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WIRTSCHAFT+MARKT Wende - Aufbruch (Vorschau)

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25. Jahrgang | Heft 5 | Oktober/November 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

Wende

Aufbruch

Blühende Landschaften?


Foto: Getty Images

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W+M Editorial | 3

Die Macher des Aufbruchs

Mit dem Herzen dabei

Foto: Torsten George, Titel: Kathi/J. Schlüter (Thiele), Staatskanzlei Brandenburg (Stolpe), Rotkäppchen/U. Ehmann (Heise), T. Schwandt (Gustke), MOZ (Mangelsdorf ), T. Wranik (Garkisch)

Wir befinden uns

im Herbst eines

wirklich bedeutungsschweren

Gedenkjahres:

Hundert Jahre

Ausbruch des Ersten Weltkriegs,

75 Jahre Beginn

des Zweiten Weltkriegs, 70

Jahre Landung der Alliierten

– all diese Jahrestage

wurden in den vergangenen

Wochen und Monaten

auf vielfältige Weise gewürdigt.

Jetzt steuert Deutschland auf den letzten

großen Erinnerungstag des Jahres 2014

zu, der im Unterschied zu den vorher genannten

Ereignissen ohne Blutvergießen

und Gewalt verlief und ungeachtet dessen

bis heute historische Tragweite hat: Am

8. November jährt sich zum 25. Mal der

Fall der Mauer in der ehemaligen DDR. Die

Öffnung der Grenzen war ein Höhepunkt

der friedlichen Revolution, in deren Folge

vier Monate später demokratische Wahlen

stattfanden und im Herbst 1990 dann die

Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen

wurde.

Die Wende vor 25 Jahren stellte fast die

gesamte berufstätige Bevölkerung in Ostdeutschland

vor fundamentale Herausforderungen.

Da nahezu alle Institutionen,

Behörden, Verwaltungen, Kombinate,

Genossenschaften und volkseigenen

Betriebe abgewickelt, geschlossen oder

zumindest dramatisch heruntergefahren

wurden, mussten sich rund 90 Prozent

der Menschen im arbeitsfähigen Alter beruflich

neu orientieren. So etwas hat es

in der jüngeren Geschichte noch nie gegeben.

Der Prozess der Umstellung von

erlebter sozialistischer Planwirtschaft

hin zur Marktwirtschaft in der größer

gewordenen Bundesrepublik lief nicht

ohne Probleme ab. Es gab Menschen, die

nie wieder Fuß fassten, es gab Enttäuschte

und Zurückgelassene.

Aber mehr noch gab

es überall in den neuen

Ländern Menschen, die

die Ärmel aufkrempelten,

die ins kalte Wasser

des Unternehmertums

sprangen, sich selbstständig

machten und

oft eigene Unternehmen

gründeten. Entstanden

ist ein grundsolider

Mittelstand, der

heute das Rückgrat der

ostdeutschen Wirtschaft bildet, der für

stabile Beschäftigung und Steuereinnahmen

der Kommunen sorgt.

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@wundm.info

WIRTSCHAFT+MARKT würdigt die Leistungen

der ostdeutschen Unternehmer

mit einer ausführlichen Titelgeschichte,

die sich über 36 Seiten erstreckt. Stellvertretend

für die vielen Firmengründer

zwischen Wismar und Suhl stellen wir „25

Macher des wirtschaftlichen Aufbruchs“

vor. Bewusst haben wir uns für eine Mischung

aus prominenten und eher unbekannten

Persönlichkeiten entschieden.

Wir wollten kein Ranking, sondern die

Breite des Spektrums abbilden. Eines haben

alle vorgestellten Personen gemein:

Sie haben sich aktiv für den wirtschaftlichen

Aufschwung in Ostdeutschland eingesetzt

– jeder an seinem Platz, sei es in

Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung

oder in der Politik.

Der ersten Unternehmergeneration der

Nachwendezeit ist es maßgeblich zu verdanken,

dass man heute vielerorts die

vom früheren Bundeskanzler Helmut

Kohl beschworenen „blühenden Landschaften“

tatsächlich antrifft. Allerdings

ist der Prozess des Aufbruchs und der Angleichung

der Verhältnisse zwischen West

und Ost noch lange nicht abgeschlossen.

Dafür braucht es unverändert einen langen

Atem.

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4 | W+M Inhalt

56

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50

IAA in Hannover

60

Golfen unterm Wind

42 Die digitale Fabrik

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


W+M Inhalt | 5

W+M Titelthema

25 Jahre Wende – 25 Jahre wirtschaftlicher Aufbruch 6 – 41

W+M Titelthema

25 Macher des Aufbruchs in den neuen Ländern

Peter-Michael Diestel – Tatbeteiligter der Wende 6

Bert Sieber – Experte für Transformatoren aller Art 10

Tino Ecke – Mit Schlagkraft im Wald 10

Helga Schadock – Orthopädietechnische Hilfen aus Vogelsdorf 10

Martin Bergmann – Modernste Umwelttechnik aus Sachsen 11

Peter Müller – Ein Mann mit dem richtigen Riecher 11

Gunter Heise – Rotkäppchen-Sekt auf Siegeszug 12

Dietmar Enderlein – Leitwolf in zwei Systemen 14

Christoph Links – Der Longseller-Stratege 16

Manfred Stolpe – Ein Ministerpräsident zieht Bilanz 18

Franz-Lorenz Lill – Feuerwehrmann für Osteuropa 22

Peter Rost – Drucken in Großformat 22

Petra Quermann – Bewahrt das Erbe ihres Vaters 22

Stephan Garkisch – Spitzenkoch aus Ostberlin 23

Thomas Jahnecke – Spezialist für Hörgeräte 23

Peter Meyer – Das Unternehmen Puhdys 24

Rainer Thiele – Kathi-Backmischungen überall gefragt 26

Thomas Grabbe – Verkauft Güstrows schönsten Schmuck 28

Walter Botschatzki – Mit dem Multicar hinaus in die Welt 30

Stephan Gustke – Erfolgreiche Logistik aus dem Norden 31

Thomas Süß – Zwischen Baufirma und Yachthafen 32

Frank Mangelsdorf – Geschichte hautnah erlebt 34

Holger Raithel – Tradition ohne Kaffeekannen 36

Martin Röder – Mit Gelenkwellen auf den Weltmarkt 38

Hans-Peter Urban – Adlershofer Fernsehretter 40

Analyse des Aufbruchs: ifo-Chef Joachim Ragnitz 41

W+M Länderreport

Sachsen-Anhalt: Die digitale Fabrik 42

W+M Politik

Energiewende und Versorgungssicherheit:

Interview mit Bernd Dubberstein, E.DIS-Vorstandschef 44

Der Osten und die Energiewende:

Gespräch mit Tim Hartmann, enviaM-Vorstandsvorsitzender 46

ifo-Geschäftsklimaindex für Ostdeutschland 48

W+M Ratgeber

Automobil: Ausblick auf die IAA in Hannover 50

Steuern und Finanzen 52

Literatur: Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur 54

Büro: Günstige Versandhändler für Büromaterialien 56

W+M Netzwerk

Impressionen vom Ostdeutschen Energieforum 58

Ostsee-Meeting auf der Traditionsrennbahn in Bad Doberan 59

UV Business Challenge: Golfen unterm Wind 60

VBKI-Sommerfest: Aufmarsch der Kronprinzen 61

VBIW: Aktuelles aus dem Verein 62

Neues aus den Unternehmerverbänden 64

6-41

Macher des Aufbruchs

W+M Die letzte Seite

Ausblick und Personenregister 66

W+M Weitere Beiträge

Editorial 3

Impressum 43

Dieser Ausgabe von WIRTSCHAFT+MARKT liegt die Sonderausgabe

W+M Exklusiv Vorpommern bei.

Teilen der Auflage liegen Beilagen der Zentralkonsum eG und des

Steigenberger Hotels Zur Sonne Rostock bei.

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6 | W+M Titelthema

Auf holprigen Wegen zu blühenden

Landschaften

Die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Ländern aus Sicht von

Dr. Peter-Michael Diestel

Meine persönliche Situation in den Jahren 1989/90 ist in etwa mit der wirtschaftlichen Entwicklung

in Ostdeutschland zu vergleichen – unberechenbar, explosiv und außerordentlich dynamisch.

Nur habe ich vielleicht etwas mehr von den wirtschaftlichen Ergebnissen meiner Tätigkeit

festhalten können.

Peter-Michael Diestel

auf seinem Landsitz

in Mecklenburg.

Eingangs ist die Feststellung unerlässlich,

dass der Weg hin zur Marktwirtschaft

und zur rigorosen Veränderung

der sozialistischen Wirtschaftsstrukturen

alternativlos richtig war.

Hinterher sind alle klüger und die Zahl

der „Besserwisser“ und „Bessermacher“

nimmt im Nachhinein utopische Dimensionen

an. In den Monaten, in welchen ich

als Stellvertreter des Ministerpräsidenten

Lothar de Maizière und als Innenminister

Verantwortung trug, sind mir die Dimensionen

des Wandels deutlich geworden.

Eine umfassende wirtschaftspolitische

und finanzpolitische Gesetzgebung

schuf die Grundlage für die notwendigen

Veränderungen. Der Rechtsangleichungsprozess

zweier unterschiedlicher Wirtschaftsordnungen

erschien mir damals

zunächst unverständlich und unlösbar.

Auf beiden Seiten gab es keine vorbereiteten

Konzepte für eine einheitliche

Wirtschafts- und Wirtschaftsrechtsordnung.

Kluge Wegbegleiter wie der damalige

Ministerpräsident Lothar de Maizière,

sein Finanzstaatssekretär Walter Siegert,

aber auch Detlev Karsten Rohwedder erklärten

mir die Entwicklungsrichtungen.

Ich habe immer eifrig und verständnisvoll

genickt, jedoch wenig verstanden.

Auf jeden Fall entschloss ich mich in dieser

Zeit, mein stärkeres Bein, also mein

Sprungbein, für das anwaltliche Leben

zu nutzen und konnte mit Gleichgesinnten

Anwaltskanzleien in Leipzig, Berlin,

Rostock, Potsdam, Güstrow und Zislow

am Plauer See aufbauen. So war ich praktisch

immer dabei, konnte Einiges erleben

und jetzt darüber reden.

Schwierigkeiten der ersten Stunden

In den frühen 1990er Jahren erlebten

wir einen riesigen Abwanderungsprozess

leistungsfähiger, in der Regel junger

Menschen von Ost nach West. Im gleichen

Zuge kamen aus dem Westen häufig

diejenigen in den Osten, die in ihrer

Heimat übrig waren bzw. dort nichts geworden

sind. Eine außerordentlich widersprüchliche

Entwicklung.

Bei den zahlreichen Privatisierungsverhandlungen

in den Gliederungen der damaligen

Treuhandanstalt ist mir die Atmosphäre

noch in guter Erinnerung. Der

im Westen dreimal gescheiterte Scharlatan

trat im dunklen maßgeschneiderten

Anzug mit Schlips und goldener Krawattennadel

elegant auf und stach zumeist

den ostdeutschen „Präsent 20“-Anzugträger

in den Bewerbungsgesprächen

und Ausschreibungen aus. Der Erstgenannte

hatte fast immer hochglänzende

Konzept unterlagen in krokodilledernen

Aktenkoffern dabei. Die Orts- und Branchenkenntnis

bei dem ostdeutschen Privatisierungsbewerber

fand leider bei den

Foto (auch Titel): Susann Welscher

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 7

Peter-Michael Diestel (M.) im Kreis

der letzten DDR-Regierung.

Foto: Privat

Entscheidungsträgern kaum Berücksichtigung.

Dennoch: Der Weg der Privatisierung

der ostdeutschen Unternehmen war in der

vorliegenden Art und Weise – trotz der zahlreichen

negativen Ergebnisse, trotz teilweise

krimineller Verwerfungen – der einzig

Richtige. Wirtschaftshistorische Dimensionen

und die Verdienste der Treuhandanstalt

und ihrer Gliederungen sind mit einem komplizierten,

fast negativen Image in die Geschichte

eingegangen. Das ist falsch und

bedarf der Korrektur. Insbesondere wenn

man die Privatisierungsprozesse in anderen

ehemals sozialistischen Ländern vergleicht,

könnte man zu der Erkenntnis kommen, dass

sich die Privatisierungsprozesse in Ostdeutschland

mustergültig vollzogen haben.

Jeder Anfang ist schwer

Die von unserem Kanzleiverbund betreuten

mittelständischen Unternehmen arbeiten

allesamt in gesellschaftsrechtlichen Strukturen,

die es vor 1990 nicht gab. Von einer

ostdeutschen Großindustrie kann man nicht

sprechen, weil es sie nicht oder nicht mehr

gibt, was für unsere Region – betrachtet man

die beiden letzten Jahrhunderte – untypisch

ist. Deshalb waren die zahlreichen gesellschaftsrechtlichen

Aus- und Umgliederungen,

GmbH-Gründungen, Gründungen von

Aktiengesellschaften und anderen Rechtsformen

und deren rechtliche Begleitung für

die ortsansässige Anwaltschaft ein umfangreicher

Teil des Broterwerbs. Ich habe es immer

für bemerkenswert gehalten, welche Persönlichkeiten

als Geschäftsführer und Vorstände

erfolgreich waren und welche nicht.

Unnütze Differenzierungen zwischen den

Gesellschaftern haben Unternehmen in der

Regel zurückgeworfen und häufig zähe, aufwändige

Rechtsstreite nach sich gezogen.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass

der ostdeutsche „Alpharüde“ in Kombination

mit dem „Pfennigfuchser“ aus dem Westen

ein erfolgreiches Team bildeten. Hier

möchte ich mein pauschales Anfangsurteil

etwas revidieren: Ich habe im Laufe der letzten

zweieinhalb Jahrzehnte viele hochinteressante

Unternehmerpersönlichkeiten aus

den alten Bundesländern kennengelernt, die

sich im Osten engagieren. Der liebe Gott hat

uns also auch ganz helle Köpfe aus dem Westen

rübergeschickt. Einige zu nennen sei mir

hier gestattet.

Franz-Josef Wernze, Steuerberater aus Nordrhein-Westfalen,

baute aus Teilen der Abteilung

Rechnungsführung und Statistik eines

DDR-Ministeriums eine Steuer- und Wirtschaftsberatungsstruktur

auf, die heute zu

den bedeutendsten in ganz Deutschland gehört.

Franz-Josef Wernze hat die Menschen

so akzeptiert, wie sie sind und hat Partnerschaften

im klassischen und edlen Sinne zu

hunderten begründet. Er hat vermieden, seinen

Mitstreitern zu erklären, wo rechts oder

links ist und wo das Licht angeht. Auf diese

Weise hat er Konzernstrukturen geschaffen,

an denen man nicht vorbeikommt, wenn

man in den fünf neuen Bundesländern erfolgreich

sein will.

Darüber hinaus ist er ein Chef, der fast alle

Mitarbeiter persönlich kennt, was ich bei einigen

tausend Angestellten für bemerkenswert

halte. Eine gewisse Abneigung hegt der

Unternehmer gegen Rechtsanwälte, die bei

kühnen Projekten wohl immer im Wege stehen.

Seit 1990 gründete Christoph Kroschke im

Osten Deutschlands zahlreiche Unternehmungen

und schuf damit hunderte Arbeitsplätze.

Die Privatisierung des veralteten Kfz-

Zulassungswesens und damit verbundene

Dienstleistungen waren Gegenstand seiner

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8 | W+M Titelthema

unternehmerischen Tätigkeit. Schon lange

vor der Wende galten die Kroschke-Brüder

aus Braunschweig bundesweit als erfolgreiche

Unternehmer. Deshalb ist es ein glücklicher

Umstand, dass sich Christoph Kroschke

auch im Osten Deutschlands sozialisieren

ließ.

Ulrich Marseille ist Betreiber diverser Kliniken

und Altenheime. Den hellwachen und außerordentlich

beweglichen Unternehmer aus

Hamburg habe ich in den 1990er Jahren kennengelernt.

Im Bereich des ostdeutschen Gesundheitswesens,

insbesondere in der Altenpflege,

gründete er zahlreiche Unternehmen

und gab damit tausenden Menschen stabile

Arbeitsplätze und soziale Sicherheit. Gelegentlich

denkt man nicht so schnell wie er

oder ist nicht in der Lage, festgelegte Dinge

in der gewünschten Geschwindigkeit umzusetzen.

Dann erlebt man einen begnadeten

Polterkopf. Na und? Man kann ja auch für die

Heilsarmee arbeiten. Auch wenn die deutsche

Medienwelt ein zwiespältiges Verhältnis

zum Unternehmer Ulrich Marseille hat,

ich mag ihn, weil ich ihn kenne und weil ich

seine Lebensleistung schätze. Es ist gut, dass

er den Osten für sich entdeckt hat.

Ich könnte diese Aufzählung noch eine Weile

fortsetzen und käme dabei zwangsläufig ins

Schwelgen. Aber ich muss noch über meine

zahlreichen ostdeutschen Mandanten, Unternehmer

und Freunde reden, die es wesentlich

schwerer hatten, erfolgreiche Unternehmen

aufzubauen und denen dies trotzdem

gelungen ist.

DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel (l.) mit Wolfgang Schäuble

(M.) im Sommer vor der deutschen Wiedervereinigung.

So denke ich mit großem Respekt an Prof.

Dietmar Enderlein, Militärarzt, NVA-Offizier

und erfolgreicher Unternehmer, der mit großer

Willensstärke einen Klinikkonzern, die

MEDIGREIF-Unternehmensgruppe, geschaffen

hat und auf diese Weise über die Jahre

tausenden Menschen soziale Sicherheit vermitteln

konnte.

Jahrelang hatte ich die Aufgabe, das Unternehmerehepaar

Dr. Barbara und Dr. Wolfgang

Neubert beim Aufbau eines Konzerns im Gesundheitsbereich

mit Sitz in Bad Wilsnack

(Prignitz) zu begleiten. Gerade in diesem Fall

verwunderte mich, mit welcher Geschwindigkeit

praktizierende Ärzte sich erfolgreich

in wirtschaftliche Kategorien einarbeiten

konnten und zu erfolgreichen Unternehmern

wurden. Die KMG-Kliniken entwickelten

sich in den letzten Jahrzehnten so

zu einem in Ostdeutschland beachteten und

geschätzten Konzern.

Auch diese Liste kann fortgeführt werden

und sie bestätigt, dass sich die wirtschaftliche

Entwicklung in Ostdeutschland holprig

und schwer, jedoch kontinuierlich und

positiv vollzogen hat. Wenn man zurückblickt,

bleiben erfahrungsgemäß immer nur

die erfolgreichen Unternehmen in der Erinnerung

haften. Vergessen habe ich die agilen

Unternehmer nicht, die aufgrund der

politischen Entwicklung im Solarbereich

gescheitert sind, vergessen habe ich nicht

die zahlreichen Unternehmer, die ihre Investition

nicht im Verhältnis zu dem eigenen

wirtschaftlichen Aufkommen gesetzt

haben, und vergessen habe ich auch nicht

jene ostdeutschen Unternehmer, deren Verwaltungsgebäude,

Pkw und sonstige Aufwendungen

folgerichtig zu einem negativen Ergebnis

führen mussten.

Peter-Michael Diestel (r.) als Präsident des

FC Hansa Rostock mit Trainer Frank Pagelsdorf.

Ja, der Weg in den letzten 25 Jahren hat die

ostdeutsche Wirtschaft grundlegend verändert.

Es gab Kämpfe und viele von uns haben

diese nicht überstanden. Es gab Verwerfungen

und geradlinige Entwicklungen. Der Weg

der ostdeutschen Wirtschaft ist für mich klar

vorgezeichnet, er führt in „blühende Landschaften“,

die man sehen kann, wenn man sie

sehen will. Ich gebe zu, dass man die Brille

vorher putzen muss.

W+M

Fotos: Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 9

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10 | W+M Titelthema

Der Transformator

Seit seinem 16. Lebensjahr dreht

sich bei Bert Sieber (53) beruflich

alles um Transformatoren. Zunächst

absolvierte der im früheren

Karl-Marx-Stadt geborene Sieber

eine Elektromonteur-Lehre, anschließend

studierte er erfolgreich

Elektrotechnik. Im Berliner Transformatorenwerk

(TRO) machte der

junge Elektroingenieur schnell Karriere:

Nachdem er an vielen Orten

der DDR Transformatoren installiert hatte, durfte er auch im Nahen

und Mittleren Osten Elektroanlagen montieren.

Dem mit der Deutschen Einheit einhergehenden Zusammenbruch

des TRO kam Sieber mit einer beruflichen Neuorientierung zuvor. Er

wechselte für ein Jahr zum Branchenriesen ABB und baute dort den

Vertrieb von Transformatoren für Ostdeutschland auf. Die neuen Regeln

der Marktwirtschaft begriff Sieber schnell. Bereits im November

1991 gab er seinen Angestellten-Job auf, machte sich mit einigen

seiner alten TRO-Kollegen selbstständig und gründete die IFT Ingenieurbüro

Bert Sieber GmbH. Anfangs in einer Bürogemeinschaft

mit einem Branchenexperten aus dem Westteil Berlins, verkaufte er

neue und gebrauchte Transformatoren. Im Laufe der Jahre liefen die

Geschäfte kontinuierlich erfolgreicher, so dass Sieber im Jahr 2007

in Dahlewitz im Berliner Speckgürtel ein 6.000 Quadratmeter großes

Grundstück mit zwei Betriebshallen erwarb. Dort repariert sein

inzwischen zwölfköpfiges Team gebrauchte Transformatoren und

Schaltanlagen und baut maßgeschneiderte Anlagen für Kunden in

aller Welt. Beim Rückblick auf die Firmenentwicklung sagt der heute

53-Jährige: „Ich hätte nie gedacht, dass wir mit unserer Geschäfts idee

über so viele Jahre Erfolg haben würden. Und dabei sind wir angesichts

der Herausforderungen der eingeleiteten Energiewende noch

lange nicht am Ziel.”

KH

Mit Schlagkraft im Wald

Kaum 25 Jahre jung war Tino Ecke (47),

als er 1992 sein Forstunternehmen gründete.

Doch den zupackenden Landwirt

aus dem thüringischen Remptendorf bei

Schleiz, der bereits zu DDR-Zeiten in den

Wald gewechselt war, zog es mit Macht

in die Selbstständigkeit. Zunächst verdingte

er sich bei Kommunen, Kirchen

und privaten Waldbesitzern als Dienstleister.

Er schlug Holz ein, fuhr es in Sägewerke,

forstete auf, reparierte Wege, zäunte Schonungen ein, handelte

Brennholz. Da er selbst 30 Hektar Wald besitzt und damit bestens

weiß, wie schwer sich dieser in der gebotenen Nachhaltigkeit bewirtschaften

lässt, betrieb er dabei nie Raubbau um des schnellen Gewinns

wegen. Das sprach sich herum unter seinen Stammkunden, zu

denen heute mehrere hundert Waldbesitzer gehören. So wuchs erst

zügig die Nachfrage, dann der Umsatz und damit auch seine technische

und personelle Schlagkraft. Heute besorgt er für das Gros seiner

Kunden praktisch die gesamte forstliche Servicekette – vom noch

stehenden Altbestand, den es zu durchforsten und gegebenenfalls

zu ernten gilt, über den Abtransport bis zur Vermarktung über zahlreiche

Sägewerke in Thüringen und Bayern.

HL

Orthopädietechnik aus Vogelsdorf

Im VEB Intermed Export-Import, einem Außenhandelsbetrieb, der

weltweit DDR-Medizintechnik verkaufte, hatte Helga Schadock bis

1990 ihren Arbeitsplatz und vorher im humanmedizinischen Bereich.

Die Abwicklungsphase überstand die gelernte Fachphysiotherapeutin

und studierte Außenwirtschafterin ohne Blessuren. Die auf rehabilitative

Hilfsmittel spezialisierte Firma Thomashilfen aus Bremerförde

Fotos (auch Titel): Privat (oben), Hintzmann (unten rechts), Harald Lachmann (unten links)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 11

betraute sie mit dem Aufbau eines Vertriebsnetzes in den neuen Ländern.

Helga Schadock: „In dieser Zeit erfuhr ich eine sehr gediegene

und freundliche Zusammenarbeit, speziell mit skandinavischen Unternehmen.”

Eigentlich hätte es in diesen Bahnen weitergehen können.

Aber bei einem Bankengespräch im Jahr 1994 wurde ihr nahegelegt,

sich mit ihrer enormen Marktkenntnis und dem dichten Netz

an Kontakten zu Herstellerfirmen von medizinischen Hilfsmitteln

selbstständig zu machen. „Also gründete ich mit meinem Mann die

Firma ots Schadock orthopädietechnische Hilfen GmbH”, so Schadock.

Zum Firmensitz wurde die eigene Datsche in Vogelsdorf bei

Berlin ausgebaut. Zu Beginn hatte die Firma drei Mitarbeiter. Inzwischen

hat sich ots Schadock prächtig entwickelt – es gibt jetzt einen

neuen, wesentlich größeren Firmensitz in Vogelsdorf und Filialen in

Berlin und Brandenburg. „Wir arbeiten mit Kliniken, Ärzten, Hauskrankenpflegen

und anderen medizinischen Dienstleistern auf den

Gebieten Orthopädie-, Reha-Technik sowie Gesundheitsprävention

zusammen.” Inzwischen hat Helga Schadock mit etwa 70 Jahren das

Rentenalter erreicht und das operative Geschäft an ihren Sohn übergeben.

Aber ans Aufhören denkt die in Zeulenroda aufgewachsene

Unternehmerin nicht: „Als Gesellschafterin bringe ich weiterhin meine

Ideen für den Erfolg der Firma ein.”

KH

Dr. Peter Müller (l.) und

Sohn Dr. Stefan Müller.

Fotos (auch Titel): Michael Sachsenweger (rechts), Harald Lachmann (links)

Immer frisches Wasser

Als junger Ingenieur machte

Martin Bergmann (63) das

Wasser zu seinem beruflichen

Schwerpunkt. Eigentlich entstammte

er aber einer Betonbauerdynastie.

Da diese in der

DDR enteignet wurde, studierte

er in Dresden Wasserversorgung

und Abwasserbehandlung.

Doch mit der Wende bekam

er die elterliche Firma zurück.

Er verdiente auch schnell

gut am Aufbauboom, errichtete

gar ein komplett neues Werk

in Penig bei Chemnitz – und konnte doch nicht vom Wasser lassen.

Zunächst ging es nur um mehr Absatz für Schachtteile aus seiner Betonproduktion,

als er begann, mit alten Studienfreunden über zeitgemäße

Wasseraufbereitung zu fachsimpeln. Doch dann ersannen sie

ein vollbiologisches Klärverfahren, wie es die Welt noch nicht kannte.

So liefen seine Anlagen, für die er nun eine zweite Firma gründete,

bald auch in Kanada, China, Saudi-Arabien sowie halb Europa. Um

die 30.000 sind es bereits. Und die Bergmann Gruppe, die nun als AG

firmiert, wuchs weiter – etwa um einen speziellen Umwelttechnikzweig.

Da er inzwischen das operative Geschäft in jüngere Hände

gab, verfeinert er hier nun mit Experten der Technischen Universität

in Chemnitz, Cottbus und Dresden diese Verfahren.

HL

Der richtige Riecher

Chemiker Dr. Peter Müller hat 1992 den richtigen Riecher, gründet

mit einem Ex-Kollegen Miltitz Aromatics (MA). In Bitterfeld, ein Jahrhundert

lang Inbegriff stinkender Chemieabgase. Nun statt Braunkohletagebau

Erholungsgebiet mit See. Wer heute einen Parfumflacon

öffnet, könnte einen Hauch Bitterfeld spüren. Feinste Düfte von

Miltitz Aromatics, die die Welt erobern.

Möglich durch Lothar Domröse, Generalleutnant a. D. der Bundeswehr

aus Bonn. Zwar ohne Ahnung von Riechstoffen, kennt er jedoch

einen Privatbank-Inhaber und lädt ihn nach Bitterfeld. Peter Müller

will 350.000 D-Mark für die Firmengründung, der Banker Sicherheit

– und kriegt vom General: „Mein Wort!“ So einigt man sich.

MA geht in die Nische, forscht, um bekannte Substanzen effektiver

herzustellen, Verfahren zu optimieren. Topnote ist das hier kreierte

Hydroxyambran mit dem Ambra-Duft. „Da sind wir Weltmarktführer.“

Ambra, eine krankhafte Ausscheidung des Pottwals, ist selten

und teuer wie Gold. Das baut MA nach.

Peter Müller ist jetzt 65, Sohn Stefan sein Nachfolger. MA hat 50 Mitarbeiter,

produziert über 50 Duft- und Aromastoffe, Jahresumsatz elf

Millionen Euro. Der Rat des Seniors: „Wenn etwas schiefgeht, aufstehen,

weitermachen.“

DM

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12 | W+M Titelthema

Mut zu Mumm

Abfüllanlage für Rotkäppchen Sekt in Freyburg.

Von Haus aus bodenständiger Ingenieur, gelang Gunter Heise (63) – einst Technischer Leiter des

VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg – ab 1993 ein doppeltes Husarenstück: Erst privatisierte er

erfolgreich die Traditionsmarke Ost, dann kaufte er nach und nach die westdeutsche Konkurrenz

auf.

