zum selbständigen Trader

agenatrader

25z3GF01z

Interview: Joe Ross – Meine 58 Jahre als Trader S. 86

Ihr persönlicher Tradingcoach

+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL + + + + + + + + +

Deutschland 5,80 Euro, Österreich 6,70 Euro,

Schweiz 10,40 CHF, Luxembourg 6,90 Euro

Nr. 10, Oktober 2015, 57425 | www.traders-mag.com

Cashflow Trading

mit Optionen

So erzielen Sie

laufende Einnahmen S. 50

Profitieren mit

Handelssystemen

Systematisches Trading

mit weniger Risiko S. 60

So machen Sie Risiken zu Chancen

Der erfolgreiche Weg

zum selbständigen Trader S.

28


Hier brauchen Sie keine Brille,

unsere Preise sind scharf

ohne Ende!

Unbegrenztes Ordervolumen,

keine Mehrkosten bei Teilausführung

An allen verfügbaren inländischen Börsen

und außerbörslichen Handelsplätzen

Alle gängigen und innovativen Ordertypen,

auch mobil per App

Zusätzlich 20 Free-Trades auf ausgewählte Produkte

Die Anders Bank. | www.dab.com/traden


€4,95

Traden ab

+ 20 Free-Trades

Traden ab €4,95 Na, auch scharf auf heiße Trades? Traden ab €4,95


EDITORIAL

www.traders-mag.com 10.2015

Marko Gränitz

Stellvertretender Chefredakteur

Emotionales Trading

» In der letzten Ausgabe haben wir es schon angedeutet: Es kann ein großes Hindernis sein,

wenn man sein Handelskonto als echtes Geld ansieht. Der Grund sind unsere Emotionen, die

uns davon abhalten können, das Richtige zu tun. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – das

sind die Extreme, die man an der Börse erlebt. Und das ist ein echtes Problem.

Denn dadurch, dass wir emotional reagieren, fällt es uns schwer, objektiv zu entscheiden und

das Richtige zu tun. Und dabei ist es egal, ob es um positive oder negative Emotionen geht. Um

Angst oder Gier. Panik oder Euphorie.

Unsere Emotionen resultieren daraus, dass wir Trading mit Geld in Verbindung bringen. Und

Geld wird in unserer Gesellschaft mit Sicherheit gleichgesetzt. Wer Geld gewinnt, gewinnt Sicherheit,

wer es verliert, verliert Sicherheit – so unser Denken. Und das ist schädlich. Denn es

sorgt dafür, dass wir das tun, wonach wir uns gerade fühlen (statt das, was das Richtige ist).

So machen wir Fehler, die wir später selbst als lächerlich bezeichnen. Fehler, die nur ein Idiot

machen kann. Und wenn wir emotional entscheiden, dann sind wir Idioten. Denn in diesem

von Ängsten gesteuerten Zustand regiert der primitive Teil unseres Gehirns über unser Handeln,

und nicht der viel bessere analytische Teil.

Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Eine Variante ist es, Trading so weit wie möglich vom

Begriff Geld zu distanzieren. Natürlich ist es am Ende Geld, mit dem gehandelt wird. Aber statt

ständig mitzurechnen, was man sich vom aktuellen Gewinn alles kaufen könnte (oder auf was

man beim aktuellen Verlust alles verzichten muss), ist es viel hilfreicher, das Handelskonto

möglichst abstrakt zu betrachten. Den Kontostand zum Beispiel in Punkten zu sehen, wie in

einem Videospiel.

Das mag nach Zocken klingen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Denn gezockt wird immer

dann, wenn wir emotional handeln. Und genau das soll ja unterbunden werden, wenn es um

Punkte statt Euro geht. Sicher, es ist nicht einfach, das Handelskonto wirklich mental abzuschreiben

und in Punkten zu führen. Aber es ist die Mühe wert. Selbst, wenn man sich nur ein

bisschen vom Begriff Geld entfernen kann, ist schon einiges getan, um die Emotionen nicht

mehr so schnell aufkommen zu lassen. «

Good Trading,

4


MANCHESTER UNITED

GLOBAL PARTNER

WECHSELN SIE ZU EINEM

SOLIDEN

FX-BROKER

www.swissquote.de

1 QUALITÄT

SICHERHEIT

STABILITÄT

CFDs und Forex sind Hebelprodukte; der Handel mit Margin trägt ein hohes Mass an Risiko und Verluste können

Ihr Guthaben übersteigen. Swissquote Ltd ist im Vereinigten Königreich durch die Financial Conduct Authority, FCA

zugelassen und reguliert unter der Nummer 562170.


INHALT

www.traders-mag.com 10.2015

28 86

INSIGHTS

14 Trading mit Saisonalitäten – Teil 28

Als Kaufkandidaten werden diesmal eine Kaffee-Aktie sowie der DAX vorgestellt.

16 Alexander‘s Social-Trading-Experiment – Teil 5

Nach dem Social-Trading-Experiment bei ayondo geht es nun mit wikifolio.com weiter.

Alexander Mantel stellt im diesem Teil die Social-Trading-Plattform vor.

Schlüsselkonzepte

S. 78

18 Ins eigene Fleisch geschnitten?

Die Schweizer Notenbank (SNB) musste im ersten Halbjahr einen massiven Verlust

von rund 50 Milliarden Schweizer Franken verbuchen. Marko Gränitz erläutert die

Hintergründe.

22 Die Trader-Ausbildung vom Profi – Teil 3

Birger Schäfermeier stellt in seiner Artikelreihe einen Leitfaden für die Ausbildung

zum Trader vor. Im dritten Teil seiner Serie geht es um die einzelnen Schritte bei der

Entwicklung einer Handelsstrategie.

26 TRADERS´ Talk

Wir sprachen mit unserer Kollegin Sandra Kahle über die Online-Plattform Guidants.

Wie es zu der Zusammenarbeit mit der TRADERS´ media GmbH kam und was für

Zukunftspläne mit dem Guidants-Desktop anstehen, erfahren Sie im Interview.

COVERSTORY

28 Der erfolgreiche Weg zum selbständigen Trader

Seit Christiaan van der Meer als Teenager zum ersten Mal vom Investieren und Traden

hörte, wollte er damit auf eigene Faust seinen Lebensunterhalt verdienen. Nach

vielen Jahren Hobby-Trading und seiner späteren Arbeit als Fondsmanager wagte er

im Sommer 2012 den Sprung zum selbstständigen Trader. In unserer Titelgeschichte

erzählt er über die mentalen Hürden und stellt seine Strategie vor.

8

News

In unserer Rubrik „News“ fi nden

Sie aktuelle Meldungen rund um

das Thema Börse und Trading.

TOOLS

36 Neue Produkte

Neues aus der Welt der Technik

38 Webreview

www.etfreplay.com

44 Softwaretest

AgenaTrader

48 Lesezeichen

Earning by Doing von Oliver Roth

6


INHALT

STRATEGIEN

50 Mit Aktienoptionen zum monatlichen Cashflow – Teil 3

Im letzten Teil seiner Artikelserie stellt Alan Ellman auf Basis

seiner beiden bereits vorgestellten Strategien zu den Themen

Covered Call Writing und dem Verkauf von gedeckten Puts

eine mehrstufi ge Optionsverkaufs-Strategie zusammen.

56 Die Suche nach dem neuen großen Trend

Marko Bäger möchte mit Boden-Formationen an den 200er

Gleitenden Durchschnitten bei seinem Multi-Time-Frame-

Ansatz große Kurspotenziale einfangen.

60 Profitieren mit Handelssystemen

Rudolf Wittmer beschreibt drei Handelssysteme auf Basis

des McClellan-Indikators. Hierbei kommen ein Gleitender

Durchschnitt und Bollinger-Bänder zum Einsatz.

BASICS

66 Der perfekte Handelstag – Teil 5

Markus Strauch gibt Tradern im letzten Teil seiner Artikelreihe

Tipps und Tricks an die Hand, wie sie aus ihren Trades lernen

können.

Preisbeispiele

EUROPA

USA

OPTIONEN/

FUTURES ab 2,00€ 3,50$

INDEX

CFDs ab 3,00€ 3,00$

AKTIEN CFDs/

AKTIEN ab

HOCHFLEXIBLE

HANDELSSOFTWARE

AKTIEN, OPTIONEN,

FUTURES, CFDs, ETFs uvm.

TOP KONDITIONEN

5,80€ 5,00$

70 Was Trader von Hedgefonds lernen können – Teil 6

Bruce Bower bespricht im letzten Teil seiner Serie die

einzelnen Schritte zur Erstellung eines Investmentprozesses.

FOREX

z.B. EUR.USD ab

0,5 Pip Spread

74 Pro- oder antizyklischer Ansatz?

Thomas Vittner erklärt prozyklische und antizyklische Ansätze

für Handelssysteme.

PEOPLE

82 Erfolgreiche Trader und ihre Psyche

Teil 22: David J. Merkel

86 Joe Ross – Meine 58 Jahre als Trader

Joe Ross ist ein Trading-Urgestein. Er bringt es inzwischen

auf unglaubliche 58 Jahre Handelserfahrung und hat in

dieser Zeit alle möglichen Märkte erlebt (und überlebt). Im

Interview sprechen wir darüber, was er in seiner Karriere

durchgemacht hat, und schauen uns zwei seiner bekannten

Setups, den Ross-Haken und den Traders Trick Entry, an.

Weitere Vorteile finden Sie auf

www.lynxbroker.de

oder in unserem kostenlosen

Informationspaket

JETZT GRATIS

INFORMATIONSPAKET

ANFORDERN

WWW.LYNXBROKER.DE

0800 5969 000

7


INSIGHTS – NEWS

www.traders-mag.com 10.2015

INTERVIEW HENDRIK KLEIN

Vor Kurzem gab es ein Urteil in Großbritannien, bei dem mehrere Akteure von der

Financial Conduct Authority (FCA) zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden – darunter

auch Da Vinci Invest, die Revision einlegte. Der Vorwurf: Spoofi ng, also das Platzieren

großer Orders, um die Preise in eine bestimmte Richtung zu beeinfl ussen,

ohne aber diese Trades tatsächlich ausführen zu wollen. Mit anderen, gegenläufi

gen Positionen sollte so Geld verdient werden. Wir haben Hendrik Klein

von Da Vinci Invest zu seiner Sichtweise auf die Dinge befragt.

TRADERS´: Wie gehen Sie vor, wenn

Sie Ihre Strategien umsetzen? Ist es

dabei überhaupt notwendig, via CFDs

mit Direct Market Access zu handeln,

statt direkt über die Börse die Aktien

zu traden?

Klein: Wie im Urteil steht, hat Da Vinci

Invest nicht gehandelt, sondern der

ungarische Trader der Firma Mineworld.

Unsere Funktion war Investor.

Wir haben Revision eingelegt, weil wir

gar keine Aufsichtspflicht und Recht

über die Trader hatten. Sie waren

nicht bei uns beschäftigt, sondern bei

Mineworld. Das Börsenmitglied Goldman

Sachs kannte die Regeln der London

Stock Exchange und hat uns nicht

auf irgendwelche Regelverletzungen

der Mineworld hingewiesen, sondern

nur Brokerage Fees kassiert. Die Geldstrafe

ist absurd. Dann müsste jeder

Madoff-Investor und Vermögensverwalter

auch noch Geldstrafen zahlen,

weil der Fondsmanager Madoff Gesetze

verletzt hat. Ich bitte alle Vermögensverwalter

und Verbände, uns im

Kampf gegen dieses Fehlurteil zu unterstützen

und sich bei mir zu melden.

Wir selbst handeln in unseren

Investmentfonds vorwiegend mit

Aktien, Futures, Forex, Optionen

und anderen börsengehandelten

Instrumenten. Unsere Strategien

sind automatisiert über selbst

entwickelte Software, die Nachrichtendienste

analysiert und danach handelt.

TRADERS´: Wie sieht Ihr Gegenentwurf

zu den Anschuldigungen aus?

Müsste dieses Verhalten nicht auch

den CFD-Brokern aufgefallen sein?

Klein: Wenn überhaupt, dann hätte

Goldman Sachs es als erstes bemerken

müssen. Die Mineworld hat sich

entschieden, nicht zur Verhandlung zu

erscheinen, sich nicht zu verteidigen

und ein Abwesenheitsurteil in Kauf zu

nehmen. Möglicherweise sehen sie

bessere Chancen in Ungarn. Layering

und Spoofing sind für mich auch Begriffe,

die schwer von anderen Handelstechniken

abzugrenzen sind.

TRADERS´: Wie lässt sich nachweisen,

dass Sie sich richtig verhalten

haben?

Klein: Wir haben uns auf den Erhalt

und die Rendite unseres Kapitals konzentriert.

Wir haben nie selbst diese

Techniken gehandelt.

Hendrik Klein

CEO und CIO, Gründungspartner von Da Vinci

Invest AG. Der Diplom-Betriebswirt (FH) ist

Mitgründer, Vorsitzender des Verwaltungsrats

und Entwickler der Investmentstrategie bei der

Da Vinci Invest AG.

TRADERS´: Welche Folgen hätte ein

rechtskräftiges Urteil für Sie, und wie

sehen Sie Ihre Chancen, sich erfolgreich

zu verteidigen?

Klein: Die Da Vinci Invest Ltd. würde

sehr wahrscheinlich Konkurs gehen.

Sie gehört aber schon länger nicht

mehr zur Firmengruppe Fritz Nols

AG. Neben dem Verlust der Firma, die

ich seit 2004 mit viel Herzblut aufgebaut

habe, wird man von den Compliance-Abteilungen

weltweit abgestempelt

und vorverurteilt, obwohl

das Urteil gar keine persönliche Verurteilung

zur Folge hatte.

Das Interview führte Marko Gränitz

RUHE IN FRIEDEN

Vor kurzem verstarb der Autor Mark Douglas. Seine Bücher „Trading in the Zone“ (2001) und „The Disciplined

Trader“ (1990) vermitteln Futures- und Aktien-Tradern die nötige psychologische Disziplin.

Seine Frau Paula T. Webb wird sein Erbe mit Coachings unter www.paulatwebb.com weiterführen.

Quelle: www.markdouglas.com

Mark Douglas

Foto: www.markdouglas.com

8


INSIGHTS – NEWS

CAMPUS FOR FINANCE – WHU NEW YEAR’S

CONFERENCE AM 13. UND 14. JANUAR 2016

Möglichkeiten,

Einzigartige Networking-

exzellente

Redner und spannende

Workshops. Damit

lässt sich die WHU New

Year´s Conference 2016

– Europas größte studentisch

organisierte Finanzkonferenz

– kurz

zusammenfassen. Am 13. und 14. Januar 2016 lädt der

Campus for Finance bereits zum 16. Mal Teilnehmer aus

der ganzen Welt ein. Unter dem Thema „Financing European

Business – Where lies the Future of Corporate and Institutional

Funding?“ findet die Konferenz sowohl auf dem

Campus der WHU Otto Beisheim School of Management

in Vallendar als

auch im Universitätsteil

Koblenz

in

statt.

Das Professional-Programm spielt im kommenden Januar

eine besondere Rolle und bietet einen exklusiven

Einblick in die Beratungs- und Bankenbranche.

MBA-Studenten und Berufstätige mit einem

ausgeprägten Interesse an finanzrelevanten Themen können

sich ab dem 14. September mit ihrem Lebenslauf unter

www.campus-for-finance.com/nyc anmelden.

Quelle: www.campus-for-finance.com/nyc

ETP-AWARDS 2015 –

AUSZEICHNUNG FÜR

EMITTENTEN

Am 25. November 2015 ist

es wieder so weit, dann werden

zum siebten Mal in Folge die ETP-Awards, vom EXtra-

Magazin gemeinsam mit der Börse Stuttgart verliehen.

Eine rund 50-köpfige Fachjury aus Vermögensverwaltern,

Banken, Direktbanken, Honorarberatern, Market Makern,

Anlegerschützern und Finanzredakteuren sorgt für eine

objektive Beurteilung der Produkte und Emittenten.

Auch dieses Mal dürfen die Anleger wieder ihr Votum abgeben:

Vom 01. Oktober bis zum 31. Oktober 2015 findet

die Online-Umfrage unter www.etp-award.de statt. Unter

den Teilnehmern der

Umfrage

werden

außerdem attraktive

Preise verlost.

Neben der Verleihung

findet auch in

diesem Jahr wieder

der ETP-Informationsabend

für

Privatanleger

in

den Räumen der

Börse Stuttgart statt. Anleger können sich vor Ort zwischen

17:00 und 20:30 Uhr direkt mit den Ausstellern

austauschen.

Quelle: www.etp-award.de

Termin

World of Trading 2015

11 JAHRE WORLD OF TRADING – WIR FREUEN UNS AUF SIE

Fachausstellung:

20. und 21. November 2015

Es ist soweit – Seminar- und Bühnenprogramm der World of Trading 2015 sind

online! Einige Experten der Aussteller, wie zum Beispiel Rüdiger Born und Samir

Boyardan (CMC Markets), Malte Kaub (ActivTrades) sowie Heiko Behrendt und

Jochen Schmidt (Admiral Markets), referieren für Sie auf der Bühne der WoT und

bieten Ihnen somit die Möglichkeit, die Profis kostenfrei zu erleben.

Buchen Sie jetzt die Seminare, die Sie gerne im November in Frankfurt besuchen

möchten! Schnell sein lohnt sich – die Plätze sind sehr begehrt!

Pre-Conference:

19. November 2015

Sichern Sie sich jetzt Ihr kostenfreies Messeticket und einen Seminargutschein im Wert von 15 Euro unter:

http://www.wot-messe.de/messepartner/traders

Quelle: www.wot-messe.de

9


INSIGHTS – NEWS

www.traders-mag.com 10.2015

FOREXPRO AUF TRADING TOUR DURCH SKANDINAVIEN

DEUTSCHER DERIVATE

TAG 2015

Neben aktuellen Regulierungsfragen

war die Förderung der Wertpapierkultur

ein wichtiges Thema

auf dem diesjährigen Deutschen

Derivate Tag. Hartmut Knüppel,

geschäftsführender Vorstand des

DDV, ging hierauf ausführlich in

seiner Eröffnungsrede ein. Mit

Blick auf die Wertpapierkultur sei

Deutschland ein Entwicklungsland.

Die unzureichende Nutzung von

Wertpapieren gerade bei den unteren

und mittleren Einkommen

habe nicht nur negative Folgen für

den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge

des Einzelnen. Sie

sei auch mit dafür verantwortlich,

dass sich die Schere der Vermögensverteilung

in Deutschland immer

weiter öffne. Knüppel forderte

hier deutliche Signale von der Politik.

„Die Förderung der Wertpapierkultur

in Deutschland gehört auf

die politische Tagesordnung. Dabei

ist auch ein Umdenken bei der

Regulierung nötig. Insbesondere

die Wertpapierberatung muss einfacher

und unbürokratischer werden.

Zudem ist die Beseitigung

steuerlicher Nachteile überfällig.

Aber auch die Schule hat hier eine

wichtige Aufgabe. Wirtschaftliche

Grundkenntnisse und eine positive

Einstellung zu Marktwirtschaft und

unternehmerischem Handeln müssen

jungen Menschen schon früh

vermittelt werden. Die Einführung

eines Schulfachs Wirtschaft in allen

Bundesländern wäre hierzu ein

wichtiger Beitrag.“

Quelle: www.derivateverband.de

Es wird viel vom freien Händlerleben

gesprochen – Thorsten Helbig hat es

drei Monate lang getestet. TRADERS´

begleitet ihn redaktionell auf seiner

Reise durch Skandinavien und veröffentlicht

regelmäßig Updates.

„Es ist unglaublich was so eine Reise

aus einem Händler macht. Man lernt

Disziplin – auch wenn es wie eine Floskel klingen mag. Man wird ‚gezwungen‘

sich an sein Zeit-Management zu halten, da man ja nicht den ganzen Tag vor

dem Rechner sitzen kann, sondern auch viele Kilometer und Stunden auf der

Straße verbringt. Die wenigen Macken der Technik haben wir jetzt

kennengelernt, ebenso wie unsere Schwächen im Handel. Wir

haben bisher 21 Webinare von unterwegs gehalten – sogar dafür

reichte das Internet meistens aus. Die von uns benutzte Plattform

mit dazugehöriger Cloud hat sich bestens bewährt; Ein Gesamtkonzept,

welches wir jedem mobilen Händler nur empfehlen können.

Nun sind wir auf der Rückreise, nachdem wir die Tour etwas abgekürzt

haben. Der schönste Abschnitt der ganzen Tour, die Lofoten und die

RV 17 – die schönste Küstenstraße der Welt, wie man sagt –, hat so viel

Abwechslung und atemberaubende

Eindrücke hinterlassen.

Im Norden war das Wetter außerdem

nicht so schön, deswegen

wollen wir noch ein bisschen

die Sonne genießen. Wir

kehren jetzt zurück nach Deutschland

und freuen uns auf die nächste Tour.“

Der Handel habe sich den Sommer

über schwieriger als sonst gezeigt, sodass der Euro einige Zeit vernachlässigt

werden musste. Der DAX war aber sehr volatil – und Bewegung braucht

man als Scalper. Die Performance während der Tour gibt es im Abschlussbericht

innerhalb der November-Ausgabe.

BREAKFAST TRADING –

WORLD OF TRADING SPECIAL

Gemeinsam mit Dr. Gregor Bauer, Christian-Hendrik

Knappe und Michael Scheibe starten Sie noch vor der Börse

in den Tag. Bei Kaffee und Croissants werden die wichtigsten

Märkte analysiert und Trades entwickelt beziehungsweise sofort live umgesetzt.

Anschließend können Sie kostenfrei die World of Trading besuchen, Ihr Wissen

erweitern, Referenten persönlich kennen lernen und Aussteller besuchen.

Termin: 20.11.2015 in Frankfurt am Main von 07:30 bis 10:00 Uhr.

Melden Sie sich jetzt unter www.kursplus.de an!

Quelle: www.forexpro-systeme.com

Quelle: www.kursplus.de

10


INSIGHTS – NEWS

PRIVATANLEGER DÜRFEN

NICHT AUF DER STRECKE BLEIBEN

Nach dem Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg

am 12. September ist wieder Bewegung in die Diskussion

um die geplante europäische Finanztransaktionssteuer

gekommen. Laut des österreichischen Finanzministers

Hans Jörg Schelling haben

sich die elf Euro-Länder,

die eine Steuer einführen

wollen, nun grundsätzlich

auf ein gemeinsames Steuermodell verständigt.

„Wir begrüßen eine Finanztransaktionssteuer,

die die Schuldigen der Finanzkrise an den Kosten der

Krise beteiligt und die Stabilität der Märkte verbessert. Um

die von der Politik gesteckten Ziele zu erreichen, müssen

aber weitere wichtige Schritte folgen. Dazu zählt unter anderem

eine Ausnahme für Privatanleger und Liquiditätsspender

an Börsen“, betonte Dr. Christoph Boschan von dem

Bussche, Geschäftsführer der Boerse Stuttgart GmbH.

Um die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte sicherzustellen,

muss darüber hinaus eine Ausnahme für Liquiditätsspender

umgesetzt werden. „Börsliche Geschäfte, die einzig

dem Zweck dienen, notwendige Liquidität zu spenden,

dürfen nicht besteuert werden. Nur so lassen sich die Aktien

kleinerer und mittlerer Unternehmen liquide handeln.

Wenn die Märkte austrocknen, geht dies zu Lasten der Bürger

in der EU, und die Kapitalkosten werden stark steigen“,

sagt Boschan von dem Bussche.

Quelle: www.boerse-stuttgart.de

Ölpreise fallen auf 6,5-Jahres-Tief

Die Ölpreise sind im August auf die

tiefsten Kurse seit rund 6,5 Jahren

gefallen. Während das weltweite Öl-

Angebot weiterhin hoch ist, erwarten

Investoren, dass die Nachfrage aus

China wegen der Abschwächung des

Wachstums gering bleiben wird. Die

Ölsorte Brent fiel unter 45 Dollar je

Barrel, WTI Crude Oil sogar unter die

40-Dollar-Marke.

Quelle: www.tradesignalonline.com

HIGH FREQUENCY TRADING – TAKTISCHER RÜCKZUG BEI EXTREMER VOLATILITÄT

High Frequency Trading (HFT) macht normalerweise rund

50 Prozent des Handelsvolumens an den Börsen aus. Aber

wenn es extreme Volatilität an den Märkten gibt – so wie

beim Crash am 24. August – dann wird es den HFT-Firmen

zu riskant und sie ziehen sich zurück. Das allerdings verringert

die Liquidität dramatisch. Jeder Trader weiß, dass genau

das immer wieder passiert, wenn es einen Spike bei

der Volatilität gibt: HFTs werden plötzlich inaktiv und trocknen

damit die Märkte aus, was im Nachgang zu noch mehr

Volatilität führt. Das geht solange, bis es Handelsunterbrechungen

gibt oder absurde Kursextreme erreicht werden.

Am 24. August – zum ersten Mal in der Geschichte –

erreichte nicht nur der S&P 500, sondern auch der Dow

Jones und Nasdaq das Limit-Down-Level. Und was wurde

aus den HFT-Firmen? Sie hatten einen ziemlich profitablen

Tag. Denn als Ergebnis des ganzen Chaos waren sie in der

Lage, sich vor die riesigen Orders zu setzen, die in den Markt

strömten und die erhöhten Bid-Ask-Spreads auszukosten.

So konnten HFTs an diesem Tag Millionen Dollar an Gewinn

erzielen – ermöglicht durch das Chaos, das sie mehr

oder weniger selbst mit erzeugt haben. Nicht umsonst

haben HFT-Firmen fast nie Verlust-Tage – Virtu Financial

zum Beispiel nur genau einen (!) in sechs Jahren.

Quelle: www.zerohedge.com

11


INSIGHTS – NEWS

www.traders-mag.com 10.2015

FIBONACCI-EXTENSION

BEIM S&P 500

Das Hoch beim S&P 500 wurde fast

auf den Punkt genau an der 161,8 Prozent-Fibonacci-Extension

erreicht. Die

Ausgangsbewegung dafür war der

Kursbereich vom Tief des Jahres 2009

zum alten Hoch aus 2007. Für Trader,

die auf Basis von Fibonacci handeln,

stellt dies ein hervorragendes Lehrbuch-Beispiel

für die Funktionsweise

der Technik dar. Die Kritiker sehen darin

einen seltenen Zufall.

Quelle: www.tradesignalonline.com

Norexco startet Börsenplattform für Zellstoff- und Papier

Mit der Norexco ist ein neuer börslicher Marktplatz für die

Zellstoff- und Papierindustrie und entstanden und ist damit

die einzige Terminbörse für diese Branche weltweit. Unterstützt

wird sie dabei durch die European Commodity Clearing

(ECC). ECC ist das führende Clearing-

Haus für Energie- und energienahe

Produkte in Europa und übernimmt

Clearing und Abwicklung der neu

eingeführten

Kontrakte. Das norwegische Finanzministerium hat Norexco

die Lizenz zum Betrieb der Plattform erteilt, die Finanzderivate

im Bereich Forst- und Papierwirtschaft abdeckt. Die

ersten an der Norexco gelisteten Produkte sind zwei finanziell

abgewickelte Zellstoffkontrakte (NBSK Softwood Kraft

Pulp und BHKP Hardwood Kraft Pulp). Die geschätzte Marktgröße

für Zellstoff beträgt ungefähr 60 Millionen Tonnen mit

einem Marktwert von mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Bislang

waren solche Terminkontrakte nur am außerbörslichen

Markt verfügbar.

Quelle: www.norexeco.com

DOW JONES VOR CRASH IN ENGSTER JEMALS GEMESSENER SPANNE

2015 hatte die engste Spanne

von Januar bis Mitte August

Jahr Spanne

2015 6,44%

1911 6,94%

1992 7,82%

2005 8,61%

2004 8,83%

1952 8,89%

Nur wenige Tage vor dem August-Crash postete Analyst

Ryan Detrick am 18. August 2015 auf Twitter eine faszinierende

Statistik. Er hatte herausgefunden, dass sich bis zu

diesem Tag, zu dem bereits mehr als die Hälfte des

Jahres verstrichen war, der Dow Jones seit Jahresbeginn

in einer Handelsspanne von nur 6,44 Prozent

bewegt hatte. Kurz darauf rutschten die Kurse

lawinenartig und stürzten am 24. August im Tief

um 1089 Punkte – der größte 1-Tages-Verlust, den

der Index jemals aufwies. Zwei Extreme in kürzester

Zeit also – erst die kleinste jemals gemessene Spanne

und dann der größte Intraday-Tagesverlust.

Quelle: Ryan Detrick, FactSet, Stockcharts

12


BROKERS‘ CORNER

Gain Capital gehört nun zur Fortune´s Top 100 Liste der

am stärksten wachsenden Unternehmen 2015. Das ist das

erste Mal, dass ein internationaler Online Trading-Anbieter

auf dieser Liste vorkommt, die sich auf ausgezeichnete

finanzielle Performance und Aktienentwicklung bezieht.

Gain Capital schaffte es mit seiner Steigerung beim Gewinn

pro Aktie auf den 44. Platz, welche aus den letzten

drei Jahren zusammengenommen 56 Prozent beträgt. Die

Wachstumsrate beim Einkommen erreichte 34 Prozent und

beim Gewinn 28 Prozent.

Quelle: www.fxstat.com

Der Online-Broker IG Group Holdings gab seine Ergebnisse

für das Finanzjahr 2015 bekannt. Dieses sah ein fortgesetztes

Wachstum im Nettogewinn und auch eine Erweiterung

der Produktpalette auf Aktien sowie die Eröffnung

neuer Niederlassungen in der Schweiz und Dubai. Der Nettogewinn

stieg um 4,9 Prozent auf 388,4 Millionen Pfund,

verglichen mit 370,4 Millionen Pfund im Vorjahr. Die Firma

hob hervor, dass diese Zahl die Effekte des Dramas um

den Schweizer Franken im Januar bereits beinhalte. Ohne

diesen Effekt wäre der Gewinn bei beeindruckenden

400,2 Millionen Pfund gelegen.

Quelle: www.iggroup.com

FXCM hat einen weiteren Teil des Kredits an Leucadia National

zurückgezahlt. Insgesamt wurden 115 Millionen Dollar

beglichen, die aus dem Verkauf der Geschäfte in Japan und

Hong Kong resultierten. Damit verbleiben noch 195 Millionen

Dollar. Im Januar 2015 hatte FXCM 265 Millionen Dollar

Verlust eingefahren, als der Schweizer Franken plötzlich

massiv aufwertete. FXCM verfolgt weiterhin die Strategie,

seine Umsätze zu erhöhen, und hat daher auch das Geschäft

der Orderausführung über den eigenen Dealing Desk wieder

eingeführt. Das Angebot nennt sich „mini account“ und

ermöglicht Hebel bis zu 1:400. Schon in seinen Anfängen

nach der Jahrtausendwende war das Unternehmen vorwiegend

als Market Maker aktiv. Später wandelte sich FXCM

und ging zum No-Dealing-Desk-Modell über, indem es nur

Orders durchleitete und über Kommissionen verdiente.

Quelle: www.financemagnates.com

Mit dem S Broker DepotPlus bietet der Sparkassen Broker

ab sofort allen Sparkassen ein neues Online-Brokerage-

Angebot für Kunden, die ihre Wertpapiergeschäfte eigenständig

durchführen möchten, aber die Bindung zu

ihrer Hausbank dennoch schätzen. Das Produkt wurde

gemeinsam mit der Kreissparkasse Köln und der Sparkasse

KölnBonn entwickelt und bei den beiden Pilothäusern

bereits erfolgreich eingeführt. Federführend begleitet

wurde die Entwicklung des S Broker DepotPlus

vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverband (RSGV).

Nun geht der Sparkassen Broker mit dem neuen Depot-

Angebot in den flächendeckenden Vertrieb innerhalb der

S-Finanzgruppe.

Quelle: www.sbroker.de

CMC Markets veröffentlicht seinen Jahresbericht 2015 und

die Ergebnisse für das am 31. März 2015 beendete Geschäftsjahr.

Die Umsatz- und Gewinnsteigerungen unterstreichen

die Wachstumsdynamik des CFD-Brokers. Der

Gewinn vor Steuern stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr

im Vergleich zum Vorjahr um 61 Prozent auf 51,9 Millionen

Britische Pfund. Die Nettoerlöse legten um 18 Prozent

auf 143,6 Millionen Britische Pfund zu. Im Geschäftsjahr

2014/15 handelten weltweit 50 303 Kunden auf der Plattform

von CMC Markets. Dies entspricht einem Plus von

fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Quelle: www.cmcmarkets.de

Bei der sino AG war der August aufgrund des hohen Anteils

an margenstarken Wertpapier-Orders und der optimierten

Kostenstruktur des Unternehmens, operativ der

beste Monat seit vier Jahren. Im August wurden insgesamt

66 653 Orders ausgeführt. Dies ist eine Steigerung

von 6,3 Prozent gegenüber dem Vormonat (plus 22,7 Prozent

gegenüber August 2014). Ein weiterer positiver Effekt

war der Nachbesserungsertrag aus den Vergleichen des

Squeeze-Outs der ehemaligen Schering AG, aus der für

sino rund 110 000 Euro (einschließlich Zinsen/vor Steuern)

resultieren. Auch einigen sino-Kunden fließt dadurch insgesamt

ein kleiner siebenstelliger Betrag zu.

Quelle: www.sino.de

13


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

Trading mit Saisonalitäten

Teil 28: Saisonales Tief für Kaffee-Aktie und DAX

Im September und Oktober besteht die Möglichkeit, dass viele Aktien und Indizes ihre vielleicht schon länger

andauernde Korrektur beenden. In dieser Ausgabe zeigen wir den idealen Einstiegszeitpunkt für eine amerikanische

Aktie sowie den deutschen DAX auf Basis der saisonalen Gegebenheiten.

B1) Trading-Idee Keurig Green Mountain

Keurig Green Mountain ist in den letzten Monaten deutlich unter die Räder gekommen. Die saisonale Auswertung

empfiehlt einen Kauf ab dem 30. September mit Haltedauer bis zum 04. Februar 2016. Im Durchschnitt

konnte man 32 Prozent Gewinn einfahren, bei einem durchschnittlichen Verlust von 17 Prozent.

Quelle: www.lp-software.de

» Trading-Idee Keurig Green Mountain

Die US-Aktie Keurig Green Mountain

(Kürzel: GMCR) war früher unter

den Namen Green Mountain Coffee

Roasters bekannt. Die Saisonalitäten

sprechen für eine Long-Position am

30. September mit einer Haltedauer

bis zum 04. Februar 2016. In diesen

127 Tagen konnte man anhand

der Daten der letzten 16 Jahre in

94 Prozent der Fälle einen durchschnittlichen

Gewinn von 32 Prozent

einfahren. In einem Jahr ergab

sich sogar ein Anstieg von über

200 Prozent. Der Stopp-Loss könnte

17 Prozent unter dem Einstiegspreis

platziert werden.

Die Aktie ist in den letzten Monaten

deutlich unter die Räder

14


INSIGHTS

gekommen. Nachdem die Quartalszahlen

Anfang August nicht den Erwartungen

entsprachen, ging es

über Nacht weitere 30 Prozent abwärts.

Bild 1 zeigt den Kursverlauf

der Aktie mit mehreren saisonalen

Linien sowie den vertikalen Ein- und

Ausstiegstagen in Grün und Rot. Im

Chart wurde eine untere Abwärtstrendlinie

berührt und es kam zur

Gegenbewegung. Zeigt die Aktie ab

dem Einstiegszeitpunkt eine Bodenformation,

wie zum Beispiel einen

Retest des bisherigen Tiefs, ist das

ein Signal, nach einem Einstieg zu

suchen. Das Maximalpotenzial wäre

die obere Abwärtstrendlinie, an der

sich momentan auch die 200-Tage-

Linie orientiert. Ein weiterer interessanter

Einstiegspunkt wäre

die Unterstützung im Bereich von

34 US-Dollar aus den Jahren 2011 und 2012.

Im August letzten Jahres hat Coca-Cola einen langfristigen

Vertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen und

zeitgleich einen zehnprozentigen Anteil erworben. Die

niedrigen Kurse könnten dazu führen, dass der Getränke-

hersteller weitere Aktien erwirbt und eventuell sogar

eine Übernahme ins Auge fasst. Dies würde sich entsprechend

kursstützend auswirken.

Trading-Idee DAX

Saisonal beginnt beim DAX am 10. Oktober der ideale

Einstiegszeitraum für eine Long-Position mit einer Haltedauer

bis zum 04. Januar 2016. Mit einer Trefferquote

von 86 Prozent konnte man anhand der Daten der letzten

27 Jahre fast zehn Prozent Gewinn erwirtschaften. Das Risiko

bei einem Fehlschlag lag in diesen Jahren bei 2,64 Prozent.

Der maximale Gewinn betrug sogar über 22 Prozent. Der

Stopp-Loss sollte beim Einstieg auch mit einem Mindestabstand

in dieser Größenordnung gesetzt werden.

Wie viele andere Indizes ist auch der DAX unlängst in

eine starke Korrektur übergegangen. Er verlor in der Spitze

Video-Update

B2) Trading-Idee DAX

Auf der TRADERS´-Webseite wird am 01.10.2015 und am

13.10.2015 jeweils ein Update zu Verfügung gestellt. Es wird der

Frage nachgegangen, ob und wo man einsteigen soll und wo

die entsprechenden Verlustbegrenzungen zu platzieren sind.

Der DAX ist in den letzten Monaten in eine stärkere Korrektur übergegangen. Die Berührung einer Dreifachunterstützung

im Bereich von 9070 Punkten zum Einstiegsdatum am 10. Oktober 2015 könnte zum Aufbau

einer Long-Position bis zum 04. Januar 2016 genutzt werden.

T1) Saisonale Trades des Monats

Instrument Keurig Green Mountain DAX

Richtung Bullisch Bullisch

Einstieg 30.09.2015 10.10.2015

Ausstieg 04.02.2016 04.01.2016

%-Win 94,00% 86,00%

Historie Jahre 16 27

Durch. Gewinn 32,00% 9,32%

Max. Gewinn 219,00% 22,91%

Durch. Verlust 17,00% 2,64%

Max. Verlust 58,00% 4,92%

Haltedauer 127 Tage 86 Tage

Quelle: www.lp-software.de

15 Prozent bis deutlich unter 10 000 Punkte. Ein erneuter

Rückgang bis zur unteren Abwärtstrendlinie zum 10. Oktober

wäre ideal für die Umsetzung der saisonalen Strategie.

Der DAX würde dann bei 9070 Punkten notieren. Auf diesem

Kursniveau ist eine dreifache Unterstützung zu finden.

Mit Gewinnziel von zehn Prozent und einem Stopp-Loss

um 2,64 Prozent ergibt sich ein Chance/Risiko-Verhältnis

von 3,65, was als sehr gut bezeichnet werden kann.

Beide Instrumente – Keurig Green Mountain sowie

der DAX – können auch über Hebelprodukte (Optionen,

Futures und CFDs) gehandelt werden. «

Tabelle 1 zeigt die Ein- und Ausstiegsdaten der beiden Trading-Ideen.

Quelle: www.captimizer.com

15


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

Alexander‘s Social-Trading-Experiment

Teil 5: wikifolio.com

Nach dem Social-Trading-Experiment bei ayondo geht es nun mit wikifolio.com weiter. Dort wird

Social Trading mit einem etwas anderen Konzept umgesetzt – Grund genug für Alexander Mantel,

auch diesen Anbieter genau unter die Lupe zu nehmen.

» Social Trading über die Hausbank

Während Social Trading in der Regel ein Konto bei einem

speziellen (CFD-)Broker voraussetzt, bietet die Plattform

wikifolio.com bereits seit Sommer 2012 die Möglichkeit,

ein bestehendes Depotkonto bei der Hausbank oder einem

(Direkt-)Broker zu nutzen. Das österreichische Unternehmen

arbeitet mit dem deutschen Emittenten Lang &

Schwarz zusammen, der Trading-Strategien als Indexzertifikate

verbrieft anbietet. Diese können dann über die Börse

Stuttgart oder im Emittenten-Handel gehandelt werden.

Alexander Mantel

Alexander Mantel ist Jurist. Er beschäftigt sich

seit seinem 17. Lebensjahr mit den Finanzmärkten.

Dabei gilt sein Interesse hauptsächlich

derivativen Produkten und neuen Entwicklungen

der Finanzbranche, wie zum Beispiel Social

Trading.

traders@alexandermantel.com

Grundlegendes

Ein Wikifolio ist eine Art virtuelles Depot, für das der Trader

über die Webplattform Trades vornimmt. Dabei stehen

ihm eine Vielzahl an Aktien, ETFs, Zertifikaten und

Hebelpapieren zur Verfügung und er muss kein eigenes

Geld einsetzen. Performance steigernd wirkt sich nicht

nur das Können der Trader aus, sondern auch die Tatsache,

dass bei den Trades für das Wikifolio keinerlei Gebühren

berechnet werden. Nachdem ein Wikifolio erstellt

wurde, befindet es sich zunächst im Status „Test“. Diese

Phase, in der das Wikifolio nur für den Trader selbst sichtbar

ist, eignet sich gut, um die ersten Trades zu tätigen

und einen Track Record aufzubauen. Sobald mindestens

ein Trade durchgeführt wurde, kann die Veröffentlichung

des Wikifolios beantragt werden. Nachdem das Wikifolio

den Status „Publiziert“ erreicht hat, ist es über die Suche

auf wikifolio.com auffindbar, kann jederzeit von allen

Nutzern eingesehen und bei Interesse vorgemerkt werden.

Mit solchen unverbindlichen Vormerkungen geben

die Nutzer sozusagen eine Stimme für das Wikifolio ab.

16


INSIGHTS

Sobald zehn solcher Vormerkungen von Nutzern abgegeben

wurden, die in der Summe unverbindlich bereit wären,

mindestens 2500 Euro zu investieren, und ein Track

Record von mindestens 21 Tagen besteht, sind die Voraussetzungen

für den Status „Investierbar“ erfüllt. Nachdem

sich der Trader gegenüber wikifolio.com mit einer

Ausweiskopie legitimiert hat, erfolgt noch eine inhaltliche

Prüfung durch einen Mitarbeiter. Einige Tage bis Wochen

später beginnt die Verbriefung des Wikifolios als

Indexzertifikat durch den Emittenten Lang & Schwarz.

Dieses ist dann über alle Banken und Broker handelbar,

die börsengehandelte Zertifikate anschaffen und verwahren

können. Probleme wie Nachschusspflicht und die

Wahl des richtigen Brokers sind somit weder für die Wikifolio-Trader

noch für die Anleger ein Thema.

Kurz hingewiesen werden soll auf das sogenannte

Emittentenrisiko. Da es sich bei den Wikifolio-Zertifikaten

um Schuldverschreibungen des Emittenten Lang &

Schwarz handelt, tragen Anleger das Ausfallrisiko dieses

Unternehmens. Dies ist aber bekanntlich nicht nur

bei Wikifolio-Zertifikaten der Fall, sondern auch bei anderen

Zertifikaten wie zum Beispiel Bonus-, Discount- oder

Indexzertifikaten.

Neben einer jährlichen Zertifikategebühr in Höhe von

0,95 Prozent fällt eine Performance-Gebühr zwischen fünf

und 30 Prozent an, die der Trader, der das Wikifolio führt,

festlegen kann. Beides wird bereits im Zertifikatekurs berücksichtigt.

Fair gegenüber Anlegern ist dabei, dass die

High-Watermark-Methode zur Anwendung kommt. Grundlage

für die Gebührenberechnung ist also nur der Teil der

Performance, der den bisherigen Höchststand übersteigt.

Die Vergütung der Trader, die ein Wikifolio führen, besteht

aus einem Teil (30 bis 50 Prozent) der Performance-

Gebühr. Die Vergütung des Traders bei wikifolio.com ist

somit rein performanceabhängig. Neben dem aktuellen

Bestand wird jede Transaktion eines Traders aufgeführt,

was ein hohes Maß an Transparenz gewährleistet.

Die Zeit ist reif

Obwohl wikifolio.com im August 2015 bereits seinen dritten

Geburtstag feiern konnte und ich selbst schon seit einem

Jahr dort als Trader aktiv bin, könnte der Zeitpunkt für mein

Experiment kaum besser sein. Im Laufe der vergangenen

drei Jahre hat sich die Plattform stetig weiterentwickelt.

Dies gilt nicht nur für die Funktionalität, sondern insbesondere

auch für das zur Verfügung stehende Anlageuniversum.

Erst vor kurzem wurde es mit der Société Générale

als neuen Partner auf 100 000 Produkte erweitert. Neben

den Produkten von HSBC und Lang & Schwarz sind nun

also auch die beliebten Exoten „Inline-Optionsscheine“

B1) Entwicklung publizierte und investierbare Wikifolios

10000

8000

6000

4000

2000

0

Q3

2012

Publiziert

Q4

2012

Q1

2013

Q2

2013

Investierbar

Q3

2013

Q4

2013

Q1

2014

Q2

2014

Q3

2014

Q4

2014

Q1

2015

Q2

2015

Die Grafik zeigt die aktuellen Zahlen der Social-Trading-Plattform wikifolio.com.

Derzeit sind es 3430 investierbare Wikifolios (grau), 3,6 Millionen publizierte Trades

und 6,5 Milliarden Euro abgewickeltes Volumen.

Quelle: www.wikifolio.com

und „Stay-High- und Stay-Low-Optionsscheine“ verfügbar.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung schlägt sich

auch in den Zahlen nieder. So gab es im zweiten Quartal

2015 bereits 3430 investierbare Wikifolios und bislang

3,6 Millionen publizierte Trades mit einem abgewickelten

Gesamtvolumen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro.

Die vielleicht bedeutendste Neuerung ist die Einführung

von Dachwikifolios. Dadurch kann ich wikifolio.com

sozusagen aus der Perspektive eines Anlegers und eines

Traders gleichzeitig erleben. Statt die entsprechenden

Wikifolio-Zertifikate für mein Depot zu kaufen, erstelle

ich einfach ein Dachwikifolio und kann so direkt die neue

Funktion testen. Mit einem Dachwikifolio können nämlich

Portfolios erstellt werden, die ausschließlich in Wikifolio-Zertifikate

investieren. Vergleichen kann man dies mit

der Funktionsweise von Dachfonds, die lediglich in andere

Fonds investieren.

Im nächsten Teil werfe ich einen genaueren Blick auf

dieses neue Feature und stelle dann auch meine beiden

Dachwikifolios sowie die darin enthaltenen Wikifolios genauer

vor. «

Bleiben Sie live am Ball!

Informieren Sie sich schon vor Erscheinen der nächsten

TRADERS´ Ausgabe über die Entwicklung von Alexander‘s

Dachwikifolios. Unter folgenden Links können Sie die beiden

Wikifolios auch unverbindlich vormerken:

www.wikifolio.com/de/STARWIKI

www.wikifolio.com/de/TDW00000

17


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

Ins eigene Fleisch geschnitten?

Schweizer Notenbank mit riesigem Verlust

Wie im August bekannt wurde, musste die Schweizer Notenbank (SNB) im ersten

Halbjahr einen massiven Verlust von rund 50 Milliarden Schweizer Franken ausweisen.

Der Hauptgrund dafür: Durch die Abkopplung des Franken vom festen Wechselkurs

zum Euro wurden die zuvor angehäuften Devisenreserven stark entwertet.

Marko Gränitz

Marko Gränitz schreibt Artikel zu Kapitalmarktthemen

und führt Interviews mit Tradern.

Außerdem ist er aktiver Triathlet und startet seit

einigen Jahren bei nationalen und internationalen

Wettkämpfen. Die Themen Börse und Sport kombiniert

er auf seinem Blog „Marko Momentum“.

www.marko-momentum.de

» Dass die Abkopplung vom Euro Folgen für die Wirtschaft

und die Bilanz der Notenbank haben würde, war schon

direkt nach Aufgabe des Mindestkurses im Januar dieses

Jahres abzusehen. Unklar blieb allerdings, wie hoch

der anfängliche Buchverlust zum Quartals-, Halbjahresund

Jahresende wirklich ausfallen würde. Mit minus

50 Milliarden Schweizer Franken hat die SNB nun Bilanz

18


INSIGHTS

für das erste Halbjahr gezogen. Das

steht im krassen Gegensatz zum Ergebnis

des Jahres 2014 – damals

stand ein Gewinn von 38 Milliarden

Franken zu Buche. Die wechselhafte

Entwicklung der Gewinne und Verluste

seit 1999 ist in Bild 1 gestellt.

Als die Notenbank die 1,20er

Marke zum Euro verteidigte, musste

sie immer wieder am Markt intervenieren.

Sie kaufte hauptsächlich

Euro und verkaufte Schweizer Franken.

Dadurch wuchs der Bestand an

Euro in der Bilanz immer weiter. Im

Januar dann der Schnitt: Scheinbar

aufgrund der zu erwartenden Quantitative-Easing-Maßnahmen

(QE) der

EZB gab die SNB auf. Aus ihrer Sicht wären dann wohl

noch stärkere Interventionen nötig gewesen. Sie hätte

sozusagen gegen die von der EZB verordnete Euro-

Schwäche ankämpfen müssen.

Um den Schweizer Franken zu schwächen, senkte die

Notenbanken zeitgleich mit der Entkopplung die Zinsen

deutlich ins Negative (was der Notenbank im Lauf der Zeit

einige Einnahmen bringt). Das hat inzwischen aber auch

dazu geführt, dass Banken Kundengelder mit negativen

Zinsen belasten oder planen, dies einzuführen.

B1) Gewinne und Verluste der Schweizer Notenbank seit 1999

40

30

20

10

0

-10

-20

-30

1,5 1,5 1,5 2,5 3,1

21,6

Gewinn/Verlust in Mrd. CHF

12,8

5 6

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

In den letzten Jahren nahmen die Ausschläge der Jahresergebnisse deutlich zu. Nach dem großen Gewinn im

Jahr 2014 sieht es für 2015 bisher – per Halbjahr – verheerend aus.

-4,7

1

-20,8

Quelle: SNB, www.handelszeitung.ch

Auftragsbestände und kündigten an, auf die Kostenbremse

drücken zu müssen – also beispielsweise Personal zu

entlassen oder die Produktion ins Ausland zu verlagern.

Ins eigene Fleisch geschnitten?

Die Frage ist allerdings, was nun schlimmer gewesen

wäre – die Verteidigung des Wechselkursverhältnisses

von 1,20 EUR/CHF oder die Aufgabe des Mindestkurses.

Abschließend lässt sich das auch heute schwer sagen,

da unklar ist, wie lange die Notenbank die Marke hätte

13

6

-9,1

38

-30

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Auf der Webseite der Handelszeitung

(www.handelszeitung.ch) wurde

im August ein umfassender

Beitrag zum Thema der Folgen der

Abkopplung veröffentlicht. Der Beitrag

zeigte anhand vieler Beispiele,

wie insbesondere exportorientierte

Schweizer Unternehmen und Tourismusbetriebe

unter dem im Januar

2015 schlagartig erstarkten Franken

leiden. Wirtschaftsminister sowie

Gewerkschaften fordern daher bereits

einen neuen Mindestkurs.

Außerdem drohen der Schweiz

Preisrückgänge, also ein deflationäres

Umfeld, was die Wirtschaft stark

belasten würde. Zumindest eine Rezession

ist aus Sicht vieler Experten

wahrscheinlich. Viele Unternehmen

berichteten bereits über schwächere

Gewinne und/oder niedrigere

B2) EUR/CHF seit Januar 2015

Den größten Teil der Währungsreserven hält die SNB in Euro. Nach Aufgabe des Mindestkurses wurden die

Reserven, gemessen in Schweizer Franken, schlagartig deutlich weniger wert. Sollte der Euro wie zuletzt

gegenüber dem Franken stärker notieren, hilft das der SNB, ihre Verluste im Gesamtjahr noch zu verringern.

Quelle: www.tradesignalonline.com

19


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

Die Regierung und die Kantone des Landes

gehen wohl leer aus, da bei der Notenbank keine Überschüsse

zum Verteilen vorhanden sind.

verteidigen müssen und wie groß die Kosten dafür auf

Dauer gewesen wären.

Wenn es nach SNB-Chef Dr. Thomas J. Jordan

geht, so war die Entscheidung richtig. Der Artikel auf

www.handelszeitung.ch zitiert ihn mit folgendem

Statement: „Ein Hinauszögern des Aufhebens des

Mindestkurses wäre nur auf Kosten einer unkontrollierbaren

Ausdehnung der Bilanz um mehrere 100 Milliarden –

potenziell um ein Mehrfaches des schweizerischen Bruttoinlandsprodukts

– möglich gewesen. Diese unkontrollierbare

Bilanzausdehnung hätte die zukünftige geldpolitische

Handlungsfähigkeit der SNB stark beeinträchtigt und die

Erfüllung des Mandats in der langen Frist gefährdet.“

Verschiedene Meinungen

Je nachdem, wen man fragt, gibt es dazu verschiedene

Meinungen. Einerseits scheint die Aufwertung des

Frankens gegenüber dem Euro von inzwischen nur

noch rund zehn Prozent keine riesige Differenz zu sein

(Bild 2). Auch andere Währungen schwanken so stark

oder noch mehr.

B3) CHF/USD seit Januar 2015

Andererseits wurde durch die schlagartige Anpassung

(gegenüber einem kontinuierlichen Verlauf) die

Preis- und Finanzstabilität ziemlich aus dem Gleich-

gewicht gebracht. Denn keiner hatte mit einem solchen

Super Chancen

für Trader

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

sofortigen Sprung des Wechselkurses gerechnet. Und die

wenigsten Unternehmen hatten sich gegen eine Aufwertung

abgesichert, ganz im Vertrauen auf den Mindestkurs.

Wenn man die Ratingagenturen

fragt, so sieht beispielsweise

Standard&Poor‘s keine unmittelbaren

Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit

der Schweiz – hier gibt es

weiterhin das Top-Rating AAA.

Auch der US-Dollar macht einen großen Teil der Devisenreserven der SNB aus. Der Dollar hat den Einbruch

weitgehend aufgeholt, sodass die Belastungen hieraus deutlich geringer sind.

Quelle: www.tradesignalonline.com

Politische Folgen?

Am Ende des Tages könnten die herben

Verluste der SNB auch politische

Folgen haben. Denn die Regierung

und die Kantone des Landes gehen

wohl leer aus, da bei der Notenbank

keine Überschüsse zum Verteilen vorhanden

sind. Gerade jetzt, wo die

Wirtschaft bereits geschwächt ist,

dürften die Gelder schmerzlich fehlen.

