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E_1933_Zeitung_Nr.032

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20 AUTOMOBIL-REVUE

20 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - No 32 Als Monsieur Bouvard regangen war, Ich zog einen kleinen, mit rosa Blüten bemachte ich einen Sprung auf meinen Schreib- setzten Zweig aus einer der Vasen, mich datisch und riss das hohe Fenster unten und mit zu schmücken. Da ging die Tür auf. Meine oben weit auf. Dann klingelte ich und gab Frau drückte sich mir in die Arme. Ich dem eintretenden Bureaudiener einen Geld- wollte aufjauchzen. Der Atem versagte mir. schein mit der Anweisung, mir sofort eine Die Worte zergingen wie Seifenblasen, wenn Schnellzugskarte nach B. zu lösen. Ich war ich mit wilder Seele nach ihnen griff. Ich erlöst! Endlich! — Und ich lief in den Früh- presste mein Weib eine lange Minute fest an ling hinaus. mich. Da befiel mich plötzlich wie Frost und Die Nacht war mir unsäglich lang gewor- Hagel eine grässliche Angst und machte den. Ich hing meinen heissen Kopf aus dem mein Herz erbleichen. Ich zog meine Frau Fenster des Schnellzugwagens und glaubte nach dem Sofa, Hess mich neben ihr nieder, in meiner steigenden Ungeduld mit Frohlok- legte ihre Hände in die meinigen, die bebten, ken, dass der Zug in stets wachsendem Tempo und sah sie erschrocken an. dahinrase. Doch als ich nach vielstündiger Wie war das? Sie war schlank und ein we- Fahrt am Ziel war und durch den blauklaren nig schmal, wie nach einer vorübergegangeheimatlichen Ostermorgen ging, ward mir n«n Krankheit. Ihr Antlitz war weiss, aber in schwer zumute, und ich wünschte, ich sei zartem Hauch begann allmählich wieder das noch weit weg von zu Hause. Ich fürchtete Rot unter der Haut aufzuleben. Ihre Aumich, und wenn mir jemand in der einsamen gen waren klar wie sonst, aber ein ganz Frijhe begegnete, schlug mir das Herz laut wenig müde und eingesunken. Ihre Bewegegen die Rippen. In den Gärten, die voll gütigen waren frei und ohne die geringste Haare wie zu Schnee reschlarene steife Sahne herumquolL Ich legte mein Gesicht in den brutwarmen Dotter des Wundereis und vergass Welt, Ostern und mich selbst. Das dauerte einige Minuten, war ein «Rausch. Dann zog mir eine Hand von hinten den Kopf hoch. Ich sah meiner Frau in das Antlitz, das wie ein Altar aus weissem Marmor war, mit dem geröteten Kelch des Mundes, den brennenden strahlenden Kerzen der Augen, in deren Osterglanz ich tauchte, den Wein des Kelches wie einen köstlichen Traum geniessend. Eine kurze Ewigkeit war verrauscht. Da sagte ich zu meiner Frau, in heisser Scham erglühend: «Ich komme leer nach Hause. Die Sehnsucht, die Eile...» Sie erwiderte, mich mit ihrer Rechten umarmend und mir die Linke auf die Schulter legend: «Dein Ostergescbenk kam dir voraus und ist so köstlich, dass ich nichts Gleiches da- kflhlen Duftes und mit Tau besprengt waren, Behinderung. Schwalbenleicht war sie insgegen finden konnte und dir das deine deshalb dankbar wiederschenkte. Und so gehört es uns beiden, weil wir es uns, eines dem anderen, geschenkt haben. Und verzeih', wenn blühte es weiss und rosa auf hellblauem Zimmer gekommen. Mein Kopf war zurück- Grunde. Kinder, früh auf und kaum ange- gesunken, und meine Augen flehten die ihrikleidet, stöberten hastig in den Büschen und gen an. Sie fühlte mein Zittern und verstand im frischen Gras, gierig suchend, was sich meine angstvoll stumme Frage. Da brach sie doch heute zweifellos finden lassen musste: in ein helles, klingendes Lachen aus. Und, Farbige Eier, geflochtene Körbchen und Ha- wie davon wach geworden, setzte ein