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E_1931_Zeitung_Nr.074

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fiel ihm auch der Punkt

fiel ihm auch der Punkt ein, über den sie beide immer verschiedener Ansicht gewesen waren. Während er am liebsten; zarte, einsame Stunden mit ihr bei einem Ql,äs Whisky in ihrem kleinen Wohnzimmer ^verbringen wollte, hatte sie jeden Abend ausgehen wollen, hatte verlangt, dass er mit ihr in Restaurants, Tanzbars, auf grosse Bälle gehen solle. Ihre in freundlich besorgtem Ton gestellte Frage kam ihm zu Hilfe i[ «Fehlt dir etwas? Du kommst mir so verstimmt vor? » Er stellte das Grammophon ab, tat einen langen Zug aus seiner Pfeife und setzte dann, eine Terz tiefer als gewöhnlich, ein: «Ich bin verstimmt — ich habe Sorgen — schwere Geldsorgen. Ich hatte Riesenverluste in den letzten Monaten und werde meine ganze Lebenshaltung ändern müssen. Auf jeden Luxus, auf alle Vergnügungen werde ich verzichten müssen» > Renee reckte sich lachend, als ob man ihr einen grossaTtigen Witz erzählt hätte. Dann erhob sie sich, ging auf Theo zu, legte beide Hände auf seine Schulter und sagte in liebevoll belustigtem Ton: i «Tu doch nicht, als ob das ein grosses Unglück wäre. Heutzutage hat doch kein Mensch mehr Geld. Es ist geradezu modern, sparsam zu sein. > Theo fühlte, wie seine Knie schwach werden. Es war also aussichtslos. Für ihn gab es keinen Zweifel mehr. Ren£e liebte ihn, liebte ihn um seiner selbst willen und war entschlossen, alles mit ihm zu tragen. Nie in seinem ganzen Leben würde er von ihr loskommen. Er sank in einen, Sessel und starrte ratlos auf ein japanisches Aquarell auf der Wand. Plötzlich richtete sich der Hund auf und spitzte die Ohren. Es klingelte. ',. Renee sah auf ihre Armbanduhr. Glown sprang mit zornig heulendem Gekläff zur Tür, die rasch geöffnet 'wurde. Ein junger Mann, gross, gut angezogen, und mit sorglos vergnügtem Lächeln auf dem jungen Gesicht, trat ein. Beim ersten Schritt, den er in Richtung Renees machte, hing Clowns schäumende Hundeschnauze mit wütendem Zerren an den weiten grauen Hosenbeinen* « Clown! Wirst du wohl sofort Ruhe geben ? > schimpfte Renee. Widerwillig gehorchte der Hund und zog sich mit bösem Knurren in eine Ecke zurück. Theo begriff. Dieser junge Mann brachte ihm die Erleuchtung über die plötzliche Freundlichkeit von Hund und Herrin. War ihm das Schicksal zuvorgekommen? War seine Rolle in diesem Hause bereits neu besetzt? Das Dienstmädchen kam herein, sie trug eine Vase mit Fliederzweigen, dte sie neben Renee auf den Fussboden stellte. Für eine Sekunde senkten sich Renees bläulich seidige Lider. Hatte er sie je zuvor so schön und so beunruhigt gesehen? Oder hatte er es nur vergessen? Die neue Freiheit, die er so herbeigewünscht hatte, löste merkwürdig wenig Freude in ihm aus. Man bemühte sich eine Zeitlang zu dritt eine Art Konversation zu machen. Der Hund 'lag weiter grollend in seiner Ecke und schickte kurze, schiefe Blicke zu dem jungen Mann hinüber. «Ich weiss gar nicht, was Clown gegen mich hat,» sagte Dieter. «Hunde mögen mich sonst so gern. » Theo stand auf und verabschiedete sich von Renee. Dann schüttelte er Dieter die Hand und klopfte ihm auf die Schulter. «Aergern Sie sich nicht über Clowns Feindschaft! Auch für Sie wird einst der Tag kommen, an dem er Ihnen seine Sympathie schenkt. Und vielleicht werden Sie sich dann zurücksehnen nach der Zelt, als eT Ihnen die Hosen zerriss... > Während vor den Fenstern eine kühle, schwarze Regennacht liegt und mit stetig leisem Rhythmus auf den Dächern tönt, tröste ich mein unzufriedenes Herz mit farbig lockenden Herbstgedanken, mit Gedanken an reine, lichtblaue, goldklare