Auch drohen höhere Arbeitslosigkeit

und ein deutlich abgeschwächtes

Wirtschaftswachstum, was sich bei

den nächsten Wahlen durchaus bemerkbar

machen könnte. «

20


Online-Broker seit 2001


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

Die Trader-Ausbildung

vom Profi

Teil 3: Die Strategie als das Herzstück der Ausbildung

Der wohl wichtigste Teil der Trader-Ausbildung beginnt dann, wenn der Trader

sich eine Strategie oder ein Set von mehreren Strategien zulegt. Wie im ersten

Teil dieser Artikelserie ausgeführt, geht es darum, den Werkzeugkasten

Sie möchten Birger Schäfermeier einmal live

erleben? Dann besuchen Sie seine Vorträge auf

der World of Trading am 20. und 21. November

2015 in Frankfurt. Weitere Infos finden Sie

unter www.wot-messe.de.

mit geeignetem Werkzeug zu füllen. Welche Strategie es in den Werkzeugkasten

des Traders schafft, wird

nicht nur darüber entscheiden,

ob dieser Trader in

Zukunft ein Gewinner

oder ein Verlierer sein wird, sondern auch darüber,

in welchen Marktphasen er erfolgreich und aggressiv

agieren muss und zu welchen Zeiten eher vorsichtig

und defensiv.

» Ohne Strategie ist der Erfolg nur Zufall

Ohne Strategien wird der Trading-Erfolg immer Zufall

bleiben. Mit Traden Geld zu verdienen schafft jeder mit

ein bisschen Glück. Doch wie lange hält das Glück an?

Wie lange wird der Trader richtig raten? Wie viele Trader

hat der Markt schon kommen und gehen sehen, die ein

oder zwei Jahre erfolgreich waren und dann auf Nimmerwiedersehen

verschwanden?

Eine Strategie zeichnet sich dadurch aus, dass sie klar

und nachvollziehbar sagt, wann der Trader mit welchem

Risiko einsteigen muss und wie er seine Trades zu managen

hat. Das heißt, sie definiert neben konkreten Einstiegssignalen

auch, wie und wo der Trader aussteigen

muss. Durch die Verwendung objektiver Kriterien ist es

möglich, dass der Erfolg der Strategie nachprüfbar ist.

Jede Strategie hat statistische Kennziffern. Diese geben

Birger Schäfermeier

Birger Schäfermeier kaufte bereits mit 14 Jahren seine erste Aktie und handelt seit mehr

als 20 Jahren aktiv an den internationalen Terminbörsen. Im Laufe der Zeit hat er nicht

nur seine eigene Marktphilosophie und Handelstechniken entwickelt, sondern ist auch zu

einem der bekanntesten Daytrader Europas geworden. Ist ist des Weiteren Vorstand und

Gründer der European Trading Academy AG (tradAc).

Auskunft darüber, wie groß der statistische Wettvorteil

ist, den eine Strategie aus dem Markt holen kann.

Dieser statistische Wettvorteil existiert nicht zu jeder

Zeit im Markt, aber der erfahrene und gut ausgebildete

Trader weiß, wann dieser Vorteil existiert und wann

er seine Strategie einsetzen muss um diesen Vorteil aus

dem Markt abzuschöpfen.

Vorteil finden und abschöpfen

Traden ist vergleichbar mit professionellem Wetten oder

Glücksspiel. Dauerhaft kann man ein Glücksspiel nur gewinnen,

wenn man einen statistischen Vorteil hat (den

meist allerdings die Spielbank hält). Beim Black Jack hat

die Bank zum Beispiel einen Vorteil, weil sie als letztes am

Zug ist und bereits das Geld von allen Spielern, die mehr

als 21 hatten, vereinnahmt hat. Selbst wenn sich nun die

Bank überzieht, muss sie den Spielern, die zuvor mehr

als 21 hatten, das Geld nicht zurückzahlen. Der Mathematiker

Edward O. Thorp fand in den 1970ern allerdings

heraus, dass der Vorteil der Bank immer dann verschwindet

und auf den Spieler wechselt, wenn bestimmte Karten

bereits aus dem Kartenstapel gezogen wurden. Jedes

Mal nämlich, wenn bereits viele, für den Spieler ungünstige

Karten aus dem Stapel gezogen wurden, erhöhte

22


INSIGHTS

sich die Wahrscheinlichkeit, dass nun günstige Karten für

den Spieler (zum Beispiel Asse und Bilder) kommen werden.

In diesem Moment kippt der Vorteil zugunsten des

Spielers.

Thorp entwickelte daher die Analysemethode des

„Card Counting“, um herauszufinden, wann der Vorteil

auf den Spieler wechselte. Mit dem Card Counting hatte

er aber noch nicht den Vorteil kapitalisiert oder abgeschöpft,

sondern nur identifiziert. Erst durch den Einsatz

einer bestimmen Wett-Strategie, wann bei welchen Karten

mit welchem Einsatz zu wetten sei, schaffte Thorp es,

den Casinos Geld abzunehmen (diese Geschichte wurde

übrigens auch unter dem Titel „21“ verfilmt).

Im dritten Schritt entwickelte Thorp dann eine Methode

mit unterschiedlichen Einsätzen. Je höher der Vorteil

war, desto größer fielen die Einsätze aus, um so den

Vorteil möglichst am gewinnbringendsten abzuschöpfen.

Dazu legte er fest, bei welchen Karten-Kombinationen

der Spieler mit welchen Wetteinsätzen in das Rennen gehen

sollte (die Strategie dient also nur dazu, einen bereits

identifizierten Vorteil gewinnbringend abzuschöpfen).

Am Markt kann dieser Vorteil eine statistische Auffälligkeit

sein oder Regelmäßigkeiten, die häufiger

B1) Drei Schritte zum Erfolg

Analyse: Vorteil erkennen

Strategie: Vorteil abschöpfen

Erfahrung: Taktik festlegen

(aggressiv / defensiv)

Wer erfolgreich sein will, muss erst einen Markt mit einem statistischen Vorteil

finden (Analyse). Dann wird eine Strategie mit klaren Kriterien entwickelt, um diesen

Vorteil abzuschöpfen (Strategie). Diese wird nur dann eingesetzt, wenn der

Vorteil im Markt größer ist als die Kosten für den Ein- und Ausstieg (Erfahrung).

Quelle: European Trading Academy AG

vorkommen als der Zufall es erwarten lässt. Zum Beispiel

nutzt der Autor dieses Artikels unter anderem eine statistische

Anomalie, die der Markt nach der Eröffnungsphase

entwickelt. Etwas häufiger als der Zufall – also mehr als

50 Prozent – wird die Richtung des Ausbruchs nach der

Eröffnungsspanne für die nächsten Stunden beibehalten.

Wer nun eine Strategie hat, die sagt, wann und wie

Weitere Informationen: Chefhändler Adrian Schmid, Tel.: 0179 348 5979 oder Email: schmid@handelsbuero-berlin.de

23


INSIGHTS

www.traders-mag.com 10.2015

B2) Lebenszyklus einer Strategie

Vorteil

Wachstums-

Phase

Entdeckung

einzusteigen ist und mit welchem Risiko wann die Position

wieder zu schließen ist, der kann diese Anomalie gewinnbringend

nutzen – solang bis der Vorteil irgendwann

nicht mehr existiert.

Erfahrene Trader erhöhen ihre Wetteinsätze je größer

der Vorteil am Markt für sie ist. Sie wissen, dass langfristig

ein einmal identifizierter Vorteil auch wieder verschwinden

kann, und sie somit so viel wie möglich von

diesem Vorteil abschöpfen müssen, solange er existiert.

Das konkrete Vorgehen

Diese drei folgenden Schritte sind nötig (siehe Bild 1):

1) Finde einen Markt mit einem statistischen Vorteil

(Analyse).

Selbsterfüllende

Prophezeiung

2) Entwickle eine Strategie mit klaren Kriterien, um diesen

Vorteil abzuschöpfen (Strategie).

3) Setze die Strategie nur dann ein, wenn der Vorteil im

Markt größer ist als die Kosten für den Ein- und Ausstieg

(Erfahrung).

Degenerations-

Phase

Zeit

Aufgabe des Traders ist es, herauszufinden, ob der Markt ein bestimmtes Verhalten

aufweist, um dann diese Strategie einzusetzen (Entdeckung). Bis diese Strategie

auf den Markt adaptiert ist, dauert es einige Zeit (Wachstums-Phase). Mit der

Zeit ändert sich der Markt und der Vorteil schwindet (Degenerations-Phase). Nur

wer auch erkennt, wann der Vorteil für die Strategie verschwunden ist, wird diese

rechtzeitig wieder aus seinem Werkzeugkasten entfernen.

Quelle: European Trading Academy AG

Wer erfolgreich sein will, muss den statistischen Vorteil

seiner Strategie kennen. Die meisten Anfänger glauben

aber, jede Strategie, die ihnen kurzfristig Gewinne beschert,

sei gut. Sie interessiert gar nicht die Funktionsweise,

sondern lediglich der Output. Vergleichbar ist

dieses Phänomen mit einem Autokäufer, der sich weder

um den Zustand noch um bisher gefahrene Kilometer

schert, sondern einen Wagen einfach kauft, weil er fährt.

Profi-Trader richten sich nicht nach dem Output einer

Strategie. Zuallererst wollen sie wissen, warum und

wie die Strategie funktioniert. Kein vernünftiger Trader

handelt eine Blackbox. Aufgabe des Traders ist es, dann

herauszufinden, ob der Markt diesen Vorteil bietet und ob

der Trader die Strategie profitabel einsetzen kann.

Strategien sind nur dann erfolgreich,

wenn der Markt einen Vorteil bietet

Als Beispiel nehmen wir eine Trendfolge-Strategie. Diese

ist nur dann erfolgreich, wenn der Markt einen Trend

aufweist. In diesem Fall sagt die Strategie nicht, dass der

Markt in einem Trend ist, sondern partizipiert an dem

Trend durch entsprechende Signale. Die Aufgabe des

Traders ist es also herauszufinden, ob der Markt ein bestimmtes

Verhalten aufweist, um dann diese Strategie

einzusetzen.

Deshalb muss sich die Trader-Ausbildung nicht nur

auf die Vermittlung von Strategien konzentrieren, sondern

vor allem den Schülern klarmachen, warum diese

Strategien funktionieren und wie sie den Vorteil im Markt

identifizieren. Doch damit nicht genug: Nur wer auch erkennt,

wann der Vorteil für die Strategie verschwunden

ist, wird diese rechtzeitig wieder aus seinem Werkzeugkasten

entfernen.

Copy and Paste funktioniert nicht beim Traden

Wer nun meint, einfach eine Strategie aus dem Internet

wie ein Kuchenrezept kopieren zu können, der muss

und wird Schiffbruch erleiden. Er weiß weder, warum

die Strategie funktioniert, noch wann sie aufhören wird

zu funktionieren. Ihm fehlt zudem die Erfahrung, wann

er diese Strategie aggressiv traden sollte und wann

defensiv.

Jetzt sind Sie als

Trader klar

im Vorteil

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

Eine gute Trader-Ausbildung zeigt dem Trader also

nicht einfach nur blind ein paar Strategien, sondern erklärt,

wie er einen Vorteil findet und mit welcher Strategie

er den Vorteil abschöpfen kann. So wird es dem Schüler

ermöglicht, konsistente Ergebnisse zu erzielen. «

24


INSIGHTS – TRADERS´ TALK

www.traders-mag.com 10.2015

Sandra Kahle

TRADERS´ media GmbH

TRADERS´ Talk

Die Online-Welt in Angriff nehmen

Wir sprachen mit unserer Kollegin Sandra Kahle über die Online-

Plattform Guidants. Was diese dem User bietet, welche Widgets zur

Verfügung stehen und welche Zukunftspläne es mit dem TRADERS´

Guidants-Desktop gibt, erfahren Sie im folgenden Interview.

» TRADERS´: Guidants ist seit 2012 online und täglich sind

dort mehr als 7000 User aktiv. Wie kamen Sie auf die Idee,

Teil dieser Plattform zu werden?

Kahle: Die TRADERS´ media GmbH ist ein klassisches

Verlagshaus, das Produkte hauptsächlich im Printbereich

produziert. Die Online-Welt stand bisher nicht so stark im

Fokus. Zwar haben wir eine Webseite mit diversen Online-

Angeboten, wie Forum und Blogs, aber das war doch

immer eher statisch und für den User gab es nicht allzu

viel zu entdecken. Das wollen wir ändern. Jedoch ist

es bei den heute bereits bestehenden Angeboten von

spezialisierten Firmen nicht so einfach, etwas Neues auf

die Beine zustellen, zumal dies finanziell in einem vernünftigen

Rahmen geschehen sollte. Da kam Guidants

gerade recht. Das Produkt, das die BörseGo AG hier entwickelt

hat, kommt dem sehr nahe, was wir uns für unseren

zukünftigen Online-Auftritt vorgestellt haben. Was

lag da näher, als mit den Machern der Plattform zu sprechen

und uns dort zu beteiligen. Dazu kommt, dass wir

als Mitglieder der Guidants-Community auch die Möglichkeit

haben, unsere Produktpalette einem größeren

Kundenkreis anzubieten.

26


INSIGHTS – TRADERS´ TALK

Jeder User kann sich seinen Desktop so zusammenstellen,

wie es ihm gefällt.

TRADERS´: Was bietet Guidants den Usern?

Kahle: Für mich verbindet Guidants eine Analyse- und Informationsplattform

mit der Funktionalität einer Social-

Media-Plattform wie beispielsweise Facebook. Mit dem

Unterschied, dass die beiden Plattformen aufeinander

abgestimmt sind. Auf Facebook kann man zwar einen

Chart posten, bei Guidants können die Empfänger jedoch

mit diesem geposteten Chart weiterarbeiten. Auch die

Art der Benutzerführung gefällt mir gut. Die Plattform

ist sehr flexibel. Jeder User kann sich seinen Desktop so

zusammenstellen, wie es ihm gefällt. Es stehen einige

Widgets zur Verfügung, die alle miteinander kombiniert

werden können. Hier wird laufend weiterentwickelt. Somit

haben wir die Sicherheit, dass wir auch in Zukunft immer

eine State-of-the-art-Plattform zur Verfügung stellen

können. Die Möglichkeiten der Chartanalyse sind mannigfaltig

und können mit jeder anderen professionellen

Plattform konkurrieren. Gleiches gilt beispielsweise auch

für die Datenversorgung oder die News-Feeds.

TRADERS´: Warum haben Sie die Widgets „Kursliste“,

„Wichtige Termine“, „Stream TRADERS´“ und „Pattern

Scout“ ausgewählt?

Kahle: Hierbei handelt es sich quasi nur um einen Vorschlag

für den User, da jeder selbst bestimmen kann, wie

sein Desktop aussehen soll. Wir fanden es einfach sinnvoll,

auf den ersten Blick die wichtigen Kurse und Termine

des Tages zu haben. Dazu der Livestream, in dem unsere

Autoren mit unseren Usern und die User miteinander kommunizieren

können. Der Pattern Scout ist ein Tool, das einfache

Technische Analyse-Formationen identifiziert und

anzeigt. Somit hat der Nutzer immer einen Pool von Ideen

zur Verfügung. Das ist natürlich immer nur der Startpunkt

für die Analyse. Ob der Trade dann umgesetzt wird, muss

jeder User selbst basierend auf seiner tieferen Analyse

entscheiden. Aber wie gesagt, wir reden hier von neuester

Technologie. Web 2.0 funktioniert nicht mehr nach den

statischen Vorgaben der Programmierer, sondern der User

selbst bestimmt, wie sein Screen aussehen soll. Das Motto

lautet, dem Nutzer größtmögliche Freiheit zu bieten.

TRADERS´: Welche Zukunftspläne haben Sie

mit Ihrem Guidants-Desktop?

Kahle: Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer eigenen

Community rund um das Thema Trading. Wir bieten allen

unseren Autoren an, auf unserem Desktop einen eigenen

Blog einzurichten, in dem die Kunden und Leser

mit ihnen diskutieren können. Insofern können wir sagen,

dass wir mit unserem eigentlich etwas distanzierten

Printmedium näher an den Leser heranrücken. Selbstverständlich

muss man kein Autor sein, um bei uns beispielsweise

Trading-Ideen zu posten oder sich nach der

Fibonacci-Time-Protection-Technik zu erkundigen. Auch

die Kommunikation untereinander wollen wir fördern. In

Kostenlose Vorträge

& Live Trading

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

etwas weiterer Zukunft wollen wir mit Guidants in andere

Länder vordringen. Bisher habe ich in anderen Ländern

nichts Vergleichbares gesehen. Insofern ist das etwas,

das wir gerne mit unseren Niederlassungen und Lesern

in England, Spanien, Italien und Griechenland (in diesen

Ländern gibt es unser TRADERS´ Magazin) teilen wollen.

Und letztlich wird auch die Weiterentwicklung der Plattform

selbst ein wenig dazu beitragen, den Weg in die Zukunft

zu gehen. Schon jetzt ist es beispielsweise möglich,

über die Plattform zu handeln. Der erste Broker ist bereits

angeschlossen, weitere werden folgen. Wir sind selbst

gespannt, was die Zukunft noch so bringen wird. «

27


COVERSTORY

www.traders-mag.com 10.2015

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Der erfolgreiche Weg

zum selbständigen Trader

So machen Sie Risiken zu Chancen

Der berufl iche Einstieg als selbstständiger Trader ist spannend, aber auch anstrengend. Wenn man dabei die

richtige Methode anwendet und das entsprechende Bewusstsein hat sowie die Fähigkeit besitzt, sich den

Märkten zu verschreiben und anzupassen, ist das ein toller Job. Von dem Moment an, wo Christiaan van der

Meer – er war gerade mal 17 oder 18 Jahre alt – zum ersten Mal etwas über das Investieren und den Börsenhandel

erfuhr, setzte er sich das Ziel, seinen Lebensunterhalt als Trader zu verdienen. Nach mehr als zehn

Jahren als Hobby-Trader und nach siebenjähriger Tätigkeit als Fondsmanager entschloss er sich im Sommer

2012, seinen Job zu kündigen und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. So war er nicht mehr an ein

Mandat gebunden, sondern war sein eigener Chef und konnte sich uneingeschränkt den Märkten widmen.

Heute wird er uns von seinem Lebensweg berichten.

» Vorbereitung

Natürlich musste ich mich auf den Beginn meines neuen

Lebenswegs vorbereiten. Das Wichtigste dabei war, über

die nötigen Geldmittel zu verfügen, und zwar nicht nur

zum Traden, sondern auch zum Bestreiten meines Lebensunterhalts.

Da ich weder Kinder hatte, noch eine Hypothek

und auch keine Kredite aufgenommen hatte, war alles

relativ unkompliziert. Um ein Finanzpolster zu schaffen,

habe ich allerdings im Laufe meiner Karriere schon sparsam

leben und eiserne finanzielle Disziplin üben müssen.

Einer der entscheidenden Faktoren, durch die meine

neue berufliche Orientierung erst möglich wurde,

ist die rasante Zunahme von Internet-Brokern in den

letzten Jahren. Die heutigen Handelsplattformen sind

28


DER NEUE STANDARD IM

AKTIENHANDEL

Alles aus einer Hand: Verwalten Sie Ihre Konten mit nur

einem Login auf einer Handelsplattform, auch von unterwegs.

Entdecken Sie unser neues Aktienangebot auf IG.com und handeln Sie

1 MONAT PROVISIONSFREI *

Aktien unterliegen Kursschwankungen und es

besteht das Risiko eines Wertverlustes

IG.com

AKTIEN | FOREX | INDIZES | ROHSTOFFE

*AGBs beachten auf IG.com


COVERSTORY

www.traders-mag.com 10.2015

schon sehr ausgereift. Darüber hinaus sind Transaktionskosten

und andere Gebühren deutlich gesunken. Mit einem

Breitbandanschluss zu Hause hat man Echtzeitzugriff

auf alle Finanzmärkte weltweit, und das 24 Stunden

am Tag. Im Gegensatz zu der Situation in der Vergangenheit,

als man beispielsweise erst einen Platz auf dem

Handelsparkett anmieten musste, gibt es heute kaum

irgendwelche Zugangsvoraussetzungen.

ertragen. Niemand verliert gerne, aber wenn das Traden

die einzige Einnahme ist, schmerzt jeder Verlust deutlich

stärker. Anfänglich habe ich mir keine Sorgen gemacht,

da ich ein komfortables Finanzpolster hatte und die Lebenshaltungskosten

gesichert waren. Doch nach ein paar

Verlustserien machte sich der Schmerz über die Verluste

langsam wirklich bemerkbar. Infolgedessen wurde meine

Angst mit jedem Trade größer.

Übergangsphase: Chancen versus Risiken

Während meiner Tätigkeit als Fondsmanager für Aktien

aus Schwellenländern war ich in erster Linie auf der Suche

nach Chancen. Das Mandat eines Fondsmanagers

verpflichtet dazu, so stark wie möglich in einer bestimmten

Anlageklasse investiert zu sein. Unabhängig davon,

ob die Marktbedingungen günstig sind oder nicht, sollte

der größere Teil der „Assets under Management“ (AUM)

investiert sein und nicht als Barmittel gehalten werden.

Natürlich sind Maßnahmen zur Absicherung von Risiken

unerlässlich, aber die Chancen haben doch Vorrang.

Ein Händler muss jedoch nicht jederzeit am Markt aktiv

sein, sondern nur dann, wenn es Geld zu verdienen

gibt. Daher spielt beim Traden das Risiko eine viel größere

Rolle. Ich habe also schon kurz nach meinem Einstieg

als selbstständiger Trader festgestellt, dass ich bei meinem

vorherigen Handelsansatz eine deutliche Änderung

vornehmen musste, wobei ich von einem unerwünschten

Begleiter, nämlich der Angst vor Verlusten, in die richtige

Richtung gedrängt wurde.

Den Schmerz ertragen

Eine der größten Herausforderungen war für mich am

Anfang, den Schmerz der „falschen“ Entscheidungen zu

B1) Erforderliche Mittel

Die erforderlichen Gesamtmittel entsprechen der Summe aus dem Betrag, der

fest für das Traden vorgesehen ist, und dem Betrag, der für den Lebensunterhalt

notwendig ist. Dabei muss für Sie gesichert sein, dass Sie bis zu zwei Jahre

leben können, ohne dass ein reduziertes (oder sogar ganz fehlendes) Einkommen

Ihnen Stress verursacht. Der Autor hat zunächst die standardmäßige zweibis

sechsprozentige Risiko- und Money-Management-Regel als Basis für sein

Handelskonto genutzt. Er hat maximal zwei Prozent von seinem Trading-Kapital

pro Position riskiert, wobei er insgesamt und zeitunabhängig ein Maximalrisiko

von sechs Prozent des Trading-Kapitals festlegte. Später hat er dann das Risiko

deutlich verringert.

Quelle: rewardtherisk.blogspot.com

Lähmung

Wir alle kennen das Klischee: „Begrenzen Sie Ihre Verluste

und lassen Sie Ihre Gewinne laufen.“ Da ich selbst

relativ risikoscheu bin, war die Verlustbegrenzung nie

ein Problem für mich. Aber weil ich zunehmend nervöser

wurde, habe ich dann auch meine Gewinne begrenzt

und meine Verluste sogar noch mehr! Ich hatte einfach

Angst, am Markt aktiv zu sein – ich war wie gelähmt.

Ich wusste, dass meine Methode Hand und Fuß hatte.

Das Gleiche galt größtenteils auch für mein Risikound

Money-Management. Ich musste mich einfach

entscheiden.

Also habe ich mich intensiver mit der Psychologie

des Tradens beschäftigt. Natürlich hat mir die Plattitüde

„ohne Emotionen traden“ keine hilfreichen Einsichten

vermitteln können. Dann bin ich auf Norman Welz‘ Buch

„Tradingpsychologie – So denken und handeln die Profis“

gestoßen. Mir wurde klar, dass ich, um meine Angst unter

Kontrolle zu bekommen, die Unsicherheit akzeptieren sowie

mein Risiko- und Money-Management entsprechend

anpassen musste.

Niemand weiß es

Als Händler und ehemaliger Fondsmanager wusste ich,

dass Verluste einfach dazugehören. Niemand kann die

Zukunft vorhersagen. Es gibt keinen einzigen Indikator,

der ein hundertprozentig zuverlässiges Signal gibt. Verluste

zu akzeptieren, bleibt jedoch schwierig. Deshalb

wollen wir unsere Trades immer so „zurechtbiegen“,

dass sie in die günstige Richtung laufen. Aber wir haben

nun mal keine Kontrolle darüber, in welche Richtung

sich die Kurse bewegen. Wir können lediglich unsere

Ein- und Ausstiegsmarken sowie die Positionsgröße

und damit unsere potenziellen Gewinne beziehungsweise

Verluste kontrollieren. In der Zeit zwischen dem Eröffnen

und Schließen ihres Trades müssen Händler infolge

der grundsätzlichen Unsicherheit mit einer gewissen Unruhe

leben. Ich kann ausdrücklich das Buch von Norman

Welz empfehlen, wenn Sie sich von diesem Prozess ein

umfassendes Bild machen wollen. Sobald ich erkannt

hatte, dass ich die Unsicherheit akzeptieren musste,

30


COVERSTORY

machte ich mich auf die Suche nach einer Technik, die

mir half, dies auch bei meinem Trading umzusetzen.

B2) Mentalität, Methode und Geld

Lassen Sie sich nicht beeindrucken

Mir wurde klar, dass ich mich am besten von allen Sorgen

über so manch ungewissen Ausgang befreien konnte,

indem ich dafür sorgte, dass das negative Ergebnis

eines bestimmten Trades einfach an mir abprallte. Ich

musste meine Trades schlicht und ergreifend „langweilig“

machen. Man erreicht dies ganz einfach dadurch,

dass man den Trade kleiner macht. Vielleicht haben Sie

das schon beim Pokerspielen erlebt: Wenn Ihnen das

Spiel gefällt und sich Ihr Einsatz im erträglichen Rahmen

hält, erleichtert dies die Entscheidungsfindung.

Dies gilt auch für das Traden. Ich war der Meinung, die

Grundregel eines zwei- bis sechsprozentigen Risikos sei

zu aggressiv für mich und ich müsse herausfinden, bei

welchem Risiko ich mich wirklich wohl fühle. Also musste

ich meine Positionsgröße reduzieren. Jetzt bin ich näher

an 0,5 Prozent Risiko pro Trade. Jeder Händler ist

eben anders, wenn es um das Risiko geht. Falls Sie bei

offenen Positionen nervös werden, kann dies der richtige

Zeitpunkt sein, Ihre Positionsgröße zu verringern.

Selbstvertrauen aufbauen

Nach der entsprechenden Änderung meiner Positionsgröße

hatte ich wieder genügend Selbstvertrauen gefunden,

um meine Trades auszuführen. Bei meinem früheren

Handelsstil war ich darauf fokussiert, den Trade richtig

hinzubekommen. Bei einem viel niedrigeren Risiko machte

es mir nichts mehr aus, wenn mein Setup nicht zustande

kam. Ich fing an, mit ganz anderen Augen auf meine

Trading-Aufzeichnungen zu schauen. Zuvor hatte ich mir

immer angesehen, wie viele Trades gut liefen und die Serien

gefielen mir. Jetzt aber achte ich ausschließlich auf

das Ergebnis und den Gewinnfaktor. Dadurch ist bei mir

alles viel „automatischer“ geworden. Es gilt nur noch, ein

Setup zu finden und dann den Trade auszuführen. Wenn

bestimmte Marken erreicht werden, wird der Trade ausgeführt.

Wenn Trades ausgestoppt werden, wird diesen

nicht nachgetrauert, sondern nach vorne geschaut. Man

verspürt nicht mehr den Drang, wütend zu werden oder

sich frustriert zu fühlen, wenn der Kurs sich erst dann

günstig bewegt, nachdem man ausgestoppt worden ist.

Die Qualität der Trades spielt schon eine Rolle, aber eine

Trading-Karriere hängt nicht von einem einzelnen Trade

ab, sondern ist vielmehr die Summe aller Trades. Die Erkenntnis,

dass einige Verlust-Trades mir nichts anhaben

können, hat mir die Angst genommen, die ich sonst beim

Traden verspürt hatte.

Man kann das Traden als etwas ansehen, was sich strukturell aus den drei folgenden

Faktoren zusammensetzt:



oder eine Kombination aus beidem)


Die drei Säulen sind miteinander verzahnt. Beispielsweise kann Ihr Stress-

Management ein strengeres Money-Management erforderlich machen.

Quelle: „Come into My Trading Room“ von Dr. Alexander Elder, rewardtherisk.blogspot.com

Langweilig wird es nie

Glücklicherweise haben sich die positiven Erwartungen

an die Arbeit als Vollzeit-Trader als wahr erwiesen. Jeder

Tag ist spannend und die Welt des Börsenhandels ist nie

langweilig. An den Finanzmärkten ist immer eine Menge

los, und es gibt viel zu entdecken. Als Trader, der an

kein Mandat gebunden ist, kann ich Entwicklungen näher

verfolgen, die nach meinem Dafürhalten interessant

sein könnten, und dort nach Chancen Ausschau halten,

wo ich sie vermute. Das ist außergewöhnlich spannend,

und wenn man ein leidenschaftliches Interesse an globalen

Entwicklungen hat, ist dies der perfekte Job. Es ist

einfach ein großartiges Gefühl, wenn sich eine Entwicklung

wie erwartet vollzieht. Und wenn ein darauf basierender

Trade in die richtige Richtung geht, so scheint der

Lohn sich doppelt auszuzahlen.

Flexibilität

Heutzutage, wenn jeder Trader von zu Hause aus 24 Stunden

am Tag Zugang zu den globalen Finanzmärkten hat,

31


COVERSTORY

www.traders-mag.com 10.2015

B3) EUR/USD: Chance versus Risiko

Bei potenziellen Trade-Setups ist es wichtig, geduldig zu bleiben, bis der gewünschte Einstiegspunkt erreicht

ist – aber auch nicht zu lange zu warten. Die grüne Linie im Chart zeigt den Gewinn, wenn man zum jeweiligen

Zeitpunkt eine Long-Position mit Kursziel 1,1025 (entspricht einer 100-Prozent-Fibonacci-Extension der

vorherigen Bewegung) eingehen würde. Am 61,8-Prozent-Level, wo der Einstieg umgesetzt wurde, ist das

Gewinnpotenzial zu diesem Zeitpunkt maximal. Ein schlecht getimter Einstieg würde das Risiko erhöhen, weil

der Stopp dann weiter entfernt liegen muss (schlechteres Chance/Risiko-Verhältnis). Die rote Linie zeigt das

potenzielle Ergebnis, wenn der Trade statt am Retracement bereits zuvor bei 1,0930 eröffnet würde. Trader

könnten dann frustriert sein, wenn die Position unter Wasser gerät und eventuell ungünstig ausgestoppt

wird, bevor der Kurs dann nach oben geht. Auch ein zu später Einstieg wäre aus Sicht des CRVs nicht optimal.

Insgesamt ist es ideal, den Long-Versuch direkt nach dem Test des Levels umzusetzen.

wird man sehr flexibel. Ich lebe in Europa und habe so

praktisch vom frühen Morgen bis zum Börsenschluss in

den USA um 22:00 Uhr (MEZ) „Action“. Dies schafft eine

Vielzahl von Möglichkeiten. Während bei einer normalen

(Büro-)Tätigkeit ein Angestellter auch dann anwesend

sein muss, wenn im Geschäft weniger los ist, kann ich

meine Arbeitszeiten flexibler planen. In der Regel bedeutet

dies nicht, dass ich weniger Stunden arbeite, aber ich

kann meine Arbeitszeiten den Umständen entsprechend

anpassen. Und dann ist es ja auch noch so, dass die

Quelle: NinjaTrader

Märkte am Tag darauf immer noch

da sind. Wenn also an einem Tag wenig

los ist oder ich noch andere Interessen

habe, kann ich ganz einfach

früher Feierabend machen.

Sich auf einen immer wiederkehrenden

täglichen Arbeitsablauf

umzustellen, erwies sich als recht

einfach. Aufgrund meiner vorherigen

Tätigkeit war ich schon mit den

täglichen Spitzenzeiten sowie mit

den Zeiten, in denen es langsamer

zugeht, vertraut. Am meisten ist zwischen

09:00 und 11:00 Uhr los sowie

nach 14:30 Uhr bis zum Börsenschluss

in Europa gegen 18:00 Uhr,

wobei es am Abend zwischen 21:00

und 22:00 Uhr zu einer letzten Spitzenzeit

an den US-Börsen kommt.

Zwar kann der Forex-Handel 24 Stunden

am Tag betrieben werden, doch

am meisten Aktivität ist hier während

der Börsenzeiten in London. Mein Tagesablauf passte

sich mehr und mehr dem Profil in Tabelle 1 an.

Da es nun einmal wichtig ist, fit zu bleiben und seine

Konzentration nicht zu verlieren, nutze ich den relativ

ruhigen Montagmorgen für den Gang ins Fitness-Center

und unter der Woche den späten Vormittag/frühen Nachmittag

für gelegentliche Radtouren (plus Training am

Mittwoch und Samstag). Bewegung hilft dabei, den Kopf

frei zu bekommen und gesund zu bleiben. Auf jeden Fall

baut man damit Stress ab, weshalb es wichtig ist, sich für

solche Aktivitäten Zeit zu nehmen.

Entscheidende Erfolgsfaktoren für den elektronischen Handel



Brokerage

tung,

fortgeschrittener Charttechnik, Optionskennzahlen




Instrumente




Der Drang zum Traden

Die Möglichkeit zu haben, sich den ganzen Tag den Märkten

zu widmen, klingt nach Luxus. Doch am Anfang war

ich einfach darauf erpicht, direkt nach dem Öffnen meiner

Trading-Plattform einen Trade zu eröffnen. Da wir in

der Regel für unsere Tätigkeit im Rahmen der von uns regelmäßig

übernommenen Arbeit belohnt werden, kommt

man sich faul vor, wenn man nicht die ganze Zeit tradet.

Wenn wir also vor unserem Bildschirm sitzen, wollen wir

einfach unbedingt tätig werden, anstatt direkt bis zu dem

Moment, in dem wir auf der Suche nach einem Einstieg

sind, darauf zu warten, dass sich das vorher eingezeichnete

Trading-Setup enthüllt. Eine solche Denkweise hat

dazu geführt, dass ich Positionen sofort eröffnet und dabei

ignoriert habe, dass die Qualität des Trades unter einem

verfrühten Einstieg litt. Noch schlimmer ist, dass

32


COVERSTORY

ein Einstieg an den falschen Stellen das Chance/Risiko-

Verhältnis so beeinträchtigen kann, dass man den Trade

gar nicht erst ausführen sollte.

Ich habe festgestellt, dass ich die meiste Zeit Trades

hinterhergelaufen bin. Das heißt, erst lange nachdem eine

bestimmte Marke erreicht war, habe ich den Trade eröffnet,

ohne mich der Realität zu stellen, dass der Gewinn

meinen Erwartungen nicht entsprechen würde. Wie Bild 3

zeigt, verringert sich der potenzielle Gewinn erheblich,

wenn man einen Trade zu spät eingeht, wohingegen sich

das Abwärtsrisiko des Trade-Setups erhöht. Ein Nachziehen

des Stopp-Loss ist keine Alternative, weil sich dadurch

das Trade-Setup ändert und ein neuer Trading-Plan

erforderlich wäre. Zwar ist ein perfektes Timing wohl unmöglich,

doch von entscheidender Bedeutung ist es, auf

den Moment zu warten, in dem Ihr Setup zum Auslöser

wird. Nicht umsonst heißt es ja sprichwörtlich, dass die

Geduld eine Tugend ist. Die richtige Selbsteinschätzung

hat mir sehr geholfen, meinen impulsiven Drang zum Traden

unter Kontrolle zu halten.

Führen Sie Buch über Ihre Ergebnisse

Viele Trading-Coaches empfehlen Ihnen, dass Sie Ihre Trades

aufzeichnen und ein Trading-Tagebuch führen sollen.

Dieser Empfehlung schließe ich mich uneingeschränkt

an. Zeichnen Sie alle Trades in einer Tabellenkalkulation

auf und berechnen Sie Gewinnfaktor, Trefferquote und so

weiter. Man muss nur relativ wenig Disziplin üben, um

das Trading-Spreadsheet regelmäßig zu aktualisieren. So

halte ich persönlich am Ende eines Handelstags einfach

jeden Trade in meinem Programm fest.

Ein selbstständiger Händler bleibt nun einmal weitestgehend

sich selbst überlassen, weshalb ein Trading-

Tagebuch unerlässlich ist. Mein Logbuch bildet das

Rückgrat meines kontinuierlichen Lernprozesses. Sicherlich

ist es manchmal schwierig, die nötige Diszi plin

aufzubringen, um jeden einzelnen Trade einzutragen,

aber es ist auf jeden Fall die Mühe wert. Mein Tagebuch

konfrontiert mich mit meiner Trading-Entscheidung,

denn ich muss für das, was ich mache, Rechenschaft

ablegen. Warum habe ich den Trade ausgeführt, warum

soll ich hier einsteigen, wo ist der potenzielle Ausstieg

(Stopp-Loss und Gewinnmitnahme). Kurzum, ein

Logbuch hilft Ihnen bei der Planung Ihres Trades und

ist gleichzeitig der erste Schritt zum Traden Ihres Plans.

Außerdem ist es gelegentlich sehr interessant, meine

vorherigen Logbuch-Einträge zu lesen, und zwar insbesondere

während einer Handelsperiode, in der es nicht

so recht zu laufen scheint. Ich persönlich praktiziere das

regel mäßig und merke dann oft, dass es mir an Disziplin

T1) Tagesablauf (grobe Übersicht)

Zeit Aktivität

08:00 Frühstück mit vorbörslicher Fachlektüre

09:00

10:00 EU-Märkte und Forex (montags und mittwochs: Fitness-Training)

11:00

12:00 Mittagessen

13:00

Recherche

14:00

15:00

16:00 EU-, US-Märkte und Forex

17:00

18:00

Abendessen, Zeit zur freien Verfügung

19:00

20:00

21:00 US-Märkte

22:00

So könnte ein typischer Tagesablauf eines selbstständigen Traders aussehen.

Quelle: rewardtherisk.blogspot.com

gefehlt hat. In solchen Fällen ist es also gut, wieder auf

den richtigen Weg zu finden.

Die Stärke von Fibonacci

Meine Trading-Strategie basiert weitestgehend auf starken

Fibonacci-Retracements* und -Extensions. Insbesondere

sind es die mit 61,8 Prozent und 38,2 Prozent, die

beim Handel mit Indizes und Forex meine ungeteilte Aufmerksamkeit

erhalten. Obwohl es eher Zufall ist, ob der

Markt auf Fibonacci-Marken reagiert, bieten sie doch hervorragende

Bezugspunkte für Ein- und Ausstiege beim

Traden. Darüber hinaus birgt die Eröffnung eines Trades in

der Nähe des Fibonacci-Levels ein enormes Potenzial, sodass

ein Händler sich mit einer geringeren Trefferquote zufrieden

geben kann. Ich führe gern Trades im Bereich eines

Retracement von 61,8 Prozent aus, wo der Relative Stärke

Index (RSI)* „überverkauft“ ist und auf dem 30-Minuten-

Chart bei einem Wert von unter 25 notiert.

Die Methodik ist für das Swingtrading konzipiert.

Obwohl Scalps – also sehr kurzfristige Trades – bei kürzeren

Zeitrahmen möglich wären (im kürzesten Fall nur

zwei Stunden), ziele ich auf Schwankungen ab, die einige

Tage lang dauern können (abgesehen von plötzlichen

Ausschlägen). Es hat einige Zeit gedauert, bis ich

feststellte, dass die Kombination von starken Fibonacci-

Marken und dem RSI genau das Richtige für mich war.

33


COVERSTORY

www.traders-mag.com 10.2015

B4) USD/JPY-Trade

Es handelt sich bei diesem Beispiel um eines der vom Autor genutzten grundlegenden Trade-Setups. In

den frühen Morgenstunden des 21. Oktober vollzog der USD/JPY ein fast exaktes 61,8-Prozent-Retracement

bei einem Kurstief von 106,25. Dann ist das Währungspaar um 60 Pips gestiegen, und zwar ohne ein

signifikantes Retracement. Am frühen Nachmittag war dann ein Retracement dieser kurzfristigen Bewegung

von genau 50 Prozent zu erkennen, also 30 Pips, was dem Autor eine gute Chance für einen Long-Trade

ermöglichte. Der Stopp wurde unter dem morgentlichen 61,8-Prozent-Level bei 106,10 platziert. Zwei Tage

später erfolgte die erste Gewinnmitnahme. Als der RSI sehr hohe Werte über 80 aufwies, schloss der Autor

die Restposition.

Wie die meisten anderen Händler begann auch ich mit

einer Reihe von Indikatoren und der Suche nach einem

Trend innerhalb von mehreren Zeitrahmen. Doch die

meiste Zeit war ich von einander widersprechenden Indikatoren

oder dem Fehlen eines starken Signals von einem

einzelnen Indikator frustriert. Mit dem Backtesting

zeigte sich bestenfalls ein zeitweiser oder leichter Vorteil,

aber die Kehrseite war die, dass man nur mit großer

Schwierigkeit erkennen konnte, warum einige Trades

Wichtige Kennzahlen

Gewinnfaktor: Misst den Erfolg des Handelssystems. Ein

Wert über 1 bedeutet ein profitables System, unter 1 ein

Verlustsystem.

Gewinnfaktor = Gesamtgewinne aus Gewinn-Trades /

Gesamtverlust aus Verlust-Trades

Trefferquote:

Trefferquote =

Anzahl Gewinn-Trades / Anzahl Verlust-Trades

Chance/Risiko-Verhältnis (CRV): Vergleicht den riskierten



CRV = (Kursziel - Kaufkurs) / (Kaufkurs - Stoppkurs)

Quelle: NinjaTrader

Erfolg hatten und andere nicht. Insbesondere

erwies es sich als schwierig,

die richtigen Ausstiegspunkte zu

ermitteln. Und dann ist da noch das

Problem, dass sich Märkte für längere

Zeit seitwärts bewegen können.

Das Muster auf dem Chart stimmte

nicht mit den Signalen überein, die

von den Indikatoren kamen. Obwohl

die Kriterien erfüllt wurden, konnte

ich deshalb nicht mit voller Überzeugung

den Trade ausführen.

Ich brauche ein Level, das auf

dem Chart deutlich zu erkennen

ist und durch ein backgetestetes

Signal unterstützt wird. Fibonacci-

Marken sind leicht einzuzeichnen

und auf dem Chart zu finden. Darüber

hinaus entsprechen sie bei

vielen Gelegenheiten den Unterstützungs-

und/oder Widerstandslinien*,

wodurch sie sich für leicht verständliche

Ein- und Ausstiegsmarken eignen.

Ich nutze den RSI als zusätzliche Einflussgröße für

die Kursentwicklung. Für mich ist es sehr wichtig, auf einen

Blick sehen zu können, ob man einen Trade in Erwägung

ziehen kann oder nicht. Je komplizierter das Setup,

desto mehr Zweifel können auftreten und umso schwieriger

ist es, eine offene Position zu managen.

Schauen wir uns ein Beispiel für einen Trade an,

den ich im Oktober 2014 im USD/JPY eingegangen bin

(siehe Bild 4). In den frühen Morgenstunden erfuhr der

USD/JPY-Kurs ein fast punktgenaues Retracement von

61,8 Prozent bei einem Tief von 106,25 (siehe blaue Retracements).

Leider geschah dies vor meiner Arbeitszeit

(vor 09:00 Uhr), sodass ich nicht sofort einsteigen konnte.

Ich habe zwar die Stärke des Signals erkannt, mich aber

doch entschieden, nichts zu überstürzen und auf ein Retracement

gewartet. Meine Geduld wurde auf die Probe

gestellt, da das Währungspaar um 60 Pips stieg, und zwar

ohne ein signifikantes Retracement (größer als 23,6 Prozent),

und in einem kleineren Zeitrahmen (fünf Minuten)

blieb der RSI oberhalb neutraler Werte. Am frühen Nachmittag

war schließlich ein Retracement von exakt 50 Prozent

zu sehen, sodass ich den Trade nahe dieser Marke

eröffnete. Mein Ausstieg basiert meist auf einer 100- bis

161,8-Prozent-Extension der vorherigen Bewegung, was

Kurse von 108,10 bis 109,28 implizierte (siehe magentafarbige

Erweiterung). Ich habe mich dann entschieden,

die Position zu teilen und bei beiden Marken Gewinne

34


COVERSTORY

mitzunehmen. Ein Ausstieg läge dann nahe, wenn die

61,8-Prozent-Marke nicht eingehalten wird, weshalb ich

den Stopp-Loss (für die Gesamtposition) etwas unter jener

Marke platzierte, das heißt bei 106,10. So haben sich

die folgenden Bedingungen ergeben:

Einstieg: 106,64

Gewinnmitnahme: 108,05 bis 108,10 (Mindestkurs)

Stopp-Loss: 106,10

Chance/Risiko: 140 Pips/55 Pips

Christiaan van der Meer

Christiaan van der Meer ist selbstständiger

Trader. Er handelt von Forex über internationale

Indizes bis zu US-amerikanischen und

europäischen Aktien. Sein Trading-Stil basiert

auf der Technischen Analyse, mit besonderem

Augenmerk auf makroökonomische Entwicklungen.

Zuvor war er als Fondsmanager tätig.

rewardtherisk.blogspot.com

Ich mag diese Art von Setup, weil sie ein ausgezeichnetes

Chance/Risiko-Verhältnis aufweist. Die Chance ist nämlich

etwa 2,5 mal so groß wie das Risiko, was bedeutet,

dass – auch wenn ich insgesamt nur zu 40 Prozent richtig

liege – ich in der Lage bin, einen Gewinn einzufahren.

Die Position ist nie in den negativen Bereich abgerutscht,

sondern hat sich stetig nach oben bewegt, weshalb die

laufende Kontrolle stressfrei war. Zwei Tage später wurden

die ersten Gewinne mitgenommen. Ich habe den

Chart ausgewertet und festgestellt, dass der RSI höhere

Werte aufwies (über 80). Daher erschien es zu optimistisch,

auf eine 161,8-Prozent-Extension zu warten, und so

wurde auch der zweite Teil der Position geschlossen.

Es ist der Mühe wert

Der Beruf als selbstständiger Trader ist zwar anstrengend,

aber auch sehr spannend. Sorgen Sie dafür, dass Sie eine

bewährte Methode haben, Geld zu verdienen, bevor Sie

vor der Entscheidung stehen, ein Vollzeit-Trader zu werden.

Denken Sie stets daran, dass Ihr Erfolg zu einem großen Teil

von Ihrer Fähigkeit abhängt, mit den Herausforder ungen

fertig zu werden. Dabei wird Ihre Anpassungsfähigkeit in

Bezug auf sich verändernde Umstände auf die Probe gestellt.

Wie sagt doch der Profi George Slezak („Principles

and Psychology of Day Trading“, 1997): „Versuchen Sie, bei

diesem Spiel an Bord zu bleiben und zu überleben.“ Dem

habe ich nur eines hinzuzufügen: Genießen Sie die Reise! «

Innovativ seit 25 Jahren. Ihr erfahrener

Anbieter für Forex-CFDs

Handeln Sie auf unserer preisgekrönten* Trading-Plattform,

wo und wann Sie möchten. Wir bieten Ihnen:









Jahre

Bei uns sind Trader zu Hause






35


TOOLS www.traders-mag.com 10.2015

NEUE PRODUKTE WEBREVIEW SOFTWARETEST LESEZEICHEN APPREVIEW

Neue Produkte

Neues aus der Welt der Technik

» Innerhalb des aktuellen Updates der MetaTrader 5

Andriod-App ist es nun möglich, Analysen direkt sowohl

im Chart als auch im Indikator-Fenster einzufügen. Insgesamt

kamen 24 neue Objekte zu den bereits vorhandenen

30 Indikatoren dazu, was eine umfassende und tiefgehende

Analyse der Märkte auf dem Smartphone ermöglicht. So

stehen nun beispielsweise Trendlinien, Channels, Elliott-

Wellen, Gann- und Fibonacci-Tools oder geometrische

Formen zur Verfügung. Ein weiteres Tool ist das OTP-

System (One-Time Password, zu Deutsch: Einmalige

Passworteingabe). Durch die 2-Faktor-Authentifizierung

ist eine erhöhte Sicherheit der Konten gegeben. Nun

gibt man beim Einloggen auf einem Desktop oder Tablet

zusätzlich zu seinen Login-Daten einen Verifizierungs-

Code an. Der Code wird über das Smartphone mit der

TradeStation

MetaTrader5-App generiert. Dieser Code ist an ein einzelnes

Gerät gebunden und ändert sich alle 30 Sekunden,

sodass niemand unbefugten Zugriff auf das Trading-Konto

erhält. Wenn Sie mehr erfahren möchten, besuchen Sie

www.metaquotes.net.

» Über den TradeStation TradingApp-Store gibt es eine

neue App von Investors Business Daily (IBD) zur Aktienanalyse.

TradeStation und IBD haben sich zusammengeschlossen

und bieten die neue IBD Leaderboard

TradingApp an. Die App kombiniert die Analysemöglichkeiten

von IBD mit der TradeStation-Plattform in Echtzeit.

Es werden firmeneigene Aktienlisten gescannt und

über den Handelstag hinweg mit Updates versorgt. Die

sogenannten „Leaders List“ und „Cut List“ analysieren

dabei die fundamentale und technische Performance

der einzelnen Firmen. Mehr Details erhalten Sie unter

www.tradestation.com/promo/leaderboard.

» Thomas Vittner bietet einen Trading

Floor an, der als Plattform für den

professionellen Börsenhandel dient.

Alle Informationen dort stammen

aus erster Hand direkt von ihm. Für

User bietet der Trading Floor die Gelegenheit,

Asset-Manager Thomas

Vittner bei seinen Live Trading Sessions

über die Schulter zu blicken

und zu erfahren, wie ein Profi denkt

und handelt. Die Nutzer können sehen,

welche Entscheidungen er trifft

und wie er diese begründet. So entsteht

ein Einblick in das Vorgehen

eines institutionellen Marktteilnehmers.

Auf www.tradingnetzwerk.de

ist es ab sofort möglich, sich ein Abo

für den Trading Floor zu sichern.

Weitere Informationen gibt es unter

www.tradingnetzwerk.de/trading-floor. «

36


TOOLS www.traders-mag.com 10.2015

NEUE PRODUKTE WEBREVIEW SOFTWARETEST LESEZEICHEN APPREVIEW

http://www.etfreplay.com

www.ETFReplay.com

Die Backtest-Plattform für ETF-Fans

Börsengehandelte Fonds erfreuen sich aufgrund ihrer Transparenz und Einfachheit seit Jahren einer immer

größeren Beliebtheit unter aktiven Anlegern. Gerade für den Aufbau des eigenen Portfolios bieten sich

Exchange Traded Funds (kurz ETFs) aufgrund der Diversifi kationsvorteile an. Aber wie stellt man ein ETF-

Depot richtig zusammen? Mit ETF Replay können analysefreudige Anleger das ETF-Universum beobachten,

scannen und vor allem unterschiedlichste Strategien anhand historischer Daten einem Backtest unterziehen.

» ETF Replay ist ein Tool für die Analyse, Überwachung

und vor allem den Backtest von ETF-Strategien. Für alle

aktiven Anleger, die mithilfe eines systematischen Prozesses

Aufwärtstrends an den Märkten nutzen und Abwärtsphasen

meiden möchten, ist dieses Tool die richtige

Lösung. Die webbasierte Plattform deckt mehr als

98 Prozent aller US-ETFs ab und punktet vor allem bei der

einfachen Bedienung und den vorinstallierten Features.

Charts von A bis Z

Wir beginnen unseren Test mit der Rubrik „Charts“. Dazu

wählen wir unser zuvor erstelltes Portfolio aus und erstellen

eine Chart-Übersicht der letzten drei Jahre. Neben

der indexierten Performance-Entwicklung aller fünf ETFs

(siehe Bild 1) liefert die Plattform weitere, sehr nützliche

Informationen: Die Entwicklung des maximalen Drawdowns

und zwei Balkendiagramme, die den Ertrag und

38


TOOLS

die Volatilität aller Portfolio-Komponenten

abbilden. Die Kurshistorien

reichen je nach ETF mehr als zehn

Jahre zurück, sodass auch langfristige

Vergleiche unterschiedlicher

Fonds in unterschiedlichen Börsenphasen

möglich sind.

B1) Chart eines 5-ETF-Portfolios mit Ertrags- und Risikokennzahlen

Tools ohne Ende

Im Bereich „Summary“ steht eine

wunderbare Performance-Übersicht

der Märkte – geordnet nach Asset-

Klassen – zum Abruf bereit. Auf

diese Weise lässt sich die Plattform

als Informations- und Analyse-Tool

einsetzen. Der Vorteil: Jede Asset-

Klasse (zum Beispiel Aktien) lässt

sich jeweils eine Ebene tiefer durchleuchten

(zum Beispiel nach Small

und Mid Caps oder Branchen) und

auch sortieren.

Weitere Werkzeuge für den regelmäßigen

Einsatz finden sich im

Bereich „Tools“. Ein Beispiel ist die

Liste mit neuen Highs/Lows, die

ebenfalls nach Asset-Klassen farblich

sortiert wird. In Bild 2 (Einstellung

zwölf Monate) stechen zum Beispiel

ETFs aus dem Bereich Medical Devices mit einem

Hoch heraus, während der Öl-ETF ein neues Tief generiert

hat.

Die Erstellung von Charts geht bei ETF Replay leicht von der Hand. Begrüßenswert ist die Darstellung der

Drawdown-, Ertrags- und Volatilitätsdaten für den gewählten Zeitraum.

Quelle: www.etfreplay.com

Bei der Auswahl eines ETFs spielt natürlich das

Risiko eine zentrale Rolle. Die Plattform bietet deshalb

eine Volatilitätsübersicht, mit der sich mehrere ETFs

Altersvorsorge?

Erledigt.

Als Sparplan mit easyfolio.

Bei der Auswahl unserer

Produkte vertrauen wir

auf die herausragende

Expertise unserer

Produktpartner.

Mehr auf easyfolio.de/sparplan

easyfolio ist eine Marke der Extravest GmbH, des Kompetenz-Centers für Exchange Traded Funds. Die Extravest GmbH ist ein Beteiligungsunternehmen der FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH,

des F.A.Z.-Fachverlags.

