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Focus-Money_2023-52-1

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IM HANDEL<br />

& DIGITAL<br />

IE FINDEN WIR FRIEDEN? IST DIE WELT NOCH ZU RETTEN<br />

? WER HAT ANTWORTEN AUF DIE FRAGEN DER ZEIT? WA<br />

R’S DAS MIT WOHLSTAND? WELCHE POSITIVEN SIGNALE<br />

FOCUS ist exklusiver Lizenznehmer von The World Ahead in Deutschland


moneyeditorial<br />

EDITORIAL<br />

Die Bonusritter<br />

von der Bahn<br />

die Bahn ist eine besondere Aktiengesellschaft. Sie ist nicht an der Börse. Sie<br />

befindet sich im Staatseigentum. Sie bezahlt aber ihre Vorstände wie ein Dax-<br />

Unternehmen. Die Orientierung sind hocherfolgreiche Unternehmen wie die<br />

Deutsche Telekom oder Siemens. Diese Art der Bezahlung ist für die achtköpfige<br />

Führungsriege ein Privileg. Bahnchef Richard Lutz erhält nicht nur ein Gehalt<br />

von einer Million Euro für das Jahr 2022, sondern obendrauf einen Bonus<br />

von knapp 1,3 Millionen. Insgesamt sollen sich die Boni für alle Vorstände auf<br />

fünf Millionen Euro belaufen. Die Honorierung wäre kein Problem, würde die<br />

Deutsche Bahn zu den Besten in Europa gehören. Doch genau das Gegenteil ist<br />

der Fall. Die unerträgliche Unpünktlichkeit, der schlechte Kundenservice und<br />

die hohen Preise machen die Bahn zu einem Dauerärgernis. Wer in Italien, Spanien<br />

oder Frankreich oder gar in der Schweiz und Österreich auf der Schiene<br />

unterwegs ist, erlebt, wie schön Bahnfahren sein kann.<br />

Die Deutsche Bahn ist hingegen am Tiefpunkt. Das Schlimmste: Die miserable<br />

Bilanz bleibt für die Vorstände folgenlos. Denn offenbar wird die<br />

schlechte Kundenzufriedenheit und mangelnde Zuverlässigkeit von der gestiegenen<br />

Zufriedenheit der Bahnbelegschaft kompensiert. Das klingt wie<br />

Hohn. Wie geht es im Staatskonzern weiter? Die Intransparenz ist weiter<br />

groß, die neue Regelung für das Jahr <strong>2023</strong> komplex. Nur so viel ist klar: Der<br />

Vorstand wird künftig noch großzügiger entlohnt, auch wenn die Zufriedenheit<br />

der Kunden durch Unpünktlichkeit, Zugausfälle oder Schmutz weiter<br />

sinken sollte.<br />

In Sachen Schiene ist Deutschland mittlerweile ein Entwicklungsland, das<br />

von seinen Nachbarn mitleidig belächelt wird. Fallen im Winter 50 Zentimeter<br />

Neuschnee in München, ist die drittgrößte Stadt des Landes über etliche<br />

Tage nicht mehr mit dem Zug erreichbar. So wird die Verkehrswende nie gelingen,<br />

der Klimaschutz zur Farce und die Wirtschaft beschädigt. Wer drückt<br />

die Reset-Taste, um die Bahn endlich auf europäisches Niveau zu bringen?<br />

Der diskutierte Verkauf der Logistiktochter Schenker an internationale Investoren,<br />

um das marode und anfällige Streckennetz mit den Erlösen aus der<br />

Transaktion zu modernisieren, wäre ein erster Schritt. Denn eines ist klar,<br />

die ursprünglich geplanten knapp 13 Milliarden Euro zwischen 2024 und<br />

2027 aus dem Klima- und Transformationsfonds werden nicht fließen. Mit<br />

der Einigung der Ampel auf den Haushalt 2024 muss die Bahn „anders finanziert“<br />

werden, wie Wirtschaftsminister Robert Habeck vieldeutig meinte. Die<br />

weitere Privatisierung von Staatsbeteiligungen wie Deutsche Telekom oder<br />

Deutsche Post, um das Eigenkapital der Bahn zu erhöhen, könnte eine sinnvolle<br />

Lösung sein. Mut und Kreativität sind in Berlin gefragt.<br />

?<br />

R’S DAS MIT WOHLSTAND?<br />

GIBT ES FÜR DIE ZUKUNFT?<br />

HANS-PETER SIEBENHAAR<br />

Mitglied der Chefredaktion<br />

FOCUS MONEY<br />

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FOCUS MONEY <strong>52</strong>/<strong>2023</strong><br />

3


moneyinhalt<br />

moneykompakt<br />

6 Börsenausblick: Keine Hausse<br />

ohne Pause<br />

7 Inflation: Die Teuerung macht<br />

auch vor Weihnachten nicht Halt<br />

7 Hit & Shit: Uber nimmt Fahrt auf,<br />

die Türkische Lira fällt weiter<br />

8 Ölpreis: Kaum eine Reaktion auf<br />

die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz<br />

COP28<br />

9 Mikas Markt-Monitor: Stark,<br />

stärker, Schweizer Franken<br />

9 Haushaltskompromiss: Da<br />

haben wir die Bescherung – für<br />

Verbraucher wird es teuer<br />

10 Altersvorsorge: Die Beliebtheit<br />

von Betongold bröckelt<br />

10 Signa: Auch deutsche Versicherer<br />

von den Pleiten betroffen<br />

11 Das kaufe ich jetzt: Mit Constellation<br />

Brands auf Gewinne anstoßen<br />

11 Kohleausstieg: Milliarden-Beihilfen<br />

an RWE fürs Kraftwerke-Aus<br />

11 Insolvenzen: Die Pleitewelle rollt<br />

immer schneller<br />

106 Andis Börsenbarometer: Der<br />

Markt hat immer Recht<br />

20. DEZEMBER <strong>2023</strong> www.money.de<br />

12<br />

Die besten Geldideen<br />

Geht die Kurs-Rally munter weiter oder kommt<br />

doch der Absturz? Das Börsenjahr 2024<br />

verspricht auf jeden Fall spannend zu werden.<br />

FOCUS MONEY stellt 40 aussichtsreiche<br />

Investments vor, mit denen Sie in jedem<br />

Börsenumfeld richtig liegen<br />

Ausgabe 2/2024<br />

erscheint am<br />

3. Januar 2024<br />

<strong>52</strong><br />

Der grüne<br />

Motor stottert<br />

Gestörte Lieferketten,<br />

steigende Zinsen und<br />

zunehmender Protektionismus<br />

machen den<br />

Wind- und Solarenergiekonzernen<br />

das Leben<br />

schwer<br />

moneytitel<br />

12 Tipps für 2024: Eines steht fest,<br />

langweilig wird das nächste<br />

Börsenjahr angesichts all der<br />

aktuellen Herausforderungen<br />

sicher nicht. Jedes Marktumfeld<br />

bietet aber auch gute Anlagechancen.<br />

40 lukrative Tipps für<br />

jede Börsenlage und jeden<br />

Anlegertyp – von Aktien, Anleihen,<br />

Fonds und ETFs bis hin zu<br />

Uhren, Whiskys und Oldtimern<br />

4 Titelfotos: Adobe Stock (3), U. Völkner/bundesfoto<br />

Fotos: Adobe Stock (2), Can Stock Photo, H. Dressler, W. Heider-Sawall// FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

FOCUS MONEY, U. Völkner/bundesfoto


63<br />

„Geld fällt nicht vom Himmel“<br />

Folker Hellmeyer und Philipp Vorndran<br />

diskutieren im Doppelinterview über<br />

Deutschlands Probleme – und<br />

funktionierende Anlagestrategien<br />

moneymarkets<br />

40 Interview: Wirtschaftsweise<br />

Monika Schnitzer über den<br />

Haushaltskompromiss 2024 und<br />

welche Probleme Deutschland<br />

jetzt angehen muss<br />

44 Uran: Viele Nationen wollen die<br />

Kernenergie weiter ausbauen.<br />

Uran-Produzenten profitieren<br />

47 Chartsignal: Dax im Höhenflug<br />

47 Wette der Woche: Vossloh ist<br />

stark auf der Schiene<br />

48 Anleihefonds: Die globalen<br />

Zinsjäger sind erfolgreich zurück<br />

51 Musterdepot: Zyklische Konsumgüter<br />

gehören zu den Favoriten<br />

<strong>52</strong> Economist: Das Geschäft mit<br />

erneuerbaren Energien steht vor<br />

einer entscheidenden Wende<br />

56 Kühne Thesen: Acht gewagte<br />

Prognosen und wie Anleger<br />

davon profitieren könnten<br />

60 Die fabelhaften Fünf: Welche<br />

fünf Dax-Schwergewichte den<br />

Index outperformen<br />

40<br />

68 Kolumne: Worauf bei Anleihe-<br />

Investments zu achten ist<br />

70 Österreich: Die Raiffeisen Bank<br />

International im Sog von Russland<br />

und Benko<br />

74 Weingüter: Zwei Aktien und<br />

Direktinvestments für Genießer<br />

guter Renditen<br />

78 Marktplatz: Eine kleine Anleitung<br />

vom Profi, wie Zigarren am besten<br />

zu genießen sind – von der<br />

Auswahl bis zur Asche<br />

moneydigital<br />

62 Social Trends: Neue Inhalte auf<br />

Mission <strong>Money</strong> und <strong>Money</strong> Talks<br />

63 Interview: Emotional und kontrovers<br />

– die Anlagestrategen Folker<br />

Hellmeyer und Philipp Vorndran<br />

dswanlegerschutz<br />

72 Finanzbildung: Alle Bürger<br />

sollten sich mit Finanzen auskennen,<br />

ein neues Portal hilft dabei<br />

moneyservice<br />

80 Strom und Gas: Preisbremse<br />

entfällt, Mehrwertsteuer steigt,<br />

aber viele Versorger reduzieren<br />

ihre Tarife – die besten bundesweiten<br />

Neukunden-Angebote<br />

„Das ist nicht der große Wurf,<br />

den es gebraucht hätte.“<br />

84 Studie: Die fairsten privaten<br />

Pflegeversicherungen<br />

moneyanalyse<br />

89 Fonds<br />

90 Deutsche Aktien<br />

98 Internationale Aktien<br />

104 ETFs<br />

105 Zertifikate<br />

moneyrubriken<br />

3 Editorial<br />

88 Leserbriefe – Impressum<br />

106 Termine<br />

74<br />

Flüssige<br />

Rendite<br />

Teure Weine<br />

werden nicht nur zu<br />

festlichen Anlässen<br />

gern getrunken. Manche<br />

eignen sich auch als<br />

krisenresistente Wertanlage<br />

– im eigenen Keller<br />

oder im Aktiendepot<br />

MONIKA SCHNITZER, VORSITZENDE<br />

DER WIRTSCHAFTSWEISEN<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

5


moneykompakt<br />

Märkte<br />

DAX<br />

16 962,60 Pkt.<br />

+1,00%<br />

MDAX<br />

27 180,99 Pkt.<br />

+2,10%<br />

SDAX<br />

13 483,57 Pkt.<br />

+1,76%<br />

TecDAX<br />

3341,21 Pkt.<br />

+2,29%<br />

Dow Jones<br />

37 090,24 Pkt.<br />

+1,88%<br />

AUSBLICK<br />

ohne Pause<br />

Keine Hausse<br />

Die Börsen haben stark zugelegt.<br />

Warnungen wurden ignoriert, eine<br />

Korrektur dürfte daher kaum<br />

überraschen. Aber ein Ende des<br />

Aufwärtstrends wäre das nicht<br />

S&P 500<br />

4707,09 Pkt.<br />

+1,83%<br />

Nasdaq 100<br />

16 562,37 Pkt.<br />

+2,10%<br />

Euro Stoxx 50<br />

4586,35 Pkt.<br />

+1,02%<br />

SMI<br />

11 313,27 Pkt.<br />

+1,64%<br />

Nikkei 225<br />

32 686,25 Pkt.<br />

–0,32%<br />

Euro<br />

1,08959 US-$<br />

+1,22%<br />

Bitcoin<br />

42 837,15 US-$<br />

+3,79%<br />

Wochenveränderung von Montag,<br />

11. Dezember <strong>2023</strong>, Handelsbeginn,<br />

bis Donnerstag, 14. Dezember<br />

<strong>2023</strong>, 09:50 Uhr.<br />

Quelle:<br />

IM JAHR <strong>2023</strong> DÜRFTEN DIE WEIHNACHTS-<br />

GESCHENKE üppiger ausfallen. Der Dax erreichte<br />

jüngst ein Allzeithoch von rund 16 837 Punkten und<br />

hat in diesem Jahr bereits um 20 Prozent zugelegt. So<br />

kann es weitergehen.<br />

Die Börse neigt dazu, mögliche positive Entwicklungen<br />

zu antizipieren, möglicherweise zu übertreiben.<br />

Das zeigen Indikatoren wie der Relative-Stärke-<br />

Index (RSI). Steigt dieser Signalgeber auf über 70<br />

Prozent, schrillen die Alarmglocken. Der RSI zeigt einen<br />

„überkauften Markt“ an. Der RSI misst die Geschwindigkeit<br />

und das Ausmaß von Kursveränderungen,<br />

um zu beurteilen, ob ein Wertpapier über- oder<br />

unterbewertet ist.<br />

Traditionell orientiert sich der Dax an den Vorgaben<br />

der US-Börsen, wo die Stimmung ebenfalls optimistisch<br />

ist. „Das Sentiment für US-Aktien hält die<br />

sechste Woche in Folge das Euphorie-Niveau. Das ist<br />

ungewöhnlich lange für eine Jubel-Arie“, schreibt das<br />

Analyseinstitut Sentix. Die Warnung folgt auf dem<br />

Fuße: „Die Korrekturrisiken steigen weiter an, so wie<br />

Ende 2015, 2019 oder auch 2021.“ Wie der Volksmund<br />

so schön sagt: Wenn es dem Esel zu wohl wird,<br />

geht er aufs Eis tanzen.<br />

Ein bisschen Vorsicht schadet nicht. In den USA ist<br />

das Wachstum der offenen Stellen rückläufig. Dieser<br />

Indikator korreliert oft stark mit dem S&P 500. Die<br />

Börse scheint auf den Arbeitsmarkt zu achten (siehe<br />

Grafik). Laufen die beiden Größen nicht parallel, kann<br />

es zu Problemen kommen: Von Anfang 2019 bis<br />

Anfang 2020 ging die Zahl der offenen Stellen tendenziell<br />

zurück, während der Index stieg. Die Schere öffnete<br />

sich. Zu Beginn der Corona-Pandemie fiel der<br />

S&P 500 um mehr als 30 Prozent. Seit März 2022<br />

sinkt die Zahl der offenen Stellen wieder, was auf einen<br />

schwächeren Arbeitsmarkt hindeutet. Dies belastete<br />

den S&P 500 allerdings nur bis November<br />

2022. Danach öffnete sich die Schere wieder. Dies ist<br />

beunruhigend und könnte zu einer Pause im Aufwärtstrend<br />

führen.<br />

DR<br />

12000<br />

10000<br />

Ungesunde Entwicklung<br />

US-Wirtschaft und Börse<br />

6000<br />

5000<br />

8000<br />

4000<br />

6000<br />

Offene Stellen in Tsd.<br />

Arbeitsmarkt 3000<br />

4000<br />

schwächelt,<br />

Börse steigt 2000<br />

2000 S&P 500 in Punkten<br />

1000<br />

2014 15 16 17 18 19 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, eigene Bearbeitung<br />

6 Foto: Adobe Stock<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


WEIHNACHTEN UND INFLATION<br />

Teure Würstchen und Musiker<br />

Kartoffelsalat und Wiener – noch immer<br />

ist dies ein traditionelles Heiligabend-Essen<br />

für viele deutsche Familien.<br />

Doch dieses Jahr müssen die<br />

Bürger deutlich tiefer in die Taschen<br />

greifen, um es sich auf den Tisch zu<br />

stellen. Würstchen sind <strong>2023</strong> um 13,4<br />

Prozent, Kartoffeln um 5,7 Prozent<br />

und Mayonnaise sogar um 10,7 Prozent<br />

teurer geworden.<br />

Abseits der Leckereien hat der US-<br />

Finanzdienstleister PNC Financial<br />

Services Group die Geschenke, die<br />

im englischen Traditionskinderlied<br />

„Twelve Days of Christmas“ vorkommen,<br />

unter die Lupe genommen. Für<br />

die vergangenen 40 Jahre berechnete<br />

PNC die Preise. Wen wundert‘s:<br />

<strong>2023</strong> muss man um 2,7 Prozent<br />

mehr berappen als 2022. 46 730 US-<br />

Dollar kosten die zwölf Geschenke<br />

12 Days of Christmas<br />

Kosten der 12 Geschenke in Tsd. US-Dollar<br />

1984 90 95 00 05 10 15 20 <strong>2023</strong><br />

VOLL AUF DIE<br />

ZWÖLF: Ob Essen<br />

oder Geschenke<br />

– die Inflation<br />

macht auch neben<br />

und unter dem<br />

Christbaum nicht<br />

Halt<br />

– von Hühnern und Tauben bis zu<br />

Tänzerinnen und Goldringen. Wie<br />

viel die Geschenke im Jahr 1780 gekostet<br />

haben, als das Lied geschrieben<br />

wurde, ist nicht bekannt. Aber<br />

1984 waren es 20070 Dollar (s. Grafik).<br />

Heute sind es 133 Prozent mehr.<br />

Wen der Preisrutsch 1995 interessiert:<br />

Der Preis für sieben Schwäne<br />

brach um 50 Prozent ein, da ein heimisches<br />

Schwan-Zuchtprogramm<br />

erfolgreich durchgeführt wurde.<br />

<strong>2023</strong> lag der Preis wieder auf<br />

1984er-Niveau. Stark preistreibend<br />

sind über die Jahre die Dienstleistungen,<br />

die im Lied vorkommen, wie<br />

beispielsweise die Musiker, zwölf<br />

Trommler und elf Dudelsackspieler.<br />

Der PNC-Index wird in den USA von<br />

Weihnachtsfans gerne als Inflationsbarometer<br />

angesehen. JH<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

Quelle: PNC Financial Services Group<br />

UBER TECHNOLOGIES<br />

Nimmt Fahrt auf<br />

Anerkennung. Der Kurs des Fahrdienstvermittlers<br />

Uber Technologies (A2PHHG)<br />

ist nach der Ankündigung der Aufnahme<br />

in den S&P 500 sprunghaft angestiegen.<br />

Anfang November notierte die Aktie des<br />

US-Unternehmens noch bei 38 Euro, nach<br />

der Ankündigung schnellte sie auf über 58<br />

Euro – ein Plus von mehr als 50 Prozent.<br />

Das Geschäft brummt, die Gewinne sprudeln.<br />

Immer mehr Passagiere und Fahrer<br />

nutzen die Plattform. Die Marge steigt seit<br />

mehreren Quartalen. Ein Ende ist nicht in<br />

Sicht. Da Uber keine eigene Fahrzeugflotte<br />

besitzt, sondern den Besitz der Autos<br />

an die Fahrer ausgelagert hat, sind die<br />

Kosten überschaubar. Die Profitabilität<br />

dürfte daher weiter steigen.<br />

HIT<br />

TÜRKISCHE LIRA<br />

Neues Allzeittief<br />

SHIT<br />

Vertrauensverlust. Die Mitte <strong>2023</strong> angetretene<br />

Notenbankchefin Hafize Gaye<br />

Erkan hat zwar eine Wende in der unseligen<br />

Zinspolitik der Türkei eingeleitet.<br />

Auf die von Präsident Erdogan gewünschten,<br />

aber volkswirtschaftlichen<br />

widersinnigen Zinssenkungen folgten<br />

Erhöhungen. Doch den Verfall der Türkischen<br />

Lira vermochte das nur vorübergehend<br />

zu bremsen: Die Währung erreichte<br />

einen neuen Tiefststand bei 29<br />

Lira pro Dollar. Seit Jahresanfang hat die<br />

Lira zum Dollar 55 Prozent verloren. Investoren<br />

fehlt das Vertrauen in Politik<br />

und Wirtschaft. Sie warfen den dritten<br />

Monat in Folge türkische Aktien und<br />

Staatsanleihen aus ihren Portfolios.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Illustrationen: Adobe Stock 7


moneykompakt<br />

ZiNSRADAR<br />

Ratenkredite<br />

Kreditsumme 5.000 Euro<br />

Zinssätze effektiv in % p.a.<br />

Laufzeit in Monaten Zinsen<br />

Anbieterauswahl 36 in Euro<br />

PSD Bank West 5,28 407,56<br />

Ikano Bank 1 5,49 423,76<br />

Deutsche Skatbank 1 6,06 467,68<br />

Bank of Scotland 1 6,<strong>52</strong> 503,32<br />

SWK Süd-West-Kreditbank 1 6,79 <strong>52</strong>3,84<br />

Hypovereinsbank 1 6,99 539,32<br />

PSD Bank Nürnberg 7,22 557,32<br />

Oyak Anker Bank 1 7,29 562,72<br />

ING 1 7,29 562,72<br />

SKG Bank 1 7,49 578,20<br />

DKB Deutsche Kreditbank 7,59 585,76<br />

Norisbank 1 7,90 609,<strong>52</strong><br />

Santander 1 8,79 678,28<br />

Deutsche Bank 1 8,94 689,80<br />

Creditplus-Bank 1 8,99 693,76<br />

Postbank 1 9,87 761,80<br />

Schlechtester Anbieter 1 15,31 1.180,84<br />

1<br />

bonitätsabhängig<br />

Trend beim Ratenkredit:<br />

leicht steigend<br />

Quelle: Angaben ohne Gewähr Stand: 13.12.<strong>2023</strong><br />

Annuitätendarlehen<br />

350.000 Euro Kreditsumme Nominal Zins,<br />

1,5% Anfangstilgung, 80% Beleihung<br />

Laufzeit in Jahren<br />

Anbieterauswahl 15 Rate *<br />

PSD Bank West 3,99 1.601,25<br />

Sparda-Bank Hessen 3,73 1.<strong>52</strong>5,42<br />

Sparda-Bank West 3,60 1.487,50<br />

Sparda-Bank BW 3,61 1.490,42<br />

HypoVereinsbank 3,63 1.496,25<br />

DEVK 3,67 1.507,92<br />

PSD Bank RheinNeckarSaar 3,69 1.513,75<br />

Debeka Bausparkasse 3,72 1.<strong>52</strong>2,50<br />

ING 3,81 1.548,75<br />

PSD Bank Nürnberg 3,89 1.572,08<br />

LVM-Versicherung 4,00 1.604,17<br />

Allianz 4,23 1.671,25<br />

PSD Bank Hessen-Thüringen 4,29 1.688,75<br />

Postbank 4,40 1.720,83<br />

Deutsche Bank 4,41 1.723,75<br />

1822direkt 4,42 1.726,67<br />

*<br />

Monatlich in Euro, ohne Berücksichtigung von Gebühren<br />

Trend beim Baugeld: leicht fallend<br />

Quelle: Angaben ohne Gewähr Stand: 13.12.<strong>2023</strong><br />

BOHRINSEL: Einstieg in den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen<br />

ÖL<br />

Good COP, bad COP<br />

Der Ölpreis reagiert kaum auf die Ergebnisse der COP28.<br />

Langfristig dürfte die Abkehr von fossilen Energien belasten<br />

Ein Erfolg oder ein Desaster? Was hat<br />

die UN-Klimakonferenz COP28 gebracht,<br />

die ausgerechnet im Öl-Emirat<br />

Dubai stattfand? Die Entwicklung des<br />

Ölpreises gibt Aufschluss über die Ergebnisse<br />

des Abschlussprotokolls. Kurz nach<br />

der Veröffentlichung sackte die Notierung<br />

für ein Barrel WTI kurz ab und verlor<br />

innerhalb weniger Minuten rund drei<br />

Prozent – bevor eine Erholung einsetzte.<br />

Das spricht für ein Patt als Ergebnis.<br />

Als ein Erfolg gewertet werden kann<br />

die COP28 angesichts der Ausgangslage<br />

und des Verhandlungsverlaufs: Die Erwartungen<br />

waren angesichts des Verhandlungsortes<br />

und des Vorsitzenden<br />

Sultan Ahmed al-Dschaber, dem Chef<br />

des Ölriesens Adnoc, schon sehr niedrig.<br />

Zwischenzeitlich schien, als ob es die Ölstaaten<br />

schaffen würden, die Abkehr von<br />

fossilen Brennstoffen ganz aus der Abschlusserklärung<br />

verschwinden zu lassen.<br />

Langfristig reichen die Ergebnisse<br />

nicht, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten<br />

und die Erderwärmung zu stoppen.<br />

Das Ergebnis der „COP28 ist besser<br />

als befürchtet, aber weniger als notwendig<br />

wäre“, kommentiert die Financial<br />

Times. „Endlich haben wir ein Abkommen,<br />

das alle Länder auffordert, sich<br />

von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu<br />

verabschieden – das ist ein Schritt nach<br />

vorne, aber aus unserer Sicht muss noch<br />

mehr getan werden“, analysiert Matthias<br />

Fawer. „Wir teilen die Ansicht der<br />

Länder und Klimaschützer, die mit dem<br />

Wortlaut des Abkommens nicht zufrieden<br />

sind und infrage stellen, ob dieses<br />

mit dem in Paris 2015 festgelegten<br />

1,5-Grad-Pfad übereinstimmt“, bekräftigt<br />

der ESG-Experte der Schweizer Privatbank<br />

Vontobel.<br />

Langfristig dürfte der Einstieg in die<br />

Abkehr von fossilen Energien den Ölpreis<br />

belasten. Die Notierungen für WTI<br />

und Brent stehen ohnehin schon seit<br />

Wochen unter Druck: Einerseits sinkt<br />

die Nachfrage aufgrund der schwächelnden<br />

Weltkonjunktur, insbesondere<br />

der Probleme in China. Andererseits<br />

deutet sich in Saudi-Arabien ein Strategiewechsel<br />

an. Das Königreich könnte<br />

den Ölmarkt mit zusätzlichem Angebot<br />

fluten – statt sich wie bisher an den Produktionskürzungen<br />

des Kartells OPEC+<br />

zu beteiligen.<br />

HF<br />

Ölpreis bleibt unter Druck<br />

WTI<br />

Preis je Barrel<br />

in Euro<br />

2021 2022 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

120<br />

100<br />

80<br />

60<br />

40<br />

8 Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


BUNDESHAUSHALT 2024<br />

Teure Bescherung<br />

für Verbraucher<br />

MIKAS MARKT-MONITOR<br />

Stark, stärker, Franken<br />

Er steigt und steigt. Der Schweizer<br />

Franken strotzt nur so vor Stärke. Gegenüber<br />

dem Euro hat er längst die<br />

Parität geknackt. Für einen Euro bekommen<br />

Reisende in die Eidgenossenschaft<br />

nur noch 95 Rappen. Vor<br />

15 Jahren waren es noch 160 Rappen<br />

– ein spektakulärer Anstieg des Franken.<br />

Der Franken ist die klassische<br />

Fluchtwährung. Wenn es irgendwo<br />

Probleme auf der Welt oder an den<br />

Finanzmärkten gibt, strömen internationale<br />

Anleger – mit nicht immer<br />

ganz sauberem Geld – am liebsten<br />

in die Schweiz. Selbst das Bankenbeben<br />

im Frühjahr mit der Schieflage<br />

der Credit Suisse konnte das Vertrauen<br />

in die Eidgenossenschaft<br />

nicht nachhaltig erschüttern.<br />

Eigentlich war die Franken-Stärke<br />

gegenüber dem Euro <strong>2023</strong> überraschend.<br />

Die Schweizer Nationalbank<br />

SNB erhöhte ihre Leitzinsen<br />

weniger als die anderen Notenbanken<br />

in den Industrienationen. Darüber<br />

hinaus gab es in der Europäischen<br />

Währungsunion keine großen<br />

Unter Parität<br />

Für einen Euro gibt es nur noch<br />

95 Rappen. Der Franken strotzt<br />

nur so vor Stärke. Das sollte<br />

auch 2024 so bleiben. Die<br />

Schweizer Notenbank wird<br />

wohl später mit Zinssenkungen<br />

beginnen als die EZB<br />

MIKA HOFFMANN,<br />

REDAKTEUR<br />

FOCUS MONEY<br />

Reibungen – Probleme in der Euroland-Peripherie<br />

führen sonst regelmäßig<br />

zu Aufwärtsbewegungen beim<br />

Franken.<br />

Die SNB kämpfte jahrelang gegen<br />

einen zu starken Franken, um die Exportindustrie<br />

des Landes zu schützen<br />

– ohne jeden Erfolg. Jetzt hat die Zentralbank<br />

in Bern ihre Strategie geändert:<br />

Der starke Franken dient als<br />

Schutzschild gegen die Inflation. Je<br />

stärker die eigene Währung, desto<br />

niedriger die Importpreise und somit<br />

die Preissteigerungsraten für die eigene<br />

Bevölkerung. Zusätzlich ist die<br />

Kaufkraft der Schweizer im Ausland<br />

enorm hoch – ein Vorteil einer starken<br />

Währung, die zu D-Mark-Zeiten<br />

auch die Deutschen hatten.<br />

Steigt der Schweizer Franken jetzt<br />

weiter nach oben? Die Bank of America<br />

bezeichnet ihn als die am „hartnäckigsten<br />

überbewertete Währung“.<br />

Das wird auch 2024 so bleiben – insbesondere<br />

wenn es im Zuge der Wahlen<br />

zum Europäischen Parlament zu<br />

Spannungen in der Eurozone kommen<br />

sollte.<br />

Euro in Schweizer Franken<br />

0,9<br />

2008 11 14 17 20 <strong>2023</strong><br />

1,5<br />

1,3<br />

1,1<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Sollen wir uns jetzt freuen oder nicht? So<br />

recht kann man diese Frage nicht beantworten.<br />

Die gute Nachricht ist: Der Bundeshaushalt<br />

für 2024 ist gesichert. Die schlechte<br />

Nachricht dabei ist: Verbraucher dürfte<br />

die Einigung teuer zu stehen kommen.<br />

Doch der Reihe nach: Im November erklärte<br />

das Bundesverfassungsgericht den<br />

Nachtragshaushalt der Ampel für nichtig.<br />

60 Milliarden Euro an ungenutzten Kreditermächtigungen<br />

für den Kampf gegen<br />

Corona hätten nicht rückwirkend in den<br />

Klima- und Transformationsfonds verschoben<br />

werden dürfen. Diese 60 Milliarden<br />

Euro fehlen seither im Bundeshaushalt.<br />

17 Milliarden Euro sind es für 2024.<br />

Vor allem bei der Energie werden die<br />

Menschen 2024 tiefer in die Tasche greifen<br />

müssen. Das liegt am steigenden CO2-Preis.<br />

Dieser sollte ursprünglich von heute 30<br />

Euro pro Tonne CO2 auf 40 Euro steigen.<br />

Jetzt sind 45 Euro angesetzt. Tanken – egal<br />

ob Benzin oder Diesel – dürfte ein paar Cent<br />

teurer werden. Deutlicher fällt der Anstieg<br />

beim Heizen aus. Bei einem Jahresverbrauch<br />

von 20 000 Kilowattstunden (kWh)<br />

eines durchschnittlichen Haushalts rechnet<br />

das Vergleichsportal Check24 mit einem<br />

um 81 Euro höheren Öl- und um 60<br />

Euro höheren Gaspreis. Bei Letzterem<br />

kommen durch den Wegfall der Gaspreisbremse<br />

178 Euro hinzu.<br />

Durch den Wegfall des Zuschusses für<br />

Netzentgelte über 5,5 Milliarden Euro dürfte<br />

sich der Strompreis verteuern. Das Verbraucherportal<br />

Verivox geht bei einem<br />

Haushalt mit einem Verbrauch von 4000<br />

kWh von mindestens 100 Euro pro Jahr aus.<br />

Das ist längst nicht alles. Auf innerdeutschen<br />

Flügen wird eine von Umweltschützern<br />

schon lange geforderte Kerosin-Steuer<br />

eingeführt. Tickets dürften damit teuer werden.<br />

Die bisher vom Staat an die EU finanzierte<br />

Plastikabgabe soll künftig von den<br />

Unternehmen kommen. Diese könnten die<br />

Kosten an den Verbraucher weiterleiten.<br />

Durch die Streichung des Agrardiesels<br />

könnten Lebensmittel teuerer werden. Dass<br />

die Prämien für E-Autos fallen sollen, dürfte<br />

schließlich dem Ausbau der E-Mobilität<br />

einen weiteren Dämpfer verleihen. BAN<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: iStock 9


moneykompakt<br />

ALTERSVORSORGE<br />

Betongold bröckelt langsam<br />

Die Immobilie zur Altersvorsorge ist immer noch erste Wahl. Auf<br />

Rang zwei rangieren heute Wertpapiere wie Aktien und Fonds<br />

Auch wenn das Eigenheim hierzulande immer<br />

noch die vertrauenswürdigste aller Vorsorgeformen<br />

ist: Die Liebe zum Betongold<br />

schwindet: Waren 2020 noch 51 Prozent<br />

der Berufstätigen der Meinung, dass die eigenen<br />

vier Wände erste Wahl in puncto Altersvorsorge<br />

seien, ist die Quote nun auf 42<br />

Prozent gesunken. Diese Bilanz zieht eine<br />

repräsentative Umfrage des Marktforschers<br />

Yougov im Auftrag der HDI Versicherungen.<br />

Stark in die Knie gegangen ist das Festhalten<br />

am Eigenheim vor allem bei Gutverdienern<br />

ab einem Nettoeinkommen von monatlich<br />

5000 Euro (von 69 Prozent im Jahr<br />

2020 auf jetzt 45 Prozent). Auch fiel die Zuversicht<br />

in Betongold bei Männern (<strong>52</strong> Prozent<br />

auf 42 Prozent) stärker als bei Frauen<br />

(50 Prozent auf 42 Prozent).<br />

Zudem gibt es zwischen den Bundesländern<br />

Unterschiede: Regional sticht Hessen<br />

mit dem größten Vertrauensverlust unter<br />

allen 16 Bundesländern bei Immobilien<br />

hervor (von 59 Prozent auf 43 Prozent). Die<br />

Bundeshauptstadt erreicht mit Abstand<br />

den niedrigsten Wert: Lediglich 31 Prozent<br />

der Berliner Arbeitnehmer setzen ins eigene<br />

Haus respektive Wohnung das größte<br />

Vertrauen hinsichtlich der Altersvorsorge.<br />

Gründe für diese Entwicklung sind nach<br />

Ansicht von Jens Warkentin, Vorstandsvorsitzender<br />

von HDI Deutschland, allen voran<br />

die gestiegenen Kreditzinsen für Immobilien<br />

sowie merklich höhere Ausgaben<br />

für Baumaterialien und Handwerker.<br />

Im Ranking der vertrauenswürdigsten<br />

Vorsorgeformen nach der Immobilie liegen<br />

auf Rang 2 Wertpapiere wie Aktien und<br />

Fonds. Auch wenn diese Investments aufgrund<br />

hoher Kursschwankungen an Vertrauen<br />

eingebüßt haben. Männer setzen<br />

dabei mehr als Frauen auf Wertpapiere.<br />

Auf Rang drei der HDI-Untersuchung<br />

landen vermietete Immobilien zur Altersvorsorge.<br />

Bargeld hingegen ist mittlerweile<br />

auf Rang vier vorgerückt. Auffällig ist,<br />

dass die arbeitende Bevölkerung hierzulande<br />

hinsichtlich der Altersvorsorge nun<br />

mehr auf Cash setzt als auf die Vorsorge per<br />

Policen. Egal, ob sich dabei um private Lebens-<br />

und Rentenversicherungen, die betriebliche<br />

Vorsorge oder die gesetzliche<br />

Rentenversicherung handelt. TS<br />

SIGNA<br />

Versicherungsgelder im Feuer<br />

In die Signa-Gruppe haben deutsche Versicherer wohl mehr als drei<br />

Milliarden Euro investiert – darunter Signal Iduna, Munich Re, Allianz<br />

Es brennt an allen Ecken und Enden bei der schwer<br />

angeschlagenen Signa-Gruppe des österreichischen<br />

Immobilieninvestors René Benko. Neben zahlreichen<br />

Insolvenzen im weit verzweigten Signa-Reich kommen<br />

auch zunehmend Zweifel am Geschäftsgebaren<br />

auf: So sollen überteuerte Mietverträge die Immobilienwerte<br />

aufgepumpt haben. Und wegen grober<br />

Pflichtverletzungen wurde Knall auf Fall der Vorstandschef<br />

der beiden wichtigsten Immobiliengesellschaften<br />

vor die Tür gesetzt.<br />

Alles Vorgänge, die die Geldgeber der Gruppe um<br />

ihre Investitionen bangen lassen. Jetzt kommt raus,<br />

dass Signa neben zahlreichen Banken (s. S. 70) auch<br />

bei vielen deutschen Versicherern tief in der Kreide<br />

steht. Laut einem Bericht der Financial Times (FT) sollen<br />

das mehr als drei Milliarden Euro sein – wovon<br />

etwa ein Drittel nicht durch Sicherheiten gedeckt sei.<br />

Allein die Signal Iduna habe Signa fast eine Milliarde<br />

Euro geliehen. Die Ergo, Tochter der Munich Re, sei<br />

mit rund 700 Millionen Euro dabei, die Allianz mit<br />

300 Millionen und der Volkswohl Bund mit 250 Millionen.<br />

Bei der R+V, die mit 500 Millionen Euro engagiert<br />

sei, sei mehr als die Hälfte nicht besichert. Zudem<br />

haben manche Versicherer nicht nur Kredite gewährt,<br />

sondern hätten sich auch an Signa-Gesellschaften beteiligt.<br />

Die LVM etwa hält 2,9 Prozent an Signa Prime<br />

Selection, deren Vorstandschef soeben gefeuert wurde.<br />

Ein erheblicher Teil des LVM-Engagements von<br />

300 Millionen Euro sei dabei nicht besichert.<br />

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin teilte der Financial<br />

Times mit, sie beobachte die Situation, das Risiko<br />

sei aber in den meisten Fällen im Vergleich zum Gesamtvermögen<br />

der einzelnen Versicherer unerheblich.<br />

Daher erwarte die Aufsicht keine wesentliche materielle<br />

Bedrohung für eine der betroffenen Gruppen. Das<br />

klingt für Versicherungskunden zunächst beruhigend,<br />

aber bei den Kapitalerträgen der Gesellschaften würden<br />

mögliche Ausfälle dennoch Spuren hinterlassen –<br />

und damit auch bei der Performance für ihre Kunden.<br />

WM<br />

RENÉ BENKO: Auch viele deutsche Assekuranzen vertrauten ihm hohe Summen an<br />

10<br />

Foto: People Picture/J. Hartmann FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


DAS KAUFE ICH JETZT<br />

Constellation: Anstoßen auf Kursgewinne<br />

Constellations Brands<br />

Aktienkurs in US-Dollar<br />

200-Tage-Linie<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

In Fällen, in denen der Autor selbst in die hier vorgestellten Anlageinstrumente investiert, erfolgt das frühestens zwei Wochen nach Publikation<br />

KOHLEAUSSTIEG<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Milliarden-Beihilfen an RWE<br />

ANDREAS KÖRNER,<br />

REDAKTEUR<br />

FOCUS MONEY<br />

Das Segment der alkoholischen Getränke<br />

gilt als defensiv, die Erträge<br />

fließen relativ unabhängig von der<br />

Konjunktur. Das könnte sich in den<br />

kommenden Monaten für Käufer von<br />

Aktien aus diesem Bereich, wie Constellation<br />

Brands aus den USA, lohnen,<br />

wenn sich die Weltwirtschaft schwächer<br />

entwickelt als es die marktbreiten<br />

Börsenindizes aktuell einpreisen.<br />

Der Konzern zählt zu den weltweit<br />

größten Herstellern von Getränken<br />

mit Prozenten. Über die zwei Tochterfirmen<br />

Constellation Wines und<br />

Constellation Beers & Spirits produziert<br />

und verkauft das Unternehmen<br />

mehr als 200 Marken – darunter Corona-Bier<br />

oder Svedka Vodka. Constellation<br />

ist mit Marken wie Clos du<br />

Bois oder Robert Mondavi zudem<br />

der global größte Weinproduzent.<br />

Auch der Cannabis-Bereich kann<br />

zum Wachstum beitragen. Constellation<br />

hält rund 40 Prozent am führenden<br />

Marihuana-Konzern Canopy<br />

Growth aus Kanada, der auch bei Getränken,<br />

die auf der Hanfpflanze basieren,<br />

eine starke Stellung hat. Den<br />

Gewinn je Aktie taxieren die Analysten<br />

für 2024 im Schnitt auf 9,71 Dollar<br />

und für 2025 auf 13,20 Dollar. Trifft die<br />

Prognose ein, wäre das ein Plus von<br />

stolzen 36 Prozent – und wohl ein guter<br />

Treiber für neue Höchstkurse. Das<br />

relativiert die vergleichsweise niedrige<br />

Dividendenrendite von derzeit 1,4<br />

Prozent (ISIN: US21036P1084).<br />

240<br />

200<br />

160<br />

120<br />

Raus aus der Kohle. Erlebte die deutsche<br />

Kohle im vergangenen Jahr wegen<br />

der Energiekrise fast so etwas<br />

wie eine Renaissance, so ist der Ausstieg<br />

beschlossene Sache. Bereits<br />

Ende 2030 und nicht erst im Jahr<br />

2038 soll nach dem im Mai geschlossen<br />

„Reviervertrag 2.0“ die Verstromung<br />

von Kohle aus dem Rheinischen<br />

Revier auf Null reduziert werden.<br />

Für die grundsätzliche Stilllegung<br />

von Kohlekraftwerken und den<br />

Stopp der Braunkohleförderung im<br />

Rheinischen Revier wird RWE entschädigt.<br />

2,6 Milliarden Euro soll der<br />

Energiekonzern dafür erhalten, dass<br />

dort, wo bisher noch Braunkohle gefördert<br />

wird, künftig ein klimaneutraler<br />

Wirtschaftsstandort mit neuen Arbeitsplätzen<br />

und neuer Infrastruktur<br />

entstehen könnte. Die Bundesregierung<br />

hatte 2021 einen entsprechenden<br />

Antrag bei der Europäischen<br />

Kommission gestellt. Diese kam nun<br />

zu dem Schluss, dass die Summe<br />

der entgangenen Gewinne jene<br />

2,6 Milliarden Euro wohl übertreffen<br />

werde. Damit wurde die Zahlung als<br />

angemessen und nicht überzogen<br />

eingestuft und darf nun ausbezahlt<br />

werden.<br />

Auf ein gleichfalls positives Ergebnis<br />

aus Brüssel hofft der ostdeutsche<br />

Kraftwerksbetreiber Leag, der<br />

Braunkohle aus der Lausitz verfeuert.<br />

Die Prüfung dauert noch an.<br />

1,75 Milliarden Euro stellte die Bundesregierung<br />

in Aussicht. BAN<br />

INSOLVENZEN<br />

Pleitewelle rollt<br />

In Deutschland stieg die Zahl der<br />

Firmenpleiten um ein Viertel.<br />

Besonders betroffen: der Verkehr<br />

Schlechte Nachricht zum Jahresende: Die<br />

Zahl der Unternehmenspleiten ist <strong>2023</strong><br />

kräftig gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen<br />

des Statistischen Bundesamts (Destatis) legten<br />

die Insolvenzen im November gegenüber<br />

dem Vorjahresmonat um 18,8 Prozent<br />

zu. Seit Juni verzeichnen die Statistiker damit<br />

durchgängig zweistellige Zuwachsraten.<br />

Im Zeitraum von Januar bis September<br />

<strong>2023</strong> meldeten die Amtsgerichte 13 270 beantragte<br />

Unternehmensinsolvenzen – ein<br />

Plus von 24,7 Prozent im Vergleich zum<br />

Vorjahreszeitraum. Dabei bezifferten sie die<br />

Forderungen der Gläubiger in den ersten<br />

neun Monaten des Jahres auf rund 21,1 Milliarden<br />

Euro. Zum Vergleich: Im Jahr davor<br />

waren es rund 10,8 Milliarden Euro.<br />

Um eine bessere Vorstellung zu haben:<br />

Bezogen auf 10 000 Unternehmen gab es<br />

zwischen Januar und September in<br />

Deutschland 39,1 Unternehmensinsolvenzen.<br />

Dabei fiel der Löwenanteil der Pleiten<br />

je 10 000 Unternehmen auf die Wirtschaftsbereiche<br />

Verkehr und Lagerei (79,5<br />

Fälle). Dahinter folgten die sonstigen wirtschaftlichen<br />

Dienstleistungen (beispielsweise<br />

Zeitarbeitsfirmen) mit 63,8 Fällen.<br />

Die geringste Häufigkeit mit 4,4 Pleiten je<br />

10 000 Unternehmen gab es in der Energieversorgung.<br />

Achtung: Zu berücksichtigen<br />

ist, dass die Anträge erst nach der ersten<br />

Entscheidung des Insolvenzgerichts in die<br />

Statistik einfließen. Tatsächlich liegt der<br />

Zeitpunkt des Insolvenzantrags in vielen<br />

Fällen rund drei Monate davor. JM<br />

Beantragte Regelinsolvenzen<br />

2015 = 100<br />

1. 2. 3. 4.<br />

endgültiges<br />

Ergebnis<br />

vorläufiges<br />

Ergebnis<br />

Insolvenzantragspflicht ausgesetzt: 1. für Corona-Betroffene<br />

2. bei Überschuldung 3. bei ausstehenden Hilfszahlung<br />

4. Wiedereinsetzung Insolvenzantragspflicht<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)<br />

Euro<br />

100<br />

75<br />

50<br />

25<br />

11


moneytitel<br />

AUSBLICK<br />

TIPPS<br />

FÜR<br />

2024: Geht das Kurs-Feuerwerk<br />

jetzt weiter? Oder<br />

endet die Rally im Januar?<br />

12<br />

Foto: Adobe Stock FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Goldilocks oder Rezession? Kurs-Rally oder Absturz?<br />

Das neue Börsenjahr verspricht große Spannung. Mit<br />

den 40 Tipps für 2024 liegen FOCUS MONEY-Leser<br />

in allen Börsenlagen richtig<br />

von MIKA HOFFMANN<br />

Was bringt 2024 für Anleger? Geht die Rekordjagd<br />

weiter? Schließlich markiert<br />

der Deutsche Aktienindex Dax aktuell<br />

fast täglich ein neues Hoch. Oder bekommen<br />

wir einen scharfen Einbruch an den<br />

Weltbörsen? Schaffen die Notenbanken<br />

ein „Soft Landing“ , moderates Wirtschaftswachstum bei rückläufigen<br />

Inflationsraten, wie es die Optimisten prognostizieren<br />

– und das Szenario, auf das die Börsianer mit der Rekordjagd<br />

bei deutschen Aktien mehrheitlich setzen? Oder rutschen<br />

wir in einen Abschwung, in Deutschland angesichts hausgemachter<br />

Politik-Probleme sogar in eine tiefe Rezession?<br />

Eins steht fest: Langweilig wird das Börsenjahr 2024 sicherlich<br />

nicht. Das Gute: Es gibt in jedem Marktumfeld immer gute<br />

Anlagechancen. Anlagechancen, die sich auch im neuen Jahr<br />

lohnen. FOCUS MONEY stellt Ihnen auf den nächsten 20 Seiten<br />

der Titelgeschichte 40 aussichtsreiche Investments vor.<br />

Für jede Börsenlage und jeden Anlegertyp. Von sicheren Anleihen<br />

und ETFs über lukrative Aktien bis hin zu wertbeständigen<br />

Uhren und aussichtsreichen Ferienimmobilien.<br />

Erwartungen übertroffen. „Die Weltwirtschaft hat <strong>2023</strong> sogar<br />

unsere optimistischsten Erwartungen übertroffen“, analysiert<br />

Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs. Das<br />

Wachstum habe global wohl einen, in den USA sogar zwei Prozentpunkte<br />

über den Erwartungen gelegen, rechnet der Chef-<br />

volkswirt von Goldman Sachs vor. Im Gegenzug sei die Inflations-Kernrate<br />

ohne Energie und Lebensmittel in den<br />

Industrienationen von sechs Prozent im Jahr 2022 auf drei<br />

Prozent zurückgegangen. „Nächstes Jahr dürfte die Kernrate<br />

noch weiter zurückgehen: Obwohl die Normalisierung der Lieferketten<br />

und des Arbeitsmarktes weit fortgeschritten ist,<br />

dürften ihr disinflationärer Effekt weiter wirken und die Kernrate<br />

2024 auf zwei bis 2,5 Prozent drücken“, prognostiziert<br />

der Experte. Dank des positiven weltwirtschaftlichen Rückenwinds<br />

sieht Hatzius das Risiko einer globalen Rezession lediglich<br />

bei 15 Prozent.<br />

Powell mit Weihnachtsgeschenken. Fed-Chef Jerome Powell<br />

macht den Anlegern in der letzten Notenbanksitzung<br />

vor Weihnachten vorgezogene Geschenke. Die Fed pausierte<br />

zum dritten Mal in Folge und beließ die Fed Funds Target<br />

Rate in einer Bandbreite zwischen 5,25 und 5,50 Prozent. In<br />

seiner Erklärung machte Powell für einen Notenbanker relativ<br />

unmissverständlich klar: Die Federal Reserve ist mit<br />

Zinserhöhungen durch und wird 2024 die Leitzinsen senken<br />

– und zwar eher früher als später.<br />

Die Börsen feierten den Fed-Chef mit deutlich steigenden<br />

Kursen: Der Dow Jones schloss mit einem neuen Rekord<br />

erstmals über der Marke von 37 000 Punkten, der Dax<br />

knackte erstmals die 17 000. Die eigene Zinsprognose der<br />

Mitglieder des Offenmarktausschusses, die sogenannten<br />

Verhaltener Optimismus<br />

Bis zu 18 000 Punkten reichen die Prognosen für<br />

den Jahresendstand 2024. Einen veritablen Crash<br />

sagt keiner der Banken-Analysten voraus<br />

Dax<br />

in Punkten, 2024 Prognose<br />

Hoch<br />

Tief<br />

2020 21 22 23 2024<br />

Quelle: Bloomberg<br />

17000<br />

15000<br />

13000<br />

11000<br />

9000<br />

7000<br />

Große Spanne<br />

In den USA liegen die Prognosen der Investmentbanken<br />

deutlicher auseinander: Von 5100 bis 4200<br />

Punkten reichen die Vorhersagen für den S&P 500<br />

S&P 500<br />

in Punkten, 2024 Prognose<br />

Hoch<br />

Tief<br />

2020 21 22 23 2024<br />

Quelle: Bloomberg<br />

5000<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

13


moneytitel<br />

Höhere Kurse für Dax und S&P 500<br />

Bank Prognose 2024<br />

Dax<br />

S&P<br />

500<br />

Bank of America – 5000<br />

Barclays – 4800<br />

BMO Capital Markets – 5100<br />

BayernLB 16900 4800<br />

Deka Bank 17200 4800<br />

Deutsche Bank (Frankfurt) 16600 4700<br />

Deutsche Bank (New York) – 5100<br />

DZ Bank 17500 4800<br />

Goldman Sachs – 4700<br />

JPMorgan Chase – 4200<br />

Landesbank Hessen-Thüringen 17500 4800<br />

LBBW 18000 4900<br />

Morgan Stanley – 4500<br />

Nord/LB 17000 4600<br />

Oppenheimer – <strong>52</strong>00<br />

RBC Capital Markets – 5000<br />

Société Générale – 4750<br />

UBS – 4700<br />

Unicredit 17300 5000<br />

Wells Fargo Securities – 4625<br />

Quelle: Unternehmensangaben, eigene Recherchen, Angaben in Punkten<br />

Dot-Plots, signalisieren jetzt drei Leitzinssenkungen im<br />

nächsten Jahr. Der Terminmarkt eilt schon voraus und<br />

preist bereits Lockerungen in Höhe von 1,5 Prozentpunkten<br />

ein. „Viele Marktteilnehmer sind aus unserer Sicht zu<br />

optimistisch mit Blick auf baldige Leitzinssenkungen“,<br />

warnt Jens Ehrhardt. „Das hohe Zinsniveau hat seine Auswirkungen<br />

in der Wirtschaft bis jetzt noch nicht voll entfalten<br />

können – diese Entwicklung steht erst am Anfang: Es ist<br />

daher möglich, dass Unternehmensgewinne stärker zurückkommen<br />

als erwartet“, prognostiziert der Fondsmanager<br />

und Vermögensverwalter.<br />

Viel Optimismus. Ungeachtet dessen sind die meisten Prognosen<br />

für den deutschen Aktienmarkt optimistisch. Wirklicher<br />

Pessimismus ist kaum zu spüren – obwohl einige der<br />

Kursziele für 2024 schon in der Rally der vergangenen Wochen<br />

erreicht wurden. An der Spitze der Prognosen liegt die<br />

LBBW, die den Dax bis zum Ende des neuen Jahres bei 18 000<br />

Punkten sieht. Insbesondere für die zweite Jahreshälfte erwarten<br />

die Experten der Landesbank deutlichen Rückenwind<br />

von sinkenden Leitzinsen. „Mehr Planungssicherheit für die<br />

Unternehmen nach den US-Präsidentschaftswahlen in Verbindung<br />

mit einer großzügigeren Geldpolitik böten die Voraussetzung<br />

für einen längeren zyklischen Aufschwung – diesen<br />

würden die Aktienmärkte sicher vorwegnehmen,<br />

WAHLEN<br />

Politische Hochspannung<br />

POLITIKER TSAI, PUTIN, BIDEN: Wer geht, wer bleibt?<br />

Es geht schon gut los: Am 13. Januar wird<br />

in Taiwan gewählt. Geopolitisch ist es<br />

hochbrisant, wer Nachfolger der amtierenden<br />

Präsidentin Tsai Ing-wen wird. In<br />

den Umfragen führt derzeit Vizepräsident<br />

Lai Ching-te von der chinakritischen DPP,<br />

die seit 2016 regiert. Die USA würden seinen<br />

Wahlsieg sehr begrüßen. Präsidentin<br />

Tsai und Vize Kai sehen Taiwan nicht als<br />

Teil Chinas. Peking hat die offiziellen Kanäle<br />

zur amtierenden Regierung in Taipeh<br />

abgebrochen und steigerte in den vergangenen<br />

Jahren den militärischen Druck<br />

auf die Insel. Ein geplantes Bündnis der<br />

beiden großen Oppositionsparteien – unter<br />

anderem der chinafreundlichen Kuomintang<br />

– ist geplatzt und es gibt keinen<br />

gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl.<br />

Das erhöht die Chancen<br />

von Vize Lai, dessen Partei allerdings<br />

Schwierigkeiten haben wird, eine Parlamentsmehrheit<br />

zu erreichen. Ein Wahlsieg<br />

Lais dürfte die Spannungen um Taiwan<br />

verschärfen und das Verhältnis<br />

zwischen den USA und China noch mehr<br />

belasten.<br />

Weniger spannend wird am 17. März<br />

die „Wahl“ in Russland. Präsident Wladimir<br />

Putin wird sich erneut zum Präsidenten<br />

küren lassen. Wirkliche Oppositionsparteien<br />

sind verboten, unabhängige<br />

Kandidaten werden nicht zur Wahl zugelassen<br />

und mehrere unabhängige Medien<br />

von der Wahlberichterstattung ausgeschlossen.<br />

Einem klaren Sieg Putins<br />

steht damit nichts entgegen.<br />

Bei den Wahlen zum Europa-Parlament<br />

vom 6. bis 9. Juni liegt das Hauptaugenmerk<br />

auf dem Abschneiden der<br />

Rechtsaußen-Parteien. Setzen diese ihren<br />

Höhenflug fort, den sie in vielen europäischen<br />

Ländern begonnen haben?<br />

Am 5. November finden die US-Präsidentschaftswahlen<br />

statt – der wichtigste<br />

Urnengang des Jahres. Die Beliebtheitswerte<br />

von Präsident Joe Biden sind<br />

vor allem wegen seines hohen Alters im<br />

Keller: Viele Amerikaner trauen dem<br />

81-Jährigen keine zweite Amtszeit zu. In<br />

Umfragen für die Vorwahlen der Republikaner,<br />

die am 15. Januar in Iowa beginnen,<br />

führt Donald Trump derzeit klar. Der<br />

Ex-Präsident muss aber erst mehrere<br />

Gerichtsverfahren überstehen. Für die<br />

internationalen Beziehungen, insbesondere<br />

für Europa und die Ukraine, wäre<br />

ein Trump-Sieg eine große Belastung.<br />

14 Fotos: Bloomberg<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Wie stark ist der Dollar?<br />

Der US-Dollar zeigte <strong>2023</strong> weiter Stärke. Zuletzt<br />

ließ die Aufwärts-Dynamik jedoch nach. Steigt der<br />

Greenback auf 1,20 Dollar je Euro oder fällt er auf<br />

die Parität zurück?<br />

Euro<br />

2020 21 22 23 2024<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Inflation<br />

in Prozent<br />

Schweden<br />

Großbritannien<br />

Euroland<br />

USA<br />

Schweiz<br />

in US-Dollar<br />

Hoch<br />

Tief<br />

1,20<br />

1,10<br />

1,00<br />

0,90<br />

Inflation im Griff<br />

Die Notenbanken scheinen die Inflation in den Griff<br />

bekommen zu haben – die Preissteigerungsraten<br />

gehen deutlich zurück. 2024 dürfte deswegen der<br />

Weg zu Zinssenkungen frei sein<br />

Quelle: Bloomberg<br />

0 2 4 6 8 10 12<br />

Wirtschaftswachstum<br />

Prognose für 2024 in Prozent<br />

China 4,8<br />

Welt 2,6<br />

USA 2,1<br />

Japan 1,5<br />

Frankreich 1,1<br />

Euroland 0,9<br />

Deutschland 0,6<br />

Großbritannien 0,5<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

aktuell<br />

Zyklushoch<br />

Optimistische Prognose<br />

Die Experten von Goldman Sachs sind optimistisch<br />

für die Weltwirtschaft und trauen vielen Ländern<br />

mehr zu als der Analystendurchschnitt. Deutschlands<br />

Wachstum bleibt schwach<br />

Quelle: Goldman Sachs<br />

insofern erwarten wir für den späteren Jahresverlauf spürbare<br />

Kursgewinne“, begründen die LBBW-Fachleute ihren<br />

Optimismus.<br />

Deutlich pessimistischer ist die Bank of America für den<br />

europäischen Aktienmarkt. Der breite europäische Aktienindex<br />

Stoxx 600 könnte bis Mitte des Jahres 15 Prozent verlieren,<br />

erwartet BofA-Stratege Sebastian Raedler. Bis zum<br />

Jahresende könnte dann zwar eine leichte Erholung einsetzen,<br />

die aber immer noch ein Minus von zehn Prozent auf Indexebene<br />

bedeuten würde. Gegenwind für die Weltwirtschaft,<br />

wenn sich die Auswirkungen der Leitzinserhöhungen der<br />

Zentralbanken in vollem Maß zeigten, werde sich in Europa<br />

negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken, erwartet<br />

Raedler. Die Gewinnschätzungen dürften bis Jahresende um<br />

mehr als 15 Prozent sinken. Insbesondere zyklische Werte<br />

und Value-Titel sieht Raedler als gefährdet für eine Kurskorrektur:<br />

„Mit dem Status Europas als zyklische Region mit einem<br />

Schwerpunkt auf Value-Aktien rechnen wir mit einer<br />

anhaltend schwächeren Entwicklung Europas im Vergleich<br />

zum MSCI Weltindex“, fasst Raedler zusammen.<br />

In den USA klaffen die Prognosen für die Wall Street weit<br />

auseinander. Mit am optimistischsten ist die Deutsche Bank<br />

in New York: Sie prognostiziert für 2024 einen neuen Rekord<br />

für den S&P 500 und einen Jahresendstand von 5100<br />

Punkten. Das wäre gegenüber dem aktuellen Niveau ein<br />

Plus von gut zehn Prozent. US-Chefstratege Binky Chadha<br />

rechnet mit einem „Soft landing“ der US-Konjunktur: Die<br />

Kerninflation sei gefallen und „weitere Rückgänge führen<br />

die Inflationsraten auf Vor-Corona-Niveaus – ohne dass das<br />

Wachstum sinken muss“. Selbst wenn es zu einer Rezession<br />

kommen sollte, hält der Experte die potenziell negativen<br />

Auswirkungen für gering: „Eine Rezession wäre von allen<br />

erwartet und würde wohl mild und kurz ausfallen“, analysiert<br />

Chadha.<br />

Unrealistische Goldilocks. Nur 4200 Punkte erwartet dagegen<br />

JPMorgan Chase. „Der Markt preist aktuell eine Art<br />

‚soft landing‘ ein und viele sehen sogar ‚Goldilocks‘ – die beste<br />

aller Welten: Weder zu heiß noch zu kalt“, sagt Dubravko<br />

Lakos-Bujas. „Unrealistisch“ heißt das Urteil des globalen<br />

Chef-Aktienstrategen der größten Bank der USA. Der Experte<br />

sieht den Aktienmarkt als „sehr verletzlich“: Ein Konjunkturabschwung<br />

dürfte die Unternehmensgewinne belasten,<br />

weniger Preissetzungsmacht die Gewinnmargen. Dazu kämen<br />

noch hohe Bewertungen, überkaufte Positionierungen<br />

und eine niedrige Volatilität – und damit ein zehnprozentiges<br />

Abwärtspotenzial für den S&P 500.<br />

Die Prognosen liegen für 2024 so weit auseinander wie<br />

schon lange nicht mehr. Das gilt auch für den Dollar, die Zinsentwicklung<br />

und den Ölpreis. Das spiegelt die große Unsicherheit<br />

der Anleger wider. Die geopolitischen Spannungen,<br />

die sich jederzeit wieder verschärfen können, und die Wahlen,<br />

insbesondere in den USA (s. Kasten links) tragen nicht<br />

zu einer höheren Visibilität bei. „Einen massiven Einbruch<br />

an den Märkten erwarten wir derzeit aber nicht – wir stellen<br />

uns im Aktienbereich defensiver auf und haben Sondersituationen<br />

im Blick“, lautet der Rat von Jens Ehrhardt aus seiner<br />

jahrzehntelangen Erfahrung. Auf den folgenden Seiten<br />

finden Sie 40 Investments für ein erfolgreiches Jahr 2024.<br />

15


moneytitel<br />

SCHLANGEN-<br />

BESCHWÖRUNG:<br />

Sensex erreichte<br />

Allzeithoch<br />

Franklin FTSE India UCITS ETF<br />

prozentuale Entwicklung<br />

seit 3.1.2020<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

1.<br />

Indien<br />

+40<br />

+20<br />

0<br />

–20<br />

–40<br />

Es gibt was zu verdienen<br />

steht vor großen Herausforderungen.<br />

Um die Verfügbarkeit<br />

von Getreide zu erhöhen und<br />

die Preise zu senken, hat das<br />

Land die Obergrenze für Weizenbestände,<br />

die Händler halten dürfen,<br />

gesenkt. Laut Statista liegt<br />

die durchschnittliche Inflationsrate<br />

in Indien 2022 bei 6,66 Prozent<br />

und <strong>2023</strong> bei 5,46 Prozent<br />

liegen. Während wohlhabende Inder<br />

davon kaum betroffen sein<br />

dürften, wird die Mehrheit der Bevölkerung<br />

unter den steigenden<br />

Preisen leiden.<br />

An der Börse hingegen sind<br />

steigende Preise willkommen, der<br />

Sensex erreichte ein Allzeithoch.<br />

Das zeigt den Anlegern, dass es<br />

an der Börse des Subkontinents<br />

etwas zu verdienen gibt. Der thesaurierende<br />

ETF (siehe Grafik<br />

links) auf den FTSE India hat in<br />

den vergangenen drei Jahren um<br />

WKN/ISIN A2PB5W/IE00BHZRQZ17<br />

Fondsvermögen 353 Mio. €<br />

Gesamtkostenquote (TER) p. a. 0,19 %<br />

Replikationsmethode<br />

physisch<br />

Fondswährung<br />

USD<br />

Kurspotenzial 28 %<br />

Quellen: Bloomberg<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

58 Prozent zugelegt. Im FTSE India<br />

tummeln sich 212 Aktien. Die<br />

Ein-Jahres-Volatilität des ETFs lag<br />

zuletzt bei 11,30 Prozent, ein Risiko,<br />

das für ein Schwellenland-Papier<br />

als gering bezeichnet werden<br />

kann.<br />

Ein Grund für die Robustheit<br />

des indischen Aktienmarktes<br />

liegt in der Wirtschaft. So lag das<br />

Produktionswachstum im letzten<br />

Quartal bei 7,6 Prozent. Es wird<br />

bereits spekuliert, dass Indien in<br />

diesem Jahr das stärkste Wachstum<br />

aller großen Volkswirtschaften<br />

aufweisen wird. Davon profitieren<br />

die großen Konzerne – und<br />

die Börse.<br />

Indien steht am Anfang einer<br />

Aufholjagd. Laut dem Nachrichtendienst<br />

Nikkei Asia haben 1,4<br />

Milliarden Inder im Jahr 2022 ein<br />

Bruttoinlandsprodukt von 3,4 Billionen<br />

Dollar erwirtschaftet, während<br />

1,4 Milliarden Chinesen 17,9<br />

Billionen Dollar schafften. Da ist<br />

Luft nach oben. Allerdings sollten<br />

Investoren nicht vergessen, dass<br />

die indische Rupie nicht den stabilsten<br />

Eindruck macht. Hier zeigt<br />

Indien den Charakter eines<br />

Schwellenlandes. Den Stoppkurs<br />

zur Verlustbegrenzung platzieren<br />

Anleger bei 31,50 Euro. DR<br />

2. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Betongold aus Schweden<br />

