Jahresbericht 2011 - World Vision

worldvision.de

Jahresbericht 2011 - World Vision

Zukunft für Kinder !

Jahresbericht 2011

1


Über World Vision

Unsere Vision 3

Bericht des Präsidiums 4

Bericht des Vorstands 5

Vorgestellt: World Vision 6

Organisation und Trägerschaft 8

Informationen

für Paten und Spender 10

Unsere Grundwerte 11

World Vision Stiftung 12

Mitgliedschaften 13

2

Inhalt

Projektarbeit Finanzen

Übersicht der

geförderten Projekte 14

Globale Herausforderungen 16

Entwicklungszusammenarbeit 18

Humanitäre Hilfe 20

Entwicklungspolitische

Anwaltschaftsarbeit 22

Forschung und Innovation 23

Beispiele aus der Projektarbeit 24

Qualitätsstandards, Kodexe und

Selbstverpflichtungen 29

Projektmanagement 30

Rückschläge und Krisen in der

Projektarbeit 32

Risiken wirksam begegnen 33

Projektcontrolling 34

Kontrollmechanismen 35

Wirkungsbeobachtung –

den Projekterfolg messen 36

Finanzbericht 2011 40

Bilanz zum 30.09. 2011 42

Erträge im Finanzjahr 2011 44

Mittelverwendung im

Finanzjahr 2011 46

Bestätigungsvermerk des

Wirtschaftsprüfers 49

Strategie und Ausblick auf das

Geschäftsjahr 2012 50

Impressum

Herausgeber: World Vision Deutschland e.V.

Verantwortlich: Christoph Waffenschmidt, Christoph Hilligen

Redaktion: Kurt Bangert, Sabine Ehler, Thomas Giebel, Christoph Hilligen, Dirk Jacobs,

Martin van de Locht, Susanne Rentschler, Artur Siemens, Manfred Zwikla

Satz und Gestaltung: Maria Beissel, Susanne Rentschler


Über World Vision

Projektarbeit Finanzen

Unsere Vision

Unsere Vision ist eine gerechtere Welt,

in der alle Menschen in Würde leben

und ihr Dasein sinnvoll gestalten können.

Eine Welt, die Hunger und Elend nicht

toleriert und die geprägt ist vom Willen

zur Versöhnung.

Eine Welt, in der Menschen in geheilten

Beziehungen leben: zu sich selbst, miteinander,

zu Gott und seiner Schöpfung.

Eine Welt, in der die Völker zu

Verständigung und Frieden finden.

Als Christen unterschiedlicher

Konfessionen wollen wir durch tätige

Nächstenliebe materielle, seelische und

geistige Not lindern.

Uns eint die Hoffnung auf eine bessere

Zukunft und die Verantwortung für das

Wohl der Menschen.

Dabei gilt unsere besondere Aufmerksamkeit

den Kindern dieser Welt.

3


Über World Vision

Bericht des

Präsidiums

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem vorliegenden Jahresbericht

möchten wir die Arbeit von World

Vision für Sie wieder so transparent

wie möglich machen. Wie ein roter

Faden zieht sich als übergeordnetes

Ziel das Wohlergehen und die gesunde

Entwicklung von Kindern durch

alle Arbeitsbereiche. Wir hoffen, dass

zwischen den Zeilen auch etwas von

der Leidenschaft spürbar wird, mit der

sich die Mitarbeiter von World Vision

weltweit für dieses Ziel einsetzen!

Wirkungsbeobachtung

und Weiterentwicklung

unserer Projekte

Der besondere Ansatz der Projektarbeit

von World Vision hat sich über 60 Jahre

hinweg entwickelt. Er zielt darauf ab,

zusammen mit unseren Partnern in den

Dorfgemeinschaften das Umfeld von

Kindern so zu verbessern, dass sie sich

gesund entwickeln können. Die Wirkung

unserer Arbeit muss dabei immer

wieder genau geprüft, bewertet

und angepasst werden. Wie wir die

Wirkung unseres Engagements messen,

möchten wir Ihnen ab Seite 36

besonders ausführlich vorstellen.

Nachhaltige Hilfe

Zum Thema Nachhaltigkeit gehört

auch, dass die Hilfe von World Vision

nach jahrelanger partnerschaftlicher

Zusammenarbeit nicht mehr nötig ist

und die Menschen die Entwicklung ihrer

Dörfer und Gemeinschaften selbstständig

weiterführen. Der Abschluss

von Projekten ist so gesehen eigentlich

nur eine „Projektübergabe“ – und ein

Grund zum Feiern. Im Finanzjahr 2011

konnte World Vision Deutschland

4

100,0

90,0

80,0

70,0

60,0

50,0

40,0

30,0

20,0

10,0

0,0

Projektarbeit Finanzen

Wilfried Bohlen

vier Projekte in Mali, Ghana, Malawi

und Tansania erfolgreich abschließen.

Damit stehen Kapazitäten zur

Verfügung, um an anderen Orten

zusammen mit der Bevölkerung neue

Entwicklungsprojekte zu starten.

World Vision Stiftung

Wir sind dankbar für die gesunde wirtschaftliche

Entwicklung von World

Vision Deutschland im Finanzjahr 2011.

Um noch mehr Menschen zu helfen,

stehen nun auch die Kapitalerträge

der World Vision Stiftung jährlich

neu zur Verfügung. Mit diesen regelmäßigen

Einkünften kann World

Vision zusätzlich wichtige Projekte und

Innovationen in Forschung, Projektund

Anwaltschaftsarbeit finanzieren.

Sehr erfreulich war in diesem

Zusammenhang die Förderzusage

des Bundesministeriums für Bildung

Einnahmen in den Finanzjahren (FJ)

2007 - 2011 in Mio. Euro

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

18,4

11,5

61,6

1,4

12,5

63,1

1,2

12,4

62,4

1,9

14,4

68,6

FJ 07 FJ 08 FJ 09 FJ 10 FJ 11

FJ07 FJ08 FJ09 FJ10 FJ11

Hertha-Maria Haselmann

10,0

10,8

69,5

und Forschung für die zweijährige

Grundlagenforschung „Soziale

Innovationen in Deutschland“.

Danke!

Wir möchten allen Patinnen und Paten,

Spendern, Unternehmen und öffentlichen

Gebern für das Vertrauen zu unserer

Arbeit danken. Lassen Sie uns

auch 2012 zusammen daran arbeiten,

dass die Vision von einer besseren

Zukunft für Kinder Wirklichkeit wird!

Wilfried Bohlen,

Vorsitzender des Präsidiums

Hertha­Maria Haselmann,

Stellv. Präsidiums­Vorsitzende

Einnahmen von

Kooperationspartnern

Öffentliche Zuschüsse

Spenden

Einnahmen von

Kooperationspartnern

Öffentliche Zuschüsse

Spenden


Bericht des

Vorstands

Liebe Leserin, lieber Leser,

ebenso wie das Vorjahr war auch 2011

stark von Naturkatastrophen geprägt.

Auf das Erdbeben in Japan folgte im

Sommer die Hungerkatastrophe am

Horn von Afrika. Diese Krise war noch

nicht überwunden, als sich bereits

im Westen Afrikas eine dramatische

Hungersnot entwickelte. Zeitweise waren

rund 25 Millionen Menschen vom Hunger

bedroht. World Vision leistet in Ost­ und

Westafrika umfangreiche humanitäre

Hilfe. Zusätzlich soll mit der Fortsetzung

der Entwicklungsarbeit eine bessere

Grundlage geschaffen werden, um den

immer häufiger auftretenden Dürren

und Ernteausfällen zu begegnen. Trotz

der Erfolge in der Projektarbeit bleibt

die bittere Erkenntnis, dass zumindest

die Krise in Ostafrika wahrscheinlich vermeidbar

gewesen wäre (siehe Seite 32).

Finanzielle Situation

Die höheren Spendeneinnahmen durch

Naturkatastrophen spiegeln sich auch in

der Ertragsrechnung für das Finanzjahr

2011 wider. Mit insgesamt 91,6 Mio. Euro

lagen die Einnahmen 6,5 Prozent über

dem Vorjahr. Von den gesamten Erträgen

sind 69,5 Mio. Euro dem Bereich der

privaten Zuwendungen zuzuordnen

(75,9 %). Erfreulich ist, dass das Finanzjahr

2011 mit dem höchsten Stand an

Patenschaften abgeschlossen wurde, den

es jemals zum Ende eines Finanzjahres

gab (siehe Diagramm). Außerdem konnte

im Finanzjahr 2011 der in der Geschichte

von World Vision Deutschland höchste

Betrag in die Projektarbeit transferiert

werden. Wir danken allen Patinnen und

Paten, Spendern, Unternehmen und

öffentlichen Gebern, ohne die diese

Arbeit nicht möglich wäre!

Christoph Waffenschmidt

Christoph Hilligen

Lichterkinder 2011

Ein besonderer Erfolg des Jahres 2011

war sicher die Laternenlauf­Aktion

„Lichterkinder“. Rund um Sankt Martin

ruft World Vision alle Kindergärten,

Erzieher, Eltern, Grundschulen, Vereine

und vor allem die Kinder in Deutschland

dazu auf, kreativ zu sein und sich zugleich

für Kinder in armen Ländern einzusetzen.

2011 meldeten sich fast 1.000

Gruppen mit insgesamt über 50.000

Kindern dazu an. Mit den Einnahmen,

die durch die Aktion zusammengekommen

sind, wird das „Starthelfer“­

Projekt Melghat in Indien unterstützt.

Gesunde Kinder Weltweit

Im Zeitalter der Globalisierung können

wir die Probleme in unterschiedlichen

Ländern nicht mehr isoliert betrachten.

Entscheidungen, die in Deutschland

in der Politik und Wirtschaft getroffen

werden, können die Situation

von Kindern in Entwicklungsländern

maßgeblich beeinflussen. World Vision

Deutschland hat daher auch 2011

mit der internationalen Kampagne

„Gesunde Kinder Weltweit“ öffentlich

auf die Problematik der weltweiten

Kindersterblichkeit aufmerksam gemacht.

Politiker in Industrienationen

sollen auf diese Weise dazu bewegt

werden, die Zusagen verschiedener

G8­Gipfel einzuhalten und auch den

Verpflichtungen, die sich aus den

Millenniumszielen der Vereinten

Nationen ergeben, nachzukommen.

Außerdem sollen nationale Regierungen

in Entwicklungsländern

dazu gebracht werden, Kinder,

Mütter und Familien besser zu

schützen und stärker in effiziente

Tsd.

160.000

155 155.000

150.000 150

145.000 145

140 140.000

Gesundheitssysteme zu investieren. FJ 07

Ausblick und Strategie

Ab Seite 50 möchten wir Ihnen einen

Einblick in unsere strategische Planung

geben. Vor dem Hintergrund der Krisen

in Ost­ und Westafrika werden wir das

Engagement in der Region in den nächsten

Jahren sicher ausweiten. Auf jeden

Fall muss auch die Arbeit im Bereich

der Krisenprävention ausgebaut werden,

um besser auf die zunehmenden

Naturkatastrophen vorbereitet zu

sein. Um die Krisenanfälligkeit ganzer

Regionen signifikant zu reduzieren,

bedarf es allerdings der gemeinsamen

Anstrengungen von Regierungen,

Universitäten, Unternehmen und Hilfswerken.

World Vision ist bereit, hier

einen noch größeren Beitrag zu leisten.

Christoph Waffenschmidt

Vorstandsvorsitzender

Christoph Hilligen

Stellv. Vorstandsvorsitzender

Anzahl der Patenkinder am Ende

der Finanzjahre (FJ) 2007-2011

156.783 156.960

155.304

157.099 157.229

FJ 08 FJ 09 FJ 10 FJ 11

FJ07 FJ08 FJ09 FJ10 FJ 11

5


Über World Vision

6

Projektarbeit Finanzen

Vorgestellt: World Vision

Unsere Ziele

World Vision Deutschland e. V. wurde

1979 gegründet. Gemeinsam mit

unseren Partnern in Entwicklungsländern

möchten wir Armut, Hunger und Ungerechtigkeit

nachhaltig überwinden (siehe

auch Auszug aus der Satzung auf S. 7).

Außerdem soll durch die Arbeit von

World Vision Leid in Krisengebieten

gelindert und verhindert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet

World Vision in drei Bereichen: nachhaltige

Entwicklungszusammenarbeit,

Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische

Anwaltschaftsarbeit. Ein besonderer

Fokus liegt in allen Arbeitsbereichen

auf dem Wohlergehen und der gesunden

Entwicklung von Kindern.

Projekte der Humanitären Hilfe

Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit

nd e. V. ist durch Bescheid des Finanzamtes Bad Homburg als ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten von World Vision mildtätigen bildet dieZwecken Versorgung dienend anerk

ch §§ 52ff. der Abgabenordnung stammt vom 4. Januar 2012 (Steuer­Nummer 00325099188). von Katastrophenopfern sowie Kriegsund

Hungerflüchtlingen. Die Finanzierung

nd e. V. ist durch Bescheid des Finanzamtes Bad Homburg als ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten dieser Projektemildtätigen erfolgt zumZwecken Teil überdienend

anerk

ch §§ 52ff. der Abgabenordnung stammt vom 4. Januar 2012 (Steuer­Nummer 00325099188). private Spenden, vor allem aber über

Kooperationen mit „Aktion Deutschland

Entwicklungs-

Hilft“, dem Auswärtigen Amt, der

zusammenarbeit

Europäischen Union und dem Welternährungsprogramm

der Vereinten

Nationen (vollständiger Artikel ab S. 20).

Humanitäre

Hilfe

Verein

Entwick lungs-

politische

Anwaltschafts-

arbeit

World Vision Deutschland e. V. (Sitz:

Friedrichsdorf) ist durch Bescheid

des Finanzamtes Bad Homburg als

ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten,

mildtätigen Zwecken dienend

anerkannt. Der letze vorliegende

Freistellungsbescheid nach §§ 52 ff. der

Abgabenordnung stammt vom 4. Januar

2012 (Steuer­Nummer 00325099188).

Der Verein ist im Vereinsregister beim

Amtsgericht Bad Homburg registriert.

Entwicklungszusammenarbeit

Unsere Projekte der Entwicklungszusammenarbeit

sind als umfassende

und nachhaltige Hilfe zur

Selbsthilfe konzipiert. Ermöglicht

werden diese Projekte vor allem

durch Kinderpatenschaften – eine

Unterstützungsform, die durch die

Kontakte zwischen Menschen in

Deutschland und in den Entwicklungsländern

auch einen wichtigen Beitrag

zur Völkerverständigung leistet (vollständiger

Artikel ab Seite 18).

Entwicklungspolitische

Anwaltschaftsarbeit

Der dritte Arbeitsbereich von World

Vision Deutschland ist die entwicklungspolitische

Anwaltschaftsarbeit. Mit

diesem Arbeitszweig möchten wir die

Menschen in Deutschland über die

Ursachen von Hunger, Armut und

Benachteiligung in den Entwicklungsländern

aufklären und sie zum verantwortungsvollen

Handeln motivieren

(vollständiger Artikel ab Seite 22).

Christliche Motivation

Als Christen unterschiedlicher Konfessionen

helfen die Mitarbeiter von

World Vision weltweit Menschen

in Not, unabhängig von ethnischer


Auszug aus der Satzung

§ 2 Zweck des Vereins

2.1 Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar

gemeinnützige und mildtätige Zwecke

im Sinne des Abschnittes „Steuerbegünstigte

Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck des

Vereins ist die Förderung der Jugendpflege

und Jugendfürsorge, Bildung und Erziehung

sowie die Förderung internationaler

Gesinnung, der Toleranz und christlicher

Nächstenliebe auf allen Gebieten, der

Kultur und der Völkerverständigung.

2.2 In diesem Rahmen leistet der Verein für

Menschen in den Armutsgebieten dieser

Welt Hilfe. Dies geschieht insbesondere

weltweit durch kinderorientierte Projekte

der Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre

Nothilfe, Anwaltschaftsarbeit,

Herkunft, Religion oder Nationalität.

World Vision hat christliche Wurzeln,

Werte und Arbeitsgrundsätze. Die

Arbeit von World Vision folgt dem

diakonischen Auftrag der Bibel, sich

in christlicher Nächstenliebe für die

Benachteiligten, Notleidenden und

Entrechteten dieser Welt einzusetzen.

Arbeitsbeziehungen

World Vision International unterhält

offizielle Arbeitsbeziehungen zur

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

und zu UNICEF und hat Beraterstatus

beim Flüchtlingskommissariat (UNHCR)

sowie beim Wirtschafts­ und Sozialrat

der Vereinten Nationen (ECOSOC).

Vom Weltkirchenrat ist World Vision

als ökumenische Organisation anerkannt.

Weitere Informationen über

Mitgliedschaften, Qualitätsstandards

und Selbstverpflichtungen finden

Sie auf den Seiten 13 und 29.

Die internationale Struktur

von World Vision

Die meisten nationalen Büros von

World Vision, wie etwa World Vision

Deutschland, sind selbstständig, werden

von nationalen Vorständen geführt

und nach nationalem Vereins­ und

Stiftungsrecht organisiert. Zusammen

technische und geistliche Hilfsdienste sowie

die Förderung christlicher Werte.

2.3 Der Vereinszweck gemäß Absatz 1 wird

auch dadurch verwirklicht, dass der Verein

im Rahmen des § 58 Nr. 2 – 4 AO teilweise

seine Geld­ und Sachmittel, einschließlich

seiner sämtlichen Vermögenswerte, einer

anderen steuerbegünstigten Körperschaft

oder einer Körperschaft des öffentlichen

Rechts zur Förderung der Jugendpflege und

Jugendfürsorge, der Bildung und Erziehung

sowie der Förderung internationaler Gesinnung,

der Toleranz und christlicher Nächstenliebe

auf allen Gebieten, der Kultur und der

Völkerverständigung zuwendet oder im

Rahmen des § 58 Nr. 1 AO Geld­ und

gehören sie zur internationalen World

Vision­Partnerschaft, die derzeit in 97

Ländern aktiv ist (vgl. � wvi.org).

Verbunden sind die Mitglieder dieser

Partnerschaft durch gemeinsame Ziele

und Grundwerte sowie durch einen

Partnervertrag, der Verpflichtungen und

Rechte festschreibt. Dazu gehört etwa,

dass sich jedes nationale Büro regelmäßig

einem Kontrollprozess („Peer Review“)

durch andere nationale Büros unterzieht.

Das höchste Organ von World Vision

International ist das „Council“ (internationale

Mitgliederversammlung),

in dem alle nationalen Büros mit

gleichem Stimmrecht vertreten sind.

Das höchste Aufsichtsgremium ist das

World Vision Board“, das sich aus 24

ehrenamtlichen Vertretern der nationalen

Büros zusammensetzt, die zweimal

im Jahr zusammenkommen, um strategische

Grundsatzentscheidungen zu treffen,

die die World Vision­Partnerschaft

als Ganzes betreffen. Vorsitzender

des Boards war im Berichtsjahr der

Brasilianer Roberto Costa de Oliveira.

Für die internationalen Koordinierungsaufgaben

von World Vision ist das in

London ansässige „Executive Office“ in

Abstimmung mit vier weiteren internationalen

Büros (in Brüssel, Genf, New

York und Los Angeles) zuständig.

Sachmittel zur Förderung dieser steuerbegünstigten

Zwecke durch eine steuerbegünstigte

inländische Körperschaft, eine

Körperschaft des öffentlichen Rechts oder

eine andere ausländische Körperschaft

beschafft. Des Weiteren wird der Vereinszweck

durch den Personaleinsatz gmäß § 58

Nr. 3 AO verwirklicht.

2.4 Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht

in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

Die vollständige Satzung kann im Internet

unter � worldvison.de/satzung abgerufen

werden. Unter � worldvision.de/jahresbericht

sind neben diesem Jahresbericht auch die

Berichte der letzten Jahre online verfügbar.

Dem Londoner Büro steht seit 2009

der Kanadier Kevin Jenkins als Präsident

der internationalen World Vision­

Partnerschaft vor. Zu den Aufgaben

dieses Büros gehören unter anderem die

Repräsentanz nach außen, die Entwicklung

internationaler Qualitätsstandards

für die Projektarbeit, die interne

Revision der nationalen Büros und die

Koordination von Hilfseinsätzen bei

humanitären Katastrophen.

International World Vision Council

International World Vision Board

International Executive Office

International President

Organe der World Vision Partnerschaft

7


Über World Vision

Organigramm von World Vision Deutschland e. V. :

Vereins organe und Abteilungen

8

Medien

Anwaltschaft

World Vision Institut

Paten- und

Spenderservice

Fundraising

Marketing

Projektarbeit Finanzen

Organisation

und Trägerschaft

World Vision Deutschland e. V. ist als eingetragener Verein rechtlich, organisatorisch

und finanziell selbstständig und hatte im Finanzjahr 2011 (Stand: 30.9.2011) 19 Vereinsmitglieder

(Vorjahr 18). Sitz des Vereins ist Friedrichsdorf. Träger des Vereins nach

§§ 32 ff. BGB ist die Mitgliederversammlung. Ihre Aufgabe liegt insbesondere in der

Wahl des Präsidiums, in der Entgegennahme des Jahresberichts und in der Entlastung

von Präsidium und Vorstand. Die Mitglieder erhalten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit

keine Vergütung, nachgewiesene Auslagen werden vom Verein erstattet.

Das Präsidium von World Vision Deutschland bestand im Finanzjahr 2011 wie im

Vorjahr aus sieben Mitgliedern. Es ist unter anderem zuständig für die strategische

Ausrichtung des Vereins, die Genehmigung der jährlichen Haushaltsplanung und die

Überwachung der Geschäftsführung des Vorstands. Die Mitglieder des Präsidiums

– mindestens sieben, höchstens aber elf Personen – werden von der Mitgliederversammlung

für einen Zeitraum von drei Jahren gewählt. Es sind maximal zwei

Wiederwahlen eines Präsidiumsmitgliedes möglich. Der Vorsitzende des Präsidiums

hat eine pauschale Entschädigung für seine Tätigkeit im Rahmen der Regelung des

§3 Nr. 26a des Einkommenssteuergesetzes (sog. Ehrenamtspauschale) in Höhe von

500 Euro erhalten. Alle weiteren Mitglieder des Präsidiums erhalten für ihre ehrenamtliche

Tätigkeit keine Vergütung. Nachgewiesene Auslagen werden vom Verein erstattet.

Im Berichtsjahr wurden den Vereins­ und Präsidiumsmitgliedern Reisekosten

(auch für ihre Tätigkeit in den Ausschüssen) in Höhe von rund 12 Tsd. Euro erstattet.

Der Vorstand bestand im Finanzjahr 2011 wie im Vorjahr aus zwei Personen,

dem Vorstandsvorsitzenden Christoph Waffenschmidt und dem stellvertretenden

Vorsitzenden Christoph Hilligen. Der Vorstand wird vom Präsidium ernannt und ist

verantwortlich für die operative Führung des Vereins. Die Mitglieder des Vorstands

Personalausschuss

Werbung &

Kommunikation

Vorstandsvorsitzender

Fachberatung &

Qualitätssicherung

Humanitäre Hilfe

Mitgliederversammlung

Präsidium Finanzausschuss

Internationale

Programme

Regionalabteilung

Afrika /

Lateinamerika

Regionalabteilung

Asien / Osteuropa

Projekt-Finanzen

Stellv. Vorstandsvorsitzender

Personal &

Unternehmenskultur

IT & Systeme

Controlling

Finanzen

Administration


– nach Satzung mindestens zwei Personen – sind hauptamtlich tätig. Die ehrenamtlichen

Mitglieder des Finanzausschusses werden vom Präsidium ernannt und beraten es insbesondere

in Finanzfragen und hinsichtlich des Risikofrüherkennungssystems. Im Finanzjahr

2011 bestand der Finanzausschuss wie im Vorjahr aus drei Mitgliedern: Harald Dürr

(Sprecher), Wilfried Bohlen und Günter Otterbach. Der Personalausschuss ist ein

Unterausschuss des Präsidiums und bestand 2011 wie im Vorjahr aus zwei Personen

(Hertha­Maria Haselmann, Wilfried Bohlen). Er befasst sich mit Personalangelegenheiten

des Vorstands. Details zu den Organen von World Vision Deutschland e. V. sind in der

Satzung geregelt, die Sie im Internet finden: � worldvision.de/satzung.