© Extravest GmbH, 2015. Der Inhalt dieser Produktinformation stellt keine Anlageempfehlung dar. Aktuelle Verkaufsunterlagen, alleinige Grundlage für eine Anlageentscheidung,

erhalten Sie kostenlos bei der Extravest GmbH, Ickstattstraße 7, 80469 München, Tel. 089. 2020 86 99-27, E-Mail info@easyfolio.de oder auf www.easyfolio.de. Neben den Chancen auf

Wertsteigerung sind die Anlagen in den easyfolio-Fonds Anlagerisiken ausgesetzt. Weitere Informationen und Hinweise finden Sie auf www.easyfolio.de.

39


TOOLS www.traders-mag.com 10.2015

B2) ETFs mit neuen Highs und Lows

Um Diversifikationseffekte zu maximieren,

bedarf es darüber hinaus

Informationen zur Korrelation der

jeweiligen Fonds. Auch hier werden

User schnell fündig. Eine Visualisierung

des Risiko/Ertrags-Verhältnisses

mehrerer ETFs (siehe Bild 3) ist

bei ETF Replay ein Kinderspiel.

Dieses Beispiel zeigt eine Liste mit neuen Highs/Lows, die nach Asset-Klassen farblich sortiert sind. Hier

stechen ETFs aus dem Bereich Medical Devices mit einem Hoch heraus, während der Öl-ETF ein neues Tief

generiert hat.

miteinander im Chart vergleichen lassen – eine sehr

gelungene, bequeme Darstellung. Statistiken, die zeigen,

wie sich der gewählte ETF bei einem Rückgang der

Gewinnbringende

Strategien für den

aktuellen Markt

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

Benchmark um X Prozent verhält und Häufigkeitsverteilungen

von Monatserträgen runden das Bild ab. Hier können

Anleger mit wenigen Klicks herausfinden, wie sich

der jeweilige Fonds in Bärenmarktphasen entwickelt hat.

Analyse-Tools für Relative Stärke

Ein weiteres Segment im Bereich

„Tools“ ist die Relative Stärke. Der

Relative-Stärke-Reader zeigt hierbei

die Leader und Lagger eines Portfolios

anhand frei bestimmbarer

Rankings. Mithilfe der Replay-Funktionen

kann man die Favoritenwechsel

der Vergangenheit nochmal

„zurückspulen“ und analysieren.

Hierbei stehen mehrere Eingabeparameter

zur Verfügung, die für

eine hohe Flexibilität sorgen. Diese

Funktion kann auch auf Portfolioebene

genutzt werden. Bild 4 zeigt

den Ranking-Verlauf aller ETFs im

Portfolio im wöchentlichen Rhythmus.

Als Ranking-Vorgabe wurden

drei unterschiedlich gewichtete

Faktoren gewählt: Der Ertrag auf 3- und 1-Monats-Ebene

sowie die Volatilität.

Möchte man kein Portfolio betrachten, sondern vielmehr

einen Überblick über das gesamte ETF-Universum

auf Basis der Relativen Stärke erhalten, ist der eingebaute

Screener eine gute Lösung. Mit wenigen Klicks lässt sich

dort feststellen, wo „die Musik spielt“ – eine gute Fundgrube

für alle Trendfolger und Momentum-Fans.

Das Kernstück von ETF Replay:

Backtests von Portfolio-Strategien

Kommen wir nun zum wohl wichtigsten Tool von ETF

Replay, dem Bereich „Backtesting“. ETF-Investoren und

diejenigen, die es werden wollen, werden hier garantiert

auf ihre Kosten kommen. Mit wenigen Klicks lassen sich

nämlich unterschiedliche – sowohl passive als auch aktive

– Investmentansätze testen, auswerten und miteinander

vergleichen. Zu den Optionen gehört zum Beispiel:

der Vergleich von ETF-Allokationen:


Quelle: www.etfreplay.com


mit einer Benchmark verglichen werden > 60 Prozent

Aktien und 40 Prozent Bonds versus Aktienmarkt.

40


TOOLS


genseitig

verglichen werden >

Vergleich dreier Portfolios mit

jeweils unterschiedlicher Aktienquote.

B3) Risiko/Ertrags-Diagramm mehrerer ETFs

Angezeigt werden jeweils der Chart,

die Rendite per annum sowie weitere

wichtige Kennzahlen wie Sharpe

Ratio, Korrelation, maximaler Drawdown

und Volatilität. Sehr interessant

ist das eingebaute Feature, das

ein Rebalancing ermöglicht. Hierbei

wird nach vorgegebener Zeit – zum

Beispiel quartalsweise oder jährlich

– die ursprünglich gewählte Allokation

wiederhergestellt. Dies sorgt gerade

bei großen Kursveränderungen

langfristig für einen antizyklischen

Effekt. Zu den weiteren Anwendungen

gehören:

gime

Portfolios“: Wechsel von

Portfolio A (zum Beispiel chancenorientiert)

zu Portfolio B (defensiv)

anhand der Ratio zweier

ETFs (zum Beispiel Ratio SPY zu

IEF = ETF auf den S&P 500 Index

zu ETF auf den Bond-Index).


Ratios zweier ETFs können einem

Backtest unterzogen werden.

Beispiel: Man nehme die

Ratio zwischen einem Risk-On-

ETF wie EFA (MSCI EAFE) und

dem Bond-ETF (zum Beispiel

IEF). Hier kann man definieren,

dass bei einem Kreuzen der Ratio

über ihren Gleitenden Durchschnitt

(GD) der erstgenannte

ETF, bei einem Kreuzen nach

unten der zweitgenannte ETF gekauft

werden soll.

Im dargestellten Diagramm wird die Volatilität und der Ertrag aller gewählten ETFs übersichtlich dargestellt.

B4) Ranking-Verlauf der 5-ETF-Portfolios

Quelle: www.etfreplay.com

Dieses Bild zeigt den Ranking-Verlauf aller ETFs im Portfolio im wöchentlichen Rhythmus. Als Ranking-Vorgabe

wurden drei unterschiedlich gewichtete Faktoren gewählt: Der Ertrag auf 3- und 1-Monats-Ebene sowie

die Volatilität.

Quelle: www.etfreplay.com

Praxistest: Wie gut funktioniert eine

Crossover-Trendfolgestrategie im ETF-Portfolio?

Investoren, die mit wenig Aufwand eine bessere risikoadjustierte

Performance gegenüber dem Gesamtmarkt

entwickeln möchten, können mit ETF Replay schnell prüfen,

wie gut zum Beispiel klassische Crossover-Trend-

folgestrategien funktionieren. Wir erstellen hierzu ein

3-ETF-Portfolio, das den S&P 500, Gold und langfristige

Bonds als ETF enthält. Die Trendfolgestrategie lautet: Investiere

jeweils in die ETFs, deren Kurs sich oberhalb ihrer

12-Monats-GDs bewegt.

41


TOOLS www.traders-mag.com 10.2015

B5) Auswertung einer Trendfolgestrategie für ein Multi-Market-Portfolio

Der Backtest von Investmentstrategien gehört zum Kernbereich von ETF Replay. Hier ist exemplarisch ein

3-ETF-Portfolio bestehend aus Aktien, Gold und Bonds dargestellt. Als Trendfolgestrategie kommt eine einfache

SMA-Crossover-Strategie zum Einsatz, die mit einem monatlichen Rebalancing abgerundet wird. Wie

man sieht, konnte das Risiko reduziert und der Ertrag maximiert werden.

Der Vergleich mit der Benchmark (S&P 500) zeigt,

dass selbst einfache Trendfolgekonzepte einen Nutzen

bringen können. Während der S&P 500 im Backtestzeitraum

2003 bis August 2015 fast 202 Prozent anstieg, lieferte

das Portfolio einen Ertrag von 250,7 Prozent. Viel

wichtiger ist dabei der zweite Aspekt: Während der Aktienmarkt

eine Volatilität von 19,2 Prozent aufwies, lieferte

das Portfolio aufgrund der Diversifikation nur eine Volatilität

von 9,5 Prozent. Das Risiko wurde also halbiert.

Was sind ETFs?

Ein Exchange Traded Funds (kurz ETF) ist ein börsengehandelter

Investmentfonds. Mit einem ETF kauft man ein passiv

gemanagtes Produkt, das einen Index präzise abbildet und

dabei die Vorteile von Aktien und Indexfonds miteinander

verbindet, die jeweiligen Nachteile jedoch außen vor lässt.

Durch eine einzige Transaktion können Anleger einen ganzen

Korb von Wertpapieren erwerben und so ihr Risiko streuen.

Quelle: www.etfreplay.com

Relative-Stärke-Strategien

leicht gemacht

Anwendern, die sich für Relative-

Stärke-Ansätze nach Levy interessieren,

bietet ETF Replay ebenfalls

flexible Möglichkeiten bei der Entwicklung

und dem Backtesten. Der

Ablauf ist einfach: Man wählt die

ETFs, legt die Ranking-Faktoren und

deren Gewichtung fest und klickt

auf „Backtest“. Die Software im

Hintergrund berechnet mithilfe des

Scanners automatisch die Relative

Stärke eines jeden ETFs am Ende

der gewählten Periode – zum Beispiel

drei Monate – und nutzt diesen

ETF als Investment im Portfolio.

Selbstverständlich können auch

mehrere Portfolios als Investmentziel

genutzt werden. Auch der GD

lässt sich als Filter einsetzen. Um

das Ganze auf die Spitze zu treiben,

können auch mehrere Portfolios (bis

zu 100 ETFs) als Selektionsbasis für

das Relative-Stärke-Portfolio dienen.

Das Ziel bleibt aber dasselbe:

Das Portfolio soll stets die stärksten

Märkte enthalten, während schwache

schnell verbannt werden. Dass dieser Momentum-

Effekt funktioniert, zeigen zahlreiche wissenschaftliche

Studien seit Jahren.

Fazit

Neben den nützlichen Tools und dem Backtest von Crossover-

und Relative-Stärke-Strategien ermöglicht ETF

Replay auch die Kombination von Handelsstrategien und

deren Auswertung. Auf diese Weise lassen sich Core-

Satellite-Strategien backtesten – und das ohne lästige

Excel-Arbeit und Programmierung. So macht die Asset

Allocation wirklich Spaß.

ETF Replay bietet für monatlich 34,99 Dollar ein umfangreiches

Arsenal an unterschiedlichsten Funktionen,

die sich viele aktive Anleger schon immer gewünscht

haben. Egal ob es sich um eine aktuelle Marktübersicht,

Scans oder vorgefertigte Portfolio-Strategien handelt –

die Plattform ermöglicht eine systematische Anlage mit

ETFs, die vor der Umsetzung auf Herz und Nieren geprüft

werden kann. «

42


Die europaweite Börse

Innovation. Reichweite. Chancen.

www.batstrading.co.uk

@BATSGlobal

HABEN SIE

ALLES IM

BLICK?

Sich auf den Handel an der Deutschen Börse zu

beschränken bedeutet den Verzicht auf:

• mehr als 30% * des deutschen Marktes

• den Zugriff auf die bestmöglichen Preise

• unsere erheblich günstigeren Handelsgebühren

Falls Sie noch nicht über BATS Chi-X Europe Handel

treiben, fragen Sie Ihren Makler, wie Sie auf den

gesamten deutschen Markt zugreifen können.

* Marktanteil BATS August 2015

©2015 BATS Trading Limited. Kein Teil dieser Materialien darf ohne die vorherige schriftliche Zustimmung von BATS Trading Limited in irgendeiner Form oder mit

irgendwelchen Mitteln kopiert, fotokopiert, vervielfältigt, veröffentlicht oder weitergeleitet werden. BATS Trading Limited ist eine regulierte Börse unter der

Aufsicht der Financial Conduct Authority.


TOOLS

www.traders-mag.com 10.2015

NEUE PRODUKTE WEBREVIEW SOFTWARETEST LESEZEICHEN APPREVIEW

AgenaTrader

Profi-Plattform für ernsthaftes Trading

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Die Vielfalt unter den Analyse- und Handelsplattformen wurde in den letzten Jahren um ein

Softwareprodukt aus Österreich erweitert, welches mittlerweile von vielen Profi -Tradern

genutzt und geschätzt wird. Es handelt sich dabei um den AgenaTrader. In diesem Testbericht

zeigen wir Ihnen, was die Software bietet.

» AgenaTrader wurde von der Include IT GmbH in Wien

entwickelt und ist eine Multi-Brokerage- und Multi-Daten-

Feed-Trading-Plattform für Day- und End-of-Day-Trading.

Die Aufgaben des AgenaTraders sind folgende:



zu überprüfen





wird dem Trader in einem strukturierten und strategi-

Online Live Trading

Am 24. September 2015 veranstaltet AgenaTrader ein Online

Live Trading von 14:30 bis 22:30 Uhr. Profi s wie Markus

Gabel, Carsten Umland, Rüdiger Born und andere lassen

sich über die Schulter schauen – sie alle nutzen die Software

zum Handel. Anmeldung erfolgt unter:

www.tradeescort.com/event/agenatrader-livetrading-day0915






Tradern zu bringen.

Versionen, Mindestausstattung und Datenfeeds
















44


TOOLS





-


wie Discovery und man kann live



Analyse dient.




tember

2015 als Professional-

-

da

weiter auszubauen.





ist die Mindestausstattung. Da die








Datenfeeds des Brokers oder des

-


Der Preis der Software beginnt


-


kann man die Software mit über








und Brokern nutzen. AgenaTrader-

-

-

-

B1) Arbeitsoberfläche des AgenaTrader

Der Eröffnungsbildschirm zeigt verschiedene Möglichkeiten der Analyse. Jeder Anwender kann diesen individuell

für sich gestalten und als Vorlage abspeichern.

B2) Scanner und Ergebnisanalyse

Quelle: www.tradeescort.com

Große Aktien-Universen können auf einfachste Weise nach verschiedenen Kriterien untersucht werden. Die

Ergebnisse lassen sich dann anhand der Chartanalyse näher untersuchen.

Quelle: www.tradeescort.com



Software laufen lassen.

Aufbau des AgenaTraders

-


45


TOOLS

www.traders-mag.com 10.2015

B3) SetupEscort hilft zu überleben

-

-


mit weiter entfernteren Stopps be-






Über den SetupEscort wird das Money- und Risiko-Management vor dem ersten Trade eingestellt. Hat man

dann eine Position eröffnet, übernimmt die Software halbautomatisch die Betreuung und sorgt dafür, dass der

Trader auch langfristig überleben kann, wenn er nicht vor dem Bildschirm sitzt.


Arbeitsplatz individuell zu gestalten und mit ein paar



-

-

-







* in einem


in den anderen Bildern.



-

-

-

-

-







Quelle: www.tradeescort.com

Arbeiten und Scannen

mit dem AgenaTrader

-





zu screenen. Begrenzt wird das Gan-





-

-












Risiko-Management par Excellence



Positionsverwaltung zu den Grundvoraussetzungen eines




-

-

-

-

-

-

*

46


TOOLS

*

-

-





-

-




aktiviert den Abstand des Stopps

und gibt ebenso die Targets einmalig

vor. Wird eine Position per Hand



des Traders passt.

Bild 3 zeigt erneut die Aktie





-



bis zum Ausstieg.

Handelsregeln auf einfachste Weise erstellen

-



-








-

-

-

-


-



*

B4) Setups durch eigene Handelssysteme finden lassen

Über den ConditionsEscort kann man Setups erstellen, die dann größere Aktien-Universen überwachen. Tabellarisch

werden die Kandidaten aufgelistet, die man dann näher unter die Lupe nehmen kann.



vorgestellt wurde.


-

-






dieses in einer der letzten drei Tabellenspalten mit einer


den Menüpunkt AnalyserEscort auf die 30 DAX-Werte an-

-


Fazit







-

-





«

Quelle: www.tradeescort.com

47


TOOLS www.traders-mag.com 10.2015

NEUE PRODUKTE WEBREVIEW SOFTWARETEST LESEZEICHEN APPREVIEW

Earning by Doing

So funktionieren die Finanzmärkte. So verdienen Sie Geld an der Börse.

Strategien und Börsen-Geschichten eines Profis.

von Oliver Roth

» Oliver Kahn nutzte den „Mannschafts-Indikator“. Für

ihn war es „ein sicheres Zeichen, dass es bald wieder runtergehen

musste“, wenn seine Mitspieler nur über Aktien

geredet haben. Auch Oliver Roth kennt den einen oder

anderen Kniff, wie man mit Aktien Geld verdient. Mit der

Torhüter-Legende verbindet ihn neben dem Vornamen

außerdem: Auch er war Fußballprofi. Ihm behagte das

Haifischbecken Bundesliga aber nicht und so entschied

er sich frühzeitig für die Börse. Mittlerweile ist er Kapitalmarktstratege

einer deutschen Wertpapierhandelsbank

und legt mit „Earning by Doing“ sein erstes Buch vor.

Vom Fußballprofi zum Börsenprofi

In „Earning by Doing“ gewährt Roth Einblicke in seinen

persönlichen Werdegang vom Fußballprofi zum professionellen

Börsianer. Neben diesem Erzählstrang geht es Roth

in seinem Erstling aber vor allem darum, Börsenneulingen

die Grundprinzipien der Geldanlage, des Wirtschaftsgeschehens

und der Börse näherzubringen. Sein Credo:

Ein Engagement an der Börse ist in der derzeitigen Niedrigzinsphase

die beste Option – vorausgesetzt, man macht

sich mit den Grundlagen vertraut, entwickelt eine Strategie,

die zu einem passt, und hält sich an bestimmte Regeln.

Bibliographie

Titel: Earning by Doing

So funktionieren die Finanzmärkte. So verdienen Sie Geld an der Börse.

Strategien und Börsen-Geschichten eines Profis.

Autor: Oliver Roth

Seiten: 224

Preis: 24,99 €

ISBN: 9783864702556

Verlag: Börsenbuchverlag

Der Gesamtplan

Die Grundidee der Aktienbörse formuliert Roth folgendermaßen:

„Menschen mit einer guten Idee und wenig Geld

kommen dort mit Menschen zusammen, die viel Geld, aber

keine guten Ideen haben.“ Um langfristig Erfolg zu haben,

muss man, so Roth, als Anleger einen Gesamtplan entwickeln

und dabei die drei zentralen Faktoren der Investment-

Planung berücksichtigen: Zeit, Kapital und Risiko.

In Sachen Zeit ist bei kurzfristigem Anlagehorizont

(drei bis zwölf Monate) vor allem Liquidität gefragt, damit

scheiden laut Roth Aktien, Renten, Wetten auf Rohstoffpreise

und die entsprechenden Fonds aus. Stattdessen

sind Festgeld, Termingeld und Sparbriefe zu bevorzugen.

Beim mittelfristigen Horizont (ein bis sechs Jahre) steht

die Rendite im Fokus: Immobilien, Aktien, festverzinsliche

Wertpapiere, Fondssparpläne, Anleihen mit Top-

Ratings sowie Blue-Chip-Aktien sind geeignete Vehikel.

Wer langfristig (länger als sechs Jahre) anlegen möchte,

zielt auf eine höhere Rendite ab – bei höherem Risiko.

Dann kommen alle Anlageformen infrage.

Im Hinblick auf das Kapital muss die Liquidität für die

Deckung der laufenden Kosten gewährleistet sein. Hinsichtlich

des Risikos ist entscheidend, ob das Ziel Vermögensaufbau

oder Vermögensverzehr ist. Vor der Rente

sind ein höheres Risiko und längere Laufzeiten gefragt,

nach dem Renteneintritt steht der Kapitalerhalt im Vordergrund.

Roth analysiert die Anlagepyramide: 1. Girokonto/

Tagesgeldkonto/Sparkonto, 2. Anleihen/Fonds/Renten,

3. Aktien/Fonds, 4. Immobilien, 5. Derivate. Er fällt klare

Urteile über die Eignung in Abhängigkeit vom jeweiligen

Zweck und liefert nachvollziehbare Begründungen.

Neun Schritte zum Aktien-Erfolg

Nach der Entwicklung des Gesamtplans braucht es „einen

Plan für den Kauf von Aktien“. Dieser beinhaltet:

48


TOOLS

1. Eine Strategie, die auf den jeweiligen Anleger und

seine Präferenzen zugeschnitten ist. Roth stellt diverse

Strategien wie pro- und antizyklische Strategien,

Growth und Value vor.

2. Über eigene finanzielle Mittel zu verfügen, ist laut

Roth das A und O.

3. Das Timing des Einstiegs ist bei einem kurzfristigen

Anlagehorizont bedeutsamer als bei einem langfristigen.

4. Mittels Antizipation von Entwicklungen, beispielsweise

durch die Beachtung von Branchen-Korrelationen

oder des Zusammenhangs zwischen Zinsen und Aktienrenditen,

kann sich ein Anleger einen Vorteil verschaffen.

5. Leidenschaft und Einsatz, also die Bereitschaft zur

Recherche und ein echtes Interesse an den Investments,

sind unabdingbar.

6. Disziplin ist laut Roth der wichtigste Faktor. Wenn

sich eine Investment-Idee als schlecht erweist, muss

man in der Lage sein, sich von dem Investment ohne

Wenn und Aber zu trennen. Stoppkurse und verschiedene

Order-Typen sind laut Roth hier zu empfehlen.

7. Ohne Durchhaltevermögen, also eine gewisse Verlust-Toleranz,

geht es nicht.

8. Geduld – die Fähigkeit, auf den perfekten Einstiegszeitpunkt

warten zu können – zeichnet erfolgreiche

Anleger aus.

9. Schließlich ist Diversifikation der finale Schritt auf

dem Weg zum Investment-Erfolg.

Schädliche Zentrifugalkräfte

Im Kapitel „Geld – was ist das eigentlich?“ erklärt Roth,

wie unser heute übliches Zahlungswesen entstanden

ist, welche Funktionen Zentralbanken haben und wie

Kreditvergabe und Geldschöpfung funktionieren. Er übt

deutliche Kritik am Giralgeldsystem und an der künstlichen

Aufblähung unseres Wirtschaftssystems – ein

aktuelles Thema, welches den Leser über die Thematik

Geldanlage hinausführt und bei diesem das Bewusstsein

für tiefer liegende Probleme und Gefahren wecken

soll. Im Anschluss erklärt Roth anschaulich und leicht

verständlich die Tücken und Nachteile unseres auf

Schulden basierenden Finanzsystems. Im Zinseszins

und seiner schädlichen „Zentrifugalkraft“ sieht er den

„entscheidende[n] Konstruktionsfehler unseres Geldsystems“.

Und er prangert die „Umverteilung des Vermögens

von Arm zu Reich“, sowohl innerhalb unserer

Gesellschaft als auch zwischen Industriestaaten und

Entwicklungsländern, an. Roths Lösungsvorschlag: die

Umverteilung über Steuern. Seine Empfehlungen lauten

unter anderem: Stärkung des Bildungssystems, effiziente

Arbeitsmarktpolitik, Beteiligung der Bevölkerung am

Kapital – über Aktien.

Fazit

Oliver Roth deckt mit seinem Erstling ein breites Spektrum

von Themen ab, die für jeden, der sich mit Wirtschaft

im Allgemeinen und Geldanlage im Besonderen

auseinandersetzen möchte, von Bedeutung sind. Mit

seinem lockeren Erzählstil und der persönlichen Note

gelingt es Roth, die teilweise komplexen Thematiken

verständlich zu erläutern, ohne die zentralen Aspekte

zu übergehen. Mit „Earning by Doing“ ist ihm eine etwas

andere, lesenswerte Einführung in Geld, Börse und

Wirtschaft gelungen. «

49


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

Mit Aktienoptionen zum

monatlichen Cashflow

Teil 3: Erstellen einer mehrstufigen Optionsverkaufs-Strategie

Im ersten (TRADERS´ 06/2015) und zweiten Teil (TRADERS´ 07/2015) dieser Serie ging es um die

Themen Covered Call Writing (CCW) und den Verkauf gedeckter Puts (Cash Secured Puts, kurz C-S-Puts).

Diese Options-Strategien zeichnen sich durch ein geringes Risiko aus und können sehr lukrativ sein. Im

letzten Artikel werden wir beide Strategien zu einer mehrstufigen Optionsverkaufs-Strategie zusammenfassen,

immer mit dem Ziel vor Augen, monatlichen Cashflow zu generieren und unser Kapital so gut wie

möglich zu schützen.

» Verkaufsbeispiel eines Puts

Vorab möchten wir Ihnen nochmal ein Beispiel für den

Verkauf einer Put-Option zeigen. Nehmen wir an, die

Aktie von BCI Corp. notiert bei 32 Dollar. Verkaufen wir

eine Put-Option, die aus dem Geld ist (Ausübungspreis

30 Dollar also unter dem aktuellem Marktwert), sind

wir damit einverstanden, bis zum Auslaufen des Kontrakts

100 BCI-Aktien pro Kontrakt für je 30 Dollar zu

kaufen. Nehmen wir außerdem eine Restlaufzeit von einem

Monat an, so wird uns als Gegenleistung für diese

Verpflichtung eine Optionsprämie gezahlt. Diese wird

sich etwa auf einen Dollar pro Aktie oder 100 Dollar pro

Kontrakt belaufen (ohne Berücksichtigung der geringen

Gebühren eines Online-Discount-Brokers). Der Geldbetrag,

der zur „Sicherung“ dieses Put-Geschäfts erforderlich

ist, entspricht den Kosten für 100 Aktien

50


STRATEGIEN

(3000 Dollar) abzüglich der erhaltenen

Put-Prämie (100 Dollar). Zur

Berechnung unserer anfänglichen,

Rendite verwenden wir folgende

Formel:

Rendite = 100 Dollar / 2900 Dollar =

3,4 Prozent

B1) Optionskette für Skyworks Solutions (SWKS)

Schauen wir uns nun die beiden

Szenarien an, die auftreten können.

a) Ergebnis, wenn Aktienkurs über

30 Dollar bleibt

Der Optionskäufer (Inhaber) entscheidet

sich in diesem Fall gegen die

Ausübung der Option und verkauft

uns nicht die Aktien für 30 Dollar

pro Stück, wenn sie am Markt zu einem

höheren Kurs verkauft werden

können. Bei diesem Szenario verfällt

die Option wertlos und wir behalten

die 1-Monats-Rendite von 3,4

Prozent. Das Geld, das zur Sicherung

der ursprünglichen Put-Option

vorgesehen war, steht nunmehr zur

Verfügung, um im darauffolgenden

Kontraktmonat wieder den Verkauf

einer Put-Option abzusichern.

In Bild 1 überprüfen wir eine Optionskette für Skyworks Solutions Inc. (SKWS) am 27. März 2015, drei Wochen

vor Ablauf der April-Optionskontrakte.

B2) Put-Call-Put-Rechner (PCP)

Quelle: www.thebluecollarinvestor.com

b) Ergebnis, wenn Aktienkurs unter

30 Dollar fällt

Der Optionsinhaber übt die Option

aus und verkauft uns Aktien für

30 Dollar – ein Preis, der aktuell über

dem Marktwert liegt. Somit haben

wir die Aktien auf der Kostenbasis

von Ausübungspreis abzüglich Put-

Prämie gekauft (in diesem Fall auf einer

Kostenbasis von 29 Dollar), was

einem Abschlag von 9,4 Prozent gegenüber

dem ursprünglichen, beim

Beginn des Put-Trades gegebenen

Aktienkurs von 32 Dollar entspricht.

In Bild 2 sehen Sie den Blue-Collar-PCP-Rechner.

Beispiel für Covered Call Writing

Um auch nochmal kurz auf den Verkauf

von gedeckten Call-Optionen

Quelle: www.thebluecollarinvestor.com

(Covered Call Writing) einzugehen, nehmen wir folgende

wir zum Beispiel 100 Aktien eines Unternehmens zu einem

Situation an. Da Optionskontrakte fast immer aus Preis von je 48 Dollar, was einer Investition beziehungs-

100 Aktien der Basisaktie pro Kontrakt bestehen, kaufen weise Kostenbasis von 4800 Dollar gleichkommt. Sobald

51


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

B3) Prozess der Strategie

Verkauf

gedeckter

Put-Option

Verkauf der Aktien;

Ertrag sichert nächste

Put-Option ab

wir diese Aktien besitzen und uns daher in einer „gedeckten“

oder geschützten Position befinden, steht es uns

nunmehr frei, die Option darauf zu verkaufen. Nehmen

wir an, wir wählen einen Ausübungspreis von 50 Dollar

und platzieren den Trade. Die meisten Optionskontrakte

verfallen am dritten Freitag im Monat um 16:00 Uhr

US-Ostküstenzeit (Eastern Time = ET). In unserem Fall

handelt es sich um 1-Monats-Optionen. Daher kann der

Optionskäufer uns die Aktien jederzeit zu einem Preis von

je 50 Dollar abkaufen, und zwar ab dem Verkauf der Option

bis einschließlich 16:00 Uhr ET am Verfallsfreitag.

Eine typische Optionsprämie beläuft sich bei diesem

hypothetischen Beispiel auf 1,50 Dollar pro Aktie oder

150 Dollar für den Kontrakt (100 Aktien). Ein Anfangs-

gewinn von 150 Dollar auf einer Kostenbasis von

4800 Dollar bedeutet eine Rendite von 3,1 Prozent, was

aufs Jahr gerechnet 37,5 Prozent entspricht. Schauen wir

uns die beiden Szenarien an, die sich bis zum Verfallstag

ergeben können.

a) Der Aktienkurs bleibt unter 50 Dollar

Bei diesem Szenario verfällt die Option wertlos, da der

Optionskäufer sich dagegen entscheiden wird, die Option

auszuüben und unsere Aktien zu je 50 Dollar zu kaufen,

wenn er diese am Markt zu einem niedrigeren Preis

erwerben kann. Wir behalten die Prämie von 150 Dollar,

sind immer noch im Besitz unserer Aktien und haben jetzt

die Möglichkeit, im darauffolgenden Monat wieder eine

Option zu verkaufen.

bei Ausübung

bei Ausübung

Kauf der

„günstigen” Aktien

Verkauf

gedeckter Call-Option

Die Grafik zeigt den Kreislauf der Strategie, mit der sich permanent Cashflow generieren lässt.

Quelle: www.thebluecollarinvestor.com

b) Der Aktienkurs steigt

über 50 Dollar

Bei diesem Szenario übt der Optionskäufer

seine Option aus und erwirbt

unsere Aktien zum Ausübungspreis

von 50 Dollar (es sei denn, wir vermeiden

mithilfe eines vorherigen

Ausstiegs, dass unsere Aktien verkauft

werden). Wenn unsere Aktien

tatsächlich zu je 50 Dollar verkauft

werden, haben wir auf der Aktienseite

dieses Trades einen zusätzlichen

Gewinn von 200 Dollar erzielt

(Kauf zu 48 Dollar, Verkauf zu 50 Dollar

x 100). Insgesamt beläuft sich unser

1-Monats-Gewinn auf 350 Dollar

(150 Dollar + 200 Dollar) abzüglich

Transaktionskosten, was einer

1-Monats-Rendite von 7,3 Prozent

entspricht.

Bären- und Bullenmarkt-Szenarien

Unabhängig davon, ob es sich um eine gedeckte Call-

oder Put-Option handelt, ist die Wahl des am besten

geeigneten Ausübungspreises von entscheidender Bedeutung,

wenn wir die höchstmögliche Rendite erzielen

möchten. Solche Entscheidungen werden zum Teil auch

aufgrund der Gesamtmarktsituation getroffen. Um diesen

Punkt zu verdeutlichen, wollen wir uns eine Optionskette

in Bild 1 für Skyworks Solutions Inc. (SKWS) am

27. März 2015 ansehen, das heißt, drei Wochen vor dem

Auslaufen der April-Optionskontrakte.

Bärenmarkt-Szenarien

In einem Umfeld, in dem die Bären regieren (in Bild 1

blau eingekreist) oder in einem volatilen Markt bevorzugen

wir Call-Optionen, die tiefer im Geld liegen und Put-

Optionen, die tiefer aus dem Geld liegen. Sollten nämlich

die Aktien an Wert verlieren, erhalten wir dadurch eine

zusätzliche Absicherung nach unten.

Der Strike im Geld für 90 Dollar beim Covered Call

Writing führt zu folgendem Ergebnis:





3-Wochen-Rendite von 2,6 Prozent


4 Prozent


als vier Prozent zurückgeht, können wir garantiert mit

einer 3-Wochen-Rendite von 2,6 Prozent rechnen.

52


Since 2001, TradeStation Institutional has provided customized trading solutions for

both international and domestic institutions. Our comprehensive and tailored

approach provides our clients with high touch service and multi-asset electronic

Our clients consist of a diverse base of institutional investors, including:

Hedge Funds

Banks

Registered Investment

Advisors (RIA)

Hedge Funds

Mutual Funds

Broker-Dealers

Commodity Trading Advisors

(CTAs)

Prop Firms

We offer bespoke brokerage services to Institutional Clients such as mutual funds,

hedge funds and SICAVs, as well as to high net-worth individuals.

We offer the following services to institutional clients:

Tailored pricing based on expected monthly trading volumes.

Exclusive trade desk and support for institutional clients.

Trading on funds held elsewhere through DVP and Give-up arrangements.

Remote server hosting for automated trading.

We offer money managers simple allocation tools for managing their clients’ funds.

We offer the following services:

Trading authorisation on client accounts.

Block account trading with advisor allocation for equities, futures and

options, including for automated trading.

Performance and management fee payment for registered financial

advisors.

See what real traders are talking about.

international@tradestation.com

www.tradestation-international.com/services-en

divisions of IBFX, Inc. (Member NFA) and IBFX Australia Pty Ltd, ABN 84 142 210 179, holder of AFSL #363972. © 2014 TradeStation. All rights reserved.


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

Der Strike aus dem Geld für 90 Dollar beim Verkauf

der gedeckten Put-Option führt zu folgendem Ergebnis:





von 2,45 Prozent (nicht ausgeübt, wenn Aktienkurs

weiterhin über 90 Dollar bleibt).

-



6,3 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Preis

von 93,76 Dollar der galt, als der Put-Trade eingegangen

wurde.

Bullenmarkt-Szenarien

In einem normalen Umfeld bis hin zum Bullenmarkt bevorzugen

wir Kaufoptionen, die aus dem Geld liegen

und Verkaufs-Strikes, die näher am Geld sind. Dies gibt

uns die Möglichkeit, beim Verkauf von gedeckten Kaufoptionen

zusätzliches Einkommen durch im Wert gestiegene

Aktien zu generieren und beim Verkauf von

gedeckten Verkaufsoptionen höhere Optionsrenditen

zu erzielen (siehe rote Markierungen in Bild 1).

Die Short-Call-Option aus dem Geld in Höhe von

95 Dollar führt zu folgendem Ergebnis:




T1) Vergleichstabelle der beiden Strategien

CCW

Dividendeneinnahmen

Max. Gewinn = Prämie + Aktienkursanstieg

Aktien müssen zuerst gekauft werden

Leicht bärische oder bullische Ausrichtung

Trades beim Broker meist ohne Auflagen umsetzbar

Frühe Ausübung ist kein Problem


von 3,8 Prozent



zent

= 5,1 Prozent

Die leicht im Geld liegende Short-Put-Option bei

93 Dollar führt zu folgendem Ergebnis:

C-S-Puts

Keine Dividende aber höhere Put-Prämie

Max. Gewinn = Prämie

Zur Absicherung muss genug Geld auf dem Konto

sein

Leicht bärische oder neutrale Ausrichtung

Trades nicht bei jedem Broker ohne weiteres

umsetzbar

Frühe Ausübung könnte ein Problem sein

Die Tabelle vergleicht die beiden Strategien Covered Call Writing (CCW) und den Verkauf von gedeckten Put-

Optionen (Cash Secured Puts, kurz C-S-Puts).

Quelle: www.thebluecollarinvestor.com



dite

von 3,7 Prozent (nicht ausgeübt,

wenn der Aktienkurs

weiterhin über 93 Dollar liegt)




Abschlag von 4,3 Prozent gegenüber

dem ursprünglichen Kurs von

93,76 Dollar zum Zeitpunkt des eingegangen

Put-Trades entspricht.

Kombination der Strategien

Indem man den Verkauf von gedeckten

Call- und Put-Optionen zu einer

mehrstufigen Options-Strategie verbindet,

kann man sich gegen ein bärisches und volatiles

Marktumfeld absichern. In dem Buch „Selling Cash

Secured Puts“ des Autors erscheint diese als die PCP-

oder Put-Call-Put-Strategie. Im Folgenden geben wir als

erstes einen allgemeinen Überblick über die Strategie

und dann ein konkretes Beispiel unter Verwendung spezifischer

Berechnungen.

Strategie-Übersicht

Wir beginnen mit dem Verkauf einer gedeckten Put-

Option (aus dem Geld; Strike unter dem aktuellen Marktwert),

die unserem monatlichen Renditeziel (in diesem

Fall zwei bis vier Prozent) entspricht. Wird die Option

nicht ausgeübt (der Kurs liegt weiterhin über dem Ausübungspreis),

so kann das Kapital dann im Folgemonat

eine andere Put-Option absichern. Wird die Option ausgeübt

und werden die Aktien an uns verkauft, erwerben

wir diese zu einem geringeren Preis als zum Zeitpunkt

des Put-Trades. Wir verkaufen dann eine gedeckte Call-

Option auf die Aktie. Wenn die Call-Option nicht ausgeübt

wird, verkaufen wir weiterhin Call-Optionen auf die Wertpapiere.

Wenn die Call-Option ausgeübt wird und unsere

Aktien verkauft werden, verwenden wir die neu erworbenen

Barmittel nunmehr, um eine neue Short-Put-Option

abzusichern. Entweder verdienen wir Geld durch den Verkauf

der Optionen oder indem wir Aktien zu einem günstigeren

Preis kaufen als zum Zeitpunkt des Options-Trades.

Es werden weiterhin die in Teil 1 und 2 angesprochenen

Techniken zum Positions-Management angewendet, um

größtmögliche Renditen zu erzielen. Als Beispiel ergibt

sich das in Bild 2 abgebildete Szenario:



2,45 Prozent.

54


STRATEGIEN







87,85 Dollar.


über dem ursprünglichen Aktienkurs von 93,76 Dollar.


basis für den Verkauf einer gedeckten Call-Option

87,85 Dollar, und wir können zu diesem Zeitpunkt den

geeignetsten Ausübungspreis wählen.

Alan Ellman

Alan Ellman ist Chef der Blue Collar Investor Corp.

Er ist ausgewiesener Anlageberater mit einer

Series-65-Qualifikation und tritt landesweit als

Redner für die Stock Trader’s Expo, die Money

Show und die American Association of Individual

Investors auf. Ellman hat fünf Bücher, mehr als 300

Artikel und mehr als 200 Lehrvideos veröffentlicht.

alan@thebluecollarinvestor.com

Vorteile einer mehrstufigen Optionsverkaufs-Strategie

Die Kombination von Strategien bietet den Vorteil, dass

so für einen konstanten Cashflow gesorgt wird, ohne

dass man sich darüber Gedanken machen muss, ob es

zur Ausübung kommt oder nicht. Mit oder ohne Ausübung

können wir von einem dieser risikoarmen Ansätze

profitieren. Bild 3 skizziert diesen Prozess.

Fazit

Der Verkauf von gedeckten Call- und Put-Optionen sind

risikoarme Strategien, die auf private Trader ausgerichtet

sind. Die Ziele sind in beiden Fällen gleich: Wir wollen

Erträge generieren und dabei dem Kapitalerhalt Priorität

einräumen. Wie in Teil 1 und 2 dieser Serie bereits angegeben,

sind die drei wichtigen Dinge die richtige Auswahl

des zugrundeliegenden Wertpapiers, die richtige Auswahl

der Optionen und ein gutes Positions-Management.

Diejenigen, die beide Strategien beherrschen, haben

den Vorteil, von den Feinheiten jedes Ansatzes zu

profitieren, und brauchen sich keine Gedanken wegen

der Ausübung zu machen. Unabhängig davon, ob wir

nur eine oder beide Strategien einsetzen, haben wir die

Möglichkeit, hervorragende und nachhaltige Renditen

zu erzielen. «

55


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Die Suche nach dem

neuen großen Trend

Boden-Formationen an den 200er Gleitenden Durchschnitten

Sie möchten Marco Bäger einmal live erleben?

Dann besuchen Sie seine Vorträge auf der

World of Trading am 20. und 21. November 2015

in Frankfurt. Weitere Infos finden Sie

unter www.wot-messe.de.

Der 200er Gleitende Durchschnitt (GD) fi ndet innerhalb der Technischen

Analyse als Unterstützungs- beziehungsweise Widerstandslevel große

Beachtung. Notiert der Kurs im Bereich des 200er GDs, kommt es entweder

zu einer stärkeren Reaktion oder zu Seitwärtsbewegungen. Bilden sich

deutlich erkennbare Boden-Formationen in diesem Bereich aus, besitzen die

daraus resultierenden Bewegungen großes Kurspotenzial. Mit einem Multi-

Time-Frame-Ansatz soll nach solchen Chancen gesucht werden.

» Zwei Gleitende 200er Durchschnitte

Beginnen wir mit einer Frage: Beachten die meisten

Analysten/Trader den einfachen GD (SMA = Simple

Marco Bäger

Nach 16 Jahren Tätigkeit als Bankkaufmann

begann Marco Bäger 2009 mit dem Trading.

Er veröffentlichte in der Vergangenheit mehrere

Artikel im TRADERS´ Magazin.

Seit Juni 2015 postet er mit seinem eigenen

Desktop regelmäßig auf dem Guidants-Stream

von TRADERS´. Zudem betreibt er einen eigenen

Blog: http://www.mbtradingblog.blogspot.de

Moving Average, siehe Infobox 1) oder den exponentiell

geglätteten GD (EMA = Exponential Moving Average)?

Das zuverlässig zu beantworten, ist wahrscheinlich nicht

möglich. Beide GDs haben ihre Berechtigung und werden

von den verschiedenen Marktakteuren beachtet (siehe

auch „Die Macht der 200-Tage-Linie in der Technischen

Analyse“ in TRADERS´ 05/2015). Mit der Verwendung der

beiden GDs ergibt sich ein an die Kursbewegung angepasster

Preisbereich. Denn durch die unterschiedliche

Glättungsmethode verlaufen die zwei GDs je nach Stärke

der Bewegung weiter oder enger zueinander. In diesem

Bereich kann eine Kursreaktion erwartet werden – zumal

der Kurs den GD selten punktgenau ansteuert.

56


STRATEGIEN

Multi-Time-Frame-Ansatz

Das Setup sucht nach Long Trades im Tages-Chart.

Demnach stellen Konsolidierungen bis in den Bereich

der 200er GDs Korrekturen eines übergeordneten

Aufwärtstrends dar. Im Tages-Chart sollen die zwei

200er GDs seitwärts verlaufen. Der Kurs sollte um die

Gleitenden Durchschnitte schwingen – insgesamt aber

lediglich seitwärts tendieren. Besonderes Augenmerk ist

auf Ausbruchsversuche unter die GDs zu richten, da sich

daraus gegebenenfalls die erforderlichen Trendumkehr-

Formationen ergeben.

Zusätzlich wird als Filter der dem Tages-Chart übergeordnete

Zeitrahmen betrachtet – der Wochen-Chart. In

diesem werden ebenfalls die beiden GDs analysiert und

folgende Bedingungen gestellt:

1) Der Kurs muss über den beiden GDs notieren.

2) Die zwei GDs sollen steigen.

Sind diese beiden Bedingungen gegeben, kann von einer

übergeordneten Aufwärtsbewegung ausgegangen

werden. Der größere Zeitrahmen dominiert den kleineren

Zeitrahmen.

Trendumkehr-Formationen –

Der Beginn eines neuen Trends

Seitwärts gerichtete Kursbewegungen können entweder

eine Konsolidierungsphase eines bestehenden

Trends oder einen Übergang von einem alten Trend zu

einem neuen Trend (Trendumkehr) darstellen. In solch einer

trendlosen Phase werden Unterstützungen und Widerstände*

häufiger getestet, durchbrochen und wieder

zurückerobert. Es dauert einige Zeit, ehe sich deutliche

Kursmuster ausbilden.

Da das Setup auf Long Trades basiert, ist auf Boden-

Formationen zu achten. Diese entstehen durch den erfolgreichen

Test einer Unterstützung. Erreicht der Kurs

eine solche und fällt nicht nachhaltig darunter, ist dies

ein erster Hinweis auf nachlassenden Verkaufsdruck.

Ein noch stärkeres Zeichen ist das Verfehlen der Unterstützung

– der Verkaufsdruck ist zu schwach, um die Unterstützung

erneut zu erreichen. Bewegt sich der Kurs

anschließend in die entgegengesetzte Richtung und

überwindet das bisherige Hoch (den letzten Widerstand),

ist eine Bodenbildung abgeschlossen. Die Aussagekraft

eines Kurs-Niveaus ist umso höher, je öfter

dieses erfolgreich getestet wird. Demnach sind Formationen

zu bevorzugen, bei denen ein mehrfacher Test

des Kurs-Levels erfolgte, zum Beispiel Doppel- oder

Dreifachböden.

Infobox 1: Gleitender Durchschnitt

Die einfachste Variante, einen Durchschnitt zu berechnen,

ist als arithmetisches Mittel bekannt. Die Berechnung ist

simpel: Man teilt die Summe der Kurse oder Indikator-

Werte des Berechnungszeitraums durch die Anzahl der enthaltenen

Handelstage. In der Technischen Analyse wird dieser

fortlaufend berechnete Wert als Gleitender Durchschnitt

(GD) bezeichnet. Der GD ist schon aus Zeiten bekannt,

als Händler ihre Charts noch mit der Hand auf Millimeter-

papier zeichneten und einfache Berechnungen mit dem

Bleistift ausführten. Dabei hat die Einfachheit der Berechnung

nichts mit der Qualität und dem Nutzen des Ergebnisses

zu tun. Der einfache GD wird heute genauso oft verwendet

wie andere, komplizierter zu berechnende Typen

von GDs wie zum Beispiel exponentiell gewichtete GDs.

Im Allgemeinen werden GDs als Bestandteil von Handelssystemen

verwendet, als Signallinie in Indikatoren und zur

Trendbestimmung in Aktien-, Future- und Index-Charts.

Kaufdruck

Bei einer Trendwende wird auch dem Umsatz eine große

Bedeutung beigemessen. Der Abschluss beziehungsweise

Ausbruch aus der Boden-Formation sollte von einem deutlichen

Umsatzanstieg begleitet sein. Und auch in der Folge

Erleben Sie Profis

und ihre Strategien

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

steigt im Idealfall der Umsatz in Trendrichtung an und bestätigt

somit die Bewegung. Jedoch ist die Einschätzung

des Volumens anhand der Volumen-Balken nicht immer

so eindeutig. Eine Alternative dafür ist ein Indikator, welcher

auf den Volumen-Daten basiert und diese ins Verhältnis

zu den Kursbewegungen setzt. Ein solcher Indikator ist

die Accumulation Distribution Line (ADL; siehe Infobox 2).

Die ADL ist ein volumengewichteter Kursveränderungs-

Indikator, der den Liquiditäts-Strom der Bewegungen des

57


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

B1) Trade in der Gamesa-Aktie

Im Wochen-Chart (rechts) sind die vielen Doji-Kerzen im eingekreisten Bereich auffällig – ein Zeichen von Unsicherheit. Bei der Beurteilung der Accumulation Distribution

Line in diesem Zeitraum ist aufkommender Kaufdruck zu erkennen. Beim Vergleich von Wochen- und Tages-Chart (links) ist gut zu sehen, wie eine Trendumkehr im

untergeordneten Zeitrahmen dem Trend im übergeordneten Zeitrahmen vorausgeht. Relevant im Sinne dieser Strategie ist das kleinere 1-2-3-Tief (schwarz). Hier wird die

Bodenbildung zusätzlich durch einen kleinen Doppelboden am Punkt 3 der Formation gestärkt. Mit der Kursbewegung zum Punkt 2 steigt der Indikator (ADL) ebenfalls an

und bestätigt somit den Ausbruch. Der Trade wurde erst im August 2015 im Zuge der allgemeinen Marktturbulenzen ausgestoppt.

Quelle: www.tradesignalonline.com

Basiswerts abbildet (Beispiele zur Anwendung finden sich

in TRADERS´ 01/2012 und 03/2012). Steigt die ADL an, kann

von vorherrschendem Kaufdruck ausgegangen werden.

Stopp-Loss im Trend

Gegenstand der Strategie ist es, nach einer erfolgreichen

Bodenbildung an einer möglichst großen Trendbewegung

zu partizipieren – also langfristige Trades einzugehen. Der

Stopp-Loss muss diesen längerfristigen Aspekt ebenfalls

berücksichtigen. Daher kann der Stopp-Loss nur im Trend

liegen, das heißt, mit jedem neuen höheren Hoch wird er

auf das letzte höhere Tief nachgezogen. Der Initial-Stopp-

Loss liegt unter dem Tief der Boden-Formation. Nachdem

wir nun alle Bausteine unserer Strategie zusammengetragen

haben, sehen wir uns dazu zwei Beispiele an.

Beispiel Gamesa

Im Bild 1 ist die Aktie von Gamesa (gelistet im IBEX) zu

sehen. Der Kurs bildete zunächst ein Tief im Oktober

2014 aus, welches aber nicht unserem Setup entspricht,

da hier im Wochen-Chart der EMA(200) berührt wird. In

der Folge steigt der Kurs, fällt dann nochmals zurück, erreicht

aber nicht mehr die 200er GDs im Wochen-Chart,

sodass im Tages-Chart nach einer Boden-Formation gesucht

werden kann. Hier ist ein kleines 1-2-3-Tief* (im Bild

schwarz) als Teil eines großen 1-2-3-Tiefs (im Bild blau)

sichtbar. Relevant im Sinne dieser Strategie ist das kleinere

1-2-3-Tief. Hier wird die Bodenbildung zusätzlich

durch einen kleinen Doppelboden* am Punkt 3 der Formation

gestärkt. Solch eine Formation gilt als vollendet,

wenn der Punkt 2 überschritten wird. Es bietet sich

Infobox 2: Accumulation Distribution Line

Bei der Accumulation Distribution Line von Mark Chaikin

wird die Kursveränderung per Schlusskurs im Vergleich zur

Mitte der Handelsspanne des aktuellen Tages betrachtet.

Schließt der Basiswert über der mittleren Tagesspanne,

bedeutet dies Akkumulation, schließt er darunter, Distribution.

Je weiter der Schlusskurs von der Mittellinie entfernt

ist, desto stärker ist der Kauf- oder Verkaufsdruck. Der so

ermittelte Wert wird mit dem Tages-Volumen multipliziert

und zum Vortageswert des Indikators addiert. Dadurch erhält

man einen fortlaufenden Indikator, der im positiven

oder negativen Bereich notiert. Es erfolgt also eine Gewichtung

der Kursbewegung mit dem jeweiligen Volumen,

die Liquiditäts-Ströme werden realistisch abgebildet und

die treibenden Kräfte einer Kursbewegung werden sichtbar.

Achtung: Verwechseln Sie die Accumulation Distribution

Line nicht mit dem von Larry Williams entwickelten

und ähnlich klingenden William‘s Accumulation Distribution-Indikator

(WAD). Auch ist die Abkürzung ADL nicht mit

der Advance-Decline-Linie (einem Marktbreite-Indikator)

zu verwechseln.

58


STRATEGIEN

B2) Trade in der Aviva-Aktie

Im Wochen-Chart (rechts) fällt sofort der große Abstand vom Kurs zu den zwei steigenden 200er GDs auf. Auch gut zu erkennen ist die Stärke der möglichen Bodenbildung.

Vergleicht man die zwei bullischen grünen Kerzen mit ihren langen Lunten mit der ADL (siehe Hilfslinien), ist der aufkommende Kaufdruck deutlich zu sehen.

Quelle: www.tradesignalonline.com

bereits im Vorfeld an, die Stopp-Buy-Order zu platzieren.

Mit der Kursbewegung zum Punkt 2 steigt der Indikator

(ADL) ebenfalls an und bestätigt somit den Ausbruch. In

der Folge steigt die Aktie stark an. Es hat sich eine gewaltige

Kaufwelle weg von den 200er GDs entwickelt. Der

Trade wurde erst im August 2015 im Zuge der allgemeinen

Marktturbulenzen ausgestoppt.

Beispiel Aviva

Im Bild 2 ist der Kursverlauf von Aviva (gelistet im FTSE 100)

dargestellt. Im Wochen-Chart ist der große Abstand des

Kurses zu den zwei steigenden 200er GDs gut zu erkennen.

Im Tages-Chart ist in dem im Wochen-Chart markierten

Zeitraum ein Doppelboden unter den zwei 200er GDs

sichtbar. Im Vorfeld gab es bereits im Oktober 2014 eine

„V-Umkehr“ auf dieses Kurs-Niveau – welche aber mangels

eindeutiger Boden-Formation gemäß dieses Setups

nicht gehandelt wurde.

Ein Doppelboden gilt als vollendet, wenn die

Nackenlinie der Formation durchbrochen wird. Vergleicht

man zum Zeitpunkt des Durchbruchs den Kursverlauf

mit der ADL, ist ebenfalls ein aufkommender

Kaufdruck zu sehen. Dies ist im Wochen-Chart sogar

noch eindeutiger. Die Bestätigung des bevorstehenden

Ausbruchs durch das Volumen rechtfertigt auch hier die

Platzierung einer Stopp-Buy-Order über der Nackenlinie

des Doppelbodens. Nach Überschreiten der Nackenlinie

steigt der Kurs nach einem kurzen Pullback (Rücksetzer)

weiter an. Die erwartete starke Bewegung kommt bei

dieser Aktie allerdings nicht in Gang, sodass der Trade

im April 2015 ausgestoppt wurde.

Fazit

Durch eine Kombination von Kurs-Formationen und unterschiedlichen

Indikatoren soll mit diesem Setup die

Wahrscheinlichkeit eines echten Kursausbruchs und einer

nachfolgenden starken Bewegung erhöht werden.

