Stahlreport 2017.06

markushuneke

72. Jahrgang | Juni 2017

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

6|17

Strengt! Euch! An!


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

Dipl.-Ing. Jochen Adams

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Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Dipl.-Ing. Jochen Adams, Dr. rer. nat. Peter

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BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel – www.stahlhandel.com


Strengt!

Euch!

An!

EDITORIAL

INHALT

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist eine Binsenweisheit: Nur wer

sich anstrengt, erreicht etwas. Doch

sich anzustrengen hält sogar eine Art

Glück bereit, auch ohne dass etwas

erreicht wurde – wenn nämlich die

Anstrengung nachlässt. Dass das

Nachlassen der Anstrengung Glücksgefühle auslöst,

kann man auf unserem Titelbild „The Austrian Rock“

Franz Müllner unmittelbar vom Gesicht ablesen. Der

Österreicher hat sich für Schierle Stahlrohre bei der Einweihung

der neuen Hochregalanlage des Unternehmens

angestrengt – neben Glücksgefühlen aber auch einen

neuen Guinessbuchrekord verbucht (S. 5).

Denn nachhaltiger ist das „Glück“, wenn es nicht

nur aus dem Nachlassen der Anstrengung besteht, sondern

auch etwas erreicht wurde. Ein sichtbares Beispiel

sind dafür Investitionen. Unternehmen müssen sich entwickeln,

dem Markt anpassen, nach vorne gehen. Dabei

müssen Entwicklungen abgeschätzt und Risiken eingegangen

werden. Auch Unternehmen stemmen gleichsam

Gewichte. Dafür ist nicht nur eine neue Hochregalanlage

ein Beispiel. Auch eine Hausmesse oder ein

Branchenforum sind nachhaltige unternehmerische

Investitionen – wie die Hausmesse der Gebr. Lotter KG

und das Klöckner-Forum „Mehrwert Digital“ im Mai

gezeigt haben (S. 9 und ab S. 10).

Und auch der BDS strengt sich an. Im Mai haben wir

zum Beispiel an drei Terminen zu Compliance-Workshops

eingeladen – verteilt über das gesamte Bundesgebiet

und für Sie, die Mitglieder des BDS, kostenlos

(ab S. 34). Im April hat der BDS die bundesweite KWB-

Tagung der kaufmännischen Ausbildungsleiter maßgeblich

mitorganisiert (S. 36). Der BDS bildet regelmäßig

in vielen Seminaren zu Fachthemen des Stahlhandels

weiter (siehe Rückseite des Hefts). Nicht zu vergessen

das Fernstudium „Betriebswirt/-in Stahlhandel (BDS),

das im Juli erstmals in digitalisierter Version startet

(S. 42). Im September nähert sich dann der Höhepunkt

des BDS-Veranstaltungsjahrs: der Stahlhandelstag, zu dem

wir schon jetzt herzlich einladen (ab S. 30).

Mit vorsommerlichen Grüßen,

Markus Huneke

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

5 Schierle weiht Hochregalanlage ein

6 Kicherer investiert in Langgutlager

8 Stahlo investiert in Gera

9 Lotter-Hausmesse 2017

10 Klöckner-Forum „Mehrwert Digital“

12 Nordwest: positive Jahresbilanz

13 Maschinenbauer lagert Bevorratung aus

STAHLVERARBEITUNG

Schwerpunkt: Bauen mit Stahl

14 Ein unwahrscheinliches Bauwerk

17 Interview: Digitalisierung von Transportprozessen

STAHLPRODUKTION

18 Jubiläum: 125 Jahre Stahl in Duisburg

ANARBEITUNG & LOGISTIK

Schwerpunkt: Verzinken

20 Feuerverzinken bei Erstkosten günstiger

22 Softwaremodul für rechtssichere Transporte

23 Kaltenbach: IPS 2017

MESSEN UND MÄRKTE

24 Logistik-Messen im Fokus

26 u.a. Markt für Elektro-Räder wächst, Ausblick auf die

Schweißen + Schneiden, u.v.m.

BDS

28 Research: Volle Auftragsbücher im März

30 Kommunikation: Wissen. Handeln. Weiterdenken.

Vorschau auf den BDS-Stahlhandelstag 2017

32 Kommunikation: Stahlreport als ePaper, Impressum

34 Recht: Nachbericht zu den BDS-Compliance-Workshops

36 Berufsbildung: Nachbericht zur Tagung der

kaufmännischen Ausbildungsleiter

42 BDS-Fernstudium: Digitale Version erhält vorläufige

Zulassung

VERBÄNDE & POLITIK

43 u.a. Jahreskongress der Elektroindustrie, Berliner

Stahldialog der Wirtschaftsvereinigung Stahl, u.v.m.

WISSENSWERTES

46 Faszinierend: aktuelle Fraunhofer-Forschung

47 Sponsor Klöckner: Kanzlerin lobt Programmier-Projekt

LIFESTEEL

48 Augsburg: Mit Metall zum Weltkulturerbe

Stahlreport 6|17

3


Persönliches

Kurznachrichten

Foto: Remmert

Foto: FVK

Thomas Peitz

ist seit April dieses Jahres technischer Leiter

beim Langgut- und Blechlagerspezialisten Remmert

GmbH mit Sitz im ostwestfälischen Löhne.

In der neu geschaffenen Position verantwortet

der 42-Jährige den gesamten Produktentstehungsprozess

im Unternehmen – von der Entwicklung

über die Produktion bis hin zur

Beschaffung und Logistik. Ein Schwerpunkt seiner

Tätigkeit ist die Einführung und Weiterentwicklung

von Industrie 4.0 in den hauseigenen

Lagersystemen. Der promovierte Ingenieurwissenschaftler

sagte dazu: „Ich freue mich sehr

auf die verantwortungsvolle Aufgabe bei Remmert

und die Zusammenarbeit mit einem hervorragend

aufgestellten und hoch motivierten

Team. Mein persönliches Ziel ist es, den Wachstumskurs

des Unternehmens

voranzutreiben.“

Jahrelange

Erfahrung im Bereich

standardisierter technischer

Systeme bringt

Dr. Thomas Peitz aus

seinen vorherigen Stationen

bei Schüco und

Wincor Nixdorf mit.

Matthias Gierse

steht seit April 2017 an der Spitze der Fachvereinigung

Kaltwalzwerke (FVK). Deren Mitgliederversammlung

wählte den 57-Jährigen

in Iserlohn zu ihrem neuen Vorsitzenden.

Dr. Matthias Gierse löste in dieser Position

Dr. Kai Wilke (58) ab, der die Fachvereinigung

19 Jahre lang geführt hatte. Der neu

Gewählte war dort

bisher stellvertretender

Vorsitzender;

diese Position wird

künftig sein Vorgänger

Wilke einnehmen.

Zu den wichtigsten

Themen, mit denen

sich die Fachvereinigung

in Zukunft

beschäftigen wird,

zählt der neue Vorsitzende die Digitalisierung

und die Fragen nach Konsequenzen der Elektromobilität

für Werkstofflieferanten. Dr. Matthias

Gierse kennt die Stahlindustrie aus vielen

Perspektiven: Bevor er 2011 als

Geschäftsführer Vertrieb und Einkauf bei

Waelzholz auf die Seite der Stahlverarbeiter

wechselte, hatte er jahrelang in mehreren

verantwortlichen Positionen beim Stahlerzeuger

thyssenkrupp gearbeitet.

Fotos, 2: Vallourec

Foto: thyssenkrupp

Grit Heller und Dirk Bissel

stehen für einen Doppelwechsel im Management

der Vallourec Deutschland GmbH: Seit

dem 1. Mai 2017 hat Grit Heller (Jahrgang 1978)

die Bereiche Finanzen, Controlling, Risikomanagement

und Compliance zu verantworten. Sie

folgte auf Norbert Keusen, der Ende April auf

eigenen Wunsch in den Ruhestand gewechselt

war. Bereits zum 1. April 2017 war Dr. Dirk Bissel

(geb. 1965) zum neuen Geschäftsführer Vertrieb

ernannt worden. Der promovierte Ingenieur

trat die Nachfolge von Nicolas Moreau an,

der innerhalb der Vallourec-Gruppe eine neue

Rolle in der Zentralabteilung Development &

Innovation übernommen hatte. Seit dem 1. Mai

2017 ist Dirk Bissel außerdem für die Bereiche

Recht und Kommunikation verantwortlich.

Beide Neuzugänge in der deutschen Geschäftsführung

besetzen zudem wichtige Funktionen

innerhalb der Region Europe Africa der Vallourec-Gruppe:

Heller leitet das Controlling, Bissel

den Vertrieb.

Jonas Flöth und Marvin Strehl

gelten am Rechner als echte Profis: Wenn es

um die Einrichtung und Vernetzung von IT-Landschaften

geht, sind die beiden thyssenkrupp-

Auszubildenden die richtigen Ansprechpartner.

Ihr Können setzten die angehenden Fachinformatiker

nun auch im Petershof in Duisburg-

Marxloh ein, wo sie im pastoralen Zentrum der

Gemeinde St. Peter bei der Einrichtung eines

neuen Computerraums für Schulungen geholfen

haben. „Der Petershof hatte im Rahmen einer

Spende zehn neue Computersysteme erhalten,

es fehlte aber zuletzt an Know-how und Manpo-

wer, die Rechnersysteme zu installieren und ins

Netzwerk einzubinden. Deshalb bat man uns

um Unterstützung“, erklärte Jonas Flöth. Die

beiden seien sofort dabei gewesen, ergänzte

Marvin Strehl.

Riccardo Viaggi

hat am 8. Mai 2017 die Leitung des CECE-Büros

in Brüssel übernommen. Als solcher vertritt er

die Interessen der europäischen Baumaschinenindustrie

gegenüber den Brüsseler Institutionen

und managt die Aktivitäten des Committee

for European Construction Equipment. Der

Italiener Viaggi ist 36 Jahre alt und war bisher

Generalsekretär des Europäischen Bauverbandes

European Builders Confederation. CECE-

Präsident Bernd Holz gab sich sicher, dass

diese Erfahrung helfen wird, die Position und

die Sichtbarkeit des CECE und der europäischen

Baumaschinenindustrie in Brüssel weiter

zu stärken: „Riccardo

verfügt über fundierte

Management Erfahrung.

Er kennt unsere

Industrie und das

Geschäft in Brüssel.

Ich freue mich auf die

Zusammenarbeit mit

ihm.“ Das CECE vertritt

die Interessen

von mehr als 1.000

Baumaschinenherstellern in Europa, die in

nationalen Verbänden organisiert sind.

Foto: CECE

Peter Modelhart und

Markus Schrick

bleiben mit an der Spitze des VDIK. Turnusgemäß

wurden sie im Mai auf der Mitgliederversammlung

des Verbands der Internationalen

Kraftfahrzeughersteller in ihren Ämtern bestätigt.

Neben Peter Modelhart (Geschäftsführer

Jaguar Land Rover Deutschland GmbH) und

Markus Schrick (Geschäftsführer Hyundai

Motor Deutschland GmbH) wurden neu in den

Vorstand berufen: Albéric Chopelin (Generaldirektor

Peugeot Citroen Deutschland GmbH),

Uwe Hochgeschurtz (Vorsitzender des Vorstandes

Renault Deutschland AG), Frank Jürgens

(Sprecher der Geschäftsführung Skoda Auto

Deutschland GmbH). Als Vorstandsmitglied und

als Vizepräsident wurde außerrdem wiedergewählt:

Thomas Hausch (Geschäftsführer Nissan

Center Europe GmbH). Der VDIK war 1952 in

Frankfurt/M. gegründet worden und stellt –

auch für den „Stahlreport“ – regelmäßig die

relevanten Daten für den gesamten deutschen

Automobilmarkt zur Verfügung.

4 Stahlreport 6|17


Stahlhandel

Bericht

Fotos: Schierle

Die Anstrengung ins

Gesicht geschrieben:

„The Austrian Rock“

Franz Müllner bei

seinem erfolgreichen

Weltrekord-Versuch

anlässlich der Eröffnung

der neuen Hochregalanlage

von Schierle.

Schierle Stahlrohre eröffnet neues Hochregallager

Kraftakt zum Auftakt

Das neue Hochregal aus der Schweiz, den Weltrekordler für die Einweihung dazu aus Österreich,

alles zusammen in Neuss am Rhein – die Schierle Stahlrohre GmbH & Co. KG hat ihre neue

Hochregalanlage mit einer glamourösen Feier im Mai vor rund 250 Gästen in Betrieb genommen.

Die Eckdaten der neuen Anlage

vorab: 19 m hoch, 38 m in der Breite

und 25 m tief ist das neue Hochregallager,

das Hersteller Fehr bei und

für Schierle errichtet hat. Die Anlage

verfügt über 2.500 Kassetten, die

jeweils maximal 3 t Gewicht tragen

und automatisiert angesteuert sowie

be- und entladen werden können.

Eingelagert werden kann Material

bis zu einer Länge von 8,2 m und

300mm Durchmesser. Das Hochregal

verfügt über zwei Auslager- und

eine Einlagerstation. Kosten: 3 Mio.€.

Eine Investition, die sich nach

Angaben von Geschäftsführer Carsten

Loch bereits ausgezahlt hat: „Wir

konnten unsere Kapazitäten durch die

neuen Lagermöglichkeiten deutlich

steigern und sind vor allem schneller

und effizienter geworden.“ Langfristig

soll insgesamt auch eine Kostenreduzierung

erzielt werden.

Spektakuläre Lasershow

Soweit die trockenen Zahlen. Welchen

Stellenwert diese Investition für

Schierle tatsächlich hat, lässt sich an

ihnen nicht ablesen. Das hat vielmehr

die glamouröse Feier gezeigt,

zu der das Neusser Unternehmen

anlässlich der offiziellen Einweihung

der Anlage eingeladen hatte.

Es blitzte und blinkte futuristisch,

eingängig emotionale Musik flutete

die Ohren, die neue Hochregalanlage

war hinter den Strahlen der brillianten

Lasershow immer mal wieder

in ihren Ausmaßen zu erahnen:

So erlebten die 250 Gäste die Eröffnung

des neuen Hochregals.

Etwas weniger als eine einzelne

Kassette der neuen Anlage kann übrigens

Franz Müllner tragen – nämlich

exakt 883 kg. Allerdings müssen die

Dinge, die „The Austrain Rock“, wie

der Weltrekordler auch genannt wird,

einen größeren Durchmesser haben,

als das Material, das in der Hochregalanlage

gelagert wird. So hatte sich

der Muskelmann angesichts der Nähe

der Rheinmetropole Düsseldorf für

seinen Guinnessbuch-Rekordversuch

21 volle Fässer des typisch Düsseldorfer

Altbiers Marke Uerige plus

Trompeter Bruce Kapusta darauf sitzend

ausgesucht.

Im Beisein eines Notars schaffte

es „The Austrian Rock“, tatsächlich,

auch mit Hilfe einer Stahlrohr-Tragekonstruktion

von Schierle, die

unglaublichen 883 kg zu stemmen.

So stand am Ende dieses erfolgreichen

Versuchs der insgesamt 17. Weltrekord

des Extremsportlers – was

André Scheidt, Stadionsprecher von

Fortuna Düsseldorf und Moderator

des Events, gebührend würdigte.

„Das ist der Wahnsinn. Für mich

geht ein Traum in Erfüllung", sagte

der 47-Jährige Franz Müllner hinterher

erschöpft, aber glücklich. Mit seinem

erfolgreichen Versuch ist er

immerhin rund 260kg über den bisherigen

Rekord gekommen. Eine

mehr als deutliche Verbesserung. 2

[ Kontakt ]

Schierle Stahlrohre GmbH & Co. KG

41468 Neuss

www.schierle.de

Tel. +49 2131 3665-0

Die neue Hochregalanlage im Laserlicht:

Die Eröffnungsfeier bei Schierle Stahlrohre.

Stahlreport 6|17

5


Stahlhandel

Bericht

Kasto installiert vollautomatisches Langgutlager

Kicherer baut Logistikkapazität weiter aus

Der Säge- und Lagertechnik-Spezialist KASTO hat erneut einen Auftrag der Friedrich Kicherer

GmbH & Co. KG erhalten. Für seinen langjährigen Kunden plant und installiert KASTO ein neues,

vollautomatisches Langgutlager vom Typ Unicompact mit integrierter Förder-, Säge- und

Verpackungstechnik. Der Stahlhändler will damit seine Lieferfähigkeit und -schnelligkeit auf

lange Sicht ausbauen und die Arbeitsabläufe im Lager einfacher und ergonomischer gestalten.

Kicherer gehört zu den größten mittelständischen

Stahlhandlungen in Deutschland und ist langjähriger

Kunde von Kasto. Am Stammsitz des Unternehmens in

Ellwangen sind bereits mehrere Lagersysteme des Lagerund

Sägetechnikspezialisten im Einsatz – teils schon

seit den 1990er-Jahren. Um das umfangreiche Sortiment

aus Stabstahl, Edelstahl, NE-Metallen, Qualitäts- und

Blankstahl, Röhren und Spezialprofilen weiter abzurunden

und auszubauen, investiert Kicherer nun in eine

erneute Erweiterung seiner Lagertechnik. „Wir pflegen

seit vielen Jahren gute Beziehungen zu KASTO und sind

mit den bisherigen Lösungen hochzufrieden“, betont

Geschäftsführer Eberhard Frick. „Durch die intensive Kundenbetreuung

und die unkomplizierte Konzeptentwicklung

war uns schnell klar, dass wir auch bei dem neuen

Lager zusammenarbeiten werden.“

Hohe Lieferbereitschaft sicherstellen

Ziel von Kicherer ist eine Lieferbereitschaft von über 98%

und eine zuverlässige Lieferung innerhalb von 24 Stunden.

Das neue UNICOMPACT-Lager, das Ende 2017 in

Betrieb gehen soll, bietet dafür die idealen Voraussetzungen:

Es hat mit einer Höhe von 15 m und einer Länge

von 115 m Platz für rund 10.000 Kassetten. Diese kön-

Kasto realisiert für den Stahlhändler Kicherer ein

vollautomatisches Langgutlager vom Typ UNICOMPACT mit

integrierter Förder-, Säge- und Verpackungstechnik.

Übersicht neue Kasto-Regalanlage bei Kicherer

Fotos: Kasto

6 Stahlreport 6|17


nen Materialien mit bis zu 6 m Länge und Traglasten bis

3,4 t aufnehmen. Insgesamt fünf Regalbediengeräte stellen

das eingelagerte Langgut nach dem Prinzip „Ware-zum-

Mann“ an den Ausgabestationen bereit. Das sorgt für äußerst

kurze Zugriffszeiten und eine geringe Fehlerquote.

Zudem werden die Mitarbeiter von körperlich anstrengenden

Tätigkeiten entlastet. Die Bedienung erfolgt per

Bildschirm, das integrierte Warehouse-Management-System

KASTOlogic steuert und überwacht sämtliche Prozesse

am neuen Standort im Automatiklager und in den manuellen

Bereichen selbstständig, effizient und zuverlässig.

Nahtlos an das System angebunden sind drei Bandsägemaschinen

vom Typ KASTOwin F, die jeweils über KAS-

TOlogic mit Aufträgen versorgt werden. Um die kommissionierten

Materialien automatisch an den Verladeplatz zu

bringen, installiert KASTO zwei Manipulatoren. Von diesen

aus gelangt das Langgut über Fördertechnikstrecken

zu einer von 25 Verladestationen. Zum Umwickeln mit

Stretchfolie steht ebenfalls eine Station mit einer Verpackungsmaschine

zur Verfügung.

In einheitliches IT-System integriert

Sämtliche Bestandteile des neuen Logistiksystems sind

über KASTOlogic in ein einheitliches IT-Konzept integriert.

Das vereinfacht die Bedienung, vermeidet Fehler und sorgt

dafür, dass Kicherer seine hohe Lieferfähigkeit und -schnelligkeit

auch bei einem wachsenden Sortiment sicherstellen

kann. „Der hohe praktische Nutzen der KASTO-Lösung

und das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis haben uns

von Anfang an überzeugt“, betont Eberhard Frick. „Ich bin

mir sicher, dass auch dieses Lager die hohe Leistung und

Qualität haben wird, die wir von KASTO gewohnt sind.“2

ONLINE

TOOL

BOX

einfach, online, schnell

24/7

[ Kontakt ]

Friedrich Kicherer GmbH & Co. KG

73479 Ellwangen

Tel. +49 7961 885-0

www.kicherer.de

Sendungsverfolgung

– dann wenn Sie sie brauchen

und die Tool Box bietet mehr:

Über KASTO

Die KASTO Maschinenbau GmbH & Co. KG mit Sitz im

badischen Achern ist auf Säge- und Lagertechnik für

Metall-Langgut spezialisiert. Das Unternehmen beansprucht

die weltweite Markt- und Technologieführerschaft

für Metallsägemaschinen, halbautomatische und automatische

Langgut- und Blechlagersysteme sowie automatische

Handlingeinrichtungen für Metallstäbe, Bleche und

Zuschnitte. KASTO feierte 2014 sein 170-jähriges Bestehen

und zählt somit zu den ältesten Familienbetrieben in

ganz Europa. 160 Patente, mehr als 140.000 in alle Welt

gelieferte Sägemaschinen und über 1.800 installierte

Automatiklager kann das Unternehmen vorweisen. Neben

einem Zweigwerk im thüringischen Schalkau verfügt

KASTO über Tochtergesellschaften in England, Frankreich,

Singapur, der Schweiz und den USA.

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Stahlreport 6|17

7

NUR FÜR DEN FACHHANDEL


Stahlhandel

Berichte

Verarbeitungskapazität soll verdoppelt werden

Stahlo investiert in Gera

Mit einer Investition von 45 Mio. € plant Stahlo eine neue Produktionshalle in

Gera-Langenberg. Künftig will das Unternehmen nicht nur die Zahl der Anlagen verdoppeln,

sondern auch die Menge des verarbeiteten Stahls auf jährlich 300.000 t erweitern.

Stahlo investiert in Gera in eine neue Produktionshalle.

ferer. Ein großer Auftrag von VW ist

dem Unternehmen zufolge am Standort

in Zwickau eingegangen. Seitenteile,

Dach und Kofferraumklappe des

Golf Variant werden bei Stahlo zugeschnitten.

Neben der Automobilindustrie

bedient Stahlo in Gera auch

Industriekunden, z.B. aus dem Sanitärbereich

und Hersteller Weißer

Ware. Rund 150.000 t hoch- und ultrahochfesten

Stahl verarbeitet das Unternehmen

jedes Jahr. Ab Ende 2018 soll

es die doppelte Menge sein.

[ Kontakt ]

Stahlo Stahlhandels

GmbH & Co. KG

35683 Dillenburg

+49 2771 3020

www.stahlo.de

„Wir werden definitiv

am Standort

Gera bauen.”

Guido Spenrath,Geschäftsführer Stahlo

Durch den Zukauf von benachbarten

Grundstücken der Stadt hat

Stahlo, eins der größten werksunabhängigen

Stahl-Service-Center in

Deutschland, die Möglichkeit gefunden,

die eingeschlagene Wachstumsstrategie

fortzusetzen und am Standort

Gera zu verbleiben.

„Der Zuschnitt des bisherigen

Geländes reichte für die geplante

Hallengröße nicht aus“, so Guido Spenrath,

Geschäftsführer der Stahlo Stahlhandels

GmbH & Co. KG: „In Zusammenarbeit

mit der Stadt Gera haben wir

eine Möglichkeit gefunden, Flächen

hinzuzukaufen, so dass wir jetzt auf

einer Gesamtfläche von 45.000 m 2

bauen können.“

Es sei dem Unternehmen wichtig

gewesen, die gesamte Mannschaft mitzunehmen,

so Spenrath weiter: „Wir

haben ein sehr erfahrenes Team in

Gera, das hatte sehr hohe Priorität.“

Jetzt sind sogar 45 Neueinstellungen

für das neue Produktionswerk geplant.

Rund 45 Mio. € Euro investiert Stahlo

insgesamt in das Projekt.

Serienlieferant für

die Automobilindustrie

In den vergangenen Jahren sei das

Unternehmen stark gewachsen, so

Spenrath. Jetzt soll auch das Werk in

Gera ein Wachstumsstandort werden.

Mit dem erweiterten Produktionsstandort

werde sich die strategische

Ausrichtung des Unternehmens verändern,

sagte der Geschäftsführer: „Nachdem

wir uns im Spaltbandbereich

schon als Serienlieferant im Automobilsegment

über Jahre etablieren konnten,

haben wir nun auch den Schritt

an der Konturenanlage vom Ersatzteilzum

Serienlieferanten vollziehen können.“

Mit zwei Spaltbandanlagen kann

das Stahl-Service-Center künftig bis

zu 60 Streifen in einem Arbeitsgang

spalten – und das bei einer Zugfestigkeit

von 1.900 N/mm 2 . Das ist europaweit

einmalig, so das Unternehmen.

Anlagen für Stahl und Aluminium

Die neue Konturenanlage mit einer

Presskraft von 800 t wird zukünftig

neben Stahl auch Aluminium verarbeiten

können. Alle Produktionsanlagen

erfüllen zudem den Qualitätsstandard

zur Verarbeitung von Stahl in

Außenhautqualität für die Automobilindustrie.

Von Gera aus beliefert Stahlo vor

allem Automobilisten und deren Zulie-

Neue Produktion ab 2019

Ende März dieses Jahres erhielt Stahlo

die Zusage des Geraer Stadtrats, die für

den Neubau geplante zusätzliche Fläche

von der Stadt erwerben zu können.