Wer auf dem schwedischen Immobilienmarkt<br />

investieren will, braucht Mut. NP3<br />

Fastigheter konzentriert sich auf renditestarke<br />

Gewerbeimmobilien vor allem<br />

in Nordschweden. Ein Vorteil: Es gibt weniger<br />

Konkurrenz. Das Geschäftsmodell<br />

klingt langweilig, hat aber zwischen Januar<br />

2015 und Januar 2022 zu einem<br />

Kursgewinn von rund 1300 Prozent geführt.<br />

Dass NP3 nicht ohne Risiko ist,<br />

zeigt die Börsenentwicklung. Von Janu-<br />

ar 2022 bis Oktober <strong>2023</strong> fiel der Aktienkurs<br />

um mehr als 60 Prozent. Die Immobilienkrise<br />

machte sich bemerkbar.<br />

Die norwegische Ratingagentur Nordic<br />

Credit Rating bestätigte kürzlich das<br />

langfristige Emittentenrating von NP3<br />

Fastigheter mit ‚BB‘. BB liegt im spekulativen<br />

Bereich, NP3 hat ein leicht erhöhtes<br />

Ausfallrisiko. Aber die Umsätze steigen<br />

von Jahr zu Jahr. Vom Geschäftsjahr<br />

2017 bis 2022 um 128 Prozent. Die Internetseite<br />

Simply Wall St schreibt von einem<br />

Gewinn, der sich in den nächsten<br />

Jahren mehr als verdoppeln wird. DR<br />

Quelle: Bloomberg<br />

NP3 Fastigheter AB<br />

Aktienkurs in Euro<br />

30<br />

20<br />

10<br />

2019 2020 2021 2022 <strong>2023</strong> 0<br />

MAI JAN JAN JAN JAN DEZ<br />

WKN/ISIN<br />

A14MJ9/SE0006342333<br />

Börsenwert 1,1 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e<br />

Verlust/18,8<br />

Kursziel/Stoppkurs 21,50/15,00 €<br />

Kurspotenzial 18 %<br />

e = erwartet<br />

16 Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

3.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Von wegen Langweiler<br />

Talanx<br />

Aktienkurs in Euro<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

Quellen: Bloomberg, Targo<br />

TLX100/DE000TLX1005<br />

Börsenwert 17,9 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 10,0/9,7<br />

Kursziel/Stoppkurs 79,00/40,00 €<br />

Kurspotenzial 14 %<br />

e = erwartet<br />

Ein unterschätzter Champion ist Talanx<br />

nicht mehr. Das MDax-Unternehmen hat<br />

in diesem Jahr eine großartige Performance<br />

erzielt. Der Versicherung stieg<br />

zum Liebling der Anleger auf. Dafür gibt<br />

es gute Gründe.<br />

Talanx zählt zu den größten Versicherungskonzernen<br />

in Europa. Im Kerngeschäft<br />

der Industrieversicherungen profitiert<br />

das Unternehmen aus Hannover<br />

vom günstigen Marktumfeld. Der hohe<br />

Marktanteil zahlt sich aus. Wichtigstes Asset<br />

ist die Hannover Rück mit einem Anteil<br />

von 50 Prozent. Der weltweit drittgrößte<br />

Versicherer profitiert wie seine<br />

Konkurrenten Munich Re und Zurich Re<br />

von der enormen Nachfrage nach Rückversicherungsleistungen.<br />

Auch international<br />

baut Talanx mit der Integration von<br />

Liberty Mutual in Brasilien, Kolumbien,<br />

Chile und Ecuador seine Marktposition<br />

ein. Erst in der vergangenen Woche hat<br />

die Tochter Hannover Rück mit einem<br />

überaus positiven Ausblick überrascht (s.<br />

S. 97). Die Talanx-Tochter stellte für das<br />

Jahr 2024 einen Nettogewinn von mehr<br />

als 2,1 Milliarden in Aussicht. Das ist knapp<br />

ein Viertel mehr als im laufenden Jahr.<br />

Die höheren Zinsen sind zugleich Chance<br />

und Risiko zugleich. Sollte es im kommenden<br />

Jahr durch die Europäische Zentralbank<br />

(EZB) und der amerikanischen<br />

Notenbank Fed zu einer Zinswende nach<br />

unten wird das Folgen für die Talanx. Insbesondere<br />

für die Lebenserstversicherungen<br />

ist dies ein Risiko. Bleiben die Zinsen<br />

hingegen hoch oder steigen sogar,<br />

wäre dies wegen der damit verbundenen<br />

höheren Wiederanlagerendite positiv. Ein<br />

weiteres Risiko stellt weiterhin das deutsche<br />

Retailgeschäft dar, auch wenn es bereits<br />

saniert wurde. Die Analysten sind angesichts<br />

des Allzeitshochs überwiegend<br />

abwartend oder positiv gestimmt. Während<br />

Morgan Stanley und Deutsche Bank<br />

dafür plädieren, die Aktie zu halten, geben<br />

DZ Bank und Berenberg eine Kaufempfehlung.<br />

<br />

HPS<br />

4. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Basis-Investment mit<br />

30 Prozent Rabatt<br />

<strong>2023</strong> war nicht das Jahr der Nestlé-Aktie.<br />

Solide Dividendenwerte<br />

mit nachhaltigem Wachstum waren<br />

wenig gefragt – im Gegensatz zu<br />

den hochgejubelten Tech-<br />

Schwergewichten in den<br />

USA. Nachdem die Renditen<br />

für Staatsanleihen<br />

deutlich gestiegen sind,<br />

hat die Beliebtheit von<br />

dividendenstarken Aktien<br />

deutlich nachgelassen.<br />

Langfristige Anleger ficht<br />

das nicht an – im Gegenteil:<br />

Sie bekommen die Nestlé-<br />

Aktie mit einem Rabatt von<br />

NESTLÉ-PRODUKT MAGGI:<br />

Wachstumsziele locker erreichbar<br />

fast 30 Prozent gegenüber den Höchstkursen<br />

aus dem Jahr 2022. Die Entwicklung<br />

des Unternehmens läuft ruhig und<br />

zuverlässig weiter nach oben. „In den<br />

nächsten Jahren wird Nestlé locker<br />

ihr Ziel eines organischen Wachstums<br />

im mittleren einstelligen Prozentbereich<br />

schaffen“, urteilen die<br />

Experten des Analysediensts<br />

Bloomberg Intelligence.<br />

Preise entscheidend. Um die<br />

Wachstumsziele zu erreichen, sei<br />

es notwendig, dass die Schweizer<br />

mit ihren Produkten weiterhin den<br />

Geschmack der Konsumenten<br />

treffen und vor allem die richtigen<br />

Preise veranschlagen. Das ist in<br />

Zeiten höherer Inflationsraten<br />

und preissensiblerer<br />

Käufer ein extrem wichtiger<br />

Faktor, erläutern die<br />

Experten. Dabei helfe die<br />

Marktführerschaft in den<br />

wichtigsten Geschäftsbereichen<br />

wie Kaffee, Tierprodukten,<br />

Ernährung und Wasser.<br />

Belastend für Nestlé ist<br />

derzeit der starke Schweizer<br />

Franken – ein wichtiger Faktor dafür,<br />

dass das Unternehmen die Umsatzprognosen<br />

im dritten Quartal verfehlte. Die<br />

Analysten der Deutschen Bank nehmen<br />

zwar ihre Gewinnschätzungen für 2024<br />

etwas zurück, belassen aber ihr Urteil<br />

bei „Kaufen“ und trauen der Aktie ein<br />

Plus von 14 Prozent zu. Für langfristig orientierte<br />

Anleger bleibt die Nestlé-Aktie<br />

ein Basisinvestment, das in jedes Depot<br />

gehört.HF<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Nestlé<br />

Aktienkurs in<br />

Schweizer Franken<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

120<br />

110<br />

100<br />

90<br />

80<br />

WKN/ISIN A0Q4DC/CH0038863350<br />

Börsenwert 251,8 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 20,3/19,0<br />

Kursziel/Stoppkurs 113,00/76,00 CHF<br />

Kurspotenzial 14 %<br />

e = erwartet<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Nestlé 17


moneytitel<br />

5.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Vor dem Allzeithoch<br />

Veolia<br />

Aktienkurs in Euro<br />

30<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

25<br />

20<br />

WKN/ISIN 501451/FR0000124141<br />

Börsenwert 21,0 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 15,9/13,6<br />

Kursziel*/Stoppkurs 41,00/26,80 €<br />

Kurspotenzial 41 %<br />

Quellen: Bloomberg, *höchstes Kursziel der Bloomberg-Analysten<br />

Veolia Environnement bietet Dienstleistungen<br />

in den Bereichen Wasser,<br />

Abfall und Energie an. Im März 2022<br />

schloss das französische Unternehmen<br />

die Fusion mit Suez ab und stärkte<br />

damit seine Position in Nordamerika.<br />

„Veolia North America ist heute<br />

der führende Anbieter von Trinkwasser-<br />

und Abwassersystemen für Städte<br />

und Gemeinden in den USA“,<br />

schreibt Veolia auf seiner Website.<br />

Was gut klingt, wurde an der Börse<br />

nicht honoriert. Der Kurs fiel bis September<br />

um gut 35 Prozent. Inzwischen<br />

ist das Allzeithoch wieder in<br />

Sicht.<br />

Die wirtschaftliche Lage von Veolia<br />

ist solide und das Unternehmen strebt<br />

an, ein globaler Champion der ökologischen<br />

Transformation zu werden.<br />

Bis zum Geschäftsjahr 2021 sind die<br />

Zuwächse bei Umsatz und Gewinn<br />

eher bescheiden gewesen, doch<br />

dann gab der Umsatz ordentlich Gas<br />

und stieg um rund 50 Prozent.<br />

Optimisten unter den Analysten halten<br />

einen Anstieg der Aktie auf über<br />

41 Euro für möglich. Charttechnisch<br />

orientierte Anleger steigen jedoch<br />

erst bei Kursen über 30,50 Euro ein.<br />

Stoppkurs zur Verlustbegrenzung:<br />

26,80 Euro. DR<br />

15<br />

e = erwartet<br />

6.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Globales Basisinvestment<br />

Der Weltaktienindex von MSCI ist vielleicht<br />

der wichtigste Aktienindex der<br />

Welt. Er umfasst große und mittelgroße<br />

Aktiengesellschaften aus 22 westlichen<br />

Industrieländern und besteht aus mehr<br />

als 1500 Einzelwerten. Diese extrem<br />

breite Streuung täuscht etwas darüber<br />

hinweg, dass der MSCI World stark USlastig<br />

ist. Das hängt mit der hohen Marktkapitalisierung<br />

der Wall Street zusammen.<br />

Die USA kommen auf einen Anteil<br />

von 70 Prozent. Japan und Großbritannien<br />

folgen mit weitem Abstand mit gut<br />

sechs und knapp vier Prozent.<br />

Die größten Positionen entfallen auf<br />

die sogenannten Magnificent Seven, also<br />

die sieben großen US-Techkonzerne Alphabet,<br />

Amazon, Apple, Meta Platforms,<br />

Microsoft, Nvidia und Tesla, die alle dieses<br />

Jahr um mindestens 50 Prozent gestiegen<br />

sind. Der MSCI World hat seit seiner<br />

Auflage am 31. Dezember 1987 jedes<br />

Jahr im Durchschnitt 8,2 Prozent an Wert<br />

gewonnen. In diesem Jahr beläuft sich<br />

das Plus schon auf rund 18 Prozent. Die<br />

durchschnittliche Dividendenrendite beträgt<br />

zwei Prozent, das KGV 16,8.<br />

Anleger können einfach und kostengünstig<br />

mit einem Indexfonds auf den<br />

MSCI World setzen – zum Beispiel mit<br />

dem Amundi MSCI World III ETF, den es<br />

allerdings erst seit April dieses Jahres<br />

gibt. Bei einem entsprechenden Sparplan,<br />

bei dem jeden Monat ein fixer Betrag<br />

investiert wird, kauft der Anleger<br />

weniger Anteile, wenn der ETF hoch notiert,<br />

also teuer ist, und mehr, wenn er tiefer<br />

steht und damit günstiger ist. LB<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Amundi MSCI World III<br />

Veränderungen in Prozent<br />

DIE WELT in einem ETF: Im<br />

MSCI World Index stecken<br />

die Aktienmärkte der<br />

Industrieländer<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

60<br />

40<br />

20<br />

0<br />

–20<br />

WKN/ISIN (aussch.) ETF018/LU2572257124<br />

Fondsvolumen 3,3 Mrd. €<br />

Fondswährung<br />

USD<br />

Ausgabeaufschlag/jährl. Gebühr bis 3,0/0,2 %<br />

Auflagedatum 21.04.<strong>2023</strong><br />

e = erwartet<br />

18<br />

Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Chance von sehr hoch<br />

bis sehr niedrig<br />

Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig KOHLE MIT KOHLE<br />

Glencore ist bei der<br />

Kohleförderung die<br />

7.<br />

Nummer eins und bietet<br />

viele weitere Rohwaren.<br />

Anleger können<br />

mitverdienen<br />

Quellen: Bloomberg, marketscreener.com<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Riesen-Rohstoff-Chance<br />

Glencore<br />

Aktienkurs in Euro<br />

5<br />

4<br />

3<br />

2<br />

1<br />

0<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

A1JAGV/JE00B4T3BW64<br />

Börsenwert 62,9 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 10,7/10,2<br />

Kursziel*/Stoppkurs 7,30/4,60 €<br />

Kurspotenzial* 43 %<br />

e = erwartet, *höchstes Kursziel<br />

Rohstoffkonzerne mit globaler Geltung<br />

suchen Anleger auf deutschen Kurszetteln<br />

vergeblich. Dabei sind die Lieferanten von<br />

Kohle, Kupfer & Co. ein essenzieller Teil jeder<br />

Produktionskette. Investoren haben<br />

aber die Chance, ausländische Aktien des<br />

Segments in ihr Depot zu nehmen. So verdienen<br />

sie am Multimilliardengeschäft ordentlich<br />

mit. Und sie ergänzen ihren meist<br />

Dax-lastigen Aktienmix ideal, weil sich<br />

Rohstoffe und entsprechende Aktien oft<br />

unkorreliert zu anderen Dividendentiteln<br />

entwickeln – ein guter Risikoausgleich.<br />

Welche Aktie wäre dafür besser geeignet<br />

als Glencore mit Sitz im steuergünstigen<br />

Schweizer Kanton Zug. Konkret ist<br />

Glencore die Nummer eins der Welt bei<br />

der Kohleproduktion, daneben sind besonders<br />

die Kupfer und Zinksparte stark<br />

aufgestellt. Auch die wertvollen Metalle Nickel<br />

sowie Kobalt werden gefördert. Insgesamt<br />

hat Glencore rund 60 Rohwaren<br />

im Programm und zählt auch mit dem Gesamtportfolio<br />

zu den Weltmarktführern.<br />

Das ist positiv, denn in diesem Sektor<br />

kommt es auf Größe an. Diese senkt durch<br />

Skaleneffekte die Kosten und ermöglicht<br />

es, eine aktive Rolle in der laufenden Branchenkonsolidierung<br />

zu spielen.<br />

Neben der günstigen Bewertung (s. Tabelle)<br />

spricht die hohe Dividendenrendite<br />

von 6,60 Prozent für den Kauf. Fantasie<br />

bringt eine mögliche Abspaltung des<br />

Kohlegeschäfts, was Bewertungsreserven<br />

heben und sich so positiv auf den Aktienkurs<br />

niederschlagen könnte. Zudem<br />

wird spekuliert, Glencore könne die britische<br />

Anglo American übernehmen. KÖ<br />

8. ■<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

THE BIG THREE Rubine,<br />

Saphire und Smaragde<br />

gelten als die Königsklasse<br />

der Farbedelsteine<br />

Ein ewiger Vermögensspeicher<br />

Sichere Sachwerte stehen derzeit bei<br />

vielen Anlegern hoch im Kurs. Neben<br />

Gold, Silber und Immobilien gibt es in dieser<br />

Kategorie eine Assetklasse, die man<br />

oft nicht unbedingt auf dem Schirm hat:<br />

Farbedelsteine. „Rubine, Smaragde, Saphire<br />

und Co. bieten denselben Vermögensschutz<br />

wie klassische Sachwerte,<br />

haben aber zudem Vorteile, die diese anderen<br />

Sachwerte Anlagen nicht bieten“,<br />

sagt Oliver Kleimaier, Geschäftsführer<br />

des Deutschen Edelsteinhaus. Ein Beispiel:<br />

Die Vermögensverdichtung und die<br />

Mobilität. Während man bei einer Wertanlage<br />

von 100 000 Euro in Gold oder Silber<br />

schnell bei mehreren Kilogramm angekommen<br />

ist, reicht bei Farbedelsteinen<br />

unter Umständen ein Stein von Investmentqualität,<br />

so der Experte. Und dieser<br />

lasse sich zur Not auch in der Hosentasche<br />

unbemerkt transportieren. Die Qualität<br />

und damit der Preis eines Steins wird<br />

in erster Linie von den sogenannten<br />

„vier C’s der Edelsteine“ bestimmt: Color,<br />

Cut, Carat, Clarity. Daneben ist die<br />

Seltenheit ein Garant für den hohen<br />

Werterhalt. Ein Vergleich: Während jedes<br />

Jahr weltweit über 20 Tonnen an Diamanten<br />

gefördert werden, liegt die jährliche<br />

Ausbeute bei Rubinen der besten Qualität<br />

lediglich etwa sechs bis acht Kilogramm<br />

– entsprechend hoch sind die<br />

Preise. Ein weiterer Vorteil von einem Investment<br />

in Farbedelsteine sei die Unabhängigkeit<br />

vom Finanzsystem, erklärt<br />

Kleimaier. So habe man von den Schocks<br />

durch die Corona-Krise, die Inflation oder<br />

den Krieg in der Ukraine kaum Auswirkungen<br />

gespürt. „Wir haben hier einen<br />

ewigen Vermögensspeicher. Sie können<br />

davon ausgehen, wenn Sie den Stein<br />

mehrere Jahre halten, dann haben Sie<br />

eine durchschnittliche Wertsteigerung<br />

per anno von vier bis sechs Prozent“,<br />

sagt Kleimaier. Enorme Renditen sind mit<br />

Farbedelsteinen also nicht zu erwarten.<br />

Aber welche Steine muss man nun kaufen?<br />

„Die Klassiker unter den Portfolioedelsteinen<br />

sind Saphir, Smaragd und<br />

Rubin“, sagt Kleimaier. Da müssten Anleger<br />

dann aber auch mit mindestens<br />

70000 Euro für einen einzelnen Stein<br />

rechnen. Bei anderen Farbedelsteinen in<br />

Investmentqualität, beispielsweise bei<br />

Tansaniten, Aquamarinen oder dem Mandarine<br />

Granat lägen die Einstiegspreise<br />

um die 15000 Euro. Wer also bereits ein<br />

breit diversifiziertes Portfolio von entsprechender<br />

Größe besitzt und auf der<br />

Suche nach einer wertstabilen und unabhängigen<br />

Assetklasse ist, für den können<br />

Farbedelsteine sicher eine spannende<br />

Anlagealternative sein. <br />

MD<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Fotos: Bloomberg, Adobe Stock (3) Composing: FOCUS MONEY<br />

19


moneytitel<br />

Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

9.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Realverzinsung<br />

von 2,25 Prozent<br />

Inflationsrate in der Euro-Zone<br />

in Prozent, ohne Tabakwaren,<br />

jeweils im September<br />

2015 16 17 18 19 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN RC1BYJ/AT0000A38J57<br />

Laufzeitende 21.12.2026<br />

Zinskupon, p.a. 2,25 % + Inflationsrate 1)<br />

Barriere 49 % 2)<br />

Nennwert (=Emissionskurs) 1000 €<br />

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Bank International<br />

10<br />

6<br />

2<br />

–2<br />

Realer Vermögensaufbau scheint angesichts<br />

höherer Zinsen und sinkender<br />

Inflation einfacher denn je. Was aber,<br />

wenn die Preise wieder stärker anziehen?<br />

Das Europa-Inflations-Bonus &<br />

Sicherheit-30-Zertifikat der Raiffeisen<br />

Bank International bietet eine reale Verzinsung<br />

von 2,25 Prozent per annum.<br />

Denn: Der Emittent zahlt Ende Dezember<br />

2024, 2025 und 2026 jeweils einen<br />

Zinskupon von 2,25 Prozent plus die<br />

jährliche Inflationsrate der Eurozone<br />

(exkl. Tabak) vom Monat September aus.<br />

Läge diese bei 3,5 Prozent, gäbe es also<br />

5,75 Prozent Zinsen – bezogen auf die<br />

1000 Euro Nennwert. Clou: Der Zins beträgt<br />

immer mindestens 2,25 Prozent.<br />

Und der Haken? Der Basiswert, in<br />

dem Fall der Euro-Stoxx-50, muss bis<br />

zum Laufzeitende immer über der Barriere<br />

von 49 Prozent seines Startwerts<br />

notieren, damit Anleger am Ende auch<br />

den Nennwert zurückbekommen. Gleiches<br />

gilt, wenn die Barriere touchiert<br />

wurde, der Index aber über dem Startwert<br />

notiert. Ansonsten werden Anleger<br />

an den Kursverlusten beteiligt. SR<br />

bis 22.12.23 in der Zeichnung; 1) der Eurozone<br />

exkl. Tabak, 2) des Startwerts (=Schlusskurs<br />

des Euro-Stoxx-50 vom 27.12.23)<br />

10. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Preziose von Porsche<br />

Auch wenn er von bösen Zungen als<br />

Maurer- und Hausfrauen-Porsche diffamiert<br />

wird: Der 924 S hat alles, was<br />

den Puls des Oldtimerfans zum Rasen<br />

bringt. Das Design ist cool, Rost ist<br />

dank einer feuerverzinkten Karosserie<br />

kein Thema. Und die Versorgung<br />

mit Ersatzteilen für den ab 1986 gefertigten<br />

924 S ist auch problemlos.<br />

Das Beste aber ist: Der Sportwagen<br />

mit hippen Klappscheinwerfern ist erschwinglich<br />

– und hat im Wert in den<br />

vergangenen 20 Jahren mächtig Gas<br />

gegeben (s. Grafik). Musste der Oldtimer-Freund<br />

2003 gerade mal läppische<br />

4900 Euro für den Porsche 924<br />

S mit wassergekühltem Motor in baulich<br />

gutem Zustand berappen, waren<br />

es <strong>2023</strong> bereits 15 000 Euro. Das entspricht<br />

einer ansehnlichen Wertentwicklung<br />

von gut 206 Prozent binnen<br />

zwei Dekaden. Allein im Zeitraum der<br />

Jahre 2020 bis <strong>2023</strong> kletterte der<br />

Wert eines 924 S um gut 36 Prozent.<br />

Diese Bilanz zieht eine Auswertung<br />

des Oldtimerspezialisten Classic Data.<br />

Die Fachleute gehen davon aus, dass<br />

die Wertsteigerung des Porsche 924<br />

S aus der Vergangenheit sich künftig<br />

ähnlich positiv fortschreiben wird.<br />

Im Jahr 1988 rief Porsche für seinen<br />

924 S einen Neupreis von – damals<br />

sündhaft teuren – 50 169 D-Mark ab.<br />

So kostspielig waren in dieser Zeit<br />

nicht mal Top-Autos von Mercedes!<br />

Kam im Einsteiger-Modell 924 noch<br />

ein alter Audi-Motor zum Einsatz,<br />

übernahm der 924 S den neuen, von<br />

Porsche-Ingenieuren eigens konstruierten<br />

2,5 Liter-Reihenvierzylinder der<br />

944er-Reihe mit 160 PS und einer<br />

Spitzengeschwindigkeit von 215 km/h.<br />

Vom 944 erbte der 924 S zudem die<br />

Bremsanlage, Fahrwerkskomponenten<br />

sowie Teile des Wagen-Interieurs.<br />

Auch die Alu-Felgen im „Telefon-Wählscheiben“-Look<br />

rückten den kleineren<br />

924 S in die Nähe des großen 944.<br />

Wie der 944 wurde auch der 924 S<br />

in sogenannter Transaxle-Bauweise<br />

gefertigt. Bei dieser sitzt der Motor<br />

vorn und das Getriebe an der angetriebenen<br />

Hinterachse des Wagens.<br />

Motor und Getriebe sind über eine<br />

Welle, die Transaxlewelle, verbunden.<br />

Wer sich den Porsche 924 S als Kapitalanlage<br />

in seine Doppelgarage<br />

stellen will, hat heute gute Chancen,<br />

noch ein ansehnliches Modell am hiesigen<br />

Markt zu erhaschen. Von den<br />

insgesamt 16 669 in den Jahren 1986<br />

bis 1988 gebauten 924 S sind laut aktuellen<br />

Zahlen des Kraftfahrtbundesamts<br />

in Flensburg hierzulande noch<br />

immerhin 2308 Autos zugelassen.TS<br />

Wertentwicklung Porsche 924 S<br />

25 651<br />

160 PS,Baujahr 1988,<br />

in Euro<br />

4 900<br />

Neupreis 2003<br />

15 000<br />

12 200<br />

9 500<br />

11 000<br />

2013<br />

2018<br />

2020<br />

<strong>2023</strong><br />

Quelle: Classic Data<br />

PORSCHE 924 S: Der<br />

Reihenvierzylinder leistet 160 PS<br />

20 Foto: Porsche<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


11.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

TOKIOTER EINKAUFSVIERTEL<br />

SHIBUYA Japans Haushalte verlegen<br />

sich vom Sparen aufs Konsumieren<br />

Aufschwung in Japan<br />

Der japanische Aktienmarkt dürfte aus<br />

dem Jahr <strong>2023</strong> mit einem Zuwachs von<br />

bisher rund 18 Prozent als einer der<br />

Überraschungskandidaten hervorgehen.<br />

Japan erntet jetzt die Früchte eines<br />

Jahrzehnts der Restrukturierung<br />

und Reformen. Die Verbesserung der<br />

Fundamentaldaten japanischer Unternehmen<br />

schlägt sich in nachhaltigem<br />

Gewinnwachstum nieder. Der schwache<br />

Yen befeuert die Exportwerte. Die sich<br />

verbessernde konjunkturelle Lage in<br />

Asien tut ihr Übriges.<br />

Der gute Lauf an der Tokioter Börse<br />

sollte sich fortsetzen. Der Übergang der<br />

japanischen Wirtschaft nach Jahrzehnten<br />

stagnierenden Wachstums und fallender<br />

Preise in einen leicht inflationären<br />

Zustand wirkt sich positiv auf den<br />

Konsum aus. Die Lohnerhöhungen haben<br />

dabei einen Dominoeffekt, weil sie<br />

sowohl den Konsum ankurbeln, als auch<br />

weitere Preissteigerungen unterstützen.<br />

Mit dem Fidelity Japan Value Fund können<br />

Anleger vom Aufschwung in Japan<br />

profitieren. Dieser investiert in japanische<br />

Valuewerte wie Mitsubishi UFJ Financial<br />

Group, Sumitomo Mitsui Financial<br />

Group, Itochu Corp, Kansai Electric<br />

Power und Sumitomo Forestry. BAN<br />

Quelle: Morningstar<br />

Fidelity Japan Value Y-Acc-EUR<br />

1.1.2019 = 100<br />

Fidelity Japan Value Y-Acc-EUR<br />

60<br />

20<br />

Nikkei 225 Average TR JPY<br />

0<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN (thes.) A1WZLW/LU0933613423<br />

Fondsvolumen 179 Mio. €<br />

laufende Kosten 1,07 %<br />

Fondswährung<br />

EUR<br />

Wertentwicklung 1/3/10 J. p.a. 14,8/9,3/9,2 %<br />

Volatilität 3 Jahre p.a. 10,8 %<br />

40<br />

Wertentwicklung auf Euro-Basis<br />

Quellen: Bloomberg<br />

12.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Comeback von Medtech<br />

iShares US Medical Devices UCITS ETF<br />

Kurs in US-Dollar<br />

6,5<br />

6,0<br />

5,5<br />

5,0<br />

4,5<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN (thes.) A2P64W/IE00BMX0DF60<br />

Fondsvolumen 145 Mio. €<br />

Fondswährung<br />

USD<br />

jährl. Gebühr 0,25 %<br />

Wertentwicklung lfd. Jahr/3 Jahre -2,9/11,0 %<br />

e = erwartet<br />

Die Medizintechnik-Branche erlebt<br />

schwierige Zeiten. Unternehmen, die<br />

künstliche Gelenke, Herzschrittmacher<br />

oder Herzklappen herstellen, litten während<br />

der Corona-Pandemie darunter,<br />

dass nicht-lebenswichtige Eingriffe aufgeschoben<br />

wurden. Und kaum schlug<br />

sich die Erholung des Marktes positiv auf<br />

die Aktienkurse nieder, kam der nächste<br />

Hammer, diesmal in Form der omnipräsenten<br />

Abnehmspritzen. Die schier<br />

unglaubliche Nachfrage nach den Medikamenten<br />

gegen Fettleibigkeit ließ viele<br />

Investoren plötzlich daran zweifeln,<br />

dass Menschen in Zukunft noch auf die<br />

Hightech-Produkte aus der Medizintechnik<br />

angewiesen sind. Denn, zugegeben,<br />

für viele der damit behandelten Krankheiten<br />

ist Adipositas, also starkes Übergewicht,<br />

ein wichtiger Risikofaktor.<br />

Die brutalen Kursverluste, die dieser<br />

Erkenntnis folgten, waren jedoch überzogen.<br />

Denn selbst wenn sich die Zahl der<br />

Menschen, die die Medikamente nutzen<br />

vervielfacht, bleibt die Marktabdeckung<br />

gering. Zudem setzen viele die Mittel aufgrund<br />

von Nebenwirkungen wie Übelkeit<br />

und Magen-Darm-Beschwerden nach einigen<br />

Monaten ab und nehmen dann in<br />

der Regel wieder zu. Und so gibt es diverse<br />

Gründe, warum Adipositas-Medikamente<br />

zwar auf lange Sicht durchaus<br />

weitreichende Veränderungen auslösen<br />

könnten. Eine echte Bedrohung sind sie<br />

jedoch für die Mehrzahl der Medizintechnik-Unternehmen<br />

nicht.<br />

Das eröffnet Anlegern Chancen, an der<br />

Erholung des Sektors zu partizipieren.<br />

Zum Beispiel mit dem Ishares US Medical<br />

Devices ETF (siehe Tabelle), der die<br />

Entwicklung von 54 meist großen Branchenvertretern<br />

abbildet. Wer lieber auf<br />

Einzelaktien setzt, kann sich zum Beispiel<br />

Stryker (WKN: 8649<strong>52</strong>) oder Zimmer Biomet<br />

(753718) anschauen. Die beiden Orthopädie-Konzerne<br />

sollten 2024 und<br />

2025 kontinuierlich wachsen und deutlich<br />

profitabler werden.<br />

JGR<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Adobe Stock 21


moneytitel<br />

Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

Ceotronics<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

Quellen: Bloomberg, Targo<br />

6<br />

5<br />

4<br />

3<br />

2<br />

1<br />

540740/DE0005407407<br />

Börsenwert 31,9 Mio. €<br />

KGV 2024e/25e 12,6/9,8<br />

Dividendenrendite 2024e/25e 3,9/4,3 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 6,00/3,30 €<br />

Kurspotenzial 36 %<br />

e = erwartet<br />

13.<br />

Gute Krisen-<br />

Kommunikation<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Feuerwehren, Rettungskräfte, Flughafenpersonal,<br />

Polizei oder Spezialkräfte<br />

(Militär) müssen oft unter widrigsten Umständen<br />

miteinander kommunizieren,<br />

idealerweise sollten die Hände dabei frei<br />

bleiben. Mit seinen Headsets sorgt Ceotronics<br />

für einen optimalen Sprachaustausch.<br />

Krisen in der Welt haben dem<br />

Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr<br />

2022/23 (vom 1. Juni 2022<br />

bis zum 31. Mai <strong>2023</strong>) einen Rekordumsatz<br />

von 30,1 Millionen Euro beschert.<br />

Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte dabei<br />

um 7,3 Prozent auf 3,9 Millionen Euro<br />

und die Ebit-Marge um 0,5 Prozentpunkte<br />

auf stattliche 12,9 Prozent. Für das Geschäftsjahr<br />

<strong>2023</strong>/24 plant das Unternehmen<br />

mit einem Umsatz zwischen 28,0<br />

und 29,0 Millionen Euro, bei einem<br />

„deutlich positiven“ Ergebnis. Zwar sei<br />

der Auftragseingang in den ersten sechs<br />

Monaten des Geschäftsjahrs um 41,2<br />

Prozent auf 18,5 Millionen Euro geklettert<br />

und der Auftragsbestand erhöhte<br />

sich um 4,7 Prozent auf 15,3 Millionen<br />

Euro, aber die Haushaltssperre des Bundes<br />

dürfte doch eine Verschiebung von<br />

Aufträgen zur Folge haben. Die Börse<br />

blickt aber weiter in die Zukunft, wie<br />

auch Ceotronics selbst, mit einem „sehr<br />

guten Ausblick“ auf das Geschäftsjahr<br />

2024/25.<br />

THS<br />

MIT DEM BOHRER<br />

Tiefenwärme<br />

erschließen<br />

Daldrup & Söhne<br />

Aktienkurs in Euro<br />

12<br />

8<br />

4<br />

14.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Tiefen-Energie<br />

Flatterstrom und Dunkelflaute, dann,<br />

wenn weder die Sonne scheint, noch ein<br />

Lüftchen weht, sind die Feinde der deutschen<br />

Energiewende. Sonne und Wind<br />

liefern eher zufällig Energie. Um diese<br />

Schwankungen auszugleichen, wollte<br />

Wirtschafts- und Klimaminister Robert<br />

Habeck eigentlich 50 Gaskraftwerke<br />

neu bauen – bis 2030, wenn der Kohleausstieg<br />

vollzogen werden soll. Doch<br />

noch fehlt es an einer Kraftwerksstrategie.<br />

Es schreit somit nach Energie-Alternativen.<br />

Eine könnte Geothermie sein. In<br />

diesem Bereich ist Daldrup & Söhne mit<br />

Bohrungen tätig.<br />

Laut der kommunalen Wärmeplanung<br />

und dem Gebäudeenergiegesetz (GEG)<br />

ist für Städte über 100 000 Einwohner<br />

schon für Mitte 2026 eine Wärmeplanung<br />

verbindlich vorgeschrieben. Beste-<br />

hende Wärmenetze sollen bis 2030 mindestens<br />

30 Prozent und bis 2040 rund<br />

80 Prozent aus erneuerbaren Energien,<br />

wozu die Geothermie zählt, gespeist<br />

werden. Für neue Wärmenetze gilt die<br />

Vorgabe von 65 Prozent erneuerbare<br />

Energien. Ziel: Bis 2030 sollen 50 Prozent<br />

der Wärme klimaneutral erzeugt<br />

werden, derzeit sind es 16 Prozent.<br />

Deshalb soll in den kommenden Jahren<br />

nach dem Willen von Klimaminister<br />

Habeck tüchtig gebohrt werden:<br />

Mindestens 100 Explorationsbohrungen<br />

und Demonstrationsprojekte sind mit<br />

„Wärmegut“ geplant. Ein potenziell schönes<br />

Geschäft für Daldrup & Söhne, obgleich<br />

die erstmal in neues – effizienteres<br />

– Bohrgerät investieren müssen, in<br />

einem ohnehin margenschwachen Geschäft.<br />

Quelle: Bloomberg<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

783057/DE0007830572<br />

Börsenwert 43,1 Mio. €<br />

KGV 2024e/25e 18,0/14,4<br />

Dividendenrendite 2024e/25e 0,0/0,0 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 11,00/5,70 €<br />

Kurspotenzial 53 %<br />

Für das Jahr <strong>2023</strong> schätzt Daldrup &<br />

Söhne eine Konzern-Gesamtleistung<br />

von 41 Millionen Euro, bei einer Betriebsgewinn-Marge<br />

(Ebit) zwischen drei und<br />

fünf Prozent, was sicherlich keine großen<br />

Bewertungssprünge zulässt. Dennoch<br />

ist die Daldrup-Aktie langfristig<br />

reizvoll, angesichts eines aktuellen Auftragsbestands<br />

von 38 Millionen Euro und<br />

einer zu erwartenden deutlich steigenden<br />

Zahl von Geothermie-Großprojekten<br />

ab 2025. Kurzfristig ist der Kurs<br />

durch die Haushaltssperre und den Abzug<br />

von Kapital aus „grünen Projekten“<br />

belastet – das könnte aber günstige Einstiegschancen<br />

schaffen. THS<br />

0<br />

e = erwartet<br />

22<br />

Fotos: Can Stock Photo, iStock<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY Composing: FOCUS MONEY 23


moneytitel<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Quellen: Bloomberg, Amaundi<br />

15.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Top-Titel für den neuen<br />

Goldrausch<br />

Newmont<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

Lyxor US Curve Steepening 2-10 ETF<br />

Kurs in Euro<br />

24<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

853823/US6516391066<br />

Börsenwert 41,6 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 15,9/14,8<br />

Kursziel/Stoppkurs 50,00/29,50<br />

Kurspotenzial 38 %<br />

16.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Drehende<br />

Zinskurve ausnutzen<br />

WKN/ISIN<br />

95<br />

90<br />

85<br />

80<br />

LYX00G/LU2018762653<br />

Fondsvolumen 1,36 Mrd. €<br />

Auflagedatum 18.07.2019<br />

Ertragsverwendung<br />

thesaurierend<br />

Rendite (1/3/5 Jahre) 1,4/–5,4/– %<br />

e = erwartet<br />

Währung: US-Dollar, Abbildungsart: synthetisch<br />

Jetzt ist die magische Marke von zehn<br />

Millionen Unzen Goldproduktion keine<br />

Fiktion mehr. Durch die Übernahme von<br />

Newcrest Mining durch Newmont entsteht<br />

der mit weitem Abstand größte<br />

Goldkonzern der Erde. Ressourcen von<br />

mehr als 300 Millionen Unzen Gold, 1,2<br />

Milliarden Unzen Silber und zudem (als<br />

Beiprodukt) 350 Millionen Pound Kupfer<br />

sprechen für sich. <strong>2023</strong> dürfte Newmont<br />

rund 6,2 Millionen Unzen Goldäquivalent<br />

(5,5 Millionen Gold, der Rest Beiprodukte<br />

in Gold umgerechnet) aus dem Boden<br />

geholt haben. 2024 dürften es (inklusive<br />

Newcrest) dann 9,6 Millionen und<br />

2025 zehn Millionen Unzen werden. Die<br />

beiden Rekordjahre dürften zudem sinkende<br />

Kosten mit sich bringen.<br />

Selbst wenn Konkurrent Barrick Gold<br />

erfolgreich ist, gewinnt Newmont mit.<br />

Denn in Nevada arbeiten beide zusammen<br />

und gründeten ein Joint Venture, in<br />

das sie ihre Aktivitäten einbrachten.<br />

Jüngst hat Barrick angekündigt, dort eine<br />

neue Goldmine zu eröffnen. Wer an einen<br />

Goldpreis jenseits der 2000-Dollar-<br />

Marke glaubt, setzt auf Newmont. JH<br />

Von einer Rezession in den USA ist weit<br />

und breit (noch) nichts zu sehen und zu<br />

hören. Dabei ist die US-Zinsstrukturkurve<br />

bereits seit Juli 2022 invers – wenn auch<br />

weniger stark als noch vor einigen Monaten.<br />

Sprich: Die Renditen kurzlaufender<br />

US-Staatsanleihen liegen weiterhin über<br />

denen langlaufender Papiere. Der Normalfall<br />

wäre eine Kurve, bei der es genau<br />

umgekehrt ist – und deshalb von links unten<br />

nach rechts oben verläuft. Fakt ist:<br />

Bislang hat noch jede inverse Zinsstrukturkurve<br />

zu einer Rezession geführt und<br />

sich dann wieder „normalisiert“.<br />

Mit dem Lyxor-US-Curve-Steepening-<br />

2-10-ETF können Anleger auf eine solche<br />

„Normalisierung“ der US-Zinsstrukturkurve<br />

setzen. Der Börsenfonds bildet dafür<br />

den Solactive USD Daily (x7) Steepener<br />

2-10 Index ab, der aus einer Long-Position<br />

in zweijährige US-Treasury-Bond-Futures<br />

und einer Short-Position in zehnjährige<br />

US-Treasury-Ultra-Bond-Futures besteht.<br />

Anleger gewinnen, wenn die aktuell noch<br />

inverse US-Zinsstrukturkurve (so wie zuletzt)<br />

dreht und dann wieder steiler wird.<br />

Jährliche Kosten: 0,30 Prozent. SR<br />

Quellen: Bloomberg, BNP Paribas<br />

17.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

15,1 Prozent Rendite mit<br />

Reverse-Bonus-Papier<br />

Mehr als 75 Prozent legte die Aktie der<br />

Münchener Rück in den vergangenen<br />

18 Monaten zu. Entsprechend dünn ist<br />

die Luft für weitere Kursanstiege inzwischen.<br />

Gehen die Märkte 2024 noch<br />

einmal in den Krisenmodus über, könnte<br />

es außerdem zu Gewinnmitnahmen<br />

kommen. Aber auch bei einer Seitwärtsbewegung<br />

hätten Anleger „nur“<br />

3,2 Prozent Dividendenrendite.<br />

Mit einem Capped Reverse Bonus<br />

Zertifikat der BNP Paribas auf die Münchener<br />

Rück streichen Anleger hingegen<br />

15,1 Prozent Rendite ein, egal ob die<br />

Aktie noch etwas weiter steigt, seitwärts<br />

läuft – oder den Rückwärtsgang einlegt.<br />

Theoretisch könnte sie sogar richtig abschmieren,<br />

auch wenn Anleger durch<br />

den Cap bei 370 Euro in dem Fall nur<br />

begrenzt von einem fallenden Aktienkurs<br />

profitieren. Denn dafür sind Reverse-Bonus-Zertifikate<br />

gedacht.<br />

Was die Aktie besser nicht machen<br />

sollte, ist auf oder über die Barriere von<br />

480 Euro zu steigen. Dann nämlich entfällt<br />

der Anspruch auf die Bonuszahlung<br />

von 230 Euro, die zu besagter 15,1 Prozent<br />

Rendite führt. Plus: Jeder Kursgewinn<br />

der Aktie würde am Laufzeitende<br />

direkt zu einem Verlust führen bzw. nur<br />

Kursverluste zu Gewinnen. SR<br />

Münchener Rück<br />

Barriere<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

400<br />

300<br />

200<br />

100<br />

PE92SY/DE000PE92SY4<br />

Laufzeitende 20.12.2024<br />

Cap/Barriere 370,00/480,00 €*<br />

Bonuszahlung (=max. Rückzahlung) 230,00 €<br />

Bonusrendite (=max. Rendite) 15,1 %<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Kurs des Zertifikates (am 11.12.23): 199,86 Euro;<br />

*Abstand zur Barriere: 22,1 %,


Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

18.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Vor Neubewertung<br />

Cherry SE<br />

Aktienkurs in Euro<br />

30<br />

20<br />

10<br />

2021 2022 <strong>2023</strong><br />

0<br />

JULI JAN JAN DEZ<br />

Quelle: Bloomberg<br />

WKN/ISIN<br />

A3CRRN/DE000A3CRRN9<br />

Börsenwert 63 Mio. €<br />

KGV 2024e/25e 66,3/24,0<br />

Kursziel/Stoppkurs 6,12/2,25<br />

Kurspotenzial 131 %<br />

e = erwartet<br />

Neue Besen kehren gut. Diese Weisheit<br />

gilt auch an der Börse, in diesem Fall bei<br />

Cherry. Der neue Vorstandsvorsitzende<br />

Oliver Kaltner kennt sich in der Hightech-<br />

Branche aus, durchlief er doch führende<br />

Positionen bei mehreren Technologiekonzernen.<br />

Jetzt hat Kaltner die<br />

Schwachstellen bei dem bayrischen Hersteller<br />

von Computer-Peripheriegeräten<br />

analysiert und steuert gegen. So soll Personal<br />

abgebaut, die Anzahl der Tochterfirmen<br />

verringert und die Produktion teilweise<br />

nach China oder zu anderen<br />

Unternehmen verlegt werden. Dies dürfte<br />

großes Einsparpotenzial freisetzen.<br />

„Cherry benötigt eine konsequente<br />

Neupositionierung im Schalter-Geschäft“,<br />

erklärt Kaltner. Dazu soll vor allem<br />

die Innovation großgeschrieben<br />

werden. Die Standorte Auerbach in der<br />

Oberpfalz (Bayern), wo sich auch der<br />

Hauptsitz befindet, und Zhuhai in China<br />

sollen zu Innovationszentren ausgebaut<br />

werden. Dies gilt sowohl für Tastatur-<br />

schalter wie andere Produkte. Gerade<br />

bei High-End-Switches für mechanische<br />

Tastaturen und von Computer-Eingabegeräten<br />

ist Cherry ein Spezialist. Diese<br />

werden gerne in Gaming-Tastaturen in<br />

Bereichen der Cybersecurity sowie Telematiklösungen<br />

für das Gesundheitssystem<br />

eingesetzt.<br />

Digitale Gesundheitslösungen als<br />

Wachstumsmarkt. Besonders im Gesundheitswesen<br />

hat Kaltner Potenzial für<br />

Cherry erkannt. Die Bayern sollen die Digitalisierung<br />

des deutschen Gesundheitssektors<br />

nutzen und ein plattformbasiertes<br />

Service-Geschäftsmodell mit<br />

wiederkehrenden Umsätzen einführen.<br />

Dies soll unter anderem mit E-Health-<br />

Terminals, Verschlüsselungs- und Desinfektionsgeräten<br />

bewerkstelligt werden.<br />

Die Umstrukturierung wird nicht von<br />

heute auf morgen gehen, 2024 ´daher<br />

vermutlich nochmals ein Übergangsjahr<br />

darstellen. Doch die Börse blickt erfahrungsgemäß<br />

in die Zukunft. JH<br />

19.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Micky Maus kämpft sich nach oben<br />

Der Einstiegsmoment für Disney ist<br />

denkbar günstig. Die Aktie ist angesichts<br />

der guten Quartalsergebnisse noch immer<br />

deutlich unterbewertet. Auch wenn<br />

manche Marktexperten sich enttäuscht<br />

zeigten, stieg der Umsatz um mehr als<br />

fünf Prozent auf über 21 Milliarden Dollar.<br />

Noch besser war der Sprung nach<br />

oben beim operativen Ergebnis. Mit fast<br />

drei Milliarden Dollar übertraf es den<br />

Vorjahreszeitraum um fast das Doppelte.<br />

Der Micky-Maus-Konzern kämpft sich<br />

nach oben. Unter dem früheren und jetzigen<br />

Chef Robert Iger kehrt das weltgrößte<br />

Unterhaltungsunternehmen auf<br />

die Erfolgsspur zurück. Die Themenparks<br />

locken insbesondere in China sehr viel<br />

mehr Besucher. Auch das Geschäft mit<br />

Kreuzfahrten läuft nach der Coronakrise<br />

wieder rund. Disney ist es zudem gelungen,<br />

die Verluste im Streamingdienst Dis-<br />

ney+ zu reduzieren und die Zahl der<br />

Abonnenten auf mittlerweile 225 Millionen<br />

weltweit zu steigern.<br />

Auch Igers Kostensenkungsmaßnahmen<br />

zeigen<br />

Erfolge. Das Ende der<br />

Streiks von Schauspielern<br />

und Drehbuchautoren wird<br />

der Performance im kommenden<br />

Jahr zugutekommen.<br />

Nach Meinung<br />

der DZ Bank lässt der gestiegene<br />

Cashflow Spielraum für<br />

eine höhere Dividende. Gute<br />

Aussichten für<br />

Aktionäre. HPS<br />

MAGIE AFRIKAS Mit<br />

„König der Löwen“<br />

verdient Disney seit<br />

langem gutes Geld<br />

Walt Disney<br />

Aktienkurs in Euro<br />

160<br />

140<br />

120<br />

100<br />

80<br />

60<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

Quelle: Bloomberg<br />

855686/US2546871060<br />

Börsenwert 157 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 20,7/17,1<br />

Kursziel/Stoppkurs 115,00/75,00 €<br />

Kurspotenzial 35 %<br />

e = erwartet<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24 Foto: Disney<br />

