WIRTSCHAFT+MARKT Dietmar Woidke im Interview (Vorschau)

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DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 2/2014

25. Jahrgang | Heft 2 | April/Mai 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE T S UNTERNEHMERMAGAZIN

EHMER M N

Titelthema

Was bringt das

Superwahljahr 2014?

Ratgeber

So senkt man Risiken

im Außenhandel

Netzwerk

W+M-Medientreff

in Potsdam

Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident:

Dietmar Woidke spricht über Ziele,

Energiewende und Länderehe


Weil wir täglich daran

arbeiten, dass Ihre

Kapitalanlage für Sie arbeitet.

Mittelstandsbank

Die aktuelle Verzinsung von Tages- und Termingeldern gleicht heute nicht einmal

mehr die Inflations rate aus. Höchste Zeit also zum Umdenken: Lassen Sie uns

gemeinsam überprüfen, ob Ihrem Portfolio neben kurz- und mittelfristigen sicheren

Anlagen auch längerlaufende Varianten mit unterschiedlichen Risikoparametern

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W+M Editorial | 3

Zwischen Wahlkampf und Energiewende

Die Bürger in den neuen Bundesländern können in den nächsten

Monaten selbst politisch aktiv werden und wichtige Weichenstellungen

vornehmen. Bis zum Frühherbst werden die Menschen zwischen

Wismar und Zinnwald mindestens ein Mal zu den Wahlurnen

gerufen. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen stehen sogar

zwei Wahltermine im Kalender. Erster Großkampftag in Sachen

Stimmabgabe ist der 25. Mai. Neben den Wahlen zum Europäischen

Parlament finden an diesem Tag in allen fünf neuen Ländern (sowie

in fünf alten Bundesländern) Kommunalwahlen statt. Gewählt

werden Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen,

Bürgermeister, Ortsbeiräte und Ortsvorsteher. Mancherorts

werden also viele Stimmen zu vergeben sein. Am 31. August

steht dann der Freistaat Sachsen im Rampenlicht – bei der Wahl

des neuen Landtages. In Brandenburg und Thüringen werden die

politischen Karten zwei Wochen später neu gemischt, dort finden

am 14. September Landtagswahlen statt.

Die terminlich dichte Taktung von Europawahl, Kommunalwahlen

und diversen Landtagswahlen wird dazu führen, dass sich in diesem

Jahr in fast jeder ostdeutschen Gemeinde vieles um den Wahlkampf

dreht. Parolen, Plakate, Versprechen – das mag für manchen

nervig sein, liegt doch die jüngste Bundestagswahl erst wenige

Monate zurück. Die Fülle der Wahlkampfaktivitäten bietet jedoch

auch eine Chance: Der Wähler kann die Parteien ganz individuell

auf den Prüfstand stellen und die für ihn wichtigen Positionen

präzise abklären.

Auch Unternehmer sind Wähler. Und sie werden sich bei der Beobachtung

des Wahlkampfes vermutlich in erster Linie darauf konzentrieren,

welche wirtschaftspolitischen Aussagen speziell die

etablierten und um Regierungsverantwortung kämpfenden Parteien

zu bieten haben.

Im Fokus vieler Unternehmer steht dabei das Thema Energiewende.

Hier ist die neue Bundesregierung bislang viele praktische Antworten

schuldig geblieben. Das nährt die Sorgen und Ängste in den

Unternehmen.

Grundsätzlich klingen die im Energiekonzept der Bundesregierung

fixierten Ziele ambitioniert und – global gesehen – durchaus vernünftig:

Halbierung des Primärenergiebedarfs bis zum Jahr 2050.

Reduzierung des gesamten Energieverbrauchs in den kommenden

sechs Jahren um insgesamt 20 Prozent. Bis 2050 sollen 80 Prozent

des Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Aber wer soll die

Umsetzung dieser Pläne bezahlen? Und was passiert, wenn die ehrgeizigen

Vorhaben scheitern? Ist die Versorgungssicherheit dann

gefährdet? Das sind Fragen, die sich auch die Unternehmer in den

neuen Ländern stellen.

Die Erwartungen der Unternehmerschaft sind eindeutig. Die Stromversorgung

muss jederzeit stabil gewährleistet sein. Und: Der Strom

darf nicht teurer, er muss billiger werden. Doch das Gegenteil geschieht.

Die EEG-Umlage steigt immer weiter und treibt die Stromkosten

in die Höhe. Die allein durch den Staat verursachten Belastungen

des Strompreises sind innerhalb der letzten 15 Jahre von

zwei auf über 30 Milliarden Euro gestiegen. Um es deutlich zu sagen:

Die hohen Energiepreise schaden der Wettbewerbsfähigkeit

der deutschen Wirtschaft.

Unser Magazin steigt mit der aktuellen Titelgeschichte in die Vorab-Wahlberichterstattung

ein, die in den kommenden Heften fortgesetzt

wird. Wir werden beleuchten, wie die maßgeblichen Landespolitiker

mit den Erwartungen ihrer Unternehmer umgehen und

welche Lösungen sie zu bieten haben.

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@wundm.info

Foto/Titelfoto: Torsten George

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe 2/2014

Redaktionsschluss: 14.03.2014

Verlag: Verlag Frank Nehring GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-0

Fax: 030 479071-20

www.NehringVerlag.DE

Verlagsleiter: Dr. Robert Nehring

Herausgeber/Geschäftsführer: Frank Nehring

Tel.: 030 479071-11, FN@NehringVerlag.DE

(Alleiniger Inhaber und Gesellschafter, Wohnort Berlin)

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-24, KH@wundm.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker

Tel.: 030 479071-21, JP@NehringVerlag.DE

Constanze Treuber, Matthias Salm, Steffen Uhlmann,

Thomas Schwandt, Dr. Ulrich Conrad, Harald Lachmann,

Hannelore Koard, Tomas Morgenstern, Dana Micke,

Christoph Schneider

Abo- und Anzeigenverwaltung; Vertrieb:

Tobias Meier, Tel.: 030 479071-28,

TM@NehringVerlag.DE

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint zweimonatlich.

Als Magazin der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände

Ostdeutschlands und Berlin erhalten die Mitglieder die

Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Einzelpreis: 3,50 €,

Jahresabonnement (Inland): 20 € inkl. MwSt. und Versand, Jahresabonnement

(Ausland): 20 € inkl. MwSt. zzgl. Versand.

Layout & Design: Drechsel Kommunikations-Design,

www.drechsel-berlin.com

Druck: möller Druck und Verlag GmbH, ISSN 0863-5323. Alle

Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur mit vorheriger

schriftlicher Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion

übereinstimmen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte

und Fotos übernehmen wir keine Haftung.

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4 | W+M Inhalt


25

Dietmar Woidke

im Interview

22

Wahlen

im Osten

38 Exportfinanzierung 64

Rückblick:

Edgar Most

56

W+M

Medientreff

58

Ballsaison in

Berlin und Potsdam

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M Inhalt | 5

W+M Titelthema

Wahlen in Ostdeutschland 22

W+M Aktuell

Köpfe 6

Nachrichten 8

W+M Länderreports

Brandenburg: Messegelände in Schönefeld setzt Wirtschaftsimpulse 10

Mecklenburg-Vorpommern: Heavy Metal – Metallbau in Vorpommern 12

Berlin: Gut geschminkt in Hollywood 14

Sachsen-Anhalt: Pechsträhne für Spielbanken 16

Thüringen: Nordhusia – die versunkene Stadt 18

Brandenburg: Spreewälder Konkurrenz für schottischen Whisky 20

W+M Titelthema

Wahlen im Osten: Wird Bodo Ramelow erster Ministerpräsident der Linken? 22

Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke 25

W+M Politik

Kolumne: Klaus von Dohnanyi 30

Pro und Contra: Auswirkungen des Rentenpakets 31

Glosse: Sonntags am Milliardengrab 32

W+M International

Neue Ära auf dem Meer 34

W+M Ratgeber

Gesundheit: Neue Hoffnung für Demenzkranke 36

Finanzen: Risiken im Außenhandel senken 38

Steuern 40

Finanzen: Bürgschaften geben Sicherheit 42

Management und Personal 44

Organisation und Multimedia 46

Immobilien: Chemnitz in der Imagefalle 48

Versicherungen: Wohnen am Wasser hat seinen Preis 50

Technik: Aktuelle Trends rund ums Drucken im Büro 52

Kultur 54

54

Wirtschaftsliteratur:

Die ostdeutsche

Bestsellerliste

W+M Netzwerk

W+M-Medientreff in Potsdam 56

Brandenburger Ball der Wirtschaft 58

VBKI-Ball in Berlin 59

VBIW: Aktuelles aus dem Verein 60

Neues aus den Unternehmerverbänden 62

W+M Rückblick

Was macht eigentlich Edgar Most? 64

W+M Die letzte Seite

Ausblick und Personenregister 66

W+M Weitere Beiträge

Editorial 3

Impressum 3

W+M-Medienpartnerschaften 51

Beilagenhinweis: Der Auflage liegt eine Beilage der Schultz Einrichtungen GmbH & Co. KG

(www.schultz.de) bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

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6 | W+M Köpfe

Hasso Plattner

Potsdam. Der SAP-Mitgründer und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des

Softwarehauses hat sich in Potsdam einen Traum erfüllt: Im Januar wurde

auf dem Gelände des Hasso-Plattner-Instituts das SAP Innovation Center

eröffnet. Zusammen mit Berlin, so Plattner, bilde die Wissenschaftsstadt

Potsdam die dichteste Wissenschaftslandschaft, die es in Deutschland

überhaupt gibt. Er schätzt das Reservoir junger und erfindungslustiger

Leute, aus dem sein Innovationszentrum künftig schöpfen kann, auf rund

100.000 Menschen. In dem Gebäudekomplex sollen künftig 150 SAP-Mitarbeiter

tätig sein. Auf der Basis der SAP-Datenbank „Hana“ werden hier

neuartige Softwareanwendungen entwickelt.

Claudia Buch

Halle. Erst 2013 hatte Claudia Buch, die zu

den sogenannten fünf Wirtschaftsweisen gehört,

die Leitung des wichtigsten ostdeutschen

Wirtschaftsforschungsinstitutes, des

IWH in Halle, übernommen. Nun zieht sie bereits

weiter. Auf Vorschlag von Bundesfinanzminister

Wolfgang Schäuble (CDU) wird sie

stellvertretende Chefin der Deutschen Bundesbank.

Das Hallenser Institut befindet sich

damit nach einer längeren Interimsphase, die

der Ernennung der renommierten Ökonomin

vorausgegangen war, erneut auf Präsidentensuche.

Susanne Henckel

Berlin. Die ehemalige Hauptgeschäftsführerin

der Bundesarbeitsgemeinschaft der

Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs

(BAG-SPNV) Susanne Henckel (48)

übernahm zum März 2014 die Geschäftsfürung

des VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg.

Die Diplomingenieurin für Stadtund

Verkehrsplanung ist damit Nachfolgerin

von Hans-Werner Franz, der Ende Februar in

den Ruhestand ging.

Henckel wurde in Iserlohn geboren und arbeitete

vor ihrer Anstellung bei der BAG-

SPNV von 1995 bis 2010 in leitender Position

beim Nordhessischen VerkehrsVerbund

(NVV) mit dem Schwerpunkt Infrastrukturmanagement.

Sie hat an der TU Kaiserslautern

und der Universität Kassel studiert.

Klaus-Michael Rohrwacher

Leipzig. Klaus-Michael Rohrwacher gehört

zu den populärsten Unternehmern in Sachsen.

Häufig sieht man ihn in Zeitungen und

bei öffentlichen Terminen neben Ministern

oder Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard

Jung agieren. Denn der 60-jährige Steinmetzmeister

und Chef einer Baufirma in der

Messestadt leitet bereits seit 2002 den Förderverein

des Völkerschlachtdenkmals. Rohrwacher

ist die öffentliche Gallionsfigur des

Vereins, der bisher 1,7 Millionen Euro zur Sanierung

des größten europäischen Denkmalbaus

beigesteuert hat.

Gildas Sorin

Dresden. Gildas Sorin, CEO der Dresdener

Novaled GmbH, Weltmarktführer bei der Entwicklung

von Material und Strukturen organischer

Leuchtdioden (OLED), verbuchte einen

neuen Erfolg. Er vereinbarte mit der britischen

Firma Plastic Logic, dem international

führenden Entwickler organischer

elektronischer Materialien und Technologien,

eine strategische Weltmarktpartnerschaft

zu flexiblen, ultradünnen Displays. Der

62-jährige Franzose wirkt seit 2003 an der

Elbe, wo Novaled als Universitätsausgründung

entstand.

Diana Forst

Nordhausen. 15-jähriges Firmenjubiläum

feierte Agrarunternehmerin Diana Forst aus

Nordhausen-Herreden. Auf dem Gelände einer

früheren Sowjetgarnison errichtete sie

moderne Stallanlagen, eine Technikwerk-

Fotos: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, SAP AG, Harald Lachmann, EM.MV-Regierung, Nordmetall, Rotop Pharmaka AG,

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M Köpfe | 7

statt, ein großes Farm-Bistro, eine EU-zertifizierte

Schlachtung und Verarbeitung, ein

Heuhotel sowie eine attraktive Mehrzweckhalle

für Auktionen und Tiervorführungen,

die sich auch für internationale Pferdesportturniere

eignet. Züchterisch widmet sie sich

alten regionalen Haustierrassen, die vom

Aussterben bedroht sind.

Christian Pegel

Schwerin. Am 14. Januar 2014 ist Christian

Pegel (40) zum Minister für Energie, Infrastruktur

und Landesentwicklung von Mecklenburg-Vorpommern

berufen worden. Er

folgte Volker Schlotmann, der Ende 2013 aus

gesundheitlichen Gründen als Minister zurückgetreten

war. SPD-Mitglied Pegel wechselte

aus der Schweriner Staatskanzlei. Der

Jurist war im Juni 2012 Chef der Staatskanzlei

geworden.

Hayrullah Turhan

Klaus Zschiedrich

Senftenberg. Der 62 Jahre alte studierte

Maschinenbauer hat den Vorsitz der Geschäftsführung

beim Bergbausanierer LMBV

übernommen. Er löste Mahmut Kuyumcu

ab, der planmäßig in den Ruhestand ging.

Zschiedrich muss mit seiner Mannschaft im

laufenden Jahr vielfältige Aufgaben lösen. Zu

den Schwerpunkten zählt er die „Herstellung

der geotechnischen Sicherheit in den Innenkippenbereichen

der Lausitz“ sowie die Planung

und Realisierung weiterer Maßnahmen

im Kampf gegen die Verockerung der Spree.

Dazu wird im mitteldeutschen Revier prioritär

am Sanierungsprojekt Nachterstedt mit

dem Concordiasee gearbeitet.

Monika Johannsen

seine Wurzeln in der früheren Radiopharmakaforschung

und -produktion des Zentralinstituts

für Kernforschung Rossendorf. Der

Spezialist für Diagnostika in der Nuklearkardiologie

und -onkologie investiert stark und

will seine Produktion ab 2015 verdreifachen.

Klaus-Dieter Fiebig

Neustadt-Glewe. Um als Arbeitgeber attraktiv

zu bleiben, hat Klaus-Dieter Fiebig,

Gesellschafter und langjähriger Alleinvorstand

des nordostdeutschen Edelstahlspezialisten

Dockweiler AG, ein familienfreundliches

Sozialsystem entwickelt. Mütter mit

Kindern unter zehn Jahren, die einen Großteil

der 160-köpfigen Belegschaft ausmachen,

dürfen täglich eine Stunde früher

gehen – bei vollem Lohnausgleich. Im Gegenzug

gebe es einen sehr niedrigen Krankenstand,

geringe Fluktuation und viele

Bewerber(innen), so der 69-Jährige, der

mittlerweile 72 Prozent des Unternehmens

an seine drei Töchter übertrug.

Dr. Nico Fickinger

Leipzig. Hayrullah Turhan, General Manager

von Turkish Airlines in Leipzig, unterzeichnete

mit dem Sprecher der Geschäftsleitung

der Leipziger Messe, Martin Buhl-

Wagner, einen „Kooperationsvertrag zur

strategischen Zusammenarbeit für den Ausbau

der Geschäftstätigkeit und zur Stärkung

der Region Leipzig, Sachsen und Mitteldeutschland”.

Turkish Airlines verbindet

zweimal täglich den Airport Leipzig/Halle

mit dem internationalen Drehkreuz Istanbul.

Der 39-jährige Türke gehört seit 2013 auch

dem Unternehmerverband Sachsen an.

Dresden. Die Gründerin und langjähriger

Alleinvorstand der ROTOP Pharmaka AG

wird seit Jahresbeginn durch den international

und national erfolgreichen Manager

Jens Junker in einer Doppelspitze unterstützt.

Gleichzeitig wurde der Einstieg des

Unternehmers Dr. Wilhelm Zörgiebel als

neuer Investor bekannt gegeben. „Wir haben

in den vergangenen 14 Jahren gemeinsam

mit unseren Mitarbeitern sehr viel erreicht“,

sagt Monika Johannsen. „Nun ist die

Zeit gekommen, das Zepter weiterzugeben

um langfristig weiter stark zu wachsen.“ Das

im Jahr 2000 gegründete Unternehmen hat

Schwerin. Seit Jahresbeginn 2014 ist Nico

Fickinger neuer Hauptgeschäftsführer des

Arbeitgeberverbandes Nordmetall. Zugleich

wurde der 49-Jährige zum neuen Hauptgeschäftsführer

der Vereinigung der Unternehmensverbände

für Mecklenburg-Vorpommern

berufen. Der studierte Volkswirt

war seit 2008 beim Gesamtmetall-Verband

in Berlin, arbeitete zuvor unter anderem als

FAZ-Wirtschaftskorrespondent.

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8 | W+M Nachrichten

Produktion des Macan

in Leipzig gestartet

Leipzig. Der Porsche-Geländewagen Macan

läuft seit Februar in Leipzig vom Band. Geplant

ist eine Jahresproduktion von 50.000

Fahrzeugen. In die Erweiterung des Standortes

sind 500 Millionen Euro geflossen, 1.500

neue Jobs sind entstanden. Im Laufe des Jahres

will Porsche laut Vorstandschef Matthias

Müller über neue Modelle und Investitionen

entscheiden.

Automobilkompetenz

Sachsens in Bulgarien gefragt

Dresden. Das Netzwerk Automobilzulieferer

Sachsen (AMZ) und der Automotive Cluster

Bulgarien wollen beim Aufbau der bisher im

Vergleich zu anderen Balkanstaaten wenig

entwickelten bulgarischen Automobilzulieferindustrie

zusammenarbeiten. Beide Seiten

schlossen im Februar im Beisein des Staatspräsidenten

Rossen Plevneliev in Sofia eine

Kooperationsvereinbarung.

Rekordschiffsschraube für

Containerriesen

Waren. Eine Schiffsschraube mit über zehn

Metern Durchmesser und 113 Tonnen Gewicht

hat die Mecklenburger Metallguss

GmbH in Waren ausgeliefert. Der Rekordpropeller

wurde via Hamburg nach Südkorea

verschifft. Geschäftsführer Manfred Urban erwartet,

dass der Hersteller der weltweit größten

Schiffsschrauben seinen Umsatz 2014 auf

74 Millionen Euro steigern kann.

Start für Onlineportal

„Crowdfunding Berlin“

Berlin. Mit dem neuen Portal „Crowdfunding

Berlin“ will sich die Hauptstadt zum wichtigsten

Knoten für die Finanzierungsinstrumente

Crowdfunding und Crowdinvesting in Europa

entwickeln. Unter www.crowdfundingberlin.com

werden Projekte und Akteure in

der Hauptstadt vorgestellt und über Veranstaltungen,

Trends sowie Marktentwicklungen

informiert.

Sächsische Firma schluckt

Konkurrenz

Leipzig. Die Nabelschnurblutbank Vita 34

mit Sitz in Leipzig übernahm Anfang 2014 mit

75 Prozent die klare Mehrheit bei der Hamburger

Stammzellbank Stellacure. Die Sachsen

wollen damit den Markt in Südeuropa

zurückerobern, den sie nach der Eurokrise

verloren hatten. Voraussetzung hierfür war,

dass sich die ostdeutsche Neugründung, die

derzeit hundert Mitarbeiter beschäftigt, im

vergangenen Jahr wieder aus der Verlustzone

in die schwarzen Zahlen hochkämpfen

konnte. Neben Deutschland ist Vita 34 – seit

2007 auch an der Börse gelistet – derzeit in

elf europäischen Ländern aktiv.

Millioneninvestition in

Wolmirstedt

Wolmirstedt. Die Polytec Plastics Germany

GmbH & Co. KG investiert 7,25 Millionen Euro

in ihr Werk in Wolmirstedt und schafft dadurch

43 neue Jobs. Der Hersteller von Kunststoff-Spritzgussteilen

für die Automobilindus

trie beschäftigt dort bereits rund 100 Mitarbeiter.

Ab April sollen erstmals anspruchsvolle

Motorraumteile gespritzt, verschweißt

und montiert werden.

Der Porsche-Geländewagen Macan.

Mittelstand Ost innovativer

als Firmen im Westen

Bonn. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung

in Bonn erzielen ostdeutsche

Mittelständler mehr Wachstum und sind

„zuversichtlicher und innovativer als ein ohnehin

starker deutscher Mittelstand im Rest

der Republik“. Die Studie, in deren Rahmen

über 600 deutsche Unternehmer mit einem

Umsatz zwischen 20 Millionen und einer Milliarde

Euro befragt wurden, entstand für die

Firma GE Capital, ein Finanzierungsspezialist

u. a. für Leasing, Mietkauf, Investitionskredite

und Factoring, der zum US-Konzern General

Electric gehört. Laut der Erhebung erzielten

55 Prozent der Ostunternehmen in den zwölf

Monaten zuvor ein Umsatzplus von durchschnittlich

3,2 Prozent. Nur vier Prozent verbuchten

ein Minus. Unter den „Wachstums-

Champions“ der Studie – das sind Firmen mit

einem Plus über zehn Prozent – ist mehr als

jeder Fünfte in Ostdeutschland zu Hause.

Aluminiumproduktion wird

ausgebaut

Nachterstedt. Eine neue Fertigungslinie

für Aluminiumbleche will das Unternehmen

Fotos: Porsche AG, Rotkäppchen-Mumm, Polo Riviera

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M Nachrichten | 9

Novelis in Nachterstedt (Salzlandkreis) errichten.

Hier investiert Novelis derzeit bereits

200 Millionen Euro in ein neues Aluminium-Recyclingwerk.

Die Produktionskapazität

von Blechen für die Autoindustrie am

Standort soll künftig auf 350.000 Tonnen

jährlich wachsen.

Rotkäppchen

expandiert ins Ausland

Freyburg/Unstrut. Die Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien

setzen

verstärkt auf Internationalisierung.

Laut Firmenchef Christof

Queisser avisiert man nach

Erfolgen in China, Hongkong

und Singapur beispielsweise

Kanada. Hier sei besonders alkoholfreier

Sekt gefragt. Zuletzt

konnte Rotkäppchen-

Mumm jährlich rund eine Million

Flaschen Sekt im Ausland

absetzen. In der Bundesrepublik ist das ostdeutsche

Unternehmen mit einem Anteil

von etwa 50 Prozent klarer Marktführer bei

Sekt und konnte diese Position in den letzten

Jahren noch weiter festigen.

Textilbranche im Osten gibt

sich optimistisch

Chemnitz. Die ostdeutsche Textilbranche

startete hoffnungsvoll ins Jahr 2014. Nach

Aussage von Bertram Höfer, dem Hauptgeschäftsführer

des Verbandes der Nord-Ostdeutschen

Textil- und Bekleidungsindustrie

(vti), hat die Nachfrage im zweiten Halbjahr

2013 „wieder angezogen“. Die Stimmung

sei gut, die Umsätze stiegen. Sorgen bereiteten

jedoch fehlende Fachkräfte und aufwärts

kletternde Energiepreise. Die Branche

setzte 2013 wie schon 2012 etwa 1,6 Milliarden

Euro um. Halte der Aufschwung an,

so Höfer, könnten es 2014 etwa 1,8 Milliarden

Euro sein.

Sota Mix optimiert

Biogasanlagen

Berlin. Eine Software zur Berechnung der

optimalen Mischung der Ausgangsstoffe in

Biogasanlagen hat das Berliner Start-up Sota

Solutions vorgestellt. Sie soll Steigerungen

des wirtschaftlichen Ergebnisses um drei bis

zehn Prozent bringen. Höhere Effizienz ist

angesichts der Pläne zur Novellierung des

EEG die zentrale Herausforderung für Biogasanlagenbetreiber.

W+M-Medienpartnerschaftt

Beach-Polo in Binz

Binz. Auch 2014 rollen wieder die Polobälle über den Strand des Ostseebades

Binz. Vom 16. bis 18. Mai 2014 treten direkt an der Seebrücke acht Poloteams

mit jeweils zwei Spielern gegeneinander an und kämpfen um den Sieg beim

2. Beach Polo Cup Binz. Seit diesem Jahr ist WIRTSCHAFT+MARKT T+MARKT Medienpartner

des Turniers und wird daher ausführlich berichten. Veranstalter

Matthias Ludwig und sein Team von Polo Riviera haben sich auch rund

um die Polo-Arena jede Menge einfallen lassen, um den Zuschauern

und Gästen drei unvergessliche Tage am Meer zu ermöglichen. Während

tagsüber die Teams das Turnier austragen, finden am Freitag-

und Samstagabend Veranstaltungen statt, welche den perfekten

Rahmen bieten, mit seinen Kunden in zwangsloser Atmosphäre

und bei exzellentem Catering und ausgewählten Getränken

bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kontakte

zu knüpfen. Der Zugang zur Polo-Arena am Strand

ist kostenlos. VIP-Tickets mit Zugang zum VIP-Zelt

sind für 89 Euro pro Person und Tag an der Tageskasse

oder im Internet erhältlich. Diese beinhalten bereits

den Eintritt für die abendlichen Veranstaltungen. Weitere ere

Infos unter

www.polo-riviera.de

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10 | W+M Länderreport

Spektakuläres Fluggerät: Der A300-600 ST Beluga von Airbus.

ILA Berlin: Jeder Cent

ist gut investiertes Geld

Im Mai steht mit der ILA wieder das Top-Ereignis der deutschen Luft- und Raumfahrtbranche

bevor. Rekorde aus 2012 gilt es zu toppen. Doch die ILA ist nicht das einzige Highlight auf dem

exzellent ausgestatteten ExpoCenter Airport in Schönefeld.

Von Dr. Ulrich Conrad

Dass die Internationale Messe für

Luft- und Raumfahrt erneut ein Erfolg

wird, steht für Dr. Rolf Strittmatter

außer Frage. Der 43-jährige Geschäftsführer

der ZukunftsAgentur Brandenburg

ist zugleich Geschäftsführer der Messegesellschaft

ExpoCenter Airport Berlin Brandenburg

in Schönefeld, gemeinsam mit Katrin

Balensiefer von der Messe Berlin. „Wir

rechnen mit über 200.000 Besuchern, wenn

das Wetter mitspielt, und einer ähnlich hohen

Ausstellerzahl wie 2012“, sagt er. Damals

präsentierten sich 1.243 Unternehmen,

von Finanz- und Wirtschaftskrise war wenig

zu spüren. Die langfristig orientierte

Luftfahrtbranche dürfte auch diesmal das

größte Handicap der Hauptstadtregion verschmerzen

– der nicht eröffnete Großflughafen

Berlin-Brandenburg BER gleich nebenan.

„Auf die ILA wirkt sich die Terminverschiebung

nicht direkt aus. Aber bei der Vermarktung

des Messegeländes und auch bei den

Ansiedlungen im Flughafenumfeld spüren

wir sie“, bestätigt der Wirtschaftsförderer.

„Mit einem funktionierenden BER wäre das

Geschäft leichter.“ Mehrere Messeveranstalter

und Unternehmen standen schon in den

Startlöchern, haben ihre Vorhaben jedoch

vorerst aufgeschoben. Gemessen an der wirtschaftlichen

Entwicklung im Land – Industrie

und Logistik boomen, 106 Ansiedlungsprojekte

mit rund 3.000 neuen Arbeitsplätzen

betreute allein die ZukunftsAgentur im

Fotos: ILA Berlin, Dr. Ulrich Conrad, Panorama Fashion Fair

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Brandenburg | 11

Blick auf das ILA-Gelände.

Die Panorama präsentierte im

Januar internationale Mode.

vergangenen Jahr – ist der Standort Schönefeld

derzeit noch ein schlafender Riese. Rolf

Strittmatter: „Mit der BER-Eröffnung wird

eine neue Dynamik einsetzen.“

In Schönefeld gehen im Moment die stärksten

Impulse vom ExpoCenter Airport aus.

Durch den Aufbau des Messegeländes konnte

die ILA am Standort gehalten werden – Begehrlichkeiten

gab es auch in München

und Hannover. 27 Millionen Euro wurden

durch die Länder Berlin und Brandenburg

gemeinsam investiert. Die

Berliner Messe, die mit der Zukunfts-

Agentur jeweils 50 Prozent der Anteile

an der Messegesellschaft hält, ließ für

16 Millionen Euro zusätzlich drei Messehallen

errichten. Die ILA-Rekorde von 2012 gaben

den Investoren Recht. „Eine ILA bringt

rund 190 Millionen Euro in die Region“, verrät

Rolf Strittmatter. „Da ist jeder Cent, den

wir investieren, gut angelegt.“

Dr. Rolf Strittmatter

Geschäftsführer

ExpoCenter Airport

Berlin-Brandenburg

Auch außerhalb der Luftfahrtmessen tut sich

was: Der Landmaschinenbauer John Deere

ließ im Sommer zwei Wochen lang Mähdrescher

und Traktoren über das Messegelände

rollen – aus 40 Ländern kamen Fachbesucher

und Landwirte. Im Juli 2013 und kürzlich im

„Das Messegelände am BER

setzt starke wirtschaftliche

Impulse für Brandenburg.“

Januar präsentierte die Fashionmesse Panorama

internationale Mode. Ihr Wachstum

ist direkt mit dem neuen Messestandort verbunden:

Anfang dieses Jahres wurden über

40.000 Besucher aus 93 Ländern gezählt, ein

Plus von elf Prozent. Die Anzahl der präsentierten

Kollektionen wuchs auf 400, nach

360 im letzten Jahr. Zusätzlich musste eine

mobile Halle her, die Kapazitäten des Messegeländes

sind ausgereizt. Dass die Panorama

ihre Erfolgsgeschichte künftig auf dem

Messegelände unterm Funkturm fortsetzen

wird, sieht Strittmatter mit einem lachenden

und einem weinenden Auge: „Die außerordentliche

Entwicklung dieser Modemesse

hat das Potenzial und die Funktionalität des

ExpoCenters Airport eindrucksvoll bewiesen.