Mit den Nachbarunternehmen

seien die Kaufverträge weiterer Teilflächen

des Geländes auf dem Weg.

„Die Stadt Gera hat uns sehr unterstützt

und auf eigene Kosten mit einem

„Wir investieren weiter

und verdoppeln

die Anzahl der Produktionsanlagen.“

Gutachten dazu beigetragen, dass wir

die Möglichkeit gefunden haben eine

Gleisanbindung unseres Grundstückes

zu realisieren“, so Spenrath.

Der Bau eines direkten Gleisanschlusses

sei insbesondere für den

Wareneingang wichtig: „Die ausgehende

Ware liefern wir fast ausschließlich

per Lkw. Den Wareneingang wollen

wir aber künftig bis zu 80 % mit

der Bahn abwickeln.“

Für die Grundsteinlegung des

neuen Werks gibt es noch keinen

genauen Termin: „Wir hoffen, dass wir

im Frühjahr 2019 gemeinsam die Eröffnung

des neuen Werkes feiern können“,

so Spenrath. „Wir wollen das

Projekt zügig umsetzen.“ 2

8 Stahlreport 6|17 Stahlreport 6|17

8


24.

Hausmesse

2 Messetage

6.000

Messewochenende lockt über 6.000 Besucher an

Volles Haus bei Lotter

Besucher

200

Ungerade Jahre sind bei der Gebr. Lotter KG Messezeit. So auch 2017: Im Mai hatte das

Großhandelshaus an zwei Tagen seine gewerblichen Kunden zur Leistungsschau nach

Ludwigsburg eingeladen – mit zahlreichen Neuheiten, Angeboten und fachkundiger

Beratung. Mehr als 6.000 Besucher und über 200 Aussteller machten die Veranstaltung

erneut zu einem der größten Branchentreffen der Region.

Aussteller

>10.000

Gespräche

Die Hausmesse hat für das

Großhandelshaus Lotter eine wichtige

Funktion. Seit vielen Jahrzehnten – in

diesem Jahr zum 24. Mal – filtert die

Lotter-Messe alle zwei Jahre für Kunden

aus Industrie und Gewerbe die

wachsende Vielfalt des Angebotes. Die

Neuheiten der großen Branchenmessen

und die dort spürbaren Entwicklungen

werden übersichtlich zusammengefasst

und für große und für

kleine Handwerksbetriebe fassbar

gemacht.

„Natürlich möchten wir unseren

Kunden auf der Lotter-Messe einen

möglichst umfassenden Überblick

über unser breites Sortiment bieten“,

so Helmut Ernst, der persönlich haftende

Gesellschafter des Unternehmens,

„doch wollen wir ihnen dabei

auch zeigen, wie sich die Märkte und

die angebotenen Erzeugnisse in den

verschiedenen Bereichen weiterentwickeln,

welche Neuerungen auf uns

zukommen und auf welche Veränderungen

wir uns einstellen müssen.“

und Konservieren vorgestellt. Durch

den Neubau hat das Unternehmen

seine Lagerflächen für Walzstahl von

zuvor nahezu 20.000 auf 26.000 m 2

aufgestockt.

Pünktlich zur Hausmesse wurde

auch die Bäder- und Küchengalerie

am Stammsitz des Großhandelsunternehmens

im Ludwigsburger Westen

fast vollständig erneuert. Die Messebesucher

konnten als erste die völlig

neu bestückte, jetzt 1.400 m 2 große

Ausstellung erleben.

Ganz neu geschaffen wurde die

Bauelementeausstellung. Sie hat auf

300 m² Türen und Tore, Dachfenster,

Briefkästen, Beschläge und Schließsysteme

rund um das Thema Sicherheitstechnik

gezeigt.

Weiter entwickelt hat Lotter auch die

digitale Online-Anbindung. Mit der

neuen Lotter-App können alle Online-

Angebote jetzt auch mobil genutzt werden.

Ebenso lässt sich die frisch überarbeitete

Webseite (siehe Kontaktkasten)

nun auf allen Endgeräten komfortabel

bedienen. Dass viele Aussteller

bereits jetzt Interesse an der Hausmesse

2019 zeigten, bestätige, dass

„wir das Marktbedürfnis von Herstellern

und baunahem Handwerk nach

wie vor ziemlich gut treffen“, freute

sich Helmut Ernst. 2

[ Kontakt ]

Gebr. Lotter KG

71636 Ludwigsburg

Tel. +49 7141 406-0

www.lotter.de

Neues in allen

Geschäftsbereichen

Teil der Hausmesse war auch die Walzstahlabteilung.

Sie hat den Besuchern

ihre im vergangenen Herbst eingeweihte

neue Halle mit den Anarbeitungsmöglichkeiten

Sägen, Strahlen

Foto: Gebr. Lotter KG

Mehr als 6.000

Besucher kamen im Mai

nach Ludwigsburg zur

Lotter-Hausmesse.

Stahlreport 6|17

9


Stahlhandel

Bericht

Klöckner-Forum „Mehrwert Digital“

Beim Digitalisieren läuft die zweite Halbzeit

Perspektiven für die Stahl- und Metallindustrie – so lautete der Titel, unter dem die Klöckner & Co Deutschland GmbH

zum Forum „Mehrwert Digital“ im Mai nach Köln eingeladen hatte. Der Tag bot einen spannenden Einblick in den

Entwicklungsstand, den die vernetzte Werkstoffbeschaffung und -verarbeitung mittlerweile erreicht hat. Fast noch

spannender war dabei der Ausblick in die zukünftigen Möglichkeiten.

Was ist das Gefährliche an disruptiven

Transformationen? Dass die

meisten sich schnelle und tiefgreifende

Veränderungen nicht vorstellen

können, sie folglich nicht kommen

sehen und daher nicht vorbereitet

sind. Mit dieser großen Klammer um

das Thema Digitalisierung begann

Auftaktredner Dr. Holger Schmidt,

Chefkorrespondent für digitale Wirtschaft

des Focus-Magazins, das Klöckner-Forum

„Mehrwert Digital – Perspektiven

für die Stahl- und Metallindustrie“,

zu dem das Unternehmen

Mitte Mai nach Köln eingeladen hatte.

„Die Zeiten, zu sagen:

‚Digitalisierung interessiert

mich nicht‘,

sind vorbei.“

Dr. Holger Schmidt, Chefkorrespondent

für digitale Wirtschaft, Focus Magazin

Plattform-Gedanke greift

auf B2B-Bereich durch

Das Interesse an der Veranstaltung

war groß, über 80 Teilnehmer waren

in den Sky-Tower nach Köln gekommen.

„Wir befinden uns in der zweiten

Halbzeit der Digitalisierung“,

sagte Holger Schmidt. Die erste Halbzeit

sei von dem Erscheinen und

Großwerden digitaler Plattformen

geprägt gewesen, die es in den letzten

Jahren „nur“ mit Software ge -

schafft haben, einige Märkte radikal

umzugestalten – wie Amazon, Google

oder Apple.

Der Treiber dieser „Revolution“

sei, dass die Plattformen die Märkte

wesentlich effizienter machten und

sowohl die Transaktionsgeschwindigkeit

als auch die Kosten von

Transaktionen stark beschleunigen

bzw. reduzieren. Auf diese Weise

bekommen Facebook, Uber und Co

großen Einfluss auf die „Community“

der Marktteilnehmer und

schöpfen alteingesessenen Anbietern

Rendite ab.

Derzeit, so Schmidt, greife der

Plattform-Gedanke weiter auf B2B-

Bereiche durch. Zu den Branchen in

denen die Digitalisierung erst nach

längerer Anlaufzeit, dafür aber mit

„lautem Knall“ durchgreife, gehören

u.a. die Automobilindustrie, der

Maschinenbau, die Pharma- und die

Energiebranche.

Metallindustrie investiert

in Zukunftstechnologien

Die technologische Entwicklung wird

die Wirtschaft – und nicht nur die

Wirtschaft – in naher Zukunft voraussichtlich

weiterhin radikal verändern.

Die Vernetzung von Dingen (das

„Internet of Things“, IoT), Künstliche

Intelligenz und 3D-Druck sind nur

einige der Trends sich in den kommenden

Jahren voraussichtlich weiter

an Relevanz gewinnen werden.

Auf diesen Zug setzt auch die

Metallindustrie. Kurz- bis mittelfristig

investiert sie einer Umfrage von

PricewaterhouseCoopers weltweit

deutlich mehr in die Entwicklung

digitaler Prozesse. Die Deutschen

zäumen bei der Digitalisierung das

Pferd allerdings eher von hinten auf,

kritisierte Schmidt. Statt sich als erstes

zu erkundigen, was von Kunden

gewollt ist, um dann im zweiten

Schritt Produkte und Service und

erst danach die Produktion zu digitalisieren,

beginne man hierzulande

gern gleich mit der Digitalisierung der

Produktion – und nenne das „Industrie

4.0“. „Digitalisierung“, so Schmidt

„ist aber mehr als Industrie 4.0“.

Klöckner-Module integriert

Im Stahlhandel gehört Klöckner unbestritten

zu den Vorreitern der Digitalisierung.

Über seine Plattform

„KloecknerConnect“ bietet das Unternehmen

vom Onlineshop über eine

Kontraktplattform bis hin zur EDI-

Schnittstelle eine Reihe digitaler Services.

In Kooperation mit dem britischen

Softwarehaus Sage ist das

Klöckner-Bestellwesen auch als eigenes

Modul in dessen ERP-System

Sage 100 integriert. Das Modul bindet

die nötigen Geschäftsprozesse

somit in einem einzigen System ein,

sagte Christian Dyck, Mitglied der

10 Stahlreport 6|17


Geschäftsführung der kloeckner.i

GmbH.

Ebenfalls kooperiert Klöckner mit

der Axoom GmbH, einem Tochterunternehmen

von Maschinenhersteller

Trumpf. Das Unternehmen entwickelt

seit 2015 digitale Geschäftsplattformen

sowohl für Lieferanten

wie für Produktionsbetriebe. Die

Smart-Enterprise-Plattform ist auf

produzierende Unternehmen ausgerichtet,

deren Prozesse in einem einheitlichen

System vernetzt werden

(Maschinendaten, Produktionsplanung,

Businessdaten, etc.). Per „Partner-Apps“

– z.B. von Klöckner – wird

die Funktionalität der Plattform ange-

„Die wichtigste

Voraussetzung für

eine erfolgreiche

EDI-Anbindung: Die

Stamm daten müssen

eindeutig und

richtig sein!“

Wolfgang Bokämper, Bereichsleiter

Beschaffung, Organisation und Qualitätswesen,

Kolbus GmbH & Co. KG

in der Beschaffung deutlich schneller

gestalten. Dauerte ein Bestellprozess

zuvor zwischen ein bis vier

Tagen (je nach genutzten Kommunikationsmedium,

E-Mail oder Post),

liegen die Bestellzeiten über EDI bei

20 min. Auch finanziell mache sich

die Umstellung bemerkbar: So liegen

die Kosten für jeden Bestellvorgang

nun bei 50% des ausgewiesenen Branchenwerts,

zudem habe Kolbus einen

Liquiditätsgewinn von drei Tagen

Vertikale Integration der

Wertschöpfung

Customer Access, Vertrieb und

Marketing

Horizontale Integration der

Wertschöpfung

Produktentwicklung & Engineering

erreicht und arbeite mit aktuelleren

Daten.

In Zukunft sind laut Beschaffungsleiter

Wolfgang Bokämper weitere

Entwicklungen und Verbesserungen

möglich – etwa wenn Waren,

die keinen ständigen Veränderungen

unterliegen und kontinuierlich verbraucht

werden, ohne Bestellung und

Rechnung geliefert und gezahlt würden.

Rechtlich sei das momentan

jedoch noch nicht möglich. 2

Digital-Pläne in der Metallindustrie (weltweit)









reichert. Mit der weiteren Plattform

Axoom IoT will das Unternehmen

eine cloudbasierte Lösung für die

Anbindung weltweit verteilter

Maschinen bieten. Zielgruppe sind

hier OEM und Maschinenhersteller.

Klöckner selbst will in einem

nächsten Schritt seine eigene Plattform

„Kloeckner Connect“ auch für

Wettbewerber öffnen. Dabei könnte

die Teilnahme statt erkennbar innerhalb

der Kloeckner-Plattform auch

in einem neutraleren Umfeld stattfinden,

sagte Gisbert Rühl, Vorstand von

Klöckner & Co SE auf der Tagung in

Köln.

Beschaffung ist schneller

und günstiger per EDI

Die EDI-Anbindung von Kunden und

Lieferanten bringt beiden Seiten deutliche

Vorteile. Die Kolbus GmbH &

Co. KG, Hersteller von Buchbindereimaschinen

mit weltweitem Vertrieb,

ist per EDI-Schnittstelle mit Klöckner

vernetzt. Das Unternehmen

konnte damit u.a. die eigenen Abläufe

Digitale Geschäftsmodelle,

Produkte und Services


Digital-Hürden in der Metallindustrie (weltweit)

Unklarer ökonomischer Nutzen der

Digitalinvestition

Leadership des Top-Managements fehlt

Geschäftspartner können mit Digitalisierung nicht

Schritt halten

Hoher Investitionsbedarf

Ungenügende Talente

Fehlen digitaler Standards

Langsame Expansion der Technologie

Datenschutz

Bedenken über Verlust der Intellectual Property

9

20

20

23

22


29

28



49

39

Quelle: Dr. Holger Schmidt, Focus Magazin (PwC: Global Industry 4.0 Survey) auf dem Klöckner-Forum „Mehrwert Digital“, 10. Mai 2017

Stahlreport 6|17

11


Stahlhandel

Bericht

Mehr Umsatz und Überschuss

Nordwest zog eine positive Jahresbilanz

Nordwest hat für 2016 eine positive Bilanz gezogen, und auch auf der Basis der Zahlen des ersten

Quartals 2017 blickt die Dortmunder Verbundgruppe mit ihrer Drive-Strategie optimistisch in die

Zukunft. Für die soll der Stahlbereich eine wichtige Rolle spielen, wie schon in der Vergangenheit.

Foto: Nordwest

Nordwest hat nach Angaben von Vorstand Jörg

Simon im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von

2,147 Mrd. € erreicht und das Vorjahresergebnis damit

um 9,4 % übertroffen. Der Jahresüberschuss habe sogar

um 64,2 % auf 4,7 Mio. € gesteigert werden können. Und

für das erste Quartal 2017 bilanzierte Jörg Simon einen

Umsatz von 582 Mio. € statt 486 Mio. € im Vergleichszeitraum

des Vorjahres.

Prognose für 2017 bestätigt

Der Manager ist bei der NORDWEST Handel AG als Vorstand

u.a. auch für den Geschäftsbereich Stahl zuständig,

der umsatzstärksten Sparte der Einkaufsgenossenschaft.

Mit Stahl wurde 2016, wie auch schon 2015, ein

Umsatz von 803 Mio. € generiert. Und für das erste Quartal

des laufenden Jahres konnte Jörg Simon sogar die Zahl

von 209 Mio. € vermelden. Dies gab ihm Gelegenheit,

auf die Abhängigkeit dieser Sparte von der Stahlpreisentwicklung

auf den volatilen Märkten hinzuweisen. Sie sei

für das Vorjahr deutlich negativ gewesen und habe sich

erst seit dem vergangenen Herbst positiv entwickelt.

Unter Berücksichtigung der anderen Nordwest-Geschäftsfelder,

nämlich Bau-Handwerk-Industrie sowie Haustechnik

und Services, erwartet das Unternehmen, dass sich die

Prognose für 2017 bestätigt. Erwartet wird – je nach Stahlpreisentwicklung

– ein Geschäftsvolumen zwischen 2,061

und 2,276 Mrd. €. In 2016 waren 2,147 Mrd.€ erreicht worden,

und 2020 sollen es über 3 Mrd. € sein.

Hinter diesem Ziel steckt die „Drive-Strategie“, an die

auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Vorstand

Schnitten gemeinsam das symbolische, rote Band bei der Einweihung des Nordwest-

Neubaus durch (v.l.): Thomas Westphal (Geschäftsführer Wirtschaftsförderung

Dortmund), Ullrich Sierau (Oberbürgermeister der Stadt Dortmund), Martin Bertinchamp

(Vorsitzender des Nordwest- Aufsichtsrates), Bernhard Dressler (Nordwest-Vorstandsvorsitzender)

und Jörg Simon (Nordwest- Vorstand Finanzen und Administration).

Bernhard Dressler erinnerte. Achtteilig angelegt, fußt sie

insbesondere auf einer Optimierung der Lagerstrategie

der Verbundgruppe und einem Ausbau weiterer Services,

etwa im Bereich Großhandelsmarketing.

Dieser Ansatz ist vor allem auch der zunehmenden

Digitalisierung im Produktionsverbindungshandel geschuldet.

Und auch in der Nordwest-Personalpolitik spiegelt

„Wer den Kunden elektronisch

anbindet, ist der Hauptlieferant

der Zukunft.“

Bernhard Dressler, Nordwest-Vorstandsvorsitzender

sich diese Erkenntnis. Die meisten der zusätzlich im vergangenen

Jahr eingestellten rund 30 Mitarbeiter arbeiten

in den Bereichen IT und Digitalisierung.

Einweihungsfeier am neuen Standort

Bereits einige Tage vor der Präsentation der Bilanzzahlen

hat das Unternehmen die Einweihung seines neuen

Standorts gefeiert. In unmittelbarer Nähe zum Stadion

von Borussia Dortmund gelegen, hatte Nordwest das neue

Zentralgebäude bereits im vergangenen Jahr in Betrieb

genommen.

Am 26. April wurde der Unternehmenssitz nun auch

offiziell eröffnet. An zwei Tagen feierte der Einkaufsverband

mit mehr als 1.000 Gästen den Bezug der neuen Konzernzentrale.

Ein Magnet war die Einweihung des neuen

Showrooms, in dem moderne Präsentationstechniken

und Virtual Reality als innovative Art der Warenpräsentation

zum Anfassen einladen.

Großen Anklang bei der Veranstaltung fanden die

Referenten, die den Handelspartnern von Nordwest

Impulse gaben, u.a. zog BVB-Marketing-Direktor Carsten

Cramer die Zuschauer mit Einblicken in seine tägliche

Arbeit und zukünftige Marketingtrends in seinen Bann.

Seit 1945 hatte das Unternehmen sein Domizil in

Hagen. Dort stieß man in den letzten Jahren allerdings

an seine Kapazitätsgrenzen, was Platz, Technik und Brandschutz

anging, so dass man sich 2014 endgültig zum

Umzug entschied. Der Neubau bietet Platz für mehr als

400 Mitarbeiter. 20,2 Mio. € hat Nordwest in das Bauvorhaben

investiert. 2

[ Kontakt ]

NORDWEST Handel AG

44263 Dortmund

Telefon: +49 231 2222 3001

www@nordwest.com

12 Stahlreport 6|17


Günther + Schramm ist neuer Systemlieferant von Leuco

Outsourcing von Lagerhaltung

und Sägezuschnitt

Leuco setzt auf die Outsourcing-Expertise von Günther + Schramm und lagert die Beschaffung,

Bevorratung und Bearbeitung von Rohmaterialien aus. Der süddeutsche Stahl- und Metallhändler

wickelt jährlich nun 8.000 Auftrags positionen für den Maschinenhersteller ab und liefert die

individuell konfektionierten Rohmaterialien just-in-time bis an die Bearbeitungsmaschinen.

Leuco ist weltweit einer der

führenden Anbieter von hartmetallund

diamantbestückten Maschinenwerkzeugen

für die Holz- und Kunststoffbearbeitung.

Das Werkzeugangebot

umfasst Kreissägeblätter, Zerspaner,

Bohrungs- und Schaftwerkzeuge,

Bohrer, Spannmittel und

Wendeplatten. Um die eigenen Prozesse

besser zu strukturieren und

zukunftsfähig zu bleiben, entschied

sich das Unternehmen für ein Outsourcing

der Beschaffung, Bevorratung

und Anarbeitung seiner Rohmaterialien.

Die Wahl fiel auf den Systemlieferanten

Günther + Schramm. Für

Leuco ein nicht ganz unbekannter

Partner, denn über den Stahl- und

Metallhändler hat das Unternehmen

bereits mehr als 20 Jahre seine leicht

zerspanbaren Stähle bezogen. „Leuco

kam mit einem fertig ausgearbeiteten

Konzept auf uns zu und hatte

genaue Vorstellungen vom Projektablauf.

Dank guter Vorarbeit und

einer kooperativen Zusammenarbeit

fiel der Startschuss für das operative

Geschäft schon sechs Monate später“,

erklärt Georg Reisinger, Projektverantwortli-cher

bei Günther +

Schramm.

Foto: Günther + Schramm

Reibungslos, schnell, effizient

Für seinen Partner bevorratet Günther

+ Schramm insgesamt 51 Artikel in

fünf verschiedenen Werkstoffarten.

Am vollautomatischen Lagersystem

am Standort in Mannheim sind softwaretechnisch

und mecha-nisch mehrere

Hochleistungskreis- und -bandsägen

angeschlossen. So gewährleistet

Günther + Schramm auch bei kleinlosigen

Positionen eine zügige und

flexible Auftragsabwicklung.

165 Zuschnitte bei 35 Auftragspositionen

fertigt der Stahlhändler

insgesamt an einem Tag. Danach

werden die Komponenten kommissioniert

und in eigens dafür konstruierte

V-Boxen und Gitterboxen

mit Rollenbahnen verpackt.

Der Vorteil für Leuco ist die

schnelle Bestückung seiner Bearbeitungsmaschinen:

Die Transportkisten

werden direkt beim Ausladen

am Warenbahnhof entsprechend den

nächsten Bearbeitungsschritten auf

den jeweiligen Rollenbah-nen einsortiert.

Die Belieferung erfolgt täglich

just-in-time an den Produktionsstandort

in Horb.

Um Fehlerquellen zu vermeiden,

erfolgt der gesamte Datenaustausch

über eine integrierte Standard-SRM-Lösung.

„Wir profitieren

durch das Outsourcing von einem

schnelleren Durchlauf und einer

höheren Effizienz“, erklärt Roland

Günther, Leiter der Produktion bei

Leuco. „Außerdem haben wir nun

mehr Platz für unsere wertschöpfende

Produktion. Das ehemalige

Lager sowie die zur Bearbeitung notwendigen

Sägen haben wir komplett

ausgelagert.“ 2

Günther + Schramm liefert individuell konfektionierte

Rohmaterialien an Leuco, die Güter werden für die

Just-in-time-Belieferung in V- und Gitterboxen gepackt.

Stahlreport 6|17

13


Stahlverarbeitung

Schwerpunkt Bauen mit Stahl

Der Stahlbau der Elbphilharmonie

Ein unwahrscheinliches Bauwerk

Die Elbphilharmonie in Hamburg ist ein Bauwerk der Superlative: außergewöhnliche Architektur, eine

Akustik mit Anspruch zu den besten überhaupt zu gehören, von Planungspannen und der Bauzeit ganz

zu schweigen. Zu den besonderen Herausforderungen bei diesem Jahrhundertbauwerk gehörte die

Konstruktion und Montage des Großen Konzertsaals. Beim Herzstück der Philharmonie hat Haslinger

Stahlbau eine Meisterleistung hingelegt.

Der Stahlbau des Großen

Konzertsaals der neuen

Elbphilharmonie: für die

Haslinger Stahlbau GmbH

eine noch nie dagewesene

Herausforderung.

Hamburg hat ein neues Wahrzeichen

mit internationaler Strahlkraft:

die Elbphilharmonie. Das neue

Konzerthaus, entworfen von dem

Schweizer Architekturbüro Herzog

& de Meuron, liegt direkt an der

Elbe, an drei Seiten von Wasser

umgeben, und ist weithin in der

Stadt sichtbar. Auf dem ehemaligen

Kaispeicher A erhebt sich auf dem

rauen Backstein der gläserne Körper

des neuen Bauwerks – die „gläserne

Welle“ – in direkter Nachbarschaft

zum UNESCO-Welterbe Speicherstadt

und Kontorhausviertel.

Ein schwebender Konzertsaal

Die Architektur und Konstruktion

der Elbphilharmonie haben es in

sich. Das Gebäude ist mechanisch

vollständig vom Speicher entkoppelt

über den es gebaut ist. 1.745 Pfähle,

tief in den Elbboden gerammt, stützen

es. Die Glasfassade besteht aus

insgesamt 2.200 einzelnen Glaselementen,

alle Scheiben besitzen einen

eingearbeiteten Licht- und Wärmeschutz

durch aufgedruckte gerasterte

Folien. 595 der Glaselemente

sind individuell gekrümmt, jedes

dieser besonderen Elemente kostet

etwa 72.000 €.

Der Große Konzertsaal, mit seinen

2.100 Plätzen nach einem Raumim-Raum-Konzept

entworfen, schwebt

quasi in 50 m Höhe mitten im Bauwerk,

schalltechnisch vom restlichen

Gebäude durch 342 Stahlfedern

getrennt. 10.000 millimetergenau

und individuell gefräste Gipsfaserplatten

der Wand- und Deckenstruktur

– die „weiße Haut“ – sollen für

ein herausragendes Klangerlebnis

sorgen.

Jenseits gewöhnlicher Dimensionen

war auch der Stahlbau der Elbphilharmonie.