25


moneytitel<br />

PARTY TIME?<br />

Wenn es Anlegern<br />

gelingt, den Kurs zu<br />

vervielfachen, ist das ein<br />

Grund zum Feiern<br />

Hier steigt die<br />

Tenbagger-Party<br />

Top-Performer. Den Aktienkurs verdoppeln oder verzehnfachen?<br />

Wer wünscht sich das nicht? Klingt verrückt,<br />

ist aber an der Börse durchaus möglich. Peter Lynch, einer<br />

der erfolgreichsten Fondsmanager aller Zeiten, hat es<br />

vorgemacht. Ihm ist es gelungen, nach bestimmten Kriterien<br />

die sogenannten Tenbagger aus dem Wertpapieruniversum<br />

herauszufiltern. Dabei rät der Experte und Buchautor<br />

(„One Up On Wall Street“ oder „Der Börse einen<br />

Schritt voraus“), sich weniger auf den Aktienkurs und mehr<br />

auf das operative Geschäft zu konzentrieren. Wenn eine<br />

Aktie stark gestiegen sei, gebe es oft fundamentale Gründe,<br />

die auch in Zukunft für weiteres Wachstum sorgen<br />

könnten. Deshalb sollte man sich von bereits stark gestiegenen<br />

Kursen nicht abschrecken lassen. Vorausgesetzt,<br />

die folgenden vier fundamentalen Kriterien sind erfüllt.<br />

Die Lynch-Strategie. Erstens eine PEG-Ratio von unter<br />

eins. Bei der PEG-Ratio wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis<br />

durch das erwartete prozentuale Gewinnwachstum<br />

geteilt. „Die KGV-Bewertung eines Unternehmens<br />

Viel Potenzial für die kommenden Jahre<br />

Kurse, die um mehr als 1000 Prozent zulegen – und noch weiter steigen. Diese Kursraketen<br />

gibt es! Sie lassen sich nach bestimmten Kriterien systematisch aus dem Wertpapieruniversum<br />

herausfiltern. Eine Auswahl:<br />

Name WKN Branche Marktkapitalisierung<br />

in<br />

Mrd. Euro<br />

aktueller<br />

Kurs in<br />

Euro*<br />

KGV24e PEG 1) EPS-Wachstum<br />

2)<br />

Umsatzwachstum<br />

3) dung 4) F-Score<br />

Verschul-<br />

Qualität 5) Pitroski<br />

6)<br />

Nvidia 918422 Grafikprozessor/Chips 1072,2 434,80 38,2 0,28 0,14 % 22,66 % 0,37 7/10 9/9<br />

Novo Nordisk A3EU6F Pharma 400,1 90,48 29,8 0,91 16,53 % 9,64 % 0,31 10/10 6/9<br />

Arista Networks A11099 Technologie/Netzwerk 64,5 207,15 29,9 0,56 45,35 % 21,63 % 0,65 8/10 6/9<br />

Paccar 861114 Trucks 46,3 88,55 12,8 0,21 51,99 % 8,17 % 0,31 8/10 8/9<br />

Pulte Group 854435 Hausbau 19,8 89,51 8,3 0,31 46,05 % 13,61 % 1,26 10/10 8/9<br />

Deckers Outdoor 894298 Freizeit/Schuhe 16,8 639,80 29,2 0,72 19,57 % 13,77 % 0,14 10/10 7/9<br />

Super Micro Computer A0MKJF Technologie/Computer 14,1 254,24 14,6 0,62 134,96 % 16,21 % 2,63 8/10 9/9<br />

Paycom Software A1XFVG Software/Lohn, Gehalt 9,9 172,50 22,4 0,89 39,71 % 26,00 % 0,02 9/10 8/9<br />

Dropbox A2JE48 Techn./Cloud Storage 9,2 25,31 19,1 0,25 111,37 % 16,00 % 0,16 8/10 7/9<br />

Pure Storage A14YFN Techn./Daten Storage 9,2 30,82 23,9 0,37 49,28 % 21.90 % 0,13 7/10 8/9<br />

Interactive Brokers A0MQY6 Finanzen 7,7 77,26 13,6 0,19 24,47 % 21,32 % 0,34 9/10 7/9<br />

Stand: 11.12.<strong>2023</strong>; Quellen: Bloomberg, Morningstar, Seeking Alpha; * Stoppkurs setzen 15 Prozent unter aktuellem Kurs; 1) PEG-Ratio: Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (ideal unter 1); 2) EPS-Wachstum: durchschn. 2 Jahre (ideal 15– 40%) ; 3) Umsatzwachstum:<br />

durchschn. 5 Jahre (ideal über 5 %); 4) Verschuldung: Debt/Equity (ideal unter 0,4); 5) Qualität: Zum Investieren geeignet?; 6) Pitroski F-Score: Finanzkraft<br />

26<br />

Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

muss durch die Wachstumsrate gerechtfertigt<br />

sein“, sagt Lynch. Aktien mit einer<br />

PEG-Ratio von unter eins gelten als sehr<br />

günstig bewertete Wachstumsaktien.<br />

Zweitens hält er ein Gewinnwachstum<br />

zwischen 15 und 40 Prozent in den vergangenen<br />

zwei Jahren für ideal. Lynch<br />

bevorzugt profitable Unternehmen, die<br />

ihre Gewinne mit hoher Geschwindigkeit<br />

steigern. Drittens sollte die Verschuldung<br />

der Unternehmen nicht zu hoch<br />

sein. Der Verschuldungsgrad sollte unter<br />

0,4 liegen. Eine zu hohe Verschuldung<br />

sei gerade in wirtschaftlich schwierigen<br />

Zeiten ein Risiko, warnt Lynch. Und<br />

viertens ein Umsatzwachstum von<br />

durchschnittlich mehr als fünf Prozent in<br />

den vergangenen fünf Jahren.<br />

FOCUS MONEY hat den Stock-<br />

Picking-Ansatz der Börsenlegende Peter<br />

Lynch anhand von vier fundamentalen<br />

Kriterien umgesetzt. Das Ergebnis<br />

finden die Leserinnen und Leser in der<br />

Tabelle auf Seite 26 unten. Dabei tauchen<br />

viele Börsenperlen auf, die den Lesern<br />

bekannt sein dürften, aber auch unbekannte<br />

Werte mit schlummerndem<br />

Vervielfachungspotenzial. Anleger sollten<br />

ihnen allerdings drei Jahre Zeit geben,<br />

um richtig durchzustarten. SIM<br />

20.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

PULTE GROUP<br />

PulteGroup<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

Quellen: Bloomberg<br />

70<br />

50<br />

30<br />

10<br />

Große Nachfrage nach modernen Häusern<br />

Innovative Häuser. Die Pulte Group mit<br />

Sitz in Atlanta, Georgia, ist einer der<br />

größten Bauträger in den USA. Das innovative<br />

Unternehmen baut nicht nur<br />

Einfamilienhäuser und Wohnanlagen,<br />

sondern auch Residenzen für aktive Senioren.<br />

Eigene Architekten entwickeln<br />

mithilfe modernster Technologien zukunftsweisende<br />

Wohnhäuser, die intelligente,<br />

gesunde und nachhaltige Lösungen<br />

bieten. Unter bekannten Marken<br />

wie Pulte Homes, Del Webb, Divosta<br />

und Centex werden Interessierte fündig.<br />

Unter Pultecares gibt es auch Versicherungsprodukte.<br />

Trotz des Kurseinbruchs im Jahr 2022<br />

hat sich der Aktienkurs der Pulte Group<br />

im Jahr <strong>2023</strong> verdoppelt. Auch die Er-<br />

gebnisse des dritten Quartals zeigen ein<br />

starkes Wachstum bei Neuaufträgen<br />

und hohe Margen im Vergleich zum Vorjahr,<br />

was die Position der Pulte Group<br />

als Branchenführer festigt. Am 3. Januar<br />

2024 will Pulte eine Quartalsdividende<br />

in Höhe von 20 US-Cent je Aktie ausschütten.<br />

Gegenüber dem Vorquartal<br />

(0,16 US-Dollar) entspricht dies einer<br />

Steigerung von 25 Prozent. Amerikaner<br />

lieben Wohneigentum. Vor allem die Millennials<br />

dürften die Nachfrage ankurbeln.<br />

Die Analysten von Jefferies gehen<br />

davon aus, dass der Hausbauer den makroökonomischen<br />

Gegenwind besser<br />

bewältigen kann als seine Konkurrenten.<br />

Auch in den kommenden Jahren besteht<br />

Verdopplungspotenzial.<br />

21.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

DROPBOX<br />

Dropbox<br />

Kurs der Dropbox-Aktie<br />

in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

Quellen: Bloomberg<br />

26<br />

22<br />

18<br />

14<br />

Wette auf die Zukunft – Gelingt die KI-Vision?<br />

Cloud-Speicher-Spezialist. Dropbox<br />

wurde 2007 gegründet und ist seit 2018<br />

an der Börse notiert. Das US-amerikanische<br />

Unternehmen ist ein Anbieter von<br />

Cloud-Speicherlösungen. Die Plattform<br />

ermöglicht es Einzelpersonen, Teams und<br />

Organisationen, über seine Website oder<br />

App zusammenzuarbeiten. Die Kunden<br />

haben das Wachstum des Unternehmens<br />

ebenso vorangetrieben wie die Tatsache,<br />

dass die Nutzer im Zuge der Umstellung<br />

auf Heim- und Telearbeit mehr Speicherplatz<br />

und die Möglichkeit benötigen, Inhalte<br />

über kostenpflichtige Abonnements<br />

zu teilen und zu synchronisieren. Dropbox<br />

gilt als einer der großen Profiteure<br />

der Digitalisierung der Arbeitswelt. Auch<br />

wenn die Entwicklung der letzten Jahre<br />

beeindruckend ist, sind die Analystenmeinungen<br />

derzeit gemischt. Ein Analyst rät<br />

zum Verkauf, vier zum Halten und drei<br />

zum Kauf.<br />

Um die Produktivität für Dropbox-<br />

Kunden zu steigern, kündigte das Unternehmen<br />

eine Zusammenarbeit mit<br />

Nvidia an. „Gemeinsam werden Nvidia<br />

und Dropbox Millionen von Dropbox-<br />

Kunden den Weg ebnen, ihre Arbeit mit<br />

maßgeschneiderten KI-Anwendungen<br />

zu beschleunigen“, bestätigte Nvidia-<br />

CEO Jensen Huang. Für Anleger bietet<br />

sich damit die Chance, relativ günstig<br />

in die Aktie einzusteigen – sie sollten<br />

aber auch das derzeit unsichere makroökonomische<br />

und wirtschaftliche<br />

Umfeld im Auge behalten.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

27


moneytitel<br />

Chance von sehr hoch bis sehr niedrig Risiko von sehr hoch bis sehr niedrig<br />

Quellen: Bloomberg<br />

jahreszeitraum<br />

22.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

HSBC MSCI Mexico Capped UCITS ETF<br />

Veränderung in Prozent<br />

60<br />

40<br />

20<br />

0<br />

–20<br />

–40<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A1H8BM/IE00B3QMYK80<br />

Fondsvermögen in Mio. 15,00 €<br />

Gesamtkostenquote (TER) p. a. 0,50 %<br />

Replikationsmethode<br />

physisch<br />

Fondswährung<br />

USD<br />

Kurspotential 25 %<br />

Attraktiver Standort<br />

Ohne die USA geht es nicht. Mexiko<br />

hängt am Rockzipfel des nordamerikanischen<br />

Nachbarn. Im vergangenen Jahr<br />

exportierte Mexiko Waren im Wert von<br />

578 Milliarden US-Dollar. Davon gingen<br />

78,27 Prozent in die USA, wie Daten des<br />

Zahlensammlers Statista zeigen. Die Vereinigten<br />

Staaten importierten bis Oktober<br />

<strong>2023</strong> bereits Waren im Wert von<br />

knapp 400 Milliarden US-Dollar aus Mexiko.<br />

Das ist nicht unproblematisch. Dennoch<br />

halten Experten große Stücke auf<br />

Mexiko und sehen in dem Land eine Alternative<br />

zu China.<br />

Vor einem Monat schrieb die Germany<br />

Trade & Invest (GTAI): „Die Grenzlage<br />

zu den USA macht Mexiko für viele zu<br />

einem attraktiven Standort. Im ersten<br />

Halbjahr stiegen die ausländischen Direktinvestitionen<br />

im Vergleich zum Vor-<br />

um 41 Prozent auf rund<br />

29 Milliarden US-Dollar. Das ist der<br />

höchste jemals erreichte Halbjahreswert.“<br />

Und so soll es weitergehen.<br />

Der Elektroautobauer Tesla beispielsweise<br />

steckt eine Menge Geld in das<br />

Land. In Mexiko will der Konzern seine<br />

dritte Gigafactory außerhalb der USA errichten.<br />

Geplantes Investitionsvolumen:<br />

rund fünf Milliarden Dollar.<br />

Die Aussichten für das mittelamerikanische<br />

Land sind somit nicht schlecht,<br />

fungiert Mexiko doch als Drehkreuz zwischen<br />

Nord- und Südamerika. Davon<br />

könnten Anleger etwa mit dem HSBC<br />

MSCI Mexico Capped UCITS ETF profitieren.<br />

Der ETF schüttet Dividenden aus.<br />

Gewinn seit Jahresbeginn: 28 Prozent.<br />

Stoppkurs zur Verlustbegrenzung: 39,20<br />

Euro. <br />

DR<br />

23.<br />

zeigte<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Rolex-Schwester glänzt<br />

Viel Zeit, technische Entwicklung und beharrliches<br />

Marketing hat die Schweizer Luxusuhrenmanufaktur<br />

Rolex aufgewendet, um die<br />

zweite Marke des Hauses, Tudor, stark zu machen.<br />

Mittlerweile kann man das Vorhaben<br />

durchaus als geglückt bezeichnen. In den vergangenen<br />

Jahren hat sich Tudor – die Marke<br />

wurde bereits 1926 registriert und 1936 von<br />

Rolex-Gründer Hans Wilsdorf erworben – einen<br />

festen Platz in den Herzen der Uhrenfreunde<br />

erobert. Dafür gibt es gute Gründe:<br />

Die Produkte bieten die für den Hersteller Rolex<br />

sprichwörtliche Qualität, Präzision, Ganggenauigkeit<br />

und zeitloses Design. Sie sprechen<br />

auch viele jüngere Käufer an, die sich<br />

mit der frischeren Marke Tudor besser identifizieren<br />

können als mit Rolex.<br />

Mittlerweile gibt es sogar eingefleischte<br />

Sammler, die sich auf Tudor konzentrieren.<br />

Das liegt auch an deren Bezahlbarkeit, was<br />

es gerade Einsteigern ermöglicht, mit der Zeit<br />

mehrere Modelle in ihre Kollektion aufzunehmen.<br />

Und das bringt Modelle wie die hier ge-<br />

TUDOR BLACK BAY GMT<br />

Dieses Modll verfügt über<br />

eine zweite Zeitzone und eine<br />

drehbare „Pepsi“-Lünette<br />

Tudor Black Bay GMT in Stahl für 4290<br />

Euro als Geldanlage ins Spiel. Zum Vergleich:<br />

Ihr Vorbild, die Rolex GMT-Master II, kostet am<br />

Sekundärmarkt etwa beim Online-Händler<br />

Chronext zuletzt 23 400 Euro, obwohl die<br />

Preise jüngst sogar zurückgekommen sind.<br />

Bei der Tudor Black Bay GMT handelt es<br />

sich hier um die Ausführung mit einem Drehring<br />

(Lünette) in Blau und Rot und einer per<br />

Zusatzzeiger wiedergegebenen zweiten Zeitzone.<br />

Rolex hatte in den 1950er-Jahren für Piloten<br />

derUS-Airline PanAm die GMT-Master II<br />

entwickelt, damit diese den Überblick über<br />

zwei unterschiedliche Ortszeiten behielten.<br />

Die zwei Farben sollten schnell den Blick für<br />

die Tag- oder Nachtzeit ermöglichen. Schon<br />

lange aber hat sich der Spitzname „Pepsi“<br />

aufgrund der Logofarben des Getränkeherstellers<br />

eingebürgert. Im Inneren des 41-Millimeter-Gehäuses<br />

tickt das Manufakturkaliber<br />

MT56<strong>52</strong> (so heißen Uhrwerke, die vom Hersteller<br />

selbst konstruiert und gefertigt werden),<br />

das von der Schweizer Prüfstelle COSC<br />

auf Ganggenauigkeit getestet und zertifiziert<br />

wurde. Dass ein mechanisches Manufakturkaliber<br />

verbaut ist, gilt als ein wichtiger Faktor<br />

für potenzielle Preissteigerungen bei Uhren.<br />

Bis dahin ist die Freude beim Tragen und<br />

Betrachten der edlen Uhr quasi eine laufende<br />

Sonderdividende. KÖ<br />

28<br />

Foto: TUDOR<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Quelle: Bloomberg Quellen: Bloomberg, Emittent<br />

24.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Comeback läuft<br />

LPKF Laser & Electronics SE<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

Haidilao International Holding<br />

Kurs der Haidilao-International-<br />

Holding-Aktie in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

SEP JAN JAN JAN DEZ<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

645000/DE0006450000<br />

Börsenwert 230,8 Mio. €<br />

KGV 2024e/25e 20,1/10,7<br />

Dividendenrendite 2024e/25e 2,7/3,2%<br />

Kursziel/Stoppkurs 18,00/7,00 €<br />

Kurspotenzial 90%<br />

25.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Auf den Hotpot-Boom<br />

in China setzen<br />

WKN/ISIN<br />

A2N5TQ/KYG4290A1013<br />

Börsenwert 9,3 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 15,0/13,1<br />

Kursziel/Stoppkurs 2,50/1,35<br />

Kurspotenzial 50 %<br />

8<br />

6<br />

4<br />

2<br />

0<br />

e = erwartet Nennwert: 1000 Euro<br />

Der Mikrolaserspezialist ist nichts für<br />

schwache Nerven. Wer sich LPKF Laser<br />

ins Depot legt, muss angesichts der hohen<br />

Volatilität Stoppkurse strikt einhalten<br />

und genauso konsequent nachziehen,<br />

wenn es nach oben geht. Von 33,35<br />

Euro im Februar 2021 ist der Titel diesen<br />

Oktober bis auf 6,50 Euro abgetaucht.<br />

Seit den starken Quartalszahlen und<br />

dem noch besseren Ausblick stehen die<br />

Zeichen auf Comeback. Die Analysten<br />

erwarten im Durchschnitt, dass sich der<br />

operative Gewinn bis 2025 auf mehr als<br />

20 Millionen Euro verfünffacht. Top ist<br />

die Firma bei Lasern für die Produktion<br />

der hochleistungsfähigen Dünnschicht-<br />

Solarzellen. Dazu ist sie Vorreiter bei den<br />

Mikrolasern, die elektronische Bauteile<br />

mit Chipgehäusen aus Glas bearbeiten.<br />

Die Investitionen für beide Technologien<br />

haben im Verbund mit der Corona-Delle<br />

über drei Jahre die Gewinne gedrückt.<br />

Jetzt bescheren sie LPKF Laser volle Auftragsbücher<br />

und einen neuen Gewinnsprung.<br />

Darüber hinaus gilt das Unternehmen<br />

als heißer Übernahmekandidat<br />

für Chipausrüster. <br />

SRI<br />

Keinen Spaß mit China-Aktien hatten Anleger<br />

in den vergangenen Monaten. Viele<br />

verloren kräftig, so auch Haidilao international.<br />

Vom Hoch bei neun Euro ist die Aktie<br />

meilenweit entfernt. Corona bremste drastisch.<br />

Doch heute erscheint die Aktie der<br />

Restaurantkette unterbewertet. Denn Haidilao<br />

sollte auf einem guten Wachstumspfad<br />

sein.<br />

Megatrend Hotpot (Brühfondue). Haidilao<br />

betreibt rund 1300 Hotpot-Restaurants<br />

und kommt ursprünglich aus Sichuan. Chinaweit<br />

gibt es mehr als eine halbe Million<br />

Hotpot-Schnellimbisse und -Restaurants.<br />

Im ersten Halbjahr <strong>2023</strong> zeigte der Konzern<br />

bereits, welches Potenzial intern gehoben<br />

werden kann. Der Umsatz stieg um 25 Prozent<br />

gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.<br />

Nun will Haidilao noch unrentable<br />

Restaurants schließen oder<br />

zumindest auf Vordermann bringen. So soll<br />

an die Erfolge von vor der Corona-Krise, als<br />

die Gewinnmarge nahezu doppelt so hoch<br />

war, angeschlossen werden. Zudem: Das<br />

Liefergeschäft beträgt nur vier Prozent des<br />

Gesamtumsatzes. Auch hier steckt noch<br />

viel Potenzial drin. <br />

JH<br />

26.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Gold plus Dividende<br />

Gold elektrisiert wieder Millionen<br />

von Menschen. Es legt tendenziell zu,<br />

hat zumindest temporär wieder die<br />

Marke von 2000 US-Dollar je Feinunze<br />

(31,1 Gramm) geknackt und ein neues<br />

Allzeithoch erreicht.<br />

Mit einer speziellen Wertpapierkategorie<br />

können Anleger sogar den<br />

Nachteil von Gold, keine laufenden<br />

Erträge abzuwerfen, ausgleichen und<br />

dennoch an steigenden Goldpreisen<br />

verdienen: Anteile von Minenfirmen,<br />

die ordentliche Dividenden zahlen.<br />

Das war früher eher unüblich, da die<br />

Förderer ihre Gewinne lieber in neue<br />

Projekte oder Übernahmen von Konkurrenten<br />

steckten. Jetzt, da der<br />

Goldpreis relativ hoch ist, gibt es<br />

Raum für all diese Bereiche.<br />

Hier drei besonders spendable<br />

Branchenvertreter: Der kleinere kanadische<br />

Bergbaukonzern Centerra, der<br />

neben dem Hauptprodukt Gold auch<br />

das wichtigste Industriemetall Kupfer<br />

fördert, bietet aktuell eine Dividendenrendite<br />

von 3,4 Prozent (ISIN:<br />

CA1<strong>52</strong>0061021).<br />

Der südafrikanische Konzern Gold<br />

Fields (ISIN: ZAE000018123, s. Chart)<br />

bietet mit 2,5 Prozent Dividendenrendite<br />

zwar etwas weniger, überzeugt aber<br />

durch den intakten Kursaufwärtstrend.<br />

Die höchste Ausschüttungsrendite<br />

in unserem Mix bietet derzeit die<br />

ebenfalls südafrikanische DRDGold<br />

mit 3,7 Prozent laufendem Ertrag und<br />

hohem kurstechnischem Aufholpotenzial<br />

(ISIN: ZAE000058723). KÖ<br />

Gold Fields<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

14<br />

10<br />

6<br />

2<br />

29


moneytitel<br />

27.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Edel und bewährt<br />

Mit einem Plus von rund neun Prozent<br />

hat Gold in diesem Jahr wieder einmal<br />

geglänzt. Da der Dollar in unterm Strich<br />

leicht abgewertet hat, fällt die Performance<br />

für Anleger aus dem Euroraum<br />

noch einen Tick besser aus. Zum einen<br />

haben sich die geopolitischen Krisenherde<br />

verschärft. Gleichzeitig hat Gold<br />

von seiner Funktion als Versicherung<br />

gegen die Inflation profitiert. Während<br />

die Notenbanken zumindest theoretisch<br />

unbegrenzt viel Geld drucken können,<br />

nimmt die weltweit im Umlauf befindliche<br />

Menge an Gold nur im<br />

Schneckentempo zu.<br />

Die Rahmenbedingungen bleiben positiv.<br />

Geopolitisch sind in der Ukraine<br />

und im Gazastreifen leider keine Lösungen<br />

in Sicht. Außerdem dürfte angesichts<br />

der fallenden Inflationsraten, die<br />

Zinsen im kommenden Jahr wieder<br />

zurückkommen. Dadurch sinken die sogenannten<br />

Opportunitätskosten des<br />

zins- und dividendenlosen Edelmetalls.<br />

Zusätzlich könnte der Dollar etwas an<br />

Boden verlieren, da die Fed früher als die<br />

EZB die Leitzinsen senken sollte. Und die<br />

Notenbanken der BRIC-Staaten legen einen<br />

Teil ihrer Währungsreserven lieber<br />

in Gold, statt in US-Staatsanleihen an.<br />

Xetra-Gold bietet die einfachste und<br />

preiswerteste Art für entsprechende Investments.<br />

Streng genommen handelt<br />

es sich um eine Anleihe der Deutsche<br />

Börse Commodities. Diese kauft mit<br />

dem Geld aus der Emission physisches<br />

Gold, welches in Tresoren in Frankfurt/<br />

Main lagert. Xetra-Gold wird wie eine<br />

Aktie börsentäglich gehandelt. Ein Anteil<br />

entspricht dem Wert von einem<br />

Gramm Gold in Euro. Der Spread, also<br />

die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs,<br />

fällt mit 0,04 Prozent extrem<br />

gering aus, anders als bei physischen<br />

Goldbarren oder -münzen. Nach einem<br />

Jahr Haltefrist sind etwaig realisierte<br />

Kursgewinne steuerfrei. LB<br />

Xetra Gold Zertifikat<br />

prozentuale Entwicklung<br />

seit 28.12.2018<br />

60<br />

40<br />

20<br />

GLANZVOLLE<br />

VORSTELLUNG: Gold<br />

schmückt nicht nur<br />

dieses Outfit, sondern<br />

auch Anleger-Depots<br />

0<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

A0S9GB/DE000A0S9GB0<br />

Kaufkosten (Spread) 0,04 %<br />

Laufzeit<br />

Währung<br />

endlos<br />

EUR<br />

Wertentwicklung 1,3,5 Jahre 7,8/21,0/67,9 %<br />

Quelle: Bloomberg, Onvista<br />

30<br />

Foto: Adobe Stock FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


28.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Zeitenwende<br />

Hensoldt<br />

Aktienkurs in Euro<br />

35<br />

25<br />

15<br />

5<br />

2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN HAG000/DE000HAG0005<br />

Börsenwert 2,5 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 21,8/18,5<br />

Dividendenrendite 2024e/25e 1,9/2,3 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 35,00/19,30 €<br />

Kurspotenzial 46 %<br />

Quelle: Bloomberg<br />

e = erwartet<br />

Seit dem Einmarsch der russischen Armee<br />

in die Ukraine hat sich die Sicherheitsarchitektur<br />

in Europa grundlegend<br />

verändert. Bundeskanzler Olaf Scholz<br />

sprach von einer Zeitenwende. Die friedliche<br />

Phase nach dem Fall des Eisernen<br />

Vorhangs ist zweifellos zu Ende gegangen.<br />

Die Annäherung an Russland unter<br />

der Prämisse „Wandel durch Handel“ ist<br />

(leider) gescheitert. Eine Friedensdividende<br />

kann nicht weiter ausgezahlt werden.<br />

Europa und insbesondere auch<br />

Deutschland wird wieder mehr Geld für<br />

Sicherheit und die Landesverteidigung<br />

ausgeben müssen. Ein zusätzliches Risiko:<br />

Sollte Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen<br />

2024 gewinnen,<br />

dann könnten auch die Nato und die US-<br />

Sicherheitszusagen für Europa zur Disposition<br />

stehen. Hensoldt, erst 2020 als<br />

Abspaltung von Airbus an die Börse gekommen<br />

(der Bund hält noch 25,1 Prozent),<br />

dürfte als Spezialist für Verteidigungselektronik,<br />

Radar und Optronik<br />

davon profitieren.<br />

In den ersten neun Monaten kam der<br />

Rüstungskonzern oder Verteidigungs-<br />

konzern, wie es jetzt heißt, auf einen Umsatz<br />

von 1,136 Milliarden Euro. Das ist ein<br />

marginales Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.<br />

Der operative Gewinn (Ebitda)<br />

verbesserte sich um 19,6 Prozent auf<br />

151 Millionen Euro und erreicht so eine<br />

Ebitda-Marge von ansprechenden 13,3<br />

Prozent. In geschäftlicher Hinsicht beruhigend<br />

sind die Auftragseingänge von<br />

1,281 Milliarden Euro und der Auftragsbestand<br />

von 5,372 Milliarden Euro.<br />

Die globalen Verteidigungsausgaben<br />

werden, laut Hensoldt, mittelfristig um<br />

vier bis fünf Prozent pro Jahr steigen.<br />

Das Segment in dem Hensoldt tätig ist<br />

(Sensoren, Radar, Elektronik) soll sogar<br />

global um jährlich neun Prozent zulegen.<br />

Derzeit weist dieser Markt ein Volumen<br />

von 25 Milliarden Euro auf.<br />

So erwartet Hensoldt mittelfristig ein<br />

Umsatzwachstum pro Jahr von durchschnittlich<br />

zehn Prozent, bei einer Ebitda-Marge<br />

von 19,0 Prozent. Als Dividende<br />

sollen 30 bis 40 Prozent des<br />

Nettogewinns ausgeschüttet werden.<br />

Für Aktionäre sind das attraktive Aussichten.<br />

THS<br />

29.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Wiederaufbau<br />

Sehr düstere Zeiten im Wohnungsbau.<br />

Immer mehr Unternehmen der Branche<br />

klagen über Auftragsmangel, auch durch<br />

Stornierungen. Im November <strong>2023</strong> waren<br />

es 49,1 Prozent. Das ist, laut Ifo-Institut,<br />

der achte Anstieg in Folge. Hohe Baukosten<br />

und das Zinsniveau schrecken<br />

viele potenzielle Bauherren ab. Die Stimmung<br />

am Bau lässt sich am Chart der<br />

Steico-Aktie, einem Hersteller von Holzteilen<br />

für den Hausbau und Dämmstoffen<br />

auf Holzbasis, ablesen: Seit Mitte 2021<br />

fällt der Kurs. Dabei kam das Unternehmen<br />

in den ersten neun Monaten<br />

immerhin auf einen Umsatz von<br />

282,4 Millionen Euro und einen<br />

Betriebsgewinn (Ebit) von 25,7<br />

Millionen Euro. Das sind zwar<br />

Rückgänge von 19,1 beziehungsweise<br />

49,2 Prozent, aber es wird<br />

doch noch eine Ebit-Marge von 9,1<br />

Prozent erreicht. Für das Gesamtjahr<br />

<strong>2023</strong> rechnet Steico mit einer<br />

Rendite von acht bis zehn Prozent.<br />

DÄMMEN mit Baustoffen von Steico<br />

Mit einem Eigenkapital von 295,5 Millionen<br />

Euro und einem Kassenbestand von<br />

22,3 Millionen Euro (beides Halbjahreswerte)<br />

ist Steico solide aufgestellt und<br />

solle bei sinkenden Inflationsraten und<br />

damit entstehenden Zinssenkungsspielräumen<br />

von einer Besserung am Wohnungsbaumarkt<br />

schnell profitieren. THS<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Steico<br />

Aktienkurs<br />

in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A0LR93/DE000A0LR936<br />

Börsenwert 422,4 Mio. €<br />

90<br />

60<br />

KGV 2024e/25e 23,1/17,6<br />

Dividendenrendite 2024e/25e 1,3/1,5 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 39,00/22,00 €<br />

Kurspotenzial 30 %<br />

30<br />

0<br />

e = erwartet<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Steico 31


moneytitel<br />

D<br />

z<br />

b<br />

T<br />

30.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Renditen sichern<br />

Der Zins ist zurück. Das war wahrscheinlich<br />

das wichtigste Geldanlage-<br />

Motto des Jahres <strong>2023</strong>. Bis auf fünf Prozent<br />

stieg die Rendite zehnjähriger<br />

US-Staatsanleihen. Im Gegenzug – wie<br />

immer bei Zinspapieren – fiel der Kurs.<br />

Und das deutlich, allein seit 1.1.23 in der<br />

Spitze um knapp zehn Prozent. In den<br />

vergangenen Wochen sank die Rendite<br />

zwischenzeitlich unter vier Prozent, dementsprechend<br />

stiegen die Anleihekurse.<br />

Das ist immer noch ein gutes Renditeniveau<br />

für eines der sichersten und liquidesten<br />

Investments weltweit. Bei weiter<br />

sinkenden Inflationsraten, schwachem<br />

Wirtschaftswachstum und den von der<br />

Fed in Aussicht gestellten Zinssenkungen<br />

dürfte so viel nicht mehr drin sein: Anleger<br />

sollten sich jetzt Renditen von vier<br />

Prozent Plus sichern. Vor allem dienen<br />

US-Staatsanleihen als Sicherheitspuffer:<br />

Bei geopolitischen Konflikten und anderen<br />

Krisen dienen sie als „Sicherer Hafen“<br />

– gemeinsam mit dem Dollar, der dann<br />

noch Währungsgewinne bringt. HF<br />

10-Jahre-US-Anleihen<br />

in Prozent<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A3LQVK/US91282CJJ18<br />

Auflagedatum/Fälligkeit 15.11.23/15.11.33<br />

Zinskupon 4,5 %<br />

Kurs/Rendite aktuell 102,7/4,16%<br />

Kurspotenzial 10 %<br />

Quelle: Bloomberg<br />

4<br />

3<br />

2<br />

1<br />

0<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

31.<br />

BITCOIN-SYMBOL:<br />

Die älteste und<br />

größte Kryptowährung<br />

legte <strong>2023</strong> um<br />

gut 150 Prozent zu<br />

Fulminantes Comeback<br />

Da ist er wieder, der Bitcoin. Dabei hielten<br />

es die meisten Experten (und Anleger)<br />

noch vor einem Jahr kaum für möglich,<br />

dass die größte Kryptowährung bis heute<br />

(Stand: 13.12.<strong>2023</strong>) von gut 16 000 US-Dollar<br />

auf zeitweise über 44 000 Dollar klettern<br />

würde. Aufmerksame Leser erinnern<br />

Quelle: bitcoin-2go.de<br />

Bitcoin Sparplan<br />

Vermögen in Euro<br />

2022<br />

JAN<br />

Entwicklung der Sparrate<br />

Wert des Sparplans<br />

<strong>2023</strong><br />

JAN<br />

DEZ<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

Kryptowährung<br />

Bitcoin<br />

Sparrate 25 €<br />

Intervall<br />

wöchentlich<br />

Beginn der Anlage<br />

vor 2 Jahren<br />

Rendite 63 %<br />

sich jedoch, dass FOCUS MONEY damals<br />

(Geldidee 41 in Ausgabe <strong>52</strong>/1) gegen den<br />

Strich bürstete und zum Einstieg riet.<br />

Das gilt auch für dieses Jahr. Denn das<br />

Umfeld für Bitcoin ist wieder deutlich besser:<br />

Die digitale Währung hat den 2022er<br />

Krisenmodus verlassen und sich <strong>2023</strong> als<br />

ausgesprochen robustes Asset erwiesen.<br />

Parallel steht die Zulassung mehrerer Spot-<br />

ETFs bevor, die Bitcoins „physisch“ kaufen<br />

und verwahren dürfen – und Sondervermögen<br />

sind. Es wird erwartet, dass vor allem<br />

Investoren, die bislang nicht in Bitcoin<br />

investieren durften (oder wollten), jetzt<br />

beim Coin zugreifen. Der höheren Nachfrage<br />

wird dann ab Ende April nicht zuletzt<br />

ein reduziertes, neu verfügbares Angebot<br />

gegenüberstehen. Grund: Durch das sogenannte<br />

Halving, das alle vier Jahre stattfindet,<br />

halbiert sich die Belohnung der Bitcoin-Miner<br />

von 6,250 auf 3,125 Bitcoins pro<br />

„validiertem Block“ in der Blockchain. Überzeugte<br />

Bitcoin-Anleger rechnen daher mit<br />

einem weiter anziehenden Bitcoin-Preis,<br />

wobei Kursziele von 100 000 US-Dollar<br />

und mehr die Runde machen.<br />

Da aber bei der digitalen Währung alles<br />

möglich ist (also auch ein erneuter Crash),<br />

sind Anleger gut beraten, schrittweise einen<br />

Teil Ihres Fiat-Vermögens umzuschichten.<br />

Der einfachste Weg dafür ist<br />

ein Sparplan – so wie ihn zum Beispiel die<br />

von der Bafin regulierte Krypto-Handelsplattform<br />

Bison (bisonapp.com) anbietet,<br />

die zur Börse Stuttgart gehört. Dort können<br />

Anleger Bitcoin (und andere Kryptowährungen)<br />

täglich, wöchentlich, monatlich<br />

oder quartalsweise ab einem Euro per<br />

Sparplan erwerben. Wer ganz auf Nummer<br />

sicher gehen will, kann zudem jederzeit<br />

seinen Bitcoin-Bestand auf eine externe<br />

Wallet (digitale Geldbörse) ziehen.<br />

Welchen Vorteil ein solcher Sparplan –<br />

neben dem psychologischen Effekt – haben<br />

kann, zeigt ein wöchentlicher Kauf<br />

von Bitcoin in Höhe von 25 Euro in den<br />

vergangenen zwei Jahren: Während Anleger<br />

mit einem Einmalinvestment noch<br />

immer im Minus stehen würden, wären sie<br />

mit dem Bitcoin-Sparplan mehr als 60 Prozent<br />

im Plus. Grund hierfür ist der sogenannte<br />

Cost-Average-Effekt, durch den<br />

bei niedrigen Bitcoin-Kursen kontinuierlich<br />

nachgekauft wurde – was zu einem<br />

niedrigeren Einstandskurs führte. SR<br />

0<br />

Zeitpunkt der Berechnung: 12.12.<strong>2023</strong><br />

32<br />

Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


ieser Text<br />

eigt evtl. Proleme<br />

beim<br />

ext an<br />

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Netzen – Ausland abweichend. Verantwortlicher und Kontakt: Abonnenten Service Center GmbH, Hauptstr. 130, 776<strong>52</strong> Offenburg für die FOCUS Magazin Verlag GmbH, in gemeinsamer Verantwortlichkeit mit mehreren<br />

Verlagen von Hubert Burda Media (siehe www.burda.com/de/gvv). Datenschutzinfo: Kontakt zum Datenschutzbeauftragten: Abonnenten Service Center GmbH, Postfach 1223, 77602 Offenburg, Tel. 0049 781 6 396100.<br />

Namens-, Adress- und Kontaktdaten zum Vertragsschluss erforderlich. Verarbeitung (auch durch Zahlungs- und Versanddienstleister) zur Vertragserfüllung sowie zu eigenen und fremden Werbezwecken<br />

(Art. 6 I b) bzw. f) DSGVO) solange für diese Zwecke oder aufgrund Aufbewahrungspflichten erforderlich. Bei Art. 6 l f) DSGVO ist unser berechtigtes Interesse die Durchführung von Direktwerbung. Sollten wir<br />

Ihre Daten in einen Staat außerhalb der Europäischen Union übermitteln, stellen wir sicher, dass Ihre Daten gemäß Art. 44ff. DSGVO geschützt sind. Sie haben Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung oder<br />

FOCUS Einschränkung MONEY der <strong>52</strong>/1 Verarbeitung, <strong>2023</strong>/24 Widerspruch gegen die Verarbeitung, Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS auf Datenübertragbarkeit MONEY sowie auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde. Composing: Details FOCUS unter: MONEY www.focus-abo.de/datenschutz. 33


moneytitel<br />

32. ■<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Ferienwohnung in Finisterre am Ende Europas<br />

Für Käufer von Ferienimmobilien gibt es noch ein Paradies. In Finisterre<br />

am westlichen Ende Spaniens sind Wohnungen und Häuser noch preiswert.<br />

Das Kap ist das Ende des legendären Jakobsweges. Die Region an<br />

der Costa de la Muerte - an der Todesküste - hat unter Seefahrern einen<br />

Ruf wie Donnerhall. Schließlich verunglückte dort im Jahr 2002 der Öltanker<br />

Prestige. Doch die Naturkatastrophe ist längst überstanden. Die<br />

wilde Atlantikküste erlebt derzeit einen touristischen Aufschwung mit Wanderern,<br />

Naturliebhabern und Feinschmeckern. Noch sind allerdings die<br />

Immobilienpreise in der Fischerregion im Keller. In Fisterra - wie Finisterre<br />

auf galicisch heißt - gibt es beispielsweise ein gebrauchtes Chalet mit<br />

600 Quadratmetern Wohnfläche für 570000 Euro inklusive Meerblick.<br />

Für den kleineren Geldbeutel: Für 93 000 Euro wird eine 2-Zimmer-<br />

Wohnung mit 89 Quadratmetern inklusive Meeresblick offeriert. Die<br />

Küstenregion mit ihren Kliffs aus Granit ähnelt ein wenig Irland -<br />

nur mit viel besserem Wetter und Essen sowie sehr viel niedrigeren<br />

Preisen. Nachteil ist die Erreichbarkeit. Santiago de<br />

Compostela ist zwar nur eine Autostunde entfernt,<br />

doch in der Regel ist die Pilgerstadt mit dem<br />

Flugzeug von Deutschland aus nur mit Umsteigen<br />

erreichbar. <br />

HPS<br />

WILDER ATLANTIK<br />

In Finisterre in nordspanischen<br />

Galicien sind<br />

Ferienimmobilien am<br />

Meer erschwinglich<br />

Quellen: Bloomberg<br />

33.<br />

Handel,<br />

CoinShares Physical Ethereum<br />

Kurs in Euro<br />

2021 2022 <strong>2023</strong><br />

JUN JAN JAN DEZ<br />

120<br />

100<br />

WKN/ISIN A3GQ2N/GB00BLD4ZM24<br />

Fondsvermögen 173 Mio. €<br />

Gesamtkostenquote (TER) p. a. 0,00 %<br />

Replikationsmethode<br />

physisch<br />

Kursziel/Stoppkurs 90,00/50,80 €<br />

Kurspotenzial 49 %<br />

80<br />

60<br />

40<br />

20<br />

In Wallung gebracht<br />

Im Krypto-Universum ist Ethereum<br />

nach Bitcoin die Nummer zwei. Seine<br />

Marktkapitalisierung liegt derzeit bei<br />

über 280 Milliarden US-Dollar. Damit ist<br />

Ethereum in etwa so hoch bewertet wie<br />

die Dow-Jones-Aktie Chevron.<br />

In diesem Jahr hat sich der Wert der<br />

Kryptowährung verdoppelt, was die Fangemeinde<br />

in Wallung bringt. Das kommt<br />

nicht von ungefähr: Die Ethereum-Plattform<br />

wirft Gewinne ab und gilt Marktbeobachtern<br />

zufolge als einzige profitable<br />

Plattform. Ein Grund: Protokolle wie Defi<br />

(Dezentralisiertes Finanzwesen) bauen<br />

auf der Ethereum-Blockchain auf und<br />

nutzen Ethereum als Hauptwährung.<br />

Defi umfasst eine Vielzahl von Anwendungen,<br />

darunter Kreditvergabe und<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

die auf Blockchain-Netzwerken<br />

basieren. Es gibt keine langen Verzögerungen<br />

bei der Abwicklung von Transaktionen.<br />

Im August vergangenen Jahres<br />

erfolgte die Zusammenführung von Ethereum<br />

1.0 und Ethereum 2.0. Dadurch<br />

wurde die Ethereum-Kette schneller und<br />

günstiger. Zudem ist das Angebot seitdem<br />

gesunken.<br />

Mit der Coinshares Physical Ethereum<br />

ETN (Exchange Traded Note) können<br />

spekulative Anleger auf eine Fortsetzung<br />

des Aufwärtstrends von Ethereum<br />

setzen. Die Ein-Jahres-Volatilität der des<br />

ETN liegt derzeit bei 44,5 Prozent. Die<br />

Risikokennziffer zeigt, dass sich Anleger<br />

mit Ethereum auf dünnes Eis begeben.<br />

Ein Stopp sollte nicht fehlen. DR<br />

34<br />

Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Quelle: Statista<br />

Quellen: Bloomberg, Onvista.de<br />

34.<br />

■■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Die kennt jeder<br />

Die 10 wertvollsten Marken<br />

nach ihrem Markenwert <strong>2023</strong><br />

in Milliarden US-Dollar<br />

Pyramid<br />

Apple 880<br />

Google 578<br />

Microsoft 502<br />

Amazon 469<br />

McDonald’s 191<br />

Visa 169<br />

Tencent 141<br />

Louis Vuitton 125<br />

Mastercard 111<br />

Coca-Cola 106<br />

35.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Reichlich Fantasie<br />

mit Touch-Displays<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A254W5/DE000A254W<strong>52</strong><br />

Börsenwert 30,8 Mio. €<br />

KGV 2024e/25e 9,5/6,1<br />

Kursziel/Stoppkurs 2,90/1,07 €<br />

Kurspotenzial 110 %<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

3<br />

2<br />

1<br />

0<br />

e = erwartet<br />

„Brands“-ETF: Starke<br />

Marken, starke Gewinne<br />

80 Aktienfirmen mit weltweit bekannten<br />

Marken bündelt ein neuer Börsenfonds<br />

des britischen Anbieters L&G<br />

(Legal & General). Der L&G-Global-<br />

Brands-ETF (ISIN: IE0007HKA9K1, laufende<br />

Kosten: 0,39 Prozent p. a.) basiert<br />

auf der Expertise des britischen Unternehmens<br />

Brand Finance, das den Wert<br />

von Marken bemisst. Dazu werden etwa<br />

die Investitionen in die Marke oder die<br />

prognostizierten Einnahmen ausgewertet.<br />

„Die Marke eines Unternehmens ist<br />

einer seiner wichtigsten Vermögenswerte.<br />

Richtig eingesetzt, können starke<br />

Marken einen hohen finanziellen Wert<br />

für Unternehmen und Aktionäre schaffen“,<br />

erklärt Richard Haigh, Geschäftsführer<br />

von Brand Finance. Seit der Auflegung<br />

am 21. September <strong>2023</strong> legte der<br />

ETF um gut zehn Prozent zu.<br />

Und was ist drin? Wenig überraschend<br />

finden sich mit je rund fünf Prozent die<br />

US-Tech-Riesen Apple, Amazon und Microsoft<br />

auf den ersten Plätzen – wohl<br />

auch in Zukunft eine Top-Wahl. KÖ<br />

Einmal Burger mit Pommes, bitte! Wer<br />

beim Fast-Food-Riesen mit dem goldenen<br />

M seine Bestellung über einen der großen<br />

Touchscreens aufgibt, kommt – im wahrsten<br />

Sinne des Wortes – mit der Pyramid<br />

AG in Berührung. Schließlich stellt das<br />

Münchner Technologieunternehmen die<br />

dortigen Eingabe-Panels her. Doch jetzt<br />

will Pyramid mit seiner innovativen Display-<br />

Technologie ganz hoch hinaus: Jüngst gab<br />

das Unternehmen bekannt, gemeinsam<br />

mit der Lufthansa-Tochter Avionic Design<br />

an Entertainment-Touchscreens für die<br />

Passagierkabine zu arbeiten. Sollten diese<br />

zur Marktreife gelangen und dauerhaft<br />

in der Lufthansa-Flotte eingesetzt<br />

werden, wäre das ein echter Coup.<br />

Neben Displays fertigt Pyramid aber<br />

auch noch Server- und IT-Lösungen. Damit<br />

deckt das Unternehmen wesentliche<br />

Teile des Digitalisierungsbooms ab. Zwar<br />

dümpelt der Aktienkurs derzeit vor sich hin,<br />

da Pyramid noch mit der Integration seiner<br />

Tochtergesellschaften beschäftigt ist. Angesichts<br />

der Wachstumsfantasie könnte<br />

der Kurs aber bald richtig abheben. SR<br />

Quelle: Bloomberg<br />

36.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Spannende Recycling-<br />

Technologie<br />

Die französische Firma Carbios<br />

könnte in den nächsten Jahren eine<br />

Schlüsselrolle spielen, um den Umweltkiller<br />

Plastik in die Kreislaufwirtschaft<br />

zu integrieren. Möglich machen<br />

soll dies Carbios‘ Enzymtechnologie.<br />

Seine Technologie will das Unternehmen<br />

an Kunststoffhersteller und Entsorgungsunternehmen,<br />

aber auch an<br />

die Lebensmittel-, Kosmetik- oder Textilindustrie<br />

auslizenzieren. Bereits am<br />

Laufen hat Carbios Kooperationen mit<br />

Nestlé, Michelin und Puma. Die erste<br />

eigene PET-Recyclinganlage soll<br />

2025 den Betrieb aufnehmen.<br />

Die Carbios-Aktie ist hochspekulativ,<br />

aber das kommerzielle Potenzial<br />

enorm: 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen<br />

Plastikmüll, das entspricht etwa eine<br />

Lastwagenladung pro Minute, landen<br />

nach Schätzungen des WWF jedes<br />

Jahr in den Weltmeeren. Zwei Drittel<br />

des weltweiten PET-Verbrauchs entfallen<br />

auf Polyesterfasern für Textilien.<br />

Carbios schreibt noch rote Zahlen<br />

und wird 2024 erstmals zweistellige<br />

Millionenumsätze erreichen. Spätestens<br />

mit dem ersten Lizenzdeal sollte<br />

es mit dem Aktienkurs wieder steil<br />

nach oben gehen.<br />

SRI<br />

Carbios<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A1XA4J/FR0011648716<br />

Börsenwert 404,2 Mio. €<br />

KGV 2022/23e<br />

Verl./Verl.<br />

Dividendenrendite 12,2/13,4<br />

Kursziel/Stoppkurs 38,00/18,00 €<br />

Kurspotenzial 58 %<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

35<br />

e = erwartet


moneytitel<br />

38.<br />

Rauchig, torfig und hochprofitabel.<br />

Whiskys sind flüssiges Gold. Namen wie<br />

Macallan oder Dalmore lassen auf Auktionen<br />

immer wieder die Kassen klingeln.<br />

Die Preisentwicklung ist bisweilen erstaunlich.<br />

Beispielsweise kommt eine<br />

Flasche des <strong>52</strong>-prozentigen Macallan<br />

Diamond Jubilee aus dem Jahr 2012 auf<br />

einen Marktwert von 10 975 Euro. Die<br />

Single Malts in der Größe von 0,7 Litern<br />

sind nach Angaben der Handelsplattform<br />

Whiskystats sehr begehrt. Es sind<br />

vor allem schottische und japanische<br />

Whiskys, die Sammler weltweit schätzen.<br />

Besonders Aficionados aus Nordamerika<br />

und Asien zahlen Spitzenpreise.<br />

Während zuletzt die Preise zuletzt angesichts<br />

der schwachen Konjunktur in<br />

Nordamerika, China und Europa nach<br />

unten tendierten, stellte das Auktionshaus<br />

Sotheby‘s erste Mitte November einen<br />

neuen Weltrekord auf.<br />

Eine Flasche des Macallan 60yo Valerio<br />

Adami – das Etikett der Flasche wurde<br />

vom gleichnamigen italienischen Maler<br />

geschaffen – wechselte den Besitzer<br />

für sagenhafte 2,5 Millionen Euro. Das<br />

entsprach einem Wertzuwachs von 128<br />

Prozent im Vergleich zum Verkauf bei<br />

Whisky Auctioneer im Februar 2020 zum<br />

Preis von 1,1 Millionen Euro. Doch der<br />

Markt hat seine Tücken. Im November<br />

37.<br />

MACALLAN Bei<br />

Sammlern ist die<br />

schottische Edeldestillerie<br />

aus Elster Elchies heiß<br />

begehrt<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Rendite mit torfigen<br />

Geschmack<br />

ging der Preis der 500 historisch am<br />

meisten gehandelten Whiskys um acht<br />

Prozent nach unten. Das ist der größte<br />

Verlust innerhalb eines Monats laut der<br />

Handelsplattform Whiskystats. Der Preisverfall<br />

traf insbesondere schottische<br />

Whiskys, aber auch japanische.<br />

Der Auktionsmarkt für das torfige Getränkt<br />

macht derzeit einen rasanten Wandel<br />

durch. Auf extreme Kursgewinne folgen<br />

extreme Kursverluste. Früher<br />

bekannte Marktregeln werden aus den<br />

Angeln gehoben.<br />

Die Unberechenbarkeit des Marktes ist<br />

Chance und Risiko zugleich. Wer seltene<br />

Whiskys als Geldanlage erwerben will, für<br />

den bieten sich derzeit etliche Chance,<br />

ein „Schnäppchen“ zu machen. Doch für<br />

einen Anlageerfolg bedarf es einer tiefen<br />

Marktkenntnis. Neueinsteiger begeistern<br />

sich häufig mehr für das Getränk als das<br />

pekuniäre Potenzial ihres flüssigen<br />

Investments.<br />

Wichtig: Hochwertige Whiskys durcheinander<br />

zu kaufen und über Jahre<br />

aufzuheben, genügt nicht. Es sind insbesondere<br />

die streng limitierten Sondereditionen,<br />

die ein großes Aufwärtspotenzial<br />

bieten. Der Vorteil für Neueinsteiger:<br />

Der Markt für Sammler-Whiskys ist im Gegensatz<br />

zu den vielen teuren Weinen<br />

überschaubar. <br />

HPS<br />

Quelle: Bloomberg<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Günstig – und gut<br />

Was ist der größte Unterschied zwischen<br />

Volkswagen und Stellantis? Nun,<br />

die Aktien beider Autohersteller sind<br />

gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis<br />

derzeit zwar spottbillig. Der Anteilsschein<br />

von Stellantis hat seit Januar<br />

<strong>2023</strong> allerdings um mehr als 50 Prozent<br />

zugelegt, während die Vorzüge von<br />

Volkswagen knapp vier Prozent im Minus<br />

notieren. Investoren finden also<br />

scheinbar mehr gefallen am niederländischen<br />

als am deutschen Autokonzern.<br />

Aus gutem Grund: Stellantis, 2021 durch<br />

die Fusion der Fiat Chrysler Gruppe mit<br />

dem Autobauer Peugeot entstanden,<br />

deckt mit seinen 14 Marken ein größeren<br />

Kundenkreis ab – vor allem beim<br />

Thema E-Mobilität. Zugleich profitiert<br />

der Konzern von besonders hohen Skaleneffekten<br />

bei der Produktion, was die<br />

Kosten niedrig hält.<br />

Zugegeben, auch Stellantis hat mit<br />

Preisdruck und schrumpfenden Auftragsbüchern<br />

zu kämpfen. Für den Konzern<br />

sprechen jedoch die hohe Kostendisziplin<br />

und die Restrukturierungspläne,<br />

um beispielsweise mit E-Autos trotz<br />

neuer Konkurrenz aus den USA und<br />

China auch künftig Geld verdienen zu<br />

können. Analysten halten das für machbar<br />

und sprechen der Stellantis Aktie<br />

mehrheitlich ein Kauf-Votum aus. SR<br />

Stellantis<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

20<br />

WKN/ISIN A2QL01/NL00150001Q9<br />

Börsenwert 64,9 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 4,0/3,9<br />

Kursziel/Stoppkurs 25,00/17,90 €<br />

Kurspotenzial 17 %<br />

15<br />

10<br />

5<br />

e = erwartet<br />

36 Foto: The Macallan<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Quelle: Bloomberg, zinsen-berechnen.de<br />

39.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Geld verdienen<br />

mit Big Oil<br />

Exxon Mobil<br />

Aktienkurs in Euro<br />

100<br />

80<br />

60<br />

20<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN 8<strong>52</strong>549/US30231G1022<br />

Börsenwert 370 Mrd. €<br />

KGV 2024e/25e 10,7/10,6<br />

Kursziel/Stoppkurs 125,00/85,00 €<br />

Kurspotenzial 37 %<br />

40<br />

e = erwartet<br />

TANKSTELLE<br />

Zur Freude der<br />

Ölkonzerne wie<br />

Exxon Mobil<br />

spielen Elektroautos<br />

bislang nur<br />

eine marginale<br />

Rolle<br />

Keine Unruhe löst der Beschluss de UN-<br />

Klimakonferenz in Dubai bei Exxonmobil<br />

aus. Die in der Abschlusserklärung formulierte<br />

Abkehr von fossiler Energie versetzt<br />

das Branchenschwergewicht nicht<br />

in Panik. Denn trotz aller politischen Bekundungen<br />

kommt der Ausbau der erneuerbaren<br />

Energie nur langsam voran.<br />

Die Elektromobilität spielt weiter in vielen<br />

Teilen der Welt eine bescheidene Nebenrolle.<br />

Öl und Gas werden als Treibstoff<br />

und Rohmaterial beispielsweise für<br />

die Kunststoffherstellung dringend gebraucht.<br />

Die meisten Analysten empfehlen<br />

daher die Aktie des US-Schwergewichts<br />

als Kauf. Exxon besitzt mit der<br />

Übernahme des Konkurrenten Pioneer<br />

spannende Wachstumsaussichten. Der<br />

Konzern ist nach Kostensenkungsmaßnahmen<br />

zudem effizient aufgestellt. Hinzu<br />

kommen neue Wachstumsfelder wie<br />

Biotreibstoffe, die Speicherung von Kohlendioxid<br />

oder Wasserstoff sowie die Expansion<br />

in den Lithium-Sektor.<br />

Hohe Dividenden machen die Aktie von<br />

Exxon sehr attraktiv. Die Experten von<br />

der DZ Bank haben auch mittelfristig an<br />

den attraktiven Ausschüttungen keine<br />

Zweifel. Selbst bei einem niedrigeren Ölkurs<br />

kann Exxon seine hohen Dividenden<br />

aus dem Cashflow bezahlen. HPS<br />

Quellen: Bloomberg, Invesco<br />

40.<br />

■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■<br />

Invesco Euro Government Bond 5-7<br />

Year ETF<br />

Kurs in Euro<br />

39<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN A2PM7M/IE00BGJWWT11<br />