Himmel, silberne Frühnebel, an blaue Pflaumen und Trauben und rote Aepfel, goldgelbe Kürbisse, an herbstfarbige Wälder, an Kirchweih und Winzerfeste. Ich hole mir den Mörike her und lese seinen mild leuchtenden «Septembermorgen» : Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fliessen. Leise lese ich die Verse des Meisters vor mich hin und lasse sie in mich dringen, wie einen langsam geschlürften, klaren, alten milden Edelwein. Sie sind schön und sie tun mir wohl, und der Herbst, den sie malen, ist etwas Schönes, unvergleichlich Zartes, Gesättigtes — aber ich freue mich nicht auf ihn. Er ist die einzige Jahreszeit, auf die ich mich niemals freue. Und er ist schon da. Es ist nicht mehr Sommer. Die Felder sind leer, auf den Matten liegt ein leichter, kühler, metallener Duft, die Nächte sind schon kühl und die Morgen neblig, und gestern war es, dass ich auf einem schönen, fröhlichen Bergausfluge an den steilen Wiesenhängen die ersten blassen Herbstzeitlosen fand. Seit ich sie sah, ist mein Sommerübermut gebrochen; das, was für mich das Schönste im Laufe eines Jahres ist. ist wieder einmal vorüber. Noch sind die Tage warm und die Bäume grün, man kann im See noch baden und in Hemdärmeln im Garten sitzen. Und doch ist die Höhe des Jahres überschritten; man fühlt es, noch ehe man es sah. Die letzten echt sommerlichen Tage und Nächte, für mich die köstlichsten des Jahres, tragen den Duft des Fluchtigen, rasch Vergehenden in sich, und vielleicht macht eben dieser Duft sie so schön. Diese Tage sind ein Fest, ein Abschiedsfest, und solche Feste dürfen nicht lange dauern. 0, diese letzten Augusttage! Sie machen nicht fröhlich, aber sie machen dankbar, milde und nachdenklich. Man legt sich ins Oehmdgras und nimmt teil an der Milde-afld Zärtlichkeit der goldenen Stunden. Man, fühlt die Neige der Jahreszeit; die ganze reife Süssigkeit des Sommers quillt weich und müde über, man fühlt sich vom stillen Glänze umgeben und man weiss zugleich, dass schon bald, viel zu bald, auf den Wegen rote Blätter liegen werden. Man schwelgt im Anblicke dieser Tage wie im Genüsse einer heissen, erregenden Musik, von der man weiss, dass sie plötzlich abbrechen wird, und wie im Genuss eines Tanzes, der uns mit sehnlichem Drängen mitreisst, während wir bei jedem enteilenden Takte sein rasch nahendes Ende fürchten. Zärtlicher und inniger ist das bräunliche Spiel der Schatten und Lichter an den Waldrändern, süsser der Regenbogenduft über dem glatten Seespiegel, die Abende sind goldener und die Sonnenuntergänge purpurner als sonst. Vorüber, vorüber! Ein paar kühle Nächte, ein paar Regentage, ein paar dichte Morgennebel und plötzlich hat das Land Herbstfarben bekommen. Die Luft ist spröder und durchsichtiger, das Blau des Himmels lichter geworden. Vogelschwärme rauschen über die kahlen Felder und rüsten zur Wanderung; morgens liegt das erste reife Obst im nassen Gras und die Zweige sind von den feinen, blitzenden Gespinsten der kleinen Spätjahrspinnen bedeckt. Bald wird das Schwimmen im See und das Liegen im Gras ein Ende AUTOMOBIL-REVUE 1931 — 74 Herbstbeginn Von Hermann Hesse. haben, und die Abende im Boot, die Mahlzeiten im Garten, die Waldmorgen und die Seenächte! Und draussen rinnt der zähe Regen, kühl und unerbittlich, die ganze unfreundliche Nacht. Jedes Jahr dasselbe Lied vom Herbst, vom Altwerdenmüssen, vom Sterbenmüssen! Missmutig schliesse ich das Fenster, stecke eine Zigarre an und gehe fröstelnd im Zimmer auf und ab. Wie jedes Jahr um diese Zeit, steigen wieder verlockende Reisepläne vor mir auf. Warum nicht dem Herbst entrinnen und den Winter kürzen, da es doch wärmere Länder, Eisenbahnen und Schiffe gibt? Nachdenklich