DIE GEMEINDE

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DRT Convenzione Piccoli Comuni - 70%, Filiale Bozen. Unzustellbare Exemplare bitte an den Absender retournieren. Der Absender verpflichtet sich, die Portospesen für die Rücksendung zu tragen.

DIE GEMEINDE

ZEITSCHRIFT DES SÜDTIROLER GEMEINDENVERBANDES

NOTIZIARIO DEL CONSORZIO DEI COMUNI · PLATA DL CUNSORZ DI CHEMINS

Altenpflege in Südtirol

Zufrieden und sorglos

im Alter

GEMEINDEN-

IMMOBILIENSTEUER

Ende eines Rechtsstreites

ARBEITSSICHERHEIT

Der Südtiroler Gemeindenverband

arbeitet Leitfaden aus

AUSGABE 08 I

OKTOBER 2009

GPS MOUNTAINBIKE -

CUP 2009

Rennen der Extraklasse in Latsch


INHALT

3 Editorial

3 Arnold schuler: mensch sein – bis ins hohe Alter!

4 Im Fokus

4 Alten- und pflegeheime: menschen in den mittelpunkt stellen

6 Norbert Bertignoll: Alten menschen mehr stellenwert geben

8 Luca Critelli: pflegesicherung ist mehr als nur pflegegeld

10 Thema

10 Gemeindeimmobiliensteuer: sechs lange Jahre sind verstrichen

12 radarkontrollen: Verkehrssicherheit ja – „Abzocke” nein

14 Arbeitssicherheit: unversehrtheit und Gesundheit haben Vorrang

18 Meinungen

18 umfrage: Brauchen südtiroler Gemeinden eigene Bürgerwehren?

19 pro & Contra: Führung von Altenheimen – eine rein öffentliche Aufgabe?

20 Aus den Gemeinden

20 eppan: Übergemeindliches Tourismuskonzept genehmigt

22 Tisens: „Walking Bus“ für mehr sicherheit am schulweg

24 Vintl: „Höfeweg“ soll das pfunderertal touristisch erschließen

26 Terlan: spielplatzangebot in Broschüre zusammengefasst

28 Latsch: mountainbikerennen der extraklasse

30 Ladinien: Für Kinderfreundlichkeit ausgezeichnet

31 Über die Grenze geschaut

31 Tirol: Herausforderungen für den Altenwohnheimverband Telfs

32 Service

32 Verwaltungsschule: ernährung und Gesundheit groß geschrieben

33 rechtsberatung: experten geben hilfreiche Antworten

34 rat der Gemeinden: Verschiedene stellungnahmen

35 Verwaltungsrat: Wichtige entscheidungen zusammengefasst

36 Technologie: Voice-over-Ip-Telefonie in den Gemeindestuben

37 Intern: Der südtiroler Gemeindenverband zu Gast in Lech am Arlberg und in Turin

38 Das Allerletzte: Schnappschuss – Der „Gemeine“ – Glosse

Impressum

DIe GemeINDe – IL COmuNe

eintragung beim Landesgericht Bozen Nr. 1/2008

Herausgeber:

Kanonikus-michael-Gamper-straße 10

39100 Bozen, Tel. +39 0471 304655

Fax: +39 0471 304625, info@gvcc.net

presserechtliche Verantwortung:

Dr. ulrich mayer

Koordination:

Dr. Klaus unterweger

redaktion: Dr. ulrich mayer (redaktionsleitung),

Dr. Klaus unterweger, Dr. Benedikt Galler,

Arnold schuler, Christa Waldboth,

Dr. Luigi spagnolli, Wilfried Battisti-matscher,

Christoph Gufler

Grafische Ausarbeitung,

Layout & DTp-satz: Brixmedia GmbH,

Heidi Oberhauser, Verena Campestrini

Übersetzung: maria Antonella Telmon

Titelfoto: Helmuth rier/südtirol marketing

Druck und Gesamtherstellung:

Auflage: 10.000 stück


EDITORIAL

DEM PRÄSIDENTEN DAS WORT

Mensch sein – bis ins

hohe Alter!

Statistisch werden wir alle älter als

unsere Eltern und Großeltern. Und

unsere Kinder können sich über eine

noch höhere Lebenserwartung freuen.

Diese Begeisterung dürfte aber aufgrund

einer Tatsache etwas getrübt sein: Alle

gehen davon aus, im Alter den Alltag

rüstig und ohne fremde Hilfe zu meistern.

Nicht für alle wird es aber so eine

selbständige Lebensführung geben. Sehr

viele werden auf Hilfe und Pflege angewiesen

sein – nicht nur im Falle einer

Krankheit; sie werden ganz alltägliche

Dinge nicht mehr allein verrichten können:

Kleidungswechsel, Körperpflege,

Nahrungsaufnahme usw.

Auf andere (fremde) Menschen angewiesen

zu sein, die einem die Windeln

wechseln oder den Katheter säubern... an

solche Situationen denkt niemand gerne,

wird doch die eigene Würde auf eine

starke Probe gestellt. Pflegebedürftige

fühlen sich in solchen Situationen sehr

oft als Objekt, nicht mehr als Mensch.

Und genau dieses Bild gelangt heute

immer wieder in die Köpfe, wenn man

von den pflegerischen Dienstleistungen

spricht, als wären sie wie ein Besuch

beim Frisör. Pflegebedürftigkeit ist

anders, handelt es sich doch um eine

Notsituation – in welcher jeder Bürger

unabhängig von der Dicke seiner Brieftasche

das Recht auf Hilfe hat.

In diesem Sinne müssen Pflegefälle auch

mehr als eine statistische Größe sein. Und

sie müssen uns alle angehen, sie können

uns schließlich auch irgendwann selbst

betreffen. So werden wir uns frühzeitig

die Frage stellen müssen, wie und wo wir

bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit

(die übrigens immer öfter mit Demenz

einher geht) wohnen, leben und betreut

werden sollen. Wir werden alte Menschen,

die auf Hilfe angewiesen sind,

aber auch in einem neuen Licht sehen

müssen: Ihnen darf ihr Recht auf ehrliche

Zuwendung nicht streitig gemacht

werden. Sie haben einen Anspruch auf

menschenwürdige Pflege, gleich wie für

Pflegekräfte menschenwürdige Arbeitsbedingungen

gesichert sein müssen.

Auch wenn die Familien immer kleiner

werden und innerhalb dieser die beruflichen

Verpflichtungen zunehmen, in den

familiären Netzen sind alte Menschen

meist am besten aufgehoben. Dies wurde

erkannt – entsprechend gibt es mittlerweile

professionelle Unterstützung durch

„Nimmt man einem Menschen seine Würde,

dann hört er auf zu leben.“

Arnold Schuler

ambulante Dienste; die Betreuenden

erbringen schließlich sehr oft Leistungen

bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Kann dem Partner, der Mutter oder dem

Vater das Leben zuhause aber nicht mehr

ermöglicht werden, dann muss – oft recht

kurzfristig – ein Umzug in ein Alten-

und Pflegeheim erfolgen. Um deren

Situation und Probleme hat sich in den

vergangenen Jahren doch eine recht breite

öffentliche Diskussion entwickelt.

Ein weiteres Thema, das wir mit Freude in

dieser Ausgabe behandeln, ist der endlich

abgeschlossene Rechtstreit in Bezug

auf die landwirtschaftlichen Genossenschaften

und deren Pflicht, zumindest

bisher die Gemeindeimmobiliensteuer

zu entrichten. Am 19. August hat das

Kassationsgericht definitiv seine Urteile

gesprochen. Wir haben versucht die

Entwicklung bis hin zu diesem auch für

die Gemeinden wichtigen Punkt noch

einmal nachzuzeichnen.

Zur Zeit beschäftigt die Gemeinden

aber noch ein heißes Eisen, nämlich

die Rechtsunsicherheit im Bereich der

öffentlichen Arbeiten. Die Landesregierung

hat sich zwar auf unseren Druck

hin noch einmal mit der Senkung der

Schwellenwerte für öffentliche Arbeiten

beschäftigt, allerdings nicht in einem für

uns zufriedenstellenden Ausmaß.

Wir waren deshalb dagegen, in Zeiten der

Wirtschaftskrise Verschärfungen für die

Verwaltungen und die Wirtschaft vorzunehmen,

weil zum gegenwärtigen Zeitpunkt

keine unmittelbare Notwendigkeit

zu einem so weitreichendem Handeln

besteht. Insofern sind wir nicht unglücklich

darüber, dass der Rechnungshof das

Dekret des Landeshauptmannes, welches

die Nichtanwendung des Landesbautengesetzes

vorsah, vorerst abgelehnt hat.

Arnold Schuler

Arnold Schuler

Präsident des

Südtiroler Gemeindenverbandes

3


4

Ulrich Mayer

Auch in Südtirol werden die Menschen

nicht nur älter, auch die Anzahl

jener mit dauerhafter Pflegebedürftigkeit

oder chronischer Krankheit nimmt

zu. Über 8000 werden zu Hause betreut;

das Landesgesetz zur „Pflegesicherung“

aus dem Jahr 2007 sichert hierfür u.a.

die notwendigen finanziellen Mittel.

Schaffen die Familien dies nicht allein, so

werden im ganzen Land entsprechende

ambulante und stationäre Pflegedienste

(Hauspflege und Tagesstätten) angeboten

– und auch 72 Alten- und Pflegeheime.

Etwa 3800 Plätze stehen dort bereit – in

zehn Jahren sollen es 1000 Betten mehr

sein. Geboten werden neben Unterkunft

und Verpflegung auch soziale, krankenpflegerische,

rehabilitative und ärztliche

Begleitung, Betreuung und Pflege – auch

im Falle der so genannten Kurzzeitunterbringung

(normalerweise bis zu

vier Wochen pro Jahr).

Mit den „Maßnahmen zur Sicherung

der Pflege“ unterstützt die öffentliche

Hand im Sinne des sozialen Ausgleiches

jene Familien, auf denen die Kosten

pflegebedürftiger Menschen lasten. Es

besteht ein Anrecht auf ein Pflegegeld.

So sollen Betreuung und Pflege für ein

Leben in Würde gesichert werden. Die

so genannte Pflegeeinstufung gewährleistet,

dass die tatsächlich pflege- und

betreuungswürdigen Menschen in den

Genuss der entsprechenden Leistungen

kommen. In zumutbarem Ausmaß

Foto: Verband der Altersheime Südtirols IM FOkUS

ALTEN- UND PFLEGEHEIME IN SÜDTIROL

Menschen in den

Mittelpunkt stellen

Rund 3800 Betten in 72 Alten- und Pflegeheimen, etwa 800 Seniorenwohnungen,

13 Tagespflegeheime und etwa 200 Seniorenclubs: Für

ganz unterschiedliche Bedürfnisse von alten, hilfsbedürftigen Menschen

bietet Südtirol ganz unterschiedliche Einrichtungen.

Der zunehmende Einsatz teilweise hochtechnisierter Hilfsmittel

und die Umsetzung moderner Pflegekonzepte erfordern eine

immer höhere Qualifizierung. Dies hat einen steigenden Bedarf

an ausgebildeten Fachkräften zur Folge.

müssen hierfür aber auch eigene finanzielle

Mittel verwendet werden. Schätzungsweise

gibt es heute in Südtirol

knapp 12.000 Pflegebedürftige (darunter

auch Menschen mit Behinderung), gut

zwei Drittel werden daheim versorgt.

Bau von neuen Heimen ist

nicht die einzige Lösung

Immerhin noch ein Drittel dieser Menschen

wird in stationären Einrichtungen

gepflegt. Um in Zeiten zunehmender Ressourcenverknappung

weiterhin qualitativ

hochstehende Dienste zu garantieren,

wurden heuer mit Beschluss der Landesregierung

eigene „Kriterien für die

Akkreditierung der stationären Einrichtungen

für Senioren“ verabschiedet. Das

Dokument ist von der Landesabteilung

Familie und Sozialwesen ausgearbeitet

worden – in enger Absprache mit dem

Sanitätsbetrieb, dem Gemeindenverband

und dem Verband der Altersheime,

welcher seit 1987 die Interessen der

Alten- und Pflegeheime im Land vertritt.

Zum einen soll die Qualität in

Betreuung und Pflege gewährleistet,

zum anderen auch die Wirtschaftlichkeit

der Betriebe gesichert werden.


Die „Akkreditierung“ ist Voraussetzung

für die Eröffnung und Führung

und nicht zuletzt für die öffentliche

Bezuschussung. Die entsprechenden

Kriterien und Richtlinien sehen u.a.

vor: Neue Alten- und Pflegeheime

müssen mindestens 40 und dürfen

höchsten 120 Betten haben. Auch das

zahlenmäßige Verhältnis zwischen Betreuten

und Mitarbeitern ist genau

festgeschrieben. Qualitätsstandards

sind klar definiert – und ebenso gibt

es nunmehr eine Pflicht, eine eigene

Betriebscharta zu erstellen. Ein

wichtiger Aspekt ist auch die Zusammenarbeit,

vor allem zwischen den

kleineren Einrichtungen, die gefördert

und in Form neuer Verbundsysteme

umgesetzt werden soll. Die Kosten

und die Leistungen sollen noch transparenter

gemacht werden. Kurzum:

Ein „unternehmerischer Geist“ soll

durch die Heime wehen – zum Zwecke

der Qualitätssicherung, und nicht der

Gewinnausschüttung.

Pflegerische Versorgung im

Alter muss gesichert sein

Seit Jahresbeginn greift die genannte

Pflegesicherung auch in den Alten- und

Pflegeheimen. Die Auszahlung des Pflege-

geldes des Landes wirkt sich auf das

bisherige System der Tagessätze aus:

Gemäß Pflegeeinstufung stehen dem

Heimbewohner nun im Monat 510 Euro,

900 Euro, 1350 Euro oder 1800 Euro zur

Verfügung. Hinzu kommt ein je nach

Heim unterschiedlicher Zusatzbetrag

(als Ausgleich zum bisherigen Begleitgeld),

welcher ebenfalls persönlich und

monatlich ausbezahlt wird und der Zahlung

des Tagessatzes dient. Vorgesehen

ist aber auch eine Eigenbeteiligung, die

von Einkommen und Vermögen des

Heimbewohners abhängig ist (heuer:

max. 48 Euro pro Tag). Dieser Restbetrag

muss vom Bewohner selbst bzw. von den

beteiligungspflichtigen Angehörigen

und den Wohnsitzgemeinden getragen

werden.

Das vielfältige Angebot für die vielfältigen

Bedürfnisse wird auch durch 800

Seniorenwohnungen ergänzt. Es handelt

sich hierbei um Kleinwohnungen,

welche von Gemeinden, von Stiftungen

oder vom Wohnbauinstitut errichtet

worden sind; sie berücksichtigen architektonische

Kriterien, die auf ältere,

selbständige Menschen und ihre Probleme

ausgerichtet sind. Zu bezahlen

sind der soziale Mietzins sowie die

Kondominiumsspesen. In den Wohnungen

können selbstverständlich jene

Dienste beansprucht werden, die auch

anderen Senioren zustehen – etwa die

Hauspflege und die Hauskrankenpflege

oder auch das „Essen auf Rädern“. Gleich

wie bei den Alten- und Pflegeheimen

soll es auch bei den Seniorenwohnungen

in den nächsten Jahren in Südtirol zu

erheblichen Aufstockungen kommen.

Alte Menschen brauchen viel

individuelle Zuwendung

Wichtige Einrichtungen sind auch die

13 Tagespflegeheime und die beinahe

flächendeckend bereitstehenden Seniorenclubs.

Die Tagesstätten verstehen

sich als Ergänzung zur Pflege durch

die Angehörigen oder die Mitarbeiter

des Sozialsprengels in den eigenen vier

Wänden. Ältere Menschen werden dort

während des ganzen Tages – meist an

allen Wochentagen – nicht nur pflegerisch

betreut, sondern auch unterhalten

und gefördert. Das Angebot richtet sich

an Personen ab dem 60. Lebensjahr,

die wegen physischer oder psychischer

Gebrechen nicht mehr allein in ihrer

Wohnung leben können bzw. deren

umfangreiche Betreuung durch die stundenweise

verrichteten Leistungen der

Hauspflege (Sozialsprengel) nicht mehr

abgedeckt werden können. Schwerst

Pflegebedürftige werden nur in Ausnahmefällen

aufgenommen.

In beinahe allen Dörfern und Stadtvierteln

gibt es auch ehrenamtlich

geführte Seniorenclubs. Es sind dies

Foto: Verband der Altersheime Südtirols

Aufgrund der demographischen Entwicklung und

des medizinischen Fortschritts nimmt der Anteil

alter Menschen in allen Industrieländern stetig

zu – als Folge wird immer mehr professionelle

Betreuung und Pflege notwendig.

Treffpunkte für ältere Menschen, Orte

der Begegnung und der Unterhaltung.

So werden gemeinsame Ausflüge oder

andere Freizeitaktivitäten und Ferienaufenthalte

organisiert, Gymnastikkurse

oder Theatervorführungen angeboten.

Für die Durchführung dieser Tätigkeiten

gibt es entsprechende Beiträge

vom Landesamt für Senioren und vom

jeweiligen Sozialsprengel.

zuM AuToR

ULRICH MAYER

ist presserechtlich verantwortlicher

schriftleiter der Zeitschriften „Die

Gemeinde“ und „meraner Nachrichten“;

er ist Journalist, politologe und

public manager; derzeit arbeitet er als

Kabinettsleiter im meraner rathaus.

5


6

Foto: Verband der Altersheime Südtirols

Norbert Bertignoll, der Präsident des Verbandes der Südtiroler Altenheime, berichtet

über eine „180-Grad-Wende“ im Bereich der Betreuung und Pflege von alten Menschen.

Er plädiert für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Interview: Ulrich Mayer

ALTEN- UND PFLEGEHEIME IN SÜDTIROL

„Alten Menschen mehr

Stellenwert geben“

Auch in Südtirol hat sich für

die Alten- und Pflegeheime

in den vergangenen Jahren

sehr viel verändert. Welches

sind die wesentlichen Neuerungen?

Vor nicht allzu langer Zeit war es so, dass

ältere Menschen da eigentlich gar nicht

hin wollten. Heute ist dieser Schritt in

den meisten Fällen kein Problem mehr;

Ein Manko in der Ausbildung zum Altenpfleger ist

in Südtirol noch immer die mangelnde Spezialisierung.

Diese werden mit anderen Berufsbildern

in den Topf Sozialbetreuer geworfen. Auch deren

Bezahlung erfolgt nach Ausbildung und nicht nach

effektiver Dienstleistung.

IM FOkUS

viele sehen in ihm einfach einen Wohnungswechsel.

In unserem Verband sind

72 Heime zusammengeschlossen, die

von 60 ganz unterschiedlichen Institutionen

getragen werden: von öffentlichen

Betrieben für Pflege- und Betreuungsdienste

(ÖBPB), von Gemeinden, von

Bezirksgemeinschaften, von Konsortien

und eben auch von Privaten. Ein ganz

besonderer Fall ist in diesem breiten

Spektrum der Sozialbetrieb von Bozen,

welcher alle Heime in der Landeshauptstadt

führt. Man kann heute

ohne weiteres sagen, dass die Menschen

empfinden, in einer Art Garni untergebracht

zu sein. Das hat nichts mehr

mit den von Privaten gestifteten und

von der Kirche geführten Armen- und

Altenhäusern von früher zu tun, die

eher einem Versorgungshaus geglichen

haben. Im Vordergrund stehen heute in

erster Linie Betreuung und Pflege sowie

medizinischer Beistand.

