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WIRTSCHAFT+MARKT Tourismusboom stärkt Wirtschaft (Vorschau)

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25. Jahrgang | Heft 3 | Juni/Juli 2014 | e 3,50 | ZKZ 84618

W i r t s c h a f t+

M a r k t

D a s O s t d e u t s c h e U n t e r n e h m e r m a g a z i n

Tourismusboom

stärkt

Wirtschaft

im Osten


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W+M Editorial | 3

Keine neue Eiszeit zwischen

Russland und dem Westen

Foto: Torsten George, Titelfoto: Torsten George, Illustration Titel: Peter Menne

Die herzliche Umarmung zwischen Altkanzler

Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten

Wladimir Putin liegt zwar schon einige

Wochen zurück, aber das in St. Petersburg aufgenommene

Foto polarisiert bis heute. Wie soll Deutschland

sein Verhältnis zu Russland vor dem Hintergrund der

Ukraine-Krise weiter gestalten? Sind Sanktionen und

die Isolation Russlands der richtige Weg?

Dazu gab es bisher unzählige Wortmeldungen aus vielen

Teilen des Landes, aus allen Parteien und von diversen

Interessenvertretungen. Die Positionen gehen

mitunter weit auseinander. Bei den repräsentativen

Meinungsumfragen fällt jedoch eines auf: Die Mehrheit der Deutschen

– weit über 70 Prozent – hat große Sorgen vor einem neuen

Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen.

Ein Rückfall in die Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ wäre für die

heimische Wirtschaft – gelinde gesagt – eine Katastrophe. In

den zurückliegenden gut zwei Jahrzehnten hat sich eine intensive

und gegenseitig vorteilhafte ökonomische Zusammenarbeit

entwickelt. Allein im letzten Jahr tauschten russische und deutsche

Firmen Waren im Wert von knapp 77 Milliarden Euro aus,

vor allem Maschinenbauprodukte, Fahrzeuge, Pharmazeutika,

Lokomotiven und ganze Kraftwerke.

Mehr als 6.200 deutsche Unternehmen, darunter viele Mittelständler

aus den neuen Bundesländern und Berlin, engagieren sich seit

Jahren erfolgreich in Russland und haben dort insgesamt über

20 Milliarden Euro investiert. Es entstanden wirtschaftliche Verflechtungen

und Abhängigkeiten. Deutsche Firmen sind heute Miteigentümer

an russischen Gasfeldern, das russische Unternehmen

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe 3/2014

Redaktionsschluss: 19.05.2014

Verlag: Verlag Frank Nehring GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-0

Fax: 030 479071-20

www.NehringVerlag.DE

Verlagsleiter: Dr. Robert Nehring

Herausgeber/Geschäftsführer: Frank Nehring

Tel.: 030 479071-11, FN@NehringVerlag.DE

(Alleiniger Inhaber und Gesellschafter, Wohnort Berlin)

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-24, KH@wundm.info

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@wundm.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker

Tel.: 030 479071-21, JP@NehringVerlag.DE

Dr. Ulrich Conrad, Hans-Jürgen Götz, Harald Lachmann,

Anette Pröber, Matthias Salm, Christoph Schneider,

Thomas Schwandt

Abo- und Anzeigenverwaltung; Vertrieb:

Tobias Meier

Tel.: 030 479071-28

TM@NehringVerlag.DE

Gazprom besitzt große Gasspeicher in Deutschland. Der

deutsche Energiekonzern E.ON hat einen hochmodernen

Kraftwerkspark in Russland errichtet, beschäftigt dort

5.000 russische Mitarbeiter und versorgt russische Unternehmen

mit Strom und Wärme. Deutschland braucht

Öl, Gas, Rohstoffe und den gigantischen Absatzmarkt

im Osten, Russland lechzt nach europäischem Knowhow,

deutschen Technologien, Produktionsanlagen und

Konsumgütern. Es ist eine gegenseitige Abhängigkeit

entstanden, an die vor einem Vierteljahrhundert noch

niemand zu denken gewagt hatte.

Die deutschen Firmen erwarten daher von den politisch

Verantwortlichen Entscheidungen mit Augenmaß, die die Verflechtungen

einkalkulieren und berücksichtigen. Schon jetzt leidet die

bilaterale Wirtschaftskooperation spürbar unter der Ukraine-Krise.

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

(DIHK) ging der Export von Waren und Dienstleistungen nach

Russland allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um 16

Prozent zurück. Eine Trendwende erwarten die DIHK-Außenhandelsexperten

nicht. Sie rechnen damit, dass die Exporte über das

Jahr gerechnet um bis zu zehn Prozent unter den Vorjahreswerten

liegen werden.

Um es deutlich zu sagen: Wirtschaftliche Sanktionen schaden beileibe

nicht nur Russland, sondern ganz direkt auch der deutschen

Wirtschaft. Sie gefährden heimische Unternehmen und jede Menge

Arbeitsplätze – auch in Deutschland. Daher sollte die Politik einen

anderen Weg zur Konfliktlösung gehen. Es braucht geschickte

Diplomatie und die unermüdliche Fortsetzung des politischen Dialogs.

Eine neue Eiszeit zwischen Russland und dem Westen muss

verhindert werden. Denn es gäbe nur Verlierer – auf allen Seiten.

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint zweimonatlich. Als

Magazin der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin erhalten die Mitglieder die Zeitschrift im

Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Einzelpreis: 3,50 €, Jahresabonnement

(Inland): 20 € inkl. MwSt. und Versand, Jahresabonnement (Ausland):

20 € inkl. MwSt. zzgl. Versand.

Layout & Design: Drechsel Kommunikations-Design,

www.drechsel-berlin.com

Druck: möller Druck und Verlag GmbH, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur mit vorheriger

schriftlicher Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen

wir keine Haftung.

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4 | W+M Inhalt

24

Tourismusboom kurbelt

Wirtschaft im Osten an

46

AMI in Leipzig:

Träume auf vier Rädern

64

Rückblick:

Oswald Müller

38 Interview mit Stanislaw Tillich

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M Inhalt | 5

W+M Titelthema

Tourismusboom als Wirtschaftsfaktor 24

W+M Aktuell

Köpfe 6

Nachrichten 8

10

So investiert

der Mittelstand

W+M Länderreports

Ostdeutschland: So investiert der Mittelstand in den neuen Ländern 10

Brandenburg/Sachsen: Wenn Grenzkriminalität zum Standortnachteil wird 14

Mecklenburg-Vorpommern: Erdöl, Gas, Wind und Wellen 16

Brandenburg: Furnier-Guru aus Pritzwalk 18

Sachsen: Leipziger Messe als regionaler Wirtschaftsmotor 20

Sachsen: Görlitz wird Filmmetropole 22

W+M Titelthema

Tourismusboom kurbelt ostdeutsche Wirtschaft an 24

Urlaubstipps von W+M: Die schönsten Seiten der neuen Länder 28

W+M Politik

Kolumne: Klaus von Dohnanyi 36

Pro und Contra: Schafft Fracking Unabhängigkeit vom russischen Gas? 37

Großes Wahlinterview mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich 38

W+M International

Berliner Sparfuchs in Kasachstan 44

W+M Ratgeber

Automobil I: AMI in Leipzig präsentiert Träume auf vier Rädern 46

Automobil II: Praktische Kombis für die Firma 48

Automobil III: W+M-Leserumfrage zur Kfz-Nutzung im Unternehmen 49

Steuern: Geschäftsverhandlungen in fremden Kulturen 50

Technik: Tipps für die Auswahl des Büromonitors 52

Literatur I: Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur 54

Literatur II: Literaturempfehlungen für die Fußball-WM 55

44

Berliner

Sparfuchs

in Kasachstan

W+M Netzwerk

Unternehmerball Rostock: Zu Gast in Neptuns Reich 56

Unternehmerball Schwerin: Mythos in Mecklenburg 57

Beachpolo in Binz 58

Schwerin und Juliusruh: Unternehmer im Gespräch 59

VBIW: Aktuelles aus dem Verein 60

Neues aus den Unternehmerverbänden 62

W+M Rückblick

Was macht eigentlich Oswald Müller, Ex-Werft-Chef in Wismar? 64

W+M Die letzte Seite

Ausblick und Personenregister 66

W+M Weitere Beiträge

Editorial 3

Impressum 3

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6 | W+M Köpfe

Petra van Laak (48)

Potsdam. Ihre Kindheit verbrachte

sie in Nigeria, wo

ihre Eltern als Entwicklungshelfer

tätig waren. Als Teenager

kehrte sie zurück nach

Deutschland, das Studium

der Kunstgeschichte und

die Arbeit als Lektorin in verschiedenen

Verlagen folgten.

Als Millionärsgattin brachte

sie vier Kinder zur Welt und

stand von einem auf den anderen

Tag vor dem Nichts: Alleinerziehend

und pleite. Doch die heute 48-jährige van Laak rappelte

sich auf, kämpfte und gründete 2008 die Text-Agentur „text:

vanlaak corporate commmunications“. Daneben ist sie ehrenamtlich

tätig und brachte 2012 und 2013 zwei autobiografische Bücher auf

den Markt, die von der turbulenten Zeit auf dem Weg in die Selbstständigkeit

berichten. Bereits 2011 wurde sie für den Preis der Brandenburger

Unternehmerin des Jahres nominiert. In diesem Jahr hat

sie den Sonderpreis „Solo-Unternehmerin des Landes Brandenburg“

gewonnen. Die Laudatio hielt Günter Baaske, Minister für Arbeit, Soziales,

Frauen und Familie des Landes Brandenburg.

Stefan Franzke (43)

Berlin. Der Aufsichtsrat der Berlin Partner für

Wirtschaft und Technologie GmbH hat Stefan

Franzke im März als neuen Co-Geschäftsführer

ernannt. Gemeinsam mit der bisherigen Geschäftsführerin

Melanie Bähr wird der 43-Jährige

in Zukunft die Geschäfte der GmbH leiten,

wobei ein konkretes Einstiegsdatum noch nicht

feststeht. Bislang ist Franzke CEO des Innovationszentrums Niedersachsen,

welches technologie- und innovationspolitische Initiativen

des Landes anregen sowie Unternehmen bei der Ansiedlung

helfen soll.

Christian Kurtzke (45)

Meißen. Mit der Stadt Meißen gibt es derzeit

Unstimmigkeiten zum Markennamen, in der

großen Welt aber kann der Vorsitzende der Geschäftsführung

Christian Kurtzke derweil einen

Coup vermelden: Die Luxusgruppe MEISSEN hat

ein Geschäft im Umfang von 20 Millionen Euro

mit chinesischen Distributionspartnern abgeschlossen.

Es ist der größte Auftrag der Firmengeschichte, an deren

Beginn der Versuch stand, chinesisches Porzellan zu kopieren. Die

Manufaktur ist in über 30 Ländern vertreten.

Christine Herntier (57)

Spremberg. Die Textilunternehmerin steht seit

kurzem an der Rathausspitze der brandenburgischen

Kreisstadt, nachdem sich die Parteilose

als gemeinsame Kandidatin von Linke und SPD

in der Stichwahl durchsetzen konnte. Die 57-jährige

Diplom-Ingenieurökonomin leitete zuvor

fast zwei Jahrzehnte mehrere Textilunternehmen,

so auch die Spremberger Tuche GmbH, die sie 1993 selbst gegründet

hatte. Bis Juli 2013 war sie zudem Geschäftsführerin eines

Metallunternehmens. Ehrenamtlich ist Christine Herntier Vorstandsvorsitzende

des Vereins Lebens-Stoffe e. V., der sich dem Aufbau eines

Unternehmens- und Beraternetzwerks mit dem Schwerpunkt innovative

Regionalentwicklung widmet.

Knut Scheibe (61)

Görlitz. Bereits seit vielen Jahren engagiert sich

der Geschäftsführer der Schöpstal Maschinenbau

GmbH in Markersdorf auch als Kreishandwerksmeister

der Kreishandwerkerschaft Görlitz.

Der 61-jährige Maschinenbauingenieur

vertritt die Region in der Vollversammlung der

Handwerkskammer Dresden und wurde soeben

auch in den Vorstand der neuen Metallbauinnung des Kreises Görlitz

gewählt, zu der die bisherigen Innungen Görlitz-Niesky-Weißwasser

und Löbau-Zittau fusionierten. Sein innovatives Unternehmen, das

seit 1996 bereits über 30 Jugendliche ausgebildet und größtenteils

auch übernommen hat, gehört mit über hundert Beschäftigten zu

den wichtigsten Arbeitgebern der Region.

Waldemar Cierpinski (63)

Halle. Der Marathon-Doppel olympiasieger von 1976 und 1980 kann

vom Laufen nicht lassen. Obwohl er als Geschäftsführer der Cierpinski

Sport GmbH – sie unterhält unter anderem in Halle und Quedlinburg

große Sportfachgeschäfte – beruflich gut gefordert ist, macht

er weiterhin wenigstens viermal die Woche Sport, wie zum Beispiel

Radfahren oder Tennis. Zudem engagiert sich der 63-Jährige, der

schon 250.000 Laufkilometer unter die Beine nahm, stark im Freizeitsport,

speziell für den Mitteldeutschen Marathon, den Goitzsche-Ma-

Fotos: medienlabor gmbh, Ralf Lehmann, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, Meissen, Stadt Spremberg, Harald Lachmann, Kleber Uhrenatelier, LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M Köpfe | 7

Aufsteiger

Uhrmacher Frank Kleber

Werder (Havel). In der Familie Kleber weiß man zu berichten, dass Frank Kleber, heute

44 Jahre alt, schon als Kind von der Feinmechanik fasziniert war. Uhren zu fertigen und zu reparieren

wurde zum Hobby, aus dem vor vier Jahren ein Unternehmen erwuchs. Seit 2010

fertigt er in Werder hochwertige Mechanikuhren. Er ist der einzige Uhrenhersteller in Brandenburg

und seine Uhren haben das Zeug dazu, bei den ganz Großen mitzuspielen. 2013

kam er auf den 5. Platz bei der Goldenen Unruh, dem Preis für die besten Uhren der Welt,

gleich hinter IWC und Breitling.

Rund 100 Stunden braucht er für eine Uhr: „Ich zeichne die Ziffernblätter, beschaffe die wichtigen

Einzelteile bis zum Uhrwerk, fertige manches selbst und baue alles so präzise zusammen,

dass die Uhr hervorragend funktioniert.“ Zur Besonderheit des Unternehmens befragt, sagt Kleber:

„Ich stelle etwas her, was keiner wirklich braucht,

aber doch gern besitzt. Ich produziere Luxus.“

Wirtschaftliches Denken, der konservative Ansatz, dass

man nicht mehr ausgeben kann, als man eingenommen

hat, befördern den Verzicht auf Fremdkapital. Sein Ziel ist

es, zu expandieren, Mitarbeiter zu gewinnen, mehr Uhren herzustellen.

Seinen ländlichen Standort will er halten, er ist dort

verankert.

Kleber-Uhren sind Charakteruhren. Sie sind mit Liebe, Aufwand,

Fachwissen und Präzision hergestellt. Sie sind klassisch gehalten,

fallen erst bei genauerem Hinsehen auf, sind zuverlässig und wertig.

Wenn bestimmte Tugenden auf ein Produkt übertragen werden

können, dann ist es hier geschehen. Deshalb wünscht sich Frank

Kleber, dass sein Uhrenmodell „Clubtime Vigour“ die Brandenburgische

Unternehmeruhr Uhrmacher mit Leidenschaft: Frank Kleber.

wird.

Die Branden -

burgische

Unternehmeruhr

„Clubtime

Vigour”.

rathon sowie Lauftreffs in Halle und nun auch für die Bergleute der

Mitteldeutschen Braunkohle GmbH (Mibrag) in Zeitz. Cierpinski leitet

für sie wie auch Einwohner des Bergbaureviers derzeit ein methodisch

anspruchsvolles Jogging- und Walking-Aufbauprogramm

am Mondsee bei Hohenmölsen.

Klaus Berka (64)

Jena. Gleich vor zwei neuen Herausforderungen

steht gegenwärtig der Vorstandsvorsitzende

der Analytik Jena AG: Zum einen bereitet er

die Komplettübernahme des ebenfalls börsennotierten

Laborausrüsters CyBio AG vor, dessen

Aufsichtsrat der 64-jährige Thüringer bereits

leitet. Zum anderen unterzeichnete er im April

als Aufsichtsrat des FC Carl Zeiss Jena gemeinsam mit Landes- und

Rathauspolitikern eine Absichtserklärung zum Umbau des Ernst-Abbe-Sportfeldes

in ein modernes Fußballstadion – und sagte hierfür

auch finanzielle Unterstützung zu. Berka hatte Analytik Jena 1990

mit seinen Partnern Jens Adomat und Walter Maul gegründet und

2000 erfolgreich an die Börse gebracht. Er ist Chef des Hochschulrates

der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena.

Karsten Rogall (45)

Merseburg. Der gelernte Schiffsbauer kann im

Süden Sachsen-Anhalts nicht über zu wenig Arbeit

klagen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke

Merseburg leitet auch die Servicegesellschaft

Sachsen-Anhalt Süd mbH, in der Kommunalbetriebe

aus Merseburg, Naumburg und Weißenfels

ihre Kräfte bündeln, die Merseburger Versorgungs-

und Verkehrs-GmbH sowie einige Jahre auch die Solarenergie

Sachsen-Anhalt GmbH. Dennoch sucht der 45-Jährige nun neue Herausforderungen.

So wechselt er im Herbst nach Sachsen, wo er jetzt

als einer der beiden neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig

bestätigt wurde. Sein Partner ist dann Johannes Kleinsorg, der aus

Nürnberg an die Pleiße wechseln wird.

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8 | W+M Nachrichten

+ Trends + + + Entwicklungen + + + Zahlen + + + Perspektive

Nachwuchskräfte für

Sächsische Unternehmen

Leipzig. Vom 7. bis 12. Juli 2014 haben Unternehmen

in Sachsen wieder die Möglichkeit,

mit einer Teilnahme an der Aktion „Schau

rein! – Die Woche der offenen Unternehmen

Sachsen“ mit potenziellen Nachwuchskräften

in Kontakt zu treten, einen Einblick

in ihren Arbeitsalltag zu geben und Schüler

für Berufe und Karrierewege zu begeistern.

Unternehmen können ihre Angebote auf der

Webseite www.schau-rein-sachsen.de einstellen.

Die Schüler, die für den Besuch im Unternehmen

freigestellt werden und dennoch

für die Zeit über die Schule versichert sind,

können sich für die Veranstaltungen online

anmelden. Berufsberater der Agentur für Arbeit

und spezielle Ansprechpartner im Landkreis

stehen den Unternehmen für die Aktion

unterstützend zur Verfügung.

re Höfe in Warnemünde, Warnsdorf und Zirkow

entstanden. Seit Kurzem gibt es auch in

Elstal (Wustermark) an der Grenze zu Berlin

ein „Karls Erlebnisdorf“. Der 43-jährige Robert

Dahl, Inhaber von Karls und in Mecklenburg-

Vorpommern nur noch „Erdbeerkönig“ genannt,

hat dort unter anderem ein Labyrinth

und ein Bienenmuseum errichtet und hofft

auf 500.000 Besucher im ersten Jahr.

Camp David in Hoppegarten

Hoppegarten. Das Modeunternehmen Clinton,

das vor allem für seine „Camp David“-

Kollektion bekannt ist, baut seine Zentrale

in Hoppegarten deutlich aus. Bis 2015 sollen

ein 55.000 m² großes Logistikzentrum und

100 weitere Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen

wurde 1993 in Berlin-Tegel von

den Brüdern Thomas, Hans-Peter und Jürgen

Finkbeiner gegründet und beschäftigt

in Hoppegarten derzeit über 1.700 Mitarbeiter,

davon mehr als 300 am Standort Hoppegarten.

Russland-Hotline eingerichtet

sischen Werk gebaut werden. Aufgrund der

ungebrochen hohen Nachfrage werden zudem

am Standort im zweiten Quartal des

Jahres Sonderschichten absolviert, um zusätzlich

1.500 Golf und Golf Variant zu produzieren.

Wie attraktiv ist mein

Unternehmen?

Neubrandenburg. Das Projekt „Zeichen

setzen! – Standards für einen attraktiven Arbeitgeber“

des Bildungswerks der Wirtschaft

gGmbH in Neubrandenburg bietet auf seiner

Homepage www.attraktiver-arbeitgeber-mse.de

ein Selbstevaluierungstool für

Unternehmen an, mit dessen Hilfe die Attraktivität

des Unternehmens für Fachkräfte

ermittelt werden kann. Unternehmen des

Landkreises Mecklenburgische Seenplatte

sind darüber hinaus bei einem guten Ergebnis

berechtigt, das Siegel „Attraktiver Arbeitgeber“

für ein Jahr zur Nutzung zu beantragen.

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen

Sozialfonds sowie des Bundesministeriums

für Arbeit und Soziales finanziert.

Karls Erdbeeren auf

Expansionskurs

Elstal. Karls Erdbeeren sind mittlerweile weit

über Rövershagen hinaus bekannt. Pünktlich

zur Erdbeerzeit erscheinen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern

und Schleswig-Holstein

die vielen kleinen, beliebten Erdbeerhäuschen

der Firma Karl. Der 1993 eröffnete Erlebnishof

von Karls Erdbeeren in Rövershagen

hat sich zu einem der beliebtesten Ausflugsziele

in der Region entwickelt, so dass weite-

Magdeburg. Die IHK Magdeburg hat aufgrund

der aktuellen Ereignisse eine Hotline

für Unternehmen geschaltet, die im Geschäftsverkehr

mit Russland und der Ukraine

auf Probleme stoßen. Vor dem Hintergrund

der von der EU und den USA beschlossenen

Sanktionen gegen Russland befürchtet die

IHK Magdeburg Gegenreaktionen von russischer

Seite, die zu Einschränkungen im

Warenverkehr oder im internationalen Zahlungsverkehr

führen könnten. Die Hotline für

betroffene Unternehmen ist Montag bis Freitag

von 8:30 bis 17:00 Uhr unter der Rufnummer

0391 5693165 zu erreichen.

Neue VW-Modelle in Zwickau

Zwickau. Im VW-Werk in Zwickau hat der

zweite große Umbauabschnitt zur Integration

der sogenannten Drehscheibe für Golf

und Passat begonnen, wodurch der Standort

insgesamt flexibler wird. Ab Ende Juni soll zusätzlich

das VW-Modell Golf und ab Herbst

die nächste Passat-Generation in dem säch-

BIP steigt auch in

Ostdeutschland

Dresden. Für den Herbst des Jahres 2014 hat

das Statistische Bundesamt eine erneute Revision

der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen

angekündigt. Dadurch wird das statistisch

ausgewiesene nominale Bruttoinlandsprodukt

(BIP) für Deutschland insgesamt

um knapp drei Prozent gegenüber den

aktuellen Werten steigen. Grund hierfür ist

vor allem die Einbeziehung von Aufwendungen

für Forschung und Entwicklung in die Berechnung

der Wirtschaftsleistung. Wie erste

überschlägige Rechnungen des Ifo Instituts

Dresden zeigen, wird auch das nominale BIP

Ostdeutschlands (mit Berlin) höher ausfallen

als bislang ausgewiesen. Jedoch dürfte der

Anstieg mit knapp einem Prozent deutlich

geringer ausfallen als für Westdeutschland.

Am geringsten profitieren die ostdeutschen

Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg

von der Revision. Den höchsten Anstieg

verzeichnet der Freistaat Sachsen.

Fotos: Karls, Anette Pröber, Halloren

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M Nachrichten | 9

n + + + Trends + + + Entwicklungen + + + Zahlen + + + Perspe

Magdeburg. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt

schloss das Geschäftsjahr 2013

mit einem Jahresüberschuss von 8,97 Millionen

Euro ab. Insgesamt bewilligte die

zentrale Fördereinrichtung des Landes mit

4.639 Zuschüssen in 2013 etwa 2.600 mehr

als im Vorjahr. Der starke Anstieg ist vor allem

auf die Hilfen für Hochwasseropfer zurückzuführen.

Stärker gefragt waren auch

Zuschüsse zur Fachkräftequalifizierung sowie

die Fördermittel zur energetischen Sanierung

von Schulen und Kitas und zur Teilentschuldung

der Kommunen. Die Zahl der

von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt bewilligten

Darlehen nahm gegenüber 2012

um 200 auf 1.225 zu.

Maler Karl-Heinz Thoma (l.) im

Gespräch mit dem Unternehmer

Thomas Diestel.

Klima-Firma mit eigener Kunstgalerie

Rostock. Gutes Klima schätzt der Rostocker Unternehmer Thomas Diestel, der seit 1991

auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft eine Klimatechnikfirma betreibt, nicht nur

in technischer Hinsicht. Der Bruder des Ex-Politikers Peter-Michael Diestel engagiert sich

auch stark für kulturelle Belange. Er ist Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft in

Rostock und liebt zudem die Bildende Kunst. Seit kurzem hängt ein großformatiges Gemälde

im Eingangsbereich seiner Firma. Er hat es beim Rostocker Maler und Grafiker Karl-Heinz

Thoma in Auftrag gegeben. Neben den arbeitenden Menschen im Büro und an der Werkbank

sind der Rostocker Stadthafen mit seinen Segelschiffen und das Universitätsgebäude

zu entdecken. Das Gemälde ist Blickfang einer kleinen Kunstgalerie in den Räumen der Firma.

Die Dr. Diestel GmbH beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Die Hauptgeschäftsfelder liegen

im Bereich Lüftungs-, Klima-, Kälte- und Reinraumtechnik. Im vergangenen Jahr wurde

ein Umsatz von 13 Millionen Euro erwirtschaftet.

Größter ostdeutscher Konzern

weiter auf Erfolgsspur

Leipzig. Ostdeutschlands einziges Unternehmen

unter den nationalen Top 100, der

Leipziger Gasgroßimporteur Verbundnetz

Gas (VNG), hat 2013 ein Rekordergebnis erzielt.

Mit einem Überschuss von 174 Millionen

Euro wurde der positive Wert des Vorjahres

noch einmal um 42 Millionen Euro

übertroffen. Nutznießer des Gewinns sind

auch jene zehn ostdeutschen Städte, die

zusammen ein Viertel der Anteile von VNG

halten. Zugleich teilte das Unternehmen in

Leipzig mit, dass man bei Probebohrungen

vor der Westküste Norwegens auf größere

Öl- und Gasvorkommen gestoßen sei. Dennoch

könnten beim umsatzstärksten ostdeutschen

Konzern demnächst Strukturentscheidungen

anstehen, nachdem der

niedersächsische Regionalversorger EWE

in Oldenburg seine Beteiligung durch Aktienzukäufe

auf knapp 64 Prozent erhöhen

konnte. Es besteht damit die Möglichkeit,

dass die neuen Mehrheitseigentümer den

Hauptsitz in den Westen Deutschlands verlagern.

Investitionsbank mit

positivem Ergebnis

Berliner Wirtschaft auf

Wachstumskurs

Berlin. 2013 ist die Nachfrage der Berliner

Wirtschaft nach Finanzmitteln deutlich gestiegen.

Dies belegt die Jahresbilanz der

Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg

GmbH (BBB). Demnach hat die BBB 2013 rund

65 Millionen Euro an Krediten und Beteiligungen

neu besichert. Das entspricht einem Zuwachs

von fast 40 Prozent gegenüber dem

Vorjahr. Dies wurde auch durch neue Konditionen

der BBB ermöglicht. „Konkret haben

wir die Obergrenze für Bürgschaften und Garantien

auf 1,25 Millionen Euro angehoben

und bei ‚Berlin Start‘, einem von Existenzgründern

stark nachgefragten Programm,

die Provision gesenkt“, sagte Waltraud Wolf,

Geschäftsführerin der BBB, bei der Vorstellung

der Jahresbilanz.

30 Prozent Umsatzplus

für Halloren

Halle. Deutlich gestiegene

Exporte haben der Halloren

Schokoladenfabrik

AG in Halle im vergangenen

Jahr einen Rekordumsatz

beschert. Dieser

betrug mit rund 118 Millionen

Euro fast ein Drittel

mehr als 2012. Der Gewinn

lag nach Unternehmensangaben

bei 2,23

Millionen Euro. Halloren

hat rund 700 Mitarbeiter

in Deutschland, Belgien

und den Niederlanden.

