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E-PAPER LESEN:


moneyeditorial

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur

FOCUS-MONEY

EDITORIAL

Banger Blick

auf den

Winter

Der Weg durch den Winter 22/23

Gasvorräte in Europa

bis März 2023

in Milliarden Kubikmetern

30 8

95

Okt.

2022

28

März

2023

Quelle: UBS

242

–181

Versorgung

04/23 bis 10/23

Importe

Russland

71

sonstige

Importe

Nachfrage

04/23 bis 10/23

69

Okt.

2023

71 Haushalte

Der Weg durch den Winter 23/24

71

–76

sonstige

Importe

Energie

–71

79 Haushalte

Produktion

Flüssiggas

32 8

Importe

Produktion

Russland

Flüssiggas

–77

Industrie

–59

Energie

–69

Gasvorräte in Europa bis März 2024

in Milliarden Kubikmetern

Sonstige

–42

Industrie

Sonstige

–58

–42

Quelle: UBS

28

März

2023

34

März

2024

In wenigen Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar mit

all ihren Absurditäten. Die Vorfreude scheint diesmal doch sehr gedämpft,

aus guten (Menschenrechts-)Gründen. Im Gespräch sagen

viele, sie würden diesmal nicht schauen. Mal sehen, ob das noch gilt,

wenn die deutsche Mannschaft die Vorrunde übersteht. Was es auch

dieses Jahr gibt: die Favoritenlisten der Wettanbieter. Brasilien und Argentinien

werden oft als Kandidaten für das Finale genannt, das Halbfinale

wird den Quoten zufolge Frankreich und England zugetraut.

Banken, die sich auch gern als Fußball-Prognostiker ausprobiert haben,

scheinen sich eher zurückzuhalten.

Jedenfalls wäre es schön, wenn die Fußball-Fans draußen schauen

könnten. Dann wäre es nämlich weiter warm und der Gasverbrauch

niedrig. Katar wird lange über die WM hinaus ein Thema für Deutschland

bleiben, wegen der Versorgung mit dem begehrten Flüssiggas

(LNG) als Ersatz für russisches Gas. Und zur Gasversorgung in den

nächsten beiden Wintern geben immer mehr Experten Prognosen ab.

Die UBS beispielsweise sieht dank des bislang milden Herbstes ein

geringeres Risiko für Engpässe bei der Gasversorgung Europas im anstehenden

Winter. In ihrem Basisszenario sinkt der Gasverbrauch in

Europa um 13 Prozent (im Vergleich mit dem Durchschnitt der Jahre

2017 bis 2021) und bleibt die Versorgung mit Flüssiggas auf dem gegenwärtigen

Niveau. Dann wären die Gasspeicher in Europa Ende

März 2023 nach der Vorhersage noch im hohen 20-Prozent-Bereich

gefüllt, so wie im März dieses Jahres, wenn auch zehn Prozentpunkte

unter dem 5-Jahres-Schnitt. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass

der Stand in den Speichern Ende März des kommenden Jahres unter

15 Prozent fällt, „aber das würde es wahrscheinlich erfordern, dass es

sowohl einen kälteren Winter als normal gibt sowie eine Unterbrechung

der verbleibenden russischen Gasexporte“, wie die UBS-Fachleute

schreiben. Dank der derzeit fast vollen Gasspeicher blicken auch

die Börsianer bereits wieder zuversichtlicher auf die Konjunktur in

Euro-Land, wie Sentix ermittelte: „Die Sorgen vor einer katastrophalen

Gasmangellage schwinden.“

Also Grund zur Entspannung? Noch nicht mit Blick auf den Winter

2023/24. Dieses Jahr sind die Speicher in Europa randvoll, weil Russland

zumindest bis August noch mehr Gas geliefert hat, zum Beispiel

über die berühmt gewordene Pipeline Nord Stream 1. Im kommenden

FOCUS-MONEY 47/2022

Jahr werden nach UBS-Berechnung 36 Milliarden Kubikmeter weniger

Gas über russische Pipelines nach Europa kommen als noch 2022.

