />

Wenn man dieses Haus betritt,<br />

ist gleich klar: Hier passiert<br />

etwas Tolles.“<br />

ANJA JOHANNSEN<br />

3 |<strong>2022</strong> 125


leben<br />

126 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

Ich glaube, man spürt, mit wie viel Herzblut und Hingabe<br />

an diesem Projekt gearbeitet wurde.<br />

Johannsen: Aber es wäre alles gar nicht gegangen ohne<br />

Sie, Herr Kreuzburg. Der Verbindung zwischen Ihnen und<br />

Johannes-Peter Herberhold ist es zu verdanken, dass es<br />

überhaupt zu dieser Kooperation hat kommen können.<br />

Wie kam es denn zu dieser Kooperation?<br />

Kreuzburg: Mit dem neu eröffneten Literaturhaus entstand<br />

eine räumliche Nähe zum Kunsthaus – dem zentralen<br />

Punkt des Göttinger Kunstquartiers –, bei dem Sartorius<br />

großer Unterstützer ist. Dort ermöglichen wir aktuell<br />

freien Eintritt für alle. Das ist ein ganz wichtiger Anreiz,<br />

Menschen dazu zu bewegen, hineinzugehen und die<br />

Kunst zu erleben. Und dann ist Sartorius als Unternehmen<br />

natürlich auch seit vielen Jahren Partner des Literaturherbstes.<br />

Herberhold: Seit 18 Jahren, um genau zu sein.<br />

Kreuzburg: Und das aus großer Überzeugung und mit viel<br />

Begeisterung. Im Falle des Literaturhauses habe ich mich<br />

allerdings privat engagiert.<br />

Wie genau sieht Ihr privates Engagement aus?<br />

Kreuzburg: Ich habe wesentliche Teile des Umbaus aus<br />

eigener Tasche finanziert.<br />

Durch ihre persönliche Unterstützung setzen Sie ein<br />

Zeichen. Welche Rolle spielt Literatur in Ihrem Leben?<br />

Kreuzburg: Ich lese seit frühester Jugend und das sehr<br />

gern und reichlich. Lesen vergrößert die eigene Welt.<br />

Man erlebt dabei Geschichten, die man sonst eben nicht<br />

erleben würde. Und das empfinde ich als sehr bereichernd.<br />

Verbinden Sie mit Ihrem Engagement<br />

irgendwelche Hoffnungen?<br />

Kreuzburg: Hoffnung ... [überlegt] Es ist interessant, dass<br />

Sie das so herum fragen. Ich habe mir die Frage so nie<br />

gestellt. Als mir Herr Herberhold die Idee vorstellte und<br />

fragte, ob ich das Projekt unterstützen möchte, war ich<br />

einfach davon begeistert, und ich bin überzeugt, dass<br />

das Literaturhaus ganz wunderbar funktionieren und<br />

vielen Menschen Freude machen wird.<br />

Man erzählt, Sie waren im Frühjahr <strong>2022</strong> oft morgens<br />

schon um halb sieben auf der Baustelle, um nach dem<br />

Rechten zu sehen?<br />

Kreuzburg: [lacht] Ich war jetzt nicht täglich auf der Baustelle,<br />

aber schon involviert. Vor allem in der Planungsphase,<br />

weil es mir sehr wichtig war, dass wir das Bestmögliche<br />

aus den baulichen Gegebenheiten herausholen<br />

konnten. Die eigentliche Arbeit hat dann aber natürlich<br />

ein kompetentes Kernteam mit ganz hervorragenden<br />

3 |<strong>2022</strong> 127


leben<br />

Experten geleistet. Die muss man machen lassen und<br />

sollte nicht im Weg herumstehen.<br />

Wie sieht Ihre weitere Teilhabe am Literaturhaus aus?<br />

Johannsen: [lacht] Es gibt da so eine Ecke im Haus, die<br />

könnte die ‚Kreuzburg-Ecke‘ werden. Sie haben immer<br />

wieder gesagt: „Genau da werde ich dann immer sitzen<br />

…, den Arm so lässig auf die Brüstung …“ Ich denke<br />

jedes Mal an Sie, wenn ich an dieser Ecke vorbeigehe.<br />

Kreuzburg: Okay. [lacht] Dann werde ich mich da wohl<br />

tatsächlich ab jetzt hinsetzen.<br />

Ich freue mich einfach auf die kommenden Veranstaltungen<br />

– auf das Programm des Literarischen Zentrums<br />

und des Literaturherbstes. Leider bin ich geschäftlich<br />

viel unterwegs und kann nicht so häufig dabei sein, wie<br />

ich das gern würde. Das habe ich während der Pandemie<br />

tatsächlich genossen: Der Literaturherbst hatte 2020<br />

und 2021 seine Veranstaltungen durchgeführt, bevor der<br />

jeweils nächste Lockdown kam, und gleichzeitig konnte<br />

man nicht viel reisen. Als Folge konnte ich in den letzten<br />

beiden Jahren an mehr Veranstaltungen teilnehmen als<br />

zuvor.<br />

Nach drei Jahren von der Konzeptphase bis zur<br />

Eröffnung ist es nun geschafft. In diesem Jahr wird<br />

der Literaturherbst endlich in den eigenen Räumen<br />

stattfinden. Wie fühlt sich das für Sie an, Herr Herberhold?<br />

Herberhold: Allein das. In seinem eigenen Haus die Pressekonferenz<br />

für diese Veranstaltung machen zu können!<br />

Und dann ist da auch das Festivalbüro. Das heißt, vorn<br />

am Eingang können sich die Leute schon einmal die<br />

Bücher ansehen, die besprochen werden. Sie können<br />

Tickets kaufen. Und wir haben endlich auch ein eigenes<br />

Festivalzentrum, wo das Apex-Team während der Laufzeit<br />

des Literaturherbstes eine Pop-up-Kneipe machen<br />

wird. Das hat sich die Apex-Küchenchefin Jacqueline<br />

Amirfallah schon lange gewünscht. Dort kann man sich<br />

informieren, abends einfach mal vorbeikommen und mit<br />

Künstlern zusammensitzen, eine Kleinigkeit essen und<br />

trinken.<br />

Und das alles unter einem Dach – das Literaturhaus<br />

als Zentrum eines Literaturfestivals. Die Johanniskirche,<br />

das Alte Rathaus, die Paulinerkirche, das Deutschen<br />

Theater – all diese wunderbaren Spielorte, an denen weitere<br />

tolle Lesungen stattfinden werden, sind fußläufig<br />

um uns herum. Ich bin so gespannt auf das, was da entsteht.<br />

Toll.<br />

Johannsen: Das macht so einen Unterschied. Obwohl<br />

wir als Literarisches Zentrum nur eine Straße weitergerückt<br />

sind. Einfach dieser enorme Zugewinn an Sichtbarkeit<br />

und die Tatsache, dass man Laufpublikum haben<br />

kann.<br />

Kreuzburg: Ich glaube, es gibt in Göttingen wahnsinnig<br />

viele Literaturfans. Und Fans sind ja das Beste, was man<br />

sich wünschen kann. Das sind Leute, die nicht nur kommen,<br />

weil sie es ,irgendwie‘ interessant finden, sondern<br />

die wirklich sagen: Das ist mein Ding. Entsprechend ist<br />

die Stimmung, und darauf freue ich mich!<br />

Und natürlich auch darauf, dass es hoffentlich gelingt,<br />

die Dinge in der Innenstadt noch ein bisschen besser<br />

miteinander zu verweben. Der Garten des Kunsthauses<br />

ist ein sehr schöner, fast meditativer Ort. Es wäre sehr<br />

bereichernd, das Literaturhaus mit diesem Garten zu<br />

verbinden.<br />

128 3 | <strong>2022</strong>


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Moderne Medizin braucht Neugier, Forschergene, Teamgeist.<br />