Mit Gebrechen und Probleme

altern, daran denkt man als

Jugendlicher eigentlich nicht.

Gelingt es, die Menschen zu

ermutigen, sich damit zu beschäftigen?

Das ist eines unserer Ziele: Die Menschen

sollen sich frühzeitig mit diesem

Lebensabschnitt auseinandersetzen

und diesen planen. Meist geschieht

dies immer noch viel zu spät, etwa

erst dann, wenn schon eine Demenz

da ist. Ich wünsche mir, dass die Leute

rechtzeitig darüber nachdenken, in

welcher Form sie im Alter etwaige

Dienstleistungen in stationären Einrichtungen

beanspruchen wollen. Und

auch darüber, wie sie diese finanzieren

wollen. Ich plädiere aber gleichzeitig

auch für eine andere Wahrnehmung

des alten Menschen; sein Stellenwert

muss anerkannt werden, denn er hat

mir während seines Arbeitslebens dazu

verholfen, das zu werden, was ich bin.

Viel zu oft werden Ältere nur als Belastung

wahrgenommen. Hier ist auch

die Politik gefordert: Sie sollte sich

sehr gut überlegen, ob in diesem Bereich

massive Sparmaßnahmen getätigt

werden – im Widerspruch zu dem,

was in Wahlkämpfen immer wieder

versprochen wird. Auch 100.000 ältere

Menschen haben eine Stimme.

Immer öfter liest man in

Zeitungen von rüstigen Hundertjährigen.

Mit welchen

organisatorischen Auswirkungen

ist hinsichtlich der

steigenden Lebenserwartung

zu rechnen?

Derzeit liegen wir in Südtirol bei einer

durchschnittlichen Lebenserwartung

von 85 Jahren – vor einem Jahrzehnt

waren es noch zehn Jahre weniger.

Bald wird auch hundert Jahre ein Thema

sein... Die „Alten“ überflügeln die

Jungen, werden immer mehr zu einem

Thema für die Jugend – die Wirtschaft

hat dies schon erkannt. Wir als Verband

versuchen, den sich ständig ändernden

gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht

zu werden. Wir haben aber immer

noch zu wenig Fachpersonal, müssen


auf jenes aus osteuropäischen Staaten

zurückgreifen, welches zwar nicht so

gut ausgebildet ist, aber deswegen nicht

unbedingt einen schlechteren Zugang

zu älteren Menschen hat – problematisch

ist halt die andere Sprache und

die andere Kultur. Unsere Leute sind

leider nicht immer bereit, Turnusdienste

zu übernehmen oder an Wochenenden

zu arbeiten. Wir müssen uns endlich

klar werden, ob wir die Hilfe aus dem

Osten annehmen wollen oder nicht.

In unserem Bereich herrscht derzeit

bei 4000 Beschäftigten – und einem

sehr hohen Frauenanteil – eine hohe

Fluktuation; alle fünf bis sechs Jahre

wird die Arbeitsstelle gewechselt.

Nach langer Vorarbeit ist die

so genannte Pflegesicherung

mittlerweile in der Umsetzungsphase.

Können Sie eine

erste Bewertung vornehmen?

Ich will die Pflegesicherung sicher nicht

in Frage stellen, aber es können sich daraus

auch problematische Fälle ergeben.

Grundsätzlich möchten alte Menschen

so lange wie möglich in ihrer vertrauten

Umgebung bleiben, also nicht in ein

neues Zuhause umziehen. Dies ist aber

nicht immer sinnvoll – und entspricht

nicht immer dem Grundsatz, das Wohl

des Menschen vorrangig zu behandeln.

Es ist auch der Wunsch vieler Angehöriger,

zuhause zu pflegen. Dabei liefert

die Pflegesicherung ein gutes Argument:

bis zu 1800 Euro netto auf die Hand! Da

kann es dann dazu kommen, dass nur

mehr das Geld wichtig ist – und nicht

die Dienstleistung. Der Bedürftige erhält

oft nicht mehr die Betreuung und Pflege,

die er braucht und die ihm zusteht. Der

Dienst wird von der öffentlichen Hand

bezahlt, aber vom Privaten nicht ausreichend

verrichtet. Bei akkreditierten

Heimen werden Standards festgelegt,

welche, bei ständiger Kontrolle eine

hohe Qualität der Dienstleistung garantieren.

Privatpersonen fehlt meist

sogar die grundlegende Ausbildung

hierfür.

Foto: Verband der Altersheime Südtirols

Der Verband der Altersheime Südtirols ist ein gemeinnütziger Verein, der

seit 1987 besteht. Im Bild der Vorstand (von links): Günter Staffler, Bruno

Marcato, Oswald Mair (Direktor), Josef Lanz, Hermann Pirpamer (Vizepräsident),

Georg Psenner und ganz vorne Norbert Bertignoll (Präsident).

Wie ist es um die Alten- und

Pflegeheime in Südtirol bestellt?

Und in welcher Situa-

tion befinden sich die von

Gemeinden geführten Einrichtungen?

Bezüglich der Strukturen und auch

der Dienstleistungen hat Südtirol sicher

ein sehr hohes Niveau, kann etwa

mit Deutschland, Österreich und der

Schweiz mithalten. Gemeinden und

Land haben in den vergangenen Jahren

sehr viel investiert. Künftig werden dort

Investitionen getätigt werden, wo dies

der Mensch selbst will, denn er hat nun

das Geld... Auch beim bürokratischen

Aufwand können wir mit anderen Ländern

mithalten; dieser verschlingt einen

beträchtlichen Teil unserer Ressourcen.

Bei den von Gemeinden geführten

Heimen kann ich nur immer wieder

auf eine ganz besondere Situation

aufmerksam machen: Bürgermeister

sind Präsidenten, Referenten bilden

die Verwaltungsräte, Generalsekretäre

übernehmen Leitungsaufgaben – und

vielleicht gibt es dann noch einen Pflegedienstkoordinator.

Das ist nicht ideal;

die Gemeinden sollen die Führung

der Heime – unter Beibehaltung der

Hoheit der öffentlichen Institution

– weitergeben. Dies ist etwa über ein

Konsortium mit einem Verwaltungsrat

möglich; bei der Vollversammlung wird

dann dem Bürgermeister Rechenschaft

abgelegt.

7


8

Ulrich Mayer

ALTEN- UND PFLEGEHEIME IN SÜDTIROL

„Pflegesicherung ist mehr

als nur Pflegegeld“

Direktor Luca Critelli vom Landesamt für Senioren und Sozialsprengel

spricht über die vom neuen Pflegegesetz vorgesehene umfassende

Reorganisation samt Ausbau der Pflege- und Betreuungsangebote.

Wie viele alte Menschen sind

in Südtirol heute pflegebedürftig?

Wie hat sich diese

Zahl in den vergangenen

Jahren entwickelt? Welche

Prognosen gibt es diesbezüglich

für die Zukunft?

Pflegebedürftigkeit ist immer auch eine

Frage der Definition. Wir verwenden

heute nicht die gleiche amtliche Definition

wie in der Vergangenheit, also

ist ein Vergleich schwierig. Aufgrund

der ausbezahlten Leistungen der Pflegesicherung

gibt es zur Zeit ca. 12.000

pflegebedürftige Personen in Südtirol,

was 2,4 Prozent der Bevölkerung

entspricht. Die Anzahl der pflegebedürftigen

Menschen hat in den letzten

Jahrzehnten ständig zugenommen und

wird auch in Zukunft zunehmen. Dies

hängt hauptsächlich mit der Alterung

der Bevölkerung zusammen, da der

Anteil der Pflegebedürftigen mit steigendem

Alter zunimmt.

Wie groß ist der Anteil jener,

die ambulant – also im gewohnten

häuslichen Umfeld –

betreut werden können? Und

wie groß jener, die stationär

in Pflegeheimen untergebracht

werden müssen?

Ungefähr zwei Drittel der Pflegebedürftigen

werden zu Hause betreut, ein

Drittel in Heimen. In Südtirol verfügen

wir zur Zeit über ca. 3.800 Heimplätze.

Von den zu Hause Betreuten nehmen

Foto: Shutterstock IM FOkUS

„Heuer beträgt der Pflegefonds rund 185 Millionen

Euro“, erklärt Amtsdirektor Luca Critelli (im kleinen

Bild). „Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch

die öffentliche Hand.“

ca. ein Drittel professionelle Pflegedienste

(Hauspflege, Tagesstätten,

Tagespflegeheime, Essen auf Rädern)

in Anspruch, ca. zwei Drittel werden

ausschließlich durch Angehörige bzw.

private Haushaltshilfen betreut. Eine

ähnliche Verteilung zwischen den verschiedenen

Betreuungsformen finden wir

in sehr vielen europäischen Staaten.

Weshalb ist ein eigenes Pflegegesetz

für Südtirol notwendig

geworden? Welches

sind die Grundgedanken

der Pflegesicherung, die als

nachhaltiger sozialpolitischer

Meilenstein bezeichnet wird?

Das Pflegegesetz gibt der Sicherung

der Pflege einen langfristigen Rahmen,

besonders was die Finanzierung der

Leistungen anbelangt: Man hat den pflegebedürftigen

Bürgern ein subjektives

Recht in Form eines monatlichen Pflegegeldes

anerkannt, bei gleichzeitiger

Verpflichtung ein quantitativ und qualitativ

angemessenes Netz an ambulanten


und stationären Betreuungseinrichtungen

zu gewährleisten. Durch dieses

subjektive Recht auf ein Pflegegeld ist

die Gewährleistung der Finanzierung

der Ausgaben für die Pflege weniger als

früher von der jährlichen Entwicklung

des Landeshaushaltes abhängig. Mit

der Verabschiedung des Pflegegesetzes

fließen jährlich ca. 20 Millionen Euro

mehr als bisher in den Bereich der

Pflege; somit kann man wohl nicht

behaupten, dass man dadurch irgendwelche

Einsparungen oder Einschnitte

im Sozialbereich vornehmen will.

Welche konkreten Maßnahmen

verstecken sich hinter

der Pflegesicherung? Worin

unterscheidet sich der Südtiroler

Lösungsansatz zu den

Modellen etwa in unseren

Nachbarländern?

Die sichtbarste Maßnahme im Rahmen

der Pflegesicherung ist natürlich

die Auszahlung des monatlichen

Pflegegeldes. Im Hintergrund geht

es aber auch um die Reorganisation

und den Ausbau der Pflege- und

Betreuungsangebote. Wenn man die

Südtiroler Pflegesicherung mit den

Modellen in Deutschland, Österreich

oder Luxemburg vergleicht, liegen die

Unterschiede hauptsächlich in der Form

der Leistungen und der Finanzierung.

In Südtirol sind die Leistungen im

Wesentlichen Geldleistungen und die

Finanzierung erfolgt zu 100 Prozent

über den Landeshaushalt.

An wen ist die neue Unterstützung

in Form des monatlichen

Pflegegeldes – welches

Hauspflegegeld und/oder

Begleitgeld ersetzt – in welchem

Ausmaß gerichtet? Wie

erfolgt die Finanzierung?

Für das Anrecht auf Pflegegeld ist

grundsätzlich nur das Vorhandensein

einer anerkannten Pflegebedürftigkeit

ausschlaggebend. Es sind vier Stufen

von Pflegebedürftigkeit vorgesehen,

welche eine monatliche Leistung von

510, 900, 1350 und 1800 Euro vorsehen.

Für die Betreuung im Heim gibt es einen

Zusatzbetrag. Die einzigen zusätzlichen

Voraussetzungen betreffen Wohnsitz

und Ansässigkeit. Die wirtschaftlichen

Verhältnisse spielen in Bezug auf das

Anrecht auf Pflegegeld keine Rolle,

wohl aber bei der Inanspruchnahme

der Dienste, da sich die Tarife nach

Einkommen und Vermögen richten.

Die Finanzierung erfolgt zu 100 Prozent

durch den öffentlichen Haushalt,

also mit Steuergeldern. Für das Jahr

2009 umfasst der Pflegefonds ca. 185

Millionen Euro.

Wie wirkt sich die Pflegesicherung

inhaltlich und organisatorisch

auf die Betreuung

im ambulanten, teilstationären

und stationären Bereich

aus? Wie viel Pflegegeld ist

bisher ausbezahlt worden?

Im ambulanten Bereich konnte seit

Einführung der Pflegesicherung eine

steigende Nachfrage an professionellen

Diensten festgestellt werden. Was die

Pflege in Heimen anbelangt, ist der Bedarf

mehr oder weniger stabil geblieben.

Hier ist aber die Nachfrage sehr stark

durch das bestehende Angebot bedingt.

Was die Zukunft anbelangt, bleibt der

Grundsatz „ambulant vor stationär“

aufrecht, d.h. man wird hauptsächlich im

Ausbau der ambulanten Betreuung und

neuer Betreuungsformen investieren.

Monatlich werden zur Zeit ca. 15 Millionen

Euro Pflegegeld ausbezahlt.

Welche Zwischenbilanz kann

bezüglich der Umsetzung

des „Gesetzes zur Sicherung

der Pflege“ gezogen

werden? Wo haben sich in

Foto: Shutterstock

den vergangenen Monaten

konkrete Schwierigkeiten

ergeben?

Für eine organisatorisch so komplexe

Sozialreform kann die Umsetzung eigentlich

sehr positiv bewertet werden.

Es hat Schwierigkeiten und Probleme

gegeben, was bei mehr als 15.000 Einstufungen

und 12.000 monatlichen

Auszahlungen auch nicht anders sein

konnte, aber grundsätzlich konnte das

Gesetz nach Plan umgesetzt werden. Es

sind sicherlich noch kleinere Korrekturen

notwendig, aber zwei Jahre nach

Genehmigung des Pflegegesetzes ist

die Bilanz insgesamt positiv.

In Südtirol sind im Rahmen der Pflegesicherung

vier Stufen von Pflegebedürftigkeit vorgesehen,

welche ein monatliches Pflegegeld von 510, 900,

1350 oder 1800 Euro vorsehen.

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Foto: Shutterstock

Marco Zancanella

Das Kassationsgericht hat nun ein

endgültiges Urteil zugunsten der

Gemeinden gefällt, indem es bestätigt

hat, dass die landwirtschaftlichen Genossenschaften

kein Anrecht auf die

Rückerstattung der Liegenschaftssteuer

haben. Dadurch wurde einer Geschichte

ein Ende gesetzt, die im Dezember des

Jahres 2003 ihren Anfang genommen

hatte, als 70 landwirtschaftliche Genossenschaften

aus 34 Gemeinden Südtirols

nach dem Motto: „Entschuldigt, wir haben

irrtümlicherweise bezahlt, nun gebt uns

unser Geld einschließlich Zinsen zurück!“,

die Rückzahlung aller ab dem Jahr 2000

getätigten ICI-Einzahlungen forderten.

Was damals wahrscheinlich unterschätzt

wurde, war das Ausmaß der Forderungen –

rund 5,2 Millionen Euro ohne Zinsen –

und das finanzielle Tohuwabohu, das

THEMA

GEMEINDEIMMOBILIENSTEUER – LANDWIRTSCHAFTLICHE GENOSSENSCHAFTEN

Sechs lange Jahre

sind verstrichen...

Sechs Jahre mit zahlreichen Überraschungen und Stellungnahmen sind vergangen, bis

endlich ein Schlussstrich unter die Diskussion, die die Öffentlichkeit gefesselt hat, und

den Streitfall zwischen den landwirtschaftlichen Genossenschaften und den Gemeinden

über die Einzahlung der Gemeindeimmobiliensteuer (ICI) gezogen werden konnte.

durch die Rückzahlungen entstanden

wäre. Für einige Gemeinden im Vinschgau

und Überetsch wäre die Rückzahlungsverpflichtung

ein herber Schlag

gewesen, da in diesen Gemeinden die

meisten Immobilien als Erstwohnungen

oder landwirtschaftliche Wohngebäude

eingestuft sind und der Löwenanteil

der ICI-Einnahmen von den Genossenschaften

stammt. Von jenen Genossenschaften,

die Eigentümerinnen von

Gebäuden sind, in denen nicht ausschließlich

die auf eigenem Grund und

Boden angebauten und geernteten

Produkte bearbeitet, konserviert

und verarbeitet

werden, sondern auch

die von Dritten (den

Genossenschaftsmitgliedern)

abgelieferten

Produkte. Diese Gebäude

sind aufgrund

ihrer Größe, Ausstattung und Lage nur

schwer als landwirtschaftliche Gebäude

einzustufen und z.B. mit einem Stall oder

einer Traktorgarage zu vergleichen.

Damoklesschwert für die

Gemeinden

Im Falle einer Rückerstattung hätten die

Gemeinden sich entscheiden müssen,

entweder die Gemeindeliegenschaftssteuer

für alle anderen Steuerpflichtigen

zu erhöhen – ganz entgegen dem

Grundsatz der Steuergerechtigkeit

– oder die Ausgaben

für wichtigeDienstleistungen

und Inves-

t i t i o n e n

zugunsten

Am 21. August 2009 sind die 19 Urteile zur ICI-Einzahlung der landwirtschaftlichen Genossenschaften

gefällt worden - es besteht keine Rückzahlungspflicht für die Gemeinden.


aller Bürger und Wirtschaftsbereiche

– Landwirtschaft eingenommen - auf

unbestimmte Zeit zu kürzen oder auf

Eis zu legen. Da sich die Situation von

Jahr zu Jahr zuspitzte, wurde das Damoklesschwert,

das über den Gemeinden

schwebte, für die Genossenschaften langsam

immer mehr zu einem Bumerang.

Zu den Forderungen des Jahres 2003

gesellten sich noch jene der Jahre 2004,

2005, 2006 und 2007 dazu, wodurch

sich die anfänglichen 5,2 Millionen

verdoppelten. Auch die Zinsen waren

beachtlich: 28 % auf die im Jahr 2000

einbezahlten Beträge, 25% auf die Beträge

des Jahres 2001 und so weiter.

Um das Problem zu beheben, hat der

Südtiroler Gemeindenverband wiederholt

eine politische Lösung angestrebt

und auch die gesamtstaatlichen landwirtschaftlichen

Interessensvertretungen

haben sich mit allen Mitteln für eine

gesetzliche Lösung ausgesprochen und

eingesetzt. Da der Streitfall sich aus der

fehlenden Sicherheit der Staatsgesetze

ergeben hatte, schien es angebracht,

durch eine klare Umformulierung dieser

Gesetze Sicherheit zu schaffen. Es oblag

folglich dem Parlament, einerseits das

Problem der Rückzahlungen aus dem

Weg zu räumen und andrerseits Klarheit

über die zukünftigen Verpflichtungen

zur Einzahlung der Steuer zu schaffen.

In dieser Zeit trafen auch die Rückzahlungsforderungen

der Südtiroler Genossenschaften

in Rom ein, die Akten waren

von der Bozner Steuerkommission erster

und zweiter Instanz, die in allen Fällen

zugunsten der Gemeinden geurteilt hatte,

an den Sitz des Kassationsgerichtes

in Rom weitergeleitet worden.