Zehn Milliarden Kubikmeter lassen sich über andere Pipelines (zum

Beispiel aus Nordafrika) ersetzen, der Rest muss über Einsparungen

und über noch höhere LNG-Importe ausgeglichen werden. Die UBS

kalkuliert mit LNG-Einfuhren von 189 Milliarden Kubikmetern nach

Europa im Jahr 2023, ein Plus von 16 Milliarden zum Vorjahr. Das würde

eine Füllquote der Gasspeicher von 89 Prozent vor dem nächsten

Winter bedeuten und nach dem Winter, also im März 2024, eine Restfüllung

auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorjahre. Europa könne

das schaffen, aber es wird teuer – „Europa muss mit anderen Kaufinteressenten

um ein knappes Gut konkurrieren“, schreibt die UBS.

Katar wird viel länger im Zentrum der deutschen Aufmerksamkeit

stehen, als uns lieb ist.

Ihr

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation hat in Deutschland und auch im Durchschnitt der

Euro-Zonen-Länder zweistellige Werte erreicht. Bange blicken

die Börsianer auf die Notenbanken: Stürzen diese jetzt mit verspäteten,

aber besonders großen Zinsschritten die Volkswirtschaften in

eine tiefe Rezession? Oder stoppen sie die Zinserhöhungen doch

schneller als bislang angekündigt? Und was heißt das für die Märkte und

die Aktienkurse? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in FOCUS-MONEY.

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moneyinhalt

16. NOVEMBER 2022 www.money.de

10

Unsere Favoriten

Die FOCUS-MONEY-Redaktion verrät ihre

Lieblingsaktien. Warum und in welche Papiere

sie aus Überzeugung investiert haben (oder

wollen): 25 ganz persönliche Empfehlungen

moneykompakt

6 Krypto: Wie geht es weiter?

7 Das kaufe ich jetzt: Ein

Silberzertifikat ist Gold wert

7 Meine erste Aktie: Mit Nokia

zum ersten Gewinn

7 Hit & Shit: Adidas zieht an; Musk

verliert 100 Milliarden US-Dollar

8 Siemens: Zwist in der Familie

schadet dem Aktienkurs

9 Ifo-Studie: Warum sich

Mehrarbeit nicht lohnt

9 ESG Award: Auszeichnung für

grüne Geldanlagen

98 Andis Börsenbarometer: Wer

über Geld nachdenken sollte

moneytitel

10 Lieblingsaktien der Redaktion:

FOCUS-MONEY-Redakteure geben

Einblicke in ihre Depots

12 PNE: Windpark-Aktie mit Mega-

Wachstumsaussichten

13 Ringmetall: Darum gehört der

Verpacker in jedes Depot

14 Nestlé: Es gilt weiter: „Verkaufen

Sie diese Aktie nie!“

16 Hensoldt: Radar- und Sensorspezialist

mit 48 Prozent Kurspotenzial

16 Alphabet: Der Burggraben ist

gigantisch – die Aussichten auch

17 Energiekontor: Eine Öko-Aktie

mit viel Luft nach oben

18 Deutsche Telekom: Weshalb die

„Volksaktie“ jetzt wieder erwacht

20 Danaher: Krisenerprobter

Dauerläufer startet durch

21 MercadoLibre: Beim E-Commerce-

Giganten geht es rund

22 Aktienkorb: Fünf aussichtsreiche

Papiere für turbulente Börsen

25 Swiss Life: Wie sich der Schweizer

Versicherer neu erfindet

26 Naturgy: Mit Vollgas in die Zukunft

26 PerkinElmer: Ist der Messgeräte-

Experte nach Korrektur ein Kauf?

28 Vertex: Wieso der Pharma-Riese

vor dem großen Durchbruch steht

29 Infineon: Halbleiter-Champion mit

Top-Zukunftstechnologien

30 Volkswagen: Warum der Autobauer

dramatisch unterbewertet ist

32 Brockhaus Technologies: Hochinteressante

Option auf die Zukunft

33 7C Solarparken: Mit Rückenwind

und neuer Kursfantasie

34 Reckitt Benckiser: Der Hersteller

von Calgon mit schöner Dividende

34 Eramet: Der Rohstoffkonzern ist

sehr günstig bewertet

35 PharmaSGP: Warum der Pharma-

Konzern keine Schlaftablette ist

36 Kolumne: Unternehmerin Sarna

Röser über das China-Risiko im

Mobilfunk

4 Fotos: V. Birch, Bloomberg, BMW, VectorStock (2)

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 47/2022


moneymarkets

38 Anleihen: Bonds mit begrenztem

Risiko und akzeptablen Renditen

42 Marktinterview: Marc Decker,

stellvertretender Aktienchef bei

Quintet Private Bank, über den

Einstieg in den Markt

44 US-Wahlen: Zeichnet sich eine

Trendwende an der Wall Street ab?

