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onexmagazin

AUSGABE 8 AUGUST 2017

Tausendsassa

MARKUS BÖSIGER

Pneu-Händler, Spitzensportler, Gastronom,

Verleger: Der Oberaargauer Markus Bösiger

tanzt auf vielen Hochzeiten.

ERINNERUNGEN

Wie wir uns vom

eigenen Gedächtnis

täuschen lassen.

NORDKOREA

2. Teil der Reportage

aus dem sogenannten

«Reich des Bösen».

MARC LÜTHI

Der SCB-CEO spricht

über Eishockey und

die Welt.


ZU VERMIETEN

Wangen a/Aare, Haselweg 10

4.5-Zimmer-Attikawohnung, 92 m 2

• alle Zimmer mit

Parkett / Wohnen,

Nasszellen mit

Platten

• hochwertige Küche

• Badezimmer und

sep. WC mit Dusche

• sehr grosse Terrasse (95 m²)

• eigene Waschmaschine und Tumbler

• Reduit und Einbauschrank

• Liftzugang direkt in Wohnung

• grosszügiges Kellerabteil

• Carportplatz à CHF 80.00

Mietzins: CHF 2220.00 plus Akonto 250.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Roggwil, Bahnhofstrasse 20,

3.5-Zimmerwohnung im EG, 74 m 2

• alle Zimmer /

Wohnen mit

Parkett

• Dusche mit

Platten

• sep. Toilette

• grosszügige Zimmer

• ganze Wohnung komplett saniert

• Gartenanteil kann mitgenützt werden

• direkt neben Coop Roggwil

• 1 Parkplatz im Preis inklusive

Mietzins: CHF 1400.00 plus Akonto 110.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Langenthal, Brunnhofstrasse 11

Gewerberäume

Dieses Objekt liegt an zentraler Lage (Lotzwilstrasse,

an der Stadtausfahrt Langenthal

Richtung Lotzwil). In naher Umgebung befinden

sich Restaurant, Bowlingcenter, Fitnesscenter

sowie ein Schwimmbad. Mit dem Bus

ist der Bahnhof Langenthal innert wenigen

Minuten erreichbar.

Im EG und 1. OG Büro- oder Praxisräume ab

220 m 2 . Innen- und Aussenparkplätze können

dazu gemietet werden.

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Staffelbach, Überbauung Oberfeldpark,

3.5-Zimmerwohnung im 2. Obergeschoss

(92 m 2 ) – ERSTVERMIETUNG

• Wohnzimmer, Küche und Nasszellen mit

Plattenboden

• Schlafzimmer mit Parkett

• 1x Bad / WC, 1x Dusche / WC

• Balkon

• eigene WM/Tumbler

• grosses Kellerabteil

• Einbauschrank / Reduit

• EHP à CHF 130.00

Mietzins: CHF 1450.00 plus Akonto 170.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Roggwil, Hofmattenweg 1, 2.5-Zimmerwohnung

im 1. Obergeschoss

• Wohnzimmer

und Küche mit

Plattenboden

• Schlafzimmer

mit Laminat

• Badewanne

• Einbauschränke

• grosser Balkon

• Wohnung ist neu gestrichen

• Estrichabteil

• eine abschliessbare Garage kann

für CHF 100.00/mtl. dazu gemietet werden

Mietzins: CHF 950.00 plus Akonto 110.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Oberbipp, Sägegasse 3

3.5-Zimmer-Maisonettewohnung, 91 m 2

• Wohnzimmer,

Küche, Schlafzimmer

mit

Parkett

• Nasszellen mit

Platten

• Dusche/WC

• Balkon

• eigene Waschmaschine/Tumbler

• Galerie

• Carport à CHF 80.00

Mietzins: CHF 1700.00 plus Akonto 180.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Wiler b. Utzenstorf, Überbauung

Hofacher, 4.5-Zimmer-Duplexwohnungen

(110 m 2 ) – ERSTVERMIETUNG

• Wohnzimmer, Küche und Nasszellen mit

Plattenboden

• Schlafzimmer mit Parkett

• Bad/WC

• Dusche/WC

• Balkon

• eigene Waschmaschine/Tumbler im UG

• grosses Kellerabteil

• Einbauschränke/Reduits

• Carport à CHF 90.00

Mietzins: CHF 1750.00 plus Akonto 230.00

Wiler b. Utzenstorf, Überbauung

Hofacher, 2.5-Zimmer-Parterrewohnungen

(69 m 2 ) – ERSTVERMIETUNG

• Wohnzimmer, Küche und Nasszellen mit

Plattenboden

• Schlafzimmer mit Parkett

• Dusche/WC

• Gartensitzplatz

• eigene Waschmaschine/Tumbler im UG

• grosses Kellerabteil

• Einbauschränke/Reduits

• Carport à CHF 90.00

Mietzins: CHF 1350.00 plus Akonto 180.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Rohrbach, Werkstatt

Rund 250 m 2 Werkstattfläche mit grosser

Raumhöhe.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

Rohrbach, offene Lagerhalle

Ab 500 m 2 offene, überdachte Lagerhalle.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Nordkorea hält die Welt in Atem. Deshalb

hat der erste Teil des Nordkorea-Reiseberichtes

von Klaus Zaugg die Meinung

der Leserschaft zweigeteilt. Die Einen sind

der Ansicht, jedes gute Wort über dieses

Land sei Propaganda für ein menschenverachtendes

Regime, während andere es gut

finden, auch mal etwas Alternatives darüber

zu erfahren, als dies beim üblichen

Einheitsbrei der immer weiter schrumpfenden

Medien der Fall ist.

Nichts hat nur eine Seite. Doch gerade

im Fall von Nordkorea könnte man zu der

Überzeugung kommen, dass jetzt erstmals

etwas gefunden worden sei, das wirklich

nur von einer Seite betrachtet werden

kann. Doch ganz so ist es nicht.

Die Medienwelt verändert sich gerade

wieder mal ziemlich drastisch. Staub aufgewirbelt

hat der Verkauf des Medienimperiums

der Familie Zehnder (betrifft

unter anderem die NOZ). Interessanterweise

hat dieser Übergang viel mehr Staub

aufgewirbelt als die Sparmassnahmen bei

Tamedia und beim «Blick». Doch dies ist

eine falsche Gewichtung. Wo bei den

Redaktionen gespart wird, erhalten die

Leser immer öfter magere Kost serviert.

Was sich in der Nähe der Redaktionen abspielt,

gewinnt an Wichtigkeit. Anderes

wird mehr und mehr vernachlässigt. Und

wo bleibt die Meinungsvielfalt?

Die allgemeine Berichterstattung über

Nordkorea zeigt, auf was wir uns zubewegen

könnten. Nordkorea ist weit weg. Aber

was ist, wenn es um Dinge geht, die uns

näherliegen?

Viel Vergnügen beim zweiten Teil

unseres Nordkorea-Artikels.

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: LZ Print,

Luzerner Zeitung AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

4

14

4 MARKUS BÖSIGER

Bekannt als «Pneu Bösiger»,

aber auch als Gastro-

Unternehmer, erfolgreicher

Motorsportler und nicht

zuletzt auch als Verleger

von «s’Positive» hat der

Oberaargauer im Interview

so einiges zu erzählen.

14 FAKT ODER FIKTION?

Warum sich Erinnerungen

an ein Ereignis plötzlich

verändern können.

18 WUSSTEN SIE SCHON?

Wie lange ein Moment

dauert und wie wir unsere

Mitmenschen aufgrund

ihres Ganges beurteilen.

20 NORDKOREA

Zum zweiten Mal berichten

wir aus dem Reich Kim

Jong-uns und überprüfen

die Klischees und Vorurteile,

die der Westen von

diesem isolierten Land hat.

26 INTERVIEW: MARC LÜTHI

Der CEO des SB Bern erzählt

als Insider aus dem

Nähkästchen des Schweizer

Eishockeys.

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe, Veranstaltungen.

20

26

18

s’Positive 8 / 2017 3


MARKUS BÖSIGER

«Mein erstes

Geld verdiente

ich mit Chüngle»

Er wäre am liebsten Landwirt geworden.

Doch geworden ist er Unternehmer

und Spitzensportler. Anlässlich seines

60. Geburtstages traf er sich mit

s’Positive zum Gespräch.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH, FOTOS: MARCEL BIERI

4 s’Positive 8 / 2017


Kaninchen, Landmaschinen, Pneus, Motorsport,

Gastronomie, nachhaltige Freizeitgestaltung:

Dies sind einige Eckpunkte im Leben und Wirken

von Markus Bösiger. Doch wie tickt der

60-jährige Langenthaler Unternehmer eigentlich? Woher

kommt er und wo will er hin? s’Positive traf sich mit ihm

zum Gespräch und erfuhr Überraschendes.

s’Positive: Sie sind Pneu- und Autohändler, Immobilien-

und Gastro-Unternehmer. Sie bauen beim Sportcenter

Huttwil eine zusätzliche Halle, in Rohrbach

eine Kletterhalle und in Langenthal einen grossen

Hotelkomplex. Was treibt Sie an?

Markus Bösiger: Für mich war von Beginn weg klar,

dass ich handwerklich etwas machen wollte. Ich ging in

Untersteckholz zur Schule und sorgte dafür, dass ich kein

allzu guter Schüler wurde, weil ich sonst wohl nach

Roggwil in die Sekundarschule geschickt worden wäre.

Roggwil war damals für mich bereits Ausland. Nach

s’Positive 8/ 2017 5


MARKUS BÖSIGER

In Roggwil wirkte Bösiger viele Jahre.

der Schule machte ich die Lehre als Maschinenmechaniker

bei der Firma Ammann in

Langenthal. Damals war noch Ueli Ammann

am Ruder. Mir wurde aber während meiner

Lehre rasch klar, dass ich mich danach sofort

selbständig machen werde.

Weshalb?

Es sagte mir einfach nicht zu, immer nach

Anweisungen von anderen arbeiten zu müssen.

Ich fühlte mich schon damals freier,

wenn ich selbst entscheiden kann.

Der Gedanke an die eigene Selbstständigkeit

formte sich in Ihnen bereits während

der Lehre?

Nein, dies wusste ich bereits vorher. Wenn es

nach mir gegangen wäre, hätte ich wohl gar

keine Lehre gemacht. Aber mein Vater sagte

mir, dass ich eine Lehre machen müsse. Was

ja sicher richtig war. Doch bereits in meiner

Schulzeit interessierte ich mich nicht sonderlich

für den Stoff, den wir lernen sollten.

Sondern?

Für alles andere. Mein erstes Geld verdiente

ich während der Schulzeit mit Kaninchen.

Meine «Chüngle» waren mir viel wichtiger

als die Schule. Zudem kaufte ich jeweils Kücken,

die ich später als Poulets verkaufte.

Eigentlich wäre ich am liebsten Bauer geworden.

Ich wuchs ja in Untersteckholz mitten

unter Bauern auf. Ich half jeweils bei der

Arbeit mit. Auch mit meinem Vater ging ich

gerne mit in den Wald zum Holzen. Mein

Berufswunsch scheiterte jedoch daran, dass

wir keinen Bauernhof hatten. Mein Vater

besass zwar etliche Landmaschinen, unter

anderem auch Mähdrescher, mit denen er

seine Lohnarbeiten anbot. Bauernhof besass

er aber keinen.

War Ihr Vater auch selbstständig?

Mein Vater war ursprünglich Weber in der

Teppichfabrik Reinhard in Melchnau. Er

machte sich dann aber selbstständig und

verdiente fortan im Winter sein Geld als

Akkord-Holzer. Im Sommer erledigte er

Lohnarbeiten in der Landwirtschaft.

Waren Sie ein guter Lehrling?

Ich schrieb recht gute Noten. Es war jedoch

nicht immer einfach mit mir. Zum Glück hatte

ich einen guten Gewerbeschullehrer, der

sich immer für mich einsetzte, wenn ich mal

Probleme mit der Lehrlingskommission oder

mit dem Lehrmeister hatte.

Machten Sie sich gleich nach der Lehre

selbstständig?

Sogar noch während meiner Lehre. Im

Herbst des vierten Lehrjahres (die Schulund

Lehrjahre begannen und endeten damals

noch im Frühling – die Red.) richtete

ich in Untersteckholz meine eigene kleine

Werkstatt ein und begann damit, Landmaschinen

und Traktore zu flicken. Dazu verkaufte

ich Kreiselheuer und Sähmaschinen.