Insgesamt wurden

für „Elphie“, wie die Hamburger liebevoll

sagen, 18.000 t Stahl verbaut.

Für den Großen und Kleinen Konzertsaal

sowie die Treppe des Foyers

hat die Haslinger Stahlbau GmbH

die Stahltragwerke konstruiert, gefertigt,

geliefert und montiert – eine

eigenem Bekunden nach noch die

dagewesene Herausforderung für

das österreichische Unternehmen.

Außergewöhnliche Geometrie

Herausforderung Nr. 1 waren die

außergewöhnlichen Dimensionen

und geometrischen Formen, die die

Architekten vorgegeben hatten. So

14 Stahlreport 6|17


Von der Baustelle zum fertigen Konzertsaal – logistisch und in den Dimensionen ein außergewöhnliches Stahlbauprojekt.

ist der Große Konzertsaal nach einer

„Weinberg-Architektur“ entworfen,

um den zentralen Orchestergraben

erheben sich rundherum die Zu -

schauertribünen über sieben Stockwerke

weinbergartig als Terrassen

nach oben.

Ausgangslage für die Detailplanung

der Stahlkonstruktion waren

3D-Modelle des Architekten, in

denen die Außenkonturen der Stahlträger

enthalten waren. Das Modell

der Rippen und der Tribünen lag

dabei zunächst getrennt vor und

wurde erst durch Haslinger Stahlbau

zusammengeführt.

21 vertikale Rippen der Stahlkonstruktion

für den Großen Konzertsaal

mussten lagegenau auf die

Federn versetzt und die dazwischenliegenden

Sitzstufenfachwerke und

Tribünen eingepasst werden. Eine

Arbeit, die mit besonderer Sorgfalt

ausgeführt werden musste, da die

Träger in allen Richtungen geneigt

und verschnitten waren.

zweites Mal vor. Insgesamt waren

16 Statiker, 20 Konstrukteure, 120

Schlosser und Schweißer und 20

Monteure über 135.000 Arbeitsstunden

mit der Ausführung dieses Stahlbauprojektes

befasst.

Herausforderung Nr. 3 waren die

logistischen Besonderheiten der

direkt am Wasser gelegenen Baustelle

im Hamburger Hafen. Ein Beispiel:

Da vor Ort nur sehr beengtes

Arbeiten möglich war, wurden die

Stahlteile nach Anlieferung direkt

vom Lkw aus montiert – der auf

einem schwimmenden Ponton in der

Elbe parkte.

Die „noch nie dagewesene He -

rausforderung“ hat Haslinger Stahlbau

mit Bravour gemeistert. Im

Januar 2017 ist die Philharmonie

nach langer Bauzeit feierlich eröffnet

worden. 2

Fotos: Haslinger Stahlbau/Oliver Heissner; Herzog & de Meuron/bloomimages; Johannes Arlt; Iwan Baan

Die Elbphilharmonie im Querschnitt mit dem Großen Konzertsaal

mittig im Gebäude

Stahlbau der Elbphilharmonie

Stahlbau in anderer Dimension

Herausforderung Nr. 2 war die

schiere Dimension des Projekts. Die

ungewöhnliche Geometrie der Konstruktion

erforderte zum Beispiel,

dass jede der 14.443 Knotenverbindungen

der Stahltragkonstruktion

eigens gerechnet und konstruiert

werden musste. Jeder Knoten in der

Stahlbaukonstruktion hat individuelle

Eigenschaften und kommt kein

Großer Konzertsaal

1.585 t Stahlkonstruktion

342 Federpakete

Planung

20 Konstrukteure

16 Statiker

15.191 Stunden Statik

24.480 Stunden Konstruktion

8.750 Seiten Statik

19.900 Einzelteilzeichnungen

1.068 Zusammenbauzeichnungen

202 Übersichten

Fertigung

68.000 Stunden

Transporte

250 Stück

Montage

28.500 Stunden

44.933 Schrauben

Stahlreport 6|17

15


Stahlverarbeitung

Schwerpunkt Bauen mit Stahl

Fachtag Brückenbau 2017

Stahlverbund ersetzt Spannbeton

Mit der Entwicklung des Brückenbaus

beschäftigt sich der von bauforumstahl

veranstaltete Fachtag Brückenbau am

20. September 2017 in Gemünden bei

Würzburg. Eines der Themen des Fachtags

ist der Sanierungs- und Neubaubedarft von

Brücken in Deutschland. Die volkswirtschaftlichen

Kosten durch Sperrungen,

Staus und Unfälle gehen laut Bauforum

Stahl weit über die Ausgaben für Sanierung

und Neubau hinaus. Immer häufiger entschieden

sich Bauherren aufgrund des

gestiegenen Verkehrsaufkommens daher für

tragfähige Stahl- und Stahlverbundbrücken,

die sich durch ein hohes Maß an Haltbarkeit

und Funktionalität, aber auch durch ihren

architektonischen Charakter auszeichnen.

Ein Beispiel dafür im städtischen Kontext ist

die Mainbrücke in Gemünden, die bei der

Veranstaltung im Rahmen einer exklusiven

Projektvorstellung präsentiert wird.

Foto: Bauform Stahl

Die Mainbrücke in Gemünden wird bei dem Fachtag Brückenbau im Rahmen einer exklusiven

Projektvorstellung vorgestellt.

Das Themenspektrum der Tagung umfasst

neben dem Fokus auf Stahl- und Stahlverbundbrücken

außerdem das Building Information

Modeling (BIM), digitale Infrastruktur,

dauerhafte Korrosionsschutzsysteme sowie

Pilotprojekte für neue Montagetechnik.

Vertreter der öffentlichen Hand, Behörden,

Investoren, Architekten, Tragwerksplaner

und Prüfingenieure.

Die Veranstaltung richtet sich an alle, die in

der Planung, Gestaltung, Genehmigung und

Überwachung von Brücken tätig sind, an

[ Info ]

Weitere Informationen zum Fachtag Brückenbau:

www.bauforumstahl.de/veranstaltung/598

140 mm dicke TM-Bleche erhalten bauaufsichtliche Zulassung

Starke Unterstützung

Thermomechanisch gewalzte (TM)

Bleche sind hochfest, feinkörnig und können

beim Schweißen sogar auf das Vorwärmen

verzichten. Mit diesen Eigenschaften

erschließen sie erhebliches Einsparpotenzial,

so die AG der Dillinger Hüttenwerke.

Der Grobblechproduzent bietet die Hochleistungsbleche

der Güten S355 M/ML

eigenen Angaben zufolge als einziger Anbieter

auch in einer Dicke von 140 mm an.

Üblich sind in diesen Güten Blechdicken bis

maximal 120 mm. Jetzt erhielten die Güten

S355 M/ML vom Deutschen Institut für

Bautechnik (DIBt) die Allgemeine bauaufsichtliche

Zulassung (abZ).

TM-Bleche finden bevorzugt Einsatz im Bau

der Fundamente für Offshore-Windkraftanlagen.

Aber auch bei hochbeanspruchten

Stahlbauten wie Brücken oder Hochhäusern,

bei denen enorme statische Belastungen

mit Gewichtseinsparungen oder schlankeren

Formen in Einklang gebracht werden

müssen, werden sie verwendet. Thermomechanisch

gewalzte Baustähle S355 M/ML

enthalten deutlich niedrigere Kohlenstoffäquivalente

CET (Carbon Equivalent Thyssen)

als normalisierte Stähle der gleichen Festigkeitsklasse.

Die hierdurch wesentlich bessere

Schweißeignung der Güten S355

M/ML zeigt sich in starker Verringerung bis

Wegfall der Notwendigkeit zum Vorwärmen.

Da mit zunehmender Blechdicke üblicherweise

sowohl die Vorwärmtemperaturen als

auch die Abkühlzeiten steigen, ist dies insbesondere

im großen Dickenbereich ein entscheidender

Vorteil.

Foto: Dillinger

Beim Bau der Erasmus-Brücke in Rotterdam leistete

der Einsatz von 4.200 t TM-Blechen der

Güten S355 M/ML einen hohen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit

der Stahlkonstruktion.

16 Stahlreport 6|17


Interview

Digitalisierung von Transportprozessen

Wartezeiten sind auf Baustellen ein ebenso häufiges wie wiederkehrendes

Problem. Für Baustellenbetreiber wäre es ein großer Fortschritt,

wenn Materiallieferungen, u.a. von benötigtem Stahl, vor Ort besser

und flexibler geplant werden könnten. Voraussetzung dafür wäre die

umfassende Bereiststellung und der Austausch von Informationen aller

an den Prozessen Beteiligten.

Genau um diese Art Datenaustausch

geht es am Lehrstuhl für Informationsmanagement

(IMA) im Maschinenbau

an der RWTH Aachen. Dort wird der

Einsatz von Methoden der Informatik in

allen Anwendungsbereichen des Maschinenbaus

erforscht – u. a. in der Produktion

in Mobilität und Logistik sowie in

Cognitive Computing und eHealth.

Die Digitalisierung von Prozessketten

ist für die Aachener Forscher naturgemäß

ein großes Thema. Ein Interview mit Dr.Max

Haberstroh, Forschungsgruppenleiter Mobilität

und Logistik des Lehrstuhls für Informationsmanagement

im Maschinenbau:

Stahlreport: Hinter der „Digitalisierung“ verbirgt

sich eine ganze Reihe verschiedener Themen,

Ansätze und Ziele. Worum geht es am

Lehrstuhl für Informationsmanagement im

Maschinebau konkret? Mit welchen Projekten

beschäftigen Sie sich aktuell?

Dr. Max Haberstroh: Die Digitalisierung hat,

zumindest gehen wir derzeit davon aus,

große Bedeutung unter anderem für verladenende

Unternehmen, wie zum Beispiel

für den Stahlhandel, und natürlich für Transportlogistikunternehmen.

Wir haben zum

Thema Logistik 4.0 gerade mit einem Projektpartner,

der Transporeon GmbH, eine

Studie durchgeführt, die demnächst veröffentlicht

wird. Im Rahmen der Studie haben

wir unter anderem verladende Unternehmen

über verschiedene Branchen hinweg

um eine Selbsteinschätzung zum Grad der

Digitalisierung im eigenen Unternehmen

gebeten. Diese Erhebung sowie weitere Einblicke

in die aktuelle Forschung und Entwicklung

wertet die Studie aus.

Ein Ergebnis ist, dass in vielen Branchen

noch wenig bis gar keine Prozesse digital

bearbeitet werden. Sehr viel passiert

heute noch telefonisch und wird auf Papier

festgehalten. Da ist die Forschung, die die

Ziele und Möglichkeiten digitaler Prozesse

schon relativ klar formuliert, also noch sehr weit

weg von der Praxis. In der Studie sind übrigens

auch einige Unternehmen der Stahlindustrie

mit ihren Selbsteinschätzungen dabei. Diese

sehen für sich selbst einen Digitalisierungsgrad

von rund 30 %.

Ein großer Bestandteil unserer Arbeit in den

verschiedenen Forschungsprojekten sind vor

allem die Datenanalyse und die Datenintegration,

aber auch das Machine-Learning und weitere

Themen der Künstlichen Intelligenz gehören

dazu – die unserer Beobachtung nach

übrigens immer relevanter werden.

Dr. Max Haberstroh, Forschungsgruppenleiter

Mobilität und Logistik, Lehrstuhl für

Informationsmanagement im Maschinenbau,

RWTH Aachen

In der Baubranche ist das Building Information

Modelling – BIM – ein Ansatz zur Digitalisierung

der Prozesse. Ist BIM auch für Zulieferer

relevant?

Ziel bei BIM ist, durch eine größere Transparenz

und Durchlässigkeit von Informationen

eine größere Planbarkeit der Prozesse herzustellen

– entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Konkret ist die Digitalisierung der

Baustelle ein sehr aktuelles Thema. Wartezeiten

auf Baustellen sind zum Beispiel ein immer

wiederkehrendes Problem. Was sich die Betreiber

von Baustellen wünschen, sind mehr Belieferungen

just-in-time. Dafür ist aber ein ganz

anderer Vorlauf in den Projekten als bisher

nötig. Eine höhere Flexibilität in der Abarbeitung

von Aufträgen kann dann erreicht werden,

wenn Informationen möglichst in Echtzeit

ausgetauscht werden.

Wenn wir zum Beispiel vorab wissen, dass

bestimmte Wetterlagen die Produktion auf der

Baustelle kurzfristig beeinflussen, ist es denkbar,

die davon betroffenen Zulieferungen anzupassen.

Von den verfügbaren Informationen

her ist das ja mittlerweile möglich, Wetterlagen

können für kurzfristige Abstände relativ

sicher prognostiziert werden. Um das zu realisieren

sind geeignete Kommunikationsmedien

nötig. Da sind Plattformlösungen momentan

ein großes Thema. Auf ihnen können die

verschiedenen Anspruchsgruppen zusammengebracht

werden. Ein Beispiel in der Transportlogistik

sind Frachtenbörsen, die unter

anderem kurzfristig freie Logistikkapazitäten

vermitteln.

Die Ziele sind also, zum Teil wenigstens,

abgesteckt und formuliert – wobei die Praxis

etwas hinterherläuft. Wie geht die Entwicklung

weiter?

Das Zusammenführen verschiedener Informationsbereiche

und das Herausfiltern von

Mehrwerten dabei stehen für uns im Fokus.

Informationen müssen entlang der Wertschöpfungskette

frühzeitig geteilt werden.

Dabei müssen natürlich alle Beteiligten mitmachen.

Digitalisierung ist eben mehr als die

Einführung einer neuen Technologie. Es geht

um die Bereitschaft, sich als Unternehmen

dieser Herausforderung grundsätzlich zuzuwenden.

Daher haben wir in unserer Studie

zum Beispiel auch danach gefragt, wie eng

die Kooperation mit anderen Unternehmen

ist. Wir sind der Überzeugung, dass es nur

durch ein komplettes Umdenken möglich

ist, mit der momentan rasanten Entwicklung

mitzuhalten. 2

[ Kontakt ]

Dr. Max Haberstroh

Institut für Informationsmanagement im

Maschinenbau, RWTH Aachen

max.haberstroh@ima-rwth-aachen.de

Telefon: +49 241 80 91145

[ Info ]

Die Teilnahme an der Analyse des Lehrstuhls

für Informationsmanagement (IMA) im

Maschinenbau an der RWTH Aachen in

Kooperation mit der Transporeon GmbH

zum Digitalisierungsgrad im Unternehmen

ist noch möglich unter

www.smart-logistics-benchmark.com.

Stahlreport 6|17

17


Stahlproduktion

Bericht/Nachrichten

Technologischer Fortschritt dank

Stahl: Heute gibt es über 2.000

unterschiedliche Stahlsorten für

verschiedenste Anwendungen.

Oxygen-Stahlwerk 1 von Thyssenkrupp feierte Jubiläum

125 Jahre Stahl in Duisburg

Der „alte Herr“, wie ihn die Stahlkocher respektvoll nannten, war dabei, als vor 125 Jahren in

Duisburg Historisches geschah: In Anwesenheit von August Thyssen wurde am 17. Dezember 1891

in der Hütte Bruckhausen, dem heutigen Oxygen-Stahlwerk 1, der erste Stahl erschmolzen.

Einige Monate zuvor hatte der

Firmengründer bekannt gegeben,

dass er im Besitz aller Anteile an der

Zechen-Gesellschaft Deutscher Kaiser

sei. „Er vereinigte Kohle und

Zeche in einer Hand“, heißt es in

einer älteren Ausgabe der Werkzeitschrift

der August-Thyssen-Hütte.

Integriertes Hüttenwerk brachte

Wettbewerbsvorteil

Ein neuer und für die Zukunft des jungen

Unternehmens entscheidender

Schritt war getan. Neben dem Stand-

ort-Vorteil durch die Lage am Rhein

war es vor allem die Entwicklung

zum integrierten Hüttenwerk mit

allen Verarbeitungsstufen vom Rohstoff

bis zum fertigen Stahlblech, die

das Unternehmen wettbewerbsfähig

machte.

Heute ist thyssenkrupp Steel

Europe der größte Stahlhersteller in

Deutschland. Gleichzeitig ist das

Unternehmen der bedeutendste

Arbeitsgeber in der Stadt Duisburg,

die nach wie vor der größte Stahlstandort

Europas ist.

Im ersten Jahr erschmolz die Thyssen-Hütte

mit 850 Stahlkochern

knapp 50.000 t Rohstahl, 1966 waren

es mit einer Belegschaft von 16.400

Mitarbeitern ca. vier Mio. t. Heute

sind in Duisburg-Nord etwa 13.000

Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen

ungefähr 1.300 Mitarbeiter im

thyssenkrupp-Werk in Duisburg-Hüttenheim.

Die Jahresproduktion liegt

bei rund 12 Mio. t. Insgesamt wurden

seit Produktionsbeginn vor 125

Jahren insgesamt an die 500 Mio. t

Stahl produziert. 2

Fotos: thyssenkrupp

Blick in das Siemens-Martin-Stahlwerk im Jahr 1912

Probenahme im Hochofenbetrieb der Gewerkschaft Deutscher Kaiser

zwischen 1900 und 1918

18 Stahlreport 6|17


ArcelorMittal Zenica investiert in neuen Spuler

Kompakte Drahtbunde direkt aus der Walzlinie

Riva übernimmt

Drahtwerke Horath

Der Langstahlproduzent Riva Stahl hat

die insolvente DHW Drahtwerk Horath

GmbH mit Standorten in Horath und Trier

und rund 140 Beschäftigten übernommen.

Anfang 2017 sei ein entsprechender

Kaufvertrag abgeschlossen worden,

hieß es vonseiten des Insolvenzverwalters.

Die DWH musste Mitte September

2016, wie fast sämtliche Unternehmen

der zur französischen SotraLentz-Gruppe

gehörenden Unternehmen, Insolvenz

anmelden. Seit diesem Zeitpunkt war der

Geschäftsbetrieb durch einen Insolvenzverwalter

fortgeführt worden. Über den

Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen

vereinbart. Das Drahtwerk

Horath ist im Bereich Betonstahl tätig.

Vornehmlich werden Betonbewehrungen

in Form von Stahlmatten produziert und

vertrieben. Neben der Hauptniederlassung

in Horath wurde im Jahr 2007 eine

weitere Produktionsstätte in Trier erworben.

Weiterverarbeiter verlangen heute

stabile, kompakte und leicht handhabbare

Drahtbunde. Das führt dazu, dass Walzwerke

mit Draht blöcken und konventionellen

Windungslegern zunehmend gezwungen

werden, die normalen warmgewickelten

Bunde in kompakte Bunde umzuwickeln.

Mit der neuen VCC®-Linie (Vertical Compact

Coiler) der SMS group ist ArcelorMittal

Zenica d.o.o., Bosnien-Herzegovina, in der

Lage, solche kompakten Bunde direkt aus

der Walzlinie in einem vollautomatischen

Vorgang herzustellen. Mit moderner Spultechnik

ausgerüstet, kann das Walzprodukt

direkt aus der Walzlinie in kompakte Bunde

aufgespult werden. Das spart Zeit und Personalkosten

und der Personalaufwand für

die Prozessüberwachung wird minimiert.

Foto: SMS group

Die neue VCC-Linie bei ArcelorMittal Zenica

d.o.o., Bosnien-Herzegowina arbeitet mit einem

Durchsatz von 60 t/h.

Die neue Linie zur Herstellung von kompakt

gewickelten Bunden ist für einen Durchsatz

von 60 t/h ausgelegt – und hat die Performance-Tests

bereits erfolgreich bestanden.

Die mechanischen Eigenschaften des Produkts

werden mithilfe von Soft-Kühl boxen

kontrolliert eingestellt. Dies ermöglicht

nicht nur eine Feineinstellung der Eigenschaften

über die gesamte Stablänge, sondern

auch das plötzliche Umlenken aus der

geraden Linie in die Spullinie. Im Vergleich

zu horizontalen Lösungen bietet die vertikale

Spul-Technik der SMS group dem

Unternehmen zufolge weitere Vorteile: Sie

lasse sich leichter und schneller installieren

und erfordere weniger Wartungsaufwand.

Außerdem sei der Aufwand für Umbauarbeiten

minimal.

3D-Bügelbiegeautomat

Die neueste Generation der Bügelbiegeautomaten

ist:

leistungsstark

energiesparend

wartungsfreundlich

Die EBA S-Serie bietet zahlreiche

Möglichkeiten zur Automatisierung:

Automatische Richtsatzverstellung

und Draht-Durchmesserwechsel

Schnellwechselsystem

Motorisierte 5t-Haspeln

Drahtauslauf

Progress Maschinen & Automation AG

Julius-Durst-Str. 100

I-39042 Brixen

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Anarbeitung

und Logistik

Schwerpunkt Verzinken

Kostenerhebung zum Feuerverzinken

Auch bei Erstkosten günstiger

Wer Stahlkonstruktionen möglichst wirtschaftlich vor Korrosion schützen will, für den bietet sich das

Feuerverzinken an. Denn eine Feuerverzinkung ist bereits bei den Erstkosten günstiger als eine

Beschichtung. Dies belegt der Leitfaden „Kosten im Stahlbau“, der vom Institut für Bauökonomie der

Universität Stuttgart in enger Zusammenarbeit mit dem CEEC (Conseil Européen des Economistes de

la Construction The European Council of Construction Economists) im Auftrag von Bauforum Stahl

erarbeitet wurde.

Neben anderen Kosten liefert

der Leitfaden auch für den Korrosionsschutz

Richtwerte für die finanzielle

Planung von Bauprojekten im

Stahlbau . Der Leitfaden ermöglicht so

die vergleichende Bewertung der Erstkosten

von Korrosionsschutzsystemen.

CEEC und das Institut für Bauökonomie

der Universität Stuttgart

haben die Kostenindikationen durch

intensive Befragungen ermittelt und

zusammengestellt.

Die in dem Leitfaden veröffentlichten

Korrosionsschutzkosten sind

Preisspannen für Gebäude mit 800

bis 1400 m 2 Bruttogeschossfläche und

einer mäßigen korrosiven Belastung

(Korrosivitätskategorie C3) – das entspricht

einer Stadt- und Industrieatmosphäre.

Die Preisangaben gelten inklusive

aller Vorbehandlungen ohne Transportkosten

(siehe Tabelle). Nassbeschichtete

Profile werden zunächst

gestrahlt und anschließend mit einer

Rostschutzgrundierung sowie zwei

Deckschichten versehen. Feuerverzinkte

Profile erhalten üblicherweise

eine Vorbehandlung aus Entfetten,

Beizen und Fluxen sowie gegebenenfalls

Strahlen.

Bei allen Konstruktionsarten zeigt

sich laut Erhebung, dass die Feuerverzinkung

im Rahmen der angegebenen

Preisspannen im Hinblick auf

die untere als auch obere Intervallgrenze

günstiger ist. Errechnet man

Mittelwerte für die jeweiligen Preisspannen,

sei das Feuerverzinken je

nach Konstruktionsart zwischen mehr

als 20 und fast 40 % günstiger als

werkseitige Beschichtungen.

Bei baustellenseitiger Beschichtung

verdoppelten sich den Angaben

zufolge sogar die Preise. Zudem sind

beim Feuerverzinken offenbar die

Spannen zwischen dem höchsten und

niedrigsten Preis deutlich geringer –

was bei der Planung die Abschätzung

realistischer Kosten für den Korrosionsschutz

vereinfacht.

Korrosionsschutzkosten

in Angeboten prüfen

So transparent wie in diesem Leitfaden

seien die Kosten in konkreten

Angeboten von Stahlbau-Unternehmen

nicht immer zu erkennen, bemängelt

das Institut Feuerverzinken in

einer Mitteilung dazu. Gelegentlich

würden Kosten wie Strahlarbeiten in

die Stahlbaukosten eingerechnet. Dies

habe den Effekt, dass die Stahlbaukosten

zu hoch und die Kosten für den

Korrosionsschutz durch Beschichten

zu niedrig dargestellt würden.

Während für Beschichtungen vorbereitende

Strahlarbeiten unbedingt

notwendig sind, ist dies im Hinblick

auf die Feuerverzinkung nämlich nur

in Ausnahmefällen erforderlich. So

erfolge beim Feuerverzinken die Vorbehandlung

der Stahlbauteile durch

Entfetten, Beizen und Fluxen sehr kosteneffizient

in Tauchbädern.

Feuerverzinkung ist dauerhafter

Aufgrund ihrer langen Schutzdauer

von zumeist 50 Jahren und mehr verursacht

eine Feuerverzinkung in der

Regel während dieser Zeit keine Folgeund

Instandhaltungskosten. Im Gegensatz

dazu erreichen Beschichtungen

nur deutlich kürzere Schutzzeiträume.

Auch Instandsetzungen in Form

von Ausbesserungen oder Vollerneuerungen

sind in aller Regel deutlich

aufwendiger und damit kostspieliger

als der Erstschutz, da zusätzliche Einrüst-

und Umweltmaßnahmen zu

berücksichtigen sind sowie Betriebsunterbrechungen

und andere Störungen

als Folge entstehen können.

Fazit

Der Korrosionsschutz durch Feuerverzinken

ist für Stahlbaukonstruktionen

bereits bei den Erstkosten günstiger.

Bei langfristiger Betrachtung verursacht

die wartungsfreie Feuerverzinkung im

Gegensatz zu Beschichtungen keine Folgekosten

und ist somit immer der Korrosionsschutz

der ersten Wahl. 2

Info

Der Leitfaden „Kosten im Stahlbau 2017“

kann unter www.bauforumstahl.de/

ausfuehrung-baukosten kostenlos

bezogen werden.