46 Lithium-Aktien: Run auf Elektroautos

befeuert die Geschäfte

50 Musterdepots: Wie die Experten

in der Krise agieren

58 The Economist: Neue Konglomerate

leiden an alter Krankheit

62 Singapur: „Die Stadt des Löwen“

könnte sehr aussichtsreich sein

64 Wasserstoff: Europa wird von

Energieimporten unabhängiger

moneydigital

49 Chartsignal: Gelingt dem Dax der

Ausbruch nach oben?

49 Börsenwissen: Warum Anleihenkäufer

die Duration kennen sollten

52 Highlights: 17 Vorwürfe gegen

Elon Musk

53 Analyse: Was Nintendo jetzt

zu bieten hat

55 Interview: Tilmann Galler,

Marktstratege bei J.P. Morgan AM,

über unterbewertete Aktien

dswanlegerschutz

67 DSW: Eine Strategie, mit der der

Erfolg an der Börse gelingt

44

Kampfansage an Donald Trump

Ein guter Tag für die Demokraten und Joe Biden. Und: Ron DeSantis (r.) bleibt

Gouverneur von Florida. Der Börse war die US-Zwischenwahl aber fast egal

– im Gegensatz zu den neuen Inflationsdaten. Wird die Notenbank das

Tempo der Zinserhöhungen drosseln? Wie geht es am Leitmarkt weiter?

moneyservice

68 Marktplatz: So gelingt Reisen

ohne Reue; Top-Plug-in-Hybrid

70 Traditionsunternehmen: Modern

und innovativ – FOCUS-MONEY

kürt die besten Unternehmen

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

46

Unter Strom

Es gibt immer mehr E-Autos wie diesen

BMW. Der Bedarf an Stromspeichern

wächst rasant. Die Lithium-Fördermengen

schnellen in die Höhe. Welche

Unternehmen von diesem Boom in den

nächsten Jahren besonders profitieren

38

Endlich Rendite

Die Nullzins-Ära ist endgültig

zu Ende. Schritt für Schritt

geht es mit den Zinsen an

den Kapitalmärkten wieder

aufwärts. Der Trend

scheint

anzuhalten.

Für

Anleger

bieten sich

mit Bonds

wieder

unverhofft

gute

Chancen

55

„Das Potenzial bei Aktien ist so groß

wie seit 27 Jahren nicht“

TILMANN GALLER, KAPITALMARKTSTRATEGE BEI J.P. MORGAN AM

FOCUS-MONEY 47/2022

Titel Composing: FOCUS-MONEY 5


moneytitel

TITEL

DIE

BEST

AKTIEN

DER

REDAKT

10

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS-MONEY FOCUS-MONEY 47/2022


Die Ungewissheit der Anleger am Aktienmarkt ist beinahe

greifbar. Ist der Bullenmarkt nun endgültig da oder lauern

doch weitere Bärenfallen? Meldungen über eine niedrigere

US-Inflation im Oktober als erwartet (7,7 Prozent, Experten

hatten mit 8,0 Prozent gerechnet) katapultierten den

deutschen Leitindex um 450 Punkte nach oben. Damit liegt

der Dax aktuell mehr als 2000 Punkte über seinem Zwischentief Ende September

bei 11 975 Punkten. Ist damit nun die Trendwende am Aktienmarkt

vollzogen? Bei der Frage scheiden sich bislang die Geister.

EN

Vertrauen ist gut und zweistellige

Wachstumsraten obendrauf sind

noch besser: Die FOCUS-MONEY-

Redakteure stellen ihre besten Aktien

vor – von Pharma-Pionieren über

Tech-Spezialisten bis hin zu Versorgern.

25 Werte, 25 Chancen

von VERENA SEPP

ION

FOCUS-MONEY hat darauf hingegen nicht nur eine, nicht zwei, nicht drei,

sondern 25 Antworten: die besten Aktien der Redakteure selbst – Aktien ihres

Vertrauens, auf die sie auch in unruhigen Zeiten wie diesen setzen (wollen).