Von Harald Lachmann

Geborene Ostdeutsche ab einem gewissen

Alter können sich noch gut erinnern:

Seine Arbeit suchte man sich

nach Lage der Wohnung, denn die war schwerer

zu finden als eine gute Stelle. Gunter Heise,

der in Laucha im heutigen Burgenlandkreis

aufwuchs, tat es ebenso. Nach dem Studium

der Verarbeitungs- und Verfahrenstechnik

in Dresden hatte er die Wahl: lieber die

Fabrik für Fruchtsäfte, die fast vor der Tür

des elterlichen Hauses lag, oder die Sektkellerei

im zehn Autominuten entfernten Freyburg.

Die kannte damals schon jedes Kind,

auch wenn ihre Produkte im Osten mittlerweile

als Bückware galten. Immerhin war sie

schon fast hundert Jahre alt, als er 1951 als

Sohn eines Bäckers zur Welt kam.

Heise entschied sich für die Schaumweine

und traf damit 1973 eine Entscheidung, deren

ganze Tragweite da noch niemand erahnen

konnte. Fünf Jahre später wurde der junge

Diplomingenieur zunächst einmal Technischer

Leiter der Kellerei und blieb dies auch

bis zur Wende. Doch obwohl er diese im Grunde

begrüßte, schlug sie ihm zugleich auf den

Magen: Den Fall der Mauer begossen die Ossis

lieber mit Sektmarken, die sie zuvor meist

nur aus der Westwerbung kannten. So geriet

ausgerechnet der Dezember 1989 zum umsatzschwächsten

Monat des Jahres.

Und es ging weiter talwärts. Anno 1991 – Heise

war inzwischen Geschäftsführer der von

der Treuhand verwalteten Sektkellerei – verkaufte

Rotkäppchen statt einst 15 Millionen

Flaschen im Jahr gerade noch eine Million.

Für den eher öffentlichkeitsscheuen Mann,

der mit 18 noch ein guter Fußballspieler werden

wollte, eröffneten sich plötzlich triste

berufliche Alternativen: „Imbissverkäufer

oder am Empfang in der Zahnarztpraxis

meiner Frau“, gestand er mal in einem Interview.

Doch so leicht gab der damals 40-Jährige

nicht auf. Mit dem Wissen, dass halt jeder

im Osten die Marke kannte, machte er seinen

Leuten Mut: „Wir können es schaffen, denn

unser Produkt ist gut!“ Nur musste man halt

dazu mit der Zeit gehen und sich neue Märkte

erschließen.

Einer der ersten Schritte, die dann seinerseits

folgten, war sicher der schwerste. Denn

er verschuldete sich tief, um gemeinsam mit

Jutta Polomski, Lutz Lange und Ulrich Wiegel,

seinen damaligen Mitstreitern in der Geschäftsleitung,

im Rahmen eines Management-Buy-out

42 Prozent des Kaufpreises von

Rotkäppchen aufzubringen. Die restlichen

58 Prozent steuerte die Familie des Spirituosenunternehmers

Harald Eckes-Chantré bei.

Es war bereits der zweite Versuch einer Privatisierung,

nachdem in einer ersten Run-

Foto: Rotkäppchen-Sektkellerei

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 13

de namhafte Westkonkurrenten statt solider

Gebote nur dumme Sprüche abgeliefert hatten:

Rotkäppchen klinge nicht wie Sekt sondern

„wie der Kindersaft Rotbäckchen“. Oder

auch: Mit diesem Namen könne man höchstens

„Märchenspiele veranstalten“, erinnert

sich Heise.

Fotos: Rotkäppchen-Sektkellerei/Ulrich Ehmann (unten), Rotkäppchen-Sektkellerei (oben)

Mithin wurde die Traditionsmarke zunächst

zu einem Sanierungsfall, an den er bis heute

höchst ungern zurückdenkt. Denn dazu

musste er zunächst 300 seiner 360 Kollegen

kündigen. Lange laborierte der sensible Manager,

der zu seinen Stärken neben Visionen

und Durchsetzungsvermögen auch ein „Gespür

für Menschen“ zählt, daran. Denn viele

jener, die es traf, wie auch deren Angehörige

wechselten fortan die Straßenseite,

wenn er des Weges kam: „Hier kennt eben

jeder jeden ...“

Umso mehr freut es Heise, dass ihm mancher,

der ihn damals verdammte, heute nun anerkennend

zunickt. Denn mit einem Husarenstück

– dem Kauf der westdeutschen Marken

Mumm, Jules Mumm und MM Extra – schnallte

2001 nicht nur der Firmenabsatz auf einen

Schlag um zwei Drittel in die Höhe. Auch die

Zahl der Beschäftigten, die heute vom sachsen-anhaltischen

Hauptsitz geführt wurden,

stieg auf rund 550 an nun vier Standorten –

gut 120 allein in Freyburg.

Gunter Heise in der Sektkellerei.

Im Jahr 2004 besuchte Angela Merkel

die Rotkäppchen-Sektkellerei.

Mithin gelang es Heise, der ab 1993 geschäftsführender

Gesellschafter war, Rotkäppchen

so nachhaltig zu modernisieren,

dass der einstige Sanierungsfall binnen weniger

Jahre nicht nur zum deutschen Branchenprimus

aufstieg, sondern auch weltweit

zur Nummer zwei am Sektmarkt. Gut

jede zweite Flasche des prickelnden Getränks,

die der deutsche Einzelhandel an

den Kunden bringt, stammt inzwischen aus

dem Sekthaus Rotkäppchen-Mumm – wozu

inzwischen auch die Marke Geldermann gehört.

Und was oft vergessen wird: Seit 2007

ist auch die Doppelkorn-Destillerie Nordbrand

Nordhausen eine hundertprozentige

Tochter der Freyburger, Rotkäppchen-Mumm

somit auch nationaler Marktführer bei Spirituosen.

2009 gliederte die

ostdeutsche Gruppe schließlich

auch noch die Weinmarke

Blanchet der Mainzer Racke

GmbH in ihr Imperium ein.

So betrug der Umsatz der Firmengruppe

2013 gut 823 Millionen

Euro.

Späte Genugtuung wurde dem

traditionsreichen Sektstandort

Freyburg überdies schon

2006 zuteil: In diesem Jahr

holte Gunter Heise auch den

Markennamen Kloss & Foerster

an die Unstrut zurück.

Denn auf die Brüder Moritz und Julius Kloss

sowie deren Freund Carl Foerster ging die

Gründung der Freyburger Kellerei anno 1856

zurück. Der letzte private Eigentümer Günther

Kloss, ein Urenkel der Dynastie, war indes

nach dem Krieg enteignet worden, woraufhin

er in Rüdesheim die Sektkellerei Kloss

& Foerster neu gründete. Danach befragt,

warum er dies tat, gestand Heise seinerzeit:

„Das war eine emotionale Entscheidung, keine

betriebswirtschaftliche.“ Sekt habe eben

auch „sehr viel mit Gefühlen zu tun“.

Inzwischen lassen sich für die Freyburger

in deutschen Sektkelchen praktisch kaum

mehr Marktgewinne erzielen. Wenn die Rotkäppchen-Mumm

Sektkellereien GmbH weiter

wachsend will, muss sie stärker nach China,

Russland oder Amerika expandieren. Dieser

Prozess ist nun auch seit zwei Jahren angestoßen.

Doch zeitgleich gab Gunter Heise die

Geschäftsführung in jüngere Hände. Zwar ist

sein Nachfolger Christof Queisser kein Ostdeutscher,

doch der inzwischen 63-jährige

Mutmacher aus Laucha – wo übrigens mit

Turnvater Friedrich Ludwig Jahn zuvor schon

ein Visionär zur Welt kam – ging nicht ganz

von Bord. Er leitet nun einen neu geschaffenen

dreiköpfigen Beirat, der ähnlich einem

Aufsichtsrat die Arbeit der Geschäftsführung

kontrolliert.

W+M

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14 | W+M Titelthema

Leitwolf in zwei Systemen

Dietmar Enderlein zählte zu den ranghöchsten Militärärzten in der DDR. Er war Kommandeur an

der Militärmedizinischen Sektion in Greifswald. Nach der Wende baute er mit der MEDIGREIF GmbH

ein kleines Klinikimperium im Nordosten Deutschlands auf. Aktuell beschäftigt die Unternehmensgruppe

mehr als 600 Mitarbeiter. MEDIGREIF unterhält fünf Rehabilitationskliniken in Greifswald

und auf der Insel Usedom mit insgesamt 540 Betten.

Von Karsten Hintzmann

Ende der 1980er Jahre näherte sich Dietmar

Enderlein gerade dem Höhepunkt seiner

ersten beruflichen Laufbahn: Als Professor

und Oberst der Nationalen Volksarmee

(NVA) leitete er die Militärmedizinische Sektion

in Greifswald, an der seinerzeit sämtliche Armeeärzte

ausgebildet wurden. Der im Jahr 1943

in Plauen geborene Enderlein war somit einer

der ranghöchsten Militärärzte der DDR. Der Zusammenbruch

der DDR verhinderte allerdings

die Krönung seiner militärischen Laufbahn –

er stand kurz davor, zum General befördert zu

werden. Im Rückblick war dies sicher das kleinere

Übel. Viel schwerer wog, dass ihm quasi

über Nacht seine berufliche Existenz komplett

entzogen war. Die NVA wurde abgewickelt. Die

Bundeswehr hatte keinerlei Interesse an der Militärmedizinischen

Sektion in Greifswald. Dietmar

Enderlein und seine Kollegen standen plötzlich

ohne Perspektive da.

Dietmar Enderlein und Tochter Katja in

Dubai. Er hat sie bereits eng in die Leitung

des Unternehmens einbezogen.

Doch Trübsal zu blasen kam für Dietmar Enderlein

nicht in Frage. Schon am 15. März 1990 – in

der für fast alle DDR-Bürger unübersichtlichen

Phase zwischen Mauerfall und deutscher Einheit

– legte er den Grundstein für seine neue Existenz:

Er gründete die auf medizinische Dienstleistungen

spezialisierte MEDIGREIF GmbH, mit

der er ein Gesundheits- und Sozialzentrum auf

dem Gelände der ehemaligen Militärmedizinischen

Sektion an der Pappelallee errichten wollte.

Den Pachtvertrag dafür handelte er mit dem

letzten DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann

aus. Um das notwendige Startkapital

in Höhe von 50.000 Mark der DDR aufbringen zu

können, verkaufte er das seit 1978 von der Familie

gehegte Wochenendgrundstück – inklusive

Massivhaus – in der Bungalowsiedlung „Am Boddenblick“

in Loissin. Im Rat des Kreises beantragte

er schließlich die Eintragung seines Un-

Foto (auch Titel): Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 15

Fotos: Privat (oben), Medigreif (unten)

ternehmens im Handelsregister. Nach Zahlung

von 220 Mark Verwaltungsgebühr erfolgte

die gewünschte Registrierung. Es war die

allererste Firmenneugründung in Greifswald

und Umgebung seit der Wende.

Die Gründungsphase beschreibt Enderlein

heute so: „Die größte Hürde war der Start.

Außer der Gründung der Firma, einem Bleistift

und einem weißen Blatt Papier besaß

die Firma nichts. Der doppelte Salto aus einer

ehemaligen militärischen Einrichtung in

das Zivilleben und aus der Planwirtschaft in

die Marktwirtschaft hat von allen höchste

Anstrengung und Motivation verlangt. Dabei

haben wir in den ersten drei Jahren so

viel an neuen Erkenntnissen hinzugewonnen,

wie in den darauffolgenden 20 Jahren

nicht. Hinzu kam, dass die Firma mit einem

rasanten Wachstum Kapital benötigte, ohne

selbst welches zu besitzen.“

Die erste Etappe war für den Jungunternehmer

Enderlein auch aus einem weiteren

Grund alles andere als einfach. Bürgerbewegte,

der Runde Tisch und zunehmend auch die

regionalen Medien witterten Unregelmäßigkeiten.

Woher hatte dieser Mann nur so viel

Geld, dass er geradewegs vom NVA-Offizier

zum Unternehmer mutieren konnte? Gerüchte,

er habe Schwarzgeld aus geheimen SED-

Kanälen erhalten, machten die Runde und

das Leben der Familie Enderlein in Greifswald

ungemütlich. Frühere Freunde und Bekannte

wandten sich ab und es gab sogar Morddrohungen.

Die Ermittlungen gegen Dietmar Enderlein

und sein Unternehmen und die damit

verbundenen Anfeindungen endeten endgültig

erst im Jahr 1998 – mit dem lupenreinen

Urteil, dass alle Vorwürfe gegen Enderlein

substanzlos waren und er daher Anspruch

Dietmar Enderlein

während einer

Weiterbildung auf der

Militärakademie.

auf Schadenersatz hatte. „Es

war wirklich eine harte Zeit“,

blickt Dietmar Enderlein zurück,

„aber ich habe keinen

Moment daran gedacht, aufzugeben.“

Stattdessen reagierte Enderlein

auf den Gegenwind Anfang

der 90er Jahre auf seine

ganz persönliche Art: Von seinen Ideen

besessen, fügte er Puzzle für Puzzle in das

Unternehmenskonstrukt. Er gründete unter

anderem eine Berufsfachschule, ein Wissenschaftszentrum,

die private Akademie für

Management und Computerbildung, eine Vermögens-

und Verwaltungsgesellschaft, eröffnete

ein Ärztehaus mit 19 Praxen und orthopädische

Werkstätten, rekonstruierte ein Laborgebäude

und übernahm die Inselklinik

Heringsdorf vom Landkreis Wolgast. Dietmar

Enderlein und seine Mitstreiter legten zwei

Immobilienfonds auf, bauten ein Mehrzweckgebäude

und das Parkhotel auf dem Gelände

der Pappelallee, nahmen ein ambulantes OP-

Zentrum in Betrieb, eröffneten eine Schule

für Physiotherapie in Zinnowitz, das SINUS-

Gesundheitszentrum und das Zentrum für

Ambulante Rehabilitation. Die Inselklinik

in Heringsdorf wurde mit dem Neubau der

Häuser Gothensee und Kulm erheblich aufgewertet

und das Krankenhaus Boizenburg

übernommen. All diese Projekte wurden bis

1998 realisiert.

Inzwischen hatte man in den etablierten

bundesdeutschen Wirtschaftskreisen längst

Notiz vom aufstrebenden Ost-Unternehmer

Enderlein genommen – 1994 zog er unter den

skeptischen Blicken einzelner Finanzmanager

in den Beirat der Commerzbank ein.

Leitwolf Enderlein blieb rastlos und realisierte

weiter unzählige Projekte. Er baute und

eröffnete die Parkklinik in Greifswald und

dehnte seinen Wirkungskreis von Mecklenburg-Vorpommern

auf Sachsen-Anhalt aus.

In Gommern, Burg, Zerbst und Neindorf übernahm

er Krankenhäuser, investierte kräftig

und machte sie zu Leuchttürmen der regionalen

medizinischen Versorgung. Beim

späteren Verkauf der Einrichtungen an den

Marktriesen „Rhön-Kliniken“ zahlte sich dieses

Engagement finanziell spürbar aus. Mit

den erfreulich hohen Erlösen konnten neue

Vorhaben in Mecklenburg-Vorpommern angeschoben

und in bereits bestehende Unternehmungen

investiert werden.

Inzwischen ist Dietmar Enderlein 71 Jahre

alt und somit im Rentenalter. Aber er denkt

nicht daran, jetzt schon die Hände in den

Schoß zu legen. Allerdings ist er zu sehr Stratege

und Realist, um die Zukunft seines Lebenswerkes

dem Zufall zu überlassen. Für ihn

ist klar, wer den „Laden“ einmal übernehmen

soll – Tochter Katja Enderlein, die er Schritt

für Schritt in zentrale Führungsaufgaben des

Unternehmens eingebunden hat. W+M

Ministerpräsident

Harald Ringstorff

zu Besuch bei

MEDIGREIF.

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16 | W+M Titelthema

Der Longseller-Stratege

Erfolgreiche Verlagsarbeit braucht einen langen Atem. Christoph Links, 1989 einer der ersten

privaten Verlagsgründer der untergehenden DDR, setzt auf klares Profil, Entscheidungsfreiheit

und Verlässlichkeit gegenüber Autoren, Mitarbeitern, Unterstützern, Buchhändlern und Lesern.

Von Constance Treuber

Achtzehn Prozent pro Jahr sind eine

schöne Rendite. Treue Darlehensgeber

des Berliner Ch. Links Verlags

können sie mittlerweile auch in Regalmetern

messen, denn sie wird in Form von Büchern

ausgezahlt, im Wert des Ladenpreises der

Neuerscheinungen eines Jahres. Von ihren

Einlagen von jeweils 2.500 Euro profitieren

sie lieber geistig als finanziell und erhalten

dabei ein Projekt am Leben, das im Spätherbst

1989 seinen Anfang nahm.

Am 1. Dezember 1989 hatte der Philosoph

und Lateinamerikanist Christoph Links –

seinerzeit Mitarbeiter des Aufbau-Verlags,

zuvor außenpolitischer Redakteur der Berliner

Zeitung, nebenberuflich Sachbuchautor

und Literaturrezensent – beim Kulturministerium

der DDR den Antrag auf Registrierung

eines Verlags gestellt. Auf den Bescheid

hin, dass ein neues Mediengesetz in Vorbereitung

und eine Lizenz künftig nicht mehr

nötig sei, wurde die private Verlagsgründung

noch vor Weihnachten bekannt gegeben und

kurz nach Neujahr notariell besiegelt. Damit

gehörte Christoph Links zu den ersten drei

Jungverlegern der in den letzten Zügen liegenden

DDR. Er steckte sein Autorenhonorar

für ein Sachbuch über Nicaragua in die

GmbH, ein Freund beteiligte sich mit derselben

Summe.

Doch mit 20.000 Mark der DDR kamen die

beiden Gesellschafter nicht weit. So etablierte

sich von Anfang an jenes Modell von

50 Freunden des Hauses, eine wirtschaftliche

Konstruktion, die bis heute trägt. „Wir

haben viele kleine Partner, die sich für unser

Projekt begeistern und uns in Ruhe arbeiten

lassen“, sagt Christoph Links. „Keinen

großen Mitgesellschafter, der sich in unsere

Entscheidungen einmischt, keine Bank,

die uns erpressen könnte. Nur dass wir unsere

Unterstützer zunächst stille Teilhaber

nannten, weil wir von konkreten kapitalistischen

Geschäftsformen kaum Ahnung hatten,

wäre uns 17 Jahre später beinahe auf die

Füße gefallen. Nach der dritten Tiefenprüfung

durch das Finanzamt sollten wir plötzlich

für mehrere Jahre Kapitalertragssteuer

nachzahlen.“ Mit Unterstützung des Berliner

Senats, der das Modell als bedeutsam, originell

und empfehlenswert auch für andere

Unternehmen der Kultur- und Medienbranche

erkannte, wurde das Unheil abgewendet.

Die falschen stillen Teilhaber wurden

zu korrekten Darlehensgebern ernannt, die

sie faktisch ja auch immer waren.

Christoph Links: seit 25 Jahren

Verleger aus Leidenschaft.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014

Zum Jubiläum erscheint nun der Band „Einmischung

erwünscht – 25 Jahre Ch. Links

Verlag“, in der fortlaufenden Zählung der

Titel mit der Nummer 800. An 25 Beispielen

wird da exemplarisch erzählt, wie Bücher

entstehen und in die Gesellschaft hineinwirken.

Sachbücher, genau gesagt, denn bei

diesem Segment ist Christoph Links kompromisslos

geblieben: „Wir haben mit DDR-Geschichte,

die nach wie vor zu unseren Kernkompetenzen

gehört, begonnen, sind dann

thematisch zu einem Verlag für deutsche, europäische

und internationale Zeitgeschichte

gewachsen und haben auch anspruchsvolle

Ratgeber zur Lebenshilfe im Programm.“

„Einmischung erwünscht“ wartet mit Büchern

über Scientology, Opfer der stalinistischen

Säuberungen, deutsche Kolonial-

Foto (auch Titel): Ch. Links Verlag


Macher des Aufbruchs | 17

geschichte und die CDU-Spendenaffäre auf,

mit Reiseführern in die Historie ausgewählter

Orte, Einblicken in österreichische, israelische

und nordeuropäische Lebenswelten,

mit literarischen Reportagen und Porträts,

einem preisgekrönten Bild-Text-Band

über den Naturschutz in Deutschland und einem

umfassenden Sammelwerk über Alltag

und Herrschaft in der DDR. Ganz oben auf

den Bestsellerlisten ist noch kein Titel gelandet,

dafür bringt der Verlag historische

Standardwerke wie „Chronik des Mauerfalls“

oder „Chronik der Wende“ kontinuierlich in

immer neuen Auflagen heraus.

Seit 1990 erschienen im Ch. Links Verlag 800 Titel.

Erste Adresse:

Zunächst fand die

Verlagsarbeit in

Links‘ Privatwohnung

statt.

„Dass ich selbst schreibe, hat mir immer geholfen,

wie ein Autor für unsere Autoren zu

denken und in ihrem Sinne zu handeln“, sagt

der Verleger. „Nicht als Unternehmer, der in

erster Linie Geld verdienen will, sondern als

Dienstleister, der Büchern zu öffentlicher

Wirksamkeit verhilft.“ Dazu gehören ein sehr

gründliches Lektorat, die gewissenhafte Arbeit

am Text, der bei Bedarf nicht nur sprachliche

Verbesserung erfahren, sondern auch

inhaltlich angereichert werden soll und, bei

heiklen Themen, juristisch wasserdicht abgesichert

werden muss – worüber Links abenteuerliche

Geschichten erzählen kann: „In

solchen Fällen darf man sich nicht wegducken,

sondern muss für seine Autoren einstehen

und streiten.“ Man braucht einen langen

Atem, aber wenn sich derlei Engagement

mit der Zeit herumspricht, kann es vorkommen,

dass eines Tages ein Nobelpreisträger

vor der Tür steht und sein nächstes Buch im

Ch. Links Verlag herausbringen will. Aus der

Zusammenarbeit mit Günter Grass sind inzwischen

drei Titel hervorgegangen.

heimischen Wohnzimmer in der Gethsemanestraße

residierte, drei Mitarbeiter geleistet;

heute sind es zwölf Festangestellte, die

mit Enthusiasmus von der Kulturbrauerei in

Prenzlauer Berg aus operieren. Jahr für Jahr

geht der Ch. Links Verlag mit 170 bis 200 Lesungen

und anderen Veranstaltungen zu seinen

Lesern.

Fotos: Ch. Links Verlag

Von Anfang an legte Links Wert auf einen

gut organisierten Vertrieb in Deutschland

(vor allem im Westen, wo sich die Kaufkraft

konzentriert), Österreich und der Schweiz,

auf eine offensive Auslandslizenzpolitik mit

Verkäufen von Brasilien bis Japan und eine

starke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Bei

jährlich rund 90.000 Neuerscheinungen und

fast zwei Millionen lieferbaren Titeln auf dem

deutschen Buchmarkt kann man, wenn nicht

mit viel Geld, nur mit vollem persönlichen

Einsatz auf sich aufmerksam machen. Den

haben vor 25 Jahren, als der Verlag noch im

In all den Jahren hat der Verlag schwarze

Zahlen geschrieben, wenn auch meist bescheidene.

2013 betrug der Gewinn bei einem

Umsatz von etwa 1,4 Millionen knapp

10.000 Euro. Jeder Euro, so Christoph Links,

fließe in den Verlag zurück und trage zu jenem

langsamen, soliden Wachstum bei, das

die Gesellschafter mit Bedacht anstreben. In

einigen Jahren will er das Tagesgeschäft an

die nächste Generation übergeben und wieder

mehr selbst schreiben. Verkaufen wird er

den Verlag auf keinen Fall. Er favorisiert die

Longseller-Strategie.

W+M

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18 | W+M Titelthema

„Die Ostdeutschen haben die Ärmel

hochgekrempelt und angepackt“

Brandenburgs langjähriger Ministerpräsident Dr. h. c. Manfred Stolpe

über Wende und Aufbruch in den neuen Bundesländern

Manfred Stolpe (r.) beim Richtfest eines

Klärwerkes in Brandenburg.

Ein viertel Jahrhundert Mauerfall, ein

viertel Jahrhundert deutsche Wiedervereinigung

– es stehen große Jubiläen

vor der Tür. Was 1989 mit dem „Sturm

auf die Mauer“ begann, führte 1990 quasi

im „Sturzflug in die Deutsche Einheit“. Es

gab nur ein kleines zeithistorisches Fenster,

um die Deutsche Einheit zu realisieren.

So überschlugen sich die politischen Ereignisse,

und das Leben Millionen Ostdeutscher

nahm eine schlagartige Wende.

Eines der zentralen Motive für Unzufriedenheit

und Aufbegehren in den letzten Jahren

der DDR waren die wirtschaftlichen Verhältnisse.

Versorgungsmängel nicht nur bei

Wohnungen oder Kraftfahrzeugen, sondern

selbst bei alltäglichen Dingen wie Südfrüchten

und Kleidung waren allgegenwärtig. Der

desolate Zustand von Infrastruktur, Wohnungswesen

und Umwelt war für jeden sichtbar,

ebenso der Verschleiß der Produktionskapazitäten.

Kurzum: Die DDR war 1989/90

nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich

am Ende.

Ohne Reformen ging es nicht

Reformen waren also bitter nötig. Und dass

es nicht dabei bleiben sollte, machte die Sache

ungleich komplizierter. Die Wiedervereinigung

bahnte sich an. Und plötzlich standen

wir vor der enormen Herausforderung,

die maroden Strukturen in eine gänzlich

neue Wirtschaftsordnung zu überführen.

Der 1. Juli 1990 war der Tag, an dem die

Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion

in Kraft trat. Schon seit einigen Monaten

hatten die Bürger der DDR die Chance, Valutakonten

einzurichten. Ab dem 1. Juli war

die D-Mark dann offizielles Zahlungsmittel,

und die Ostdeutschen hielten nun endlich

die erhoffte „harte“ Währung in ihren

Händen. Der Realisierung ihrer Träume von

m oderner Elektronik, von schicken Autos

und exotischen Urlauben schien also nichts

mehr im Wege zu stehen. Doch genau in diese

Stimmung hinein bahnten sich neue Erfahrungen

wie „Abwicklung“ und „Massenentlassung“

den Weg. Und zur Euphorie gesellten

sich handfeste Zukunftsängste.

Bundesregierung und Treuhand fuhren im

Hinblick auf die ehemaligen Staatsbetriebe

der DDR zunächst einen radikalen Kurs. „Privatisieren,

privatisieren, privatisieren“ lau-

Foto: Staatskanzlei Brandenburg

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 19

tete das Motto. Und dafür gab es natürlich

Gründe. Denn jeder Ökonom wird sagen: Ineffiziente

und veraltete Produktionsstrukturen,

die künstlich am Leben gehalten werden,

sind volkswirtschaftlicher Ballast. Das

Problem aber war, dass nun West-Konzerne

auf den Plan traten, die häufig gar nicht daran

dachten, die Standorte zu modernisieren

und marktfähig zu machen. Sie wollten sie

übernehmen, um sie stillzulegen.

Ich habe heute noch die Beschäftigten vor

Augen, die um ihre Arbeitsplätze kämpften.

Halb Premnitz etwa stritt für den Erhalt des

ehemaligen VEB Friedrich Engels, bis heute

bekannt als „Märkische Faser“. Wochenlang

wurde das Betriebsgelände besetzt. Und

an anderen Industriestätten der ehemaligen

DDR spielten sich ganz ähnliche Szenen ab.

Viele kluge Leute sagten mir damals: „Mach

dir nichts draus. Es kommt was Neues“. Aber

ich hatte da große Zweifel. Für mich war klar,

wenn es so weiter gegangen wäre, hätte das

bei uns in Brandenburg einen wirtschaftlichen

Kahlschlag bedeutet. Und von diesem

Kahlschlag hätte sich die Region nicht so

schnell erholt.

Kampf um industrielle Kerne

Meine Überzeugung: Wir mussten

unsere industriellen Kerne halten,

wir mussten für sie kämpfen. Das

waren wir den Beschäftigten schuldig

– aber auch allen anderen Brandenburgern.

Denn eine industrielle

Basis war unersetzlich für die zukünftige

Entwicklung einer gesunden

Wirtschaftsstruktur. Und das

konnte schließlich auch die Treuhand

einsehen.

waren es Einzelpersonen, die eine nicht zu

unterschätzende Rolle spielten. Einzelpersonen,

die den Osten kannten, die eine persönliche

Bindung hierhin hatten. Etwa Edgar

Most, der letzte Vizepräsident der DDR-

Staatsbank, der nun für die Deutsche Bank

in Verantwortung stand. Oder auch Werner

Niefer, Vorstand der Mercedes-Benz AG. Unter

ihm stieg Mercedes gleich zu Beginn der

90er Jahre am ehemaligen IFA-Standort Ludwigsfelde

ein. Und das war für die weitere

wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs

einer der ganz großen Glücksfälle.

Entscheider wie Most und Niefer kannten

Land und Leute. Sie hatten Vertrauen. Und

sie waren bereit, das Risiko auf sich zu nehmen,

in brandenburgische Standorte zu investieren.

Manches Vertrauen hingegen

musste erst aufgebaut werden.