Bumerang für die

landwirtschaftlichen

Genossenschaften

Doch während das Kassationsgericht

immer mehr dazu neigte, den Gemeinden

Recht zu geben, versuchte der Gesetzgeber

mit einem Flickwerk von Maß-

Foto: Shutterstock

Mit den Urteilen der Vereinigten Kammern des Kassationsgerichtes

haben die Südtiroler Gemeinden einen großen Erfolg erzielt.

nahmen, einen salomonischen Kompromiss

herzustellen: die Genossenschaften

sollten in Zukunft von der Gemeindeimmobilensteuer

befreit werden, aber für

die vergangenen Jahre kein Anrecht auf

eine Rückerstattung haben. Zu diesem

Ansatz, der zwar einen lobenswerten

Grundgedanken aber wenig Konsequenz

aufwies, hat sich schließlich auch das

Verfassungsgericht geäußert und die

Bestimmung, mit der die Rückerstattung

verboten wurde, für verfassungswidrig

erklärt. Dieser neuerliche Eklat erfolgte

im Juni des Jahres 2009, gerade als das

Kassationsgericht die Rekurse der Südtiroler

Genossenschaften behandelte, was

der Einstellung dieser Instanz besondere

Bedeutung verlieh.

Am 21. August 2009 sind schließlich

die viel erwarteten 19 Urteile zu den

landwirtschaftlichen Genossenschaften

Südtirols (darunter die VOG, FRU-

BONA, EOFRUT oder die Kellerei

Kaltern) ergangen. Diese Urteile sind

zugunsten der Gemeinden ausgefallen,

sie haben klargestellt, dass keine Rückerstattung

erfolgen muss, da die Gebäude

der Genossenschaften im Kataster als

Betriebsgebäude für die Ausübung von

Produktionstätigkeiten (Katasterkategorie

D8) und nicht als Betriebsgebäude

für landwirtschaftliche Tätigkeiten

(Katasterkategorie D10) eingetragen

sind. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften

müssen demzufolge, wenn

sie ein Recht auf Freistellung geltend

machen wollen, die Katasterkategorie

ändern. Erst nachdem die Umschreibung

erfolgt ist, sind die Genossenschaften

von der Bezahlung der Gemeindeliegenschaftssteuer

befreit.

Mit diesen Urteilen der vereinten Kammern

des Kassationsgerichts wurde

endlich ein positives Ergebnis erzielt,

mit dem Arnold Schuler, Präsident des

Südtiroler Gemeindenverbandes, der

selbst Landwirt ist, durchaus zufrieden

sein kann.

zuM AuToR

MARCO ZANCANELLA

ist experte zum Thema Gemeindeimmobiliensteuer

und rechtsberater

beim südtiroler Gemeindenverband.

11


12

Fabrizio Piras

RADARkONTROLLEN

Verkehrssicherheit ja –

„Abzocke” nein

In letzter zeit wird viel über die Radarkontrollen diskutiert, auch in zusammenhang

mit Skandalen, nachgewiesenem oder angenommenem Betrug, Beschlagnahme von

Geräten, Rekursen usw. Das Thema ist zweifellos von großem Interesse, genauso wie

alle anderen Themen, die mit unserm Geldbeutel zusammenhängen.

Betrugsfälle einmal ausgenommen,

diese müssen selbstverständlich

laut Gesetz verfolgt werden, ist meiner

Ansicht nach in der Diskussion der

eigentliche Grund für die Geschwindigkeitskontrollen

auf unseren Straßen,

nämlich die Erhöhung der Verkehrssicherheit,

zu sehr in den Hintergrund

gerückt. Laut Absatz 1 des Artikels 1 der

Straßenverkehrsordnung ist „Die Sicherheit

der Verkehrsteilnehmer (ist) eines der

vorrangigen sozialen und wirtschaftlichen

Ziele des Staates“; die folgenden Absätze

betonen: „die Normen und Durchführungsbestimmungen

fußen auf dem

Grundsatz der Verkehrssicherheit …“

und dies sollte meiner bescheidenen

Meinung nach auch der Leitgrundsatz

der Polizeiarbeit auf Gemeinde- und

Staatsebene sein.

Aber ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit

mit dem Einsatz von elektronischen

Messgeräten vereinbar?

Oder handelt es sich dabei nur um

reine Abzocke und Schikane gegenüber

den Autofahrern, wie vielfach beklagt?

Die Antwort auf diese Fragen lautet:

der Einsatz ist gerechtfertigt, wenn er

vernünftig (und natürlich rechtmäßig)

und mit geeigneten Mitteln erfolgt.

Ich möchte einen Vergleich mit den Systemen

zur Videoüberwachung ziehen,

die heute häufig zum Schutz der öffentlichen

Sicherheit angebracht werden.

Eigentlich können diese Systeme keine

Gesetzesverstöße verhindern, doch allein

Foto: Gemeinde Meran/Stefano Bolognesi

THEMA

Elektronische Geschwindigkeitsmessungen zielen auf die Erhöhung der

Verkehrssicherheit und die Verminderung der Schadens- und Todesfälle

ab und nicht auf die Abzocke der Autofahrer.

schon die Tatsache, dass sie installiert

sind und entsprechende Tafeln darauf

hinweisen, kann vor bestimmten Handlungen

abschrecken und natürlich auch

dazu beitragen, die Verantwortlichen

ausfindig zu machen.

Mittel zur Unfallprävention

Elektronische Geschwindigkeitsmessungen

sollten dieselbe Vorbeugungs-

und Abschreckungswirkung haben und

verhindern, dass durch verantwortungsloses

Verhalten die eigene Unversehrtheit

und die Unversehrtheit anderer

gefährdet werden. Deshalb sind alle

Bestimmungen und Richtlinien willkommen,

die diesem Ansatz folgen, so

auch die Richtlinie des Innenministers

vom 14. August 2009.

Diese Richtlinie für koordinierte

Maßnahmen zur Vorbeugung und


Bekämpfung der überhöhten Geschwindigkeit

auf den Straßen hat den Zweck,

die Polizei mit effizienten Mitteln zur

Unfallprävention auszustatten. Sie

dient auch der Umsetzung des Ziels

der Europäischen Union, die Zahl der

Verkehrsopfer bis zum Jahr 2010 zu

halbieren.

Ohne zu sehr auf die technischen Details

einzugehen, sei erwähnt, dass für

die Erreichung dieses ehrgeizigen Ziels

unter anderem den Präfekten (Regierungskommissär)

die Aufgabe übertragen

wurde, die Unfallschwerpunkte im

Straßennetz ausfindig zu machen und

eine bessere Koordination zwischen

den staatlichen Polizeikräften und der

Gemeindepolizei anzustreben, um Überlappungen

und Zweigleisigkeiten bei

den Kontrollen zu vermeiden.

Schadens- und Todesfälle als

Indikatoren

Der Inhalt dieser Richtlinie ist vor

allem was den Datenschutz betrifft

durchaus angemessen. Vorgesehen

sind Einschränkungen für die Aufbewahrung

der Bilder und für die

Aufnahmemodalitäten (unzulässig

sind z.B. frontale Einstellungen oder

Aufnahmen, die eine Erkennung der

Fahrzeugpassagiere ermöglichen) sowie

für die Nebendienstleistungen nach

Feststellung der Übertretung, die von

den Verwaltungen an Private vergeben

werden können. Ich bin aber der Ansicht,

dass ein Punkt zu einer heftigen

Diskussion vor allem zwischen den

direkt Betroffenen führen könnte: ist es

richtig, die Geschwindigkeitskontrollen

zu Vorbeugungszwecken gut sichtbar

aufzustellen oder können die schlechten

Gewohnheiten und das kriminelle

Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer

nur mit Radarfallen und verdeckten

Kontrollen bekämpft werden, d.h.

mit Zivilstreifen, die Geschwindigkeitsübertretungen

im Straßenverkehr

ahnden, wie es in anderen Ländern

Europas üblich ist?

Foto: Gemeinde Meran/Stefano Bolognesi

Laut Artikel 1, Absatz 1 der italienischen Straßenverkehrsordnung ist

die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer eines der vorrangigen sozialen

und wirtschaftlichen Ziele des Staates.

Die italienische Gesetzgebung sieht

vor, dass die Geschwindigkeitskontrollen

an gut sichtbaren und entsprechend

angekündigten Punkten

erfolgen, „unter Berücksichtigung des

Informationsbedarfs der Verkehrsteilnehmer,

damit die größtmögliche

Transparenz der Vorbeugungstätigkeit

sichergestellt wird, die mithilfe von

Geschwindigkeitskontrollen erfolgt“.

Man könnte dies als ein Signal gegen

den angeblichen Missbrauch und Betrug

einiger lokalen Verwaltungen im

Land auslegen. Aber ist das wirklich der

richtige Weg, die geeignete Methode,

um die oben genannten Ziele zu erreichen?

Gibt es Alternativen? Reicht

dies oder bedarf es ganz allgemein

einer umfassenderen Diskussion über

die Einhaltung von Regeln?

Jeder Ansatz hat Gegner und Befürworter.

Ob wir den richtigen Weg

eingeschlagen haben, wird sich daran

zeigen, ob wir das gesteckte Ziel

erreichen, nämlich mehr Sicherheit auf

unseren Straßen und einen Rückgang

der Schadens- und Todesfälle. Sollte es

gelingen, die Zahl der Verkehrsopfer

aufgrund überhöhter Geschwindigkeit

zu verringern, dann haben wir ein großes

Ergebnis erzielt.

Alles andere wie die „Abzocke”, soll

und kann nicht unser Ziel sein.

zuM AuToR

FABRIZIO PIRAS

ist Kommandant der stadtpolizei von

meran. er absolvierte das studium

der Wirtschaftswissenschaften und ein

Kurzstudium in statistik.

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14

Foto: Shutterstock

Das Thema der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz

ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. zu recht,

wenn man bedenkt, dass sich in Italien pro Jahr ungefähr 1.000.000 Arbeitsunfälle

ereignen, bei denen rund 1.000 Menschen ihr Leben verlieren.

Toni Schuster

ARBEITSSICHERHEIT

Unversehrtheit und

Gesundheit haben Vorrang

In Südtirol werden pro Jahr etwa

17.000 Arbeitsunfälle gezählt, von

denen 500 schwere Unfälle und zehn

Todesfälle sind. Der Schutz der Arbeitnehmer

ist bereits in der italienischen

Verfassung verankert. In den 50-er

Jahren wurden eine Reihe staatlicher

THEMA

Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer

erlassen und für Arbeitgeber eine Reihe

von Verpflichtungen und Verboten

eingeführt. In der Folge hat sich das

Verständnis von Arbeitssicherheit geändert

und vom Recht auf körperliche

Unversehrtheit hin zum Recht auf ein

gesundes Arbeitsumfeld entwickelt.

Dies ist auch die Ausrichtung der euro-

Auch den Arbeitnehmern wird eine aktive Rolle zugesprochen – bei der Wahl

des Sicherheitssprechers und bei der Bestellung der Verantwortlichen für

Brandbekämpfung, Evakuierung und Erste Hilfe.

päischen Richtlinien aus den 90-er Jahren,

welche ihr besonderes Augenmerk

auf die Arbeitsbedingungen und das

Arbeitsumfeld legen und Vorbeugung,

Programmierung und Beteiligung der

am Arbeitsprozess beteiligten Personen

in den Mittelpunkt stellen.

Die europäischen Richtlinien wurden

von Italien mit dem Gesetz Nr.

626/1994 (Sicherheit am Arbeitsplatz)

und dem Gesetz Nr. 242/1996 (Baustellensicherheit)

übernommen und

definieren ein neues System der betrieblichen

Vorbeugung und Sicherheit,

welches auf die aktive Mitbestimmung

und Mitarbeit aller im Betrieb tätigen

Personen aufbaut. Das System läuft auf

zwei Schienen, einer operativen, auf

welcher der Arbeitgeber, die Führungskräfte

und die Vorgesetzten tätig sind

und einer beratenden, um die sich der

Arbeitsschutzdienst kümmert.

Eine besondere Rolle nimmt der Betriebsarzt

ein, der sowohl beratende

als auch operative Funktionen wahrnimmt.

Zum ersten Mal wird auch

den Arbeitnehmern eine aktive Rolle

zugesprochen, einerseits durch die

Wahl des Sicherheitssprecher, der sie

in Fragen des Arbeitsschutzes vertritt,

zum anderen bei der Bestellung der

Verantwortlichen für Brandbekämpfung,

Evakuierung und Erste Hilfe.

Mit dem Gesetz Nr. 81/2008 wurden

die verschiedenen Gesetze und Bestimmungen

auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit

zu einem Einheitstext

zusammengefasst.


Die Verwaltungsschule hat im Frühjahr

den Auftrag erhalten, das Thema „Arbeitssicherheit

und Gesundheitsschutz“

mehr in das Blickfeld der Gemeinden

zu bringen. Es wurde in Zusammenarbeit

mit Sicherheitsexperten

ein Leitfaden ausgearbeitet. Dieser

Leitfaden stellt eine Zusammenfassung

von Informationen aus verschiedenen

Quellen dar und unterstützt die Gemeinden

bei der Information zu Fragen

der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes

und will auf dem

wichtigen Gebiet der Arbeitssicherheit

eine Orientierung geben.

zuM AuToR

TONI SCHUSTER

ist sicherheitssprecher des südtiroler

Gemeindenverbandes, Verantwortlicher

des Konsortiums des Wassereinzugsgebiets

der etsch sowie Verantwortlicher

für die Darlehensaufnahmen

bei der Depositenkasse und dem

rotationsfonds.

In der Folge werden einige Punkte, welche vom neuen Einheitstext

für die Arbeitssicherheit vorgesehen sind, erläutert:

Arbeitgeber

Der Arbeitgeber ist der Träger

des Arbeitsverhältnisses oder

jene Person, welche nach Art

und Aufbau der organisation,

in welcher der Arbeitnehmer

seine Arbeit leistet, die Verantwortung

für die organisation

und die Entscheidungs- und

Ausgabenbefugnis inne hat.

Der Arbeitgeber ist der Hauptverantwortliche

für die Sicherheit

und die Gesundheit seiner

Führungskraft

Die Führungskraft setzt im

Rahmen ihrer beruflichen Kompetenzen

und der ihrem Auftrag

entsprechenden organisatorischen

und funktionalen

Befugnisse die Anweisungen

des Arbeitgebers um, indem sie

die Arbeitstätigkeit überwacht

Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an

die Arbeitgeber als auch an die Arbeitnehmer.

Arbeitnehmer. Er ist für die allgemeinen

Schutzmaßnahmen und

die organisation der Sicherheit im

Betrieb zuständig. Die Pflichten

des Arbeitgebers können an eine

andere Person übertragen werden,

sofern dies mit einer schriftlichen

Vollmacht mit sicherem Datum erfolgt

und der Bevollmächtigte diese

Aufgaben annimmt. Außerdem

muss der Bevollmächtigte über die

berufliche Qualifikation und die

und kontrolliert. Mit Ausnahme

der nicht delegierbaren Kompetenzen

sieht das Gesetz für die

Führungskraft weitgehend dieselben

Pflichten des Arbeitgebers

vor, sofern diese mit ihren Kompetenzen

und Befugnissen auch

finanzieller Art vereinbar sind.

Foto: Shutterstock

Statistische Daten die zum Nachdenken anregen

sollten: In Südtirol werden pro Jahr ungefähr 17.000

Unglücke am Arbeitsplatz gezählt, von denen 500

schwere Unfälle und zehn Todesfälle sind.

Führungs- und Kontrollmacht sowie

die notwendigen finanziellen

Mittel verfügen. Die Vollmacht

schließt die Aufsichtspflicht zu

Lasten des Arbeitgebers nicht

aus. zu den nicht delegierbaren

Pflichten des Arbeitgebers gehören

die Risikobewertung und

entsprechende Ausarbeitung des

Sicherheitsberichtes sowie die

Ernennung des Leiters des Arbeitsschutzdienstes.

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16

Arbeitnehmer

Arbeitnehmer sind Personen die

ihre Arbeitstätigkeit in der organisation

eines öffentlichen oder

privaten Arbeitgebers leisten.

Art des Vertrages und Entlohnung

sind irrelevant, sodass

auch freie Mitarbeiter, Projektarbeiter,

Lehrlinge, Praktikanten,

ehrenamtliche Mitarbeiter und

arbeitende Gesellschafter in den

Genuss der für die Arbeitnehmer

vorgesehenen Schutzbestimmungen

fallen. Jeder Arbeitnehmer

ist verpflichtet, für die eige-

Foto: WK © 2009

THEMA

Vorgesetzte

Der Vorgesetzte hat in seinem

Arbeitsbereich die Kontroll-

und Aufsichtspflicht über die

Anweisungen des Arbeitgebers

und wacht über die korrekte

Ausführung durch die Arbeitnehmer.

Er stellt sicher, dass die

Arbeitnehmer, die gesetzlichen

und betrieblichen Anweisungen

bezüglich der Sicherheit und Gesundheit

einhalten und die persönlichen

Schutzausrüstungen

ne Gesundheit und Sicherheit und

jene der anderen am Arbeitsplatz

anwesenden Personen Sorge zu

tragen und mit dem Arbeitgeber,

den Führungskräften und den Vorgesetzen

im Bereich des Arbeitsschutzes

zusammenzuarbeiten.

Der Arbeitnehmer muss die Anordnungen

und Anweisungen des

Arbeitgebers, der Führungskräfte

und der Vorgesetzten befolgen,

die persönliche Schutzausrüstung

verwenden, Arbeitsmittel, gefährliche

Stoffe und Ausrüstungen

Der Arbeitgeber ernennt die Mitglieder

der Notfalleinsatzgruppe,

welche für die Durchführung der

Maßnahmen zur Brandverhütung,

zur Brandbekämpfung,

zur Evakuierung bei ernstem

und unmittelbarem Risiko, zur

Rettung, zur Ersten Hilfe oder

in sonstigen Notfällen beauftragt

sind. Bei der Ernennung

berücksichtigt er die Größe des

Betriebes und die spezifischen

Risiken. Auf jeden Fall müssen

die Mitglieder der Notfalleinsatzgruppe

in ausreichender Anzahl

verwenden. In Notfällen informiert

er die Arbeitnehmer und

erteilt Anweisungen, damit diese

den Gefahrenbereich verlassen. Er

meldet dem Arbeitgeber Mängel

an Arbeitsmitteln, Geräten und

persönlichen Schutzausrüstungen

sowie jedes weitere Risiko. Der

Vorgesetzte hat das Recht und

die Pflicht spezifische Ausbildungskurse

zu besuchen.

richtig verwenden, Mängel an

Maschinen und Ausrüstungen

sowie andere Risiken sofort

melden und keine Handlungen

durchführen, welche die eigene

oder die Sicherheit anderer

gefährdet. Außerdem muss der

Arbeitnehmer an den betrieblichen

Ausbildungs- und Schulungsprogrammen

teilnehmen

und sich den vom Betriebsarzt

verordneten ärztlichen Kontrollen

unterziehen.

Notfalleinsatzgruppe

vorhanden sein und über angemessene

Ausrüstungen verfügen.

Die Arbeitnehmer können

die Ernennung nur aus einem

triftigen Grund ablehnen. Die

Mitglieder der Notfalleinsatzgruppe

müssen in den Bereichen

Brandschutz und Erste Hilfe ausgebildet

werden. Die Ausbildung

zum Brandschutzbeauftragten

richtet sich nach dem Brandrisiko

und unterscheidet Betriebe mit

niedrigem, mittlerem und hohem

Brandrisiko.