Fondsvolumen 6,4 Mio. €<br />

37<br />

35<br />

Auflagedatum 28.08.2019<br />

Ertragsverwendung ausschüttend<br />

Rendite (1/3/5 Jahre) 1,3/–12,4/– %<br />

Gutes Chance-Risiko-Verhältnis bei mittleren Laufzeiten<br />

33<br />

Währung: Euro, Abbildungsart: physisch<br />

Die Renditen von Anleihen haben mittlerweile<br />

ein Niveau erreicht, wie seit Jahrzehnten<br />

nicht mehr – auch in Europa. Viele<br />

Renten-Investoren fangen deshalb jetzt<br />

an, fleißig zuzugreifen und sich so auf lange<br />

Sicht nicht nur attraktive Renditen zu<br />

sichern, sondern auch noch von einem<br />

künftigen Kursanstieg bei Anleihen zu<br />

profitieren. Denn: Auch ohne (schnelle)<br />

Zinssenkungen legen Anleihen in der Regel<br />

eine Kursrally hin. Die Vergangenheit<br />

hat zudem gezeigt, dass Anleihen sich<br />

nach einem Zinserhöhungszyklus stets<br />

überdurchschnittlich gut entwickeln.<br />

Viele Vermögensverwalter gehen inzwischen<br />

weg von (ultra-)kurzen Laufzeiten<br />

und setzen dafür mehr auf mittlere<br />

Laufzeiten. Grund: Das Risiko-Rendite-<br />

Verhältnis ist hier derzeit am attraktivsten.<br />

Oder anders gesagt, stehen dem immanenten<br />

Zinsänderungsrisiko angemessen<br />

hohe Ertragschancen gegenüber.<br />

Der Invesco Euro Government Bond 5-7<br />

Year ETF setzt genau auf dieses mittlere<br />

Laufband. Er bildet den Bloomberg Euro<br />

Government Select 5-7 Index nach, der<br />

ein breit gestreutes Investment in Staatspapiere<br />

der Länder Frankreich, Deutschland,<br />

Italien, Niederlande und Spanien mit<br />

einer Restlaufzeit von fünf bis sieben Jahren<br />

ermöglicht. Der Index wird monatlich<br />

aktualisiert und besteht aus circa 30 Anleihen,<br />

wobei französische und deutsche<br />

Bonds den Ton angeben. Gut zu wissen:<br />

Der noch relativ kleine ETF schüttet Zinserträge<br />

quartalsweise aus. SR<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Adobe Stock 37


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38<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


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FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY Composing: FOCUS MONEY 39


moneymarkets<br />

INTERVIEW<br />

Das ist nicht der große Wurf,<br />

den es gebraucht hätte“<br />

Der Bundeshaushalt 2024 liegt auf<br />

dem Tisch. Die Schuldenbremse wird<br />

eingehalten. Warum er den Anforderungen<br />

Deutschlands dennoch nicht gerecht wird,<br />

sagt Monika Schnitzer, Vorsitzende der<br />

fünf Wirtschaftsweisen<br />

von HEIKE BANGERT<br />

Wie fühlt es sich an, wenn man das 400-seitige Jahresgutachten<br />

an den Bundeskanzler übergeben hat, und dann schreibt<br />

das Bundesverfassungsgericht das Drehbuch kurzerhand um?<br />

Monika Schnitzer: Dass kurz vor oder nach der Übergabe<br />

etwas dazwischen kommt, ist eine Erfahrung, die wir<br />

schon öfter gemacht haben. Der Nahostkonflikt, der<br />

Krieg in der Ukraine und jetzt dieses Urteil. Hätten wir<br />

es vorher gewusst, hätten wir einige Zahlen anders präsentiert.<br />

Jetzt müssen wir das im Nachgang machen.<br />

Bedeutet das, dass die Zeit der Mogelpackungen vorbei ist?<br />

Schnitzer: So muss man das lesen. In gewisser Weise<br />

ist das Urteil strenger ausgefallen, als der eine oder andere<br />

das erwartet hätte. Man hat ja zu Beginn der Koalition<br />

nicht so richtig über das Thema gesprochen. Wie finanzieren<br />

wir das alles? Müssen wir Steuern erhöhen?<br />

Müssen wir bestimmte Ausgaben senken? Müssen wir<br />

an die Schuldenbremsen-Regelung ran? Man ist davon<br />

ausgegangen, man könne diese kreativ auslegen. Jetzt<br />

hat man es mit der Kreativität an der Stelle wohl etwas<br />

übertrieben. Mit dem Stoppsignal aus Karlsruhe musste<br />

das Ganze neu verhandelt werden.<br />

Also weg von der Klientelpolitik und hin zu einer für alle?<br />

Schnitzer: Da bleibt uns jetzt gar nichts anderes übrig,<br />

als das zu versuchen. Wenn jeder an seinen alten Forderungen<br />

festhält für die Gruppen, auf deren Wählergunst<br />

40 Foto: bundesfoto/U. Voelkner<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Sie gilt als eine der renommiertesten Ökonominnen des Landes. Seit 2022 sitzt<br />

Monika Schnitzer dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen<br />

Entwicklung vor. Seit Jahren mahnt sie die Abschaffung von Regelungen<br />

und Privilegien an, die die Ungleichheit in Deutschland fördern. Sie ist Jury-Mitglied<br />

des FOCUS MONEY female finance award.<br />

DIE ABKEHR VON DER<br />

KLIENTELPOLITIK<br />

fordert Monika Schnitzer.<br />

Sie mahnt an, jetzt offen<br />

und ehrlich über die<br />

Probleme zu sprechen<br />

Vita<br />

Prof. Monika<br />

Schnitzer<br />

Geboren 1961 in<br />

Mannheim, Promotion<br />

und Habilitation<br />

Universität Bonn<br />

Seit 1996 Professorin<br />

an der LMU<br />

München, Lehrstuhl<br />

für Komparative<br />

Wirtschaftsforschung<br />

Gastprofessuren unter<br />

anderen an den<br />

Universitäten Harvard,<br />

Yale und Stanford<br />

Schnitzer ist Mitglied<br />

zahlreicher Kommissionen,<br />

seit 2020 im<br />

Sachverständigenrat<br />

zur Begutachtung der<br />

gesamtwirtschaftlichen<br />

Entwicklung, seit<br />

2022 als Vorsitzende<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

man der bei der nächsten Wahl hofft, werden<br />

wir das Problem nicht gelöst bekommen<br />

und verlieren obendrein noch viel Vertrauen<br />

bei den Bürgerinnen und Bürgern.<br />

Insofern ist das jetzt die Stunde der Wahrheit.<br />

Auch die Opposition sollte einbezogen<br />

werden. Es ist ein Leichtes, am Spielfeldrand<br />

zu stehen und zu sagen: ‚Was ihr<br />

gerade macht, ist nicht gut‘, ohne selbst<br />

konstruktive Vorschläge zu unterbreiten.<br />

Immerhin der Haushalt 2024 liegt auf dem Tisch.<br />

Ist das jetzt der große Wurf?<br />

Schnitzer: Das ist nicht der große Wurf,<br />

den wir gebraucht hätten. Einzelne Maßnahmen<br />

gehen in die richtige Richtung,<br />

aber sie gehen nicht weit genug.<br />

Wie beurteilen Sie den Kompromiss?<br />

Schnitzer: Ich hätte mir mehr Bereitschaft<br />

gewünscht, auch die eigene Klientel<br />

zu belasten, und mehr Mut, auch Maßnahmen<br />

zu ergreifen, die bei der eigenen<br />

Wählerschaft nicht so populär sind, wie<br />

beispielsweise die Abschaffung des Dieselprivilegs.<br />

Bei den Finanzierungslücken stehen unterschiedliche<br />

Zahlen im Raum – neben den 17 Milliarden<br />

Euro für den nächsten Haushalt 60 Milliarden...<br />

Schnitzer: Die 60 Milliarden stammen<br />

aus dem Klima- und Transformationsfonds,<br />

der jetzt nicht mehr verwendet werden<br />

darf. Einst war das Geld vom Bund zur<br />

Bekämpfung der Coronakrise gedacht.<br />

Eine erneute Ausnahme von der Schuldenbremse<br />

für 2024 hätte man mit den Auswirkungen<br />

der Energiekrise und den dadurch<br />

erforderlichen Mehraufwendungen<br />

für die Abfederung der Lasten und dem notwendigen<br />

Ausbau der Energieversorgung<br />

begründen können.<br />

Indem man die stets gleiche Notfalllage anführt?<br />

Schnitzer: Zumindest nicht immer auf<br />

die gleiche Weise. Wobei man sagen muss,<br />

dass sich der Notfall nach wie vor auswirkt.<br />

Wir sind mit höheren Energiepreisen konfrontiert.<br />

Die Industrie muss sich umstellen.<br />

Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren<br />

Energien vorantreiben, um<br />

unabhängiger zu werden. Das kostet.<br />

Also reine Wortklauberei?<br />

Schnitzer: Nun, man muss es schon sehr<br />

sorgfältig begründen, damit es nicht wieder<br />

infrage gestellt werden kann. Die Opposition<br />

formiert sich da schon. Doch die<br />

Frage ist, ob die darauf erpicht ist, den Karren<br />

vor die Wand zu fahren und am Ende<br />

dann selber keine Mittel zur Verfügung zu<br />

haben, um ihn aus dem Dreck zu ziehen.<br />

Wo sehen Sie langfristig Einsparpotenzial?<br />

Schnitzer: Beispielsweise beim Dieselprivileg.<br />

Das wäre schon deshalb eine gute<br />

Idee, weil wir auf der anderen Seite die<br />

Elektromobilität fördern, bislang über<br />

Kaufprämien. Würde man die Subvention<br />

auf Dieselkraftstoffe verringern oder ganz<br />

abschaffen, ließe sich der Ausbau der<br />

E-Mobilität deutlich beschleunigen.<br />

Ich gehe davon aus, dass Sie das nicht mit der<br />

Autolobby abgesprochen haben...<br />

Schnitzer: Die sind nicht begeistert. Das<br />

ist richtig. Doch das zeigt das Dilemma.<br />

Auf der einen Seite soll die Transformation<br />

hin zur Klimaneutralität marktwirtschaftlich,<br />

also ohne Subventionen allein über<br />

die CO2-Steuer, gelöst werden. Aber auf der<br />

anderen Seite subventionieren wir die Verbrenner.<br />

Das passt nicht zusammen.<br />

Beim Kürzen von Privilegien hört der Spaß auf?<br />

Schnitzer: Ganz genau. Vielleicht wurde<br />

deshalb vor allem diskutiert, beim Bürgergeld<br />

zu sparen. Dabei wird allerdings nicht<br />

berücksichtigt, dass es da nicht viel zu sparen<br />

gibt. Das Existenzminimum ist verfassungsrechtlich<br />

geschützt.<br />

In der Gastronomie ebbte der Aufschrei schnell<br />

wieder ab...<br />

Schnitzer: Den ermäßigten Steuersatz<br />

zurückzunehmen, war die richtige Entscheidung.<br />

Die Gastronomie sollte gefördert<br />

werden, weil sie in der Corona-Zeit besonders<br />

belastet war. Jetzt gibt es keinen<br />

Grund dafür. Warum gerade sie? Und warum<br />

nicht die anderen?<br />

Wo gäbe es für den Staat am meisten zu holen?<br />

Schnitzer: Das Dieselprivileg mit acht<br />

Milliarden Euro hatte ich schon<br />

41


moneymarkets<br />

genannt. Das Bürgergeld eignet<br />

sich nicht. Man könnte über das<br />

Rentensystem nachdenken. Die<br />

Frage ist nur, kann man das kurzfristig<br />

auf den Weg bringen? Die<br />

Mütterrente, die 2014 für Mütter<br />

mit vor 1992 geborenen Kindern<br />

eingeführt wurde, kostet uns jedes<br />

Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag.<br />

Die hat keine Lenkungsfunktion.<br />

Die Kinder sind bereits<br />

geboren. Das war ein reines Wahlgeschenk.<br />

Einige Frauen, die davon<br />

profitieren, haben ihren Rentenbescheid<br />

schon. Das zu ändern, dürfte<br />

schwierig sein. Das andere Thema<br />

ist die Rente ab 63 Jahren. Wer<br />

45 Jahre gearbeitet hat, soll in der<br />

Lage sein, abschlagsfrei in Rente zu<br />

gehen – etwa der Dachdecker, der<br />

diesen Beruf im Alter nicht mehr ausüben kann. Genutzt<br />

wird die Regelung aber vorwiegend von Menschen, die<br />

durchschnittlich verdienen und überdurchschnittlich gesund<br />

sind. Doch genau diese Menschen brauchen wir aufgrund<br />

des Arbeiterkräftemangels im Arbeitsmarkt.<br />

Und wie wäre es mit Steuererhöhungen?<br />

Schnitzer: Steuererhöhungen kommen bei dem einen oder<br />

anderen Koalitionspartner gar nicht gut an. Doch wir könnten<br />

für eine begrenzte Zeit einen Klima-Soli für Besserverdienende<br />

einführen. Etwas Ähnliches hatten wir bereits 2022<br />

im Jahresgutachten vorgeschlagen. Weil auch Menschen, die<br />

sich höhere Energiepreise hätten leisten können, damals von<br />

der Energiepreisbremse profitiert hatten, hatten wir vorgeschlagen,<br />

diese vorübergehend mit einem Energie-Soli zu belasten,<br />

um sich so an den Kosten der Krise zu beteiligen.<br />

Und die ist unbestritten da. Immerhin steckt Deutschland als einziges<br />

großes Industrieland in der Rezession...<br />

Schnitzer: Absolut. Ich kann nur hoffen, dass man den<br />

Ernst der Lage erkennt, denn die Lage ist ernst. Aus dem Ausland<br />

gucken viele mit Erstaunen auf uns, weil sie die Schuldenbremse<br />

nicht verstehen. Wenn die Mittel jetzt gekürzt<br />

werden, kann uns das einen halben Prozentpunkt Wachstum<br />

kosten. Da bleibt bei einem erwarteten Wachstum von 0,7<br />

Prozent wenig übrig.<br />

Würde man die<br />

Subventionen<br />

auf Dieselkraftstoffe<br />

verringern<br />

oder abschaffen,<br />

ließe sich der<br />

Ausbau der<br />

E-Mobilität<br />

beschleunigen.“<br />

Doch der Schuldenberg, den wir der jungen Generation hinterlassen,<br />

ist auch groß. Werden die Schulden gegen das Klima ausgespielt?<br />

Schnitzer: Interessanterweise hat das Verfassungsgericht<br />

auch beim Klimaschutz angemahnt, dass wir das Klima nicht<br />

zulasten der jungen Generation ruinieren dürfen. Insofern<br />

sind Investitionen dafür gerechtfertigt, von denen die nachfolgenden<br />

Generationen profitieren. Anstelle der Mütterrente<br />

hätte man die Bahn sanieren oder Brücken bauen können.<br />

Doch Investitionen in die Zukunft sind Wählern eben nicht<br />

so gut vermittelbar. Jetzt haben wir massive Defizite in der<br />

Infrastruktur. Zudem haben wir mit 64 Prozent die niedrigste<br />

Schuldenstandsquote aller G7-<br />

Staaten. Andere liegen bei einem<br />

Schuldenstand im Vergleich zum<br />

Bruttoinlandsprodukt von weit<br />

mehr als 100 Prozent. Es ist nicht<br />

so, dass wir ein Problem mit unserer<br />

Schuldentragfähigkeit hätten<br />

oder dass unser Kreditrisiko gefährdet<br />

wäre.<br />

...wie in den USA und in Italien?<br />

Schnitzer: Genau. Klar ist es bei<br />

höheren Zinsen schwerer, die<br />

Schulden zu finanzieren, doch wir<br />

sind handlungsfähig. Jetzt radikal<br />

zu sparen und die Wirtschaft abzuwürgen,<br />

halte ich für falsch.<br />

Halten Sie es für eine gute Idee, dass<br />

uns der Staat sagt, wo es langgeht bei<br />

den Innovationen oder der Energie?<br />

Schnitzer: Der Staat weiß es nicht. Dennoch muss er für<br />

Rahmenbedingungen sorgen. Es ist offensichtlich, dass wir<br />

in Zukunft mehr Energie brauchen. Wir wissen auch, dass<br />

wir klimafreundlich werden müssen. Also müssen wir unsere<br />

Stromnetze ausbauen, Wasserstoff nutzen und dafür sorgen,<br />

dass wir die passende Infrastruktur haben. Ähnlich ist<br />

es bei der E-Mobilität. Dafür muss der Staat Anreize setzen.<br />

Gilt das auch für die Milliarden-Subventionen für Unternehmen wie<br />

Intel, Tesla und TSMC durch die Bundesregierung?<br />

Schnitzer: Es ist auf jeden Fall besser, in neue Industrien zu<br />

investieren als in alte. Wir haben sehr viel Geld in den Bergbau<br />

investiert und diesen noch lange unterstützt, obwohl<br />

schon klar war, dass es sehr viel günstiger gewesen wäre,<br />

Kohle zu importieren. Wir müssen auch unabhängiger von<br />

China werden. Dass China in den nächsten Jahren Taiwan<br />

angreifen wird, hat eine positive Wahrscheinlichkeit. Insofern<br />

ist es eine gute Idee, in die Chip-und Halbleiterindustrie<br />

zu investieren. Richtig ist auch, das in den neuen Bundesländern<br />

zu tun, um den Standort zu stärken.<br />

Private Investitionen in Start-ups fließen hingegen spärlich...<br />

Schnitzer: Die Start-up-Szene hat in der Tat ein Problem,<br />

in der Wachstumsphase an die Mittel zu kommen, die sie<br />

braucht. Marvel Fusion beispielsweise, ein Unternehmen,<br />

das auf Kernfusion setzt, ist für eine erste große Finanzierungsrunde<br />

in die USA gegangen. Ein Positivbeispiel hingegen<br />

ist Aleph Alpha, ebenfalls ein großer Hoffnungsträger.<br />

Die haben es geschafft, eine Finanzierungsrunde mit Mitteln<br />

aus Deutschland und Europa zu stemmen. Die Strukturen<br />

dafür sind da. Wir müssen nur mutiger investieren.<br />

Der Industriestrompreis kommt eher der ‚alten‘ Industrie zugute?<br />

Schnitzer: Richtig. Wir reden dabei von der etablierten Industrie.<br />

Die hat uns lange sehr gut getragen und gut bezahlte<br />

Arbeitsplätze geschaffen. In in Zukunft wird das Geld aber<br />

eher mit anderen Dingen verdient werden. Bei den Autos<br />

42<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


ÜBERGABE DES<br />

JAHRESGUTACH-<br />

TENS AN BUNDES-<br />

KANZLER SCHOLZ:<br />

„Wachstumsschwäche<br />

überwinden –<br />

in die Zukunft<br />

investieren“<br />

werden nicht mehr die Motoren, sondern die Batterien entscheidend<br />

sein. Nur auf die Etablierten zu setzen, ist deshalb<br />

der falsche Weg. Das haben wir auch im Jahresgutachten beschrieben.<br />

Die Industrie hat einen vergleichsweise alten Kapitalstock.<br />

Wir haben einfach zu wenige junge und innovative<br />

Unternehmen. Da müssen wir moderner werden.<br />

Wie viel Industrie können wir uns bei den hohen Energiekosten in<br />

Deutschland überhaupt noch leisten?<br />

Schnitzer: Beim Stichwort Deindustrialisierung kriegen<br />

immer alle Panik. Man sollte es etwas anders betrachten. In<br />

der Tat werden die Energiepreise bei uns selbst dann höher<br />

sein als anderswo, wenn wir die erneuerbaren Energien ausbauen.<br />

Norwegen hat mehr Wasser, Spanien mehr Sonne.<br />

Dafür müssen wir effizienter werden und die Teile unserer<br />

energieintensiven Produktion auslagern. Das haben wir bei<br />

arbeitsintensiven Produkten auch gemacht. Vieles von dem,<br />

was wir heute in unseren Produkten verbauen, ist anderswo<br />

produziert worden. Ammoniak kann man dann eben nicht<br />

mehr in Deutschland produzieren, selbst wenn wir das einst<br />

erfunden haben. Wir sollten aber unsere Technologie sowie<br />

unsere Erfindungs- und Innovationskraft nutzen, um Produkte<br />

herzustellen, bei denen wir anderen voraus sind.<br />

Ein Fall für die Wunderwaffe KI?<br />

Schnitzer: Absolut. Ich hatte ja schon das KI-Unternehmen<br />

Aleph Alpha genannt. Da sehe ich großes Potenzial. KI könnte<br />

wirklich ein Gamechanger werden – sowohl für die öffentliche<br />

Verwaltung, als auch für die Unternehmen.<br />

Müssen wir bis dahin den Gürtel enger schnallen?<br />

Schnitzer: Wir werden zumindest nicht so viel reicher werden.<br />

Aber in der Tat: Wir haben 30 Jahre lang in der Hoffnung<br />

gelebt, dass ein Krieg in Europa der Vergangenheit angehören<br />

könnte. Wir haben günstige Energie bezogen. Jetzt müssen<br />

wir Vorsorge treffen. Sicherheit kostet etwas. Und auch<br />

die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft<br />

gibt es nicht für umsonst. Das wird uns etwas Wohlstandswachstum<br />

kosten. Aber wenn wir es geschickt machen, werden<br />

wir gut damit umgehen können.<br />

Eine große Herausforderung stellt sich den Sozialsystemen. Wie können<br />

diese an die demografische Entwicklung angepasst werden?<br />

Schnitzer: Wir haben uns im Gutachten ausführlich damit<br />

beschäftigt. Wenn jetzt die Babyboomer in Rente gehen, verschwinden<br />

nicht nur die Fachkräfte vom Arbeitsmarkt, sondern<br />

auch die Beitragszahler für das Rentensystem. Was uns<br />

zudem umtreibt, ist, dass wir immer länger leben. Das ist ja<br />

zunächst eine gute Nachricht, bedeutet aber, dass die Menschen<br />

länger Renten beziehen – und zwar acht Jahre länger<br />

als noch vor 40 Jahren. Das muss finanziert werden.<br />

Indem das Renteneintrittsalter hochgesetzt wird?<br />

Schnitzer: Richtig, wir haben das durchgerechnet. Alle<br />

zehn Jahre müssten wir ein halbes Jahr länger arbeiten. 2031<br />

sind wir bei 67 Jahren. Ab 2051 wären wir bei 68 Jahren,<br />

2071 bei 69 Jahren und 2091 bei 70 Jahren. Das zweite Thema<br />

ist aber, dass wir zu wenige Kinder bekommen. An der<br />

Stelle schlagen wir eine zusätzliche private kapitalgedeckte<br />

Altersvorsorge vor. Das von Christian Lindner vorgeschlagene<br />

Generationenkapital würde diesen Zweck übrigens nicht<br />

ganz erfüllen. Es dient eher dazu, künftig die Beiträge zu deckeln.<br />

Dass wir dafür Schulden aufnehmen, sehe ich bei der<br />

Haushaltslage nicht. Uns geht es darum, dass die Menschen<br />

eigene Ansprüche ansammeln. Zudem hatten wir vorgeschlagen,<br />

die Renten nicht mehr wie bisher mit den Löhnen<br />

anwachsen zu lassen, sondern nur noch mit der Inflation.<br />

Das ist übrigens etwas, das die meisten Länder so machen.<br />

Zu einem öffentlichen Aufschrei führte der Vorschlag zur Umverteilung.<br />

Dieser wurde auch nicht von allen Sachverständigen geteilt...<br />

Schnitzer: Stimmt, die Kollegen Achim Truger und Veronika<br />

Grimm haben sich diesem Vorschlag nicht angeschlossen<br />

– weil sie das Äquivalenzprinzip verletzt sehen. Doch von vorne:<br />

Um zu verhindern, dass Menschen in der Grundsicherung<br />

landen, weil ihre Rente nicht reicht, hatten wir eine<br />

Umverteilung vorgeschlagen. Arbeitnehmer mit einem höheren<br />

Jahreseinkommen sollen künftig weniger Rente für jeden<br />

Euro Beitragszahlung bekommen. Das Äquivalenzprinzip<br />

ist in der Tat damit verletzt, aber nicht zum ersten Mal,<br />

weil die Menschen unterschiedlich lange leben und einzelne<br />

Gruppen wie bei der Mütterrente bevorzugt werden.<br />

Wie erhalten wir trotz der vielfältigen Herausforderungen den gesellschaftlichen<br />

Zusammenhalt?<br />

Schnitzer: Hier sind die Politik und die Medien gefragt, aufzuklären,<br />

ehrlich über die Dinge zu sprechen und sie nicht<br />

falsch darzustellen, weil es bei der eigenen Klientel gut ankommt.<br />

Das bringt nur die Menschen gegeneinander auf. Wir<br />

sollten uns auch klar werden, dass wir auf einem sehr hohen<br />

Niveau jammern. Stattdessen sollten wir schauen, was gut<br />

läuft, und versuchen, das noch besser zu machen.<br />

Das ganze Interview mit Monika<br />

Schnitzer senden wir im Podcast<br />

FOCUS MONEY talks (56. Episode)<br />

überall dort, wo es Pod casts<br />

gibt, oder scannen Sie diesen QR-<br />

Code.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24 Foto: Bundesregierung/J. Denzel<br />

43


moneymarkets<br />

FRANZÖSISCHES AKW:<br />

Paris setzt weiter auf dem<br />

Ausbau der Kernenergie<br />

URAN<br />

Dreimal mehr Atomstrom geplant<br />

Deutschland bleibt außen vor. Doch 22 führende Nationen wollen die Kernenergie als Stromlieferant<br />

der Zukunft weiter ausbauen. Das heizt den Uran-Produzenten ein. Investoren setzen darauf<br />

Uranpreis zieht nach oben<br />

In den vergangenen Wochen konnte der Uranpreis<br />

kräftig zulegen. Auch eine zwischenzeitliche<br />

Konsolidierung dürfte den langfristigen Aufwärtstrends<br />

Richtung 100 US-Dollar nicht stoppen<br />

Preis für Uran U308<br />

wöchentlicher Spot-Preis in US-Dollar je Pound*<br />

*1 Pound = 454 Gramm<br />

2017 18 19 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

70<br />

50<br />

30<br />

10<br />

von JOHANNES HEINRITZI<br />

Der Uransektor sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Das<br />

Sahnehäubchen kam jüngst auf der UN-Klimakonferenz<br />

in Dubai drauf. Dort erkannten die 22 Regierungsmitglieder<br />

mit einer Erklärung die „Schlüsselrolle der<br />

Kernenergie“ an. Auf der COP28 kamen die Nationen überein,<br />

dass sie die Kapazitäten der Kernenergie bis zum Jahr<br />

2050 gegenüber 2020 verdreifachen wollen. Ob dies den<br />

USA, Kanada, Japan, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen<br />

Emiraten und den anderen Unterzeichnern der Idee<br />

gelingen wird, ist allerdings fraglich. Nach Angaben der Internationalen<br />

Atomenergiebehörde belief sich die weltweite<br />

Kernenergiekapazität im Jahr 2020 auf 375 Gigawatt (GW).<br />

44 Foto: Bloomberg<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Aber: Analysten prognostizieren, dass die weltweite Nuklearkapazität<br />

bis 2050 „nur“ um 68 Prozent wachsen wird.<br />

Die gesamte installierte nukleare Kapazität von rund 375 GW<br />

im Jahr 2020 wird voraussichtlich auf 458 GW im Jahr 2030,<br />

549 GW im Jahr 2040 und 631 GW im Jahr 2050 ansteigen.<br />

Die Erklärung wird also noch mit Taten vorangetrieben werden.<br />

Vor allem die USA und China als die größten Kernkraftnationen<br />

dürften eine Schlüsselrolle behalten. Doch weltweit<br />

steigt die Akzeptanz der Atomenergie, selbst in Ländern, die<br />

aufgrund ihrer fossilen Brennstoffvorkommen nicht darauf<br />

angewiesen wären. So wollen die Vereinigten Arabischen<br />

Emirate mit ihren vier Reaktorblöcken rund ein Viertel des<br />

eigenen Strombedarfs decken. Saudi-Arabien will bis 2040<br />

rund 17 GW Kernkraftkapazität ans Netz bringen. Auch<br />

Deutschlands Nachbar Polen plant, bis 2050 rund zehn GW<br />

Atomstromkapazität aufzubauen.<br />

Uranproduzenten sind die Gewinner. Die Renaissance der<br />

Kernkraftwerke bedeutet eine steigende Nachfrage nach dem<br />

benötigten Rohstoff Uran in angereicherter Form. Aktuell<br />

wird deutlich weniger Uran aus dem Boden geholt als nachgefragt.<br />

Da aber über viele Jahre im Kalten Krieg der Uranabbau<br />

florierte, gibt es noch Lager. Diese werden aber sukzessive<br />

abgebaut. Das Ende zeichnet sich derzeit bereits in<br />

deutlich steigenden Uranpreisen ab. <strong>2023</strong> konnte der Uranpreis<br />

von rund 50 US-Dollar je Pound (454 Gramm) auf aktuell<br />

82 US-Dollar zulegen.<br />

Davon profitieren die Produzenten des strahlenden Energieträgers.<br />

Diese bringen sich bereits in Stellung. So hat sich<br />

Branchenprimus Cameco 49 Prozent am Atomkraftwerksbauer<br />

und -zulieferer Westinghouse gesichert. Unter den<br />

aufstrebenden Gesellschaften versuchen zudem einige durch<br />

Fusionen und Übernahmen zu wachsen. So hat jüngst Iso<br />

Energy ein Übernahmeangebot für Konkurrenten Consolidated<br />

Uranium vorgelegt. Zudem besteht eine strategische<br />

Allianz mit Uran- und Vanadium-Konzern Energy Fuels. Unter<br />

den kleinen Explorern will Atha Energy die Konkurrenten<br />

Latitude Uranium und 92 Energy übernehmen. Damit<br />

könnte Atha eine Größe erreichen, die für breitere Investorenreihen<br />

interessant wird. Weitere Übernahmen werden sicherlich<br />

folgen und Fantasie für die Uranaktien bringen.<br />

Ausbau der Atomenergie floriert<br />

Bereits im Jahr 2030 dürften einige neue Kernkraftwerke<br />

ans Netz gegangen sein. Doch die Welle<br />

kommt erst ins Rollen. Weltweit soll die Kapazität<br />

2050 dreimal so groß sein als 2020. Vor allem aufstrebende<br />

Märkte setzen auf Atomstrom<br />

Kapazitäten 2020 und 2030<br />

nach Ländern in Gigawatt, 2030 Prognose<br />

China 49,9<br />

103,3<br />

USA 97,1<br />

97,9<br />

Frankreich 61,4<br />

63,0<br />

Indien 6,8<br />

13,3<br />

Vereinigte 1,4<br />

Arabische Emirate 11,2<br />

Quelle: S&P Global Commodity Insights<br />

2020<br />

2030<br />

Zu wenig Uran<br />

Seit den 1990er-Jahren liegt der Verbrauch von Uran<br />

über dem Ausstoß des Bergbaus. Recycling und vor<br />

allem Lagerabbau schließen die Lücke. Noch, denn<br />

die Lager dürften bald zur Neige gehen. Auch Exporte<br />

aus Russland sind hochgradig unsicher geworden<br />

Weltweite Urannachfrage und -produktion<br />

in tausend Tonnen<br />

? 70<br />

?<br />

60<br />

50<br />

40<br />

Produktion 30<br />

20<br />

Nachfrage<br />

10<br />

0<br />

1945 55 65 75 85 95 05 15 2025<br />

Quellen: OECD-NEA/IAEA, World Nuclear Association<br />

Aussichtsreiche Uranaktien<br />

Bergbauaktien sind immer risikoreich. Alles auf ein Pferd zu setzen, ist daher nicht empfehlenswert. Anleger verteilen den Einsatz auf<br />

mehrere Titel und verwässern so das Risiko bei Einzelinvestments. Stoppkurse sichern zusätzlich ab<br />

Name WKN ISIN Kurs<br />

in Euro<br />

e = erwartet; Quellen: Bloomberg, Unternehmen<br />

Börsenwert<br />

in Mio. Euro<br />

Gewinn je Aktie (in Euro)<br />

2024e<br />

KGV<br />

2024<br />

Kurspotenzial<br />

Stoppkurs<br />

in Euro<br />

Projekte<br />

geografisch/operativ<br />

Atha Energy A3DP94 CA0468241082 0,69 86 Verlust Verlust – 100 % 0,54 Kanada, Exploration<br />

Cameco 882017 CA13321L1085 41,60 18420 1,64 1,83 25,4 20 % 33,50 Kanada, Kasachstan; Produktion<br />

Deep Yellow 481592 AU000000DYL4 0,61 468 Verlust Verlust – 80 % 0,49 Namibia, Australien; Exploration<br />

Peninsula Energy A0CBE5 AU000000PEN6 0,065 81 Verlust 0,01 – 170 % 0,0<strong>52</strong> Australien; Produktion<br />

Nexgen Energy A1WZPW CA65340P1062 6,30 3330 Verlust Verlust – 50 % 5,25 Kanada, Minenaufbau<br />

Uranium Energy A0JDRR US9168961038 6,17 2440 0,04 0,12 154,3 25 % 4,99 Nordamerika, Projektaufbau<br />

Uranium Royalty A2PV0Z CA91702V1013 2,60 270 0,02 0,03 86,7 100 % 2,11 Lizenzverträge mit Produzenten<br />

2025e<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

45


moneymarkets<br />

URANAKTIEN-ETFS<br />

Die Großen im Portfolio<br />

Mit Exchange Traded Funds (ETF) bilden<br />

Anleger die Branche kostengünstig<br />

und einfach ab. Beispiele für<br />

ETFs sind der HANetf Sprott Uranium<br />

Miners (A3DJZY/IE0005YK6564;<br />

physisch abgebildet, Ausschüttungen<br />

thesauriert) und der Global X<br />

Uranium (A3DC8S/IE000NDWFGA5;<br />

physisch, thesaurierend)<br />

Uran ETFs<br />

Kurs in Euro<br />

Global X Uranium ETF<br />

<strong>2023</strong><br />

JAN<br />

Sprott Uranium Miners ETF<br />

Quellen: Bloomberg; ETF-Anbieter (Stand: Herbst <strong>2023</strong>)<br />

DEZ<br />

HANetf Sprott Uranium Miners<br />

Global X Uranium<br />

12<br />

10<br />

8<br />

6<br />

4<br />

CAMECO<br />

Stärke zeigen<br />

Der kanadische Uranproduzent Cameco und<br />

Brookfield Renewable werden Westinghouse<br />

Electric für 7,9 Milliarden US-Dollar erwerben.<br />

Das verbreitert die Palette von Cameco.<br />

Westinghouse bietet Produkte und Dienstleistungen<br />

im Nuklearsektor an, darunter<br />

Kernbrennstoffe, Service und Wartung, Instrumentierung<br />

und ganze Kernkraftwerke.<br />

FOCUS-MONEY-Urteil: kluger Schachzug.<br />

KAZATOMPROM<br />

Schwieriges Schwergewicht<br />

Der Konzern genießt den Status des nationalen<br />

Betreibers Kasachstans für den Export<br />

und Import von Uran. Kazatomprom bearbeitet<br />

26 Uranlagerstätten in ganz Kasachstan.<br />

Wobei vorrangig die In-situ-Gewinnung<br />

(„ISR“) verwendet wird. 2022 wurden so gut<br />

21 200 Tonnen Uran aus dem Boden geholt.<br />

FOCUS-MONEY-Urteil: Aktie wegen der (politischen)<br />

Nähe zu Russland zu spekulativ.<br />

Kräftiger Aufwärtstrend<br />

Cameco<br />

Kurs in Euro<br />

<strong>2023</strong><br />

JAN<br />

DEZ<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Gefährliches Spiel<br />

Kazatomprom<br />

Kurs in Euro<br />

<strong>2023</strong><br />

JAN<br />

DEZ<br />

Quelle: Bloomberg<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

Größte Positionen<br />

Kazatomprom 16 %<br />

Cameco 16 %<br />

Cameco 15 %<br />

Nexgen Energy 9 %<br />

Sprott Physical Uranium Tr. 13 %<br />

Kazatomprom 8 %<br />

Uranium Energy 5 %<br />

Uranium Energy 7 %<br />

CGN Mining 5 %<br />

Paladin Energy 6 %<br />

Denison Mines 4 %<br />

Denison Mines 4 %<br />

Nexgen Energy 4 %<br />

Yellow Cake 4 %<br />

Paladin Energy 4 %<br />

Energy Fuels 4 %<br />

Energy Fuels 4 %<br />

Boss Energy 3 %<br />

46<br />

NEXGEN ENERGY<br />

Noch nicht produzierend<br />

Die Kanadier verfügen über eine sehr große<br />

Lagerstätte für hochwertiges und kostengünstig<br />

abbaubares Uran, gelegen im Athabasca-Becken<br />

in Saskatchewan, Kanada.<br />

Das Rook I-Projekt verfügt über mehr als 300<br />

Millionen Pound Uran-Ressourcen. Ab Produktionsbeginn<br />

(2026/27) wird pro Jahr mit<br />

einer Produktion von 21,7 Millionen Pound<br />

U3O8 über knapp elf Jahre gerechnet.<br />

URANIUM ENERGY<br />

Glänzende Geschäftstaktik<br />

In den vergangenen Monaten und Jahren<br />

kaufte Uranium Energy-Chef Amir Adnani sukzessive<br />

Uranprojekte in Nordamerika zu –<br />

meist gegen Aktien des Konzerns. So wurde<br />

zwar der Anteil der Altaktionäre verwässert,<br />

doch der Mehrwert, der durch den steigenden<br />

Uranpreis kommt, sollte dies mehr als<br />

wettmachen. Und: Der Konzern bleibt schuldenfrei.<br />

FOCUS-MONEY-Urteil: guter Taktiker.<br />

Starke Aufwärtsbewegung<br />

NexGen Energy<br />

Kurs in Euro<br />

6,0<br />

5,0<br />

4,0<br />

<strong>2023</strong><br />

3,0<br />

JAN<br />

DEZ<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Wie an der Schnur gezogen<br />

Uranium Energy<br />

Kurs in Euro<br />

6<br />

5<br />

4<br />

3<br />

<strong>2023</strong><br />

JAN<br />

Quelle: Bloomberg<br />

2<br />

DEZ<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Bei der Chartanalyse arbeitet FOCUS MONEY exklusiv mit der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e. V. (VTAD) zusammen.<br />

Führende Mitglieder stellen jede Woche ihre wichtigsten Chartsignale vor. Diese Woche: Gregor Bauer, Vermögensberater, www.drbauer-consult.de,<br />

und Vorstandsvorsitzender der VTAD e. V.<br />

Quelle: Bloomberg<br />

CHARTSIGNAL DER WOCHE<br />

Deutscher Aktienindex im Höhenflug<br />

Der Dax spiegelt die Kursentwicklung der 40 größten börsennotierten<br />

Unternehmen hierzulande wider. Er wird als Perfomance-Index<br />

berechnet und konnte zuletzt ein neues Allzeithoch erklimmen<br />

Dax Kurs in Punkten<br />

200-Tage-Linie<br />

Signallinie<br />

Unterstützung<br />

Aufwärtstrend<br />

Abwärtstrendkanal<br />

–250<br />

Signal für –500<br />

Aufwärtstrend<br />

Moving Average Cobvergence Divergence (MACD) –750<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

16 000<br />

15 000<br />

14 000<br />

13 000<br />

12 000<br />

11 000<br />

10 000<br />

9 000<br />

8 000<br />

500<br />

250<br />

0<br />

Seit dem Corona-Crash-Tief im März 2020 bei 8255<br />

Punkten klettert der Deutsche Aktienindex Dax in einem<br />

langfristigen Aufwärtstrend nach oben. Meilensteine auf<br />

dem Weg zum jüngsten Allzeithoch waren dabei der Kurseinbruch<br />

ab November 2021 sowie der anschließende<br />

Wiederanstieg nach dem Oktober-Tief von 2022 bei<br />

11 862 Punkten. Was folgte, war ein neues Allzeithoch am<br />

31. Juli <strong>2023</strong> bei 16 <strong>52</strong>9 Punkten sowie der Rücksetzer bis<br />

Ende Oktober, der in Form eines Abwärts-Trendkanals<br />

verlief. Allerdings brach aus dem Bereich um 14 255 Punkte<br />

eine Hausse los, die den Dax in Form einer V-Umkehr<br />

aus dem Trendkanal regelrecht nach oben herauskatapultierte<br />

– bis in den Bereich um 16 900 Punkte!<br />

Der Ausbruch über den Widerstandsbereich um 16 <strong>52</strong>9<br />

Punkte gab dabei das Signal für die Fortsetzung des übergeordneten<br />

Aufwärtstrends. Auch der Trendfolge-Indikator<br />

MACD lieferte ein Kaufsignal. Langfristig orientierte Investoren<br />

folgen der Bewegung, da der Aufwärtsimpuls den<br />

Dax auf Sicht von ein bis zwei Jahren bis in den Bereich<br />

zwischen etwa 18 000 und 19 500 Punkten tragen könnte.<br />

Empfehlung: Den Eingangsstopp bei etwa 15 400 Punkten<br />

setzen – also knapp unterhalb der 200-Tage-Linie – und<br />

anschließend in entsprechendem Abstand nachziehen.<br />

WETTE<br />

DER WOCHE<br />

VOSSLOH<br />

Stark auf der Schiene<br />

von JULIA GROSS<br />

Luft nach oben<br />

Vossloh<br />

Aktienkurs in Euro<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

45<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

Quelle: Bloomberg<br />

DIE DEUTSCHE BAHN kommt einfach<br />

nicht aus den Schlagzeilen.<br />

Mal ist es die Rekord-Verspätungsstatistik,<br />

mal die Boni für den<br />

Vorstand und mal der drohende<br />

nächste Streik im Januar. Um die<br />

Herausforderungen im deutschen<br />

Schienenverkehr einmal konstruktiv<br />

zu betrachten: Bis 2027 sollen<br />

40 Milliarden Euro in das marode<br />

Schienennetz investiert werden. Einer<br />

der Nutznießer des größten Infrastrukturprogramms<br />

für die Bahn<br />

seit 1994 ist Vossloh. Nach einem<br />

Auftrag zur Instandhaltung von mindestens<br />

13 000 Kilometern Schienen<br />

im kommenden Jahr staubte<br />

das Unternehmen aus dem sauerländischen<br />

Werdohl nun auch einen<br />

Rahmenvertrag über die Lieferung<br />

von mindestens 600 Weichen ab.<br />

Parallel liefert Vossloh auch weiterhin<br />

in substanziellem Umfang Wei-<br />

chenkomponenten. Auch in den Bereichen<br />

Langschienenschweißen,<br />

Schienenbefestigungssysteme und<br />

Schienenlogistik rechnet Vossloh<br />

„für die kommenden Jahre mit einer<br />

hohen Nachfrage“ im Zusammenhang<br />

mit der DB-Modernisierung.<br />

Für das laufende Jahr hat CEO Oliver<br />

Schuster die Prognose angehoben,<br />

Umsatz, Ebit und Ebit-Marge<br />

sollen höher ausfallen als bisher angekündigt.<br />

Schon in den ersten<br />

neun Monaten erfreuten das Umsatzwachstum<br />

von über 22 Prozent<br />

auf 925,9 Millionen Euro, der Ebit-<br />

Anstieg um 40 Prozent auf 76,9 Millionen<br />

Euro und die Wende von negativem<br />

(-46,5 Millionen Euro) zu<br />

positivem (48 Millionen Euro) freien<br />

Cashflow. Hier sollte für Anleger<br />

mehr drin sein als der aktuelle Kurs.<br />

Analysten sehen im Mittel rund 25<br />

Prozent Potenzial für die Aktie.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

47


moneymarkets<br />

ANLEIHEFONDS<br />

Globale<br />

Zinsjäger<br />

Anleihen als Renditequelle sind zurück, es<br />

eröffnet sich ein breites Spielfeld zum<br />

Sammeln von Erträgen. Allrounder bei<br />

Zinsfonds bieten sich hier als Erfolg<br />

versprechendes Investment an<br />

von BERND JOHANN<br />

Um einen flotten Spruch sind die Akteure an den<br />

Finanzmärkten selten verlegen. Galt „Tina –<br />

There Is No Alternative“ (Es gibt keine Alternative)<br />

- bis 2021 für Aktien, heißt es nun „Barbara:<br />

Bonds Are Really Back And Really Attractive“ (Anleihen<br />

sind wirklich zurück und wirklich attraktiv) für<br />

den Rentenmarkt.<br />

Nur welche Anleihen? Mit kürzerer Laufzeit, derzeit<br />

allgemein höher verzinst, oder mit späterer Fälligkeit<br />

und etwas niedrigen Renditen, die dann aber<br />

über einen längeren Zeitraum? Euro, Dollar oder<br />

auch andere Währungen? Risikoreichere Hochprozenter<br />

oder sicherere, aber weniger ergiebige<br />

Staatsbonds? Für 2024 sei es an der Zeit, Zirkel und<br />

Winkelmesser zu zücken, meint Jim Cielinski, Anleihen-Chef<br />

bei der britischen Investmentgesellschaft<br />

Janus Henderson, angesichts der aktuellen Gemengelage<br />

an den Bondmärkten.<br />

Tatsächlich dürfte, wer die sich derzeit bietende<br />

Zinslandschaft für bessere Renditen aktiv nutzen<br />

will, um gelegentliche Umschichtungen nicht herumkommen.<br />

Anleihefonds, welche die ganze Breite<br />

des Zins-Universums nutzen, nehmen diese Arbeit<br />

ab. Sie führten in der langen Null- und Minizins-Periode<br />

nur ein Schattendasein. Jetzt dreht der Wind<br />

spürbar. Die Fonds locken als pflegeleichte Zinsanlage<br />

mit Aussicht auf attraktive Erträge, zumal zeitnahes<br />

Reagieren auf die Markttendenzen stark gefragt<br />

sein dürfte.<br />

Hü oder hott? Denn über die genaueren Trends und<br />

besten Chancen streiten die Fachleute noch, vor allem<br />

darüber, ob der 2021 begonnen Zinserhöhungszyklus<br />

in den USA und folgend Europa schon abgeschlossen<br />

ist, oder ob und wann eine neue Periode<br />

EINE GUTE BALANCE: Bei<br />

Anleihen gilt es, für hohe<br />

Renditen Sicherheit und<br />

Risiko in Einklang zu bringen<br />

48 Foto: Adobe Stock<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


sinkender Sätze bevorsteht. Den Takt dürften dabei vor allem<br />

die Daten bei Inflation, Konjunktur und damit verbunden<br />

der Zinskurs der Zentralbanken vorgeben.<br />

Die Märkte setzen angesichts einer sich abschwächenden<br />

Wirtschaft zuletzt auf einen baldigen Zinsdreh nach unten<br />

und griffen dem vor. Folge: Seit Mitte Oktober rutschte zum<br />

Beispiel die Durchschnittsrendite der zehnjährigen Bundesanleihen<br />

von 2,9 auf 2,2 Prozent, die zehnjähriger US-<br />

Staatsbonds fiel von fünf auf 4,2 Prozent mit entsprechendem<br />

spiegelbildlichen Kursanstieg.<br />

Die Experten der britischen Fondsgruppe Jupiter halten<br />

das für verfehlt. Auch Notenbanker warnen davor, sich zu<br />

früh zu freuen. Die Europäische Zentralbank könnte sich gezwungen<br />

sehen, die Leitzinsen erneut anzuheben, wenn diese<br />

Marktwetten auf eine Zinssenkung ihre Geldpolitik untergraben,<br />

drohte das belgische EZB-Ratsmitglied Pierre<br />

Wunsch. Frank Engels, Vorstand bei Union Investment, hält<br />

den Leitzinsgipfel dennoch für erreicht und sieht ein Plateau<br />

bis ins zweite Halbjahr 2024. Diese Meinung teilt Michael<br />

Heise, Chefökonom beim Bad Homburger Vermögensverwalter<br />

HQ Trust. In dem Fall sollten auch die Anleiherenditen<br />

vorerst weiterhin auf relativ hohem Niveau pendeln.<br />

Aktive Auswahl. Bei der Bonität gehen die Meinungen<br />

gleichfalls auseinander. Während zum Beispiel die Experten<br />

der niederländischen Aegon Asset Management bei riskanteren,<br />

aber dick verzinsten Anleihen einen guten Einstiegszeitpunkt<br />

ausmachen, äußert der Schweizer Vermögensverwalter<br />

Bantleon Bedenken wegen wachsender Ausfallrisiken bei<br />

wirtschaftlicher Abschwächung. Die Konsequenz aus alledem<br />

umschreiben die Bondspezialisten von Goldman Sachs: „Die<br />

Anleiherenditen feiern ein Comeback, doch auch die Streuung<br />

nimmt wieder zu. Dies unterstreicht den Wert eines aktiven<br />

Managements und einer sorgfältigen Titelauswahl.“<br />

Passt immer. Genau das sollten die Allrounder unter den<br />

Anleihefonds leisten. Die DWS, Fondstochter der Deutschen<br />

Bank, ist an den Euroland-Zinsmärkten mit dem DWS Eurozone<br />

Bonds Flexible (WKN DWS29J) unterwegs. Rund 50 Prozent<br />

seines Vermögens von 926 Millionen Euro steckten zuletzt<br />

in Unternehmensbonds, weitere je 16 Prozent in<br />

Staatspapieren, voran italienischen, und Pfandbriefen. Dabei<br />

dominieren Titel guter und gehobener Bonität klar. Hochprozenter<br />

niederer Qualität sind zu 15 Prozent beigemischt.<br />

Im Folgenden drei weitere, global agierende Zinsfonds mit<br />

unterschiedlichen Schwerpunkten.<br />

Bei allen ist zu beachten: Der aktuelle Portfolio-Mix stellt<br />

eine Momentaufnahme dar. Je nach Markttrends oder -aussichten<br />

wird er sich künftig ändern, eventuell auch stärker. Die<br />

Fonds sollten zumindest so lange ins Depot passen wie die<br />

Zinsen sich auf erhöhtem Niveau bewegen (gute laufende Einnahmen)<br />

und dann bis zum nächsten Zinstief (zusätzliche<br />

Kursgewinne der Anleihen). Janus-Henderson-Fachmann Cielinski<br />

sieht jedenfalls die Zeit für klar bessere Renditen gekommen.<br />

Festverzinsliche Wertpapiere werden ihre traditionelle<br />

Rolle als attraktive Ertragsquelle und Diversifizierung gegenüber<br />

Risikoanlagen wie Aktien wieder einnehmen, macht er<br />

Mut. Anleihen sind zurück. Barbara.<br />

FLOSSBACH VON STORCH BOND OPPORTUNITIES<br />

Vorreiter mit Top-Note<br />

Qualität zuerst. Als „global diversifizierter Obligationenfonds mit aktivem Investmentansatz“<br />

bezeichnen die Geldmanager des Kölner Vermögensverwalters<br />

Flossbach von Storch dieses Portfolio. Auf seiner Anlageliste stehen<br />

Anleihen jeder Art weltweit, vor allem aber Staatsanleihen ebenso wie Unternehmensbonds<br />

oder Pfandbriefe sowie andere abgesicherte Zinspapiere.<br />

„Flexibel die Chancen des gesamten Rentenmarktes nutzen“, so die Ansage<br />

des Managements, ohne dass es sich bei seinen Dispositionen an einen<br />

Index anlehnt. Dies beinhaltet auch Investments in Anleihen weniger guter<br />

Bonität oder in anderen Währungen. Zur thesaurierenden gibt es auch eine<br />

ältere, ausschüttende Fondstranche (WKN: A0RCKL).<br />

Der von Morningstar mit fünf Sternen prämierte Fonds nutzt seine Möglichkeiten.<br />

Zwar bildeten US-Staatsanleihen zuletzt mit knapp 16 Prozent den<br />

größten Einzelposten. Insgesamt überwiegen aber Firmenbonds von Adressen<br />

wie KfW, Commerzbank, ING oder Vonovia mit 43 Prozent am Portfolio<br />

vor Länderpapieren mit 38 Prozent. Von der Bonität her setzt der Fonds derzeit<br />

fast ausschließlich auf Titel mit Investmentgrade-Bonität. Anleihen minderer<br />

Güte waren lediglich mit knapp sieben Prozent vertreten. Eher restriktiv<br />

verfuhr der Fonds auch bei fremden Währungen.<br />

Dabei gehen die Manager offenbar von einer Zinswende nach unten in<br />

den kommenden Monaten aus: Die durchschnittliche Laufzeit der im Depot<br />

liegenden Anleihen ist mit siebeneinhalb Jahren relativ lang. Im Schnitt brachte<br />

das Portfolio zuletzt eine Verzinsung bis Endfälligkeit von 4,5 Prozent –<br />

Kursveränderungen außen vor.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Wende nach oben<br />

Trotz Start 2016 in der Zinsdürre erzielte der<br />

Fonds bis Mitte 2021 im Schnitt gut vier Prozent<br />

Rendite p.a. Dann erwischte ihn der<br />

Rentencrash. Zuletzt ging es wieder aufwärts<br />

FvS Bond Opportunities<br />

Kurs in Euro<br />

200-Tage-Linie<br />

120<br />

115<br />

110<br />

105<br />

100<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN (thes.) A2AQKG/LU1481583711<br />

Fondsvolumen 5,8 Mrd. €<br />

Ausgabeaufschlag/lfd. Kosten p.a. bis 3,0/1,02 %<br />

Fondswährung<br />

EUR<br />

Wertentwicklung 1/3/5 Jahre 2,7/-7,0/13,7 %<br />

Auflagedatum 17.10.2016<br />

Quelle: Bloomberg<br />

49


moneymarkets<br />

ALLIANZ GLOBAL OPPORTUNISTIC BOND<br />

Renditesucher vom Platzhirsch<br />

Starker internationaler Touch. Speziell für Kleinanleger richtete die Allianz<br />

diesen Fonds ein. Er darf bei Zinsanlagen nahezu alles: Sein Vermögen komplett<br />

in Anleihen halten oder bei Bedarf auch ausschließlich am Geldmarkt.<br />

Dabei wählt er, wie der Fondsname sagt, einen opportunistischen Ansatz je<br />

nach geldpolitischer Großwetterlage und Marktgegebenheiten. Allerdings<br />

zieht er auch Grenzen: maximal 30 Prozent des Fondsvermögens für Anleinen<br />

mit niedrigem oder ohne Rating, ebenso höchstens 30 Prozent für Titel<br />

aus Schwellenländern. Bis 20 Prozent dürfen in Pfandbriefe oder andere mit<br />

Sicherheiten unterlegte Papiere fließen. Ziel unter dem Strich: „Langfristiges<br />

Kapitalwachstum und Erträge durch Anlagen in globalen Rentenmärkten“.<br />

Auch hier gibt es eine ausschüttende Tranche (WKN A14VS9).<br />

Zuletzt bestanden die „Anlagen in globalen Rentenmärkten“ vor allem in US-<br />

Anleihen und hier vor allem Staatsbonds. Relativ stark vertreten waren auch<br />

Werte in kanadischen, neuseeländischen und australischen Dollar mit zusammen<br />

gut zehn Prozent. Auf Euro entfielen nur knapp zehn Prozent. Insgesamt<br />

machten Top-Bonitäten mit den Noten AAA und AA fast zwei Drittel des Portfolios<br />

aus. Schwellenländer-Anleihen waren mit rund sieben Prozent dabei.<br />

Die Fondsmanager setzten so vor allem auf die höheren Dollar-Zinsen und<br />

hier - offenbar mit Blick auf eine mögliche Zinswende - gleichfalls stärker auf<br />

längere Laufzeiten von fünf bis mehr als zehn Jahre. Deren Anteil im Depot<br />

erreichte zuletzt rund 70 Prozent. Allerdings spielen bei diesem Fonds und<br />

seiner bisher deutlich internationaleren Ausrichtung Währungseinflüsse stärker<br />

in die Wertentwicklung hinein.<br />

Raum für Erholung<br />

Anderer Fonds, ähnliches Bild: Auch hier<br />

kippte ab 2022 die zuvor ansprechende<br />

Bilanz. Mit den höheren Zinsen ging es indes<br />

wieder vorsichtig aufwärts<br />

Allianz Global Opportunistic Bond<br />

Kurs in Euro<br />

200-Tage-Linie<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

115<br />

110<br />

105<br />

100<br />

WKN/ISIN (thes.) A2AEDD/LU1363153583<br />

Fondsvolumen 660 Mio. €<br />

Fondswährung<br />

EUR<br />

Ausgabeaufschlag/lfd. Kosten bis 3,0/1,54 %<br />

Wertentwicklung 1/3/5 Jahre -0,8/6,0/11,9 %<br />

Auflagedatum 07.03.2016<br />

Quelle: Bloomberg<br />

95<br />

90<br />

M&G GLOBAL MACRO BOND FUND<br />

Fonds mit ethischem Anspruch<br />

Hohe Ziele. Der britische Finanzdienstleister M&G bezeichnet seinen Global<br />

Macro Bond Fund als das, was er auch ist: ein „Allroundfonds“. Denn sein<br />

Spielfeld bilden die Anleihemärkte weltweit mit Bonds jeder Art von Staaten<br />

und Unternehmen aus Industrie- und aus Schwellenländern in beliebigen<br />

Währungen sowie jeglicher Bonität. Kriterien für die Anleihenauswahl dabei:<br />

Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Zinssätze und Inflation. Darauf packt<br />

M&G allerdings eine wichtige Bedingung: Das Fonds-Management hat ESG-<br />

Regeln streng zu beachten. Das schließt zum Beispiel Papiere von Staaten<br />

mit eingeschränkten bürgerlichen Freiheiten ebenso aus wie Anleihen von<br />

Unternehmen aus Branchen wie Tabak, Waffen, Glücksspiel oder unkonventionelle<br />