Der Umzug an den Funkturm wegen der noch

immer nicht absehbaren BER-Eröffnung ist

aus Brandenburger Sicht zwar bedauerlich,

aber wir sind froh, diese Messe in der Hauptstadtregion

zu halten“, sagt er. „Wenn Sie ein

Beispiel für gute Zusammenarbeit zwischen

Brandenburg und Berlin suchen – hier beim

ExpoCenter Airport finden Sie es!“

Gemeinsam geht man auch die ILA an, die

als Schaufenster der dynamischen Luftfahrtbranche

in der deutschen Hauptstadtregion

die Kompetenzen dieser Säule des länderübergreifenden

Clusters Verkehr, Mobilität

und Logistik präsentieren wird. Bei der

Turbinenentwicklung etwa. Seit mehreren

Jahren arbeiten Berlin und Brandenburg in

dem Cluster eng zusammen. Hier spielt auch

die Entwicklung des Standortes Schönefeld

hinein, mit BER, Gewerbeflächen und dem

Messegelände. Es ist ein Schnitt- und Knotenpunkt

mehrerer Bereiche: Luftfahrtunternehmen,

Luftfahrtservice,

Testeinrichtungen, Trainingsstätten,

Logistikfirmen, Forschung

und Entwicklung, Dienstleister der

Informations- und Kommunikationstechnik

zum Beispiel. Nicht zuletzt

entsteht eine moderne Verkehrsinfrastruktur,

die allerdings auch erst mit dem neuen

Flughafen so richtig zum Leben erwachen

wird. Anstatt das abzuwarten, sorgen die

Messebetreiber lieber kontinuierlich für Verbesserungen.

Die drei Messehallen sind inzwischen

durch Übergänge miteinander verbunden,

auch die Parkplätze wurden weiter

ausgebaut. Die ILA-Besucher können kommen.

W+M

Die ILA 2014 findet vom 20. bis 25. Mai

2014 auf dem ExpoCenter Airport in

Schönefeld statt.

Fachbesuchertage: 20. – 22. Mai 2014

Publikumstage: 23. – 25. Mai 2014

Öffnungszeiten:

täglich 10:00 – 18:00 Uhr

www.ila-berlin.de

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


12 | W+M Länderreport

Heavy Metal –

Metallbau in Vorpommern

Der Metallbau in Vorpommern war und ist besonders durch die maritime Wirtschaft bzw. die Werften

geprägt. Mittlerweile ist die Branche sehr stark diversifiziert, vom klassischen Teile- und Elementebau

über die Errichtung von Produktionshallen und Industrieanlagen bis hin zum Spezialisten für Oberflächenbearbeitung.

Neue Unternehmen sind herzlich willkommen.

Von Karl Kuba

Ostsee-Strahl-Zentrum – Spezialist für die Oberflächenbearbeitung

von Rohren, Profilen und Blechen.

Neuansiedlungen von Unternehmen finden

in Vorpommern ein gutes Umfeld.

Eine exzellente und starke Hochschullandschaft

sorgt für ein breites Spektrum an

Fachkräften. Die Grundstückspreise sind

moderat, die Förderbedingungen im nationalen

Vergleich sehr attraktiv. Durch die

Häfen sowie die Autobahn- und Schienenanbindungen

ist Vorpommern das Tor nach

Skandinavien, Russland, ins Baltikum und

nach Osteuropa – und das mit enger Anbindung

an die Metropolregionen Berlin-Brandenburg

und Hamburg.

Die Cziotec GmbH aus Greifswald, die Ostsee-Strahl-Zentrum

GmbH & Co. KG sowie

die Ferrum-Technik GmbH aus Lüdershagen

sind drei Unternehmen und spiegeln nur einen

kleinen Teil der Vielfalt und Innovationskraft

der Branche in der Region wieder.

Die Herstellung von Bauteilen für den Yachtund

Bootsbau ist einer von drei Leistungsschwerpunkten

des Unternehmens Cziotec

aus Greifswald. Dieses beliefert u. a. Werften

in Kiel und Bremen, aber auch die örtlich

ansässige Hanseyachts AG. Geliefert werden

beispielsweise Relings, Leitern, Beschläge

oder Türscharniere aus Edelstahl. Weitere

Kunden stammen aus der Bauwirtschaft,

Elektrotechnik, Fahrzeugbau und Offshore-

Industrie. Neben der Entwicklung und Fertigung

von Biege-, Schnitt- und Folgeverbundwerkzeugen

werden auch Fenster, Türen und

Wintergärten hergestellt. „Durch die ständige

Beobachtung des Marktes sind wir in der

Lage, qualitativ hochwertige, individuelle

Lösungen anzubieten“, so Geschäftsführer

Hans-Dieter Ehrenberg. Erst 2012 wurde für

über 500.000 Euro ein neues CNC Horizontal-Bohr-Fräswerk

in Betrieb genommen. Viel

Wert wird auf die Aus- und Weiterbildung der

Mitarbeiter gelegt. „Hier übernehmen wir die

Kosten und stellen die Mitarbeiter bei Bedarf

auch frei.“

Das seit 2010 am Standort Groß Lüdershagen

bei Stralsund angesiedelte Unternehmen

Ferrum-Technik GmbH ist Spezialist für den

Bau von Leichtbauhallen. Diese Hallen sind

durch schnelle Montage und leichte Demontage

flexibel einsetzbar und werden in ganz

Europa unter der Marke „Cover all“ vertrieben.

Sie sind für ein breites Kundenspekt-

Fotos: Cziotec, Ferrum Technik, Ostsee-Strahl-Zentrum

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Mecklenburg-Vorpommern | 13

rum ausgelegt, u. a. aus den Bereichen Landwirtschaft,

Industrie, Produktion, Sport und

Freizeit.

Die ständige Weiterentwicklung seiner Produkte

ist dem Unternehmen besonders wichtig.

In Kiel wird derzeit eine Halle zum Bau

der weltgrößten Segelyacht errichtet. Die Segelyacht

stellt neue Anforderungen an Konstruktion,

Statik und Produktionsabläufe. Um

einzelne Schiffselemente per Kran einheben

zu können, wird sie auf einem Schienensystem

beweglich installiert.

Cziotec – Das CNC Horizontal-Bohr-Fräswerk

Fermat WFT 13 CNC.

Weiterentwicklungen und Innovationen werden

auch durch die Zusammenarbeit mit der

Fachhochschule Stralsund mit gemeinsamen

Forschungsprojekten oder der Arbeit an Abschlussarbeiten

vorangetrieben. Innovative

Wege geht das Unternehmen zur Auslastung

des Maschinenparks. Im Verbund mit

drei weiteren Unternehmen werden Kunden

Lohnleistungen im Bereich Metall- und Folienbearbeitung

unter der Marke „Lohnfertigung24“

angeboten.

Ferrum-Technik: Spezialist für Leichtbauhallen.

Durch Qualitätsarbeit und Kundenservice

behauptet sich auch die Ostsee-Strahl-Zentrum

GmbH & Co. KG (OSZ), die sich im Jahr

2000 im Umfeld der Stralsunder Volkswerft

angesiedelt hat. Das Unternehmen ist auf die

Oberflächenbearbeitung von Rohren, Profilen

und Blechen spezialisiert. In automatischen

Strahl- und Farbspritzanlagen wird gestrahlt

und mit einem temporären Rostschutz

geprimert. Die behandelten Elemente werden

z. B. im Stahl-Wasserbau als Spundwände

oder beim Brückenbau verwendet. Kommunale

und Recyclingunternehmen lassen

beispielsweise Muldencontainer beim OSZ

aufarbeiten.

Besonders spezialisiert ist das Unternehmen

in der Brandschutz- und Stahlwasserbaubeschichtung.

„Jedes bei uns gefertigte Bauteil

bekommt ein Prüfzeugnis“, berichtet Geschäftsführer

Hans-Uwe Rafelt. „Um mit der

technischen Entwicklung Schritt zu halten,

arbeiten wir intensiv mit Herstellern von

Beschichtungsstoffen zusammen und testen

auch neue Produkte. Gleichzeitig schulen

wir dabei unsere Mitarbeiter“.

W+M

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14 | W+M Länderreport

Gut geschminkt in Hollywood

Das Berliner Familienunternehmen Kryolan stellt seit fast 70

Jahren professionelles Make-up für Theater, Show, Film und

Fernsehen her. Mittlerweile ist die dritte Generation im weltweiten

Geschäft aktiv.

Von Constanze Treuber

Aufs Happy End folgt im Kino der ausführliche

Abspann. Vom Regisseur

über den Beleuchter bis zum Chauffeur

wird kein Name unterschlagen. Wer das

Make-up geliefert hat, das Stars wie Leonardo

DiCaprio, Cate Blanchett oder Tom Hanks

auf der Haut tragen, bleibt allerdings für gewöhnlich

im Dunkeln. Wenn Kryolan im Spiel

war – und das ist im deutschen wie im internationalen

Film regelmäßig der Fall – erfährt

selbst Dominik Langer oft nur davon, weil

seine Familie viele Maskenbildner, die in der

glamourösen Branche Rang und Namen haben,

persönlich kennt. Der junge Kryolan-Direktor,

der mit seinem Bruder Sebastian die

Firmentradition in der dritten Generation

fortsetzt, weiß, dass Produkte des Unternehmens

Filmen wie „Titanic“, „Cloud Atlas“ und

„Grand Budapest Hotel“, Trilogien wie „Der

Herr der Ringe“, „Spiderman“ und „Die Tribute

von Panem“ Farbe und Gesicht gegeben

haben. Vom Blut ganz zu schweigen. Kryolan-Film-

und Theaterblut in seinen vielen

Varianten und Qualitäten ist berühmt. Zehn

Tonnen davon werden Jahr für Jahr vergossen,

und doch trägt es nur zu etwa einem

Zwanzigstel zum Umsatz bei.

„Wir sind ein gesundes Unternehmen und

entwickeln uns gut“, sagt Dominik Langer.

„Nach den außergewöhnlichen Jahren 2010

und 2011 mit einem Umsatzwachstum von je

14 Prozent konnten wir im vorigen Jahr immerhin

ein Plus von fünf Prozent erzielen.“

Das erfreuliche am Make-up ist, dass es aufgebraucht

wird und immer wieder neu gekauft

werden muss. Am angestammten Ort in

Berlin-Wedding stößt Kryolan jetzt an seine

Kapazitätsgrenzen. Deshalb wird in großem

Stil angebaut – eine Investition in die Zukunft,

die es erlauben wird, noch stärker als

bisher auch Anfragen fremder Marken zu berücksichtigen,

die vom Kryolan-Know-how

profitieren wollen und dort für ihre eigenen

Labels Produkte entwickeln und herstellen

lassen. Zu den etwa 150 Berliner Mitarbeitern

sollen in den nächsten drei bis fünf Jah-

Showtime: Kryolan

bringt Farbe ins Spiel.

Fotos: Kryolan

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Berlin | 15

Kreativ: Neuentwicklungen kommen aus dem hauseigenen Labor.

ren 30 weitere kommen. Weltweit beschäftigt

Kryolan 250 Menschen, an Standorten

in den USA und Indien, wo produziert

und konfektioniert wird, sowie in Südafrika

und Polen, wo die Produkte in Dosen und

Fläschchen gefüllt oder zu Kompaktpudern

gepresst werden.

Zu den frühen Erzeugnissen aus dem Haus

Kryolan gehörte 1947 die Wasserschminke

Aquacolor, die bis heute ihren Ruf als einer

der Bestseller verteidigt. Über 16.000 hochwertige

Produkte hat die Firma unterdessen

im Programm. Sie werden auch bei privaten

Konsumenten immer beliebter, denn was für

den Profi gut ist, erfüllt auch alle Ansprüche,

die der Alltag stellt. Jährlich kommen

um die zehn Innovationen dazu, vor einigen

Jahren zum Beispiel eine Make-up-Serie für

den HD-Bereich. „Zu unseren Vorzügen zählt

aber auch Beständigkeit“, sagt Dominik Langer.

„Unsere Farben wechseln nicht von Saison

zu Saison, ältere Produkte müssen neuen

nicht weichen, sondern bleiben lieferbar.

Diese Verlässlichkeit wissen unsere Kunden

zu schätzen.“ Genauso wie das strikte Prinzip,

nicht Trends diktieren zu wollen, sondern

die Wünsche der Kunden zu erforschen

und flexibel zu erfüllen.

Kryolan beliefert alle deutschen Theater,

stattete Olympische Spiele aus und wird in

mehr als 90 Ländern auf allen Kontinenten

vertrieben. Etwa 50 eigene Geschäfte und

Franchise-Partner gibt es weltweit, darunter

in Hamburg und Berlin, London, New York,

San Francisco, Boston, Chennai, Johannesburg

und bald auch in München.

Übrigens stand auch ganz am Anfang ein

Film: In „Frauen sind doch die besseren Diplomaten“

spielten Marika Rökk und Willy

Fritsch 1941 ein Liebespaar – in Biedermeier-Kostümen

und, erstmals in Deutschland,

in Farbe. Ein junger Mann namens Arnold

Langer machte damals seine Ausbildung zum

Chemikanten in jener Firma, die der Ufa die

Schminke lieferte. Zum Farbabgleich wurde

er oft in die Studios geschickt und blieb auch

im Metier, als er 1945, zunächst mit einem

Partner namens Krause, Kryolan gründete.

Heute, mit 93 Jahren, kommt der Senior immer

noch an vier Tagen in der Woche zur Arbeit

ins Büro. Für sein Lebenswerk wurde er

Drei Generationen: Sebastian, Wolfram,

Arnold und Dominik Langer (v. l.).

zum Berliner Familienunternehmer des Jahres

2012 gekürt. Die operative Geschäftsführung

hat Arnold Langer längst seinem Sohn

Wolfram übergeben, der sich in allen wichtigen

Fragen mit den beiden Enkeln berät.

Fast siebzig Jahre lang eine erste Adresse

für Theater- und Filmprofis zu sein, ist eine

stolze Leistung. Bei Kryolan ist man es mit

Leidenschaft. „Wir bekommen viele Anfragen,

ob wir die Firma nicht verkaufen wollen“,

sagt Dominik Langer. „Die lehnen wir

dankend ab. Wir bleiben, was wir sind. Es

macht nämlich Freude, ein Familienunternehmen

zu führen.“

W+M

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16 | W+M Länderreport

Pechsträhne fürs Glücksspiel

21 Spielkasinos eröffneten einst zwischen Rügen und Vogtland. Einige machten seither dicht,

andere stellten auf Automatensalons um – sinkende Einnahmen haben fast alle. Dennoch lohnt

das Glücksspiel offenbar noch immer. So startet in Sachsen-Anhalt, direkt vor den Toren Leipzigs,

im Herbst eine neue Spielbank.

Von Harald Lachmann

Kasinos sind Gelddruckmaschinen, denn

jeder weiß: Die Bank gewinnt immer.

80 solcher Glücksspieltempel gibt es

in Deutschland. So vergaben ab 1990 auch

die ostdeutschen Länder für nicht weniger

als 21 Standorte Konzessionen. 80 Mitarbeiter

beschäftigte bald allein die Sächsische

Spielbanken GmbH in ihren Roulette- und

Black-Jack-Sälen in Leipzig, Dresden und

Chemnitz. Hinzu kamen Automatenkasinos

in Görlitz und Plauen.

Große Spielpläne verfolgte man auch in

Mecklenburg-Vorpommern. Gleich zwei Gesellschaften

gründeten peu à peu sechs Kasinos:

Binz, Heringsdorf, Warnemünde, Schwerin,

Stralsund und Waren. Dabei arbeiteten

nebenan in Schleswig-Holstein und Hamburg

zusammen nur vier Spielbanken. Je drei Kasinos

eröffneten in Brandenburg (Cottbus,

Frankfurt/Oder, Potsdam) und Sachsen-An-

Spielbanken haben es in den neuen

Bundesländern schwer.

Fotos: Harald Lachmann, Gauselmann AG, Elke Hannmann/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Sachsen-Anhalt | 17

halt (Halle, Magdeburg, Wernigerode). Der Osten Berlins steuerte

am Alex und Potsdamer Platz zwei Spielhöllen bei.

Um den einzigen Standort Thüringens buhlten gar 43 Städte,

so Altresidenzen wie Altenburg, Gera, Gotha und Greiz. Am

Ende bekam die Landeshauptstadt Erfurt den Zuschlag – im

noblen Domhotel. Doch dem Betreiber, der Duisburger Westspiel

GmbH, alimentiert das Land schon seit sieben Jahren

die Miete von monatlich 31.000 Euro. Das Glücksspiel wirft

nicht mehr genug ab. Womöglich ist hier nun ab 2015 Schluss.

Auch andernorts im Osten versiegten plötzlich die Claims.

Die Besucher blieben aus, die Personalkosten überstiegen

die Einnahmen. So schloss Sachsen schon vor Jahren die Kasinos

in Görlitz und Plauen und fuhr Leipzig, Dresden und

Chemnitz auf Automatenspielsalons zurück. Dabei spülten

anfangs allein die Leipziger Spieltische dem Freistaat als Alleingesellschafter

der Spielbanken bis 1997 um die 30 Millionen

Euro in die Kasse.

Über die Gründe für

das letztlich bundesweite

Kasinosterben

streitet die Branche

eifrig. Ist es unternehmerisches

Unvermögen

der Betreiber,

wie mancher in

der Politik behauptet?

Oder das Rauchverbot,

gleichwohl

die meisten Kasinos

Nikotin-Separees besitzen?

Sicher lastet auf ihnen auch die wachsende Konkurrenz von

Online-Casinos und Automatenspielhöllen. Und letztlich sind die

Deutschen schlicht Glücksspielmuffel. 73 Prozent gaben noch nie

einen Cent hierfür aus, nur ganze drei Prozent betraten je ein Kasino.

Selbst an Fernsehlotterien beteiligen sich nur 1,6 Prozent regelmäßig.

So „erspielt“ der deutsche Glücksspielmarkt – samt Lotto

und Pferdewetten – jährlich gerade noch neun Milliarden Euro Gewinn.

Die rund 220.000 einarmigen Banditen erbringen hingegen

das 4,5-fache des Bruttospielertrages der Spielbanken. Einzig Pokerturniere

scheinen hier noch zu lohnen.

Nicht zuletzt greift der Staat begierig zu. Kasinobetreiber führen abhängig

von Bundesland und Umsatz bis zu 80 Prozent der Einnahmen

ab. So brachten auch in Sachsen-Anhalt die Spielbanken dem

ewig klammen Etat ab 1993 um die 68 Millionen Euro ein. Doch als

ab 2002 die Umsätze rapide sanken, war bald Schluss. Magdeburg

Im früheren Kraftwerk Vockerode plante ein Investor

ein „Las Vegas des Ostens“.

verkaufte sie an einen israelischen Investor, der im Ex-Kraftwerk

Vockerode – recht genau zwischen Berlin und Leipzig – ein „Las Vegas

des Ostens“ mit tausend Beschäftigten plante.

Längst ist auch dieses Projekt Geschichte, doch Sachsen-Anhalt dreht

weiter am (Glücks-)Rad. Nun will hier die westfälische Gauselmann

Gruppe über ihre Tochter Merkur Spielbanken Sachsen-Anhalt GmbH

Fuß fassen. Im Herbst eröffnet sie in Kötschlitz bei Merseburg ein

Automatenkasino, mithin wieder dicht vor Leipzig. Hier läuten denn

alle Alarmglocken, ging es doch bei Sachsens Spielbanken GmbH zuletzt

wieder aufwärts: Ein Bruttospielertrag von neun Millionen Euro

2013 bedeutet ein Plus zum Vorjahr um zehn Prozent. In Kötschlitz

wolle man nur „das Potenzial von Leipzig abschöpfen“, so Geschäftsführer

Siegfried Schenek. Perspektivisch plant Merkur indes auch

noch ein Kasino in Magdeburg.

Auch in Brandenburg, wo das Land über seine Lotto GmbH an den

drei Kasinos beteiligt ist, halten sich diese offenbar noch wacker.

Nach wie vor wird hier sogar auch an klassischen Tischen gespielt,

vor allem Black Jack. Anders an der Küste: Nachdem 2012 bereits in

Waren nach hohen Verlusten das Licht ausging, machte die Spielbankgesellschaft

Mecklenburg nun auch ihre Kasinos in Schwerin

und Warnemünde dicht. Für Geschäftsführer Thomas Fritz eine Folge

des neuen Glücksspielstaatsvertrages von 2012 mit seinen strengeren

Zugangskontrollen sowie der mittlerweile zu hohen Landesabgaben.

Dabei fallen diese in Mecklenburg-Vorpommern mit 29 Prozent

noch moderat aus. Indes sanken seit 2008 auch die Kasinoumsätze

deutlich. Weiter geöffnet sind die Kasinos Heringsdorf, Binz

und Stralsund, die die Ostseespielbanken GmbH unterhält.

W+M

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18 | W+M Länderreport

Thüringens versunkene Stadt

Wolfgang Tröger hat die Stadt Nordhusia gebaut, um sie unter Wasser zu setzen: zwölf Meter

tief im Sundhäuser See in Thüringen. Eine geniale Geschäftsidee. Denn das Taucher-Eldorado

ist einzigartig.

Von Dana Micke

Fische, wohin das Auge sieht. Mit ein bisschen Glück können die Taucher bis zu 20 Meter weit sehen.

Trauung in der Kirche – das Paar, der

Pastor und die Gäste müssen beatmet

werden. Eine grausige Vorstellung,

oder? Nein, nicht in Nordhusia. Zugegeben,

hier ist alles speziell. Da pappen Algen an

Fachwerkhäusern. In aller Stille tummeln

sich Fischschwärme. Zwölf Meter tief muss

die Hochzeitsgesellschaft in den Sundhäuser

See in Nordhausen hinab. In Taucheranzügen

und mit Pressluftgeräten.

Ein ganzer Ort unter Wasser. Stadtmauer,

Wachturm, Fachwerkhäuser. Der Friedhof

mit Kreuz und Grabsteinen ist gleich um die

Ecke. Und eine Kirche, 2013 noch an Land

geweiht. Inzwischen ist auch das Gotteshaus

auf Betonplatten am Seegrund verankert. Am

Eingang baumelt eine Glocke. „Vom Läuten

bitten wir Abstand zu nehmen, um die Fische

nicht zu stören!“ Das sagt Wolfgang Tröger,

quasi der Bürgermeister von Nordhusia. Die

versunkene Stadt ist sein Projekt. Doch jetzt

preist er die Kirche, im Altarraum Kruzifix,

geschnitzte Halbreliefs und Wandmalereien.

In diesem Jahr sind hier erstmals kirchliche

Trauungen geplant. „Der Geistliche muss natürlich

eine Tauchqualifikation haben.“

Die Unterwasserstadt entpuppt sich als geniale

Geschäftsidee, die im Jahr an die 10.000

Taucher lockt. Und das, obwohl die Umge-

Fotos: Mike Stein, Dana Micke

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Thüringen | 19

bung nicht gerade einladend wirkt: Gewerbegebiet,

Betonstraßen, Förderanlagen. Aber

aus dem Tagebau am Sundhäuser See ist ein

tolles Naherholungsgebiet entstanden.

Wolfgang Tröger ist promovierter Chemiker

und inzwischen 63 Jahre alt. Unternehmer,

Macher, Tüftler. Vielleicht auch ein bisschen

schräg. Als Nordhusia noch reine Fiktion war,

hat Wolfgang Tröger damit anfangs Kopfschütteln

hervorgerufen: Eine Stadt bauen,

um sie zu versenken! Das nordrhein-westfälischen

Ibbenbüren hat zwar einen Unterwasserpark

mit Tempel, doch der wurde erst

errichtet und dann geflutet. Nordhusia dagegen

wurde in einem See gebaut, der schon

da war.

Wie kommt man auf so eine Idee? „Seit acht

Jahren haben wir hier die Tauchstation. 2009

dann wollte ich eine Unterwasserstadt. Da

hatten wir schon drei Schiffswracks im See

versenkt. Ich aber wollte einen Bezug zur alten

Reichsstadt Nordhausen mit mittelalterlichem

Flair.“ Gesagt, getan. Stadtbauamt und

Untere Wasserbehörde haben Baugenehmigungen

erteilt. Aber keine Abnahmen vorgenommen.

Beide Ämter beschäftigen nämlich

keine Taucher.

Wolfgang Tröger hat mit Mitstreitern gebastelt

und probiert. „Bevor wir überhaupt

loslegen konnten, haben wir mit einem benachbartem

Zementwerk an einem Leichtbeton

getüftelt. Denn die Elemente müssen ja

nicht nur in den See rein, sondern unten am

Grund an die richtige Stelle. Alles wird an

Land gebaut. Mit einem Kran werden dann

die bis zu sieben Tonnen schweren Teile auf

ein Ponton gesetzt, um damit

bis zu der Stelle zu schwimmen,

wo sie heruntergelassen

werden. Die Ankerplätze

sind schon am Seegrund. Dort

erfolgt die Endmontage.“ Da

stecken technische Meisterleistungen

drin – und viele

schlaflose Nächte.

Apropos Wracks. „Die beiden

Kajütboote Charlotte I und II

und der Ostseekutter Charlotte

III. sind nach meiner Frau

benannt.“ Wolfgang Tröger

nennt die Vorzüge von Wrack

Nummer drei. „Der 14 Meter

lange Kutter eignet sich für

Spezialtauchkurse. Wie gehe

ich in das Wrack rein? Wie lege

ich die Schnur? Wie vermeide

ich Panik in Gefahrensituationen?

All das wird trainiert.“

Darum kümmert sich Charlotte Tröger.

Gebaut wird hier mit umweltverträglichen

Materialien, die im sauerstoffarmen Süßwassersee

recht lange halten: neben dem

Leichtbeton Eichen- und Lärchenholz. 400

Quadratmeter groß soll Nordhusia werden.

Und eine Heimat für Fische, Muscheln und

Schwämme. Der Fischreichtum ist einer der

Gründe, weshalb sich der durch Kiesabbau

entstandene Sundhäuser See zum Top-Tauchgebiet

entwickelt hat. Barsche, Hechte, Spiegelkarpfen,

Aale, Rotfedern, Regenbogenforellen,

Zander, Krebse, alles da. Dazu klares

Wasser. „Der See ist bis zu 30 Meter tief

und von Grundwasserströmen durchflossen.

So kann man bis zu 20 Meter

weit sehen – überdurchschnittlich

für heimische Gewässer.“

Bäuerin Gerlinde

in ihrem Fachwerkhaus

in der Unterwasserstadt

Nordhusia.

Stolzer Bürgermeister von Nordhusia:

Dr. Wolfgang Tröger.

Etwa 100.000 Euro hat Nordhusia gekostet.

Unternehmer helfen mit Sponsoring. Schade,

dass das alles nur Taucher bewundern.

Ist doch so, oder? Wolfgang Tröger lächelt.

Die nächste Attraktion hat er schon im Visier:

ein U-Boot mit Platz für den Käpt‘n und

zwei Gäste.

W+M

Tauchbasis für Abenteurer

Die Unterwasserstadt Nordhusia

gehört zum Actionsport Tauchsportzentrum.

Actionsport Tauchsportzentrum

Uthleber Weg 27, 99734 Nordhausen

Tel. 03631 471272

Öffnungszeiten

April bis Oktober:

Mo – Fr 11:00 – 19:00 Uhr

Sa 09:00 – 20:00 Uhr

So 09:00 – 18:00 Uhr

November bis März:

Mo – Fr 11:00 – 18:00 Uhr

Sa + So 10:00 – 16:00 Uhr

www.actionsport-nordhausen.de

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20 | W+M Länderreport

Im Fasslager muss das Malz-Destillat drei Jahre reifen, um ein Whisky zu werden.

Spreewälder Whisky macht

Schotten Konkurrenz

Mit seinem Whisky der Marke „Sloupisti“ hat Torsten Römer die Spreewälder Feinbrand und Spirituosenfabrik in

der Spreewaldgemeinde Schlepzig über Brandenburgs Grenzen hinaus bekannt gemacht. Der edle Single Malt

schaffte es 2010 auf Anhieb in Jim Murray’s Whisky Bible – mit sensationellen 94 von 100 Punkten. Anfangs wurden

pro Jahr nur viermal 225 Liter „Sloupisti“ abgefüllt, erst in diesem Jahr wird die Produktion erheblich gesteigert.

Und Torsten Römer hat mit Gin und Rum schon weitere Exoten auf Lager. 2014 überrascht die Brennerei, die den

Spreewald-Storch mit Zylinder und Likör-Glas als Logo führt, mit einem eigenen Aquavit. Von Tomas Morgenstern

Durchs Fasslager mit den bauchigen Eichenholz-Fässern

schwebt ein süßlicher

Duft – Alkoholdunst oder auch

„Angels‘ Share“, wie man in der Whisky-Brennerei

den Anteil an den kostbaren Spirituosen

nennt, der den Engeln zusteht. „Zwei bis

drei Prozent der im Fass gelagerten Menge

verdunsten“, sagt Torsten Römer. Er zieht mit

der Pipette eine Probe vom feinen „Sloupisti“,

sie wird gleich aus der hohlen Hand verkostet.