Nass-Beschichtungen

Verzinken/Feuerverzinken

spezifische Preisindikation Preisindikation

Oberfläche werksseitig baustellenseitig werksseitig

Konstruktionsart in m 2 /t in €/t in m 2 /t in €/t in m 2 /t in €/t in m 2 /t

Schwere Profile (HEB 600) 10–15 210–430 16,8–34,4 400–820 32,0–67,0 200–290 16,0–23,2

Mittelschwere Profile (< IPE 750/HEB 300) 15–20 250–520 14,3–29,7 530–1.150 30,0–66,0 225–305 12,9–17,5

Mittlere Profile (< IPE 450) 20–25 290–620 12,9–27,6 670–1.450 30,0–65,0 250–320 11,1–14,5

Mittelleichte Profile (


Precision Galvanizing in Mook

Neue Hochtemperatur-Verzinkung in den Niederlanden

Eine weitere Anlage zur Hochtemperaturverzinkung

hat die Coatinc PreGa GmbH &

Co. KG am Standort Mook in den Niederlanden

errichtet. Das erste Bauteil wurde bereits

im Januar dieses Jahres getaucht, die Eröffnungsfeierhat

im Mai statgefunden.Durch die

geografische Lage seien in den Niederlanden

Duplex-Systeme äußerst gefragt, gab das

Unternehmen zur Begründung des Neubaus

an. Wurden die die hochtemperaturverzinkten

Produkte bisher in das PreGa-Werk in Siegen

gebracht und nach der Veredelung von dort

aus zu ihren Kunden, werden die Transportwege

durch das neue Werk für niederländische

Unternehmen sehr viel kürzer. Per Hochtemperaturverzinkung

(HTV) können

Stahlbauteile u.a. mit einstellbaren Schichtdicken

und hohen Passgenauigkeiten beschichtet

werden. Die HTV ermöglicht zudem durch

eine höhere Mikrorauigkeit wiederum eine

Haftung der nachfolgenden Nass- oder Pulverbeschichtungen

auf dem Bauteil.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem

neuen HTV-Kessel auf niederländischem

Boden die Nachfrage nach überlegener Ober-

Komplexe Sachverhalte anschaulich erklärt

Wissensportal Feuerverzinken online

Die Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG

hat auf ihrer Webseite ein Wissensportal rund

um das Stückverzinken zusammengestellt. Zur

freien Nutzung hält das Portal seit Anfang

April umfangreiches Fachwissen für die Nutzer

bereit – von den technischen Grundlagen des

Feuerverzinkens über Informationen zur

mechanischen Auswirkung des Verfahrens bis

hin zu Tipps für die Nachbearbeitung (siehe

Info).

Egal, ob sich Nutzer für Prozessschritte,

Normen und Richtlinien, Informationen zur

Materialwahl, das Pulverbeschichten oder den

aktuellen Zinkpreis interessieren, im Wissensportal

finden sie Antworten auf die verschiedensten

Fragen zum Thema Korrosionsschutz.

Selbst komplexe Sachverhalte werden übersichtlich

und zum Teil mithilfe von Grafiken

oder Bildern anschaulich erläutert.

„Das Stückverzinken ist ein spannendes, aber

auch sehr komplexes Aufgabenfeld“, sagt

Geschäftsführer Lars Baumgürtel. „Um unseren

Kunden Orientierung zu bieten, haben wir

Foto: Voigt & Schweitzer Foto: TCC

flächenveredelung am Markt bedienen werden.

Die Auslastung beider Kessel in Kreuztal

und die Verfahrensvorteile als solche sprechen

wirklich für sich“, so Marc Derks, Vertriebsleiter

von The Coatinc Company in den

Niederlanden. Die Erweiterung in Mook sei für

Unternehmen aus der Automobilindustrie,

aber auch Serienkunden, Stahlbauer sowie

Schlosser merklich gewinnbringend. Das neue

Werk erweitere die eigenen Produktionskapazitäten

auf dem europäischen Markt um 50 %

und sorge für Redundanz und schnellere Auftragsbearbeitungen,

so der Verzinker.

Die Geschäftsführer Ulrich Becker und Tobias

Wesselow der Coatinc PreGa Niederlande

unser Wissen gebündelt und in der neuen

Informationsbibliothek strukturiert zusammengestellt.

Auf diese Weise erhalten Benutzer

einen informativen und zugleich spannenden

Einblick in die Welt des Korrosionsschutzes.“

Info

Das Wissensportal zum Feuerverzinken ist unter

www.zinq.com/wissen erreichbar.

Auf der neu gestalteten Homepage von Voigt &

Schweitzer finden Nutzer auch ein Wissensportal

rund um das Feuerverzinken.

Foto: Tata Steel

Qualitätscheck bei Tata Steel

Zulieferer-Preis erstmals

an Stahlhersteller

Tata Steel von Volvo

ausgezeichnet

Tata Steel ist als erster Stahlhersteller

mit der „Volvo Cars Quality Excellence“

(VQE) der Volvo-Car-Corporation

ausgezeichnet worden. Mit dem Preis werden

besondere Leistungen von Zulieferern

des schwedischen Automobilherstellers

gewürdigt, u.a. Bestleistungen in den

Bereichen Fertigungs- und Qualitätsprozesse,

kontinuierliche Verbesserung und

Kundenzufriedenheit.

Tata Steel beliefert Volvo vor allem mit feuerverzinkten

Stahlblechen für Außenhautteile

wie Motorhauben, Türen und Heckklappen.

Diese umfassen u.a. Stahlbleche

der Marke MagiZinc ® -Auto, ein feuerverzinkter

Bandstahl mit hohem Korrosionsschutz,

sowie DP800 HyperForm ® , ein

besonders umformbarer hochfester Stahl

für komplexe Leichtbau-Strukturteile.

Wichtigster Grund für die Auszeichnung

waren Tata Steel zufolge das Engagement

des Stahlherstellers für die Produktion verzinkten

Stahls sowie die Kompetenz, dauerhaft

eine hohe und stabile Produktqualität

liefern zu können, die den Standards

von Volvo voll entspräche. Durch verbesserte

Stahleigenschaften hätten die Tata-

Steel-Forscher zudem auch die Fertigung

von Volvo verbessert.

Die Auszeichnung sei die Anerkennung der

Anstrengungen, anspruchsvolle Anforderungen

in der Produktion, Qualitätskontrolle,

kontinuierliche Verbesserung und

Servicelevel auf allen Stufen zu erfüllen,

sagte Johan Casparsson, Global Account

Manager bei Tata Steel. Die Auszeichnung

wurde Ende März bei einer Zeremonie in

IJmuiden, Niederlande, übergeben.

Stahlreport 6|17

21


Anarbeitung

und Logistik

Berichte

Compliance-Management-System für rechtssichere Transportlogistik

Grünes Licht für weiße Westen

Mit externen Audits und Compliance-Management-Systemen können sich Verlader, Spediteure und

Fuhrparkhalter wirkungsvoll und effizient vor Bußgeldern und weiteren rechtlichen Konsequenzen

schützen. Ein auch auf den Stahlhandel spezialisierter Anbieter ist die FUMO Solutions GmbH. Ihre

Online-Plattform hilft dabei, transportlogistische Prozesse transparent und rechtssicher zu machen.

[ Kontakt ]

FUMO Solutions GmbH

Lerchenbergstraße 27

89160 Dornstadt

www.fumo-solutions.com

j.janz@fumo-solutions.com

Tel. +49 7348 40717220

GüKG, MiLoG, ADR, HGB, Fahrpersonalverordnung

und Strafgesetzbuch:

Fuhrparkbetreiber und Verlader

müssen im Berufsalltag eine Vielzahl

von Gesetzen und Verordnungen befolgen.

Verstöße können gravierende Folgen

haben, bis hin zur Existenzgefährdung

– es drohen u.a. Bußgelder bis zu

200.000€.

Schwächen aufdecken

und beheben

Aus diesem Grund hatte sich die Weinmann

Aach AG im Jahr 2016 zu einem

externen Audit entschieden. Der Stahlhändler

wollte genau wissen, ob die

eigenen logistischen Prozesse rechtskonform

laufen. Schließlich betreibt das

in Dornstetten beheimatete Unternehmen

einen eigenen Fuhrpark mit über

40 Lkw.

Mit der Durchführung des Audits

hat der Stahlhändler die auf Logistikund

Transportprozesse spezialisierte

FUMO Solutions GmbH beauftragt. Das

baden-württembergische Unternehmen

bietet Audits für Transportdienstleister,

Werkverkehrsunternehmen, Verlader

und Logistikdienstleister ohne eigenen

Fuhrpark.

„Wir wollten unsere Abläufe verbessern

und zugleich das Haftungsrisiko

minimieren", erklärt Betriebsleiter

Benjamin Schmelzle, der die Untersuchung

bei der FUMO Solutions GmbH

in Auftrag gab. „Die Experten von FUMO

haben bei uns ein paar Schwächen aufgedeckt,

die wir danach Schritt für

Schritt behoben haben", berichtet

Schmelzle.

Online-Plattform für

die Transportbranche

Wer sich nicht gleich an externe Berater

wenden will, kann mit Hilfe der webbasierten

FUMO-Plattform auch interne

Audits durchführen. Für diesen Zweck

wurde ein eigener Auditor entwickelt.

Das Portal bietet alle Inhalte der drei

Foto: FUMO Solutions

Weinmann Aach hat für ein externes Audit im vergangenen Jahr die transport -

logistischen Prozesse von FUMO Solutions auf Rechtskonformität prüfen lassen.

Audits mit insgesamt 500 Prüffragen

rund um die Fuhrparkhalter- und Verladerhaftung

inklusive der dazugehörigen

Gesetze und Gesetzestexte. Ein

Punkte- und Bewertungssystem verschafft

dabei Klarheit über den Grad

der bestehenden Rechtssicherheit.

Außerdem gibt das System konkrete

Handlungsempfehlungen. Alle Inhalte

des Auditors werden regelmäßig geprüft

und aktualisiert und dienen zugleich

als digitales Regel- und Nachschlagewerk.

Der Auditor ist das jüngste Modul

des Compliance-Management-Systems

FUMO, das im Jahr 2008 ursprünglich

als reine Fuhrparkmonitoring-Software

programmiert wurde. Das Besondere

an der Lösung ist, dass sie speziell auf

alle Akteure der Transportbranche zugeschnitten

ist. FUMO gibt Verladern, Speditionen

und Fuhrparkhaltern Transparenz

bei den gesetzlichen Vorgaben

in der Transportbeauftragung und minimiert

die Risiken der Verlader- und

Fuhrparkhalterhaftung. Das System ist

modular aufgebaut und besteht aus

FUMO-Profile, dem FUMO-Cockpit und

dem FUMO-Monitor. Abgerundet wird

das System durch den FUMO-Auditor.

Vereinfachte Auftragsabwicklung

FUMO Profile ist eine öffentlich

zugängliche Informationsseite über

eine Spedition oder einen Frachtführer.

Sie verwaltet alle relevanten Versicherungspolicen,

Genehmigungen

und Nachweise, die dafür einmalig

hochgeladen und auf Plausibilität

geprüft werden müssen.

Speditionen können sich mit diesen

Daten präsentieren und Verlader

finden zuverlässige Partner –

das vereinfacht z.B. die Auftragsabwicklung

im Spotmarkt. Zudem

ermöglicht FUMO das Verwalten von

Fahrzeugen und Fahrern. „FUMO ist

eine einfach bedienbare Web-Applikation,

auf die alle beteiligten Ge -

schäftspartner gemäß ihrer jeweiligen

Berechtigung zugreifen können",

erklärt Florian Janz, der die Plattform

gemeinsam mit Jürgen Leonhardt

entwickelt hat.

Zugriff auf die Profile der jeweils

ausgewählten Transporteure haben

Verlader und Auftraggeber über das

FUMO Cockpit. Aus dieser Perspektive

ist sofort erkennbar, wenn einzelne

Speditionspartner nicht mehr

rechtskonform arbeiten.

Das dritte Modul von FUMO ist

der Monitor. Damit können neben

den Profilen auch die eigenen Fahrzeuge,

Fahrer und Verträge rechtssicher

und intuitiv mit minimalem

Zeit- und Kostenaufwand verwaltet

werden. 2

22 Stahlreport 6|17


IPS 2017 bei Kaltenbach

Ein Gesamtevent der

Profil- und Blechbearbeitung

Die „International Partners in Steel“-Tage bei Kaltenbach haben im

Mai wieder rund 1.200 internationale Gäste aus aller Welt angezogen.

Im Mittelpunkt standen an den vier Messetagen Produkte und

Entwicklungen des Unternehmens rund um die Prozesskette Profilund

Blechbearbeitung.

Die IPS 2017 fanden vor einem

guten wirtschaftlichen Hintergrund

für das Unternehmen statt. So meldete

der Gastgeber für das erste Quartal

einen „sehr erfreulichen“ Auftragseingang,

der sich im April und Mai deutlich

über Plan fortsetze. Im vorvergangenen

Jahr hatte das traditionsreiche

Maschinenbauunternehmen einen

Restrukturierungsprozess initiiert,

den es eigenem Bekunden nach im

vergangenen Jahr mit der Hereinnahme

eines neuen Finanzpartners,

der Zobel Values AG, abgeschlossen

hat.

Der Anlagenhersteller fokussiere

sich darauf, die „weltweite Technologie-

und Qualitätsführerschaft“ in seinen

Produktbereichen weiter auszubauen.

Um das Wachstum weiter

voranzutreiben sollen Kernbereiche

personell verstärkt werden.

Die IPS, die zum ersten Mal be -

reits 1997 stattfanden, hat das Unternehmen

als Gesamtevent angelegt:

Zum mittlerweile 22. Mal konnten

die Fachbesucher Kaltenbach-Produkte

und Lösungen in Live-Demonstrationen

begutachten und in praxisorientierten

Fachvorträgen Überblick

über den Stand bei der Fertigungstechnik

von heute und morgen bekommen.

Auf den IPS präsentieren sich

neben Kaltenbach selbst auch die

„Partners in Steel“ – in diesem Jahr

44 Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette

Blech-, Rohr- und

Profilbearbeitung, darunter auch der

Bundesverband Deutscher Stahlhandel.

Das breite Rahmenprogramm,

bot zudem viel Gelegenheit zum Netzwerken.

Technologisch lag der Fokus der

IPS auf der Präsentation kompletter

Kaltenbach-Produktlinien – vom

Hochleistungsbearbeitungszentrum

über die vollautomatische Kreissäge

bis hin zum Profilbearbeitungsroboter.

Gleichzeitig Sägen und Bohren

Eine Neuheit bei der Profilbearbeitung

bringt das Hochleistungsbearbeitungszentrum

KDH 1030/1060 mit.

Da bisher immer nur eine der beiden

Funktionen einer solchen Säge-Bohr-

Kombination für Stahlprofile genutzt

werden konnte, mussten Anwender

hohe Stillstandzeiten akzeptieren.

Die KDH 1030/1060 von Kaltenbach

parallelisiert nun erstmals den

Säge- und den Bohr- oder Fräsprozess

– was die effektive Hauptzeit

beider Maschinen laut Hersteller deutlich

steigert: Mit der neuen Bauweise

sei eine Steigerung der Produktivität

um 30 bis 100 % möglich. Technische

Voraussetzung dafür ist die mechanische

und zeitliche Entkoppelung des

Bohr/Fräs- und Sägeprozesses sowie

die Parallelisierung der Haupt- und

Nebenzeiten. Materialdurchlaufzeiten

können so drastisch gesenkt, die

Kapazität erhöht und damit der Investitionsbedarf

gesenkt werden, teilt

das Unternehmen mit.

Daneben gehörten auch die besonders

ökonomisch laufende Strahlanlage

Sprint 1504 sowie die komplett

neu überarbeiteten Blechbearbeitungszentren

der KF-Baureihe zu den

Messeexponaten.

Eine der innovativsten und vielseitigsten

Lösungen für das Ausklinken

an H-, U- und L-Profilen sowie

Vierkantprofilen hat Kaltenbach mit

dem 8-achsigen Profilbearbeitungsroboter

KC 1201 gezeigt. Der KC 1201

lädt vorhandene Konstruktionsdaten

in seinen Speicher, die optimale Roboterbewegung

für das Ausschneiden

aus dem zu bearbeitenden Teil errech-

Foto(s): Kaltenbach

net die Software. Maschinenbediener

werden durch den Roboter bei ihrer

körperlichen Arbeit entlastet, die

Robotertechnik steigert die Präzision

der Brennanlage.

In diesem Jahr gibt es bei Kaltenbach

übrigens noch ein besonderes

Jubiläum zu feiern: das 130-jährige

Bestehen des Lörracher Unternehmens.

2

Ein Gutteil, parallel von

der KDH 1030/1060

von Kaltenbach gesägt

und gebohrt/gefräst.

44 Partners in Steel waren diesmal als Aussteller bei der IPS

beteiligt – u.a. auch der BDS.

Stahlreport 6|17

23


Messen

und Märkte

Berichte/Nachricht

Zwei Fachmessen zum logistischen Marketing von Produkten

Im Doppelpack

Verpackungen standen im Mittelpunkt von zwei Fachmessen; im Mai in Essen – mit dem

Schwerpunkt Metall – sowie – thematisch übergreifender – fast zeitgleich in Düsseldorf.

Verbindend war für diese Events im Doppelpack auch, dass in den beteiligten Brachen der

logistisch orientieren Präsentation von Produkten sowie entsprechenden Marketingaspekten

eine immer größere Bedeutung zukommt.

Foto: Messe Essen

Die internationale Fachmesse

für Metallverpackungen METPACK

führte vom 2. bis 6. Mai 2017 rund

7.200 Fachbesucher aus aller Welt zu

etwa 300 Ausstellern in die Messe

Essen. Die interpack brachte es diesmal

vom 4. bis 10. Mai in Düsseldorf

auf eine Rekordbeteiligung von

mehr als 2.800 Unternehmen. Etwa

drei Viertel der über 170.000 Besucher

kamen aus dem Ausland.

Metpack

Das Angebot auf der Metpack bildeten

neben Verpackungen u.a.

Auf großes Interesse stieß auch in diesem

Jahr die Metpack in Essen.

Maschinen und Einrichtungen zur

Herstellung von Dosen, Deckeln und

Böden sowie Anlagen zum Abfüllen

und Verschließen. Zahlreiche Hersteller,

wie z.B. ArcelorMittal und

thyssenkrupp Rasselstein, präsentierten

den Messebesuchern ihre

Produkte und Neuheiten.

„Die Metpack hat die hohen

Erwartungen der Industrie mehr als

erfüllt. Ihr großes Plus waren einmal

mehr die hohe Internationalität und

die Kompetenz ihrer Besucher. Damit

ist sie die wichtigste Verkaufsplattform

der weltweiten Branche“,

kommentierte Oliver P. Kuhrt,

Geschäftsführer der Messe Essen, die

diesjährige Laufzeit. Das Angebot

stand insbesondere im Zeichen der

Effizienz und Digitalisierung, so Wolfgang

Niemsch, Vorsitzender des MET-

PACK-Komittees: „Die Anlagen und

Maschinen verbrauchen immer weniger

Material und haben kürzere

Umrüstzeiten. Außerdem ist die Industrie

4.0 endgültig in der Branche angekommen:

Die Vernetzung der Produktion

nimmt zu, es gibt immer mehr

digitale Schnittstellen zwischen den

verschiedenen Maschinen.“

Die Aussteller bewerteten die

Qualität der Besucher, ihren

geschäftlichen Erfolg und die Chancen

für ein gutes Nachmessegeschäft

nochmals besser als 2014. Entsprechend

hoch ist die Bereitschaft der

Unternehmen, sich auch künftig an

dieser Messe zu beteiligen: 95 % der

Aussteller erklärten nach Veranstalterangaben

bereits jetzt, dass sie

wiederkommen wollen – ein Spitzenwert.

Die nächste Metpack öffnet

im Mai 2020 in der Messe Essen.

Neben ihrer Themenführerschaft

ist diese Messe stets auch ein wichtiger

Indikator für die Stimmung in

der Branche – und die war sehr gut:

Rund 60 % der Aussteller rechneten

mit einer verbesserten Absatzsituation,

bei den Besuchern gingen sogar

fast zwei Drittel von einer steigenden

Konjunktur aus. Damit fiel die

Prognose besser aus als zuletzt.

Interpack

Von großem Interesse profitierte

auch die interpack 2017. Sie gilt als

24 Stahlreport 6|17


weltweit größte und bedeutendste

Messe der Verpackungsbranche

sowie der verwandten Bereiche.

„Die Interpack hat ihren

Anspruch, alle drei Jahre die weltweit

bedeutendste Veranstaltung

und Innovationsplattform für die

Branche zu sein, wieder eindrucksvoll

unterstrichen“, erklärte Hans

Werner Reinhard, Geschäftsführer

der Messe Düsseldorf.

Top-Trend an vielen Ständen

war auch in Düsseldorf das Thema

der weiteren Digitalisierung des

Produktionsprozesses auf dem Weg

zu Industrie 4.0-Anwendungen.

Eine in diesem Sinne vernetzte Produktion

ermöglicht es beispielsweise,

personalisierte Verpackungen

wirtschaftlich zu produzieren

oder Rückverfolgbarkeit zu garantieren.

Außerdem spielten modulares

Design von Verpackungsmaschinen

und Prozesslinien sowie

optimierte digitale Bedienkonzepte

eine große Rolle, um die Komplexität

in der Produktion zu reduzieren

und größtmögliche Flexibilität

für Losgrößenänderungen oder Produktvarianten

zu erreichen. Das

Thema Nachhaltigkeit blieb auch

zur interpack 2017 omnipräsent.

Die Unternehmen zeigten verbesserte

Ressourceneffizienz, sowohl

bei dem verwendeten Material mit

immer dünneren Wandstärken als

auch im Produktionsprozess.

Zudem gewinnen alternative Packstoffe

an Boden.

Die kommende Interpack findet

ebenfalls im Mai 2020 auf dem Messegelände

in Düsseldorf statt. 2

In Düsseldorf: Kongress und Messe (1)

Thermoprozesstechnik

Kongressmessen sind bewährte Veranstaltungsmuster, die zeitlich

durchaus auch zweigeteilt realisiert werden können – wie jetzt und

demnächst in Düsseldorf in Sachen Thermoprozesstechnik: im Juni

2017 als Kongress (mit Ausstellung) und im Juni 2019 als Messe.

Die Thermoprozesstechnik ist

für eine Vielzahl der wichtigsten

Industriebereiche unverzichtbar –

mehr noch: Sie bestimmt die jeweiligen

Produkteigenschaften und die

gesamte industrielle Produktion entscheidend.

Das betrifft vor allem

auch die Metallproduktion und -verarbeitung.

Gleichzeitig sind eine

Reihe globaler Herausforderungen

zu bewältigen: die weltwirtschaftlichen

und politischen Rahmenbedingungen,

Klimaschutz, CO 2

-Bilanz,

Energie- und Ressourceneffizienz –

um nur die wichtigsten zu nennen.

„Genau hier setzt der zweitägige

ITPS an und bietet ein maßgeschneidertes

Programm für die Thermoprozess-Industrie

und ihre Anwender.

Wie schon bei der Premiere 2013 und

den Folgeevents in Indien 2014 und

den USA im vergangenen Jahr erwarten

wir wieder hochkarätige Entscheidungsträger

auf Besucherseite“,

unterstreicht Friedrich-Georg Kehrer,

Global Portfolio Director Metals

and Flow Technologies der Messe

Düsseldorf, im Vorfeld der Veranstaltung,

die am 27./28.6.17 in einem

Hotel in der nordrhein-westfälischen

Landeshauptstadt stattfindet.

Die vier internationalen Technologiemessen

GIFA (Internationale Giesserei-Fachmesse),

METEC (Internationale

Metallurgie-Fachmesse),

THERMPROCESS (Internationale

Fachmesse für Thermoprozesstechnik)

und NEWCAST (Internationale

Fachmesse für Gussprodukte) präsentieren

sich vom 25.-29.6.19 in 14

Hallen auf dem Düsseldorfer Messegelände.

Erwartet werden dann über

2.000 Aussteller und rund 78.000

Besucher.

Das Programm des Kongresses

in diesem Juni beginnt mit prominenten

Rednern, unter ihnen Prof. Dr.

Ernst Ulrich von Weizsäcker (President

des Club of Rome). Die zweite

Säule des Thermoprozess-Gipfels ist

die flankierende Fachausstellung im

Foyer des InterContinental-Hotel, in

der sich die Konferenzteilnehmer in

den Pausen über neuste Technologien

informieren können. 2

[ Kontakt ]

Teilnehmerinformationen sind bei

Jennifer Dübelt,

DuebeltJe@messe-duesseldorf.de;

Tel: +49(0)211-4560520)

erhältlich.

Ausstellungsausblicke

Der Stahl und

das zweite Messehalbjahr

Das erste Messehalbjahr 2017 geht allmählich

zu Ende, und der Blick der Interessierten fokussiert

sich auf das entsprechende Veranstaltungsgeschehen

nach der Sommerpause. Was

stahl(handels)nahe Themen dazu angeht, sind die in

der unten stehenden Liste und werden in der

Berichterstattung dieser Fachzeitschrift berücksichtigt.