Meine Lehrabschlussprüfung absolvierte ich

jedoch wie geplant.

Dies alles klingt etwas rebellisch.

Rebell wäre sicher zu viel gesagt. Doch es war

damals, wie es heute immer noch ist. Wenn

mir etwas nicht passt, dann versuche ich

schon, mich zu weigern, mitzumachen. Oder

um es etwas anders auszudrücken: Wenn ich

den Eindruck habe, dass es besser wäre, etwas

zu ändern, kann ich schon mal gegen etwas

Bestehendes rebellieren. Schliesslich waren

die drei, die den Rütlischwur leisteten, seinerzeit

ebenfalls Rebellen. Die über 700-jährige

Erfolgsgeschichte der Schweiz gibt den

seinerzeitigen Rebellen recht.

Haben wir Sie richtig verstanden: Sie handelten

zu Beginn noch nicht mit Pneus?

Doch, aber noch nicht hauptsächlich. Meine

erste Werkstatt besteht übrigens immer noch.

Sie wird heute zu Hobbyzwecken gebraucht.

Wie ging es weiter?

Das Geschäft entwickelte sich. Wir begannen,

auch Autos zu reparieren, und dann

kamen die Pneus vermehrt ins Spiel. Doch

wir bekamen Probleme, weil wir uns in der

Landwirtschaftszone befanden. Ich kaufte in

Roggwil eine Metzgerei, die heute das Motorradgeschäft

von Rolf Gall ist.

Sie konnten sich so früh bereits Ihre erste

Immobilie leisten?

Ich kaufte mir mit 20 Jahren einen Mähdrescher

auf Kredit, den ich in den darauffolgenden

fünf Jahren abzahlte. Der Erlös aus

dem Verkauf brachte mir das nötige Eigenkapital

für den Kauf der Metzgerei. Nach

zwei Jahren verkaufte ich aber die Immobilie

wieder und zog ins Dorf, gegenüber vom

Gemeindehaus, von wo aus ich die nächsten

19 Jahre tätig war, bis wir den Geschäftssitz

2004 nach Langenthal verlegten.

6 s’Positive 8 / 2017


Markus Bösiger

posiert vor seiner

ersten Werkstatt

in Untersteckholz.

Legende: Xxxxxx

xxxx xxx xxxxx

Xxxxxxx

«Mit 20 Jahren kaufte

ich einen Mähdrescher

auf Kredit. Der Erlös aus

dem Verkauf brachte

mir das nötige Eigenkapital

für den Kauf der

Metzgerei.»

In Langenthal haben Sie aber auch diversifiziert.

War das von Anfang an der Plan?

Ich wollte etwas machen, was mit aktiver

Freizeitgestaltung zu tun hat. Das Land kaufte

ich bereits 1997 von der Porzellanfabrik,

konnte aber erst 2003 mit Bauen beginnen.

Wie kommt ein gelernter Mechaniker auf

die Idee, etwas mit aktiver Freizeitgestaltung

zu tun haben zu wollen? Diese sogar

anzubieten?

Ich machte mir bereits früh Gedanken über

die Entwicklung unserer Gesellschaft. Seit

40 Jahren beobachte ich, wie immer alles

effizienter und schneller wird. Immer häufiger

werden Dinge produziert, die wir eigentlich

gar nicht brauchen. Zudem treten immer

häufiger Roboter an die Stelle von Menschen.

Zwar wird auf der Gegenseite die

Bürokratie ins Uferlose ausgebaut, aber

trotzdem werden die Menschen immer mehr

Freizeit haben. Ich suchte also nach Möglichkeiten

der aktiven Freizeitgestaltung, die

nachhaltig genutzt werden. Der Mensch ist

ein Bewegungs- und Herdentier, und zudem

eine Spielernatur. Er braucht Möglichkeiten,

diese Bedürfnisse auszuleben, was er bei der

Arbeit immer häufiger nicht mehr kann.

Denken Sie, dass ein Lebenslauf, wie Sie

ihn hatten und immer noch haben, auch

heute noch seinen Anfang nehmen könnte?

Das ist schwer zu sagen. Wie ich Ihnen erzählte,

richtete ich mir während der Lehre

meine Werkstatt ein. Ich habe die Heizung

selbst installiert, ich habe selbst Fenster gefertigt

und montiert, selbst gemauert etc.

Heute würde so etwas bereits an den Vorschriften

scheitern. Und stellen Sie sich heute

einen jungen Menschen vor, der mit seinen

Vorstellungen und Ideen aus der Reihe tanzt:

Dem würde doch von links und rechts

s’Positive 8/ 2017 7


MARKUS BÖSIGER

«Eigentlich habe ich alles meinen Eltern,

dem Dorf, in dem ich aufwuchs, und natürlich

auch der Region, in der wir leben –

dem Oberaargau – zu verdanken.»

suggeriert, wie schwierig und unsicher dies

alles sei, und dass dies alles gar nicht funktionieren

könne. Deshalb wird so etwas heute

meistens gar nicht mehr versucht.

Also ist es fast unmöglich.

Das habe ich nicht gesagt. Wir wissen ja, dass

in den kommenden fünf Jahren in zehntausenden

von kleinen und mittleren Betrieben

die Nachfolge geregelt werden sollte. Vielfach

ist jedoch die Finanzierung das Hauptproblem.

Die Banken haben immer weniger

die Möglichkeit, solche Geschäfte zu finanzieren.

Sie haben kein Produkt, das auf Leidenschaft,

Weitsichtigkeit und Durchhaltevermögen

basiert. Nur auf blauen Augen und

schönen Visionen kann keine Finanzierung

mehr aufgebaut werden. Nur die Zahlen von

gestern, heute, morgen zählen. Was vor Jahren

viel zu einfach war, ist heute viel zu

schwierig. Ich glaube, dass wir wieder lernen

müssen, uns gegenseitig mehr zu unterstützen

und zu vertrauen.

Aber es war damals einfacher.

Auch dies kann man nicht sagen. Ich wusste

zum Beispiel erst, was ein Kredit ist, als ich

meinen Mähdrescher kaufte. Ich hatte ja zu

diesem Zeitpunkt noch kein Geld. Als ich

meine Werkstatt einrichtete, kaufte ich mir

das Eisen beim Altmetallhändler ein,

schweisste es zusammen und kittete dann

die Fensterscheiben rein. Das war alles auch

nicht einfach. Doch heute hast du es mit Vorschriften

zu tun, die es damals noch nicht

gab. Man kann heute nicht mehr einfach so

drauflos werkeln.

Wir staunen ...

Mit den Autos war es das Gleiche. Mit 17

Jahren kaufte ich mir – wie einige meiner

Kollegen auch – für dreihundert Franken ein

Auto. Bei mir war es ein Fiat 125. Daran werkelten

wir in der Hobby-Garage der Firma

Ammann herum, bis es schliesslich im dritten

oder vierten Anlauf durch die Prüfung kam,

und dann fuhren wir damit herum. Dies kann

man heute getrost vergessen.

Die Lehrfirma stellte Ihnen diese Hobby-

Garage zur Verfügung?

Ja, und manchmal, wenn wir am Morgen um

drei Uhr immer noch am Werken waren, fuhr

der damalige Patron Ueli Ammann mit dem

Haflinger vom Hügel herunter, um uns heimzuschicken.

Wir mussten ja ein paar Stunden

später wieder im Lehrbetrieb arbeiten.

Trotz Ihrer vielfältigen Aktivitäten sind

Sie auch heute noch bekannt als «Pneu

Bösiger».

Ich hatte auch die längste Zeit meiner beruflichen

Laufbahn mit Pneus zu tun. Als ich in

Roggwil die Metzgerei übernahm, war

Schluss mit der Reparatur von Landmaschinen.

Dafür wäre kein Platz mehr vorhanden

gewesen.

Heute steht der Name Bösiger längst nicht

mehr nur für Pneus, die aber immer noch

verkauft werden. Sie sind heute auch

Immobilien-Kaufmann und -Entwickler,

Gastronom und seit gut drei Jahren auch

Verleger. Selbst wenn wir in Betracht ziehen,

auf welche Weise Sie damals starteten,

so ist es doch erstaunlich, dass ein

ehemaliger Primarschüler ein derartiges

Imperium auf die Beine stellt.

Das war für mich nicht die Primarschule,

sondern das Gymnasium Untersteckholz.

Dort haben wir gelernt, das zwei und zwei

vier ergeben. Wir sassen von der fünften bis

zur neunten Klasse alle im gleichen Schulzimmer.

Alle, die nach der Schule nicht zuhause

arbeiten mussten, hatten einen «Wochenplatz».

Wir alle wussten, was es braucht,

um im Herbst Kartoffeln zu ernten, oder um

eine Kanne Milch in die Käserei bringen zu

können. Immer mehr lernte ich, dass uns die

Naturverbundenheit weiterbringt. Egal, um

was es geht: Hinter jedem Spiel steckt ein

Naturgesetz. Der Mensch ist von Natur aus

faul. Wir kommen alle erst aus dem Busch

heraus, wenn wir etwas machen können, das

uns Freude bereitet. Andererseits sind wir

Gewohnheitstiere. Eigentlich habe ich alles

meiner Herkunft zu verdanken.

Wie meinen Sie das?

Eigentlich habe ich alles meinen Eltern, dem

Dorf, in dem ich aufwuchs, und natürlich

auch der Region, in der wir leben, dem

Oberaargau, zu verdanken. Alles hängt und

hing immer auch von meinen Mitarbeitern

und Weggefährten zusammen, die mich auf

meinem Weg ein Stück begleiteten und immer

noch begleiten – und ohne die ich nie

so weit gekommen wäre. Ich wollte eigentlich

nie ein Spezialist auf einem bestimm-

Foto: zVg Truck Race

Markus Bösiger als

Seitenwagen-Pilot.

8 s’Positive 8 / 2017


Während

15 Jahren war

Markus Bösiger im

Truck-Racing

erfolgreich.

ZUR PERSON

Markus Bösiger

Markus Bösiger (geb.: 20. August 1957)

gründete seine erste Firma bereits als

19-Jähriger in Untersteckholz. Als Einzelfirma

unter seinem eigenen Namen war er

damals im Bereich Landmaschinen tätig.

1997 gründete Bösiger die Firmen Pneu

Bösiger AG und MB Immobilien AG. Als Generalist

verfolgt er beharrlich den Ausbau

des Angebots zur aktiven Freizeitgestaltung

in der Region. In seinen Firmen sind derzeit

ca. 60 Mitarbeitende beschäftigt. Bösiger

war auch als erfolgreicher Rennsportler bekannt.

Mit seinem Team «Pneu Bösiger» gewann

er 1997 und 1998 die Teamweltmeisterschaft

bei den Seitenwagen, und sein

Fahrer Steve Webster gewann in diesen

Jahren die Einzelwertung.

WEITERE SPORTLICHE ERFOLGE

1995: 3. Motorrad-WM (Seitenwagen

500 ccm) auf LCR-ADM

1994: 4. Motorrad-WM (Seitenwagen

500 ccm) auf LCR-ADM

2007: Europameister FIA Truck-Racing

(Fahrerwertung)

2001/08/10: Vize-Europameister

FIA TR (Fahrerwertung)

2007/08/09: 3-mal Team-Europameister

FIA TR (Teamwertung) auf Freightliner

2010/11: 2-mal Team-Europameister

FIA TR (Teamwertung) auf Renault

2014: Team-Europameister FIA TR

(Teamwertung) auf Renault

s’Positive 8/ 2017 9


MARKUS BÖSIGER

Geschäftssitz

in Langenthal

mit Restaurant,

Bowlingbahn,

Pneuhaus und dem

Hotel im Bau.

ten Gebiet sein. Mich haben immer viele

Dinge interessiert.

Zum Beispiel Immobilien.

Ich arbeite seit 1981 intensiv mit WIR. Dies

führte dazu, dass ich grössere WIR-Beträge

platzieren musste, was fast nur im Immobiliengeschäft

möglich ist. Doch es hat noch

andere Gründe. Immobilien haben mit Bedürfnissen

von Menschen zu tun und sind

mit Emotionen verbunden. Deshalb habe ich

Freude an Immobilien. Ich beschäftige mich

hauptsächlich mit Einfamilienhäusern und

Gewerbeimmobilien.