In Fassstärke mit fast 67 Prozent Alkohol

entfaltet der Whisky seine Aromen explosionsartig.

Römer selbst, ein verschmitzter,

stämmiger Mann mit Schnauzbart, hält

sich zurück: „Ich trinke das Zeug nicht. Ich

bin kein Schnapstyp, sondern ein Biertyp.“

Der Mann, der im bislang eher für seine Gurken

bekannten Spreewald einen aufsehenerregenden

Whisky fabriziert, stammt eigentlich

aus Bremen. Er ist studierter Biologe und

Mediziner, war an die 20 Jahre als Radiologe

am Klinikum in Berlin-Steglitz tätig. Doch

Dr. Torsten Römer ist ein Macher, der sich

auch auf die Restaurierung alter Häuser sowie

auf Handel und Wandel versteht. Auf einer

Fahrt durch den Spreewald nach der Wende

hat er sich in die Gegend verliebt, die ihn

mit ihren Fließen so sehr an die Kindheit

im Umland von Bremen erinnert. 1991 kauften

er und seine Frau sich den leer stehenden

Landgasthof „Zum grünen Strand der

Spree“, die Dorfkneipe von Schlepzig mit

Brau-, Brenn- und Schankrecht seit 1788.

Nach der Neueröffnung im Jahre 1993 entwickelte

sich das aufwendig restaurierte und

um Hotel und Privatbrauerei erweiterte Backstein-Ensemble

zum Tourismusmagnet der

kleinen Spreewaldgemeinde.

Von Natur aus neugierig und seit jeher an Biologie

interessiert, zählt das Herstellen alko-

Fotos: Tomas Morgenstern

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Brandenburg | 21

Dr. Torsten Römer

Inhaber der Spreewälder Feinbrand und

Spirituosenfabrik

zu werden. Seinen nannte er „Sloupisti“, es ist der niedersorbische

Name für Schlepzig. Nach dem „Ritterschlag“ durch Whisky-Papst

Murray wurde ab 2011 die Produktionskapazität deutlich gesteigert

– auf 25 Fässer á 225 Liter. Damit bleibt die Brennerei ihrem Prinzip

„klein, aber fein“ treu, ohne die weltweite Kundschaft auf dem

Trockenen sitzen zu lassen.

holischer Brände zu Römers Steckenpferden. Die umliegenden Streuobstwiesen

lieferten den Grundstoff der ersten Obstbrände für den

Bedarf des Landgasthofs. Im Jahre 2004 gründete er schließlich die

Spreewälder Feinbrand und Spirituosen

Fabrik. Sie wurde zum

Kern des heutigen Brennereihofs

„Spreewaldini“, mit dem sich Torsten

Römer und seine Frau ihren

jüngsten Traum erfüllen. Dazu

wurde ein maroder Bauernhof in

der Nachbarschaft erworben und

umgebaut. Jetzt beherbergt er

neben der Brennerei samt Labor

und dem Fasslager auch die Whisky-

und Rum-Bibliothek, einen

Schankraum und einen Hofladen

mit Café. Neben Schnäpsen und

Likören aus dem eigenen Hause

kann der Feinschmecker dort

auch hausgemachte Bonbons und

italienisches Eis, aber auch Schokolade

aus der Region kaufen. Im Juli 2012 schließlich haben die

Römers ihren Gasthof an die Satama GmbH verkauft – und ihn als

Partner ihres Brennereihofs „Spreewaldini“ gewonnen.

Der Brennereihof ist ein Projekt im Werden. Die Whisky- und Rum-

Sammlung zieht demnächst in die obere Etage des Haupthauses um.

Sie macht Platz für eine eigene Restauration, in der es neben Speisen

natürlich die eigenen Spirituosen und auch Biere aus der „Spreewälder

Privatbrauerei 1788“ geben wird. Und schöne Karaffen für die

edlen Spirituosen soll künftig eine eigene Glashütte liefern. Gleich

nebenan entsteht in diesem Jahr ein Studio, in dem zwei Glasmacher

ausschließlich für den Brennereihof arbeiten werden. „Jede Flasche,

die man hier kauft, ist dann ein Unikat“, sagt Römer.

Der Weg zum eigenen Whisky begann in der Privatbrauerei, deren Biere

nicht pasteurisiert und nur zwei Wochen haltbar sind. Um die Reste

nicht verderben zu lassen, begann Torsten Römer Bierbrände zu brennen.

1998 hat der Doktor schließlich eine reine Malzmaische angesetzt

und den Brand auf ein Weinfass aus Eiche gezogen. Als er es nach

Jahren wiederentdeckte, war das Destillat zu einem wohlschmeckenden

Single Malt Whisky gereift. Gemeinsam mit seiner Brennmeisterin

hat Römer intensiv an der Verfeinerung des Produkts gearbeitet

und ab 2004 jeweils ein paar 225-Liter-Fässer aufgelegt. Drei Jahre

lang muss der Malzbrand im Fass lagern, um als Whisky anerkannt

Hier entsteht der „Sloupisti“: Das größte der drei Brenngeräte –

„Carl“ – wird zum Brennen von Whisky, Korn und Rum verwendet,

die kleineren heißen „Carlo“ (Gin, Aquavit) und „Carlito“ (Obst).

Der „Sloupisti“ ist das Aushängeschild des Brennereihofs in Schlepzig.

Doch der 63-jährige Römer ist ständig weiter auf der Suche –

die ungewöhnlichsten Früchte hat er bereits in seinen drei Brenngeräten

verarbeitet. Seine Spezialität

aber ist es, die Brände im

Fass reifen zu lassen. Die Auswahl

seiner Holzfässer ist eine Wissenschaft

für sich – entscheidend

ist ihr Aroma. So müssen es für

den „Sloupisti“ beispielsweise gebrauchte

Eichenfässer sein, in denen

zuvor guter Weißwein – etwa

ein Chateau d’Yquem – lagerte.

Derzeit reifen in seinen Fässern

neben Obst- und Kornbränden

auch Honigbrand und ein Kakao-

Geist oder ein Wodka nach polnischer

Art. Sein hochgelobter „Gin

Dobre“ hat Platz gemacht für Römers

nächsten Coup: Als erster in

Deutschland hat er hierzulande

Zuckerrohr-Melasse fermentiert und zu Rum gebrannt. Fünf Jahre

lagern die Fässer, auf denen die Herkunftsländer der Chargen vermerkt

sind – neben Barbados, Jamaika, Ecuador, Trinidad, Nikaragua,

Guayana, Paraguay und Martinique auch Indien, Pakistan und

sogar Kuba. 2014 soll das Jahr des Aquavits werden. Der Kümmel-

Brand wird, in zehn 50-Liter-Sherry-Fässer gefüllt, per Kahn drei Tage

lang rund um den Spreewald gestakt und anschließend für weitere

19 Wochen gelagert. Mit dem „Spreewaldini-Linie“ will der gebürtige

Hanseat Römer an den echten Linie-Aquavit erinnern, der an

Bord von Schiffen lagernd den Äquator gekreuzt haben muss. W+M

Die Herstellung von Whisky – der Name geht auf das

gälische „uisge beatha“ (Wasser des Lebens) zurück – gilt zu

Unrecht als ausschließliche Domäne der Schotten und Iren.

Zu den weltweit größten Whisky-Produzenten zählen

Indien und Japan. Selbst in Deutschland buhlen nach

Angaben der Website www.deutsche-whiskys.de derzeit mehr

als 100 Whisky-Brennereien um die Gunst einer

wachsenden Fan-Gemeinde. Für Brandenburg kündigen die

Experten an, dass nach den Brennereien in Schlepzig und

Schönermark ab 2015 auch das Burgbräuhaus in Bad Belzig, die

Burger Hofbrennerei in Burg (Spreewald) und die

Privatbrennerei von Schultz’ens Siedlerhof in

Werder (Havel) eigene Whiskys vorstellen würden.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


22 | W+M Titelthema

Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen

Wird Bodo Ramelow erster

Ministerpräsident der Linken?

Das laufende Jahr wird für drei neue Bundesländer zum Superwahljahr. Während am 25. Mai in

ganz Deutschland die Wahlen zum Europaparlament anstehen und parallel dazu Kommunalwahlen

in den fünf neuen und fünf alten Bundesländern durchgeführt werden, wählen die Bürger in

Sachsen, Brandenburg und Thüringen zudem neue Landtage. Die politischen Konstellationen

sind spannend und längst noch nicht entschieden.

Von Karsten Hintzmann und Harald Lachmann

CDU sucht neuen Partner

Im Grunde könnte sich Sachsens CDU zurücklehnen.

Es spricht kaum etwas dafür, dass

sie bei der Landtagswahl am 31. August die

Macht verliert, die sie seit 1990 kontinuierlich

ausübt. Es fehlt einfach die Wechselstimmung.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich

agiert mit seinem CDU/FDP-Kabinett unauffällig,

aber effizient. Erst Ende September

bestätigte die Bundestagswahl die Ausnahmestellung

der CDU im Freistaat. Sie holte

alle Direktmandate und distanzierte mit 42,6

Prozent Linke (20 Prozent) und SPD (14,6 Prozent)

deutlich.

Es ist denkbar, dass die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten

Tillich gegenüber der letzten

Stanislaw Tillich (CDU)

Ministerpräsident

des Landes Sachsen

Landtagswahl, die 2009 stattfand, noch zulegt.

Damals kamen die Christdemokraten auf

40,2 Prozent. Doch die Zeiten eines Kurt Biedenkopf,

als man allein regierte, sind wohl

nicht zu wiederholen. Vermutlich braucht

man also weiterhin einen politischen Partner.

Die FDP dürfte diese Rolle nicht weiter

spielen, die letzten Umfragen sehen die Liberalen

an der 5-Prozent-Hürde scheitern.

Gleiches gilt im Übrigen für die NPD, auch sie

verpasst vermutlich den Sprung in den Landtag.

Die AfD liegt dagegen momentan bei gut

sechs Prozent.

Die CDU hat sich bereits auf den möglichen

Verlust ihres bisherigen Koalitionspartners

eingestellt und umgarnt nun auffällig die

SPD und auch die Grünen. Bei den Sozialdemokraten

indes gibt es noch keine klare Präferenz.

Während sich Landes- und Landtagsfraktionschef

Martin Dulig zwar alles offen

Martin Dulig (SPD)

Landesvorsitzender

in Sachsen

hält, aber deutlich mit Schwarz-Rot liebäugelt,

um seine Partei endlich aus dem 10-Prozent-Keller

zu holen, erinnern sich andere

Genossen an die Jahre 2004 bis 2009. Auch

Der Plenarsaal des Sächsischen Landtags.

Fotos: Harald Lachmann, Unger, SPD Sachsen, Landtag Brandenburg/Manuel Dahmann, MdF/Johanna Bergmann, CDU Fraktion Brandenburg, Torsten George, DiG/trialon

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Wahlen im Osten | 23

da war die SPD Juniorpartnerin der CDU –

und das Wissenschaftsressort verantwortete

Vize-Landeschefin Eva-Maria Stange. Sie hält

ein Bündnis mit der „Sachsen-CDU in ihrem

derzeitigen Zustand“ aber für „nahezu unmöglich“.

Schon seinerzeit sei der „Umgang

alles andere als fair“ gewesen.

Als Alternative bliebe ein rot-rot-grünes Dreierbündnis,

sofern es die Grünen wieder in

den Landtag schaffen. Eine Konstellation,

die auch innerhalb der SPD Sympathien hat.

Der Haken dabei: Da die Linke in Sachsen

etwa so stark ist, wie SPD und Grüne zusammen,

stünde ihr auch der Posten des Ministerpräsidenten

zu. Hierfür haben die Linken

vorgebaut: Sie brachten mit dem Landes- und

Landtagsfraktionschef Rico Gebhardt einen

moderat-pragmatischen Politiker in Stellung,

der als Persönlichkeit für die beiden anderen

Parteien wählbar wäre.

Rico Gebhardt (Die Linke)

Fraktionsvorsitzender im

Sächsischen Landtag

SPD ist in Brandenburg

wieder eine Macht

Kurz nach der Bundestagswahl im letzten

Herbst herrschten bei der erfolgsverwöhnten

Brandenburger SPD Katzenjammer und

Zukunftsängste. Nachdem der beliebte Ministerpräsident

Matthias Platzeck Wochen

zuvor aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten

war, ging die Wahl krachend verloren

– alle Direktmandate gewann die CDU.

Erste Zweifel stellten sich ein, ob der neue

Ministerpräsident, der Lausitzer Dietmar Woidke,

tatsächlich an die für die SPD so sonnigen

Zeiten unter Manfred Stolpe und Platzeck

würde anknüpfen können.

Dietmar Woidke (SPD)

Ministerpräsident des

Landes Brandenburg

Inzwischen hat sich der Puls bei den märkischen

Genossen wieder normalisiert. Der

pragmatisch-zupackende Woidke findet mehr

und mehr Zuspruch bei den Bürgern, was sich

auch in den Umfragen widerspiegelt: Laut

Meinungsforschungsinstitut Forsa führt die

SPD das Feld deutlich mit 34 Prozent an, gefolgt

von den Linken, die auf 25 Prozent kommen.

Dagegen scheint der Höhenflug der CDU

vorerst gestoppt, sie liegt derzeit bei 23 Prozent.

Grüne (fünf Prozent) und FDP (vier Prozent)

müssen um den Wiedereinzug in den

Landtag zittern.

Sollte sich die Stimmungslage im Land nicht

noch deutlich wandeln, hätte die Brandenburger

SPD nach der Landtagswahl am 14.

September erneut den Luxus, zwischen zwei

Juniorpartnern wählen zu können.

Die CDU hat im Vorfeld alles dafür getan, sich

in einem neuen Licht darzustellen. Seit wenigen

Wochen hat Spitzenkandidat Michael

Schierack alle Fäden in der märkischen Union

in der Hand, nachdem er nunmehr auch Vorsitzender

der Landtagsfraktion ist. Schierack

Michael Schierack (CDU)

Landesvorsitzender

in Brandenburg

gilt im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger

Dieter Dombrowski als berechenbar und ausgleichend.

Eigenschaften, die sowohl für die

Stabilisierung der Landes-CDU als auch für

ein Regierungsbündnis mit der SPD unverzichtbar

sind.

Christian Görke

(Die Linke)

Finanzminister des

Landes Brandenburg

Die Linke dagegen hat derzeit noch mit den

Nachwehen diverser Personalquerelen zu

kämpfen. Justizminister Volker Schöneburg

musste wegen der sogenannten Gefängnis-

Affäre seinen Hut nehmen und Wirtschaftsminister

Ralf Christoffers sieht

sich erheblichen Vorwürfen bezüglich

seiner Fördermittelvergabe ausgesetzt.

Neuer Hoffnungsträger der Linken ist

Spitzenkandidat Christian Görke, der in

den letzten Wochen zum Finanzminister

und Landesvorsitzenden der Partei

aufgestiegen ist.

Ein Schmuckstück im Zentrum Potsdams: der neue Landtag Brandenburgs.

Die SPD hält sich derzeit noch bedeckt

in der Frage, mit wem sie das Land ab

September regieren will (siehe nachfolgendes

Interview mit Ministerpräsident

Dietmar Woidke). Die Fortsetzung

von Rot-Rot oder die Rückkehr zu Rot-

Schwarz – beides scheint möglich.

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24 | W+M Titelthema

Thüringer wollen keine

Große Koalition

Dass die Unlust gegenüber einer Großen Koalition

auf Bundesebene bei der SPD-Mitgliederbefragung

im vergangenen Herbst gerade

in Thüringen stark zutage trat, verwundert

nicht. Denn in Erfurt regiert seit 2009 eine

schwarz-rote Landesregierung. Doch zuletzt

fielen die Werte für dieses Regierungsbündnis

ins Bodenlose. Das lag nicht zuletzt an der

SPD selbst. Denn Landeschef Christoph Matschie

sowie Ex-Wirtschaftsminister Matthias

Machnig waren im Jahr 2009 vor allem mit

dem ehrgeizigen Ziel angetreten, der nach

den Althaus-Affären schwer angeschlagenen

CDU das Fürchten zu lehren – stets dabei die

eigene Machtübernahme 2014 im Blick. So

attackierten sie vom ersten Tag an den Koalitionspartner,

um sich selbst als Macher gegenüber

einer eher farblosen Ministerpräsidentin

Christine Lieberkecht zu profilieren.

Christine Lieberknecht

(CDU)

Ministerpräsidentin des

Landes Thüringen

Funktional und modern: der Thüringer Landtag.

Das Ergebnis ist bekannt: Machnig verabschiedete

sich nach der Affäre um doppelte

Bezüge nach Berlin, und auch Matschie verlor

an der Parteibasis seinen Rückhalt. Die

einstige Angriffs-Strategie ging für die SPD

glatt nach hinten los. Umfragen sehen sie

derzeit noch unter den 18,5 Prozent von 2009.

Permanenter politischer Streit ist den Thüringern

offenbar ein Graus. So verlor zwar die

Regierung immer mehr an Wählersympathie,

nicht aber die eher präsidial zurückgenommene

Lieberknecht. Sie punktete im Gegenzug

immer stärker. Ähnlich wie Angela Merkel

beteiligte sie sich fast nie an Scharmützeln.

Heike Taubert (SPD)

Sozialministerin

des Landes Thüringen

Also kopiert nun auch die SPD dieses Modell:

Als Frontfrau nominierte sie mit Heike

Taubert ihre aktuelle Sozialministerin –

eine eher betuliche 55-Jährige, die nicht auf

Krawall gebürstet ist und so stets im Schatten

der beiden „SPD-Machos“ stand. Damit ist

sie freilich wenig bekannt. Beobachter halten

sie für zu wenig verhaftet in der SPD. Allerdings

toppen die 98 Prozent Zustimmung,

die Taubert auf dem Nominierungsparteitag

erreichte, sogar die 93 Prozent, mit der die

CDU Christine Lieberknecht zur Spitzenfrau

für die Wahl am 14. September kürte.

Bodo Ramelow (Die Linke)

Fraktionsvorsitzender im

Thüringer Landtag

Während die amtierende Ministerpräsidentin

nun „40 plus“ avisiert (Umfragen sehen

die CDU derzeit bei 35 Prozent) und notfalls

auch mit den Grünen regieren würde, verkündete

Taubert: Sie habe auch kein Problem mit

einem möglichen Ministerpräsidenten Bodo

Ramelow von der Linken. Sie agiere „ohne

Vorfestlegung, ohne Ausgrenzung und offen

nach allen Seiten“. Immerhin liegt die Linke

derzeit bei 27 Prozent. Die Wahl in Thüringen

ist somit völlig offen. Nirgendwo stehen

die Chancen für die Linken besser, erstmals

in der Geschichte der Bundesrepublik den Ministerpräsidenten

eines Bundeslandes stellen

zu können.

W+M

Fotos: Thüringer Landtag, Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, Harald Lachmann, Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Wahlen im Osten| 25

Dietmar Woidke lehnt eine Fusion mit Berlin aktuell ab, will die

Wahl gewinnen und seinen eigenen Weg als Landesvater gehen

„Wir sind ein optimistisches

und selbstbewusstes Land“

In drei neuen Bundesländern stehen in diesem

Jahr Landtagswahlen an. Am 14. September sind

die Brandenburger zu den Wahlurnen gerufen.

WIRTSCHAFT+MARKT sprach mit Brandenburgs

Ministerpräsident Dietmar Woidke über Wahlversprechen,

Wahlchancen und Wahlziele seiner

seit 1990 regierenden SPD sowie die Schwerpunkte

seiner Wirtschaftspolitik.

W+M: Wie steht es heute, 25 Jahre nach der Wende, um Brandenburgs

Wirtschaft?

Dietmar Woidke: Die Brandenburger Wirtschaft hat sich in den vergangenen

zweieinhalb Jahrzehnten – nach schwerem Beginn – wirklich

erfolgreich entwickelt. Wir sind heute ein moderner Wirtschaftsstandort,

der im internationalen Vergleich sehr gut dasteht, haben

80.000 Arbeitsplätze mehr als 2005. Wir profitieren hier natürlich

auch von der Rolle Berlins und stehen in der Metropolregion insgesamt

sehr gut da. Ich bin wirklich froh, dass wir auch in der Fläche

des Landes ein hohes industrielles Niveau haben. Der Kampf etwa um

den Erhalt der Chemie-, Metall- und Stahlstandorte hat sich ausgezahlt.

Auch in den Berlin-ferneren Regionen hat sich eine gut funktionierende

Wirtschaftskultur entwickelt.

W+M: Was tun Sie speziell für die wirtschaftliche Stärkung der Brandenburger

Randregionen?

Dietmar Woidke: Alle Regionen haben in den letzten Jahren davon

profitiert, dass wir Wirtschaftsförderung nicht mit der Gießkanne

betreiben, sondern seit 2004 gezielt regionale Wachstumskerne för-

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26 | W+M Titelthema

dern und dort dann auch die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen

haben, dass sich diese Regionen entwickeln konnten. Das

wird auch der Weg für die Zukunft sein. Gemeinsam mit der Wirtschaft

müssen wir, gerade vor dem Hintergrund des Rückgangs der

europäischen Fördermittel, weiter auf die Strategie „Stärken stärken“

setzen.

W+M: Wäre es für die gesamte Entwicklung Brandenburgs nicht sinnvoller,

zeitnah eine Länderehe mit Berlin einzugehen?

Dietmar Woidke: Wir sind mit Berlin verbunden wie kein anderes

Flächenland mit einer Metropole in Deutschland. Es existiert ein

enges Netz an Staatsverträgen und vielfältigen Kooperationen auf

nahezu allen Gebieten. Natürlich diskutiert immer mal wieder jemand,

welche Vorteile eine Länderehe für Brandenburg hätte. Aktuelle

Umfragen besagen aber nach wie vor, dass die Brandenburger

mehrheitlich Nachteile bei einer Fusion befürchten. Hinzu kommt:

In den letzten Jahren ist in dieser Hinsicht auch ein Brandenburger

Selbstbewusstsein entstanden. Wir haben es unter sehr schwierigen

Bedingungen geschafft, den Haushalt des Landes zu sanieren.

Wir zahlen in diesem Jahr erstmalig mehrere Hundert Millionen Euro

an Krediten zurück und haben da unsere Hausaufgaben – auch was

die kommenden Diskussionen über die Zukunft des Solidarpaktes

betrifft – schon sehr gut erledigt. Wir sind ein optimistisches und

selbstbewusstes Land, das durchaus auf die Erfolge, die unter komplizierten

Bedingungen erreicht wurden, stolz ist. Ich möchte hier

nur eine Zahl zur Veranschaulichung nennen: Mehr als 80 Prozent

der Brandenburger Arbeitnehmer hat seit 1990 einen neuen Beruf

erlernt, manche sogar zwei oder drei. Das ist eine so unglaubliche

Zahl, die zeigt, vor welchen Herausforderungen die Menschen in unserem

Land gestanden haben.

W+M: Schließen Sie einen erneuten Fusionsanlauf in nächster Zukunft

aus?

Dietmar Woidke: Ja. Das ist für Brandenburg derzeit eine müßige

Diskussion.

W+M: In knapp sechs Monaten wird in Brandenburg ein neuer Landtag

gewählt. Welche Aufgaben wollen Sie bis dahin vorrangig lösen?

Dietmar Woidke: Momentan setzen wir uns gemeinsam mit der Brandenburger

Wirtschaft vordringlich dafür ein, dass wir vernünftige

Regelungen im Zusammenhang mit der Energiewende bekommen.

Ich meine damit nicht nur, aber im Kern das Erneuerbare-Energien-

Gesetz. Wir müssen uns aber auch darum kümmern, dass 24 Stunden

am Tag ausreichend und bezahlbar Energie zur Verfügung steht

und so der Industriestandort Deutschland durch die Energiewende

nicht geschwächt wird. Hier bestehen noch viele Unwägbarkeiten.

Und ich sage es ehrlich, für mich steht bei all diesen Fragen die

wirtschaftliche Entwicklung des Landes im Vordergrund. Ein weiterer

wichtiger Punkt ist für mich das Thema Bildung. Wir haben in

dieser Legislaturperiode schon mehrere Tausend Lehrer eingestellt

und wir werden in diesem Bereich weiter Personal aufstocken. Hinzu

kommt, dass wir den Jugendlichen schon in der Schule einen besseren

Praxisbezug und eine echte Vorstellung von ihrer künftigen

Berufsausbildung bieten wollen. Der wichtigste „Rohstoff“ unseres

Landes sind die Kinder und Jugendlichen. Für sie brauchen wir optimale

Ausbildungsbedingungen, damit sie uns in Zukunft als gut

ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen.

W+M: Haben Sie sich ein konkretes Wahlziel gesetzt?

Dietmar Woidke: Das Wahlziel ist für uns als SPD ganz klar: Wir

wollen stärkste Partei werden. Wir sind die Partei der Mitte in Brandenburg.

Und wir wollen die nächste Regierung anführen. In dieser

Frage sind wir selbstbewusst genug.

W+M: Mit welcher Partei als Koalitionspartner könnten Sie eine

bessere Wirtschaftspolitik umsetzen, mit den Linken oder der CDU?

Fotos: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Wahlen im Osten | 27

Dietmar Woidke: Ich habe in meinem bisherigen politischen Leben

zwei Koalitionspartner erlebt. Zuerst die große Koalition mit

einem Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, den ich heute noch

sehr schätze. Und jetzt eine rot-rote Koalition, die ich führen darf,

mit dem Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, den ich ebenfalls sehr

schätze. Kurzum: Wir haben gezeigt, dass unter beiden Koalitionen

eine erfolgreiche Entwicklung im Land möglich ist.

W+M: Es ist verständlich, dass Sie im Vorfeld der Wahl keine Koalitionsaussage

treffen wollen. Aber Sie gelten gemeinhin als Befürworter

einer Koalition mit der CDU. Hat sich diese Präferenz in den

Monaten, seit Sie Ministerpräsident sind, geändert?

Dietmar Woidke: So lange bin ich ja noch nicht Ministerpräsident…

Aber Spaß beiseite. Am Ende wird es nach der Wahl die Koalition

geben, die unser Land am besten voranbringt und die dafür steht,

dass die wichtigsten Probleme gelöst werden. Da gibt es durch die

bevorstehende Landtagswahl natürlich einen Wettbewerb. Auch dessen

Verlauf hat Einfluss auf die Koalitionsentscheidung. Wichtig ist

für mich aber ebenso die Frage der Verlässlichkeit. Ich muss wissen,

ob eine Führungskraft einer anderen Partei auch seine Fraktion

und Partei hinter sich hat. Und es geht schließlich um Vertrauen

und um die Sicherheit, dass eine Koalition nicht nur drei Monate

hält, sondern für eine Legislaturperiode. Nach der Wahl werden wir

genau prüfen, bei welcher Partei diese Voraussetzungen am besten

vorhanden sind. Und dann wird entschieden.

W+M: Die Bundes-SPD hat jüngst die Weichen für eine Öffnung in

Richtung Linke auch auf Bundesebene gestellt. Halten Sie es aus Ihrer

Regierungserfahrung mit den Brandenburger Linken für realistisch,

dass es vielleicht schon bei der nächsten Bundestagswahl zu

einem Regierungsbündnis mit den Linken kommt?

Dietmar Woidke: Es gibt in der Brandenburger SPD keine Debatten

mehr über die Koalitionsfähigkeit der Brandenburger Linken. Das

war nach der letzten Landtagswahl im Jahr 2009 noch anders. Die

Zusammenarbeit auf Landesebene kann aber nicht gleichgesetzt werden

mit einer Kooperation auf Bundesebene. Das ist eine ganz andere

Liga. Es geht auch um völlig andere Fragen, wie Bündnistreue und

wie positioniert sich Deutschland außenpolitisch zu wichtigen Themen

in der Welt. Deswegen sage ich hier klipp und klar: Es liegt hier

vor allem an der Linkspartei, zu verdeutlichen, dass sie in der Lage

ist, Deutschland zu regieren. Momentan sehe ich das nicht. Die Brandenburger

Linkspartei unterscheidet sich hier immens von der Bundespartei.

Während im Osten durchaus Pragmatismus bei den Linken

regiert, sehe ich insbesondere im Westen noch viel Tagträumertum.

W+M: Politisch umstritten ist der Umgang mit der Braunkohle bei

der vielbeschworenen Energiewende. Wie stehen Sie zum Braunkohleabbau

in der Lausitz?

Dietmar Woidke: Es ist eine ideologische Debatte, die derzeit geführt

wird. Wenn heute gesagt wird, dass der wichtigste Energie-

Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.) im W+M-Interview mit Herausgeber Frank Nehring (l.) und Chefredakteur Karsten Hintzmann

(2. v. r.) sowie Regierungssprecher Thomas Braune (2. v. l.).

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


28 | W+M Titelthema

träger im deutschen Strommix verschwinden soll, dann muss man

bitteschön auch sagen, wer diesen Energieträger ersetzen soll. Diese

Debatte hat nichts mit der Realität in Deutschland zu tun, denn

aus Braunkohle produzieren wir mehr als ein Viertel des deutschen

Stroms. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir sind ein Bundesland,

das sowohl auf Braunkohle setzt, als auch auf erneuerbare Energien.

Brandenburg hat drei Mal in Folge den Leitstern als bestes Bundesland

in Sachen Erneuerbare Energien erhalten. Wir machen also

beides – und das aus gutem Grund. Realistisch gesehen können wir

absehbar nicht auf die Braunkohle verzichten. Denn noch gibt es

keine befriedigende Antwort auf die Frage, wie sichergestellt werden

kann, dass Wind- und Solarenergie wirklich 24 Stunden am Tag

ausreichend zur Verfügung stehen. Diese Frage muss bei der ganzen

Diskussion viel stärker ins Zentrum gerückt werden, denn es geht

um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

W+M: Ein ökologisch brisantes Thema ist die Verockerung der Spree,

als Folge des jahrhundertelangen Bergbaus im Süden Brandenburgs

und in angrenzenden Regionen Sachsens. Welche Maßnahmen werden

in diesem Jahr eingeleitet, um speziell den Spreewald vor dem

braunen Eisenwasser zu schützen?