Als der italienische Stahl-Gigant RIVA in

Hennigsdorf und Brandenburg/Havel einstieg,

schlugen ihm von Seiten der Belegschaft

Misstrauen und Vorurteile entgegen.

Aber ich erinnere mich noch gut an die bewegenden

Worte, die Konzernchef Emilio Riva

Jahre später an seine Angestellten richtete.

In einer seiner letzten Reden sagte er mit

Tränen in den Augen: „Wenn ich könnte, würde

ich euch alle mit nach Italien nehmen.“

Mit der Zeit waren Konzernführung und Belegschaft

also immer enger zusammengerückt.

Sie waren am Ende ein Herz und eine

Seele.

An diesen Beispielen wird gut ersichtlich,

dass der Auf- und Umbruch nach 1990 eben

nicht nur eine politische und eine wirtschaftliche,

sondern auch eine mentale Dimension

hatte. Der Weg zu guten und sicheren

Arbeitsplätzen war lang und steinig.

Phasenweise wäre jede dritte Erwerbsperson

ohne Beschäftigung gewesen, wenn vieles

nicht durch Arbeitsbeschaffungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

abgefedert worden

wäre. Viele Abschlüsse aus Ostzeiten hatten

ihren Wert verloren. Und so war es kein Wunder,

dass Unsicherheit und Zukunftsängste,

ja auch Misstrauen gegenüber Neuem, in den

1990er Jahren allgegenwärtig waren.

Enormer Pioniergeist

Eines jedoch stimmte nicht: die „Mär vom

faulen Ostdeutschen“. Das war – man muss

es so deutlich sagen – nichts anderes als Verleumdung!

Denn die meisten Menschen ha-

Foto: Staatskanzlei Brandenburg

Ihre neue Strategie hieß nun: „Erst

marktfähig machen, dann privatisieren“.

Das war ungemein wichtig.

Aber für eine erfolgreiche Zukunft

unserer industriellen Kerne

war noch eine zweite Komponente

entscheidend – das Vertrauen von

Investoren und Banken. Und hier

Sozialdemokraten unter sich:

Manfred Stolpe, Walter Momper

und Johannes Rau (v. l. n. r.).

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20 | W+M Titelthema

ben auch in schwierigen Zeiten die Hoffnung

nicht verloren. Sie haben sich weitergebildet.

Sie haben hinzugelernt. Sie haben die Ärmel

hochgekrempelt und angepackt, wo sie es nur

konnten.

Gerade der unternehmerische Pioniergeist

der Brandenburger war enorm. Deshalb gab

es in der Wirtschaftspolitik unseres Landes

neben dem Erhalt der industriellen Kerne

schon früh ein zweites, übergeordnetes

Ziel: Die Förderung des Mittelstands. Und das

sollte sich bezahlt machen. Schließlich sind

es gerade die kleinen und mittleren Betriebe,

die seit 1990 entscheidend zum Wohlstand in

Brandenburg beitragen.

Besonders das Handwerk ist voll mit Aufsteiger-Geschichten.

Ich denke da an Metallbau

Windeck in der Nähe von Brandenburg/Havel

oder an die Bäckerei Dreißig, die einst

mit zwei Mitarbeitern in Guben begann und

heute vom Berliner Umland bis nach Bautzen

ein dichtes Netz an Filialen unterhält. Unternehmen

wie diese – und das waren nicht wenige

– haben früh die Chancen ergriffen, die

ihnen der wirtschaftliche Umbruch bot. Sie

haben den Umbruch zum Aufbruch gemacht.

Sie haben ihren Betrieb ausgebaut und Arbeitsplätze

geschaffen. Und davon profitiert

unser Land bis heute.

So sehr ich mich schon damals über solche

Erfolgsgeschichten gefreut habe – entscheidend

war es, gute Startchancen für alle Wirtschaftszweige

und alle Regionen zu schaffen.

Wirtschaftsförderung mit der „Gießkanne“

war also durchaus wörtlich zu verstehen.

Wir wollten, dass die Strukturen, die es noch

gab, nicht verdorrten. Und wir wollten, dass

Neues entstehen konnte.

Neues Motto: „Stärken stärken“

Landesvater Stolpe (2. v. r.) machte auch als Koch eine gute Figur.

Mit der Zeit kristallisierten sich die wirtschaftlichen

Stärken in unserem Land immer

deutlicher heraus. Und es war keine Abkehr

von unserem Förderverständnis, sondern

dessen Weiterentwicklung unter veränderten

Rahmenbedingungen, dass die Landesregierung

ihre Wirtschaftsförderung ab 2004

grundlegend umstellte. Das Motto hieß fortan

„Stärken stärken“. Es wurden „Regionale

Wachstumskerne“ und „Branchenkompetenzfelder“,

später dann „Cluster“, bestimmt.

Und mittlerweile punktet der Wirtschaftsstandort

Brandenburg europaweit mit herausragenden

Förderbedingungen.

Vor diesem Hintergrund hat die brandenburgische

Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten

noch einmal einen gehörigen Schub erfahren.

Sie hat dabei in hohem Maße von der

sehr guten Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur

profitiert, die wir seit Beginn

der 1990er Jahre aufbauen konnten. Und sie

hat ebenso von der hohen Qualität märkischer

Produktionsstandorte profitiert. Denn

entgegen meinen anfänglichen Befürchtungen,

war Brandenburg nie „Auffanglager“ für

ausrangierte Technik aus dem Westen, sondern

schon Ende der 1990er Jahre auf technologischem

Top-Level. Auch die Ausrichtung

auf kleinere und mittlere Betriebe sollte sich

bezahlt machen. Unser starker Mittelstand

schafft heute die Basis für einen breit verteilten

Wohlstand in diesem Land. Er war zudem

entscheidend für die Stabilität der märkischen

Wirtschaft während der letzten Wirtschafts-

und Finanzkrise.

Heute steht Brandenburg exzellent da. Wir

müssen dankbar sein für die Solidarität aus

dem Westen, für den Aufbau Ost. Aber wir

können auch zufrieden mit dem sein, was

wir hier in Brandenburg gemeinsam aufgebaut

haben. Der Aufholprozess gegenüber

den Westländern ist noch nicht abgeschlossen.

Aber Brandenburg ist heute so stark,

dass ich sage: Eine Sonderförderung sollte

nicht mehr pauschal nach Himmelsrichtung,

sondern nach dem tatsächlichen Bedarf

erfolgen.

Eine Arbeitslosenquote von derzeit knapp

neun Prozent, mehrfache Auszeichnungen

für besondere wirtschaftliche Dynamik – davon

konnten wir in den 1990er Jahren nur

träumen. Heute ist es in Brandenburg Realität.

Und ich sehe das als Bestätigung für eine

gemeinsame Kraftanstrengung, die wir Brandenburger

– die Selbstständigen und Unternehmer,

die Beschäftigten und die Politiker

– gemeinsam erbracht haben. Ich sehe das

als Lohn für einen steinigen und schwierigen,

am Ende aber erfolgreichen Weg des

wirtschaftlichen Aufbruchs! W+M

Foto: Staatskanzlei Brandenburg

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


8. enviaM-ENERGIEKONVENT

„ENERGIEWENDE 2.0 – NEUSTART ODER WEITER SO?“

Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat die große Koalition

ein erstes wichtiges Vorhaben zur Fortführung der Energiewende in Deutschland

umgesetzt. Sind die Erwartungen auf Seiten der Wirtschaft und Endverbraucher

damit erfüllt? Sind weitere Maßnahmen notwendig? Und in welchem Maße ist

Ostdeutschland davon betroffen?

Prominente Teilnehmer diskutieren diese Fragen beim 8. enviaM-Energiekonvent.

Unsere Gäste sind unter anderem Iris Gleicke (MdB, Staatssekretärin im

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Ostbeauftragte

der Bundesregierung), Dr. Hubertus Burkhart (Vorsitzender

des Vorstands der Kübler & Niethammer Papierfabrik

Kriebstein AG), Dr. Hermann Falk (Geschäftsführer des

Bundesverbands erneuerbare Energien e. V.) und

Johannes Kempmann (Präsident des Bundesverbandes

der Energie- und Wasserwirtschaft).

Wir laden Sie herzlich ein, mit unserem Vorstandsvorsitzenden

Tim Hartmann und unseren Gästen am

13. Oktober 2014 in Leipzig zu diskutieren. Gern senden

wir Ihnen Ihre persönliche Einladung zu. Sprechen Sie uns

an – telefonisch unter 0371 482 - 2971 oder per E-Mail unter

energiekonvent@enviaM.de. Wir freuen uns auf Sie!

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


22 | W+M Titelthema

Feuerwehrmann für Osteuropa

Der gebürtige Potsdamer Franz-Lorenz

Lill (60) ist so etwas wie ein Feuerwehrmann

für kriselnde Unternehmen

in Osteuropa. Dank seiner Managementerfahrungen

im post-sowjetischen

Bereich, gekoppelt mit

stabilen Netzwerken vor Ort, hat er

schon diversen Firmen zurück in die

Erfolgsspur verholfen. Darüber hinaus

berät er deutsche Unternehmen bei

der Markterschließung in Zentralasien,

schwerpunktmäßig auf den Gebieten

Logistik, Eisenbahn-, Gas- und Wehrtechnik. Derzeit pendelt er für

mehrere Auftraggeber zwischen Kasachstan und Tallin, wo er einen

neuen Auftrag für ein deutsches Unternehmen realisiert.

Vor 25 Jahren hatte sich eine derartige Berufsperspektive nicht angedeutet.

Lill war Oberstleutnant der NVA am Standort Strausberg

und avancierte kurz vor dem Fall der Mauer im September 1989 zum

ersten und letzten Sprecher der Luftstreitkräfte der NVA. Nach der

deutschen Einheit ging es für ihn mit einer Rückstufung zum Major

zunächst bei der Bundeswehr weiter. 1992 wechselte er zum Bad Reichenhaller

Wehrtechnikunternehmen Buck, das im uckermärkischen

Ort Pinnow eine ehemalige DDR-Raketenschmiede zu einem Munitionsentsorgungsbetrieb

umfunktioniert hatte. Nach dem Konkurs

von Buck 1998 wagte Lill den Sprung in die Selbständigkeit und profiliert

sich seither als Unternehmensberater zwischen St. Petersburg

und Astana.

KH

Drucken in Großformat

Peter Rost (58) wäre gern Schiffbauer

geworden, hat aber Sportwissenschaften

studiert. Er war Leistungssportler

und musste im Streit

seine Stelle als wissenschaftlicher

Mitarbeiter an der Berliner Humboldt-Uni

verlassen. Noch vor dem

Ende der DDR arbeitslos, absolvierte

Peter Rost eine Siebdrucker-Lehre.

Heute betreibt der 58-Jährige gemeinsam

mit seiner Lebenspartnerin

eine eigene Firma im Gründer- und Technologiezentrum Adlershof.

Die „Rost: Werbetechnik“ ist ein leistungsfähiges mittelständisches

Unternehmen für Großformatdruck, Werbetechnik und Messebau.

In Berlin-Friedrichshagen baute er 1990 seine erste eigene Siebdruckerei

in einer verwahrlosten Altbauwohnung auf, später zog er in

die leer stehende Werkstatt einer Großgärtnerei im benachbarten

Schöneiche. Als 1997 wegen eines Zahlungsausfalls das finanzielle

Aus drohte, half ihm die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) aus

der Krise. Rost sagt: „Den Betriebsberater, der mich damals gerettet

hat, habe ich heute noch.“ Er war es auch, der ihn schließlich überzeugte,

2007 mit einem Neubau noch einmal durchzustarten. 1,3 Millionen

Euro hat er in die großzügige Halle mit Photovoltaik-Anlage,

umweltgerechter Heizung und neuem Maschinenpark investiert. 17

Mitarbeiter zählt die Firma heute.

TM

Bewahrt das Erbe ihres Vaters

Dem gestandenen Leser ist der Name Quermann noch ein Begriff:

Petra Quermann (55) ist die Tochter des wohl berühmtesten DDR-

Showmasters und Talenteförderers – Heinz Quermann (unter anderem

TV-Shows wie „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ und

„Herzklopfen kostenlos“). Lange Jahre bewunderte sie ihren in ganz

Deutschland populären Vater einfach nur. Und baute sich ihr Leben

jenseits des Rampenlichts auf. Da der Traum, als Stewardess schon

zu DDR-Zeiten die Welt bereisen zu können, aus gesundheitlichen

Gründen platzte, ließ sich Petra Quermann zunächst zur Sekretärin

bei der DDR-Fluggesellschaft Interflug ausbilden. Es folgten Stationen

in der Gastronomie und nach der Wende in der Spielwaren-,

Immobilien- und Modebranche. Ende 2010 gab sie ihren Managerjob

in einem Modeunternehmen auf, um Zeit zu haben, den 90. Geburtstag

ihres Vaters vorzubereiten. Es sollte eine medial stark beachtete

Würdigung des Nestors der DDR-Fernsehunterhaltung werden.

Sie war überwältigt von der positiven Resonanz des Publikums

und entwickelte daraus eine Geschäftsidee. Seither absolviert Petra

Quermann pro Jahr rund 150 Veranstaltungen in Seniorenclubs und

-heimen, Pflegeeinrichtungen, Mehrgenerationenhäusern und urigen

Kneipen mit ihrer vielseitigen Heinz-Quermann-Show. Ihr Motto:

„Solange das Publikum meines 2003 verstorbenen Vaters noch

da ist, möchte ich diesem Publikum mit der Erinnerung an ihn Freude

schenken.“

KH

Fotos (auch Titel): Hintzmann (oben links), Tomas Morgenstern (unten links), Privat (Mitte)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 23

Köstlichkeiten aus dem „Bieberbau”

„Man kann kein Restaurant eröffnen,

wenn man nicht kochen kann“, behauptet

Stephan Garkisch (43), Koch und

Inhaber des Restaurants „Bieberbau“

in Berlin-Wilmersdorf. Die Wandreliefs

im ehemaligen Schauraum des Stuckateurmeisters

Richard Bieber verleihen

dem Restaurant eine eindrucksvolle Kulisse.

Dass der gebürtige Thüringer einmal

zu den besten Köchen der Hauptstadt

gehören würde, hätte er nie gedacht.

Sein Lebenslauf ist keineswegs

geradlinig verlaufen. Garkisch lernt zunächst

Uhrmacher in Berlin. Wie schon

in der Schule hinterfragt er auch während

der Lehre kritisch das DDR-System

und eckt an. Als 18-Jähriger besucht er im

September 1989 Verwandte in Westberlin

und bleibt dort. Er genießt die neue

Freiheit in vollen Zügen. Den Tag der

Maueröffnung verschläft er, der Tag danach

löst bei ihm Freudentränen aus. Um

seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet

er in einer Speditionsfirma und ab

1993 als Barkeeper und Kellner. Hier wird auch sein Interesse für die

Gastronomie geweckt. Ab 1997 lernt er das Kochen im Berliner Restaurant

„Altes Zollhaus“ beim Meisterkoch Herbert Beltle. Doch erst

ab dem Jahr 2000 im „Strahlenberger Hof“ in Schriesheim bei Heidelberg

fühlt sich Stephan Garkisch durch seinen Mentor, Sterne koch

Jürgen Schneider, zum Kochen berufen. 2003 wird er Inhaber des

denkmalgeschützten Restaurants „Bieberbau“. Gäste und Kritiker

sind sich einig: „Erstklassiges Essen, hoher Grad an Kochkunst, Kreativität

und Qualität“ urteilt beispielsweise der Michelin Guide 2014.

Seine Frau Anne hat sich von der Leidenschaft ihres Mannes anstecken

lassen. Die studierte Geografin bildet sich weiter und ist seit

2006 Sommelière im „Bieberbau“. BP

Fotos: Privat (oben), Thomas Wranik (unten, auch Titel)

Gutes Hören muss kein Luxus sein

„Die größten Wunder findet

man im Hören.“ Mit diesem Satz

beschreibt Thomas Jahnecke

(44), was für die meisten von

uns selbstverständlich ist –

gut zu hören. Seit fast 20 Jahren

ist die Welt des Hörens seine

größte Herausforderung. Im

östlichen Norden geboren und

aufgewachsen, sucht er sofort

nach der Wende neue berufliche

Chancen im westlichen Süden.

Jahnecke lernt Hörgeräteakustiker, absolviert seine Meisterprüfung

in Heilbronn und arbeitet zunächst als Angestellter. 1999 macht

er sich selbständig. Inzwischen hat er zwölf Mitarbeiter und fünf Geschäfte,

eines davon seit 2010 in der Berliner Giesebrechtstraße. Als

er sich 2005 entschließt, die Preise von Hörgeräten aller Hersteller auf

seiner Internetseite zu veröffentlichen, erntet er viel Kritik und Unverständnis

bei seinen Mitbewerbern. Ein Hörgerätehersteller beliefert

ihn kurzerhand nicht mehr mit Hörgeräten. Das Kartellamt schreitet

ein und gibt ihm Recht. „Intransparenz schadet der Branche, denn es

geht hier schließlich um Medizinprodukte und nicht um Luxusuhren“,

sagt Jahnecke. „Die Akzeptanz von Hörgeräten in der Gesellschaft

hat sich heute deutlich durch digitale Mikroprozessoren mit Millionen

von Rechenoperationen pro Sekunde und einem tollen Design

verbessert.“ Nicht zuletzt aber auch durch faire Preise. Inzwischen arbeiten

viele seiner Kollegen kundenorientierter und heben sich so

von gängigen Praktiken ab. Jahnecke wird bis heute angefeindet,

obwohl sich seine Internetseite www.hoergeraetepreise.de als eine

Art Referenz in der Hörgeräte-Branche etabliert hat. Für ihn bleibt es

selbstverständlich, seine Kunden, die bundesweit zu ihm kommen,

über Hersteller und Preise zu informieren, denn „gutes Hören muss

kein Luxus sein“.

BP

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24 | W+M Titelthema

Noch keine Lust auf Rockerrente

Peter Meyer erklärt, wie die Kultband Puhdys als Unternehmen funktioniert

Peter Meyer bei der Arbeit.

Eigentlich bin ich eine Kuh. Bemerkt

habe ich das vor vielen Jahren, als ich

Milch in meinem Bett gefunden hatte.

Aber viel wichtiger ist das mit der Mentalität.

Kühe stehen völlig unbeweglich im strömenden

Regen auf der Wiese. Kommt man

Stunden später wieder vorbei, und es regnet

noch immer, stehen die Kühe genauso wie

vorher rum. Das bin ich! Und das hat mir im

Leben sehr oft geholfen.“

Zu einer derartigen Selbstreflektion ist nur

jemand fähig, der sich nicht für den Nabel

der Welt hält, über sich lachen kann und

mit einer reichlichen Portion Tiefenentspannung

ausgestattet ist. Das trifft auf Peter

Meyer – 74 Jahre jung, studierter Lehrer und

seit rund fünf Jahrzenten praktizierender

Musiker – mit Sicherheit zu.

45 Jahre tourt Meyer mit seinen Kollegen der

ostdeutschen Kult-Band Puhdys mittlerweile

durch deutsche Lande und die Welt. Seit

1969 absolvierten die Puhdys mehr als 4.000

Konzerte und verkauften gut 22 Millionen

Tonträger. Mit zahllosen Hits (unter anderem

„Alt wie ein Baum“, „Geh zu ihr“, „Lebenszeit“,

„Rockerrente“ und „Hey, wir woll‘n die

Eisbär‘n sehn“) sammelten sie zahllose Musikpreise

ein und waren vor der Wende zwölf

Mal beliebteste Rockband der DDR.

Auch heute ist die Band stark gefragt, absolviert

rund 80 Konzerte pro Jahr. Die politische

Wende in der damaligen DDR hatte die

populäre Band – im Vergleich zu vielen anderen

Künstlern – wirtschaftlich kaum getroffen.

Peter Meyer: „Das Ende der DDR ging

seinerzeit mit unserer ersten Auflösung einher.

Im Jahr 1988 hatten wir beschlossen,

uns nach rund 20 Jahren zu trennen. Wir

hatten alles erreicht, 20 Länder bereist, 15

Millionen Platten verkauft und alles drehte

sich nur noch im Kreis. Also veranstalteten

wir von Mai bis November 1989 eine Goodbye-Tour

durch Deutschland, gemeinsam mit

den „Lords“, die vor 80.000 Fans auf dem

Berliner August-Bebel-Platz begann und mit

einem Konzert in Freiberg endete.“

Als die Mauer aufging und die Menschen

plötzlich nichts mehr mit Ostmusik am Hut

hatten, fielen die Puhdys nicht in ein berufliches

Loch. Schließlich hatten sie sich

selbst eine künstlerische Pause verordnet.

Diese sollte jedoch nur kurz sein. Peter Meyer:

„1991 gab es zunehmend Anfragen an

uns. Und sicher auch ökonomische Gründe,

die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber

am meisten reizte es uns, uns in der neuen

Zeit auszuprobieren und zu behaupten. Wir

hatten ja Erfahrungen mit dem Westen, weil

wir dort schon seit 1975 spielen konnten.“

1992 starteten die Puhdys dann tatsächlich

in die neue Zeit.

Für Meyer und seine Kollegen bedurfte es

zum Neustart keiner großen Umstellungen.

„Wir waren schon immer – auch im Osten –

ein kleiner marktwirtschaftlich aufgestellter

Betrieb“, blickt Meyer zurück. „Wir hatten

in unserem damaligen Bassisten Harry

Jeske einen cleveren Burschen, der alles besorgte,

was es eigentlich nicht gab. Er war

ein guter Organisator und Geschäftsmann,

der die wichtigen Kontakte knüpfte und der

schon zu DDR-Zeiten Extra-Gagen bei großen

Konzerten für uns herausholte.“

Dennoch gab es auch Momente, in denen

Meyer und Kollegen der alten Zeit nachtrauerten.

„Als die Mauer noch stand, waren wir

für die Medien in ganz Deutschland interessanter

als heute. Dabei hatten wir in West-

Berlin immer mehr Fans als in Ost-Berlin“,

so Meyer. Die Band hat sich inzwischen mit

dem Zustand arrangiert, in den neuen Ländern

unverändert Begeisterung auszulösen,

Foto: Susann Welscher

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 25

Die Puhdys in Aktion.

während es im Westen in Sachen Bekanntheit

„noch ein paar schwarze Löcher“ gibt.

bende Worte: „Er ist ein wichtiger Teil unseres

Erfolgs.“

Fotos (auch Titel): Susann Welscher

Bei aller Popularität haben sich die gereiften

Recken Peter „Eingehängt“ Meyer (Keyboard),

Dieter „Maschine“ Birr (70, Gesang

und Gitarre), Dieter „Quaster“ Hertrampf (69,

Gitarre), Klaus Scharfschwerdt (60, Schlagzeug)

und Peter „Bimbo“ Rasym (61, Bass)

für eine neuerliche Abschiedstour entschieden,

die bis zum kommenden Jahr geplant

ist. „Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen,

dass auch wir nicht jünger werden.“ Allerdings

will sich Meyer ausdrücklich nicht

darauf festlegen, dass nach dem Ende der

Abschiedstour auch tatsächlich mit der Musik

Schluss ist.

Auf das Geheimnis der langjährigen erfolgreichen

Gemeinsamkeit und Existenz als

Band angesprochen, sagt Peter Meyer mit

dem ihm eigenen sarkastisch angehauchten

Humor: „Man muss einige Dinge zwingend

berücksichtigen: Man sollte nicht gemeinsam

in den Urlaub fahren, nicht zusammen

einkaufen und niemals ernsthaft miteinander

reden.“ Um die nötige Distanz zu wahren,

fahren die Puhdys nie mit einem Bus

zum Konzert – sie reisen stets getrennt an.

Auf eine klare Hierarchie haben die Bandmitglieder

bewusst verzichtet. „Einen Chef

haben wir nicht, aber ‚Maschine‘ ist der Kreativste.“

Peter Meyer selbst sieht sich intern

als Psychologe und Vermittler: „Früher habe

ich mit meiner Art die Kommunisten verarscht,

jetzt muss ich mich um andere Problemchen

kümmern.“ Für den langjährigen

Manager der Band, Rolf Hennig, findet Keyboarder

Meyer übrigens ausschließlich lo-

Ihre Erfahrungen haben die Alt-Rocker mittlerweile

an ihre musizierenden Kinder weitergegeben,

die in diversen Bands bereits eigene

Erfolge feiern konnten. Allerdings gehen

die „Puhdys-Erben“ mitunter Wege, die

Peter Meyer den Kopf schütteln lassen: „Es

ist ganz normal, dass die heutige Generation

eine andere Sicht der Dinge hat. Aber

uns war damals zunächst wichtig, erst einmal

die ökonomische Basis für unsere Band

zu schaffen. Als die stand, haben wir uns

um Bekanntheit und Fernsehauftritte gekümmert.

Heute werden Titel über Titel produziert

in der Hoffnung, dass ein Song mal

funktioniert. Das ist recht riskant.“

Spricht man mit Peter Meyer, gewinnt man

nicht den Eindruck, dass sich die Puhdys

demnächst von der Bühne verabschieden

und ins Rockerrentner-Dasein zurückziehen

werden. Meyer lächelt verschmitzt: „Unser

Problem ist es, dass uns die Ideen einfach

nicht ausgehen wollen. Sie waren und sind

der Antrieb für unser Tun.“

Karsten Hintzmann

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26 | W+M Titelthema

Optimist in jeder Lebenslage

Kathi revolutionierte das Backen. In der DDR enteignet, während der Wende wieder privatisiert.

Rainer Thiele kämpfte hart um den Familienbetrieb. Und schaffte ein ostdeutsches

Märchen. Nach Fast-Pleite und Herzinfarkt.

Von Dana Micke

Der Oetker an der Saale wird er im Westen

genannt. Von wegen! Dr. Oetker

kam mit Backmischungen für den

Endverbraucher 1972 auf den Markt, Kathi

1951. Ihr Slogan: „Mit Ei und Fett verrührt

sofort backfertig“. Na, noch Wasser dazu.

Längst ist Kathi in Halle wieder Marktführer

für Backmischungen im Osten, deutschlandweit

die Nummer drei.

Rainer Thiele mit Kurt Thiele, Vater und

Firmengründer, Anfang der 1950er Jahre.

Rainer Thiele (M.) mit Schwiegertochter Susen und Sohn Marco vor den

Ölbildern der Firmengründer Käthe und Kurt Thiele.

Mit dem Tortenmehl hat alles begonnen. In

der Nachkriegszeit, in der der Hunger regierte.

Und mit Käthe Thiele. Als sie 1949 ein Rezept

für „gestreckte Leberwurst“ als Brotaufstrich

entwickelt, ahnt sie nicht, dass sie

den Grundstein für ein Unternehmen legt.

Kreiert dann Kuchen- und Kloßmehle, kochfertige

Suppen und Soßen. Das war nicht das

Ding von Ehemann Kurt, er war eher der geborene

Manager. So gründete das Ehepaar

1951 eine Firma. Aus Ka-ethe Thi-ele wird

Kathi – zunächst mit dem Zusatz Nährmittelfabrik

Kurt Thiele, nach der Wende Kathi

Rainer Thiele GmbH. Benannt nach dem einzigen

Sohn, der zweiten Generation im Familienbetrieb.

Jahrgang 1943, hat Rainer Thiele das Auf

und Ab Kathis miterlebt. Macher, Tüftler,

Optimist – das ist er. Und im Reden schwer

zu bremsen. Wenn es um die Firmengeschichte

geht, sowieso nicht. Im „Kathineum“

lebt sie auf Fotos und Werbeplakaten.

Im Büro, eine Etage drüber, geht‘s zur Sache:

Leckerer Kuchen wird serviert. Kalorienbomben?

„Die Dosis macht das Gift, so

Paracelsus.“ Sagt‘s lächelnd und meint Disziplin,

Verantwortungsbewusstsein. Werte,

die er seinen Kindern vorlebt. Die dritte

Generation im Familienbetrieb: Sohn Marco

ist Geschäftsführer, Stiefbruder Thomas für

die Produktion zuständig, Marcos Frau Susen

für PR und Marketing. Und der „Alte“?

Ist Beiratsvorsitzender, berät mit Lebenserfahrung.

Stark ist er, durch Niederlagen. Kathis Zäsuren,

die macht er an Jahreszahlen fest.

1957 erzwingt die DDR eine Staatsbeteiligung.

1965 darf Kathi nicht mehr in den

Westen exportieren. 1969 muss auf eine Artikelgruppe

zurückgefahren werden, die

Backmischungen. Technik, Rohstoffe und

Rezepturen für die Suppen- und die Saucenherstellung

gehen „gratis“ an die vom Staat

zugewiesenen volkseigenen Großbetriebe.

1972 dann „der schrecklichste Moment in

meinem Leben“. Rainer Thiele schluchzt

plötzlich, wischt die Tränen weg. Die „freiwillige

Betriebsübergabe“, wie es im SED-

Jargon hieß. „Drei Männer betraten unange-

Fotos: Dana Micke (oben), Kathi (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 27

Copyright: Kathi

meldet unser Büro. Sagte der Eine: ‚Wir enteignen

euch jetzt.‘“ Aus. Vorbei. Kathi wird

Volkseigener Betrieb. „VEB – Vatis ehemaliger

Betrieb“, buchstabiert Rainer Thiele bitter.