Derzeit bauen Sie beim Sportcenter Huttwil,

die Kletterhalle in Rohrbach und an

Ihrem Hotel in Langenthal.

Richtig. Diese Bauten haben eben mit aktiver

Freizeitgestaltung zu tun. Dies ist gemeinsam

mit dem kürzlich publizierten Reitsportzentrum

in Roggwil ein Gesamtprojekt.

Können Sie uns dieses Projekt etwas genauer

erläutern?

In Huttwil bauen wir eine zusätzliche Sportund

Eventhalle, in der die Möglichkeit besteht,

zusätzliches Eis zu machen. Diese

Halle verfügt vorläufig über keine Tribünen,

dafür über eine Gesamtfläche von 3000 m².

Das Fassungsvermögen beträgt zwischen

4500 und 5000 Personen.

Wie wird dies genutzt?

Dies kann für verschiedenartige Anlässe genutzt

werden. Dort werden Sportanlässe,

Ausstellungen, Theater etc. stattfinden. Der

erste Anlass wird Ende November der Saisonschluss-Event

von Dominique Aegerter sein.

Besteht hier die Verbindung zur Kletterhalle

in Rohrbach? Klettern kann man ja

auch in den Gebäuden von Campus Perspektiven.

Oben: Beim Sportzentrum Huttwil (Campus

Perspektiven) wird eine neue Halle gebaut.

Unten: Der Bau des Hotel-Multikoplexes.

Nein, die Verbindung ist nicht ganz richtig.

Klettern werden hier vor allem die Kinder.

Hier entsteht nämlich die schweizweit grösste

Indoor-Kinderkletter- und -spielwelt.

Das tönt interessant ...

Nebst Klettermöglichkeiten, Hüpfburgen

und der europaweit längsten Indoor-Rutschbahn

kommen auch die Erwachsenen nicht

zu kurz. Eltern und andere Begleitpersonen

sollen sich wohlfühlen. Dafür stehen den

Erwachsenen ruhige Rückzugsmöglichkeiten

und ein gemütliches Restaurant zur Verfügung,

oder sie können sich im Beauty-Park

verwöhnen lassen.

Sie werden die Kinderspielwelt selbst betreiben?

Nein. Wir konnten eine deutsche Firma als

Mieterin gewinnen, die schon seit vielen

Jahren sehr erfolgreich eine ähnliche Anlage

in der Nähe von Rust betreibt. Das Fundament

steht übrigens bereits, bis Ende 2018

sollte der Bau fertiggestellt sein. Gleich dahinter

bauen wir mit der «Swiss Clean Power»

auch noch ein kleines Kraftwerk. Viele

sagen zwar, das rentiere sich nicht. Aber es

muss auch nicht immer alles rentieren. Es

kann sich ja trotzdem lohnen. Lohnen und

rentieren ist nicht dasselbe.

Erklären Sie uns den Unterschied.

Gegenfrage: Rentieren Kinder?

Wenn Sie mich so fragen, eher nicht.

Aber Sie geben mir sicher recht, dass es sich

lohnt, Kinder zu haben.

Sie haben recht. Themawechsel: Was ist

die «Swiss Clean Power»?

Dies ist eine Firma, an der ich beteiligt bin.

Die beiden anderen Teilhaber sind Markus

Affentranger und Patrick Phillot. 2013 bauten

wir insgesamt 13 Anlagen, mit denen wir

2,5 Millionen Kilowatt Solarstrom produzieren.

Auch auf das 3000 m² grosse Dach des

Erweiterungsbaus des Sportcenters in Huttwil

kommen Panels, so wie sie auf der ganzen

Anlage bereits bestehen.

Zum besseren Verständnis: Deckt die

Stromproduktion all Ihrer Anlagen den

Strombedarf Ihrer Firmen?

Wir produzieren viel mehr Strom, als wir

selber brauchen. Die Produktion reicht für

knapp 700 Haushalte.

Sie sind also auch noch Stromproduzent?

Ich bin einfach Teilhaber der «Swiss Clean

Power». Genauso wie ich Teilhaber bin

10 s’Positive 8 / 2017


ZU VERMIETEN

(ganz oder teilweise)

• Produktionsräume/Büroräume/

Lagerräume

• Totale Nutzfläche 5000 m 2

• 2 Anpass-Rampen

• 43 Parkplätze

• Autobahnanschluss A1 Niederbipp

• Nahe Bahnhof Bannwil

Niederbipp

A1

Kanton Bern

5 Minuten

mit dem Auto

von der A1

entfernt.

Bannwil

Kanton Solothurn

Aare

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 079 431 56 42


MARKUS BÖSIGER

«Im Truck-Racing

gewann ich oft. Ich fuhr,

bis ich 57 Jahre alt war.

Zu diesem Zeitpunkt

war der jüngste Fahrer

40 Jahre jünger als ich.

Sein erstes Auto: ein Fiat 125. Freunde schenkten ihm zum 60. ein gleiches Modell.

beim Wärmeverbund Rohrbach. Dies ist

ebenfalls eine Aktiengesellschaft, an der Peter

Hirschi, Ex-Gemeindepräsident von

Rohrbach, und wiederum Markus Affentranger

beteiligt sind. Im Sägeareal befindet sich

die Heizzentrale, an der sich das Schulhaus,

die Turnhalle, das neue Altersheim, das ganze

Sägeareal und verschiedene Wohnliegenschaften

befinden oder befinden werden.

Alles wird mit erneuerbarer Energie, in diesem

Fall mit Holzschnitzeln, beheizt.

Wenn wir schon dabei sind: Wie läuft es

mit dem Bau Ihres Hotels? Es gibt Leute,

die meinen, der Bau ziehe sich hin.

Uns geht der Bau schnell genug. Wir brauchten

etwas länger, bis wir einen Betreiber

gefunden hatten. Zudem wurde Rom auch

nicht an einem Tag erbaut. Doch wenn Sie

nach dem Hotel fragen, liegen Sie falsch.

Inwiefern?

Eigentlich ist es ja kein Hotel. Wenn ich zurückkönnte,

würde ich es nicht mehr Hotel

nennen. Bei diesem Bau handelt es sich um

einen Multikomplex, dessen 85 Hotelzimmer

lediglich etwa fünfzehn Prozent des Gebäudevolumens

ausmachen. Der Komplex beinhaltet

Eventräume, ein Fahrzeugmuseum und

ein Café mit einer Autoverkaufsfläche. Alles

ist verbunden mit dem bereits vorhandenen

Bowlingcenter, den Restaurants «Elemänt»

und «The meat», dem Fitnescenter «MaxFit»

und dem Wellnescenter «Five Seasons».

Können sie mir auch noch etwas zum geplanten

Reitsportcenter sagen?

Dazu ist es noch zu früh. Das Projekt befindet

sich derzeit in der Gemeinde Roggwil. Angedacht

ist, dass das Reitsportzentrum eine

weitere tragende Säule unseres Gesamtprojekts

sein wird.

Sie waren ja auch Spitzensportler. Als

Spätberufener und Amateursportler gehörten

sie bei den Seitenwagen-Motorrädern

und später beim Truck-Racing zur

Weltspitze. Wie konnten Sie dies neben

all Ihrer Aktivitäten als Unternehmer bewerkstelligen?

Eigentlich wäre ich gerne Autorennen gefahren.

Doch zum Zeitpunkt, als ich mit dem

Sport begann, war ich bereits etwa acht Jahre

selbstständig. Deshalb wollte ich einen

Sport betreiben, der mir kommerziell etwas

bringt. Ich wollte nicht einfach nur Geld investieren,

sondern etwas betreiben, das ich

auch verkaufen und damit Geld verdienen

kann. Zudem erhoffte ich mir einen Werbeeffekt

für meine Firma. Zu diesem Zeitpunkt

war dies beim Gespannsport möglich, also

bei den Rennen mit den Seitenwagen-Motorrädern.

Dies war damals die Motorsportklasse

der Schweiz. Alle Rennen wurden im

Fernsehen gezeigt. Die Sportart war dementsprechend

populär.

Dafür, dass Sie erst so spät angefangen

hatten, waren Sie sehr erfolgreich.

Ein Rennen gewann ich bei den Gespannen

zwar nie, aber ich stand mehrere Male auf

dem Podest und wurde mit Beifahrer Jürg

Egli 1995 WM-Dritter. Aber wir waren über

die ganze Zeit die Einzigen, die nicht Profis

waren, und die zu den Rennen deshalb jeweils

als Letzte anreisten und als Erste wieder

abreisten. Wenn ein Rennen am Sonntagnachmittag

stattfand, war ich am Montagmorgen

wieder im Geschäft. Die letzten

drei Jahre hatten wir ein Doppelteam mit

Steve Webster, der zweimal die Weltmeisterschaft

gewann.

Wie kamen Sie auf das Truck-Racing?

Dies interessierte mich schon immer. Und als

die Gespann-Serien langsam ausliefen, weil

das Fernsehen nicht mehr mitmachte und

die Vermarktung nicht mehr klappte, wechselte

ich zu den Trucks. Und dies war gut so.

Weshalb waren denn die Trucks für Sie so

interessant? In der Schweiz fanden diese

Rennen ja kaum Beachtung.

Das stimmt. Doch insgesamt ist das Track-

Racing in Europa sehr populär. Am Nürburgring

kommen zum Truck-Racing Jahr für

Jahr 200 000 Zuschauer.

Im Truck-Racing waren sie einer der erfolgreichsten

Fahrer.

Ja, ich gewann oft. In 15 Jahren wurde ich

einmal Fahrer-Europameister, dreimal Vize-

Europameister und fünfmal Team-Europameister.

Insgesamt absolvierte ich ungefähr

600 Rennen.

Wie zahlte sich dies finanziell aus?

Als Werkfahrer hingen meine Einnahmen

davon ab, wie gut die Werbeflächen verkauft

wurden. Dabei war es natürlich hilfreich,

dass ich immer wieder Rennen gewinnen

und um die Meisterschaft fahren konnte.

Das Unglaubliche daran ist ja, dass Sie

vorne mitmischten, obwohl Sie die 50

längst überschritten hatten. Sie setzten

sich gegen Profis durch, die allesamt bedeutend

jünger waren.

Ich fuhr, bis ich 57 Jahre alt war. Zu diesem

Zeitpunkt war der jüngste Fahrer 40 Jahre

jünger als ich. Für mich war immer klar, dass

ich aufhöre, wenn ich nicht mehr gewinnen

kann. Aber in meinem letzten Jahr, als ich

noch fuhr, gewann ich immer noch mehrere

Rennen. Aber irgendwann ist es halt trotzdem

Zeit, aufzuhören.

Was immer wieder unterschätzt wird, ist,

dass ein Fahrer nur erfolgreich sein kann,

wenn er topfit ist. Wie hielten Sie sich jeweils

fit?

Ich trainierte viel mit dem Velo.

12 s’Positive 8 / 2017


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WISSEN

Weshalb wir uns

unterschiedlich

erinnern

Oft sind wir uns ganz sicher: Genau

so war es. Und doch müssen wir uns

eines Besseren belehren lassen. Wie

zuverlässig sind unsere Erinnerungen?

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Zwei Personen waren an derselben

Party. Danach befragt, bestätigt

die eine, dass der Anlass sehr lustig

war, während die andere angibt,

sich fürchterlich gelangweilt

zu haben. Wer erzählt denn nun die Wahrheit?

Vermutlich beide! Sie hatten einfach

beide eine total unterschiedliche «Brille» auf.

Für beide Personen waren unterschiedliche

Details wichtig.

Erinnerungen sind oft sehr unzuverlässig.

Unser Gedächtnis ist zwar unser Archiv. Die

darin abgelegten «Dokumente» sind jedoch

alles andere als unverfälscht. Das belegen

unter anderem Untersuchungen von Augenzeugenberichten.

Stellt man bei der polizeilichen

Befragung etwa Suggestivfragen wie:

«Haben Sie gesehen, dass der Täter eine

rote Krawatte trug?», kann das die Erinne-

rungen verzerren. Im Moment der Befragung

kurz nach der Tat weiss der Zeuge, dass er

sich nicht an eine rote Krawatte erinnern

kann. Verstreicht aber eine gewisse Zeit,

kann er die beiden Quellen oft nicht mehr

– das tatsächlich Beobachtete und die Informationen

aus der Suggestivfrage – auseinanderhalten.