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10 | W+M Länderreport

Investitionen:

Mittelstand lässt Vorsicht walten

Die langfristige Investitionsbereitschaft im Mittelstand nimmt wieder zu. Doch die Mehrheit

der Unternehmen setzt bei ihren Investitionen eher auf Substanzerhalt denn auf Wachstumschancen

und Risikobereitschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die 14. Studie UnternehmerPerspektiven

der Commerzbank AG.

Von Matthias Salm

Die gute Nachricht vorweg: Die Grundstimmung

im deutschen Mittelstand

hat sich seit 2012 wieder deutlich

zum Positiven gewandelt. Nachdem viele Unternehmen

unter dem Eindruck der Finanzkrise

lange Zeit vor allem flexibel und kurzfristig

entscheiden mussten, rückt nun wieder

die langfristige Unternehmensplanung

in den Fokus.

Der Mittelstand ist derzeit zurückhaltend

bei Investitionen in Maschinen und

Anlagen.

„Die Lage im Mittelstand ist so gut wie lange

nicht mehr“, bestätigt denn auch Markus

Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank

AG, die positive Entwicklung. Doch

Beumer sieht auch Anlass zur Kritik: „Es ist

zwar sehr erfreulich, dass sich immer mehr

Mittelständler vom reinen ,Fahren auf Sicht’

verabschieden und die Krisenjahre endgültig

hinter sich lassen. Die Frage ist jedoch,

wann und wie sich dies in konkretem Handeln

niederschlägt, denn die Zufriedenheit

der Mittelständler mit ihrer Umsatzrentabilität

sinkt.“

Markus Beumer

Mitglied des Vorstands der

Commerzbank AG

Genau dieser Frage hat sich nun die Mittelstandsinitiative

UnternehmerPerspektiven

der Commerzbank AG gewidmet. Unter dem

Titel: „Vorsicht versus Vision: Investitionsstrategien

im Mittelstand“ wurden dafür

bundesweit Führungskräfte von 4.025 mittelständischen

Unternehmen befragt. Das Ergebnis:

Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen

lässt gegenwärtig eher Vorsicht

walten und baut auf eine ausgewogene Investitionsstrategie,

die Wachstumschancen

und Substanzerhalt gleichermaßen bedient.

Nur eine kleine Minderheit der befragten Unternehmen

– gerade einmal 14 Prozent –

setzt klar auf Wachstum.

Noch zurückhaltender agieren die ostdeutschen

Mittelständler. Dies belegt eine exklusive

Auswertung der Studie für Ostdeutschland,

die WIRTSCHAFT+MARKT vorliegt.

Demnach investieren 39 Prozent der

ostdeutschen Mittelständler vordringlich

oder ausschließlich in den Substanzerhalt.

Wachstumsstrategien stehen im ostdeutschen

Mittelstand dagegen noch seltener

auf der Agenda als im Westen. Nur zehn Prozent

der befragten ostdeutschen Unternehmen

verfolgen gegenwärtig eine expansive

Investitionspolitik. Die Zurückhaltung erstaunt:

Denn auch in Ostdeutschland haben

Investitionen: Substanz oder Wachstum?

Investitionsverhalten Mittelstand Ostdeutschland/Gesamt

Ostdeutschland

Bundesdurchschnitt

10 29 48 10

8 25 52 14

Wir investieren:

■ ausschließlich in den Erhalt der Substanz.

■ mehr in den Erhalt der Substanz als in Wachstum.

■ gleichermaßen in Wachstum und in den Erhalt der Substanz.

■ mehr in Wachstum als in den Erhalt der Substanz.

Quelle: Commerzbank AG, UnternehmerPerspektiven 2014

Fotos: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/Ralf Lehmann, Commerzbank AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Ostdeutschland | 11

sich die wirtschaftlichen Aussichten

grundlegend verbessert. Mehr

als jedes zweite Unternehmen (56

Prozent) zwischen Ostsee und Erzgebirge

plant deshalb auch wieder

langfristig.

In Ost wie West investiert der Mittelstand

der Commerzbank-Studie

zufolge vornehmlich, um den Kundenerwartungen

gerecht zu werden.

Dies nannten 77 Prozent der bundesweit

Befragten als wichtigstes Motiv.

Qualitätssicherung, die Abnutzung

der Investitionsgüter, Möglichkeiten

der Kostensenkung und eine Erhöhung

der Energieeffizienz stellen

weitere häufige Anlässe für eine Investitionsentscheidung

dar. Seltener

genannt: Investitionen zur Expansion

auf heimischen (56 Prozent) oder

ausländischen Märkten (32 Prozent).

Besonders der ostdeutsche Mittelstand

zeigt wenig Interesse, die eigene

Exporttätigkeit anzukurbeln.

Gerade einmal 20 Prozent der Unternehmen

beabsichtigen hier Investitionen

ins Auslandsgeschäft.

Was sind Gründe und Anlässe für Investitionen?

Kundenerwartungen

Energieeffizienz und Umweltschutzbilanz

Qualitätssicherung oder -steigerung

Abnutzung oder Veraltung

Kostensenkung

Technologischer Fortschritt in der Branche

Veränderte gesetzliche Vorgaben

Ausweitung der Geschäftstätigkeit im Inland

Verhalten der direkten Mitbewerber

Entwicklung neuer Produkte

Markteinführung neuer Produkte

Ausweitung der Geschäftstätigkeit im Ausland

Quelle: Commerzbank AG, UnternehmerPerspektiven 2014

In welche Sachwerte investieren die Unternehmen?

Ostdeutschland

Bundesdurchschnitt

79

77

76

67

76

70

75

67

75

67

68

61

67

59

52

56

46

42

40

47

38

44

20

32

Ostdeutschland

Bundesdurchschnitt

Angaben in Prozent,

Mehrfachnennungen

Konkret fließen die Investitionsmittel

vor allem in die IT- und TK-Infrastruktur,

in die Büro- und Betriebseinrichtung

sowie in den Fuhrpark.

Langfristige Investitionen in Produktionsanlagen

werden seltener,

aber immerhin noch mehrheitlich

von 60 Prozent der Befragten vorgenommen.

Strategische Investitionen,

so die Auswertung der Commerzbank-Studie,

werden hingegen

nur von einer Minderheit der Mittelständler

durchgeführt: Dies gilt beispielsweise

für den Erwerb von Immobilien

(35 Prozent), Patenten (25

Prozent) oder Unternehmensbeteiligungen

(17 Prozent). Auch hier zeigen

sich die ostdeutschen Unternehmen besonders

reserviert. Sie investieren weitaus

seltener in Schutzrechte, Patente oder Unternehmensbeteiligungen

als der Bundesdurchschnitt

der befragten Unternehmen.

Büro- und Betriebseinrichtungen

IT- und Telekommunikations-Infrastruktur

Maschinen oder Produktionsanlagen

Fuhrpark und Kraftfahrzeuge

Nutzungsrechte und Lizenzen (z. B. Software)

Immobilien und Grundbesitz

Schutzrechte und Patente

Strategische Beteiligungen an anderen

Unternehmen

Quelle: Commerzbank AG, UnternehmerPerspektiven 2014

18

13

17

25

35

35

72

76

71

79

Bei den nicht-materiellen Investitionen

steht im Mittelstand gegenwärtig die Personal-

und Organisationsentwicklung im

Mittelpunkt. Dies mag angesichts des drohenden

Fachkräftemangels kaum verwundern.

91 Prozent der bundesweit an der Studie

teilnehmenden Unternehmen investieren

in die Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter,

75 Prozent in die Rekrutierung neuer

Mitarbeiter.

60

62

65

69

69

74

Angaben in Prozent,

Mehrfachnennungen

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


12 | W+M Länderreport

Demgegenüber müssen Ausgaben

für die Produktentwicklung

und den Markenaufbau

eher zurückstehen.

Dies gilt wiederum im besonderen

Maße für Betriebe in

Ostdeutschland. Hier geben

zwar 54 Prozent der Befragten

die Entwicklung neuer

Produkte als Investitionsziel

an, das sind aber elf Prozentpunkte

weniger als der Bundesdurchschnitt.

Noch sparsamer

fällt die Bereitschaft

für Investitionen in den Markenaufbau

und in die Markenwerbung

aus (48 Prozent,

minus zwölf Prozentpunkte

im Vergleich zum Bundesdurchschnitt)

sowie in

Forschung und Entwicklung

(37 Prozent, minus vier Prozentpunkte

im Vergleich zum

Bundesdurchschnitt).

Der ostdeutsche Mittelstand investiert in die Aus- und Weiterbildung von Personal.

Wachstumschancen ergeben sich vor allem auch aus globalen und

nationalen wirtschaftlichen Trends. Die Studie der Mittelstandsinitiative

UnternehmerPerspektiven ging daher der Frage nach, inwieweit

mittelständische Unternehmen Vorteile aus diesen Trends

ziehen können. Doch hier zeigten sich die befragten Unternehmer

Aus welchen Trends ergibt sich ein positives Geschäftspotenzial?

Digitalisierung (übergreifend)

Energiewende

Industrie 4.0 (Fertigungstechnik)

Wachstum BRICS-Staaten und Schwellenländer

Freihandelsabkommen mit den USA

Demographischer Wandel

Rohstoff- und Ressourcenknappheit

Fachkräftemangel

Quelle: Commerzbank AG, UnternehmerPerspektiven 2014

Ostdeutschland

Bundesdurchschnitt

5

5

7

8

7

8

mehr als skeptisch. Grundtenor: Die sogenannten Megatrends verursachen

eher Risiken als dass sie Chancen böten – dies gilt für die

Digitalisierung ebenso wie für die Energiewende und erst Recht

für das Werben um Fachkräfte. In allen Fällen fürchtet der Mittelstand

den erhöhten Investitionsbedarf, verspricht sich aber kaum

Gewinnchancen. Selbst bei der Digitalisierung

aller Lebensbereiche, die

20

20

13

19

13

15

19

24

37

41

Angaben in Prozent,

Mehrfachnennungen

sich nach Ansicht von 41 Prozent der

befragten Unternehmen positiv auf

den eigenen Umsatz auswirken könnte,

sorgen sich 45 Prozent der Mittelständler

vor allem um die Kehrseite

der Medaille: einen zu hohen Investitionsbedarf

für das eigene Unternehmen.

Auch die wirtschaftlich

vielversprechende Entwicklung der

Auslandsmärkte, etwa die der so genannten

BRICS-Staaten, weckt offensichtlich

kaum nachhaltig die Fantasie

des Mittelstands.

Auch das Gros der Unternehmen aus

Ostdeutschland sieht wenig Potenzial

in den wirtschaftlichen Megatrends.

Internationale Themen wie Freihandelsabkommen

oder BRICS-Staaten

Foto: Picture-Factory/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Ostdeutschland | 13

finden nur wenig Resonanz bei

den Unternehmen aus der Region.

Die Energiewende hingegen

gibt Anlass zur Sorge. 52 Prozent

der ostdeutschen Mittelständler

– das sind neun Prozentpunkte

mehr im Vergleich

zum Bundesdurchschnitt – erwarten

einen erhöhten Investitionsaufwand

infolge der Umstellung

der Versorgung auf erneuerbare

Energien.

Herausforderungen bei der Planung und

Durchführung von Investitionen

Steigende oder schwankende Rohstoff- oder Energiepreise

Unsichere gesamtwirtschaftiche Rahmenbedingungen

Mangel an geeigneten Fachkräften

Komplexe behördliche Genehmigungsprozesse

Unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen

Es scheint also, als siege zurzeit

noch die Vorsicht über die

Vision: Dass eine Mehrheit der

mittelständischen Unternehmen

– vor allem auch in Ostdeutschland

– die gegenwärtig

günstigen Rahmenbedingungen nur zögerlich nutzt, um stärker in

den Ausbau des eigenen Unternehmens zu investieren, stößt bei Experten

durchaus auf Kritik: Während gut drei Viertel der befragten

Unternehmer ihre Investitionen als ausreichend empfinden, fordern

die von der Commerzbank im Rahmen der Studie ebenfalls befragten

Volkswirte mehrheitlich, der Mittelstand solle mehr Geld für Wachstum

und den Erhalt ihrer Betriebe bereitstellen.

Angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Quelle: Commerzbank AG, UnternehmerPerspektiven 2014

Dass sie dies bisher nicht tun, liegt allerdings nicht an einer mangelnden

finanziellen Ausstattung. Finanzierungsprobleme belasten

den Mittelstand gegenwärtig kaum, die Eigenkapitalquoten sind in

den zurückliegenden Jahren deutlich angestiegen. Auch im Osten

scheitern Investitionen selten an fehlenden Mitteln. Lediglich 20

Prozent der Betriebe in den neuen Bundesländern räumten ein, dass

Finanzierungsschwierigkeiten ihre Investitionstätigkeit einschränken.

Selbst fehlendes Eigenkapital (16 Prozent der Befragten) wirkt

im Gegensatz zu früheren Jahren an Elbe und Oder nicht mehr als

Investitionsbremse.

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch bei der bevorzugten Wahl der

Finanzierungsquellen wider. Wenn die Unternehmen gegenwärtig

investieren, versuchen sie, dies möglichst ohne Fremdkapital von

Banken und Sparkassen über die Bühne zu bringen. In Ostdeutschland

geben 57 Prozent der befragten Mittelständler an, dass sie Investitionen

möglichst ohne Fremdkapital tätigen wollen. Sie sind

damit der Fremdfinanzierung gegenüber etwas aufgeschlossener

als andere Regionen (minus neun Prozentpunkte im Vergleich zum

Bundesdurchschnitt), insgesamt aber auch eher kritisch eingestellt.

Finanzielle Mittel stehen also durchaus in ausreichendem Maße zur

Verfügung. Doch unklare wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen

wie die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise

Ostdeutschland

Bundesdurchschnitt

45

42

40

42

43

42

36

39

35

31

26

oder der zunehmende Fachkräftemangel lassen viele Unternehmer

bei ihren Investitionsvorhaben zaudern. Auch komplexe behördliche

Genehmigungsprozesse und unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen

erweisen sich als Investitionsbarrieren.

Diese Hindernisse treten besonders in Ostdeutschland zutage. Hier

verweisen die Unternehmen vornehmlich auf externe Unsicherheiten

als besondere Herausforderung bei der Planung und Durchführung

von Investitionen. Hierzu zählen in erster Linie steigende und

weiterhin schwankende Rohstoff- und Energiepreise (aus Sicht von

57 Prozent der befragten ostdeutschen Mittelständler, plus zwölf

Prozentpunkte im Vergleich zum Bundesdurchschnitt). Weitere Unsicherheitsfaktoren

aus der Sicht ostdeutscher Unternehmen sind

das insgesamt unsichere wirtschaftliche Umfeld (42 Prozent) sowie

der anhaltende Fachkräftemangel (42 Prozent). Auch die politischen

Rahmenbedingungen werden häufiger als im bundesweiten

Vergleich bemängelt: 42 Prozent der Unternehmen beklagen komplexe

behördliche Genehmigungsprozesse (plus sechs Prozentpunkte im

Vergleich zum Bundesdurchschnitt), 39 Prozent unsichere gesetzliche

Rahmenbedingungen als Investitionshemmnisse. W+M

Initiative UnternehmerPerspektiven

Angaben in Prozent,

Mehrfachnennungen

UnternehmerPerspektiven ist eine Initiative der Commerzbank

AG, die für mittelständische Unternehmen besonders relevante

Themen aufgreift. Grundlage sind repräsentative Umfragen bei

rund 4.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Für

die aktuelle 14. Studie wurden zusätzlich 75 Wirtschaftswissenschaftler

an deutschen Universitäten befragt.

Die vollständige Studie sowie weitere Informationen zur Initiative

finden Sie unter www.unternehmerperspektiven.de.

57

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


14 | W+M Länderreport

Wenn Grenzkriminalität

zum Standortnachteil wird

Raimund Kohli erkennt es

schon, bevor er an diesem

Morgen sein Autohaus erreicht

hat. Sein Blick für Auffälligkeiten

schärfte sich halt mit den Jahren.

„Oh verflixt, der Tag ist gelaufen!“,

durchfährt es ihn. Ein nagelneuer

Škoda Octavia steht aufgebockt

auf Ziegelsteinen – den kompletten

Radsatz ließen die Diebe mitgehen.

Als er genauer hinsieht, entdeckt

er auch noch Dellen am Rahmen.

„Lässt sich ausbeulen“, sinniert

er. Doch als Neuwagen kann er den

Škoda nun nicht mehr verkaufen.

Seit vor sechs Jahren die Schlagbäume an den vorherigen EU-Außengrenzen

nach Polen und Tschechien für immer hochgingen, sind

Diebstahl und Einbruch gerade bei mittelständischen Firmen sprunghaft

gestiegen. Wie aktuelle Befragungen der Handwerkskammern

in Cottbus und Dresden zeigen, besteht für viele Betriebe die akute

Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden.

Von Harald Lachmann

Raimund Kohli führt in Görlitz ein

Škoda-Autohaus.

Immerhin, das Auto steht noch da.

Anders als beim Superb, der ihm vor

einiger Zeit direkt vom Hof in Görlitz geklaut

worden war. „35.000 Euro weg“, flucht

der Autohausbesitzer. Zum Glück zahlte die

Versicherung. Schlimmer traf es da einige

Kollegen weiter oben im Gebirge, erzählt er.

Nach dem x-ten Einbruch hätten sie ihnen

die Policen gekündigt.

Zu selten drehen Hubschrauber der Bundespolizei über dem Neißegrenzland ihre Runden.

Es fehlt an Personal.

Überdies sollen die Autohäuser im Grenzland

nach dem Willen der Versicherungen ihr Gelände

komplett einzäunen und verschließen.

„Aber viele Kunden kommen doch erst

abends oder am Wochenende, um sich einen

Wagen auszusuchen. Soll ich sie aussperren?“,

fragt der 39-Jährige. So rüstete

er auf: hochwertige Alarmanlage, raffinierte

Schlösser und für 4.000 Euro Tresorbriefkästen.

„Für die Schlüssel der Neuwagen, die

nachts angeliefert werden ...“

Sein Kollege Gotthard Körner, der in Oderwitz

bei Zittau einen Fahrzeughandel führt,

will auch keinen Zaun. Dabei traf es ihn besonders

hart: Zehn Fahrzeuge büßte er bereits

ein. Man hatte ihn offenbar ausgekundschaftet.

So schläft er jetzt oft nachts

in der Firma. „Es ist ein schwerer Überlebenskampf“,

räumt er ein.

2008 gingen die Schlagbäume nach Polen

und Tschechien für immer hoch. Die Politiker

jubelten – und begannen alsbald, entlang

der einstigen EU-Außengrenze kräftig

Fotos: Bundespolizei, Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Brandenburg/Sachsen | 15

Der seit 2008 verwaiste Grenzübergang von Sebnitz in Richtung Tschechien.

die Polizei auszudünnen. Und immer noch

gehe dieses Schrumpfen „mehr oder weniger

schleichend“ weiter, warnt die Gewerkschaft

der Polizei.

Die Folgen dieser Sparpolitik spürt keiner

härter als der grenznahe Mittelstand. In diesen

Firmen, die hier das Rückgrat der Wirtschaft

bilden, herrschen Frust, Wut und teils

Resignation. Bei wem gleich sieben Mal eingebrochen

wurde, für den werde es „auch

existenziell“, weiß der Görlitzer Kreishandwerksmeister

Dr. Knut Scheibe, dessen Metallbaubetrieb

selbst schon Opfer von Edelstahldieben

wurde. Dabei reiche manchmal

schon ein einziger Einbruch, um eine Firma

in echte Not zu bringen.

Um sich ein Bild von der Lage im Neißeraum

zu machen, starteten die Handwerkskammern

Dresden und Cottbus Ende 2013 bereits

zum dritten Mal eine Mitgliederbefragung

zur allgemeinen Sicherheitslage. Erneut

zeigte sich dabei: Jeder vierte Handwerksbetrieb

in Ostsachsen und Südbrandenburg

nennt die Situation rundum „schlecht“. Besonders

in den Landkreisen Görlitz (58 Prozent)

und Spree-Neiße (46 Prozent) schätzen

die Befragten die Gefahr, Opfer von Einbruch

und Diebstahl zu werden, als sehr real

ein. Jeder Dritte im Kammerbezirk Dresden

glaubt überdies, eine Verschlechterung gegenüber

2012 zu spüren. In Südbrandenburg

sind es sogar 39 Prozent. Der wirtschaftliche

Schaden – so das Fazit der Befragung –

gehe denn hier wie da in die Millionen. Immerhin

erfuhren 40 Prozent der Betriebe, die

an der Umfrage teilnahmen, bereits Einbußen

durch Kriminalität, im Kfz-Gewerbe sogar

67 Prozent.

Wie Kohli bauen viele längst aktiv vor, investieren

in Sicherheitstechnik, engagieren

Wachdienste. Nachholbedarf besteht indes

beim Einsatz künstlicher DNA aus speziellen

synthetischen Molekülen, wodurch sich

Diebesbeute zweifelsfrei identifizieren lässt.

In der Oberlausitz haben damit nur drei Prozent

der Bauhandwerker und 1,5 Prozent der

Kfz-Betriebe Erfahrung. So lud die Görlitzer

Polizei jüngst Mittelständler zu einem ersten

Sicherheitsstammtisch ein, der sich diesem

Thema widmete.

Ab Mai dürfen deutsche Beamte Gangster

selbst nach Polen verfolgen und hierbei sogar

ihre Waffe benutzen. Deutsch-polnische

Polizeistreifen sind in Görlitz ohnehin nicht

mehr ungewöhnlich. Dennoch lernen auch

die Diebesbanden, bei denen es sich übrigens

keineswegs zuerst um Osteuropäer handelt,

stets dazu. Allein 2013 stahlen sie in

Sachsen 3.300 Fahrzeuge – fast jedes zehnte

im Grenzgebiet zu Polen. Um die Gefahr

hier weiter zu entschärfen, fordern die beiden

Handwerkskammern tragfähigere Konzepte

zur Bekämpfung der Grenzkriminalität

sowie beschleunigte polizeiliche und richterliche

Strafverfolgung der Täter. Nicht zuletzt

sollten die Firmen bei Präventionsmaßnahmen

besser gefördert werden.

Der Dresdener Kammerpräsident Jörg Dittrich

spricht überdies Klartext: Zwar erkenne

man die „Bemühungen von Polizei und

Politik“ durchaus an, aber – so sein Urteil:

„Sie scheinen nicht zu wirken. Nach wie

vor wird alles gestohlen, was man mitnehmen

kann.“ Das koste die Unternehmer neben

Geld auch Nerven und im Extremfall Arbeitsplätze.

Grenzkriminalität werde so zum

akuten Standortnachteil.

Als Polizeischelte will man das in Handwerkerkreisen

indes nicht verstehen. „Die Polizisten

sind selbst verunsichert und frustriert“,

beobachtet etwa Raimund Kohli,

der in seinem Autohaus viele auch als Kunden

kennt. „Haben sie mal einen Dieb geschnappt,

ist der eher wieder draußen, als

sie Schichtschluss haben – selbst wenn er

aus Polen kommt“, erzählt er. So hörte Kohli

von einem verdeckten Fahnder eine Story,

die er für symptomatisch hält: „Lange hatte

dessen Truppe für die Verfolgung von Autodealern

einen schnellen Wagen gefordert.

Nun kam endlich einer: Baujahr 1991, Tachostandstand:

380.000 Kilometer. Aber immerhin

200 PS. Damit sind sie noch dankbar,

dass sie überhaupt Chancen haben, einem

Gangster hinterherzukommen.“ W+M

Zuweilen kommen im Grenzgebiet auch Wärmebildkameras zum Einsatz, mit denen sich

dann selbst nachts noch Verbrecher ausmachen lassen.

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16 | W+M Länderreport

Vorpommern – Energiestandort mit Potenzial

Erdöl, Gas, Wind und Wellen

Der zwischen Bund und Ländern gefundene Kompromiss in der Energiewende verdeutlicht:

Bisherige Konzepte bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien haben sich durchaus

bewährt, gleichzeitig ermöglichen Fortschritt und innovative Technologien stetes Potenzial. Vorpommern

als repräsentativer Energiestandort ist hier offen für neue Wege.

Von Henner Willnow

Was haben Tiefbrunnen, Erdöl, Meereswellen, Wind und Substrate

gemeinsam? Sie alle sind in Vorpommern Energieträger

und in weiten Teilen die Basis für die Energiewende

im Norden Deutschlands. Topmoderne Windkraftanlagen stehen seit

2011 in Deutschlands erster kommerzieller Offshore-Anlage „Baltic

1“ vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in der Ostsee.

Aber auch das Festland ist durch eine Vielzahl von Windenergieanlagen

geprägt. Bestimmt von optimalen Windverhältnissen ist Vorpommern

als Region perfekt für diese Technologie. In direkter Nähe zu

den Windkraftwerken siedeln sich die Zulieferer und Serviceunternehmen

an. So überwacht etwa EnBW seinen Windpark „Baltic 1“ aus

einem Kontrollzentrum in Barhöft nahe Stralsund – High-Tech neben

Fischkuttern. Doch an der Windenergie hängen noch viele weitere

Unternehmen, die man auf den ersten Blick nicht als Teil der Windindustrie

erkennt: Stahlbauunternehmen wie Bladt Industries, Liebherr

MCCtec und in direkter thematischer Nähe die Krebs Gruppe, die

insbesondere den Offshore-Windanlagen einen hochmodernen Korrosionsschutz

gibt. Taucher,

Kletterer, aber auch Helikopter

bedienen ebenfalls diesen

Industriebereich.

Grüne Energie aus Vorpommern: „Baltic 1“ ist Deutschlands erster kommerzieller Offshore-Windpark.

Doch das Meer bietet auch anderen

Technologien Möglichkeiten

der Energieerzeugung.

Vor dem Nordkap von Peenemünde

steht eine Testanlage

zur Energieerzeugung aus

Meereswellen. Zusammen mit

Ingenieurbüros aus Mecklenburg-Vorpommern

wurde dieser

Generator geplant, von

HAB Hallen- und Anlagenbau

Wusterhusen gebaut und

in offenen Gewässern aufgestellt.

Diese Forschungsanlage

lieferte im Testbetrieb

etwa 10 Kilowatt Leistung –

bei 45 Prozent Wirkungsgrad.

Klein, aber fein: Deutschlands

erster Meereswellengenerator

wies nach, dass auch

in diesem noch jungen Energiethema

erfolgreich und sicher

Strom aus erneuerbaren

Quellen erzeugt werden kann.

Fotos: EnBW, Energiewerke Nord GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Mecklenburg-Vorpommern | 17

Öl und Gas gibt es nur in Texas und Russland? Falsch. Vorpommern

ist einer der wichtigen Gasstandorte in Deutschland. Im Energieund

Technologiepark Lubmin nahe Greifswald landet die Ostseepipeline

NORD STREAM mit Millionen von Kubikmetern Erdgas an, wird

verdichtet und über die Pipelines NEL und OPAL nach West- und

Mitteldeutschland sowie nach Tschechien transportiert. Für energieintensive

Unternehmen wäre Lubmin ein Eldorado, ist doch an

diesem Standort Erdgas, und nach einer Verstromung auch elektrische

Energie, in großen Mengen und versorgungssicher verfügbar.

Auch von den zukünftigen Offshore-Windparks wird der Strom in

Lubmin anlanden.

Die Förderung von Erdöl ist in Vorpommern nicht unbekannt: Seit

den sechziger Jahren wird das schwarze Gold gefördert – GDF Suez

nutzt bestehende Anlagen, das deutsch-kanadische Konsortium CEP

Central European Petroleum fördert zu Testzwecken zur Zeit die ersten

Barrel Erdöl aus einer Bohrstelle bei Barth. Dennoch sind diese

Ölvorkommen keine Umkehr in der Energiewende – CEP sieht das

vorpommersche Öl vielmehr als Rohstoff und nicht als Brennstoff.