Wimsen aus Schokolade und Marzipan. mern ein, in irgendeiner, ich wusste nicht in Ich näherte mich meinem Hause. Da war welcher Ecke des Zimmers. Ich sprang auf, es, grün umsprosst, beleuchtet vom Kerzen- meine Hände begannen zu kochen, meine ra,nd der Tausende von Blüten. Sacht drückte Lungen sich wie die Segel zu blähen. Mein ieh das Eisentor nach innen, stieg auf den Hirn war eine rasend kreisende Sonne ge- Fussspitzen die Treppe hinan und zog be- worden. Meine Augen blitzten eine Sekunde hutsam die Klingel. Alles Blut sammelte sieh lang um sich. Dann stürzte ich, von einem mir im Herzen vor banger Erwartung. Da Gedanken wie von einem Frühlingsgewitter klinkte sie leise die Tür auf, meine kleine durchdonnert, schwindelnd vor Freude, auf Verwandte, die meiner Frau zur Hilfe beige- das leuchtende Seidenei zu. Ich legte beide geben war, und sprang mir jauchzend um Hände an seine untere Fläche. Eine wohlige den Hals. Ich fühlte es mir wie warmen Wind Wärme brütete im Innern. Ich jauchzte auf. durch die Adern stürmen. «Was macht sie?» Die Luft schien mir aus Silber zu sein, alle Dinrief ich und wollte hinauf in ihr Zimmer. Das ge um mich her widerklingendes, glänzendes Mädchen stellte sich mir gebietend entgegen: Gold. Ich riss das Ei aus dem Blütenflor und «Sie ruht noch. Sie darf nicht so wild ge- stürmte mit ihm in den Baumgarten hinter weckt werden. Aber komm doch, indess ich dem Haus. Durch den dünnen Seidenbezug sie vorbereite, hier in das Zimmer und sieh, schluchzte ein krähendes Weinen das an was dir der Has gebracht hat!» meiner Seele wie an eine Harfe anschlug. Ich kam mir im eigenen Hause wie ein Minutenlang rannte ich umher. Ich weiss Fremder vor, der auf den Befehl der Herr- nicht, war es die reine Freude, die rauschende schaft wartet, und ging in das Zimmer. Es Entzückung oder die Suche nach einem Platz, war festlich aufgeputzt. Der Tisch war blen- wo ich die Herrlichkeit des Eis ungesehen dend weiss gedeckt, mit grünen Büschen und an das Tageslicht bringen konnte, was mich Sträussen, aus Blütenstengeln gebunden, so wild umherjagte. Endlich, hastig keudicht wie ein Wald bestellt. Und mitten aus chend, die Luft in gepressten Püffen aus der dem bunten Blust schimmerte es himmelblau Brust stossend, war ich in einem spriessenin sanfter Wölbung. Ein riesiges Ei aus leuch- den Buschwerk, das den Gartenzaun enttender Seide, worauf in rosa Buchstaben lang zog, auf die Knie gesunken. Mit nervögestickt stand: «Meinem Mann», entzückte sen Händen zupfte ich an der Seidenrüsche, mich und Hess mich aufjauchzen. Wo die die um das Ei herumlief, zerrte daran, verbejden Eihälften aufeinandergefügt waren, suchte so das köstliche Gebilde zu öffnen, quoll ringsum eine weisse Seidenrüsche, ge- kam nicht zum Ziel und wollte im Zorn die kräuselt und gefaltet, heraus. Ich wollte die obere Eihälfte mit einem Taschenmesser Tür hinaus und die Treppe hinauf zu meiner durchstochern. Da schoss meine Verwandte Frau stürmen, ihr die Hände in überfliessen- herbei, lachte laut auf, mich in einem Busch der Dankbarkeit zu küssen. Aber die Rück- und in solcher Verzweiflung zu sehen, sieht auf die noch Ruhende hielt mich davon schnellte mit einem einzigen flinken Griff die Lebenskünstler. Was es heisst. to tnake the best of it, wie die Engländer sagen, oder auf gut deutsch: jeder Sache die beste Seite abzugewinnen — das kann man an Paul Hebenstreit so recht erkennen. Kommt jetzt to der Osterwoche seine Gattin^ die Hebenstreiterin. vom Einkaufen ziemlich aufgebracht nach Haus und lamentiert: «Ein Skandal ist das! Gerade jetzt zu ab. Ich drückte mein Gesicht in die