Ausbildung, Information,

Schulung

um einen sicheren Betriebsablauf

und gesunde Arbeitsbedingungen

zu erreichen, sind Ausbildung,

Information und Schulung der

Arbeitnehmer und ihrer Vertreter

unerlässlich. Nur wer über

Arbeitsabläufe, Gefahren, Schutzmaßnahmen

und das Verhalten in

Notfällen informiert ist, kann auch

entsprechend handeln. Der Arbeitgeber

hat dafür Sorge zu

tragen, dass jeder Arbeitnehmer

über die allgemeinen Risiken, die

Schutzmaßnahmen und Vorkeh-

Risikobewertung

zu den zentralen Pflichten des

Arbeitgebers zählt die Risikobewertung.

Diese muss auch bezüglich

der Wahl der Arbeitsmittel,

der verwendeten Arbeitsstoffe

und der Ausstattung der Arbeitsplätze

sämtliche Risiken für die

Sicherheit und Gesundheit der

Arbeitnehmer berücksichtigen.

zu berücksichtigen sind außerdem

spezielle Risiken, Risiken

rungen und die Abläufe bezüglich

Erste Hilfe, Brandbekämpfung

und Räumung informiert ist.

Außerdem muss jeder Arbeitnehmer

über die spezifischen Risiken

seiner Tätigkeit und die entsprechenden

Sicherheitsvorschriften

und Betriebsanweisungen informiert

werden. Weiter stellt der

Arbeitgeber sicher, dass jeder Arbeitsnehmer

eine ausreichende

und angemessene Ausbildung in

bezug auf die besonderen Risiken

seiner Arbeit erhält.

für Schwangere und Risiken in

bezug auf Alter, Geschlecht und

Herkunft der Arbeitnehmer. Der

Sicherheitsbericht wird in zusammenarbeit

mit dem Leiter des Arbeitsschutzdienstes

und dem Betriebsarzt

und nach Anhören des

Sicherheitssprechers verfasst und

muss mit einem sicheren Datum

versehen sein. Der Sicherheitsbericht

enthält sämtliche Risiken und

Sicherheitssprecher

Der Sicherheitssprecher vertritt

die Arbeitnehmer in Belangen

der Arbeitssicherheit und des

Gesundheitsschutzes gegenüber

dem Arbeitgeber. In kleinen

Betrieben wird er in der Regel

direkt von den Arbeitnehmern

gewählt, in größeren Betrieben

wird er im Rahmen der Gewerkschaftsvertretungen

gewählt

oder ernannt. Für den Fall dass

im Betrieb kein Sicherheitssprecher

vorhanden ist, sieht das Gesetz

auch sogenannte territoriale

Sicherheitssprecher vor. Die Anzahl

der Sicherheitssprecher, die

Modalitäten für deren Wahl, sowie

die bezahlte Arbeitszeit und

die Mittel zur Ausübung ihrer

Aufgaben werden von den Kollektivverträgen

festgelegt. Auf

jeden Fall hat der Sicherheitssprecher

Anrecht auf eine spezifische

Aus- und Weiterbildung und muss

über die zeit, die Räumlichkeiten

und die Mittel verfügen, die für

die Ausübung seiner Aufgaben

erforderlich sind.

Foto: WK © 2009

deren Bewertung, die Präventions-

und Schutzmaßnahmen

samt persönlichen Schutzausrüstungen,

ein Programm für die

langfristige Verbesserung der

Sicherheitsstandards, die Verfahren

zur umsetzung der Maßnahmen,

die entsprechenden Aufgaben

und die dafür zuständige

Betriebsorganisation.

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18

Walter Obkircher, Bozen

Ich finde, dass sich der Staat darum

kümmern soll, ob der Schutz der

Bürger im Land gewährleistet ist.

Und zwar durch Gesetze, die von

den Ordnungshütern angewandt

werden und nicht durch den Einsatz

irgendwelcher Zivilpersonen,

die nicht einmal eine Ausbildung

dafür haben. Ich sehe sonst die

Gefahr, dass die Leute zu weit

gehen und so Unrecht an anders

Denkenden passieren könnte.

Martin Abram, Jenesien

Es kommt darauf an, auf welcher

Seite die Bürgerwehr steht. Die

Frage ist, was ist das Ziel davon

und wem soll sie nützen. Es ist

wichtig weiter zu denken: wie es

in 10 Jahren sein wird und wofür

die Bürgerwehr dann verwendet

wird. Warum soll sie überall

eingeführt werden und nicht nur

da, wo die Ordnung durch die

heutigen Ordnungshüter nicht

gewährleistet wird?

UMFRAGE

Katharina Erlacher,

Naturns

Henriette Annegg,

Schenna

MEINUNGEN

„Brauchen Südtirols Gemeinden

eigene Bürgerwehren?“

Der Einsatz der Bürgerwehr ist

gesetzlich viel zu vage geregelt

und kann somit ausgenutzt werden,

um andere Menschengruppen

auszugrenzen. Generell glaube

ich, dass die Bürgerwehr die Gefahr

heraufbeschwört, Gewalt zu

legitimieren. Es braucht einfach

mehr Zivilcourage der einzelnen

Bürger.

Ich bin dafür, da ich das Gefühl

habe, dass es auf unseren Straßen

zu wenig Sicherheit gibt. Ich

möchte gern in einer Ortschaft

leben, wo ich ruhig schlafen kann,

denn die Menschen halten immer

weniger die Gesetze ein und die

Aggressivität steigt ständig. Deshalb

reicht die Polizei zur Gewährleistung

der Sicherheit von

uns Bürgern nicht mehr aus.

Edi Rabini, Bozen

Ich glaube, dass Leute die sich der

Bürgerwehr anschließen zu einer

Gruppe von Menschen gehören,

die nicht die wirklichen Schwierigkeiten

der Allgemeinheit sieht

und so weit wichtigere Probleme

der Menschen in den Hintergrund

stellt. So kann das Problem der

Kriminalität im Land sicher nicht

gelöst werden.

Silvia Wisthaler,

Innichen

Ich kann die Forderung nach

Bürgerwehren bei uns in Südtirol

nicht nachvollziehen. Jeder

einzelne Bürger, der ein Vergehen

beobachtet, kann die Polizei

informieren. Ganz abgesehen

davon, haben wir eh schon eine

hohe Polizeipräsenz in unserem

Land und benötigen schon deshalb

keine zusätzlichen Bürgerwehren,

sondern mehr Zivilcourage und

weniger Gleichgültigkeit.

Ingrid Facchini, Bozen

lch bin dagegen; Zivilpersonen

haben hierzu keine Berechtigung.

Es wäre zu gefährlich, da sich z.B.

Übergriffe auf Ausländer oder auch

auf gleichgeschlechtlich veranlagte

Personen häufen könnten. Außerdem

sehe ich darin einen Schritt

hin zum Verfall der Demokratie,

denn dadurch werden die Rechte

aller Menschen beschnitten. Die

Polizeipräsenz in Südtirol reicht

vollkommen aus.

Egon Eberhöfer, Martell

Bei uns in Südtirol finde ich eine

Bürgerwehr als ungeeignet und

auch nicht Ziel führend. Wir

haben eine starke lokale Polizeipräsenz,

deshalb ziehe ich diese

Behörden den lokalen Bürgerwehren

hundertprozentig vor. Die

Nächstenhilfe ist sicherlich sehr

wichtig, aber nicht auf diese Art

und Weise.

Umfrage und Fotos: Christa Waldboth


„Führung von Altenheimen –

eine rein öffentliche Aufgabe?“

CHRISTOPH GUFLER

ist als Bürgermeister der Marktgemeinde Lana und

als Ausschussmitglied der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt

mit der Thematik Altenheime vertraut.

Ja. Für mich wäre es ein Armutszeugnis, wenn sich die öffentliche

Hand ausgerechnet bei den alten Menschen aus der Verantwortung

stehlen würde. Abgesehen davon, dass wir nicht vergessen

sollten, wem wir unseren heutigen Wohlstand verdanken, ist es

ganz einfach unsere gesetzliche Pflicht den älteren Mitbürgerinnen

und Mitbürgern eine gute und sichere Altersversorgung

zu garantieren.

Dies kann in diesem sensiblen Bereich auf Dauer und in der

angebrachten Qualität am besten von der öffentlichen Hand

gewährleistet werden.

Private Unternehmen – und ich meine damit natürlich nicht Stiftungen,

Sozialgenossenschaften oder andere Non-Profit-Organisationen

– sondern Wirtschaftsunternehmen, wollen und müssen

Gewinne machen. Der Profit und nicht der Mensch steht dabei im

Mittelpunkt. Profite werden im Bereich der Altenbetreuung aber

entweder auf Kosten der Betreuungsintensität und -qualität, oder

aber auf Kosten des Auftraggebers, und das heißt der öffentlichen

Hand, erzielt. Dafür gibt es im Ausland genug Beispiele und die

sind beschämend für die Verantwortungsträger.

Im Lebensabend von Menschen betreut zu werden, die nicht

unsere Sprache sprechen und schlecht bezahlt sind, das kann

wohl nicht das Ziel sein.

Private Trägerschaften für öffentliche Dienste mögen in manchen

Bereichen durchaus angebracht und sinnvoll sein. Wo es aber um

Menschen geht und um deren ureigensten Bedürfnisse, sollte die

öffentliche Hand weiterhin der erste und wichtigste Ansprechpartner

bleiben.

PRO & CONTRA

DOROTHEE WAGNER

ist Gerontologin; sie arbeitet als Präsidentin,

Pflegekoordinatorin und Altenpflegerin im

Haus „Sonnenschein“ in Meran.

Ich denke nicht, dass die Führung von Altersheimen eine rein

öffentliche Aufgabe ist. Durch das Subsidiaritätsprinzip jeder

Sozialdemokratie wird dies etwa rechtlich verankert. Hinsichtlich

der demographischen Entwicklung wird die öffentliche Hand die

Kosten der stationären Altenbetreuung auch nicht mehr lange

tragen können. Folglich sind neue Wege in der Altenbetreuung

unumgänglich.

Außerdem bringt die private Trägerschaft viele Vorteile, 14 Jahre

Erfahrung geben mir dabei Recht. Neue Konzepte oder Pflegeplanungsmaßnahmen

können viel schneller und kreativer eingesetzt,

umgewandelt und revidiert werden, da der lange Weg der Bürokratie

entfällt. Budgetgelder können effizienter eingesetzt werden, genau

an der Stelle, an der sie jetzt im Augenblick gebraucht werden

(Personalaufstockung, Anschaffungen usw.), da die Verwaltung

minimiert werden kann. Dies steigert die Qualität der Pflege.

Das Personal kann in Bezug auf das Konzept ausgesucht werden,

beispielsweise entfallen Ranglisten. Allerdings dürfen keine

Dumping-Löhne oder Billigarbeit entstehen. Altenpflege ist ein

anspruchsvoller Beruf, der ordentlich honoriert werden muss. Genau

so wie der zu Pflegende ein Recht auf sein Kulturgut und seine

Sprachgruppe innerhalb der stationären Betreuung hat.

Außerdem sind private Trägerschaften kostengünstiger; die Einsparungen

liegen im Verwaltungsbereich. Dies sind nur einige

Punkte, die für eine Privatisierung der stationären Altenbetreuung

sprechen. In Bereichen, wie Konzepte der Pflege, direkte Betreuung

des alten Menschen aber auch Arbeitsklima usw., gibt es unendlich

viele Argumente, die für die Privatisierung sprechen.

Ich persönlich bin allerdings der Meinung, dass eine Privatisierung

der Altenpflege nur auf Non-Profit-Basis stattfinden kann. Die

soziale Dienstleistung am Nächsten darf nicht zum Profit eines

Einzelnen führen.

19


20

Der Eppaner Gemeinderat hat jüngst ein übergemeindliches Tourismusentwicklungskonzept

für die Gemeinden Eppan, Kaltern, Tramin und

Pfatten genehmigt. Walburga Kössler, Referentin für Bauwesen und

urbanistik, spricht über die Vergangenheit und die zukunft.

Interview: Ulrich Mayer

EPPAN

Gemeinsam touristische

Entwicklung anpacken

Eigentlich haben Tourismusgemeinden

im Überetsch und

im Unterland erfolgsversprechende

Voraussetzungen;

dennoch hat dort in den vergangenen

zwei Jahrzehnten

die Zahl der Betriebe deutlich

abgenommen. Worauf ist das

zurückzuführen?

Laut WIFO-Erhebungen ist die Anzahl

der Betten seit dem Höchststand der

80-er Jahre rückläufig; in Eppan haben

die Beherbergungsbetriebe zwischen

1987 und 2007 um fast 47 Prozent

abgenommen – derzeit zählen wir

noch 255 Betriebe mit 3960 Betten.

Die Gründe für den Rückgang müssen

von Gemeinde zu Gemeinde gesondert

betrachtet werden. Allgemein gilt aber:

Seit den 60-er Jahren haben Pioniere

im Tourismus sehr viel geleistet, vor

allem in der Privatzimmer-Vermietung

(so genannte „nicht-gastgewerbliche

Betriebe“, Anm. d. Red.). Privatzimmer

sind heute aber bei den Gästen weniger

gefragt; auch deren Ansprüche haben

sich grundlegend geändert, gleich wie

die Gästeschicht selbst. Das Angebot

„Urlaub auf dem Bauernhof“ hat zugenommen,

nicht zuletzt auch durch die

günstigen urbanistischen Rahmenbedingungen.

Ein Grund für den Rückgang dürfte

der Wohnraumbedarf der mittlerweile

erwachsenen Kinder der genannten

Pioniere sein: Die vorwiegend in

AUS DEN GEMEINDEN

Foto: Tappeiner AG – Tourismusverein Eppan/Gemeinde Eppan

Gemeindereferentin Walburga Kössler (im kleinen

Bild) aus Eppan konnte sich über eine hohe Rücklaufquote

bei der Befragung freuen, die im Zuge der

Erstellung des Tourismuskonzeptes durchgeführt

worden ist.

Wohnzonen angesiedelten Gastbetriebe,

Pensionen und Hotels sind für den Wohnungsbau

überaus attraktiv. Gästezimmer

wurden so zu Wohnungen umgebaut.

Besonders das Überetsch verspürt durch

die Nähe zur Stadt Bozen den Druck der

Zuwanderung. Nicht zuletzt auch wegen

mangelnder Erweiterungsmöglichkeiten

hat die zweite oder dritte Generation

der Betriebsinhaber wenig Interesse den

Betrieb weiterzuführen. Hinzu kommt

der stetig zunehmende Verwaltungsaufwand.

Gemeinsame gemeindeübergreifende

Marketingstrategien wurden

bisher wenig genutzt; zu viel oder zu

lange hat man sich in der Bewerbung

auf den deutschen Quellmarkt konzentriert,

zu wenig Angebote für bestimmte

Gästestrukturen geboten.

Um die künftige touristische

Ausrichtung festlegen zu

können, wurden Stärken und

Schwächen diskutiert. Wo

liegen die Chancen und wo

die Risiken? Welche Kernkompetenzen

und Themen sollen

in Zukunft gezielt besetzt

werden?

Eigentlich kann ich vor allem Chancen

erkennen. Das gemeinsame touristische

Profil unserer Destination soll gestärkt


werden, um den Betrieben für die Zukunft

neue Entwicklungsmöglichkeiten

zu eröffnen. Stärken, die alle beteilig-

ten Gemeinden gemeinsam haben,

sollen hervorgehoben werden, z.B. die

zentrale Lage in Südtirol, die günstige

Verkehrsanbindung, das milde Klima,

die ähnliche Siedlungsstruktur und Kulturlandschaft,

die kulturelle Vielfalt, die

Freizeitangebote usw.

Jede Gemeinde hat bereits in der Vergangenheit

bestimmte Schwerpunkte

gesetzt – und tut dies ja immer noch; wir

beginnen somit nicht bei Null. Es gilt

diese zusammenzufassen bzw. gemeinsam

voranzutreiben ohne die Eigenheit der

Gemeinden und Fraktionen aufzugeben,

beispielsweise bezüglich der Themenfelder

Wein und Genuss, Reblandschaften,

Weinstraße, Seen, Burgen, Architektur,

Sport und Erholung, Kultur und Traditionen,

Authentizität usw. So sollen

Synergien geschaffen, die Destination

„Herzstück der Südtiroler Weinstraße“

übergemeindlich vermarktet, die Angebote

kompensiert und gemeinsam Wettbewerbsvorteile

entwickelt werden.

Mittels Fragebogen wurden

Entwicklungs- und Erweiterungspläne

der bestehenden

Betriebe erhoben. Welche

Kapazitäten können über

„quantitative Erweiterung“

verwirklicht werden? Wie

viele Betten über Zonen für

touristische Einrichtungen?

Die Rücklaufquote war in allen Gemeinden

recht hoch. Nachgefragt wurde u.a.,

ob eine Erweiterung beabsichtigt werde

– oder eine Betriebseinstellung. Das Erweiterungspotential

wurde auf Grundlage

des Bettenstandes 1997 errechnet. In

Eppan liegt dieses vor allem bei Hotels

(190 Betten) und Garnis (83 Betten),

betroffen sind vor allem Betriebe der

3-Sterne- und 3-Sterne-S-Kategorie,

während die Erweiterungsmöglichkeiten

bei Betrieben im 4-Sterne-Segment

großteils ausgeschöpft sind. Im nichtgastgewerblichen

Bereich ergibt sich

Foto: Gemeinde Eppan

Koordiniert wurden die zahlreichen Sitzungen der Arbeitsgruppe „Tourismuskonzept“

mit Mitgliedern aus den verschiedenen Gemeinden vom EURAC-Institut für Regionalentwicklung

und Standortmarketing.

ein Potential von ca. 88 Betten.

Heftig diskutiert wurde die Bettenerweiterung

in Zonen für touristische

Einrichtungen; die Vorstellungen der

verschiedenen Interessensgruppen waren

natürlich verschieden gelagert. In

Eppan sollten es innerhalb von zehn

Jahren 800 Betten sein, in Kaltern 600

und in Tramin 440. Die maximal zu

verwirklichende Zahl wird jedoch von

der Landesregierung festgelegt.

Ein Tourismusgebiet muss heutzutage

für alle Vorstellungen und Urlaubswünsche

sowie Gästeschichten die

geeigneten Strukturen bieten können.

So wurden auch bestimmte Angebote

berücksichtigt, die heute im Trend liegen

und unbedingt erforderlich sind,

um konkurrenzfähig zu sein oder die

Zielgruppe Familie und Jugend vermehrt

anzusprechen wie z.B. die Errichtung

einer Jugendherberge oder eines Campingplatzes

in Eppan.

Welche Kriterien werden für

die Ausweisung von Zonen

für touristische Einrichtungen

in Eppan, Kaltern, Tramin und

Pfatten gemäß Tourismus-

entwicklungskonzept ins

Auge gefasst – für bestehende

Betriebe und für neu zu errichtende

Betriebe?

Primäres Ziel des Tourismusentwicklungskonzeptes

ist es jungen, motivierten

Unternehmern die Chance zu geben,

ihren Betrieb zu erweitern oder sich

qualitativ zu positionieren, um wettbewerbsfähig

zu sein und zu bleiben.