Öl- oder Gasförderung. Auch zu diesem Fonds gibt es eine Tranche<br />

mit jährlichen Ausschüttungen (WJKN A2JRAB).<br />

Das Portfolio war zuletzt breit gestreut über Anleihen in US-Dollar, Euro<br />

und britischen Pfund als Schwerpunkten, allerdings nahezu alle mit Investmentgrad<br />

und damit guter Bonität. Dabei entfiel die Hälfte auf Staatsanleihen.<br />

Weitere 13 Prozent kamen auf Schwellenländer-Bonds bei insgesamt<br />

sehr breiter Verteilung über die Laufzeiten. Der Fonds hielt zuletzt zudem 20<br />

Prozent seines Vermögens am Geldmarkt als Kriegskasse.<br />

Ziel der Initiatoren ist es, über einen beliebigen Fünfjahreszeitraum die<br />

Rendite der globalen Rentenmärkte gemessen am Bloomberg Barclays Global<br />

Aggregate Index zu schlagen. Das sollte bei dem aktuellen Zinsumfeld<br />

künftig wieder klar positivere Renditen bedeuten. Der Fonds wird in Dollar<br />

geführt und ist so auch währungssensibel.<br />

50<br />

Dreh programmiert<br />

Das schwierige Zinsumfeld international seit<br />

2022 setzte dem „grünen“ M&G-Fonds<br />

sichtbar zu. Das schuf Potenzial bei einer<br />

Wende, M&G Global die sich Macro zuletzt Bond bereits Fundandeutete<br />

200-Tage-Linie<br />

Kurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

15,0<br />

14,5<br />

14,0<br />

13,5<br />

13,0<br />

WKN/ISIN (thes.) A2JRAA/LU1670719613<br />

Fondsvolumen 566 Mio. €<br />

Fondswährung<br />

USD<br />

Ausgabeaufschlag/lfd. Kosten bis 4,0/1,47 %<br />

Wertentwicklung (€) 1/3/5 Jahre -3,4/-8,1/4,8 %<br />

Auflagedatum 26.10.2018<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


MUSTERDEPOT<br />

Höchstkurse<br />

an den Börsen<br />

Zyklische Konsumgüter gehörten<br />

zu den Favoriten; Broadcom<br />

und AMD boomen<br />

DIE JÜNGSTEN ÄUSSERUNGEN hinsichtlich<br />

eines möglichen Endes des Zinserhöhungszyklus<br />

wurden inzwischen von den<br />

Märkten eingepreist. Somit bewegen sich<br />

wenige Wochen vor dem Ende des Jahres viele<br />

Aktien- und Anleihenmärkte in den USA<br />

und Europa nahe ihren Jahreshöchstständen“,<br />

sagt Nicole Sperch, Impact AM. Vor allem<br />

in Europa hätten sich einige Indizes gut<br />

entwickelt. Der Dax zum Beispiel erreichte<br />

ein neues Hoch. Auf Sektorbasis konnten<br />

sich Finanz- und Industriewerte sowie zyklische<br />

Konsumgüter verbessern. Sperch bildete<br />

diese Sektoren in ihrem Portfolio durch<br />

die Großbank ING Groep, den französischen<br />

Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric<br />

und Hermès ab.<br />

Hartmut Jaensch von prediqma kaufte in<br />

der Berichtswoche 60 Aktien der Versicherung<br />

Talanx zu je 67,50 Euro nach, die in den<br />

vergangenen Tagen dann gleich zulegen<br />

konnten. Die Highlights im Jaensch-Portfolio<br />

waren diese Berichtswoche jedoch Broadcom<br />

und AMD. Beide verzeichneten zweistellige<br />

Prozentgewinne. Auch Seagate und<br />

Meta entwickelten sich überdurchschnittlich.<br />

Damit drehte das Gesamtportfolio des<br />

Börsenexperten wieder ins Plus. JH<br />

Anzahl/nominal<br />

des Wertpapiers<br />

ISIN<br />

aufgenommen<br />

Ausgabe<br />

Kaufkurs<br />

in Euro<br />

Kaufsumme<br />

in Euro<br />

Limits Euro<br />

je Stück/<br />

Anzahl<br />

Kurs am<br />

13.12.<strong>2023</strong><br />

in Euro<br />

Kurswert<br />

am<br />

13.12.<strong>2023</strong><br />

Kursveränderung<br />

in %<br />

DEPOT 1<br />

HARTMUT JAENSCH,<br />

prediqma – Institut<br />

für Börsenstrategie<br />

160 Unicredit IT000<strong>52</strong>39360 6/23 15,90 2544,32 – 25,01 4001,60 57,3<br />

9 Meta Platforms US30303M1027 24/23 229,60 2066,40 – 308,95 2780,55 34,6<br />

35 General Electric US3696043013 25/23 99,20 3472,00 – 113,50 3972,50 14,4<br />

30 Akamai Technologies US00971T1016 47/23 100,16 3004,80 – 103,50 3105,00 3,3<br />

110 Talanx DE000TLX1005 47/23 63,93 7032,50 – 69,65 7661,50 8,9<br />

100 Dell Technologies US24703L2025 49/23 67,13 6712,80 – 64,64 6464,00 –3,7<br />

Guthaben: 50676,23 € 6 Broadcom US11135F1012 49/23 896,80 5380,80 – 993,80 5962,80 10,8<br />

Depotwert: 50324,35 € 50 AMD US0079031078 49/23 111,02 5551,00 – 127,82 6391,00 15,1<br />

Gesamtwert*: 101000,58 € 90 Seagate IE00BKVD2N49 50/23 70,95 6385,60 – 77,06 6935,40 8,6<br />

Depotveränderung:1,0 % 500 Daiwa JP3502200003 50/23 5,80 2900,00 – 6,10 3050,00 5,2<br />

DEPOT 2<br />

FRANK FISCHER,<br />

Shareholder Value<br />

Management AG<br />

57 Alphabet Inc. A US02079K3059 5/23 85,02 4846,14 – 123,16 7020,12 44,9<br />

54 Amazon.com US0231351067 5/23 91,20 4924,80 – 137,10 7403,40 50,3<br />

27 Microsoft US5949181045 diverse 247,49 6682,23 – 348,90 9420,30 41,0<br />

304 SCOR SE FR0010411983 5/23 22,99 6988,96 – 27,53 8369,12 19,7<br />

50 Secunet Sec. Networks DE0007276503 diverse 195,10 9755,00 – 133,00 6650,00 –31,8<br />

186 WashTec DE0007507501 diverse 38,12 7090,30 – 33,00 6138,00 –13,4<br />

Guthaben: 26 729,70 € 281 Gruppo MutuiOnline IT0004195308 diverse 29,00 8 150,10 – 29,90 8 401,90 3,1<br />

Depotwert: 81 216,79 € 36 Allianz DE0008404005 37/23 222,10 7 995,60 – 245,65 8 843,40 10,6<br />

Gesamtwert*:107 946,49 € 153 DocMorris CH004261<strong>52</strong>83 diverse 62,38 9 544,14 – 69,35 10 610,55 11,2<br />

Depotveränderung:7,9 % 40 Sartorius Sted. Biotech FR0013154002 45/23 180,60 7 224,00 – 209,00 8 360,00 15,7<br />

DEPOT 3<br />

NICOLE SPERCH,<br />

Impact Asset<br />

Management GmbH<br />

17 ASML Holding NL0010273215 5/23 608,80 10349,60 – 671,00 11407,00 10,2<br />

6 Hermès International FR00000<strong>52</strong>292 5/23 1624,00 9744,00 – 2033,00 12198,00 25,2<br />

800 ING Groep NL0011821202 5/23 12,53 10024,00 – 13,60 10883,20 8,6<br />

27 L’Oréal FR0000120321 5/23 377,65 10196,55 – 447,05 12070,35 18,4<br />

380 Relx GB00B2B0DG97 5/23 27,25 10355,00 – 36,71 13949,80 34,7<br />

70 Schneider Electric FR0000121972 5/23 147,22 10305,40 – 177,08 12395,60 20,3<br />

Guthaben: 17886,53 € 150 Novo Nordisk DK0062498333 15/23 70,45 10567,50 – 89,50 13425,00 27,0<br />

Depotwert: 98316,95 € 30 Münchener Rück DE0008430026 34/23 342,00 10260,00 – 399,60 11988,00 16,8<br />

Gesamtwert*: 116203,48 €<br />

Depotveränderung:16,2 %<br />

*Startkapital am 16.1.23 = 100000 Euro, abzüglich Ausgaben für Wertpapiere und Spesen (0,2% pro Wertpapiergeschäft, 2,5 % Ausgabeaufschlag bei Fonds); Limits: K = Kauflimit, V = Verkaufslimit, o. L. = ohne Limit, SL = Stop-Loss<br />

Die Beiträge stellen die Privatmeinung der Verfasser dar und dienen ausschließlich der unverbindlichen Information. Analysen und Schlussfolgerungen sind all gemeiner Natur und berücksichtigen nicht die individuellen Bedürfnisse einzelner<br />

Anleger. Wertentwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Vor Treffen einer Anlageentscheidung sollte jedenfalls ein professioneller Finanzdienstleis ter konsultiert werden.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

51


moneymarkets<br />

Das Beste für<br />

FOCUS MONEY-Leser<br />

Der 1843 gegründete „The<br />

Economist“ mit dem Leitmotto<br />

„Den globalen Fortschritt<br />

inspirieren“ gilt heute<br />

als eine der führenden Wirtschaftszeitschriften<br />

der<br />

Welt. Er betont seine Unabhängigkeit<br />

und Objektivität;<br />

mit Büros in 14 Ländern<br />

weltweit ist er für seine tiefen<br />

Analysen der globalen<br />

Wirtschaft und Politik<br />

bekannt. In einer Kooperation<br />

macht FOCUS MONEY<br />

seinen Lesern in der Regel<br />

wöchentlich einen ausge<br />

wählten Artikel aus „The<br />

Economist“ zugänglich.<br />

DÜSTERE AUSSICHTEN FÜR VERLUSTBRINGER: Die Glanzzeit der Windenergie ist erstmals vorüber<br />

ENERGIEWENDE<br />

Geschäft mit erneuerbaren Energien<br />

steht vor entscheidender Wende<br />

Gestörte Lieferketten,<br />

steigende Zinsen<br />

und zunehmender<br />

Protektionismus<br />

machen den Windund<br />

Solarenergiekonzernen<br />

das<br />

Leben schwer<br />

Vor einigen Jahren erlebten die erneuerbaren Energien<br />

ihre Glanzzeit. Niedrige Zinssätze senkten die Kosten<br />

für sauberen Strom. Dessen Bereitstellung ist zwar teuer,<br />

aber er wird von Sonne und Wind erzeugt, die kostenlos zur<br />

Verfügung stehen. Die Preise für Solarmodule und Windturbinen<br />

sanken, während die Technologien ausgereifter wurden<br />

und die Hersteller an Bedeutung gewannen. Diese Entwicklungen<br />

führten dazu, dass die mittleren Stromerzeugungskosten<br />

für Solarenergie, Onshore-Windenergie und Offshore-<br />

Windenergie zwischen 2010 und 2020 um 87 Prozent, 64<br />

Prozent beziehungsweise 55 Prozent sanken. Saubere Energie<br />

konkurrierte mit schmutzigen Alternativen, und große Energieversorger<br />

schnappten sie direkt von den Erzeugern weg.<br />

Infrastrukturinvestoren wie Brookfield und Macquarie gingen<br />

umfangreiche Wetten auf erneuerbare Energien ein. Das<br />

taten auch einige Unternehmen, die fossile Brennstoffe erzeugen,<br />

wie beispielsweise der Ölkonzern BP. Energieversorger<br />

wie EDP und Iberdrola in Europa sowie AES und Nextera in<br />

Amerika investierten Geld in Projekte. Die durchschnittliche<br />

Kapitalrendite der Entwickler stieg von drei Prozent im Jahr<br />

2015 auf sechs Prozent im Jahr 2019, ein ähnliches Niveau<br />

wie bei der Öl- und Gasförderung, jedoch mit geringerer Volatilität.<br />

Die Aussichten der Branche waren so rosig, dass der<br />

Marktwert von Nextera im Oktober 2020 kurzzeitig den von<br />

Exxonmobil, Amerikas mächtigstem Ölgiganten, in den<br />

<strong>52</strong><br />

Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Schatten stellte und es damit zum wertvollsten Energieunternehmen<br />

Amerikas machte.<br />

Heute sehen diese Aussichten deutlich düsterer aus.<br />

In den vergangenen zwei Jahren wurde die Wirtschaftlichkeit<br />

der erneuerbaren Energien durch steigende Zinsen,<br />

Lieferkettenprobleme, Verzögerungen bei Genehmigungen<br />

und zunehmend durch die protektionistischen Instinkte<br />

westlicher Regierungen beeinträchtigt. Aus dem<br />

„grünen Bonus“ bei Aktien ist ein „grüner Malus“ geworden.<br />

Der S&P Global Clean Energy Index, der die Performance<br />

der Branche abbildet, ist in den letzten zwölf Monaten<br />

um 32 Prozent gefallen, während die weltweiten<br />

Aktienmärkte um elf Prozent gestiegen sind. AES hat mehr<br />

als ein Drittel seines Wertes verloren. Nextera ist etwa ein<br />

Drittel so viel wert wie Exxonmobil, das durch einen Anstieg<br />

des Ölpreises beflügelt wurde. Hersteller von Windkraftanlagen<br />

entwickelten sich von knapp profitabel zu<br />

verlustbringend.<br />

Das ist ein Problem, nicht nur für die Unternehmen für<br />

erneuerbare Energien und ihre Aktionäre. Am 2. Dezember<br />

verpflichteten sich 118 Länder auf dem jährlichen UN-<br />

Klimagipfel in Dubai, im Rahmen ihrer Dekarbonisierungsbemühungen<br />

ihre kombinierte Kapazität für<br />

erneuerbare Energien bis 2030 auf 11 000 Gigawatt (GW)<br />

zu erhöhen, gegenüber 3400 GW im letzten Jahr. Dafür ist<br />

eine Steigerung um etwa 1000 GW pro Jahr erforderlich,<br />

dreimal so viel wie im vergangenen Jahr weltweit. Damit<br />

dies geschieht, müssen erneuerbare Energien wieder wie<br />

ein Geschäft aussehen, auf das man wetten kann.<br />

Die jüngsten Probleme der Branche sind das Ergebnis<br />

eines Zusammenspiels unterschiedlicher Faktoren. Ein<br />

Problem sind steigende Kosten entlang der Lieferkette. Der<br />

Preis für Polysilizium, ein Schlüsselmaterial für Solarmodule,<br />

stieg aufgrund von Lieferkettenproblemen in China<br />

während der Pandemie von zehn Dollar pro Kilogramm<br />

im Jahr 2020 auf ganze 35 Dollar im Jahr 2022. Als Reaktion<br />

darauf stiegen die Preise für Solarmodule.<br />

Auch die Kosten für Windkraftanlagen sind stark gestiegen.<br />

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat den Preis<br />

für Stahl in die Höhe getrieben, einem wichtigen Rohstoff,<br />

zu dessen Produzenten beide Länder gehören. Um längere<br />

und leistungsstärkere Rotorblätter zu entwickeln, sind<br />

ihre Hersteller darüber hinaus in technologisches Neuland<br />

vorgedrungen und haben unter anderem mit Materialien<br />

wie Kohlefaserverbundwerkstoffen anstelle von<br />

Glasfasern experimentiert. Um stärkere Winde in größeren<br />

Höhen einzufangen, ist die durchschnittliche Anlage<br />

mittlerweile fast 100 Meter hoch. Im Jahr 2018 stellte der<br />

amerikanische Konzern GE eine 260 Meter lange Offshore-<br />

Windkraftanlage vor, die nur etwas niedriger als der Eiffelturm<br />

ist. Die Zulieferer der rund 8000 Teile einer Windkraftanlage<br />

hatten mit der Bewältigung dieser Aufgabe zu<br />

kämpfen. Schiffe und Lastwagen haben Mühe, Teile in der<br />

Größe von Fußballfeldern zu transportieren.<br />

All dies hat zu Verzögerungen und Produktionsausfällen<br />

bei Windkraftanlagen geführt. Im Oktober geriet in Iowa<br />

eine Turbine des dänischen Unternehmens Vestas in<br />

Brand. Etwa zur gleichen Zeit brachen die Rotorblätter einer<br />

GE-Turbine in Deutschland und stürzten auf ein Feld.<br />

Gewährleistungsbestimmungen in Kaufverträgen sehen<br />

vor, dass Hersteller die Kosten für solche Vorfälle tragen. In<br />

den letzten zwölf Monaten kosteten solche Gewährleistungsansprüche<br />

Vestas eine Milliarde Euro. Qualitätsprobleme<br />

bei Siemens Gamesa, darunter Faltenbildung an den<br />

Rotorblättern, führten zu einem jährlichen Betriebsverlust<br />

der Muttergesellschaft Siemens Energy von 4,6 Milliarden<br />

Euro. Zuletzt erhielt der Konzern zur Abwendung der Krise<br />

von der Bundesregierung eine staatliche Kreditgarantie.<br />

Kann Grün schwarze Zahlen schreiben? Um ein weiteres<br />

Ausbluten zu verhindern, haben die Gerätehersteller<br />

ihre eigenen Preise erhöht. Dem Datenanbieter S&P<br />

Global zufolge verlangen westliche Anbieter mittlerweile<br />

ein Fünftel mehr als Ende 2020. Diese Preissteigerungen<br />

haben zusammen mit höheren Zinssätzen dazu geführt,<br />

dass die mittleren Stromerzeugungskosten für<br />

amerikanische Offshore-Windprojekte in den letzten zwei<br />

Jahren um 50 Prozent gestiegen sind, berechnet das Forschungsunternehmen<br />

Bloomberg NEF – selbst unter<br />

Enttäuschende Performance<br />

Wer als Aktionär auf börsennotierte Unternehmen<br />

aus der Wind- und Solarenergie gesetzt hatte, macht<br />

schwere Zeiten durch. Der S&P Global Clean Energy<br />

hat sich in diesem Jahr sehr viel schlechter entwickelt<br />

als der internationale Aktienfonds MSCI World<br />

MSCI World vs. S&P Global Clean Energy<br />

1.12.2022 = 100<br />

MSCI World<br />

S&P Global Clean Energy<br />

2022 <strong>2023</strong><br />

DEZ JAN<br />

Quelle: Bloomberg<br />

DEZ<br />

110<br />

100<br />

90<br />

80<br />

70<br />

60<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

53


moneymarkets<br />

Berücksichtigung der Subventionen, die im gigantischen<br />

Klimagesetz von Joe Biden, dem Inflation Reduction Act<br />

(IRA), enthalten sind. Entwickler, die vor Festschreibung<br />

der Kosten Strompreise mit ihren Kunden vereinbarten,<br />

standen vor unrentablen Projekten. Laut Bloomberg NEF<br />

haben sie in Amerika Verträge für die Hälfte der im Land<br />

gebauten Offshore-Windkapazität entweder gekündigt<br />

oder versucht, sie neu zu verhandeln.<br />

Im Oktober musste das dänische Unternehmen Orsted<br />

– der weltweit größte Offshore-Windkraftentwickler – eine<br />

Abschreibung in Höhe von vier Milliarden Dollar hinnehmen,<br />

als es zwei große Projekte vor der Küste von New Jersey<br />

stornierte. Die Chefs der Unternehmen für erneuerbare<br />

Energien schimpfen über bürokratische Verzögerungen.<br />

In Amerika dauert es durchschnittlich vier Jahre, bis ein<br />

Solarpark eine Genehmigung erhält, und sechs Jahre für<br />

eine Onshore-Windkraftanlage. Gegen eine EU-Vorschrift,<br />

dass die Genehmigungsfristen für erneuerbare Projekte in<br />

der Europäischen Union zwei Jahre nicht überschreiten<br />

sollten, wird größtenteils verstoßen.<br />

Grüner Protektionismus schadet. All dies wird durch<br />

den zunehmenden grünen Protektionismus noch verschlimmert.<br />

Tatsächlich hat Amerika chinesische Solarhersteller<br />

mit hohen Antidumpingzöllen und dem Uyghur<br />

Forced Labour Prevention Act von 2021 ausgeschlossen.<br />

Dieses Gesetz verbietet den US-Entwicklern den Import<br />

von Modulen mit Polysilizium aus der Region Xinjiang,<br />

aus der die Hälfte des globalen Angebots stammt. Die Europäische<br />

Union hat frühere Antidumpingzölle auf chinesische<br />

Solarmodule aufgehoben. Am 22. November verabschiedete<br />

das EU-Parlament jedoch den Net Zero<br />

Industry Act, ein Gesetz, mit dem Mindestanforderungen<br />

für den inländischen Anteil an öffentlichen Verträgen für<br />

erneuerbare Energien eingeführt werden.<br />

Die EU-Kommission in Brüssel erwägt außerdem eine<br />

Untersuchung der Subventionen Chinas für seine Turbinenhersteller,<br />

die ihre Produkte im Inland zu Preisen verkaufen,<br />

die um 70 Prozent niedriger sind als die westlicher<br />

Konkurrenten anderswo auf der Welt. Handelsbeschrän-<br />

kungen werden nicht nur billige chinesische Solarmodule<br />

und Windturbinen vom Markt fernhalten. Sie wirken sich<br />

auch auf die Verfügbarkeit von Teilen aus. Siemens Gamesa<br />

plant, einen größeren Teil seiner Lieferkette auszulagern,<br />

um die Kosten zu senken. Westliche Turbinenhersteller beziehen<br />

Gondeln, Türme und andere Komponenten bereits<br />

aus China, das ihre Produktion dominiert. Nach Angaben<br />

des Energieministeriums muss Amerika bei Offshore-<br />

Windprojekten die meisten Komponenten importieren, um<br />

seine Ziele für 2030 zu erreichen. Es ist wahrscheinlich,<br />

dass es zu Versorgungsengpässen kommt, während die<br />

Welt um den Ausbau erneuerbarer Energien kämpft.<br />

Die Branche beginnt zumindest, einige Herausforderungen<br />

in den Griff zu bekommen. Die Preise für Polysilizium<br />

sind gesunken, und die Produktionskapazität steigt entlang<br />

der Solarlieferkette. Auch westliche Turbinenhersteller stehen<br />

möglicherweise vor einer Trendwende, unterstützt<br />

durch sinkende Rohstoffpreise und größere technologische<br />

und finanzielle Disziplin. Die Branche erkennt, dass „größer<br />

nicht immer besser“ für Turbinen ist, so der CEO von<br />

Vestas, Henrik Andersen. Am 8. November meldete das dänische<br />

Unternehmen, das es im dritten Quartal wieder in<br />

die Gewinnzone zurückgekehrt sei.<br />

Höhere Preise werden durchgesetzt. Den Entwicklern<br />

gelingt es ihrerseits, die Preise zu erhöhen, ohne die Nachfrage<br />

zu dämpfen. Laut Zahlen des Energiemarktplatzes LevelTen<br />

Energy sind die Preise für Solar- und Windenergie,<br />

die Entwickler in Amerika im Rahmen von Stromabnahmeverträgen<br />

erhalten, in den letzten zwei Jahren um fast<br />

60 Prozent gestiegen.<br />

Der CEO von AES, Andres Gluski, sagt, sein Unternehmen<br />

sei auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr als doppelt<br />

so viel Kapazität für erneuerbare Energien in Betrieb<br />

zu nehmen wie im Jahr 2022. Die Renditen seien stabil, fügt<br />

er hinzu. „Niemand freut sich, wenn die Preise steigen, aber<br />

man akzeptiert es“, so Mark Dooley von Macquarie. Wenn<br />

die Genehmigungsregeln nicht gelockert werden und der<br />

Protektionismus ungebremst bleibt, wird viel mehr Akzeptanz<br />

nötig sein.<br />

Windturbinen ohne Rückenwind<br />

Die Hersteller von Windturbinen haben mit vielfältigen<br />

Problemen zu kämpfen. Die Nettogewinnmarge<br />

von Unternehmen wie die dänische Vestas und die<br />

deutsche Nordex ging stark zurück. Der Dax-<br />

Konzern Siemens Energy war wegen der Probleme<br />

der spanischen Windkrafttochter Gamesa ins<br />

Trudeln geraten und brauchte schließlich Unterstützung<br />

vom deutschen Staat<br />

Nettogewinnmarge von Windturbinenhersteller<br />

rückblickend 12 Monate, in Prozent<br />

5<br />

Vestas<br />

0<br />

–5<br />

Nordex<br />

–10<br />

Siemens Energy –15<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

54<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Einer, der<br />

GIOVANNI ZARRELLA<br />

Exklusiv fotografiert<br />

für HÖRZU<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

zu Hause hat<br />

Eine Marke der FUNKE Mediengruppe<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY Composing: xxx/FOCUS MONEY 55


moneymarkets<br />

SCHÖNE BESCHERUNG:<br />

Die Prognosen der Saxo<br />

Bank halten jede Menge<br />

Überraschungen bereit<br />

KÜHNE THESEN<br />

Unverhofft kommt oft<br />

Die dänische Saxo Bank wagt zum Jahreswechsel wieder acht Prognosen.<br />

FOCUS MONEY ordnet die Vorhersagen ein – und gibt passende Anlagetipps<br />

von JENS MASUHR<br />

Ölpreisrekord, Champions-League-Deal und das Ende<br />

des Kapitalismus – die dänische Saxo Bank wird auch<br />

zum Jahreswechsel <strong>2023</strong>/24 nicht müde, die Welt mit<br />

ihren Schock-Thesen aufzurütteln. Mit acht mutigen Prognosen,<br />

teilweise humorvoll, widersprüchlich, nicht immer<br />

bierernst und in keinem Fall als offizielle Ansicht der Bank<br />

zu verstehen, macht das Expertenteam um Investmentchef<br />

Steen Jakobsen auf die Herausforderungen unserer Zeit aufmerksam.<br />

„Es geht darum, Denkanstöße zu geben“, so der<br />

Experte.<br />

Welt am Wendepunkt. Umso mehr, als dass die Saxo-Mannen<br />

die Welt Anfang 2024 an einem Wendepunkt sehen.<br />

„Nach der großen Finanzkrise profitierte die Weltwirtschaft<br />

von stabiler Geopolitik, niedriger Inflation und tiefen Zins-<br />

sätzen“, erklärt Jakobsen. Mit der Pandemie sei dieser Weg<br />

jedoch deutlich mühsamer geworden – und ginge jetzt zu<br />

Ende. Die Thesen ranken sich daher um die Frage, wie die<br />

Länder mit einer „gefährlich unvorhersehbaren Zukunft“,<br />

einschließlich enormer technologischer Fortschritte, umgehen<br />

werden.<br />

Sushi fürs Depot. Eine Gesundheitskrise, ausgelöst durch<br />

die Diätpille, kommt demnach 2024 genauso auf die<br />

Menschheit zu wie der Deepfake-Angriff auf einen hochrangigen<br />

Staatsdiener, durchgeführt mittels künstlicher Intelligenz<br />

(KI). Die anschließende Sicherheitskrise lässt die Börse<br />

ähnlich stark beben wie die Entscheidung der EU,<br />

Milliardäre über eine Reichensteuer stärker an den Krisenkosten<br />

zu beteiligen. Ein Horrorszenario insbesondere für<br />

56<br />

Foto: Adobe Stock FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Luxushersteller wie LVMH. Wohl dem, der japanische<br />

Aktien besitzt. Das Land der aufgehenden<br />

Sonne steht 2024 laut Saxo-Prognose vor einem unverhofften<br />

Wirtschaftsboom – und damit vor dem<br />

Ende der bisherigen Zinskontrolle durch die Bank<br />

of Japan.<br />

1. Ölpreis verdoppelt sich<br />

These: Der Preis für Rohöl steigt bis Mitte 2024 auf<br />

150 US-Dollar<br />

Saudi-Arabien ist auf dem besten Weg, seine Wirtschaft<br />

umzustrukturieren – weg von der Öl-Abhängigkeit<br />

hin zu einem Tourismus-, Freizeit- und Unterhaltungszentrum.<br />

Unterstützt wird das<br />

Mammutvorhaben durch einen rasant steigenden Ölpreis<br />

und damit höheren Einnahmen. Grund ist die<br />

ins Stocken geratene grüne Transformation (bei<br />

gleichzeitig steigenden Kosten) und der Umstand,<br />

dass die von Saudi-Arabien angeführte OPEC+ das<br />

Angebot fest im Griff behält. Beides führt zu einer unerwartet<br />

hohen Nachfrage nach dem schwarzen Gold<br />

(siehe auch Grafik unten). Die höheren Einnahmen<br />

nutzen die Saudis zudem dazu, ihren Einfluss in der<br />

Sportwelt auszubauen. Das Land erwirbt die Rechte<br />

an der Champions League und baut sie zu einem weltweiten<br />

Turnier aus.<br />

Die Folgen für Anleger: Nicht nur der Ölpreis<br />

erlebt einen kometenhaften Anstieg, an dem Anleger<br />

mit Occidental Petroleum (ISIN: US6745991058)<br />

mit verdienen können. Auch die Aktie von<br />

Manchester United (KYG5784H1065) wird sich in<br />

Folge des globalen Champions League-Hypes verdoppeln.<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Öl bleibt wichtigster Schmierstoff der Welt.<br />

Krisen treiben den Preis – gut möglich<br />

Unsere Thesen<br />

sollen<br />

Denkprozesse<br />

anstoßen – es<br />

ist wie bei<br />

einem guten<br />

Gespräch am<br />

Esstisch, bei<br />

dem die<br />

Teilnehmer<br />

gegeneinander<br />

antreten.“<br />

STEEN JAKOBSEN<br />

CHIEF INVESTMENT<br />

OFFICER (CIO) BEI DER<br />

SAXO BANK<br />

2. Diätpille führt zu Gesundheitskrise<br />

These: Medikamente gegen Fettleibigkeit lösen globale<br />

Gesundheitskrise aus, da sich viele Menschen<br />

noch weniger bewegen<br />

GLP-1 heißt der Schlüssel zur Bekämpfung gegen<br />

Fettleibigkeit (Adipositas). Staatliche Stellen bewerben<br />

diese Medikamente verstärkt als entscheidendes<br />

Mittel zur Verbesserung der Gesundheit und zur Eindämmung<br />

der globalen Adipositas-Verbreitung. Noch<br />

übersteigt die Nachfrage das Angebot an entsprechenden<br />

Medikamenten deutlich. Daher wird es noch Jahre<br />

dauern, bis alle Patienten eine Therapie erhalten.<br />

Die Aussicht darauf aber wird die Lebensweise der Betroffenen<br />

(und möglicherweise auch normalgewichtiger<br />

Menschen) auf bedenkliche Weise ändern. Weil es<br />

möglich ist, das Körpergewicht mit einer einzigen Pille<br />

unter Kontrolle zu halten, treiben die Menschen immer<br />

weniger Sport und/oder ernähren sich zunehmend<br />

ungesund. Das Ergebnis ist eine massive<br />

Gesundheitskrise. Die weltweite Adipositasrate bei Erwachsenen<br />

macht einen Sprung von heute 39 Prozent<br />

auf 45 Prozent im Jahr 2024.<br />

Die Folgen für Anleger: Die Nachfrage in der Lebensmittelindustrie<br />

steigt massiv. Die Aktien von Mc-<br />

Donald’s (ISIN: US5801351017) und Coca-Cola<br />

(US1912161007) performen jeweils um 60 Prozentpunkte<br />

besser als der Gesamtmarkt.<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Fastfood-Boom in Asien fördert Adipositas –<br />

globale Gesundheitskrise aber unrealistisch<br />

3. Anfang vom Ende des Kapitalismus<br />

These: Die USA läuten mit steuerfreien Staatsanleihen<br />

das Ende des Kapitalismus ein<br />

Im Zuge der US-Präsidentenwahl am 5. November<br />

Sprudelnde Quellen<br />

Öl bleibt trotz der grünen Transformation der wichtigste<br />

Schmierstoff der Welt. Mit Ausnahme der Corona-Pandemie<br />

geht die US-Erdölproduktion seit 2017 stetig nach<br />

oben – zuletzt unter verstärktem Einsatz von Fracking<br />

US-Erdöl-Produktion<br />

in Mio. Barrel am Tag<br />

2010 11 12 13 14 15 16 17 16 19 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Wellenreiter-invest.de<br />

12<br />

10<br />

8<br />

6<br />

4<br />

Wachsende Kluft<br />

Einkommen und Vermögen sind auf der Welt ungleich verteilt.<br />

Vor allem beim Vermögen geht die Schere zwischen<br />

arm und reich weit auseinander. Studien zeigen: je größer<br />

die Schere, desto besser für die Luxusindustrie<br />

Anteil am Gesamteinkommen oder Vermögen<br />

nach Weltbevölkerungschichten in Prozent<br />

Einkommen<br />

8,5<br />

39,5<br />

<strong>52</strong>,0<br />

2,0<br />

Vermögen 22,0<br />

76,0<br />

Quelle: wir2022.wid.world/methodology<br />

Untere 50 Prozent<br />

Mittlere 40 Prozent<br />

Obere 10 Prozent<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Saxo Bank Illustrationen: VectorStock<br />

57


moneymarkets<br />

LUXUS-SHOPPING: Milliardäre müssen den Gürtel enger schnallen<br />

KAPITOL: Nächster US-Präsident könnte wieder ein Kennedy sein<br />

2024 ist die Regierung in Washington gezwungen, die Staatsausgaben<br />

deutlich zu erhöhen, um die Wirtschaft am Laufen<br />

zu halten und soziale Unruhen zu vermeiden. Weil der Inflationsdruck<br />

hoch bleibt und es zu Kapitalrückführungen ausländischer<br />

Investoren kommt, bleibt die Nachfrage nach US-<br />

Staatsanleihen verhalten, was zu einem Anstieg der Renditen<br />

von US-Bonds führt. In einem verzweifelten Versuch, die Kreditkosten<br />

zu normalisieren, macht die US-Regierung Einkünfte<br />

aus Staatsanleihen steuerfrei.<br />

Die Folgen für Anleger: Weil es möglich ist, sich (steuerfrei!)<br />

die höchsten Renditen seit Jahren zu sichern, sinken die<br />

Renditen von US-Staatsanleihen (bei steigenden Kursen) über<br />

alle Laufzeiten hinweg, und die Renditekurve flacht ab. Während<br />

im Gegenzug der Aktienmarkt abstürzt, profitiert eine<br />

kleine Gruppe von Unternehmen mit hoher Liquidität von einer<br />

inversen Zinstrukturkurve (kurzfristige Zinsen höher als<br />

langfristige) und erweitert den Kreis der „Big Seven“ zur Gruppe<br />

der „Big Twelve“: ASML (ISIN: NL0010273215), Eli Lilly<br />

(US5324571083), Novo Nordisk (DK0062498333), JP Morgan<br />

(US46625H1005) und LVMH (FR0000121014).<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Wette nie gegen die USA, lautet ein Spruch von<br />

Altmeister Warren Buffett – aber Aktientipps sind top<br />

bedeutet, dass nur von der Regierung genehmigte Unternehmen<br />

diese neue generative KI verwenden dürfen. Daraufhin<br />

stoppen Wagniskapitalgeber die Finanzierung aufstrebender<br />

KI-Firmen. Der Hype rund um künstliche Intelligenz<br />

geht schlagartig zu Ende. Um den enormen Kollateralschäden<br />

generativer KI Herr zu werden, legen die USA und die EU<br />

fest, dass alle von einer generativen KI produzierten Inhalte<br />

das Siegel „Made by AI“ tragen sollen – ein historischer<br />

Schritt. Eine weitere Folge der Sicherheitskrise ist, dass die<br />

Öffentlichkeit Informationen im Internet fortan generell<br />

misstrauisch gegenüber steht. Wen wundert‘s? KI-produzierte<br />

Inhalte machen mittlerweile 90 Prozent aller veröffentlichten<br />

Informationen aus.<br />

Die Folgen für Anleger: Die Regierung nimmt sich den verantwortlichen<br />

Hersteller der Software zur Brust – das Papier<br />

von Adobe (ISIN: US00724F1012) stürzt ab. Auf der anderen<br />

Seite gehen die Titel klassischer Medienhäuser, die eine<br />

Genehmigung zur Verbreitung regierungsamtlicher Nachrichten<br />

bekommen, durch die Decke. Der Aktienkurs der<br />

New York Times (US6501111073) verdoppelt sich.<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Geplantes KI-Gesetz der EU geht exakt in die Richtung.<br />

Wahrscheinliches Szenario – auch ohne Deepfake<br />

4. Notfall durch künstliche Intelligenz (KI)<br />

These: Der überzeugendste Deepfake aller Zeiten löst eine<br />

nationale Sicherheitskrise aus<br />

Einer kriminellen Gruppe gelingt es, mithilfe von KI einen<br />

hochrangigen Staatsbeschäftigten dazu zu bringen, streng<br />

geheime Informationen aus einem Industrieland preiszugeben.<br />

Der Deepfake löst die größte nationale Sicherheitskrise<br />

seit dem Zweiten Weltkrieg aus und leitet eine Phase weitreichender<br />

KI-Regulierung ein. So zwingt die US-Regierung KI-<br />

Entwickler wie OpenAI und Google aus Gründen der nationalen<br />

Sicherheit dazu, den Zugriff Dritter auf ihre<br />

grundlegenden großen Sprachmodelle einzuschränken, was<br />

5. Neuer „Club of Rome“<br />

These: Defizitäre Länder gründen eine Organisation, um verbesserte<br />

Bedingungen im Welthandel zu vereinbaren<br />

Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den Leistungsbilanzen<br />

der Überschuss- und Defizitländer ist Folge<br />

der Währungssysteme und auf lange Sicht nicht tragbar. Da<br />

die Schuldensituation der USA nicht mehr kontrollierbar ist,<br />

bildet eine Gruppe von sechs Defizitländern einen „Club of<br />

Rome“, um bei der Reduzierung der Defizite zusammenzuarbeiten,<br />

indem sie gemeinsam mit den Überschussländern<br />

neue Welthandelsbedingungen aushandeln. Ziel ist es, durch<br />

schrittweise Anpassungen der Wechselkurse von Über-<br />

58 Fotos: Adobe Stock, Bloomberg<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


schussländern einen globalen Neustart zu erzwingen und so<br />

ein gerechteres und stabileres Wirtschaftsmodell zu etablieren.<br />

Die Gründungsmitglieder sind die USA, das Vereinigte<br />

Königreich, Indien, Brasilien, Kanada und Frankreich.<br />

Die Folgen für Anleger: Schmerzhaft wird die Anpassung<br />

der Leistungsbilanzunterschiede dagegen für die Länder mit<br />

den höchsten Überschüssen – China, Deutschland, Norwegen,<br />

Japan, die Niederlande und Singapur. Der Kontrollverlust<br />

über den US-Dollar als Weltreservewährung schwächt<br />

das Vertrauen ins Fiat-Geldsystem. Zu den Gewinnern zählen<br />

dagegen Gold, Silber und Kryptowährungen. Anleger können<br />

die Auswahl Profis überlassen und sich für passiv gemanagte<br />

Produkte entscheiden, beispielsweise der Amundi<br />

Physical Gold ETC (FR0013416716), der WisdomTree Physical<br />

Silver (JE00B1VS3333) oder der 21Shares Bitcoin Core<br />

ETP (CH1199067674).<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Eine Einigung erscheint fraglich. So manches Überschussland<br />

dürfte ein Veto einlegen – kaum umsetzbar<br />

6. Robert F. Kennedy Jr. wird US-Präsident<br />

These: Robert F. Kennedy Jr. gewinnt die US-Präsidentschaftswahlen<br />

2024<br />

Die Wahl von RFK Jr. zum 47. Präsidenten der USA gleicht einem<br />

politischen Erdbeben. Erstmals in der Geschichte der<br />

Vereinigten Staaten von Amerika gewinnt ein unabhängiger<br />

Kandidat die Wahl. Sein populistisches Programm gegen die<br />

kriegsunterstützenden Demokraten sowie gegen die abgehobenen<br />

Eliten in den Konzernen steht für einen politischen<br />

Richtungswechsel: Die Wähler in den USA haben die Nase<br />

voll von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und teuren Kriegen.<br />

Wählerstimmen bekommt Kennedy daher aus beiden Lagern<br />

– von verärgerten traditionellen Demokraten als auch von<br />

Trump-Anhängern.<br />

Die Folgen für Anleger: Kennedys politische Agenda lässt<br />

die Börsen schwanken. Seine Friedensbotschaft und das Versprechen,<br />

im US-Gesundheitssystem aufzuräumen und die<br />

Macht der Konzerne zu brechen, bringen die Kurse von Rüstungs-,<br />

Pharma- und Gesundheitsunternehmen unter Druck.<br />

Weil die Börse fürchtet, dass die Regierung gegen monopolartige<br />

Strukturen vorgehen wird, gehen die Kurse von Internetund<br />

Infotech-Titeln auf Berg- und Talfahrt.<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Trumps Einzug ins Weiße Haus zeigt: Bei der US-Präsidentschaftwahl<br />

ist alles möglich – keine Prognose<br />

7. Japans Notenbank beendet Zinskontrolle<br />

These: Japan erlebt einen überraschenden Konjunkturaufschwung,<br />

der einen klaren Kurswechsel der Bank of Japan<br />

(BoJ) bewirkt: Die Kontrolle der Zinskurve wird beendet<br />

Die Ära der Deflation in Japan ist zu Ende und die Löhne wachsen<br />

wieder. Die Verbrauchssteuer fällt, privater Konsum sowie<br />

die Investitionsausgaben der Unternehmen steigen,<br />

staatliche Programme zur Technologieverbreitung führen –<br />

trotz voranschreitender Überalterung der Gesellschaft und<br />

Arbeitskräftemangel – zu mehr Produktivität. Kurzum: Japans<br />

Wirtschaft brummt. Um die Wirtschaft nicht übermäßig<br />

zu stimulieren, beendet die Notenbank die Kontrolle der<br />

Zinskurve. Die Folge sind Verwerfungen an den weltweiten<br />

Anleihenmärkten, da japanische Anleger ihr Geld nach Hause<br />

bringen. Die zehnjährige Rendite klettert auf 2,0 Prozent<br />

und lockt Billionen von Yen, die bis dato auf ausländischen<br />

Sparkonten liegen, ins Land zurück.<br />

Die Folgen für Anleger: Der Yen gewinnt an Stärke. Der<br />

Yen-Dollar-Kurs sinkt unter die Marke von 130, der Yen-Euro-Kurs<br />

unter 140 und der Yen-Kurs gegenüber dem australischen<br />

Dollar unter 88.<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Die Stärke des Yen gewinnt seit Ende November an<br />

Fahrt. Die Richtung stimmt – Prognose gut möglich<br />

8. Robin Hood-Steuer belastet Luxussektor<br />

These: Die Europäische Union (EU) benötigt mehr Geld für<br />

verschiedene politische Ziele, darunter Klimaschutz, Gesundheitsversorgung<br />

und Bildung. Die Lösung ist eine Steuer<br />

auf das Vermögen der Superreichen. Folge: Die Nachfrage<br />

nach Luxusgütern bricht ein<br />

In der EU wächst die Gefahr sozialer Spannungen. Die Bürger<br />

ächzen unter den Kosten für die grüne Transformation,<br />

für den Krieg in der Ukraine und im Fahrwasser der allgemeinen<br />

Inflation. Andererseits fällt auf, wie wenig Steuern die<br />

Milliardäre beisteuern. Ein willkommener Goldesel – denn<br />

von ihnen gibt es reichlich. Laut dem Global Tax Evasion Report<br />

2024 hat die EU mit dem größten Wohlfahrtssystem der<br />

Welt insgesamt 499 Dollar-Milliardäre hervorgebracht, die –<br />

gemessen am Vermögen – im Vergleich zu den USA und Ostasien<br />

die niedrigsten persönlichen Steuern zahlen. 2024 erinnert<br />

sich die EU-Kommission zurück an einen Vorschlag<br />

der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) vom Juli <strong>2023</strong> zur<br />

„Einführung einer Vermögenssteuer zur Finanzierung des<br />

ökologischen und sozialen Wandels“. Sie führt ein Gesetz ein,<br />

nach dem das Vermögen von Milliardären mit jährlich zwei<br />

Prozent zu versteuern ist. Eine Schocknachricht für die Luxusindustrie!<br />

Immerhin weisen Studien auf einen starken Zusammenhang<br />

zwischen dem Konsum von Luxusgütern und<br />

dem Ausmaß der Einkommens- und Vermögensungleichheit<br />

hin. Demnach ging es der Branche bisher im wahrsten Sinne<br />

des Wortes golden: Besonders beim Vermögen läuft die Schere<br />

zwischen arm und reich weit auseinander (siehe auch Grafik,<br />

Seite 57).<br />

Die Folgen für Anleger: Die Entscheidung der EU trifft vor<br />

allem Luxushersteller wie LVMH (FR0000121014) ins Mark.<br />

Die Aktie stürzt bei Einführung der neuen Vermögenssteuer<br />

um 40 Prozent ab. Buchstäblich unter die Räder geraten auch<br />

die Anteilscheine der Sportwagenschmieden Porsche<br />

(DE000PAG9113) und Ferrari (NL0011585146).<br />

MONEY-Eintrittswahrscheinlichkeit<br />

Selbst die Einführung einer Milliardärssteuer ändert<br />

nichts an der Börsenweisheit: Luxus läuft (immer)<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

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moneymarkets<br />

DAX<br />

Die fabelhaften Fünf<br />

In den USA haben die sogenannten<br />

Magnificent Seven in diesem Jahr die Wall<br />

Street nach oben gezogen. Auch in<br />

Deutschland gibt es Top-Performer, auf die<br />

Anleger setzen sollten<br />

von LUDWIG BÖHM<br />

Der breite Aktienmarkt hat sich in den USA in diesem<br />

Jahr weitgehend seitwärts entwickelt. Das Plus von ungefähr<br />

20 Prozent des S&P 500 beruht größtenteils auf<br />

der Top-Performance der sogenannten Magnificent Seven. Zu<br />

diesen glorreichen sieben Aktien zählen Alphabet, Amazon,<br />

Appel, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia und Tesla.<br />

Diese sind seit Jahresanfang in Dollar gerechnet alle um<br />

mindestens 50 Prozent gestiegen und damit mehr als dop-<br />

60<br />

Illustration: iStock<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

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pelt so stark wie der S&P 500. Den Vogel schießt Nvidia ab,<br />

dessen Spezial-Chips für künstliche Intelligenz gebraucht<br />

werden. Die Aktie ging in diesem Jahr um 219 Prozent durch<br />

die Decke. Außerdem sind die Magnificent Seven im S&P 500<br />

überwiegend hoch gewichtet.<br />

Auch in Deutschland gibt es einige Schwergewichte, die<br />

seit Jahren den Dax outperformen. Dieser hat als Kursindex,<br />

also zur besseren Vergleichbarkeit ohne Berücksichtigung<br />

der Dividenden, in den vergangenen zehn Jahren um 32 Prozent<br />

zugelegt. SAP hat in diesem Zeitraum einen Wertzuwachs<br />

von 136 Prozent geliefert.<br />

Allein in diesem Jahr konnte die SAP-Aktie schon ein Plus<br />

von mehr als 50 Prozent verbuchen und damit sehr viel mehr<br />

als der Dax-Kursindex, der immerhin 17 Prozent höher notiert<br />

als zum Jahresbeginn (Mehr Infos zum wertvollsten Unternehmen<br />

auf dem deutschen Kurszettel können Sie in FO-<br />

CUS MONEY 51/23 ab Seite 34 nachlesen).<br />

Auf Rekordniveau. Siemens, der zweite große Technologiewert<br />

im Dax, kann zwar nicht mit der Performance von<br />

SAP mithalten, ist aber in den zurückliegenden Jahren auch<br />

stark gelaufen. In diesem Jahr hat der Kurs schon um 27 Prozent<br />

angezogen. Auf Sicht von zehn Jahren lieferte die im<br />

Dax am zweithöchsten gewichtete Aktie einen Wertzuwachs<br />

von immerhin 66 Prozent. Derzeit steuert Siemens auf einen<br />

neuen Höchststand zu.<br />

Bei seinen Ergebnissen hat Siemens in diesem Jahr bereits<br />

mehrere Bestmarken aus der Vergangenheit geschlagen. Der<br />

Nachsteuergewinn ist im abgelaufenen Geschäftsjahr<br />

2022/23 von 4,4 auf 8,5 Milliarden Euro hochgeschnellt. So<br />

viel hat Siemens noch nie in einem Jahr verdient. Auch beim<br />

freien Cashflow erzielte der Technologiekonzern mit zehn<br />

Milliarden Euro einen neuen Bestwert.<br />

Da im abgelaufenen Geschäftsjahr der Auftragseingang fast<br />

19 Prozent über dem Umsatz lag, ist weiteres Wachstum vorprogrammiert.<br />

Siemens-Chef Roland Busch dürfte bei seiner<br />

Umsatzprognose für das neue Geschäftsjahr tiefgestapelt haben.<br />

Das offiziell erwartete Plus beläuft sich nur auf vier bis<br />

acht Prozent. Siemens profitiert stark von der Digitalisierung<br />

und Automatisierung der Industrie – und zwar weltweit.<br />

Big in America - so hieß einmal ein Hit der britischen Rockband<br />

The Stranglers. Heute trifft der Titel ziemlich gut auf<br />

die Deutsche Telekom zu. Seit der Fusion mit dem Wettbe-<br />

werber Sprint am 1. April 2020 verfügt T-Mobile US in den<br />

Vereinigten Staaten über das größte und schnellste Mobilfunknetz.<br />

Gut drei Viertel des gesamten Umsatzes stammen mittlerweile<br />

aus dem Ausland. Die Einnahmen waren zwar insgesamt<br />

im dritten Quartal und auch in den ersten neun Monaten<br />

leicht rückläufig. Der Konzernüberschuss stieg aber in Q3<br />

um fast 22 Prozent auf etwas mehr als 1,9 Milliarden Euro.<br />

Mit einem Kursplus rund 23 Prozent in diesem Jahr hat<br />

auch die Telekom klar die Nase vorm Kurs-Dax. Dazu kommt<br />

außerdem noch eine Dividendenrendite im Bereich von fast<br />

vier Prozent. Auf Sicht von zehn Jahren ist der Telekom-Aktie<br />

um 84 Prozent gestiegen. Die Telekom ist im Dax die Aktie<br />

mit der dritthöchsten Marktkapitalisierung.<br />

Die Versicherungsbranche gehört noch zu den wenigen<br />

Bereichen, in denen Deutschland weltweit in der ersten Liga<br />

spielt. Die Allianz agiert als europäischer Marktführer. Die<br />

jüngsten Ergebnisse fielen auf den ersten Blick enttäuschend<br />

aus. Vor allem Schäden durch Naturkatastrophen verhagelten<br />

das Zahlenwerk. Der Nettogewinn sank im dritten Quartal<br />

um 29 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Damit lag<br />

er aber immerhin rund zwei Prozent über den Konsens-<br />

Schätzungen der Analysten. Und in den ersten neun Monaten<br />

verdiente die Allianz mit 6,8 Milliarden Euro satte 25,5<br />

Prozent mehr als ein Jahr zuvor.<br />

Allein seit Bekanntgabe der Q3-Ergebnisse kletterte der<br />

Kurs um mehr als zehn Prozent nach oben. Seit Jahresanfang<br />

summiert sich das Plus auf 22 Prozent und auf Sicht von<br />

zehn Jahren auf 88 Prozent.<br />

Mehr Gewinn. Die Münchener Rück, international Munich<br />

Re genannt, darf sich sogar als weltweit größten Rückversicherer<br />

bezeichnen. In der Mitteilung zu den Ergebnissen des<br />

dritten Quartals heißt es: „Die anhaltend gute operative Entwicklung<br />

in allen Geschäftssegmenten sorgt für ein Konzernergebnis<br />

von 1,2 Milliarden Euro (von der Redaktion gerundet).“<br />

Das bedeutet ein Plus von gut sechs Prozent.<br />

Vor diesem Hintergrund erhöhte Finanzvorstand Christoph<br />

Jurecka das Jahresziel beim Nettogewinn von bislang<br />

vier auf jetzt 4,5 Milliarden Euro. Die Aktie liegt seit dem Jahreswechsel<br />

30 Prozent vorn. Seit Dezember 2013 hat sich<br />

die Münchener Rück um 146 Prozent verteuert und damit<br />

sogar noch etwas mehr als SAP.<br />

Deutschlands „Magnificent Five“<br />

Mit einem Korb aus diesen fünf Dax-Schwergewichten haben die Anleger in den zurückliegenden Jahren deutlich mehr verdient<br />

als mit dem Dax-Kursindex. Bei den prozentualen Vergleichen sind die gezahlten Dividenden nicht einmal mit eingerechnet<br />

Unternehmen WKN/ISIN KGV 24e Dividendenrendite 24e Kurs in Euro Kurspotenzial<br />

in Prozent<br />

Stoppkurs in Euro<br />

SAP 716460/ DE0007164600 35,5 1,5 147,05 +20 129,00<br />

Siemens 723610/DE0007236101 16,1 3,0 164,66 +21 145,00<br />

Deutsche Telekom 555750/DE0005557508 13,3 3,9 22,85 +23 20,00<br />

Allianz 840400/ DE0008404005 9,7 5,3 245,00 +27 215,00<br />

Münchener Rück 843002/DE0008430026 10,4 3,4 393,90 +33 346,00<br />

Quelle: Onvista, eigene Schätzungen; e=erwartet<br />

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moneydigital<br />

Die meistgesuchten<br />

Aktien der Woche<br />

Diese Unternehmen waren in der<br />

vergangenen Woche bei Anlegern<br />

die beliebtesten. Aber wie haben<br />

sie dann tatsächlich abgeschnitten?<br />

Unternehmen WKN Performance<br />

der letzten<br />

Woche<br />

Was ist los bei unseren Online-Angeboten?<br />

Schubladenpläne sind wichtig<br />

1 Hapag-Lloyd HLAG47 –2,8%<br />

2 Walt Disney 855686 –0,2%<br />

3 Teamviewer A2YN90 2,3%<br />

4 Rock Tech Lithium A1XF0V –11,9%<br />

5 Aroundtown A2DW8Z –0,9%<br />

Quelle: Finanzen100<br />

Ist die Börse derzeit zu optimistisch, was<br />

die Folgen der rasant gestiegenen Zinsen<br />

betrifft? Im exklusiven Interview erklärt Dr.<br />

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank,<br />

warum eine weiche Landung der US-Wirtschaft<br />

zwar nach wie vor möglich, aber<br />

längst nicht sicher ist. Er analysiert, warum<br />

es sich als Fehler erweisen könnte,<br />

wenn die Finanzmärkte bereits drei bis vier<br />

mögliche Zinssenkungen in 2024 einpreisen.<br />

Denn in dem Fall gäbe es wohl deutlich<br />

größere wirtschaftliche Verwerfungen, mit<br />

entsprechenden Auswirkungen auf die<br />

Märkte. Käme die US-Wirtschaft dagegen<br />

ohne größeren Schaden durch das kommende<br />

Jahr, würden auch die Zinsen nicht<br />

so schnell sinken. Kater erläutert, warum<br />

es dennoch sein kann, dass 2024 ein gutes<br />

Jahr für Aktien wird. Selbst mit einem verringerten<br />

Wirtschaftswachstum ist Optimismus<br />

sinnvoll, sagt Kater. Allerdings täten<br />

Investoren gut daran, sich<br />

auf andere Szenarien vorzubereiten.<br />

Das komplette Gespräch<br />

finden Sie auf Youtube.<br />

youtube.com/missionmoney<br />

Gewappnet für 2024<br />

Die aktuell gute Stimmung an den<br />

Aktienmärkten dürfte ein wenig<br />

darüber hinwegtäuschen, dass die<br />

Wirtschaft die eine oder andere<br />

Hürde noch nehmen muss, bevor<br />

der neue Aufschwung kommt. Wie<br />

sich Anleger für 2024 positionieren<br />

sollten, darüber sprechen wir<br />

diese Woche im Podcast FOCUS<br />

MONEY talks mit der Investmentstrategin<br />

des BlackRock Investment<br />

Institute, Ann-Katrin Petersen<br />

– und zwar taktisch, um die<br />

kommende holperige Phase zu<br />

überstehen, und langfristig, um die<br />

großen Anlagetrends<br />

nicht zu verpassen. FM<br />

talks finden Sie auf allen<br />

gängigen Kanälen.<br />

Geopolitik gewinnt an Bedeutung<br />

Die Welt richtet sich gerade geopolitisch<br />

neu aus, und obwohl die Folgen teilweise<br />

enorm sind, blenden die Märkte die Risiken<br />

oft aus, warnt Anna Rosenberg, Head<br />

of Geoplitics bei Amundi. Im Interview<br />

führt sie aus, welche Risikoherde Anleger<br />

im kommenden Jahr auf dem Schirm haben<br />

sollten, und wie die wahrscheinlichsten<br />

Szenarien für die aktuellen großen<br />

Konflikte, etwa in Gaza und der Ukraine,<br />

aussehen. Wir sprechen über die anstehenden<br />

US-Wahlen und Chinas neue,<br />

starke Rolle auf der Weltbühne. Dass Europa<br />

im Machtkampf zwischen den USA<br />

und China zwischen den Stühlen sitzt,<br />

muss für die erfahrende Politik-Analystin<br />

kein Nachteil sein - wenngleich es einige<br />

Gefahren gibt. Außerdem sprechen wir<br />

darüber, was aus ihrer Sicht der „Elefant<br />

im Raum ist“ und warum es ihrer Meinung<br />

nach keine Deglobalisierung gibt.<br />

Das Interview mit Anna Rosenberg<br />

finden Sie in ganzer<br />

Länge auf Youtube oder über<br />

den QR-Code rechts.<br />

youtube.com/missionmoney<br />

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youtube.com/mission-money<br />