Wo viele denken, kommt viel heraus.<br />

Universitäre Medizin in Göttingen ist innovativ.<br />

Hightech-Medizin, modernste Labore, genaueste Bildgebung,<br />

internationale Forschungsverbünde.<br />

Und Menschen, die das alles können.<br />

Dafür sind wir da.<br />

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leben<br />

Wo Sie gerade das Kunsthaus nochmal ansprechen –<br />

das Projekt wurde im Vorfeld ja immer wieder durchaus heftig<br />

und kontrovers diskutiert. Um das Literaturhaus, das ja<br />

auch zum Kunstquartier gehört, gab es weniger<br />

öffentliche Debatten. Woran lag das?<br />

Kreuzburg: Ein Umbau innerhalb eines Gebäudes ist natürlich<br />

weniger auffällig als ein Neubau. Man bekommt<br />

wirklich erst mit, was darin Neues geschaffen wurde,<br />

wenn die Tore aufgehen.<br />

Herberhold: Die Kritik entzündet sich doch häufig an öffentlichen<br />

Geldern, die dann im Vorfeld meistens zu<br />

knapp geplant worden sind. Wir hatten zwar große Unterstützung<br />

von Oberbürgermeister Köhler und jetzt<br />

auch von Oberbürgermeisterin Broistedt – und überhaupt<br />

hat die Stadt vieles möglich gemacht. Doch wir<br />

hatten Sponsoren, finanzieren das Haus vor allem über<br />

die hereinkommenden Mieten – denn der Saal des Literaturhauses<br />

kann für Feiern, Empfänge oder Konferenzen<br />

angemietet werden – und die Personalstellen gab es<br />

alle vorher schon.<br />

Johannsen: Das bedeutet, es fließt natürlich städtisches<br />

Geld in die Institutionen, aber eben kein Cent mehr als<br />

zuvor. Wer sollte sich also darüber aufregen?<br />

Außer einem radikalen Literaturgegner.<br />

Und die gibt es?<br />

jetzt diskutieren, bestehen nicht erst seit gestern. Heute<br />

sitzen sie bei Markus Lanz, aber vorgestern waren die<br />

im Literaturherbst in Göttingen, weil sie sich vorvorgestern<br />

schon Gedanken über diese Themen gemacht haben.<br />

Kreuzburg: Ich möchte jetzt an sich nicht breit darauf eingehen,<br />

ob und wie weit die Gesellschaft zersplittert oder<br />

sich sogar Fronten bilden. Denn es ist wichtig, die vielen<br />

Beispiele zu sehen, wo das nicht so ist und Menschen<br />

gemeinsam großartige Dinge erreichen. Aber tatsächlich<br />

gibt es viel zu häufig ein unglaubliches Maß an Intoleranz<br />

– und jedes einzelne Mal ist eines zu viel. Wenn Intoleranz<br />

in Ignoranz mündet, dann wäre es noch halbwegs<br />

erträglich. Aber nach meinem Empfinden mündet<br />

es heute in noch viel höherem Maß als noch vor 20 oder<br />

30 Jahren in Gegnerschaft, Anfeindungen und Hass.<br />

Und da kann sich tatsächlich diese Horizonterweiterung<br />

durch Lesen positiv auswirken. Man liest etwas<br />

über den Alltag von Menschen, die ganz anders leben –<br />

dieses teilweise Eintauchen oder sich Auseinandersetzen<br />

kann dazu beitragen, neu und anders auf Dinge zu blicken<br />

und anders damit umzugehen. Insofern würde ich<br />

das schon so sehen, dass in diesen Zeiten Literatur und<br />

auch andere Kunstformen eine immens wichtige Rolle<br />

spielen können.<br />

Ein schönes Schlusswort, danke dafür –<br />

und vielen Dank Ihnen allen für das Gespräch.<br />

Herberhold: Nein, das ist ja das Schöne an der Literatur.<br />

Kreuzburg: Es gibt höchstens Ignoranz.<br />

Ignoranz ist ein passendes Stichwort: Wir haben Krieg. Wir<br />

haben Pandemie. Würden Sie sagen, dass sich<br />

die Aufgabe von Literatur verändert?<br />

Johannsen: Das hat Saša Stanišić in seiner Eröffnungsrede<br />

eigentlich alles schon vorweggenommen. Er hat erklärt,<br />

inwiefern das, was wir so tun, immer notwendiger<br />

wird. Je schlimmer das ist, was viele erleben müssen,<br />

desto wichtiger ist es, dass es Räume gibt, in denen gesprochen,<br />

gesungen und musiziert werden kann. In denen<br />

man sich begegnen kann. Dabei muss jedoch nicht<br />

immer nur Harmonie produziert werden. Es sollte auch<br />

Abende und Tagesveranstaltungen geben, wo man irritiert<br />

oder nachdenklich nach Hause geht. Hauptsache,<br />

es gerät irgendetwas in Bewegung. Meiner Auffassung<br />

nach ist das die Hauptaufgabe von einer Kulturinstitution:<br />

die Köpfe zu öffnen.<br />

Herberhold: Belletristik ist natürlich auch immer ein Spiegel<br />

dessen, was so passiert, gesellschaftlich. Es ist ein<br />

offenes Spielfeld. Wie Herr Kreuzburg vorhin sagte:<br />

Man liest etwas, und es folgt die persönliche Bewusstseinserweiterung.<br />

Für das Literaturhaus kann ich sagen:<br />

Erklär-Literatur gehört bei uns ganz viel dazu, ebenso<br />

wie Sachbücher. Wenn Sie heute im TV anschauen, wer<br />

da alles als Experte oder Expertin auftaucht … Die waren<br />

alle schon einmalbei uns. Denn die Probleme, die sie<br />

Literaturherbst <strong>2022</strong><br />

vom 22.10. – 6.11.<strong>2022</strong><br />

Was liegt dieses Jahr an?<br />

Der 31. Göttinger Literaturherbst gibt in diesem Jahr<br />

wieder alles: 71 Veranstaltungen an 28 Spielorten in<br />

16 Tagen.<br />

Was ist neu?<br />

Der Literaturherbst eröffnet im neuen Literaturhaus in<br />

der Nikolaistraße sein eigenes Festivalzentrum, das<br />

während der gesamten Zeit für Besucher geöffnet ist.<br />

Was bleibt?<br />

Bewährt hat sich das ON-AIR-Ticket, mit dem<br />

Literaturinteressierte neben den Live-Veranstaltungen<br />

rund 60 Lesungen im Stream miterleben können.<br />

Das Programm ist wieder mit nationalen und internationalen<br />

Größen der Literaturszene besetzt, vom<br />

Sachbuch über Belletristik bis hin zu Comedy.<br />

Weitere Info unter:<br />

www.literaturherbst.com<br />

130 3 | <strong>2022</strong>


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60 Schulen<br />

in Südniedersachsen<br />

und den benachbarten<br />

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Erscheinungstermin: 10.3.2023<br />

Anzeigenschluß: 12.2.2023


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150 Jahre Trinkwasser-<br />

versorgung in Göttingen<br />

Trinkwasser ist für den Menschen das wohl wichtigste Lebensmittel. Die Göttinger Stadtwerke feiern<br />

in diesem Jahr den Beginn der städtischen Trinkwasserversorgung vor 150 Jahren.<br />

„Trinkwasser ist unser wichtigstes<br />

Lebensmittel und durch nichts zu<br />

ersetzen. Deshalb hat die Wasserversorgung<br />

als öffentliche Aufgabe<br />

diese immense Bedeutung. Die<br />

Stadtwerke kommen dieser verantwortungsvollen<br />

Daseinsvorsorge<br />

nun schon seit über 150 Jahren<br />

nach. Dafür gebührt ihnen<br />

unser aller Dank, und das ist wirklich<br />

ein guter Grund zu feiern.“<br />

Die Geschichte der Göttinger Trinkwasserversorgung<br />

beginnt vor 150<br />

Jahren. 1872 beschließt der Rat der<br />

Stadt Göttingen den Bau einer Wasserleitung<br />

zwischen der Reinsquelle und den Brunnen in<br />

der Innenstadt. Die Reinsquelle wie auch die<br />

Reinsrinne sind heute zwar nicht mehr in die<br />

städtische Trinkwasserversorgung eingebunden,<br />

stellen aber Relikte der ersten öffentlichen<br />

Wasserversorgung in Göttingen dar.<br />

Fünf Jahre danach beginnt die Verlegung der<br />

ersten Wasser-Hausanschlüsse. 1892 kauft<br />

die Stadt dann das Gelände an der Stegemühle<br />

von der Gemeinde Geismar. Im selben Jahr<br />

wird dort der erste Brunnen in Betrieb genommen.<br />

1899 wird die Wassergewinnung auf<br />

diesem Gelände ausgebaut. Die Springmühle<br />

in Grone geht 1932 in das Eigentum der Stadt<br />

über und wird sieben Jahre später erschlossen.<br />

1948 erleben die Menschen eine erste<br />

Wasserknappheit – nach dem Krieg wächst die<br />

Bevölkerung, sprunghaft entstehen Gewerbeund<br />

Industriebetriebe, und eine anhaltende<br />

Trockenheit lässt den Grundwasserspiegel<br />

bedrohlich absinken. In einem Vierjahresplan<br />

der Stadtverwaltung werden die im Krieg zum<br />

Teil beschädigten Anlagen erneuert, die Maschinen-<br />

und Elektroanlagen ausgetauscht<br />

sowie eine Schnellfilteranlage zur Aufbereitung<br />

des Leinewassers gebaut. Ein Jahr später<br />

schließt die Stadt mit dem Land Niedersachsen<br />

einen Nutzungsvertrag der Rasequelle in<br />

Weende ab.<br />

TROTZ DES STAGNIERENDEN WASSER-<br />

VERBRAUCHS in den 1970er-Jahren kann<br />

der Bedarf der Bevölkerung aus den städtischen<br />

Wassergewinnungsanlagen in Geismar,<br />

Grone und Weende langfristig nicht mehr<br />

gedeckt werden. Nach zahlreichen Untersuchungen<br />

und Anstrengungen, nahe Göttingen<br />

ein neues Wasseraufkommen ausfindig zu<br />

PETRA BROISTEDT<br />

OBERBÜRGERMEISTERIN


PROFIL<br />

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Stadtwerke-Mitarbeitende aus dem Geschäftsbereich Wasserversorgung<br />