Mögliche neue Strukturen müssen gut in

dem bestehenden urbanistischen Gefüge

eingebettet bzw. integriert werden. Es

dürfen nicht irgendwo und irgendwie

neue touristische Zonen aus dem Boden

gestampft werden. Deshalb wurde auch

die Vorgehensweise genau definiert:

• neue Zonen für touristische Einrichtungen

werden grundsätzlich nur auf

Anfrage ausgewiesen;

• die Mindestkategorie liegt bei drei

Sternen; Vier- und Fünf-Sterne-

Betriebe erhalten den Vorzug;

• die zu erweiternden Betriebe müssen

in das im Entwicklungskonzept thematisierte

Profil passen;

• die maximal zulässige Bettenanzahl für

bestehende und neue Betriebe wurde

genau festgelegt: 90 Betten für 3-Sterne-

/3-Sterne-S-, 110 Betten für 4-Sterne-,

130 Betten für 4-Sterne-S- und 150

Betten für 5-Sterne-Betriebe.

Weiters kann jede Gemeinde einen

Fachbeirat einrichten, der ein unabhängiges

Gutachten über die Ausweisung

– in Bezug auf Ort, Gestaltung oder

Dienstleistung – abgeben darf.

21


22

TISENS

Ein „Bus“ mit vielen,

kleinen Füßen

Mehr Sicherheit am Schulweg und weniger Verkehr vor Schulbeginn bzw. nach

Schulende: Das Projekt „Walking Bus“ hat seine erklärten ziele erreicht – und

ist in Tisens mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Tag für Tag machen sich die

Grundschüler gemeinsam auf den Schulweg.

Ulrich Mayer

Tisens scheint heute zu den Stoßzeiten

kurz vor Schulbeginn und

kurz nach Schulende verkehrsberuhigt.

Das war nicht immer so: „Fast alle Eltern

brachten ihre Kinder gleichzeitig zur

Schule“, erinnert sich Bürgermeister

Thomas Knoll an die recht chaotischen

Zustände vor wenigen Jahren. Aber was

noch viel schlimmer war: „Die wenigen

Fußgänger waren durch den vielen hektischen

Verkehr – schließlich mussten

die Eltern ja auch noch zur Arbeit – arg

gefährdet.“ Ein TV-Bericht über ein in

Paderborn umgesetztes Projekt hat dann

alles verändert: „Ich war begeistert. Und

habe einige Eltern angesprochen, die

ebenfalls angetan waren.“ Dann galt

es, bei einer Informationsveranstaltung

auch die anderen Eltern der Grundschüler

zu gewinnen. Dies gelang.

Haltestellen, Fahrscheine und

-pläne – wie im richtigen Leben

„Voraussetzung für das Gelingen der

Initiative war aber eine fast professionelle

Vorbereitung“, erinnern sich

Thomas Knoll, Renate Schwärzer und

Sepp Weis, die mit Martina Hafner,

Ulrike Pichler und Joachim Mair die

entsprechende Arbeitsgruppe bildeten.

Zum einen wurden die Eckpunkte des

„Walking Bus“ kommuniziert:

a) Die Kinder sollten den Schulweg

in Gemeinschaft mit Kameraden

bestreiten;

AUS DEN GEMEINDEN

Foto: Sepp Weis

Im Gleichschritt marschieren die Buben

und Mädchen in Tisens diszipliniert,

aber nicht ohne sich dabei angeregt zu

unterhalten, sicher bis zur Grundschule,

begleitet von Dekan Alexander Raich.

Im kleinen Bild: das Logo des

„Walking Bus“.

b) jeder sollte Verantwortung übernehmen,

damit sich der „Bus“ fortbewegen

kann;

c) schwierige Situationen am Schulweg

sollten bewusster wahrgenommen

werden;

d) die Autofahrer sollten den „Bus“

schneller und deutlicher erkennen,

als einzelne Kinder;

e) die körperliche Bewegung sollte zu

einer Leistungssteigerung bei den

Schülern führen.

Es sollte fast ein richtiger „Bus“ sein: So

brauchte man eigene Haltestellen und

auch Fahrausweise. Und auch ein detaillierter

Fahrplan mit genauen Abfahrts-

zeiten und Ankunftszeiten war nötig.

Für die Ausschilderung der Ein- und

Aussteigemöglichkeiten wurden eigene

Kartonkärtchen am Wegrand angebracht

– und das auf beiden Linien: „Prissian

– Grundschule – Prissian“ und „Tisens –

Grundschule – Tisens“ (mittlerweile sind

daraus professionelle Schilder geworden).

Selbstverständlich brauchte es hierfür

ein eigenes Logo – und wer hätte ein

solches besser entwerfen können, als die

Grundschüler selbst. Im Rahmen eines

Wettbewerbes wurde so ein lustiges und

treffendes Erkennungszeichen für das

Projekt gefunden. Sicherheitswesten

ergänzten die Ausstattung.


Wertvolle Gemeinschafts-

initiative von Gemeinde,

Schule und Eltern

„Und dann galt es auch noch, einige

Begleitpersonen zu finden“, berichtet

Renate Schwärzer. Auch dies gelang:

Heute zählt der „Walking Bus“ 35 ehrenamtliche

Mitarbeiter – nicht nur

Eltern, sondern auch Großeltern und andere

Freiwillige. Von der ersten Sitzung

über die Informationsveranstaltung bis

hin zum Auftakt sind nicht einmal drei

Monate vergangen: Vom 16. bis 27. April

2007 nahm der „Walking Bus“ dann

erstmals seine Fahrten auf: Die Buben

und Mädchen, ausgestattet mit Fahrschein

und Sicherheitsweste, wurden

morgens an den Haltestellen abgeholt

und sicher bis in die Schule gebracht.

Mittags fuhr der „Bus“ dann in die

entgegen gesetzte Richtung. „Alle waren

begeistert“, erinnert sich Sepp Weis.

Und es habe keine Zweifel gegeben,

das Pilotprojekt bis zum Schulschluss

weiter zu führen.

„Und er fährt noch immer“, unterstreichen

Thomas Knoll, Renate Schwärzer

und Sepp Weis. Nur noch jene Kinder,

die unmittelbar bei der Schule wohnen,

steigen heute nicht in den „Bus“:

Rund die Hälfte der Grundschüler ist

mit dem „Walking Bus“ unterwegs; die

anderen – die über 2,5 Kilometer von

der Schule entfernt wohnen – haben

bekanntlich Anrecht auf Fahrten mit

einem richtigen motorisierten Bus. „Es

muss nicht unbedingt immer erst etwas

passieren, bis sich das Thema‚ Sicherheit

am Schulweg in konkreten Initiativen

niederschlägt“, meinen die Mitglieder

der Arbeitsgruppe in Richtung andere

Gemeinden. Wege, diese zu verbessern,

gebe es viele: „In Tisens haben wir nur

zwei große Straßen, die zur Grundschule

führen. Da haben wir uns mit dem

„Walking Bus“ sicher leichter getan, als

dies etwa in einer Stadt möglich ist.“

Voraussetzung seien aber die Begeisterung

der Bürger und nicht zuletzt

deren Mitarbeit.

Foto: Sepp Weis

Bürgermeister Thomas Knoll (im kleinen Bild) ist es gelungen, seine Begeisterung

für die Idee „Walking Bus“ erst einer Arbeitsgruppe, dann den

Eltern und Lehrern und schließlich den Kindern weiterzugeben. Seit April

2007 verkehrt dieser außergewöhnliche „Bus“ regelmäßig an Schultagen.

Sicherheit am Schulweg und

zusätzliche Bewegung für die

Schüler

Der „Walking Bus“ in Tisens, der übrigens

bei jedem Wind und Wetter (auch

bei Schnee!) „fährt“, wird von der Gemeinde,

der Schule und den Eltern gemeinsam

getragen. Laut Bürgermeister

sei die Investition nur gering gewesen:

„Etwas Material. Und, was auch ganz

wichtig ist, eine Versicherung für die

Begleitpersonen.“ Mittels Fragebögen

habe man auch Meinungen von den

Eltern eingeholt; den bereits eingangs

genannten vielen Vorteilen kann eigentlich

so gut wie nichts entgegengesetzt

werden: Und der eine oder andere kann

jetzt in der Früh gemütlich seinen Kaffee

schlürfen, weil er sich nicht frühzeitig

ins Auto setzen muss, um mit seinem

Auto das Verkehrschaos bis zur Schule

zu bewältigen – und damit schon

gestresst den Tag zu beginnen. Übrigens:

Der „Walking Bus“ ist bisher immer

noch pünktlich angekommen, zumindest

in der Grundschule...

Und zur immer wieder solchen Initiativen

entgegneten Kritik, die Kinder

würden im Verkehrsalltag „entmündigt“,

nicht zu selbständigen Handeln erzogen:

Zwischendurch wird der „Bus“ – etwa

an Nachmittagen – gerade aus diesem

Grund ausgesetzt. „Im Vordergrund

stand von Anfang an die Sicherheit“,

erklärt Thomas Knoll. Ein Aspekt, der

anfangs nur am Rande betrachtet wurde,

sei die zusätzliche Bewegung, die viele

Buben und Mädchen nun erfahren –

teilweise ist der „Bus“ ja bis zu einer

halben Stunde unterwegs. „Kinder und

auch Erwachsene gehen heute nur noch

wenig zu Fuß. Die Bewegung in der

Früh und die zusätzliche Sauerstoffaufnahme

tut einfach gut!“ Der „Walking

Bus“ ist somit auch eine wertvolle Präventionsmaßnahme!

Suchen Sie noch immer?

www.fundinfo.it

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24

Foto: Stefan Gasser

VINTL

Höfeweg führt durch

„Tal der Schätze“

Die Idee einen Höfeweg in der ortschaft Pfunders (Gemeinde Vintl) zu verwirklichen,

entstand vor zwei Jahren im zuge einer Werkstätte zur nachhaltigen touristischen

Erschließung des Pfunderertales. Demnächst beginnen die Arbeiten, im nächsten

Sommer soll der Weg eröffnet werden.

Stefan Gasser

Die beiden Tourismusgebiete

Gitschberg-Jochtal und Vintl-

Pfunders-Weitental haben sich im Jahr

2007 zusammengetan und treten seitdem

gemeinsam auf. Der Grund für diesen

Schritt lag aus Sicht von Vintl-Pfunders-

Weitental darin, sich einem starken

und bekannten Partner anzuschließen.

Gitschberg-Jochtal wurde im Gegenzug

um eine landschaftlich überaus attraktive

und bis dahin touristisch kaum

erschlossene Zone erweitert.

Damit das Gebiet Vintl-Pfunders-

Weitental in Form eines nachhaltigen

sanften Tourismus erschlossen werden

kann, hat sich eine Arbeitsgruppe aus

verschiedenen Vertretern des Tourismus,

des Gastgewerbes und der Politik gebildet,

um ein entsprechendes Konzept

zu erarbeiten. Nach mehreren Treffen

AUS DEN GEMEINDEN

nehmen nun einige Ideen bereits konkrete

Formen an: Eine ist die Errichtung

eines Höfeweges in Pfunders.

Natur- und Kulturlandschaft

als Ausgangspunkt

Im Gegensatz zu den restlichen Gebieten

der Ferienregion Gitschberg-Jochtal

wartet Vintl-Pfunders-Weitental mit

landesweit nahezu einzigartigen natur-

und kulturräumlichen Qualitäten

auf. Das Gebiet ist durch eine weithin

erhaltene, historisch gewachsene Natur-

und Kulturlandschaft charakterisiert.

Ländliches Brauchtum und Ursprünglichkeit

sind hier noch erlebbar. Diese

Grundlagen legen eine Ausrichtung

der touristischen Entwicklung auf die

Förderung des ländlichen Tourismus

mit starker Verwurzelung in der Landwirtschaft

nahe.

Am „Höfeweg“ warten kulinarische und handwerkliche Besonderheiten des Pfunderertales – aber auch

tolle Panoramablicke, wie jenen über die Ortschaft Pfunders von einer Erhöhung oberhalb des Grafhofes.

Ausgangspunkt in jeder Region ist

eben nur die „Kulturlandschaft“, die

schon da ist. So entstand die Idee, die

historisch-kulturellen Grundlagen des

Gebietes in Form der „Schatzmeile

Vintl-Pfunders-Weitental“ vorzustellen.

Die größten Schätze des Tales sind die

einmalige Natur- und Kulturlandschaft,

sowie das alte traditionelle Handwerk,

z.B. die Hutmacherin, der Fassbinder,

der Radmacher und die Filzerin. Daraus

wurde von der Arbeitsgruppe das

Konzept des Themenweges „Höfeweg

Pfunders“ abgeleitet.

Handwerkern bei der Arbeit

über die Schulter schauen

Der Höfeweg bringt die einzigartige

Natur- und Kulturlandschaft und das

alte traditionelle Handwerk unter einen

Hut, indem die Ortschaft Pfunders


auf bestehenden Wegen „umwandert“

wird. Gleichzeitig können die Besucher

bei den Höfen einkehren, um den

„Handwerkern“ bei der Arbeit über die

Schultern zu schauen. In der Hofschenke

gibt es den bekannten Pfunderer

Käse, während auf anderen Höfen frisch

gebackenes Brot oder Speck verkostet

werden können. Im „Hofladele“ besteht

die Möglichkeit die Produkte

zu kaufen.

Zusätzlich zu den kulinarischen und

handwerklichen Besonderheiten des

Tales bietet der Höfeweg Pfunders

die Möglichkeit auf einer Plattform

beim Pichlerhof die herrliche Aussicht

talauswärts zu genießen. Diese liegt

auf einer alten Trockenmauer und ist

mit einer Panoramakarte versehen, die

über die wichtigsten Gebäude sowie

die umliegenden Berggipfel informiert.

Weiters finden sich mehrere Sitzgelegenheiten

entlang der Strecke, die

zum gemütlichen Verweilen einladen.

Um den Höfeweg auch für Kinder und

Familien attraktiv zu gestalten sind

interaktive Stationen geplant, damit

die Wanderung spannend bleibt und

zu einem Erlebnis wird.

Interaktive Stationen bringen

spannende Erlebnisse

So gibt es z.B. einen drehbaren Sagenwürfel

in der Nähe des Waldbrunnens,

mit dem verschiedene Sagen aus dem

Ort zusammengestellt werden können.

Bei einer schönen alten Trockenmauer

im Dorf können verschiedene Tier- und

Pflanzenbewohner des Mauerhotels

besucht und dabei entdeckt werden. An

der Station „Pfunderer Kuriositäten“

stoßen die Besucher auf ungewöhnliche

Flurnamen, wie „Bleckorsch“ oder den

weit über die Grenzen des Tales hinaus

bekannten Zwerg „Jutta Krickla“,

der aufgrund seiner Zwergwüchsigkeit

mit einem Zirkus auf Europatournee

gegangen ist.

Die Wasser-Erlebnisstation am Zusammenfluss

des Lehen- und Pfunderer-

Foto: Stefan Gasser

Im Ofen des Obergasserhofes (rechts im Bild) in Pfunders wird noch

regelmäßig Brot gebacken – nur eine Besonderheit am „Höfeweg“, die

man nicht so schnell vergessen wird. Links: der Untergasserhof.

baches ermöglicht es, die Kraft des

Wassers am Beispiel von kleinen Wasserrädern

zu erfahren. An der Dorfer

Kapelle informiert eine Tafel über das

Lawinenunglück 1951, bei dem sechs

Menschen verschüttet wurden. Der

Höfeweg kann einmal pro Woche mit

einer Wanderführerin begangen werden

und an zwei Wochentagen auf eigene

Initiative, wobei an diesen Tagen drei

Viertel der beteiligten Höfe zugänglich

sind. Die Bauern arbeiten an diesen

Tagen an ihren Produkten, und die

Gäste haben die Möglichkeit, ihnen

dabei zu zuschauen.

Wurzeln des Pfunderertales

zeigen und erhalten

Ziel des Höfeweges ist, das Gebiet aufzuwerten

und gleichzeitig historische,

kulturelle, natur- und kulturlandschaftliche

Wurzeln zu erhalten. Die Besonderheit

beim Pfunderer Höfeweg ist,

dass einzelne Hofstellen und auch das

traditionelle Handwerk aktiv besichtigt

werden können. Somit ist er nicht nur

für Touristen interessant, die Land und

Leute kennen lernen möchten, sondern

auch für Einheimische. Zudem können

Schulklassen vom Wissen der Pfunderer

Bauern profitieren und noch einiges über

die Besonderheiten der Pfunderer Natur

und altes Brauchtum erfahren.

Die Errichtung des Höfeweges Pfunders

beginnt demnächst mit Verbesserungsarbeiten

der bestehenden Wege.

Im Frühling 2010 werden dann die

Tafeln und Stationen angebracht und

nach Abschluss der Arbeiten erfolgt die

Eröffnung im Sommer 2010. Finanziert

wird das Projekt großteils über den

Ländlichen Entwicklungsplan 2007-

2013, wobei die Gemeinde Vintl als

Projektträger und die Almenregion

Gitschberg-Jochtal als Auftragnehmer

fungieren.

zuM AuToR

STEFAN GASSER

ist Inhaber des Büros „umwelt & gis“

in Brixen, welches sich hauptsächlich

mit Landeschaftsplanung und

Geoinformation beschäftigt – und die

Arbeitsgruppe zur Konzeption des

„pfunderer Höfeweges“ geleitet hat.

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Interview: Ulrich Mayer

Welcher Grundgedanke veranlasst

die Gemeindeverwaltung,

„Plätze der Begegnung“

für Kinder zu schaffen und zu

unterhalten?

Für uns ist es öffentlicher Auftrag, dafür

Sorge zu tragen, dass sich Kinder und

Jugendliche im Dorf wohlfühlen. Die

sozialen Bedürfnisse sollen berücksichtigt

und besonders die Bewegung

Die Kinder der St.-Peter-Siedlung hatten sich

jüngst mit Gemeindereferentin Inge Clementi

(im Bild) zusammengesetzt, um ein bei einer

Unterschriftenaktion zusätzliches gefordertes

Spielgerät gemeinsam auszusuchen.

AUS DEN GEMEINDEN

TERLAN

„Kinder und Jugendliche

sollen sich wohlfühlen“

Gemeindereferentin Inge Clementi berichtet über die Bemühungen der Gemeinde Terlan,

verschiedene attraktive Anlagen für die Freizeitgestaltung der Jüngsten zu schaffen.

zusammengefasst sind diese seit kurzem in einer eigenen Informationsbroschüre.

Foto: Gemeinde Terlan/Alex Puska

und Kreativität gefördert werden. Wir

versuchen, die Bedürfnisse der Kinder

und Jugendlichen zu erkennen und

Plätze für verschiedene Altersgruppen

zu schaffen so z.B. den Ballspielplatz

für größere Kinder in der Unterkreuth

oder den Kleinkinderspielplatz im Dorfzentrum.

Wer „führt“ die verschiedenen

Ball- und Spielplätze in Terlan,

Siebeneich und Vilpian? Und

zu welchen Bedingungen?

Einige unserer Spielplätze werden ehrenamtlich

von Vereinen geführt, so z.B.

der Ballspielplatz in Siebeneich vom

Fußballclub Siebeneich, der Spielplatz

vom VKE Siebeneich. Die Naherholungszone

in Vilpian wird vom Sport-

verein Bachau geführt. Die Plätze in

Terlan werden von der Gemeinde selbst

betreut, unterstützt vom Spielplatzkomitee

Terlan. Der Ballspielplatz „Platzl“ in

der Unterkreuth wird von einer Anrainerin

gemeinsam mit den kleinen und

großen Benutzern betreut.

Welche Investitionen stehen

noch auf Ihrer Wunschliste –

bzw. auf jener der Kinder und

Jugendlichen von Terlan?