In Lubmin bei Greifswald treffen Gas aus Russland und Strom aus

Offshore-Windparks ein.

Neue Energietechnologien wie Wasserstoffverstromung, Brennstoffzellen,

Pellets aus verschiedenen Substraten und Energiespeicher

sind in Vorpommern auch im wissenschaftlichen Umfeld ausgesprochen

präsent. Gerade das IRES-Institut für Regenerative Energiesysteme

an der Fachhochschule Stralsund forscht praxisbezogen an solchen

Technologien und liefert Unternehmen neben Lösungen zudem

hochqualifizierte Absolventen.

Somit bleibt festzustellen: Vorpommern ist ein Energiestandort

mit Potenzialen für die Großen der Branche, aber genauso für die

Nischen, die Neuen, die Tüftler.

W+M

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18 | W+M Länderreport

Der Furnier-Guru von Pritzwalk

Bei Günther Beyer dreht sich vieles im Leben um Holz. Der 66-Jährige studierte Anfang der 1970er

Jahre in Hamburg Holzwirtschaft und verbrachte anschließend etliche Jahre in afrikanischen Holzfabriken.

Im Jahr 1999 baute er im brandenburgischen Pritzwalk ein Furnierwerk auf. Pritzwalk

ist für den gebürtigen Niedersachsen Beyer längst zur Heimat geworden. Von Karsten Hintzmann

Für die Furnierherstellung angeliefert: Stämme aus Amerikanischem Ahorn.

Mit fachkundigem Blick

prüft Günther Beyer das

Material depot auf seinem

Firmengelände. Dort lagern

unzähli ge Baumstämme – heimische

Eichen, die derzeit stark

im Trend sind, amerikanischer

Ahorn, amerikanischer Kirschbaum,

riesige Ayous-Stämme aus

Übersee und viele weitere Sorten.

Aus all diesen Hölzern lässt Beyer

in einem ausgeklügelten Produktionsverfahren

hochwertige Furniere

herstellen. Zunächst wird die

Rinde entfernt, dann werden die

Stämme in der Mitte halbiert und

auf die gewünschte Länge gesägt.

Das so vorbereitete Holz kommt

in Edelstahlbecken und wird gekocht

oder zumindest erwärmt.

Am Ende werden die durchfeuchteten

Stämme in Maschinen eingespannt

und in 0,6 Millimeter dicke

Furnierstreifen geschnitten.

„Jede Holzart benötigt eine individuelle Behandlung,

um am Ende ein farblich optimales

Furnier zu bekommen“ , erläutert Beyer.

Die Anlagen laufen derzeit nicht auf vollen

Touren, das wären bis zu 16 Stunden täglich.

Die 85 Mitarbeiter arbeiten momentan nur im

Ein-Schicht-Betrieb. Mehr gibt die Auftragslage

aktuell nicht her. Insofern ist Günther

Beyer nicht zufrieden.

„Bis zum Jahr 2009 ging es hier ständig bergauf“,

erinnert sich Beyer, „wir konnten gar

nicht schnell genug produzieren. Mit der

weltweiten Wirtschaftskrise kam auch bei

uns der große Einbruch, der Umsatz ging um

40 Prozent zurück. Bis heute spüren wir die

Folgen dieser Krise.“ Vor allem deshalb, weil

viele der Länder, in denen es traditionell eine

große Nachfrage nach hochwertigen Furnieren

gab – Spanien, Griechenland, Ägypten,

Libanon und Syrien –, bis heute wirtschaftlich

am Boden liegen. Dazu kommt, dass auch

China als einstiger Großimporteur ausgefallen

ist, seit im Land des Lächelns eigene Furnierwerke

errichtet wurden.

„Wir mussten uns auf die veränderten Bedingungen

einstellen, stark restrukturieren

und uns neue Märkte erschließen. Denn

neben den Auswirkungen der Krise wächst

auch die Konkurrenz aus Osteuropa, die billiger

produziert als wir hier in Pritzwalk“, so

Günther Beyer. Das im äußersten Nordwesten

Brandenburgs gelegene Furnierwerk ist

jedoch für die Konkurrenzsituation gut gewappnet.

„Wir sind ein sehr spezielles Unternehmen

mit hochmoderner technischer Ausstattung,

die es uns ermöglicht, nahezu alle

Holzarten aufzuarbeiten. Während wir also

bis zu 50 Sorten Holz zu Furnieren verarbeiten

können, sind andere Werke auf lediglich

drei bis vier Holzarten ausgelegt.“

Die Idee, ein Unternehmen in den neuen

Bundesländern aufzubauen, reifte im Jahr

1997. „Ich hatte mich nach langen Jahren

im Angestelltenverhältnis 1993 als Furnierhändler

selbstständig gemacht. Das heißt,

ich kaufte weltweit Rundholz ein, ließ es

in Fabriken zu Furnieren aufarbeiten und

verkaufte die Furniere anschließend an die

Möbel-, Türen- und Bootsindustrie. Doch ich

hatte das Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette

unter einem Dach zu bündeln. Ich entdeckte

den logistisch idealen Standort Pritzwalk

und plante mit einem Partner über zwei

Jahre mein Furnierwerk-Projekt“, blickt Bey-

Fotos: Karsten Hintzmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Brandenburg | 19

Günther Beyer mit einem frischen Furnier.

er zurück. Im Mai 1999 begannen die Bauarbeiten

und im April 2000 liefen die ersten

Furniere Made in Pritzwalk vom Band.

Warum sollte es unbedingt ein Standort in

den neuen Ländern sein? „Wir wollten wirkliches

Neuland betreten und nicht irgendwo

eine etablierte Firma übernehmen. Die

Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz hat

sich hier vor Ort dann unglaublich engagiert

um uns gekümmert. Und natürlich verhehle

ich auch nicht, dass wir die in Brandenburg

seinerzeit übliche Förderung für Investitionen

in Anspruch genommen haben. Hierfür

mussten wir allerdings über 100 Arbeitsplätze

schaffen und bis Ende 2012 garantieren.“

Auch heute, 15 Jahre nach dem ersten Spatenstich

für den Bau des Werkes und 13 Jahre

nach der festlichen Einweihung durch den

damaligen Ministerpräsidenten Manfred

Stolpe, ist Günther Beyer mit seiner Entscheidung,

nach Pritzwalk zu gehen, absolut zufrieden:

„Ich würde es wieder tun, Pritzwalk

ist wirklich ideal. Wir sind nicht weit vom

Hamburger Hafen entfernt, wo das Holz aus

Amerika und Afrika ankommt. Wir haben vor

der Tür einen Autobahn- und einen Bahnanschluss

und sind nah an Osteuropa, wohin

wir viele Furniere exportieren. Auch das Arbeitskräftepotenzial

ist für unsere Bedürfnisse

optimal.“ Mehr als 50 Prozent der Beschäftigten

des Furnierwerkes sind Frauen.

Sorgen bereitet Beyer indes die aktuelle Politik

der Bundesregierung: „Die aus der EEG-

Umlage resultierenden hohen Energiekosten

machen uns sehr zu schaffen. Und auch der

allgemeine Mindestlohn. Für viele Tätigkeiten

im Werk brauchen wir keine Fachkräfte,

sondern einfache Arbeiter, die zupacken

können und arbeiten wollen. Wir haben hier

in der Region schon viele Langzeitarbeitslose

von der Straße geholt. Aber für ungelernte

Kräfte können wir unmöglich 8,50 Euro pro

Stunde zahlen, das funktioniert nicht. Wir

erwarten daher von der Politik, dass sie Gesetze

macht, die die Realität widerspiegeln

und Unternehmertum befördern.“

Doch den Optimismus lässt sich Beyer angesichts

der politischen Rahmenbedingungen

nicht unbedingt nehmen: „Ich erfreue mich

jeden Tag neu an unserer Produktion. Holz

ist ein faszinierender Naturstoff, der immer

variiert und nie gleich ist. Und die Furnierherstellung

ist das Nonplusultra der Holzverarbeitung,

weil der Stamm hier Blatt für Blatt

aufgeschnitten wird und dabei die Schönheit

und Vielfalt der Natur zum Vorschein kommt.“

W+M

Neue Netze für neue Energie

Das Übertragungsnetz ist der Schlüssel

zu mehr erneuerbarer Energie.

Wir bei 50Hertz sind Vorreiter bei der sicheren

Integration der erneuerbaren Energie ins Netz.

Wir betreiben das Höchstspannungsnetz für

mehr als 18 Millionen Menschen im Norden

und Osten Deutschlands. Wir meinen es ernst

mit unserer gesellschaftlichen Verantwortung,

Stromautobahnen gemäß den Klimazielen

Deutschlands und Europas zu entwickeln.

Mit zahlreichen Projekten zur Verstärkung

und zum Ausbau des Stromnetzes leisten

wir hierzu einen wichtigen Beitrag.

Mehr unter www.50 hertz.com

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


20 | W+M Länderreport

Der Eingang zum Leipziger Messehallenkomplex im Norden der Stadt.

Wirtschaftsmotor, Innovationstreiber

und Schaufenster in die Welt

Leipzigs Messegesellschaft erweist sich dank einer hohen Umweg-Rendite durch ihre

Messen, Kongresse und Veranstaltungen als unverzichtbarer umsatzbefördernder Faktor für

den Mittelstand der mitteldeutschen Region.

Von Harald Lachmann

Leipzig wuchs nicht zufällig zu einem

weithin bedeutenden Messeplatz. Die

Stadt lag halt an der Kreuzung zweier

zentraler europäischer Handelsrouten. Dies

machte die Messe durch die Jahrhunderte zu

einem Wachstumsmotor der regionalen Wirtschaft.

Jene Rolle setzte Leipzig auch fort,

als es hier 1895 die weltweit erste Mustermesse

kreierte. Und auch jetzt, da das Konzept

einer universellen Mustermesse spezialisierten

Fachmessen wich, ist es gerade das

gewerbliche Leben vor Ort, das hiervon profitiert

– Mittelstand, Handwerk, Gastronomie,

Verkehrsbetriebe, Taxi- und Hotelgewerbe.

Martin Buhl-Wagner, der Sprecher der Geschäftsführung

der Leipziger Messe, nennt

diesbezüglich gern eine signifikante Hausnummer:

Jeder auf der Messe gezahlte Euro

bringe weitere fünf Euro im Umland.

Beim Segment der Kongresse – dessen Gewicht

wächst innerhalb der Leipziger Messe

Unternehmensgruppe seit Jahren – liege diese

Umweg-Rendite sogar bei 1:13, ließ Buhl-

Wagner durch Experten ermitteln. Die Stadt

Leipzig wie auch der Freistaat Sachsen als Gesellschafter

der Leipziger Messe GmbH sind

also gut beraten, sich diesen Wirtschaftsmotor

zu leisten. Immerhin besuchten allein

2013 rund 1,2 Millionen Gäste die 37 Messen,

97 Kongresse und 34 Veranstaltungen in

den Bereichen Business, Politik, Sport und

Unterhaltung, die die Gesellschaft ausrichtete.

Mit einem Umsatz von über 85 Millionen

Euro war es sogar das bisherige Rekordjahr.

Ähnlich positiv stellt sich diese Relation in

Sachen Beschäftigung dar. Die 380 eigenen

Mitarbeiter, die die Unternehmensgruppe

mit ihren fünf Tochterfirmen in Lohn und

Brot hat, generieren durch die Messen, Kongresse

und Events zusätzlich über 4.000 Arbeitsplätze

in Leipzig. Hinzu kommen noch

einmal 3.000 Stellen bundesweit, darunter

Standbauer, Fachhandwerker, Agenturen

oder Spediteure. Allein das Tochterunternehmen

FAIRNET beschäftigt 220 Lieferanten

aus der Region Leipzig. 80 Prozent des

Auftragsvolumens vergibt es an Firmen in

Mitteldeutschland, Brandenburg und Berlin.

Über jene recht konkret messbare Rolle als

Wirtschaftsmotor hinaus offeriert die Gesellschaft

mit ihren dutzenden Fachmessen zugleich

branchenspezifische Plattformen für

Innovation, direkten Austausch und Technologietransfer.

Der Bogen spannt sich vom

Messedoppel SHKG und „efa“ (dem führenden

Fotos: Leipziger Messe, Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Sachsen | 21

Branchentreff Ost für Sanitär, Heizung, Klima und Gebäudetechnik)

über die ebenfalls bis zur Ostsee ausstrahlende Mitteldeutsche Handwerksmesse

sowie die Weltleitmesse für Orthopädie und Rehatechnik

„OTWorld“ – und er endet noch nicht beim Messeverbund „Intec“

und „Z“, wo Fertigungstechnik für die Metallbearbeitung sowie die

Zulieferindustrie im Fokus stehen. Denn auch Immobilienexperten,

Landwirte, Raumgestalter, Goldschmiede, Regionalplaner, Ökostromer

und natürlich Buchverleger, um wieder nur einige wenige herauszugreifen,

finden hier ihr jährliches oder zweijähriges Order- und

Ausstellungshighlight vor der Haustür.

Gerade die Kombination „Intec“ plus „Z“ mausert sich zu einem auch

international unverzichtbaren Branchengipfel, von dem der sächsische

Maschinenbau erheblich profitiert. Eben erst unterzeichnete

die Messe daher mit dem Innovationsverbund Maschinenbau Sachsen

„VEMASinnovativ“ auch eine Kooperationsvereinbarung.

Mit der „OTWorld” etablierten die sächsischen Messemacher auch

die Weltleitmesse für Orthopädie- und Reha-Technik in Leipzig.

An „Intec“/„Z“, der „OTWorld“ oder auch der Europäischen Messe

für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung „denkmal

Leipzig“ lässt sich recht plastisch eine weitere Katalysatorfunktion

des sächsischen Messeplatzes für die regionale Wirtschaft ablesen:

Durch die hier veranstalteten Foren, Kooperationsbörsen und

Gemeinschaftsbeteiligungen von Universitäten und Forschungsinstituten

avancieren die Fachmessen zum Treiber für den Innovationstransfer

in der Region. „Hier führen wir gezielt die Industrie mit

der Forschung zusammen“, so der Messechef. Fast folgerichtig beteiligt

sich sein Haus darum auch an der Förderinitiative Deutschlandstipendium,

indem man besonders begabte wie zielstrebige Studenten

finanziell unterstützt. Damit Leistungsträger vor Ort zu halten,

sehe man „als Teil unserer unternehmerischen Verantwortung“,

so Buhl-Wagner.

Als weiteres Feld für das Wirken in der Region entdeckt das Unternehmen

derzeit die Kreativwirtschaft. Mit den „Designers‘ Open“ eröffnete

man etwa ein Podium für Industriedesigner. So sucht diese Messe,

auf der 2014 erstmals der Sächsische Staatspreis für Design verliehen

wird, auch den bewussten Brückenschlag zu deren kreativen

Werkstätten, die dann parallel zu einem Tag der offenen Tür laden.

Nicht zuletzt auch im eigenen Interesse stricken Leipzigs Messemacher

am Ausbau der regionalen Infrastruktur. Hierzu gehört etwa

die unlängst vereinbarte Kooperation mit Turkish Airlines, die den

Airport Leipzig/Halle mittlerweile täglich zweimal über das Luftdrehkreuz

Istanbul an alle Welt angedockt hat. Denn von wachsendem

Nutzen für Mitteldeutschlands Mittelstand ist auch die konsequente

internationale Vernetzung aller Ausstellungsaktivitäten.

Leipzigs Messe etablierte sich nicht nur fest unter den deutschen

Top 10, sie gehört auch weltweit zu den „Hot 100“ der Messeplätze.

So organisierten die Leipziger allein 2013 elf eigene Veranstaltungen

im Ausland, einige davon mit Partnern vor Ort, und managten

zudem 27 Gemeinschaftsbeteiligungen deutscher Firmen auf Messen

in aller Welt. Gerade bereitet man mit der Wirtschaftsförderung

Sachsen eine große sächsische Präsentation auf der weltgrößten

Halbleitermesse „Semicon West“ im Juli in San Francisco vor. W+M

Das Fahnenmeer vor dem Eingang zum Verwaltungsgebäude

der Leipziger Messe.

Die Maschinenbaumesse „Intec” ist nächstes

Jahr die einzige große Fertigungsmesse.

Menschentrauben auf der Leipziger

Buchmesse.

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22 | W+M Länderreport

Klein-Hollywood an der Neiße

Das sächsische Görlitz war bereits New York, Paris und München. Mit seiner einzigartigen

Altstadt bietet es offenbar alles, was die Filmindustrie als Kulisse für historische Streifen braucht.

So treffen sich in „Görliwood“ immer wieder Weltstars. Die wirtschaftlichen Effekte für die Stadt

sind siebenstellig.

Von Harald Lachmann

Ein imposanter Lichthof, den eine farbige

Glaskuppel krönt. Darunter eine freitragende

Treppe, die in drei Etagen zu

den großzügig umlaufenden Galerien hinaufführt.

Eben jene Jugendstileleganz hatte US-

Regisseur Wes Anderson gesucht, als er sein

jüngstes Kinowerk „The Grand Budapest Hotel“

plante. Fündig wurde er weit im deutschen

Osten – in der Grenzstadt Görlitz. Dessen

100 Jahre altes Kaufhaus geriet Anderson

zur authentischen Kulisse für die abenteuerlich-schräge

Geschichte über die Freundschaft

zwischen einem Hotelconcierge und

seinem Günstling.

Gedreht wurde 2013 wochenlang mit Stars

wie Ralph Fiennes, Jude Law, Adrien Brody

oder Jeff Goldblum. Jüngst holte der Film einen

Silbernen Bären auf der Berlinale, nachdem

er zuvor das Festival eröffnet hatte. Seit

Wochen läuft „The Grand Budapest Hotel“

auch in den deutschen Kinos, doch zuvor sahen

ihn die Görlitzer selbst. Denn bei einer

Vorpremiere an der Neiße lief er für 700 Besucher

in allen fünf Kinosälen des städtischen

Kinos. Die Görlitzer selbst fanden sich so einmal

mehr in ihren Ruf als „Görliwood“ bestätigt.

Denn eine ähnliche Voraufführung erlebten

sie bereits 2009 mit dem Streifen „Der

Vorleser“ – ebenfalls weitgehend mit großen

Stars in Görlitz gedreht. Kate Winslet erhielt

für ihre Rolle gar den Oscar.

Mittlerweile wirbt die Kreisstadt sogar offiziell

mit der Marke „Görliwood“, ließ sie gar

patentieren. Und das ist wohl nicht überzogen.

Denn zuvor erlebten die Görlitzer bereits

andere Stars hautnah, etwa Jackie Chan

und Arnold Schwarzenegger, die hier Szenen

des Hollywoodstreifens „In 80 Tagen um die

Welt“ drehten. Und Schüsse vom historischen

Rathausturm jagten auch über das Görlitzer

Kopfsteinpflaster, als Daniel Brühl in „Inglourious

Basterds“ von Quentin Tarantino

Jagd auf GI‘s machte.

Von Januar

bis März 2013

fanden in

Görlitz Dreharbeiten

zum

Kinofilm

„Grand Budapest

Hotel“

statt.

Es ist die einzigartige Altstadtkulisse der

56.000-Einwohner-Stadt, die Location scouts

und Regisseure aus aller Welt anzieht. Mit

4.000 Einzeldenkmalen gilt sie als größtes

Flächendenkmal Deutschlands. Spätgotik

trifft auf Renaissance, Barock

auf Jugendstil. Auf wenigen

hundert Metern lassen

sich Schätze aus über einem

halben Jahrtausend europäischer

Architekturgeschichte

ausmachen. So mutiert

die Altstadt um Rathaus,

Untermarkt, Tuchhallen und

Flüsterbogen wahlweise zu

Fotos: 20th Century Fox, Christiane Hergl/pixelio.de, Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Sachsen | 23

Für „Die Bücherdiebin“ wurden zwei Gleise des Bahnhofs Görlitz

gesperrt und in einen Bahnhof aus den 40er Jahren umgestaltet.

Die malerische Altstadt von Görlitz diente schon mehrmals als

Kulisse für Hollywood-Produktionen.

New York, Berlin, Frankfurt/Main, Paris, Heidelberg

oder München: Das wandelbare Görlitz

hat sie als Drehort bereits alle verkörpert.

Mittlerweile wurden hier für nicht weniger

als 29 Filme Szenen gedreht, die ersten bereits

1954. Jüngeren Datums sind „Monuments

Men“ (2013) von George Clooney, „Der

Turm“ und „Die Vermessung der Welt“ (beide

2011) sowie diverse Tatort- und Polizeiruf-Folgen.

Und weitere Projekte stehen an.

Noch 2014 will eine Münchener Firma in Görlitz

den Klassiker „Eine Weihnachtsgeschichte“

von Charles Dickens neu verfilmen. Und

ab Herbst drehen die Produzenten von „Lola

rennt“ und „Das weiße Band“ hier eine Neufassung

von Hans Falladas „Jeder stirbt für

sich allein“.

Viele weitere Gründe sprechen für Görlitz als

authentischen Drehort, etwa geringe Kriegsschäden,

eine Altstadt ohne Bausünden und

Leuchtreklamen, kurze Wege und eine gute

Infrastruktur, dennoch wenig Verkehr in der

Altstadt und nicht zuletzt ein hoch kooperatives

Rathaus. So hat sich denn auch die

Verwaltung um Oberbürgermeister Siegfried

Deinege (parteilos) längst ganz professionell

auf die Filmteams eingestellt. Straßenschilder

oder Neonröhren wurden etwa so konzipiert,

dass sie sich während der Drehs schnell

entfernen lassen.

Natürlich zieht auch Görliwood seinen Nutzen

aus dem Hype. Die Crews geben hier nicht

wenig Geld aus, an Drehtagen ist kein Hotelbett

mehr frei und mancher Einwohner

kommt zu einem Job als Komparse. Nicht zuletzt

gewinnen Dienstleistungsanbieter und

das Handwerk zusätzliche Aufträge, etwa

durch den Kulissenbau sowie das Bereitstellen

von Requisiten und Personal. Görlitzer

Näherinnen fertigen Kostüme für die Filmproduktionen,

Juweliere kreieren Schmuck,

Bäcker backen spezielle Torten, die dann später

über die Leinwand flimmern.

Allein an den 50 Drehtagen zu

„The Grand Budapest Hotel“ blieben

vom Gesamtbudget – rund 23

Millionen Euro – rund vier Millionen

in der Region, so auch für

den drehbuchgerechten Umbau

Authentisch restaurierte

Renaissancefassaden in

der Altstadt von Görlitz.

jenes Kaufhauses, in dem zuletzt Hertie verkaufte.

Allein hierbei seien gut 15 Firmen aus

der Oberlausitz eingebunden gewesen, weiß

man im Rathaus. Auch für die Übernachtungen

der Hollywood-Crew verblieben 710.000

Euro bei den Hotelbetreibern an der Neiße.

Mittlerweile gilt als Faustregel, dass Görlitz

beim Einchecken eines Filmteams schnell bis

zu 200 Dauergäste beherbergt, so etwa Techniker,

Maskenbildner, Köche. Hinzu kommen

zunehmend Schaulustige, die einmal Hollywood

live erleben wollen.

Im Übrigen steuerte auch der Freistaat

über seine Mitteldeutsche Medienförderung

(MDM) 900.000 Euro zur jüngsten Hollywood-

Produktion bei. Eine Investition, die sich

ebenfalls lohnt. Denn wie MDM-Geschäftsführer

Manfred Schmidt versichert, muss diese

Fördersumme vor Ort ausgegeben werden.

Gut möglich übrigens, dass Görlitz eines Tages

selbst mal Gegenstand eines Streifens

wird. Den Hauptdarsteller mimt dann indes

ein großer Unbekannter – nämlich jener anonyme

Spender, der der Stadt jüngst schon

zum zwanzigsten Male eine sogenannte Altstadtmillion

überwies. Seit der Währungsumstellung

sind dies zwar nun 511.500 Euro,

doch erneut könnten damit viele Bauvorhaben

in den historischen Gassen realisiert

werden. Allein das Vorjahresgeld kam 74 Projekten

zugute. Der Kontakt läuft stets über

einen Anwalt, da der große Görlitz-Gönner

unerkannt bleiben will. Welch ein Filmstoff!

W+M

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24 | W+M Titelthema

Tourismusboom als Wirtschaftsfaktor

Von der Ostseeküste bis zum Thüringer Wald: 25 Jahre nach dem Mauerfall hat sich die Tourismusbranche

zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Ostdeutschland entwickelt. Nun gilt

es, für weiteres Wachstum bisher ungenutzte Potenziale auszuschöpfen.

Von Matthias Salm

Und dann kam die Flut. Als Anfang

Juni 2013 nach tagelangen Regenfällen

Elbe, Saale und Mulde über

ihre Ufer traten, mussten sich

die ostdeutschen Touristiker auf eine ungewohnte

Wachstumspause einstellen. Obgleich

viele Schäden zügig behoben werden

konnten, hinterließen die täglichen Hochwasserbilder

in den Medien ihre Wirkung vor

allem bei Tagesreisenden und Kurzurlaubern.

Insgesamt bescherten die sommerlichen

Wetterkapriolen den ostdeutschen Flächenländern

2013 mit einem Rückgang von

0,3 Prozent bei der Zahl der Übernachtungen

leichte Einbußen, so das Ergebnis des renommierten

Sparkassen-Tourismusbarometers

Ostdeutschland des Ostdeutschen Sparkassen-Verbandes

(OSV).

Die Flutdelle in der Tourismus-Bilanz ist aber

nicht mehr als eine Momentaufnahme. Denn

25 Jahre nach dem Mauerfall befinden sich

die meisten ostdeutschen Urlaubsregionen

kontinuierlich im Aufwind. Längst hat sich

die Tourismusbranche als dynamischer und

weithin krisenfester Wirtschaftsfaktor etabliert.

In den letzten 20 Jahren, bilanziert

der OSV, haben sich die Übernachtungen in

Ostdeutschland (ohne Berlin) mehr als verdoppelt.

Den 33 Millionen Übernachtungen

in 1993 standen 2013 74,6 Millionen Übernachtungen

in Hotels, Pensionen und auf

Campingplätzen gegenüber. Entsprechend

stieg im selben Zeitraum der Marktanteil

Ostdeutschlands an sämtlichen Übernachtungen

in Deutschland von 10,4 auf 18,2

Prozent.

Auch als Jobmotor ist die Reisebranche mittlerweile

unverzichtbar, vor allem in jenen

Regionen mit schwacher industrieller Basis.

Laut Sparkassen-Tourismusbarometer

Sachsen: Der Basteifelsen in der Sächsischen Schweiz.

ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten im ostdeutschen Gastgewerbe

(ohne Berlin) allein seit 2003 um über

20 Prozent gestiegen. Die „Tourismusregionen

sind ein Markenzeichen Ostdeutschlands“,

lobt Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender

Präsident des Ostdeutschen Sparkassen-Verbandes,

denn auch folgerichtig

die Entwicklung des Fremdenverkehrs zwischen

Rügen und Erzgebirge.

Die Erfolgszahlen sind kein Zufall, sondern

das Ergebnis der langjährigen Investitionen

in die touristische Infrastruktur. So vermerkt

die Studie, dass sich allein die Zahl

der Thermen und Spaßbäder im Osten der Republik

seit 1993 von gerade einmal zwei auf

über 100 erhöht hat. Neue Attraktionen wie

die mitteldeutsche Seenlandschaft ergänzen

das Angebot der klassischen Kultur-Reiseziele

wie etwa die UNESCO-Welterbestätten von

Fotos: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH, TMB-Fotoarchiv/Frenkel/SPSG, TMV/Dürst, Tourismus-Verband Mecklenburg-Vorpommern e. V.

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Tourismus in Ostdeutschland | 25

Brandenburg:

Schloss Charlottenhof

im Park von Sanssouci.

der Quedlinburger Altstadt bis zu den Zeugnissen

der Klassik in Weimar.

Zu den Gewinnern im Reisemarkt zählt beispielsweise

das Weltnaturerbe Hainich, das

größte zusammenhängende Laubwaldgebiet

Deutschlands, das 2013 ein Besucherplus

von acht Prozent vermeldete. Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern gehören

nach einer Analyse des Allgemeinen Deutschen

Fahrradclubs zu den vier beliebtesten

Radreiseregionen in Deutschland, der Elberadweg

ist der attraktivste deutsche Fernradweg.