machen, beschließt das Land Niedersachsen<br />

schließlich den Anschluss der Stadt an die<br />

Fernversorgung aus dem Harz. 1978 wird das<br />

Abkommen mit den Harzwasserwerken besiegelt.<br />

Ab dem 1. Januar 1980 fließen jährlich<br />

ca. 8 Millionen Kubikmeter Wasser über eine<br />

40 Kilometer lange Leitung aus der Sösetalsperre<br />

bis zur Übernahmestation der Stadtwerke<br />

oberhalb des Weendesprings.<br />

DIE WACHSENDE INDUSTRIALISIERUNG<br />

und weitere Entstehung von Gewerbegebieten<br />

sowie die Belastung der Gewässer durch die<br />

landwirtschaftliche Nutzung haben zunehmend<br />

Anforderungen an den Wasser- und Umweltschutz<br />

für die Wasserförderung aus den<br />

Eigenanlagen zur Folge. Man beschließt die Einrichtung<br />

von Wasserschutzzonen um die Wassergewinnungsanlagen<br />

herum, die verhindern<br />

sollen, dass Rückstände u. a. von Klärschlamm<br />

und Gülle in das Grundwasser gelangen, aus<br />

dem das Trinkwasser gewonnen wird. So entstehen<br />

1985 die Wasserschutz zone um die<br />

Springmühle und fünf Jahre später um die anderen<br />

beiden Gewinnungsgebiete. Der Einfluss<br />

auf die Versorgung der Göttinger Bevölkerung<br />

mit Harzwasser wächst im November 1996, als<br />

das Land Niedersachsen die Harzwasserwerke<br />

an ein Abnehmerkonsortium verkauft, zu<br />

dem fortan mit 6 Prozent auch die Stadtwerke<br />

gehören. Bis heute besteht das Göttinger Trinkwasser<br />

aus einem Anteil von 20 Prozent aus<br />

den Eigengewinnungsanlagen – 60 Prozent<br />

davon kommen aus dem Wasserwerk in Grone,<br />

25 Prozent aus der Stegemühle in Geismar<br />

und 15 Prozent aus der Gewinnungsanlage am<br />

Weendespring. In den Mischstationen im Stadtgebiet<br />

werden Harz- und Eigenwasser über ein<br />

aufwendiges Verfahren miteinander vermischt.<br />

Über ein fast 500 Kilometer langes Leitungsnetz<br />

gelangt das Mischwasser in die Haushalte.<br />

Die Stadtwerke schöpfen die Kapazität der Eigengewinnungsanlagen<br />

nicht aus und könnten<br />

bei Ausfall der Versorgung aus dem Harz die<br />

Stadt für einen begrenzten Zeitraum komplett<br />

mit Eigenwasser versorgen.<br />

Mehr als 600 Proben jährlich aus dem<br />

Wassernetz gewährleisten die hohe Qualität<br />

des Göttinger Trinkwassers. Anfang der<br />

1990er­ Jahre wird am Mühlengraben das erste<br />

Wasserkraftwerk in Betrieb genommen.<br />

DIE MODERNE WASSERVERSORGUNG in<br />

Göttingen hat sich stark gewandelt. Für die<br />

Stadtwerke Göttingen hat die Erhaltung der<br />

hohen Wasserqualität oberste Priorität. Nicht<br />

zuletzt deshalb setzen die Stadtwerke auf viele<br />

Faktoren, um das Trinkwasser umfassend<br />

zu schützen. Wassersparprogramme, die<br />

Ausweisung großflächiger Wasserschutzgebiete<br />

rund um die Brunnenfelder und etwa<br />

ihre beratende Rolle für die Landwirte in der<br />

Kooperation Trinkwasserschutz Obere Leine<br />

sowie ständige Kontrollen der Wasserqualität<br />

sind nur einige Punkte, um dieses Ziel zu erreichen.<br />

Das Göttinger Trinkwasser zeichnet<br />

sich durch seinen hohen Mineralstoffgehalt<br />

sowie einen geringen Anteil an Kalk aus, denn<br />

das Wasser aus dem Harz ist Oberflächenoder<br />

auch Niederschlagswasser und somit<br />

besonders weich. Es entspricht nicht nur allen<br />

gesetzlichen Vorgaben der Deutschen<br />

Trinkwasserverordnung, seine überragende<br />

Qualität hat ihm auch laut eines Artikels in<br />

der Wirtschaftswoche aus 2014, der die Ergebnisse<br />

eines Trinkwassertests des Verbrauchermagazins<br />

Öko-Test in 69 deutschen Städten<br />

zusammenfasst, Platz 1 beschert. Oberbürgermeisterin<br />

Petra Broistedt betont: „Trinkwasser<br />

ist unser wichtigstes Lebensmittel und durch<br />

nichts zu ersetzen. Deshalb hat die Wasserversorgung<br />

als öffentliche Aufgabe diese immense<br />

Bedeutung. Die Stadtwerke kommen<br />

dieser verantwortungsvollen Daseins vorsorge<br />

nun schon seit über 150 Jahren nach. Dafür<br />

gebührt ihnen unser aller Dank, und das ist<br />

wirklich ein guter Grund zu feiern.“<br />

KONTAKT<br />

Stadtwerke Göttingen AG<br />

Hildebrandstraße 1<br />

37081 Göttingen<br />

Tel. 0551 / 301-0<br />

www.swgoe.de<br />

stadtwerke@swgoe.de


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• Dr. med. Ulla Ritter<br />

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PROFIL<br />

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FOTO: ASKLEPIOS<br />

Dr. Christian Fricke-Neef<br />

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

Unterstützung in der Stressfalle<br />

Das Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn in Rosdorf hat ein neues dreigliedriges Unterstützungsangebot<br />

entworfen, das sich insbesondere an Selbstständige und Führungskräfte richtet.<br />