Dietmar Woidke: Die für die Sanierung der stillgelegten Tagebaue

verantwortliche bundeseigene LMBV (Anm. d. Red.: Lausitzer und

Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH) hat einen

Katalog von kurz- und langfristigen Maßnahmen erarbeitet, mit deren

Umsetzung bereits im letzten Jahr begonnen wurde. Viele Sanierungsmaßnahmen

sind eingeleitet. So wurden, um nur zwei Beispiele

zu nennen, die Beräumung von Flussläufen und die Wiederinbetriebnahme

von Grubenwasserreinigungsanlagen in Angriff genommen.

Wir wissen, dass es einen langen Atem braucht und noch über viele

Jahre erhebliche Anstrengungen nötig sein werden.

W+M: Zieht der Freistaat Sachsen, wo ein großer Teil der Eisenfracht

in die Spree gelangt, mit Brandenburg inzwischen an einem Strang?

Dietmar Woidke: Ich bin mit dem sächsischen Ministerpräsidenten

Stanislaw Tillich im Gespräch und im Frühjahr werden wir uns dazu er-

Fotos: Torsten George, Ingrid Ruthe/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Wahlen im Osten | 29

neut austauschen. Es ist mein fester Eindruck, dass auch Sachsen ein

Interesse daran hat, weitere negative ökologische und ökonomische

Auswirkungen infolge der Verockerung zu verhindern. Die Behörden

beider Länder haben dazu notwendige Genehmigungsverfahren eingeleitet.

Und es besteht Einigkeit, dass neben den kurzfristigen Maßnahmen

zur Reduzierung des Eisenockereintrags auch Anstrengungen über

einen längeren Zeitraum unternommen werden müssen.

W+M: Sie sind erst der dritte Ministerpräsident Brandenburgs. Die

Erwartungen an Sie sind groß. Ist es für Sie eher Bürde oder Vorteil,

dass Sie mit Manfred Stolpe und Matthias Platzeck zwei im Land und

darüber hinaus sehr populäre Amtsvorgänger hatten?

Dietmar Woidke: Das ist eine schwierige Frage. Ich schätze beide

sehr, bin mit beiden befreundet, sowohl mit Manfred Stolpe, mit

dem ich mich oft treffe, als auch mit Matthias Platzeck, mit dem ich

in den vergangenen Jahren sehr eng zusammengearbeitet habe. Natürlich

wird man mit beiden verglichen. Viel wichtiger ist aber, dass

man seinen eigenen Weg findet. Ich habe meine Biografie, meine

eigenen Erfahrungen, das politische und für die Verwaltung erforderliche

Handwerkszeug auch. Meine Zeit in der Industrie bei einem

bayerischen Futtermittelhersteller hat mir nicht geschadet, sondern

im Gegenteil – zu wichtigen Einsichten verholfen, von denen ich

bis heute zehre. Ich versuche all das jetzt einzubringen und das Amt

des Ministerpräsidenten zum Wohle der Brandenburger auszuüben.

Und ganz ehrlich: Am Ende geht es auch nicht um einzelne Personen

und ob diese sich wohl und wichtig fühlen. Wichtig ist einzig, dass

wir dieses Land weiter voranbringen. Das ist mein Ziel.

dort sehr für die Wirtschaft engagiert. Es ging zunächst primär darum,

bestehende Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern und zu

verteidigen. Später rückten auch Ansiedlungsfragen in den Mittelpunkt.

Und die Bilanz des Vierteljahrhunderts ist trotz aller noch

bestehenden Probleme positiv: Heute haben wir die niedrigste Arbeitslosigkeit

seit Gründung des Landes und eine moderne und erfolgreiche

Wirtschaft. Aber es ist alles keine Selbstverständlichkeit,

das muss jeden Tag hart erarbeitet werden. Und um noch etwas ganz

Persönliches anzufügen: Auch ich habe mir vor 25 Jahren nicht vorstellen

können, dass ich mal als Ministerpräsident für unser Bundesland

arbeiten darf.

Interview: Karsten Hintzmann und Frank Nehring

Zur Person

Dietmar Woidke wurde am 22. Oktober 1961 in Naundorf bei

Forst als Sohn eines Schlossers und einer Hauptbuchhalterin

geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er Landwirtschaft

und Tierproduktion an der Berliner Humboldt-Universität.

Die Wende in der DDR erlebte Woidke als wissenschaftlicher

Assistent am Berliner Institut für Ernährungsphysiologie.

1993 trat Woidke in die SPD ein und gehört seit 1994 dem Brandenburger

Landtag an. Von 2004 bis 2009 war er Landwirtschaftsminister,

von 2010 bis 2013 Innenminister des Landes

Brandenburg. Seit dem 28. August 2013 ist Dietmar Woidke

Brandenburger Ministerpräsident. Er ist verheiratet und Vater

einer Tochter.

W+M: Gibt es etwas, das Sie als Ministerpräsident bewusst anders

machen als einst Matthias Platzeck?

Dietmar Woidke: Bewusst nicht. Ich bin anders und mache daher

auch bestimmte Dinge anders.

W+M: Wir wollen den Bogen noch einmal zum historischen Jahr 1989

schlagen. Sie waren damals wissenschaftlicher Assistent am Institut

für Ernährungsphysiologie der Humboldt-Universität. Welche Gedanken

haben Sie, wenn Sie ganz persönlich auf die letzten 25 Jahre zurückblicken?

Dietmar Woidke: Wenn man an die Zeit zurückdenkt, dann ist die

Entwicklung Brandenburgs schon atemberaubend. Ich bin ja erst

nach Bayern gegangen, um dort zu arbeiten. Dann kehrte ich zurück

in meine Heimatstadt Forst und musste erleben, wie die schwierige

Arbeitsmarktsituation dort die Menschen und das Zusammenleben

beeinflusst. Die Kernfrage war damals: Wie kriegen wir hier wieder

Arbeitsplätze her? Das hat mich in all den Jahren politisch geprägt.

Deshalb bin ich 1994 auch in den Landtag gegangen und habe mich

Der Rosenpark in der Stadt Forst (Lausitz),

der Geburtsstadt von Dietmar Woidke.

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30 | W+M Politik

Dohnanyi-Kolumne

Freizügigkeit und

Volksmeinung in Europa

Wenn auch gegenwärtig eine wachsende

Europa-Kritik in fast allen

Ländern der Gemeinschaft zu beobachten

ist, so sollte man dies nicht mit einer

Sehnsucht nach den „alten“ Zuständen

verwechseln, nach Grenzkontrollen, Handelsbarrieren

oder gar einer nationalistischen

Außenpolitik. Eine solche Programmatik

würde wohl in keinem der europäischen

Mitgliedstaaten eine messbare Zustimmung

gewinnen.

Das gilt auch für die an die EU angekoppelte

Schweiz, die sich angesichts eines Ausländeranteils

von über 20 Prozent kürzlich gegen

eine unbegrenzte Freizügigkeit und für

ein begrenztes Quotensystem entschieden

hat. Auch die Schweiz will nämlich bei freien

Grenzübergängen, bei offenem Güteraustausch,

bei den tiefen Verflechtungen mit der

EU in Wissenschaft, Forschung und Bildung

bleiben – aber eben doch selbst entscheiden,

wer zuwanderungsberechtigt sein sollte.

Man darf nicht übersehen, dass nicht nur

in der Schweiz breite Teile der Wähler gegen

eine unbegrenzte Zuwanderung sind. David

Cameron, britischer Premierminister, hat in

seinem Katalog britischer Wünsche für eine

Änderung der EU-Verträge ähnliche Forderungen

aufgelistet. Die Schweiz hat nur einer

in ganz Europa verbreiteten Stimmung

politischen Ausdruck verliehen.

In Deutschland findet gegenwärtig eine Debatte

unter Richtern und Sozialpolitikern

statt, ob und ab wann unsere Hartz-IV-Versorgung

auch Zuwanderern zustehen sollte.

Der Europäische Gerichtshof wird diesem

Streit bald ein Ende bereiten und es ist anzunehmen,

dass nach dessen Entscheidung

auch Personen, die nur wenige Wochen in

Deutschland ordnungsgemäß gearbeitet

haben, dauerhaft zum Bezug

von Hartz-IV (Bargeld zum Leben

und freie Wohnung plus Heizung

usw.) berechtigt sein werden.

Können wir das finanzieren? Was

wäre zu tun? Wenn EU-Bürger

nach Deutschland zuwandern,

haben wir kein Recht sie abzuweisen.

Es gilt die freie Wahl des

Wohnortes und der Nieder lassung

für jeden EU-Bürger. Und wenn

dann auch ein unbeschränkter Zugang zum

jeweils gültigen Sozialsystem besteht (einschließlich

Kindergeld, auch für solche Kinder,

die nicht zu uns nachgezogen sind!),

dann hilft nur eines: Diese Zuwanderer zu

beschäftigen, ihnen Arbeit anzubieten (deren

Verweigerung dann eine begrenzte Kürzung

der Sozialbezüge ermöglichen würde).

Und hier besteht eine entscheidende Schnittstelle

der Zuwanderungsregeln zum Thema

Arbeitskosten und Lohnpolitik: Je mehr wir

Unser Kolumnist Klaus von Dohnanyi war

von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung

und Wissenschaft und von 1981

bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien

und Hansestadt Hamburg. Von 1990 bis

1994 arbeitete er an der Privatisierung des

Kombinats Tagebau-Ausrüstungen, Krane

und Förderanlagen TAKRAF. Von 2003 bis

2004 war er Sprecher des Gesprächskreises

Ost der Schröder-Regierung.

nämlich den unteren Sektor der Arbeitskosten

in Richtung Durchschnitt anheben (z. B.

durch einen Mindestlohn von 8,50 Euro oder

mehr), desto geringer wird die Chance sein,

unzureichend ausgebildete Zuwanderer produktiv

zu beschäftigen. Wenn wir aber eine

produktive Beschäftigung unkontrolliert zugewanderter

EU-Bürger nicht mehr anbieten

könnten, das EU-Recht jedoch nicht nur die

Freizügigkeit, sondern auch den faktisch unbegrenzten

Zugang zum Sozialsystem feststellen

würde, dann entstünde ein Gemisch

sozialer Spannungen, dessen politische Folgen

unabsehbar wären. Dann würde nicht nur

eine Vertrauenskrise der EU, sondern der Demokratie

als solcher eintreten.

Das heißt: Wenn Freizügigkeit und Zugang

zum Sozialsystem durch EU-Recht festgelegt

sind, dann brauchen die Mitgliedstaaten

Freiheiten in der Lohn- und Beschäftigungspolitik,

um wenigstens hier die notwendige

Flexibilität zu gewinnen. Sonst implodiert

die EU an ihren guten Absichten. Das

sollten deutsche Parteien und die EU-Kommission

nicht vergessen.

W+M

Fotos: Privat, Lupo/pixelio.de, ZDH, DGB

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M Politik | 31

Rentenpaket

– Bürde für Unternehmen?

Hans Peter Wollseifer

Präsident des Zentralverbandes des

Deutschen Handwerks (ZDH)

Annelie Buntenbach

Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes

(DGB)

Pro

Im Rentenpaket der Bundesregierung sind höchst unterschiedliche

Regelungen verpackt. Die Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente

sind richtig. Doch die Mütter-Rente ist eine gesamtgesellschaftliche

Aufgabe, mit der die Beitragszahler nicht belastet

werden dürfen! Und die Rente mit 63 ohne Abschläge für Angehörige

der Jahrgänge 1950 bis 1963 nach 45 Versicherungsjahren ist

volkswirtschaftlicher Unsinn.

Eine Rentenversicherung belohnt nicht die subjektive Lebensleistung,

sie muss sich an Versicherungsmathematik halten. „Nicht

geschenkt, sondern verdient” ist daher ein hohler Werbespruch.

Die neuen Frührentner sind übrigens bereits privilegiert – sie haben

im Schnitt den Anspruch auf doppelt so hohe Rentenzahlungen

verglichen mit der Durchschnittsrente, und sie dürfen ohnehin

vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen.

Zahlen müssen für diese Klientelpolitik alle anderen: Rentner, weil

ihre Rentenerhöhungen geringer ausfallen werden; Arbeitnehmer

und Arbeitgeber über höhere Beiträge; und die junge Generation

büßt doppelt – mit höheren Beiträgen und späterem Rentenbeginn.

Das ist eine Bürde für alle, nicht nur die Unternehmen.

Im Handwerk wollen wir die Mitarbeiter länger beschäftigen. Wir

brauchen sie als Fachkräfte mit Erfahrung. Wir haben ihnen erklärt,

dass dies aufgrund der demografischen Entwicklung notwendig

ist – zur Finanzierung des Rentensystems, zur Linderung

der Fachkräfteknappheit. Ich glaube, das war alles korrekt – und

die Rolle rückwärts zur Frühverrentung.

W+M

Contra

Es wäre absurd, das Rentenpaket als „Bürde“ für Unternehmen zu

bezeichnen. Die Arbeitgeber profitieren seit Jahren durch stabile

Beiträge und zuletzt sogar von Beitragssenkungen. Die Beschäftigten

zahlen dafür aber einen hohen Preis, weil Rentenleistungen

gekürzt wurden, das Rentenniveau sinkt und die Rente mit 67

droht. Die drohende Welle an Altersarmut zeigt, dass die rote Linie

hier überschritten ist. Deshalb ist es richtig, den Verfall der Rentenleistungen

zu stoppen. Dies gilt vor allem bei der Erwerbsminderungsrente

für Beschäftigte, die sich krank gearbeitet haben.

Auch die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren ist

nötig, um Übergänge in die Rente abzusichern.

Die Finanzierung des Rentenpakets ist jedoch problematisch, weil

die Rücklagen in wenigen Jahren aufgebraucht werden. Das gilt

vor allem für die Mütter-Renten – eine gesellschaftliche Aufgabe,

die aus Steuermitteln finanziert werden muss. Statt die Reserven

aufzulösen, sollten sie zu einer Demografie-Reserve ausgebaut

werden. Damit können auch die Renten der jungen Generationen

gesichert werden.

Dies geht, indem die Erhöhung der Rentenbeiträge, die in wenigen

Jahren aus demografischen Gründen ohnehin nötig ist, vorgezogen

wird. Die Beiträge würden damit nur früher steigen, nicht aber

höher. Eine ausbleibende Beitragssenkung als „Belastung“ zu deklarieren,

ist dreist und unvernünftig. Angesichts der demografischen

Entwicklung können wir uns Beitragssenkungen nicht mehr

leisten, wenn die Rente auch für die junge Generation noch etwas

wert sein soll.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


32 | W+M Politik

Die Nachrichten zum Flughafen Berlin-Brandenburg

überschlagen sich.

Neben der Suche nach einem endgültigen

Eröffnungstermin geht es um Kostenexplosionen,

Personalquerelen, Nachtflugverbote

und Schallschutz. Berlin und Brandenburg

scheinen sich nicht einig, Entscheidungen

ziehen sich hin. Es geht einfach nicht

voran.

Seit fast zwei Jahren sehen wir Berliner uns

dem Hohn und Spott des Rests der Republik

ausgesetzt. Das

Patriotenherz blutet.

Was zum Teufel

ist so schwer daran,

einen Flughafen zu

bauen? Das kriegen andere Länder doch auch

hin. Also auf nach Schönefeld, um sich selbst

ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Ein Sonntag im Februar, Treffpunkt Flughafen

Schönefeld. 13 Interessierte – alle im

mittleren Alter, vom Berliner bis zum Schwaben

– besteigen einen Reisebus, kein Flugzeug.

Das heutige Ziel ist ganz ohne Höhenflug

zu erreichen. Über die Autobahn geht

es zum BER. Unentgeltlich sind diese Führungen

natürlich nicht, denn schließlich ist

gerade beim BER kein Geld zu verschenken.

4,7 Milliarden Euro lautet die neueste Kostenschätzung

für den Flughafen. Für 10 Euro

ist man dabei.

Nach der Abfahrt von der Autobahn gelangen

wir über den Elly-Beinhorn-Ring zum

Infotower. 32 Meter hoch, mit einem guten

Blick über den Flughafen. Und es gibt sogar

Flugzeuge. Denn die zukünftige nördliche

Start- und Landebahn des BER ist die

derzeitige Bahn des Flughafens Schönefeld.

Unsere Führung stoppt extra ihren Vortrag,

Sonntags am Milliardengrab

Eine Führung über den Großflughafen Berlin-Brandenburg

damit alle gespannt dem abhebenden Flieger

zuschauen können. Wenn schon mal etwas

fliegt am BER …

Dann geht es weiter über den Melli-Beese-

Ring Richtung Hauptgebäude. Die Dame vom

Besucherdienst erklärt stolz, dass darauf geachtet

wurde, auch weibliche Flugpioniere

bei den Straßennamen zu berücksichtigen.

Vier der insgesamt 14 Straßen tragen weibliche

Namen. Das sind knappe 30 Prozent,

aber zu mehr hat es der aktuelle Koalitionsvertrag

beim Thema Aufsichtsräte auch nicht

gebracht.

Der Bus hält vor dem Hauptgebäude. Hier

sollen jährlich einmal 27 Millionen Passagiere

und mehr abgefertigt werden. Der Zugang

zum Hauptgebäude bleibt uns Flughafen-Touristen

leider verwehrt. Aber wir dürfen

uns an der Scheibe des Busses die Nasen

platt drücken, um trotz Spiegelung in

die imposante Haupthalle schauen zu können.

Edel wirkt sie, mit viel dunklem Holz.

Und verlassen.

Direkt gegenüber befindet sich das Steigenberger

Hotel. Seit der geplanten Eröffnung

im Juni 2012 wartet es auf einen neuen Termin.

Etwas Personal ist angestellt, um regelmäßig

die Toilettenspülung zu betätigen und

Staub zu wischen.

Auf dem Weg zum Rollfeld wird es auf einmal

unruhig im Bus. Ein Fuchs wurde gesichtet.

Mit buschigem Schwanz läuft er seelenruhig

querfeldein über den Beton. Die Dame

vom Besucherdienst rattert eifrig die Zahlen

zu einem der größten Bauprojekte Deutschlands

herunter. Die Frage nach dem monatlichen

Stromverbrauch kann oder will sie nicht

beantworten. Es beschleicht einen das Gefühl,

dass man über Negatives nicht sprechen

möchte, das ist sowieso täglich überall zu lesen.

Fast ein bisschen verständlich.

Zuerst machen wir auf dem Vorfeld halt. Trotz

Nieselregen steigen alle Besucher bereitwillig

aus. Wer weiß, wann man diese Gelegenheit

je wieder bekommt. Von hier aus hat man einen

direkten Blick

auf das Hauptpier

mit 15 Gangways.

Kunst am Bau gibt

es auch: Um eine

Fluggastbrücke schlingt sich eine überdimensionale

Perlenkette. Sie kann die Farbe

von weiß bis rot wechseln, je nach Abfertigungsgrad

bis zum Take Off. Bei uns blieb die

Kette weiß. Klar.

Es folgt der Höhepunkt der Tour: Wir dürfen

auf der neuen Landebahn aussteigen. Dicke

schwarze Säcke sind in großen Kreuzen angeordnet.

Zur Abschreckung für landewillige

Piloten, die eigentlich zum Flughafen nebenan

wollen. Und zur Schonung?

Kurz bevor es wieder zurück zum Ausgangspunkt

geht, schon wieder ein Tier: ein Hase.

Fuchs und Hase. Kein Kommentar.

Nach der Tour regt sich trotz allem Vorfreude

auf den Großflughafen, er macht schon was

her. Man wird sich wohl noch etwas gedulden

müssen. Und zur Not haben wir Berliner

immer eine Alternativlösung: Vielleicht wäre

es mittlerweile sogar einfacher, Berlin komplett

abzubauen und neben einem funktionierenden

Flughafen wieder hochzuziehen.

Janine Pirk-Schenker

Blick vom Vorfeld auf das Hauptpier des Flughafens.

Foto: Markus Pirk, PhotographyByMK/Fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


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Leistungsansprüche

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34 | W+M International

Das neue Flaggschiff „AIDAprima“.

Neue Ära auf dem Meer

AIDA Cruises erfindet zum zweiten Mal die Kreuzschifffahrt

neu. Nach der wegweisenden Clubschiff-Idee kreiert der

deutsche Marktführer aus Rostock mit der nächsten Generation

von Schiffen den Urlaub auf See in neuer Vielfalt und

Individualität.

Von Thomas Schwandt

Zum Richtfest für den neuen Bürokomplex

von AIDA Cruises Ende Januar dieses

Jahres wehte ein frischer Wind durch

den imposanten Rohbau. Am Ufer der Warnow

in Rostock suchte Hansjörg Kunze,

Kommunikationschef bei AIDA Cruises, mit

Temperaturangaben aus wärmeren Gefilden

ein wenig Urlaubsstimmung unter den Gästen

zu schüren. Die genannten Wohlfühl-Orte

in Südamerika, der Karibik, Dubai und

Asien markierten aktuelle Positionen von

Kreuzfahrtschiffen der AIDA-Flotte. Im

Sommer 2014 soll das zweiteilige Gebäude

„AIDA home“ fertiggestellt sein und die benachbarten

Speicher-Bürohäuser der Reederei

ergänzen.

„AIDA home“ zementiert den angestammten

Firmenstandort des größten deutschen

Kreuzfahrtunternehmens in Rostock. In der

Hansestadt hat 1996 die Erfolgsstory des Unternehmens,

das mittlerweile 6.900 Mitarbeiter

in der Flotte und an Land beschäftigt,

ihren Anfang genommen. „Wir haben

die moderne Kreuzfahrt in Deutschland erfunden“,

sagt Michael Ungerer, Präsident

von AIDA Cruises, rückblickend. Mit dem

ersten Clubschiff „AIDA“ (heute „AIDAcara“)

brachte die Reederei ein völlig neues

Grafik: AIDA Cruises, Fotos: Thomas Schwandt

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M International | 35

Konzept auf den Markt. Das Schiff hob sich

nicht nur optisch – der Rostocker Künstler

Feliks Büttner kreierte den roten Kussmund

und die blauen Augen am Schiffsrumpf –

von der klassischen Kreuzschifffahrt ab, es

sprach auch ein breites und jüngeres Publikum

an, das auf aktiven und erlebnisintensiven

Urlaub fokussiert ist. AIDA zählt nach

Aussage von Ungerer heute zu den Top Five

touristischer Marken hierzulande. „Mehr als

46 Millionen Deutsche kennen AIDA.“

Michael Ungerer

Präsident

von AIDA Cruises

In den Anfangsjahren wurde die Idee vom

Clubschiff-Urlaub skeptisch beäugt. Doch

sie setzte sich durch und trug entscheidend

dazu bei, dass seitdem der deutsche Kreuzfahrtmarkt

ein rasantes Wachstum erfuhr.

Binnen sechs Jahren verdoppelte sich die

jährliche Zahl der Passagiere auf 1,54 Millionen

im Jahr 2012. Davon entfielen

632.700 Seeurlauber auf AIDA, was einen

Marktanteil von rund 41 Prozent bedeutete.

Zuvor wurde das Wachstum der Reederei

stark beschleunigt durch ein langfristiges

Investitionsprogramm, das 2007 startete.

Bis zum Frühjahr 2013 wurde die Kussmund-

Flotte jährlich um einen Schiffsneubau auf

derweil zehn Cruise Liner erweitert. Dieses

Jahr kommt kein neues Schiff, bleibt die

Immobilie „AIDA home“ der einzige Neubau.

Doch 2015 und 2016 folgen zwei weitere

Kreuzfahrtschiffe, die in Japan in Auftrag

gegeben worden sind. Die Reederei, die zum

börsennotierten US-Konzern Carnival Corporation

& plc gehört, dem weltgrößten

Cruise-Anbieter, steckt deutlich mehr als

zwei Milliarden Euro in das Ausbauprogramm.

AIDA bleibt mit den avisierten zwei Schiffen

hart auf Wachstumskurs. Sie sind je

300 Meter lang und für je 3.300 Passagiere

ausgelegt. Das erste wird „AIDAprima“

heißen. Doch die Reederei bricht nicht nur

quantitativ zu neuen Ufern auf – die Schiffe

sind wesentlich größer als die Vorgänger

der Sphinx-Klasse, die 2.500 Passagiere

an Bord nehmen können. „Die ,AIDAprima‘

wird ein neues Zeitalter der Kreuzfahrt

einleiten“, beschreibt Präsident Ungerer den

qualitativen Entwicklungsschub. „Unser

neues Flaggschiff bietet mehr Raum, mehr

Vielfalt, mehr Individualität als je zuvor.“ Auf

dem neuen Kurs verabschiedete sich AIDA

Cruises vom Begriff „Clubschiff“. Im Vordergrund

stehe jetzt der „Premiumgedanke“,

so Ungerer. Wobei sich dieses Credo einer

klaren Definition entzieht. „Im Kern kommt

es darauf an, dass das, was wir unseren

Gästen versprechen, eingehalten wird, dass

wir jedem Gast auf seine individuelle Weise

einen optimalen Urlaub ermöglichen.“

Auf diesen Anspruch zugeschnitten sind

die Neubauprojekte. Sie bilden eine neue

Schiffsgeneration, die es beispielsweise erlaubt,

unabhängig vom Wetter an 365 Tagen

im Jahr pures Kreuzfahrt-Feeling zu genießen.

„Das Schiff selbst wird zur Destination“,

schwärmt Ungerer. Die „AIDAprima“

verfügt über 1.643 Kabinen in 14 verschiedenen

Komfortvarianten.

Die neue Qualität in der Kreuzschifffahrt

macht AIDA auch an hohen Standards im

schonenden Umgang mit Energie- und Umweltressourcen

fest. Filtersysteme senken

die Abgas-Emissionen. Ein neuartiger

Rumpf und ein innovatives Luftblasen-Polster,

auf dem die „AIDAprima“ im Wasser gleitet,

sollen den Treibstoffverbrauch um sieben

Prozent senken.

Präsident Ungerer räumt ein, dass AIDA mit

dem neuen Konzept auch „Neuland betritt“.

Er zeigt sich aber überzeugt, „der Kreuzfahrtmarkt

ist groß genug“ und schon bald

werde die „magische Zwei-Millionen-Marke“

bei der Zahl der Kreuzfahrtpassagiere

in Deutschland geknackt.

W+M

An der Warnow in Rostock entsteht das Firmengebäude „AIDA home“.

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36 | W+M Ratgeber

Hoffnungsträger im Kampf gegen

die Volkskrankheit Demenz

Demenz hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Volkskrankheit ausgeweitet. In Deutschland

leiden derzeit mehr als eine Million Menschen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, unter

einer mittelschweren bis schweren Demenz. Die Zahl der Betroffenen steigt unaufhörlich – pro

Jahr kommen mehr als 240.000 Neuerkrankungen hinzu. Doch für rund zehn Prozent der Erkrankten

gibt es jetzt Hoffnung auf Heilung oder zumindest auf eine spürbare Linderung des Leidens.

Von Karsten Hintzmann

Hochmodernes Klinikum: das Unfallkrankenhaus Berlin.

Fotos: Unfallkrankenhaus Berlin

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Gesundheit | 37

Zwei ostdeutsche Mediziner sind für viele

Demenzkranke zum großen Hoffnungsanker

geworden – Professor Ullrich

Meier aus Zeitz und Dr. Johannes Lemcke

aus Rostock. Beide arbeiten sie am renommierten

Unfallkrankenhaus in Berlin-Marzahn.

Meier ist dort Direktor der Klinik für

Neurochirurgie, Lemcke ist Facharzt in Meiers

Team.

Prof. Ullrich Meier

Direktor

Klinik für Neurochirurgie

„Rund zehn Prozent der Demenzpatienten

leiden an einer durchaus heilbaren Form der

Demenz, am so genannten Altershirndruck“,

erläutert Ullrich Meier. „Das Problem ist jedoch,

dass bei einem Großteil dieser Patienten

diese Diagnose gar nicht oder zu spät

gestellt wird.“

Dr. Johannes Lemcke

Facharzt

für Neurochirurgie

Dabei gibt es klare Symptome, die am Beginn

dieses Krankheitsbildes zutage treten. Facharzt

Johannes Lemcke: „Zunächst leiden die

Betroffenen unter typischen Gangstörungen

mit schlurfendem, breitbeinigem und unsicherem

Schritt. Später kommt eine Harn-Inkontinenz

hinzu. Und danach prägt sich eine

schwere Demenz aus, die mit Vergesslichkeit

beginnt.“

Die Erfahrungen der beiden Mediziner besagen,

dass bis zu 90 Prozent der Patienten

erfolgreich behandelt werden können,

wenn die spezifische Erkrankung frühzeitig

erkannt wird. Ullrich Meier: „Wir bewahren

diese Menschen nicht nur vor der Pflegebedürftigkeit,

die Patienten können nach

der Behandlung in ihr gewohntes Leben zurückkehren

und praktisch alles wieder tun,

bis auf Kopfstand – diese Übung wäre kontraproduktiv.“

Ursache für den Altershirndruck ist die Verkalkung

von Hirngefäßen, die bei den Betroffenen

meist im Alter zwischen 56 und 63

Jahren einsetzt. Für eine erste Diagnose wird

eine Computertomografie durchgeführt. Dadurch

lässt sich zuverlässig abklären, ob die

Gehirnkammern krankhaft erweitert sind

– ein deutliches Warnsignal. Anschließend

wird zur Messung des Hirndrucks eine winzige

Sonde direkt ins Gehirn eingesetzt. Alternativ

kann auch ein Drucktest des Nervenwassers

in der Wirbelsäule durchgeführt

werden. Ein weiterer Test vor einer Operation

besteht darin, etwas Nervenwasser kontrolliert

abzulassen und zu prüfen, ob das

die Leiden des Patienten kurzfristig lindert.