25 Top-Werte, die sich durch ihr einzigartiges Geschäftsmodell, Innovation,

wachsende Umsätze und Gewinnsteigerungen bewährt haben.

Klingen 72 Prozent Kursplus binnen 24 Monaten für Sie verlockend? Das

bietet Ihnen der Spezialverpacker Ringmetall auf der Seite 13. 65 Prozent

in drei Jahren liefert der Medizintechnikkonzern PerkinElmer (S. 26), 50

Prozent binnen eineinhalb Jahren die bayerische PharmaSGP Holding

(S. 35). Beim Mangan-Spezialisten Eramet (S. 34) sind es sogar 150 Prozent

in zwei Jahren. Nachhaltigkeitsaffine Anleger kommen ebenfalls auf ihre

Kosten: 62 Prozent Plus in 13 Monaten mit dem Wind- und Solarparkentwickler

Energiekontor (S. 17). Der Konkurrent PNE (S. 12) kletterte in fünf

Jahren um satte 600 Prozent nach oben. 700 Prozent binnen zehn Jahren

gibt es auf der Seite 20 – der US-Hersteller von elektronischen Testsystemen

Danaher überzeugt durch seine Wandlungsfähigkeit. Value-Liebhaber blicken

mit der Nestlé-Aktie (S. 14) auf 1000 Prozent Kurswachstum in 25 Jahren.

Darf es etwas exotischer sein? Das südamerikanische Amazon-Pendant

MercadoLibre lockt mit 35 Prozent in sechs Monaten (S. 21).

Egal, ob Value- oder Growth-, Energie- oder Pharma-Wert, eines haben

alle Aktien gemein: Auf dem Weg zu diesen profitablen Wachstumsraten

kam es immer wieder zu Rücksetzern, teils auch langen Flauten. Das Vertrauen

in die 25 Lieblinge ist dennoch ungebrochen. Aber lesen Sie selbst.

Hinweis: Selbstverständlich beachten die Redakteure stets die Richtlinie

des Deutschen Presserats, im Zeitraum von zwei Wochen vor und nach

einer Veröffentlichung keine Geschäfte mit einem in FOCUS-MONEY

beschriebenen Finanzinstrument zu tätigen.

FOCUS-MONEY 47/2022

Illustrationen: VectorStock 11


moneymarkets

GELD PARKEN

Anleihen sind

wieder im Spiel

Die Nullzins-Zeit ist endgültig passé. Und

die Sätze scheinen weiter zu steigen.

Wo sich bei Bonds jetzt schon mit

sehr begrenztem Risiko und

akzeptablen Renditen Geld

zwischenlagern lässt

von BERND JOHANN

Anleihen, stellt Christian

Kopf, Leiter des Rentenfondsmanagements

bei

der genossenschaftlichen

Union Investment, fest,

gewinnen durch den

deutlichen Anstieg der Marktzinsen

wieder an Attraktivität. So sprang etwa

die durchschnittliche Rendite von

Euro-Unternehmensbonds mit guter

Bonität seit Ende 2021 von 0,5 auf zuletzt

circa 4,3 Prozent – ein Wort nach

rund zehn Jahren Magerkost. Selbst bei

Euro-Staatsanleihen kletterte die Verzinsung

aus dem leicht negativen Bereich

auf im Schnitt gut drei Prozent.

Damit rücken Anleihen als Anlagealternative

wieder auf den Zettel der Investoren.

Das gilt vor allem für Bonds

mit kürzeren Laufzeiten: Ihre Rendite

fällt momentan ähnlich hoch aus wie

die der Langläufer. Gleichzeitig bergen

ZUG NACH OBEN:

Stück für Stück treppauf

geht es bisher am

Kapitalmarkt mit den

Zinsen. Der Trend

scheint anzuhalten

38

Illustration: VectorStock FOCUS-MONEY 47/2022


Papiere mit Fälligkeit in ein oder zwei Jahren ein weit geringeres

zwischenzeitliches Kursrisiko, sollten die Zinsen

weiter ansteigen. Zudem lassen sich die Anleihen bei dem

überschaubaren Zeitraum leichter bis Rückzahlung durchhalten.

