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faktor Herbst 2022

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www.mehralseinmagazin.de

18. Jahrgang Herbst 2022 8 Euro

profil

› MEHR ALS EIN MAGAZIN

› DAS ENTSCHEIDER-MAGAZIN FÜR DIE REGION GÖTTINGEN

erfolgsgeschichte Der Göttinger Fintan Whelan bringt mit seinen vielschichtigen Kunstwerken die Welt zum Leuchten TOP-ARBEITGEBER 90 2018 1


Jan Förster Dipl.-Finw.(FH)

Steuerberater

Miriam Engel Dipl.-Kffr.

Steuerberaterin

Tatjana Wucherpfennig B.Sc.

Steuerberaterin

Immer die richtige Finanzmedikation

Damit Abgaben nicht zur bitteren Pille werden, finden Mediziner in Quattek &

Partner ihren „Facharzt“ unter den Steuerberatern. Wir verstehen uns als wirtschaftliche

Wegbegleiter der Heilberufe. Unser Rezept für das monetäre Wohlergehen:

effektive Finanzdiagnostik und wirksame Therapien von der Praxisübernahme

über den laufenden Betrieb bis hin zur Nachfolgeregelung.

Steuerprognosen, Liquiditäts- und Planrechnungen sowie Branchen- und Mehrjahresvergleiche

helfen uns, Probleme frühzeitig zu erkennen und eine entsprechende

„Medikation“ vorzunehmen. Die Ergebnissituation fassen wir nachvollziehbar

in speziellen Quartalsberichten und Überschussrechnungen zusammen.

Als Spezialisten auf dem Gebiet der Heilberufe betreuen wir mit besonders ausgebildeten

und motivierten Mitarbeitern eine Vielzahl von niedergelassenen Medizinern

der verschiedensten Fachrichtungen und Praxen unterschiedlichster

Größenordnungen und Organisationsformen.

Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.

Steuerberater

Roland Haever Dipl.-Kfm.

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater

Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater

Johann-Karl Vietor Dipl.-Kfm.

Steuerberater

Thorsten Kumpe Dipl.-Kfm.

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater

Miriam Engel Dipl.-Kffr.

Steuerberaterin

Lutz Becker

Rechtsanwalt

Jan Förster Dipl.-Finw. (FH)

Steuerberater

In Kooperation mit

Quattek & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB · Nikolausberger Weg 49 · 37073 Göttingen · Tel. (05 51) 49 70 1-0 · www.quattek.de


editorial

DAS NEUE

ARBEITS-

GEFÜHL

FOTO COVER: ALCIRO THEODORO DA SILVA / FOTO EDITORIAL: LUKA GORJUP

Ihre Elena Schrader

Chefredakteurin

schrader@faktor-magazin.de

»The queen is dead,

long live the king!«

A

uch wenn dieser klassische monarchische Zweiklang in manchen Ohren

kurios, vielleicht sogar grotesk klingen mag – und Monarchien in den Augen

vieler grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß scheinen –, er steht vor allem

für eins: eine jahrhundertealte Tradition.

Dabei sind die Windsors heute nichts anderes als ein Familienunternehmen. Und der Grund,

warum vor allem konstitutionelle Monarchien allem Für und Wider zum Trotz bis heute

überlebt haben, ist, dass sie sich angepasst und weiterentwickelt haben – und selbst nach

dem Tod des Oberhauptes dem Grundsatz folgen: Es muss ja irgendwie weitergehen.

Die Beliebtheit der Queen, ihr Erfolg, gibt dem recht.

Traditionen zu bewahren und dennoch mit der Zeit zu gehen, ist ein Erfolgsrezept, das

überall auf der Welt – so auch in Südniedersachsen – funktioniert. Ein Rezept, das bei

Galke in Gittelde zur Perfektion gereift ist. Der Kräuterhändler mit dem breitesten

Sortiment Europas vertraut seit über 100 Jahren auf das von Generation zu Generation

überlieferte Spezialwissen. Wir waren vor Ort und erfuhren von der Urenkelin des

Gründers, Sophie Galke, wie sie das Familienunternehmen in die Zukunft führen will.

Doch eines ist ebenfalls klar: Traditionen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie müssen

erst begründet werden – und wachsen. Wie die Idee, Göttingen zur neuen Autostadt zu

machen! Der Maschinenbauer Akcurate hat hier einen Coup gelandet. Wie es dazu kam,

dass in Rosdorf künftig Elektrofahrzeuge mit Kultpotenzial gefertigt werden, davon

berichtet Geschäftsführer Andreas Kirsch ab Seite 38.

Und das ist in dieser Ausgabe nicht der einzige Höhepunkt in Sachen Mobilität, denn

wir widmen dieser Herausforderung des 21. Jahrhunderts einen eigenen Schwerpunkt.

In unserem Beitrag ,Mobil in kleinen Schritten‘ erfahren Sie, was das Thema in Zukunft für

uns bereithält, und wir stellen Ihnen zahlreiche Unternehmen der Region vor, die sich mit

ihren ,mobilen‘ Lösungen bereits auf dem Erfolgsweg befinden.

Ich wünsche Ihnen bei dieser spannenden und zukunftsweisenden Lektüre

viel Vergnügen und einen bewegten Herbst!

www.mehralseinmagazin.de

P

Direkt

Wir denken Büro neu.

an unserem Ausstellungszentrum stehen

ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

KARL-ARNOLD-STRASSE 4 · 37079 GÖTTINGEN

0551 50669-23 und -25

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Raus

ins

Büro!

Das neue Arbeitsgefühl ist wie eine Spritztour mit

der in Göttingen brandneu entwickelten Evetta.

Das nachhaltige E-Auto ist der regionale Star

unserer neuesten gabe des Struckmeier

Aus-

on t.o.p Kataloges.

mehr auf den Seiten 38 und 45

Hier Bürobedarf-

Katalog anfordern

3 |2022 3


inhalt

unternehmen

122 Engagiert im Literaturhaus

» Lesen vergrößert die eigene

Welt. Man erlebt dabei

Geschichten, die man sonst

eben nicht erleben würde. «

22 Mit Kräutern gewachsen

Generationswechsel bei

Galke in Gittelde

38 Göttingen wird Autostadt

Akcurate fertigt Elektrofahrzeuge

in Rosdorf

46 Eine Frage der Einstellung

Wie VisiCon in Rittmarshausen

zum Weltmarktführer wurde

wissen

58 Mobil in kleinen Schritten

Wie die Zukunft der Mobilität

aussehen kann

66 Mit dem richtigen Code

Zeichenforscher Gerdum Enders

erklärt, wie Unternehmen in der

Zukunft überleben

72 Im Kreis der vielen Richtungen

Ein Blick in den Wirtschaftsstandort

Weserbergland

80 Von Kerzen, Pilzen und DNA

Gründungswettbewerb Lift-Off

geht in die nächste Runde

84 Das richtige Motiv

Die langfristige Erfolgsgeschichte

der temporären Tattoos von Inkster

mensch

90 Dem Himmel so nah

Die vielschichtige Kunst des

Göttingers Fintan Whelan

98 Fit an der Platte

Lukas Bank bringt mit seiner

Eventkitchen hochklassige

Gastronomie nach Göttingen

106 Die letzte Meile

Felix Dossmann und seine

Lösung für die Paketzustellung

bis zur Haustür

leben

114 Das Biest

Der Unternehmer und überzeugte Fan

erneuerbarer Energien Ingo Stephan testet

den neuesten Hybrid-Ferrari

120 Werte für die Ewigkeit

Das Gemeinwohl in der Region

mit dem Stiftungsportal

Südniedersachsen fördern

122 Die Köpfe öffnen

Interview mit den neuen Bewohnern

des Literaturhaus Göttingen und

Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg

136 Die Erde bebt

Zu Besuch im Bunker der Wiechert’schen

Erd beben warte am Göttinger Hainberg

service

3 Editorial

8 Momentaufnahmen

Besondere Augenblicke

vergangener Tage

14 Geschüttelt, nicht gerührt

Die 36. faktor-Business-Lounge mit

Uni-Präsident Metin Tolan

16 Aktuelles

Neues aus der´Redaktion

145 Impressum

146 Wissensbissen

Der Schlörwagen oder das Göttinger Ei –

gezeichnet von Tanja Wehr

4 3 |2022


98 Kochen als Event

22 Mit Sophie Galke geht der Gittelder Gewürzhandel in die vierte Generation

»Wir versuchen, zu den Ursprüngen zu gehen und die Kräuter

dort einzukaufen, wo sie ursprünglich herstammen.«

Leckerbissen. Lukas Bank tischt

Prominenten auf und kredenzt in den

besten Restaurants der Welt. Jetzt

bringt der Eichsfelder die hochklassige

Gastronomie auch nach Göttingen.

FOTOGRAFIE: ALCIRO THEODORO DA SILVA

38 Die ,Knutschkugel‘ ist zurück

Göttingen wird Autostadt Die Maschinenbaufirma Akcurate von Andreas Kirsch hat einen Coup

gelandet: In Rosdorf werden künftig Elektrofahrzeuge – wie die Evetta (Foto) mit Kultpotenzial

oder der wandelbare XBus – gefertigt und die Produktionsanlagen dafür weltweit geliefert.

46 + 136 Gut aufgestellt

Vielseitig unterwegs. Wolfgang Brunk

hat VisiCon in Rittmarshausen zum

Weltweltmarktführer gemacht und

entscheidend zur Rettung der

Wiechert’schen Erdbebenwarte auf

dem Göttinger Hainberg beigetragen.

3 |2022 5


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tommy m-Showroom eröffnet

bei Möbel Hesse

Im Interview: Thomas Machalke, Gründer von tommy m, zur Philosophie des Unternehmens

und seiner Leidenschaft für besondere Leder.

„Jedes unserer Ledersofas hat

seinen eigenen Herzschlag.“

Thomas Machalke (54) ist Inhaber

des Unternehmen TM Collections.

Herr Machalke, bei Möbel Hesse in Garbsen

hat vor Kurzem ein großer Showroom

von tommy m eröffnet, es ist der größte in

Deutschland, gleich nach Ihren eigenen Ausstellungsräumen

bei Lichtenfels. Wer steht

hinter der Marke?

tommy m habe ich 2003 gegründet. Die Liebe

zum Leder liegt bei uns in der Familie: Mein

Vater und mein Onkel hatten selbst eine bekannte

Möbelfirma. In meiner Kindheit, Jugend

und auch im Studium habe ich dort viele

Wochen verbracht. Und von klein auf bin ich

mit Leder, seiner Schönheit und seiner bei uns

ganz individuellen Verarbeitung vertraut. Ob

Entwicklung, Vertrieb oder Verkauf, alle diese

Berufsfelder habe ich kennengelernt – bis auf

das Nähen.

Und heute?

Heute reise ich in Länder auf der gesamten

Welt, immer auf der Suche nach besonderen

Ledern – man kann sagen, ich brenne für Leder.

Übrigens: Keines der Tiere stirbt wegen

des Leders, das ist uns wichtig. Wir nutzen

das Leder von Tieren, die in der Nahrungsmittelindustrie

verarbeitet wurden. Leder ist

damit ein sehr nachhaltiges Material – und wir

schenken dem Leder damit quasi ein zweites

Leben.

Was ist die Philosophie von tommy m?

tommy m gilt als jung, stylisch, flexibel, progressiv,

als sehr individuell und manchmal

auch etwas „anders als andere“. Wir haben

uns darauf spezialisiert, in kleinen Stückzahlen

und mit hoher Individualität zu fertigen

und nicht in Masse. Unsere Möbel sind hochwertige

Designmöbel, überwiegend aus naturbelassenen

Ledern mit einzigartiger Optik

und Haptik. Denn wir verwenden keine Leder

von der Stange.

Das heißt, Handwerkskunst trifft auf

modernes Know-how?

Ja, wir fertigen unsere Möbel in ganz viel

Handarbeit und mit gut ausgebildeten Fachkräften

an unserem Firmensitz im bayerischen

Lichtenfels. Wir und unsere rund 50

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glauben an

den Manufaktur-Gedanken. Da unsere Materialien

so hochwertig und einzigartig sind,

brauchen sie auch besonderes Know-how,

äußerste Sorgfalt und großes Fingerspitzengefühl.

Was zeichnet die Sofas, Sessel, Dinnersofas

und Co. von tommy m aus?

Sie sind modern, ausdrucksstark, sehr individuell

und gleichzeitig nachhaltig, naturbelassen,

ressourcen- und umweltbewusst. Und

sie haben gleichzeitig den Touch des zeitlosen

Klassikers. Wir arbeiten mit internationalen

Designern zusammen, das prägt die Entwürfe.

Viele der Möbel haben italienisches Flair.

Wie erreichen Sie diese Individualität?

Ob bei Ledern von süddeutschen, amerikanischen

oder asiatischen Tieren: Alle natürli­


PROFIL

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Ob das Modell Al Jazar (links) oder Empoli: Die Sofas von tommy m stehen für zeitloses Design und markante Oberflächen – und für einen beeindruckenden

Auftritt mit starker Präsenz.

chen Merkmale des Leders, wie etwa Narben,

Insektenstiche, Nackenfalten, Stacheldrahtrisse

oder Ähnliches bleiben voll erhalten und

geben jedem Möbel eine lebendige Optik. Die

Leder werden nach jeweils traditionellen Verfahren

gegerbt. Jedes Sofa ist also ein Unikat,

mit besonderem Leder und jeweils individuellen

Sitzelementen, Nahtbildern und Füßen.

Jedes Ledersofa hat sozusagen seinen eigenen

Herzschlag.

Wer sind Ihre Kunden?

Möbel von tommy m stehen auf der gesamten

Welt. Deutschland, Österreich, die Schweiz

und Benelux gehören zu unseren wichtigsten

Märkten. Das Design ist aber eher international

als deutsch. Auch viele Hotels und Objekte

in ganz Europa, Amerika und Asien gehören

zu unseren Kunden, auch viele Sportler

und Rennfahrer.

Was erwartet die Besucher im neuen

tommy m-Studio bei Möbel Hesse?

Möbel Hesse wird unser größter Stützpunkt

in Deutschland, der Showroom auf einer

Fläche von 200 Quadratmetern ist der bundesweit

zweitgrößte nach unseren eigenen

Ausstellungsräumen in Lichtenfels. Er bietet

uns die Möglichkeit, unsere Vielfalt zu zeigen

– und wie flexibel wir sind. Wir erwarten, dass

der Standort eine große Strahlkraft hat, denn

wir erleben, dass die Kunden bereit sind, für

diese außergewöhnlichen Produkte weit zu

fahren.

Welche Produkte zeigen Sie in der Ausstellung

bei Möbel Hesse?

Wir präsentieren das gesamte Portfolio: Ob

klassische Zweisitzer, stylische Eckkombinationen

oder gemütliche Wohnlandschaften.

Allen voran das Sofa Al Jazar. Der Loungecharakter,

die Geradlinigkeit des zeitlosen Designs

und die markanten Oberflächen stehen

für einen beeindruckenden Auftritt mit starker

Präsenz

Zu unserer Kollektion gehören auch Stühle

und Sessel, wie etwa der Sessel Dylan: Er ist

gleichzeitig schlank und elegant, bietet kuscheligen

Komfort und vermittelt ein geborgenes

Sitzgefühl. Wie bei allen Möbelstücken

von tommy m kann auch bei Dylan zwischen

unterschiedlichen Nahtbildern und Füßen

ausgewählt werden.

Die Bandbreite unserer Produkte ist riesig

und eben sehr individuell. Bei tommy m

ist auch die Dinnerbank nach Maß möglich.

Das Modell Como etwa verbindet nicht nur

höchsten Sitzkomfort mit schlichter Eleganz:

Egal ob mit Armlehnen oder als offene Variante,

Eckkombination oder frei stehende Dinnerbank

– Como passt sich vollkommen den

Kundenwünschen an.

Herr Machalke, und welches Sofa steht bei

Ihnen zu Hause?

In unserem Wohnraum steht ein ganz großes

Sofa, das Alexandria, mit einem ergänzenden

Daybed. Es ist aus schwarzem Nubuk-Leder,

gefertigt, schon zwölf Jahre alt und wird mit

den Jahren immer schöner. Bei uns sind viele

Kinder und Jugendliche zu Gast – sie lieben

das Sofa, was für die Aktualität unserer Möbel

spricht.

KONTAKT

INTERVIEW: JUTTA GRÄTZ (MÖBEL HESSE)

Möbel Hesse

Robert-Hesse-Straße 3

30827 Garbsen

Tel. 0511 27978-0

info@moebel-hesse.de

www.moebel-hesse.de


momentaufnahmen

Momentaufnahmen

faktor lässt besondere Ereignisse in der Region mit ausgewählten Impressionen Revue passieren.

TEXT KIM HENNEKING FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Stimmungsvoll im Wald

Das Open-Air-Programm ,Musik im Wald‘ lockte im August wieder einmal für zwei Abende

zahlreiche Besucher in den Kaiser-Wilhelm-Park in Göttingen. Auf dem Programm eine bunte

Mischung aus lokalen und internationalen Stars: Neben Sänger Laith Al-Deen und der

Blues­ Band Phil Miller & The Mills-Tones stand unter anderem Alice Merton (Foto) auf der

Bühne, die ihr aktuelles Album S.I.D.E.S vorstellte. Die Singer-Songwriterin, bekannt aus der

Castingshow ,The Voice‘, verarbeitet mit ihren neuen Werken ihre Erlebnisse während der

Pandemie. Nachdenklich und gleichzeitig stimmungsvoll sind ihre Lieder, die Mut für eine

bessere Zeit machen sollen und in Göttingen für ausgelassene Atmosphäre sorgten.

8 3 |2022


momentaufnahmen

3 |2022 9


momentaufnahmen

10 3 |2022


momentaufnahmen

Jung und Alt am Start

Der Göttinger Altstadtlauf ist für alle Laufinteressierte der Region bereits seit vielen Jahren eine

feste Größe und dient unter anderem der Förderung des Breitensports. Kein Wunder also, dass

sich Mitte Juli – nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause – beinahe 4.000 Athleten für den

Start gemeldet hatten. Bei fantastischer Stimmung und bestem Leichtathletikwetter nahmen sie in

den insgesamt sechs Disziplinen die sportliche Herausforderung an, und das über alle Altersklassen

hinweg: ob beim Schulcup (1 Altstadtrunde = 1.800 Meter) oder auf der Langstrecke beim Novelis-

Cup (6 Altstadtrunden = 10.450 Meter) – für Letztere benötigte der schnellste Läufer übrigens gerade

einmal 34:50 Minuten. Zurecht feierten Tausende Schaulustige die motivierten Sportler am Start-Ziel-

Bereich am Göttinger Gänseliesel und entlang der Strecke quer durch die historische Innenstadt.

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momentaufnahmen

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momentaufnahmen

Wenn die Motoren brummen ...

Zu den Einbecker Oldtimer-Tagen haben im Juli der PS.Speicher und das Einbeck Marketing

eingeladen. An drei Tagen drehte sich in der Fachwerkstadt alles ums Thema Mobilität. Doch nicht

nur alte Autos ließen die Herzen der Motorenfans höher schlagen. Autohäuser präsentierten den

Besuchern auch moderne Technik in Form von E-Motoren und Plug-in-Hybriden. Beim Korso

durften alle mitfahren, deren Gefährt nicht jünger als Baujahr 2000 war – und so schlossen sich

über 170 begeisterte Autofahrer der 160 Kilometer langen Rallye quer durch Südniedersachsen an.

3 |2022 13


aktuelles

Geschüttelt, nicht gerührt!

Wie Uni-Präsident Metin Tolan auf der 36. faktor-Business-Lounge James Bond und Physik

unterhaltsam zusammenbrachte

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Wird Uni-Präsident Metin Tolan der nächste

James Bond? Diese Frage mag anfangs etwas

absurd wirken. Doch im Rahmen der jüngsten

faktor-Business- Lounge, die Ende August im historischen

Am biente der Göttinger Sternwarte stattfand, hat

sich dieser Eindruck bei rund 80 Gästen sehr wohl gefestigt.

Oder zumindest der Eindruck, dass der aktuelle

Uni-Präsident diese Gelegenheit niemals ausschlagen

würde. Denn Metin Tolan gehört nach eigenen Angaben

zu den größten Fans der Roman- und Filmfigur James

Bond. Vielleicht verbindet er auch deshalb den Geheimagenten

gern mit seiner zweiten großen Leidenschaft:

der Physik.

Wenn beides zueinander passen soll, braucht es definitiv

einen Mann wie Metin Tolan. ,James Bond, im Visier

der Physik‘ lautete sein Vortrag, der nicht nur spannend

und lehrreich daherkam, sondern auch überraschend

witzig. Ob Uhren mit Riesenmagnet und Mikrowellen,

sich in der Luft drehende Autos oder Sprengsätze im

Schuh absatz. Bond ist auf der Kinoleinwand über Jahrzehnte

mit diesen Gadgets zu Überlebensgröße herangewachsen.

Doch funktioniert das eigentlich, was sich die

Autoren, Regisseure und Stuntmenschen so ausgedacht

haben?

SO MUSSTE SICH DIE REALE und irreale Machbarkeit

der Tricks des Lieblingsgeheimagenten in dem spannenden

Vortrag am mal mehr, mal weniger komplexen Zahlenwerk

des 57-jährige Physikers messen lassen. Am

Ende waren die Gäste des Abends durchaus davon be-

14 3 | 2022


aktuelles

Unterhaltsame Wissenschaft Dank Uni-Präsident Metin Tolan (Foto, linke Seite) wurde so manches Geheimnis der

James-Bond-Reihe vor den Augen der rund 80 Gäste – Zumindest in physikalischer Hinsicht – gelüftet.

eindruckt, was alles in der Welt von James Bond auch

auf der Kasseler Landstraße in Göttingen möglich wäre

– das richtige Equipment, Budget und ein Atomkraftwerk

mit reichlich Energie vorausgesetzt.

Vor allem aber gewährte Metin Tolan einen Einblick

in die Denkweise der Wissenschaft – die gar nicht entzaubern

will, sondern einordnen, verständlich machen

und damit vielleicht sogar ein bisschen bezaubern. Das

ist dem Präsidenten mit Herz und Humor nicht nur in seinem

Vortrag gelungen, sondern auch beim anschließenden

Netzwerken mit den Besuchern der 36. faktor-Business-

Lounge – begleitet von standesgemäßen Martinis und

passend ausgesuchter Verköstigung vom Cateringhaus

Göttingen Böning-Schaumberg à la ,Octopussy‘ und

,Liebesgrüße aus Moskau‘. ƒ

Sie haben die Lounge verpasst? Kein Problem.

In unserem faktor-Digital-Video können Sie sich

einen Eindruck des Abends verschaffen unter:

faktor-magazin.de/faktor-video

3 |2022 15


aktuelles

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

faktor-Mittagsclub

Impulse für Entscheider

Der faktor-Mittagsclub ermöglicht für seine Mitglieder einmal im Monat

einen Blick hinter die Kulissen regionaler Unternehmen. Nach einem

Impulsvortrag können sich die Teilnehmer der exklusiven Gruppe beim

Mittagessen im Restaurant Amavi austauschen.

Winzer Michael Winkler (M.) zu Gast im Mittagsclub

Im Juni war Alexander Pape von bode & Stephan zu Gast. Das

Göttinger Elektrotechnikunternehmen wurde vom Hamburger Dienstleister

für Solar energieversorgung 1Komma5° gekauft. Pape berichtete, wie

der Deal seinen Partner Ingo Stephan und ihn im Mindset und der

Digitalisierung voranbringt.

Im Juli kam Michael Winkler (Foto) vorbei. Der Göttinger Apotheker erzählte,

wie er sich mit 50 Jahren entschied, parallel etwas Neues anzufangen – und

Göttingens erster Weinanbauer zu werden. Seine erste erfolgreiche Ernte vom

Weinberg bei Bovenden-Lenglern konnten sich die Mittagsclub-Teilnehmer

bereits munden lassen.

Im August erweiterte dann Eckart Pottebaum die Runde. Der Geschäftsführer

des Renovierungsdiscounters tedox aus Harste berichtete über das 50-jährige

Jubiläum des Unternehmens, bei dem anstelle bundesweiter Feiern

200.000 Euro für Bedürftige in der Ukraine gespendet wurden, und

darüber, wie tedox erfolgreich die Viertagewoche etabliert hat.

Weitere Infos unter:

www.faktor-magazin.de/faktor-mittagsclub-bildergalerien

Der neue faktor-Azubi ist da

Nachwuchskräfte in Südniedersachsen halten

Im August ist der neue faktor-Azubi erschienen. Darin stellen sich wieder einmal

Azubis und Studierende sowie spannende Unternehmen der Region vor und zeigen,

welche Zukunftsperspektiven Südniedersachsen so zu bieten hat. Wer noch keinen

Plan hat, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen kann, findet Orientierung

im Berufsfahrplan und Inspiration im Top-Ten-Ranking der beliebtesten Berufe

Deutschlands. Obendrein geben regionale Personaler ganz persönliche Tipps aus

erster Hand für gelungene Bewerbungsschreiben und das Vorstellungsgespräch.

Wollen auch Sie Ihr Unternehmen den Fachkräften von morgen vorstellen?

Dann melden Sie sich gern bei Nicole Benseler unter Tel. 0551 30983922 oder

per E-Mail an benseler@faktor-magazin.de

16 3 |2022


aktuelles

©NORDPHOTO

38. faktor-Business-Lounge

Im November wird's sportlich!

Passend zur Fußballweltmeisterschaft ist Marco Bode (Foto)

im November zu Gast bei der 38. faktor-Business- Lounge.

Unter dem Vortragstitel ,Matchplan – was Fußball und

Unternehmen voneinander lernen können‘ zeigt er Parallelen

zwischen dem Erfolg auf dem Fußball- und am Arbeitsplatz auf.

Gebürtig in Osterode, spielte Bode ganze 379-mal für seinen

Verein Werder Bremen in der Bundesliga sowie 40 Länderspiele

mit der Nationalmannschaft. Von 2014 bis 2021 war er Aufsichtsrats vor sitzender von

Werder Bremen. Kürzlich ist sein neues Buch ,Tradition schießt keine Tore‘ im Göttinger

Werkstatt-Verlag erschienen.

Die 38. faktor-Business-Lounge findet am Donnerstag, den 17. November, in Kooperation mit

dem VersicherungsKontor Osterode statt. Beginn ist um 19 Uhr im Fun Golf Bovenden.

Infos und Anmeldung unter: faktorevents.de

faktor-Buch

Die beste Medizin

Die Top-Mediziner und -Dienstleister der Gesundheitsbranche

auf einen Blick – das kommende faktor-Buch

stellt diese Branche vor: auf hochwertigem Papier und mit

edlem Leinencover. Nach der gelungenen Premiere des ersten

faktor-Buches über Top-Unternehmer und ihre Erfolgsgeschichten

im Herbst 2021 präsentieren sich nun innovative Ärzte und Dienstleister

im Gesundheitssektor Südniedersachsens mit ihrer Spitzenmedizin.

Eine kombinierte Präsenz in der faktor-Winterausgabe im

Schwerpunkt Gesundheit und auf der digitalen Plattform runden

dieses exklusive Angebot ab.

Haben auch Sie Interesse? Dann wählen Sie Ihre einzigartige und

zeitlose Präsentation auf der faktor-Plattform in einem Premiumumfeld:

marketing.faktor-magazin.de/faktor-buch

3 |2022 17


aktuelles

FOTO: UMG

Innovative Medizin fördern

faktor-Herausgeber im

hochkarätigen Stiftungsbeirat

Herz und Hirn vereint Auch mit der Unterstützung von Gerd Hasenfuß,

dem Vorstandsvorsitzenden des Herzzentrums der UMG, und Björn Thümler,

dem niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, will die neue

Stiftung unter UMG-Vorstand Wolfgang Brück (v. l.) Großes erreichen.

Individuelle

Gebäudetechnik.

Unsere Leistungen –

so individuell, wie die Ansprüche

unserer Kunden.

Bereits in der vierten Generation bieten wir

unseren gewerblichen, öffentlichen und

privaten Kunden das gesamte Spektrum der

Gebäudetechnik.

Mit seinen 40 Kliniken und über 30 Polikliniken setzt die

Universitätsmedizin Göttingen (UMG) immer wieder

Maßstäbe. Durch Gründung einer neuen Stiftung ,UMG

add on‘ möchte Niedersachsens medizinischer Spitzenversorger

diese Exzellenz nun ausweiten. Der Name ist dabei

Programm. Innerhalb der drei profilbildenden Schwerpunkte

der UMG – Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf-

Medizin und Onkologie – sollen mit der Stiftung interdisziplinäre

Leuchtturmprojekte gefördert werden, die

über die klassische Spitzenmedizin hinausweisen. Dazu

sollen die weltweit besten Wissenschaftler unterschiedlicher

Fachrichtungen in einem neuen Forschungszentrum

zusammengebracht werden, um Ansätze und Therapien zu

entwickeln, die direkt auf die Krankenversorgung übertragbar

und individuell auf die Patienten abgestimmt sind.

Diese Arbeit unterstützt auch faktor-Herausgeber

Marco Böhme, der unter anderem neben PS.Speicher-

Gründer und Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf und

Manager Philipp Schulte-Noelle im hochkarätigen

Stiftungsbeirat sitzt.

Mehr zur neuen ,UMG add on‘-Stiftung lesen Sie übrigens

im Dezember in der nächsten faktor-Ausgabe!

Fordern Sie uns!

Ruhstrat Haus- und

Versorgungstechnik GmbH

Adolf-Hoyer-Straße 6

37079 Göttingen

Telefon (05 51) 6 94 04-0

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18 3 |2022


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unternehmen

22 3 |2022


unternehmen

Mit Kräutern

gewachsen

Galke in Gittelde ist der europäische Kräuter- und Gewürzhändler mit dem

breitesten Sortiment – 1.600 verschiedene Pflanzen rohstoffe werden hier vorrätig

gehalten und weltweit exportiert. Seit über 100 Jahren vertraut das Familienunternehmen

auf das von Generation zu Generation überlieferte Spezialwissen.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

3 |2022 23


unternehmen

LESEZEIT: 10 MINUTEN

Hinter dem Bahnhof von Gittelde im

Harzvorland, da wo man sich kaum

je durch Zufall hinverirrt, hat eine

besondere unternehmerische Perle

Südniedersachsens ihren Sitz: die

Alfred Galke GmbH. Dem Endverbraucher

ist Galke kein Begriff, dafür stolpern unzählige

Unternehmen, Apotheken und selbst Forschungseinrichtungen,

national wie international, früher oder später

über diesen Namen – wenn sie für die verschiedensten

Verwendungszwecke Kräuter benötigen. Denn das über

100-jährige Familienunternehmen ist in Europa der

Kräuterhändler mit dem größten Sortiment, der nicht

nur aus aller Welt seine pflanzlichen Rohstoffe bezieht,

sondern sie auch in alle Welt exportiert – die Exportquote

liegt bei 45 Prozent.

Von außen sieht das Betriebsgelände unscheinbar aus,

niedrige Gebäude, dahinter eine Halle, hinter der aber

noch eine und noch eine folgt. Dass hier allerdings etwas

anders ist als in gewöhnlichen Betriebsstätten, merkt

man sofort beim Betreten, denn statt nach Metall- und

Öl gerüchen oder Büroatmosphäre mit sterilen Fluren

duftet es wie in einem Teeladen: nach Fenchel, Zitrus

oder Pfefferminz und nach Pflanzen, die man überhaupt

nicht zuordnen kann. Ein Fest für die Nase.

1.600 VERSCHIEDENE SORTEN hat man bei Galke vorrätig

– 600 in Bio-, 1.000 in konventioneller Qualität,

vorwiegend Kräuter, aber auch Gewürze. „Wir versuchen,

alles da zu haben, was es gibt, auch die seltenen Kräuter“,

erklärt Hartmut Galke, Geschäftsführer des Traditionsbetriebs

in dritter Generation. Die Besonderheit des

Kräutergeschäfts ist, dass man nur einmal die Chance

hat, die Waren zu kaufen – nach der Ernte. Insofern

kommt dem Lager eine überragende Bedeutung zu, denn

der Bedarf eines Jahres muss vorrätig sein. 27.000 Quadratmeter

ist es groß, teilweise ist die Ware mehrere

Meter hoch gestapelt, alphabetisch sortiert.

Deswegen wird ein Besuch bei Galke schnell zu einer

kleinen Wandertour, will man die ganzen Lager in Augenschein

nehmen. Deswegen flitzen auch die Mit arbeiter der

Kommissionierung mit Tretrollern durch die Hallen, um

die Distanzen zu überbrücken, wenn etwa eine neue Bestellung

an Birkenblättern versandfertig gemacht werden

muss. Galke ist kein Massenversender, sondern hat sich

auf eher kleinere Tranchen spezialisiert, selbst kleinste

Mengen ab 100 Gramm sind bestellbar.

So breit wie das Sortiment an Gewürzen, Arzneikräutern,

Tees oder Färbemitteln, an Harzen und Aromen ist,

so breit ist auch die Kundenlandschaft: Lebensmittelund

Futtermittelhersteller, die daraus zum Beispiel Gesundheitstees

– auch für Pferde – herstellen, die chemische

und pharmazeutische Industrie, aber auch der kleine

Einzelhandel wie die Apotheke, die noch ihre eigenen

Salben anmischt, oder der Tee- und Kräuterhandel sowie

Reformhäuser. Selbst Spirituosenhersteller greifen auf

die Kräuterauswahl zurück. Und ein besonders faszinierender

Abnehmer sind Zoos, die bestimmte Kräuter als

Futterzusatz für Flamingos benötigen, damit diese ihre

rosa Farbe behalten.

Und so finden sich Galke-Rohstoffe wie Seifenkraut in

Spülmitteln, Rote Beete als Färbemittel in Bio-Kreide,

und in Gesundheitstees landen Löwenzahn und Brennnesseln,

die niemand im Garten haben will, man in Gittelde

aber in großen Mengen benötigt.

DIE ANFÄNGE DES UNTERNEHMENS gehen auf Alfred

Galke zurück, der 1920 in Schlesien einen Kräuterhandel

gründete und vor dem Zweiten Weltkrieg bereits

ganz Westeuropa mit Früchtetees beliefert hatte. Doch

mit dem Kriegs ende kam die Flucht und der Verlust der

alten Produk tionsstätte. Galke landete in der Nähe von

Hannover und schaute sich dort gleich nach Möglichkeiten

um, den Handel neu aufzubauen. Fündig wurde er in

Gittelde, wo ein ehemaliger holzverarbeitender Betrieb,

der über den nötigen Gleisanschluss verfügte, zum Verkauf

stand. Das und die Nähe zum Harz und damit zu

den dortigen Kräutersammlern und pflanzlichen Rohstoffen

gaben den Ausschlag, im Norden zu bleiben. „Das ist

untypisch für unsere Branche“, erklärt Sophie Galke,

Hartmuts Tochter und vierte Generation, die das Unternehmen

in die Zukunft führen soll. Seit fünf Jahren unterstützt

sie ihren Vater bereits als Prokuristin, kümmert

sich um Personalangelegen heiten, Betriebsorganisation

und Umstrukturierungen. „Unsere Konkurrenten sitzen

entweder an den Überseehäfen in Hamburg und Bremen

oder in Süddeutschland, wo viele Kräuter angebaut werden.“

Interessanterweise ist der Kräuterhandel in Europa

in deutscher Hand. „Wir kennen uns alle untereinander,

jeder hat so seine Spezialisierung gefunden, und wir

helfen uns auch gegenseitig mal aus, wenn dem Kollegen

ein Rohstoff fehlt.“

Sophies Urgroßvater machte noch persönlich seine

Runden im Harz und kaufte die kleinen Tranchen auf,

die Kräutersammler auf ihren Dachböden getrocknet

hatten. Einer der wichtigen Spezialartikel damals war der

Fingerhut, der in Herzpräparaten verwendet wurde.