Vorschauen auf einige dieser Ereignisse gibt es

in diesem Heft „Stahlreport“, das außerdem Berichte

zur METPACK und zur interpack enthält, die im Mai in

Essen bzw. Düsseldorf stattgefunden haben.

z Rapid.Tech, Internationale Fachmesse & Konferenz

für Additive Manufacturing, 20.-22.6.17, Erfurt

z Thermoprozesstechnik, Kongress mit Ausstellung,

27./28.6.17, Düssseldorf

z EUROBIKE, Fahrradfachmesse, 30.8.-2.9.17, Friedrichshafen

z EMO, Die Welt der Metallbearbeitung, 18.-23.9.17,

Hannover

z Werkstoffwoche, 27.-29.9.17, Dresden

z SCHWEISSEN & SCHNEIDEN, 25.-29.9.17, Düsseldorf

z Deburring Expo, Fachmesse für Entgrattechnologie

und Präzisionsoberflächen, 10.-12.10.17, Karlsruhe

z parts2clean, Internationale Leitmesse für industrielle

Teile- und Oberflächenreinigung, 24.-

26.10.17, Stuttgart

z Blechexpo, Internationale Fachmesse für Blechbearbeitung,

7.-10.11.17, Stuttgart

z Industrial Building (und drei weitere Baufachmessen

sowie Kongresse), 10.-12.1.18, Essen

Bei der Terminplanung der stahlhandelsnahen Branchenöffentlichkeit

für das zweite Halbjahr 2017 ist

außerdem der Stahlhandelstag zu berücksichtigen.

Er findet als Tagung mit Ausstellung am 28.9.17 in

Darmstadt statt.

Stahlreport 6|17

25


Messen

und Märkte

Berichte

Elektrisch und digitalisiert:

das Fahrrad der Zukunft.

Foto: Messe Friedrichshafen

Die Eurobikes machen die Trends auf den Fahrradmärkten deutlich

Elektrifizierung und Digitalisierung

Das Fahrrad, wieder immer häufiger auch eine attraktive Verwendung für Stahl, wird

elektrischer und digitaler. Das ist die Doppelbotschaft, die im Vorfeld der Eurobike

vom 30.8. bis 2.9.17 in Friedrichshafen formuliert wird. Und zu diesem Event gibt es

auch schon konkrete Planungen für 2018; dann ist der Beginn bereits am 8.7.

Die Elektrifizierung des Fahrrads

ist in vollem Gange: Von Cityüber

Trekkingräder bis hin zu Mountainbikes

– quasi jede Produktgruppe

ist längst auch mit Elektroantrieb

erhältlich Doch damit ist dieser

Trend noch längst nicht zu Ende.

Themenfelder wie die Digitalisierung

rücken zunehmend in den

Fokus aller Branchenakteure.

Immer mehr Anbieter erkennen,

dass ein E-Bike auch optisch mehr

sein kann als ein Fahrrad mit hinzugefügtem

Akku und Motor. Auf

der kommende Eurobike werden

auch ausgefallene Designs zu sehen

sein, die nur noch entfernt an ein

klassisches Fahrrad erinnern. Systemintegration

heißt das Stichwort

– und das ist nicht nur optisch

gemeint: Alle elektrischen Funktionen

des Fahrrads können über eine

Bedieneinheit angesteuert werden.

Das ist nicht nur technisch möglich,

sondern wird auch schon umgesetzt.

Das digitale Fahrrad muss übrigens

nicht zwingend ein E-Bike sein.

Auch ohne elektrische Antriebsunterstützung

ist inzwischen viel

Elektronik am Fahrrad möglich. Die

Vernetzung von Fahrrädern un ter -

einander, um etwa im Berufsverkehr

schneller und sicherer voranzukommen,

ist zwar noch Zukunftsmusik,

technisch aber durchaus bereits

machbar.

Welche wirtschaftliche Bedeutung

das E-Bike bereits heute hat,

lässt sich an den aktuellen Zahlen

der Fahrradbranche ablesen. Bei

deutschen Fahrradhändlern lag 2016

der Umsatzanteil elektrisch angetriebener

Fahrräder laut Verband

des Deutschen Zweiradhandels

bereits bei 35 %. Im Vergleich zum

Vorjahr wurden gemessen in Stückzahlen

11 Prozent mehr E-Bikes verkauft.

Da sich der Durchschnittspreis

für E-Bikes im Fachhandel

ebenfalls auf 2.500 € erhöht hat,

stieg der Umsatz in diesem Segment

sogar um 17 %.

Mit dem früheren Beginn in 2018

wollen die Veranstalter der Eurobike

erreichen, dass eine noch stärkere

Fokussierung auf das Fachpublikum

gelingt und damit eine noch deutlichere

Platzierung als globale Leitmesse.

2

26 Stahlreport 6|17


In Düsseldorf: Kongress und Messe (2)

Informationen zum Schweißen und Schneiden

Experten der Fügetechnik schätzen Informationen aus erster Hand, die sie jährlich beim DVS-Kongress

erhalten. In diesem Jahr aber erfährt diese Vortragsveranstaltung eine besondere Bedeutung: Denn sie

findet im Rahmen der Weltleitmesse Schweißen und Schneiden in Essen statt – vom 26.-29.9.

Die Teilnehmer hören die Vorträge

beim DVS CONGRESS, alle

Gäste schauen auf das Produktangebot

auf der SCHWEISSEN & SCHNEI-

DEN, und Informationen erhält jeder

sowohl auf der Messe als auch auf

dem Kongress. So fasste Simone

Weinreich, Leiterin der Abteilung

Transfer und Netzwerk im DVS –

Deutscher Verband für Schweißen

und verwandte Verfahren und Verantwortliche

für die Organisation

des Kongresses zusammen. Für den

Verband ist der Kongress eine sinnvolle

Ergänzung zu den Aktivitäten

auf der Messe, die bereits am 25.9.

ihre Tore öffnet.

Unter dem Dach des Kongresses bietet

die Große Schweißtechnische

Tagung über 90 Vorträge zu vielfältigen

Themen wie beispielsweise

„Additive Fertigung“, „Lichtbogenschweißen“,

„Stahlbau“ und „Fahrzeugbau“.

Referenten der Branche

berichten über den aktuellen Stand

der Technik, stellen zukünftige Entwicklungen

vor und bieten Lösungen

bei Problemfällen. „Thematisch passend

zu den Vorträgen bieten wir

auf dem DVS-Gemeinschaftsstand

in Halle 15 Podiumsdiskussionen

an“, erläuterte Weinreich, „so können

offene Fragestellungen mit

Experten der Branche eingehend diskutiert

werden.“ Zum Programm

gehört ebenfalls der DVS-Studentenkongress.

Er bietet Studierenden und

jungen Ingenieuren der Fügetechnik

ein Forum, in dem sie ihre wissenschaftlichen

Arbeiten einem interessierten

Fachpublikum vorstellen

können.

Gemeinsam mit der Messe Essen

GmbH, Veranstalter der Weltleitmesse

und langjähriger Partner,

freut sich der DVS auf die anstehende

Großveranstaltung. Diese findet

einmalig in Düsseldorf statt, da

das Essener Messegelände für die

dann nächste Schweissen & Schneiden

modernisiert wird. 2

[ Info ]

Unter www.dvscongress.de/2017

stehen für den Kongress

das Vortragsprogramm,

das Anmeldeformular

und weitere Informationen

zur Verfügung.

Informationen zur Messe

gibt es unter:

www.schweissenschneiden.com.

Industrial Building in Essen

Weiterentwicklung

Mit einer besonderen Themenkombination will die Industrial Building

vom 10.-12.1.18 in der Messe Essen erstmals eine bautechnische

Lücke in Messedeutschland füllen. Das weiterentwickelte

Messeformat vereint Informationen für Generalunternehmer,

Architekten, Bauträger, Fachplaner, Investoren und Bauherren –

also für all die Baufachleute, die sich mit der Planung, Errichtung

und dem Betrieb von Gewerbeimmobilien bis hin zu ganzen Industriestandorten

beschäftigen.

Die INDUSTRIAL BUILDING

bündelt industriebaurelevante Produkte

und Lösungen in einer Veranstaltung

mit dem Mehrwert von

drei weiteren Baufachmessen sowie

ergänzenden Architektur- und Ingenieurkongressen.

Schwerpunkte bilden

u.a. innovative Lösungen der

energieeffizienten Gebäudehülle von

Nichtwohngebäuden sowie ganzheitliche

Systemlösungen zur Wärmeund

Energieversorgung: Die ebenfalls

neue CONSTRUCT IT, eine

Messe für die Digitalisierung im Bauwesen,

die bereits etablierten Veranstaltungen

InfraTech (Straßen- und

Tiefbau) und acqua alta (Hochwasserschutz)

sowie viele Vortragsveranstaltungen

sollen einen attraktiven

Messe-Vierklang für Bauexperten

erzeugen.

Der Messestandort Essen liegt mitten

im Marktumfeld des Ballungsraums

Ruhrgebiet und verfügt über ein

enormes Potenzial: 35,7 Mrd € beträgt

das Marktvolumen des deutschen

Industrie- und Gewerbebaus. Alleine

seit 2008 ist der Markt um 2 Mrd. €

gewachsen. Mit mehr als 5 Mrd. €

zählt Nordrhein-Westfalen zu den

umsatzstärksten Bundesländern im

Bereich des Wirtschaftsbaus. Umso

sinnvoller erscheint es der Messe

Essen, an diesem Platz eine neue Kommunikationsplattform

für die Entscheider

im Industrie- und Gewerbebau zu

schaffen. Industriebaurelevante Lösungen

und Produkte wie System- und

Modulbauteile, Dämmstoffe, Industrieböden,

technischer Brandschutz,

Beleuchtungssysteme, Lüftungs- und

Heizsysteme für Hallen, Wärmerückgewinnung

und Facility-Management

bilden ein Themenfeld mit Umsatzpotenzial

in Milliardenhöhe.

Parallel zu den vier Baufachmessen

wird die Messe Essen u.a. zur

Bühne für den 9. Internationalen

Architektur-Kongress. Am 10.1.18

veranstaltet die Wirtschaftsvereinigung

Stahl in Kooperation mit der

Architektenkammer Nordrhein-

Westfalen und dem Industrieverband

Feuerverzinken diese etablierte

Informationsplattform. Mit durchschnittlich

rund 1.000 Teilnehmern

zählt der Kongress zu den bedeutendsten

Architekturveranstaltungen

in Europa. Auch bietet u.a. die

Arbeitsgemeinschaft Industriebau

am 11./12.1.18 den IndustriebauKongress

an. 2

[ Info ]

Weitere Informationen

zu den Messen:

www.industrial-building.de,

www.construct-it-essen.de,

www.infratech.de und

www.acqua-alta.de.

Stahlreport 6|17

27


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Volle Auftragsbücher im März

Nachdem die Tonnagen im Januar und im Februar für die deutsche Stahldistribution

schon recht ordentlich waren, konnte im März ein Lagerabsatz verzeichnet werden, wie

er in dieser Höhe seit vielen Jahren nicht mehr erlebt wurde. Der Ende 2016 einsetzende

Preisaufbau hat sich in den ersten Monaten des Jahres 2017 fortgesetzt, scheint aber

nun bei den meisten Produkten eine Pause einzulegen.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

bis März/April 2017

vorliegenden Zahlen.

Wie üblich, hat er

seinen monatlichen

und kommentierenden

Bericht anhand

der Kriterien Lagerabsatz,

-bestand,

-reichweite und

-verkaufspreise

gegliedert.

Lagerabsatz

Der Lagerabsatz im Januar konnte

in der Summe aller Walzstahlerzeugnisse

den Vorjahresmonat um

knapp 7 % übertreffen. Der Februar

lag mit 909.000 t ziemlich genau

auf Vorjahresniveau.

Das Geschäft im März profitierte

nicht nur von einer guten Beschäftigungslage

der Kunden, sondern

auch von satten 23 Arbeitstagen. Es

wurden 1,06 Mio. t abgesetzt. Dies

ist ein Volumen, das letztmals im

Mai 2011 erreicht wurde. Besonders

dynamisch verliefen die Lagerabsätze

bei Betonstahl sowie kaltgewalztem

und oberflächenveredeltem

Blech.

Lagerbestand

Nach dem üblichen Lagerabbau zum

Jahresende 2016 legten die Lagerbestände

im Januar und bei den meisten

Produkten auch im Februar 2017

spürbar zu. Auch aufgrund des sehr

hohen Lagerabsatzes kam es im

März zu einem leichten Bestandsabbau.

Ende März wurden von der deutschen

Stahldistribution 2,43 Mio. t

Walzstahlfertigerzeugnisse bevorratet.

Dies sind 6,5 % mehr als noch

vor zwölf Monaten.

Lagerreichweite

Hohe Lagerabsätze und sinkende

Bestände ließen die Lagerreichweite

schrumpfen.

Sie lag im März bei 2,3 Monaten

bzw. 69 Tagen und damit knapp

5 % unter dem Vorjahreswert (vgl.

Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge setzte sich der

starke Preisanstieg, der am Ende

des Jahres 2016 stattgefunden hatte,

im ersten Quartal 2017 fort. Im

Januar konnten bei fast allen Produkten

Preissteigerungen festgestellt

werden. Diese waren bei Flachprodukten

sowie Quadrat- und Rechteckrohren

noch weitaus stärker ausgeprägt

als bei Langprodukten.

Im Februar und März tendierten

die Langprodukte im Produktmix

seitwärts, im April gaben sie

leicht nach. Flachprodukte konnten

dagegen preislich weiterhin zulegen,

wenn auch im März und April

mit nur geringen Steigerungsraten

(vgl. Abb. 2 und 3).

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

28 Stahlreport 6|17


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

200

180

106 160

95 96 99 99

91 92 140

89 90 92

89

85 90 93 90

92 92

120

68

100

81 84 78 78 81 72 72 81 72 84 78 72 78 69 99 78 81 69

80

60

40

20

0

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Ø

2016

März

2016

Apr.

2016

Mai

2016

Juni

2016

Juli

2016

Aug.

2016

Sep.

2016

Okt.

2016

Nov.

2016

Dez.

2016

Jan.

2017

Feb.

2017

Mär.

2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 6|17

29


BDS

Kommunikation

Stahlhandelstag 2017

Wissen.

Handeln.

Weiterdenken.

Der 26. Stahlhandelstag am 28. September in Darmstadt findet in spannenden Zeiten

statt. Märkte und Abläufe verändern sich, die technologische Entwicklung schreitet

rasant voran und birgt Chancen, aber auch Untiefen. Da kommt die Gelegenheit

zu fundierter Fachinformation, aber auch zu Austausch und zum Netzwerken auf dem

Stahlhandelstag des BDS genau richtig.

Stahlhandelstag 2017

Fotos: Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadt

GmbH & Co. KG (4); BDS/Drolshagen (2)

9:30 Uhr Empfang

10:00 Uhr Eröffnung des Stahlhandelstages

2017

Eberhard Frick, F. Kicherer, Vorsitzender

des BDS-Vorstandsrats

Oliver Ellermann, Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

10:15 Uhr Volkswirtschaftliche

Entwicklungen und deren

Auswirkungen auf die Stahlmärkte

Dr. Heinz-Jürgen Bücher, IKB

Deutsche Industriebank

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr Digitalisierung: Die Zukunft

des Stahlhandels?

Gisbert Rühl, Klöckner & Co.

12:15 Uhr Perspektiven des Stahlhandels

aus Sicht eines werksunabhängigen

Distributors

Dr. René Gissinger,

Knauf Interfer

13:00 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr Aktuelle Rechtsthemen im

Stahlhandel

Tim Lieber, Henseler & Partner

Rechtsanwälte

14:45 Uhr Kaffeepause

15:15 Uhr Quo Vadis Edelstahlmarkt?

Ralf Winterfeld, Edelstahl -

handelsvereinigung

16:00 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr Markt und Verband

Oliver Ellermann, Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

17:15 Uhr Ausblick

Eberhard Frick, F. Kicherer

ab 17.30 Uhr Abendveranstaltung im Foyer

1.05 des Darmstadtiums

ca. 23.00 Uhr Ende des Stahlhandelstages

2017

30 Stahlreport 6|17


Gemacht aus Stahl

und Glas (und ein

wenig Beton): das

Kongresszentrum

Darmstadtium

Fachausstellung

In einer begleitenden Ausstellung präsentieren sich die Ausrüster und

Partner der Branche. Die Ausstellung befindet sich unmittelbar im Foyer

vor dem Veranstaltungsraum, der auch für Kaffeepausen, den Mittagsimbiss

und die Abendveranstaltung zur Verfügung steht.

[ Sie möchten ausstellen?]

Weitere Informationen unter info-bds@stahlhandel.com

oder Tel. +49 211 86497-21.

ZEIT, Ort und Hotels

Wo? Kongresszentrum „Darmstadtium“, Darmstadt

Wann? 28. September 2017

9.30 h bis ca. 23.00 h

Hotelempfehlungen

Der BDS hat im Welcome Hotel Darmstadt in unmittelbarer Nähe zum

Kongresszentrum und im Maritim Rhein-Main Hotel Darmstadt (1,8 km

Entfernung) je ein Zimmerkontingent zu Vorzugskonditionen reserviert.

Vergünstigte Zimmer können nur über die Online-Plattform HRS bis zum

2. bzw. 22. August (Welcome Hotel, Maritim Rhein-Main Hotel Darmstadt)

gebucht werden (Buchungslinks auf www.stahlhandel.com). Leider kann

der BDS keine Zimmer garantieren, da das Kontigent nur begrenzt verfügbar

ist.

[ Anmeldung ]

Anmeldung zum Stahlhandelstag unter www.stahlhandel.com

Stahlreport 6|17

31


BDS

Kommunikation

Ab sofort ist der Stahlreport

auch als ePaper auf

www.stahlhandel.com

verfügbar.

Screenshot: BDS

In eigener Sache

Stahlreport jetzt auch als ePaper

Ab sofort ist der Stahlreport auch als

ePaper-Version verfügbar. Das BDS-Magazin

steht frei zugänglich auf der Homepage des

Bundesverbands zum digitalen Blättern

bereit (siehe Info). Die ePaper-Version passt

sich dem jeweiligen Ausgabegerät an. Egal,

ob am PC, mit dem Tablet oder gar auf dem

Smartphone – der Stahlreport kommt auf

den Endgeräten der Leser im richtigen Format

an. Über eine Zoom- und Vollbildfunktion

kann das Heft dabei den individuellen

Lesebedürfnissen angepasst werden. Die

elektronischen Ausgaben können zudem

schnell und komfortabel nach Stichworten

durchsucht werden.

Einzige Einschränkung des zusätzlichen

Angebots: Neue Ausgaben werden erst mit

einer dreimonatigen Verzögerung online

gestellt. Leser finden ePaper-Ausgaben des

Stahlreport derzeit also bis zum März-Heft

auf der Seite. Sukzessive werden weitere

Ausgaben hinzugefügt. Aktuell reicht das

Archiv bis zur September-Ausgabe 2016

zurück.

[ Info ]

Eurometal World Steel Distribution & SSC Summit 2017

Die Welt zu Gast am Rhein

Knapp 150 Teilnehmer aus Stahlproduktion,

-verarbeitung und -distribution trafen

sich Mitte Mai auf Einladung des europäischen

Stahldistributionsverbands

Eurometal zu einer internationalen Konferenz

in Düsseldorf. Moderiert wurde die

Veranstaltung von Eurometal-Präsident und

CEO von Tata Steel Distribution Europe

Dr. Jens Lauber, sowie von Eurometal Vice President

und BDS-Vorstand Oliver Ellermann.

Themen der zweieinhalbtägigen Konferenz

waren die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen

mit ihren Auswirkungen auf die globalen

Stahlmärkte und Veränderungen im

weltweiten Stahlhandel, insbesondere vor

dem Hintergrund zunehmender Antidumpingmaßnahmen.

Auch die Veränderungen

der Geschäftsmodelle innerhalb der Stahldistribution,

die Perspektiven verschiedener

stahlintensiver Abnehmerbranchen sowie

das Thema Digitalisierung entlang der Wert-

Die ePaper-Version des Stahlreport ist

auf der BDS-Homepage unter dem Menüpunkt

„Fachmagazin“ zu finden:

www.stahlhandel.com/stahlreport

Rund 150 Teilnehmer kamen zum Eurometal

World Steel Distribution & SSC Summit 2017

Mitte Mai nach Düsseldorf.

schöpfungskette spielten eine wichtige

Rolle. Abgerundet wurde das Programm

durch zwei Betriebsbesichtigungen, zum

einen bei Tata Steel Hille & Müller in Düsseldorf,

zum anderen bei der Europipe Group

in Mülheim an der Ruhr.

Foto: Eurometal

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

Ksenija Sandek

Telefon (02 11) 8 64 97-21

E-Mail: Sandek-BDS@stahlhandel.com

Verlag:

BDS AG

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Telefon (02 11) 8 64 97-0

Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis: Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 35.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder

Fotos übernehmen Herausgeber, Redaktion und

Verlag keine Gewähr. Namentlich oder mit Initialen

gekennzeichnete Beiträge vertreten eine vom

Herausgeber unabhängige Meinung der Autoren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird mitunter

auf die gleichzeitige Verwendung mänlicher

und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl

für beiderlei Geschlechter.

Außerdem bittet die Redaktion um Verständnis,

dass insbesondere Firmennamen je Artikel in der

Regel nur einmal in ihrer werbeorientierten Form

verwendet und entsprechende Begriffe häufig

eingedeutscht werden.

International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

32 Stahlreport 6|17


BDS

Recht

Nahtlose Rohre betroffen

Weiterer Antidumpingzoll

gegen Ware aus China

Im EU-Amtsblatt vom 11. Mai 2017 ist die Verordnung zur Einführung endgültiger

Antidumpingzölle auf Einfuhren bestimmter nahtloser Rohre mit kreisförmigem Querschnitt

und einem Außendurchmesser von mehr als 406,4 mm ex China veröffentlicht worden.

Die von der Maßnahme betroffenen

Waren werden derzeit unter

den KN-Codes 7304 19 90, ex 7304

29 90, 7304 39 98 und 7304 59 99

(TARIC-Code 7304 29 90 90) eingereiht.

Die endgültigen Zölle betragen

zwischen 29,2 und 54,9 % und sind

damit niedriger als die im November

2016 verhängten vorläufigen Antidumpingzölle.

Die Zölle gelten auf

den Nettopreis frei Grenze der Union,

unverzollt.

Die Anwendung der unternehmensspezifischen

Antidumpingzollsätze

für die vorgenannten Unternehmen

setzt voraus, dass den

Zollbehörden der Mitgliedstaaten eine

gültige Handelsrechnung vorgelegt

wird, die eine Erklärung in bestimmter

Form enthält (siehe Info), die von

einer dafür zuständigen Person des

Unternehmens, das die Handelsrechnung

ausgestellt hat, unter Angabe

ihres Namens und ihrer Funktion

datiert und unterzeichnet wurde.

Wird keine solche Handelsrechnung

vorgelegt, findet der für „alle

übrigen Unternehmen“ geltende Zollsatz

Anwendung. 2

Unternehmen und Antidumpingzollsätze

Unternehmen Endgültiger TARIC

Zollsatz (in %) Zusatzcode

Yangzhou Chengde Steel Pipe Co., Ltd. 29,2 C171

Hubei Xinyegang Special Tube Co., Ltd. 54,9 C172

Yangzhou Lontrin Steel Tube Co., Ltd. 39,9 C173

Hengyang Valin MPM Co., Ltd. 48,2 C174

Zhejiang Gross Seamless Steel Tube Co., Ltd. 41,4 C204

Im Anhang aufgeführte Unternehmen 45,6 C998

Alle übrigen Hersteller 54,9 C999

Info

Formulierung für Zoll-Erklärung

„Der/Die Unterzeichnete versichert, dass die auf dieser Rechnung ausgewiesenen

und zur Ausfuhr in die Europäische Union verkauften [Mengenangabe]

nahtlosen Rohre von [Name und Anschrift des Unternehmens]

[TARIC- Zusatzcode] in [betroffenes Land] hergestellt wurden und dass

die Angaben auf dieser Rechnung vollständig und richtig sind.“

[ Quelle ]

Durchführungsverordnung (EU) 2017/804 der Kommission vom 11. Mai 2017

zur Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren bestimmter

nahtloser Rohre aus Eisen (ausgenommen aus Gusseisen) oder Stahl (ausgenommen

aus nichtrostendem Stahl) mit kreisförmigem Querschnitt und einem

Außendurchmesser von mehr als 406,4 mm mit Ursprung in der Volksrepublik

China; ABL. 121 vom 12.05.2017, S. 3-25

Stahlreport 6|17

33


BDS

Recht

BDS-Workshops zu Compliance-Richtlinien

Eine Maßnahme

betriebswirtschaftlicher Vernunft

Siemens, Volkswagen, Thyssenkrupp – die großen Korruptionsfälle haben das Thema Compliance in

den Mittelpunkt gerückt. Galt Korruption früher noch als Kavaliersdelikt, gehören Compliancestrukturen

heute zur gesetzlich verankerten Sorgfaltspflicht der Unternehmensleitung. Was Compliance

aber konkret für die Unternehmen bedeutet, ist oft noch unklar. Der BDS hatte daher im Mai zu einer

Reihe für Mitglieder kostenloser Schulungen eingeladen. Rechtsanwältin Dr. Almut Riemann, Kanzlei

Henseler & Partner Rechtsanwälte mbB, erläuterte an drei Terminen, was geht und was nicht geht.