Sind alle Zweifel hinsichtlich der Diagnose

Altershirndruck ausgeräumt, folgt ein chirurgischer

Eingriff, der darauf abzielt, Nervenwasser

aus dem Gehirn in den Bauchraum

abzuleiten. „Dadurch schlägt das pulsierende

Hirngewebe nicht mehr so heftig auf das Nervenwasser

und die Beschwerden des Patienten

lassen schnell und spürbar nach und können

sogar vollständig verschwinden“, so Ullrich

Meier. Bei der Operation wird ein kleines

Loch in den Schädel gebohrt und ein dünner

Schlauch ins Gehirn eingesetzt. An diesen

Schlauch wird eine Leitung angedockt,

die unter der Haut direkt hinter das Ohr gelegt

wird. Dort wird ein Hightechventil eingesetzt,

mit dem der Abfluss des Nervenwassers

auf den Tropfen genau geregelt wird. Abfließen

kann das überschüssige Nervenwasser

über einen Silikonschlauch, der bis in die

Bauchhöhle führt. Ein Patient wird durch

dieses Verfahren pro Tag von einer Flüssigkeitsmenge

entlastet, die eine Kaffeetasse

füllen würde.

Die chirurgischen Eingriffe zur

Behandlung des Altershirndrucks

werden in modernen Operationssälen

des Unfallkrankenhauses Berlin

durchgeführt.

Die Operation muss in der Regel nur ein Mal

durchgeführt werden. „Denn“, erläutert Johannes

Lemcke, „Schläuche und Ventil können

ein Leben lang im Körper des Betroffenen

implantiert bleiben, ohne dass sie gewartet

oder ausgetauscht werden müssen. Wichtig

ist nur, dass sich der Patient regelmäßig untersuchen

lässt.“

Obwohl diese Form der Demenzerkrankung

bereits im Jahr 1965 entdeckt wurde, wird sie

aktuell nur in wenigen ausgewählten deutschen

Kliniken behandelt. Ullrich Meier und

Johannes Lemcke vom Berliner Unfallkrankenhaus

gehören seit Jahren zu den Medizinern,

die führend an der Weiterentwicklung

des Behandlungsverfahrens und der Ventiltechnik

arbeiten.

Neben der nachhaltigen Verbesserung des

Gesundheitszustandes bei den therapierten

Patienten und der damit einhergehenden

massiven Verbesserung der Lebensqualität,

hat diese Behandlungsmethode auch

einen volkswirtschaftlichen Effekt. Ullrich

Meier, der sich auch an führender Stelle im

Netzwerk Gesundheitswirtschaft des Berliner

Bezirks Marzahn-Hellersdorf engagiert,

sagt: „Im Gegensatz zu den immensen Kosten,

die bei der langjährigen und aufwendigen

Betreuung von Demenz-Patienten anfallen,

belaufen sich unsere Therapiekosten pro

Patient lediglich auf rund 10.000 Euro, inklusive

der Nachbehandlung. Wenn künftig

wirklich alle an dieser heilbaren Demenzform

erkrankten Menschen auf diese Weise behandelt

werden würden, könnte das deutsche Gesundheitssystem

signifikant um Kosten in

Milliardenhöhe entlastet werden.”

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


38 | W+M Ratgeber

Verlockende Aussichten: Laut einer Konjunkturumfrage des DIHK sind

die deutschen Exporteure so zuversichtlich wie lange nicht mehr. Vom

Exportgeschäft sind 2014 wesentliche Impulse für die Konjunktur zu

erwarten. Wer als Mittelständler von der Exportdynamik profitieren

will, sollte aber um die Chancen und Risiken der Finanzierung im Außenhandel

wissen.

Von Matthias Salm

Mit sicherer Finanzierung

auf fremde Märkte

Im laufenden Jahr, da sind sich die Experten

von Euler Hermes, dem weltweit führenden

Warenkreditversicherer, einig, werden

viele Volkswirtschaften rund um den

Globus wieder Fahrt aufnehmen. Im asiatischen

Raum, insbesondere im wichtigen chinesischen

Markt, werde sich das Wachstum

zwar verlangsamen, dafür aber an Nachhaltigkeit

gewinnen. In den USA setze sich die

Stärkung der verarbeitenden Industrie fort.

Das kommt vor allem der heimischen Investitionsgüterindustrie

im Exportgeschäft zugute.

Im Euroraum regiert dagegen die Hoffnung,

dass die Strukturreformen in Süd- und Südosteuropa

mehr und mehr ihre Wirkung entfalten

werden. Es sei zudem zu erwarten, fügt

Euler Hermes in der Prognose zu den wichtigsten

Impulsgebern auf den Weltmärkten

2014 an, dass auch die lateinamerikanischen

Länder und die europäischen Schwellenländer

an der wirtschaftlichen Erholung in den

USA und der Eurozone partizipieren können,

so dass auch dort die Nachfrage nach deutschen

Gütern wieder anziehen werde.

Am Aufschwung auf den Auslandsmärkten

können auch kleine und mittlere Unternehmen

teilhaben. Sie stellt das Außenhandelsgeschäft

allerdings regelmäßig vor große

Herausforderungen. Dazu zählen die aufwändige

Informationsbeschaffung über die

Zielmärkte, die Kontaktaufnahme zu geeigneten

Geschäftspartnern, die zum Teil kostenintensive

Abdeckung von Ausfallrisiken

und die Suche nach passgerechten Finanzierungen.

Ausfuhren ostdeutscher Bundesländer 2012

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Berlin

Brandenburg

Thüringen

Mecklenburg-Vorpommern

31,8 Mrd. Euro

14,8 Mrd. Euro

13,6 Mrd. Euro

13,3 Mrd. Euro

12,6 Mrd. Euro

6,2 Mrd. Euro

Quelle: Statistisches Bundesamt

Denn ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis,

schnelle Lieferzeiten und die Produktqualität

„made in Germany“ sind längst

nicht mehr die einzigen Argumente in Vertragsverhandlungen

mit ausländischen Geschäftspartnern.

Wer in der Lage ist, dem

Besteller als Komplettpaket bereits ein optimales

Finanzierungsangebot mitzuliefern,

kann dies oft als Wettbewerbsvorteil verbuchen.

Eine Möglichkeit der Finanzierung, besonders

im mittel- bis langfristigen Bereich mit

Laufzeiten ab einem Jahr, stellt der hermesgedeckte

Lieferantenkredit dar. Dabei gewährt

der mittelständische Hersteller dem

Importeur ein Zahlungsziel. Dazu beantragt

er die so genannte Hermesdeckung der Exportforderung.

Die hermesgedeckte Forderung

gegenüber dem Importeur kann er

dann seiner Hausbank zur Refinanzierung

anbieten. Für den Erfolg einer solchen Finanzierungslösung

ist allerdings eine enge

und frühzeitige Absprache mit der Hausbank

und Euler Hermes als Bereitsteller der staatlichen

Exportkreditversicherung erforderlich.

Der Vorteil für den Importeur: Dieser kann

den Kauf ohne Kreditaufnahme bei der eigenen

Hausbank abwickeln und schont so seine

Kreditlinien.

Eine weitere Möglichkeit, dem ausländischen

Kunden mit dem eigenen Produkt zugleich

auch eine Finanzierungslösung für

den Kaufpreis zu offerieren, bietet der her-

Foto: Euler Hermes/getty images

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Finanzen | 39

mesgedeckte Bestellerkredit. In diesem Fall

vergibt die Hausbank des Herstellers entweder

an den ausländischen Importeur, in der

Regel aber eher an seine Hausbank einen Kredit,

den diese an den Besteller weiterreicht.

Ein direkter Bestellerkredit für das importierende

Unternehmen ist hingegen nur bei

höheren Lieferwerten sinnvoll, da die Bonitätsprüfung

des Importeurs einen größeren

Aufwand und damit höhere Kosten erfordert.

Kommt der Bestellerkredit zustande, fließt

die Darlehenssumme direkt an den mittelständischen

Lieferanten, die Bedienung des

Kredits hingegen obliegt dem Importeur.

Im Auslandsgeschäft erfahrene Banken wie

etwa die Commerzbank, einer der führenden

Anbieter von hermesgedeckten Finanzierungen

hierzulande, verfügen für solche

Exportfinanzierungen über Rahmenverträge

mit Banken im Ausland, die die Kreditabwicklung

beschleunigen helfen.

Experten erwarten, dass das Exportgeschäft 2014

zur Konjunkturlokomotive wird.

Für das exportierende Unternehmen punktet

der Bestellerkredit im Vergleich zu einem Refinanzierungskredit

vor allem mit dem Vorteil

der Bilanzentlastung, da die Bezahlung

unmittelbar nach Lieferung erfolgt. Vor allem

aber befreit er den heimischen Mittelständler

von der Aufgabe, die Finanzierung und

deren Abwicklung überwachen zu müssen.

Der Importeur kann beim Bestellerkredit seine

Investition langfristig refinanzieren und

dies oft günstiger, als wenn er auf eine Finanzierung

in seinem Heimatland hätte zurückgreifen

müssen. In solchen Fällen kommt

der Geschäftsabschluss oft überhaupt erst

durch das Angebot einer Finanzierungslösung

zustande.

Sowohl beim Lieferanten- als auch beim Bestellerkredit

bildet die Hermesdeckung die

Basis des Exportgeschäfts. Die staatliche Exportkreditversicherung

schützt Unternehmen

vor dem Risiko des Forderungsausfalls

bei Ausfuhrgeschäften. Über diese Absicherungsfunktion

hinaus spielt sie aber auch

eine zunehmend wichtige Rolle bei der Finanzierung.

Sie ermöglicht den Importeuren

dank des hervorragenden Ratings Deutschlands

eine günstigere Finanzierung als es bei

Wettbewerbern aus anderen europäischen

Ländern möglich wäre.

W+M

Deutsche Ausfuhren 2013

Volumen in Mrd. Euro

Veränderung gegenüber 2012 in Prozent

Gesamt: 1.093, 9 -0,2

EU-Länder 623,5 +0,1

Eurozone 401,9 -1,2

Nicht-Eurozone 221,6 +2,6

Drittländer 470,4 -0,5

Quelle: Statistisches Bundesamt

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


40 | W+M Ratgeber

Alternativ denken

bei Finanzierungen

Wenn Unternehmer Investitionen planen, dann bleibt

kaum Zeit, darüber nachzudenken, ob gerade Landtagswahlen

stattfinden, in deren Zuge – wieder einmal

– die regionale Wirtschaftspolitik neu justiert

wird, oder ob gerade irgendwo auf der Welt eine

Finanzkrise herrscht. Unternehmer, die ich kenne,

setzen lieber alle Hebel in Bewegung, um das Eigenkapital

zu stärken und alternative Finan zierungsmöglichkeiten

wie Anleihen zu suchen.

Auch die regionalen Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgesellschaften

sind dabei ein wichtiger Part,

wenn es um alternative Finanzierungen geht. Ihre

Rolle und vor allem ihre Kapitalausstattung sollten

von der Politik weiter gestärkt werden. Denn auch

dadurch kann der Unternehmer weiter wachsen.

Die Sozietät Bormann, Demant & Partner mit ihren

Büros in Berlin und Dresden begleitet die Leser von

WIRTSCHAFT+MARKT in diesem Jahr bei Finanzierungs-

und Steuerthemen. Scheuen Sie sich nicht,

uns zu fragen, was Sie bewegt. Wir freuen uns auf

Sie.

Ihr Michael Bormann

bdp.Berlin@bdp-team.de

Mittelstandsanleihen wieder

stark gefragt

Zu den wichtigsten Formen der alternativen Mittelstandsfinanzierung

gehört auch die Anleihe. Im letzten Heft (1/2014) berichtete

W+M darüber, dass der sächsische Automobilzulieferer Neue ZWL

Zahnradwerk Leipzig (NZWL) sich entschlossen hatte, eine eigene

Produktionsstätte in China zu errichten und so zum einen seinem

wichtigsten Kunden, dem VW-Konzern, nach Fernost zu folgen und

andererseits von dort aus auch den Markt der asiatischen Automobilproduzenten

weiter zu bearbeiten. Eine Alternative zur Finanzierung

der neuen Produktionsstätte, die geschildert wurde, war

auch die Emission einer Unternehmensanleihe.

Signal aus Sachsen für den deutschen Finanzmarkt

Seinerzeit war NZWL-Geschäftsführer Hubertus Bartsch gemeinsam

mit bdp noch in der vertraulichen Planungsphase, doch dann

ging alles sehr schnell: Die NZWL-Anleihe ging Mitte Februar an

den Start und war bei einem Volumen von 25 Mio. Euro gleich beim

Start morgens um 10:00 Uhr ausverkauft. Zeichner waren Mittelstandsfonds,

Vermögensverwalter und auch Kleinanleger. Es war

ein Signal: Nachdem Mittelstandsanleihen in den letzten Monaten

durch die Insolvenzen ihrer Herausgeber in Misskredit geraten

waren, konnte ein sächsischer Automobilzulieferer deutschlandweit

als Eisbrecher den Beweis antreten. Es geht wieder etwas

in diesem Segment.

Alle Register bei der Finanzierung ziehen

Pragmatisch betrachtet: Es sind nicht unbedingt die 7,5 Prozent Zinsen,

die den Anleger zum Zeichnen der Anleihe veranlassten. Vielmehr

ging es um ein solides, transparentes und kreatives Finanzmanagement

des mittelständischen Unternehmens. Vor dem Hintergrund,

dass die NZWL im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2009 wie

viele Automobilzulieferer Umsatzrückgänge von 25 Prozent verkraften

musste, mit Unterstützung von bdp Bormann, Demant & Partner

und durch ein Zwei-Millionen-Euro-Engagement der Kreditanstalt

für Wiederaufbau (KfW) aber gerettet wurde und so 2010 wieder in

die Gewinnzone kam. Das Beispiel zeigt, dass man als Unternehmer

alle Register der alternativen Finanzierung ausschöpfen kann (und

muss), um aus der Krise heraus und wieder nach vorn zu kommen.

Fazit: Mittelständler müssen in der heutigen Zeit fast immer die

Alternativen privater und staatlicher Natur zur Hausbank prüfen,

wenn es um die Finanzierung ihrer Vorhaben geht. Sei es durch die

Emission einer Unternehmensanleihe, durch einen Börsengang oder

Mezzanine. Auch die staatlichen Institutionen wie KfW oder Bürgschaftsbanken

sind eine Möglichkeit, sich eine alternative Finanzierung

zu sichern.

Foto: Harald Bischoff/Creative Commons

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Steuern | 41

Beiträge im Golfclub

sind Arbeitslohn

Beiträge des Arbeitgebers für die Mitgliedschaft ihres Geschäftsführers

im Golfclub oder in einem anderen Verein führen zu Arbeitslohn.

In einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) wird zur

Begründung ausgeführt, dass eine solche Mitgliedschaft dem Beruf

förderlich ist, weil sich auf diesem Weg Kontakte mit zukünftigen

Kunden des Arbeitgebers anknüpfen oder vorhandene Geschäftsbeziehungen

intensivieren lassen. Ein solcher beruflicher

Bezug lässt sich vom privaten Bereich nicht trennen, da er oftmals

eine Folgewirkung von privaten Kontakten ist oder weil sich

aus vorhandenen geschäftlichen Beziehungen private Freundschaften

durch eine gemeinsame Mitgliedschaft in Vereinen entwickeln

können. Daher komme eine Aufteilung der angefallenen

Aufwendungen entsprechend einem beruflichen und privaten Anteil

nicht in Betracht. Ersetzt der Arbeitgeber Beiträge für eine

Mitgliedschaft im Golf- oder Sportklub, wendet er Vorteile im Hinblick

auf das Arbeitsverhältnis zu, die als Arbeitslohn zu qualifizieren

sind.

Hoeneß-Urteil: Verschärfte

Regeln bei Selbstanzeige

Deutschlands Unternehmer und Steuerzahler haben im März sehr

intensiv nach München geschaut. Dort stand mit Uli Hoeneß, dem

inzwischen zurückgetretenen Präsidenten des FC Bayern München,

einer der prominentesten deutschen Steuersünder vor Gericht.

Per Selbstanzeige hatte der Bayern-Präsident bereits einen

Teil seiner Steuerschulden beglichen und auf ein mildes Urteil gehofft.

Er wurde zu 3,5 Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil wird

richtungsweisend sein.

Das ist nur die Spitze des Eisbergs und eine Folge des Schwarzgeldbekämpfungsgesetzes,

das 2011 die Regeln für die strafbefreiende

Selbstanzeige dahingehend verschärft hatte, dass seither

Teilselbstanzeigen nicht mehr möglich sind. Nur noch Steuersünder,

die komplett reinen Tisch machen, können die Strafbefreiung

erlangen. Doch gerade dieser Fakt hat gravierende Folgen

für Unternehmen. „Wird etwa eine Umsatzsteuerklärung zu spät

eingereicht, kann das eine Steuerhinterziehung auf Zeit sein“, so

Christian Schütze, Steuerberater bei bdp Bormann, Demant & Partner

in Berlin. „Mit dem Gesetz wurden die Möglichkeiten, Steuererklärungen,

insbesondere in den Bereichen der Umsatzsteuer

und Lohnsteuer, sanktionsfrei zu korrigieren, unverhältnismäßig

erschwert.“ Bereits im letzten Jahr wurde zwar den Finanzbeamten

empfohlen, bei kurzfristigen Terminüberschreitungen und

geringfügigen Abweichungen Gnade vor Recht ergehen zu lassen,

Steuersünder: Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

dennoch, so Schütze, seien Unternehmer beraten, sich schon im

kleinsten Fall eines möglichen, auch unbewussten Steuervergehens

bei einer Selbs tanzeige sofort professionellen Rat zu suchen.

Zwar erarbeitet eine Fachgruppe von Bund und Ländern eine Vorlage

unter anderem für verbesserte Möglichkeiten zur Selbstanzeige,

die Mitte des Jahres von der Finanzministerkonferenz diskutiert

wird, doch bis zur Gesetzgebung kann es dauern.

Wegfall der Investitionszulage

bei Produktionsverlagerung ins

Ausland

Verlagert ein Betrieb seine Produktionsstätte ins Ausland oder in

die alten Bundesländer, so muss er die Investitionszulage, sofern

sie noch innerhalb der Bindungsfrist von fünf Jahren liegt, zurückzahlen.

Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen

Urteil. In jedem Fall stellt die Verlagerung der Produktion,

für das das bezulagte Investitionsgut genutzt wurde, vor Ablauf

der Bindungsfrist ins Ausland ein Ereignis dar, was die Rückforderung

rechtfertigt. Als Anrechnungszeitraum gilt dabei nicht der

Beginn der Anschaffung, sondern der Abschluss des Erstinvestitionsvorhabens,

welcher auch Jahre nach der eigentlichen Investition

sein kann. Der Rückzahlungsbetrag ist in der Regel mit sechs

Prozent zu verzinsen. Dies gilt auch, wenn das Investitionsgut bereits

technisch abgenutzt oder wirtschaftlich verbraucht ist und

für einen Dritten keinen oder nur einen sehr geringen Wert hat.

Für den redaktionellen Inhalt der Seiten 40/41 zeichnet die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner Berlin verantwortlich.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


42 | W+M Ratgeber Finanzen

Bürgschaften geben Sicherheit

Bürgschaftsbanken ermöglichen Existenzgründern und Mittelständlern Hausbankkredite auch

bei fehlenden Sicherheiten. Die Bürgschaftsbank Brandenburg vergab im vergangenen Jahr 287

Bürgschaften und ermöglichte so mittelständische Investitionen in Höhe von 184 Millionen Euro

– das beste Neugeschäft aller ostdeutschen Bürgschaftsbanken. Von Matthias Salm

Laut einer Umfrage der staatlichen Förderbank

KfW scheitern mehr als die Hälfte

aller Anträge (53,1 Prozent) auf Investitionskredite

bei den Hausbanken an fehlenden

Sicherheiten der mittelständischen

Unternehmen. „Nur 15 Prozent werden verweigert,

weil das Risiko zu hoch erscheint, nur

fünf Prozent, weil das Investitionsvorhaben

inhaltlich nicht überzeugt“, weiß Dr. Miloš

Stefanoviç, Sprecher der Geschäftsführung

der Bürgschaftsbank Brandenburg, um die

Dr. Miloš Stefanoviç

Sprecher der Geschäftsführung

der Bürgschaftsbank

Brandenburg

Finanzierungsprobleme kleiner und mittlerer

Unternehmen (KMU). Vor allem für Existenzgründer

stellen unzureichende Sicherheiten

ein oft unüberwindbares Hindernis bei der

Startfinanzierung dar. Als intimer Kenner der

brandenburgischen Wirtschaft sieht Stefanoviç

die Bürgschaftsbanken deshalb als ideale

Partner für Start-ups. Bei Neugründungen

oder im Rahmen eines Franchises können

Bürgschaften für den kompletten Investitions-

oder Betriebsmittelbedarf sowie

Neugeschäft der ostdeutschen Bürgschaftsbanken 2013

Stück

Brandenburg 287 82 Mio. Euro

Berlin 285 65 Mio. Euro

Sachsen 281 50 Mio. Euro

Mecklenburg-Vorpommern 238 51 Mio. Euro

Sachsen-Anhalt 214 65 Mio. Euro

Thüringen 213 61 Mio. Euro

Quelle: Bürgschaftsbank Brandenburg

für Entwicklungs- und Markterschließungskosten

in Anspruch genommen werden. In

Brandenburg gingen im vergangenen Jahr

33 Prozent aller ausgereichten Bürgschaften

an Existenzgründer.

Doch auch etablierte Unternehmen profitieren

bei Kreditverhandlungen von einer

Bürgschaftszusage. Bei KMU übernehmen

Bürgschaftsbanken Ausfallbürgschaften für

Betriebsmittelkredite, Warenlageraufstockungen,

Investitionsfinanzierungen, Rationalisierungs-

oder Modernisierungsmaßnahmen

sowie Avale für Vertragserfüllungs-,

Gewährleistungs-, Anzahlungs- und sonstige

Bürgschaften.

Das Prinzip Bürgschaftsbank

ist denkbar einfach: Bürgschaftsbanken

sind Selbst-

Volumen

hilfeeinrichtungen der Wirtschaft,

getragen von den

Industrie- und Handelskammern,

den Handwerkskammern,

den Verbänden

der gewerblichen Wirtschaft

und der Freien Berufe sowie

den Kreditinstituten. Wenn

die Vergabe eines Bankkredits

für ein KMU an feh-

Bürgschaftsbank Brandenburg:

Bürgschaften nach Branchen 2013

■ Industrie 26,2 %

■ Dienstleistung/Informations -

wirtschaft 17,5 %

■ Handwerk 17,4 %

■ Handel 17,3 %

■ Sonstiges Gewerbe/Verkehr 12,0 %

■ Gastgewerbe 5,7 %

■ Freie Berufe 3,9 %

Quelle: Bürgschaftsbank Brandenburg

lenden Sicherheiten zu scheitern droht, hat

der Unternehmer die Möglichkeit, über seine

Hausbank eine Ausfallbürgschaft bei der

Bürgschaftsbank zu beantragen. Die deckt

im Falle einer Zusage zu 80 Prozent das Kreditausfallrisiko

der Hausbank ab – so wird ein

wichtiger Anreiz für die Kreditvergabe der

Banken geschaffen.

Einer besonderen Popularität in Brandenburg

erfreut sich das Programm „Bürgschaft

ohne Bank“ (BoB). „Dieses Programm“, erläutert

Bürgschaftsbank-Geschäftsführer Stefanoviç,

„erleichtert kleinen Unternehmen den

Zugang zu Krediten bis zu 400.000 Euro.“ Dabei

geht anders als üblich der Weg zuerst zur

Bürgschaftsbank. Diese übernimmt zusammen

mit den Kammern die Prüfung des Kreditkonzepts.

Alle notwendigen Formulare für

einen solchen Antrag können auf der Internetseite

der Bürgschaftsbank www.bbimweb.de

heruntergeladen werden. Im positiven

Fall wird von der Bürgschaftsbank eine

grundsätzliche Bürgschaftszusage erteilt, mit

der der Unternehmer in einem Zeitraum von

zwei Monaten die passende Hausbank, die

den Kredit finanziert, finden kann. Ein Verfahren,

das die Kreditgespräche mit der Hausbank

deutlich vereinfacht.

W+M

Foto: Bürgschaftsbank Brandenburg

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


© MTU

© MTU

Wachstum in der deutschen Hauptstadtregion

Brandenburgs starke Industriecluster

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Finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für

www.wundm.info Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg.

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


44 | W+M Ratgeber

Reden halten, die ankommen

10 Tipps, wie ein Redner sein Publikum begeistert

Sie wollen eine zündende Rede halten? Dann

schauen Sie sich die folgenden Tipps und

Hinweise an.

1. Seien Sie authentisch. Der Erfolg einer

Rede hängt vor allem davon ab, ob der

Redner die Sympathie seiner Zuhörer gewinnen

kann. Die Rede muss dem Vortragenden

auf den Leib geschneidert sein.

2. Nehmen Sie den Zuhörer mit auf eine

„Reise“. Sie müssen die Anwesenden mitnehmen,

zum Beispiel auf eine Gedankenreise

durch das vergangene Jahr. Wohin

soll die Reise gehen und wer kommt mit.

Klären Sie diese Fragen und planen Sie

dann Ihre Rede.

3. Überlegen Sie vorab genau, wer Ihnen gegenüber

sitzt. Welche Beziehung besteht

zwischen dem Redner und den Zuhörern?

Kennen sie sich gut oder eher gar nicht?

Ist letzteres der Fall muss der Redner auf

allgemeinere Dinge eingehen, wie beispielsweise

Entwicklungen in der Branche,

der alle angehören.

4. Kommunizieren Sie mit den Zuhörern,

zum Beispiel mit den Augen. Tragen Sie

deshalb Ihre Rede so frei wie möglich

vor und sprechen Sie das Publikum immer

wieder persönlich an. Stellen Sie rhetorische

Fragen, wie „Geht es Ihnen auch

so, dass …“.

5. Fassen Sie sich kurz. Je kürzer eine Rede

ist, umso besser ist sie meist auch. Dabei

sollte Ihr Vortrag maximal drei Kernbotschaften

umfassen.

6. Nutzen Sie für die inhaltliche Planung

Ihrer Rede die Mindmapping-Methode.

Schreiben Sie in der Mitte eines Blattes

das Thema, über das Sie sprechen wollen

und notieren Sie drum herum alles, was

Ihnen zu dem Thema einfällt. So bekommen

Sie schnell einen Überblick über die

möglichen Inhalte Ihrer Rede.

7. Steigen Sie knackig ein und enden Sie

feurig. Planen Sie den Beginn und den

Schluss Ihres Vortrags besonders sorgfältig.

Der Einstieg ist wichtig für die Aufmerksamkeit

des Publikums, das Ende,

um den Zuhörern in Erinnerung zu bleiben.

8. Verwenden Sie kurze, knackige Sätze. Eine

Rede sollte aus möglichst kurzen Sätzen

bestehen, da Schachtelsätze schnell unverständlich

sind. Außerdem besteht die

Gefahr, dass Sie sich verheddern.

9. Benutzen Sie eine aktive, bildhafte Sprache.

Verwenden Sie statt „Unsere Planung

sieht vor …“ „Wir planen …“. Vermeiden

Sie zudem Substantivierungen. Prüfen

Sie, ob man Sätze mit diesen einfacher

formulieren kann.

10. Üben Sie die Rede. Sicherheit gewinnen

Sie vor allem durch Routine und

eine gute Vorbereitung. Hierzu zählt

das laute Üben des Vortrags. Stoppen

Sie dabei auch die Zeit, um die Länge

Ihrer Rede einschätzen zu können.

Weitere Infos unter

www.die-profilberater.de

Unternehmensleitbild

umsetzen und entwickeln

Ein Unternehmensleitbild sagt aus, was der

Zweck, die zentralen Werte, Aktivitätsfelder

und konkreten Ziele eines Unternehmens

sind. Darin wird deutlich, wofür das Unternehmen

steht, was es erreichen will und wie.

Es gibt den Rahmen für das tägliche Handeln

vor und den Mitarbeitern eine Vorstellung

von der Unternehmensidentität. Natürlich

trägt es auch zur Imagepflege bei. Zielgruppen

sind neben den Mitarbeitern Kunden,

Geschäftspartner und potenzielle Mitarbeiter.

Das Leitbild bietet eine Grundlage für Unternehmensziele

und Strategien, gibt Hilfestellung

für Entscheidungen und Konfliktsituationen,

vor allem aber wird damit die

Unternehmensidentität klar und unverwechselbar

hervorgehoben und Mitarbeiter motiviert

und gebunden. Wichtige Bestandteile

des Leitbildes sind ein Motto oder Slogan,

die Mission und Visionen sowie Werte und

Grundsätze des Unternehmens. Zum Erstellen

eines Leitbildes sollte ein Leitbildprojekt

ins Leben gerufen werden. Ein Projektteam

macht eine Ist-Analyse der gelebten Werte

und Regeln im Unternehmen. Diese Analyse

wird anschließend bewertet und daraus

Zweck, Ziele, Mission und Werte des Unternehmens

formuliert. Besonders wichtig ist

das interne und externe Kommunizieren des

Leitbildes. Dies kann über Broschüren, Mitarbeiterschulungen

oder Managementverhalten

passieren. Weitere Infos unter

www.business-wissen.de

Leiharbeit: Arbeitsgericht

schränkt Missbrauch ein

Ein Leiharbeiter darf laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

(AÜG) und europäischer

Leiharbeitsrichtlinie seit 2011 nur noch vorübergehend

beschäftigt werden. Die Geset-

Fotos: arahan/fotolia.com, S. Hofschlaeger/pixelio.de, siepmann/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Management und Personal | 45

ze verbieten die ständige Beschäftigung des

Leiharbeiters, um Missbrauch vorzubeugen.