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Traditionsbewusst Mit Prokuristin Sophie Galke ist die vierte Familiengeneration in das Unternehmen eingetreten.

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Bunte Vielfalt Rund 1.600 verschiedene Pflanzenprodukte hat Galke im Portfolio. Sie kommen aus rund 80 Ländern weltweit und reichen von

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Abelmoschussamen über Chilis (Foto) bis zu gemahlenen Zwiebeln.

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Handarbeit und Siebenmeilenstiefel Die zahlreichen Produkte können bei Galke jeweils schon in kleinsten Mengen ab 100 Gramm

bestellt werden – für den Versand werden diese aus dem weitläufigen Lagerbereich geholt und von Hand verpackt.

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unternehmen

FOTOS: GALKE

Auf dem Weg Hartmut Galke leitet das Unternehmen seit 1999 und hat das

Sortiment stark erweitert. Im Betrieb bewegt der 59-Jährige sich, wie auch die

Mitarbeiter, gern auf dem Tretroller durch die langen Hallen.

Ihr Großvater wiederum begann mit dem Aufbau des

Bio-Sortiments. Der große Entwicklungssprung des Unternehmens

kam dann 1993, als ihr Vater, Hartmut Galke

entschied, den Betrieb zu übernehmen: „Wir haben damals

stark investiert, um die Kapazitäten zu vergrößern,

die Abläufe zu modernisieren und mit den vielen gesetzlichen

Anforderungen Schritt zu halten“, erzählt der

heute 59-Jährige. So wuchs der Kräuterhandel von 20

Mitarbeitern auf heute rund 100, von denen alleine 40

im Büro sitzen, denn sowohl der Dokumentationsaufwand

als auch der Waren einkauf seien „unheimlich aufwendig“.

DIE BESCHAFFUNG DER WAREN IST EINE WELT für

sich. „Wir versuchen, zu den Ursprüngen zu gehen und

die Kräuter dort einzukaufen, wo sie ursprünglich herstammen“,

erklärt Sophie Galke. So kommt die Kamille

unter anderem aus Ägypten, der Rotbusch-Tee aus Südafrika

oder die Mate aus Brasilien. „Allerdings rufe ich

nicht einfach an und bestelle eine Tonne. Vielmehr ist es

ein langer Kommunikationsprozess.“ Der reicht teils

vom einzelnen Anbaubetrieb bis zu Großhändlern und

Exporteuren und Logistikunternehmen, andere Uhrzeiten

und Mentalitäten rund um den Globus machen es

nicht einfacher. Geht es um neue Quellen für die Sortimentserweiterung,

wird mitunter auch versucht, Konsulate

einzuschalten, um Anbaubetriebe in anderen Ländern

zu finden.

Viele der Lieferanten, beispielsweise in Osteuropa,

sind jedoch Familienbetriebe, zu denen bereits jahrzehntelange

Geschäftsbeziehungen bestehen. Eine große Bedeutung

spielen dabei Wildsammlungen, aus denen etwa

die Hälfte des Sortiments stammt. „Nehmen Sie die

Enzianwurzel“, sagt die Prokuristin, „da hat die wild gesammelte

eine bessere Qualität, weil sie einen höheren

Anteil an hochwertigen Inhaltsstoffen hat.“ Und es ist in

der Praxis wirklich noch so, wie man sich das aus den

Märchen der Kinderzeit vorstellt: Da geht das alte Kräutermütterchen

in den Wald und sammelt mit großer, über

Generationen weitergegebener Erfahrung die seltenen

Kräuter.

„AUF KRETA SAMMELT ZUM BEISPIEL ein alter Mann,

der ist inzwischen über 80 ist, für uns Engelsüßwurzel in

den Bergen“, erzählt Sophie Galke über einen der Kontakte.

„Der hat uns aber vor einiger Zeit schon gesagt,

dass er altersbedingt nicht mehr als 30 Kilo im Jahr

schafft.“ Genau das sei eine der großen Herausforderungen

in der Branche, die von genau diesem tradierten Erfahrungswissen

so ungeheuer abhängig ist: Diese Sammler

sterben aus, die jungen Leute auf Kreta gehen lieber

in den Tourismus. „Für uns heißt das, dass Raritäten

und Spezialitäten verschwinden, wenn wir keine alternativen

Quellen auftun.“ Deswegen sucht das Traditionsunternehmen

immer wieder nach neuen Lieferanten oder

experimentiert gemeinsam mit Partnern auch mit dem

gezielten Anbau von solchen Kräutern.

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unternehmen

UND NOCH EINE ENTWICKLUNG MACHT der Branche

das Leben schwer: Grenzwerte, die in Deutschland zu

den strengsten der Welt gehören. Deswegen muss auch

jede Charge von unabhängigen Labors getestet werden.

In der Wareneingangshalle gibt es daher zwei abgetrennte

Bereiche: links der Quarantänebereich neu eingegangener

Ware, die sich zurzeit in der Testung befindet, und

rechts der Ausschussbereich der Ware, die im Test durchgefallen

ist. Fällt ein Test negativ aus, ist die ganze Charge

vom Ausschuss betroffen.

„Es gibt so viele Kontaminanten, auf die man prüfen

kann oder muss, und es werden immer mehr“, sagt

Sophie Galke. Darunter die Klassiker mikrobielle Belastung

und die Belastung mit Schwermetallen. Die allerdings

sind heute nicht mehr so bedeutend, wichtiger sind

dafür Glyphosat und Pyrrolizidinalkaloide (PA) geworden,

für die seit ein paar Jahren überhaupt erst Vorgaben

existieren. Bei PAs handelt es sich um Inhaltsstoffe von

Pflanzen, die der Fressfeindabwehr dienen und die beim

Menschen bereits in geringen Mengen zum Beispiel

Leberschäden verursachen können. „Wenn auch nur ein

PA-haltiger Huflattich in einem Brennnesselfeld steht

und mitgeerntet wird, dann wird dadurch die ganze

Charge nicht mehr verkehrsfähig. Das sind extreme Vorgaben,

wie ein Tropfen in einem Swimmingpool.“ Für

die Lieferanten werden die deutschen Ansprüche zunehmend

zu einem Problem, da es den Aufwand und die

Kosten enorm in die Höhe treibt.

Die Ansprüche an Qualität sind jedoch auch ein großer

Treiber für die Mechanisierung der Produktion bei

Galke. Beispielsweise werden zwei CO 2-Hochdruckcontainer

eingesetzt, um prophylaktisch gegen eventuell

vorhandene Schädlinge oder akuten Schädlingsbefall

vorzugehen: Die Ware wird dabei für bis zu acht Stunden

bei bis zu 20 Bar behandelt, was Larven und Käfer

abtötet. Neu ist eine mikrobiologische Dampfanlage, in

der mittels kurzer Dampferhitzung und anschließender

Vakuumtrocknung eine mikrobiologische Kontaminierung

beseitigt werden kann.

ES TUT SICH EINIGES BEI GALKE – in der Modernisierung

sowohl der Abläufe, neuer Software und neuer Maschinen,

um die Produktion zu erweitern, als auch neuer

Geschäftsfelder und einer differenzierten internen Organisation.

So ist der Onlinehandel dazugekommen, und

bald soll auch eine erste Serie von Gesundheitstees unter

eigenem Namen in den Handel gebracht werden –

letzteres ist das persönliche Projekt von Sophie Galke,

die unmittelbar nach ihrem BWL-Studium fest in den

Familienbetrieb eingestiegen ist. Schon früh habe sie im

Betrieb mitgeholfen, etwa in den Schul- und Semesterferien.

„Für mich stand eigentlich schon immer fest, dass

ich das Unternehmen irgendwann auch übernehmen

werde – und auch, unter welchen Voraussetzungen“, erzählt

Galke mit selbstbewusster Stimme. „Wir sprechen

über sehr viele Dinge, diskutieren alles aus, und mein Vater

lässt mir den Raum für eigene Ideen.“

Alfred Galke senior

HISTORISCHE ENTWICKLUNG

1920 Gründung einer Teetrocknerei und -großhandlung durch

Alfred Galke senior (Foto) in Bad Warmbrunn, Schlesien.

1950 Nach der Vertreibung aus Schlesien glückt Alfred Galke

senior und seiner Frau Hedwig der Neuanfang in

Gittelde. Familien sammeln Heilpflanzen und liefern

sie gegen Entgelt bei Galke ab.

1963 Ab jetzt obliegt Alfred Galke junior und seiner Frau Erika

die Leitung des prosperierenden Unternehmens. Es

folgen Importe aus aller Herren Länder.

1968 – 1983 Beginnend im Westen Europas dehnt Galke die Exporte

im Laufe der Jahre auf ganz Europa aus. Erste Kontakte

nach Übersee entstehen.

1993 Hartmut Galke (Foto linke Seite) verstärkt das Unternehmen

und wird 1999 Mitglied der Geschäftsführung.

1994 – 1999 Die ohnehin schon beachtlichen Lagerkapazitäten

werden sukzessive erweitert.

2000 Die Exporte werden auf Japan und Südamerika ausgedehnt.

Es folgen der Bau neuer Produktionsflächen und

die Installation einer neuen Aufbereitungsanlage.

2002 – 2006 Durch einen Neubau ergänzt Galke die Versandflächen,

optimiert so die logistischen Abläufe und kann flexibler

reagieren. Mit der Zeit werden neue Produktionsanlagen

für Sieb- und Mischtechnik installiert, der Konfektionierungsbereich

modernisiert und der Logistikbereich sowie

das Fertigwarenlager neu gebaut.

2007-2015 Das wachsende Sortiment – mit inzwischen über 1.600

verschiedenen Produkten – verlangt weiter nach neuen

Kapazitäten. Drei zusätzliche Lagerhallen werden gebaut.

2017 Mit Sophie Galke führt nunmehr die vierte Generation

das Familienunternehmen.

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Hoch gestapelt Auf 27.000 Quadratmetern lagert alphabetisch sortiert der Vorrat für ein komplettes Geschäftsjahr, das mit der Ernte beginnt.

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Organisch gewachsen Die ältesten Bereiche am Gittelder Bahnhof stammen noch aus dem Jahr 1936 von dem alten holzverarbeitenden

Betrieb, den Alfred Galke nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte – die neuesten Hallen sind erst wenige Jahre alt.

Dieser hatte in Sachen Unternehmensnachfolge auch ein

exzellentes Vorbild, da bereits sein Vater den Übergang

mit dem Spielraum für eigene Ansätze und über einen

langen Zeitraum begleitet hatte. Und so will Hartmut

Galke es ebenfalls handhaben: „Wir sind nicht immer

einer Meinung, aber das ist auch gut so. Sophie hat andere

Ideen, die sie umsetzen können muss. Und für mich

ist das langfristige Ziel, mich stärker aus dem operativen

Geschäft zurückzuziehen.“

AUCH IN SACHEN NACHFOLGE ist die Familie somit

gut aufgestellt – denkt in langen Zeiträumen. Und vielleicht

ist das ihr Erfolgsrezept? Denn trotz vieler Märchen

und Mythen, die sich um Kräuter und Gewürze

ranken, vertraut man in Gittelde auch nach 100 Jahren

noch immer auf das von Generation zu Generation

überlieferte Spezialwissen und auf die eigenen, über Jahre

hinweg angehäuften Erfahrungen von Familienmitgliedern

und langjährigen Mitarbeitern. Selbst der Großvater

steht dem Unternehmen noch heute mit seiner Expertise

zur Seite. „In unserer Branche ist das kurios. Ich

kenne unsere Wettbewerber gut, und die arbeiten alle

länger – vielleicht auch, weil die Materie so viel Spaß

macht “, erzählt Hartmut Galke glücklich. Und davon

profitieren alle – denn selbst er, nach 30 Jahren Kräuterhandel,

lerne noch immer Neues dazu. ƒ

Zum Unternehmen

Der europäische Kräuterhandel wird von wenigen großen

Unternehmen dominiert, die alle in Deutschland sitzen –

hauptsächlich in Süddeutschland, aber auch in den

Überseehäfen. Mittendrin hingegen sitzt im Harzvorland

die Alfred Galke GmbH. Das Unternehmen hat sich auf

Vielfalt spezialisiert – ungemein viel von dem, was an

(Heil-)Kräutern weltweit verwendet wird, hat Galke im

Sortiment. Das sind 1.600 verschiedene Pflanzen, 600

davon in Bio-Qualität. Ein weltweites Netz an Lieferanten

sowie an Kunden macht Galke absolut international.

Beliefert werden bislang nur andere Unternehmen,

seien es Drogerien, der Einzelhandel, Apotheken oder

Futter mittelhersteller. Bald jedoch soll eine eigene

Produktlinie mit Gesundheitstees erscheinen.

Galke ist ein traditionelles Familienunternehmen, das

von Hartmut Galke – in dritter Generation und seit 1993

in der Geschäftsführung – stark vorangebracht wurde und

heute rund 100 Mitarbeiter hat. Die Übergabe an die

vierte Generation läuft derzeit, Tochter Sophie Galke ist

seit 2016 im Betrieb.

www.galke.com

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PROFIL

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Carsten Domröse und Helge Grupe mit E-Bike und Bio-Bike

Helge Grupe mit dem XBus (Koffermodul) von ElectricBrands

Die Vielfalt der vollelektrischen Evetta

Vom Autohaus zum Mobilitätsdienstleister

Das Autohaus Rolf, exklusiver Citroën-Vertragspartner in Göttingen, beschreitet neue Wege:

Der Vertrieb von elektrischen Leichtfahrzeugen sowie von Fahrrädern macht aus dem

Unternehmen einen breit aufgestellten Mobilitätsdienstleister.

Als Helge Grupe 2017 die Geschäftsführung

der Friedrich Rolf GmbH – seit

der Gründung 1978 exklusiver Citroën­

Händler in Göttingen – übernahm, zeichneten

sich bereits Veränderungen in der Autobranche

ab. „Mir war bewusst, dass die alleinige

Ausrichtung auf eine Automarke für die Zukunft

nicht mehr ausreichen wird“, so Grupe.

„Wir sind weiterhin aktiv und mit Herzblut der

Marke Citroën verbunden, deswegen haben

wir unser Sortiment nicht einfach um eine

andere Marke erweitert, die im selben Segment

produziert.“

Es kamen zwei Geschäftsbereiche hinzu.

2018 wurde das deutsche Start-up Electric­

Brands bei Grupe vorstellig – das Unternehmen

suchte für seine geplanten elektrischen

Leichtfahrzeuge einen Vertriebs- und Servicepartner

in der Region. Der XBus basiert auf

einer einheitlichen Plattform, bei der verschiedene,

einfach austauschbare Module aufgesetzt

werden können. So kann zum Beispiel

leicht aus einem Transporter ein Campingmobil

für das Wochenende werden.

„Das Konzept hat uns sofort massiv überzeugt“,

sagt Helge Grupe. „Dieses modulare

System vom XBus ist absolut einzigartig

und eine Alternative zum typischen Pkw und

Nutzfahrzeug, ob für Privatkunden oder gewerbliche

und kommunale Unternehmen.“

Inzwischen hat die ElectricBrands AG ihre

Produktpalette um die Evetta, den vollelektrischen

Zweisitzer für die Stadt, erweitert. Sowohl

die Evetta als auch der XBus gehen 2023

in Produktion und können bereits im Autohaus

Rolf vorbestellt werden.

DER ZWEITE GESCHÄFTSBEREICH dreht

sich rund um das Rad. „In einer fahrradaffinen

Stadt wie Göttingen, in Verbindung mit der eigenen

Begeisterung für Zweiräder, schien es

uns nur konsequent, diesen Geschäftszweig

mit aufzunehmen“, sagt Carsten Domröse,

Mitinhaber und Partner von Helge Grupe. Seit

Mitte 2022 wurde mit den Marken Husqvarna,

R Raymon und Manufaktur 83 ein Sortiment

geschaffen, das von E-Bikes über traditionelle

Räder bis zu Gravelbikes reicht. Demnächst

werden noch Lasten- und Klappräder hinzukommen.

„Aus Gesprächen mit Kunden,

Freunden und Bekannten weiß ich, dass die

Ergonomie am Rad für die meisten Radler

nicht passt, daher bieten wir als Partner der

Ergonomie-Spezialisten von SQLab auch eine

vollumfängliche Beratung und Umsetzung“,

so Domröse. Da Mitarbeiterbindung dieser

Tage immer wichtiger wird, kann die Friedrich

Rolf GmbH auch alle gängigen Radleasingfirmen

für Arbeitnehmer abwickeln.

KONTAKT

Friedrich Rolf GmbH

Anna-Vandenhoeck-Ring 2

37081 Göttingen

Tel. 0551 998 77 0

info@autohaus-rolf.de

www.autohaus-rolf.de


unternehmen

Göttingen wird Autostadt

Der Maschinenbauer Akcurate hat einen Coup gelandet: In Rosdorf werden künftig Elektrofahrzeuge

– wie die ,Knutschkugel‘ mit Kultpotenzial Evetta (Foto) oder der wandelbare XBus – gefertigt und die

Produktionsanlagen dafür weltweit geliefert.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

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unternehmen

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unternehmen

Neues Standbein

Das Kerngeschäft von Akcurate, der Firma von

Andreas Kirsch, ist hochgenaues 3D-Messen und Fräsen.

Doch ab nächstem Jahr soll hier ganz nebenbei auch noch

die neue Evetta ,vom Band rollen‘.

LESEZEIT: 7 MINUTEN

Die ,Knutschkugel‘ ist zurück –

diesmal made in Rosdorf. Der

kultige Erfolgswagen der Fünfziger-

und Sechzigerjahre, einst

unter dem Namen Isetta bekannt,

feiert seine formgetreue

Wiedergeburt – in moderner

Elektro- Variante. Die Prototypen

stehen und fahren bereits, gebaut vom Maschinenbauunternehmen

Akcurate, die eigentlichen Serien

sollen zeitnah folgen. Praktisch ganz nebenbei wollen

die Rosdorfer damit auch in ihrer Produktion neue Standards

setzen.

HOCHGENAUES 3D-MESSEN UND FRÄSEN sind das

Geschäft von Akcurate, der Firma von Andreas Kirsch.

Die in Auftrag gegebenen Anlagen für die sechsachsige

räumliche Vermessung von Bauteilen und die zugehörige

Software werden hier komplett selbst entwickelt, konstruiert,

in Betrieb genommen und beim Kunden eingerichtet.

In diese Technik und Software sind mittlerweile

zehn Jahre geflossen. „Und die Arbeit hört nie auf“, sagt

Kirsch. „Es lässt sich immer weiter optimieren.“

Angefangen hat die Verbindung zum Auto mit dem Fräsen

von Rohren für die Karosserie: Vermessung des Bauteils,

Fräsen, im 20-Sekunden-Takt. Die Technik selbst

stammt ursprünglich aus der Anwendung in Dentalfräsmaschinen,

die bereits über Kirschs zweite Firma CIMT

produziert wurden – das Prinzip ließ sich problemlos

übertragen. Darüber hinaus werden in Rosdorf Scheinwerfer,

Windschutzscheiben und Sonnen dächer vermessen

und gegebenenfalls mit einer Fräs maschine kombiniert.

DANN KAM DIE PANDEMIE UND DAMIT ZEIT zum

Nachdenken und Tüfteln. „Wir haben überlegt, wie wir

unsere unterschiedlichen Maschinen vom Messen bis

zum Fräsen kombinieren können, sodass wir eine perfekte

Anlagentechnik für die moderne Produktion von

Autoteilen erhalten“, erzählt Andreas Kirsch. „Sprich:

mit weniger Platzbedarf und weniger Kosten eine bessere

Qualität erreichen.“ Denn die Entwicklung in der

Automobilindustrie, insbesondere im Premiumsegment,

geht zu immer mehr Präzision und damit immer geringeren

Spaltmaßen. Entstanden ist aus dem Nachdenken

ein Kombisystem, das gleich mehrere Produktionsschritte

in sich vereint.

Für einen deutschen Scheinwerferhersteller, der unter

anderem Sportwagen produziert, wurde eine solche Anlage

gebaut – die bislang einzigartig ist. Sie vermisst den

Scheinwerfer dreidimensional, berechnet, wie das Bauteil

im Gehäuse optimal platziert werden muss, damit es

perfekt sitzt, und fräst dann an den exakt berechneten

Stellen die Anschraubpunkte an die bestmögliche Position.

Anschließend dreht ein selbst entwickelter Schrauber

mit derselben Maschine die Schrauben auf eine exakte,

ebenfalls berechnete Höhe in das Gewinde, damit letztendlich

alles zehntelmillimeter genau zusammenpasst.

DIE TOLERANZEN, DIE DABEI wiederholgenau erreicht

werden müssen, sind mittlerweile so klein, dass sie der

Dicke von zwei europäischen Standardhaaren entsprechen

– das sind eineinhalb Blatt Papier. „In einem normalen

Produktionsprozess lässt sich diese Präzision

nicht erreichen, denn bisher brauchte man für diese Arbeitsschritte

vier separate Maschinen, die jeweils nicht

voneinander wissen, wo genau sie am Objekt sind“, so

der geschäftsführende Gesellschafter. „Dadurch entstehen

Abweichungen, denn kein Schweinwerfer gleicht

exakt dem nächsten.“ Auch, wenn es vielleicht banal

klingt, der Aufwand im Autobereich ist enorm: Allein,

um einen Scheinwerfer messbar zu machen, wurde gemeinsam

mit einem Hersteller drei Jahre lang an der Lösung

gearbeitet, 70 Mannjahre stecken in der dazugehörigen

Messsoftware.

In die Zeit dieser Anlagenentwicklung fiel auch der

zufällig entstandene Kontakt zum Itzehoer Start-up

ElectricBrands, der Firma, die das Konzept für den elektrischen

Leichtwagen entwickelt hat, der unter dem Namen

Evetta ab 2023 auf den Straßen unterwegs sein soll

und bei knapp unter 20.000 Euro Stückpreis beginnen

wird. „Daraus ist eine Chance entstanden, die man wohl

nur einmal im Leben erhält“, sagt Andreas Kirsch. Der

Ingenieur meint damit nicht nur die Geschäftsperspektiven,

sondern die Chance, einen über hundert Jahre etablierten

Produktionsprozess in der Branche grundsätzlich

zu verändern.

DIE EVETTA BEFAND SICH NOCH in der Prototypenphase:

Die finalen Entwicklungsschritte waren noch

nicht abgeschlossen, die Produktionsabläufe noch nicht

industrialisiert und auf Serie ausgelegt. Es gab noch keine

Fertigung, die Qualitätsabnahme war noch nicht

40 3 | 2022


unternehmen

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unternehmen

Wandelbar Neben der ,Knutschkugel‘ wird Akcurate auch ein multimodales flexibles Bussystem, den XBus, produzieren, der sich sowohl in

einen Camper für den Urlaub als auch in einen Kipp laster für Schüttgut verwandeln lässt.

definiert. „Wir hatten uns zu einem Zeitpunkt getroffen,

an dem man noch alles anpassen konnte“, erzählt Kirsch.

„Wir haben dann gesagt, dass wir mit weniger Platzbedarf,

weniger Spezialisten und insgesamt weniger Personal

ein Fahrzeug bauen können, das präziser gefertigt ist

als bisherige andere Modelle.“

Was ihm vorschwebt, ist die Umkehrung des industriellen

Produktionsprozesses beim Auto. Statt die Entwicklungs-

und Arbeitsschritte an und in die gegebenen

Produktionsmöglichkeiten an- und einzupassen, wird

sich bei der Evetta die Produktionsorganisation nach

den Möglichkeiten der Technik richten. „Mit unserer

Technologie kann man natürlich auch zu Volkswagen

oder Daimler gehen, aber die müssten ihre komplette

Fahrzeugentwicklung umstellen“, sagt Kirsch. Das Auto

müsste einfacher entwickelt werden – vom Einzelbauteil

bis zur Baugruppe, Konstruktion und Abnahme,

der ganze Prozess ändert sich. „Das ist in einem etablierten

großen Unternehmen einfach nicht möglich.“

ANDREAS KIRSCH KENNT SICH in der Branche aus.

Das Maschinenbaustudium begann er in seiner Heimat

im Schwarzwald, doch er reiste viel durch die Welt, studierte

unter anderem in Großbritannien und schrieb seine

Diplomarbeit in Mexiko, schon damals mit Bezug

zum Auto. Er arbeitete dann rund zehn Jahre bei Volkswagen,

zuerst in Mexiko, später in Emden, und war für

den Aufbau und die Entwicklung von neuen Abteilungen

und Prozessorganisationen zuständig – vom Prototypenbau

bis zum Abteilungsaufbau und zur Arbeit in

der Fertigungsleitung.

„Ich habe bei VW dann aufgehört, weil ich noch einmal

etwas anderes, eigenes machen wollte, bevor ich zu

alt dafür bin“, sagt Kirsch. Der Neustart mit Akcurate,

die er 2008 gründete, war ein Sprung ins kalte Wasser

und so etwas wie eine Rückkehr zu den Wurzeln im Maschinenbau

und in der Werkzeugmechanik, die er davor

gelernt hatte. „Ich wusste nicht, was kommt. Aber: no

risk, no fun.“ Die erste Maschine hatte er dann für einen

mexikanischen Autozulieferer gebaut. „Das war eine

voll automatisierte Glasdachbiegemaschine für Schiebedächer,

die wir auch heute noch fertigen.“

ANGEFANGEN HAT KIRSCH als Einmannbetrieb, entwickelte

unter der Woche seine Maschinen und erledigte

am Wochenende die Buchhaltung. 2010 gründete er

dann bereits die Kirschmechanik, die sich auf Metallverarbeitung

konzentriert, und 2018 kam die CIMT

dazu, in der besagte Dentalfräsmaschinen produziert

werden. Alle drei Firmen sitzen in Rosdorf und teilen

sich die Produktionsanlagen. Rund 60 Mitarbeiter beschäftigt

Kirsch derzeit, doch der Neubau, der 2021 bezogen

wurde, bietet Platz für mindestens die doppelte

Mannschaft.

Der wird auch gebraucht, wenn es erst einmal mit der

Produktion der Evetta losgeht. Drei Modelle sind zu

42 3 | 2022


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Beginn geplant: die Prima als geschlossenes Fahrzeug und

Open Air als Cabrio erinnern in ihrem gerundeten Stil

sehr stark an die BMW Isetta – und natürlich wird auch

hier zum Einsteigen die Vorderseite des Wagens aufgeklappt.

Cargo hingegen wird ein Minibus. Hinzu kommt

noch der XBus, eine separate Marke von Electric Brands,

die ein multimodales flexibles Bussystem darstellt – vom

Camper für den Urlaub bis zum Kipp laster für das

Schüttgut lässt sich solch ein Wagen schnell umbauen.

DIE FERTIGUNG FÜR KLEINSERIEN und Prototypen

wird in Rosdorf geschehen. Doch das Besondere an der

Evetta-Produktion wird sein, dass es Fertigungen auf der

ganzen Welt geben wird. ElectricBrands steht derzeit in

Verhandlungen mit einem Dutzend Lizenzfertigern, die

unter anderem aus Mexiko, Südkorea, Australien und

sogar Nepal kommen. Der erste Gedanke, der einem

gerade bei Nepal und anderen Ländern ohne Autoproduktionskultur

kommt, ist: Wie lässt sich da die hohe

Qualität gewährleisten, wenn Akcurate die Hightech-

Fertigungs verfahren definiert? „Das ist zunächst einmal

eine Herausforderung, weil unsere Technologie sehr

komplex und anspruchsvoll ist“, sagt Kirsch. Aber dadurch,

dass die Produktion und die Präzision sehr stark

mit der Software geregelt werden, lasse sich deutlich einfacher

damit arbeiten.

„Das Potenzial, das wir mit unserer Anlagentechnik sehen,

wird bahnbrechend sein“, sagt der Unternehmer

überzeugt. „Wir wollen es hinbekommen, dass auch in

Ländern, die keine Hightech-Standorte sind, produziert

werden kann.“ Auch auf andere Branchen abseits der

Autoindustrie will der Ingenieur das Prinzip übertragen.

44 3 | 2022

Trotz der aktuellen Erfolgswelle und des rasanten Unternehmenswachstums

– Andreas Kirsch ist bei seinen

Wurzeln geblieben. „Ich konstruiere auch noch viel mit,

zur normalen Arbeitszeit findet man mich eigentlich nie

im Büro“, sagt er. Und in der Zusammenarbeit mit ElectricBrands

freut er sich auf eines besonders: Akcurate

liefert die Fertigungsmaschinen und installiert sie bei

den Lizenzfertigern. „Ich werde und will auch selbst

unterwegs sein, um das zu erledigen. Die Lust auf den

internationalen Austausch habe ich nicht verloren, im

Gegenteil.“ ƒ

Zum Unternehmen

Akcurate wurde 2008 von Ingenieur

Andreas Kirsch als Messtechnik- und

Maschinenbau unternehmen gegründet, der

Fokus liegt vornehmlich auf der Automobilindustrie,

in der Kirsch viele Jahre tätig war. Für diese

werden unter anderem Maschinen zur schnellen

Vermessung mit kombiniertem Fräsen gebaut,

die etwa bei der Scheinwerferinstallation eine

Rolle spielen. Aus dem Erfolg der hauseigenen

Mess- und Fräsqualität heraus gründete

Andreas Kirsch noch zwei weitere Unternehmen:

2010 die Kirschmechanik, die sich auf

Metallverarbeitung konzentriert, und 2018 die

CIMT, in der Dentalfräsmaschinen produziert

werden. Alle drei Firmen sitzen in Rosdorf und

beschäftigen zusammen rund 60 Mitarbeiter.

akcurate.de


DIE LETZTEN MONATE HABEN UNSERE

ARBEITSWEISE MASSIV VERÄNDERT.

Viele haben die Erfahrung gemacht, wie es ist, an

anderen Orten zu arbeiten. Ob nun konzentriertes

und kreatives Arbeiten oder Video Calls, Team-

Meetings, sogar die Pause – alles fand im selben

Raum statt.

Nun stehen viele Wissensarbeiter vor der

Wahl: „Arbeite ich lieber vom Homeoffice aus?

Oder raus ins Grüne mit meinem sympathischen

E-Auto? Wo habe ich mehr Ruhe? Wo den besseren

Austausch? Wo kann ich kreativer sein? Stört

es, wenn ich nebenbei die Waschmaschine laufen

lassen?

Entstanden ist dadurch ein neues Gefühl

für die eigene Arbeitsweise. Hier werden

immer weniger Kompromisse gemacht. Und

das ist gut so. Gut für ein freieres, angenehmeres

Arbeiten und gut für die Effektivität. Die wird

nämlich mit Wohlgefühl und freier Arbeitsortwahl

besser. Nachweislich.

DAS NEUE

ARBEITS-

GEFÜHL

Die Arbeitswelt

steht Kopt!

Dadurch verändert sich auch die Arbeitslandschaft

in den Unternehmen. In den

Büros selbst wird es wohnlicher, farbenfoher, gesünder,

nachhaltiger und neuerdings muss auch

Energie gespart werden.

Wie man dieses neue Lebensgefühl in individuelle

Arbeitswelten übersetzt, dabei helfen wir von

STRUCKMEIER gerne. Mit Beratung und Projektbegleitung,

mit Ideen aus unserer Innenarchitektur,

Möbeln für die Büroeinrichtung und alles

rund um den Arbeitsplatz mit neuen Artikeln aus

dem Bürobedarf, die überall hin mitgenommen

werden können.

Wir haben alles für ein neues Arbeitsgefühl.

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Wir denken Büro neu.

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unternehmen

46 3 |2022


unternehmen

Eine Frage

der Einstellung

VisiCon in Rittmarshausen ist einer der Weltmarktführer in der automatischen Einstellung

von Scheinwerfern und Fahrwerken. Den Grundstein für den Erfolg hat Wolfgang Brunk mit seiner

Leidenschaft fürs Basteln gelegt. Nun übergibt er sein Unternehmen an die nächste Generation.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

3 |2022 47


unternehmen

» Ich habe den Robotern

das Sehen beigebracht. «

B

LESEZEIT: 7 MINUTEN

eim Gang durch die große Produktionshalle

in Rittmarshausen

erinnert so einiges an die klassische

Kfz-Werkstatt – hier wird noch viel

von Hand gearbeitet, mit Hebebühne,

Fahrgestell und Ersatzteillager,

hin und wieder ertönt vertrautes

Motorengeheul. Und doch

ist VisiCon eines der Unternehmen,

die zeigen, dass Universitätsausgründungen im Bereich

der Messtechnik nicht nur vor 200 Jahren erfolgreich

waren, sondern es auch heute noch sind.

DEM ENDKUNDEN UND AUTOKÄUFER ist VisiCon

zwar kein Begriff, doch sichtbar wird das Wirken jedes

Mal, wenn etwa die Scheinwerfer eingeschaltet werden

oder sich die Reifen in die richtige Richtung bewegen –

denn inzwischen hat VisiCon schon für fast jeden Autohersteller

vollautomatische Einstellan lagen für Scheinwerfer

und Fahrwerke produziert. Diese werden in Rittmarshausen

konstruiert und hier vor Ort von Kunden in

deren mitgebrachten Fahrzeugen auf Herz und Nieren

geprüft, bevor sie schließlich zur weiteren Verarbeitung

in die ganze Welt geliefert werden. So manchen Erlkönig

und manche neue Serie haben die VisiCon-Mitarbeiter

dadurch schon früh zu Gesicht bekommen – inklusive

der standardmäßigen Geheimhaltungsvereinbarung. Denn

hier läuft alles präzise nach Plan.

Dabei ist Firmengründer Wolfgang Brunk mehr oder

weniger ungeplant in den Erfolg hineingerutscht. Noch

während seines Physik-Studiums in Göttingen entstand

der Kontakt zum schwedischen Unternehmen Selcom,

das in der optoelektronischen Messtechnik tätig war

und für das er schließlich die deutsche Tochter gründete

und leitete. Nachdem Selcom verkauft worden war,

machte sich Brunk mit der BSB Brunk Systemberatung

selbstständig. Als Freiberufler beriet er die Automobilindustrie

– unter anderem für Volkswagen, wo er an der

Entwicklung der Robotersteuerung beteiligt war. „Ich

habe den Robotern das Sehen beigebracht“, erzählt

Brunk nicht ohne Stolz.