Die Mitglieder des Kuratoriums werden vom Präsidium berufen. Sie setzen sich ehrenamtlich

in der Öffentlichkeit für die Anliegen von World Vision ein und beraten das

Präsidium. Das Kuratorium bestand Ende des Finanzjahres 2011 wie im Vorjahr aus

sieben Personen.

Präsidium

Wilfried Bohlen

Vorsitzender: Pastor i.R.,

Leichlingen, Theologe, Groß-

und Außenhandelskaufmann

Hertha-Maria Haselmann

Stellv. Vorsitzende: Leiterin

Rehabili tationszentrum

für Drogenabhängige, Frankfurt

am Main, Betriebswirtin

Harald Dürr

Direktor Deutsche Bank,

Frankfurt am Main,

Betriebswirt

Dr. Thomas Kreuzer

Geschäftsführer Dt. Fundraising

Akademie, Frankfurt am Main

Theologe und Kommunikationswissenschaftler

Günter Otterbach

Bankkaufmann i. R.,

Usingen

Elke Werner

Autorin und Referentin, Marburg

Pädagogin für Kunst und Religion

Bärbel Wilde

Pfarrerin i.R., Lüdenscheid

Theologin

Kuratorium

Judith Adlhoch

TV-Moderatorin

Jana Frädrich

Kinderbeauftragte

der Stadt München

Otto Fricke

Rechtsanwalt und

FDP-Bundestagsabgeordneter

Anja Kohl

Redakteurin und

Moderatorin

Günter Nooke

Dipl.-Physiker, Fachphysiker der

Medizin, G8-Afrika-Beauftragter

der Bundeskanzlerin

Volker Schlöndorff

Filmregisseur, Drehbuchautor

und Filmproduzent

Martin Wilde

Geschäftsführer des Bundes

Katholischer Unternehmer

9


Über World Vision

10

Magazin Magazin für für Förderer Förderer von von

World World Vision Vision Deutschland Deutschland e.V. e.V.

Transparenz durch Informationen

(v. l.): Paten erhalten jährlich

einen Bericht über ihr Patenkind

aus dem Projektgebiet. Unser

Patenmagazin „Hilfe Direkt“ informiert

halbjährlich Paten und

Spender über unsere Arbeit. Mit

Projekt- und Länderinformationen

halten wir unsere Paten über die

Projektarbeit auf dem Laufenden.

Der Jahresbericht bietet transparent

alle wichtigen Zahlen

und Fakten über World Vision

Deutschland. Der monatliche

Newsletter versorgt Interessierte

mit Aktuellem. Informationen

zur Arbeit von World Vision gibt

es übrigens auch auf Facebook,

Xing, Youtube und Twitter.

Zukunft für Kinder !

Hilfe Direkt

Projektarbeit Finanzen

Mit Neuigkeiten zum

AUSGABE APRIL 2012

Hunger in Afrika

Verlagerung von Ost nach West (S. 4)

Paten unterwegs ...

... in Sri Lanka (S. 12)

Geboren um zu sterben?

Fokus Kindersterblichkeit, Teil 2 (S. 8)

Zwei Jahre nach dem Beben

Interview zur Lage in Haiti (S. 26)

120210_hd112_final.indd 1 26.04.2012 13:08:01

PROJEKTINFORMATION

PROJEKTNAME

NORDWEST LEYTE

PROJEKTLAND

PHILIPPINEN

PROJEKTNUMMER PHL-171739

PROJEKTLAUFZEIT 1999 bis voraussichtlich 2015

BERICHTSZEITRAUM April 2008 bis September 2010

BEWOHNER IM etwa 117.000

PROJEKTGEBIET

SPRACHE Cebuano

ERWERBS- Landwirtschaft,

GRUNDLAGE Fischerei

Hier lebt Ihr Patenkind mit seiner Familie

Zukunft für Kinder !

ACHTUNG: Nach dem Kopieren und Platzieren sollte ggf. die Gruppierung wieder augehoben

werden (sondern Pantone-Problem!)

Liebe Patin, lieber Pate,

heute erfährst Du, was bei uns in den letzten beiden

Jahren so alles passiert ist. Wie Du vielleicht weißt, lebe

ich in einem kleinen Dorf an der Westküste der Halbinsel

Leyte. Die meisten Familien leben hier in Holzhütten

ohne Wasseranschluss und Müllabfuhr. Als World Vision

hierherkam, hatten viele Kinder zu wenig zu essen und

wurden häufig krank. Einige mussten arbeiten und konnten

nicht zur Schule gehen. Doch alle zusammen arbeiten

wir daran, dass es uns besser geht. Das können wir aber

nur, weil Du und viele andere Paten uns unterstützen.

Dafür ganz herzlichen Dank! Und jetzt: Umblättern und

den spannenden Bericht lesen!

Informationen

für Paten und Spender

Um unsere Projekte der Entwicklungszusammenarbeit

mit den notwendigen

finanziellen Mitteln ausstatten zu können,

sind Öffentlichkeitsarbeit und

Werbung unverzichtbar. Auch Opfern

von Naturkatastrophen können wir nur

helfen, wenn wir mit Spendenwerbung

die erforderlichen Mittel einwerben.

Dabei möchten wir Spender nicht emotional

„überrumpeln“, sondern sie von der

langfristigen Sinnhaftigkeit der Arbeit von

World Vision überzeugen. Daher legen

wir bei unserer Werbung großen Wert

darauf, die Würde bedürftiger Menschen

nicht zu verletzen, und verzichten beispielsweise

auf Bilder, die Personen in

entwürdigenden Situationen zeigen.

Transparenz durch Informationen

Über umfassende Informationen wollen

wir eine größtmögliche Transparenz für

unsere Paten und Spender erreichen.

Beispielsweise erhalten Patinnen und

Paten regelmäßig Informationen über

das Projektgebiet, in dem ihr Patenkind

lebt. Dieser Fortschrittsbericht hält

die Leser darüber auf dem Laufenden,

welche Maßnahmen in den einzelnen

Sektoren, etwa medizinische Versorgung,

Zukunft für Kinder !

Jahresbericht 2011

Wirtschaftsförderung oder Bildung,

durchgeführt werden. Zweimal im Jahr

senden wir unseren Förderern außerdem

das Magazin „Hilfe Direkt“, das

ebenfalls über aktuelle Entwicklungen

der Projektarbeit informiert. Direkt aus

dem Projektland erhalten die Paten auch

die sogenannten „Entwicklungsberichte“

der Patenkinder, in denen zum Beispiel

die schulische und gesundheitliche Entwicklung

beschrieben wird. Natürlich

können die Patinnen und Paten auch

über Briefe in direkten Kontakt mit dem

Patenkind treten und sich so ein besseres

Bild von den Wirkungen der Projektarbeit

machen. Auch Besuche beim

Patenkind sind eine gute Möglichkeit,

das Patenkind und sein Land besser zu

verstehen und sich vor Ort mit eigenen

Augen vom sinnvollen Einsatz der

Spendengelder zu überzeugen.


Unsere Grundwerte

World Vision ist eine weltweite

Partnerschaft, die sich nach christlichen

Maßstäben ausrichtet und aus zahlreichen

national eigenständigen Werken

besteht. Die Partnerschaft hat für ihre

globale Arbeit folgende Grundwerte

vereinbart, die das Handeln aller

Mitarbeiter weltweit prägen sollen:

Wir sind eine christliche

Dienstgemeinschaft

Als Christen bekennen wir uns zu Gott,

der uns zum Dienst an unseren Mitmenschen

berufen hat – im Einsatz für die

Armen und Rechtlosen, in der Sorge um

vernachlässigte Kinder, in der Achtung

von Menschenwürde und Menschenrechten,

in der Forderung nach Gerechtigkeit,

im bedingungslosen Geben.

Wir sind den Armen verpflichtet

Wir haben uns dem Dienst an den

Ärmsten verschrieben, wollen ihr Leid

mildern und für die Verbesserung ihrer

Lebensbedingungen Sorge tragen. Wir

solidarisieren uns mit ihrem Wunsch

nach Recht und Gerechtigkeit. Wir wollen

eine Brücke schlagen zwischen den

Wohlhabenden und den Bedürftigen,

um auf beiden Seiten Veränderungen

zu bewirken. Denn wir alle bedürfen

der Erneuerung und Veränderung.

Wir sind für Menschen da

Menschen sind uns wichtiger als Geld,

Strukturen, Systeme und Institutionen.

Wir achten die Bedeutung, Würde und

Einzigartigkeit eines jeden Menschen.

Wir freuen uns über die Vielfalt verschiedener

Persönlichkeiten aus unterschiedlichen

Kulturen mit eigenen

Beiträgen zu unserer weltweiten Arbeit.

Unsere Arbeitsbeziehungen sind geprägt

durch Mitbestimmung, Partnerschaft,

Ehrlichkeit und die Förderung des

Einzelnen wie der Gemeinschaft.

Wir sind Treuhänder

Wir betrachten die uns zur Verfügung

gestellten Mittel als uns anvertraute

Gaben und verpflichtende Aufgaben

zum Wohl der Bedürftigen. Wir wissen

uns verantwortlich, diese Mittel in

zweckbestimmter Weise zu verwenden

und sie zum größtmöglichen Nutzen der

Armen einzusetzen. Wir orientieren uns

an höchsten professionellen Standards

und legen anhand objektiver Kriterien

Rechenschaft über unsere Arbeit ab.

Wir sind Partner

Wir sind jeweils unabhängige nationale

Vereine innerhalb einer weltweiten

Partnerschaft, die sich über politische

und kulturelle Grenzen hinaus erstreckt.

Auch verstehen wir uns als Partner der

Bedürftigen wie der Wohlhabenden

in einem gemeinsamen Dienst. Als

überkonfessionelles Werk stehen wir

im Dialog mit den Kirchen, deren ganzheitlichem

diakonischem Auftrag am

Menschen wir ebenfalls verpflichtet sind.

Wir suchen die Zusammenarbeit mit

anderen humanitären Hilfswerken.

Wir stellen uns

Herausforderungen

Wir verpflichten uns, in Notfällen,

bei denen Menschenleben bedroht

sind und unser Eingreifen angezeigt

ist, schnell zu handeln. Dort, wo die

Bedürfnisse auf einer tiefgreifenden

und oft komplexen wirtschaftlichen

und sozialen Benachteiligung beruhen,

reagieren wir mit langfristigen

Maßnahmen, die eine wirksame Hilfe

zur Selbsthilfe und eine dauerhafte,

grundlegende Veränderung bewirken.

Grundwerte können nicht verordnet, sie

müssen gelebt werden. Wir verpflichten

uns jedoch, diese Grundwerte zu achten,

sie unseren Entscheidungen zugrunde

zu legen, sie in unseren Beziehungen

zum Tragen kommen zu lassen und

unseren Dienst an ihnen auszurichten.

11


Über World Vision

12

Stiftung

Projektarbeit Finanzen

World Vision Stiftung

Mit einem Grundstockvermögen von

100.000 Euro ausgestattet wurde

die World Vision Stiftung am 30.12.

2009 vom Stiftungsträger World

Vision Deutschland e. V. als rechtsfähige

Stiftung mit Sitz in Friedrichsdorf

gegründet. Sie verfolgt ausschließlich

und unmittelbar gemeinnützige und

mildtätige Zwecke. Zweck der Stiftung

ist die Förderung von World Vision

Deutschland e. V. Organe der Stiftung

sind der Vorstand und der Stiftungsrat.

Der Vorstand der Stiftung führt die

Geschäfte und ist identisch mit dem

Vorstand des Stifters World Vision

Deutschland e. V. Der Stiftungsrat wird

vom Präsidium des Stifters, World

Vision Deutschland e. V., ernannt und

überwacht die Arbeit des Vorstands.

Ziele der Stiftung

Mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital

soll die World Vision Stiftung verlässliche

und dauerhafte Hilfe für von Armut

betroffene Kinder und ihre Familien

ermöglichen. Deshalb unterstützt die

Stiftung gezielt die Arbeitsbereiche

Projektarbeit, Bildungs­ und Anwaltschaftsarbeit

sowie Forschung und

Innovation. Weitere Informationen

zur World Vision Stiftung gibt es online

unter � worldvision-stiftung.de

Die Stiftung unterstützen

Die World Vision Stiftung kann

von Privatpersonen oder Unternehmen

gefördert werden. Zu den

Unterstützungsformen zählen Treuhandoder

Zustiftungen, Stiftungsfonds,

Stiftung auf Zeit, Verbrauchsstiftungen

ebenso wie Spenden.

Die World Vision Stiftung ist Träger

des Forschungs projekts „Soziale

Innovationen in Deutschland“

Im August 2011 erhielt die World

Vision Stiftung die Förderzusage

des Bundesministeriums für Bildung

und Forschung für die zweijährige

Grundlagenforschung „Soziale

Innovationen in Deutschland“.

Durchgeführt wird die Studie vom

World Vision Institut für Forschung

und Innovation und seinem Partner

EBS Universität für Wirtschaft und

Recht im gemeinsamen „Center

for Social Innovation and Social

Entrepreneurship“.


Mitgliedschaften

In diesen Bündnissen und Netzwerken bringt

sich World Vision Deutschland ein:

Aktion Deutschland Hilft (ADH)

In dieser Aktion haben sich zahlreiche deutsche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen,

um im Katastrophenfall koordiniert und effektiv helfen zu können. Schirmherr ist

Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker.

Aktionsbündnis gegen AIDS

Dieses Bündnis vertritt über 100 in der HIV/Aids­Bekämpfung tätige

Nichtregierungsorganisationen sowie über 280 Basisgruppen in Deutschland.

Deutscher Spendenrat

Ein Dachverband Spenden sammelnder Organisationen (private und kirchliche

Träger). Die Mitglieder unterzeichnen eine Erklärung, in der sie sich zu guter

Organisationsführung und Transparenz verpflichten.

Deutsches Bündnis Kindersoldaten

Dieses Bündnis von NROs informiert über die Problematik von Kindersoldaten, betreibt

Lobbyarbeit und ruft zu öffentlichen Aktionen auf. Es versteht sich als deutscher Zweig

der internationalen „Coalition to Stop the Use of Child Soldiers“.

Gemeinsam für Afrika

Ein Bündnis von über 20 Hilfsorganisationen, die sich im Rahmen einer bundesweiten

Kampagne für bessere Lebensbedingungen in Afrika einsetzen. Die Aktion macht auf

Chancen und Potenziale der Menschen in Afrika aufmerksam.

INTEGRA

Ein Netzwerk von 24 deutschen Organisationen, die sich weltweit für die Abschaffung

der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen einsetzen.

Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ (DSGA)

Die deutsche Plattform des „Global Call to Action Against Poverty“ (GCAP), einer internationalen

Kampagne zahlreicher Körperschaften und Einzelpersonen in mehr als 100

Ländern, die sich für ein Ende der Armut einsetzen.

Micha-Initiative

Die Micha­Initiative ist eine weltweite Kampagne zu den Millenniums­Entwicklungszielen,

die Christinnen und Christen zum Engagement gegen extreme Armut und für globale

Gerechtigkeit auffordern möchte.

Plattform Zivile Konfliktbearbeitung

Ein offenes Netzwerk zur Förderung der zivilen Konfliktbearbeitung, in dem sich Einzelpersonen

und NROs gemeinsam für eine friedlichere Welt engagieren. Die Plattform ist

auch Teil einer internationalen Gemeinschaft zivilgesellschaftlicher Akteure.

Voluntary Organisations in Cooperation in Emergencies (VOICE)

Ein Netzwerk von 86 europäischen NROs der humanitären Hilfe. Für die EU ist VOICE

ein wichtiger Ansprechpartner für Nothilfe, Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge.

Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen

Ein Zusammenschluss von ca. 120 NROs der Entwicklungszusammenarbeit, der Nothilfe

und der entwicklungspolitischen Bildungs­, Öffentlichkeits­ und Lobbyarbeit. Ziel ist es,

gemeinsam gegen Armut sowie für die Menschenrechte und die Bewahrung natürlicher

Lebensgrundlagen einzutreten.

WASH-Netzwerk

Ein 2011 von deutschen NROs (darunter World Vision) gegründetes Netzwerk für

Wasser­ und Sanitärversorgung sowie Hygiene (WASH), das dafür eintritt, allen Menschen

Zugang zu einer nachhaltigen Wasser­ und Sanitärversorgung zu ermöglichen.

13


Über World Vision

14

Projektarbeit Finanzen

Übersicht der geförderten Projekte

Über 150.000 Paten und Spender haben

im Finanzjahr 2011 mit ihren Spenden

unsere Arbeit zugunsten bedürftiger

Menschen ermöglicht. Insgesamt konnten

so 289 Projekte in 51 Ländern durchgeführt

werden. Wir unterscheiden vier

verschiedene Projekttypen: Regional­

Entwicklungsprojekte werden durch persönliche

Kinderpatenschaften ermöglicht.

Lateinamerika

regionalentwicklungsprojekte

Starthelfer­Projekte unterstützen gezielt

Kinder unter fünf Jahren und (werdende)

Mütter. Schwerpunktprojekte widmen

sich der Lösung einzelner Probleme in

den Entwicklungsländern, darunter Aids­

Bekämpfung oder Gewerbeförderung.

Unsere Paten und Spender halten wir

mit regelmäßigen Fortschrittsberichten

auf dem Laufenden (s. S. 10).

Starthelferprojekte

Schwerpunktprojekte

Projekte der

Humanitären

Hilfe Patenkinder

Projekte der Humanitären Hilfe unterstützen

Opfer und Betroffene von

Naturkatastrophen oder kriegerischen

Auseinandersetzungen. Diese Projekte

werden maßgeblich durch öffentliche

Zuschüsse finanziert, erfordern aber

auch Eigenmittel von World Vision.

Zahl der

Begünstigten

Förderung

in euro

Bolivien 6 0 5 1 11.741 109.180 3.029.010 €

Chile 0 0 0 1 0 25 39.599 €

Dominikanische Republik 1 0 1 0 0 3.000 113.234 €

El Salvador 0 0 0 1 0 10.000 132.154 €

Guatemala 5 0 1 0 7.527 76.645 2.345.583 €

Haiti 0 0 0 17 0 1.985.924 5.468.741 €

Honduras 3 0 1 0 2.843 46.198 826.353 €

Kolumbien 0 0 0 1 0 1.000 96.430 €

Nicaragua 4 1 4 1 5.818 66.889 1.749.372 €

Peru 4 1 2 0 4.897 54.900 1.471.125 €

Lateinamerika gesamt 23 2 14 22 32.826 2.353.761 15.271.602 €


aSien

regionalentwicklungsprojekte

Starthelferprojekte

Schwerpunktprojekte

Projekte der

Humanitären

Hilfe Patenkinder

Zahl der

Begünstigten

Förderung

in euro

Bangladesch 4 0 4 0 8.316 479.806 2.114.761 €

Indien 4 1 2 0 3.558 137.594 1.303.212 €

Indonesien 3 0 2 3 2.127 130.088 1.570.718 €

Japan 0 0 0 1 0 307.000 1.882.413 €

Kambodscha 3 0 2 0 3.305 58.100 868.174 €

Mongolei 4 1 5 1 6.119 203.292 1.885.627 €

Myanmar 1 1 3 1 802 54.500 637.410 €

Ost-Timor 0 0 0 1 0 63.000 311.000 €

Papua Neuguinea 0 0 0 2 0 53.500 751.472 €

Philippinen 4 0 0 0 6.390 60.000 1.199.798 €

Sri Lanka 1 0 2 1 1.327 12.620 590.186 €

Thailand 0 0 1 0 0 90 38.339 €

Vietnam 5 0 2 0 8.323 161.412 1.914.288 €

Länderübergreifend 0 0 1 0 0 3.000 38.049 €

asien gesamt 29 3 24 10 40.267 1.724.002 15.105.446 €

OSteurOPa, naHer und

mittLerer OSten

Afghanistan 0 0 0 1 0 46.800 39.751 €

Armenien 1 0 2 0 302 815.500 280.619 €

Georgien 0 1 2 1 0 47.247 398.122 €

Jerusalem, Westjordanland,

Gaza

0 0 0 1 0 2.196 217.205 €

Libanon und Syrien 0 0 0 2 0 2.400 58.543 €

Pakistan 0 0 0 8 0 564.178 5.706.503 €

Rumänien 0 0 0 1 0 87 47.910 €

Osteuropa, naher und

mittlerer Osten gesamt

1 1 4 14 302 1.478.408 6.748.655 €

aFrika

Äthiopien 4 0 0 0 10.601 313.000 1.817.112 €

Burundi 2 0 4 0 1.735 104.900 638.331 €

DR Kongo 0 0 0 6 0 783.376 468.295 €

Ghana 4 0 2 0 3.577 282.985 1.225.660 €

Kenia 5 0 3 3 9.602 744.500 2.659.407 €

Malawi 5 0 1 0 8.726 158.960 1.757.945 €

Mali 4 1 0 0 6.340 243.567 1.417.382 €

Mauretanien 4 0 2 0 5.519 176.000 1.566.988 €

Mosambik 1 0 0 0 2.482 26.000 421.987 €

Niger 0 0 0 3 0 130.248 223.943 €

Sambia 0 0 0 1 0 24.000 51.974 €

Senegal 3 0 5 1 5.522 364.850 2.427.092 €

Sierra Leone 2 1 4 0 2.414 33.000 1.127.727 €

Simbabwe 3 0 1 6 7.038 379.798 2.428.326 €

Somalia 0 0 0 12 0 520.646 580.175 €

Sudan 0 0 0 7 0 3.352.473 1.168.424 €

Südsudan 0 0 0 10 0 1.273.259 1.437.406 €

Swasiland 2 0 1 1 3.370 58.700 923.047 €

Tansania 8 0 2 0 13.292 401.300 2.844.102 €

Tschad 3 0 1 0 3.616 78.800 1.111.999 €

Uganda 0 0 0 8 0 251.013 980.569 €

Afrika, länderübergreifend 0 0 4 2 0 0 1.175.290 €

afrika gesamt 50 2 30 60 83.834 9.701.375 28.453.178 €

Summe LÄnder 103 8 72 106 157.229 15.257.546 65.578.881 €

Überregionale Förderung 4.940.611 €

Zugesagte Förderung, die in den nachfolgenden Geschäftsjahren transferiert wird (vgl. „Verpflichtungen...“, Seite 43) 546.702 €

Anwaltschaftsprojekt in Europa (EU-gefördert) 112.614 €

Summe Förderung 71.178.808 €

15


Über World Vision

16

World Vision legt einen

besonderen Schwerpunkt

auf die Förderung von

Kleinkindern, Schwangeren

und jungen Müttern.