INTERVIEW<br />

Philipp<br />

Vorndran<br />

Von 1992 bis 1996 war Vorndran Portfolio-Manager bei<br />

Julius Bär<br />

Danach durchlief der Betriebswirt bis 2008 verschiedene<br />

Positionen bei der Credit Suisse, unter anderem als<br />

Chefstratege<br />

Seit 2009 ist er Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter<br />

Flossbach von Storch<br />

Geld fällt<br />

nicht wie<br />

Schnee vom<br />

Himmel“<br />

Es wird politisch: Folker Hellmeyer und<br />

Philipp Vorndran diskutieren über<br />

Deutschlands Probleme – und über<br />

funktionierende Anlagestrategien<br />

von P. BLOED, M. DWORAK<br />

UND J.GROSS<br />

Folker Hellmeyer<br />

Der gelernte Bankfachwirt<br />

startete 1984 als Devisenhändler<br />

bei der Deutschen<br />

Bank in Hamburg<br />

2002 bis 2017 war er<br />

Chefvolkswirt der Bremer<br />

Landesbank<br />

2018 gründete er Solvecon<br />

und ist seit 2022 Chefvolkswirt<br />

der Netfonds AG<br />

Angesichts der Haushaltskrise müssen wir über Deutschland reden.<br />

Haben wir die schlechteste Regierung aller Zeiten?<br />

Folker Hellmeyer: Ja, dieser Aussagen stimme ich zu. Auch<br />

als jemand, der sich mit Wirtschaft beschäftigt. Wir haben es<br />

geschafft, über die Jahrzehnte das Niveau in der Politik immer<br />

weiter zu nivellieren. Aber es reicht nicht, hier jetzt nur<br />

die Verantwortung auf die aktuelle Regierung zu münzen,<br />

sondern es ist auch die Vorgängerregierung in ganz hohem<br />

Maße. Unter Frau Dr. Merkel wurde eine Kultur in Berlin errichtet,<br />

die sehr stark Echokammern produzierte, wo kritische<br />

Denker aus dem Prozess eliminiert worden sind. Demokratie<br />

basiert auf Pluralismus. Und wenn der Pluralismus in<br />

der Gesellschaft vorhanden ist, aber nicht in der Politik,<br />

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Foto: H. Dressler, W. Heider-Sawall/FOCUS MONEY Illustration: Adobe Stock 63


moneydigital<br />

verhängt sich die Politik im Grunde genommen ohne kritische<br />

Filter.<br />

Philipp Vorndran: Das Volk hat immer die Politik, die es verdient.<br />

Das ist ein Spruch, der sehr viel Wahrheit beinhaltet.<br />

Und ich stimme Folker zu 100 Prozent zu, dass wir seit Gerhard<br />

Schröder keine Regierung mehr hatten, die den Mumm<br />

aufgebracht hat, Reformen anzupacken. Aber wenn es dieses<br />

Land nicht schafft – und ich tu mir extrem schwer, dafür<br />

im Moment Katalysatoren auszumachen – einen kompletten<br />

Schwenk in dem Denkmuster der Politik durchzuziehen,<br />

wird dieses Siechtum, in dem sich Deutschland bestimmt seit<br />

20 Jahren befindet, weitergehen. Leider Gottes meinen viele<br />

Deutsche immer noch, wir wären ein reiches Land und eine<br />

reiche Gesellschaft, und das Geld fällt wie Schnee oder Manna<br />

vom Himmel. Tut es nicht. Wir beschäftigen uns wirklich<br />

zunehmend mit Themen, die mit dem Wirtschaftsstandort<br />

Deutschland überhaupt nichts mehr zu tun haben. Und ich<br />

sag das gerne provokant: In dem Moment, in dem mit der<br />

Qualität des Wirtschaftsstandorts Deutschlands wieder Bundestagswahlen<br />

gewonnen werden können, haben wir eine<br />

Chance für Reformen. Im Moment ist das nicht der Fall. Da<br />

geht es um Migration, da geht es um Klimaschutz, da geht es<br />

um Gerechtigkeit, aber nicht die Frage, wie wir das Steuersubstrat<br />

erwirtschaften können, das unsere Politikerinnen<br />

und Politiker mit vollen Händen ausgeben.<br />

Muss die Schuldenbremse weg?<br />

Vorndran: Nein, natürlich nicht. Aber das sind leider Gottes<br />

alles Schimären. Das ist wie in den USA, wo sie diese<br />

Haushaltsbremse haben, die aber gefühlt zum 80. Mal ausgehebelt<br />

wird.<br />

Das ist doch dort Folklore, das gehört da irgendwie dazu.<br />

Vorndran: Das wird in Deutschland auch zur Folklore.<br />

Wenn ich mir anschaue, wie die Parteien, auch diejenigen,<br />

die jetzt im Bundestag so tun, als wären sie für die Schuldenbremse,<br />

auf Landes- und Kommunalebene das Geld ausgeben,<br />

das nicht vorhanden ist. Da sehe ich auch im Kleinen als<br />

Kreistagsabgeordneter in Ostholstein, wie die Haushaltsdefizite<br />

von Jahr zu Jahr zunehmen. Und wenn sie als Fraktion<br />

sagen, so geht das nicht, werden sie von allen anderen ausgelacht.<br />

Da ist keine Bereitschaft vorhanden, wirklich zu sparen<br />

oder wie Folker immer sagt, endlich das Geld für Investitionen<br />

auszugeben.<br />

Hellmeyer: Ich sage, die Schuldenbremse muss raus. Damit<br />

wir dieses Land neu strukturieren können. Wir haben insbesondere<br />

über die letzten zwei Dekaden derartige Investitionsdefizite<br />

aufgebaut, dass wir einen Investitionsschub<br />

brauchen, der historisch einmalig ist in der Geschichte der<br />

Bundesrepublik Deutschland. Da reden wir über Infrastruktur,<br />

wo wir international nicht konkurrenzfähig sind. Wir reden<br />

über IT-Infrastruktur, wo wir international nicht konkurrenzfähig<br />

sind. Und wir reden über Bildungspolitik. Es ist<br />

prekär, was wir zugelassen haben. Bei den Bundestagswahlen<br />

reden wir seit 30 Jahren über diese Themen, und es ist<br />

einfach überhaupt nichts passiert. Der Vorwurf geht aber<br />

nicht nur an die Politik, sondern auch an Verbände wie den<br />

Bundesverband der Deutschen Industrie, den Bundesverband<br />

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen oder die<br />

Deutsche Industrie- und Handelskammer. Die sind erst im<br />

April, Mai dieses Jahres auf das Thema angesprungen. Das<br />

nennt man im Englischen late arrival, späte Ankunft.<br />

Wie genau sollte man Ihrer Meinung nach mit der Schuldenbremse<br />

verfahren?<br />

Hellmeyer: Ganz konkret haben wir, sagen wir mal, eine<br />

Staatsverschuldung von 75 Prozent. Damit stehen wir weit<br />

vor den USA, die Richtung 130 Prozent Staatsverschuldung<br />

unterwegs sind, oder vor Japan mit 255 Prozent. Das heißt:<br />

Wir haben jetzt noch den Freiraum zu investieren, um uns<br />

perspektivisch aus dieser Situation wieder herauszulösen.<br />

Und deswegen bin ich für die Auflösung der Schuldenbremse,<br />

aber nur für investive Ausgaben, und zwar solche, die bitter<br />

notwendig sind, um diesen Standort wieder Attraktivität<br />

zu verleihen. Im letzten Jahr hatten wir netto Kapitalabflüsse<br />

von 132 Milliarden Dollar in Deutschland. Das hat es noch<br />

nie gegeben. Frankreich, das viel bessere Energiepreise hat,<br />

verzeichnete einen Zufluss von 50 Milliarden Dollar. Der britische<br />

Premier Sunak hat kürzlich erklärt, dass man 29,5<br />

Milliarden Pfund Investitionen, etwa 34 Milliarden Euro,<br />

eingeworben hat, von Microsoft, Iberdrola und anderen. Wo<br />

stehen wir in Deutschland? Wir müssen diese Firmen mit hohen<br />

Subventionen anlocken, weil wir keine Konkurrenzfähigkeit<br />

haben. Robert Habeck sagt, wir haben eine Konjunkturdelle.<br />

Da kann ich nur sagen: Thema verfehlt, sechs,<br />

setzen. Das ist strukturelles Problem, das hat nichts mit Konjunktur<br />

zu tun.<br />

Vorndran: Aber Folker, der Zug ist schon längst abgefahren.<br />

Wir können unsere Gesellschaft mit Milliarden zuschütten.<br />

Wir haben keinen, der die Infrastrukturgelder umsetzen<br />

kann. Das ist bei der Bildung ganz genauso. Guck doch mal,<br />

die Erzieherinnen und Erzieher, die Lehrerinnen und Lehrer<br />

– die sind nicht da. Die sind einfach nicht da. Wir haben eine<br />

Gesellschaft aufgebaut, in der sich ein viel zu großer Teil in<br />

non-produktiven Segmenten bewegt. Die arbeiten alle fleißig,<br />

keine Frage. Aber es hilft unserer Gesellschaft nicht, es<br />

hilft unserer Infrastruktur nicht. Wir kriegen das Geld überhaupt<br />

nicht umgesetzt.<br />

Hellmeyer: Ich habe einen Vorschlag. Ich will ja konstruktiv<br />

sein, kritisieren kann jeder. Wenn wir es nicht selber können,<br />

dann nehmen wir eben welche, die es können. Und wer<br />

kann es?<br />

Die Chinesen?<br />

Hellmeyer: Exakt. Chinesen bauen das in kurzer Zeit, halten<br />

auch die Budgets ein, und das Problem ist gelöst. Und es<br />

64<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


ist nicht wichtig, ob Chinesen es bauen, sondern es ist wichtig,<br />

dass die Infrastruktur hier ist, um den Status der Konkurrenzfähigkeit<br />

aufrecht zu halten.<br />

Vorndran: Aber auch die Chinesen müssten sich an die<br />

deutsche Beamtenmentalität und die Genehmigungsverfahren<br />

gewöhnen.<br />

Hellmeyer: Das ging doch jetzt in Brunsbüttel und in Wilhelmshaven<br />

bei den LNG-Terminals auch. Wenn wir es wollen,<br />

geht es.<br />

Vorndran: Ja, wenn wir es wollen. Das geht vielleicht bei<br />

Prestigeobjekten wie bei Elon Musk mit seiner Firma in Brandenburg<br />

dazu und die LNG-Terminals. Aber was ist zum Beispiel<br />

mit der Fehmarnbelt-Querung? Wie viele Einsprüche<br />

bekommt man? Wie viele Bauern sind nicht bereit, ihr Land<br />

zu verkaufen? Für die notwendigen Bahnhöfe, für die notwendigen<br />

Parkplätze? Da passiert nichts und es scheitert<br />

nicht am Geld, sondern an der Umsetzung. Wir haben eben<br />

die Bauingenieure nicht mehr, wir haben die Bauarbeiter<br />

nicht und die, die wir haben, werden systematisch von den<br />

Genehmigungsprozeduren aufgehalten.<br />

Hellmeyer: Du hast vollkommen recht in der Analyse dieses<br />

Problems. Aber wenn es eben mit den Mitteln, die wir hier<br />

im Moment haben, nicht möglich ist, dann muss man sich<br />

über den Rahmen, in dem man sich bewegt, nachdenken und<br />

den Rahmen ändern. Und das muss man mit einer Forcierung,<br />

wie es das noch nie in seinem Lebe gegeben hat. Die<br />

Welt funktioniert nicht mehr wie in den 50-er, 60-er, oder<br />

80-er Jahren. Sie ist viel dynamischer und schneller geworden.<br />

Das heißt, Entscheidungen über Standorte werden<br />

kurzfristiger getroffen. Aber wenn sie einmal getroffen sind,<br />

wird das nicht mehr rückgängig gemacht. Und das ist unser<br />

Problem. Michelin zieht sich zurück, Volkswagen baut 1000<br />

Stellen ab. Das sind die ersten Zeichen. Ich erinnere hier bewusst<br />

etwas provokant an die Zeit der Weltwirtschaftskrise<br />

1929 und deren Folgen 1933. Vor dem Hintergrund dieser<br />

Erfahrungen sollte kein Land der Welt so voller Hybris sein,<br />

dass man die Ökonomie aus diesem Gedanken ausschließt.<br />

Und das tun wir in Deutschland. Wir sind ein unökonomisches<br />

Land, wir haben eine ungeheuer unökonomische Bevölkerung.<br />

Wir müssten so wirtschaftsinteressiert sein aus<br />

dieser historischen Erfahrung heraus. Und das ist leider nicht<br />

der Fall.<br />

In den USA konnte man mit dem Slogan „It‘s the economy, stupid“<br />

Wahlen gewinnen. Hier braucht man mit dem Thema nicht um die<br />

Ecke zu kommen. Woran liegt das? Und vor allem, wie lässt es sich<br />

ändern?<br />

Vorndran: Das liegt wahrscheinlich auch an unserem Gesellschaftsmodell<br />

der Sozialen Marktwirtschaft. Die eher<br />

eine sozialistische Marktwirtschaft ist. Aber das ist wie halb<br />

schwanger, das geht nicht: Entweder ist man sozialistisch<br />

oder man hat eine Marktwirtschaft. In den ersten Jahrzehnten<br />

der Bundesrepublik, da war Ludwig Erhard sicher auch<br />

einer der Treiber, war die treibende Komponente die Marktwirtschaft.<br />

Und spätestens ab den 80er-Jahren hat die soziale<br />

Komponente übernommen. Wie viel Prozent des Haushalts<br />

gehen heute in Soziales? Und damit ist das Problem<br />

erklärt. Da will keiner ran, weil das die Gesellschaft und die<br />

Wähler offensichtlich nicht gutheißen.<br />

Geht es uns einfach zu gut?<br />

Vorndran: Gar nicht mal. Wenn ich mir anschaue, was in<br />

Deutschland das Rentensystem an Durchschnittsrenten produziert,<br />

ist das eine Katastrophe. Wenn ich mir anschaue,<br />

wie wenig Deutsche Eigentümer der eigenen vier Wände sind,<br />

ist das eine Katastrophe. Wie die Deutschen in der Breite ihr<br />

Vermögen bewirtschaften, ist international eine Katastrophe.<br />

Wir zehren in unserer Gedankenwelt noch aus den 60er-<br />

Mission <strong>Money</strong> live<br />

Emotional und kontrovers diskutierten<br />

Folker Hellmeyer und Philipp<br />

Vorndran mit Peter Bloed auf<br />

dem Mission <strong>Money</strong> Live-Event in<br />

München über die Herausforderungen<br />

Deutschlands, Nachholbedarf<br />

in Sachen Aktienkultur und<br />

über die Frage, wie sich Anleger<br />

angesichts der schwierigen Gemengelage<br />

am besten aufstellen.<br />

Die ganze Diskussion sehen Sie<br />

bei youtube.com/mission-money<br />

BÜHNE DER<br />

BURDA-BOX:<br />

Bei einem Glas<br />

Wein von<br />

Meravino ließen<br />

die Besucher<br />

den Abend<br />

ausklingen<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24 Foto: FOCUS MONEY<br />

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moneydigital<br />

und 70er-Jahren. Der Speck ist aber weg.<br />

Was können wir tun?<br />

Hellmeyer: Ich habe für das Rentenproblem eine Lösung.<br />

Die ist ganz einfach und sehr billig. Jedes Kind, das hier geboren<br />

wird, bekommt vom Staat 5000 Euro in einen Aktienfonds<br />

investiert, der global in nachhaltige, große, erfolgreiche,<br />

dividendenstarke Unternehmen investiert.<br />

Vorndran: Und an die darf er nicht dran, bevor er in Rente<br />

geht.<br />

Hellmeyer: Genau. Und falls die Familien etwas Geld zusteuern<br />

wollen, dürfen dir das. Und dann ist das Rentenproblem<br />

gelöst. 5000 oder 10 000 Euro, das ist im Verhältnis zu<br />

dem Problem, was mittlerweile aufgebaut worden ist, eine<br />

Petitesse.<br />

Vorndran: Aber da würde wieder die Angst vor Veränderungen<br />

ins Spiel kommen. Die Deutschen haben immer<br />

Angst. Vor allem vor dem Crash, vor Corona, vor dem Krieg.<br />

Diese Angst bremst eben auch alles. Wir hatten die Diskussion<br />

um die Aktienrente, also um einen klitzekleinen Teil der<br />

deutschen Rente. Da waren, glaube ich, ursprünglich 20 Milliarden<br />

Euro geplant. Das ist nichts. Aber selbst das wird von<br />

– wahrscheinlich nicht nur der SPD und der Grünen, sondern<br />

auch einem Teil der CDU – als Risikokapital definiert, das die<br />

Menschen um ihr Erspartes bringt. Das bedeutet letztlich,<br />

dass Unternehmertum nichts anderes ist als Vermögensvernichtung.<br />

Wenn man so ins Rennen geht, muss man sich<br />

nicht wundern, was dabei rausgekommen ist...<br />

...es war das Erste, was jetzt in den Haushaltsdebatten gestrichen<br />

wurde.<br />

Vorndran: Weil keiner es wirklich wollte.<br />

Hellmeyer: Stellen wir uns vor, wir alle hätten zwei Urgroßväter.<br />

1871. Der eine investiert in Staatsanleihen und der andere<br />

alternierend in die besten Unternehmen. Und das Ganze<br />

ist ein Generationenvertrag. Welchen der beiden<br />

Urgroßväter hätten Sie lieber? Den mit den Aktien? Zum Beispiel<br />

Siemens gegründet 1840, oder deutsche Chemieunternehmen,<br />

gegründet 1880 bis 1900. Die überleben<br />

Weltkriege, Währungsschnitte, Hyperinflation. Geld ist dagegen<br />

gefährlich. Unser Land müsste also vor dem Hintergrund<br />

der Erfahrung, die wir seit 1871 haben, ein Land der<br />

Aktionäre sein.<br />

Mangelt es uns vielleicht an erfolgreichen Vorbildern? Persönlichkeiten<br />

wie Warren Buffett und der kürzlich verstorbene Charlie Munger?<br />

Vorndran: Solche Figuren fehlen hier. Allein die Bewegung,<br />

die Munger und sein kongenialer Kollege Warren Buffett in<br />

den USA ausgelöst haben. Die Pilgerreise – auch vieler deutscher<br />

– Investoren nach Omaha zur Hauptversammlung.<br />

Das werden sie in Deutschland nie finden.<br />

Wer hätte in Deutschland ein ähnliches Kaliber?<br />

Vorndran: Jens Ehrhardt vielleicht. Aber denken Sie, zu Jens<br />

Ehrhardt würden Hunderttausende nach Pullach pilgern?<br />

Noch einmal zurück zu den Problemen in Deutschland. Wie lässt sich<br />

der Karren aus dem Dreck ziehen, wenn wir keine Schulden machen<br />

können, aber auch keine reformwilligen Politiker haben?<br />

Vorndran: Für uns als Bürger bleiben ja zwei Möglichkeiten:<br />

Unsere Ersparnisse woanders hinzuschicken oder selbst<br />

das Ränzlein zu packen. Und das tun ja jedes Jahr über<br />

200 000 Deutsche.<br />

Hellmeyer: Und das sind die Leistungsträger.<br />

Wo liegt die Lösung?<br />

Hellmeyer: Die Lösung liegt in einer Orientierung weg von<br />

der Anspruchsgesellschaft hin zur Leistungsgesellschaft.<br />

Das ist ein langer Weg und der Weg wird holprig sein. Wir haben<br />

das damals Griechenland verordnet. Das ist das Witzige,<br />

Frau Merkel und Herr Schäuble haben allen gesagt, was sie<br />

zu tun haben. Heute steht Griechenland vor uns. Wir stehen<br />

vor demselben Weg. Und an jedem Tag, der vergeht, wo wir<br />

diese Realität negieren, wird der Preis, den die Bürger zu zahlen<br />

haben, höher werden. Wir verbauen unseren Kindern die<br />

Chancen auf Zukunft. Die soziale Marktwirtschaft fordert<br />

von jedem Bürger ein zu leisten, sofern er leisten kann. Wir<br />

erlauben ein System, wo die Leute sich leisten können, wenn<br />

sie keinen Bock haben, nicht zu leisten.<br />

Vorndran: Das sind die Themen, die theoretisch schnell zu<br />

ändern sind. In der Praxis braucht das zehn, 15 Jahre, um so<br />

eine falsch gestellte Weiche dann auch wieder zu korrigieren.<br />

Hellmeyer: Ja, das stimmt. Aber wir müssen einfach anfangen,<br />

out of the box zu denken. Warum machen wir nicht Angebote,<br />

zum Beispiel an Lehrer oder Erzieher, die in Rente gegangen<br />

sind, damit die zurückkehren? Ein Anreizsystem, um<br />

diese Defizite, die wir haben, bereinigen zu können.<br />

Vorndran: Ja, das wäre ganz einfach: Alle, die über 65 oder<br />

67 sind, die arbeiten wollen, dürfen das, steuerfrei, ohne Abgaben<br />

an die Rentenkasse oder Sozialversicherung, das ist ja<br />

alles nicht notwendig. Reaktion in Berlin: Kommt nicht infrage,<br />

denn damit werden die Alten zur billigen Arbeitskraft<br />

unserer Gesellschaft. Carsten Linnemann hat das in abgespeckter<br />

Version eingebracht und ist selbst an der CDA, also<br />

der Arbeitnehmervertretung in der CDU, gescheitert.<br />

Was machen wir mit unserem Geld in dieser schwierigen Gemengelage?<br />

Vorndran: Das Schöne ist, wir haben offene Kapitalmärkte.<br />

Wir müssen unser Geld nicht da anlegen, wo die Wettbewerbssituation<br />

suboptimal ist. Wir können das aber sehr<br />

wohl, denn es gibt Unternehmen, die sind trotz der Politik<br />

erfolgreich und die gibt es auch in Deutschland, die gibt es in<br />

Italien, die gibt es in Frankreich. Aber wenn man sich anschaut,<br />

wo in den vergangenen Jahrzehnten die Unternehmen<br />

entstanden sind, teilweise auch mit deutscher Hilfe, die<br />

66<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


heute unser tägliches Leben dominieren, dann sind das doch<br />

primär Unternehmen, die nicht in Europa zu Hause sind.<br />

Und das ist immer wieder spannend.<br />

Warum?<br />

Vorndran: Wie viele Menschen teilen die Bedenken, die wir<br />

hier geäußert haben, und halten trotzdem 90 Prozent ihres<br />

Vermögens in Euro? Wie inkonsequent ist das? Da wird dann<br />

argumentiert, der Dollar sei so unsicher und der Yen eine<br />

Währung, die man nicht ernst nehmen kann. Aber warum<br />

soll das der Euro sein? Mit all den Problemen, die wir hier geschildert<br />

haben? Zugegeben, auch über den Euroraum hinaus<br />

ist nicht alles Gold, was glänzt, aber offensichtlich im<br />

Durchschnitt etwas glänzender als bei uns. Es ist ganz wichtig,<br />

sein Vermögen nicht auch noch in der Region zu konzentrieren,<br />

wo man ohnehin arbeitet, wo man ohnehin seine<br />

Rente bekommt, wo man vielleicht sein Mietshaus und seine<br />

Lebensversicherung hat. Sondern man sollte das Geld<br />

wirklich da arbeiten lassen, wo Unternehmertum wertgeschätzt<br />

wird. Und das ist definitiv hier nicht der Fall. Schauen<br />

Sie einfach mal die Namensgebung deutscher Straßen an!<br />

Welche Bedeutung haben die Unternehmerinnen und Unternehmer<br />

neben Kulturschaffenden oder Politikern und Politikerinnen<br />

als Träger von Straßennamen? Eine erschreckend<br />

kleine.<br />

Hellmeyer: Ich stimme vollkommen zu. Die Aktie ist das<br />

Nonplusultra für die Geldanlage. Sie hängt am nominalen<br />

Wachstum der Weltwirtschaft. Sie hat einen impliziten Inflationsschutz.<br />

Und es gibt Geschäftsmodelle, die sind unverzichtbar.<br />

Wir müssen beispielsweise jeden Tag wieder acht<br />

Milliarden Menschen ernähren. Mit noch leicht zunehmender<br />

Tendenz für die nächsten fünf bis 10 Jahre oder sogar noch<br />

länger Und das geht nur mit Unternehmensaktivität. Natürlich<br />

muss man international aufgestellt sein. Das ist der richtige<br />

Weg, um gesparte Arbeit, denn Kapital ist nichts anderes<br />

als gesparte Arbeit, in die Zukunft tragen zu können.<br />

Anleger sollten also ihr Geld in internationalen Aktien anlegen. Wozu<br />

raten SIe noch?<br />

Hellmeyer: 2001 hat die FAZ eine Analyse von mir veröffentlicht,<br />

da habe ich gesagt, dass der Goldpreis vierstellig<br />

wird. Er lag damals unter 300 Dollar pro Feinunze. Ich bin<br />

ausgelacht worden. Jetzt sind wir bei rund 2000 Dollar, Gold<br />

hat im Moment wieder einen Run. Ich bin ganz bei John Pierpont<br />

Morgan, der sagte „Gold ist das einzige Geld“. Ein gewisser<br />

Teil des Vermögens sollte meines Erachtens auch in Gold<br />

allokiert sein. Wer 2001 Gold gekauft hat, hat sein Kapital<br />

verachtfacht, damit hat man die Inflation geschlagen. Auch<br />

wenn man die Phase der Hyperinflation in Deutschland betrachtet,<br />

1920 bis 1923, bot Gold auf zwei Dritteln der Strecke<br />

den beste Hedge und hat die Inflation sogar ausgehebelt.<br />

Am Ende, 1923, haben die Top-Aktien Gold und die Inflation<br />

outperformt.<br />

Wie sehen Sie das Thema Währung, Herr Hellmeyer, gerade im Zusammenhang<br />

mit der Inflation?<br />

Hellmeyer: Da kann man sich einmal anschauen, welche<br />

Aktienmärkte mit am besten gelaufen sind. Einer der am besten<br />

laufenden Aktienmärkte in Prozent in der eigenen Währung<br />

ist die Türkei. Argentinien – genau das Gleiche bei Hyperinflation.<br />

Diese Märkte laufen meistens sogar noch besser<br />

als die Inflation. Das ist doch das Tolle, das wir sagen wollen:<br />

Wenn es wirklich knallt, wenn Politik ein System an die Wand<br />

fährt, überleben bilanzstarke Unternehmen, die unverzichtbar<br />

sind für die Grundversorgung. Und wenn Sie durch dieses<br />

Prisma schauen, dann werden Sie als Investor, nicht als<br />

Spekulant, sondern als Investor sehr erfolgreich sein. Die Inflation<br />

wird assimiliert über Bilanzsumme, über die Bewertung<br />

an den Aktienmärkten. Das ist der Grund, warum Aktien<br />

auch Rentenmärkte im langfristigen Mittel schlagen.<br />

Also: Wenn dieses Land oder Europa eine Politik macht, die<br />

sich nicht unbedingt für die Bürger auszahlt, dann können<br />

Sie als Anleger einen eigenen Haushalt aufstellen, der sich<br />

dem entzieht und sich damit auch ein Stück weit gegen diese<br />

Politik absichern.<br />

Vorndran: Ich stimme Dir zu. Vielleicht als Ergänzung meinerseits:<br />

Die Deutschen haben genug Gold. Meistens muss<br />

man die Deutschen nicht überzeugen, Gold zu kaufen. Das<br />

haben sie sehr oft, sogar in fast zu hohem Maße. Ich würde<br />

sagen, irgendwas um zehn Prozent ist sicher gut, darüber<br />

hätte ich Bauchschmerzen. In Deutschland muss man eher<br />

für die Aktie trommeln. Da haben sie systematisch zu wenig.<br />

Wie sieht es aus mit Immobilien?<br />

Vorndran: In Deutschland gelten ja die Immobilien als perfekter<br />

Inflationsschutz. Das war in der Phase der Hyperinflation<br />

leider überhaupt nicht der Fall, weil der Staat dann, und<br />

das erscheint mir auch in der Zukunft nicht komplett unrealistisch,<br />

den Immobilieneigentümern verboten hat, die Mieten<br />

anzuheben. Damit wollte man die Inflation unter Kontrolle<br />

halten, was nicht gelungen ist. Damit wollte man die<br />

Unternehmen schützen, damit sie nicht noch höhere Löhne<br />

zahlen müssen. Es hat aber natürlich dazu geführt, dass sehr<br />

viele Immobilien komplett wertlos geworden sind, weil die<br />

laufenden Kosten viel höher waren als das, was an Mieten<br />

reinkam. Das ist ein wirkliches Desaster gewesen. Das muss<br />

man im Hinterkopf behalten: Bei der Immobilie ist der Staat<br />

am Ende des Tages der, der den Preis setzen kann.<br />

Die ganze Diskussion mit Folker<br />

Hellmeyer und Philipp Vorndran<br />

sehen Sie auf MISSION MONEY<br />

(youtube.com/mission-money),<br />

oder scannen Sie diesen QR-Code.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24 67


moneymarkets<br />

INTERVIEW<br />

Attraktiver Puffer<br />

am Anleihemarkt“<br />

Durch die Zinswende ist die Anlage in Anleihen wieder attraktiv<br />

geworden. Was das Jahr 2024 mit sich bringen dürfte und<br />

worauf bei Anleihen zu achten ist, erklärt Christian Kopf,<br />

Leiter des Rentenfondsmanagements bei Union Investment.<br />

Herr Kopf, bleibt der Anleihemarkt 2024 attraktiv für Anleger?<br />

Christian Kopf: Wie immer ist der Blick auf das neue Jahr am Kapitalmarkt<br />

mit Hoffnungen und Sorgen verbunden. Auch das Marktumfeld<br />

im Jahr 2024 birgt große Unsicherheiten: Die Wahlen in den USA werfen<br />

ihre Schatten voraus, die Rohstoffmärkte könnten erneute Ausschläge<br />

verzeichnen, und es bleibt abzuwarten, ob der Sinkflug der<br />

Inflation anhält. Doch die Ausgangslage für die Rentenmärkte ist im<br />

Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie und vor der Zinswende in<br />

zwei wesentlichen Punkten deutlich besser.<br />

Welche sind das?<br />

Kopf: Zum einen starten die Märkte mit einer attraktiven Verzinsung<br />

ins neue Jahr, die in allen Segmenten über unserer Inflationserwartung<br />

liegt. Wir haben dadurch einen vergleichsweise hohen Puffer, durch den<br />

ein positiver Anlageerfolg sehr viel wahrscheinlicher wird, selbst wenn<br />

es zu einem erneuten Renditeanstieg käme. Zum anderen haben unserer<br />

Ansicht nach die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank<br />

Federal Reserve (Fed) ihre Leitzinsanhebungen abgeschlossen.<br />

Es geht also weniger um die Frage, wie weit die Zinsen noch ansteigen, als um<br />

die Frage, wie lange sie hoch bleiben?<br />

Kopf: Genau, wie lange verharren die Zinsen auf dem erreichten<br />

Niveau, bevor sie wieder sinken. Neben dem attraktiven Kapitalertrag<br />

könnte es dadurch auch zu Kursgewinnen an den Rentenmärkten kommen.<br />

Denn Kursverluste auf Anleihen durch weitere Leitzinsanhebungen<br />

sind unserer Ansicht nach unwahrscheinlich. Das<br />

hat wesentlich mit dem wirtschaftlichen Umfeld zu tun.<br />

Nach einer längeren Sonderkonjunktur durch<br />

nachgeholte Konsumausgaben sind die während<br />

der Corona-Pandemie angesammelten<br />

Ersparnisse nun aufgebraucht. Damit verliert<br />

der Konsum an Dynamik. Das kühlt das<br />

Wirtschaftswachstum ab und trägt zum<br />

CHRISTIAN KOPF, LEITER DES<br />

PORT FOLIOMANAGEMENTS<br />

RENTEN BEI UNION INVESTMENT<br />

68<br />

Foto: Union Investment<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/<strong>2023</strong>


EINE KOLUMNE VON UNION INVESTMENT<br />

Inflationsrückgang bei. Da der Arbeitsmarkt aber<br />

weiter robust ist, erwarten wir in den USA eine<br />

„ sanfte Landung“ der Konjunktur mit einer Stagnation<br />

im zweiten Halbjahr <strong>2023</strong> und einer leichten<br />

Belebung im Jahr 2024. Wir gehen davon aus, dass<br />

es ab Juni zur ersten Zinssenkungen durch die Fed<br />

kommt, wobei ein etwas früherer Schritt nicht völlig<br />

ausgeschlossen ist.<br />

Wie sieht es im Euroraum aus?<br />

Kopf: Die Tür für Zinssenkungen<br />

dürfte sich erst Mitte des kommenden<br />

Jahres öffnen, wenn wir mehr Klarheit<br />

über die Lohnabschlüsse haben. Dann<br />

könnte die EZB bis zum Jahresende in<br />

Summe Zinssenkungen in Höhe von<br />

75 Basispunkten vornehmen.<br />

Was bedeutet das für die Anleihemärkte?<br />

Kopf: Hinter uns liegt ein Jahr mit<br />

einer sehr hohen Verzinsung kurzfristiger<br />

Geldmarktanlagen. Diese Geldmarktzinsen<br />

sollten im Laufe des<br />

kommenden Jahres aufgrund der Leitzins<br />

senkungen der Zentralbanken fallen.<br />

Es wird also Zeit, auf Anleihen mit<br />

etwas längeren Laufzeiten zu setzen.<br />

Allerdings gab es bei den Staatsanleihen<br />

mit sehr langen Laufzeiten seit<br />

dem Sommer <strong>2023</strong> einige Kursausschläge.<br />

Erst stiegen die Renditen<br />

deutlich an, weil die Regierungen sich<br />

weiterhin kräftig verschulden, während<br />

die Zentralbanken als Käufer<br />

weitgehend wegfallen. Dann fielen die<br />

Renditen wieder in Erwartung zukünftiger<br />

Leitzinssenkungen. Hier ist der<br />

Markt noch in einer Findungsphase.<br />

Vita<br />

Wann kommt es nach Ihrer Einschätzung<br />

zu einem nachhaltigen Renditerückgang?<br />

Kopf: Mittlerweile sind die US-Staatsanleihen unseres<br />

Erachtens fair bewertet. Die Realrenditen, also die Renditen<br />

nach Abzug der Teuerung, liegen deutlich über dem<br />

langjährigen Durchschnitt. Die Höchststände der Renditen<br />

dürfen also hinter uns liegen. Das Risiko eines erneuten,<br />

massiven Renditeanstiegs halten wir für gering. Wir<br />

erwarten aber kurzfristig auch keinen starken Renditerückgang.<br />

Das gilt auch für europäische Staatsanleihen.<br />

Anleger sollten also vor allem den laufenden Zinsertrag<br />

vereinnahmen können.<br />

Unser klarer Favorit sind aber nach<br />

wie vor Unternehmensanleihen mit<br />

Investment Grade-Rating.“<br />

CHRISTIAN KOPF<br />

Geboren 1971 in Frankfurt am<br />

Main. Studienabschluss als<br />

Diplom-Ökonom und CFA<br />

Charterholder. Berufliche<br />

Stationen bei DWS Investments<br />

in Frankfurt sowie in London<br />

bei Spinnaker Capital, spezialisiert<br />

auf Anlagen in<br />

Schwellen ländern. Seit 2017<br />

Leiter des Rentenfondsmanagement<br />

von Union<br />

Investment. Er ist Mitglied des<br />

Union Investment Committee<br />

(UIC). Das UIC formuliert auf<br />

monatlicher Basis die Kapitalmarktstrategie<br />

von Union<br />

Investment und setzt damit die<br />

Leitplanken für die taktische<br />

Steuerung der Fonds durch die<br />

einzelnen Portfoliomanager.<br />

wichtige Käufer am Sekundärmarkt weg. Andererseits könnte<br />

uns eine größere geldpolitische Wende bevorstehen, was<br />

für niedrigere Renditen spricht. Das<br />

Bild ist also sehr viel ausgewogener,<br />

als es in den vergangenen Jahren der<br />

Fall war.<br />

Welche Segmente des Rentenmarkts<br />

favorisieren Sie?<br />

Kopf: Seit dem Ende des Nullzinsumfeldes<br />

bieten die Anleihemärkte<br />

tatsächlich ein sehr attraktives Anlageuniversum<br />

mit interessanter Verzinsung.<br />

Selbst erstklassige Staats anleihen<br />

können wieder eine Option<br />

sein. Entscheidend ist – wie überall –<br />

die Auswahl. Darüber hinaus bieten<br />

Covered Bonds eine äußerst attraktive<br />

Alternative zu Staatsanleihen.<br />

Insbesondere kurzlaufende Pfandbriefe<br />

weisen immer noch einen<br />

attraktiven Renditeaufschlag zu<br />

vergleichbaren deutschen Bun desanleihen<br />

auf. Unser klarer Favorit<br />

sind aber nach wie vor Unternehmensanleihen<br />

mit Investment Grade-Rating.<br />

Die fundamentale Lage<br />

der Unternehmen ist trotz des<br />

schwierigen Konjunkturumfelds<br />

stabil, bei der Titelauswahl spielt<br />

aber die Bilanzqualität eine entscheidende<br />

Rolle.<br />

Und mit Blick auf die Zinsbindungsdauer – was raten Sie hier?<br />

Kopf: Wir favorisieren aus einer Risiko-Ertrags-Überlegung<br />

heraus Anleihen mit Laufzeiten von fünf bis sieben<br />

Jahren. Sobald sich eine Normalisierung der Renditestrukturkurven<br />

abzeichnet – historisch gesehen um den Zeitpunkt<br />

der ersten Zinssenkung – ist es ratsam, Bestände in längeren<br />

Laufzeiten aufzubauen. Aktuell ist es dafür jedoch aus unserer<br />

Sicht noch zu früh, den Schwerpunkt in der Anlage vom<br />

kurzen zum langen Laufzeitende zu verschieben. Dabei geht<br />

zu viel Ertrag verloren.<br />

Und bei den langlaufenden Papieren?<br />

Kopf: Auf die längeren Laufzeitenbänder wirken gegenläufige<br />

Faktoren ein. Einerseits spricht der hohe<br />

Finanzierungsbedarf der Regierungen für anhaltend<br />

hohe Renditen. Zudem fallen die Notenbanken als<br />

Ihr Fazit für 2024?<br />

Kopf: Insgesamt erwarten wir ein eher unspektakuläres<br />

Jahr. Es geht zwar mit Kursschwankungen einher, aber aus<br />

unserer Sicht lassen sich trotzdem attraktive Erträge am<br />

Anleihemarkt vereinnahmen.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/<strong>2023</strong><br />

69


moneymarkets<br />

PROBLEM RUSSLAND: Der<br />

angekündigte Abschied aus<br />

demPutin-Imperium<br />

gestaltet sich für Raiffeisen<br />

kompliziert und langwierig<br />

ÖSTERREICH<br />

Im Sog von Russland und Benko<br />

Die Raiffeisen Bank International wird durch die Finanzpolitik des Kremls und die Pleite des<br />

Immobilientycoons belastet. Die Aktie ist eine Wette auf Osteuropa für risikofreudige Anleger<br />

Die Hoffnung stirbt zuletzt<br />

Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine begann<br />

die Talfahrt der RBI-Aktie. Die Osteuropa-Bank<br />

ist auf beiden Seiten des Krieges präsent. Ein Ausstieg<br />

aus Russland ist bislang nicht gelungen<br />

Raiffeisen Bank International AG<br />

Kurs in Euro<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

von HANS-PETER SIEBENHAAR<br />

Früher war René Benko ein gern gesehener Gast im Hochhaus<br />

der Raiffeisen Bank International (RBI) am Wiener<br />

Stadtpark. Der langjährige CEO der zweitgrößten Bank<br />

Österreichs, Johann Strobl, ließ es sich damals nicht nehmen,<br />

den Tiroler Immobilienmagnat zum großen Lunch mit der Bel<br />

Etage der österreichischen Wirtschaft einzuladen und ihn von<br />

der Chefredakteurin der Tageszeitung „Kurier“ - eine Medienbeteiligung<br />

der Raiffeisen - zu seinen Erfolgen befragen zu lassen.<br />

Mittlerweile ist der schillernde Immobilieninvestor mit<br />

seiner insolventen Signa für Strobl zum Albtraum mutiert.<br />

Denn die größte Insolvenz der österreichischen Wirtschaftsgeschichte<br />

belastet die RBI. Laut der Wiener Tageszeitung<br />

„Der Standard“ soll sich das Engagement der Raiffeisen auf 750<br />

Millionen belaufen. Auf einer außerordentlichen Hauptver-<br />

70<br />

Fotos: Bloomberg<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


sammlung sprach der Vorstand vom größten Immobilienengagement<br />

von 755 Millionen Euro. Ein Name des größten Einzelschuldners<br />

wurde nicht genannt. Zusätzlich sollen noch<br />

die Raiffeisenbank-Landesbanken in Nieder- und Oberösterreich<br />

mit zusammen 430 Millionen Euro bei Benko engagiert<br />

sein. Kein anderes Geldhaus in der Alpenrepublik - weder Bank<br />

Austria (Unicredit) noch der Branchenprimus Erste Group -<br />

hatte den Immobilientycoon so viel Geld geliehen. Bankinsider<br />

beteuern, dass die überwiegend für Projekte in Deutschland<br />

vergebenen Darlehen gut besichert sind. Angeblich sind<br />

die Kredite an Benko zu rund zwei Drittel mit Immobilien im<br />

Grundbuch abgesichert. Trotzdem ist die Pleite für das Ansehen<br />

der RBI sehr schädlich.<br />

Ein noch größeres Problem für die auf Osteuropa spezialisierte<br />

Bank stellt ihr Russland-Engagement dar. Entgegen seinem<br />

Versprechen ist es Vorstandschef Strobl noch nicht gelungen,<br />

aus Russland auszusteigen. „Wir arbeiten weiterhin an Optionen,<br />

die zur Dekonsolidierung führen“, sagte der CEO zuletzt.<br />

Die Schuld wird in Wien auf den Kreml geschoben. „Ein Verkauf<br />

ist nur zu 50 Prozent des Buchwertes möglich. Dann<br />

kommt noch eine Steuer von zehn Prozent hinzu. Auf so eine<br />

Vermögensvernichtung hat der Vorstand verständlicherweise<br />

keine Lust“, sagte ein Insider gegenüber FOCUS MONEY.<br />

„Der Kreml verfolgt eine ganz ausgefuchste Strategie.“ Russland<br />

ist für die RBI mit einer Eigenkapitalrendite von rund 50<br />

Prozent der lukrativste Markt. Das Problem: Sämtliche Gewinne<br />

müssen in Russland bleiben. Auch intern ist der versprochene<br />

Ausstieg nicht unumstritten. Wie Insider berichtet,<br />

steht einer der Kernaktionäre einem Ausstieg entgegen. Ob<br />

der Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) am Ende ausreicht,<br />

doch noch zu Russland „servus“ zu sagen, steht in den<br />

Sternen. Ersatz für westliche Banken gibt es bereits. Vor allem<br />

chinesische Geldhäuser drängen in Russland in die Lücke.<br />

Investoren fassen die Aktie der RBI (WKN: A0D9SU) mit<br />

spitzen Fingern an. Die Société Générale stuft die Aktie mit<br />

„hold“ ein. Die Analysten von Morgan Stanley belassen sie bei<br />

„equal-weight“. Hingegen sehen die Experten von HSBC und<br />

Erste Group das Papier als Kauf. Die Skepsis im Markt ist dennoch<br />

groß. „Der RBI fehlt die Equity Story. Ohne Russland ist<br />

die Raiffeisen wie eine schlechtere Erste Group“, sagt ein erfahrener<br />

Analyst in Wien. Während der Kurs der größten österreichischen<br />

Bank, Erste Group, in den vergangenen zwölf<br />

Monaten um 30 Prozent gestiegen ist, belief sich die Performance<br />

von Raiffeisen lediglich auf acht Prozent.<br />

Für Risikofreudige mit langem Atem stellt die Aktie eine<br />

Wette auf Mittel- und Osteuropa dar. Die RBI machte gute Geschäfte<br />

nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Polen und<br />

anderen Ländern. Das Bankenumfeld in Osteuropa gilt als intakt.<br />

In der Wachstumsregion erzieht die Raiffeisen eine hohe<br />

Eigenkapitalrendite. Noch immer wachsen die Volkswirtschaft<br />

zwischen Polen und Albanien überdurchschnittlich.<br />

„Prinzipiell ist die Attraktivität und das Ertragspotenzial in der<br />

Region wieder erkennbar. Dieses Jahr dürften wir im Schnitt<br />

in den Bankensektoren in der Region eine Eigenkapitalrendite<br />

von 16 Prozent und mehr sehen“, sagte RBI-Chefvolkswirt<br />

Gunter Deuber gegenüber FOCUS MONEY.<br />

Doch es gibt viele offene Fragen. Insbesondere der völlig offene<br />

Ausgang des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist<br />

für die RBI von zentraler Bedeutung. Als eine der ganz wenigen<br />

westlichen Bank sind die Österreicher Finanzdienstleiter beider<br />

Kriegsparteien. Das ist heikel. Im März dieses Jahres wurde<br />

die Raiffeisen von der ukrainischen Nationalagentur für Korruptionsbekämpfung<br />

in der Liste der Kriegssponsoren aufgenommen.<br />

Nach eigenen Angaben hat die RBI ihr Kreditvolumen<br />

seit Jahresbeginn um ein Drittel zurückgefahren. Mit<br />

einem Kreditvolumen von rund 6,3 Milliarden Euro ist Russland<br />

die viertgrößte Tochterbank der RBI. In der Ukraine erwirtschaftet<br />

Raiffeisen noch keine nachhaltigen Erträge. Zudem gibt<br />

es dort eine hohe Gewinnbesteuerung.<br />

Die Bilanz der RBI für die ersten drei Quartale fällt durchwachsen<br />

aus. Das Konzernergebnis sank auf rund 2,1 Milliarden<br />

Euro gegenüber 2,8 Milliarden im Vorjahreszeitraum.<br />

Ohne Russland und Belarus ist der Provisionsüberschuss aber<br />

gewachsen. Das ist ermutigend. Doch darüber schwebt das Damoklesschwert<br />

der weiteren Zinsentwicklung. „Die Ertragskraft<br />

könnte <strong>2023</strong> den Höhepunkt erreicht haben. Einige lokale<br />

Notenbanken wie in Ungarn, Polen und Tschechien senken<br />

ja auch schon die Zinsen“, bilanziert Deuber. Alle drei Länder<br />

gehören nicht zum Euroraum. In den Euro-Ländern Kroatien<br />

und der Slowakei gibt es hingegen unterstützende Zyklen.<br />

Für die krisenerprobten Aktionäre der RBI gibt es Ende Novembers<br />

ein Trostpflaster. Sie erhielten eine Dividende von<br />

0,80 Euro Aktie. Das entspricht einer durchaus stolzen Dividendenrendite<br />

von mehr als fünf Prozent.<br />

Wir arbeiten weiterhin an Optionen, die zur<br />

Dekonsolidierung führen. Dabei sind wir<br />

auf zahlreiche regulatorische Genehmigungen<br />

von russischen und europäischen<br />

Behörden angewiesen und können somit<br />

das Tempo nur sehr bedingt beeinflussen.“<br />

JOHANN STROBL, RAIFFEISEN-CEO<br />

71


dswanlegerschutz<br />

FINANZBILDUNG:<br />

Steht in Deutschland<br />

leider noch<br />

komplett am Anfang<br />

FINANZBILDUNG<br />

Wichtiger denn je – für alle Bürger<br />

Das Finanzportal „Mit Geld und Verstand – Finanzielle Bildung zahlt sich aus“ ist Anfang Dezember<br />

online gegangen und hat als Ziel, die Finanzbildung in Deutschland zu verbessern<br />

Nicht erst seit den jüngsten haushaltspolitischen Katastrophenmeldungen<br />

und der erneuten Diskussion um<br />

die Schuldenbremse ist das Thema Finanzbildung in<br />

aller Munde. Denn: Nur wenn wir die Kenntnisse aller Bürgerinnen<br />

und Bürger in Finanzthemen kontinuierlich verbessern,<br />

werden wir für die Menschen in Deutschland ein tatsächlich<br />

spürbar höheres Maß an finanzieller Unabhängigkeit<br />

und damit gesichertem Wohlstand erreichen können. Die Aktienrente<br />

etwa muss besser heute als morgen endlich zu einer<br />

wichtigen Säule der individuellen Altersvorsorge werden.<br />

Leider hat gerade die Diskussion um die Aktienrente und der<br />

mehr als verwässerte Kompromiss mit dem Generationenkapital<br />

eines gezeigt: Wir stehen in Sachen Finanzbildung in<br />

diesem Land leider noch komplett am Anfang.<br />

Ein Anfang scheint gemacht<br />

„Mit Geld und Verstand – Finanzielle Bildung zahlt sich aus“.<br />

So lautet der etwas sperrige Titel für das neue Finanzportal,<br />

das Anfang Dezember Online gegangen ist. Mit der löblichen<br />

Initiative wollen das Bundesfinanzministerium (BMF) und<br />

das Bundesbildungsministerium (BMBF) öffentliche Infor­<br />

mationsangebote bündeln, sichtbar machen und so aufbereiten,<br />

dass sie jeder versteht. Ziel ist es, die finanzielle<br />

Bildung von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken.<br />

Auf dem neuen Portal werden zunächst verschiedene<br />

Inhalte von zwölf Playern des öffentlichen Sektors gezeigt,<br />

unter anderem die Bafin, die Deutsche Bundesbank oder die<br />

Deutsche Rentenversicherung.<br />

Auch die DSW ist natürlich bereit, ihre jahrzehntelange<br />

Erfahrung und breite Kompetenz in Sachen Kapitalmarkt<br />

und Anlage bei diesem wichtigen Projekt einzubringen.<br />

Seit mehr als 40 Jahren ist die Finanzbildung eines der<br />

Herzensanliegen und wichtigsten Handlungsfelder der<br />

DSW. Dabei stehen eben gerade ungeschminkte „Informationen<br />

aus erster Hand“ im Zentrum unserer Aktivitäten<br />

sowie der unmittelbare Austausch etwa mit Top-Entscheidern<br />

großer Unternehmen in unseren Anlegerforen. Auch<br />

in diesem Jahr richtete die DSW wieder mehr als 100<br />

Events aus, in denen sich interessierte Bürgerinnen und<br />

Bürgern zu Themen, wie der richtigen Strategie und Vermögensaufbau<br />

an der Börse oder nachhaltiges Anlegen informieren<br />

können.<br />

72 Illustration: VectorStock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


ANZEIGE<br />

wienerberger verstärkt sein Engagement<br />

für Nachhaltigkeit<br />

Mit seinem ambitionierten Nachhaltigkeitsprogramm 2026 macht wienerberger einen weiteren<br />

wichtigen Schritt für eine lebenswerte Zukunft.<br />

„Nachhaltigkeit war schon immer integraler Bestandteil unserer<br />

Unternehmensstrategie. Mit unseren nachhaltigen<br />

Lösungen für Wohnbau, energieeffiziente Renovierung sowie<br />

Wasser- und Energiemanagement verbessern wir nicht<br />

nur kontinuierlich die Lebensqualität der Menschen, sondern<br />

sind selbst Teil der Lösung, indem wir uns proaktiv<br />

den Herausforderungen des Klimawandels stellen.“<br />

Heimo Scheuch, CEO Wienerberger AG<br />

Ambitionierte Umweltziele<br />

Wienerberger bekennt sich zum Europäischen Green Deal<br />

und zur Erreichung der Klimaneutralität bis spätestens 2050.<br />

Mittels Effizienzsteigerungen und einer 15-prozentigen<br />

Steigerung des Einsatzes erneuerbarer Energie in der eigenen<br />

Produktion wird wienerberger bis 2026 eine 25-prozentige<br />

Reduktion seiner Emissionen aus Primärenergiequellen<br />

und Rohstoffen sowie aus dem Verbrauch und der<br />

Erzeugung von Strom erreichen. Emissionen außerhalb des<br />

Einflussbereichs von wienerberger, einschließlich zugekaufter<br />

Dienstleistungen und Transport, sollen durch Konzentration<br />

auf Lieferanten mit niedrigen Emissionswerten um<br />

10 Prozent gesenkt werden.<br />

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft beabsichtigt wienerberger<br />

den Abbau von Rohstoffen und das Abfallaufkommen zu<br />

minimieren. Der Absatz von Produkten mit einer Lebensdauer<br />

von über 100 Jahren soll auf über 80 Prozent<br />

und jener von recycelbaren bzw. wiederverwendbaren<br />

Produkten auf 90 Prozent gesteigert werden.<br />

An allen Produktionsstandorten von wienerberger<br />

werden bis Ende <strong>2023</strong> Biodiversitätspläne umgesetzt,<br />

mit dem Ziel einer 10-prozentigen Verbesserung<br />

des Lebensraums für die lokale Fauna. Bis<br />

Ende 2026 sollen 400 Biodiversitätsbotschafter<br />

ausgebildet werden. Außerdem werden 100.000<br />

Bäume gepflanzt.<br />

Der Gebäudebestand ist für ca. 39 Prozent der<br />

weltweiten energie- und prozessbedingten<br />

CO2-Emissionen verantwortlich. Bis Ende<br />

2026 wird wienerberger deshalb 75 Prozent<br />

seiner Umsätze aus Bauprodukten<br />

mit dem Absatz von Produkten<br />

für Netto-Null-Gebäude erzielen,<br />

was zu einer Verbesserung der Energieeffizienz<br />

im Bausektor führen<br />

wird.<br />

Da angesichts des Klimawandels Wasser zu einer zunehmend<br />

wertvollen Ressource wird, hat sich wienerberger das<br />

Ziel gesetzt, 35 Millionen Kubikmeter Wasser durch den<br />

Einsatz seiner Produkte zu sammeln, zu speichern und<br />

einzusparen. Dies umfasst die Wiederverwendung von<br />

Wasser für verschiedene Anwendungen oder die Reduktion<br />

des Wasserverbrauchs. Außerdem verpflichtet sich wienerberger<br />

dazu, den Wasserverbrauch in der eigenen Produktion<br />

um 15 Prozent zu senken.<br />

Der typische Produktionsabfall aus keramischen Materialien<br />

und Kunststoff wird bereits wiederverwendet. wienerberger<br />

hat sich bis 2026 daher ein neues Ziel gesetzt: eine<br />

15-prozentige Reduktion des Abfallvolumens an allen Produktionsstätten.<br />

Wertschätzende soziale Ziele<br />

Aktionspläne für mehr Diversität und Inklusion im Arbeitsumfeld,<br />

sowie Maßnahmen zur Gewährleistung von Chancengleichheit<br />

und gleicher Entlohnung für gleiche Arbeit,<br />

wurden erarbeitet und sollen global ausgerollt werden.<br />

wienerberger konzentriert sich weiterhin auf die Gesundheit<br />

und Sicherheit seiner Mitarbeiter. Unterstrichen wird<br />

dieses Bestreben durch eine verstärkte Präsenz der Managementebene<br />

bei Besprechungen zu Sicherheitsfragen<br />

mit dem Ziel von 20.000 aktiven Managementstunden.<br />

Da wienerberger vom Wert der beruflichen Förderung<br />

seiner Mitarbeiter für den anhaltenden<br />

Erfolg des Unternehmens überzeugt ist, sind<br />

für alle Mitarbeiter 18 Ausbildungsstunden<br />

pro Jahr vorgesehen.<br />

Durch die langjährige Partnerschaft mit Habitat<br />

for Humanity errichtet wienerberger jedes Jahr<br />

Wohneinheiten für bedürftige Menschen in<br />

Europa und Nordamerika. Diese Kooperation<br />

unterstützt das Ziel wienerberger’s,<br />

jährlich 200 Wohneinheiten<br />

mit eigenen Produkten<br />

für bedürftige Menschen in<br />

seinen lokalen Märkten zu<br />

errichten.<br />

HEIMO SCHEUCH,<br />

CEO WIENERBERGER AG<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Wienerberger 73