Er glaubt dann plötzlich doch,

er habe einen Täter mit roter Krawatte gesehen.

Psychologen sprechen hier von der so

genannten Quellenverwechslung.

Auch ein Experiment von Loftus und Palmer

(1974) zeigt auf, wie Personen von der

Wortwahl der Befragung beeinflusst werden.

Zwei Gruppen von Versuchspersonen wurde

ein Film eines Frontalcrashs zweier Autos

gezeigt. Danach wurden sie befragt – und

zwar mit einer jeweils leicht anderen Wortwahl

in der Frage:

Frage an Gruppe A: «Wie schnell fuhren die

Autos, als sie ineinanderrasten?»

Frage an Gruppe B: «Wie schnell fuhren die

Autos, als sie sich berührten?»

Bei der Gruppe A lautete das durchschnittliche

Ergebnis 65 km/h, bei Gruppe B waren

es lediglich 50 km/h. Die Wortwahl «ineinanderrasten»

(A) und «sich berührten» (B)

war also entscheidend für die Beurteilung

der Geschwindigkeit.

Eine Woche später wurden die beiden

Gruppen erneut befragt, und zwar danach,

ob sie Glassplitter gesehen hätten. Im Film

waren keine zu sehen. Trotzdem beantworteten

33 Prozent der Befragten aus Gruppe

A, dass sie welche gesehen hätten. Bei Gruppe

B waren es 14 Prozent, also weniger als

die Hälfte. Loftus und Palmer folgerten da-

Foto: Shutterstock.com/Photographee.eu

14 s’Positive 8 / 2017


Wer ist an der Affäre

schuld? Oft wird die

Erinnerung unbewusst

so angepasst, dass der

jeweils andere für

den ersten Schritt

verantwortlich ist.

raus, dass Information aus der Zeit nach dem

Unfall (nach der Darbietung des Gedächtnismaterials)

die Erinnerung drastisch verzerren

kann.

DIE INDIVIDUELLE «BRILLE»

Suggestivfragen sind jedoch nur ein Beispiel

von vielen, die unsere Erinnerungen beeinflussen.

Starke Beeinflusser sind auch unser

Glaube, innere Regeln, Werte und Erfahrungen.

Dies zeigt unser einfaches Beispiel der

Party, mit dem wir uns etwas näher befassen

wollen. Was könnten denn das für unterschiedliche

«Brillen» gewesen sein?

Die Stimmungen der beiden Personen

könnten unterschiedlich gewesen sein. Die

Wahrnehmung eines derartigen Anlasses ist

immer auch von der jeweiligen Stimmung

abhängig. Die beiden Personen könnten unterschiedlich

interessante (oder langweilige)

Gesprächspartner gehabt haben. Eventuell

begann ja für die eine Person an diesem

Abend sogar eine neue Beziehung oder Affäre.

Möglich ist auch, dass eine Person generell

gerne an Partys geht, während die

andere solche Veranstaltungen doof und

oberflächlich findet.

ZEIT VERÄNDERT DIE ERINNERUNG

Die amerikanische Serie «The Affair» zeigt

ein Experiment, bei welchem die Geschichte

jeder Folge gleich zweimal erzählt wird. In

einer Folge verhört ein Kommissar den Familienvater

Noah und seine Geliebte Alison

getrennt voneinander in einem Mordfall, mit

dem jedoch beide nichts zu tun haben. Die

beiden müssen sich erinnern: Wie begann

ihre Affäre? Wer machte den ersten Schritt?

Wer war damals wie angezogen? Die Serie

beleuchtet die Geschehnisse aus unterschiedlichen

Blickwinkeln. Einmal aus seinen,

einmal aus ihren Augen.

Spannend ist dies deshalb, weil sich die

Erinnerungen der beiden stark unterscheiden.

Gemäss Noah hat ihn Alison wie ein

Vamp verführt. Alison erinnert sich jedoch

ganz anders: Der stürmische Noah habe sie

vor allem wegen ihrer Trauer um ihr verlorenes

Kind herumgekriegt. Sie ist sich zudem

sicher, dass Noah ganz seriös rüberkam und

ein einfarbiges, zugeknöpftes Hemd trug.

Noah dagegen sagt, dass er damals ein T-

Shirt und darüber ein offenes Karohemd

trug. Was stimmt? Wer lügt?

Die Situation in «The Affair» sei durchaus

realistisch, sagt Hannah Monyer von der Uniklinik

Heidelberg gegenüber dem deuts’Positive

8 / 2017 15


Leid- und Gefahrensituationen

speichert

unser Gehirn ab, um

ähnliche Situationen

zu vermeiden

schen Magazin «P. M.». «Unser Gedächtnis ist

genauso individuell wie unsere Persönlichkeit.»

Und die Ärztliche Direktorin der Klinischen

Neurobiologie sagt weiter: «Manchmal

erinnern wir uns an ein Ereignis komplett

anders als jemand, der ebenfalls dabei war.»

Dies liege zum Teil daran, dass wir eine Situation

schon in der Gegenwart anders erleben

würden als unser Gegenüber. Noch wichtiger

sei jedoch, dass ganz stark von unserer Lebensgeschichte,

unserem Wahrnehmungssystem

und vom Zeitpunkt des Erinnerns abhänge,

was wir in der Erinnerung abrufen können.

«Wir blicken auf dasselbe Ereignis im

Laufe der Zeit unterschiedlich zurück. Neue

Erfahrungen verändern unsere Erinnerungen,

ohne dass wir dies bemerken.»

Doch weshalb ist dies so? Sind unsere

Erinnerungen grundsätzlich falsch? «Wir

wissen, dass sie nicht immer richtig sind»,

sagt Monyer. Es sei ganz normal und zunächst

kein Problem, dass wir Vergangenes

oft nur unvollständig abrufen können. «Unser

Gedächtnis ist so eingerichtet, dass es uns

hilft, in der Gegenwart und in der Zukunft

zurechtzukommen», erklärt die Wissenschaftlerin.

Die Vergangenheit detailgetreu

abzurufen, sei nicht notwendig. «Evolutionstechnisch

macht es keinen Sinn, alles zu

erinnern. Wir müssen viel mehr selektionieren,

welche Erinnerung wichtig sind.»

NUR WICHTIGES WIRD GESPEICHERT

Selbst bei den einfachsten Tätigkeiten prasseln

Millionen Eindrücke auf uns ein. Doch

die wenigsten dringen in unser Bewusstsein

vor, und von diesen bleibt ebenfalls nur ein

Oft kann bereits bei

der Betrachtung eines

Gegenstandes die

Wahrnehmung völlig

unterschiedlich sein.

Bruchteil darin haften. Nur Aussergewöhnliches

oder Bedeutsames ist dem Gehirn eine

Erinnerung wert, die sich auch auf Details

erstreckt. Werden wir Zeugen eines Überfalls,

kann sich die Kleidung des Täters auf

Dauer in unser Gedächtnis einbrennen. Das

macht in der Menschheitsgeschichte durchaus

Sinn. Das Gehirn speicherte Leid- oder

Gefahrensituationen ab, um sie in der Zukunft

meiden zu können. Besonders gut erinnern

wir uns an etwas, das mit Emotionen

verknüpft ist. Wer sich beispielsweise an die

schrecklichen Terroranschläge vom 11. September

2001 erinnert, weiss oft auch noch,

in welcher Umgebung er sich damals befand

und was er gerade tat, als er von dem Geschehen

erfuhr.

Neurobiologisch betrachtet wird eine weit

verzweigte Gruppe von Hirnzellen gleichzeitig

aktiv, sobald wir etwas derart Einducksvolles

erleben. Unterschiedliche Informationen,

zum Beispiel Gerüche oder optische

Eindrücke, werden dabei an unterschiedlichen

Orten im Gehirn verarbeitet.

Anschliessend verstärkt das Gehirn die

Verbindungen zwischen diesen Zellen und

verknüpft sie zu einem Netzwerk. Wird später

durch ein ähnliches Ereignis ein Teil

dieser Zellen erneut aktiviert, werden die

anderen Netzwerkzellen ebenfalls aktiv. Es

kommt zu Assoziationen und dem Phänomen

der Erinnerung. Ist ein Ereignis mit

starken Emotionen verbunden, kann das die

Haltbarkeit dieser Netzwerke steigern. Wir

erinnern uns länger daran.

Warum aber behalten wir eine Situation

nicht nur besser oder schlechter als andere

Menschen im Kopf, sondern tatsächlich unterschiedlich?

«Ganz einfach», sagt Hannah

Monyer. «Was der Eine als emotional bedeutend

empfindet, ist dem Anderen vielleicht

weniger wichtig.» Ein Unfall mag für jeden

ein schreckliches Ereignis sein. Aber die

meisten Erfahrungen im Leben sind deutlich

vielschichtiger und werden von jedem Einzelnen

individuell bewertet.

Welche Teile einer Erfahrung uns im Bewusstsein

haften bleibt, ist also stark individuell

bedingt. Beispielsweise bei der Affäre

von Noah und Alison. Das Gehirn versucht,

Erfahrenes mit unserem Selbstbild in Einklang

zu bringen. Es kann deshalb passieren,

dass die Vergangenheit einer Wunschvorstellung

angepasst wird. So wie bei Alison und

Noah. Keiner möchte gerne für die aussereheliche

Affäre verantwortlich sein. Und so

hat in der Erinnerung beider der jeweils

andere die Initiative ergriffen. Darin kann

man eine Verfälschung der Vergangenheit

sehen. Monyer spricht eher von einer Aktualisierung.

Wir formen unser Gedächtnis um,

ohne dass uns dies bewusst ist.

Foto: Shutterstock.com/ESOlex

16 s’Positive 8 / 2017


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WUSSTEN SIE SCHON

WUSSTEN

SIE SCHON?

KÖRPERSPRACHE

Verraten wir

unseren Charakter

mit dem Gang?

Die meisten von uns schliessen bereits aus dem Gang und dem

Auftreten eines Gegenübers mehr oder weniger bewusst auf dessen

Persönlichkeit. Ob zackig oder geschmeidig, fliessend oder

abgehackt – wie ein Mensch auf uns zukommt, gibt uns erste

Aufschlüsse darüber, um wen es sich dabei handelt. Einigen Auffälligkeiten

beim Gehen lassen sich Eigenschaften zuordnen, sagen

Psychologen der Universität von Portsmouth (GB), die unter

der Leitung von Liam Satchell entsprechende Tests vorgenommen

haben. Sie nahmen den Gang von 29 männlichen und weiblichen

Versuchspersonen unter die Lupe.

Dabei hatten die Probanden zunächst ausführliche Fragebogen

auszufüllen, um Eigenschaften wie Aggressivität, Offenheit, Gewissenhaftigkeit,

Extrovertiertheit, Freundlichkeit und emotionale

Stabilität bzw. Labilität zu ermitteln. Anschliessend sollten

die Teilnehmer auf einem Laufband in ihrer gewohnten Geschwindigkeit

und so natürlich wie möglich gehen, während ihr Gang

mittels Motion-Capture-Technik aufgezeichnet wurde. Dazu wurden

auf Hüften, Schultern, Beinen und Füssen Marker befestigt,

mit denen die Bewegungen einzelner Körperteile digital erfasst

und analysiert wurden. Besonderen Fokus legten Forscher dabei

auf die Bewegungen des Brustkorbes mit den Armen sowie auf

die Hüften. Die Bewegungen wurden danach mit den zuvor ermittelten

Persönlichkeitsmerkmalen verglichen.

Das Ergebnis zeigt auf, dass aggressive Menschen beim Gehen

auffällig stark mit ihrem Ober- und Unterkörper rotieren, wogegen

eine auffällige Bewegung nur des Beckens auf Merkmale wie Offenheit

und soziale Begabung hinweisen. Weniger ausgeprägte

Bewegungen deuten gemäss den Forschern auf Ausgeglichenheit,

Gewissenhaftigkeit und Kreativität hin.

1

18 s’Positive 8 / 2017


2

DEFINITION FRÜHER UND HEUTE

Wie lange dauert ein Moment?