Nur der Markenname Kathi bleibt, den

ließ der Vater 1951 warenzeichlich schützen.

Sohn Thiele wird zunächst Betriebsdirektor.

Bis 1976, als irgendwem aufstößt, dass

er nicht Genosse ist. In die SED soll er. Will

er aber nicht. Wird zum NVA-Reservedienst

abkommandiert. Als er nach sechs Monaten

heimkehrt, ist „mein Name aus dem Handelsregister

gestrichen, mein Auto konfisziert,

mein Gehalt gekürzt, mein Büro geräumt,

ein neuer Chef da“.

Rainer Thiele kommt in einem Kombinat unter.

Nachdem er in den 1960er Jahren das

Fernstudium Wirtschaftswissenschaften absolviert

hat, beginnt er 1983 mit einem zweiten:

Markt- und Bedarfsforschung. Da fädelt

Franz Josef Strauß den Milliardenkredit für

die DDR ein – das Land bewegt sich auf die

Pleite zu! „Wenn es mal wirklich anders kommen

sollte“, sagt er sich, „musst du wenigstens

theoretisch wissen, wie die Marktwirtschaft

funktioniert.“

1989 der Mauerfall. Die Eltern sind bereits

tot. Am Sterbebett hat Rainer Thiele seiner

Mutter versprochen, „unseren Betrieb zurückzuholen“.

Im Februar 1990 stellt er den

Reprivatisierungsantrag. In der Treuhand

trifft ihn fast der Schlag. „Für mich zuständig

waren zwei Männer, die uns 1972 enteignet

hatten!“ Die Ex-Genossen sabotieren

das Vorhaben. Trotzdem: Im Juni 1991 wird

Kathi wieder Familienbesitz. Rainer Thiele

will das feiern – Herzinfarkt!

Als er halbwegs erholt in den Betrieb zurückkehrt,

ist der Westprodukt-Hype in vollem

Gange. Die Ostler backen mit Dr. Oetker, den

sie aus dem Westfernsehen kennen. Kathis

Umsätze sind eingebrochen, von 137 Beschäftigten

noch 37 übrig. Trotzdem: Kathi

kennt jeder im Osten. Rainer Thiele rechnet

mit der Besinnung aufs Altbewährte. Aber

wann? Um die Maschinen auslasten, seine

Leute bezahlen zu können, produziert und

vertreibt er für eine große westdeutsche Firma

andere Waren. Das bringt

Zeit, Geld und Ansehen bei

den Banken. Seit 1992 hat

Kathi hier zwölf Millionen

Euro investiert.

So ist das heute: Die Gebäude

strahlen in den Unternehmensfarben

Rot und Gelb.

Hochmodern sind Mischtröge,

Anlagen und Verpackungsmaschinen.

90 Mitarbeiter

fertigen über 70 Sorten

Backmischungen, von

der Händel-Torte über Schoko-

und Nusskuchen bis hin

zu Pizzateig und Muffins.

Jahresumsatz fast 30 Millionen

Euro, Tendenz steigend.

Mit „German Streusel“ nimmt

Kathi nun auch den US-Markt

ins Visier.

Das aber ist der Part von

Marco Thiele, seit 2009 Geschäftsführer

und zum Gespräch

dazugekommen. Doch

wie ging es damals weiter?

„Mit mühsamem Klinkenputzen.

Vater klapperte die

Handelsketten ab. Aber er

wurde anfangs oft nur belächelt.“

Optimismus, Engagement,

Qualitätsbewusstsein

– das schätzt er so an ihm.

Rainer Thiele schwört von jeher

auf die eigene Marke, die

Produktion namenloser Massenware

ist tabu. Und sagt:

„Da, wo Kathi draufsteht, ist

auch Kathi drin! Wir haben

uns nicht in die Arme eines großen Investors

geworfen. Und nie auf die ostdeutsche

Tränendrüse gedrückt.“

Käthe Thieles alte Rezepte lagern im Panzerschrank.

„Man weiß ja nie! Russland, die

Ukraine, der Handelskrieg mit der EU.“ Ist

er nicht Optimist? „Eben. Ich schaue nach

vorn“, sagt er. Und ist enttäuscht von dem

„Wust an Reglementierungen. Ludwig Erhard

Verpackung aus den 1950er Jahren.

würde sich im Grabe umdrehen, wüsste er,

was von der sozialen Marktwirtschaft übrig

geblieben ist.“

Haben Vater und Sohn noch Lebensträume?

„Ja. Dass sich Kathi behauptet“, so Marco

Thiele. Der „Alte“ aber „will Deutschlands

Nummer eins werden“. Sagt‘s augenzwinkernd

und dann ernst: „Dass sich Kathi zur

nationalen Marke etabliert.“ W+M

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28 | W+M Titelthema

Güstrows schönster Schmuck

Thomas Grabbe zieht mit seinem Juwelierhaus zahlungskräftige

Uhren- und Schmuckliebhaber aus dem ganzen Norden an

Thomas Grabbe besitzt das vermutlich

schönste Geschäft in der Güstrower Innenstadt.

Am Pferdemarkt 6 betreibt

er in dritter Generation das „Juwelierhaus

Grabbe“. Auf zwei elegant eingerichteten Etagen

empfängt er seine Kunden. Verkaufsgespräche

führt er gern im Obergeschoss, das

er als Lounge eingerichtet hat – mit weißen

Ledersofas und edlen Vitrinen für seine

ständig wechselnden Ausstellungen. Heute

verkauft der 48-jährige, gebürtige Güstrower

Uhren der teuersten Marken und luxuriösen

Schmuck. Das klingt ganz selbstverständlich,

ist es aber nicht. Thomas Grabbe

musste einen langen, harten und risikoreichen

Weg zurücklegen, bis er es in die Beletage

der deutschen Juwelierhäuser schaffte.

Uhren sind sein Leben:

Thomas Grabbe.

„Angefangen hat alles in den 1950er Jahren,

da begann mein Großvater in der Ausbildungswerkstatt

für Juweliere

ein paar Häuser

weiter, am Markt 4. Später

übernahm er das Geschäft

von seinem Chef.

Meine Mutter führte die

Goldschmiedewerkstatt

durch die schwierigen

1970er und 1980er Jahre“,

so Thomas Grabbe.

Schwierig deshalb, weil

der chronische Mangel

an Gold und Edelsteinen

keinen regulären

Geschäftsbetrieb zuließ. „Damals gab es

Gold nur auf strenge Zuteilung – pro Arbeitsplatz

50 Gramm pro Jahr. Wir waren zu dritt

und erhielten also 150 Gramm. Damit konnten

nur Kleinstreparaturen gemacht werden.“

Der Materialmangel wirkte sich auf die Ladenöffnungszeiten

aus: Nur einmal pro Jahr

wurde der Juwelierladen für Reparaturannahmen

geöffnet. Darüber hinaus konnten

jeweils freitags reparierte Schmuckstücke –

nach vorheriger Benachrichtigung – abgeholt

werden. Thomas Grabbe: „An Neuanfertigungen

war seinerzeit nicht zu denken, es

sei denn, die Kunden brachten das Material

selbst mit.“

Für treue Kunden veranstaltet

Thomas Grabbe noble Veranstaltungen,

wie Poloturniere am Ostseestrand.

In der Wendezeit befand sich Thomas Grabbe

mitten in der Meisterausbildung zum Goldschmied,

die er 1991 abschloss. Unmittelbar

danach übernahm er den kleinen und mühsam

über die DDR-Zeit geretteten Familienbetrieb.

„Da wir bis dahin nie Ware aus eigener

Produktion hatten, musste ich aus dem

Handwerksgeschäft ein Handelsgeschäft machen“,

erinnert sich Grabbe. Also verkauft er

zunächst Schmuck in erschwinglichen Preisbereichen.

„Eines Tages kam ein Vertreter des

Uhrenherstellers Maurice Lacroix in den Laden

und ermunterte mich, Uhren ins Sortiment

zu nehmen. Kurze Zeit später verkaufte

ich die erste Uhr für 4.000 D-Mark – so etwas

Teures ging zuvor nie über meinen Ladentisch.“

Dieser anfängliche Verkaufserfolg entfachte

beim Jungunternehmer Grabbe Lust und

Elan, weitere hochwertige Uhrenmarken ins

Fotos: Peter-Paul Reinmuth (oben, auch Titel), Grabbe (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 29

Fotos: NOMOS Glashütte (oben), IWC (Mitte), Glashütte Original (unten)

Sortiment zu nehmen. „Doch das war gar nicht so einfach, weil

die Hersteller elitäre Ansprüche an die Ausstattung der Verkaufsräume

hatten.“ Grabbe reagierte, übernahm die Geschäftsräume

am Pferdemarkt 6, baute aufwendig um. Zu Glashütte

Original, Ebel und Chopard gesellten sich nun auch Uhren von

Breitling und IWC.

Schnell tat sich ein neues Problem auf. Es fehlte an zahlungskräftiger

Kundschaft. Allein vom Güstrower Umfeld konnte

Grabbe nicht leben. Fortan packte er jedes zweite Wochenende

seine schönsten Exponate ein und präsentierte sie und sich auf

hochkarätigen Veranstaltungen – bei Bällen, Kundenevents in

Autohäusern oder am Rande von Golfturnieren. „So habe ich

die Marke Grabbe auch außerhalb Güstrows positioniert. Hätte

ich das nicht getan, wäre ich längst pleite“, resümiert Grabbe.

Diese Positionierung dauerte mehrere Jahre. „Bis zum Ende der

1990er Jahre war es finanziell sehr schwer, da ich die Ware natürlich

zeitnah bezahlen musste. Ich habe mich durchgekämpft

und gespart wo ich konnte. Bis 2001 fuhr ich einen Fiat Punto,

weil jede eingenommene Mark sofort ins Sortiment floss.“ Viele

Uhrenhersteller honorierten Grabbes Engagement und drückten

bei überschrittenen Zahlungsfristen auch mal ein Auge zu.

Inzwischen ist Grabbe etabliert, er beschäftigt acht Mitarbeiter,

darunter zwei Goldschmiedemeister. Seine Kunden kommen aus

ganz Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, aber auch

aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin. „Ein Vorteil für

mich gegenüber der Konkurrenz in den großen Städten ist die

Wertschätzung meiner Arbeit durch die Uhrenhersteller. Die

drückt sich dadurch aus, dass sie mir mitunter größere Kontingente

an limitierten Uhren zur Verfügung stellen, die sich oft

leichter verkaufen lassen. Heute bin ich in der Lage, wirklich

alles liefern zu können, auch Exponate, die es auf dem deutschen

Markt nur ganz selten gibt“, so Grabbe.

Aber Grabbe ist keiner, der sich auf dem Erfolg ausruht. Er bleibt

am Ball und nah bei seinen Kunden. So kreiert er eigene Veranstaltungen

– Weihnachtsfeiern, Golf- und Poloturniere und

sogar eine Schleppjagd. Als Stargäste für das gutbetuchte Publikum

zieht er dann auch mal Manfred Krug, Uschi Brüning,

Alfons Schuhbeck oder Klaus Maria Brandauer aus dem Hut.

„Mit diesen Events möchte ich meinen Kunden für ihre Treue

danken und dafür, dass sie oft den weiten Weg nach Güstrow

auf sich nehmen.“

Uhren sind für Grabbe nicht Protzobjekte oder nutzloser Luxus.

„Eine schöne Uhr steigert die Lebensfreude und wirkt dadurch

in gewisser Weise gesundheitsfördernd. Zudem sind gute

Uhren in unserer unsicheren Zeit eine sichere Wertanlage, die

der nächsten Generation vererbt werden kann.“

Karsten Hintzmann

Uhrenempfehlungen von Thomas Grabbe

Designklassiker

Feinste Handarbeit aus Glashütte (Sachsen).

Sie steht für NOMOS Glashütte: die Tangente.

Jene runde Uhr mit den vielen rechten

Winkeln, dieses Meisterstück an Geradlinigkeit,

verkörpert die Glashütter Manufaktur,

wirkt wie ein Logo für die Marke.

Und seit 1992 schon läuft und läuft

und läuft sie: Mehr als jede andere Uhr

von NOMOS Glashütte hat sich dieses

Modell die Bezeichnung „Designklassiker“

verdient. Form und Qualität sind vielfach

preisgekrönt.

Preis: ab 1.320 €

Für IWC-Einsteiger

IWC ist eine weltweit anerkannte und geschätzte

Manufaktur aus der Schweiz. Die Portofino

Chronograph bringt eine sportliche

Note in die Portofino-Familie. Ihre

markanten Chronographendrücker

erinnern an das Cockpit italienischer

Sportwagen aus den 1960er-Jahren.

Die Uhr mit gewölbtem Saphirglas

und applizierten römischen Ziffern wird

vom bewährten Automatikaufzug Kaliber

75320 mit 44 Stunden Gangreserve angetrieben.

Preis: ca. 5.200 €

Spitzenklasse

Der Senator Observer von Glashütte Original

ist der perfekte Einstieg in die große Welt

der Komplikationen. Also in die höchste

Uhrmacherklasse. Das in Glashütte

entwickelte und patentierte Panoramadatum

ist in meinen Augen das

Sinnvollste, womit eine hochwertige

Armbanduhr ausgestattet sein

sollte. Hervorragend ablesbar und

optisch perfekt gelungen. Der neue

Observer ist sowohl mit dem hellen,

als auch mit dem anthrazitfarbenen Zifferblatt

eine Uhr, die dem Träger jeden

Tag Freude schenkt und die sehr werthaltig

ist.

Preis: ca. 9.500 €

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


30 | W+M Titelthema

Er machte den Multicar weltmarktfähig

Mit Walter Botschatzki startete das Unternehmen aus Waltershausen nach der Wende durch

Der neue Multicar M27

aus Waltershausen.

Walter

Botschatzki.

Chef, Sie trauen sich

was!“ Oft hörte Walter

Botschatzki 1990

diese Worte seiner Mitarbeiter.

Denn der Betriebsdirektor

des VEB

Fahrzeugwerk Waltershausen,

in dem der

wendige Multicar entstand,

unterschied sich

in diesen Monaten auffallend

von den meisten seiner Kollegen im

IFA-Kombinat. Während sich andere „treiben

ließen und auf Investoren warteten“, habe

er „ein bisschen vorausgedacht“, erinnert

sich der 70-Jährige. Ganz Ingenieur fragte

er sich vom ersten Moment an: Wie machen

wir unser Gefährt weltmarktfähig? Er wusste,

dass es, auch wenn 80 Prozent in den Export

gingen, in der aktuellen Version keine

Zukunft hat. Es bedurfte neuer Zusatzfunktionen

und eines moderneren Innenlebens.

So schrieb er couragiert westliche Ausrüster

an – und die reagierten auch, waren ihrerseits

am ostdeutschen Markt interessiert.

So schickte Rexroth Hydraulik, lieferte VW-

Motoren, um den damaligen M25 zeitgemäß

aufzupeppen.

Und während andere Fahrzeughersteller im

Osten ihre Direktoren in die Wüste schickten,

trug es der Betriebsrat sogar mit, als Botschatzki

und Manfred Windus – sein ebenfalls

ostdeutscher Partner in der Geschäftsleitung

– tausend der 1.200 Beschäftigten

entlassen mussten. Nicht zuletzt seine

menschliche Umsicht wie eine stets berechenbare

Geradlinigkeit beeindruckten hierbei.

„Man weiß immer, woran man bei ihm

ist, kann sich auf ihn verlassen“, so die Arbeitnehmervertretung.

So überlebte Multicar

als einzige IFA-Marke.

Dennoch war es nicht der Wunsch des damaligen

Mittvierzigers, Unternehmer zu werden.

Erst 1986 war er gegen anfängliches

Sträuben vom Karosseriebau Aschersleben,

wo er Technischer Direktor war, nach Waltershausen

gewechselt. Und nun suchte auch

er zunächst Käufer für die Multicar-Schmiede.

Doch alle Großen, auch Mercedes-Benz,

winkten ab. „Es hieß, mehr als 400 Wagen

pro Jahr lassen sich nicht absetzen“, grinst

er heute. Denn nun sind es jährlich 1.600

Fahrzeuge, die immer stärker auch im Westen

Käufer finden. Das Multitalent war bald

in 15 Varianten zu haben, vom Ladekran bis

zum Silostreugerät. Und der Kunde bekam

stets „seine ganz individuelle Problemlösung

– was er nicht brauchte, ließen wir weg“, so

Botschatzki. Damit kostete die Basisversion

halt nur die Hälfte eines Unimog. Rund

70 Aufbauten bestellt das Multicar-Werk, das

heute zur Hako-Gruppe gehört, übrigens im

Thüringer Umland.

Doch zunächst benötigte das Werk 1991 Geld,

wenigstens zwölf Millionen Euro. Und neben

der Beteiligungsgesellschaft der Deutschen

Bank, die an das Konzept glaubte, sowie einem

Waggonbauer aus Hannover erwarben

auch Botschatzki und Windus je 10,5 Prozent

– der Gegenwert eines properen Eigenheims.

Die beiden Ostdeutschen wagten ein

klassisches Management-Buy-out. Woher der

Mut kam? Botschatzki schmunzelt: Er sei früher

Wasserballer gewesen, Teamplayer also.

Sicher könne man hier „leicht unter Wasser

geraten – aber nur wenn man weniger Luft

als der Gegner“ habe … Er hatte sie, auch

als langjähriger Präsident des Verbandes der

Wirtschaft Thüringens. Inzwischen agiert er

im (Un)Ruhestand – etwa als Chef des Thüringer

Schlitten- und Bobsportverbandes.

Harald Lachmann

Fotos: Hako-Gruppe (oben), Harald Lachmann (unten, auch Titel)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 31

Liebe zum Lkw

nicht geerbt

Eine unverhoffte Chance ergab sich 1989 – der

Rostocker Stephan Gustke wechselte in den Ein-

Lkw-Transportbetrieb der Familie und entwickelte

diesen zur Logistikfirma.

Die frühen Lkw der Gustkes sind geschichtsbeladen. Das erste

Fahrzeug nach Kriegsende war ein übrig gebliebener Wehrmacht-Lkw.

„Mit dem ist mein Großvater neu gestartet, nachdem

die Russen 1945 die zwei letzten Lastzüge seines Fuhrunternehmens

beschlagnahmt hatten“, greift Stephan Gustke weit zurück in

die Annalen der Rostocker Spedition Heinrich Gustke GmbH. Großvater

Heinrich hatte 1933 in der Hansestadt seine Transportfirma

gegründet. Stephan Gustke erzählt davon mit dem zeitlich bedingten

Abstand des Enkels.

Heinrich Gustke arbeitete in der jungen DDR mit ihrer politischen

Doktrin des Volkseigentums als selbstfahrender Unternehmer. Viele

Widrigkeiten waren zu umkurven. „Es war schwierig, an Aufträge zu

kommen, da der Staat überall die Hand drauf hatte“, ergänzt Manfred

Gustke. Der heute 75-Jährige hatte die Firma 1970 vom Gründer

übernommen und unterstützt noch immer seinen Sohn Stephan

in der Geschäftsführung. „Als kleiner Fuhrbetrieb wurden wir eher

geduldet.“ Mit einem auffällig weiß-grün gestylten W50-Lkw, den er

1983 schrottreif gekauft und aufwändig flottgemacht hatte, war er

selbst jahrelang in der Republik unterwegs.

Foto: Thomas Schwandt

Stephan Gustke hört den Vater gern von früher erzählen. Dessen Faible

für Lkw teilt er nicht. Er lernte in den 80er Jahren Tischler und

machte seinen Meister. Doch mit der Wende 1989 in der DDR lenkte er

beruflich um. „Das Unternehmen war da und plötzlich hatten wir die

Chance, daraus mehr zu machen“, begründet er seinen Sinneswandel.

Von Anfang an war klar, es nicht bei einem reinen Transportbetrieb

zu belassen. „Ich wollte eine Spedition begründen. Dabei hatte

ich gar keine Ahnung, wie das funktioniert, Güter disponieren,

umladen, einlagern.“ Zufällig lernten Gustkes in den Wendejahren

den Hamburger Spediteur Günter Dicks kennen. Dieser bot „ganz uneigennützig

seine Hilfe“ an beim Start in die Marktwirtschaft. Bis

1994 arbeitete Stephan Gustke bei Dicks und lernte, von Hamburg

aus die Fahrten der wachsenden eigenen Lkw-Flotte zu dirigieren.

Der erste neue Gustke-Lkw war ein Renault.

Nach der Rückkehr an die Warnow beschleunigte Stephan Gustke den

Ausbau der Spedition. Im Güterverkehrszentrum (GVZ) nahe Rostock

Stemmt die Zukunft der Firma:

Geschäftsführer Stephan Gustke.

investierte der Familienbetrieb zwei Millionen D-Mark in eine Lagerhalle,

Bürotrakt und Freiflächen. Der Fuhrpark ist bis dato auf 100

Lkw gewachsen. Anders als für Vater Manfred sei für ihn ein Lkw nur

ein „Ladegefäß“, offenbart der 46-Jährige freimütig. Die Konkurrenz

auf der Straße ist zuletzt immer härter geworden. Auch deshalb sieht

Stephan Gustke die Zukunft des Traditionsunternehmens verstärkt in

der Logistik. Bereits in der Lager- und Entsorgungslogistik gut aufgestellt,

kamen zuletzt ein Logistik-Terminal und ein Freilager im GVZ

hinzu, das von lokalen Windkraftanlagenbauern genutzt wird. Seit

zwei Jahrzehnten wirkt der Chef daran mit, dass sich die Transportfirma

Gustke in dritter Generation zu einem führenden Logistikunternehmen

in Norddeutschland gewandelt hat. Mit 210 Beschäftigten

und einem Jahresumsatz von 16 Millionen Euro. Thomas Schwandt

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32 | W+M Titelthema

„Nichts ist selbstverständlich!”

Mit diesem Motto hat Thomas Süß – Bauunternehmer und Betreiber

eines Yachthafenresorts – Erfolg

Vater 2012 mit 68 Jahren aus dem Unternehmen

zurückzog, führte Thomas Süß die Firmengruppe

zu 100 Prozent weiter. Fast wie

selbstverständlich. So einfach wie hier die

Nachfolge geklärt wurde, soll es auch künftig

gehen. Thomas Süß hat mit seiner heute

18-jährigen Tochter aus der geschiedenen

Ehe vereinbart, dass sie zu seinem 50. Geburtstag,

also in fünf Jahren, Bescheid gibt,

ob sie die Nachfolge antreten will.

Thomas Süß ist

fast immer unterwegs.

Thomas Süß ist eigentlich ein Glückspilz.

Statt nach der Schule zu studieren,

lernte er Ofensetzer und Fliesenleger

– ein begehrter Beruf zu DDR-Zeiten

mit besten Verdienstaussichten. Es geht ihm

gut. Der Vater macht sich 1988, noch zu DDR-

Zeiten, mit einer Straßen- und Tiefbau-Firma

selbstständig, das war damals nicht so

einfach. Er überredete seinen Sohn mitzumachen

und Thomas macht, was Vater sagt

und ist damit schon vor der Wende selbstständig.

Die Wende selbst erlebt er während

seiner Wehrpflicht als Grenzer bei der NVA in

Eisenach, wo es nach dem Mauerfall plötzlich

nichts mehr zu bewachen gab. Er wird deshalb

schon nach zwölf statt 18 Monaten wieder

nach Hause geschickt. So viel Glück hat

nicht jeder gehabt, aber Thomas Süß verlässt

sich nicht auf das Glück.

Sein Lebensmotto lautet: „Nichts ist selbstverständlich!“

Und damit fährt er gut. Im

Jahr 1990 hat die Baufirma neben Vater und

Sohn fünf Mitarbeiter. Umsatz etwa 500.000

D-Mark. Heute beschäftigt Thomas Süß in

seiner Gruppe 150 feste Mitarbeiter und

macht einen Umsatz von rund 20 Millionen

Euro. Aus dem einstigen Kleinunternehmen

sind die Süß Bau GmbH, die BBI Service-

Gesellschaft und das SBS Yachthafenresort

Fleesensee entstanden. Nichts ist selbstverständlich.

Nach Eintritt in die Firma des Vaters

machte Thomas Süß eine fachspezifische

Ausbildung als Fernstudium. Als sich sein

Der heute 45-Jährige hat klare Vorstellungen

und ist erfolgreich. Große Fehler meint

er nicht gemacht zu haben, und aus den vielen

kleinen habe er gelernt. Seine Prinzipien

sind Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit

im Großen wie im Kleinen sowie

eine enge Zusammenarbeit zwischen der

Unternehmensführung und den Mitarbeitern.

Ob er sich als ostdeutscher Unternehmer

fühlt, kann er nicht sagen. Er ist Sachse

und Leipziger, dazu steht er. Mit dem Ossi-

Wessi-Gerede will er nichts zu tun haben. Er

sieht sich als Unternehmer in einer gesellschaftlichen

Verantwortung, die sich aber

vornehmlich auf seine Mitarbeiter, deren Familien

und die Unternehmensstandorte bezieht.

Mit den Erscheinungen, dass Leute nur

noch Spaß anstelle von Verantwortung wollen,

hat er ein Problem. Er ist eben Unternehmer.

Frank Nehring

Das Yachthafenresort Fleesensee.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


MESSEN & VERANSTALTUNGEN 2014/2015

03.10. – 05.10. 2014

modell-hobby-spiel

Ausstellung für Modellbau, Modelleisenbahn,

kreatives Gestalten und Spiel

www.modell-hobby-spiel.de

24.10. – 26.10. 2014

Designers’ Open

Design Festival Leipzig

www.designersopen.de

27.10. – 29.10. 2014

new mobility

Mobilität neu denken

www.new-mobility-leipzig.de

27.10. – 29.10. 2014

euregia

Kommunal- und Regionalentwicklung in Europa –

Fachmesse und Kongress

www.euregia-leipzig.de

04.11. 2014

Absolventenmesse Mitteldeutschland

www.absolventenmesse-mitteldeutschland.de

06.11. – 08.11. 2014

denkmal

Europäische Messe für Denkmalpfl ege,

Restaurierung und Altbausanierung

www.denkmal-leipzig.de

* nur für Fachbesucher · **Gastveranstaltung

Auszug · Änderungen vorbehalten

19.11. – 23.11. 2014

Touristik & Caravaning International Leipzig**

www.touristikundcaravaning.de

27.01. – 29.01. 2015

TerraTec

Internationale Fachmesse für Umwelttechnik und

-dienstleistungen

www.terratec-leipzig.de

27.01. – 29.01. 2015

enertec

Internationale Fachmesse für Energieerzeugung,

Energieverteilung und -speicherung

www.enertec-leipzig.de

24.02. – 27.02. 2015

Intec

Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen,

Fertigungs- und Automatisierungstechnik

www.messe-intec.de

24.02. – 27.02. 2015

Z

Internationale Zuliefermesse für Teile,

Komponenten, Module und Technologien

www.zuliefermesse.de

28.02. – 02.03. 2015

CADEAUX Leipzig*

Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends

www.cadeaux-leipzig.de

www.leipziger-messe.de


34 | W+M Titelthema

Deutsche Geschichte hautnah erlebt

Frank Mangelsdorf ist am 9. November 1989 unmittelbar dabei, als – eher unbeabsichtigt –

deutsche Geschichte geschrieben wird. Der damals 32 Jahre alte Redakteur der überregionalen

DDR-Tageszeitung „Der Morgen“ nimmt an der legendären Pressekonferenz in Berlin teil, in der

Politbüromitglied Günther Schabowski in holprigen Sätzen die Öffnung der Grenzen und die sofortige

Reisefreiheit für alle DDR-Bürger verkündet.

Von Karsten Hintzmann

Frank Mangelsdorf bei einer Redaktionskonferenz der MOZ.

Damals haben wir gar nicht sofort die

Tragweite von Schabowskis Worten realisiert“,

erinnert sich Mangelsdorf.

„Das SED-Politbüro tagte in diesen Wochen

permanent und jeden Tag fand eine Pressekonferenz

statt, wo die neuesten Informationen

aus dem Führungsgremium verkündet

wurden. Als ich dann mit der Nachricht

in die Redaktion kam, dass die Grenzen geöffnet

werden, wurde im Spätdienst der Redaktion

zunächst niemand atemlos. Der Spätdienstchef

wollte erst mal abwarten, was die

staatliche Nachrichtenagentur ‚ADN‘ dazu

verlautbarte. Es herrschte damals eine große

Agenturgläubigkeit.“

Den Abend der Grenzöffnung verbringt er,

genau wie die meisten anderen Redakteure,

im Westteil Berlins. Mangelsdorf: „Am nächsten

Morgen trafen wir uns alle wieder in der

Redaktion – übernächtigt und von den neuen

Entwicklungen elektrisiert. Wir schrieben

eine große Geschichte über das in der

Nacht Erlebte.“

An Schlaf war auch in den folgenden Wochen

kaum zu denken. Mangelsdorf und seine Kollegen

wollten die spannende Zeit in all ihren

Facetten abbilden. „Es herrschte eine wahnsinnige

Aufbruchsstimmung, erstmals konnten

wir in unserem Beruf frei von Tabus arbeiten“,

sagt Mangelsdorf, der in Leipzig Journalismus

studiert hatte und seit 1983 stellvertretender

Nachrichtenchef beim „Morgen“

war.