DAS WIEDERUM BRACHTE IHN AUF DAS RADAR von

Daimler, deren Ziel es war, eine vollautomatische Endmontage

zu bauen, in der unter anderem die Scheinwerfer-

und Fahrwerkseinstellung vorgenommen wurde.

Die Scheinwerfer waren Brunks Aufgabe. „Vollautomatisch

hieß, dass hier kein Mensch mehr war, der das

Licht ein- und ausschalten konnte“, erklärt der Diplom-

Physiker und beschreibt die technische Herausforderung

dabei: „Wenn Abblendlicht, Fernlicht und Nebel scheinwerfer

alle gleichzeitig vorher angeschaltet wurden, sie

aber jeweils unabhängig voneinander eingestellt werden

müssen, hatte die Messtechnik ein Problem, denn die

konnte nicht zwischen den dreien unterscheiden.“

RUND EIN JAHR BASTELTE BRUNK an einer Lösung, die

er letztlich in der softwaregestützten Bildverarbeitung

fand. Das war Ende der 1980er-Jahre. „Ich hatte das

Ergebnis damals gar nicht so sehr als eigenes Produkt

gesehen, sondern vielmehr als einmalige Sonderlösung.“

Doch bereits sechs Wochen später rief Audi an. Sie hätten

das System bei Daimler gesehen – und wollten kaufen.

Drei Monate danach standen vier Ingenieure von

Ford in Brunks Werkstatt, die ebenfalls ihr Interesse an

seiner Errungenschaft bekundeten.

48 3 | 2022


unternehmen

Runde Sache Die berührungslose Bestimmung der Fahrwerksgeometrie geschieht bei VisiCon mittels Laser und Stereofotogrammetrie.

3 |2022 49


unternehmen

Auf dem Weg in die Zukunft Wolfgang Brunk ,übergibt‘ an die nächste Generation mit Ariane Brunk und Jan-Hendrik Keller (v.l.).

ES FOLGTE DIE EINLADUNG zum Ford-Werk in Köln,

in dem ein Vergleich aller damaligen Hersteller von

Scheinwerfereinstellanlangen stattfand. „Das Ergebnis

hat uns umgehauen“, erzählt Wolfgang Brunk heute

noch immer begeistert. Denn im Abschlussbericht stand:

Das System der 1990 gegründeten VisiCon sei „far superior

to all“ – allen anderen weit überlegen. Daher wollte

Ford weltweit alle seine Werke mit der VisiCon-Technik

ausrüsten. „Eigentlich war das unmöglich, denn wir waren

seinerzeit vier Leute in der neu gegründeten VisiCon.

Wir haben die Herausforderung aber trotzdem angenommen

und im Ford-Werk in Valencia angefangen. So

sind wir völlig ungeplant über Nacht der größte Hersteller

von Scheinwerfereinstell anlagen weltweit geworden.“

Nachdem sich die Firma mit dieser herausstechenden

Messtechnik schnell einen guten Ruf erworben hatte,

trugen Autohersteller einen neuen Wunsch an sie heran:

ein System zu entwickeln, mit dem Fahrwerke berührungslos

vermessen werden konnten. Auch dafür fand

Brunk eine Lösung. „Und dann kam der damalige Einkaufschef

von General Motors auf uns zu“, erzählt der

Geschäftsführer weiter. Der hatte erkannt, dass die

Kerntechnologie der Anlagen in der Sensorik und Software

liegt und nicht im maschinellen Drumherum.

„Dann hieß es auf einmal: Ihr macht nicht nur die Kerntechnik,

sondern liefert uns künftig die gesamte Anlage.“

Insofern ist VisiCon heute kein Zulieferer mehr, sondern

Anlagenbauer für die Fahrzeugproduktion. Wenngleich

der Schwerpunkt auf Fahrwerk und Scheinwerfern liegt,

entwickelt VisiCon auch Einstelltechnik für Fahrassistenzsysteme,

Abstandsradar und Head-up-Displays. „Letztlich

alles, was relativ zum Fahrzeug eingestellt werden

muss“, so Brunk. Je mehr Sensorik im Fahrzeug integriert

wird und je stärker die Anteile autonomen Fahrens

werden, desto mehr Sensorik wird benötigt – und

desto mehr muss eingestellt werden. Für VisiCon sind

das derzeit hervorragende Perspektiven.

INZWISCHEN SIND RUND 80 MITARBEITER in Rittmarshausen

beschäftigt, eine Serviceniederlassung mit

vier Mitarbeitern besteht noch in Schanghai, doch die

Anlagen – die zwischen 100.000 und 2,5 Millionen Euro

kosten – werden weltweit installiert. Jährlich fertigt

VisiCon nach den individuellen Vorgaben des jeweiligen

Kunden etwa 10 bis 15 Anlagen für Scheinwerfer und

Fahrassistenzsysteme und zwei für Fahrwerke – und das

mit großem zeitlichem Aufwand. Denn jede Anlage ist

im Prinzip ein Unikat, die Kalibrierung dabei eine Meisterleistung

in Präzision, die auf ein hundertstel Millimeter

genau sein muss. Im Regelfall werden für eine

normale Anlage etwa drei Monate Planung, drei Monate

Materialbeschaffung und drei Monate Bauzeit veranschlagt.

Ist die Anlage komplexer, dauert es auch mal bis

zu einem Jahr.

50 3 | 2022


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VISICON HAT DABEI DEN VORTEIL, dass sie von der

Konjunktur in der Automobilbranche, dem Umstieg auf

E-Mobilität und den gefertigten Stückzahlen relativ unabhängig

ist. „Dafür ist unsere Verantwortung sehr

hoch“, erklärt Wolfgang Brunk. „Sollte unsere Anlage

einmal stillstehen, verlässt kein Wagen mehr das Werk,

das sind Kosten bis zu 50.000 Euro pro Minute, die

dann entstehen.“ Daraus ergibt sich noch eine weitere

besondere Rahmenbedingung, die für die Mitarbeiter

meistens nicht so angenehm ist: „Wir können unsere Anlagen

nur dann in den Werken aufbauen, wenn dort

nicht gearbeitet wird. Das heißt, wir arbeiten dann,

wenn andere Urlaub machen, also an Weihnachten,

Silvester, Ostern.“

Doch Brunk hat an seiner Leidenschaft für das Problemlösen

noch ungebrochen Spaß. „Ich bin immer Bastler

und kein Firmenchef gewesen“, sagt der Senior. Deswegen

ist VisiCon auch nach wie vor noch sehr familiär

organisiert – mit flachen Hierarchien, die es zudem noch

nicht so lange gibt. Bis vor fünf Jahren gab es nicht einmal

Abteilungsleiter, doch das Wachstum hat eine

Umorganisation notwendig gemacht. „Das musste ich

zähneknirschend einsehen.“

DIESES JAHR WIRD WOLFGANG BRUNK 70, und sein

Partner Wieprecht Keller, mit dem er VisiCon aufgebaut

und lange zusammen geleitet hat, hat sich 2021 aus dem

Geschäft in den Ruhestand zurückgezogen, hilft aber gelegentlich

noch aus. So hat es auch Brunk vor, der sich

ebenfalls langsam aus der Geschäftsführung verabschiedet.

Er macht jetzt mehrheitlich nur noch das, was ihm

Spaß macht. Auch für sein Hobby, an Oldtimern rumzuschrauben,

hat er inzwischen wieder mehr Zeit.

Bei VisiCon hat indes ein sanfter Generationenwechsel

stattgefunden, die Kinder von Keller und Brunk haben

das Ruder übernommen. Ariane Brunk ist seit 2019

in der Geschäftsführung für den Vertrieb zuständig.

Kellers Sohn Jan-Hendrik, promovierter Ingenieur im

Kunststoffbereich, war 2018 in die Geschäftsführung

aufgenommen worden und hat von Wolfgang Brunk die

technische Leitung übernommen. Der dritte Geschäftsführer,

Sohn Andreas Brunk, trägt bereits seit 2013 als

Wirtschaftsingenieur die Verantwortung für Finanzen

und Personal.

Die neue Generation hat auf die eine oder andere Weise

eine enge Bindung an das Unternehmen. „Mir ist das

Ganze in die Wiege gelegt worden“, erzählt Jan-Hendrik

Keller. „Ich habe schon als Teenager meinem Vater über

die Schulter geschaut und auch früh eigene Software geschrieben.“

Der Bezug dazu ist ihm bis heute erhalten

geblieben und erleichtert das Verständnis für die eigenen

Entwickler. Doch ein kreativer Bastler wie Wolfgang

Brunk ist er nicht, wie er zugibt. „Unsere Abläufe werden

professioneller, deswegen sehe ich mich stärker in

der Rolle des Koordinators, der dafür sorgt, dass Entwicklungen

auch einmal fertig werden und in den Markt

52 3 | 2022

eingeführt werden können.“ Anders als im Einmannbetrieb

von früher ist die Koordinierung heute bedeutend

aufwendiger.

Genau andersherum war es für Ariane Brunk, die sich

lange gesagt hat, dass sie nie in der Firma arbeiten möchte.

„Doch mein Job in der Pharmaindustrie war maximal

frustrierend, weil er eintönig war und keine Herausforderungen

damit verbunden waren.“ Als sie nach der Elternzeit

vor der Frage stand, ob sie in ihren alten Beruf

zurückkehrt, brachte ein Gespräch mit Kellers Vater die

Option VisiCon ins Gespräch. „Ich hatte zu Jan-Hendriks

Vater immer ein sehr gutes Verhältnis, und er hat

mich letztlich davon überzeugt, es hier zu probieren.“

Bereut hat sie es nicht. „Ich habe mir zwar in der einen

oder anderen Situation schon gedacht: Worauf hast du

dich hier eingelassen? Aber mir persönlich hat es ganz

viel gebracht – man lernt etwas Neues, erweitert seinen

Horizont und steht jeden Tag vor abwechslungsreichen

Herausforderungen.“

UND WIE WIRD ES MIT VISICON WEITERGEHEN? „Angesichts

der kleinen Stückzahlen, die VisiCon fertigt,

sind wir im Vergleich zu den großen Anlagenbauern der

Branche wie Siemens oder Dürr eine Winzigstfirma“,

erzählt die Geschäftsführerin. „Aber wir sagen von uns,

dass wir die Innovativsten sind. Fast die Hälfte unserer

Mitarbeiter sind auch im Bereich Forschung und Entwicklung

tätig.“ Dieser Vorteil wird auch in Zukunft

jedes Mal zum Tragen kommen, wenn ein Autohersteller

mit einem neuen Problem auf sie zukommt. Dann

verschwindet ihr Vater wieder ,in seiner Bastelbude‘ –

und sucht gemeinsam mit den Konstrukteuren nach

Lösungen. ƒ

Zum Unternehmen

VisiCon in Rittmarshausen ist mit seinen gegenwärtig

80 Mitarbeitern ein Anlagenbauer und

Problemlöser für die Automobilindustrie und

ihre Zulieferer. Das Unternehmen ist auf die

Entwicklung und den Bau von Anlagen zur

auto matischen Einstellung von Schein werfern,

Fahr werken und Fahreassistenz systemen

spezialisiert. Trotz seiner Größe als kleinerer

Mittelständler zählt der Betrieb, der bereits für

so gut wie alle namhaften Automobilhersteller

Systemlösungen entwickelt und weltweit

seine Anlagen aufgebaut hat, zu den

Weltmarkt führern.

www.visicon.eu

Übrigens:

Mehr über Wolfgang Brunk und das, was der

Unternehmer in seiner Freizeit in einem Bunker

am Göttinger Hainberg macht, lesen Sie in

dieser Ausgabe ab Seite 136.


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„Wir kümmern uns um Ihre IT, während Sie sich voll auf

Ihr Kerngeschäft konzentrieren können!“

• Seit 1982 in Südniedersachsen am Markt tätig

• Am Standort im Maschmühlenweg 81 in Göttingen sind zur

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Die Optimierung der IT-Strategie sowie der Datensicherheit steht im

Fokus unserer individuellen Beratung. Dazu zählen die Analyse bestehender

Systeme und Netzwerke, sowie die Erstellung maßgeschneiderter Konzepte,

die nicht nur für den Moment, sondern auch langfristig den Bedürfnissen

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werden können.

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One World. One Family. One KAYSER.

Die KAYSER Automotive Group schreibt weltweit Geschichte!

Die Firmenzentrale der KAYSER-Unternehmensgruppe

befindet sich in Einbeck.

In der Stadt in Niedersachsen

mit rund 30.000 Einwohnern gelang bereits

1960 der Einstieg in die Automobilindustrie.

Der Grundstein der heutigen KAYSER Automotive

Group wurde allerdings bereits 1709

mit der Wollfabrik der Gebrüder Borcholt gelegt

– damit zählt die KAYSER Group zu einem

der ältesten Unternehmen in Niedersachsen.

Was vor mehr als 60 Jahren begann, entwickel

te sich in den vergangenen Jahren

rasant. Heute zählen 17 Standorte in elf Ländern

auf drei Kontinenten zu der Unternehmensgruppe,

in der KAYSER Automotive

Group sind über 3.600 Mitarbeiter beschäftigt,

davon 1.300 Mitarbeiter im Hauptsitz in

Einbeck.

DAS TRADITIONSVERBUNDENE Familienunternehmen

ist globaler Partner aller namhafter

Automobilhersteller für die Entwicklung

und Fertigung von innovativen und hochkomplexen

Systemen im Bereich Batterie-Thermomanagement,

Fluid Management und vieler

weiterer neuer Technologien für Fahrzeuge aller

Antriebsarten, egal ob für Hybridfahrzeuge,

Elektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit Brennstoffzelle.

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Know-how bietet KAYSER seinen Kunden in

Europa, Asien und Amerika individuelle Lösungen

zur Reduzierung der Emissionen in

der Mobilität, die sich an den spezifischen

Anforderungen der Automobilhersteller und

den gesetzlichen Vorgaben orientieren.

NEBEN DER AUTOMOTIVE GROUP zählen

auch Unternehmen aus den Bereichen Filtertechnik,

Werkzeug- und Anlagenbau, Elektronik

sowie Umwelttechnik zur KAYSER Group. In

diesem Unternehmensverbund schaffen wir

Synergien, um innovative Lösungen anzubieten.

Wir arbeiten projektbezogen in globalen

Teams. Unsere Unternehmenskultur, in der

gegenseitige Unterstützung und Eigenverantwortung

zur Selbstverständlichkeit gehören,

ist dabei von flachen Hierarchien und einem

persönlichen Miteinander geprägt.

NEBEN UNSERER WELTOFFENHEIT und

der technischen Expertise sind unsere Mitarbeiter

ein bedeutender Faktor für den internationalen

Erfolg – und wir sind immer auf

der Suche nach neuen motivierten Teammitgliedern.

KONTAKT

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Hullerser Landstraße 43

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PROFIL

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Katrin Schlick und ihr Mann Andreas Backfisch

treffen nachhaltige Entscheidungen. Der Bio-Lieferservice

LOTTA KAROTTA setzt auf Elektro mobilität

– getankt wird Strom vom eigenen Dach.

Mobilität bei LOTTA KAROTTA

LOTTA KAROTTA Bio-Lieferservice ist vor über 22 Jahren mit dem Ziel gestartet,

regionale Bioprodukte in der Region auszuliefern.

Ein Grundgedanke des Systems Ökokiste

ist, durch ausgeklügelte Touren die Einkaufsfahrten

von mehreren Haushalten

zu bündeln, sodass im Schnitt nur rund drei

Kilometer pro Adresse gefahren werden – gemittelt

über Stadt- und Landfahrten. Für viele

Kund*innen ist der nächste Einkaufsmarkt weiter

als diese drei Kilometer entfernt.

In den letzten Jahren hat LOTTA KAROTTA

mit dem Umbau auf E-Mobilität begonnen: Es

wurde eine Fotovoltaik-Anlage mit 135 Kilowatt

und einem Batteriespeicher von 130 Kilowatt

gebaut – ausgeliefert wird mit fünf Elektro-

und vier Dieseltransportern, von denen

Letztere jedoch bald getauscht werden sollen.

Katrin Schlick und Andreas Backfisch haben

sich komplett gegen den Kauf von weiteren

Verbrennern entschieden, wohl wissend, dass

es auf dem Markt für regenerative Antriebe

noch Entwicklungspotenzial gibt. Die nächsten

zwei E-Transporter mit größerer Reichweite

sind bereits bestellt.

Fahrradkilometer-Bonus – Klimaschutz und

Freizeitausgleich in einem

Für die Mitarbeitenden wurde 2021 ein Fahrradkilometer-Bonus

eingeführt: Für jeden

Kilometer zur Arbeitsstätte, den sie mit dem

Fahrrad zurücklegen, werden ihnen 20 Cent

auf dem Urlaubskonto gutgeschrieben. Das

schafft einen Anreiz zum Radeln, fördert die

Gesundheit der Belegschaft und reduziert

gleichzeitig den CO2-Fuß abdruck.

By the way: Früher war es eine Seltenheit,

dass Mitarbeitende weiter als 5 km mit dem

Rad zur Arbeit kamen – heute werden auch

die gut 15 km aus Göttingen teilweise geradelt,

mit als auch ohne elektrische Unterstützung.

Insgesamt werden bei LOTTA KAROTTA

schon 25 Prozent der Arbeitswege mit dem

Rad zurückgelegt.

Die Vision: ein rundum nachhaltiges und

soziales Unternehmen

Dieses Mobilitätskonzept ist Teil einer größeren

Vision: LOTTA KAROTTA versucht, so nachhaltig,

energieeffizient und sozial wie möglich

zu wirtschaften – auf allen Ebenen.

Das Engagement fängt in der eigenen

Bioland-Gärtnerei mit Bio-Saatgut sowie

Natur- und Artenschutz an und geht über

energie effiziente Betriebsabläufe bis hin zu

einer wertschätzenden Zusammenarbeit mit

Mitarbeitenden und Lieferant*innen. Unterstützt

wird dieses Engagement schließlich

von unseren Kund*innen. Im jüngst

abgeschlossenen Gemeinwohlökonomie-Prozess

wurden alle Berührungspunkte nach

den Werten Menschen würde, Solidarität &

Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit,

Transparenz & Mitentscheidung genauestens

beleuchtet – dabei wurde weiteres Verbesserungspotenzial

ermittelt. Hier möchte sich

LOTTA KAROTTA weiter verbessern und für

zukunftsfähiges Wirtschaften in der Region

Vorbild sein.

KONTAKT

Lotta Karotta Bio-Lieferservice OHG

Gartestraße 50 a

37130 Gleichen-Rittmarshausen

Tel. 05508 979 419-0

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Die MOLL-Gruppe ist seit 1932 der erfahrene Experte für qualitätsbewussten Service rund um das Thema Automobile.

In Ergänzung anderer Sportwagenmarken

ist die MOLL-Gruppe seit Ende 2015 mit

der MOLL Sportwagen Hannover GmbH

nun auch mit der wohl exklusivsten Sportwagenmarke

Ferrari für den Großraum Hannover

und darüber hinaus kompetenter Ansprechpartner.

Die Marke Ferrari bedeutet Exklusivität und

Lebensgefühl, ob bei Ausfahrten mit ikonischen

Klassikern oder Sportwagen der Superlative,

Konfigurations- und Gestaltungsmöglichkeiten

bis ins Unendliche, dem Besuch der

einstigen Produktionsstätte des Cavallino

Rampante in Maranello, dem Fahren von Formel-1-

oder GT-Boliden oder dem Besuch eines

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Modellpalette, oder halten Sie sich über

den News-Bereich stets über Neuerungen

und Veranstaltungen informiert.

NEBEN DEM 75-JÄHRIGEN JUBILÄUM der

Marke Ferrari feiert auch die MOLL-Gruppe ihr

90-jähri ges Bestehen und nahm im Juni 2022

ihren ersten Gesellschafter, die Pon Holdings

(Pon) aus den Niederlanden, auf. Pon mit Sitz

in Amsterdam ist der Generalimporteur für

alle Marken des Volkswagenkonzerns in den

Nieder landen und – wie MOLL – ein Familienunternehmen.

Pon hält hierbei eine Minderheitsbeteiligung

an der MOLL-Gruppe.

Das Markenportfolio von Pon ist nahezu

identisch mit dem der MOLL-Gruppe: Volumenmarken,

bekannte Premiummarken und

hochwertige Sport- und Luxusfahrzeuge. Pon

beschäftigt weltweit rund 16.500 Mitarbeiter

und erzielt einen Jahresumsatz von mehr

als 8,1 Milliarden Euro. Mit ihrer Mobilitätsgruppe

ist Pon global führender Hersteller der

Fahrradmarken Kalkhof, Focus, Gazelle und

Cannondale. Das 90 Jahre alte Familienunternehmen

MOLL ist mit einem Jahresumsatz

von 706 Millionen Euro und einer Unternehmensgruppe

mit rund 530 Mitarbeitern einer

der größten Händler in Deutschland.

„DER AUTOMOBILMARKT BEFINDET sich

derzeit in einem tiefgreifenden, dynamischen

Wandel, nicht nur durch den technologischen

Wandel vom Verbrennungsmotor hin zur zukunftsweisenden

E-Mobilität, sondern auch

durch die Umstellung der Hersteller auf alternative,

digital gesteuerte Vertriebssysteme. Als

Familien unternehmen wollen wir jetzt aus einer

Position der Stärke heraus die Weichen für

die Zukunft stellen. Pon ist für uns der perfekte

strategische Partner, sagt Geschäftsführer

Timm Moll. „Die Hersteller verändern ihre Geschäftsmodelle

und Vertriebsstrukturen – und

wir verändern uns mit der Vision von neuer

Mobilität und Zukunftsfähigkeit eines modern

geführten Familienunternehmens.“

Mit einem Partner wie Pon wird die MOLL-

Gruppe ihr strategisches Wachstum noch besser

fortsetzen können.

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MOLL SPORTWAGEN HANNOVER

Moll Sportwagen Hannover GmbH –

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wissen

ILLUSTRATION: STOCK.ADOBE.COM

58 3 | 2022


wissen

Mobil

in kleinen

Schritten

In der Mobilität ist viel im Fluss: Technische Fortschritte

machen immer autonomeren Verkehr möglich, und eine

stärkere Vernetzung von Verkehrs trägern sowie andere

Tarifstrukturen könnten die Mobilität verbessern.

Die schöne neue Welt hat zwar noch viele offene

Fragen, aber nur einen wirklich entscheidenden Haken:

Sie hängt massiv an öffentlichen Investitionen.

TEXT SVEN GRÜNEWALD

LESEZEIT: 7 MINUTEN

Als Marty McFly im Film ,Zurück in die Zukunft

II‘ in den Oktober 2015 reiste, wagten

die Produzenten damit auch einen Ausblick

auf ein mögliches Zukunftsszenario, das von

ihnen noch 30 Jahre weit weg war. Wesentlicher Kernbestand:

fliegende Skateboards und – natürlich – fliegende

Autos. Am 15. Oktober 2015 wurde daher nicht nur

der erste ,Back to the Future Day‘ gefeiert, sondern in

vielen Medien auch Bilanz gezogen, was denn eigentlich

von dieser Zukunftsversion eingetreten ist.

Nun, Nike hatte bis dato noch keine ,Power Laschen‘

herausgebracht, tat es aber zum Anlass des inoffiziellen

Feiertages mit einer Schuh-Sonderedition. Auch im

Heimbereich sind wir mit dem vernetzten Smart Home

und Alexa-/Echo-Interface schon recht weit, wenngleich

3 |2022 59


wissen

der hydrierende Pizzaofen bislang fehlt. Fliegende Autos

und damit eine Lösung des Verkehrsproblems sind allerdings

immer noch Fehlanzeige.

Gerade das fliegende Auto ist zu so etwas wie dem

Sinnbild des utopischen, zukünftigen Verkehrs geworden,

und nach über 100 Jahren Entwicklungsversuchen gibt es

zwar einige Prototypen – aber eine flug- und fahrfähige

Serienfertigung inklusive Landefahrstreifen im städtischen

Ballungsraum ist noch nicht in Sicht. Auch der

sehr reale Entwickler- und Verkehrsplanertraum vom

autonomen Verkehr hat nicht mit der Geschwindigkeit

Einzug gehalten, wie es anfangs prognostiziert wurde.

DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT, sie kommt eher in

kleinen Schritten und braucht einen langen Atem. In

den Niederlanden haben beispielsweise mehrere Städte

ihre Innenstädte autofrei umgestaltet – ein Prozess, der

Jahrzehnte gedauert hat. Zudem gibt es große Herausforderungen

auf ganz verschiedenen Ebenen. Die naheliegendsten

sind technischer Natur: Wie ersetzt man

erdölbasiertes Kerosin in Flugzeugen? Ein Antrieb mit

großer Batterie, wie es in Elektroautos der heutige

Standard geworden ist, ist nicht möglich. Auch ein

Leichtbau mit Kohlenstoffverbundfasern wäre praktisch,

erfordert aber eine komplett neue Aeroelastik, Aerodynamik

und Produktionsweise.

EBENSO AUF DER SCHIENE: Am Deutschen Zentrum

für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) wurde 2007 das

Projekt Next Generation Train ins Leben gerufen, es sollte

der große Wurf werden: Wie würde der Zug der

Zukunft aussehen, wenn die gesamte Technik und Aerodynamik

aus einem Guss nach aktuellem Stand der Technik

gemacht wären? 15 Jahre sind seitdem vergangen,

aber von einem Praxiseinsatz und einer Produktion im

industriellen Maßstab sind die Konzepte des 440 km/h

schnellen, per Induktion elektrisch angetriebenen, doppelstöckigen

Hochgeschwindigkeitszugs noch immer weit

entfernt.

Es geht eben nicht nur um das technisch Mögliche, es

geht auch um Investitionen, Zulieferer, um Produktionsketten,

Datenbereitstellung und deren Verarbeitung, um

Organisationsfragen, da alte und neue Technik zunächst

koexistieren müssen. Es geht um die Frage, ob die Kunden

neue Technik überhaupt annehmen: Ist die Mutter

etwa bereit, ihre Kinder dem autonomen Shuttle anzuvertrauen,

das sie in die Schule bringen soll? Es geht um

eine rechtliche Dimension: Was, wenn ein autonom fahrendes

Fahrzeug einen Unfall baut, wer trägt dann die

Kosten und die Schuld – der Softwarehersteller, der

Fahrzeugbauer, der ,Fahrer‘, der eventuell gerade gelesen

hat? Für Verkehrsplaner macht es zudem einen riesigen

Unterschied, ob Konzepte in der ländlichen Fläche oder

im großstädtischen Ballungsraum umgesetzt werden soll.

»Wir haben einen gigantischen Transport-

bedarf, aber ich bin erschrocken, wie gering

der Anteil des nicht individuellen Verkehrs

am Personen- und Güterverkehr ist. «

THOMAS VIETOR, Professor für Konstruktionstechnik

IN NIEDERSACHSEN und auch deutschlandweit ist das

Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik

(NFF) ,die‘ Adresse, wenn es um solche Mobilitäts fragen,

vor allem auf der Straße, aber auch auf der Schiene geht.

Das NFF ist eine Einrichtung der TU Braunschweig, an

dem auch die Universitäten in Bremen, Hannover und

Clausthal Mitglied sind und das mit vielen internationalen

Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

kooperiert, so etwa aus China, Japan und den USA. Am

NFF wird an der Technik geforscht sowie den davon berührten

Bereichen, wie etwa an rechtlichen Rahmenbedingungen,

soziologischen Fragestellungen oder der betriebswirtschaftlichen

Tragfähigkeit. Wenn man sehen

will, was in Sachen Mobilität geht oder eben (noch)

nicht, dann wird man beim NFF fündig.

DAS GROSSE PROBLEM DER MOBILITÄT werde in den

Zahlen sichtbar, so Thomas Vietor, Professor für Konstruktionstechnik

und Vorstandssprecher des NFF. 2019 wurden

in Deutschland 1,2 Billionen Personenkilometer zurückgelegt,

der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hatte

daran nur einen Anteil von 6,3 Prozent, die Schiene von

acht Prozent – der Rest entfällt auf den indi vi duellen motorisierten

Verkehr. Bei den für den Transport von Waren

relevanten 700 Milliarden Tonnen- Kilometer sieht es wenig

anders aus: 18 Prozent entfallen auf die Eisenbahn, 71

Prozent auf die Straße. „Wir haben einen gigantischen

Transportbedarf, aber ich bin erschrocken, wie gering der

Anteil des nicht individuellen Verkehrs am Personen- und

Güterverkehr ist“, erklärt Vietor. Das 9-Euro-Ticket habe

interessante Beobachtungen erlaubt, wie sich einerseits

mehr Menschen in den ÖPNV und die Bahn bringen

ließen. „Gleichzeitig wurde damit die Kapazitätsgrenze

überschritten. Der Personennahverkehr kann in der gegenwärtigen

Form nicht viel mehr leisten.“

60 3 | 2022


wissen

Unsere Städte seinen um das Auto herum gebaut, betont

Thomas Vietor, das beschränke das Wachstum der

öffentlichen Verkehrsträger, mache aber bei zunehmendem

Individualverkehr die Situation nicht besser: Absurdes

Sinnbild dieser Situation sind die Autos, die sich kaum

vom Fleck bewegen, weil der Besitzer sonst befürchtet,

keinen neuen Parkplatz zu finden. Also: Wie bekommt

man die Autos weg, ohne an Mobilität einzubüßen?

Eine Lösung bietet theoretisch das autonome Fahren.

Was, wenn ich in der autofreien Innenstadt einkaufen

gehe und mich anschließend mein Wagen, der derweil

autonom in einem automatisierten Parkhaus etwas weiter

weg eingeparkt hat, wieder abholt? Am NFF läuft

derzeit ein solches Versuchsprojekt. Im dortigen Forschungsparkhaus

werden die Testfahrzeuge automatisiert

ein- und aus geparkt. Für den Nutzer bedeutet das

weniger Stress und Suchen, für das Parkhaus heißt das,

es wird weniger Platz pro Auto benötigt, weil niemand

ein- und aussteigt.

Auch ein automatisierter Shuttle-Verkehr, in ferner

Zukunft als Ersatz, zu Beginn zunächst als Ergänzung

des ÖPNV, könnte helfen, Angebote zu verbessern, denn

das ,Problem‘ im ÖPNV sind die Personalkosten. Sie

sind der größte Kostenfaktor für den Betrieb, zudem

gibt es einen akuten Mangel an Busfahrern. Auch dazu

wird am NFF bald ein eigenes Praxisprojekt starten:

Auf etwa einem Kilometer wird eine Fahrspur der Hermann-Blenk-Straße

auf dem Nordcampus der TU Braunschweig

zur Teststrecke, wo ein autonomer Shuttle quer

über das Gelände Personen transportieren soll. „Das Ziel

ist, dass die Betreiber des ÖPNV dieses Prinzip schrittweise

umsetzen und kommerzialisieren können“, sagt

Vietor. „Unsere Vision ist, dass wir mittelfristig so auch

eine Verbindung von Nordcampus und Hauptcampus

sowie nach Wolfsburg realisieren.“ Doch bis es so weit

ist, müssen noch einige technische Hürden genommen

werden.

Bald am Start Die Vorbereitungen für den ersten Testbetrieb eines vollautonomen

Shuttles, der künftig auf den Straßen Richtung Braunschweiger Flughafen

pendeln soll, laufen bereits auf Hochtouren.

©NFF/FORMHERR

©NFF/KEPPEL

NICHT ZULETZT LANDET MAN immer wieder beim

Geld. Denn einerseits gibt es die politischen Ansprüche

und den bürgerlichen Wunsch für ein besseres öffentliches

Mobilitätsangebot, andererseits kostet es Geld. Autonomes

Fahren etwa verlangt nach technischer und

infrastruktureller Auf- und Umrüstung der Städte. Auf

dem Land hingegen müssen noch größere Herausforderungen

überbrückt werden als in der Stadt. Denn hier

braucht es überhaupt erstmal eine verlässliche Alternative

zum Auto, die möglichst breit verfügbar ist und

gleichzeitig auch bezahlbar bleiben muss.

„Das ist das große Spannungsfeld des ÖPNV“, sagt

Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbands

Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN). Der Verband

ist mittlerweile eine wichtige Anlaufstelle für die

Weiterentwicklung der Mobilität in Südniedersachsen.

3 |2022 61


wissen

Gescheitert

Das EcoBus-System sollte ein

flexibles Rufbussystem mit

modernsten Algorithmen kombinieren

und so den öffentlichen Personennahverkehr

in der ländlichen Fläche

verbessern. Nach dem Testlauf 2018

in Südniedersachsen ging es jedoch

nicht mehr weiter – die Idee war

gut, aber zu teuer.

Er hat eine Tarifreform in der Region durchgeführt,

für eine lange Phase der Preisstabilität gesorgt, sich an

innovativen Forschungsprojekten beteiligt und das

Angebot im ÖPNV ausgebaut, weil die öffentliche Hand

bereit war, wieder stärker zu finanzieren – gegen den

Trend der vorherigen Jahrzehnte. „Der nächste Schritt

muss sein, wie wir das Angebot des ÖPNV deutlich

besser mit anderen Verkehrsmitteln – Auto, Rad, Ondemand-Verkehren

– verzahnen können und bei den

Bürgern eine Verhaltensänderung bewirken können.“

IDEEN GIBT ES EINIGE. Kurgäste im Harz beispielsweise

können mit der Kurabgabe auch den ÖPNV kostenlos

nutzen – ein erfolgreicher Ansatz, wie die Auslastung

zeigt. Das EcoBus-Projekt, das in Südniedersachsen

2019 einen Testlauf absolvierte, war ein moderner algorithmusgesteuerter

On-demand-Transport mit kleinen

Shuttles, der den Service eines Taxis in Gestalt eines

ÖPNV bieten sollte. Doch es zeigten sich zwei Probleme:

Der Betrieb war im Vergleich zum bisherigen ÖPNV viel

zu teuer und die Laufzeit zu kurz, um nachhaltig ein verändertes

Nutzerverhalten zu erreichen.

Doch abseits aller Ideen, Konzepte und technischen

Möglichkeiten steht der ÖPNV in Südniedersachsen

derzeit vor einer existenziellen Krise, die innerhalb kürzester

Zeit dem bisherigen Angebot teilweise den Garaus

machen kann – nach zwei Jahren Pandemie, die dem

ÖPNV „schon fast das Genick gebrochen haben“, sagt

Frömming. „Für uns im ZVSN fahren 16 Busunternehmen.

Dieses Jahr haben sie Mehrkosten für Kraftstoffe

von vier Millionen Euro.“ Das Geld hätten weder die

Unternehmen noch die Landkreise. „Mit jedem Tag

kommen wir dichter an die Situation heran, wo der Betrieb

nicht mehr wirtschaftlich ist und im schlimmsten

Fall die Insolvenz eines Busunternehmens steht.“ Einen

Ersatzverkehr unter Marktbedingungen zu organisieren,

würde das Problem für die kommunalen Haushalte nur

verschärfen.