Und Sachsens Metropolen Leipzig

und Dresden profitieren vom Boom der Städtereisen.

Gemessen an den jährlichen Übernachtungszahlen

schaffen sie es regelmäßig

in die Top 10 der gefragtesten Städtereiseziele

in Deutschland.

Nirgendwo aber kommt dem Tourismussektor

eine ähnlich wirtschaftlich herausragende

Stellung zu wie hoch im Norden: Mehr als

ein Drittel der 74,6 Millionen Übernachtungen

in Ostdeutschland wurden in Mecklenburg-Vorpommern

gebucht. Die Seebäder der

Ostseeküste und die Seenplatte im Hinterland

– sie rangieren längst bundesweit unter

den Top-Reisedestinationen. Von Ahlbeck

Mecklenburg-Vorpommern:

Von Gischt umtoste Mole in

Warnemünde an der Mecklenburgischen

Ostseeküste.

bis Zarrentin zählten die Beherbergungsbetriebe

2013 28,2 Millionen Übernachtungen.

„Die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern

hat sich seit dem Mauerfall sehr

positiv entwickelt. Die hohe Tourimusintensität

– fast fünf Übernachtungen auf einen

Einwohner – dokumentiert dies eindrucksvoll“,

freut sich denn auch Bernd Fischer, Geschäftsführer

des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern.

Für die Wirtschaft des

Küstenlandes bedeutet dies „einen Jahresumsatz

von rund sieben Milliarden Euro sowie

ein Beschäftigtenäquivalent von 173.000

Personen, die durch den Tourismus ihren Lebensunterhalt

bestreiten“. Traditionell favorisieren

die Ostsee weiterhin die Ostdeutschen

selbst, die fast die Hälfte der Gästebetten

belegten. Aber auch Schweden, Dänen

und Niederländer zieht es vermehrt auf

Deutschlands Sonnendeck.

Bernd Fischer

Geschäftsführer Tourismusverband

Mecklenburg-Vorpommern

Touristische Betriebe:

Harter Wettbewerb droht

Während sich die touristischen Rahmendaten

in Ostdeutschland positiv entwickeln,

müssen sich die einzelnen Betriebe

nach Experteneinschätzung auf einen

härteren Wettbewerb einstellen. Zu einer

der größten Herausforderungen dürfte

dabei der Fachkräftemangel werden. Die

Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung

zur Ausbildung 2012 belegen,

dass im Bran chenvergleich das

Gastgewerbe mit Abstand die größten

Probleme hat, Jugendliche für eine Ausbildung

zu gewinnen. Dies gilt besonders

für die äußerst kleinteilige ostdeutsche

Tourismuswirtschaft mit ihren begrenzten

Ressourcen. Im Durchschnitt beschäftigen

die ostdeutschen Betriebe im Gastgewerbe

gerade einmal sieben Mit arbeiter und

erwirtschaften laut Sparkassen-Tou rismusbarometer

Ostdeutschland einen

Umsatz von 213.000 Euro pro Jahr. Auch

steigende Kosten für Energie, Rohstoffe

und Gehälter werden die Bilanzen in den

kommenden Jahren belasten. Nur wer auf

kreative Konzepte setzt, Online-Medien

und Zertifizierungen aktiv nutzt und das

Qualitätsmanagement vorantreibt, wird

sich mittelfristig im Wettbewerb behaupten

können.

Eine Ausnahmestellung nimmt auch die

Hauptstadt Berlin ein. Hier hat sich die Zahl

der Gäste von drei Millionen im Jahr 1993 auf

über elf Millionen in 2013 fast vervierfacht,

wie die Berlin-Werber der Berlin Tourismus

& Kongress GmbH stolz verkünden. Tourismus

und Kongressgeschäft sichern inzwischen

knapp 280.000 Arbeitsplätze in der

Spree-Metropole. 1993 hatten Berlins Herbergen

gerade mal 36.000 Gästebetten im

Angebot, heute sind es 130.000 – und bis

2016 sollen noch 20.000 weitere hinzukommen.

Während Berlinreisende aus Deutschland,

die derzeit 58,1 Prozent aller Besucher

ausmachen, im Durchschnitt über 40 Jahre

alt sind, zieht der Hauptstadt-Hype aus dem

Ausland vor allem jugendliche Rucksacktouristen

an. Insgesamt kamen aus dem Ausland

2013 4,3 Millionen Gäste nach Berlin.

Nur London und Paris haben in Europa noch

die Nase vorn.

Doch während die Hauptstadt von Rekord

zu Rekord eilt, sehen Tourismusexperten in

den übrigen ostdeutschen Bundesländern

viele Potenziale noch nicht ausreichend erschlossen.

Das bisherige Wachstum lässt sich

deshalb in einem zunehmend verschärften

Wettbewerb zwischen den Reiseregionen

nur dann festigen, wenn die bisherigen

Schwachstellen im ostdeutschen Tourismus

behoben werden können.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


26 | W+M Titelthema

Hauptmanko Nummer eins bleibt der zu geringe

Bekanntheitsgrad ostdeutscher Urlaubsgebiete

im Ausland. „Um auch in Zukunft

im Deutschlandtourismus ganz oben

mitzuspielen“, beschreibt Bernd Fischer die

Zielsetzung in Mecklenburg-Vorpommern,

„bedarf es der konsequenten Weiterentwicklung

qualitativer und nachhaltiger zielgruppenspezifischer

Angebote auf der einen und

der Erschließung neuer Gästegruppen auf der

anderen Seite.“ Die Stoßrichtung ist dabei

eindeutig: „Vor allem bei Gästen aus dem

Ausland hat Mecklenburg-Vorpommern noch

ein hohes Potenzial, das mit einer entsprechenden

Infrastruktur auch ausgeschöpft

werden kann.“

Eine Sicht, die auch die Analysen des Sparkassen-Tourismusbarometers

bestätigen:

Der Marktanteil Ostdeutschlands an sämtlichen

Übernachtungen ausländischer Gäste

in Deutschland nahm von 4,4 Prozent in 1993

auf vergleichsweise geringe 6,6 Prozent in

2013 zu. Dabei könnte bis zum Jahr 2020, so

haben es die Experten des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen

Institut für Fremdenverkehr

e. V. in München errechnet, der

Fernreisetourismus in Ostdeutschland um

36 Prozent gesteigert werden. In absoluten

Sachsen-Anhalt: Quedlinburg im Harz ist UNESCO-Welterbestadt.

Zahlen wären dies mehr als 600.000 zusätzliche

Übernachtungen. In ihrer Studie nennen

die Tourismusforscher 15 relevante internationale

Märkte. Dazu zählen traditionelle

Deutschlandbesucher wie Niederländer,

Briten oder Schweizer, aber verstärkt auch

Besucher aus Russland, China oder Australien,

die sich vor allem für Städte- und Kulturreisen

interessieren.

Kein Wunder, dass ausländische Gäste mittlerweile

von den ostdeutschen Tourismuswerbern

zur Zielgruppe Nummer eins auserkoren

wurden. Beispiel Brandenburg: „Wir

Übernachtungen in Deutschland gegenüber Vorjahr in Prozent

Saarland

Hamburg

Berlin

Bremen

Nordrhein-Westfalen

Schleswig-Holstein

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Brandenburg

Bayern

Baden-Württemberg

Sachsen

Rheinland-Pfalz

Niedersachsen

Thüringen

Sachsen-Anhalt

-3

-0,4

-0,5

-0,5

-1,6

1,6

1,3

1,2

0,8

0,3

0,2

0,2

9,1

8,2

7,6

12,6

Quelle: Sparkassen-Tourismusbarometer Ostdeutschland, Ostdeutscher Sparkassen-Verband

streben rund eine Million Übernachtungen

von ausländischen Gästen an”, lautet hier

die Zielvorgabe von Wirtschaftsminister Ralf

Christoffers. In 2013 waren es rund 830.000.

Besonders Polen und Niederländer sollen für

Reisen in den Spreewald oder in die Seenlandschaft

zwischen Oder und Spree gewonnen

werden.

Auch Sachsen-Anhalt, wo rund 65.000 Beschäftigte

ihr Einkommen in direkter oder

indirekter Abhängigkeit vom Tourismus erwirtschaften,

dominiert bisher noch der Inlandstourismus.

Rund 93 Prozent der Gäste

kommen aus Deutschland, nur sieben

Prozent aus dem Ausland. In ihrem

Masterplan Tourismus 2020 hat sich die

sachsen-anhaltinische Landesregierung

deshalb auf die Fahnen geschrieben, sich

auf selektiven Auslandsmärkten als führendes

Kulturreiseziel in Deutschland zu

präsentieren. Bis 2020 soll die Zahl ausländischer

Übernachtungen auf 800.000

angestiegen sein.

Wie das gehen kann, haben die Münchener

Fremdenverkehrsforscher in ihrer

Studie schon einmal aufgezeigt: Verbesserung

der Fremdsprachenkenntnisse

bei den Tourismus- und Hotelfachkräften,

international verständliche Beschilderungs-

und Buchungssysteme und der

Ausbau bundesländerübergreifender Vermarktungskooperationen

könnten erste

Schritte zur erfolgreichen Erschließung

ausländischer Zielgruppen sein. W+M

Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/Frank Boxler

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Tourismus im Osten | 27

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28 | W+M Titelthema

Reiseland Berlin

Hotspot an der Spree

Infos zum Tourismus in Berlin

Berlin Tourismus & Kongress GmbH

Tel.: 030 25002333, www.visitberlin.de

Die East-Side-Gallery in Berlin.

„The Place to be“ titelte ein US-Magazin in

einem Beitrag über die deutsche Hauptstadt.

Berlin ist beliebt – nicht nur bei Start-ups,

sondern vor allem auch bei Touristen. Das belegt

nicht nur die Zahl der Übernachtungen,

die sich in den letzten zehn Jahren mehr als

verdoppelte, sondern auch die 100 Millionen

Tagesbesucher, die jährlich nach Berlin strömen.

Lediglich London und Paris sind in Europa

noch beliebter als die Hauptstadt. Neben

den Touristen aus Großbritannien, Italien,

den Niederlanden, Spanien und den USA

kommen vor allem auch deutsche Urlauber

an die Spree.

Berlin ist in vielen Bereichen gut aufgestellt:

Kultur, Architektur, Shopping, Nachtleben

und nicht zuletzt die Natur, die man mit dem

Tiergarten und vielen anderen Parks mitten

in Berlin und auch im Umland reichlich findet.

Neben den klassischen Highlights wie Brandenburger

Tor, Fernsehturm und Gedächtniskirche

fasziniert die Touristen vor allem die

Geschichte der deutschen Teilung, die in Berlin

an vielen Ecken sichtbar ist. Zudem wartet

die Hauptstadt zum 25-jährigen Jubiläum

des Mauerfalls in diesem Jahr mit einer

Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen

auf. Den Höhepunkt bildet die große

Licht-Installation „Symbol der Hoffnung

für eine Welt ohne Mauern“ am Wochenende

um den 9. November entlang des ehemaligen

Mauerverlaufs.

Kulturfreunde kommen in Berlin besonders

auf ihre Kosten: Rund 1.500 Veranstaltungen

von Oper und Musical über Pop-Konzert und

Theater bis hin zu Ausstellungen und Varieté

– im Kulturkalender von Berlin lässt sich für

jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas

finden. Allein drei Opernhäuser hat Berlin zu

Der Neptunbrunnen und der

Fernsehturm am Alexanderplatz.

bieten: Die Staatsoper, die Deutsche und die

Komische Oper, dazu das große Symphonieorchester

in der Berliner Philharmonie. Und

auch der Friedrichstadtpalast hat sich in seinem

30-jährigen Bestehen, das dieses Jahr

gefeiert wird, zum Erfolgsmodell gemausert

und spielt ganz oben in der Liga der besten

Revuetheater mit.

W+M

Tipp der Redaktion: Pfaueninsel

Die Pfaueninsel im Ortsteil Wannsee im Südwesten von Berlin gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das 88 Hektar große Naturschutzgebiet, das eng mit der brandenburgisch-preußischen Geschichte verbunden

ist, wirkt mit seinem weißen Schloss ein bisschen wie aus einer Traumwelt. Das Schloss mit seinen verspielt

wirkenden Türmen und dem grandiosen Blick über die Havel wurde von Friedrich Wilhelm II. erbaut und später

von seinem Sohn Friedrich Wilhelm III. und seiner Frau Luise genutzt. Aus der Ferne wirkt es, als besitze es

eine Steinfassade, ist aber in Wirklichkeit aus groben Eichenbrettern gebaut. Ein Spaziergang durch den naturbelassenen

Park mit seinen alten Eichen lohnt: Neben den freilaufenden, namensgebenden Pfauen begegnet

man ganz versteckt verspielten Volièren und Fontänen. Weitere Infos unter www.pfaueninsel.info.

Fotos: visitBerlin/Tanja Koch/Wolfgang Scholvien, A. Savin, TMB/Paul Hahn, Clemensfranz

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Tourismus in Ostdeutschland | 29

Reiseland Brandenburg

Natur und Kultur satt

Der Spreewald lässt sich am

besten mit Kahn oder Paddelboot erkunden.

Infos zum Tourismus

in Brandenburg

TMB Brandenburg

Tel.: 0331 2004747

www.reiseland-brandenburg.de

Nach Bayern und Mecklenburg-Vorpommern

liegt Brandenburg mit 3.087 Seen an dritter

Stelle der seenreichsten Bundesländer.

Etwa 13 Prozent der gesamten Landesfläche

sind Wasser. In diesem Atemzug lässt sich

eines der wohl bekanntesten touristischen

Highlights Brandenburgs nennen: der Spreewald.

Die natürliche Flusslaufverzweigung

der Spree, die sich auf über 3.000 Kilometern

erstreckt, besitzt durch ihre Artenvielfalt

und Moorlandschaften für den Naturschutz

eine überregionale Bedeutung und ist daher

auch als Biosphärenreservat geschützt.

Radfahren, Wandern und Wassersport werden

in Brandenburg groß geschrieben. Ausgeschilderte

Wanderwege und -routen mit

insgesamt über 2.000 Kilometern Länge durch

die weite und ursprüngliche Natur Brandenburgs

laden ein zum Entdecken von Seen,

Wäldern und seltenen Pflanzenarten. Berühmt

ist Brandenburg auch für seine Schlösser:

Sanssouci, Cecilienhof, Neuhardenberg,

Caputh und viele andere mehr. Schlösser-

Fans kommen in Brandenburg auf ihre Kosten.

Schloss Sanssouci in Potsdam ist dabei

eines der bekanntesten Hohenzollernschlösser.

Schloss und Park ziehen jährlich mehr als

eine Million Besucher an.

W+M

Die Saarow Therme.

Tipp der Redaktion: Bad Saarow

Der anerkannte Kurort mit Thermalsole- und Moorheilbad liegt etwa 70 Kilometer von Berlin am Scharmützelsee.

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich Bad Saarow zum bevorzugten Erholungsort

und Treffpunkt der Berlin Kultur- und Filmszene. Max Schmeling besaß ein Anwesen in der Stadt

und auch Maxim Gorki weilte zu dieser Zeit des Öfteren dort. Schon Ende des 19. Jahrhunderts schwärmte

Theodor Fontane von der Stadt am größten See Brandenburgs. Auch heute noch ist sie ein Paradies für

Segler, Taucher, Wanderer, Golfer und Reiter. Weitere Infos unter www.bad-saarow.de.

Nur 60

Kilometer

von Berlin

entfernt

Die außergewöhnliche Location für jeden Event

Das Tropical Islands Resort – viel Raum für Ihre Ideen. Wir beraten Sie gerne!

...auch Outdoor, z. B.:

LAUF IN DIE TROPEN

Sonntag, 23. November 2014

Jetzt anmelden: www.lauf-in-die-tropen.de

www.tropical-islands.de

www.wundm.info

reservierungen@tropical-islands.de 03 54 77 60 44 44 /tropical.islands

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


30 | W+M Titelthema

Reiseland Mecklenburg-Vorpommern

Mehr als Strand und Ostsee

Infos zum Tourismus in

Mecklenburg-Vorpommern

Tourismusverband MVP

Tel: 0381 4030-550

www.auf-nach-mv.de

Boote im Hafen von Waren an der Müritz.

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige

deutsche Bundesland, das seit der Jahrtausendwende

zweistellige Wachstumsraten verbuchen

konnte. Der Tourismusboom in Ostdeutschland

zeigt sich dort besonders. Mecklenburg-Vorpommern

ist vor allem durch seine

Ostseeküste sehr beliebt, hat aber weit

mehr zu bieten. Neben den zahlreichen malerischen

Kurbädern gibt es beispielsweise

auch an der Mecklenburger Seenplatte viel

Sehenswertes zu entdecken.

Viele traditionsreiche und bekannte Badeorte

liegen entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns:

der älteste Seebadeort

Deutschlands Heiligendamm, die Seeheilbäder

Graal-Müritz und Boltenhagen, das malerische

Kühlungsborn und das mit 150 Metern

über den breitesten Sandstrand der deutschen

Ostseeküste verfügende Warnemünde.

Die Mecklenburgische Seenplatte wird auch

als „das Land der Tausend Seen“ bezeichnet.

Es sind sogar etwas mehr. Besonders beliebt

sind einer der größten Seen Deutschlands,

die Müritz, sowie der Kölpin- und der Fleesensee.

Die ursprüngliche Region beherbergt

viele Landgasthöfe, Schlosshotels und Restaurants;

und natürlich wird der Wassersport

hier groß geschrieben. Vom Angeln

über Kanu fahren bis zum Wasserski ist alles

möglich.

Kulturelle Highlights hat Mecklenburg-Vorpommern

auch zu bieten: Bei den Schlossfestspielen

in Schwerin, den Störtebekerund

den Ostseefestspielen über die Müritz-

Saga auf der Freilichtbühne in Waren, den

Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem

Usedomer Musikfestival und der Greifswalder

Bachwoche fällt die Entscheidung nicht

leicht.

W+M

Ein Open Air-Konzert auf Schloss Bothmer

an der Mecklenburgischen Ostseeküste.

Die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns ist für ihre langen

Sandstrände bekannt und beliebt.

Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Torsten Krüger/Thomas Grundner, Huber/pixelio.de, www.moa-anette.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Tourismus in Ostdeutschland | 31

Yachthafenresort Fleesensee

Verwöhnprogramm für Boot und Besitzer

Nicht nur der Sonnenaufgang am

Fleesensee ist eine Reise wert.

Direkt in der Mecklenburger Seenplatte und

nur durch den Kölpinsee von der Müritz getrennt

erstreckt sich der Fleesensee. Am Südufer,

im kleinen Örtchen Göhren-Lebbin, befindet

sich das Yachthafenresort Fleesensee.

Bereits seit über zehn Jahren wird es von der

Geschäftsführerin Claudia Kratz mit viel Liebe

fürs Detail und dem Ziel, einen Ort zum

Wohlfühlen zu schaffen, geführt. Zwei Häfen

bieten zusammen 160 Boots-Liegeplätze

mit Service für die Anleger: Strom am Steg,

eine Wassertankstelle, Bäder und persönliche

Betreuung durch den Hafenmeister. Die

Boote der „Dauerlieger“ werden zudem gewartet,

bei Bedarf repariert und können im

hauseigenen Winterlager beherbergt werden.

Aber auch für das Wohl der Bootsführer

ist gesorgt. Neben einer Strandbar und

Grillstation werden die Gäste im Restaurant

„Strandhaus“ gastronomisch versorgt: vom

Wild kräutersalat an Nußölvinaigrette mit gebratenem

Zanderfilet über Saltimbocca bis

hin zur deftigen Soljanka. Abgerundet wird

das Angebot des Yachthafenresorts Fleesensee

mit einem Mietwagen-, Boots- und Yachtverleih

sowie Wassersportangeboten und Veranstaltungen,

wie dem jährlichen großen Hafenfest

im August. Aber nicht nur bei Gästen

mit Boot erfreut sich das Resort großer Beliebtheit,

auch Hochzeits- und Familienfeiern

sowie verschiedenste Business-Events für

Unternehmen werden von Claudia Kratz und

ihrem Team ausgerichtet.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


32 | W+M Titelthema

Reiseland Sachsen

Zwischen Kultur und Bergen

Sachsen ist als Reiseziel sehr beliebt. Von

1992 bis 2012 stieg die Zahl der jährlichen

Urlauber von 6,7 auf 18,3 Millionen an und

hat sich damit fast verdreifacht. Das Bundesland

ist vor allem für das Erzgebirge, die

Sächsische Schweiz und das Vogtland sowie

seine Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz

bekannt. Besonders Dresden und Leipzig haben

sich in den letzten Jahren zu beliebten

Zielen für Städtereisen entwickelt. Sie punkten

mit reizvoller Architektur verschiedener

Epochen, einem breiten Angebot an Kunst

und Kultur, vielen Einkaufsmöglichkeiten

und einer lebendigen Gastronomie-Szene.

Aber auch kleinere Städte wie Meißen und

Plauen – weltberühmt durch Porzellan und

Spitze – sowie Radebeul mit dem Karl-May-

Museum oder das 1.000-jährige Bautzen lohnen

einen Besuch.

Die kreisfreie Großstadt Leipzig ist mit etwas

über einer halben Million Einwohnern

eine der größten Städte in Sachsen. Während

Dresden vor allem für seine historischen Bauten

wie den Zwinger und die Frauenkirche berühmt

ist, punktet Leipzig besonders mit seinem

kulturellen Angebot, als Messe standort

und mit seiner lebendigen Kneipenszene.

Das wohl bekannteste

Wahrzeichen Leipzigs ist das 91

Meter hohe Völkerschlachtdenkmal,

welches

zur Erinnerung

an die

Die Albrechtsburg und der Dom

in Meißen.

Völkerschlacht bei Leipzig errichtet und 1913

eingeweiht wurde. Daneben ist die Stadt bekannt

für seine musikalische Geschichte: Mit

Bach, Mendelssohn Bartholdy, Mahler, Clara

und Robert Schumann sowie Eisler und

Wagner kann Leipzig viele berühmte Musikerpersönlichkeiten

vorweisen. Dazu ist es

Heimat des Gewandhausorchesters und des

Thomanerchors.

Als Sächsische Schweiz wird der deutsche

Teil des Elbsandsteingebirges bezeichnet.

Charakteristisch ist die starke Zerklüftung

und der außerordentliche Formenreichtum.

So sind die Barbarine, eine über 40 Meter

hohe Felsnadel, der markante Tafelberg Lilienstein,

der zerklüftete Basteifelsen mit dem

atemberaubenden Ausblick auf das gesamte

Elbsandsteingebirge und die Festung Königsstein,

mit 9,5 Hektar eine der größten Bergfestungen

Europas, besonders beliebte Attraktionen.

W+M

Infos zum Tourismus

in Sachsen

Tourismus Marketing GmbH

Tel.: 03 51 491700

www.sachsen-tourismus.de

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Tipp der Redaktion: Oybin im Zittauer Gebirge

Täglich verkehrt die 120-jährige historische Schmalspurbahn mit Dampflokomotive zwischen

Zittau und dem kleinen Örtchen Oybin im Zittauer Gebirge nahe der tschechischen

Grenze. Dort erheben sich auf dem wohl bekanntesten Felsmassiv des Gebirges die Ruinen

der böhmischen Königsburg und des Klosters Oybin. Im 14. Jahrhundert ließ Kaiser Karl IV.

dort ein Kaiserhaus errichten und stiftete dem Orden der Chölestiner ein Kloster mit einer

imposanten Kirche. Nachdem das Klosterleben Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Reformation

endete, verwilderte das Gelände und wurde erst im 18. und 19. Jahrhundert durch

Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus wiederentdeckt. Weitere

Infos unter www.oybin.com.

Fotos: Manfred Lohse, Ilona Steinchen/pixelio.de, Leipzig Tourismus und Marketing GmbH/Andreas Schmidt, IMG Sachsen-Anhalt mbH/Frank Boxler/Boris Breuer/Michael Bader

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Tourismus in Ostdeutschland | 33

Reiseland Sachsen-Anhalt

Im Land der Frühaufsteher

Im Gegensatz zu Ländern wie Mecklenburg-

Vorpommern oder Brandenburg ist der Tourismus

in Sachsen-Anhalt weniger ausgeprägt.

Vergleicht man die Übernachtungen in den

neuen Bundesländern und Berlin, so belegt

Sachsen-Anhalt den letzten Platz. Dennoch

hat das Land touristisch einiges zu bieten. So

ist es beispielsweise das Flächenland mit der

höchsten Dichte an UNESCO-Welterbestätten

in Deutschland. Dazu zählen beispielsweise

das Bauhaus in Dessau, die Lutherstadt

Wittenberg und die historische Altstadt von

Quedlinburg im Harz.

Im Süden des Landes befindet sich das Burgenland.

Hier finden sich viele prächtige und

zum Teil sehr gut erhaltene Burgen. Bekannt

ist die Region zudem für das Weinanbaugebiet

Saale-Unstrut, wo auch die Rotkäppchen-Sektkellereien

ihren Sitz haben.

Durch Sachsen-Anhalt verläuft die Straße der

Romanik, die 1993 ins Leben gerufen wurde

und sich in Form einer Acht durch das

Land zieht. Sie verbindet auf einer Strecke

von 1.200 Kilometern die 80 Burgen, Kirchen,

Klöster und Dome, die vom 10. bis 13. Jahrhundert

in der Region entstanden sind. Darunter

befinden sich Schätze wie der Magdeburger

Dom, das Kloster Jerichow und die Osterwiecker

Stadtkirche St. Stephani.

Ein beliebtes Ausflugsziel in Sachsen-Anhalt

ist zudem der Harz mit den Städten Wernigerode,

Quedlinburg und Thale. Der höchste

und bekannteste Berg des Mittelgebirges

ist der Brocken mit einer Höhe von 1.141 Metern.

Die malerische Altstadt von Quedlinburg

mit ihren restaurierten Fachwerkhäusern

und dem Kopfsteinpflaster ist seit 1994

UNESCO-Weltkulturerbe. In der Stiftskirche

Infos zum Tourismus

in Sachsen-Anhalt

Investitions- und Marketing GmbH

Tel.: 0391 56283820

www.sachsen-anhalt-tourismus.de

St. Servati gibt es zudem was auf die Ohren:

Jährlich findet dort von Juni bis September

der Quedlinburger Musiksommer mit einer

Reihe von Konzerten statt.

W+M

Das Kloster Jerichow ist eines der

Highlights der Straße der Romanik.

Blick vom Weinberg auf Freyburg (Unstrut).

Die nostalgische Dampflock auf dem Weg

zum Gipfel des Brockens im Harz.

Tipp der Redaktion: Tangermünde in der Altmark

In der Altmark, wo die Tanger in die Elbe mündet, liegt das kleine Städtchen Tangermünde. Der mittelalterliche

Stadtkern mit vielen Türmen, Toren, verwinkelten Gassen und aufwendig restaurierten Fachwerkhäusern

hat der Stadt auch den Beinamen „Rothenburg an der Elbe“ gegeben. Die Burg von

Tangermünde wurde 1009 erstmals urkundlich erwähnt und im 14. Jahrhundert von Kaiser Karl IV.

als Kaiserpfalz genutzt. Die sehenswerte Altstadt von Tangermünde ist fast vollständig von der alten

Stadtmauer umschlossen. In der Mitte auf dem Marktplatz befindet sich das Rathaus im spätgotischen

Stil mit einem malerischen Schmuckgiebel aus dem Jahr 1430. Weitere Infos unter www.tourismus-tangermuende.de.

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34 | W+M Titelthema

Reiseland Thüringen

Das grüne Herz Deutschlands

Eine abwechslungsreiche Landschaft mit Bergen,

vielen Wiesen und Wäldern, Naturparks,

Biosphärenreservaten sowie zahlreichen Bächen,

Flüssen, Seen und Talsperren lassen

Thüringen mit Recht behaupten, das grüne

Herz Deutschlands zu sein. Bei Natursuchenden

ist die reizvolle Landschaft zu jeder Jahreszeit

beliebt, aber auch Kulturliebhaber bekommen

in Thüringen eine Vielfalt an kulturellen

Highlights geboten: Vom Weimarer

Sommer über die Thüringer Bachwochen bis

hin zu den Thüringer Schlössertagen.