In den allermeisten Fällen

handeln Unternehmen auch ohne

sich dessen bewusst zu sein compliancegerecht.

Der Begriff Compliance

bedeutet zunächst nichts Anderes,

als sich regelkonform und gesetzestreu

zu verhalten – was die große

Mehrzahl der Unternehmen tut, auch

ohne daraufhingewiesen zu werden.

Das hob Rechtsanwältin Dr. Almut

Riemann zu Beginn des zweiten BDS-

Compliance-Workshops in Duisburg

hervor, zu dem rund 30 Teilnehmer

aus den Mitgliedsunternehmen des

Verbands gekommen waren. Weitere

Workshops dazu fanden in Merklingen

und Lehrte statt.

Umdenken beim

Thema Compliance

„Bis etwa in die späten 1990er-Jahren

galt Compliance als Spezialthema,

das eher in US-Großkonzernen Relevanz

hatte“, so Almut Riemann. In

Deutschland sah das bis in die späten

90er-Jahr anders aus. Bis 1999

war es z.B. rechtskonform, die bei der

Bestechung ausländischer Geschäftspartner

entstandenen „Aufwendungen“

von der Steuer abzusetzen.

Seither hat ein starkes Umdenken

stattgefunden. Compliance gehört

heute zu den allgemeinen Leitungsaufgaben,

es drohen im Falle eines

Verstoßes hohe Bußgelder – bis hin

zur zivil- oder strafrechtlichen Haftung

des involvierten Managements.

Vom Imageschaden für Unternehmen

und Mitarbeiter ganz zu schweigen.

So ist die Schaffung von Compliance-Strukturen

von einem Thema

nur für große Konzerne zu einem

Thema auch für den Mittelstand

geworden.

Compliance bedeutet, sich als Unternehmen oder Organisation

Strukturen zu geben, die das gesetz- und rechtmäßige

Verhalten transparent nachvollziehbar regelt.

34 Stahlreport 6|17


Die Einschätzung, welche Äußerungen und welches Verhalten

gegenüber Wett bewerbern, Kunden und Lieferanten im Stahlhandel

nun kritisch zu bewerten ist, ist im konkreten Fall nicht immer trivial.

Durch entsprechende Organisation

sollen Gesetzesverstöße und Haftungsrisiken

im Vorfeld erkannt und

vermieden werden.

Markt, Mitarbeiter und

Mangement schützen

Die großen Kartellfälle, wie das

„Schienenkartell“, an dem auch Thyssenkrupp

beteiligt war, haben es

gezeigt: Durch Absprachen von

Unternehmen kann anderen Marktteilnehmern

und der Volkswirtschaft

insgesamt ein hoher Schaden enstehen.

Das Kartellverbot (zum Beispiel

in §1 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen)

untersagt

daher strikt alle Vereinbarungen

zwischen Unternehmen und

Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen

sowie aufeinander abgestimmte

Verhaltensweisen, die

bezwecken oder bewirken, dass der

Wettbewerb innerhalb eines gemeinsamen

Marktes eingeschränkt, verfälscht

oder verhindert wird.

Es muss also real gar kein Schaden

entstanden sein. Um in die Bredouille

zu kommen reicht jede willentliche

Koordinierung von

Verhalten von mindestens zwei

selbstständigen Unternehmen am

Markt, egal ob schriftlich oder mündlich,

rechtlich bindend oder nicht.

Verboten ist demgemäß die Abstimmung

über gegenwärtige oder künftige

Produkt- oder Vormaterialpreise,

über Zahlungsbedingungen, Kreditgewährung,

Rabatte etc. Verboten

sind auch die Aufteilung von Märkten

oder Kunden, die Festlegung von

Marktanteilen oder Quoten u.ä.

Unproblematisch sind demgegenüber

Diskussionen von allgemeinen

wirtschaftlichen Themen, von

Einschätzungen der allgemeinen

Markt- oder Produktentwicklung.

Wie verhält es sich z.B. bei Unternehmen,

die zwar eigenständig am

Markt auftreten, aber gemeinsam

unter dem Dach einer Holding angesiedelt

sind? Und was haben Compliance-Regelungen

für Auswirkungen

im dem Fall, dass sich zwei

Unternehmen bei bestimmten Produkten

für eine gemeinsame Lagerhaltung

entschienden haben?

Diese und ähnliche Fragen der

Teilnehmer bei den BDS-Workshops

zeigten, wie schwierig es zum Teil

ist, die weit gefassten Definitionen

des Gesetzgebers auf die große Bandbreite

konkreter Geschäftspraxis

anzuwenden.

Immerhin gibt es eine Reihe von

Handlungen und Situationen, die

einen klaren Verstoß darstellen.

Treffe ich mich mit anderen im Hinterzimmer,

um künftige Preise abzusprechen,

ist das zwar zweifellos verboten

– aber in der Regel weiß ich

als Teilnehmer einer solchen Runde,

was ich da tue. Was aber tun, wenn

es zu einer Situation kommt, in der

die Lage nicht so klar ist?

„Wenn es dazu kommt, rate ich,

sich von dem möglichen Verstoß vernehmlich

zu distanzieren. Beenden

Sie das Gespräch und verlassen Sie

den Gesprächsort“, sagt Almut Riemann.

„Sollte es zu einer derartigen

Situation z. B. auf Verbandsveranstaltungen

kommen, veranlassen Sie

zusätzlich, dass Ihr Veto ins Protokoll

aufgenommen wird. So sind Sie

auf der sicheren Seite.“

Der BDS als Interessensvertretung

der Unternehmen des Stahlhandels

legt übrigens großen Wert

auf das Thema Compliance und die

Einhaltung des Kartellrechts – intern

sowie bei ausnahmslos jeder Verbandskativität.

2

[ Info ]

Der Compliance-Leitfaden des BDS kann

unter www.stahlhandel.com/compliance

eingesehen und heruntergeladen werden.

Fotos BDS/mh

Erläuterte Fragen zum Kartellrecht: Rechtsanwältin Dr. Almut

Riemann auf den kostenlosen BDS-Workshops zum Thema

Compliance.

Rund 30 Teilnehmer informierten sich im Mai auf der Compliance-Schulung des BDS

in Duisburg – eine der drei Veranstaltungen, die der BDS für seine Mitglieder im Mai im

gesamten Bundesgebiet kostenlos durchgeführt hat.

Stahlreport 6|17

35


BDS

Berufsbildung

Fotos, 2: BDS

Wehten für zwei Tage vor der KASTO-Firmenzentrale in Achern: Die Fahnen des BDS, der die KWB-Jahrestagung der kaufmännischen

Ausbildungsleiter Ende April maßgeblich mit vorbereitet hatte.

Tagung der Kaufmännischen Ausbildungsleiter zur Digitalisierung im Großhandel

Betroffen und zunehmend sensibilisiert

Die bundesweite KWB-Tagung der kaufmännischen Ausbildungsleiter im April in Achern unter dem

Motto „Berufliche Karrieren in Zeiten der Digitalisierung – Lernen in vernetzten Arbeitswelten“

hat unter maßgeblicher Beteiligung des BDS vor allem drei Dinge deutlich gemacht:

Die Veränderungen sind massiv und müssen zeitnah in der Ausbildung berücksichtigt werden.

Der Stahlhandel ist von diesem Wandel maßgeblich betroffen, hat allerdings schon Werkzeuge für

dessen Bewältigung identifiziert. Schließlich hat die Branche durch die Tagung aber auch deutlich

gemacht, dass sich das Problembewusstsein zunehmend entwickelt.

Zeitliche Eckpunkte des zweitägigen

Programms bei dem Treffen

Ende April im Hause der KASTO

Maschinenbau GmbH & Co KG waren

die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft

über die Auswirkungen

der Digitalisierung im Großhandel

auf die Berufsbildung und innovative

Geschäftsmodelle, die sich vor diesem

Hintergrund längst entwickelt

haben. Zu Beginn referierte Dr. Georg

Wittmann, Research Director der ibi

research an der Universität Regensburg

GmbH, zum „Online-Kaufverhalten

im B2B-E-Commerce“ und zu

der Frage, was aus dieser Studie und

weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen

für die Berufsbildung

der betroffenen Handelsbranchen

folgt. Den letzten Vortrag steuerte

Tim Milde bei. Er ist Geschäftsführer

der kloeckner.i GmbH. Sein

Thema war „Die disruptive Entwicklung

von Geschäftsmodellen für den

Stahlhandel und ihre Auswirkungen

auf die Berufsbildung – der Weg

des Handelshauses Klöckner“.

Begrüßte mehr als 100 Tagungsteilnehmer

im Hause KASTO: Jens Kettler,

Sprecher der Arbeitsgemeinschaft kaufmännischer

Ausbildungsleiter im KWB.

Beide Keynotes rahmten ein Programm

ein, das im Wesentlichen aus

einem „Markt der Möglichkeiten“

bestand, auf dem kommerzielle

36 Stahlreport 6|17


Anbieter ihre Lösungen für die anstehenden

Probleme vorstellen konnten.

Diese Herausforderungen wurden

im Übrigen in fünf Workshops präzisiert,

in die Teilnehmer ihre Erfahrungen

in der Berufsbildung einbrachten.

Zu der Tagung gehörte auch

„Neues aus der Ordnungsarbeit“, zu

dem der innovative Ausbildungsberuf

„Kaufmann und Kauffrau im E-

Commerce“ vorgestellt wurde.

Schließlich gab es unter dem Aspekt

„Industrie 4.0“ eine Betriebsbesichtigung

im Hause des Gastgebers und

einen Badischen Abend.

Vor allem in diesen Zusammenhängen

bedankten sich für den Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

BDS-Vorstand Oliver Ellermann und

sein Team beim Gastgeber und den

anderen Sponsoren für deren außerordentliches

Engagement zugunsten

der Tagung. Dies zeige vor allem

auch, wie erfolgreich vernetzt der

Stahlhandel und seine Marktpartner

zum Nutzen der Branche sind.

Eröffnungsrunde

Das genannte Programmspektrum

wurde den gut 100 Teilnehmerinnen

und Teilnehmern vorgestellt,

als Jens Kettler in seiner Funktion

als Leiter der Arbeitsgemeinschaft

der kaufmännischen Ausbildungsleiter

die Mitveranstalter begrüßte:

den Geschäftsführer des Kuratoriums

der Deutschen Wirtschaft für

Berufsbildung (KWB), Jürgen Hollstein,

den Vorstand der BDS AG –

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS), Oliver Ellermann, sowie

Armin Stolzer, Geschäftsführender

Gesellschafter von KASTO, und

Dr. Steffen Auer, Geschäftsführender

Gesellschafter der Schwarzwald-

Eisenhandel GmbH & Co. KG.

Die beiden Letztgenannten repräsentierten

auf der Tagung gleichzeitig

als Vizepräsident bzw. als Präsident

die Industrie- und Handelskammer

Südlicher Oberrhein. Und

sie prägten in ihren Begrüßungsstatements

erste inhaltliche Aussagen:

So wies Armin Stolzer auf die große

Chance hin, mit Annahme der Digitalisierung

die interdisziplinäre

Zusammenarbeit auszubauen. Und

Dr. Steffen Auer wies in diesem

Online-B2B-vs. B2C-Umsatz im Jahr 2020 (in Mrd. USD)* Abb. 1

Deutschland: B2B Website/Marktplatz 136 Mrd. Euro

(Produkte/Dienstleistungen 2013)**

900

Rest der Welt

1.900

Nordamerika




2.100

China

Nicht unbedingt vergleichbar: B2C und B2B.

Zusammenhang auf die Notwendigkeit

hin, dass die etablierten Bildungseinrichtungen

schneller auf

die Entwicklungen reagieren müssen.

Eingangsreferat

Die Ergebnisse der Studie „Online-

Kaufverhalten im B2B-E-Commerce“

durchforstete Dr. Georg Wittmann

in seiner Keynote auf Rückschlüsse

in Sachen Berufsbildung.

Deren Bedeutung basiert zumindest

auf einer quantitativen Komponente:

Der Umsatz des B2B-E-Commerce,

also der finanziell bewerteten


1.800

Europa

3 B2B-E-Commerce ist weltweit ein deutlich größerer Markt als B2C.

6.700

Gesamt B2B


B2B>2xB2C

Aktivitäten unter Großhändlern, ist

weltweit deutlich höher als der konsumentenorientierte

B2C-Markt (vgl.

Abb. 1), für den in Deutschland für

die kommenden Jahre zweistellige

Umsatzzuwachsanteile erwartet werden.

Gleichzeitig warnte der Referent

davor, Entwicklungen im B2C einfach

auf den B2B-Bereich zu übertragen.

Wegen vieler rechtlicher, kaufmännischer

und technischer Besonderheiten

in den Geschäftsbeziehungen

von Großhändlern untereinander

könne – auch in der Entwicklung

der Digitalisierung – B2C nicht mit

3

3.200

Gesamt BCB

Abb. 2

Stahlreport 6|17

37


BDS

Berufsbildung

Quellen, 3: ibi-research/Roland Berger

Heutige Marktstruktur

Einzelhandel

Stationär

Online

Hersteller

Großhandel

Handwerk

Endkunde

B2B gleichgesetzt werden (vgl.

Abb. 2).

Die wichtigste qualitative Komponente

in seinem Vortrag entnahm Dr.

Georg Wittmann einer neuen Studie

von Roland Berger für den Bundesverband

Großhandel Außenhandel Dienstleistungen

(BGA). Demnach könnte im

Zuge der Digitalisierungsentwicklung

der Großhandel aus den Märkten eliminiert

werden (vgl. Abb. 3).

Pure Online

Player

Diese Beobachtungen zur Entwicklung

der Märkte machte der Referent

an einem Praxisbeispiel aus

dem Papiergroßhandel fest, das er

wissenschaftlich begleitet und das

deutlich gemacht hatte, wie wichtig

es ist, Mitarbeiter auf einem solchen

Weg mitzunehmen und diese Weiterbildung

bereits in der Ausbildung

zu verankern. Entsprechende Dienstleistungen

dazu gebe es inzwischen

Welche Bedeutung hat der Großhandel in der Zukunft Abb. 3

bzw. wie werden sich die Marktstrukturen entwickeln?

Zukünftige Marktstruktur (Zielbild)?

Einzelhandel

Stationär

Online

Der Großhandel muss sich auf veränderte Marktstrukturen einstellen.

Hersteller

Endkunde

Pure Online

Player

Service-

Leistung

Handwerker

Aussteller und Impulsvorträge Abb. 4

Aussteller

SAP SE

3

u-form Testsysteme GmbH & Co KG

Thema Impulsvortrag

Ausbildung & duales Studium im Zentrum der Digitalen

Transformation

Das kommt dabei heraus, wenn Design Thinking auf Gamification

trifft.

Ausbilden mit System by softstairs GmbH Digitale Helfer für die Berufsausbildung –

Software as a Service als Zukunftsmodell

BeraCom GmbH & Co. KG

Webbasierte Versetzungsplanung als Basis des zielgerichteten

Lernens

Bildungsverlag EINS GmbH

neuesdenkenwagen.de. Perfekt vernetzt.

Passgenau gefördert. Bestens qualifiziert.

Lucas-Nülle GmbH VOCANTO by LN – Überall und jederzeit lernen –

BPS Bildungsportal Sachsen GmbH Ausbildung 4.0 Vernetzung in der dualen Ausbildung

Provadis Partner für Bildung

Effiziente Alternativen zu E-Learning in der kaufmännischen

und Beratung GmbH

Ausbildung

ARBEIT und LEBEN (DGB/VHS)

Die Lernorte der Ausbildung verbinden

Berlin Brandenburg

Einige Ideen und Anregungen

Mapudo GmbH

Von start ups lernen

BDS AG Bindungen an den Bundesverband Deutscher Stahlhandel –

Brancheninformation und Berufsbildung

Knapp ein Dutzend Aussteller prägte den „Markt der Möglichkeiten“ und die dazugehörige Vortragsreihe.

Foto: BDS

in ausreichender Quantität und vielfältiger

Qualität.

Markt der Möglichkeiten

Das machte auch der „Markt der

Möglichkeiten“ deutlich, den die

Tagungsteilnehmer am ersten Tag

besuchen konnten. Dabei ging es

z.B. um unternehmenseigene Weiterbildungsprogramme

wie bei der SAP

AG, um digitale Helfer für die Berufsausbildung

aus dem Hause soft stairs

GmbH oder um elektronische Ab -

stimmungswerkzeuge der Provadis

Partner für Bildung GmbH, die für

kollektive Prüfungen eingesetzt werden

können. Die mehrstündige

Messe mit knapp einem Dutzend

Ausstellern wurde ergänzt durch

Kurzvorträge dieser Anbieter (vgl.

Abb. 4) – u.a. auch für den Stahlhandel:

z So thematisierte die Mapudo GmbH

(vgl. Foto unten) die durch Digitalisierung

veränderten Geschäftsmodelle,

z.B. in Form elektronischer

Marktplätze. Dabei wurde

unmittelbar einsichtig, dass die

Werkstoffdistribution auf eindeutige

Sprachregelungen etwa bei

den Produktbezeichnungen angewiesen

ist. Und so ergebe sich eine

unmittelbare Verbindung zur Be -

rufsbildung, dort als zu beherrschende

Definitionen, machte

Niklas Friederichsen als Referent

für dieses Startup mit Sitz in Düsseldorf

deutlich.

z Andreas Ueberschaer stellte für

die BPS Bildungsportal Sachsen

GmbH (vgl. Foto nächste Seite)

deren elektronisches Berichtsheft

vor, das für die Ausbildung z.B. für

Zu den Ausstellern gehörte auch die

Mapudo GmbH, in Achern vertreten

durch Sebastian Grethe (l.) und Niklas

Friederichsen.

38 Stahlreport 6|17


Foto: BDS

angehende Groß- und Außenhändler

im Zusammenhang mit deren

Abschlussprüfung von den Ausschüssen

der Kammern immer

häufiger zugelassen wird. Das

Dresdner Unternehmen ist für den

Stahlhandel aber auch deshalb

wichtig, weil es auch die Elektronische

Bildungsplattform OPAL

anbietet, die der BDS ab diesem

Jahr für sein digitalisiertes Fernstudium

nutzt (s.u.).

z Das hatte auch Dr. Ludger Wolfgart

im Blick, als er in seinem

Impulsvortrag eine Verbindung

zwischen „Brancheninformation

und Berufsbildung“ herstellte, die

er beim BDS als Chefredakteur der

Fachzeitschrift „Stahlreport“ und

Bereichsleiter Berufsbildung verantwortet,

Letzteres u.a. für das

verbandseigene Fernstudium zur

Betriebswirtin/zum Betriebswirt.

Dabei gehe es um Dienstleistungen,

die geeignet sind, Kunden/Mitglieder

langfristig an den Bundesverband

zu binden.

Workshops

Wie das konkret aussieht, das konnten

insbesondere die Teilnehmer

des vierten von insgesamt fünf

Workshops (vgl. Abb. 5) erfahren, in

dem Markus Bell das SAP-Modell

und Dr. Ludger Wolfgart sowie

Dr. Manfred Feurer das in diesem

Jahr digitalisierte Fernstudium des

BDS vorstellten – und die dafür aus

der Erfahrung von zwei Jahrzehnten

bewährten Werkzeuge, die Vorstand

Oliver Ellermann in seinem Eingangsstatement

bereits angesprochen

hatte:

Zu den Ausstellern gehörte auch

die Bildungsportal Sachsen GmbH,

in Achern vertreten durch Andreas

Ueberschaer.

Foto: KASTO

Quelle: KWB

Workshops der KWB-Tagung Abb. 5

z Wie man Auszubildende findet und Ausbildungsabbrüche vermeidet

z Neuordnung von Ausbildungsberufen in Zeiten der Digitalisierung

z Digitalisierung in der Berufsschule – Das Beispiel der Lernfabriken 4.0

z Und wie geht’s weiter nach der Ausbildung? Perspektiven für Ausgebildete

z Geflüchtete als Azubis: Welche Möglichkeiten, Herausforderungen und

Unterstützung gibt es?

z Fernunterricht als für Teilnehmer

und entsendende Unternehmen

wirtschaftlichste und kontrollierte

(Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht,

ZFU) Schulungsform,

z Zertifizierung (QM) zur Sicherung

der Qualität – insbesondere durch

einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

– sowie

z der Deutsche Qualifikationsrahmen

(DQR), um solchen beruflichen

Abschlüsse mit anderen Qualifikationen

vergleichbar zu

machen.

In den vier anderen Workshops wurden

u.a. das Modell des Senior Experten

Service vorgestellt, um Auszubildenden

beim Auftreten von Problemen

generationenübergreifend Hilfen

anbieten zu können, oder die

etablierten Neuordnungsverfahren

für Ausbildungsberufe in Erinnerung

gerufen: Die duale Ausbildung entpuppe

sich „in Zeiten der Digitalisierung

als Leuchtturm in disruptiven

Zeiten“, wagten Michael Assenmacher

vom Deutschen Industrie- und

Handelskammertag und Katrin

Locker von der Industriegewerkschaft

Bergbau, Chemie und Energie in diesem

Zusammenhang als These. Vor-

gestellt wurden auch die Lernfabriken

4.0, mit denen das Land Baden-

Württemberg Berufsschulen für die

neue Zeit fit machen möchte, sowie

auch entstandene Netzwerke, um

Flüchtlinge besser in die deutschen

Lernsysteme integrieren zu können.

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages

fassten Sprecher der

Workshops unter der Moderation

von Theresa Fleidl (Flughafen München

GmbH) die Ergebnisse der

gemeinsamen Arbeit zusammen.

Badischer Abend

Diese Ergebnisse waren in der kreativen

Atmosphäre der KASTO-Unternehmenszentrale

im mittelbadischen

Achern-Gamshurst entstanden, die

zudem ausreichend Platz für die

unterschiedlichen Aktivitäten des

Programms bot. Das galt auch für

den Badischen Abend, der Kulinarisches

aus der Region bot und zudem

„Lernorte“ thematisierte:

z So stellte Gastgeber Armin Stolzer

sein Unternehmen als Lernort für

zahlreiche Auszubildende vor (vgl.

Foto oben), die regelmäßig mehr

als 10 % der Belegschaft stellen.

Für sie ist zudem die Chance sehr

hoch, ihren Ausbildungserfolg mit

3

Mit diesem Foto

stellte KASTO-Chef

Armin Stolzer im

Rahmen des Badischen

Abends seine

Auszubildenden vor.

Fünf Workshops

wurden auf der

KWB-Tagung in

Achern angeboten.

Stahlreport 6|17

39


BDS

Berufsbildung

Quellen, 3: kloeckner.i

einer Übernahme in ein normales

Beschäftigungsverhältnis in dem

mittelständischen Familienunternehmen

zu krönen, das weltweit in

Sachen Sägen und Lagern tätig ist.

z Für Mapudo, das den badischen

Abend der Tagung maßgeblich

gesponsert hatte, erinnerte Ge -

schäftsführer Sebastian Grethe an

die Möglichkeit, Unternehmen

auch zum Lernort für Politiker zu

machen; das Düsseldorfer Unternehmen

hatte vor wenigen Wochen

den FDP-Bundesvorsitzenden

Christian Lindner in Düsseldorf zu

Gast gehabt und über die Wünsche

von Startups an die Politik informiert.

z Schließlich zeigte der Bürgermeister

des nahegelegenen Schwarzwaldstädtchens

Gengenbach,

Thorsten Erny, auf, dass auch die

Kommunalpolitik Lernorte mit

günstigen Rahmenbedingungen

schaffen kann. In der Gemeinde

des früheren Stahlhändlers ist in

kurzer Zeit ein moderner Bil -

dungs campus entstanden, der von

einem Netzwerk aus unterschiedlichen

Anbietern genutzt wird.

Betriebsbesichtigung

Wie stark Ausrüster mit einem Servicegrad

und einer Marktstellung

wie KASTO die Prozesse von Dienstleistern

wie dem Werkstoffgroßhandel

mit prägen, machte den Teilnehmerinnen

und Teilnehmern der

Tagung ein Betriebsrundgang am

zweiten Veranstaltungstag deutlich.

Die derzeitige lineare Stahlversorgungskette Abb. 6

SUPPLIERS

NO EFFECTIVE INFORMATION AND DATA EXCHANGE

ON AVAILABLE INVENTORY, LEAD TIMES ETC.

Klöckner & Co

STOCKHOLDING

Other Distributors

LONG DELIVERY TIMES, INCORRECT DELIVERIES AND HIGH INVENTORY LEVELS

Schwachstellen in den traditionellen Geschäftsmodellen des Großhandels.

Playing field of

incumbents

Incremental innovations

as well as improvement

of efficiency and costs

3

CUSTOMERS

digitale Transformation und kultureller Wandel Abb. 7

- “Steel Guys”

- Business know-how

- Assets, NWC

maximize speed but integrated approach to leverage existing

- Formal and informal,

reliable processes

- Perfection, waterfall method

- High marginal costs

- Margin optimization

- Shipments

- Gross profit per ton

- EBITDA

Know-how transfer

Resources

Processes

Transformation

- Digital natives

- Intellectual properties

- Lean start-up

- Design thinking

- Agile, failure culture, trial-and-error

- Low or no marginal costs

- Generating increasing transaction

fees through network effect

- Total orders per day

- Gross margin

- Pay-per-click total conversions

Das Handelshaus Klöckner setzt in Zukunft verstärkt auf Know-how Transfer und Transformation …

Focus

KPIs

Playing field of

fast moving

start-ups

Exploration of a new

business model

Dabei wurde anschaulich, was

Armin Stolzer am Vortag in seiner

Begrüßung gemeint hatte, als er

von papierlosen Produktions- und

Handelsfunktionen gesprochen

hatte, von den automatisierten

Beschaffungs- und Organisationsprozessen

der Industrie 4.0.