Erste Streichungen im Fahrplanangebot gab es schon.

„Das ist aber erst der Anfang. Ab Dezember wird es zu

deutlich größeren Streichungen im Fahrplan kommen,

wenn es nicht schnellstens, das heißt bis Ende September,

eine deutliche Unterstützung durch das Land oder den

Bund gibt“, sagt Frömming warnend. Die ÖPNV-Unternehmen

warnen bereits seit Längerem vor dieser Situation.

Doch auf entsprechende politische Signale wartet

man bisher vergebens.

WIE WIRD SIE ALSO AUSSEHEN, DIE ZUKUNFT der

Mobilität in 30 Jahren? Schaut man sich rein die Technik

an, so wird der autonome Verkehr breiten Einzug

halten und zu veränderten Nutzungsformen führen, die

das innerstädtische Fahren verändern: Fahrzeuge parken

weiter weg und kommen auf Zuruf zum Besitzer,

vollautomatisierte Shuttles verkehren auf wichtigen, dafür

speziell eingerichteten Fahrbahnen und übernehmen

so Teile des ÖPNV – alle Verkehrsträger sind eng vernetzt.

Modular gebaute Fahrzeuge könnten tagsüber

Personen transportieren und nachts Pakete, vollautomatisch.

Vielleicht wäre sogar eine verkehrsverbundübergreifende

einfache Tarifstruktur für den ÖPNV machbar.

Das 9-Euro-Ticket zeigt, dass eine Verkehrswende über

solche günstigen bis fast kostenlosen Verkehrsflatrates

möglich ist, das Angebot vorausgesetzt.

„ALLERDINGS, WENN ICH MIR die Erneuerungslücke

unserer Städte anschaue, dann fürchte ich, dass wir in

20 Jahren nicht viel weiter sind als heute“, sagt Thomas

Vietor. Der Weg in die Mobilitätszukunft zeichnet sich

ab, er nimmt technisch mehr und mehr Gestalt an, wird

(er-)fahrbar. Doch der Weg ist von vielen Schildern gesäumt,

auf denen große Fragezeichen stehen. Die aktuellen

politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen,

wie schnell aus dem visionären Weg ein Irrweg werden

kann, wenn der Wille zwar da ist, aber die Umsetzung an

den Investitionen scheitert. ƒ

62 3 | 2022


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Göttingens erste Adresse

der Gothaer

40 Jahre Bezirksdirektion Waterkamp am Theaterplatz

Horst Waterkamp, Bezirksdirektor i.R.:

„Kompetenz, von der Sie profitieren“

Am 01. Oktober 1982 wurde dem Versicherungsfachwirt

Horst Waterkamp die

Leitung der traditionsreichen Bezirks ­

direktion der Gothaer Lebensversicherungen am

Theaterplatz übertragen. Nachdem er bereits

20 Jahre erfolgreich in der Branche tätig gewesen

war und verschiedene Führungs positio nen

bekleidet hatte, sollte die Selbstständigkeit

die Basis für weitere unternehmerische Erfolge

werden. Versicherungstechnisch breit

aufgestellt und in der Göttinger Wirtschaft

bestens vernetzt, expandierte die Bezirksdirektion

in den folgenden Jahren zu einer

der größten und erfolgreichsten der Gothaer

Versicherungsgruppe. Bereits 1990 nach der

Wiedervereinigung wurde eine Niederlassung

in Heiligenstadt eröffnet, um die seriöse und

fachlich fundierte Beratung auch in den neuen

Bundesländern zu pflegen. Fachlichkeit, Zuverlässigkeit,

Innovation und Nachhaltigkeit

waren und sind dabei immer Grundpfeiler der

weiteren Entwicklungen gewesen.

ABER SCHON SEIT DEN 1930ER-JAHREN

repräsentierte mit Kurt Graf zu Rantzau die

Bezirksdirektion am Theaterplatz die Gothaer

Versicherungen in Göttingen. Lange, bevor die

Hauptverwaltung der Gothaer Lebensversicherungen

ihren neuen Hauptsitz von Gotha nach

Göttingen verlegte, war die älteste Vertriebsdependance

bereits hier in der Region ansässig.

Eine Adresse mit unternehmenshistorischer

Relevanz. Bei der Umsiedlung der Hauptverwaltung

nach dem Krieg war hier die erste

Anlaufstelle und im Oktober 1945 erfolgte die

erste handelsregisterliche Eintragung der Versicherungsgesellschaft

in der Stadt. Man kann

also zu Recht die Repräsentanz als Keim zelle

der Gothaer Versicherungen in Göttingen bezeichnen.

Die Bezirksdirektion wird als selbstständige

inhabergeführte Exklusivvertretung

der Gesellschaft geführt. So ist es in der

Branche eine Besonderheit, die zugleich die

Kontinuität unterstreicht, dass in dieser Zeit

lediglich drei Familien die Geschicke und die

erfolgreiche Arbeit der Repräsentanz prägten.

Nach Graf zu Rantzau expandierte die

Bezirksdirektion unter der Leitung von Arthur

Fandrey in der Zeit des Wirtschaftswunders

bis in die beginnenden 1980er-Jahre.

SEIT 1982 UND DAMIT SEIT nunmehr

40 Jahren liegt die Verantwortung bei der Familie

Waterkamp. In zweiter Generation führt

heute der Diplom-Betriebswirt (FH) im Versicherungswesen

und Versicherungskaufmann

(IHK) Hanjo M. Waterkamp die Bezirksdirektion.

Durch Fokussierung und Innovation war

das Unternehmen auch schon in der Vergangenheit

über die Grenzen der Region hinaus

erfolgreich tätig. Im Bereich der erneuerbaren

Energien ist es heute mit drei Kooperationsrepräsentanzen

in Bozen und Meran im italienischen

Markt vertreten. Dieses Feld entwickelte

bereits die nächste Generation unter Hanjo

Waterkamp.

Aber das ist nur ein spezieller Nebenbereich

der erfolgreichen Arbeit. „Unser Schwerpunkt

liegt klar hier in der Region“, erläutert Hanjo M.

Waterkamp. Der Slogan „Aus der Region für die


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FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA

PROFIL

„Team Theaterplatz. Der Zukunft entgegen“

Hanjo M. Waterkamp: „Aus der Region für die Region.“

Region“ ist gelebte Praxis. Die Stärke ist klar

die hohe Fachkompetenz, die Servicebereitschaft

und Nähe zum Kunden und insbesondere

die Zuverlässigkeit aller Mitarbeiter. Hanjo

M. Waterkamp legt daher besonderen Wert

auf top ausgebildete Mit arbeiter. „Es geht heute

nicht mehr um schiere Größe einer Agentur,

sondern um qualitative Kompetenz und den

Willen, für den Kunden da zu sein.“ Die heutigen

fachlichen und juristischen Ansprüche

erfordern ein hohes Maß an Know-how. Alle

Mitarbeiter sind mindestens ausgebildete Versicherungskaufleute

und überwiegend als Versicherungsfachwirte

Meister ihres Faches. Mit

diesem Know-how beraten sie gewerbliche

Kunden in Handel, Handwerk und den KMU.

Durch die Haftungserklärung der Gothaer Versicherungen

ist die Bezirksdirektion ein adäquater

und sicherer Ansprechpartner auch

für das produzierende Gewerbe und die mittelständische

Industrie, die auf umfassende persönliche

Betreuung Wert legen.

„BEI DER BERATUNG UND BETREUUNG

stehen wir aktuell mit sieben Personen persönlich

im Frontoffice dem Kunden zur Seite.

Darüber hinaus können wir bei besonderen

Themen auf einen Spezialistenpool von zehn

Personen im Backoffice zurückgreifen“, erläutert

Waterkamp. Wie schon beschrieben, ist

die Zielgruppe vornehmlich im KMU-Segment

zu sehen. Für das Handwerk unterhält die

Bezirksdirektion eine jahrzehntelange, vertrauensvolle

Kooperation zur Kreishandwerkerschaft

Südniedersachsen, aus der diverse

Rahmenverträge und Sonderkonditionen abzuleiten

sind.

Unter anderem resultiert hieraus das von

Waterkamp senior initiierte Versorgungswerk

der regionalen Kreishandwerkerschaft. Hier

kann Waterkamp die gesamte Bandbreite

der Versiche rungs gebiete darstellen. Seine

Schadenregu lierungs vollmacht ermöglicht

dem Kunden kurze Wege und eine kurzfristige

Regulierung des Schadens. Schwerpunkte

bilden die betriebliche Risikoanalyse und Absicherung

der Sach- und Vermögenswerte wie

auch die private und insbesondere betriebliche

Altersversorgung, welche in der aktuellen Zinslandschaft

eine besondere Rolle zuteil wird.

Kfz-Versicherungen und Flottenlösungen sind

gelebter Standard.

Aktuell und gerade in Bezug auf den Fachkräftemangel

und die Mitarbeiterbindung ist

die betriebliche Krankenversicherung als zusätzlicher

betrieblicher Benefit ein steuerlich

interessantes Instrument, um das wichtige

Thema der Mitarbeitergesundheit zu fördern.

„Wir machen eine Rundum-Anamnese, damit

der Kunde weiß, welche existenziellen Risiken

er abgesichert hat oder noch gar nicht

kannte. Gerade Themen wie die haftungstechnische

Absicherung des Privatvermögens von

Geschäftsführern sowie die Versicherung von

sogenannten Cyberschäden sind hochaktuelle

Risiken, die nicht außer Acht gelassen werden

dürfen“, sagt Waterkamp.

SEIT FAST 20 JAHREN bildet die Expertise von

Hanjo M. Waterkamp einen weiteren Schwer­

punkt. In Zusammenarbeit mit der Gothaer

Asset Management, also der Kapitalanlage

im Konzern, bietet er seinen Kunden eine

konservative Lösung für die private, aber auch

für die betriebliche Geldanlage an. Hier öffnet

er dem Kunden das Vermögensmanagement

eines institutionellen Partners und den unabhängigen

Zugang zu über 90 % des Fondsmarktes

mit einer individuellen persönlichen

Beratung.

All diese Aspekte bilden die Grundlage für

eine weiterhin seriöse, professionelle und persönliche

Beratung und Betreuung vor Ort, um

auch im nächsten Jahrzehnt eine erste Adresse

für die Kunden zu sein.

KONTAKT

Gothaer Bezirksdirektion

Dipl. Betriebswirt (FH)

Hanjo M. Waterkamp

Theaterplatz 6

37073 Göttingen

Tel. 0551 58360

www.waterkamp.gothaer.de


wissen

» Die Welt ist nicht

kompliziert, sie ist codiert. «

66 3 | 2022


wissen

Wie überleben

Unternehmen

in der

Zukunft ?

Gerdum Enders ist vieles: Zeichenforscher,

Erfinder, Professor, Unternehmer, Sparringspartner

und vor allem eines – ein unkonventioneller

Mensch. Seine Denkansätze bringen

andere Unternehmer dazu, umzudenken und

klare Zukunftsstrategien zu entwickeln und

umzusetzen. Der Mittelständler bueroboss.de/

kassebeer aus Northeim arbeitet seit einem

Jahr intensiv mit Gerdum Enders zusammen

– mit dem Ergebnis: alles einfach machen.

TEXT ANJA DANISEWITSCH

FOTOGRAFIE MARCO BÜHL

3 |2022 67


wissen

Mit Strategie zur neuen Marke

Mit seiner Code-Methode hat

Zeichen forscher Gerdum Enders (M.)

gemeinsam mit dem Kassebeer-Team

rund um die Geschäftsführung,

Mark Berke (l.) und Ehefrau Ines (r.),

Unternehmenswurzeln freigelegt.

Nun geht es an die Verwirklichung der

Vision: neues Arbeiten, neuer Spirit,

neue Räume – wie hier das

umgestaltete Büro.

LESEZEIT: 7 MINUTEN

Ein Tag im Sommer 2021. Bei bueroboss.de/

kassebeer in Northeim wird an diesem

Freitag nicht gearbeitet. Die gesamte

‚Mannschaft‘ hat sich versammelt, um zum

einen Gerdum Enders und sein Team kennenzulernen

und zum anderen endlich zu

erfahren, was es mit diesem Termin auf sich hat, der seit

Wochen im Outlook-Kalender geblockt ist. Workshops

und Veränderungsprozesse haben die langjährigen Mitarbeiter

schon einige mitgemacht. Die meisten Ideen daraus

verliefen allerdings irgendwann im Sand: Zu viele

andere Prioritäten – zu viel Tagesgeschäft. Wennʼs läuft,

warum etwas ändern?

„DIE MENSCHEN DENKEN viel zu kompliziert, und Unternehmen

verschwenden Zeit durch überlebte Abläufe.

80 Prozent der Erneuerungsprozesse scheitern“, sagt

Gerdum Enders, Gründer von Code Lab in Kassel und

seit über 30 Jahren Unternehmer. Seinen ersten großen

Erfolg feierte er in den 1980er-Jahren, als er der ,Swatch‘

zum Kultstatus verhalf, indem er die Schweizer Uhr zum

begehrten Sammelobjekt machte. Vom einfachen Zeitmesser

zu einem Zeitgeistmesser. Heute sieht er sich

selbst als Sparringspartner, um Unternehmer aus ihrem

alltäglichen ‚Gedankengefängnis‘ zu befreien und wirklich

Neues zu denken. Denn Innovationen und Zukunftsideen

entstehen nicht im Status Quo. „Die Welt ist

nicht kompliziert, sie ist codiert“, sagt Enders immer

wieder. Denn dieser Satz ist Schlüssel zu seiner Methode.

Wir alle entschlüsseln tagtäglich Tausende von ,Codes‘,

um uns in der Welt zu orientieren. Welches Bier ist von

seiner Natürlichkeit und Reinheit so klar wie ein

Bergsee? Die meisten haben jetzt ein Bild vor Augen und

den Code entschlüsselt. Allerdings können wir solche

Zeichen nur knacken, wenn sie eindeutig kommuniziert

werden. Mit seiner ‚Code-Methode‘ hat der Kassler Zeichenforscher

ein eigenes Framework (System) entwickelt.

Dafür braucht es auf den ersten Blick nicht viel: Unternehmenswurzel

freilegen, Vision erspüren und entlang

der Unternehmens-DNA eine Strategie aufbauen. Ganz

so einfach ist es in der Realität allerdings nicht. Worum

es letztlich jedoch immer geht, sind Einfachheit und

Klarheit.

DIESE ERFAHRUNG HABEN auch Ines und Mark Berke

von bueroboss.de/kassebeer, einem Systemhaus für Büround

Informationsmanagement, gemacht. Das Geschäftsführerehepaar

leitet seit drei Jahren das Northeimer Familienunternehmen

in fünfter Generation. „Wir haben

ein Erbe angetreten, das wir nicht nur pflegen, sondern

vor allem gestalten wollen“, erzählt Ines Berke. Und ihr

Mann ergänzt: „Ein Erneuerungsprozess, den wir mit

leichtem Gepäck gehen wollen.“ Mit Gerdum Enders

haben sie ihre Unternehmenswurzel freigelegt und ihren

persönlichen Code definiert: menschlich, mutig, markant.

Das sind Werte, auf denen von der Gründung bis

heute der Erfolg des Unternehmens basiert. An ihnen

werden nun alle neuen Maßnahmen von der Kommu-

68 3 | 2022


wissen

nikation bis zu den Dienstleistungen ausgerichtet. „Das

ist unser Prüf-Code und Leitstern“, sagt Mark Berke mit

selbstbewusstem Stolz in der Stimme.

LEICHTES GEPÄCK – das bedeutet: Ballast abwerfen.

Und genau das tat das Unternehmen Ende 2021 nicht

nur metaphorisch. Das gesamte Kassebeer-Team vom

Techniker bis zur Buchhaltung schuftete einen ganzen

Tag, um selbst aus den hintersten Ecken gnadenlos alles

zu entsorgen, was sie auf der Reise zu ihrer Zukunftspositionierung

nicht mehr benötigten, ob alte Kugelschreiber

oder komplette Regalwände. Es war eine Aktion,

die sofort für alle sichtbar machte – hier passiert

etwas. „Transformationen werden dadurch angestoßen,

dass wir uns nicht mit langen PowerPoint-Präsentationen

aufhalten, sondern schnell ins Tun kommen“, erklärt

Gerdum Enders.

Er arbeitet immer zuerst an der Veränderung der

Kommunikation. „Das geht am schnellsten und bringt

sofort sichtbare Erfolge. Neue Räume, neue Klamotte,

neuer Markenauftritt“, sagt der Zeichenforscher in lässigem

Ton. Dann werden die Dienstleistungen oder Produkte

neu designt – und all das transformiert die Unternehmenskultur.

Letzteres dauert am längsten, da sich

Menschen mit ihren Gewohnheiten nicht von heute auf

morgen ändern.

Enders lebt vor, was die neue Arbeitswelt ausmacht:

Leichtigkeit und Spaß kombiniert mit Konsequenz und

Disziplin. Gewohnte Strukturen und Verhaltensmuster

zu verlassen, das bedeutet für das Gehirn, aus einem bequemen

Energiesparmodus zu treten und aktiv zu werden.

Den Anstoß wiederum, um schnell in neues Denken

zu kommen, gibt Enders gern durch gezielte Provokation.

Er spricht an, worüber seine Kunden im eigenen Unternehmen

gern großzügig hinwegsehen. Dinge, die schon

immer so gemacht wurden. Räume, die schon immer so

aussahen. Geht doch noch. „Erneuerung ist ein Trainingsprozess,

bei dem Bewährtes und Bekanntes hinterfragt

wird, damit anderes Denken und Handeln erlernt

wird“, so der Sparringspartner, der viele große Namen zu

seinen Kunden zählt. Bosch. Daimler. Sartorius.

UND WAS IST NACH EINEM JAHR bei den Northeimern

nun anders? „Wenn man an unserem Firmengebäude

vorbeifährt, noch gar nichts“, sagt Mark Berke und

lacht. Umso überraschender, wenn man hinter die Kulissen

blickt: Hier wird inzwischen ein neues Markenbewusstsein

gelebt. Die Räume sind in knalligem Orange,

Lila und Gelb gebrandet. Slogans wie ‚Digital – wir

machen es einfach.‘ oder ‚einfach. sympathisch. digital.‘

prangen selbstbewusst an den Wänden. Stand bisher die

Marke ‚bueroboss.de/kassebeer‘ für alles, wird es nun

zwei eigenständige Marken geben. bueroboss.de/kassebeer

bleibt weiterhin Partner seiner B2B-Kunden für

Büro artikel und Verbrauchsmaterialen im Onlineshop.

Die neue Marke ‚kassebeer digital‘ ist Partner für die

Digitalisierung der mittelständischen Wirtschaft in der

Region. „Viele Unternehmen schrecken vor der Digitalisierung

zurück, weil es viel zu kompliziert erscheint“,

sagt Mark Berke. „Ganz im Sinne der Code-Methode

vereinfachen wir Prozesse und beraten unsere Kunden

nicht im IT-Slang, sondern einfach und verständlich.“

Bis die neue Marke komplett aufgestellt ist, wird es

noch einige Zeit dauern. Es ist kein Spaziergang, sondern

eine Gipfelbesteigung. „Dafür muss man trainieren, aber

nicht gleich an der Eiger-Nordwand“, sagt Enders. Die

ersten Höhenmeter hat das kassebeer-digital-Team schon

zurückgelegt und ist mächtig stolz darauf. Wie andere

auch stand dieser mittelständische Betrieb vor gut einem

Jahr vor der Frage: Wie überleben Unternehmen in der

Zukunft? Die Antwort, wie sie sich morgen vom Wettbewerb

unterscheiden, haben sie dank Gerdum Enders

gefunden – ihre Strategie ist integriert und auf den Punkt

gebracht. Komplexes kompliziert machen? Die Zeiten

sind vorbei. ƒ

Die Code-Methode: Strategie. Integriert. Einfach.

‚,Wie sicher ist Ihre Zukunft?"

Wenn Märkte immer dynamischer werden, brauchen

Unternehmen ihren klaren Nordstern für die Zukunft.

Durch das Code-Denksystem extrahiert Dr. Gerdum Enders

die drei differenzierenden Werte, die ein Unternehmen

einzigartig machen. Kombiniert mit einer klaren

sinnstiftenden Vision, entsteht so eine echte Zukunftsstrategie.

Dieses praktische Denkmodell ist Grundlage

für konsequente und disziplinierte Umsetzung.

Kontakt

CODE LAB

Global Mind Network GmbH

Garde-du-Corps-Str. 5

34117 Kassel

Tel. 0561 810480

office@codelab.de

www.codelab.de

70 3 | 2022


Wir vernetzen

die Region!

Der Businessclub der BG Göttingen bietet großartige Möglichkeiten

schnell neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Durch die im Businessclub

entstandene Partnerschaft mit dem Göttinger Glas-Team profitieren

wir als Sponsor nicht nur von der regionalen und nationalen Sichtbarkeit,

sondern können unseren potentiellen Kunden unsere Produkte bereits

bei der Auswahl der neuen Fenster präsentieren.

Marco Vogler - Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH

Durch den Kontakt bei BG Göttingen ist eine erfolgreiche Partnerschaft

mit Lichtblick entstanden, welche unsere Wettbewerbsfähigkeit im

Arbeitsalltag gestärkt und unsere Kompetenz beim Endkunden erhöht

hat. Getreu dem Motto - Dein Netzwerk ist dein Erfolg.

André Kaczmarek - Göttinger Glas-Team

Mehr Infos unter www.bggoettingen.de/sponsoring


wissen

Im Kreis

der vielen Richtungen

Der Landkreis Holzminden ist in einer schwierigen Situation:

im Solling gelegen, ist es weit bis zu den Bezugsräumen Göttingen und

Hildesheim, die demografische Entwicklung ist herausfordernd. So wurde der

Schulterschluss mit Höxter gesucht – und der zeigt sichtbare Erfolge.

TEXT SVEN GRÜNEWALD

72 3 | 2022


wissen

FOTO:LANDKREIS HOLZMINDEN

LESEZEIT: 5 MINUTEN

Holzminden ist weit weg, die Stadt ist vom

vielleicht größten Autobahnring Deutschlands

umgeben – zu jeder Auffahrt dauert es

etwa eine Stunde. Damit ist der Landkreis

großen Fliehkräften ausgesetzt: Das Weserbergland mit

seinen bewaldeten Höhenzügen und der damit schwierigen

Infrastruktur sorgt dafür, dass sich die einzelnen Teile

des Landkreises in ganz unterschiedliche Richtungen

und nicht auf die Kreisstadt hin orientieren.

Doch da hören die Schwierigkeiten noch nicht auf.

Die Einwohnerzahl nimmt seit Jahrzehnten kontinuierlich

ab: 2021 lag sie erstmals unter 70.000 – im Vergleich

zu noch rund 83.000 Einwohnern 1995. Zudem

ist der Landkreis stark verschuldet. Doch von einer „der

Letzte macht das Licht aus“-Mentalität, die lange Jahre

das Reden über den demografischen Wandel und die

Entwicklung Holzmindens geprägt hat, ist nichts mehr

zu spüren. Im Gegenteil: Seit ein paar Jahren lassen sich

eine Aufbruchstimmung und eine Vielzahl von Aktivitäten

beobachten, die das Ziel verfolgen, eine Trendwende

herbeizuführen.

Der Stadt Holzminden kommt zugute, dass sie ein sehr

starkes wirtschaftliches Fundament hat. Mit Symrise, Stiebel

Eltron und Schott haben hier gleich drei weltbekannte

Großunternehmen ihr Hauptquartier. „Deswegen: Ja, wir

haben diese Fliehkräfte, aber man muss auch sehen, dass

die Stadt Holzminden bei 20.000 Einwohnern täglich

15.000 Einpendler aus einem Einzugsgebiet bis Hildesheim

und Hameln hat“, sagt Landrat Michael Schünemann.

Hinzu kommt einer der Standorte der HAWK

Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft

mit inzwischen rund 1.200 Studenten. Die HAWK sei

ein enger Kooperationspartner für viele lokale Akteure

und für die Stadt „extrem wichtig“, so der Landrat.

3 |2022 73


wissen

FOTO: HAWK

Standortfaktor Mit ihren jährlich rund 1.300 Studierenden ist die HAWK heute aus dem Stadtbild Holzmindens nicht mehr wegzudenken.

ABER ES SIND VOR ALLEM UNTERNEHMERKREISE, die

sich inzwischen deutlich stärker und eigeninitiativ vor

Ort engagieren, denn der Leidensdruck ist groß. So groß,

dass sich selbst die Weltunternehmen wie Symrise und

Stiebel Eltron, die sich lange nicht in den lokalen Wirtschaftsnetzwerken

eingebracht haben, jetzt mit an den

Tisch gesetzt haben, denn auch sie finden kaum noch

Fachkräfte.

In Holzminden ist es der Verein Weserpulsar, der sich

seit 2001 als Sprachrohr der Wirtschaft versteht und

rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze im Landkreis vertritt.

Dessen langjähriger Vereinsvorstand Carl-Otto Künnecke

ist ein Urgestein des ehrenamt lichen Engagements in

vielen Gremien, lokalen wie überregionalen, etwa als

IHK-Vizepräsident. „Ich sehe im Landkreis Holzminden

durchaus eine Trendwende“, sagt Künnecke bestimmt.

„Und das nicht nur, weil es nicht so schlimm gekommen

ist, wie es früher prophezeit wurde.“ Das liege daran,

dass man begriffen habe, dass es der Landkreis oder die

Stadt nicht alleine schaffen können. Das schließt die aktive

auch finanzielle Beteiligung der Wirtschaft mit ein,

denn oft scheiterten in der Vergangenheit Förderprojekte,

weil der Landkreis die Co-Finanzierung nicht aufbringen

konnte.

„WENN WIR DIE REGION NICHT GEMEINSAM attraktiv

machen, verlieren wir“, sagt der Geschäftsführer der

Künnecke GmbH. „Auch die großen Unternehmen bei

uns haben jetzt verstanden, dass sie nicht alleine die

Strahlkraft haben. Sartorius in Göttingen hingegen hat

das sehr gut verstanden, die bringen sich im Regionalmarketing

aktiv ein.“ Künnecke ist derzeit eine der

treibenden Kräfte dahinter, gemeinsam mit vielen Partnern

den Digitalhub in Holzminden aufzubauen, „einen

der größten deutschen Co-Working-Spaces auf

dem Land“, um dadurch das Thema Gründungen stärker

voranzubringen.

Die Aktivitäten, die Weserpulsar entfaltet hat, sind im

Geiste der überregionalen Kooperation inzwischen allerdings

auf das Innovationsnetzwerk Holzminden-Höxter

übergegangen, das gemeinsam mit der benachbarten

Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter 2016 gegründet

wurde – bis zum Nachbarn sind es nur neun Kilometer.

Vorausgegangen war ein Umdenken in Politik und Wirtschaft

in beiden Landkreisen, denn beide haben ähnliche

Strukturen und Probleme. Inzwischen stimmen sich die

Verwaltungen der Mittelzentren Höxter und Holzminden

stärker miteinander ab, und über das Innovationsnetzwerk

findet in Gruppen, bestehend aus Mitarbeitern von

interessierten Unternehmen, wichtige Arbeit statt.

VON, MIT UND FÜR UNTERNEHMEN, so lautet die Devise

der verschiedenen Arbeitsgruppen. Aus den dort erarbeiteten

Ideen entstehen wiederum Projekte. „In diesen

Arbeitsgruppen hat sich eine sehr schöne Dynamik

ent wickelt“, erklärt Imke Müller-Stauch, Leiterin der Geschäftsstelle

des Innovationsnetzwerks. „Dadurch, dass

die Mitglieder branchenübergreifend und sowohl aus

kleinen, mittleren und großen Unternehmen kommen,

gibt es ganz verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.“

Aus dieser Arbeit ist 2019 das bislang bekannteste

Projekt hervorgegangen: die Superheldenausbildung,

eine regionale Fachkräfteinitiative. Weil die Personalkampagnen

von Einzelunternehmen, selbst den großen,

nicht mehr ausreichen, sollte es zusammen versucht werden

und auch früher, bereits in der Schule, angesetzt

werden. „Ausbildung ist nicht nur eine Alternative, sondern

die erste Wahl, das ist unsere Message, die wir an

die potenziellen Auszubildenden bringen wollen“, sagt

Müller-Stauch. Ein ganzes Potpourri an verschiedenen

Aktivitäten ist daraus entstanden, vor allem aber die Einbindung

von Azubis. „In kleinen Videos und Testimonials

zeigen sie aus ihrer Sicht und zielgruppengerecht,

dass wir hier spannende Unternehmen und Berufe haben

mit super interessanten Karrieremöglichkeiten, für die

man nicht studieren muss.“

Um die 50 Azubis aus genauso vielen Unternehmen machen

mittlerweile mit, etwa 35 verschiedene Ausbildungsgänge

sind vertreten. „Heute rufen mich auch Unternehmen

an, die noch gar nicht bei uns Mitglied sind, aber

74 3 | 2022



always inspiring more …


Sich ernähren und pflegen. Riechen und schmecken. Der Natur auf der Spur — nachhaltig,

innovativ und kreativ. So wünschen sich Verbraucher ihre Produkte heute, 24 Stunden

am Tag, sieben Tage die Woche. Mit unseren Ideen und Lösungen bereichern wir das Leben

von Menschen und ihren vier beinigen Begleitern. Mit Einfallsreichtum und

unternehmerischem Schwung arbeiten wir daran, dass diese die alltäglichen und

besonderen Momente genießen können — zuhause und in aller Welt.

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wissen

Verweilen in Holzminden Auf dem historischen Boden der Burg zu Everstein, direkt am beliebten Weser-Radweg,

heißt seit einigen Jahren das Weserhotel Schwager zahlreiche Touristen willkommen.

FOTO: STADTMARKETING HOLZMINDEN

dennoch gerne mitmachen würden“, erzählt die Geschäftsstellenleiterin.

Auch die Schulen – sogar die Gymnasien –

machen nach anfänglicher Skepsis inzwischen von selbst

mit. War das Netzwerk zunächst auf die beiden Städte

konzentriert, stellt Imke Müller-Stauch zunehmend fest,

dass sich der Wirkradius auch in das Umland ausbreitet

und beiderseits der Weser mehr Unternehmen anspricht.

Das Innovationsnetzwerk hat sich damit als ein Motor

etabliert, der nicht nur die Stimmung belebt, sondern

auch konkret an den Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges

Wirtschaftsleben arbeitet.

ÄHNLICH SIEHT ES BEIM ZWEITEN STANDBEIN der

Region aus. „Der Tourismus ist einer der wesentlichen

Wirtschaftsfaktoren“, sagt Petra Wegener, Geschäftsführerin

der Weserbergland Tourismus, die sich um das

Tourismusmarketing von Hann. Münden bis zur Porta

Westfalica kümmert. Vor der Pandemie gab es hier rund

drei Millionen Übernachtungen pro Jahr, die Wertschöpfung

betrug etwa eine Milliarde Euro mit steigender

Tendenz. Etwa 22.000 Arbeitsplätze hängen am Tourismus.

Doch dann kam die Pandemie und damit ein Einbruch

von über 30 Prozent.

Wie es jetzt und zudem unter dem Vorzeichen der

Energiekrise weitergeht, sei völlig offen. „Wir können

keine Prognosen abgeben, die gesamte Branche ist sehr

unsicher, Buchungen werden kurzfristiger, man merkt

die Zurückhaltung der Leute“, so Wegener. Dabei hat

sich das Weserbergland touristisch gut entwickelt, in den

vergangenen zwanzig Jahren gab es einiges an Investitionen

in Wege, Attraktionen und Hotels. Gerade das

Radwandern hat sich zu einem regelrechten Hype

entwickelt, und hier kann die Region punkten: Der

Weser- Radweg ist Nummer 1 der beliebtesten deutschen

Radfernwege. Hinzu kommen viele andere Qua litätswanderwege.

„Heimelig sei es hier“, höre Petra Wegener

oft von Kunden, die erstmals ins Weserbergland kommen:

eine Mittelgebirgslandschaft, vielfältige Natur,

Burgen, Schlösser, Fachwerkstädte, viele Besichtigungsmöglichkeiten

– ideal für den Aktivtourismus.

Aber es gibt auch noch viel Luft nach oben, doch die

Abstimmung über die Entwicklung der Region über die

Landesgrenzen hinweg mit NRW, Niedersachsen und

Hessen ist nicht immer einfach. Eine Erfahrung, die

man auch in Höxter und Holzminden macht, wenn es

um eine Abstimmung mit den verschiedenen Schulrahmenbedingungen

oder bei der Infrastrukturplanung

geht. Dann sind es zwar – gefahren – nur neun Kilometer

zwischen beiden Städten, verwaltungstechnisch

aber liegen zwischen ihnen Welten.

DENNOCH, TROTZ DER HERAUSFORDERNDEN Lage

ist Holzmindens Landrat Michael Schünemann zuversichtlich.

„Arbeit haben wir hier genug. Jetzt brauchen

wir die Infra struktur, um für Zuziehende interessanter

zu werden.“ Und das heißt für ihn vor allem: Straßenund

Breitbandausbau. Immerhin, hier geht es stetig,

wenn auch langsam, vorwärts. ƒ

76 3 | 2022


NATUR. DESIGN. ELEGANZ.

Jedes unserer

Ledersofas hat

seinen eigenen

Herzschlag.

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Inhaber des Unternehmens

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Lokale Bürokompetenz, bundesweit präsent

Ihre Spezialität sind alle Dienstleistungen rund ums Büro: Die KÖNIG-Gruppe hat ein reichhaltiges Portfolio entwickelt,

um alle Bedarfe der modernen Büroarbeit, insbesondere in mittelständischen Unternehmen, zu bedienen.

Büroeinrichtung und die dazugehörige

Technik sind sehr beratungs- und

pla nungsintensive Bereiche“, sagt

Andreas Kronier, Vertriebsleiter der KÖNIG­

Gruppe. „Da kommt es zentral darauf an,

dass man die Anforderungen und Problemstellungen

der Kunden versteht und umsetzt.“

Gutes Anschauungsmaterial bietet derzeit

der klar erkennbare Trend zum Homeoffice.

Es komme dabei nicht nur darauf an, dass

Mitarbeiter über ein schnelles WLAN verfügen,

sondern dass auch die restliche Arbeits ­

umgebung vernünftig gestaltet wird, zum

Beispiel durch gesundes Sitzen, eine benutzergerechte

Bildschirm ergonomie und nicht

zuletzt dadurch, dass eine gute Sicherheitslösung

für den Datentransfer implementiert ist.

„Wenn ich im Firmennetzwerk arbeite und auf

betriebliche Serverinhalte zurückgreife, muss

das datenschutz- und sicherheitskonform passieren“,

so Kronier. Doch in der Praxis erlebe er,

dass das noch bei Weitem nicht überall der Fall

ist. Da wird sich nicht nur mit seinem einfachen

Passwort über den heimischen Router in das

Fir mennetz eingeloggt, sondern es werden darüber

auch Daten transferiert. Oder Verträge und

Dokumente werden abfotografiert und per

Whatsapp an Kollegen versendet. Das passiere

in kleinen wie auch in großen Unternehmen.