Unter einem Moment verstehen wir heute

eine kurze Zeitspanne, vergleichbar mit einem

Augenblick. Doch als im europäischen

Mittelalter die Zeit noch mit Sonnenuhren

gemessen wurde, war der Moment eine definierte

Zeiteinheit. Eine Stunde auf der Sonnenuhr

wurde eingeteilt in vier «Puncta»,

zehn «Minuta» und 40 «Momenta». Wie

lange dauerte also ein Moment? Da Sonnenuhren

sich an Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

orientieren, die Tage jedoch je

nach Jahreszeit länger oder kürzer sind, war

die Dauer der Stunden und damit die Zeitspanne

eines Moments nicht immer exakt

gleich lang. Der Moment dauerte mal etwas

mehr, mal etwas weniger als 90 Sekunden.

Ab dem 13. Jahrhundert kamen die ersten

mechanischen Uhren auf und mit ihnen wurde

die Zeit neu eingeteilt. Der Moment verlor

seine ursprüngliche Bedeutung. Lediglich im

angloamerikanischen Zeitsystem spielte er

in der Seefahrt noch länger eine Rolle und

wird bis heute angegeben mit 1,5 Minuten

oder 90 Sekunden.

Fotos: Shutterstock.com/PanicAttack/Laura Maeva/Vyntage Visuals

DAS BAD IN DER SONNE

Wie der braune Teint «in» wurde

Coco Chanel (1883-1971) veränderte die

Ansicht der Menschen darüber, was wir als

schön empfinden, gleich mehrmals. Sie befreite

die Frauen nicht nur aus unbequemen

Kleiderformen, sondern lebte auch einen

unbekümmerten Lebensstil vor. In den

1920er-Jahren fuhr sie regelmässig zum

Sonnenbaden in die Normandie und an die

Côte d’Azur, sonnte sich dort und zeigte anschliessend

ihre Bräune auf den Pariser Boulevards.

Allerdings bezeichnete sie die Farbe

nicht als Bräune, sondern als «Bronzage».

Und zwar aus guten Gründen: Erstens zeigte

Frau Chanel damit, dass sie es mit dem

Sonnenbaden nicht übertrieb. Zweitens

klingt diese Bezeichnung viel edler. Das

musste sie auch. Denn zuvor galt blasse Haut

als Schönheitsideal. Wohl vor allem deswegen,

weil die begehrte Blässe verriet, dass

man zu einer höheren Schicht gehörte, die

nicht auf den Feldern arbeiten musste. Vor

allem in der Romantik war eine weisse Gesichtshaut

unverzichtbar. Sie unterstrich

noch die «Zerbrechlichkeit» der Frau, die als

höchst erotisch galt. Bis ins frühe 20. Jahrhundert

hinein war das Sonnenschirmchen

unverzichtbar für Damen aus dem Adel oder

im Bürgertum.

Doch wenn wir weiter in der Zeit zurückblicken,

stos sen wir auf Epochen, in denen

braune Haut als chic galt. Zum Beispiel in

der römischen Antike. Von den reichen Römern

ist bekannt, dass sie sich bei ihren Villen

Terrassen fürs Sonnenbad anlegen liessen.

Diese Terrassen heissen «Solaria» oder

im Singular «Solarium».

3

s’Positive 8 / 2017 19


NORDKOREA – TEIL 2

ZWISCHEN

ATOMBOMBEN

UND HOLZVERGASERN

Nordkorea bleibt in den Schlagzeilen. Wie tickt dieses

geheimnisvolle, vermeintliche «Reich des Bösen»

eigentlich? Vor Ort habe ich einen Versuch unternommen,

Antworten auf diese Frage zu finden.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Foto: Shutterstock.com/Attila JANDI

20 s’Positive 8 / 2017


Ach, es ist nicht einfach, herauszufinden,

wie die Welt wirklich

ist. Dafür ein Beispiel aus nächster

Nähe. Die «Weltwoche» erstellt

jedes Jahr ein Ranking der

Gemeinden in unserem Land. Die Frage: Wo

ist die Lebensqualität am höchsten? Und jedes

Mal stehen Gemeinden aus dem Oberaargau

(namentlich Huttwil) am Ende dieser

Rangliste. Würde sich einer dieser Zürcher

«Schreibtischtäter» einmal bemühen, vor Ort

festzustellen, wie hoch die Lebensqualität

gerade im Oberaargau ist – viel höher als in

den hochgepriesenen Gemeinen im Grossraum

Zürich – würde solcher Unsinn nicht

in die Welt gesetzt werden.

Wenn wir schon vor der eigenen Haustür

so viel Mühe haben – wie schwierig ist es

dann erst, verlässliche Informationen vom

anderen Ende der Welt, beispielsweise aus

Nordkorea, zu bekommen? Nordkorea interessiert

offensichtlich. Soeben hat «Der Spiegel»,

das wichtigste Nachrichtenmagazin im

deutschen Sprachraum, eine Reportage zum

Thema publiziert. Der Titel: «Im Schatten

der Bombe – ein Besuch an der gefährlichsten

Grenze der Welt.» Der Einfachheit halber

ist es eine Reportage aus der Sicht der Südkoreaner.

Denn von Norden her gibt es nicht

so einfach Zutritt zu dieser gefährlichen

Grenze.

Aber eben: Wie ist es auf der anderen

Seite dieser Grenze? Nordkorea hat eine

ganz eigene Form des Sozialismus entwickelt.

Die sogenannte «Dschutsche-Ideologie»

(englische Schreibweise: Juche Ideology).

Sie ist von Staats- und Parteigründer

Kim Il-Sung auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus

entwickelt worden. Sie hat

eine ganz eigene, auf die nordkoreanische

Kultur ausgerichtete Prägung mit der zentralen

Botschaft, der Mensch sei Herr seines

Schicksals. Ob zynisch oder nicht – es ist die

offizielle Botschaft. Diese Art des Sozialismus

ist nur in Nordkorea in die Wirklichkeit

umgesetzt worden. Es gibt aber in mehr als

100 Ländern Vereinigungen, die sich mit

dieser Ideologie beschäftigen. Eine auch in

der Schweiz.

TRAUMA KOREAKRIEG

Zentrale Prinzipien sind die politische, wirtschaftliche

und militärische Selbstständigkeit.

Sie entsprechen durchaus dem Charakter

dieses stolzen Volkes mit einer über tausendjährigen

Kultur und den Schlussfolgerungen

der neueren Geschichte: Korea stand

70 Jahre lang bis zum Ende des Zweiten

Weltkriegs unter grausamer japanischer

Zwangsherrschaft. «Wir beugen uns nicht»

ist eine Aussage, die ich in den Gesprächen

oft gehört habe. Es ist keine Phrase. Diese

Unbeugsamkeit gehört zur Kultur und –

Die ehemaligen

Führer Nordkoreas,

verewigt in der

Hauptstadt

Pjöngjang.

s’Positive 8 / 2017 21


NORDKOREA – TEIL 2

das sollten wir nicht unterschätzten – dieses

Volk ist trotz seines Regimes stolz auf sein

Land und seine Kultur. Daraus ergibt sich

eine Tragödie, ein tragischer Irrtum der Geschichte.

Aber auch eine Erklärung, wie es

sein kann, dass ein Land eine Armee mit

Atombomben, Raketen und Holzvergaser-

Lastwagen unterhält, gleichzeitig aber das

Volk hungern lässt.

Der im Westen beinahe vergessene, grausame

Korea-Krieg (1950 bis 1953) hat ein

tiefes Trauma hinterlassen. Unbesehen davon,

wer diesen Krieg letztlich begonnen hat

(aus Sicht der Nordkoreaner die Amerikaner,

aus westlicher Sicht die Nordkoreaner), war

es im Verständnis der Nordkoreaner ein Befreiungskrieg

gegen den US-Imperialismus

(«grosser vaterländischer Befreiungskrieg»).

Das heute noch spürbare Charisma von Präsident

Kim Il-Sung nährt sich aus seiner Rolle

erst als Widerstandskämpfer gegen die

Japaner und dann als oberster Befehlshaber

der nordkoreanischen Volksarmee. Er ist so

etwas wie der «General Guisan der Nordkoreaner».

Zu seinen Ehren ist ein grosser Triumphbogen

errichtet worden, der in Dimensionen

und Architektur durchaus an den «Arc

de Triomphe» in Paris mahnt.

Der nordkoreanische Sozialismus ist extremer

und repressiver als jener der einstigen

Sowjetunion. Die Geschichte lehrt uns, dass

sich Sozialismus nie gewaltfrei durchsetzen

lässt. Selbst der beaufsichtigte Besucher hat

einst in der Sowjetunion immer Nischen des

Kapitalismus gefunden. Schwarze Geldwechslerei

war gang und gäbe und ich hatte

ZUSATZINFOS

«Das Reich des Bösen»?

Ist Nordkorea eine Bedrohung

für die Welt? Entspricht die

nahezu permanente Präsenz

in den Nachrichten tatsächlich

seiner Bedeutung für die Sicherheit

der Welt? Bei gesundem

Menschenverstand ist die

Antwort auf beide Fragen

«nein». Wenn schon die riesige

Sowjetunion, deren Reich

sich von Berlin bis Wladiwostok

erstreckte und die über

riesige Mengen an Atomwaffen,

Langstreckenbomber und

Raketen verfügte, in ihrer Geschichte

nie einen Angriff auf

den Westen wagte – wie sollte

dann ein Land auf einer Halbinsel

im fernen Asien eine

echte Bedrohung für die Welt

sein? Wie sollte ein Land mit

einer Armee, die viele ihrer

Lastwagen wegen Treibstoffmangels

mit Holzvergasern

Die wohl dichteste Staatsgrenze der Welt.

fahren lassen muss, einen Angriffskrieg

führen? Wie soll

ein Land ohne Rohstoffbasis

(abgesehen von Kohle) einen

Angriffskrieg führen? Von

Nordkorea aus gibt es auch

keine terroristische Bedrohung

des Abendlandes. Nicht

unbedingt ein Zyniker, wer in

diesem Zusammenhang anmerkt:

Wahrscheinlich sind die

USA eine ebenso grosse Gefahr

für den Weltfrieden. Der

gesunde Menschenverstand

sagt, dass Nordkoreas Raketen-

und Atomprogramm defensiver

Natur ist. Und ein

grandioses PR-Instrument.

Jeder Test sichert Nordkorea

Schlagzeilen in den Weltmedien.

Nordkorea wird ernst genommen.

So festgefahren die

Nordkoreaner in ihrer US-Paranoia

auch sein mögen, so

blockiert ist das westliche

Denken über Nordkorea als

«Reich des Bösen». Erst die

Geschichte wird uns lehren, ob

Nordkorea tatsächlich dieses

«Reich des Bösen» war. Der

verwirrte, bisweilen aufgewühlte

Besucher fühlt nach

seiner Rückkehr eine hilflose

Traurigkeit. Wie kann es sein,

dass ein stolzes Volk mit einer

mehr als tausendjährigen Geschichte

von der ganzen Welt

geächtet wird?

Fotos: Shutterstock.com/Matej Hudovernik/Mieszko9/Rex Wholster

22 s’Positive 8 / 2017


Gegensätze in

Nordkorea: Sicht

über Pjöngjang (links)

und die grünen

Hügel des isolier ten

Landes.

genug Beziehungen, um einst in Moskau

jeden Abend im Ausgang zu rocken und in

feinen Restaurants zu speisen. Zugang durch

die Hintertür. Das ist in Nordkorea völlig

undenkbar.

WEIT WEG VOM KAPITALISMUS

Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit,

und im Gespräch wird sogar stolz darauf

hingewiesen. Aber ansonsten wird das Thema

gemieden wie das geweihte Wasser vom

Teufel. Es ist also besser, sich nicht auf diese

Religionsfreiheit zu berufen. Denn die Staatsideologie

ist atheistisch (gottlos). Ich habe

vergeblich versucht, einen Gesprächspartner

davon zu überzeugen, dass die Werte des

Christentums mit den Werten eines menschlichen

Sozialismus vereinbar sind. Das Problem:

Der Staat toleriert keine andere Lehre

als die eigene. Ja, es ist unvorstellbar, dass

es neben der offiziellen Wahrheit noch eine

andere geben könnte.

In Nordkorea gibt es auf den ersten Blick

keine Überreste des Kapitalismus. Zumindest

nicht so offensichtlich wie einst in Osteuropa.

Die Wohnungsmiete ist abgeschafft,

der Staat teilt die Wohnungen zu. Bezahlt

werden nur die Nebenkosten (Strom, Wasser).