Die politische Wende in der DDR deutete sich

spätestens am 7. Oktober 1989 an, als sich

die Gründung der DDR zum 40. Mal jährte.

„Die Szenerie war gespenstisch – vor dem

Palast der Republik riefen die Menschen

‚Gorbi, Gorbi‘, während sich Honecker im

Saal feiern ließ. Es war das letzte Aufbäumen,

zehn Tage später wurde Honecker abgesetzt“,

beschreibt Mangelsdorf die damaligen

Ereignisse.

Für den Ost-Berliner Journalisten Mangelsdorf

boten sich durch den gesellschaftlichen

Umbruch in der DDR plötzlich neue berufliche

Perspektiven: „Ich war im Sommer 1990

in der ARD-Sendung ‚Presseclub‘. Nach der

Sendung sprach mich der Chefredakteur der

Tageszeitung ‚Die Welt‘ an und bot mir einen

Job an. Ich überlegte kurz und unterschrieb

dann einen Arbeitsvertrag zum 1. September

1990.“ Frank Mangelsdorf war der erste

Journalist aus dem „Morgen“-Team, der zum

Foto: MOZ

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 35

Axel-Springer-Verlag wechselte. Ihm sollten

nach der Einstellung des „Morgen” im Frühjahr

1991 etliche Kollegen folgen.

Bei seinem neuen Arbeitgeber wurde Mangelsdorf

zunächst DDR-Korrespondent, nach

der deutschen Wiedervereinigung dann Berichterstatter

für die neuen Bundesländer.

„Was mich besonders überraschte und positiv

berührte, war die große Kollegialität im Korrespondentenbüro

der ‚Welt‘. Die neuen Kollegen

nahmen mich sofort als einen der ihren

auf“, sagt er. Bis heute erinnert sich Mangelsdorf

gern an diese umtriebige Zeit, in der

er über die gesellschaftlichen Umbrüche zwischen

Rostock und Gera, über Politbüro- und

Mauerschützenprozesse berichtete.

In den Folgejahren setzte sich Mangelsdorfs

Weg fort. Als die „Welt“ 1993 mit ihrer

Stammredaktion von Bonn nach Berlin umzog,

berief die Chefredaktion Mangelsdorf

zum Leiter der Berlin-Redaktion. Er war somit

der erste „Ossi“, der es bei Springer zum

Ressortleiter brachte.

Anderthalb Jahre später warb ihn der Berliner

„Tagesspiegel“ ab. Dort arbeitete er bis

1997 als Ressortleiter für die Region Berlin-Brandenburg.

Dann kam erneut der

Springer-Verlag zum

Zuge – Mangelsdorf

übernahm für vier

Jahre die Leitung

der Lokalredaktion

der „Berliner Morgenpost“.

Nach einem

einjährigen Intermezzo

als Leiter

des Parlamentsbüros

der „Ostseezeitung“

heuerte er schließlich

im Jahr 2002

als Chefredakteur

Frank Mangelsdorf (r.) interviewte 1988 den Ständigen Vertreter

der BRD in der DDR, Hans Otto Bräutigam (l.).

bei der „Märkischen Oderzeitung“ (MOZ) in

Frankfurt (Oder) an. Bis heute steht er an der

Spitze dieses vorrangig in Ost- und Nordbrandenburg

verbreiteten Regionalblattes mit 16

Lokalteilen und ist somit einer der dienstältesten

Chefredakteure in den neuen Bundesländern.

Bei seinem Amtsantritt in der Stadt

an der Grenze zu Polen spürte er schnell, dass

sich die Stimmungslage der Menschen hier

stark von der Euphorie in der Berliner Metropole

unterschied. „Ich war betroffen – in

dieser quasi vor den Toren Berlins gelegenen

Region herrschte eine fast bedrückende

Stimmung. Das Versprechen von den ‚blühenden

Landschaften‘ hatte sich in Frankfurt

und Umgebung eher nicht erfüllt. Viele

Träume vom Wirtschaftsaufschwung, wie

etwa die Projekte Chipfabrik oder Solar-City

waren geplatzt und die Menschen entsprechend

ernüchtert.“

Vor diesem Hintergrund ist es für Mangelsdorf

nicht leicht, den Kurs der MOZ als regionale

Qualitätszeitung zu halten. „Sicher,

auch unsere Auflage sinkt. Aber moderat.

Diese durchaus erfreuliche Entwicklung hat

einen Grund: Wir sind immer nah bei unseren

Lesern und konzentrieren uns mit journalistischer

Qualität aufs Kerngeschäft. Der Leser

erfährt durch uns, was in seinem Ort, in seiner

Region, in Berlin und Brandenburg passiert.

Dieses Credo zieht sich durch das ganze

Blatt. Daher haben wir wohl auch eine größere

Akzeptanz als mancher Mitbewerber“,

bilanziert Mangelsdorf.

Fotos: MOZ (unten), Privat (oben)

Frank

Mangelsdorf im

Gespräch mit

dem langjährigen

Brandenburger

Ministerpräsidenten

Matthias

Platzeck und

dessen Ehefrau.

Im Gegensatz zu anderen schreibenden Zeitgenossen

glaubt Chefredakteur Mangelsdorf

fest an die Zukunft der Printmedien: „Wir

beobachten gerade einen Kulturwandel. Das

Internet boomt, überschüttet uns mit Nachrichten,

und gleichzeitig werden die Zeitungen

totgesagt. Aber die Zeitung wird überleben,

solange sie Qualitätsjournalismus bietet.

Sie muss nur tagtäglich mit fundierter

Arbeit und sauber recherchierten Nachrichten,

Kommentaren und Hintergrundbeiträgen

den Nachweis erbringen, dass sie gebraucht

wird.“

W+M

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36 | W+M Titelthema

KAHLA touch!

Das Porzellan mit der

samtweichen

Oberflächengestaltung.

KAHLA: Innovative Porzellan-

Tradition ohne Kaffeekannen

Holger Raithel ist 42 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Jena. Bereits mit drei Jahren

will er Erfinder werden. Heute leitet er die KAHLA Thüringen Porzellan GmbH mit dem Anspruch,

innovativster Porzellanhersteller Deutschlands zu sein. In diesem Jahr feiert KAHLA 170

Jahre Firmengeschichte und den 20. Geburtstag seit der Neugründung. Von Frank Nehring

Den Mauerfall vor 25 Jahren erlebt Holger Raithel als 17-Jähriger

wie so viele grenznahe Franken durch den endlosen Strom

der DDR-Bürger in ihren Trabis, die endlich den Westen erkunden

wollen. Er nimmt das damals unfassbare Ereignis in unmittelbarer

Umgebung wahr.

Nicht weniger, aber auch

nicht mehr.

Dagegen startet Vater Gün t her

Raithel zu dieser Zeit noch

einmal richtig durch. Er erwirbt

KAHLA, den einstigen

Porzellanriesen aus DDR-Tagen,

der nur zwei Jahre nach

erfolgter Privatisierung pleite

gegangen war. Sohn Holger

Raithel zollt seinem Vater

heute großen Respekt.

„Es gehörte schon viel Mut

dazu. Mehr noch, neben der

vielen Arbeit gab es das volle

finanzielle Risiko, sich in

einem Unternehmen zu engagieren,

dem alle Märkte weggebrochen

waren, das über veraltete Anlagen und Technik verfügte,

keine spannenden Produkte hatte und dem jede Idee für eine Perspektive

fehlte.“

Holger Raithel (l.) mit seinen Eltern Rositta und Günther Raithel.

Günther Raithel hat nicht nur eine Idee, sondern auch die so wichtige

Branchenkenntnis. Über 30 Jahre war er bei Rosenthal Porzellan,

zuletzt als Vorstand für Personal und Werke. So verfügt er über

das Wissen und die Erfahrung, das Potenzial der 300 verbliebenen

KAHLA-Mitarbeiter zu erkennen und sich mit ihnen zu arrangieren.

15 Jahre nach der Wende kommt Sohn Holger Raithel ins Spiel. Er

hat erfolgreich Physik studiert und komplexe Erfahrungen als Unternehmensberater

gesammelt. Jetzt spürt er – nach Jahren des Angestelltendaseins

– den Wunsch nach Selbstverwirklichung, hat Lust

auf mehr Verantwortung. 2004 ist er reif für KAHLA. Für seinen

Einstieg bei KAHLA hat er klare Vorstellungen: „Ich beginne als Assistent

der Geschäftsleitung, verschaffe mir einen Überblick, steige

in Projekte ein und will dann die volle Verantwortung.“ Die Familie,

allen voran der von den Mitarbeitern

verehrte Günther

Raithel, stimmt dem zu. So

wird Holger Raithel im April

2005 Geschäftsführender

Gesellschafter. Klug genug,

Erreichtes nicht infrage

zu stellen, bringt der damals

33-Jährige mit seiner analytischen

Art, der Kreativität

des Physikers und seinen persönlichen

Erfahrungen den

Turbo in die Entwicklung von

KAHLA. „Wir wollen das innovativste

Unternehmen der

deutschen Porzellanindustrie

sein“, verkündet Raithel

und macht Ernst damit. Für

Innovationen sind Produktneuheiten

wichtig und Traditionsbrüche

erlaubt. „Wir waren die ersten, die keine Kaffeekannen

mehr herstellten und damit auf vollstes Unverständnis im Handel

trafen, waren es doch gerade die Kannen, die das Service und seine

Form bestimmten. Aber wer braucht im Zeitalter von Kaffeemaschinen

noch Kaffeekannen?“ Die Erweiterung des Geschäftsfelds Haushaltsporzellan

um die Bereiche Hotellerie/Gastronomie sowie Artvertising

für Industriekunden werden beschleunigt. Tolle Produktideen,

wie das individuell beschreibbare Porzellan (Note), das nicht

mehr klappernde, rutschfeste Geschirr (Magic Grip) und die nie zu

heiße Teetasse (touch!) sind beste Beispiele für die neue Strategie.

Mit Holger Raithel an der Spitze ist die Unternehmensnachfolge bei

KAHLA gelungen. Und der gebürtige Franke versteht sich heute ganz

selbstverständlich als ostdeutscher Unternehmer.

W+M

Fotos: Kahla

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 37

Weil Sie wissen, was in Ihrer Firma

am wichtigsten ist.

Die Versicherungen

der Sparkassen

Wir beraten Sie und helfen Ihnen mit unseren Produkten dabei, Ihre Fachkräfte und Spezialisten zu motivieren und

langfristig zu binden. Informieren Sie sich in einer unserer Geschäftsstellen. Wenn’s um Geld geht – Sparkasse.

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38 | W+M Titelthema

Gelenkwellen in alle Welt

Nach der Wende galt das Gelenkwellenwerk Stadtilm als nicht privatisierbar. Martin Röder hat es

dennoch gewagt. Heute exportiert sein Unternehmen in 48 Länder. Eine Thüringer Erfolgsgeschichte.

Von Matthias Salm

Martin Röder sitzt wieder einmal auf

gepackten Koffern. Sein Reiseziel

diesmal: die USA. „Flughafen, Hotel,

Firmenbesuch, dann geht es weiter in die

nächste Stadt“, schildert der 63-jährige Unternehmer

sein dicht gedrängtes Programm,

bei dem er aber bei aller Terminhatz immer

versucht, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch

zu kommen, um ein Gefühl für Land

und Leute zu entwickeln. Weitere geplante

Reisen nach Japan, eventuell Russland oder

China füllen Röders Terminkalender bis zum

Ende des Jahres. Auch in Zeiten weltumspannender

multimedialer Vernetzung weiß der

eingefleischte Mittelständler den Wert persönlicher

Kontakte im Geschäftsleben weiterhin

zu schätzen. Und nicht nur er: „Die

japanischen Kunden beispielsweise“, so seine

Erfahrung, „wollen einmal im Jahr den

Chef sehen.“

Der Chef – das ist an der Spitze der Gelenkwellenwerk

Stadtilm GmbH (GEWES) seit 1994

Martin Röder. „Ein bisschen blauäugig vielleicht,

aber auch getragen von der Euphorie

jener Zeit“, so bewertet der erfolgreiche

Mittelständler rückblickend seinen Kraftakt,

das Gelenkwellenwerk in Stadtilm vier

Jahre nach der Deutschen Einheit vor dem

sicheren Aus zu retten. Denn eigentlich hatte

Röder mit der Privatisierung eines nahe gelegenen

Landtechnikbetriebes schon seine

Aufgabe gefunden. Als der damalige Betriebsleiter

der GEWES ihn eindringlich um

Hilfe bat, kam Röder dennoch nicht umhin,

jenes Werk zu übernehmen, bei dem viele andere

Interessenten zuvor schon alleine wegen

der schieren Größe mit rund 1.800 Mitarbeitern

abgewunken hatten.

Entscheidung mit Risiko

Es wird wohl jene motivierende Mischung aus

persönlichem Ehrgeiz, Aufbruchstimmung

und Heimatverbundenheit gewesen sein,

die Röder zu diesem Wagnis verleitet hat.

Mittelständler mit Leib und Seele:

GEWES-Chef Martin Röder.

Schließlich bestimmte die Gelenkwellenproduktion

das Leben in der thüringischen

Kleinstadt, seit das Werk im Kriegsjahr 1942

hierhin verlegt wurde. Zu DDR-Zeiten entwickelten

und produzierten die Stadtilmer

Gelenkwellen für Nutzfahrzeuge, Busse und

Traktoren. Auch zu jener Zeit pflegten die

Thüringer schon ihre internationalen Kontakte.

So sorgten beispielsweise in finnischen

Traktoren Gelenkwellen von der Ilm

für den nötigen Antrieb.

Eine Million D-Mark musste Röder bei der Privatisierung

als Kaufpreis aufbringen, weitere

rund 7,8 Millionen D-Mark flossen in die anschließende

Modernisierung. „In der ersten

Zeit haben wir vor allem Kosten produziert“,

erinnert sich der GEWES-Geschäftsführer an

die schwierigen Startbedingungen. Dank der

Einkaufsoffensive Ost der damaligen Bun-

Vollautomatische

Produktion bei der

GEWES GmbH.

Fotos (auch Titel): GEWES GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 39

Foto: GEWES GmbH

desregierung gelang es Röder aber schnell,

erste Beziehungen zu Automobilherstellern

wie Daimler und Opel, ebenso wie zur

Deutschen Bahn AG zu knüpfen. In den Folgejahren

hat sich das Kundenspektrum kontinuierlich

erweitert. Zu den Herstellern von

Nutz- oder Schienenfahrzeugen gesellte sich

die Schiffbauindustrie, später der Maschinenbau.

Gelenkwellen aus Stadtilm kommen

heute so auch in Walzanlagen und Papiermaschinen

zum Einsatz.

Insgesamt fertigen die mittlerweile wieder

400 Mitarbeiter der GEWES Gelenkwellen,

Doppelgelenkwellen, Antriebswellen und

Präzisionsdrehteile für über 500 Kunden

weltweit. Mit den thüringischen Qualitätsprodukten

rollen die Züge der chinesischen

Staatsbahn durch das Reich der Mitte, laufen

Pumpen in der US-amerikanischen Ölindustrie

auf Hochtouren und werden in Japan

Schiffe angetrieben. Eine ständige innovative

Weiterentwicklung der Produkte ist

dabei oberste Maxime der GEWES: „Die leistungsstärkste

Gelenkwelle, die wir gegenwärtig

bauen, hat einen Antrieb von 600.000

Newtonmetern“, erklärt Röder, „aber derzeit

arbeiten wir an einem Antrieb von 750.000

Newtonmetern.“

Qualität setzt dich durch

Dass Röder trotz aller Rastlosigkeit in sich zu

ruhen scheint, mag in seinen festen Überzeugungen

begründet sein. Eine davon: Qualität

setzt sich durch – nicht ohne Stolz verweist

der GEWES-Chef darauf, dass sein Unternehmen

bei Kunden wie der Deutschen Bahn AG

oder der Rolls Royce Group als Q1-Lieferant

gelistet ist. Für Röder der wesentliche Grund,

warum sich der Thüringer Mittelständler im

weltweiten Wettbewerb gegen preiswertere

Konkurrenz aus Fernost bisher stets behaupten

konnte.

Dass man bei allen Erfolgen gerade im Auslandsgeschäft

immer wieder Rückschläge

einkalkulieren muss, will der mehrfach, unter

anderem mit dem Bundesverdienstkreuz

oder dem Großen Preis des Mittelstandes,

ausgezeichnete Familienunternehmer aber

nicht verhehlen. Gerade erst erlebt Röder

wieder die Fährnisse des Exporthandels am

eigenen Leib: Die Lieferungen nach Russland

liegen wegen der politischen Großwetterlage

auf Eis – ein Fehler, wie es Röder aus unternehmerischer

Sicht bewertet, denn Russland

sei wie der arabische Raum, China, Brasilien

oder Südafrika ein Zukunftsmarkt, nicht nur

für sein Unternehmen.

Der Region verpflichtet

Bei aller Internationalität: Röder ist 1994 angetreten,

um Arbeitsplätze in seiner Heimatregion

zu sichern. Daran hat sich auch mehr

als 20 Jahre nach der Privatisierung nichts

geändert. „Einen besseren Standort kann ich

mir nicht vorstellen“, lautet Röders Bekenntnis

zur Mitte Deutschlands. Anwandlungen,

wie andere Mittelständler Teile der Produktion

ins Ausland zu verlegen, haben ihn folglich

nie überkommen. „Damit schwäche ich

nur die Region“, wehrt Röder ab. Den Lohn

dieser Standorttreue erfährt er schließlich

täglich im Unternehmen, in dem die Fluktuation

der Mitarbeiter äußerst gering ist.

„Die Mitarbeiter drehen sich nicht ab, wenn

der Chef durch die Produktion geht, wie es

in manch anderem Unternehmen zu beobachten

ist“, freut sich Röder über das gute Betriebsklima,

das die GEWES seit Jahren auszeichnet.

Auch wenn die Nachfolge in der Familie bereits

geregelt wurde – beide Schwiegersöhne

sind schon in leitender Funktion im Unternehmen

tätig –, steht der Ruhestand für

den umtriebigen 63-Jährigen noch nicht zur

Debatte. Schließlich ist Röders Rat über das

Unternehmen hinaus gefragt – was sich vor

allem an seinen zahlreichen Ehrenämtern ablesen

lässt. Aber auch hier verfolgt Röder ein

ehrgeiziges Ziel: „Jedes Jahr ein Ehrenamt

abgeben – das habe ich meiner Frau versprochen.“

W+M

Qualität für den Weltmarkt –

made in Thüringen.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


40 | W+M Titelthema

Der Retter des Fernsehens in

Berlin-Adlershof

Hans-Peter Urban ist es nicht nur maßgeblich zu verdanken, dass der Fernsehstandort Berlin-

Adlers hof heute zu den modernsten TV-Zentren Deutschlands zählt, sondern dass überhaupt

noch bewegte Bilder auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Fernsehens im Südosten Berlins

produziert werden.

Von Karsten Hintzmann

Am Ende seines ersten Berufslebens war

der gebürtige Zeitzer Hans-Peter Urban

45 Jahre alt. Nach einem erfolgreichen

Nachrichtentechnik-Studium hatte

er in Adlershof das Fernsehhandwerk von

der Pike auf gelernt und es bis zum Chef der

Studiotechnik des DDR-Fernsehens gebracht,

dem die gesamte Technik und alle Liegenschaften

des Staatssenders unterstanden.

Dann wurde Urban im Jahr 1990, wie der gesamte

Deutsche Fernsehfunk, vom „Rundfunkbeauftragten

der neuen Bundesländer“,

dem Münchner Rudolf Mühlfenzl abgewickelt.

Hans-Peter Urban erinnert sich bis

heute gut daran, was er Mühlfenzl zum Abschied

mit auf den Weg gab: „Ich werde in

Adlershof wieder Fernsehen machen, ob Ihr

das wollt oder nicht!“

Dieses Versprechen sollte für Urban zur inneren

Richtschnur werden. Zunächst zog es

ihn jedoch nach Hamburg, er stieg dort bei

Studio Hamburg als Planungsingenieur in

einem angeschlossenen Planungsbüro ein.

Sein Team baute fast alle Landesfunkhäuser

und die Zentrale des neu entstehenden

Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) auf.

Dabei kamen Hans-Peter Urban alte Kontakte

aus DDR-Zeiten zugute, denn beim MDR waren

viele Ex-Kollegen aus Adlershof untergekommen.

Die Zufriedenheit beim MDR über

die qualitativ hochwertige Aufbauarbeit von

Urbans Mannschaft beförderten den schnellen

Aufstieg in Hans-Peter Urbans zweitem

Berufsleben – bereits nach zwei Jahren

wurde er Geschäftsführer. In der Folge plante

Urban die technischen Einrichtungen der

Fernsehsender Arte, VOX

und RTL sowie SAT.1.

„Das waren wirklich intensive

und gute Jahre.

Doch irgendwann erinnerte

ich mich an mein

altes Versprechen und

in Hamburg gab es zum

Glück kluge Leute, die

wussten, welche Bedeutung

Berlin in der deutschen

Medienlandschaft

erlangen würde“, so

Hans-Peter Urban. Also

ging er im Jahr 1997

zurück nach Berlin. Er

wurde Vorsitzender der

Geschäftsführung der Berlin-Brandenburg

Media GmbH, einer 100-prozentigen Tochter

von Studio Hamburg. Eine seiner ersten

Amtshandlungen bestand darin, Grundstücke

auf dem Gelände des früheren DDR-Fernsehfunks

zu kaufen. „Wir mussten nicht bei

null anfangen, da die alten Fernsehstudios

von der Abrisswut der Nachwendezeit verschont

geblieben und somit gute Produktionsbedingungen

vorhanden waren“, erinnert

sich Urban. Allerdings waren noch ideologische

Hürden zu überspringen. „Es gab erhebliche

Vorbehalte gegenüber Adlershof.

Anfangs wollte niemand dort produzieren, wo

früher Karl-Eduard von Schnitzlers ‚Schwarzer

Kanal‘ gedreht worden war.“

Fernsehmacher

Hans-Peter Urban

im Gespräch mit

Sabine Christiansen.

Zwei Ereignisse verhalfen Adlershof schließlich

zum nachhaltigen TV-Comeback: Urban

gelang es, im Jahr 2002 das erste TV-Duell

von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und

CSU-Herausforderer Edmund Stoiber nach

Adlershof zu holen. Wenig später zeigte sich

dann auch noch Filmproduzent Bernd Eichinger

begeistert von der Studiolandschaft in

Adlershof. Dort hatte er maßgeblich den

Streifen „Resident Evil“ gedreht. Gegenüber

der Süddeutschen Zeitung schwärmte Eichinger,

er habe zwar schon auf der ganzen Welt

gearbeitet, nirgends jedoch unter so professionellen

Bedingungen wie in Adlershof. Hans-

Peter Urban: „Das war die Generalzündung

für Adlershof.“

Seither wurde weiter in Adlershof investiert,

so dass es heute der modernste und größte

Fernsehproduktionsstandort in Deutschland

ist. Hans-Peter Urban, inzwischen 70 Jahre

alt, hat diese Entwicklung bis Ende 2011 geleitet.

W+M

Foto: Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Macher des Aufbruchs | 41

Ostdeutschland 25 Jahre

nach dem Mauerfall:

Immer mehr

Licht, immer

weniger Schatten

Foto: ifo Dresden, Graphik: Peter Menne

Betrachtet man heute Fotos aus der untergegangenen

DDR, so mag man kaum

glauben, dass diese Bilder erst 25 Jahre

alt sind. Grautöne und Freudlosigkeit dominieren:

Verfall allerorten, hart der Alltag,

perpektivlos die Zukunft – wie anders sieht

es doch heute aus! Tatsächlich gibt es inzwischen

die „blühenden Landschaften“ in den

neuen Ländern, und es sind nicht zuvorderst

Disteln, die da auf aufgelassenen Industriebrachen

blühen.

Die statistischen Fakten bestätigen diese

Einschätzung: Die wirtschaftliche Leistungskraft

(gemessen am preisbereinigten

Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem)

liegt heute rund doppelt so hoch wie im Jahr

1991, die verfügbaren Haushaltseinkommen

je Einwohner sind seither sogar um mehr als

110 Prozent gestiegen.

Weniger günstig

ist die Situati-

on am Arbeitsmarkt;

dennoch

ist

auch

hier eine Ent-

spannung fest-

zustellen. Denn

die Arbeitslosen-

quote ist seit ih-

rem

Höchststand

von knapp 20 Prozent

im Jahr 2005 auf

inzwischen nur

noch rund

zehn

Prozent gefallen, das Beschäftigungsniveau

nähert sich – auf die Zahl der Einwohner bezogen

– wieder dem Wert des Jahres 1991

und überschreitet diesen vereinzelt sogar

bereits. Hinzu kommen die unübersehbaren

Erfolge bei der Sanierung der Infrastruktur,

dem Wiederaufbau der Städte und der Verbesserung

der Umweltqualität. Und auch ein

Vergleich mit anderen Ländern im Osten Europas,

die von einem ähnlichen Ausgangsniveau

gestartet sind, zeigt eindrücklich, dass

der „Aufbau Ost“ als Erfolgsgeschichte gewertet

werden muss.

Unbestritten ist: Es sind Fehler bei der Erneuerung

der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland

gemacht worden, die bis heute nachwirken.

Auch deswegen haben sich nicht alle

hochfliegenden Erwartungen der Anfangsjahre

tatsächlich erfüllen können. Auch ist

der Abstand bei wichtigen Kenngrößen zwischen

Ost- und Westdeutschland immer noch

groß, aber dies relativiert sich, wenn man die

aggregierte Ebene verlässt und „ähnliche“

Regionen in Ost und West betrachtet: Richtiger

Vergleichsmaßstab für Ostdeutschland

als Ganzes ist ja nicht „der Westen“ mit seinen

Zentren wirtschaftlicher Aktivität vor

allem in Bayern und Baden-Württemberg;

sinnvoller erscheint vielmehr ein Vergleich

mit strukturschwächeren Ländern und Regionen

in Westdeutschland, und gemessen

hieran ist der verbleibende Rückstand des

Ostens nur noch gering. Es gibt sogar eine

ganze Reihe von Landkreisen in Ostdeutschland,

die hinsichtlich Wirtschaftskraft und

Arbeitsmarktsituation heute besser dastehen

als die schwächeren Landkreise in Westdeutschland

– manches spricht dafür, dass

der Aufholprozess hier auch in Zukunft weitergeht.

Und es gibt Unternehmen, die in ihrem

Marktsegment inzwischen zu den etablierten

Weltmarktführern zählen und auf stabilem

Wachstumskurs sind. Wer hätte sich

das vor 25 Jahren vorstellen können?

Erreicht worden ist dies zum einen durch das

Engagement der Menschen in Ostdeutschland,

zum anderen aber auch durch die beispiellose

finanzielle Unterstützung aus den

alten Bundesländern. Damit der Erfolgsfaden

nicht abreißt, ist beides auch weiterhin erforderlich;

Schlüssel für eine fortgesetzt positive

Entwicklung ist dabei Forschung und

Innovation. Erst wenn in einigen Jahren der

Solidarpakt II endgültig ausläuft, werden die

ostdeutschen Länder auf eigenen Füßen stehen

müssen – sie werden es dann aber sicherlich

auch können.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

Seit 2007 ist der 1960 in Nordhorn (Niedersachsen)

geborene Joachim Ragnitz

stellvertretender Geschäftsführer der

Nie derlassung Dresden des ifo-Instituts

für Wirtschaftsforschung. Zudem ist er

Lehrbeauftragter an der Technischen Universität

Dresden, wo er 2011 zum Honorarprofessor

ernannt wurde.

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42 | W+M Länderreport

Forscher am Fraunhofer IFF programmieren für das Unternehmen SM Calvörde

die Steuerung einer Punktschweißmaschine am virtuellen Modell.

Auf dem Weg zur digitalen Fabrik

Die Produktion der Zukunft muss intelligent, wandelbar, effizient und nachhaltig sein. Das intelligente

Werk leistet Pionierarbeit. Mit Chancen auch für Sachsen-Anhalt.

Von Dana Micke

In der intelligenten Fabrik der Zukunft sprechen

Maschinen miteinander, Förderbänder

denken mit und Produkte finden wie von

selbst den besten Weg durch die Produktion.

So vereinfacht sagt das niemand, aber so

muss man sich das vorstellen. Das Werkstück

soll „mitdenken“. Es kennt seine Konfiguration

und seinen Empfänger. Es löst Materialbestellungen

ebenso aus, wie es sich zum richtigen

Auftraggeber lotst. Hochentwickelte

Software arbeitet mit Hightech-Maschinen.

Zusammen treffen sie Entscheidungen und

minimieren menschliche Fehlerquellen. Von

einem neuen industriellen Zeitalter ist die

Rede, von der Industrie 4.0, die die virtuelle

mit der realen Fertigungswelt verbindet. Das

bedeutet die völlige Umkehrung der bisherigen

Produktionslogik, die Maschinen vernetzen

sich untereinander, und das Ganze passiert

nicht mehr zentral gesteuert, sondern

völlig autonom.