Ein großes Anliegen ist die Neugestaltung

des Pausenhofes in Terlan. Dort

sollte in einem Projekt mit Schule und

Gemeinde den Bedürfnissen der Grund-

und Mittelschüler Rechnung getragen

werden. Das Partizipationsprojekt kann

jedoch erst beginnen, wenn der Standort

der neuen Bibliothek feststeht.

Eine bunte Broschüre informiert

über das Spielplatzangebot

in Terlan, Siebeneich

und Vilpian. Was und wen

wollen Sie damit erreichen?

Die Idee zu einem Spielplatzführer

entstand eigentlich ganz zufällig. Wir

haben gemerkt, dass nicht alle über die

Spielplatzangebote im Gemeindegebiet

informiert waren. Unsere Angebote

sollen Treffpunkte für alle sein,

um sich zu bewegen, um Kontakte zu

knüpfen und um Anschluss zu finden

oder einfach nur um ein „Ratscherle“

zu machen. Auf diese Weise haben

auch die Eltern die Möglichkeit, sich

besser kennenzulernen und gemütlich

auszutauschen.

Welche weiteren kommunalen

Initiativen ergänzen in

Terlan das Freizeitangebot für

Kinder und Jugendliche?

Wir haben verschiedene Betreuungs-

und Ferienangebote initiiert: Die

Grund- und Mittelschüler werden am

Nachmittag durch den Verein „Die

Kinderfreunde“ betreut. In den Weihnachts-,

Semester- und Osterferien,

sowie in den Sommerferien werden

tolle Programme vom Jugenddienst

Mittleres Etschtal und vom Verein

„Die Kinderfreunde“ angeboten. Diese

ganzjährige Betreuung ermöglicht

es vielen Menschen, Beruf und

Familie unter einen Hut zu bringen.

Hinzu kommt selbstverständlich das

sehr rege sportliche und kulturelle

Vereinsleben.


„Plätze der Begegnung“ für die

Kleinsten

In Terlan, siebeneich und Vilpian wurden

in den vergangenen Jahren eine

reihe von spielplätzen neu errichtet.

Andere sind ausgebaut worden.

eine bunte Broschüre gibt nun einen

Überblick, wo Kinder in der freien

Natur unbeschwert laufen, springen

und spielen können.

Laufen, springen, spielen: „Für die

entwicklung unserer Kinder ist es

wichtig, dass sie sich bewegen und

sich mit anderen Buben und mädchen

in der freien Natur treffen“,

betont Bürgermeister Klaus runer.

Dabei könnten sich auch die eltern

kennen lernen und gemütlich austauschen,

was sicherlich die Qualität des

Zusammenlebens fördere. eine bunte

Broschüre mit dem Titel „plätze der

Begegnung“ zeigt nun nicht nur, in

welchem Bereich in den vergangenen

Jahr gezielt investiert worden ist, sondern

gibt auch einen Überblick über

die Ball- und spielplätze sowie erholungszonen

im Gemeindegebiet.

2007 ist ein Ballspielplatz samt kleiner

Tribüne in der „unterkreuth“

beim petersbach entstanden; er ist

für größere Kinder bestimmt, die mit

den Geräten auf klassischen spielplätzen

nicht mehr so viel anfangen

können. Der nur zu Fuß erreichbare

Kinderspielplatz „petersbach“ ist im

vergangenen Jahr erneuert worden;

der angenehm schattige Ort bietet zu

jeder Jahreszeit verschiedene spielgeräte

und natürliche Freiräume.

mitten in Terlan, neben dem Kindergarten

und dem Altenheim wurde

2006 der „Kinderspielplatz der

sinne“ mit Klangkörper, Drehscheiben

und schwebebalken verwirklicht.

Im Vorjahr ist neben der Grund- und

Foto: Gemeinde Terlan/Alex Puska

Michael Schwarz auf dem Spielplatz im Dorfzentrum – dieses

Aktionsfoto wurde für die Titelseite des „Terlaner Spielplatzführers“

ausgewählt. Die Broschüre informiert über das beachtliche Spielplatzangebot

in Terlan, Siebeneich und Vilpian.

mittelschule im Dorfzentrum ein weiterer

Kinderspielplatz entstanden, der

zum Verweilen einlädt. Bereits 2001 gebaut,

wurde der große Kinderspielplatz

mit sandlandschaft am st.-peter-Weg

2008 erneuert.

Der Ballspielplatz in der sportzone

wurde im vergangenen Jahr mit einem

spielturm ergänzt. Zwischen mittelschule

und Grundschule befindet sich

seit mittlerweile 18 Jahren eine große

Fläche, welche für Fußball, Volleyball

und andere Ballspiele genutzt werden

kann; die Fläche wird auch als pausenhof

für die schulen verwendet.

2002 entstand der öffentliche Ballspiel-

platz bei der Grundschule siebeneich.

An der Bahnhofstraße befindet sich

dort ein weiterer Ball- und Kinderspielplatz,

der 1991 errichtet und

eben erst erneuert worden ist.

2003 ist der kleine, gemütliche Kinderspielplatz

am Waldweg in Vilpian

entstanden, 1998 der Ballspielplatz

bei der örtlichen Grundschule. Am

Dorfeingang befindet sich dort die

1980 verwirklichte Naherholungszone

„Bachau“, die neben einem

Trimm-Dich-pfad, einem Fußball- und

einem Volleyballfeld auch schaukel

und sandkiste sowie sitzgelegenheiten

bietet.

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Josef Bernhart

Es war zwar nicht einer dieser 300

herrlichen Sonnentage im Jahr,

die das Bikeparadies Vinschgau Einheimischen

und Gästen bietet, aber die

Stimmung war trotzdem weltmeisterlich.

Die Rede ist vom Startschuss zum innovativsten

CUP Südtirols, der kürzlich in

der Gemeinde Latsch erfolgte. Ab sofort

stehen für ambitionierte Hobby- und

Freizeitradler vier ausgewählte Routen

zur Verfügung, die man nach Lust und

Laune absolvieren kann. Das Besondere

daran: Man nimmt ein GPS-Gerät mit

und lädt im Anschluss an die Tour seine

Fahrtdaten ganz einfach über die Seite

des Tourismusvereins ins Internet. Damit

ist man bereits im Rennen und der

AUS DEN GEMEINDEN

LATSCH

Bürgermeister oder

Weltmeister?

Die Gemeinde Latsch organisiert ein Mountainbike-Rennen der Extraklasse

in zusammenarbeit mit der EuRAC und der universität Innsbruck.

Vergleich mit den Besten beginnt.

Die vier zur Auswahl stehenden Strecken

sind sowohl mit dem Mountainbike (auf

die Latscher oder Tarscher Alm) als auch

mit dem Rennrad (nach St. Martin am

Kofel und ins Martelltal) bewältigbar.

Was an Emotionen und Erlebnissen

bereits während der Fahrt spürbar ist,

findet im Internet seine Ergänzung.

Bequem können die eigene Fahrt noch

einmal nachverfolgt, das Höhenprofil

studiert, Fahrtzeiten und Geschwindigkeiten

analysiert werden. Zusätzlich

ist es möglich, sich mit den weltweit

Besten zu vergleichen. Gemeint sind

Eva Lechner und Nathalie Schneitter,

die Aushängeschilder des Profiteams

Colnago der Mountainbike-Frauen.

Während Nathalie Schneitter aus der

Schweiz bereits 2004 als Juniorenweltmeisterin

erfolgreich war, hat Südtirols

Top-Mountainbikerin Eva Lechner nach

mehreren Italien- und Europameistertiteln

nun auch einen WM-Titel errungen.

Beide Profibikerinnen haben, ausgestattet

mit GPS-Geräten je eine Strecke des

Cups absolviert und sind ins Martelltal

bzw. nach St. Martin am Kofel geradelt.

Ihre Leistungen sind bereits im Internet

und fordern nun alle Hobbyfahrer heraus,

die sich noch bis Ende Oktober 2009

in die Ergebnislisten eintragen können.

Als zusätzliche Motivation werden unter

allen Teilnehmern am Cup Sachpreise

verlost und die oder der Zeitbeste insgesamt

prämiert.

Am 16. September 2009 wurde der

GPS Mountainbike CUP Latsch auf


Foto: Eurac, Bozen

dem Hauptplatz offiziell vorgestellt.

Idee und Umsetzung stammen von

der Europäischen Akademie Bozen

(EURAC) in Zusammenarbeit mit der

Universität Innsbruck im Rahmen des

grenzüberschreitenden Innovationsnetzwerkes

für Gemeinden GemNova.net

(www.gemnova.net). Ausrichter der für

Südtirol einzigartigen Initiative ist der

Tourismusverein Latsch-Martell mit

finanzieller Unterstützung durch die

Gemeinde Latsch. Aus diesem Grunde

ließ es sich Latschs Erster Bürger zum

Auftakt auch nicht nehmen, auf dem

eigens eingerichteten Testparcours eine

erste Richtzeit vorzulegen. Wie gut sich

Bürgermeister Karl Weiss auf dem Weg

vom Latscher Haupt- zum Sportplatz im

Vergleich zur amtierenden Weltmeisterin

Eva Lechner geschlagen hat, kann im

Internet unter www.latsch-martell.it/

gps-mtb-cup nachverfolgt werden.

Folgende Routen sind im Internet abrufbar:

Latsch - Latscher Alm

etappe 1 des Gps-mountainbike

Cup Latsch - der Klassiker

auf die Latscher Alm

• startdatum: 16.09.2009

• enddatum: 31.10.2009

• Ziel: Latscher Alm (1715m)

• start: Latsch (sportplatz) -

Wertung ab AquaForum bis

Latscher Alm

• Bewertung: 4 sterne

• schwierigkeitsgrad: mittel

Latsch - Martell/Stausee

etappe 2 des Gps-mountainbike

Cup Latsch - eine tolle strecke

ins martelltal am stausee vorbei

bis zum Gasthof schönblick

• startdatum: 09.09.2009

• enddatum: 31.10.2009

• Ziel: Gasthof schönblick

(2100m)

• start: Latsch (Bahnhof) -

Wertung ab Ortsende morter

(Abzweigung montani)

bis Gasthof schönblick

• Bewertung: 4 sterne

• schwierigkeitsgrad: mittel

zuM AuToR

JOSEF BERNHART

ist stellvertretender Leiter des eurAC -

Institutes für public management und

südtirol-Koordinator des grenzüberschreitenden

Innovationsnetzwerkes

für Gemeinden „Gem.Nova.net“.

Latsch - St. Martin am Kofel

etappe 3 des Gps-mountainbike

Cup Latsch - Hier geht‘s

rauf auf den sonnenberg

oberhalb von Latsch

• startdatum: 09.09.2009

• enddatum: 31.10.2009

• Ziel: st. martin am Kofel

(Bergstation 1740m)

• start: Latsch (Talstation Bergbahn)

- (Wertung ab Winkelweg

(Apotheke) Kastelbell bis

200m vor Bergstation)

• Bewertung: 4 sterne

• schwierigkeitsgrad: mittel

Vergleich mit den Besten:

Weltmeisterin Eva Lechner

(links) mit Team bei der

Vorstellung in Latsch

Latsch - Tarscher Alm

etappe 4 des Gps-mountainbike

Cup Latsch - die 2. strecke

auf den Nördersberg über

Tarsch - eine tolle etappe mit

teilweise knackigen Anstiegen

und belohnenden Aussichten

• startdatum: 09.09.2009

• enddatum: 31.10.2009

• Ziel: Tarscher Alm (1940m)

• start: Latsch (sportplatz) -

(Wertung ab AquaForum bis

Tarscher Alm)

• Bewertung: 5 sterne


schwierigkeitsgrad: schwer

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Elisabeth Baur

LADINIEN

Für Kinderfreundlichkeit

ausgezeichnet

Der VKE-Preis für die kinderfreundliche Gemeinde ging heuer an gleich drei

Gemeinden, die sich gemeinsam um diese Auszeichnung beworben hatten.

Die Wahl des Vereins für Kinderspielplätze und Erholung war auf St. ulrich,

St. Christina und Wolkenstein gefallen.

Bereits seit vielen Jahren erarbeiten

die Familien-, Sozial- und Jugendreferate

der drei Grödner Gemeinden

gemeinsame Projekte und Initiativen

im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

So wird auf Talebene seit acht

Jahren in enger Zusammenarbeit der

Gemeindeverwaltungen und der VKE-

Sektion Gröden der Kindersommer

„L’Pavel“ organisiert: Kinder von vier

bis elf Jahren können sechs bis acht

Sommerwochen mit Spiel, Sport und

Kultur verbringen.

Vor einigen Jahren wurde die Kindertagesstätte

„Cesa di pitli“ in St. Christina

eröffnet, die auch von Kleinkindern

aus den Nachbargemeinden besucht

werden kann, da eine entsprechende

Konvention abgeschlossen worden ist.

Seit dem vergangenen Jahr wird auch

die Nachmittagsbetreuung von Grundund

Mittelschülern unterstützt, die in

den Grödner Ortschaften von der Sozialgenossenschaft

„Die Kinderfreunde

Südtirol“ angeboten wird. Diese Initiativen

waren Beweggründe für die

VKE-Auszeichnung.

Einen wichtigen Grund stellte auch das

große Angebot an Kinderspielplätzen

dar, welche von den Gemeinden vorbildlich

gewartet und immer wieder durch

neue Spielstrukturen ergänzt werden.

Weiters: die ehemalige Grödner Bahntrasse,

die einen beliebten Spazierweg

und somit eine verkehrsfreie Verbindung

zwischen den Ortschaften und

AUS DEN GEMEINDEN

Foto: Gemeindeblatt St.Ulrich

Stolz auf die Auszeichnung (von links): VKE-Geschäftsführer Roberto

Pompermeier, Sozialreferentin Waltraud Dellago und Bürgermeister

Roland Demetz aus Wolkenstein, Sozialreferentin Elisabeth Baur und

Bürgermeister Ewald Moroder aus St.Ulrich, Vorsitzende Doris Dellago

vom VKE Gröden, Bürgermeister Bruno Senoner und Sozialreferent

Robert Ploner aus St.Christina.

in den Dörfern selbst, einen geeigneten

Raum für Ruheplätze und Spielecken

darstellt.

Die Möglichkeit der Freizeitgestaltung

für Jugendliche wurde in den

vergangenen Jahren gemeinsam mit

dem Dachverband der Jugendvereine

und Jugendgruppen „Neus Jeuni“ um

verschiedene Angebote bereichert, wie

zum Beispiel durch die Errichtung des

neuen Gebäudes für Jugend, Kunst und

Kultur, in dem nun der Jugendtreff des

Tales „L saut“ untergebracht ist.

Seit fünf Jahren ist der „Valgardena

Night Bus“ für die Jugendlichen des

Tales ein beliebtes Verkehrsmittel. Der

Dienst, der von den Grödner Gemeinden

organisiert und mitfinanziert wird,

stellt eine zusätzliche Sicherheit für

Jugendliche und Familien des Tales dar.

Die traditionellen Familienwochen und

verschiedene Kinderfeste, die von den

Vereinen und Gemeindeverwaltungen

Jahr für Jahr veranstaltet werden, runden

die fruchtbringende Zusammenarbeit

der Grödner Gemeinden ab.

zuM AuToR

ELISABETH BAUR

Oberschullehrerin und pharmazeutin;

ist seit neun Jahren Gemeindereferentin

in st. ulrich.


Helmut Kopp

ÜBER DIE GRENZE GESCHAUT

TIROL

„Zukunft bringt gewaltige

Herausforderungen“

In großem Einvernehmen mit den Bürgermeistern der angeschlossenen Gemeinden

hat der Altenwohnheimverband Telfs und umgebung ab 1989 in einem gewaltigen

Investitionsprogramm drei Pflegeheime, sieben Liegenschaften für Betreutes Wohnen

und ein Pflegeheim für psychisch Kranke errichtet.

Der Verband betreibt an den verschiedenen

Standorten Tagesheime,

verwaltet offene Cafeterias, führt

die ambulanten Dienste der Hauskrankenpflege

und Heimhilfe durch und

betreut vom Essen auf Rädern über

Wäschedienste und Besuchsdienste bis

zur Hospizbewegung eine breite Palette

von Diensten, die zum Teil auch

ehrenamtlich durch Mitglieder der Vinzenzgemeinschaft,

der Pfarren und der

Gemeinden erbracht werden.

Mit seinen 210 Mitarbeitern, die in

einem klaren Organigramm kommunizieren,

hat der Verband das Glück,

dass ein hoher Prozentsatz, vor allem

in den drei Pflegeheimen, mit diplomierten

Frauen und Männern tätig ist.

Die Pflegeheime haben auch Hauskapellen,

in denen die Priester der Region

wöchentlich das Messopfer feiern.

Die Mitarbeiter arbeiten nach dem

Pflegesystem Erich Böhm, in dem die

Menschenwürde und die Persönlichkeit

besonders geschützt sind und das Bemühen

der täglichen Aktivierung und

Betreuung Vorzug hat.

Ein Team von Frauen bemüht sich

um den Bereich der Animation, wo

in Bastel- und Malgruppen, bei wöchentlichem

Gedächtnistraining, bei

Seniorentanz und beeindruckenden

Gesangsrunden und organisierten Tagesausflügen

den Menschen, die dem

Verband anvertraut sind, eine ihnen

angemessene Unterhaltung und schöne

Foto: Marktgemeinde Telfs/Stefan Dietrich

Erlebnisse vermittelt werden und was

ein Aktivprogramm vor allem auch für

Behinderte darstellt.

Der Verband ist auch Ausbildungshaus

für auszubildendes Pflegepersonal. Man

lebt in Partnerschaft mit der Marktgemeinde

Lana und hat in vielen Begegnungen

mit den dortigen Einrichtungen

einen guten Erfahrungsaustausch.

In der Hochrechnung für die Zukunft

werden in 13 Jahren 165 Prozent mehr

über 85-Jährige leben und gleichzeitig

wird die Geburtenziffer zurückgehen.

Das Steigen des Lebensalters ist vorerst

natürlich erfreulich, die Verantwortlichen

des Verbandes wissen jedoch, dass

die Herausforderung in der Zukunft

eine gewaltige sein wird, und die Sorge

um die systemerhaltenden Mitarbeiter

ist nicht unerheblich.

Aus diesen Gründen ist man froh,

dass das Land Tirol hier ein Aus-

bildungsprogramm für die Zukunft

entwickelt. Der Verband betreut Menschen

bis zur Pflegestufe 3 gut und

federt somit einigermaßen den hohen

Aufwand für qualitativ hochwertige

Pflegeheime ab.

zuM AuToR

HELMUT KOPP

ist Obmann des Altenwohnheimverbandes

Telfs und umgebung, der einer

der ersten Verbände des Landes Tirol

ist und neben der marktgemeinde Telfs

die Gemeinden Flaurling, Oberhofen,

pfaffenhofen, rietz, pettnau, seefeld,

reith, Leutasch und scharnitz betreut.

Jüngst konnte der Telfser

Altbürgermeister

Helmut Kopp, Obmann

des Altenwohnheimverbandes

Telfs, mit

vielen Gästen die

Eröffnung der neuen

„Seniorenresidenz“ in

Seefeld feiern.

31


32

Elisabeth Trebo

Fast 70 Mitarbeiter der Gemeinschaftsküchen

sind der

Einladung zur Fachtagung gefolgt.