Die letzten Jahre und noch einmal verstärkt<br />

die Pandemie haben für Selbstständige<br />

und Führungskräfte einen<br />

Trend beschleunigt: Die Belastung mit Stress<br />

hat deutlich zugenommen. Zum einen sind da<br />

die Beschäftigten aus der Generation Y (die in<br />

den 1980er- bis in die Mitte der 1990er-Jahre<br />

Geborenen), die höhere Ansprüche an die<br />

Arbeitsumgebung stellen, weil für sie die<br />

Work­ Life-Balance eine größere Rolle spielt.<br />

Für Führungskräfte bedeutet das anspruchsvollere<br />

Führungsaufgaben und eine veränderte<br />

Vorbildrolle. Zum anderen haben viele<br />

Arbeitsprozesse durch die Pandemie eine Verdichtung<br />

erfahren. Stress ist die Folge.<br />

„DAS HAT VIELE FÜHRUNGSKRÄFTE an ihre<br />

Grenze gebracht“, sagt Dr. Christian Fricke-Neef,<br />

Ärztlicher Direktor am Asklepios Fachklinikum<br />

Tiefenbrunn in Rosdorf, und beschreibt damit<br />

die Erfahrung, die er bei seinen Patient:innen<br />

gerade auch in der Corona-Zeit gemacht hat.<br />

„Stetig sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen,<br />

Existenzsorgen und wirtschaftliche<br />

Zwänge haben bei Vielen gleichsam das<br />

Fass der noch bewältigbaren Herausforderungen<br />

zum Überlaufen gebracht.“ Hilfreich ist<br />

dabei, dass die Akzeptanz und Entstigmatisierung<br />

von psychotherapeutischer Hilfe heute<br />

bedeutend größer als noch vor zehn oder 20<br />

Jahren ist. „Ich erlebe auch bei Unternehmen<br />

ein Umdenken, sodass sie dahingehend in bewährte<br />

Mitarbeiter investieren.“<br />

ENTSPRECHEND HAT DAS ASKLEPIOS<br />

FACHKLINIKUM sein Angebot in der Privatklinik<br />

deutlich ausgebaut und neu konzipiert. 31<br />

Betten für den stationären Aufenthalt stehen<br />

dort inzwischen zur Verfügung, aber auch eine<br />

teilstationäre Betreuung ist möglich. Hinzu<br />

kommt die Notfallambulanz, über die kurzfristig<br />

erste Gespräche und Unterstützung zu<br />

bekommen sind. „Unser Angebot richtet sich<br />

vor allem an Privatversicherte, die es im Vergleich<br />

zu Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung<br />

noch schwerer haben, überhaupt<br />

einen Therapieplatz zu bekommen“, so<br />

Fricke-Neef.<br />

Mit dem neuen dreigliedrigen Angebot<br />

deckt Asklepios alles von wenigen Sitzungen<br />

über Kurzzeitkriseninterventionen bis zum<br />

längerfristigen vollstationären Aufenthalt ab.<br />

Mit diesem Angebot will sich die Privat klinik<br />

auch insbesondere an die Region richten.<br />

Denn schließlich gebe es eine Reihe von Menschen,<br />

die aufgrund der Familiensituation<br />

eben gerne ein solches Angebot in der Nähe<br />

hätten, so Fricke-Neef.<br />

ZUR VERFÜGUNG STEHT EIN differenziertes<br />

Therapieangebot: von klassischer<br />

Gesprächstherapie bis unter anderem zur<br />

Ergo-Gestaltungstherapie, Musiktherapie oder<br />

physikalischen Therapien. Die Privatklinik<br />

selbst befindet sich idyllisch gelegen in einem<br />

Neubau auf dem historischen Klinikumsgelände<br />

mit weitläufiger Parkanlage und altem<br />

Baumbestand und Bachlauf.<br />

KONTAKT<br />

Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn<br />

Dr. Christian Fricke-Neef<br />

Ärztlicher Direktor<br />

Tel. 0551 5005-210<br />

c.fricke@asklepios.com<br />

www.asklepios.com/tiefenbrunn<br />

TEXT: SVEN GRÜNEWALD


leben<br />

136 3 |<strong>2022</strong>


leben<br />

Die Erde bebt<br />

Der Ursprung der Geophysik steckt in einem Göttinger Bunker. Seit über 100 Jahren liefert die<br />

Wiechert’sche Erd beben warte am Hainberg exakte Daten, wenn die Welt erschüttert wird.<br />