moneymarkets<br />

Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu<br />

trinken“, hat Johann Wolfgang von Goethe gesagt.<br />

Und gerade in der Weihnachtszeit beherzigen die<br />

Verbraucher dieses Motto von Deutschlands wohl bedeutendstem<br />

Dichter, der als Erwachsener um die zwei<br />

Liter Wein am Tag konsumiert haben soll. „Das Jahresendgeschäft<br />

ist im Weinfachhandel ein ganz wichtiger<br />

Umsatztreiber. Vor allem bei Champagner und Rotweinen<br />

sind die Kunden bereit, etwas mehr Geld auszugeben“,<br />

erläutert Kathy Féron, Geschäftsführerin<br />

des Einzelhändlers Jacques´ Wein-Depot.<br />

International ist der Weinkonsum in den letzten<br />

Jahrzehnten vor allem außerhalb Europas<br />

deutlich angestiegen. In den USA, dem weltweit<br />

größten Weinmarkt, stieg der Weinkonsum zwischen<br />

1990 und 2022 um 64,1 Prozent auf 34,3<br />

Millionen Hektoliter. Für den Zeitraum von 2018<br />

bis 2028 prognostizieren Marktforscher weltweit<br />

ein jährliches Umsatzwachstum von 4,5<br />

Prozent (siehe Grafik unten).<br />

WEIN<br />

Weltweites Wachstum<br />

Während der Absatz in klassischen Weintrinkernationen<br />

wie Frankreich oder Italien sinkt, legt die<br />

Nachfrage in Mitteleuropa, Nordamerika und Ostasien<br />

kontinuierlich zu<br />

Wein-Umsatz weltweit<br />

in Mrd. US-Dollar, ab <strong>2023</strong> Prognose<br />

155<br />

158<br />

169<br />

173<br />

182<br />

197<br />

217<br />

Flüssige<br />

Rendite<br />

mit hohem<br />

Genussfaktor<br />

Teure Weine werden vor allem zu<br />

festlichen Anlässen gerne getrunken.<br />

Darüber hinaus sind sie eine krisenresistente<br />

Wertanlage – im eigenen<br />

Keller oder im Aktiendepot<br />

2018<br />

Quelle: Bloomberg<br />

20<br />

22<br />

23<br />

24<br />

26<br />

2028<br />

von STEFAN RIEDEL<br />

74<br />

Fotos: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


EDELWEIN-RESIDENZ:<br />

Das Château Lafite<br />

Rothschild bei Bordeaux<br />

Aber nicht nur die Masse wächst, sondern auch der Anspruch<br />

an die Qualität. Für deutsche Weinliebhaber ist das<br />

ein großes Gewächs, also Weine mit der in Deutschland<br />

höchsten Klassifikationsstufe. Ab 30 Euro aufwärts sind solche<br />

Edeltropfen zu haben. Die Flaschen werden dann bei einem<br />

besonders schönen Anlass entkorkt und getrunken.<br />

Was für die einen ein besonderer Genuss, ist für besonders<br />

Betuchte auch eine Wertanlage. Bei den als Fine Wines klassifizierten<br />

Tropfen handelt es sich um Spitzenweine, die in<br />

extrem limitierter Menge produziert werden. Für den Einstiegspreis<br />

gibt es keine festen Vorgaben, aber 5000 Euro entsprechen<br />

dem Preis für zwei Kisten Fine Wine. Nur etwa 200<br />

der weltweit produzierten Weine erfüllen die Kriterien für<br />

IGWs, also Investment Grade Wines.<br />

Die Anforderungen für einen wertvollen Wein sind vielfältig.<br />

Ein Muss ist die Herkunft aus einem respektablen Weingut.<br />

Frankreich steht hier ganz oben mit renommierten Adressen<br />

wie Château Lafite-Rothschild oder Cheval-Blanc aus<br />

dem Bordeaux. Neben den französischen Edeltropfen stehen<br />

italienische Rote hoch im Kurs. Die Rebsorten Barolo und<br />

Barbaresco aus dem Piemont sind hier an erster Stelle zu<br />

nennen. Außerdem werden Vintage Ports und alter Madeira<br />

hoch gehandelt.<br />

Wer Wein als Wertanlage sieht, muss selbst ein sehr guter<br />

Weinkenner sein. Ungeachtet dessen ist die Bewertung durch<br />

namhafte internationale Weinkritiker wie Robert Parker oder<br />

James Suckling eine wichtige Entscheidungshilfe. Und da<br />

Wein anders als Kunst nicht unendlich altern kann, sollte<br />

man nur die besten, vorzugsweise jüngere Jahrgänge kaufen,<br />

damit sich Wert und Qualität noch erheblich steigen können.<br />

Bis zu zehn Prozent Wertsteigerung jährlich sind möglich,<br />

immer vorausgesetzt, der Wein entfaltet bis zur Trinkreife<br />

seine vollste Qualität. Womit wir bei der richtigen Lagerfähigkeit<br />

wären. Notwendig ist dazu ein dunkler Weinkeller<br />

mit konstanten Temperaturen und einer Luftfeuchtigkeit um<br />

die 70 Prozent.<br />

Weinbörsen. Auktionshäuser wie Sotheby’s und Christie’s<br />

in London sind die beste Plattform, um die höchsten Preise<br />

zu erzielen. Hier versammelt sich auch die wachsende<br />

Sammlergemeinde im angelsächsischen Raum. Mit dem Livex<br />

Fine Wine Index hat der Fine Wine Market in London einen<br />

eigenen Index aufgelegt. Dort findet man Clusterungen<br />

nach Herkunft der berühmtesten Regionen wie Rhône, Bordeaux,<br />

Burgund, Champagne und Italien. Aus dem Rest der<br />

Welt kommen dann noch 60 Namen.<br />

Bei älteren Weinen stehen die Bewertungen und Beurteilungen<br />

fest. Für Kenner lässt sich auf dieser Basis das weitere<br />

Entwicklungspotenzial des Weins besser abschätzen. Allerdings<br />

steigen die Preise älterer Jahrgänge langsamer. Ihr<br />

Plateau erreichen sie meistens, wenn sich das Trinkreifefenster<br />

zu schließen beginnt. Wer Geld in Wein anlegen möchte,<br />

muss diesen zeitlichen Reifefaktor immer im Blick behalten.<br />

Der Zeitfaktor spielt auch für die Investoren selbst eine wich-<br />

tige Rolle, denn schließlich werden die ganz großen Renditen<br />

erst nach einigen Jahrzehnten eingefahren. Weinliebhaber,<br />

die erst im fortgeschrittenen Alter aktiv werden, können<br />

wahrscheinlich nicht mehr den Erfolg ihrer Investments auskosten<br />

– zur Freude ihrer potenziellen Erben.<br />

Der große Vorteil beim Investieren in Wein ist die Krisensicherheit.<br />

So gab es während der Finanzkrise 2008/09 nur einen<br />

Preisknick von zehn Prozent. In der Coronakrise 2020<br />

korrigierte der Weinindex um die vier Prozent. Die großen Aktienindizes<br />

fielen teilweise um ein Vielfaches. Umgekehrt<br />

schneiden Aktien in Zeiten steigender Kurse um Längen besser<br />

ab, wie die unterschiedliche Wertentwicklung von Liv-ex<br />

Fine Wine 100 und S&P 500 in den letzten zwei Jahren zeigt.<br />

Steuerfreie Gewinne. Deutsche Investoren haben den Vorteil,<br />

dass Wein für den Fiskus keine Kapitalanlage, sondern ein<br />

Konsumgut ist. Gewinne aus einer Wein-Investition sind hierzulande<br />

bislang vollkommen steuerfrei. Im Rahmen privater<br />

Veräußerungsgeschäfte fallen weder Kapitalertragsteuer noch<br />

Einkommensteuer an, solange die Spekulationsfrist von einem<br />

Jahr eingehalten wird. Zudem muss darauf geachtet werden,<br />

dass einem beim allzu regelmäßigen Kauf und Verkauf<br />

kein gewerbsmäßiger Handel unterstellt werden kann.<br />

Egal wie hoch die Wertsteigerung ausfällt: Ein gewisser Sockelwert<br />

bleibt als Kapitalanlage immer. Dazu hat Wein als<br />

Geldanlage nicht nur einen materiellen, sondern eben auch<br />

einen emotionalen Wert in Form von Spaß am Genuss. Wer<br />

Wein zu Geld machen will, sollte immer mindestens zwei Kisten<br />

vorrätig haben. Die erste zum Trinken und die zweite für<br />

den Verkauf. Mit dem Gewinn werden dann die nächsten Flaschen<br />

und Kisten gekauft.<br />

Gegenüber dem teuren Kauf von Wein-Preziosen sind<br />

Weinaktien die zeitlich flexiblere Alternative. Das Feld der<br />

Stabile Entwicklung<br />

Insbesondere aufgrund der Top-Performance einiger<br />

Techgiganten hat der S&P 500 in den letzten zwei<br />

Jahren den Liv-ex klar abgehängt. Im Vergleich dazu<br />

ist der Londoner Weinindex langfristig weniger volatil<br />

Wein vs. Brent Öl vs. S&P 500<br />

Veränderung seit 1.1.2019 in Prozent<br />

S&P 500<br />

Liv-ex 100 Fine Wine Index<br />

Brent Öl<br />

2019 20 21 22 <strong>2023</strong><br />

Quelle: Bloomberg<br />

250<br />

200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

–50<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: Adobe Stock 75


moneymarkets<br />

börsennotierten Weingüter und Weinhändler ist allerdings<br />

eng gesteckt. Beim Qualitätscheck müssen<br />

die Unternehmen bei der Margenentwicklung, ihrer<br />

Marktposition und der Aktienbewertung im Verhältnis<br />

zum erwarteten Wachstum überzeugen.<br />

In Deutschland sollten Anleger Hawesko und<br />

Schloss Wachenheim im Blick behalten. Die Hamburger<br />

Holdinggesellschaft Hawesko ist im Versandfachhandel,<br />

Einzelhandel und Großhandel mit<br />

Weinen unterwegs – stationär wie online mit Töchtern<br />

wie Jacques´ Wein-Depot, Hawesko, Vinos und<br />

Wir Winzer. Hawesko machten zuletzt rückläufige Margen zu<br />

schaffen. Sprudelnde Gewinne sind im laufenden Geschäftsjahr bei<br />

Schloss Wachenheim zu erwarten, einem der größten Hersteller<br />

von Sekt und Schaumwein in Deutschland. Aus diesem Grund verspricht<br />

diese Aktie aktuell die bessere Rendite.<br />

In Frankreich steht der Luxuskonzern LVMH für hochpreisige<br />

Champagner. Das Champagner-Haus Laurent-Perrier produziert<br />

304<br />

Tsd. US-$<br />

ERZIELTER PREIS<br />

FÜR EINE SECHS-<br />

LITER - FLASCHE<br />

1947 CHÂTEAU<br />

CHEVAL BLANC<br />

verschiedene Marken im mittleren und oberen<br />

Preissegment. Der jährliche Umsatz von zuletzt<br />

308 Millionen Euro verteilt sich auf Europa (35 Prozent),<br />

Frankreich (21 Prozent) und restliche Märkte<br />

(34 Prozent). Constellation Brands aus den USA ist<br />

der weltweit größte Weinproduzent (siehe S. 11).<br />

Der südamerikanische Champion Viña Concha y<br />

Toro besitzt Rebflächen in Chile, Argentinien und<br />

den USA.<br />

Ewige Werte. Eines hat ein guter Wein den Aktien-Investments<br />

immer voraus: Das Schöne daran<br />

ist, dass man mit Weinflaschen gar nicht verlieren kann. Er lässt<br />

sich jederzeit genießen, egal wie die Börse gerade läuft. Mit der Lagerung<br />

steigen Genussfaktor und Trinkspaß. Weihnachten und das<br />

Jahresende sind ein besonders schöner Zeitpunkt, die besten Weinflaschen<br />

aus dem eigenen Weinkeller zu genießen, wenn sie die optimale<br />

Trinkreife erreicht haben. In diesem Sinne: Auf unser aller<br />

Wohl und auf ein erfolgreiches neues Börsenjahr 2024!<br />

SCHLOSS WACHENHEIM<br />

Prickelndes Geschäft<br />

Das Unternehmen. Mit Marken wie Faber, Nymphenburg Sekt und Blû Prosecco<br />

ist Schloss Wachenheim einer der größten Hersteller von Sekt und<br />

Schaumwein in Deutschland. Die Firma mit Sitz in Trier ist auch in Frankreich<br />

und Ostmitteleuropa unterwegs.<br />

Die Zahlen. Restrukturierungskosten für das Frankreich-Geschäft drückten<br />

im Geschäftsjahr 2022/23 den Umsatz um 6,8 Prozent auf 27,4 Millionen<br />

Euro. Belastend wirkten sich auch die inflationsbedingt steigenden Kosten<br />

aus. Der Umsatz legte dagegen um 10,9 Prozent auf 425,8 Millionen Euro zu.<br />

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Management mit einem Ebit von<br />

28 bis 30 Millionen Euro.<br />

Die Vision. Die Hälfte des Firmengewinns stammt aus dem zweiten Geschäftsquartal<br />

mit dem Weihnachtsgeschäft. Neben der günstigen Bewertung<br />

spricht die Dividendenpolitik für ein Investment.<br />

TREASURY WINE ESTATES<br />

Weingigant aus Down Under<br />

Das Unternehmen. Das Weinportfolio australischen Konzerns umfasst Massengeschäft<br />

und Luxusmarken. Penfold ist das bekannteste Label. Top sind<br />

die operativen Margen jenseits der 20 Prozent. Hawesko und Schloss Wachenheim<br />

kamen hier zuletzt auf 3,7 beziehungsweise 6,4 Prozent.<br />

Die Zahlen. In den Geschäftsjahren 2021/22 bis 2022/<strong>2023</strong> (30. Juni) waren<br />

die Erlöse leicht rückläufig bei leicht steigendem Konzerngewinn. Eine Akquisition<br />

soll das Wachstum beschleunigen. Im Oktober übernahm TWE die<br />

DAOU Vineyards, einen US-Hersteller im oberen Preissegment, für 900 Millionen<br />

US-Dollar zuzüglich weiterer 100 Millionen US-Dollar, die an Preisanpassungen<br />

gebunden sind.<br />

Die Vision. Das Unternehmen strebt ein nachhaltiges Umsatzwachstum und<br />

eine Ebit-Marge von über 25 Prozent zu erzielen. Demgegenüber ist die Aktie<br />

attraktiv bewertet. Eine üppige Dividende gibt es obendrauf.<br />

76<br />

Sektkellerei Schloss Wachenheim<br />

13<br />

Kurs der Sektkellerei Schloss<br />

Wachenheim Aktie in Euro 11<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

722900/DE0007229007<br />

Börsenwert 130,7 Mio. €<br />

Kurs-Gewinn-Verhältnis 2024e/25e* 11,5/9,5<br />

Dividendenrendite für <strong>2023</strong>e/24e* 3,6/3,6 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 23,00/14,00<br />

Risiko ■ ■ ■ ■ ■Kurspotenzial 40 %<br />

Quelle: Bloomberg; *Gj: 30.06. <br />

Treasury Wine Estates<br />

Kurs der Treasury Wine Estates Aktie in Euro<br />

8<br />

2020 2021 2022 <strong>2023</strong><br />

WKN/ISIN<br />

A1H8S1/AU000000TWE9<br />

Börsenwert 5,2 Mrd. €<br />

Kurs-Gewinn-Verhältnis 2024e/25e* 20,2/17,0<br />

Dividendenrendite für <strong>2023</strong>e/24e* 3,4/4,0 %<br />

Kursziel/Stoppkurs 9,00/5,50€<br />

Risiko ■ ■ ■ ■ ■Kurspotenzial 40 %<br />

Quelle: Bloomberg; *Gj: 30.06.<br />

19<br />

17<br />

15<br />

e = erwartet<br />

16<br />

14<br />

12<br />

10<br />

e = erwartet<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


GESCHENKE-TIPP IM<br />

IDEEN FÜR ALLE<br />

Ob Spiel- oder Designfan:<br />

Technik ist immer<br />

ein top Geschenk<br />

FÜR KREATIVE<br />

Das espresso Display<br />

13.3“ ist der dünnste tragbare<br />

Monitor der Welt. Als<br />

Zweitbildschirm macht er<br />

das Umsetzen von Ideen<br />

am Laptop besonders<br />

komfortabel – auch<br />

jenseits des eigenen<br />

Schreibtischs.<br />

Artikelnr.: 6106-12W<br />

Die goldene Geschenkidee Technik unterm Tannenbaum begeistert wirklich alle<br />

WOW-nachten<br />

Wer auf der Suche nach innovativen Geschenken ist,<br />

die ein Wow-Erlebnis unter den Weihnachtsbaum zaubern,<br />

der wird für all seine Liebsten bei Cyberport fündig<br />

FÜR MACHERTYPEN<br />

OOONO CO-DRIVER Verkehrsalarm<br />

ist ein kabelloses<br />

Bluetooth-Gerät, das in Echtzeit<br />

vor Blitzern und weiteren<br />

Gefahren im Straßenverkehr<br />

warnt. Ideal für alle, die viel<br />

unterwegs sind.<br />

Artikelnr.: Q904-001<br />

Mit Sternen und Lichtern geschmückte<br />

Häuser und Straßen,<br />

in der Luft Plätzchen- und Glühweinduft<br />

… Die Weihnachtszeit<br />

ist einfach magisch. Aber wie behält sie<br />

ihren Zauber, bis an Heiligabend die Geschenke<br />

ausgepackt werden? Womit macht<br />

man zum Beispiel Technikfans eine Freude,<br />

die sich viele Wünsche bereits selbst erfüllen?<br />

Ganz einfach: mit Geschenken,<br />

die nicht Standard<br />

sind, die für glänzende Augen<br />

und ein Wow unterm Weihnachtsbaum<br />

sorgen.<br />

Individuelle Volltreffer<br />

Jede Menge Inspirationen für<br />

solche Volltreffergeschenke<br />

findet man bei Cyberport.<br />

Bei dem großen Angebot des Händlers<br />

für Computertechnik und digitale Unterhaltungselektronik<br />

ist für jede und jeden<br />

etwas dabei. Für kreative Köpfe, vom<br />

Geschenke<br />

jenseits des<br />

Standards<br />

machen<br />

Weihnachten<br />

besonders<br />

Content Creator bis zum Bastelfan, stehen<br />

Überraschungen zur Auswahl, die ihnen<br />

dabei helfen, ihre Ideen und Vorstellungen<br />

Wirklichkeit werden zu lassen. Machertypen,<br />

die darauf bedacht sind, beruflich<br />

und privat das Maximum zu erreichen,<br />

müssen ebenso wenig leer ausgehen. Sie<br />

werden begeistert sein von einem der zahlreichen<br />

Gadgets, die sie unter anderem dabei<br />

unterstützen, ihren Alltag<br />

zu automatisieren und zu erleichtern.<br />

Und zählt eine oder<br />

einer der Liebsten zu denen,<br />

deren große Leidenschaft Gaming<br />

ist – auch kein Problem:<br />

Das Sortiment an Innovationen,<br />

mit denen sich die Performance<br />

bei virtuellen Matches<br />

steigern lässt, ist ebenfalls breit<br />

gefächert. In jedem Fall lohnt es sich, ausgiebig<br />

zu stöbern. Wer will sich schon die<br />

Möglichkeit entgehen lassen, Weihnachten<br />

unvergesslich zu machen.<br />

FÜR GAMER<br />

Razer Edge ist das ultimative Android-Gaming-<br />

Handheld. Mit dem aktiv gekühlten Chipset Snapdragon<br />

G3x Gen 1 steht es für Performance pur.<br />

Artikelnr.: 1C19-001<br />

Noch mehr zündende<br />

Geschenkideen für<br />

Gamer, Machertypen<br />

und Kreative unter:<br />

cyberport.de/short/<br />

focusm/geschenk<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY Composing: FOCUS MONEY 77


moneymarktplatz<br />

GUTES für GENIESSER<br />

Zigarren-Börse<br />

EINFACH EIN GENUSS:<br />

Ambitionierte, erfahrene<br />

Zigarrenraucher spielen<br />

mit dem Rauch im Mund<br />

und atmen einen Teil<br />

durch die Nase aus<br />

Bedächtig<br />

langsam – aber<br />

nicht zu langsam!“<br />

KOLUMNE<br />

WIE RAUCHT MAN ZIGARRE? Ich möchte<br />

nicht leugnen, dass ich manchmal verlockt<br />

bin mit „Im Idealfall mit dem Mund“ lapidar<br />

zu antworten. Obwohl ich weiß, was hinter<br />

der Frage steckt: Häufig ist Rauchen kein<br />

Problem, aber der Teufel steckt im Detail.<br />

Die Qual der Wahl<br />

Ach wäre die Wahl der richtigen Zigarre<br />

nur so einfach wie der Kauf eines technischen<br />

Gerätes. Eckdaten vergleichen und<br />

persönlichen Bedarf checken: fertig!<br />

Doch bei einer Zigarre geht es um Lust<br />

und Laune, angenehmen Geschmack und<br />

Präferenzen. Falls Ihnen einmal die Inspiration<br />

fehlt, beanspruchen Sie ruhig die<br />

Kreativität des Verkäufers Ihres Vertrauens.<br />

Beschreiben Sie ihm kurz, was Ihnen<br />

so schmeckt, und schauen Sie, wie er Ihren<br />

Geschmack interpretiert. Wenn er wirklich<br />

top ist, landen sie bei einer guten Zigarre.<br />

Aber nicht nur die Zigarre entscheidet, ob<br />

sie mundet. Ihre Wahrnehmung ist auch<br />

abhängig von Ihrer jeweiligen Tagesform<br />

und Laune, sogar Umgebung und Beleuchtung<br />

spielen eine Rolle. Darum sollten sie<br />

Einsteins Definition von Wahnsinn (immer<br />

wieder das Gleiche tun) tunlichst in den<br />

LEONHARD WÖRRLE, HÜTER<br />

DES HUMIDORS BEIM ZIGARREN-<br />

SPEZIALISTEN „STEINGASSE NO 7“<br />

(www.no7.de)<br />

Wind schlagen und eine neue Zigarre nicht<br />

nur einmal, sondern zweimal probieren.<br />

Die richtige Zeit<br />

Sicher ist: Ein nagender Hintergedanke<br />

oder ein drohendes Ereignis in naher oder<br />

ferner Zukunft tun Ihnen und der Zigarre<br />

gar nicht gut. Das genussvolle Rauchen ist<br />

ein perfekter Katalysator, um eine gute<br />

Stimmung in eine Fabulöse zu verwandeln.<br />

Genug Zeit ist kein ausreichendes Kriterium,<br />

es muss auch die Richtige sein.<br />

Das Anschneiden<br />

Nach diesem kurzen, organisatorischen<br />

Teil geht es nun an die Zigarre. Das Anschneiden<br />

kann von der puren Notwendigkeit<br />

bis zum Zeremoniell alles sein. Dementsprechend<br />

gibt es diverse Werkzeuge,<br />

um einen guten Durchzug zu garantieren:<br />

Am bekanntesten ist wohl das glatte Anschneiden,<br />

wahlweise mit einer Zigarrenschere<br />

oder mit den verschiedensten Variationen<br />

der klassischen Guillotine. Für<br />

einen hervorragenden Cut ist es wichtig,<br />

ein kleines Stück der Kappenrundung bestehen<br />

zu lassen, damit die Oberflächenspannung<br />

des Deckblatts erhalten bleibt.<br />

Durch das Anschneiden über den gesamten<br />

Durchmesser der Zigarre lassen sich<br />

möglichst viele Aromen wahrnehmen.<br />

Den wohl pragmatischen Ansatz bietet<br />

der sogenannte Punch- oder Roundcutter.<br />

Man stanzt unter leichtem Druck und Drehung<br />

des Werkzeugs ein Loch in den Zigarrenkopf.<br />

Der Vorteil des „Anbohrens“ ist<br />

simpel: weniger Tabakbrösel im Mund. Allerdings<br />

wirkt so der Geschmack häufig etwas<br />

kräftiger, da nicht der komplette Querschnitt<br />

der Zigarre freigelegt wird.<br />

78 Foto: Adobe Stock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Nicht zu vergessen: Der Keilschnitt oder<br />

V-Cut ist ein Urahn des Anschneidens. Da<br />

dieser ursprünglich für trockenlagernde<br />

Sumatra-Shortfiller gedacht war, ist die<br />

Idee hinter dieser Variation recht simpel:<br />

ein möglichst großer Anschnitt bei gleichzeitig<br />

möglichst wenig Tabakkrümeln im<br />

Mund. Bei jedem Cutter, aber bei diesem<br />

speziell, ist eine gute Klinge aus hochwertigem<br />

Stahl empfehlenswert.<br />

Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende bleibt<br />

es doch eine Geschmacksfrage. Der Anschnitt<br />

ist eben die Zigarrenversion der leidigen<br />

iOS- versus Android-Diskussion.<br />

Kaltgeruch und Kaltgeschmack<br />

Nun könnte man locker direkt zum Anzünden<br />

übergehen. Wir aber stellen uns erst<br />

einmal den olfaktorischen und gustatorischen<br />

Herausforderungen des Kaltgeruchs<br />

und des Kaltgeschmacks. Der Kaltgeruch<br />

wird ermittelt, in dem man das Deckblatt<br />

und die Einlage am Zigarrenfuß beschnuppert.<br />

Der Kaltgeschmack entfaltet sich,<br />

wenn man an der angeschnittenen, aber<br />

noch nicht entzündeten Zigarre zieht.<br />

Nur erwarten Sie hier bitte keine aromatischen<br />

Offenbarungen zur Orientierung.<br />

Die beiden kalten Kollegen sind eher subtil<br />

und geheimnisvoll. Erst mit etwas Übung<br />

entwirrt sich ihr Orakel zu einer Prognose,<br />

wie die Zigarre wohl schmecken könnte.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

ANZÜNDEN: Halten Sie die<br />

Flamme immer in respektvollem<br />

Abstand von der<br />

Zigarre und drehen<br />

diese dabei<br />

CUTTING: Kenner der<br />

Materie lassen immer<br />

beim Anschnitt ein<br />

kleines Stück der<br />

Kappenrundung<br />

bestehen<br />

ASCHE: Klar, sie<br />

schützt die Glut.<br />

Wie lange man die<br />

Asche aber stehen<br />

lassen sollte, liegt<br />

im persönlichen<br />

Ermessen des<br />

Zigarrenrauchers<br />

Das Anzünden<br />

Egal ob Sie eine normale Gasflamme, ein<br />

Streichholz, einen Fidibus oder eine Jet-<br />

Flamme nutzen: Vorsichtig und langsam<br />

sind die springenden Punkte. Die Flamme<br />

sollte niemals den Tabak berühren, die Hitze<br />

des Feuers sollte langsam auf die Zigarre<br />

übergehen. Halten Sie die Flamme in respektvollem<br />

Abstand und drehen Sie die<br />

Zigarre, bis sich ein Glutnest über deren gesamten<br />

Durchmesser gebildet hat. Das<br />

klappt bei einer weichen Flamme fast automatisch.<br />

Bei modernen Jet-Flammen<br />

hingegen sollten Sie sich etwas zügeln.<br />

Wenn sie die Zigarre mit vorgehaltener<br />

Flamme und engagiertem Paffen zum Glühen<br />

zwingen, laufen Sie Gefahr, dass die<br />

Glut zu heiß und der Geschmack bitter<br />

wird. Stärkere Formate verzeihen Ihnen<br />

dies zwar nach einiger Zeit, dünnere aber<br />

rächen sich über die ganze Rauchdauer.<br />

Geht Ihnen die Zigarre einmal aus, ist es<br />

kein Problem, die noch warme Zigarre wieder<br />

anzuzünden. Aber! Eine Hälfte der Zigarre<br />

am Abend und die andere Tags darauf.<br />

Dies sollten Sie sich verkneifen. Es sei<br />

denn, Sie stehen auf den üblen Geschmack<br />

von Aschenbecher am Morgen im Mund.<br />

Das Rauchen<br />

Da wären wir wieder am Anfang: Wie<br />

raucht man denn eigentlich Zigarre? Bedächtig,<br />

langsam, aber nicht zu langsam.<br />

Ja danke, ich wollte es gern schwammig!<br />

Nur leider ist es genau das: schwammig!<br />

Die Zigarre ist am Ende ein Naturprodukt,<br />

genau wie der Raucher auch ein Produkt<br />

seiner und der Natur ist. Wenn es sich für<br />

Sie gut anfühlt, dass die Zigarre harsch<br />

wird und Sie etwas auf Schmerz stehen,<br />

dann bitte, ziehen Sie ordentlich an. Wenn<br />

Sie aber wissen möchten, wie Leute wie ich<br />

auf so bizarre geschmackliche Assoziationen<br />

kommen, dann rauchen sie lieber ruhig<br />

und gelassen. Spielen Sie etwas mit<br />

dem Rauch im Mundraum und versuchen<br />

Sie einmal einen Teil des Rauches durch die<br />

Nase auszuatmen. Experimentieren Sie<br />

und suchen Sie sich Ihren Weg.<br />

Und weil das alles noch nicht schwammig<br />

genug ist, möchte ich noch einige Worte<br />

zum Thema Rauchdauer verlieren. Ob<br />

Sie nun rauchen, bis Sie sich die Finger verbrennen<br />

oder ob Sie die Zigarre schon früher<br />

weglegen: Rauchen Sie einfach, solange<br />

es Ihnen schmeckt.<br />

So ganz ohne handfesten Tipp möchte<br />

ich Sie allerdings doch nicht lassen: Die<br />

Bauchbinde wird mit demselben Harz verklebt,<br />

mit dem auch die Kuppe fixiert wird.<br />

Landet dabei etwas davon auf dem Tabak,<br />

sind beide unweigerlich verbunden. Entfernen<br />

sie daher dieses tückische Stück<br />

Marketing erst, nachdem die Zigarre warm<br />

und somit das Tragant-Harz weich geworden<br />

ist. Andernfalls laufen sie Gefahr, das<br />

Deckblatt zu beschädigen.<br />

Die Asche<br />

Wenn das Anschneiden eine Geschmacksfrage<br />

ist, dann ist die Asche eine Glaubensfrage.„Mit<br />

der Bauchbinde teilt die Asche<br />

der Zigarre das Privileg, einen absonderlichen<br />

Fetischismus und merkwürdige Tabus<br />

hervorgebracht zu haben. [...] Es ist falsch<br />

zu behaupten, die Asche an der Spitze Ihrer<br />

Zigarre wirke wie ein Thermostat auf die<br />

Glutzone, indem sie deren Temperatur konstant<br />

hält und damit auch die Temperatur<br />

des eingesogenen Rauches regelt. Sie ist für<br />

die Verbrennung oder die Erhaltung der<br />

Glut ohne Bedeutung,“ hat Zino Davidoff<br />

(Zigarren Brevier, 1967, S. 47) gesagt. Andere<br />

behaupten genau das Gegenteil.<br />

Ich halte einen Kompromiss für sinnvoll.<br />

Selbstverständlich schützt die Asche die<br />

Glut. Aber bei Weitem nicht in dem Ausmaß,<br />

in dem es manchmal dargestellt wird.<br />

Wie lange Sie also Ihre Asche stehen lassen<br />

und ob dieselbe dann auf Ihrer Hose oder<br />

im Aschenbecher landet, überlasse ich Ihrem<br />

Gusto und Ihrer Geschicklichkeit.<br />

Das Ende<br />

Unterteilt man die Zigarre grob in Drittel,<br />

dann findet sie meistens zum Beginn bis<br />

zur Mitte des letzten Drittels ihr natürliches<br />

Ende. Dann legt der Connaisseur die<br />

Zigarre behutsam weg und lässt sie in Würde<br />

von selbst ausgehen. Und ich stimme<br />

Herrn Davidoff in seiner Aussage zu, dass<br />

es von Klasse zeugt, wenn man diese Ehre<br />

jeder Zigarre zuteilwerden lässt.<br />

79


moneyservice<br />

STROM UND GAS<br />

€<br />

Positive Energie<br />

Die Strom- und Gaspreisbremse entfällt zwar definitiv zum Jahresende. Und die Mehrwertsteuer auf<br />

Gas steigt 2024 auch wieder auf 19 Prozent. Dafür reduzieren viele Versorger ihre Tarife. Bei<br />

welchen Anbietern Gas und Strom bei einem Neuabschluss des Vertrags am günstigsten sind<br />

von THOMAS SCHICKLING<br />

Strom: Die besten bundesweiten Neukunden-Tarife im Überblick<br />

Anbieter Tarifname Öko-Tarif Gesamtkosten<br />

(brutto) pro Jahr 1) Kosten GV 2) Ersparnis 3) Vertragslaufzeit Preisgarantie<br />

Lichtblick Ökostrom Komfort 12 ja 1157,29 € 1756,25 € 598,95 € 12 Monate 12 Monate<br />

Elektrizitätsversorgung Berlin Elektrizität Berlin nein 1169,83 € 1756,25 € 586,41 € 12 Monate 12 Monate<br />

R(h)einpower (Stadtwerke Duisburg) R(h)einpower MeinStrom 12 nein 1194,67 € 1756,25 € 561,58 € 12 Monate 12 Monate<br />

E wie einfach Grün & Günstig Strom ja 1199,53 € 1756,25 € 556,72 € 12 Monate 12 Monate<br />

Naturwerke Naturstrom12 ja 1209,32 € 1756,25 € 546,93 € 12 Monate 12 Monate<br />

NEW Niederrhein Energie und Wasser NEWfair Strom 12 nein 1210,21 € 1756,25 € 546,04 € 12 Monate 12 Monate<br />

TEAG Thüringer Energie TEAG.Strom direkt nein 1212,87 € 1756,25 € 543,37 € 12 Monate 12 Monate<br />

Klickenergie Klickstrom nein 1214,22 € 1756,25 € 542,02 € 12 Monate 12 Monate<br />

Eprimo eprimoStrom PrimaKlima ja 1240,98 € 1756,25 € 515,26 € 12 Monate 12 Monate<br />

Vattenfall Europe Ökostrom12 ja 1246,08 € 1756,25 € 510,16 € 12 Monate 12 Monate<br />

Quelle: Verivox; Stand: 12.12.23; 1) im Einfamilienhaus bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom; 2) GV = Grundversorger; 3) gegenüber dem Grundversorger<br />

80 Illustrationen: Adobe Stock<br />

Composing: FOCUS MONEY<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


Das kam einem Gang nach Canossa gleich: Während<br />

seiner Regierungserklärung im Bundestag<br />

Ende November musste Bundeskanzler<br />

Olaf Scholz schon hart einstecken: Oppositionschef<br />

Friedrich Merz etwa beschimpfte den<br />

SPD-Mann als „Klempner der Macht“, der es<br />

„nicht könne“. Die Schuhe eines Kanzlers seien für Scholz<br />

mindestens zwei Nummern zu groß, höhnte zudem Merz.<br />

Kritik, wovon sich Scholz jedoch nicht groß beirren ließ.<br />

Der Kanzler lavierte sich mit seinen Plattitüden vom „Unterhaken“<br />

und dem Verweis auf die Fußball-Hymne „You’ll never<br />

walk alone“ unbeirrt durch seine Rede. Und versicherte<br />

dann: „Wir lassen niemanden allein mit den Herausforderungen,<br />

mit denen wir es aktuell so geballt zu tun haben.“<br />

Vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltskrise aber<br />

musste Scholz coram publico zugeben, dass die Strom- und<br />

Gaspreisbremsen nicht – wie geplant – verlängert, sondern<br />

zum Ende des Jahres <strong>2023</strong> beendet würden. Dies sei möglich,<br />

weil deutschlandweit wieder Strom- und Gastarife verfügbar<br />

seien, die unterhalb der Obergrenzen der Preisbremsen lägen,<br />

sagte Scholz. Zudem seien die Gasspeicher derzeit „so<br />

gut gefüllt, dass wir nicht mit plötzlichen Preissprüngen<br />

rechnen“, erklärte der Kanzler vor den Volksvertretern.<br />

Womit er im Prinzip völlig recht hat. Die deutschen Gasspeicher<br />

sind zu 92 Prozent gut gefüllt, bilanziert gerade die Bundesnetzagentur.<br />

Und die Kilowattstunde (kWh) Gas kostet derzeit<br />

für Neukunden im Schnitt nur noch knapp neun Cent – zu<br />

Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 war es für Verbraucher<br />

mit rund 18 Cent pro kWh noch doppelt so teuer.<br />

Normalität erreicht. Auch die Preise für Strom sind währenddessen<br />

hierzulande für Privathaushalte wieder auf ein<br />

Normalmaß heruntergekommen. So schlägt die kWh Strom<br />

Mitte Dezember mit rund 38 Cent zu Buche – Mitte vergangenen<br />

Jahres waren es in der Spitze noch fast 70 Cent.<br />

Gas und Strom ist damit für Neukunden mittlerweile zwischen<br />

Flensburg und Garmisch wieder so günstig wie vor der<br />

Energiekrise. Auch verteuert sich durch den Wegfall der ursprünglich<br />

bis Ende März 2024 verlängerten Preisbremsen<br />

Strom und Gas für die meisten Haushalte nicht großartig.<br />

Bei einem Durchschnittsverbrauch von 20 000 kWh Gas<br />

bringt der Wegfall der Preisbremse Mehrkosten im Schnitt von<br />

26 Euro respektive 1,1 Prozent mit sich. Kostspieliger wird es<br />

aber für jene, die vom Grundversorger beliefert werden. Hier<br />

steigen die Jahreskosten auf Basis des zuvor genannten Verbrauchs<br />

an Gas um 82 Euro respektive 2,8 Prozent.<br />

Nur ein Euro mehr im Schnitt. Und wie sieht es beim Strom<br />

aus? „Der Wegfall der Strompreisbremse belastet die Haushalte<br />

hierzulande durchschnittlich nur mit einem Euro mehr<br />

und ist damit leicht zu verkraften“, rechnet Daniel Puschmann,<br />

Chef des Vergleichsportals Verivox, vor. In der örtlichen<br />

Grundversorgung seien es durchschnittlich hingegen fünf<br />

Euro, was einem leichten Plus von 0,3 Prozent entspräche.<br />

Auch wenn der Energiemarkt sich längst wieder erholt hat,<br />

lohnt sich für viele Verbraucher ein Anbieterwechsel. Denn<br />

zum Jahreswechsel sinken die Preise für Strom und Gas merklich.<br />

So haben die Versorger bereits 430 Strompreissenkungen<br />

von im Schnitt 13 Prozent für 2024 angekündigt. Hingegen<br />

beim Erdgas wurden von den Energieunternehmen für<br />

Januar 2024 insgesamt 396 Preissenkungen von durchschnittlich<br />

sogar 15 Prozent avisiert, so Zahlen von Verivox.<br />

Bei welchen Gas- und Stromwerken jetzt das größte Sparpotenzial<br />

schlummert, hat Verivox für FOCUS MONEY ans<br />

Tageslicht befördert. Dazu hat das Heidelberger Vergleichsportal<br />

insgesamt über 6000 Gas- und Stromtarife für Neukunden<br />

ausgewertet und die Top-Anbieter für Jahresverbräuche<br />

über 20 000 kWh für Gas und 4000 kWh für Strom herausgefiltert.<br />

Wichtig in diesem Kontext: Berücksichtigt wurden dabei<br />

nur Kontrakte mit einer Laufzeit von mindestens zwölf Monaten<br />

und einer Preisgarantie über mindestens ein Jahr.<br />

Im Vergleich zum Grundversorger liegt das maximale Sparpotenzial<br />

beim Wechsel des Stromanbieters immerhin mittlerweile<br />

bei fast 600 Euro jährlich. Und wer jetzt seinem Gas-<br />

Versorger den Rücken kehrt und einen Neukunden-Vertrag<br />

bei der billigeren Konkurrenz abschließt, kann in der Spitze<br />

mehr als 987 Euro pro Jahr sparen (s. Tabellen S. 80/81).<br />

Deutschland gehört seit Jahren zu den Spitzenreitern beim<br />

Strompreis für private Haushalte in Europa. Das geht aus einer<br />

Datenabfrage des Statistischen Bundesamts im Auftrag<br />

Erdgas: Die besten bundesweiten Neukunden-Angebote<br />

Anbieter Tarifname Gesamtkosten<br />

(brutto) pro Jahr 1) Kosten GV 2) Ersparnis 3) Vertragslaufzeit Preisgarantie<br />

Maingau Energie Maingau Gaskomfort 1679,00 € 2666,27 € 987,26 € 12 Monate 12 Monate<br />

Extraenergie extraenergie Gas Bonus 1695,45 € 2666,27 € 970,81 € 12 Monate 12 Monate<br />

EVD Energieversorgung Deutschland EVD Gas Bonus 1695,56 € 2666,27 € 970,71 € 12 Monate 12 Monate<br />

Brillant Energie Brillant Gas Natur 12 1719,56 € 2666,27 € 946,71 € 12 Monate 12 Monate<br />

Klickenergie Klickgas 1737,89 € 2666,27 € 928,38 € 12 Monate 12 Monate<br />

Yippie Happy Yippie Gas 1742,70 € 2666,27 € 923,57 € 12 Monate 12 Monate<br />

E.on Energie Deutschland E.on Erdgas Öko 1748,94 € 2666,27 € 917,33 € 12 Monate 15 Monate<br />

Lidl-Strom von E.on Energie Lidl-ÖkoErdgas Plus 1755,37 € 2666,27 € 910,89 € 12 Monate 12 Monate<br />

NEW Niederrhein Energie und Wasser NEWgas online 1767,04 € 2666,27 € 899,22 € 12 Monate 12 Monate<br />

Goldgas Goldgas natürlich12 Gas 1797,49 € 2666,27 € 868,78 € 12 Monate 12 Monate<br />

Quelle: Verivox; Stand: 12.12.23; 1) im Einfamilienhaus bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden Erdgas; 2) GV = Grundversorger; 3) gegenüber dem Grundversorger<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

81


moneyservice<br />

Die Gasspeicher<br />

sind<br />

derzeit so gut<br />

gefüllt, dass<br />

wir nicht mit<br />

plötzlichen<br />

Preissprüngen<br />

rechnen“<br />

OLAF SCHOLZ,<br />

BUNDESKANZLER<br />

der Linksfraktion hervor. Lediglich in Liechtenstein<br />

und Belgien sind die Verbraucherpreise<br />

für Strom noch höher als hierzulande.<br />

Spaniens Haushalte hingegen berappen<br />

im Vergleich zu deutschen weniger als die<br />

Hälfte. Auch die Strompreise in Polen,<br />

Frankreich und Österreich rangieren deutlich<br />

unter denen Deutschlands, so die Statistikexperten<br />

aus Wiesbaden.<br />

Während Strompreise im Handel (s. auch<br />

Grafik unten rechts) an der Börse europaweit<br />

dicht beieinanderliegen, driften Endverbraucherpreise<br />

weit auseinander. Das<br />

liegt an unterschiedlich hohen Abgabenund<br />

Steuerlasten, die wesentliche Bestandteile<br />

des Strompreises für Endkunden sind.<br />

Schöne Bescherung. So machen beispielsweise<br />

die Netznutzungsentgelte in Deutschland<br />

knapp ein Viertel des Strompreises aus.<br />

Trotz Milliardenzuschüssen der Bundesregierung<br />

sollen sie 2024 sogar deutlich steigen.<br />

Vorläufigen Angaben zufolge klettern<br />

die Netzentgelte bundesweit im Schnitt um elf Prozent nach<br />

oben. Besonders stark wirkt sich das Anziehen der Stromnetzgebühren<br />

im kommenden Jahr in Bremen mit einem Plus von<br />

18 Prozent aus. Darauf folgen Bayern und Nordrhein-Westfalen<br />

mit jeweils einem Zuwachs von 17 Prozent.<br />

Um die Netzentgelte auf alle Bundesländer künftig gerechter<br />

zu verteilen, hat die Bundesnetzagentur ein neues Eckpunktepapier<br />

verfasst: Danach sollen die Entgelte in jenen Regionen<br />

sinken, die für den Umbau der Netze zur Nutzung<br />

erneuerbarer Energien erheblich höhere Beträge schultern<br />

mussten. Denn der dort erzeugte Strom – etwa aus Wind oder<br />

Sonne – wird nicht nur in diesen Regionen genutzt, sondern<br />

in ganz Deutschland. „Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe,<br />

und Investitionen in die Netze kommen allen<br />

zugute“, erklärte Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur<br />

in Bonn. Müller rechnet bei seinem Vorschlag mit einer Gesamtentlastung<br />

der Bevölkerung von rund 608<br />

Millionen Euro, die auf die einzelnen Bundesländer<br />

entsprechend umgelegt werden sollen.<br />

Schade ist allerdings, dass endgültige Regelungen<br />

dazu laut Bundesnetzagentur frühstens<br />

am 1. Januar 2025 greifen werden.<br />

Wie aber ist die Lage bei Gas? Hier sollen die<br />

Netzentgelte 2024 zwar leicht um gut ein Prozent<br />

zurückgehen. Allerdings wird der Wegfall<br />

der reduzierten Mehrwertsteuer für einen Anstieg<br />

der Gaskosten sorgen. Denn Bundesfinanzminister<br />

Christian Lindner will diese zum<br />

Jahreswechsel von sieben wieder auf den normalen<br />

Steuersatz von 19 Prozent anpassen.<br />

Grün gibt Gas. Auch wenn Erdgas anteilsmäßig<br />

bei der Erzeugung von Strom derzeit noch<br />

bei immerhin gut zehn Prozent rangiert (s. Grafik<br />

unten links): Erneuerbare Energien werden<br />

evident immer bedeutender für den Strom-Mix<br />

in Deutschland: Im Oktober lag der Anteil der Erneuerbaren<br />

an der öffentlichen Stromversorgung<br />

bereits bei rund 57 Prozent. Diese, für die<br />

Umwelt erfreuliche Bilanz, zieht die Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik<br />

am Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau.<br />

Erfreulich ist zudem, dass der Energieverbrauch in Deutschland<br />

heuer den Rückwärtsgang eingelegt hat – und sogar auf<br />

ein Rekordtief fallen könnte: Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen<br />

etwa rechnet gegenüber dem Jahr 2022 mit einem<br />

Rückgang um knapp acht Prozent auf 10 784 Petajoule (PJ) respektive<br />

367,9 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten. Stimmen<br />

diese Zahlen, läge der Verbrauch um knapp 28 Prozent<br />

unter dem bisherigen Höchststand in Deutschland aus dem<br />

Jahre 1990, als gigantische 14 905 PJ verschlungen wurden.<br />

Fürs Ökossystem ist der rückläufige Energieverbrauch zwar<br />

ein Gewinn. Er spiegelt aber auch, dass es in der Wirtschaft<br />

hierzulande nicht mehr so rund läuft. Vor allem energieintensive<br />

Industriezweige verzeichnen Produktionsrückgänge –<br />

mit negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.<br />

Grüne Energien auf dem Vormarsch<br />

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung<br />

in Deutschland rangiert bereits bei rund 57<br />

Prozent. Braunkohle und Erdgas als fossile Brennstoffe<br />

tragen nur noch mit 28,5 Prozent bei<br />

Nettostromerzeugung nach Energieträgern<br />

Oktober <strong>2023</strong>, Anteile in Prozent<br />

Sonstige<br />

Wind, Offshore 7,3<br />

7,0<br />

Steinkohle<br />

7,5<br />

Biomasse 9,2<br />

9,5<br />

Solar<br />

10,4<br />

Erdgas<br />

Quelle: ENTSO-E; AGEE-Stat; Statistisches Bundeamt; AGEB<br />

30,9 Wind, Onshore<br />

18,1<br />

Braunkohle<br />

Strompreise entspannen sich wieder<br />

Im Oktober kostete die Megawattstunde Strom hierzulande<br />

an der Börse rund 87 Euro – deutlich billiger<br />

als ein Jahr zuvor. Aufgrund des akuten Mangels an<br />

Erdgas verteuerte sich der Strom damals drastisch<br />

Börsenstrompreis am Epex-Spotmarkt<br />

für Deutschland, in Euro je Megawattstunde<br />

2022 <strong>2023</strong><br />

OKT DEZ FEB<br />

Quelle: ENTSO-E; Bundesnetzagentur; EPEX SPOT<br />

APR JUN AUG OKT<br />

250<br />

200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

82 FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Fotos: xxxxxxxxxxx/FOCUS MONEY Composing: xxx/FOCUS MONEY 83


moneyservice<br />

BETREUUNG: Die<br />

Kosten für Pflege<br />

steigen. Nur wer<br />

finanziell abgesichert<br />

ist, hat auch im Alter<br />

gut lachen<br />

STUDIE<br />

Pflegelücke<br />

fair schließen<br />

Der finanzielle Eigenbeitrag im Pflegefall ist erheblich – und dürfte trotz Reformen der Bundesregierung<br />

in den kommenden Jahren weiter steigen. Private Pflegeversicherungen können hier<br />

in die Bresche springen. FOCUS MONEY nennt die fairsten Anbieter<br />

Peter Lindemann<br />

Das Pflegeheim wird zur Armutsfalle. Die Kosten für<br />

Personal, Unterkunft und Verpflegung sind in den<br />

vergangenen Monaten erneut kräftig gestiegen und<br />

belasten spürbar das zumeist ohnehin knappe Budget der<br />

Pflegebedürftigen. Der Verband der Ersatzkassen VDEK hat<br />

nachgerechnet: Lag der Eigenanteil in der stationären Pflege<br />

2018 bundesweit noch durchschnittlich bei 1772 Euro,<br />

waren es ohne Zuschläge Ende 2022 bereits 2468 Euro –<br />

ein sattes Plus von 39 Prozent. Auch <strong>2023</strong> hat sich der Trend<br />

fortgesetzt und dürfte die Belastung der Heimbewohner auf<br />

ein neues Rekordniveau gehievt haben.<br />

Zu wenig Geld. Schon befürchtet die DAK-Gesundheit,<br />

Deutschlands drittgrößte gesetzliche Krankenkasse, dass der<br />

Anteil der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner, die<br />

finanziell überfordert sind und Sozialhilfe in Anspruch nehmen<br />

müssen, bis 2026 auf traurige 36 Prozent ansteigen<br />

wird. Reformmaßnahmen wie die Einführung von gestaffelten<br />

Leistungszuschlägen und das Wohngeld-Plus-Gesetz<br />

können die zunehmende finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen<br />

nur bremsen. „Diese Schritte waren wichtig. Sie<br />

sind aber nicht ausreichend, um die Kosten durch die enormen<br />

Preissteigerungen und das Tariftreuegesetz wirksam zu<br />

begrenzen“, sagt DAK-Chef Andreas Storm.<br />

Immerhin: Mit Beginn des neuen Jahres erhalten Heimbewohnerinnen<br />

und -bewohner höhere Zuschüsse zum Eigenanteil.<br />

Das sieht die im Frühjahr beschlossene Pflegereform<br />

84<br />

Foto: AdobeStock<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


RANKING<br />

Die Fairness-Sieger im<br />

Überblick<br />

Von 29 der wichtigsten privaten<br />

Pflegeversicherungen haben 16<br />

den Einzug ins Fairness-Ranking<br />

geschafft. Grundlage dafür sind<br />

überdurchschnittliche Kundenbewertungen.<br />

Im Vorjahr traf dies<br />

zwar auf drei Gesellschaften mehr<br />

zu. Dafür aber performen in der<br />

aktuellen Online-Studie gleich<br />

zehn statt neun ausgezeichnete<br />

Pflegeversicherer besonders stark:<br />

Sie erreichen das Gesamturteil<br />

„Sehr Gut“.<br />

Wo die Anbieter ihre Stärken<br />

und Schwächen haben, zeigen die<br />

Kategorien-Rankings<br />

(S. 87). Produktangebot,<br />

Kundenberatung<br />

und Preis-Leistungs-<br />

Verhältnis: Insgesamt<br />

haben 2237 Studienteilnehmer<br />

ihre Urteile<br />

in drei Kategorien<br />

zu elf Service- und<br />

Leistungsmerkmalen<br />

abgegeben.<br />

Rangliste<br />

Urteil<br />

Unternehmen<br />

Sehr Gut Allianz<br />

Sehr Gut ARAG<br />

Sehr Gut Debeka<br />

Sehr Gut DKV / ERGO<br />

Sehr Gut Generali<br />

Sehr Gut HanseMerkur<br />

Sehr Gut HUK-COBURG<br />

Sehr Gut INTER<br />

Sehr Gut LVM<br />

Sehr Gut SDK<br />

Gut Concordia<br />

Gut DEVK<br />

Gut HALLESCHE<br />

Gut IDEAL Versicherung<br />

Gut Signal Iduna<br />

Gut VGH<br />

alphabetische Sortierung; Quelle: ServiceValue<br />

FAIRSTER<br />

PFLEGE-<br />

VERSICHERER<br />

Durchblick bei den Kosten<br />

Für die Kundenbindung spielt das Thema Kostentransparenz<br />

eine wichtige Rolle. Immerhin 87<br />

Prozent der Befragten sind bei diesem Serviceund<br />

Leistungsmerkmal aus der Kategorie Preis-<br />

Leistungs-Verhältnis mit ihrem privaten Pflegeversicherer<br />

zufrieden.<br />

Kostentransparenz<br />

„Bei meinem Pflegeversicherer weiß ich genau, was ich für<br />

einzelne Leistungen zahlen muss.“ In Prozent der Befragten<br />

trifft eher nicht zu<br />

11<br />

trifft eher zu 48<br />

2 trifft überhaupt nicht zu<br />

39<br />

trifft voll und ganz zu<br />

Quelle: ServiceValue<br />

vor. Doch auch diese Verbesserung ist nach Einschätzung<br />

vieler Experten und Sozialträger wie der Diakonie nur ein<br />

Tropfen auf den heißen Stein.<br />

Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, ist angesichts einer<br />

höheren Lebenserwartung beachtlich. Rund fünf Millionen<br />

Menschen in Deutschland sind aktuell pflegebedürftig,<br />

800 000 leben im Heim, so das Statistische Bundesamt. Um<br />

die Lücke zwischen den Leistungen der staatlichen Pflegeversicherung<br />

und den tatsächlichen Kosten zu schließen,<br />

sind Pflegezusatzversicherungen erste Wahl.<br />

Faire Vorsorge. Doch auf welchen Anbieter ist im Ernstfall<br />

Verlass? Im Auftrag von FOCUS MONEY hat das Kölner Beratungs-<br />

und Analyseinstitut ServiceValue dazu zum zweiten<br />

Mal über 2000 Kunden befragt. Das Ziel der Studie: die fairsten<br />

und fairen Anbieter von Pflege-Vorsorgepolicen zu identifizieren.<br />

Davon gibt es aktuell 16 (s. Kasten links). Auch wenn<br />

es vor einem Jahr drei Pflegeversicherer mehr ins Ranking<br />

geschafft haben: „Das Feld ist zusammengerückt und das Gesamt-Fairness-Niveau<br />

hat sich im Durchschnitt leicht verbessert“,<br />

sagt ServiceValue-Geschäftsführer Dr. Claus Dethloff.<br />

Ein Grund dafür ist die faire Kundenberatung. „Hier hat<br />

die Branche auf hohem Niveau noch eine Schippe draufgelegt“,<br />

bestätigt Dethloff. Gut so, denn die private Pflegevorsorge<br />

gibt es in verschiedenen Varianten: als Pflegetagegeldversicherung,<br />

als Pflegekostenpolice oder als Pflegerente. Die<br />

richtige Wahl zu treffen, erfordert eingehende Beratung.<br />

Die bislang auffällig krassen Wertungsunterschiede zwischen<br />

den Anbietern beim Produktangebot und dem Preis-<br />

Leistungs-Verhältnis fallen in der aktuellen Studie deutlich<br />

geringer aus. Das ist durchaus positiv für Kunden. Dennoch<br />

sollte vor der Vertragsunterschrift immer der intensive Vergleich<br />

stehen. Es lohnt sich spätestens im Alter.<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

85


moneyservice<br />

So wurden die Rankings ermittelt<br />

Im Auftrag von FOCUS MONEY hat<br />

ServiceValue die Fairness der<br />

wichtigsten Anbieter privater Pflegeversicherungen<br />

untersucht. Das<br />

Kölner Analyseunternehmen hat<br />

dazu in einer Onlinestudie 2237<br />

Kunden von 29 Unternehmen zu<br />

elf Service- und Leistungsmerkmalen<br />

befragt. Die Bewertung dieser<br />

Items dient dazu, den Überbegriff<br />

„Fairness“ messbar zu machen.<br />

Die einzelnen Parameter beeinflussen<br />

zudem die Bindung des<br />

Kunden zu seinem Anbieter unterschiedlich<br />

stark. Wie intensiv die<br />

„Kundenbindungstreiber“ wirken,<br />

haben die Wissenschaftler anhand<br />

einer sogenannten Relevanzanalyse<br />

ermittelt.<br />

Jeder Teilnehmer des Onlinepanels<br />

durfte im November bis zu<br />

zwei private Pflegeversicherer bewerten,<br />

bei denen er in den vergangenen<br />

24 Monaten Kunde war.<br />

Die Verbraucher gaben 2573 Urteile<br />

ab. Daraus ermittelten die<br />

Marktforscher für jedes Serviceund<br />

Leistungsmerkmal einen<br />

Indexwert. Anschließend berechneten<br />

sie die Durchschnittswerte<br />

für das Leistungsprofil jeder Gesellschaft<br />

– im Beispiel unten der<br />

Allianz. Werte links vom Gesamtmarkt<br />

zeigen ein überdurchschnittlich<br />

positives Kundenurteil.<br />

Um die Stärken und Schwächen<br />

der Anbieter näher zu beleuchten,<br />

definierten die Fachleute drei<br />

Fairness-Kategorien und ordneten<br />

ihnen die Attribute zu. Für jeden<br />

Bereich ermittelten sie anschließend<br />

eine Teilnote. Das Urteil<br />

„Fairster Pflegeversicherer“ ergibt<br />

sich aus den Bewertungen der<br />

drei Kategorien, die zu gleichen<br />

Teilen in das Gesamtergebnis eingeflossen<br />

sind: Die Note „Gut“ erhalten<br />

alle, die einen überdurchschnittlichen<br />

Wert erzielt haben.<br />

Wer über dem Durchschnitt der<br />

„Guten“ liegt, bekommt sogar das<br />

Spitzenurteil „Sehr Gut“.<br />

trifft eher nicht 1<br />

zu 6<br />

trifft eher zu<br />

46<br />

HERZLICH: Ob zu Hause<br />

oder im Pflegeheim – eine<br />

Betreuung mit Wohlfühl-<br />

Ambiente ist ohne<br />

Pflegezusatzversicherung<br />

nur für wenige Menschen<br />

realisierbar<br />

Starkes Angebot<br />

Die besten Bewertungen erhalten<br />

die privaten Pflegeversicherer für<br />

ihre passgenauen Produkte.<br />

Passgenauigkeit der<br />

Produkte<br />

„Mein Pflegeversicherer bietet für<br />

mich passgenaue Produkte an.“<br />

In Prozent der Befragten<br />

trifft überhaupt<br />

nicht zu<br />

47<br />

trifft voll und<br />

ganz zu<br />

Quelle: ServiceValue<br />

Elf Merkmale – ein Fairness-Profil<br />

Bewertung von 1 (trifft voll und ganz zu) bis 4 (trifft überhaupt nicht zu)<br />