Dass sich daraus aber immer langanhaltende Trends

ergeben, kann nicht garantiert werden – wie auch die unterschiedliche

Kursentwicklung der Beispiele zeigt. Aber

das ist auch nicht entscheidend. Wichtig ist, mit dem Setup

im Moment der Entstehung die bestmögliche Entscheidung

für einen risikoarmen Trade zu treffen und die

wahrscheinlichste Bewegungsrichtung zu antizipieren. «

Strategie Snapshot

Strategiename:

Strategietyp:

Zeithorizont:

Portfolio/Märkte:

Setup:

Einstieg:

Stopp-Loss:

Stopp-Loss im Trend:

200er Boden-Formation

Trend-Trading

Tages-Chart

Aktien



Wochen-Chart über den beiden steigenden GDs



die ADL

gleich

Nackenlinie der Trendwende-Formation

unter dem Tief der Trendwendeformation

mit jedem neuen Hoch auf das letzte höhere Tief

59


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Profitieren mit Handelssystemen

Systematisches Trading mit weniger Risiko

Sie möchten Rudolf Wittmer einmal live

erleben? Dann besuchen Sie seine Vorträge auf

der World of Trading am 20. und 21. November

2015 in Frankfurt. Weitere Infos finden Sie

unter www.wot-messe.de.

Wir werden in diesem Beitrag drei Handelssysteme auf Basis des

McClellan-Indikators vorstellen. Zuerst die sogenannte klassische Variante.

Hier werden Signale durch Wendepunkte des Indikators generiert. Die zweite

Methode erweitert diesen Ansatz, indem anstelle des McClellan, der Gleitende

Durchschnitt des Indikators als Signalgeber verwendet wird. Bei der

dritten Variante wird über den Indikator ein Bollinger-Band gelegt. Die Signale

werden dann wie gewohnt als Bollinger-Band-Ausbruchssystem defi niert.

» In der TRADERS´ Ausgabe 03/2015 haben wir in der

Serie über Markstruktur-Indikatoren den McClellan-

Indikator vorgestellt. Er basiert auf der Advance-Decline-

Linie (ADL), auf die ein Moving Average Convergence/

Divergence (MACD) angewendet wird. Es hatte sich gezeigt,

dass mit dem McClellan gute Trading-Gelegenheiten

in einem Aktienindex herausgefiltert werden können.

Rudolf Wittmer

Diplom-Ingenieur Rudolf Wittmer war in den

letzten Jahren als Fondsmanager und Berater für

Hedgefonds tätig und ist Trader aus Leidenschaft,

der vor über 20 Jahren sein Hobby zum Beruf

gemacht hat. Durch stetige Verfeinerung seiner

Handelsmodelle machte er sich einen Namen als

System-Trading-Spezialist in Deutschland.

rudolf.wittmer@hrconsult.li

Daher untersuchen wir in unserem heutigen Beitrag die

Profitabilität des McClellan auf Basis von systematischen

Handelsansätzen.

Vorbereitende Analyse

Wie bei jeder Entwicklung eines Handelssystems, das auf

einem Indikator basiert, sollte zunächst versucht werden,

allein aufgrund der Betrachtung von Index und Indikator

die Grundstruktur eines Handelsansatzes zu erkennen.

Das ist sozusagen der künstlerische Anteil im Bereich der

Handelssystementwicklung.

Hierzu haben wir in Bild 1 den US-Index S&P 500 und

darunter den McClellan-Indikator (McCl) inklusive seines

10-Tage Gleitenden Durchschnitts (GD(10)) als blaue

Linie dargestellt. Es fällt sofort auf, dass die Spikes des

McClellan nach oben und nach unten beim GD(10) zu einer

wellenförmigen Bewegung führen. Die zahlreichen

60


STRATEGIEN

Wendepunkte sowohl beim McCl als

auch beim GD(10) sollten für eine

systematische Handelsstrategie geeignete

Signalgeber sein.

Bei näherer Betrachtung stellen

wir jedoch fest, dass die oberen

Wendepunkte beim Indikator nicht

unbedingt mit den Wendepunkten

im Index korrespondieren. Dagegen

scheinen die unteren Wendepunkte

recht brauchbare Signale abzuliefern.

Eine Erklärung für dieses

asymmetrische Verhalten liegt auf

der Hand.

Ein Aufwärtstrend in einem Index

kann auch dann Bestand haben,

wenn nur wenige Sektoren

oder sogar Aktien stark ansteigen.

Die Marktbreite ist dann zwar

gering – die ADL (untersucht den

Gesamtmarkt der Indizes; auch

Marktbreite-Indikator genannt) fällt

– aber dennoch steigt der Index. Bei

fallenden Märkten sieht die Lage etwas

anders aus. Insbesondere bei

stark fallenden Märkten ist sehr oft

zu beobachten, dass nahezu alle Aktien

in kurzer Zeit heftige Kursrückschläge

erleiden. Damit ist ein Spike

der ADL – und damit auch eines Mc-

Clellan-Indikators – nach unten sehr

viel aussagekräftiger als ein Spike

nach oben. Zu beachten gilt allerdings

auch, dass in Abwärts-Phasen

die ADL für längere Zeit auf tiefem

Niveau verharren kann. Dies war

zum Beispiel im Oktober 2014 der

Fall.

Die Handelsregeln

Die Idee unseres Handelsansatzes ist es, den S&P 500

nach einer Korrektur zu kaufen. Hierzu warten wir ab, bis

sich der McClellan-Indikator nach einem Abwärts-Spike

wieder über eine bestimmte Schwelle auf der Oberseite

erholt. Wir versuchen also, die unteren Wendepunkte im

Index zu kaufen. Die relativ einfache Handelsregel für das

McClellan-System lautet:



Marke „-50“ von unten nach oben durchstößt.

B1) S&P 500 mit McClellan

Zu sehen ist der S&P 500 (obere Charthälfte) und darunter der McClellan-Indikator (rote Linie). Die blaue Linie

ist der über zehn Tage geglättete Gleitende Durchschnitt.

B2) McClellan mit Bollinger-Bändern



Indikator die Marke „-10“ von oben nach unten

durchstößt.

Quelle: TradeStation

Zu sehen ist wieder der S&P 500 (oben) und McClellan-Indikator (rote Linie unten). Über den McClellan-

Indikator haben wir ein Bollinger-Band (untere grüne Linie) gelegt.

Quelle: TradeStation

Damit wir verschiedene Systemvarianten besser vergleichen

können, haben wir auf den Einsatz von Stopps

verzichtet. An dieser Stelle weisen wir aber ebenfalls darauf

hin, dass Stopps die Systemcharakteristik ungünstig

beeinflussen. Wird nämlich ein Stopp zu eng gesetzt,

werden zu viele Trades ausgestoppt. Ein etwas weiter entfernt

gesetzter Stopp hat dagegen kaum Auswirkungen.

61


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

T1) Vergleich der drei Systemvarianten mit dem McClellan

B3) Kapitalkurven der Systeme

160%

140%

120%

100%

80%

60%

40%

20%

0%

McClellan GD(10) McClellan McClellanBB

McClellan McClellan GD(10) McClellan BB-Band

Nettogewinn in Punkten 1.359 514 864

Profitfaktor 3,24 5,15 9,75

Gewinn/Verlust-Verhältnis 2,19 3,56 2,09

Anzahl Trades 72 22 17

Profitable Trades in % 59,72% 59,09% 82,35%

Durch. Trade in Punkten 18,87 23,36 50,84

Durch. Höhe der Gewinn-Trades 45,68 49,07 68,79

Durch. Höhe der Verlust-Trades -20,88 -13,77 -32,91

Größter Gewinn in Punkten 170,93 170,93 128,11

Größter Verlust in Punkten -91,67 -32,59 -55,00

Prozent der Zeit im Markt 51,47% 17,63% 36,50%

Maximaler Drawdown in Punkten

(Intraday)

Maximaler Drawdown in Punkten

(Close to Close)

Maximaler Drawdown Einzel-Trade

in Punkten

-150,56 -78,22 -160,95

-122,49 -45,36 -55,00

-91,67 -37,93 -82,08

Die Varianten unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die Anzahl der profitablen Trades und in Bezug auf

die Verweildauer im Markt.

Quelle: TradeStation

(-20%)

02.01.09 21.09.09 09.06.10 24.02.11 09.11.11 30.07.12 18.04.13 03.01.14 22.09.14 10.06.15

Die Kapitalkurve zeigt die Ergebnisentwicklung für die drei vorgestellten McClellan-Handelssysteme. Die Varianten

GD(10) und BB haben teilweise lange Phasen in denen sie nicht investiert sind. Dafür sind aber auch

die Drawdowns sehr gering.

Quelle: Eigene Berechnungen des Autors

Bei der zweiten Strategie verwenden

wir den GD(10) auf den Mc-

Clellan-Indikator. Ansonsten bleiben

die Regeln zur Signalgenerierung

unverändert:




GD(10) auf den McClellan-Indikator

die Marke „-50“ von unten

nach oben durchstößt.


der GD(10) auf den McClellan-

Indikator die Marke „-10“ von

oben nach unten durchstößt.

In Bild 1 sind die Signale für dieses

System bereits eingezeichnet. Beispielhaft

haben wir für einen Trade

im Juni 2013 mit senkrechten Linien

ein Einstiegs- und das korrespondierende

Ausstiegssignal hervorgehoben.

An der senkrechten blauen Linie

hatte der GD(10) auf den McClellan

die Marke von „-50“ von unten nach

oben durchstoßen. Gemäß unserer

Regel wird hierdurch ein Long-

Signal generiert. Entsprechend hatte

der GD(10) auf den McClellan an

der senkrechten roten Linie den Wert

„-10“ von oben nach unten gekreuzt.

Damit wurde die Long-Position wieder

geschlossen.

Alternativer Ansatz

mit Bollinger-Bändern*

Zu guter Letzt haben wir noch einen

alternativen Einsatz von Bollinger-Bändern

(BB) getestet. Hierzu

haben wir die BB mit der Standardeinstellung

von 20 Tagen und

zwei Standardabweichungen über

den Indikator gelegt. Die Signalgenerierung

erfolgt analog zu einem

BB-System auf Finanzinstrumente.

Den Code in EasyLanguage für die

TradeStation-Plattform haben wir

am Ende des Artikels abgedruckt.

Bevor wir nun das Ergebnis unseres Tests vorstellen, implementieren

wir noch zwei weitere Strategien. Die Ergebnisse

werden wir dann anschließend vergleichen.

McClellan-Bollinger-Band-System

Für die Einstiegsbedingung zu einem Long-Signal muss

der McClellan das obere BB kreuzen. Das Ausstiegssignal

62


STRATEGIEN

wird wie bei den anderen Varianten

mit einem Unterschreiten des Indikators

unter den Wert von „-10“ generiert.

Den McClellan-Indikator mit

dem BB und den Handelssignalen

auf den S&P 500 haben wir in Bild 2

dargestellt.

Es zeigt sich, dass die Einstiegssignale

jeweils kurz nach Abschluss

einer Bodenbildung auftreten. Damit

ist die Einstiegsqualität als

sehr gut zu bezeichnen. Auch der

Ausstieg aus den Long-Positionen

erfolgt jeweils vor der nächsten größeren

Korrektur. Damit erzielt das

System eine insgesamt sehr hohe

Trefferquote an profitablen Trades

von über 80 Prozent. Allerdings

wird auch deutlich, dass bei länger

anhaltenden Aufwärtstrends,

wie beispielsweise im ersten Halbjahr

2013, nach einem ersten Trade kein Signal für einen

Wiedereinstieg generiert wird. Damit läuft man mit dieser

Systemvariante Gefahr, die richtig großen Trends zu

verpassen.

Die Systemergebnisse

In Tabelle 1 haben wir die wichtigsten Kennziffern für

die drei vorgestellten Systemvarianten für den Zeitraum

vom 01. Januar 2009 bis zum 24. August 2015

B4) Kapitalkurve der kombinierten Systeme

140%

120%

100%

80%

60%

40%

20%

0%

Portfolio McClellan mit 3 Systemen

S&P500

(-20%)

02.01.09 21.09.09 09.06.10 24.02.11 09.11.11 30.07.12 18.04.13 03.01.14 22.09.14 10.06.15

Der S&P 500 steht hier im Vergleich mit einem Portfolio, das aus einem gleichgewichteten Mix der drei vorgestellten

Systeme besteht. Der Vorteil der aktiven Systematik liegt ganz klar in einer deutlich geringeren

Volatilität und dem Auslassen der heftigen Drawdowns während der Korrekturphasen im S&P 500.

Quelle: Eigene Berechnungen des Autors

aufgeführt. In diesem Zeitraum hat der S&P 500 ungefähr

1000 Punkte zugelegt.

Alle drei Systeme erreichen jeweils einen sehr respektablen

Profitfaktor im Bereich zwischen 3 und knapp

10. Zu beachten ist jedoch, dass die auf dem GD(10) und

dem BB basierenden Varianten nur sehr wenige Trades

generiert haben. Daher ist eine statistische Signifikanz

der präsentierten Kennzahlen nicht unbedingt gegeben.

Positiv ist aber dennoch hervorzuheben, dass die Zeit, in

Strategie Snapshot

Strategiename: McClellan McClellan GD(10) McClellan Bollinger-Band

Strategietyp: Antizyklisch Trendfolgend

Test-Zeitraum: 01. Januar 2009 bis 24. August 2015

Zeithorizont:

Tageschart

Setup: McClellan kleiner -50 GD(10) auf McClellan kleiner -50

Einstieg (Long):

Ausstieg (Long):

Durchschnittliche

Anzahl an Signalen:

Netto Gewinn in

Punkten:

McClellan kreuzt -50 von unten nach oben

McClellan kreuzt -10 von oben nach unten

GD(10) auf McClellan kreuzt -50 von unten

nach oben

GD(10) auf McClellan kreuzt -10

von oben nach unten

McClellan kreuzt oberes Bollinger-Band

von unten nach oben

McClellan kreuzt -10 von oben nach unten

72 22 17

1359 514 864

Profitfaktor: 3,24 5,15 9,75

Gewinn-/Verlust-

Verhältnis:

2,19 3,56 2,09

Profitable Trades in %: 60% 59% 82%

63


STRATEGIEN

www.traders-mag.com 10.2015

T2) Statistische Kennzahlen

der diese beiden Systeme jeweils einem Marktrisiko ausgesetzt

waren, mit 18 Prozent beziehungsweise 36 Prozent

sehr gering ist.

In Bild 3 haben wir die Entwicklung der Performance

für die drei Systeme grafisch dargestellt. Deutlich zu erkennen

sind die teilweise über längere Zeiträume andauernden

„Flat-“Phasen der Systemvarianten basierend auf

dem GD(10) und dem BB. Insgesamt sehen die Kapitalkurven

jedoch sehr gut aus, da selbst in Korrekturphasen

beim S&P 500 keine größeren Drawdowns zu beobachten

waren.

Für alle drei Varianten sind die relevanten Drawdown-

Kennziffern in Tabelle 1 aufgeführt. Insbesondere wenn

der Drawdown lediglich auf Basis einer „Close-to-Close“-

Betrachtung erfolgt, haben hier ebenfalls die Systeme

mit GD(10) und BB die Nase vorn.

Systeme für Short-Signale

McCl McCl GD(10) McCl BB Portfolio S&P 500

Mittelwert 0,0535% 0,0390% 0,0254% 0,0397% 0,0477%

StdAbw 0,6657% 0,5925% 0,3507% 0,4306% 0,9707%

MW/SD 8,04% 6,58% 7,24% 9,22% 4,92%

MaxDD (-9,24%) (-10,17%) (-5,59%) (-6,40%) (-19,11%)

Die wichtigsten statistischen Kennzahlen wurden mit dem S&P 500 verglichen. Aus Sicht eines risikobewussten

Investors sollte das McClellan-Portfolio bevorzugt werden.

Wir haben alle drei Systemvarianten auch für die Generierung

von Short-Signalen getestet. Das Ergebnis war

wie erwartet eher ernüchternd. Wie wir bereits eingangs

erwähnt hatten, eignet sich der McClellan-Indikator eher

für Strategien, bei denen nach einer Korrektur am Aktienmarkt

ein günstiger Einstieg auf der Long-Seite gesucht

Quelle: Eigene Berechnungen des Autors

wird. Für Short-Positionierungen erscheint

der McClellan insgesamt

ungeeignet.

Vergleich mit dem S&P

Um die Qualität der Systemergebnisse

einordnen zu können, sollten

wir einen Vergleich mit der Entwicklung

des S&P 500 durchführen.

Hierzu haben wir die vorgestellten

Handelssysteme in einem gleichgewichteten

Portfolio zusammengefasst

und mit dem S&P 500 verglichen. Das Ergebnis ist

in Bild 4 dargestellt.

Augenscheinlich entwickelt sich das McClellan-

Portfolio mit geringen Schwankungen, ohne dabei zu viel

an Performance einzubüßen. Insbesondere aus Sicht einer

risikoadjustierten Performance sollte daher dieses

Portfolio gegenüber einer Investition in den S&P 500 zu

bevorzugen sein.

In Tabelle 2 haben wir unsere Einschätzung mit den

entsprechenden statistischen Kennzahlen unterlegt.

Hierzu haben wir die Mittelwerte (MW) und Standardabweichungen

(SD) aller Kapitalkurven berechnet. Anschließend

haben wir eine einfache Risikokennziffer

durch Division von MW und SD ermittelt. Je höher dieser

Faktor, umso besser ist das System.

Es zeigt sich, dass das Portfolio aus allen drei Systemen

beim MW/SD mit neun Prozent im Vergleich zu

4,9 Prozent beim S&P 500 deutlich besser abschneidet.

Aber auch die Einzelsysteme erreichen signifikant höhere

Werte als der S&P 500. Auch in Bezug auf den prozentualen

Drawdown schneidet der S&P 500 am schlechtesten

ab. Hier weist das McClellan-Portfolio einen dreimal besseren

Wert auf. Und erneut ist jedes Einzelsystem einer

direkten Investition in den Basiswert zu bevorzugen.

EasyLanguage Code für McClellan-Bollinger-Band-System

Fazit

Mit dem McClellan-Indikator steht

ein Werkzeug zur Verfügung, das sich

hervorragend für den systematischen

Handel auf den S&P 500 einsetzen

lässt. Unsere Tests haben gezeigt,

dass ein kleines Portfolio mit relativ

wenigen Trades den US-Aktienindex

replizieren kann, und dabei auch noch

ein besseres Chance/Risiko-Verhältnis

um den Faktor 2 bis 3 erzielt. «

64


Lassen Sie sich die erfolgreichste

Messe im deutschsprachigen Raum

nicht entgehen und freuen Sie sich

schon heute auf zahlreiche Seminare,

die große Fach ausstellung, das Live-

Trading-Event, Podiums diskussionen

u.v.m.

11

JAHRE

worldoftrading

SAVE

THE DATE

20. und 21. November 2015

Pre-Conference am 19. November 2015

Forum Messe Frankfurt

Diamantsponsor:

Platinsponsor:

Jetzt schon registrieren und

kostenfreies Eintrittsticket

im Wert von 40,- € sichern!

Goldsponsor:

Silbersponsoren:

DAB bank

www.wot-messe.de


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

Der perfekte Handelstag

Exklusive Einblicke eines Profi-Traders – Teil 5

Nachdem wir die Vorbereitung und den eigentlichen Handel an einem Handelstag besprochen

haben (Teil 1 bis 4 in TRADERS´ 10/2014; 12/2014; 02/2015; 05/2015), folgt mit der Nachbereitung

ein ebenso wichtiger Teil des professionellen Tagesablaufs. Markus Strauch wird

im letzten Teil der Artikelserie Tipps und Tricks aufzeigen, wie man aus seinen Trades lernen

kann, die Strategie und die eigene Psychologie zu verbessern und zu festigen.

Markus Strauch

Der Kapitalmarktspezialist und professionelle

Händler ist seit über 12 Jahren am Markt tätig und

wurde durch sein wikifolio-Zertifi kat „Momentum-

Trading -spekulativ-“ bekannt. Mit über 12 Millionen

investiertem Kapital erreichte es innerhalb

von 18 Monaten eine Performance von über 107

Prozent bei 12,26 Prozent maximalem Drawdown.

Markus.Strauch@me.com

» Der professionelle Trader

Professionelles Daytrading ist ein sehr harter Job, der

vollste Konzentration und mentale Stärke voraussetzt.

Hinter einem erfolgreichen und profitabel handelndem

Trader steckt viel Arbeit und Schweiß.

Der eigentliche Handelstag beginnt mit der Vorbereitung.

Der Trader versetzt sich in einen einwandfreien

66


BASICS

mentalen Zustand und bereitet

sich mithilfe der Technischen und

Fundamentalen Analyse auf den

Handelstag vor. Schon bei der Börseneröffnung

weiß er, welche Finanzinstrumente

er besonders beobachten

will und bei welchen Kurslevels er

unter vorher definierten Voraussetzungen

in eine Handelsaktion treten

wird. Er beobachtet lukrative Marktsetups

und verinnerlicht Marktszenarien,

welche er mit verschiedenen

Wahrscheinlichkeiten handeln wird.

Er ist wach und reaktionsbereit, um

im richtigen Moment eine schnelle

und korrekte Entscheidung zu

treffen.

Kurzum, ein professioneller Trader

sucht nach Marktpunkten mit

äußerst günstigem Chance/Risiko-

Verhältnis, bei denen er mittel- und

langfristig auf der Gewinnerseite liegen

wird.

Jeder Trader hat seine eigene

Strategie. Es gibt keinen „Heiligen

Gral“. Vielmehr muss die Strategie

auf die eigenen positiven Attribute

und mentalen Fähigkeiten abgestimmt

sein. So ist zum Beispiel ein

Marktakteur, der sehr kurzfristig

handelt, erfolgreich in seinem Zeitfenster,

jedoch im Positionshandel

vielleicht absolut unprofitabel. Jeder

Trader muss seine eigenen Fähigkeiten

kennen und sich auf seinen profitablen

Bereich konzentrieren.

An einem Handelstag kommt es

meistens zu Gewinn- und Verlust-

Trades. Verlust-Trades gehören,

solange sie innerhalb der Strategieparameter

liegen, ebenso zum

täglichen Handelsgeschäft wie Gewinn-Trades.

Wurde ein Gewinn-

Trade dagegen außerhalb der

Strategie gehandelt, dann war es nur

ein „Lucky Punch“. Man muss diesen

Trade analysieren und daraus

Rückschlüsse für sein zukünftiges

Handeln schließen. Somit kommen

wir zu der wichtigen Phase der

67


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

Jeder Trader muss seine eigenen Fähigkeiten kennen

und sich auf seinen profitablen Bereich konzentrieren.

Nachbereitung eines Handelstages: Der Trader sollte jeden

Handelstag reflektieren und daraus Rückschlüsse auf

sich selbst und seine Strategie ziehen.

Das Führen eines Trading-Tagebuchs

Nun stellt sich die Frage, wie man am besten Rückschlüsse

aus sich selbst und seinem Verhalten ziehen kann. Eine

Möglichkeit besteht im Führen eines Trading-Tagebuchs.

Auch wenn es anfangs sehr lästig und zeitraubend erscheint

den täglichen Handelstag niederzuschreiben – die

positiven Effekte überwiegen.

In einem Trading-Tagebuch sollte zuallererst die Definition

der eigenen Strategie umrissen werden. Es sollte

auf die zu handelnde Märkte, Handelssignale und das

Risiko- und Verlust-Management eingegangen werden.

Dieser Part lässt sich auch gut zur Marktvorbereitung in

den Handelstag als sogenannte „Trading-Bibel“ einbauen.

Vor jedem Handelstag müssen die niedergeschriebenen

Handelsregeln gelesen werden und man stimmt

innerlich dem Ganzen zu. Dieses Vorgehen steigert die innere

Disziplin, sich an seine definierte Strategie zu halten.

Der nächste Schritt besteht aus dem Analysieren der

eigenen Trades. Hier kann man wie folgt vorgehen:

1. Ist entsprechend der Strategie gehandelt worden?

Neben dem Einstieg in eine Position gehören ebenso

der Ausstieg und das Risiko-Management dazu.

Sollte ein Trade außerhalb der Risikoparameter erfolgt

sein, müssen schleunigst Verbesserungen im

täglichen Handel erzielt werden, um eine solche Verletzung

der Strategie zukünftig zu verhindern. Man

sollte sich vor Augen führen, dass zu einem professionellen

Händler sehr viel Disziplin gehört und er

seinen langfristigen Fortbestand nicht durch ein erhöhtes

Risiko gefährden darf.

2. Wo entstanden die Handelssignale und wann wurde

letztendlich gehandelt? Hier ist wichtig zu analysieren,

ob man alle Signale konsequent gehandelt hat.

Das heißt, ob man einen zeitlichen Abstand zwischen

Generierung des Signals und der Umsetzung hatte

und woran es lag, bestimmte Signale außen vor zu

lassen.

3. Wie war die mentale Verfassung? Hat man sich an

dem Handelstag gut gefühlt oder war man angespannt

und unausgeglichen? Das Aufschreiben der

mentalen Verfassung und der mittelfristige Vergleich

zur Performance lässt Rückschlüsse zu, ob und wann

man regelmäßige Auszeiten für das Handeln einlegen

soll. Es könnte für den Trader selbst und das Handelskonto

günstig sein, solche Verschnaufpausen und Regenerierungsphasen

einzulegen.

4. Das Führen von Statistiken gibt Aufschluss über die

Profitabilität in bestimmten Handelssituationen. So

könnte es sein, dass ein Trader auf der Short-Seite

besser zurecht kommt als auf der Long-Seite. Oder

er ist besonders stark in der Handelseröffnung und

während des Handelstages verliert er im Schnitt nur

Geld. Der Trader kann somit Rückschlüsse auf seine

Stärken und Schwächen ziehen und somit auch seine

Handelsfrequenz auf bestimmte Handelszeiten und

-phasen eingrenzen beziehungsweise die Strategie

anpassen.

5. Zum Schluss ist es wichtig, Trade-Bestätigungen,

Wertpapierabrechnungen und Kontostände abzugleichen

und auf Richtigkeit zu überprüfen. So lässt sich

vermeiden, dass das hart verdiente Geld durch einen

Buchungsfehler schwindet. Dieser Punkt wird bei vielen

Tradern oftmals vergessen.

Insgesamt kann man sagen, dass durch eine konsequente

Nachbetrachtung und Analyse des Handelstages

Verbesserungen im täglichen Trading erreicht

werden können. Die Nachbereitung sollte daher auch

einen hohen Stellenwert im täglichen Handel einnehmen.

Denn so können aus einem Verlust-Trade – sollten

daraus positive Rückschlüsse für das weitere Traden

gezogen werden – viele zukünftige Gewinn-Trades

entstehen.

Es ist absolut entscheidend, dass sich der professionelle

Trader an die Marktbedingungen anpasst und aus

seinen eigenen Fehlern lernt. Hier gibt es ein einfaches,

aber gutes Sprichwort: „Es ist noch kein Meister vom

Himmel gefallen“. «

68


NEUKUNDEN-ABO

Sparen

Sie jetzt bares Geld

Erhalten Sie 15 Ausgaben TRADERS´

zum Preis von 12 und sichern Sie sich

ein Trading-Buch.

Ja, ich möchte das TRADERS´ Neukunden-Abo zum Vorzugspreis von nur 63 Euro (15 Ausgaben zum Preis von 12 Ausgaben) jeweils inkl. Porto und MwSt. im Inland;

innerhalb Europas 1,50 Euro pro Heft. Das Abonnement kann mit einer Frist von vier Wochen des Bezugszeitraums gekündigt werden. Nicht gekündigte Abonnements verlängern

sich jeweils um ein weiteres Jahr (12 Ausgaben). Maßgeblich ist der Tag des Eingangs der Kündigung beim Verlag. Es gelten unsere AGBs.

Antwort:

Ich bezahle:

per Rechnung

per Lastschrifteinzug

Buchprämie:

Name, Vorname

Bank

Börse leicht verständlich

Mehr als Geld und Gier

Straße und Hausnummer

IBAN

PLZ

Ort

BIC

E-Mail-Adresse

Land

Telefonnummer

Datum Unterschrift

TRADERS´ media GmbH, Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg Tel.: 09 31/4 52 26-0 Fax: 09 31/4 52 26-13 E-Mail: abo@traders-mag.com www.traders-mag.com

TRADERS´ 10/2015

Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausgabe erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung

gemäß den Anforderungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr.1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen. Der Widerruf ist zu

richten an: TRADERS´ media GmbH, Aboservice, Telefon: 09 31/4 52 26-0, Telefax: 09 31/4 52 26-13, E-Mail: abo@traders-mag.com.


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

Was Trader von

Hedgefonds

lernen können

Teil 6 – Die Schritte zur Entwicklung

eines Investmentprozesses

In der Investmentwelt haben Hedgefonds einen besonderen Ruf. Sie sind dafür bekannt, dass sie schnell

Reichtum produzieren können. Mittlerweile gibt es auch ein paar berühmte Hedgefonds-Manager – aber

wie Hedgefonds wirklich funktionieren, weiß niemand so genau. Es gibt also einige offene Fragen. Wie

funktionieren Hegefonds? Wie verdienen sie Geld? Wieso werden ihre Gründer so reich? Und, die wichtigste

Frage für jeden Trader: Könnten du oder ich einer dieser unglaublich erfolgreichen Menschen werden, so wie

George Soros oder Ray Dalio? In dieser Artikelserie will der Trader Bruce Bower dem Hedgefonds-Geschäft

auf den Grund gehen.

» Märkte definieren – beobachten und investieren

Sie müssen eine gute Balance finden. Einerseits sind die

Anforderungen so spezifisch aufzusetzen, sodass Sie

eine Anzahl an potenziellen Investments selektieren, die

Sie gut verwalten können. Andererseits dürfen Sie nicht

zu sehr ins Detail gehen, sonst werden sich nicht genug

Trading-Gelegenheiten ergeben.

Beginnen Sie dort, wo Sie Erfahrung haben. Wenn Sie

aus dem Bereich Renten kommen und Staats- und Unternehmensanleihen

gehandelt haben, dann beginnen Sie

dort als erstes. Wenn Sie damit Erfahrung haben, Aktien

aus Lateinamerika zu handeln, dann setzen Sie Ihren Fokus

auf diesen Bereich. Wenn Sie ganz am Anfang stehen

Bruce Bower

Bruce Bower arbeitet bei einem Hedgefonds als

Portfolio-Manager für Aktien aus Schwellenländern.

Als ausgebildeter Hypnotherapeut

hat er ein ausgeprägtes Interesse an Märkten,

Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung.

www.howoftrading.com

und keine Erfahrung haben, dann sollten Sie mit einer kleinen

Anzahl an Werten starten. Dabei sollten Sie aber trotzdem

genau definieren, womit Sie beginnen. Indem Sie die

Grenzen abstecken, erfüllen Sie zwei Dinge gleichzeitig:

Sie verstehen und verbessern Ihre Stärken und vermeiden

Bereiche, in denen Sie voraussichtlich schwächer sind.

Der Grund dafür ist offensichtlich. Wenn Sie ein

Latein amerika-Spezialist sind und jemand schlägt Ihnen

einen interessanten Trade in Petrobas vor, dann werden

Sie sich das selbstverständlich ansehen, weil Sie

genau in diesem Bereich Erfahrung haben. Wenn Ihnen

dagegen jemand vorschlägt, Aktien des Elektrofahrzeugbauers

Tesla zu handeln, dann werden Sie schnell erkennen,

dass Sie hier keinerlei Erfahrung einbringen können

und daher auch keinen Vorteil haben.

Sie müssen sich darüber im Klaren sein, wo Ihr Vorteil

liegt und wie Sie diesen nutzen können. Wenn es sich

also um etwas handelt, das nicht innerhalb der Grenzen

Ihres bevorzugten Gebiets liegt, dann lassen Sie die Gelegenheit

einfach aus.

Indem Sie Ihre Grenzen genau abstecken, formen Sie

den ersten Teil Ihres Trichters. Dieser sollte alles auswählen,

womit Sie sich auskennen.

70


BASICS

Wonach suchen Sie in einem potenziellen Trade?

Sie müssen Ihr gesamtes Universum durchsuchen, um interessante

Gelegenheiten zu finden. Dafür müssen Sie für

sich genau bestimmen, was einen guten Trade ausmacht:





-



Der kumulative Effekt der Checklisten war enorm,

weil die Chirurgen nicht jedes Mal vor einer Operation

das Rad neu erfinden mussten. Sie konnten sich einfach

auf ein Stück Papier verlassen, das die verschiedenen

Vorgänge standardisiert und systematisiert. Außerdem

konnten sich junge Ärzte und Schwestern diese Checklisten

zur Hand nehmen und eine Prozedur sofort stoppen,

sobald jemand einen Schritt übersprungen hatte.

Das Resultat: Ein standardisierter Prozess, den jeder

nutzen und zu dem jeder einen Beitrag leisten kann. Und

genau das sollten Sie auch beim Trading machen.

Wenn Sie Bücher wie „Die Magier der Märkte“ lesen, in

denen die Methoden der Trader beschrieben werden,

dann haben Sie das absolute Praxiswissen. Obwohl verschiedene

Trader nach unterschiedlichen Kriterien suchen,

bevor sie eine Position eingehen, haben sie eines

gemeinsam: die Suche danach.

Betrachten Sie das Ganze wie eine Checkliste. Es gibt

ein paar Dinge, die unbedingt erfüllt sein müssen, bevor

Sie ein Investment eingehen. Sie analysieren das Investment

und haken diese Kriterien ab. Dann gibt es noch ein

paar andere Kriterien, die Sie gerne sehen wollen. Auch

...angewandt auf das Trading

Betrachten wir das System CANSLIM von William O’Neill

als Beispiel. Es gibt sieben Säulen in dieser Investmentphilosophie

(siehe Infobox). Diese repräsentieren sieben

Punkte einer Checkliste.

Man kann sein Universum auf verschiedene Arten

filtern, um Investments zu finden, die die gewünschten

Kriterien erfüllen. So lässt sich zum Beispiel ein quantitatives

Screening festlegen, um alle Aktien zu finden, die

an ihren 52-Wochen-Hochs handeln, die ein sehr starkes

Gewinnwachstum haben oder die Marktführer in ihrem

Obwohl verschiedene Trader nach unterschiedlichen Kriterien suchen,

haben sie eines gemeinsam: die Suche danach.

diese Kriterien haken Sie ab. Erst, wenn alle Kriterien erfüllt

sind, gehen Sie tatsächlich den Trade ein.

Der Rat eines Chirurgen...

In seinem Buch „The Checklist Manifesto“ beschreibt

der berühmte Chirurg Atul Gawande seine Checklisten,

die er eingeführt hat und die er vor einer Operation in allen

Operationsräumen abarbeitet. Dadurch wurden beeindruckende

Resultate erzielt. Indem alles auf Papier

niedergeschrieben und eine Systematik eingeführt wurde,

war der Ablauf für alle Beteiligten einfacher und alle

wussten genau, was zu tun war.

Chirurgen sind sehr kluge Menschen. Daher wurden

diese Checklisten nicht eingeführt, um ihre niedrige Intelligenz

auszugleichen. Im Gegenteil: Durch die Checklisten

wurde ihnen die Arbeit abgenommen, an alle Dinge

zu denken, die vor einer Operation nötig sind. Stattdessen

können sie sich ganz auf die Operation konzentrieren. Diese

kleine Hilfe reduzierte die Anzahl der vermeidbaren Fehler

während Operationen drastisch. Die berühmte Weisheit

„Ohne Plan plant man das Scheitern“ passt hier gut.

Sektor sind. Durch diese Filter verkürzt sich die Liste der

Gesellschaften, in deren Details man sich hineinarbeitet,

um zum Beispiel die Management-Teams, die Geschäftszweige

und so weiter zu analysieren. Auf diese Weise

lässt sich final feststellen, ob tatsächlich alle gewünschten

Kriterien erfüllt sind.

Der Punkt ist, seine Investmentkriterien auf das gesamte

Aktienuniversum zu übertragen, um eine Liste

von möglichen Investments zu generieren. Natürlich

kann es sich bei Ihren Kriterien um andere handeln als

bei der CANSLIM-Methode. Die Liste der Kriterien von

Warren Buffett wird wieder anders aussehen, da sich

sein Investmentprozess über viele Jahrzehnte entwickelt

hat. Ausschlaggebend ist, dass man ein paar

wesentliche Kriterien festlegt, die man als Filter verwendet.

Denn daraus erhält man eine Liste mit potenziellen

Investments. Man blendet das Marktrauschen aus und

erhält nur das Signal.

Danach ist nur noch die Frage, wie man in die Position

einsteigt. Sie müssen den Trade planen, den Sie machen

wollen. In der CANSLIM-Methode heißt der letzte

71


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

Punkt „Market“. Das bedeutet, dass man darauf wartet,

dass sich der Gesamtmarkt in einem Aufwärtstrend befindet,

bevor man einen Kauf tätigt. Und idealerweise

bricht die Aktie, in die man investieren will, aus einem

Muster aus, das auf einen starken Anstieg hindeutet,

nachdem man in die Position eingestiegen ist. Daher

planen Sie Ihren Trade, indem Sie eine Liste von Firmen

zusammenstellen, die alle Kriterien erfüllen. Dann bestimmen

Sie den Einstiegspunkt und die Marktbedingungen,

die herrschen sollen, damit Sie das Risiko des

Trades eingehen.

Im nächsten Schritt müssen Sie die Ausstiegskriterien

festlegen. Sie werden die Position irgendwann

schließen – entweder, um Gewinne mitzunehmen oder

um Verluste zu minimieren. Das kann mit individuellen

aktienspezifischen Kriterien zu tun haben, wie zum Beispiel

einer Veränderung der Fundamentaldaten, einem

Anstieg des Aktienkurses um X Prozent oder dem Erreichen

des Stopp-Loss. Oder aber der Trend am Gesamtmarkt

hat sich geändert und Sie entscheiden, dass Sie

alle bestehenden Positionen schließen. Jedenfalls haben

Sie bestimmte Kriterien für den Ausstieg aus einer

Position und müssen bei der Durchführung absolut

rigoros sein.

Zusammengenommen ergeben alle Kriterien Ihre

Portfoliokonstruktion. Wir haben das sehr vereinfacht,

aber das Portfolio ist das Resultat aller Einstiege und Ausstiege

– unabhängig davon, ob sie durch Handelssignale

oder Risiko-Management-Regeln hervorgerufen wurden.

In jedem Schritt Ihres Investmentprozesses treffen

Sie Entscheidungen basierend auf einer Anzahl an Kriterien,

die die Regeln für Ihre Aktivitäten liefern. Das heißt

also, Sie haben ein Regelwerk für die Trade-Planung und

eines für die Verwaltung und den Ausstieg. Diese Regeln

und der Übergang von einem Schritt zum nächsten ergeben

Ihren Investmentprozess.

Nicht nur für Hedgefonds

Dieser Prozess zählt auch für Trader, die sich nicht als

Hedgefonds-Manager mit einem rigorosen Investmentprozess

charakterisieren würden. Ein gutes Beispiel sind

Intraday-Trader bei der US-Eigenhandelsfirma SMB Capital,

die in „The Playbook“ von Mike Bellafiore beschrieben

sind. Sie haben viele Filter und Checklisten, die sie

anwenden, um einen potenziellen Trade zu finden:





Sieben Säulen der CANSLIM-Investmentphilosophie

C Current quarterly earnings (aktuelle Quartalsgewinne):

Firmen sollten ein hohes Wachstum der Quartalsgewinne

pro Aktie haben.

A Annual earnings (jährliche Gewinne): Das Gewinnwachstum

sollte stetig steigen – mindestens 25 Prozent pro

Jahr.

N New Products or services, new management, new

highs (neue Produkte oder Dienstleistungen, neues Management,

neue Hochs): Wir bevorzugen Firmen, die

neue Produkte entwickeln und ihre Dienstleistungen

verbessern; die Aktien sollten neue Hochs erreichen.

S Supply and demand (Angebot und Nachfrage): Ein Produkt

oder eine Dienstleistung sollte eine hohe Nachfrage

haben, denn das wird das Gewinnwachstum fördern.

L Leadership (Marktführer): Die Aktie sollte in ihrem

Sektor Marktführer sein, was Gewinne und Kursentwicklung

betrifft.

I Institutional support (institutionelle Unterstützung): Es

sollte große institutionelle Käufer geben, die die Aktie

unterstützen.

M Market direction (Marktrichtung): Wir kaufen nur steigende

Aktien in einem Aufwärtstrend.

Sie haben außerdem ein Regelwerk entwickelt, wie sie

bestehende Positionen verwalten – wann sie eine Position

auf- oder abbauen und wann sie die Position schließen.

Daher gibt es für jeden Schritt ein Regelwerk, das

die Entscheidungsfindung für den Trader vereinfacht und

ihn von Schritt 1 (breites Universum) zu Schritt 6 (ein profitabler

Trader zu werden) führt.

Das Thema scheint sehr abstrakt zu sein – weil man

einen Investmentprozess ja nicht wirklich angreifen kann

–, aber wir hoffen, dass wir Sie anregen konnten, Ihren

Investmentprozess entsprechend einzuführen oder zu

adaptieren.

Abschließend zur Überprüfung noch ein paar Fragen

zur Selbstreflexion:







Das war der letzte Teil unserer Hedgefonds-Serie. Wir

hoffen, dass Sie etwas lernen konnten, um Ihr Trading zu

verbessern. «

72


ANZEIGE

Erfolg ist kein Zufall

Traden ist harte Arbeit und nicht jeder Trade ist ein Treffer. Das muss

auch nicht sein. Hier fi nden Sie fünf Tipps, wie Sie dennoch erfolgreich

werden können.

Verluste gehören zum Investieren und Traden. Selbst die

besten Profi-Trader schließen nur zwei von drei Trades

mit einem Gewinn ab. Einen Verlust zu erleiden, ist kein

Fehler. Ein Fehler ist es allerdings, wenn man nicht weiß,

wie dieser Verlust zustande kam und man nicht daraus

lernt. „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert,

begeht einen zweiten“, sagte einst der chinesische

Philosoph Konfuzius. Das kann beim Traden mittelfristig

zu hohen Verlusten führen. In dem Buch „Trading mit Hebelprodukten:

In 5 Schritten zum erfolgreichen Trader

haben wir fünf Tipps zusammengestellt, wie Sie nachhaltig

erfolgreich werden können.

Trade planen

Definieren Sie dazu das Gewinn- und Verlustszenario genau.

Dazu kann Ihnen unter anderem das Trading-Tool der Hypo-

Vereinsbank onemarkets auf tradingdesk.onemarkets.de

helfen. Dort können Sie einfach und mit wenigen Klicks

direkt im Chart Chancen und Risiko analysieren und das

Chance/Risiko-Verhältnis (CRV) errechnen. Je höher die

Relation, umso interessanter ist der Trade. Profis gehen

meist nur Trades mit einem CRV von mehr als 1,5 ein.

Diszipliniert handeln

„Gewinne laufen lassen und Verluste beschränken“, lautet

eine Börsenweisheit. Leider ist immer wieder zu beobachten,

dass viele Anleger genau konträr handeln. Mittelfristig

sind auf diesem Weg hohe Verluste oder gar das

(vorübergehende) Ende des Tradens vorprogrammiert.

Dominik Auricht

Experte für Anlage- und Hebelprodukte

bei HypoVereinsbank onemarkets

Abstand bewahren

Viele Trader neigen dazu, den Trade nach Eröffnung der

Position stetig zu verfolgen. Das signalisiert allerdings,

dass sie kein Vertrauen in ihren geplanten Trade haben.

Wer die Hausaufgaben ordentlich gemacht und Stopp-

Loss und Zielkurs definiert hat, kann den Trade entspannt

laufen lassen und Abstand halten.

Buch führen

Es nützt der beste Plan nichts, wenn Sie ihn nicht von

Zeit zu Zeit auf seine Funktionsfähigkeit überprüfen. Was

liegt da näher, als regelmäßig Aufzeichnungen über das

eigene Trading zu erstellen? Dabei gibt es eine Vielzahl

von Punkten, die Sie in Ihr Trading-Tagebuch aufnehmen

können. Dazu zählt beispielsweise Kaufkurs, Stopp-Loss,

Kursziel, Trading-Strategie oder Gebühren. Diese Informationen

könnten Sie durch marktbewegende Ereignisse

des Tages, die Entwicklung des Trades nach dem Exit und

ähnlichem ergänzen. Je mehr Daten, umso besser kann

die eigene Analyse erfolgen.

Geduld üben

Die meisten Trader träumen vom schnellen Reichtum.

Schließlich gehen sie mit Hebelprodukten auch entsprechende

Risiken ein. Warren Buffett ist auch nicht

von heute auf morgen reich geworden. Setzen Sie sich

Ihr persönliches realistisches Trading-Ziel, verfolgen Sie

es konsequent Schritt für Schritt und bleiben Sie dabei

geduldig. Verluste oder gar Verlustserien werden Sie so

manches Mal zurückwerfen. Lassen Sie sich davon jedoch

nicht entmutigen.

Unter tradingdesk.onemarkets.de finden Trading-

Einsteiger und -Fortgeschrittene Tools wie das CRV-

Trading-Tool, Musterdepots und Alert-Funktionen, die

auch bei Trading-Profis Grundlage für einen fundierten

Trading-Plan bilden. Probieren Sie es einfach aus. Weitere

Infos rund ums Traden finden Sie zudem im Buch

„Trading mit Hebelprodukten: In 5 Schritten zum erfolgreichen

Trader“.

Die Angaben in dieser Publikation basieren auf sorgfältig ausgewählten Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Wir geben jedoch keine Gewähr über die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben. Diese

Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Sie dienen nur allgemeinen Informationszwecken und sind kein Ersatz für eine auf die individuellen Verhältnisse und Kenntnisse des Anlegers bezogene Anlageberatung.

73


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Pro- oder antizyklischer Ansatz?

Eine Grundsatzentscheidung

Die Grundausrichtung von Trading-Modellen ist ein wichtiges Thema, das dem Trader die grundlegende

Funktionsweise der Märkte näherbringt. Auf der einen Seite sind die sogenannten „prozyklischen Systeme“

anzuführen. Dazu gehört alles, was in den Bereich der Trendfolge- (Momentum) oder der Breakout-

Systeme hineinreicht. Anderseits existieren antizyklische Ansätze, die unter anderem Reversions-

Systeme oder Kontratrend-Strategien (Mean Reversion) genannt werden. Was es damit auf sich hat

und welches Vorgehen gewählt werden sollte, werden wir gemeinsam in diesem Artikel erarbeiten.

» Sieht man von saisonal ausgerichteten Trading-

Ansätzen und einigen exotischen Modellen wie Arbitrage*

ab, wird die Eröffnung einer Position immer nur dann

durchgeführt, wenn davor eine Bewegung des gewünschten

Zielmarktes oder Basiswerts stattgefunden hat. Hätte

es rein theoretisch keine Preisänderung gegeben, wäre

auch kein handelbares Signal entstanden. Die Volatilität,

Thomas Vittner

Thomas Vittner gründete im Jahr 2013 Vittner &

Partner. Das Unternehmen entwickelt computergestützte

Finanzmarktmodelle für Hedgefonds.

Mit Vittner’s Signaldienst selftrader.de

bekommen auch private Trader Zugang zu

hochentwickelten Hedgefonds-Strategien.

www.vittnerpartner.com

die ebenso in anderen Bereichen des Tradings eine große

Bedeutung hat, ist also auch beim Einstieg sowie bei

der einleitend bereits erwähnten Grundausrichtung eines

Handelsmodells von entscheidender Bedeutung.

Es lassen sich drei Arten von Einstiegen unterscheiden:

Market Entries, Limit Entries und Stopp Entries

(siehe Infobox). Diese hängen mit der Grundtendenz

von Handelsmodellen zusammen, wie wir später noch

sehen werden. Zunächst ist jedoch die Frage zu klären,

wie Pro- oder Kontra-Einstiege handelstechnisch

aussehen können und wie man am besten herausfindet,

worauf der gewünschte Zielmarkt anspricht. Bevor

man also konkret an die Ausgestaltung eines Regelwerkes

denkt, sollte diese Tendenz eingehend untersucht

werden. Erst im nächsten Schritt folgt dann – aufbauend

auf diesen Ergebnissen – die Festlegung der exakten

Strategie.

74


BASICS

Nehmen wir an, dass es mit den Kursen einer Aktie in

den letzten drei Tagen abwärts ging. Wir können aufgrund

dieser Preisänderung nun am Tag 4 auf das Momentum

aufspringen und short gehen oder einen Kontra-Einstieg

auf der Long-Seite durchführen. Seitenverkehrt gilt das

natürlich jeweils genauso für die andere Handelsrichtung.

Außerdem gilt dies natürlich auch für alle Zeiteinheiten,

nicht nur für den Tages-Chart. Da wir als Trader

nicht in die Zukunft blicken können, müssen wir uns bei

einer Analyse auf historische Daten stützen. Dabei macht

es natürlich wenig Sinn, den Test auf nur eine Aktie zu

beschränken.

Deswegen haben wir einen simplen Backtest mit

den 30 Aktien des US-amerikanischen Dow-Jones-Index

durchgeführt. Der Beobachtungszeitraum reicht über die

letzten zehn Jahre (01.01.2005 bis Ende Februar 2015).

Als erstes möchten wir die prozyklische Seite untersuchen,

also Momentum-Ansätze. Wir wählen als Einstiegskriterium,

dass der Kurs in den letzten drei Tagen gefallen

(Short Entry) oder gestiegen (Long Entry) sein muss

(Momentum). Wie stark der Kursrückgang war, spielt dabei

keine Rolle. Sind diese Kriterien erfüllt, gehen wir am

Tag darauf zur Börseneröffnung (Open) jeweils mit einem

Market Entry in den Trade.

Als simple Ausstiegsregel nehmen wir einen Zeitausstieg

zum Schlusskurs (Close) nach fünf Tagen an.

Es kommt weder ein Stopp-Loss noch ein Kursziel zur

Anwendung. Als letztes müssen wir noch die Positionsgrößen

bestimmen. Hier verwenden wir ein simples

Positionsgrößen-Modell, das unser Kapital auf bis zu

zehn Trades verteilt. Die Positionsgröße beträgt hier also

zehn Prozent des Handelskapitals. Fassen wir die Testeinstellungen

„Pro“ zusammen:

Testzeitraum: 01.01.05 bis 28.02.15

Startkapital: 100 000 US-Dollar

Portfolio: 30 Aktien aus dem Dow Jones

Entry Long: Kursanstieg über drei Tage in Folge –

Market Entry Long am Tag 4 zum Open

Entry Short: Kursrückgang über drei Tage in Folge –

Market Entry Short am Tag 4 zum Open

Exit: nach fünf Tagen Haltedauer zum Close

Positionsgröße: zehn Prozent des Kapitals

Broker-Gebühren: enthalten

Mit diesem Test versuchen wir, die Grundtendenz (Pro

oder Kontra) zu bestimmen und verwenden als Referenzportfolio

den Dow Jones. Wir wollen dieses Modell

B1) Backtest prozyklischer Einstieg

Mit diesem Test versuchen wir, die Grundtendenz (Pro oder Kontra) zu bestimmen

und verwenden als Referenzportfolio den Dow Jones. Wir wollen dieses

Modell so aber keineswegs handeln, daher sind alle Regeln sehr einfach gehalten.

Das Testergebnis in Bild 1 ist negativ. Es schlägt ein jährlicher Verlust von

6,51 Prozent (Annualized Gain %) zu Buche.

B2) Backtest antizyklischer Einstieg

Quelle: Wealth Lab

Wir sehen eine signifikante Verbesserung der Resultate bei diesem Kontra-

Modell (Annualized Gain plus 4,55 Prozent), auch wenn die Short-Seite alleine

gesehen negativ ist.

Quelle: Wealth Lab

so aber keineswegs handeln, daher sind alle Regeln sehr

einfach gehalten.

Das Testergebnis, wie Sie am Performance Report in

Bild 1 sehen können, ist negativ. Es schlägt ein jährlicher

Verlust von 6,51 Prozent („Annualized Gain %“) zu Buche.

Auch die Verteilung auf die einzelnen zehn Jahres-

perioden ist überwiegend negativ, wie Sie in Bild 3a erkennen.

Nur in den Jahren 2011 und 2013 waren die Resultate

positiv. Dies lässt uns den ersten vorsichtigen

75


BASICS

www.traders-mag.com 10.2015

B3) Jahresverteilung pro- (a) und antizyklisch (b)

Bild 3a zeigt die Rendite der Rückrechnung für die prozyklische Variante. Mit der antizyklischen Strategie in Bild 3b konnte man deutlich bessere Ergebnisse erzielen.

Quelle: Wealth Lab

Schluss ziehen, dass prozyklische Einstiege wenig geeignet

für diesen Zielmarkt (US-Aktien) sind. Doch für eine

abschließende Bewertung ist es noch viel zu früh. Wir

wissen ja noch nicht, ob die antizyklische Variante besser

oder vielleicht sogar noch schlechter ist.

Birger Schäfermeier, Michael Voigt,

Giese Faik, Dave Landry, Achim Mautz,

Thomas Struppek, Uwe Wagner

und viele mehr auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

Um die Grundtendenz zu bestimmen, werden wir

auch bei den Reversions-Systemen einen simplen Backtest

mit den 30 Aktien des Dow-Jones-Index durchführen.

Der Beobachtungszeitraum reicht erneut über die letzten

zehn Jahre. Nun möchten wir aber die antizyklische Seite

untersuchen, also Kontra-Strategien. Wir wählen als Einstiegskriterium,

dass der Kurs in den letzten drei Tagen gefallen

(Long Entry) oder gestiegen (Short Entry) sein muss.

Wir drehen also die Logik der Momentum-Ansätze einfach

um. Sind diese Kriterien erfüllt, gehen wir am Tag darauf

zur Börseneröffnung mit einem Market Entry in den Trade.

Fassen wir die Testeinstellungen „Kontra“ zusammen:

Testzeitraum: 01.01.05 bis 28.02.15

Startkapital: 100 000 US-Dollar

Portfolio: 30 Aktien aus dem Dow Jones

Entry Long: Kursrückgang über drei Tage in Folge –

Market Entry Long am Tag 4 zum Open

Entry Short: Kursanstieg über drei Tage in Folge –

Market Entry Short am Tag 4 zum Open

Exit: nach fünf Tagen Haltedauer zum Close

Positionsgröße: zehn Prozent des Kapitals

Broker-Gebühren: enthalten

Hatten wir bei den prozyklischen Einstiegen noch einen

Verlust von minus 6,51 Prozent pro Jahr zu beklagen, sind

76


BASICS

Für Sie ist wichtig, dass Sie,

egal welche Märkte Sie handeln,

zuerst diese Grundausrichtung überprüfen.

es hier auf der antizyklischen Seite Gewinne von plus

4,55 Prozent (Bild 2). Die Jahresverteilung sehen Sie in

Bild 3b. Die überwiegende Mehrheit der einzelnen Perioden

ist positiv. Somit scheint das Ergebnis eindeutig: US-

Aktien handelt man besser mit Reversions-Systemen,

auch wenn Momentum-Ansätze sehr populär sind.