Projektarbeit Finanzen

Globale Herausforderungen

Kindersterblichkeit:

Hilfe von Anfang an

In den ersten Lebensjahren werden

die entscheidenden Weichen für das

Leben gestellt. Mangelernährung zum

Beispiel kann vermindertes Wachstum

und erhöhte Anfälligkeit für chronische

Krankheiten verursachen, was das

ganze Leben beeinträchtigt. Armut

in Kombination mit Krankheiten wie

Durchfall, Lungenentzündung oder

Malaria kann für Kleinkinder aber auch

schnell zu einer Frage des Überlebens

werden. So sterben jährlich etwa 8,8

Millionen Kinder noch vor ihrem fünften

Geburtstag. 6 Millionen dieser Kinder

könnte dieses Schicksal erspart bleiben,

wenn sie mit einfachsten Mitteln behandelt

würden. Hygienemaßnahmen

wie regelmäßiges Händewaschen,

ausschließliches Stillen sowie die frühzeitige

Diagnose von Krankheiten

und Entwicklungsverzögerungen

können entscheidend sein für

das Überleben und eine gesunde

Entwicklung von Kleinkindern.

World Vision legt daher einen besonderen

Schwerpunkt auf die Förderung

von Kleinkindern, Schwangeren und

jungen Müttern. In Krisengebieten wie

am Horn von Afrika werden schwer unterernährte

Kinder mit therapeutischer

Aufbaunahrung und Vitaminzugaben

behandelt. In stabileren Ländern wie

etwa Peru werden Eltern dabei unterstützt,

ihre Kinder ganzheitlich

zu fördern. Dazu gehören regelmäßige

medizinische Untersuchungen,

Impfungen und Hygieneaufklärung, der

Anbau von Gemüse für eine gesunde

Ernährung, aber auch frühkindliche

Bildung. Ein Kind, das beispielsweise nie

gemalt hat, wird Schwierigkeiten haben,

in der Schule schreiben zu lernen.

World Vision unterstützt Kindergärten

und Vorschulen und informiert die

Bevölkerung, wie wichtig die richtige

Förderung der Kinder von Beginn an ist.

Klimawandel: Aufklärung und

Schutz der Bevölkerung

Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam

fort, die internationale Staatengemeinschaft

konnte sich noch nicht

auf ein verbindliches Vorgehen einigen.

World Vision Deutschland klärt in den

Regional­Entwicklungsprojekten die

Bevölkerung über die schon spürbaren

Veränderungen auf und unterstützt

in einigen Ländern die Bauern

bereits mit angepasstem Saatgut.

Auch die Nutzung von Öfen, die weniger

Feuerholz verbrauchen, wird

gefördert, wobei hier neben dem


Klimaschutz (Emissionsreduzierung)

auch gesundheitliche Ziele sowie das

Anliegen der Arbeitsentlastung für

Frauen und Mädchen verfolgt werden.

Diese Förderung soll weiter ausgebaut

werden, ebenso wie die Nutzung

von Solarenergie als Kerosinersatz

zum Aufladen von Batterien und zur

Beleuchtung. Um die Nutzung der

Solarenergie im ländlichen Raum zu

verbreiten, sind Fördermittel aus dem

Titel „Internationale Klimainitiative“ des

Bundes­Umweltministeriums beantragt.

Im Bereich der Humanitären Hilfe hat

sich die Anzahl der Katastrophenvorsorgeprojekte

erhöht; im kommenden Jahr

wird sich diese Entwicklung fortsetzen.

Wachsende Armut:

mit Kleinkrediten in die

Selbstständigkeit

Kleinkredite haben sich als wirksames

Mittel der Armutsbekämpfung bewährt.

Ziel dieses Instruments ist es, armen

Familien mit guten Ideen und unternehmerischem

Talent Startkapital anzubieten,

das sie bei klassischen Banken nicht

bekämen. Diese Familien nutzen die

Kredite, um Geschäfte zu starten und

auszubauen. Das eigene Einkommen

aus einem Kleinunternehmen ist nach

der Erfahrung von World Vision der

effektivste und zugleich kostengünstigste

Ansatzpunkt zur Armutsminderung,

zumal es oft der ganzen Familie zu

einem besseren Lebensstandard, einer

besseren Ausbildung und einer besseren

Gesundheit verhilft. Das weltweite

Kleinkreditportfolio der internationalen

World Vision­Partnerschaft beläuft

sich derzeit auf 341 Mio. US­Dollar.

Gegenwärtig sind 40 Mikrofinanzinstitute

weltweit im Auftrag von World Vision

tätig. Mithilfe der 638.000 jährlich

vergebenen Kleinkredite wurden

über 1,37 Millionen Jobs geschaffen

oder gesichert. Rund 2,66 Millionen

Kinder werden durch das gestiegene

Familieneinkommen besser ernährt und

können länger die Schule besuchen. Alle

Mikrofinanzinstitutionen sind unter der

globalen World Vision­Dachorganisation

VisionFund International mit Sitz in

London zusammengefasst und werden

von deren Personal fachlich begleitet und

kontrolliert.

Kleinkredite haben sich

als wirksames Mittel der

Armutsbekämpfung bewährt.

17


Über World Vision

Im Finanzjahr 2011 wurden 103 Regional­

Entwicklungsprojekte in insgesamt

30 Ländern durchgeführt. 7 Projekte

befanden sich in der Startphase, darunter

unter anderem eines in der

Dominikanischen Republik, wo wir im

Jahr 2011 vorübergehend kein Regional­

Entwicklungsprojekt förderten. Regional­

Entwicklungsprojekte, die vor allem

durch Kinderpatenschaften ermöglicht

werden, leisten umfassende und nachhaltige

Hilfe zur Selbsthilfe in Bereichen

wie Trinkwasser, Ernährung, Gesundheit

und Bildung. Zusätzlich wurden 72

Schwerpunktprojekte durchgeführt.

Diese Projekte sind in der Regel in

die regionalen Entwicklungsprojekte

eingebunden und richten ihren Fokus

auf einen besonderen Problembereich

wie etwa HIV/Aids­Aufklärung oder

Kinderrechte. Schwerpunktprojekte werden

häufig neben Privatspenden auch

durch Unternehmenskooperationen

und öffentliche Geber finanziert.

Unsere Paten und Spender halten wir

mit regelmäßigen Fortschrittsberichten

auf dem Laufenden (s. S. 10). Das

Geld, das in die Entwicklungszusammenarbeit

fließt, kommt nicht nur

einzelnen Kindern zugute. Obwohl

sie im Zentrum unserer Arbeit stehen,

profitieren auch ihre Familien,

18

Projektarbeit Finanzen

Entwicklungszusammenarbeit

ihr Umfeld und ganze Gemeinden

von der Unterstützung. Unsere

Arbeit basiert dabei auf Konzepten,

in die über 60 Jahre Erfahrung aus

der Entwicklungszusammenarbeit

eingeflossen sind.

Wir sind Partner

Ein Kernelement unserer Arbeit ist

das Prinzip der Partnerschaft. Die

Menschen im Projektgebiet werden eng

in die Entwicklung und Durchführung

der Maßnahmen einbezogen und bringen,

jeweils nach ihren Möglichkeiten,

auch eigene finanzielle Ressourcen

ein. So wird sichergestellt, dass nur

Maßnahmen durchgeführt werden, die

wirklich notwendig sind. Außerdem

wird die Eigenverantwortung bedürftiger

Menschen gestärkt. Sie lernen in

Selbsthilfegruppen und Projektkomitees,

neue Entwicklungsmöglichkeiten zu

erschließen und ihre Interessen zu

vertreten. Wir stärken diese Gruppen

und Strukturen und helfen ihnen, während

der Projektlaufzeit immer mehr

Verantwortung zu übernehmen – denn

die positiven Entwicklungen sollen

auch ohne uns weitergeführt werden.

Durch diese Hilfe zur Selbsthilfe erzielen

wir eine nachhaltige Wirkung

und tragen zum Aufbau einer aktiven

Zivilgesellschaft bei, die auf demokratischen

Grundsätzen basiert.

Ebenfalls auf partnerschaftlicher Ebene

arbeiten wir mit lokalen Behörden und

anderen Nichtregierungsorganisationen

zusammen. Mehr zu unserem Projektmanagement

finden Sie auf Seite 30.

Unsere Partnerschaft mit deutschen

Spendern und Paten verpflichtet

uns dazu, Einblicke in die

Arbeit zu geben und regelmäßig

über Aktivitäten, aber auch über

Probleme zu informieren. So können

wir der Öffentlichkeit Rechenschaft

ablegen und um Verständnis für die

besonderen Herausforderungen der

Entwicklungszusammenarbeit werben.

Auch hilft uns der Dialog mit unseren

Paten und Spendern, die Arbeit immer

wieder anzupassen und zu verbessern.

Umfassende Hilfe und

Kleinkindfokus

Armut kann viele Ursachen haben.

Unsere Projektmaßnahmen sollen

dieser Komplexität der Verhältnisse

in den Entwicklungsländern Rechnung

tragen. Wichtigster Maßstab für den

Erfolg unserer Programmarbeit ist das

Wohlergehen der Kinder, das wir durch

spezielle Wirkungsindikatoren messen


und auswerten (s. S. 36). Da die ersten

Lebensjahre für die kindliche Entwicklung

von entscheidender Bedeutung

sind, legen wir einen besonderen

Schwerpunkt auf die Förderung von

Müttern während der Schwangerschaft

sowie von Kleinkindern im Alter bis 59

Monate. Es gilt, sie vor vermeidbaren

Krankheiten zu schützen und ihre

Ernährungssituation zu verbessern.

Entwicklungszusammenarbeit,

die weitergeht

Wir machen den Menschen in den

Projektgebieten von Anfang an deutlich,

dass unser beratendes und finanzielles

Engagement ein zeitlich begrenzter

Beitrag zur Entwicklung ihrer Region ist.

Durch unsere Unterstützung möchten

wir die Menschen befähigen, Engpässe

und Hindernisse zu überwinden und

Eigeninitiative zu entwickeln. Nach

rund 15 Jahren zieht sich World Vision

aus dem Projektgebiet zurück, die

Entwicklungsarbeit führen dann die

Menschen vor Ort weiter. So konnten

wir im Jahr 2011 vier unserer Regional­

Entwicklungsprojekte (in Ghana, Malawi,

Mali und Tansania) erfolgreich in die

Hände lokaler zivilgesellschaftlicher

und staatlicher Akteure übergeben.

Nachhaltigkeit und

ökologische Verantwortung

in Zeiten des Klimawandels

Unsere wirtschaftliche Förderung zielt

auf die langfristige Einkommenssicherung

für die arme Bevölkerung. Wachsender

Wohlstand darf dabei aber nie auf

Kosten von Entwicklungschancen zukünftiger

Generationen gehen. Nachhaltigkeit

muss demzufolge nicht nur wirtschaft­

Einkommen schaffende

Maßnahmen 6,2 %

Sonstiges 7,6 %

Wasserbeschaffung

und sanitäre

Anlagen 10,5 %

Nachhaltigkeit: wirtschaftlich, sozial und ökologisch verträglich

lich, sondern auch sozial und ökologisch

verträglich sein. So suchen wir nach

Entwicklungswegen, die die natürlichen

Ressourcen schonen. Aufforstung, die

Förderung Energie sparender Öfen

und kleinbäuerliche Landwirtschaft

nach ökologischen Gesichtspunkten

tragen beispielsweise dazu bei, den

Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken

bzw. sich darauf einzustellen.

Projektförderung nach Sektoren 2011

Qualifizierung/

Aufbau Zivilgesellschaft

5,5 %

Landwirtschaftliche

Entwicklung und

Ernährungssicherung 15,4 %

Spezielle Förderung

von Kindern 3,4 %

Bildung 18,7 %

Gesundheit und

HIV/Aids 15,4 %

Nothilfe und

Katastrophenschutz

17,3 %

19


Über World Vision

20

Als internationales Hilfswerk

mit Büros und lokalen

Strukturen in fast einhundert

Ländern kann World Vision

in den allermeisten Fällen in

kürzester Zeit auf Krisen und

Katastrophen reagieren.

Projektarbeit Finanzen

Humanitäre Hilfe

World Vision Deutschland hat im

Finanzjahr 2011 106 Projekte der

Humanitären Hilfe in 30 Ländern

durchgeführt. Diese Projekte wurden

hauptsächlich finanziert über öffentliche

Mittel von Bundesregierung

und Europäischer Union, durch

das Bündnis „Aktion Deutschland

Hilft“, aber auch durch Spenden von

Unternehmen und Einzelpersonen.

Schnelle Hilfe weltweit

Als internationales Hilfswerk mit Büros

und lokalen Strukturen in fast einhundert

Ländern kann World Vision in

den allermeisten Fällen in kürzester

Zeit auf Krisen und Katastrophen reagieren.

Dabei stellt das lokale Personal

sicher, dass die Hilfe bedarfsgerecht

ist und angepasst an soziale und kulturelle

Gegebenheiten geleistet wird. Im

Rahmen der Soforthilfe wird bei World

Vision ein internationales Netzwerk

von Nothilfeexperten aktiviert, das

innerhalb von 24 bis 72 Stunden Hilfsmaßnahmen

organisieren kann. World

Vision hat ein weltweites Netzwerk

von Lagerhäusern aufgebaut, in denen

die wichtigsten Hilfsgüter bereitgehalten

werden. World Vision Deutschland

beteiligt sich mit seinem Lager bei

Frankfurt/Main an diesem Netzwerk.

Dürrekatastrophe am

Horn von Afrika

Die humanitäre Situation am Horn

von Afrika hat uns im Jahr 2011 ganz

besonders beschäftigt und fordert

uns als Hilfsorganisation noch immer.

Aufgrund der schlimmsten Dürre seit

60 Jahren waren insgesamt 13 Millionen

Menschen in Äthiopien, Kenia, Somalia

und Dschibuti von einer verheerenden

Hungersnot bedroht. Die Mehrheit dieser

Menschen zählt zu den nomadischen

und halbnomadischen Hirtenvölkern.

Aber auch die sesshafte Bevölkerung in

weiten Teilen dieser Länder ist betroffen.

World Vision half und hilft nach wie vor

mit der Verteilung von Nahrungsmitteln

und Trinkwasser, leistet medizinische

Grundversorgung und ersetzt verlorene

Produktionsmittel. Speziell für

die Nomadenfamilien betreibt World

Vision mobile Kliniken, unterstützt die

Menschen mit Ernährungsprogrammen

und schult Viehzüchter in nachhaltiger

Weidenutzung. Für die Tiere

werden Impfungen und medizinische

Behandlung angeboten.

World Vision wird sich in den meisten

betroffenen Ländern mit langfristig

angelegten Programmen engagieren.

Durch die Bildung von Konsortien mit

anderen Nichtregierungsorganisationen


sowie mit Fachorganisationen der

Vereinten Nationen soll die Hilfe

besser koordinierbar werden und

langfristig und nachhaltig wirken.

Humanitäre Hilfe und

Wiederaufbau

Im Geschäftsjahr 2011 hat World Vision

in Haiti und Pakistan seine Arbeit

fortgeführt. In beiden Ländern ereigneten

sich in den vergangenen Jahren

große Naturkatastrophen. Die Phase

der Nothilfe ist in diesen Ländern in

Rehabilitation und langfristigen

Wiederaufbau übergegangen, dabei

wird sich World Vision auch in

den nächsten Jahren beteiligen.

Hilfe für Opfer von

chronischen Krisen

Einer der Schwerpunkte der

Humanitären Hilfe von World Vision

Deutschland ist die Unterstützung

von Menschen, die in „chronischen“

Krisen­ und Konfliktgebieten leben.

Wie in den Vorjahren arbeiteten wir

im Geschäftsjahr 2011 im Nord­ und

Süd­Sudan, in Norduganda, Somalia, im

Osten der Demokratischen Republik

Kongo, in Simbabwe und Afghanistan.

Die komplexen Krisen sind häufig

von lang andauernden gewalttätigen

Kreditanstalt für Wiederaufbau

(KfW) 1,7 %

Niederländische

Botschaft Belgien 4,0 %

Entwicklungsprogramm

der Vereinten Nationen

(UNDP) 4,1 %

Auswärtiges Amt

9,2 %

Europäisches Amt

für humanitäre Hilfe

(ECHO) 11,6 %

Konflikten geprägt und werden oft

durch Naturereignisse, wie etwa Dürren,

verschärft. In den Krisengebieten muss

daher ganz besonders auf eine konfliktsensible

Umsetzung der Programme

geachtet werden. So analysieren wir

immer wieder sorgfältig, wem die Hilfe

nützt und wem sie unter Umständen

sogar schaden könnte, da humanitäre

Hilfe unter bestimmten Bedingungen

auch eine konfliktverstärkende Wirkung

haben kann. Bei der Konfliktanalyse

bedienen wir uns verschiedener

Instrumente, die sowohl auf die Makroals

auch auf die Projektebene zielen.

Hilfe für Kinder in Krisen

In allen Krisen­ und Konfliktgebieten

kümmert sich World Vision Deutschland

besonders um Kinder und Kleinkinder

und richtet seine Nothilfe an ihnen aus.

Wir führen beispielsweise spezielle

Ernährungsprogramme für Kleinkinder

durch oder betreuen Kinder in sogenannten

„Child Friendly Spaces“.

In diesen Kinderbetreuungs­Zentren

können Jungen und Mädchen spielen,

basteln und lernen. Viele Kinder haben

Gewalt und Zerstörung erlebt

– hier bieten ausgebildete Betreuer

Abwechslung und Zuwendung an sowie

die Möglichkeit, traumatische Erlebnisse

Herkunft der öffentlichen Mittel 2011

Sonstige 0,8 %

Schwedische Zentralbehörde

für internationale Entwicklungszusammenarbeit

12,9 %

Welternährungsprogramm

(WFP) 32,0 %

Europe Aid 23,8 %

zumindest teilweise zu verarbeiten.

World Vision Deutschland verfügt über

15 sogenannte „Child Friendly Spaces­

Kits“. Jedes dieser Module enthält unter

anderem Spielsachen, Bastelutensilien,

Musikinstrumente und Lernmaterialien

sowie zwei Zelte für jeweils 200 Kinder.

Die Module liegen in unserem Lagerhaus

bei Frankfurt/Main bereit und werden

bei weltweiten Katastrophen eingesetzt.

Katastrophenvorsorge

Ein weiterer Schwerpunkt der

Humanitären Hilfe von World Vision

Deutschland ist die Katastrophenvorsorge.

Die Häufigkeit und Intensität

von Naturkatastrophen nimmt zu – mit

verheerenden Folgen für Menschen in

Entwicklungsländern. Daher ist die Verringerung

der Risiken für besonders

anfällige Bevölkerungsgruppen für uns

oberstes Gebot. Wie geplant haben wir

im Geschäftsjahr 2011 die Anzahl der

Projekte in der Katastrophenvorsorge

gegenüber den Vorjahren deutlich –

auf jetzt 14 – erhöht.

21


Über World Vision

Seit mittlerweile fünf Jahren engagiert

sich das Berliner Büro von World

Vision Deutschland mit Anwaltschaftsarbeit

für die Bedürfnisse der Kinder in

Entwicklungsländern. Das Team steht

im ständigen Dialog mit Politikern, informiert

sie und tritt mit Forderungen an

sie heran. In Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten

und Verantwortlichen des

Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung, des

Auswärtigen Amtes und des Bundespräsidialamtes

setzen wir uns für die

Gesundheit von Kleinkindern und

ihren Müttern sowie für den Schutz

von Kindern in Konfliktregionen ein.

Kampagne:

Gesunde Kinder Weltweit

Mit der internationalen World Vision­

Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“

(� gesundekinderweltweit.de) setzt

sich World Vision für die Reduzierung

vermeidbarer Todesfälle bei Müttern

und Kindern unter fünf Jahren ein.

In Gesprächen erinnerten wir im

Finanzjahr 2011 deutsche Politiker an

ihre Verpflichtung, im Rahmen der

Millennium­Entwicklungsziele der

Vereinten Nationen weltweit die

Müttersterblichkeit bis 2015 um drei

Viertel zu senken. Im Verbund mit an­

22

Projektarbeit Finanzen

Protestaktion in Berlin: Für schwangere Frauen in Entwicklungsländern gleicht der Weg zur sicheren Geburt einem Hürdenlauf.

Entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit

deren Entwicklungsorganisationen organisierte

World Vision Deutschland eine

Protestaktion am Brandenburger Tor in

Berlin. Schwangere Frauen im Sporttrikot

armer Länder wie Tschad, Sierra Leone

und Haiti versuchten, symbolische

„Hürden zur sicheren Geburt in armen

Ländern“ zu überwinden. Auch mit einer

Straßenaktion in Paris rief World Vision

Deutschland zusammen mit der französischen

Schwesterorganisation „Vision du

Monde“ Bürger und Bürgerinnen auf, sich

im Vorfeld des G8­Gipfels der führenden

Wirtschaftsnationen für die Gesundheit

von Kleinkindern und ihren Müttern

zu engagieren. Eine World Vision­

Delegation wurde im Elysée­Palast empfangen

und konnte dem französischen

Präsidenten Forderungen überbringen.

Eine Ausstellung über Kinder

in Konfliktregionen

Im April wanderte die World Vision­

Ausstellung „Ich krieg dich – children

affected by war“ nach Brüssel in das

Europäische Parlament. Die Bilder und

Texte machen die Besucher auf die besonders

prekäre Situation von Kindern

in Konfliktgebieten aufmerksam. Sie

sollen ein stärkeres Bewusstsein für

das Schicksal von Kindern in Kriegsgebieten

schaffen und von der Politik

einen besonderen Schutz für diese

Kinder einfordern. Im Sommer reiste

die Ausstellung nach Frankfurt in die

Paulskirche, wo sie von über zweitausend

Personen besucht wurde.

Gespräche mit der Politik

In den Gesprächen mit der Politik

standen im Jahr 2011 Afghanistan,

Sudan und Kongo im Fokus unserer

Bemühungen. Zusammen mit anderen

Entwicklungsorganisationen

veranstaltete World Vision einen

Parlamentarischen Abend zum Sudan.

Auch ein Hintergrundgespräch mit

Medienvertretern und zwei Delegationen

aus dem Sudan und dem Süd­

Sudan konnte realisiert werden.

In der Ausstellung „Ich krieg dich –

children affected by war“ thematisiert

World Vision die Situation von Kindern

in Krisengebieten.


World Vision Institut:

neue Publikationen

Bücher:

• Melanie Feuerbach: Alternative Übergangsrituale.

Untersuchung zu Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung

im subsaharischen Afrika und

deren Transformationen im Entwicklungsprozess,

Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden 2011;

erschienen in der Reihe „Armut und Entwicklung“,

hg. von Kurt Bangert u. Hartmut Kopf.

• Kurt Bangert (Hg.): Handbuch Spendenwesen.

Bessere Organisation, Transparenz, Kontrolle,

Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit von

Spendenwerken, Verlag f. Sozialwissenschaften,

Wiesbaden 2011.

Online-Publikationen

(herunterzuladen unter �worldvision-institut.de)

• Justine Hildebrandt: Social Business – Entwicklungszusammenarbeit

in einer neuen Dimension.

Darstellung von Chancen und Grenzen für

Nonprofit­Organisationen, in der Reihe

„Soziale Innovationen“, hg. vom WVInstitut

• Martina Döcker: Overcoming Female Genital

Cutting. An Examination of Approaches to

Overcome the Harmful Traditional Practice:

A Children’s Rights Perspective, in der Reihe

„Theory & Practice”, hg. vom WVInstitut

• Lena Siegel: Operations Research.