BERATUNGSINTENSITÄT heißt für die

KÖNIG-Gruppe, dass sich ihre erfahrenen

Spezialisten vor Ort mit Kunden, vorrangig

mittelständischen Unternehmen, zusammensetzen,

um genau über diese Rahmenbedingungen

zu sprechen und nach situationsspezifisch

passenden Lösungen zu suchen.

„Deswegen sind wir lokal mit vielen Niederlassungen

vertreten“, so Kronier. Mit ihren

14 Standorten bundesweit wird die KÖNIG­

Gruppe ihrem Slogan gerecht, bedarfsgerechte

Lö sungen für das moderne Büro inklusive

des entsprechenden Supports anzubieten.

Gerade im Bereich der sicheren Zusammenarbeit

über Datennetze hat die Gruppe zuletzt

weitere Kapazitäten aufgebaut.

,DAS GANZE BÜRO‘ umfasst bei KÖNIG

einerseits klassische Büromöbel sowie alle

dafür nötigen Materialien vom Ordner bis zur

Heftklammer, andererseits aber auch die entsprechende

Technik rund um das Dokument

– Drucker, Kopierer, Dokumentenmanagement

und die dafür nötigen Sicherheitslösungen

– und Präsentationstechnik, etwa interaktive

Touchdisplays. Auch der Service wird großgeschrieben:

Lieferung, fachgerechte Installation,

Einweisung und Support gehören bei der

KÖNIG-Gruppe zum Leistungsspektrum.

DIE NIEDERLASSUNGEN firmieren lokal

unter ihren traditionellen Anbieternamen – in

der Region ist die KÖNIG-Gruppe an zwei

Standorten vertreten: mit Fischer in Kassel

und Büro 2000 in Beverungen. Doch dahinter

steht die Firmengruppe und damit die

Möglichkeit, einen bundesweiten Service

anzubieten. „KÖNIG selbst ist seit 45 Jahren

in Deutschland am Markt und weiterhin inhabergeführt“,

so Kronier. „Damit sind wir

eines der größten unabhängigen Unternehmen

im Bereich Büroeinrichtung und -technik

in Deutschland.“

KONTAKT

Büro 2000 GmbH & Co. KG

Andreas Kronier

Tel. 069 978288-10

Mobil 0160 90517611

andreas.kronier@koenig-ffm.com

TEXT: SVEN GRÜNEWALD


PROFIL

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Ein Reallabor für die Energiewende: Das STIEBEL ELTRON-Schulungszentrum 'Energy Campus'

am Hauptsitz in Holzminden.

Umweltfreundlich und zukunftssicher

heizen mit Wärmepumpen aus Holzminden.

Mit Wärmepumpen auf Erfolgskurs

Mitten im Weserbergland hat das Green-Tech-Unternehmen STIEBEL ELTRON

seinen Hauptsitz.

Zuhause bedeutet Sicherheit, Geborgenheit

und Komfort. Die richtige Haustechnik

sorgt dafür, dass das auch so

bleibt. STIEBEL ELTRON bietet nicht nur die

passende Technik für Heizung, Warmwasser

und Lüftung, sondern leistet damit auch noch

einen wichtigen Beitrag zur Energiewende im

Gebäudesektor. Mit über 4.000 Mitarbeitern

weltweit setzt das Unternehmen mit seinem

Hauptsitz in Holzminden, mitten im Weserbergland,

von der Produktentwicklung bis zur

Fertigung konsequent auf eigenes Know-how.

Mit vier nationalen und vier internationalen

Produktionsstätten, weltweit 26 Vertriebsgesellschaften

sowie Vertriebsorganisationen

und Vertretungen in über 120 Ländern ist

STIEBEL ELTRON global aufgestellt. Der Umsatz

betrug 2021 rund 830 Millionen Euro,

mehr als 50 Prozent davon entfallen auf das

Ausland.

Wichtigster Treiber für das Geschäft des Holzmindener

Traditionsunternehmens sind umweltfreundliche

Wärmepumpen­ Heizungen.

„In diesem Jahr ist der Heizungs-Wärmepumpen-Absatz

in Deutschland bisher gegenüber

dem Vorjahr um 29 Prozent gewachsen, wobei

das Jahr 2021 bereits um mehr als 28 Prozent

über dem Jahr 2020 lag. Der Auftragseingang

für Wärmepumpen bei Stiebel Eltron hat

sich innerhalb eines Jahres verdoppelt“, sagt

Geschäftsführer Dr. Kai Schiefelbein zusammenfassend.

Und bis 2027 sollen die Produktionskapazitäten

für Wärmepumpen am

Hauptsitz in Holzminden noch einmal mehr

als verdreifacht werden.

Dafür sollen in den nächsten Jahren rund 600

Millionen Euro investiert werden. Gleichzeitig

werden über 400 neue Arbeitsplätze ent stehen

und das Qualifizierungsangebot wird ausgebaut.

„Die umweltfreundliche Technologie

bietet ausgezeichnete Karrierechancen“, sagt

Personalleiterin Christiane Schäfer.

Viermal in Folge ausgezeichnet:

STIEBEL ELTRON mit ‚Top Karrierechancen‘

Mit dem Award für ‚TOP Karrierechancen‘

wurde der Haustechnikhersteller Ende 2021

zum vierten Mal in Folge ausgezeichnet, erstmals

auch als Branchensieger im Bereich der

Wärme- & Kältetechnikanbieter. Insbesondere

in den Themengebieten Karriereperspektiven

und Unternehmensklima erreicht Stiebel Eltron

sehr gute Werte. „Dies spiegelt sich beispielsweise

in außerordentlich langen Betriebszugehörigkeiten

unserer Mitarbeiter wider“, so

Christiane Schäfer. Die Studie ,Top Karrierechancen‘

wurde im Auftrag von Focus Money

und Deutschland Test durch das IMWF

Institut für Management- und Wirtschaftsforschung

realisiert.

KONTAKT

STIEBEL ELTRON Gruppe

Dr.-Stiebel-Str. 33

37603 Holzminden

Tel. 05531 702 702

info@stiebel-eltron.de

www.stiebel-eltron.de


wissen

Von Kerzen, Pilzen und DNA

Der Gründungswettbewerb der Uni Göttingen Lift-Off hatte einen neuen Rekord zu verzeichnen:

Fast 40 teilnehmende Teams warfen 2022 ihren Hut in den Ring. Wie immer war die Ideenvielfalt groß.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOS UNI GÖTTINGEN

LESEZEIT: 4 MINUTEN

Jedes Jahr aufs Neue berichtet faktor als Medienpartner

über die spannenden Gründungen, die aus

dem Lift-Off, dem Gründungswettbewerb der Uni

Göttingen, hervorgehen. In den Vorjahren waren es

jeweils bis zu 29 Teams, die teilgenommen haben. 2022

hingegen waren es knapp 40 – ein neuer Rekord. 22 von

ihnen erreichten die Endrunde des Wettbewerbs. „Wir

haben aus dem Förderprogramm Exist-Potentiale des

Bundes zusätz liche Mittel erhalten“, erzählt Martin

Stammann, Leiter des Transfer & Startup Hub in der

Abteilung Forschung und Transfer, sichtlich zufrieden.

„Diese haben uns die Möglichkeit gegeben, mehr

Transfergespräche mit Wissenschaftlern direkt

zu führen sowie mehr Veranstaltungen zu

organisieren, die für das Thema Gründungen

sensibilisieren sollen.“ Das habe die

Reichweite innerhalb der Universität noch einmal

erhöht. Insbesondere wurden darüber mehr

Wissenschaftler als früher angesprochen und zu einer

Gründungsidee motiviert.

UND SO IST WIEDER EIN BUNTES POTPOURRI an

Gründungsideen zusammengekommen, das von nachhaltiger

Kerzenproduktion über einen KI-basier ten Gesichtshautscanner,

der eine Kombination aus auf die

Haut abgestimmten Pflegeprodukten zusammenstellt,

bis hin zum Möbelbau aus Pilzen und der Behandlung

von Gelenkarthrose reicht.

Eine gewisse Tendenz lässt sich dabei beobachten: In

Göttingen haben sich in den letzten Jahren viele Player

dafür engagiert, die Life Sciences in der

Stadt zu stärken, und eine entsprechend

tief gestaffelte Infrastruktur

zur Gründungsförderung etabliert. „Wir merken,

dass über diese Schiene und über die Universitätsmedizin

schon mehr Teams aus dem medizinischen und

biologischen Bereich kommen“, sagt Stefanie Pinkert,

Gründungscoach an der Universität. „Eine sehr schöne

Entwicklung dabei ist, dass Arbeitsgruppen, in denen bereits

eine Ausgründung erfolgreich war, dafür gesorgt

haben, dass auch Kollegen das Thema für sich entdeckt

haben und zwei, drei Jahre später eine eigene Idee einreichten.“

Insofern gibt es auch bereits ,Wiederholungstäter‘

wie Arndt Schilling von der Universitätsmedizin,

der bereits zum zweiten Mal mit einem Projekt dabei ist

und damit wieder einen ersten Preis beim Lift-Off erhielt.

DASS GRÜNDUNGEN ein spannendes Thema mit Potenzialen

für die Zeit nach und jenseits der Uni sind, hat sich

in Göttingen offenkundig schon recht gut rumgesprochen,

auch wenn natürlich noch Luft nach oben ist, wie Martin

Stammann betont. Denn manche Fakultäten hinken im

Vergleich der Gründungsaktivitäten etwas hinterher.

Doch wie es mit dem Lift-Off und der Gründungsförderung

weitergeht, ist noch offen. Uni-Präsident Metin

Tolan betonte zwar mehrfach, dass dieser Bereich ihm

sehr wichtig sei, doch ein Teil der Mittel für die Gründungsunterstützung

kommen aus Drittmitteln, die 2023

auslaufen. Eine Anschlussfinanzierung ist noch nicht gesichert.

Lift-Off 2023

Demnächst startet die nächste Runde des

Gründungswettbewerbs. Interessierte Teams

können sich bereits informieren und anmelden

unter: www.uni-goettingen.de/gruendung

80 3 | 2022


wissen

Die Gewinner 2022

DAS ZIEL: nachhaltige und gleichzeitig hochwertige

Kerzen zu produzieren und das made in Germany.

Die beiden Gründer Amy Peters und Maurice

Jedlicka wollen die traditionelle Kerzenindustrie

revolutionieren. Es beginnt bei der innovativen

Gewinnung des Kerzenwachses. Herkömmliches

Kerzenwachs besteht meist aus Paraffinen, Palmoder

Sojaöl. Hierfür werden Erdölbohrungen durchgeführt,

Regenwald für Monokulturen vernichtet

und eigentliche Lebensmittel zweckentfremdet.

1. Platz Gründungspotenzial

Molly Suh

Maurice Jedlicka und Amy Peters

Das Wachs der Kerzen von Molly Suh wird hingegen

aus der recycelten Biomasse von pflanzlichen Fetten

gewonnen. Diese Fette haben bereits einen Lebenszyklus

durchlebt und werden in einem ,Waschgang‘

aufgewertet. Das heißt, am Anfang des Produktes

steht Recycling, gefolgt von anschließendem

Upcycling. Kombiniert mit dem natürlichen Duft

von ätherischen Ölen.

ARTHROPORE ermöglicht die Heilung des Knorpels

durch die Rekonstruktion der komplizierten Mikrostruktur

des Gelenks. Gegenwärtig gibt es noch

keine Heilungsansätze für Gelenkarthrose, die

Behandlungsstrategien beschränken sich auf Operationen

zum vollständigen Gelenkersatz. Deutschland

hat unter den OECD-Staaten die zweit- bzw.

vierthöchste In zidenzrate für Hüfttotalendoprothesen

(THR) und Knietotalendoprothesen (TKR),

deren durchschnittliche Kosten sich auf 15.500 bis

17.800 Euro pro Patient belaufen.

1. Platz Wissenschaft

ArthroPore

Dr. Shahed Taheri und Prof. Dr. Arndt Schilling

Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der

Teammitglieder Shahed Taheri und Arndt Schilling

liegt die Ursache der Arthrose allerdings nicht, wie

bisher angenommen, im Knorpel selbst, sondern in

einer Veränderung der Mikrostruktur des Knochens,

der dem Knorpel zugrunde liegt. ArthroPore kann die

3D-Mikrostruktur des Knochens im Gelenk abbilden

und damit personalisierte Implantate/Membranen

herstellen, die das natürliche, gesunde Gewebe des

Patienten nachahmen.

3 |2023 81


wissen

DAS TEAM hinter DirIGEN, bestehend aus Eric

Schoger und Janek Fischer, bedient sich eines

Verfahrens namens CRISPR, mit dem gezielt an

der DNA gearbeitet werden kann. Das Verfahren

ermöglicht es, gezielt Gene abzulesen und für

therapeutische Anwendungen zu entwickeln, neue

therapeutische Zielstrukturen zu identifizieren oder

grundlagenwissenschaftliche Fragestellungen zu

erarbeiten. Denn häufig sind Fehlfunktionen

bestimmter Zellen auf das fehlerhafte Ablesen

von DNA-Abschnitten zurückzuführen.

Sonderpreis ,Life Science‘

DirIGEN

Dr. Eric Schoger und Janek Alfred Fischer

Das DirIGEN-Team hat aus seiner mehr als fünfjährigen

wissenschaftlichen Tätigkeit heraus eine

Plattform zum Ablesen bestimmter Gene für Partner

aus der pharmazeutischen und biotechnologischen

Industrie entwickelt: ein CRISPR/Cas9-basiertes

Verfahren zur Identifikation von gRNA-Molekülen,

mit deren Hilfe präzise Gene angeschaltet werden

können.

DAS TEAM um Steffen Konnemann nutzt Agrar ­

abfälle wie Getreidestroh und -spelze sowie

Sägemehl, um Pilze zu ernähren. Das sich bildende

Myzel-Fasergerüst erlaubt die Entwicklung diverser

biologisch abbaubarer Produkte. Diese reichen von

styroporähnlichem Verpackungsmaterial bis hin zu

Möbelstücken. Alle Produkte könnten am Ende ihrer

Nutzungsdauer ohne Bedenken auf dem heimischen

Kompost entsorgt werden. Gleichzeitig

werden keine neuen Ressourcen verbraucht, da

Abfälle genutzt werden.

Sonderpreis ,Zukunftsfähige Landnutzung‘ und Publikumspreis

HyphaGrowth

Hendrik Wever und Steffen Konnemann

Der bisher noch nicht etablierte Werkstoff Pilzmyzel

bietet neue haptische und optische Eigenschaften:

Er ist formstabil, wasserabweisend und kann eine

lederähnliche Oberfläche entwickeln. Jedes Produkt

ist ein Unikat, da es organisch gewachsen ist. Im

Gegensatz zu abbaubaren Produkten aus Maisstärke

oder Hanf stellt die Pilzmyzel-Produktion keine

Konkurrenz zur Nahrungserzeugung dar.

82 3 | 2022


PROFIL

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Q3Labs – Ihr neuer digitaler

Labor-Roboter

Das Team (von li.) Herr Silin Zhao , Frau Gayatri

und Dr. Giriprakash Chodisetti.

Q3LABS entwickelt eine Online-Softwareanwendung

zur Digitalisierung und Programmierung

von Versuchsprotokollen, die in biologischen

Forschungslabors verwendet werden. Sie umfasst

offen zugängliche und laborspezifische

Protokolle.

Das Start-up-Team wurde im Lift-off-Wettbewerb

2021 mit dem 2. Preis der Universität

Göttingen ausgezeichnet und erhielt außerdem

das N-Bank-Gründungsstipendium 2022.

PAPIERBASIERTE PROTOKOLLE ADÉ

Durch die Programmierung der Versuchsprotokolle

will Q3LABS die Forscher dabei unterstützen,

Zeit zu sparen und die Genauigkeit und

Zuverlässigkeit der Versuchsdaten zu erhöhen.

KONTAKT

Giriprakash Chodisetti

Hainbuchenring 3

37077 Göttingen

Tel. 0176 72110354

Ist Ihre Unternehmensvision allen klar?

Sind alle wichtigen Positionen optimal besetzt?

Matthias Walter, erfolgreicher Unternehmer + Coach – TAB-Partner für Südniedersachsen

Ich möchte Sie gerne kennenlernen. Vereinbaren Sie einen vertraulichen, unverbindlichen Termin.

0551-50063785 oder mwalter@tabdeutschland.de


mensch

84 3 |2022


mensch

Das richtige Motiv

Die Göttinger BWL-Studenten Michael Noack und Melvyn Wittwer vertreiben mit Inkster wasserfeste

Zwei-Wochen-Tattoos – ihre Erfolgsgeschichte hingegen ist langfristig angelegt.

TEXT RUBERT FABIG FOTOGRAFIE MARVIN CONTESSI

LESEZEIT: 3 MINUTEN

Darüber, wie sie sich kennengelernt haben,

schmunzeln Melvyn Wittwer und Michael

Noack nur. Stichwort: Orientierungsphase,

die ersten Tage im Studentenleben. Sagen wir

es so: Die Erinnerung ist verblichen. Womit wir beim

eigentlichen Punkt wären. Verblichen wie ein Tattoo von

Inkster. Der Marke, die die ehemaligen Betriebswirtschaftsstudenten

der Georg-August-Universität Göttingen

erst Anfang 2021 gegründet haben und die mittlerweile

einen Umsatz von 400.000 Euro generiert. Monatlich,

versteht sich.

Während ihres Auslandssemesters 2018 im kalifornischen

San Diego haben die beiden Surferboys im Modul

,Business Plan & Development‘ die Aufgabe, eine Geschäftsidee

zu entwickeln und den passenden Plan dazu

zu erstellen. Zur gleichen Zeit überlegt Wittwer, sich ein

Tattoo stechen zu lassen. Motiv? Unklar. „Ich dachte, es

wäre cool, mal eines zur Probe zu tragen“, sagt er. Also

recherchiert der 27-Jährige, was sich an temporärer Körperkunst

finden lässt – und stößt auf die Jagua. Eine

Frucht aus dem südamerikanischen Dschungel, deren

tintenähnlicher Extrakt die erste Hautschicht färbt.

ZURÜCK IN GÖTTINGEN, wo die Freunde bis 2020 noch

studieren, analysieren sie, ob sich daraus ein Business erschaffen

lässt, und kommen zu dem klaren Urteil: Ja. Und

sie sollen recht behalten. Zunächst baut Noack nur

einen Instagram-Kanal mit Inspirationsmotiven auf, der

in kurzer Zeit auf 100.000 Abonnenten anwächst. Beim

Lift-Off-Gründungswettbewerb 2020 der Universität

räumen die beiden nur kurze Zeit später den zweiten

Platz in der Kategorie Gründungspotenzial sowie den

Publikumspreis ab.

Einige Monate darauf gründen Wittwer und Noack –

die übrigens jeweils zwei echte Tattoos haben – schließlich

mithilfe eines Stipendiums der Universität, finanziert

durch die NBank, eine GmbH, um Büroflächen zu bezahlen

und Lebenshaltungskosten zu decken. Sie sparen

nicht an den falschen Stellen. Eine Kosmetikzertifizierung

– selten bei temporären Tattoos – liegt vor, eine

Agentur berät das Duo beim Marketing.

IM JUNI 2021 BEGINNT DER VERKAUF der ersten Produkte.

Zunächst wird den Kunden eine Tube mit der

Jagua-Tinte nebst Schablone geliefert. Der Umsatz in

Monat eins: 10.000 Euro. „Das hat uns mächtig stolz

gemacht“, sagt Noack. Die ersten 330 Motive dafür –

zeichnen die beiden selbst. Nach nur zwei Monaten

stellt Inkster – der Name leitet sich vom englischen

Wort ,ink‘ für Tinte ab – den ersten Mitarbeiter ein,

mittlerweile sind es acht, überwiegend Werksstudenten,

darunter eine Designerin, die die Abziehbildchen entwirft.

Abziehbildchen? Korrekt. Im April dieses Jahres

wurde die Produktpalette weiterentwickelt, jetzt

3 |2022 85


mensch

Win Win Die über 300 Designs wurden in Zusammenarbeit mit Tattoo-Künstlern aus der ganzen Welt erstellt, die an jedem Verkauf

mitverdienen. Neben ihnen wird auch die Umwelt unterstützt – durch eine kompostierbare Versandverpackung aus Graspapier.

werden Abziehtattoos verkauft. „Die sind deutlich weniger

fehleranfällig und so einfach wie Kindertattoos,

nur in der Haut statt darauf“, erklärt Wittwer. Bis zu

zwei Wochen halten die Kunstwerke, die zwischen drei

mal drei und sechs mal zehn Zentimetern groß sind, bei

guter Pflege. Inzwischen gibt es erste Kopierer der Idee,

was die Unternehmer nicht besorgt, sondern auf ihrem

Weg bestätigt.

DEN GESCHÄFTS- UND LEBENSMITTELPUNKT haben

die Gründer nach Hamburg verlegt. Eine persönliche

Entscheidung mit beruflichen Vorteilen. „Hier sind wir

ein Start-up unter vielen und profitieren von der lokalen

Expertise“, sagt Wittwer. Das Unternehmen setzt ausschließlich

auf Onlinehandel. „Leichter skalierbar.“ Die

enorme Produktauswahl wäre im stationären Handel

schwierig zu handhaben.

Die Kunden kommen hauptsächlich aus dem deutschsprachigen

Raum, sind in der Regel 35 Jahre und älter

– und zu rund 75 Prozent weiblich. Daran orientieren

sich auch die minimalistischen Motive. „Individualisierung

ist ein großes Ding dieser Tage. Unsere Tattoos

sind zum Accessoire zur Kleidung geworden. 30 Prozent

der Käufer erwerben sie vor ihrem Urlaub, um sie dort

zu tragen“, erläutert Noack. Bestseller sind Herzen aller

Art sowie Schmetterlinge. „Das Herz ist ein emotionales

Tattoo, was besonders den Frauen unserer Zielgruppe

zu gefallen scheint“, so Wittwer mit strahlenden Augen.

Eine Ausweitung des Geschäfts auf den europäischen

Markt ist derzeit noch nicht geplant. „Die sprachliche

Hürde, Logistik, Werbung, Customersupport und den

Onlineshop aufzubauen, ist sehr groß“, sagt der

26-jährige Noack.

86 3 |2022

Die nächsten Ziele der jungen Firma sind stattdessen

die kontinuierliche Erweiterung der Produktpalette, die

Verbesserung des Designs sowie die Schärfung des Markenbildes.

„Wir wollen Inkster hipper machen. Es wird

viele Nachahmer geben. Wichtig ist, dass die Leute wissen,

dass wir das Original sind. Wie bei Coca Cola und

Pepsi“, sagt Wittwer. Und da der Verkauf häufig über die

sozialen Medien, vornehmlich Instagram und Facebook,

funktioniert, soll auch TikTok erschlossen werden. „Und

Amazon wollen wir knacken“, schiebt der Gründer nach.

Schwierigkeiten besaßen bislang Seltenheitswert. Ab

und an gerät die Liquidität an ihre Grenzen. Aber das

sind Luxusprobleme.

Für Investoren sind der in Salzgitter geborene Wittwer

und der in Husum aufgewachsene Noack zwar grundsätzlich

offen, konnten bislang aber auch wunderbar

durch den eigenen Cashflow organisch wachsen. Auch

ein Verkauf des Unternehmens sei langfristig nicht ausgeschlossen.

„Die Struktur ist so gebaut, dass ein Verkauf

möglich wäre“, berichtet Wittwer. Allerdings schieben

die beiden das noch auf die lange Bank. Zu viel

Freude bereiten ihnen Arbeit und Zusammen arbeit.

„Sollten wir einmal verkaufen und auf eine andere Geschäftsidee

kommen, bietet es sich schon an, weiter als

Duo zu arbeiten, weil wir uns bestens verstehen und unsere

Stärken und Schwächen gut kennen“, erklärt Noack,

der seine Expertise überwiegend im Marketing hat, während

sich sein Partner primär um die Unternehmensführung

kümmert.

WAS DAS NICHT HEISSEN SOLL: dass die beiden gerade

wieder in einer Orientierungsphase sind. Ihre Liebe für

Inkster ist noch lange nicht verblichen. ƒ

Wo gibt’s die Tattoos?

www.inkster.eu


Ein Unternehmen, das den Mitarbeitenden gehört – genau das ist Arineo.

Wir arbeiten gemeinsam an unserem Erfolg und setzen dabei auf Selbstorganisation und

Motivation Arineo mitzugestalten. Wir schaffen uns die besten Arbeitsbedingungen und

tragen damit auch zum Erfolg unserer Kunden bei. Die Gewinne, die wir erzielen, bleiben

im Unternehmen. Was wir gemeinsam erwirtschaften, investieren wir in die Weiterentwicklung

unserer Kolleg:innen, unseres Unternehmens und unserer Technologien.

Das klingt für dich nach einem spannenden Arbeitgeber?

Dann schau bei unseren Jobangeboten, ob etwas Passendes für dich dabei ist

oder bewirb dich initiativ. Viele unserer Stellen sind auch in Teilzeit möglich.

Wir freuen uns auf dich als neue Kolleg:in!

www.arineo.com/go/jobs


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Die Schaumbergs –

zusammen stark

Das Unternehmen Böning-Schaumberg hat die Zeit der Pandemie genutzt:

für neue Wege mit einer prägnanten Dachmarke und einem Onlineversand für delikate Speisen.

„Egal, ob für den

Bundespräsidenten oder die

Großmutter bei uns in

Rittmarshausen um die Ecke,

die kurzerhand Essen für ihr

Enkelkind möchte – wir kochen

wirklich für jeden gern.“

ANJA BÖNING-SCHAUMBERG

Sie schaffen den perfekten Rahmen für

Dialog, Netzwerken, Kooperationen und

vertragliche Bindungen in Wissenschaft,

Wirtschaft, Sport, Politik, Gesellschaft und im

Privaten: Anja Böning-Schaumberg und Frank

Schaumberg gestalten Orte der Begegnung

und des Miteinanders – bei hervorragendem

Essen und Trinken und in einem dem Anlass

entsprechenden Ambiente: von der frechen

Gartenparty über die Hochzeit im Schloss bis

zum Stiftungsdinner im Forum Wissen oder

in der historischen Aula der Universität Göttingen.

Durch die Umstände bedingt war in

Zeiten der Pandemie kreative Gastlichkeit wenig

gefragt, doch jetzt ist das Pendel zur Gegenseite

ausgeschlagen, die Auftrags bücher

sind voll und die Erwartungen der Kunden

und Gäste so hoch wie nie.

„DIE LETZTEN BEIDEN JAHRE waren für uns

eine willkommene Zwangspause, die wir gut

genutzt haben. Wir sind inzwischen nicht nur

„total digital“ in der Welt und bis hin zu jedem

Arbeitsplatz per Touchscreen verknüpft – wir

haben vor allem über unsere Werte und unseren

Anspruch nachgedacht und darüber,

wie wir uns zukünftig aufstellen wollen“, sagt

Frank Schaumberg. „2019 hatten wir über

500 Aufträge, da hat man keine Sekunde freie

Zeit, um neue Ideen zu entwickeln und aus­

zuprobieren. Das haben wir in den vergangenen

zwei Jahren getan und zwar zu viert“, so

seine Frau. Neben Anja Böning-Schaumberg

und Frank Schaumberg, die sich seit 1996

mit ihrem Unternehmen weit über die Region

hinaus einen herausragenden Ruf erworben

haben, sind das Gordon und Johann, die beiden

Söhne. Sie waren schon immer „dabei“

und wollen und sollen nun mit ihren Eltern

gemeinsam die Zukunft der „Schaumbergs“

aktiv gestalten.

„SCHAUMBERGS“ heißt folgerichtig die neue

Dachmarke, die neben Catering und Veranstaltungslogistik

auch Frischgekochtes im

Onlinehandel umfasst. Diesen erfolgreich in

den Covid-Zeiten entwickelten Unternehmenszweig

haben die Schaumbergs zusammen aufgebaut,

die beiden Söhne sind hier Miteigner –

quasi als Einstieg in die Zukunftsvision. Jeder

hat auf seine Weise dazu beigetragen: Frank

und Johann haben als Köche ihre ganze Professionalität

in die Entwicklung, Zubereitung,

Kühlung und Verpackung der genuss fertigen

Köstlichkeiten gesteckt, Anja und Sohn Gordon

den kaufmännischen Sachverstand und

den Sinn für die Inszenierung eingebracht.

Ob bayerisches Menü in rotweiß karierten

Versandkartons oder ganze Weihnachts- und

Firmenfeiern, die mit Eventcharakter online


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PROFIL

FOTOS: CATERINGHAUS

FOTO: MARCO BÜHL

Starkes Team: Johann Schaumberg, Gordon Schaumberg, Anja Böning-Schaumberg und Frank Schaumberg (v.l.)

stattfanden: Die Mitarbeiter*innen im Homeoffice

konnten mit Anleitung aus der Schaumbergʼschen

Küche per Livestream ihre Vanillesoße

selbst zubereiten. Die Idee wurde weit

über die Region hinaus bis hin nach Kopenhagen

zum Renner und sicherte zudem den

16 Mitarbeiter*innen in Rittmarshausen in

schwierigen Zeiten ihren Arbeitsplatz.

Die Erfolgsgeschichte gemeinsam weiterzuschreiben,

das ist der Plan. „Wir sind ein

starkes Team“, sagt Gordon Schaumberg.

Und sein Bruder Johann fügt hinzu: „Stärker

zusammen – das wussten wir schon immer,

jetzt erst recht.“

GORDON SCHAUMBERG, 26, schob zwischen

Studium und geplantem Auslandsaufenthalt

in Taiwan eine Ausbildung als

Kaufmann für Büromanagement ein, die er inzwischen

erfolgreich abgeschlossen hat. Er ist

fit und bereit für die kaufmännische Leitung

des Unternehmens, auch wenn er erst sein

Studium abschließen will und bis dahin seine

Mutter unterstützt.

JOHANN, 24, wollte schon immer Koch werden.

Nach der Ausbildung im Göttinger Apex,

die er mit Auszeichnung abschloss, führte ihn

sein Weg in das Zwei-Sterne-Gourmetrestaurant

Söl’ring Hof nach Sylt, in dem ein ehemaliger

Azubi der Schaumbergs inzwischen als

Patron den Kochlöffel schwingt. „Jan-Philipp

Berner ist total kochverrückt, und ich habe unglaublich

viel gelernt“, so Johann Schaumberg.

Wie immer schon geplant, zog es Johann in

das Familienunternehmen zurück, allerdings

etwas früher als gedacht, denn die nächste

Generation der Schaumbergs, die mit seinem

kleinen Sohn Karl nun Einzug hält, beflügelte

die Rückkehr in die Heimat.

„WIR LIEBEN, WAS WIR TUN“, da sind sich

die vier Schaumbergs einig. Die Leidenschaft

für das Kochen, die hohe Professionalität und

die Fähigkeit, den perfekten Rahmen für Gastfreundschaft

und menschliche Begegnun gen

zu schaffen, nehmen sie immer wieder auch

als Herausforderung an, neue Wege und

kreative Lösungen zu suchen und zu finden.

Das gilt für alle Kunden und alle Veranstaltungen,

die sie betreuen: „Egal, ob für den

Bundespräsidenten oder die Großmutter bei

uns in Rittmarshausen um die Ecke, die kurzerhand

Essen für ihr Enkelkind möchte – wir

kochen wirklich für jeden gern“, sagt Anja

Böning-Schaumberg. Das sind sie, die

Schaumbergs.

TEXT: SVEN GRÜNEWALD

KONTAKT

Cateringhaus Göttingen Böning-Schaumberg

In der Klappe 3

37130 Gleichen OT Rittmarshausen

Tel. 05508 9998 60

info@cateringhaus-goettingen.de

www.schaumbergs.de

www.cateringhaus-goettingen.de


mensch

Dem Himmel so nah

Rund um den Globus findet die vielschichtige Kunst des

Göttingers Fintan Whelan zahlreiche Abnehmer.

Mit seinen Werken taucht er ein in die Farben seiner

irischen Heimat und bringt die Welt zum Leuchten.

TEXT STEFANIE WASKE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

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H

LESEZEIT: 8 MINUTEN

ineinsinken, sich vertiefen ins Blau der Bilder. Eintauchen

in glatte Flächen, in denen sich der Himmel zu spiegeln

scheint. Doch lauern auch graue Strudel, schwarzblaue

Untiefen, die einen hinabziehen können in einen

raumlosen Ort. Und plötzlich, ja abrupt, endet das Blau

mit einer scharfen Kante. Ab hier ist alles weiß, so rein,

ohne jeglichen Makel. Die Welten des Malers Fintan

Whelan bieten Ausflüge ins Unbekannte. Mag ihr Blau

auch die Farbe des Himmels, des Meeres und der Ferne

sein – sie sind etwas anderes. Haben ihre eigenen Geheimnisse.

Die bewahrt der Maler sorgsam bedacht vor zu vielen

neugierigen Blicken. Auch, wenn sich die Tür seines Ateliers

in einer der schmalen Gassen Adelebsens öffnet.

Mit gastfreundlichem Lächeln bittet er hinein, an einem

schwülen und heißen Samstagnachmittag. Gewährt Einblick,

wo diese ungewöhnlichen Bilder mit ihren Marmorierungen,

Schlieren, Strudeln auf weißen Flächen

entstehen.

Das Fachwerkhaus von 1910 ist nicht sein neuer

Wohnsitz oder gar ein Sommerhaus zum Vergnügen. „Es

ist ein Haus für Kunst“, erzählt Fintan Whelan wenige

Schritte nach dem Eintreten in den schmalen langen Flur.

Mit seiner Frau Gabi und den zwei Töchtern wohnt er

weiterhin im 20 Minuten entfernten Göttingen.


mensch

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mensch

Deep Falls Above

Symphony Of Nature

Der 1967 in Dublin geborene Maler schlägt eine

Hausführung vor. Bald zeigt sich, was er meint: Die kleinen

Räume links und rechts des Flurs sind keine Wohnoder

Schlafräume – sondern Magazine. Dort lehnt sich

Keilrahmen an Keilrahmen, einige sind so groß wie ein

Mann, andere handlich auf Armlänge, wieder andere

rund wie eine Scheibe. Von manchen ist nur die cremefarbene

Rückseite der Leinwand zu sehen. Ein wenig

von ihren Farben lässt sich erhaschen, vom Blau, Violett-

Rot und Grau.

„PLATZ IST MIR WICHTIG“, sagt Whelan und steigt mit

raschen Schritten die Treppe zum Obergeschoss hinauf.

Das sei der Grund gewesen, das Atelier vor ein paar Jahren

von Göttingen nach Adelebsen zu verlegen und das

Haus zu kaufen. Auch das Obergeschoss mit seinen

schmalen Zimmern dient nun seiner gegenstandslosen,

abstrakten Kunst, beherbergt Holzlatten für Rahmen

und Verpackungsmaterial. Selbst unter dem Dach in

brütender Hitze wartet Material auf seinen Einsatz.