Blätter verschliessende Eihälfte beiseite und ver-Osternund Blütenduft auf dem weissen Tisch, aber schwand. langen sie fürs Stück noch fünfzehn Rap- wo man richtig Eier essen will, ver- den schimmernden sanften Seidenglanz des Und da war es, da lag es und weinte, mein pen !» — « Beruhige dich ! » tröstet er mild. Ostereis wagte ich nicht zu berühren. Wie Kind. In leuchtende Linnen gewickelt, auf « Denk, wieviel du erst für die Eier bezahlen köstlich dies alles war! Wie liebte ich das weisse Watte gebettet, die um das rotge- müsstest, wenn Ostern im Dezember oder Leben! weinte Köpfchen und dessen schwarzbraune Januar wäre !» Auller Ausflugsziele aus derMitielschweiz Ostereier. . . Drei Osterzesellen. Karfreitag Von Hermann Hesse. verhangener Tag, im Wald noch Schnee, Im kahlen Holz die Amsel singt, Des Frühlings Atem ängstlich schwingt, Von Lust geschwellt, beschwert von Weh. So schweigsam steht and klein im Gras Das Krokusvolk, das Veilchen-Nest, Es duftet scheu und weiss nicht was, Es duftet Tod und duftet Fest. Baumknospen steh'n von Tränen blind, Der Himmel hängt so bang und nah, Und alle Gärten, Hügel sind Gethsemane und Golgatha. ich deine dir schon einige Tage frtiheT gehörende Freude auf dieses Fest verschob. Ich ahnte, dass du kämst und wollte dich heute beglücken.» Da sprühte der Sonnenschein wie weis» Lilienflammen zwischen uns, zwischen meiner Frau, meinem Kinde und mir. Chronometer. Lehrers haben eine neue Köchin. Am Gründonnerstagmorzen hört der Herr Lehrer, wie er gerade beim Ankleideo ist, fromme Weisen aus der Küche schallen. Minna, die neue Perle, singt laustark wie ein Superhet, wenn auch in den Tonintervallen nicht ganz einwandfrei, das schöne alte Trutzlied < Ein feste Burg >. Aue vier Strophen. Als sie nachher das Frühstück bringt, lobt der Herr Lehrer lächelnd : «Recht von Ihnen, Minna, dass Sie des Morgens Ihre Seele erheben ! » « Ach, Harr Lehrer*», antwortet die Gute verschämt, « es isch jo weniger wäge den^ Erhebe. Sisch me wägem Eierchoche. Ihr händ jo kei Eieruhr, do muss i halt singe. Noch vier Värse sind sie grad richtig hart.» MONTREUX ein Frühlingstraum M O N T R E U X - P A L A C E - H O T E L das vornehme und prelswO rdlge Hotel am Genfers ee. GARTEN, TENNIS. 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32 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE 21 Die Auferstehung des Knaben Rudi Von Dora Stocker-Meynert. Es ist noch kein Jahr, seit die Mutter starb. er es in der Tasche. Früher war es immer Gleich nach den Osterfeiertagen war es geschehen. besitzen. Einen Bruder wollte er nicht. Er sein Wunsch gewesen, ein Schwesterchen zu Wie sie mitsammen zur Auferstehung gingen, war sie noch frisch und gesund. Ihre ein Mädchen hätte er gern zum Gespielen hatte unter den Buben genug zu leiden. Aber blonden Haare hatten, unter der Haube hervor, wie ein golderner Reif um ihr rosenrotes mit ihm sein. gehabt. Das würde nie so täppisch und grob Gesicht geleuchtet. Rudi musste sie immerfort ansehen, so gut gefiel ihm die Mutter. er davon anfing, aber sie wollte ihm nie ein Seine Mutter hatte immer gelächelt, wenn Beim Heimkommen fand er dann das kleine, Versprechen geben. Erst an dem Tag, bevor weisse Zuckerhäschen auf dem Tisch stehen. sie krank wurde, nahm sie ihn zu sich in die Er hörte noch, wie sie auflachte, weil er mit Kammer und kniete vor ihm nieder, damit einem solchen Jubelschrei darauf zulief. sie ihm ins Ohr flüstern konnte, weil er Eine Woche später hatte sie ihn schon verlassen und er war allein mit dem Vater, der Dann sagte sie ihm in aller Heimlichkeit, sonst nicht an ihre Lippen