Auswertung der Ergebnisse

Zwei Tests sind natürlich zu wenig, um die Grundtendenz

des gewünschten Zielmarktes festzustellen. Ergänzend

sollten ähnliche Analysen mit anderen Indikatoren (Relative

Stärke Index*, Stochastik*) oder mit anderen Varianten

(zum Beispiel % Anstieg/Rückgang in den letzten X

Tagen) durchgeführt werden. Außerdem haben wir uns

auf US Blue Chips (sehr große Aktienunternehmen) konzentriert.

In anderen Aktienmärkten (DAX, Nikkei) oder

in anderen Asset-Klassen (Devisen, Rohstoffe) kann und

wird diese Grundtendenz ganz anders aussehen.

Sieht man die Tests genau an, haben wir damit zwei

Börsenweisheiten entzaubert. Zunächst greifen wir in

ein fallendes Messer, weil wir beim Reversions-System

nach drei Tagen mit Kursrückgängen auf steigende Kurse

setzen. Ein weiterer „Kardinalfehler“: Wir haben keinen

Stopp-Loss gesetzt. Es kam bloß ein simpler Zeitausstieg

zur Anwendung.

In der Praxis handelbar ist dieses einfache Modell unserer

Meinung nach übrigens nicht, weil die Drawdowns

zu lange und die Renditen zu gering sind.

Darüber hinaus sind „echte“ Backtests korrekt aufzusetzen,

um ein Modell live zu handeln. Das, was wir hier

gemacht haben, war nur eine simple Analyse, weil zahlreiche

Methoden wie zum Beispiel Out-of-Sample-Tests

(Rückrechnung einer Strategie mit unbekannten Daten;

die Zuverlässigkeit der Strategie wird auf unbekannten

Daten untersucht – zweiter Schritt eines Backtests) nicht

berücksichtigt wurden.

Letztlich ist es aber korrekt, dass in den US-Aktienmärkten

Reversions-Systeme performanter sind als

Momentum-, Breakout- oder Trendfolgemodelle. Hunderttausende

Testergebnisse (inklusive Optimierungen)

sowie Erfahrungen des Autors im Live Trading bestätigen

dies. Da bei einem guten Entry darüber hinaus der meiste

Gewinn gemacht wird, ist ein häufiger Umschlag (viele

Trades = viele Entries) statistisch gesehen besser als eine

längere Haltedauer mit aktivem Trade-Management (und

ausgeklügelten Exit-Strategien).

Der Exit kann bei Reversions-Systemen aller Art

meist sehr simpel gehalten werden. Ein Reversions-

System sucht eine Übertreibung eines Finanzinstrumentes

und geht dann kontra zu dieser kurzfristigen Tendenz.

Der Exit kann dabei wenig ausrichten, weil man einfach

warten muss, dass sich diese Übertreibung wieder abbaut.

Die richtige Entry-Art

Wir verknüpfen nun zum Abschluss die drei Entry-Arten

Market, Limit und Stopp mit den beiden Grundausrichtungen

Pro und Kontra. Market Entries können sowohl

pro- als auch antizyklisch ausgerichtet sein. Limit Entries

sind immer Kontra-Einstiege. Stopp-Entries sind hingegen

immer Pro-Einstiege. Somit ist die Grundausrichtung

von Trading-Modellen am Entry festgemacht.

Für Sie ist wichtig, dass Sie, egal welche Märkte Sie

handeln, zuerst diese Grundausrichtung überprüfen. Es

reicht ein simpler Backtest, aber Sie können sich auch die

Mühe machen, sich visuell durch tausende Charts zu klicken

und Ihre Beobachtungen niederzuschreiben. Egal

für welchen Weg Sie sich entscheiden – es ist der erste

Schritt zum profitablen Trading. Denn sonst handeln Sie

vielleicht Ihr Leben lang das Falsche. «

Verschiedene Einstiegsarten

Market Entry: Der Market Entry beziehungsweise die Market

Order ist eine Kauf- oder Verkaufsanweisung an den

Broker zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Die Order richtet

sich an den derzeitigen Kurs.

Limit Entry: Beim Limit Entry wird vorher festgelegt, bei

welchem Kurs die Handelsposition automatisch gekauft

(Buy Limit) oder verkauft (Sell Limit) werden soll. Beim Kauf

wird der Kurs möglichst unterhalb des aktuellen Niveaus

festgelegt; beim Verkauf möglichst oberhalb.

Stopp Entry: Stopp Entrys handeln in der Regel einen

Breakout. Sie gehen zum Beispiel long, wenn das Hoch der

letzten zwölf Tage oder des Vortages überschritten wurde.

Oder Sie handeln einen Volatilitätsausbruch et cetera.

77


SCHLÜSSELKONZEPTE

www.traders-mag.com 10.2015

Schlüsselkonzepte*

In der Rubrik „Schlüsselkonzepte“ erläutern

wir grundlegende, vor allem für

das Verständnis unserer Strategie-Artikel

notwendige Basiskonzepte des Tradings.

Ziel ist es, Einsteiger an komplexe Strategien

heranzuführen und zugleich Fortgeschrittenen

die Möglichkeit zu geben, ihr

Grundwissen gezielt aufzufrischen.

B1) 1-2-3-Umkehr und Gleitender Durchschnitt bei Lufthansa » 1-2-3-Trading

In Bild 1 sehen Sie die Punktzählung nach dem 1-2-3-Prinzip. Eine Trendumkehr erfolgte Anfang Dezember,

als der Kurs das vorherige Tief unterschritt. Zudem ist ein einfacher Gleitender Durchschnitt über 50 Perioden

eingezeichnet. Mittels dieses Indikators lassen sich übergeordnete Trends bestimmen.

Quelle: www.tradesignalonline.com

Das 1-2-3-Trading ist ein Bestandteil

des markttechnischen Konzepts

nach Michael Voigt. Trends lassen

sich anhand einer 1-2-3-Punktfolge

definieren, wobei die Zahlen der Abfolge

von Hoch-Tief-Hoch oder Tief-

Hoch-Tief entsprechen. Die jeweilige

Abfolge gilt so lange, bis das Muster

gebrochen wird und ein neuer Trend

mit neuer 1-2-3-Abfolge entsteht.

1-2-3-Formationen sind Trendumkehr-Formationen,

die nach großen

oder mittleren Hochs oder Tiefs in

einem Markt vorkommen und eine

entgegengerichtete Trendphase einleiten

können. Diese Formationen

sind auf jedem Chart zu finden, egal

ob der gewählte Zeitrahmen aus

Minuten, Stunden, Tagen, Wochen

oder Monaten besteht.

78


SCHLÜSSELKONZEPTE

Eine Handelsgelegenheit tritt immer

dann auf, wenn die Notierungen

Punkt 2 bei einer 1-2-3-Formation

durchbrechen. Mit dem Ausbruch

zeigt sich, welche Marktseite – Käufer

oder Verkäufer – stärker ist. Bei

den Ausbrüchen aus 1-2-3-Formationen

können sich viele erfolgreiche

Trades entwickeln. Wichtig ist, die

Formationen klar zu definieren und

rechtzeitig zu erkennen. Auf dem Tages-Chart

sollten sie aus mindestens

vier Notierungsstäben bestehen (siehe

Beispiel Bild 1).

B2) Bollinger-Bänder

Bollinger-Bänder

Mit den Bollinger-Bändern kann das

Die Bänder beschreiben einen Verlaufskanal für die Kurse, der jeweils zwei Standardabweichungen entspricht.

Niveau der Kurse relativ zu vorherigen

Quelle: www.tradesignalonline.com

Werten ermittelt werden. Die Bänder

werden auf Grundlage eines Gleitenden

Durchschnittes (GD) berechnet, in

der Standardeinstellung über 20 Perioden. Das obere Bollinger-Band

errechnet sich aus dem GD plus der doppelten der steigt. Das zuvor gebildete Zwischenhoch stellt jetzt

fällt, aber dann, an der tiefsten Stelle angekommen, wie-

Standardabweichung der Kurse (als Maß für die Volatilität). den Widerstand dar. Wenn ein Bodenwert zweimal am

Das untere Band errechnet sich analog aus dem GD abzüglich

der doppelten Standardabweichung. Wenn die Bänder scheinlichkeit dafür, dass der Kurs der Aktie steigt.

tiefsten Punkt scheitert, bedeutet das eine erhöhte Wahr-

eng beieinander sind, liegt eine Periode niedriger Volatilität

vor. Liegen sie weit voneinander entfernt, herrscht eine Phase

mit hoher Volatilität (siehe Beispiel Bild 2).

Der Stochastik-Oszillator ist einer der meistverwende-

Stochastik

ten technischen Indikatoren. Er vergleicht den letzten

Fibonacci-Retracements

Schlusskurs eines Wertpapiers mit der Entwicklung seiner

Kursspanne innerhalb einer festgelegten Zeitperio-

Die Fibonacci-Zahlen sind eine unendliche Folge. Eine Fibonacci-Zahl

berechnet sich aus der Addition der beiden vorhergehenden

Zahlen. Die Folge beginnt mit 0 und 1. Alle fol-

vergleicht den letzten Schlusskurs zur Kursspanne der

de. Der Stochastik basiert auf zwei Linien. Die %K-Linie

genden Zahlen ergeben sich damit automatisch: 2, 3, 5, 8, 13 letzten x Tage. Im Aufwärtstrend liegt der Schlusskurs im

und so weiter. Fibonacci-Zahlen und -Verhältnisse kommen oberen Bereich dieser Spanne und wird dort möglicherweise

längere Zeit verweilen. Im Abwärtstrend liegt der

in der Natur oft vor; deren Anwendung in der Technischen

Analyse überträgt dies auch auf die Finanzmärkte. Fibonacci- Schlusskurs im unteren Bereich dieser Spanne und wird

Retracements – im Sinne von Rückläufen beziehungsweise

Korrekturen – werden bestimmt, indem zunächst zwei ein Gleitender Durchschnitt der %K-Linie. Die Skala des

dort möglicherweise länger verweilen. Die %D-Linie ist

Extrempunkte im Chart gesucht werden, ein Tief und ein Indikators liegt zwischen Null und 100. Werte ab 80 gelten

Hoch. Diese Strecke entspricht 100 Prozent der Bewegung. als überkauft, dort wird eine entsprechende Extremzone

Davon ausgehend sind die Retracements verschiedene markiert. Werte unter 20 gelten als überverkauft, dort

Korrektur-Level wie zum Beispiel 38,2, 50 oder 61,8 Prozent. wird ebenfalls eine entsprechende Extremzone markiert.

Diese Werte ergeben sich aus der Bildung verschiedener Zusätzlich können wir bei 50 die Mittellinie einzeichnen.

Quotienten in der Fibonacci-Zahlenfolge.

Stochastik-Werte nahe 100 zeigen an, dass der Basiswert

am Hoch der betrachteten Zeitspanne gehandelt wird.

Doppelboden

Stochastik-Werte nahe Null zeigen an, dass der Basiswert

Ein Doppelboden ist eine Bewegung im Kursverlauf, bei am Tief der betrachteten Zeitspanne gehandelt wird. Neben

den Extremzonen können Trader auch das der zweimal kurz nacheinander der Kurs steil nach unten

Kreuzen

79


SCHLÜSSELKONZEPTE

www.traders-mag.com 10.2015

B3) Stochastik bei der Telekom-Aktie

eine Unterstützung. An diesen Stellen

kommt ein ausreichend hohes Kaufinteresse

auf, um den Kursverfall zu

stoppen und die Bewegungsrichtung

(zumindest temporär) umzukehren.

Analog dazu verhält es sich an Hochpunkten

mit Widerstandsbereichen.

Wird eine Unterstützung erfolgreich

durchbrochen, folgt in der Regel ein

größerer Verkaufsdruck und damit

die Bestätigung der Trendrichtung

(analog dazu Kaufdruck beim Bruch

des Widerstands). Tritt diese Bestätigung

nicht ein, handelt es sich möglicherweise

um einen Fehlausbruch.

In Bild 3 ist der Stochastik-Oszillator bei der Aktie der Deutschen Telekom dargestellt. Wie alle Oszillatoren

funktioniert auch dieser am besten in Seitwärtsphasen oder leichten Trends mit stärkeren Schwankungen.

Nach der klassischen Interpretation ergibt sich ein Kaufsignal, wenn der Stochastik (blaue Linie) die 20er-Linie

von unten nach oben kreuzt, und ein Verkaufssignal, wenn er die 80er-Linie von oben nach unten kreuzt. Zusätzlich

kann das Kreuzen der Stochastik-Linie mit der violetten Signallinie, die einen Gleitenden Durchschnitt

des Stochastik darstellt, gehandelt werden.

der %K- und der %D-Linie handeln. Der Stochastik sollte

wie die meisten anderen Indikatoren auch am besten in

Kombination mit anderen Indikatoren verwendet werden

(siehe Beispiel Bild 3).

Parabolic SAR (PSAR)

Der Name „Parabolic SAR“ (PSAR) ergibt sich aus der

parabolischen Form der Indikator-Kurve und wurde von

Welles Wilder entwickelt. SAR steht für „Stop and Reverse“

und bedeutet, dass in diesem trendfolgenden Handelssystem

nach Erreichen des Stopp-Kurses eine Position

in die entgegengesetzte Handelsrichtung aufgebaut

wird und es damit immer auf einer Seite positioniert ist.

Das Interessante am PSAR ist, dass die Stoppmarke mit

fortschreitender Dauer des Trades immer näher an den

Kurs gezogen wird. Dadurch soll eine effektive Gewinn-

sicherung erreicht werden. Nachteil des Indikators ist,

dass er bei schnellen Richtungswechseln in Seitwärtsphasen

regelmäßig an den Extremkursen einsteigt und

mit Verlust die Positionen dreht.

Widerstands-/Unterstützungslinie

Fällt ein Markt mehrmals auf ein (nahezu) gleiches Niveau

zurück und kehren die Kurse an dieser Stelle wiederholt

um, handelt es sich gemäß der Technischen Analyse um

Quelle: www.tradesignalonline.com

Arbitrage

Arbitrage bezeichnet das Erzielen von

„risikolosen“ Gewinnen. Dies konnte

früher klassisch durch das Ausnutzen

von Kursunterschieden für

dasselbe Produkt an verschiedenen

Börsen durchgeführt werden, erfolgt

heute jedoch durch schnelle Computer.

Grundsätzlich sind Arbitrage-

Geschäfte heute nur noch im extrem schnellen Hochfrequenzhandel

(High Frequency Trading) praktikabel.

Relative Stärke

Eine Aktie besitzt Relative Stärke, wenn sie gegenüber

einem Vergleichsindex über einen gewissen Zeitraum

bessere Renditen erwirtschaftet. Relative Stärke lässt

sich über Rankings verschiedener Aktien, durch den Einsatz

von Indikatoren oder durch einen visuellen Abgleich

der Charts der Aktie sowie des Vergleichsindex ausfindig

machen. Viele Trader beziehen das Konzept der Relativen

Stärke (analog Relative Schwäche für die Short-Seite) mit

ein, um Long- und Short-Signale abzuleiten.

Relative Stärke Index (RSI)

Der Relative Stärke Index (RSI) wurde von Welles Wilder

Jr. konzipiert und in seinem 1978 erschienenen Buch

„New Concepts in Technical Trading Systems“ der Öffentlichkeit

vorgestellt. Der RSI (Bild 4), der ebenso wie

der Moving Average Convergence/Divergence (MACD) zu

den am weitesten verbreiteten technischen Indikatoren

zählt, berechnet sich nach der Formel:

RSI = 100 - 100 / (1 + RS)

Mit dem RSI kann das Ausmaß von Kursverlusten mit

80


SCHLÜSSELKONZEPTE

den Kursgewinnen derselben Periode

verglichen werden. In der Formel

B4) Relative Stärke Index (RSI)

steht RS (Relative Stärke) für den

Quotienten aus dem Durchschnitt

der Schlusskurse von x Tagen/Wochen

mit steigenden Kursen und dem

Durchschnitt der Schlusskurse von

x Tagen/Wochen mit fallenden Kursen.

Meist werden 14 Tage oder Wochen

als Wert für x angesetzt. Zur

Ermittlung des Mittelwertes für die

Tage/Wochen mit positiver Kurstendenz

sind die gesamten Kursgewinne,

die innerhalb der 14 Tage/Wochen an

Tagen/Wochen mit steigenden Kursen

angefallen sind, zu addieren und durch

14 zu teilen. Um den Durchschnittswert

für die Tage/Wochen mit negati-

Oberhalb der 70er-Marke gelten die Kurse beim RSI als überkauft, unterhalb der 30er-Marke als überverkauft.

Quelle: www.tradesignalonline.com

ver Kurstendenz zu ermitteln, müssen

die gesamten Kursverluste, die innerhalb

dieses Zeitraums an Tagen/Wochen

mit fallenden Kursen entstanden sind, summiert und Donchian Channel

durch 14 dividiert werden. Die Relative Stärke berechnet Der Donchian Channel beschreibt den höchsten sowie

niedrigsten Kurs der jeweiligen Berechnungsperi-

sich dann durch die Division des durchschnittlichen Kursgewinns

durch den durchschnittlichen Kursverlust. Danach ode. Er wird oft in Handelssystemen oder als Stoppwird

die RS in die RSI-Formel eingefügt.

Loss- und Trailing-Stopp eingesetzt. Klassisch werden

Ausbrüche aus dem Kanal prozyklisch gehandelt, also

Commodity Channel Index

Long bei Ausbruch nach oben und Short bei Ausbruch

Der von Donald Lambert entwickelte Commodity Channel

Index (CCI) wird eingesetzt, um Anfang und Ende von Periodenlänge von 20 Tagen. Bei der Verwendung des

nach unten. Die Standardeinstellung hierfür ist eine

Kurstrends zu ermitteln. Dazu wird zunächst ein Gleitender

Durchschnitt (GD) des typischen Preises (Mittelten

Kanalbegrenzungen verwendet. Meist werden hier

Kanals als Stopp werden die jeweils entgegengesetzwert

aus Eröffnungs-, Höchst- und Tiefstkurs) über die kürzere Einstellungen verwendet, wie zum Beispiel drei

gewählte Periodenlänge berechnet. Im Nenner der CCI- bis fünf Tage.

Berechnung steht die Differenz aus typischem Preis und

dessen GD, also der aktuelle Abstand vom GD. Im Zähler Trendlinie/Trendkanal

steht die durchschnittliche Abweichung des typischen Ein Trend definiert sich in der Technischen Analyse als

Preises von seinem GD über die gewählte Periodenlänge, Abfolge steigender Hochs und steigender Tiefs für einen

adjustiert um den Faktor 0,015.

Aufwärtstrend, analog dazu für einen Abwärtstrend. Im

Der CCI kann sowohl als Ausbruchs-Indikator als auch Idealfall lässt sich beispielsweise an die steigenden Tiefs

als Überkauft/Überverkauft-Oszillator verwendet werden.

Er bildet das Verhältnis der Kursbewegung zu ihrem Aufwärtstrends eine Linie anlegen, die den Verlauf und

– in der Regel sind damit die Schlusskurse gemeint – eines

Durchschnitt ab, wobei die Marken von -100 und +100 in die Steigung des Trends beschreibt. Lässt sich zusätzlich

Seitwärtsphasen als Trigger-Marken für entsprechende an die Hochpunkte eine dazu parallele Linie anlegen, so

Long- (-100) oder Short-Signale (+100) dienen. Extremere entsteht ein Trendkanal. Notieren die Kurse innerhalb des

Werte von unter -200 oder über +200 gelten als Signale Kanals, gilt der Trend als intakt. Ein Ausbruch aus einem

einer Überhitzung des Trends und werden häufig antizyklisch

interpretiert. Ebenfalls kann der CCI auf Divergenzen Bewegung an, ein Ausbruch nach unten ist ein Indiz für

Aufwärtstrend nach oben zeigt eine Dynamisierung der

zum Kursverlauf sowie charttechnisch zum Beispiel auf das Ende des Trends. Die Beschreibung gilt analog für

Trendlinien hin analysiert werden.

Abwärtstrends. «

81


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

» Wohnort: Ellicott City, MD

» Interessen: Kirche, Familie, Schreiben, mathematische Modelle erstellen, Lesen (fast alles)

» Trading-Stil: meine durchschnittliche Haltedauer ist drei Jahre

» Webseite: www.alephblog.com

Erfolgreiche Trader und ihre Psyche

Teil 22: David J. Merkel

In dieser Interviewserie sprechen wir mit

professionellen Tradern über ihre Psyche und

deren Einfluss auf das Trading. Sie erzählen uns

von ihren Emotionen beim Traden – von den guten

und den schlechten. Eines unserer Hauptkriterien

für die Interviews ist die langjährige

Erfahrung, auf die diese Trader zurückblicken.

Wir hoffen, dass diese Artikel anderen, weniger

erfahrenen Tradern Informationen bieten, aus

denen sie lernen können. Jedes Interview dieser

Serie wurde von Richard Chignell geführt,

der selbst Trader ist. Seinen Blog finden Sie

unter http://embracethetrend.com.







Chignell: Welchen Trading- beziehungsweise

Investment-Stil haben Sie?

Merkel:



» Chignell: Wie lange traden Sie schon?

Merkel: Mittlerweile trade ich seit gut 25 Jahren und habe

währenddessen viele verschiedene Stationen durchgemacht:

senen

Fonds und shortete überbewertete Firmen.






-

-

-


-

-



82


PEOPLE

Ein Baum in meinem Garten wird auch nicht schneller wachsen,

nur weil ich mir darüber Sorgen mache.


-




-

-








Chignell: Wie fühlen Sie sich,

wenn ein Trade gegen Sie läuft?

Merkel:

-

-

-







-

geln

nicht einhielt.

Chignell: Wie fühlen Sie sich, wenn ein Trade gut läuft?



Chignell: Wie haben sich diese Gefühle im Laufe

Ihrer Trading-Karriere verändert?

Merkel:





Chignell: Was tun Sie außerhalb des Büros und des

Trading-Screens, um sich mental und emotional zu stärken?

Merkel:

Merkel: -

-



Kostenfreies Webinar:

Ich will Trader werden

Für alle, die vom Trading leben wollen

Sie erhalten einen Überblick bzgl. Voraussetzungen

und Chancen, um Ihren Traum

verwirklichen zu können

Alles über Abläufe, Eigenkapital, Disziplin,

Vor- und Nachbereitung

Donnerstag,

23.07.2015

von 19 – 20 Uhr

Berufsausbildung Trader

3 Monate Intensiv-Ausbildung in Theorie

6 Monate Praxisphase

max. 10 Teilnehmer

tägl. 12 Stunden Coaching via Live-Stream

Einzelcoachings, individuelle Besprechungen

etc.

Ihr Coach: Uwe Wagner

www.beruf-trader.de

83


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015


des

herausnehme.

Chignell: Haben Sie das immer schon getan?

Merkel:


-







Chignell: Wie haben Sie gelernt,

mit den Emotionen beim Trading umzugehen?

Merkel:


-

schnittlich

drei Jahre und die längsten habe ich schon seit

Geballtes Wissen

rund ums Trading

Mehr dazu auf der World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de







Chignell: Erinnern Sie sich an eine Zeit in Ihrem Trading,

in der Sie gesehen haben, dass man sehr viel auf die

psychologischen Faktoren zurückführen kann?



Merkel: -

-






Chignell: Wenn Sie angehenden Tradern einen Rat über

das emotionale Handling des Marktes geben könnten,

welcher würde es sein?


Merkel: -

-












-

-

len

sich nur wenige antun.









-

-

-

-


Twitter:

Webseite:«

David J. Merkel

David J. Merkel ist Chartered Financial Analyst, Direktor der Vermögensverwaltung

Aleph Investments und Autor des Aleph Blog.

84


Andrei Anissimov

Das große Handbuch der

Optionsstrategien

Die Schritt-für Schritt Anleitung für ein

stabiles Einkommen an der Börse

ISBN 978-3-89879-912-6

352 Seiten | 34,99 €

Auch als E-Book erhältlich

Die Möglichkeiten für Sie, an der Börse Geld zu verdienen, sind vielfältig.

Doch die meisten Anleger und Trader verlieren, weil sie mit

wenig Erfolg versuchen, den Markttrend vorherzusagen.

Dieses Buch zeigt in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung einen neuen Weg auf,

unabhängig von der Marktentwicklung planbare und regelmäßige Einnahmen

zu erzielen – und das mit einem Zeitaufwand von nur wenigen Stunden pro

Woche. Sie als Trader oder Investor erhalten erprobte Bausteine, um gute Aktien

billiger einzukaufen und langfristige, stabile Profite zu generieren.

Andrei Anissimov legt die Strategien von Investmentlegenden wie

Warren Buff ett oder George Soros off en und zeigt, wie Trader dieses

Wissen nutzen können.

Der Devisenmarkt ist mit einem Tagesumsatz von rund 5000 Milliarden

US-Dollar der größte Handelsplatz der Welt. Das ist mehr als ein Vielfaches

der Handelsvolumina aller globalen Aktienmärkte. Während Aktien

jedoch vorrangig an Börsen gehandelt werden, fi ndet der Devisenhandel

größtenteils außerbörslich statt.

Jens Klatt zeigt Ihnen, wie Sie als Trader neben technischen und fundamentalen Aspekten

Sentiment-Analysen (die Stimmung von Investoren an der Börse) auf dem Forex-

Markt nutzen und diese beim Trading umsetzen können. Sowohl Anfänger als auch

Fortgeschrittene erhalten hier einen Blick hinter die Kulissen des Devisenmarkts und

wichtige Tipps, um den eigenen Handelsansatz profi tabel umzusetzen.

Die Grundbegriff e des Devisenhandels werden ebenso ausführlich erklärt

wie die Analyse und das Trading mit dem Commitment of Traders Report

(CoT). Risk- und Money-Management fi nden ebenso ihren Platz wie ein

Blick auf die fundamentale und technische Lage. Zudem gewährt Jens

Klatt einen Einblick in seine tägliche Arbeit als Chefanalyst bei www.

dailyfx.de.

Jens Klatt

Forex Trading

Grundlagen, Strategien und Methoden

für den erfolgreichen Forex-Trader

ISBN 978-3-89879-866-2

256 Seiten l 34,99 €

Auch als E-Book erhältlich

www.fi nanzbuchverlag.de

JETZT PORTOFREI

BESTELLEN

Ab 19,90 € innerhalb

Deutschlands


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

Joe Ross

Meine 58 Jahre als Trader

Mit Stern* markierte Begriffe

siehe Schlüsselkonzepte S. 78.

Joe Ross ist eine Trading-Legende. Seit nunmehr – halten Sie sich fest – 58 Jahren ist er an der Börse aktiv

und verdient sich hier seinen Lebensunterhalt. Mit seinem fl exiblen Handelsstil hat er allen Höhen und Tiefen

der Märkte getrotzt und dabei einen risikoarmen Ansatz genutzt, der dauerhafte Gewinne generiert. Joe

Ross ist der Schöpfer des berühmten „Ross-Haken“-Setups und hat zwölf Bücher sowie unzählige Artikel

und Aufsätze über den Börsenhandel geschrieben. Seine Bücher wurden allesamt Klassiker und in viele

Sprachen übersetzt. Darüber hinaus betreibt er die Webseite www.tradingeducators.com, über die er seine

Trading-Methoden vermittelt und Trader mit seinem Wissen versorgt. Im Interview bringt uns Joe Ross seine

Herangehensweise an die Märkte näher, und teilt mit uns seine im Laufe der Zeit gewonnenen Erkenntnisse

und seine langjährige Praxis als Trader.

» TRADERS´: Herr Ross, wir können eigentlich nur raten,

welch ungeheuren Erfahrungsschatz Sie im Laufe der Jahre

angesammelt haben. Aber fangen wir einfach damit an, wie

alles begann. Wann haben Sie überhaupt zum ersten Mal

von den Märkten und dem Traden gehört, und wie kam es,

dass Sie davon gefesselt wurden?

Ross: Als ich 14 Jahre alt war, war es noch üblich, dass

die Mutter zu Hause blieb und der Vater arbeiten ging und

das Geld nach Hause brachte. Allerdings war dies nicht

immer der Fall – so war der Vater meines besten Freundes

während des Arbeitstages in der Regel zu Hause. Meine

Vermutung war damals, dass er wohl irgendein gesundheitliches

Problem haben musste – also dass er arbeitsunfähig

war. Dabei lebten mein Freund und seine Familie

aber alles andere als in ärmlichen Verhältnissen, wohnten

sie doch in einem Stadtviertel der oberen Mittelschicht

und fuhren ein neues Auto. Ich weiß noch, wie ich ihn

gefragt habe: „Kann dein Vater nicht arbeiten? Warum

ist er immer zu Hause?“ Und seine Antwort war: „Nein.

Ihm geht‘s gut. Er arbeitet hier, und zwar in dem Zimmer

mit den Glastüren.“ – „Ja, aber was macht er denn da?“

– „Keine Ahnung. Aber du kannst ihn ja selbst fragen.“

Also klopfte ich an die Glastür und fragte: „Was für eine

Arbeit machen Sie da?“ Und als Antwort kam: „Ja, wenn

86


PEOPLE

du es genau wissen willst, komm doch einfach rein, und

ich zeig es dir.“ Der Vater meines Freundes ist dann zu

einem Wandschrank gegangen, hat eine Papierrolle hervorgeholt

und breitete diese auf einem Zeichentisch aus.

Er sagte: „Ich arbeite mit diesem Chart und anderen solchen

Bildern.“ Ich erkannte aber darauf nur jede Menge

Dinge, die wie Striche aussahen, und stellte deswegen

die Frage: „Sie beschäftigen sich damit, Striche zu zeichnen?“

– „Nein, diese Striche stehen für Aktien.“ – „Was

ist denn eine Aktie? Sieht eine Aktie wie ein Strich aus?“

Er beschrieb dann, worum es sich bei Aktien handelte,

und erklärte mir, dass die Striche für die Aktienkurse eines

Unternehmens standen. Mich fasziniert es unheimlich,

dass er mit dem, was sich als ganz simples Balkendiagramm

entpuppte, Geld verdienen konnte.

Damals waren meine Eltern beide berufstätig. Jeden

Tag mussten sie sich durch den Berufsverkehr kämpfen,

der ziemlich heftig war. Der Vater meines Freundes konnte

dagegen ein viel bequemeres Leben führen. Als mir

das klar wurde, fasste ich direkt den Entschluss, genau

das auch zu lernen.

und legte größten Wert auf Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung.

Er meinte, dass ich nie wie er selbst traden

würde und dass ich meinen eigenen Handelsstil entwickeln

müsse. Ich müsse unbedingt an mich selbst und

an meine Taten glauben – das gab er mir mit auf den Weg.

Nach meiner Zeit bei ihm kehrte ich wieder nach Hause

zurück, um ein Studium an der University of California

in Los Angeles (UCLA) zu beginnen. Damals gab es so etwas

wie Daytrading noch nicht, es sei denn, man tradete

direkt an der Börse. Ich beschäftigte mich daher als langfristiger

Positions-Trader an den Futures-Märkten, wobei

ich gelegentlich auch am Aktienmarkt investiert war. Ich

hatte von meinem Großonkel die klassische Charttechnik

gelernt, und der einzige technische Indikator, den ich

nutzte, war ein Gleitender Durchschnitt (GD). Ich hatte ein

Abonnement beim Dunn and Hargitt-Chart-Service, von

dem ich einmal in der Woche eine Reihe von Charts erhielt,

die ich mithilfe der in den Zeitungen erscheinenden

Kurse täglich aktualisieren musste.

Man konnte damals nur dann ausschließlich vom

Handel mit Rohstoff-Termingeschäften leben, wenn man

Trennen Sie sich von Aktien, mit denen Sie Geld verlieren.

TRADERS´: Könnten Sie die wichtigsten Stationen in Ihrer

58-jährigen Karriere als Trader beschreiben und erklären,

wie sich alles entwickelt hat?

Ross: Als der Vater meines Freundes erkannte, dass ich

echtes Interesse am Traden hatte, nahm er mich mit in

ein Büro der Pacific Coast Stock Exchange, wo ich in der

Galerie saß und die Menschen beim Traden beobachten

konnte. Das war ein faszinierendes Erlebnis. Ich investierte

in meine erste Aktie und hielt diese bis ich 20 Jahre alt

war. Innerhalb weniger Tage machte ich schon Verlust mit

dieser Aktie, hielt den Verlust-Trade aber so lange, bis das

Unternehmen am Ende von der Bildfläche verschwand.

Ich bin dankbar für diese Lektion: Trennen Sie sich von

Aktien, mit denen Sie Geld verlieren!

Mit 17 ging ich dann zur US-Kriegsmarine und diente

dort bis ich 22 wurde. Im Laufe dieser Jahre habe ich einiges

über die Märkte gelesen, aber nie eine echte Möglichkeit

zum Traden gehabt. Nach meinem Dienst bei der

Marine besuchte ich meinen Großonkel. Dabei stellte sich

heraus, dass er Rohstoffhändler war und auch im Alter von

76 Jahren immer noch an der Börse aktiv handelte. Ich verbrachte

viele Monate bei ihm und er erklärte mir alles über

die Märkte und wie sie funktionieren. Er war sehr streng

auch über eine Menge Geld verfügte, was bei mir nicht

der Fall war. Wenn ich mich recht erinnere, gab es nur

wenig ausreichend liquide handelbare Märkte: Mais, Weizen,

Soja, Zucker, Schweine, Rinder, Silber, Heizöl und

Benzin. Die Trades waren dünn gesät. Es gab keine Aktienindizes,

keine Devisenmärkte und keine Zins-Futures.

Um die Zeit tagsüber zu nutzen, beschäftige ich mich mit

einer Vielzahl von Unternehmen. Dabei konnte ich viel

über den Einzelhandel, Import/Export, Versicherungen

sowie Computer-Programmierung und -Analyse lernen.

Ich habe einen Deo-Automaten erfunden, den wir hergestellt,

verkauft und gewartet haben, und uns gehörte

auch ein Chemieunternehmen. Drei Mal in meinem Leben

lebte ich auf einer Farm und lernte dabei viel über Landwirtschaft.

Bis heute bin ich immer noch eng mit dem

Land verbunden und liebe fast alles, was die Natur und

nicht der Mensch geschaffen hat.

TRADERS´: Wann haben Sie es so weit gebracht,

dass Sie als Vollzeit-Trader arbeiten konnten?

Ross: Im Jahr 1980 kamen drei Dinge zusammen, die es

mir ermöglicht haben, Vollzeit-Daytrader zu werden. Ich

fand damals einen Daten-Provider namens „The Source“,

87


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

Traders Trick Entry von Joe Ross

a)

1 2

3

2

1

3

2

Kauf

3

RH

c)

b) RHKauf

d)

1 3

1

2

Kauf

2

RH

Kauf

muss

profitabel sein

Der Traders Trick Entry (TTE) wurde von Joe Ross mit dem

Ziel entwickelt, in einen bevorstehenden Ausbruch einzusteigen,

bevor der eigentliche Ausbruch erfolgt. Der TTE befolgt

einfache Regeln. Zunächst braucht man eine 1-2-3-Formation,

die nicht in einer Konsolidierung erfolgen darf,

sondern am Ende eines Trends oder einer Swing-Bewegung

auftritt. Der Grund dafür ist, dass 1-2-3-Bewegungen innerhalb

einer Konsolidierung keine Aussagekraft haben, da

diese Bereiche sie in beiden Richtungen aufweisen. Sobald

ein Punkt 2 oder ein Ross-Haken auf dem Chart sichtbar

wird, sollte man Vorbereitungen für die Platzierung einer

Order treffen, die einen Tick über dem Hoch des zweiten

folgenden Kurs-Bars liegt. In dem Maße, wie die Kurse sich

ständig weiter entfernen, ziehen Sie Ihre Einstiegs-Stopp-

Order bis zu einem Tick über das Hoch des dritten Kurs-Bars

nach. Indem Sie für genügend Raum zwischen Ihrem Einstiegspunkt

und dem früheren Hoch sorgen, können Sie zumindest

„kostenlos“ traden, wenn der Ausbruch misslingt.

Gelingt der Ausbruch hingegen, werden Sie gut bezahlt.

mit dem man End-of-Day-Daten für ein paar Dollar im

Monat herunterladen konnte. Da ich mich mit Computern

auskannte, schrieb ich ein Programm, das die Daten von

einem Tabellenformat in ein Streaming-Format umwandelte,

und konnte so mit einem Programm namens „Micro-

force Market Detective“ Charts erstellen. Allerdings

brauchte ich noch etwas anderes, und das war die zweite

Sache, die 1980 passierte. Epson brachte damals einen PC

auf den Markt, der Grafiken bearbeiten konnte. Dadurch

konnte jeder Nutzer seine eigenen Charts zusammenstellen

und ausdrucken, und zwar von einem Daten-Stream,

der in das „Market Detective“-Programm eingespeist

wurde. Die dritte Sache, die 1980 geschah, war, dass die

Firma „Commodity Quote Graphics“ einen Weg fand, wie

man den Epson-Computer nutzen konnte, um Text und

Grafiken von einem Live-Daten-Feed zu erstellen. Diese

drei Dinge ermöglichten Daytrading. Ich verkaufte meine

Firmenanteile und begann dann Anfang 1981 als Vollzeit-

Daytrader an den Märkten zu handeln.

TRADERS´: Wie haben Sie damals getradet?

Ross: Damals gab es bereits die Finanzterminmärkte, Devisenmärkte,

den S&P 500 und die Gold-Futures. Ich tradete

Anleihen, das Britische Pfund, die Deutsche Mark, den

Japanischen Yen und den Schweizer Franken sowie Gold.

Nachdem ich ja bereits wusste, wie man einen Chart liest,

schnitt ich recht gut ab. Mit dem Aufkommen des PCs

konnte ich mir all die vielen Indikatoren ansehen, die gerade

erfunden wurden. Jedoch waren Indikatoren für mich

reine Zeitverschwendung, es sei denn, man konnte sie auf

unkonventionelle Weise für ganz bestimmte Dinge einsetzen.

Beispielsweise wurde der Commodity-Channel-

Index CCI* geschaffen, der als Indikator für überkaufte/

überverkaufte Phasen diente. Ich nutzte ihn jedoch, um

auf diese Weise für eine sehr lange Zeit in einem Trend zu

bleiben. Ähnlich funktionierte der Stochastik-Indikator*,

aber ich nutze ihn nur als Momentum-Indikator.

TRADERS´: Wie sind Sie durch den Crash

von 1987 gekommen?

Ross: Im September 1987 hatte ich kurz nach dem Aufwachen

eine Stunde lang Schmerzen. Nach diesen

60 Minuten voller Schmerzen bin ich – ohne es zu wissen

– zehn Tage lang mit einem Blinddarmdurchbruch herumgelaufen.

Ich fing mir dadurch eine Wundinfektion ein,

die so massiv war, dass man glaubte, ich könnte sie nicht

überleben. Nach drei Monaten im Krankenhaus wurde

mir mitgeteilt, dass die Folgen so gravierend seien,

dass ich nie wieder gehen und wahrscheinlich auch nicht

sprechen könnte, weil man durch einen Schnitt zwischen

die Stimmbänder in meinen Kehlkopf einen Beatmungsschlauch

eingesetzt hatte. In beiden Fällen lagen die Ärzte

falsch. Ich befand mich also als Krankenhauspatient

in einem künstlichen Koma, als sich der Crash von 1987

ereignete. So werde ich nie wissen, wie es mir ergangen

wäre, hätte ich zu diesem Zeitpunkt getradet.

Als ich Heiligabend 1987 aus dem Krankenhaus entlassen

wurde, konnte ich weder gehen noch sprechen.

Jeden Tag bin ich die Treppe hinunter in meinen Keller

gekrochen und versuchte, an den Märkten zu handeln.

Aber ich hatte so starke Schmerzen, dass ich dazu

88


PEOPLE

einfach nicht in der Lage war. Jeden Tag dachte ich, dass

ich vielleicht den nächsten Tag nicht mehr erleben würde.

Meine Frau machte damals den Vorschlag, dass ich alles,

was ich wüsste, aufschreiben sollte, damit meine Kinder

davon profitieren könnten – für den Fall, dass sie auch in

den Börsenhandel einsteigen wollten. Aus dem, was ich

aufgeschrieben habe, ist dann mein erstes Buch „Trading

by the Book“ entstanden.

TRADERS´: Wie ging es dann weiter?

Ross: Obwohl ich die Märkte den ganzen Tag beobachtete,

musste ich erneut auf den langfristigen Positionshandel

und Spread Trading zurückgreifen. Die Schmerzen waren

so stark, dass Daytrading für mich zu viel war, und dieser

Zustand hielt weitere 4,5 Jahre an. Ab einem gewissen

Punkt im Jahr 1988 bis Mitte 1993 war ich körperlich nicht

in der Lage, mich als Daytrader zu betätigen. Gleichzeitig

hatte ich so genügend Zeit, um zu schreiben und andere

Interessenten zu coachen. Üblicherweise nahm ich mir

damals drei Tage in der Woche Zeit, Trader zu coachen,

die „Trading by the Book“ gelesen hatten. Danach war

ich immer so erschöpft, dass ich die nächsten vier Tage

im Bett liegen musste. Wegen den Schmerzen musste ich

alle paar Tage in die Notaufnahme, bis ein Chirurg endlich

feststellte, was den Schmerz verursachte, und diese

Ursache entfernte.

Mein Buch führte zu Anfragen bezüglich privater Schulungen.

Im Laufe dieser Schulungen wurde mir klar, dass

die meisten Menschen, die ihr Glück an der Börse versuchten,

keine Ahnung von den Märkten hatten, und auch gar

nicht wussten, was sie an der Börse eigentlich machten.

Auf einer Reise nach Kalifornien, wo ich einen Arzt entsprechend

schulen wollte, war ich einmal so erstaunt darüber,

wie wenig er wusste, dass ich angefangen habe, mir

Notizen von all den Dingen zu machen, die er wissen sollte.

Ich möchte jetzt etwas sagen, was ich noch nie

schriftlich festgehalten habe. Als ich jedes meiner ersten

vier Bücher final nochmal durchgelesen habe, entdeckte

ich viele Dinge, die mir vorher nicht bekannt waren, obwohl

sie in meinen Büchern standen. Jedes dieser Bücher

habe ich geschrieben, ohne mir vorher irgendwelche Notizen

gemacht zu haben. Die Ideen sind einfach aus meinem

Kopf direkt in die Finger geflossen, die den Text auf

meiner Tastatur getippt haben.

TRADERS´: Wie oft haben Sie im Laufe der Jahre Ihre

Herangehensweise an die Märkte geändert und warum?

Ross: Das ist eine sehr interessante Frage, weil ich irgendwann

aufgehört habe zu zählen. Obwohl die Charts

heute noch genauso aussehen wie vor Jahrzehnten, hat

man das Managen der Trades ständig anpassen müssen.

Die Märkte sind eben quicklebendig und bleiben nie

gleich. Also passe ich mein Trade-Management ständig

an die Marktgegebenheiten an. Die einzige Konstante bei

mir ist die Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung, die

ich in den ersten Jahren meines Tradings gelernt habe.

Dadurch war ich in der Lage, bei meinem Handel konsequent

zu bleiben, und diese Konsequenz hat es mir möglich

gemacht, nie den Glauben an mich selbst und an das,

was ich mache, zu verlieren. Die unzähligen Stunden, die

ich mit der Lektüre und Analyse von Charts verbracht

hatte, gaben mir das, was ein Freund von mir „das dritte

Auge“ nennt. Nicht selten ändere ich meinen Ansatz von

einem Tag auf den anderen, weil ich etwas Bestimmtes

sehe. Mein Motto war und ist eben: „Trade, was du siehst,

und nicht, was du denkst.“

TRADERS´: Eines Ihrer bekanntesten Setups ist

der Ross-Haken. Können Sie kurz erklären,

welche Grundidee dahinter steckt?

Ross: Der Ross-Haken ist eigentlich ganz einfach. Eines

der ältesten Muster der Welt ist das 1-2-3*- oder auch

ABC-Hoch beziehungsweise -Tief. Wenn nun der Punkt

Nummer 2 gebrochen wird und die Kurse anfangen,

in eine Richtung (nach oben oder unten) zu tendieren,

kommt irgendwann der Moment, an dem sich die Bewegung

erschöpft und die Kurse – meist vorübergehend –

aufhören, in Trendrichtung zu laufen. Diese Kerzen werden

dann als Ross-Haken bezeichnet. Sie bezeichnen jede

Nicht-Fortsetzung der Kurse in Richtung des Trends, und

zwar vom Ausbruch des Punktes Nummer 2 an, der den

Trend begonnen hat. Die Ross-Haken können in einem

Trend so lange immer wieder auftreten, bis die Kurse ein

1-2-3-Muster in die entgegengesetzte Richtung bilden

oder in eine Konsolidierungsphase übergehen.

Wichtig ist, dass ein Ross-Haken nur auftreten kann,

wenn die Kurse einen Trend aufweisen. Entweder direkt

nach dem Ausbruch aus einer Konsolidierung oder aber

später im Trendverlauf.

TRADERS´: Können Sie uns bitte ein Beispiel zeigen?

Ross: Ich zeige Ihnen einen bestimmten Chart, mit dem

ich eine Reihe von Dingen (siehe Bild 1) erkläre. Dieser

Chart enthält etwas, das Sie später überraschen wird.

In Bild 1 sehen wir, dass der Kurs sich in der Konsolidierungsphase

befand. Er ist sodann aus der Konsolidierung

ausgebrochen und erfuhr anschließend eine

Korrektur, womit sich ein Ross-Haken (RH) bildete.

Jede Nicht-Fortsetzung des Kurses in Richtung eines

Ausbruchs aus der Konsolidierung ist ein Ross-Haken.

89


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

Der Kurs begann dann, einen anhaltenden Trend aufzuweisen.

Bei jedem weiteren Mal, als der Kurs anschließend

das neue höhere Hoch nicht halten konnte

und eine kurze Korrektur einleitete, bildete sich erneut

ein Ross-Haken aus. Zum Schluss sehen wir den Punkt

Nummer 1 einer 1-2-3-Hoch-Formation. Anfangs war

dieser Punkt 1 auch ein Ross-Haken. Der Ross-Haken

wurde dann zum Punkt 1, als der Kurs den Punkt 2 eines

1-2-3-Hochs bildete und nach unten durchbrach, was einen

Abwärtstrend definierte. Ganz am Ende sehen wir,

dass der Kurs sich nicht niedriger bewegte und so einen

weiteren Ross-Haken bildte – dieses Mal in umgekehrter

Richtung. Ein Bruch des allerletzten Ross-Hakens würde

einen Abwärtstrend etablieren.

Charts“ definiert wurde. In Bild 1 wollen wir mit dem „Traders

Trick“ in einen Trade vor dem Ausbruch (dem Bruch)

des Ross-Hakens einsteigen, der sich nach dem Ausbruch

aus der Konsolidierung gebildet hat. Sowohl das

„Law of Charts“ als auch der „Traders Trick Entry“ sind

auf unserer Webseite als kostenlose E-Book-Downloads

erhältlich. Gehen Sie dazu einfach auf unsere Homepage

(www.tradingeducators.com) und melden sich an.

TRADERS´: Was hat es mit der Überraschung auf sich,

die Sie vorhin bereits erwähnt hatten?

Ross: Bild 1 ist kein Kurs-Chart. Der Chart wurde von einem

Zufallszahlengenerator erstellt. Wenn es jemanden

gäbe, der die andere Seite Ihres Trades übernehmen

Jeden Tag dachte ich, dass ich vielleicht den

nächsten Tag nicht mehr erleben würde.

TRADERS´: Sie haben die Konzepte „The Law of Charts“

und „Traders Trick Entry“ entwickelt. Woraus besteht

das Wesen dieser Konzepte?

Ross: „The Law of Charts“ besagt, dass in allen Charts,

die eine Reihe von Werten abbilden, 1-2-3-Hochs und

-Tiefs, Ross-Haken und Konsolidierungen entstehen

können. Darüber hinaus sind eben diese Muster, die von

Menschen getradet werden, das Ergebnis menschlicher

emotionaler Handlung und Reaktion auf die Bewegung

von Kursen, auch wenn jene Handlungen das Ergebnis

eines mechanischen Handelssystems sind. Wie sehr dies

zutrifft, kann man beim sogenannten High Frequency

Trading erkennen. Ohne dass der Mensch eingreift, soll

das Computerprogramm menschliche emotionale Reaktionen

auf falsche Erwartungen an die Kursbewegung

hervorrufen. Mit anderen Worten, der Hochfrequenzhandel

ist das erste mechanische Traden, das den Versuch

startet, Trader soweit zu bringen, dass sie emotional auf

eine erwartete Kursbewegung reagieren, die eigentlich

nie eintritt. Die Emotion hinter jedem mechanischen Handelssystems

ist die Gier – genauso wie bei jedem einzelnen

Trader, der ohne ein mechanisches System emotional

tradet. Wenn die Gier die Handlung bestimmt, dann

bestimmt die Angst die Reaktion. Unabhängig davon, wie

die Emotion ausgelöst wird – ob maschinell oder durch

einen menschlichen Impuls –, werden sich die Kurse immer

in Richtung Angriff oder Flucht bewegen.

Das Setup namens „Traders Trick Entry“ ist eine

Möglichkeit, das umzusetzen, was durch das „Law of

würde, könnten Sie an einem Markt traden, den Zufallszahlen

geschaffen haben. Es wäre dann ein zu 100 Prozent

rein technischer Markt. Es gäbe keine Fundamentaldaten

zu berücksichtigen, und es wäre unmöglich, einen solchen

Markt zu manipulieren. Jeden Tag würden die Zufalls-

zahlen aus einer neuen Quelle generiert werden. Niemand

könnte vorzeitig das Ergebnis eines Trades kennen.

TRADERS´: Welche anderen Setups und Ideen

haben Sie im Laufe der Zeit genutzt?

Ross: Darf ich an dieser Stelle eine kleine Korrektur anbringen,

was Setups betrifft. Weder die 1-2-3-Formation,

noch der Ross-Haken sind wirklich ein Setup. Sie sind

nur dazu da, das Kursverhalten zu ermitteln oder zu beschreiben.

Die 1-2-3-Formation und der Ross-Haken identifizieren

einen möglichen Trendwechsel. Ein Setup ist

etwas ganz anderes und muss an das angepasst werden,

was zuvor identifiziert wurde. Beispielsweise kann eine

1-2-3-Formation oder ein Ross-Haken sehr erfolgreich mit

dem Setup getradet werden, das ich den „Traders Trick

Entry“ nenne. Wenn man den „Traders Trick“ richtig tradet,

bietet er eine hohe Trefferquote.

Da das meiste Geld nunmal gemacht wird, wenn sich

die Kurse bewegen, bin ich Momentum-Trader. Das größte

Momentum entsteht bei einem Ausbruch. Mit dem

Traders Trick“ aber kann ich schon vor einem Ausbruch

einsteigen.

Denken Sie mal darüber nach: Man braucht mehr

Momentum, um aus dem Hoch oder Tief eines Vormonats

90


PEOPLE

auszubrechen als aus einem zweiminütigen Hoch oder

Tief. Und man braucht mehr Momentum, um aus einem

wöchentlichen Hoch oder Tief auszubrechen als aus einem

Tageshoch oder -tief. Wenn ich ein „Traders Trick“-

Setup vor dem Ausbruch aus einem Hoch oder Tief in irgendeinem

Zeitrahmen finden kann, weiß ich, dass sich

hinter dem Ausbruch das Momentum verbirgt. Hoffentlich

reicht dies aus, um Punkt Nummer 2 einer 1-2-3-Formation

oder die Spitze eines Ross-Hakens zu erreichen.

TRADERS´: Mit welchen Instrumenten und Strategien

haben Sie in der Vergangenheit größtenteils gehandelt,

und wie gut sind Sie mit diesen gefahren?

Ross: Mein Leben als Trader begann mit Rohstoff-

Futures, wobei ich hier mit langfristigen Trends handelte.

Wenn ich keinen Trend erkennen konnte, tradete ich eben

nicht. Für diesen Entschluss war eine Menge Disziplin erforderlich.

Trades waren selten, da Trendmärkte selten

waren. Begann jedoch erstmal ein Markt einen Trend zu

entwickeln, konnte man sich darauf verlassen, dass dieser

Trend viel länger anhielt, als es heutzutage bei Trends

geläufig ist. Wenn ich einen Trend erwischte, hielt ich mithilfe

von Trailing-Stopps so lange wie möglich an ihm fest.

Da es so wenige Trades gab, fing ich an, mit Spreads

zu handeln. Durch diese Erweiterung meines Repertoires

erhielt ich viel mehr Möglichkeiten zum Traden. Zunächst

handelte ich mit Intra-Market-Spreads, bis ich schließlich

zu Inter-Market-Spreads überging. Dabei stellte ich fest,

dass die Spreads oft dann einen Trend aufwiesen, wenn

die zugrundeliegenden Märkte relativ unverändert waren.

Wie zuvor schon erwähnt, wurde ich erst 1981 aktiver

Daytrader. Anfangs konnte man tatsächlich den Trend auf

1-Minuten-Intraday-Charts traden. Aber in dem Maße, in

dem sich immer mehr Menschen in die Märkte drängten,

wurden die Märkte auch immer weniger aufgewühlt und

es entwickelten sich immer weniger Trends. Zur Jahrhundertwende

wechselte ich schließlich zum Scalping, und

zwar an den – meiner Meinung nach – vier besten Märkten

fürs Daytrading als Scalper: Rohöl, Euro, Russell 2000

und Gold. Bei all diesen Märkten scalpe ich Ausbrüche,

indem ich schon vor dem Ausbruch einsteige, dann unter

Einsatz eines festen Geldbetrags trade und schließlich

wieder aussteige.

TRADERS´: Heute schreiben Sie Optionen auf Aktien.

Warum sind Sie auf diese Strategie übergegangen?

91


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

B1) Ross-Haken

Ein Trend beginnt mit dem Ausbruch aus einer Konsolidierung oder dem Bruch des Punkts Nummer 2 einer

1-2-3-Formation. Ein Ross-Haken ist dann jede Nicht-Fortsetzung der Kurse in Richtung des eingeschlagenen

Trends – und zwar vom Ausbruch des Punktes Nummer 2 an, der den Trend begonnen hat. Die Ross-Haken

dauern an, bis die Kurse ein 1-2-3-Muster in der entgegengesetzten Richtung bilden oder in eine Konsolidierungsphase

übergehen.