Definition, Purpose and Applicability,

• Kurt Bangert: Research for Development

World Vision Institut:

Wissenschaftlicher Beirat

• Prof. Dr. Sabine Andresen, Professorin für

Sozialpädagogik und Familienforschung an

der Goethe­Universität Frankfurt/Main

• Prof. Dr. Dennis Dijkzeul, Professor für

Management von humanitären Krisen am

Institute for International Law of Peace and

Armed Conflict der Ruhr­Universität Bochum

• Prof. Dr. Ronald Gleich, Professor für Betriebswirtschaftslehre,

Innovationsmanagement

und Entrepreneurship an der European

Business School, Oestrich­Winkel

• Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Professor für Public

Health and Education an der Hertie School of

Governance, Berlin

• Prof. Dr. Peter Russo, Professor für Betriebswirtschaftslehre,

Innovationsmanagement und

Entrepreneurship, European Business School,

Wiesbaden

• Prof. Dr. Augustin Süßmair, Professor für

Unternehmensführung, Strategie und

Organisation, Leuphana Universität Lüneburg

Aktuelle Kooperationen

mit Hochschulen

• Goethe­Universität Frankfurt a. M.:

Fachbereich Erziehungswissenschaften

• Freie Universität Berlin: Studiengang

European Master in Childhood

Studies and Children´s Rights

• Hertie School of Governance, Berlin

• EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Wiesbaden, European Business School

• Universität Heidelberg:

Diakoniewissenschaftliches Institut

• Universität Mannheim: Fachbereich Betriebswirtschaftslehre

und Nonprofit­Management

Wichtigster Forschungsschwerpunkt 2011: frühkindliche Entwicklung im Rahmen

einer auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit setzenden Armutsbekämpfung.

Forschung und Innovation

Das 2009 gegründete World Vision

Institut für Forschung und Innovation

– das einzige seiner Art innerhalb der

World Vision­Partnerschaft – ist eine

an World Vision Deutschland gebundene

Einrichtung zur Forschung in den

Bereichen Entwicklungszusammenarbeit

und Humanitäre Hilfe sowie zur Entwicklung

von innovativen Lösungen bei

Management­ und Strategiefragen. Es bearbeitet

Themen wie Kindesentwicklung

und ­wohlergehen, Armutskrise, Nahrungsmittelkrise,

Energiekrise und

Klimawandel ebenso wie strategische

Managementlösungen wie Social

Business, Social Entrepreneurship und

Social Innovation. Dabei vernetzt sich

das Institut mit anderen Forschungseinrichtungen

und sucht insbesondere

die Kooperation mit Hochschulen.

Frühkindliche Entwicklung

und Kinderstudie

Wichtigster Forschungsschwerpunkt

des Instituts war auch im Jahr 2011 der

Ausbau der Kompetenz im Bereich frühkindliche

Entwicklung im Rahmen einer

auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit

setzenden Armutsbekämpfung. Damit

verbunden ist das noch relativ neue

Feld der Erforschung subjektiven

Wohlbefindens von Kindern. 2007

und 2010 gab World Vision dazu

die World Vision Kinderstudie heraus,

die dritte ist für 2013 geplant

(vgl. � worldvisionkinderstudie.de).

Eine ähnliche Befragung wird seit 2011

in Kooperation mit der International

Society for Child Indicators (ISCI) und

Unicef auch international durchgeführt

(vgl. � childrensworlds.org).

Neues Forschungsprojekt

„Soziale Innovationen

in Deutschland“

2011erhielt die World Vision Stiftung

eine Förderungszusage des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung

für eine zweijährige Grundlagenforschung

zu sozialen Innovationen in

Deutschland (s. S. 12). Durchgeführt

wird die Studie vom World Vision

Institut und dem Partner EBS Universität

für Wirtschaft und Recht im gemeinsamen

„Center for Social Innovation

and Social Entrepreneurship“ (vgl.

� ebs.edu/ccsise). Die drei Forschungsfragen

lauten: 1. Wo liegen

Bedarfsfelder für soziale Innovationen

in Deutschland? 2. Wie können neue

Produkte und Dienstleistungen von

sozialen Organisationen entwickelt

werden? 3. Wie können sich kommerzielle

Unternehmen im Sozialsektor

neue Chancen eröffnen? Weitere Informationen:

� worldvision-institut.de

23


Über World Vision

Beispiele aus der Projektarbeit

Ausgangslage

Im südöstlichen Tiefland Boliviens

liegt das Regional­Entwicklungsprojekt

Arakavi. Die medizinische Versorgung

ist dort sehr begrenzt, da es an Medikamenten

und ausgebildetem Personal

mangelt. Lange Trockenzeiten und

ungeeignete Anbaumethoden bereiten

den Familien Schwierigkeiten,

genug Lebensmittel für eine gesunde

und ausreichende Ernährung zu produzieren.

Im Projektgebiet gibt es

zu wenige Schulen und kaum ausgebildete

Lehrer. Viele Kinder werden

auch zuhause gebraucht und können

deshalb nicht die Schule besuchen.

Projektziel

In dem noch jungen Projekt sollen die

nächsten 11 Jahre dazu genutzt werden,

die Lebensbedingungen für die

Kinder und ihre Familien nachhaltig zu

verbessern. Dafür investiert World

Vision in die Bereiche Gesundheit,

Landwirtschaft und Bildung. Durch

aktive Einbindung der Zielgruppen

in alle Entscheidungen und Prozesse

lernen die Gemeinden, ihre eigene

Entwicklung zu steuern und dabei auf

die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

24

Projektarbeit Finanzen

Regional-Entwicklungsprojekt

Projektbeispiel Arakavi in Bolivien

Begünstigte etwa 9.400 Personen

Projektlaufzeit 2007 bis voraussichtlich 2022

Projektpartner World Vision Bolivien

Finanzierung World Vision Deutschland

Förderung 2011 403.762 Euro

Budgetplan 2012 439.838 Euro

Die wichtigsten Maßnahmen 2011

• Ausstattung der lokalen Gesundheitszentren

• Ausbildung von 122 freiwilligen

Gesundheitsberatern, darunter 38

Jugendliche

• Schulung von 522 Müttern und

Vätern zu Themen wie gesunde

Ernährung, Hygiene und Kinderkrankheiten

• Kofinanzierung von regelmäßigen

Mahlzeiten in 5 Kindergärten und 25

Schulen

• Behandlung von 39 Kindern mit chronischer

und akuter Unterernährung

• Bau von 30 Latrinen und Installation

eines Trinkwassersystems für 103

Familien in 2 Gemeinden inklusive

Schulung von 4 Wasserkomitees

• Unterstützung bedürftiger Familien

bei der Finanzierung von Schulmaterialien,

wovon 2.700 Kinder

profitieren

• Neubau bzw. Instandsetzung von 9

Schulgebäuden und einer Gemeindebibliothek

• Schulung von 194 Lehrern

• Unterstützung von 27 besonders

bedürftigen Kindern mit Stipendien

für die Sekundarschule





Errichtung und Ausstattung von 8

Frühförderzentren, wovon fast 300

Kleinkinder profitieren, darunter auch

Kinder mit Behinderungen

Schulung und Ausgabe von Saatgut an

65 Familien zum Anbau von Gemüse

und Zitrusfrüchten

Ausstattung von 26 besonders

bedürftigen Familien mit Schafen

inklusive Schulungen zur Tierhaltung

Schulung und Ausstattung von 28

Familien für die Honigproduktion

Pläne für 2012

• Ausstattung der Schulkinder mit

Lernutensilien für das neue Schuljahr

• Schulung von 110 Lehrern zu innovativen

Lehrmethoden für den

Mathematik­ und Sprachunterricht

• Versorgung weiterer Familien mit

Bienen, Schafen und Rindern über die

revolvierenden Fonds

• Schulungen zu den Themen Ernährung,

Hygiene und Krankheitsvorbeugung

• Versorgung weiterer Familien mit

Zugang zu Trinkwasser und Latrinen

• Konsolidierung und Ausweitung der

inklusiven Frühförderung


Ausgangslage

Pakistan erlebte im Sommer 2010 eine

Flutkatastrophe riesigen Ausmaßes.

Große Teile des Landes wurden überflutet.

Fast 2.000 Menschen starben,

etwa 21 Millionen wurden obdachlos

und verloren ihr Hab und Gut.

Die pakistanische Regierung rief den

Notstand aus und bat die internationale

Staatengemeinschaft um Hilfe.

Auch wenn mittlerweile fast alle

Bewohner die Nothilfelager verlassen

und in ihre Heimatregionen

zurückkehren konnten, ist der

Wiederaufbau des Landes noch lange

nicht vollständig abgeschlossen.

Aufgrund der großen Armut speziell

in ländlichen Gebieten leben

Menschen noch immer in Zelten auf

den Trümmern ihrer Häuser. World

Vision unterstützt, zusammen mit dem

Bündnis Aktion Deutschland Hilft, insbesondere

Frauen, Kinder, behinderte

und ältere Menschen. Neben dem

Wiederaufbau stehen Vorsorgekonzepte

im Vordergrund, damit zukünftige

Katastrophen nicht wieder einen solch

großen Schaden anrichten können.

Humanitäre Hilfe

Projektbeispiel Einkommensförderung, Wasserund

Sanitärversorgung nach der

Flutkatastrophe in Punjab (Pakistan)

Begünstigte 9.117 Haushalte, ca. 63.819 Personen

Projektlaufzeit 2011 bis 2012

Projektpartner World Vision Pakistan

Finanzierung Aktion Deutschland Hilft,

World Vision Deutschland

Förderung 2011 406.484 Euro

Budgetplan 2012 678.931 Euro

Projektziel

Mit Mitteln des Spendenbündnisses

Aktion Deutschland Hilft werden

in der Provinz Punjab 9.117 Haushalte

unterstützt. Da Familien in Pakistan

durchschnittlich aus sieben Mitgliedern

bestehen, profitieren mindestens

63.819 Betroffene von den Hilfsmaßnahmen.

Der Schwerpunkt liegt auf der

Unterstützung zum Erwerb des Lebensunterhalts

und auf der langfristigen

Verbesserung der Hygienesituation.

Die wichtigsten Maßnahmen 2011

1. Verbesserung des Zugangs zu adäquaten

Trinkwasserentnahmestellen und

Sanitäranlagen für von der Flutkatastrophe

betroffene Familien:

• Einrichtung und Schulung von

lokalen Wasserkomitees

• Durchführung von Wasseruntersuchungen

• Wiederherstellung von Wasserentnahmestellen

• Verteilung von Wasserfiltern

• Bau von Latrinen

• Durchführung von

Hygieneschulungen

• Verteilung von Hygienesets an

Frauen

• Einrichtung von Müllentsorgungsstellen

2. Verbesserung der Einkommenschancen

für 2.500 Familien:

• „Cash for Work“­Programme

• Verteilung von Werkzeug für den

Wiederaufbau

• Finanzhilfen für Familien, die

aus körperlichen oder anderen

Gründen nicht am „Cash for

Work“­Programm teilnehmen

können

• Säuberung und Rekultivierung von

Ackerflächen

Schulungen zur Geflügelhaltung


Pläne für 2012

• Hilfe bei der Wiederbepflanzung

aufbereiteter Ackerflächen

• Reparaturen an Bewässerungskanälen

• Schulungen zur Pflanzenaufzucht

• Weitere Instandsetzung von

Trinkwasserstellen

• Bau von Toiletten

• Hygieneschulungen

• Strukturierte Müllentsorgung

• Schulungen zu Buchhaltung und zum

Aufbau von Kleinstunternehmen

• Verteilung von Werkzeugen, um

Wiederaufbaumaßnahmen zu unterstützen

25


Über World Vision

Beispiele aus der Projektarbeit

Ausgangslage

In Indien sind 43 Prozent der Kinder

unter fünf Jahren unter­ oder mangelernährt.

Die Sterblichkeitsrate unter

Kleinkindern (bis zum Alter von einem

Jahr) liegt bei 5 Prozent. Im Projektgebiet

Melghat in Zentralindien liegt diese

Sterblichkeitsrate sogar bei 30 Prozent,

55 Prozent der Mädchen und Jungen

sind hier unter­ oder mangelernährt.

Viele kommen schon mit einem zu

geringen Gewicht zur Welt, weil auch

ihre Mütter schlecht ernährt sind.

Traditionell werden die Kleinkinder

tagsüber der Obhut der Großeltern

überlassen, während die Mütter auf dem

Feld arbeiten. In dieser Zeit werden die

Babys nicht gestillt, ihnen wird stattdessen

häufig Zuckerwasser gegeben.

Es fehlt an Wissen über die gesunde

Ernährung und Pflege von kleinen

Kindern sowie über Gesundheits­ und

Schwangerenvorsorge. Dagegen halten

sich schädliche Traditionen hartnäckig,

etwa die, Babys nach der Geburt zunächst

nicht zu stillen. Auch die traditionellen

Ernährungsgewohnheiten bringen

es mit sich, dass die Menschen die nährstoffreichen

Obst ­und Gemüsesorten

ihrer Region zu wenig nutzen.

26

Projektarbeit Finanzen

Starthelfer-Projekt

Projektbeispiel Gesunde Ernährung für Kleinkinder,

Schwangere und junge Mütter in Indien

Begünstigte 1.700 Begünstigte

Projektlaufzeit 2010 bis 2014

Projektpartner World Vision Indien

Finanzierung World Vision Deutschland

Förderung 2011 69.156 Euro

Budgetplan 2012 115.385 Euro

Projektziele

Schwangeren und stillenden

Müttern sollen grundlegende

Kenntnisse über die Wichtigkeit von

Schwangerschaftsuntersuchungen,

Vorsorgemaßnahmen und richtiger

Kleinkindpflege vermittelt werden. Sie

lernen, Gemüsegärten anzulegen und

sich und ihre Kinder ausgewogen und

reichhaltig zu ernähren. Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen der lokalen

Gesundheitsstationen sollen besser

ausgebildet werden, um für Mütter

sowie Schwangere eine bessere medizinische

Versorgung zu leisten.

Die wichtigsten Maßnahmen 2011

• 523 Schwangere und stillende

Mütter sowie 1.139 unterernährte

Kinder mit nährstoffreicher

Zusatznahrung versorgt; das

Gewicht von 355 Kindern hat

sich innerhalb von 6 Monaten

normalisiert, 164 Babys sind mit

einem Gewicht von mehr als 2,5

kg auf die Welt gekommen

• 1.400 Familien haben Gemüsegärten

angelegt und Obstbäume gepflanzt

• Regelmäßige Schwangerschafts­

Vorsorgeuntersuchungen ermöglicht

• Regelmäßige Untersuchungen

(Beobachtung der Gewichtszu­


nahme) der Kleinkinder durch lokale

Gesundheitshelferinnen organisiert

10 lokale Gesundheitshelferinnen

geschult

Pläne für 2012

• Weitere Schulungen und Bereitstellung

von Hilfsmitteln

für die lokalen Geburts­ und

Gesundheitshelferinnen

• Seminare zu Schwangerschaft,

Geburtsvorbereitung, Kleinkindpflege

und gesunder Ernährung

mit örtlich vorhandenen Lebensmitteln

für 1.500 Mütter

• Medizinische Beratung während

der Schwangerschaft und nach der

Geburt (regelmäßige Untersuchungen,

alle notwendigen Impfungen

in den ersten zwei Jahren etc.)

• Bereitstellung von Zusatznahrung für

Schwangere, stillende Mütter und

Kleinkinder inkl. Schulungen zur

richtigen Zubereitung dieser

zusätzlichen Mahlzeiten

• Ausgabe von Gemüsesamen und

­setzlingen für 1.200 Mütter


Ausgangslage

Der Osten der Demokratischen

Republik Kongo ist trotz offiziellem

Ende des Bürgerkrieges

bis heute nicht befriedet.

Bewaffnete Milizen bekämpfen sich

untereinander sowie die kongolesische

Armee. Die Bevölkerung hat

mit Vertreibung, extremer Armut,

Menschenrechtsverletzungen,

Lebensmittelknappheit und schlechter

Gesundheitsversorgung zu kämpfen.

Viele Familien sind zerrüttet, Kinder

leben oftmals auf der Straße oder

wählen als letzten Ausweg die Flucht

zu Milizengruppen oder in Bordelle.

Besonders prekär ist die Situation im

Ostkongo, insbesondere in Beni. In der

Kleinstadt mit ca. 100.000 Einwohnern

gibt es über 300 Bordelle, in denen

sich Jugendliche prostituieren. Als

Lohn gibt es für die Mädchen im Alter

zwischen 12 und 18 Jahren meist höchstens

eine warme Mahlzeit am Tag.

Wolfgang Niedecken, Sänger der

Kölner Rockband „BAP“, unterstützt

seit 2004 das Projekt „Rebound“

zur Wiedereingliederung ehemaliger

Kindersoldaten im Norden Ugandas.

Angesichts der Erfolge dieses Projekts

ergriff er zusammen mit World Vision

die Initiative, im Ostkongo ebenfalls

„Rebound“

Projektbeispiel Fach­ und Berufstraining für ehemalige

Kindersoldaten und sexuell missbrauchte

Mädchen und Jungen in Beni, Ostkongo

Begünstigte Ca. 80 Mädchen und Jungen pro Jahr

Projektlaufzeit 2011 bis 2014

Projektpartner World Vison Ostkongo

Finanzierung World Vision Deutschland, Jack Wolfskin

GmbH & Co KGaA, Wolfgang Niedecken

Förderung 2011 37.754 Euro

Budgetplan 2012 101.985 Euro

notleidenden Kindern und Jugendlichen

eine neue Perspektive zu geben.

Projektziele

Ziel des Projekts ist es, jährlich 80

missbrauchten Mädchen und Jungen

eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen

und ihnen durch professionelle

sozio­psychologische Betreuung neue

Zukunftsperspektiven zu geben.

Die wichtigsten Maßnahmen 2011

• Auswahl der Kinder: Im ersten

Jahr wurden 30 Jungen und 50

Mädchen, die zuvor entweder als

Kindersoldaten oder als Prostituierte

arbeiten mussten, in

das Projekt aufgenommen.

• Ausbildung der Jugendlichen: In

dem speziell auf ihre Bedürfnisse

ausgerichteten Rebound­Zentrum

in Beni erlernen die Jugendlichen

verschiedene handwerkliche Berufe,

wie zum Beispiel Schreinern, Nähen,

Kochen und Automechanik. Jüngeren

wird der Schulbesuch ermöglicht.

• Auswahl der Gastfamilien: Angesichts

ihrer belastenden Erlebnisse ist es

wichtig, die betroffenen Kinder und

Jugendlichen in ein neues soziales

Umfeld zu integrieren. Kinder, die

Familienangehörige in Beni und

Wolfgang Niedecken

besucht den Ostkongo



Umgebung haben, wurden dorthin

vermittelt. Wenn dies nicht möglich

war, wurden Gastfamilien gesucht.

Offizielle Eröffnung des Zentrums

durch Wolfgang Niedecken

Traumatherapie: In Zusammenarbeit

mit dem psychologischen Institut der

Universität Belfast (Irland) wurde ein

neuer Ansatz in der Traumatherapie

speziell für durch Kriegserlebnisse

traumatisierte Kinder und Jugendliche

entwickelt und eingeführt.

Pläne für 2012

Das erste Projektjahr von „Rebound“ im

Ostkongo wird Ende April 2012 zu Ende

gehen. Die Kinder und Jugendlichen

werden ihre Ausbildung mit einer

Prüfung abschließen und ein staatlich

anerkanntes Diplom erhalten. Außerdem

werden sie mit den nötigen Materialien

für die Ausübung ihres Berufs ausgestattet.

Der Prozess, die Heimatfamilien der

Kinder zu ermitteln, ist bereits im Gange.

27


Über World Vision

28

Beispiele aus der Projektarbeit

Ausgangslage

Im ländlich geprägten Arumeru im

Norden Tansanias leben fast 80 Prozent

der Bevölkerung von Landwirtschaft und

Viehzucht. Was über den Eigenbedarf

hinaus erwirtschaftet wird, verkaufen

die Kleinbauern auf den lokalen

Märkten. Sie produzieren allerdings

nicht genug für die stetig wachsende

Bevölkerung. Verderbliche Waren wie

Gemüse und Obst müssen schnell

vermarktet werden, weshalb die wenigen

Händler die Preise drücken können.

Traditionelle Anbaumethoden, Dürren

und fehlendes Kapital zur Intensivierung

der Landwirtschaft behindern die

weitere Entwicklung. Das Regional­

Entwicklungsprojekt King‘Ori hat den

Menschen in den vergangenen Jahren

wichtige Fortschritte ermöglicht (Zugang

zu sauberem Wasser, Grundschulbildung,

medizinische Versorgung etc.).

Aufbauend auf diesen Erfolgen sollen

in der letzten Phase weitere Entwicklungshürden

genommen werden.

Projektziele

In der letzten Phase des Regional­

Entwicklungsprojekts sollen die

Kleinbauern dazu befähigt werden,

ihre Produkte besser zu lagern, weiterzuverarbeiten

und effizienter zu

Projektarbeit Finanzen

Dorf-Innovationszentren

Projektbeispiel Dorf­Innovationszentren in Tansania

Begünstigte 33.500 Erwachsene und 28.000 Kinder

Projektlaufzeit 2011 bis 2014

Projektpartner World Vision Tansania, Landkreis,

Dorfentwicklungsgruppen

Finanzierung Großspender

Förderung 2011 234.565 Euro

Budgetplan 2012 350.000 Euro

vermarkten. Als Katalysator dafür sollen

sogenannte Dorf­Innovationszentren

dienen. Durch diese Informations­ und

Medienzentren erhält die Bevölkerung

direkten Zugang zu innovativem Wissen

über moderne Anbautechniken, verbessertes

Saatgut, Methoden schonender

Schädlingsbekämpfung, Klima­ und

Wetterdaten, aktuelle Marktpreise

in entfernten städtischen Zentren,

Fördermittel für die Viehzucht u.v. m.

Darüber hinaus besteht insbesondere

für die jüngere Generation die Chance,

neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft

zu erlernen und auszuüben.

Die wichtigsten Maßnahmen 2011

• Durchführung einer Ausgangserhebung

unter Einbeziehung

aller wichtigen lokalen Akteure

• Partizipatorische Projektentwicklung

• Auswahl der Grundstücke für

die Dorf­Innovationszentren

• Entwicklung von Vereinbarungen

und Verträgen

• Ausschreibung und Beauftragung

eines Architektenbüros und

Bauunternehmens

• Bau eines separaten Computerraums

für Schulungen

• Bau des ersten Dorf­Innovationszentrums

(Richtfest im September 2011)




Auswahl und Anstellung eines

Projektleiters

Planung und Auswahl von technischen

Geräten und IT­Hardware

Verhandlung mit Partnern über

Schulungseinheiten

Pläne für 2012

• Fertigstellung und Einweihung des

ersten Dorf­Innovationszentrums

• Technische Ausstattung des Zentrums

(Wasser, Strom, Internet)

• Installation der IT­Hardware für ca.