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />

3 |<strong>2022</strong> 137


leben<br />

Schwere Masse, zärtliche Nadel<br />

Mit dieser tonnenschweren Kugel<br />

wurden früher Erdbeben erzeugt. Noch<br />

heute ist sie Teil der Führungen und wird aus<br />

mehreren Metern Höhe fallen gelassen.<br />

Die Bewegung der gigantischen Masse wird über<br />

Hebel so weit vergrößert, dass eine Nadel im<br />

Inneren des Bunkers sich ein paar Millimeter auf<br />

präparierem Rußpapier bewegen kann – und so<br />

winzigste Boden bewegungen aufzeichnet (r.).<br />

Wenn sich die Erde bewegt oder der Wind auf<br />

den Berg drückt, dann sehen sie es als Erste:<br />

Geophysiker in aller Herren Länder betrachten mit<br />

hochsensiblen Instrumenten die Welt.<br />

Dieser besondere Blick fand seine Anfänge vor über<br />

100 Jahren in Göttingen. Noch heute lassen sich die<br />

raffinierten und tonnenschweren Maschinen in der<br />

Wiechert’schen Erdbebenwarte in einem Bunker am<br />

Hainberg bestaunen. Der dazugehörige Verein<br />

kümmert sich um den Erhalt – und rettete vor<br />

17 Jahren diese Erinnerung vor der Zerstörung.<br />

Mit einem seiner Gründer, Wolfgang Brunk,<br />

entdeckt <strong>faktor</strong> die letzten Geheimnisse,<br />

die der Bunker für sich behält.<br />

LESEZEIT: 6 MINUTEN<br />

Die Erde bebt. Für einen Augenblick,<br />

eine Sekunde, breiten<br />

sich Druckwellen, die für<br />

den Menschen kaum zu spüren<br />

sind, durch den Boden<br />

aus. Vier Tonnen Eisen fielen<br />

gerade aus gut 15 Metern<br />

Höhe auf einen Quadratmeter<br />

Hainberg. Die geschmiedete<br />

Kugel hatte einst Ludger Mintrop bauen und<br />

erstmals fallen lassen, um Erdbeben zu simulieren. Bis<br />

dahin nutzten er und sein Lehrer, Emil Wiechert, dazu<br />

Dynamit. Mehr als 100 Jahre ist es nun her, dass<br />

die ersten Seismografen das Fallen der Kugel aufzeichneten.<br />

Diese Apparaturen, fast 20 Tonnen schwer und augenscheinlich<br />

unverwüstlich, sind zugleich so filigran<br />

konstruiert und sensibel, dass sie auch die winzigsten Bodenbewegungen<br />

registrieren und mittels einer millimetergroßen<br />

Nadel auf ein Stück berußtes Papier zeichnen.<br />

WER SICH DIE MUSEUMSSEISMOGRAFEN ansehen<br />

möchte, muss vier Türen durchlaufen. Der kleine Raum<br />

mit den dicken Wänden ist an den Berghang gebaut. Es<br />

riecht nach Öl, nach Holz, Ruß und Zeitgeschichte.<br />

Das orangenfarbene Licht der Lampen trifft auf dunkle<br />

Holzkästen mit welligen Glasscheiben und grauem<br />

138 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

3 |<strong>2022</strong> 139


leben<br />

» Hier ist viel Übung und Fingerspitzengefühl gefragt.<br />

Mittlerweile kommen sogar Künstler zu uns,<br />

um sich den Prozess anzuschauen. «<br />

Beton. Drei große mannshohe Apparate stehen in dem<br />

engen Zimmer, einer schwerer und wuchtiger als der andere,<br />

gefüllt mit Eisenplatten, Steinen und Zahnrädern.<br />

„Was hier steht, ist schon ziemlich genial“, sagt Wolfgang<br />

Brunk schwärmend. Der Geschäftsführer des Göttinger<br />

Messtechnik-Unternehmens VisiCon ist ehrenamtlicher<br />

Vorsitzender des Vereins, der sich seit Jahren leidenschaftlich<br />

um die Erinnerung der Warte und die angrenzenden<br />

Gebäude, die vier Tonnen schwere Kugel und<br />

den Ursprung der Geophysik kümmert. „Diese riesigen<br />

Gewichte balancieren hier millimetergenau. Wahnsinn“,<br />

sagt Brunk. Das ist tatsächlich beeindruckend, denn viel<br />

bewegt sich hier für das bloße Auge nicht. Eine winzige<br />

Nadel kratzt eine Linie auf ein mit Ruß bedecktes Blatt.<br />

Tag für Tag, seit mehr als 100 Jahren.<br />

DAMIT SIE DAS IMMER NOCH TUT, gibt es seit 2005<br />

den Verein, der Gelände und Einrichtung der Uni zunächst<br />

abgekauft hat und seitdem die Anlagen wie ein<br />

Museum betreibt. 2004 wollte die Uni die historischen<br />

Anlagen abstoßen und die Geräte entsorgen. Noch heute<br />

bebt Brunks Stimme, wenn er davon erzählt. Empört, erschüttert,<br />

wütend waren er und seine Mitstreitenden damals<br />

gewesen. Mit Geduld und Fingerspitzengefühl gelang<br />

es ihnen aber, Anlage und Gelände zu übernehmen.<br />

Seitdem sind über 100.000 Euro in den Betrieb und die<br />

Instandsetzung geflossen. Finanziert ausschließlich aus<br />

Spenden. Im Gegenzug bieten Brunk und seine Mitstreitenden<br />