Daraus ergibt sich eine totale Abhängigkeit

vom Wohlwollen der staatlichen

Stellen. Es existieren, abgesehen von kleinen

Kiosken, praktisch keine Läden. Geld wird

nicht gewechselt, der Ausländer bekommt

die einheimische Währung nicht zu Gesicht.

Der Tourist zahlt an der Hotelbar, im Hotel-

Shop oder an der Autobahnraststätte in Euro

oder Dollar und kriegt sogar Euro-Münzen

als Wechselgeld. Ein Bankensystem im westlichen

Sinn gibt es nicht. Kreditkarten wer-

Die Kriegsbedrohung wird auch

heute noch im Alltag als real empfunden

und durch die praktisch

von allen Ländern mitgetragenen

Sanktionen laufend bestätigt.

den nicht akzeptiert. Die Genossen haben

keine Bankkonten. Der Lohn wird Ende Monat

bar auf die Hand bezahlt. Die Begründung

dafür ist einleuchtend: Der Lohn reiche

ja gerade fürs Allernotwendigste, und da

brauche es kein Bankkonto. Was mich zur

zynischen Bemerkung veranlasst hat, das

komme mir bekannt vor: Das treffe bei uns

auch auf viele zu – und auf dem Bankkonto

gebe es ja keine Zinsen mehr. Nur noch Spesenabzüge.

Der Krieg ist 1953 nur durch einen Waffenstillstand

und nicht mit einem Friedensvertrag

beendet worden. Die Nordkoreaner

können sich aus diesem Trauma nicht lösen.

Die Kriegsbedrohung wird auch heute noch

im Alltag als real empfunden und durch die

praktisch von allen Ländern mitgetragenen

Sanktionen ja laufend bestätigt. Der Befreiungskampf

ist nicht beendet.

Die Demarkationslinie am 38. Breitengrad

wird als Grenze nicht akzeptiert. Ob

realistisch oder nicht, spielt keine Rolle: Das

grosse Sehnsuchtsziel ist die Vereinigung des

Vaterlandes, ein Ende der Präsenz der US-

Imperialisten auf der koreanischen Halbinsel.

In den in Nordkorea verkauften Landkarten

ist diese Demarkationslinie nicht

eingezeichnet. Die Argumentation, nur eine

atomare Bewaffnung bewahre die Unabhängigkeit,

ist für die Nordkoreaner keineswegs

so absurd wie für uns. Es gilt die Ansicht, die

Amerikaner hätten den Irak nicht zerstört,

wenn Saddam Hussein im Besitze der Atomwaffe

gewesen wäre. Für Raketen und Atombomben

werden denn auch enorme Entbehrungen

ertragen.

Die Architekten des Regimes haben sich

intensiv mit dem Zusammenbruch des Sozialismus

in der Sowjetunion

beschäftigt und sind zum

Schluss gekommen, dass eine

Vernachlässigung der Ideologie

den Untergang herbeigeführt

habe. Die Pflege der

Ideologie, um sie auch der

heranwachsenden neuen Generation

«einzuimpfen», ist

Programm – und wirkt unheimlich.

Nicht eine Liberalisierung

von Wirtschaft oder

Gesellschaft, sondern eine Straffung der

Planwirtschaft und der Bevormundung stehen

im Zentrum der Innenpolitik. Die praktische

Auswirkung ist eine völlige Abschottung

gegenüber dem Ausland, die es in dieser

extremen Form in der Geschichte noch

nie gegeben hat und dem Land den wohl

schlechtestmöglichen Ruf beschert.

Während es etwa zwischen dem kapitalistischen

West- und dem sozialistischen

Ostdeutschland auch während des Kalten

Krieges einen intensiven Nachrichtenaustausch

gegeben hat, herrscht zwischen Nordund

Südkorea absolute Funkstille. Südkoreaner

können nicht nach Nordkorea einrei-

s’Positive 8 / 2017 23


Grenze zwischen

Nord- und Südkorea

(links). Der gigantische

Triumphbogen

wurde zu Ehren Kim

il-Sungs erbaut.

sen – und umgekehrt. Durch die Demarkationslinie

getrennte Familien wissen nicht,

ob ihre Verwandten im Süden bzw. im Norden

noch leben. Ausländische TV- und Radio-Programme

sind nur in den Touristenhotels,

und dort auch nur in den für Touristen

reservierten Etagen empfangbar.

Ausländische Zeitschriften und Zeitungen

sind nicht erhältlich, und die Einführung von

ausländischen DVDs, Büchern oder Zeitschriften

ist eine der schwersten Straftaten.

Sie führen in der Sprache der Nordkoreaner

zur «Deportation ohne Wiederkehr». Das

Internet existiert und wird Intranet genannt.

Es funktioniert nur innerhalb des Landes.

Smartphones sind in den Städten weit verbreitet,

aber Verbindungen ins Ausland sind

nicht möglich. Das führt dazu, dass die eigene

Bevölkerung wie der Frosch im Brunnen

keine Ahnung hat, was draussen in der Welt

passiert. Wahrscheinlich deshalb gehen viele

davon aus, in der Besten aller Welten zu

leben. Die «kleinen Leute» in Nordkorea haben

den Namen Roger Federer noch nie gehört.

Aber umgekehrt sehen wir draussen in

der Welt auch nicht, was im Brunnen passiert.

Es gibt bei der totalen Abgrenzung

eine Ausnahme: Nordkoreanische Arbeiter

werden temporär nach China, Russland oder

Katar «ausgemietet». Die Deviseneinnahmen

gehen an die Regierung.

gung durchgesetzt hat. Auch hier: Es ist unmöglich

herauszufinden, wer das Abzeichen

freiwillig trägt und wer widerwillig. Interessant

ist, dass es nur Abzeichen vom Grossvater

und Vater gibt, aber keine vom aktuellen

Staatschef. Von ihm gibt es auch keine Statuen

und Wandgemälde. Er ist bloss in den

Medien allgegenwärtig. Die Begründung: Es

sei eine Geste des Respektes der Arbeit und

der Verdienste seines Vaters und Grossvaters.

Es fällt auf, dass die Männer praktisch

Einheitsfristuren tragen, geschnitten wie die

des aktuellen Staatsoberhauptes. Mein Gesprächspartner

sagt, das sei aus Verbundenheit

mit der Obrigkeit so. Er reagiert entsetzt

auf meine Entgegnung, gottseidank habe der

Marschall keine Glatze. Enganliegende

Shirts, Blusen oder enge Hosen sind nicht

erlaubt, kurze Röcke und lange Haare sowieso

nicht, und T-Shirts mit westlichen oder

sonstigen Aufdrucken schon gar nicht. «Sittenwächter»

in der Stadt schreiben die Namen

allfälliger Sünder auf. Fehlbare Personen

bekommen eine ernste Ermahnung.

Es ist möglich, im Gespräch die Frage

nach den Lagern zu stellen. Doch hat jeder

ZUSATZINFOS

Sanktionen als Allheilmittel?

gut geschulte Ideologe darauf eine Antwort.

Etwa die, dass beispielsweise die Amerikaner

nicht nur die Todesstrafe haben, sondern

darüber hinaus prozentual mehr Menschen

in Gefängnisse eingesperrt haben als seinerzeit

Stalin in seine Arbeitslager.

HERMETISCH ABGERIEGELT

Eine verlässliche Überprüfung der Berichte

und Zeugnisse aus Arbeitslagern in Nordkorea

ist bei dieser geschlossenen Gesellschaft

selbst für Geheimdienste unmöglich. Auch

die vielen Storys über allerlei illegale Tätigkeiten

des Regimes zur Beschaffung von

Devisen – die besten Hacker und Geldfälscher

sollen in Nordkorea sitzen – sind

schlicht und einfach nicht überprüfbar.

Wie stark ist dieses Regime? Wie fest sitzt

es im Sattel? Diese Frage kann nicht einmal

der südkoreanische Geheimdienst beantworten.

Eine wichtige Rolle spielt dabei - wie bei

allen geschlossenen Gesellschaften - die

Strahlkraft des Chefs. So viel erkennt selbst

ein ausländischer Besucher: Kim Jong-un hat

bei weitem nicht (oder noch nicht) das Charisma

seines Grossvaters.

WIE DER VATER, SO DER SOHN

Die Verbundenheit zwischen Führung und

Volk wird mit dem Parteiabzeichen demonstriert.

Jeder – wirklich jeder – trägt an seiner

Kleidung ein Abzeichen mit dem Portrait von

Kim, dem Präsidenten oder dem General –

oder von beiden. Und zwar möglichst nahe

am Herzen. Abgelegt wird das Abzeichen nur

bei schwerer Arbeit, bei der das Abzeichen

beschmutzt werden könnte. Es gibt in der

Geschichte wahrscheinlich kein Regime, dass

eine so extreme optische Loyalitätsbezeu-

Es ist – wie uns schon ein

Blick in die Geschichte lehren

müsste – ein tragischer

Irrtum zu glauben,

ein Regime lasse sich allein

durch Sanktionen von

aussen in die Knie zwingen.

Eher das Gegenteil ist

der Fall. Unter den Sanktionen

leidet nicht die Elite.

Der Hunger trifft die kleinen

Leute, die als Folge

davon nur noch mehr damit

beschäftigt sind, zu

überleben. Weil das Landleben

elendiglich sein

kann, bemüht sich in der

Stadt wohl jeder um Anpassung,

um nicht für immer

aufs Land geschickt

zu werden. Letztlich dürfte

durch die Sanktionen die

Position der Führung eher

gestärkt werden. Denn die

Sanktionen bestätigten ja

die Bedrohung aus dem

Ausland und liefern den

Grund für alles, was nicht

funktioniert, für alle Entbehrungen

und Zwangsmassnahmen.

Wenn schon,

dann wäre das Regime

wahrscheinlich am ehesten

durch eine grosszügige

Unterstützung und rege

Handelsbeziehungen und

den damit ins Land sickernden

westlichen Einflüssen

zu schwächen.

Fotos: Shutterstock.com/Panu Kosonen/Attila JANDI

24 s’Positive 8 / 2017


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MARC LÜTHI

«Der Oberaargau ist

SCB-Land»

Marc Lüthi geht in seine 20. Saison als CEO

beim SC Bern. Im Interview erzählt er, was

er mit dem Oberaargau zu tun hat, wie man

den Wert von Spielern bemisst und was er

tun würde, wenn er Chefredaktor einer

Boulevardzeitung wäre.

INTERVIEW: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH, FOTOS: MARCEL BIERI

Ohne Marc Lüthi wäre der SC Bern

heute nicht das, was er ist. Wohl

kein anderer Sportmanager

prägte seinen Klub so wie er.

1998 übernahm er als CEO das

grosse, aber damals marode Sportunternehmen,

und führte es seither zum sportlichen

und kommerziellen Erfolg. Sechs Titelgewinne

und mit einer Ausnahme tiefschwarze

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Deutlich spricht auch Marc Lüthi.

s’Positive: Was verbindet Sie mit Jeremias

Gotthelf?

Marc Lüthi: Meine Herkunft.

Richtig. Alle denken, Gotthelf sei ein Emmentaler.

Aber er ist durch seinen Aufenthalt

im Oberaargau geprägt worden. Alle

denken, Sie seien Stadtberner. Aber auch

Sie haben eine Vergangenheit im Oberaargau.

Wie kommt das eigentlich?

Mein Vater war Personalchef der Schuhfabrik

Hug in Herzogenbuchsee. Er musste

deren Schliessung organisieren. Aber das ist

schon lange her.

Was ist Ihre prägende Erinnerung aus

Ihrer Zeit in Herzogenbuchsee?

Meine erste Schlägerei.

Wie bitte?

Wie ich es sage. Meine erste Schlägerei. Ich

war damals fünf oder sechs Jahre alt und

prügelte mich mit Sepp. Er wurde danach

mein bester Freund.

Und was ist aus Sepp geworden?

Das weiss ich nicht. Wir sind von Herzogenbuchsee

nach Luzern gezogen, als ich sieben

Jahre alt war.

Haben Sie jetzt noch Kontakt zum

Oberaargau?

Ja, zum SC Langenthal. Und dann gibt es im

Oberaargau ja auch noch Hockey-Chronisten.

Sie haben noch etwas vergessen.

Ja?

Sie kommen mit Ihrem Wanderzirkus bald

nach Huttwil.

Ach ja, der Cup-Match gegen Brandis.

Welchen SCB werden wir da sehen?

Einen SCB, der unbedingt die erste Runde

überstehen will.