Sie bieten sich bei den aktuell turbulenten Zeiten so

vor allem zum Geldparken an mit relativ sicherer Kalkulationsgrundlage.

Die Welle rollt. Die Gefahr weiter steigender Zinsen bleibt

real. Denn die Notenbanken als Taktgeber für die Rentenmärkte

planen, ihre Sätze weiter hochzuschrauben. „Unsere

Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen“, tat EZB-Chefin

Christine Lagarde angesichts einer Inflationsrate von

zuletzt gut zehn Prozent in Euro-Land gerade kund. Und

auch ihr Kollege Jerome Powell von der US-Notenbank Fed

meint, dass sein Institut noch „einiges an Weg“ vor sich hat.

Die Experten diskutieren derweil darüber, wie stark die

Zentralbanken an der Schraube drehen werden und vor allem

auch wie die Marktzinsen darauf reagieren. Relativ optimistisch

gibt sich Union Investment. „Der Anleihenmarkt

preist die schwache Konjunktur und steigende Leitzinsen bereits

weitgehend ein“, glaubt Christian Kopf. Sein Haus erwartet

so kaum noch Aufwärtsdruck bei den Bondrenditen.

Sollten die Marktzinsen doch weiter ansteigen, biete die inzwischen

erreichte höhere Verzinsung einen größeren Puffer

gegen Kursverluste.

Den Kontrapunkt setzen die Analysten der Citigroup. Sie

befürchten massiv negative Auswirkungen auf die europäischen

Anleihenmärkte durch den Doppel-Wumms von Bundeskanzler

Olaf Scholz. Nicht nur, dass das Geld für das vorgesehene

staatliche 200-Milliarden-Euro-Maßnahmenpaket

vor allem über neue Schulden kommt, was die Inflation anheizen

und die EZB zu schärferem Bremsen bringen könnte.

Scholzens Wummse drohen zudem andere, weniger finanzstarke

Euro-Länder zum Nachahmen zu animieren, mit der

Konsequenz eines kräftigen Drucks auf die Bondmärkte und

steil hochschießender Zinsen. Marktgerüchten zufolge sollen

Hedge-Fonds bei deutschen und italienischen Staatsanleihen

bereits auf markant fallende Kurse wetten.

Selbst in diesem schlimmsten Fall wären kürzerlaufende

Anleihen weniger stark betroffen. Anleger könnten die Turbulenzen

weit leichter aussitzen und die Papiere bis zur Fälligkeit

in vielleicht 12 oder 18 Monaten und Rückzahlung

Umschwung bei den Leitzinsen

Rasant gestiegene Inflationsraten lassen keine andere

Wahl: Die Notenbanken müssen mit ihren Zinsen

gegenhalten. Ein Ende des Aufwärtstrends ist noch

nicht in Sicht. Besonders krass ist der Dreh bei der

EZB nach sechs Jahren Leitzins null. Letztmals lag ihr

Satz 2009 auf dem heutigen Level von 2,0 Prozent.

Leitzinsen in den USA und Europa

in Prozent

Europäische

Zentralbank

US-Notenbank

2015 16 17 18 19 20 21 2022

Quelle: Bloomberg

Kursdruck bei den Anleihen

Schon bevor die lange zögerliche EZB sich zum

Handeln entschloss, reagierte der Markt auf die

steigenden Inflationsraten. Allein 2022 brachen die

Kurse europäischer Staatsanleihen bis Oktober um

fast 18 Prozent ein. Die Kehrseite der Medaille: wieder

ordentlich positive Renditen bei vielen Bonds.

Verluste auf Euro-Staatsanleihen

jährliche Wertentwicklung in Prozent

2021

2022

JAN F M A M J J A S O N DEZ

Quelle: Union Investment; Stand Mitte Oktober 2022

3

2

1

0

0

–5

–10

–15

–20

Euro-Unternehmenskurzläufer

Die aufgeführten Titel zählen mit zu den

liquidesten Werten bei den Firmenanleihen

mit verbleibender relativ kurzer Restlaufzeit

und Stückelung 1000 Euro. Sie

sollten so jederzeit handelbar sein. Als ergiebigster

Börsenplatz für solche Unternehmensbonds

gilt Stuttgart. Die Rendite

der Anleihen steigt mit abnehmender

Bonität. Gegenüber Bundesanleihen besitzen

sie – anders als zum Beispiel in

den USA – einen klaren Zinsvorsprung.