Eine digitale Fabrik – und der Mensch als

„Problemlöser“ mittendrin. „Wir befinden

uns auf einem guten Weg, die digitale Fabrik

Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt Professor

Michael Schenk, Leiter des Fraunhofer-

Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung

IFF. Das Magdeburger Forschungsinstitut

entwickelt bereits seit Jahren erfolgreich

digitale Technologien für den Einsatz im gesamten

Produktionsprozess. „Gemeinsam mit

vielen Unternehmen konnten wir so bereits

große Fortschritte bei der Etablierung von

Methoden, Technologien und Anwendungen

der digitalen Fabrik erzielen. Im Ergebnis

führt das stets zu immensen Produktivitäts-

und Effizienzfortschritten in den Betrieben“,

so Professor Schenk.

Innovativ. Kompetent. Engagiert. Das ist

der Anspruch des Fraunhofer IFF. Hier zwei

„Kostproben“:

Falls Erdgasbohrungen verwässern, strömt

kein Gas mehr heraus. Abhilfe schafft eine

mobile Freiförderanlage, wie sie von der

Fangmann Energy Services GmbH & Co. KG

Foto: Fraunhofer IFF

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Sachsen-Anhalt | 43

in Salzwedel eingesetzt wird. Doch sie zu bedienen,

ist nicht ungefährlich. Wie aber kann

man Mitarbeiter sicher anlernen? In digitalen

Lernmodulen wird das Montieren und Bedienen

der Anlage trainiert, ohne sich und

die teure Technik zu gefährden. Forscher des

Fraunhofer IFF haben zu diesem Zweck eine

virtuell-interaktive Lernanwendung erstellt.

Geschäftsführer Steffan Gerdes ist begeistert:

„Die Qualifizierung unserer Mitarbeiter

erreicht jetzt eine neue Qualität.“ Durch die

dreidimensionale Darstellung können sie in

die Anlage quasi hineintauchen und realistisch

trainieren.

Im Sondermaschinenbau ist die Programmierung

und Vorabsimulation von komplexen

Maschinenabläufen eine große Herausforderung.

Das Unternehmen Sondermaschinenbau

Calvörde, spezialisiert auf

Schweißanlagen für Großbauteile im Schienenfahrzeugbau,

hat dafür das Fraunhofer

IFF ins Boot geholt. Die Fraunhofer-Spezialisten

haben dabei geholfen, eine komplexe

Punktschweißmaschine mit bis zu 16 CNC-

Achsen in kürzester Zeit vorab virtuell in Betrieb

zu nehmen. Mit deren Digital-Engineering-Werkzeugen

konnten die Anlagenbauer

die Maschine noch vor dem Bau über eine reale

Steuerung programmieren und den komplexen

Anlagenlauf in Echtzeit virtuell 1:1

simulieren. Das ermöglicht neben dem Test

des Anlagenbauers auch dem späteren Betreiber

realitätsgetreue Trockenübungen, ohne

dabei Maschine oder Material zu gefährden.

Professor

Michael Schenk,

Institutsleiter des

Fraunhofer IFF in

Magdeburg.

Wie intelligente Logistik funktionieren

kann, sieht man in Haldensleben. Jedenfalls

da, wo Hermes Fulfilment einen Großteil

des Distanzhandels der Otto Group, aber auch

externer Kunden logistisch abwickelt: Das

automatische Retourenlager (ARL) im Versandzentrum

– das größte seiner Art weltweit

– verfügt über 175.000 Wannenplätze

für etwa eine Million Artikel. Die Wannen

mit als neuwertig beurteilter Ware werden

sowohl automatisch eingelagert als auch automatisch

zum Arbeitsplatz des Kommissionierers

gebracht. Dafür gibt es 840 Shuttles,

die sich auf 30 Gassen mit je 28 Ebenen verteilen.

Stündlich werden bis zu 15.000 Wannen

bewegt. Die Kommissionierleistung liegt

bei rund 200.000 Teilen am Tag. Das ARL ist

das Herzstück des Retourenmanagementsystems,

für das Hermes Fulfilment 2013 den

Innovationspreis Logistik des Vereins Deutscher

Ingenieure erhalten hat.

Fotos: Fraunhofer IFF (oben), Hermes Fulfilment (unten)

Hermes Fulfilment Haldensleben:

Das Automatische Retourenlager im Versandzentrum verfügt über

175.000 Wannenplätze für etwa eine Million Artikel.

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe 5/2014

Redaktionsschluss: 09.09.2014

Verlag: Verlag Frank Nehring GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-0

Fax: 030 479071-20

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Verlagsleiter: Dr. Robert Nehring

Herausgeber/Geschäftsführer: Frank Nehring

Tel.: 030 479071-11, FN@NehringVerlag.DE

(Alleiniger Inhaber und Gesellschafter, Wohnort Berlin)

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-24, KH@wundm.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker

Tel.: 030 479071-21, JP@wundm.info

Anja Strebe, Anke Templiner

Autoren: Harald Lachmann, Dana Micke, Tomas

Morgenstern, Bärbel Petersen, Matthias Salm,

Thomas Schwandt, Constanze Treuber, Klaus George

Abo- und Anzeigenverwaltung; Vertrieb:

Tobias Meier, Tel.: 030 479071-28

TM@NehringVerlag.DE

Die globale Wirtschaft ist auf dem Weg zu Industrie

4.0. Die intelligente Fabrik leistet dabei

Pionierarbeit.

W+M

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint zweimonatlich. Als

Magazin der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände

Ostdeutschlands und Berlin erhalten die Mitglieder die Zeitschrift im

Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Einzelpreis: 3,50 €, Jahresabonnement

(Inland): 20 € inkl. MwSt. und Versand, Jahresabonnement (Ausland):

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Layout & Design: Drechsel Kommunikations-Design,

www.drechsel-berlin.com

Druck: möller Druck und Verlag GmbH, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur mit vorheriger

schriftlicher Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen

wir keine Haftung.

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44 | W+M Politik

Netze – Rückgrat

der Energiewende

E.DIS-Vorstandschef Bernd Dubberstein

über Energiewende, Netzausbau und Versorgungssicherheit

W+M: Herr Dubberstein, worin besteht die Hauptaufgabe Ihres Unternehmens

als regionaler Strom- und Gasnetzbetreiber in Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern?

E.DIS-Vorstandschef Bernd Dubberstein.

Bernd Dubberstein: Im Gegensatz zu unserer Ursprungsaufgabe, das

E.DIS-Netzgebiet mit Strom zu versorgen, der überwiegend in großen

Kraftwerken erzeugt wurde, sammeln wir inzwischen zunehmend dezentral

erzeugte grüne Energie ein und transportieren sie mehrheitlich

zur Hochspannungsautobahn in Richtung West- und Süddeutschland.

W+M: Das heißt, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kann

die dezentral erzeugte Energie aus Wind und Sonne nicht gänzlich verbraucht

werden?

Bernd Dubberstein: Im Unterschied zum rasanten Ausbau von Windkraft-

und Photovoltaik-Anlagen im Zuge der Energiewende stagniert

der Energieverbrauch in unserem strukturschwachen Netzgebiet. Bereits

heute ist die installierte EEG*-Leistung dreimal so hoch wie die

maximale Netzlast.

W+M: Was geschieht, um den Überschuss dezentral erzeugten Stroms

dorthin zu transportieren, wo er durch die Abschaltung von Kernkraftwerken

vermehrt benötigt wird?

Bernd Dubberstein: Um den dezentral erzeugten Strom aufnehmen

und weiter transportieren zu können, wenden wir mittelfristig 50 Prozent

unseres Investitionsvolumens für die Integration der EEG-Anlagen

ins Netz auf. Zur Zeit müssen wir bereits an mindestens zwei von drei

Tagen EEG-Strom aus unserem Netz rückspeisen. Tendenz steigend. Inzwischen

treten dabei auch Netzengpässe auf. Während wir 2013 insgesamt

fünfhundert Mal eingreifen mussten, war das in diesem Jahr bis

Ende Mai bereits vierhundert Mal notwendig.

W+M: Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2025 den Anteil von grüner

Energie an der bundesweiten Stromversorgung auf 40 bis 45 Prozent

zu steigern. Wie ist der Stand im Netzgebiet der E.DIS?

* Erneuerbare-Energien-Gesetz

Bernd Dubberstein: In unserem Netzgebiet wurden 2013 bereits 91

Prozent des verbrauchten Stroms dezentral erzeugt, 80 Prozent aus regenerativen

Quellen. Wir gehen auf Grund der vorliegenden Anträge zum

Bau weiterer Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen davon aus, dass bereits

2015 unser Netzgebiet im rechnerischen Durchschnitt zu hundert

Prozent mit grünem Strom versorgt werden kann.

W+M: Gelingt es E.DIS, mit der forcierten Erzeugung grüner Energie

im Netzausbau Schritt zu halten?

Bernd Dubberstein: Wir kommen derzeit mit dem Ausbau unserer

Netze noch nicht so schnell voran wie es erforderlich wäre, obwohl

E.DIS seit 1999 in den Aus- und Umbau der Strom- und Gasnetze etwa

2,3 Milliarden Euro investiert hat. So wurden bis heute 17.100 Kilometer

Niederspannungs-, 11.700 Kilometer Mittelspannungs- und 780 Kilometer

Hochspannungsleitungen gebaut beziehungsweise erneuert.

W+M: Was haben sie mittelfristig vor, um die Überkapazitäten an

dezentral erzeugtem Strom möglichst verlustfrei in den Westen und

Süden der Republik transportieren zu können?

Bernd Dubberstein: Wir werden in den nächsten Jahren neun neue

Netzverknüpfungspunkte zum Übertragungsnetz bauen, um den in den

Zur Person

Bernd Dubberstein (57) ist Vorstandsvorsitzender der E.DIS AG

und verantwortlich für das Netz des Unternehmens. Der gebürtige

Mecklenburger und diplomierte Ingenieur für Elektrotechnik

war bis zu seiner Berufung zum Vorstandschef der E.DIS AG Vertriebsvorstand

für eine E.ON-Regionalgesellschaft und Mitglied

der Geschäftsleitung der E.ON Russia, der E.ON Kraftwerksgesellschaft

in Russland.

Foto: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Energiewende | 45

Regionen erzeugten EEG-Strom über kurze Leitungsstrecken abführen

zu können. Speziell in den Regionen Prignitz, Oderland und Fläming

werden zusätzlich 110-Kilovolt-Erdkabel verlegt, um den Strom von

den entstehenden „Wind”-Umspannwerken zu den Netzverknüpfungspunkten

transportieren zu können. Insgesamt sind 13 Hochspannungsund

37 Umspannungswerks-Projekte bereits im Bau oder im Stadium

der Projektierung.

W+M: Inwieweit berücksichtigt die Reform des Erneuerbare-Energien-

Gesetzes die damit verbundenen hohen Infrastrukturkosten für Stromaufnahme

und Transport und die damit verbundenen hohen Netzentgelte

in ihrem Netzgebiet im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt?

Bernd Dubberstein: Die EEG-Novelle regelt den Ausbau Erneuerbarer

Energien, nicht aber die notwendige Synchronisation des Zubaus

mit dem Netzausbau. Doch wir erwarten, dass die Politik in weiteren

Schritten die Rahmenbedingungen für die Integration der Erneuerbaren

anpassen wird.

W+M: Was wünschen sie sich als Netzbetreiber?

Foto: E.DIS

Bernd Dubberstein: Die Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte für

volatile Erzeuger. Auf jeden Fall aber eine faire Verteilung von gebietsstrukturellen

Sonderlasten im Zuge der Energiewende, wovon E.DIS in

hohem Maße betroffen ist.

W+M: Wie wirkt sich das auf den Strompreis für ihre Kundschaft aus?

Bernd Dubberstein: Obwohl die Bundesnetzagentur uns wiederholt

einen Effizienzwert von 100 Prozent bescheinigt hat, liegt das Netzentgelt

in unseren Netzgebiet deutlich über dem Durchschnitt der Republik.

Das benachteiligt die ortsansässige Wirtschaft im Vergleich zu anderen

Standorten in Deutschland.

W+M: Was sind die Ursachen?

Bernd Dubberstein: Die Höhe der Netzentgelte resultiert im Wesentlichen

aus höheren Aufwendungen für Stromaufnahme und -transport

infolge eines überdurchschnittlichen EEG-Anteils sowie aus einem strukturbedingt

geringen Netzabsatz.

W+M: Wie kann die Effizienz des Netzes weiter gesteigert werden?

Bernd Dubberstein: Natürlich ist es unser Ziel, die Effizienz noch zu

steigern. Man muss aber auch bedenken, dass wir bereits zu 100 Prozent

effizient sind. Dennoch versuchen wir über verschiedene Maßnahmen

hier noch weiter voran zu kommen.

W+M: Gibt es zum Ausbau der Netze, dem Rückgrat der Energiewende,

eine wirtschaftlich vertretbare Alternative?

Bernd Dubberstein: Mit Blick auf die aktuellen Aufgaben muss ich

da mit einem klaren „Nein” antworten. Stromspeicher sind heute leider

weder technisch noch wirtschaftlich eine ernsthafte Alternative.

Sie stecken noch in den Kinderschuhen.

W+M: Gibt es eine kritische Grenze für den weiteren Ausbau der grünen

Energie?

Bernd Dubberstein: Diese Grenzen werden durch die Erneuerbaren

selbst bestimmt. Durch die Eigenschaften, die der Grünstrom heute

und in Zukunft hat. Da er heute nicht wirklich speicherbar und damit

nicht kontinuierlich lieferbar ist, verträgt das Stromsystem der Gegenwart

nur bestimmte Mengen in dieser Qualität. Je mehr der Grünstrom

künftig kann, je zuverlässiger und verbrauchsorientierter seine Einspeisung

wird, desto mehr verschwinden diese Grenzen. Oberstes Ziel

muss im Interesse aller Kunden bleiben, dass das Gesamtsystem Stromversorgung

jederzeit funktionsfähig bleibt.

W+M: Herr Dubberstein, können Sie sich vorstellen, dass Deutschland

eines fernen Tages ausschließlich mit grünem Strom versorgt werden

kann?

Bernd Dubberstein: Eines fernen Tages ja! Für eine längere Übergangszeit

werden wir aber einen signifikanten Anteil konventioneller Erzeugung

brauchen, um die kontinuierliche Stromversorgung zu sichern.

Interview: Klaus George

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


46 | W+M Politik

enviaM-Vorstandsvorsitzender Tim Hartmann:

„Der Osten braucht für die weitere

Energiewende eine unüberhörbare

gemeinsame Stimme“

Ostdeutschlands größter Regionalversorger ist die envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in

Chemnitz. Das Unternehmen, das zum RWE-Konzern gehört und an dem auch über 650 ostdeutsche

Kommunen beteiligt sind, beliefert zwischen Küste und Erzgebirge 1,4 Millionen Kunden mit

Strom, Gas und Wärme. Neuer Vorstandsvorsitzender ist seit Juli Tim Hartmann (45). Eines seiner

ersten Interviews gab er WIRTSCHAFT+MARKT.

W+M: Herr Hartmann, was unterscheidet

den Energienutzer Ost von jenem im Westen?

Tim Hartmann: Ostdeutsche verbrauchen

weniger Energie und sind gleichzeitig auch

preissensibler. Das liegt sicher an der noch

niedrigeren Kaufkraft, auch der Ausstattungsgrad

mit elektrischen Geräten ist wohl

noch geringer.

W+M: enviaM tut viel für das gesellschaftliche

Leben. So sponsern Sie unter anderem

Fußball im Osten, konkret Aue und Cottbus.

Was motiviert Sie hierzu?

Tim Hartmann: Sicher nicht der Effekt von

Bandenwerbung. Ich denke, unsere Marke

ist bekannt. Fußballsponsoring bedeutet für

uns Unterstützung für die Region, in der wir

und von der wir leben. Wir hängen davon ab,

wie sich diese Region als lebenswerter Wirtschaftsstandort

entwickelt. Damit besitzt

ihre Attraktivität und ihre positive Entwicklung

einen sehr hohen Stellenwert auch für

unser Gedeihen als Unternehmen.

W+M: Region – das heißt hier ganz konkret

auch Braunkohle. Sie spielt eine wichtige

Rolle im Energiemix, gerät aber zunehmend

politisch unter Druck. Ein Widerspruch?

Zur Person

Tim Hartmann stammt aus Westfalen, lebte indes kaum dort, sondern im Rheinland, an

der Küste, in Bayern, den USA, die letzten sechs Jahre im Saarland sowie einige Zeit auch

in Frankreich. Von hier stammt auch seine Frau, mit der der 45-jährige Hobbysegler zwei

erwachsene Töchter hat. Den Osten kennt der studierte Kaufmann bereits seit 2000, als

er erst für die RWE Holding in den Verkauf von VEAG und Laubag eingebunden war und

danach mit den kommunalen Anteilseignern in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt

und Thüringen die Fusion von envia und MEAG verhandelte. Hartmann ist auch Vorsitzender

der Geschäftsführung der MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH in Kabelsketal

bei Halle.

Tim Hartmann: Ohne Frage! Wir sind in

den letzten Jahren hervorragend mit diesem

Mix gefahren, haben auch deshalb einen

sehr leistungsfähigen Energiemarkt in

einem der letzten Industrieländer Westeuropas.

Braunkohle ist derzeit die wahre Basis

der Energiewirtschaft, nicht zuletzt als Kostenfaktor.

Mittlerweile merken wir ja auch,

dass die Energiewende richtig kostet. Darüber

hinaus bildet Braunkohle gerade im Osten

einen ganz wesentlichen Arbeitsplatzfaktor.

So empfinde ich schon Unbehagen,

wenn plötzlich auf jenen, die täglich unsere

Energieversorgung in den Tagebauen sichern,

aus politischem Kalkül herumgehackt wird.

W+M: Woher rührt das?

enviaM-Vorstandsvorsitzender

Tim Hartmann.

Tim Hartmann: Die Energiewirtschaft hängt

heute in einem Maße – wie wir es bisher nicht

kannten – von politischen Rahmenbedingungen

ab, in die fast täglich eingegriffen wird.

Die Leichtigkeit, mit der das geschieht, besorgt

uns schon. Selbst die Physik biegt man

sich dann gleich mehrfach zurecht. Das kann

nicht funktionieren! Wenn wir die Energiewende

wollen, die ich vorbehaltlos unterstütze,

müssen wir auch wissen, dass wir konventionelle

Kraftwerke als Brückentechnologie

brauchen. Wir haben keine großen Speicher,

Foto: Anke Jacob

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Energiewende | 47

um in Phasen, da das Netz an seine Grenzen

kommt, Energie zu puffern. Und selbst

wenn, könnten sie Deutschlands Bedarf nicht

für mehrere Tage decken. Es war auch schon

einmal politischer Konsens, dass wir mit dem

Zeitpunkt, da wir aus der Kernenergie aussteigen,

für einige Jahre mehr CO 2 -Ausstoß

haben.

W+M: Was fordern Sie in diesem Zusammenhang

von der Bundespolitik?

Tim Hartmann: Wir brauchen einen Rahmen,

der längerfristig Gültigkeit behält.

Denn bei 20- bis 30-jährigen Amortisationszyklen

– bei Kraftwerken, aber auch im

Netz – können wir nicht im Jahresrhythmus

in die Substanz eingreifen. Das verträgt keine

Branche. Aber bereits in jener Woche im

Juni, als die jüngste EEG*-Novelle beschlossen

wurde, verkündete die Bundeskanzlerin,

man werde noch in dieser Legislaturperiode

das Gesetz erneut anfassen. Wo gab es das

schon einmal?

W+M: Wie bewerten Sie den aktuellen Stand

der Energiewende im Osten?

Tim Hartmann: Hier sind wir sehr weit. Wir

erzeugen teilweise schon mehr Ökostrom,

als verbraucht werden kann. Die Reserven

im Netz sind aber aufgebraucht. Der Zubau

der Erneuerbaren Ernergien darf deshalb

dem Netzausbau nicht weiter vorauseilen.

Es ist auch im volkswirtschaftlichen Interesse,

diesen Prozess zu verlangsamen, um

ihn besser koordinieren zu können. Zweitens

müssen wir stärker die Kosten der Energiewende

im Auge behalten. Diese wurden lange

Zeit unterschätzt. Um das System im Lot

zu halten, bedarf es künftig anderer Anreize.

W+M: Sind diese Kosten gerade im Osten

noch zu händeln?

Tim Hartmann: Wir müssen uns schon fragen:

Welches Preisschild hat die Energiewende?

Viel volkswirtschaftliches Vermögen ist

bislang zum Beispiel in chinesische Photovoltaikmodule

geflossen. Die Folgekosten,

* Erneuerbare-Energien-Gesetz

gerade auch im Netz, werden aber

immer stärker der Allgemeinheit

aufgebürdet. Wir müssen hier zwingend

ein Systemoptimum hinbekommen.

Hinzu kommt die Versorgungssicherheit,

gerade in den Ostländern.

Denn wenn hier das Angebot

an regenerativer Energie die

Nachfrage massiv übersteigt, benötige

ich eine grundsätzlich andere

Netztopologie. 2010 mussten wir 16

Mal ins Netz eingreifen, in diesem

Jahr bereits über 160 Mal. Das zeigt

die Dimension.

W+M: Was kostete enviaM der bisherige

Netzausbau?

Tim Hartmann: Jährlich 250 bis

300 Millionen Euro. Denn der Ausbau der

Übertragungsnetze, also jener oft zitierten

Nord-Süd-Trassen, ist nur ein kleiner Teil. Der

viel größere Aufwand liegt im engmaschigen

Verteilnetz, damit die Erzeuger ihren Windoder

Sonnenstrom erst einmal bei uns einspeisen

können.

W+M: Wird enviaM auf absehbare Zeit die

Strompreise anheben?

Tim Hartmann: Das kann Ihnen im Moment

so genau keiner sagen. Die Strombeschaffung

ist derzeit – auch wegen einiger Effekte des

EEG – etwas günstiger. Doch längerfristig

fehlen in dieser Rechnung natürlich die

Kosten für den Netzausbau. Und ebenso die

Kosten für einen künftigen Kapazitätsmarkt,

den wir nach meiner Überzeugung bald vorhalten

müssen – nämlich wenn es mal tagelang

windstill und wolkenverhangen ist. All

das wirkt sich preiserhöhend aus.

W+M: Am 13. Oktober lädt enviaM zum

bereits 8. Energiekonvent nach Leipzig. Worum

geht es konkret?

Tim Hartmann: Unter der Überschrift „Energiewende

2.0: Neustart oder weiter so?“ lassen

wir wieder Vertreter aus Politik, Wirtschaft

und Verbänden zu Wort kommen. So

begrüßen wir neben Staatssekretärin Iris

enviaM-Chef Tim Hartmann im Gespräch

mit W+M-Verleger Frank Nehring (r.) und

Autor Harald Lachmann (l.).

Gleicke vom Bundeswirtschaftsministerium

mit Dr. Hermann Falk auch den Geschäftsführer

des Bundesverbandes Erneuerbare

Energie. Ebenfalls im Podium sitzen der

neue Präsident des Bundesverbands der Energie-

und Wasserwirtschaft (BDEW) Johannes

Kempmann sowie der Vorstandsvorsitzende

der Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein

AG Dr. Hubertus Burkhart. Ganz wichtig

wird es diesmal sein, stärker eine gemeinsame

Betroffenheit des Ostens in Energiefragen

herauszustellen.

W+M: Fehlt es an dieser Gemeinsamkeit?

Tim Hartmann: Ich vermisse eine Interessenvertretung,

die nicht nur druckvoller,

sondern auch besser abgestimmt und

erkennbar gleichgerichtet agiert. In Berlin

hat man oft den Eindruck, dass 16 Energiewenden

stattfinden. Und beim Aushandeln

dieser Interessenbalance ist mir die ostdeutsche

Lobby noch viel zu wenig hörbar.

Nach meiner Beobachtung wird die akute Betroffenheit

des Ostens bisher nicht adäquat

wahrgenommen. Dabei haben wir hier doch

genügend gemeinsame Interessen und Probleme,

um eine einheitliche Linie zu verfechten.

Eben hier erwarte ich mir einiges vom 8.

Energiekonvent.

Interview: Frank Nehring, Harald Lachmann

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


48 | W+M Politik

ifo Geschäftsklima Ostdeutschland im Juli 2014

Geopolitische Spannungen trüben die

Stimmung der ostdeutschen Unternehmen

20

15

10

5

0

-5

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-15

-20

-25

-30

30

20

10

0

-10

-20

-30

-40

-50

ifo Geschäftsklima und ifo Beschäftigungsbarometer für

die gewerbliche Wirtschaft* Ostdeutschlands

ifo Geschäftsklima

ifo Beschäftigungsbarometer

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Saisonbereinigte Saldenwerte in Prozentpunkten

Quelle: ifo Konjunkturtest 07/2014 ©

ifo Geschäftsklima für die einzelnen Wirtschaftsbereiche

in Ostdeutschland

Handel

Bauhauptgewerbe

Verarbeitendes Gewerbe

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Saisonbereinigte Saldenwerte in Prozentpunkten

Quelle: ifo Konjunkturtest 07/2014 ©

Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche

Wirtschaft* Ostdeutschlands hat

sich im Juli spürbar eingetrübt. Die

befragten ostdeutschen Unternehmen

stufen ihre aktuelle Geschäftslage

als weniger gut ein im Vergleich

zum Juni 2014. Auch die zukünftige

Geschäftsentwicklung wird insgesamt

als ungünstiger bewertet. Nun

kann auch die ostdeutsche Wirtschaft

sich den erneut aufflammenden geopolitischen

Spannungen nicht weiter

entziehen. Zudem verschlechtern sich

abermals die Vorzeichen für den ostdeutschen

Arbeitsmarkt. Das ifo Beschäftigungsbarometer

hat auch im

Juli seinen trendmäßigen Rückgang

fortgesetzt. Die befragten ostdeutschen

Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl

in den kommenden drei

Monaten kräftiger reduzieren als noch

in den vergangenen Monaten.

Im Einklang mit der gewerblichen

Wirtschaft Ostdeutschlands sind auch

die Klimaindikatoren im Verarbeitenden

Gewerbe und Bauhauptgewerbe

gesunken. Die beiden ostdeutschen

Handelsstufen hingegen zeigen eine

andere Entwicklung. Sowohl im Großals

auch im Einzelhandel der ostdeutschen

Bundesländer hat sich das Geschäftsklima

verbessert.

Robert Lehmann und

Prof. Joachim Ragnitz

*Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation

aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe

sowie Groß- und Einzelhandel

verstanden.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


02

4





W+M Abo | 49

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Thüringer Wirtschaftsminister

im Schattenkabinett der SPD

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den Weltmarkt

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Licht und Schatten

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Altmaier und Rösler in

Leipziger Denkfabrik

1 9 4 0 7 9 9 0 3 5 0 1

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aussichten

Schwarzer Schatz

in der Lausitz

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Weniger Geld aus

Brüssel – was nun?

unternehmen+

verband

Rostocker mischt

Tourismusmarkt auf



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Energiewende

auf dem

Prüfstand

Im

Interview:

Christine

Lieberknecht

Aufbruch

Blühende Landschaften?

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50 | W+M Ratgeber

Nutzfahrzeuge vom Lkw über Busse

bis zum Transporter sind die Stars auf

der IAA in Hannover.

65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover

Mehr als 300 Weltpremieren

Vom 25. September bis 2. Oktober findet in Hannover die 65. IAA Nutzfahrzeuge statt. Auf der

weltweit größten und wichtigsten Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik präsentieren

über 2.000 Aussteller auf 265.000 Quadratmetern die Neuheiten und Klassiker auf dem Nutzfahrzeugemarkt.

Von Janine Pirk-Schenker

Am 25. September 2014 wird die Nutzfahrzeugmesse

IAA in Hannover von

Bundesverkehrsminister Alexander

Dobrindt offiziell eröffnet. Mit über 2.000

Ausstellern aus 45 Ländern weist die Messe

die zweitstärkste Beteiligung seit ihrem Bestehen

– also seit 22 Jahren – auf. Vor allem

Effizienz und Vernetzung sind Themen, die

auf der Messe im Vordergrund stehen.

Effizienz

Mit den modernen Euro-VI-Fahrzeugen hat

sich das Nutzfahrzeug endgültig aus der

Schadstoffecke verabschiedet: Gegenüber

dem bisherigen Euro-V-Standard heißt das:

80 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen

und rund zwei Drittel weniger Feinstaubpartikel.

Bemerkenswert ist, dass es den

Herstellern und Zulieferern, die sich auf der

IAA präsentieren, gelungen ist, dennoch den

Kraftstoffverbrauch und damit die CO 2 -Emissionen

bei den neuen Fahrzeugen konstant

zu halten oder sogar leicht zu senken. Das

war ein technologischer Kraftakt mit einem

hohen Investitionsaufwand. Es spricht für

sich, wenn ein moderner 40-Tonner mit einer

Nutzlast von rund 28 Tonnen heute als „Ein-

Liter-Auto“ bezeichnet werden kann – bezogen

auf den Spritverbrauch pro Tonne Nutzlast

und 100 Kilometern.

Vernetzung

Das Nutzfahrzeug der Zukunft wird „always

online“ sein – mit anderen Fahrzeugen, dem

Transportunternehmen und auch den Kunden

ständig in Kontakt. Das voll automatisierte

Fahren wird zwar erst auf mittlere Sicht

auf breiter Front umgesetzt werden, doch bereits

heute ist die Entwicklung deutlich erkennbar:

Die bestehenden Assistenzsyste-

Foto: IAA

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Auto | 51

Zukunft bewegen

25. SEPTEMBER –

02. OKTOBER 2014

HANNOVER

Hyundai wird auf der Messe seinen Transporter

H350 erstmals öffentlich vorstellen.