Zurück im Erdgeschoss bleiben noch drei Räume, darunter

die Küche. Durch einen schmalen Türrahmen öffnet

sich der erste Atelierraum. Auf einem großen Tisch in

der Raummitte liegt eine dicke, gepolsterte graue Tischdecke.

Unter dem Tisch stehen wohlgeordnet Werkzeuge

wie Spachtel, Pinsel und Lasuren. „Das ist der Packraum“,

erklärt der Künstler. Hier werden die Bilder für

den Transport in alle Welt vorbereitet. Teils, weil Sammler

sie im Internet gesehen und selbst in Australien bestellt

haben – bei seiner Agentur finden sich je nach Größe

Bilder von 300 bis hin zu 12.000 Euro. Teils, weil sie

für Ausstellungen und Kunstmessen auf Reisen gehen.

Fintan Whelan hat bereits in vielen Ländern ausgestellt,

vorwiegend in Irland, Großbritannien und Deutschland.

In wenigen Wochen geht es wieder nach Los Angeles.

Alles hat Whelan geordnet wie in einer Manufaktur,

jeder Raum hat seine Aufgabe – vom Dachboden bis zur

Terrasse. Auch seine Frau hilft mit, spannt Leinwände,

fotografiert die fertigen Werke für die sozialen Medien.

Einzig der kniehohe Hund Cachi mit schwarz-weiß ge-

94 3 | 2022


mensch

locktem Fell hält sich nicht an Regeln. Vielleicht liegt es

an seinem Straßenleben im spanischen Sevilla noch vor

zwei Jahren. So vertreibt er denn die Stille rund um das

Haus im Garten mit seinem kräftigen Bellen. Whelan

verrät, dass der Rüde ab und an seinen Kopf auf die

Leinwand am Boden legt. Und er muss dann zum Pinsel

greifen und all die Flecken wieder ausbessern. Doch

auch ohne Cachis Schnauzenabdruck erhalten die kleinen

Formate im Packraum eine letzte aufwendige Korrektur,

berichtet der Mittfünfziger: Jeden noch so kleinen

Farbspritzer auf den weißen Flächen der Bilder tilgt

Whelan mit einem feinen Pinsel.

DOCH WIE ENTSTEHEN DIESE AUSSERGEWÖHNLICHEN

Bilder? Wie kommt die Farbe auf die Leinwand, wie entstehen

die wirbelnden Farben, die mit ihrer Leuchtkraft

manchmal gar an Seidenstoffe erinnern? Das mag der

Künstler nicht zeigen, nicht verraten. Zu viele wollten

seine Technik imitieren, ihn erreichten regelmäßig Anfragen

in diese Richtung. Auch Malkurse lehne er deshalb

regelmäßig ab. Was daher im zweiten, hinteren Atelierraum

geschieht, wissen einzig Eingeweihte, der

Künstler und seine Frau. Der fremde Betrachter fühlt

sich daher wie in einem Rätsel angekommen, inmitten

eines lang gezogenen Raums mit großen Fenstern mit

Blick auf die Burg Adelebsen.

Auf dem Fußboden liegt eine große Kunststoffplane

ausgebreitet, auf der schon einige blaue, schwarze und

türkise Farbflecken zu sehen sind. Eine fast zwei mal

zwei Meter große weiß grundierte Leinwand liegt darauf.

Vier niedrige Füße erheben sie wenige Zentimeter vom

Boden. Whelan muss dort hinunter, um mit seiner Arbeit

zu beginnen. Tag für Tag, in der Regel immer an der

Kante mit Blick auf die Tür zur Terrasse. So wirkt er

sportlich in seinem dunkelblauen Poloshirt. Auf einem

kleinen Tischchen stehen einige Pigmente, darunter für

Kobaltblau, ein sattes Himmel blau. Whelan gesteht, er

sei „wie verliebt in diese Farben“. Neben Blau sind die

Erdtöne, Orange und Rot.

EIN WENIG ZUR TECHNIK VERRÄT ER schließlich doch:

Wichtig für die Leuchtkraft sei die Grundierung, die er

mit einer Malerrolle auf die Leinwand bringt. Sie wird

quasi versiegelt, sodass sich die später aufgebrachten

Farben nicht mit dem Weiß mischen. Jeder, der einmal

einen Tuschkasten hatte, ahnt warum: Farben mit

3 |2022 95


mensch

» Meine Sprache ist wie Musik –

sie ist aus Licht, Farbe, Textur. «

Viele Bilder verweilen daher in einem Zwischenstadium,

hängen an den Atelierwänden, damit Whelan sie betrachten

kann, oftmals gar eine halbe Stunde – um herauszufinden,

wie er die Komposition verbessern kann.

Seine Kunst sei daher keine schnelle Kunst. Nicht immer

taucht er dabei in die Stille hinab. Auf dem Fensterbrett

im Atelier liegen stapelweise CDs. Gerade ist es

eine Mischung von Irish Folk, Marianne Faithfull, Leonard

Cohen oder Tom Waits. Viele wollten seine Kunst

verstehen, sagt Whelan und klingt ein wenig unzufrieden.

Eine einfache Beschreibung, eine Übersetzung, würde

das Geheimnis der Bilder zerstören. „Meine Sprache

ist wie Musik – sie ist aus Licht, Farbe, Textur.“ Auf

diese müsse sich der Betrachtende einlassen.

Weiß gemischt werden heller, pastelliger, matter. Das

wäre der Leuchtkraft der Farben daher abträglich.

Zweifellos werden die Pigmente mit verschiedenen

Flüssigkeiten, Emulsionen aufgelöst. Zu Beginn gleicht

jedes Bild einem kurzen Experiment, so Whelan, wenn

die Farbe auf die Fläche trifft. Dann aber greift er ein,

bewegt die Leinwand hin und her, gestaltet. „Viel Konzentration

ist nötig“, sagt der Künstler. Bei den riesigen

Formaten nutzt er eine Montageplattform, die wie ein

ungefähr auf zwei Meter verlängerter Tritt aus Metall

aussieht. Auf einem der Fotos seiner Webseite lässt sich

erahnen, wie Whelan mit dieser arbeitet: Er liegt mit

dem Bauch auf der Plattform und tupft mit einem Tuch

überschüssige Farbe von der Bildmitte auf.

VIER BIS FÜNF FARBEN KOMMEN SCHICHT für Schicht

hinzu. Während eine trocknet, widmet sich der Künstler

anderen Werken. Was auch sinnvoll sei, entstehen sie

doch oftmals in Serien, wie aktuell zu sehen im Palazzo

Bembo während der Biennale di Venezia. Dort hängen

acht Leinwände von zwei mal anderthalb Metern, alle in

Blau-Türkis-Tönen in der Ausstellung. In ihnen stecken

ein halbes Jahr Arbeit, verrät Whelan. 15 bis 16 Bilder

hätten es hingegen nicht nach Italien geschafft.

Ob er auch einige Werke nicht abschließe, aufgebe?

Whelan bejaht, schließlich müsse er mit dem Bild zufrieden

sein – da mache er keine Kompromisse. Keines gelänge

aus seiner Sicht komplett, immer sei es mehr eine Annäherung

an die Perfektion. Verzweifeln lasse ihn das

nicht. „Ich sage mir, das nächste Mal wird es besser.“

DER WEG ZU DIESEM GANZ EIGENEN künstlerischen

Ausdruck begann vor über zwanzig Jahren in Spanien.

Nach seinem Kunststudium in Dublin arbeitete Whelan

ein paar Jahre in einem Verlag. Mit der Zeit fühlte sich

das für ihn immer mehr nach Enge, Routine an. Er zog

ins spanische Granada, mietete ein altes Haus in den

Bergen in einem Ort mit 500 Einwohnern und begann

wieder zu malen. Das Licht, die Stille und der Platz hätten

ihm den Neuanfang ermöglicht. Nach sechs Jahren

habe er dann seine erste Einzelausstellung in Spanien

gezeigt. Vielleicht spielte auch die Liebe eine Rolle: Mit

Gabi, die es als Biologin bei der Max-Planck-Gesellschaft

zunächst nach Hannover, 2006 dann nach Göttingen

verschlug, beschloss er, eine Familie zu gründen.

Dieser und der Kunst gehören seitdem sein Leben.

Was sich im Laufe der Jahre gewandelt habe in seinen

Bildern? Whelan überlegt. Er konzentriere sich auf wenige

Farben, früher seien seine Werke bunter gewesen. Aktuell

sind sie fast nur blau, grau, violett und sandfarben,

teils finden sich silberne Details. Die Bilder tragen Namen

wie ,Zirkel der Gefühle‘, ,Himmelsfigurationen‘

oder ,reisendes Licht‘. Er würde seinen Stil als organisch

beschreiben, mit Wachstum und Bewegung.

UND WARUM GERADE DAS BLAU wie das Wasser? Das

lasse ihn an seine Heimat denken, sagt Whelan und

lächelt: „Es erinnert mich an meine Kindheit in Irland,

wo der Himmel ständig wechselte.“ Dazu komme Wasser

nach dem Regen, wenn alles nass sei. Nicht nur das

Meer habe dieses tiefe Blau. In der kommenden Woche

werde er all dieses nach zwei Jahren Pandemie wiedersehen.

Blau kann schließlich auch die Farbe der Ferne

und der Sehnsucht sein. ƒ

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mensch

Ton in Ton Fintan Whelan auf der Palazzo Bembo während der Biennale in Venedig – ein echter Ritterschlag für einen Künstler, dabei zu sein.

Aktuelle Ausstellung in Göttingen

Im Dezember ist Fintan Whelan in einer Einzelausstellung

in Göttingen zu sehen. Vom 9. bis 11. Dezember werden

seine Bilder im Holbornschen Haus, Rote Straße 34,

gezeigt. Eröffnung ist am 9.12. um 18 Uhr.

Mehr zu Fintan Whelan

fintanwhelan.com

instagram.com/fintan_whelan

3 |2022 97


mensch

Fit an der Platte

Lukas Bank ist ein begnadeter Koch. Er tischt

Prominenten auf und kredenzt in den besten

Restaurants der Welt. Nun betreibt der

Eichsfelder die Eventkitchen – und bringt damit

hochklassige Gastronomie nach Göttingen.

TEXT RUPERT FABIG

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

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mensch

3 |2022 99


mensch

Wahrscheinlichkeit noch nie auch nur annähernd so gut

bekocht wurde. Keine Übertreibung, für die an dieser

Stelle Gelder geflossen sind. Bank ist schlicht ein genialer

Kochkünstler, einer der besten, die Deutschland zu bieten

hat. Zugeben würde er das selbst niemals. Dafür ist

er viel zu zurückhaltend.

„Am Ende des Abends überglückliche

Gäste zu haben, macht süchtig.“

LESEZEIT: 8 MINUTEN

Wer sich zufällig in die Eventkitchen

by Lukas Bank an der

Kurzen Straße in Göttingen

verirrt, wird auf einen sympathischen,

wenngleich – er mag

es verzeihen – auch durchaus

etwas unscheinbaren Mann

treffen. Auf „Lukas aus Kirchgandern“, wie er sich

selbst freundlich vorstellt. 32 Jahre, gepflegtes Äußeres,

wache Augen hinter der Brille, angenehmer Eichsfelder

Akzent.

Wer mit Lukas Bank ins Gespräch kommt, dürfte

schon hellhöriger werden und den Eindruck erhalten,

dass hier ein Koch am Werk ist, der sein Handwerk beherrscht.

Vor allem aber beherrscht er die Kunst des

Understatements.

Denn wer sich schließlich von Bank bekochen lässt,

wird unweigerlich feststellen, dass er soeben mit hoher

ABER ERSTMAL KURZ DURCHATMEN, die Köstlichkeiten

verdauen und die Zutaten aufzählen, die die Eventkitchen

zum Genusstempel machen.

Also: Es war einmal der kleine Lukas, der Pilot werden

wollte, aber „zu schlecht in der Schule war“. Da seinem

Vater aufgefallen war, dass sich der Sohn ständig in der

Küche herumtreibt, legte er ihm ein Praktikum in der

Hölle für lukullische Genüsse nahe: in der Kantine einer

Jugendherberge. Bank hielt stand. Mehr noch, es gefiel

ihm, weswegen ein Praktikum im Friedländer Landhaus

Biewald folgte. Hier wiederum muss der heranwachsende

Lukas erstmals Eindruck hinterlassen haben, denn

ihm wurde unmittelbar eine Ausbildung angeboten. „Da

bin ich erstmals mit dem Fine Dining in Kontakt gekommen“,

erzählt Bank. Und anschließend schaute er bis

heute nie wieder in den Rückspiegel – außer vielleicht in

den seiner heißgeliebten Motocross-Maschine, aber das

ist eine andere Geschichte.

Von hier an nimmt sein Berufsleben einen rasanten

Verlauf. Bank „rutscht in die Sterne-Schiene“, wie er

sagt. Er kocht in Kitzbühel bei Simon Taxacher im

zweitbesten Restaurant des Landes, im Sissi-Schloss in

Salzburg, einigen der Topadressen Deutschlands, kommt

in Kontakt mit Prominenten, für die er als Privatkoch

auftischt. Beispiele gefällig? Zu seinen Fans zählen

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard, Oligarch Roman

Abramowitsch und Fußballweltmeister Mario Götze,

dessen Hochzeitsmenü Bank zauberte. Auch gut betuchte

Unternehmer buchen den bodenständigen Eichsfelder

regelmäßig. Wer ein bisschen recherchiert, wird herausfinden,

dass sich damit erstaunliche Tagessätze erzielen

lassen. Doch darum geht es Bank nicht primär. Seine

Motivation: „Am Ende des Abends überglückliche Gäste

zu haben, macht süchtig.“

Dabei ist er sich stets treu geblieben. Setzt Profit nie

vor Professionalität, verfiel, durchaus branchenunüblich,

nicht dem Alkohol, was seine sportliche Statur belegt,

und verließ einst auch ein Spitzenrestaurant, „weil ich

den Umgangston für unangebracht hielt“.

DER ZEIT ALS PRIVATKOCH ging unter anderem noch

ein Aufenthalt in Vancouver voraus – muss man erwähnen,

dass es in einem der besten Restaurants Kanadas

war? –, bevor Bank spontan nach Sydney ging. „Eigentlich

wollte ich denen in Australien was zeigen – stattdes-

100 3 | 2022


mensch

sen habe ich praktisch das Kochen dort nochmal neu

erlernt“, erzählt der 32-Jährige. „Wir kochen in Deutschland

viel zu kompliziert, dabei gibt es so viele einfache

Gerichte und Restaurantkonzepte. Verglichen damit

sind wir totale Hinterwäldler.“

Das Neuerlernen, den richtigen Mix aus allen Einflüssen

zu finden, endet bei Bank nie. „Ich schaue regelmäßig

bei Kollegen über die Schulter, um fit an der Platte

zu bleiben.“ Momentan fokussiert er sich darauf, seine

Skills bei asiatischem Essen – also echtem, nicht dem

hierzulande häufig servierten China-Fresstempel-Menü

– zu schleifen. „Geile Ramen und eine authentische Pho

fallen nicht vom Himmel“, sagt Bank. Er wird Monate

daran arbeiten. Und er liebt das. Die Herausforderung.

Wenn ein Gast beispielsweise ein marokkanisches Menü

wünscht. „Ihm dann ein besonderes Erlebnis rüberzubringen,

macht wirklich Spaß.“

WAS BANK, DER SEINEN STIL ALS „jung, wild und modern“

bezeichnet, selbst nicht mag, kommt ihm nicht auf

den Teller. Stichwörter: Sahne, Mayo, Frittiertes – „das

Einmaleins des schlechten Kochens“. Als eine Art ,Signature

Dish‘ hat sich derzeit das sardische Hartweizengericht

Fregola Sarda etabliert, Wagyu-Fleisch verarbeitet

er ebenfalls mit Vorliebe. Er kocht stets mit möglichst

vielen regionalen und vor allem extrem frischen Zutaten

– wie den Kirschtomaten aus seinem eigenen Garten.

Fisch beispielsweise bezieht der Gourmet – persönliche

Lieblingsspeise: Sushi – vom Feinkosthändler Costa

Nova, der den Fang zunächst auf Wurmbefall röntgt

und anschließend bei minus 72 Grad Cel sius schockfrostet.

Frisch blieb auch Bank trotz aller Reisestrapazen als

Privatkoch. Doch die Familie zog ihn vor einiger Zeit

zurück in die alte Heimat nach Kirchgandern. Das hat

nicht nur den Vorteil, dass sein inzwischen einjähriger

Sohn Aaron feinste Speisen mit in den Kindergarten

nimmt und Bank am heimischen Herd „Schadensbegrenzung“

betreiben kann, sondern auch, dass Göttingen

um eine kulinarische Attraktion reicher ist. Privatkoch

ist er nebenher noch immer. Der Fokus liegt auf der

Eventkitchen.

Ein Vorgeschmack auf die Eventkitchen – von flambiertem Sockey Lachs (l.)

über geschmorte Ochsenbacke (o.) bis hin zum Schokoladenparfait in

Banks persönlicher ,Black Forrest Edition‘ (u.) mit Ganage, Biskuit,

Kirschgel und -sorbet, serviert in Stonehead-Figuren aus dem 3D-Drucker.

GEMEINSAM MIT EINEM HERSTELLER von hochwertigen

Holztischen und seiner Mutter – die mit home by

ASA passenderweise ein Geschäft für Küchenkeramik

und -porzellan betreibt – teilt sich Lukas Bank seit November

vergangenen Jahres die Räumlichkeiten in der

Göttinger Innenstadt und den Kundenkreis. Die Zielgruppe

ist vielfältig. Vorstandsfeiern von Unternehmen,

private Ehrentage, Kunden, die für ihr Geschmackserlebnis

nicht extra nach Kopenhagen fliegen möchten.

3 |2022 101


mensch

Essen als Event Im ungewöhlichen Ambiente der Eventkitchen von Lukas Bank stehen die Gäste wahlweise selbst mit am Herd,

können sich aber vom Spitzenkoch auch einfach nur verwöhnen lassen.

Überwiegend und am liebsten kocht Bank einfach nur

selbst für seine Gäste, achtet penibel auf Sauberkeit, die

kunstvolle Anrichtung der Gerichte und Wahl der Teller.

Andere Möglichkeit: In einem Kochkurs light, bei dem

rund 70 Prozent der Speisen vorbereitet sind, können

sich die Teilnehmer selbst beteiligen. Zudem werden

auch klassische Kochkurse angeboten, in denen man alles

von der Pike auf lernt.

AB ACHT PERSONEN und 120 Euro pro Kopf ist man

im Rennen. Geboten werden mindestens drei Gänge, ein

Apéro, Brot mit Dips, die Getränke gibt es inklusive. Die

Auswahl des Menüs wird individuell mit jedem, der zumeist

offenen und kultivierten Kunden ein bis zwei Wochen

vorab besprochen. Wer möchte, erhält ein herausragendes

Schokoladenparfait, die ,Schwarzwald-Edition‘,

mit Ganage, Biskuit, Kirschgel und -sorbet serviert in

Stonehead-Figuren aus dem 3D-Drucker. Besonders

häufig werde die sogenannte gefakte Ananas gewünscht.

Das Dessert ist so ziemlich das Einzige, das nur vorgetäuscht

ist in Banks Küche. Einen Stern könnte er vermutlich

spielerisch erkochen. „Aber einerseits fehlt mir

dafür der Service in meinem Privatrestaurant, andererseits

ist das nicht mein Ziel“, sagt Bank. „Ich möchte

mir nicht den Druck machen, sondern so frei kochen,

wie ich Lust habe.“ Eine Lust, die zu spüren ist und die

durchaus süchtig macht. ƒ

EVENTKITCHEN by Lukas Bank

Kurze Straße 2

37073 Göttingen

Tel. 0175 7849374

lukasbankchef@gmail.com

professionalcooking-lb.com

102 3 | 2022


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FOTOS: LICHTBLICK

Firmengebäude in Heilbad Heiligenstadt

Geschäftsführer: Markus Liese, Steven Hartmann

Sonnenschutz von Lichtblick

Die Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH hat ihr neues Firmengebäude bezogen. Das Heiligenstädter Unternehmen baut

damit die heimische Produktion von Sicht- und Sonnenschutzsystemen aus und stärkt seine Präsenz in Südniedersachsen.

Sein Unternehmen hatte Markus Liese

2010 in Thalwenden gegründet. Zunächst

lag der Fokus auf dem reinen

Onlinehandel mit Sicht- und Sonnenschutzsystemen

verschiedener Hersteller, doch 2013

kam mit Lichtblick-Original auch die erste eigene

Marke hinzu, unter der Rollos, Plissees,

Vorhänge und Fensterfolien vermarktet wurden.

„Schon meine Eltern haben 1978 begonnen,

Sonnenschutzprodukte zu fertigen“, sagt

Liese. „Von daher habe ich inzwischen über

40 Jahre Erfahrung mit dem Thema.“ Diese

Erfahrungen flossen auch in die eigenen Produkte

ein.

MIT LICHTBLICK-ORIGINAL haben wir den

Grundstein für unsere Sonnenschutzprodukte

gelegt. Diese Submarke ist gedacht, um

hochwertige und zeitlose Produkte für möglichst

viele Typen von Wohnungen, Fenstern

und Anforderungen zu ermöglichen.

Und weil es im Sonnenschutz nicht das

eine Produkt gibt, das für alle passt, haben wir

mit zunehmender Erfahrung unterschiedliche

Submarken entwickelt, die vom klassischen

Rollo bis zum maßgeschneiderten Sonnenschutzsystem

für den professionellen Einsatz

alle Bedürfnisse abdecken.

MIT LICHTBLICK-KREATIV kam 2015 eine weitere

Marke hinzu. Bei Lichtblick-Kreativ kann der

Kunde die Rollos, Plissees oder Fenster folien

bedrucken lassen, sei es mit eigenen Motiven

wie dem Firmenlogo oder mit einer der 1.200

verschiedenen Grafiken aus unserem Angebot.

„Wir bedrucken und bauen dann den gewünschten

Sonnenschutz bei uns im Haus“, so Liese.

Zuletzt wurde die Marke LICHTBLICK-OBJEKT

ins Leben gerufen. „Da sind wir im direkten

Kundengeschäft unterwegs, denn hier nehmen

Beratung und Service eine viel wichtigere

Rolle ein“, so Liese. „Wir fahren mit Mustern

zu den Kunden raus, sei es auf die Baustelle,

zum Privathaus oder in die Geschäftsstelle,

und machen vor Ort das Aufmaß. Wir übernehmen

ebenfalls die Montage.“ Es sind nicht

nur Privatkunden, sondern auch viele Unternehmen,

die Lichtblick ausstattet, vom Fitnessstudio

über die Arztpraxis bis zum Hotel.

Durch den Neubau direkt an der A38 existiert

nun die Möglichkeit, im Innenbereich

einem Ausstellungsraum und auf dem Außengelände

einen großen Showroom zu installieren,

in denen sich Kunden verschiedene

Lösungen anschauen können. Bisher bedient

Lichtblick mit seinen zwanzig Mitarbeitern

schon bis in den Göttinger Raum hinein Kunden

– doch hier wollen Markus Liese und Steven

Hartmann, zweiter Geschäftsführer des

Unternehmens, künftig noch präsenter werden.

DER NEUBAU BIETET auch den nötigen

Raum, weiter zu wachsen: „An unserem alten

Standort waren die Kapazitäten begrenzt, und

wir haben einen großen Teil unserer Produktion

an Lieferanten ausgelagert“, so Markus Liese.

„Jetzt können wir unsere eigene Produktion

entsprechend erweitern.“ Auch die Themen

Nachhaltigkeit und Smart Home in Kombination

mit Sicht- und Sonnenschutz wird Lichtblick

künftig stärker berücksichtigen, da die

Kundennachfrage in diese Richtung geht.

KONTAKT

Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH

Dr.-Gerhard-Müller-Str. 2

37308 Heilbad Heiligenstadt

Tel. 03606 502 33-0

info@lichtblick-net.de

lichtblick-net.de


PROFIL

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FOTOS: OTTOBOCK

Tradition trifft Moderne Das in Duderstadt verwurzelte Familienunternehmen Ottobock gestaltet zukunftsweisende Produkte weltweit.

Innovationen für mehr Lebensqualität

Seit über 100 Jahren setzt Ottobock mit innovativen Produkten Standards – und sorgt mit der

Erschließung neuer Geschäftsfelder für spannende Jobperspektiven.

Als das Unternehmen 1919 von Otto

Bock in Berlin gegründet wurde,

handel te es sich aus heutiger Sicht

um ein waschechtes Start-up. Diesen Spirit

hat sich Ottobock erhalten – und entwickelt

heute mit mehr als 9.000 Mitarbeitenden

in fast 60 Ländern biomechanische und orthopädische

Hochtechnologie ganz nah am

Menschen. Von der bionischen Handprothese

bis hin zum mikroprozessorgesteuerten

Kniegelenk: Die Produkte von Ottobock verschieben

Grenzen des Machbaren und helfen

Menschen, ihre Bewegungsfreiheit zu bewahren

oder zurückzugewinnen.

Die Zukunft im Blick

Neben den Produktbereichen Prothetik, Orthetik

und Rollstühle forscht Ottobock seit 2012

auch an innovativen Lösungen, um Arbeitsplätze

in Industrie, Logistik und Handwerk ergonomischer

zu gestalten. Ziel von ‚Ottobock Bionic

Exoskeletons‘ ist, Menschen mit körperlich anspruchsvollen

Tätigkeiten, wie beispielsweise

Überkopfarbeit, zu entlasten und gesündere

Arbeitsbedingungen zu schaffen. Der Bereich

bietet eine breite Palette von Exoskeletten und

Lösungen zur Unterstützung unterschiedlicher

Körperpartien wie Rücken, Schulter, Arme,

Handgelenke oder Finger.

„Fachkräftemangel und eine alternde Belegschaft

führen zu einem erhöhten Bedarf an

Lösungen, die es Menschen ermöglichen,

ihrer Arbeit gesundheitsschonend und langfristig

nachzugehen. Auch die zunehmende

Bedeutung von Arbeitssicherheit und ein Bewusstsein

für Folgekosten tragen zum dynamischen

Wachstum des Marktes bei“, sagt

Dr. Sönke Rössing, CEO von Ottobock Bionic

Exoskeletons.

2021 erweiterte Ottobock mit dem ‚Exopulse

Mollii Suit‘ auch im Bereich NeuroMobility

sein Portfolio. Der Neuromodulationsanzug

löst verkrampfte Muskeln, die oft Folgen

spastischer Lähmungen und anderer neurologischer

Bewegungsstörungen sind, mit

elektrischen Impulsen. So kann zum Beispiel

die Studentin Louisa, die an MS erkrankt ist

und seit dem 25. Lebensjahr auf Rollstuhl und

Rollator angewiesen war, wieder unbeschwert

gehen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Der Mut, neue Wege zu gehen, ist ein ebenso

wichtiger Wachstumstreiber wie die Menschen,

die mit ihren Ideen und ihrem Engagement

hinter unseren Produkten und Dienstleistungen

stehen: Sie halten die Ottobock­ Welt mit

Erfindergeist und Spielfreude in Bewegung.

Daraus ergeben sich vielfältige Jobperspektiven

und internationale Entwicklungsfelder,

die im Team stets erweitert und ausgebaut

werden sollen.

KONTAKT

Ottobock SE & Co. KGaA

Max-Näder-Str. 15

37115 Duderstadt

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Die letzte Meile

Felix Dossmann hat mit Grünfuchs Logistik in Göttingen eine Lösung für die Paketzustellung bis zur

Haustür entwickelt – und leistet damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den zunehmenden

Lieferverkehr. Ein Konzept, das als Franchise bereits in weiteren Städten ankommt.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

LESEZEIT: 5 MINUTEN

Der Logistik-Stau passiert vor der Haustür:

Wenn sich hier den Tag über die verschiedenen

Paketdiensttransporter die Klinke in die

Hand geben, wird das Problem ersichtlich.

Noch schwieriger ist die Situation in der Fußgängerzone,

die eigentlich nur in einem kleinen Zeitfenster von Lieferwagen

befahren werden darf – ein Fenster, das aber

bei Weitem nicht mehr ausreicht.

Es ist das Problem der ,letzten Meile‘ – ein Fachbegriff

aus der Logistik, der den Verkehrs- und Organisationsaufwand

beschreibt, der im Lieferverkehr auf dem Weg

vom lokalen Distributionszentrum bis zur Anlieferung

anfällt. Hier entstehen zudem die meisten Fahrt- und

Personalkosten. Nach Lösungen für die letzte Meile

wird schon lange gesucht – derjenige, der eine davon

gefunden hat, heißt Felix Dossmann. Seine 2022 gegründete

Grünfuchs Logistik GmbH ist seit diesem Sommer

unterwegs – und das für alle Kunden sichtbar.

DOSSMANN BLICKT AUF reichhaltige Unternehmensund

Gründungserfahrung zurück. Der gebürtige Iserlohner

bekam das quasi mit in die Wiege gelegt: Sein Vater

hatte bereits eine Softwarefirma im Bereich Druck und

Verpackung gegründet, in der Felix Dossmann schon

früh mitgearbeitet hat. „Ich hatte mir allerdings geschworen,

selbst nie Unternehmer zu werden“, erzählt

Dossmann und lacht herzlich auf. Dass es doch anders

kam, passierte nebenbei.

Während des Studiums in Göttingen arbeitete er am

Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl und bekam darüber einen

Praktikumsplatz bei Bertelsmann. Dort war Dossmann unter

anderem für New Media Development bei einem Bertelsmann-Start-up

zuständig und wurde dafür als Chief

Technical Officer nach New York geschickt. „Ich war damals

22. Das war alles sehr spannend, aber ich habe mich

dann doch dagegen entschieden, bei dem Start-up zu bleiben.

Ich wollte mich lieber selbstständig machen.“

106 3 | 2022


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3 |2022 107


mensch

Daraus resultierte die Gründung der DFF Solutions,

die das Ziel verfolgte, das Papier im Auslieferungsprozess

abzuschaffen. Die Idee zündete und hatte Erfolg,

große Kunden wie die Metro und zahlreiche große Lebensmitteldiscounter

nutzten das System – bis heute.

„Aus Göttingen heraus wurden wir der Marktführer im

Lebensmittelbereich für dieses System“, erklärt Dossmann.

Am Ende hatte die Firma rund 40 Mitarbeiter.

„Doch die Konzepte kamen weiterhin nur von mir.“ Es

war absehbar, dass es mit einem deutlich professionelleren

Personalmanagement weitergehen musste – also entweder

mit einem Partner oder mit einer veränderten

Rolle für ihn selbst. „Ich habe damals festgestellt, dass

ich in großen Unternehmen einfach nicht so gut funktioniere,

und habe deswegen die Firma verkauft.“ Er blieb

noch einige Zeit danach als Director of Operations im

Unternehmen, verließ es aber 2018 endgültig – mit einem

Wettbewerbsverbot in der Logistik für die kommenden

zwei Jahre.

„Ich durfte zwar nicht in der Logistik tätig sein, aber

Gedanken über entsprechende Konzepte durfte ich mir

natürlich machen“, erzählt Dossmann. Zunächst begleitete

er als Berater andere Unternehmen unter anderem

bei der Prozessdigitalisierung und -analyse, bis er 2021

zusammen mit einer Geschäftspartnerin die boldly GmbH

gründete – ein Unternehmen, das gezielt Start-ups scoutet,

fördert und in sie investiert. Den Namen hatte sich

Star-Trek-Fan Dossmann vom Leitspruch der Serie geliehen:

to boldly go, where no one has gone before – mutig

dorthin zu gehen, wo noch niemand zuvor war.

DAS STECKENPFERD LOGISTIK hat Dossmann allerdings

nicht losgelassen. „Man muss nur aus dem Fenster

gucken und sieht jeden Tag die ganzen Paketdienste vorfahren.

Zwei Jahre habe ich letztlich an der Idee getüftelt,

wie man diesen ganzen Aufwand reduzieren kann.“

Er stimmte sich mit ProCity ab, ein interfraktioneller

Ratsantrag ebnete den Weg. Herausgekommen ist der

Grün fuchs, der inzwischen im Gewerbegebiet von Elliehausen

direkt an der A7 seine erste Sortieranlage für Pakete

in Betrieb genommen hat: den SmartCity Microhub.

Die Idee ist von simpler Eleganz: Im Idealfall liefern

alle großen Paketdienste – DHL, dpd, Hermes etc. – die

Sendungen an das Verteillager des Grünfuchs. Dort werden

die Pakete entsprechend sortiert, am Ende in kleine

Lastenräder eingeladen und dann ausgeliefert. Im Ergebnis

reduziert sich der Gesamtaufwand für die Paketzustellung

erheblich: Derzeit beträgt die tägliche Fahrstrecke

der Paketdienste durchschnittlich 3.500 Kilometer –

allein in Göttingen.

Durch den Grünfuchs-Ansatz kann diese Wegstrecke

um bis zu 67 Prozent reduziert werden, die Fahrzeit pro

Ausliefertour halbiert sich und damit verringert sich auch

die Größe der benötigten Zustellflotte. Daraus resultieren

Konditionen, die es für Paketdienste attraktiv machen,

für die letzte Meile auf Grünfuchs zurückzugreifen. Entsprechend

laufen derzeit viele Gespräche. Dossmann geht

derzeit davon aus, dass der Göttinger im Stadtgebiet ab

Herbst eine deutliche Reduktion der Zustellfahrzeuge sehen

wird – und die grün-weißen Lastenräder dafür sichtbar

in Erscheinung treten werden.

108 3 | 2022


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mensch

» Wir sind letztlich so etwas wie ein mobiler Paketshop. «

NOCH EINE WEITERE DIENSTLEISTUNG wird Grünfuchs

anbieten, die von keinem der Paketdienstleister in

dieser Form angeboten werden kann: Same day oder

Next day delivery für den Einzelhandel der Stadt –

Grünfuchs wird zum Abhol- und Lieferdienst für den

lokalen Handel. Im Advent 2021 wurde das Prinzip

schon in Kooperation mit dem Innenstadt-Einzelhandel

angeboten und hat damit beim Kunden für Erstaunen

gesorgt. In der Innenstadt an der Johanniskirche ist eine

erste Annahmestelle für Pakete eröffnet worden. Der

Kunde kann seine Einkäufe hier abgeben, die ihm später

zugestellt werden – oder er lässt die Waren vom Geschäft

selbst über den Grünfuchs nach Hause liefern.

Zudem wird der Grünfuchs auch Retouren und Pakete

entgegennehmen. „Wir sind letztlich so etwas wie ein

mobiler Paketshop“, sagt Felix Dossmann.