Emittent WKN Kupon in % Volumen

in Mio. €

Fälligkeit Kurs in % Rendite p.a.

in %

FMC A255DU 0,25 650 29.11.23 97,70 2,7 BBB (S&P)

Thyssenkrupp A2TEDB 2,875 1500 20.02.24 98,15 4,5 BB– (S&P)

Fraport A3E443 1,625 650 09.07.24 97,35 4,0 –

Covestro A169MH 1,75 500 25.09.24 96,16 4,0 Baa2 (Moody’s)

Grenke Finance A28VXK 3,95 325 09.07.25 92,50 6,8 BBB (S&P)

RWE A30VMU 2,50 1250 24.08.25 97,30 3,6 Baa2 (Moody’s)

zum Vergleich:

Bundesrep. D. 110486 0,00 13000 15.12.23 97,80 2,1 AAA (S&P)

Bundesrep. D. 110237 0,50 30500 15.02.25 96,50 2,1 AAA (S&P)

Rating

Quelle: Boomberg; Stand: 9.11.2022

FOCUS-MONEY 47/2022

39


moneymarkets

US-WAHLEN

Trendwende an

der Wall Street?

JOE BIDEN: überraschender

Erfolg für den Amtsinhaber

DONALD TRUMP: der klare

Verlierer der Wahl

Die US-Zwischenwahlen brachten keinen klaren

Sieger. Doch es gibt Gewinner und Verlierer. Der

Börse war die Wahl fast egal – im Gegensatz zu

den Inflationsdaten zwei Tage später.

von MIKA HOFFMANN

RON DESANTIS: wird

Machtanspruch anmelden

NANCY PELOSI: Wiederwahl

nach Attentats-Schock

Die rote Welle bleibt aus. Die republikanische Partei hatte

auf einen großen Sieg bei den Kongresswahlen in

der vergangenen Woche gehofft – der blieb aus. Das

Wahlergebnis ist knapp. So knapp, dass am vergangenen

Freitag zum Redaktionsschluss noch nicht feststand, ob die

Demokraten im Senat ihre Mehrheit behalten – die Entscheidung

könnte erst bei der Stichwahl in Georgia am 6. Dezember

fallen – und ob die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus

erobern.

Euphorie nach Preisdaten. Die Finanzmärkte wussten erst

einmal nicht so recht, was sie mit dem Wahlergebnis anfangen

sollten. Auch an der Wall Street hatten viele Beobachter

auf einen deutlichen Sieg der Republikaner gesetzt. Die Anleger

warteten bis Donnerstag auf die Inflationsdaten. Dass

die Preissteigerungsraten etwas zurückkamen und besser

ausfielen als erwartet, versetzte die Wall Street in Euphorie –

und war wichtiger als die politische Entscheidung.

„Too close to call“ war die häufigste Formulierung in der

Wahlnacht bei CNN. Die Prognosen und Hochrechnungen

lagen dieses Mal daneben. Zwar konnten die Republikaner

(höchstwahrscheinlich) das Repräsentantenhaus erobern.

Aber nicht mit einem so großen Vorsprung, wie er bei den

Zwischenwahlen historisch im Durchschnitt üblich ist. Und

im Senat stehen die Chancen gut, dass die Demokraten ihre

Mehrheit behalten. Alles in allem ist das ein Sieg für US-Präsident

Joe Biden – der viele überrascht, waren die Beliebtheitswerte

des Amtsinhabers doch unterdurchschnittlich.

„Bidens Politik ist trotz der hohen Inflation nicht abgestraft

worden: Offenbar haben die Wähler seine Erfolge am Arbeitsmarkt,

bei der Pandemiebekämpfung und beim Klimaschutz

doch zur Kenntnis genommen“, analysiert Michael Heise,

Chefvolkswirt von HQ Trust.

Während in den Nachwahlumfragen die meisten Wähler

angegeben hatten, dass die Inflation und die Wirtschaft das

wichtigste Thema seien, dürfte die Kampagne des demokra-

ALEXANDRA OCASIO-COR-

TEZ: Linke Demokratin siegt

44

Fotos: Bloomberg

Illustration: VectorStock

FOCUS-MONEY 47/2022

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