1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 1,9 2,0 2,1 2,2 2,3<br />

Faires<br />

Produktangebot<br />

Passgenauigkeit der Produkte<br />

Verständliche Versicherungsbedingungen<br />

Max gesamt Allianz<br />

Min<br />

Angemessene Gesundheitsprüfung<br />

Flexibilität des Produkts vor Eintritt des Pflegefalles<br />

Flexibilität des Produkts nach Eintritt des Pflegefalles<br />

Faire<br />

Kundenberatung<br />

Kompetenz der Mitarbeiter<br />

Beratungsqualität<br />

Berücksichtigung der Lebenssituation<br />

Faires Preis-<br />

Leistungs-<br />

Verhältnis<br />

Preis-Leistungs-Verhältnis<br />

Kostentransparenz<br />

Beitragsbefreiung bei Eintritt des Pflegefalles<br />

1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 1,9 2,0 2,1 2,2 2,3<br />

Mittelwerte, gerundet; Quelle: ServiceValue<br />

86<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


FAIRSTES<br />

PRODUKT-<br />

ANGEBOT<br />

FAIRSTE<br />

KUNDEN-<br />

BERATUNG<br />

FAIRSTES<br />

PREIS-LEISTUNGS-<br />

VERHÄLTNIS<br />

Faires<br />

Produktangebot<br />

Ist das Produkt flexibel und passgenau,<br />

die Gesundheitsprüfung angemessen,<br />

das Kleingedruckte verständlich?<br />

Elf Versicherer schnei den<br />

bei diesen Fairness-Items besonders<br />

stark ab. Nach Eintritt des Pflegefalls<br />

könnten die Verträge aus<br />

Sicht der Kunden noch flexibler<br />

sein. Den besten Eindruck hinterlassen<br />

hier ARAG und Concordia.<br />

Rangliste<br />

Urteil<br />

Unternehmen<br />

Faire<br />

Kunden beratung<br />

Großes Lob an die Mitarbeiter der<br />

Pflegeversicherer: Sie werden als<br />

sehr kompetent wahrgenommen –<br />

das Item weist die drittbeste Bewertung<br />

in der Studie auf. Die Allianz<br />

sticht hier besonders hervor.<br />

Bei der Beratungsqualität hat der<br />

LVM die Nase vorn, bei der Berücksichtigung<br />

der Lebenssituation ihrer<br />

Kunden punktet die Generali.<br />

Rangliste<br />

Urteil<br />

Unternehmen<br />

Faires Preis-<br />

Leistungs-Verhältnis<br />

In dieser Kategorie attestierten die<br />

Versicherten der Branche die beste<br />

Performance. Mit über 75 von<br />

100 möglichen Indexpunkten fuhren<br />

die Pflegeversicherer ein starkes<br />

Ergebnis ein. Besonders gut<br />

wird das Item Preis-Leistungs-Verhältnis<br />

von den Befragten bewertet.<br />

Die besten Urteile heimsen<br />

Universa, Ideal und Concordia ein.<br />

Rangliste<br />

Urteil<br />

Unternehmen<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Allianz<br />

ARAG<br />

Debeka<br />

DKV / ERGO<br />

HanseMerkur<br />

HUK-COBURG<br />

IDEAL Versicherung<br />

INTER<br />

LVM<br />

SDK<br />

VGH<br />

Concordia<br />

DEVK<br />

Generali<br />

HALLESCHE<br />

vigo Krankenversicherung<br />

alphabetische Sortierung; Quelle: ServiceValue<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Allianz<br />

Debeka<br />

DKV / ERGO<br />

Generali<br />

HanseMerkur<br />

HUK-COBURG<br />

LVM<br />

SDK<br />

Signal Iduna<br />

ARAG<br />

Concordia<br />

Gothaer<br />

HALLESCHE<br />

IDEAL Versicherung<br />

INTER<br />

VGH<br />

alphabetische Sortierung; Quelle: ServiceValue<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Sehr Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Gut<br />

Allianz<br />

ARAG<br />

Debeka<br />

DEVK<br />

DKV / ERGO<br />

HALLESCHE<br />

HUK-COBURG<br />

IDEAL Versicherung<br />

INTER<br />

Concordia<br />

Generali<br />

HanseMerkur<br />

LVM<br />

SDK<br />

Signal Iduna<br />

uniVersa<br />

vigo Krankenversicherung<br />

alphabetische Sortierung; Quelle: ServiceValue<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

Foto: AdobeStock 87


moneyleserbriefe<br />

WENIGER STAAT, WENIGER SCHULDEN<br />

(50/23) Editorial<br />

Richtig, Schulden zwingen zum Vermögensabbau.<br />

Aber nicht nur bei Beteiligungen,<br />

sondern auch beim Grundbesitz. Dort<br />

ist es zur Bekämpfung unseres inflationären<br />

Preisniveaus eine längst überfällige<br />

Maßnahme. Verbunden mit einem erheblichen<br />

Abbau an Verwaltungsbeamten.<br />

<br />

Gerd Femppel, Stuttgart<br />

DIVIDENDENZAHLUNG<br />

(50/23) moneykompakt<br />

In der der FOCUS MONEY<br />

Ausgabe 50/23 stellen Sie<br />

unter der Rubrik „Das kaufe<br />

ich jetzt“ Badger Meter vor.<br />

Dieses Unternehmen zahlt,<br />

wie viele amerikanische Firmen,<br />

ihre Dividende quartalsweise.<br />

Da ergibt sich bei<br />

mir eine allgemeine Frage<br />

zu Firmen, die ihre Dividende<br />

quartalsweise oder gar<br />

monatlich ausschütten: Kann<br />

man die Aktie kaufen und<br />

kassiert die nächste Dividende<br />

oder muss man die<br />

Aktie bis zur Hauptversammlung<br />

halten, um die Dividende<br />

zu bekommen?<br />

Per E-Mail, Daniel Holschuh<br />

Antwort der Redaktion:<br />

Folgender Link erläutert alle<br />

Fragen rund um Stichtage<br />

bei US-Dividendenzahlungen:<br />

https://stock3.com/<br />

news/dividenden-bei-us-aktien-das-muessen-sie-beachten-4680768<br />

In unserer FOCUS MONEY<br />

Ausgabe 17/23 finden Sie<br />

einen Artikel, in dem es<br />

darum geht, wie man sich<br />

88<br />

Liebe Leserin, lieber Leser<br />

Schreiben Sie Ihre Meinung zu den<br />

Themen in diesem Heft – bitte<br />

unbedingt mit Angabe Ihrer Adresse:<br />

Redaktion FOCUS MONEY<br />

Arabellastraße 23, 81925 München<br />

oder E-Mail: leserservice@focus-money.de<br />

oder Leserbrief-Fax: 089/92 50-3610<br />

Leserservice -Tel.: 089/9250-2565<br />

(Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.)<br />

aus nur drei US-Aktien ein<br />

Depot bastelt, das jeden<br />

Monat eine Ausschüttung<br />

bietet. Natürlich sind<br />

aufgrund der zeitlichen<br />

Distanz die dort angegebenen<br />

Werte für Kurse und<br />

Dividendenrenditen nicht<br />

mehr aktuell.<br />

SIGNA<br />

(50/23) moneykompakt<br />

Benkos Reich war eine Spekulationsblase.<br />

Bewertungsgewinne<br />

aufgrund der Niedrigzinsen<br />

wurden wie aus<br />

dem Nichts zu Geld gemacht,<br />

ein schlichter Bilanztrick,<br />

der nun ins Gegenteil<br />

umschlägt. Unverständlich,<br />

wie darauf Finanzprofis und<br />

Geldhäuser hereinfallen<br />

konnten. Alle haben offenbar<br />

nichts gelernt aus der<br />

Finanzkrise 2008, bei Raffgier<br />

setzt der Verstand aus.<br />

Das Mitgefühl mit den Investoren,<br />

die jetzt vermutlich<br />

massig Geld verlieren, hält<br />

sich jedenfalls in Grenzen.<br />

Die verbleibenden Investitionsruinen<br />

dürften dennoch<br />

ein Mahnmal sein.<br />

C. Schönberger, Aachen<br />

ISSN: 1615-4576<br />

FOCUS Magazin Verlag GmbH, FOCUS MONEY, Arabellastr. 23, 81925 München,<br />

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FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


moneyanalyse<br />

Die besten Mischfonds<br />

Top-<br />

Fonds<br />

auf einen<br />

Blick<br />

Ein hervorragender Lauf der internationalen Aktienmärkte und zuletzt steigende Anleihenkurse lassen die Ergebnisse der besten<br />

Mischfonds deutlich nach oben gehen. Bis zu 68 Prozent waren in den vergangenen drei Jahren drin.<br />

Mischfonds<br />

aggressiv<br />

Europa Euro<br />

Mischfonds<br />

aggressiv<br />

global Euro<br />

Mischfonds<br />

flexibel<br />

Europa Euro<br />

Mischfonds<br />

flexibel<br />

global Euro<br />

Mischfonds<br />

moderat<br />

Europa Euro<br />

Mischfonds<br />

moderat<br />

global Euro<br />

Mischfonds<br />

konservativ<br />

Europa Euro<br />

Mischfonds<br />

konservativ<br />

global Euro<br />

Rang Name WKN Kurs<br />

in Euro<br />

Währung<br />

jährliche<br />

Gebühr<br />

in %<br />

Fondsvol.<br />

in Mio.<br />

Euro<br />

Wertentwicklung in %*<br />

lfd. Jahr 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre<br />

*Wertentwicklung (Total-Return) kumuliert auf Euro-Basis; **Morningstar-Rating: Bewertung von Morningstar auf Basis der risiko- und kostenadjustierten Rendite, Top-Fonds erhalten ★ ★ ★ ★ ★ , die schwächsten zehn Prozent nur ★<br />

Morningstar-<br />

Rating**<br />

1. VV-Strategie BW-Bank Dyn. T3 A0M9AT 1696,8 Euro – 363,8 16,3 12,7 26,1 49,8 59,5 ★★★★★<br />

2. Monega BestInvest Europa A 756078 55,7 Euro 1,48 30,1 18,9 17,1 23,2 34,2 23,2 ★★★<br />

3. Hansen & Heinrich Univ. F. S A2JF62 92,9 Euro 1,33 23,3 14,3 10,4 20,1 30,1 – ★★★<br />

4. RW Portfolio Strategie UI A0M7WP 181,5 Euro 1,12 270,7 9,7 7,6 18,7 43,5 61,0 ★★★★<br />

5. UBS Konzeptfonds Europe Plus 532032 72,5 Euro 1,72 79,3 11,6 9,5 17,7 32,1 43,6 ★★★<br />

1. FIDUKA Universal Fonds I 848373 220,9 Euro 1,73 26,6 16,0 12,0 40,4 64,1 97,4 ★★★★★<br />

2. Vermögensverwaltung Gl. Dyn. A0RKY7 207,5 Euro 0,94 33,3 17,3 14,5 27,9 62,8 72,3 ★★★<br />

3. F&P Flex P A0M6MY 84,5 Euro – 31,1 26,8 21,5 27,0 60,8 88,6 ★★★★<br />

4. PremiumMandat Dynamik CT A3DNSH 107,8 Euro 2,05 251,9 12,4 10,1 26,8 26,2 61,6 ★★★<br />

5. Ampega ISP Sprint A0NBPN 175,4 Euro 1,18 109,5 10,5 7,9 26,6 35,1 73,5 ★★★★<br />

1. Degussa Bank Portf. Privat Aktiv A0MS7D 130,4 Euro 2,78 24,8 24,8 24,6 46,5 82,2 81,1 ★★★<br />

2. Capital Growth Fund SD DWS0UY 353,6 Euro 0,50 403,8 10,5 8,0 34,7 61,8 127,2 ★★★★★<br />

3. Ampega Balanced 3 I (a) A0MUQ3 236,7 Euro 0,62 59,2 8,8 7,0 30,2 15,1 61,6 ★★★★<br />

4. SpänglerPrivat: Flex. (ESG) R T A118ZL 116,0 Euro – 38,8 15,8 13,3 20,3 27,2 – ★★★★<br />

5. ProfitlichSchmidlin Fonds UI SI A2H7PB 1404,4 Euro 1,13 397,8 21,7 19,4 20,3 45,7 – ★★★★★<br />

1. Incrementum All Seas. Fund R A2PLD2 164,7 Euro – 164,5 2,1 2,4 68,1 – – ★★★★★<br />

2. Ganador - Ataraxia A0MU6V 2<strong>52</strong>,4 Euro – 21,5 29,6 24,6 43,1 98,3 168,1 ★★★★★<br />

3. LBBW Welt im Wandel 532648 37,0 Euro 1,54 30,6 9,1 5,5 38,6 55,3 62,1<br />

4. Huber Portfolio A A1JFVU 195,9 Euro 0,29 246,6 7,4 6,4 33,1 46,9 96,4 ★★★★★<br />

5. S&H Substanzwerte P(a) A12BRG 113,6 Euro 1,56 25,4 11,0 8,5 24,6 21,5 – ★★★★<br />

1. Optomoni-UI A0RKXG 211,4 Euro 1,31 132,5 13,5 10,5 22,2 51,3 102,9 ★★★★★<br />

2. VV-Strategie BW-Bank Pot. T3 A0NHGU 1614,4 Euro – 341,8 12,4 9,3 14,6 31,4 38,2 ★★★★<br />

3. HannoverscheMediumInvest 531732 63,1 Euro 0,91 44,7 13,2 10,2 12,7 31,0 38,3 ★★★★<br />

4. MEAG EuroBalance A 975745 61,1 Euro 1,11 271,5 14,3 10,4 11,2 25,3 45,7 ★★★★<br />

5. HanseMerkur Str. ausgewogen A1JGB2 159,4 Euro 1,59 47,6 8,3 5,7 9,1 24,7 44,5 ★★★★★<br />

1. BRW Balanced Return Plus Dir. A2H7PA 137,3 Euro 1,00 545,3 18,2 15,9 24,4 56,8 – ★★★★★<br />

2. RIM Global Opportunities 580451 212,5 Euro 1,00 23,2 10,4 8,4 24,2 43,9 70,8 ★★★★★<br />

3. DC Value Global Balanced PT A0YAX7 226,5 Euro – 402,3 13,5 11,0 20,2 59,7 105,7 ★★★★★<br />

4. Do - Aktien Global A0M57S 1837,5 Euro 1,13 96,0 11,5 7,9 16,8 27,7 57,4 ★★★★<br />

5. G&P Invest Securitas Aktienstr. R A2JK42 115,3 Euro – 59,3 5,0 3,6 13,2 26,3 – ★★★★★<br />

1. Degussa Bank Universal-Rentenf. 849067 48,7 Euro 1,66 <strong>52</strong>1,0 14,6 12,3 18,8 36,5 57,0 ★★★★★<br />

2. Quint:Essence Strat. Defensive A A1J4R6 130,2 Euro – 20,4 4,0 2,4 10,6 12,0 10,8 ★★★★<br />

3. DNCA Invest Eurose A A0MMD3 172,5 Euro 1,43 2240,3 7,6 7,5 9,9 14,4 23,5 ★★★★★<br />

4. HAIG Balance First Euro Invest 983445 197,1 Euro 0,60 27,2 7,8 7,1 8,7 15,6 25,3 ★★★★★<br />

5. KSAM Einkommen Aktiv B A0Q92X 147,5 Euro – 20,9 6,3 5,2 6,4 17,9 22,9 ★★★★★<br />

1. PSV KONSERVATIV ESG A2DR1V 59,4 Euro 1,54 53,1 13,3 9,4 17,7 32,9 – ★★★★★<br />

2. First Private Wealth B A0KFTH 75,5 Euro 1,72 76,8 4,2 2,6 16,8 9,5 15,6 ★★★<br />

3. BRW Stable Return Direct A2H7PF 111,4 Euro 1,03 35,0 10,7 10,1 10,8 25,0 – ★★★★★<br />

4. ERSTE Global Income A A14ZPF 96,7 Euro – 204,2 4,3 3,0 6,4 12,5 – ★★★★<br />

5. Ethna-AKTIV A 764930 141,3 Euro 1,87 1999,7 7,3 6,2 6,4 16,8 17,6 ★★★★★<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

89


moneyanalyse<br />

Deutsche<br />

Aktien<br />

DAX<br />

Auf Rekordjagd<br />

Der deutsche Leitindex Dax mit seinen 40 Mitgliedern ist auf Rekordjagd. In der<br />

vergangenen Woche wurde das Allzeithoch von über 17 000 Punkten geknackt.<br />

Zu den Top-Performern in diesem Jahr zählen der Softwaregigant SAP, der Rüstungskonzern<br />

Rheinmetall und der Sportartikelhersteller Adidas. Sie legten jeweils<br />

um mehr als 50 Prozent zu. Im breiten Mittelfeld finden sich Dividendenperlen<br />

wie der Autobauer BMW, die Münchener Rückv sowie die DHL Group, deren<br />

Kurse zwischen 20 und 35 Prozent stiegen. Die rote Laterne mit einem Minus<br />

von jeweils über 30 Prozent halten Bayer, Zalando sowie Siemens Energy.<br />

Top-/Flop-Aktien im Dax<br />

Veränderung seit 1.1.<strong>2023</strong> in Prozent<br />

Rheinmetall<br />

Adidas<br />

SAP<br />

–34,2<br />

+54,2<br />

+54,2<br />

+51,0<br />

Dax 20,7<br />

–34,4<br />

–37,8<br />

Zalando<br />

Bayer<br />

Siemens Energy<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Name WKN Kurs +/- zur +/- seit Hoch / Tief 200 Tage KBV KCV Gewinn 23 Gewinn 24 KGV 24 Dividenden- Dividenden- HV- Kursziel Analystenin<br />

€ Vorwo- 30.12.22 <strong>52</strong> Wochen Linie je Aktie je Aktie Rendite 23 Rendite 24 Termin empfehlungen<br />

che in % in % in € in % in %<br />

Q W E R T Z U U I O P<br />

DAX<br />

Adidas NA A1EWWW 196,<strong>52</strong> 1,6 54,2 198,8 / 116,66 169,58 7,3 — –0,08 4,45 44,2 0,2 0,9 16.05. 189,58 15 16 5<br />

Airbus 938914 142,78 0,7 28,2 143,98 / 108,88 128,54 7,5 17,6 5,51 6,83 20,9 1,4 1,7 1<strong>52</strong>,75 21 4 2<br />

Allianz vNA 840400 244,30 0,2 21,6 246,25 / 192,48 218,93 1,8 166,2 22,59 25,43 9,6 5,0 5,3 08.05. 259,37 19 5 1<br />

BASF NA BASF11 48,71 7,8 5,0 54,04 / 40,25 45,48 1,1 5,7 3,26 3,92 12,4 7,0 6,5 25.04. 48,90 9 15 3<br />

Bayer NA BAY001 31,73 –0,5 –34,4 65,66 / 30,22 49,30 0,8 5,1 6,03 5,80 5,5 7,0 6,8 26.04. 48,96 11 15 0<br />

Beiersdorf <strong>52</strong>0000 136,45 3,0 27,3 137,1 / 105,3 121,76 3,8 37,6 3,94 4,47 30,5 0,6 0,6 18.04. 132,18 14 10 4<br />

BMW St 519000 103,38 2,4 24,0 113,46 / 82,16 100,57 0,8 2,9 18,29 16,17 6,4 5,4 5,2 15.05. 107,46 11 13 5<br />

Brenntag NA A1DAHH 81,58 3,0 36,6 81,66 / 54,94 72,40 2,9 13,2 5,28 5,64 14,5 2,5 2,6 23.05. 83,04 14 5 4<br />

Commerzbank CBK100 10,59 –3,9 19,9 12,01 / 7,69 10,25 0,5 0,5 1,78 2,01 5,3 3,8 5,8 30.04. 14,60 16 7 2<br />

Continental 543900 74,82 1,7 33,7 79,24 / 54,74 67,48 1,1 6,5 7,34 9,02 8,3 2,7 3,6 26.04. 83,67 8 14 2<br />

Covestro 606214 51,24 0,2 40,2 54,08 / 35,11 45,06 1,4 10,7 –0,51 1,65 31,0 0,0 1,4 17.04. <strong>52</strong>,84 11 10 1<br />

Daimler Truck DTR0CK 33,36 3,4 15,3 34,31 / 27,57 31,21 1,3 — 4,39 4,10 8,1 5,3 5,3 41,96 17 3 0<br />

Deutsche Bank NA 514000 11,91 0,7 12,4 12,36 / 7,95 10,04 0,4 — 2,05 2,24 5,3 3,8 5,8 16.05. 13,66 11 11 2<br />

Deutsche Börse NA 581005 179,35 –0,6 11,1 186,35 / 1<strong>52</strong>,6 168,33 3,9 13,3 9,55 10,08 17,8 2,2 2,2 14.05. 194,58 12 14 1<br />

Deutsche Telekom NA 555750 22,50 –0,5 20,7 23,13 / 18,50 20,70 1,9 3,1 1,65 1,87 12,0 3,4 3,8 10.04. 26,40 23 2 1<br />

DHL Group 55<strong>52</strong>00 46,91 2,2 33,3 47,05 / 34,09 42,00 2,6 5,4 3,15 3,35 14,0 3,8 3,9 03.05. 48,45 15 6 1<br />

E.ON NA ENAG99 12,79 2,4 37,0 12,80 / 8,89 11,42 2,2 3,3 1,16 1,02 12,5 4,2 4,3 16.05. 13,01 16 6 2<br />

Fresenius 578560 29,05 1,8 10,7 31,22 / 23,29 26,82 0,8 3,9 2,73 3,09 9,4 3,3 3,4 17.05. 37,76 16 6 0<br />

Hannover Rück NA 840221 223,20 2,1 20,3 229,9 / 158,55 197,10 2,9 5,2 14,89 17,60 12,7 3,0 3,3 06.05. 219,78 11 6 5<br />

Heidelberg Materials 604700 81,18 3,8 <strong>52</strong>,4 81,26 / 50,88 71,11 0,9 6,3 10,29 10,70 7,6 3,7 3,8 16.05. 84,40 15 11 1<br />

Henkel Vz. 604843 74,46 2,4 14,5 78,84 / 63,08 71,25 1,6 30,3 4,31 4,65 16,0 2,5 2,6 22.04. 73,48 7 14 5<br />

Infineon NA 623100 38,29 3,0 34,7 40,27 / 27,07 34,18 — — 2,38 2,38 16,1 0,9 1,0 23.02. 44,84 26 4 0<br />

Mercedes-Benz 710000 63,63 1,2 3,6 76,10 / 55,08 67,55 0,8 4,0 12,92 11,68 5,4 8,1 7,7 08.05. 78,67 18 8 2<br />

Merck 659990 137,90 –2,9 –23,8 202,8 / 134,3 158,98 2,2 14,1 8,49 8,88 15,5 1,6 1,6 26.04. 182,47 16 5 0<br />

MTU Aero Engines A0D9PT 186,45 –1,9 –7,8 245,1 / 158,2 207,83 3,1 13,7 11,04 12,11 15,4 2,2 2,5 08.05. 218,38 18 10 0<br />

Münch. Rück vNA 843002 392,70 0,4 29,2 400,4 / 292,4 350,45 2,0 — 33,54 37,51 10,5 3,2 3,4 25.04. 407,42 14 9 1<br />

Porsche AG Vz. PAG911 82,90 –0,8 –12,5 120,8 / 81,26 104,03 2,0 — 5,80 6,00 13,8 3,1 3,4 106,25 11 14 1<br />

Porsche Vz. PAH003 48,03 1,9 –6,3 60,18 / 41,65 50,35 0,3 18,6 17,44 17,44 2,8 5,4 5,7 62,88 12 5 0<br />

Qiagen A2DKCH 39,78 3,1 –15,4 48,36 / 32,74 40,13 2,7 13,4 1,90 1,97 20,2 0,0 0,0 45,82 16 10 0<br />

Rheinmetall 703000 286,80 0,7 54,2 295,1 / 173,6 259,76 4,4 71,5 13,89 19,31 14,9 1,8 2,5 14.05. 343,44 16 1 0<br />

RWE St. 703712 42,17 4,3 1,4 43,55 / 31,55 38,58 1,0 12,1 5,31 3,25 13,0 2,4 2,6 03.05. <strong>52</strong>,27 25 0 0<br />

SAP 716460 145,56 –1,8 51,0 149,12 / 96,12 125,10 4,1 30,1 5,25 6,14 23,7 1,5 1,6 15.05. 140,54 21 9 1<br />

Sartorius Vz. 716563 331,40 8,4 –10,3 471,7 / 215,3 330,54 12,2 32,5 5,16 5,88 56,3 0,3 0,3 297,27 9 6 2<br />

Siemens Energy ENER6Y 10,94 –3,8 –37,8 24,81 / 6,40 16,07 — — –5,47 0,20 54,7 — 0,3 22.02. 14,58 13 9 2<br />

Siemens Healthineers SHL100 53,50 1,4 14,5 58,08 / 44,39 50,37 — — 1,34 2,18 24,5 1,8 1,9 18.04. 57,41 21 5 0<br />

Siemens NA 723610 166,56 2,5 28,5 167,56 / 119,48 145,11 — — 9,91 10,35 16,1 2,8 3,0 08.02. 181,71 23 2 1<br />

Symrise Inh. SYM999 107,75 2,3 6,0 110,35 / 87,38 97,30 4,3 47,1 3,12 3,59 30,1 1,0 1,1 15.05. 107,59 11 10 2<br />

Volkswagen Vz. 766403 117,00 1,9 0,5 143,2 / 97,83 116,81 0,4 2,1 30,62 30,11 3,9 7,6 7,6 29.05. 150,<strong>52</strong> 17 8 1<br />

90 FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


So lesen Sie die Aktientabelle<br />

1 Die 200-Tage-Linie zeigt den Durchschnittswert der<br />

200 letzten Handelstage. Schneidet der Aktienkurs<br />

die Linie von unten nach oben und gibt damit ein<br />

technisches Kaufsignal, erscheint der Stand der<br />

200-Tage-Linie in einem grünen Viereck. Schneidet<br />

der Aktienkurs die Linie von oben nach unten<br />

und erzeugt damit ein technisches Verkaufssignal,<br />

steht der Stand der 200-Tage-Linie in einem roten<br />

Rechteck.<br />

2 KBV: Kurs-Buchwert-Verhältnis auf Basis des letzten<br />

berichteten Buchwerts.<br />

3 KCV: Kurs-Cashflow-Verhältnis auf Basis des letzten<br />

berichteten Netto-Cashflow.<br />

4 Gewinn je Aktie 23: von den beim Finanzdienst<br />

Bloomberg erfassten Analysten im Durchschnitt<br />

(Konsens) erwarteter Gewinn je Aktie im laufenden<br />

Geschäftsjahr. In der Regel handelt es sich dabei um<br />

das Kalenderjahr. Gebrochene Geschäftsjahre, die<br />

zum Beispiel bis zum 30. September laufen (Beispiele<br />

aus dem Dax: Siemens, Infineon), werden dem<br />

Kalenderjahr zugeordnet, das den größeren Anteil<br />

am gebrochenen Geschäftsjahr hat.<br />

5 Gewinn je Aktie 24: Von den beim Finanzdienst<br />

Bloomberg erfassten Analysten im Durchschnitt<br />

(Konsens) erwarteter Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr,<br />

das auf das Geschäftsjahr nach Ziffer 4 folgt.<br />

6 Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen<br />

für das Kalenderjahr/Geschäftsjahr 2024.<br />

7 Dividendenrendite 23 in %: Dividendenrendite auf<br />

Basis der für das Kalenderjahr/Geschäftsjahr <strong>2023</strong><br />

prognostizierten Dividende, auszuzahlen in der<br />

Regel 2024.<br />

Dividendenrendite 24 in %: Dividendenrendite auf<br />

Basis der für das Kalenderjahr/Geschäftsjahr 2024<br />

prognostizierten Dividende, auszuzahlen in der<br />

Regel 2025.<br />

8 HV-Termin: Termin der nächsten Hauptversammlung,<br />

soweit bereits angekündigt.<br />

9 Kursziel: durchschnittliches Kursziel der Analysten,<br />

die laut Finanzdienst Bloomberg die Aktie beurteilen.<br />

10 Analystenempfehlung: 18/10/6 (diese Ziffern dienen<br />

hier nur als Beispiele): Zahl der Analysten, die laut<br />

Erfassung des Finanzdienstes Bloomberg zum<br />

Kaufen/Halten/Verkaufen der Aktie raten.<br />

Quelle:<br />

Name WKN Kurs +/- zur +/- seit Hoch / Tief 200 Tage KBV KCV Gewinn 23 Gewinn 24 KGV 24 Dividenden- Dividenden- HV- Kursziel Analystenin<br />

€ Vorwo- 30.12.22 <strong>52</strong> Wochen Linie je Aktie je Aktie Rendite 23 Rendite 24 Termin empfehlungen<br />

che in % in % in € in % in %<br />

Q W E R T Z U U I O P<br />

Vonovia NA A1ML7J 28,53 7,6 29,6 29,09 / 15,27 20,67 0,9 14,3 2,21 2,03 14,0 3,6 3,8 29,09 17 3 4<br />

Zalando ZAL111 21,77 –2,3 –34,2 45,81 / 19,89 27,76 2,5 12,2 0,56 0,88 24,8 0,0 0,0 17.05. 34,35 21 8 3<br />

MDAX<br />

Aixtron NA A0WMPJ 39,16 8,8 45,2 39,89 / 24,40 31,05 6,6 115,2 1,24 1,45 27,1 1,0 1,1 15.05. 38,97 11 5 0<br />

Aroundtown A2DW8Z 2,39 7,1 9,4 2,99 / 0,88 1,58 0,3 4,5 0,30 0,29 8,3 2,5 3,2 2,17 7 9 3<br />

Aurubis 676650 77,66 1,9 1,7 103,15 / 62,50 77,83 0,8 11,7 6,66 7,77 10,0 1,8 1,7 15.02. 88,73 7 4 1<br />

Bechtle 515870 44,41 2,9 34,3 47,95 / 32,45 41,54 3,5 49,9 2,14 2,31 19,2 1,5 1,7 11.06. 51,24 11 4 1<br />

Carl Zeiss Meditec 531370 98,00 12,7 –16,9 142,75 / 72,60 100,47 — — 3,25 2,82 34,8 1,1 1,1 93,71 7 7 4<br />

CTS Eventim 547030 64,45 2,4 8,1 71,70 / <strong>52</strong>,30 59,26 8,5 34,7 2,<strong>52</strong> 2,56 25,2 2,0 2,0 71,82 9 3 1<br />

Delivery Hero A2E4K4 30,46 –3,3 –32,0 57,82 / 21,73 33,54 2,7 — –2,88 –1,13 — 0,0 0,0 19.06. 50,87 17 4 0<br />

Encavis 609500 14,20 –3,2 –23,2 19,30 / 11,36 14,50 2,5 8,4 0,55 0,57 24,8 0,0 0,0 05.06. 18,87 9 3 2<br />

Evonik Industries EVNK01 17,86 2,1 –0,4 21,70 / 15,79 18,16 0,9 5,2 0,97 1,24 14,4 6,6 6,6 04.06. 20,64 14 7 0<br />

Evotec 566480 19,85 8,3 30,0 24,44 / 14,80 19,58 3,0 17,3 –0,25 0,23 87,0 0,0 0,0 26,91 10 2 0<br />

Fraport 577330 56,60 0,8 48,8 57,22 / 38,00 48,74 1,3 6,2 3,90 4,79 11,8 0,0 0,4 28.05. 60,67 17 7 3<br />

freenet NA A0Z2ZZ 25,70 ±0,0 25,9 26,46 / 19,36 23,56 2,3 7,7 1,70 2,36 10,9 6,9 7,3 08.05. 29,28 14 4 0<br />

Fresenius M. C. St. 578580 39,07 2,4 27,8 49,62 / 28,82 40,65 0,8 5,3 2,38 2,86 13,7 2,6 2,9 16.05. 41,73 8 13 4<br />

Fuchs Vz. A3E5D6 40,00 1,2 22,2 40,26 / 32,66 36,84 3,1 43,5 2,10 2,31 17,3 2,8 3,0 08.05. 43,94 10 0 0<br />

GEA Group 660200 34,99 1,6 –8,4 44,<strong>52</strong> / 31,69 37,61 2,7 13,3 2,43 2,57 13,6 2,9 3,1 30.04. 41,11 11 9 2<br />

Gerresheimer A0LD6E 90,60 5,2 44,3 122,9 / 62,30 100,00 2,0 12,8 4,70 5,36 16,9 1,4 1,4 130,74 13 1 0<br />

Hella A13SX2 82,60 0,6 8,6 83,55 / 64,10 73,09 3,2 33,3 3,33 — — 1,4 — 71,00 0 5 0<br />

HelloFresh A16140 15,14 –5,5 –26,3 34,36 / 13,83 22,73 2,5 8,3 0,56 1,14 13,3 0,0 0,0 22,80 11 6 5<br />

Hensoldt HAG000 24,16 –1,1 9,3 37,54 / 21,80 30,07 4,7 14,8 1,46 1,77 13,6 2,0 2,6 30,26 2 4 1<br />

Hochtief 607000 100,30 0,1 90,4 105,2 / 51,16 87,05 6,9 6,9 7,07 7,59 13,2 4,3 4,7 93,59 1 6 1<br />

Hugo Boss NA A1PHFF 69,26 3,5 27,9 75,76 / 51,12 65,61 4,1 14,2 3,72 4,68 14,8 1,9 2,5 14.05. 78,81 17 7 0<br />

Jenoptik A2NB60 27,74 3,7 8,5 33,36 / 19,96 27,55 1,9 12,0 1,61 1,81 15,3 1,4 1,5 34,38 12 2 0<br />

Jungheinrich Vz. 621993 31,74 4,3 19,4 37,22 / 24,62 30,62 1,5 — 3,09 2,95 10,8 2,4 2,4 15.05. 35,57 12 5 1<br />

K+S NA KSAG88 13,69 0,2 –25,5 23,18 / 13,28 16,86 0,4 1,9 0,93 0,96 14,3 5,8 3,0 14.05. 17,98 8 9 3<br />

Kion Group KGX888 37,45 10,3 39,9 40,86 / 26,05 34,58 0,9 — 3,08 3,54 10,6 2,0 2,7 29.05. 44,40 15 8 1<br />

Knorr-Bremse KBX100 56,38 –1,6 10,5 70,46 / 50,40 61,04 3,6 16,5 3,36 3,75 15,0 2,9 3,2 66,32 9 8 2<br />

Krones 633500 106,70 1,5 1,6 120,3 / 89,25 103,86 2,1 6,9 7,40 8,76 12,2 2,0 2,4 04.06. 128,85 12 1 1<br />

Lanxess 547040 27,95 6,5 –25,9 47,83 / 20,14 29,46 0,4 23,7 –0,53 1,55 18,0 0,8 2,1 24.05. 30,85 12 11 2<br />

LEG Immobilien LEG111 77,18 6,9 26,8 79,72 / 46,17 59,76 0,7 14,6 6,02 5,28 14,6 2,8 3,2 73,61 14 4 3<br />

Lufthansa vNA 823212 8,18 –2,2 5,3 11,16 / 6,51 8,68 1,2 2,0 1,53 1,51 5,4 3,1 3,9 07.05. 9,80 14 8 3<br />

Nemetschek 64<strong>52</strong>90 80,18 1,9 68,1 82,22 / 46,13 66,29 14,0 43,8 1,44 1,68 47,6 0,6 0,7 70,48 7 12 3<br />

Nordex A0D655 10,09 0,9 –23,6 15,63 / 9,33 11,35 2,4 — –1,09 0,08 127,7 0,0 0,0 28.05. 15,14 11 5 0<br />

Puma 696960 54,12 –3,4 –4,6 67,34 / 43,81 55,14 3,2 20,4 2,27 3,12 17,3 1,5 1,9 22.05. 67,19 17 9 0<br />

Rational 701080 678,00 7,4 22,2 713,5 / 518,0 625,54 12,2 48,1 18,02 19,04 35,6 1,9 2,0 642,00 4 9 4<br />

Redcare Pharmacy A2AR94 135,60 1,8 207,4 136,5 / 41,62 100,91 5,3 — –1,01 0,06 2118,8 0,0 0,0 125,46 7 5 2<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

91


moneyanalyse<br />

MDAX<br />

Die zweite Reihe holt auf<br />

Der MDax hat sich im <strong>2023</strong> vom positiven Umfeld des deutschen Leitindex mitreißen<br />

lassen. Seit Anfang des Jahres gewann er fast sieben Prozent, mit einem<br />

Höchststand von 29 815,39 Punkten und einem Tiefstand von 23 626,97 Punkten.<br />

Viele Midcaps haben ihre Talfahrt beendet und deutlich nach oben gedreht. Zu den<br />

Spitzenreitern gehört Redcare Pharmacy, die Aktie hat sich seit Beginn des Jahres<br />

verdreifacht. Auch TAG Immobilien und der Baukonzern Hochtief haben sich knapp<br />

verdoppelt. Zu den größten Verlierern gehörte dagegen Anlagebauer Dürr, auch<br />

Delivery Hero und Lanxess büßten zweistellig an Wert ein.<br />

Top-/Flop-Aktien im MDax<br />

Veränderung seit 1.1.<strong>2023</strong> in Prozent<br />

Redcare Pharmacy +207,4<br />

TAG Immobilien +118,1<br />

–25,9<br />

–32,0<br />

–34,5<br />

Hochtief +90,4<br />

MDax 6,7<br />

Lanxess<br />

Delivery Hero<br />

Duerr<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Name WKN Kurs +/- zur +/- seit Hoch / Tief 200 Tage KBV KCV Gewinn 23 Gewinn 24 KGV 24 Dividenden- Dividenden- HV- Kursziel Analystenin<br />

€ Vorwo- 30.12.22 <strong>52</strong> Wochen Linie je Aktie je Aktie Rendite 23 Rendite 24 Termin empfehlungen<br />

che in % in % in € in % in %<br />

Q W E R T Z U U I O P<br />

MDAX<br />

RTL Group 861149 32,48 –0,7 –17,6 49,64 / 31,32 37,20 1,3 11,2 3,18 3,72 8,7 10,3 10,3 36,13 2 8 2<br />

Scout24 NA A12DM8 65,90 1,2 40,4 67,70 / 46,12 59,84 3,6 32,3 2,42 2,81 23,5 1,7 1,9 05.06. 72,98 14 4 0<br />

Siltronic NA WAF300 87,15 4,6 27,9 92,90 / 58,40 74,93 1,4 3,2 5,91 2,82 30,9 3,2 2,7 13.05. 86,36 7 2 3<br />

Sixt St. 723132 95,40 2,1 11,0 132,4 / 80,20 103,08 2,5 — 7,39 7,38 12,9 4,0 4,1 130,80 8 2 0<br />

SMA Solar Techn. A0DJ6J 55,30 –9,3 –17,3 112,7 / 48,96 79,42 3,4 66,6 6,29 4,03 13,7 0,1 0,2 28.05. 74,14 3 4 0<br />

Stabilus S.A STAB1L 58,50 –0,3 –7,0 66,60 / 48,74 56,76 — — 4,12 4,70 12,5 3,0 3,0 07.02. 72,44 7 2 1<br />

Ströer & Co. 749399 <strong>52</strong>,70 –1,0 21,0 56,05 / 40,26 46,21 6,5 7,3 2,67 3,57 14,8 4,0 4,7 62,74 10 2 2<br />

TAG Immobilien 830350 13,19 7,4 118,1 13,38 / 5,37 9,32 0,8 15,7 0,99 1,02 13,0 1,9 4,1 28.05. 10,37 8 4 3<br />

Talanx NA TLX100 68,40 1,3 54,3 70,00 / 38,80 54,91 1,9 2,9 6,04 6,72 10,2 3,3 3,6 07.05. 64,03 2 6 1<br />

TeamViewer SE A2YN90 13,87 2,6 15,2 17,75 / 11,61 15,19 24,3 13,5 0,82 0,89 15,6 0,0 0,1 17,21 9 4 3<br />

Telefónica Deutschl. A1J5RX 2,35 ±0,0 2,0 3,15 / 1,55 2,34 1,3 2,8 0,08 0,10 22,8 7,6 5,7 2,19 0 14 4<br />

thyssenkrupp 750000 6,38 –0,3 12,0 7,77 / 5,50 6,85 — — –3,33 0,69 9,3 2,4 2,5 02.02. 8,84 3 7 1<br />

United Internet NA 508903 19,66 0,7 4,1 22,87 / 12,38 16,79 0,7 6,1 1,90 2,11 9,3 2,6 2,6 25,72 15 6 0<br />

Vitesco Techn. Grp. VTSC01 93,45 –0,1 72,3 96,20 / 54,00 75,57 1,3 6,3 3,35 8,17 11,4 0,9 1,8 88,73 1 12 0<br />

Wacker Chemie WCH888 113,40 2,6 –5,0 161,55 / 104,1 130,43 1,3 5,0 6,12 7,48 15,2 2,8 3,4 144,82 12 5 1<br />

SDAX<br />

1&1 554550 16,22 –1,5 39,8 17,72 / 9,39 12,73 0,5 15,9 1,82 1,74 9,3 0,3 0,3 18,21 10 7 1<br />

adesso A0Z23Q 93,50 –3,9 –29,1 160,2 / 82,70 115,12 3,1 18,5 1,51 5,36 17,4 0,6 0,9 04.06. 167,20 5 0 0<br />

Adtran Hold. Inc. A3C7M6 5,99 5,9 –64,6 19,55 / 4,61 8,47 0,6 — –0,30 0,08 72,1 4,2 2,7 9,08 3 5 0<br />

Adtran Networks 510300 20,10 0,2 –8,9 23,36 / 19,08 20,19 2,8 77,3 0,65 0,85 23,6 0,0 0,0 17,00 0 1 1<br />

Amadeus Fire 509310 121,20 0,3 4,8 139,8 / 101,4 116,90 4,3 8,3 7,88 8,82 13,7 4,1 4,5 13.05. 180,00 1 0 0<br />

Atoss Software 510440 216,50 –0,5 55,5 234,5 / 130,0 202,31 41,4 65,8 3,82 4,24 51,1 1,3 1,5 30.04. 220,20 2 3 0<br />

Auto1 Group A2LQ88 4,97 –5,5 –36,3 9,98 / 4,68 7,24 1,8 — –0,48 –0,11 — 0,0 0,0 06.06. 9,97 6 6 1<br />

BayWa vNA 519406 30,25 –2,4 –30,0 44,90 / 28,40 35,<strong>52</strong> 1,1 — 0,87 2,02 15,0 3,7 3,7 11.06. 45,67 6 2 0<br />

Befesa A2H5Z1 34,40 4,2 –23,7 56,15 / 23,48 34,38 1,6 10,0 1,42 2,23 15,4 2,2 3,1 39,32 6 4 1<br />

Bilfinger 590900 33,80 –3,3 24,8 39,98 / 26,84 34,70 1,2 10,1 2,70 3,74 9,0 4,4 5,4 15.05. 45,25 6 1 1<br />

Borussia Dortmund 549309 3,62 –0,1 –2,3 5,93 / 3,50 4,13 1,4 7,4 0,09 0,33 10,9 — 1,5 7,21 5 0 0<br />

Cancom 541910 27,94 2,3 2,1 35,10 / 21,26 27,43 1,4 — 1,11 1,44 19,4 3,7 3,9 30,69 3 7 1<br />

Ceconomy St. 725750 2,17 –5,6 17,1 2,85 / 1,65 2,28 1,6 5,4 0,13 0,28 7,8 0,1 1,9 2,22 3 3 4<br />

CeWe Stiftung 540390 99,80 3,3 12,5 100,6 / 82,10 91,92 2,0 7,6 7,59 8,06 12,4 2,6 2,7 05.06. 128,00 7 0 0<br />

CompuGroup Med. A28890 36,46 8,8 1,3 <strong>52</strong>,05 / 32,88 43,01 2,8 13,1 2,03 2,29 15,9 1,4 1,8 22.05. 54,27 9 3 1<br />

Dermapharm Holding A2GS5D 42,08 0,3 12,2 49,48 / 34,30 42,28 4,3 7,9 2,34 2,46 17,1 2,6 2,9 59,40 5 0 0<br />

Deutsche Beteiligung A1TNUT 27,50 0,5 –1,4 33,50 / 24,60 29,22 — — 5,63 5,23 5,3 3,6 4,1 22.02. 43,32 6 0 0<br />

Deutz 630500 4,41 2,5 8,9 6,08 / 3,64 4,90 0,8 10,5 0,69 0,63 7,0 4,1 4,4 08.05. 6,43 5 2 0<br />

Drägerwerk Vz. 555063 51,10 0,2 22,4 56,20 / 38,55 46,03 0,7 — 3,57 4,37 11,7 0,8 0,9 08.05. 54,83 3 3 1<br />

Dt. Pfandbriefbank 801900 6,15 5,9 –15,5 9,88 / 5,57 7,18 0,3 — 0,43 0,80 7,7 3,7 8,3 7,07 4 1 4<br />

Dt. Wohnen Inh. A0HN5C 23,56 8,1 18,5 24,10 / 16,61 20,79 0,6 23,3 1,18 0,54 43,9 1,5 1,5 23,00 2 1 0<br />

Dürr 556<strong>52</strong>0 20,66 0,8 –34,5 36,70 / 18,54 26,96 1,3 5,8 2,43 2,41 8,6 3,9 4,3 12.05. 27,91 7 8 1<br />

92 FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24


SDAX<br />

Gut zehn Prozent im Plus<br />

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Im laufenden Kalenderjahr hat der SDax bislang<br />

um rund elf Prozent zulegen können. Der 70 kleinere Unternehmen (sogenannte<br />

Smallcaps) umfassende Index hatte sein bisheriges Jahreshoch bei 13 880,68 Punkten.<br />

Das Jahrestief hingegen wurde bei 11 671,37 Zählern erreicht. Zu den diesjährigen<br />

Top-Performern im SDax gehören die Titel von Morphosys, Süss Microtec und<br />

Flatex. Herbe Verluste hingegen mussten die Papiere von Adtran, New Work und<br />

Verbio hinnehmen. Neu in den SDax rücken Schott Pharma, Mutares und KSB auf.<br />

Ausscheiden müssen hingegen New Work, Secunet und Zeal Network.<br />

Top-/Flop-Aktien im SDax<br />

Veränderung seit 1.1.<strong>2023</strong> in Prozent<br />

Morphosys +1<strong>52</strong>,0<br />

Flatex +78,9<br />

Süss Microtec +72,7<br />

SDax 11,3<br />

–53,2 New Work<br />

–56,6 Verbio<br />

–64,6 Adtran<br />

Quelle: Bloomberg<br />

Name WKN Kurs +/- zur +/- seit Hoch / Tief 200 Tage KBV KCV Gewinn 23 Gewinn 24 KGV 24 Dividenden- Dividenden- HV- Kursziel Analystenin<br />

€ Vorwo- 30.12.22 <strong>52</strong> Wochen Linie je Aktie je Aktie Rendite 23 Rendite 24 Termin empfehlungen<br />

che in % in % in € in % in %<br />

Q W E R T Z U U I O P<br />

DWS Group DWS100 32,54 2,8 7,2 33,<strong>52</strong> / 25,72 30,13 0,9 12,5 3,23 3,45 9,4 6,6 8,3 06.06. 36,41 15 4 0<br />

Eckert & Ziegler 565970 38,16 2,4 –17,8 59,00 / 28,92 39,05 3,8 24,2 1,18 1,59 24,1 1,3 1,3 28.05. 62,00 2 0 0<br />

Elmos Semicond. 567710 75,60 –2,2 41,0 93,90 / <strong>52</strong>,60 72,80 3,3 13,1 6,03 6,08 12,4 1,1 1,7 15.05. 85,38 3 2 0<br />

Energiekontor 531350 69,80 0,3 –9,4 89,80 / 59,70 73,47 7,6 7,6 3,57 3,78 18,4 1,4 1,5 119,80 4 1 0<br />

Fielmann Grp. 577220 49,22 5,2 33,0 51,10 / 32,12 44,41 4,7 15,4 1,60 1,89 26,0 2,0 2,3 11.07. <strong>52</strong>,62 6 5 0<br />

flatexDEGIRO FTG111 11,32 5,1 78,9 11,42 / 5,59 8,99 2,0 1,2 0,73 1,03 11,0 0,0 0,5 11,65 6 5 1<br />

GFT Technologies 580060 28,76 –4,4 –15,3 43,00 / 23,56 29,23 3,5 13,2 1,86 2,15 13,4 1,7 2,0 20.06. 43,75 6 0 0<br />

Grand City Prop. A1JXCV 9,99 8,9 8,7 11,<strong>52</strong> / 6,01 7,93 0,5 10,0 1,03 1,01 9,9 2,7 6,1 9,31 7 4 4<br />

Grenke NA A161N3 24,25 ±0,0 23,9 32,65 / 18,66 25,10 1,0 — 1,77 2,11 11,5 2,0 2,2 30.04. 31,90 4 1 0<br />

Hamborner Reit A3H233 6,93 2,7 3,0 7,75 / 6,07 6,69 1,3 11,2 0,17 0,42 16,5 6,8 6,8 25.04. 8,38 4 1 0<br />

Heidelberger Druck. 731400 1,18 –3,4 –20,1 2,02 / 1,08 1,44 0,7 10,7 0,17 0,18 6,4 0,0 0,0 25.07. 1,89 4 1 0<br />

Hornbach Hold. 608340 61,70 1,6 –20,1 84,95 / 55,05 67,71 0,5 2,3 6,59 7,31 8,4 3,8 3,7 05.07. 78,67 3 3 0<br />

Hypoport SE 549336 166,70 6,4 71,1 198,0 / 89,45 144,84 3,5 27,2 1,00 2,59 64,4 0,0 0,0 166,20 3 2 1<br />

Indus Holding 620010 21,95 –0,2 ±0,0 27,65 / 18,18 23,06 0,9 5,1 2,28 3,41 6,4 4,3 6,0 22.05. 32,04 7 1 0<br />

Ionos Group A3E00M 14,88 6,4 — 18,45 / 11,92 14,08 — 0,0 0,90 1,10 13,6 0,0 0,5 19,74 9 1 0<br />

Jost Werke JST400 42,55 –0,5 –19,1 57,30 / 40,05 47,64 1,7 11,3 5,95 5,68 7,5 4,2 3,9 08.05. 63,20 3 3 0<br />

Klöckner & Co. NA KC0100 6,33 ±0,0 –31,5 10,84 / 5,43 8,14 0,3 1,6 –0,04 0,60 10,6 1,3 3,4 23.05. 7,22 2 4 0<br />

Kontron A0X9EJ 21,10 –1,0 38,0 22,72 / 14,80 19,15 — — 1,16 1,37 15,4 2,9 3,0 06.05. 28,44 8 0 0<br />

KSB Vz. 629203 572,00 –2,1 70,7 606,0 / 323,0 <strong>52</strong>6,59 — — 81,59 87,23 6,6 4,2 4,4 08.05. 682,00 2 0 0<br />

KWS Saat 707400 <strong>52</strong>,70 ±0,0 –17,8 67,30 / 50,30 56,03 1,3 12,0 3,85 4,45 11,9 1,7 1,9 74,67 5 1 0<br />

Metro St. BFB001 6,13 0,6 –32,8 9,77 / 5,78 7,10 1,0 2,5 1,20 0,36 16,8 0,0 3,7 07.02. 6,56 1 5 5<br />

MorphoSys 663200 33,29 34,3 1<strong>52</strong>,0 35,76 / 11,81 24,54 35,8 — –7,71 –4,72 — 0,0 0,0 26,09 6 4 2<br />

Mutares A2NB65 33,10 1,8 83,9 33,30 / 17,12 24,<strong>52</strong> 0,7 — 3,40 1,60 20,7 6,0 6,0 38,38 5 0 0<br />

Nagarro A3H220 90,55 5,7 –18,1 135,0 / 63,10 81,<strong>52</strong> 7,1 16,4 3,85 4,59 19,7 — — 118,75 2 2 1<br />

Norma Group NA A1H8BV 15,35 0,9 –9,7 26,72 / 14,78 17,95 0,7 7,5 1,45 1,78 8,6 3,2 3,8 16.05. 18,78 4 7 0<br />

Patrizia PAT1AG 7,87 6,6 –24,0 12,62 / 6,87 8,85 0,6 5,7 0,17 0,22 35,1 3,4 3,2 12.06. 10,61 6 1 1<br />

Pfeiffer Vacuum 691660 1<strong>52</strong>,80 0,3 –11,0 174,6 / 145,0 150,01 2,7 32,1 8,01 8,85 17,3 0,1 2,7 05.07. 143,60 0 1 4<br />

PNE NA A0JBPG 13,02 1,6 –39,0 22,45 / 11,66 13,30 4,6 — –0,18 –0,06 — 0,3 0,3 30.05. 20,<strong>52</strong> 4 0 0<br />

ProSiebenSat.1 PSM777 6,19 3,6 –25,8 10,23 / 4,88 7,57 1,1 1,0 0,94 1,15 5,4 4,4 5,8 30.04. 7,82 5 10 3<br />

PVA TePla 746100 20,02 1,5 7,9 27,58 / 13,82 18,63 3,8 — 1,06 1,29 15,5 0,0 0,0 27,44 7 3 0<br />

SAF Holland SAFH00 14,91 –0,1 69,1 15,08 / 8,51 12,44 1,6 4,7 2,40 2,20 6,8 5,3 5,2 11.06. 17,31 5 3 0<br />

Salzgitter 620200 27,78 2,9 –2,6 41,64 / 22,30 30,13 0,3 3,0 3,<strong>52</strong> 3,84 7,2 3,3 3,2 29.05. 28,92 1 9 3<br />

Schaeffler Vz. SHA015 5,18 –0,7 –18,7 7,38 / 4,64 5,76 0,9 3,0 0,95 1,10 4,7 8,3 9,1 25.04. 6,66 7 3 3<br />

Schott Pharma A3ENQ5 30,60 2,0 — — / — — — — 0,94 1,01 30,4 0,5 0,5 32,27 4 3 0<br />

SFC Energy 756857 20,15 –2,9 –19,7 27,30 / 16,00 21,48 3,3 — 0,34 0,60 33,8 0,0 0,0 31,80 5 0 0<br />

SGL Carbon 723530 6,05 –0,7 –12,7 9,54 / 5,62 7,53 1,3 8,1 0,45 0,63 9,6 0,2 0,3 23.05. 10,62 7 1 0<br />

Sto & Co. Vz 727413 131,40 1,1 –12,6 191,6 / 116,2 149,15 1,3 9,5 12,73 12,<strong>52</strong> 10,5 4,2 4,2 240,00 1 0 0<br />

Stratec STRA55 40,45 2,3 –50,1 93,00 / 36,00 53,74 2,2 47,6 1,62 2,33 17,4 2,3 2,5 17.05. 57,13 2 7 0<br />

FOCUS MONEY <strong>52</strong>/1 <strong>2023</strong>/24<br />

93


moneyanalyse<br />

TECDAX<br />

Hinter seinen Möglichkeiten<br />

Dem US-Technologieindex Nasdaq kann der deutsche TecDax nicht das Wasser<br />

reichen – trotz einiger herausragender Perlen, die sich in dem 30 Titel umfassenden<br />

Index tummeln. Mit einem Plus von 15 Prozent dürfen Anleger aber dennoch zufrieden<br />

sein. Wer auf den diesjährigen Top-Performer, das Biotechunternehmen<br />

Morphosys gesetzt hat, darf sich natürlich richtig kräftig die Hände reiben. Auch mit<br />

den Software-Schmieden Nemetschek und Atoss konnte man ordentlich Kasse<br />

machen. Keine gute Idee war es hingegen, in den Windpark-Projektierer PNE, den<br />

Bioenergieproduzenten Verbio oder den Telekom-Ausrüster Adtran zu investieren.<br />

Top-/Flop-Aktien im TecDax<br />

Veränderung seit 1.1.<strong>2023</strong> in Prozent<br />

Morphosys +1<strong>52</strong>,0<br />

Nemetschek +68,1<br />

Atoss +55,5<br />

TecDax 15,1<br />

–39,0 PNE<br />