Führungen an und erklären leidenschaftlich die<br />

Geschichte und Funktion der Menschen und Maschinen,<br />

die an diesem Ort wirkten und wirken.<br />

Denn heute gehört die Wiechert’sche Erdbebenwarte<br />

zu den beliebtesten Ausflugszielen in Göttingen, für viele<br />

jedoch ist dies noch immer ein echter Geheimtipp. Der<br />

Verein bietet Führungen gegen Spenden an, informiert,<br />

erklärt, erinnert. Zackige Linien an den Wänden, aufgezeichnet<br />

auf Papier, zeugen von bemerkenswerten Erdbewegungen<br />

der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Sumatra<br />

2004, Chile 2010, Fukushima 2011. Beben, Tausende<br />

Kilometer entfernt, gemessen und aufgezeichnet<br />

mit hundertjährigen Maschinen in Göttingen. Daneben<br />

gibt es in Göttingen auch einen modernen Seismografen,<br />

der sekündlich Messwerte in die Welt schickt. Anders als<br />

die tonnenschweren Kolosse von Wiechert ist das heutige<br />

Messgerät deutlich kleiner. Auch ihn bekommen Besucher<br />

zu sehen, um zu verstehen, wie sich die Wissenschaft<br />

seit ihrer Geburt in Göttingen vor mehr als einhundert<br />

Jahren ent wickelt hat.<br />

DOCH WER ÜBER ETWAS ERZÄHLEN MÖCHTE, das so<br />

alt ist, muss es auch bewahren können. Mit großem Aufwand<br />

und finanziellen Mitteln kümmert sich der Verein<br />

um den Erhalt der Einrichtungen. Insbesondere aber um<br />

den Betrieb. Denn die drei historischen Messgeräte<br />

140 3 | <strong>2022</strong>


leben<br />

Feingefühl gefragt Das Papier muss vorab speziell in Handarbeit berußt werden (o.), damit die Nadel dort anschließend die feinen Bebenlinien<br />

einzeichnen kann. Das Rußpapier hält etwa einen Tag, bis es ,voll‘ beschrieben ist, wird dann speziell lackiert und für die Ewigkeit archiviert (u.).<br />

3 |<strong>2022</strong> 141


leben<br />

Zur Erdbebenwarte<br />

Die Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen ist die<br />

erste und älteste Erdbebenwarte der Welt, die mit<br />

Seismografen ausgestattet wurde, welche wissenschaftlich<br />

auswertbare Seismogramme lieferten und<br />

noch immer in Funktion sind. Der Ort lebendiger<br />

Wissenschaftsgeschichte erfreut sich seit Jahren<br />

größter Beliebtheit – bei Besuchern aus der Region<br />

und von Übersee.<br />

Jeden ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr findet eine<br />

Führung durch die Gebäude und über das Gelände<br />

statt. Höhepunkt ist der Fall der vier Tonnen schweren<br />

Mintrop-Kugel. Die kostenfreien Führungen dauern in<br />

der Regel 1,5 bis 2 Stunden und sind auch individuell<br />

für Gruppen buchbar.<br />

Um Anmeldung wird gebeten.<br />

zeichnen seit ihrer Inbetriebnahme ununterbrochen<br />

Messdaten auf. Inzwischen zwar auch digital, um laut<br />

Brunk vergleichbare Daten zu haben, aber immer noch<br />

mit feiner Nadel auf einem berußten Stück Papier. Diese<br />

Papierbahnen müssen täglich ausgetauscht und anschließend<br />

aufwendig archiviert werden. Zuvor aber muss in<br />

Handarbeit genau die richtige Menge Ruß auf die Bahnen<br />

aufgebracht werden – und zwar so, dass das Papier<br />

dabei nicht verbrennt. „Hier ist viel Übung und Fingerspitzengefühl<br />

gefragt. Mittlerweile kommen sogar<br />

Künstler zu uns, um sich den Prozess anzuschauen“, sagt<br />

Brunk stolz. Die Technik selbst findet sonst praktisch<br />

nirgendwo mehr Anwendung.<br />

WIE ES MIT DEM VEREIN SELBST WEITERGEHT, ist<br />

mittlerweile wohl die größte Frage am Hainberg. Der<br />

69-Jährige ist einer von noch acht arbeitenden Aktiven,<br />

alle anderen sind mittlerweile Rentner. Nachwuchs gibt<br />

es nicht – dafür hatte sich aber offenbar die Universität<br />

um die vorherige Präsidentin Ulrike Beisiegel wieder für<br />

das Gelände und seine historische Bedeutung interessiert.<br />

„Das kann mit dem nächsten Präsidenten aber auch wieder<br />

anders aussehen“, sagt Brunk und winkt vorsichtig<br />

ab. Bis auf die Erinnerung daran, dass in Göttingen zum<br />

ersten Mal sichtbar wurde, wie die Erde bebt, bleibt<br />

dann nicht mehr viel übrig. Nur das Staunen und das<br />

Erinnern. Und das Beben, wenn beides zusammenkommt.<br />

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Herzberger Landstraße 180/182<br />

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Einen ganz persönlichen Einblick in die<br />