Auch die befristete Anstellung von Leiharbeitern

ist nach dem AÜG verboten, sofern

diese einen dauerhaften Bedarf abdecken

soll. Im vorliegenden Fall war für die Position

des Leiharbeiters keine Planstelle vorhanden.

Eine weitere befristete Einstellung

nach Ablauf von zwei Jahren erforderte die

Zustimmung des Betriebsrates. Da dieser

jedoch ablehnte, zog das Unternehmen vor

Gericht. Und verlor, wie das Landesarbeitsgericht

Schleswig-Holstein nun entschied.

Az. 3 TaBV 43/13

Sozialversicherung: Mit

Minijobs Beiträge sparen

Der kurzfristige Minjob unterscheidet sich arbeitsrechtlich

nicht vom bekannten 450-Euro-Minijob.

Mit der Sozialversicherung aber

gibt es Vorteile: Es fällt keine an. Eine sozialversicherungsrechtlich

„kurzfristige Beschäftigung“

liegt aber nur vor, wenn sie im Laufe

eines Kalenderjahres auf nicht mehr als zwei

Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage nach

ihrer Eigenart oder im Voraus vertraglich begrenzt

ist. Die 50 Arbeitstage zählen nicht innerhalb

eines Jahres, sondern eines Kalenderjahres.

Arbeitssuchend Gemeldete dürfen

allerdings nicht kurzfristig beschäftigt

werden. Sie sind unabhängig von der Dauer

der Beschäftigung versicherungspflichtig.

Für kurzfristig Beschäftigte brauchen also

keine Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten-

und Arbeitslosenversicherung gezahlt

werden. Unfallversicherung, Umlagen zu beiden

Umlagekassen und eine Insolvenzumlage

dagegen schon. Weitere Infos unter

www.management-praxis.de

Kostenlose Parkplätze: Kein

Anspruch für Mitarbeiter

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg

hat aktuell entschieden, dass der

Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, kostenlose

Parkplätze für die Mitarbeiter bereitzustellen.

Im vorliegenden Fall war das Parken für

Mitarbeiter eines Klinikums kostenfrei. Nach

Neu- und Umbaumaßnahmen fielen die kostenlosen

Parkplätze allesamt weg, Mitarbeiter

müssen seitdem monatlich 12 Euro entrichten.

Ein Mitarbeiter klagte auf das Recht

aus einer betrieblichen Übung, da die Parkplätze

jahrelang kostenlos bereitgestellt

wurden. Das LAG folgte dieser Argumentation

jedoch nicht, da die Gebühren nun für

ein aufwendig umgestaltetes Parkgelände

erhoben wurden. Der Arbeitgeber ist grundsätzlich

nicht verpflichtet, Parkplätze bereitzuhalten,

vergleichbar mit Kantinen oder

Kindergärten, die von Mitarbeitern nicht erzwungen

werden können. Az. 1 Sa 17/13

Überstunden: Achtung

bei Teilzeitbeschäftigten

Von Überstunden spricht man, wenn die individuell

vertraglich festgelegte Arbeitszeit

überschritten wird. Grundsätzlich ist niemand

zur Leistung von Überstunden verpflichtet.

Aber es gibt Ausnahmen: Die Überstunden

sind im Arbeits- oder Tarifvertrag

festgelegt oder es gibt eine Notsituation wie

beispielsweise einen Brand, der die zusätzliche

Arbeit der Mitarbeiter rechtfertigt. Leisten

Teilzeitkräfte aber über einen längeren

Zeitraum regelmäßig auf Wunsch des Arbeitgebers

Überstunden, so werden sie automatisch

zur Vollzeitkraft. Dies kann dann auch

nicht einseitig rückgängig gemacht werden,

wie jetzt das Landesarbeitsgericht Hamm

entschied. In diesem Fall klagte ein Arbeitnehmer

auf weitere Vollzeitbeschäftigung

und bekam recht, da von einer stillschweigenden

Neuregelung des Arbeitsvertrags

ausgegangen werden muss.

Az. 8 Sa 2046/05

MANAGEMENT

KOMPAKT

8 Merkmale einer

Führungspersönlichkeit

Führungskräfte sollen Mitarbeitern Orientierung

und Halt geben, Vorbilder sein.

Dazu bedarf es diesen acht Eigenschaften:

1. Sie haben ein klares Wertesystem.

Ein Chef, der für kleine Fehler scharf

kritisiert, aber über große hinwegsieht,

verunsichert Mitarbeiter. Aus Angst,

nichts falsch zu machen, wird mit angezogener

Handbremse gearbeitet.

2. Sie haben klare Ziele.

Mitarbeiter sind auch verunsichert

und unzufrieden, wenn ihnen ihr Vorgesetzter

keine Vorgaben macht oder

diese permanent ändert.

3. Sie wissen, was sie (nicht) können.

Viele Führungskräfte können Aufgaben

nicht delegieren und denken, sie

können alles besser, sind daher aber

oft überlastet. Dadurch trauen sich die

Mitarbeiter selbst nichts mehr zu und

machen Fehler.

4. Sie sind selbstdiszipliniert.

Führungskräfte schaffen es, sich selbst

zu motivieren, auch wenn sie lustlos

sind, denn sie haben ihre Ziele immer

klar vor Augen.

5. Sie reflektieren ihr Verhalten.

Da Kritik die Chance bietet, ihr Verhalten

zu reflektieren und gegebenenfalls

zu korrigieren, sind sie für offene

Kritik dankbar.

6. Sie können sich und andere motivieren.

Sie denken: Wie kann ich das

Ziel dennoch erreichen, auch wenn es

im Moment unmöglich erscheint?

7. Sie achten auf ihre Gesundheit.

Sie wissen: Nur wer körperlich fit ist,

ist auf Dauer leistungsfähig.

8. Sie sorgen für die nötige Lebensbalance.

Sie achten darauf, dass in ihrem

privaten Umfeld möglichst alles

im Reinen ist, damit sie dort auftanken

können.

Weitere Infos unter

www.management-praxis.de

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46 | W+M Ratgeber

Fluggäste haben weitreichende Rechte

Flugverspätungen und -annullierungen

Laut EU-Verordnung 261/2004 sind Fluggesellschaften

verpflichtet, ihre Passagiere bei

Flugverspätungen und -annullierungen sowie

Nichtmitnahme zu entschädigen. Diese

Entschädigung richtet sich in allen Fällen

nach der Länge der Flugstrecke:

250 Euro bei einer Flugstrecke bis zu

1.500 km

400 Euro bei einer Flugstrecke von 1.500

bis 3.500 km

400 Euro bei allen Flügen innerhalb der

EU über 1.500 km Flugstrecke sowie

600 Euro bei einer Flugstrecke von mehr

als 3.500 km.

Ein verspäteter Flug liegt vor, wenn der Passagier

mit dem ursprünglich gebuchten Flug

Teure Scheidung:

Güterstand rechtzeitig regeln

befördert worden ist und sich die Ankunft am

Zielflughafen um mehr als drei Stunden verspätet.

Wurde der Passagier aber nicht mit

dem ursprünglich gebuchten Flug befördert,

der Flug storniert oder umgebucht und der

Passagier musste auf einen anderen Flug ausweichen,

dann handelt es sich um eine Flugannullierung.

Wird diese jedoch mehr als

zwei Wochen vor Reiseantritt bekannt gegeben,

stehen dem Passagier keine Ansprüche

zu. Findet der gebuchte Flug allerdings statt,

verweigert die Fluggesellschaft dem Fluggast

aber die Mitnahme und ist diese nicht aus Sicherheits-

oder Krankheitsgründen gerechtfertigt,

sondern geschieht diese beispielsweise

aufgrund einer Überbuchung, dann hat

Unternehmer und Gesellschafter sollten sich

frühzeitig Gedanken über ihren Güterstand

machen, denn im Scheidungsfall wird das

Unternehmen schnell zum Streitgegenstand.

Um dies zu vermeiden, sollten Unternehmer

frühzeitig handeln. Nach der Eheschließung

ist kein Ehepartner mehr verpflichtet, einem

Ehevertrag zuzustimmen. Der Ehevertrag

sollte die Balance wahren, ein fairer Vertrag

verhandelt und gestaltet werden. Wird ein

Partner maßgeblich benachteiligt oder ist der

Vertrag sittenwidrig, droht eine gerichtliche

Überprüfung. Ein Fachberater sollte für die

Ausgestaltung aufgesucht werden, um rechtliche

Tücken zu umschiffen und zwischen beiden

Partnern zu moderieren. Insellösungen

sollten vermieden werden. Werden im Vertrag

nur einzelne Punkte berücksichtigt, kann

es im Scheidungsfall zu massiven Auseinandersetzungen

kommen. Weitere Infos unter

www.dihk.de

Abmahngefahr: Impressum

rechtssicher gestalten

Um Abmahnungen von Wettbewerbern zu

entgehen, ist es ratsam, das eigene Impressum

auf der Unternehmenshomepage zu

überprüfen. Nach § 5 des Telemediengesetztes

muss jede geschäftlich genutzte Online-

der Passagier ebenfalls Anspruch auf Entschädigung,

neben der Erstattung des Flugpreises.

Daneben haben die Fluggesellschaften

die Pflicht, den Passagier über seine Rechte

zu informieren sowie angemessen zu betreuen

und zu verpflegen.

Ausgenommen sind jedoch Fälle, in denen

ein „außergewöhnlicher Umstand“ vorliegt,

beispielsweise bei Unwettern, schlechten

Sichtverhältnissen, politischen Unsicherheiten

oder medizinischen Notfällen.

Viele Fluggesellschaften zeigen sich bei der

Auszahlung der Entschädigung allerdings

nicht einsichtig. Wenn überhaupt eine Reaktion

erfolgt, so werden oft erst einmal die

„außergewöhnlichen Umstände“ vorgeschoben.

Reisende sollten sich nicht abwimmeln

lassen und den Anspruch prüfen. Auch die

Angst vor hohen Anwaltskosten, auf denen

man am Ende sitzen bleibt, kann umgangen

werden. Unternehmen wie Fairplane, Refund

me und flightright prüfen die Ansprüche und

setzen sie gegen Einbehalt einer Provision für

den Passagier durch. Ansprüche können direkt

auf den Internetseiten der Unternehmen

geprüft werden. Weitere Infos unter

www.fairplane.net

und Social-Media-Präsenz ein Impressum

enthalten. Dieses muss leicht erkennbar, unmittelbar

erreichbar und ständig verfügbar

sein. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs

genügen die Begriffe „Kontakt“ und „Impressum“,

um den Nutzer auf der Internetseite zu

den gewünschten

Informationen zu führen. Bei der unmittelbaren

Erreichbarkeit gilt die Zwei-Klicks-Regel,

innerhalb derer die Angaben erreichbar sein

müssen. Das Impressum muss zudem den

Namen, Rechtsform, Anschrift sowie Vertretungsberechtigten

des Unternehmens enthalten.

Außerdem u. U. Angaben zur Aufsichtsbehörde,

Handels-, Vereins-, Partnerschafts-

oder Genossenschaftsregisternummer,

Umsatzsteueridentifikationsnummer

Fotos: Scanrail/fotolia.com, Rainer Sturm/pixelio.de, Hartmut910/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Organisation und Multimedia | 47

oder Wirtschafts-Identifikationsnummer sowie

bei Abwicklung oder Liquidation die Information

darüber. Weitere Infos unter

www.frey.tv

Wie Unternehmer ihre

Geschäftsideen schützen

Viele Unternehmen vernachlässigen den

Schutz ihrer Ideen und die Möglichkeiten,

die ihnen die rechtlichen Bedingungen dafür

bieten. Für technische Innovationen und

Geschäftsideen bietet das Urheberrecht keinen

hinreichenden Schutz. Unternehmen

können aber zum Schützen eines Designs

ein Geschmacksmuster geltend machen. Voraussetzung

dafür ist die Neuartigkeit sowie

die Anmeldung bei der zuständigen Behörde

wie Patent- oder Markenamt. Gewerblich

anwendbare Erfindungen können durch Gebrauchsmuster-

und Patentrechte geschützt

werden. Im Gegensatz zu Geschmacksmustern

ist hier insbesondere das technische

Herstellungsverfahren geschützt. Aber auch

die Anmeldung einer Marke kann eine Geschäftsidee

vor Nachahmern bewahren, zum

Beispiel bei der Erbringung einer bestimmten

Dienstleistung. Unter den Markenschutz

fallen aber auch Wortmarken, Farben (wie

das Magenta der Telekom) oder dreidimensionale

Gestaltungen, wie die klassische Coca-Cola-Flasche.

Weitere Infos unter

www.business-wissen.de

Neues Punktesystem für

Verkehrsverstöße ab 1. Mai

Mit Inkrafttreten des neuen Punktesystems

für Verkehrsverstöße werden nur noch Ordnungswidrigkeiten

mit einer Geldbuße ab

60 Euro sowie Verkehrsstraftaten in die persönliche

Akte aufgenommen. Beleidigungen

oder Verstöße gegen Fahrtenbuchauflagen

werden z. B. nicht mehr gelistet. Eintragungen,

die nach der neuen Gesetzeslage

nicht mehr vorgenommen würden, werden

gelöscht. Es gilt ein Acht-Punkte-System,

wobei man ab vier Punkten ermahnt

und ab sechs verwarnt wird. Ab einem Stand

von acht Punkten wird der Führerschein entzogen.

Für Ordnungswidrigkeiten erhält der

Fahrer einen Punkt, für grobe Ordnungswidrigkeiten

mit Regelfahrverbot sowie Straftaten

zwei Punkte und für Straftaten mit Entziehung

der Fahrerlaubnis drei Punkte. Vorhandene

Punkte werden nach einer festgelegten

Tabelle umgerechnet, wobei die

Punkteanzahl in etwa halbiert wird. Weitere

Infos unter

www.adac.de

Immobilienbesitz:

Neuregelungen in 2014

Zum 1. Januar wurde in mehreren Bundesländern

die Grunderwerbssteuer erhöht, u.

a. in Berlin. Dort erhöhte sich der Satz von

fünf auf sechs Prozent. Zum 1. Mai tritt zudem

die neue Energieeinsparverordnung in

Kraft (s. W+M 1/2014). Verkäufer und Vermieter

von Immobilien sind dann dazu verpflichtet,

dem künftigen Mieter oder Käufer

einen Energieausweis zu übergeben.

Daneben plant die Große Koalition gesetzliche

Neuerungen für die Maklerprovision

sowie eine Mietpreisbremse. Letztere soll in

Regionen mit Wohnraummangel eingeführt

werden. Nach dieser dürfen die Preise bei

Neuvermietungen nur noch maximal zehn

Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete

liegen und innerhalb von vier Jahren

um 15 Prozent erhöht werden. Noch dieses

Jahr soll zudem nach dem Willen der Großen

Koalition ein Gesetz in Kraft treten, nach

dem künftig derjenige den Immobilienmakler

bezahlen muss, der ihn beauftragt. Weitere

Infos unter www.immowelt.de

WERBUNG

KOMPAKT

Flyer kreativ gestalten

Wer mit geringem Budget selbst einen

Flyer erstellen will, sollte einige Ratschläge

beachten, damit der Flyer auch wirklich

zum Thema und Image des Unternehmens

passt und nicht unprofessionell

wirkt.

Zuerst muss geklärt werden, ob es sich

bei einem Werbeflyer um das richtige

Medium handelt. Eignen tut er sich

zum Beispiel für die Präsentation eines

Unternehmens, eines Produkts, einer

Veranstaltung oder einer speziellen Aktion.

Danach sollte geprüft werden, ob

besondere Vorgaben zu beachten sind,

welches Budget und welche Zeit zur Verfügung

stehen. Das Bestimmen der Zielgruppe

ist von hoher Relevanz. Was soll

mit dem Flyer erreicht werden? Wer wird

den Flyer lesen? Wer soll von ihm profitieren?

Im Anschluss muss eine Kernbotschaft

ermittelt werden, die in einem

Satz ausdrückt, was der Leser unbedingt

wissen muss. Bei der Formulierung

des Inhalts sollte auf knappe Texte

geachtet werden, in denen es schnell zur

Sache kommt und alle W-Fragen (wer,

wie, wo, wann, warum, wofür) beantwortet

werden. Besonders schwierig ist

das Erstellen eines passenden Layouts.

Hier müssen Form, Größe, Umfang, Aufteilung

von Text und Graphiken sowie

Farben, Schriften und Raster festgelegt

werden. Schlecht aufgenommene Fotos

mit geringer Auflösung, schlecht lesbare

Schrift oder nicht zusammenpassende

Farben und Schriften sind ein absolutes

No-Go. Am Ende werden Papier, Falztechnik,

Veredelung und Anzahl festgelegt

und eine druckfähige PDF-Datei an

die Druckerei übergeben. Weitere Infos

unter

www.business-wissen.de

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48 | W+M Ratgeber

In der Imagefalle

Mal Rentnermetropole, mal verschlissene Industriestadt – Chemnitz kämpft

mit seinem schlechten Ruf. Dabei hat sich die einstmals reichste Stadt Deutschlands

vorgenommen, an alte Traditionen neu anzuknüpfen. Von Steffen Uhlmann

Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz. Lokal wird der Spitzname „Nischel“ dafür verwandt, was so viel wie „Kopf“ oder „Schädel“ bedeutet.

Charly, Karl Chemnitz oder einfach nur

der „Nischel“ – die monströse Porträtbüste

ihres zeitweiligen Namenspatrons

Karl Marx hat den Denkmalssturm

der Sachsen in der Nachwendezeit schadlos

überstanden. Während die Stadt bereits am

1. Juni 1990 den Namenswechsel von Karl-

Marx-Stadt zurück zu Chemnitz vollzog,

blieb das gewaltige Prophetenhaupt inmitten

der City stehen. Und die respektlosen

wie liebevollen Kosenamen belegen, dass die

Neu-Chemnitzer und Alt-Karl-Marx-Städter

ihren Frieden mit der Büste geschlossen haben.

Gott sei Dank, schließlich ist sie zur

Touristenattraktion für das „Aschenputtel“

unter den drei sächsischen Großstädten

Dresden, Leipzig und eben Chemnitz geworden.

Die Stadtoberen werben heute gern

mit dem Slogan „Stadt mit Köpfchen“ für ihre

Kommune.

Harte Arbeit, aber auch kluge Ideen haben

den Charakter der Industriestadt geprägt.

Eisern hält sich bis heute der Spruch: In

Chemnitz wird das Geld verdient, in Leipzig

wird es durch Handel und Wandel vermehrt,

in Dresden aber wird es ausgegeben. Chemnitz,

keine Frage, war der industrielle Motor

unter den drei großen sächsischen Städten,

mit seinen Personenkraftwagen von August

Horch, mit den mechanischen Webstühlen

des Textilfabrikanten Moritz Samuel Esche

oder mit den Dampflokomotiven der Sächsischen

Maschinenfabrik. Schon Mitte des 19.

Jahrhunderts wurde in der Stadt der Grundstein

für den deutschen Maschinenbau ge-

Fotos: Sören/pixelio.de, Erich Kasten/pixelio.de, Toyo/pixelio.de, Oli Müller/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Immobilien | 49

legt. Chemnitz stieg damals zur reichsten

Stadt Deutschlands auf.

Grüne Oase in der Innenstadt von Chemnitz.

Chemnitz sei immer eine ehrliche Stadt gewesen,

sagt Oberbürgermeisterin Barbara

Ludwig. Ihre Bürger stünden zu den Aufund

Zusammenbrüchen der Industriestadt,

die zugleich auch Kulturstadt sei und die

über die Architektur viel von ihrer Geschichte

erzähle. „Ich finde“, sagt sie, „solche Städte

wie Chemnitz sind viel spannender als die,

die aussehen als wären sie auf dem Reißbrett

erfunden worden.“ Der Konflikt zwischen

Auf- und Abbruch aber hat die Stadt

fest in Griff. Dabei ist viel passiert seit Anfang

der neunziger Jahre. Der Kaßberg, oben

über der Stadt, präsentiert sich mit seinen

jetzt renovierten Gründerzeilen als Architekturjuwel.

Die Altstadt um den Brühl, die

im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört

wurde, verdichtet sich mit neuen Bauten.

Dagegen stehen immer noch verwaiste

Industriebrachen. Zwar sind in der Stadt

seit 1995 über 7.000 mittelständische Firmen

neu gegründet worden. Doch auch sie

haben die Lücken, die die weitgehend abgewickelten

DDR-Großkombinate in Chemnitz

hinterließen, nicht schließen können. Im

Ranking der 30 wirtschaftskräftigsten deutschen

Städte, das das Hamburgische

Weltwirtschaftsinstitut

(HWWI) regelmäßig

erarbeitet, ist Chemnitz

auf den letzten Platz geradezu

abonniert. Noch düsterer

sind die Prognosen diverser

Demografen. Treffen

sie ein, wird Chemnitz in

knapp 20 Jahren eine der

Städte mit dem höchsten

Anteil von über 65-Jährigen

in Europa sein.

Oberbürgermeisterin Ludwig

will davon nichts wissen. Nach Berechnungen

ihrer Stadtverwaltung wachsen die

Einwohnerzahlen (aktuell über 242.000) seit

drei Jahren wieder. Für Ludwig der Beleg,

dass damit die Trendwende geschafft ist.

Zumal junge Zuzügler, vor allem Studenten,

den Altersdurchschnitt nach unten drücken.

Zugleich wird weiter gebaut und investiert.

Das neue Fußballstadion für den Drittligisten

Chemnitzer FC ist in Angriff genommen

worden, eine neue Universitätsbibliothek

geplant und das Sanierungsprogramm für

Kitas und Schulen in vollem Gange. Die städtische

Wohnungsgesellschaft GGG, die seit

Verwaiste Industriebrachen in Chemnitz.

1991 rund 1,3 Milliarden Euro in ihren Bestand

investiert hat, nimmt bis 2020 noch

einmal mehr als 130 Millionen Euro für Sanierung

und Neubau in die Hand. Unter Immobilieninvestoren

aber hat die vermeintliche

„Rentnerhauptstadt“ immer noch einen

schlechten Ruf. Schließlich steht dort trotz

Abriss jede fünfte Wohnung leer.

Mit allen Folgen für die Preise. Die durchschnittlichen

Kaufpreise pro Quadratmeter

für Eigentumswohnungen sind in Chemnitz

seit 2008 schier ins Bodenlose gefallen

– in diesem Zeitraum um 17 Prozent, von

1.036 Euro (2008) auf jetzt

855 Euro (2013). Für den Kauf

eines Hauses müssen durchschnittlich

Preise zwischen

1.335 Euro und 1.690 Euro pro

Quadratmeter kalkuliert werden.

Auch die Preise auf dem

Mietmarkt sind weiter gefallen.

Kaltmieten liegen durchschnittlich

je nach Lage,

Hausalter und Wohnqualität

derzeit zwischen reichlich vier

und knapp sieben Euro. Trotzdem

hat Chemnitz für Immobilisten,

die genauer hinsehen,

gute Chancen, über kurz

oder lang wieder an glorreiche

Traditionen anzuknüpfen.

Zunächst aber, das schwant

nicht nur der Oberbürgermeisterin,

muss die Stadt aus seiner

Imagefalle heraus. W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


50 | W+M Ratgeber Versicherungen

Wohnen am Wasser hat seinen Preis

Die Allianz, die 1990 die komplette Klientel der staatlichen DDR-Versicherung übernommen hatte,

verteuerte 2014 ihre Gebäudeversicherungen in Ostdeutschland teils deutlich. Bisher galten

hier selbst in Hochwasserrisikozonen die günstigen Altverträge, nun steigen die Prämien und

ein Selbstbehalt wird eingeführt.

Von Harald Lachmann

Nach dem dramatischen Juni-Hochwasser

2013 zahlte die Allianz AG allein in Sachsen

190 Millionen Euro an Flutopfer aus. Weitere

94 bzw. 35 Millionen flossen nach Sachen-

Anhalt und Thüringen. Aus diesem Raum,

in dem kaum jeder fünfte Deutsche lebt,

trafen auch zwei Drittel aller 52.000 Schadensmeldungen

ein. Die Ursache dafür liegt

im Frühjahr 1990. Damals kaufte die Allianz

das Privatkundengeschäft der DDR-Versicherung.

Lothar de Maizière (CDU) genehmigte

höchstselbst den Deal. Denn er stand

hart unter Druck: Hätten alle Ostdeutschen

– wie dereinst kolportiert – auf einmal ihre

Policen gekündigt, da sich für die Staatliche

Versicherung zuvor kein Käufer fand,

wäre der DDR-Etat sofort um neun Milliarden

D-Mark geschrumpft.

So überwies die Allianz 710 Millionen DM

und wuchs um 30 Millionen Policen. Wenige

im Osten wechselten später den Anbieter.

Sie wussten, mit der alten Wohngebäudeversicherung,

wie sie die Allianz eins zu eins

übernahm, sind sie bei Elementarschäden auf

der absolut sicheren Seite: geringe Prämie,

keine Risikozonen, null Selbstbehalt.

Bis heute führt die Allianz 450.000 Ostdeutsche

mit solch einem Altvertrag. Vier Fünftel

wohnen in Gebieten, in denen ihnen rasende

Flüsse kaum je den Keller fluten. Doch unter

den anderen konnte sich mancher nach den

schweren Fluten 1997, 2002 oder 2010 dank

der Versicherung solide sanieren. Im Osten

wären eben bisher „alle Schäden zu 100 Prozent

ersetzt worden“, so eine Allianz-Sprecherin.

Das änderte sich nun. 15.000 Allianzkunden

Ost, deren Häuser in den Gefährdungszonen 3

und 4 liegen, werden ab 2014 härter zur Kasse

gebeten. Diese Klassifizierung beruht auf

einem von der Versicherungswirtschaft erarbeiteten

Zonierungssystem für Überschwemmung,

Rückstau und Starkregen (ZÜRS) –

eine Differenzierung, die in der DDR fehlte.

Demnach ist in Zone 4 alle zehn Jahre mit

Hochwasser zu rechnen, in Zone

3 alle zehn bis 50 Jahre. Hausbesitzer

in Klasse 3 müssen nun

100 Euro mehr im Jahr sowie

bei Schaden eine Selbstbeteiligung

von 1.500 Euro dulden. Für

Häuser in Klasse 4 klettert die

Jahresprämie um 150 Euro und

der Selbstbehalt beträgt bis zu

3.000 Euro.

Überspült: Die Hängebrücke in Grimma.

Allein in Sachsen traf dies rund

4.800 Hausbesitzer nasskalt,

darunter viele kleine Firmen,

in Thüringen waren es 3.400, in

Sachsen-Anhalt 3.200, in Brandenburg

2.000 Kunden. Bei der

Allianz spricht man indes von

mehr Fairness, die so geschaffen

wurde. Denn bisher wären

flutgeschädigte Kunden „vom

Versichertenkollektiv hochgradig

subventioniert“ worden.

Doch dürfe die „Solidarität unter

den Versicherten nicht überstrapaziert“

werden.

W+M

Fotos: Harald Lachmann, Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


24. Jahrgang | Heft 1 | März/ April 2013 | € 3,50 | ZKZ 84618 |

25. Jahrgang | Heft 1 | Februar/März 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

24. Jahrgang | Heft 2 | Juni/Juli 2013 | € 3,50 | ZKZ 84618

25. Jahrgang | Heft 2 | April/Mai 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

02

4

24. Jahrgang | Heft 4 | September-November 2013 | € 3,50 | ZKZ 84618



24. Jahrgang | Heft 5-6 | Dez 2013/Jan 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618



W+M-Medienpartnerschaften | 51

Zu Gast in Neptuns Reich

4. Maritimer Frühlingsball der Wirtschaft

4. April 2014, 19:30 Uhr, Aquamaris Strandresidenz in

Juliusruh/Rügen

Marketing im Wandel der Zeit

Unternehmertag in Schwerin 2014

24. April 2014, 10:00 Uhr, Hochschule der Bundesagentur

für Arbeit, Schwerin

Wirtschaftsball Westmecklenburg 2014 „Der Mythos lebt“

5. April 2014, 19:00 Uhr, Sternenhalle der Mercedes-Benz-

Niederlassung in Schwerin

Unternehmerball 2014

12. April 2014, 19:00 Uhr, Hotel Neptun

in Rostock/Warne münde

Ballsaison im Norden

Gemeinsam Zukunft gestalten

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin e. V.

19061 Schwerin, Tel.: 0385 569333

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V.

18055 Rostock, Tel.: 0381 24258-0

UV Vorpommern e. V.

17489 Greifswald, Tel.: 03834 835823

www.uv-mv.de

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin e. V.

19061 Schwerin, Tel.: 0385 569333

mecklenburg@uv-mv.de

www.uv-mv.de

WIRTSCHAFT+

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DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

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AZIN

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WIRTSCHAFT+

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DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

Vor dem Ostdeutschen

Energieforum Leipzig

W+M-Umfrage unter Protagonisten

der Energiewende: Welche Schritte

sind jetzt unbedingt zu gehen?

Machnig will

neues Ostprogramm

Thüringer Wirtschaftsminister

im Schattenkabinett der SPD

„Bei Innovationen

wird nicht gekürzt“

Forschungsministerin Wanka zur

Förderung in den neuen Ländern

Wahlversprechen

jetzt einlösen !