hole ich den Globus und dann eine Karte von Jtalien her, suche den Gardasee, die Riviera, Neapel, Korsika und Sizilien. Da Hesse sich die Zeit bis Weihnachten verbringen! Sonnige Felsenstrandwege am blauen Meere, laue Stunden auf süditalienischen Küstendampfern und in Fischerbarken, ernste Palmenwipfel in der tiefen Mittagsbläue ruhend! Es wäre nicht übel, immer einige Meilen vor dem Herbste her südwärts zu fahren und mitten im Winter sonnverbrannt in die heimische Ofenbehaglichkeit heimzukehren. Die Landkarte wimmelt von schönklingenden Namen, schöngelegener Städte und Dörfer, die ich noch nicht kenne und die mir Tage des Wohlseins und Schwelgens versprechen, und die ganze Reise ist, sobald ich sie auf dem Globus ausmesse, erstaunlich klein und bescheiden. Vielleicht könnte ich, der Wärme nachreisend, noch einen Aufenthalt in Afrika machen, vielleicht in Konstantine oder in Biskra, Kameltouren unternehmen, Negermusik anhören, türkischen Kaffee trinken und den Faltenwurf an den Gewändern der Beduinen und Araberfrauen betrachten? Wie schön solche Pläne einen leeren Abend füllen! Eine Landkarte, ein Bleistift, wie man sich damit die Zeit vertreiben, einen Aerger vergessen und sich die Phantasie mit lauter lichten, farbigen, frohen, reizenden Vorstellungen stillen kann! Wie jedes Jahr um diese Zeit, suche ich die Karte nach warmen, köstlichen Gegenden ab. Und wie jedesmal, bleibe ich hier und reise nicht. Was mich zurückhält, ist ein sonderbares Schamgefühl. Es will mir unrecht scheinen, den rauhen Tagen zu entfliehen, nachdem ich die schönen genossen habe. Vielleicht ist es auch nur ein gesetzmässiges Bedürfnis der Natur, dass sie nach Monaten der Wärme und Farben, nach dem Ueberflusse an Behagen, Schönheit und starken Eindrücken müde wird und nach Kühle, Rast und Beschränkung verlangt. Es ist nun einmal nicht das ganze Jahr Sommer, so soll man ihn auch nicht ohne Not künstlich verlängern wollen. Ein paar unentschiedene und unzufriedene Tage, dann haben diese Erwägungen Macht gewonnen, und der Herbst beginnt mir merkwürdig lieb zu werden. Wie konnte ich ans Fortreisen denken, da ich doch von so viel Dingen, die mir lieb sind und denen ich Dank schulde, Abschied nehmen muss! Die letzten Gartenfreuden, die letzten Wiesenblumen, die Schwalben unter meinem Dach, die letzten, satt und taumelnd übers Land wehenden Schmetterlinge. Man achtet schon wieder jeden einzelnen und fürchtet, es möchte der letzte seiner Gattung sein. Auch unsere altmodischen kleinen Dampfschiffe, meine einzige Verbindung mit der Welt, werden in Bälde rar werden. Vom Oktober an kommt nur noch eines im Tag und im Winter bleibt auch das zuweilen aus. Sie alle, Schwalbe und Feldblumen, Schmetterling und Dampfschiff, sind mir lieb und haben mir viel Freuden gebracht diesen schönen, allzu flüchtigen Sommer hindurch; ich möchte sie alle noch ein wenig halten und noch einmal recht zu eigen haben, ehe sie dahingehen. Was für ein Narr bin ich gewesen, wie viel schöne Sommerstunden bin ich trotz allem im Hause und am Büchertische gesessen, wie viel Abende und Morgenfrühen habe ich versäumt! Ueber dem Abschiednehmen kommt denn auch das Neue zu Ehren, das der unwillkommene Herbst gebracht hat: silberne Nebelschleier, braune und lachend rote Farben, reifende Trauben, volle Obstkörbe, beginnende Abendunterhaltungen im Hause bei Lampenlicht, ferner wundersame, aufregend herrliche Sturmtage, an denen See und Lüfte tönen und die ganze stumme Schöpfung Stimme erhält. Jetzt kommt auch als täglicher andächtiger Genuss an jedem Vormittag der spielende Kampf der Sonne mit dem Nebel, das trüb ringende Hin und Her und der feierliche, königliche Sieg des Lichtes. Und