Welt der Erdbeben gibt Wolfgang Brunk<br />

im <strong>faktor</strong>-Digital-Video unter:<br />

www.<strong>faktor</strong>-magazin.de/<strong>faktor</strong>-video<br />

Übrigens: Mehr über den Geschäftsführer<br />

Wolfgang Brunk und sein Unternehmen VisiCon<br />

lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 46.<br />

142 3 | <strong>2022</strong>


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PROFIL PROFIL<br />

Tradition und Moderne<br />

Die HKS Sicherheitsservice GmbH geht mit Anna-Lena Keilholz erfolgreich in die zweite Generation des<br />

Familienunternehmens.<br />

top-familienunternehmen<br />

„Traditionelle Werte wie<br />

Ehrlichkeit und dass<br />

man zu seinen Fehlern<br />

steht – ohne das wären<br />

wir heute nicht dort, wo<br />

wir stehen.“<br />

Anna-Lena Keilholz<br />

E<br />

ine Tradition entwickelt sich, wenn<br />

man unter anderem moralische Werte<br />

von Generation zu Generation weitergibt.<br />

Und wenn diese Werte für das Wachstum<br />

eines Unternehmens mit verantwortlich<br />

sind, umso mehr. Jedoch war der Vater<br />

zweier Töchter und Firmengründer Heiko S.<br />

Keilholz nicht sicher, ob sein 1995 gegründetes<br />

Unternehmen, die HKS Sicherheitsservice<br />

GmbH, tatsächlich in Familienhand<br />

bleiben würde. „Zum Glück stand für meine<br />

ältere Tochter Anna-Lena schon relativ früh<br />

fest, das sie die Firmennachfolge antreten<br />

möchte. Meine andere Tochter Marie-Luise<br />

entschied sich stattdessen für eine Banklaufbahn“,<br />

sagt der Familienvater durchaus<br />

zufrieden. Bis heute ist der 58-Jährige Geschäftsführer<br />

der Unternehmensgruppe HKS,<br />

die durch schne les Wachstum inzwischen<br />

ein umfassendes Angebot rund um Sicherheit<br />

zu bieten hat: Sicherheitsservice, Unternehmensberatung,<br />

Projektmanagement<br />

sowie eine Immobilien- und Verwaltungsgese<br />

lschaft, und 2009 kam durch eine Firmenübernahme<br />

die Technikerfahrung der<br />

Wendler Alarmanlagen GmbH hinzu. Seit<br />

Juli 2017 ist Anna-Lena Keilholz nun Geschäftsführerin<br />

des Firmenzweigs HKS Sicherheitsservice<br />

GmbH.<br />

Im Interview mit Vater und Tochter zeigt<br />

sich schne l, wie gut und umsichtig diese<br />

Entscheidung getro fen wurde. „Im Grunde<br />

bin ich mit dieser Firma aufgewachsen. Ich<br />

war bei der Gründung fünf Jahre alt und<br />

ging am Wochenende mit meinem Vater ins<br />

Büro, um Papiere zu schreddern“, erinnert<br />

sich Anna-Lena Keilholz. Sobald sie vo ljährig<br />

war, arbeitete sie auf Veranstaltungen<br />

und bei Überwachungen mit und verdiente<br />

auf diese Weise während ihres General-<br />

Management-Studiums ihr Geld. Doch allein<br />

mit Ferienjobs war es weder aus ihrer<br />

noch aus der Sicht ihres Vaters getan. Sie<br />

wo lten beide umsichtig die Nachfolge planen<br />

und nicht die Fehler vieler anderer Unternehmer<br />

vor ihnen wiederholen, indem<br />

der Senior nur scheinbar bereit ist, seinen<br />

Stuhl zu räumen. „Mir war es wichtig, dass<br />

Anna-Lena ihren eigenen Weg geht und ich<br />

mich aus ihren Entscheidungen heraushalte“,<br />

so Heiko S. Keilholz. Nicht immer hat es<br />

so reibungslos geklappt, aber Fehler gehören<br />

zum Leben, so sieht man es in diesem<br />

Unternehmen. Aber dann muss eben darüber<br />

gesprochen werden – dies sei ein wesentlicher<br />

Aspekt der Unternehmensführung,<br />

das betont auch die neue Geschäftsführerin:<br />

„Transparenz und Kommunikation<br />

mit den Angestelten und den Kunden<br />

gehören bei uns ganz selbstverständlich<br />

dazu. Traditionele Werte wie Ehrlichkeit<br />

und dass man zu seinen Fehlern steht –<br />

ohne das wären wir heute nicht dort, wo<br />

wir stehen“, sagt Keilholz Junior.<br />

Generationenübergreifende Unternehmensführung:<br />

Anna-Lena und Heiko S. Keilholz<br />

03| 2018 45<br />

Doppelseitiges Profil<br />

Logoplatzierung auf dem ausklappbaren Cover<br />

44 03| 2018<br />

PROFIL<br />

top-familienunternehmen<br />

Wohn- und Lebensqualität<br />

CUBUS GmbH & Co. KG, Unternehmer seit mehr als 40 Jahren erfolgreich im Immobilienmarkt.<br />