Der Tourismus ist in Thüringen ein Wirtschaftszweig,

dessen Bedeutung stetig zunimmt.

Wurden laut Thüringischem Landesamt

für Statistik 1995 noch 2,5 Millionen

Übernachtungsgäste gezählt, so waren

es 2009 bereits 3,2 Millionen, die meisten davon

aus dem Inland.

Zu den Haupttourismusgebieten in Thüringen

gehört neben den Städten Erfurt, Weimar

und Eisenach auch der Thüringer Wald.

Er ist besonders bei Wanderern, Nordic Walkern,

Radfahrern und Bikern beliebt und beherbergt

Deutschlands bekanntesten Wanderweg,

den 169 Kilometer langen Rennsteig.

Die Landeshauptstadt Erfurt besticht durch

ihre große mittelalterliche Altstadt und ihre

Vielzahl von Kirchen, wodurch sie auch die

„Stadt der Türme“ genannt wird. Touristische

Highlights in Erfurt sind neben dem Dom die

Krämerbrücke und die Zitadelle Petersberg.

Die Stadt Eisenach ist vor allem für seine

Wartburg bekannt. Die Minnesänger Walther

von der Vogelweide und Wolfram von

Eschenbach weilten mehrmals auf der Burg,

der legendäre Sängerkrieg inspirierte sogar

Infos zum Tourismus

in Thüringen

Tourist Information Thüringen

Tel.: 0361 37420

www.thueringen-tourismus.de

Berühmt vor allem durch Martin Luther:

die Wartburg in Eisenach.

Richard Wagner zu seiner Oper „Tannhäuser“

und nicht zuletzt verdankt die Wartburg ihre

große Popularität Martin Luther, der 1520/21

Zuflucht auf der Wartburg fand und in nur elf

Wochen dort das Neue Testament der Bibel ins

Deutsche übersetzte.

Rokokoschloss der

Dornburger Schlösser mit Barockgarten.

Goethe, Schiller, Cranach, Bach, Wieland,

Herder, Liszt, Strauss, Nietzsche, Feininger

– die Liste der Verehrer der beschaulichen

Stadt Weimar ist lang und überall sind

ihre Spuren zu finden. Das Deutsche Nationaltheater,

das Weimarhaus, Schloss Belvedere,

Goethes Gartenhaus im Weimarer Park

und die Bauhaus-Universität sind steinerne

Zeugnisse früherer Zeiten.

W+M

Tipp der Redaktion: Schloss und Park Altenstein

Schloss Altenstein in Bad Liebenstein ist ein besonderes Kleinod am Rande des Thüringer Waldes.

Es war die historische Wirkungsstätte des Rittergeschlechts der Hundte von Wenkheim und die

Sommerresidenz des Herzoghauses Sachsen-Meiningen. Das gesamte Areal der Schlossanlage

mit dem Schloss im wunderschönen englischen Baustil erstreckt sich auf 160 Hektar. Zudem gibt

es in der aufwendig gestalteten Parkanlage für Besucher einiges zu entdecken: ein Chinesisches

Teehäuschen, Blumenkorbfelsen, das Morgentor, den Luisenthaler Wasserfall, die Teufelsbrücke

und die Altensteiner Höhle. Weitere Infos

Hochmodernes

unter www.schloss-altenstein.de.

Klinikum: das Unfallkrankenhaus Berlin.

Fotos: Thüringer Tourismus GmbH, Korneloni/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


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36 | W+M Politik

Dohnanyi-Kolumne

Brüssel soll nicht Zentralismus sondern

Vielfalt und Wettbewerb fördern

In letzter Zeit wächst die Befürchtung,

eine Gruppe europafeindlicher Parteien

könnte im zukünftigen Europäischen

Parlament notwendige weitere Entwicklungen

blockieren oder sogar bereits erreichte

europäische Gemeinsamkeiten wieder

zurückdrehen. Ich teile diese Besorgnis

nicht, denn für eine vernünftige Europapolitik

werden die Mehrheiten noch

immer reichen.

Andererseits gab es seit Bestehen des Europäischen

Parlaments bisher in Brüssel keine

wirklich kritische Debatte über eine demokratische

Aufgabenverteilung zwischen

Mitgliedsstaaten und Union. Auch die Parlamentarier

im Europäischen Parlament sahen

es immer als ihre Pflicht an, alles, was

die Europäische Kommission beschlossen

hatte und durchsetzen wollte, auch zu unterstützen

– es sei denn, es ging den Parlamentariern

europäisch noch immer nicht

weit genug.

„Brüssel praktiziert einen

unnötigen und für Europa sogar

gefährlichen administrativen

Expansionismus.”

Inzwischen fühlen sich aber immer mehr

Bürger Europas missverstanden von Brüssel

und in ihrer nationalen Identität bedroht.

Während in den Mitgliedstaaten demokratische

Rechte der Bürger gestärkt

wurden, auch durch Bürgerinitiativen und

Volksentscheide, sind aus Sicht der Bürger

die Entscheidungen in Brüssel zunehmend

unkontrollierbar und sachfremd geworden.

„Brüssel“ wurde vom europäischen Freund

zum unliebsamen Störer im eigenen, nationalen

Gestaltungsraum.

Die europäischen Verträge, und auch der

heute geltende Lissabon-Vertrag, schreiben

andere Regeln vor: Die europäischen

Institutionen (Kommission, Parlament und

Gerichtshof) sollten nur diejenigen Dinge

europäisch regeln, die unbedingt zentral

europäisch geregelt werden müssen. Im

Sprachgebrauch des Gesetzes heißt diese

Regel „Subsidiarität“, oder bei uns: „Föderalismus“.

Alles, was auf Ebene der Mitgliedstaaten

besser geordnet werden kann,

sollte dort verbleiben.

So ist zwar die Verfassungslage der Union;

so, allerdings, verstehen die in Brüssel

engagierten Berufspolitiker ihre Aufgabe

nur selten. Historisch

verständlich, denn wer in

den ersten Jahren der Europäischen

Union in Brüssel tätig

war, der musste sich natürlich

zunächst mühsam gegen

den national-staatlichen

Beharrungswillen durchsetzen.

Und niemand, das galt

und gilt auch für Politiker

und Beamte der Mitgliedstaaten, gibt gerne

Zuständigkeiten und Gestaltungsräume

preis.

Heute praktiziert Brüssel aber einen unnötigen

und für Europa sogar gefährlichen

Unser Kolumnist Klaus von Dohnanyi

ist Wirtschaftsexperte und war von

1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung

und Wissenschaft und von 1981

bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien

und Hansestadt Hamburg. Von 1990

bis 1994 arbeitete er an der Privatisierung

des Kombinats Tagebau-Ausrüstungen,

Krane und Förderanlagen TAK-

RAF. Von 2003 bis 2004 war er Sprecher

des Gesprächskreises Ost der Schröder-

Regierung.

administrativen Expansionismus. Es geht

dabei nicht nur um Krümmungen von Gurken

oder um Bevormundung bei Glühbirnen

und Frauenquoten. Gewiss, dies sind

auch unnötige Belastungen für die Brüsseler

Bürokratie und gehören in die Nationalstaaten.

Der Brüsseler Zentralismus

aber ist sogar gefährlich für die Europa-

Idee, weil wir unsere Stellung in der Welt

der kulturellen und sozialen Vielfalt Europas

verdanken. Vielfalt und Wettbewerb zu

fördern und die Unterschiede zu bewahren,

das wären wichtige Aufgaben von Kommission

und Parlament.

W+M

Fotos: Privat, CDU-/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, BUND

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M Politik | 37

Ein kontroverses Thema – zwei Meinungen:

Durch Fracking zu mehr

Unabhängigkeit von russischem Gas?

Bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas

schlummern nach Schätzungen der Bundesanstalt

für Geowissenschaften und Rohstoffe

unter der deutschen Erdoberfläche. Bei einem

durchschnittlichen Verbrauch von rund 100 Millionen Kubikmetern

pro Jahr könnte sich Deutschland theoretisch bis zu 23 Jahre

komplett selbst versorgen.

Fossile Energieträger werden auf absehbare Zeit für eine verlässliche

Energieversorgung unseres Landes unverzichtbar bleiben.

Zurzeit sind wir zu 88 Prozent auf Gasimporte angewiesen und das

mit steigender Tendenz. Von den Importen kommen allein 37 Prozent

aus Russland. Es wäre unverantwortlich, wenn wir das Potenzial

der heimischen Schiefergasvorkommen nicht wenigstens erforschen

würden. Erdgas als natürlicher Partner der Energiewende

ist besonders gut geeignet, die stark fluktuierenden erneuerbaren

Energien auszugleichen.

Das Potenzial lässt sich nur erschließen, wenn wir in einem ersten

Schritt Probebohrungen zulassen. Dafür bedarf es des hydraulischen

Frackings: Ein mit hohem Druck in das Gestein gepresstes

Flüssigkeitsgemisch bricht das Schiefergas auf und setzt das Gas

frei. Eine Gefährdung von Umwelt und Gesundheit ist angesichts

der hohen deutschen Sicherheitsstandards und der sich immer

weiter perfektionierenden Verfahren nahezu ausgeschlossen. Eine

Angstdebatte bringt uns nicht weiter. Neue Technologien verdienen

eine faire Chance. Das gilt für Fracking genauso wie für andere

neue Entwicklungen. Nur so wird Deutschland ein innovativer,

wettbewerbsfähiger Industriestandort bleiben, der unser aller

Wohlstand auch in Zukunft gewährleistet.

W+M

Tief in der Erde im Gestein befindet sich

das begehrte Gas, das die Energieversorgung

revolutionieren und Deutschland angeblich

autarker machen soll. Ein Chemikalien-

Wasser-Mix soll das Gestein sprengen („fracken“), um ans Gas zu

kommen. Rund 13 Jahre soll es den Verbrauch Deutschlands decken

können. Vielleicht ist aber schon nach zehn Jahren Schluss,

oder schneller?

Dafür, dass die Risiken extrem groß sind, erscheint eine

temporär etwas reduzierte Abhängigkeit von ausländischem Gas

eher fragwürdig und längerfristig ohnehin wenig aussichtsreich.

Abgesehen von den ökologischen „Kollateralschäden“ – auch aus

der Verbrennung fossiler Rohstoffe. Wo gefrackt wird, wie in den

USA, tauchen das Gas im Trinkwasser, die giftigen Chemikalien

in Flüssen und Seen auf. Unklar ist auch, wieviel Methan – ein

Klimagas, vielfach schädlicher als CO 2 – schon beim Fracken entweicht.

Ist Fracking vielleicht sogar noch klimaschädlicher als

die Kohleverstromung? Alles offene Fragen.

Auch bei der Wirtschaftlichkeit. Schon lohnt sich Fracking in den

USA teilweise nicht mehr, weil die Aufschluss-Kosten höher sind

als der zu erzielende Preis für das Gas. Deutschlands Gasversorger

sagen, es droht wegen der Krim-Krise kein Gasmangel, die

Verträge seien krisenfest. Will man trotzdem unabhängiger von

Gaslieferungen aus dem Ausland werden, was ein sinnvolles Ansinnen

ist, sind allein die Verringerung des Energieverbrauchs

und die verstärkte Nutzung regenerativer Energien erfolgversprechender.

Deshalb unterstützt der BUND die „Energiewende von

unten“ und lehnt Fracking klar ab.

W+M

Dr. Michael Fuchs

Stellvertretender Vorsitzender

der CDU-/CSU-Fraktion

im Deutschen Bundestag

Prof. Hubert Weiger

Vorsitzender des Bundes für

Umwelt und Naturschutz

Deutschland e. V. (BUND)

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38 | W+M Politik

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich im W+M-Interview:

„Die Sachsen bauen die schnellsten Autos,

fertigen die luxuriösesten Uhren und haben

die kreativsten Köpfe“

Am 31. August vergeben die Wähler in Sachsen die politische Macht im Freistaat neu. Berechtigte

Hoffnungen auf die Fortsetzung seiner Arbeit als Ministerpräsident kann sich der CDU-Politiker

Stanislaw Tillich machen. In allen Umfragen liegt die sächsische CDU klar in Führung. Allerdings

sind drei Monate vor dem Urnengang noch viele Fragen offen. WIRTSCHAFT+MARKT bat Stanislaw

Tillich in Berlin zum Interview.

W+M: Herr Tillich, wie sehen Sie die sächsische

Wirtschaft ein Vierteljahrhundert nach

der politischen Wende im Osten Deutschlands

aufgestellt?

Stanislaw Tillich: Pioniergeist und Lust am

Entdecken und Erfinden haben in Sachsen

eine lange Tradition. Darauf konnten wir

nach der friedlichen Revolution aufbauen.

Dieser Geist und der ausgeprägte Wille der

Menschen, etwas zu unternehmen und anzupacken

im wiedervereinigten Deutschland,

haben die Wirtschaft sehr weit vorangebracht.

Sie ist heute breit aufgestellt, die

Unternehmen investieren und stellen neue

Mitarbeiter ein. Es herrscht eine positive

Grundstimmung. Die Lage auf dem sächsischen

Arbeitsmarkt entspannte sich in den

vergangenen Jahren weiter. Mit 9,4 Prozent

erreichte die Arbeitslosenquote im vergangenen

Jahr den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung

– unter den neuen Bundesländern

ist das weiterhin die zweitniedrigste

Quote.

W+M: Wo genau liegen die Stärken der sächsischen

Wirtschaft?

Stanislaw Tillich: Sachsen ist eine Wiege

des Automobilbaus und hat daran auch nach

1990 angeknüpft. Heute kommt jedes zehnte

in Deutschland produzierte Auto aus dem

Freistaat. Eine Menge neuer Arbeitsplätze

sind in der Zulieferindustrie entstanden.

Steil aufwärts ging es auch in der Mikroelektronik

– jeder zweite in Europa hergestellte

Chip stammt aus „Silicon Saxony“. Die Region

Dresden ist heute Europas größter Mikroelektronik-Cluster

und der fünftgrößte

weltweit. Es gibt hier eine einzigartige Ballung

von Unternehmen mit Know-how auch

in den Bereichen Photovoltaik, organische

und gedruckte Elektronik, energieeffiziente

Systeme, Telekommunikationstechnologie

und vernetzte Sensorik. Auch die Innovationen

in der Biotechnologie und im Bereich

Elektromobilität gewinnen immer mehr

Fotos: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Landtagswahlen 2014 | 39

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (M.) im Gespräch mit W+M-Herausgeber Frank Nehring

(r.) und W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann (l.).

an Bedeutung und schärfen das Profil Sachsens

als Land der Hochtechnologie. Investoren

können wir mit sehr gut qualifizierten

Fachkräften überzeugen, aber auch mit

einer über die sächsischen Grenzen hinaus

bekannten leistungsfähigen Hochschul- und

Forschungslandschaft, die eng verzahnt ist

mit den Akteuren in der Wirtschaft. Sachsens

großes Plus ist zudem ein starkes Handwerk

mit 60.000 Betrieben und annähernd 350.000

Mitarbeitern. Das Handwerk entwickelt sich

als Zulieferer für Industrie und Verbraucher

immer mehr zu einem Treiber von Innovationen.

Wenn ich den Freistaat in einem Satz

zusammenfassen sollte, würde ich sagen: Die

Sachsen bauen die schnellsten Autos, fertigen

die luxuriösesten Uhren und haben die

kreativsten Köpfe.

W+M: Es gab über viele Jahre Probleme in

strukturschwachen Regionen, etwa dem Erzgebirge,

oder mit ehemals starken Branchen,

wie der Textilindustrie und dem Maschinenbau.

Sind diese Probleme behoben?

Stanislaw Tillich: Die Textilindustrie erlebte

nach dem Mauerfall einen beispiellosen Umbruch:

Viele Unternehmen mussten schließen

und Mitarbeiter entlassen, weil die bisherigen

Märkte zusammengebrochen waren.

Seither hat sich eine Menge getan. Die Branche

hat in Sachsen frühzeitig auf Innovationen

und auf den Wachstumsmarkt Technische

Textilien gesetzt. Der Wandel von der

traditionellen Produktion hin zur Entwicklung

und Fertigung neuartiger Textilprodukte

ist inzwischen vollzogen. Der Freistaat hat

diese Entwicklung gezielt gefördert.

Der traditionell starke Maschinenbau musste

sich nach 1990 ebenfalls neu aufstellen.

Nach einer Umstrukturierungsphase ist die

Branche inzwischen eines der Zugpferde

der wirtschaftlichen Entwicklung in Sachsen.

Beim Umsatz gab es in den vergangenen

Jahren kräftige Zuwächse und auch der

Exportanteil ist deutlich angestiegen. Heute

ist der Maschinenbau hierzulande wieder

eine Schlüsselbranche der Industrie und

Sachsen der größte Maschinenbaustandort

in Ostdeutschland.

Viele sächsische Regionen außerhalb der Ballungszentren

haben sich zu attraktiven Wirtschafts-

und Tourismusstandorten entwickelt.

Die Industriedichte ist heute in vielen

Regionen sogar höher als in den Ballungszentren.

So hat das Erzgebirge eine der höchsten

Industriedichten in Sachsen.

Stanislaw Tillich: Die Richtung ist klar: Wir

wollen und werden weiter in Bildung und Forschung

investieren. Das sind Schwerpunktthemen.

Ein Drittel des sächsischen Haushalts

fließt in diese Bereiche. Auch im neuen

Doppelhaushalt werden Bildung und Forschung

wieder eine hohe Priorität haben. Gut

ausgebildete, motivierte Menschen sind entscheidend

für die Zukunftsfähigkeit. Wichtige

Bausteine sind zudem eine effiziente

Verwaltung und eine solide Haushaltspolitik.

Sachsen macht seit einigen Jahren keine

neuen Schulden mehr, sondern tilgt bereits

Altschulden. Weil wir weniger für Zinsen

ausgeben müssen als andere, haben wir

unterm Strich mehr Geld zur Verfügung für

Investitionen in die Infrastruktur und die

Förderung innovativer Projekte.

Mit einer angestrebten Investitionsquote von

18 Prozent im nächsten Doppelhaushalt wird

es auch künftig möglich sein, hohe Investitionen

in die Wirtschaft und Infrastruktur

zu tätigen. Sachsen bleibt damit bei der Investitionsquote

im Vergleich der Bundesländer

weiter auf einem Spitzenplatz. Investitionen

in die Infrastruktur und gezielte Unterstützung

des sächsischen Mittelstandes

kommen einem auf Innovationen ausgerichteten

Land wie Sachsen zugute. Der Freistaat

hat allein seit dem Jahr 2002 rund 4,8 Milliarden

Euro für die Wirtschaftsförderung zur

Verfügung gestellt.

Die hohen Investitionen für innovative Entwicklungen

spiegeln sich auch in der Quote

von Forschung und Entwicklung im sächsischen

Bruttoinlandsprodukt wider. Mit zu-

W+M: An welchen Stellschrauben will die

sächsische Staatsregierung drehen, um die

heimische Wirtschaft weiter anzukurbeln?

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40 | W+M Politik

Stanislaw Tillich: Das sind Erfahrungen, die

bleiben. Hinzu kommt der Respekt vor denjenigen,

die sich zur Selbstständigkeit entscheiden.

Ich hatte das Glück, fast gleichzeitig

ins Europäische Parlament zu gehen.

Diese Jahre waren für mich sehr intensiv und

wertvoll. Ich habe auch die Erfahrung gemacht,

dass Offenheit für Neues, Durchsetzungsvermögen

und Gelassenheit eine gute

Mischung sind. Sowohl in der Wirtschaft als

auch in der Politik.

W+M: Am 31. August 2014 wählen die Sachsen

einen neuen Landtag. Gibt es Projekte,

die Sie bis dahin unbedingt noch realisieren

wollen?

letzt 2,92 Prozent liegt Sachsen über dem

bundesdeutschen Schnitt. Im Vergleich der

ostdeutschen Länder ist dies der höchste

Wert.

W+M: Gibt es einzelne Branchen im Land,

die Ihnen besonders große Sorgen bereiten?

Stanislaw Tillich: Die Wirtschaftskraft ist

in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten rasant

gewachsen. Sachsen steht im Vergleich

zu vielen Regionen in Europa bereits sehr gut

da. Etliche Unternehmen sind in punkto Produktivität

an der Spitze. Aber klar ist auch,

dass die Produktivität im Durchschnitt geringer

ist als in starken westdeutschen Regionen.

Wir sind noch nicht an dem Punkt, an

dem wir über eine sich selbst tragende stabile

Wirtschaft verfügen. Aber wir sind auf einem

guten Weg. Wichtig ist dabei auch, dass

unsere Mittelständler weiter aus sich heraus

wachsen. Das gilt für alle Branchen gleichermaßen.

Die vorhandenen guten Standortbedingungen

im Freistaat können hier für den

nötigen Rückenwind sorgen.

W+M: Sie selbst waren vor etlichen Jahren

als mittelständischer Unternehmer aktiv.

Was genau haben Sie seinerzeit gemacht?

Stanislaw Tillich: Nach der Wende eröffneten

sich ganz neue Perspektiven. Damals

startete ich in die Selbstständigkeit – mit

einer GmbH, die sich besonders auf den Verkauf

von Ingenieurprodukten und -dienstleistungen

konzentrierte.

W+M: Inwieweit profitieren Sie von den

damals gesammelten unternehmerischen

Erfahrungen heute als Ministerpräsident?

Stanislaw Tillich: Wir haben alle im Koalitionsvertrag

vereinbarten Projekte erfolgreich

abgearbeitet. Insofern kann ich Vollzug melden.

Am Herzen aber liegt mir noch, weil die

Zeit drängt, eine Verbesserung der Verkehrsanbindungen

des Freistaates. Insbesondere

möchte ich mit der tschechischen Regierung

über den gemeinsamen Einsatz für eine neue

schnelle Schienenverbindung zwischen Dresden

und Prag verhandeln. Dazu wird es noch

vor der Sommerpause ein Treffen in Prag

geben. Bei der Energiewende müssen die

Reformen jetzt auf den Weg gebracht werden.

Jeder Tag, der verstreicht ist verlorene Zeit,

auch für Sachsen.

W+M: Welches konkrete Wahlziel haben Sie

sich und Ihrer Partei gesetzt?

Stanislaw Tillich: Unsere Bilanz ist gut. Die

Wirtschaft steht gut da. Bei der Bildung sind

wir in Deutschland Spitze, dies gilt auch für

die Investitionsquote; und die CDU steht für

eine solide Haushaltspolitik und den Abbau

von Schulden. Jedoch ist die Arbeitslosigkeit

immer noch zu hoch. Die Richtung stimmt,

die Zahl der Arbeitsplätze wächst. Mit Demut

und im Wissen, noch vieles für die Menschen

im Land leisten zu können, hoffe ich, dass

wir das Ergebnis der letzten Landtagswahl

noch verbessern können.

W+M: Glaubt man den Prognosen der Meinungsforschungsinstitute,

könnte die CDU

Foto: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


24. Jahrgang | Heft 1 | März/ April 2013 | € 3,50 | ZKZ 84618 |

25. Jahrgang | Heft 1 | Februar/März 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

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25. Jahrgang | Heft 2 | April/Mai 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

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24. Jahrgang | Heft 5-6 | Dez 2013/Jan 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

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Landtagswahlen 2014 | 41

das Ergebnis der letzten Landtagswahl im

Jahr 2009, das bei 40,2 Prozent der Stimmen

lag, noch übertreffen. Wie realistisch

ist für Sie das Erreichen der absoluten Mehrheit

in Sachsen?

Stanislaw Tillich: Es geht uns um das Beste

fürs Land und die Menschen. Dafür stellen

wir uns zur Wahl.

W+M: Wie es derzeit aussieht, könnten die

Liberalen an der 5-Prozent-Hürde scheitern

und stünden somit nicht mehr als Koalitionspartner

zur Verfügung. Haben Sie eine

Erklärung dafür, warum die FDP so gar nicht

davon profitieren kann, dass die Sachsen mit

ihrer Landesregierung im Großen und Ganzen

zufrieden sind?

Stanislaw Tillich: Die sächsische FDP hat

sich immer durch eine gute Kampagnenfähigkeit

ausgezeichnet. Ich bin zuversichtlich,

dass es ihr auch diesmal gelingen wird,

in den Landtag einzuziehen.

W+M: In der sächsischen SPD hält sich

die Vorfreude darauf, möglicherweise wieder

den Juniorpartner in einer schwarz-roten

Koalition zu spielen, in Grenzen. Haben

Sie Sorge, nach der Wahl keinen Koalitionspartner

zu finden und einem rot-rot-grünen

Bündnis den Vortritt lassen zu müssen?

Stanislaw Tillich: Die Bürgerinnen und Bürger

im Freistaat wissen, was sie seit 1990 an

der CDU haben. Sie sind damit gut gefahren.

Für die CDU ist es wichtig, dass sie so stark

wird, dass nur mit ihr aber nicht gegen sie

regiert werden kann.

W+M: Was wollen Sie in den kommenden

fünf Jahren für die sächsische Wirtschaft

tun, sollten Sie erneut Ministerpräsident

werden? Wie lautet Ihr Wahlversprechen für

Sachsens Unternehmer?

Stanislaw Tillich: Neben der Mikroelektronik

sehe ich auch im Automobilbau weiter

große Chancen, insbesondere in der Elektromobilität

und im Leichtbau. Ähnliches gilt

auch für die Gesundheitswirtschaft und die

Logistik. Ich möchte, dass Sachsen in den

nächsten Jahren zu den fünf innovativsten

Regionen Europas zählt.

W+M: Kurt Biedenkopf hat Sie vor 15 Jahren

in die sächsische Landesregierung berufen.

Wie sehr hat Biedenkopf Sie als Politiker

geprägt?

Stanislaw Tillich: Kurt Biedenkopf war

als Ministerpräsident ein Glücksfall für

den Freistaat Sachsen. Er hat die richti-

W I R T S C H A F T+

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D A S O S T D E U T S C H E U N T E R N E H M E R M A G A Z I N

Juni 2013

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Dez 2013/Jan 2014

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leute

Lausitzer Seen –

die Zeit nach

der Braunkohle

Vor dem Ostdeutschen

Energieforum Leipzig

W+M-Umfrage unter Protagonisten

der Energiewende: Welche Schritte

sind jetzt unbedingt zu gehen?

marken+

macher

Plauen: Stille

Profis auf dem

Weg zur Spitze

Machnig will

neues Ostprogramm

Thüringer Wirtschaftsminister

im Schattenkabinett der SPD

innovation+

tradition

Bernburger erobern

den Weltmarkt

einblicke+

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Ausbildung zwischen

Licht und Schatten

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Leipziger Denkfabrik

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Wir fördern die Brandenburger Wirtschaft.

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Länderreport

Die Folgen der Flut

in Sachsen-Anhalt

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Netzwerk

Unternehmerball

in Leipzig

ratgeber

Recht, Finanzen

und Kultur

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M A R K T

D A S O S T D E U T S C H E U N T E R N E H M E R M A G A Z I N

Titelthema

Was bringt das

Superwahljahr 2014?

Ratgeber

So senkt man Risiken

im Außenhandel

Netzwerk

W+M-Medientreff

in Potsdam

Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident:

Dietmar Woidke spricht über Ziele,

Energiewende und Länderehe

WIRTSCHAFT+MARKT 3/2014

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

25. Jahrgang | Heft 3 | Juni/Juli 2014 | e 3,50 | ZKZ 84618

W i r t s c h a f t+

M a r k t

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42 | W+M Politik

gen Weichen gestellt und uns ein

gutes Erbe hinterlassen. Jeder Politiker

hat seinen eigenen Stil

und seine eigenen Vorstellungen.