25 Computerplätze (Server,

Netzwerke, Software)

• Ausstattung der Bücherei (Mobiliar,

Bücher, Systeme)

• Auswahl, Einarbeitung und

Managementtraining von Personal

inklusive Ehrenamtlicher

• Gewährleistung von kontinuierlichem

IT­Support, Virenschutz und Schutz

der jugendlichen Anwender vor

nicht jugendfreien Inhalten

• Ausstattung und Eröffnung eines

Kopier­ und Schreibwarenladens

• Ausarbeitung und Durchführung

von Computerschulungen für spezifische

Zielgruppen (z. B. Kleinbauern,

Viehhalter, arbeitslose Jugendliche)

• Bau und Einrichtung eines weiteren

Dorf­Innovationszentrums


Qualitätsstandards, Kodexe

und Selbstverpflichtungen

Wir beteiligen uns am Sphere-Projekt,

der Charta für Qualitätsstandards bei

humanitären Einsätzen. Das Sphere­

Projekt, an dessen Entwicklung World

Vision beteiligt war, dient der besseren

Hilfeleistung für Katastrophenopfer sowie

der besseren Rechenschaftslegung

gegenüber Spendern, Geldgebern und

Hilfsempfängern.

Wir sind Mitglied im Deutschen Spendenrat

und haben uns, über geltendes

Recht hinaus, zur Erreichung größerer

Transparenz und Rechenschaft die

Selbst verpflichtungserklärung des Deu tschen

Spendenrates zu eigen gemacht.

Wir richten uns, als Mitglied des Koordinierungsausschusses

des Auswärtigen

Amtes, nach den zwölf Grundregeln

der deutschen humanitären Hilfe im

Ausland.

Wir beantragen und erhalten regelmäßig

das Spendensiegel des Deutschen

Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI),

das uns seit unserer Beantragung im Jahr

2003 jedes Jahr, zuletzt für das Jahr 2010,

verliehen wurde.

Wir richten uns nach dem Verhaltenskodex

des Internationalen Roten Kreuzes

und nichtstaatlicher Hilfswerke für die

Katastrophenhilfe, dem sogenannten

Code of Conduct.

Wir haben uns zur Einhaltung des Code

of Good Practice von People in Aid

verpflichtet, einer Dachorganisation zur

Sicherstellung guter Personalführung von

Organisationen der humanitären Hilfe

und Entwicklungszusammenarbeit.

Wir sind Mitglied des Verbandes Entwicklungspolitik

deutscher Nichtregierungsorganisationen

(VENRO) und

verpflichten uns zur Einhaltung des

„VENRO-Verhaltenskodex Trans pa renz,

Organisationsführung und Kontrolle“,

an dessen Zustandekommen wir aktiv

mitgewirkt haben. Wir verpflichten uns

zur Einhaltung des VENRO- Kodex

„Entwicklungsbezogene Öf fent lichkeitsarbeit“,

an dessen Zustandekommen

wir aktiv mitgewirkt haben.

Wir sind Mitglied der Humanitarian

Accountability Partnership (HAP) und

richten uns nach den HAP-Standards der

Rechenschaftslegung und Buchprüfung.

Wir sind Unterzeichner der von

Transparency International ins Leben

gerufenen Initiative Transparente Zivilgesellschaft,

womit wir uns verpflichten,

unter anderem über Mittelherkunft und

Mittelverwendung öffentlich Auskunft zu

geben. Die im Rahmen dieser Initiative

eingegangenen Verpflichtungen sind auf

der Webseite von World Vision öffentlich

zugänglich.

Weitere Informationen und Links zu den

einzelnen Initiativen gibt es online unter:

� worldvision.de/selbstverpflichtungen

Wir haben uns zusammen mit anderen

internationalen Hilfswerken (darunter

Action Aid, Save the Children, Catholic

Relief Services, Lutheran World Federation

und CARE International) mit

Transparency International zusammengeschlossen,

um eine Untersuchung zur

Prävention von Korruption in der humanitären

Hilfe durchzuführen.

Wir beteiligen uns am nun alle zwei

Jahre stattfindenden Wettbewerb zur

Verleihung des Transparenzpreises von

PricewaterhouseCoopers. World Vision

war mehrfach unter den besten fünf

platziert, zuletzt (2009 und 2010) zweimal

auf Rang zwei.

Wir sind Mitglied beim Active Learning

Network for Accountability and

Performance in Humanitarian Action

(ALNAP), einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen

zum Zweck der

Verbesserung von humanitärer Hilfe und

Rechenschaftslegung.

29


Über World Vision

Datenerhebung

30

Reflexion

Unsere Arbeit muss

geplant, immer

wieder überprüft und

an die veränderten

Rahmenbedingungen

angepasst werden. Dieser

Prozess basiert weltweit

für alle World Vision­Büros

auf dem einheitlichen

„LEAP“­Konzept.

Projektarbeit Finanzen

Übergabe

Planung

Evaluierung

Projektdurchführung/

Beobachtung

Projektmanagement

Ein LEAP­Projektzyklus

besteht aus sechs Phasen,

die weltweit einheitlich

durchgeführt werden.

Die von World Vision durchgeführten „Regional­Entwicklungsprojekte“ umfassen

immer mehrere Sektorprojekte, da nur ein Verbund von Maßnahmen in unterschiedlichen

Bereichen nachhaltig wirksam sein kann. Eine sanierte Schule kann nur

dann von Schülern genutzt werden, wenn es den Eltern möglich ist, das Schulgeld

aufzubringen. Dies wiederum kann nur gelingen, wenn es auch Maßnahmen zur

Einkommensförderung gibt. Die Arbeit in den einzelnen Sektoren muss geplant,

immer wieder überprüft und an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst

werden. Dieser Prozess basiert weltweit für alle World Vision­Büros auf

einem einheitlichen Konzept, das den Namen „LEAP“ trägt, wobei L für Lernen,

E für Evaluierung, A für Accountability („Rechenschaft“), und P für Planung steht.

Ein vollständiger „LEAP­Zyklus“ besteht von der Programmplanung bis zum

Programmabschluss aus sechs Phasen (siehe Grafik). Die im Folgenden beschriebenen

Schritte des Projektmanagements beziehen sich immer auf die jeweiligen

Sektorprojekte (etwa Gesundheit, Landwirtschaft, Erziehung). Alle durchlaufen

im Prinzip die gleichen Phasen, können aber zu unterschiedlichen Zeiten beginnen

bzw. beendet werden, abhängig von den gesteckten Zielen und deren Erreichung.

Erste Phase: grundlegende Datenerhebung

Jeder konkreten Projektplanung geht zunächst eine Phase der Analyse örtlicher

Gegebenheiten voraus. Die sozio­ökonomische Situation sowie die Auswirkungen der

Armut auf die Bevölkerung einer bestimmten Projektregion werden untersucht. Es

wird außerdem geprüft, ob andere Institutionen oder Organisationen bereits an einer

Lösung für spezifische Herausforderungen arbeiten. Dabei helfen viele Gespräche

mit Regierungsvertretern und weiteren lokalen Akteuren wie etwa Kirchen. Partner

zur Zusammenarbeit werden gefunden. Gemeinsam können Projekte langfristiger


geplant und Synergieeffekte genutzt,

aber auch Parallelstrukturen vermieden

werden. In dieser etwa drei bis sechs

Monate dauernden Phase treffen wir

auch die grundlegende Entscheidung, ob

wir hier ein Projekt starten oder nicht.

Zweitens: Planungsphase –

Visionen werden konkret

In einem zweiten Schritt haben vor

allem die Bewohner des Projektgebiets

das Wort. Ihre Aussagen über die

Lebensbedingungen werden systematisch

erfasst, um die Situation vor Ort

noch genauer beurteilen zu können.

Auf der Basis dieser Erhebung werden

die Ursachen der Armut und mögliche

Ansätze zu ihrer Überwindung erforscht,

die in konkrete Projektplanungen

münden. Dabei müssen gemeinsam

Prioritäten gesetzt werden, denn

häufig werden die Probleme von verschiedenen

Gruppen unterschiedlich

bewertet. Alle Interessengruppen, vor

allem auch Frauen und Kinder, müssen

einzeln gehört werden, damit sie

ihre Sichtweise darstellen können.

Drittens: Projektdurchführung

und begleitende Beobachtung

Diese längste Phase der Projektarbeit

beginnt nach der etwa zweijährigen

Planungsphase. Jetzt werden Patenkinder

vermittelt, und erste Kontakte zwischen

deutschen Spendern und den Kindern

entstehen. Mit den Spenden der Patinnen

und Paten werden im Projektgebiet

umfassende und langfristige Entwicklungsmaßnahmen

finanziert, die nicht

nur dem Kind und seiner Familie,

sondern auch der Dorfgemeinschaft

zugutekommen und sogar die Region

positiv beeinflussen. Die einheimischen

World Vision­Mitarbeiter besuchen

die Projekte regelmäßig und halten

die Veränderungen in halbjährlichen

Fortschrittsberichten fest. Außerdem

überprüfen sie immer wieder die ursprünglichen

Ziele. Denn wenn sich im

Laufe der Zeit die Bedingungen ändern,

etwa durch eine Dürre, müssen die

Aktivitäten angepasst werden.

Vierte und regelmäßig wiederkehrende

Phase: Evaluierung

Neben der fortlaufenden Betreuung

und Dokumentation der Aktivitäten

durch einheimische World Vision­

Mitarbeiter werden die Regional­

Entwicklungsprojekte zusätzlich alle

vier bis fünf Jahre evaluiert, also einer

externen Prüfung unterzogen. Auch

hierfür hat World Vision Standards

vereinbart, die auf international anerkannten

und wissenschaftlich fundierten

Vorgehensweisen basieren. So können

die Mitarbeiter gewonnene Erkenntnisse

nutzen, um beispielsweise besonders erfolgreiche

Neuerungen andernorts einzuführen.

Die Evaluierung zeigt auch, welche

Lösungsansätze bei Schwierigkeiten

angewandt wurden und ob sie erfolgreich

waren. Außerdem wird eine Kosten­Nutzen­Analyse

vorgenommen und

geprüft, ob das bisher Erreichte auch in

Zukunft Bestand haben kann.

Fünfter Schritt: Reflexion

Am Ende eines Projektzyklus werden

die Evaluierungsergebnisse ebenso wie

Veränderungen im Umfeld des Projekts

oder neue politische Einflussfaktoren systematisch

analysiert und bewertet.

Sechster Schritt: Projektanpassung

oder Projektübergabe

Die gemeinsamen Erkenntnisse und

Lernerfahrungen aus der Reflexionsphase

führen im nächsten Schritt

entweder zu einer angepassten Fortführung

der Projektarbeit oder aber zur

Projektübergabe. Hat sich herausgestellt,

dass die Projektbevölkerung mithilfe

von World Vision die wichtigsten Ziele

erreicht hat, beginnt ein Prozess, in dem

World Vision die weitere Projektarbeit

in die Hände der Bevölkerung des Projektgebiets

übergibt. Im Durchschnitt

ist dies nach etwa 15 Jahren der Fall.

Die gewonnenen Erkenntnisse aus der

Reflexionsphase können außerdem für

neue, ähnlich gelagerte Projekte in der

Nachbarschaft, im gleichen Land oder sogar

in Nachbarländern genutzt werden.

Die Familien und Kinder in den

Projektgebieten werden eng in

die Planung und Durchführung

der Aktivitäten eingebunden.

31


Über World Vision

32

Projektarbeit Finanzen

Haiti: Nach dem Ausbruch der Cholera richtete World Vision 12 Behandlungszentren

und 21 mobile Rehydrierungsstationen ein.

Leider gibt es in der Projektarbeit

nicht nur Fortschritte, sondern auch

Rückschläge. Solche Rückschläge können

durch Faktoren bestimmt sein, auf die

World Vision kaum Einfluss nehmen

kann, etwa Naturkatastrophen oder

ein nicht vorhersehbarer Ausbruch

einer Epidemie. Auch andere Faktoren,

etwa die unzureichende finanzielle Ausstattung

von Projekten, können dazu

führen, dass Herausforderungen nicht

angemessen begegnet werden kann.

Haiti: Ausbruch der Cholera

im Erdbebengebiet

Am 12. Januar 2010 gab es in Haitis

Hauptstadt Port­au­Prince ein verheerendes

Erdbeben. Über 200.000

Menschen starben, rund 1,5 Millionen

wurden obdachlos. Die Katastrophe

traf das politisch­administrative und

wirtschaftliche Zentrum des Landes und

warf Haiti in der Entwicklung um Jahre

zurück. World Vision arbeitet bereits

seit den 70er Jahren in Haiti und beteiligte

sich mit einer der bislang größten

Nothilfe­ und Wiederaufbauoperationen

an der internationalen Hilfe.

Als sich die Lage in den Auffanglagern

allmählich stabilisierte und bereits der

Wiederaufbau geplant wurde, brach im

Oktober 2010 eine Cholera­Epidemie

aus. Die Epidemie traf das Land völlig

unvorbereitet, denn Cholera hatte es

in der Geschichte Haitis noch nie gegeben.

Die Enge und der Mangel an

Hygiene in den Auffanglagern förderten

eine rasche Verbreitung der Krankheit.

Insgesamt infizierten sich über 500.000

Menschen, rund 7.000 starben.

World Vision musste vor diesem

Hintergrund die Humanitäre Hilfe

komplett umgestalten. So wurden

die Aktivitäten im Bereich der

Trinkwasserversorgung und der

Bau von sanitären Anlagen und

Entwässerungskanälen verstärkt.

Außerdem wurden Versorgungsstationen

für Cholera­Kranke eingerichtet,

und die Bevölkerung wurde

umfassend über die Krankheit,

Verbreitungswege, Vorsorge­ und

Behandlungsmaßnahmen informiert.

Dies bedeutete aber auch,

dass für einige Monate andere

Maßnahmen nur eingeschränkt durchgeführt

werden konnten und sich der

Wiederaufbau deutlich verzögert.

Horn von Afrika: die vermeidbare

Hungerkatastrophe

Die Krise am Horn von Afrika, die

im Sommer 2011 wochenlang in den

Unterernährtes Kinder in Ostafrika. Die Hilfe greift,

doch die Katastrophe wäre vermeidbar gewesen.

Rückschläge und Krisen in der Projektarbeit

Medien präsent war, kam nicht überraschend.

World Vision hatte bereits

Anfang 2011 auf die besonders prekäre

Situation hingewiesen. Der Versuch,

die drohende Krise rechtzeitig mit

den richtigen Maßnahmen einzudämmen,

scheiterte daran, dass zu dieser

Zeit fast keine Mittel für Ostafrika

eingeworben werden konnten. Erst

als die Situation am Horn von Afrika

Monate später eskalierte und die ersten

Bilder von verhungernden Kindern

um die Welt gingen, verbesserten

sich die Finanzierungsmöglichkeiten.

Doch zu diesem Zeitpunkt waren

bereits über zwei Millionen Kinder in

der Region schwer unterernährt.

World Vision weitete Hilfsmaßnahmen

im Bereich der Lebensmittel­ und

Trinkwasserversorgung aus, errichtete

Notunterkünfte mit sanitären Anlagen

und stellte Medikamente, therapeutische

Zusatznahrung und Gesundheitsdienste

für unterernährte Kinder und schwangere

sowie stillende Frauen bereit.

Allerdings wäre die Katastrophe vermeidbar

gewesen, wenn die internationale

Gemeinschaft früher auf die

deutlichen Signale von Hilfswerken, die

in der Region tätig sind, reagiert hätte.


Risiken wirksam begegnen

Als global tätiges Hilfswerk im sensiblen Feld der mit Spenden finanzierten Entwicklungszusammenarbeit ist World Vision

besonderen Risiken ausgesetzt, die sich auf unsere Arbeit auswirken und die Erreichung unserer Ziele erschweren können.

Deshalb beobachten wir mögliche Risiken kontinuierlich, damit wir gegebenenfalls rasch reagieren und negative Auswirkungen

auf den Erfolg unserer Arbeit mit den Armen und Notleidenden der Welt minimieren können.

Interne Risikofaktoren Gegenmaßnahmen

Korruption und Veruntreuung

durch Mitarbeiter

Interessenkonflikte und

Vorteilsverschaffung

Managementfehler, Risikoanhäufung,

Ineffizienz und Ineffektivität

Mangelnde Kontrolle durch

das Aufsichtsorgan

Ineffizienz und Ineffektivität

der Projektarbeit

Hohe Verwaltungskosten

Überzogener Haushalt

Liquiditätsengpässe

Externe Risikofaktoren

Wirtschafts­ und Finanzkrisen und

damit verbundene Spendenrückgänge

Verschlechterung von Rahmenbedingungen

im Einsatzland

durch Krieg, Korruption etc.

Währungsrisiken und

Wechselkursschwankungen

Verändertes Spendenverhalten

Wir haben strikte Finanzvorschriften: regelmäßige Finanzprüfungen durch unabhängige

Prüfer (intern und extern) sowie eine Prüfung der vierteljährlichen

Finanzberichte unserer Projekte durch unsere Projektcontroller.

Mitarbeiter, Vorstand und Präsidium müssen jährlich eine Transparenzerklärung

unterschreiben, die potenzielle Interessenkonflikte offenlegt. Unsere Warenbeschaffungsrichtlinie

hilft ebenfalls, mögliche Vorteilsverschaffungen zu vermeiden.

Durch unser intensives Auswahlverfahren werden kompetente Personen in die

Führungsmannschaft berufen. Zusätzlich unterliegt der Vorstand der laufenden

Kontrolle durch das Präsidium als Aufsichtsorgan.

Wir berufen die Präsidiumsmitglieder aufgrund eines Erfahrungs­ und

Kompetenzprofils.

Wir haben Erfolgsindikatoren, messen Kosten­Nutzen­Effekte, führen laufendes

Monitoring (Überwachung) durch und evaluieren regelmäßig die Projektarbeit.

Unsere Mitarbeiter vor Ort werden kontinuierlich geschult.

Wir führen eine detaillierte Ausgabenplanung und ­kontrolle durch und unterziehen

uns regelmäßigen externen Prüfungen durch internationale World Vision­

Revisoren sowie anerkannte Wirtschaftsprüfer.

Wir erstellen monatliche Soll­Ist­Vergleiche; Zahlungsanweisungen unterliegen

dem Vier­Augen­Prinzip und brauchen eine doppelte Unterschrift.

Wir haben eine detaillierte Ausgaben­ und Transferplanung sowie ­kontrolle.

Unsere Liquidität wird laufend überwacht.

Wir gestalten unser Budget konservativ, führen Kontingenzplanungen durch und

bauen Rücklagen auf, um Schwankungen bei den Spendeneinnahmen ausgleichen

zu können.

Wir beteiligen uns in den Einsatzländern am zivilgesellschaftlichen Aufbau und

betreiben nationale und internationale Lobbyarbeit zur Festigung demokratischer

Strukturen, zur Einhaltung von Menschenrechten, zur Bekämpfung von

Korruption und zur Förderung von „good governance“.

Wir führen Währungsabsicherungen auf der Basis detaillierter Transferplanungen

durch.

Wir betreiben kontinuierlich Spendenmonitoring und erstellen Kosten­Nutzen­

Analysen. Wir überprüfen unsere Marketinginstrumente, suchen nach innovativen

und wirksamen Werbemöglichkeiten und beobachten den Spendenmarkt.

33


Über World Vision

Projektcontrolling

Projekterfolg und wirtschaftliche

Nachhaltigkeit

Das langfristige Ziel jeder Projektarbeit

von World Vision ist die nachhaltige

Verbesserung der Lebensbedingungen

für die Kinder und ihre Familien in

unseren Projektgebieten. Um dies zu

gewährleisten, ist es unerlässlich, die

Wirksamkeit unserer Projektmaßnahmen

regelmäßig zu bewerten. Ein wesentlicher

Aspekt dabei ist, zu prüfen, ob

die finanziellen Mittel sinnvoll und

zweckmäßig eingesetzt werden.

Transparenz und

Wirtschaftlichkeit

Werden die Spenden in den Entwicklungsländern

effizient und gemäß den

Projektzielen eingesetzt? Werden die

Budgetvorgaben eingehalten, oder sind

Abweichungen festzustellen? Ist die

Berichterstattung aussagekräftig und

transparent? Welche Maßnahmen sind

erforderlich? Mit diesen und vielen

anderen finanzwirtschaftlichen Fragen

beschäftigt sich bei World Vision

Deutschland das Team „Projektfinanzen“

in der Abteilung Internationale Programme.

Gemeinsam mit den zuständigen

Länderreferenten prüft es die Transparenz

und Wirtschaftlichkeit bei

der Verwendung der uns anvertrauten

Spenden. Dazu ist das Team

in jede Phase des Projektzyklus

(siehe Seite 30) eingebunden.

Projektplanung

Schon während der Planungsphase werden

Projektanträge und Budgets unter

finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten

geprüft. Mehrjährige Planungsdokumente

und jährliche Budgetpläne sind vertragliche

Grundlagen der Zusammenarbeit

zwischen den Projektpartnern, also

beispielsweise World Vision Äthiopien

und World Vision Deutschland. So

wird die Einhaltung von Zielvereinbarungen

und wichtigen Qualitätsstandards

sichergestellt.

34

Projektarbeit Finanzen

Aktive Prüfung und Beratung

Zu den Aufgaben des Projektcontrollings

zählt jedoch nicht nur die Kontrolle

von Transparenz und Wirtschaftlichkeit

in der Mittelverwendung, sondern

auch die Unterstützung der Projektpartner

in anderen Bereichen ihres

Finanzmanagements. Die deutschen

Kollegen sind zum Beispiel für den

sicheren Zahlungsverkehr in die

Projektländer verantwortlich und

fordern Empfangsbestätigungen

an. So können Risiken vermindert

und gleichzeitig die Liquidität der

Projekte gewährleistet werden.

Die Projektbuchhaltung und Erstellung

der Finanzberichte verantworten in

erster Linie die einheimischen World

Vision­Kollegen in den Projektländern,

da sie die rechtlichen, wirtschaftlichen

und kulturellen Gegebenheiten vor Ort

kennen. Damit die deutschen Kollegen

jedoch zeitnah informiert werden und,

falls nötig, schnell helfen können, müssen

alle Projektpartner zu den Quartals­ und

Jahresenden Finanzberichte bei World

Vision Deutschland vorlegen. Das kann

besonders diejenigen Projektpartner

vor große Herausforderungen stellen,

die ohnehin unter schwierigen

Verhältnissen arbeiten – sei es aufgrund

extremer klimatischer Bedingungen,

häufiger Stromausfälle oder politischer

Instabilität und Unsicherheit. Hier

ist die Unterstützung der deutschen

Finanzkollegen besonders gefragt,

damit die Anforderungen an das Finanzberichtswesen

erfüllt werden können

und der wirtschaftliche Umgang mit

den Spendengeldern sichergestellt ist.

Evaluierung und Reflexion

Wir kontrollieren alle Finanzberichte

auf der Grundlage vereinbarter Budgets

und Zielsetzungen. Zum einen

steht die grundsätzliche Qualität des

Berichts auf dem Prüfstand, etwa

die Vollständigkeit, Richtigkeit und

Einhaltung der Berichtsfrist. Ebenso

wichtig sind inhaltliche Gesichtspunkte:

Sind die Ausgaben zweckmäßig, und

stehen sie in einem angemessenen

Verhältnis zum Projektfortschritt? Gibt

es Abweichungen, und wo liegen die

Ursachen? Wo sind Verbesserungen

möglich, und welchen Entwicklungen

muss in Zukunft Rechnung getragen werden?

Wir analysieren die Projektberichte

sehr genau, um Verbesserungspotenziale

zu erschließen und wirkungsvolle Maßnahmen

zu ergreifen. Manchmal, zum

Glück jedoch selten, sind Sanktionen

unvermeidlich. Sie können vom Aussetzen

von Zahlungen über Rückforderungen

der Mittel bis hin zur

Schließung eines Projekts reichen.