Kein «Gratis-Sieg» für Brandis wie vor einem

Jahr für die Ticino Rockets?

Nein. Die Idee des Cups ist, einem Team aus

der Region Geld in die Kasse zu spielen. Aber

wir hatten vor einem Jahr mit den Ticino

Rockets nichts zu tun. Brandis ist hingegen

ein Team aus unserer Region. Wir werden

ganz sicher nicht mit den Junioren antreten.

Der SCB investiert viel Geld in die Gastronomie.

Warum eigentlich nicht auch in ein

gemeinsames Farmteam mit Langnau in

Huttwil? Der SCB ist ja in erster Linie ein

Sport- und nicht ein Gastro-Unternehmen.

Wir können uns ein Farmteam gar nicht leisten.

Die zwei Millionen dafür haben wir

nicht. Wir haben uns für eine andere Lö-

26 s’Positive 8 / 2017


Marc Lüthi

übernahm den

SC Bern 1998 und

führte ihn als CEO

zum Erfolg.


MARC LÜTHI

«Wir können

durchschnittlich

pro Jahr ein

Restaurant

eröffnen.»

sung entschieden. Für die individuelle Förderung

von talentierten Spielern in Zusammenarbeit

mit verschiedenen NLB-Teams.

Hat Sportkoordinator Lars Leuenberger

also den Auftrag, solche Talente zu entdecken?

Nicht nur. Er kümmert sich auch um die Karriere

von talentierten Spielern und organisiert

auf den verschiedenen Stufen die gezielte

Förderung. Durch Spezialtrainings, aber auch

durch Einsätze bei den Junioren oder eben in

einem NLB-Team wie Visp oder Langenthal.

Also nie ein Farmteam in Huttwil?

Nein, nie.

Es ist schon erstaunlich, dass bei einem

Gesamtumsatz von 50 Millionen pro Saison

die zwei Millionen für ein Farmteam

nicht drinliegen.

Wir müssen eben jeden Franken verdienen.

Und Umsatz ist ja gerade in der Gastronomie

nicht gleich Gewinn. Oft geht auch vergessen,

dass wir Infrastrukturkosten von vier

Millionen pro Saison aufbringen müssen.

Sie haben schon im August alle Saisonabonnemente

verkauft. Wissen Sie, woher

Ihre Kunden kommen?

Ja, zu 50 Prozent aus dem SCB-Land, noch

ohne Stadt Bern.

Aus dem SCB-Land? Wo liegt das?

Es erstreckt sich vom Oberwallis über das

Berner Oberland, dann am Emmental und

am Seeland vorbei bis zum Bareggtunnel.

Weitere 15 Prozent kommen aus der Stadt

Bern und der Rest aus der übrigen Schweiz.

Dann geht das SCB-Land ja mitten durch

den Oberaargau. Der Oberaargau als

SCB-Land! Daran müssen wir uns erst gewöhnen.

Ich sage damit ja nicht, dass im Oberaargau

jeder ein SCB-Fan ist. Aber wir haben im

Oberaargau von allen NLA-Klubs sicher am

meisten Anhänger.

Sie arbeiten bei den Zuschauern erfolgreicher

als alle anderen. Wie kommt das?

Als ich 1998 beim SCB angefangen habe,

hatten wir im Schnitt 9600 Zuschauer pro

Spiel. Letzte Saison waren es 16 400. 9600

sind gottgegeben, die kommen immer. Den

Rest haben wir uns erarbeitet.

Wie haben Sie das gemacht?

Wir tun sehr viel, damit unsere Spiele zum

Begegnungsort werden, und wir investieren

viel in den Zuschauer-Nachwuchs. Seit 18

Jahren gibt es ein Kinder-Saisonabonnement

für alle bis zum 16. Altersjahr zum

Preis von 100 Franken. Wenn von 100 am

Ende zwei oder drei Stammkunden werden,

die vielleicht sogar in der VIP-Loge landen,

dann hat sich die Investition schon bei Weitem

bezahlt gemacht.

Und dann natürlich die gute Show!

In diesem Bereich sind wir etwas zurückgefahren

und «Amerikanismen» wie die Cheerleaderinnen

wieder abgeschafft.

Warum?

Zu viel Show ist inzwischen nicht mehr zeitgemäss.

Unsere Zuschauer wollen in allererster

Linie gutes Eishockey sehen und sich

gut verpflegen können. Das Eishockey muss

immer im Mittelpunkt stehen. Wir zelebrieren

Hockey. Zudem dringt durch das Dach

und die Seitenwände zu viel Licht in den

Tempel. Da sind grossartige Lasershows gar

nicht immer möglich.

Es ist halt in Ihrem Hockeytempel wie bei

einem normalen Tempel: Da muss Licht

rein.

So wird es sein ... (lacht)

… und es zieht!

Zwischen dem Dach und dem obersten Teil

der Stehrampe gibt es eine drei Meter grosse

Öffnung. So ist ein Luftaustausch möglich

und wir brauchen keine Klimaanlage.

Sozusagen ein Mikroklima mit eigenem

SCB-Wetter.

Sozusagen.

Ist das energiepolitisch verantwortbar?

Kein Problem. Die Kälte sinkt ab, es gibt über

dem Eisfeld auch dann einen Kältesee, wenn

es warm ist.

Wie kommt es eigentlich, dass die besten

Hockey-Manager Quereinsteiger ohne

Hockey-Erfahrung sind wie Sie?

So viel ich weiss, hat Peter Zahner (Manager

ZSC Lions – die Red.) Hockey gespielt.

Das stimmt, aber Sie sind erfolgreicher.

Das ist Ihre Einschätzung. Ich mag diese Vergleiche

nicht. Jeder Klub hat seine ganz spezielle

Geschichte und ganz speziellen Anforderungen.

Wir haben unseren Weg gefunden,

wir machen unser Geschäft nach unseren

Regeln und wir dürfen sagen, dass wir

vorne dabei sind.

Wie sind diese besonderen Voraussetzungen

im Bernbiet?

Wir wissen, dass wir im Eishockey

alle im gleichen Boot sitzen. Wir wissen, dass

wir auf dem Eis hitzig sein können, aber ne-

28 s’Positive 8 / 2017


«Das SCB-Land erstreckt

sich vom Oberwallis über

das Berner Oberland,

dann am Emmental und

am Seeland vorbei bis

zum Bareggtunnel.»

ben dem Eis zusammenarbeiten müssen. Mit

Langnau haben wir eine spezielle, positive

sportliche Rivalität, die aber bei Weitem nicht

so gross ist wie die mit Biel oder gar mit Gottéron.

Auf unternehmerischer Ebene haben

wir mit allen eine gute Zusammenarbeit.

Und wie sind die SCB-Geschäftsregeln?

Die kann ich in einem Satz zusammenfassen:

Nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen.

Das tönt gut. Aber entscheidend ist, wie

Sie Geld einnehmen können.

Dafür haben wir neue Geschäftsmodelle entwickelt.

Wie die Gastronomie.

Richtig.

Warum gerade die Gastronomie in Zeiten

des «Beizensterbens»?

Mit den Restaurants alleine machen wir keine

grossen Gewinne. Aber wir verpflichten

jeden Lieferanten, etwas nach seinen Möglichkeiten

für den SCB zu tun. Ein kleiner

Lieferant kauft ein Saisonabi, aber wer für

Millionen liefern darf, macht ein entsprechendes

Sponsoring. Der Umsatz, den wir

über die Gastronomie erzielen, ist inzwischen

grösser als der Umsatz der Sportabteilung.

Aber alles Geld, das wir verdienen,

investieren wir ins Eishockey. Damit wir mit

Zürich, Lugano oder Zug mithalten können.

Je mehr Umsatz, desto mehr Lieferanten,

desto mehr Sponsoring. Sie sind in der

Gastronomie zum Wachstum verurteilt.

Ja, das ist richtig. Ich sagte 1998, wenn wir

mit dem SCB einmal 25 Millionen Umsatz

machen, dann sind wir sehr gut. Inzwischen

machen wir bald 60 Millionen Umsatz.

Sie haben heute 18 Gastrobetriebe. Gibt

es überhaupt noch Ausbaumöglichkeiten?

Ja. Wir haben täglich ein bis zwei Angebote

für die Übernahme einer Beiz auf dem Tisch.

Auch aus dem Oberaargau?

Nein, bisher nicht.

Welche Beizen suchen Sie?

Solche, die es uns erlauben, schwarze Zahlen

zu schreiben. Unser Konzept beinhaltet

Fleisch, italienische Küche und die Restauration

von Sportanlagen. Wir prüfen alles sorgfältig

und können durchschnittlich pro Jahr

nicht mehr als ein Restaurant eröffnen.

Warum noch keine Expansion in den

Oberaargau?

ZUR PERSON

Marc Lüthi

Marc Lüthi (geb.: 3. August 1961) ist seit

1998 Geschäftsführer beim SC Bern. Im

Rahmen der Nachlassstundung machte

er damals als Mitinhaber einer Marketing-Agentur

einen Deal: Verzicht auf

Forderungen in sechsstelliger Höhe, dafür

im Gegenzug den Job beim SCB. Mit

Ausnahme des ersten Jahres hat der

SCB unter Lüthis Führung immer

schwarze Zahlen geschrieben und 2004,

2010, 2013, 2016 und 2017 den Titel

gewonnen. Nun steht der ehemalige Ruderer

vor seiner 20. SCB-Saison. Von

1998 bis 2005 war er zudem Nachrichtenmoderator

bei TeleBärn. Seit 2016

ist er Präsident der europäischen Vereinigung

der Profi-Hockeyklubs.

Weil das Konzept einer klassischen Landbeiz

nicht in unsere Linie passt und sehr schwierig

geworden ist.

Also ist Marc Lüthi heute nicht nur ein

Hockey-, sondern auch ein Gastrogott.

Nein, weder das eine noch das andere. Wir

sind auch nicht eine Gastro-Kette, die einfach

expandieren kann. Wir müssen grundsätzlich

rechnen, rechnen, rechnen.

Was macht gute Gastronomie aus?

Gut rechnen, ein guter Gastgeber sein und

hohe Qualität beim Service und beim Angebot.

Der Gast, der den Service als unfreundlich

oder die Qualität als mangelhaft taxiert,

kommt nicht mehr.

Also sehr anspruchsvoll.

Ja, sehr.

Der SCB bewegt mehr Menschen als jeder

andere Hockeyklub. Warum haben Sie

heute keinen Mäzen wie die ZSC Lions mit

Walter Frey oder Lugano mit der Familie

Mantegazza?

Wir wollen keinen Mäzen.

Wie bitte?

Wir wollen keinen Mäzen. Als wir 1998 in die

Nachlassstundung mussten, hätten wir gerne

einen Mäzen gehabt. Wir mussten uns selber

helfen und nun sind wir mit unserem Konzept

sehr glücklich. Wir müssen keinem unberechenbaren

Geldgeber Rechenschaft ablegen.

Wir müssen unsere Kunden zufriedenstellen

und uns im freien Markt bewähren. Warum

haben wir seinerzeit Larry Huras entlassen?

Weil wir feststellten, dass pro Spiel im Schnitt

5000 Inhaber von Saisonabonnenten nicht

mehr ins Stadion kamen. Ein unhaltbarer

s’Positive 8 / 2017 29


MARC LÜTHI

Marc Lüthi

will keinen Mäzen

für den SCB.

Er setzt auf sein

Geschäftsmodell.

Zustand, wir müssen ja im nächsten Jahr wieder

Saisonabis verkaufen. Unsere Zuschauer

sind unsere Kunden und waren mit unserem

Produkt, mit dem Eishockey, das wir unter

Larry Huras spielten, nicht mehr zufrieden.

Also mussten wir handeln.

Langnau schreibt jetzt auch schwarze

Zahlen. Haben die Langnauer bei Ihnen

Rat geholt?

Nein, die machen es einfach gut.

Sie haben bei Ihnen gut hingeschaut?

Vielleicht.

Nochmals zurück zu den Mäzenen: Sie

verfälschen doch den Markt. Sie bringen

Geld ins Eishockey, das nicht mit Eishockey

erwirtschaftet worden ist und treiben

so die Löhne in die Höhe.

Dann muss ich eben fantasievoller und besser

sein. Doch wir erleben immer wieder,

dass wir einen Spieler nicht haben können,

weil wir mit dem Salär nicht mithalten können.