In diesen Zusammenhängen

zeigten sich die Besucherinnen und

Besucher bei dem Rundgang vor

allem dadurch beeindruckt, dass

der mittelbadische und mit einem

Zweigwerk auch in Südthüringen

vertretene Ausrüster der Werkstoffdistribution

mit denselben Maschinen

bzw. Einrichtungen produziert

und lagert, die er auch dem Großhandel

anbietet. Entsprechendes

gilt auch für die notwendigen Prozesse.

So wurde anschaulich, was

Armin Stolzer am Vortag gemeint

hatte, als er von zunehmender Interdisziplinarität

durch die Digitalisierung

gesprochen hatte.

Neuordnung

Dass diese Interdisziplinaritäten

auch schon in den traditionellen

Ordnungsverfahren für Berufsausbildungen

angekommen sind,

machte am zweiten Veranstaltungstag

Katharina Weinert deutlich. Sie

ist Abteilungsleiterin für Bildungsund

Berufsbildungspolitik des Handelsverbands

Deutschland – HDE

und stellte aus ihrer Arbeit den

neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann

und Kauffrau im E-Commerce“ vor.

Dabei betonte sie, dass seit der

Vorstellung des Konzeptes am

1.5.2015 bis zum Beginn des Ausbildungsjahres

2018/2019 voraussichtlich

nur gut drei Jahre vergangen

sein werden, diesen dreijährigen

neuen Ausbildungsberuf einzuführen.

Die beteiligten Sozialpartner

hätten sich sehr schnell und harmonisch

auf die Inhalte dieses neuen

Angebots geeinigt (vgl. Kasten), zu

dessen Start 1.000 Ausbildungsverhältnisse

angepeilt werden.

Abschlussreferat

Zeitlich noch dynamischer zeigte

sich in seinem Abschlussvortrag

allerdings Tim Milde. Der GmbH-

Geschäftsführer des Berliner startups

kloeckner.i führte aus, wie das

40 Stahlreport 6|17


traditionsreiche Handelshaus

Klöckner seit 2014 auf der Basis

der Mängel des bestehenden Systems

(vgl. Abb. 6) durch disruptives

Denken neue und zunehmend

digitale Geschäftsformen für den

Großhandel mit Werkstoffen entwickelt

hat.

Dies sei nur möglich gewesen,

weil der Konzernvorstand bewusst

„steel guys“ und „digital natives“

zusammengebracht und selbst als

Vorbild fungiert habe. Auch deshalb

sei Vorstand Gisbert Rühl seinerzeit

zu den Entwicklern ins kalifornische

Silicon Valley gereist.

Inzwischen habe Klöckner mit

den neuen Ansätzen der Digitalisierung

einen 14-prozentigen Anteil

am Umsatz erreicht. Ziel des Unternehmens

sei es, möglichst bald die

Hälfte des Umsatzes auf diesen

Wegen zu generieren.

Erfolgsrezept auf diesem Weg

ist es nach Ansicht von Tim Milde

auch, dass ausgesuchte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter zusätzlich

zu ihren traditionellen Aufgaben

„den Hut eines Digitalisierungsverantwortlichen“

aufgesetzt bekommen

haben. (Vgl. Abb. 7)

Diese Entwicklung der Digitalisierung

mit fortschreitender Automatisierung

von Standardprozessen

werde insgesamt dazu führen,

dass sich das Berufsbild der Verkäufer

in das technischer Anwendungsberater

wandeln werde. (Vgl.

Abb. 8)

Neue Berufsbildpositionen

In den Vorbereitungen für den neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann/

Kauffrau im E-Commerce“ ist, so ging es aus dem Vortrag von Katharina

Weinert hervor, u.a. über folgende Berufsbildpositionen nachgedacht

worden:

z Shopmanagementsystem einsetzen

z Onlineshop/Onlinebuchungsportal bewirtschaften

z Waren- und Dienstleistungssortiment entwickeln, Einkauf unterstützen

z Vertragsabwicklung (Retouren- bzw. Stornomanagement unterstützen,

Distribution einleiten, Bezahlung abwickeln)

z Kundendialog/Kundenansprache/Kundenservice

z Online-Marketing umsetzen

z Kaufmännische Steuerung und Kontrolle

z arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften

z Bedeutung und Struktur des Vertriebswegs E-Commerce und des

Ausbildungsbetriebs

z Information und Kommunikation

z Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit

z Umweltschutz

Elemente eines neuen Berufsbildes

Digital enabling of employees through online-courses during working hours

Hierarchy-free communication adresses the problem of several times interrupted horizontal

and vertical communication

Continious flow of initiatives to engage employees

Fazit

In der Konsequenz könnten diese

Erkenntnisse und andere Vernetzungseinsichten

aus der Tagung für

die „Familie der Ausbildungsleiter“,

die Jens Kettler in seiner Moderation

immer wieder bemühte, ein

Aneinanderrücken der heute noch

getrennten kaufmännischen und

gewerblichen Familienteile bedeuten

– mit entsprechenden Auswirkungen

auf die Neuordnung und

-schaffung von Ausbildungsordnungen.

Erst einmal aber lud der Leiter

der Arbeitsgemeinschaft der

kaufmännischen Ausbildungsleiter

diese zur nächsten Tagung in diesem

Rahmen für das kommende

Frühjahr nach Hamburg ein. 2

Foto: BDS

… sowie u.a. auf uneingeschränkte Bildung hierarchiefreie Kommunikation.

Zum Abschluss der

Tagung in Achern:

Gastgeber Armin

Stolzer (l.) und vom

KWB Theresia Fleidl,

Jens Kettler sowie

Jürgen Hollstein

(v.l.n.r.).

Stahlreport 6|17

41


BDS

Berufsbildung

Neuer Fernstudienjahrgang geht an den Start

Vorläufige Zulassung

Der BDS und seine Partner haben für die digitalisierte

Fassung des Fernstudiums von der ZFU eine vorläufige

Zulassung und zudem rund 30 Anmeldungen für diesen

neuen (21.) Jahrgang ab 1.7.17 in Soltau erhalten. Kurz

vorher will die etwa gleich große Gruppe des 19. Jahrgangs

ihr Fernstudium in Karlsruhe abschließen, und

die knapp 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des

20. Jahrgangs bereiten sich über die Sommermonate

auf ihre nächsten Zwischenprüfungen vor.

Fotos, 2: BDS

Sie bringen Motivation mit?

Wir liefern das Know-how!

Machen Sie berufliche Karriere

durch ein berufsbegleitendes Fernstudium

fern-studium

Fernstudium Betriebswirt Stahlhandel (BDS)

Betriebswirt Metallhandel (WGM)

Betriebswirt Metallhandel (VDM)

Den gegenwärtigen Wandel im BDS-Fernstudium drücken auch die beiden

unterschiedlichen Informationsbroschüren aus: Es wird immer dynamischer.

[ Info ]

Anmeldeschluss für

den 21. Jahrgang

war der 31.5.17.

Der 22. Jahrgang

soll am 1.7.18

starten. Für Auskünfte

und Anmeldungen

zuständig

ist beim BDS Beate

Wynands:

Wynands-BDS@

stahlhandel.com.

Das BDS-Fernstudium wird seit

mehr als zwei Jahrzehnten angeboten,

inzwischen mit einem Betriebswirts-

Abschluss. Er kann nach drei Studienjahren

berufsbegleitend in drei Branchenbereichen

erworben werden:

„Betriebswirt/-in Stahlhandel (BDS)“,

„Betriebswirt/-in Metallhandel (VDM)“,

„Betriebswirt/-in Metallhandel (WGM)“.

Diese Wahlmöglichkeit macht eine seit

wenigen Jahren bestehende Kooperation

zwischen dem Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS), dem Verband

deutscher Metallhändler (VDM) und dem

Wirtschaftsverband Großhandel Metallhalbzeug

(WGM) möglich. Alle drei Teilbranchenabschlüsse

sind von der Staatlichen

Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU) genehmigt, markenrechtlich

geschützt und unterliegen dem Qualitätsmanagement

des BDS.

Das gilt seit dem 19.4.17 auch für die

digitalisierte Fassung dieses Weiterbildungsabschlusses.

An diesem Tag hatte

die ZFU auf der Basis einer geänderten

Lehrgangsplanung (unter der Nummer

689217v) eine vorläufige Zulassung

erteilt – u.a. mit der Auflage, das verän-

Sommerpause

Seminarangebote vor und nach

den Ferien

Der BDS-Seminarbetrieb geht mit der Veranstaltung

„Flachprodukte“ in die Sommerpause, nach

den Ferien wird das Programm dann zur „Stahlkunde“

fortgesetzt. Die beiden letzten Seminare

des ersten Halbjahres 2017 haben „Qualitätsund

Edelstähle“ (1./2.6.17 in Lüneburg) thematisiert,

und im Duisburg geht es in der Folgewoche

(8./9.6.17), in der auch dieses Heft

erscheint, vorwiegend um Bleche. Das traditionelle

Seminar „Stahlkunde“ findet – nach der

Sommerpause – erstmals im sächsischen Gröditz

statt (22.-24.8 17), bevor es im September

im Raum Hamburg einen Schulungsschwerpunkt

in Sachen „Verkauf“ gibt – für Auszubildende

und Seiteneinsteiger am 20.9.17, für Fortgeschrittene

am 18./19.9.17. Einzelheiten zu diesen

Angeboten und Anmeldemöglichkeiten hält

der Bundesverband Deutscher Stahlhandel –

BDS AG bereit: Wynands-BDS@stahlhandel.com.

Eine komplette Übersicht zu den BDS-Berufsbildungsterminen

gibt es auf der Rückseite dieses

Heftes.

derte Angebot bis zum 20.9.2020 zu evaluieren.

Dies ist auch deshalb sinnvoll,

weil die Anbieter die bisher knapp 30

per Post verschickten Studienbriefe in

etwa 60 am Bildschirm bearbeitbare Studienmodule

umwandeln, die Präsenzseminare

durch Unterricht in virtuellen

Klassenzimmern ergänzen und einen

Großteil der Kommunikation, auch zu

den Prüfungen, über die elektronische

Bildungsplattform OPAL anbieten. Bei

dieser Gelegenheit der Umstellung wurden

auch Inhalte aktualisiert bzw. einem

Kontinuierlichen Verbesserungsprozess

unterzogen.

Diese Inhalte teilen sich für die drei

beteiligten Großhandelsbranchen des

Stahl-, NE-Metall- und Schrotthandels

auf drei Fachbereiche auf: Technik, Wirtschaft,

Methoden. In der Technik geht

es um ein umfassendes Know-how in

den Bereichen der Werkstoff- und Produktkunde

sowie – vor allem im Stahlhandel

– der Anarbeitung. Themen der

Wirtschaft behandeln kaufmännische

Aspekte (z.B. Marketing, Logistik, Finanzund

Rechnungswesen und Recht) sowie

Gesichtspunkte der Führungskompetenz

(etwa Qualitätsmanagement, Planung

und Controlling, Personalmanagement

und Unternehmensführung).

Schließlich soll die Behandlung methodischer

Themen erstens zur Bewältigung

der Herausforderungen aus diesem

berufsbegleitenden Fernstudium

sowie aber auch allgemein zur Selbstund

Sozialkompetenz beitragen.

Die technischen Themen basieren

für alle drei Teilbranchen auf Gemeinsamkeiten

der Werkstoffkunde, unterscheiden

sich dann aber stark zu den einzelnen

Materialien, Halbzeugen und

Produkten. Aber schon zu den Wirtschaftsfragen

sprechen BDS, VDM und

WGM als Großhandelsverbände wieder

eine weitgehend einheitliche Sprache,

und erst recht im methodischen Teil –

bis hin zum Erwerb der Ausbildereignung

– ziehen die beteiligten Akteure

an einem Strang.

Diese inhaltliche und formale Gliederung

galt auch bisher schon für die studierenden

Gruppen. Im 19. Jahrgang

geht es vom 18. bis 21.6.17 im Rahmen

der Abschlussprüfung um die letzten

Leistungsnachweise. Die Veranstaltung

gliedert sich in eine schriftliche Prüfung

zu den unterrichteten methodischen

Themen, ein eintägiges Assessmentcenter

zur Lösung einer komplexen unternehmerischen

Aufgabe sowie in eine

Präsentation/Verteidigung der eigenen

Studienarbeit.

Die vorzubereiten hat der 20. Jahrgang

gerade begonnen. Er wird im Juni

2018 seine Abschlussprüfung absolvieren.

Für ihn steht nach der Prüfung zu

den Wirtschaftsthemen im November

noch ein Methodenseminar an. Im

Anschluss daran beginnt die gut dreimonatige

Frist, in der die Studienarbeit

geschrieben werden muss. 2

42 Stahlreport 6|17


Verbände und

Politik

Bericht

Leitbranche der Digitalisierung

Jahreskongress der

Elektroindustrie

Sachlich durchaus begründet, aber auch selbst ernannt: Die Elektroindustrie ist –

und sieht sich als – Leitbranche der allgegenwärtigen Digitalisierung. Vor diesem

Hintergrund richtete Chefredakteur Dr. Ludger Wolfgart seinen Blick auf den

ZVEI-Jahreskongress Mitte Mai in Berlin und stellte fest: Der Verband setzt vor

allem auf Bildung, um die aktuellen Herausforderungen bestehen zu können.

So war der ganze letzte Teil des

zweitägigen Kongresses, der unter dem

Motto „Mensch. Maschine. Miteinander“

stand, ganz allein diesem Aspekt

gewidmet. Den Auftakt, wohl auch für

den Bundestagswahlkampf, machte

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin

für Bildung und Forschung, mit

ihrem Beitrag „Innovation und Nachwuchs

– Schlüssel für die digitale Welt

von Morgen“. In ihm listete sie vor

allem die finanzielle Förderung durch

die Bundesregierung auf – u.a. die

5Mrd. € des Digitalpaktes für die technische

Ausstattung von 40.000 Schulen

– und nannte ihre „Ziele für die

kommende Legislaturperiode.

Dass technische Ausstattung allein

nicht reicht, sondern auch gelebt werden

muss, wurde in der zentralen Podiumsdiskussion

des zweiten Kongresstages

deutlich, als Prof. Dr. Jürgen

Handke von der Phillipps-Universität

Marburg dazu aufrief, diese Möglichkeiten

auch zu realisieren. Präsenzphasen

gebe es an seiner Hochschule

nur noch für die Vermittlung von Sozialkompetenz,

ansonsten setze man für

den Unterricht und bei Prüfungen konsequent

auf virtuelle Räume.

Das Heben solch ganzheitlicher

Wirtschaftlichkeitsreserven beeindruckte

auf dem Podium offenbar auch

Dr. Karl-Ulrich Köhler, Vorsitzender

der Geschäftsführung im Hause Rittal.

In seiner konzerngeprägten Stahlzeit

habe er die beginnende Digitalisierung

nur produktionsprozessorientiert

erlebt. Jetzt, im Mittelstand, schätze er

vor allem den komplexen Vernetzungsansatz.

Der erzeuge einen entscheidenden

Mehrwert für alle Beteiligten.

Motto

Damit hatte der frühere Stahlmanager

das Motto des Kongresses auf den

Punkt gebracht, den der Zentralverband

der Elektroindustrie (ZVEI) unter

der Überschrift „Mensch. Maschine.

Miteinander“ durchführte. Der in Berlin

in dieser Funktion wiedergewählte

ZVEI-Präsident Michael Ziesemer hatte

bereits in seiner Begrüßung auf diesen

Mehrwert und auf die aktuelle Herausforderung

für die Elektroindustrie als

Leitbranche der Digitalisierung hingewiesen.

Die hatte übrigens kürzlich in

einer Umfrage ermittelt: Mangelndes

Fachwissen ist das Hemmnis Nr. 1 bei

der Digitalisierung.

Diesen Ansatz griff im Übrigen am

ersten Kongresstag auch Brigitte

Zypries auf, Bundesministerin für Wirtschaft

und Energie. Digitalisierung

brauche Inklusion, weil alle Beteiligten

mitgenommen werden müssten. Auch

deshalb würden gegenwärtig 300 Ausbildungsordnungen,

für die das Ministerium

zuständig ist, dahingehend überarbeitet,

wie sie in Zusammenarbeit

mit den Sozialpartnern und im Rahmen

der traditionellen Neuordnung in

Sachen Digitalisierung zukunftssicher

aufgestellt werden können.

Da passte es gut, dass in seinem

anschließenden Beitrag Dr. Volkmar

Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung

der Robert Bosch GmbH, in

seinen Ausführungen zu der „rhetorischen

Frage“ „Das Internet der Dinge

– Zukunftsvision oder bereits Realität?“

an das Moore’sches Gesetz, wonach

sich die Rechnerleistung alle 18 Monate

verdoppelt, und an das Gesetz von Nielsen

über eine ähnliche Dynamik der

Kommunikation erinnerte.

In Deutschland würden sich gegenwärtig

31 % der Gesamtbevölkerung

als digitale Vorreiter bezeichnen, 43%

als digital Mithaltende und 26 % der

Gesamtbevölkerung als digital abseits

Stehende. Selbst für die zweitgenannte

Gruppe reiche es für eine Anpassung

an die Realitäten nicht, und die dritte

Gruppe sei längst abgehängt. „Vernetzung

bietet viele Chancen und ist heute

schon Realität. Die großen Veränderungen

aber kommen erst noch“, so

formulierte Denner.

In welchen Bereichen die anstehen,

das machte der ZVEI-Kongress

durch zahlreiche Beiträge deutlich:

zum Smart Living ebenso wie zum

Smart Home, zur Gesundheitsversorgung

und zur Mobilität, zur Chemie

ebenso wie zur künstlichen Intelligenz.

Und für alle diese Sektoren machte der

ZVEI einen Führungsanspruch der

Elektroindustrie deutlich – auf der

Basis der in der Branche erzeugten

Produkte und Services.

Märkte

Dies alles spielt sich zudem auf Märkten

in Bewegung ab: Prof. Dr. Christoph

M. Schmidt, Vorsitzender der sogenannten

Wirtschaftsweisen, zeigte in

seinem Vortrag „Erleben wir das Ende

der Globalisierung? Worauf sich exportorientierte

Industrien einstellen müssen.“

auf: Die kurzfriste Aussichten

sind günstig, aber es gibt langfristig

große Herausforderungen – etwa durch

den Brexit oder angesichts der Unsicherheiten

zur weiteren europäischen

Integration.

Zu berücksichtigen sei außerdem,

dass der Markt für digitale Geschäftsmodelle

in Europa nur etwa halb so

groß ist wie in den USA. Einwohnerbezogen

stünden 54 Mrd. € Potenzial

500 Mio. Menschen in Europa gegenüber

und 115 Mrd. € rund 319 Mio. US-

Bürgern.

Fazit des Referenten: „Der kurzfriste

Optimismus sollte uns nicht verleiten,

die langfristigen Risiken nicht

zu erkennen.“ 2

Stahlreport 6|17

43


Verbände und

Politik

Berichte/Nachrichten

Foto: BDS

Berliner Stahldialog

Gut platziert

Als gleich mehrfach gut platziert erwies sich einmal mehr der „Berliner Stahldialog

2017“, zu dem die Wirtschaftsvereinigung Stahl Mitte Mai in die deutsche Hauptstadt

eingeladen hatte. Die von Chefredakteur Dr. Ludger Wolfgart stammende Einschätzung

von der gelungenen Platzierung betrifft zeitliche, politische sowie geografische

Aspekte und fokussiert besondere Themen: Nachhaltigkeit, Handel, Bildung.

Stahl ist bedeutsam für die

Wirtschaft, und die entsprechende

Industrie blickt in diesen Zeiten auf

deshalb wichtige politische Entscheidungen.

Mit einer solchen Zusammenfassung

der aktuellen Herausforderungen

hatte Hans Jürgen Kerkhoff,

Präsident der Wirtschaftsvereinigung

Stahl, im gut besuchten

Innenhof der Hauptstadtrepräsentanz

der Deutschen Bank in seiner

Begrüßung in das knapp zweistündige

Programm eingeführt und dabei

insbesondere die Umwelt- und die

Wirtschaftspolitik angesprochen.

z Da traf es sich zeitlich gut, dass die

Bundeswirtschaftsministerin für

Wirtschaft und Energie für ihre

Keynote zwischen zwei Reisen nach

China und in die USA vorbeischaute.

Nachdem sie in Peking die

350 Mio. t Stahl-Überkapazitäten

angesprochen hatte und bevor sie

in Washington die Dumpingvorwürfe

zur Sprache bringen konnte,

versicherte Brigitte Zypries der versammelten

Stahlprominenz eine

gleiche Sicht der Dinge in Wirtschaft

und Politik.

z Zu diesem Gleichklang passte, dass

Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, ehemaliger

Richter am Bundesverfassungsgericht,

den von Hans Jürgen

Diskutierten in großer

Einigkeit und mit viel

Sachverstand kritische

Stahlthemen: (v.l.n.r.)

Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg

Fuhrmann, Hubertus

Heil, Dr. Simone Peter

und Dr. Joachim Pfeiffer

– unter der Moderation

von Alfons Frese

Kerkhoff angesprochen konkreten

Entscheidungsbedarf den Grundprinzipien

der Europäischen Union

zuordnete und in seinem Impulsvortrag

Handel sowie Bildung als

wesentliche Aktionsfelder definierte.

In seinem historisch angelegten

Vortrag erinnerte er insbesondere

an die wichtigsten politischen

Prinzipien: „Die EU ist auf

Wirtschaftsintegration konzipiert.“

z Und drittens schließlich spielte die

Dialogveranstaltung in Berlin ihre

geografische Platzierung aus. Wohl

nur in der deutschen Hauptstadt

kann man hochkarätige Parteienvertreter

zu einer Diskussion und

zu einem eindeutigen Bekenntnis

für den Stahlstandort Deutschland

zusammenbringen: Hubertus Heil

(SPD), Dr. Simone Peter (BÜNDNIS

90/DIE GRÜNEN) und Dr. Joachim

Pfeiffer (CDU) tauschten sich unter

der Gesprächsleitung von Alfons

Frese (Tagesspiegel) mit Prof. Dr.-

Ing. Heinz Jörg Fuhrmann (Salzgitter)

aus.

Dabei zeigte sich nicht nur eine

bemerkenswerte Einigkeit hinsichtlich

der Unterstützung der von Hans

Jürgen Kerkhoff angesprochenen Problemthemen,

auch konnte man

Lobby- als Bildungsarbeit erkennen.

Wieder einmal glänzten die Parteienvertreter

durch die Bank mit

bemerkenswerter Sachkenntnis –

vor allem in stahltechnischen Fragen

– die zu weitgehend gleichlautenden

Schlussfolgerungen führte.

Nachhaltigkeit

So bekannte sich die Diskussionsrunde

– weitgehend einig – zu den

Grundsätzen der europäischen Klimapolitik,

mahnte aber unter Verweis

auf die ökologischen, ökonomischen

und sozialen Aspekte der

Nachhaltigkeit gleichzeitig mit unterschiedlicher

Intensität zu viel Au -

genmaß.

Das hatte zuvor bereits Britte

Zypries sprachlich auf den Punkt

gebracht, als sie unter Beifall formulierte,

dass das Ziel eines 20-prozentigen

Industrieanteils in der deutschen

Wirtschaft nicht gegen das Ziel

einer 20-prozentigen Reduktion der

Emissionen ausgespielt werden dürfe.

Handel

Ähnlich konsensfähig waren die Einschätzungen

zu dem, was in der Handelspolitik

zu geschehen habe. Besonders

eindrucksvoll wandte sich in

diesem Zusammenhang Dr. Simone

Peter gegen jede Form von „Nationalismus

und Protektionismus“.

Auch zu diesem Themenbereich

hatte die Bundeswirtschaftsministerin

bereits vorher angekündigt, in

den Folgetagen in den USA intensive

Gespräche führen zu wollen. Sie

vermute hinsichtlich der Dumpingvorwürfe

gegen Salzgitter entweder

einen Rechenfehler oder ein Übersehen

internationaler Vereinbarungen.

Bildung

Auch das waren Hinweise auf die

Notwendigkeit von Bildungsmaßnahmen,

die zur Erholung der Stahlmärkte

einen wesentlichen Beitrag

leisten müssten.

Das flammendste Plädoyer für

mehr Bildung enthielt allerdings der

Redebeitrag von Professor Di Fabio, der

zur Restrukturierung der EU neben

der Einigung auf eine faire Wettbewerbsordnung

auch forderte, sich auf

die Integrationskraft einer funktionalen

Berufsbildung zu besinnen. 2

44 Stahlreport 6|17


Steels in Cars and Trucks 2017

Zwei Konferenzziele

Unter dem Motto „Steels in Cars and Trucks 2017“ findet vom

18.-22.6.17 in Amsterdam-Schipol die nächste SCT-Konferenz

statt – mit zwei Zielen:

Eines der beiden Ziele der SCT

„Bringing the automotive, supplier and

steel industries together“ unterstreicht,

was die moderne Stahlindustrie will:

Partnerschaften über Wertschöpfungsketten,

die aus Industrie, Forschung

und Entwicklung entstehen. Das zweite

Motto der SCT ist „Future Trends in

Steel Development, Processing Technologies

and Applications“. Die Fähigkeit,

eines der ältesten und zugleich

innovativsten Materialien der Mensch-

heit neu zu definieren, spiegelt sich im

weltweit steigenden Bedarf an Stahlprodukten

wider.