Meine Vorstellungen sind nicht unwesentlich

anders als seine. Für

mich ist es aber besonders wichtig,

auch die längerfristigen Folgen

von Entscheidungen genau zu

durchdenken. Ich mache keine Politik

bis zu einem bestimmten Wahltag,

sondern für die Menschen im

Freistaat Sachsen.

W+M: Haben Sie heute noch Kontakt

zu Biedenkopf?

wie vor eine große Gemeinsamkeit:

Trotz des wirtschaftlichen

Aufschwungs und einer deutlichen

Reduzierung der Arbeitslosigkeit

ist es uns noch nicht gelungen, die

Steuerkraft nachhaltig zu stärken.

Daher sind die ostdeutschen Länder

auch über das Jahr 2020 hinaus

auf einen leistungsfähigen Länderfinanzausgleich

angewiesen, um

ihre Aufgaben erfüllen zu können.

Aufgrund dieser gemeinsamen Interessenlage

wird es bei den Verhandlungen

zur Reform des Länderfinanzausgleichs

eine enge Abstimmung

geben.

Stanislaw Tillich: Wir sind nach

wie vor in einem regen Meinungsaustausch.

W+M: Die Wende in der DDR erlebten

Sie in Ihrer Heimatregion Kamenz.

Sie waren damals stellvertretender

Ratsvorsitzender des Kreises.

Welche Gedanken treiben Sie

um, wenn Sie persönlich auf die

Zeit des Umbruchs und Ihre Entwicklung

in den letzten 25 Jahren

blicken?

Stanislaw Tillich: Ich bin froh,

dass nach Nazi-Diktatur und DDR-

Regime die Menschen im Freistaat

ihre Geschicke endlich wieder selbst

in die Hand nehmen konnten und

daraus hat sich, wie wir feststellen

können, viel Gutes entwickelt.

W+M: Wie wichtig ist Ihnen eigentlich

der Zusammenhalt unter den

ostdeutschen Ländern, speziell vor

dem Hintergrund des Auslaufens

des Solidarpaktes im Jahr 2019?

Stanislaw Tillich: Einen Solidarpakt

III wird es nicht geben, darüber

bestand von Anfang an Einvernehmen.

Ungeachtet dessen haben

die ostdeutschen Länder nach

W+M: Brauchen die neuen Bundesländer

auch nach Ablauf des Solidarpaktes

eine Sonderförderung?

Wenn ja, wie sollte die konkret aussehen?

Stanislaw Tillich: Die sogenannte

„teilungsbedingte Infrastrukturlücke“

wird bis 2020 in vielen

Bereichen geschlossen sein, daher

wird es eine spezielle Ostförderung

ab 2020 nicht mehr geben. Gleichwohl

haben wir in Ostdeutschland

immer sehr niedrige eigene Steuereinnahmen

und überdurchschnittliche

Ausgaben aufgrund der höheren

strukturellen Arbeitslosigkeit.

Hierfür wird es auch künftig einen

Ausgleich geben müssen – entweder

im System des Länderfinanzausgleichs

oder außerhalb.

W+M: Nach welchem Motto leben

Sie?

Stanislaw Tillich: Mein Motto als

Politiker lautet: „Die Menschen sind

nicht für die Verwaltung da, sondern

die Verwaltung für die Menschen“.

Interview: Karsten Hintzmann

und Frank Nehring

Zur Person

Stanislaw Tillich wurde am 10. April 1959 in Neudörfel

bei Kamenz geboren. Er entstammt einer sorbischen Familie.

Nach Abitur und Wehrdienst studierte er bis 1984

an der TU Dresden Konstruktion und Getriebetechnik.

Auch heute noch schwört Tillich auf eine Weisheit seines

Berufes: „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer”.

Bereits zu DDR-Zeiten trat er in die CDU ein und wurde

im Jahr 1989 stellvertretender Ratsvorsitzender für Handel

und Versorgung in Kamenz. Von 1990 bis 1995 war er

als selbstständiger mittelständischer Unternehmer tätig.

Seine politische Karriere im vereinten Deutschland startete

Tillich im Europaparlament. Dort arbeitete er bis 1994

als Beobachter, danach bis 1999 als gewählter Abgeordneter.

Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf berief

Tillich im Jahr 1999 zum Staatsminister für Bundes- und

Europaangelegenheiten. Bis zum Jahr 2008 hatte er weitere

Ministerposten in Sachsen inne – er war Chef der

Staatskanzlei, Umwelt- sowie Finanzminister. Seit Mai

2008 ist Tillich Ministerpräsident des Freistaates Sachsen.

Stanislaw Tillich ist verheiratet, Vater zweier Kinder und

lebt heute in Panschwitz-Kuckau.

Foto: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


H A U T N A H

Deutschlands größte Automesse 2014

Die AMI Auto Mobil International ist in diesem

Jahr die einzige internationale PKW-Messe in

Deutschland. Zahlreiche Aussteller, darunter

40 PKW-Marken, präsentieren Welt-, Europaund

Deutschlandpremieren sowie Innovationen

rund ums Auto.

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44 | W+M International

Der Bauingenieur, Unternehmer und Ex-Politiker Ralf Hillenberg

hilft Kasachstan, den Energie verbrauch zu senken.

Berliner Sparfuchs in Astana

Lange 48 Jahre pflegte der Berliner Unternehmer

Ralf Hillenberg eine kritische

Distanz zunächst zur ehemaligen

Sowjetunion und später zu Russland und den

Nachfolgestaaten des aufgelösten Riesenreiches.

Die Erzählungen seines Vaters, der im

2. Weltkrieg als Soldat der Wehrmacht an der

Ostfront gekämpft und dort viel Elend gesehen

hatte, prägten Hillenbergs Bild schon in

Kindertagen und ließen eher keine freundschaftlichen

Gefühle für die „Freunde“, wie

die Abgesandten aus Moskau zu DDR-Zeiten

generalisierend genannt wurden, aufkommen.

Doch in den vergangenen neun Jahren

entdeckte der inzwischen 57 Jahre alte gelernte

Zimmermann, studierte Bauingenieur

und lizenzierte Energieberater sein Herz für

Land und Leute tief im Osten.

Ralf Hillenberg erinnert sich: „Im Jahr 2005

rief mich eines Tages ein wichtiger Auftraggeber

an und bat mich, zwei Architektinnen

aus Sankt Petersburg ein mehrwöchiges

Praktikum in meiner Firmengruppe, die

auf die Entwicklung, das Management und

die Steuerung von Bauprojekten spezialisiert

ist, zu ermöglichen.“ Es stellte sich schnell

heraus, dass die beiden Damen gut ausgebildet

und an deutschem Ingenieurs-Knowhow

interessiert waren und so entwickelte Hillenberg

einen Praxisplan: Sie identifizierten in

der russischen Metropole an der Newa einen

maroden Plattenbau mit 214 Wohnungen und

bereiteten ein Konzept für die energetische

Sanierung des Gebäudes vor.

Der Bajterek-Turm in der kasachischen Hauptstadt Astana ist das Wahrzeichen der Stadt

und wurde vom britischen Architekten Norman Foster entworfen.

Zu dritt fuhren sie schließlich nach Sankt

Petersburg und stellten den Bewohnern, die

auch Eigentümer ihrer Wohnungen waren,

das Projekt vor. „Die Bewohner wirkten zunächst

interessiert an der Sanierung, bis wir

auf die Sanierungskosten zu sprechen kamen.

Da brach im Saal eine kleine Revolution

aus und weil ich kein Russisch konnte,

alles übersetzt wurde, hatte ich auch keine

Chance, es richtig zu erklären“, so Hillenberg.

Die Enttäuschung war riesig und ihm

wurde klar, dass die Grundvoraussetzung für

eine erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit

im russischen Raum die Beherrschung

der Sprache ist.

Fotos: Nikolai Fokscha/pixelio.de, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M International | 45

Seither nimmt Hillenberg, der in Berlin-Pankow

wohnt und arbeitet, zwei Mal pro Woche

privaten Russisch-Unterricht. „Es geht

gut voran“, so Hillenberg. „Inzwischen halte

ich meine Vorträge auf Reisen ausschließlich

auf Russisch und kann mich auch ansonsten

schon recht flüssig unterhalten.“

Als das Entwicklungsprogramm der Vereinten

Nationen (UNDP) vor drei Jahren eine internationale

Ausschreibung für die Kontrolle

von Energieausweisen für sanierungsbedürftige

Plattenbauten in Kasachstan durchführte,

bewarb sich Hillenberg mit seiner Firma,

die seit den 1990er Jahren diverse Häuser im

Ostteil Berlins energetisch saniert und auf

Vordermann gebracht hat. Seine Praxiserfahrungen

zahlten sich aus, Hillenberg gewann

die UNDP-Ausschreibung für die Städte Almaty

und Karaganda. Mit Geld unter anderem

aus den UN-Töpfen werden Wohngebäude

energetisch modernisiert und flächendeckend

erstmalig Wärmezähler eingebaut. So

gewöhnt man die Bewohner an die in diesen

Breiten bis dato unübliche Überlegung, mit

Energie schon aus Kostengründen sparsam

umzugehen.

Die Expertise des Energieberaters Hillenberg

sprach sich bis in die Landeshauptstadt Astana

herum und wurde eine Grundlage für die

Ralf Hillenberg inmitten seiner

kasachischen Auftraggeber.

Erarbeitung des kasachischen Energieeinsparungsgesetzes.

Dieses Gesetz wurde im

Sommer 2012 vom kasachischen Parlament

verabschiedet und in Kraft gesetzt.

Auch an einem deutschen Entwicklungshilfeprojekt,

das zu je 50 Prozent vom Bund und

einem Interessenverband, dem drei private

Unternehmen angehören, finanziert wird,

beteiligte sich Hillenberg. Er bildete in Berlin

künftige Energieexperten aus Kasachstan

aus. Inzwischen steht das Thema Energieeffizienz

weit oben auf der umweltpolitischen

Agenda Kasachstans. „Die Regierung

hat ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem

Haus- und Wohnungsbesitzern zinsfreie Darlehen

über zehn Jahre gewährt werden“, erklärt

Hillenberg.

In Kasachstan aktiv: Unternehmer Ralf

Hillenberg.

Sein Engagement 4.568 Kilometer fern der

Heimat will der Bauexperte, der von 1990 bis

2011 für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus

saß, in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Im Vorfeld der Weltausstellung, die im

Jahr 2017 in der futuristischen Hauptstadt

Astana stattfindet, hat Hillenberg eine weitere

Ausschreibung des UN-Entwicklungsprogramms

gewonnen. „In Prigorodny, einem

Vorort von Astana, unmittelbar neben dem

Flughafen gelegen, wird ein Musterprojekt

für die Sanierung der für Kasachstan typischen

Kleinsiedlungen mit einem dezentralen

Mini-Heizkraftwerk, in dem Braunkohle

verfeuert wird, ein paar Wohnblocks, Schule

und Kindergarten entwickelt. Ich bin als Projektsteuerer

für die energetische Sanierung

der Wohnhäuser und der Kita zuständig.“

Zur Realisierung seiner Aktivitäten in dem

größtenteils zu Zentralasien zählenden

Land zwischen Kaspischem Meer und Altai-

Gebirge fliegt der Unternehmer rund zehn

Mal pro Jahr gen Osten und verbringt dort

bis zu 50 Tage. Auf die

Frage, ob sein Unternehmen

daheim in Berlin dadurch

nicht zu kurz komme,

reagiert Hillenberg

mit einem entspannten

Lächeln: „Das operative

Geschäft in Berlin läuft inzwischen

auch ohne meine

ständige Präsenz wie

am Schnürchen, so dass

ich mich meinem Steckenpferd

ohne Kopfschmerzen

widmen kann. Kasachstan

ist ein interessantes Land

mit wissbegierigen und

ehrlichen Menschen. Es

lohnt sich, dort mit anzupacken.“

Karsten Hintzmann

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


46 | W+M Ratgeber

AMI 2014 in Leipzig

Träume auf vier Rädern

Vom 31. Mai bis 8. Juni wartet die 22. AMI in Leipzig mit zahlreichen automobilen Neuheiten und

Innovationen auf. Die Hersteller setzen auf mehr alternative Antriebe und weniger PS.

Von Hans-Jürgen Götz

Mit einem wahren Feuerwerk an Pkw-Neuheiten und Premieren

geht die internationale Automobilbranche Ende Mai

in Leipzig an den Start. Was kurz nach der Wende als regionale

ostdeutsche Autoschau begann, braucht heute den Vergleich

mit den traditionellen Automobilmessen nicht zu scheuen. Vor allem

die kontinuierlich gewachsene Quantität und Qualität der AMI haben

eine internationale Pkw-Messe mit Sonderstellung entstehen lassen.

Alle deutschen Hersteller und die große Mehrheit der internationalen

Marken kommen mit vielen Highlights und setzen in den Messehallen

ihre Modellneuheiten in Szene.

Die Besucher erwartet das gesamte Spektrum der automobilen Welt

– vom wendigen Stadtflitzer, dem eleganten Mittelklassefahrzeug

und dem praktischen Familienvan bis hin zur edlen Luxuslimousine.

In immer schnellerer Folge präsentiert die Automobilindustrie neue

Konzepte und Lösungen zum Fahren mit Strom. Grund genug auch

für die AMI, mit alternativen Antrieben von Elektro- und Hybridfahrzeugen

in diesem Jahr einen besonderen Messeschwerpunkt zu setzen

und den Besuchern schon heute einen Ausblick auf die Mobilität

von morgen zu geben.

Fotos: AMI

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Automobil | 47

Nirgendwo sonst gibt es auf einer Automesse

die hautnahe Präsentation der Exponate

und derart zahlreiche Test- und Probefahrtangebote

fürs Publikum. Die AMI erweist

sich als echte Erlebnismesse rund ums

Automobil. Dass die Messe für den Automarkt

die notwendigen Impulse setzt und

für eine weitere Belebung der automobilen

Konjunktur sorgen dürfte, steht für die Veranstalter

außer Frage.

Voll des Optimismus ist auch der Zentralverband

des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes

(ZDK). „Die positive Stimmung im bisherigen

Jahresverlauf setzt sich weiter fort. Allein das

erste Quartal brachte dem Gewerbe insgesamt

ein Plus von 711.000 Neuzulassungen

und damit 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr“,

konstatiert ZDK-Präsident Robert Rademacher.

Auch der Verband der Internationalen

Kraftfahrzeughersteller (VDIK) als Mitveranstalter

der AMI sieht eine deutliche Erholung

auf dem deutschen Pkw-Markt. „Der Trend

zeigt weiter nach oben. Die Konsumneigung

der Verbraucher steigt stetig und es wird

wieder mehr Geld in größere Anschaffungen

wie Pkw investiert“, so VDIK-Präsident Volker

Lange. Sein Verband vertraut auf die Stabilität

des Wachstums und sieht sich durch die

wiedererstarkte private Pkw-Nachfrage (plus

7,4 Prozent im 1. Quartal) und die positive

Entwicklung bei den Flottenzulassungen in

seinen Prognosen bestätigt.

Die AMI auf einen Blick

Ort: Messegelände Leipzig

Öffnungszeiten:

31. Mai bis 8. Juni 2014

tgl. 9:00 – 18:00 Uhr

Eintrittspreise:

Tageskarte 12 e (online 10 e)

Dauerkarte 25 e (online 22 e)

Die AMI-Tickets berechtigen zum

Zugang zu allen Ausstellungsbereichen

sowie zur Elektronikmesse AMICOM und

Kfz-Technikmesse AMITEC.

Die AMI wollte schon immer eine Messe zum

Anfassen sein. Interessante Eindrücke dürften

daher für die Praktiker vor allem die Ausstellungsbereiche

Ersatzteile, Zubehör, Autopflege,

Individualisierung und Tuning sein.

Daneben ist auch die Werkstatttechnik mit

neuesten Diagnoseverfahren und Reparaturhelfern

vertreten. Für Unternehmer und

Handwerksbetriebe ebenfalls einen Besuch

wert: der Bereich Lieferwagen und Transporter

fürs Gewerbe.

Sonderschauen und Rahmenprogramm

sind für Enthusiasten Fundgrube und Qual

der Wahl zugleich. In der zentralen Glashalle

sind exklusive Luxusfahrzeuge und edle

Supersportwagen der Marken Bentley, Rolls-

Royce, Aston-Martin, Ferrari und Maserati zu

bestaunen. Neu in diesem Jahr ist die Oldtimer-Schau.

Händler, Restaurierungsbetriebe,

Automobilmuseen und Oldtimer-Clubs

zeigen in Halle 2 ihre Schmuckstücke, die im

täglichen Straßenverkehr zu den absoluten

Raritäten gehören – Autos aus den dreißiger

Jahren des vorigen Jahrhunderts genauso

wie Straßenkreuzer der Sechziger, gepflegte

Ost-Klassiker und unvergessene Kultautos.

Damit wird die AMI erstmals auch Anziehungspunkt

für alle Freunde klassischer

Automobile.

w+m

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48 | W+M Ratgeber

Praktische Autos für die Firma

Kombis mit großem Gepäckabteil erfreuen sich im gewerblichen Bereich einer großen Nachfrage.

Die Angebotspalette reicht von der Mittelklasse bis in den Premiumsektor hinein. W+M

stellt vier besonders geeignete Modelle für Unternehmen vor.

Von Hans-Jürgen Götz

■ Audi A6 Avant

Einer der zu dem erlauchten Premiumkreis gehört,

ist der Audi A6 Avant. Der Edellaster ist

leichter und sparsamer geworden. Die Techniker

haben den Avant um mehrere Kilo abgespeckt

und den Verbrauch merklich gesenkt.

Mit rund fünf Litern Durchschnittsverbrauch

ist der 2.0 TDI mit seinen 177 PS eine

Option auch für Menschen, die beim Dienstwagen

eine Verbrauchsobergrenze beachten

müssen. Im Angebot sind mehrere Benziner

und Dieseltriebwerke. Das Leistungsspektrum

reicht bis über 300 PS. Die Staumöglichkeiten

für Gepäck und Zuladung sind ordentlich: 565

Liter im Normalzustand und 1.680 Liter bei

umgeklappter Rückbank. Als Business-Laster

verfügt der Avant über einen WLAN-Hotspot,

mit dem sich eine Internetverbindung

fürs Handy oder Notebook herstellen lässt.

Preis: ab 41.950 e

Kilometerkosten: 0,61 e

■ BMW 5er Touring

Dieser Bayer ist ein echter Verführer. Der Kombi

hat reichlich PS unter der Haube und ist im

Alltagseinsatz vor allem praktisch. Der 520d

hat hier einiges zu bieten. Das fängt bei der

niedrigen Ladekante an und setzt sich über

die Breite des Gepäckschlunds fort. Die

Heckklappe lässt sich bequem auf Tastendruck

schließen. Mit umgeklappten Lehnen

der Fondsitze wächst das Gepäckraumvolumen

im Handumdrehen von 560 auf 1.670 Liter.

Die Automatik des überaus kultivierten

Selbstzünders beschert völlig ruckfreien, harmonischen

Gangwechsel. Trotz seines Leergewichts

von knapp 1,9 Tonnen geht der

520d dank seiner mobilisierbaren 184 PS gut

ab. Sein Durchschnittsverbrauch liegt bei 6,5

Litern. Damit kann sich der potente Bayern-

Diesel durchaus sehen lassen.

Preis: ab 44.900 e

Kilometerkosten: 0,62e

■ Mercedes E-Klasse T-Modell

Der Kombi der Mercedes E-Klasse besticht

sofort durch seinen XXL-Laderaum. Selbst

mit dem kleineren Diesel ist der E 220 CDI T

voll transporttauglich. Mit einem Ladevolumen

von 600 bis 1.950 Liter setzt das T-Modell

Maßstäbe in seiner Klasse. Die Heckklappe

lässt sich automatisch mit dem Fahrzeugschlüssel

oder mit einem Druck auf den Griff

öffnen. Bestückt mit dem Basis-Diesel bringt

der E 220 T 170 PS auf die Straße. Mit dem

Fünf-Gang-Automatikgetriebe lassen sich mit

dem 1,8-Tonner passable Fahrleistungen erzielen.

Natürlich wirkt der Raumtransporter

insgesamt etwas träger als mit den stärkeren

Dieseltriebwerken. An der Tankstelle

zahlt sich die etwas gemächlichere Gangart

aber in barer Münze aus: 6,5 Liter Diesel auf

100 Kilometer sind das Ergebnis.

Preis: ab 46.499 e

Kilometerkosten: 0,72 e

■ Škoda Octavia Kombi

Der Škoda Octavia ist ein echter Bestseller. Seine

Transportaufgaben löst der Kombi aus tschechischer

Produktion souverän. Der Kofferraum

misst 610 Liter und lässt sich auf 1.740 Liter erweitern.

Die Rücksitzlehne kann man im Verhältnis

60:40 oder vom Kofferraum aus per

Knopfzug ganz umlegen. Bei umgeklapptem

Fahrersitz können bis zu 2,92 Meter lange Frachten

transportiert werden. Die Armaturentafel

ist klar und übersichtlich: klassische Rundin-

strumente mit einem kleinen Display für den

Bordcomputer, in der Mittelkonsole ein großer

Navi-Bildschirm mit Touchscreenfunktion. Bei

dem Benziner werden drei TSI-Motoren von

86 bis 180 PS angeboten. Bei den Dieseln setzt

der 2.0 TDI mit 110 PS in der Green-Line-Version

Verbrauchsbestmarken von 4,2 Litern auf

100 Kilometer.

Preis: ab 25.340 e

Kilometerkosten: 0,43 e

Fotos: Audi, BMW, Mercedes Benz, Škoda

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Automobil | 49

W+M-Leserumfrage

Wie nutzen Sie Ihr Kfz im Unternehmen?

Schwankende Benzinpreise, Umweltplakette, Maut – der Unterhalt von Betriebsfahrzeugen wird immer

teurer. Wie reagieren die Unternehmen darauf? Das möchten wir von Ihnen, unseren Lesern, gern wissen

und bitten Sie, uns den folgenden Fragebogen vollständig ausgefüllt bis zum 30.6.2014 zukommen zu

lassen. Unter allen Einsendern verlosen wir 3 iPad mini von Apple. Mitarbeiter von WIRTSCHAFT+MARKT

und deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Online antworten:

www.wundm.info

Per Post:

Verlag Frank Nehring

Redaktion Wirtschaft+Markt

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Per Fax: 030 479071-20

Per E-Mail: JP@NehringVerlag.DE

Online: www.wundm.info

1. Welche Strategie bei der Beschaffung von Betriebsfahrzeugen

wird in Ihrem Unternehmen angewandt?

Kauf von Neufahrzeugen

Leasing von Neufahrzeugen

Finanzierung von Neufahrzeugen

Kauf von gebrauchten Fahrzeugen

Sonstige

2. Wie viele Fahrzeuge sind auf Ihr Unternehmen

zugelassen?

a) Dienstwagen (Pkw):

b) Nutzfahrzeuge

(Lieferwagen,

Transporter, Lkw):

3. Welche Fahrzeugmarken bevorzugen Sie?

a) Dienstwagen (Pkw): 1.

2.

3.

b) Nutzfahrzeuge 1.

(Lieferwagen,

2.

Transporter, Lkw)

3.

4. haben Sie im Jahr 2013 in neue Betriebsfahrzeuge

investiert?

Ja

Nein

5. Wie hoch ist die durchschnittliche

Jahreskilometerleistung Ihrer Betriebsfahrzeuge?

a) Dienstwagen (Pkw):

b) Nutzfahrzeuge

(Lieferwagen,

Transporter, Lkw):

6. spielen ökologische Komponenten bei der Bestückung

des Fuhrparks in Ihrem Unternehmen eine Rolle?

Ja

Nein

7. sollte der Themenbereich Fahrzeuge im Magazin

Wirtschaft+Markt in Zukunft eine größere Rolle

spielen?

Ja

Nein

8. in welcher Branche ist Ihr Unternehmen am Markt

vertreten?

9. in welcher Höhe lag der Jahresumsatz Ihres

Unternehmens im Jahr 2013?

bis 250.000 Euro über 20 Mio. bis 100 Mio. Euro

über 250.000 bis 5 Mio. Euro über 100 Mio. bis 500 Mio. Euro

über 5 Mio. bis 20 Mio. Euro über 500 Mio. Euro

10. Wie viele Mitarbeiter waren 2010 durchschnittlich in

Ihrem Unternehmen tätig?

weniger als 10 Beschäftigte 101 bis 500 Beschäftigte

10 bis 50 Beschäftigte 501 bis 1.000 Beschäftigte

51 bis 100 Beschäftigte über 1.000 Beschäftigte

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

Wenn Sie an der Verlosung teilnehmen möchten, füllen Sie bitte

den Kontaktbogen aus:

Firma

Name

Straße, Nr.

PLZ, Ort

E-Mail

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50 | W+M Ratgeber

Nehmt Aeroflot!

Gesellschaften wie bdp, die Unternehmen beim Aufbau

ihrer Produktionsstätten unterstützen und dann gemeinsam

mit allen Beteiligten mehrfach nach China reisen

müssen, stellen nach drei oder vier Flügen fest: Die teilweise

sehr unbequemen Business-Seats gehen mit Preisen

um 5.000 Euro mächtig ins Reisekostenbudget ein.

Schweren Herzens dann – und mit Unterstützung einer

Thrombose-Spritze – Umstieg in die Economy-Class. Frühe

Buchung senkt den Preis auf knapp 2.000 Euro. Doch

wenn dann die Tickets kurzfristig gebucht werden müssen,

steigt auch der Preis schnell wieder auf 3.000 Euro.

Ganz abgesehen davon, dass die Teams mittlerweile größer

geworden sind, weil es das Projekt erfordert. Dann

spätestens wird der Controller munter.

Ein Tipp für erhebliche Kostenreduktion: Die gute alte

Aeroflot bietet von Berlin und anderen deutschen Städten

ein dichtes Netz an Asienflügen, speziell nach Peking.

Die Tickets liegen selbst bei kurzfristiger Buchung um die

420 Euro. Geflogen wird mit Boeing und Airbus.

Die Sozietät Bormann, Demant & Partner mit ihren Büros

in Berlin und Dresden begleitet die Leser von

WIRTSCHAFT+MARKT in diesem Jahr bei Finanzierungsund

Steuerthemen. Scheuen Sie sich nicht, uns zu fragen,

was Sie bewegt. Wir freuen uns auf Sie.

Ihr Michael Bormann

bdp.Berlin@bdp-team.de

Delegieren bei Steuerschulden

nicht statthaft

Laut eines Urteils des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz

haftet ein Geschäftsführer einer GmbH für nicht beim

Finanzamt abgeführte Lohnsteuern der beschäftigten

Arbeitnehmer (Az.: 3 K 1632/12). Dies soll selbst dann

gelten, wenn das Aufgabenfeld der Steuerangelegenheit

einem anderen Geschäftsführer zugeteilt wurde.

Das Finanzamt hatte im vorliegenden Fall, nachdem die

GmbH geraume Zeit keine Lohnsteuer für ihre Arbeitnehmer

abgeführt hatte, die beiden Geschäftsführer in Anspruch

genommen. Dagegen legte einer der betroffenen

Geschäftsführer Klage ein. Nach eigenen Angaben sei

zwischen den Geschäftsführern eine interne Vereinbarung

getroffen worden, wonach nur der andere Geschäftsführer

die steuerlichen Aufgaben zu erfüllen habe. Laut

Finanzgericht begründet die vorliegende Vereinbarung

zwischen den beiden Geschäftsführern keine Haftungsbeschränkung.

Diese greife in solchen Fällen auch deshalb

nicht, da es sonst dazu kommen könne, dass die

Geschäftsführer den jeweils anderen verantwortlich machen

würden.

Zuordnung entscheidet auch

bei privater Nutzung

Erbringt ein Unternehmer umsatzsteuerpflichtige Umsätze,

kann er aus den angeschafften Gegenständen die

ausgewiesene Umsatzsteuer geltend machen. Wird dieser

Gegenstand nicht nur für das Unternehmen sondern

auch teilweise privat genutzt, besteht ein Wahlrecht.

Der Unternehmer kann den Gegenstand vollständig, gar

nicht oder nur teilweise dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen

zuordnen. Diese Zuordnung entscheidet,

wie viel Vorsteuer geltend gemacht werden kann. Bei

vollständiger Zuordnung kann auch 100 Prozent der Vorsteuer

abgezogen werden.