D<br />

ie CUBUS Conceptions-, Baubetreuungs-,<br />

Bauträger-Gese lschaft mbH<br />

& Co. KG gehört zu den füh renden<br />

Die schon erbauten Gebäude wurden kürzlich<br />

von der Stadt Göttingen mit der „grünen<br />

Hausnummer“, als besondere Leistung<br />

Unternehmen in der südniedersächsischen<br />

Immobilienbranche. Der Geschäftsführende<br />

Gese lschafter Klaus Schneider<br />

und sein Sohn Claus-Henrik Schneider,<br />

für den Klimaschutz, ausgezeichnet.<br />

Über aktuelle Herausforderungen …<br />

ste lvertretender Geschäftsführer und Prokurist,<br />

geben einen Einblick über ihr Geschäft,<br />

die aktue len Herausforderungen<br />

und die Unternehmensnachfolge.<br />

Es gibt deutschlandweit einen hohen Bedarf<br />

an Wohnraum: Die Menschen wo len<br />

Über CUBUS GmbH & Co. KG …<br />

zurück in die Zentren, kurze Wege zum Arbeitsplatz<br />

und die Angebote einer Großstadt<br />

zu Fuß oder per Fahrrad oder Stadtbus<br />

wahrnehmen können, sodass auch in<br />

,Plateau Grün‘ Passivhaus 2021<br />

Wir bewegen uns mit unseren Firmen seit<br />

mehr als 40 Jahren erfolgreich in strukturstarken<br />

und historisch gewachsenen Immobilienmärkten,<br />

dazu gehören neben<br />

der Stadt Göttingen Wohnungen in vernünftiger<br />

Lage und mit einem adäquaten<br />

Göttingen auch Frankfurt, Düsseldorf, Köln<br />

Baustandard quasi nicht verfügbar sind.<br />

und Bonn. Unsere jahrzehntelange Erfahrung<br />

setzen wir dabei für unsere Käufer<br />

E sind mehr Grundstücke notwendig, und<br />

die Verdichtung von Wohnraum ist gefragt.<br />

Die Kapazitäten im Handwerk aus dieser<br />

immer wieder in ein stress- und risikofreies<br />

Bauen um – Bauen und Kaufen so lte<br />

doch Spaß machen! Außerdem ist es immer<br />

wieder faszinierend, dass unsere Liebe<br />

zur Architektur, gepaart mit Qualität,<br />

Region sind ausgeschöpft, und entsprechend<br />

ist Bauen auf unserem hochwertigen,<br />

energetischen Niveau sehr teuer geworden.<br />

Abgesehen davon, dass der Staat<br />

seinerseits ein großer Preistreiber ist.<br />

Über Zukunft und Strategie …<br />

Kreativität und Know-how unseren Käufern<br />

so ein schönes Domizil beschert. Wir<br />

haben seit 1995 mehr als 300 Eigentumswohnungen<br />

in Göttingen gebaut, mit rund<br />

20.000 Quadratmetern Wohnfläche.<br />

Zunächst wo len wir unsere gewachsene,<br />

stets erfolgreiche Geschäftsphilosophie<br />

Parkwohnungen an den Schi lerwiesen<br />

Über das aktuelle Bauvorhaben …<br />

Ende dieses Jahres schließen wir unser<br />

weiter umsetzen. Dazu zählen ,Lage, Lage,<br />

Lage‘, eine ansprechende besondere Architektur,<br />

hoch attraktive Grundrisse, welche<br />

stets Unikate sein so lten, und eine<br />

über durchschnittliche Bauausstattung bei<br />

jüngstes Projekt ,Plateau Grün‘ Passivhaus<br />

2021 bereits zwei Jahre vor Zielfertigstellungstermin<br />

ab – mit einem Investitionsvolumen<br />

von mehr als 43 Mi lionen Euro.<br />

einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />

Den lokalen Schwerpunkt wollen<br />

wir weiterhin erhalten, die Stadt so lte<br />

42 03| 2018<br />

A le 135 Wohnungen sind bereits verkauft.<br />

aber weitere Flächen zur Bebauung zur<br />

Verfügung ste len, damit wir den aktue len<br />

Bedarf decken können. Hierzu zählt auch<br />

Ganzseitiges Profil<br />

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16. Dezember <strong>2022</strong><br />

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17. November <strong>2022</strong>


impressum<br />

Herausgeber<br />

<strong>faktor</strong> – das Entscheider­ Magazin für die Region Göttingen<br />

Entscheider Medien GmbH<br />

Berliner Straße 10<br />

37073 Göttingen<br />

Tel. 0551 3098390<br />

Fax 0551 30983911<br />

info@<strong>faktor</strong>-magazin.de<br />

www.mehralseinmagazin.de<br />

Herausgeber<br />

Marco Böhme (V.i.S.d.P.)<br />

(boehme@<strong>faktor</strong>-magazin.de)<br />

Chefredaktion<br />

Elena Schrader<br />

(schrader@<strong>faktor</strong>-magazin.de)<br />

Autoren<br />

Anja Danisewitsch, Rupert Fabig, Sven Grünewald,<br />

Kim Henneking, Stefan Liebig, Christian Vogelbein,<br />

Stefanie Waske<br />

Art-Direktion & Layout<br />

Julia Braun<br />

Fotografie<br />

Alciro Theodoro da Silva, Marco Bühl<br />

Lektorat<br />

CoLibris - Lektoratsbüro<br />

Dr. Barbara Welzel<br />

Anzeigen<br />

Nicole Benseler, Alexander Schneider (Leitung Digitalvertrieb)<br />

Geschäftsführender Gesellschafter<br />

Marco Böhme<br />

Auflage<br />

11.000<br />

Druckerei<br />

Silber Druck oHG, Kassel<br />

Redaktions- und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe<br />

ist der 15. November <strong>2022</strong>.<br />

Wenn Sie den <strong>faktor</strong> zukünftig nicht mehr kostenfrei erhalten<br />

möchten, nehmen wir Sie aus dem Verteiler, und Sie bekommen<br />

keine Exemplare mehr. Schicken Sie uns dazu bitte eine Mail an:<br />

info@<strong>faktor</strong>-magazin.de<br />

Redaktionsbeirat<br />

Dr. Friedemann Baum, Prof. Dr. Uwe Fischer, Rainer Giese,<br />

Fritz Güntzler, Ines Dietze, Dr. Klaus Heinemann,<br />

Jürgen Hollstein, Jürgen Jenauer, Carsten Lohrengel,<br />

Lars Obermann, Thomas Richter, Ulrich G. Büchner,<br />

Mark C. Schneider, Prof. Dr. Matthias Schumann,<br />

Claudia Trepte, Dr. Marko Weinrich, Prof. Dr. Winfried Weber,<br />

Hasso Werk<br />

Wir übernehmen für unverlangt eingesendete Texte, Fotos etc. keine Haftung.<br />

Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht die Meinung des Herausgebers<br />

wieder. Von <strong>faktor</strong> gestaltete Anzeigen sind urheberrechtlich geschützt.<br />

Eine anderweitige Verwendung ist nur mit schriftlicher Genehmigung des<br />

Herausgebers möglich. Ein Nachdruck der im <strong>faktor</strong> veröffentlichten<br />

Beiträge ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers möglich.<br />

Bei allen Gewinnspielen ist der Rechtsweg ausgeschlossen.<br />

Redaktioneller Hinweis<br />

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir auf unserer Plattform<br />

die männliche Form (generisches Maskulinum), z.B. ,der Journalist‘.<br />

Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleich behandlung.<br />

Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und ist wertfrei.<br />

<strong>faktor</strong>-Partner<br />

Audi Zentrum<br />

Göttingen<br />

dr. Bodenburg<br />

Zilian<br />

Werk<br />

Rechtsanwalts- und Notarkanzlei in Göttingen<br />

Netzwerkpartner<br />

InnovationsCluster<br />

it GÖTTINGEN<br />

3 |<strong>2022</strong> 145


146 3 |<strong>2022</strong>


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