Opel stellt auf der Leitmesse seinen Opel

Vivaro als Combi vor.

me (Adaptive Geschwindigkeitsregelung, Abstandswarner,

Bremsassistent und Spurhalteassistent)

können konsequent erweitert

und ausgebaut werden. Der nächste Schritt

wird das teil-automatisierte Fahren sein, das

den Fahrer bei Routineaufgaben entlastet,

ihn vor Gefahren warnt und so die Unfallzahlen

weiter nach unten treibt.

Auch der Logistik bietet die Vernetzung enorme

Chancen. Die Lieferkette und Transportprozesse

werden noch transparenter. Spediteure

und Fuhrunternehmen können durch

die fortschreitende Vernetzung der Fahrzeuge

noch stärker ihr eigentliches Transportgeschäft

optimieren.

Zahlreiche Weltpremieren

Bereits über 300 Weltpremieren haben die

Aussteller für die Messe angemeldet. Zu sehen

sind außerdem zahlreiche Sonderschauen

und -aktionen sowie 55 Fahrzeuge, die

für Probefahrten im öffentlichen Straßenverkehr

bereit stehen, und 23 elektrisch betriebene

Fahrzeuge. Auf der Innovationsbühne

auf dem Freigelände nördlich von Halle 26

IAA Nutzfahrzeuge

25.09. – 02.10.2014

tgl. 9:00 – 18:00 Uhr

Deutsche Messe

Hermesallee

30521 Hannover

Tagesticket werktags 22,- €

Tagestickets am Wochenende 13,- €

Dauerticket 69,- €

www.iaa.de

werden zudem Nutzfahrzeuge in Aktion zu

erleben sein. In Halle 22 kommen Oldtimer-

Liebhaber und US-Fans auf ihre Kosten: Zahlreiche

historische Lkw, Omnibusse, Baumaschinen

und Anhänger werden neben spektakulären

US-Trucks präsentiert. Etwa 30 Fachveranstaltungen

runden das Angebot der IAA

Nutzfahrzeuge ab.

W+M

Fotos/Graphik: Hyundai (oben links), Opel (oben Mitte), IAA (oben rechts und unten)

Historische Fahrzeuge finden die

Besucher in Halle 22.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


52 | W+M Ratgeber

Rating bietet

Potenzial

In unserer Beratungspraxis stellen wir immer

wieder fest, dass Begriffe wie Rating

und Basel III für mittelständische Unternehmen

noch wenig greifbar sind. Bekannt ist

zwar, das Basel III schlussendlich zu einer

Verteuerung der Unternehmensfinanzierung

führt, andererseits mildert ein gutes

Rating den Zinsaufschlag.

Für Unternehmer gilt es daher, das Rating

positiv zu beeinflussen. Das sind nicht nur

harte Kennziffern, sondern auch die weichen

Faktoren der Unternehmensführung.

Oftmals sind es die kleinen Details, die dann

für mehr Liquidität im Unternehmen sorgen.

Die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner

mit ihren Büros in Berlin und Dresden

begleitet die Leser von WIRTSCHAFT+MARKT

in diesem Jahr bei Finanzierungs- und Steuerthemen.

Scheuen Sie sich nicht, uns zu fragen,

was Sie bewegt. Wir freuen uns auf Sie.

Ihr Michael Bormann

bdp.Berlin@bdp-team.de

Wenn sich das

Wege zur Verbesserung des Ratings

Hauptsächlich wird das Rating durch das sogenannte quantitative Rating bestimmt,

also eine Analyse der harten Kennziffern der Unternehmensbilanz.

Ziel ist dabei auch eine Plausibilisierung der Planungsrechnung. Wie die Standardbewertung

anhand der wesentlichen Kennziffernanalyse aussieht, zeigt

die nachfolgende Tabelle.

1 2 3 4 5

Eigenkapitalquote > 30 % 20-30 % 15-20 % 10-15 % 5-10 %

Working Capital Ratio > 150 % 130-150 % 120-130 % 110-120 % 100-110 %

Gesamtkapitalumschlag > 5 mal 4-5 mal 3-4 mal 2-3 mal 1-2 mal

Gesamtkapitalrentabilität > 15 % 10-15 % 8-10 % 5-8 % < 5 %

Schuldentilgungsdauer < 2 Jahre 2-4 Jahre 4-6 Jahre 6-8 Jahre 8-10 Jahre

Anlagendeckung > 150 % 125-150 % 110-125 % 105-110 % 100-105%

Wo gibt es Ansätze zur Verbesserung des Ratings?

Beim Working-Capital stellt sich die Frage, ob das Umlaufvermögen ausreicht,

die entsprechenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Verbesserungsmöglichkeiten

bestehen darin, Umschuldungen in langfristige Verbindlichkeiten vorzunehmen

und kurzfristige Verbindlichkeiten abzulösen.

Auch der Gesamtkapitalumschlag ist eine wichtige Kennziffer, die darüber

Auskunft gibt, welche Produktivität das eingesetzte Kapital erzielt. Verbesserungen

können zum Beispiel durch Sale-and-lease-back (Verkauf und Zurückleasen

einer Maschine oder Immobilie) erreicht werden. Es stellt sich etwa

bei Restrukturierungen die wichtige Frage, ob wirklich sämtliches Anlagevermögen

noch notwendig ist. Dies bringt oft heilige Kühe des Unternehmers in

den Fokus: Von der geliebten und technisch anspruchsvollen großen Druckpresse

oder einigen Lkw des Fuhrparks trennt er sich nur allzu ungern. Dennoch

lautet die erste Devise, die Auslastung zu messen. Eine nur zu 20 Prozent

ausgelastete Maschine frisst trotzdem 100 Prozent Kapitaldienst und setzt in

der Regel auch noch eine personelle Besetzung voraus.

Foto: Maximus256/Shutterstock

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Steuern und Finanzen | 53

Aufpolieren lohnt

Die Gesamtkapitalrentabilität gibt Aufschluss darüber, ob das Fremdkapital eine

ausreichende Produktivität erreicht. Hier sind insbesondere Maßnahmen zur Bilanzsummenverkürzung,

aber auch zur deutlichen Rentabilitätssteigerung gefragt,

die sich unmittelbar in der Umsatzrentabilität niederschlagen.

Die Schuldentilgungsdauer zeigt wiederum an, in welchem Zeitrahmen durch operative

Tätigkeit das Unternehmen in der Lage ist, seine Schulden zu tilgen. Verbessernde

Restrukturierungsmaßnahmen bestehen hier im harten Lagerabbau, Veräußern

oder Outsourcing von Anlagevermögen und in einem verbesserten Debitorenmanagement.

Insgesamt ist die Schuldentilgungsdauer eine wichtige Kennziffer, die

zeigt, wie weit das Unternehmen in der Lage ist, Liquidität und Ertrag zu verbessern.

Ganzheitliche Unternehmensführung verbessert

das qualitative Rating

Die Finanzinstitutionen haben ein hohes Interesse daran, dass die Bonität des Kreditnehmers

so genau wie möglich und fair beurteilt wird. Dabei spielt die Analyse

und Bewertung von quantitativen und qualitativen Ratingfaktoren die entscheidende

Rolle. Den Ratschlag, das Rating zu verbessern, empfinden die meisten Unternehmer

als einen von den Banken auferlegten Zwang. Dabei übersehen sie aber,

dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit qualitativem Rating bedeutet, das Unternehmen

und seine Führung ganzheitlich zu betrachten. Jede relevante Verbesserung

hierbei ist Folge eines optimierten Managements. Und das ist nicht nur ein

notwendiges Übel, damit das Unternehmen sich den Banken als vertrauenswürdiger

Schuldner präsentieren kann. Von einer professionellen Unternehmensführung

profitiert zuallererst das Unternehmen selbst: Ein besser und ganzheitlich geführtes

Unternehmen entwickelt sich weiter. Und diese Weiterentwicklung wird sich

unweigerlich bei der nächsten Auswertung der harten Zahlen auch in verbesserten

Ergebnissen und damit verbessertem Rating niederschlagen.

Fazit: Der Schlüssel für ein profitables Unternehmen mit gutem Rating liegt in einer

stetigen und ganzheitlichen Verbesserung des Managements, sich ganzheitlich

und systematisch in der Breite aller Aufgaben besser aufzustellen.

Ausreichende

Leistungsbeschreibung

in einer Rechnung

Das Vorliegen einer ordnungsgemäßen Rechnung

ist Grundvoraussetzung für einen Vorsteuerabzug.

Die Einhaltung der formalen Voraussetzungen

ist bei den Finanzamtsprüfungen

ein Schwerpunkt geworden. Neben weiteren

Voraussetzungen muss auch eine hinreichende

Leistungsbeschreibung erfolgen. Allgemeine

Angaben wie Malerarbeiten, Trockenbauarbeiten,

Beratung und ähnliches reichen nicht.

Weiterhin war streitig, ob bei Bezug auf einen

Vertrag, in dem die Leistungen beschrieben

sind, dieser der Rechnung beigefügt sein

muss. Dies hat der Bundesfinanzhof mit Urteil

vom 16.01.2014 verneint. Die reine Angabe von

„laut Vertrag“ oder „laut mündlicher Vereinbarung“

reicht nicht. (BFH: VR 28/13)

Haftung eines

Wirtschaftsprüfers für

fehlerhaftes Testat

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit Urteil

vom 24.04.2014 entschieden, dass ein Haftungsanspruch

gegen den Wirtschaftsprüfer

besteht, wenn dieser ein Testat über eine fehlerhafte

Gewinnprognose erstellt, das in einem

Wertpapierprospekt aufgenommen wird. Es besteht

ein Anspruch nach den Grundsätzen eines

Vertrags mit Schutzwirkung zugunsten Dritter.

Der klagende Anleger hatte die Wertpapiere in

Aussicht auf die im Prospekt auf Grundlage der

Gewinnprognose ausgewiesenen zukünftigen

Ausschüttungen erworben. Aufgrund einer Insolvenz

kam es nicht dazu. Der BGH führt aus,

dass das grob fahrlässig erstellte Testat kausal

für die Anlageentscheidung war. Der Wirtschaftsprüfer

haftet daher. (III ZR 156/13)

Für den redaktionellen Inhalt der Seiten 52/53 zeichnet die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner Berlin verantwortlich.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


54 | W+M Ratgeber Literatur

W+M präsentiert:

Die ostdeutsche Bestsellerliste für

Wirtschaftsliteratur

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur wird aus

den Verkaufszahlen der größten Buchhandlungen in Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

erstellt. Beteiligt haben sich:

Hugendubel Cottbus, Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

Hugendubel Erfurt, Anger 62, 99084 Erfurt

Hugendubel Greifswald, Markt 20–21, 17489 Greifswald

Hugendubel Leipzig, Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

Hugendubel Potsdam, Stern-Center 1, 14480 Potsdam

Hugendubel Schwerin, Marienplatz 3, 19053 Schwerin

Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung, Logenstraße 8, 15230 Frankfurt/O.

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen offen. Schreiben Sie

bei Interesse eine E-Mail an JP@wundm.info.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Advertorial | 55

M-V – High Tech for the Sky

Ulrich Scheib (l.) nahm von

Harry Glawe, Minister für Wirtschaft,

Bau und Tourismus, den Preis als

„Unternehmer des Jahres 2014“ entgegen.

Foto: Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern

Ein Flugzeug der Lufthansa wurde so benannt

– Mecklenburg-Vorpommern. Die Luft- und

Raumfahrt begann schon vor rund 100 Jahren

in Mecklenburg-Vorpommern mit den Flugversuchen

der Gebrüder Lilienthal, Ernst Heinkel

und Ludwig Bölkow.

Zu den Stadtstaaten Hamburg und Bremen,

die führend auf dem Gebiet des Flugzeugbaus

sind, erobert sich Mecklenburg-Vorpommern

immer mehr seinen Platz bei der Fertigung

von hochwertigen Flugzeugteilen. So liefern

Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern

für Airbus unter anderem Türschließsysteme,

Beleuchtungselemente, Kabelbäume,

Cabin Crew Trainer, Door Trainer, Spezialschläuche

und tausende von speziellen Bauteilen.

Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern beschichten

Flugzeugteile, produzieren spezielle

Transportvorrichtungen. Spezialisten befassen

sich mit der Auswertung von Satellitendaten

und der Entwicklung hochspezialisierter

Systeme für die Luft-und Raumfahrt.

Im Bereich der Luftfahrt bietet die AMAS

GmbH Kunden ein breites Produktspektrum,

von Fertigungsmitteln über Transportvorrichtungen,

Fertigungsanlagen von Flugzeugkomponenten

bis hin zur kompletten

Endmontage von Flugzeugen. Gerade im

Bereich der Luftfahrt konnte sie ihre Kunden

immer wieder durch sehr spezielle und individuelle

Lösungen von ihrer Leistungsfähigkeit

überzeugen.

Das Projekt SEA-GATE ist ein Anwendungsbeispiel

für das europäische Satellitensystem

Galileo. In Mecklenburg-Vorpommern

werden die Signale für die maritime Anwendung

im Rostocker Hafen getestet. Aufgrund

der vielseitigen Aktivitäten rund um das maritime

Testbed und den angesiedelten Engineering-Dienstleistern

wurde im November

2007 im Technologiepark Rostock das „Zentrum

für Luft- und Raumfahrt“ an den Start

geschickt. In dem 2010 vom Wirtschaftsministerium

Mecklenburg-Vorpommern initiierten

Netzwerk „Luft- und Raumfahrt für Mecklenburg

Vorpommern“, unter dem Dach von

Hanse-Aerospace e. V., als Projektträger in Kooperation

mit „Invest in MV“, haben sich über

30 Unternehmen vernetzt, um ihre Kompetenzen

zu bündeln.

Die RST Rostock System-Technik GmbH,

eine Tochterfirma von Airbus Defence and

Space, ist im Juni mit dem Landespreis des

Wirtschaftsministeriums „Unternehmer des

Jahres 2014“ in der Kategorie Unternehmensentwicklung

ausgezeichnet worden. Die RST

GmbH bietet Systemlösungen für die zivile

Luft- und Raumfahrt an und entwickelt spezielle

Ausrüstungen für diese Branche, unter

anderem Trainingssysteme für Cabin Crews.

Ein weiteres Mitglied ist die Aero Coating

GmbH aus Wismar, Lukaswiese 8. In der technisch

und technologisch hochmodern eingerichteten

Produktionsstätte versteht sich das

Team der Aero-Coating GmbH als professioneller

Dienstleister für seine Kunden, speziell

in der Luftfahrt. Das bedeutet für die Firma,

Kundenbauteile in kürzester Frist mit unterschiedlichsten

funktionellen Qualitätsoberflächen

zu veredeln.

Garantie zur Erfüllung dieses hohen Anspruches

sind in erster Linie die Mitarbeiter mit ihrem

Fachwissen und ihrer Einsatzbereitschaft.

Das Wissen um die Verantwortung für die zur

Bearbeitung überlassenen Kundenbauteile ist

Motivation, allen Anforderungen mit der notwendigen

Sorgfalt und Effektivität gerecht

zu werden.

Hanse-Aerospace e. V.

Branchennetzwerk Luft- und Raumfahrt

Frau Sandra Wandt

Friedrich-Barnewitz-Straße 9

18119 Rostock-Warnemünde

Tel.: 0381 77868151

E-Mail: s.wandt@hanse-aeropace.net

AN AIRBUS DS COMPANY

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56 | W+M Ratgeber

Günstig online ordern

Die Beschaffung von Bürobedarf im Internet

Onlineshopping ist im privaten Bereich gang und gäbe. Auch für den gewerblichen Einkauf

von Bürobedarf gibt es bereits zahlreiche Shops und Portale, die die Beschaffung vereinfachen

können.

Von Anke Templiner

Beinahe jedes Unternehmen benötigt immer wieder einmal Kopierpapier,

Ordner, Schreibgeräte, Ablagekörbe usw. Bürobedarf wird

aber längst nicht mehr per Telefon oder Fax bestellt, sondern komfortabel

über das Internet geordert. Für die Onlinebeschaffung von

Bürobedarf gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sie kann beispielsweise

über etablierte Bürobedarfshändler, die inzwischen über einen

Onlineshop verfügen, über Onlinehändler, die sich auf die Bürobedarfsbeschaffung

spezialisiert haben, oder über große Onlineportale,

die Bürobedarfsprodukte neben vielen anderen Sortimenten anbieten,

erfolgen. In unserer Übersicht wurden neun Anbieter ausgewählt,

die diese Bandbreite widerspiegeln.

Abgefragt wurden kaufentscheidende Kriterien wie Lieferzeiten, Versandkosten

sowie Bezahl- und Rückgabemöglichkeiten und Kriterien

wie Artikelanzahl und integrierte Eigenmarken/Markenshops, die zeigen,

in welchem Spektrum sich ein Onlineshop bewegt. Alle aufgeführten

Shops bieten übrigens nicht nur Bürobedarf, sondern meist

auch Bürotechnik und Büromöbel.

Kleinere, spezialisierte Bürobedarfshändler sind beispielsweise BBV-

Domke und memo. BBV-Domke konzentriert sich auf Frankiersysteme

und Zubehör, memo auf nachhaltige Produkte. Das Unternehmen

hat aufgrund seines ganzheitlichen Angebots von geprüften umweltund

sozialverträglichen Büromaterialien eine Alleinstellung am Markt.

Zu den größeren Onlinehändlern gehören Printus, Mercateo, Büromarkt

Böttcher, officio, OTTO Office und Viking. Sie warten mit 20.000

bis 30.000 Produkten allein für den Bereich Bürobedarf auf. Einige von

Portal/Onlinehändler BBV-Domke Büromarkt Böttcher memo Mercateo

Anzahl der bestellbaren Bürobedarfsartikel ca. 14.000 ca. 30.000 ca. 8.000 über 17.000

Kunden: privat und/oder gewerblich gewerblich privat und gewerblich privat und gewerblich gewerblich

Integrierte Markenshops nein nein ja (memo Markenshop) ja

Eigenmarken ja ja (BB-Office) ja ja (Eigenmarken der

Vorlieferanten)

Lieferzeiten in Stunden 24 24 24 48

Versandkosten (inkl. MwSt.) 6,80 € 3,56 € 4,95 € bis 50 € Warenwert; 2,95 € bis

200 € Warenwert; ab 200 € Warenwert

versandkostenfrei

1,90 € bis 60 €

Warenwert; darüber

versandkostenfrei

Bestellvarianten außer online Tel., Fax, Post Tel., Fax, E-Mail Tel., Fax, E-Mail, Post Post, E-Mail, Fax sowie

Schnittstellen zu Waren -

wirtschafts- und

SRM-Systemen

Bezahlmöglichkeiten

Vorkasse, Rechnung, Bankeinzug,

Nachnahme, PayPal

Vorkasse, Rechnung, Bankeinzug,

Nachnahme, PayPal, Kreditkarte,

Sofortüberweisung

Vorkasse, Rechnung, Bankeinzug,

Nachnahme

Vorkasse, Rechnung,

Bankeinzug, Leasing und

Finanzierung mit flexiblen

Zahlungszielen

Rückgabefrist in Tagen individuell 14 30 unterschiedlich

Besonderheiten

(Umweltfreundlichkeit, Serviceangebote etc.)

umweltfreundliches Sortiment, Happy

Hour, Neukundenrabatt, persönliche

Beratung, Leasingmöglichkeiten,

Existenzgründerrabatt

„Green“ gekennzeichnete

Re cyc ling artikel, Montage- und

Lieferservice, Themenshops,

Staffelpreise und Wochenaktionen

gesamtes Sortiment nach

umwelt- und sozial verträglichen

sowie nach qualitativen

Kriterien geprüft, Mehrweg-

Versandsystem „memo Box”,

memo „Wertstoff-Box“-System

umfangreiches

E-Procurement-System

(elektronischer Einkauf),

weitere beschaffungsnahe

Dienstleistungen

Webadresse www.bbv-shop.de www.bueromarkt-ag.de www.memo.de www.mercateo.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Büro | 57

ihnen, wie officio, sind als „Pure Player“ ausschließlich im Vertriebskanal

Internet tätig, andere vertreiben auch noch parallel über stationäre

Geschäfte und Kataloge. Das mit Amazon vergleichbare Onlineportal

Rakuten, das 7.000 Händler auf einem Marktplatz vereint,

führt Büroprodukte nur als einen Teil im Gesamtsortiment.

Alle Anbieter dieser Übersicht stellen neben einem großen Sortiment

qualitativ hochwertiger Artikel, einer schnellen, korrekten Lieferung,

einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, vielfältigen Zahlungsmöglichkeiten

sowie einem freundlichen und gut erreichbaren Kundenservice

als wichtiges Kriterium mehrheitlich eine gute Usability in den

Vordergrund. Das heißt, der Kunde soll eine übersichtliche Website

vorfinden und mit einfachen Auswahlmöglichkeiten schnell zu seinen

Bei der Wahl des Onlineshops sollte man neben den

Preisen auch auf die Serviceleistungen und die

Usability (Nutzerfreundlichkeit) achten.

Kriterien für Usability:

• übersichtliche, nachvollziehbare und schnell geladene Produktpräsentation

auf der Webseite,

• eine intuitive Bedienung, leichte Orientierung und Suche über

einfache Funktionen sowie

• ein unkomplizierter und transparenter Check-Out-Prozess mit

Warenkorb und Bestellabschluss

gesuchten Produkten gelangen.

Außerdem soll eine leichte Bedienung

möglich sein, um ihm das

Einkaufen sowie das Bezahlen so

einfach wie möglich zu machen.

Das Gütesiegel „Trusted Shops“

tragen allein in Deutschland

über 14.000 Internethändler.

Diese Serviceaspekte werden in

Zukunft auch zum klaren Differenzierungsmerkmal

von Onlineshops,

wie die kürzlich erschienene

Studie „Erfolgsfaktoren im E-Commerce – Deutschlands Top Onlineshops

Vol. 3“ der Abteilung E-Commerce-Center (ECC) Köln beim

IFH Institut für Handelsforschung herausstellte: Bei der Bestellung im

Onlineshop ist besonders wichtig, dass Kunden bei Fragen oder Problemen

mit dem Händler in Kontakt treten können. Fehlt ein qualifizierter

Ansprechpartner, lässt dies die Konsumenten bei einem Einkauf

im Internet zögern.

Darüber hinaus helfen Gütesiegel wie das von „Trusted Shops“, vertrauenswürdige

Onlineshops zu erkennen. Alle Unternehmen mit

diesem Siegel erfüllen vielfältige Standards bezüglich Seriosität, Datenschutz

und Liefersicherheit. Weitere gängige Siegel sind beispielsweise

Safer Shopping, EHI, Norton Secured und Trustpilot.

W+M

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der

Redaktion des Magazins Das Büro.

officio OTTO Office Printus Rakuten Viking

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ja (z. B. Durable, Bisley, Veloflex) ja nein ja ja (z. B. Apple, HP, Post-it, Canon)

ja

ja (in den Kategorien Budget, ja nein ja

Standard, Premium und Umwelt)

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Uhr)

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nächsten Werktag

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keine händlerabhängig 2,95 € bis 49 € Warenwert;

kostenfrei über 49 € Warenwert

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Foto: Windorias/pixelio.de

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58 | W+M Netzwerk

3. Ostdeutsches Energieforum in Leipzig

Masterplan zur Gestaltung der

Energiewende gefordert

300 Experten diskutierten unlängst auf dem 3.

Ostdeutschen Energieforum über die Konsequenzen

der Energiewende. Allgemeiner Appell

an die Politik: Elektrizität müsse bezahlbar bleiben.

Die Veranstalter des Forums präsentierten

einen Katalog mit ihren Forderungen zur künftigen

Energiepolitik und forderten zugleich einen

verbindlichen Masterplan zur weiteren Gestaltung

des Generationsprojekts Energiewende.

Dieser müsse vor allem nachvollziehbare Schritte

mit abrechenbaren Jahresplänen enthalten.

An dem zweitägigen Forum, das gemeinsam von

der IHK zu Leipzig und der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin ausgerichtet wurde, nahmen

Experten aus der Energiewirtschaft und anderen

Branchen teil. Mit dabei waren unter anderem

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich

sowie Christian Lindner, Bundesvorsitzender der

FDP.

W+M

Frank Nehring und

Anja Strebe von

WIRTSCHAFT+MARKT.

Sachsens Ministerpräsident

Stanislaw Tillich sprach über

die Auswirkungen der Energiepolitik

des Bundes auf den

Freistaat Sachsen.

Das Ostdeutsche Energieforum am 3. und

4. September in Leipzig erfreute sich einem

regen Zuspruch.

Steffen Heller (l., Geschäftsführer UV

Brandenburg-Berlin) im Gespräch mit Lutz

Götze (Expense Reduction Analysts).

Christian Lindner (FDP) sprach

sich für mehr Marktwirtschaft

und eine Reform der Energiewende

aus.

Hartmut Bunsen (r.,

Präsident UV Sachsen)

im angeregten

Gespräch mit Dr.

Urban Rid (Leiter

Abteilung Energie

BMWi).

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014

Uwe Albrecht

(Bürgermeister für

Wirtschaft Leipzig),

MdB Bettina Kudla,

Harmut Bunsen und

Carsten Bödecker

(Leiter BMW-Niederlassung

Leipzig)

(v. l. n. r.).

Jürgen Zeibig

(ZEIBINA),

Dr. Andreas

Reichel (Vorstandsmitglied

E.DIS) und Carsten

Ziegler (Leiter

Vorstandsbüro

E.DIS) (v. l. n. r.).

Fotos: UV Sachsen


Gesellschaft | 59

Ostsee-Meeting auf der Traditionsrennbahn in Bad Doberan

Pferde, Wetten und tolle Hüte

Vom 14. bis 17. August 2014 fand in Bad Doberan auf Europas ältester

Galopprennbahn zum 22. Mal das Lübzer Pils-Ostsee-Meeting statt.

Die Rennpreise für die 32 Galopp- und vier Bauern-Rennen lagen bei

stattlichen 180.000 Euro. Gute Laune, Freude an den Pferden und am

Wetten hatten die Besucher an allen Tagen. Selbst der Donnerstag

war für einen Wochentag ordentlich besucht. Von Vorteil, wenn man

Urlaubsregion ist. Ein besonderes Kompliment an die Damen, die sich

den Hut nicht nehmen ließen und insbesondere am Freitag, dem Ladies

Day, von mutig über handwerklich geschickt bis hin zu sehr kreativ

ihre Kopfbedeckungen zur Schau stellten. Dr. Wolfgang Rühle,

Präsident des Doberaner Rennvereins, zog ein erfreuliches Fazit: „Ein

voller Erfolg unserer gemeinsamen Aktivitäten. Rennverein und Organisator

Treffpunkt GmbH erhielten rundum positives Feedback.“W+M

Ladies Day: Glückwunsch

zu diesen

Hüten.

Großer

Andrang

an allen

Tagen.

Die Galopper auf der Zielgraden.

Fotos: Joachim Kloock

Gute Laune und

Picknickstimmung.

Bei bestem Wetter am Start.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


60 | W+M Netzwerk

3. Business Challenge der

Unternehmerverbände

Golfen unterm Wind

Auf einem der schönsten Golfplätze Norddeutschlands,

dem Golfpark Strelasund, luden

die Unternehmerverbände Vorpommern,

Rostock-Mittleres Mecklenburg und

Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

zur dritten UV Business Challenge. Die Beteiligung

am vorgabewirksamen Turnier

war enorm – rund 50 Golfer freuten sich auf

ein schönes Spiel. Und die Bedingungen auf

dem 18-Loch-Platz in der Gemeinde Süderholz

hätten nicht besser sein können: trockenes

Wetter, viel Wind und sogar Sonne.

Gleichzeitig wurden die knapp 20 Golfinteressierten

ohne Platzreife in einem Schnupperkurs

an den Golfsport herangeführt. Dank

zahlreicher Sponsoren konnten am Abend

einige attraktive Preise vergeben werden.

Dabei fiel der Name Martin Scholtys gleich

drei Mal. Der Spieler vom Golfclub Schloss

Teschow gewann neben dem „1. Bruttopreis“

auch die Preise für „Nearest to the Pin“ und

„Longest Drive“. Der Preis der Redaktion

WIRTSCHAFT+MARKT ging an den besten

Schnupperer Gunnar Wobig.

W+M

Gruppenfoto vor dem Start des Turniers.

Gerold Jürgens (r.),

Präsident des UV

Vorpommern, hat

den Überblick.

So ein Golfturnier macht hungrig.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014

Die Teilnehmer

des Turniers

hatten sichtlich

Spaß.

Frank Haacker (l.), Präsident des

UV Rostock, mit seinen Mitspielern.

Ein guter Schwung

entscheidet.

Gerold Jürgens zeichnet den Hauptgewinner

des Turniers Martin Scholtys (l.) aus.

Der Flight mit WIRTSCHAFT+MARKT-

Verleger Frank Nehring.

Fotos: UV Schwerin/Wolfgang Schröder, UV Vorpommern/Johannes Tolxdorff


Gesellschaft | 61

Ausgelassene Stimmung im Kronprinzenpalais.