Kurzporträts von allen 130 Abgeordneten

aus den neuen Ländern

landschaft+

leute

Lausitzer Seen –

die Zeit nach

der Braunkohle

marken+

macher

Plauen: Stille

Profis auf dem

Weg zur Spitze

innovation+

tradition

Bernburger erobern

den Weltmarkt

einblicke+

aussichten

Ausbildung zwischen

Licht und Schatten

ideen +

impulse

Altmaier und Rösler in

Leipziger Denkfabrik

1 9 4 0 7 9 9 0 3 5 0 1

einblicke+

aussichten

Schwarzer Schatz

in der Lausitz

ideen+

impulse

Weniger Geld aus

Brüssel – was nun?

unternehmen+

verband

Rostocker mischt

Tourismusmarkt auf


Länderreport

Die Folgen der Flut

in Sachsen-Anhalt

Netzwerk

Unternehmerball

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Ratgeber

Recht, Finanzen

und Kultur


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DAS OSTDEUTSCHE E UNTERNEHMERMAGAZIN

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EHMER M N

Titelthema

Was bringt das

Superwahljahr 2014?

Ratgeber

So senkt man Risiken

im Außenhandel

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W+M-Medientreff

in Potsdam

Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident:

Dietmar Woidke spricht über Ziele,

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52 | W+M Ratgeber

Mit Tinte oder Toner

Aktuelle Trends rund ums Drucken im Büro

Druckerhersteller versuchen heute, sich als Lösungsanbieter zu profilieren.

Die Vision vom papierlosen Büro ist eine Illusion

geblieben. Trotz fortschreitender Digitalisierung

wird weiterhin munter gedruckt – mit Tinte, mit

Toner und mittlerweile sogar von unterwegs. Ein

Überblick über aktuelle Trends.

Von Christoph Schneider

Der Druckerspezialist Canon hat im letzten Jahr eine europaweite

Studie durchgeführt, bei der Anwender den Wert von Bürotechnik

beurteilen sollten. Das Ergebnis: Jeder dritte Befragte gab an, dass

er ohne Drucker, Scanner oder Kopierer seine Arbeit nicht erledigen

könnte. Das papierlose Büro liegt also noch in weiter Ferne. Zu ähnlichen

Ergebnissen gelangten im November 2013 die IT-Analysten von

Quocirca. Deren Umfrage hat gezeigt, dass das Drucken bei kommunikations-

und dokumentationsintensiven Geschäftsabläufen nach

wie vor eine große Rolle spielt

In den letzten Jahren war Office-Druck gleich Laserdruck. Denn Laserdrucker

weisen hohe Druckgeschwindigkeiten auf, und die Ausdrucke

sind hochwertig und scharf. Doch seit einiger Zeit drängen immer

häufiger die Wettbewerber mit Tinte im Tank in die Businesswelt. Der

japanische Konzern Epson beispielsweise stellte 2013 seine Cebit-Präsenz

unter das Motto „Bye, Bye Laser“. Auch in diesem Jahr stand bei

ihm in Hannover die Business-Inkjet-Technologie im Fokus: Bis 2016

soll die Hälfte aller in Büros eingesetzten Systeme auf Tinte basieren.

Niedriger Stromverbrauch, kaum Emissionen und leiser Geräuschpegel:

Das sind Vorteile der Tintentechnologie, die seitens der Hersteller

angegeben werden. Zudem besitzen die Geräte heute Businesskompatible

Druckgeschwindigkeiten: Zum Beispiel kann die Officejet-Pro-

X-Serie von HP laut Hersteller bis zu 70 Seiten pro Minute drucken.

Außerdem spielt Tintenherstellern in puncto Emissionen die Verunsicherung

vieler Nutzer bezüglich laserbasierter Systeme in die Hände.

Immer wieder hat es in letzter Zeit Spekulationen über gesund-

Fotos: Konica Minolta, Canon, HP, Samsung

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Technik | 53

heitsbelastende Ausstöße gegeben. Die neue Richtlinie RAL-UZ 171

des Blauen Engel, die 2013 eingeführt wurde, soll hier ein wenig für

Ruhe sorgen. Zahlreiche Laserdrucker, etwa von Dell, Canon, Kyocera,

Samsung oder UTAX, tragen mittlerweile das aktuelle Umweltzeichen.

Es bleibt spannend, ob Inkjet-Geräte kurzfristig Laserdruckern im Büro

den Rang ablaufen können.

Für Small und Home-Offices

Der PIXMA MX725 von Canon ist ein produktives Multifunktionsgerät

für die Anforderungen kleiner Büroumgebungen.

Es überzeugt besonders mit optionalem XXL-Tintentank und

leistungsstarker Software. Preis: 169 Euro (UVP).

Viele Modelle ermöglichen bereits das Drucken von mobilen Endgeräten

aus. IT-Trends wie Bring Your Own Device (BYOD), also die Integration

privater mobiler Endgeräte in Unternehmensnetzwerke, tragen

dazu bei, dass Nutzer zunehmend fordern, unkompliziert und schnell

mobil drucken zu können. Mobile Print-Lösungen werden daher von

nahezu allen großen Druckerherstellern angeboten. Häufig in Form kostenfreier

Apps, die eine Verbindung zum jeweiligen Drucker ermöglichen,

oder via WLAN-Verbindung, wenn sich zwei Geräte im gleichen

Netzwerk befinden.

Noch einfacher geht es mittels NFC-Technologie. Der sogenannte „Near

Field Communication“-Standard ermöglicht es, ohne vorherige Geräte-

Authentisierung Druckaufträge drahtlos an einen Drucker zu senden.

Die NFC-Technologie basiert auf dem Prinzip der Funkübertragung mit

einer Reichweite von lediglich circa 10 cm, was sie etwa von Bluetooth

oder WLAN unterscheidet. Im Sommer 2013 kam der erste NFC-fähige

Drucker, der Xpress C460FW von Samsung, auf den Markt – die anderen

Anbieter werden früher oder später nachziehen. Anwender, die

kein NFC-fähiges mobiles Gerät besitzen, können zum Beispiel mittels

„Google Cloud Print“ unterwegs bequem auf einer Vielzahl von Geräten

drucken. Diese Technik ermöglicht es Nutzern, Dokumente mittels

Google Mail und Google Docs an einen Google-Cloud-printfähigen

Drucker zu senden.

Auch sogenannte „Managed Print Services“ (MPS) sind bereits seit längerer

Zeit ein Thema in der Branche. Das reine Hardwaregeschäft – das

Box-Moving – verliert weiter an Bedeutung, und Unternehmen versuchen,

sich zunehmend als Lösungsanbieter zu profilieren. Mit dem

MPS-Park in Halle 3 hat die Cebit 2014 das Thema MPS erneut in den

besonderen Fokus gerückt. Interessierte hatten dort die Gelegenheit,

ein effizientes und sicheres Output-Management praxisnah zu erleben.

Denn in der Optimierung der Ausgabegeräte steckt enormes Sparpotenzial,

sodass Kostensenkungen um bis zu 50 Prozent möglich sind.

Durch die damit einhergehende Reduzierung des Energie- und Papierverbrauchs

werden gleichzeitig wichtige Ressourcen geschont und ein

Beitrag zum Umweltschutz geleistet.

Neue MPS-Konzepte gehen sogar so weit, dass Lösungen als Mietmodelle,

also „as-a-Service-Konzepte“, angeboten werden. Es zeichnet

sich der Trend ab, dass serviceorientierte Gesamtlösungen rund ums

Drucken oder zur Optimierung von Workflow-Prozessen abgedeckt

werden können. Canon hat sich mit dem kürzlich auf der Cebit vorgestellten

Vertriebskonzept „Print-as-a-Service“ zum Ziel gesetzt, seinen

Kunden zu helfen, weniger zu drucken. Ein erster Schritt auf dem langen

Weg zum papierlosen Büro.

W+M

Für kleine

Büroumgebungen

Der Color LaserJet Pro MFP

M476nw von HP ermöglicht

kleinen und mittleren Unternehmen

ein noch flexibleres

Arbeiten. Denn das Modell

ist mit allen aktuellen Features

für mobiles Drucken

ausgestattet.

Preis: 469 Euro (UVP).

Für Abteilungen

Das sehr kompakte

Multifunktionsgerät

MultiXpress C9301NA

von Samsung druckt bis

zu 30 Seiten pro

Minuten in Farbe und

Schwarz-Weiß. Für

Vieldrucker besonders

praktisch ist die Papierkapazität

von bis zu

2.180 Blatt.

Preis: 6.059 Euro(UVP).

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54 | W+M Ratgeber

Wirtschaftsliteratur:

Die ostdeutsche Bestsellerliste

1. Martin Wehrle: „Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn

nicht länger zur Verfügung stehen“, Mosaik 2013, 400

S., 14,99 €.

2. Jordan Belfort: „Der Wolf der Wall Street. Die Geschichte einer

Wall-Street-Ikone“, Goldmann 2014, 640 S., 9,99 €.

3. Ulrike Herrmann: „Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum

in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und

Krisen“, Westend 2013, 288 S., 19,99 €.

4. David Graeber: „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“, Goldmann

2013, 640 S., 12,99 €.

5. Benedikt Herles: „Die kaputte Elite. Ein Schadensbericht aus

unseren Chefetagen“, Knaus 2013, 176 S., 16,99 €.

6. Dirk Müller: „Cashkurs. So machen Sie das Beste aus Ihrem

Geld: Aktien, Versicherungen, Immobilien“, Droemer 2011,

384 S., 9,99 €.

7. Martin Wehrle: „Ich arbeite in einem Irrenhaus. Vom ganz

normalen Büroalltag“, Econ 2011, 288 S., 14,99 €.

8. Talane Miedaner: „Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner:

101 Tipps zur Verwirklichung Ihrer beruflichen und privaten

Ziele“, mvg 2009, 428 S., 9,90 €.

9. Daniel Kahneman: „Schnelles Denken, langsames Denken“,

Siedler 2012, 624 S., 26,99 €.

10. Timothy Ferriss: „Die 4-Stunden-Woche. Mehr Zeit, mehr

Geld, mehr Leben“, Ullstein 2011, 352 S., 9,99 €.

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur wird von

WIRTSCHAFT+MARKT aus den Erhebungen von großen Buchhandlungen

in den neuen Ländern erstellt. Wir bedanken uns

für die Zusammenarbeit bei

Hugendubel Cottbus, Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

Hugendubel Erfurt, Anger 62, 99084 Erfurt

Hugendubel Greifswald, Markt 20/21, 17489 Greifswald

Hugendubel Leipzig, Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

Hugendubel Potsdam, Stern-Center 1, 14480 Potsdam

Hugendubel Schwerin, Marienplatz 3, 19053 Schwerin

Ihre Buchhandlung fehlt auf der Liste? Dann nehmen Sie mit

unserer Redaktion Kontakt auf. Schreiben Sie einfach eine

E-Mail an JP@NehringVerlag.DE.

Neuerscheinungen

Sie meinen es ja wirklich gut und machen damit trotzdem

alles noch schlimmer. Wenn Politiker einen Mindestlohn

einführen, haben die Verpackerinnen hinter

der Supermarktkasse keinen Job mehr, wenn NGOs

eine Schiffsladung alter Kleider nach Nicaragua schicken,

bricht die dortige Textilwirtschaft zusammen,

und wenn Lehrer den Leistungsdruck von den Kindern

nehmen, unterliegen diese später im Konkurrenzkampf

am Arbeitsmarkt. Christian Ortner porträtiert in seiner neuen

Streitschrift mit gekonnter Polemik eine verweichlichte Gesellschaft

und zeigt die verheerenden Resultate ihres sozialen Wunschdenkens.

Gut geht nicht, so sein Resümee. Wenn Europa nicht alte Werte wie Leistung

und Disziplin wiederbelebt, fährt es gegen die Wand.

Christian Ortner: „Hört auf zu heulen – Warum wir wieder härter

werden müssen, um unseren Wohlstand und unsere Lebensart

zu schützen“, edition a 2013, 96 S., 16,95 €.

Stress und Stresserkrankungen beeinträchtigen die

Arbeits- und Lebensfreude zunehmend. Die persönlichen

und wirtschaftlichen Schäden sind katastrophal.

Gut drauf sein im Beruf kann aber nur, wer sich der Gefahr

durch Stress und Leistungsdruck bewusst ist. Dieses

Handbuch hilft, Entstehen, Auftreten und Auswirkungen

von Stress näher zu verstehen. Unscheinbare

Stressoren werden ebenso anschaulich beschrieben

wie Burnout, Depression, Angst- und Suchterkrankungen. Lebensnahe

Beispiele machen es leicht, Fehler zu erkennen, das eigene Verhalten

zu ändern und die Hilfe von Experten zu suchen. Hilfreich ist der Einblick

in die gängigen Behandlungsmethoden, die das erfahrene Autorenteam

praxisnah erläutert.

Catri Tegtmeier/Michael A. Tegtmeier: „Wie Stress im Beruf

krank macht und wie Sie sich schützen können“, WALHALLA 2013,

240 S., 29 €.

Das Buch Traumrolle „Chef“ beleuchtet Führung aus

einer neuen, spielerischen Sicht. Stefan Häseli erzählt

die Geschichte von Robin, der sich infolge einer Unaufmerksamkeit

im Schauspielunterricht statt im geplanten

Führungsseminar wiederfindet. Anhand der Methodik

des Schauspielens erfährt nicht nur Robin weitaus

mehr über Menschen und Führung, als er bei einem

klassischen Führungsseminar gelernt hätte. Auch

für den Leser bietet der Autor zahlreiche kreative Denkanstöße, so dass

dieser erzählerisch immer tiefer eintaucht in die Bedeutung von Handlungen

und Dialogen sowie dem neuen Rollenverständnis in der Führung.

Mit Fragebögen zu Umsetzungsgedanken am Ende jedes Kapitels

soll der Transfer in die eigene Führungspraxis gelingen.

Stefan Häseli: „Traumrolle Chef“, InnoFutura 2013, 2. Aufl., 70 S., 28 €.

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Kultur | 55

Ernst Röhl

Vorsicht, bissiger Text!

Tierfreund Ernst Röhl fordert Dog-

TV: Fernsehen auch für Hunde

Hunde haben Herrchen, Katzen haben

Personal. So erklärt sich, dass

nicht die Katze, sondern der Hund

des Menschen bester Freund ist. Insofern

finde ich die Definition des großen Leibniz

wenig sensibel. „Der Hund“, hämt Leibniz,

„ist ein von Flöhen bewohnter Organismus,

der bellt.“ Höchste Zeit also, dass wir unseren

vierbeinigen Freunden Gerechtigkeit

widerfahren lassen – dem Fährtenhund,

dem Blindenführhund, dem Suchtmittelspürhund,

dem Rennmops und dem Golfbegleithund.

Bei der Regierung steigt ihre

Beliebtheit von Jahr zu Jahr; denn Hunde

sind Steuerzahler. Und: Hunde haben Übergewicht.

Das ist das Menschliche am Hund.

Hunde können lieben, und sie können, was

der Mensch nicht kann: Hunde können treu

sein. Hunde sind viel treuer als Männer. Auf

fünf entlaufene Männer kommt höchstens

ein entlaufener Hund. Hollywood-Diva

Scarlett Johansson schwärmt hemmungslos

von ihrem Chihuahua: „Wer braucht

schon Männer? So ein Hund dagegen verzeiht

alles und schmust auf Kommando.“

Die Besten der Besten fallen sogar durch Bildung

auf. Mit eigenen Augen sah ich kürzlich

zwei frei laufende Dackel, die am Eingang

zum Friedhof ein Verbotsschild aufmerksam

studierten: „Herrenlosen Hunden

ist der Zutritt strengstens verboten!“

Und ein Frauchen in Münster staunte nicht

schlecht, als Webgauner per E-Mail ihren

Hund Jerome „letztmalig“ aufforderten,

endlich die hundert Euro zu überweisen, die

er ihnen „für die Nutzung kostenpflichtiger

Internetseiten“ schulde. Welch ein grenzenloses

Vertrauen in die Bildung der Bildungsrepublik

Deutschland!

In Weimar besuchen Hundefreunde noch

heute die Grabstätte des Kurzhaarteckels

Kuno von Schwertberg, den der Text auf

dem Grabstein als weltberühmten Rechner,

Denker und Redner, als „klügsten und edelsten“

Hund des 20. Jahrhunderts rühmt. Verhaltensforscher

des Leipziger Max-Planck-

Instituts schwärmen von ihrem Bordercollie

Rico, der die Kosenamen von 200 Stofftieren

kennt. Ich finde, die Forscher könnten

Rico endlich mal einen Herzenswunsch erfüllen

und mit ihm in die USA verreisen, wo

es Dog-TV gibt, ein Fernsehprogramm speziell

für vierbeinige Fernsehfreunde. Dog-

TV sendet rund um die Uhr Hunderennen

und Hasenjagden und jede Menge Reklame

für Trockenfutter. So ein Sender fehlt

schmerzlich in Deutschland. Allerdings, wer

sich nach Amerika auf den Weg macht, sollte

unbedingt beachten: Bei Auslandsreisen

mit dem Hund den neuen EU-Heimtierausweis

nicht vergessen!

Auch muss endgültig mit dem Vorurteil aufgeräumt

werden, deutsche Hunde wären

erbitterte Feinde der Postboten. In der Tat

beißen mehr Hunde Briefträger als Briefträger

Hunde. Dennoch ist die Zahl der Attacken

deutlich zurückgegangen, seit E-

Mail, SMS und Twitter den handgefertigten

Brief abgelöst haben. Und wussten Sie

schon, dass besonders verschwiegene Hunde

demnächst mit dem No-bell-Preis geehrt

werden sollen?

Finanzen – Empfehlung der Redaktion

Steuerhinterziehung ist derzeit ein allgegenwärtiges

Thema. Mit einer erfolgreichen

Selbstanzeige kann man einer Strafe entgehen.

Dieses Buch erläutert, wie Sie am besten

dabei vorgehen. Detailliert und ausführlich

beschreibt der Autor die einzelnen Schritte

der Selbstanzeige.

Die Ausführungen gehen dabei über bloße

Standardfälle hinaus. So erörtert der Autor

Besonderheiten wie die Legalisierung von

Vermögen in Trusts und Stiftungen und gibt

wertvolle Beratungshinweise zu komplexen

Vermögensketten. Darüber hinaus geht er

detailliert auf den Vollständigkeitsgrundsatz

und die Ausschlusstatbestände ein, die

die strafbefreiende Wirkung der Selbstanzeige

gefährden können. Konkrete Ausführungen

dazu, wie die nachzuzahlenden Steuern

durch geschickte Steuergestaltungen minimiert

werden können, runden das Werk ab.

Das Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung

von Steuerstraftaten ist dabei bereits

berücksichtigt. Mit diesem Buch werden Sie

kompetent und rechtssicher bei allen relevanten

Aspekten einer erfolgreichen Selbstanzeige

beraten.

Anton-Rudolf Götzenberger:

„Auslandsvermögen legalisieren.

Strafbefreiende Selbstanzeige und Minimierung

der Steuernachzahlungen“,

NWB 2014, 231 S., 49,90 €.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


56 | W+M Netzwerk

WirtschaftsForum Brandenburg

W+M-Get-Together in Potsdam

Das 107. WirtschaftsForum Brandenburg am

3. März 2014 bot WIRTSCHAFT+MARKT eine

gute Gelegenheit, sich den über 170 Teilnehmern

aus den Führungsetagen der Brandenburger

Wirtschaft und der Politik zu präsentieren.

Die Auftaktveranstaltung 2014 war sehr mediengeprägt.

Nach dem Referat von Albrecht Gerber,

Chef der Staatskanzlei Brandenburg, welcher

über die Perspektiven des Industriestandorts

Brandenburg referierte, präsentierte Juliane

Adam, Geschäftsführende Gesellschafterin

der Radios Potsdam und Frankfurt Oder, ihr

Unternehmen, sprach kurzweilig über die Zukunft

des regionalen Radios und pries dessen

Vorteile an. WIRTSCHAFT+MARKT-Herausgeber

Frank Nehring ließ die Zuhörer teilhaben

an den strategischen Überlegungen zur Fortentwicklung

des ostdeutschen Unternehmermagazins

WIRTSCHAFT+MARKT. Er relativierte

den vielbeschworenen Tod von Printmedien

und zeigte dabei auch die sich ändernden Rahmenbedingungen

auf. Im Anschluss an die Referate

wurden die Themen noch am Buffet und

bei einem Glas Wein diskutiert. Die Redaktion

von WIRTSCHAFT+MARKT, Medienpartner des

WirtschaftsForums Brandenburg, informierte

am W+M-Stand über das Magazin und beantwortete

die Fragen der Teilnehmer.

W+M

Sabine Chwalisz (Vorstandsmitglied des

fabrik Potsdam e. V.) und Carsten Schöning

(Büroleiter des Chefs der Staatskanzlei

Brandenburg).

Nach den Vorträgen

erwartete die Gäste ein

reichhaltiges Buffet.

Dr. Miloš Stefanoviç,

Präsident des Wirtschafts-

Forums Brandenburg und

Sprecher der Geschäftsführung

der Bürgschaftsbank

Brandenburg,

eröffnete den Abend.

Prof. Dr. Götz Herberg (TH Wildau) und Rainer

Dandyk (Geschäftsführer unitcell GmbH)

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014

Über 170 Gäste kamen zum Wirtschafts-

Forum Brandenburg in das Dorinthotel

Sanssouci Potsdam.

Fotos: Torsten George


Rolf-Dieter Steinfurth (R. Steinfurth

Consulting), Frank Nehring

und Janine Pirk-Schenker (beide

WIRTSCHAFT+MARKT) sowie

Steffen Seifert (Geschäftsführer

möller druck und verlag gmbh),

v l. n. r.

WirtschaftsForum Brandenburg | 57

Der Herausgeber von

WIRTSCHAFT+MARKT Frank

Nehring referierte über die

Zukunftschancen von Printmedien.

Albrecht Gerber,

Chef der Staatskanzlei

Brandenburg.

Karl-Heinz Zechner (Galerie Lange),

Wolf Burkhard Wenkel (Vorstandsvorsitzender der

Perspektive Berlin-Brandenburg e. V.) und Claus

Reichardt (Geschäftsführer der Brandenburgischen

Stadterneuerungsgesellschaft), v. l. n. r.

Jenny Krüger (Betriebsleiterin Krongut Bornstedt)

und Gerhard Kirsch (Tourismus Dialog Berlin).

Thilo Kunze (l., Pressesprecher

der IHK Ostbrandenburg) und

Dr. Manfred Wäsche (Komm.

Hauptgeschäftsführer IHK

Potsdam).

Hendrik Köhler (Marktgebietsleiter Brandenburg

Süd Berliner Volksbank), Jörg Jacob (Geschäftsführer

GBF German Biofuels GmbH),

Ira Bartels (Regionalleiterin DZ-Bank) und

Thomas Knappworst (Inhaber Knappworst &

Partner Steuerberatungsgesellschaft), v. l. n. r.

W+M Chefredakteur

Karsten Hintzmann im

angeregten Ge spräch

mit Dorothee Stacke

(Wirtschaftsministerium

Brandenburg).

W+M-Redakteurinnen Anja Strebe (l.)

und Janine Pirk-Schenker informierten

vor Ort über das Magazin.

Die Referenten Frank Nehring (Herausgeber WIRT-

SCHAFT+MARKT), Albrecht Gerber (Chef der Staatskanzlei

Brandenburg) und Juliane Adam (Geschäftsführende

Gesellschafterin von Radio Potsdam und Radio Frankfurt

Oder) mit Dr. Miloš Stefanoviç (Präsident des Wirtschafts-

Forums Brandenburg), v. l. n. r.

Clemens Appel, Staatssekretär

a. D. (l.), im Gespräch mit Ulrich

Junghanns, Geschäftsführer der

Junghanns Wirtschaftswerte

GmbH.

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58 | W+M Netzwerk

Brandenburger Ball der Wirtschaft in Potsdam

Tanzen und Netzwerken am

Rande von Sanssouci

Tanz-Motto des Abends:

„Alles Walzer“.

Rund 550 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur

und Sport vergnügten sich beim 14. Ball der

Wirtschaft im Dorint Hotel Sanssouci in Potsdam.

Der Schirmherr des Unternehmerfestes, Brandenburgs

Ministerpräsident Dietmar Woidke, hatte

in seiner kurzen Eröffnungsrede die Losung des

Abends ausgegeben: „Wo hart gearbeitet wird, muss

auch feste gefeiert werden. Ich freue mich auf einen

fröhlichen und beschwingten Ballabend mit engagierten

Menschen.“ Die Vizepräsidentin der Potsdamer

IHK und Gastgeberin Beate Fernengel schlug

mit ihrer Begrüßung in dieselbe Kerbe: „Brandenburgs

Wirtschaft wächst weiter und sorgt für Wohlstand.

Das ist ein vortrefflicher Grund, gemeinsam

zu feiern.“

Einen wohltätigen Höhepunkt erreichte die festliche

Nacht, als Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck

gemeinsam mit TV-Star Inka Bause das Ergebnis

des abendlichen Losverkaufs präsentierte – genau

20.060 Euro kamen für die Stiftung „Familien in

Not“ zusammen.

W+M

In Feierlaune: Model Franziska

Knuppe und IHK-Vizepräsidentin

Beate Fernengel.

20.060 Euro kamen für die Stiftung „Familien in Not“ zusammen.

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014

Ministerpräsident Dietmar Woidke

und Gattin (Mitte) mit den Gastgebern

des Balls.

Freudiges Wiedersehen: Ministerpräsident

Dietmar Woidke und Amtsvorgänger Matthias

Platzeck (r.) mit ihren Ehefrauen.

Fotos: Andreas Klaer/IHK Potsdam, Businessfotografie Inga Haar, Schroewig/Eva Oertwig


Gesellschaft | 59

Ball der Wirtschaft des VBKI in Berlin

Gold für das schönste Fest

Unter dem Motto „Go for Gold“ hatte der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller

(VBKI) zum 64. Ball der Wirtschaft ins Hotel InterContinental geladen. Schirmherr

war in diesem Jahr Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Mehr als

3.000 Gäste folgten der Einladung und gelangten über einen goldenen Teppich in

die opulent dekorierten Festsäle.

VBKI-Präsident Markus Voigt betonte in seiner Eröffnungsrede die Funktion des

Vereins als Schnittstelle zwischen old und new economy: „Der VBKI hat ganz wesentlich

dazu beigetragen, den Gründern der Hauptstadt den Stellenwert und die

Aufmerksamkeit zu verleihen, die sie verdienen, aber auch brauchen, um sich weiter

entwickeln zu können.”

Interconti-Küchenchef Alf Wagenzink und seine 64 Köche machten den Abend zu

einem ganz besonderen kulinarischen Erlebnis. Die Gäste genossen u. a. 2.500 Flaschen

Champagner, 5.000 Austern und 80 Kilogramm Riesengarnelen.

Nach den Köstlichkeiten luden insgesamt neun Bands zum Tanz. Der VBKI-Ball gilt

als prachtvollstes und gesellschaftlich wichtigstes Fest der Berliner Gesellschaft.

Diesem Anspruch wurde der Ball auch in diesem Jahr wieder gerecht.

W+M

der Hauptstadt

VBKI-Präsident Markus

Voigt mit Ehefrau Mirjam.

Kunstsammler Christian Boros

und seine Frau Karen.

Berlins Wirtschaftssenatorin

Cornelia Yzer.

VBKI-Vizepräsidentin

Petra Gothe mit Ehemann

Bernd Bockmair.

Auf dem VBKI-Ball

wurde bis in den

Morgen getanzt.

Der festlich dekorierte Ballsaal.

VBKI-Geschäftsführer

Udo Marin mit

Ehefrau Manuela.

Eiskunstläufer Peter

Liebers mit seiner

Verlobten Denise

Zimmermann.

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60 | W+M Netzwerk

Kolloquium zur Energiewende

Erstmals diskutierten Mitglieder der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und des VBIW gemeinsam über

Probleme der Energiewende und die exponierte Bedeutung der Energiespeicherung für deren effektive Verwirklichung.

Dabei wurden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Formen der Speicherung von Energie detailliert

dargestellt.

Von Rudolf Miethig (VBIW)

Das 1929 als eines der ersten Pumpspeicherwerke der Welt errichtete PSW Niederwartha im Stadtgebiet von Dresden.

Berlin. Professor Dr. Lutz-Günther Fleischer, Mitglied der Leibniz-

Sozietät, moderierte das Kolloquium zur Energiewende. Er hielt den

Einführungsvortrag und ordnete die vielen aus der öffentlichen Diskussion

bekannten Vorschläge hinsichtlich ihrer Bedeutung, aber

auch ihrer Widersprüche ein. Wegen der Fluktuationen in der Energieerzeugung

sowie der räumlichen und zeitlichen Divergenzen zwischen

Angebot und Bedarf erlangen zentrale und dezentrale Netze

sowie Speicher überragende Bedeutung.

Im Anschluss gab Dr. Norbert Mertzsch vom VBIW einen umfassenden

Überblick über die Möglichkeiten der Speicherung von Energien.

Dabei zog er einen Bogen vom Pumpspeicherwerk, dem ältesten

in Deutschland angewandten Speichersystem, hin zu moderneren,

teilweise noch im Versuchsstadium befindlichen Methoden wie

elektrochemische und chemische Speicher. Vor 80 Jahren, als fast

der gesamte Strom mit kontinuierlich produzierenden Kohlekraftwerken

erzeugt wurde, löste man das Problem der Energiespeicherung

mit Pumpspeicherwerken, die zum größten Teil heute noch in

Betrieb sind. Sie pumpen in Zeiten, in denen der Strom nicht gebraucht

wird, Wasser in ein höhergelegenes Speicherbecken. Dieses

wird später über Turbinen wieder abgelassen, wenn mehr Strom

benötigt wird.

Zu den mechanischen Speichern von Elektroenergie zählen neben

dem Pumpspeicherwerk noch Schwungräder und Druckluftspeicherkraftwerke.

Mancher erinnert sich dabei vielleicht an die sogenannten

Gyrobusse, die in den 1950er Jahren in der Schweiz im Dienst

waren, 1969 allerdings wieder eingestellt worden sind. Als elektrochemische

bzw. chemische Speicher von Elektroenergie nannte Dr.

Mertzsch Batteriespeicher und stoffliche Energiespeicher – z. B. Power-to-Gas.