wenn der Oktober und die Weinlese kommt, wollen wir uns einen Tag und einen Taler nicht reuen lassen und bei einem grossen Krug vom Neuen dankbar der vielen unverdienten Freuden und ungesucht gefundenen Genüsse denken, die das alternde Jahr uns gebracht hat. Vergessene Schätze Ganz zufällig hat ein höherer Beamter der Hudson Bay Co., der unlängst eine Anzahl der von der Gesellschaft eingerichteten Stationen für Peizjäger und Pelzaufkäufer jenseits des Polarkreises besuchte, die Entdeckung gemacht, dass sich in diesen weltverlorenen Siedlungen Bücherschätze von überaus hohem Wert angesammelt haben. Seit zwei Jahrhunderten war es bei dieser Gesellschaft üblich, ihren Agenten, um ihnen die Langeweile der langen Winterabende zu zerstreuen, mit jeder Sendung, welche nach den Stationen abging, eine Anzahl von Büchern mitzusenden. Bei den Niederlassungen aber, die auf dem Wasserwege erreicht werden konnten, waren die Kapitäne der Schiffe angewiesen, einen Teil ihrer Bordbibliotheken an die Stationen abzugeben. Auf diese Weise sammelte sich in diesen Siedlungen eine beträchtliche Menge von Büchern an, die, je nach der Ordnungsliebe der Stationsleiter mehr oder weniger gut gehalten wurden. Viele Bücher gingen natürlich verloren, immerhin blieben aber so zahlreiche guterhaltene Bestände zurück, dass sich die Hudson Bay Co. auf Grund der Mitteilung ihres literaturverständigen Beamten entschloss, einen Antiquar zur Untersuchung dieser Sache zu entsenden. Dieser berichtete, dass sich tatsächlich in diesen Stationen Bücher befinden, die heute mit Gold aufgewogen werden. Es handelt sich dabei z.B. um alte geographische Werke, aber auch um Ausgaben bekannter englischer Schriftsteller aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf diesen Bericht hin haben die Antiquariate in Toronto der Hudson Bay Co. den Vorschlag gemacht, ihr ein Monopol für den Ankauf dieser wertvollen Büchereien einzuräumen. Sie wollen dann eine Expedition aussenden, welche die einzelnen Stationen besuchen, ihre Bücherei prüfen und dann die wertvollen Werke aussondern soll. Anstelle der alten Bücher sollen dann den Stationen neue, moderne Werke geliefert werden, auf die der Ankanfpreis der alten angerechnet werden soll. Die seltenen und wertvollen Bücher sollen dann dem Sammlermarkte zugeführt werden. Starasse offen! Hotel VICTORIA, REUTI-Hasleberg Station Brünig-Hasleberg. Weekend - Gelegenheit bei massigen Preisen. Anerkannt gute Küche und Keller. Lebende Forellen. Garage. Telephon 36. K. LÜTOLF. Auto- und Staubmäntel für Damen und Herren In grosser Auswahl und nach ' Mass Rud. 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N°74 - 1931 EDEEP BOCKE Seit mehreren Jahren gab es in der Mode keine beträchtlichen revolutionären Umwälzungen. Man verriet Sinn für Entwicklung und Sinn für originelle Einfälle, aber nicht mehr. Die Hüte entfalteten sich organischer und folgerichtiger als die Kleider, die mitunter sprunghaft galoppierend in der Geschichte neue Ideen gewannen und verarbeiteten. In der Hutmode schwärmte man ein paar Jahre für Glocken, deren Krempen bald schmäler, bald breiter waren, dann gab man die Stirn frei, zunächst schüchtern und scheu, bis man bei der neckischen, aber burschikosen Art verweilte, den Hut, will sagen: «den Strumpf» schief und weit hinten auf den Kopf zu kleben. Jedes Mädchen, jede Frau konnte ihren Hut selbst stricken. Die Hutindustrie stund unleugbar vor dem Ruin. Es mussten Zeichen und Wunder geschehen, wenn hier nun diesen so sympathisch eingebürgerten Mützen und Käppis der Garaus gemacht werden konnte. Und so erfolgte im Mai dieses Jahres plötzlich bei Offenbachs «Pariser Leben» ein Einbruch neuer