heranreichte. so wenig mit ihm anzufangen wusste, wenn dass er das Schwesterchen bekommen werde, er am Abend heimkam. Oft sass er bis zum wenn er sehr brav sein würde. Schlafengehen, ohne ein Wort zu reden. Oder Er überlegte es sich keinen Augenblick.es er machte sich mit finsterem Gesicht irgend zuzusagen, denn ihre Augen sahen ihn so etwas zu schaffen, als wenn Rudi überhaupt nicht da wäre. Allerdings verkroch sich der gewöhnlich in einen Winkel, denn Rudi fühlte von jeher eine lähmende Angst vor seinem Vater. Selbst gegen den Ortspolizisten zeigte sich Rudi beherzter. Von der Frau Lehrerin gar nicht zu reden. An deren Strenge konnte er Oberhaupt nicht mehr glauben. Die hatte ihn bald nach dem Heimgang seiner Mutter dabei ertappt, wie en während die andern buchstabierten, das Zuckerhäschen mit brennender Zärtlichkeit betrachtete. In ihrem Aerger machte sie Miene, es fortzuwerfen. Da schrie er es, sinnlos vor Angst, heraus, von wem er es bekommen habe, und sah, wie sich ihre kurzsichtigen Augen mit Tränen füllten. Hastig steckte sie es ihm in die Hand zurück und ermahnte ihn, ein so teures Andenken doch lieber zu Hause zu lassen, statt es bei seiner Gebrechlichkeit Gefahren auszusetzen. Solche heilige Dinge mflssten sorglicher verwahrt werden, als in einer zerrisnen Joppentasche, aus der sie leicht verlorengehen oder herausgenommen werden konnten. Der Rudi erblasste Ober seine Unvorsichtigkeit und schob das Häschen schnell unter seinen Brustlatz. Aber die Buben hatten es schon gesehen und neckten Ihn fortwährend damit, dass sie sich ihm mit aufgerissenem Mund in den Weg stellten, als drohten sie, seinem Kleinod den Kopf abzubeissen. Zum Glück war Rudi nie wieder so leichtsinnig, es in die Schule mitzunehmen. Nur wenn er am Sonntag In die Kirche ging, trug froh und festlich an, dass ihm ganz feierlich zumute wurde. In derselben Nacht hmtte es bei ihr ange-r fangen. Dann kamen jene drei furchtbaren Tage, in denen sie das Haus mit ihrem Stöhnen erfüllte. Als es endlich aufhörte, war Mutter tot, und dann hatte des Vaters Weinen das Haus erfüllt, Tag und Nacht, Tag und Nacht. Dann war es Herbst geworden. Fremde Weiber nahmen das Obst ab und richteten das Haus für den Winter, wie es früher die .Mutter getan hatte. Nur war keine Fröhlichkeit dabei gewesen und niemand hatte Zeit dazu gefunden, sich um ihn zu kümmern und ihm dann und wann einen rotbackigen Apfel zuzustecken, wie er es von der Mutter gewohnt war. Sie schoben ihn nur überall aus dem Weg und verloren die Geduld, wenn er sie um etwas fragte. Dann fiel der este Schnee. Weihnachten kam, und trübe, endlose Abende, an denen der Vater untätig zu Hause sass und in das Feuer starrte, während Rudi unaufhörlich davor zitterte, dass er ihn ansprechen werde. Denn dann konnte er sich nur mit der grössten Anstrengung davon zurückhalten, in Weinen auszubrechen und Im Uebermass seines Verlassenheitsgeffihls jede Selbstbeherrschung zu verlieren. Es war ein jammervolles Leben und Rudi bflsste alle Unbefangenheit ein, die ihn zu einem Gespielen hätte tauglich machen können. Einsam schlich er den Schulweg hin und her und verdämmerte die Stünden daheim in der Stube, während sich die andern in lärmenden Rudeln über die Schleifbahn jagten oder Schneeballenschlachten schlugen. Dann waren eines Tages die Eiszapfen vom Dach weggeschmolzen und die Arbeit hatte draussen wieder begonnen. Aber darum war es im Haus um nichts heller geworden. Der Regen troff unausgesetzt über die Fenster. Es war dem Rudi, als ob seine Mutter die ganze Sonne mitgenommen hätte. Traurig sass er mit seinem vorjährigen Osterhäschen, das