Aus der Unterhaltungselektronik und Telefonie wurde

der Lithium-Ionen-Akku auch für Kfz-Antriebe übernommen. Derzeit

erreicht er spezifische Energien von 120 bis 180 Wh/kg. Der

nationale Entwicklungsplan Elektromobilität fordert das Dreifache,

was die zögernde Akzeptanz der derzeitigen Elektromobile erklärt.

Auch Wärme kann gespeichert werden. Dr. Mertzsch unterschied

hier sensible, latente und thermochemische Speicher. Während bei

sensibler Wärmezufuhr die Temperatur des Mediums steigt, erfolgt

bei latenter Wärmezufuhr keine Steigerung der Temperatur.

In diesem Zusammenhang stellte der Erfinder und Unternehmer

Dr. Andreas Golbs ein latentes Speichersystem für Wohnhäuser vor,

das bereits auf dem Markt eingeführt worden ist. Als Speichermedium

wählte er Natriumacetat-Trihydrat, ein sogenanntes PCM (Phase-Change-Material).

Der Speicher funktioniert nach dem gleichen

Prinzip wie der bekannte Taschenwärmer, der nach Drücken einer

kleinen Metallplatte Wärme abgibt. In der Thermobatterie wird das

Salzgemisch zunächst erhitzt, z. B. mit heißem Wasser aus Sonnenkollektoren.

Bei Erreichen der Phasenübergangstemperatur erfolgt

eine Zeit lang keine Temperaturerhöhung der Salzkristalle – solange

bis die Kristalle vollständig geschmolzen sind. Die zugeführte

Energie wird über einen beliebigen Zeitraum verlustfrei gespeichert

und die Wärme wird erst dann wieder abgegeben, wenn die Erstarrung

ausgelöst wird. Dr. Golbs berichtete mit Stolz, dass er keine

Förderung erhalten habe, weil das Potenzial des Latentwärmespeichers

nicht erkannt worden war, sein System sich aber jetzt auf dem

Markt bewähre.

Fotos: Wikimedia Commons Professor X, Bernd Geller (VBIW), Graphik: Rudolf Miethig (VBIW)

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


VBIW | 61

Mary Anderson sorgte für

Durchblick

Prinzip des von innen betätigten Scheibenwischers nach

Mary Anderson.

Starke Frauen in der Welt der Technik – so heißt das Thema des Bildkalenders

für 2014, den Jutta Scheer gestaltete und an Mitglieder

verschenkte. Wer hat das Tipp-Ex erfunden und wer die Currywurst?

Und was hat Lise Meitner geleistet? Dies und vieles mehr über das

Lebenswerk starker Frauen erfährt man aus Jutta Scheers Kalender,

zum Beispiel wie der Scheibenwischer erfunden wurde. Bis 1903 war

dieser unbekannt. Die ersten Autos hatten zunächst keine, dann eine

ganz niedrige oder eine nach unten abklappbare Windschutzscheibe.

Am häufigsten wurde ab etwa 1910 eine geteilte Windschutzscheibe

gebaut, deren oberer Teil hochgeklappt werden konnte, um bei Regen

freie Sicht zu bieten. Anlässlich einer Einkaufstour nach New

York, wo das Wetter schlechter als in ihrer Heimat war, beobachtete

Mary Anderson aus Alabama, wie der Straßenbahnfahrer trotz geteilter

und teilweise geöffneter Scheibe bei Regen nur mit Mühe die

Straße erkennen konnte. Das beschäftigte sie so stark, dass sie eine

Vorrichtung zum Scheibenwischen erdachte. 1903 erhielt sie dafür

das U.S. Patent No. 743,801. Der Fahrer konnte den Wischerarm über

einen Hebel im Inneren des Wagens von Hand betätigen. Die Drehbewegung

wurde mittels einer Welle durch die Vorderwand hindurch

auf einen Wischerarm mit Gummilippe übertragen. Der Wischerarm

wurde durch Federkraft an die Scheibe gedrückt. Ein Gegengewicht

sorgte dafür, dass er wieder in seine horizontale Ausgangslage zurückkehrte.

Andersons Patent wurde zunächst nicht beachtet, bis es

schließlich erlosch. Ab 1913 endlich wurden ihre Scheibenwischer

Standardausrüstung an Pkw in den USA und Europa. Dass sich die

Erfindung auch in Deutschland ausbreitete, zeigt eine Anzeige der

Firma A. Mittag aus Dresden aus dem Jahr 1913, in der ein von innen

betätigter Scheibenwischer zum Nachrüsten angeboten wird. Diese

Anzeige ist auch Bestandteil des Bildkalenders. Erst 1926 stellte Robert

Bosch erstmals einen Scheibenwischer vor, der von einem Elektromotor

angetrieben wurde. Bis dahin wurden Scheibenwischer von

Hand betätigt, so wie es Mary Anderson erdacht hatte.

Rudolf Miethig (VBIW)

Für drei Jahre in den Vorstand gewählt – von rechts nach links: Henry Göppert, Manfred Kochan, Lutz von Grünhagen, Anke Prahtel, Peter

Grunow, Dr. Norbert Mertzsch, Jutta Scheer, Bernd Thomas, Gerhardt Streicher (Rechnungsprüfer) und Bernd Geller (Rechnungsprüfer).

Frank Geyer war verhindert.

Vorstand des VBIW neu gewählt

Frankfurt (Oder). Die Jahreshauptversammlung des VBIW für das

Jahr 2013 fand am 1. Februar im Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

(IHP) statt. Dr. Norbert Mertzsch begrüßte die VBIW-

Mitglieder und als Gast den Präsidenten der Brandenburgischen Ingenieurkammer

Matthias Krebs. Traditionsgemäß begann die Versammlung

mit einem Fachvortrag, in diesem Jahr von Daniel Tannert

vom Lehrstuhl Kraftwerkstechnik der Brandenburgischen Technischen

Universität Cottbus (BTU). Die BTU forscht in ihrem Wasserstoff-Forschungszentrum

an der nächsten Generation von alkalischen

Druckelektrolyseanlagen. Sie bilden die Schlüsselkomponente eines

Hybridkraftwerks, wie es von der ENERTRAG bei Prenzlau betrieben

wird. Dabei wird Überschussenergie aus Windkraftanlagen in Form

von Wasserstoff gespeichert und zeitversetzt mit Biogas gemischt und

im Blockheizkraftwerk wieder zu Strom und Heizwärme verwandelt.

Anschließend wurde der Vorstand des VBIW satzungsgemäß für drei

Jahre neu gewählt: Dr. Norbert Mertzsch wurde Vorsitzender, Jutta

Scheer Zweite Vorsitzende, Peter Grunow Schatzmeister und Lutz von

Grünhagen Schriftführer.

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle: Fürstenwalder Str. 46

15234 Frankfurt (Oder), Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

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62 | W+M Netzwerk

UV Sachsen

Neues Vorstandsmitglied

Am 13. Januar wurde Marc Melzer auf

der Präsidiums- und Vorstandssitzung

des Unternehmerverbands Sachsen in

Dresden einstimmig kommissarisch

als neues Vorstandsmitglied aufgenommen.

Marc Melzer wurde 1972

in Halle (Saale) geboren und ist seit

1994 bei der Deutschen Bank tätig. Dort leitet er seit September

2013 das Marktgebiet Leipzig/Halle und ist Mitglied der Geschäftsleitung

der Region Sachsen/Mitteldeutschland. Der bisherige

Vorstand Andreas Fichte wechselte beruflich nach Nürnberg

und schied deshalb zum Ende des letzten Jahres aus dem

Vorstand des Unternehmerverbands aus.

Unternehmerabend mit KPMG

Im Januar fand im Hotel Fürstenhof der 2. Leipziger Unternehmer

abend des UV Sachsen in Zusammenarbeit mit der

KPMG statt. Zum Thema „Ihr Unternehmen ist steuerlich gut

aufgestellt – sind Sie es privat auch?“ trafen sich die Mitglieder

des Unternehmerverbands. Jürgen Voigt, Partner und Steuerberater

bei der KPMG, erläuterte dabei Bereiche wie Krankenversicherung,

Steuerfalle Ehegatten-Gemeinschaftskonto, Güterstandschaukel,

Kinder im Studium sowie Erben und Schenken.

Des Weiteren gab er fachkundige Tipps und beantwortete im

Anschluss die zahlreichen Fragen der Teilnehmer.

Gespräch im Oberlandesgericht Dresden

Interessierte Mitglieder des Unternehmerverbands Sachsen

nahmen Ende Januar an einer Besichtigung des Oberlandesgerichts

in Dresden teil. Die Geschäftsleiterin des Gerichts,

Rita Härtel, erläuterte dabei die Geschichte und Nutzung des

Gebäudes in den letzten

Jahrhunderten bis

heute. Die Gäste wurden

durch verschiedene

Räume des Gebäudes

wie beispielsweise

die historische Bibliothek

geführt und

konnten auch einmal

auf der Anklagebank

und dem Richterstuhl

Platz nehmen.

Termine

UV Brandenburg-Berlin

03.04.2014: 18:30 Uhr Jahresempfang 2014 Biosphäre Potsdam, Georg-

Hermann-Allee 8, 14469 Potsdam

07.04.2014: 08:30 – 10:30 Uhr Unternehmerfrühstück mit den Bürgermeistern

von Teltow, Standsdorf und Kleinmachnow, pentahotel Berlin-Potsdam,

Warthestr. 20, 14513 Teltow

09.04.2014: 08:00 – 10:00 Uhr Unternehmertreff Königs Wusterhausen

29.04.2014: 18:30 – 20:30 Uhr BER BusinessClub

09.05.2014: 10:00 – 14:00 Uhr UV-Mitgliederversammlung, pentahotel

Berlin-Potsdam, Warthestr. 20, 14513 Teltow

13.05.2014: 16:00 – 20:00 Uhr Landesarbeitskreis innovative Technologien,

Siemens AG Schaltwerk, Berlin

19.05.2014: 18:00 – 20:30 Uhr ILA-Abend

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

05.04.2014: 19:00 Uhr Wirtschaftsball 2014 in Westmecklenburg „Der

Mythos lebt“, Sternenhalle der Mercedes-Benz-Niederlassung, Bremsweg

4, 19057 Schwerin

24.04.2014: 10:00 Uhr Unternehmertag „Marketing im Wandel der Zeit“,

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Campus Schwerin, Wismarsche Str.

405, 19055 Schwerin

08.05.2014: 18:00 – 20:30 Uhr Jahresmitgliederversammlung und Neuwahl

des Präsidiums, Schloss Basthorst, Schlossstraße 18, 19089 Crivitz

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

12.04.2014: 19:00 Uhr Unternehmerball 2014, Hotel Neptun, Seestraße 19,

18119 Rostock

07.05.2014: Podiumsdiskussionen zu den Kommunalwahlen in Mecklenburg-

Vorpommern

13.05.2014: Symposium Unternehmensnachfolge, TRIHOTEL Rostock, Tessiner

Straße 103, 18055 Rostock

21.05.2014: Ordentliche Mitgliederversammlung, Rostock

22.05.2014: 19:00 Uhr 2. Warnemünder Gespräch, Café Ringelnatz, Alexandrinenstraße

60, 18119 Rostock

UV Sachsen

07.04.2014: Wirtschaftsstammtisch, Dresden

15.04.2014: UV-Mitgliederversammlung, Schloss Wackerbarth, Radebeul

22.04.2014: Gesellschaft für Gesunde Arbeit, Bardusch GmbH & Co. KG

UV Thüringen

10.05.2014: Besuch des Gala-Abends der WJ-MiRKo

15.05.2014: Betriebsbesichtigung Köstritzer Schwarzbierbrauerei, Heinrich-

Schütz-Str. 16, 07586 Bad Köstritz

UV Vorpommern

04.04.2014: 19:30 Uhr 4. Maritimer Frühlingsball der Wirtschaft, Aquamaris

Strandresidenz, Wittower Straße 4, 18556 Juliusruh

Veränderungen von Themen, Terminen und Veranstaltungsorten können nicht

ausgeschlossen werden.

Fotos: UV Sachsen, RK by Bildpixel/pixelio.de, Ostsee-Zeitung

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


Unternehmerverbände | 63

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

Klausurtagung 2014

Zu Beginn des neuen Jahres trafen sich die

gewählten Vertreter des Präsidiums und des

Beirats des Unternehmerverbandes Rostock

zu einer ganztätigen Klausurtagung,

um ohne Zeitdruck und außerhalb des Tagesgeschäfts

über die weitere Entwicklung,

die Grundorientierung und die Fortschreibung

des Strategiepapiers des Verbandes

zu diskutieren. Neben der Sicherung einer

stabilen Finanzierung des Verbandes

wird für 2014 die Weiterentwicklung der

Arbeit in den Regionen stehen, aber auch

der Ausbau der engen Kooperation mit den

Unternehmerverbänden in Schwerin und

Vorpommern soll weiter vorangetrieben

werden – ebenso wie die Kooperation mit

den anderen Unternehmerverbänden Ostdeutschlands.

Des Weiteren soll das Thema

Unternehmensnachfolge stärker in den Fokus

rücken. Dazu soll es 2014 eine Konferenz

geben.

Warnemünder Gespräche

UV Brandenburg-Berlin

Campus der Generationen

Der Unternehmerverband Rostock hat zusammen

mit der Ostsee-Zeitung und dem

Café „Ringelnatz“ die Warnemünder Gespräche

ins Leben gerufen. Etwa alle drei Monate

stellt sich ein Unternehmer aus der Region

vor. Beim 1. Warnemünder Gespräch Ende

Februar hatte Tobias Blömer, Geschäftsführer

der Wurstproduktion „Die Rostocker“, die

Ehre. In behaglicher „Wohnzimmer-Atmosphäre“

erzählte Blömer sehr freimütig aus

seinem Leben und über sein Unternehmen.

Schon nach kurzer Zeit folgten die ersten

Fragen aus dem Publikum und es entstand

ein gemütliches, fast familiäres Gespräch.

Das 2. Warnemünder Gespräch findet am

22. Mai 2014 statt.

Im Januar informierten sich die Mitglieder

des Unternehmerverbands Brandenburg-

Berlin an der Universität Potsdam über den

„Campus der Generationen“. Bei dem Projekt

handelt es sich um den Versuch, arbeitslose

Akademiker über 45 Jahren, Studenten

und Unternehmen zusammenzubringen.

Dabei bilden jeweils zwei Ältere und zwei

Jüngere ein Team, das innerhalb von sechs

Monaten eine von einem Unternehmen vorgegebene

Aufgabe löst. Jeder der Teilnehmer

arbeitet in dem Zeitraum 15 Stunden

pro Woche an der entsprechenden Aufgabe,

begleitet von der Universität Potsdam als

Transferstelle. Da das seit 2010 bestehende

Projekt EU-gefördert ist, beträgt der Kostenanteil

für das Unternehmen nur 1.050 Euro.

Und das Projekt scheint erfolgreich, denn

über 50 Prozent der älteren Teilnehmer am

Campus der Generationen haben nach der

Teilnahme am Projekt eine qualifizierte Anstellung

gefunden.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Andreas Jonderko

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Eberhard Walter

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführer: Steffen Heller

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-brandenburg-berlin.de

Internet: www.uv-brandenburg-berlin.de

Bezirksgeschäftsstelle Potsdam

Hegelallee 35, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-brandenburg-berlin.de

Repräsentanz Frankfurt Oder:

Repräsentant: Detlef Rennspieß

Perleberger Straße 2, 15234 Frankfurt Oder

Tel.: +49 335 4007458

Fax: +49 335 4007457

E-Mail: detlef.rennspiess@signal-iduna.net

Unternehmerverband Norddeutschland Mecklenburg-

Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Wolfgang Schröder

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Repräsentantin: Gabriele Hofmann-Hunger

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Repräsentant: Klaus-Dieter Lindeck

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Peter Baum

c/o IHK Erfurt – Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsstelle

Geschäftsstellenleiter: Steffen Hellmuth

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

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64 | W+M Rückblick

Was macht eigentlich Edgar Most, letzter Vizepräsident der

DDR-Staatsbank und ehemaliger Direktor der Deutschen Bank?

Der rastlose Türöffner

Exzellente Kontakte nach Moskau: Edgar Most (l.) mit Wladimir Kotenjow, zwischen 2004 und 2010 russischer Botschafter in Deutschland.

Edgar Most empfängt seine Gesprächspartner

nach wie vor in der Berliner

Charlottenstraße. Nicht mehr in den noblen

Räumlichkeiten der Deutschen Bank,

für die er bis zum Jahr 2011 in verschiedenen

Funktionen – unter anderem als Direktor

und Mitglied der Geschäftsleitung – tätig

war, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft

des großen Bankhauses. Als er vor knapp drei

Jahren sein Büro räumte, zog er nur einen

Aufgang weiter – in die Charlottenstraße 36.

Dort pflegt der letzte Vizepräsident der DDR-

Staatsbank, Mitbegründer der Deutschen

Kreditbank und ranghöchste Deutschbanker

aus dem Osten sein Netzwerk und schmiedet

Zukunftspläne. Das ist nicht selbstverständlich,

denn der heute 74 Jahre alte Edgar Most

wurde Anfang 2011 von einem Schlaganfall

heimgesucht. Inzwischen hat er sich zurück

ins Leben gekämpft, „nur an der Feinmotorik

fehlt es noch etwas“, wie Most mit einem

Schuss Selbstironie anmerkt.

Zu seinen Plänen gehört ganz primär, einen

Beitrag für die Verbesserung der deutschrussischen

Wirtschaftsbeziehungen zu leisten.

„Ich will mich dafür einsetzen, dem

derzeit schwelenden Kalten Krieg zwischen

Deutschland und Russland entgegenzuwir-

ken. Ich finde es politisch unmöglich, wie

Deutschland sich gegenüber Russland verhält“,

so Most. Anstatt Moskau weiter vor den

Kopf zu stoßen, solle sich die Bundesregierung

endlich mit dem schon vor drei Jahren

von Russlands Präsident Wladimir Putin im

Berliner Hotel Adlon offerierten Vorschlag einer

Freihandelszone, die von Wladiwostok bis

zum französischen Atlantik reichen könnte,

auseinandersetzen, fordert Most.

Er selbst hat nach eigenem Bekunden bis

heute exzellente Kontakte zu Präsident Putin.

„Ich bin von ihm zum Treuhänder für

den Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbe-

Fotos: Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


W+M Rückblick | 65

2004: Edgar Most mit dem Chef der Deutschen Bank, Josef

Ackermann (l.), und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (r.).

ziehungen berufen worden.“ Geplant sei der

Bau von Zementwerken, Chemieanlagen, Hotels

und Krankenhäusern in Russland – mit

deutschem Know-how und Technik made in

Germany. Wenn diese Projekte gelängen, so

der im thüringischen Tiefenort geborene Ex-

Banker, könnte das vielen Menschen in Ostdeutschland

und Russland Arbeit für die

kommenden zwei Jahrzehnte bringen. Mit

Russland fühlt sich Most seit vielen Jahren

eng verbunden. Die in Moskau beheimatete

Ökonomische Akademie Georgi Plechanow

verlieh ihm bereits vor zehn Jahren die Ehrendoktorwürde.

In Zusammenhang mit Russland kommt Most

auf eine Idee zu sprechen, die abenteuerlich,

aber zugleich interessant klingt: „Die meisten

Probleme des im Bau befindlichen Berliner

Großflughafens BER wären – in Bezug

auf das Nachtflugverbot und den Fluglärm –

auf einen Schlag mit russischer Hilfe zu lösen.

Indem der alte und früher von den Russen

genutzte Militärflughafen Sperenberg reaktiviert

wird. Dort könnten ein Großteil des

Frachtverkehrs und die Nachtflüge abgewickelt

werden. Das Geld für die Reaktivierung

könnte aus Russland kommen. Denn dort ist

man interessiert daran, in Sperenberg zu

investieren und das Areal für 100 Jahre zu

pachten.“ Derzeit gebe es in Deutschland jedoch

zu wenige „Köpfe mit Visionen“, die sich

an die Realisierung eines BER-Drehkreuzes

Schönefeld/Sperenberg herantrauen würden,

kritisiert der pensionierte Banker.

Obwohl er aufgrund seiner

schweren Erkrankung

vor drei Jahren alle seine

14 Aufsichtsratsmandate

in diversen Unternehmen

niederlegen musste,

ist Most bis heute ein

in Wirtschaftskreisen begehrter

Türöffner. „Meine

alten Beziehungen gibt es

alle noch, auch die guten

Kontakte zu den politisch

Verantwortlichen unseres

Landes“, sagt Most und

plaudert ein wenig aus

dem Nähkästchen. „Ich sollte in der zweiten

Regierung von Kanzler Gerhard Schröder sogar

selbst in die Politik wechseln und Minister

für den Osten werden.“ Dieser Plan zerschlug

sich, weil „Schröder die von mir gestellten

Bedingungen nicht erfüllen konnte“,

so Most. Zumindest engagierte sich Most

anschließend in dem von Schröder 2003 initiierten

„Gesprächskreis Ost“, einem Expertengremium,

das die Bundesregierung in Fragen

der Förderpolitik für die neuen Bundesländer

beriet.

Rückblickend sagt Most, der zu DDR-Zeiten

Mitglied der SED war, er habe in den vergangenen,

knapp 25 Jahren „einiges für die

Menschen und die Wirtschaft im Osten tun

können – allerdings aus heutiger Sicht noch

nicht genug“.

Allein im Zuge der deutschen Wiedervereinigung

gelang es Most, die Jobs von 13.000

DDR-Bankangestellten zu retten. Das war vermutlich

nur deshalb möglich, weil Most schon

in der Wendezeit einen verlässlichen Draht

zum damaligen Chef der Deutschen Bank,

Hilmar Kopper, knüpfte. Kopper hielt dann

auch in den „ersten stürmischen Jahren“ seine

schützende Hand über den einst ranghohen

DDR-Banker. Diesen Rückhalt habe er

später auch bei Koppers Nachfolgern an der

Spitze der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer

und vor allem Josef Ackermann, gehabt. „Ich

halte bis heute große Stücke auf Ackermann.

Er war der beste Chef, den ich bei der Deutschen

Bank hatte. Er war ein wirklicher Segen

für die Bank“, so Most. Er erinnert sich

an eine Episode, die sich am 1. September

2004, dem Tag seiner offiziellen Pensionierung

abspielte: „Nach dem hochkarätigen Abschiedsempfang,

den die Bank mir zu Ehren

ausgerichtet hatte, kam Ackermann zu mir

und sagte: ‚Herr Most, ich habe Sie zwar gerade

verabschiedet, aber Sie bleiben bitte bei

uns sitzen, ich brauche Sie hier noch.‘ Und

so behielt ich mein Büro bei der Deutschen

Bank noch fast sieben Jahre.“

In einem früheren Interview verriet Most

einmal das Geheimnis seines ungewöhnlichen

Erfolges: „Als Ossi und Banker habe ich

gelernt, mit dem Kapital zu tanzen.“ Diese

Gabe hat er sich bis heute erhalten. Er will sie

auch künftig nutzen und ganz im Sinne der

Bedeutung seines Familiennamens wirken

– „Most“ ist der russische Begriff für „Brücke“.

Edgar Most will auch mit 74 Jahren noch

wirtschaftliche Brücken in Richtung Osten

bauen.

Karsten Hintzmann

Förderer und Weggefährten von

Edgar Most: Hilmar Kopper, Manfred Stolpe

und Rolf-E. Breuer (v. l. n. r.).

Edgar Most bei seiner Abschiedsrede

in der Deutschen Bank.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


66 | W+M Die letzte Seite

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Tourismus-Magnet Ostdeutschland

In den ersten Jahren nach der deutschen Einheit hatten es die traditionellen ostdeutschen

Tourismushochburgen zwischen Ostsee und Thüringer Wald schwer. Die

Menschen wollten endlich die weite Welt kennenlernen und fuhren daher nicht länger

nach Zinnowitz oder Oberhof, sondern sie flogen nach Mallorca. Inzwischen hat

sich der Trend wieder gedreht: Urlaub in den neuen Ländern hat Konjunktur. In der

Titelgeschichte nennt WIRTSCHAFT+MARKT Zahlen und Hintergründe dieser Entwicklung

und stellt interessante Ferienoasen in Ostdeutschland vor.

Darüber hinaus setzen wir die Einstimmung auf die Landtagswahlen in drei neuen

Bundesländern fort – mit einem Interview mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw

Tillich. Der CDU-Politiker spricht über seine Wahlziele für den Urnengang am 31. August,

die Herausforderungen für die sächsische Wirtschaft in der nächsten Legislaturperiode

und seine persönliche Sicht auf die Wende vor 25 Jahren.

Die nächste Ausgabe von WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am 28. Mai 2014.

Personenregister

Ackermann, Josef 65

Adam, Juliane 56, 57

Appel, Clemens 57

Balensiefer, Katrin 10

Bartels, Ira 57

Bartsch, Hubertus 40

Bause, Inka 58

Belfort, Jordan 54

Biedenkopf, Kurt 22

Blanchett, Cate 14

Blömer, Tobias 63

Bockmair, Bernd 59

Bormann, Michael 40

Boros, Christian 59

Boros, Karen 59

Braune, Thomas 27

Breuer, Rolf-E. 65

Buch, Claudia 6

Büttner, Feliks 35

Buhl-Wagner, Martin 7

Buntenbach, Annelie 31

Cameron, David 30

Christoffers, Ralf 23,27

Chwalisz, Sabine 56

Dandyk, Rainer 56

de Maizière, Lothar 50

DiCaprio, Leonardo 14

Dohnanyi, Klaus von 30

Dombrowski, Dieter 23

Dulig, Martin 22

Ehrenberg, Hans-Dieter 12

Fernegel, Beate 58

Ferriss, Timothy 54

Fichte, Andreas 62

Fickinger, Nico 7

Fiebig, Klaus-Dieter 7

Fleischer, Lutz-Günther 60

Forst, Diana 6

Franz, Hans-Werner 6

Fritz, Thomas 17

Gabriel, Sigmar 59

Gebhardt, Rico 23

Geller, Bernd 61

Gerber, Albrecht 56, 57

Geyer, Frank 61

Golbs, Andreas 60

Göppert, Henry 61

Görke, Christian 23

Gothe, Petra 59

Götzenberger, Anton-Rudolf 55

Graeber, David 54

Grünhagen, Lutz von 61

Grunow, Peter 61

Hanks, Tom 14

Härtel, Rita 62

Häseli, Stefan 54

Henckel, Susanne 6

Herberg, Götz 56

Herles, Benedikt 54

Herrmann, Ulrike 54

Hoeneß, Uli 41

Höfer, Bertram 9

Jacob, Jörg 57

Johannsen, Monika 7

Johannson, Scarlett 55

Junghanns, Ulrich 27, 57

Junker, Jens 7

Kahnemann, Daniel 54

Kirsch, Gerhard 57

Knappworst, Thomas 57

Knuppe, Franziska 58

Kochan, Manfred 61

Köhler, Hendrik 57

Kopper, Hilmar 65

Kotenjow, Wladimir 64

Krebs, Matthias 61

Krüger, Jenny 57

Kunze, Hansjörg 34

Kunze, Thilo 57

Kuyumcu, Mahmut 7

Langer, Arnold 15

Langer, Dominik 14, 15

Langer, Sebastian 14, 15

Langer, Wolfram 15

Lemcke, Johannes 37

Lieberknecht, Christine 24

Liebers, Peter 59

Ludwig, Barbara 48,49

Ludwig, Matthias 9

Machnig, Matthias 24

Marin, Manuela 59

Marin, Udo 59

Matschie, Christoph 24

Meier, Ullrich 37

Melzer, Marc 62

Merkel, Angela 24

Mertzsch, Norbert 60, 61

Miedaner, Talane 54

Most, Edgar 64, 65

Müller, Dirk 54

Müller, Matthias 8

Murray, Jim 20,21

Ortner, Christian 54

Pegel, Christian 7

Plattner, Hasso 6

Platzeck, Matthias 23, 29, 58

Plevneliev, Rossen 8

Prahtel, Anke 61

Putin, Wladimir 64

Queisser, Christof 9

Rafelt, Hans-Uwe 13

Ramelow, Bodo 22, 24

Reichardt, Claus 57

Rohrwacher, Klaus-Michael 6

Römer, Torsten 20, 21

Schäuble, Wolfgang 6

Scheer, Jutta 61

Schenek, Siegfried 17

Schierack, Michael 23

Schlotmann, Volker 7

Schöneburg, Volker 23

Schöning, Carsten 56

Schröder, Gerhard 65

Schütze, Christian 41

Seifert, Steffen 57

Sorin, Gildas 6

Stange, Eva-Maria 23

Stefanoviç, Miloš 42, 56, 57

Steinfurth, Rolf-Dieter 57

Stolpe, Manfred 23, 29, 65

Streicher, Gerhardt 61

Strittmatter, Rolf 10, 11

Tannert, Daniel 61

Taubert, Heike 24

Tegtmeier, Catri 54

Tegtmeier, Michael A. 54

Thierse, Wolfgang 65

Thomas, Bernd 61

Tillich, Stanislaw 22, 28, 66

Tröger, Charlotte 19

Tröger, Wolfgang 18, 19

Turhan, Hayrullah 7

Ungerer, Michael 34, 35

Urban, Manfred 8

Voigt, Jürgen 62

Voigt, Markus 59

Voigt, Mirjam 59

Wagenzink, Alf 59

Wäsche, Manfred 57

Wehrle, Martin 54

Wenkel, Wolf Burkhard 57

Woidke, Dietmar 23, 25-29, 58

Wollseifer, Hans Peter 31

Yzer, Cornelia 59

Zechner, Karl-Heinz 57

Zimmermann, Denise 59

Zörgiebel, Wilhelm 7

Zschiedrich, Klaus 7

WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014


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68 | W+M Länderreport

Foto: Fotolia (ehrenberg-bilder)

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WIRTSCHAFT+MARKT | 2 / 2014

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