Beispiel: Ein Unternehmer schafft einen neuen Pkw an.

Der Kaufpreis beträgt 50.000 Euro zuzüglich 9.500 Euro

Umsatzsteuer. Das Fahrzeug wird auch für private Fahrten

genutzt. Trotzdem kann der Unternehmer die vollen

9.500 Euro Umsatzsteuer als Vorsteuer von seiner an das

Finanzamt zu zahlenden Umsatzsteuer abziehen, sofern

er den Pkw vollständig seinem Unternehmensvermögen

zuordnet. Diese Entscheidung der Zuordnung muss unmittelbar

bei der Anschaffung erfolgen. Ein Brief an das

Finanzamt mit der Zuordnung reicht.

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Steuern | 51

Verhalten im Ausland

Geschäftsverhandlungen

in China

Der chinesische Kommunikations-, Arbeits- und Führungsstil

wie auch die chinesischen Einstellungen,

Denk- und Verhaltensweisen unterscheiden sich grundlegend

von der deutschen Herangehensweise. Die deutschen

Mitarbeiter fühlen sich für ihre Aufgaben verantwortlich,

während die chinesischen Mitarbeiter mehr

Vorgaben und Kontrollen erwarten. Die wichtigsten

Normen in chinesischen Unternehmen sind: „Hierarchie

beachten“ und „Gesicht wahren“. In China ist der

Chef ein Mentor für die Mitarbeiter, fast schon eine

Vaterfigur. Er leitet, fördert und führt. Entspricht das

Verhältnis nicht den Vorstellungen der Mitarbeiter, tendieren

diese dazu, das Unternehmen zu verlassen, ohne

aber vorher das Problem thematisiert zu haben.

„Erst der Mensch, dann das Geschäft“: In China lernt man die Geschäftspartner

zuerst kennen, und erst im Anschluss rücken die

geschäftlichen Themen in den Fokus. Chinesen möchten mehr

über den Geschäftspartner erfahren, gern auch über seine Familie,

seine Hobbys und seinen Alltag. Dieser Small Talk, eine

Übung, die Deutschen häufig nicht leicht fällt, ist ein wichtiger

Einstand in eine gute geschäftliche Beziehung. Auch wenn Chinesen

am schnellen Geldverdienen interessiert sind, liegt ihnen

sehr viel an langfristigen Geschäftsbeziehungen.

BFH widerspricht Europäischem

Gerichtshof bei Spendenabzug

Spenden an steuerbegünstigte Einrichtungen in Deutschland sind

grundsätzlich bei der Steuer abzugsfähig. Voraussetzung ist die Vorlage

einer ordnungsgemäßen Spendenbescheinigung. Der Europäische

Gerichtshof hatte in 2006 entschieden, dass auch Spenden an

gemeinnützige Einrichtungen in einem anderen EU-Land abzugsfähig

sein müssen. Nun hat der Bundesfinanzhof (BFH) zur Frage der

genauen Voraussetzungen für die Anerkennung solcher Zahlungen

als Spende Stellung genommen (Az.: I R 16/12). Danach wäre zwar

theoretisch ein Abzug möglich, wird aber praktisch meist an den

Formvoraussetzungen scheitern. So muss der ausländische Spendenempfänger

die deutschen steuerbegünstigten Voraussetzungen so

erfüllen, als wäre er in Deutschland steuerbegünstigt ansässig. Die

Einhaltung dieser Voraussetzungen muss durch den Spender nachgewiesen

werden. Der Nachweis wird somit nur schwer zu führen sein

und wohl in nahezu 95 Prozent der Fälle zu keinem Abzug führen.

Pflicht zur Vorfinanzierung der

Umsatzsteuer eingeschränkt

Unternehmer sind nicht verpflichtet, Umsatzsteuer über mehrere

Jahre vorzufinanzieren. Dies geht aus einer Entscheidung (Az.: V

R 31/12) des Bundesfinanzhofs (BFH) hervor. Der Streitfall betraf

einen Bauunternehmer, für dessen Leistungen Gewährleistungsfristen

von zwei bis fünf Jahren bestanden. Die Kunden waren vertraglich

bis zum Ablauf der Gewährleistungsfrist zu einem Sicherungseinbehalt

der Vergütung berechtigt. Das Finanzamt sah den

Kläger im Rahmen der Sollbesteuerung als verpflichtet an, seine

Leistung auch im Umfang des Sicherungseinbehalts zu versteuern.

Eine Uneinbringlichkeit liege nicht vor, da die Kunden keine

Mängelansprüche geltend gemacht hätten. Dem folgt der BFH

nicht. Der Unternehmer soll mit der Umsatzsteuer als indirekte

Steuer nicht belastet werden. Mit diesem Charakter der Umsatzsteuer

ist eine Vorfinanzierung für einen Zeitraum von mehreren

Jahren nicht zu vereinbaren.

Für den redaktionellen Inhalt der Seiten 50/51 zeichnet die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner Berlin verantwortlich.

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52 | W+M Ratgeber

Der richtige Blick

Tipps für die Auswahl des Büromonitors

Zwei externe Monitore erleichtern die Büroarbeit.

Büroarbeit ist maßgeblich Bildschirmarbeit. Daher lohnt es sich, bei der Anschaffung des Monitors

auf eine hohe Qualität zu achten. Denn hochwertige Displays erleichtern die Arbeit und

schützen vor gesundheitlichen Schäden.

Von Christoph Schneider

Viele denken beim Begriff Büromonitor immer noch an die alte beige

Box, die unzählige Büros in den 1990er Jahren geprägt hat. Mit der haben

heutige Office-Displays allerdings nicht mehr viel gemein. Doch

worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden? Für den Büroeinsatz

sind keine High-End-Grafik-Displays oder Monitore für Spiele-Nerds

nötig. Geschweige denn Modelle mit 4K-Auflösung, also mit viermal

so vielen Pixeln wie ein gewöhnliches Full-HD-Display. Weitaus wichtiger

sind Aspekte wie qualitativ hochwertige Panels, ergonomische

Einstellmöglichkeiten, geringer Stromverbrauch und passende Anschlüsse

– alles zu einem vernünftigen Preis.

Grundsätzlich wird zwischen den LCD-Panel-Typen TN, IPS und MVA/

PVA (siehe Infokasten) unterschieden. Der Trend geht eindeutig zur

IPS/MVA/PVA-Technologie, die im Vergleich zu den TN-Panels eine

weitaus bessere Blickwinkelstabilität ermöglicht. In der Regel bieten

Erstgenannte Betrachtungswinkel von 178 Grad – horizontal wie vertikal.

Besonders wenn mehrere Bildschirme am Arbeitsplatz eingesetzt

werden oder beim Arbeiten im Team zahlt sich das aus, da die Anzeige

auch von der Seite betrachtet sehr gut zu erkennen ist. Zusätzliche

Vorteile sind eine bessere Bildgenauigkeit und Farbtreue sowie

mehr Kontrast. Jedoch sind diese Panels noch teurer als TN-Modelle

und verbrauchen außerdem ein wenig mehr Strom.

Für die meisten Anwender im Büro sind 24-Zoll-Monitore die ideale

Größe für den Schreibtisch. Modelle, die größer sind, eignen sich häufig

nicht mehr, da der Sitzabstand nicht ausreicht und diese Größe für

Standardanwendungen ergonomisch keinen Sinn ergibt. Für eine ergonomisch

korrekte Ausrichtung des Monitors sollte außerdem auf

gute Einstellmöglichkeiten geachtet werden. Die meisten Displays

besitzen heutzutage die Darstellungsfunktionen Pivot (90-Grad-Drehung)

und Swivel (Schwenkmöglichkeit). Höchsten ergonomischen

Anforderungen wird aber nur ein 4-in-1-Standfuß gerecht. Bei einem

solchen sind neben Pivot- und Swivel-Funktion auch die klassische

Höhenverstellung und das Ändern des Neigungswinkels (Tilt) möglich.

Neue, hochwertige Monitore bieten bereits all diese Funktionen,

wie die nebenstehende Marktübersicht zeigt.

Bei den Anschlussmöglichkeiten sollte auf die Kompatibilität mit der

vorhandenen IT-Infrastruktur geachtet werden. Neben dem üblichen

VGA-Anschluss bieten viele Displays heute bereits DVI- und Display-

Port-Eingänge. Der Vorteil dieser beiden ist, dass Audio- und Videosignale

digital übertragen werden. Wobei beachtet werden muss,

dass DVI-I sowohl ein analoges als auch ein digitales Signal ausgibt

und DVI-D nur das digitale Signal sendet.

Aktuelle Trends gehen dahin, Mobilgeräte über nur ein Kabel für Bildund

Tonübertragung direkt mit dem Display zu verbinden. Möglich

macht das der Mobile-High-Definition-Link (MHL). Ein Vorteil dabei

ist, dass angeschlossene Geräte gleichzeitig aufgeladen werden. Miracast

dagegen ist eine Technologie, die es ermöglicht, Inhalte drahtlos

von einem Smartphone oder Tablet-PC an ein Display zu senden.

Für Standardbüroanwendungen sind solche Spielereien nicht nötig.

Vorstellbar ist jedoch, dass solche Displays für Meetings oder Präsentationen

genutzt werden, da einfach und schnell Inhalte mit Kollegen

geteilt werden können.

W+M

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Redaktion des

Magazins Das Büro.

Fotos: Philips/MMD

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Technik | 53

Panel-Typen

IPS: Monitore mit In-Plane-Switching-Technik bieten einen sehr weiten

Betrachtungswinkel von 178 Grad und überzeugen durch eine

hohe Farbintensität und natürliche Farben. AH-IPS steht für „Advanced

High Performance IPS“; eIPS für „Enhanced IPS“.

MVA/PVA: Multi-Domain Vertical Alignment bzw. Patterned Vertical

Alignment bezeichnen Panels, die – vergleichbar mit IPS-Panels – einen

hohen Blickwinkel erlauben. PVA ist eine von Samsung in Anlehnung

an MVA entwickelte Technologie. AMVA steht für Advanced MVA.

PLS: Plane-to-Line-Switching ist eine Samsung-Technologie, die im

Gegensatz zu IPS-Displays günstiger sein soll, aber ebenfalls weite

Betrachtungswinkel ermöglicht.

tn: Twisted Nematic (TN) steht für die Anordnung der Moleküle eines

LC-Bildschirms. Gegenüber MVA-/IPS-Panels kann ein TN-Panel

bei Kontrast und Blickwinkel nicht mithalten, ist jedoch weitaus günstiger.

TN-Panels haben auch einen niedrigeren Stromverbrauch und

kürzere Reaktionszeiten.

W+M-Empfehlungen für ergonomische 24-Zoll-Displays

Hersteller AOC ASUS LG Electronics NEC Display Solutions Philips Samsung

Modellname i2460Pxqu VS24AHL 24EB23PY MultiSync ® EA244WMi 241P4QRYES ErgoSensor S24C650DW

Maximale Auflösung (in Pixel) 1.920 x 1.200 1.920 x 1.200 1.920 x 1.200 1.920 x 1.200 1.920 x 1.080 1.920 x 1.200

Seitenverhältnis (Bildformat) 16:10 16:10 16:10 16:10 16:9 16:10

Panel-Typ eIPS IPS AH-IPS IPS AMVA PLS

Reaktionszeit (in ms) 5 5 5 5 4 (mit SmartResponse) 5

Kontrast (statisch/dynamisch) 1.000:1/20.000.000:1 1.000:1/80.000.000:1 1000:1/5.000.000:1 1000:1/25.000:1 3.000:1/20.000.000:1 1000:1 (Mega DCR)

Horizontaler/vertikaler Betrachtungswinkel

178/178 178/178 178/178 178/178 178/178 178/178

(in Grad)

Leistungsaufnahme (Betrieb/ 22/1,0/0,5 30/0,5/0,5


54 | W+M Ratgeber

Die ostdeutsche Bestsellerliste

für Wirtschaftsliteratur von W+M

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur wird aus

den Verkaufszahlen der größten Buchhandlungen in Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

erstellt. W+M bedankt sich für die Zusammenarbeit bei

Hugendubel Cottbus, Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

Hugendubel Erfurt, Anger 62, 99084 Erfurt

Hugendubel Greifswald, Markt 20–21, 17489 Greifswald

Hugendubel Leipzig, Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

Hugendubel Potsdam, Stern-Center 1, 14480 Potsdam

Hugendubel Schwerin, Marienplatz 3, 19053 Schwerin

Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung, Logenstraße 8, 15230 Frankfurt

(Oder)

Ihre Buchhandlung fehlt auf der Liste? Dann nehmen Sie mit unserer

Redaktion Kontakt auf. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an

JP@NehringVerlag.DE.

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Literatur | 55

Weltmeisterlicher Lesestoff

Mitte Juni startet das Eröffnungsspiel der 20. Fußball-Weltmeisterschaft. Zeit genug, um vorab noch

einmal in die reichhaltige Historie des wohl größten Sportereignisses der Welt einzutauchen. Eine

Geschichte voller Triumphe, Tränen und Skandale. Lesetipps von W+M für den großen Fußballsommer.

Von Matthias Salm

Bernd-M. Beyer/Dietrich

Schulze-Marmeling (Hrsg.):

„Fußball-Weltmeisterschaft“,

Die Werkstatt 2013,

420 S., 49,90 €.

Ein Mammutwerk: Auf nicht weniger als 420 Seiten

breitet eine Riege namhafter Fußballbuch-Autoren

wie Christoph Biermann oder Hardy Grüne die Geschichte

der bisherigen 19 WM-Turniere aus. Das

bildgewaltige Panorama widmet sich mehr als nur

der reinen Abfolge von Toren und Titeln, es erzählt

vielmehr die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften

vor ihrem jeweiligen politischen und zeitgeschichtlichen

Hintergrund. Ähnlich anspruchsvoll

die Bildauswahl: Neben den obligatorischen

Spielszenen finden sich auch viele faszinierende

Schnappschüsse abseits des Spielfeldes, die den

Zeitgeist der einzelnen Turniere widerspiegeln. Daneben

sind viele lesenswerte Geschichten eingestreut,

wie beispielsweise die aufreibende Suche

des Fotografen Jens Heilmann nach den Original-

Bällen der 19 Weltmeisterschaften oder eine Hommage

an jene großen Fußballkünstler von Günter

Netzer bis Raúl, denen es nie vergönnt war, bei einer

WM mit ihrem Können zu glänzen. Umfassender

als in diesem Buch ist die Historie der Fußball-

Weltmeisterschaften wohl nicht zu bekommen.

Wer es lieber kompakter mag, dem sei der „Mythos

Fußball-WM“ aus dem Bielefelder Delius Klasing

Verlag empfohlen. In 19 Kapiteln erinnert

Autor Bernard Lions an die bisherigen Fußball-

Weltmeisterschaften, an Sieger, Stars und auch

an jene Teams, die in die Geschichtsbücher eingingen,

ohne auch nur in die Nähe des WM-Titels

zu gelangen: Nordkoreas Sieg über das geschockte

Italien bei der WM 1966 etwa oder Kameruns

spektakuläre Auftritte bei der WM 1990. Eingerahmt

werden die Berichte von großformatigen

Bildern, Statistiken und zahlreichen Anekdoten

rund um die Turniere von Uruguay 1930 bis Südafrika

2010. WM-Legenden von Franz Beckenbauer

über Jürgen Sparwasser bis Roger Milla schildern

dazu in Interviews ihre ganz eigenen Erinnerungen

an glanzvolle Siege und bittere Niederlagen.

Bernard Lions:

„Mythos Fußball-WM“,

Delius Klasing 2014, 240 S., 29,90 €.

THOMAS

Fifa KISTNER

MAFIA

DIE SCHMUTZIGEN GESCHÄFTE

MIT DEM WELTFUSSBALL

aktualisiert und stark erweitert

Thomas Kistner:

„fifa Mafia“,

Knaur TB 2014, 496 S., 12,99 €.

Das vielleicht notwendige Gegengift zum bevorstehenden

WM-Hype bietet Thomas Kistner, seines Zeichens

Sportredakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“. Sein

Interesse gilt nicht den kickenden Männern in kurzen

Hosen, sondern den Drahtziehern im Hintergrund. Wer

schon einmal hoch über Zürich vor dem Anwesen der

FIFA, dem alleinherrschenden Weltverband des Fußballs,

stand, mag dessen Entrücktheit und Abschottung

von der Welt und auch der Basis des Fußballs erahnen.

Kistner versucht in der Form eines Wirtschaftsthrillers

dennoch hinter die Kulissen der mächtigen und wenig

transparenten Organisation zu schauen. Sein ursprünglich

2012 erschienenes Werk wurde zur bevorstehenden

WM aktualisiert und erweitert – denn auch wenn das

Image der FIFA hierzulande längst tiefgreifend ramponiert

ist, die leidige Geschichte von dubiosen WM-

Vergaben, zwielichtigen Geldgeschäften und korrupten

Funktionären scheint noch lange nicht auserzählt.

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56 | W+M Netzwerk

Unternehmerball des UV Rostock

Zu Gast in Neptuns Reich

Die Unternehmer der Hansestadt Rostock und

den umliegenden Landkreisen verließen die

Kommandobrücke ihrer Unternehmen und folgten

der Einladung des Unternehmerverbands,

um ausgiebig zu feiern. Anlässlich des diesjährigen

Mottos „Zu Gast in Neptuns Reich“ hatte die

Crew des Hotels Neptun im Bernsteinsaal Klarschiff

gemacht, die Planken geputzt und für passende

Dekoration und stimmungsvolle Beleuchtung

in Azurblau gesorgt.

Angeführt wurde die Unterwasser-Expedition

von Moderatorin Jacqueline Boulanger, die

in Begleitung von zwei charmanten Meeresnixen

durch den Abend führte und als Sängerin

mit den bekannten Melodien aus „Arielle“ das

Publikum begeisterte. Inmitten von Tauchern,

Nixen und diversem Meeresgetier sorgte aber

auch die „US Party Band” nicht nur für temperamentvolle

Tanzrunden, sondern brachte die

Tiefsee im Bernsteinsaal zum Kochen. Es wurde

getanzt bis in die frühen Morgenstunden. Für

die notwendigen Erfrischungsmomente und das

leibliche Wohl sorgten kulinarische Leckerbissen

direkt aus Neptuns Reich, präsentiert von Neptuns

Chefkoch.

W+M

Die Tanzfläche war schnell gefüllt.

Bürgermeister von Pastow

Hanns Lange mit

Begleitung.

Enrico Quaiser,

Geschäftsbereichsleiter Personalwesen

ICS adminservice GmbH,

mit Begleitung.

Die „US Party Band” sorgte für Stimmung.

Geschäftsführerin

Manuela Balan und

Präsident Frank Haacker vom

Unternehmerverband Rostock.

Fotos: Angelika Heim, maxpress

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014

Das Team der Hanse Menü Service GmbH.


Gesellschaft | 57

Unternehmerball des UV Schwerin

Mythos in Mecklenburg

Unter dem Motto „Der Mythos lebt” hatten der Unternehmerverband Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin,

die IHK zu Schwerin und die Handwerkskammer Schwerin Vertreter aus Wirtschaft,

Politik, Medien und dem öffentlichen Leben aus Westmecklenburg in die Sternenhalle der Mercedes-Benz-Niederlassung

Schwerin eingeladen – und 300 Gäste kamen.

Im Beisein von Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe überreichte UV-Präsident

Rolf Paukstat während des Balls den Wirtschaftspreis „Unternehmer des Jahres 2013” an

Oliver Schindler von der Sweet Tec GmbH aus Boizenburg.

Nach der Preisverleihung gab es dann kein Halten mehr. Die einen zog es vehement auf die Tanzfläche,

auf der die „US Party Band” und Tänzer des Rock’n’Roll-Clubs „Flying Saucers” aus Flensburg

gute Stimmung verbreiteten. Andere Gäste posierten vor den Harleys oder dem Chevrolet

Monte Carlo Baujahr ‘77.

W+M

Präsidenten und Geschäftsführer der Unternehmerverbände Sachsen, Brandenburg-Berlin,

Rostock-Mittleres Mecklenburg und Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin mit Partnern.

Die Tänzer des Rock’n’Roll-Clubs

„Flying Saucers” fegten mit Leidenschaft

über das Parkett.

Wolfgang Waldmüller (Abgeordneter des Landtags

Mecklenburg-Vorpommern) mit Partnerin, UV-Präsident

Rolf Paukstat und UV-Geschäftsführer Wolfgang

Schröder (beide UV Norddeutschland Mecklenburg-

Schwerin) (v. l. n. r.).

Der Chevrolet

UV-Präsident Rolf Paukstat (2. v. l.) und Mecklenburg-Vorpommerns

Monte Carlo

Wirtschaftsminister Harry Glawe (r.) ehren „Unternehmer des

Baujahr 1977

Jahres 2013” Oliver Schindler (Mitte, Sweet Tec GmbH).

war beliebtes

Fotomotiv

der Gäste des

Abends.

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58 | W+M Netzwerk

2. Internationaler Beach Polo Cup

Top-Event in Binz

Ausgelassene Stimmung auf der Tribüne: Martin Sureck

(Brand Manager Ferrari, l.), Katja Grundler (Mini) und

Steffen Kietzmann (BMW Auto Eggert).

Matthias Ludwig besitzt in Warnemünde

zwei Boutiquen und ist Netzwerker aus

Passion. Aus anfänglichen Sponsorings für

diese und jene Veranstaltung entstand der Wunsch,

ein eigenes Polo-Turnier zu organisieren. Typisch Unternehmer.

Nun fand vom 16. bis 18. Mai 2014 bereits

das 2. Binzer Beach-Polo-Turnier statt und wieder

war es ein Erfolg. Für die Binz-Besucher wie für

die Sponsoren war es ein tolles Erlebnis. Zu sehen

war Polo mit erstklassigen Pferden und sechs Teams

mit Spielern aus sechs Nationen. Der freie Zutritt zur

Polo-Arena, die Möglichkeit zu vielen Gesprächen,

die durchaus auch geschäftlich sein durften, und

nicht zuletzt das tolle Wetter haben Lust auf mehr

gemacht. In Binz, der Perle Rügens, hat sich ein weiteres

Highlight etabliert. Und das auch und nicht zuletzt,

weil bekannte Unternehmer aus Binz, die Gemeinde,

der Bürgermeister und die Kurverwaltung

das Projekt unterstützen. WIRTSCHAFT+MARKT

freut sich als Medienpartner über den Erfolg und

auf 2015.

w+m

Erstklassiges Polo mit sechs

Teams und Spielern aus sechs

Nationen.

Stimmung beim Grand Opening mit der

ABBA-Tribute-Band Swede Sensation.

W+M-Verleger Frank Nehring (r.) mit

Veranstalter Matthias Ludwig (l.) und

Moderator Thomas Sonnenburg.

Einmaliges Panorama: Beach-Polo-Arena

mit Kurhaus Binz im Hintergrund.

Fotos: Ralf Succo/SuccoMedia Andrea Schawe – momente im blick

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Schweriner Unternehmertag

Marketing im Fokus

Der gemeinsame Unternehmertag der Unternehmerverbände Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin und Rostock-Mittleres Mecklenburg

im April, den WIRTSCHAFT+MARKT als Medienpartner begleitete,

war ein voller Erfolg. Mehr als 300 Gäste fanden sich in der Hochschule

der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin ein, um sich über

das Thema „Marketing im Wandel der Zeit“ auszutauschen. Gerade

im Bereich Marketing erleben Unternehmen teils revolutionäre Veränderungen,

auf die sie mit einem neuen

Grundverständnis und einem veränderten

Marketingmix reagieren müssen. Anregungen

konnten sich die Gäste bei diversen

Vorträgen von Unternehmensgeschäftsführern

und Marketing-Experten aus der

Region holen. Dr. Christian Frenzel, Chef

der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern,

stellte die Kampagne

„MV tut gut“ und die sich ändernden Rahmenbedingungen

in Mecklenburg-Vorpommern

vor.

W+m

Gesellschaft | 59

Manuela Balan (Geschäftsführerin des UV Rostock), Rolf Paukstat

(Präsident des UV Schwerin), Dr. Christian Frenzel (Chef der Staatskanzlei

Mecklenburg-Vorpommerns), Prof. Dr. Christian Gade

(Hochschule der Bundesagentur für Arbeit) (v. l. n. r.).

300 Gäste kamen zum

Unternehmertag 2014

in die Hochschule der

Agentur für Arbeit.

Die Geschäftsführerin des UV Rostock Manuela Balan und der Geschäftsführer des

UV Schwerin Wolfgang Schröder moderierten den Unternehmertag 2014.

Christian Pegel, Minister für Energie,

Infrastruktur und Landesentwicklung

Mecklenburg-Vorpommerns.

Harald Püschel (Direktor Aquamaris

Strandresidenz), Energieminister

Mecklenburg-Vorpommerns Christian

Pegel und Harm Sievers (Geschäftsführer

Fährhafen Sassnitz GmbH) (v. l.

n. r.) vor dem Shantychor Sassnitz.

Juliusruh

Energiedebatte

und Frühlingsball

Die Wirtschaftsgespräche zum Thema Offshore-

Windenergie des Unternehmerverbands Vorpommern

Anfang April drehten sich um ein ganz

aktuelles Thema: die Novellierung des Erneuerbaren

Energien Gesetzes (EEG). Der geladene

Energieminister Mecklenburg-Vorpommerns

Christian Pegel zeigte sich zufrieden mit dem

Ergebnis des Energiegipfels zur Novellierung.

Am Abend fand dann in Juliusruh bereits zum

vierten Mal der „Maritime Frühlingsball der Wirtschaft

statt. Zu der Veranstaltung luden der Unternehmerverband

Vorpommern e. V., die Industrie-

und Handelskammer zu Rostock, die Kreishandwerkerschaft

und als Hauptorganisator die

Fährhafen Saßnitz GmbH. Neben über 170 geladenen

Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

durfte auch hier Minister Pegel als Ehrengast

und Schirmherr begrüßt werden. w+m

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


60 | W+M Netzwerk

Die Gedenktafel an Ferdinand Porsches Geburtshaus in Vratislavice ist noch erhalten.

Querelen um Porsche-Gedenken in Vratislavice

Eine Ausstellung der Firma Porsche sowie weitere Hinweise im Ort zur Erinnerung an Ferdinand

Porsche wurden nach Protesten von Einheimischen aufgrund seiner Verbindungen zum Nazi-Regime

aus seinem Geburtsort Vratislavice entfernt.

Von Rudolf Miethig (VBIW)

Der „Lohner-Porsche Mixte“

(„gemischter“, benzin-elektrischer

Antrieb) wird heute als erstes

Hybrid-Auto der Welt bezeichnet.

Vratislavice. Zu den Erfindern, deren Leben und

Werk im Arbeitskreis Verkehrswesen des VBIW erforscht

werden, gehört auch Ferdinand Porsche.

1875 wurde er in Vratislavice, einem Ortsteil von

Liberec in der Tschechischen Republik, geboren.

Schon als 14-Jähriger experimentierte er auf dem

Dachboden seines Geburtshauses mit Batterien

und Glühlampen, verkabelte schließlich das gesamte

Haus. Von 1898 an konstruierte er bei der

Firma Lohner in Wien Elektrofahrzeuge und entwickelte

ein an den Vorderrädern angetriebenes

Fahrzeug, den „Lohner-Porsche Mixte“, bei dem

ein ständig mitlaufender Benzinmotor, gekoppelt mit einem Generator,

den Strom für den Antrieb erzeugte. Freilich wusste Porsche

noch nicht, dass die Wissenschaft diese Art Antrieb 90 Jahre später

als Hybridantrieb, genauer „seriellen Vollhybrid“, bezeichnen würde.

Das Fahrzeug brauchte keine aufwändigen Antriebswellen, weil

lediglich Kabel zu den Radnabenmotoren geführt zu werden brauchten.

Erstmals konnten so auch gelenkte Räder angetrieben werden.