Hüte, die durchaus alt waren. Diese starke Beeinflussung des Theaters auf das öffentliche Leben ist nun wieder für die Hutindustrie ein heilsamer Faktor gewesen. Wir sind demnach bei der Mode der Kaiserin Eugenie angelangt, jener Frau, die ein Jahrzehnt nicht nur das Modebild wirksamst und nachhaltigst bestimmt bat, sondern darüber hinaus noch in die Spitzengarnitur der Frauenbewegung gehörte, indem sie als Erste Frauen im öffentlichen Dienst beschäftigte: sie begann während ihrer 1866 geführten Regentschaft damit, Frauen im Telegraphendienst anzustellen, Eugenfo hatte eine königliche Haltung und erlesene Grazie, wie aiuch einen Geschmack, der so anerkannt war, dass die Königin Augrusta von Preussen sich für die Festlichkeiten der Krönung in Königsberg als eine besondere Gunst die Ueberlassung der Friseurin der Kaiserin Eugenie erbat. Nun haben wir wieder in unserem Modebild Jone Weinen ovalen* Teller, die ganz unsportlich auf dem Kopf sitzen und jeden Moment auf die Nase zu fallen drohen, wie es so oft in den 70 Jahren geschah. Schief, schiefer, am schiefsten 1 lautet die Parole. Die Kante muss die rechten Augenbrauen berühren, und je altmodischer eine Frau ausschaut, um so moderner ist sie. Innerhalb des Geschreies vom dernier cri macht dieser Dreispitzhut wohl den grössten Lärm. EFEP/^EJ Um die neue Hutmode AUTOMOBIL-REVUE Diese Hütchen sind ebenso komisch als neckisch, ebenso ungewohnt als typisierend. In England nennt man sie «Bowler», in Berlin «Chausseur», aber die Form ist trotz der verschiedenen Bezeichnungen mehr oder weniger international: niederer Kopf, aufgeschlagenes kurzes Rändchen, Federchen oder Pleureusen als hübsche Garnitur. Die bunten Figurinen längst verstaubter Modejournale gewinnen nun wieder aktuelle Resonanzkraft. Wieder sind die Hüte garniert wie ehemals, als die eigenherrliche Gräfin Montijio, nachmalige Kaiserin Eugenie, den Blick und Atem der Menge bei der Krönungsfeier durch ihre namenlose Schönheit anhielt, so dass das Volk geblendet war und das Hochrufen darüber vergass. Federgesteck und Pleureusen haben ihre Auferstehung gefeiert: eine ungeheure Wandlung vom gestrigen Strumpfhut! Di© Straussfeder hat zu allen Zeiten eine bedeutende Rolle gespielt. Man könnte bis auf die Zeit der Pharaonen zurückgehen, denen sie, von wilden Stämmen als Tribut überreicht, als Sinnbild der Gerechtigkeit galt und als vornehmes Symbol königlicher Würde obendrein. Sie wurde bei den Kreuz, zügen ins Abendland importiert und flatterte auf den Ritterhelmen, auf der Spitze von Königszelten, und sie hat sich durch Jahrhunderte in Wappenemblemen bewahrt. Einstweilen ist die heutige Pleureuse noch ein Waisenkind gegenüber dem Prunk und Barock verklungener Straussfedern, die weit in den Nacken fielen, sich um den Hals schmiegten und den Wangen schmeichelten. Aber dazumal war die Mode unbedingt ein Privileg der Elite der Gesellschaft. Heute hat diese Pleureuse ihre Wiedergeburt der Notlage der Federnindustrie zu verdanken, die Absatz für ihre Riesenvorräte schaffen musste. Diese Zwangslage macht die Mode billig, und was billig ist, bleibt nicht unberührt vom vulgären Charakter. Und in diesem Sinn ist es recht fragwürdig, ob diese Mode sich in den Spitzen der Gesellschaft behaupten wird. Hinzu kommt noch, dass dieser neue Hut die Frauen älter macht als sie sind. Wir haben bereits längere Kleider, die ohnehin die jugendliche Anmut verwischen und einen alternden Eindruck ver» mitteln. Und in London lanciert man neuerdings noch die grauen Haare; entzückende junge Mädchen haben sich dafür begeistert, und sie finden es sonderlieh neckisch und amüsant, graue Stirnlocken zu tragen. Und nun tragen sie noch dazu