Vorteile der internationalen

Partnerschaft

Dank der internationalen World

Vision­Partnerschaft (siehe Seite 7)

profitiert World Vision Deutschland

von bereits etablierten Strukturen in

den Projektländern. Beispielsweise

halten sich die Kollegen in den World

Vision­Länderbüros an einheitliche

Berichtsformate, Finanzrichtlinien und

Kontrollmechanismen, auf deren Basis

die Projekte regelmäßig sowohl von

internen Revisoren als auch von externen

Wirtschaftsprüfern beurteilt

werden. Gemeinsam mit anderen

World Vision­Länderbüros können

gezielte Trainingsmaßnahmen oder

auch die technische und personelle

Unterstützung der Projekte noch besser

koordiniert und durchgeführt werden.


Kontrollmechanismen

Die unten abgebildete Pyramide

veranschaulicht die verschiedenen

Kontrollebenen von World Vision

(WV). Sowohl die Projekte und die

verantwortlichen Nationalbüros in

den Entwicklungsländern als auch

das „Unterstützungsbüro“ World

Vision Deutschland werden regelmäßig

einer eingehenden sachlichen

und finanziellen Prüfung unterzogen.

Auf diese Weise sollen die größtmögliche

Wirkung und Wirtschaftlichkeit

der Projektarbeit gewährleistet und

eine sachgemäße Verwendung der

Spendengelder sichergestellt werden.

Die grünen Ebenen beziehen sich auf die

Kontrolle der Projektarbeit. Sie erfolgt

zunächst durch die Leiter der Projekte

und das „Projekt­Begleitkomitee“,

einen Ausschuss von Bewohnern

des Projektgebiets. Die Arbeit von

Projektleitung und Begleitkomitee wird

wiederum von dem jeweiligen nationalen

World Vision­Büro überwacht.

Die nationalen Büros beschäftigen

dazu eigene Fachleute, darunter auch

einen Projekt­Revisor, und berufen

ein externes Evaluierungsteam, das im

Abstand von vier bis fünf Jahren eine

partizipative Evaluation durchführt (siehe

Seite 30). Parallel dazu wird die Arbeit

in den Projekten von den Fach­ bzw.

Länderreferenten und Projektcontrollern

von WV Deutschland überwacht.

Die braune Ebene bezieht sich auf

die Kontrolle der nationalen World

Vision­Büros. Ihre Finanzen werden

regelmäßig vom Revisor von

World Vision International (WVI),

Projekte

Projektkontrolle:

• durch Management

• durch Projekt-Begleitkomitee

Qualitätsüberwachung:

• durch WV-Nationalbüros

• durch externes Evaluierungsteam

Qualitätskontrolle durch WV Deutschland:

• inhaltliche Kontrolle durch Länderreferenten

• finanzielle Kontrolle durch Projektcontroller

Kontrolle der WV-Nationalbüros:

• durch den Revisor von WV International

• durch das Partnerschaftskomitee WV International

Überwachung der Programmabteilung von WV Deutschland

durch den Vorstand von WV Deutschland

Kontrolle des Vorstands von WV Deutschland:

• durch das ehrenamtliche Präsidium von WV Deutschland

• durch den ehrenamtlichen Finanzausschuss von WV Deutschland

Überwachung des ehrenamtlichen Präsidiums von WV Deutschland

durch die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins WV Deutschland

Interne Kontrolle des gemeinnützigen Vereins WV Deutschland:

• durch den Revisor (Buchprüfer bzw. Auditor) von WV International

• durch das Partnerschaftskomitee (engl. Peer Review Team) der WV-Partnerschaft

Externe Kontrolle von WV Deutschland:

• durch externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

• durch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) sowie die Steuerbehörden

also dem internen World Vision­

Auditor, geprüft. Außerdem werden

Organisation und strategische

Ausrichtung der Nationalbüros von

einem „Partnerschaftskomitee“ (englisch

„Peer Review Team“) überwacht.

Die orangefarbenen Ebenen beziehen

sich auf die Kontrolle von World Vision

Deutschland. Hier wird die Arbeit

zunächst durch die jeweiligen operativen

Ebenen bzw. die verschiedenen

Vereinsorgane und ­ausschüsse

geprüft. Außerdem werden – analog

zu den Nationalbüros in den Entwicklungsländern

– die Finanzen vom

Revisor von World Vision International

überwacht. Die Organisation und

strategische Ausrichtung wird vom

„Partnerschaftskomitee“ kontrolliert.

Weitere Kontrollen erfolgen durch

die externen Prüfungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,

der Steuerbehörden

sowie des Deutschen Zentralinstitutes

für soziale Fragen (DZI).

Kontrollmechanismen

der Projekte

der nationalen W V-Büros

von WV Deutschland

35


Über World Vision

36

Spezielle Indikatoren

ermöglichen die

Messung der Wirkungen

unserer Arbeit

Einsatz Aktivität Leistung

Material

Personal

Brunnen wird

gebaut

Projektarbeit Finanzen

Wirkungsbeobachtung –

den Projekterfolg messen

Um den Erfolg von Projekten beurteilen zu können, reicht es nicht, die kurzfristigen

Ergebnisse und Effekte von Projektmaßnahmen zu prüfen. Vielmehr müssen die

angestrebten Wirkungen beschrieben, erzielte Wirkungen ausgewertet und die

richtigen Schlussfolgerungen für die Praxis gezogen werden. Dabei kann es sich

um kurzfristige oder langfristige, positive oder negative, geplante oder ungeplante,

direkte oder indirekte Wirkungen handeln. Der Unterschied zwischen dem Ergebnis

einer Projektaktivität und ihrer Wirkung wird an einem einfachen Beispiel deutlich:

Das Ergebnis eines Gesundheitsprojekts kann der Zugang zu sauberem Trinkwasser

in Form von neu gebohrten Brunnen sein. Über die Wirkung dieser Brunnenbau­

Maßnahme, etwa eine bessere Gesundheitssituation durch einen Rückgang der

Durchfallerkrankungen, ist damit aber noch nichts gesagt (siehe Schaubild).

Brunnen mit

sauberem

Trink wasser in

Funktion

Direkte

Wirkung

Bessere

Gesundheits -

situation durch

weniger Durchfallerkrankungen

Indirekte

Wirkung

Gesunkene

Kindersterblichkeit


Ernährung und

Gesundheit

Kinder sind gesund

ernährt

Kinder genießen vorbeugende

Gesundheit und den Schutz

vor Kinderkrankheiten

Kinder haben Zugang zu

medizinischer Versorgung und

Behandlung

Ziele für das Wohlbefinden von Kindern

Erziehung und

Bildung

Kinder lernen

Lebensfertigkeiten

(wie Kommunikation,

Umgang mit Gefühlen etc.)

Kinder können lesen,

schreiben und rechnen

Kinder/ Jugendliche vollenden

ihre Schulbildung

Jugendliche erhalten eine

Berufsausbildung

Spiritualität und

Verantwortung

Kinder lernen, über sich

selbst und ihren Platz in der

Welt zu reflektieren

Kinder genießen gute

Beziehungen zu ihren Familien,

Freunden und Nachbarn

Kinder haben Hoffnung,

Zuversicht und Visionen für

ihre Zukunft

Kinder übernehmen

Verantwortung für andere

und für ihre Umwelt

Was Evaluierungen leisten können

Um solche Wirkungen messen zu können, hat World Vision Indikatoren entwickelt,

die Veränderungen der Lebensqualität von Kindern und Familien in unterschiedlichen

Lebensbereichen sichtbar machen. Ein solcher Indikator kann beispielsweise der

Prozentsatz von Kindern unter fünf Jahren sein, die in einem bestimmten Zeitraum

vor der Datenerhebung an Durchfall erkrankt waren.

Führt man solche Evaluierungen regelmäßig durch, so wird ein Trend ablesbar, der

Auskunft darüber gibt, wie sich die Lebensqualität der Kinder über die Jahre entwickelt.

Bezogen auf das oben angeführte Beispiel würde sichtbar, ob die Infektionsrate

bei Durchfallerkrankungen im Lauf der Jahre gesunken, gleich geblieben oder sogar

gestiegen ist. Befragungen von Kontrollgruppen außerhalb des Projektgebiets lassen

im Vergleich Rückschlüsse zu, inwieweit Projektmaßnahmen zu diesen Wirkungen

beigetragen haben. Ein Soll­Ist­Vergleich zeigt an, ob die zuvor festgelegten Ziele

erreicht, übertroffen oder verfehlt wurden.

Mit den sogenannten „Child Well­Being Aspirations“ (etwa: „Ziele für das Wohlbefinden

von Kindern“) hat World Vision Ziele entwickelt, an denen sich die

Wirkungen messen lassen müssen (siehe Tabelle oben).

Wie man an aussagekräftige Daten kommt

Evaluierungen mit dem Ziel, die Wirkungen der Projektmaßnahmen zu messen und

die künftige Projektarbeit gegebenenfalls anzupassen, finden in der Regel alle drei bis

fünf Jahre statt. Die Ermittlung der Daten dafür erfolgt zunächst durch repräsentative

Haushaltsbefragungen. Diese quantitative Methode wird ergänzt durch qualitative

Formen der Datenerhebung. Dazu gehören zum Beispiel Gruppendiskussionen,

wobei Männer, Frauen und Kinder getrennt zu Wort kommen. Weitere Methoden

sind Trendanalysen oder „Lebenslinien“, bei denen die Bevölkerung in einem rückblickenden

Vergleich beschreibt, wie sich ihr Leben in unterschiedlichen Bereichen

verändert hat. Durch eine bildliche Darstellung der Veränderungen können auch

Menschen eingebunden werden, die nicht lesen oder schreiben können.

Kinderschutz und

Kinderpartizipation

Kinder genießen Sicherheit

und Schutz in Familie,

Nachbarschaft und beim Spiel

Kinder werden ausreichend

versorgt und kennen

ihre Rechte

Kinder werden bei ihrer

Geburt registriert und haben

eine Nationalität

Kinder werden beteiligt an

allen Entscheidungen,

die sie selbst betreffen

Ausschlaggebend ist: Hat

sich die Lebensqualität

von Kindern und Familien

deutlich verbessert?

37


Über World Vision

38

Die Familien identifizieren

und bewerten die

wichtigsten positiven

Veränderungen der

letzten Jahre selbst.

Projektarbeit Finanzen

Als besonders nützlich hat sich die sogenannte „Most Significant Change­Methode“

erwiesen. Hierbei identifiziert und bewertet die Zielgruppe die wichtigsten positiven

Veränderungen der letzten Jahre. Außerdem benennen die Teilnehmer die

„Verursacher“ dieser Veränderungen (Wer war beteiligt? Wie groß ist der Anteil

jedes Beteiligten?). Dies erlaubt, den Beitrag von World Vision zu bewerten, und

liefert wertvolle Hinweise darauf, welche Akteure die Entwicklung weitertragen

können, wenn World Vision nicht mehr vor Ort aktiv ist.

Die Übergangsphase erfolgreich gestalten

Die Ergebnisse der Abschlussevaluierung sind die Grundlage für die Gestaltung der

Übergangsphase (Transition), bei der es darum geht, die Projektarbeit erfolgreich in

die Verantwortung der lokalen Bevölkerung zu übergeben. 2011 sind mehrere

Regional­Entwicklungsprojekte in diese letzte Phase eingetreten. World Vision

Deutschland hat daher ein spezielles Lernprojekt zur Planung der Übergangsphase

initiiert und unterstützt. Dafür wurden Instrumente und Methoden entwickelt und

getestet, die den lokalen Mitarbeitern helfen, diesen entscheidenden Prozess zum

Ende einer Projektlaufzeit bestmöglich zu begleiten.

Nur eine direkte und aktive Beteiligung der Menschen vor Ort ermöglicht eine nachhaltige

und erfolgreiche Übergabe. Daher werden die Evaluierungsergebnisse und

die bedeutendsten Veränderungen („most significant changes“) gemeinsam mit der

Bevölkerung einschließlich der Kinder und Jugendlichen, den Gemeindevertretern

und den verschiedenen lokalen Organisationen betrachtet und ausgewertet. Die gewonnenen

Erkenntnisse und Lernerfahrungen fließen in die gemeinsame Planung der

Projektübergabe vor Ort ein. Ziel ist die Entwicklung eines realistischen Planes, der

die lokalen Entscheidungsträger vorbereitet und befähigt, geeignete Aktivitäten des

Projekts in Eigenregie fortzuführen. So bleiben die positiven Wirkungen und Erfolge

der Projektarbeit langfristig erhalten.


Indikator

Indikator

Beispiel Gazipur in Bangladesch

Anteil der Kleinkinder mit allen vorgeschriebenen

Impfungen (in Gesundheitskarte dokumentiert)

Anteil der Mütter, die wissen, wie man

Durchfallerkrankungen richtig behandelt

Beispiel Mphuka in Malawi

Anteil der Grundschüler, die regelmäßig die Schule

besuchen

Anteil der Grundschüler, die in ihren Abschlussarbeiten

die Mindestpunktzahl erhielten

Anteil der Mitglieder in den Selbsthilfegruppen, die

lesen und schreiben können

Anteil der Familien, die sich 12 Monate im Jahr drei

volle Mahlzeiten pro Tag leisten können

Evaluierung

2007

Evaluierung

2007

Zielwert

2011

Zielwert

2011

Evaluierung

2011

Anteil der untergewichtigen Kinder 20 % 8 % 13,4 %

Anteil der schulpflichtigen Kinder, die die

Grundschule besuchen

Anteil der Absolventen, die sich für eine weiterführende

Schule qualifiziert haben

60,2 % 80 % 82,1 %

31 % 37 % 79,9 %

Anteil der Schulabbrecher 11 % 4 % 4,1 %

Anteil der Haushalte mit Zugang zu sauberem

Trinkwasser

Anteil der Bevölkerung, die positiv auf HIV getestet

wurde

54 % 60 % 57,4 %

21 % 20 % 10 %

Anteil der an Malaria erkrankten Bevölkerung 20 % – 20 %

Anteil der Kleinkinder, die an Durchfall erkrankten 18 % 11 % 5,7 %

Evaluierung

2011

53 % 90 % 93 %

88 % 95 % 91 %

85 % – 88 %

60 % 80 % 74 %

40 % 90 % 93 %

83 % 80 % 93 %

In Mphuka gibt es

Verbesserungen in

der Gesundheits- und

Ernährungssituation,

beim Schulbesuch und bei

der Qualität der Schulbildung.

Im Bereich der

Trinkwasserversorgung blieb

die Entwicklung hinter dem

Plan zurück, dennoch konnten

die mit verschmutztem

Wasser verbundenen

Erkrank ungen weiter

reduziert werden. Bei nicht

erreichten Zielen müssen

die Projektaktivitäten in der

nächsten Phase angepasst

werden (vgl. Seite 31).

In Gazipur sind deutliche

Verbesserungen sowohl in

den Bereichen Gesundheit

und Bildung als auch im

Bereich Ernährung zu

verzeichnen. Bei nicht

erreichten Zielen müssen

die Projektaktivitäten in der

nächsten Phase angepasst

werden (vgl. Seite 31).

39


Über World Vision

Allgemeine Angaben

Das Vereinsrecht kennt keine gesetzlich

normierten Rechnungslegungsvorschriften

für Vereine. Der Verein ist

verpflichtet, durch ordnungsgemäße

Aufzeichnungen über Einnahmen und

Ausgaben nachzuweisen, dass die

tatsächliche Geschäftsführung den

Satzungsbestimmungen entspricht.

World Vision Deutschland stellt freiwillig

eine Bilanz mit dazugehöriger

Ertragsrechnung auf. Die Buchführung

wurde dabei – ebenso wie die

Jahresrechnung und die Vorbreitung der

Sammelbestätigungen – intern durchgeführt.

Die Jahresabschlussprüfung

ist nach den Vorschriften des § 317 im

Handelsgesetzbuch (HGB) und den vom

Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW)

festgestellten deutschen Grundsätzen

ordnungsgemäßer Abschlussprüfung

erfolgt. Die Vorschriften des Gemeinnützigkeitsrechts

und die entsprechenden

steuerrechtlichen Vorschriften der

Abgabenordnung, z. B. hinsichtlich zweckentsprechenderMittelverwendung,

zeitnaher Mittelverwendung und

Rücklagenbildung, werden beachtet.

Bilanzierungsmethoden

Der Jahresabschluss zum 30. September

2011 des Vereins „World Vision Deutsch­

40

Projektarbeit Finanzen

Finanzbericht 2011

land e. V.“, Friedrichsdorf, wurde unter

Beachtung der für alle Kaufleute geltenden

Vorschriften der §§ 242 ff. sowie

ergänzender Bestimmungen der §§ 264

ff. des HGB für Kapitalgesellschaften,

soweit diese sinngemäß anwendbar

sind, aufgestellt. Die am 29. Mai 2009

in Kraft getretenen Vorschriften des

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

(BilMoG) wurden angewandt. Der

Verein hat darüber hinaus für das

Berichtsjahr erstmals freiwillig einen

Lagebericht aufgestellt. Die Gliederungen

von Bilanz und Gewinn­ und

Verlustrechnung erfolgen in Anlehnung

an die handelsrechtlichen Gliederungsschemata

der §§ 266 bzw. 275 HGB

mit Anpassungen bzw. Ergänzungen

gemäß § 265 Abs. 5 HGB zur Berücksichtigung

von Besonderheiten, die sich

aus der Aufgabenstellung und Struktur

des Vereins als Spenden sammelnde

Organisation und Hilfswerk ergeben.

Die Gewinn­ und Verlustrechnung wird

nach dem Gesamtkostenverfahren

(§ 275 Abs. 2 HGB) aufgestellt. Auf

Seite 44 sind die Erträge detailliert nach

den einzelnen Kategorien ausgewiesen.

Zur besseren Verständlichkeit erfolgt

die Darstellung des Aufwands auf S. 46

gemäß den Kriterien des DZI. Ergänzend

erfolgt auf S. 47 eine nach Sparten ge­

gliederte Darstellung des Aufwands.

Das Konzept, das hierbei angewandt

wurde, entspricht der durch das DZI

herausgegebenen Richtlinie/Matrix:

� dzi.de/wp­content/uploads/2011/11/

DZI­Spenden­Siegel­Leitlinien­2011.pdf

Bewertungsmethoden

Die Bilanzierung und die Bewertung

erfolgen nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger

Buchführung auf der

Basis der Anschaffungskosten unter

Beachtung des Niederstwertprinzips

und der Grundsätze der kaufmännischen

Vorsicht. Das Sachanlagevermögen ist zu

Anschaffungs­ bzw. Herstellungskosten

abzüglich der bisher aufgelaufenen

und im Geschäftsjahr 2011 planmäßig

fortgeführten Abschreibungen

bewertet. Die Abschreibungen auf

das Anlagevermögen erfolgen nach

der linearen Abschreibungsmethode.

Geringwertige Anlagegüter werden im

Jahr der Anschaffung voll abgeschrieben.

Die Wertpapiere des Anlagevermögens

werden zu Anschaffungskosten ausgewiesen.

Abschreibungen auf niedrigere

Kurse sind insoweit erfolgt, als sie zur

Anpassung an voraussichtlich dauerhaft

niedrigere Kurswerte erforderlich

waren. Das Vorratsvermögen wurde zu

Anschaffungskosten unter Beachtung


des Niederstwertprinzips bewertet.

Die Forderungen und sonstigen

Vermögensgegenstände sind zum Nennwert

angesetzt. Ausfallrisiken sind durch

angemessene Wertberichtigungen

berücksichtigt. Die Forderungen haben

eine Restlaufzeit von bis zu einem

Jahr. Die Kassenbestände und die Guthaben

bei Kreditinstituten sind mit ihren

Nominalbeträgen angesetzt. Fremdwährungspositionen

werden unterjährig

zum aktuellen Währungskurs

in Euro umgerechnet und zum

Abschlussstichtag unter Beachtung des

Niederstwertprinzips bewertet. Die

zum Bilanzstichtag noch nicht zweckentsprechend

verwendeten Spenden

und ähnliche Mittel werden in der

Bilanz gesondert als „Verpflichtungen

aus noch zweckentsprechend zu verwendenden

Mitteln“ ausgewiesen. Die

Mittel werden – soweit sie nicht für

mittelfristige Wiederaufbauprojekte

gebunden sind – regelmäßig im nachfolgenden

Geschäftsjahr für satzungsgemäße

Projekte zweckentsprechend

verwendet. Die Rückstellungen werden

mit ihren nach vernünftiger kaufmännischer

Beurteilung ermittelten

Erfüllungsbeträgen ausgewiesen. Die

Verbindlichkeiten sind mit ihren jewei­

ligen Rückzahlungsbeträgen passiviert.

Die gesamten Verbindlichkeiten haben

Restlaufzeiten von bis zu einem Jahr

und sind nicht durch Grundpfandrechte

oder ähnliche Rechte gesichert.

Forderungen und Verbindlichkeiten

sowie Aufwand in fremder Währung

(ausschließlich US­Dollar), die sich aus

Transferleistungen ergeben, werden

zum Tageskurs der Erstverbuchung

bewertet, da sie in US­Dollar weiterge­

Asien 21,5 %

leitet werden. Demzufolge entstehen

Kursverluste und ­gewinne nicht durch

Transferleistungen, sondern aufgrund

von Verrechnungen mit anderen World

Vision­Büros. Erhaltene Sachspenden

werden mit dem nachgewiesenen und

dokumentierten Zeit­ bzw. Marktwert

der einzelnen Güter bewertet und

ausgewiesen. Die im Berichtszeitraum

eingegangenen Spenden werden

voll ertragswirksam vereinnahmt.

Projektförderung nach Regionen 2011

(im Diagramm berücksichtigt sind Werte ab 1%)

Überregionale

Förderung 7,7 %

Osteuropa und

Mittlerer Osten 9,5 %

Afrika 40,0 %

Lateinamerika 21,2 %

41


Über World Vision

Aktiva 30.09.2011 30.09.2010

A. Anlagevermögen

42

I. Immaterielle

Vermögensgegenstände

Projektarbeit Finanzen

501.488 € 865.815 €

II. Sachanlagen 209.355 € 296.763 €

III. Finanzanlagen 3.143.368 € 32.954 €

Summe Anlagevermögen 3.854.211 € 1.195.532 €

B. Umlaufvermögen

I. Vorräte 641.363 € 410.597 €

II. Forderungen und sonstige

Vermögensgegenstände

9.080.753 € 3.938.803 €

III. Wertpapiere 0 € 21.660 €

IV. Guthaben bei

Kreditinstituten

21.384.426 € 26.759.125 €

Summe Umlaufvermögen 31.106.542 € 31.130.185 €

C. Rechnungsabgrenzung 96.885 € 180.853 €

Summe aktiVa 35.057.638 € 32.506.570 €

Bilanz zum 30.09. 2011

Erläuterungen zur Bilanz

Das Gesamtvermögen hat sich gegenüber

dem Vorjahr um 2,6 Mio. Euro

(+8 %) auf 35,1 Mio. Euro erhöht. Dies

resultiert im Wesentlichen aus dem

Anstieg der Forderungen und sonstigen

Vermögensgegenstände um 5,5 Mio.

Euro (+130 %) und einem Aufbau der

Finanzanlagen von 3,1 Mio. Euro, verbunden

mit einem Rückgang der liquiden

Mittel um 5,4 Mio. Euro (­20,1 %).

Der Anteil des langfristig gebundenen

Vermögens am Gesamtvermögen hat

sich von 3,7 % im Geschäftsjahr 2010 auf

11,0 % im Geschäftsjahr 2011 erhöht.