Ross: Eigentlich fing ich schon mit dem Optionshandel

auf Aktien an, nachdem ich einen Mann kennenlernte,

der von sich behauptete, er erwirtschafte 50 000 Dollar

im Monat mit dem Optionshandel auf Aktien. Ich traf den

Mann in einem Kurort. Er hat mir nie gesagt, was er eigentlich

beruflich machte, und ich war mir nicht sicher,

ob ich ihm überhaupt glauben konnte. Aber er hat mich

definitiv neugierig gemacht.

Quelle: www.tradingeducators.com

handelte aber gleichzeitig weiterhin

als Daytrader mit Futures und war

mit Aktien und ETFs investiert (Anmerkung

der Redaktion: ETFs sind

Exchange Traded Funds, zu Deutsch

börsengehandelte Indexfonds. Mit

ETFs lassen sich ganze Indizes/Sektoren/Regionen

wie eine Aktie handeln).

Für mich waren Aktien stets

etwas für die Geldanlage und nichts

für das Traden. Und der Handel mit

Futures ist eben viel spannender und

lukrativer als der Aktienhandel. Andererseits

weisen Aktienoptionen einige

interessante Merkmale auf, die

den Optionen auf Futures fehlen.

Im April 2015 feierte ich meinen

80. Geburtstag und aus diesem Anlass

beschloss ich, künftig zwar weiterhin

Trading-Kurse zu geben (das

ist nun mal meine Lebensaufgabe),

aber als Trader nur noch mit dem

Verkauf von nackten Puts in Erscheinung

zu treten und das Ganze mit einer Strategie namens

„Instant Income Guaranteed“.

Ich unterrichte weiterhin Strategien für den Aktien-,

Futures- oder ETF-Handel, die ich auch schon über Jahre

hinweg unterrichte. Ich möchte diese auch weiterhin

den Tradern beibringen, da sie einfach funktionieren. Sie

basieren darauf, wie Märkte wirklich funktionieren, also

erwarte ich auch, dass sie noch so lange funktionieren,

wie die Märkte gehandelt werden.

World of Trading

19.-21.11.2015 in Frankfurt

www.wot-messe.de

Ich hatte zuvor mit Optionen auf Futures gehandelt,

aber nie auf Aktien. Aber als ich mich näher damit beschäftigte,

erkannte ich langsam die enormen Vorteile,

die der Handel mit Aktienoptionen mit sich bringt. 2007

fing ich dann mit dem Handel mit Aktienoptionen an,

TRADERS´: Können Sie uns einige Details zur

Funktionsweise Ihrer Short-Put-Strategie verraten?

Ross: Als ich zum ersten Mal mit dem Aktienoptionshandel

angefangen habe, schrieb ich ausschließlich gedeckte

Call-Optionen. Das hat allerdings im Jahr 2008

nicht besonders gut geklappt. Ich bin zwar ungeschoren

davon gekommen, weil ich bei der Aktienauswahl

mit größter Sorgfalt vorgegangen bin und Aktien von

Weltmarktführern, die Dividenden zahlten, den Vorzug

gab, hatte aber am Ende jede Menge Kapital, das fest

in Aktien investiert war. Zum Glück hatte ich aber noch

genügend Liquidität, um die geradezu unverschämt hohen

Put-Prämien mitzunehmen, die es 2008 gab. Da ich

mich in der Versicherungsbranche sehr gut auskannte,

erkannte ich allmählich, dass beim Optionshandel auf

Aktien am meisten mit dem Handel von ungedeckten

Put-Optionen zu holen ist.

92


PEOPLE

Vor Jahren hat die Regierung der Vereinigten Staaten

Menschen die Möglichkeit gegeben, sich gegen einen

Rückgang der Aktienkurse abzusichern, indem sie den Weg

dafür freimachte, dass man gegen fallende Kurse eine Versicherung

abschließen konnte. Auf diese Weise konnten

Versicherer ganz legal Policen gegen Kursverfall verkaufen.

Wie bei jeder Art von Versicherung verhält es sich auch

bei Optionen so, dass der Vorteil auf der Seite des Verkäufers

liegt, da die meisten Optionen wertlos verfallen.

Dennoch stellen Put-Optionen eine Win-Win-Situation

sowohl für Käufer als auch für Verkäufer dar. Wer eine

Kursrückgangsversicherung abschließt, hofft, dass er sie

nie braucht, und genau das gilt auch für den Versicherer.

Der Verkäufer ist immer in der Lage, die Optionsprämie

zu behalten, und zwar unabhängig davon, ob die Put-

Option jemals ins Geld läuft. Ich kann Ihnen sagen, dass

der Verkauf ungedeckter (nackter) Put-Optionen für mich

dem „Heiligen Gral“ des Handels am nächsten kommt.

TRADERS´: Können Sie uns beschreiben, wie ein typischer

Arbeitstag für Sie als Trader aussieht, das heißt vom Aufstehen

morgens bis zum Ende des Arbeitstages am Abend?

Ross: Mit Ausnahme der zwölf Jahre, in denen ich wie ein

Verrückter als Daytrader arbeitete, dauert meine übliche

Trading-Zeit weniger als 20 Minuten und meine Vorbereitungszeit

nicht mehr als 90 Minuten.

Ich bin extremer Frühaufsteher und werde oft schon

nach nur drei bis vier Stunden Schlaf wach. Mein Tag beginnt

dann sehr früh. Ich glaube fest daran, dass es wichtig

ist, eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben, weshalb

ich in der Bibel lese, bete und darüber nachdenke,

wie ich meinen Tag gestalten soll. Ich gehe dann meine

oftmals mehr als 200 E-Mails durch, lese sie schnell, nehme

ein kleines Frühstück ein, dusche und ziehe mich an.

Etwa 90 Minuten vor Eröffnung der Märkte schaue ich mir

an, was sich über Nacht an den Börsen getan hat. Dazu

lese ich Charts, so wie einige Leute die Zeitung lesen.

Meine Welt dreht sich in hohem Maße um das, was ich

in den Charts zu sehen bekomme. Als ich mit Futures gehandelt

habe, richtete sich mein Blick auf Gold, den Euro,

Rohöl, und den Russell 2000. Aus Gewohnheit schaue

ich mir diese und andere Futures immer noch an, um zu

sehen, was da gerade los ist. Ich erstelle dann meinen

Plan nach den Vorgaben, die ich vor mir sehe. Oft dauern

die Trades ein bis zwei Minuten, aber manchmal sitze ich

auch bis zu 90 Minuten lang fest. Das ist aber auch das

Maximum für mich, länger als 90 Minuten am Stück habe

ich niemals für einen Trade oder für das Chart-Studium

aufgewandt. Egal, ob ich gewinne oder verliere, ich mache

dann Schluss mit dem Handelstag.

Optionshandel

Option: Mit einer Option erwirbt der Anleger das Recht, ein

vom Vertragspartner festgelegtes Kauf- oder Verkaufsangebot

wahrzunehmen oder abzulehnen.

Call: Option auf steigende Kurse.

Put: Option auf fallende Kurse.

Option im Geld: Option, die einen inneren Wert größer Null

aufweist.

Option aus dem Geld: Option, deren innerer Wert Null ist und

deren Basispreis nicht am aktuellen Kurs des Basiswerts liegt.

Option am Geld: Option, deren Basispreis nahe am aktuellen

Kurs des Basiswerts liegt.

Futures-Option: Im Gegensatz zu herkömmlichen Optionen

beziehen sich Futures-Optionen auf den Terminmarkt. Bei Ausübung

erhält man einen Future. Ein Future ist ein zwischen

zwei Handelspartnern verbindliches, standardisiertes Termingeschäft,

einen Basiswert in einer bestimmten Menge und

Qualität zu einem vorab festgelegten Preis in der Zukunft („auf

Termin“) zu liefern.

Ganz anders verhält es sich mit dem Verkauf von

nackten Put-Optionen. Da gibt es nämlich im Bereich Trading

wenig zu tun. In der Regel schaue ich mir den Chart

der zugrundeliegenden Aktien erst an, wenn der Markt

schon 30 Minuten oder länger geöffnet ist. Den Rest des

Tages kümmere ich mich um persönliche Angelegenheiten,

beantworte E-Mails, schreibe Artikel oder koche für

meine Frau und mich.

TRADERS´: Welche Methode halten Sie beim Risikound

Money-Management für angebracht?

Ross: Den meisten Menschen geht es immer wieder um

das Chance/Risiko-Verhältnis. Ganze Bücher sind über

dieses Konzept bereits geschrieben worden. Ich bin der

festen Überzeugung, dass jeder Trader oder Anleger zumindest

den Versuch unternehmen sollte, das Risiko bei

einem Trade zu ermitteln. Aber ich bin ebenso fest davon

überzeugt, dass es unmöglich ist, das Risiko hundertprozentig

zu kennen. Dafür gibt es einfach zu viele Dinge, die

schief gehen können. Wie viele von denen, die beispielsweise

bei MF Global getradet haben, waren sich über das

entsprechende Risiko im Klaren? Wie vielen ist das Risiko

beim Traden mit einem Forex-Broker (Anmerkung der Redaktion:

Forex ist die Abkürzung für Foreign Exchange, zu

Deutsch außerbörslicher Devisenmarkt) bewusst? Können

Sie mir das Trading-Risiko bei einem Flash-Crash beziffern?

Noch schwieriger ist es, die Chance beim Trading

zu ermitteln. Wie kann es überhaupt jemanden geben, der

93


PEOPLE

www.traders-mag.com 10.2015

genau dazu in der Lage ist? Ganz abgesehen von großen

Katastrophen, die alle Erfolgschancen auslöschen. Was

ist mit den einfachen Dingen, wie schlechter Ausführung,

Slippage, Provisionen und Gebühren? Wenn Sie einmal

ernsthaft darüber nachdenken, ist das Chance/Risiko-

Verhältnis nichts als heiße Luft. Wirklich wichtig und sicherlich

valider ist das Gewinn/Verlust-Verhältnis. Wenn

ich anhand meiner konkreten Trades festgestellt habe,

dass ich in 80 Prozent aller Fälle gewinne, ist es dann

nicht egal, ob ich zwei Dollar riskiere, um einen Dollar zu

verdienen? Wenn ich weiß, dass ich 80 Dollar verdienen

kann und dabei nur 20 Dollar verliere, sollte ich mir dann

Sorgen um das Chance/Risiko-Verhältnis machen?

TRADERS´: Können Sie sich noch an große Verlust-Trades

erinnern, bei denen die Märkte Ihnen Lektionen erteilt

haben, die Sie nie vergessen werden?

Ross: Ja, ich habe auch schon einige große Verluste

einstecken müssen. Der größte Verlust ist mir widerfahren,

als ich gerade unterwegs war und die Märkte nicht

können, dann haben Sie beim Traden nichts zu suchen.

Warum nicht? Weil Sie dann nämlich gleich unterkapitalisiert

anfangen. Gerade am Anfang brauchen Sie jedoch

jemanden, der Sie jeden Tag an die Hand nimmt.

Vergessen Sie Indikatoren und Candlesticks, aber lernen

Sie, den Chart zu lesen. Alle Indikatoren inklusive Candlesticks

lenken nur von dem ab, was tatsächlich mit den

Kursen geschieht. Bedeutet das dann, dass man Indikatoren

nie nutzen soll? Nein, das kann man schon, aber erst

dann, wenn man auch gelernt hat, einen Chart zu lesen.

Vermeiden Sie Vorurteile. Farben lenken Sie nur ab

und wirken mental verzerrend. Man denkt eben an Minus,

wenn man rot sieht, und an Plus, wenn man grün sieht.

In China dagegen ist es genau umgekehrt. Man kann sich

Farben und Candlesticks erst dann gönnen, wenn man

ein bewährter erfolgreicher Trader ist. Als ich mit dem

Traden anfing, gab es überhaupt keine Candlesticks. Und

nicht nur das, man konnte sie auch gar nicht erstellen.

Warum nicht? Weil man gar nicht bei der Börseneröffnung

dabei sein durfte, wenn man an der Börse keinen

In dem Maß, in dem immer mehr Menschen in die Märkte drängten,

entwickelten sich auch immer weniger Trends.

im Auge behalten konnte. Auf anderen Reisen habe ich

auch noch weitere Verluste erlitten, sodass ich versuche,

nur noch auf Reisen zu gehen, wenn ich keine Positionen

offen habe. Mein größter Verlust belief sich auf 45 000

Dollar in etwa 20 Minuten und traf mich, als ich gerade jemanden

coachte und nicht auf den Trade aufpassen konnte,

in dem ich mich zu diesem Zeitpunkt befand. Traden

Sie also ausschließlich dann, wenn Sie sich voll und ganz

auf Ihre Positionen konzentrieren können. Ablenkungen

können nämlich sehr teuer werden.

TRADERS´: Was würden Sie Neueinsteigern empfehlen?

Ross: Ich möchte jetzt keine Liste von grundlegenden

Dingen aufzählen, über die man sich als Neueinsteiger

im Klaren sein sollte. Das alles kann man schließlich im

Internet sowie in Büchern und Zeitschriften nachlesen.

Stattdessen würde ich gerne ein paar Dinge nennen, auf

die Sie als Neueinsteiger üblicherweise nicht stoßen. Arbeiten

Sie mit einem Mentor zusammen, der Ihr Trading

begleitet. Die Kosten, die Sie dafür aufbringen müssen,

sind weit geringer, als wenn Sie alles auf eigene Faust

machen wollen. Vergessen Sie Ihren falschen Stolz und

holen Sie sich Hilfe. Wenn Sie sich keinen Mentor leisten

Sitz sein Eigen nannte oder nicht einen solchen gemietet

hatte. Die Eröffnungskurse galten quasi als geschütztes

Informationsgut, die ausschließlich Mitgliedern der Börse

vorbehalten waren. Erst Mitte der 1980er Jahre fingen

alle Software-Programme damit an, die Eröffnungskurse

zu zeigen. Wenn man die Farbe aus einem Candlestick

entfernt, weiß man überhaupt nicht, wo die Eröffnungsund

Schlusskurse tatsächlich sind. Ja, und ohne den Eröffnungskurs

kann man keinen Candlestick darstellen.

Versuchen Sie sich möglichst vorzustellen, was da

abläuft, wenn Sie einen Chart im Tagesverlauf beobachten

oder was bereits geschehen ist, wenn Sie sich einen

Chart am Ende eines Handelstages ansehen. Sie werden

erstaunt sein, was Sie letztendlich allmählich sehen. Die

Geschichte, die ein Chart offenbart, hat die Form von

Mustern. Lernen Sie also, Kursmuster zu erkennen.

Verschwenden Sie Ihre Zeit, Ihre Energie und Ihr Geld

nicht mit dem, was vor vielen Jahren passiert ist. Die Märkte

waren nämlich damals anders. Sie müssen sowohl nach

vorne testen als auch backtesten. Sie sind dabei auf der Suche

nach solchen Ereignissen, die einen hohen Prozentsatz

an Gewinnen aufweisen, sodass Sie sich nicht um Chance/

Risiko-Konzepte kümmern müssen. Lernen Sie, Geduld zu

94


PEOPLE

haben. Lassen Sie sich niemals einen Trade aufzwingen.

Warten Sie geduldig auf solche Trades, die genau richtig

für Sie sind. Und wenn Sie diese nicht sehen, lassen Sie

die Finger davon und beschäftigen Sie sich anderweitig.

TRADERS´: Was mussten Sie überwinden oder

was aufgeben, um als Trader Erfolg zu haben?

Ross: Sehr gute Frage! Drei Dinge musste ich aufgeben

und überwinden – mein Ego, mein Ich und mich selbst.

Ich musste eben ein anderer Mensch werden, und das war

keine einfache Sache. Denn das hieß, dass ich eine ganze

Menge Eigenschaften überwinden musste, als da waren:

Stolz, Mangel an Selbstvertrauen, Ungeduld, (Geld-)Gier,

Egoismus, Furcht, Intoleranz, Unzufriedenheit und Angst.

Durch Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit,

Vertrauen in mich und mein Wirken, Hilfsbereitschaft,

Akzeptanz dessen, was der Markt mir gegeben

hat, Freude anstelle von Angst und Liebe zum Traden anstelle

von Geldgier lernte ich, die schlechten Eigenschaften

zu ersetzen.

Ich spreche überhaupt viel von Selbstdisziplin und

Selbstbeherrschung. In meinen Augen sind sie keineswegs

ein und dasselbe. Selbstdisziplin beinhaltet alles,

was ich mache, um mich aufs Traden vorzubereiten. Und

dazu gehören Planung, Organisation, Analyse, Tests, Risiko-Einschätzung

und Entscheidungen im Bezug auf das

Money-Management – eben jene Dinge, mit denen Sie

sich auf das Traden vorbereiten.

Selbstbeherrschung praktizieren Sie ständig, sobald

Sie in einen Trade eingestiegen sind. Neben einem solchen

eher persönlichen „Management“ ist das Managen

des Trades die wichtigste Sache in Ihrem Leben als Trader.

Dieses „Trade-Management“ umfasst alle Taktiken, die Sie

zur Umsetzung Ihrer Strategie anwenden. Das bedeutet,

Gewinne mitzunehmen, wenn sie denn da sind (Scalping,

wenn das Ihr Stil ist), Verluste schnell zu begrenzen, einen

Stopp nachzuziehen und das zu traden, was Sie sehen, und

nicht das, was Sie denken. Nur mit Trade-Management

wird nun mal Geld verdient – oder verloren. Und genau da

brauchen Sie auch die meiste Selbstbeherrschung.

TRADERS´: Gibt es für Sie jemanden, zu dem Sie aufschauen?

Ross: Ich hatte zwei Mentoren. Einer der beiden war mein

Großonkel. Er bestand eisern auf Selbstdisziplin und

Selbstbeherrschung, und er hat mir beigebracht, meinen

eigenen Handelsstil zu entwickeln – und zwar eingebettet

in die Gesetzmäßigkeiten des Marktes, wie er sie zu der

Zeit, in der ich bei ihm war, wahrgenommen hat. Er hat mir

auch beigebracht, flexibel und bereit zu sein und mich den

Gegebenheiten des Marktes anzupassen. Und sein bester

Rat? „Suche immer nach Wegen, kein Geld zu verlieren;

die Gewinne können schon für sich selbst sorgen.“

Mein zweiter Mentor war das Buch der Sprüche Salomons,

das Teil der Bibel ist. Mithilfe dieses Buchs habe

ich gelernt, richtig zu denken und die Weisheit zu suchen.

TRADERS´: Welchen anderen Beruf hätten Sie gewählt,

wenn Sie nie vom Traden gehört hätten?

Ross: Es wäre etwas gewesen, was mit Fitness-Training,

Ernährung und Gesundheit zu tun hat. Als Jugendlicher

habe ich Bodybuilding und Gewichtheben praktiziert und

auch mehrere Wettbewerbe im Gewichtheben gewonnen.

Ich war damals generell jemand, der gerne Sportarten ausübte,

die viel mit dem Körper zu tun hatten. Entsprechend

habe ich mich jahrelang damit befasst, möglichst viel über

den menschlichen Körper zu lernen. Als ich 13 Jahre alt

war, konnte ich schon jeden Muskel benennen, und bereits

als Teenager lernte ich medizinische Massage. Irgendwann

habe ich sogar angewandte Kinesiologie studiert und eine

kostenlose Klinik für all diejenigen betrieben, die sich keine

professionelle Pflege leisten konnten.

TRADERS´: Haben Sie neben dem Traden noch eine andere

große Leidenschaft?

Ross: Ja. Ich glaube an die Heilkraft Gottes. Ich habe sieben

Jahre in Heilungsräumen verbracht, in denen Menschen

durch das Gebet geheilt werden. Ich habe persönlich

viele übernatürliche Heilungen erlebt, einschließlich

meiner eigenen im Jahr 1987. Ich bin kein religiöser

Mensch in dem Sinne, dass ich einer bestimmten Konfession

angehöre, aber ich habe nach wie vor eine persönliche

Beziehung zu Gott. Er ist in meinem Leben und

in meinem Trading ständig präsent. Jede echte Weisheit,

über die ich verfüge, verdanke ich der Lektüre der Bibel. «

Trading-Arten

Das Interview führte Marko Gränitz

Positions-Trading: Trading-Stil, bei dem Positionen zwischen einigen

Wochen bis zu mehreren Monaten gehalten werden.

Daytrading: Handelspositionen werden innerhalb eines Tages

eröffnet und liquidiert. Bei diesem kurzfristigen Handelsansatz

sind die Gewinnchancen und Verlustrisiken entsprechend hoch.

Scalping: Trading-Stil, bei dem Positionen zwischen einigen Sekunden

bis zu mehreren Minuten gehalten werden.

Spread Trading: Ausnutzen der relativen Differenz (Spread)

zweier Instrumente zueinander, indem auf ein Zusammen- oder

Auseinanderlaufen des Spreads spekuliert wird.

95


SERVICE www.traders-mag.com 10.2015

INKLUSIVE

TRADING ALS

TEILZEITBERUF

SPEZIAL

Vorschau auf die nächste Ausgabe

COVERSTORY

PEOPLE

Grundlagen der Strategieentwicklung

Was machen erfolgreiche Trader anders? Nach fast 30

Jahren Börsenerfahrung kommt Rudolf Wittmer zu dem

Schluss, dass das Geheimnis in der konsequenten und

disziplinierten Anwendung einer durchdachten Strategie

liegt. Erforderlich ist ein Plan, der bestimmte Elemente als

Minimalkonfi guration enthalten muss. Daher werden wir

als Startpunkt einen Business-Plan für Trader vorstellen.

Im Interview: Carsten Umland

Der Handelsstil von Carsten Umland beruht auf der

Trend- und Markttechnik und seinen eigenen, langjährigen

Erfahrungen. Als freier Autor hat er bereits Artikel für

TRADERS´ veröffentlicht und ist ein gefragter Referent bei

Trading-Events in ganz Europa. Über seinen Trading-

Service simplifi ed trading (www.simplifi ed-trading.com)

gibt er Wissen weiter und bietet Coachings für Trader an.

Die November-Ausgabe von TRADERS´ erscheint am 22. Oktober 2015.

IMPRESSUM

Anschrift:

TRADERS´ media GmbH

Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg

Tel.: +49 (0) 9 31/4 52 26-0

Fax: +49 (0) 9 31/4 52 26-13

E-Mail: info@traders-mag.com

Abonnentenservice:

Tel.: +49 (0) 9 31/4 52 26-15

Fax: +49 (0) 9 31/4 52 26-13

E-Mail: abo@traders-mag.com

Chefredakteur und Herausgeber:

Lothar Albert

Redaktion:

Katharina Bötsch, Marko Gränitz, Carmen Hellmann,

Sandra Kahle, Simone Kirksey, Ozan Kuhn, Inessa Liss,

Najia Rasuli, Stefan Rauch, Katja Reinhardt,

Markus Schneider, Tina Wagemann, Christine Weißenberger

Beiträge:

Marco Bäger, Thomas Bopp, Arturo Bris, Bruce Bower,

Alan Ellman, Alexander Mantel, Christiaan van der Meer,

David J. Merkel, David Pieper, Joe Ross, Birger Schäfermeier,

Markus Strauch, Thomas Vittner, Rudolf Wittmer

Lektorat: Lena Hirnickel

Druck:

westermann druck GmbH

Georg-Westermann-Allee 66, 38104 Braunschweig

Vertrieb im Handel:

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH

Nordendstraße 2, 64546 Mörfelden-Walldorf

lange.guido@dpv.de, www.dpv.de

Titelbild: © mimagephotos / Fotolia.com

Bilder: © Andrew Bayda, Brian Jackson, david_franklin,

denisismagilov, ferkelraggae, fotogestoeber, fotomek, Georg

Preissl, JiSign, Kurhan, larisabozhikova, Martinia Misar,

Massimo Cavallo, nyul, pico, Rawpixel, Syda Productions,

Szasz-Fabian Jozsef, xtock / Fotolia.com, Sandra Binder

Kursdaten: www.bis.de, www.captimizer.de,

www.esignal.com, www.tradesignalonline.com

Erscheinungsweise: monatlich, 12-mal jährlich

Bezugspreise:

5,80 Euro, 12 Monate: 63 Euro jeweils inkl. Porto und MwSt.;

Ausland (Europa) zzgl. 1,50 Euro pro Heft

ISSN: 1612-9415

Bezugsbedingungen:

Abonnements können mit einer Frist von 4 Wochen zum Ende

des Bezugszeitraumes gekündigt werden. Maßgeblich ist

der Tag des Eingangs beim Verlag. Nicht gekündigte Abonnements

verlängern sich jeweils um ein Jahr.

Risikohinweis:

Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir für glaubwürdig

halten. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können wir für

die Richtigkeit der Angaben keinerlei Gewähr übernehmen.

Zudem müssen wir darauf hinweisen, dass Wertpapiergeschäfte

ein hohes Risiko beinhalten. Ein Totalverlust ist niemals

auszuschließen. Sie sollten nur mit Kapital spekulieren,

dessen Verlust Sie auch verkraften können. Der Nachdruck

(auch auszugsweise) ist nur mit schriftlicher Genehmigung

des Verlages beziehungsweise des Herausgebers erlaubt.

96


VERANSTALTUNGEN

UND SEMINARE

SPEZIELL FÜR TRADER

IM TRADERHOTEL FRANZISKUSHÖHE

TERMINE & SEMINARE 2015

Seminare für Anfänger oder individuelle Schulungen jederzeit buchbar.

Sprechen Sie mit unserem Chefhändler Adrian Schmid unter Tel: 030-81303803

03.10.-04.10.15 SEMINAR ZUM ARBEITSBUCH MARKTTECHNIK

mit Michael Voigt

18.10.-23.10.15 INTENSIVSEMINAR

mit Orkan Kuyas

31.10.-01.11.15 WORKSHOP „MARKTTECHNIK ERFOLGREICH HANDELN“

mit Mario Lüddemann

07.11.-10.11.15 INTENSIVWORKSHOP MIT DEM SCHWERPUNKT

INTRADAYHANDEL

mit Mario Lüddemann

14.11.-15.11.15 GRUNDLAGEN SEMINAR

mit Erdal Cene

14.11.2015 PROFESSIONELLER EINSTIEG IN DEN HANDEL

MIT DER TRADINGPLATTFORM VON TRADESTATION

mit Christian Walter

27.11.-30.11.15 PROFITABEL HANDELN UND ANLEGEN I

mit Adrian Schmid und Ajder Veliev

05.12.-13.12.15 FORTFÜHRUNGS-/PRAXIS SEMINAR

mit Erdal Cene

Hier gleich online anmelden: www.traderhotel.info/traderseminare

oder telefonisch unter: 09352-604-222

LIVE-TRADER EVENT IN DEN

SCHÖNSTEN TRADERRÄUMEN

DEUTSCHLANDS

Schöner, besser und intensiver lernen!

Die neuen Räume im obersten Stockwerk des Hauses wurden

speziell auf die Bedürfnisse der Branche hin gestaltet - jeder

Arbeitplatz ist mit High-Speed Internetzugang ausgestattet.

Neben der klassischen Veranstaltungstechnik stehen ein

Hochleistungs-Beamer und eine High-End-Surroundanlage

zur Verfügung.

Je nach Bestuhlung bieten die Räume Platz für bis zu 50

Teilnehmer - aber das absolute Highlight der Räume ist

der traumhafte Mainblick vom Balkon aus. Hier reichen

wenige Minuten Pause, den Blick schweifen lassen, und

schon kann man erholt und aufgetankt wieder am Rechner

durchstarten.

HIGHSPEED-WLAN NACH NEUESTEN N-STANDARDS

IM GESAMTEN HAUS KOSTENLOS, TAGUNGSRÄUME

MIT TELEKOM-BUSINESS STANDLEITUNG

GENIESSEN SIE

• die Ruhe und konzentrierte Atmosphäre im

4-Sterne Trader Hotel Franziskushöhe

• die hervorragende technische Ausstattung

mit Highspeed-Internet und High End

Projektionstechnik in den Tagungsräumen

• das umfangreiche Sportangebot der

Franziskushöhe

• den neu angelegten Naturbadeteich mit

Maintalblick

• die Sauna mit großzügigem Ruhebereich

• die hervorragende Küche und gemütliche

Atmosphäre des Restaurant Franziskus

• Erfahren Sie mehr über unseren Service:

http://traderhotel.info/tradergaestebuch

Ruppertshüttener Straße 70 . 97816 Lohr am Main

Tel. +49 (9352) 604 - 0 . Fax +49 (9352) 604 - 250

info@franziskushoehe.de

Trader Hotel - Traden mit Weitblick

Informationen unter www.traderhotel.info


KOLUMNE

www.traders-mag.com 10.2015

Einfache Korrektur

oder Beginn eines

Absturzes?

» Zurzeit gehen die Tumulte in der Welt von China aus.

Per 24. August hat der Shanghai-Composite-Index über

die vergangenen drei Monate 32 Prozent verloren und seit

dem Hoch vom 12. Juni sogar eindrucksvolle 40 Prozent.

Diejenigen, die glauben, dass wir gerade Zeugen einer

Marktkorrektur sind und dass sich die Preise ihren

fundamentalen Werten annähern, beziehen sich auf eine

ähnliche Situation im Jahr 1998. In diesem Jahr hat Asien

Preisstürze in der ganzen Welt ausgelöst und nur einen

Monat später waren die Kurse wieder auf dem alten Level.

Daher denken viele, dass wir eine ähnliche Situation

in China sehen werden.

Ich bin weniger optimistisch und argumentiere schon

seit Langem, dass China ein erheblicher Risikofaktor für

die Weltwirtschaft ist. Der letzte Absturz ist vielleicht der

Beginn einer langen Periode der Wandlung von China,

ein „normales“ Land zu werden. Ich verwende den Begriff,

den Andrei Shleifer (Harvard) und Daniel Treisman

(UCLA) 2005 für Russland zur Jahrtausendwende verwendeten.

Nach dem Kommunismus und der Krise im

Jahr 1998 wurde Russland zu einem normalen Land mit

mittlerem Einkommen, ähnlich wie Portugal und Mexiko.

Vom Aufsteiger zum „New Normal“

Heute ist China die zweitgrößte Wirtschaftsnation der

Welt. Aber das Land ist nur an 22. Stelle von 61 Wirtschaftsnationen,

die 2015 im IMD World Competitiveness

Ranking gelistet wurden. Es ist also ein „normales“ Land,

oder genauer gesagt ein riesiges normales Land. Die chinesische

Wirtschaft wird noch einige Zeit benötigen, um

die fundamentalen Herausforderungen zu bewältigen. Die

Märkte sagen uns mittlerweile, dass die Party vorbei ist.

China als Risiko für die Weltwirtschaft ist das Resultat

aus einer Kombination von verschiedenen Faktoren.

Erstens ist China eine sehr große Wirtschaftsnation – viel

größer als Russland im Jahr 1998 und Griechenland im

Jahr 2015. China ist der größte ausländische Investor in

den USA und außerdem ein großer Kreditgeber an die

amerikanische Regierung. China ist außerdem der größte

Exporteur der Welt und wird bald der größte Importeur

sein. Und schließlich sind vier von fünf der größten

Banken weltweit aus China – deren kombinierte Bilanz

beträgt über elf Trillionen US-Dollar. Das entspricht ungefähr

dem Bruttoinlandsprodukt des ganzen Landes.

Zeit zur Sorge?

Arturo Bris

Arturo Bris ist Professor für Finanzen am IMD und leitet das IMD

World Competitiveness Center. Er hält eine Rede im Rahmen von

IMD’s Orchestrating Winning Performance, das vom

16. bis 20. November 2015 in Singapur stattfi ndet.

Wir sollten einen 40-Prozent-Kurssturz in China nicht als

einfache Korrektur sehen. Es repräsentiert einen Vermögensverlust

von zwei Trillionen US-Dollar für die chinesischen

Firmen und internationalen Investoren. Das

entspricht dem BIP von Brasilien. Ich glaube, das sind

Gründe, um besorgt zu sein. Aber wenn diese noch nicht

genug sind, dann will ich noch zwei weitere erwähnen.

Wir können den wichtigen Kapitalstruktureffekt

dieses chinesischen Preissturzes nicht ignorieren. Das

McKinsey Institut berichtet im Februar 2015, dass das

Verhältnis von Unternehmensschulden zum BIP in China

125 Prozent beträgt. Ich mache mir darüber viel mehr Sorgen,

als darum, dass die griechischen Schulden 175 Prozent

des BIP betragen. Daher müssen wir uns auch über

Firmen- und Bankenpleiten in China über die nächsten

Monate Sorgen machen, zusätzlich zu dem direkten Vermögenseffekt

der Krise und dem negativen Sentiment.

China hat der Welt gezeigt, dass die Markt-Mechanismen

explodieren, wenn man sie zu stark kontrollieren

will. Während der letzten Monate konnten wir beobachten,

wie die chinesischen Regulatoren versucht haben,

einen Marktabsturz zu vermeiden, aber es ist ihnen nicht

gelungen. Finanzmärkte müssen reguliert sein, damit

man sicher sein kann, dass die Information der Wahrheit

entspricht und transparent ist. Aber wenn der Regulator

versucht, die Märkte zu manipulieren, sind die Konsequenzen

dramatisch. Wir werden sehen, wie das letztendlich

ausgeht – in China und im Rest der Welt. «

98


BÖRSEN-

AFTERWORK

IM OKTOBER

Treffen Sie die Experten von

GodmodeTrader und Guidants!

Vorträge I Live-Trading I Get-together

7 Städte – 7 Termine

Mit dabei u.a.

Jochen Stanzl, Harald Weygand, Erich Schmidt,

Rocco Gräfe, André Tiedje, Stefan Riße,

Samir Boyardan, Karin Roller

* Die Experten-Besetzung variiert je nach Stadt

JETZT TEILNAHME SICHERN:

WWW.GODMODE-TRADER.DE/AFTERWORK


HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL

04

2015

Die Welt der Hebelzertifikate S. 6

Kleiner Einsatz,

große Wirkung

Wenn Bulle und Bär

Urlaub machen

Alles über exotische

Optionsscheine S. 24

Was macht Erfolg aus?

Trading-Psychologie und

Selbstorganisation für

Hebel-Trader S. 36


DER NEUE STANDARD IM

AKTIENHANDEL

Aktienhandel mit direktem Marktzugang via DMA zu

Gebühren ab nur 0,05%. Keine PINs und TANs notwendig.

Entdecken Sie unser neues Aktienangebot auf IG.com und handeln Sie

1 MONAT PROVISIONSFREI *

Aktien unterliegen Kursschwankungen und es

besteht das Risiko eines Wertverlustes

IG.com

AKTIEN | FOREX | INDIZES | ROHSTOFFE

*AGBs beachten auf IG.com


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Najia Rasuli

Redakteurin

Zwei Seiten einer Medaille

In unserer Spezial-Ausgabe möchten wir uns ausschließlich den

Hebelzertifikaten widmen. Denn diese sind ein spannendes Instrument,

das besonders Privatanlegern die Möglichkeit bietet, mit wenig Kapital

überproportional an Kursbewegungen teilzuhaben. Aber Vorsicht: Der Hebel

wirkt immer in beide Richtungen! Das heißt, obwohl Sie bei gut platzierten

Trades mit wenig Einsatz hohe Gewinne generieren können, kann der Hebel

auch in die entgegengesetzte Richtung wirken, womit sich Ihr Verlust im selben

Maße auswirkt.

Dieses Risiko impliziert einen Grund mehr, dass Sie sich besonders bei

Hebelzertifikaten ein gutes Know-how aneignen sollten. Wir stellen Ihnen

in diesem Magazin alle wichtigen Hebelprodukte vor: Von Optionsscheinen,

Discount-Optionsscheinen, exotischen Optionsscheinen über Faktor-Zertifikate

bis hin zu klassischen Knock-Out-Produkten. Nicht nur die Funktionsweise

der einzelnen Produkte, sondern auch ihre Besonderheiten werden detailliert

beschrieben. Denn nur mit einem ausgiebigen Grundwissen können Sie

entscheiden, welches Produkt sich am besten für Sie eignet. Mit viel Disziplin,

Übung, Geduld und nicht zu vergessen einem gut kalkuliertem Risiko- und

Money-Management stehen Ihnen alle Türen offen.

Selbstverständlich wollen wir Sie nicht nur mit technischen Basics ausrüsten

– wir gehen noch einem Schritt weiter. Jeder weiß, dass Menschen von ihren

Emotionen geleitet werden. Umso wichtiger ist es, diese beim Traden unter

Kontrolle zu halten. Daher empfehlen wir Ihnen unseren Artikel, der die

psychologischen Aspekte beim Traden betrachtet und Ihnen Tipps gibt, wie Sie

einen kühlen Kopf bewahren.

Viel Spaß und Erfolg beim Traden.

Herzliche Grüße

Najia Rasuli


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Impressum

Inhalt

TRADERS´ media GmbH

Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg

Tel. +49 (0) 9 31/4 52 26-0

Fax +49 (0) 9 31/4 52 26-13

E-Mail info@traders-mag.com

Chefredakteur und Herausgeber |

Lothar Albert

Abonnentenservice |

Tel. +49 (0) 9 31/4 52 26-15

Fax +49 (0) 9 31/4 52 26-13

E-Mail abo@traders-mag.com

Redaktion | Katharina Bötsch, Marko

Gränitz, Carmen Hellmann, Sandra

Kahle, Simone Kirksey, Inessa Liss,

Najia Rasuli, Stefan Rauch,

Katja Reinhardt, Markus Schneider,

Tina Wagemann, Christine Weißenberger

6

12

16

20

Kleiner Einsatz, große Wirkung

Die Welt der Hebelzertifikate

Hebel mit Persönlichkeit

Mehr bewegen als gedacht

Reiz und Risiko

Die Funktions- und Wirkungsweise von Optionsscheinen

Traden mit Preisnachlass

Das steckt hinter Discount-Optionsscheinen

Beiträge | Stefano Angioni, Thomas Bopp,

Ralph Danielski, Dirk Heß, Matthias

Hüppe, Alana Maue, David Pieper,

Dr. Raimund Schriek, Nicolai Tietze,

Anouch Wilhelms

Druck | westermann Druck GmbH

38104 Braunschweig

Titelbild | © contrastwerkstatt / Fotolia.com

Bilder | © VRD, alexlmx, eyetronic, fotomek,

fox17, Patryk Kosmider, ra2 studio,

vetal1983 / Fotolia.com

Kursdaten |

www.bis.de, www.captimizer.de,

www.tradesignalonline.com

Risikohinweis |

Alle Informationen beruhen auf Quellen, die

wir für glaubwürdig halten. Trotz sorgfältiger

Bearbeitung können wir für die Richtigkeit der

Angaben keinerlei Gewähr übernehmen. Zudem

müssen wir darauf hinweisen, dass Wertpapiergeschäfte

ein hohes Risiko beinhalten.

Ein Totalverlust ist niemals auszuschließen.

Sie sollten nur mit Kapital spekulieren,

dessen Verlust Sie auch verkraften können.

Der Nachdruck (auch auszugsweise) ist nur

mit schriftlicher Genehmigung des Verlages

beziehungsweise des Herausgebers erlaubt.

24

30

32

36

Wenn Bulle und Bär Urlaub machen

Alles über exotische Optionsscheine

Fester Hebel, reger Handel

Traden mit Faktor-Zertifikaten

WAVEs – ein Überblick

Turbo im Depot durch eingebaute Knock-Out-Barriere

Was macht Erfolg aus?

Trading-Psychologie und Selbstorganisation für Hebel-Trader

40 Glossar

42

Kolumne

Wissen Sie wirklich, was alles schief gehen kann?


Durchstarten

statt abwarten!

Turbo-Zertifikate auf Öl.

Die Commerzbank bietet ein breites Spektrum an Turbo-Zertifikaten auf Brent Crude Oil und WTI Light

Crude Oil mit attraktiven Hebeln an – auch als währungsgesicherte Quanto-Variante.

BEST Turbo-Zertifikate Typ WKN Basispreis Knock-out-Barriere Hebel

Brent Crude Oil * Bull CN6 7XU USD 48,000 USD 48,000 23,2

Brent Crude Oil * Bear CN6 3DC USD 52,988 USD 52,988 15,0

WTI Light Crude Oil * Bull CN6 7Y0 USD 44,500 USD 44,500 24,5

WTI Light Crude Oil * Bear CN6 3CQ USD 48,739 USD 48,739 16,2

Stand: 4. September 2015. * Oktober Future. Den jeweiligen Verkaufs prospekt mit ausführlichen Risikohinweisen erhalten Sie unter Angabe der WKN

bei der Commerzbank AG, GS-MO 3.1.6, 60261 Frankfurt a. M. oder unter www.zertifikate.commerzbank.de

www.zertifikate.commerzbank.de


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Die Welt der Hebelzertifikate

Kleiner Einsatz, große Wirkung

» Egal, ob man auf steigende

Goldpreise oder einen fallenden

Dow Jones spekulieren oder aber

das eigene Depot gegen einen

Crash absichern möchte – mit

Hebelzertifikaten können Privatanleger

so flexibel agieren wie Profis am

Terminmarkt. Aber wie genau

funktionieren diese Papiere und wie

lassen sie sich für die persönliche

Handelsstrategie einsetzen? Wo liegen

Chancen und Risiken und welche

Unterschiede gibt es im Vergleich zu

anderen Hebelinstrumenten? Dieser

Artikel liefert Ihnen Antworten. «


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind Wertpapiere,

die dem Käufer eine

überproportionale Beteiligung

an der Wertentwicklung eines

Basiswerts ermöglichen. Dies

kann eine Aktie, ein Index, ein

Rohstoff oder ein Währungspaar

sein – die Auswahl lässt heutzutage

kaum Wünsche offen. Der

eingebaute Hebel kommt dabei

zustande, weil der Anleger nur

einen Teil der Anlagesumme

bereitstellen muss. Der fehlende

Rest kommt vom Emittenten,

also dem Herausgeber des

jeweiligen Hebelzertifikats.

Anwendungsbeispiel

Trader A möchte eine Aktie

erwerben, weil er von steigenden

Kursen ausgeht. Da die

Aktie bei 100 Euro notiert, sind

100 Euro an Eigenkapital notwendig,

um die Transaktion

durchzuführen. Steht dem Trader

Kapital in Höhe von 900

Euro zur Verfügung, so kann

er mit nicht nur eine, sondern

nunmehr zehn Aktien kaufen.

Der Hebel würde in diesem Fall

also zehn betragen. Genau nach

diesem Schema funktionieren

Hebelzertifikate.

Dabei gilt: Je höher der Anteil

des Fremdkapitals, desto höher

der Hebeleffekt – und damit

natürlich auch die Chancen,

aber auch die Risiken.

Spekulation, Diversifikation

oder Hedging

Zuallererst werden Hebelzertifikate

zu Spekulationszwecken

eingesetzt. Ziel dieser Transaktionen

ist die überproportionale

Beteiligung an einer Kursbewegung

des jeweiligen Wertpapiers,

zum Beispiel einer Aktie. Ein Beispiel: Ein

Trader rechnet damit, dass die ABC-Aktie von

B1) Hebeleffekt versus Eigen- und Fremdkapital

Gesamtkapital in %

100

50

50

Hebelzertifi kate ermöglichen aufgrund des eingebauten Fremdkapitalanteils eine überproportionale

Beteiligung an der Wertentwicklung eines Basiswerts.

B2) DAX versus Knock-Out-Hebelzertifikat

33

67

1 2 3 5 10

Hebel

Quelle: TRADERS´ Grafik

Dargestellt ist die volatile Entwicklung des DAX im Juli 2015 (oben). Das darunter dargestellte

Long-Hebelzertifi kat (WKN CR8VL0) profi tierte überproportional vom Anstieg zwischen

dem 08. und 16. Juli. Trader, die wenige Tage später long einstiegen und damit ein schlechtes

Timing bewiesen, mussten einer Halbierung des Zertifi katekurses zusehen. Dieses Beispiel

zeigt eindrucksvoll, dass der Hebel immer in beide Richtungen wirkt – die richtige Positionsgröße

ist daher das A und O beim gehebelten Trading.

Quelle: www.tradesignalonline.com

100 auf 150 Euro steigen wird und möchte aus

dieser Bewegung das Maximum aus dem ihm

20

80

10

90


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

T1) Übersicht der wichtigsten Hebelzertifikate

Klassischer

Optionsschein

Turbo-Optionsschein

mit Laufzeitbegrenzung

Open End Turbo-

Optionsschein

Mini-Future

Laufzeit Begrenzt Begrenzt Unbegrenzt Unbegrenzt

Abhängigkeit

der Rückzahlung

Differenz zwischen

Kurs des Basiswerts

und Strike (nur am

Bewertungstag)

Differenz zwischen

Kurs des Basiswerts

und Strike;

Knock-Out-Barriere

Differenz zwischen

Kurs des Basiswerts

und Strike;

Knock-Out-Barriere

Knock-Out/Stopp-Loss Nein Ja Ja Ja

Restwert bei Knock-Out/

Stopp-Loss

Volatilitätseinfluss

Finanzierungskosten

über

Totalverlust

Rückzahlung

bei Fälligkeit

*Ausnahme: Extreme Marktphasen

Nein Nein Nein Ja*

Hoch

Aufgeld

Kurs des Basiswerts

am Laufzeitende auf

oder unter (Call) bzw.

auf oder über (Put)

dem Basispreis

Innerer Wert

(am Bewertungstag)

Nur in der Nähe

der Barriere

Aufgeld

Bei Berührung/

Verletzung der

Barriere während

der Laufzeit

Innerer Wert (wenn

Barriere während der

Laufzeit unverletzt),

ansonsten Totalverlust

Differenz zwischen

Kurs des Basiswerts

und Strike;

Stopp-Loss-Barriere

Die dargestellten Hebelzertifikate unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Laufzeit und möglicher KO- beziehungsweise Stopp-Loss-Schwellen,

deren Verletzen zum sofortigen Teil- beziehungsweise Totalverlust führen.

Nein

Anpassung Basispreis

und Knock-Out

Bei Berührung/

Verletzung der

Barriere während

der Laufzeit

Kein Fälligkeitstermin

Nein

Anpassung Basispreis

und Stopp-Loss

Bei Knock-Out

verbleibt aufgrund

eingebauter Stopp-

Loss-Schwelle

kleiner Restwert*

Kein Fälligkeits termin

Quelle: TRADERS´

zur Verfügung stehenden Kapital herausholen –

kurzum: Er möchte anstatt 50 Prozent gleich 200

oder gar 500 Prozent an dieser Bewegung verdienen.

Mithilfe des richtigen Hebelzertifikats ist

genau das möglich.

Es muss sich aber nicht immer nur um Spekulation

handeln. Hebelzertifikate lassen sich

ebenso als Absicherungsinstrumente zum Beispiel

gegen fallende Kurse einsetzen. Hierzu ein

einfaches Beispiel: Ein Marktteilnehmer hält ein

Aktiendepot im Wert von aktuell 100 000 Euro,

welches eine hohe Korrelation zum DAX aufweist.

Fallende DAX-Kurse führen also zu Kursverlusten

im Depot. Eine Möglichkeit sich gegen potenzielle

Verluste abzusichern, ohne gleich alle Aktien

verkaufen zu müssen, ist der Kauf eines Short-

Hebelzertifikats auf den DAX. Dieses legt an Wert

zu, wenn der DAX fällt. Mit wenig Rechenaufwand

und vor allem geringem Kapitaleinsatz kann jeder

Anleger mit Hebelzertifikaten solch eine Hedging-

Strategie in die Tat umsetzen – und zwar ganz

individuell.

Neben Absicherung und Spekulation kann der

Hebeleffekt auch einen großen Beitrag zur Diversifikation

leisten. Hierbei werden viele unterschiedliche

Wertpapiere, die untereinander einen

möglichst geringen Gleichlauf (Korrelation) aufweisen,

ins Depot gepackt, um einzeltitelspezifische

Risiken zu reduzieren. Das „Problem“

dabei: Das Anlagekapital ist begrenzt und damit


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

auch die Zahl der Portfoliopositionen. Gerade bei

kleinen Depots sind Direktinvestitionen in viele

Aktien damit häufig nicht umsetzbar. Hebelzertifikate

können hier Abhilfe schaffen: Der Anleger

muss aufgrund des Hebels nur einen geringeren

Betrag pro Einzelposition investieren, wodurch er

die Anzahl der verschiedenen Anlagen in seinem

Depot – und damit die Streuung – im Gegensatz

zu einem Direktinvestment deutlich erhöhen kann.

Praxisbeispiel: Spekulation auf steigenden DAX

Zur Veranschaulichung der konkreten Funktionsweise

eines Hebelzertifikates und der Berechnung

des Zertifikatkurses möchten wir nun einen

fiktiven Trade mit einem Long-Hebelzertifikat auf

den DAX zeigen. Hierbei handelt es sich um ein

einfaches Hebelpapier, das von steigenden Kursen

profitiert. Aus Gründen der Übersichtlichkeit

bleiben Finanzierungs- und Risikokosten, die der

Emittent berechnet, hierbei außen vor.

Wertpapier: DAX Hebelzertifikat long

Basiswert: DAX

Knock-Out (Basispreis): 10 500

Bezugsverhältnis: 1:100 (100 Zertifikate = 1 DAX)

Eine wichtige Rolle bei allen Hebelzertifikaten

spielt die Knock-Out-Schwelle. Wird diese bei

einem Long-Zertifikat berührt oder unterschritten,

verfällt das Hebelpapier sofort wertlos, weil

das hinterlegte Eigenkapital des Zertifikateinhabers

aufgebraucht ist. Anders als zum Beispiel

im Futures- und im CFD-Handel ist das Risiko von

Verlusten, die den Einsatz übersteigen, bei Hebelzertifikaten

ausgeschlossen. Schauen wir uns nun

an, wie hoch der Kurs dieses Long-Hebelzertifikats

zum Einstiegszeitpunkt bei einem DAX-Stand von

11 000 Punkten wäre. Die Berechnung ist simpel:

(Aktueller Kurs des Basiswerts - Basispreis)

x Bezugsverhältnis

(11 000 - 10 500) x 0,01 = 5,00 Euro

Der Kurs des Hebelzertifikats liegt bei einem

DAX-Stand von 11 000 Punkten demnach bei fünf

Der Mini Future ist orange.

Das Trading ist orange.

Der Spread ist orange.

Der Turbo ist orange.

Der Hebel ist orange.

Die Handelsqualität ist orange.

Die Performance ist orange.

Der Markt ist orange.

Die Emotion ist orange.

Der Open End Turbo ist orange.

ingmarkets.de


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

T2) Haltedauer der Hebelzertifikate

Produkt

Haltedauer

kurz mittel lang

Turbo

X-Turbo

Open End Turbo

X-Open End Turbo

Mini-Future

Die geplante Haltedauer spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei

der Wahl der Hebelzertifikat-Variante. Diese Tabelle zeigt, welche

Produkte für welche Haltedauern geeignet (grüner Haken), nicht

geeignet (rotes Kreuz) oder neutral sind (Punkt).

Quelle: Eigene Darstellung des Autors

Euro. Da das Bezugsverhältnis 1:100 beträgt, entsprechen

100 Hebelzertifikate einem DAX. Anstatt

also 11 000 Euro hinzublättern, muss ein Trader

lediglich 500 Euro investieren, um an der Wertentwicklung

des DAX zu partizipieren. Der Hebel liegt

folglich bei 22 (Berechnung: 11 000 / 500 = 22).

Eine Bewegung des DAX um ein Prozent bewirkt

demnach eine Veränderung des Hebelzertifikates

um satte 22 Prozent.

Nun berechnen wir, wie sich dieses auf steigende

Kurse ausgerichtete Hebelzertifikat entwickelt,

wenn der DAX um vier Prozent steigt

(Szenario A) beziehungsweise fällt (Szenario B).

Szenario A: DAX steigt gemäß der Erwartung des

Traders um vier Prozent auf 11 440 Punkte.

Kursentwicklung des Hebelzertifikats:

(11 440 - 10 500) x 0,01 = 9,40 Euro (+88 Prozent)

Der Trader hätte in diesem Fall einen Gewinn

von 88 Prozent beim Hebelzertifikat verbuchen

können, was gegenüber dem Anstieg des DAX

von vier Prozent einen Hebel von 22 ergibt.

Szenario B: DAX fällt entgegen der Erwartung des

Traders um vier Prozent auf 10 560 Punkte.

Kursentwicklung des Hebelzertifikats:

(10 560 - 10 500) x 0,01 = 0,60 Euro (-88 Prozent)

In diesem ungünstigen Fall würde der Trader

beim Hebelzertifikat einen Verlust von 88 Prozent

verkraften müssen. Dieses Beispiel demonstriert

die Kehrseite des Hebeleffekts. Liegt der Trader

mit seiner Spekulation falsch, ist das eingesetzte

Kapital beziehungsweise ein großer Teil davon

sehr schnell verloren.

Der Hebel wirkt immer in beide Richtungen

Bild 2 zeigt den volatilen Verlauf des DAX im Juli

2015. Unterhalb des Kerzencharts ist ein Long-

Hebelzertifikat abgebildet. Wie man sieht, werden

die Bewegungen des Index von den Hebelzertifikaten

vollzogen – nur mit einer höheren Intensität.

Während der DAX zwischen dem 08. und

16. Juli 2015 um rund elf Prozent anstieg, gewann

das Hebelpapier (WKN CR8VL0) mit dem Basispreis

bei 10 500 knapp 370 Prozent. Trader, die

wenige Tage später long einstiegen und damit ein

schlechtes Timing bewiesen, mussten eine Halbierung

des Zertifikate-Kurses verkraften, obwohl der

DAX in diesem Zeitraum nur um rund fünf Prozent

fiel. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass

der Hebel in beide Richtungen wirkt. Die Wahl der

richtigen Positionsgröße ist daher extrem wichtig

– gerade, wenn man mit einem Hebel agiert. Wie

immer gilt an der Börse folgende Maxime: Je höher

die potenzielle Chance, desto höher das Risiko.

Hebelzertifikat ist nicht gleich

Hebelzertifikat – eine Übersicht

Sie heißen Mini-Futures oder Turbos, andere

Emittenten nennen sie WAVES oder Knock-Outs

– wo liegen die genauen Unterschiede bei den

Hebelzertifikate-Varianten?