auch schon ein recht kümmerliches Aussehen hatte, beim Tisch, in der Essstube und horchte, ob die Glocken nicht schon zur Auferstehung läuteten. Dann würde der Vater bald zurückkommen und der Kaffee hereingetragen werden. Rudi wusste, dass er auf dem Friedhof war, denn er hatte seinen guten Rock angezogen und ihn vorher selbst sorgfältig ausgebürstet. Das tat er immer, wenn er seine tote Frau besuchen ging. Denn sie hatte immer darauf gehalten, dass er sauber aussah und dass seine Stattlichkeit, auf die sie so stolz war, recht zur Geltung käme. Das Büschel Krokus und Himmelschlüssel, das er gestern heimgebracht hatte, musste er auch für sie mitgenommen haben, denn das Glas stand leer auf dem Fensterbrett. Er seufzte und starrte wehmütig auf sein Häschen, dessen missfarbiger Leib dünne Sprünge zeigte. Auch das Halsband und die Fahne hatte er schon verloren. Nur seine Augen waren noch so blau wie die Vergissmeinnicht. Vielleicht war er nicht artig gewesen und hatte darum nicht die kleine Schwester bekommen? Er fing an, am ganzen Leib zn zittern. Vielleicht hat die Mutter sterben müssen, weil er das Schwesterchen nicht bekommen sollte, weil er nicht brav war? Verzweiflungsvoll pressten sich seine Hände um das Häschen. Es zerbröckelte ihm unter den Fingern. Entsetzt starrte er auf die Stücke. In diesem Augenblick fing eine Kirchenglocke zu läuten an. Dunkel und feierlich fiel eine zweite ein. «Christ ist erstanden!» sang die alte Wawra in der Küche mit einer hohen, zittrigen Stimme. Aber sie verstummte gleich wieder. Eine Tür war gegangen. Der Vater! Rudis Lippen verzogen sich krampfhaft. Jetzt hörte er ihn über den Flur gehen und beim Wandrechen stehen bleiben, um seinen Hut aufzuhängen. Jetzt legte er die Hand auf die Klinke.*,. Rudi Hess das letzte Stückchen seines zerbrochenen Kleinodes fallen und stürzte In trostsuchender Angst dem Vater entgegen. «Nicht wahr, Vater?» schrie er ausser sich, «sie ist nicht gestorben, weil ich schlimm war?» Passionsblume Von Georg von der Vrlng. Am Geländer der Terrasse Wächst sie mondelang heran. Regen taucht ihr Blatt ins Nasse. Alle schau'n und denken dran. Eines Morgens ist ihr Orden Aufgestellt und offenbar — Blaue Strahlen, weisse Borden, Wo nur grün die Knospe war. Eine Blüte sonder Regel, Die uns ängstigt und gefällt: Helle Hämmer, dunkle Nägel Ueberm Leidenskreis der Welt. Sein Vater fuhr zusammen und wurde noch blasser als er schon gewesen war. «Was redest du, dummer Bub?» stiess er hervor. Da kam es Rudi zu Bewusstseln, dass sie noch nie von der Mutter gesprochen hatten, obwohl sie sie beide unaufhörlich In sich trugen. Ueber sein Gesicht fuhr eine brennende Röte und er klammerte sich leidenschaftlich an den Arm seines Vaters. «Glaub' mir, Vater, für das Schwesterlein und für Mutti hätt' ich alles tun mögen...» «Schweig», schrie der Vater und schüttelte das Kind, als wollte er es zerbrechen. Dann riss er Rudi plötzlich an sich: «Bub», schluchzte er, «mein Bub.» Rudi klammerte sich mit verklärtem Gesicht an ihn. Es war das erstemal, dass ihn der Vater geküsst hatte. «Christ ist erstanden!» fing draussen die alte Wawra wieder zu singen an. Und die Glocken läuteten. Tourismus Wohin an Ostern? Lachender Sonnenschein, vier ganze lange freie Tage, da ist es doch ganz unmöglich, dass man zu Hause sitzen bleibt. Also los. Alltag, Arbeit und Sorgen werden zu Hause gelassen, und damit dem einen oder andern unserer Leser die Wahl seines Ausflugszieles etwas leichter fällt, geben wir im Nachfolgenden einige Ratschläge, wohin man an Ostern fahren könnte. 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