AKTIVSEITE

A. Anlagevermögen

I. Die immateriellen Vermögensgegenstände

betreffen Lizenzen und

Computersoftware. Bei Zugängen

von 16 Tsd. Euro – im Wesentlichen

Passiva 30.09.2011 30.09.2010

A. Eigenkapital

I. Zweckkapital 1.176.997 € 1.132.401 €

II. Rücklagen 14.948.379 € 15.098.950 €

Summe Eigenkapital 16.125.376 € 16.231.351 €

B. Verpflichtungen aus noch zweckent -

sprechend zu verwendenden Mitteln

I. Verpflichtungen aus Mitteln

für Katastrophen-Projekte

II. Verpflichtungen aus Mitteln

für Entwicklungs-Projekte

Summe Projekt-

Verpflichtungen

nachträgliche Anschaffungskosten zu

der in 2008 aktivierten ERP­Software

sowie der Erwerb von Lizenzen – und

planmäßigen Abschreibungen in Höhe

von 381 Tsd. Euro vermindern sie sich

um 365 Tsd. Euro auf 501 Tsd. Euro.

II. Die Sachanlagen umfassen im

Wesentlichen die Büroeinrichtungen

und Einbauten in den Mieträumen

sowie den Fuhrpark und EDV­Anlagen.

Durch Zugänge – im Wesentlichen

EDV­Hardware und Fuhrpark –

von 100 Tsd. Euro und planmäßige

Abschreibungen in Höhe von 188 Tsd.

Euro vermindern sich die Sachanlagen

um 88 Tsd. Euro auf 209 Tsd. Euro.

III. Bei den Finanzanlagen handelt es

sich um einen durch testamentarische

Verfügung im Jahr 2001

erhaltenen Gesellschaftsanteil an

7.061.852 € 4.268.549 €

2.481.365 € 4.727.966 €

9.543.217 € 8.996.515 €

C. Rückstellungen 1.203.466 € 1.360.133 €

D. Verbindlichkeiten 8.185.579 € 5.918.571 €

Summe PaSSiVa 35.057.638 € 32.506.570 €

einer Grundstücks­, Vermögensund

Verwaltungs­GbR in Höhe von

7 Tsd. Euro, erstmals ausgewiesene

Wertpapiere des Anlagevermögens

mit 2.876 Tsd. Euro sowie sonstige

Ausleihungen in Höhe von 260 Tsd.

Euro. Im Berichtsjahr wurde ein Teil

der liquiden Mittel in Wertpapiere des

Anlagevermögens umgeschichtet und

einer Vermögensverwaltung übertragen.

Den Rahmen für die Verwaltung

der Mittel gibt eine Anlagerichtlinie

vor, deren oberste Prämissen die

Risikobegrenzung und die Vorgabe

von Nachhaltigkeitskriterien bei der

Mittelanlage sind. Der Großteil der

Mittel ist in Renten sowie Liquidität

und nur ein kleiner Teil in Aktien

angelegt. Die sonstigen Ausleihungen

betreffen ein Darlehen an eine World

Vision­Partnerorganisation, das zum

Bilanzstichtag 234 Tsd. Euro beträgt,


sowie Genossenschaftsanteile in

Höhe von 26 Tsd. Euro.

B. Umlaufvermögen

I. Bei den Vorräten handelt es sich um

Hilfsgüter, die für den schnellen Einsatz

beim Eintritt von Katastrophen bestimmt

sind. Es wurden u. a. Module für

sog. „Child Friendly Spaces“ (Kinderbetreuungszentren

zum Einsatz in

Katastrophengebieten) eingelagert.

II. Die Forderungen und sonstigen

Vermögensgegenstände haben zum

Bilanzstichtag einen Bestand von

9.081 Tsd. Euro. Der Anstieg dieser

Bilanzposition um 5.142 Tsd. Euro gegenüber

dem Vorjahr ist hauptsächlich

auf die gestiegenen Forderungen an

World Vision­Partnerorganisationen

zurückzuführen. Diese Forderungen

werden im Finanzjahr 2012 wieder

ausgeglichen. Dies betrifft die kurzfristige

Ausleihung von Mitteln, die im

Finanzjahr 2012 zurückgezahlt werden.

Die sonstigen Vermögensgegenstände

sind mit 1.437 Tsd. Euro um 59 Tsd.

Euro niedriger als im Vorjahr. Die

größte Position bei den sonstigen

Vermögensgegenständen

sind Forderungen aus Projektvorauszahlungen.

Hierbei handelt

es sich um Vorfinanzierungen von

Projekten, die von der öffentlichen

Hand und Kooperationspartnern

finanziert werden und bei denen bewilligte

Mittel noch nicht ausgezahlt

wurden. World Vision Deutschland

hat insbesondere Projekte in Papua­

Neuguinea, Senegal, Osttimor, der

Demokratischen Republik Kongo und

Simbabwe vorfinanziert, bei denen

die bewilligten Mittel nicht so schnell

ausgezahlt wurden, als die Hilfe notwendig

war. Insgesamt wurden zum

Bilanzstichtag 1.130 Tsd. Euro vorfinanziert.

Weiterhin sind unter den

sonstigen Vermögensgegenständen

Forderungen aus Mikrofinanz­

Krediten, geleisteten Anzahlungen

und Zinsabgrenzungen aufgeführt.

III. Eine im Vorjahr geerbte Anleihe wurde

der Vermögensverwaltung übertragen

und wird zum Bilanzstichtag

2011 somit bei den Wertpapieren

des Anlagevermögens ausgewiesen.

IV. Bei der Position Guthaben bei Kreditinstituten

handelt es sich hauptsächlich

um Fest­ und Tagesgelder zur

Finanzierung der Projektarbeit. Die

liquiden Mittel werden risikoarm angelegt

und gemäß der Budgetplanung

in die Projekte transferiert. Ursächlich

für den Rückgang um 5.375 Tsd. Euro

waren insbesondere der Einsatz der

liquiden Mittel aus dem Vorjahr für

die Katastrophenhilfe in Haiti und

Pakistan und eine Umschichtung von

Bankguthaben in Finanzanlagen.

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Die ausgewiesenen Rechnungsabgrenzungsposten

von 97 Tsd. Euro betreffen

vorausbezahlte Rechnungen, die dem

folgenden Finanzjahr zuzurechnen sind,

so zum Beispiel Vorauszahlungen für

Versicherungen und Wartungsverträge.

PASSIVSEITE

A. Eigenkapital

I. Der Anstieg des Zweckkapitals

im Finanzjahr 2011 um 45 Tsd.

Euro resultiert aus Zuwendungen

in Form von Nachlässen.

II. In der Vergangenheit wurde der

Rücklagenausweis nach HGB und

Abgabenordnung vermischt dargestellt.

Da es sich hierbei allerdings

um zwei unterschiedliche Rücklagenbegriffe

handelt, werden in

der Bilanz zukünftig nur noch die

Rücklagen gemäß HGB dargestellt.

Die steuerlichen Rücklagen nach den

Bestimmungen der Abgabenordnung

werden in einer gesonderten steuerlichen

Nebenrechnung (Mittelverwendungsrechnung)

als Anlage zur Steuererklärung

gegenüber dem Finanzamt

dokumentiert und nachgewiesen.

Der Verein hat sich zur Verwirklichung

seines Satzungszwecks verpflichtet,

eine Arbeitskapitalreserve zur Deckung

der eingegangenen Projektzahlungsverpflichtungen

aufzubauen, um

einen verlässlichen, kontinuierlichen

Mittelzufluss – auch bei rückgängigen

bzw. ausbleibenden Spenden – in

die Projekte zu gewährleisten. Die

Rücklagen haben einen Bestand von

14.948 Tsd. Euro (Vorjahr: 15.099).

Sie dienen der Risikoabsicherung,

d. h. der Aufrechterhaltung des

Geschäftsbetriebes für den Fall,

dass das Spendenaufkommen des

Vereins schwankt und dadurch bei der

Erfüllung der Transferverpflichtungen

Engpässe bei der Finanzierung der

Geschäftstätigkeit entstehen könnten.

Den zweckgebundenen Rücklagen

wurden im Berichtsjahr 115 Tsd. Euro

entnommen und im Rahmen der

Aufbauhilfe in Myanmar (Schäden

durch Zyklon Nargis) eingesetzt. Verpflichtungen

für noch zu erfolgende

Transferleistungen werden unter der

Passivposition „B. Verpflichtungen

aus noch zweckentsprechend zu

verwendenden Mitteln“ ausgewiesen

und unter B. erläutert.

B. Verpflichtungen aus noch

zweckent sprechend zu

verwendenden Mitteln

Dieser Posten ist darauf zurückzuführen,

dass ein Teil der Spenden nicht in dem

Jahr verausgabt wird, in dem sie World

Vision zugeflossen sind. So wurden zum

Beispiel im Zusammenhang mit den großen

Naturkatastrophen im Jahr 2011, dem

Tsunami in Japan und der Dürrekatastrophe

in Ostafrika, unter dieser Bilanzposition

Verpflichtungen für weiterzuleitende Mittel

eingestellt. Darüber hinaus beinhaltet der

Posten noch Teilbeträge aus Verpflichtungen

für Wiederaufbau­Projekte in Haiti und

Pakistan. Die übrigen Mittel betreffen Projekte

der Entwicklungszusammenarbeit.

Insgesamt wurden dem Posten im Geschäftsjahr

2010/11 4.306 Tsd. Euro zugeführt,

andererseits wurden von den im Vorjahr

eingestellten Mitteln 3.759 EUR infolge

zweckentsprechender Verwendung dieser

Mittel für Projekte entnommen.

C. Rückstellungen

Die sonstigen Rückstellungen betreffen

unter anderem Verpflichtungen aus

Urlaubsansprüchen und geleisteten Überstunden,

Kosten der Jahresabschlussprüfung

und Beratungskosten.

D. Verbindlichkeiten

Bei den Verbindlichkeiten handelt es sich

im Wesentlichen um Verbindlichkeiten

gegenüber World Vision International

für Projektarbeit, die durch mehrere

Länder der World Vision­Partnerschaft

gemeinsam finanziert und umgesetzt

wird, sowie Koordinierungs­ und Unterstützungsaufgaben.

Daneben handelt es sich

um erhaltene, noch zweckentsprechend zu

verwendende Mittel öffentlicher Geldgeber

und NGO­Aktionsbündnisse, für die der

Verein bereits bis zum Bilanzstichtag Gelder

erhalten, diese jedoch noch nicht vollständig

transferiert hat (7,3 Mio. Euro). Weiterhin

bestehen zum Bilanzstichtag Verbindlichkeiten

aus Lieferungen und Leistungen

(427 Tsd. Euro) und sonstige Verbindlichkeiten

(472 Tsd. Euro), unter anderem gegenüber

Projektpartnern und Finanzbehörden.

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Über World Vision

Erträge aus Spenden

und Zuschüssen

44

Projektarbeit Finanzen

Erträge im Finanzjahr 2011

30.09.2011 30.09.2010

Patenschaftsbeiträge 57.499.540 € 63,62 % 57.316.107 € 66,65 %

Spenden für sonstige Projekte der

Entwicklungszusammenarbeit

Spenden für Projekte der

Humanitären Nothilfe

2.561.082 € 2,83 % 2.253.667 € 2,62 %

6.167.270 € 6,82 % 6.247.019 € 7,26 %

Sonstige Spenden 3.012.084 € 3,33 % 2.743.889 € 3,19 %

Sachspenden 237.190 € 0,26 % 0 € 0,00 %

Öffentliche Zuschüsse 10.799.138 € 11,95 % 14.391.404 € 16,73 %

Einnahmen von Kooperationspartnern 10.042.693 € 11,11 % 1.899.375 € 2,21 %

Zuwendungen aus Nachlässen 44.596 € 0,05 % 133.973 € 0,16 %

Bußgelder 15.664 € 0,02 % 12.380 € 0,01 %

Sonstige Erlöse für satzungsgemäße Zwecke 0 € 0,00 % 3.000 € 0,00 %

gesamt 90.379.256 € 98,67 % 85.000.815 € 98,84 %

Sonstige Erträge

Zinsen und sonstige Erträge 1.090.883 € 1,19 % 824.354 € 0,96 %

Erstattungen für Dienstleistungen für

andere World Vision-Büros

123.527 € 0,13 % 176.633 € 0,21 %

Summe erträge 91.593.666 € 100,00 % 86.001.802 € 100,00 %

Spenden für sonstige Projekte der

Entwicklungszusammenarbeit 2,8 %

Sonstige Spenden inkl. Nachlässe

und Geldbußen 3,4 %

Spenden für Projekte der

Humanitären Hilfe 6,7 %

Einnahmen von Kooperationspartnern

11,0 %

Öffentliche Zuschüsse 11,8 %

Erträge im Finanzjahr 2011 nach Mittelherkunft

(Im Diagramm berücksichtigt sind Werte ab 1 %)

Zinsen und sonstige Erträge 1,3 %

Patenschaftsbeiträge 62,8 %


Erläuterungen der Ertragsrechnung

Hinweis zu Vergleichen mit

anderen Organisationen

Objektive Vergleiche mit veröffentlichten

Zahlen anderer Organisationen sind aufgrund

der unterschiedlichen Strukturen

und Arbeitsweisen nur schwer möglich.

Dies verdeutlicht z.B. die Frage nach der

Projektabteilung einer Organisation:

Hat die Organisation, wie World

Vision Deutschland e. V., eine eigene

Projektabteilung in Deutschland, sodass

die Projekte und der Mittelfluss

direkt überwacht und gesteuert werden

können, oder werden die Mittel an

zentrale Projektbüros weitergeleitet?

Dies hat natürlich Auswirkungen auf die

Größe und damit die Kosten der erforderlichen

Unterstützungsfunktionen, wie

z. B. IT­ und Finanzabteilung. Vergleiche

von Organisationen sind daher nur mit

einer gewissen Unschärfe möglich.

Gemäß den DZI­Richtlinien beziehen

sich die Prozentsätze der einzelnen

Aufwandskategorien (Projektförderung,

Projektbegleitung etc.) immer auf den

Gesamtaufwand der Organisation. Zur

Bewertung des wirtschaftlichen Einsatzes

des Werbeaufwands ist dieser jedoch

nur auf die Privatmitteleinnahmen zu beziehen,

denn für öffentliche Einnahmen

fallen keine Werbekosten an. Der

Anteil des Werbeaufwands an den

Privatmitteleinnahmen beträgt 8,87 %.

Herkunft der Erträge

Die Erträge im Geschäftsjahr 2011

belaufen sich auf insgesamt 91,6 Mio.

Euro, das ist ein Anstieg um 6,5 %

im Vergleich zum Vorjahr (86,0 Mio.

Euro). Von den gesamten Erträgen sind

69,5 Mio. Euro dem privaten Bereich zuzuordnen

(75,9 %). Durch Zugänge bei

den Patenschaften stiegen die Erträge

aus Patenschaftsmitteln um 183 Tsd.

Euro gegenüber dem Vorjahr. Die privaten

Spenden, die für Projekte der

Humanitären Hilfe eingingen, lagen mit

6.167 Tsd. Euro etwa auf Vorjahresniveau

(6.247 Tsd. Euro). Hier sind insbesonde­

Darstellung nach Sparten: Ideeller Bereich, Vermögensverwaltung

und wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (Euro)

Ideeller

Bereich

Vermögensverwaltung

Wirtschaftlicher

Geschäftsbetrieb

Gesamt

Gesamtertrag 90.627.464 841.837 124.365 91.593.666

Gesamtaufwand 91.577.538 122.103 91.699.641

Ergebnis -950.074 841.837 2.262 -105.975

re die Spenden zu erwähnen, die aufgrund

des Erdbebens in Japan eingingen

(2,2 Mio.). Für die Dürrekatastrophe in

Ostafrika gingen 3,4 Mio. an Spenden

ein. Diese Spenden wurden teilweise

bereits für die Soforthilfe eingesetzt,

werden jedoch auch, in Abstimmung mit

anderen World Vision­Organisationen,

für Wiederaufbauprojekte in den betroffenen

Regionen eingesetzt. Die zweckentsprechende

Verwendung dieser

Spenden wird auf Seite 43, Punkt B

näher erläutert. Die Spenden für

sonstige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit

stiegen gegenüber

dem Vorjahr um 13,6 % an. Bei den

sonstigen Spenden in Höhe von 3,0

Mio. Euro (+11,1 %) handelt es sich

maßgeblich um den sogenannten 13.

Monatsbeitrag, den Paten zusätzlich

zu ihren monatlichen Beiträgen spenden,

gefolgt von Einnahmen durch

Unternehmenspartner. Bei sonstigen

Spenden sind auch 464 Tsd. Euro nicht

zweckgebundene Spenden ausgewiesen.

Von einem Unternehmen wurde

eine Sachspende in Höhe von 237

Tsd. Euro für die Katastrophenhilfe in

drei Ländern geleistet. Die Zuschüsse

von öffentlichen Geldgebern liegen im

Geschäftsjahr 2011 bei 10,8 Mio. Euro

(­16,7 %). Hier ist unter anderem die

Katastrophe in Haiti ursächlich, für die

im Vorjahr auch Gelder der öffentlichen

Hand zur Verfügung gestellt wurden.

Hauptpartner bei den öffentlichen

Geldgebern sind die Vereinten Nationen

mit dem Welternährungsprogramm

und Entwicklungsprogramm (WFP

und UNDP insgesamt 37 %), die Europäische

Union (ECHO und Europe

Aid, insgesamt 32 %), das Auswärtige

Amt (9 %) sowie weitere Institutionen

(22 %). Im Geschäftsjahr 2011 sind die

Einnahmen von Kooperationspartnern

(insbesondere „Aktion Deutschland

Hilft“) im Zusammenhang mit den

Naturkatastrophen in 2011 erneut

deutlich angestiegen (+ 429 %). Dieser

starke Anstieg resultiert daraus, dass

neben den Mitteln für die aktuellen

Katastrophen auch Gelder für Projekte

in den Katastrophengebieten aus

dem Vorjahr (Haiti, Pakistan) ausgezahlt

wurden, die so den Einsatz für

den Wiederaufbau und die mittelfristige

Entwicklung ermöglichen.

Bei den sonstigen Erträgen handelt

es sich maßgeblich um Erlöse aus

Sponsoring­Vereinbarungen, Kursgewinnen,

Erstattungen von Arbeitsagentur

und Krankenkassen etc. Zur

Steigerung der Effizienz innerhalb der

World Vision­Partnerschaft unterstützt

World Vision Deutschland kleinere

europäische Partnerbüros in den

Bereichen IT und Projektbegleitung.

Für die Kosten der erbrachten Dienstleistungen

wurden 124 Tsd. Euro erstattet.

Diese Erträge fallen in die Sparte

des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes.

45


Über World Vision

46

Projektarbeit Finanzen

Mittelverwendung im Finanzjahr 2011

1. Projektaufwand

Beträge Prozent

Vergleich FJ 2010

Beträge Prozent

a) Projektförderung 70.632.107 € 77,13 % 58.651.335 € 68,43 %

Zugesagte Verpflichtungen 1 546.702 € 0,60 % 7.196.515 € 8,4 %

Summe a) 71.178.808 € 77,73 % 65.847.850 € 76,83 %

b) Projektbegleitung 3.539.931 € 3,87 % 3.279.079 € 3,83 %

c) Satzungsgemäße Kampagnen-,

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

4.015.653 € 4,38 % 4.222.083 € 4,93 %

Zwischensumme 78.734.393 € 85,98 % 73.349.012 € 85,58 %

2. Aufwendungen für administrative, begleitende und unterstützende Aktivitäten

a) Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit 6.171.264 € 6,74 % 5.877.097 € 6,86 %

b) Paten- und Spenderservice 2.408.641 € 2,63 % 2.159.623 € 2,52 %

c) Verwaltungsaufwand 4.263.241 € 4,66 % 4.325.729 € 5,05 %

Zwischensumme 12.843.146 € 14,02 % 12.362.450 € 14,42 %

Summe gesamtaufwand 91.577.538 € 100,00 % 85.711.462 € 100,00 %

Aufwand für Dienstleistungen, der von

anderen World Vision-Büros erstattet wird 2

Rücklagenbewegung

123.527 € 176.633 €

Entnahme aus Rücklagen -150.571 € -748.335 €

Einstellung in Rücklagen und Zweckkapital 44.596 € 862.042 €

Erstattung Steuer vom Einkommen und vom Ertrag -1.424 €

Summe nach

rücklagenbildung:

1 Vgl. „Verpflichtungen aus noch

zweckentsprechend zu verwendenden

Mitteln“, Seite 43, Punkt B.

2 World Vision Deutschland unterstützt

kleinere europäische World

Vision-Büros bei der IT- und Projektbegleitung.

Der Aufwand wird

von den Büros erstattet.

91.593.666 € 86.001.802 €

Mittelverwendung im Finanzjahr 2011

Projektaufwand 86,0 %

Werbung und allgemeine

Öffentlichkeitsarbeit 6,7 %

Verwaltungsaufwand 4,7 %

Paten- und

Spenderbetreuung 2,6 %


Erläuterungen der Mittelverwendung

Der Gesamtaufwand des Vereins betrug

im Geschäftsjahr 2011 insgesamt

91,6 Mio. Euro (+ 6,5 % zum Vorjahr).

1. Der Projektaufwand in Höhe

von 78,7 Mio. Euro (86 %, jeweils

Anteil an dem Gesamtaufwand)

unterteilt sich in:

a) Projektförderung i. H. v. 71,2 Mio.

Euro (77,7 %), d. h. Transferaufwand:

70,6 Mio. Euro sowie zugesagte

Verpflichtungen: 0,5 Mio. Euro.

b) Projektbegleitung, d. h. Betreuung

der Projekte und die der Projektförderung

vor­ und nachgelagerten

Tätigkeiten: 3,5 Mio. Euro (3,9 %).

c) satzungsgemäße Kampagnen­,

Bildungs­, und Aufklärungsarbeit,

d. h. die Schaffung von öffentlicher

Aufmerksamkeit und öffentlichem

Bewusstsein im Rahmen unserer

entwicklungspolitischen Anwaltschaftsarbeit;

die Arbeit muss in der

Satzung als eigenständiger Zweck eingetragen

sein: 4,0 Mio. Euro (4,4 %).

detaillierte darstellung des

aufwands nach Sparten in euro

Projektbegleitung Satzungsgemäße Kampagnen-,

Bildungs- u.

Öffentlichkeitsarbeit

Werbung u. allgemeineÖffentlichkeitsarbeit

Paten- und

Spenderservice

Verwaltungsaufwand

Personalaufwand 2.150.293 1.352.760 519.529 1.533.692 1.963.546

Abschreibungen 61.865 81.974 23.869 121.335 311.515

Sachaufwand Werbung u. Öffentlichkeitsarbeit 494 1.917.157 5.402.836 93.524 311.657

Sonstige Aufwendungen:

2. Der Aufwand für Werbung und

Verwaltung in Höhe von 12,8 Mio.

Euro (14,0 %) unterteilt sich in:

a) Aufwand für Werbung, d. h.

Aufwand zur Beschaffung von

Spenden und Aufwand zur allgemeinen

Öffentlichkeitsarbeit:

6,2 Mio. Euro (6,7 %).

b) Aufwand für die Paten­ und

Spenderbetreuung:

2,4 Mio. Euro (2,6 %).

c) Verwaltungsaufwand. Dieser

bezieht sich auf den Verein als

Ganzes und gewährleistet die

Grundfunktionen der betrieblichen

Organisation und des betrieblichen

Ablaufs: 4,3 Mio. Euro (4,7 %).