Dann bieten wir eben nicht mit. Doch

wir sind froh und dankbar, dass Walter Frey

oder Vicky Mantegazza unser Hockey fördern.

Um wie viel sind die Löhne gestiegen, seit

Sie 1998 beim SCB angefangen haben?

Um 50 Prozent

Wie hoch ist heute der Durchschnittslohn

eines Eishockeyspielers in der Schweiz?

«Beat Gerber spielt unspektakulär

und macht

nie grosse Sprüche, aber

er ist ein Arbeiter par

excellence, hält seine

Knochen hin und ist so

für die Mannschaft von

unschätzbarem Wert.»

Zwischen 150 000 und 200 000 bei den Profis,

die Junioren, die noch mit einem Ausbildungsvertrag

spielen, nicht eingerechnet.

Und wie hoch sind die höchsten Saläre der

Liga?

Es gibt mindestens einen Spieler, der etwas

mehr als 900 000 Franken brutto verdient.

Wer?

Wir reden nicht über Löhne.

Doch, das tun wir gerade.

Sie kennen die Löhne sowieso. Was fragen

Sie also?

Wir haben keine Ahnung. Verdient Luganos

Damien Brunner über 900 000 Franken

brutto?

Wir reden nicht über Zahlen und Namen.

Eine andere Frage: Verdienen die Spieler

zu viel?

Ja, die Spieler der dritten und vierten Linie

sind zu teuer geworden. Aber Spieler, die ihr

Geld wert sind, verdienen nie zu viel.

Wann ist ein Spieler das Geld wert, das er

verdient?

Der Wert eines Spielers lässt sich nicht in

Toren und Assists messen. Er setzt sich aus

vielen Faktoren zusammen. Welche Wirkung

hat er auf die Fans? Welchen Wert hat er in

der Garderobe? Was kann er für unser Unternehmen

tun?

Wie misst man diesen Wert eines Spielers?

Wir sehen beispielsweise, wie die Leute im

Stadion oder bei Autogrammstunden auf

einen Spieler reagieren. Es sind emotionale

Werte.

Können Sie das näher ausführen?

Wir betreiben einen Mannschaftssport. Da

möchte ich nicht einzelne Spieler herausheben.

Es geht ja nicht um eine Wertung, sondern

um das Verständnis.

Nehmen wir zum Beispiel Beat Gerber und

Tristan Scherwey. Beat Gerber spielt unspektakulär

und macht nie grosse Sprüche, aber

er ist ein Arbeiter par excellence, hält seine

Knochen hin und ist so für die Mannschaft

30 s’Positive 8 / 2017


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MARC LÜTHI

Im Interview mit

den Redaktoren

von s’Positive

spricht Marc Lüthi

über seinen Job.

von unschätzbarem Wert. Oder Tristan

Scherwey: Er fährt in die Gegenspieler hinein

und weckt Emotionen, bringt so zusammen

mit Thomas Rüfenacht etwas Diabolisches

in die Mannschaft. Fans lieben ja nicht

nur die Götter, sondern auch deren Gegenparts.

Scherwey ist jedoch neben dem Eis

der netteste Kerl, den es gibt. Wenn er beim

Einkaufen sieht, dass eine Frau zwei schwere

Taschen schleppen muss, dann geht er

spontan hin und trägt ihr eine davon zum

Auto. So ist der gestrickt.

Er ist eben einer von Gottéron.

Schon lange nicht mehr. Er ist einer vom

SCB! Aber bei der Bemessung des Werts

spielt eben auch eine Rolle, welchen Wert

ein Spieler für das Unternehmen, und nicht

nur für die Mannschaft, hat. Spieler mit Charisma

lassen sich besser verkaufen.

Showbusiness halt.

Wir sind Showbusiness! Showbusiness, Untergruppe

Sport, Abteilung Eishockey. Das

dürfen wir nicht vergessen.

Dazu gehört Polemik in den Medien.

Aber sicher. So lange Kritik nicht unter die

Gürtellinie geht, habe ich nie ein Problem

mit Kritik. Das gehört dazu.

Sie ärgern sich nicht über das, was über

den SCB oder über Sie geschrieben wird?

Nein. Über mich darf man schreiben, was

man will, wenn es nicht persönlich ist und

unter die Gürtellinie geht. Wir leben im

Showgeschäft Eishockey in der Öffentlichkeit

und von der Öffentlichkeit. Wenn etwas

über den SCB geschrieben, gesagt oder gefilmt

wird, ist das Werbung für das nächste

Spiel. Wenn man damit nicht leben kann,

hat man in unserem Business nichts verloren.

Es ist doch nichts älter als die Zeitung von

gestern und auch negative Emotionen nach

Niederlagen sind Emotionen.

Gibt es einen Marc Lüthi ohne Eishockey?

Irgendeinmal schon. Ich werde nicht mit

dem Rollator ins Stadion kommen.

Hatten Sie schon Angebote aus anderen

Branchen?

Früher schon. Doch das ist lange her.

Wann das letzte Mal?

Vor fünf Jahren.

Vom wem?

Das weiss ich nicht mehr und wenn ich es

wüsste, würde ich es nicht sagen. Ich will ja

nicht wechseln. Ich habe den geilsten Job,

den es gibt. Mit allen Facetten und Herausforderungen:

Showbusiness, Emotionen,

aber auch anspruchsvolles Management. Wir

müssen kalkulieren und rechnen.

Gibt es etwas, das Sie noch herausfordern

könnte?

Nur eines hätte mich gereizt: Einmal Chefredaktor

einer Boulevardzeitung zu sein.

Weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass

geiler Boulevard das Beste ist, was es in der

Medienwelt gibt.

Was verstehen Sie unter gutem Boulevard?

Guter Boulevard muss nicht die Politik verändern

wollen, sondern unterhalten. Und

«Der Umsatz, den wir

über die Gastronomie

erzielen, ist inzwischen

grösser als der Umsatz

der Sportabteilung.

Aber das verdiente

Geld investieren wir

ins Eishockey.»

zwar so, dass die Leute am Morgen, wenn

sie die Zeitung lesen, ein Lächeln auf den

Lippen haben und sagen: «Das ist cool».

Und wie würden sie das machen?

Indem ich in allen wichtigen Ressorts, im

Bundeshaus, im People-Ressort, in der Wirtschaft,

im Eishockey, im Fussball und vielleicht

noch im Ski, die besten Journalisten

beschäftige. Journalisten, die nicht nur

schreiben können, sondern auch über die

Nasenspitze hinausdenken können und zudem

ein unternehmerisches Denken haben.

Das ist nicht zu finanzieren.

Doch, das geht. Sie brauchen in jedem Ressort

nur den jeweils Besten. Der braucht

nicht pflegeleicht zu sein. Um ihn herum

bauen Sie mit Volontären, die es cool finden,

mit den Besten zu arbeiten und von

den Besten zu lernen, ein Team auf. Ich bin

überzeugt, dass heute mit einem Kernteam

aus den besten Journalisten, unterstützt

von Volontären, sehr guter Boulevard gemacht

werden kann. Es ist ja nicht wie bei

der NZZ, wo einer fast Schriftsteller sein

muss, um eine Einschätzung der politischen

Lage in Südostasien schreiben zu dürfen.

Meldungen über Kim Jong-un kann ich

von der Agentur übernehmen. Ob dies so

funktionieren würde? Es ist einfach meine

Meinung.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zum Schweizer

Fernsehen?

Ich hätte mir die Fernsehrechte für Fussball

und Eishockey nicht entgehen lassen. Dies

hätte mich zwar ein Vermögen gekostet.

Aber die No-Billag-Initiative wäre vom Tisch

gewesen bzw. sie würde vermutlich mit 80

Prozent Stimmanteilen abgelehnt.

Eigentlich ist es fast wie beim Aufbau

einer Meistermannschaft.

Sie sagen es.

32 s’Positive 8 / 2017


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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe

Spannende Themen

Wieder blättere ich dieses nach Werbung

aussehende Blatt durch und stolpere über

spannende Themen – und frage mich, wie

es kommt, dass so ein Blatt solche guten

Artikel verfasst.

Endlich habe ich mal nachgeschaut, woher

die Zeitung kommt, was der Sinn und

Zweck ist, und ich bin erfreut!

DANKE, das nächste Mal werde ich

endlich wissend die Gratiszeitung aufs

«Unbedingt-lesen-Bigeli» legen.

Monika Neuenschwander

Grosse Relevanz

Mit grosser Relevanz für unseren

Oberaargau sind Ihre sehr informativen

Beiträge «Der Chronist, Simon Kuert» und

«Die Hexenverfolgung» ausserordentlich

gut gelungen. Ich danke der Redaktion für

diese wesentlichen und sehr geschätzten

kulturgeschichtlichen Beiträge.

Jean-Pierre Masson, Langenthal

Das Gegenteil

Gerne lese ich jeweils s’Positive mit

seinen zum Teil recht umfangreichen und

guten Beiträgen. In der letzten Nummer

hat es einen super Bericht von Herrn

Kuert, sowie genau das Gegenteil über

Nordkorea.

Ich würde Ihnen empfehlen, das Buch

«Flucht aus dem Lager 14» von Blaine

Harden, Spiegel Buchverlag 2012, zu

lesen. Dann erübrigt sich jeder weitere

Kommentar über das menschenverachtende

Regime in Nordkorea.

Anton Bucher, Oftringen

Ihre Meinung

interessiert uns

Gratulation

Ganz, ganz herzliche Gratulation zu diesem

Bericht. Lese auch immer die Sportberichte

und die sonstigen Geschichten von Klaus

Zaugg. Ich habe zu meiner Frau gesagt:

«Klaus Zaugg ist der Gotthelf aus Wyssachen.»

Als ehemaliger Wyssacher kenne ich

natürlich Klaus Zaugg.

Dieser Bericht wird vorläufig den Papierkorb

nicht sehen. Freue mich schon auf die nächste

Ausgabe vom s’Positive.

Hans Zaugg-Kurth, Rohrbach

Verändertes Nordkorea

Ich gratuliere dem Redaktor und dem

Herausgeber zu jeder Ausgabe von

s’Positive. Zwei Punkte der Ausgabe 7,

2017, sind für mich wichtig:

1. Die Bemerkung von Simon Kuert «Ich

stelle fest, dass die Berner Zeitung und

‹Der Bund› das Langenthal zunehmend

vernachlässigen». Das ist für uns nach

über 60 Jahren Wohnsitz und Berufstätigkeit

auf 4 verschiedenen Kontinenten

besonders schmerzend, um wieder hier

heimisch zu werden. Wir begrüssen diese

Kritik.

2. Nordkorea: Die Schilderung «Ein

freundliches Reich des Bösen» hat mich

als Mitglied (1954/1955) der Neutralen

Überwachungskommission des Waffenstillstandes

höchst interessiert. Der Bericht

scheint sehr sachlich und neutral

zu sein. Vieles hat sich offensichtlich

seit meiner Zeit in Korea verändert. Z. B.

Pjöngjang, das ich als Trümmerhaufen,

aber mit einem grossen Fest-/Paradeplatz

in Erinnerung habe. Anderes auf

dem Land scheint aber noch immer hinterherzuhinken.

Roland F. Schwab, Roggwil

Veranstaltungshinweis

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23. September 2017, ab 21.00 Uhr

Bereits ab 18.00 Uhr: Kids Disco

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MIT DJ ROGER BROGLI

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VERANSTALTUNGS-

KALENDER

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Ergänzung zu einem Artikel? Dann schreiben

Sie uns. Ab der kommenden Ausgabe

reservieren wir Platz für Sie. Oder möchten

Sie über ein Thema, das wir noch nicht gebracht

haben, mehr erfahren? Wir können

Ihnen zwar keinen Artikel darüber garantieren.

Aber prüfen werden wir Ihren Vorschlag

ganz bestimmt. Wir wissen noch

nicht, was auf uns zukommt, wenn wir die

Möglichkeit zu Leserreaktionen bieten.

Möglich, dass keine einzige kommt. Ebenfalls

möglich, dass wir nicht alle Ihre E-

Mails und Briefe publizieren können, und

deshalb eine Auswahl treffen müssen. Werden

Sie bitte nicht zu lang. Sonst müssten

wir Ihren Beitrag eventuell kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen Inhalt werden

nicht veröffentlicht.

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34 s’Positive 8 / 2017


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