Rositha Girbardt, zertifizierte

Qualitätsmanagerin der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung (DGE

e.V.) sprach über die Bedeutung

der Ernährung im Alltag und deren

Einfluss auf die Leistungsfähigkeit

der Menschen. Sie erklärte

mit Nachdruck, dass eine auf den

Arbeitsalltag abgestimmte Ernährung

einen positiven Einfluss auf

die kurzfristige Leistungs- und

langfristige Arbeitsfähigkeit der

Beschäftigten hat.

Langfristig haben Zusammensetzung

und Menge der verzehrten

Lebensmittel einen Einfluss auf

die Entstehung chronisch degenerativer

Krankheiten. Fettstoffwechselstörungen

und Diabetes

mellitus sowie daraus resultierende

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

zählen zu den häufigsten ernährungsbedingten

Krankheiten.

Auch Übergewicht ist hauptsächlich

auf eine dauerhaft überhöhte

Energiezufuhr, verbunden mit

einer zu geringen körperlichen

Aktivität, zurückzuführen. Über

eine bedarfsgerechte Versorgung

mit Energie und Nährstoffen, die

gleichzeitig präventiv wirksame

Inhaltsstoffe wie beispielsweise

Ballaststoffe, n-3-Fettsäuren und

SERVICE

VERWALTUNGSSCHULE

Gesunde Ernährung

im Alltag

Gemeinsam mit der Landesberufschule für das Gastgewerbe „Savoy“ in Meran lud die

Verwaltungsschule des Südtiroler Gemeindenverbandes zu einer Fachtagung für die

Mitarbeiter in den Gemeinschaftsküchen. unter dem Leitthema „Genuss & Gesundheit“

referierten Experten über gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit.

sekundäre Pflanzenstoffe liefert,

leistet das Verpflegungsangebot

somit einen enormen Beitrag zur

Vermeidung von Krankheiten.

Die Ernährungsberaterin und

Fachlehrerin an der Landeshotelfachschule

„Kaiserhof“ in Meran,

Barbara Telser, berichtete über die

nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung.

Lebensmittel aus biologischkontrollierter

Landwirtschaft und

Herstellung stellen die Basis einer

nachhaltigen Ernährung dar. Dabei

richtet sich diese nach den

Jahreszeiten und nach regionalen

Produkten. Die Ernährungsgewohnheiten

haben sich verändert

und die aktuellen Trends,

wie unter anderem der Kauf von

vorgefertigten Produkten, kann

nicht ignoriert werden. Deshalb ist

hier eine Nachhaltigkeitsstrategie

bei der Gemeinschaftsverpflegung

sinnvoll.

Im Rahmen einer Kochshow wurde

den Teilnehmern die gesunde

Südtiroler Küche mit Empfehlungen

der Ernährungsexpertin

Renate Mair und praktischen

Tipps von Küchenchef Rudi

Widmann schmackhaft gemacht.

Die Teilnehmer konnten das eine

oder andere Gericht verkosten und

gesunde und köstliche Rezeptideen

mit nach Hause nehmen.

Nach dem Kochen wurden den

Teilnehmern auch Tipps zum

gesunden Einkaufen, Lagern,

Foto: Shutterstock

Die Teilnehmer an der Fachtagung „Genuss und Gesundheit“

konnten neue und wichtige Informationen mit nach Hause

nehmen, die jetzt hoffentlich in die Praxis umgesetzt werden.

Verarbeiten und Konservieren von

Lebensmitteln vermittelt.

Spannung herrschte vor dem

Vortrag von Professor Peter

Nieschmidt (Fachhochschule

München), welcher trotz des

wissenschaftlichen Titels „Mitarbeiterführung

auf dem Prüfstand

– Arbeiten und Führen unter veränderten

gesellschaftlichen Bedingungen“

große Begeisterung

bei den Teilnehmern auslöste. Er

verstand es, einen kurzweiligen

und informativen Bogen über das

Arbeitsverständnis im Wandel

der Jahrhunderte bis hin zu fundierten

Tipps für eine zeitgemäße

Mitarbeiterführung zu spannen.

Der Professor sprach über die

Tradition und Zukunft von Arbeit

und Führung, vom Sinn und Unsinn

motivierenden Führens und

von der Sprache und Identität der

Führungspersönlichkeiten.

zuM AuToR

ELISABETH TREBO

ist mitarbeiterin der Verwaltungsschule

im südtiroler Gemeindenverband.


RECHTSBERATUNG

Experten geben

hilfreiche Antworten

Ich bin in Südtirol ansässig

und Eigentümer einer über

495 Kubikmeter großen

Wohnung, für welche die

Baukostenabgabe entrichtet

worden ist. Ich möchte nun

eine neue Wohnung mit 495

Kubikmeter bauen, diese

selbst nutzen und die andere

vermieten. Steht mir für die

neue Wohnung die Befreiung

von der Baukostenab-

gabe zu?

Die Baukostenabgabebefreiung für

den Bau der eigenen Wohnung zum

ständigen Eigenbedarf im Höchstausmaß

von 495 Kubikmetern wird jenen

Personen zuerkannt, die zugleich folgende

Voraussetzungen besitzen: Sie

haben den meldeamtlichen Wohnsitz

in einer Gemeinde des Landesgebietes;

sie sind nicht Eigentümer, Fruchtgenuss-

oder Nutzungsrechtsinhaber

einer Wohnung im Mindestausmaß

von 495 Kubikmetern und sind noch

nie in den Genuss der Befreiung der

eigenen Wohnung gekommen. Da Sie

bereits Eigentümer einer Wohnung mit

mehr als 495 Kubikmetern sind, steht

Ihnen die Befreiung nicht zu.

Bedarf es für die professionelle

Ausübung einer nicht

medizinischen und nicht diagnostischen

Massagetechnik

der Halsmuskulatur einer

Ermächtigung von Seiten der

Gemeindeverwaltung?

Die Ausübung einer nicht medizinischen

und nicht diagnostischen

Massagetechnik der Halsmuskulatur

unterscheidet sich von der

viel umfassenderen Tätigkeit des

Schönheitspflegers und ist demnach

als eine „sonstige Dienstleistungstätigkeit

für die Person“ im Sinne der

Dienstleistungsordnung (Landesgesetz

vom 16. November 2007, Nr. 11)

anzusehen. Für die Ausübung dieser

Massagetechnik sind somit auch nicht

die von Art. 32 der Handwerksordnung

vorgeschriebenen beruflichen

Voraussetzungen für Schönheitspfleger

notwendig. Somit kann die Tätigkeit

im Sinne des Prinzips der freien

Wirtschaftsinitiative des Art. 41 der

italienischen Verfassung und in Ermangelung

anderer Bestimmungen,

die berufliche oder andere Voraussetzungen

vorsehen, ohne eigene Ermächtigung

von Seiten der Gemeinde

ausgeübt werden.

Welche urbanistische Zweckbestimmung

müssen die

Räumlichkeiten haben, in

denen die Tätigkeit „Urlaub

auf dem Bauernhof“ ausgeübt

werden kann? Unterliegt

diese Tätigkeit einer Lizenz?

Gemäß den einschlägigen Landesvorschriften

kann für die Tätigkeit „Urlaub

auf dem Bauernhof“ ausschließlich

Wohnvolumen genutzt werden, d.h.

die urbanistische Zweckbestimmung

der Räumlichkeiten muss „Wohnung“

sein. Dies gilt für alle „Urlaub auf

dem Bauernhof“-Tätigkeiten und

somit nicht nur für die Beherbergung

von Gästen, sondern auch für

Hof-, Almen- und Buschenschänken.

Diese Tätigkeiten können unmittelbar

aufgenommen werden, sobald der

Betroffene den Beginn der Tätigkeit

der Gemeinde, in der die Tätigkeit

ausgeübt wird, gemeldet hat.

ABO-SERVICE

Falsche Adresse?

Wir haben uns sehr bemüht, die richtigen Adressen

für die empfänger unserer Zeitschrift zu erfassen und

in unsere Datenbank zu übertragen. Trotzdem können

immer wieder Fehler passieren. Wir wären Ihnen

sehr verbunden, wenn sie die Adresse auf dem

Titelblatt kontrollieren und uns Fehler sofort mitteilen

würden. ein Telefonanruf genügt: 0471 304655.

Lingua sbagliata?

Il periodico „Die Gemeinde - Il Comune“ viene

stampato in lingua italiana e tedesca. Le abbiamo

inviato l‘edizione tedesca, ma forse desidera ricevere

(anche) quella italiana. se così fosse, La preghiamo di

contattarci telefonicamente al numero 0471 304655.

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oder rufen sie uns einfach an: Tel. 0471 304655.

„Die Gemeinde - Il Comune“ erscheint fünfmal im

Jahr und ist kostenlos.

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Zukunft nicht mehr erhalten? Besuchen sie dafür

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Titelseite finden, die Zeitschrift abbestellen.

Ihr Südtiroler Gemeindenverband

33


34

Benedikt Galler

Omnibus-Gesetze eingehend

begutachtet

Mit den so genannten Omnibus-

Gesetzen hat sich der Rat der

Gemeinden in den vergangenen

Monaten intensiv auseinandergesetzt.

Wurden im Bereich

Landwirtschaft keine Einwände

erhoben, so gab es zu den anderen

Sammelgesetzen jeweils einige

Bemerkungen und Vorschläge:

Bereich Handel – Handwerk –

Gastgewerbe – Bergbau:

Der Rat der Gemeinden hat sich

gegen die Nutzung eines einzigen

Kassenareals durch mehrere Handelsbetriebe

ausgesprochen, die

im selben Gebäude untergebracht

sind. Auch mit der Übertragung

der Zuständigkeit für die Detailregelung

im Bereich Öffnungszeiten

der gastgewerblichen Betriebe und

wöchentlicher Ruhetag an den

Landeshauptmann war man nicht

einverstanden. Es wurde die Beibehaltung

der geltenden Regelung

gefordert, wonach diese Aufgaben

dem Bürgermeister zustünden.

Bezüglich der Regelung über

Steinbrüche, Gruben und Torfstiche

hat der Rat der Gemeinden

erklärt, gegen die Abschaffung

des Landesplans zu sein, weil die

Gemeinden dadurch an Mitsprache

verlieren würden. Neben der

Gemeinde, in welcher sich die

Schottergrube befindet, sollten

nach Auffassung des Rates auch

weiterhin die angrenzenden

Gemeinden um ein Gutachten

angeschrieben werden, wenn sie

vom Abbaubetrieb direkt betroffen

sind.

SERVICE

RAT DER GEMEINDEN

Verschiedene Stellungnahmen

Bereich Personal und öffentliche

Dienste:

In diesen Gesetzesentwurf war

der Vorschlag des Gemeindenverbandes

übernommen worden

– und wie auf Staatsebene die

Frist für die Inventarisierung der

Gemeindebeteiligungen an Gesellschaften

und für die Abtretung

von unzulässigen Beteiligungen

bis Ende 2010 verlängert. Der

Rat der Gemeinden hat deshalb

die Ergänzung des Landesgesetzes

über lokale öffentliche Dienstleistungen

begrüßt.

Bereich Enteignungen:

Zu den Änderungen des Enteignungsgesetzes

hat der Rat der

Gemeinden angeregt, dass der

landwirtschaftliche Grund nach

marktwirtschaftlichen Kriterien

entschädigt werden solle. So wäre es

kein Problem, bei der Enteignung

von Gründen für die Errichtung

von Parkplätzen, auch wenn diese

im Dorfzentrum gelegen sind, die

Entschädigung für landwirtschaftlichen

Grund anzuwenden.

Bereich Wohnbauförderung:

Um die Verwirklichung der

Wohnbauprogramme für den

so genannten Mittelstand zu

beschleunigen, sieht der entsprechende

Gesetzesentwurf in

Gemeinden mit mehr als 10.000

Einwohnern eine Ausschreibung

durch das Wohnbauinstitut vor.

Die Gemeinden sollen bei der

Ausweisung von Flächen für den

geförderten Wohnbau und der

Erteilung der Baukonzessionen

entweder nur angehört bzw. ausgeschaltet

werden. Der Rat der Gemeinden

vertritt den Standpunkt,

dass die Gemeinde bezüglich der

Ausweisung im Bauleitplan ein

Vetorecht haben solle und vom

Erlass der Baukonzession nicht

ausgeschaltet werden dürfe.

Begrüßt wurde hingegen, dass im

Falle der Zuweisung von bebauten

Grundstücken, die sich bereits im

Eigentum der Gemeinde befinden

oder von dieser angekauft werden,

die Eingewiesenen in ähnlicher

Weise wie im Falle der Zuweisung

von Bauland einer Erweiterungszone

gefördert werden. Damit wurde

einer wiederholten Forderung des

Gemeindenverbandes entsprochen.

Allerdings müsste die Förderung

in beiden Fällen dieselbe sein, damit

die Wiedergewinnung von

Altbaukubatur in den Dörfern in

Schwung kommen kann.

Der Rat der Gemeinden hat außerdem

vorgeschlagen, in das Gesetz

eine Regelung einzufügen, wonach

gemeindeeigene Wohnungen, die

ohne Landesförderung errichtet

worden sind, zum Landesmietzins

vermietet werden können, wobei

der Mieter je nach seiner finanziellen

Situation um das Wohngeld

ansuchen kann.

Dienste im Sozialbereich

erhalten genaue Regeln

Für die stationären Einrichtungen

im Bereich Senioren (das sind

in erster Linie die Alten- und

Pflegeheime), für den Dienst der

Hauspflege und für den Dienst

„Begleitetes Wohnen für Senioren“

hat die Landesverwaltung

Akkreditierungskriterien sowie

eine Regelung für den Ablauf

vorbereitet. Der Rat der Gemein-

den hat die Regelungen positiv

begutachtet, er hat jedoch auf die

Schaffung von bürokratischem

Mehraufwand hingewiesen, wenn

die Einführung von Dienstchartas

und die Erstellung eines individuellen

Betreuungsplans für jeden

Klienten vorgeschrieben werden.

Die Landesregierung hat diese

Einwände des Rates bei der Verabschiedung

der Verordnungen

nicht berücksichtigt.

Neuregelung der Volksanwaltschaft

abgelehnt

Die Landtagsabgeordneten Alessandro

Urzì und Maurizio Vezzali

wollen mit einem Gesetzesentwurf

die Neuregelung der Volksanwaltschaft

der Autonomen Provinz

Bozen veranlassen. So soll ein

stellvertretender Volksanwalt eingesetzt

werden, welcher der jeweils

anderen Sprachgruppe als jener

des Volksanwaltes angehört. Der

Volksanwalt soll Unregelmäßigkeiten

bei der Justiz oder beim

Rechnungshof anzeigen können.

Der Rat der Gemeinden hat sich

für die Beibehaltung der bestehenden

Regelung ausgesprochen,

die sich bewährt hat. Somit wurde

zum Gesetzesentwurf ein negatives

Gutachten abgegeben.

zuM AuToR

BENEDIKT GALLER

ist Geschäftsführer des

südtiroler Gemeindenverbandes

und sekretär des rates der

Gemeinden.


VERWALTUNGSRAT

Wichtige Entscheidungen

zusammengefasst

Klaus Unterweger

Kataster- und Grundbuchauszüge

an die

Bürger ausgeben

Bei einem Treffen zwischen Präsident

Arnold Schuler und dem

zuständigen Abteilungsdirektor

Klaus Gänsbacher wurde angeregt,

dass die Gemeinden in verstärktem

Maße den Bürgern die Kataster-

und Grundbuchauszüge ausgeben

sollten. Sie sollen dafür die Hälfte der

entsprechenden Gebühr erhalten. In

Kürze soll hierzu eine Vereinbarung

zwischen Land und Gemeindenverband

abgeschlossen werden; weiters

sollen Kurse angeboten werden.

Mit Landesrat über

„Vergabe öffentlicher

Arbeiten“ gesprochen

Landesrat Florian Mussner hatte

Vertretern des Verwaltungsrates einen

Beschlussvorschlag der Landesregierung

vorgestellt, durch welchen

mehrere Bestimmungen des Landesgesetzes

über die öffentlichen Arbeiten

abgeschafft werden sollen. Die

Vertreter des Gemeindenverbandes

forderten einstimmig, dass die Landesregierung

die Beschlussfassung

solange aufschieben solle, bis die externen

Gutachten der Fachexperten,

sowie die Ergebnisse des Urteils des

Verfassungsgerichtshofes bezüglich

des Trentiner Gesetzes vorlägen. Es

sei sehr bedenklich, wenn das Land

freiwillig auf Befugnisse der primären

Gesetzgebung und somit auf ein

Stück Autonomie verzichte.

Da die Landesregierung ihre Entscheidung

nicht aufgeschoben hat, es

aber widersprüchliche Informationen

über den Inhalt der Entscheidung

zum Landesbautengesetz gibt, werden

der Landeshauptmann und der

zuständige Landesrat aufgefordert,

dem Gemeindenverband so schnell

als möglich den Text der Entscheidung

zukommen zu lassen. Ein erster

Entwurf des Gutachtens von Professor

Andrea Ambrosi bestätigt die

Anwendbarkeit der Landesbestimmungen,

solange sie nicht abgeschafft

oder vom Verfassungsgerichtshof

annulliert worden sind.

Zwölf Delegierte für

14. ANCI-Kongress 2009

in Turin bestimmt

In Anwesenheit des Vize-Generalsekretärs

der ANCI, Nicola Cirimele,

wählte der Verwaltungsrat folgende

zwölf Delegierte für den ANCI-

Kongress am 7. Oktober 2009 in

Turin: Arnold Schuler, Luigi Gallo,

Wilfried Battisti-Matscher, Rudolf

Bertoldi, Diego Cavagna, Franz

Complojer, Bernhard Daum, Fritz

Messner, Albert Pürgstaller, Albrecht

Plangger, Giovanni Polonioli und

Hartmann Reichhalter. Der Bürgermeister

von Bozen, Luigi Spagnolli,

nimmt von Rechtswegen am Kongress

teil. Der Verwaltungsrat wählte

zudem Arthur Scheidle als Vertreter

in den ANCI-Nationalrat.

Ecocenter AG mit Führung

des Verbrennungsofens

beauftragen

Im Treffen mit Vertretern der Ecocenter

AG und den Präsidenten der

Bezirksgemeinschaften wurde berichtet,

dass der neue Verbrennungsofen

bereits 2013 in Betrieb gehen

soll. Der Verwaltungsrat hatte sich

bereits dafür ausgesprochen, dass

mit der Führung die Ecocenter AG

beauftragt werden solle. Damit alle

Gemeinden und Bezirksgemeinschaften

den Dienst beanspruchen

können, sei es erforderlich, dass sie

mit wenigstens einer Aktie an der

Ecocenter AG beteiligt sind, wobei

die Stadt Bozen den neuen Aktionären

Aktien abtreten soll. Damit

nicht einige Gemeinden ihre Abfalltarife

kräftig erhöhen müssen, ist es

notwendig bei der Landesregierung

zu intervenieren, dass diese einen wesentlichen

Teil der Finanzierung der

Errichtung des Verbrennungsanlage

übernimmt.

Grippevirus: Bürgermeis-

ter soll die Schulschließung

anordnen

Im Treffen zum Umgang mit dem

Grippevirus A/H1N1, bei dem die

Schulamtsleiter und der Gemeindenverband

anwesend waren, wurde

vereinbart, dass im Extremfall, auf

Empfehlung des zuständigen Hygienedienstes,

der Schuldirektor

die Schließung von Klassen und

der Bürgermeister die Schließung

der Schule anzuordnen hat.