Und noch ein Angebot für den lokalen Einzelhandel

schwebt dem Unternehmer vor. Die Halle in Elliehausen

ist 5.500 Quadratmeter groß, nur ein winziger Teil, etwa

250 Quadratmeter, werden für die Sortieranlage für die

Pakete benötigt. „Einzelhändler brauchen verständlicherweise

ein Lager, aber muss das bei denen im Gebäude ein

ganzes Stockwerk einnehmen? Kleinere Händler könnten

ihre Flächen besser nutzen, indem sie das Lager auslagern

und trotzdem am selben Tag lieferfähig bleiben.“ Konkret

kann beim Schuhhändler ein Modell anprobiert werden,

wird jedoch eine andere Farbe gewünscht, liefert der

Grünfuchs das entsprechende Modell in der richtigen

Größe. Auch für Händler, die neu in den Onlinehandel

einsteigen wollen, wäre das eine Option.

IM HERZEN DES GESCHÄFTSMODELLS schlägt neben

einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur und den logistischen

wie ökologischen Vorteilen noch ein sozialer: Bei

seinem Personal will Dossmann gezielt Menschen gewinnen,

„die beruflich nicht so viel Glück hatten und

denen wir eine Chance bieten können“, denn das Radfahren

benötigt keine großen Qualifizierungen. Die Einbindung

in die Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse

soll für jeden Mitarbeiter genauso gelten wie

Weiterentwicklungsmöglichkeiten. „Wer sich bei uns

langfristig verpflichtet, kann eine Qualifikation als Anlagentechniker,

Fahrradmechaniker bis hin zum Lkw-

Fahrer durchlaufen.“

Und weil die Räder ohnehin den ganzen Tag in der

gesamten Stadt unterwegs sind, eignen sie sich auch als

mobile Plattform für die Umweltdatengewinnung: Es

werden unter anderem Lärm, Luftqualität sowie Erschütterungen

und damit Informationen über Straßenschäden

registriert und der Stadt zur Verfügung gestellt.

DER GRÜNFUCHS-ANSATZ soll dabei nicht auf Göttingen

beschränkt bleiben, sondern als Franchise-System

auch andernorts verfügbar werden. Das Interesse für

das deutschlandweite Letzte-Meile-Problem ist da: In

Magdeburg und Leipzig wird das Konzept bereits eingesetzt.

ƒ

Warum Grünfuchs?

Der Grünfuchs ist eine Figur, die Felix

Dossmann mit seinen Töchtern für ihr selbst

entwickeltes Spiel ,Pampomime‘ erfunden

haben. Weil der Fuchs als schlaues Tier gilt und

die Farbe Grün Ressourcenschonung und lokale

Lieferanten symbolisieren soll, schlug eine Mitgesellschafterin

Dossmanns das Tier dann als

Logo und Namengeber für das neue Unternehmen

vor, weil er auch gut für intelligente Nachhaltigkeit

stehen kann. Von dem Ansatz überzeugt,

gaben auch Dossmanns Töchter ihr O.K.

Der logistische Albtraum Paketzustellung

In einer mittelgroßen deutschen Stadt werden

pro Tag rund 15.000 Pakete von verschiedenen

Zustellern gleichzeitig ausgeliefert. Dabei werden

etwa 3.500 Kilometer verfahren, 140 Fahrzeuge

sind dafür im Einsatz. 8.000 Stopps für die

Paketzustellung werden eingelegt. 1,86 Pakete

werden pro Stopp ausgeliefert, ein Lieferfahrzeug

fasst rund 130 Pakete, das ergibt 70 Stopps

pro Tour, eine Tour dauert sieben Stunden.

Was der Grünfuchs leisten kann: Bei einer gebündelten

Zustellung von 15.000 Paketen pro

Tag sind es vier Pakete pro Stopp, damit 3.800

Stopps und 1.600 verfahrene Kilometer.

110 3 | 2022


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Neubauprojekte Weserstraße 51 a und Friedrich-Ebert-Straße 58–60

Neubau, Sanierung, Geschäftszahlen:

Volksheimstätte eG bleibt ihrem Erfolg treu

Vertreterversammlung am 27.06.2022

Die Genossenschaftsvertreter wurden vom

Vorstand und Aufsichtsrat der Volksheimstätte

umfassend über das Geschäftsjahr 2021 informiert.

Sie entlasteten einstimmig den Vorstand

und den Aufsichtsrat, und Annegret Engelhard,

Rainer Bolli und Stefan Buddenbohm

wurden im Aufsichtsrat erneut bestätigt.

Mit einem Jahresüberschuss in Höhe von

2,7 Millionen Euro und einem Anstieg der Bilanzsumme

von 92,8 Millionen Euro im Jahr

2020 auf 97,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr

2021 legte die Volksheimstätte erneut

das beste Ergebnis in ihrer Unternehmensgeschichte

vor. „Auch die erneut beschlossene

Vier-Prozent-Verzinsung auf die ersten bis

dritten Genossenschaftsanteile belegt unsere

stabile Geschäftsentwicklung“, so Vorstandsmitglied

Thorsten May anlässlich der Vertreterversammlung.

Neubauprojekt Weserstraße 51 a

auf dem Leineberg

Auf dem Göttinger Leineberg errichtet die

Wohnungsbaugenossenschaft ein Mehrfamilienhaus

mit 18 modernen Zweizimmerwohnungen

auf vier Etagen. Nach dem Abriss der

Garagen auf dem Baugrundstück im Februar

2022 konnte direkt mit den Erdarbeiten für

das Fundament begonnen werden. Aktuell

liegen die Bauarbeiten voll im Zeitplan. Lieferengpässe

wurden nicht verzeichnet, der

planmäßigen Fertigstellung des Gebäudes im

Frühjahr 2023 dürfte nichts entgegenstehen.

Großsanierung Friedrich-Ebert-Straße

in Weende

Seit April 2022 laufen die Arbeiten zur Großsanierung

in den Häusern 58–60. Neue Balkone,

neue Gebäudehülle, neue Heizung, neue

Kanäle und Versorgungs stränge bedeuten für

die dort lebenden Mieter der Volksheimstätte

eine Herausforderung der besonderen Art.

Da auch in den Wohnungen selbst durch Badund

Kücheneinbau kein Stein auf dem anderen

bleibt, sorgt die Genossenschaft dafür,

dass die Mieter auf Wunsch für die anstrengendste

Zeit der Sanierung in Ferienwohnungen

untergebracht werden. „Die Belastungen

der Mieter durch die Kernsanierung sind sehr

hoch. Doch alle ziehen mit, und dafür sind wir

sehr dankbar!“, sagt Heike Klankwarth, Vorstandsvorsitzende

der Volksheimstätte, und

kommentiert damit die aktuelle Situation auf

der Weender Großbaustelle.

KONTAKT

Volksheimstätte eG

Wohnungsbaugenossenschaft

Kasseler Landstraße 89

37081 Göttingen

Tel. 0551 37077-0

vh@volksheimstaette.de

volksheimstaette.de


leben

Das Biest

Der Unternehmer und überzeugte Fan erneuerbarer Energien

Ingo Stephan testet den neuesten Hybrid-Ferrari.

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

114 3 |2022


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leben

LESEZEIT: 6 MINUTEN

Für Ferrari war es eine Premiere, als

sie Anfang des Jahres einen Sechszylinder

in eines ihrer Autos verpflanzt

haben. Und während die

eingefleischten Ti fosi – also Ferrari-Fans

– wahlweise einen Rosenkranz

beten oder ihren Acht- bis

Zwölfzylinder streicheln, haben die

Auto- und Motorenbauer aus dem

Süden Italiens direkt noch einen Elektromotor dazugesteckt.

Das Ergebnis heißt Ferrari 296 GTB, ist ein waschechter

Hybrid – und ein echter Ferrari? Diese Frage

soll heute Ingo Stephan für faktor beantworten. Der

Geschäftsführer von 1Komma5° Göttingen, einem Kompetenzzentrum

für Gebäudetechnik auf der Göttinger

Siekhöhe, setzt seit Jahren auf Strom und die Energiewende.

Mit Erfolg. Wer sonst sollte also Ferraris ersten

V6-Elektro flitzer testen?

Bereits der Weg zum Autohaus in Hannover – die

Moll Sportwagen Hannover GmbH, einer der wenigen

Ferrari-Händler in Deutschland – läuft stilecht ab, denn

wir reisen von Göttingen mit Stephans Elektro-Audi in

die Landeshauptstadt. Bei einer kurzen Ladepause auf

halber Strecke sprechen wir über Idealismus im Handwerk,

den Wunsch, die Welt zu retten, und den Traum

jedes Jungen, einmal Ferrari zu fahren. Alle diese Dinge,

da ist sich Ingo Stephan sicher, werden uns irgendwann

gelingen. Zumindest Letzteres – die Fahrt im Ferrari – ist

nur noch ein paar Kilometer entfernt.

FOTOVOLTAIK, WÄRMEPUMPEN, ELEKTROMOBILITÄT.

Stephan und die 1Komma5° GmbH reiten das Thema

der Zeit. Die Auftragsbücher sind voll, das Unternehmen,

ehemals Bode & Stephan, wächst. Anfang des Jahres

kam der Namenswechsel, hinter dem so viel mehr steckt.

„Wir sind jetzt Teil der Holding und damit sehr viel

schlagkräftiger“, sagt der Gründer. Wir sind auf der A7

in Richtung Hannover, den E-Audi fährt Stephan jetzt

seit rund drei Jahren. Aus Überzeugung. „Und weil ich

weiß, dass Elektroautos die besseren Autos sind.“ Durch

den Namenswechsel werde auch deutlich, wie viel Idealismus

in allem steckt, was er, sein Geschäftspartner

Alexander Pape und die rund 80 Mitarbeitenden so vorhaben.

Es braucht die Energiewende, das haben die vergangenen

Monate gezeigt. Von Göttingen aus bringt

1Komma5° diesen Change in die privaten Haushalte.

„Wir arbeiten derzeit an 20 Objekten gleichzeitig“, sagt

Stephan. Strom vom Dach, Wärme aus der Erde, Energie

für das Auto. Was so einfach klingt, füllt bei vielen

Handwerksbetrieben aktuell die Auftrags bücher über

Monate und Jahre.

Doch bei aller Sinnhaftigkeit, aller Vernunft und allen

Wünschen für eine nachhaltige Zukunft: Mobilität ist

auch Leidenschaft. Das wird spätestens klar, als der

E-Audi das große Ferrari-Logo in Hannover passiert

und eine Steckdose sucht. Unser Auto für den Tag, ein

tiefschwarzer Ferrari 296 GTB (*Verbrauchswerte siehe

Kasten Seite 118), wartet bereits unter der hoch stehenden

Sonne. Erstmals hat Ferrari hier einen Sechszylindermotor

gebaut. Normalerweise setzen die Sportwagen

auf acht Zylinder oder in großen GT-Modellen

sogar auf zwölf Zylinder. Das ist nicht nur eine Entscheidung

der Ingenieure, sondern auch eine Haltung,

die sich bei den Fans bis ins Mark verankert hat. Mit

dem Mini-Motor beginnen diese zu zweifeln, zu fragen:

Ist das überhaupt noch ein Ferrari?

Die Antwort ist einfacher, als es sich der Purist vielleicht

wünscht: ja, der Ferrari 296 GTB. Denn gemeinsam

mit dem Elektromotor krallen sich 830 PS über die

Hinterachse in den Asphalt. Aufgrund der speziellen

Bauweise klingt der Sechszylinder auch größer, als er eigentlich

ist. Fast doppelt so groß, wünschen sich zumindest

die Ingenieure – und haben am Ende recht. Das

macht unterm Strich mächtig Dampf, wie ein wilder

Tiger beißt und brüllt es hinter dem Fahrersitz.

MIT VORSICHT UND RESPEKT traut sich der rechte Fuß

von Ingo Stephan heran, die Bestie zu zähmen. „Es

braucht nur einen kleinen Tipper“, sagt der Unternehmer

mit weit aufgerissenen Augen begeistert. Dann

schaltet die Automatik wie bestellt um drei Gänge herunter,

das ganze Auto meldet: Ich bin bereit. Lass uns

loslegen. Und genau das passiert dann auch. Das blaue

Autobahnschild salutiert und gibt die Spur frei.

Der GTB ist ein kompakter und leichter Sportwagen,

das Leergewicht von 1,4 Tonnen lässt die 830 PS schnell

hinter sich. Auch ab 300 kennt der Ferrari nur eine Richtung.

Nach 2,9 Sekunden war die 100 geknackt. „Mit

Autofahren hat das wenig zu tun“, resümiert Stephan

nach der ersten Stunde. „Das ist ein Biest.“ Aber ein wunderschönes.

„Und sicher fühlt es sich auch an. Die Straßenlage

ist brachial.“ Die Angst, einen Fehler zu machen,

nimmt zumindest das Wissen um die dicke Bremsanlage,

mit Scheiben so groß wie bei anderen Autos die Räder.

Fast 400.000 Euro kostet dieses hybride Abenteuer aus

Maranello. Wartezeit: rund anderthalb Jahre.

Mittlerweile parkt der Edelsportwagen vor der

1Komma5°-Firmenzentrale in Göttingen. Mitarbeiter

kommen aus dem Gebäude, machen Fotos, freuen sich:

„Endlich ist der neue Dienstwagen da.“ Ein Ferrari ist

kein Auto. Ein Ferrari ist eine Erscheinung, ein Ereignis.

Ein Abenteuer.

116 3 | 2022


leben

»Mit Autofahren hat das wenig zu tun, das ist ein Biest.«

3 |2022 117


leben

Bevor wir wieder losgefahren sind, führt Ingo Stephan

noch durch sein Büro. Oder besser: seinen Probe raum.

Denn neben dem Schreibtisch steht ein komplettes Schlagzeug.

„Ja, wir haben eine Band, und manchmal proben

wir hier“, sagt Stephan eher zurückhaltend. „Letze Woche,

da hatten wir aber einen Auftritt hier im Foyer, für

Freunde und Kollegen.“ Seine Frau singt, Kumpels besetzen

Bass und Gitarre. Gespielt wird, was gefällt und

wem es gefällt. Dazu Bier, Brause und Fleisch vom Grill.

Der GTB ist beinahe wie so ein Konzert. Ein bisschen

drüber, unerwartet – aber mit Bier und Brause.

„Es braucht ein Umdenken“, sagt Stephan zurück am

Steuer und meint die Haltung der Menschen zum Thema

Energie. Strom kommt in Zukunft nicht einfach aus der

Steckdose, ist nicht mehr binär: an, aus. Die Energieversorgung

der Zukunft ist schlau, ist vernetzt und kommuniziert

mit dem Verbraucher. „Das kann sie schon jetzt“,

sagt der Göttinger Unternehmer.

Intelligente Systeme erkennen Zeiten, in denen mehr

Strom gebraucht als produziert wird – oder andersherum

– und leitet zwischengespeicherte Energie wie in einem

Netzwerk hin und her. Von Haus zu Haus, Stadt zu

Stadt oder Land zu Land. „Nur so kann es funktionieren.

Smart.“

Dann klappt es auch mit der Elektromobilität: schnelles

Laden, intelligentes Reisen. Die erneute Pause auf der

A7 bietet Entschleunigung und Zeit, um weiteren Gedanken

nachzugehen. Zum Beispiel darüber, was ein

Ferrari mit Elektromotor in den Köpfen und Herzen der

Menschen macht, die ernsthaft an die Elektromobilität

glauben. Und mit denen, die sie verspotten. „Ich denke

schon, dass das auffällt. Aber mit gerade einmal 25 Kilometern

elektrischer Reichweite muss man den Ferrari als

Elektroauto nicht ernst nehmen“, sagt Ingo Stephan. Es

zeige aber auch, dass selbst Sportwagenhersteller die

Vorteile in der Elektromobilität erkennen. Auch, wenn

diese andere Schwerpunkte setzen.

ES IST WAHR, sagt der 54-Jährige, dass die ersten guten

Elektroautos eher etwas für den erweiterten Geldbeutel

sind. „Aber das war immer schon so mit neuer Technologie.“

Für die überzeugten E-Mobilität-Gegner ist diese

Aussage aber wohl genauso polarisierend, wie sie für

die eingefleischten Ferrari-Fans ernüchternd ist. „Der

Mensch ist eben ein Gewohnheitstier“, sagt Stephan und

zieht damit sein heutiges Fazit zurück in Hannover. Es

brauche erst einen Kick wie 830 PS auf der Hinterachse

oder die nächste Nebenkostenabrechnung, um wirklich

inspiriert zu werden und etwas ändern zu wollen. Gut

also, dass es dann in jedem Fall eine Lösung gibt: etwas

Fotovoltaik aufs Dach oder einen Ferrari in der Garage.

Zumindest Letzteres sei für Ingo Stephan aktuell allerdings

keine Option. Doch wer weiß – vielleicht irgendwann

einmal ... Auch die Kollegen würden den neuen

Dienstwagen sicher mehr als begrüßen. Bis dahin bleibt es

aber das, was es sein soll: ein automobiler Traum. ƒ

Zum Auto

Modell:

Motor:

Leistung:

Höchstgeschwindigkeit:

Beschleunigung:

*Verbrauch (kombiniert)

Kraftstoff:

Strom:

CO 2 -Emissionen

(kombiniert):

Listenpreis:

Zur Person

Ferrari 296 GTB

Hybrid, V6 Turbo,

Elektromotor

Verbrenner 663 PS,

Elektromotor 167 PS,

kombiniert 830 PS

>330 km/h

3,3 sek. von 0 auf 100 km/h

7,4 l/100 km

13,8 kWh/100 km

169 g/km

Baujahr: 1968

Geburtsort:

Ausbildung:

Aktuelle Stelle:

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(Wolfsburg), dann Zivildienst

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Audi E-Tron

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Ferrari 296 GTB? Dann schauen Sie

Unternehmer Ingo Stephan doch bei

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118 3 | 2022


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Werte für die Ewigkeit

Das Gemeinwohl in der Region fördern – das hat sich die Sparkasse Göttingen zum Ziel gesetzt.

Auf dem Stiftungsportal Südniedersachsen können sich potenzielle Stifter und Interessierte informieren

und gemeinsam Gutes tun.

TEXT STEFAN LIEBIG ILLUSTRATIONEN STOCK.ADOBE.COM/ ANNETT SEIDLER

LESEZEIT: 3 MINUTEN

Der Blick ins Weltgeschehen lässt einen in

die sen Tagen immer wieder verzweifeln: Kriege,

Gewalt, Naturkatastrophen, Klimawandel …

Viele wollen dabei helfen, einen kleinen oder auch einen

größeren Beitrag zu einer etwas besseren Zukunft beizusteuern.

Das kann zum einen durch Spenden realisiert

werden oder aber sogar durch die Gründung einer eigenen

Stiftung. Beides ist nicht ganz einfach. Denn wer

spenden möchte, weiß nicht sofort, wem er sein Geld

anvertrauen sollte, um es möglichst den eigenen Absichten

entsprechend zielführend einzusetzen. Und wer eine

Stiftung gründen möchte, muss sich erst einmal mit den

entsprechenden Gesetzen und Rahmenbedingungen vertraut

machen und anschließend Unterstützer finden.

„An dieser Stelle setzt der Servicegedanke des Stiftungsportals

Südniedersachsen an“, sagt Thomas Häntzsch,

geprüfter Generationenberater und zertifizierter Financial

Consultant der Sparkassen-Finanzgruppe. Als langjähriger

Mitarbeiter der Sparkasse Göttingen kümmert

er sich – integriert in der Abteilung Private Banking –

beispielsweise um die Beratung von Unternehmern, die

eine Familien- oder Unternehmensstiftung einrichten

möchten. Erste Informationen über Vorsorgeregelungen,

die Gestaltung eines Testaments oder über Nachlassabwicklung

und Testamentsvollstreckung gibt es auf

dem Portal. Alles Weitere kann dann in einem persönlichen

Gespräch vertieft werden. Mit einer ganzheitlichen

Heran gehensweise berät Häntzsch die Interessenten.

120 3 | 2022


leben

Er spricht – wenn erforderlich oder empfehlenswert –

auch mit deren Rechtsbeiständen oder Steuerberatern.

So kann er die sinnvollste Umsetzung für das beabsichtigte

gesellschaftliche Engagement herausfiltern: „Wichtig

ist, dass es dabei gar nicht unbedingt um eine große

Geldsumme gehen muss – oft reicht schon ein kleinerer

Betrag aus, um eine Stiftung zu gründen oder eine Zustiftung

zu veranlassen.“

FÜR ALLE, die sich vor der eigenen Entscheidung zunächst

über bereits aktive Organisationen informieren

möchten, gibt es auf dem Stiftungsportal Südniedersachsen

ein Register mit Kurzpräsentationen und Ansprechpartnern

von über 30 aktiven regionalen Stiftungen. „In

Gesprächen stelle ich oft fest, dass den Menschen in der

Region viele Stiftungen kaum bekannt sind“, erzählt

Häntzsch. „Dabei sind es neben den großen und bekannten

Stiftungen von Vereinen wie dem ASC Göttingen

oder der Heinz-Sielmann-Stiftung gerade die vielen

kleinen und jungen Stiftungen, die für die Aufrechterhaltung

ihres Engagements auch auf Zustiftungen oder

Spenden angewiesen sind.“ Das Stiftungsportal Südniedersachsen

setzt genau da an und hilft, kleinere Stiftungen

besser sichtbar zu machen und sie mit potenziellen

Unterstützern zu vernetzen – wie beispielsweise die

Initia tive HioB/Edelgard-Löffelbein-Stiftung oder die

Stiftung Vielfalt der Kulturen, die neu auf dem Portal

vertreten sind.

Hier gibt es neben dem Register auch einen Überblick

über das, was Stiftungen inhaltlich und rechtlich ausmacht

und voneinander unterscheidet. Zudem sind Infos

über Gesetzesänderungen, Neugründungen und aktuelle

Veranstaltungen der Stiftungen in der Region abrufbar,

Spendenmöglichkeiten werden in vielen Fällen genannt,

und auch alles Wichtige zum Thema Nachlass ist detailliert

und übersichtlich zusammengefasst.

Hier geht's zum Stiftungsportal Südniedersachsen:

www.stiftungsportal-suedniedersachsen.de

Kontakt

Sparkasse Göttingen

Private Banking

Thomas Häntzsch

Tel. 0551 4053028

thomas.haentzsch@spk-goettingen.de

„DEN ANSTOSS FÜR DAS PORTAL lieferte eine Veranstaltung,

auf der der Wunsch geäußert wurde, die regionalen

Stiftungen in Form eines neuen digitalen Angebots

vorzustellen“, erläutert Häntzsch. Denn es sei wirklich

nicht leicht, sich in diesem komplexen Thema zurechtzufinden,

so der erfahrene Berater: Die Zahl der rechtsfähigen

Stiftungen in Deutschland steigt stetig. Allein im

Jahr 2021 entstanden 863 neue Stiftungen, insgesamt

sind es inzwischen über 24.600. Eine Zahl, die eher abschreckt

als einlädt. Was natürlich schade ist, denn letztlich

geht es jeder einzelnen Stiftung darum, zu helfen.

Ohne sie wäre Deutschland nicht nur gesellschaftlich

und finanziell, sondern vor allem auch kulturell ärmer.

Häntzsch resümiert: „Stiftungen geben Impulse, stärken

das Miteinander in unserer Gesellschaft mit ihrer Orientierung

am Gemeinwohl, fördern den gesellschaftlichen

Wandel und nehmen sich Zukunftsfragen an. Sie schaffen

Werte für die Ewigkeit.“ ƒ

3 |2022 121


leben

Die Köpfe öffnen

122 3 | 2022


leben

Der Literaturherbst und das Literarische Zentrum haben eine neue Heimat:

das Literaturhaus Göttingen. faktor trifft die beiden neuen Bewohner und

den privaten Sponsor Joachim Kreuzburg zum Interview. Gemeinsam gehen

Anja Johannsen und Johannes-Peter Herberhold mit dem Sartorius-Chef

und Literaturfan der Frage nach, warum Lesen unser Leben reicher

macht und Häuser eine Seele brauchen.

INTERVIEW ANJA DANISEWITSCH

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Im Mai dieses Jahres öffnet das Literaturhaus Göttingen in der

Nikolaistraße seine schwere alte Holztür, um die Besucher in

seinen frisch sanierten Räumen zu begrüßen. Vor mehr als sechs

Jahren hatte der Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes,

Johannes-Peter Herberhold, die Idee, aus dem damals leer

stehenden Haus einen Dreh- und Angelpunkt der Literatur zu

machen. Die Lage in unmittelbarer Nähe zum Kunstquartier,

die Größe – alles passte.

In Anja Johannsen, Geschäftsführerin des Literarischen

Zentrums Göttingen, fand er eine Mitstreiterin, die sofort

begeistert und mit von der Partie war. 2019 begann die

Planungsphase.Während das Literarische Zentrum ein

ganzjähriges Programm hat, ist der Göttinger Literaturherbst

ein Festival mit rund zwei Wochen vollem Programm an

unterschiedlichen Spielorten. Jetzt sind beide Institutionen

unter einem Dach vereint und können noch enger als bisher

zusammenarbeiten.

Ermöglicht hat dies unter anderem der Sartorius-Vorstandsvorsitzende

Joachim Kreuzburg, der mit Geld aus seiner

eigenen Tasche und Know-How entscheidend dazu beiträgt,

das Literaturhaus mit Leben zu füllen.

3 |2022 123


leben

„Lesen vergrößert die eigene Welt.

Man erlebt dabei Geschichten,

die man sonst eben nicht

erleben würde. Und das empfinde

ich als sehr bereichernd.“

JOACHIM KREUZBURG

Seit einem halben Jahr ist das Literaturhaus nun geöffnet.

Das Literarische Zentrum hat dort erste Veranstaltungen

durchgeführt, der Literaturherbst findet demnächst statt.

Würden Sie sagen, das Haus hat bereits eine Seele?

Johannes-Peter Herberhold: Das Haus hat auf jeden Fall

bereits eine Seele! Mir ist aufgefallen, dass ich an diesem

Haus früher immer vorbeigelaufen bin, all die Jahre. Der

Haupteingang war zugemauert. Die Fenster von innen

verblindet. Man hat es gar nicht wahrgenommen, dieses

Haus. Wenn ich heute dort langgehe, dann denke ich:

Das ist eigentlich ,das‘ Ankerhaus in diesem Straßenzug.

Das wird sich zum schlagenden Herzen des Literaturherbstes

entwickeln.

Anja Johannsen: Die Rede des deutsch-bosnischen Schriftstellers

Saša Stanišić, dem wir bei der Eröffnungsveranstaltung

alle zu Füßen lagen, hatte genau das zum Thema:

Was für eine Seele hat so ein Haus? Oder bildlich

gesprochen: Welche Musik spielt eigentlich in solch

einem Haus? Und überhaupt in Literaturhäusern? Es

ging dabei vor allem um die Vielstimmigkeit der Musik,

die erklingen soll. Ich glaube, das lösen wir jetzt schon

ein. Wenn man dieses Haus betritt, ist gleich klar: Hier

passiert etwas Tolles.

Joachim Kreuzburg: Ich hatte während der gesamten Entstehungsgeschichte

des Umbaus den Eindruck, dass ganz

viele Menschen mit großer Freude mitgemacht haben.

Sie beide natürlich, aber auch alle am Bau Beteiligten.

124 3 | 2022


„Der Haupteingang war

zugemauert. Die Fenster von

innen verblindet. Man hat es gar

nicht wahrgenommen, dieses

Haus. Wenn ich heute dort langgehe,

dann denke ich: Das ist

eigentlich ,das‘ Ankerhaus in

diesem Straßenzug. Das wird sich

zum schlagenden Herzen des

Literaturherbstes entwickeln“.

JOHANNES-PETER HERBERHOLD

leben

„Es ging dabei vor allem um die

Vielstimmigkeit der Musik,

die erklingen soll. Ich glaube,

das lösen wir jetzt schon ein.

Wenn man dieses Haus betritt,

ist gleich klar: Hier passiert

etwas Tolles.“

ANJA JOHANNSEN

3 |2022 125


leben

126 3 | 2022


leben

Ich glaube, man spürt, mit wie viel Herzblut und Hingabe

an diesem Projekt gearbeitet wurde.

Johannsen: Aber es wäre alles gar nicht gegangen ohne

Sie, Herr Kreuzburg. Der Verbindung zwischen Ihnen und

Johannes-Peter Herberhold ist es zu verdanken, dass es

überhaupt zu dieser Kooperation hat kommen können.

Wie kam es denn zu dieser Kooperation?

Kreuzburg: Mit dem neu eröffneten Literaturhaus entstand

eine räumliche Nähe zum Kunsthaus – dem zentralen

Punkt des Göttinger Kunstquartiers –, bei dem Sartorius

großer Unterstützer ist. Dort ermöglichen wir aktuell

freien Eintritt für alle. Das ist ein ganz wichtiger Anreiz,

Menschen dazu zu bewegen, hineinzugehen und die

Kunst zu erleben. Und dann ist Sartorius als Unternehmen

natürlich auch seit vielen Jahren Partner des Literaturherbstes.

Herberhold: Seit 18 Jahren, um genau zu sein.

Kreuzburg: Und das aus großer Überzeugung und mit viel

Begeisterung. Im Falle des Literaturhauses habe ich mich

allerdings privat engagiert.

Wie genau sieht Ihr privates Engagement aus?

Kreuzburg: Ich habe wesentliche Teile des Umbaus aus

eigener Tasche finanziert.

Durch ihre persönliche Unterstützung setzen Sie ein

Zeichen. Welche Rolle spielt Literatur in Ihrem Leben?

Kreuzburg: Ich lese seit frühester Jugend und das sehr

gern und reichlich. Lesen vergrößert die eigene Welt.

Man erlebt dabei Geschichten, die man sonst eben nicht

erleben würde. Und das empfinde ich als sehr bereichernd.

Verbinden Sie mit Ihrem Engagement

irgendwelche Hoffnungen?

Kreuzburg: Hoffnung ... [überlegt] Es ist interessant, dass

Sie das so herum fragen. Ich habe mir die Frage so nie

gestellt. Als mir Herr Herberhold die Idee vorstellte und

fragte, ob ich das Projekt unterstützen möchte, war ich

einfach davon begeistert, und ich bin überzeugt, dass

das Literaturhaus ganz wunderbar funktionieren und

vielen Menschen Freude machen wird.

Man erzählt, Sie waren im Frühjahr 2022 oft morgens

schon um halb sieben auf der Baustelle, um nach dem

Rechten zu sehen?

Kreuzburg: [lacht] Ich war jetzt nicht täglich auf der Baustelle,

aber schon involviert. Vor allem in der Planungsphase,

weil es mir sehr wichtig war, dass wir das Bestmögliche

aus den baulichen Gegebenheiten herausholen

konnten. Die eigentliche Arbeit hat dann aber natürlich

ein kompetentes Kernteam mit ganz hervorragenden

3 |2022 127


leben

Experten geleistet. Die muss man machen lassen und

sollte nicht im Weg herumstehen.

Wie sieht Ihre weitere Teilhabe am Literaturhaus aus?

Johannsen: [lacht] Es gibt da so eine Ecke im Haus, die

könnte die ‚Kreuzburg-Ecke‘ werden. Sie haben immer

wieder gesagt: „Genau da werde ich dann immer sitzen

…, den Arm so lässig auf die Brüstung …“ Ich denke

jedes Mal an Sie, wenn ich an dieser Ecke vorbeigehe.

Kreuzburg: Okay. [lacht] Dann werde ich mich da wohl

tatsächlich ab jetzt hinsetzen.

Ich freue mich einfach auf die kommenden Veranstaltungen

– auf das Programm des Literarischen Zentrums

und des Literaturherbstes. Leider bin ich geschäftlich

viel unterwegs und kann nicht so häufig dabei sein, wie

ich das gern würde. Das habe ich während der Pandemie

tatsächlich genossen: Der Literaturherbst hatte 2020

und 2021 seine Veranstaltungen durchgeführt, bevor der

jeweils nächste Lockdown kam, und gleichzeitig konnte

man nicht viel reisen. Als Folge konnte ich in den letzten

beiden Jahren an mehr Veranstaltungen teilnehmen als

zuvor.

Nach drei Jahren von der Konzeptphase bis zur

Eröffnung ist es nun geschafft. In diesem Jahr wird

der Literaturherbst endlich in den eigenen Räumen

stattfinden. Wie fühlt sich das für Sie an, Herr Herberhold?

Herberhold: Allein das. In seinem eigenen Haus die Pressekonferenz

für diese Veranstaltung machen zu können!

Und dann ist da auch das Festivalbüro. Das heißt, vorn

am Eingang können sich die Leute schon einmal die

Bücher ansehen, die besprochen werden. Sie können

Tickets kaufen. Und wir haben endlich auch ein eigenes

Festivalzentrum, wo das Apex-Team während der Laufzeit

des Literaturherbstes eine Pop-up-Kneipe machen

wird. Das hat sich die Apex-Küchenchefin Jacqueline

Amirfallah schon lange gewünscht. Dort kann man sich

informieren, abends einfach mal vorbeikommen und mit

Künstlern zusammensitzen, eine Kleinigkeit essen und

trinken.

Und das alles unter einem Dach – das Literaturhaus

als Zentrum eines Literaturfestivals. Die Johanniskirche,

das Alte Rathaus, die Paulinerkirche, das Deutschen

Theater – all diese wunderbaren Spielorte, an denen weitere

tolle Lesungen stattfinden werden, sind fußläufig

um uns herum. Ich bin so gespannt auf das, was da entsteht.

Toll.

Johannsen: Das macht so einen Unterschied. Obwohl

wir als Literarisches Zentrum nur eine Straße weitergerückt

sind. Einfach dieser enorme Zugewinn an Sichtbarkeit

und die Tatsache, dass man Laufpublikum haben

kann.

Kreuzburg: Ich glaube, es gibt in Göttingen wahnsinnig

viele Literaturfans. Und Fans sind ja das Beste, was man

sich wünschen kann. Das sind Leute, die nicht nur kommen,

weil sie es ,irgendwie‘ interessant finden, sondern

die wirklich sagen: Das ist mein Ding. Entsprechend ist

die Stimmung, und darauf freue ich mich!

Und natürlich auch darauf, dass es hoffentlich gelingt,

die Dinge in der Innenstadt noch ein bisschen besser

miteinander zu verweben. Der Garten des Kunsthauses

ist ein sehr schöner, fast meditativer Ort. Es wäre sehr

bereichernd, das Literaturhaus mit diesem Garten zu

verbinden.

128 3 | 2022


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leben

Wo Sie gerade das Kunsthaus nochmal ansprechen –

das Projekt wurde im Vorfeld ja immer wieder durchaus heftig

und kontrovers diskutiert. Um das Literaturhaus, das ja

auch zum Kunstquartier gehört, gab es weniger

öffentliche Debatten. Woran lag das?

Kreuzburg: Ein Umbau innerhalb eines Gebäudes ist natürlich

weniger auffällig als ein Neubau. Man bekommt

wirklich erst mit, was darin Neues geschaffen wurde,

wenn die Tore aufgehen.