Das DZI bewertet den Anteil des

Aufwands für Werbung und Verwaltung

in Höhe von 14,0 % als angemessen.

Die direkte Projektförderung ist analog

zur positiven Entwicklung der Erträge,

die insbesondere im Zusammenhang mit

• Reisekosten 213.470 73.395 33.667 8.664 61.599

• Porto und Telekommunikation 43.824 79.363 20.884 184.804 108.142

• Mieten und Raumkosten 236.397 142.155 52.969 178.932 271.178

• Bürokosten 182.903 132.876 40.934 113.731 207.060

• Sonstige 650.684 1 235.974 76.574 173.959 1.028.543 2

Summe sonstiger Aufwendungen 1.327.279 663.762 225.029 660.089 1.676.523

gesamt 3.539.931 4.015.653 6.171.264 2.408.641 4.263.241

1) Beinhaltet u. a. einen Kostenanteil für die Projektbegleitung und Unterstützung von World Vision International (412 Tsd. Euro).

den Spenden für die Katastrophenhilfe

deutlich über dem Vorjahr liegen, um

8,1 % auf 71,2 Mio. Euro gewachsen.

Hierin enthalten sind 0,5 Mio. Euro

(0,6 %), die als Verpflichtung für nach

dem Bilanzstichtag zu transferierende

Mittel ausgewiesen sind. World

Vision Deutschland macht durch diesen

Ausweis ebenso wie durch den

gesonderten Posten „Verpflichtungen

aus noch zweckentsprechend zu verwendenden

Mitteln“ deutlich, dass

Spendengelder, auch wenn sie noch nicht

weitergeleitet wurden, bereits in dem

Jahr, in dem sie zugeflossen sind, eine

Verpflichtung gegenüber dem Spender

zur zweckentsprechenden Verwendung

darstellen. So werden z. B. in den kommenden

Monaten und Jahren 4,1 Mio.

Euro für Wiederaufbauprojekte in den

Katastrophengebieten in Japan und Ostafrika

eingesetzt sowie für den weiteren

Wiederaufbau in Haiti und Pakistan.

2) Beinhaltet 589 Tsd. Euro Kostenanteil für Koordinierungs- und Unterstützungsaufgaben von World Vision International u. a. zur Kontrolle des Mitteleinsatzes

(vgl. Kontrollpyramide auf Seite 35) und zur Übernahme von übergreifenden Koordinierungsaufgaben bei unseren weltweit 97 Büros. Dazu zählen

u. a. eine internationale Revisionsstelle mit weltweit 170 Prüfern, die regelmäßig die Projekte prüfen, oder die internationale Finanzabteilung. Diese ist u. a.

für die weltweite Planung und Durchführung von Devisengeschäften zuständig, damit durch Wechselkursschwankungen verursachte Risiken in der Projektarbeit

minimiert werden können, oder auch für die vierteljährliche Zustellung von fundierten Finanzberichten aus den Projekten.

47


Über World Vision

Die Transfers in die Projekte erfolgen

gemäß Budgetplanungen, Projektfortschritten

und der aktuellen Situation

im Projektland. Die Transfers werden

monatlich geprüft und freigegeben.

Außerdem sind die zumeist in US­Dollar

(USD) ausgeführten Transferzahlungen,

trotz Währungssicherungsgeschäften, abhängig

von Wechselkursschwankungen.

Die Budgetplanungen erfolgen in USD,

und je nach Entwicklung des Wechselkurses

ist ein Mehr­ oder Minderaufwand

in Euro zur Durchführung der

Transferzahlungen erforderlich. Bei der

Betrachtung der Transferleistungen kann

ein einzelnes Berichtsjahr nicht isoliert

betrachtet werden, sondern es müssen

die zumeist langjährigen Laufzeiten der

Projekte, insbesondere im Bereich der

Entwicklungszusammenarbeit, beachtet

werden. Diese Umstände implizieren,

dass Teile der im Berichtsjahr vereinnahmten

Mittel erst im Folgejahr transferiert

werden.

Die Projektförderung von 71,2 Mio. Euro

teilt sich auf in:

a) Transfers der vereinnahmten öffentlichen

Mittel: 10,5 Mio. Euro

Die Mittel der Europäischen Union

wurden u. a. im Senegal, in Uganda,

und in Osttimor eingesetzt. Beim

Welternährungsprogramm der

Vereinten Nationen handelt es

sich hauptsächlich um Projekte

70

70.000.000

60

60.000.000

50

50.000.000

40

40.000.000

30

30.000.000

20

20.000.000

10

10.000.000

0

48

Förderung nach Regionen,

Finanzjahr (FJ) 2007 - 2011

in Mio. Euro

FJ 11

FJ07 FJ08 FJ09 FJ10 FJ11

Afrika

Asien

Lateinamerika

Osteuropa, Naher und Mittlerer Osten

Projektarbeit Finanzen

im Sudan, in Haiti, in Pakistan und

in Somalia. Die humanitäre Hilfe

des Auswärtigen Amtes betrifft

maßgeblich Projekte in Somalia,

Haiti und in Papua­Neuguinea.

b) Transfers der vereinnahmten Mittel

von Kooperationsbündnissen:

9,0 Mio. Euro

c) Transfers der privaten Spendeneinnahmen

sowie Verpflichtungen

aus noch zu transferierenden

Spenden, inkl. Einnahmen aus

Unternehmenskooperationen:

51,7 Mio. Euro

Hierbei berücksichtigt World Vision die

geltenden gemeinnützigkeitsrechtlich

geforderten Dokumentationspflichten

für die geförderten Projekte.

Während World Vision in den

Projektgebieten viele Ehrenamtliche

in die Arbeit einbezieht, werden die

Tätigkeiten in Deutschland fast ausschließlich

von angestellten Personen

abgedeckt. Der Personalaufwand für

Gehälter und Lohnnebenkosten der

umgerechnet 141 Vollzeitkräfte (Vorjahr

136, Arbeitszeit je Vollzeitkraft 40 h/

Woche) betrug im Geschäftsjahr 7,5

Mio. Euro (+ 4,0 % zum Vorjahr).

Davon entfallen 2,2 Mio. Euro auf den

Bereich Projektbegleitung. Maßgebliche

Ursache für die höheren Personalkosten

ist die gestiegene Mitarbeiterzahl im

Berichtsjahr. Der hauptamtliche aus

zwei Personen bestehende Vorstand

erhielt im Berichtsjahr ein Bruttogehalt

in Höhe von 216.008 Euro. Der

Aufwand für Werbung und allgemeine

Öffentlichkeitsarbeit lag bei 6,2 Mio.

Euro (+ 5 %). Die Sachaufwendungen

für Werbung unterteilen sich in 72

% Medienwerbung (Printmedien,

Radio, TV und Internet), 9 % Publikationen

und Mailings und 19 % sonstige

Werbemaßnahmen. Der Grund für die

Reduzierung der Medienwerbung bei

gleichzeitigem Anstieg der sonstigen

Werbemaßnahmen hat ihre Ursache in

der stärkeren Aufteilung des Marketingaufwands

auf verschiedene Formen

der Ansprache von potenziellen Spendern.

Einzelne Tätigkeiten wie z. B.

Gestaltung der Werbekampagnen,

Übersetzungsleistungen oder

Afrika Asien Lateinamerika Osteuropa, Naher und Mittlerer Osten

FJ 07 FJ 08 FJ 09 FJ 10

Marktanalysen sowie Rechts­ und

Steuerberatung wurden teilweise durch

externe Dienstleister ausgeführt. Dies

war dann der Fall, wenn entweder spezielles

Fachwissen nötig war oder die

Aufgaben aufgrund des Umfangs nicht

durch eigene Mitarbeiter erledigt werden

konnten und die Einstellung zusätzlicher

Mitarbeiter nicht gerechtfertigt

gewesen wäre. Vor dem Beauftragen

externer Dienstleister werden jeweils

mehrere Angebote verglichen, um den

optimalen Mitteleinsatz zu ermöglichen.

Bei der Einwerbung von Spenden

wurden keine erfolgsabhängigen Vergütungen

oder Provisionen gezahlt.

Der Aufwand für satzungsgemäße

Kampagnen­, Bildungs­ und Aufklärungsarbeit

lag im Berichtsjahr bei 4,0

Mio. Euro und damit unter dem

Wert des Vorjahres (­ 5%).

Jahresergebnis und Rücklagen

Das negative Jahresergebnis i. H. v.

106 Tsd. Euro im Finanzjahr 2011

wurde durch Entnahme aus den

Rücklagen ausgeglichen.

Aufwendungen für

Projektförderung, Werbung und

allg. Öffentlichkeitsarbeit sowie

Verwaltung im Finanzjahr (FJ)

2008 - 2011 in Mio. Euro

75.000.000 75

70.000.000 70

65.000.000 65

60.000.000 60

55.000.000 55

50.000.000 50

45.000.000 45

40.000.000 40

35.000.000 35

30.000.000 30

25.000.000 25

20.000.000 20

15.000.000 15

10.000.000 10

5.000.0005

0

FJ 08 FJ 09 FJ 10 FJ FJ 11

Projektförderung

Werbung und allg. Öffentlichkeitsarbeit

Verwaltung

Projektförder

Werbung und

Öffentlichkeit

Verwaltungsa


Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers

zum vollständigen Jahresabschluss 2011

Die mit der Durchführung der Jahresabschlussprüfung beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

hat zu dem vollständigen Jahresabschluss, bestehend aus Bilanz,

Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang sowie dem Lagebericht, den nachfolgend

wiedergegebenen Bestätigungsvermerk erteilt:

Wir haben den Jahresabschluss –

bestehend aus Bilanz, Gewinn­ und

Verlustrechnung und Anhang – unter

Einbeziehung der Buchführung und den

Lagebericht des Vereins World Vision

Deutschland e. V., Friedrichsdorf, für

das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2010

bis 30. September 2011 geprüft. Die

Buchführung und die Aufstellung von

Jahresabschluss und Lagebericht nach

den freiwillig angewandten deutschen

handelsrechtlichen Vorschriften für alle

Kaufleute liegen in der Verantwortung

der gesetzlichen Vertreter des Vereins.

Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage

der von uns durchgeführten Prüfung eine

Beurteilung über den Jahresabschluss

unter Einbeziehung der Buchführung

und über den Lagebericht abzugeben.

Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung

nach § 317 HGB unter Beachtung der

vom Institut der Wirtschaftsprüfer

(IDW) festgestellten deutschen Grundsätze

ordnungsmäßiger Abschlussprüfung

vorgenommen. Danach ist

die Prüfung so zu planen und durchzuführen,

dass Unrichtigkeiten und

Verstöße, die sich auf die Darstellung

des durch den Jahresabschluss unter

Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger

Buchführung und des durch

den Lagebericht vermittelten Bildes der

Vermögens­, Finanz­ und Ertragslage

wesentlich auswirken, mit hinreichender

Sicherheit erkannt werden.

Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen

werden die Kenntnisse über

die Geschäftstätigkeit und über das

wirtschaftliche und rechtliche Umfeld

des Vereins sowie die Erwartungen

über mögliche Fehler berücksichtigt.

Im Rahmen der Prüfung werden die

Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogenen

internen Kontrollsystems

sowie Nachweise für die Angaben

in Buchführung, Jahresabschluss und

Lagebericht überwiegend auf der Basis

von Stichproben beurteilt. Die Prüfung

umfasst die Beurteilung der angewandten

Bilanzierungsgrundsätze und der wesentlichen

Einschätzungen der gesetzlichen

Vertreter sowie die Würdigung der

Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses

und des Lageberichtes. Wir sind der

Auffassung, dass unsere Prüfung eine

hinreichend sichere Grundlage für unsere

Beurteilung bildet. Unsere Prüfung

hat zu keinen Einwendungen geführt.

Nach unserer Beurteilung aufgrund

der bei der Prüfung gewonnenen

Erkenntnisse entspricht der Jahresabschluss

den gesetzlichen Vorschriften

und vermittelt unter Beachtung der

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

ein den tatsächlichen Verhältnissen

entsprechendes Bild der Vermögens­,

Finanz­ und Ertragslage des Vereins.

Der Lagebericht steht in Einklang mit

dem Jahresabschluss, vermittelt insgesamt

ein zutreffendes Bild von der Lage

des Vereins und stellt die Chancen und

Risiken der zukünftigen Entwicklung

zutreffend dar.

Köln, 12. Januar 2012

(André Tillmann)

Wirtschaftsprüfer

(Friedrich Dickopp)

Wirtschaftsprüfer

Solidaris Revisions­GmbH

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Steuerberatungsgesellschaft

49


Über World Vision

Mit einer übergeordneten Strategie plant

World Vision die eigene Arbeit so, dass

die Satzungsziele möglichst effektiv und

effizient erreicht werden können. Dabei

müssen die Planungen immer wieder an

veränderte Rahmenbedingungen angepasst

werden. Jeweils im Turnus von fünf

Jahren wird die Organisationsstrategie

daher grundlegend überarbeitet. Parallel

zur inhaltlichen Weiterentwicklung ist

der Verein darauf bedacht, die Arbeit

auf eine breitere unterstützende

Grundlage zu stellen. Dazu gehört

der fachliche und personelle Ausbau

der Mitgliederversammlung. Neue

Mitglieder, die mit ihrer Erfahrung und

Expertise zu den Arbeitschwerpunkten

von World Vision Deutschland passen

und den Verein entsprechend unterstützen

können, sollen in den nächsten

Jahren aufgenommen werden.

Im Finanzjahr 2012 läuft die „Strategie

2012“ aus. Auf der Basis einer bereits

2011 begonnenen Evaluierung

steht die Entwicklung der neuen

Fünf­Jahres­Strategie im Mittelpunkt

des strategischen Managements.

Anhand einer Balanced Scorecard

werden die Strategieziele abgefolgt.

Aus der Strategie und den Prognosen

für die Rahmenbedingungen unserer

Arbeit ergibt sich der folgende

Ausblick für die kommenden Jahre.

Finanzplanung

Die Spendenbereitschaft in Deutschland

bewegte sich 2011 auf einem ähnlichen

Niveau wie 2010. Laut TNS­Infratest

haben zwar weniger Menschen gespendet,

dafür aber höhere Beträge.

Da diese Beträge jedoch sehr stark

von Naturkatastrophen abhängen und

sich die Sparquote privater Haushalte

zum Jahresende 2011 leicht erhöht hat

50

Projektarbeit Finanzen

Strategie und Ausblick

auf das Geschäftsjahr 2012

(Destatis), könnte sich das gesamte

Spendenaufkommen 2012 leicht rückläufig

entwickeln. Es wird erwartet,

dass sich der Trend, dass Neuspender

immer schwieriger zu gewinnen sind,

fortsetzen wird. Vor diesem Hintergrund

gehen wir für das Geschäftsjahr 2012

davon aus, dass die Gesamteinnahmen

unter dem Niveau von 2011 liegen

werden. Nach wie vor werden die

Patenschaftsbeiträge den Großteil

der Gesamteinnahmen ausmachen.

Hiermit ist eine relativ gute finanzielle

Planungssicherheit gegeben. Bei den

sonstigen Privatmitteleinnahmen ist ein

leichter Anstieg, resultierend unter anderem

aus dem „Starthelfer“­Programm,

zu erwarten. Die Privatmitteleinnahmen

für Katastrophenhilfe werden vermutlich

unter den Einnahmen von

2010/2011 bleiben. Die öffentlichen

Zuschüsse und auch die Einnahmen von

Kooperationspartnern sind nur schwer

Planung für die Finanzjahre (FJ) 2012 -2014

prognostizierbar, da sie ebenfalls stark

vom Eintreten von Naturkatastrophen

abhängen. Gerade bei den Zuschüssen

von Kooperationspartnern gehen wir

allerdings von leichten Rückgängen aus.

Im Geschäftsjahr 2012 werden zwar

noch Mittel für Pakistan, Japan und

Ostafrika umgesetzt, allerdings weniger

als im Jahr 2011. Für die Geschäftsjahre

2013 und 2014 ist insgesamt eine moderate

Fortschreibung des Wachstums

im Bereich der Privatmittel und auch

der öffentlichen Mittel zu erwarten. Die

Einnahmen von Kooperationspartnern

werden sich nach der Verwendung der

Mittel für Pakistan, Japan und Ostafrika

wahrscheinlich wieder rückläufig

entwickeln. Die Herausforderungen

auf dem Spendenmarkt werden

sich nach heutiger Einschätzung weiter

fortsetzen. Wir hoffen, dass es

dennoch gelingt, Menschen mit einer

Kombination aus Transparenz

erträge in mio. euro FJ 2012 FJ 2013 FJ 2014

Spenden 65,8 67,5 69,5

Öffentliche Zuschüsse 9,0 15,0 15,0

Einnahmen von Kooperationspartnern 7,0 2,0 1,5

Sonstige Erträge 1,2 1,3 1,4

Summe Erträge 83,0 85,8 87,4

Aufwand gemäß DZI-Kriterien

Projektförderung 62,4 64,6 65,8

Projektbegleitung 3,5 3,6 3,8

Satzungsgemäße Kampagnen-, Bildungs- und

Öffentlichkeitsarbeit

4,2 4,4 4,5

Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit 5,9 6,1 6,1

Paten- und Spenderservice 2,4 2,4 2,5

Verwaltungsaufwand 4,6 4,7 4,7

Summe Aufwand 83,0 85,8 87,4


und nachweisbaren Projekterfolgen

von unserer Arbeit zu überzeugen.

Eine weitere Herausforderung für

das Finanzjahr 2012 besteht in dem

Umzug in neue Büroräume. Die Arbeit

soll durch den Umzug wirtschaftlicher

und klimafreundlicher werden.

Außerdem sollen die neuen Räume

eine bessere Kommunikation ermöglichen.

Die jährlichen Kosten werden

unter denen der Vorjahre liegen.

Entwicklungszusammenarbeit

Unsere Strategie sieht vor, dass wir uns

bei der Hilfe für Kinder ganz besonders

auf die Altersgruppe bis fünf Jahre fokussieren.

Die Folgen von Mangelernährung

in dieser Lebensphase lassen sich nach

heutigen Erkenntnissen in den meisten

Fällen im ganzen Leben der Kinder

nicht mehr ausgleichen. World Vision

Deutschland plant daher im Jahr 2012

mit einem Budget von rund 230.000

Euro drei zusätzliche Projekte mit dem

Schwerpunkt der Frühförderung von

Kleinkindern. Im Kongo, in Haiti und

Nicaragua wird es dabei vor allem um

die Gesundheitsvorsorge und Ernährung

gehen. Zudem sind sechs neue Regional­

Entwicklungsprogramme in Mali, Indien,

Tschad und Swaziland mit einem

Gesamtvolumen von 236.000 Euro

im Finanzjahr 2012 geplant. Daneben

werden wir intensiv an der Übergabe

von sieben Projekten in lokale Hände

arbeiten, da dort unsere Förderung zu

Ende geht. Dabei arbeiten wir eng mit

unseren lokalen zivilgesellschaftlichen

und staatlichen Partnern zusammen,

um die Entwicklungsfortschritte auch

nachhaltig zu sichern. Der Projektübergabe

gehen immer ein jahrelanger

Planungsprozess und die gezielte

Stärkung lokaler Strukturen durch

geeignete Schulungsmaßnahmen

voraus. In allen unseren laufenden

Projekten werden wir weiterhin die

Wirkungsbeobachtung in Form von

regelmäßigem Projektmonitoring und

systematischen Projektevaluationen

durchführen. Die gezielte Unterstützung

der lokalen Anwaltschaftsarbeit in

Indien, Armenien, Sierra Leone und

Bolivien wird auch 2012 fortgesetzt, um

Einfluss auf ungerechte politische und

gesellschaftliche Rahmenbedingungen

zu nehmen. Ganz besonders steht

auch hier die Gesundheit von Kindern

und Müttern im Mittelpunkt.

Humanitäre Hilfe

Der strategische Fokus auf die Gesundheit

und Entwicklung von Kindern im

Alter bis fünf Jahre setzt sich auch in

der Humanitären Hilfe fort. Im kommenden

Jahr wollen wir daher unsere

vorbereiteten Module für Kinderzentren

(„Child Friendly Spaces Kits“) in den

globalen Krisengebieten stärker einsetzen.

Einige Module sollen auch in die

Hilfsmaßnahmen am Horn von Afrika

integriert werden. Insgesamt wird sich

World Vision Deutschland in dieser

Region noch mehrere Jahre an der

Humanitären Hilfe beteiligen. Dabei

werden wir uns in Kooperationen und

Konsortien mit anderen Organisationen

engagieren, um so gemeinsam langfristig

und nachhaltig einen Weg aus

der Krise zu finden. Klimawandel und

die Zunahme von Naturkatastrophen

sind langfristige Trends und Herausforderungen,

denen wir uns stellen

müssen. Wir werden daher auch weiterhin

einen strategischen Schwerpunkt

auf die Katastrophenvorsorge legen.

Gleichzeitig werden wir uns bemühen,

Klimaschutz­Komponenten noch stärker

in die Projekte zu integrieren.

Anwaltschaft

World Vision Deutschland fokussiert

sich 2012 mit einer Fortsetzung der

Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“

weiter auf die Verbesserung der

Gesundheit von Kleinkindern und

Müttern in Entwicklungsländern. Das

Ziel ist es, Regierungen dieser Länder

zu überzeugen, Gesundheitssysteme

aufzubauen und ihre Bevölkerung

besser vor Krankheiten zu schützen.

In Deutschland fordern wir parallel

die Politik dazu auf, ihre Versprechen

einzuhalten und die nötigen Gelder

in Gesundheitsprogramme und multilaterale

Instrumente zu investieren.

Mit der Wanderausstellung „Ich

krieg dich – children affected by war“

lenkt World Vision Deutschland außerdem

die Aufmerksamkeit der

Öffentlichkeit, der Medien und der

Politik auf Kinder in Kriegsgebieten und

fordert besonderen Schutz für sie.

Forschung und Innovation

Im Kompetenzfeld Forschung wird 2012

erstmalig die internationale Kinderstudie

„Children‘s Worlds“, eine Kooperation

mit Unicef und der International Society

for Child Indicators (ISCI), durchgeführt

werden. Aufbauend auf den Erfahrungen

mit der World Vision­Kinderstudie

wird die internationale Kinderstudie

weltweit Kinder zu ihrem subjektiven

Wohlbefinden befragen. Ebenfalls für

2012 ist der konzeptionelle Start der

dritten Word Vision Kinderstudie

„Kinder in Deutschland“ geplant. Sie

wird im Herbst 2013 veröffentlicht. Im

Kompetenzfeld Innovation werden 2012

im Rahmen des Forschungsprojektes

„Soziale Innovationen in Deutschland“

insbesondere die Bedarfsfelder für soziale

Innovationen analysiert werden. Ziel

ist es, für diese Bedarfsfelder gemeinsam

mit unseren Partnern „Best Practice“­

Beispiele zu sammeln und zu evaluieren.

51


Zukunft für Kinder !

World Vision Deutschland e.V.

Am Zollstock 2­4

61381 Friedrichsdorf

ACHTUNG: Nach dem Kopieren und Platzieren sollte ggf. die Gruppierung wieder augehoben

werden (sondern Pantone-Problem!)

Telefon: (06172) 763 ­ 0

Fax: (06172) 763 ­ 270

info@worldvision.de

Büro Berlin

Luisenstraße 41

10117 Berlin

www.worldvision.de

Spendenkonto:

Taunus Sparkasse

BLZ 512 500 00

Kontonummer 2216

Für Überweisungen aus dem

Ausland nutzen Sie bitte folgende

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