diesen Hut aus Blasenrellen, ein neuer Wassersport in U. S. A. In den Vereinigtes Staaten ist in diesem Sommer das Blasenreiten — das Paddeln auf kreisrunden aufgeblasenen Gujnmischläuchen — in Mode tekojnmen. Unser Bild zeigt den Start einer Mädchen gruppe in Venice, Kalifornien, nim Wettpaddeln auf diesen Gummiblasen. den 70er Jahren, der jede individuell© Gesichtsnuance verwischt, der allen Mädchen und Frauen typische Merkmale aufprägt. Die Frauen ähneln sich in diesem Hut ungefähr so wie ehemals die Tillergiris. Die neue Hutrood« bedingt naturgemass auch wieder eine noue Haartracht. Der von der Stirn in den Nacken oder ganz auf die Seite gerückte Hut hat zumindest der individuellen Haartracht einen individuellen Spielraum belassen. Eines der wesentlichen Elemente der Frauenschönheit ist ja immer noch das Haar und die Art, es zu tragen, und da auch die Allerärmste, die nicht imstande ist, an ihrem Kleid und Hut grosse Budgets zu verschleudern, immer noch die Möglichkeit besitzt, durch ihre Frisur den Eindruck ihrer Persönlichkeit zu steigern, so ist es unbedingt notwendig, dass man diesem Teil der weiblichen Toilette die sorgfältigste Aufmerksamkeit zuwendet. Diese neuen Kaiserin - Eugenie - Hüte verlangen wahrscheinlich wieder das Sammeln des Haares am Hinterkopf in den Chignon, der mit der Krinoline zusammen das typisch gewordene Bild der Mode des zweiten Kaiserreiches ausmachte. ö. B. f> Unglückliche Liebe und unsere Zeit" 19 Auf den Artikel € Unglückliche Liebe nnd unser* Zeit > in Nr. 70) des « Autler-Feierabends > sind uns einige Zuschriiten zugegangen, die die Schwierigkeit und Grös,ae dieser Frage beleuchten. Wir veröffentlichen hiaute die Zuschrift einer Frau: Unter diir»em Titel plaudert M. R. Öb«< «unglücklicÄa Liebe» und Verwandtes. Sia macht sich Und dem Leser das schwierig« Problem möglichst leicht und versteht es, ihm seine tiMe Bedeutung im Leben zu neb>i men. Sie führt etwa aus: «Unglücklich« Liebe, die ifit ausser Mode, Liebesbeziehuiv gen werden ebenso leicht angeknüpft wia gelöst. Die; Tragik ist veraltet.» In dem Ver-> zieht auf dfo Liebe, wie dies früher oft der Fall sein jnusste, sieht sie eine Feigheit. Aber früher' schon wurde nicht immer ver-i ziehtet, aueih damals gab es Menschen, dia für ihre Neigung litten und kämpften; neh-< men wir nur das Beispiel von Richard Wagner und seiner Cosimai. Lassen wir alte Leute pms ihrer und ihrer Zeitgenossen Jugendzeit erzählen: wie oft hören wir, dasa der oder «die ein anderes Glück fanden, nachdem ein Verzicht, eine bittere Erfahr rung vorangegangen war. Eine Neuheit, die Sie interessiert: ifcrianqmSMbirall CMSBffHI5cHtnDt WEEWA35TPDER AUINtN /fflNBW» * KUBQUEim &M. MIT UWUttflWM «UCHTSyBU» Loojping-Purophon das Grammophon für Sport und Reise, das In jeder Lage, trotz starker Erschütterungen zuverlässig spielt und Jederzeit den natdrllchen Ton stark und rein wiedergibt. Solide grandliche Schwelzerarbeit hat eine grosse Anzahl von Koffermodellen geschaffen, unter denen Sie gewiss eines finden werden, das Ihren besonderen Wünschen entspricht — und dabei nicht teuer zu stehen kommt. — „Lassen Sie sich den Looping - Purophon Im nächsten Musikhaus vorführen. Sie werden sicher sofort einen kaufen wollen." Sprechmaschinenfabrik PUROPHON - LOCARNO f Woniohterh<lioh zo beziehen bei i Roll A ß ßocol verlangen Sie Angebot. „SILBA" der vorteilhafte«!©, bewährte Kühlschrank kein Motor Kompressor daher dauernd geräusohlos Schweizerfabrikat in 3 Grossen tür Haushaltung und Kleingewerbe hergestellt von SILBA A.G., Fabrik automat. KühJapparate, BASEL. flw$^%c6t,t\MtolM&, StäM Wn yfi(k h imWöMito&k. 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