Und 1936 entwickelte Porsche in seinem Konstruktionsbüro in Stuttgart-Zuffenhausen

einen revolutionären Kleinwagen – den Volkswagen,

liebevoll Käfer genannt. Über 21,5 Millionen Fahrzeuge wurden

von 1938 bis 2003 produziert, zuletzt in Mexiko.

Auf das Porsche-Haus in Vratislavice stieß der Arbeitskreis im Jahr

2012. An ihm prangte eine glänzende Bronzeplakette mit dem Relief

Porsches. Das Haus war gerade leergezogen, nachdem es der Autobauer

Škoda zuvor gekauft hatte. Die Nutzung als Erinnerungsstätte

für Ferdinand Porsche als Mitbegründer des VW-Konzerns war

naheliegend. Zu jener Zeit war bereits an anderer Stelle, im Kulturzentrum

von Vratislavice, eine Ausstellung der Porsche AG aufgebaut.

Zu sehen waren aufgeschnittene 911er-

Porsche-Sportwagen, auf Glasscheiben des Kulturzentrums

war das wechselvolle Leben Porsches

beschrieben, auch die Auszeichnungen,

die er von Kaiser Franz-Josef, König Emanuel II.

und dem Naziregime erhalten hatte, wurden erwähnt.

Man war sichtlich stolz, Geburtsort des

genialen Konstrukteurs zu sein.

Plötzlich aber wurden die Ausstellungsobjekte

von der Porsche AG wieder abgezogen, der Hinweis

auf Porsche am Ortseingangsschild ist verschwunden.

Was war geschehen? Aktivisten aus

Vratislavice hatten sich wegen seiner Verbindungen zum Nazi-Regime,

insbesondere seiner Mitgliedschaft in der SS, gegen die Würdigung

seiner Person gewandt, der neugewählte Gemeinderat war

aufgeschreckt. Ein anderer Teil der Einwohner und auch die Oberbürgermeisterin

von Liberec sprechen sich nach wie vor für die Darstellung

der Gemeinde als Porsche-Geburtsort aus und wollen die Geschichte

erzählen, wie sie ist – auch um Besucher anzulocken. Es

entbrannte ein heftiger, interner Streit. Am Ende entschieden die

Abgeordneten von Vratislavice, dass anstelle der Porsche-Ausstellung

eine Bibliothek im Kulturzentrum untergebracht werden soll.

Škoda hat seine Pläne zum Porsche-Geburtshaus erst einmal auf Eis

gelegt. Für die Mitglieder des VBIW sind vor allem für die bahnbrechenden

Konstruktionen von Porsche von Interesse, aber auch die

Möglichkeiten, wie diese heute noch genutzt werden können. Gerade

den Gedanken, den Strom für den Elektroantrieb an Bord zu erzeugen,

haben führende Hersteller wieder aufgegriffen. So werden

seit 2012 in Deutschland Pkw serienmäßig mit Reichweitenverlängerern

angeboten.

Fotos: Rudolf Miethig (VBIW), Wikimedia Commons, Bernd Geller (VBIW)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


VBIW | 61

Ausbau der Autobahn A 12

Einrichtung des 4+0-Verkehrs als Voraussetzung für den Abriss

der rechten (südlichen) Fahrbahn auf der A 12 zwischen Dreieck

Spreeau und Fürstenwalde.

Seit März wird wieder gebaggert auf der A 12 zwischen Dreieck Spreeau

und Fürstenwalde. Der vierspurige Ausbau, das derzeit größte

Straßenbauprojekt Brandenburgs, soll bis 2018 dauern. Er ist notwendig,

da der aus dem Jahr 1937 stammende Betonuntergrund zu

brüchig geworden ist und noch immer Standstreifen fehlen. Lediglich

eine Asphaltdecke wurde 1990 über die alte Betonfahrbahn gezogen.

Warum aber dauert der Ausbau so lange, wundern sich nicht

nur die Mitglieder des VBIW. Und warum wird nicht gleich sechsspurig

ausgebaut? Thomas Schütt vom Landesbetrieb Straßenwesen

Brandenburg beantwortete die Fragen der VBIW-Mitglieder und erklärte,

die lange Dauer der Maßnahmen resultiere aus der Tatsache,

dass aufgrund der Verkehrssicherheit und dem Fließen des Verkehrs

stets zwei Fahrbahnen pro Richtung offen gehalten werden müssen.

Außerdem könne nur von April bis Oktober gearbeitet werden, damit

der Winterdienst sicher gewährleistet werden kann. Der vierspurige

Betrieb soll wie folgt durchgehend aufrechterhalten bleiben: Im Jahr

2013 wurde die nördliche Richtungsfahrbahn provisorisch verbreitert,

auf dieser wird jetzt in einem sogenannten 4+0-Verkehr gefahren.

Das bedeutet, auf der nördlichen Richtungsfahrbahn stehen vier

und auf der südlichen keine Fahrspur zur Verfügung. Die südliche

Spur wird dieses Jahr komplett abgerissen und grunderneuert. Im

Anschluss wird der gesamte Verkehr auf die neue südliche Fahrbahn

verlagert, so dass die nördliche Fahrbahn im nächsten Jahr ebenfalls

abgerissen und erneuert werden kann. Der mittlere und letzte

Bauabschnitt der 17 Kilometer langen Strecke soll dann ab 2016

saniert und bis 2018 fertiggestellt werden.

Die Autobahn wird von 24 auf 29,5 Meter und die betonierte Fahrbahn

um zwei auf 11,5 Meter verbreitert. Damit können auch Standstreifen

mit einer Breite von 2,5 Metern und somit mehr Sicherheit

realisiert werden. Ein Ausbau auf sechs Spuren ist laut Schütt aber

nicht notwendig, dafür reiche der hier gemessene durchschnittliche

Tagesverkehr von 37.000 Fahrzeugen nicht aus. Sechsspurige

Fahrbahnen werden erst bei mindestens 60.000 Fahrzeugen täglich

gebaut.

Rudolf Miethig (VBIW)

Arbeitskreis zur Erforschung der Technikgeschichte

des Warmwalzwerks gegründet

Eisenhüttenstadt. Arbeitskreise des VBIW hatten die Technikgeschichte

des Roheisenwerks und des Kaltwalzwerks der ArcelorMittal

Eisenhüttenstadt GmbH bereits dokumentiert. Die Fachzeitschrift

„stahl und eisen“ stellte die Dokumentation über das Kaltwalzwerk

in einer Buchbesprechung vor und auch der VBIW berichtete darüber

Erst seit 1997 kann

in Eisenhüttenstadt

Warmband aus

Brammen ausgewalzt

werden.

in W+M 5-6/2013. Das war offenbar Ansporn für die Ingenieure des

Warmwalzwerks, auch dessen Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren.

Das Hüttenwerk selbst war 1951 als „Eisenhüttenkombinat

Ost“ in Betrieb genommen worden, aber ohne Kalt- und Warmwalzwerk.

Erst 1997 wurde mit dem Bau des Warmwalzwerkes der

metallurgische Zyklus geschlossen, das heißt, die Brammen werden

seitdem innerhalb des Werks zu Warmband ausgewalzt und brauchen

nicht mehr als Warmband-Coils von anderen Stahlwerken bezogen

zu werden. Die Forschungsarbeiten und die Dokumentation der Ergebnisse

werden im Rahmen eines Arbeitskreises „Technikgeschichte

des Warmwalzwerks“ durchgeführt. Unter der Leitung von Hans-

Jürgen Zimmermann vom VBIW gehören ihm ehemalige und aktive

Führungskräfte, Ingenieure und Mitarbeiter des Warmwalzwerkes sowie

anderer Bereiche von ArcelorMittal an. Zimmermann rechnet damit,

dass für die Fertigstellung der Dokumentation etwa zwei Jahre

benötigt werden.

Rudolf Miethig (VBIW)

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle: Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder), Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

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62 | W+M Netzwerk

UV Sachsen

Bilanz und Ausblick für Sachsens Unternehmen

Im April fand im Sächsischen

Staatsweingut Schloss Wackerbarth

die Mitgliederversammlung

des Unternehmerverbands

Sachsen statt.

Geschäftsführer Lars Schaller

verlas den Finanzbericht,

schilderte die Verbandsaktivitäten

2013 und stellte Ziele

und Veranstaltungen für dieses

Jahr vor. Für das Amt der

Finanzprüfer 2014 wurden

Ulrike Eberhard (B&P Wirtschaftsprüfer-

und Steuerberatungsgesellschaft

mbH) und Frank Steinert

(Steinert Bauplanung GmbH) gewählt.

Für ihr besonderes Engagement bedankte

sich Lars Schaller bei Volker Wahl (WaCo

Gerätetechnik GmbH) und Rechtsanwalt

Dr. Axel Schober. Sie organisieren in Dresden

den Wirtschaftspolitischen Arbeitskreis

und den Arbeitskreis International.

UV-Sachsen-Präsident Hartmut Bunsen

griff in seiner Rede die wichtigsten Punkte

der vorangegangenen regen Diskussion

auf und gab seine Einschätzung zu den

Themen Mindestlohn, Energiewende und

Fachkräftemangel.

Der Präsident des Vereins „SACHSEN Sail“

Hans-Jürgen Zetzsche rundete die gut besuchte

Mitgliederversammlung mit seiner

Präsentation ab und stellte dabei auch die

diesjährige Tour Amsterdam-Edinburgh-

London vor.

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

Termine

UV Brandenburg-Berlin

19.06.2014: 17:30 – 21:00 Uhr Auftaktveranstaltung

der Unternehmerinnen im UV

Brandenburg-Berlin, Nordpier des BER

25.06.2014: 18:30 – 20:30 Uhr BER Business-

Club

UV Rostock-Mittleres

Mecklenburg

18.06.2014: 18:00 Uhr Informationsabend:

Hightech-Welt im Briefzentrum Roggentin,

Rostock

09.06.2014: 16:00 Uhr Führungskräfteseminar

des Arbeitskreises Neue Medien

zum Thema „Social Media“

26.06.2014: 19:00 Uhr „3. Warnemünder

Gespräch“, Café Ringelnatz, Alexandrinenstraße

60, 18119 Rostock

09.07.2014: Themenabend, HDI Gerling,

Rostock

UV Sachsen

04.06.2014: Unternehmertreff zum Thema

„Cyber-Kriminalität“, AMI, Messe Leipzig,

Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

Neuwahl des Präsidiums

Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung

des Unternehmerverbands Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin im

Mai in Schloss Basthorst wurden die Präsidiumsmitglieder

für die dreijährige Legislaturperiode

bis 2017 gewählt. Präsident

Rolf Paukstat (Foto Mitte) ist für weitere

drei Jahre im Amt. Ihm zur Seite stehen

die langjährigen Vizepräsidenten

Karl-Heinz Garbe

(Foto links) und Detlef Elss

(Foto rechts). Im weiteren

Verlauf der Mitgliederversammlung

stand neben einer

umfangreichen Statut-

Änderung auch die Neuwahl

des Wahlausschusses

und der Buchprüfer auf

der Tagesordnung. Beide

Einrichtungen wurden für

den Zeitraum von drei Jahren

neu bestimmt.

04.06.2014: Unternehmertreffen Chemnitz

mit Staatsministerin für Wissenschaft und

Kunst Sabine von Schorlemer, Chemnitz

18.06.2014: Unternehmerwissen kompakt –

Experten geben Auskunft, Chemnitz

19.06.2014: Unternehmerverbandsfest,

Chemnitz

23.06.2014: 3. Präsidiums- und Vorstandssitzung,

Leipzig

03.07.2014: Arbeitskreis International zum

Thema „Türkei“, Technologie Zentrum

Dresden

07.07.2014: Wirtschaftsstammtisch,

Dresden

Veränderungen von Themen, Terminen und Veran

staltungsorten können nicht ausgeschlossen

werden.

Foto: UV Aktuell, UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


Unternehmerverbände | 63

Unternehmerverbände Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinsame Beratungen auf Gut Gremmelin

UV Brandenburg-Berlin

In subtropische Gefilde hatte der Unternehmerverband

Brandenburg-Berlin zum

Jahresempfang 2014 in die Biosphärenhalle

nach Potsdam geladen. Flughafenkoordinator

Rainer Bretschneider konnte zwar keinen

Termin für die Flughafeneröffnung mitbringen,

will aber mit dem BER-Business club

in Kontakt bleiben. Gregor Gysi (Die Linke)

warb um die Sympathien der Zuhörer für seine

Partei. Er stellte dar, wie sich ihre steuerlichen

und wirtschaftspolitischen Ziele positiv

auf Selbstständige sowie Klein- und

Mittelständische Unternehmen auswirken

würden.

Die Präsidenten, Vizepräsidenten, Schatzmeister

und Geschäftsführer der drei Unternehmerverbände

Rostock, Schwerin und

Vorpommern trafen sich im Rahmen ihrer

landesweiten Kooperation zu einem mehrstündigen

Gedankenaustausch auf dem

Gut Gremmelin. Im Mittelpunkt der Beratung

standen aktuelle Fragen mit wirtschaftspolitischer

Relevanz und die Verabschiedung

unterschiedlicher gemeinsamer

Vorhaben, die die Mitglieder der einzelnen

Verbände näher miteinander vernetzen sollen.

Dazu gehören beispielsweise die Wirtschafts-

und Unternehmerbälle in Schwerin,

Rostock und Bansin, der 2. gemeinsame Unternehmertag,

der am 24. April in Schwerin

stattfand, die 3. Golf-Challenge am 22. August

in Stralsund und der 2. UV-Branchentag

mit dem Schwerpunkt „Berufliche Bildung“

am 6. November in Rostock. Auch bundespolitisch

werden die mecklenburgischen

Unternehmerverbände landeseigene Themen

im Rahmen ihrer Mitwirkung in der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände

Ostdeutschlands und Berlin stärker

in den Fokus rücken.

Wolfgang Schröder und Karl-Heinz Garbe (beide UV Schwerin), Dr. Stephan Thiel,

Frank Haacker und Anja Hausmann (alle UV Rostock) sowie Walter Kienast,

Gerold Jürgens und Steffen Hellmuth (alle UV Vorpommern) (v. l. n. r.) bei den

Beratungen auf Gut Gremmelin.

Empfang unter Palmen

UV Rostock

Neu im Netzwerk

Bereits 1980 begründeten Städte, die schon

in der Vergangenheit dem Bund der Kaufmannsstädte

angehörten, die weltweit

größte freiwillige Städtegemeinschaft neu,

die „Hanse der Neuzeit” – eine starke Organisation,

die die Akteure in den aktuell

181 Hansestädten in 16 Ländern Europas

verbindet. Dieser Städtebund wird seit

Juni 2013 durch den in Herford gegründeten

Wirtschaftsbund HANSE ergänzt. Seit

Anfang des Jahres gehört auch der Unternehmerverband

Rostock-Mittleres Mecklenburg

diesem schnell wachsenden Netzwerk

an.

G ES c h ä f T S ST E l l E N

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Andreas Jonderko

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Eberhard Walter

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführer: Steffen Heller

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-brandenburg-berlin.de

Internet: www.uv-brandenburg-berlin.de

Bezirksgeschäftsstelle Potsdam

Hegelallee 35, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-brandenburg-berlin.de

Repräsentanz Frankfurt Oder:

Repräsentant: Detlef Rennspieß

Perleberger Straße 2, 15234 Frankfurt Oder

Tel.: +49 335 4007458

Fax: +49 335 4007457

E-Mail: detlef.rennspiess@signal-iduna.net

Unternehmerverband Norddeutschland Mecklenburg-

Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Wolfgang Schröder

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Repräsentantin: Gabriele Hofmann-Hunger

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Repräsentant: Klaus-Dieter Lindeck

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

c/o IHK Erfurt – Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsstelle

Geschäftsstellenleiter: Steffen Hellmuth

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

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64 | W+M Rückblick

Was macht eigentlich Oswald Müller, langjähriger Chef und

erfolgreicher Krisenmanager der Wismarer Werft?

Der Schiffbau-Kapitän

Den letzten Schiffbauauftrag in seiner Amtszeit unterzeichnete Oswald Müller (r.) 2000 mit Reedereichef Klaus Oldendorff. Die Reederei

Nord bestellte vier Containerschiffe in Wismar.

Schiffbau ist ein internationales Geschäft.

In seinem hellen Haus in der

1.300-Seelen-Gemeinde Stäbelow nahe

Rostock pflegt Oswald Müller globale Kontakte.

Auf einschlägigen Internetportalen verfolgt

der 79-Jährige auch zwölf Jahre nach

seinem letzten Arbeitstag als Chef der Wismarer

Werft das Geschehen in der Branche.

Regelmäßig landen zudem maritime Fachmagazine

aus aller Welt im Briefkasten.

In den letzten Wochen und Monaten hat der

einstige Schiffbaumanager jedoch den Blick

weniger in die Ferne schweifen lassen. Der

einheimische Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern

ist spätestens nach der Insolvenz

der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast im

Sommer 2012 schwer in Seenot geraten. Ein

Verhängnis, das Oswald Müller beben lässt.

„Als die Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde

Mitte 2009 zahlungsunfähig waren,

da befanden sich auch die P+S-Werften bereits

in Schieflage. Es wagte aber niemand,

das laut zu sagen.“ Damals hätten die P+S-

Werften Schiffbauaufträge im Gesamtvolumen

von einer Milliarde Euro in den Büchern

gehabt. „Doch 22 Schiffe innerhalb von drei

Jahren abzuliefern, darunter acht neue Typen,

das ist einfach nicht machbar.“ Die Pleite

war programmiert. Wertvolle Zeit ging verloren,

um abseits des Schiffbaus die Werften

rechtzeitig umzuorientieren.

Der Aufsichtsrat von P+S habe total versagt,

und die Politik, fügt Müller hinzu. Diese habe

die Werften im Land immer nur mit dem Bau

von Schiffen in Verbindung gebracht, „dabei

können die Werften weit mehr, vor allem alles,

was mit Stahlbau zu tun hat“. Brücken,

Plattformen, Schiffsanleger. Darin liegt die

Zukunft für die maritime Industrie, ist Müller

überzeugt. „Die Werften haben das technologische

Potenzial und die Innovationskraft,

sich neue Geschäftsfelder zu erschließen.“

Genugtuung bereitete ihm unlängst, dass die

Nordic Yards für die insolvente Stralsunder

Volkswerft den Zuschlag bekommen haben.

„Nordic-Chef Vitaly Yusufov ist ein Glücksfall

für Mecklenburg-Vorpommern“, schwärmt

Müller für den russischen Investor und Manager.

Dieser habe es binnen kurzer Zeit verstanden,

die Werften in Wismar und Warnemünde

auf Offshore-Technik und Spezial-

Fotos: Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


W+M Rückblick | 65

Oswald Müller (3. v. l.) 1996 in Wismar

mit chinesischen Auftraggebern anlässlich

einer Schiffsablieferung.

Oswald Müller (r.) 1994 mit Ministerpräsident

Bernd Seite (l.) und dem Chef der Bremer

Vulkan Friedrich Hennemann (2. v. r.).

Im November 2000 wurde das Clubschiff

„AIDAvita“ auf Kiel gelegt. Neben Oswald

Müller (r.) der AIDA-Chef Horst Rahe.

schiffe zu trimmen. Seit der Zäsur im weltweiten

Schiffbau durch die Wirtschafts- und

Finanzkrise 2008/09 sei dies der einzige Ausweg,

um wirtschaftlich zu überleben.

Oswald Müller kennt das Gefühl, wenn eine

ganze Branche am seidenen Faden hängt, zur

Genüge. Seit 1978 hatte er in Wismar die Geschicke

der Werft gelenkt und geleitet. Nach

der Privatisierungswelle gehörte die MTW

Werft ab Herbst 1992 zur Bremer Vulkan AG.

Müller blieb bis zur Pensionierung im Jahr

2002 der Geschäftsführer in Wismar und damit

als einziger Schiffbaumanager aus DDR-

Tagen in einer Führungsposition. Maßgeblich

trieb er den Umbruch in der maritimen

Industrie im Land mit voran. Ob es klug war,

nach der Wende den Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern

zu erhalten, ist auch aus

heutiger Sicht für ihn unstrittig. „Marktwirtschaftlich

betrachtet brauchte das vereinigte

Deutschland die Ostwerften nicht. Auch

der Rest der Welt war auf sie nicht angewiesen.

Aber die Menschen im Land brauchten

den Schiffbau, er sicherte viele Existenzen.“

Den ersten schweren Dämpfer in den Nachwendejahren

erfuhr die Werftindustrie 1996

durch die Pleite der Bremer Vulkan AG. Da

steckte die Wismarer Werft, der Oswald Müller

24 Jahre lang vorstand, mitten im Modernisierungsprozess.

Der Vulkan-Nachfolger,

ein norwegischer Eigner, betrieb weiter

konventionellen Schiffbau. Müller räumt ein,

„dass mehrere Jahre lang mit Containerschiffen

schnelles und gutes Geld verdient werden

konnte“. Die Nachfrage auf dem Weltschifffahrtsmarkt

war enorm. Die Schiffbaukonzerne

in Asien gerieten Mitte der 2000er Jahre

an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Folge war,

dass Containerfrachter auch auf deutschen

Werften in großer Zahl in Auftrag gegeben

wurden. Eine trügerische Verheißung. Nicht

nur die Wismarer Werft manövrierte sich in

die Sackgasse. „Im globalen Kontext war

mir schon Ende der 90er Jahre klar, dass wir

gegen die asiatische Konkurrenz auf lange

Sicht einen außerordentlich schweren Stand

und im Containerbereich keine Chancen haben

werden“, blickt Müller zurück.

In den folgenden Jahren bis 2012 sollten

sich die Befürchtungen des einstigen Werftund

Krisenmanagers bewahrheiten. Seit der

Vulkan-Pleite 1996 verschwand ein Dutzend

deutscher Schiffbaubetriebe völlig von der

Bühne oder verabschiedete sich abrupt vom

klassischen Schiffbau. Nach dem langen Kapitel

als Werftchef beriet Müller noch einige

Zeit chinesische und bulgarische Schiffbauunternehmen.

Bedauern schwingt mit, als er

erwähnt, dass er mit dem Ausscheiden als

Schiffbau-Kapitän auch von der Landespolitik

auf das Altenteil geschoben wurde. „Wenn

Sie raus sind, sind Sie raus“, resümiert Müller

knapp. Die Politik zog es vor, auf seine Erfahrungen

vor allem im Krisenfall zu verzichten.

Die Durststrecke im Schiffbau, sagt Müller,

ist nicht vorbei. Auch weil der internationale

Schiffsmarkt weiter schwächelt. „Trotz allem

aber ist der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern

nicht tot. Die Werftindustrie wird

in den Marktsegmenten erfolgreich sein, wo

spezielle Bedarfe etwa in der Offshore-Industrie

und Meerestechnik entstehen.“

Oswald Müller baut keine Schiffe mehr. Dafür

hat er mit seiner Ehefrau das Reisen mit dem

Schiff entdeckt. Mehr als 20 Kreuzfahrten in

viele Gegenden der Welt haben sie bis dato

absolviert. In Nord- und Südamerika, im arabischen

Raum und nach Australien. So manchem

in Wismar gebauten Frachtschiff hinterher.

Thomas Schwandt

Relikt

ver gangener

Zeit:

Stapellauf

eines neuen

Frachters

in Wismar.

Den letzten

Stapellauf

erlebte die

Werft 1998.

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66 | W+M Die letzte Seite

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Gründerzeit im Osten

Die Wirtschaft in den neuen Ländern ging in den

1990er Jahren durch ein tiefes Tal. Doch längst hat

ein regelrechter Gründerboom die neuen Bundesländer

erfasst. Wie kommt es, dass plötzlich überall neue Unternehmen

aus dem Boden schießen? Welchen Anteil haben

daran die Förderbanken? Welche Ratschläge sollten potenzielle

Gründer berücksichtigen? In der Titelgeschichte gibt

WIRTSCHAFT+MARKT Antworten auf all diese Fragen.

Ende August und Mitte September finden in Sachsen, Brandenburg

und Thüringen Landtagswahlen statt. Zur Einstimmung

darauf setzen wir unsere Interview-Reihe fort. Nach

Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), den Landesvätern

von Brandenburg und Sachsen, steht diesmal

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht

(CDU) Rede und Antwort.

Die nächste Ausgabe von WIRTSCHAFT+MARKT

erscheint am 17. Juli 2014.

Pe r sonenregister

Adomat, Jens 7

Anderson, Wes 22

Arnold, Frank 54

Baaske, Günter 6

Bähr, Melanie 6

Balan, Manuela 56, 59

Baumeister, Roy F. 54

Belfort, Jordan 54

Berka, Klaus 7

Beumer, Markus 10

Beyer, Bernd-M. 55

Beyer, Günther 18, 19

Biedenkopf, Kurt 41, 42

Bormann, Michael 50

Boulanger, Jacqueline 56

Bretschneider, Rainer 63

Brody, Adrien 22

Brühl, Daniel 22

Buhl-Wagner, Martin 20, 21

Bunsen, Hartmut 62

Chan, Jackie 22

Christoffers, Ralf 26

Cierpinski, Waldemar 6

Clooney, George 23

Dahl, Robert 8

Deinege, Siegfried 23

Diestel, Peter-Michael 9

Diestel, Thomas 9

Dittrich, Jörg 15

Eberhard, Ulrike 62

Elss, Detlef 62

Ermrich, Michael 24

Ferriss, Tomithy 54

Fiennes, Ralph 22

Finkbeiner, Hans-Peter 8

Finkbeiner, Jürgen 8

Finkbeiner, Thomas 8

Fischer, Bernd 25, 26

Foster, Norman 44

Franzke, Stefan 6

Frenzel, Christian 59

Fuchs, Michael 37

Gade, Christian 59

Garbe, Karl-Heinz 62, 63

Glawe, Harry 57

Goldblum, Jeff 22

Grundler, Katja 58

Gysi, Gregor 63

Haacker, Frank 56, 63

Hausmann, Anja 63

Hellmuth, Steffen 63

Hennemann, Friedrich 65

Herles, Benedikt 54

Herntier, Christine 6

Hillenberg, Ralf 44, 45

Jürgens, Gerold 63

Kahnemann, Daniel 54

Kienast, Walter 63

Kietzmann, Steffen 58

Kistner, Thomas 55

Kleber, Frank 7

Kleinsorg, Johannes 7

Kohli, Raimund 14, 15

Körner, Gotthard 14

Kratz, Claudia 31

Kudert, Stephan 54

Kurtzke, Christian 6

Lange, Hanns 56

Lange, Volker 47

Law, Jude 22

Lieberknecht, Christine 66

Lions, Bernard 55

Ludwig, Matthias 58

Maul, Walter 7

Miedaner, Talane 54

Müller, Oswald 64, 65

Oldendorff, Klaus 64

Paukstat, Rolf 57, 59, 62

Pegel, Christian 59

Püschel, Harald 59

Putin, Wladimir 3

Quaiser, Enrico 56

Rademacher, Robert 47

Rahe, Horst 65

Rogall, Karsten 7

Schaller, Lars 62

Scheibe, Knut 6, 15

Schindler, Oliver 57

Schmidt, Manfred 23

Schober, Axel 62

Schröder, Gerhard 3

Schröder, Wolfgang 57, 59, 63

Schulze-Marmeling, Dietrich 55

Schütt, Thomas 61

Schwarzenegger, Arnold 22

Seite, Bernd 65

Sievers, Harm 59

Sonnenburg, Thomas 58

Sorg, Peter 54

Steinert, Frank 62

Stolpe, Manfred 19

Sureck, Martin 58

Tarantino, Quentin 22

Thiel, Stephan 63

Thoma, Karl-Heinz 9

Tierney, John 54

Tillich, Stanislaw 38-42, 66

van Laak, Petra 6

von Dohnanyi, Klaus 36

von Schorlemer, Sabine 62

Wahl, Volker 62

Waldmüller, Wolfgang 57

Wehrle, Martin 54

Weiger, Hubert 37

Winslet, Kate 22

Woidke, Dietmar 66

Wolf, Waltraud 9

Yusufov, Vitaly 64

Zetzsche, Hans-Jürgen 62

Zimmermann, Hans-Jürgen 61

WIRTSCHAFT+MARKT | 3 / 2014


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