Fangen wir mit den Gemeinsamkeiten an:

Wie normale Optionsscheine auch, verfügen alle

Hebelzertifikate über einen Inneren Wert, der sich

aus der Differenz des Basiswertkurses und dem

Basispreis ergibt. Die Knock-Out-Barriere stellt

derweil eine Art Reißleine dar, bei deren Erreichen

das Hebelzertifikat sofort wertlos wird. Dabei geht

der gesamte Kapitaleinsatz verloren. Eine Ausnahme

bilden hier die sogenannten Mini Futures,

die eine vorgelagerte Stopp-Loss-Schwelle haben

und deshalb im KO-Fall in der Regel einen kleinen

Restwert aufweisen.

Das zentrale Unterscheidungsmerkmal bei

Hebelzertifikaten ist deren Laufzeit. Während

Turbo-Optionsscheine und sogenannte Day Turbos

eine begrenzte Laufzeit aufweisen, sind Open

End Turbos und Mini Futures in ihrer Laufzeit unbegrenzt.

Dies hat Auswirkungen auf die Art und

Weise, wie der Emittent die Finanzierungs kosten

für das zur Verfügung gestellte Fremdkapital


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

verrechnet sowie die Risikokosten, mit denen er

sich gegen Gap-Risiken absichert. Während bei

Hebelzertifikaten mit einer festen Laufzeit die

Kosten als Aufgeld auf den Zertifikatepreis aufgeschlagen

werden, erfolgt die Verrechnung bei

unbegrenzt laufenden Hebelzertifikaten durch

eine regelmäßige Anpassung des Basispreises

und der Knock-Out-Barriere.

Anleger und Trader, die noch keine Erfahrungen

mit Hebelzertifikaten gesammelt haben,

sollten vor dem Erwerb daher einen Blick in das

Produktblatt beziehungsweise in den Verkaufsprospekt

werfen. Denn nur wenn man alle Details

kennt und das Produkt von A bis Z versteht, kann

aus der Trading-Idee auch ein Erfolg werden.

Einen zentralen Vorteil bieten insbesondere

unbegrenzt laufende Hebelzertifikate gegenüber

klassischen Optionsscheinen (Puts und Calls). Sie

weisen keinerlei Volatilitätseinfluss auf und ermöglichen

damit eine transparente und einfache Kursberechnung.

Der Vorteil gegenüber Futures, CFDs oder

Direktinvestments besteht ferner darin, dass Trader

zu keinem Zeitpunkt mehr als den eingesetzten

Betrag verlieren können – auch bei großen Gaps.

Welches Zertifikat für welche Strategie?

Bevor man als Trader nach einem konkreten Hebelzertifikat

sucht, sollte zuerst natürlich ein vollständiger

Handelsplan vorliegen, der die Ausrichtung

(long oder short), konkrete Ein- und Ausstiegslevels

und die genaue Positionsgröße definiert.

Darüber hinaus stellt die geplante Haltedauer ein

wichtiges Kriterium bei der Wahl des Zertifikats

dar. Handelt es sich um einen kurzen Intraday-

Trade? Dann sind alle Hebelzertifikate-Varianten

eine gute Wahl. Soll dagegen ein mehrmonatiger

Trend „geritten“ werden, sollte man wissen,

dass Turbos bei langen Halteperioden wenig Sinn

machen. Insbesondere Open End Turbos sind universell

einsetzbar, weil sie eine unbegrenzte Laufzeit

und damit eine börsentägliche Verrechnung

der Kosten aufweisen (siehe Tabelle 2).

Nicht nur die Laufzeit, auch das Risiko zählt: So

stellen die mit einem „X“ im Namen versehenen

Hebelzertifikate einen Sonderfall dar, weil hier ein

Knock-Out nicht nur während der Kassa-, sondern

auch während der gesamten Futures-Handelszeit

(beim DAX-Future 8:00 bis 22:00 Uhr) eintreten

kann. Sie sind deshalb auch stärker vom Eintritt

des Knock-Out-Ereignisses bedroht als ihre

B3) Börsenumsatz nach Produktkategorie (Juli 2015)

Knock-Out-Papiere weisen mit rund 27 Prozent den höchsten

Börsenumsatz im Bereich der Zertifikate-Welt auf.

Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV)

Verwandten, dafür aber günstiger und mit einem

höheren Hebel ausgestattet.

Erst planen, dann handeln

Hebelzertifikate bieten eine einfache und effektive

Möglichkeit, auch mit überschaubarem Kapital

gehebelt an den Bewegungen eines Basiswerts

zu partizipieren oder das Depot gegen ungewollte

Kursszenarien abzusichern – auf der Long- sowie auf

der Short-Seite. Wie beliebt die Hebelinstrumente

sind, zeigen jüngste Studien eindrucksvoll: Nach

einer aktuellen Auswertung des Deutschen Derivate

Verbandes bilden KO-Papiere mit 27 Prozent die

umsatzstärkste Zertifikate-Art. Wenig überraschend

werden insbesondere Indizes – allen voran der DAX

– sowie Aktien gehandelt, während Rohstoffe und

Währungen nur einen Nebenschauplatz darstellen.

Ob Mini Future, Turbo, ob hoher Hebel oder

nicht: Das Wichtigste beim Handel sind drei Dinge:

1. ein klar definierter Handelsplan,

2. ein umfassendes Verständnis des jeweiligen

Produkts und

3. eine dem eigenen Handelskapital angemessene

Positionsgröße. Schließlich können Trader

nur eines kontrollieren: ihr Risiko.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Mehr bewegen als gedacht

Hebel mit Persönlichkeit

» Trader sind immer wieder auf der Suche nach dem passenden Hebelprodukt,

um mit wenig Einsatz möglichst viel zu bewegen. Bei diesem Vorhaben sind

jedoch einige wichtige Punkte zu beachten. Neben der Funktionsweise und

den Chancen und Risiken ist vor allem auch die Wirkungsweise des Hebels ein

entscheidender Faktor, auf den Trader achten sollten. Und dabei geht es um Ihren

ganz „persönlichen“ Hebel. «

Matthias Hüppe

Matthias Hüppe arbeitete schon während

des Studiums für verschiedene Investmentbanken.

2004 wechselte er zu HSBC Trinkaus &

Burkhardt. Nach Stationen im Produktmarketing

und Structured Product Sales

verantwortet Matthias Hüppe seit 2010 als

Direktor die Abteilung Derivatives Public

Distribution bei HSBC in Düsseldorf.

Hebelprodukte vollziehen überproportional die

Kursbewegung einer Aktie, eines Index, eines

Rohstoffs oder auch eines Währungspaares nach.

Steigt zum Beispiel der DAX um zwei Prozent, vollzieht

ein Open End-Turbo-Call-Optionsschein auf

den DAX mit einem Hebel von vier eine Steigerung

von acht Prozent. Wichtig ist jedoch auch zu wissen,

dass die Hebelwirkung in beide Richtungen


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

wirkt. Denn Knock-Out-Produkte verfügen über

eine Barriere, die als Knock-Out-Barriere bezeichnet

wird. Wird diese im Falle eines Calls berührt

oder unterschritten, tritt das Knock-Out-Ereignis

ein. Bei einem Put darf diese nicht berührt oder

überschritten werden. Das heißt, kommt es zum

Knock-Out-Ereignis, so endet die Laufzeit des

Wertpapiers und der Emittent ermittelt einen entsprechenden

Knock-Out-Betrag, der dem Zertifikateinhaber

automatisch gutgeschrieben wird.

Neben der Wirkungsweise des Hebels und

den damit verbundenen erhöhten Chancen und

Risiken ist vielen Marktteilnehmern zudem nicht

bewusst, dass der Hebel, welcher zum Kaufzeitpunkt

eines Open End-Turbo-Optionsscheins ausgewiesen

ist, für den Käufer in der Zeit, in der er

das gehebelte Wertpapier hält, nahezu konstant

bleibt. Diese Erkenntnis lässt sich am besten in

einem konkreten Beispiel beleuchten. In Tabelle 1

wird von einem beispielhaften Open End-Turbo-

Call-Optionsschein auf eine fiktive Musteraktie

ausgegangen.

Der Briefkurs für den Open End-Turbo-Call-

Optionsschein errechnet sich über die Formel 1 in

Formelkasten 1.

Dieser Open End-Turbo-Call-Optionsschein hat

somit einen Hebel von rund 11,32. Der Hebel kann

wie folgt errechnet werden: (aktueller Kurs des

Basiswerts / Briefkurs x Bezugsverhältnis). Das

ergibt im Beispiel 120,00 Euro / 10,60 Euro x 1

11,32.

Trader könnten diesen Open End-Turbo-Call-

Optionsschein zu 10,60 Euro kaufen und an

einer beispielhaften Entwicklung der Musteraktie

innerhalb der nächsten 30 Tage von 120 Euro auf

150 Euro (ein Plus von 25 Prozent) mit einem

Hebel von 11,32 überproportional partizipieren.

Der Open End-Turbo-Call-Optionsschein hätte

dann einen Wert von 40,60 Euro, was eine prozentuale

Steigerung von rund 283 Prozent (Vergleiche

Tabelle 2; Spalte 1 bis 8; letzte Zeile) ergibt.

Dabei wird ersichtlich, dass der

„persönliche“ Hebel – also der

Hebel, der zum Kaufzeitpunkt Formel 1

ausgewiesen wurde – bis zum

Verkauf des Open End-Turbo-

Call-Optionsscheins weitestgehend

konstant bleibt. Denn wird

die Performance des Basiswerts

in Höhe von 25 Prozent mit dem

T1) Open End-Turbo-Optionsschein

Bezeichnung

Art

Basiswert

Basispreis

Knock-Out-Barriere

Typ

Wert

Open End-Turbo-Optionsschein

Musteraktie

110,00 Euro

110,00 Euro

Call

Bezugsverhältnis 1,00

Fälligkeitstag

Aufgeld

Geldkurs

Briefkurs

akt. Kurs des Basiswerts

Open End

0,50 Euro

10,50 Euro

10,60 Euro

120,00 Euro

Hebel 11,32

Emittentenprämie in % p.a. 2,50

EONIA -0,06

Anpassungsatz in % p.a. 2,44

Tabelle 1 zeigt exemplarisch die Daten eines Open End-Turbos auf

eine fiktive Musteraktie.

Quelle: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Hebel in Höhe von 11,32 multipliziert, so entspricht

die „persönliche“ Performance ebenfalls

rund 283 Prozent.

Nicht zu vergessen sind bei der Thematik die

anfallenden Finanzierungskosten, die sich je nach

Produktanbieter unterscheiden und speziell bei

einer längeren Haltedauer von Anlegern beachtet

werden sollten. Finanzierungskosten spiegeln die

Kosten wieder, welche dem Emittenten bei der Konstruktion

der Produkte entstehen. Diese dienen im

Rahmen der Konstruktion unter anderem dazu, die

überproportionale Partizipation an einen Basiswert

(Hebelkomponente) zu ermöglichen. Des Weiteren

Briefkurs = (Basiswert - Basispreis) x Bezugsverhältnis + Aufgeld + Spread

Innerer Wert

Geldkurs


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Quelle: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Tabelle 2 zeigt den Hebel eines Open End-Turbo-Optionsscheins mit und ohne Einfluss der Finanzierungskosten. O.B.F. = Ohne Berücksichtigung von Finanzierungskosten; M.B.F. = Mit Berücksichtigung;

30 150 25,00% 110,00 40,60 3,69 11,32 283,02% 110,224 40,38 3,72 11,236269 280,91%

29 149 24,17% 110,00 39,60 3,76 11,32 273,58% 110,216 39,38 3,78 11,236272 271,54%

28 148 23,33% 110,00 38,60 3,83 11,32 264,15% 110,209 38,39 3,86 11,236275 262,18%

3 123 2,50% 110,00 13,60 9,04 11,32 28,30% 110,022 13,58 9,06 11,236346 28,09%

2 122 1,67% 110,00 12,60 9,68 11,32 18,87% 110,015 12,59 9,69 11,236349 18,73%

1 121 0,83% 110,00 11,60 10,43 11,32 9,43% 110,007 11,59 10,44 11,236352 9,36%

0 120 - 110,00 10,60 11,32 - - 110,000 10,60 11,32 - -

Tage

HSBC

Zertifikate

Akademie Aktie

Basiswert

Performance

zum Tag 0

Basispreis

O.B.F

Briefkurs

O.B.F

Aktueller

Hebel

O.B.F

Persönlicher

Hebel

O.B.F

Persönliche

Performance

O.B.F

Basispreis

M.B.F

Briefkurs

M.B.F

Aktueller

Hebel

M.B.F

Persönlicher

Hebel

M.B.F

Persönliche

Performance

M.B.F

T2) Hebel mit und ohne Finanzierungskosten

wird auch die Emittentenprämie (Marge) in den

Finanzierungskosten berücksichtigt. Die Finanzierungskosten

werden mit der Formel 2 (siehe Formelkasten

2) berechnet.

Aus der Formel wird deutlich, dass die Höhe

der Finanzierungskosten nicht konstant ist und je

nach Marktlage schwanken kann. Der Anpassungssatz

ändert sich, wenn der EONIA sich ändert. Die

Marge hingegen ist in der Regel konstant und führt

zu keiner Veränderung des Anpassungssatzes.

Open End-Produkte haben, wie der Name schon

sagt, keine im Vorhinein festgelegte Laufzeit, aber

der Emittent hat ein Kündigungsrecht. Daher werden

die Finanzierungskosten börsentäglich vor

Handelsbeginn durch die Anpassung des Basispreises

und der Knock-Out-Barriere berücksichtigt.

In der Call-Variante werden der Basispreis und die

Knock-Out-Barriere nach oben hin angepasst, was

zur Folge hat, dass der Innere Wert entsprechend

sinkt. Auf diesem Weg werden die Finanzierungskosten

dem Zertifikateinhaber in Rechnung gestellt.

Dieser Effekt wird in Tabelle 2 anhand eines

Zahlenbeispiels ersichtlich. Am Tag 0, an dem der

Open End-Turbo-Call-Optionsschein erworben

wird, hat dieser einen Inneren Wert von zehn Euro

[(120 Euro - 110 Euro) x 1 = 10 Euro]. Am Tag 1

steigt der Basiswert von 120 Euro auf 121 Euro,

woraufhin der Innere Wert eigentlich von zehn

Euro auf elf Euro steigen müsste [(121 Euro - 110

Euro) x 1 = 11 Euro]. Die Berücksichtigung der

Finanzierungskosten, welche den Basispreis und

die Knock-Out-Barriere anwachsen lassen, verdeutlichen

die in den ersten beiden Zeilen in der

neunten Spalte in Tabelle 2 aufgeführten Zahlen.

Hierbei wurden Basispreis und Knock-Out-Barriere

von Tag 0 auf Tag 1 um 0,007 Euro nach oben

angepasst. Dieser Wert ergibt sich wie folgt:

110 EUR x 2,44 x 1 Tag

360 Tage x 100

≈ 0,007 EUR

Wird nun diese „Anpassung“ zum aktuellen

Basispreis addiert, erhalten Anleger den indikativen

Basispreis des Folgetages [110 Euro + 0,007 Euro =

110,007 Euro]. Somit liegt der Innere Wert nicht wie

angenommen bei elf Euro, sondern lediglich bei

10,993 Euro [(121 Euro - 110,007 Euro) x 1 = 10,993

Euro]. Hieraus wird ersichtlich, dass die Berücksichtigung

von Finanzierungskosten durch die Anpassung

von Basispreis und Knock-Out-Barriere zu


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Formel 2

aktueller Basispreis x Anpassungssatz x Kalendertage

360 Tage x 100

+ akt. Basispreis ≈ indikativer Basispreis

Anpassungssatz = Euro OverNight Index Average (EONIA) + Marge

einer Reduzierung des Inneren Wertes führt. Bei

einem Anlagehorizont von 30 Tagen steigen der

Basispreis und die Knock-Out-Barriere somit um

0,224 Euro. Dabei wird unterstellt, dass sich der

EONIA in dem Zeitraum nicht verändert hat.

110 EUR x 2,44 x 30 Tage

360 Tage x 100

≈ 0,224 EUR

Bei Berücksichtigung dieser Finanzierungskosten

ist der Basispreis über den Anlagezeitraum

von 110 Euro auf 110,224 Euro gestiegen (siehe

Tabelle 2, Spalte 9). Somit wird aus den oberen

Erläuterungen deutlich, wie wichtig es ist, auf

die Finanzierungskosten zu achten. Da sich diese

unterscheiden, lohnt es sich bereits bei der Auswahl

des passenden Hebelprodukts einen Blick

auf die Finanzierungskosten des jeweiligen Produktanbieters

zu werfen.

Finanzierungskosten verringern auch den

„persönlichen“ Hebel über die Laufzeit hinweg.

In Spalte 12 der Tabelle 2 ist die „persönliche“

Hebelentwicklung unter Berücksichtigung der

Finanzierungskosten dargestellt. Dabei wird klar

ersichtlich, dass der Hebel innerhalb der 30-tägigen

Haltedauer von 11,32 auf 11,23 fällt. Dies

wirkt sich entsprechend auf die „persönliche

Performance“ aus. Diese beträgt nicht mehr wie

ursprünglich angenommen rund 283 Prozent,

sondern nur noch rund 280 Prozent. Vielleicht

keine große Einbuße, aber eine permanente.

Fazit

Es kann abschließend festgehalten werden, dass

bei Open End-Knock-Out-Produkten nicht nur der

Spread, sondern auch die Finanzierungskosten

eine wichtige Rolle spielen. Mit zunehmender

Haltedauer eines Open End-Knock-Out-Produktes

nimmt die Bedeutung des Spreads als Kostenfaktor

im Vergleich zu den Finanzierungskosten

ab. Letztere bestehen permanent und schmälern

Ihren ganz persönlichen Hebel.

Registrieren Sie sich jetzt auf

www.traders-briefing.com

Aufweckende Tagesprognosen zum

S&P 500, DAX und Bund-Future –

bevor der Hahn gekräht hat!


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Die Funktions- und Wirkungsweise von Optionsscheinen

Reiz und Risiko

» Trader, die über Funktionsweisen und Besonderheiten von

Optionsscheinen Bescheid wissen, können mit ihnen hohe Gewinne

erzielen. Fehlt jedoch das nötige Grundwissen zu diesen Produkten,

können den Trader böse Überraschungen ereilen. Dieser Artikel zeigt

Ihnen, worauf es zu achten gilt. «

Dirk Heß

Dirk Heß ist Co-Head EMEA Warrant Sales &

Distribution bei der Citigroup Global Markets

Deutschland AG (Citi). Informationen zu

Optionsscheinen finden Sie auf der Webseite

www.citifirst.de unter der Rubrik „Wissen“.

Zudem stehen Ihnen unter www.blog.citifirst.com

noch weitere Informationen rund

um Trading und Geldanlage zur Verfügung.

Es ist der Traum zahlreicher Börsianer, mit geringem

Einsatz in relativ kurzer Zeit hohe Gewinne

zu erzielen. Optionsscheine bieten diese Möglichkeit.

Sie gehören nicht nur zu den ältesten

Derivaten – ihre Anfänge reichen bis ins frühe

18. Jahrhundert zurück –, sondern auch zu den

beliebtesten. Allein in Deutschland werden aktuell

mehr als 360 000 Optionsscheine gehandelt.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Ihr Hauptmerkmal ist die

Hebelwirkung, das heißt, sie

nehmen an einer Kursbewegung

eines Basiswerts, zum

Beispiel einer Aktie, überproportional

teil. Aus dem Hebel

resultiert die Chance auf hohe

Gewinne. Entwickelt sich der

Basiswert allerdings nicht in die

gewünschte Richtung, kann es

auch zum Verlust des kompletten

Einsatzes kommen. Optionsscheine

eignen sich daher

in erster Linie nur für risikobereite

und risikobewusste Anleger.

Nur wer die Funktionsweise

dieser Produkte versteht und

beherrscht, kann die mit ihnen

verbundenen Chancen und Risiken

richtig beurteilen.

Gehebelt investieren

Grundsätzlich verbriefen Optionsscheine

das Recht, aber

nicht die Verpflichtung, einen

zugrunde liegenden Basiswert

zu einem vorher vereinbarten

Preis auf Termin zu kaufen oder

zu verkaufen. Bei Ersterem handelt

es sich um einen Call, im

zweiten Fall um einen Put. In der

Regel sind die Käufer eines Optionsscheins

jedoch nicht daran

interessiert, das damit verbundene

Recht auszuüben, also den

Basiswert zu beziehen oder zu

liefern, sondern sie möchten

sich lediglich die Hebelwirkung zunutze machen.

Der Spekulationsgedanke steht also im Vordergrund.

In der Praxis werden Optionsscheine daher

meistens bereits vor ihrem Laufzeitende wieder

verkauft – wobei ein Call von steigenden Kursen

des Basiswerts profitiert, während Puts bei fallenden

Notierungen gewinnen.

Der Preis eines Optionsscheins

Wie ein Trade mit Call-Optionsscheinen aussehen

kann, soll folgendes Beispiel verdeutlichen. Angenommen

ein Anleger erwartet aufgrund eines

Chartsignals, dass der Kurs der Daimler-Aktie

B1) Rückzahlungsdiagramm eines Call-Optionsscheins

Ertrag

Verlust

Dargestellt ist das Rückzahlungsprofil eines Call-Optionsscheins am Laufzeitende. Notiert

der Basiswert dann nicht mindestens über dem Basispreis, verfällt der Optionsschein wertlos.

Andererseits sind unbegrenzte Gewinne möglich.

B2) Rückzahlungsdiagramm eines Put-Optionsscheins

Ertrag

Verlust

0

0

Verlust des

Kaufpreises des Calls

Basispreis

Basispreis

Verlust des

Kaufpreises des Puts

Gewinnschwelle

Optionsscheinpreis Call

Kurs des Basiswerts

Quelle: www.citifirst.de

Gewinnschwelle

Optionsscheinpreis Put

Kurs des Basiswerts

Dargestellt ist das Rückzahlungsprofil eines Put-Optionsscheins zum Laufzeitende. Notiert

der Basiswert dann nicht unter dem Basispreis, verfällt der Put wertlos.

Quelle: www.citifirst.de

nach oben ausbrechen wird. Also erwirbt er Call-

Optionsscheine auf die Daimler-Aktie (Basiswert)

mit einem Basispreis von 70 Euro, einem Bezugsverhältnis

von 1 und einer Laufzeit von einem halben

Jahr. Was würde ein solcher Call kosten?

Um diese Frage zu beantworten, muss man

wissen, dass sich der Preis eines Optionsscheins

– egal ob Call oder Put – aus einem Inneren Wert

und einem Zeitwert zusammensetzt. Der Innere

Wert gibt an, wieviel der Optionsschein wert

wäre, wenn das Bezugsrecht ausgeübt würde. Im

obigen Beispiel verbrieft ein Call das Recht, eine

Daimler-Aktie zu 70 Euro (Basispreis) zu beziehen.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

T1) Einflussfaktoren auf den Optionsscheinpreis

Einflussfaktor Basiswert Volatilität Restlaufzeit

Veränderung

Preis eines Calls

Preis eines Puts

Die Tabelle zeigt den Einfluss drei wichtiger Faktoren auf den Preis

von Call- und Put-Optionsscheinen. Weitere Faktoren wären etwaige

Veränderungen bei den Dividendenerwartungen (bei Optionsscheinen

auf Aktien) sowie Veränderungen des Zinsniveaus (in der

Tabelle aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Relevanz nicht

aufgeführt).

Quelle: www.citifirst.de

Bei einem aktuellen Kurs der Daimler-Aktie von

75 Euro könnte die Aktie also theoretisch um fünf

Euro unter ihrem aktuellen Preis bezogen werden.

Folglich liegt der Innere Wert des Calls bei fünf

Euro. Angenommen, die Daimler-Aktie würde

nun um einen Euro auf 76 Euro steigen, dann

würde sich der Innere Wert des Calls ebenfalls

um einen Euro von fünf auf sechs Euro erhöhen.

Hier kommt zum ersten Mal die Hebelwirkung

von Optionsscheinen zum Vorschein. Denn während

die Daimler-Aktie lediglich um 1,3 Prozent

gestiegen ist, hat der Innere Wert des Calls

20 Prozent hinzugewonnen. Sollte der Basiswertkurs

allerdings sinken, wären überproportionale

Verluste die Folge. Fällt er unter den Basispreis,

dann würde sich der Innere Wert auf Null Euro

abbauen (ein negativer Innerer Wert ist nicht

möglich). Der Optionsschein wäre dann „aus dem

Geld“. Notiert der Basiswert dagegen wie im Beispiel

über dem Basispreis, dann ist der Call „im

Geld“. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Basiswertkurs

in etwa auf Höhe des Basispreises liegt.

In diesem Fall wäre ein Optionsschein „am Geld“.

Zeitwerteffekte beachten

Legt man nur den Inneren Wert zugrunde, dann

wäre die Preisentwicklung von Optionsscheinen

relativ transparent nachzuvollziehen. So einfach

ist es aber leider nicht, denn Optionsscheine

besitzen – wie bereits erwähnt – auch einen

Zeitwert. Das heißt, sie werden mit einem über

ihrem Inneren Wert liegenden Preis gehandelt.

Im Beispiel mit der Daimler-Aktie würde der Call-

Optionsschein nicht fünf Euro, sondern aktuell

etwa 8,50 Euro kosten. Warum ist das so? Der

Zeitwert ist vereinfacht ausgedrückt eine Art Prämie,

die der Käufer eines Optionsscheins für die

Chance zahlt, dass die Spekulation im Zeitverlauf

aufgeht. Wie hoch er ist und wie er sich verändert,

hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich

wiederum gegenseitig beeinflussen. Zu den wichtigsten

Faktoren gehören die Laufzeit des Optionsscheins,

die Kursentwicklung des Basiswerts

sowie die implizite Volatilität, also die erwartete

Schwankungsintensität des Basiswertkurses.

Spekulation gegen die Zeit

Warum die Laufzeit eines Optionsscheins den

Zeitwert beeinflusst, ist relativ einfach zu erklären.

Denn je länger die Laufzeit, umso größer ist

die Chance, dass der Basiswert in die „richtige“

Richtung geht. Ein Schein mit einer längeren Laufzeit

ist daher wertvoller als ein vergleichbares

Papier mit näherem Fälligkeitsdatum. Damit gilt:

Je länger die Restlaufzeit eines Optionsscheins,

desto größer ist sein Zeitwert. Umgekehrt ist

aber auch logisch, dass sich der Zeitwert im Zeitverlauf

immer weiter abbaut, bis er am Ende der

Laufzeit Null beträgt. Der Optionsscheinpreis ist

dann identisch mit dem Inneren Wert (sollte er

über keinen Inneren Wert verfügen, dann würde

der Schein wertlos verfallen). Wer Optionsscheine

kauft, muss also immer die zeitliche Komponente

seines Investments einbeziehen. Der Zeitwertverfall

kann nur durch einen steigenden Inneren

Wert ausgeglichen werden. Außerdem gilt, dass

der Zeitwert bei einem am Geld liegenden Optionsschein

am größten ist. Je weiter der Optionsschein

aus dem Geld ist, desto geringer ist sein

Zeitwert, da die Chance, dass der Optionsschein

doch noch im Geld landet, immer geringer wird.

Die Wirkung der Volatilität

Ein ebenfalls ganz wesentlicher Einflussfaktor

auf den Zeitwert ist die implizite Volatilität des

Basiswerts. Sie gibt die von den Marktteilnehmern

erwartete künftige Schwankungsbreite eines

Wertpapiers an. Je höher die implizite Volatilität,

umso stärker die erwarteten Kursschwankungen

und umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass

sich der Basiswert in die gewünschte Richtung

bewegt. Das heißt: Je höher die erwartete Volatilität,

umso höher ist der Zeitwert eines Optionsscheins.

Dies gilt gleichermaßen für Calls und Puts.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

„ “

Richtig eingesetzt sind Optionsscheine mit ihrem Risiko/

Ertragsprofil eines der besten Produkte, um Strategien

erfolgreich umzusetzen.

Grundsätzlich sind Optionsscheine also vergleichsweise

teuer, wenn an den Finanzmärkten die Kursschwankungen

stark sind – und umgekehrt.

Ein Punkt, der von Optionsschein-Anlegern

in diesem Zusammenhang oftmals unterschätzt

wird, sind die zum Teil heftigen Auswirkungen auf

den Zeitwert, wenn sich die implizite Volatilität des

Basiswerts verändert. Dazu muss man wissen,

dass die Volatilität in Zeiten starker Kursverluste

in der Regel besonders hoch ist, da Kursverluste

zumeist ruckartig erfolgen. Stabilisiert sich der

Markt und die Kurse tendieren wieder nach oben,

geht die Volatilität zumeist sehr schnell zurück.

Wer also nach einem Kursrutsch einen Call relativ

teuer erwirbt, um damit auf eine Gegenbewegung

zu spekulieren, muss damit rechnen, dass

Gewinne aus einer positiven Entwicklung des

Basiswerts durch negative Zeitwerteffekte teilweise

oder sogar ganz aufgezehrt werden können.

Gleichwohl bieten Volatilitätsveränderungen

aber auch eine Chance: Wer zum Beispiel in ruhigen

Börsenzeiten einen Put in Erwartung eines

Kursrutsches erwirbt, würde von fallenden Kursen

gleich doppelt profitieren: zum einen von der

negativen Entwicklung des Basiswerts, zum anderen

von einem steigenden Zeitwert.

Alternative zu Optionsscheinen

Aufgrund der zahlreichen Faktoren, die den Zeitwert

beeinflussen, ist die Preisentwicklung eines

Optionsscheins während seiner Laufzeit für unerfahrene

Trader schwer nachzuvollziehen. Mehr

Transparenz bieten Knock-Out-Produkte, die auch

als Turbos oder Mini-Futures bezeichnet werden.

Sie beinhalten aufgrund ihrer speziellen Konstruktion

keinen oder kaum einen Zeitwert. Weil sie

damit billiger sind, verfügen sie über eine höhere

Hebelwirkung als vergleichbare Optionsscheine.

Das macht sie allerdings auch riskanter, da Knock-

Outs sofort wertlos verfallen, sollte der Basiswert

eine bestimmte Schwelle, die Knock-Out-Barriere,

berühren. Bei Optionsscheinen ist dagegen eine

Erholung bis zum Laufzeitende möglich.

Hebel ist nicht gleich Hebel

Und noch einen Punkt gilt es zu beachten: Die

Hebelwirkung stellt für Anleger den Hauptanreiz

für den Kauf von Optionsscheinen dar. Anfänger

machen häufig den Fehler, lediglich den „einfachen

Hebel“ eines Optionsscheines zu berechnen,

indem sie den Kurs des Basiswerts (gegebenenfalls

bereinigt durch das Bezugsverhältnis) durch

den Preis des Optionsscheins dividieren. Im Beispiel

mit dem Call-Optionsschein auf die Daimler-

Aktie würde der einfache Hebel 8,8 betragen (75

Euro / 8,50 Euro). Diese Berechnung ist jedoch

ungenau, insbesondere bei Optionsscheinen, die

weit aus dem Geld notieren.

Deutlich realistischer wird die Hebelwirkung

dadurch wiedergeben, indem der „einfache

Hebel“ mit dem Delta multipliziert wird. Das Delta

ist eine Kennzahl aus der Optionsscheintheorie.

Es misst die absolute Veränderung des Optionsscheinpreises

in Euro, wenn sich der Basiswertkurs

um einen Euro verändert. Angenommen,

das Delta bei dem Call aus dem Daimler-Beispiel

liegt bei 0,6. Das heißt, bei einem Preisanstieg der

Daimler-Aktie um einen Euro würde der Call um

0,6 Euro zulegen. Multipliziert man den einfachen

Hebel mit dem Delta, ergibt sich ein „effektiver

Hebel“ von 5,3 (8,8 x 0,6). Im Fachjargon wird der

effektive Hebel auch Omega genannt. Das Omega

gibt an, um wieviel Prozent sich der Kurs eines

Optionsscheins verändert, wenn sich der Basiswert

um ein Prozent verändert. Auch dieser Punkt

zeigt, dass man beim Handel mit Optionsscheinen

über gewisse Grundlagen verfügen sollte.

Das Basiswissen schützt zwar nicht vor allen Verlusten,

es hilft aber, unnötige Fehler zu vermeiden.

Und richtig eingesetzt sind Optionsscheine

mit ihrem Risiko/Ertragsprofil eines der besten

Produkte, um Strategien erfolgreich umzusetzen.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Das steckt hinter Discount-Optionsscheinen

Traden mit Preisnachlass

» Mit klassischen Optionsscheinen und anderen Hebelprodukten ist in Seitwärtsphasen nur schwer Geld

zu verdienen. Eine Alternative bieten Discount-Optionsscheine. Bei diesen verzichtet der Anleger auf

die volle Kurschance eines klassischen Optionsscheins und erhält im Gegenzug einen „Preisnachlass“

(Discount) beim Kauf. Dieser sorgt dafür, dass mit Discount-Optionsscheinen auch bei moderaten

Kursbewegungen des Basiswerts Gewinne erzielt werden können. Dabei sind sogar Szenarien denkbar,

in denen der Basiswert eigentlich in die „falsche“ Richtung läuft, der Discount-Optionsschein dem

Anleger aber trotzdem noch einen Gewinn beschert. «

Funktionsweise

Bei einem Discount-Optionsschein sind zwei

Kursmarken zu beachten: zum einen der Basispreis,

ab dem der Anleger von Bewegungen

des jeweils abgebildeten Basiswerts partizipiert

und zum anderen das Cap, das die Obergrenze

für die Beteiligung an diesen Kursbewegungen

bestimmt. Bei Discount-Call-Optionsscheinen

liegt dieses Cap oberhalb des Basispreises, bei

Discount-Put-Optionsscheinen darunter. Bei Fälligkeit

eines Discount Calls erhält der Anleger

wie bei einem klassischen Call-Optionsschein die

Differenz zwischen dem am Laufzeitende festgestellten

Kurs des Basiswerts und dem Basispreis

bereinigt um das Bezugsverhältnis ausgezahlt.

Die Höhe dieser Auszahlung wird anders als

beim klassischen Call allerdings nach oben

Anouch Wilhelms

Anouch Wilhelms ist Zertifikate-Experte bei

der Commerzbank und in diesem Bereich

mehr als zehn Jahre tätig. Er studierte

Betriebswirtschaft in Frankfurt und Madrid

und startete direkt nach dem Studium bei der

Commerzbank in Frankfurt im Bereich Aktien

und Rohstoffe. Heute ist er Spezialist für

strukturierte Wertpapiere.

durch das Cap begrenzt. Der maximale Rückzahlungswert

ergibt sich folglich aus dem Abstand

zwischen Basispreis und Cap, wobei für Discount-

Optionsscheine auf Indizes meist ein Höchstbetrag

von drei oder fünf Euro vorgesehen ist. Dies entspricht

unter Berücksichtigung des bei Indexprodukten

üblichen Bezugsverhältnisses von 100:1

genau 300 beziehungsweise 500 Indexpunkten.

Bild 1 veranschaulicht das Rückzahlungsprofil

eines Discount-Call-Optionsscheins auf den DAX

mit einem Basispreis von 9500 Indexpunkten,

einem Cap bei 10 000 Indexpunkten und einem

Bezugsverhältnis von 100:1. Bei Indexständen

T1) Optionsscheine im Vergleich

Discount-Call-

Optionsschein

Klassischer Call-

Optionsschein

Basispreis 9500 Punkte 9500 Punkte

Cap 10 000 Punkte –

Bezugsverhältnis 100:1 100:1

Preis des

Optionsscheins

2,72 Euro 4,97 Euro

Hier werden ein Discount-Call-Optionsschein und ein klassischer

Call-Optionsschein gegenübergestellt.

Quelle: Commerzbank Corporates & Markets


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

zwischen Basispreis und Cap

steigt der Rückzahlungswert

stetig an, bis er den Höchstwert

von fünf Euro erreicht. Wie weit

der Index über das Cap hinaussteigt,

ändert nichts mehr an

der Rückzahlungshöhe. Zugleich

zeigt sich, dass der Wert des

Discount-Calls bei Indexständen

unterhalb des Basispreises auf

Null sinkt: In diesem Fall verfällt

der Optionsschein wertlos.

B1) Rückzahlungsprofil eines Discount-Call-Optionsscheins

Vergleich mit einem

klassischen Optionsschein

Der Reiz von Discount-Optionsscheinen

besteht darin, dass sie

zum Ausgleich für die Begrenzung

der möglichen Gewinne einen

in der Regel deutlichen Preisabschlag

(Discount) gegenüber

einem klassischen Optionsschein

mit gleichem Basispreis und gleicher

Laufzeit aufweisen. Hieraus

ergibt sich ein stark abweichendes

Profil für die bei Fälligkeit zu

erwartende Rückzahlung.

Bild 2 zeigt den Discount-Call-

Optionsschein aus dem vorhergehenden

Beispiel im Vergleich

zu einem klassischen Call mit

dem gleichen Basispreis und

derselben Laufzeit. Bei einem

Indexstand von 9500 Punkten

und darunter würden beide Optionsscheine

wertlos verfallen.

Im Bereich zwischen 9500 und

10 000 Punkten wäre der Rückzahlungswert

identisch. Über

einen Indexstand von 10 000

Punkten hinaus wird der Discount

Call durch das Cap ausgebremst,

wohingegen der klassische Call

bei weiter steigenden Indexständen immer stärker

an Wert zulegt. Der Gleichlauf der Rückzahlungswerte

zwischen 9500 und 10 000 Indexpunkten ist

jedoch nicht gleichbedeutend mit einer identischen

Gewinnspanne. Denn aufgrund des Preisabschlags

zahlen Anleger für den Discount Call einen deutlich

geringeren Preis (siehe Tabelle 1).

Das Rückzahlungsprofil des Discount-Call-Optionsscheins zeigt die Entwicklung in Euro

(orange Linie) in Abhängigkeit vom jeweiligen DAX-Stand am Laufzeitende. Ist dieser beispielsweise

bei 9500 Punkten, liegt der Rückzahlungsbetrag bei Null Euro.

B2) Klassischer Call versus Discount-Call

Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Hier wird ein klassischer Call-Optionsschein mit einem Discount-Call-Optionsschein verglichen.

Beide sind mit einem Basispreis von 9500 Punkten ausgestattet. Es ist klar zu erkennen,

dass der Discount-Call-Optionsschein maximal einen Rückzahlungsbetrag von fünf Euro

erzielen kann, wohingegen der klassische Call-Optionsschein unbeschränkt steigen kann.

Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Beim Vergleich der absoluten Gewinnchancen

(Bild 3) wird ersichtlich, wie sich die unterschiedlichen

Einstiegskurse auf das Gewinnpotenzial

der beiden Optionsscheine auswirken. Der geringere

Kapitaleinsatz beim Discount Call führt

dazu, dass dieser bei einem moderaten Indexanstieg

einen höheren absoluten Gewinn erzielt.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

B3) Vergleich von Gewinn- und Verlustrechnung

Bei einem Vergleich von Gewinn und Verlustrechnung wird schnell klar, dass die Gewinnbegrenzung

lange Zeit einen Vorteil gegenüber einem klassischen Optionsschein bietet. Erst

wenn der Basiswert stark steigt ändert sich dies.

B4) Relativer Gewinn/Verlust-Vergleich

Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Beim relativen Gewinn/Verlust-Vergleich fällt auf, dass der Discount-Call-Optionsschein

lange besser abschneidet als ein klassischer Optionsschein. Durch den geringeren Einstandswert

ergibt sich noch bis weit über das Cap hinaus ein prozentualer Vorteil. Nur wenn

der Basiswert sehr stark steigt, liegt der klassische Optionsschein vorne.

Außerdem erreicht der Discount Call per Fälligkeit

wegen des geringeren Einstiegskurses deutlich

früher die Gewinnzone als der klassische Call.

Zu beachten ist zudem, dass

der Bereich, ab dem der klassische

Call-Optionsschein einen

höheren Gewinn einbringt, erst

deutlich oberhalb des Caps des

Discount Calls beginnt.

Noch klarer wird der relative

Vorteil des Discount Calls

bei moderaten bis mittleren

Indexanstiegen, wenn nicht der

absolute Gewinn in Euro, sondern

der prozentuale Anlageerfolg

betrachtet wird (siehe Bild

4). Bezogen auf den Einstiegskurs

von 2,72 Euro entspricht

der maximal mögliche Gewinn

des Discount-Calls von 2,28 Euro

einem Kursplus von 83,8 Prozent.

Er wird erzielt, wenn der

Index am Ende der Laufzeit auf

oder über 10 000 Punkten notiert.

Um mit dem zu 4,97 Euro angebotenen

klassischen Call denselben

prozentualen Gewinn zu

erzielen, müsste der Index auf

mehr als 10 400 Punkte steigen.

Für Discount-Put-Optionsscheine

gilt: Der Discount Put

gewinnt bei fallenden Indexständen

an Wert, wobei aufgrund

von Cap und Preisabschlag

auch hier bei moderaten Indexverlusten

entsprechend höhere

Gewinne erzielt werden können

als mit einem klassischen Put-

Optionsschein. Bei sehr starken

Indexverlusten fällt der Gewinn

des klassischen Puts ab einem

bestimmten Punkt hingegen

höher aus.

Fazit

Die Beispiele haben deutlich

gezeigt, dass unter bestimmten

Umständen Discount-Optionsscheine

attraktiver sind als

klassische Optionsscheine. Discount-Optionsscheine

sind nicht nur auf den DAX

zu finden, sondern auch auf Aktien wie Apple oder

Tesla und auf Rohstoffe wie WTI und Brent Öl.

Quelle: Commerzbank Corporates & Markets


Bestellen Sie die TRADERS´ CD 2014

mit allen Ausgaben aus dem Jahr 2014

Abonnenten erhalten TRADERS´ auf CD zum Preis von 29,90 Euro*.

Nichtabonnenten zahlen 75,90 Euro*.

Bestellen Sie jetzt per E-Mail an verwaltung@traders-mag.com,

im Shop unter www.traders-media.de oder telefonisch

unter 09 31/4 52 26-0.

*inkl. MwSt. versandkostenfrei innerhalb Deutschlands. Es gelten unsere AGBs.

Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie das bestellte Produkt erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß

den Anforderungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr.1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen. Der Widerruf ist zu richten an:

TRADERS´ media GmbH, Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg; Telefon: 09 31/4 52 26-0, Telefax: 09 31/4 52 26-13, E-Mail: abo@traders-mag.com.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Alles über exotische Optionsscheine

Wenn Bulle und Bär Urlaub machen

» Wenn Bulle und Bär Urlaub machen, ist es oft schwer, an der Börse erfolgreich zu

agieren. Sowohl mit klassischen Call- und Put-Optionsscheinen als auch mit Long- und

Short-Turbos setzen Trader auf möglichst große Marktbewegungen. Bleiben diese

aber aus, verlieren Trader möglicherweise Zeitwert oder Finanzierungskosten. Mit

exotischen Optionsscheinen können Anleger indes gerade in (scheinbar) ruhigeren

Börsenphasen von Seitwärtsbewegungen profitieren. «

Was sind exotische Optionsscheine?

Exotische Optionsscheine sind mittlerweile in

einer derart großen Produktpalette verfügbar

Alana Maue

Alana Maue startete ihre Karriere nach dem

erfolgreichen Abschluss ihres Studiums zur

Diplom-Betriebswirtin (FH) mit Schwerpunkt

Banking & Finance und einem Praktikum

bei der Société Générale. Seit September

2011 ist sie als Produktmanagerin im Public

Distribution-Team in der Frankfurter Niederlassung

der französischen Großbank tätig.

und konnten sich so schnell als Lösung für viele

neuartige Trading-Herausforderungen etablieren,

dass sie wohl von keinem Anleger mehr als

wirklich ausgefallene Produkte betrachtet werden.

Dennoch unterscheiden sich exotische Optionsscheine

grundsätzlich von klassischen Optionsscheinen.

Sie sollten deren Funktionsweise,

sowie die Chancen und Risiken kennen, bevor Sie

investieren.

Zum einen verfügen exotische Optionsscheine

über (mindestens) eine Barriere – dies

hat Auswirkungen auf das Verhalten der Produkte

gegenüber diversen Einflussfaktoren.

Zum anderen kennen die hier vorgestellten


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

exotischen Optionsscheine bei

Laufzeitende nur zwei mögliche

Zahlungsströme: Entweder

zahlen sie einen vorab definierten

Festbetrag zurück, der die

Maximalrendite darstellt (hier

zehn Euro) oder sie verfallen

wertlos und Anleger realisieren

einen Totalverlust. Da nur zwei

Rückzahlungsbeträge denkbar

sind, werden diese exotischen

Optionsscheine auch als binäre

oder digitale Optionsscheine

bezeichnet.

Anwendungsbeispiel

StayHigh-Optionsschein

Mit einem StayHigh-Optionsschein

können Sie eine

wesentlich defensivere Markteinschätzung

umsetzen als mit

einem klassischen Call-Optionsschein

oder einem Long

Turbo-Produkt. Wer etwa davon

ausgeht, dass der Goldpreis

bis zum Jahresende immer

oberhalb von 1075 US-Dollar

notieren wird, könnte auf einen

StayHigh-Optionsschein mit

B1) Beispiel Gold

der Barriere bei 1075 US-Dollar

und einem Endtag im Dezember

setzen, dessen Preis mit

8,50 Euro angenommen wird.

Die Goldnotierungen müssen

während der Laufzeit nicht

ansteigen, sondern lediglich

immer über der Barriere liegen,

damit Sie den Rückzahlungsbetrag

von zehn Euro und damit

eine Rendite von 1,50 Euro oder

17,65 Prozent in den nächsten

vier Monaten erzielen. Sollte

die Barriere allerdings auch nur einmal berührt

oder unterschritten werden, verfällt der Stay-

High-Optionsschein sofort wertlos und Sie realisieren

einen Totalverlust. Die Ausbuchung aus

dem Depot erfolgt zu einem Restwert in Höhe

von 0,001 Euro.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Barriere

eines StayHigh-Optionsscheins, desto geringer

Die rote Linie zeigt die Barriere eines StayHigh-Optionsscheins auf Gold. Fällt der Kurs während

der Laufzeit auf oder unter diese Marke, verfällt das Produkt wertlos zu 0,001 Euro

(siehe orange Linie). Wird die Barriere dagegen nicht verletzt, kommt es zur Auszahlung von

zehn Euro (grüne Linie).

B2) Beispiel Brent Crude Oil-Future

Quelle: www.sg-zertifikate.de

Die rote Linie zeigt die Barriere eines StayLow-Optionsscheins auf Brent Crude Oil. Steigt

der Kurs während der Laufzeit auf oder über diese Marke, verfällt das Produkt wertlos zu

0,001 Euro (siehe orange Linie). Wird die Barriere dagegen nicht verletzt, kommt es zur Auszahlung

von zehn Euro (grüne Linie).

Quelle: www.sg-zertifikate.de

ist das Risiko ihrer Verletzung. Je niedriger das

Risiko, desto höher liegt folglich der Produktpreis

und desto niedriger ist die mögliche Maximalrendite.

Da der Rückzahlungsbetrag auf zehn Euro

standardisiert ist, lassen sich die Chance/Risiko-

Potenziale verschiedener StayHigh-Optionsscheine

gut vergleichen und mit den individuellen

Vorstellungen abgleichen.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

B3) Beispiel EUR/USD

Die roten Linien zeigen die Barrieren eines Inline-Optionsscheins auf den EUR/USD. Fällt

der Kurs während der Laufzeit auf oder unter die untere Barriere oder steigt er auf oder über

die obere Barriere, verfällt das Produkt wertlos zu 0,001 Euro (siehe orange Linien). Wird

dagegen keine der Barrieren verletzt, kommt es zur Auszahlung von zehn Euro (grüne Linie).

Anwendungsbeispiel StayLow-Optionsschein

Der Preis für Rohöl ist seit Sommer letzten Jahres

stark unter Druck geraten. Wer davon ausgeht,

dass der Ölpreis bis Mitte nächsten Jahres weiter

seitwärts tendiert und nie über die Marke von

60 US-Dollar ansteigt, könnte seine Markteinschätzung

mit einem StayLow-Optionsschein mit

einer Barriere bei 60 US-Dollar und einem Endtag

im Juni 2016 umsetzen. Um bei einem Kaufpreis

von angenommenen 6,25 Euro den Rückzahlungsbetrag

von zehn Euro am Laufzeitende zu

kassieren, braucht der Preis für Brent Crude Oil

nicht weiter zu fallen; es genügt, dass er konstant

bleibt und nicht ansteigt. In diesem Fall ist eine

Rendite von 3,75 Euro oder 60 Prozent auf rund

zehn Monate möglich. Andernfalls – bei einer

Berührung oder Überschreitung der Barriere –

verfällt der StayLow-Optionsschein sofort wertlos

und Sie realisieren einen Totalverlust.

Auch bei einem StayLow-Optionsschein gilt:

Je geringer die Wahrscheinlichkeit der Verletzung

der Barriere, desto höher ist der Preis des Produkts.

Je höher der Preis, desto niedriger liegt die

Maximalrendite. Wer dagegen einen extrem günstigen

StayLow-Optionsschein mit einer Barriere

nahe am aktuellen Basiswertkurs wählt, erhält

zwar ein hohes Renditepotenzial, muss aber auch

mit höherer Wahrscheinlichkeit mit dem Knock-

Out des Produkts rechnen.

Anwendungsbeispiel

Inline-Optionsschein

Im Gegensatz zu den StayHighund

StayLow-Optionsscheinen

sind bei Inline-Optionsscheinen

nicht eine, sondern zwei Barrieren

aktiv, die nicht vom Kurs des

Basiswerts berührt werden dürfen.

Mit Inline-Optionsscheinen

setzen Anleger darauf, dass sich

ein bestimmter Basiswert innerhalb

einer bestimmten Kursbandbreite

bewegt und diese

weder nach oben noch nach

unten verlässt.

Wer davon ausgeht, dass

der EUR/USD-Wechselkurs bis

Jahresende weder unter 1,05

fällt noch über 1,25 steigt, der

könnte in einen Inline-Optionsschein

mit diesen beiden Barrieren

und einem Endtag im Dezember 2015 zum

angenommenen Preis von 7,75 Euro investieren.

Beim Rückzahlungsbetrag von zehn Euro ist eine

Rendite von 2,25 Euro oder 29 Prozent bis Jahresende

möglich – sofern keine der Barrieren jemals

berührt wird. Ansonsten verfällt das Produkt

sofort wertlos und wird mit einem Restwert von

0,001 Euro aus dem Depot ausgebucht.

Wie auch für die StayHigh- und StayLow-Optionsscheine

gilt für Inline-Optionsscheine (unter der

Annahme, dass der Basiswertkurs in etwa auf der

Mitte zwischen beiden Barrieren notiert): Je weiter

die beiden Barrieren voneinander entfernt sind

und je kürzer die Restlaufzeit des Produkts, desto

niedriger die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen

Bruchs einer Barriere und damit des wertlosen Verfalls.

Je niedriger das Risiko, desto höher der Preis

und desto geringer die maximale Renditechance.

Da der Rückzahlungsbetrag von Inline-Optionsscheinen

auf zehn Euro standardisiert ist, lassen

sich die Chancen und Risiken verschiedener Inline-

Optionsscheine gut einander gegenüberstellen.

Quelle: www.sg-zertifikate.de

Preisfaktoren von exotischen Optionsscheinen

Wichtige Voraussetzung für den spekulativen Einsatz

von exotischen Optionsscheinen ist nicht nur die

Kenntnis ihrer Funktionsweise, sondern auch ihres

Verhaltens während der Laufzeit. Die „Exoten“ unterliegen

zwar den gleichen Einfluss- oder Preisfaktoren


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

T1) Preisfaktoren

Preisfaktor

Bewegung des

Preisfaktors

Preis des

StayHigh-OS

Preis des

StayLow-OS

Preis des Inline-OS

Basiswertkurs nahe

der oberen Barriere

Basiswertkurs nahe

der unteren Barriere

steigt steigt fällt fällt steigt

Kurs des Basiswerts

bleibt konstant steigt steigt steigt steigt

fällt fällt steigt steigt fällt

steigt fällt fällt fällt fällt

Volatilität des Basiswerts

bleibt konstant bleibt konstant bleibt konstant bleibt konstant bleibt konstant

fällt steigt steigt steigt steigt

Restlaufzeit

sinkt kontinuierlich steigt steigt steigt steigt

Hier sehen Sie die Preisfaktoren des StayHigh-Optionsscheins, des StayLow-Optionsscheins und des Inline-Optionsscheins aufgelistet.

Quelle: www.sg-zertifikate.de

wie die klassischen Optionsscheine, doch unterscheiden

sich die Auswirkungen dieser teils erheblich.

Während klassische Call- und Put-Optionsscheine

bei unveränderten Basiswertkursen mit

abnehmender Restlaufzeit – insbesondere in den

letzten drei Laufzeitmonaten – deutlich an Wert

verlieren, da das Erreichen eines bestimmten

Basispreises immer unwahrscheinlicher wird, so

steigt der Wert der hier vorgestellten exotischen

Optionsscheine bei konstanten Kursen prinzipiell

an. Die Begründung: Mit jedem Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit

der Verletzung der Barriere, die den

sofortigen wertlosen Verfall bewirken würde.

StayHigh-/StayLow- sowie Inline-Optionsscheine

profitieren also von einem positiven Zeitwerteffekt.

Folgerichtig sind langlaufende „Exoten“

auch deutlich günstiger – weil riskanter – als ihre

kürzer laufenden Pendants.

Ähnlich verläuft auch die Argumentation beim

Einfluss der Volatilität (Kennzahl für die Häufigkeit

und Intensität von Preisschwankungen innerhalb

eines bestimmten Zeitraums) des Basiswerts.

Die vorgestellten exotischen Optionsscheine

gewinnen an Wert, wenn die Volatilität fällt – auch

dann sinkt nämlich die Wahrscheinlichkeit des

Knock-Outs einer Barriere. Würde bei klassischen

Call- oder Put-Optionsscheinen eine steigende

Volatilität zu steigenden Preisen führen, da die

Wahrscheinlichkeit für profitable starke Kursbewegungen

steigt, fallen die Preise von Exoten, da

T2) Bewertungszeiten

Basiswert

DAX-Index

Deutsche Aktien

Ausländische Aktien

EUR/USD

Edelmetalle

Kupfer

Brent Future

WTI Future

Knock-Out Zeiten

09:00-17:30 Uhr (XETRA)

09:00-17:30 Uhr (XETRA)

je nach Handelszeiten

00:00-24:00 Uhr

00:00-24:00 Uhr

Schlusskurs (18:00 Uhr) der London

Metal Exchange

02:00-24:00 Uhr

00:00-23:15 Uhr

Hier sehen Sie die Bewertungszeiträume der unterschiedlichen

Basiswerte.