Herberhold: Die Kritik entzündet sich doch häufig an öffentlichen

Geldern, die dann im Vorfeld meistens zu

knapp geplant worden sind. Wir hatten zwar große Unterstützung

von Oberbürgermeister Köhler und jetzt

auch von Oberbürgermeisterin Broistedt – und überhaupt

hat die Stadt vieles möglich gemacht. Doch wir

hatten Sponsoren, finanzieren das Haus vor allem über

die hereinkommenden Mieten – denn der Saal des Literaturhauses

kann für Feiern, Empfänge oder Konferenzen

angemietet werden – und die Personalstellen gab es

alle vorher schon.

Johannsen: Das bedeutet, es fließt natürlich städtisches

Geld in die Institutionen, aber eben kein Cent mehr als

zuvor. Wer sollte sich also darüber aufregen?

Außer einem radikalen Literaturgegner.

Und die gibt es?

jetzt diskutieren, bestehen nicht erst seit gestern. Heute

sitzen sie bei Markus Lanz, aber vorgestern waren die

im Literaturherbst in Göttingen, weil sie sich vorvorgestern

schon Gedanken über diese Themen gemacht haben.

Kreuzburg: Ich möchte jetzt an sich nicht breit darauf eingehen,

ob und wie weit die Gesellschaft zersplittert oder

sich sogar Fronten bilden. Denn es ist wichtig, die vielen

Beispiele zu sehen, wo das nicht so ist und Menschen

gemeinsam großartige Dinge erreichen. Aber tatsächlich

gibt es viel zu häufig ein unglaubliches Maß an Intoleranz

– und jedes einzelne Mal ist eines zu viel. Wenn Intoleranz

in Ignoranz mündet, dann wäre es noch halbwegs

erträglich. Aber nach meinem Empfinden mündet

es heute in noch viel höherem Maß als noch vor 20 oder

30 Jahren in Gegnerschaft, Anfeindungen und Hass.

Und da kann sich tatsächlich diese Horizonterweiterung

durch Lesen positiv auswirken. Man liest etwas

über den Alltag von Menschen, die ganz anders leben –

dieses teilweise Eintauchen oder sich Auseinandersetzen

kann dazu beitragen, neu und anders auf Dinge zu blicken

und anders damit umzugehen. Insofern würde ich

das schon so sehen, dass in diesen Zeiten Literatur und

auch andere Kunstformen eine immens wichtige Rolle

spielen können.

Ein schönes Schlusswort, danke dafür –

und vielen Dank Ihnen allen für das Gespräch.

Herberhold: Nein, das ist ja das Schöne an der Literatur.

Kreuzburg: Es gibt höchstens Ignoranz.

Ignoranz ist ein passendes Stichwort: Wir haben Krieg. Wir

haben Pandemie. Würden Sie sagen, dass sich

die Aufgabe von Literatur verändert?

Johannsen: Das hat Saša Stanišić in seiner Eröffnungsrede

eigentlich alles schon vorweggenommen. Er hat erklärt,

inwiefern das, was wir so tun, immer notwendiger

wird. Je schlimmer das ist, was viele erleben müssen,

desto wichtiger ist es, dass es Räume gibt, in denen gesprochen,

gesungen und musiziert werden kann. In denen

man sich begegnen kann. Dabei muss jedoch nicht

immer nur Harmonie produziert werden. Es sollte auch

Abende und Tagesveranstaltungen geben, wo man irritiert

oder nachdenklich nach Hause geht. Hauptsache,

es gerät irgendetwas in Bewegung. Meiner Auffassung

nach ist das die Hauptaufgabe von einer Kulturinstitution:

die Köpfe zu öffnen.

Herberhold: Belletristik ist natürlich auch immer ein Spiegel

dessen, was so passiert, gesellschaftlich. Es ist ein

offenes Spielfeld. Wie Herr Kreuzburg vorhin sagte:

Man liest etwas, und es folgt die persönliche Bewusstseinserweiterung.

Für das Literaturhaus kann ich sagen:

Erklär-Literatur gehört bei uns ganz viel dazu, ebenso

wie Sachbücher. Wenn Sie heute im TV anschauen, wer

da alles als Experte oder Expertin auftaucht … Die waren

alle schon einmalbei uns. Denn die Probleme, die sie

Literaturherbst 2022

vom 22.10. – 6.11.2022

Was liegt dieses Jahr an?

Der 31. Göttinger Literaturherbst gibt in diesem Jahr

wieder alles: 71 Veranstaltungen an 28 Spielorten in

16 Tagen.

Was ist neu?

Der Literaturherbst eröffnet im neuen Literaturhaus in

der Nikolaistraße sein eigenes Festivalzentrum, das

während der gesamten Zeit für Besucher geöffnet ist.

Was bleibt?

Bewährt hat sich das ON-AIR-Ticket, mit dem

Literaturinteressierte neben den Live-Veranstaltungen

rund 60 Lesungen im Stream miterleben können.

Das Programm ist wieder mit nationalen und internationalen

Größen der Literaturszene besetzt, vom

Sachbuch über Belletristik bis hin zu Comedy.

Weitere Info unter:

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130 3 | 2022


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150 Jahre Trinkwasser-

versorgung in Göttingen

Trinkwasser ist für den Menschen das wohl wichtigste Lebensmittel. Die Göttinger Stadtwerke feiern

in diesem Jahr den Beginn der städtischen Trinkwasserversorgung vor 150 Jahren.

„Trinkwasser ist unser wichtigstes

Lebensmittel und durch nichts zu

ersetzen. Deshalb hat die Wasserversorgung

als öffentliche Aufgabe

diese immense Bedeutung. Die

Stadtwerke kommen dieser verantwortungsvollen

Daseinsvorsorge

nun schon seit über 150 Jahren

nach. Dafür gebührt ihnen

unser aller Dank, und das ist wirklich

ein guter Grund zu feiern.“

Die Geschichte der Göttinger Trinkwasserversorgung

beginnt vor 150

Jahren. 1872 beschließt der Rat der

Stadt Göttingen den Bau einer Wasserleitung

zwischen der Reinsquelle und den Brunnen in

der Innenstadt. Die Reinsquelle wie auch die

Reinsrinne sind heute zwar nicht mehr in die

städtische Trinkwasserversorgung eingebunden,

stellen aber Relikte der ersten öffentlichen

Wasserversorgung in Göttingen dar.

Fünf Jahre danach beginnt die Verlegung der

ersten Wasser-Hausanschlüsse. 1892 kauft

die Stadt dann das Gelände an der Stegemühle

von der Gemeinde Geismar. Im selben Jahr

wird dort der erste Brunnen in Betrieb genommen.

1899 wird die Wassergewinnung auf

diesem Gelände ausgebaut. Die Springmühle

in Grone geht 1932 in das Eigentum der Stadt

über und wird sieben Jahre später erschlossen.

1948 erleben die Menschen eine erste

Wasserknappheit – nach dem Krieg wächst die

Bevölkerung, sprunghaft entstehen Gewerbeund

Industriebetriebe, und eine anhaltende

Trockenheit lässt den Grundwasserspiegel

bedrohlich absinken. In einem Vierjahresplan

der Stadtverwaltung werden die im Krieg zum

Teil beschädigten Anlagen erneuert, die Maschinen-

und Elektroanlagen ausgetauscht

sowie eine Schnellfilteranlage zur Aufbereitung

des Leinewassers gebaut. Ein Jahr später

schließt die Stadt mit dem Land Niedersachsen

einen Nutzungsvertrag der Rasequelle in

Weende ab.

TROTZ DES STAGNIERENDEN WASSER-

VERBRAUCHS in den 1970er-Jahren kann

der Bedarf der Bevölkerung aus den städtischen

Wassergewinnungsanlagen in Geismar,

Grone und Weende langfristig nicht mehr

gedeckt werden. Nach zahlreichen Untersuchungen

und Anstrengungen, nahe Göttingen

ein neues Wasseraufkommen ausfindig zu

PETRA BROISTEDT

OBERBÜRGERMEISTERIN


PROFIL

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Stadtwerke-Mitarbeitende aus dem Geschäftsbereich Wasserversorgung

machen, beschließt das Land Niedersachsen

schließlich den Anschluss der Stadt an die

Fernversorgung aus dem Harz. 1978 wird das

Abkommen mit den Harzwasserwerken besiegelt.

Ab dem 1. Januar 1980 fließen jährlich

ca. 8 Millionen Kubikmeter Wasser über eine

40 Kilometer lange Leitung aus der Sösetalsperre

bis zur Übernahmestation der Stadtwerke

oberhalb des Weendesprings.

DIE WACHSENDE INDUSTRIALISIERUNG

und weitere Entstehung von Gewerbegebieten

sowie die Belastung der Gewässer durch die

landwirtschaftliche Nutzung haben zunehmend

Anforderungen an den Wasser- und Umweltschutz

für die Wasserförderung aus den

Eigenanlagen zur Folge. Man beschließt die Einrichtung

von Wasserschutzzonen um die Wassergewinnungsanlagen

herum, die verhindern

sollen, dass Rückstände u. a. von Klärschlamm

und Gülle in das Grundwasser gelangen, aus

dem das Trinkwasser gewonnen wird. So entstehen

1985 die Wasserschutz zone um die

Springmühle und fünf Jahre später um die anderen

beiden Gewinnungsgebiete. Der Einfluss

auf die Versorgung der Göttinger Bevölkerung

mit Harzwasser wächst im November 1996, als

das Land Niedersachsen die Harzwasserwerke

an ein Abnehmerkonsortium verkauft, zu

dem fortan mit 6 Prozent auch die Stadtwerke

gehören. Bis heute besteht das Göttinger Trinkwasser

aus einem Anteil von 20 Prozent aus

den Eigengewinnungsanlagen – 60 Prozent

davon kommen aus dem Wasserwerk in Grone,

25 Prozent aus der Stegemühle in Geismar

und 15 Prozent aus der Gewinnungsanlage am

Weendespring. In den Mischstationen im Stadtgebiet

werden Harz- und Eigenwasser über ein

aufwendiges Verfahren miteinander vermischt.

Über ein fast 500 Kilometer langes Leitungsnetz

gelangt das Mischwasser in die Haushalte.

Die Stadtwerke schöpfen die Kapazität der Eigengewinnungsanlagen

nicht aus und könnten

bei Ausfall der Versorgung aus dem Harz die

Stadt für einen begrenzten Zeitraum komplett

mit Eigenwasser versorgen.

Mehr als 600 Proben jährlich aus dem

Wassernetz gewährleisten die hohe Qualität

des Göttinger Trinkwassers. Anfang der

1990er­ Jahre wird am Mühlengraben das erste

Wasserkraftwerk in Betrieb genommen.

DIE MODERNE WASSERVERSORGUNG in

Göttingen hat sich stark gewandelt. Für die

Stadtwerke Göttingen hat die Erhaltung der

hohen Wasserqualität oberste Priorität. Nicht

zuletzt deshalb setzen die Stadtwerke auf viele

Faktoren, um das Trinkwasser umfassend

zu schützen. Wassersparprogramme, die

Ausweisung großflächiger Wasserschutzgebiete

rund um die Brunnenfelder und etwa

ihre beratende Rolle für die Landwirte in der

Kooperation Trinkwasserschutz Obere Leine

sowie ständige Kontrollen der Wasserqualität

sind nur einige Punkte, um dieses Ziel zu erreichen.

Das Göttinger Trinkwasser zeichnet

sich durch seinen hohen Mineralstoffgehalt

sowie einen geringen Anteil an Kalk aus, denn

das Wasser aus dem Harz ist Oberflächenoder

auch Niederschlagswasser und somit

besonders weich. Es entspricht nicht nur allen

gesetzlichen Vorgaben der Deutschen

Trinkwasserverordnung, seine überragende

Qualität hat ihm auch laut eines Artikels in

der Wirtschaftswoche aus 2014, der die Ergebnisse

eines Trinkwassertests des Verbrauchermagazins

Öko-Test in 69 deutschen Städten

zusammenfasst, Platz 1 beschert. Oberbürgermeisterin

Petra Broistedt betont: „Trinkwasser

ist unser wichtigstes Lebensmittel und durch

nichts zu ersetzen. Deshalb hat die Wasserversorgung

als öffentliche Aufgabe diese immense

Bedeutung. Die Stadtwerke kommen

dieser verantwortungsvollen Daseins vorsorge

nun schon seit über 150 Jahren nach. Dafür

gebührt ihnen unser aller Dank, und das ist

wirklich ein guter Grund zu feiern.“

KONTAKT

Stadtwerke Göttingen AG

Hildebrandstraße 1

37081 Göttingen

Tel. 0551 / 301-0

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PROFIL

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FOTO: ASKLEPIOS

Dr. Christian Fricke-Neef

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

Unterstützung in der Stressfalle

Das Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn in Rosdorf hat ein neues dreigliedriges Unterstützungsangebot

entworfen, das sich insbesondere an Selbstständige und Führungskräfte richtet.

Die letzten Jahre und noch einmal verstärkt

die Pandemie haben für Selbstständige

und Führungskräfte einen

Trend beschleunigt: Die Belastung mit Stress

hat deutlich zugenommen. Zum einen sind da

die Beschäftigten aus der Generation Y (die in

den 1980er- bis in die Mitte der 1990er-Jahre

Geborenen), die höhere Ansprüche an die

Arbeitsumgebung stellen, weil für sie die

Work­ Life-Balance eine größere Rolle spielt.

Für Führungskräfte bedeutet das anspruchsvollere

Führungsaufgaben und eine veränderte

Vorbildrolle. Zum anderen haben viele

Arbeitsprozesse durch die Pandemie eine Verdichtung

erfahren. Stress ist die Folge.

„DAS HAT VIELE FÜHRUNGSKRÄFTE an ihre

Grenze gebracht“, sagt Dr. Christian Fricke-Neef,

Ärztlicher Direktor am Asklepios Fachklinikum

Tiefenbrunn in Rosdorf, und beschreibt damit

die Erfahrung, die er bei seinen Patient:innen

gerade auch in der Corona-Zeit gemacht hat.

„Stetig sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen,

Existenzsorgen und wirtschaftliche

Zwänge haben bei Vielen gleichsam das

Fass der noch bewältigbaren Herausforderungen

zum Überlaufen gebracht.“ Hilfreich ist

dabei, dass die Akzeptanz und Entstigmatisierung

von psychotherapeutischer Hilfe heute

bedeutend größer als noch vor zehn oder 20

Jahren ist. „Ich erlebe auch bei Unternehmen

ein Umdenken, sodass sie dahingehend in bewährte

Mitarbeiter investieren.“

ENTSPRECHEND HAT DAS ASKLEPIOS

FACHKLINIKUM sein Angebot in der Privatklinik

deutlich ausgebaut und neu konzipiert. 31

Betten für den stationären Aufenthalt stehen

dort inzwischen zur Verfügung, aber auch eine

teilstationäre Betreuung ist möglich. Hinzu

kommt die Notfallambulanz, über die kurzfristig

erste Gespräche und Unterstützung zu

bekommen sind. „Unser Angebot richtet sich

vor allem an Privatversicherte, die es im Vergleich

zu Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung

noch schwerer haben, überhaupt

einen Therapieplatz zu bekommen“, so

Fricke-Neef.

Mit dem neuen dreigliedrigen Angebot

deckt Asklepios alles von wenigen Sitzungen

über Kurzzeitkriseninterventionen bis zum

längerfristigen vollstationären Aufenthalt ab.

Mit diesem Angebot will sich die Privat klinik

auch insbesondere an die Region richten.

Denn schließlich gebe es eine Reihe von Menschen,

die aufgrund der Familiensituation

eben gerne ein solches Angebot in der Nähe

hätten, so Fricke-Neef.

ZUR VERFÜGUNG STEHT EIN differenziertes

Therapieangebot: von klassischer

Gesprächstherapie bis unter anderem zur

Ergo-Gestaltungstherapie, Musiktherapie oder

physikalischen Therapien. Die Privatklinik

selbst befindet sich idyllisch gelegen in einem

Neubau auf dem historischen Klinikumsgelände

mit weitläufiger Parkanlage und altem

Baumbestand und Bachlauf.

KONTAKT

Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn

Dr. Christian Fricke-Neef

Ärztlicher Direktor

Tel. 0551 5005-210

c.fricke@asklepios.com

www.asklepios.com/tiefenbrunn

TEXT: SVEN GRÜNEWALD


leben

136 3 |2022


leben

Die Erde bebt

Der Ursprung der Geophysik steckt in einem Göttinger Bunker. Seit über 100 Jahren liefert die

Wiechert’sche Erd beben warte am Hainberg exakte Daten, wenn die Welt erschüttert wird.

TEXT & VIDEO CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

3 |2022 137


leben

Schwere Masse, zärtliche Nadel

Mit dieser tonnenschweren Kugel

wurden früher Erdbeben erzeugt. Noch

heute ist sie Teil der Führungen und wird aus

mehreren Metern Höhe fallen gelassen.

Die Bewegung der gigantischen Masse wird über

Hebel so weit vergrößert, dass eine Nadel im

Inneren des Bunkers sich ein paar Millimeter auf

präparierem Rußpapier bewegen kann – und so

winzigste Boden bewegungen aufzeichnet (r.).

Wenn sich die Erde bewegt oder der Wind auf

den Berg drückt, dann sehen sie es als Erste:

Geophysiker in aller Herren Länder betrachten mit

hochsensiblen Instrumenten die Welt.

Dieser besondere Blick fand seine Anfänge vor über

100 Jahren in Göttingen. Noch heute lassen sich die

raffinierten und tonnenschweren Maschinen in der

Wiechert’schen Erdbebenwarte in einem Bunker am

Hainberg bestaunen. Der dazugehörige Verein

kümmert sich um den Erhalt – und rettete vor

17 Jahren diese Erinnerung vor der Zerstörung.

Mit einem seiner Gründer, Wolfgang Brunk,

entdeckt faktor die letzten Geheimnisse,

die der Bunker für sich behält.

LESEZEIT: 6 MINUTEN

Die Erde bebt. Für einen Augenblick,

eine Sekunde, breiten

sich Druckwellen, die für

den Menschen kaum zu spüren

sind, durch den Boden

aus. Vier Tonnen Eisen fielen

gerade aus gut 15 Metern

Höhe auf einen Quadratmeter

Hainberg. Die geschmiedete

Kugel hatte einst Ludger Mintrop bauen und

erstmals fallen lassen, um Erdbeben zu simulieren. Bis

dahin nutzten er und sein Lehrer, Emil Wiechert, dazu

Dynamit. Mehr als 100 Jahre ist es nun her, dass

die ersten Seismografen das Fallen der Kugel aufzeichneten.

Diese Apparaturen, fast 20 Tonnen schwer und augenscheinlich

unverwüstlich, sind zugleich so filigran

konstruiert und sensibel, dass sie auch die winzigsten Bodenbewegungen

registrieren und mittels einer millimetergroßen

Nadel auf ein Stück berußtes Papier zeichnen.

WER SICH DIE MUSEUMSSEISMOGRAFEN ansehen

möchte, muss vier Türen durchlaufen. Der kleine Raum

mit den dicken Wänden ist an den Berghang gebaut. Es

riecht nach Öl, nach Holz, Ruß und Zeitgeschichte.

Das orangenfarbene Licht der Lampen trifft auf dunkle

Holzkästen mit welligen Glasscheiben und grauem

138 3 | 2022


leben

3 |2022 139


leben

» Hier ist viel Übung und Fingerspitzengefühl gefragt.

Mittlerweile kommen sogar Künstler zu uns,

um sich den Prozess anzuschauen. «

Beton. Drei große mannshohe Apparate stehen in dem

engen Zimmer, einer schwerer und wuchtiger als der andere,

gefüllt mit Eisenplatten, Steinen und Zahnrädern.

„Was hier steht, ist schon ziemlich genial“, sagt Wolfgang

Brunk schwärmend. Der Geschäftsführer des Göttinger

Messtechnik-Unternehmens VisiCon ist ehrenamtlicher

Vorsitzender des Vereins, der sich seit Jahren leidenschaftlich

um die Erinnerung der Warte und die angrenzenden

Gebäude, die vier Tonnen schwere Kugel und

den Ursprung der Geophysik kümmert. „Diese riesigen

Gewichte balancieren hier millimetergenau. Wahnsinn“,

sagt Brunk. Das ist tatsächlich beeindruckend, denn viel

bewegt sich hier für das bloße Auge nicht. Eine winzige

Nadel kratzt eine Linie auf ein mit Ruß bedecktes Blatt.

Tag für Tag, seit mehr als 100 Jahren.

DAMIT SIE DAS IMMER NOCH TUT, gibt es seit 2005

den Verein, der Gelände und Einrichtung der Uni zunächst

abgekauft hat und seitdem die Anlagen wie ein

Museum betreibt. 2004 wollte die Uni die historischen

Anlagen abstoßen und die Geräte entsorgen. Noch heute

bebt Brunks Stimme, wenn er davon erzählt. Empört, erschüttert,

wütend waren er und seine Mitstreitenden damals

gewesen. Mit Geduld und Fingerspitzengefühl gelang

es ihnen aber, Anlage und Gelände zu übernehmen.

Seitdem sind über 100.000 Euro in den Betrieb und die

Instandsetzung geflossen. Finanziert ausschließlich aus

Spenden. Im Gegenzug bieten Brunk und seine Mitstreitenden

Führungen an und erklären leidenschaftlich die

Geschichte und Funktion der Menschen und Maschinen,

die an diesem Ort wirkten und wirken.

Denn heute gehört die Wiechert’sche Erdbebenwarte

zu den beliebtesten Ausflugszielen in Göttingen, für viele

jedoch ist dies noch immer ein echter Geheimtipp. Der

Verein bietet Führungen gegen Spenden an, informiert,

erklärt, erinnert. Zackige Linien an den Wänden, aufgezeichnet

auf Papier, zeugen von bemerkenswerten Erdbewegungen

der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Sumatra

2004, Chile 2010, Fukushima 2011. Beben, Tausende

Kilometer entfernt, gemessen und aufgezeichnet

mit hundertjährigen Maschinen in Göttingen. Daneben

gibt es in Göttingen auch einen modernen Seismografen,

der sekündlich Messwerte in die Welt schickt. Anders als

die tonnenschweren Kolosse von Wiechert ist das heutige

Messgerät deutlich kleiner. Auch ihn bekommen Besucher

zu sehen, um zu verstehen, wie sich die Wissenschaft

seit ihrer Geburt in Göttingen vor mehr als einhundert

Jahren ent wickelt hat.

DOCH WER ÜBER ETWAS ERZÄHLEN MÖCHTE, das so

alt ist, muss es auch bewahren können. Mit großem Aufwand

und finanziellen Mitteln kümmert sich der Verein

um den Erhalt der Einrichtungen. Insbesondere aber um

den Betrieb. Denn die drei historischen Messgeräte

140 3 | 2022


leben

Feingefühl gefragt Das Papier muss vorab speziell in Handarbeit berußt werden (o.), damit die Nadel dort anschließend die feinen Bebenlinien

einzeichnen kann. Das Rußpapier hält etwa einen Tag, bis es ,voll‘ beschrieben ist, wird dann speziell lackiert und für die Ewigkeit archiviert (u.).

3 |2022 141


leben

Zur Erdbebenwarte

Die Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen ist die

erste und älteste Erdbebenwarte der Welt, die mit

Seismografen ausgestattet wurde, welche wissenschaftlich

auswertbare Seismogramme lieferten und

noch immer in Funktion sind. Der Ort lebendiger

Wissenschaftsgeschichte erfreut sich seit Jahren

größter Beliebtheit – bei Besuchern aus der Region

und von Übersee.

Jeden ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr findet eine

Führung durch die Gebäude und über das Gelände

statt. Höhepunkt ist der Fall der vier Tonnen schweren

Mintrop-Kugel. Die kostenfreien Führungen dauern in

der Regel 1,5 bis 2 Stunden und sind auch individuell

für Gruppen buchbar.

Um Anmeldung wird gebeten.

zeichnen seit ihrer Inbetriebnahme ununterbrochen

Messdaten auf. Inzwischen zwar auch digital, um laut

Brunk vergleichbare Daten zu haben, aber immer noch

mit feiner Nadel auf einem berußten Stück Papier. Diese

Papierbahnen müssen täglich ausgetauscht und anschließend

aufwendig archiviert werden. Zuvor aber muss in

Handarbeit genau die richtige Menge Ruß auf die Bahnen

aufgebracht werden – und zwar so, dass das Papier

dabei nicht verbrennt. „Hier ist viel Übung und Fingerspitzengefühl

gefragt. Mittlerweile kommen sogar

Künstler zu uns, um sich den Prozess anzuschauen“, sagt

Brunk stolz. Die Technik selbst findet sonst praktisch

nirgendwo mehr Anwendung.

WIE ES MIT DEM VEREIN SELBST WEITERGEHT, ist

mittlerweile wohl die größte Frage am Hainberg. Der

69-Jährige ist einer von noch acht arbeitenden Aktiven,

alle anderen sind mittlerweile Rentner. Nachwuchs gibt

es nicht – dafür hatte sich aber offenbar die Universität

um die vorherige Präsidentin Ulrike Beisiegel wieder für

das Gelände und seine historische Bedeutung interessiert.

„Das kann mit dem nächsten Präsidenten aber auch wieder

anders aussehen“, sagt Brunk und winkt vorsichtig

ab. Bis auf die Erinnerung daran, dass in Göttingen zum

ersten Mal sichtbar wurde, wie die Erde bebt, bleibt

dann nicht mehr viel übrig. Nur das Staunen und das

Erinnern. Und das Beben, wenn beides zusammenkommt.

ƒ

Herzberger Landstraße 180/182

(zwischen ,Rohns‘ und ,Bismarckstein‘)

37075 Göttingen

Tel. 05508 976710

besichtigungen@erdbebenwarte.de

www.erdbebenwarte.de

Einen ganz persönlichen Einblick in die

Welt der Erdbeben gibt Wolfgang Brunk

im faktor-Digital-Video unter:

www.faktor-magazin.de/faktor-video

Übrigens: Mehr über den Geschäftsführer

Wolfgang Brunk und sein Unternehmen VisiCon

lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 46.

142 3 | 2022


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PROFIL PROFIL

Tradition und Moderne

Die HKS Sicherheitsservice GmbH geht mit Anna-Lena Keilholz erfolgreich in die zweite Generation des

Familienunternehmens.

top-familienunternehmen

„Traditionelle Werte wie

Ehrlichkeit und dass

man zu seinen Fehlern

steht – ohne das wären

wir heute nicht dort, wo

wir stehen.“

Anna-Lena Keilholz

E

ine Tradition entwickelt sich, wenn

man unter anderem moralische Werte

von Generation zu Generation weitergibt.

Und wenn diese Werte für das Wachstum

eines Unternehmens mit verantwortlich

sind, umso mehr. Jedoch war der Vater

zweier Töchter und Firmengründer Heiko S.

Keilholz nicht sicher, ob sein 1995 gegründetes

Unternehmen, die HKS Sicherheitsservice

GmbH, tatsächlich in Familienhand

bleiben würde. „Zum Glück stand für meine

ältere Tochter Anna-Lena schon relativ früh

fest, das sie die Firmennachfolge antreten

möchte. Meine andere Tochter Marie-Luise

entschied sich stattdessen für eine Banklaufbahn“,

sagt der Familienvater durchaus

zufrieden. Bis heute ist der 58-Jährige Geschäftsführer

der Unternehmensgruppe HKS,

die durch schne les Wachstum inzwischen

ein umfassendes Angebot rund um Sicherheit

zu bieten hat: Sicherheitsservice, Unternehmensberatung,

Projektmanagement

sowie eine Immobilien- und Verwaltungsgese

lschaft, und 2009 kam durch eine Firmenübernahme

die Technikerfahrung der

Wendler Alarmanlagen GmbH hinzu. Seit

Juli 2017 ist Anna-Lena Keilholz nun Geschäftsführerin

des Firmenzweigs HKS Sicherheitsservice

GmbH.

Im Interview mit Vater und Tochter zeigt

sich schne l, wie gut und umsichtig diese

Entscheidung getro fen wurde. „Im Grunde

bin ich mit dieser Firma aufgewachsen. Ich

war bei der Gründung fünf Jahre alt und

ging am Wochenende mit meinem Vater ins

Büro, um Papiere zu schreddern“, erinnert

sich Anna-Lena Keilholz. Sobald sie vo ljährig

war, arbeitete sie auf Veranstaltungen

und bei Überwachungen mit und verdiente

auf diese Weise während ihres General-

Management-Studiums ihr Geld. Doch allein

mit Ferienjobs war es weder aus ihrer

noch aus der Sicht ihres Vaters getan. Sie

wo lten beide umsichtig die Nachfolge planen

und nicht die Fehler vieler anderer Unternehmer

vor ihnen wiederholen, indem

der Senior nur scheinbar bereit ist, seinen

Stuhl zu räumen. „Mir war es wichtig, dass

Anna-Lena ihren eigenen Weg geht und ich

mich aus ihren Entscheidungen heraushalte“,

so Heiko S. Keilholz. Nicht immer hat es

so reibungslos geklappt, aber Fehler gehören

zum Leben, so sieht man es in diesem

Unternehmen. Aber dann muss eben darüber

gesprochen werden – dies sei ein wesentlicher

Aspekt der Unternehmensführung,

das betont auch die neue Geschäftsführerin:

„Transparenz und Kommunikation

mit den Angestelten und den Kunden

gehören bei uns ganz selbstverständlich

dazu. Traditionele Werte wie Ehrlichkeit

und dass man zu seinen Fehlern steht –

ohne das wären wir heute nicht dort, wo

wir stehen“, sagt Keilholz Junior.

Generationenübergreifende Unternehmensführung:

Anna-Lena und Heiko S. Keilholz

03| 2018 45

Doppelseitiges Profil

Logoplatzierung auf dem ausklappbaren Cover

44 03| 2018

PROFIL

top-familienunternehmen

Wohn- und Lebensqualität

CUBUS GmbH & Co. KG, Unternehmer seit mehr als 40 Jahren erfolgreich im Immobilienmarkt.

D

ie CUBUS Conceptions-, Baubetreuungs-,

Bauträger-Gese lschaft mbH

& Co. KG gehört zu den füh renden

Die schon erbauten Gebäude wurden kürzlich

von der Stadt Göttingen mit der „grünen

Hausnummer“, als besondere Leistung

Unternehmen in der südniedersächsischen

Immobilienbranche. Der Geschäftsführende

Gese lschafter Klaus Schneider

und sein Sohn Claus-Henrik Schneider,

für den Klimaschutz, ausgezeichnet.

Über aktuelle Herausforderungen …

ste lvertretender Geschäftsführer und Prokurist,

geben einen Einblick über ihr Geschäft,

die aktue len Herausforderungen

und die Unternehmensnachfolge.

Es gibt deutschlandweit einen hohen Bedarf

an Wohnraum: Die Menschen wo len

Über CUBUS GmbH & Co. KG …

zurück in die Zentren, kurze Wege zum Arbeitsplatz

und die Angebote einer Großstadt

zu Fuß oder per Fahrrad oder Stadtbus

wahrnehmen können, sodass auch in

,Plateau Grün‘ Passivhaus 2021

Wir bewegen uns mit unseren Firmen seit

mehr als 40 Jahren erfolgreich in strukturstarken

und historisch gewachsenen Immobilienmärkten,

dazu gehören neben

der Stadt Göttingen Wohnungen in vernünftiger

Lage und mit einem adäquaten

Göttingen auch Frankfurt, Düsseldorf, Köln

Baustandard quasi nicht verfügbar sind.

und Bonn. Unsere jahrzehntelange Erfahrung

setzen wir dabei für unsere Käufer

E sind mehr Grundstücke notwendig, und

die Verdichtung von Wohnraum ist gefragt.

Die Kapazitäten im Handwerk aus dieser

immer wieder in ein stress- und risikofreies

Bauen um – Bauen und Kaufen so lte

doch Spaß machen! Außerdem ist es immer

wieder faszinierend, dass unsere Liebe

zur Architektur, gepaart mit Qualität,

Region sind ausgeschöpft, und entsprechend

ist Bauen auf unserem hochwertigen,

energetischen Niveau sehr teuer geworden.

Abgesehen davon, dass der Staat

seinerseits ein großer Preistreiber ist.

Über Zukunft und Strategie …

Kreativität und Know-how unseren Käufern

so ein schönes Domizil beschert. Wir

haben seit 1995 mehr als 300 Eigentumswohnungen

in Göttingen gebaut, mit rund

20.000 Quadratmetern Wohnfläche.

Zunächst wo len wir unsere gewachsene,

stets erfolgreiche Geschäftsphilosophie

Parkwohnungen an den Schi lerwiesen

Über das aktuelle Bauvorhaben …

Ende dieses Jahres schließen wir unser

weiter umsetzen. Dazu zählen ,Lage, Lage,

Lage‘, eine ansprechende besondere Architektur,

hoch attraktive Grundrisse, welche

stets Unikate sein so lten, und eine

über durchschnittliche Bauausstattung bei

jüngstes Projekt ,Plateau Grün‘ Passivhaus

2021 bereits zwei Jahre vor Zielfertigstellungstermin

ab – mit einem Investitionsvolumen

von mehr als 43 Mi lionen Euro.

einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Den lokalen Schwerpunkt wollen

wir weiterhin erhalten, die Stadt so lte

42 03| 2018

A le 135 Wohnungen sind bereits verkauft.

aber weitere Flächen zur Bebauung zur

Verfügung ste len, damit wir den aktue len

Bedarf decken können. Hierzu zählt auch

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Herausgeber

Marco Böhme (V.i.S.d.P.)

(boehme@faktor-magazin.de)

Chefredaktion

Elena Schrader

(schrader@faktor-magazin.de)

Autoren

Anja Danisewitsch, Rupert Fabig, Sven Grünewald,

Kim Henneking, Stefan Liebig, Christian Vogelbein,

Stefanie Waske

Art-Direktion & Layout

Julia Braun

Fotografie

Alciro Theodoro da Silva, Marco Bühl

Lektorat

CoLibris - Lektoratsbüro

Dr. Barbara Welzel

Anzeigen

Nicole Benseler, Alexander Schneider (Leitung Digitalvertrieb)

Geschäftsführender Gesellschafter

Marco Böhme

Auflage

11.000

Druckerei

Silber Druck oHG, Kassel

Redaktions- und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe

ist der 15. November 2022.

Wenn Sie den faktor zukünftig nicht mehr kostenfrei erhalten

möchten, nehmen wir Sie aus dem Verteiler, und Sie bekommen

keine Exemplare mehr. Schicken Sie uns dazu bitte eine Mail an:

info@faktor-magazin.de

Redaktionsbeirat

Dr. Friedemann Baum, Prof. Dr. Uwe Fischer, Rainer Giese,

Fritz Güntzler, Ines Dietze, Dr. Klaus Heinemann,

Jürgen Hollstein, Jürgen Jenauer, Carsten Lohrengel,

Lars Obermann, Thomas Richter, Ulrich G. Büchner,

Mark C. Schneider, Prof. Dr. Matthias Schumann,

Claudia Trepte, Dr. Marko Weinrich, Prof. Dr. Winfried Weber,

Hasso Werk

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Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleich behandlung.

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3 |2022 145


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