Über 400 Besucher werden auf

der SCT 2017 erwartet, mehr als die

Hälfte aus dem internationalen

Umfeld. Eine Mischung aus Vertretern

der Stahlindustrie sowie der

Automobil- und Zuliefererindustrie

von 50:50 ist charakteristisch für die

SCT und will auf diese Weise den aktiven

Austausch und die Intensivierung

der Netzwerke zwischen Stahlproduzenten,

Automobilherstellern und

Zulieferern fördern.

Hans Jürgen Kerkhoff, Vorsitzender

des Stahlinstitut VDEh und Präsident

der Wirtschaftsvereinigung Stahl

(WV Stahl), beginnt die Eröffnungssitzung

mit dem Keynote Vortrag: „Global

challenges – Regional perspectives“.

Ihm folgen Anand Sen, President

TQM & Steel Business, Tata Steel Ltd.,

India, mit einem Vortrag zu „A strategic

partner in the global automotive

industry: The Tata Steel case study“

sowie Johan Zijp, Manager Central

Laboratory, DAF Trucks, Niederlande,

mit einer Präsentation unter dem Titel

„Developments in steel use for modern

trucks“. Hans Fischer, CEO, Tata Steel

Europe, The Netherlands, schließt die

Eröffnungssitzung mit dem Vortrag:

„Steels in Cars and Trucks 2017: Let’s

make the difference“ und der Eröffnung

der Ausstellung.

Der Hauptsponsor der SCT 2017,

Tata Steel, lädt am 20. Juni zu einem

exklusiven Nachmittagsprogramm

inklusive einer Führung durch das

Werk IJmuiden sowie zu einem Abend -

event gemeinsam mit dem Stahlinstitut

VDEh im Louwman Museum in

Den Haag ein. 2

[ Kontakt ]

Mehr Informationen

zu dieser Veranstaltung

gibt es auf der

Website

www.sct2017.com.

In Stuttgart und Leipzig:

Seminare über Kranbahnen

Jede zweite neue Kranbrücke wird auf

eine bereits bestehende Kranbahn gestellt.

Neben dem Neubau von Kranbahnträgern rückt

daher auch der Umgang mit Bestandskranbahnen

immer stärker in den Vordergrund.

Auch 2017 bietet bauforumstahl deshalb wieder

in Kooperation mit der Akademie der Ingenieure

zwei iforen „Kranbahnen aktuell“ an

(20.6. und 8.11.).

Diesmal geht es neben dem Neubau schwerpunktmäßig

um Ertüchtigung, Umbau und

Sanierung von Kranbahnen. Die Tagung verfolgt

das Ziel, notwendiges Wissen zu vermitteln,

Anwendungsbeispiele zu präsentieren

und praktische Fragestellungen exemplarisch

zu beantworten. Am 20. Juni findet die

Tagung bei Stuttgart statt, am 8. November in

Leipzig. Zielgruppe der eintägigen Veranstaltung

sind Tragwerksplaner, Prüfingenieure,

Stahl- und Industriebauunternehmen, Kranhersteller

sowie Behördenvertreter. Die neun

Vorträge behandeln folgende Themen:

z Einwirkungen, Einwirkungskombinationen,

Berechnung und Querschnittsnachweise

nach Eurocode

z Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit

und der Gebrauchstauglichkeit

z Nachweis der Ermüdungsfestigkeit

z Wirtschaftliche Bemessung mit Walzprofilen

für Neubau und Austausch

z Kranbahnen im Bestand. Weiternutzung

oder Neubau?

z Sanierung von Krananlagen

z Anforderungen bei Umbau, Ertüchtigung und

Sanierung aus Sicht eines Kranherstellers

z Praxisgerechte Berechnung und Konstruktion

der Auflagerung und Toleranzen bei der

Montage

z Anforderungen an die geometrische Abnahme

Informationen und Anmeldemöglichkeiten für

den 20.6. in Stuttgart: www.akademie-deringenieure.de/kranbahnen-s.

Stahlrohre:

Erholung in Sicht

Bei der alljährlichen Mitgliederversammlung

der Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

sendete der Verbandspräsident

Andreas Denker im Mai leicht positive

Signale für die Marktentwicklungen im

Jahr 2017. Im Vorjahr musste die globale

Stahlrohrproduktion nach sechs Jahren

stetigem Wachstum einen Dämpfer verkraften.

165,2 Mio. t wurden hergestellt.

Niedriger als im Vorjahr fiel die Stahlrohrproduktion

in Nordamerika, der GUS und

in China aus. Die EU-Stahlrohrindustrie

und auch die deutschen Werke konnten

ihre Produktion etwas ausweiten. Als

Hauptgrund für den weltweiten Rückgang

wird die 2016 zu spürende Investitionszurückhaltung

in der Energieindustrie angesehen.

Für 2017 wird eine leichte Steigerung

der globalen Stahlrohrproduktion

prognostiziert. Nachholbedarfe und die

gute konjunkturelle Entwicklung in den

meisten Industrieländern dürften für

diese Entwicklung sorgen.

Stahlreport 6|17

45


Wissenswertes

Berichte

Fraunhofer-Allianz Bau zeigte aktuelle Forschungsprojekte

Faszinierend!

Die Herausforderungen für das Bauwesen sind in den letzten Jahren nicht kleiner geworden: mangelnder

Wohnraum, die Digitalisierung in der Branche und geforderte Energieeffizienz verlangen kreative

Lösungen von Industrie, Politik und Wissenschaft. Auf der BAU 2017 Anfang des Jahres in München

hatten die 14 Institute der Fraunhofer-Allianz Bau aktuelle Forschungsprojekte präsentiert.

Foto: Fraunhofer IAO/Bernd Müller

Daniel Düsentrieb hätte auf

dem Messestand der Fraunhofer-Allianz

Bau seinen Spaß gehabt. In dem

„Stadtlabor“, das die Forschungsinstitute

für die Besucher aufgebaut hatten,

gab es eine Reihe spannender

Wissenschaftsprojekte zu sehen, die

möglicherweise die Zukunft des Bauens

beeinflussen.

Digitaler Zwilling

Wenn von der Zukunft des Bauens die

Rede ist, steht BIM im Zentrum. Das

Building Information Modeling ist auch

für die Fraunhofer-Forscher ein wichtiges

Thema. BIM steht allgemein für

die Virtualisierung und Vernetzung

von Prozessen und Informationen rund

um das Bauen. Besucher der BAU hatten

im Themenbereich „Digitales Planen,

Bauen und Betreiben“ auf dem

Stand die Möglichkeit, anschaulich zu

erfahren, wie BIM in der Praxis funktionieren

kann.

Ein sogenannter Digital Twin hat

z.B. einen virtuellen Raum als erlebbares

3D-Modell zugänglich gemacht.

Dabei vereint der digitale Gebäudezwilling

die Datenmodelle des Gebäudes

mit denen der Nutzungsprozesse

und wird somit zu einem synchronen

Abbild des Gebäudes. Mit der speziellen

Virtual-Reality-Technik können

sich auch Laien über jeweiligen Planungsstände

anschaulich informieren.

Sichere Lebensräume schaffen

Zivile Sicherheit ist ein großes Thema

für Gebäude- und Stadtplaner. Die

erforderliche Risikoanalyse ist normalerweise

ein langwieriger Prozess. Die

Software VITRUV vereinfacht diesen

Prozess. Mit VITRUV können schon

in der Entwurfsphase ganze Quartiere

strukturell analysiert werden, um

Sicherheitsschwachstellen zu identifizieren

und konkrete Maßnahmen

zur Risikominimierung vorzuschlagen.

Bei der energetischen Optimierung

von Gebäuden spielen Fassaden

eine zentrale Rolle. Bislang basieren

solarthermische Produkte in der Regel

auf durchströmten Bauteilen aus

Metall. Mit diesem Stand der Technik

werde der Gebäudeintegration und

architektonischen Aspekten jedoch oft

wenig Rechnung getragen. Im Projekt

TABSOLAR II verfolgen die Fraunho-

fer-Wissenschaftler den neuartigen

Ansatz, solarthermische Kollektoren

aus Ultrahochleistungsbeton (UHPC)

herzustellen. Auf der BAU 2017 präsentieren

sie u.a. eine Beispielinstallation

einer solarthermischen Fassade

aus UHPC. Die multifunktionalen

Niedertemperaturbauteile haben me -

chanische, thermisch aktive (Fluid

durchströmt), thermisch passive (Wärmedämmung)

sowie gestalterische

Funktionalität und können als Wände,

Decken oder Böden eingesetzt werden.

Weitere Projekte waren auf dem

Fraunhofer-Stand u.a. ein System zur

vertikalen Begrünung von Wänden,

neuartige Stromzähler, die mit Hilfe

von Algorithmen das Energiemanagement

verbessern sollen, eine Monitoring-Plattform

für Brückensanierungen

sowie eine Reihe von Ansätzen, das

Arbeiten in Büros mit neuer Akustikund

Klimatechnologie gesünder und

angenehmer zu gestalten. 2

[ Info ]

Weitere Informationen zur Fraunhofer-

AllianzBau und zu den Projekten:

www.bau.fraunhofer.de

46 Stahlreport 6|17


Angela Merkel besuchte ReDI School of Digital Integration

Kanzlerin lobt Programmieren

für Geflüchtete

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat die ReDI School of Digital

Integration in ihren neuen Räumen bei kloeckner.i, der Digitaleinheit

von Klöckner & Co, in Berlin besucht. Dabei überzeugte sie sich

davon, wie die hochmotivierten Geflüchteten moderne Programmiersprachen

und -techniken erlernen, welche Projekte bereits

erfolgreich umgesetzt wurden und welche Ziele sie als Nächstes

verfolgen.

Neben dem ausdrücklichen

Dank für die Initiative betonte Bundeskanzlerin

Merkel bei ihrem Be -

such Ende April, dass man gar nicht

genug versuchen könne, die Flüchtlinge

in Kontakt zu den verschiedenen

gesellschaftlichen Punkten zu

bringen. „Da ist ReDI School ein sehr,

sehr gutes Angebot“, erklärte Angela

Merkel.

In der gemeinnützigen Schule

lernen Geflüchtete kostenfrei Programmieren

oder erweitern ihre

bereits bestehenden Programmierkenntnisse.

Geleitet wird der Unterricht

von ehrenamtlichen Entwicklern

und Programmierern aus

IT-Unternehmen und Start-ups. Die

ReDI School vernetzt zudem ihre

Absolventen mit interessierten

Unternehmen und Start-ups, um

ihnen den Berufseinstieg bzw. -wiedereinstieg

zu erleichtern. Unterstützt

wird die Schule von Partnern

aus der Wirtschaft – zum Beispiel

dem Hauptsponsor Klöckner & Co.

Erste Absolventen in feste

Anstellung übernommen

Anne Kjaer Riechert, Mitgründerin

und Managing Director von ReDI,

freut sich, dass ihr Konzept aufgeht:

„Von Anfang an war es uns wichtig,

das Potential der Geflüchteten genau

dort zu heben, wo die Zukunft unserer

Kommunikation in Wirtschaft

und Gesellschaft liegt: in der Programmiersprache.

Dafür kooperieren

wir eng mit Unternehmen. Dass erste

Absolventen jetzt schon in eine feste

Anstellung übernommen wurden,

wie bei kloeckner.i, ist für uns die

Foto: kloeckner.i

Kanzlerin Dr. Angela Merkel besuchte die

ReDI School of Integration und lobte das

Konzept, Flüchtlinge in einem so modernen

und zukunftsfähigen Beruf auszubilden

und nach erfolgreichem Abschluss

auch anzustellen (links Klöckner-CEO

Gisbert Rühl, in der Mitte Absolvent Rami

Rihawi).

schönste Bestätigung unserer Arbeit.

Der Besuch der Bundeskanzlerin Dr.

Angela Merkel hat das ReDI-Team

sehr berührt und ist zusätzliche Motivation

für unser weiteres Wachstum.“

Für Gisbert Rühl, Vorsitzender

des Vorstands von Klöckner & Co, ist

die Integration von Geflüchteten in

unsere Gesellschaft eine wichtige

Aufgabe im Rahmen der sozialen

Verantwortung deutscher Unternehmen:

„Wir waren von Beginn an

begeistert, wie sich junge Menschen

aus der Start-up-Szene für Gleichaltrige

aus Krisenregionen einsetzen.

Geflüchteten wird damit eine

Chance gegeben, ihr Leben weiter

selbst in die Hand zu nehmen. Die

ReDI-Partnerunternehmen werden

ihrerseits mit talentierten Entwicklern

zusammengebracht – eine echte

Win-win-Situation.“ 2

Jahrestagung der

Arbeitsgemeinschaft Fernstudium

Digitalisierung verändert

das Angebot

Im Zeitalter der Digitalisierung steht

auch das klassische Fernstudium unter Veränderungsdruck

und Legitimationszwang

(vgl. den Bericht zur Tagung der Ausbildungsleiter

in diesem Heft). Diese Entwicklungen

greift die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft

Fernstudium in den beiden

letzten Junitagen an der Hochschule für

Wirtschaft und Recht in Berlin auf.

„Das selbstorganisierte Lernen ist kein

exklusives Merkmal mehr, Studientexte und

E-Learning-Methoden werden in vielen

anderen Bildungsbereichen ebenfalls

erfolgreich eingesetzt. Neben den etablierten

Fernstudienanbietern integrieren immer

mehr Hochschulen und Einrichtungen der

Erwachsenenbildung digitalisierte Weiterbildungsangebote

in ihre Leistungsportfolios.

Über Open-Access-Initiativen und Massive

Open Online Courses (MOOCs) werden

neue wissenschaftsbasierte Lernangebote

für sehr große Teilnehmerzahlen möglich.

Das Bildungsformat ,Fernstudium‘ droht,

sein Erkennungsmerkmal und seine originäre

Funktion zu verlieren, wenn es nicht

selbst die digitalen und gesellschaftlichen

Trends aufgreift, sich entlang der veränderten

Bedürfnisse erneuert.“ So heißt es im

Einladungstext zu dieser Tagung.

Die beginnt am Donnerstag, 29.6.17, u.a.

mit einer Keynote und einem Impulsvortrag.

Der zweite Tagungstag bietet zunächst Vorträge

von Expertinnen und Experten zu

unterschiedlichen Teilthemen und dann

eine interaktive Arbeitsphase zu der Frage

„Wie wandelt sich das Fernstudium?“

[ Info ]

Für die Organisation der Veranstaltung und

das Tagungsbüro vor Ort ist Sylvia Stamm

zuständig. Sie gehört zum Sprecherrat der

Arbeitsgemeinschaft Fernstudium (AG-F):

sylvia.stamm@hwr-berlin.de.

Stahlreport 6|17

47


Lifesteel

Bericht

Der Herkulesbrunnen als einer der drei Prachtbrunnen in der Maximilianstraße in der Oberstadt.

Wasserwerk am Hochablass.

Augsburg bewirbt sich (auch) mit Metall um den Titel als Weltkulturerbe

Energieversorgung und Trinkwasser

Augsburg hat sehenswerte Wasseranlagen, in denen die Energie nicht nur für die frühen metall -

verarbeitenden Betriebe gewonnen wurde. Die Stadt will sich mit ihrem einmaligen Ensemble

aus Wirtschaft, Technik und Brunnenkunst um den Status eines kulturellen Welterbes bewerben.

Peter Becker hat sich in der bayerischen Stadt umgeschaut und ist dort auf viel Metall gestoßen.

Fotos (v.l.): Reinhard Paland, Felix Hartmann, Peter Becker

Bereits im Jahr 1421 arbeitete

in Augsburg jenes Wasserwerk, das

bis 1879 in Betrieb war und heute

Touristenattraktion ist. Es galt schon

im 15. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit,

als zahlreiche Experten aus ganz

Europa in die Stadt am Lech kamen,

um das technische Wunderwerk zu

inspizieren und Anregungen für

eigene Projekte zur Wasserversorgung

mitzunehmen.

Denn: Trinkwasser wurde damals

in den Städten normalerweise entweder

aus Brunnen hochgeholt oder

in Zisternen gesammelt; im Fall einer

Verunreinigung konnten schnell Seuchen

ausbrechen.

Augsburg hingegen bezog sein

Trinkwasser über Kanäle aus dem

heutigen Naturschutzgebiet Stadtwald

und beförderte es mittels Wassertürmen

und Fallrohren in die Ober-

stadt. Das war sensationell für die

Zeit um 1450. Und es gab in den Vierteln

der Reichen sogar so viel an fließendem

Wasser, dass man schon um

1600 damit prächtige Schaubrunnen

betreiben konnte.

Die Armen hingegen holten sich

das kostbare Nass weiterhin mit dem

sprichwörtlichen Krug von einem

Brunnen.

Pumpen

Vermutlich aus Italien war die Technologie

der Kolbenpumpen gekommen,

derer man sich in Augsburg

bediente: In mehreren Takten, vergleichbar

dem Zylinder im Automotor,

drückten sie das Wasser zunächst

in die Türme der ehemaligen Festungsanlagen.

Die hatten im Obergeschoss

neuerdings Kupferkessel als

Reservoir, und von diesen Hochbehältern

stürzte es wieder in die Tiefe,

um am Ende der Rohrleitung in die

Oberstadt aufzusteigen.

Diese Oberstadt war von den

Römern strategisch günstig auf einem

Plateau zwischen den Flüssen Lech

und Wertach angelegt worden.

In einem weltweit einmaligen

Ensemble am Roten Tor sind drei der

alten Wassertürme und u.a. das Haus

des Brunnenmeisters erhalten geblieben.

Woher aber kam die Energie für

diese Pumpenanlagen?

Räder

Das nun ist der zweite Aspekt der

Bewerbung um den Welterbestatus.

Neben den Trinkwasserkanälen hatten

die Augsburger nämlich auch das

Wasser des Lech auf vielfältigen

Wegen in die Unterstadt geführt. An

48 Stahlreport 6|17


Wasserrad in einem Kanäle der Unterstadt.

diesen Gräben standen Wasserräder,

die neben den Pumpenanlagen auch

etwa die Hammerwerke wie die Alte

Schmiede oder die Mühlen betrieben.

Für das Jahr 1761 listete der damalige

Stadtbrunnenmeister Caspar Walter

34 Mühlen mit 64 Wasserrädern

im Stadtgebiet auf, darunter neun

Silber-, Kupfer-, Eisen- und Pfannenhämmer.

Sie legten den Grundstein

für Augsburgs lange Tradition der

metallverarbeitenden Industrie.

Inzwischen ist ein Großteil dieser

Gräben in der Unterstadt wieder

instandgesetzt – allerdings sieht der

Besucher zunächst nicht viel davon.

Denn auf den ersten Blick erwartet

man hinter den schmiedeeisernen

Gittern vor den Häusern nur Vorgärten.

Dann aber hört man das unablässige

Blubbern aus den Wasserläufen

und sieht die Brückchen, die zu

den Haustüren führen.

An einer Stelle liegen gar fünf

solche Gräben nebeneinander. Dazwischen

gibt es jeweils eine Straße und

eine Häuserreihe. Die Straßen tragen

die Namen der Gräben, hier: Hinterer

Lech, Mittlerer Lech, Vorderer

Lech, Sparrenlech und Stadtgraben.

Meist aber ist die Namensgebung für

Außenstehende nicht recht verständlich,

zumal mancher Graben nach

kurzem Lauf schon wieder umbenannt

wird.

Kuriosität im Netz der Gräben:

Am Haus ‚Bei den Sieben Kindeln‘

wird ein Wasserlauf in einem Trog

über einen anderen hinweggeführt.

Aus Gusseisen ist die Konstruktion.

Sie ruht auf sechs Eisenpfeilern und

trägt an einer Seite stolz das Wappen

Augsburgs, weshalb sie Zirbelnuss-Kanal-Brücke

heißt.

Übrigens: Die Gräben dienten

ehemals auch der Entsorgung allen

Abfalls.

Rohre

Selbst in Augsburgs wegweisender

Trinkwasserversorgung aber stellte

das Material für die Leitungen ein

Weitere Wasser-Aspekte in Augsburg

unlösbares Problem dar. Die Rohre

waren nämlich ausgebohrte Baumstämme.

Im ungünstigen Fall mussten

sie alle paar Jahre ausgetauscht

werden (was auch für die Wasserräder

galt). Zudem hatte das aus ihnen

stammende Trinkwasser einen muffigen

Geschmack.

Dennoch beachtlich: Im Jahr 1764

ging vom Großen Wasserturm eine

Leitung mit mehr als 3,4 km Länge

in die Oberstadt ab. Ähnliche Strecken

erreichten die Rohre von den anderen

Hochbehältern.

Erst ab 1848 wurde das Problem

der Holzrohre gelöst, nämlich durch

Gusseisen als modernes Material.

Verbessert wurde in jenen Jahren

auch die Pumpentechnik: Hatte

der Kupferkessel im Großen Wasserturm

ehemals ein Volumen von 3.645

z Hydrotechnische Modelle im Maximilianmuseum

z Am Hochablass zieht sich ein Stauwehr quer durch den Lech

z Über 30 Kraftwerke unterschiedlicher Größe gewinnen im Augsburger

Stadtgebiet Strom aus Wasserkraft

z Viadukt

z Festungsgräben

3

Stahlreport 6|17

49


Lifesteel

Bericht

[ info ]

www.augsburgtourismus.de/

welterbe.html

3

Litern (= 3,645 Kubikmeter) gehabt,

lieferte im Jahr 1850 das komplette

Ensemble am Roten Tor 144 Kubikmeter

pro Stunde.

Von den künstlerischen Seiten

des Trinkwassers künden die

berühmten drei Prachtbrunnen in

der Oberstadt. Sie entstanden um

1600 und dokumentieren eindrücklich

den Reichtum der Bürger, unter

denen insbesondere die Fugger zu

nennen sind.

Spektakulär für Freunde der

Industriekultur ist das Wasserwerk

am Hochablass. Es wurde um 1880

in Betrieb genommen und löste die

insgesamt sieben Wasserwerke mit

neun Türmen ab, wie es in dem Buch

„Augsburgs Wasserwirtschaft“ (Martin

Kluger, context Verlag, 2015) heißt.

Die Maschinenhalle zeigt die mächtigen

Schwungräder aus Eisen, mit

denen die Pumpen betrieben wurden.

Übrigens wurde für den Antrieb

auch in diesem Fall das Wasser des

Lech genutzt.

Auch das Wasserwerk an der

Wolfzahnau zeigt solche eiserne

Maschinen.

„Bis August wird die Stadt ihre

Bewerbung beim bayerischen Kultusministerium

abgeben“, sagt Ulrich

Müllegger, zuständig für das Thema

bei der Stadtverwaltung. Über das

Ministerium gehen die Unterlagen

dann an das Auswärtige Amt und

Kanalüberquerung am Haus „Bei den Sieben Kindeln“.

Wassertürme in Augsburg: im Vordergrund der Große Wasserturm, dahinter verdeckt

der Kleine Wasserturm, rechts der Kastenturm. Im Hintergrund in der Oberstadt die

Basilika St. Ulrich und Afra. Der Turm links gehört zum Roten Tor.

von dort zur Vorprüfung an das

Unesco-Welterbezentrum in Paris.

Eventuell könnte Augsburg 2019

den begehrten Titel bekommen.

„Jedoch muss man realistisch sein

und festhalten, dass zum Beispiel

Regensburg oder der Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe

zwei Anläufe

brauchten“, sieht Müllegger die Dinge

sehr nüchtern.

Denn die Messlatte der Unesco

ist hoch gelegt. So will sie in den Konzepten

der Bewerber neuerdings auch

Kanal beim Brechthaus in der Unterstadt.

Aspekte wie Bildung sehen. Augsburg

kooperiert dafür mit den Hochschulen

am Ort und ebenso den Gymnasien

und der Volkshochschule.

Schon traditionell richtet man ein

reichhaltiges Kulturprogramm um

die Geschichte der Stadt aus, wie es

die Unesco erwartet.

Den Sport als Teil des Bewerbungskonzepts

kann Augsburg ohne

Mühe nachweisen: am Lech gibt es

die Wildwasserstrecke der Olympischen

Spiele 1972 in München. 2

Fotos: Christine Pemsl Fotos: Reinhard Paland

50 Stahlreport 6|17


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2017

Seminarthema Termin Tagungsort

Flacherzeugnisse (Seminar) 08.-09.06. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.08. Gröditz

Neue A-Kunden gewinnen und Anfragen

professionell managen (Verkauf I) (Seminar) 18.-19.09. Norderstedt

Verkauf (Lernteam) 20.09. Norderstedt

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 19.-20.09. Duisburg

Stahlhandelstag 28.09. Darmstadt

Rohre aus Edelstählen (Seminar) 09.-10.10. Monschau

Nichtrostende Stähle (Seminar) 16.-17.10. Aachen

Mehr Aufträge durch professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung

(Verkauf II) (Seminar) 25.-26.10. Nürnberg

Betonstahl (Seminar) 07.-08.11. Kehl

Stahlkunde (Seminar) 06.-08.12. Gengenbach

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Max-Planck-Straße 1 · 40237 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

E-MAIL: WYNANDS-BDS@STAHLHANDEL.COM

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