VBKI feiert Sommerfest der Wirtschaft

Berliner Kronprinzen

im Kronprinzenpalais

Mehr als 1.000 Gäste waren der Einladung des Verbandes Berliner Kaufleute und Industrieller

(VBKI) zum traditionellen Sommerfest der Wirtschaft ins Kronprinzenpalais

Unter den Linden gefolgt. Bei spätsommerlichem Wetter wurde Netzwerkarbeit betrieben,

getanzt und gefeiert. Eine pikante Note erfuhr der gesellige Abend durch die

Anwesenheit gleich mehrerer SPD-Spitzenpolitiker: Neben dem Regierenden Bürgermeister

Klaus Wowereit, der wenige Tage zuvor seinen Rücktritt angekündigt hatte,

stellten sich auch die drei „Kronprinzen“ für die Wowereit-Nachfolge – Senator Michael

Müller, SPD-Fraktionschef Raed Saleh und SPD-Landesvorsitzender Jan Stöß – den

Berliner Unternehmern vor.

Der scheidende Regierungschef Wowereit hob das große Engagement der Unternehmerschaft

für Berlin hervor. Darüber hinaus lobte er die Entscheidung des VBKI, das

Sommerfest „im Osten der Stadt“ durchzuführen.

VBKI-Präsident und Gastgeber Markus Voigt sagte: „Wir wollen als starke Stimme der

Wirtschaft in Berlin und über Berlin hinaus Impulse geben und mitgestalten. Unternehmerische

Verantwortung bedeutet jedoch auch gesellschaftliche Verantwortung.“

W+M

TV-Star Ulla

Kock am Brink.

Arbeitssenatorin

Dilek Kolat.

VBKI-Präsident Markus Voigt, Ehefrau

Mirijam, Senator Michael Müller, Ehefrau

Claudia und SPD-Fraktionschef Raed

Saleh (v. l. n. r.).

Fotos: Schroewig News & Images/Eva Oertwig

VBKI-Geschäftsführer

Udo Marin und Ehefrau

Manuela (l.), der Regierende

Bürgermeister

Berlins Klaus Wowereit

(M.), VBKI-Präsident Markus

Voigt und Ehefrau

Mirijam (r.).

Grünen-

Fraktionschefin

Ramona Pop (r.)

im angeregten

Gespräch.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


62 | W+M Netzwerk

In diesen Behältern wird Wasserstoff für verschiedene

Anwendungen bereitgehalten. Im Hintergrund die Biogasanlage.

Das weltweit erste Hybridkraftwerk

Die vom VBIW-Vorsitzenden Dr. Norbert Mertzsch angestoßene Diskussion über die Speicherung erneuerbarer

Energien hält an. In diesem Zusammenhang besuchten weitere Mitglieder des VBIW das

Hybridkraftwerk der ENERTRAG AG bei Prenzlau. Hier wird aus überschüssigem Windstrom Wasserstoff

hergestellt.

Von Rudolf Miethig (VBIW)

Dauerthal (Uckermark). Sven Pyka von ENERTRAG führte die Mitglieder

des VBIW durch die Anlagen des Unternehmens und erklärte

den Arbeitsprozess: Strom aus Windkraftanlagen wird ins Netz eingespeist

und/oder zur Elektrolyse von Wasser benutzt. Dann wird der

entstehende Sauerstoff abgelassen, der Wasserstoff wird zunächst

gespeichert und kann dann auf verschiedene Weise zur Energieerzeugung

benutzt werden.

Dies kann zum Einen durch die Rückverstromung in einem Blockheizkraftwerk

geschehen. Das ist in der Anlage bei Prenzlau zwar

möglich, wird aber nicht praktiziert, weil die geringen Mengen des

erzeugten Stroms ins Netz eingespeist werden können und das Kraftwerk

dafür die günstigere Einspeisevergütung erhält. Zum Anderen

kann der Wasserstoff aber auch an Wasserstoff-Tankstellen abgegeben

werden, etwa für Brennstoffzellen-Autos. Eine weitere Möglichkeit

ist die Abgabe in das vorhandene Erdgasnetz. Derzeit dürfen

zwei Prozent Wasserstoff zum Erdgas hinzugefügt werden. Das

reicht für das Pilotprojekt bei Prenzlau aus, nicht aber für eine großtechnische

Lösung des Speicherproblems,

für welche sich die Ingenieure

des VBIW besonders interessieren.

Der zweite Energielieferant im Hybridkraftwerk

ist eine Biogasanlage. Daran

angeschlossen ist ein Blockheizkraftwerk,

welches Strom ans Netz

und Fernwärme an ein Prenzlauer

Wohngebiet liefert.

In einer spannenden Diskussion mit

Mit Windstrom wird im

Elektrolyseur Wasser in

Sauerstoff und Wasserstoff

aufgespaltet.

Sven Pyka wurden weitere Möglichkeiten

der Entwicklung erörtert. Die Anlage

in Prenzlau ist nur ein Prototyp,

der veranschaulichen soll, was prinzipiell

möglich ist. Einig war man sich darin, dass das vorhandene Erdgasnetz

umfassender genutzt werden sollte. Die schnellste Lösung

wäre die Zulassung eines höheren Anteils an Wasserstoff im Erdgas

durch die Netzbetreiber. Bei der Verwendung von Erdgas als Kraftstoff

für Kraftfahrzeuge ist die zulässige Wasserstoffkonzentration

derzeit allerdings auf zwei Volumenprozent durch die entsprechende

DIN-Norm begrenzt. Die Technische Universität Graz konnte aber

zeigen, dass auch bei größeren Zumischungen von Wasserstoff weniger

Schadstoffe erzeugt werden als bei reinem Erdgas oder Benzin.

Am liebsten aber würden die Netzbetreiber Methan aufnehmen, das

ohnehin den Hauptbestandteil des natürlichen Erdgases bildet. Wasserstoff

könnte gemeinsam mit CO 2 zu Methan reformiert werden.

Das könnte dann zu 100 Prozent in das Erdgasnetz eingeleitet werden.

CO 2 ist zwar im Überfluss in den Abgasen der Kraftwerke vorhanden

und sollte sogar unterirdisch verpresst werden, doch seine

Abscheidung ist sehr teuer.

Als weiterer Ansatz wurde die biologische Methanisierung in die

Diskussion eingebracht: Die Forschung arbeitet daran, Biogas und

Wasserstoff mit Hilfe hochspezialisierter Mikroorganismen zu Methan

umzuwandeln. Das so erzeugte synthetische Methan ist im

Gegensatz zum natürlichen Erdgas klimaneutral. Seit 2013 betreibt

der Autobauer Audi eine solche Power-to-Gas-Anlage in Werlte (Emsland).

Die Nutzung von Erdgasfahrzeugen könnte auf diese Weise

ausgeweitet werden, denn deren Technik wird bereits beherrscht;

sie werden serienmäßig hergestellt, sind alltagstauglich und weitere

Erdgastankstellen können am vorhandenen Leitungsnetz errichtet

werden. Dagegen hält Pyka den großflächigen Einsatz von

batterie-elektrischen Fahrzeugen auch deshalb nicht für umsetzbar,

da bei gleichzeitigem Anschließen der Autos an die Ladestationen

in der Zeitspanne nach Feierabend das Stromnetz hoffnungslos

überlastet wäre.

Fotos: ENERTRAG AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


VBIW | 63

„Feuer breitet sich nicht aus, hast du Minimax im Haus“

Fotos: Joergens.mi/Wikimedia Commons (oben links), Zwager/Wikimedia Commons (oben rechts), Prof. Dietmar Linke (Leibniz-Sozietät) (unten)

Neuruppin. Unter diesem Slogan brachte der Berliner Unternehmer

Wilhelm Graaff den ersten alltagstauglichen Handfeuerlöscher

auf den Markt, der von den Käufern bald „Spitztüte“ genannt wurde.

1905 wurde der Betrieb nach Neuruppin verlagert und produziert

seitdem Feuerlöscher, zunächst unter dem weltweit bekannten

Demonstration einer Fettexplosion: Ein Liter Wasser wurde

auf einen Liter brennendes Speisefett gegossen.

Berlin. Anlässlich des Leibniz-Tages 2014 verlieh die Leibniz-Sozietät

der Wissenschaften zu Berlin e. V. dem VBIW den Samuel-Mitja-

Rapoport-Kooperationspreis. Den Preis nahmen Dr. Norbert Mertzsch

und Jutta Scheer (Vorsitzender und Zweite Vorsitzende des VBIW) vom

Präsidenten der Leibniz-Sozietät

Professor Dr. Gerhard

Banse entgegen.

Die Leibniz-Sozietät steht

in der Tradition und Nachfolge

der im Jahre 1700 in

Berlin gegründeten Brandenburgischen

Sozietät der

Wissenschaften. Ihr Zweck

VBIW mit Samuel-Mitja-Rapoport- Kooperationspreis ausgezeichnet

VBIW-Vorsitzender

Dr. Norbert Mertzsch

bei seinen Dankesworten.

Markennamen Minimax. Nach Enteignung des

Neuruppiner Werks wurde in Westdeutschland

ein neues Minimax-Werk gegründet. Aber auch

in Neuruppin wurden bis heute weiter Feuerlöscher

produziert, der dortige Betrieb gehört

als FLN Feuerlöschgeräte Neuruppin Vertriebs-

GmbH zum Tyco-Konzern. Dessen Produkte tragen

den Markennamen „neuruppin“.

Ingenieure des VBIW haben die Produktionsstätte

besucht und erfuhren dabei, dass

FLN etwa 60 verschiedene Typen an Feuerlöschern

produziert, wobei das neueste Produkt

der Wassernebellöscher ist. Er wirft kleinste

Wassertröpfchen von 0,06 bis 0,08 Millimeter

Durchmesser etwa drei bis fünf Meter weit aus

und ist auch bei Fettbränden einsetzbar. Der

Wassernebel schützt zusätzlich vor Hitzestrahlung.

Folgeschäden durch Löschmitteleinwirkung

sind zudem extrem reduziert.

Die gefürchtete Fettexplosion entsteht, weil

Wasser, schwerer als Fett, unter dieses absinkt,

sich durch die Hitze blitzartig ausdehnt und

das darüber liegende Fett explosionsartig ausstößt.

Fettbrände mussten bisher mit Decken oder speziellen Feuerlöschern

mit verseifendem Löschmittel bekämpft werden. Jetzt

gibt es den Wassernebellöscher, der A-Brände (feste Stoffe), kleine

B-Brände (flüssige oder flüssig werdende Stoffe) und F-Brände (Öle

oder Fette) löschen kann.

Dr. Norbert Mertzsch (VBIW)

ist die „selbstlose Pflege

und Förderung der Wissenschaften

in der Tradition

von Gottfried Wilhelm Leibniz

im Interesse der Allgemeinheit“,

so die Satzung der Sozietät.

Der Rapoport-Preis wurde

2012 erstmals für die Beförderung

der Kooperation zwischen Wissenschaft

einerseits und Wirtschaft,

Politik oder wissenschaftlichen Organisationen

andererseits vergeben.

Samuel Mitja Rapoport (1912–2004)

war erster Präsident der Leibniz-Sozietät

und nachfolgend Ehrenpräsident.

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle: Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder), Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

„Spitztüte“

von Minimax.

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64 | W+M Netzwerk

UV Sachsen

Kupfer weiht Gründerzeithaus ein

Solares Bauen im Bereich Neubau

ist in Deutschland zur Zeit zwar eher

noch selten, aber auf dem Vormarsch.

Die energetische Sanierung von Altbauten

mit Solarenergie hingegen

ist Neuland. Den Solarpionieren der

FASA AG, einem langjährigen Mitglied

des UV Sachsen, ist es gelungen,

ein denkmalgeschütztes Gebäude

aus dem Jahr 1906 derart komplex

zu sanieren, dass dieses kumuliert einen

solaren Deckungsgrad von etwa

90 Prozent aufweist. Zur Einweihung

des Gründerzeithauses in der Chemnitzer

Kanalstraße reiste eigens der

UV Brandenburg-Berlin

Seit dem Inkrafttreten des Freihandels

abkommens zwischen der

Schweiz und China am 1. Juli 2014

hat sich der chinesische Markt für

Schweizer Unternehmen geöffnet.

Mit einem Exportvolumen deutscher

Unternehmen nach China in Höhe

von über 67 Milliarden Euro im Jahr

2013 ist dies ein interessanter Weg,

den die Europäische Union nicht bietet.

Deshalb sollen auch deutsche Firmen

von der Schweizer Lösung profitieren.

Der Ansatz besteht darin, deutsche

Produkte mit einer Veredelungsstufe

Sächsische Staatsminister für Umwelt

und Landwirtschaft Frank Kupfer

in die Industriestadt und lobte die

solare Vision sowie den Mut von Ullrich

Hintzen, Vorstand der FASA AG.

„Ich bin gern nach Chemnitz gekommen.

Zwar waren wegen des Denkmalschutzes

hier die Möglichkeiten

bei der Sanierung eingeschränkt.

Das Vorhaben zeigt jedoch, dass es

mit viel Erfindergeist möglich ist, dort

Solarenergie sehr effektiv für die Versorgung

mit Heizenergie und Warmwasser

zu nutzen”, führte Kupfer in

seiner Rede aus.

Von Deutschland über die Schweiz zollfrei nach China

Fritz Burkhalter von BNPO (Mitglied des UV Brandenburg-Berlin) über die

Vorteile des Schweizer Freihandelsabkommens mit China für deutsche Unternehmen:

in der Schweiz und unter Einhaltung

des internationalen Handelsrechts

mit der Zollpräferenz nach China zu

exportieren. Für die Veredelung bietet

sich in Uri ein Industriegebiet an,

welches über vorteilhafte Verkehrsanbindungen,

mögliche Kooperationspartner

vor Ort und vorhandene

Gebäude und Flächen verfügt

und sich somit als Zweitproduktionsstandort

anbietet. Ein Gewinn

für deutsche Unternehmen Dank

der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

– eine Wertschöpfung in

Deutschland sowie in der Schweiz.

Termine

UV Brandenburg-Berlin

06.10.2014: 8:00 Uhr „Potsdamer Gespräche“, VCAT Consulting

GmbH, August-Bebel-Str. 26-53, 14482 Potsdam

07.10.2014: 09:00 – 14:00 Uhr Wissenschaft trifft innovative Unternehmen,

Universität Potsdam, Campus Golm, Karl-Liebknecht-Str.

24-25, 14476 Potsdam

14.10.2014: 16:00 – 20:00 Uhr Landesarbeitskreis Innovative

Technologien: „Innovative Lösungen für wirtschaftliche und zuverlässige

Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr“, Stadler Pankow,

Lessingstraße 102, 13158 Berlin

15.10.2014: 18:30 – 20:30 Uhr BER BusinessClub

17.10.2014: 10:00 – 14:00 Uhr Mitgliederversammlung des UV

Brandenburg, pentahotel Berlin-Potsdam, Warthestraße 20, 14513

Teltow

23.10.2014: 18:00 – 20:00 Uhr, Unternehmertreff Königs Wusterhausen,

Thema „Was passiert, wenn mir was passiert?“, Hotel

Residenz am Motzener See, Töpchiner Straße 4, 15741 Mittenwalde

OT Motzen

03.11.2014: 18:00 Uhr „Potsdamer Gespräche“, VCAT Consulting

GmbH, August-Bebel-Str. 26-53, 14482 Potsdam

13.11.2014: 18:00 – 20:30 Uhr Treffpunkt Wirtschaft – Unternehmerseminar:

Neues aus dem Arbeitsrecht, Kanzlei Goldenstein &

Partner, Hegelallee 1, 14467 Potsdam

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

08.10.2014: 18:00 Uhr Rostocker Wirtschaftsrunde, Rathaushalle

Rostock, Neuer Markt 1, 18055 Rostock

15.10.2014: 18:00 Uhr CSR-Abschlussveranstaltung

17.-18.10.2014: „Wirtschaft trifft Medien“, Schloss Gamehl, Gamehl

26, 23970 Gamehl

05.11.2014: 18:00 Uhr Unternehmerlounge „Über den Dächern

der Hansestadt“

06.11.2014: UV-Branchentag Rostock, Aus und Weiterbildung

20.11.2014: 19:00 Uhr „Warnemünder Gespräche“, Café Ringelnatz,

Alexandrinenstraße 60, 18119 Rostock

26.11.2014: Parlamentarischer Abend, Berlin

UV Sachsen

02.10.2014: Arbeitskreis International: Türkei

06.10.2014: 16:30 – 19:00 Uhr Jahresveranstaltung der sächsischen

Allianz „Arbeit und Behinderung“, Thema: „Menschen mit

Behinderungen – Fachkräfte für Ihr Unternehmen“

27.10.2014: 19:30 Uhr Gemeinsames Unternehmertreffen der

UV-Repräsentanz Südwestsachsen und des Hintergrundmagazins

Sachsen, Thema: „Regionales Saisongeschäft oder doch ernst zu

nehmender Wirtschaftsfaktor? – Tourismus in Sachsen“

06.11.2014: 16:30 – 19:00 Uhr, „Wirtschafts- und Sozialgespräch I“,

Thema: „Familiengerechte Arbeitszeitmodelle fest verankern!“

11.11.2014: 6. Leipziger Personalforum des UV Sachsen, der IHK

zu Leipzig, der HWK zu Leipzig und des Zentrums für Aus- und

Weiterbildung Leipzig

15.11.2014: 20:00 Uhr 24. Sächsischer Unternehmerball, Motto

„Sachsen tanzt Samba“, Hotel The Westin Leipzig, Gerberstraße 15,

04105 Leipzig

UV Thüringen

17.11.2014: 18:00 Uhr 10. Erfurter Technologie Dialog, ComCenter

Erfurt, Juri-Gagarin-Ring 37, 99084 Erfurt

20.11.2014: Betriebsbesichtigung Bauerfeind AG, Triebeser Straße

16, 07937 Zeulenroda-Triebes

Veränderungen von Themen, Terminen und Ver an staltungsorten

können nicht ausgeschlossen werden.

Foto: UV Sachsen

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Unternehmerverbände | 65

Foto: Angelika Heim

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

Hanse Sail Business Forum 2014

Mehr als 200 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik waren Anfang August

der Einladung des Initiativkreises der Wirtschaft

– bestehend aus dem Rostocker Unternehmerverband,

der IHK zu Rostock und

der Handwerkskammer Ostmecklenburg-

Vorpommern – zum 14. Hanse Sail Business

Forum in das Steigenberger Hotel Sonne

gefolgt.

Die wichtigste Wirtschaftskonferenz am

Vorabend der Hanse Sail widmete sich in

diesem Jahr dem Thema „Grüne Technologien

aus Mecklenburg-Vorpommern für die

Energiewende in Europa“. Im Fokus standen

dabei Analyse, Bewertung und Ausblick

zur Entwicklung grüner Technologien

im europäischen Kontext. Ina-Maria Ulbrich,

Staatssekretärin im Ministerium für

Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung

Mecklenburg-Vorpommern, plädierte

in ihrer Rede für mehr Akzeptanz zum

Ausbau der erneuerbaren Energien, der

auch den Ausbau der Netze

bedingt. In einer Videobotschaft

grüßte EU-Kommissar

für Energie, Günther

Oettinger, die Teilnehmer.

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer

Staatssekretär

beim Bundesminister für

Wirtschaft und Energie beleuchtete

in seinem Vortrag

die „Nachhaltigkeit als Innovationstreiber“.

Unternehmerverbände Mecklenburg-Vorpommerns

Integration von Arbeitnehmern mit Zugangshemmnissen

In Mecklenburg-Vorpommern

neigt sich das XENOS-

Projekt „Brücken für Vielfalt

und Beschäftigung in MV“

dem Ende. Ziel des Projektes

ist es, einerseits Arbeitnehmer

mit Zugangshemmnissen

zum Arbeitsmarkt zu vermitteln

und andererseits nachhaltige Lösungsansätze

für die Integration dieser zu

entwickeln. Um letzteres Ziel zu erreichen,

führen die Unternehmerverbände Schwerin,

Rostock und Vorpommern insgesamt

1.000 Sensibilisierungsgespräche mit Arbeitgebern

im ganzen Land. Im Rahmen

dieser Gespräche wird auf das bestehende

Potenzial verwiesen, gleichzeitig aber

auch Problemfelder und Hinderungsgründe

einer Anstellung sowie diesbezügliche

Lösungsansätze abgefragt.

Der einmalige Umfang der Befragung

– verteilt über ganz

Mecklenburg-Vorpommern,

unterschiedlichste Branchen

und Betriebsgrößen (nach

Quote) – sorgen für eine Übertragbarkeit

der Ergebnisse.

Die Befragungen werden anschließend

durch ein wissenschaftliches Institut ausgewertet

und in Form einer Broschüre den

Entscheidungsträgern des Landes zur Verfügung

gestellt, um so Anregungen für die

Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen

zu geben. Die Broschüre wird im vierten

Quartal 2014 erscheinen. Bei Interesse

können Sie sich an die Unternehmerverbände

in Mecklenburg-Vorpommern

wenden.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Andreas Jonderko

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Eberhard Walter

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführer: Steffen Heller

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-brandenburg-berlin.de

Internet: www.uv-brandenburg-berlin.de

Bezirksgeschäftsstelle Potsdam

Jägerstraße 18, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-brandenburg-berlin.de

Repräsentanz Frankfurt Oder

Repräsentant: Detlef Rennspieß

Perleberger Straße 2, 15234 Frankfurt Oder

Tel.: +49 335 4007458

Fax: +49 335 4007457

E-Mail: detlef.rennspiess@signal-iduna.net

Unternehmerverband Norddeutschland Mecklenburg-

Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Wolfgang Schröder

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Repräsentantin: Gabriele Hofmann-Hunger

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Repräsentant: Klaus-Dieter Lindeck

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

c/o IHK Erfurt – Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsstelle

Geschäftsstellenleiter: Steffen Hellmuth

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


66 | W+M Die letzte Seite

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Wie kommt der Mittelstand an Geld?

Viele mittelständische Unternehmen leiden

darunter, nicht schnell genug auf Marktveränderungen

reagieren und investieren

zu können, weil ihnen dafür der finanzielle

Spielraum fehlt. Dabei bieten zahlreiche Kreditinstitute

interessante Programme, speziell

für kleine und mittlere Unternehmen, an.

In der Titelgeschichte der nächsten Ausgabe

befasst sich WIRTSCHAFT+MARKT umfassend

mit dem Thema Mittelstandsfinanzierung.

Wir geben Einblick in konkrete Förderprogramme

ausgewählter Bankhäuser und

sprechen mit Experten darüber, wie Mittelständler

an diesen Programmen partizipieren

können. Da etliche mittelständische Unternehmen

aus den neuen Ländern bereits

auf internationalen Märkten agieren oder

sich dort absehbar engagieren wollen, stellen

wir Möglichkeiten der soliden Außenhandelsfinanzierung

vor.

Die letzte Ausgabe des Jahres nutzen wir ferner

dazu, eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie

lief 2014 aus Sicht der ostdeutschen Unternehmen?

Was hat die schwarz-rote Bundesregierung

im ersten Amtsjahr für den Mittelstand

und die deutsche Wirtschaft insgesamt

getan?

Darüber hinaus lesen Sie interessante Länderreports

und einen ausführlichen Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am

27. November 2014.

Personenregister

Albrecht, Uwe 58

Arnold, Frank 54

Banse, Gerhard 63

Baumeister, Roy 54

Beckmeyer, Uwe 65

Beltle, Herbert 23

Bergmann, Martin 11

Bieber, Richard 23

Birr, Dieter 25

Bödecker, Carsten 58

Bormann, Michael 52

Botschatzki, Walter 30

Bräutigam, Hans Otto 35

Brandauer, Klaus Maria 29

Brüning, Uschi 29

Bunsen, Hartmut 58

Burkhalter, Fritz 64

Burkhart, Hubertus 47

de Maizière, Lothar 6

Christiansen, Sabine 40

Dicks, Günter 31

Diestel, Peter-Michael 6-8

Domröse, Lothar 11

Dubberstein, Bernd 44/45

Ecke, Tino 10

Eckes-Chantré, Harald 12

Eichinger, Bernd 40

Enderlein, Dietmar 8, 14/15

Enderlein, Katja 14/15

Eppelmann, Rainer 14

Erhard, Ludwig 27

Falk, Hermann 47

Ferris, Timothy 54

Foerster, Carl 13

Friedrich, Marc 54

Garkisch, Anne 23

Garkisch, Stephan 23

Gerdes, Steffan 43

Gleicke, Iris 47

Götze, Lutz 58

Graaf, Wilhelm 63

Grabbe, Thomas 28/29

Gustke, Heinrich 31

Gustke, Manfred 31

Gustke, Stephan 31

Haacker, Frank 60

Hartmann, Tim 46/47

Heise, Gunter 12/13

Heller, Steffen 58

Hennig, Rolf 25

Hertrampf, Dieter 25

Hintzen, Ulrich 64

Honecker, Erich 34

Jahn, Friedrich Ludwig 13

Jahnecke, Thomas 23

Jeske, Harry 24

Jürgens, Gerold 60

Kahnemann, Daniel 54

Kempmann, Johannes 47

Kloss, Günther 13

Kloss, Julius 13

Kloss, Moritz 13

Kock am Brink, Ulla 61

Kohl, Helmut 3

Kolat, Dilek 61

Kroschke, Christoph 7/8

Krug, Manfred 29

Kudla, Bettina 58

Kupfer, Frank 64

Lange, Lutz 12

Lehmann, Robert 48

Leibnitz,

Gottfried Wilhelm 63

Leipold, Dieter 54

Lill, Franz-Lorenz 22

Lindner, Christian 58

Links, Christoph 16/17

Maier, Michael 54

Mangelsdorf, Frank 34/35

Marin, Manuela 61

Marin, Udo 61

Marseille, Ulrich 8

Merkel, Angela 13

Mertzsch, Norbert 62/63

Meyer, Peter 24/25

Momper, Walter 19

Most, Edgar 19

Mühlfenzl, Rudolf 40

Müller, Claudia 61

Müller, Michael 61

Müller, Peter 11

Müller, Stefan 11

Neubert, Barbara 8

Neubert, Wolfgang 8

Niefer, Werner 19

Oettinger, Günther 65

Pagelsdorf, Frank 8

Piketty, Thomas 54

Platzeck, Matthias 35

Polomski, Jutta 12

Pop, Ramona 61

Pyka, Sven 62

Queisser, Christof 13

Quermann, Heinz 22

Quermann, Petra 22

Ragnitz, Joachim 41, 48

Raithel, Günther 36

Raithel, Holger 36

Raithel, Rositta 36

Rapoport, Samuel Mitja 63

Rasym, Peter 25

Rau, Johannes 19

Reichel, Andreas 58

Rid, Urban 58

Ringstorff, Harald 15

Riva, Emilio 19

Röder, Martin 38/39

Rohwedder,

Detlev Karsten 6

Rost, Peter 22

Rühle, Wolfgang 59

Saleh, Raed 61

Schabow ski, Günther 34

Schadock, Helga 10

Scharfschwerdt, Klaus 25

Schäuble, Wolfgang 8

Scheer, Jutta 63

Schenk, Michael 42

Schneider, Jürgen 23

Scholtys, Martin 60

Schröder, Gerhard 40

Schuhbeck, Alfons 29

Sieber, Bert 10

Siegert, Walter 6

Stoiber, Edmund 40

Stolpe, Manfred 18-20

Stöß, Jan 61

Strauß, Franz Josef 27

Süß, Thomas 32

Taleb, Nassim Nicholas 54

Thiele, Käthe 26/27

Thiele, Kurt 26

Thiele, Marco 26/27

Thiele, Rainer 26/27

Thiele, Susen 26

Thiele, Thomas 26

Tierney, John 54

Tillich, Stanislaw 58

Ulbrich, Ina-Maria 65

Urban, Hans-Peter 40

Voigt, Markus 61

Voigt, Mirijam 61

von Schnitzler,

Karl Eduard 40

Wehrle, Martin 54

Weik, Matthias 54

Wernze, Franz-Josef 7

Wiegel, Ulrich 12

Windus, Manfred 30

Wobig, Gunnar 60

Wowereit, Klaus 61

Zeibig, Jürgen 58

Ziegler, Carsten 58

WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014


Sachsen | 67

Berlin · Rostock · Leipzig · Dresden · Erfurt · Schwerin · Magdeburg · Potsdam · …

W+M BusinessClub

für Unternehmer

und alle, die

Wirtschaft bewegen

Auftaktveranstaltung in Berlin

25 Jahre Wende und wirtschaftlicher Aufbruch

„Wo sind die blühenden Landschaften?“

Eine Bilanz aus Unternehmersicht zum Wendejubiläum

am 03.11.2014, 18:00 Uhr

im Berlin Capital Club

Diskutieren Sie mit prominenten Gästen in exklusiver Atmosphäre.

Mehr unter www.wundm.info/businessclub

Anmeldung: info@wundm.info

Die Teilnahmegebühr von 39 €, die unmittelbar vor der Veranstaltung zu entrichten ist, beinhaltet Aperitif, Fingerfood nach Wahl des Küchenchefs

Michael Tuschen, Weiß- und Rotwein, Flying Buffet, Mineralwasser und Kaffee.

www.wundm.info/businessclub


68 | W+M Länderreport

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WIRTSCHAFT+MARKT | 5 / 2014

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