Anfragen an Direktor der

Agentur der Einnahmen

gerichtet

Im Treffen mit Goffredo Piscopo,

Direktor der Agentur der Einnahmen

von Bozen, wurden jüngst

folgende Punkte besprochen:

• Mehrwertsteuer-Nachforderungen

für Enteignung von

Gründen: Bekanntlich müssen

einige Landwirte für Enteignungsentschädigungen,

welche

sie ohne Mehrwertsteuer kassiert

haben, nun die Mehrwertsteuer

nachzahlen. Sie verlangen in der

Folge, dass ihnen die Gemeinde

den Betrag rückerstattet. Die

Agentur der Einnahmen hat zugesagt,

auf eine schriftliche Anfrage

des Gemeindenverbandes

zu klären, ob die Gemeinde die

Nachzahlung tätigen kann.

Der Verwaltungsrat beschließt

außerdem, eventuell auch den

Rechnungshof mit diesen Fragen

zu befassen.

• Ausschluss der Mehrwertsteuer

bei der Müllabfuhrgebühr: Mit

einer weiteren Anfrage an die

Agentur der Einnahmen möchte

der Gemeindenverband Klärung

in Bezug auf jene Situation

erhalten, die sich aufgrund

des jüngsten Urteils des Verfassungsgerichtshofes

ergeben

hat. Klärungsbedarf besteht

bezüglich der Erstellung des

Haushaltsplans 2010, aber auch

bezüglich eventueller Rückforderungsanträge

von Seiten der

Bürger.

• Registrierung der Raumordnungsverträge:

Anhand eines

konkreten Beispiels wird die

Agentur der Einnahmen zur Registrierung

der Raumordnungsverträge

Stellung nehmen.

zuM AuToR

KLAUS UNTERWEGER

Jurist; leitet das präsidium und die

revisionsdienststelle des südtiroler

Gemeindenverbandes.

35


36

Hugo Leiter

Für den Anschluss von Telefon,

PC und Drucker reicht

mittlerweile ein Netzanschluss

(LAN) aus. Zwei-, drei- oder vierpolige

Kabel und die typischen

Telefonstecker sind Vergangenheit.

Das heißt: Nicht nur weniger

Leitungen, Stecker und

Verbindungskabel, sondern auch

geringere Installationskosten. Im

neu erbauten Rathaus von Leifers

wurde 2006 die erste VoIP-Anlage

installiert. Man entschied sich für

einen „Asterisk“-Telefonserver:

Zum einen handelt es sich um

eine freie Software, zum anderen

ist die Auswahl an passenden

Telefongeräten verschiedener

Hersteller groß. Offene Software

ist im Internet gut dokumentiert

(auch in Diskussionsforen), ein

Reiz für IT-Manager. So wird die

Anlage seit einem Jahr von den

EDV-Technikern der Gemeinde

selbst gewartet.

15 VoIP-Anlagen gibt es mittlerweile

in den Südtiroler Gemeinden.

Wo verschiedene Standorte

wie Bibliothek, Altersheim, Gemeindepolizei

mit dem Rathaus

über DSL, Glasfaser oder WLAN

TECHNOLOGIE

VoIP: ein digitales Netz für alles

Sprache wird digitalisiert, komprimiert, verschlüsselt und über IP-Netze (Internet-

Protokoll) übertragen. Das ist VoIP-Telefonie, „Voice over IP“ oder Sprache über

IP-Netze – auch in Südtiroler Gemeinden und Bezirksgemeinschaften.

Foto: Shutterstock

SERVICE

Telefonieren ist heute auch über Netzwerkverbindungen möglich – kostengünstig, abhörsicher

und vor allem einfach: Das Telefon wird einfach an den USB-Anschluss des Computers gesteckt.

vernetzt sind, konnten Amtstelefone

durch interne Anlagen ersetzt

werden. Fixkosten für die Amtsanschlüsse

entfallen. Der Umzug

eines Mitarbeiters von einem Büro

in ein anderes ist problemlos und

kann vom Mitarbeiter selbst durchgeführt

werden. Das Telefongerät

(wie der PC) muss nur am neuen

Arbeitsplatz ans Netz gesteckt

werden. Durchwahl und interne

Nummer bleiben erhalten.

In einigen Gemeinden wurden

Anschaffungskosten durch den

Einsatz von „Softphones“ reduziert.

Kosten teilen -

Umwelt schonen:

www.gvcc.net/mitfahrboerse

Mitarbeiter telefonieren über einen

Hörer mit Mikrofon, der über den

USB-Anschluss mit dem PC verbunden

ist. Weitere Eigenschaften

der VoIP-Telefonie sind:

• Privatgespräche können gesondert

verrechnet werden. Dazu gibt

der Mitarbeiter am IP-Telefon

eine PIN ein und kennzeichnet

so sein nächstes Telefonat als

Privatgespräch.

• So wie am PC, kann man sich

auch beim IP-Telefon an- und

abmelden, um unautorisierten

Zugriff zu vermeiden.

• Anrufe oder Faxe in Abwesenheit

können umgeleitet oder per E-

Mail mitgeteilt werden.

• IP-Telefonie ist abhörsicher

(nicht so die traditionelle Telefonie).

Daten-Verschlüsselung,

„Intrusion-Detection“, Authentifizierung

und Virtual Private

Networks (VPNs) sind für die

Übermittlung von Sprache übers

Internet verfügbare, ausgereifte

Sicherheitsmechanismen.

• An der IP-Telefonie arbeiten viele

Softwarefirmen. Eigenschaften

werden entwickelt und einige

davon zum Einsatz kommen.

Der Südtiroler Gemeindenverband

hat den Gemeinden und Bezirksgemeinschaften

bereits im Jahr 2005

empfohlen, bei Neuinstallationen

von Telefonanlagen die VoIP-

Technologie vorzusehen.

zuM AuToR

HUGO LEITER

ist Leiter der eDV-Abteilung im

südtiroler Gemeindenverband.


INTERN

Der Südtiroler

Gemeindenverband zu Gast

Fotos: Südtiroler Gemeindenverband

56. Österreichischer Gemeindetag in Lech am Arlberg

Über 2.000 Bürgermeister aus

ganz Österreich und auch eine

Delegation des südtiroler Ge-

meindenverbandes waren zu

dieser Großveranstaltung angereist.

Chiamparino zum ANCI-Präsidenten gewählt

Südtiroler Bürgermeister

unterstützen

Wahl

Die Vollversammlung des ANCI,

des Nationalen Gemeindenverbandes

hat bei ihrer sitzung in

Turin, den dortigen Bürgermeister

sergio Chiamparino zum

neuen präsidenten gewählt.

unterstützt wurde seine Kandidatur

auch von den südtiroler

schritte zur Bewältigung der

Wirtschaftskrise, die Auflegung

eines eigenen Konjunkturpaketes

für die Gemeinden und die Verwaltungsreform

- dies waren

die großen Themen, welche bei

Bgm. Dr. Arthur Scheidle und Amtskollegen Bgm. Dr. Fritz

Karl Messner und der Vize-Präsident des Südtiroler

Gemeindenverbandes, Wilfried Battisti-Matscher im

Gespräch mit der Innenministerin Maria Fekter.

Bürgermeistern, die als Vertreter

des Gemeindenverbandes nach

Turin gekommen waren: Bozens

Bürgermeister Dr. Luigi spagnolli,

Bürgermeister Wilfried Battistimatscher

(Kaltern) und Bürgermeister

Dr. Arthur scheidle (Klausen).

unterstützt wurde Chiamparino

von allen politischen Lagern unter

anderem auch von roms Bürgermeister

Gianni Alemanno.

Foto: ANCI

der Veranstaltung von dem präsidenten

des Österreichischen

Gemeindebundes, Helmut mödlhammer,

und weiteren namhaften

politikern wie dem Bundespräsi-

denten Heinz Fischer, der Innenministerin

maria Fekter, der

Lebensminister Niki Berlakovich

angesprochen wurden.

Die Delegation des Südtiroler Gemeindenverbandes, bestehend

aus Bgm. Dr. Arthur Scheidle, Bgm. Dr. Fritz Messner, Geschäftsführer

Dr. Benedikt Galler und Vizepräsident Bgm. Wilfried

Battisti-Matscher, gemeinsam mit dem Direktor des Bayerischen

Gemeindetags, Dr. Jürgen Busse (2.v.l.).

Sergio Chiamparino:

Studium der Politikwissenschaften;

seit 2001 Bürgermeister

von Turin; Präsident

des italienischen Gemeindeverbandes

ANCI und Mitglied

der Koordinationsgruppe der

italienischen Großstädte mit

Sonderstatus.

37


38

Historischer Moment

Christian Egartner, Arnold Schuler und Sepp Noggler haben’s

geschafft. Die drei ehemaligen Bürgermeister haben ihre Wurzeln

nicht vergessen. Als Neo-Landtagsabgeordnete brachten sie

innerhalb kurzer Zeit einen Gesetzesentwurf zum Rat der Gemein-

den ein, welcher auf den jahrelangen Bemühungen und emsigen

Vorarbeiten des Gemeindenverbandes fußte. Immer wieder ab-

geblockt, hat sich die geforderte Aufwertung nun durchgesetzt.

Der „Rat“ ist künftig kein Feigenblatt mehr, hat einen institutio-

nellen Stellenwert und endlich eine aktive Rolle: Er muss ernst

genommen werden, die Gemeinden müssen ernst genommen

werden! Die Weichen für die Zukunft sind in die Richtung „echte

Partnerschaft“ zwischen Land und Gemeinden gestellt. Und alle

Bürger werden von dieser profitieren!

Der Gemeine

SCHNAPPSCHUSS

„Der Schnappschuss

schaut eher

nach Fotomontage

aus!“

DAS ALLERLETZTE

Acht (09)

GLOSSE

Das ist zwar „erst“ die achte Ausgabe unserer in Stadt und Land

beliebten Zeitschrift. Da aber dieses Jahr bekanntlich dem Tiroler

Heldenjahr 1809 gewidmet ist, soll auch diese vielgelesene Rubrik

im Zeichen von (anno) 9 stehen.

Schließlich sind auch wir Gemeindeler aufrechte Patrioten. Auch wenn

wir nicht zum Festumzug nach Innsbruck eingeladen waren.

Manche Bürgermeister, selbsteingenommen wie diese Spezies nun

einmal ist, haben sich zwar über diese Ausgrenzung beschwert und

gemeint, sie hätten sich die Andreas-Hofer-Wurst, die den Nordtiroler

Kollegen für die Teilnahme serviert wurde, schon selber bezahlt.

Aber man muss das schon verstehen: Wenn von den 20.000 geladenen

Teilnehmern ohnehin nur 5000 auf (Süd-)Tirol entfallen, wovon

wiederum 3000 den Schützen vorbehalten sind, dann kann man nicht

auch noch 116 Bürgermeister/innen einladen. Ganz abgesehen davon,

dass man dann die Ehrentribüne hätte vergrößern müssen.

Obwohl, ein großes Gedränge hat es ja für diese Ehrenplätze nicht

gerade gegeben. Man hatte schon im Vorfeld munkeln gehört, dass

die Schützen bei der Defilierung demonstrativ von der Ehrentribüne

wegschauen würden. Ist zwar etwas ungewohnt, dass die Schützen

plötzlich nach links schauen. Aber wer weiß: Vielleicht sind dies schon

die ersten Früchte des Gedenkjahres. Letzthin hat sogar Japan links

gewählt und die hatten ja auch viele Kamikazes.

Überhaupt mehren sich die Zeichen, dass anno 9 nicht der Vergangenheit

angehört.

Wie damals geht ein geheimes Raunen durch die Täler und immer

öfter hört man wieder die alte Losung „Mander, es isch Zeit!“ Man

spürt es förmlich, dass ein wichtiges Ereignis bevorsteht.

Wenn die Parteigremien, welche jahrelang kaum einmal zusammengetreten

sind, eine Sitzung nach der anderen einberufen, wenn plötzlich

Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Sozialausschüsse gegründet werden,

wenn die „young generation“ und das Frauenvolk sich sammelt,

wenn die Oppositionsparteien noch mehr Pressemitteilungen als sonst

verschicken und ihre Sprüche von Tag zu Tag beleidigender werden,

wenn die hohen Politiker aus Rom und Bozen wie Heuschreckenschwärme

übers Land ziehen, dann „isch es Zeit“ für Wahlen.

Verwundert verfolgen Bürgermeister, Referenten und Räte (die -innen

natürlich auch) das bunte Treiben, das plötzlich losgebrochen ist.

Sie lauschen mit Andacht den vollmundigen Parolen und schämen

sich ein wenig, dass ihnen all die einfachen Lösungen für komplexe

Probleme selbst nicht eingefallen sind.

Der eine oder andere fragt sich sogar, wo all diese engagierten Leute,

die sie in den letzten viereinhalb Jahren so selten gesehen haben,

nun plötzlich herkommen.

Aber so ist es immer bei großen Ereignissen: was wirklich zählt, das

ist nicht die mühsame Tagesarbeit, was die Massen begeistert, das

sind Visionen. Neue Ideen brauchen die Gemeinden.

Neue Verwalter natürlich auch. Wie gut, dass die „Alten“ schon

bei Zeiten entsorgt wurden. Sie haben uns ja wirklich nur einen

Scherbenhaufen hinterlassen, wenn wir unsere Dörfer und Städte

so anschauen.

Die Frage, welche die Südtiroler und -innen brennend interessiert ist:

Wer werden die Neuen sein?

Werden es – wie anno 9 – wieder die Wirte sein, die die Führung

übernehmen? Oder doch zumindest die Land-wirte?

Aber darüber sollten sich die Leute nicht allzu viele Sorgen

machen. Gott sei dank gibt es ja die Partei(en), welche

die undankbare Last schultern, die richtigen Kandidaten

auszusuchen. Es genügt, am Wahltag bereit zu sein, wenn

es wieder einmal heißt: „Mander es isch Zeit!“


PR-INFO

E-Payment: 48 Gemeinden

schon mit dabei!

Bereits 48 Gemeinden in Südtirol wenden E-Payment an.

185.000 Rechnungen wurden seit Beginn des Jahres eingegeben.

Mithilfe der Plattform E-

Payment, einem Gemeinschaftsprojekt

zwischen Südtiroler

Sparkasse AG, Autonome Provinz

Bozen, Südtiroler Gemeindenverband

und Südtiroler Informatik

AG können die Bürger ihre

Zahlungen an die öffentlichen

Verwaltungen ganz bequem über

Vorteile für den Bürger

das Internet Banking tätigen. Müllentsorgungskosten,

Abwasser-

und Trinkwassergebühren, Kindergartenbeiträge,

Schulausspeisung,

Gemeindeimmobiliensteuer (ICI)

und vieles mehr werden von den

verschiedenen lokalen Körperschaften

in einer Datenbank zum

Abruf bereitgestellt. Sie können

• Kein Gang zur Bank und kein lästiges Abtippen der Rech-

nungsdaten mehr notwendig. Die Zahlung kann mit einem

einfachen Klick übers Internet durchgeführt werden.

• Man ist nicht mehr an die Schalteröffnungszeiten gebunden.

Die rechnungsdaten sind zu jeder Zeit und jederorts abruf-

bar. ein zugestellter Beleg ist zur Zahlung nicht mehr länger

notwendig.

• Tippfehler werden vermieden! Die Zahlungsvordrucke im Inter-

net Banking aller teilnehmenden Banken, sind bereits ausgefüllt

und brauchen nur noch bestätigt werden.

• Das Fälligkeitsdatum für die Auftragserteilung muss nicht

abgewartet werden! Der Zahlungsauftrag kann vom Bürger

sofort und ohne Nachteile erteilt werden.

• Kein Vergessen mehr! Offene Schuldpositionen sind für den

Bürger sofort und immer ersichtlich – dies bedeutet, dass nie

mehr Verzugszinsen gezahlt werden müssen.

• Es ist außerdem möglich, auch eine Zahlung für Dritte vorzu-

nehmen!

Universitätsgebühren, Tickets im Gesundheitswesen, Sanktionen

und Strafmandate, Kursgebühren, Tagessätze für Alters- und Pflegeheime

sowie Tagesmütter und Kindertagesstätte - dies sind einige

jener Gebühren die in naher Zukunft ebenfalls ohne umständliche

Prozeduren und lange Wege vom Bürger mit einem simplen Klick

bezahlt werden können.

im ISI-net unter dem Menüpunkt

„Zahlungsaufträge“ / „Lokale Abgaben“

eingesehen und bezahlt

werden.

Die Südtiroler Sparkasse ist im

Rahmen eines gesamtitalienischen

Wettbewerbs zur Förderung der

Innovation im Bankenwesen ausgezeichnet

worden.

Das Projekt E-Payment, welches

die Einsicht und Bezahlung von

Gebühren und Abgaben übers

Internet ermöglicht, erlangte in

der Kategorie „Zahlungsverkehr“

den ersten Platz.

Folgende Vorteile für öffentliche

Körperschaften und für Bürger/-

Innen können angeführt werden:

Vorteile für die öffentliche Körperschaft

• Arbeitserleichterung und Effizienzsteigerung durch eindeutige

und automatisierte Zuordnung von schuldpositionen und er-

folgtem Inkasso.

• Potentielle Ausgangsbasis zur Dematerialisierung der Rech-

nungs- und Zahlungsbescheide.

• Das Bezahlen von Abgaben wird bequemer und einfacher ge-

macht! Dies ist ein zusätzlicher und wertvoller service für jene

Bürger, welche bereits Bankgeschäfte „online“ durchführen.

• Potentielle Reduzierung säumiger Zahler! Die Bürger werden

indirekt und nicht mehr nur durch postzustellung an offene

rechnungen erinnert.

• Überweisungen in Anwesenheit eines „Freccia“ ist über diese

plattform nicht mehr möglich! Die mittels Bankerlagschein

„Freccia“ eingehobenen Abgaben erfolgen automatisch über

dieses Zahlungsmittel.

• Die bestehende Verwaltung der Zahlungsflüsse bleibt unver-

ändert! Dieser Dienst kann unabhängig vom schatzmeister

angeboten werden.

Welche Gemeindegebühren und Abgaben bereits heute übers Internet

Banking eingesehen und bezahlt werden können, findet man

beispielsweise auf der Webseite des Südtiroler Gemeindenverbandes

(http://data.gvcc.net/EpayOnline/).

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Die Lösung!

Abgaben und Gebühren einfach

über Internet bezahlen.

Abgaben und Gebühren über Internetbanking,

ISI-net, einsehen und bezahlen. Ganz einfach mit einem Klick.

In folgenden Gemeinden ist die Bezahlung der Abgaben und Gebühren über ISI-net möglich:

Algund - Branzoll - Brenner - Bruneck - Deutschnofen - Enneberg - Eppan an der Weinstrasse -

Feldthurns - Glurns - Graun im Vinschgau - Gsies - Innichen - Kastelruth - Kurtinig an der Weinstrasse -

Laas - Lajen - Latsch - Mals - Marling - Mölten - Nals - Naturns - Neumarkt - Partschins - Pfi tsch -

Plaus - Prad am Stilfserjoch - Rasen Antholz - Riffi an - Sand in Taufers - Sankt Martin in Thurn -

Sarntal - Schenna - Schluderns - Schnals - Sexten - St.Ulrich - Stilfs - Taufers im Münstertal -

Terenten - Terlan - Tirol - Tisens - U.L.Frau i.W.-St.Felix - Villnöss - Völs - Welschnofen - Wengen

www.sparkasse.it

840 052 052

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