Quelle: www.sg-zertifikate.de


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Tipps & Tricks für Einsteiger




zeiträume seines Basiswerts.

wert

kontinuierlich, um notfalls schnell reagieren

zu können.

ein Bruch einer Barriere nun näher rückt. Anleger

sollten beim Einsatz von exotischen Optionsscheinen

beachten, dass sich einzelne Faktoren hinsichtlich

ihres Auftretens, ihrer zeitlichen Dauer

und ihrer Wirkungsrichtung gegenseitig verstärken

oder auch aufheben können. Es ist also auch

beim erwarteten Kursverlauf des Basiswerts nicht

automatisch von einer Wertsteigerung oder der

Möglichkeit zum Verkauf auf oder über dem Einstandspreis

auszugehen.

Anpassungen der Produkte bei speziellen Anlässen

Da die Preisbildung der exotischen wie klassischen

Optionsscheine vom Terminkurs des Basiswerts

abhängt, sind eventuell erwartete Dividendenzahlungen,

die im Beobachtungszeitraum zur Zahlung

kommen, bereits eingepreist. Eine Anpassung

der Barriere(n) anlässlich der Ausschüttung findet

nicht statt. Anleger sollten daher berücksichtigen,

dass durch einen Dividendenabschlag am Tag

der Dividendenzahlung (ex Dividende-Notierung)

möglicherweise eine tiefer gelegene Barriere

verletzt werden kann, was zum wertlosen Verfall

des Produkts führen würde. Dies wird möglicherweise

bereits zuvor durch den Preis des Produkts

reflektiert. Im Falle von Sonderdividenden, Kapitalerhöhungen

und sonstiger Kapitalmaßnahmen

werden die Barrieren der exotischen Optionsscheine

angepasst, wobei sich der Emittent an

den Anpassungsmaßnahmen der entsprechenden

Terminbörse orientiert. Durch diese Anpassungsmaßnahmen

wird sichergestellt, dass Anlegern

kein wirtschaftlicher Nachteil entsteht.

End High-/ End Low-/ End Inline-Optionsscheine

End High-/ End Low- und End Inline-Optionsscheine

sind die etwas teurere, da weniger riskante Variante

der vorgestellten Optionsscheine. Bei ihnen muss

der Basiswertkurs nicht während der gesamten

Laufzeit, sondern lediglich am Bewertungstag

ober-, unter- oder innerhalb der Barriere(n) liegen,

damit Anleger den Rückzahlungsbetrag von

zehn Euro und damit die Maximalrendite erzielen.

Besonders hohe Renditen sind daher möglich,

wenn eine Barriere zum Kaufzeitpunkt bereits

verletzt erscheint und Anleger darauf spekulieren,

dass der Basiswert bis zum Bewertungstag entsprechend

wieder „auf Kurs“ kommt.

Duo Inline-Optionsscheine

Duo Inline-Optionsscheine beziehen sich nicht

auf einen, sondern auf zwei Basiswerte. Bei diesen

Produkten dürfen beide Basiswerte während

des gesamten Beobachtungszeitraums keine

Barriere berühren, ansonsten verfällt das Recht

auf den Rückzahlungsbetrag von zehn Euro. Da

Anleger ihr Risiko hier nicht streuen, sondern

bündeln, sind Duo-Optionsscheine wegen des

höheren Risikos deutlich günstiger und bieten

somit höhere Renditen.

Trend Inline-Optionsscheine

Trend Inline-Optionsscheine haben wie Inline-

Optionsscheine einen Kurskorridor. Dieser ist

allerdings nicht über den gesamten Beobachtungszeitraum

hinweg konstant: Sowohl die obere

als auch die untere Barriere des Korridors werden

wöchentlich um einen bestimmten Abstand (in

Indexpunkten, in Euro oder US-Dollar) nach oben

verschoben. Damit ermöglichen Trend Inline-Optionsscheine

Anlegern die Spekulation auf eine

Fortsetzung eines Aufwärtstrends.

Fazit

Exotische Optionsscheine eignen sich insbesondere

für die gar nicht exotische Marktphase:

den Seitwärtsmarkt. Damit es zu keinen Überraschungen

kommt, ist eine Beschäftigung

mit den preisbeeinflussenden Faktoren ratsam,

denn hier sind signifikante Unterschiede

zu klassischen Optionsscheinen zu beobachten.

Den Markt und die Barriere(n) ständig im

Auge zu behalten sowie ein diszipliniertes

Risiko-Management zu betreiben und notfalls

rechtzeitig auszusteigen, sind die Grundvoraussetzungen

für nachhaltigen Anlageerfolg mit

exotischen Optionsscheinen.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Auf dem Weg zum

erfolgreichen Trader

» Der Markt mit Hebelprodukten boomt.

Nach Angaben des Deutschen Derivate

Verbands (DDV) lag das Umsatzvolumen bei

Optionsscheinen und Knock-Out-Produkten im

Juli bei insgesamt 1,87 Milliarden Euro – ein Plus

von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Was die monatliche Statistik jedoch nicht zeigt:

Wie viele Anleger erwirtschaften nachhaltig

Gewinne? Genaue Daten kennen nur die

Depotbanken. Verschiedene Berichte im Internet

kolportieren, dass rund 90 Prozent der Trader

mittelfristig verlieren. Sie können allerdings

mit ein paar kleineren Anpassungen bei Ihrer

Strategie zu den Gewinnern gehören. «

Traden mit System

Wer mit Produktexperten bei Direktbanken spricht,

erfährt, dass viele Trader Produkte mit einem

Hebel von 50 oder höher wählen. Ein Hebel von

50 bedeutet, dass das Wertpapier theoretisch rund

50 Prozent zulegt, wenn der Basiswert ein Prozent

in die gewünschte Richtung geht. Entwickelt sich

der Basiswert in die entgegengesetzte Richtung,

drohen schnell hohe Verluste. Trades wie diese

sind nur sinnvoll, wenn der Trader immer am

Ball ist und reagieren kann. Die meisten Anleger

sind jedoch berufstätig. So erscheint es ratsam,

das Risiko den zeitlichen Ressourcen anzupassen

und gegebenenfalls zu Produkten mit kleineren

Hebeln zu greifen. Zudem ist beim Traden Disziplin

gefragt. Dazu zählt, Verluste durch Stopp-

Loss zu begrenzen und Gewinne laufen zu lassen.

Chancen versus Risiko

Traden heißt nicht zwangsläufig viel zu handeln.

Schließlich kostet jeder Trade. Bei den Transaktionskosten

(Kauf plus Verkauf) muss der Anleger

mit rund 15 bis 20 Euro rechnen. Bei zehn Trades

im Monat summieren sich die Kosten bereits auf

150 bis 200 Euro pro Monat. Hinzu kommt der

Spread zwischen An- und Verkauf dazu. Nominal

ist er gering. Prozentual können es gern zwei

bis fünf Prozent des Trading-Volumens sein. Das

muss erst verdient werden, ehe der Trader in die

Gewinnzone kommt. Viele Trading-Profis betreiben

ein klares Risiko- und Money-Management,

um nachhaltig Gewinne zu erzielen. Dazu bestimmen

sie vor dem Einstieg das Chance/Risiko-

Verhältnis – kurz CRV. Dabei wird sich oftmals

herausstellen, dass ein vermeintlicher Ausbruch

aus einem Trend oder über eine Trendlinie nicht

zwangsläufig Ausgangspunkt eines aussichtsreichen

Trades ist. Profis wählen meist nur Trades

mit einem CRV von mindestens 1,5.

Eine Frage des Einsatzes

Dem Portal Start-trading.de zufolge liegt das

durchschnittliche Trading-Konto eines Hobby-

Traders zwischen 3000 und 12 000 Euro. Die Höhe

des Trading-Kontos ist jedoch nur bedingt entscheidend.

Wichtiger ist vielmehr, nicht alles auf einen

Schein zu setzen, sondern kontrolliert zu handeln.

Viele Trading-Profis riskieren pro Trade meist nur

ein bis zwei Prozent des Trading-Kontos. Auf dem

tradingsdesk von onemarkets finden Anleger ein

CRV/KO-Trading-Tool, das Investoren dabei hilft,

Chancen und Risiken mit wenigen Mausklicks zu

analysieren und die passende Positionsgröße zu

bestimmen. Probieren Sie es aus unter tradingdesk.onemarkets.de.

Weitere Tipps, wie Sie zum

erfolgreichen Trader werden, können Sie auch

in unserem Buch „Trading mit Hebelprodukten:

In 5 Schritten zum erfolgreichen Trader“ nachlesen.

Dominik Auricht

Experte für Anlage- und Hebelprodukte

HypoVereinsbank onemarkets

Die Angaben in dieser Publikation basieren auf sorgfältig ausgewählten Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Wir geben jedoch keine Gewähr über die

Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben. Diese Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Sie dienen nur allgemeinen Informationszwecken

und sind kein Ersatz für eine auf die individuellen Verhältnisse und Kenntnisse des Anlegers bezogene Anlageberatung.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Traden mit

Faktor-Zertifikaten

Fester Hebel,

reger Handel

» Innerhalb weniger Jahre haben

Faktor-Zertifikate große Beliebtheit

unter Anlegern erlangt. Die strukturierten

Produkte mit dem konstanten Hebel wurden

im Jahr 2010 erstmals gehandelt. Im laufenden

Jahr machten sie bereits knapp ein Fünftel des

Umsatzes mit derivativen Hebelprodukten an der

Börse Stuttgart aus. Dabei wurden an Europas

größter Börse für strukturierte Produkte von Januar

bis Juni 2015 über 204 000 Kundenorders für Faktor-

Zertifikate ausgeführt – rund 17 Prozent mehr als im

gesamten Vorjahr. Auch das Handelsvolumen lag im

ersten Halbjahr 2015 mit rund 1,9 Milliarden Euro auf

Rekordkurs. Kein Zweifel, Faktor-Zertifikate haben

sich am Markt für verbriefte Derivate fest etabliert.

Doch worauf beruht die Beliebtheit dieser noch relativ

jungen Produktgruppe? «

Grundsätzlich partizipieren Anleger mit Faktor-

Zertifikaten an der Entwicklung eines Referenzindex,

der die Veränderungen seines Basiswerts

mit festem Hebel abbildet – dem namensgebenden

„Faktor“. Als Basis für die Hebelwirkung

des folgenden Handelstages dient der jeweilige

Schlusskurs des Referenzindex. Die Bandbreite

Ralph Danielski

Ralph Danielski ist seit 01. November 2006

Mitglied des Vorstands der EUWAX AG.

Zugleich ist er Geschäftsführer der Boerse

Stuttgart GmbH und Sprecher des Vorstands

der EUWAX AG. Zuletzt verantwortete

Danielski als Abteilungsdirektor die Produktentwicklung

der Fixed Income- und Kreditderivate

der Deutschen Börse Gruppe – Eurex.

der Basiswerte reicht von Indizes über Aktien und

Währungen bis hin zu Rohstoffen und Zins-Futures.

Wer von einem steigenden Basiswert ausgeht,

wählt Long-Papiere mit positivem Faktor.

Entsprechend sind Short-Zertifikate mit negativem

Faktor dazu geeignet, von fallenden Kursen

zu profitieren. Auch bei der Hebelwirkung haben

Anleger die Wahl – am verbreitetsten sind Hebel

zwischen zwei und acht. Derzeit sind rund 3800

Faktor-Zertifikate an der Börse Stuttgart gelistet.

Hebel bleibt konstant

Anleger können mit Faktor-Zertifikaten sowohl

ausgeprägte Trendverläufe über mehrere Tage

begleiten als auch kurzfristige Marktbewegungen

in eine Richtung ausnutzen. Die Besonderheit

besteht darin, dass der Hebel immer konstant

bleibt. Legt der zugrundeliegende Basiswert


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

innerhalb eines Tages um ein

Prozent zu, erhöht sich der Wert

eines Faktor-Long-Zertifikats mit

dem Faktor 2 um zwei Prozent.

Bei einem Faktor von 4 liegt

der Zugewinn bei vier Prozent.

Die Hebelwirkung wirkt natürlich

immer in beide Richtungen.

Wenn sich also der Kurs

des Basiswerts entgegen der

Erwartung des Anlegers entwickelt,

werden auch die Verluste

gehebelt.

80

Unbegrenzte Laufzeit

Faktor-Zertifikate haben stets

eine unbegrenzte Laufzeit.

Anders als bei klassischen Optionsscheinen

beeinflussen Veränderungen

der Volatilität des

Basiswerts die Kursentwicklung

nicht. Das vielleicht wichtigste

Merkmal von Faktor-Zertifikaten

liegt jedoch darin, dass sie im

Gegensatz zu Knock-Out-Produkten keine Barriere

aufweisen, bei deren Bruch ein Totalverlust des

eingesetzten Kapitals droht.

Verzeichnet beispielsweise ein Basiswert einen

Tagesverlust von 20 Prozent, müsste der Wert

eines entsprechenden Faktor-5-Long-Zertifikats

auf Null sinken. Um dies zu vermeiden, können

Faktor-Zertifikate je nach Ausgestaltung der emittierenden

Bank mit einer sogenannten Anpassungsschwelle

ausgestattet sein. Wird diese

Marke bei großen Ausschlägen vom Referenzindex

durchbrochen, so wird dessen Berechnung

gestoppt und ein neuer Handelstag simuliert.

Dann dient die Anpassungsschwelle als neue

Basis für die weitere Entwicklung des Referenzindex

an diesem Tag. Die negative Entwicklung wird

dadurch abgeschwächt, das Faktor-Zertifikat verfällt

nicht wertlos.

Trendbewegung ist entscheidend

Faktor-Zertifikate können ihre Stärken besonders

bei stetigen Trendverläufen ohne nennenswerte

Gegenbewegungen des Markts ausspielen. Da

der jeweilige Schlusskurs des Referenzindex die

Basis für den folgenden Tag bildet und der Hebel

konstant bleibt, entsteht in diesem Fall wie beim

B1) Wie Faktor-Zertifikate funktionieren

112

108

104

100

96

92

88

84

100

104

112

97,76

91,84

94,83

83,57

Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5

103,63

102,42

Ein Anleger erwartet steigende Kurse eines Basiswerts (blaue Linie), der aktuell bei 100

Euro notiert. Um mit einem festen Hebel an der Entwicklung des Basiswerts zu partizipieren,

kauft der Anleger zu 100 Euro ein Faktor-3-Long-Zertifikat (orange Linie). Es bildet Veränderungen

des Basiswerts über den entsprechenden Referenzindex dreifach gehebelt ab – jeweils

auf Basis des Schlusskurses vom Vortag. Zum Beispiel fällt die Aktie an Tag 2 um sechs

Prozent auf 97,76 Euro. Das Zertifikat verliert 18 Prozent auf 91,84 Euro.

Quelle: Börse Stuttgart

Zinseszins-Effekt eine positive kumulative Wirkung.

Verläuft die Entwicklung entgegen der

Erwartungen des Anlegers, entstehen zwar Verluste.

Die abnehmende Basis sorgt aber dafür, dass die

absoluten Verluste bei konstantem prozentualem

Verlust immer kleiner werden. Bei einer Seitwärtsbewegung

des Basiswerts ist hingegen zu beachten,

dass sich kein kumulativer Effekt entfaltet. Als

Faustregel für Faktor-Zertifikate gilt: Besteht kein

stabiler Trend, kann es zu schleichenden Verlusten

kommen.

Alternative zu Knock-Out-Produkten

Unterm Strich haben sich Faktor-Zertifikate vor

allem als Alternative zu Knock-Out-Produkten

etabliert. Die Merkmale der noch jungen Produktklasse

stoßen bei Anlegern nach wie vor auf

steigendes Interesse. Dank der fehlenden Knock-

Out-Schwelle lassen sich Phasen größerer Volatilität

überstehen, der konstante Faktor erhöht die

Nachvollziehbarkeit der Kursentwicklung. Allerdings

sind Faktor-Zertifikate keine Alleskönner,

mit denen man von jeder Marktsituation profitieren

könnte. Sie eignen sich für Anleger, die kurzfristig

investieren wollen und erwarten, dass der

gewählte Basiswert einem klaren Trend folgt.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Turbo im Depot durch eingebaute Knock-Out-Barriere

WAVEs – ein Überblick

» Mit klassischen Optionsscheinen können Trader an der Börse gehebelt und

überproportional an der Wertentwicklung eines Basiswerts, zum Beispiel einer Aktie,

teilhaben. Die Welt der Knock-Out-Produkte kann für spekulative Trader eine Alternative

zu klassischen Optionsscheinen sein, denn sie weisen eine hohe Transparenz auf und die

Preisgestaltung ist sehr einfach nachzuvollziehen. Die drei Gruppen „WAVE“, „WAVE XXL“

und „WAVE Unlimited“ gehören zu den Knock-Out-Produkten. Trader können mit ihnen

sowohl an steigenden als auch an fallenden Kursen des jeweiligen Basiswerts partizipieren,

da alle drei sowohl als Call- als auch als Put-Variante angeboten werden. Im Folgenden wird

die Funktionsweise der Knock-Out-Produkte näher erläutert und untersucht, warum diese

für Anleger interessant sein könnten. «

WAVE

Der Preis eines WAVE-Calls lässt sich ganz leicht

berechnen. Es ist die Differenz zwischen dem

aktuellen Kurs des Basiswerts, auf den sich der

Schein bezieht und dem Basispreis des WAVEs,

bereinigt um das Bezugsverhältnis. Dazu kommt

ein geringes Aufgeld. So können Trader mit

Nicolai Tietze

Nicolai Tietze ist Produktexperte von

Deutsche Asset & Wealth Management und

mitverantwortlich für die Produktpalette von

Hebelprodukten und Zertifikaten. Nach einer

Banklehre und einem Betriebswirtschaftsstudium

an der ESB Business School in Reutlingen

und London startete er seine Laufbahn 2002

bei der Deutschen Bank als Aktienhändler.

geringerem Kapitalaufwand an der Wertentwicklung

des Basiswerts teilhaben. Dies kann zum

Beispiel eine Aktie oder ein Index sein. Steigt die

Aktie, vollzieht der Schein diese Wertentwicklung

überproportional nach. Diesen Effekt nennt man

Hebelwirkung. Der Hebel gibt an, um wieviel mal

mehr ein WAVE steigt oder fällt, wenn sich der

Basiswert um ein Prozent verändert.

WAVEs haben eine feste Laufzeit. Am Laufzeitende

erhalten Trader eines WAVE-Calls einen

Geldbetrag in Höhe der Differenz zwischen dem

aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis

unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses.

Doch jetzt kommt der Knock-Out ins Spiel.

Falls der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit

den Basispreis des Calls berührt oder unterschreitet,

verfällt der Schein wertlos und es erfolgt eine

Rückzahlung von 0,001 Euro. Im Falle des WAVEs


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

ist der Basispreis die Barriere,

die den Schein gegebenenfalls

ausknocken kann. Somit ergibt

sich ein erhöhtes Chance/Risiko-

Profil, denn durch den Hebel

wird die Entwicklung des Basiswerts

sowohl positiv als auch

negativ verstärkt.

Anwendungsbeispiel

Angenommen nur der Aktienpreis

ändert sich und alle anderen

Parameter bleiben gleich.

Eine Aktie steht bei 100 Euro.

Ein WAVE-Call mit einer Laufzeit

von zwei Monaten, einer

Barriere (entspricht gleichzeitig

dem Basispreis) von 85 Euro

und einem Bezugsverhältnis

von 1:10 (zehn Waves beziehen

sich auf eine Aktie) kostet dann

zirca zwei Euro ((100 - 85) x 0,1

+ Aufgeld).

B1) X-Markets Hebelprodukte

Laufzeit

Barriere

Stopp-Loss

Mechanismus

Form der

Weitergabe der

Finanzierungskosten

des Emittenten

DayWAVEs

1 Tag

Basispreis

Nein

Aufgeld

WAVEs/

X-WAVEs

begrenzt

Basispreis

Nein

Aufgeld

Knock-Out-Produkte

WAVEs

Unlimited

unbegrenzt

Basispreis

WAVEs

XXL

Optionsscheine

In dieser Grafik sehen Sie die unterschiedlichen X-Markets Hebelprodukte aufgelistet.

Nein

Anpassung

des

Basispreises

unbegrenzt

Stopp-Loss

Level

Ja

Anpassung

des

Basispreises

begrenzt



Aufgeld

Quelle: Deutsche Bank AG

Szenario A: Wenn die Aktie zum Beispiel auf 110

Euro steigt, erhöht sich der Preis des WAVEs

auf drei Euro ((110 - 85) x 0,1 + Aufgeld). Das ist

ein Anstieg von 50 Prozent, die Aktie hingegen

steigt nur um zehn Prozent. Die Preisbewegung

der Aktie wurde also um das fünffache nachvollzogen.

Die starke Preisbewegung nennt man

Hebelwirkung. Egal ob die Aktie steigt oder fällt,

der Preis des WAVE-Calls wird nach Erwerb diese

Bewegung sowohl nach unten als auch nach oben

nachvollziehen.

Szenario B: Sofern die Aktie während der zweimonatigen

Laufzeit einmal 85 Euro erreicht oder darunter

notiert, so tritt das Barriere-Ereignis ein. Der

WAVE-Call verfällt und es erfolgt die Auszahlung

des Mindestbetrags von 0,001 Euro.

WAVE-Put

Wer mit fallenden Kursen rechnet, wird wohl eher

auf einen WAVE-Put setzen. Seine Berechnung

erfolgt genau mit der umgekehrten Differenz

unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses,

da die Barriere über dem aktuellen Kurs des Basiswerts

liegt. Falls nun entgegen der Erwartung der

Kurs steigt und der Basiswert den Basispreis des

Puts berührt oder überschreitet, verfällt dieser

Schein ebenfalls wertlos und die Rückzahlung von

0,001 Euro erfolgt.

Anwendungsbeispiel

Angenommen nur der Kurs ändert sich und alle

anderen Parameter bleiben gleich. Ein beliebiger

Index steht bei 5000 Punkten. Ein WAVE-Put mit

einer Laufzeit von zwei Monaten, einem Basispreis

von 5500 Punkten und einem Bezugsverhältnis

Aufgeld

Das Aufgeld besteht aus den Finanzierungskos-

ten, dem Gap-Risiko und dem Liquiditäts-Risiko.

Die Finanzierungskosten bauen sich über die Laufzeit

ab. Beim Gap-Risiko spricht man von einer

Situation, in der der Emittent im Falle eines Barriere-

Ereignisses sein Absicherungsgeschäft nicht zeitnah

und auf Höhe des Barriere-Betrages ausführen

kann. Das Liquiditätsrisiko spiegelt die

unterschiedliche Handelbarkeit des jeweiligen

Basiswerts wider.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

WAVE, Turbo, Mini-Future

Je nach Emittent können die Begriffe der Hebelprodukte

verschieden sein. Unsere Tabelle bringt

Licht in den Begriffsdschungel. Verwechslungsgefahr

besteht vor allem bei den Begriffen „Turbo

Unlimited“ und „Unlimited Turbo“.

WAVE = Turbo (begrenzte Laufzeit, Basispreis

identisch mit Knock-Out-Barriere, Aufgeld)

WAVE XXL = Turbo Unlimited = Mini Future

(unbegrenzte Laufzeit, Basispreis und zusätzliche

Stopp-Loss-Schwelle, Finanzierungskosten)

WAVE Unlimited = Turbo BEST = Unlimited

Turbo (unbegrenzte Laufzeit, Basispreis identisch

mit Knock-Out-Barriere, Aufgeld)

von 0,01 kostet dann zirka sechs Euro ((5500 -

5000) x 0,01 + Aufgeld).

Szenario A: Wenn der Index zum Beispiel auf 4400

Punkte fällt, dann steigt der Preis des WAVE-Puts

auf rund zwölf Euro. Das ist ein Anstieg von 100

Prozent. Der Index ist lediglich um zwölf Prozent

gefallen. Anders ausgedrückt: Die Bewegung des

Index wurde um das 8,33-fache nachvollzogen.

Egal ob der Index fällt oder steigt, der Preis des

WAVE-Puts wird nach Erwerb diese Bewegung

nach unten und nach oben nachvollziehen.

Szenario B: Wenn während der zweimonatigen

Laufzeit der Indexstand einmal 5500 Punkte oder

mehr beträgt, dann verfällt der WAVE-Put und es

erfolgt die Auszahlung des Mindestbetrages von

0,001 Euro. Somit ist ein erhöhtes Risiko gegeben.

Gerade bei Einzelaktien kann es zu erhöhten Kursschwankungen

kommen, die das Barriere-Ereignis

auslösen können.

WAVE XXL

Der WAVE XXL baut auf dem WAVE auf, hat allerdings

keine Laufzeitbegrenzung, weist kein Aufgeld

auf und besitzt einen Stopp-Loss-Mechanismus.

Im folgenden Beispiel wird die Funktionsweise

näher erläutert.

Ein beliebiger Index steht bei 5500 Punkten.

Ein WAVE XXL-Call mit einem Bezugsverhältnis

von 0,01 hat einen Basispreis von 5200 Punkten.

Der Stopp-Loss-Level (Barriere) liegt in der Regel

zwei bis fünf Prozent über dem Basispreis und

ist in diesem Beispiel anfänglich bei 5310 Punkten.

Der Preis des WAVE XXL-Calls beträgt also

drei Euro ((5500 - 5200) x 0,01). Der WAVE XXL

hat kein Aufgeld, dafür ergeben sich aber Finanzierungskosten,

die dem Call in Rechnung gestellt

werden. Der Basispreis erhöht sich täglich um die

Finanzierungskosten.

In dem Beispiel betragen diese anfänglich fünf

Prozent. Dies führt zu einer täglichen anfänglichen

Belastung von 0,71 Indexpunkten (5% x 5200 /

365). Nach einem Tag beträgt der neue Basispreis

dann 5200,71 Punkte. Bei einem unveränderten

Indexstand von 5500 Punkten hat der WAVE XXL-

Call dann einen Wert von 2,9929 Euro. Wichtig ist,

dass es einmal im Monat zu einem Basispreis-

Anpassungstag kommt, an dem nach Handelsschluss

aus dem aktuellen Basispreis automatisch

der neue Finanzierungslevel ermittelt wird.

Nach einem Monat sind 0,21369 Euro (30 x

0,007123) an Finanzierungskosten angelaufen

und der Basispreis liegt an diesem Handelstag

bei 5221,369 Punkten. Für den kommenden

Monat stellen also gerundet 5221,369 Punkte den

neuen Finanzierungslevel dar. Zusätzlich wird

der Stopp-Loss wieder etwa zwei bis fünf Prozent

über dem aktuellen Basispreis – in diesem Beispiel

gerundet auf 5330 Punkte (5221,37 x 1,02) –

am Barriere-Anpassungstag festgelegt. Der neue

Finanzierungslevel bleibt für einen Monat bis zum

nächsten Anpassungstag gültig. Der Basispreis

erhöht sich dagegen täglich.

Sobald der jeweilige Basiswert die Barriere des

Produkts berührt oder unterschreitet (WAVE XXL-

Call) beziehungsweise berührt oder überschreitet

(WAVE XXL-Put), wird das Produkt ausgestoppt.

Da die Barriere bei Calls höher und bei Puts niedriger

als der Basispreis ist, verfällt das Produkt

nicht wertlos, sondern es wird im Falle eines Barrieren-Ereignisses

ein Restwert an den Kunden

ausbezahlt. Somit ergibt sich für den Investor die

Möglichkeit, gehebelt an einem Basiswert zu partizipieren

und im Falle eines Barrieren-Ereignisses


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

„ “

Knock-Out-Produkte können für spekulative Trader

eine Alternative zu klassischen Optionsscheinen sein.

noch einen Restwert ausgezahlt zu bekommen.

Allerdings kann die Differenz im schlechtesten

Fall auch null betragen.

WAVE Unlimited

Der WAVE Unlimited ist eine Kombination aus

WAVE und WAVE XXL. Die Laufzeit ist unbegrenzt,

allerdings besitzt er keinen integrierten Stopp-

Loss. Der Preis des WAVE Unlimited-Calls errechnet

sich aus der Differenz zwischen dem Kurs des

Basiswerts und dem Basispreis. Dazu kommt das

Aufgeld. Wenn die Barriere berührt wird, verfällt

auch hier das Produkt. Die Finanzierungskosten

werden analog zum WAVE XXL über die tägliche

Anpassung des Basispreises (abhängig vom Referenzzinssatz

und Zinsbereinigungsfaktor) weitergegeben.

Der Finanzierungslevel wird ebenfalls

am Anpassungstag monatlich neu berechnet.

Fazit

Mit WAVE Knock-Out-Produkten können spekulative

Trader transparent und überproportional

an einer möglichen Wertentwicklung eines Basiswerts

partizipieren. Allerdings sollte das Risiko

eines Totalverlustes nicht außer Acht gelassen

werden. Gerade in sehr volatilen Zeiten sollten

Trader darauf achten, dass der Hebel nicht zu

hoch gewählt wird.

Andere sehen das mit den Spreads

nicht so eng. Wir schon.

Dank Best-Price-Prinzip gewährleisten wir besonders günstige

An- und Verkaufspreise in allen Wertpapierklassen.

www.boerse-stuttgart.de | Kostenfreie Hotline: 0800 226 88 53


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Trading-Psychologie und Selbstorganisation für Hebel-Trader

Was macht Erfolg aus?

» Kennen Sie das? Die längste Zeit eines Trading-Tages besteht im Grunde aus

„Nichtstun“. Trader beobachten die meiste Zeit die Märkte ohne einzugreifen. Dabei

kann Langeweile jedoch gefährlich werden. Einige Trader schlagen über die Stränge,

indem sie das Risiko erhöhen oder unnötige Positionen eingehen – nur um das

Gefühl zu haben, aktiv zu sein. Somit besteht die eigentliche Herausforderung darin,

den ganzen Tag mit sich selbst und den eigenen Überlegungen konfrontiert zu sein.

Nur wenn ein Trader sein eigenes Handeln und Denken hinterfragt, ist er in der Lage,

sich von Tag zu Tag weiterzuentwickeln. «

Das Traden ist eine Kunst für sich. Die wenigsten

schaffen es, nachhaltig profitabel zu agieren. Die

häufigste Ursache dafür: Trader überschätzen

sich und ihre Fähigkeiten, gehen zu hohe Risiken

ein und erleiden entsprechend hohe Verluste.

Nun gibt es kein Patentrezept für den Erfolg an

der Börse. Jedoch kann Selbstreflexion jeden

Trader weiterbringen. Bevor also über Strategien

und den Einsatz technischer Hilfsmittel beim

Traden nachgedacht wird, ist es lohnenswert,

sich als Trader selbst einmal zu „durchleuchten“.

Wie agiere ich, wovon lasse ich mich leiten, welche

Fehler mache ich und wie kann ich sie abstellen?

Das ist Psychologie. Letztlich „handelt“ ein

Trader nichts anderes als sich selbst. So ist das

langfristige Trading-Ergebnis auch ein Indikator

dafür, ob und wie ein Trader sich persönlich entwickelt

hat.

Stefano Angioni

Stefano Angioni ist Derivate-Experte bei

der DZ BANK. Der Diplom-Betriebswirt gibt

gemeinsam mit renommierten Experten in

der aktuellen Webinar-Reihe der DZ BANK

fundiertes Fachwissen für Trader weiter.

Dr. Raimund Schriek

Dr. Raimund Schriek, Gründer von SysFinance,

ist Buchautor und fachbereichsübergreifender

Wissenschaftler. Er lehrte und forschte an

verschiedenen Universitäten u.a. in Stressforschung

und Neurowissenschaft. Heute gibt

er als Berater und Sprecher auf finanzwissenschaftlichen

Veranstaltungen sein Fachwissen

an Börsianer und Anleger weiter.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Selbstmanagement

Zunächst steht besonders eine Frage im Vordergrund:

In welcher Verfassung sollte ich auf keinen

Fall handeln? Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt

einen performancefördernden Zustand?

Ja, den gibt es. In diesem Zustand wissen Trader,

was sie tun und haben ein Gespür für die Märkte.

Sie traden bewusst und übernehmen dafür die

100-prozentige Verantwortung. Bestimmte „Wohlfühlgrößen“

in Bezug auf Trading-Frequenz,

Konto- und Positionsgröße oder maximalem

Drawdown sind durchaus performancefördernd.

Auch wird etwa die Wirkung des Trading-Ortes

häufig unterschätzt. Denn alle Parameter, die sich

auf die körperliche sowie geistige Ausgeglichenheit

auswirken, sind ebenfalls wichtig.

Von zentraler Bedeutung ist, das Traden als

festen Programmpunkt im Tagesablauf zu integrieren.

Viele stellen sich unter einem Handelstag

einen 8-Stunden-Tag vor. Oft genügen aber

schon zwei bis drei Stunden kontinuierliche

Trading-Arbeit pro Tag, um sich ganz und gar

auf die Sache zu konzentrieren. Für stark eingespannte

Menschen sind auch sogenannte Swing-

Trading-Strategien – Positionen, die einige Tage

gehalten werden – besonders geeignet. Tägliches

Trading, das sogenannte Daytrading, ist also kein

Muss. Neben der Möglichkeit, permanent an steigenden

oder fallenden Märkten zu partizipieren,

gibt es auch noch die Beobachter-Rolle.

Fokussierung

Trader sollten sich fokussieren und nicht ablenken

lassen. Keine Handys, keine E-Mails, kein Radio,

kein Fernseher. Die Welt muss einige Zeit ohne Sie

auskommen. Das Gehirn muss sich in sehr kurzer

Zeit auf das Traden konzentrieren und alle anderen

Themen wie etwa Arbeit, Familie und Freizeit

ausblenden. Sie müssen trainieren, die Informationsverarbeitung

(Wahrnehmen, Bewerten,

Entscheiden), das Traden (Vorbereitung, Durchführung,

Nachbereitung) und auch das Führen

digital

Weitere Informationen unter www.traders-media.de.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

„ “

Der Schlüssel liegt darin, einen ausgewogenen Trading-

Charakter zu entwickeln. Auf diese Weise erhöhen Trader

das Spektrum der Reaktionsmöglichkeiten.

eines Trading-Tagebuchs in einem beschränkten

Zeitfenster zu meistern. Einen Plan zu haben und

Buch zu führen ist die Grundvoraussetzung für

die Analyse des eigenen Trading-Verhaltens. Anleger

sollten daher alle Trades genau aufzeichnen

und auswerten. Nur so können sie aus dem eigenen

Handeln lernen und sich verbessern. Sobald

sie ihre Strategie lange genug beibehalten und

genug Trades absolviert haben, können Trader

ihre Aktionen beispielsweise hinsichtlich der Trefferquote,

des Gewinn/Verlust-Verhältnisses und

weiterer wichtiger Kennzahlen analysieren.

Strategie und Plan

Gerade im Hebel-Bereich genügt ein Fehler, um

eine erfolgreiche Gewinnserie wieder zunichte zu

machen. Das ist der Grund, warum eine Strategie

so wichtig ist: Es geht im Grunde immer darum,

möglichst wenig Trading-Fehler zu machen – und

auch darum, aus bereits begangenen Fehlern zu

lernen. Eine fundierte Analyse des eigenen Trading-Verhaltens

ist aber nur möglich, wenn beim

Traden bestimmte Strategien verfolgt werden

und nicht einfach nur „aus dem Bauch heraus“

gehandelt wird. Ebenfalls vorteilhaft sind Regeln,

die definieren, wann ein Trade eingegangen wird

und wann nicht. Trader brauchen einen Plan, der

ihre Vorgehensweise festlegt und der von ihnen

bereits an Marktdaten getestet wurde. Getestet

werden können Trading-Strategien auch erst einmal

ohne echtes Geld mit einem Demokonto.

Gibt es eigentlich den perfekten Handelstag?

Bestimmt, aber der sieht für jeden Trader anders

aus. 100 Trader haben oft 100 verschiedene Strategien

und 100 unterschiedliche Tagesabläufe, was

nicht zuletzt an den persönlichen Lebenssituationen

liegt. Offenheit, Begeisterung und Freude

an der persönlichen Entwicklung sind wichtige

Eigenschaften eines guten Traders. Zudem ist

eine auf die Persönlichkeit abgestimmte Strategie

mit positivem Erwartungswert grundlegend, die

geduldig und diszipliniert umgesetzt wird. Einerseits

sollten sich Trader fokussieren können und

andererseits flexibel sein, um je nach Situation

die passende Antwort auf das Marktgeschehen zu

geben. So sind Anleger gut beraten, nicht immer

der Masse hinterherzulaufen. Besser ist es, sich

eine eigene Marktmeinung zu bilden.

Übung macht den Meister

Der Schlüssel liegt darin, einen ausgewogenen

Trading-Charakter zu entwickeln. Auf diese Weise

erhöhen Trader das Spektrum der Reaktionsmöglichkeiten:

Position vergrößern oder verkleinern,

glattstellen, Position drehen oder gar nicht reagieren.

Die Fähigkeit, die richtige Entscheidung

zu treffen, kennzeichnet den Erfolg. Das hat nicht

unbedingt etwas mit Talent zu tun, sondern kann

auch trainiert werden. Fleiß und Lerneifer sind

dabei wichtige Voraussetzungen. Neben den Trading-Basics

ist vieles hilfreich, was die Selbstwahrnehmung

steigert und zur Auflösung von

eingefahrenen Mustern beiträgt. Menschen,

die das Marktgeschehen mit ein wenig Abstand

betrachten und von Anfang an möglichst wertfrei

und objektiv die Dinge angehen, sind auch in der

Lage, die Märkte zu traden.

Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg

Trading ist ein fortlaufender Prozess. Mit jedem

Handelstag wachsen die Erfahrung eines Traders

und damit auch die bewusste Wahrnehmung von

Marktbewegungen. Es sind vor allem die guten

Trading-Gewohnheiten, die sich an jedem einzelnen

Handelstag widerspiegeln sollten. Denn

wenn Trader aufhören, die Dinge zu tun, die nicht

funktionieren, vergrößern sich ihre Chancen,

langfristig erfolgreich zu sein.


In Zusammenarbeit mit Lombard Odier Investment Managers

Wir bieten eine der umfangreichsten Produktpaletten an

spezialisierten Exchange Traded Products (ETPs) an, welche von

Delta 1 bis hin zu Short und gehebelten Produkten reichen.

etfsecurities.com

Dieses Dokument wurde von ETF Securities (UK) Limited herausgegeben und für die Zwecke von § 21 des Financial Services and Markets Act 2000 genehmigt.

ETF Securities UK ist von der britischen Finanzaufsicht Financial Conduct Authority zugelassen und steht unter ihrer Aufsicht. Der Wert Ihrer Anlagen kann sowohl

steigen als auch fallen, und Sie erhalten den investierten Betrag möglicherweise nicht oder nicht in voller Höhe zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein

Maßstab für zukünftige Ergebnisse. Sie sollten vor einer Anlageentscheidung den Rat eines unabhängigen Anlageberaters einholen, um zu prüfen, ob die Investition unter

Berücksichtigung Ihrer individuellen Situation für Sie geeignet ist.

Short- und/oder gehebelte Exchange Traded Products (ETPs) richten sich ausschliesslich an Anleger, die die Risiken einer Anlage in Produkte verstehen, die Short- und/

oder gehebelte Positionen umfassen und die beabsichtigen, in kurzfristige Anlagen zu investieren. Das Verlustpotenzial von Short- und gehebelten Exchange Traded Products

kann deutlich höher ausfallen als das von Produkten, die ein ungehebeltes Engagement bieten.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Glossar

Begriff

Am Geld

Aus dem Geld

Basispreis

Basiswert

Beta

Bezugsverhältnis

Bid-Ask-Spread

Buy-and-Hold

Call

Cap

CRV

Derivate

Discount-Zertifikate

Diskretionär

Diversifikation

Drawdown

Emittent

Emittentenrisiko

EONIA

Fair Value

Fälligkeit

Definition

Option, deren Basispreis nahe am aktuellen Kurs des Basiswerts liegt.

Option, deren Innerer Wert Null ist und deren Basispreis nicht am aktuellen Kurs des Basiswerts

liegt.

Der Basispreis (auch Ausübungspreis oder Strike-Preis) ist eine wichtige Komponente von Optionen

und anderen derivativen Finanzinstrumenten. Er bezeichnet den Preis, zu dem man den Basiswert am

Ausübungsdatum (Verfallstag, Stichtag) (ver)kaufen kann.

Als Basiswert (Underlying) wird ein Finanzinstrument bezeichnet, das die Grundlage für ein anderes

Wertpapier (Derivat) ist und dessen Kursentwicklung bestimmt. Basiswerte können zum Beispiel

Aktien oder Rohstoff-Futures sein.

Stärke und Korrelation der Rendite eines Wertpapiers zum Gesamtmarkt. Beta = -1: invers, gleiche

Rendite. Beta = 0: unabhängig, beliebige Rendite. Beta = 1: Gleichlauf, gleiche Rendite. Beta > 1:

positive Korrelation, stärkere Renditeschwankungen.

Das Verhältnis, in dem ein Zertifikat einen Index abbildet. Ein Bezugsverhältnis von 1:100 bedeutet,

dass das Zertifikat ein Hundertstel des Index ausmacht.

Differenz zwischen Geld- (Bid) und Briefkurs (Ask) eines Wertpapiers zum gleichen Zeitpunkt.

Langfristiges Halten von Positionen.

Option auf steigende Kurse.

Definierter Höchstbetrag, bis zu dem der Besitzer eines Derivats von Kursgewinnen oder -verlusten

des Basiswerts profitiert.

Chance/Risiko-Verhältnis – beschreibt das Verhältnis der Gewinnchancen gegenüber den Verlustrisiken

eines Trades.

Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wertentwicklung vom Kurs der zugrundeliegenden Basiswerte

(zum Beispiel Aktien, Rohstoffe oder Devisen) abhängt.

Zertifikate, mit denen eine Aktie günstiger gekauft werden kann, aber dafür sehr hohe Renditen

ausgeschlossen werden.

Trading-Stil, bei dem der Trader nach eigenem Ermessen über seine Positionen entscheidet.

Das Setzen auf mehrere Positionen beziehungsweise auf verschiedene Asset-Klassen,

Sektoren et cetera zur gleichen Zeit; bewirkt eine Risikostreuung im Portfolio.

Zwischenzeitliche Verlustphase einer Strategie.

Herausgebende Bank/Fondsgesellschaft zum Beispiel für Zertifikate, Hebelprodukte oder ETFs.

Bezeichnet das Risiko, dass der Schuldner (Emittent) zum vereinbarten Zeitpunkt der Rückzahlung

nicht in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten zu begleichen.

EONIA bedeutet European OverNight Index Average und gibt den geschäftstäglich ermittelten Durchschnittszins

von rund 50 Kreditinstituten aus dem Euro-Raum sowie einigen Nicht-EU-Banken für

Tagesgelder an.

Theoretisch (nach Modell) gerechtfertigter Kurs.

Laufzeitende. Der Zeitpunkt, zu dem das Zertifikat erlischt und der Anleger den Inneren Wert ausgezahlt

bekommt.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Begriff

Gap (Up/Down)

Griechen

Hebelprodukte /

Hebelzertifikate

Hedging

Im Geld

Innerer Wert

Korrelation

LIBOR

Long-Position

Market Maker

Optionsschein

Put

Short-Position

Stopp-Loss

Strike

Spread

Trailing-Stopp

Underlying

VIX

Volatilität

WKN

Definition

Übernacht-Kurssprung (nach oben/unten), erscheint als „Lücke“ im Chart. Kurslü cke im Chart 1) im

weiteren Sinn: zwischen Schlusskurs gestern und Eröffnungskurs heute, 2) im engeren Sinn: zwischen

Hoch gestern und Eröffnung heute (Up Gap) beziehungsweise zwischen Tief gestern und Eröffnung

heute (Down Gap).

Sensitivitätskennzahlen bei Optionen. Sie geben die Veränderung des Optionspreises bezüglich der

Veränderung der Risikofaktoren an. Beispiele: Delta, Gamma, Vega.

Derivate, mit denen Anleger überproportional an steigenden oder fallenden Kursen eines Basiswerts

partizipieren können.

Beim Hedging handelt es sich um die Absicherung einer bestehenden Position (in der Regel gegen

Kursverluste). Dies geschieht über verschiedene Instrumente wie zum Beispiel Futures, Optionen oder

CFDs.

Option, die einen Inneren Wert größer Null aufweist.

Wert einer Option im Fall der sofortigen Ausübung.

Call: aktueller Kurs - Basispreis; Put: Basispreis - aktueller Kurs.

Verhältnis des Gleichlaufs zweier Datenreihen zueinander:

-1 = exakt gegenläufig, 0 = unabhängig, 1 = exakt gleichläufig.

London Interbank Offered Rate; täglich festgelegter Referenzzinssatz im Interbankenmarkt, zu denen

die Banken Gelder von anderen Banken aufnehmen beziehungsweise angeboten bekommen.

Wertpapierposition, die bei steigenden Kursen wertmäßig zulegt.

Marktteilnehmer, der sich verpflichtet, für einen bestimmten Basiswert fortlaufend An- und Verkaufskurse

zu stellen. Auch Designated Sponsor genannt.

Optionsscheine (englisch Warrants) sind verbriefte (das heißt als Wertpapier gestaltete) Optionen,

sogenannte Plain Vanilla Options.

Option auf fallende Kurse.

Wertpapierposition, die bei fallenden Kursen wertmäßig zulegt.

Verlustbegrenzungsstopp.

Basispreis einer Option.

Spanne zwischen Geld- und Briefkurs.

Ein Trailing-Stopp ist ein Stopp-Kurs, der bei einem positiven Trade-Verlauf nachgezogen wird.

Dadurch können bereits angefallene Buchgewinne abgesichert werden.

Als Underlying (Basiswert) wird ein Finanzinstrument bezeichnet, das die Grundlage für ein anderes

Wertpapier (Derivat) ist und dessen Kursentwicklung bestimmt. Basiswerte können zum Beispiel

Aktien oder Rohstoff-Futures sein.

Der Volatilitätsindex misst die implizite Volatilität eines Börsenindex, also dessen aktuell von den

Marktteilnehmern für einen gewissen Zeitraum in der Zukunft erwartete Schwankungsintensität.

Die Volatilität misst die Schwankungsbreite eines Marktes. Daher kann dieser Indikator auch als

Risikoindikator gesehen werden.

Abkürzung für Wertpapierkennnummer.


TRADERS´ HEBELZERTIFIKATE SPEZIAL 04.2015

Kolumne

Wissen Sie wirklich,

was alles schief

gehen kann?

Thomas Bopp

Thomas Bopp handelt seit 20 Jahren

an der Börse. Sein Handelsstil nutzt

Optionsdaten als zusätzliches Kriterium

der Marktanalyse, was er im täglichen

kostenfreien TRADERS´ briefing Newsletter

unter www.traders-briefing.com zeigt.

thomas.bopp@traders-mag.com

Sie haben es nun hinter sich gebracht. Das Hebelzertifikate-Spezial

wurde von vorne bis hinten

durchgelesen, und Sie wissen nun, wie Sie Ihre

Ideen umsetzen können. Schon haben Sie verschiedene

Strategien verinnerlicht, die gut aussehen

und mit denen man Geld verdienen kann

– theoretisch! Eine davon haben Sie herausgefischt,

die Signale der letzten vier Monate durchgetestet.

Es liegt alles im grünen Bereich. Aber die

Frage bleibt: Sind Sie wirklich schon bereit?

Nehmen wir einmal an, dem ist so. Ihr Startkapital

beträgt 10 000 Euro. Das Risiko liegt bei einem

Prozent pro Trade. Sie dürfen also 100 Euro mit

einem Hebelzertifikat „riskieren“. Riskieren bedeutet,

dass dieses Geld komplett verloren werden

darf. Da Hebelzertifikate dazu da sind, sich ein Zertifikat

herauszusuchen, dessen Stopp dort liegt, wo

man ihn auch im richtigen Chart platzieren würde,

muss man damit rechnen, dass bei jedem schief

gelaufenen Trade der komplette Einsatz verloren ist.

Sie können demnach also pro Trade nur Zertifikate

für 100 Euro kaufen. Der Auftrag, den Sie

erteilen, beinhaltet noch nicht die Handelsgebühren

von vielleicht zehn Euro. Der Betrag erhöht

sich also im schlimmsten Fall von 100 auf 105

bis 110 Euro Verlust, wenn die Position komplett

schief geht. Das ist eine sehr kleine Position und

Sie könnten eigentlich ruhig damit schlafen. Der

Punkt ist aber: Ihre Position muss mindestens

einen Anstieg von 120 Prozent hinlegen, damit

Sie kein negatives Chance/Risiko-Verhältnis (CRV)

haben. Nehmen wir an, dass das entsprechende

Hebelzertifikat auf 220 Euro steigt. Dann haben

Sie ein CRV von 2. Der Gewinn ist bei Verkauf

das Doppelte des Einsatzes. Das ist gut, denn die

Theorie besagt, dass man damit Geld verdienen

kann. Es sagt Ihnen aber keiner, wie lange Sie

handeln müssen, damit diese Theorie sich auch

für Sie bezahlt macht.

Wir wissen von der Spielbank, dass manchmal

ziemlich oft rot oder schwarz hintereinander

kommt. So ist es auch an der Börse. Man braucht

sich nur auf den falschen Markt zur falschen Zeit

zu konzentrieren. Oft beginnt nämlich eine Trader-

Karriere mit einer größeren Verlustserie. Damit

müssen Sie erst einmal zurechtkommen. Wie

fühlen Sie sich, wenn zwar die ersten drei Trades

das obige Ziel erreicht haben, danach aber zehn

Trades hintereinander mit einem vollen Verlust

enden? So etwas passiert. Mit den drei Trades

haben Sie nach Gebühren 300 Euro gut gemacht,

während die zehn Trades inklusive Gebühren für

einen Verlust von 1100 Euro sorgen.

Vielleicht haben Ihre Überzeugungen jetzt einen

ersten Knacks. Dazu kommt noch, dass von diesen

Verlusten vielleicht einige kurz vor dem Gewinnziel

lagen, aber die Position am nächsten Tag mit einer

Kurslücke in die Gegenrichtung sofort wertlos

wurde – zum Beispiel durch schlechte Nachrichten.

Was nun? Machen Sie weiter, so wie bisher? Oder

erhöhen Sie die Positionsgröße? Vielleicht haben

Sie das auch vorher schon in der Mitte der Verlustserie

getan – dann könnte Ihr Gesamtverlust noch

viel höher gewesen sein. Können Sie dann noch

ohne Probleme entscheiden, ob Sie weitermachen?

Fakt ist: Man ist noch kein Meister, wenn man

viel liest und über vier Monate testet. Wenn Sie vier

Monate getestet haben, gehen Sie am besten zwei

weitere Jahre zurück. Dazu nutzen Sie die neuen

aktuellen Kurse, um bereits ein Gefühl für Marktbewegungen

zu bekommen, die entsprechenden

Hebelzertifikate herauszusuchen und zu beobachten.

So verhindern Sie zumindest die ersten

größeren Verluste, wenn es hart auf hart kommt.

Sehr gute Klavierspieler üben erst einmal 10 000

Stunden, bevor sie auf die Bühne gehen. Üben Sie

also viel und testen Sie lange, damit Sie auch ganz

genau wissen, was Sie tun.


NEUKUNDEN-ABO

Sparen

Sie jetzt bares Geld

Erhalten Sie 15 Ausgaben TRADERS´

zum Preis von 12 und sichern Sie sich

ein Trading-Buch.

Ja, ich möchte das TRADERS´ Neukunden-Abo zum Vorzugspreis von nur 63 Euro (15 Ausgaben zum Preis von 12 Ausgaben) jeweils inkl. Porto und MwSt. im Inland;

innerhalb Europas 1,50 Euro pro Heft. Das Abonnement kann mit einer Frist von vier Wochen des Bezugszeitraums gekündigt werden. Nicht gekündigte Abonnements verlängern

sich jeweils um ein weiteres Jahr (12 Ausgaben). Maßgeblich ist der Tag des Eingangs der Kündigung beim Verlag. Es gelten unsere AGBs.

Antwort:

Ich bezahle:

per Rechnung

per Lastschrifteinzug

Buchprämie:

Name, Vorname

Bank

Börse leicht verständlich

Mehr als Geld und Gier

Straße und Hausnummer

IBAN

PLZ

Ort

BIC

E-Mail-Adresse

Land

Telefonnummer

Datum

Unterschrift

TRADERS´ media GmbH, Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg Tel.: 09 31/4 52 26-0 Fax: 09 31/4 52 26-13 E-Mail: abo@traders-mag.com www.traders-mag.com

HZ 04/2015

Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausgabe erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung

gemäß den Anforderungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr.1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen. Der Widerruf ist zu

richten an: TRADERS´ media GmbH, Aboservice, Barbarastraße 31 a, 97074 Würzburg; Telefon: 09 31/4 52 26-0, Telefax: 09 31/4 52 26-13, E-Mail: abo@traders-mag.com.


Anzeige

JETZT DURCHSTARTEN.

MIT FAKTOR-ZERTIFIKATEN VON HSBC.

Börsenkurse sind wie Flugphasen: Erst geht es hoch hinaus und irgendwann auch wieder

runter. In diesen Phasen können Sie jetzt zusätzlich Schub aufnehmen und die Möglichkeit

haben, schneller an Ihr gewünschtes Renditeziel zu gelangen. Investieren Sie mit einem

konstanten Hebel und profi tieren Sie in trendstarken Marktphasen überproportional am

Kursverlauf.

Starten Sie jetzt durch – mit Faktor-Zertifi katen (long und short) von HSBC.

Überproportionale Nutzung erwarteter Kurstrends

Konstanter Hebel (Faktor) über die Laufzeit

Kein Knock-out Ereignis

Gehebeltes Verlustrisiko / Totalverlustrisiko

Emittent: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Kostenfreie Infoline 0800 4000 910

Hotline für Berater +49 211 910-4722

zertifikate@hsbc.de · www.hsbc-zertifikate.de

Verantwortlich für diese Anzeige ist HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Die hierin enthaltenen Produktinformationen stellen keine Empfehlung zum Kauf oder

Verkauf der darin besprochenen Wertpapiere dar und können eine individuelle Anlageberatung durch die Hausbank nicht ersetzen. Den Basisprospekt und

die Endgültigen Bedingungen erhalten Sie über die Internetseite www.hsbc-zertifikate.de.